PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Berichtigungen und Zuſaͤtze zum zweyten Bande des Gluͤckiſchen Commentars uͤber die Pandecten fuͤr die Beſitzer der erſten Ausgabe.
Erlangenbey Johann Jacob Palm. 1800.
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Vorerinnerung.

Da die neue Auflage des zweyten Bandes faſt ganz umgearbeitet iſt, ſo war es, um der Kuͤrze willen, noͤ - thig, hier alles dasjenige wegzulaſſen, was nur im Styl und in der Ordnung des Vortrags verbeſſert worden, in der Hauptſache aber unveraͤndert geblieben iſt. Man findet alſo hier nur lediglich das bemerkt, was in der Hauptſache berichtiget, verbeſſert und als neu zugeſetzt worden iſt. Jedoch ſind diejenigen StellenA 2ange -[4][Vorerinnerung].angezeigt, die in der neuen Auflage, als uͤberfluͤßig weggeblieben ſind. Die Seiten, Zeilen, und Notenzahl iſt nach der erſten Ausgabe, die hinzugekommenen neuen Noten aber nach der neuen Ausgabe angegeben worden.

Ver -
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Berichtigungen und Zuſaͤtze zum zweyten Bande des Gluͤckiſchen Commentars uͤber die Pandecten fuͤr die Beſitzer der erſten Ausgabe.

Seite 4. Zeile 7. Nach den Worten: Rang geben iſt die Note 9 hinzugekommen. S. Hrn. Prof. Siebenkees Abhdl. von Freyheiten, und Immunitaͤten im fremden Gebiete. 1. Ab - ſchnitt §. 2. in Deſſelben Beytraͤgen zum teutſchen Rechte 1. Th. Nr. IV. S. 113. f.

Ferner, nach d. W. auſſer ſeinem Lande: Not. 10. Hrn. Hofr. Haͤberlins Handbuch des teutſchen Staatsrechts 2. Band §. 235.

Ebend. bey Nro. 1, nach d. W.: die Befugniß des Privilegirten, ſetze bey: Zuweilen beſtimmt jedoch auch die Verjaͤhrung oder die bisherige Gewohnheit die Graͤnzen des Privilegiums13)I. H. boehmer Diſſ. de finibus privilegior, regundis Cap. II. §. 18..

A 3S. 7.6

S. 7. Z. 4. nach den Worten cedirt werden kann: Not. 22, Henr. cocceji Diſſ. de ceſſione eorum, quae ad here - des non tranſeunt et contra. Frfti 1709.

S. 10. Z. 5. nach d. Wort worden: z. B. er darf keine Monopolien, ferner keine Privilegien ertheilen, die den Hoheits - rechten eines Reichsſtandes Eintrag thun. Keinesweges aber iſt dem Kaiſer das Recht benommen, mittelbaren oder landſaͤßi - gen Unterthanen, Privilegien zu ertheilen; es kann auch der Lan - desherr die Anerkennung eines kaiſerl. Privilegiums anders nicht verweigern, als wenn daſſelbe der Landespolicey zuwiderlaͤuft35)S. Puͤtters Beytraͤge zum teutſchen Staats - und Fuͤrſten - rechte 1. Th. Nr. XIII. S. 210. und Haͤberlins Handbuch des teutſchen Staatsrechts 2. Band §. 230.. Da uͤbrigens Geſetze nicht auf vergangene Handlungen zuruͤck - wirken, ſo koͤnnen freylich die Einſchraͤnkungen, welche jetzt in der kaiſerlichen Wahlcapitulation in Anſehung des kaiſerlichen Rechts der Privilegien enthalten ſind, nicht auf die ehemals ertheilten Privilegien des Kaiſers angewendet werden. Die Guͤltigkeit der aͤltern kaiſerlichen Privilegien iſt daher nicht nach der heutigen Beſchaffenheit der kaiſerlichen Gewalt, ſondern nach der Zeit zu beurtheilen, da dieſelben ertheilet wurden.

S. 12. Z. 12. nach den Worten: erfordert werde: Es kann auch ein Landesherr fremden Unterthanen Privilegien er - theilen, in ſofern ſie naͤmlich in ſeinem Lande ausgeuͤbt werden ſollen43)walch Introd. in controv. iur. civ. Prolegom. Cap. II. §. 3..

Ebendaſ. zur Not. 36, Haͤberlin Handbuch 2. Th. §. 231.

Zur Not. 37, nach leyser: Eichmanns Erklaͤrungen des B. R. 2. Th. §. 103. S. 117. muͤller Obſervat. pract, ad Leyſerum Tom. I. Obſ. 46. u. fg.

S. 16. zur Not. 44, Chriſt. Heinr. Gottl. Koͤchy Meditationen uͤber die intereſſanteſten Gegenſtaͤnde der heut. Ci - vilrechtsgelahrtheit. 1. B. 9. Betracht. S. 110. ff.

S. 21.7

S. 21. Z. 3. nach den Worten: nicht geſchehen kann. Not. 63, hommel Rhapſod. quaeſtion. for. Vol. V. Obſ. 624. nr. 2. pag. 129.

S. 22. Z. 4. nach den Worten: zu genieſſen hat: Ja er kann ſogar wider einen andern Minderjaͤhrigen, mit dem er im Proceß befangen iſt, gegen die Verabſaͤumung einer Nothfriſt die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand ſuchen68)hommel Rhapſod. quaeſt. for. Vol. V. Obſ. 624. nr. 2..

S. 28. Z. 9. iſt einzuſchalten: 2) Wenn das Privilegium ausdruͤcklich nur unter einer gewiſſen Bedingung, oder zu einem beſtimmten Endzweck verliehen worden iſt, und die Bedingung nicht mehr erfuͤllet, oder der Zweck nicht mehr erreicht werden kann.

Zur Not. 71: S. I. H. boehmer Diſſ. de literis reſpiratio - nis earumque validitate et invaliditate. Cap. II. §. 10. und hart - leben Meditat. ad Pandect. Vol. I. Specim XV. med. 8. Meh - rere Beyſpiele fuͤhrt enenckel de privilegiis iuris civ. Lib. III. cap. 18. nr. 3. ſqq. an

S. 29. Nro. 5) Wenn ein Privilegium mit einem gewiſ - ſen Stande oder einer Wuͤrde verbunden iſt, oder ſonſt eine ge - wiſſe Qualitaͤt bey dem Privilegirten vorausſetzt, wie z. B. die Minderjaͤhrigkeit bey der venia aeratis; ſo hoͤrt es auf, wenn die - ſer Stand oder Wuͤrde verlohren gehet, oder die Qualitaͤt weg - faͤllt, die das Privilegium vorausſetzte89)mevius Part. VIII. Deciſ. 52 hofacker Princip. iur. civ. T. I. §. 99..

S. 31. Z. 9. nach den Worten: unwiderruflich iſt. Hieraus ergiebt ſich nun auch zugleich, daß die Analogie von an - dern Geſetzen, welche bloß willkuͤhrliche Verordnungen enthalten, und auf die Befoͤrderung des gemeinen Beſtens abzielen, hier auf Privilegien nicht anwendbar ſey. Denn ſolche Verordnun - gen erfordern zu ihrer Guͤltigkeit die Annahme der Unterthanen nicht, und durch ihre Aufhebung wird kein erworbenes Recht derſelben verletzt. Allein Privilegien ertheilen den Unter -A 4tha -8hanen, welche ſie erhalten haben, gewiſſe Vortheile und Wohl - thaten, deren ſie, wenn ſie ſolche einmahl acceptirt haben, nicht nach Willkuͤhr wieder beraubt werden koͤnnen. Denn durch die Annehmung eines grazioͤſen Privilegiums wird eben ſo gut ein Recht erworben, als durch Acceptation eines jeden andern Ver - trags. Es kann auch auf die Beſtaͤndigkeit meines erworbenen Rechts keinen Einfluß haben, ob der Titel, wodurch ich ſolches erworben habe, ein laͤſtiger oder ein lucrativer Titel iſt96)wernher Obſervat, for. T. II. Part. X. Obſ. 377. und Io. Henr. fricke Obſervationes ex ſententiis Facultat. iurid. Kilo - niens. (Kiliae 1773. 4.). Obſ. 1..

Zur Not. 80 ſetze vor gebauer: S. leyser Meditat. ad Pandect. Specim L. medit. 10. Und nach Struben lies: Hoͤpf - uers Commentar uͤber die Heinecciſchen Inſtitutiouen §. 50.

S. 32. Z. 19. nach den Worten: erworben worden ſeyn: Entſteht daruͤber ein Streit, ob ein ſolcher Fall vorhan - den ſey, ſo muß die Entſcheidung dem competenten Richter uͤber - laſſen werden1)Btrubens rechtl. Bedenken 2. Th. Bed. 80. §. 3..

Zur Not. 83, nach voet: enenckel de privilegiis lib. III. cap. 2. n. 9. ſqq. Und nach breuning:[m]ofacker Princip. iur. civ. Tit. I. §. 99.

Zur Not. 84. enenckel Tr. de privilegiis Lib. III. cap. 6. et 7. Lud. God. madihn Princip. iur. Rom. P. I. §. 15. Franc. Maur. bachmann Progr. de iure imperantis circa revocationem privilegiorum ob ſalutem publicam. Erfordiae 1793. 4. Man vergleiche auch Schloͤtzers Staatsanzeigen vom Jahr 1787. Heft 42. u. 44. und Preuß. Landrecht, Einleitung §. 74.

S. 33. Z. 16. nach den Worten: verbindlich ſind:[Denn] der Regent ertheilt Privilegien als Repraͤſentant des Staats. Er iſt alſo mit dem Staate fuͤr eine und eben dieſelbe Perſon zu halten. Der Staat aber bleibt immer eben derſelbe, und ſo auch der Regent, als ſolcher. Dieſer, als Erklaͤrer des Nationalwillens, iſt zu allen Zeiten eben dieſelbige Perſon, wenn auch das Individuum, welches auf dem Thron ſitzt, von Zeit zuZeit9Zeit wechſelt. Jeder Regierungsnachfolger iſt alſo verpflichtet, die Staatshandlungen ſeines Vorfahrers, als die ſeinigen, anzu - erkennen, zumahl da jeder regierende Fuͤrſt die Vermuthung fuͤr ſich hat, daß er uͤberall ſeinen Pflichten gemaͤß handle5)Verſuch einer ausfuͤhrlichen Eroͤrterung der Frage: in wie - weit iſt der ſucceſſor ſingularis ex pacto et providentia maio - rum zur Anerkeunung der Vertraͤge und Hand - lungen des Vorfahrers verpflichtet? nach kriti - ſchen Principien. 1797. 8. S. 21. ff.. Aus dieſen Gruͤnden iſt es daher auch nicht noͤthig, um die Confirma - rion eines Privilegiums bey dem Regierungsnachfolger nachzu - ſuchen6)Gebr. Overbeck Meditationen uͤber verſchiedene Rechtsma - terien. VII. Bd. (Hannover 1796.) Med. 366. Schnau - berts Anfangsgruͤnde des Staatsrechts der geſammten Reichs - lande §. 127. u. 128..

Zur Not. 87. Io. Balth. L. B. a wernher Obſervat. for. Tom. I. P. V. Obſ. 161. Io. Pet. de ludewig D. de obligatio - ne ſucceſſorum in principatu. Halae 1714. Cap. IV.

Zur Not. 96. Ge. Chriſt. Guil. binder Diſſ. de renuncia - tione privilegiorum. Goett. 1791. In einigen Faͤllen erklaͤren je - doch die Geſetze die Entſagung einer Rechtswohlthat aus beſon - dern Gruͤnden fuͤr unguͤltig. Z. B. ſo kann ſich der Ehemann des beneficii competentiae nicht guͤltig begeben. L. 14. §. 1. D. ſoluto matrim. S. Io. Henr. berger Diſſ. de privilegiis, iis ma - xime, quibus renunciari non poteſt. Vit. 1700.

S. 47. Z. 21. nach den Worten: zu befoͤrdern Not. 39: Die Meinung, daß 30 Jahr zum Verluſt eines affirmativen Pri - vilegiums durch Nichtgebrauch erfordert werden, iſt auch vom koͤnigl. Tribunal zu Berlin angenommen. S. Hymmens Beytraͤge zu der juriſt. Litteratur in den Preuß. Staaten. 1. Samml. S. 23. f.

Statt S. 48 bis 52. Zum Titel

de Statu Hominum.

§. 111. Entwickelung der Begriffe vom ius perſonarum, und ſtatus hominis.

Bisher haben wir blos allgemeine Wahrheiten von den Ge - ſetzen uͤberhaupt, und den verſchiedenen Arten derſelbenA 5ab -10abgehandelt. Mit dieſem fuͤnften Titel gehen nun die Lehren des buͤrgerlichen oder Privatrechts ſelbſt an. Die roͤmiſchen Ju - riſten glaubten, daß ſich der ganze Inhalt aller buͤrgerlichen Ge - ſetze, und der darin beſtimmten Wahrheiten auf drey Haupt - gegenſtaͤnde zuruͤckfuͤhren laſſe, naͤmlich Perſonen, Sa - chen und Klagen, und nahmen daher drey Haupttheile des Privatrechts an. So lehrt Cajus41)L. 1. D. h. t. , wenn er ſagt: omne ius, quo utimur, vel ad perſonas pertinet, vel ad res, vel ad actiones. Eben ſo Juſtinian42)§. 12. I. de iure nat. gent. et civ. , und Theophilus43)Paraphr. graeca Inſt. ad §. 12. cit. . Ver - ſchiedene neuere Civiliſten haben zwar dieſe Eintheilung des Rechts nach ſeinen Gegenſtaͤnden ganz unſchicklich finden wollen44)S. Eichmanns Erklaͤrungen des buͤrgerl. Rechts 2. Th. S. 176. und Ant. Frid. Iuſt. thibaut Diſſ. de genuina iuris perſonarum et rerum indole, veroque huius diviſionis pretio. Kiliae 1796. 8. . Allein daß ſich dieſelbe allerdings rechtfertigen laſſe, wenn man ſie nur recht erklaͤrt, iſt ſchon von Andern hinlaͤnglich gezeigt worden45)S. huberi Digreſſiones Iuſtinian. Lib. IV. cap. 1. p. 255. Chriſt. Gotth. huͤbner Diſp. de iuris civilis obiectis ad L. 1. D. de ſtatu hom. et §. 12. I. de iure nat. gent. et civ. Lipſ. 1798. und Hoͤpfners Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 60.. Verſteht man unter dem iure, quo utimur, wie Cajus ſagt, eine Norm der Handlungen fuͤr Buͤrger in ihren Privatverhaͤltniſſen, ſo giebt es nur einen naͤchſten oder Hauptgegenſtand des buͤrgerlichen Privatrechts, naͤmlich moraliſche Handlungen der Buͤrger in ihren Privatverhaͤltniſſen. Allein da die Privatverhaͤltniſſe der Men - ſchen verſchieden ſeyn koͤnnen, ſo laſſen ſich in dieſer Hinſicht Perſonen, Sachen und Klagen wenigſtens als entfernte - re Gegenſtaͤnde des Privatrechts allerdings gedenken46)Gottl. Hufeland Inſtitutionen des geſammten poſitiven Rechts (Jena 1798. 8.) §. 72.. Be -trach -11trachtet man naͤmlich die Menſchen in ihren Privatverhaͤltniſ - ſen, ſo koͤnnen ihnen darin mancherley Rechte und Verbindlich - keiten zukommen, die ſich fuͤglich auf drey Hauptclaſſen reduci - ren laſſen. Sie gruͤnden ſich naͤmlich entweder auf ſubjecti - ve Eigenſchaften, oder ſie beziehen ſich auf Sachen, wo - durch man ſein Vermoͤgen vermehren kann, oder ſie betreffen die Art und Weiſe, ſein Recht vor Gericht zu verfol - gen. Daher wird nun das buͤrgerliche Privatrecht nach dem Syſtem der roͤmiſchen Juriſten in das ius perſonarum, ius rerum und ius actionum eingetheilt47)Das Wort actio bedeutet hier nicht blos das Mittel, ſein Recht vor Gericht zu verfolgen, ſondern wird hier in einer ſo weitlaͤuftigen Bedeutung genommen, daß es auch den ganzen Proceß, und was dahin einſchlaͤgt, ausdruͤckt, wie ſchon Herm. vultejus in Iurisprud. romana p. 443. bemerkt hat.. Der Anfang wird mit dem iure perſonarum gemacht, quia, wie Hermogenian48)L. 2. D. h. t. uͤber welche Stelle Ioſ. finestres in Hermo - geniani iuris epitomar. libros Tom. I. pag. 217. nachgeſehen werden kann. ſagt, ho - minum cauſa omne ius conſtitutum eſt.

Was heißt nun Perſonenrecht? Wenn einige der neuern Civiliſten49)S. Hugo’s Lehrbuch der juriſtiſchen Encyklopaͤdie §. 229. und Hufelands Inſtitutionen des geſammten poſitiven Rechts §. 411. darunter einen Inbegriff von Rechten ver - ſtehen, die ohne Ruͤckſicht auf Sachen gedacht wer - den koͤnnen, das heißt, die vorkaͤmen, auch wenn es blos Perſonen gaͤbe; ſo laͤßt ſich gegen dieſen Begriff nicht ohne Grund erinnern, daß er blos negativ ſey, und zwar ausdruͤcke, was das Perſonenrecht nicht ſey, aber nicht beſtimme, was es eigentlich ſey; und dann laͤßt ſich auch nicht ſo ſchlechthin behaupten, daß das Perſonenrecht bloß ſolche Rechte enthalte, die ohne Ruͤckſicht auf Sachen gedacht werden koͤnnen. Die Curatel der Minderjaͤhrigen, deren Hauptzweck doch in der Verwaltung der Guͤter beſteht, lehrt wenigſtens das Gegentheil.

Per -12

Perſonenrecht iſt alſo vielmehr ein Inbegriff von Rech - ten, welche in dem verſchiedenen Zuſtande der Menſchen ihren Grund haben.

Fragt man nun aber weiter, was der Zuſtand eines Menſchen (Status hominis) ſey? ſo ſind auch hier die Begriffe der Rechtsgelehrten meiſt unrichtig. Unſer Verf. ſagt: Statum hominis conſtituunt mutabilia, ob quorum exiſtentiam homini cer - ta competunt iura. Allein dieſer Begriff iſt darum offenbar falſch, weil die Eigenſchaft eines Menſchen, welche den Zuſtand deſſelben ausmacht, auch permanent ſeyn kann. Z. B. die Eigen - ſchaft des Geſchlechts macht einen Zuſtand des Menſchen aus. Allein dieſe iſt doch gewiß nicht veraͤnderlich. Ferner die Eigen - ſchaft eines Ehegatten, eines Sohnes ſtellt einen Zuſtand vor, allein auch dieſe Eigenſchaft iſt permanent50)S. Hoͤpfners Commentar uͤber die Heinecciſchen Inſtitu - tionen §. 62. Not. 1. S. 89. (nach der ſechſten verbeſſerten Aufl. Frankfurt am Main 1798. 4.). Nicht richtiger iſt der Begriff anderer Rechtsgelehrten51)Man vergleiche Arn. Flor. Theod. mallinkrot Diſſ. de ſta - tu nondum natorum, indeque dependentibus iuribus et obliga - tionibus. (Gieſſae 1759.) §. 2. Eichmanns Erklaͤrungen des buͤrgerlichen Rechts 2. Th. §. 111. und Hufelands In - ſtitutionen des geſammten poſitiven Rechts §. 197., welche ſagen, der Zuſtand des Menſchen ſey eine Eigenſchaft deſſelben, von welcher Rechte und Verbindlichkeiten abhangen. Denn wenn ich z. B. Eigenthuͤmer einer Sache, oder Paͤchter, oder Pfandglaͤu - biger bin, ſo ſind ja dieß auch Eigenſchaften, von denen Rechte und Verbindlichkeiten abhangen, und doch gehoͤren dieſe, wie je - der Juriſt weiß, nicht zum Perſonen-ſondern Sachenrecht52)Schon nettelbladt in Syſtem. element. iurisprud. poſiti - vae Germanor. commun. general. §. 13. tadelt den gemeinen Begriff von Status hominis. . der Zuſtand des Menſchen iſt vielmehr eine in dem Subject des Menſchen beruhende Eigenſchaft, woraus verſchiedene Rech - te entſpringen. Nach dieſem Begriff iſt alſo die Qualitaͤt einesEigen -13Eigenthuͤmers, eines Uſufructuars, eines Pfandglaͤubigers, kein ſtatus, denn dieſe Qualitaͤt beruhet nicht in dem Subject des Menſchen, ſondern kommt ihm wegen der Sache zu, die er be - ſitzt, und wegen welcher er Rechte auszuuͤben hat.

Statt S. 52 54.

§. 112. Natuͤrlicher und buͤrgerlicher Zuſtand des Menſchen. Be - griff von ſtatus und ius perſonarum im engern Verſtande des roͤmiſchen Civilrechts.

Der Zuſtand des Menſchen wird nun entweder durch ſeine phyſiſche Beſchaffenheit begruͤndet, oder durch ſein politiſches oder moraliſches Verhaͤltniß, in welchem er ſich befindet. In dem erſten Falle iſt ſein Zuſtand ein natuͤrlicher (ſtatus ho - minis naturalis) in dem andern aber ein buͤrgerlicher (ſtatus hominis civilis). Der natuͤrliche Zuſtand des Menſchen iſt alſo eine phyſiſche Eigenſchaft deſſelben, aus welcher Rechte entſtehen. Z. E. daß ein Menſch eine Manns - oder Frauens - perſon iſt, daß er jung oder alt, geſund oder krank iſt. Der buͤrgerliche Zuſtand hingegen iſt eine durch poſitive Geſe - tze beſtimmte moraliſche Eigenſchaft des Menſchen, von welcher gewiſſe Rechte und Verbindlichkeiten in der buͤrgerlichen Geſell - ſchaft abhangen. Z. B. daß Jemand ein freyer Menſch, ein Buͤrger, ein Soldat u. ſ. w. iſt.

Der natuͤrliche Zuſtand der Menſchen53)S. Franc. Car. conradi Exerc. de iure perſonarum ex di - ſcrimine hominum naturali vario Lipſiae 1727. Godofr. Rei - nold. koeselisius de iure perſonarum ex ſtatu hominum natu - rali. Ibid. 1733 et Sam. puffendorf de ſtatu hominum natu - rali, in Eius diſput. academ. ſel. iſt wie - ber verſchieden. Er bezieht ſich entweder auf die Geburt ſtatus nativitatis; oder auf das Geſchlecht, ſtatus ſexus; oder auf die natuͤrliche Eigenſchaft des Leibes oder der Seele ſtatus integritatis; oder auf das Alter, ſtatus aetatis.

So -14

Soviel den buͤrgerlichen Zuſtand anbetrifft; ſo nehmen die Roͤmer einen dreyfachen ſtatum civilem an, naͤmlich den ſtatum libertatis, civitatis und familiae, je nachdem man entweder ein freyer Menſch, oder ein Buͤrger oder das Haupt oder Mitglied ei - ner Familie iſt. Nun laſſen ſich zwar allerdings noch mehrere rechtliche Verhaͤltniſſe gedenken, aus denen in der buͤrgerlichen Geſellſchaft ein Unterſchied von Rechten entſteht. Es giebt da - her noch manche andere ſtatus, die nicht natuͤrlich ſind. Z. B. ſtatus nobilitatis, militiae, clericalis u. ſ. w. Allein die roͤmiſchen Juriſten haben auf dieſe uͤbrigen Gattungen des ſtatus civilis dar - um keine Ruͤckſicht genommen, weil ſie bey ihrer Theorie nur blos auf diejenigen buͤrgerlichen Verhaͤltniſſe geſehen haben, die eine Verſchiedenheit des gemeinen Rechts bewirken; und nur von dieſer Art ſind die oben gedachten drey ſtatus civiles. Denn dieſe ziehen eine Verſchiedenheit in den gemeinen Rechten nach ſich, dahingegen die uͤbrigen noch denkbaren buͤrgerlichen Verhaͤltniſſe nur eine Verſchiedenheit in den beſondern Rechten wir - ken54)S. Hoͤpfners Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 62. S. 86..

Ich bemerke noch, daß der buͤrgerliche Zuſtand, ſo wie ſich ſolchen die roͤmiſchen Juriſten vorſtellten, Status im eminenten und engern Verſtande genennt wird55)L. 1. §. 8. D. ad SCtum Tertull. Man ſehe uͤber dieſe Stelle dompierre Specim. de Reſtitutionibus in integrum. Tit. 5. §. 2. pag. 336.; ſo wie ius perſonarum im engern Sinne des Roͤm. Rechts den Inbegrif derjenigen Rechte bezeichnet, welche ſich auf jenen dreyfachen ſtatum civi - lem, naͤmlich den Zuſtand der Freyheit, des Buͤrgerrechts und der Familie beziehen56)S. lauterbach Colleg. theor. pract. Pandectar. h. t. §. 3.. Daher laͤßt ſich erklaͤren, wenn Ju - ſtinian57)Princip. I. de iure perſonar. ſagt: Summa diviſio de iure perſonarum haec eſt, quod omnes homines aut liberi ſunt aut ſervi58)Ueber die eigentlichen Begriffe von ſtatus und ius perſona - rum verdienen auch nachgeſehen zu werden Hrn. Prof. wol - taer Commentarii iuris iuſtinianei noviſſimi Tom. I. §. 75. ſqq.

Statt15

Statt S. 54 56.

§. 113. Begriff von Perſon im roͤm. und heutigen Sinn. Verſchiedene Eintheilungen derſelben. Was iſt Rechtens, wenn ein Menſch mehrere Perſonen vorſtellt?

Aus dieſen Praͤmiſſen laͤßt ſich nun erklaͤren, was eine Per - ſon heißt? Ueberhaupt verſteht man darunter ein Weſen, dem Rechte zukommen59)S. Hufelands Inſtitutionen des geſammten poſitiven Rechts §. 73. und Hugo’s Lehrbuch des heutigen roͤmiſchen Rechts (Berlin 1799.) §. 9.. Daher iſt jeder Menſch, als ein Subject von Rechten betrachtet, in dieſem allgemeinen Sinn eine Per - ſon. Allein das roͤm. Civilrecht unterſcheidet zwiſchen einem Menſchen und einer Perſon, und nennt nur eigentlich den - jenigen eine Perſon, der einen ſolchen buͤrgerlichen Zuſtand be - ſitzt, von welchem im vorigen Paragraph gehandelt worden iſt. Der buͤrgerliche Zuſtand ſelbſt aber wird caput genennt. Daher gab es bey den Roͤmern Menſchen, die keine Perſonen wa - ren, ſondern zu den Sachen gezaͤhlt wurden. Dahin gehoͤrten die roͤmiſchen Sklaven. Von dieſen ſagte man, ſie haͤtten nullum caput60)§. 4. I. de capit. deminut. , und hielt ſie gleichſam fuͤr buͤrgerlich tod61)L. 209. D. de R. I. . Denn ſie hatten gar keine buͤrgerlichen Rechte im Staate62)L. 32. D. eod. Quod attinet ad ius civile, ſervi pro nullis habentur. Man ſehe auch L. 3. §. 1. D. de cap. minut. . Heut zu Tage nehmen wir jedoch nicht mehr an, daß es Men - ſchen gebe, die keine Perſonen ſind, ſondern wir nehmen das Wort Perſon theils fuͤr einen Menſchen, in Anſehung eines gewiſſen Zuſtandes betrachtet, vermoͤge welchen er gewiſſe Rech - te und Verbindlichkeiten in der buͤrgerlichen Geſellſchaft hat63)Allgemeines Geſetzbuch fuͤr die Preuß. Staä - ten I. Th. 1. Tit. §. 1.; theils fuͤr einen ſolchen Zuſtand ſelbſt, von welchen gewiſſe Rech - te und Verbindlichkeiten in der buͤrgerlichen Geſellſchaft abhangen.

S. 57.16

S. 57. Nr. III) Z. 6. iſt ſtatt der Worte: Es ſchadet auch entgegen geſetzt werden kann; folgendergeſtalt zu leſen: Ein ſolcher Menſch, der mehrere Perſonen vorſtellt, braucht daher nicht ſchlechterdings in der einen Qualitaͤt alles gegen ſich gelten zu laſſen, was er in der andern Qualitaͤt ge - than hat. Z. B. was ich als Vormund gethan habe, praͤjudi - cirt mir nicht in Anſehung meiner eigenen Rechte 35).

Z. 20. Statt: Ein ſchoͤnes Beyſpiel ꝛc. iſt ſo zu leſen: So z. B. konnte bey den Roͤmern ein filiusfamilias, wenn er Con - ſul, oder Praͤſes der Provinz war, in dieſer Qualitaͤt die ihn ſelbſt betreffende Emancipation oder Adoption auf Verlangen ſei - nes Vaters beſtaͤtigen 36). Eben ſo kann h. z. T. ein Richter, der zugleich Actuar iſt, diejenige Geſchaͤfte ſelbſt verrichten, wo - zu ſonſt ein verpflichteter Protokolliſt erfordert wird.

Statt S. 58 u. 59.

§. 114. Eintheilung der Menſchen nach ihrem natuͤrlichen Zuſtande. I) In Ruͤckſicht auf die Geburt. Rechte der Ungebohrnen.

Die Menſchen koͤnnen nun nach der Verſchiedenheit ihres phyſiſchen Zuſtandes auf mancherley Art eingetheilt wer - den. I. In Abſicht auf den Zuſtand der Geburt ſind ſie entweder gebohrne oder noch ungebohrne. Letztere wer - den nicht nur diejenigen genennt, die ſchon gezeugt, aber noch im Mutterleibe befindlich ſind, (Embryonen) ſondern es wer - den auch diejenigen darunter verſtanden, welche jetzt noch nicht einmahl erzeugt, ſondern nur noch kuͤnftig zu hoffen ſind69)Io. Alb. spies Exercit. de iure hominum naſciturorum, mo - der. Chriſt. Gottl. schwartz hab. Altorfi 1725. §. 6. . Auf dieſe muß man, z. B. wenn man in rechtmaͤßiger Ehe lebt, und ein Teſtament macht, eben ſo gut Ruͤckſicht nehmen, als wenn ſie ſchon gebohren waͤren, weil ſonſt nachgebohrne Kinderdas17das vaͤterliche Teſtament rumpiren70)L. 1. C. de poſtum. hered inſtit. vel exhered. L. 4. Cod. de lib. praeterit. Frid. Lud. doering Diſſ. de iuribus, quae na - ſcituris et poſtumis intuitu ſucceſſionis competunt. Erf. 1769. et Io. Hartmuth. rays Diſſ. de curis ICtorum circa ſucceſſiones naſciturorum. Gieſſae 1737. . Zwar hielten die aͤltern Roͤmer das noch ungebohrne Kind noch fuͤr keinen Menſchen. Selbſt die ſchon empfangene Leibesfrucht, der Embryo, wurde nach den Grundſaͤtzen der Stoiker nur als ein Theil des muͤtter - lichen Eingeweides angeſehen71)L. 1. §. 1. D. de ventre inſpic. L. 1. §. 8. D. de cognat. Die Stoiker lehrten, der Menſch bekomme die der Vernunft faͤhige Seele erſt mit ſeiner Geburt. Da werde ſie ihm von der anima mundi, gleichſam wie ein Wind, eingehaucht. Tid - mann Syſtem der ſtoiſchen Philoſophie 3. Band. S. 148. walch ad eckhardi Hermenevt. iur. Lib. I. cap. IV. §. 137. pag. 228. ſqq. In Gemaͤßheit dieſer Grundſaͤtze ſagt daher Papinian L. 9. §. 1. D. ad Leg. Falcid. partum nondum editum non recte dici hominem. Eben ſo Ulpian L. 1. §. 8. D. Unde cognati. Man ſehe noch Alph. a carranza Tr. de partu naturali et legitimo (Genevae 1629.) Cap. 2. S. Th. de idsinga Varior. iur. civ. Cap. 14. Em. merillius Lib. I. Obſervat. cap. 16. Ev. otto vita Papiniani Cap. 9. p. 220. und Frid. Guil. boers de Anthropologia IC. Rom. ſtoica. Lugd. Bat. 1758. 8. . Man hielt daher auch die Abtreibung der Leibesfrucht fuͤr keinen Todſchlag, ſondern man beſtrafte ſie nur als eine Beleidigung des Vaters. Indeſſen war man doch dafuͤr beſorgt. ꝛc.

S. 60. Z. 13. ſtatt: Ja angeſehene Rechtsgelehr - ten ꝛc. Ja, man pflegt heutiges Tages, nach der Meinung ange - ſehener Rechtsgelehrten, zur Verhuͤtung eines Aborts und ande - rer Unfaͤlle, einer ſchwangern Perſon nicht einmal ein peinliches Urtheil zu eroͤfnen; oder ſie zur Leiſtung eines Eides anzuſtren - gen80)leyser Meditat. ad Pand. Vol. I. Spec. XIV. med. 1. et Vol. XII. Suppl. Specim. XIV. med. 7. hartleben Meditat. ad Pand Vol. I. Specim. XVIII. med. 1. Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts. 3. Band §. 287. S. 3., obgleich dies freylich nach den Geſetzen nicht auſſerZwei -B18Zweifel iſt81)Man ſehe hier vorzuͤglich carranza cit. Tract. de partu naturali et legitimo. Cap. II. §. 4. nr. 32. ſqq. , und daher billiger dem richterlichen Ermeſſen uͤberlaſſen werden muͤßte, nach den Umſtaͤnden und dem Zuſtan - de der Schwangern zu beurtheilen, ob ein Aufſchub bis zur Ent - bindung derſelben zu geſtatten ſey82)mevius Tom. I. P. V. Deciſ. 80 Eichmanns Erklaͤrun - gen des buͤrgerlichen Rechts. 2. Th. S. 207..

S. 62. Z. 4. ſtatt: Noch ungebohrne Kinder ꝛc. Be - ſonders wichtig war jedoch die Folge, daß ein in der Sklaverey gebohrnes Kind fuͤr ein freygebohrnes gehalten wurde, wenn deſſen Mutter nur zur Zeit der Empfaͤngniß, oder waͤhrend ihrer Schwangerſchaft, frey geweſen war89)L. 5. §. 2. D. h. t. Der Grund, den Marcian daſelbſt anfuͤhrt: quia non debet calamitas matris nocere ei, qui in ven - tre eſt, wuͤrde von keinem ſonderlichen Gewicht ſeyn, wenn man nicht vorausſetzte, daß in dieſem Falle das noch ungebohr - ne Kind fuͤr ſchon gebohren gehalten werde, wie auch Ant. faber Conjecturar. iur. civ. Lib. XX. cap. 1. bemerkt hat. Man ſehe auch carranza cit. Tr. cap. II. §. 4. nr. 19.. Embryonen werden aber doch nur inſofern den ſchon gebohrnen Kindern gleich gehal - ten, als es auf deren eigene Vortheile ankommt ꝛc.

S. 63. ſtatt Nr. I. ꝛc. Soll nun aber der Embryo die ihm bis zu ſeiner Geburt vorbehaltenen Rechte wirklich erwerben, ſo muß

I) die Geburt des Kindes mit dem Zeitpunct uͤbereinſtim - men, da ihm das Recht anfiel, es muß folglich damals ſchon em - pfangen geweſen ſeyn93)L. 1. §. 8. D. de ſuis et legitim hered. Dicendum erit, ſuos poſſe ſuccedere, ſi modo mortis teſtatoris tempore concepti fue - rint. §. 8. I. de hereditatib. quae ab int. def. Nepos, licet poſt mortem avi natus ſit, tamen avo vivo conceptus, mortuo patre eius, poſteaque deſerto avi teſtamento, ſuus heres effici - tur. Plane ſi et conceptus et natus fuerit poſt mortem avi, mortuo patre ſuo, deſertoque poſtea avi teſtamento: ſuus he - res avo non exiſtet; quia nullo iure cognationis patrem ſui pa - tris attigit. Add. L. 6. D. de ſuis et legit. hered. L. 6. pr. D. de iniuſto rupto et irr. teſt. .

Eben -19

Ebendaſ. Nr. III. Z. 3. ſtatt: Ob aber eine Geburt: Mißgeburten nennen zwar unſere heutigen Aerzte uͤberhaupt alle von Menſchen zwar erzeugte und gebohrne, aber von der gewoͤhnlichen menſchlichen Bildung ſehr abweichende, Geſchoͤpfe, ohne zwiſchen monſtris und portentis weiter zu unterſcheiden96)Man ſehe Metzgers kurzgefaßtes Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft (Koͤnigsberg u. Leipzig 1793. 8.) §. 255. und Prochaska Lehrſaͤtze aus der Phyſiologie des Menſchen (Wien 1797. 8.) I. Band §. 914. ff.. Allein da ſelbſt nach ihrer Meinung eine ſolche Mißgeburt immer noch als Menſch paſſirt, wenn deſſen Bildung, beſonders was den Kopf betrift, eine menſchliche ihm beywohnende Seele ver - muthen laͤßt; ſo ſind hier unter Mißgeburten im rechtlichen Sinn, d. i. inſofern wir denſelben die Rechte der Menſchen ab ſprechen, nur eigentliche monſtra, d. i. ſolche Weſen zu verſte - hen, die von Menſchen zwar gebohren worden, aber keinen menſchlichen Kopf, ſondern den eines unvernuͤnftigen Thieres ha ben, und daher der Humanitaͤt nicht faͤhig ſind97)L. 135. D. de verbor. ſignificat. L. 14. D. h. t. Man ver - gleiche uͤber dieſe Stelle carranza Tr. de partu naturali et legitimo Cap. 17. merillius Obſervation. Lib. I. cap. 33. u. Ioſ. Fernand. de retes Opuſculor. Lib. I cap. 1. (in Theſ. Meermann. Tom. VI. pag. 27. ſqq.) Zwar will Prochaska in den Lehrſaͤtzen aus der Phyſiologie des Menſchen §. 928. behaupten, daß die Bildung der Mißgeburten nie aus der Menſchengattung ganz ausarte, und die menſchlichen Mißge - burten mit Schweinskoͤpfen und andern Gliedern unvernuͤnfti - ger Thiere, von welchen man hie und da Nachrichten und Zeichnungen hat, fabelhaft waͤren. Allein daß ſich dergleichen, wenn gleich freylich ſehr ſeltene, Verirrungen der Natur nicht ſchlechthin bezweifeln laſſen, beweiſen die Beyſpiele von Miß - geburten in des Hrn. von Dreyhaupt Beſchreibung des zum Herzogthum Magdeburg gehoͤrigen Saal-Kreiſes 1. Th. S. 645. f. Man vergleiche auch Wilh. Gottfr. Ploͤuc - quets Abhandlung uͤber die gewaltſamen Todesarten (Tuͤ - bingen 1788. 8. ) 2ter Abſchn. 1ſtes Kap. §. 83. u. 〈…〉〈…〉4〈…〉〈…〉 S. 258. ff..

S. 65. Z. 5. iſt bey den Worten: weil ihnen der Cha - racter der Menſchheit fehlt: die Note 4 hinzugekom - men: S. Schotts unpartheyiſche Critik uͤber die neueſten juriſt. Schriften. 10. Band S. 723.

B 2Eben -20

Ebendaſ. iſt Z. 21. iſt ſtatt: in einem Schedel aber ꝛc. ſo zu leſen: und im Gegentheil mit dem Hirnſchedel eines unver - nuͤnftigen Thiers eine dem Denken unguͤnſtige Organiſation des Hirns verknuͤpft ſey5)Ploucquets angef. Abhndl. uͤber die gewaltſamen Todes - arten 2. Abſchn. 1. Kap. §. 54..

S. 71. Not. 79. Z. 17. iſt ſtatt: Dies laͤugnet Paulus ꝛc. ſo zu leſen: Paulus ſagt, wenn man bey der ſtrengen Bedeu - tung des Worts gebaͤren ſtehn bleibt, ſo laͤßt ſich nicht be - haupten, daß eine ſolche Mutter drey Kinder gebohren habe, der das dritte erſt nach ihrem Tode aus dem Leibe geſchnitten worden iſt. Allein der Billigkeit nach laͤßt ſich doch nicht laͤug - nen, daß ſie drey Kinder gehabt habe.

Ferner ebend. Z. 21. iſt nach heineccius zu ergaͤnzen: Ioſ. finestres Praelection. Cervarienſ. ad Tit. Pandect. de liberis et poſtumis P. I. Cap. I. §. 6. et 7.

Ebenſ. Z. 24. iſt nach den Worten: ſi pepererit: hinzuzu - ſetzen: Man vergleiche noch vorzuͤglich carranza Tr. de partu naturali et legitimo Cap. VI. Sect. I. pag. 417. ſqq.

S. 74. Z. 3. iſt bey den Worten: Zeichen des Lebens von ſich gegeben hat: Not. 25. hinzugekommen, folgenden Inhalts: Nach den teutſchen Rechten des Mittelalters war es zwar durchaus noͤthig, daß man des Kindes Stimme gehoͤrt, oder, wie es in den Rechtsbuͤchern des Mittelalters heißt, daß es die vier Waͤnde des Hauſes beſchrien habe. Man ſehe den Sachſenſpiegel B. I. Art. 33. und Landrecht Kap. 21. Schwabenſpiel Kap. 92. Alemanniſches Lehnrecht Kap. 14. Allein ſeit der Einfuͤhrung des roͤm. Rechts wird auch jedes andere Lebenskennzeichen fuͤr hinreichend gehalten, wofern nicht die beſondern Landes - und Stadtgeſetze je - nes allteutſche Recht beybehalten haben. S. Runde Grund - ſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts §. 288. und Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts. 3. Band §. 288. Das Preuß. Landrecht I. Th. I. Tit. §. 13. erfordert, dasunver -21unverdaͤchtige Zeugen, welche bey der Geburt gegenwaͤrtig ge - weſen, die Stimme des Kindes deutlich muͤſſen vernom - men haben.

Ebend. Z. 7. Vitalitaͤt beſteht nun darin, wenn das neu - gebohrne Kind hinlaͤngliche Vollkommenheit der zum Leben noͤ - thigen Organe beſitzt, um auſſerhalb dem Uterus fortleben zu koͤnnen.

Zur Not 87 der erſten Ausg. : Metzgers kurzgefaßtes Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft. §. 274.

S. 75. zur Note 95.: Eben ſo aristoteles Hiſtor. animal. Lib. VII. cap. 4. und nach dem Zeugniß des Plutarchs lib. V. de placitis Philoſophor. cap. 18. auch polybus lib. de ſeptimeſtri partu, in princ.

S. 76. zur Not. 96. Eben ſo teichmeyer Inſtitut. medi - cinae legalis p. 55. eschenbach Medic. legal. §. 20. Die neuern Acrzte ſind indeſſen uͤber den Termin der Lebensfaͤhigkeit nicht einig. Metzger in dem kurzgefaßten Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft §. 274. behauptet, daß die Lebensfaͤhigkeit nur erſt nach einem vollſtaͤndig ſiebenmonatlichen Aufenthalt des Foͤtus im Mutterleibe Statt finde: und Danz in dem Grundriß der Zergliederungskunde des un - gebohrnen Kindes in den verſchiedenen Zeiten der Schwanger - ſchaft 1. Baͤndchen (Frankfurt u. Letpzig 1792.) 2. Abſchn. 1. Kap. §. 43. S. 150. ſagt, ein ſiebenmonatliches Kind koͤnne auſſer wenigen Stunden gar nicht auſſer der Gebaͤhrmutter le - ben, weil die Faſern eines folchen Kindes weder die athmosphaͤ - riſche Luft noch die Nahrung vertragen koͤnnten.

S. 78. zur Not. 2. carranza Tr. de partu naturali et le - gitimo. Cap. X. nr. 21. ſqq.

S. 80. ſtatt Nr. I. I) Wird daruͤber geſtritten, ob ein Kind lebendig gebohren, und auch lebensfaͤhig geweſen ſey, ſo entſcheidet das Gutachten der Kunſtverſtaͤndigen. Das Kind muß alſo beſichtiget, und ſecirt, und der Obductionsbericht zu den Acten gebracht werden. Hier kommt es nun auf die Laͤnge undB 3Schwe -22Schwere des Kindes, auf die Beſchaffenheit der Haare und Naͤ - gel, auf den Zuſtand und die Farbe der Haut, auf die Beſchaf - fenheit der Nabelſchnur, ferner der Knochen und inſonderheit der Lunge an, ob naͤmlich dieſe Luft und viel Blut enthaͤlt, oder zuſammen gefallen und klein iſt, und bey der angeſtellten Lungen - probe im Waſſer ſinkt46)S. Metzgers kurzgefaßtes Syſtem der gerichtlichen Arz - neywiſſenſchaft §. 277. u. 278. Peter Camper von den Kennzeichen des Lebens und Todes bey neugebohrnen Kindern. Von der in ſolchem Falle gewoͤhnlichen Lungenprobe iſt beſonders nachzuſehen Ploucquets Abhandlung uͤber die gewaltſamen Todesarten. 2. Abſchnitt 1. Kap. §. 81. ff. S. 288. ff.. Im Zweifel muß das Zeugniß der Aerzte dem Zeugniß der Hebamme, die bey der Geburt des Kindes gegenwaͤrtig geweſen, vorgezogen werden, wenn naͤmlich jenes mit guten Gruͤnden unterſtuͤtzt iſt47)Mich. alberti Commentat. in Conſtitut. crim. Carolin. p. 107. ſqq. Es wurde hieruͤber in einem Erbſchaftsfalle ge - ſtritten, wovon die Acten von der Fuͤrſtl. Solmſiſchen Regie - rung zu Lich an unſere Fakultaͤt geſchickt wurden. Die Heb - amme ſagte auf ihre geleiſtete Pflichten aus, ſie habe das neu - gebohrne Kind auf ihrem Schoos gehabt, und Bewegungen am Koͤrper und Munde deſſelben verſpuͤrt. Allein die Aerzte, welche die Obduction des Kindes verrichtet hatten, zeigten in ihrem Gutachten aus unwiderleglichen Gruͤnden, daß das Kind bey der Geburt nicht mehr gelebt haben koͤnne, und uͤber - dem nicht einmal lebensfaͤhig geweſen ſey.. Laͤßt ſich die Sache mit vollkommener Gewißheit nicht beſtimmen, ſo vermuthet man in buͤrgerlichen Faͤllen eher fuͤr das Leben als fuͤr den Tod des Kindes, wenn naͤmlich die Geburt auf die gewoͤhnliche Art, und zu der Zeit geſchehen iſt, da das Kind fuͤr lebensfaͤhig gehal - ten wird48)Luc. van de poll de exheredatione et praeteritione Cap. 37. §. 2. lauterbach Colleg. theor. pract. Pandectar. h. Tit. §. XXVII. In peinlichen Faͤllen findet dieſe Vermuthung nicht Statt. S. Quiſtorp in den Grundſaͤtzen des T. peinlichen Rechts 1. Th. §. 270..

S. 82. Z. 3. iſt nach den Worten: ſind erzeugt, noch hinzuzufuͤgen: oder gebohren worden.

S. 86.23

S. 86. Not. 29. ſtatt: Ueber dieſe Stelle ꝛc. Was das fuͤr ein Geſetz ſey, welches von der angefuͤhrten Regel eine Ausnahme macht, ſagt Ulpian in Fragm. Tit. V. §. 8. naͤm - lich die Lex Menſia, nach welcher das Kind, welches aus der Ehe eines peregrini mit einer cive Rom. war gebohren worden, den Stand des Vaters erhielt. Siehe heineccius ad Leg. Iu - liam et Pap. Poppaeam. p. 225. und beſonders Chr. rau Diſſ. de lege Menſia. Lipſiae 1786.

S. 90 92. ſtatt: Es iſt nun noch uͤbrig ꝛc.

§. 116. b. II. Von den rechtmaͤßigen Kindern. Beſtimmung des Zeitpuncts der rechtmaͤßigen Geburt eines Kindes.

Sollen nun im Gegentheil Kinder fuͤr eheliche und le - gitime gehalten werden, ſo wird dazu.

1) das Daſeyn einer rechtmaͤßigen Ehe erfordert. In dem Roͤm. Recht wird zwar nur eine ſolche Ehe ein matri - monium iuſtum genennt, ſi inter eos, qui nuptias contrahunt, con - nubium ſit, wie Ulpian83)Fragm. Tit. V. §. 2. (in schulting Iurisprud. Antejuſt. pag. 577.) ſagt; ein connubium aber war, wie eben dieſer Juriſt84)c. loc. §. 3. hinzufuͤgt, uxoris iure ducendae facultas, und hatte nur unter Roͤm. Buͤrgern Statt, wofern es nicht auch als Ausnahme bey einzelnen Latinis oder peregrinis war erlaubt worden85)ulpian. c. l. §. 4,. Allein jetzt verſtehen wir unter einer recht - maͤßigen Ehe uͤberhaupt eine ſolche, die nach Vorſchrift der Kirchen - oder der buͤrgerlichen Geſetze guͤltig geſchloſſen worden iſt. Dies mag nun entweder eine wahre oder auch nur eine vermeintliche, d. i. eine ſolche Ehe ſeyn, welcher zwar ein oͤffentliches trennendes Hinderniß entgegenſtehet, die aber doch darum, weil ſelbige zwiſchen Perſonen, denen entweder beyder - ſeits, oder wenigſtens eines Theils dies Hinderniß nicht bekannt war, oͤffentlich und foͤrmlich vollzogen worden iſt, in der Zwi -B 4ſchen24ſchenzeit, und ſo lang ſie nicht obrigkeitlich getrennt wird, alle rechtliche Wirkungen hervorbringt, die nach gemeinen Rechten einer guͤltigen wahren Ehre zukommen86)S. Io. Nic. hert Diſſ. de matrimonio putativo; (in Opus - cul. Vol. I. Tom. I. p. 348 408.) Ern. Chriſt. westphal Diſſ. de veris caſibus matrimonii putativi. Halae 1758.. Die Kinder aus ei - ner ſolchen Ehe ſind daher legitim, und in Anſehung beyder El - tern ſucceſſionsfaͤhig, wenn auch nur einer von beyden in bona fide geweſen waͤre87)Cap. 2. 8. 14. et 15. X. Qui filii ſint legitimi. S. Ge. Ludw. Boͤhmers auserleſene Rechtsfaͤlle 1. Bandes 1. Abh. (Goͤttingen 1799. 4.) Nr. 22..

S. 93. iſt Nr. IV. weggelaſſen worden.

S. 94 Z 15. iſt ſtatt: Ein Kind muß alſo ꝛc. ſo zu leſen: Zur Exiſtenz eines ehelichen Kindes wird jedoch

2) noch inſonderheit erfordert, daß ſelbiges zu rechter Zeit gebohren worden ſey.

S. 96 iſt nach Not. 62. nach muͤller noch hinzuzufuͤgen: Hoͤpfner im Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 128. Not. 4. S. 158. (der ſechſten Aufl.)

S. 99. Zur Not. 67. und Metzger kurzgefaßtes Syſtem der gerichtl. Arzneywiſſenſchaft §. 279. Not. a.

S. 100. Zur Not. 70. Man ſehe jedoch emminghaus ad Cocceji ius civ. controv. h. t. Qu. 3. not. a.

Ebend. zur Not. 72. Z. 9. nach den Worten: zu halten ſey, iſt beyzufuͤgen: Ihm ſtimmt auch Eichmann in den Er - klaͤrungen des buͤrgerlichen Rechts 2. Th. S. 264. bey.

Und Z. 10. Man ſehe de cocceji ius civ. controv. Lib. I. Tit. 6. Qu. 5.

S. 101. Zur Not. 74. nach leyser iſt beyzufuͤgen: wern - her Obſerv. for. T. III. P. III. Obſ. 36.

Zu eben dieſer Note am Schluß: Die verſchiedenen Mei - nungen der Aerzte, ſo wie auch die verſchiedenen Rechtsſpruͤche der Juriſten Fakultaͤten fuͤhrt ſehr ausfuͤhrlich an Metzger indem25dem kurzgef. Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft §. 281 bis 290. Man ſehe auch walch Introd. in controvers. iur. civ. Sect. I. cap. I. §. 3.

Ebendaſ. Z. 14. iſt nach den Worten: weiter hinaus erſtrecket werden, die Not. 6. zu ergaͤnzen, welche des In - halts iſt: Nach dem allgemeinen Geſetzbuch fuͤr die Preuß. Staaten 2. Th. 2. Tit. 1. Abſchn. §. 19. ſoll jedoch ein Kind, welches bis zum 302. Tage nach dem Tode des Ehe - manns gebohren worden, fuͤr das eheliche Kind deſſelben geach - tet werden. Allein dagegen hat Metzger a. a. O. §. 290. Not. b. erinnert, daß ſich im Vertrauen auf dieſes Geſetz eine Wittwe noch in den erſten 8 bis 14 Tagen nach des Mannes Tode duͤrfte ſchwaͤngern laſſen, indem ſie ſich ſicher darauf verlaſ - ſen kann, daß ſie noch vor dem Ablauf des geſetzlichen Termins niederkommt. Er behauptet daher, daß ein Kind, welches nicht ſpaͤteſtens am 280. Tage nach dem Tode des Mannes zur Welt kommt, unrechtmaͤßig, und nicht von dem verſtorbenen Mann erzeugt ſey.

Ebend. zur Not. 76. nach schnobel Diſſ. etc. (in schlegel Collect. Vol. IV. Nr. 29.) von Haller Vorleſungen uͤber die gerichtliche Arzneywiſſenſchaft. 1. B. 9. Kap. S. 119. (Bern 1782.) und Metzger a. a. O. §. 290.

S. 103. Zur Not. 80. Joh. Lud. Schmidt in den oͤf - fentlichen Rechtsſpruͤchen. Reſp. 31. S. 215. ff. u. a. m.

Ferner zur Not. 81. Alph. a carranza de partu naturali et legitimo Cap. XIV. nr. 19. p. 587. berger Oecon. iuris Lib. I. Tit. 2. §. 2. Not. 5. de cocceji iur. civ. controv. Lib. I. Tit. 6. Qu. 4. und Chriſt. Gottl. biener Variae iuris civ. Quae - ſtiones (Lipſiae 1797.) Qu. 2.

S. 106. Zur Not. 23. Eiſenharts Rechtshaͤndel Th. VIII. Nr. 15. S. 400. kind Quaeſtion. for. Tom. I. Cap. 3. pag. 26. u. Fried. von Buͤlow’s und Theod. Hagemanns practiſche Eroͤrterungen aus allen Theilen der Rechtsgelehrſamkeit 1. Band (Hannover 1798. 4.) Nr. XXVII.

B 5S. 107.26

S. 107. zur Not. 94. Z. 11. iſt nach den Worten: die gruͤndliche Abhandlung einzuſchalten: des verſtorb. Buͤr - germ. Pape zu Braunſchweig.

S. 109. ſind am Schluß des Paragraphen noch die Worte hinzugekommen: So wie denn auch in dem Falle, da der Braͤu - tigam nicht geſtorben, ſondern ſich widerrechtlich weigern ſollte, die Ehe dem rechtskraͤftigen Erkenntniß gemaͤß mit ſeiner ge - ſchwaͤchten Braut zu vollziehen, die Ehe durch richterliches De - cret in Anſehung der buͤrgerlichen Wirkungen derſelben fuͤr voll - zogen gehalten werden kann.

Dafuͤr ſind Z. 13. ff. die Worte: Denn ein rechts - kraͤftiger Urteilsſpruch rechtliche Wahrheit. weggeblieben.

S. 110. zur Not. 1. Nach dem allgem. Geſetzbuch fuͤr die Preuß. Staaten 1. Th. 1. Tit. §. 19. ff. beſtim - men die Eltern, zu welchem Geſchlechte ſie (Hermaphroditen) erzo - gen werden ſollen. Jedoch ſteht einem ſolchen Menſchen, nach zuruͤckgelegtem achtzehnten Jahre, die Wahl frey, zu welchem Geſchlecht er ſich halten wolle. Nach dieſer Wahl werden ſeine Rechte kuͤnftig beurtheilt.

S. 111. zur Note 3. Metzgers kurzgef. Syſtem der ge - richtlichen Arzneywiſſenſchaft §. 496 u. 497. und Ploucquet uͤber die phyſiſchen Erforderniſſe der Erbfaͤhigkeit §. 65. S. 138.

S. 112. ſind Z. 12 23. weggeſtrichen worden.

S. 113. Z. 11. bis Z. 10. S. 115. iſt alles weggelaſſen worden.

S. 115. Z. 14. iſt ſtatt: in dem innern Character des weiblichen Geſchlechts, zu leſen: in dem eigen - thuͤmlichen Charakter des weiblichen Geſchlechts, in ihrer koͤrperlichen Beſchaffenheit, und der Hauptbeſtimmung derſelben zum Kindergebaͤhren, und zur Beſorgung des Hausweſens.

Ebend. zur Note 17. Mit Vergnuͤgen wird man jedoch auch den Aufſatz: Muß das weibliche Geſchlecht mitdem27dem maͤnnlichen durchgehends gleiche Rechte ha - ben? in Kleins Annalen Band 17. S. 202. ff. leſen.

S. 117. Z. 7. nach den Worten: zu verſehen, iſt bey - zufuͤgen. Deswegen ſind nun zwar Frauensperſonen in der Re - gel von allen oͤffentlichen Aemtern ausgeſchloſſen, doch machen die Regentinnen hiervon eine ſehr bedeutende Ausnah - me45)S. Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts 3. Band §. 291. S. 22.; ſo wie auch bey Vormundſchaften die Muͤtter und Großmuͤtter, als welche Vormuͤnderinnen ihrer Kinder werden koͤnnen, bekannten Rechten nach, ausgenommen ſind.

Ebend. Z. 8. ſtatt der Worte: Ich erwaͤhnte ꝛc. bis auf das Wort: herfließt Z. 10. S. 118. iſt folgendes zu ſubſtituiren:

Dem weiblichen Charakter wird

b) eine vorzuͤgliche Sittſamkeit und Schamhaftigkeit (pudi - citia ſexui congruens46)L. 1. §. 5. D. de poſtulando. zugeeignet. Deswegen duͤrfen Frauens - perſonen

1) uͤberhaupt keine negotia virilia d. i. keine ſolche Geſchaͤf - te vornehmen, wobey die Geſetze nur Mannsperſonen zulaſſen. So z. B. verbieten ihnen die Geſetze, fuͤr andere vor Gericht zu poſtuliren47)L. 1. cit. D. de poſtul. ; ſie koͤnnen ferner bey ſolchen Geſchaͤften nicht Zeugen ſeyn, wo mehr als zwey Zeugen der Feyerlichkeit we - gen erforderlich ſind, z. B. bey Teſtamenten und Codicillen48)§. 6. I. de teſtam. ord. Bern. Henr. reinoldus Variorum iur. civ. Cap. V. et VI. (in Opuſcul. a iuglero edit. p. 72. ſqq.) . Wo es hingegen blos auf Wahrheit ankommt, da iſt das Zeug - niß der Frauensperſonen eben ſo vollguͤltig, als das Zeugniß der Maͤnner49)L. 18. D. de teſtibus. Iuſt. Henn. boehmer Iur. Eccleſ. Proteſtant. Lib. II. Tit XX. §. 17. Io. Henr. berger Diſſ. de muliere teſte (in eius Diſſertat. iur. ſelect. pag. 779.) . Nach teutſchen Rechten machen auch Handels -ge -28geſchaͤfte eine Ausnahme von jener Regel, als von welchen die Frauensperſonen nicht ausgeſchloſſen ſind. Es iſt vielmehr zur Sicherheit und Beguͤnſtigung des Handels heuti - ges Tages der Grundſatz angenommen, daß alle diejenigen Rechts - wohlthaten, die ſonſt den Weibern, wegen der Schwaͤche ihres Geſchlechts, in Anſehung ihrer buͤrgerlichen Rechts - geſchaͤfte verliehen ſind, ſolchen Frauensperſonen nicht zu ſtat - ten kommen, welche entweder auf eigenen Gewinn und Verluſt, oder gemeinſchaftlich mit ihrem Manne, vermoͤge einer zu dem Zweck eingegangenen beſondern Geſellſchaft, Handlung treiben, und welche daher im eigentlichen Verſtande Kauffrauen (fe - minae mercatrices) genennt werden50)Runde Grundſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts §. 292.. Eine Kauffrau kann ſich daher in Handelsgeſchaͤften nach Wechſelrecht verbinden51)Chriſt. Gottl. riccii Exercitat. iur. cambial. Exerc. V. Sect. II. de feminis mercatricibus et non mercatricibus intuitu cambiorum. pag. 62. und hat ſie in Beziehung auf ihren Handel eine Buͤrgſchaft uͤber - nommen, ſo kann ſie ſich auf den Vellejaniſchen Rathsſchluß nicht berufen52)Schroͤters vermiſchte juriſt. Abhandlungen I. Th. S. 64. ff. und Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts. 3. Band §. 292..

2) Aus eben dem Grunde der weiblichen Schamhaftigkeit verordnen ferner die roͤmiſchen Geſetze, daß keine Frauensper - ſon, wenn ſie auch des ſchwerſten Verbrechens ſchuldig waͤre, ins Gefaͤngniß geſetzt, ſondern dieſelbe entweder in einem Kloſter verwahrt, oder andern ſichern Weibern zur Aufſicht uͤbergeben werden ſolle, damit ihre Keuſchheit durch Inhaftirung nicht in Gefahr geſetzt werde53)Nov. CXXXIV. cap. 9. et Aoth. Hodie novo iure Cod. de cuſtodia reor. . Jedoch findet dieſes Vorrecht des weiblichen Geſchlechts nach der gegruͤndeten Bemerkung practi - ſcher Rechtsgelehrten heutiges Tages nicht mehr Statt54)Ludovici Einleitung zum peinlichen Proceß Kap. 2. §. 8. Hymmens Beytraͤge zu der juriſt. Litteratur in den Preuß. Staa -.

Zu29

Zu dem eigenthuͤmlichen weiblichen Character gehoͤrt endlich

c) die fruͤhere Mannbarkeit und Reife des weiblichen Ge - ſchlechts zur Kinderzeugung55)Franks Syſtem einer vollſtaͤndigen mediciniſchen Policey 1. Band S. 251.. Sie werden daher um zwey Jahre eher muͤndig als Mannsperſonen, koͤnnen fruͤher teſtiren, fruͤher heyrathen u. d.

S. 120. Z. 2. iſt bey den Worten: die Familie nicht erhalten: Not. 61. zu ergaͤnzen: Rundens Grundſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts §. 289. und 290. und Danz im angef. Handbuch. 3. Th. §. 290.

Ebend. zur Not. 40. Io. Frid. weidler Diſſ. Defectuum cor - poris contemplatio iuridica. Vitemb. 1738.

S. 121. zur Not. 43. Daß unter den mente captis in den Geſetzen zuweilen ſolche verſtanden werden, die nur einen ſchwa - chen Verſtand haben, und welche ſonſt Stupide oder Einfaͤl - tige genennt werden, hat Ulr. huber in Digreſſion. Iuſtinian. Lib. III. Cap. XVIII. §. 3. gezeigt.

Ebend. Z. 15. iſt bey den Worten: zu beſtimmen Not. 67. hinzugekommen: S. Thomas Arnold’s Beobachtungen uͤber die Natur, Arten, Urſachen, und Verhuͤtung des Wahnſinns und der Tollheit. 2. Th. Leipzig 1784. u. 1788.

Ebend. Z. 19. bey dem Wort Wahnſinnige: Not. 68. Wahnſinn heißt naͤmlich derjenige Zuſtand der Seele, in wel - chem dieſelbe auf immer oder lange Zeit ganz unfaͤhig iſt, ſich richtige und beſtimmte Begriffe zu bilden, und den Willen durch Vernunftgruͤnde zu beſtimmen. S. Kleins Annalen 2. Band S. 191. und Kleinſchrods ſyſt. Entwickelung der Grundbe - griffe und Grundwahrheiten des peinlichen Rehts 1. Th. §. 104.

S. 122.
54)Staaten. IV. Samml. Nr. II. pag. 29. u. beſonders v. Qui - ſtorps Abhandl. ob eine gefaͤngliche Haft des Geſchlechts we - gen fuͤr bedenklich zu achten ſey? (in Deſſelben Beytraͤ - traͤgen zur Erlaͤuterung verſchiedener Rechts - materien Nr. LVI. oder IV. St. Nr. IX. nach der erſten Ausgabe.)
54)30

S. 122. Z. 3. iſt ſtatt der Worte: die letztern ver - halten: folgendes zu ſetzen: je nachdem ſie ſich bey ihrer Verſtand - loſigkeit entweder ruhig verhalten oder nicht72)S. zacchiae Quaeſtion. medico. legal. Lib. II. T. I. qu. 9. n. 13 15. 16. und Guſt. Bernh. becmanni Diſſ. de acquiſitio - ne hereditatis dementi delatae. (Goettingae 1772.) §. 2. et 3.. Allein die roͤm. Geſetze verſtehen gewoͤhnlich unter einem furioſo denjenigen, welcher bey ſeinem Wahnſinn Zwiſchenraͤume hat, wo er wieder ganz vernuͤnftig iſt, und deſſen Herſtellung daher mit Wahrſcheinlich - keit gehoft werden kann; unter einem mente capto hingegen den, welcher ſeinen Verſtand ohne Hoffnung der Beſſerung verlohren, und keine Intervallen bey ſeinem Wahnſinn hat73.)L. 14. D. de off. praeſ. L. 8. §. 1. D. de tutor. et curat. dat. L. 22. §. 7. et 8. D. Soluto matrim. L. 6. Cod. de curat. fu - rioſi. L. 25. Cod. de nupt. S. huber c. l. §. 2. vinnius in Comment. ad §. 4. I. de Curator. Ev. otto in Comment. ad eund. §. Hoͤpfner im Commentar uͤber die Inſtitutio - nen §. 62. S. 84.

Ebend. iſt Z. 8. bey dem Wort: eingetheilt: Not. 74. zu er - gaͤnzen: Man ſehe becmanni Diſſ. cit. §. 4.

Ebend. bey den Worten: zu erkennen geben: iſt die Not. 75 hinzuzuſetzen, welche folgenden Inhalts iſt: Stru - bens rechtliche Bedenken I. Th. Bed. 138. In den roͤmiſchen Geſetzen wird eine ſolche Einfalt oder Dummheit durch das Wort ruſticitas ausgedruͤckt, und darunter nicht blos dieje - nige verſtanden, die vom Mangel der Erziehung und Ausbildung herruͤhrt, ſondern auch diejenige, welche eine angebohrne Schwaͤ - che des Verſtandes zum Grunde hat. L. 7. §. 4. D. de iurisdict. L. 2. §. 1. D. Si in ius vocat. L. 1. §. ult. D. de edendo. L. 3. §. 22. D. de SCto Silan. S. Kleinſchrods ſyſtemat. Ent - wickelung der Grundwahrheiten des peinl. Rechts. 1. Th. §. 129.

Ebend. iſt Z. 15. beyzufuͤgen: Sie werden auch Bloͤdſin - nige im eigentlichen Verſtande genennt76)So werden im Preuß. Landrecht 1. Th. 1. Tit. §. 28. Bloͤdſinnige diejenigen genennt, welchen das Vermoͤgen, die Folgen ihrer Handlungen zu uͤberlegen, mangelt..

Ebend.31

Ebend. Z. 23. bey den Worten: in eine Claſſe geſetzt. Not. 77. stryk Diſſ. de dementia Cap. 3. §. 2.

S. 123. zur Not. 50. Danz Handbuch des heutigen teut - ſchen Privatrechts 3. Band §. 299.

S. 124. Nr. III. Z. 10. bey den Worten: Teſtamente machen u. d. m. Not. 85. L. 2. C. de contrah. emtione.

Ebend. zur Not. 55. L. ult. Cod. de curat. furioſi.

S. 125. zur Not. 56. stryk Diſſ. de dementia. Cap. 3. §. 9.

Ebend. ſtatt der Not. 57. iſt zu ſubſtituiren: Man verglei - che indeſſen Kleinſchrods ſyſt. Entwickelung der Grundbe - griffe und Grundwahrheiten des peinlichen Rechts I. Th. §. 104. ff. und §. 129.

S. 126. zur Not. 61. In peinlichen Faͤllen findet jedoch dieſe Vermuthung nicht Statt, ſondern hier muß allezeit der Gemuͤthszuſtand des Verbrechers zu der Zeit, da er die That begieng, unterſucht werden. S. Kleinſchrod a. a. O. §. 106.

Ebend. ſind Z. 2. bis 8. mit der dazu gehoͤrigen Not. 60. weggelaſſen.

S. 127. ſtatt Not. 65. S. Iac. gothofredi Commentar. in Tit. Pandect. de diverſis regulis iuris. (Genevae 1653. 4. ) ad L. 40. h. t. pag. 204. und beſonders hofacker Princip. iur. civ. T. I. §. 249.

S. 128. Z. 10. iſt die Stelle: Ich ſage mit Recht Servitus, wegzuſtreichen.

S. 129. iſt Z. 17. nach den W. oder Freygelaſſene, folgendes beyzufuͤgen: Einen freygebohrnen nannte man einen ſolchen Menſchen, der von einer freyen Mutter gebohren worden, wenn gleich deſſelben Vater ein Sklave geweſen ſeyn ſollte. Ja man hatte zu Gunſten der freyen Geburt den Grund - ſatz angenommen, daß wenn die Mutter nur entweder zur Zeit der Conception, oder zur Zeit der Geburt, oder waͤhrend der Schwangerſchaft einen Augenblick frey geweſen waͤre, das von einer ſolchen Mutter gebohrne Kindfuͤr32fuͤr einen ingenuus gehalten werden ſollte, wie aus dem Tit. de ingenuis der Inſtitutionen bekannt iſt.

Statt S. 135. bis 142.

§. 120. Zuſtand der teutſchen Leibeigenſchaft.

Auch in unſern Teutſchland iſt die Eintheilung der Menſchen in freye und unfreye ſchon von den aͤlteſten Zeiten her uͤb - lich geweſen36)S. Chriſt. thomasii Diſſ. de hominibus propriis et liberis Germanorum. Halae 1701. Ebendeſſelben Diſſert. de uſu practico diſtinctionis hominum in liberos et ſervos Halae 1711. beſonders aber Danz Handbuch des heutigen teutſchen Pri - vatrechts 3. Baͤnd §. 327.. Freye werden bey den Teutſchen in der all - gemeinen Bedeutung alle diejenigen genennt, welche von keinem Leibherrn abhangen37)Runde Grundſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts §. 327.. Zu den Unfreyen hingegen gehoͤ - ren vorzuͤglich die Leibeigene. Es kann aber auch wahre Sklaven im Sinne des roͤm. Rechts geben. Dahin gehoͤren die Negerſklaven, die zuweilen aus Holland und andern Reichen zu uns gebracht werden. Dieſe werden dadurch, daß ſie nach Teutſchland gebracht worden ſind, nicht frey38)Hoͤpfner im Commentar uͤber die Heinecciſchen Inſtitu - tionen §. 70. Eben dieſer Grundſatz galt auch Anfangs in den Preuß. Staaten, wie aus Hymmens Beytraͤgen zur juriſt. Litteratur in den Preuß. Staaten 6. Samml. S. 296. erhel - let. Allein in dem neuen Preuß. Geſetzbuche 2. Th. Tit. 5. §. 200. iſt die Sklaverey voͤllig abgeſchaft.. Ferner die in die Kriegsgefangenſchaft der Teutſchen gerathene Tuͤrken und Tartern. Denn da dieſelben unſere Kriegsgefangenen zu Skla - ven machen, ſo koͤnnen wir mit den ihrigen auf gleiche Weiſe verfahren39)Reichsabſchied vom Jahr 1542. stryk Uf. mod. Pand. h. t. §. 3.. Beyde Arten der heutigen Sklaven werden nach dem roͤm. Recht beurtheilt40)lauterbach Colleg. th. pract. Pandect. h. t. §. 12. et 13. und Hoͤpfner a. a. O..

Der33

Der Urſprung der heutigen Leibeigenen iſt nicht von den ehemaligen roͤmiſchen Sklaven herzuleiten41)Iuſt. Henn. boehmer Tr. de iure et ſtatu hominum proprio - rum a ſervis Germaniae non Romanis derivando, et de uſu huius doctrinae. Halae 1754. 4. und Danz Handbuch des heutigen deutſchen Privatrechts 5. Band §. 536.. Denn ſchon Ta - citus42)De moribus Germanor. cap. 25. Servis, non in noſtrum mo - rem deſcriptis per familiam miniſteriis, utuntur. Suam quisque ſedem, ſuos penates regit. Frumenti modum dominus, aut pe - coiis, aut veſtis, ut colono, iniungit: et ſervus haetenus paret. Caetera domus officia uxor ae liberi exſequuntur. lehrt ſehr genau den Unterſchied zwiſchen den alten roͤmiſchen und teutſchen Knechten. Es duͤrfen daher auch die Grundſaͤtze des roͤm. Rechts auf unſere Leibeigene durchaus nicht angewendet werden, ſondern es ſind vielmehr die Rechte derſel - ben theils aus den zwiſchen ihnen und dem Leibherrn geſchloſſe - nen Vertraͤgen zu beurtheilen, theils nach den Eigenthumsord - nungen und dem Herkommen eines jeden Landes zu beſtimmen. Darinn haben zwar die Leibeigenen der Teutſchen mit den Sklaven der Roͤmer einige Aehnlichkeit, daß ſie gleichſam, als Eigenbehoͤrige, und zwar an einigen Orten nur mit den Hoͤfen, worauf ſie geſetzt ſind, an andern aber auch ohne das Gut, wozu ſie gehoͤren, an andere uͤberlaſſen werden koͤnnen. Allein ſie koͤnnen deswegen doch nicht ſo, wie die roͤm. Sklaven, als Sachen betrachtet werden; ſie ſind vielmehr von denſelben darin weſentlich unterſchieden, 1) daß ſie ſo gut Unterthanen und Mitglieder der buͤrgerlichen Staatsgeſellſchaft ſind, als die Freyen, und daher, gleich denſelben, den allgemeinen Schutz der Geſetze genießen; 2) daß ſie alle gemeine, ſowohl perſoͤnliche, als ding - liche Privatrechte, ausuͤben koͤnnen, die mit den beſondern Be - fugniſſen des Leibherrn in keinem Widerſpruche ſtehen43)Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts. 5. Bd. §. 536. S. 464. f.. Sie ſind alſo keinesweges als ein voͤlliges und uneingeſchraͤnktes Ei - genthum ihrer Leibherrn anzuſehen, ſondern ſie werden nur in ſofern Eigene oder Eigenbehoͤrige genannt, als manuͤber -C34uͤberhaupt nach dem teutſchen Sprachgebrauche gewohnt iſt, jede Art eines auf der Sache oder Perſon haftenden dinglichen Rechts ſein Eigenthum zu nennen.

So verſchieden nun auch der Zuſtand der teutſchen Leibei - genen nach Verſchiedenheit der Laͤnder und Orte in Teutſchland iſt, ſo beſteht doch der weſentliche Charakter der heutigen Leibeigenſchaft immer nur in einer ſtrengern Verbindlich - keit zu Dienſten und Zinſen, welche auf der Perſon des Ver - pflichteten, ohne Ruͤckſicht auf den Beſitz eines Guts, dergeſtalt haftet, daß derſelbe ohne den Willen des Leibherrn ſich nicht davon loßmachen kann, und die auch, mit den aus dieſem Ver - haͤltniß entſtehenden Rechten, auf die Nachkommen deſſelben fortgepflanzt und vererbt wird44)Runde Grundſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts. §. 536. und hofacker Princip. iur. civ. Tom. I. §. 297..

Die aus der Leibeigenſchaft entſtehenden Rechte und Ver - bindlichkeiten beſtehen nun

I) auf Seiten der Leibeigenen darin:

1) ſie duͤrfen ſich ohne Vorwiſſen und Einwilligung ihres Leibherrn nicht verheyrathen, und muͤſſen fuͤr dieſe Erlaubniß ein Stuͤck Geld bezahlen, welches Bedemund, Frauen - zins, Klauenthaler, Hemdlacken, Hemdſchilling, Mannthaler, maritagium, marchetta45)Die Etymologie dieſer Woͤrter unterſuchen Io. Guil. hoff - mann Obſervation. iuris germ. Lib. I. cap. VII. pag. 81. ſqq. grupen in uxore Theodisca cap. I. und puffendorf Obſer - vat. iur. univ. T. II. Obſ. 66. und Tom. III. Obſ. 28., genennt wird. Solche Ehen haben uͤbrigens die Wirkungen rechtmaͤſiger Ehen, und geben dem leibeigenen Ehemann die Rechte der vaͤterlichen Gewalt uͤber ſeine Kinder. Jedoch darf er die Kinder wider des Gutsherrn Willen nicht zu einer Lebensart beſtimmen und erziehen, wodurch dem Herrn an ſeinen Rechten geſchadet wird. Es ſind auch die Eltern diejenigen Kinder, deren ſie nicht ſelbſt zu ihren eigenen Dienſten beduͤrfen, der Herrſchaft auf derſelben Verlangen vorzuͤglich in Dienſt zu geben gehalten.

2) Sie35

2) Sie duͤrfen ſich ohne Bewilligung ihres Leibherrn von dem Hofe nicht wegbegeben, worauf ſie geſetzt ſind, noch ſonſt in andere Verhaͤltniſſe treten; z. B. nicht das Buͤrgerrecht oder Innungsrecht gewinnen, oder in Kriegsdienſte treten.

3) Sie ſind zu gewiſſen Dienſten und Abgaben verpflich - tet, deren Verbindlichkeit auf ihrer Perſon haftet. Daher wer - den ſie Leibdienſte, und Leibzinſen genennt. Die Dien - ſte koͤnnen durch Vertraͤge, Geſetze, und Herkommen beſtimmt ſeyn; wo es aber an ſolchen Beſtimmungen fehlt, da koͤnnen ungemeſſene Dienſte gefordert werden46)boehmer D. de iure et ſtatu hominum propriorum Sect. III. §. 13. mevius P. IV. Dec. 131. hofacker Princip. iur. civ. Tom. I. §. 303.. Uebrigens aber koͤnnen ſie

4) ſich ein eigenes Vermoͤgen erwerben, und daruͤber ſo - wohl unter den Lebendigen, als durch Teſtament verfuͤgen, in ſo fern dadurch den Rechten des Leibherrn kein Eintrag ge - ſchieht47)hofacker T. I. §. 301. und Runde Grundſ. des allge - meinen teutſchen Privatrechts. §. 552..

II) Die beſondern Rechte des Leibherrn hinge - gen ſind,

1) das Bedemundsrecht, d. i. das Recht, von dem Leibeigenen fuͤr die ihm ertheilte Erlaubniß zu heyrathen ein ge - wiſſes Geld zu fordern48)Runde §. 544..

2) Das Beſatzungsrecht, vermoͤge welchen er die Per - ſon eines Leibeigenen abfordern und gleichſam vindiciren kann, wenn dieſer ſich ohne Bewilligung des Leibherrn von dem Hofe entfernt hat, und zum Nachtheil deſſelben in andere Verhaͤltniſ - ſe getreten iſt49)Runde §. 545..

3) Der Dienſtzwang oder das Recht, den Leibeigenen zur ordentlichen Erfuͤllung ſeiner Dienſtpflicht durch angemeſſeneC 2Zuͤch -36Zuͤchtigungen anzuhalten50)Es giebt jedoch noch eine andere aus der Leibeigenſchaft ent - ſtehende Art des Dienſtzwanges, welche darin beſteht, das die Kinder der Leibeigenen, ohne Erlaubniß des Leib - herrn, ſich nicht bey anderen Herrſchaften als Geſinde ver - miethen duͤrfen. Runde §. 548.. Eine eigentliche Gerichtsbarkeit ſtehet jedoch deshalb der Herrſchaft uͤber ihre Leibeigene nicht zu, in ſofern ſie ihr nicht beſonders verliehen worden iſt51)hofacker Princip. iur. civ. T. I §. 303. not. c. Anderer Meinung iſt jedoch Kopp in der ausfuͤhrl. Nachricht von der aͤltern und neuern Verfaſſung der geiſil. und Civilgerichte in den Heſſen-Caſſelſchen Landen 1. Th. 3. St. 6. Abth. §. 276. S. 249..

4) Das Recht der Abaͤuſſerung, vermoͤge deſſen der Leibherr den Leibeigenen von ſeiner Staͤtte aus rechtmaͤßiger Ur - ſache zu entſetzen befugt iſt52)Runde §. 547.. Endlich

5) das Recht, aus dem Nachlaß eines verſtorbenen Leibei - genen das mortuarium, d. i. den Theil oder dasjenige Stuͤck zu fordern, was dem Leibherrn nach beſondern Vertraͤgen, Geſe - tzen oder Herkommen vor allen andern Erben daraus gebuͤhrt. Dieſes Recht wird im Teutſchen das Hauptrecht, Trauer - recht, Waidmal, Erbrecht, die todte Hand, Bau - lebung, der Sterbe-Fall u. ſ. f.53)Siehe die Note 15. der erſten Ausgabe, welcher noch hin - zuzufuͤgen iſt: Bodmanns hiſtoriſch juriſt. Abhandlung von dem Beſthaupte. Maynz 1794. 8. genennt.

Uebrigens entſteht die Leibeigenſchaft

1) durch die Geburt von einer leibeignen Mutter, nach dem Grundſatz: das Kind folgt dem Buſen54)Roͤslins Abhandlung von den beſondern weiblichen Rech - ten. 1. Band 2. Buch. 5. Abſchn. §. 5. ff. S. 242. ff. Run - de §. 539..

2) Durch37

2) Durch Ergebung, wenn man ſich freywillig in die Leibeigenſchaft begiebt55)Siehe die Note 16. der erſten Ausgabe.. Dies geſchieht entweder

a) ausdruͤcklich, durch einen Ergebebrief; oder

b) ſtillſchweigend,

α) wenn ſich ein freyer Menſch wiſſentlich zu einer Perſon leibeignen Standes auf ein eigenbehoͤriges Gut begiebt, und ſie mit Einwilligung des Leibherrn heyrathet; nach dem bekann - ten Spruͤchwort: Tritſt du mein Huhn, ſo wirſt du mein Hahn; oder die unfreye Hand zieht die freye nach ſich56)Eiſenharts Grundſaͤtze der teutſchen Rechte in Spruͤch - woͤrtern 2. Abth Nr. XVIII. S. 75. Runde §. 540..

β) Wenn man ſich wiſſentlich an einem Orte niederlaͤßt, wo die Luft eigen macht, und daſelbſt Jahr und Tag ge - wohnt hat57)Eiſenhart a. a. O. Nr. XVII. S. 73. Runde §. 541..

γ) Wenn man ein Gut wiſſentlich erwirbt, deſſen Beſitz die Leibeigenſchaft nach ſich zieht58)hofacker Princip. iur. civ. T. I. §. 300..

3) Durch Verjaͤhrung, wenn Jemand dreyßig Jahre die Pflichten eines Leibeigenen ohne Widerſpruch verrichtet hat59)Runde §. 543..

S. 142. Z. 13. ſtatt Mittelfreye, ließ: Freygelaſ - ſene.

Ebendaſ. Z. 14. ſtatt: Nur diejenigen wurden im teutſchen Rechte Freygebohrne genennt, iſt ſo zu leſen: Freyge - bohrne wurden nach urſpruͤnglich teutſchen Rechten nur dieje - nigen genennt ꝛc.

Ebendaſ. Z. 15. ſtatt: erzeugt worden ſind, ließ: waren erzeugt worden.

Ebendaſ. Z. 17. ſt. eine freye Geburt haben, l. hatten.

C 3Ebend.38

Ebend. zur Not. 19: Man vergleiche auch Danz Hand - buch des heutigen teutſchen Privatrechts 3. Band §. 328.

Ebendaſ. ſtatt Note 20: Sachſenſpiegel B. I. Art. 51. und Schwabenſpiegel Kap. 50. (edit. Lahr.) §. 2.

S. 143. ſind Z. 1 7 weggeblieben.

Ebend. Z. 7. ſt. Mittelfreye ließ: Freygelaſſene.

Ebend. Z. 9. ſt. ſind l. waren.

Ebend. Z. 12. ſt. haben l. hatten.

Ebend. Z. 12. ſt. Dieſe haben in Teutſchland haben, iſt folgendes zu ſetzen: In dem letztern Falle hat man ſie unterſcheidungsweiſe auch Mittelfreye63)Ge. Frid. wache in Diſſ. de voce Mittelfreyen. Halae 1763. Adde gebaueri Commentat. de libertinitate veterum Germ. Goettingae 1759. genennt. Heutiges Tages beurtheilt man jedoch die Freygebohren - heit mehr nach roͤmiſchen, als urſpruͤnglich teutſchen Begrif - fen64)Runde Grundſ. des allgemeinen teutſchen Privatrechts. §. 328..

Statt S. 144 146.

§. 121. Zuſtand des heutigen Miethgeſindes.

Weder mit den roͤmiſchen Sklaven, noch den teutſchen Leib. eigenen iſt das heutige Miethgeſinde zu verwechſeln. Man verſteht darunter diejenigen Perſonen der haͤuslichen Geſellſchaft, welche ſich bey einer Hausherrſchaft auf laͤngere beſtimmte Zeit zur Leiſtung haͤuslicher Dienſte gegen einen Lohn und Koſt ver - miethet haben. Dahin gehoͤren unſere Knechte, Maͤgde, Kut - ſcher, Bediente, Koͤchinnen u. ſ. f. Sie werden auch Dienſt - boten, oder Domeſtiquen genennt65)Man vermiſche damit nicht den roͤmiſchen Begriff von do - meſticis. Die Roͤmer verſtanden naͤmlich darunter alle diejeni - gen, welche zu dem Hauſe eines Paterfamilias gerechnet wur -den, und ſind frey Leute,deren39deren Rechte und Verbindlichkeiten theils aus dem Mieth-Con - tract, den ſie mit ihrer Herrſchaft geſchloſſen haben, theils aus den beſondern Geſindeordnungen, theils aus dem Gewohnheits - recht eines jeden Orts beurtheilt werden muͤſſen66)Die beſte Schrift hiervon iſt Johann Lorenz Dorn’s Verſuch einer ausfuͤhrlichen Abhandlung des Geſinderechts. Erlangen 1794. 8. Im All - gemeinen beſtehen

I) ihre Pflichten darin.

1) Dienſtboten ſind verbunden, ihrer Herrſchaft diejenigen Dienſte zu leiſten, wozu ſie ſich vermiethet haben, ja ſie muͤſſen ſich allen erlaubten haͤuslichen Verrichtungen nach dem Willen der Herrſchaft unterziehen, in ſofern ſie nicht aus - ſchließend zu gewiſſen beſtimmten Geſchaͤften ge - miethet worden ſind67)Dorn in dem angefuͤhrten Verſuch §. 81. S. 200..

2) Sie ſind ſchuldig, ihre Dienſtgeſchaͤfte mit Treue, Fleiß und Aufmerkſamkeit zu verrichten, und muͤſſen da - her jeden aus Vorſatz, oder durch grobes oder maͤßiges Verſehen, verurſachten Schaden erſetzen. Ein geringes Verſehen hingegen vertreten ſie anders nicht, als wenn ſie entweder gegen den ausdruͤcklichen Befehl der Herrſchaft gehan - delt, oder ſich ungeheiſſen in ein Geſchaͤft eingemiſcht haben, das nicht zu ihrem Dienſt gehoͤrte, oder zu ſolchen Arten von Geſchaͤf - ten angenommen ſind, die einen vorzuͤglichen Grad von Aufmerk - ſamkeit oder Geſchicklichkeit vorausſetzen. Haͤtte ein Dienſtbote auf Befehl ſeiner Herrſchaft ein auſſerordentliches und ſchweres Geſchaͤft uͤbernehmen muͤſſen, welches er nicht verſtand, und wo -C 4zu65)den, und in dieſer Ruͤckſicht auf irgend eine Art mit demſelben in Verbindung ſtanden. Man rechnete daher zu denſelben nicht nur alle Arten von Knechten, ſondern auch den Hausva - ter ſelbſt, Hausſoͤhne und Toͤchter, Schweſtern und Bruͤder; und auch die Hausfrau. S. Ian. langlaeus in Semeſtr. Lib. III. c. 2. Der Unterſchied iſt beſonders beym Haus - diebſtahl von Wichtigkeit - S. günther Diſſ. de furto do - meſtico. Lipſiae 1785. 40zu er auch nicht angenommen war, ſo darf er nur fuͤr grobes Verſehen haften68)Dorn §. 89 92..

3) Das Geſinde iſt verbunden, die Miethzeit auszuhalten, es muͤßten denn ſolche Umſtaͤnde eintreten, um deren willen der Miethvertrag fruͤher aufhoͤrte. Dahin gehoͤrt

a) wenn die Herrſchaft das Geſinde mit ungewoͤhnlicher Haͤrte behandelt, es geſchehe nun ſolches durch wirklich veruͤbte grobe Thaͤtligkeiten, oder durch ausgeſtoſſene harte Schmaͤhreden und Beſchimpfungen, oder durch Auflegung unertraͤglicher und auſſerordentlich harter Arbeiten u. d.69)Dorn §. 189..

b) Wenn die Herrſchaft in gaͤnzlichen Verfall des Vermoͤ - gens geraͤth, und daher nicht mehr im Stande iſt, das Geſinde zu ernaͤhren70)Dorn §. 191..

c) Wenn dieſelbe ihren Wohnort veraͤndert, oder auch auf lange Zeit verreiſet, und das Geſinde nicht mit ziehen will71)Dorn §. 190.; und

d) wenn das Geſinde durch anhaltende Krankheit verhindert wird, ſeinen Dienſt zu verrichten72)Dorn §. 187..

Endlich 4) ſind auch die Dienſtboten noch vorzuͤglich zum Gehorſam und Ehrerbietung gegen ihre Herrſchaft ver - bunden. Denn ohne dieſe Pflicht waͤre Ruhe und Ordnung ſo wenig, als Wohlſtand des Hausweſens moͤglich73)Dorn §. 77. u. §. 78..

Ob der Herrſchaft, wegen irgend einer Verletzung dieſer Pflichten, das Recht zuſtehe, die Dienſtboten zu zuͤchtigen, daruͤ - ber ſind die Rechtsgelehrten getheilter Meinung. Einige74)stryck in Uſu Mod. Pandect. h. t. §. 12. Eichmann Erklaͤrungen des buͤrgerl. Rechts 2. Th. S. 356.wol -41wollen ihr dieſes Recht ganz abſprechen, dahingegen andere75)mevius ad Ius Lubec. P. III. Tit. VIII. Art. 10. n. 13. ſqq. leyser in Meditat. ad Pandect. Vol. I. Spec. XVI. med. 4. und Vol. VIII. Specim. DXLVI. med. 15. müller ad Leyſe - rum Obſ. 86. Struben rechtl. Bedenken Th. III. Bed. 39. Hoͤpfner im Commentar uͤber die Inſtitutionen §. 70. S. 99. u. a. m. dieſe Befugniß fuͤr unbezweifelt halten. Nun liegt zwar freylich in dem Miethcontract kein Grund zu dieſer Befugniß. Es iſt auch in den gemeinen Rechten kein Geſetz vorhanden, wolches fuͤr die Herrſchaft ſpraͤche76)L. un. C. de emendat. ſervor. gehoͤrt ſo wenig als L. un. C. de emendat. propinquor. hierher, denn das erſtere Geſetz redet von Sklaven, letzteres aber von minderjaͤhrigen Verwandten, welche unartig ſich betragen. L. 13. §. 4. D. locati erlaubt auch nur einem Lehrmeiſter den ihm uͤbergebenen Lehr - purſchen durch vernuͤnftige Zuͤchtigung zum Fleiß, Aufmerk - ſamkeit und Ordnung anzuhalten; redet alſo ebenfalls nicht vom Miethgeſinde.. Die Analogie von Sklaven, und Leibeigenen paßt auch nicht auf unſer Geſinde. Da inzwi - ſchen bey manchem rohen Geſinde der Zweck des Miethcon - tracts unmoͤglich zu erreichen waͤre, wenn die Herrſchaft um je - der Verſchuldung, oder Widerſpenſtigkeit deſſelben, oder Ueber - tretung ihrer Befehle willen, ihre Zuflucht zum Richter nehmen, und bey demſelben klagen muͤßte; ſo iſt heutiges Tages ſowohl durch Gewohnheit, als durch die meiſten Dienſtordnungen der Herr - ſchaft eine maͤßige Zuͤchtigung erlaubt77)Dorn in dem angef. Verſuch §. 112. §. 116. Man ſehe auch das allgemeine Geſetzbuch fuͤr die Preuß. Staaten 2. Th. 5. Tit. §. 77.. Sollte jedoch die - ſelbe von der Herrſchaft uͤberſchritten, und das Geſinde gemiß - handelt werden, ſo hat es keinen Zweifel, daß die Herrſchaft nicht nur zur Erſetzung aller Schaͤden und Unkoſten, ſondern auch zu jeder andern rechtlichen Genugthuung angehalten werden kann78)leyser Meditat ad Pandect. Specim. XVI. med. 4. Qui - ſtorps Grundſaͤtze des peinl. Rechts I. Th. §. 309. Dorn in dem angef. Verſuch § 118..

C 5II) Die42

II) Die Pflichten der Dienſtherrſchaft hingegen ſind im Allgemeinen folgende.

1) Jede Herrſchaft iſt ſchuldig, dem Geſinde die bedungene Koſt, Lohn und Kleidung, wie auch die verſprochenen Geſchenke zu den beſtimmten Zeiten promt zu entrichten79)Dorn §. 125. §. 151.. Kleidung findet zwar der Regel nach nur bey den ſogenannten Livreebedienten Statt. Koſt und Lohn aber gebuͤhrt allen Dienſtboten, und verſteht ſich auch ohne Verabredung von ſelbſt. Erſtere kann jedoch dem Geſinde entweder in Natur gereicht, oder im Gelde entrichtet werden, je nachdem es ausgemacht worden iſt, nur muß ſie in jenem Falle in den jeden Orts ge - woͤhnlichen Speiſen bis zur Saͤttigung gegeben werden. Der Lohn hingegen wird im Gelde bezahlt, und durch den Vertrag feſtgeſetzt, wofern er nicht entweder durch ein ausdruͤckliches Ge - ſetzt, oder durch eine Gewohnheit ſchon beſtimmt iſt.

2) Darf die Herrſchaft das Geſinde nicht ohne Urſache, und um jeder Kleinigkeit willen mit empfindlichen Schlaͤgen, und Schimpfworten tractiren80)Dorn §. 153.. Denn wenn gleich das Ver - haͤltniß der Dienſtboten gegen ihre Herrſchaft nicht fuͤglich zu - laͤßt, daß erſtere wegen jeder geringfuͤgigen Beleidigung mit In - jurienklagen wider die letztern zugelaſſen werden81)leyser Vol. VIII. Specim. DXLVI. medit. 13. ſq. und We - ber uͤber Injurien und Schmaͤhſchriften 1. Abth. §. 13. Not. 8. S. 212., ſo berech - tiget doch uͤble Behandlung des Geſindes, der Herrſchaft vor der Zeit den Dienſt aufzuſagen.

3) Sie muß ihm nicht mehrere noch ſchwerere Arbeit auf - buͤrden, als das Geſinde nach ſeiner Leibesbeſchaffenheit und Kraͤften, ohne Verluſt ſeiner Geſundheit, beſtreiten kann. Auch iſt ſie

4) ſchuldig, fuͤr Cur und Verpflegung des Geſindes zu ſor - gen, wenn es ſich durch den Dienſt oder bey deſſen Gelegenheiteine43eine Krankheit zuzieht, ohne desfalls etwas an ſeinem Lohne zu kuͤrtzen82)wernher ſelect. Obſervat. for. Tom. II. P. IX. Obſ. 107. und Dorn §. 155. Man ſehe auch das allgemeine Ge - ſetzbuch fuͤr die Preuß. Staaten, 2. Th. 5. Tit. §. 86. u. 87.. Nicht minder iſt

5) die Herrſchaft verbunden, den Schaden zu erſetzen, den das Geſinde im Dienſt an ſeinen Sachen erlitten hat83)Fiſchers Lehrbegrif ſaͤmmtlicher Kameral - und Policey - rechte 1. B. §. 1342. Dorn §. 161.. Sie iſt endlich auch

6) ſchuldig, das Geſinde ſolange, als die gewoͤhnliche oder verabredete Dienſtzeit dauert, zu behalten, wofern nicht recht - maͤßige Urſachen vorhanden ſind, welche die Herrſchaft berechti - gen, den Vertrag vor Ablauf der beſtimmten Zeit aufzuheben. Setzt ſie das Geſinde ohne erhebliche und rechtmaͤßige Urſache zur Unzeit auſſer Dienſt, ſo muß ſie ihm nicht nur den vollen Lohn entrichten, ſondern auch allen anderweitigen Schaden er - ſetzen84)Dorn §. 162..

§. 122. Zuſtand der heutigen Bauern in Teutſchland. Begriff und Ein - theilung derſelben.

Einen Mittelſtand zwiſchen vollkommen freyen Leuten und Leibeigenen machen, wenigſtens in der Regel, die heutigen ge - meinen Bauern in Teutſchland aus. Ein großer Theil derſel - ben ſtammt zwar von den ehemals freygelaſſenen Leibeigenen unſerer Vorfahren her85)I. H. boehmer de imperfecta libertate ruſticor. in Germ. in Exercitat. ad Pand. T. I. pag. 845. ſqq. von Buri Erlaͤu - terung des in Teutſchland uͤblichen Lehenrechts IV. Fortſetzung S. 32. ff. Runde Grdſ. des allgemeinen teutſchen Privat - rechts. §. 484. u. 485.; deswegen aber laͤßt ſich doch keines - weges behaupten, daß unſere heutigen Bauern alle ehedem leib - eigen geweſen ſind, indem uns vielmehr die Geſchichte der Teut -ſchen44ſchen lehrt, daß der Unterſchied zwiſchen freyen und leibeigenen Bauern von den fruͤheſten Zeiten an Statt gefunden habe86)Man ſehe hier vorzuͤglich Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts 5. Band §. 484..

Der Name Bauer, Landmann, (ruſticus, ruricola) pflegt zwar in der allgemeinen, auch ſelbſt in dem Roͤm. Rechte nicht unbekannten Bedeutung allen denen beygelegt zu werden, welche auſſer den Staͤdten wohnen, und das Land bauen87)S. Wolfg. Frid. schroedter Diſp. de notione ruſticorum Germaniae. Goettingae 1743. . Allein dagegen iſt ſchon von Weſtphal88)im teutſchen und reichsſtaͤndiſchen Privatrecht 1. Th. 26. Ab - handlung S. 241. u. ff. mit Recht erinnert worden, daß in der eigentlichen Bedeutung des heutigen teut - ſchen Rechts Wohnung und Beſchaͤftigung eben ſo wenig, als Kleidung und Sitten den unterſcheidenden Character eines Bauern beſtimmen, ſondern allein der Beſitz eines Bauer - guts oder einer Bauerlaͤnderey hier alles entſcheiden89)Ihm ſtimmen auch Runde in den angef. Grundſaͤtzen §. 482. und Danz im Handbuch §. 482. bey.. Ein Bauergut aber, oder eine Bauerlaͤnderey iſt ein ſolches Grundſtuͤck, welches zum Ackerbau und Viehzucht beſtimmt, zugleich aber auſſer den gemeinen Steuern auch den beſondern baͤuerlichen Laſten unterworfen iſt90)von Buri ausfuͤhrliche Abhandlung von den Bauerguͤtern, mit Anmerkungen von Hofr. Runde. Gieſſen 1783. 4.. Dieſe be - ſondern baͤuerlichen Laſten oder Beſchwerden beſte - hen bekanntlich in Grundzins und Frohndienſt. Wer nun alſo ein ſolches Bauergut, oder Bauerlaͤnderey, im eigenen Namen beſitzt, wird im rechtlichen Sinne ein Bauer genennt. Es kommt nicht darauf an, wie viel er beſitzt; inzwiſchen pflegt man doch diejenigen im vorzuͤglichen Verſtande Bauern zu nennen, deren Gut und Laͤnderey ſo betraͤchtlich iſt, daß ſie dar - auf ein Paar Ochſen, oder zwey bis vier Pferde halten koͤn -nen45nen91)S. Weſtphal a. a. O. §. 2.. Eine Gemeinheit von ſolchen Laͤndereybeſitzern, oder Bauern, die zum Ackerbau und Viehzucht vereiniget iſt, wird ein Dorf92)fritsch de ſtatu et iure pagorum Germaniae. Weſtphal a. a. O. §. 5. genennt. Man theilt zwar in Teutſchland die Doͤrfer in unmittelbare oder Reichsdoͤrfer, und mit - telbare Doͤrfer ein. Reichsdoͤrfer werden naͤmlich die - jenigen Dorfſchaften genennt, welche dem Kaiſer und Reiche unmittelbar unterworfen ſind, und denen ſelbſt die Rechte der Landeshoheit, ſoweit ſie ſolche noch in Ausuͤbung zu bringen vermoͤgen, zuſtehen93)S. Ernſt Ludw. Wilhelm von Dacheroͤden Verſuch eines Staatsrechts, Geſchichte und Statiſtik der freyen Reichs - doͤrfer in Teutſchland. 1. Th. Leipzig 1785. 8. 1. u. 3. Kap.. Mittelbare Doͤrfer hingegen ſind ſolche, die der Landeshoheit der teutſchen Reichsſtaͤnde, oder doch der Gewalt anderer Unmittelbaren unterworfen ſind94)Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts. 1. Band §. 74.. Allein die Einwohner der Reichsdoͤrfer werden nur im uneigent - lichen Verſtande Reichsbauern genennt, in den Reichsge - ſetzen aber und in den Actis publicis nie mit dieſem Namen be - legt95)Gottl. Aug. Jenichen Abhandlung von den Reichsdoͤr - fern, und Reichsfreyen Leuten. Leipzig 1768. 4. S. 40. Dacheroͤden a. a. O. 1. Kap. S. 43. f.. Sie ſind vielmehr Reichsfreye Leute, die von allen ſonſt gewoͤhnlichen Bauerdienſten und Frohnen, wie ſolche nur Namen haben moͤgen, frey ſind, da ſie weder einen Landes - noch Guts - und Gerichtsherrn haben, welchem ſie dergleichen Dienſte leiſten duͤrften96)Dacheroͤden a. a. O. Kap. 3. S. 97..

Die gemeinen Bauern, oder die Bewohner der mittelbaren Doͤrfer in Teutſchland, unterſcheiden ſich nun inſonderheit von den Leibeigenen darinn, daß ſie, in Anſehungihrer46ihrer Perſon, freye Leute ſind. Ihre Verpflichtung zu Dienſten und Abgaben haftet blos auf dem Beſitz eines Guts, und dauert daher auch nicht laͤnger, als ſolange ſie das Gut beſitzen. Sie koͤnnen alſo, auch wider ihres Gutsherrn Willen, wegziehen, und den Ort ihrer Geburt und Beſtimmung verlaſſen, welches hingegen bey den Leibeignen darum nicht Statt findet, weil bey denſelben die Dienſt - und Zinspflicht auf der Perſon ſelbſt, ohne Ruͤckſicht auf den Beſitz eines Guts, haftet.

Die gemeinen Bauern koͤnnen auf verſchiedene Art ein - getheilt werden. Betrachtet man ſie

1) in Abſicht auf ihr Verhaͤltniß zum Staate, ſo ſind ſie entweder ſolche, die der hoͤchſten Territorialgewalt unmittelbar, oder ſolche, die dieſer nur mittelbar unter - worfen ſind, und welche alſo auſſer ihrem Landesherrn[auch] noch einen Gutsherrn haben, dem ſie die gewoͤhnlichen Bauern - Praͤſtanda zu entrichten ſchuldig ſind. Jene werden herr - ſchaftliche Bauern, oder Cammerbauern genennt, weil ſie nicht nur das, was ſie als Unterthanen zu ſteuern und zu leiſten ſchuldig ſind, ſondern auch alles, was ſie als Bauern leiſten muͤſſen, dem Landesherrn oder ſeiner Cammer zu entrich - ten haben97)Danz Handbuch 5. Band §. 487.. Die letztern hingegen werden Patrimonial - bauern genennt, und ſind nach Verſchiedenheit ihrer Guts - herrſchaft entweder adeliche Hinterſaſſen, oder Pfarr - und Stiftsbauern, u. dgl. 98)Danz Handbuch 5. Band §. 487.

2) In Anſehung der Guͤter, welche ſie beſitzen, wer - den ſie in große und kleine Bauern eingetheilt. Zur Claſſe jener erſtern werden alle diejenigen gerechnet, welche nach der Beſchaffenheit und den Beduͤrfniſſen ihrer Landwirth - ſchaft Zugvieh, naͤmlich Pferde oder Ochſen, halten muͤſſen. Dieſe werden deshalb Anſpaͤnner, Fuhrleute, oder Ackerleute genennt, und ſind nach der Groͤße ihrer Guͤter, und der Zahl der Pferde oder Ochſen, deren ſie bey ihrer Land -wirth -47wirthſchaft beduͤrfen, entweder Vollſpaͤnner, oder Halb - ſpaͤnner, oder Viertelsſpaͤnner; die naͤheren Beſtim - mungen dieſes Unterſchieds haͤngen jedoch von eines jeden Lan - des beſondern Gebrauche ab99)Danz §. 489.. Zur Claſſe der kleinen Bauern werden hingegen diejenigen gerechnet, die nicht ſoviel Laͤnderey beſitzen, daß ſie darauf Zugvieh halten koͤnnten. Dieſe werden Koͤter, oder Koßathen100)Kothe oder Koͤthe heißt ein Haus in der Gemeinde - Markung. S. Weſtphals teutſches Privatrecht 1 Th. Abh. 27. Anmerk. 5. S. 256. Der Name Koßaten kommt von caſa und caſati her. S. puffendorf Obſervat. iur. univ. T. IV. Obſ. 103., ferner Brinkſitzer, Hinterſaͤttler, Haͤußler und Gaͤrtner genennt1)Danz §. 490..

§. 123. Von den Dienſten und Frohnen der teutſchen Bauern, und deren mancherley Arten.

Es gehoͤrt nun alſo zu den weſentlichen Kennzeichen der teutſchen Bauern, daß ſie wegen des Beſitzes ihrer Guͤter ver - pflichtet ſind, zum Nutzen der Gutsherrſchaft Dienſte zu leiſten, welche man Frohnen und Frohndienſte nennt2)S. Joh. Leonh. Hauſchild Abh. von Bauern, oder de - ren Frohndienſten Dresden u. Leipzig 1771. B. Fr. R. Lauhn von den Frohndienſten der Teutſchen. Frankfurt 1760. und mit Anmerkungen und Urkunden vermehrt von Kuhn. Weißenfels und Leipzig 1791. 8. puffendorf Obſervat iu - ris univ. T. I. Obſ. 121. leyser Meditat. ad Pandect Spec. CCCCXVI. CCCCXX. und Henr. Add. lehzen Diſſ. de ve - ro et originario fundamento obligationis ruſticorum ad operas et cenſum praeſtandum. Goett. 1793. . Man vermiſche dieſe Bauer-Frohnen nicht mit andern Dienſten, zu welchen die Bauern entweder als Unterthanen, oder als Mitglieder einer Dorfsgemeinde verbunden ſind. Jene werden Landfrohnen oder Landfolgen genennt, und darunter diejenigen Dienſte verſtanden, welche der Landes - herr, vermoͤge der Landeshoheit, von den Bauern fordert, unddie48die dieſe, als Unterthanen, zum Beſten des Landes leiſten muͤſ - ſen. Dahin gehoͤren die Kriegsfuhren, Schanzarbeiten, Wege - beſſerung und uͤberhaupt alle diejenigen Dienſte, welche die Er - haltung der oͤffentlichen Sicherheit, und die Befoͤrderung der gemeinen Wohlfart des Landes erfordert3)Man ſehe Weckherlins Darſtellung der Grundſaͤtze, nach welchen Frohndienſte, und insbeſondere Landesfrohnen aus - zutheilen und auszugleichen ſind. Stuttgard 1798. und Fried. von Buͤlow’s und Theod. Hagemanns practi - ſche Eroͤrterungen aus allen Theilen der Rechtsgelehrſamkeit 1. Band. Nr. 22. S. 122. ff.. Dieſe hingegen werden Gemeinde - oder Reihedienſte, Communfroh - nen genennt, und bey deren Repartition unter die Gemeinde - mitglieder iſt vorzuͤglich auf die individuelle Verfaſſung einer jeden einzelnen Gemeinheit zu ſehen4)Danz Handbuch §. 491. S. 193. ff.. Man rechnet hierher gewoͤhnlich nicht nur die zur Erhaltung der Gemeindewege und Gemeindebruͤcken erforderlichen Dienſte, ſondern auch diejenigen, welche der Bauer, als Parochian, z. B. bey dem Bau der Kirche oder Pfarrwohnung, ferner bey Kirchenviſitationen zu leiſten verbunden iſt5)Joh. Heinr. Chriſt. von Selchow Rechtsfaͤlle. 1. Bd. Deciſ. 23. S. 235. ff..

Die Frohndienſte der Bauern ſind nun von verſchiedener Art. Man theilt ſie

I) nach Verſchiedenheit der Art, wie ſie gelei - ſtet werden, in Spann - oder Zugdienſte, und in Hand - und Fußdienſte ein ꝛc.

S. 151. Z. 17. iſt ſtatt Anſpaͤnner zu ſetzen: Spann - oder Pferdefroͤhner.

Ebendaſ. ſind die Worte von Z. 18. bis Z. 6. S. 152. weg - geblieben.

S. 152. ſind Z. 17. bis zu Ende weggelaſſen worden. Da - fuͤr aber ſind die Worte ſubſtituirt: Diejenigen Bauern, welchezu49zu Hand - und Fußdienſten verpflichtet ſind, werden uͤberhaupt Handfroͤhner genennt.

S. 153. Z. 1. ſtatt lit. b.

II) Nach dem Geſchlecht der Perſonen, welche die Bauerfrohnen verrichten, ſind ſelbige entweder Maͤnner - oder Weiberdienſte ꝛc.

Ebend. ſtatt lit. c.

III) Werden die Frohnen in Abſicht auf die Zeit der Leiſtung in ordentliche und auſſerordentliche einge - theilt6)Weſtphal teutſches Privatrecht 1. Th. 33. Abhandl. Danz Handbuch 5. Band §. 495.. Ordentliche Frohndienſte ſind ſolche, welche alljaͤhrlich zu einer beſtimmten Zeit und fuͤr gewoͤhnliche Beduͤrf - niſſe der Landwirthſchaft zu verrichten ſind. Auſſerordent - liche aber werden diejenigen genennt, welche nur bey beſon - dern, nicht immer zu gewiſſen Zeiten vorkommenden Gelegenhei - ten, und Vorfaͤllen geleiſtet werden muͤſſen. Zu dieſen gehoͤren die Baufrohnen, welche auch Burgfeſten genennt werden, weil ſie urſpruͤnglich, zu den Zeiten des Fauſtrechts, beſonders dem Bau und der Befeſtigung der gutsherrlichen Burg gewid - met waren7)hellfeld Repertor iur. priv. v. Burgfeſte. Frid. Eſ. a puffendorf Animadverſiones iuris. Nr. 28.. Allein h. z. T. verſteht man darunter die zum Bau und zur Erhaltung der herrſchaftlichen Gebaͤude zu verrich - tende Dienſtleiſtungen8)S. v. Buͤlows und Hagemanns practiſche Eroͤrterun - gen. 1. Band Nr. XLI. . Ferner Jagdfrohnen, welche dem Patrimonialherrn bey den zur Beluſtigung angeſtellten Jag - den geleiſtet werden muͤſſen9)Io. Aug. reichardt Diſſ. de operis venaticis. Ienae 1770. und I. M. seuffert Progr. Operae venatoriae ad territoria - les quatenus referendae ſint? Wirceburgi 1790. Joach. Ernſt von Beuſt von der Jagd - und Wildbannsgerechtig - keit. Kap. XV. §. 1. ff.. Man verwechſele damit nicht,wieD50wie gewoͤhnlich geſchieht, die Jagdfolgen, worunter bloß die zur Ausrottung ſchaͤdlicher und gefaͤhrlicher Thiere angeordneten Dienſte verſtanden werden10)Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts 5. Bd. §. 493. S. 211.. Denn hierzu ſind alle Landesunter - thanen verpflichtet, und ſelbſt Buͤrger in den Staͤdten, und ſonſt dienſt - und frohnfreye Unterthanen ſind nicht frey hiervon11)von Beuſt a. a. O. §. 6. Danz Handbuch 2. Band §. 156. S. 59.. Dahingegen ſind nicht alle und jede Patrimonialbauern ihren Guts - herrn, nicht alle und jede Cammerbauern dem Landesherrn zu Jagdfrohnen verbunden, ſondern nur Vertraͤge und Her - kommen verpflichten ſie dazu12)seuffert cit. Progr. Danz im Handbuch 5. B. §. 497. Anderer Meinung iſt zwar Aug. Ferd. hauschild in ſeiner unter dem Vorſitz des Hrn. Ord. von Winckler gehaltenen Diſſertation: Superioritas territorialis fons operarum venatica - rum, principi a ſubditis debitarum. Lipſiae 1786. Allem man ſehe Hrn. Hofr. Kluͤbers kleine juriſtiſche Bibliothek. 3. Bd. S. 57. ff.. Es iſt dies uͤberhaupt die Regel, welche bey den auſſerordentlichen Frohnen Statt findet. Auch bey den vorhin genannten Baufrohnen beſtimmen daher nur beſondere Dienſtvertraͤge, oder das Her - kommen den Grund und Umfang der Verbindlichkeit zu denſel - ben13)S. Gmelin und Elſaͤſſers gemeinnuͤtzige juriſt. Beob - achtungen und Rechtsfaͤlle 5. Band Nr. II. S. 22. ff. Fried. v. Buͤlow’s und Theod. Hagemanns practiſche Eroͤrte - rungen aus allen Theilen der Rechtsgelehrſamkeit. 1. Band Nr. XLII. S. 215. ff. Runde Grundſaͤtze des allgemeinen teutſchen Privatrechts §. 496. In der Beſtellungs. und Ern - dezeit koͤnnen der Regel nach weder Bau - noch Jagdfrohnen verlangt werden. kind Quaeſtion. for. Tom. I. cap. 47. und seuffert cit. Progr. in fin. . Die Verbindlichkeit zur Leiſtung ungemeſſener Froh - nen hingegen entſcheidet dabey nicht14)Danz Handbuch 5. Baud §. 496. u. 497..

§. 124.51

§. 124. Von gemeſſenen und ungemeſſenen Dienſten der Bauern.

Zuletzt theilt man die Bauerndienſte auch noch nach der Qualitaͤt und Quantitaͤt der Leiſtung in gemeſſe - ne und ungemeſſene ein15)S. Io. Ge. pertsch Diſſ. de diviſione operarum in determi - natas et indeterminatas, earumque exactione. Ienae 1731.. Sind naͤmlich die Frohnen durch Dienſtvertraͤge, Dienſtregiſter, oder Herkommen nach Zeit, Ort, Zahl und Art beſtimmt, ſo werden ſie gemeſſene ge - nennt; fehlt es hingegen an dieſen Beſtimmungen, ſo gehoͤren ſie zu den ungemeſſenen Dienſten16)Von den ungemeſſenen und gemeſſenen Dienſten der teut - ſchen Bauern handelt ausfuͤhrlich Hr. von Benekendorf in Oeconomia Forens. V. Th. 8. Hauptſt. 9. und 10. Abſchnitt. Man ſehe auch Runde Grdſ. des allg. teutſchen Privat - rechts §. 498.. Letztere ſind ent - weder ſchlechterdings ungemeſſene Dienſte, (operae indeterminatae abſolute tales) wenn ſie weder in Anſehung ihrer Quantitaͤt noch Qualitaͤt beſtimmt ſind, ſondern die Bauern zu allen Zeiten, da ſie von der Herrſchaft aufgeboten werden, zu Dienſten erſcheinen, und alles was zur Beſtellung und Nutzen des herrſchaftlichen Guts erforderlich iſt, verrichten muͤſſen; oder nur zum Theil ungemeſſene Dienſte, (operae indeter - minatae ſecundum quid tales), wenn ſie nur in Anſehung der Quan - titaͤt unbeſtimmt ſind, das iſt, bey welchen nur die Anzahl der jaͤhrlich zu leiſtenden Frohnen nicht feſtgeſetzt iſt, wenn gleich Zeit, Ort und Art derſelben beſtimmt ſeyn ſollten17)kind Quaeſtion. for. Tom. I. cap. 70. pag. 269. ſqq. und Danz Handbuch 5. Band §. 498.. Wo nun die Frohnen feſtgeſetzt ſind, da muß es auch bey der ein - mal gemachten Beſtimmung genau bleiben, und es darf alſo zum Nachtheil der Bauern keine Veraͤnderung in Anſehung derſelben gemacht werden18)S. Melch. Dethmar. grollmanni Commentat. de opera - rum debitarum mutatione P. I. II. et III. Gieſſae 1751. 4. Herr. brokes ſelect. Obſervat. for. Obſ. CCCLXXI. und Io. Ad. Th. .

D 2Ebend.52

Ebendaſ. ſind Z. 14. die Worte: Es kann in Anſe - hung ſolcher Dienſte vorzunehmen, weggeblieben.

S. 155. Z. 4. iſt ſtatt der Worte: Die Entſcheidungs - normen ꝛc. ſo zu leſen: Die beſondern Entſcheidungsnormen bey Beſtimmung der gemeſſenen Dienſte geben erſtens die Dienſtvertraͤge, welche das Verhaͤltniß der Dienſtpflichti - gen gegen ihren Gutsherrn beſtimmen; zu dieſen gehoͤren auch Hof - und Annehmungsbriefe der Unterthanen, welche einen unſtreitigen Vertrag zwiſchen der Herrſchaft und ihren dienſtpflichtigen Unterthanen zum Grunde haben. Zwey - tens die Dienſtregiſter, oder wie ſie auch an manchen Or - ten genennet werden, die Dienſturbarien ꝛc.

S. 156. Z. 16. iſt folgendermaßen zu leſen: Die Rechts - gelehrten ſind in Entſcheidung derſelben ſehr verſchiedener Mei - nung. Einige ſagen, daß ꝛc.

Ebendaſelbſt zur Not 55. struben de iure villicorum. Cap. V. §. 1. Io. Iac. reineccius de ruſtico quondam ſervo. Ien. 1749.

S. 157. Z. 15. iſt ſtatt fuͤr die gemeine Meinung: zu leſen: fuͤr die erſte Meinung.

Ebendaſelbſt Z. 16. ſtatt: Demungeachtet aber ꝛc. ließ: Andere21)Siehe die Note 56. der erſten Ausgabe, welcher noch hin - zuzufuͤgen iſt: kind Quaeſt. for. T. I. cap. 70. A. R. I. bünemann Adſertio de ruſticorum libertate et operis contra reineccium Hannov. 1750. Joh. Leonh. Hauſchild von Bauern und deren Frohndienſten, auch der in den Rech - ten gegruͤndeten Vermuthung ihrer natuͤrlichen Freyheit. Dresden und Leipzig 1771. hingegen behaupten gerade das Gegentheil ꝛc.

S. 158. Z. 21. ſind die Worte: Allein dagegen laͤßt ſich einwenden, vermuthet werde. S. 159. wegge - laſſen worden.

S. 159.
18)Th. kind Quaeſtiones forens. Tom. I. cap. 80. et Tom. II. cap. 61.
18)53

S. 159. Z. 17. iſt ſo zu leſen: Noch andere22)Iſt die Not. 60. der erſten Ausgabe, wo die hierher gehoͤ - rigen Rechtsgelehrten angefuͤhrt ſind. ſind der Meinung, es koͤnne im Allgemeinen weder fuͤr gemeſſene, noch fuͤr ungemeſſene Dienſte praͤſumirt werden, ſondern alles komme auf die Verſchiedenheit der Gegenden und Laͤnder an.

S. 160. iſt Z. 3. nach den Worten: nichts entſchieden werde: noch folgendes hinzugefuͤgt worden: Unſer Verfaſ - ſer behauptet endlich, daß wenigſtens in dem Falle, da es auſ - ſer Zweifel iſt, daß der Gutsherr dieſe oder jene Art von Frohndienſten zu fordern habe, in Anſehung der uͤbrigen Beſtim - mungen der Zeit, des Orts und der Zahl fuͤr ungemeſſene Dienſte dieſer Art zu praͤſumiren ſey, weil Beſtimmungen, als res facti, nicht vermuthet wuͤrden, ſondern bewieſen werden muͤßten. Ich glaube, daß ein Unterſchied zwiſchen ordentlichen und auſ - ſerordentlichen Bauerfrohnen zu machen ſey. In Anſehung der letztern hat der Gutsherr die Vermuthung immer gegen ſich, weil dieſe auf keinem allgemeinen Grunde, ſondern auf beſonderm, in jedem einzelnen Falle von dem Gutsherrn zu erweiſenden Erwerb beruhen. Es muß daher der Gutsherr nicht allein beweiſen, daß er die Art von Frohnen, welche er in Anſpruch nimmt, wirklich zu fordern berechtiget ſey, ſon - dern wenn auch die Verbindlichkeit zu Leiſtung einer gewiſſen Art von ſolchen auſſerordentlichen Dienſten[auſſer] Zweifel waͤre, ſo muß er doch auch uͤber Maas und Beſchaffenheit die noͤthigen Beweiſe beybringen, weil beydes zum Grunde ſeiner Klage gehoͤrt. Iſt hingegen von ordentlichen Frohnen die Rede, deren Leiſtung auch an ſich die Bauern nicht verwei - gern, als welche nur zu ungemeſſenen Dienſten ſich nicht verſte - hen wollen; ſo tritt allerdings die rechtliche Vermuthung fuͤr ungemeſſene Frohnpflicht ein, wenn es an poſitiven Beſtimmun - gen uͤber die Art und Weiſe, und uͤber Zeit und Maas in einem gegebenen Falle mangelt. Denn die ordentlichen Bauerfrohnen beruhen auf der Natur des Nexus, in welchem der Bauer zu ſeinem Gutsherrn ſteht, und gehoͤren daher uͤberhaupt zu denD 3allge -54allgemeinen baͤuerlichen Laſten. Bey ſolchen Menſchen aber, die ſich nun einmahl in einem nicht ganz freyen Zuſtande befinden, ſondern ihre Verbindlichkeit zu Frohnleiſtungen uͤberhaupt ſelbſt anerkennen, kann wohl die Vermuthung fuͤr die natuͤrliche Frey - heit nicht Statt finden, vielmehr iſt der Bauer die Einſchraͤn - kungen der Frohnpflicht, die er vorſchuͤtzt, um ſo mehr zu be - weiſen verbunden, je weniger ſolche, als eine res facti, im Zweifel vermuthet werden koͤnnen23)Man ſehe hier vorzuͤglich Danz Handbuch des heutigen teutſchen Privatrechts 5. B. §. 499. Mit dieſen Grundſaͤtzen ſtimmt auch das neue Preuß. Landrecht Th. 2. Tit. 7. §. 311. uͤberein..

Ebendaſ. iſt zur Note 63. noch noch beyzufuͤgen: Runde Grdſ. des allgem. teutſchen Privatrechts §. 499.

S. 161. iſt Note 64. ſo zu leſen: Man vergleiche hier das neue Preuß. Landrecht 2. Th. 7. Tit. §. 315. ff. In An - ſehung des Bothenlaufens der Coßathen iſt inſonderheit §. 413. die Beſtimmung feſtgeſetzt, daß ein Botenlaͤufer im herr - ſchaftlichen Dienſte 15. bis 18. Pfund, und wenn die Entfer - nung weiter iſt, als daß er noch an demſelben Tage zuruͤckkom - men koͤnnte, 10. bis 12. Pfund zu tragen ſchuldig ſey. Eben ſo hatte auch