PRIMS Full-text transcription (HTML)
[figure]
Poetiſche Uberſetzungen und Gedichte.
[figure]
Mit Koͤnigl. Poln. und Chur-Saͤchſ. Privilegio.
LeipzigundBreßlau/ beyChriſtian Bauch/ Buchhaͤndl. AnnoM DCC IV.
[figure]
Hochgeneigter Leſer.

WEnn der vortreffliche / nunmehro ſelige / Ver - fertiger gegenwaͤrti - ger Poeſien in den Ge - dancken geſtanden / Buͤcher / abſonderlich Verſe zu ſchrei - ben / waͤre eine Sache / die Standes - Perſonen und Ritters-Leuten mehr nachtheilig als ruͤhmlich fiele / ſo haͤt - te die gelehrte Welt dieſes / was ihr itzt vor die Augen geleget wird / nicht zu erwarten gehabt / vielweniger wuͤrden deſſen Freyherrliche Nach - kommen es Ihnen vor eine ſonderba - re Ehre geſchaͤtzet haben / daß Ihres ſeligſten Herren Vaters geſegnetes Gedaͤchtniß / wie auf vielfaͤltige an -) (2dere /dere / alſo auch auf dieſe Art / bey der ſpaͤten Nachwelt fortgepflantzet wuͤrde. Sie haben aber beyderſeits die Sache beſſer verſtanden / und die Thorheit der Widriggeſinnten billich mit Ihrem allen in die Augen leuch - tenden Exempel / kraͤfftigſt widerle - get. Maſſen unſer ſeligſter Frey - Hr. von Abſchatz feſt geglaubet / die wenigen Neben-Stunden / da Ihm von ſeinen hochwichtigen zu Ihrer Kaͤyſerl Majeſtaͤt Dienſt und des Vaterlandes Heil zielenden Ver - richtungen / etwas Athem zu ſchoͤpf - fen erlaubt geweſen / koͤnten nicht beſ - ſer / als mit einer ſolchen Arbeit hin - gebracht werden / die von ſeiner aus - buͤndigen Gelehrſamkeit und mit ſel - biger genau verknuͤpfften Geſchick - ligkeit / ein gnugſames Zeugniß able - gen moͤchte. Und iſt kein Zweifel / daß er ſelbſt / wenn es die Ihm faſt angebohrne Beſcheidenheit / vermoͤgewel -welcher die eigene Geburten allemahl von Ihm mit einem weit ſchaͤrffern Auge / als frembde / angeſehen wor - den / und ſein fruͤhzeitiges Abſterben zugelaſſen haͤtte / mit ſolcher an das Tages-Licht getreten ſeyn wuͤrde. Haben alſo die Freyherrlichen Erben mit Ausfertigung dieſer Gedichte nichts anders gethan / als was dem Willen Ihres ſeligen Herrn Vaters gemaͤß geweſen. Unſer Schleſien hat ſich billich gluͤcklich zu ſchaͤtzen / daß es die ſchon oben beniemte irrige Meynung / mit dieſem lobwuͤrdigen Beyſpiel / von neuem abweiſen und zur Gnuͤge darthun kan / daß mit Feder und Papier umzugehen / oder einen wohlgeſezten Vers zu machen / keine Sache ſey / die denen / welchen / wie man ietzt zu reden pflegt / der De - gen angebohren / zum Schimpff oder Nachtheil gereiche. Wahrhafftig / wenn Potentaten / die drey - und viel -) (3fa -fache Kronen getragen / ihre Ergoͤtz - ligkeit nicht ſelten in der Poeſie ge - habt: Wenn in Purpur und mit Fuͤrſten-Huͤtten prangende hohe Haͤubter / wenn ſtreitbare Feld-Her - ren und durchtriebene Staats - Maͤnner die Hand zu Wercke gele - get / warum ſolten ſich denn Stan - des-Perſonen und Edelleute ſcheuen in ſo Majeſtaͤtiſche und erlauchte Fußſtapffen zu treten? Ich wil hier nicht in die alten Zeiten zuruͤcke ge - hen / und die Koͤnige aller Tichter / den heiligen David und ſeinen Nachfol - ger den weiſeſten Salomon auffuͤh - ren. Ich wil mich auch nicht mit den Provintzialiſchẽ Troubadours, unter denen Kaͤyſer Friedrich der Andere und verſchiedene Neapolitaniſche und Sicilianiſche Regenten oben an ſtehen / auffhalten / vielweniger mich auff den Frantzoͤſiſchen Koͤnig Carl den Neundten beruffen / welcher nichtalleinallein den Ronſard und andere Poe - ten hochgehalten / ſondern auch ſelbſt ein artiges Gedichte von der Vogel - Beitze geſchrieben / ſondern ich wil nur in das nechſt abgelauffene Jahr - Hundert einen Blick werffen / und aus ſehr vielen / etliche wenige / die mir gleich in die Augen fallen / vorſtel - len. Urbanus der Achte / Alexander der Siebende / und Clemens der Neundte konten ſich bey den uner - maͤßlichen Sorgen / mit welchen die Paͤpſtliche Wuͤrde begleitet wird / dennoch ſo viel abmuͤßigen / und die von Ihnen / bey ruhigen Stunden / auffgeſetzte ſo Lateiniſche als Welſche Verſe uͤberſehen. Entbloͤdeten ſich auch nicht ſelbige / ſo wol unter ver - decktem als eigenem Nahmen her - aus zu geben. Kaͤyſer Ferdinand der Dritte war ein herrlicher Welſcher Poet / und itziger unuͤber - windlichſter Kaͤyſer giebt / wie in an - dern Kuͤnſten und Wiſſenſchafften /) (4alſoalſo auch hierinnen dem Glorwuͤr - digſten Herrn Vater gar nichts nach. Carl der Neundte Koͤnig in Schweden hat ſeine eigne Lebens - Beſchreibung Reimweiſe verfertiget. Johann Philipp der kluge Churfuͤrſt von Mayntz verewigte ſich durch ei - ne Teutſche / Poetiſche / nicht uͤbel ge - rathene Uberſetzung der Davidiſchen Lob-Geſaͤnge. Ein gleiches thaten in Lateiniſcher Sprache / Landgraff Moritz / in Teutſcher aber / Landgraff Ludwig von Heſſen-Caſſel und Darmſtadt. Ertz-Hertzog Leopold Wilhelm von Oeſterreich / Hertzog Auguſtus zu Braunſchweig und deſſen Durchlauchtigſte Herren Soͤhne / Hertzog Wilhelm von Sach - ſen-Weimar / der Cardinal Richelieu, der Aeltere Fuͤrſt Montecuculi, Carl Freyherr von Gyllenhielm, oben be - niemten Carls des Neundten Schwe - diſchen Koͤniges natuͤrlicher Sohn /undund viel andere Fuͤrſten / Grafen und Herren / ſonderlich in Spanien / Welſchland / und Franckreich / hielten die Poeſie vor eine Ihrer edelſten Zeit - Verkuͤrtzungen. In unſerm Va - terlande haben ſich die von Bibran / Logau / Schweinitz / Geꝛſtorff / nebenſt mehrern ihres gleichen / mit ihren Geiſt - und Weltlichen Gedichten / ei - nen unſterblichen Nahmen gemacht. Nunmehr gewinnet es faſt das An - ſehen / als ſolte unſer Preißwuͤrdig - ſter Freyherr von Abſchatz den Rei - hen ſchlieſſen / weil / wie ſich ietzt leider! die Zeiten anlaſſen / man die uͤberfluͤſ - ſigen Stunden / lieber zu andern / als gelehrten Ergoͤtzligkeiten anwenden will. Weßwegen der geneigte Leſer ſeine Arbeit um ſo viel hoͤher ſchaͤ - tzen / und wie einen theuren Balſam in Gold und Alabaſter verwahren mag. Ich habe nicht noͤthig / mich bey jeglichem dieſer Poetiſchen Wer -) (5ckeckeabſondeꝛlich zu veꝛweilẽ / doch muß ich von dem getreuen Schaͤffer mit Wahrheit dieſes vermelden / daß eine durch eben dergleichen Arbeit der Welt gnugſam bekannt gewordene vornehme und hochverſtaͤndige Per - ſon mehr als einmal aufrichtig geur - theilet / des Freyherrn von Abſchatz Paſtor Fido waͤre vor ein Meiſter - ſtuͤck aller Uberſetzungen / ſonderlich in den Choͤren / zu halten. Wie Er denn auch / als er eine lange Zeit / nur geſchrieben / in den Haͤnden vertrau - ter Freunde herum gegangen / und nachmahls / durch den Abdruck etli - cher weniger Copeyen / nicht viel ge - meiner worden / von allen Liebhabern der Ticht-Kunſt ſolchen Beyfall be - kommen / daß man / ſo gar aus dem eu - ſerſten Norden / Nachfrage deswegen gehalten. Welches denn unſern ſe - ligen Freyherrn dahin bewogen / daß er ihn von neuem vor die Hand ge -nom -nommen / und in einen weit vollkom - menern Stand geſetzet. In wel - chem er ſich auch itzt vor die Augen des geneigten Leſers ſtellen / und deſ - ſen vernuͤnfftiges Urtheil erwarten darff. Wer des Adimari Welſche Sonnette geleſen / wird ſich uͤber dem Nachdruck / den Ihnen der ſeel. Frey - Hr. von Abſchatz in unſrer Mutter - ſprache eingefloͤſſet / billich verwun - dern. Was die uͤbrigen Poeſien an - belanget / ſo geſtehet man gantz gern / daß unſer Hoͤchſt-ſchaͤtzbarer Frey - herr von dem ſeeligen Lohenſtein / mit dem Er Lebenszeit gantz vertraulich umgegangen / den Tittel der Him̄el - Schluͤſſel entlehnet / ſonſt aber wird man wohl wenig oder gar nichts ge - borgtes in ſelbigen antreffen. Der geneigte Leſer bediene ſich demnach dieſer koͤſtlichen Fruͤchte zu ſeinem Vergnuͤgen. Solte Ihm aber un - terweilen etwas noch herbe oder un -voll -vollkommen vorkommen / ſo beliebe Er zu erwegen / daß ſie gleichſam von der Hand des Todes allzufruͤh abge - brochen / und alſo derjenigen Lieblig - keit beraubet worden / die Sie von der lezten Uberſehung des Urhebers er - warten koͤnnen. Wohl - und rechtge - ſinnte Gemuͤtter werden dieſe aus dem Grabe des ſeligſten Frey-Herrn hervorſchieſſende Blumen / niemals durch ein unzeitiges Splitterrichten / in Dornen oder Neſſeln verwandeln; Mißguͤnſtige aber moͤgen ſich vorſe - hen / daß ſie / wenn ſie etwas deroglei - chen ins Werck richten wolten / ſich nicht zu erſt darein ſtechen oder ver - brennen / und als denn von unpar - theyiſchen ausgelacht wer - den doͤrfften.

Komm
KOmm Mißgunſt / ſetze dich auff deinen
Schlangen-Thron /
Bring alle Furien aus Plutons Sitz zu - ſammen /
Spey Nebel / Rauch und Dampff und ungeheure Flammen
Mit Gall und Wermut aus. Verknuͤpffe Schimpff und Hohn.
Schuͤtt auff den Purpur-Rock der Muſen Gifft und Geiffer /
Du richteſt doch nichts aus mit deinem tollen Eyffer.
Bedraͤnge den Parnaß / und greiff den Lorber-Hayn
Des ſchoͤnen Helicons mit den verwegnen Schaaren
Der frechen Thorheit an. Was Kunſt und Witz be - wahren /
Das wird vor dieſer Wutt mehr als zu ſicher ſeyn.
Und ſolte gleich den Schwarm ein kuͤhner (a) Faber fuͤhren /
Doch werden ſie umſonſt ſo Faͤuſt als Armen ruͤh - ren.
Die
Die Edle Poͤeſie / verlacht die Barbarey:
Was ſich auff ihren Fall und Untergang verſchworen /
Hat bey der klugen Welt laͤngſt den Credit verlohren;
Die Krafft des Himmels ſteht dem theuren Pindus bey.
An ſeinem ſtarcken Wall und feſt gebauten Thuͤrmen
Muß ſich Enceladus umſonſt zu Tode ſtuͤrmen.
Vornehmlich wenn der Stand und Adel Ihn beſchuͤzt /
Wenn ſich die Ritterſchafft zu ſeinem Vortheil ruͤſtet /
So wird ein Goliath / wie hefftig er ſich bruͤſtet /
Im Augenblick geſtuͤrzt. Was von den Hoͤhen blizt /
Das ſchreckt durch einen Schall der ſonderbaren Lie - der
Die ungeheure Brutt der groben Midas-Bruͤder.
Dergleichen ſtellt uns izt der Herr von Abſchatz vor:
Der Abſchatz / der den Preiß der Pierinnen meh - ret /
Der Abſchatz / den man auch ſelbſt in der Grufft ver - ehret /
Weil ihn die Wiſſenſchafft zu ihrem Troſt erkohr.
Sein goldner Wappen-Schild beſchirmt die Reih der
Tichter
Vor allem Uberfall der ſchnoͤden Splitter-Richter.
Be -
Begluͤcktes Schleſien! verehre dieſen Glantz /
Der dir izt wiederum von neuem auffgegangen;
Vor dieſem konteſtu mit einem Bibran prangen.
Manch Logau zierte Dich mit einem Lorber-Krantz.
Ein Schweinitz und noch mehr Hochedelſte Poeten
Erhoben deinen Ruhm mit ſilbernen Trompeten.
Izt hat Dein Abſchatz Dir was ſonders beygelegt /
Der ſich in alle Pracht Italiens gekleidet /
Dein Abſchatz / welcher ſich mit dieſer Koſt gewei - det /
Die Rom und Grichenland auff ſeine Taffeln traͤgt.
Was Guarini ſingt und Adimari ſchreibet /
Hat die geſchickte Hand den Teutſchen ein verleibet.
Man ſpuͤret auch zugleich die reine Froͤmmigkeit /
Und die verbundne Treu / die vor des Kaͤyſers Gluͤcke
Viel heiſſe Wuͤnſche thut. Die keuſchen Liebes - Blicke
Sind hier von aller Glutt der Uppigkeit befreyt.
Mit kurtzem; was als nett und ungemein zu preiſen /
Das kan uns dieſes Buch des Helden-Tichters wei - ſen.
Nun
Nun Fuͤrſt der Kuͤnſte komm / und lege / was dich ziert /
Den Lorber und das Spiel der wohlgeſtimmten Sai - ten
Mit gutem Willen hin. Es wird zu unſern Zeiten
Ein neues Regiment im Pindus auffgefuͤhrt.
Dein abgenuͤzter Schmuck und Zepter muß veralten:
Denn Abſchatz ſoll das Reich der Poeſie verwal - ten.

C. G.

[figure]
[1]

Freyherrlich - Abſchatziſches Ehren-Gedaͤchtniß.

[2][3]

Als Die Gebeine des Liegnitziſchen Joſephs und Aſſenath / Weiland des Hoch-Wohl-Gebohrnen Herrn / Hrn. Hanns Aßmann / Frey-Herrn von Abſchatz / Auf Wuͤrbitz / Nieder-Goͤlſchau / Baͤrſch - dorff / Petſchkendorff und Lederoſe / ꝛc. Des Fuͤrſtenthums Liegnitz hochverdienten Lan - des-Beſtellten / und bey denen Zuſammen-Kuͤnfften der Hochloͤbl. H. H. Fuͤrſten und Staͤnde in Breßlau Ordinär-Deputirten / So auch Der Hoch-Wohl-Gebohrnen Frauen / Frauen Anna / Freyin von Abſchatz geb. von Hund / Auf Wuͤrbitz / Nieder-Goͤlſchau / Baͤrſch - dorff / Petſchkendorff und Lederoſe / ꝛc. ꝛc. In der Ober-Stadt-Kirchen zu Liegnitz Am Sonntage Quaſimodogeniti Anno 1699. des Abends ſolenniter Zugleich beygeſetzet wurden / parentirete M. Adam Ludwig Thebeſius, Evangel. Prediger daſelbſt.Anmerckung

[4]

Des Wohl-ſeligen Herrn Baron von Abſchatz bey ſeinem Teutſch-redenden treuen Schaͤf - fer des Guarini, aus Ablancourts Vorrede des uͤberſezten Taciti, p. 5.

DAs groſſe Unrecht / was man einer Copey (und ſo auch einer Comparation) thun kan / iſt / ſie neben dem Grund-Gemaͤhlde zu weiſen / indem ſie gegen demſelben alle Zierligkeit verlie - ret / und der Natur ſelbſten zwey einander gantz aͤhnliche und gleiche Sachen vorzuſtellen ſelten gelingen will.

5
Hoch - und Wohl-Gebohrne / Hoch-anſehnliche Trauer-Verſammlung.

VOn Joſeph / dem Egyptiſchen Landes-Beſtell - ten / hat deſſen Parentator, der heilige Geiſt / in der Pauliniſchen Lob-Rede an die Hebraͤ - er / diß einige / als etwas Ungemeines ange - mercket: Daß er durch den Glauben geredet von dem Auszuge der Kinder Iſrael / da er ſterben ſollen / und Befehl gethan von ſeinen Gebeinen.

Welche ſonderbare Merckwuͤrdigkeit ihren Grund hatte in der Moſaiſchen Vorſtellung des Eydes / den dieſer Patri - arche bey ſeinem Tode von den Kindern Iſrael genommen und geſaget: Wenn euch GOtt wird heimſuchen / ſo fuͤhret meine Gebeine von dannen. Wie denn auſſer allem Zweifel auch diß leztere Begehren von hoͤchſt-gedachtem heiligen Lob - Redner hergefloſſen / als welcher wuſte / was an dem ſonſt gantz vollkommenen Joſeph vornehmlich ſolle geprieſen wer - den. Denn / wie alle ſeine Vaͤter / ſo war er verſichert durch den Glauben / daß er dermahleins am erſten Oſter-Tage Reuen Teſtamentes mit dem aufferweckten Meßia im gelob - ten Lande ſolte lebendig und gen Himmel eingeholet wer - den. Darum verlangte er / allerlobwuͤrdigſt / daß ſeine Gebeine von dannen gefuͤhret / und im Lande der Verheiſſung beerdi - get wuͤrden.

Es iſt keine unedle Sorgfalt / auch in der Aſche noch leben / und im Grabe eine Sicherheit vor ſein Todten-Geruͤppe ha - ben wollen. Zumahl / wo man ſich im Glauben die gewiſſe Aufferweckung von den Todten zu verkuͤndigen weiß. Deß - wegen wurde nunmehro dieſe beeydete Verordnung denen wehmuͤttigen Bruͤdern zu einem hoch-bedencklichen Geheim - niß; ſo / daß uͤber 145. Jahr deſſen unvergeßliche Beobach - tung noch in vollem Andencken lebete / als der Heer-Fuͤhrer Iſraelis / unbeſorgt / wie alles Volck dem Egyptiſchen Ge - raͤthe und andern Koſtbarkeiten zueilete und ſie mit nahm /(A) 3nur6Freyherrlich-Abſchatziſchesnur allein ſich die Sorge des Gehorſams und Erfuͤllung des Eydes der Vaͤter an den Gebeinen Joſephs vorbehielte.

Iſt doch auch der auffrichtige Gehorſam danckbarer Nach - kommen eine wahre Urſache derer iederzeit Ehren-werth ge - haltenen Reliquien der Heiligen / in welchem Reſpect wir ſie billich vor inviolables Heiligthuͤmer achten. Solte ie - mand die praͤchtige Ausfuͤhrung und Begleitung des Leich - nam Joſephs von 600000. Mann der Iſraeliten geſehen haben / und die itzige Fuͤrſtliche Beyſetzung derer Bruͤder nach dem Tode ihres Erhalters und allgemeinen Vaters ſich vorbilden koͤnnen / ſo bin ich verſichert / er werde nicht zu ſagen wiſſen / welche unter beyden der andern was nachgegeben. Denn jene fuͤhreten ſeine Gebeine von dañen mit ungemeiner devotion, dieſe aber ſalbeten ihn / und legten ihn in eine Lade in Egypten mit vortrefflicher Ehre; honoris ſupremitate, wie man vor Zeiten bey hohen Leichen-Beſtattungen zu reden pflegte.

Wer weiß es nicht / was die Egyptiſche Nation mit ihren Todten vor ſtoltze Ceremonien gehalten / da ſie vornehmlich auff ein praͤchtiges Begraͤbniß alle das Ihrige / wenig aber auff einige Commoditaͤt artiger Wohnungen im Leben gewen - det. Weßwegen zu erachten / es werde auch dieſe Funeration ſo ſtill nicht geſchehen ſeyn / als mit wenigen Worten ſie be - ſchrieben worden. Die Alten geben Nachricht: Man haͤtte den viel Wochen lang koſtbar balſamirten Leichnam mit ſchoͤ - nen Tuͤchern und theuren Zierrathen eingewickelt / in einem trefflichen Sarge auf ein erhabenes Caſtrum Doloris uñ dem gantzen Lande zur allgemeinen Klage vor Augen geleget.

tandemque beatus in alto
Compoſitus lecto, craſſisque lutatus amomis.

Nach Vollendung deſſen habe man die amomirte Mumie des Hochverdienten Mannes erhoben / und ſie in Fuͤrſtlicher Para - de biß in das Koͤnigliche Schatz-Hauß begleitet. Denn ſo haͤtten es die Egyptiſchen Gelehrten vor gutt befunden; weil ſie wiſſen wolten / daß / ſo bald man dieſen Leichnam wuͤrde aus dem Lande folgen laſſen / eine ſo groſſe Finſterniß geſche - hen muͤſſe / dabey einer den andern / auch bey angezuͤndetemLich -7Ehren-Gedaͤchtniß.Lichte / nicht ſehen wuͤrde; Gewiß genug von Joſeph / ihrem allgemeinen Lehr-Meiſter / alſo unterrichtet / deme die ſichere Erklaͤrung ſolcher zukuͤnfftigen Warheit nicht verborgen ſeyn konte.

Schade / daß keine zuverlaͤßige Nachricht zu finden / wenn und wie dem ſo vortrefflichen Joſeph ſeine holdreiche Ge - mahlin / die Aſſenath / im Tode vor - oder nachgegangen ſey. Denn ob wohl die Schrifften heutiger Hebraͤer und die Ver - faſſung des lezten Willens der Soͤhne Jacob / ingleichen die alte Geſchicht von der Aſſenath / welche von der Hebraͤiſchen / Griechiſchen / Lateiniſchen endlich zur Teutſchen Sprache kommen / hiervon was melden wollen / ſo iſts doch ohne ſon - dern Grund. Auch wenn in der lezten vorgegeben wird / ſie habe laͤngſt vor Joſeph / im 20. Jahr ihrer Ehe / als ſie 41 / Joſeph 50 / Manaſſe 19 / Ephraim 18. Lebens-Jahre errei - chet gehabt / Abſchied von dieſer Welt genommen / ſo erweckt dennoch Moſes bey der erzehlten adoption der Soͤhne Jo - ſephs an dem Krancken-Bette Jacobs vielmehr die Gedan - cken / daß Aſſenath damahls im 56. Jahr des Alters Joſeph noch lebhafft und nicht ohne Hoffnung erfolgenden Ehe - Segens moͤge geweſen ſeyn. Dannenher zu glauben ſtehet / weil zumahl ihr Nahme ſo viel als eine Aerztin bedeutet / ſie ſey von GOtt dem hoch-bemuͤhten Abrech zu einer anmutti - gen Pflegerin gegeben / und ſo lange gegoͤnnet worden / biß er ſich ihrer im 110. jaͤhrigen Alter und lezten Schwachheit am meiſten bedienen koͤnnen. Solte auch was anders zu Jo - ſephs groſſem Leid-Weſen ſo zeitig erfolget ſeyn / wuͤrde deſ - ſen dis heilige Hiſtorie / wie anderer kleinern Zufaͤlle der wunderlichen Wege GOttes an ihm / nicht vergeſſen haben.

Die gelehrte Anmerckung eines beruͤhmten Niederlaͤnders vermuthet / daß die Haupt-Urſache der hohen Vergoͤtterung Joſephs / nach ſeinem Tode in Egypten / daher gekommen / weil die Heliopolitaniſchen Prieſter und Fuͤrſten / ihrer nahen Verwandtin / der verwittibten Aſſenath / und dero beyden Fuͤrſtlichen Printzen / Ephraim und Manaſſe / zur Conſola - tion nach der Religioſitaͤt des Landes / die beyden bekandten Statuen zu On oder Sonnen-Stadt / und Memphis auffge - richtet / deren eine der Sonne / die andere dem Mond heilig /(A) 4und8Freyherrlich-Abſchatziſchesund mit dem Nahmen Mneus und Apis, oder Oſiris gezeich - net geweſen / und haͤtte man dadurch gedachte beyde hohe Perſonen / welche dergeſtalt einander nur kuͤrtzlich uͤberlebt haben muͤſten / in dergleichen Symbolis, zweyer an beyden Orten erhoͤheten goͤldnen / und unter dieſem Volck hoͤchſt-ge - ehrteſten Rinder; oder / wie andere wollen / eines Stiers und etlicher Kornaͤhren / zum Andencken des erklaͤrten Traums Pharao / allerdings ewig vergoͤttern wollen.

Alleine / was braucht es ſolcher muͤhſamen Unterſuchun - gen? Ich dencke hier an die Worte eines zu itziger Zeit be - kandten Altdorffiſchen Philologi, da er ſein Urtheil uͤber al - lerley dergleichen aus den Juͤdiſchen Scribenten zuſammen getragene Dinge ſezte: Quilibet horum è tenebris Ægyptia - cis lucem eruere ſategit. Dienet uns zur Nachricht. War - um wollen wir im dunckeln ſolcherley Muthmaſſungen irren / da uns bey gegenwaͤrtigem Frey-Herrlichen Actu darum ſo viel auffgeſteckte Licht-Kertzen in die Augen ſtrahlen / damit man dieſe beyden vor uns zugleich ſtehenden Todten-Laden zu einem unfehlbaren Zeugniſſe annehme / Joſeph und Aſſe - nath ſeyn allerdings zugleich auff einmahl geſtorben und be - graben worden.

Wer ſiehet allhier nicht den Abrech unter unſern Landes - Vaͤtern / den Sophnat Pahaneach dieſes Fuͤrſtenthums? Weyland den Hoch-Wohl-gebohrnen Herrn / Herrn Hanns Aßmann / Frey-Herrn von Abſchatz / auf Wuͤr - bitz / Nieder-Goͤlſchan / Baͤrſchdorff / Petſchkendorff und Lederoſe / des Fuͤrſtenthums Liegnitz hoch-ver - dienten Landes-Beſtellten / und bey denen Zuſammen - Kunfften der Hochloͤblichen Herren Herren Fuͤrſten und Staͤnde in Breßlau Ordinär-Deputirten? Und iſt das nicht die wohlthaͤtige Gemahlin und ungemeine Pflege - rin unſeres Liegnitziſchen Herren Landes-Beſtelleten / die Me - dica unſers muͤhſamen Joſephs / weyland die Hoch-Wohl - gebohrne Frau / Frau Anna / Freyin von Abſchatz / ge - bohrne von Hund / Frau auff Wuͤrbitz / Nieder-Goͤl - ſchau / Baͤrſchdorff / Petſchkendorff und Lederoſe?

Wenn ich eigentlich ſagen ſoll / wohin ich mit dieſer Ver - gleichung ziele / ſo iſt es der ſchrifftlich hinterlaſſene Eyd vonden9Ehren-Gedaͤchtniß.den Gebeinen dieſes unſers Liegnitziſchen Joſephs: Dem - nach iſt mein Wille / wenn der treue GOtt meine Seele nach ſeinem gnaͤdigen Willen und Wohlgefallen aus ihrer irrdi - ſchen Huͤtte abfodern / und wie ich in glaͤubigem Vertrauen auff ſeine grundloſe Barmhertzigkeit / und das vollguͤltige Verdienſt meines einigen Erloͤſers und Heylandes JEſu Chriſti / ſo er auch an mir nicht wird laſſen verlohren ſeyn / feſtiglich hoffe / in ſein himmliſches Reich zu ſeiner Gnaden - Hand auffnehmen wird / daß mein verblichener Coͤrper mit einem gewoͤhnlichen Sterbe-Hemde und ſchwartz-raſchenem langen Rocke bekleidet / in einem doppelten / und zwar den oberſten Eichenen Sarg mit folgenden Spruͤchen; oben auff dem Deckel: HErr / ich warte auff dein Heyl; auff der einen Seite: Ich bin die Aufferſtehung und das Leben; auff der andern Seiten: Ich lebe und ihr ſollt auch leben; zu den Haubten: Hier ruhet und erwartet der ſeligen Er - ſcheinung unſers HErrn JEſu Chriſti / der weyland Wohl - gebohrne Herr Hanns Aßmann / Frey-Herr von Ab - ſchatz der juͤngere / des Fuͤrſtenthums Liegnitz geweſener Landes-Beſtellter; zu den Fuͤſſen: Im HErrn verſchieden / den Tag / das Jahr und Alter bezeichnet: Ohne alle andere Pracht und Zierrath / zur Hoffnung der Freudenreichen Auf - erſtehung / eingelegt werden ſoll. Und waͤre mir erlaubt die Trauer-Decken von beyden Leichen-Kaſten abzuziehen / ſo wolte ich in Gegenwart ſo hoher Zeugen gar zuverſichtlich erweiſen / daß dieſes lezte Begehren / vorgeſchriebener Maſ - ſen / und an dem Sarge der neben-ſtehenden wohlſeligen Frauen Gemahlin in gebundnen Reym-Zeilen / auff einerley Art ſey erfuͤllet worden.

Mir wuͤrde auch gantz leicht zu behaubten ſeyn / daß des Egyptiſchen Joſephs und Aſſenath Saͤrge eben mit derglei - chen Inſcriptionibus auff dem damahligen Trauer-Geruͤſte geſtanden. Denn das war der heiligen Patriarchen ge - woͤhnlicher Leichen-Text / welchen Moſes gleichſam an den Sarg des Vater Iſraels angeſchrieben / bey Erzehlung deſ - ſen Todes / nemlich: HERR ich warte auff dein Heyl. Und ſo redete ſelbter im Tode / wie er von ſeinen Geiſt-vollen Ahnen unterrichtet war / deſſen er auch bey ſeinen Nachkom -(A) 5men10Freyherrlich-Abſchatziſchesmen zu gleicher Glaubens-Folge ſich verſahe. Um was war es ihnen allen ſonſt zu thun / als um die Aufferſtehung und das Leben? Weßwegen ſie in Canaan durchaus ver - langten begraben zu werden.

Nachdem aber hiervon ein mehrers ſoll geredet werden / ſo ſey es indeſſen genug / wenn wir wiſſen / daß /

Was hier zu ſehen iſt / und wir zu leſen haben / Heiſt: Joſeph wird zugleich mit Aſſenath begra - ben.

Hoch-geſchaͤzte Anweſende. Ihre vornehme Beglei - tung und Hoch-anſehnliche Gegenwart machet dißmahl die - ſen Raum unſers GOttes-Hauſes zu einem Caſtro Doloris. Dieſe Solennien locken nicht nur die Hoch-leidtragende Trauer-Verſammlung / ſondern auch unſere geſammte Stadt und das loͤbliche Fuͤrſtenthum herzu / mit Thraͤnen zu erfah - ren / was fuͤr einen Riß der HErr unter uns gethan. Unſer Iſrael wird furchtſam / was nun nach Joſephs Tode erfol - gen werde. Und ſo beweinen wir dieſen Fall durch die an hieſiger Staͤtte angeſtimmten Klage-Lieder. Unſere Stadt und Vaterland erzehlet gar wenig ſolche Begebenheiten / darum iſt auch gegenwaͤrtig ſchmertzliches Vorhaben ein um ſo vielmehr extra-ordinäires Leid-Weſen.

Wer mitleidig iſt / der wolle zu ſeiner Conſolation an die - ſem Trauer-Geruͤſte

Was Rares ſehen und was Rechtes leſen.

Zwey Saͤrge auff einmahl ſehen und in ſelbigen zwey ver - ehlichte im Tode unzertrennte Hertzen / iſt was Rares / welches wohl viel tauſend Ehe-Hertzen wuͤnſchen / aber ſo gluͤckſelig nicht erlangen koͤnnen. Die Eheliche / oder auch ſonſt vertraute Freundſchafft / qualmet zwar insgemein mit Salomo: Wo mein Schatz iſt / da ſey auch mein Hertze! A - ber es muͤſſen nur Abſchatziſche Hertzen ſeyn / an denen ſolches erfuͤllet wird. Und ob ein dem David in[ getreuer] Liebe / als wie angetreueter Ithai / ſich verſchweren wolte / ſo wahr der HErr lebe / und ſein Herr Koͤnig / an welchem Orte ſein Herr Koͤnig ſeyn werde / es gerathe zum Tode oder zum Leben / da wolle er / deſſen Knecht / auch ſeyn / ſo muß es doch darum nichtgeſche -11Ehren-Gedaͤchtniß.geſchehen. Ihrer viel muͤſſen es vor ein Gluͤcke ſchaͤtzen / wenn ſie nur noch an die Seite ihrer Ehe-Gatten / oder in ein Grab dermahleins mit ihren Geliebten gelangen koͤnnen; wo ſie geſtorben / auch ſterben / und wo ſie begraben worden / auch begraben werden moͤgen / wie Davids / des Koͤniges / Elter-Mutter wuͤnſchete / ob ſie es ſchon ſo bald erfuͤllet zu werden nicht hoffen doͤrffen. Aber zugleich auff ſanfftem Todes-Bette / natuͤrlichem Lauffe nach / ſterben / und zugleich ordentlich und herrlich begraben werden / iſt uͤber alle Rari - taͤten.

Wir werden deßwegen dem zu Ende gehenden itzigem Se - culo ein ſonderbares Merck-Zeichen beyſuͤgen / maſſen ſolcher Faͤlle auff dieſe Zeit / zumahl in unſerm Lande / meines Wiſ - ſens / gar wenig anzutreffen ſind. Unſerer Polniſchen Nach - barn einer zu Frauen-Stadt / herberget in ſeinen Trauer - Binden ein einiges Exempel von zwey alten Ehe-Genoſſen / die ſich Chriſtlich zu erblaſſen unterredet / Sterbe-Kleider an - gezogen / neben einander niedergeleget / und Anno 1613. auff einmahl verſchieden. Der Fuͤrſtliche Superintendens zum Brieg / bey den Zeiten damahligen Piaſtaͤiſchen Landes-Fuͤr - ſtens / Hertzog Georgii / Roͤm. Kaͤyſerl. Majeſt. geheimten Raths / Caͤmmerers und Oberſten Haubtmanns des Her - zogthums Ober - und Nieder-Schleſien / meldet in der Leich - Predigt hochgedachten Hertzogs / daß ſelbter von ſeiner Fuͤrſtlichen Frau Gemahlin / als er ſie bey ihrem Sterbe - Bette beſuchet / gebeten worden / ihr eine Bitte / die ſie an ihn thun wuͤrde / nicht zu verſagen / alsdenn wolle ſie deſto williger ſterben; und da der Wehmutt-volle Hertzog mit ja geant - wortet / wofern die Bitte zu gewaͤhren in ſeinem Vermoͤgen ſtuͤnde; ſo habe ſie ſich ausgelaſſen: Sie begehre / daß Ihro Liebden mit ihr ſterben wolten. Worauff abermahlige Ant - wort erfolget / er ſey bereit mit Deroſelbten zu ſterben / wenn es GOttes Wille auch alſo ſey. Und muͤſſe man ſich verwun - dern / daß innerhalb 8. Wochen Anno 1664. beyde Fuͤrſtliche Perſonen abgeredeter Maſſen einander im Tode gefolget. Vor 12. Jahren am 8. Junii / Anno 1687. machte der in hieſi - gen Fuͤrſtenthuͤmern hoch-renom̃irte Kaͤyſer - und Koͤnigliche Rittmeiſter / Herr Conrad von Sack und Damßdorff Herrzu12Freyherrlich-Abſchatziſcheszu Kaufung und dem Koͤnigl. Pfand-Schillinge Altenburg / ein gleichmaͤßiges Valet durch einen geſchwinden Tod im 74. Jahr ſeines Alters / deſſen Ehren-volle Ehe-Liebſte / Frau An - na gebohrne von Zedlitz / ſolche angenehmſte Schickung GOt - tes / da ſie ſchon 14. Tage gekrancket / mit dieſen Worten bewill - kommete: Ich dancke GOtt / der mein Gebet erhoͤret und mich ſehen laſſen / wie mein Ehe-Herr geſtorben / dem ich / mei - nem ſteten Wunſche nach / bald folgen will. Deſſen ſie auch nach 27. Stunden gluͤckſeligſt gewaͤhret wurde. Und nun liegen izt in Liegnitz / zu unſerer unverſehenen Ehre derglei - chen Seltenheiten vor Augen. Wir zeichnen uns billich den 22. Aprilis vor den Wohl-ſeligen Herrn Baron mit dem nota bene Davids: Des Gerechten werde nimmermehr vergeſ - ſen / und den 24. folgenden Tag zum Andencken der himmliſch - erfreueten Frauen Baroneſſe mit dem Aſteriſco Daniels: Sie leuchte / wie die Sterne immer und ewiglich.

Wird iemand forthin im Plutarcho von der bey denen E - gyptiern bekandten und vielleicht biß an Joſephs Zeiten al - ternden Geſellſchafft τῶν συναποϑνησκόντων, der mit einander Sterbenden / leſen / der vergeſſe unſers Liegnitziſchen / ſo gar dem Egyptiſchen Joſeph und Aſſenath nach-ahnenden raren Exempels nicht. Hingegen verzeihen uns alle Nationen / welche iemahls was Ungemeines bey ſich geruͤhmet / daß wir dißmahl ihre wunderwuͤrdige Raritaͤten nur obenhin anſe - hen. Selbſten die admirablen Erfinder der kuͤnſtlichen Sel - tenheiten in Londen / zu Paris / und wo ſie ſonſten leben; der gelehrte Caſſin, hocherfahrne Hevel, weitberuͤhmte Loͤwen - bock / Boyle in Londen / Gverike zu Magdeburg / Papin in Marpurg / Meretto, Kunckel / duͤncken uns nichts Rares zu haben vor uns. Denn ſo uͤbergroß die Kunſt iſt ſelig zu ſter - ben / vor allen Kuͤnſten / um ſo vielmehr æſtimiren wir das Gluͤck ehelich-unzertrennt und ſelig zu ſterben.

Als der in Leiden uͤber dem gewiß ungewoͤhnlich ſchoͤnen Abſchiede der unvergleichlichen Maria / Koͤnigin in Groß - Britannien / mitleidende Spanheim / deßwegen ſeine Klag - Rede hielte / wuſte er / wie hochermeldte Regentin mit ihrem allerliebſten Herrn Gemahl ſich zulezt unterredet haͤtte / und da ſie keine Rechnung laͤngeꝛ mit ſelbtem zu leben / vielwenigerzu -13Ehren-Gedaͤchtniß.zugleich mit ihm ins Grab geleget zu werden / ſich machen doͤrffen / endlich dieſe großmuͤttige Worte gebrauchet: Vale, mi Gvilielme, ac vive intemerati noſtri conjugii memor, do - nec Te mihi, aut me Tibi, ſors Tua reddiderit. Nec plane mo - rior, dum utriusque noſtrum totam imaginem poſſides. Tu unus, erisque vivus mihi tumulus quovis Mauſolæo, quavis mole ſanctior & honoratior. Iſt ein Zeugniß / daß diß all - gemeine Final auch die Groſſen in der Welt ſich muͤſſen gefal - len laſſen / wenn es zum Scheiden koͤmmt / wie ſehr ſie einan - der lieben. Aber weit gluͤckſeliger waren unſere Abſchied - nehmenden Abſchatziſchen Ehe - und Ewig-vertrauten. Der unverſehene Hingang des durch den Schlag-Fluß erſtumme - ten / und nur noch mit den Angſt-vollen Augen redenden Herrn Barons, zu dem Krancken-Bette der Frau Gemahlin / war / als wie wenn der Todte einen Sterbenden beſuchen / und die Troſtloſe dem Erſchrockenen Mutt einreden ſolte. Die tieff-geholten Seuffzer / und die damahls ein wenig bewegte Hand gaben zu verſtehen / daß die hoͤchſt-elende Frau Baro - neſſe zu gleicher Freude und baldigen Genieſſung ewiger Ruhe invitiret wuͤrde / welches ſie auch mit ſehr beweglichen Worten zu ruͤhmen wuſte. Deſſen allen wir / die ſolches wehmuͤttig angeſehen / uns ewig erinnern werden.

Es konte doch auch dergleichen Tugendvolle Ehe-Frau nun nicht mehr leben / denn das Leben wurde ihr mit ihrem ſterbenden Ehe-Herrn genommen. Und daß ſelbter ſeiner Tod-ſchwachen Frau Gemahlin biß hieher in Liegnitz nach - gezogen / war die Urſache / weil er wuſte / daß wenn ſie ſterbe / er zuvor in ihr ſterben muͤſſe. Sie war ſeine andere Seele / denn ſie liebte ihn / ſo viel ihr moͤglich war / und das war die Flamme / womit ſeine in ihr lebende Seele genaͤhret wurde. Alles / was an ihr war / muſte zu ſeiner Pflege dienen / darum konte ſie ihn nicht alleine laſſen. Sie hatte ihre Strahlen der Ehre und Gluͤckſeligkeit von ſeiner Sonne / darum erblaſ - ſete ſie / als er verbliche / und verlohr ihr Alles bey dem Ver - luſte ſeines Lebens. So / wie ſie ehemahls in Rauſſe bey er - ſter Vermaͤhlung geſprochen hatte: Ich will mit dieſem Manne / alſo redete ſie biß ins Grab.

Indi -14Freyherrlich-Abſchatziſches
Indivulſa tibi quondam & fidiſſima conjux, Ut fuit in thalamo ſic erit in tumulo.

Ihr beyden anſehnlichen Archen / Ihr ſeyd Joſephs und Aſ - ſenath! gantz Iſrael begleitet euch heute mit unzehlbarer Frequentz aus Egypten ins gelobte Land. Und ob wohl vor Zeiten Rubens Sarg / Judaͤ Kaſten und anderer Vaͤter Leichen-Behaͤltniſſe / iegliches bey ſeinem Stamm auch mit fortgefuͤhret wurden / ſo blieb doch Joſeph die Ehre alleine / neben der Lade des HErrn begleitet zu werden. Wovon die Juͤdiſchen Religions-Buͤcher melden: Es waͤre die Lade der goͤttlichen Majeſtaͤt und Joſephs neben einander daher ge - tragen worden / und wenn Fremde / die da im Volck des HErrn immer ab - und zugieugen / gefraget / was diß vor Ka - ſten waͤren / haͤtte man ihnen geſaget / ſie waͤren GOttes und Joſephs / und daß man ſolches thue / geſchehe / weil GOtt in ſeiner Lade dasjenige ſchrifftlich liegen haͤtte / was er uns in der Welt zu thun befohlen; und in der andern ſey auffgeho - ben ein Mann / der /[ zu] einem raren Exempel / das / was GOtt dorten befohlen / Lebenslang in acht genommen.

Ich weiß nicht / welcher unter dieſen beyden vor unſern Au - gen-ſtehenden Saͤrgen vor eine Lade des HErrn zu achten ſey. Beyde Hertzen der Wohlſeligen liegen unzertrennt beyſammen / als in einem Sarge / und in beyden Saͤrgen ru - het auch zugleich der mit ihren Hertzen biß ins Grab durch den Glauben vereinigte HErr der Herrligkeit: Darum ſind ſie ohne Zweifel wuͤrdig / als Laden GOttes / neben einander getragen zu werden. Sehen doch auch alle unſere Saͤrge alſo aus. Wer mit ſeinem Goel ſchlaffen gehet / der lieget gewiß ſo gutt als Aarons-Rutte und die Manna-Gelte / ſelb - ſten an der Seite des Gnaden-Stuls / und reiſet auch den Ge - beinen nach / mit Chriſto in Abrahams Erbtheil durch das einſame Land dieſer irrdiſchen Wuͤſten.

Allergluͤckſeligſtes Paar / im Leben / im Grabe / im Him - mel! von GOtt alſo zuſammen gefuͤget / damit ſie auch durch den Tod nicht moͤchten geſchieden werden. Raro felicitatis domeſticæ exemplo, ut, qui concorditer vixerant, eodem mo - mento ad Deum migrarent, ne alter ſuperſtes alterum lu -gere15Ehren-Gedaͤchtniß.gere cogeretur, wie Thuanus von Alberti, Marchionis Bran - deb. und ſeiner etliche Stunden nachfolgenden Gemahlin Tode geredet. Sie haben nun erfahren / was morte ſociata mori heiſſe / nach Senecæ Meynung / und wie gluͤckſelig das Grab der Verliebten / τῶν φιλ〈…〉〈…〉 ντων, zweyer unter den edelſten Roͤmern / zu achten geweſen. Quodque ubi idem eſt & maxi - mus & honeſtiſſimus amor, aliquando præſtet morte jungi, quam vita diſtrahi. Von ihnen ruͤhmet der Roͤmiſche Ora - tor mit Recht: Omnia præclara, omnia rara. Sie haͤtten kei - ne erwuͤnſchtere Gelegenheit finden moͤgen / ſich noch einmahl irrdiſch zu vermaͤhlen und in das Ehe-Bette eines gluͤckſeli - gen Todes zuſammen zu liegen / als eben zu itziger Zeit / welche durch das hoͤchſt-begluͤckte Koͤnigliche Beylager Dero Aller - Durchlauchtigſten Majeſtaͤten / unſers Allergnaͤdigſten Teutſchen Joſephs / mit deſſen Allererwehlteſten Amalia admirabel gemachet / und zugleich unſer Vaterland / beyder Koͤniglichen Majeſtaͤten allerunterthaͤnigſtes Erb-Land / zu verwunderungs-vollen Gluͤckwuͤnſchungen geleitet wird. Sie bleiben wohl unvergeßlich in unſerm Andencken / und diejeni - gen / an welchen auch die zukuͤnfftigen Secula was Rares - berlebt / erlebt und geſehen haben werden.

Wolten ſie nur / Hochgeſchaͤzte Anweſende / erlauben / daß ich dieſe Leichen-Tuͤcher abnehme / ſo wuͤrden ſie zu noch mehrer Vergnuͤgung alſofort auch

Was Rechtes leſen.

Die Geiſt-vollen Inſcriptiones auff beyden Saͤrgen / eines Theils in der Mund-Art des heiligen Geiſtes / andern Theils in eben ſolcher / doch mit Poetiſchen Worten / vorgeſchrieben / ſind Merckmahle des hohen Joſephiſchen Geiſtes unſerer ſelig Verblichenen. Dero vieljaͤhrige Lebens-Experientz ſie zu ſolchen Chriſten gemachet / die von ungemeiner Extra - ction waren. Was andere nur aus Allermanns Ciſternen heilſamer Erinnerungen und geiſtlicher Troͤſtungen ſchoͤpf - fen / das ſucheten ſie ſelbſten bey der Quelle des goͤttlichen Mundes / mit beſtaͤndiger Anruffung / daß der HERR des Himmels ihnen den Reichthum ſeiner Erkaͤntniß geben wol - le. Und ſo denn koſteten ſie an den Saͤfften goͤttlicher Weiß -heit16Freyherrlich-Abſchatziſchesheit ſo lange / biß ſie die Seel-erquickenden Kraͤffte ſelbſten ſchmecketen / welche ihrer Kehle ſuͤſſe wurden. Es war ihnen angebohren ans Sterben immer zugedencken / darum funden ſie unter allen Bibliſchen Todes-Ergoͤtzligkeiten / vornehmlich den zu ſeinen Vaͤtern ſich verſammlenden Vater Joſeph / und mercketen ſich deſſen Todes-Seuffzer: HErr / ich warte auff dein Heyl. So leſen wir auff der Decke dieſer beyden Saͤrge. Koͤnte wohl ein inhafftirter Joſeph was Großmuͤt - tigers an die Thuͤr ſeines Gefaͤngniſſes geſchrieben haben / womit er ſo wohl ein Bekaͤntniß von der Religion ſeiner Vaͤ - ter / als auch ein Zeugniß ſeines itzigen Vertrauens zu GOtt / auffweiſen wollen? Und ein von Geburt an in Suͤnden biß in den Tod gefeſſelter Chriſt ſtellet ſich diß Memoriale billig an die Thuͤre ſeines Lebens / und ſaget mit groſſem Geiſte: HErr / ich warte.

Unſere Geiſt-volle Sterbenden wolten hiermit zeigen / was ſie von ihrem Grabe hielten / an deſſen Thuͤr ſie ſolche Worte anzeichneten / meynende / diß ſey das Warte-Zimmer / darin - nen es niemanden zu lang werden koͤnne / zu verziehen / biß die Stunde komme / auffzuſtehen vom Schlaff / wenn die Nacht vergangen und der Tag des ewigen Heyls herbey kommen.

Im Alten Teſtamente war der Glaube an Chriſtum nichts anders als ein Warten auff das Heyl GOttes / den Schilo, der da ſelig machen konte. Ob gleich ihre Hoffnung ſich biß ins Grab verzog / ſo wurde dennoch ſolch Glaubens-volles Warten ihnen gerechnet zur Gerechtigkeit. Sie ſagten: Ob mich der HErr gleich toͤdten wuͤrde / will ich dennoch auff ihn hoffen. Darum der Sohn GOttes auch deſiderium gentium, und die Glaͤubigen / Wartende auff den Troſt Iſra - els / genennet wurden.

Die jenigen / welche Joſephs und Aſſenaths Leichen-Kaſten wollen geſehen haben / melden / daß oben auff dem gantz ver - goͤldeten Deckel der Hebraͤiſche Nahme GOttes Jehova ge - ſchrieben / und noch andere Egyptiſche Kenn-Zeichen heiliger Bilder-Schrifften angemercket geweſen / die auff folgenden Sinn ausgegangen: Der / der da war / der da iſt / und der da ſeyn wird / mache durch ſeine goͤttliche Krafft dieſe Abgeſtor -benen17Ehren-Gedaͤchtniß.benen ſelig. Welches allerdings mit dem hernach dem Moſi in Midian geoffenbarten Nahmen des HErrn / des ſeligma - chenden Schilo, uͤberein koͤmmt.

Solche heilſame Uberſchrifften zieren unſere Grabes-Thuͤ - ren / wenn es heiſſet: HErr / ich warte. Denn darum ſind wir allda mit Leib und Seel annoch in ſtatu mortis, im Lande der Todten / wie der prophetiſche Evangeliſt des Alten Teſta - ments; oder auch unter der Herrſchafft des Todes / wie der Heyden-Lehrer weiſſaget. Wir warten im Grabe / ob wohl der Seelen nach allbereit in prima ſtola der Seligkeit / den - noch auch auff unſers Leibes Erloͤſung / und werden von GOtt getroͤſtet / eine kleine Zeit Gedult zu haben / biß daß vollend herzu kommen moͤgen unſere Mitknechte und Bruͤder / wie dem Theologo bey Offenbarung des fuͤnfften Siegels gezei - get wurde. Die vollkommene / endliche und ewige Seligkeit iſt dem gantzen Menſchen und nicht allein der Seelen verheiſ - ſen. Selbte Seligkeit iſt das hoͤchſte Gutt des Menſchen / welches alle Begierde und Verlangen ſtillet / daß / wer es hat / nichts anders mehr begehren kan. Nun haben die Seelen noch nicht alles Gutte / ſondern noch viel im Verlangen. Ob ſie gleich ſchon ſelig / ſo haben ſie doch noch nicht das voͤllige Ende der Verheiſſungen GOttes / da ſie nicht allein / ſondern auch die Leiber zugleich gekroͤnet werden / und das Angeſicht GOttes anſchauen ſollen. Welche aber GOtt von Ange - ſicht zu Angeſicht ſchauen / die haben alles in allem / lehret des HErrn Apoſtel. Darum heiſſet es von denen abgeſchiede - nen / aber annoch wartenden Seelen: Wir ſind zwar ſchon GOttes Kinder und allbereit ſelig / aber es iſt noch nicht er - ſchienen / was wir ſeyn werden. Das wiſſen wir aber / wenn es erſcheinen wird / (oder wie der Syriſche Dollmetſcher es giebet / wenn er ſelbſt erſcheinen wird /) daß wir ihm gleich ſeyn werden: Denn wir werden ihn ſehen / wie er iſt. Es iſt billig / ſchrieb ſchon vor 800. Jahren ein andaͤchtiger Mann / daß die / ſo in Leib und Seele GOtt gedienet / auch zugleich an Leib und Seele die Gnaden-Belohnung empfan - gen. Darum ſollen wir die Vollkommenheit erſt in der Auf - ferſtehung erlangen. Eben wie / wenn die Soͤhne vom Felde(B) kom -18Freyherrlich-Abſchatziſcheskommen und zu ihrem Vater ſagen: Wir haben gearbeitet heute / haben des Tages Laſt und Hitze getragen / es iſt Zeit / daß du uns erquickeſt: Und der Vater ihnen antwortet / ge - duldet euch noch ein wenig / biß alle eure Bruͤder zuſammen kommen / welche gleicher Weiſe arbeiten / ſo ſollet ihr mit ih - nen gantz voͤllig eſſen und ſatt werden.

Diß heiſt / ich warte. Aber was vor ein Heyl? Darauff antworten die zu beyden Seiten der Saͤrge angezeichnete Schrifft-Spruͤche / in welchen der auch im Grabe uns zu bey - den Seiten kraͤfftig bewahrende Seligmacher ſelbſten redet: Ich bin die Aufferſtehung und das Leben. Ingleichen: Ich lebe / und ihr ſolt auch leben.

Wer hierinnen den Balſam der Gebeine Joſephs und Aſ - ſenath nicht reucht / womit ſie im Glauben perfumiret ſind / der muß nicht voͤllig unterrichtet ſeyn in goͤttlicher Weißheit. Hier iſt eben das Heyl / auff das er wartet / ausfuͤhrlich ge - machet. Der Ich / der da iſt / der da war / und der da ſeyn wird. Der JEſus Chriſtus / welcher iſt der Anfang und der Erſtgebohrne von den Todten / in welchem alle lebendig ge - macht werden / gleich wie ſie in Adam alle ſterben: Der iſt ſchon izt unſerer Haut und Gebeine / Adern und Fleiſches / Bewahrer / Aufferwecker / Lebendigmacher. Er wird uns aus der Erden aufferwecken / und wir werden mit dieſer Haut umgeben werden. Er bewahret alle unſere Gebeine / daß deren nicht eines zerbrochen wird. Und dieſe Gebeine wer - den wiederum zuſammen kommen / ein iegliches zu ſeinem Gebeine / und werden Adern und Fleiſch drauff wachſen / und mit Haut uͤberzogen werden / und der Wind des HErrn wird darein blaſen / daß ſie lebendig werden. Wie ehemahls deſ - ſen Vorbild im Prophetiſchen Geſichte gezeiget wurde.

Uns wundert nun nicht / warum Joſeph ſo ſorgfaͤltig vor ſeine Gebeine geweſen / daß ſie dermahleins mit von dannen gefuͤhret wuͤrden ins Land der Verheiſſung; es war ihm um den in kuͤnfftigen Zeiten beruͤhmten Joſephs Nahmen zu thun. Denn das Heyl der Welt ſolte ſeinen Auffenthalt in dem Hauſe eines Joſephs und ſeine Ruhe in dem Grabe einesJo -19Ehren-Gedaͤchtniß.Joſephs finden. Was iſts anders / was heutiges Tages zu Jeruſalem ſo viel curioͤſe Chriſten mit groſſer Andacht beſu - chen / und mit vielen Præſenten beehren / als das Grab / ob nicht des Egyptiſchen / dennoch / zu mehrer Verwunderung / eines recht glaͤubigen Joſephs. Wie mancher groſſer Fuͤrſt hat ſich gluͤckſelig geſchaͤtzet / nur die Steine von dieſem Fels zu kuͤſſen ſelbten Grabes / welches Joſeph erbauet / JESUS aber der Sohn GOttes und Mariaͤ / zum Grabe und Ort ſeiner Aufferſtehung im Tod und Leben erwehlet hat. Und wer war der Aufferweckte anders / als ein Joſeph / der da ſag - te / wie jener ehemahls: Gehet hin zu meinen Bruͤdern und ſagt / ich lebe. Einerley Geſchichte / nur zu unterſchiedenen Zeiten iſt es / wenn die erſchrockenen Bruͤder die Stimme ih - res Erloͤſers hoͤren: Ich lebe / und ihr ſolt auch leben. Bey - de Nahmen / JEſus und Joſeph / haben faſt einerley Nach - druck / und ihren Hebraͤiſchen Urſprung aus der Wurtzel des Heyls. Darum waren ſie Heylande / jener im Vorbilde / ſeines Volckes; dieſer in Vollkommenheit / der gantzen Welt. Und ſo unmoͤglich es jenem war / da er in Egypten zu Ehren kam / ſeiner Bruͤder in ſchweren Zeiten zu vergeſſen / ſondern er nahm ſie zu ſich / und gab ihnen das beſte Land ein; eben ſo wenig kan es dieſer uͤber ſein Hertze bringen / unſer in dem Tode nicht zu gedencken. Wir ſprechen:

Er wird mich doch zu ſeinem Preiß Auffnehmen in das Paradeiß / Des klopff ich in die Haͤnde.

Was meynen ſie / Hochzuehrende / wenn die Poſteritaͤt dieſe Saͤrge in ihrer Grufft dermahleinſt zu ſehen bekoͤmmt? Wird ſie nicht ſagen: Sie ſind Joſephs. Wer JEſum / die Aufferſtehung zur Rechten und das Leben zur lincken Hand hat / der ruhet wie Joſeph in Joſephs Grabe. Ich uͤberlaſſe hoͤheren Perſonen / welche mit unſerm wohlſeligen Herrn Landes-Beſtellten vertraulich gelebet / das Urtheil von dero raren Qualitaͤten und vortrefflichen Meriten. Weil ich a - ber die Gnade hatte / bey deſſen und Frau Gemahlin lezten Kranckheit und Tode als Beicht-Vater auffzuwarten / ſo kan(B) 2ich20Freyherrlich-Abſchatziſchesich nun mit Rechte vor dem Angeſichte GOttes auch ruͤhmen / was ich Loͤbliches geſehen und gehoͤret. Da war eine um - ſtaͤndliche Buſſe und offenhertzige Bereitung zu einem ſeli - gen Ende / auffrichtige Verſoͤhnung mit allen Beleidigten / zuverſichtlicher Glaube an JEſum Chriſtum den Erloͤſer der Welt / ungezweifelte Hoffnung der Aufferweckung zum ewi - gen Leben / und daher eine freudige Begierde auffgeloͤſet zu werden. Es hinderte den bißher wohlverſuchten Herrn Ba - ron der unverſehene Schlag-Fluß / und die daher entſtandene Sprachloſigkeit nicht / ſein Heyl um ſo viel eyfriger im Her - zen zu ergreiffen / und ſich mit ſeinem Erloͤſer in Buſſe und Glauben innigſt zu unterreden. Wie denn / was zu ſagen keine Moͤgligkeit war / die Augen-Wincke beſtaͤtigen / und die ſtets gefaltenen Haͤnde allen Umſtehenden deutlich erklaͤren muſten. So ſchlieff er auch ein. Was dagegen die anfaͤng - lich hochbeſtuͤrzte / noch vor Abends zum Tode diſponirte / fol - gends in Gebet und GOtt-ergebenſter Gedult / nach genoſſe - nem allertheureſten Pfande der Vergebung ihrer Suͤnden und Verſicherung goͤttlicher Gnade in dem heiligen Abend - mahl / wohlvernuͤnfftig erblaſſende Frau Baroneſſe vor er - wuͤnſchte Bezeugungen eines allerſeligſten Endes mercken laſſen / iſt nicht auszuruͤhmen.

Ich bin / vermoͤge goͤttlichen Wortes / allzugewiß / daß die zun Haubten nun auch leſens-wuͤrdige Zeilen nicht anders / denn gantz wahr ſind. Nemlich: Es ruhen allhier und erwarten der ſeligen Erſcheinung unſers HErrn JE - ſu Chriſti / der weiland Wohlgebohrne Herr Hanns Aßmann / Frey-Herr von Abſchatz der Juͤngere / des Fuͤrſtenthums Liegnitz geweſener Landes-Beſtellter: So auch die weiland Wohlgebohrne Frau Anna / Frey - in von Abſchatz / gebohrne von Hund; denn alles diß iſt von Joſeph und Aſſenath / nach dero hohen Geſchlechte und Amte geredet.

Mir ſolte es keine ſondere Muͤhe machen / zu erweiſen / daß die Nahmen Joſeph und Aſſenath unſerm Frey-Herrlichen Nahmen gantz gleiche lauten. Ich wolte Abrech, Ab oderApis21Ehren-Gedaͤchtniß.Apis und Iſis, welches ſo viel ſeyn ſoll / als Iſcha (mit derglei - chen Worten wurden ermeldte hohe Perſonen in Egypten tituliret /) in Hebraͤiſchen Buchſtaben zuſammen ſetzen / und gehoͤriger maßen eintheilen / ſo ſolte mir das Wort Abſchatz gar fuͤglich heraus kommen / und die Aehnligkeit mit dem Hebraͤiſchen Joſeph und Aſſenath um ſo viel bekandter wer - den. Wer weiß auch / wie unſere alten Teutſchen den Nah - men Abſchatz vor Zeiten moͤgen ausgeſprochen haben / und wie ſie zu ſelbter derivation gekommen? Maßen bekandt / daß diß Geſchlechte ſchon vor fuͤnfftehalb hundert Jahren bey damahliger allhieſigen Tartariſchen Schlacht und bey unſern alleraͤltiſten Landes-Fuͤrſten in hoher Æſtim geweſen. Es geben auch beyderſeits Wappen ſo wohl derer von Ab - ſchatz / als auch derer von Hund / zu vermutten / daß dieſe Familien vielleicht / wie damahls gewoͤhnlich / mit Boleslao aus Polen / oder alſofort mit Hedwig der Frommen aus Meranien und Italien / dem alten Helden-Lande / ehemahls in dieſe Gegenden transferiret worden. Will mir auch hier - mit die Gnade ausbitten / vorzutragen / ob nicht ſie beyder - ſeits / Hoch-anſehnliche Familien / ſo gar den Joſeph in Egy - pten zu ihrem Anherrn belieben wolten. Selbter erzehlet in ſeinem bekandten Teſtamente / wie die Iſmaeliten / als er unter ſie verkaufft geweſen / ihn gemeiniglich ihren Schatz ge - nennet / welchen Nahmen er hernach wohl behalten und A - pis oder Abrech, der Schatz Egyptens / gleich als wie / kurtz ausgeſprochen / Abſchatz genennet worden. Und wird von Gelehrten ein gewiſſer Arabiſcher Scribent angefuͤhret / wel - cher meldet / Joſeph habe zum Koͤnig Pharao geſaget: Setze mich uͤber den Schatz des Landes; und ſo bald ſolches geſche - hen / habe man ihn deßwegen Apis, id eſt Bos, und quaſi opti - mum Agricolam, den beſten Haußhalter und den Schatz - Meiſter genennet / bey Leben; nach dem Tode aber / Serapis oder Sarapis (der Fuͤrſt Apis) auch wohl Sorapis (den Kaſten Apis) von den Schatz-Kaſten und Korn-Haͤuſern des Lan - des. Denn alle Gluͤckſeligkeit und Schaͤtze Egypti eigneten ſie dieſem Joſeph zu / aus welchem Nahmen Joſeph auch kurtz / und nach Egyptiſcher Mund-Art geredet / das Wort A -(B) 3pis22Freyherrlich-Abſchatziſchespis herflieſſen ſoll. Ita Joſephi nomen immutarunt in ſacris, ut auguſtius videretur Numen, ſagen die / ſo von der Egyptier Abgoͤttereyen geſchrieben. Andere / welche ihn Oſiris nen - neten / hatten ihr Abſehen auff ſein Amt und ſagten / er ſey der Egyptier Mund und Auge / Os und Iris, geweſen / wie ſie ſol - che Worte erklaͤren. Man hatte ſonſt vorhin ſchon in dieſem Lande zu Heliopolis den Mneus, das Bild eines Stiers / den ſie auch Oſiris nenneten / und den Mizraim / des Chams andern Sohn / welcher vor Zeiten unter ihnen beruͤhmt geweſen / be - deutete; Joſeph aber zu Memphis und ſein Bild hieß man itzo Apis oder Oſiris den Juͤngern / gleich als wie die Inſcri - ption des Sarges allhier von Abſchatz dem Juͤngern redet. Und wofern heutiger Gelehrten Muttmaſſung richtig iſt / daß von Pharao / nach der Hebraͤiſchen Sprache / der Nahme Ba - ro, ein Freyherr / ſeinen Urſprung habe / ſo klingts ſehr wohl / wenn Joſeph / als wie Pharao geehret / und daher in Egypten ohne Zweifel ſo gut / als: der Baron Abſchatz / genennet worden.

Die Durchlauchte Aſſenath war eine Tochter von der aͤl - teſten Familie des Egyptiſchen Adels / und glaube ich / aus dem Hauſe Anubis, der ein einiger Sohn war des Typhon und der Nephte, welche des Oſiris und Iſis Bruder und Schweſter ge - nennet wurden. Und ſtehet dahin / ob ſie nicht den Nahmen Aſna, das iſt / ſchoͤn / wie die Araber ſagen / oder Egyptiſch Aſſenath, und nach Flavii Joſephi Berichte / Aſanete, von da - her bekommen. Wiewohl insgemein Aſnat ſo viel als eine Heylandin und Aerztin / oder Aſſe neit auff Egyptiſch / die Aerztin Minerva heiſſet. Von dieſem Anherren Anubis wiſ - ſen die Alten / daß er dem Oſiris, ſeinem Vetter im Kriege gedienet / und einen Hund zum Waffen-Zeichen / zuweilen auch einen Helm von Hundes-Fellen getragen. Daher ſein Bild im Tempel zu Heliopel den Kopff eines Hundes wieſe / und vielleicht darum / weil es der damahligen Prieſterlichen und Fuͤrſtlichen Familie Anherrn bedeutete / ſehr werth geachtet wurde. Die uhralte Familie derer von Hund / woraus un - ſere gegenwaͤrtige Liegnitziſche Aſna oder Anna von Hund entſproſſen / hat derogeſtalt in der Vermaͤhlung mit demvor -23Ehren-Gedaͤchtniß.vortrefflichen Herrn Baron von Abſchatz es unvergleichlich wohl getroffen / und wider Verhoffen eine gluͤckliche Combi - nation der alleraͤlteſten Adelichen Haͤuſer erlebet / denen es demnach Lebenslang biß ins Grab nicht anders als ihren gleichaͤhnlichen Uhr-Anherren in Egypten wohl ergehen koͤnnen.

Den hohen Ambts-Nahmen ertheilte man dem Joſeph in Conſeſſu aller Elteſten des Landes und der damahligen Koͤniglichen Regierung / als Pharao ihn Sophnath Pahane - ach nennete: Einen ſolchen Mann / der hiemit beſtellet wuͤrde / dem gantzen Lande heimlich und oͤffentlich mit Rath und That an der Hand zu ſtehen. Der im Rahmen aller die Pflicht auff ſich nahm / vornehmlich vor die Koͤnigliche Majeſtaͤt / als auch des geſammten Landes Wohlfarth und Auffnehmen beſtem Vermoͤgen nach zu wachen. Die theuer erworbenen Freyheiten / Recht und Gerechtigkeiten / gutte Gewonheit und Verfaſſungen wohl zu obſerviren / der Lan - des Acten ſich beſtens zu erkundigen / und denen Publicis und des allgemeinen Vaterlandes Angelegenheiten / die vor - nehmlich zu Memphis befoͤrdert wurden / inſonderheit bey - zuwohnen; mit denen Herren Officirern fleißig zu commu - niciren / und allemahl zu wichtigen Angelegenheiten ſein Guttachten mit beyzufuͤgen. Er ſolle / mit einem Worte / des Landes Mund und Hand ſeyn / die proponenda ad deli - berandum vorzulegen / und die Concluſa eigentlich zu pro - tocolliren; in Summa / index & doctor abditorum zu wer - den.

Wer zuruͤcke ſiehet / was unſer Wohlſeliger Herr von Ab - ſchatz Anno 1679. den 15. Martii in oͤffentlicher Landes-Ver - ſammlung / vermoͤge wohlerworbener Privilegien, per libera vota vor einen anſehnlichen Characterem verdienet; wie nach Ihr. Kaͤyſerl. und Koͤnigl. Majeſtaͤt unſeres Allerdurch - lauchtigſten Erb-Herrens erfolgeten allergnaͤdigſten Confir - mation er von daran biß an ſein Ende ſich iederzeit loͤblich und hoͤchſt nuͤtzlich auffgefuͤhret / wird ihn anders nicht als ei - nen rechtſchaffenen Sophnath Pahaneach ehren muͤſſen. Der(B) 4es24Freyherrlich-Abſchatziſcheses gewiß ſo ſehr / als jener Egyptiſche meritiret / daß ihm das Ebenbild eines admirablen Apidis auffgerichtet werde. Es ſey denn / daß wir die beyden Wapen derer von Abſchatz und von Hund an ſtatt aller Ehren-Bilder erhoͤhen wolten / in welchen zu mahl / nach Egyptiſcher Art / zwey Thier-Bilder zu erſehen ſind. In jenem der Hals und Kopff eines Elend - Thieres / in dieſem ein weiſſer Hund mit gelbem Hals-Ban - de. Eines iſt Joſephs Wapen / womit er beyde ſeine Soͤhne und dero Nachkommen beehrete / als er zu ihnen ſagte bey ih - rer Geburt: Der HErr hat mich laſſen wachſen im Lande meines Elendes. Das andere iſt der Familie von Anubis und Aſſenath / welche die Ehre hatte unter ihres Volcks Ge - lehrten / daß man ihr Wapen / den Hund / mit an den Ster - nen-Himmel ſezte / und ſolchen Sirium oder geſtirnten Hund gemeiniglich Iſis, eben ſo / wie Aſſenath im Tempel tituliret wurde / zu nennen pflegte.

Ich ſetze dieſem allen noch bey ein Bild von neuerer Er - findung / und laſſe einen lebendigen Adler von dieſem Caſtro doloris, nach Art der edlen Roͤmer in Campo Martio bey den Leichen-Ehren wohlverdienter Leute in die Hoͤhe fliegen / die apotheoſin vorzubilden / und die Seelen beyder unter unſerm hoch-begluͤcktem Roͤmiſchen Adler biß daher wohlvergnuͤgten und wohlgeſchaͤzten Frey-Herrlichen Todten hinauff zu allen Himmels-Buͤrgern zu tragen. Chriſtlich zu reden: GOtt breite ſeine Gnaden-Fittigen uͤber Unſers Roͤmiſchen Adlers Schutz-Fluͤgeln aus auff uns und dieſe allhier-ruhenden Frey-Herrlichen Gebeine / erquicke aber auch beyde Seelen da / wo Joſeph und Aſſenath himmliſch ergoͤtzet werden! Denn dahin ſind ſie ungezweifelt durch die Bothen GOttes begleitet worden / am verfloſſenen 22. und 24. April. iedes - mahl des Morgens / da ſie einerſeits 53. Jahr / anderer Sei - ten 48. Jahr meiſtens uͤberlebet hatten.

Solches leſen wir nun vollends zu den Fuͤſſen beyder Frey - herrlichen Saͤrge / und dabey allerruͤhmlichſt / daß ſie alſo im HErrn verſchieden.

Hoch -25Ehren-Gedaͤchtniß.

Hoch-Anſehnliche Verſammlung; zu dero Conſola - tion wird auſſer allem Zweifel nichts ferneres zu erſinnen ſeyn uͤber das einige / daß Ihre Selig-Todten im HErrn verſchieden: Nichts Vergnuͤgteres / als daß ſie mit einan - der auff einmahl im Leben begluͤckt und im Tode ſelig ge - worden. Sie begleiten / Hochzuehrende Vaͤter des Lan - des / ihren Lobwuͤrdigen Herrn Landes-Beſtellten / an dem ſie gewiß was Rares und was Rechtes verlohren. Ich rede mit dero Erlaubniß: Sie haben an dem wohlſeligen Herrn Baron einen Joſeph und hiermit zugleich einen Ertz-Vater dieſes Landes zu bethauren: Einen Oſiris, den Mund und das Auge ihres hochanſehnlichen Collegii. Sie ſind aller - dings aͤlter / als dieſer ihr Bruder / den ſie aber dennoch nie - mahls anders unter ſich / als wie einen Joſeph gehalten; wie einen Abrech, welchem man viel Ehren-Bezeugungen ſchul - dig ſey; wie einen Sophnath Pahaneach, der des gantzen Lan - des heimlicher Rath / nach Lutheri Verdeutſchung / geweſen. Wolte GOtt / daß ich ſagen doͤrffte: Joſeph lebet noch! Viel - leicht wuͤrde unſer Allergnaͤdigſter Landes-Vater es ſo gerne vernehmen / als ehmahln Joſephs Vater. Doch / er lebe in Dero allerſeits hochgeneigtem Andencken / und in deſ - ſen gluͤckſeligem Herrn Succeſſore.

Allerge-Ehrteſte Herren Soͤhne / Frau Tochter und Herr Eydam / meine Gnaͤdige Patronen, ſie ſind ſelbſt Fleiſch von dieſem Fleiſch / Bein von dieſen Beinen / Joſephs und Aſſenath Kinder. Der Allmaͤchtige GOtt bewahre ih - nen dieſen Ruhm biß an der Welt Ende! Sie ſind wie Ma - naſſe und Ephraim: Darum laſſe GOTT allen Segen Jo - ſephs uͤber ſie traͤuffeln / wie ſolchen der Koͤnigliche Adoptivus, Moſes / in Egypten ausgeſprochen: Ihr Land liege im Se - gen des HErrn / daß um ſie her ſeyn edle Fruͤchte vom Him - mel / vom Thau und von der Tieffe / die hunten liegt! Edle Fruͤchte von der Sonnen und edle reiffe Fruͤchte des Mon - den / und edle Fruͤchte von der Erden und was drinnen iſt. Die Genade des / der in dem Puſch wohnet / komme auff das Haubt Joſeph / und auff den Scheitel ſeiner Kinder! Seine Herrligkeit iſt wie ein erſtgebohrner Ochſe / (das iſt / Oſiris,) (B) 5und26Freyherrlich-Abſchatziſchesund ſeine Hoͤrner wie Einhorns - (oder auch Elends -) Hoͤr - ner! Ich verſichere / daß derogleichen Segens-Worte die lez - ten Gedancken ihres wohlſeligen Herrn Vaters und Frauen Mutter uͤber ſie geweſen. Unter allen wohlbedachten Reden ſahe man das liebreiche Andencken an ſie allerſeits / und das ruͤhmliche Auffnehmen in muͤtterliche Gnade aus Mund und Augen reichlich hervor quellen. Die lezten Seuffzer waren die / welche ihr andaͤchtiger Poet und Herr Vater vor ſich und ſeine Nachkommen ſelbſten auffgezeichnet hatte. Der extreme Wunſch dieſer: daß ihre Kinder GOTT und dem Kaͤyſer treu verbleiben wolten. Sie ſind / gnaͤdige Her - ren und Gnaͤdige Frau / aus uhralten Geſchlechtern und Chriſtlichem Gebluͤtte / und darinnen am gluͤckſeligſten / daß ſie zweyer hoch-meritireten Herren Landes-Beſtelleten Lieg - nitziſchen Fuͤrſtenthumes / ihres Herrn Vatern und Groß - Herrn Vatern / und dannenhero vieler gegen dem Ertz-Her - zoglichen Hauſe Oeſterreich / und weiland Piaſtaͤiſchen Fuͤrſt - lichen Landen / geleiſteter unterthaͤnigſten Dienſte / ihrer Vorfahren / gluͤcklich-gerathene Erben ſind. Sie imitiren ſchon / wie bekandt / derogleichen loͤbliche Anfuͤhrer / darum wird die Nach-Welt ſagen / daß Joſephs und Aſſenath Ge - beine in ihnen zu unvergeßlicher Verwahrung auffgehaben bleiben.

Die Hoch-ſchaͤtzbaren Traner-Verwandten / der hoch-geliebte Herr Bruder / tieff-leidtragende Frau Schweſtern / hoch-bekuͤmmerte Herren und Frauen Vettern / hertz-vertraute Herren Schwaͤger und Frauen Schwaͤgerinnen werden beklagen / daß ſie was Ra - res an der ungemein-lieblichen Converſation, und was Rech - tes an einem ſo hochverdientem Bruder und theuren Schwe - ſter verlohren. Beliebt es ihnen / ſo leſe ich noch einmahl zu dero Gemuͤtts-Auffrichtung die vor Augen ſtehenden Sarg - Schrifften. Woraus ſie erſehen koͤnnen / daß Schleſien und ihre vornehme Haͤuſer einen recht frommen Cavallier und gewiſſenhafften Politicum; eine biß ins Sterbe-Bette ihnen treu / und GOtt biß in den Tod ergebene Freundin / geliebet. Sie werden beyfallen / daß der ſelige Herr Baron ein einſigerBe -27Ehren-Gedaͤchtniß.Beter fuͤr ſie alle bey GOtt und Menſchen geweſen; deſſen ſchrifftlich in ſehr devoter Poëſi verfaßte Lebens-Hiſtorie und die an hohen Orten bey irrdiſchen Majeſtaͤten ihrent wegen vorgetragene Special-Angelegenheiten hiervon zur Gnuͤge zeugen. Laſſen ſie ſich die Wege des HErrn an ihren beyden Todten nun auch gefallen / und beſchauen den gerechten Rath - Schluß ihres GOttes in glaͤubiger Gelaſſenheit / indenck des Wahl-Spruches unſers ſeligen Herrn Landes-Beſtell - ten:

Viel ſehn und uͤber nichts ſich wundern / iſt mein Schluß.

Das iſt: viel Wunder-Wege GOttes ſehen an den Seini - gen / aber dabey GOtt vertrauen / iſt was Vortreffliches. Er - leben ſie dermahleinſt ihre lezte Hinfahrt / ſo dencken ſie an Joſeph und Aſſenath / und bitten von GOtt / daß er derglei - chen ſelige und gluͤckſelige Todes-Begebenheiten ſie auch wol - le empfinden laſſen.

Unſer Vaterland hat gnugſame Urſache einen ſo raren Patrioten zu bejammern / von welchem es in vielen Stuͤcken hieß / wie dorten Pharao ſagte: Omnis populus ad os tuum oſculabitur. So war es auch / ſo lange er lebete. Wer hat in dieſen Gegenden unſern vollkommenen Staats-Mann ge - kennet / der deſſen Mund / ich wolte ſagen / die fertigſten Con - ſilia nicht gekuͤſſet haͤtte. Und wie weiland faſt in der gan - tzen Welt / alſo rieff man in dieſem Lande immerfort: Ite ad Joſephum. Ich glaube / unſer Fuͤrſtenthum wuͤrde Schatzes genung in ihren Schatz-Kaſten gehabt haben / wenn es dieſen ſeinen Abſchatz nur behalten moͤgen: Denn es war eitel Segen / was dieſer Joſeph vorhatte. Nachdem aber der ge - rechte GOtt es nun ſehr aͤndern wollen / muͤſſen wir uns in Gedult vergnuͤgen an der Ehrenwerthen Verwahrung ſeiner Gebeine und danckbaren Vergeltung in deſſen Nachkom - men.

Gluͤckſeliges Gottes-Hauß! welches heute den Nah - men eines Koͤniglichen Schatz-Hauſes verdienet / nachdem gantz Liegnitz ſeinen Abſchatz in Joſephs und Aſſenath Ge - beinen allhier zur Verwahrung uͤbergiebet. Dieſe Leichen -Ka -28Freyherrlich-AbſchatziſchesKaſten werden zwar ungezeichnet kenntlich bleiben unter viel tauſenden: Doch / damit nichts fehle / wollen wir uns muͤhen / mit einer auslaͤndiſchen Feder aus folgender von dem Egy - ptiſchen Abſchatz auff unſern Liegnitziſchen Joſeph ſich ſchi - ckenden Grab-Schrifft / ſo viel noͤthig in den vor uns liegen - den Leichen-Stein einzuaͤtzen:

HABET HIC LOCULUS, VIATOR, THE - SAURUM MAXIMUM, NEC ODOR, QUEM SENTIS, EX AROMATIBUS EST, NE FORTE NESCIAS: SED EX VIRTUTIBUS EXI - MIIS, QUIBUS EFFLORESCIT, QUÆQUE CONCERTANT INTER SE, IN HARMONI - AM ODORUM SINGULAREM. FRAGRAT HIC ADMIRABILIS CASTITAS CUM AMA - BILI ÆTATIS FLORE, AC VULTUS, TOTI - USQUE CORPORIS DIGNITATE. HIC LA - TET, QUI EXIMIIS ANIMI CORPORISQUE DOTIBUS, MELIUS, QUAM NARDO, MYR - RHA, CASIA, OPOBALSAMO CONDITUS EST. QUI ANIMI MODERATIONEM, IMO DEMISSIONEM, IN IPSO PENE VERTICE RERUM HUMANARUM TENUIT. QUI DI - DICIT, DOCUITQUE INJURIAS NON Æ - QUARE SED OBRUERE BENEFICIIS, IRA - SCI ET NON PECCARE: AFFLICTIONEM CONSOLATIONE TEMPERARE. QUI PO - TUIT INTER SACRILEGOS IMPIORUM RI - TUS, ET FORTUNÆ BLANDIENTIS CON - STANTEM FLATUM, VERAM ET INTE - GRAM RETINERE PIETATEM ADVERSUS

DE -29Ehren-Gedaͤchtniß.

DEUM. HIC, UT VERBO EXPEDIAM, JOSE - PHUS EST PATRIARCHA. ILLÆ MAGNI JACOBI DELICIÆ, ILLUD INFERIORUM PA - TRIARCHARUM DECUS, ILLUD COLUMEN ET FIRMAMENTUM POPULI DEI, IL - LE CONSULTUS, ET INTERPRES SECRE - TORUM DEI, IN ÆGYPTO MOR - TUUS, HOCCE LOCULO CONDITUS ANNO MUNDI M M CCC XCIX IN CHANANITIDEM TRANSLATUS, DENI - QUE CUM CHRISTO, UT PIE CRE - DITUR, RESURGENS, CUM IPSO GEMINA ORNATUS STOLA, BREVEM HUJUS ÆVI GLORIAM ÆTERNA COMMUTAVIT.

Welches alles der ſelige Herr Landes-Beſtellte nicht weit - laͤufftiger verdeutſchet und auff ſich appliciret haben wolte / als wie er ſelbſten ſeinen Lebens-Lauff kurtz gefaſſet:

Es iſt der beſte Ruhm auff kurtzer Grab-Schrifft le - ſen: Der iſt im Vaterland ein ehrlich Mann geweſen.

Ehe wir von ſammen gehen / wird vonnoͤthen ſeyn / nach Egyptiſcher Weiſe / eine papierene Rolle mit nachſinnlichen Bildern bemahlet / in gegenwaͤrtige Saͤrge beyzulegen / da - mit auch die Poſterität leſen moͤge / mit was vor einer Leichen - Pracht wir unſern Joſeph und Aſſenath beſtattet haben. Denn ſie ſchrieben gar eigentlich auff / wieviel vornehme Goͤt - ter man hinter der Leiche hergetragen / und wie hoch man hierdurch das Andencken der Verſtorbenen im gantzen Lande geprieſen habe. Sie ſind ſelbſten / Gnaͤdige / Hoch - ſchaͤtzbare Anweſende / dieſes Landes Goͤtter und Goͤttin - nen. Dero hochanſehliche Gegenwart hat unſere Frey -Herr -30Freyherrlich-AbſchatziſchesHerrliche Feſtivität ſehr ſplendide, und die hohe Æſtim von den Meriten unſerer Wohlſeligen ſehr groß gemacht / worfuͤr ihnen / im Nahmen des Hoch-leidtragenden Freyherrlichen Hauſes unvergeßlicher Preiß und verbundenſter Danck hier - mit abgeſtattet wird. Die beyzulegende Rolle ſind ihrer aller hohe und vornehme Nahmen / Geſchlechter / Aembter und Qualitäten / an denen die Nach-Welt ſehen wird / wie diß gantze Land vom Hohen / biß zum Niedrigen unſern hoch - verdienten Herrn Landes-Beſtelleten und deſſen hochgeſchaͤzte Frau Gemahlin im Tode beklaget und begleitet haben wollen.

Bey[31]

Bey Des Weyland Hoch - und Wohlgebohrnen Herrn / HERRN Hanns Aßmann / Frey-Herrn von Abſchatz / Auff Wuͤrbitz / Nieder-Goͤlſchau / Ober - Baͤrſchdorff / Petſchkendorff und Lede - roſe / ꝛc. ꝛc. Des Fuͤrſtenthums Liegnitz und zugehoͤri - ger Weich-Bilder Landes-Beſtellten / auch bey de - nen Zuſammenkunfften der Hochloͤbl. H. H. Fuͤr - ſten und Staͤnde in Breßlau Deputirten / Anno 1699. in der Oſter-Woche in Liegnitz geſchehenen Leidvollen Todes-Falle und Leich-Beſtattung / Zu wohlverdienten Ehren offerirten ihre mitleidigen Gedancken Deſſen biß ins Grab Getreue Freunde.

[32]33Ehren-Gedaͤchtniß.
Wie irrt der Menſchen Wahn / in irrdiſchem Ergoͤtzen
Den aͤuſerlichen Schein der Warheit vorzuſetzen.
Man ſucht am meiſten das / was unſern Leib vergnuͤgt /
Acht ſelbſt der Seele nicht / woran doch alles liegt.
Die Fackel der Vernunfft will offt zu dunckel brennen /
Daß wir uns / wo wir ſeyn / kaum bey uns ſelber kennen;
Wir wandeln taumelnde frey in den Tag hinein /
Als ſolte hier kein Tod / und dort kein Himmel ſeyn.
Doch wer ſich nicht ein Kind der Finſterniß will nennen /
Kan dieſen Fehler leicht der blinden Thorheit kennen.
Was unſern Leib erfreut / ſind Roſen kurtzer Zeit:
Was das Gemuͤtte ziert / ein Schatz der Ewigkeit.
Denn in der Seele wohnt ein Glantz von reinem Lichte /
Was uns von auſſen ziert / wird offters bald zu nichte.
Des Gluͤckes ſchwacher Grund / der Zeiten ſchneller
Lauff
Baun in der Ewigkeit nicht Ehren-Tempel auff.
Der iſt Bejammerns werth / der ſeinen Sinn und Dencken
Nur mit der kurtzen Zeit des Lebens will beſchraͤncken.
Pflantzt doch ein Gaͤrtner wohl der Nach-Welt einen
Baum /
Wie ſchleuſt du ſelber denn dich in ſo engen Raum?
Ein tugendhaffter Geiſt / der nach der Krone ſtrebet /
Die uns vergoͤttern kan / lebt wenn er nicht mehr lebet.
Der Nach-Welt Ehren-Krantz wird ihm erſt beyge -
legt /
Wenn man / was Eitel hieß / mit ihm zu Grabe traͤgt.
Schaut unſern Abſchatz an / der wird euch alle lehren /
Wie ihr der Tugend Gold ſolt vor die Schlacken ehren /
Wie man den rechten Grund zu wahrer Tugend legt /
Und zwar die Roſen lieſt / doch keine Dornen hegt.
Er kandte gar zu wohl der Welt verſtimmte Saͤiten /
Und den Syrenen-Klang / die ihrer viel verleiten;
Er aber ſtopffte ſtets des Hertzens Ohren zu /
Und blieb bey Sturm und Wind in Felſen-gleicher
Ruh.
(C)Er34Freyherrlich-Abſchatziſches
Er wuſte daß er ſich nicht ſey allein gebohren /
Und hielt denſelben Tag vergebens und verlohren /
Wenn er nicht war bemuͤht mit Hertze / Mund und
Hand /
Vor ſeines Kaͤyſers Dienſt und vor ſein Vaterland.
Man wird doch allzuſehr den theuren Abſchatz miſſen /
Der allen Rath und That zu geben war befliſſen /
Er war Demoſthenes durch den gelehrten Mund /
Er war Papinian in aller Rechte Grund.
Nun muß der bleiche Tod diß alles uͤberwinden /
Wowider kein Verſtand ein Mittel weiß zu finden.
Wiewohl er hat allein den Coͤrper hingeruͤckt /
Seine Nahme bleibet doch den Sternen eingedruͤckt.
Drum pflantzet um ſein Grab zwar traurige Cypreſſen /
Die man mit Thraͤnen nezt / doch bleibet unvergeſſen
Auff die geweyhte Grufft auch Lorbern auffzubaun /
Die unſre Nach-Welt ſoll in ſteter Bluͤtte ſchaun.
Indeſſen ruht der Leib in ſeiner duncklen Hoͤle /
Im Himmel lebt der Geiſt die hoch-erloͤſte Seele /
Und auff des Grabes Stein wird dir zu gutter lezt /
Wie deine Tugend werth / der kurtze Reim geſezt:
Was Froͤmm - und Redligkeit / was Weißheit Edles haben / Liegt als ein groſſer Schatz / in dieſer Grufft begra - ben. Laß Leſer dieſe Schrifft dir einen Lehrer ſeyn / Und ſammle vor dein Grab auch ſolche Guͤtter ein.

Hiermit verehrete das tugendhaffte Anden - cken ſeines im Leben werth-geſchaͤzten Herrn Collegen Carl Siegmund von Mauſchwitz / Landes-Elteſter.

Ach35Ehren-Gedaͤchtniß.
J. J!
Ach herber Todes-Fall! Abſchatz wird uns entriſſen /
Das Eh-Gemahl das folgt / ein Merckmahl das was
hat
Von Seltenem in ſich / es klaget Land und Stadt /
Es faͤllet uns nun weg / wir muͤſſen nun vermiſſen /
Von dem der Kaͤyſer ſelbſt und ſeine Groſſen wiſſen.
Hier fand man Unterricht / hier fand man klugen Rath:
Die Tugend war ſein Weg / die Treue war ſein Pfad.
Die Teutſche Tichter-Welt kunt ihn vor Meiſter gruͤſſen.
Der Edlen Auge ſchlaͤfft / es ſchweigt der Staͤnde Mund:
Wer wird uns ferner nun / was noͤthig / machen kund?
Wer wird des Kaͤyſers Dienſt / des Landes Heyl erwe -
gen?
Danckt unſrem Abſchatz recht / bedenckt was er gethan /
So wird des HErren Huld uns wieder blicken an:
Bloß Danck und Danckbarkeit kan bringen uns den Se -
gen.

Dieſes wenige ſchrieb zum geſegneten Anden - cken ſeines alten nunmehr wohlſeligen / von Jugend auff von Liegnitz / Breßlau / Straßburg und Leiden her / auch hernach im Vaterlande / biß zum Ausgange ſeines Ruhmwuͤrdigen Lebens-Wandels / treu - erkandten Hertzen-Freundes George Hermann von Schweinitz / Auff Ober - und Nieder-Kran / Kaͤyſerl. und Koͤ - niglicher Liegnitziſcher Land-Hof-Richter.

Wie viel / mein Abſchatz / wird an Schatz mit dir begra -
ben?
Ein Hertz von Redligkeit / der edlen Lygjer Kron /
Des Fuͤrſtenthumes Mund / dem ſelbſt der Kaͤyſer-Thron
Und groſſer Fuͤrſten Ohr ſich zugeneiget haben /
(C) 2Die36Freyherrlich-Abſchatziſches
Die Feder / draus mehr Gold gefloſſen als Buchſtaben /
Die Leyer / ſo verehrt der gantze Helicon /
Die Schleſien ſein Recht beſtaͤrckt durch ihren Thon /
Ein Zeug-Hauß klugen Raths und ungemeiner Gaben.
Ja / daß dein Grab noch mehr gefuͤllet moͤge ſeyn /
Legt ſich dein Eh-Gemahl noch ſelbſt mit dir hinein.
Was bleibet denn von dir? Die werthen Kinder leben /
Der Nach-Ruhm gruͤnt; Doch diß iſt nicht genung vor
dich;
Was du in GOtt gelebt / der Glaube / welcher ſich
An ſeinen Heyland hielt / muß dir das Beſte geben.

Hanns Chriſtoph von Schweinitz und Kran / auff Friedersdorff und Leu - be / Chur-Saͤchſiſcher Cammer-Herr.

Betruͤbte Oſter-Zeit! verworffner Unbeſtand /
Beut Gluͤck und Ungeluͤck einander ſtets die Hand?
Iſts moͤglich / daß man die nach vier und zwantzig Stun - den /
So man geſund verließ / hat in dem Sarge funden?
Ach leider allzuwahr / Schmertz der zu Boden reiſt /
Ach Schmertz / daß man mir izt die ſchwartze Bahre weiſt /
Die / groſſer Freund / dich ſchnell / und eh wir es geden - cken /
Durch unverhofften Fall will in das Grab verſencken.
Der Kummer ſcheinet mir unaͤnderlich zu ſeyn /
Ein kurtzer Augenblick gebuͤhret neue Pein.
Man ſiehet hier und da viel hochbetruͤbte Hertzen /
Es ſcheint kein Freuden-Licht / nur ſchwartze Todes-Ker - tzen.
Ach Schmertz / ich weiß fuͤrwahr itzund nicht wo ich bin /
Der theure Abſchatz geht ſo unverhofft dahin /
So37Ehren-Gedaͤchtniß.
So vieler Naͤchte Muͤh und Schweiß und rares Wiſſen /
Wird nur durch deinen Fall mit dir dahin geriſſen.
Gottsfuͤrchtger Abſchatz geh / beſchicke nun dein Hauß /
Es iſt mit deinem Thun und deinem Wiſſen aus.
Du haſt ſchon Ruhm genung / du kanſt nichts mehr erwer - ben /
Drum weil du wohl gelebt / ſo lerne ſelig ſterben.
Gelehrter Abſchatz geh / dein Stunden-Glaß nimmt ab /
Man bauet allbereit an Bahre / Sarg und Grab:
Gelehrter Abſchatz geh / und lege deine Glieder
In deinem Fuͤrſtenthum / bey deinen Gliedern nieder.
Erfahrner Abſchatz geh / wohin dein Amt dich rufft /
Verwechsle Amt und Stand und Ehre mit der Grufft.
Erfahrner Abſchatz geh / GOtt wird mit vielen Cronen
Dort deine Froͤmmigkeit und Treu und Fleiß belohnen.
Gerechter Abſchatz geh und thue Rechenſchafft /
Bevor dich noch der Tod von deinem Ambte rafft /
Geh zeige denen an / die offt die Tugend ſchmaͤhen /
Daß ſie zu keiner Zeit dich ungerecht geſehen.
Beklagens-werther Mann / o ſeltener Verſtand /
Der zu des Landes Nutz allzeit war angewand:
Betraurens-werther Mann / ſoll Leib und Seele brechen /
Und der ſo kluge Mund kein einig Wort mehr ſprechen!
Ach Schmertzen ſonder Schmertz / Verluſt dem keiner gleicht /
Der kluge Abſchatz iſt erblaſſet und erbleicht.
Ach Land / ach Fuͤrſtenthum / laß Klag und Seuffzer ſchal - len /
Es iſt ein Groſſer heut aus deinem Volck gefallen!
Wohlſelger Abſchatz geh / bezieh die Ruhe-Stadt /
Die GOtt durch ſeinen Tod dir ſelbſt geweyhet hat /
Ruh wohl in kuͤhler Grufft / befreyt von Noth und Pla - gen /
Wir werden deinen Tod nur allzu offt beklagen.
(C) 3Dein38Freyherrlich-Abſchatziſches
Dein Ruhm ſoll aber nicht mit dir vergraben ſeyn /
Wir praͤgen ihn itzund in unſre Hertzen ein /
Dein Ruhm / hochſelger Freund / wird nimmer unterge - hen /
So lange Tugend wird in dieſer Welt beſtehen.
Auff die allzugeſchwinde Erblaſſung der Wohlſeligen Baroneſſen.
Seele ſchicke dich nunmehr zu der lezten Todes-Reiſe /
Die betruͤbte Zeit bricht an / ſo dir mit dem Tode draͤut /
Sieh / wie dich der Schmertz befaͤllt auff gar unterſchiedne
Weiſe /
Deine Kraͤffte nehmen ab: Darum mache dich bereit /
Seele zieh dich von der Welt / laß ihr falſch geſchminck -
tes Weſen /
Denn du biſt vor dieſesmahl zu dem Sterben auser - leſen.
Was iſt diß vor eine Poſt / daß man mir vom Sterben ſaget /
Da ich zu dem Grabe doch noch nicht grau und zeitig
bin /
Dieſes iſt ja eine Poſt / ſo die meiſten Menſchen naget /
Die von GOTT geſegnet ſind / und in Ehr und Gluͤcke
bluͤhn /
Soll es ſchon geſtorben ſeyn / ach ſo muß ich zitternd ſpre - chen /
Was den ſchwachen Leib betruͤbt / Sterben iſt nicht Ro - ſenbrechen.
Freylich geb ich dieſes zu / Sterben iſt nicht Roſenbrechen /
Sterben macht uns allen Angſt / was den Menſch und Leib betrifft /
Aber wenn in Todes-Noth dich die Suͤnden-Doͤrner ſte - chen /
Zeigt dir der erſtandne Held eine ſolche Uberſchrifft:
Ich39Ehren-Gedaͤchtniß.
Ich war todt und lebe wieder / wirſt du freudig uͤber - winden /
Alsdenn wirſtu auch im Sterben rechte Lebens-Roſen finden.
Nun ſo laß ich Welt und Geld / Gluͤck und Guͤter dieſer Er - den.
JEſu zeige mir die Bahn / wo die rechten Roſen ſtehn;
Gieb daß ich durch dein Verdienſt mag gerecht und ſelig werden;
Laß mich freudig aus der Welt in das ewge Leben gehn /
HErr ich ſterbe / nimm mich an / weil ich kan mit Freu - den ſprechen /
Da ich Suͤnd und Tod beſiegt / ſterbend muß man Roſen brechen.
Nun die Dornen ſind vorbey / und die Roſen abgepfluͤckt /
Noth und Sterben ſind beſiegt / du haſt ſelig uͤberwun - den /
Selige / du biſt nunmehr von der Welt dahin geruͤckt /
Und haſt in des Herren Hand / Cron und Sieges-Palmen funden.
Wer ſich in die Welt verliebt / nichts vom Tode hoͤren kan /
Dieſer trete nur herzu und ſeh dieſes Sterben an.
Selige / es iſt vollbracht / dein ſo kurtzer Wittwen-Stand /
Den dir nur der Hoͤchſte wieß / hat ſich bald in Luſt ver - kehret /
Euch vereinigt wiederum dort erfreut des HErren Hand /
Und die Ehe bleibt vergnuͤgt / weil euch kein Verdruß be - ſchweret.
Selige / es iſt vollbracht / was du wuͤnſcheſt iſt ge - ſchehn /
Daß du gluͤcklich haſt gelebt / kan man auch im Ster - ben ſehn.
(C) 4Ver -40Freyherrlich-Abſchatziſches
Verwunderns-werther Tod / desgleichen nicht geſchehen /
Hier muß ein treues Paar auff einmahl untergehn /
Das eine hat noch kaum das andre ſterben ſehen /
So muß es auch erblaſt an ſeiner Seiten ſtehn.
Verwunderns-werther Fall / auch werth / daß dieſe Lei - chen /
Die ſelbſt der Himmel liebt / unſterblich Lob erreichen.
O rares Wunderwerck / Verwunderns-werthe Liebe! Hier muß des einen Tod / des andern Sterben ſeyn /
Damit die treue Pflicht auch unzertrennet bliebe /
So ſchleuſt ſie beyderſeits ein Grab vereinigt ein.
Wir ſetzen ſie demnach voll reiner Liebes-Flammen /
Als ein recht Wunderwerck in eine Grufft zuſammen.
Zwar billich ſolte man ein ſolches Grab auffbauen /
Daß noch kein Alterthum vor dieſem ie gemacht /
Man ſolte ihren Ruhm in fremden Marmel hauen /
Allein / was nutzet doch dergleichen kurtze Pracht /
Es iſt doch nichtes feſt / der Zeit muß alles weichen /
Und Graͤber muͤſſen offt / noch ſelbſt ein Grab errei - chen.
Ihr aber / Seligſten / die wir mit vielen Schmertzen Beklagen iederzeit / wir hauen keinen Stein /
Die Tugend bleibt nur Grab / die Saͤulen ſind die Hertzen /
Und alſo ſoll eur Ruhm auch unvergeßlich ſeyn.
Genug / Wohlſelige / eh wir die Grufft verſchlieſſen /
Leg ich diß Opffer noch zu den erblaßten Fuͤſſen.
Ihr aber / Wertheſte / die ihr zuruͤcke bleibet /
Und die der fruͤhe Tod in tieffes Trauren ſezt /
Nehmt guͤtig / was mein Kiel euch hier zum Troſte ſchreibet /
Glaubt / daß / der Wunden ſchlaͤgt / auch wiederum ergoͤzt.
Die Eltern ſind zwar todt / doch kan ihr ruͤhmlich Le - ben
Und auch ihr Sterben euch viel Troſt und Lindrung geben.
Schau41Ehren-Gedaͤchtniß.
Schau Leſer dieſes Grab / zwey Hertzen ruhen hier /
Die gleiche Lieb und Treu im Leben hat verbun - den /
Weil wahre Liebe ſie gezogen allem fuͤr /
So haben ſie auch Tod und Grab zugleiche funden.
Mein Leſer tritt herzu / beehre dieſen Stein /
Denn wahre Liebe muß alſo begraben ſeyn.

Dieſes ſchrieb ſeinen ſeligſten Hochwerthe - ſten Freunden zu ſchuldigſtem Andencken / den Betruͤbten aber zu einem Troſte mit wehmuͤttiger Feder Hanns Siegmund von Liedlau.

Gelehrter Edelmann / du Phoͤnix unſers Landes /
Dergleichen Schleſien nicht mehr bekoͤmmt zu ſchaun /
Du Kleinod edler Welt und Crone deines Standes /
Ach koͤnt ich deinem Ruhm ein Mahl der Ehre bann!
Ach waͤr ich doch geſchickt in Marmel dich zu aͤtzen /
Und koͤnte mit dem Leib auch bilden deinen Geiſt!
So ſolte meine Fauſt dich in das Zimmer ſetzen /
Wo man uns vor das Wohl des Landes ſorgen heiſt.
Hier / leider! pflegt man dich am meiſten zu vermiſſen /
Es iſt kein Abſchatz mehr der unſer Ruder fuͤhrt /
Und deſſen groſſer Witz und ungemeines Wiſſen
Die ſchwache Landes-Uhr durch ſtillen Zug regirt.
Ein ieder unter uns muß dir zum Ruhme ſagen /
Daß man auff deinen Rath von allen Seiten ſah /
Es ſchien / als ſolteſt du die Laſt vor alle tragen /
Wie offters ward gefragt: Iſt unſer Abſchatz da.
Drum wird dein hoher Glantz zu allen Zeiten gruͤnen
Bey iedem / der die Ruh des Vaterlandes ſucht /
Und nicht aus tollem Wahn mit falſch-geſchminckten Mi -
nen
Die alte Policey und Nedligkeit verflucht.
(C) 5Ihr42Freyherrlich-Abſchatziſches
Ihr edlen Schleſier / ach doͤrfft ich hier was melden!
Und moͤcht eur werther Geiſt es guͤnſtig nehmen an /
So ſagt ich: Kunſt und Buch beſchaͤmen keinen Helden /
Ja Wiſſenſchafft erhoͤht den beſten Edelmann.
Pferd / Degen und Piſtol ſind lobens-werthe Sachen /
Ich laß euch auch die Jagt zur Luſt und Ubung zu /
Allein Gelehrſamkeit kan euch unſterblich machen /
Und ſchafft dem Stamme Glantz / dem Geiſte wahre Ruh.
Ein Demant bleibet ſtets ein Stein / ſo hoch zu ſchaͤtzen /
Doch gilt er noch ſo viel wenn ihn die Kunſt polirt:
So iſt der Adel auch gantz billich vorzuſetzen /
Denn aber glaͤnzt er recht / wenn ihn die Tugend ziert.
Man ſpart nicht Geld noch Muͤh zu weit-entfernten Rei -
ſen /
Ja iedes Wort und Thun ſchmeckt nach der fremden
Welt /
Allein kan Engelland und Franckreich uns nicht weiſen /
Daß ſich der Adel dort meiſt zu den Buͤchern haͤlt?
Drum / Werthen / ſtellet euch den Abſchatz zum Exempel /
Und denckt / daß Wiſſenſchafft wohl kan beym Adel ſtehn /
So werdet ihr / wie er / in groſſen Ehren-Tempel
Und unſer Schleſien vor alle Laͤnder gehn!

Mit dieſen wenigen Zeilen wolte des vor - trefflichen Frey-Herrn von Abſchatz Aſche verehren / auch ſeine Herren Landes-Leute zu gleichmaͤßiger Tugend auffmuntern Chriſtian Anton Knorr von Roſenroht.

So ſieht man / Abſchatz / dich nun auch zu Grabe tragen /
Du Zierde Schleſiens / der Weißheit Ebenbild /
Wer iſt der deinen Tod genungſam kan beklagen?
Da deines Nahmens Ruhm das gantze Land erfuͤllt.
Wiewohl die Tugend wird dich niemahls ſterben laſſen /
Und dieſes enge Grab kan nur den Leib umfaſſen.
Drum43Ehren-Gedaͤchtniß.
Drum wuͤrde man dein Lob biß zu den Sternen treiben /
Wie es / Hochſeligſter / dein ſeltner Geiſt verdient /
Wenn ſich ein anderer bemuͤhte diß zu ſchreiben /
Was meine Schwachheit ſich zu leiſten hat erkuͤhnt.
Es ſolte deinen Tod ein Lohenſtein beſingen /
Und dir die Grab-Schrifft ſelbſt ein Hoffmanns-Waldau bringen.
Ich aber ſage nur / weil das Vermoͤgen fehlet /
Diß iſt die ſchwartze Grufft darinnen Abſchatz liegt /
Die Seele iſt bey GOtt / wo ſie kein Ungluͤck quaͤlet /
Und ſein erworbner Ruhm hat ſelbſt den Tod beſiegt /
Denn was in ihm vor Geiſt und Klugheit iſt geweſen /
Das wird die Nach-Welt noch aus ſeinen Schrifften le - ſen.
Doch Schleſien das faͤllt erſtarrt zur Erden nieder /
Und leget nicht allein die Trauer-Kleider an /
Gantz Teutſchland iſt beſtuͤrzt durch dieſe Klage-Lieder /
Ach Abſchatz unſer Licht betritt die Todten Bahn /
Denn weil ſein hoher Ruhm weit in der Welt erklungen /
So wird ſein fruͤher Fall mit Thraͤnen izt beſungen.
So ward auch Smirna nicht nur auſſer ſich geriſſen /
Nachdem es den Homer das Wunderwerck verlohr /
Denn Griechenland zugleich ließ heiſſe Thraͤnen fluͤſſen
Doch kleidet Liegnitz ſich izt ſonderlich in Flor /
Weil dieſem Fuͤrſtenthum er tauſend Nutzen brachte /
Und wie ein Krannich ſtets fuͤr deſſen Wohlfarth wachte.
Es klagt / ſoll denn ſein Geiſt mir ferner nicht mehr nuͤtzen?
Iſts moͤglich / daß man dich nun gantz entbehren muß?
Soll Schleſien ſich nicht auf deine Klugheit ſtuͤtzen;
Und bleibet dieſes denn des Himmels feſter Schluß /
Daß man die Kluͤgſten ſezt am erſten auff die Bahre /
Und was vollkommen iſt / traͤgt ſelten graue Haare.
Doch fuͤhrt der Himmel dich in ſeine guͤldne Zimmer /
Wo nichts zu ſehen iſt von leerer Eitelkeit /
Da44Freyherrlich-Abſchatziſches
Da dieſen unſern Schatz und deſſen Werth und Schimmer
Niemahls verſehrt der Roſt und Moder dieſer Zeit.
Wer ſich alſo / wie er / zum Abſchied kan bereiten /
Den wird des Hoͤchſten Gnad zur Himmels-Burg beglei - ten.
Nechſt Liegnitz ſolte ich die Gaben auch erheben /
Womit der Himmel dich ſo reichlich ausgeziert /
Doch Phoͤbus ſtirbt mit dir und will mir nichts eingeben /
Weil er durch dieſen Fall recht toͤdtlich iſt geruͤhrt /
Es ſtehn auff dem Parnaß vor Lorbern duͤrre Fichten /
Daß ſelbſt der Muſen-Schaar nicht moͤglich was zu dich - ten.
Man darff auch nicht dein Grab mit Reimen erſt beeh - ren /
Da du dir ſelber haſt das Grabe-Lied gemacht /
Alſo erwogeſt du / wie billich / Solons Lehren /
Und warſt beym Leben ſchon auff deinen Tod bedacht.
Wohl dem / der wie ein Schwan ſich ſelbſt zu Grabe ſinget /
Und noch vor feinem Tod ſich in den Himmel ſchwinget.
Betruͤbte / die ihr noch in ſchwerem Kummer ſitzet /
Ermuntert euren Geiſt / und wiſcht die Thraͤnen ab /
Denckt / ob das Ungluͤck zwar um euren Scheitel blitzet /
Der Hoͤchſte ſey eur Troſt / eur Vater / Schutz und Stab.
Denn Schmertz und Ungluͤck wird durch Thraͤnen nicht ver - bunden /
Die beſte Linderung wird in Gedult gefunden.
Denckt / daß der Seligſte ſey in den Hafen kommen /
Wo Gluͤck und Herrligkeit in voller Bluͤhte ſteht /
Er iſt nun der Gefahr / dem Sturm und Wind entnom - men /
Wodurch ſo manches Schiff zu Grund und Scheitern geht.
Wer ſo geluͤcklich kan an dieſen Port gelangen /
Der wird in Ewigkeit den Sternen gleiche prangen.
Glaubt /45Ehren-Gedaͤchtniß.
Glaubt / daß ſein Geiſt izt nur der Sterbligkeit entriſſen /
Weil ſein Gedaͤchtniß doch bey uns lebendig bleibt /
Ihr koͤnnet dieſes ja aus dieſer Grab-Schrifft ſchluͤſſen /
So Tugend / Gottesfurcht und eigne Kunſt ihm ſchreibt:
Hier lieget unſer Schatz in dieſem Ehren-Tempel /
Und bleibt verewiget der Lebenden Exempel.

Hanns Friedrich von Kreckwitz.

So hat des Himmels Schluß ſchon wieder wahr ge -
macht /
Daß auch ein Cedern-Baum von ungemeiner Hoͤhe
Auff ſeinem Libanon nicht feſt und ſicher ſtehe /
Wenn Donner / Sturm und Blitz um ſeinen Gipffel kracht:
Mich deucht ich hoͤre noch den Streich in Ohren knallen /
Der dieſen edlen Baum ſo bald zu Boden ſchlug.
Die Stimme ruffet laut: Die Saͤule iſt gefallen /
Die dieſes Landes Heyl auff ihren Schultern trug.
Erlaube / Seligſter / daß dich mein Kiel ſo nennt /
Indem er zitternd will die lezte Pflicht ablegen /
Und dieſen herben Fall noch einmahl wohl erwegen /
Der dich ſo unverhofft von unſrer Seite trennt.
Denn hebt ein ſolcher Baum ſein Haubt biß an die Ster - nen /
So hat dein hoher Stand dich hoͤher noch geſezt:
Die Klugen muſten ſelbſt von deinem Witz erlernen /
Wie man der Tugend Lob in Ceder-Taffeln aͤzt.
Ach ungemeiner Geiſt! ſoll dein gelehrter Kiel
Und unermuͤdter Fleiß von unſern Augen weichen /
Wie / laͤſtu uns nach dir / viel die dir werden gleichen?
Sezt dir der Himmel denn ſo kurtze Maaß und Ziel?
Der46Freyherrlich-Abſchatziſches
Der Helicon ſteht wuͤſt und voller Traur-Cypreſſen /
Es weint um deinen Tod die gantze Muſen-Schaar:
Apollo ſelber kan ſein Leid nicht recht ermeſſen /
Weil er vor andern dir im Leben guͤnſtig war.
Ach ſchmertzlicher Verluſt! So reiſt des Todes Hand
Den Phoͤnir unſrer Zeit auch endlich von der Erden /
Muß denn ein Seckendorff zu Grauß und Aſche werden /
Bey dem ein Uberfluß an Tugend und Verſtand?
Du edler Abſchatz warſt ein rechtes Licht zu nennen /
Das ſeinem Vaterland zu Dienſt und Nutzen ſchien /
Wer nur das Gluͤck gehabt dich als ein Freund zu kennen /
Der muſte dich mit Recht den Andern weit vo[r]ziehn.
Wer deiner Wiſſenſchafft und Klugheit Frucht be - tracht /
Schaͤzt dich den Palmen gleich / die alles reichlich geben /
Was nur ein Menſch bedarff in ſeinem gantzen Leben /
Denn du haſt unſrer Sprach den Nutzen faſt gebracht /
Als die Geſellſchafft / ſo den Palmen gleich gebluͤhet /
Da ſie zur Teutſchen Preiß Frucht-bringend ſich ver - bund /
Guarini ſelber zeigt wie ſehr du dich bemuͤhet /
Und machet deinen Ruhm bey fremden Voͤlckern kund.
Sie winden dir nun mehr als einen Lorber-Krantz /
Die vormahls Teutſchlands Thun als thoͤricht ſtets verlach - ten /
Dabey ſich freventlich die eitle Rechnung machten /
Bey ihnen ſey allein der wahren Weißheit Glantz.
Nein / Abſchatz hat bereits das Gegentheil erwieſen /
Daß auch Geſchickligkeit in unſern Graͤntzen wohnt /
Deßwegen wird ſein Nahm in aller Welt geprieſen /
Und mit der Ewigkeit vereinigt und belohnt.
Er hat von Jugend auff den beſten Weg erwehlt /
Der Himmel ſegnete das eifrige Beginnen /
Und floͤſte ſeine Krafft in die noch zarte Sinnen /
So daß es ihm niemahls an weiſem Rath gefehlt.
Die47Ehren-Gedaͤchtniß.
Die Klugheit hatte ſich mit ſeinem Fleiß verbunden /
Ihm dauchte keine Muͤh und Arbeit allzu ſchwer:
Drum war er endlich als ein Palmen-Baum befunden /
Der nimmer von der Bluͤht und ſuͤſſen Fruͤchten leer.
Wie treulich er damit dem Vaterland gedient /
Und was vor heilſam Oel aus dieſem Stamm gefloſſen:
Wie groſſe Nutzbarkeit dem Nechſten draus entſproſ - ſen /
Wie ſeine Zweige hier zu groſſem Nutz gegruͤnt /
Kan Liegnitz aller Welt / doch kaum nach Wuͤrden / zei - gen /
Das ſeinen Ruͤcken offt mit groſſer Laſt beſchwert:
Bey welcher man ihn doch ſich niemahls ſahe beugen /
Weil ſeines Geiſtes Krafft ſtets auffwerts ſich ge - kehrt.
Als dieſer edle Baum wie Palmen ſich vermaͤhlt /
Von den / wenn zwey zugleich zuſammen ſich verbin - den /
An ihren Aeſten ſich die ſchoͤnſten Fruͤchte finden /
Wie die Gelehrten viel von ihrer Art erzehlt.
So ſind aus ſeinem Stamm ſo edle Fruͤchte kommen /
Die ſeines Nahmens Ruhm erhalten und erhoͤhn /
Von dem ſie allbereits den Glantz an ſich genommen /
Der bey der Nach-Welt wird in friſcher Bluͤhte ſtehn.
Vom Palm-Baum weiß man auch / daß er verdorren muß /
Wenn der / ſo bey ihm ſtund / von ihm wird weggeriſſen:
So kan / die er geliebt / ſich nicht getrennet wiſſen /
Die Eitelkeit der Welt erweckte ihr Verdruß:
Nachdem ſie ſchmertzlich ſieht den beſten Troſt erblaſ - ſen /
Der ihr allhier allein die groͤſte Freude gab:
Drum will ſie lieber ſelbſt die Sterbligkeit verlaſſen /
Und Lieb und Treue legt zwey Hertzen in ein Grab.
Be -48Freyherrlich-Abſchatziſches
Betruͤbte / deren Schmertz in Boy und Flor verhuͤllt;
Was wollen endlich ſie zu dieſem Schickſal ſagen?
Sie ſehn ein edles Paar in ihre Grufft hintragen /
Davon der Trauer-Schall das gantze Land erfuͤllt.
Sie duͤrffen dieſes Gluͤck den Selgen nicht beneiden /
Ihr unverhoffter Tod braucht ihres Klagens nicht:
Denn ſie ſind angelangt im ſichern Port der Freu - den /
Und leuchten herrlicher als aller Sternen Licht.
Ob gleich der Leib verdorrt / wie man anitzo meynt /
Wird doch die Seele dort wie Palmen-Baͤume gruͤ - nen /
Die abermahls hierbey zu ihrem Troſte dienen /
Weil / wenn ſie unten duͤrr / ihr Haubt doch herrlich ſcheint.
Mich daͤucht / ich ſehe ſie gekroͤnt mit Sieges-Kraͤntzen /
Die ihnen beyderſeits des Hoͤchſten Hand mittheilt.
Begluͤckt iſt / der ſo wohl beſchritten dieſe Graͤntzen /
Und ſo wie Abſchatz nach dem Schatz des Himmels eilt!

Carl Ludwig von Kottwitz.

Wer in der weiten Welt ſich ſoll vor andern zeigen /
Mit einem hohen Geiſt und ſeltner Weißheit -
Pracht /
Zu ſelbtem pfleget ſich des Himmels Gunſt zu neigen /
So bald des Schoͤpffers Hand des Lebens Anfang
macht.
Ein Zeugniß kan hiervon der Herr von Abſchatz ge -
ben /
Das Kleinod Schleſiens und Wunder kluger Welt;
Weil GOtt viel eher ihm als andern gab das Leben /
Der ſieben Monath nur ihm zur Geburth beſtellt.
Nun49Ehren-Gedaͤchtniß.
Nun hat der Alten Witz nicht ungereimt erwieſen /
Was die und jene Zahl vor andern wuͤrcken kan /
Von Auguſtino wird die Sieben ſehr geprieſen /
Als haͤtte ſie viel Krafft und Wunder offt gethan.
Drum glaube ich gewiß / es war ein gluͤcklich Zeichen /
Wodurch dem Seligſten ward gleichſam prophe -
zeyt /
Es wuͤrde ſeinem Geiſt an Hoheit keiner gleichen /
Noch auch an Tugend-Schmuck und der Gelehrſam -
keit.
Was Wunder iſt es denn? daß er nach ſieben Jah -
ren /
Uns Bluͤthen nebſt der Frucht / als etwas Seltnes /
weiſt /
Wem iſt wohl dieſes Gluͤck ſonſt iemahls wiederfahren /
Das Phoͤbus ihn ſchon treibt und Verſe machen
heiſt.
Mit Zeit und Jahren pflegt die Weißheit groß zu wer -
den /
Diß traff in Warheit auch bey unſerm Abſchatz
ein /
Er ſcheute keine Muͤh / und drang durch die Beſchwer -
den /
Was anderen zu fchwer / das muſt ihm leichte ſeyn.
Deßwegen ſahe man ſein Haubt mit Ehren prangen /
Da vieler Kuͤnſte Glantz mit Perlen es geziert /
Und in der Sterbligkeit den hohen Ruhm erlangen /
Der ſeines Nahmens Lob biß zu den Sternen fuͤhrt.
Geh / werthes Schleſien / beweine deinen Todten /
Des Klugheit iederzeit war deiner Wohlfarth Grund /
Sein ungemeiner Witz zerriß viel Zweifels-Knoten /
Worinn des Landes Heyl offtmahls verwickelt
ſtund.
Die Dienſte ſind zu groß / die Liegnitz muß vermiſſen /
Da ihm ſein Abſchatz ſtirbt und auff der Bahre
ſteht /
Die Nach-Welt wird noch wohl beſtuͤrzt zu ſagen wiſſen /
Ach daß ein ſolches Licht ſo zeitlich hier ausgeht!
(D)Doch50Freyherrlich-Abſchatziſches
Doch ſein Verſtand hat ihn in dieſen Stand geſetzet /
Daß er in hellem Glantz ſtets unausloͤſchlich ſcheint /
Der Kaͤyſer / der die Kunſt und Tugend nur hoch ſchaͤ -
tzet /
Und der der Klugheit nicht wie die Tyrannen ſeind /
Hat unſern Seligſten auch gnaͤdigſt angeblicket /
Und ihn durch hoͤhern Stand viel ſcheinbarer ge -
macht;
Es bleibt des Nahmens Ruhm ſo ſchoͤner ausgeſchmuͤ -
cket /
Und wird von Soͤhnen ſelbſt in neuen Schein ge -
bracht.
Wiewohl ſein Nahmen iſt von ihm laͤngſt eingeſchrie -
ben
Ins Buch der Ewigkeit / o ungemeiner Ruhm!
Dem Adel iſt hierdurch ein wahres Beyſpiel blieben /
Daß Klugheit muͤſſe ſeyn deſſelben Eigenthum.
Und wer den Tempel nicht der Tugend iſt durchgan -
gen /
Der kommet unverdient in Ehren-Tempel ein /
Zu Rom kont einer gar diß Gluͤcke nicht erlangen /
Denn Tugend ſolt allein des Adels Quelle ſeyn.
Man muß von andern nicht den beſten Zierath neh -
men /
Und auff dem Hute nur mit Federn prangen gehn /
Der Feder in der Hand darff ſich kein Edler ſchaͤ -
men /
Wer die zu fuͤhren weiß / dem wird ſie ſchoͤner
ſtehn.
Bewundert demnach doch des theuren Abſchatz Le -
ben /
Der ſeinen Ahnen ſelbſt durch Tugend Zierde giebt /
Da vieler Unverſtand ſich will gantz ſtoltz erheben /
Weil ihrer Eltern Witz war bey der Welt beliebt.
Er aber pflegte bloß daſſelbe zu verehren /
Was ſelbſt vor andern hat des Himmels Gunſt er -
hoͤht /
Das51Ehren-Gedaͤchtniß.
Das unſer Tugend-Lob noch weiter kan vermehren /
Damit des Nahmens Ruhm nicht in der Welt ver -
geht.
Drum muſte auch ſein Tod allein vom Himmel kom -
men /
Da er im Leben war des Himmels Ebenbild /
Indem des Hoͤchſten Hand ihn eilend weggenom -
men /
Und mit der Todes-Angſt nicht lang ſein Hertz er -
fuͤllt.
Er hat den edlen Geiſt nicht alſo auffgegeben /
Wie insgemein der Tod die Sterblichen hinrafft /
Die nach demſelbigen offt mit Verlangen ſtreben /
Wenn lange Kranckheit ſie beraubt der Lebens -
Krafft.
Des Hoͤchſten Rath-Schluß war / er ſolte ſtehend ſter -
ben /
Wie diß ein Kaͤyſer ſelbſt im Alterthum begehrt.
Und vor die Eitelkeit vollkommnes Gluͤck ererben /
Das GOtt nach treuem Dienſt den Seinen bald ge -
wehrt.
Der Neid / der insgemein zur Tugend ſich geſellet /
Der muß die helle Sonn izt wie die Eule fliehn.
Und hat ſein kluges Thun offt Momus gleich vergaͤl -
let /
So kont er doch dadurch nichts ſeinem Ruhm ent -
ziehn.
Gleich wie ſein Leben nun war ungemein zu nen -
nen /
So ward es durch den Tod auch wunderbar ge -
macht /
Dieweil er nicht vermocht zwey Hertzen zu zertren -
nen /
Die ſtets in Lieb und Tren einander hochge -
acht.
Denn dieſe dorffte nicht das Elend laͤnger bauen /
Mit der er hoͤchſt-vergnuͤgt auff Erden war ver -
maͤhlt /
(D) 2Sie52Freyherrlich-Abſchatziſches
Sie kriegt naͤchſt ihrem Schatz den groſſen GOTT zu
ſchauen /
Weil ihre Seel zugleich zum Himmel wird erwaͤhlt.
Drum muß zu ihrem Ruhm man dieſe Grab-Schrifft ſchrei -
ben:
Das Paar / das ſelbſt der Tod auffs neu zuſammen
giebt /
Muß in vollkommnem Ruhm und ewig gluͤcklich blei -
ben /
Weil diß / was andre trennt / ſie nicht einmahl be -
truͤbt.

Chriſtoph Gotthard von Kreckwitz.

ILLU -[53]

ILLUSTREM DOMINUM JO. ASMANNUM LIB. BAR. ABSCHATZIUM, WIRWICII, LEDERHOSII, PETSCHKENDORFII, SUPERIORIS BERSCHDORFII ET INFERIORIS GEL - SCHAVII TOPARCHAM, IN LIGNICENSI DUCATU PROVIN - CIALEM SYNDICUM, IN PUBLICIS SILESIÆ CONVENTIBUS ORDINARIUM ASSESSOREM, MULTIPLICI MERITORUM GLORIA CELEBREM, RARISSIMO FATO, IN LIGNICENSIUM TEMPLO PETRO-PAULINO, ANNO M. DC XCIX. DIE XXVI. APRILIS, CUM ILLUSTRI UXORE AD QUIETEM UNI CONDITORIO TRADITUM, HOC MONUMENTO IN MEMORIAM POSTHUMAM PROSEQUENDUM STATUIT Martinus Hankius.

[54]55Ehren-Gedaͤchtniß.

D. O. M. S. QUibus Animi Dotibus, ſeu acquiſitis, ſeu acquirendis, per aſpera Viarum Impedimenta, Conatu laborioſum, proſperum Eventu peragere cogitas Iter, Dum, commorandi relictis omnibus Diverſoriis, ad habitandi pervenias æternum Domicilium, in præcelsâ Deſideriis tuis extructum Patriâ, Genere ſublimis, Indole ſagax Peregrinator? Eruditionis, an Virtutis, an utriusque Cultor? Cultor utriusque ſincerus? Talis erat, cujus ad Reliquias per me Literis mutis loquentes, ſi pro Regula juſtum capis Exemplum, Imit atoribus æquandum paucis, pauciſſimis ſuperandum Æmulatoribus, tuis præfigendum magis Cogitationibus, quam Pedibus, de Gloria ſecurus, pro Conſcientia, pro Patria, dexterrimum finies Curſum. Hoc enim ſub Marmore jacet ILLUSTRIS HEROS, cujus ex Cineribus Fama quô verior, quô clarior, jucundior, penetrabilior in Æſtimationis Admir ationem ſurgit, JOHANNES ASMANNUS ABSCHATZIUS, DOMO antiquiſſima KOSKAVIUS,(D) 4LI -56Freyherrlich-AbſchatziſchesLIBER SILESIÆ BARO, Wirwicii, Lederhoſii, Petſchkendorfii, ſuperioris Bersdorfii, & inferioris Gelſchavii Dominus: Quem ſupra multos ſuſpiciendum Sæculo ſuo, Proſapia Generoſum, Eruditio Ingenioſum, Virtus Nobilem oſtendit: Magnorum, partim Equitum, partim Dynaſtarum,