PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Chriſtliche Leichpredigt
Bey der Begrebnis des Edlen / Ehrvoheſten / vnd Geſtrengen / Ehrich Volckmar von Berlebſch / auff Roßla vnd Vhrleben / ErbCammerers zu Heſſen / Churf. Saͤchſiſchen Furnehmen Raths / Oberhoffrich - ters zu Leipzig / vnd Oberhaubtmans in Duͤringen. Welcher den 26. Auguſti / dis lauffenden 89. Jahrs / zwiſchen zwey vnd drey vhr nach Mittage / zu Vhrle - ben in Chriſto ſeliglich eingeſchlaffen / vnd den folgenden 30. Auguſti / daſelbſt Chriſtlich zu der Erden beſtetiget wor - den.
ANNOM. D. LXXXIX.
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Der Edlen vnd Ehrentu - gendſamen Frawen Lucretia / Gebor - ne von Schleinitz / Des Edlen / Ehrenvheſten / vnd Geſtrengen / Herrn Ehrich Volckmar von Ber - lebſch / auff Roſsla vnd Vhrleben / ErbCammerers zu Heſſen / Churfuͤrſtlichen Saͤchſiſchen Fur - nehmen Raths / Oberhoffrichters zu Leip - zig / vnd Oberheubtmans in Duͤringen / ſeligen / hinderlaſſenen Widwen. Meiner grosguͤnſtigen Frawen. Gottes Gnade vnd Troſt des heiligen Geiſtes / durch Jeſum Chriſtum vnſern Heiland / ſampt mei nem Vater vnſer / vnd freundlichen Gruß zuuor.

EDele vnd Ehrentugendſame Fraw / Der weiſe Man Syrach im acht vnd dreiſſigſten Capitel ſpricht:Syrach 38 Mein Kind wenn einer ſtir - bet / ſo beweine jn / als ſey dir groß Leid geſchehen / vnd verhuͤlle ſeinen Leib ge - buͤrlicher weiſe / vnd beſtatte jn ehrlich zum Grabe / Du ſolt bitterlich weinen / vnd hertzlich betruͤbt ſein / vnd leide tra - gen / darnach er geweſt iſt / zum wenig -A ijſten[4]Vorrede. ſten einen Tag oder zwene / auff das man nicht vbel von dir reden moͤge / vnd troͤſte dich auch wider / das du nicht trawrig werdeſt.

Summa vñ Lere dieſes ſpruchs drey erley.JN dieſen worten vnterrichtet vns der Weiſe Man / wie wir vns verhalten ſollen / wenn Gott der HERR vns liebe Freunde durch denI. Das man die Chriſten betrawren ſoll. zeitlichen Tod hinweg nimpt. Nemlich / Man ſol ſie Erſtlich betrawren / vnd beklagen / vnd hertzlich be - weinen / Vnd ſolches daruͤmb / das vns dadurch groß Hertzleid widerfehret.

Vrſach des Trawrens.Denn ſo groſſe Frewde es iſt / wenn Gott der HERR gute Freunde gibt / als / einem Man ein frommes Gottſeliges Weib / dem Weibe einen from men Gottſeligen Eheman: Jtem / wenn Gott ſon - ſten einen mit guten Leuten / denen man vertrawen darff / da man ſich Raths / Huͤlffe / vnd Troſts kan erholen / in Kundſchafft vnd Freundſchafft bringet: So groſſes Hertzleid iſt es / wenn Gott der HER - RE vns ſolche gute Freunde wideruͤmb hinweg nimpt. Denn da entfleuget vns nicht ein Vogel / ſondern es entgehet vns mancher guter Rath vnd Troſt / daraus wir ergetzung in vielerley trawrig - keit vnd anligen haben koͤnnen. Ja da erfahren wirofft -[5]Vorrede. offtmals erſt recht / was wir gehabt haben / wenn ſolche Freunde hinweg ſein.

Zum andern ſpricht er / Sol man ſieII. Das man Chriſten ehr lich b[e]gra - ben ſoll. auch ehrlich zum Grabe beſtatten / vnd nicht wie ein ander hinaus werffen.

Vnd haben ſolche Chriſtliche Begraͤbnis jreVrſachen vñ[n]uͤtz[ď]Chriſt l[ic]h[e]n B[e]- grebnis. wichtige Vrſachen / vnd groſſen nutz bey den lieben Chriſten. Denn ſie ſind Erſtlich eine Erinnerunge der wirdigkeit vnd herrligkeit Menſchlicher Leibe /1. das dieſelben nicht allein Gottes Creaturen vnd Geſchoͤpff / ſondern auch Chriſti tewer erworben Gut vnd Gliedmaſſen ſein: Denn Er den Leib ſo wol als die Seele erloͤſet hat. Vnd derwegen wird ſolcher Coͤrper als ein Depoſitum vnd Beylage dahin gelegt / vnd biß an Juͤngſten tag auff Chriſti Zukunfft bewaret / da Er beide ins ewige Leben verſetzen wird.

Darnach ſo ſinds auch Teſtimonia vnd Zeug2. nis / damit wir zuuerſtehen geben / beides vnſere Chriſtliche liebe / ſo wir vnter einander gehabt: vnd denn auch vnſere hoffnung / zur aufferſtehung des Fleiſches vnd ewigem Leben.

Zum dritten / Troͤſten ſie die lieben Chriſten3. gar ſehr / wider die Trawrigkeit vnd Schrecken des Todes / das gleichwol der Tod der lieben ChriſtenA iijwert[6]Vorrede. wert gehalten ſey / vnd man jre Coͤrper / nicht wie anderer vnuernuͤnfftiger Thiere ſo hinwerffe. Zu welchem Troſt vnd vnterricht / die Chriſtlichen Ge - ſenge / vnd Leichpredigten / auch andere Chriſtliche Ceremonien, die man bey den Begraͤbniſſen der lieben Chriſten pfleget zu halten / furnemlich veror - denet ſein.

4.Endlich erinnern ſie vns auch vnſerer Sterb - ligkeit / Das wir bedencken ſollen / wie einer dem an dern zum Begraͤbnis folget / alſo muͤſſen wir auch einander folgen ins Grab. Vermanen vns derhal - ben / das wir vns dar zu ſollen gefaſt machen / auff das wir auch / wenn vnſer ſtuͤndlein koͤmpt / ſeliglich folgen moͤgen.

III. Das man im Trawren vñ Begrebnis / ſol eine maß halten.Zum dritten / Vermanet vns auch dieſer Spruch / das deſſen allen / gleichwol auch ein maß / vnd Chriſtliche beſcheidenheit ſein ſoll. Man ſol ſie ehrlich zur Erden beſtatten / aber damit auch nicht Heidniſche Hoffart vnd Geprenge treiben / daraus offt an vielen mehr eine froͤligkeit vnd leicht fertigkeit / denn eine hertzliche Trawrigkeit / vnd Chriſtliche beſcheidenheit erſcheinet. Alſo ſol man auch zwar trawren vnd bitterlich weinen / aber gleichwol ſich auch nicht zu ſehr bekuͤmmern / vnd vngeberdigſtellen / wie die Heiden pflegen / welchekeine[7]Vorrede. keine hoffnung haben / der froͤlichen Aufferſtehung / vnd wider zuſammenkunfft im ewigen Leben / wie1. Theſſ. 4. Paulus ſagt / in der Erſten zun Theſſ: am 4. Capit.

Wann dann nu dieſem vnterricht nach / E. E.Applica tio. Th. in jrem hohen vnd ſchweren Creutz / da Gott der HERR jr nicht einen gemeinen Freund / ſon - dern jren liebſten Gemahl / welcher jr getrewes Hertz vnd hoͤchſter Schatz in dieſer Welt geweſen / hinweg genommen / ſich verhalten. Vnd erſtlich vber ſolchem ſeligen abſchiede / als der E. E. T. nicht geringes Hertzleid gebracht / ſich hoch betruͤbet / vnd jren lieben ſeligen Junckern hertzlich beweinet. Jn auch hernach ehrlich vnd Chriſtlich zur Erden vnd dem Ruheberlein / das er jm bey ſeinem leben ſelber zurichten laſſen beſtattet: So ſol nu mehr E. E. T. auch das dritte Th[ei]l dieſes Spruchs in acht ne -Vermanung zum Troſt. men / vnd ſich als eine Chriſtin / auch wideruͤmb troͤ ſten. Jn betrachtung das ſolchs nach Gottes Rath1. Das wir nach Gottes willen ſter - ben. vnd willen alſo geſchehen / one welchen vns ſonſten kein Haar von vnſerm Heubte fallen kan. WelchsMatth. 10. ſich auch erinnert der liebe Job / da jm durch Got - tes verhengnis / ſeine liebe Kinder auff einmal vmb - menen vnd ſpricht: Sicut Domino placuit ita fa - ctum eſt, Job 1. Vnd das auch E. E. Th mit jrem2. Das wie mit vnſer[em]trawrẽ ni[c]h -〈…〉〈…〉 ausrich - ten. vnmeſſigem trawren wenig ausrichten / denn da - mit koͤnnet jr jn nicht wider holen / Jr muͤſſet zu jmfahren /[8]Vorrede. fahren / er koͤmpt nicht wider zu euch / wie Dauid2. Sam. 12. ſeinen Raͤthen antwortet / 2. Sam. cap. 12.

3. Trawtig - keitſchwecht das Hertze.So ſpricht alhie Syrach: das ſolche vbermeſſi - ge Trawrigkeit / das Hertze vnd Kreffte ſchweche. 4. Ziemet den Chriſten nicht.Ja Paulus ſagt / ſie zieme auch den Chriſten nicht / als die ſich der widerzuſammenkunfft im ewigen1. Theſſ. 4. Leben troͤſten ſollen / 1. Theſſ. 4.

Wird derwegen E. E. T. jren willen nach Got - tes willen richten / vnd jr Vater vnſer ſelbſt nicht zu ſchanden machen / ſondern dis liebe Creutz mit ge - dult tragen.

Gedult we - chſet nicht in allen gerten.Ob aber wol ſolches Fleiſch vnd Blut ſchwer eingehet / vnd dieſes Kreutlein Gedult / nicht in al - len Gaͤrten zu finden / wie man im Sprichwort ſa -Gedult aus Gottes wor te vnd vn - ſerm Gebet zu lernen. get: So hat dennoch Gott der HERR / vns ſolchs in den ſchoͤnen Luſtgarten ſeines lieben Worts reich lich gepflantzet / daraus es der Son Gottes in vn - ſer liebes Gebet / als in ein liebliches vnd wolrie - chendes Wuͤrtzgertlein gebunden / da wir in der dritten Bitt ſagen / Vater dein Wille geſchehe. Dis erklert vnſer Geſang / das es ſo viel heiſſe / als: Gib vns gedult in leidens zeit / gehorſam ſein in lieb vndLuc.[ii]. Bit - t[e]t ſo wirds euch gegebẽ. leid etc. Da ſol es E. E. Th. ſuchen / vnd das Wort Gottes / das ſie ſonſten in gluͤcklichem zuſtande lieb gehabt / auch jtzo im Creutz practicieren / vnd Gott darneben vmb krefftige wirckung ſolcher Gedultvnd[9]Vorrede. vnd Troſts / von hertzen anruffen / nach dem Exem - pel des lieben Dauids / der ſpricht im 18. Pſalm:Exempeldes lieben Da - uids. Wenn mir angſt iſt / ſo ruffe ich den HERRN an / Vnd ſchreye zu meinem Gott / ſo erhoͤret Er meinePſalm. 18. Stimme von ſeinem heiligen Tempel / Vnd mein geſchrey koͤmpt fuͤr in zu ſeinen Ohren.

So wird auch ſolch E. E. Th. Gebet gewislichGeber gehet nicht lehrab. nicht lehr vnd one frucht abgehen / vnd Gott eben an E. E. T. anfahen ſeine zuſage zu hinder - ziehen. Denn Dauid ſagt im 37. Pſalm: Jch binPſalm. 37. jung geweſen vnd alt worden / Vnd hab noch nie ge - ſehen den Gerechten verlaſſen. Vnd im 34 Pſalm:Pſalm. 34. Da dieſer Elender rieff / hoͤret jn der HERR / vnd halff jm aus allen ſeinen Noͤthen.

Zu ſolchem Gebet aber vnd ruffen zu Gott / kanZum Geber reitzet vns Gotts wort vns nichts beſſers anreitzen vnd vermanen / denn das liebe Wort Gottes / welchs vns nicht allein vn - ſern Jammer / Noth / vnd Elend / zu gemuͤt fuͤhret / ſondern weiſet vns auch dahin / wo wir wider ſolche Noth / Troſt vnd Huͤlffe ſuchen vnd finden ſollen. Zu welcher anreitzung / wie oben gemeldet / vnteranWozu Leich predigten die nen. dern auch die Chriſtlichen Leichpredigten verord - net ſein.

Vnd weil ich vnwirdig von E. E. T. auff be - ger jres ſeligen Junckers / meines geweſenen gahr guͤnſtigen Herrn / vnd lieben Freundes / durch etli -Bche vn[10]Vorrede. che vnterſchiedene poſten vnd ſchreiben (jedoch mit vorbewuſt vnd verwilligung jres Pfarherrn / Her - ren Georgen Pfeiffers) freundlich vnd vleiſſig er - ſucht vnd gebeten worden / Das ich ſolchem J. G. ſeligen / beger nach / jme dieſen letzten freundlichen willen erzeigen / vnd die Leichpredigt bey J. G. Be - graͤbnis thun wolte. Hab ich ſolches (wiewol ich doch lieber geſehen / das es ein ander / der es auch vielleicht beſſer als ich / thun koͤnnen / verrichtet) aus allerhand erwogenen vrſachen / fuͤglich nicht ab - ſchlagen koͤnnen / Sondern mit Rath meiner lie - ben Herren Collegen auff mich genommen.

Vnd demnach es fuͤr gut angeſehen / das ich den Spruch zun Philippern am dritten: Vnſer Wandel iſt im Himmel / welchen S. G. in eine Predigt zuuerfaſſen / nur ſiebenzehen tage vor jrem ſeligen ende / als den zehenden Auguſti / von mir begeret / Zu ſolcher S. G. Leichpredigt fuͤr mich nehme. Habe auch dieſe Predigt nach meiner ein - falt vnd geringen Gaben / die mir mein lieber Gott verliehen / alſo angeſtellet / das ich mich ſelber beides wider das Elend dieſes Lebens / vnd wider das ſchre cken des Todes moͤchte troͤſten / vnd zum ſeligen en - de recht lernen ſchicken vnd bereiten / auch andereLeute[11]Vorrede. Leute zu ſolchem Troſt vnd Bereitung vermanen vnd anleitung geben.

Vnd zweiffel gar nicht / es werde auch diß fur -Gottes Wort gehet[e]ne frucht nicht abe. nehmen / das ende vnd den Effectum ſo ich bey mir / (Gott zu lob vnd ehren / vnd ſonder eigenen Rhum zu melden) befinde / auch bey andern frommen vnd Gottſeligen Chriſten / durch Gottes Gnade gewir - cket haben. Welches ich denn zwar auch zum theil daraus ſpuͤren vnd mercken mus / das nicht allein E. E. Th. Sondern auch andere Furnehme vom Adel / vnd ſonſten Chriſtliche vnd Erbare Perſo - nen / beides ſchrifftlich vnd muͤndlich / zum theil ab - ſchrifft ſolcher Predigt / zum theil das ich ſie in Druck geben wolte / anſuchung gethan / vnd von mir begeret.

Als hab ich demnach ſolche einfel - tige Predigt / ſo gut ſie der liebe Gott gegeben / zum Druck verfertigen / vnd E. E. Th. zu troſt in jrem Creutz / zuſchreiben wollen: Sintemal der Apoſtel Jacobus im erſten Capitel ſeiner Epiſtel ſaget:Jacob. 1〈…〉〈…〉 Das ein reiner vnd vnbefleckter Gottesdienſt ſey fur Gott dem Vater / die Widwend in jrem truͤbſal beſuchen vnd troͤſten.

B ijDer[12]Vorrede.

Der Barmhertzige Gott vnd Vater aller Wid wen vnd betruͤbten / (wie jn Dauid im 10. Pſalm nennet) der wolle auch E. E. Th. mit reichem Troſt beywohnen / vnd das liebe Creutze / das Er ſelber auffgelegt / auch mit gedult helffen tragen. Demſel - ben getrewen Gott thue auch E. E. Th. in ſeinen Vaͤterlichen ſchutz vnd ſchirm / ich hiemit befehlen. Datum Eißleben den dritten Octob. Anno 1589.

M. Auguſtinus Tham / Pfarherr in S. Andres Kirch daſelbſt.

So ſchreibet[13]

So ſchreibet S. Paulus in ſeiner Epiſtel an die Philipper am dritten Capitel. 1

VNſer Wandel iſt im Him - mel / von dannen wir auch warten des Heilandes Jhe - ſu Chriſti des HErrn / wel - cher vnſeren nichtigen Leib verkleren wird / das er ehnlich werde ſeinem ver - klerten Leibe / nach der wirckung / da Er mit kan auch alle ding jm vnterthenig machen. ()

LJeben Chriſten / Es mahlet vns der Her re Chriſtus / Matthej am 13. Capitel / garMatth. 13. fein abe / den Zuſtand ſeiner lieben Kir -Dreierley in dieſem ſpru - che augezo - gen. chen / in dieſem Leben / mit dem Gleich - nis von zweierley Sameu.

Darinnen Er Erſtlich anzeiget / das zweierley1. Das zweier - ley Leute in der Kirchen ſein / fromme vnd boͤſe. Teute in der Chriſtlichen Kirchen auff Erden / erfun - den werden / Als nemlich / Fromme vnd Boͤſe.

Die frommen vnd Gottſeligen Chriſten / verglei - chet Er einem ſchoͤnen Weitzen / der auff den AckerDie Fromen werden dem guten Wei - tzen verglie - chen. geſeet wird / vnd daruon man ſchoͤne Fruͤchte erwar - tet. Daher auch Petrus ſaget / das die Chriſten ausB iijeinem[14]Leichpredigt vber den Sprucheinem vnuergenglichen Samen / welcher iſt dasi. Petri j. Wort Gottes / gezeuget ſein / 1. Petr. 1. Vnd Dauid imPſalm. j. erſten Pſalm ſpricht: das ſie ſein wie fruchtbare ben - me / die jre Fruͤchte bringen zu rechter zeit.

Die boͤſen werden dem vnkraut ver gliechen.Die Boͤſen aber vnd Gottloſen / vergleichet Er dem Vnkrande / welchs vnter dem Weitzen ſich bruͤ - ſtet vnd breitet auff dem Acker / als were der Acker ſein eigen / oder ſeinethalben beſtellet / vnd als wolte es ewig alda bleiben / Druͤckt vnd drenget den guten Weitzen / wil jn nicht bey ſich auffkommen laſſen / ſondern viel lieber erſticken vnd verdruͤcken: Alſo thun auch die Gottloſen / meinen nicht anders / ſie ſind die Leute / die Gott gefallen / vnd was Gott thue das thue Er jrenthalden / bruͤſten vnd breiten ſich in dieſer Welt / als wolten ſie ewig alhie bleiben / Druͤ - cken vnd drengen die frommen Chriſten wo ſie koͤn -Eſate 64. nen. Wie Eſaias klaget im 64. Capitel: Sie beſitzen dein heiliges Volck ſchier gahr: Da ſie doch nicht mehr denn ein vnnuͤtzes Vnkraut ſein / Vnd dagegen die lieben Chriſten / der rechte Samen / daruͤmb es Gott dem HERRN zu thun iſt / derenthalben Er alle muͤhe vnd vleis an den Acker / das iſt / an ſeine lie - be Kirche wendet / vnd von denen Er auch die Fruͤch te erwartet / wie der erſte Pſalm ſaget.

2. Woher die - ſer Vnter - ſcheid kom - me.Zum andern / Zeiget der HErr Chriſtus in dieſem Gleichnis an / Woher dieſer vnterſcheid kom - me / Nemlich vom leidigen Teufel / als einem Fein - de vnſers lieben Gottes / dem er ſeine Ehre nicht goͤn - net. Daruͤmb wenn Gott der HERR ſeinen Acker beſtalt / vnd jm eine Kirche durch ſein heiliges Wort geſamlet / da erreget der Teufel durch ſeinen Gifftvnd[15]S. Pauli / Philip. 3. vnd Luͤgen / Heucheley vnd allerley Schande vnd Suͤnde / vnd damit macht er den Leuten ſolche Welt ſuͤchtige Hertzen / das ſie beide / Gottes vnd jres Ne - heſten vergeſſen / ſtellen jr datum alſo an / als wolten ſie ewig in dieſer Welt bleiben / dencken nicht eins daran / das ein ander Leben folgen werde / da es viel anders denn in dieſem Leben wird zugehen / leben in frewden wie der Reiche Man Lucæ am 16. Capitel.

Endlich leret auch alhie der HErr Chriſtus /3. Was es fuͤr ein ende ne - me mit Gu - ten vnd Boͤ - ſen. Was es fuͤr ein ende vnd ausgang mit beiden neme. Die Gottloſen grunen wol in dem Leben ſchoͤn da - her / vnd ſchwuͤre ein Einfeltiger einen Eyd darauff / das weren ſelige Leute. Wie auch Cræſus der Koͤnig in Lydia / anders nicht meinete / weil er ein mechtiger vnd reicher Koͤnig war / er were der ſeligſte Man / dar uͤmb ſagte er zum Solone: Ob er auch gleubte das ein ſeligerer Menſch auff Erden were denn er[?]

Aber es nimpt ein boͤſe alter / endlich wenn es an ein einſamlen gehet / da ſihet man den vnterſcheid / da werden Fromme vnd Boͤſe ſeparirt vnd geſchie - den / Die Gottloſen werden ins Helliſche Fewer ge - worffen: Die lieben Chriſten aber haben hie auff Er den gedult / ſchmiegen vnd biegen ſich / laſſens den lieben Gott walten / es gehe wie es gehe / warten jres wachſſens vnd fruchtbringens / das iſt: Sie warten jres Beruffs auch vnter dem Creutz / ſehen auff den der ſie gepflantzet hat / bedencken das ende / wohin ſie gehoͤren / Nemlich in Gottes Scheune / troͤſten ſich derwegen / das ſie nicht ewig auff dem Acker / vnd vnter dem Vnkraude werden bleiben / ſondern es werde ein mal ein ende nehmen / da ſie / wils Gott /vnſerm[16]Leichpredigt vber den Spruchvnſerm HERRN Gott jre Fruͤchte wollen bringen / jm dienen / vnd loben in Ewigkeit. Die werden ge - ſamlet in Gottes Scheune / das iſt ins ewige Leben / vnter Gottes ſchutz vnd verwarung.

Vnd dahin weiſet vns nu der Apoſtel S. Paulus in verleſenem Text / da er ſaget: Vnſer wandel ſey im Himmel. Als wolt er ſagen: Wir ſollen gedult ha - ben / ob es gleich nicht allzeit gehe wie wir gerne wol ten / So ſollen wir bedencken / das wir auch mit in dis Leben gehoͤren: Vnſer[πολίτευμα], vnſer Vater - land / vnſer Wandel / vnſere Buͤrgerſchafft ſey im Himmel / dahin ſollen wir ſehen / da wirds alles gut werden / da wird der vorigen Angſt vergeſſen ſein /Eſaie 65. wie Eſaias ſagt am 65. Capitel. Ja Gott ſpricht ſel - ber: Jch wil euch troͤſten / wie einen ſeine Mutter troͤ -Eſaie 66. ſtet / Eſaiæ am 66. Capitel.

Catechiſmus.

Beſtettiget alſo dieſer Spruch / Erſtlich den Ar - tickel vnſers Chriſtlichen Glaubens / da wir ſagen: Jch gleube ein ewiges Leben. Vnd zum andern auch das Fundament vnſers Gebets / damit wir anfahen vnd ſagen: Vater vnſer der du biſt im Himmel. Darinnen wir vns rhuͤmen / vnd gar ſteiff wider alle Anfechtung darauff trotzen / das wir einen Himli - ſchen Vater haben. Daruͤmb ſagt alhie S. Paulus / Vnſer Vaterland im Himmel.

Vnd weiſet vns mit dieſen worten auff das Ge -Johan. 17. bet Chriſti / Jahan. am 17. Capitel. da Er alſo betet: Vater / Jch wil / das wo ich bin auch die ſein / diedu[17]S. Pauli / Philip. 3. du mir gegeben haſt / das fie meine Herrligkeit ſe - hen / die du mir gegeben haſt. Wil vns auch verma - nen / das wir allzeit wol bedencken ſollen / welchs da ſey die hoffnung vnſers Beruffs / wie er ſonſten ſagt / zun Epheſern am erſten Capitel. Epheſ. 1.

Das ich aber dieſen Spruch jtzo zur Leichpre -Vrſachen / woruͤmb die ſer Spruch zur Leichpre digt ge[n]o[m]- men. digt genommen / iſt aus dieſen vrſachen geſchehen: Erſtlich / dieweil ich weis / das der Herr Oberheubt - man ſeligen / des Leichnam wir jtzo zu ſeinem Ruhe - bethlein bringen / ſich auch dieſes Troſtes in ſeinem leben offt erinnert / vnd ſeinen lauff alſo darnach an -1. Veſach. geſtellet / das er mehr auff das Ewige / denn auff dis Zeitliche geſehen / ſich auch mit ſonderm vleis zum ſeligen abſchiede bereitet hat.

Zum andern / das ich geſehen / mit was groſſer2. Vrſach / frewde S. G. angehoͤret / das ſein ſeliger Bruder der Herr Oberauffſeher zu Eisleben / am vergangenen Donnerſtage vor dreyen wochen / auff dieſen Troſt / Als nemlich / das er wuͤſte / das ſein ϖολίτευμα vnd rechtes Vaterland im Himmel were / bey ſeinem lie - ben HErrn Jheſu Chriſto / ſeliglich eingeſchlaffen / darauff er auch ſelbſt geſagt: Nu zeuch hin lieber Bruder / ich wil dir bald folgen / als denn wollen wir / ob Gott wil / in vnſern Himliſchen Vaterlan - de wideruͤmb zuſammen kommen.

Zum dritten / das mich auch S. G. nach dem ab -3. Vrſach. ſchied gedachtes ſeines ſeligen Herrn Bruders / ſel - beſt gebeten / das ich J. G. zu gefallen / vnd ſeinem ſe - ligen Bruder zum gedechtnis / neben der Leichpre - digt / welche der Ehrwirdige vnd hochgeiarte Herr M. Hieronymus Mencelius / der GraffſchafftCMans -[18]Leichpredigt vber den SpruchMansfelt general Superintendens / vom Lobgeſang Simeonis gethan / in eine Predigt verfaſſen vnd dru - cken laſſen wolte.

Dieweil es nu der liebe Gott / mit S. G. nach ſei - nem Goͤttlichen willen alſo geſchickt / vnd die Leich - predigt / darzu ich anher verſchrieben / von mir bege - ret worden / hab ich nu S. G. ſelber dieſen Spruch zur Leichpredigt fur mich genommen / vnd erkleren wollen.

Summa.Vnd werden vns in demſelben / drey Stuͤcklein furgehalten.

I. Erſtlich wird hierinnen beſchrieben / die Herrlig keit der Kinder Gottes / vnd gleubigen Chriſten / das dieſelben Himliſche Buͤrger ſein / vnd jr Vaterland im Himmel haben.

II. Zum andern wird auch angezeiget / Woraus wir dieſer Herrligkeit gewis ſein / das vnſer wandel vnd Buͤrgerſchafft im Himmel ſey.

III. Zum dritten / werden wir vnterrichtet / wie wir zu dieſer Herrligkeit vnd Himliſchen Wohnung kom - men / vnd in derſelben Poſſeſſion gebracht werden.

Von dieſen dreyen Puͤnctlein wollen wir einfel - tig reden / Vnd zum beſchluß / von des in Chriſto ver - ſterbenen / Herrn Oberheubtmans Leben vnd Ab - ſchiede / auch kurtzen bericht thun.

Der liebe Gott geb vns darzu Gnade vnd ſeinen heiligen Geiſt / Amen.

Vom erſten Stuͤcke.

1. Corinth 15.JN der erſten Epiſtel an die Corinther am 15. Capitel /[19]S. Pauli / Philip. 3. Capitel / ſagt der Apoſtel S. Paulus: Hoffen wir al - lein in dieſem Leben auff Chriſtum / ſo ſind wir die elendeſten vnter allen Menſchen.

Mit dieſen worten erinnert vns der Apoſtel S.Dieſer Spruch erin nert zweier - ley. Paulus zweierley. Erſtlich / das nicht allein in ge - mein / dis Leben / ein elend Leben ſey / Sondern das auch wir Chriſten / in dieſer Welt mehr jammers1. vnd elendes muͤſſen ausſtehen / denn die Gottloſen / denen es gemeiniglich alhie beſſer gehet / als den frommen Chriſten / wie wir oben gehoͤrt haben / vnd das Exempel des reichen Mannes / Lucæ am 16. Ca -Luc. 16. pitel / ſowol auch die tegliche Erfahrung genugſam bezeuget.

Derwegen ſo leret er vns zum andern / worinnen2. vnſer Herrligkeit ſtehe / vnd was in ſolchem Elend vnſer Troſt ſey / Nemlich: Das ein ander Leben ſey / darzu wir vom Tode / durch Chriſtum ſollen wider - uͤmb aufferwecket werden. Vnd das beſtetiget er al - hier / da er ſaget: Vnſer Wandel iſt im Himmel. Das iſt nu der lieben Chriſten Herrligkeit / das ſie Himmels Buͤrger ſein. Der Chriſten Herrligkeit wird beſchri[e]ben / 1. mit dem Wort / Wandel.

Was aber dieſes fur eine Herrligkeit ſey / das wird vns im Text fein angezeigt. Der Apoſtel nen - nets Erſtlich πολίτευμα, das heiſſet ſo viel / als ſtatus bene conſtitutæ Reibublicæ, Ein wol beſtalt Regi -πολίτευμα. ment mit aller zugehoͤrung / welchs in ſich begreiffetEin wol be - ſtalt Regi - ment / be - greifft zwei - erley. vieterley:

Erſtlich die Beywohnung / da viel Leute fried - lich vnd freundlich bey einander wohnen.

Zum andern / die Gemeinſchafft des ſchutzes /1. Die freund liche beiwoh nung. vnd auch des nutzes vnd Segens / damit Gott eineCStad[20]Leichpredigt vber den Spruch2. Die Ge - meinſchafft / chutzes vnd nutzes.Stad begnadet. Da mus Obrigkeit / wil ſie anders recht handlen / den Armen ſo wol ſchuͤtzen als den Reichen / Da mus einer der gemeinen Guͤtter ſo wol genieſſen als der ander. Daher nennet man die Triff - ten / Wieſtwachs / Hoͤltzungen vnd anders / Gemein den. Daruͤmb / das ein armer Man / ſowol theil dar - an haben ſol / als ein Reicher / Des Armen Viehe / ſol es ſowol genieſſen / als des Reichen etc. Alſo heiſt es auch der Gemeine nutz / das die Obrigkeit nicht auff ſich vnd jren nutz / ſondern auff der gantzen Gemei - ne / der Vnterthanen vnd Buͤrgerſchafft nutz vnd be - ſtes ſehen / denſelben ſuchen vnd befoͤrdern ſoll.

3. Die Frey - heitZum dritten / wird auch darunter begriffen die Freyheit / das einer eines worts macht hat / mag handlen vnd wandlen ſeines gefallens / Jedoch das er ſich nach den Statuten richte vnd halte. Da hat er nicht allein einen freyen Paß / ſondern auch mehr vortheil vnd Freyheit als ein Frembder. Jn Sum - ma es hat ſich ein jeder aller Priuilegien vnd Freihei - ten zu troͤſten vnd zu gebrauchen.

4. Die Woh nunge vnd auffenhalt.Endlich wird auch darunter verſtanden die Wo - nung / das bleiben / vnd auffenthalt / da einer ſein Haus vnd Hofft hat / Fewer vnd Rauch helt / da er daheime iſt / ſein Eigenthumb / ſeine Wohnung vnd bleibende ſtete hat mit den ſeinen.

Dis alles wird vnter dem woͤrtlein πολίτευμα ver - ſtanden. Vnd iſt eine groſſe Herrligkeit / wenn einer ſolchen Wandel / ſolche Freundſchafft / ſolche Ge - meinſchafft / ſolche Freyheit / ſolchen auffenthalt hat vnter einem Furnehmen Fuͤrſten vnd Herrn / oder inAct. 22. einer furnehmen Stad. Wie es der Oberheubtmanzu[21]S. Pauli / Philip. 3. zu Jeruſalem / fuͤr ein gros ding achtet / das er Buͤr - ger zu Rom war. Vnd die Koͤnigin aus Reicharabien1. Reg. 10. preiſete vnd rhuͤmete dis fuͤr ſelige Leute / die des Koͤ - niges Salomonis Vnterthanen waren / vnd in ſei - nem Reiche jr πολίτευμα vnd auffenthalt hatten.

Aber / Was iſt dis fuͤr Herrligkeit / gegen der / die wir Chriſten haben[?]Vnſer wandel iſt nicht in einem Jrdiſchen oder Weltlichem vergenglichem Reiche / oder etwa vnter einem gewaltigen Monarchen / ſon - dern viel in einem herrlicherem vnd mechtigerem Reiche. Der Chri - ſten Herrlig - keit wird be ſchrieben.

Daſſelbige Reich / beſchreibt vns nu S. Paulus zum andern / da er ſaget: Vnſer Wandel ſey im Him -2. Mit dem wort Him̃〈…〉〈…〉 l. mel.

Das woͤrtlein / HJMMEL / wird in der ſchrifftDas wert Himmel / auff zweier - l y weiſe ge - braucht. auff zweierleyweiſe gebrauchet:

1. Erſtlich wird damit beſchrieben die Chriſtliche Kirche auff Erden / Matth. am 13. 18. 20. vnd 23. Capi - teln. 1. Fur die Kirche auff Erden.

2. Zum andern / wird dadurch angezeiget das Himliſche ewige Leben vnd Seligkeit. 2. Fuͤr das Himliſche vñ ewige leben.

Matth. 5. Es ſey denn ewer Gerechtigkeit beſſer denn der Schrifftgelerten vnd Phariſeer / ſo werdetMatth. 5. jr nicht in das Himmelreich kommen. Jtem / Es wird euch im Himmel wol belohnet werden.

Matth. 18. Jre Engel ſehen allezeit das Ange -Matth. 18. ſicht meines Vaters im Himmel.

Wenn nu Paulus ſagt / Vnſer Wandel ſey imZweierley Herrligkeit der Chriſten in dieſem Spruche be - griffen. Himmel / So zeigt er damit an zweierley Herrligkeit der lieben Chriſten:

C iijEine[22]Leichpredigt vber den Spruch

1. Eine zeitli - che Herrlig - keit / das wir Chriſten ſeinEine / die wir haben in dieſem Leben / welche iſt vnſer Chriſtenthumb / das wir Glieder der Chriſtli - chen Kirchen ſein / vnd Buͤrger mit den Heiligen / Wie Paulus redet / zun Epheſern am andern Capi -Epheſ. 2. tel.

Die Chriſt - liche Kirche nuff Erden / eine Buͤrger ſchafft / dar - innen vieret ley Herrlig - keit.Jn dieſer Buͤrgerſchafft haben wir eben dieſe dinge / ſo vnter einem wol beſtalten Regiment begrif - fen werden / wie oben angezeiget.

1. Erſtlich haben wir zu Beywohnern / Nachbarn vnd lieben Freunden dreierley Perſonen.

1. Die Bey - wohnunge / dreierley per ſonen.Zum Regenten vnd freundlichen lieben Haus - vater / haben wir die heilige Dreyfaltigkeit / Gott Vater / Son / vnd heiligen Geiſt. Wie ſolchs bezeu -1. Die erſte per ſon die heili - ge Dreyfal - keit. get der Prophet Eſaias im 32. Capitel / da er ſpricht: Der HERR iſt vnſer Richter / der HErr iſt vnſer Meiſter / der HERR iſt vnſer Koͤnig / der hilfft vns.

Eſai. 32.Vnd im 43. Capitel Eſaiæ ſpricht Gott ſelber:Eſai. 43. Jch bin der HERR ewer Koͤnig.

Eſai. 48.Daher troͤſtet der Prophet Eſaias die Chriſtli - che Kirche im 48. Capitel vnd ſpricht: Bey euch iſt Gott.

Daruͤmb nennet Dauid die Chriſtliche KirchePſalm. 87. recht / Gottes Stad im 87. Pſalm. Vnd im 84 PſalmPſalm. 84. ſagt er: Der rechte Gott wohne zu Zion.

Dis bekrefftiget auch der HErr Chriſtus / Jo -Johan. 14. hannis am 14. Capitel / da Er gar troͤſtlich verheiſſet vnd zuſaget / das Er / ſampt dem Vater vnd heiligen Geiſte / zu denen / die jn lieben / vnd ſein Wort halten / (das iſt / zu den lieben Chriſten) kommen / vnd Woh - nung bey jnen machen wolle.

Das[23]S. Pauli / Philip. 3.

Das iſt die erſte Perſon die bey vns Chriſten wo - net / vnd Freundſchafft mit vns helt / Wie auch dem Apoſtel Johanni gezeiget wird / in der OffenbarungApoc. 21. Johannis am 21. Capitel: Sihe da / eine Huͤtte Got - tes dey den Menſchen / vnd Er wird bey jnen wonen.

Die ander Perſon ſind die heiligen Engel / die2. Die ander Perſon / ſind die lieben Engel. ſind vmb vns vnd neben vns / ſind vnſere Gleitsleute vnd vnſere Schutzherren / Wie Dauid ſagt im 34. Pſalm: Der Engel des HERRN / lagert ſich vmb die her / ſo jn fuͤrchten / Vnd hilff jnen aus. Pſalm. 34.

Vnd im 91. Pſalm: Der HERR hat ſeinen En -Pſalm. 91. geln befohlen vber dir / das ſie dich behuͤten auff al - len deinen Wegen.

Daher nennet der HErr Chriſtus die heiligenDie heiligen Engel / ſind vnſere En - gel. Engel / vnſere Engel / Matth. 18. da Er vermanet / das man jrenthalben ein vnergerlich Leben fuͤhren ſoll / vnd ſpricht: Sehet zu das jr nicht jemand von dieſen Kleinen verachtet (oder ergert) Denn ich ſage euch / Jre Engel im Himmel ſehen allezeit das Angeſicht meines Vaters im Himmel. Die gemein - ſchafft ď hei - ligen Engel.

Vnd dieſe Freundſchafft iſt nicht allein gar herr - lich vorgebildet / Geneſ. 28. da Jacob ſihet eine Leiter1. Jm alten Teſtament fu[gebild]et. Geneſ. 28. auff Erden ſtehen / die mit der Spitzen am Himmel rhuͤret / vnd die Engel Gottes daran auff vnd nieder ſteigen: Sondern wird auch hernacher im newen2. Jm newen Teſtament bezeuget. Teſtament gar troͤſtlich bezeuget / in der Geburt vn - ſers HErrn Jeſu Chriſti / da die heiligen Engel vom Himmel herab den armen Hirten erſcheinen / ſie troͤ ſten / vnd ſich bey jnen gar froͤlich machen / Luc. am 2. Luc. 2. 3.

Die dritte Perſon / ſind die lieben Heiligen / wieDie dritte Perſone ſind die Heiligen oder gl[]ub[i]- gen Chriſten wir im dritten Artickel vnſers Chriſtlichen Glaubensbeken -[24]Leichpredigt vber den SpruchBeweis aus dem dritten Artickel.bekennen: Jch gleube eine Gemeinſchafft (oder Ver - ſamlung) der Heiligen. Vnd Paulus ſagt zun Ephe -Epheſ. 2. ſern am andern Capitel: Jr ſeid nu Buͤrger mit den Heiligen.

Von dieſer freundlichen Beywohnung redet derGeneſ. 9. Altvater Noa / im erſten Buch Moſis am 9. Capitel: Das Japhet wohnen ſol in den Huͤtten Sems / das iſt / Es ſol in der Chriſtlichen Kirchen / eine freundli - che Beywohnung vnd Gemeinſchafft ſein / der Juͤ - den vnd Helden.

Eſai. 2.Hieruon weiſſaget auch der Prophet Eſaias im andern Capitel vnd ſpricht: Das viel Voͤlcker mit ein ander zum Berge des HERRN / vnd zum Hauſe Gottes lauffen werden / vnd daſelbſt ſo freundlich vnd friedlich bey einander wohnen / das ſie auch jre Schwerdter zu Pflugſcharen / vnd jre Spieſſe zu Si - cheln machen werden. Da werde kein Volck wider das ander ein Schwerd auffheben / noch kriegen / Sondern werden mit dem Hauſe Jacob im Liecht des HERRN wandeln.

Eſai. 11.Vnd im eilfften Capitel ſpricht er: Es werde in der Kirche des newen Teſtaments alſo zugehen / das die Wolffe werden bey den Lemmern wohnen / vnd die Pardel bey den Boͤcken ligen / das iſt: Es werde in der Kirche Gottes eine freundliche Beywohnung ſein / da die armen Heiden / die ſonſten die ergſten Feinde vnd Wolffe der Kirchen waren / die beſten Freunde werden ſollen / vnd Buͤrger mit den Heili - gen ſein: Werden bey den Lemmern vnd Schaͤflein Chriſti / freundlich vnd friedlich wohnen: da wird man nirgend letzen noch verderben.

Vnd[25]S. Pauli / Philip. 3.

Vnd daruon redet auch Chriſtus / Matth. 8. JchMatth. 8. ſage euch / viel werden kommen vom Morgen vnd vom Abend / vnd mit Abraham / Jſaac vnd Jacob im Himmelreich ſitzen.

Daruͤmb ſagt Johannes / 1. Joh. 1. Was wirgej. Johan j. ſehen vnd gehoͤrt haben / das verkuͤndigen wir euch / auff das auch jr mit vns gemeinſchafft habt.

Zum andern / Sind auch in dieſer Buͤrgerſchafft2. Die gemein - ſchafft aller Guͤtter. alle Guͤter gemein. Da haben wir Erſtlich gemeinen Schutz Eſaiæ 41. ſpricht Gott der HERR: Fuͤrchte dich nicht du Wuͤrmlein Jacob / Jr armer hauffe1. Gemein - ſchafft des Schutzes. Jſraël / Jch helffe dir / ſpricht der HErr dein Erloͤ - ſer / der Heilige in Jſraël. Matth. 16. verheiſſet ChriEſa: 41. ſtus ſeiner Kirchen ſolchen ſtarcken Schutz / das ſieMatth: 16. auch die Pforten der Hellen / nicht ſollen vberwelti - gen / das iſt / alle liſtige Rath vnd Anſchlege des Teu fels / auch alle ſeine macht vnd gewalt / ſollen ſeiner lieben Kirche nicht ſchaden.

Vnd Johan. 10. ſpricht Er: Meine Scheflein ſolJohaa. 10. mir niemand aus meiner Hand reiſſen. Daher nim - met der Apoſtel Paulus ſolchen Troſt / das er auch dem Teufel vnd allem vngluͤck trotz beut / das ſie den Chriſten ſchaden ſolten / Rom. 8. Wer wil die Auser -Rom: 8. wehlten Gottes beſchuͤldigen[?]ſpricht er / Gott iſt hie der dagerecht macht. Wer wil verdammen[?]Chriſtus iſt hie der geſtorben iſt / Ja viel mehr der auch auffer wecket iſt / welcher iſt zur Rechten Gottes vnd vertrit vns. Daruͤmb rhuͤmet der liebe Dauid das fuͤr ſelige Leute / die vnter dem Schutz vnd Schirm des Hoͤch ſten ſitzen / Pſalm. 91. Pſalm. 91.

Darneben haben wir auch in dieſer Buͤrger -Dſchafft[26]Leichpredigt vber den Spruch2. Gemein - ſchafft des Segens.ſchafft gemeinen Segen / vnd denſelben zweierley: Geiſtlich / vnd Leiblich / Wie denn Gott der HERRSegen der Chriſtẽ zwei erley. zu Abraham ſagt / Geneſ. 22: Er wolle ſeinen Samen ſegenen wie die Sternen am Himmel / vnd wie den Sand am Meer. Damit verheiſſet Er dem lieben A -Geneſ. 22. braham / nicht allein multiplicationem Seminis, die Ausbreitung ſeines Samens / das Er aus jm ein groß Geſchlecht vnd Volck machen wolte: Sondern auch zu gleich den Segen / das Er Abrahams Sa - men machen wolle wie die Stern am Himmel / vnd wie den Sand am Meer / Das iſt: Es ſollen die lie -Matth. 13. ben Chriſten / vnd gleubigen Kinder Abrahæ haben Himliſche Klarheit vnd zeitlichen Vnterhalt / Nah -Deut. 7. rung vnd Segen aus der Erden.

Daruͤmb ſetzt es Dauid beides zuſammen im 37. Pſalm. 37.Pſalm / vnd ſpricht: Jch bin jung geweſen vnd alt worden / vnd habe noch nie geſehen / den Gerechten verlaſſen / oder ſeinen Samen nach Brot gehen. Vnd daher nahmen die Chriſten in der erſten Kirche vr -Act. 4. ſach / alle Guͤtter gemein zu machen / Act. 4.

Philip. 1.Alſo ſagt auch S. Paulus / Philip. 1. Das wir ei - ne Gemeinſchafft haben am Euangelio / das iſt: Jn der Kirch Gottes machet vnſer HERR Gott mit dem Wort alle ſeine Gaben vnd Segen gemein / bei - des Jungen vnd Alten / Groſs vnd Klein / Arm vndAct. 10. Reich / da ſihet Gott keine Perſon an / wie Petrus ſa - get Act. 10. Da iſt / ein Geiſt / einerley Hoffnung / ein HErr / ein Glaube / eine Tauffe / ein Gott vnd VaterEpheſ. 4. vnſer aller / ſagt Paulus Epheſ. 4.

Marc. 8.Alſo ſehen wir Marci am 8. vnd Jahan. am 6. daJohan. 6. Chriſtus der rechte Hausvater ſpeiſet / da werden ſiealle[27]S. Pauli / Philip. 3. alle ſatt / ſo viel jrer waren / vnd muſte keiner hunge - rig von jm gehen.

Alſo verheiſſet auch Gott der HERR denen die jn fuͤrchten / das Er ſie aus Zion ſegnen wolle / im 128. Pſalm. Das iſt: Er wil die Gottſeligen aus ſeinerPſalm. 128. Kirchen Commis vnd Speiskammer / Geiſtlich vnd Leiblich ſpeiſen / vnd mit aller notdurfft / Leibes vnd der Seelen reichlich verſorgen.

Zum dritten / Haben wir in dieſer Himliſchen3. Die dritte Herrligkeit iſt die Frey - heit. Buͤrgerſchafft gar groſſe vnd herrliche Freyheit. Jo - hannis am 8. Capitel: So euch der Son frey macht / ſo ſeid jr recht frey. 1. Corinth. 7. Wer beruffen iſt / derJohan. 8. iſt ein Befreyeter des HERRN. 1. Corinth. 7

Dieſe Freiheit aber iſt zweierley. Erſtlich ſind wirFreyheit der Cheriſtë zu ei erley: befreyet vom Geſetz / Alſo / das vns daſſelbige nicht mehr darff anklagen vnd verdammen / wie Paulus1. Vom Ge - ſetz. ſagt / Rom. 8. vnd zun Galat. am 3. Capitel: Da dieDas vns dz Geſetz nicht mehr kan〈…〉〈…〉 - dammen. zeit erfuͤllet wart / ſandte Gott ſeinen Son / geboren von einem Weibe / vnd vnter das Geſetz gethan / auff das Er die / ſo vnter dem Geſetz waren erloͤſete / dasRom. 8. Gal. 3. wir die Kindſchafft empfingen. Alſo ſpricht er auch Gal. 4. Chriſtus hat vns erloͤſet vom Fluch des Ge -Gal. 4. ſetzes / da Er ward ein Fluch fuͤr vns.

Es darff vns auch das Geſetz nicht mehr zwin -Das vns auch das Ge ſetze nicht mehr darff zwingen. gen zum gehorſam / Sondern Gott der HERR ma - chet ſolche Leute aus vns / die da luſt haben zu ſeinem Geſetz / Wie Dauid ſagt im erſten Pſalm.

Vnd im 110. Pſalm ſpricht er: Das Volck desPſalm. j. newen Teſtaments / werde ſein Populus ſpontaneus,Pſalm. 110. Ein freywillig Volck / das dem HERRN ausD ijfreiem[28]Leichpredigt vber den SpruchFreyem willen werde dienen / in heiligem Schmuck /Luc. j. oder in Heiligkeit vnd Gerechtigkeit / Wie Zacha - rias redet / Lucæ 1. Vnd das heiſſet Paulus frey ſeinRom. 6. von Suͤnden / zun Roͤmern am 6. Capitel.

Vvn dieſer Freyheit redet Gott der HERR imJerem. 31. Propheten Jeremia am 31. Capitel / da er ſaget: Sihe es koͤmpt die zeit / da ich mit dem Hauſe Jſraël / vnd mit dem Hauſe Juda / einen newen Bund machen wil / nicht wie der Bund geweſen iſt / den ich mit jren Vaͤtern machte / da ich ſie aus Egypten fuͤhrete / vnd ſie zwingen muſte. Sondern das ſol der Bund ſein / den ich mit dem Hauſe Jſraël machen wil nach die - ſer zeit. Jch wil mein Geſetz in jr Hertz geben / vnd in jren Sinn ſchreiben / vnd ſie ſollen mein Volck ſein / ſo wil ich jr Gott ſein.

Apoc: 3.Apoc. 3. Jch wil dich behuͤten fuͤr der Stunde der verſuchung.

〈…〉〈…〉Dir ander F[re]y[heit]iſt / der f〈…〉〈…〉 he zu trit zu GottDarnach haben wir auch eines worts macht bey vnſerm HErrn Gott / vnd einen ſolchen freyen zu trit / das wir koͤnnen fuͤr jn kommen wenn wir wol - len / moͤgen jm auch vnſere not kuͤhnlich klagen / von jm bitten vnd begeren was wir wollen / wie ChriſtusMatth. 11. ſagt / Matth. 11. Rompt nur zu mir / die jr muͤheſelig vnd beladen ſeid / ich wil euch erquicken.

Luc 11.Lucæ 11. Bittet ſo wirds euch gegeben / ſuchet ſo werdet jr finden / klopfft an / ſo wird euch auffgethan.

Deuter: 4.Moſes vermanet das Volck Jſraël / Deut. 4. das ſie in jrer not den HERRN ſuchen ſollen / ſo werde Er ſich finden laſſen.

Rom. 8.Vnd der Apoſtel S. Paulus ſagt / Rom. 8. Jr ha - bet nicht einen Knechtlichen Geiſt empfangen / dasjr[29]S. Pauli / Philip. 3. jr euch abermal fuͤrchten muͤſtet / Sondern jr habt ei - nen Kindlichen Geiſt empfangen / durch welchen wir ruffen / Abba lieber Vater.

Jn der Epiſtel an die Ebreer am 5. Capit. ſprichtEbr 5. er: Laſſet vns hinzu treten mit frewdigkeit zu dem Gnadenſtuel / auff das wir Barmhertzigkeit empfa - hen / vnd Gnade finden / auff die zeit wenn vns huͤlffe not ſein wird.

Daruͤmb ſagen wir in der Auslegung des ein - ganges vnſers Gebets / Das ſich Gott daruͤmb Va - ter wil genennet haben / auff das wir getroſt / vnd mit aller zuuerſicht / zu jm kommen vnd bitten ſollen / als die lieben Kinder jren lieben Vater.

Das iſt die Libertas vnd Freyheit / die wir in die - ſem R〈…〉〈…〉 ich haben.

Zum vierden vnd letzten / Haben wir auch alda4. Die vierde Herrligkeit iſt / die Woh nunge / auff - enthalt / vnd bleiben. vnſer Wohnung vnd auffenthalt / wie Noha ſaget / Geneſ. 9. Japhet werde in der Huͤtten Sems wonen.

Jm 15. Pſalm ſaget Dauid: Die Gottſelig leben / ſich fuͤr Wucher / Betrug / vnd andern Suͤnden huͤ -Geneſ. 9. ten / die werden wol bleiben. Pſalm. 15.

Jerem. 23. ſpricht Gott der HERR: Zu derſelbi -Jerem. 23. gen zeit (Nemlich im newen Teſtament) ſol Juda ge - holffen werden / vnd Jſraël ſicher wohnen.

Ezech. 28. Wenn ich das Haus Jſrël verſamlenEzech. 28. werde / ſo ſollen ſie in dem Lande / das ich meinem Knechte Jacob geben werde / ſicher wohnen / Heu - ſer bawen / Weinberge pflantzen. Ja ſicher ſollen ſie wohnen.

Eſaiæ 65. Sie werden heuſer bawen vnd bewoh -Eſai. 65. nen / Sie werden Weinberge pflantzen / vnd derſelbenD iijFruͤchte[30]Leichpredigt vber den SpruchFruͤchte eſſen. Sie ſollen nicht bawen / das ein ander bewohne / vnd nicht pflantzen / das ein ander eſſe.

Das iſt nu die erſte Herrligkeit / ſo die lieben ChriChriſten troͤ ſten ſich / das ſie Got zum Freunde ha - ben. ſten haben / derer ſie ſich auch vnter dem Creutz vnd Truͤbſal troͤſten koͤnnen / Nemlich / das ſie Gott zum Freunde haben / vnd deſſelben Buͤrger vnd Vntertha nen / vnd alſo vnter ſeinem Schutz ſein: Welchs Da uid nicht allein hoch rhuͤmet im 91. Pſalm: Sondern auch gar ſehr darauff trotzet im 73. Pſalm: Wenn ich nur Dich habe / ſo frage ich nichts nach Himmel2. Die andere Herrligkeit der Chriſten iſt eine ewi - ge vnd vol - koͤmliche her ligkeit. vnd Erden.

Die andere Herrligkeit iſt dieſe / So wir haben werden im kuͤnfftigen ewigen Leben. Da wird vnſer rechter Wandel vnd Buͤrgerſchafft ſein: Jn dieſem Leben iſts nur ein Fulbild vnd anfang / dort wirds / wils Gott / in der that vnd volkoͤmlich ſein.

1. Werden wir bey Got te ſein Leib - hafftig.Da werden wir bey Gott / vnd Gott bey vns leib hafftig vnd ſichtbarlich ſein vnd wohnen / Wie Job ſagt im 19. Capitel: Jch weis das mein Erloͤſer lebet /Job 19. vnd Er wird mich hernach aus der Erden auffer - wecken / vnd werde darnach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in dieſem meinem Flei ſche Gott ſehen / denſelben werde ich mir ſehen / vnd meine augen werden jn ſchawen / vnd kein frembder.

Johan. 17.Vnd Chriſtus ſpricht / Johan. 17: Vater ich wil das ſie bey mir ſein / die du mir gegeben haſt / Vnd meine Herrligkeit ſehen / die du mir gegeben haſt.

1. Theſſ. 4.S. Paulus ſagt: Wir werden bey dem HErrn ſein allezeit / 1. Theſſ. 4.

Apoc. 21.Jn der Offenbarung Johannis am 21. Capitel ſtehet geſchrieben: Gott wird bey jnen wohnen / vnd ſie werden ſein Volck ſein / vnd Er ſelbſt Gott mit jnen / wird jr Gott ſein.

Des[31]Leichpredigt vber den Spruch

Desgleichen werden wir auch Mitgnoſſen ſein /Wir werden auch Mitg - noſſen ſein ď Engel. mit den lieben Engeln / vnd gantzen verſamlung der lieben Patriarchen / Propheten / vnd aller Heiligen / Matth. am 22. Matth. 22.

Vnd Lucæ am 20. ſpricht Chriſtus zu den Sadu -Luce 20. ceern / Das wir in der Aufferſtehung werden ſein wie die Engel im Himmel.

Von der lieben Heiligen Geſellſchafft im ewigenAller Heili - gen. Leben / kan auch verſtanden werden der ſpruch Mat - thej am 8. deſſen oben gedacht / da Chriſtus ſpricht:Matth. 8. Viel worden kommen von Morgen vnd Abend / vnd mit Abraham / Jſaac vnd Jacob im Himmelreich ſitzen. Welcher auch Lucæ 13. widerholet wird. Luce 13.

Darnach werden wir auch alle guͤtter vnd Sche -2. Werden wir auch ge - mein haben alle Himli - ſche Schetze vnd Guͤtter. tze des Himmelreichs gemein haben / als da ſind: Ewige Serechtigkeit / Vnſchuld vnd Heiligkeit: die ewige Erquickung / Herrligkeit vnd Seligkeit: Wel - che der HErr Chriſtus zuſammen faſſet / in den kur - tzen worten / Lucæ 22. da Er zu ſeinen Juͤngern ſagt:Luce 22. Jr ſolt eſſen vnd trincken vber meinem Tiſch / in mei - nem Reich / vnd ſitzen auff Stuͤlen / vnd richten die zwoͤlff Geſchlecht Jſrael. Da werden wir das Him - liſche Erbe recht volkoͤmlich einnemen vnd beſitzen / Wie Chriſtus ſaget / Matth. 25. Matth. 25.

Vnd dieſe guͤtter werden ſo gros vnd herrlich ſein /Die Himli - ſche Herrlig - keit koͤnnen wir in die - ſem Leben nichr verſie - hen. das wir vns in dieſem leben darein nicht ſchicken koͤn nen: Sintemal dieſelben in dieſer Welt keines Men - ſchen Ohr gehoͤret / kein Auge geſehen / keine Zunge ausſprechen / vnd kein Menſchlich Hertz faſſen kan / Wie Eſaias ſaget im 64. Capitel. Eſai. 64.

Alſo werden wir auch darneben eine volkomme -3. Werden wir im ewi - gen Leben ne Freyheit haben / von Suͤnden / von allem vbel vndvngluͤck /[32]Leichpredigt vber den Spruchvolkomme - ne Freyheit haben.vngluͤck / vnd vom Teufel ſelbſt / derer keines wird vns koͤnnen ſchaden / Die Suͤnde wird vns nichtVon ſuͤnden. mehr koͤnnen anhangen / da werden wir volkoͤmlichEpheſ. 1. heilig / vnd vnſtrefflich ſein / Epheſ. 1.

Auguſtinus ſagt: Tunc non peccabimus, cum fa -Auguſt. de Tem. Serm. 49. ciem Dei viderimus. Das iſt: Als denn werden wir nicht mehr ſuͤndigen / wenn wir Gottes Angeſicht anſchawen werden.

Von allem vngluͤck.Da werden wir nach vnſerer ſiebenden Bitt von allem vbel erloͤſet ſein / keine Qual wird vns mehrApoc. 21. rhuͤren. Jn der Offenbarung Johannis am 21. Ca - pitel / hoͤret Johannis eine Stim die da ſpricht: Gott wird abwiſchen alle Threnen von jren augen / vnd der Tod wird nicht mehr ſein. Noth / Leid / noch Ge - ſchrey / noch Schmertzen / wird mehr ſein / denn das erſte iſt vergangen.

Maca - rius hom. 20.Macarius ſagt: Anima ſanata nunquam vulne - rabitur, Das iſt: Der ſelige Menſch wird ſich keiner verletzung mehr zu befahren haben.

Vom Teu - fel.Der Sathan wird alda recht vnter vnſere fuͤſſeApoc. 12. getreten / vnd durchs Lambs Blut vberwunden ſein / Wie in der Offenbarung Johannis ſtehet / am 12. Capitel. Deſſen ſich auch vnſer ſeliger Mitbruder / der Herr Oberhaubtman / kurtz fur ſeinem ende aus der Litaney hertzlich getroͤſtet.

Wie werden einen freyen zutrit zu Gott habenSo werden wir auch einen freyen paß vnd zutrit zu Gott haben / jn von Angeſicht zu Angeſicht ſcha - wen / vnd vns nicht mehr fuͤr jm ſchewen / Wie JobJob 19. ſagt: Jch werde Gott mit meinen augen ſehen.

Pſalm. xvij.Dauid ſpricht / Pſalm. 17. Jch wil ſchawen dein Antlitz / in Gerechtigkeit / Jch wil wandlen fuͤr dem HErrn in Lande der Lebendigen.

Jn der[33]S. Pauli / Philip. 3.

Jn der 1. Corinth. 13. ſaget der Apoſtel S. Paulus:1. Coriuth. 13. Wir ſehen jetzt durch einen Spiegel in einem tuncke - len wort / denn aber von Angeſichte zu Angeſichte. Dis wird auch vorgebildet im Propheten Eſaia / da jm die Herrligkeit des HErrn in einem Geſicht ge - zeiget wird / Eſa. 6. Eſa. 6.

Endlich werden wir vns auch keiner verenderung4. Werden wir im ewi - gen leben vn ſere wonung vnd ewiges bleiben ha - ben. mehr befahren duͤrffen / da werden wir vnſere ewige Wohnung vnd bleiben haben / wie Chriſtus ſaget Johan. 14. Ja wir werden vnſterblich ſein / ſpricht Paulus 1. Cor. 15.

Vnd in 1. Theſſ. 4. Wir werden bey dem HErrnJohan. 14. ſein allezeit. Dauon redet auch der HErr Chriſtus1. Cor. 15. Joha. 3. 5. 6. das alle die / ſo an jn gleuben / nicht ſollen1 Theſſ. 4. verloren werden / ſondern das ewige Leben haben. Joh. 3. 5. 6.

Vnd diſs alles / haben die lieben Alten fein kurtz zuſammen gefaſſet / vnd geſaget: In vita æterna, erit plena ſufficientia, & firma permanentia. Da wir alle fuͤlle vnd raum genug haben werden. Wie auch der Heide Seneca ſaget: Hic multæ preſſuræ, ſupra ſunt magna ſpacia. Jn dieſer Welt gehets gedrange zu / da druͤcket einer den andern / aber im ewigeu Leben werden wir alle raum genug haben.

Dis iſt nu eine groſſe vnd vnausſprechliche Herr -Himliſche Herrligkeit iſt nicht zu vergleichen? ligkeit / die mit keiner zeitlichen Ehre vnd Herrligkeit zu vergleichen / wie der liebe Dauid ſaget Pſam 44. Wol denen die in des HErrn Hauſe wonen. Jtem / Jch wolt lieber der Thuͤr huͤten in meines Gottes Hauſe / denn lange wohnen in der Gottloſen Huͤt - ten.

Zun Roͤmern am 8. Cap. ſpricht Paulus: DieſerEzeit[34]Leichpredigt vber drn Spruchzeit leiden iſt nicht wert der Herrligkeit / die an vns ſol offenbaret werden.

Cyprianus ſaget: Maiora illic accipiemus, quam hic aut operamur ant patimur. Das iſt: Wir werden dort viel mehr empfahen / denn wir alhier mit vnſerm Gehorſam oder Leiden verdienen koͤnnen.

Vnd das iſt nu die andere Herrligkeit der lieben Chriſten / Nemlich: Das wir wiſſen / wir gehoͤren nicht in diſs Leben / Vnſer Wandel iſt im Himmel / vnſere Seligkeit vnd rechte Wolfarth / ja vnſer Erbe vnd bleiben / iſt im ewigen Leben.

Chriſten ſeh nen ſich nach dem ewigen Leben.Dahin ſehen auch die Gleubigen in dieſem Le - ben / dahin ſtehen alle jre Gedancken / all jr ſehnen vnd verlangen. Jm 39. Pſalm troͤſtet ſich deſſen derPſalm 39. liebe Dauid / vnd ſpricht: HERR ich bin dein BuͤrPſalm. 42. ger / etc. Vnd im 42. Pſal[m] ſaget er / wie er ſo ein groſs Verlangen habe nach dieſer Herrligkeit / vnd ſpricht: Meine Seele duͤrſtet nach Gott / dem lebendigen Gott / Wenn werde ich dahin kommen / das ich Got - tes Angeſichte ſchawe[?]

Alſo wuͤndſchet auch Simeon / das jn vnſer HEr re Gott nu wolte ſterben laſſen / weil er Chriſtum denLuc. 2. Heiland geſehen / Luc. 2.

Der Apoſtel S. Paulus ſpricht: Das er vnd alle Gleubigen ein ſehnlich verlangen haben nach dieſerRom. 8. Himliſchen Herrligkeit vnd Wonung / Rom. 8. 2, 2. Corint. 5.Cor. 5. Wir ſehnen vns nach vnſer Behauſung diePhilip. 1. vom Himmel iſt. Philip. 1 Jch habe luſt abzuſchei - den / vnd hey Chriſto zu ſein.

Der Chri - ſten vorſich - tigkeit.Daruͤmb befleiſſen ſie ſich auch / Das ſie vnſern HERRN Gott nicht beleidigen: Die lieben Engel1. nicht betruͤben: Jre Mitbruͤder die lieben Chriſten2. Mach. 6. nicht ergern.

Das[35]S. Pauli / Philip. 3.

Das ſie auch Gottes Segen vnd jrer Chriſtlichen2. Freiheit nicht miſsbrauchen. 1. Petri 2.

Sondern bereiten ſich teglich gegen der Zukunfft3. Chriſti vnd jrem ſeligem Abſchiede mit den klugen Jungfrawen / Matth. 25. Matth. 25.

Vnd alſo betet auch die Chriſtliche Kirche im Aduent: Ach du lieber HErr Gott / wecke vns auff / das wir bereit ſein / wenn dein lieber Son koͤmpt / jn mit Frewden zu empfahen / vnd dir mit reinem Her - tzen zu dienen / etc

Diſs ſol vns nu dienen zu dreierley:1. Lere aus dem erſten ſtuͤck.

Zur Lere / das wir wiſſen / was wir fuͤr Leute ſind worden / die wir getaufft ſein / Nemlich: HimmelsEpheſ. 2. Buͤrger / Gottes Kinder vnd Erben. Damit wir dieſeGalat. 4. Herrligkeit gros achten / vnd damit Gottes Guͤte vnd vberſchwenglichen Reichthumb ſeiner Gnaden ler - nen erkennen / vnd jm auch dafuͤr von Hertzen dan -Epheſ. 2. cken / Pſalm 103. Pſalm 103.

Zum andern / dienet es vns auch zum Troſt / wi -2. Troſt aus dem erſten ſtuͤck. der allerley Gefahr / Creutz vnd Widerwertigkeit / ſo vns in dieſem Leben begegnen koͤnnen.

Gehet es nicht wie wir wollen in dieſer Welt / ſo gedencke: Gehoͤreſtu doch auch nicht in dieſe Welt. Joh. 15. ſagr Chriſtus: Jch habe euch von der WeltJohan. 15. erwehlet. Vnd alhie ſpricht Paulus: Vnſer Wandel iſt im Himmel.

Setze alſo dieſen Troſt entgegen / deiner armut vnd1. Wider Ar - mut vñ man gel. mangel / vnd bedencke du haſt einen Himliſchen Va - ter / der weis was du bedarffſt / kan dirs auch wol ge - ben / Mat. 6. Jſts hie nicht vberfluͤſſig / ſo wirds ſeinMatth. 6. notduͤrfftig / vnd hernach im ewigen Leben reichlich.

E ijDarnach[36]Leichpredigt vber den Spruch

2. Wider Creutz vñ wi derwertig - keit.Darnach kanſtu dich deſſen auch troͤſten / wider allerley Creutz / Widerwertigkeit / vnd Verfolgung / das dieſelben nicht ewig weren / ſondern nur zeitlichRom. 8. ſein / Rom. 8. 1. Cor. 10. Das ſie auch vns die Himli -[1]. Corint. 10. ſchen Guͤtter nicht entziehen / noch die Seele toͤdtenMatth. 10. koͤnnen / Matth. 10.

Deſſen troͤſtet ſich auch die liebe Kirche / vnd ſin - get: Nemen ſie vns den Leib / Gut / Ehr / Kind / vnd Weib / laſs fahren dahin / ſie habens keinen Gewin / Das Reich Gottes mus vns doch bleiben.

3. Wider den ſchrecklichen anblick des Todes.Endlich macht vns auch dieſer Troſt einen mut / wider das ſchrecken des Todeſt / das derſelbe nicht gar vertilge / ſondern nur foͤrdere zur ewigen Selig - keit / vnd iſt gleich vnſers HErrn Gottes Thuͤrhuͤ - ter / der vns die Thuͤr auffthut / zum Reich Gottes vnd ewigem Leben. Er loͤſet vns auff / ſaget PaulusPhilip. 1. Phil. 1: Er iſt vnſere dimiſsion oder abfertigung zumLuc. 2. ewigen Leben / ſpricht Simeon Luc. 2.

Daher nennet jn Chriſtus recht einen Schlaff /Der Tod durch Chri - ſtum zum Schlaff ge - macht. Matth. 9. Joh. 11. Anzuzeigen / das der Tod nu nicht mehr ſchedlich / ſondern durch jn den HErrn Chri - ſtum / gar verendert / vnd zum Schlaff gemacht ſey. quo ad materiam, formam, & finem.

1. Jn der vr - ſach.Die materia vnd vrſach des Todes / Nemlich die Suͤnde / iſt nu ſo zertrieben durch Chriſti Blut / das1. Corint. 15. ſie vns nicht mehr kan toͤdten / ſondern durch denTod wo iſt dein ſtachel. Tod ausgeſchlaffen wird im Grabe.

Gleichnis.Gleich wie ein Medicus / eine vberfluͤſſige vnd v - bernatuͤrliche Feuchtigkeit des gehirns / die offtmals den Schlag vnd Tod vrſachet / durch Artzney mit Gottes huͤlffe alſo zertreibet / das ſie nicht mehr toͤd -lich[37]S. Pauli / Philip. 3. lich iſt / Sondern durch den Schlaff kan verzehret werden.

So iſt ſeine form vnd geſtalt nicht mehr ſo ſchreck2. Jn der Form. lich vnd ſchmertzlich / ſondern ſanfft vnd lieblich wie ein Schlaff. Johan. 8. ſpricht Chriſtus: Wer meinJohan. 8. Wort helt / der wird den Tod nicht ſchmecken ewig - lich.

Es vertilget vns auch der Tod nicht mehr / ſon -3. Jm Ende. dern bringet vns als ein ſanffter Schlaff zu ruhe / das wir fein luſtig wider auffwachen zu Gottes Lob vnd Preiſs / darzu wir alhie ſehr verdroſſen ſein. Apoc. 14. Apocal. 14.Selig ſind die Todten / die im HErrn entſchlaffen / ſpricht der Geiſt / denn ſie ruhen von jrer Arbeit.

Druͤmb ſaget der Poet recht: Es ſey der Tod qua - ſi tranſitus. Ein Durchgang / etc.

Vnd im alten Teſtament iſt er genant worden ei - ne Verſamlung zu dem Volck Gottes / oder zu den Ve tern. Gen. 25. 35. 49. etc.

Zum dritten / dienet vns auch dieſes zu dreierley3. Dr[e] ierley vermanunge aus dem er - ſten ſtuͤck. Vermanung.

Eine / das wir die beſchwerung dieſes Lebens mit gedult tragen / vnd mit beſtendiger hoffnung / der Er -1. loͤſung zum ewigen Leben erwarten / Eph. 1. Tit. 3.

Die andere / das wir vnſer Datum nicht in dieſe2. Welt ſetzen / Sondern derſelben alſo brauchen / das wir des ewigen Lebens nicht vergeſſen / ſondern deſ - ſen vns allezeit erinnern / vnd vor aller vergenglichen Luſt dieſes Lebens / als ruͤſtige Wandersleute voruͤ - ber gehen / vnd vns wider den Teufel / die Welt / noch vnſer Fleiſch laſſen auffhalten.

Die dritte / das wir alſo leben / auff das wir auch3.E iijbereit[38]Leichpredigt vber den Spruchbereit ſein / alle ſtunden ſelig zu ſterben / wie Cypria - nus ſaget in oratione de mortalitat. Denn da heiſt es anders nicht als / diſce mori, Menſch bedenckeSyr[a]ch 7. das ende / ſpricht Syrach cap. 7. Mors etenim certa eſt, funeris hora latet. Eins wiſſen wir gewiſs / Nem lich / des wir ſterben muͤſſen / aber wenn wir ſterben werden / wie wir ſterben werden / vnd wo wir ſterben werden / das iſt vns verborgen.

Vom Andern.

Viererley be weis das vn ſer Wandel im Himmel ſey.DAs wir nu gewiß ſein / das vnſer πολίτευμα, vnſer Wandel / vnſer Buͤrgerſchafft im Him mel ſey / kan ſolches mit vier herrlichen Argu menten vnd Gruͤnden / aus den worten des Textes er - wieſen werden.

1. A veritate ver bi diuini. Das erſte Argument vnd Zeugnis / wird genom - men â veritate verbi diuini, von der Warheit Goͤttli - ches Wortes: Denn wenn der Apoſtel S. Paulus et - was ſagt vñ leret / ſo thut er es nicht vor ſich / ſondern autoritate verbi diuini, Krafft Goͤttliches Worts1. Corinth. 11. vnd befehls / wie er ſaget 1. Corinth. 11. Jch habs vom HErrn empfangen das ich euch gegeben habe / etc. 1. Timoth. 1.1. Timot. 1. Es iſt gewislich war / vnd ein thewer wer - des wort / etc.

Dieweil vns nu der Apoſtel auff ſolche buͤgerſchafftJohan. 17. durchs Wort weiſet / ſo iſt es auch gewis / vnd daran gar nicht zu zweiffeln: Denn Chriſtus ſpricht Jo. 17. Vater dein Wort iſt die Warheit.

So haben wir auch ſonſten deſſen zeugnis in GotJohan. 14. tes Wort. Als Joh. 14. ſpricht Chriſtus: Jn meinesJohan. 17. Vaters Hauſe ſind viel wonungen. Jo. 17. Vater ichJoh. 3. 5. 6. wil das ſie bey mir ſein. Joh. 3. 5. 6. Wer an mich gleu bet / der ſol das ewige Leben haben.

An -[39]S. Pauli / Philip. 3.

Andere Zeugnis ſind im erſten ſtuͤck mehr ange - zogen worden.

Der ander Beweis wird genommen / à merito2. Argument à marito Chri ſti. Chriſti, vom Verdienſt vnſers HErrn Chriſti / wel - ches zu dem ende geſchehen / das die armen Suͤnder dadurch ſollen ſelig werden / wie Paulus ſaget: Chri - ſtus iſt in die Welt kommen / die Suͤnder ſelig zu ma - chen / 1. Tim. 1. 1. Timoth. 1.

Dis Werck aber verrichtet Chriſtus auff vierer -Chriſtus der richtet ſein Ampt auff viererley weiſe. ley weiſe: Erſtlich leſt Er ſich vom Himmel herab / nach dem rath ſeines lieben Himliſchen Vaters / wie wir ſagen im Niceniſchen Bekentnis: Jch gleube an1. Koͤmpt Er vom Himmel. Jeſum Chriſtum / etc. Welcher vmb vns Menſchen / vnd vmb vnſer Seligkeit willen vom Himmel kom - men iſt.

Von dannen haben auch ſein gewartet vnd auff jn gehoffet / die lieben Vaͤter. Eſa. 64. ſagt der Prophet:Eſa. 64. Ach das du den Himmel zureiſſeſt / vnd fuͤreſt herab.

Alſo betet Dauid im 144. Pſalm: HErr neige deinePſalm 144. Himmel / vnd fahre herab. Vnd daher nennet jn der liebe Zacharias Lu. 1. den Auffgang aus der Hoͤhe.

Darnach vereiniget vnd verbindet Er ſich mit2. Durch ſein Verbuͤndniß mit vns vns auff Erden. 1. Aſſumptione Sanguinis, Er wird ein Weibes Samen / vnd nimpt vnſer Fleiſch vnd1. Jm Blut. Blut an ſich / wie Johannes ſaget Johan. 1. DasGeneſ. 3. Wort ward Fleiſch. Vnd Ebre. 2. ſtehet geſchrieben:Johan. 1. Nach dem nu die Kinder Fleiſch vnd Blut haben / iſtEbre. 2. Ers gleicher maſſe theilhafftig worden.

Vnd das geſchiehet daruͤmb / auff das Er kan lei - den / ſterben / vnd ein Opffer werden fuͤr die Suͤnde. Tert. Lib. de carne Chri ſti. Wie Tertulianus ſaget: Chriſtus mori miſſus, naſciquoꝙ[40]Leichpredigt vber den Spruchquoꝙ neceſſario habuit, vt mori poſſet. Das iſt: Weil Chriſtus darzu geſand war / das Er ſolte ſter - ben / ſo muſte Er auch zuudr geboren werden / auff das Er koͤndte ſterben.

2. Jm Wort vnd Sacra - menten.2. Coniunctione fœderis, Durch das Verbuͤnd - nis / damit Er ſich mit vns / vnd vns mit jm alſo ver - einiget / das wir mit jm ein Leib werden / wie Paulus redet Rom. 12. Vnd Epheſ. 5. Chriſtus iſt das Heubt ſeiner Gemeine.

Diſs Verbuͤndnis geſchiehet alſo: das vns Chri - ſtus gibt ſein Wort vnd Sacramenta / vnd dadurch ſendet Er ſeinen Geiſt in vnſere Hertzen / derſelbige vereinigt vnd verbindet vns denn durch den glauben mit Chriſto ſo feſte / das weder Er von vns / noch wir von jm durch keinerley wege / es ſey gleich die Gefahr vnd Noth wie ſie wolle / Ja wenn ſichs auch gleich der Teufel ſelbſt vnterſtuͤnde / koͤnnen noch ſollen ge -Johan. 10. ſcheiden werden. Wie Chriſtus ſaget / Joh. 10. MeineRom. 8. Schefflein ſol mir niemand aus meiner hand reiſſen. Vnd Paulus Rom. 8. Jch bin gewis / das weder truͤb ſal noch Angſt / weder Tod noch Leben / etc. mag vns ſcheiden von der Liebe Gottes / die in Chriſto Jheſu iſt vnſerm HErrn.

3. Durch ſei - ne Him̃mel - farth.Zum dritten / fehret Er auch wideruͤmb gen Him - mel / vnd bereitet vns daſelbſt die ſtete / wie Er ſagetJohan. 14. Johan. 14: Vnd da gehoͤren wir nu auch billich hinJohan. 17. nach ſeinem beger and letzten willen / Johan. 17. da Er ſaget: Vater ich wil / das / wo ich hin / auch die bey mir ſein / die du mir gegeben haſt.

4. Durch ſei - ne huͤlffe vñ errerrung.Zum vierden / leiſtet Er vns auch ſeine HuͤlffeGeneſ. 18. vom Himmel / wie Er zum Abraham ſaget / Gen. 18. Das[41]S. Pauli / Philip. 3. Das ein Geſchrey / oder das Gebet des lieben Loths / vor jn kommen ſey / daruͤmb ſo wolle Er hinab fah - ren vnd ſehen / wie es zugehe. Joſaphat ſpricht 2. Pa. 2. Paral. 20.20. Wir wiſſen nicht was wir thun ſollen / ſondern vnſere Augen ſehen nach dir. So betet auch die Kir - che: Ach Gott von Himmel ſich darein / etc.

Vnd wird auch endlich vom Himmel kommen / vnd vns durch ſeine froͤlich Zukunfft / aus dieſem muͤ heſeligem Leben vnd Jammerthal volkoͤmlich er - retten vnd erloͤſen / Wie Sanct Paulus alhie ſaget: Von dannen wir warten des Heilandes Jheſu Chriſti des HErrn.

Alſo bekennen wir auch im andern Artickel vn - ſers Chriſtlichen Glaubens: Das Chriſtus vom him mel kommen werde / zu richten die Lebendigen vnd die Todten / etc.

Dis iſt nu das ander Argument / genommen aus dem verdienſt vnſers HErrn Jheſu Chriſti / der vom Himmel kommen / vnd wider gen Himmel gefaren / darunter begriffen wird / alles was Er darzwiſchen verrichtet hat / wie wir auch im aduent ſingen: Sein Lauff kam vom Vater her / vnd keret wider zum Vater. Vnd gehet dieſes alles zu dem ende / das wir ewig bey jm ſein ſollen / dahin Er vns denn durch ſei - ne froͤliche Zukunfft / wils Gott / holen wird.

Der dritte Beweiſs wird genommen à fragilita -3. Argument à fragilitate corporum noſtrorum. te corporum noſtrorum, von der ſchwacheit / Ge - brechligkeit / vnd Sterbligkeit vnſerer Leibe.

Chriſtus hat vns erloͤſet zum ewigen Leben. Nu ſehen wir vnd erfahrens teglich / das wir alhie kein bleiben haben / ſondern allerley Jammer vnd Elend vnterworffen ſein / vnd endlich ſterben muͤſſen / WieFSyrach[42]Leichpredigt vber den SpruchSyrach 14.Syrach ſagt cap. 14. Das iſt der alte Bund / du muſt ſterben. Daraus folget nu gewiſs / das vnſer Vater - land nicht alhie auff Erden / oder jrrdiſch / ſondern im Himmel ſey.

Da werden wir erſt recht des verdienſts Chriſti ge -Pſalm 17. nieſſen / vnd das rechte Himliſche Erbe vnd ewige Leben beſitzen / wie Dauid ſagt Pſal. 17. Jch aber wil ſchawen dein Antlitz in Gerechtigkeit / Jch wil ſatt werden / wenn ich erwacht nach deinem Bilde.

Daruͤmb ſo ſetzt auch S. Paulus dieſen grund / als eine neceſsitatem reſurrectionis, daraus er notwen - dig ſchleuſt vnd beweiſet die Aufferſtehung vnſers1. Corint. 15. Fleiſches / 1. Corinth. 15. vnd ſpricht: Dis Sterbliche mus anziehen die Vnſterbligkeit.

4. Argument à fide Eccle - ſiæ. Der vierde vnd letzte beweis / wird genommen à fide Eccleſiæ, vom algemeinen Glauben der Chriſtli - chen Kirchen. Wir warten der Zukunfft Chriſti vom Himmel / vnd der Verklerung vnſerer Leibe / ſagt vn - ſer Text: Was nu die Kirche Gottes hoffet vnd war - tet / das gleubet ſie auch gewiſs vnd feſtiglich.

Jm Niceniſchen Symbolo oder bekentnis ſagen wir: Jch warte auff die Aufferſtehung der Todten / vnd ein leben der zukuͤnfftigen welt: Jn vnſerm Chriſt lichen Glauben / oder Apvſtoliſchem Bekentnis ſpre chen wir: Jch gleube eine Aufferſtehung des Flei - ſches / vnd ein ewiges Leben.

Die Kirche hat ſich alle - zeit nach der Himliſchen Herrligkeit geſehnet.Das aber nicht allein wir darauff hoffen / ſondern die liebe kirche allezeit nach dieſer herrligkeit ein ſehn lich verlangen gehabt / deſſen haben wir Zeugnis in Gottes Wort / Als 1. Reg. 19. bittet Elias / das jn Gott1. Reg. 19. aus dieſem Elende wolte erloͤſen / vnd ſeine Seele vonJob 19. jm nemen. Alſo troͤſtet ſich der liebe Job im 19. Capi -tel:[43]S. Pauli / Philip. 3. tel: Jch weis das mein Erloͤſer lebet / vnd Er wird mich hernach aus der Erden aufferwecken / etc.

Dauid ſpricht im 42. Pſalm: Wenn werde ichPſalm 42. dahin kommen / das ich Gottes Angeſicht ſchawe.

2. Mach. 7. troͤſten ſich die ſieben Bruͤder / ſo aus2. Mach. 7. Befehl des Koͤniges Antiochi getoͤdtet wurden / des ewigen Lebens gar hoͤchlich.

So ſpricht Paulus / das alle liebe Apoſteln vnd Gleubigen ein hertzliches verlangen gehabt / nach der Erbſchafft des ewigen Lebens / vnd jres Leibes Erloͤſung / Rom. 8. Vnd der Apoſtel S. Petrus ſagt2. Petr. 3. Rom. 8. 2. Pet. 3. Wir warten eines newen Himmels.

Diſs ſind alſo die vier Gruͤnde / daraus wir ge - wiſs ſein / das vnſer Wandel vnd rechtes Vaterland im Himmel ſey. Vnd dienen vns nu abermal zur Le - re / Troſt vnd Vermanung / auff dieſe weiſe:

Erſtlich werden wir alhie geleret / worauff wir1. Lere aus dem andern Stuͤcke. vns iu den Artickeln vnſers Chriſtlichen Glaubens gruͤnden / vnd die gewisheit vnſerer Seligkeit ſuchen ſollen / Nemlich: 1. Jn Gottes Wort / welches vns die ſelbe verkuͤndiget / offenbaret / vnd dahin weiſet: 2. Jn dem Verdienſt Jheſu Chriſti / der vns dieſelbe erwor - ben / vnd zu wegen gebracht hat / daraus auch vnſer Glaube vnd aller Troſt / herfleuſt vnd entſpringet: 3. jn dem Conſens / vnd algemeinen Glauben vnd Hoffnung der lieben Kirchen / die Gottes Wort ge - folget / vnd ſich daraus des HErrn Chriſti allezeit getroͤſtet hat.

Da ſollen wir vns grundes vnd Troſtes erholen / vnd nicht etwa eine Sacramentiriſche Gloſs bey vn - ſerer Vernunfft ſuchen: Oder mit dem BapſthumbF ijan[44]Leichpredigt vber den Spruchan vngewiſſe oͤrthe / nach Troſt lauffen. Wie Gott derEſai. 8. HErr befiehlet / Eſa. 8. Luc. 16. Man ſol ſich zum Ge -Luc. 16. ſetz vnd Zeugnis halten / vnd Moſen vnd die Prophe ten hoͤren.

Vnd zu dieſen Gruͤnden ſol vns treiben / vnſere ge brechligkeit / ſchwacheit vnd ſterbligkeit / welche von jr ſelbſt in Gottes Sachen gar nichts verſtehet / wie Paulus ſaget 1. Cor. 2.

2. Troſt aus dem andern Stuͤck.Zum andern / wird vns auch alhie ein feiner troſt vorgehalten / von Gottes Guͤte vnd Trew. Ob wol der liebe Gott vns in Schwacheit vnd allerley Wider wertigkeit / in dieſem Leben gelaſſen / koͤmpt Er vns doch mit beſtendigem Troſt zu huͤlffe / 1. Jn ſeinem lieben worte / des ſich der liebe Dauid warlich von Hertzen troͤſtet / vnd darff mit Gott / gar trotzig dar -Pſalm 27. auff bocheu im 27. Pſalm / da er in der Angſt ſeines Gewiſſens ſaget: HErr mein Hertz helt dir fuͤr deinPſalm 119. Wort. Vnd im 119. Pſalm rhuͤmet er dieſes Troſtes Krafft / vnd ſpricht: Wenn dein Wort nicht were mein Troſt geweſen / ſo were ich vergangen in mei - nem Elende.

2. Neben dem Worte / koͤmpt Er vns auch zu huͤlf - fe mit ſeinem lieben Sone / welchen Er zu vns in vn - ſer Elend ſendet / der mus vns helffen / von Suͤnden / Tod vnd Teufel: Jn allen Noͤten vns beyſtehen / vnd durch ſeinen Geiſt erquicken vnd troͤſten. DaruͤmbMatth. 11. ſpricht Er Matth. 11. Kompt zu mir alle die jr muheſe - lig vnd beladen ſeid / Jch wil euch erquicken / vnd bey mir ſolt jr Ruhe finden / fuͤr ewre Seele.

3. Endlich ſtellet Er vns auch dieſes Troſtes Ex - empel fuͤr an ſeiner lieben Kirchen / vnd derſelben glie dorn / wie Er jm dieſelbe zum eigenthumb ſamlet: Jnjrer[45]S. Pauli / Philip. 3. jrer Noth troͤſtet vnd auffrichtet / vnd fuͤr dem Teufel vnd allem Vngluͤck ſchuͤtzet vnd bewaret / nach ſeiner Verheiſſung / Johan. 10. Meiue Schafe hoͤren meine ſtimme / vnd ich kenne ſie / vnd ſie folgen mir / vnd ich gebe jnen das ewige Leben / vnd ſie werden nimmer - mehr vmbkommen / vnd niemand wird ſie mir aus meiner Hand reiſſen.

Zum dritten / haben wir auch in dieſem Stuͤck3. Vermanung aus dem an - dern ſtuͤcke. zweierley Vermanung:

r. Eine / das wir vns vnſere ſchwacheit nicht laſ - ſen kltinmuͤtig machen / ſintemal wir wiſſen / das vns2. Corint. 12. dieſelbe an vnſerer Seligkeit nicht ſchaden ſol / GottEſa. 46. wil in derſelben ſtarck ſein / vnſer pflegen vnd warten /[E]pheſ. 4. vnd von tage zu tage ſtercken / vnd zum ewigen Leben vo[l]kommen machen.

2. Die andere / das wir nirgend anders Troſt vnd huͤlffe in vnſer ſchwacheit ſuchen / denn in Gottes Wort / bey vnſerm lieben HErrn Jeſu Chriſto: Vnd ſeiner lieben Kirchen: Denn auſſerhalb dem Wort / auſſerhalb dem HErrn Chriſto / vnd auſſerhalb ſei - ner Kirchen / iſt kein Heil vnd Seligkeit. Johan. 14. ſpricht Chriſtus: Wer mein Wort helt / den wird mein Vater lieben. Johan. 3. Wer nicht gleubet an den Son Gottes / der iſt ſchon gerichtet. Eſa. 46. Auff dem Berge Sion vnd zu Jeruſalem / wird eine erret - tung ſein.

Vom Dritten.

WJe kommen wir nu zu dieſer Herrligkeit? Vnd wie werden wir zu derſelben poſſeſsion gebracht[?]

Der heilige Euangeliſt Johannes ſaget in ſei -F iijnem[46]Leichpredigt vber deu SpruchJohan. 1.nem Euangelio am 1. Capitel: Jn Chriſto war das Leben. Mit dieſen worten wil er ſo viel zu verſtehen ge ben: Das Chriſtus allein / das rechte vnd ware Leben ſey / weſentlich vnd wircklich. Das iſt: Chriſtus ſey Erſtlich warer vnd lebendiger Gott von Ewigkeit in Ewigkeit. Zum andern ſey Er auch der Mitler / oder das Mittel / dadurch vns Gott lebendig machet / bei - des in der Schoͤpffung / wie Joh. in dieſem 1. Capitel ſaget: Durch jn ſind alle ding gemacht: Vnd dar - nach auch in der Erloͤſung / wie ſolchs der ApoſtelEpheſ. 2. S. Paulus auſsdruͤcklich zeuget / Epheſ. 2: Da wir tod waren in Suͤnden / hat Er vns durch Chriſtum lebendig gemacht. Vnd diſs beſtetiget Chriſtus ſel -Johan. 14. ber / Johan. 14. da Er ſich das Leben vnd den Weg nennet / Als wolt Er ſagen: Er ſey nicht allein das Le - ben vor ſich vnd andere: Sondern auch der Weg vnd Mittel / dadurch wir zum Leben kommen.

Chriſtus bringer vns zu ſolcher Herrligkeit auff vierer - ley weiſe.Daraus erſcheinet nu / das wir dieſe Herrligkeit von Chriſto haben. Derſelbe hat ſie vns 1. erworben vnd zuwegen bracht / durch ſein Verdienſt vnd tegli - che interceſsion vnd Vorbitte / wie wir im andern1. Erwirbt Er ſie vns. Artickel in der Auſslegung bekennen. Vnd die Kir - che Gottes ſinget: Du werdes Liecht gib vns deinen Schein / lere vns Jheſum Chriſtum erkennen allein / das wir an jm bleiben / dem getrewen Heiland / der vns bracht hat zu dem rechten Vaterland / etc.

2. Weiſer Er vns den weg darzu.2. Weiſet Er vns auch noch teglich den Weg zu ſolchem Vaterland in ſeinem lieben Wort / wie Er ſelber ſaget Johannis am ſiebentzehenden Capitel:Johan. 17. Das Er zu ſeiner Erkentnis vnd ewigem Leben / vns ſein Wort gegeben habe.

Daruͤmb[47]S. Pauli / Philip. 3.

Daruͤmb da der reiche Man Luc. 16. begerte / dasLuc. 16. doch Lazarus zu ſeinen Bruͤdern moͤchte geſand wer den / das er ſie warnete / vnd jnen den Weg zum ewi - gen Leben weiſete. Bekoͤmpt er die Antwort: Sie ſollen Moſen vnd die Propheten / das iſt / Gottes Wort hoͤren / darinnen haben ſie genugſame anwei - ſung vnd leitung zur Seligkeit.

3. Nimpt Er vns gleich bey der Hand / vnd lei -3. Leitet Er vns dahin. tet vns zu ſolcher Himliſchen Wohnung / durch ſeinen heiligen Geiſt / als ſeinen Goͤttlichen Finger / wie Er genennet wird Lucæ am eilfften Capitel. WieLuc. 11. ein Vater ſein Kind an der Hand gengelt vnd leitet Johannis am 16: Der heilige Geiſt ſol euch in alleJohan. 16. Warheit leiten. Alſo ſagen wir auch in der Auſsle - gung des dritten Artickels: Das wir nicht aus ei - gener Vernunfft noch Krafft an Jheſum Chriſtum gleuben koͤnnen / Sondern der heilige Geiſt wircke ſolches in vns / Er berufft / Er erleuchtet / Er erhelt / vnd bringet vns endlich zum ewigen Leben vnd Se - ligkeit.

4. Endlich bringet Er vns auch ſelber zur poſſeſ -4. Verſetzt Er vns in dieſe Herrligkeit / alſo: ſion, vnd verſetzt vns in die Himliſche Wohnung vnd Buͤrgerſchafft. Vnd das gehet alſo zu: Er ver - kleret vnſere nichtige Leibe / der geſtalt: Er nimpt vns von der Welt / entweder durch den zeitlichen Tod /1. Verkleret Er vns. oder aber durch ſeine letzte Zukunfft. Vnd durch ſol - che entzuͤckung / purgirt vnd reiniget Er vns von al - ler Vnreinigkeit vnd Sterbligkeit.

Vnd diſs iſt die rechte purgation vnd purgato - rium, die Reinigung vnd Fegefewr / darinnen wir die ſterbliche Huͤtte ablegen / vnd zum ewigen Leben vol koͤmlich tuͤchtig gemacht werden / wie Petrus redet /2. Petri 1. 2. Pet. 1.

Darnach[48]Leichpredigt vber deu Spruch

2. Macht Er vns jm ehn - lich.Darnach macht Er vns ehnlich ſeinem Ebenbil de / Rom. 8. alſo / Das Er vnſere Leibe in HimliſcherRom. 8. Klarheit vnd Herrligkeit zieret / vnd ſeinem verkler - ten Leibe ehnlich machet.

Alhie auff Erden / hat Er zwart albereit angefan1. Jn der Ge rechtigkeit. gen / vnd vns jm ehnlich gemacht / Jn der Gerechtig keit / die Er vns durch den Glauben mitgetheilet / das vns nu Gott der Vater in dem geliebten Kinde Got - tes / auch zu Kindern hat angenommen.

2. Jm CreutzDarnach macht Er vns auch jm ehnlich im CreuRom. 8. tze vnd ſchmach / wie Paulus ſaget Rom. 8. So wir mit Chriſto wollen erben / ſo muͤſſen wir auch mit jm leiden.

3. Jn der Herrligkeit.Endlich aber wird Er vns jm auch ehnlich ma - chen in der Herrligkeit vnd Klarheit. Rom. 10. DieRom. 10. Er hat gerecht gemacht / die hat Er auch herrlich ge - macht. Vnd das ſind die drey gradus / darinnen wir Chriſto muͤſſen ehnlich vnd gleichfoͤrmig werden.

Das wir aber hieran nicht zweiffeln / vnd vnſerer Vernunfft nach vrtheilen / als were es vnmoͤglich / das vnſere nichtige / ſtinckende / verfaulete vnd vermo derte Leibe wideruͤmb koͤndten lebendig vnd ſo herr -1. Corint. 15. lich werden. Wie auch dieſes diſputirt wird 1. Cor. 15. So antwortet gleich hierauff der Apoſtel / das es freylich war / Menſchlicher Vernunfft vnd Krafft iſt es gantz vnd gar vnmoͤglich.

Paulus wei - ſet vns auff Gottes All - macht.Er weiſet vns aber auff etwas anders / das ſolchs wol thun vnd ausrichten kan / Nemlich: Auff die Goͤttliche Krafft vnd Allmacht / der iſt kein ding vn -Luc. 1. moͤglich / wie der Engel ſaget Luc. 1. Dahin weiſet er1. Cor. 6 15. auch die Corinther / 1. Cor. vnd 15.

Chriſtus be - welſet ſeineDieſe Krafft beweiſet Chriſtus / beides / in der er -loͤſung[49]S. Pauli / Philip. 3. loͤſung des Menſchlichen Geſchlechtes / daruon derGoͤttliche Krafft. 16. Pſalm ſaget: Der HErr iſt mir zur Rechten / etc. Vnd Petrus Act. 10. Gott war mit jm. Alſo auch Act.1. Jm werck der erloͤſung 2. Den hat Gott aufferwecket. Jtem: Chriſtus ſeyPſalm 16. Actorum 10. Actorum 2. durch die Rechte Gottes erhoͤhet / etc.

Vnd auch in der Regierung ſeiner Kirchen / Wie2. Jn der re - gierung ſei - ner Kirchen. Er ſelber dauon redet /[M] atth. 11. da Er ſaget: AlleMatth. 11. ding ſind mir vbergeben von meinem Vater / Dar - uͤmb kompt her zu mir alle die jr muͤheſelig vnd bela - den ſeid / ich wil euch erquicken. Vnd Matth. am 28.Matth. 28. ſpricht Er: Mir iſt gegeben alle Gewald im Himmel vnd Erden. Daruͤmb gehet hin vnd leret alle Voͤlcker etc. Vnd ſihe ich bin bey euch alle tage / biß an der Welt ende.

Dahin weiſet vns S. Paulus / da er alhie ſaget: Nach der wirckung / da er mit kan auch alle ding jm vnterthenig machen.

Dis iſt auch nu das dritte Stuͤcklein / welchs wir gleicher geſtalt wie die erſten practiciren / vnd vns zu nutz machen ſollen / in dieſen dreyen Puncten:

Erſtlich in der Lere / das wir daraus lernen / wieLere aus dem dritten Stuͤck. wir zu dieſer Herrligkeit vnd Himliſchen Wonung durch kein ander mittel / on allein durch Chriſtum / kommen. Wie wir aus dem Zeugnis Johannis ge -Johan. j. hoͤrt / das in jm allein das Leben ſey.

Der alte Lerer Auguſtinus ſagt: Homo per ſe ca -Aug. Ser. 183. de Temp. dere potuit, ſed per ſe reſurgere non valuit, Das iſt: der Menſch hat wol von ſich ſelber fallen koͤnnen / Er hat aber von ſich ſelber nicht koͤñen wider auffſtehn.

Daruͤmb ſpricht Chriſtus Johan. 10. Er ſey dar -Johan. 10[.] uͤmb kommen / das ſeine Schaͤflein das Leben vnd volle gnuͤge haben ſollen. Jm hat vns der VaterJohan. 17.Gvber -[50]Leichpredigt vber den SpruchEſai. 63.vbergeben: Er mus die Kelter allein tretten: Vnd iſtAct. 4. ſonſt in keinem andern Heil / auch kein ander Name den Menſchen gegeben / darinnen wir ſollen ſelig wer den / denn der Name Jheſu Chriſti.

2. Troſt aus dem dritten Stuͤck.Zum andern auch im Troſt. Das wir bedencken / hat vns Gott ſo hoch geachtet / das Er vns ſo tewer erkaufft / durch das Blut ſeines einigen vnd allerliebj. Corinth. 6. ſten Sons / wie Paulus redet / 1. Cor. 6. Vnd Petrus /j. Petr. j. 1. Petr. 1: So wird Er gewislich vns nu nicht verlaſ - ſen / ſondern mit dem Son alles geben / was vns nuͤtz lich iſt an Leib vnd Seel / auch vns viel mehr ſeligRom. 5. 8. machen durch ſein Leben / weil wir nu verſoͤnet ſind / Rom. 5. vnd 8.

3. Verma - nung aus dẽ dritten ſtuͤckLetzlich dienets vns auch zur vermanung / das wir vns an Chriſtum allein feſt halten: Denn wer jm wil / ein ander Ziel / on dieſen Troͤſter ſtecken / Den mag gar bald / des Teufels gewald / mit ſeiner liſt er - ſchrecken / ſinget die Kirche.

Johan. 3.Vnd Johan. 3. ſpricht Chriſtus ſelber: Wer nicht gleubet an den Namen des eingebornen Sons Got - tes / der iſt ſchon gerichtet.

Wie wir vns an Chri ſtum halten.Alſo halten wir vns aber an Chriſtum: Wenn1. Wenn wir ſe[i]n Wort lieb haben. wir ſein Wort lieb haben / vnd gerne hoͤren / Joh. 8.Johan 8. 14 Luc. 24. vnd 14. Lucæ 24. hatten die Juͤnger luſt das Wort zu hoͤren / Daruͤmb noͤtigten ſie Chriſtum das Er bey jnen bleiben muſte.

2. Wenn wir vnſer vertra wen auff Chriſtum ſe - tzen.Wenn wir darnach vnſer vertrawen auff jn ſe -Geneſ. 32. tzen / wie Jacob that / Geneſ. 32: HERR ich laſſe dich nicht / du ſegneſt mich denn. Alſo hielt ſich anMatth. 15. Chriſtum das Cananeiſche Weiblein / Matth am 15.

3. Wenn wirJtem / Wenn wir in Chriſti Geiſt leben vnd wandlen / vnd beides / nach ſeinem Exempel einhergehen:[51]S. Pauli / Philip. 3. gehen: Auch ſeine Krafft in vnſer ſchwacheit laſſenin Chriſti Geiſt leben. mechtig ſein / vnd vns ſeines beyſtandes wider alleGal. 6. Matth. 11. Philip. 2. 2. Corinth. 12. Pſalm. 23. Anfechtung troͤſten.

Vnd endlich wenn wir auch ſeiner huͤlffe mit ge - dult erwarten: Wie Dauid ſagt / Pſal. 39: Nu HErr / Wes ſol ich mich troͤſten[?]Jch hoffe auff dich. Vnd4. Wenn wir ſeiner huͤlffe mit ge dult erwar - ten. Pſal. 73: Wenn ich nur dich habe / ſo frage ich nichts nach Himmel vnd Erden. Wenn mir gleib Leib vnd Seel verſchmacht / ſo biſtu doch Gott allezeit meinesPſalm. 39. Hertzen Troſt / vnd mein Theil. Alſo ſagt auch JobPſalm. 73. cap. 13: Vnd wenn mich der HErr toͤdtet / ſo wil ichJob 13. doch auff jn hoffen.

Wenn wir nu dieſes thun / ſo heiſt es denn wieJohan. 8. Chriſtus ſagt / Johan. 8. Wer mein Wort helt / der wird den Tod nicht ſehen Ewiglich. Joh. 11: Wer anJohan. 11. mich gleubet der wird leben / ob er gleich ſtuͤrbe / Vnd wer da lebet vnd gleubet an mich / der wird nimmer - mehr ſterben. Vnd Johan / 14. Jch wil wider kom -Johan. 14. men / vnd euch zu mir nehmen / auff das jr ſeid wo ich bin. Dis ſey alſo einfeltig geſagt von dieſem ver - leſenen Spruͤchlein / vnd was wir dabey zu mercken / auch daraus zu lernen haben.

Bericht von des Herrn Oberhaubtmans Leben vnd Abſchied.

Was nu zum beſchluß anlanget den Edlen / Ehrnvhe - ſten vnd Geſtrengen Herrn Ehrich Volckmar von Ber - lebſch / geweſenen ErbCammerer in Heſſen / Churf. Saͤchſi - ſchen furnemen Rath / Oberhoffrichter zu Leipzig / vnd Ober haubtman in Duͤringen / ſeligen / Des Leichnam wir anher zu ſeinem Ruhebetlein geleitet / Jſt es vmb ſein Leben vnd ab - ſchied alſo bewand:

G ijA nno[52]Leichpredigt vber den Spruch

〈…〉〈…〉Geburt.Anno 1525. im Janua. Jſt er zu Saltza auffm Schloß geboren worden. Vñ iſt ſein Vater geweſen / Sittich von BerParentes, Vater. lebſch / ErbCammerer zu Heſſen / Fuͤrſtlicher Saͤchſicher / Hertzog Gorgen zu Sachſen ꝛc. loͤblicher Gedechtnis / Heubt man zu Saltza vnd Thomasbruͤcken. Welches Ampt er in die 24. Jar / als er Anno 1510. biß auffs jar 1534. trewlich verrichtet. Vnd iſt auff ſeinem hauſe zu Thomasbruͤck / Anno 1564. Montag nach Lætare geſtorben / ſeines Alters im 84. Jahre.

Mutter〈…〉〈…〉Seine Mutter iſt geweſen / Fraw Felicitas / eine Tochter Herrn Jacob Kollers vff Steinberg / Ritters ſeligen / welcher in Frießland vor Gruͤnungen auffm Thamme / durch ein Knie geſchoſſen worden / vnd daran geſtorben.

Wundarbar liche ethal - tung GottesVnd hat Gott der HErr jn in ſeiner Jugend vnd Kind - heit wunderbarlich erhalten: Denn als er vngefehrlich ein vier tel jar alt geweſen / ſind die auffruͤriſchen Bauren / ſeinem Va ter ins Hauß gefallen / vnd haben diß Kind / zum Fenſter hin aus werffen wollen. Da hat jn ſeine Amme erwiſcht / vnd ge - ſaget / Er were kein Edelman / denn er were jr Kind / vnd nicht des Junckern / der Juncker hette ſein Kind weg geſchafft. Hat jn alſo aus jren Haͤnden errettet.

Educatio. Wie er aufferzogen.Als er 6. Jar alt worden / hat jn ſein Vater gen Schleu - ſingen gethan / zum Grafen von Hennenberg / vnd daſelbſt neben J. G. jungen Herren / priuatim inſtituiren laſſen / biß er 13. Jar alt worden / Da hat er jn wideruͤmb zu ſich ge - nommen / vnd hernacher gen Marburg / auff die Vniuerſitet geſchicket / vngefehrlich im 1539. vnd ſeines Alters im 14. jar.

Von Marburg iſt er nach Leipzig gezogen Anno 1543. vnd alda blieben biß Anno 1548. fuͤnff gantzer Jahr.

Von dannen iſt er in Welſchland / Franckreich / Hiſpa - nien / vnd Engeland verreiſet / da er zum theil ſtudiret / zum theil die Lande durchzogen vnd geſehen / vnd die Sprachen gelernet.

Wie er[53]S. Pauli / Philip. 3.

Wie er denn ſonderlich der Frantzoͤſiſchen Sprache ſo mechtig geweſen / das er nicht allein dieſelbs fertig reden / ſon - dern auch von ſich ſchreiben koͤnnen. Vñ iſt nicht allein mir / ſondern vielen bewuſt / das er mit andern vornemen Leuten / zum oͤfftern in Frantzoͤſiſcher Sprache Brieffe gewechſelt.

Als er wider aus dieſen Landen kommen / hat jn HertzogVitæ genus, Stand vnd Leben. Moritz Churfuͤrſt zu Sachſen ꝛc. hochloͤblicher Gedechtnis / zum Rath angenommen / darzu er auch ſeine pflicht gethan Anno 52. vnd iſt darauff balde von Ch. G. zum aſſeſſorn ins Keiſerliche Kammergericht verordnet worden / vnd da - ſelbs ſechs Jahr geweſen.

Hernacher iſt er Anno 61. von Hertzog Auguſto Churfuͤr ſten zu Sachſen ꝛc. auch hochloͤblicher vnd Chriſtlicher Ge - dechtnis / zum Heubtman gen Saltza erfordert: Darneben / zu einem geheimten vnd vertrawetem Rathe beſtellet: Vnd zum Aſſeſſore ins Oberhoffgericht gen Leipzig verordenet wor - den.

Anno 1563. hat er ſich nach Gottes Ordnung / in denConiugium, Eheſtand. heiligen Eheſtand begeben / vnd den 2. Februar. mit der auch Edlen vnd Tugendſamen / damals Jungfrawen Lucretia von Schleinitz / die er nu mehr Widwe hinder ſich verlaſſen / zu Bornitz Ehelichen beygelegen.

Anno 1568. Jſt er von hochgedachtem Churfuͤrſten Au - guſto hochloͤblicher vnd ſeliger Gedechtnis / zum Oberheubt - man in gantz Duͤringen beſtellet worden.

Anno 1574. Hat jn mehr hochgedachte ſelige Churf. Durchleuchtigkeit ꝛc. zum Oberhoffrichter gen Leiptzig ins Oberhoffgericht verordnet / darinnen er auch von jtzo regieren dem Churfuͤrſten zu Sachſen / Hertzog Chriſtiano ꝛc. ferner beſtetiget / vnd biß an ſein ſeliges Ende gelaſſen worden. Jſt alſo dreyer Churfuͤrſten zu Sachſen / geheimter Rath vnd Diener geweſen.

Auſſer dieſen Churfuͤrſtlichen Beſtallungen / hat er ſichG iijin keine[54]Leichpredigt vber den Spruchin keine nebenbeſtallung anderer hoher Potentaten vnd Herr ſchafft / (wie offt er auch daruͤmb erſucht worden) einlaſſen wollen / Sondern dieſelben allezeit mit dieſer Antwort abge - ſchlagen: Er hette einen Gott / vnd einen HErrn / bey denen wolte er bleiben / vnd jnen trewlich dienen / hette damit auch genugſam zu ſchaffen.

Diligentia in vocatione, Trew vnd vleis im be - ruff.Wie er ſich aber in dieſen ſeinen Dienſten vnd Beſtallun - gen verhalten / kan man daraus leicht abnemen: Das gedach - te / hochloͤbliche Churfuͤrſten zu Sachſen ꝛc. jn in vornehmen Sachen gebraucht vnd zu Rath gezogen / auch faſt auff alle Reichstage / ſo bey zeit ſeiner beſtallungen gehalten worden / verſchickt haben. Da er denn mit Ehr vnd Rhum verrichtet / was ſeinem pflichten obgelegen vnd gebuͤret. Vnd ſol ſonder - lich Roͤm. Key. May. Maximilianus zum Churfuͤrſten Au - guſto / beider hochloͤblicher / vnd Chriſtlicher Gedechtnis / ge - ſaget haben: Jre Key. May. wolten / das jre Churfuͤrſtliche liebe / viel ſolcher Berlebſche im lande vnd zu Dienern hetten / vnd des gantzen Reichs Rath mit ſolchen Leuten beſetzt were.

Auffrichtig - keit.So hat er ſich auch keiner Finantzen vnd eigenen Nu - tzes befliſſen / ſondern ſeine befohlene Vnterthanen / mit guten worten vnd ernſtem zwang regieret / vnd zu ſchuͤldigem Ge - horſam gegen jrer hohen Obrigkeit angehalten.

Vnd wenn er befraget worden / wie es keme / das in ſei - nem Duͤringiſchem Kreiſe ſo wenig Geldſtraffen gefiehlen? hat er pflegen zu antworten: Es were ſeinem gnedigſten Herrn mehr mit der armen Leute gehorſam / vnd Gebet / denn mit jrem Schweiß vnd Blut gedienet.

Vita priuata. Jn ſeinem Prinatleben / Jſt er zu foͤrderſt ein guter ChriſtChriſtlich vnd richtig. geweſen / hat vleiſſig gebetet / vnd teglich die Bibel in Lateini - ſcher vnd Frantzoͤſiſcher Sprache geleſen. So iſt er auch rich tig geweſen in der Lere vnd Bekentnis / hat ſich offt erkleret / Er were dem Caluiniſchen Schwarm von hertzen feind / hat auch alle die jenigen / ſo er demſelben zum theil zugethan / ver -marckt /[55]S. Pauli / Philip. 3. marckt / getrewlich dafuͤr gewarnet / vnd zum oͤfftern geſaget: Wenn er wuͤſte das vnter ſeinen Pfarherren einer oder mehr Caluiniſch weren / ſo wolte er jn oder dieſelben nicht eine ſtun - de leiden.

Wie gut vnd trewlich er es auch ſonſten mit dem Pre -Dem Pre - digampt ge - wogen. digampt gemeinet / das geben jm Zeugnis ſeine Pſarherren / vnd andere Prediger / ſo mit jm vmbgangen ſein.

So hat er jm auch warlich den Gottesdienſt ein rechtenGottes Ehr vnd den Gottes - dienſt mit ernſt befoͤr - dert. ernſt / vnd angelegen ſein laſſen: Welches daraus genugſam erſcheinet / das er feiner zwo Kirchen von grund auff new er - bawet / vnd mit aller Nothdurfft verſehen hat: Auch derſelben Diener alſo verſorget / das es rhuͤmlich nachzuſagen / vnd ſie jm billich dafuͤr zu dancken haben. Welchs ſonſten in dieſer letzten zeit ſehr ſeltzam iſt: Denn es gibt die Erfahrung / das jederman lieber von Kirchen nimpt / denn etwas darzu gibet / vnd wenn man die Prediger entrathen koͤndte / ſo were die Welt wol zu frieden / das man alle Pfaffen zu den Landen außjaget / vnd das Predigampt gar abſchaffte.

Den ſeinen hat er friedlich vnd freundlich beygewohnet /Kein Lewe in ſeinem Hauſe gewe - ſen. Vnd mit menniglich alſo vmbgangen / das jederman beken - nen mus / Er ſey ein Gottſeliger / frommer / auffrichtiger / vnd ehrlicher Man geweſen / der es mit ſeiner Obrigkeit / vnd der -Affurichtig gegen men - niglich. ſelben Landen vnd Vnterthanen trewlich gemeinet / auch vie - len Leuten gedienet / vnd da es Gottes Wille geweſen / noch ferner hett dienen koͤnnen.

Er hat ſich auch ſeiner ſterbligkeit erinnert / vnd derwegenHat ſich ſei - ner ſterblig - keit erinne[rt] ſein Grab vñ Epitaphium / ſo alhie vor augen / ſo wol auch den Sarg / vnd alle Zugehoͤrung zu ſeinem Begraͤbnis / bey ſeinem Leben ſelbſt fertigen laſſen.

Da nu ſein ſtuͤndlein vnd beſtimptes ziel verhanden gewe -Morbus. Kranckhei[d] ſen / hat er ſich den 16. Auguſti / als er nach verrichtung ſeiner Amptsſachen von Saltza auff Sebach verreiſet / daſelbſt auff den Abend angefangen zu klagen / vnd iſt zeitlich zu Bet - te gangen