PRIMS Full-text transcription (HTML)
[1]
EXEQUIÆ LOTHINIANÆ
Das iſt: Ein einfaltige Chriſt - liche Leichpredigt bey der Begraͤbnuß der weylandt Edlen viel Ehr-vnnd Tugentreichen Frawen Eliſabeth Lothin geborner Schickin ꝛc. deß Edl vnnd Vheſten Herꝛn Valentin Lothn / Burgers vnd Handelmanns zu Crembs geweſenen ehelichen Haußfrawen: Welche ver - wichenens 1613. Jars / den 22. Auguſti vmb 1. Vhr nach mitternacht in Gott ſeliglich entſchlaffen / vnd den folgenden Sontag / war der 25. Aug: nach Mittag / Chriſtlichem brauch nach (mit vieler Threnen vergieſſung) in den Gottes Acker iſt getragen vnd begraben worden.
(Franc: Petrarcha:)Si benè vis de te poſt mortem fama loquatur, Illuſtrem reddent te benefacta tua.
Wiltu daß dir nach deinem Todt /
Deß Lobs nachfolg ein guter Bott /
So zier Chriſtlich das Leben dein /
Solch Tugendt der letzt Ruhm wirdt ſeyn ꝛc.
Gedruckt zuNuͤrnberg/ durchAbraham Wagenmann.M DC XV.
[2][3]

Denen Edlen vnnd Vheſten Herren: Valentin Lothn / vnd Andreæ Mertzen / beyden Buͤrgern vnd Han - delsleuten zu Crembs: Deßgleichen Denen Edlen viel Ehr vnnd Tugentrei - chen Frawen: Mariæ Mertzin / vnd Margarethæ Kauxdorffin / Wittibn / als beyden Schweſtern: Meinen großguͤnſtigen Herren Gevattern / Gevatterinen / guten Freunden / erkanten geneigten Herren vnd Frawen / Gottes Gnad vnnd Segen durch vnſern Herrn JEſum Chriſtum / ſampt reichem vnd beſtendigem Troſt / deß heiligen Geiſtes zuvor.

EDle / Vheſte / freundliche liebe Herren vnd Gevattern / wie auch Edle Ehꝛn vnd Tugentreiche Fraw Gevatterin / vnd Fꝛeundin / Es mußja ein arm elend ding vmb einen Menſchen ſeyn / der nimmer oder ſelten an ſein End gedenckt / lebet[in]Wind da - hin / als ſolte er nimmermehr ſterben. Ein ſolcher(:) ijMenſch[4]Vorrede. Menſch kennet ſich ſelber nicht / kan auch inn der Welt wenig gutes außꝛichten / dieweil er nit weiß / wozu er geborn iſt. Nun findet man aber ſolcher Leut viel auff Erden / die deß Todts vnnd ſterbens nimmer gedencken / oder / wenn ſie ſchon andere da - von hoͤren reden / nemen ſie es nicht zu heꝛtzen / thun gleich als gieng es ſie nicht an / oder als duͤrfften ſie nicht ſterben. Solche Leut ſtehen jhnen ſelbſt im Liechtẽ / ſeynd Gott vngehorſam / vñ verachten ſein Wort / denn in Gottes Wort werden wir alle zu fleiſſiger betrachtung vnſers ſterbſtuͤndleins ver - mahnet / wie Syr: 7. ſpricht: was du thuſt / ſo be - denck das Ende / ſo wirſtu nim̃ermehr uͤbels thun. Ach es iſt doch ja vmb aller Menſchen Leben / ein arm elend vnd jaͤmmerlich ding / von Mutterleib an / biß ſie wider in die Erd begraben werden / die vnſer aller Mutter iſt / da iſt jmmer ſorg / Forcht / hoffnung vnd zu letzt der Todt / ſo wol bey dem der in hohen Ehren ſitzt / als bey dem geringſten auffSyr. 40. Ebr: 13. Job. 14. Erden / Mors ſervat legem, tollit cum paupere regem, ſo wol bey dem der Seyden vnd Kꝛon traͤgt / als bey dem der ein groben Kittel an hatt. Wir hoͤrens offt genug / daß wir hie kein bleibende ſtatt haben / vnd daß der Menſch vom Weib geborn eine kurtze zeit lebe / vnd voll vnruh ſey / gehet auff wie ein Blu - me / vnd alle ab / vergeht wie ein ſchatten vnd blei - bet nicht. Alles was auß der Erden kompt / mußwider[5]Vorrede. wider zur Erden werden / wie alle Waſſer widerSyr. 14 zuſammen lauffen. Es iſt der alte Bund du muſt ſterben / deñ alles Fleiſch verſchleuſt wie ein Kleyd / gleich wie die gruͤnen Bletter auffm Baum / etliche abfallen / etliche wachſen / alſo gehts auch mit den Leuten / etliche werden geborn / etliche ſterben / denn heut iſt der Menſch ſchoͤn jung vnd lang / ſihe mor - gen iſt er ſchwach vnd kranck / bald muß er auch gar ſterben / gleich wie die Blumen auff dem Feld / alſo muß auch die ſchnoͤde Welt / in einem hui verder - ben. Die zeit iſt kurtz / darzu vngewiß / ſehen wirsJob. 14. nit mit Augen / wie einer nach dem andern wie in einer Comœdi, abgehet / vnd wie dem Todtkeiner ent - lauffen oder ſich abkauffen koͤnne / wir wiſſen / daß uͤber das alles das anſehliche Luſthauß / die ſchoͤneLuc. 21. 2. Petri. 3. Welt ploͤtzlich vnnd vnverſehens uͤber ein hauffen fallen / in einen klumpen brennẽ vnd vergehen wer - de. Noch dennoch ſtehen wir vns ſelbſt im Liecht / haben weltſuͤchtige Hertzen / lieben weltfluͤchtige ding / hengen auch wol vnſer Hertz dran / tichten vñ trachten nach dem vergaͤnglichen / frewen vns der Welt wider den trewen Rath S. Johannis / der 1. Johan 2. Cap. alſo ſpricht: Habt nit lieb die Welt / noch was in der Welt iſt. Vnd deß HerꝛnMatth. 6. Chriſti ſelbſt: Jr ſolt euch nicht ſchaͤtz ſamblen auff Erden / do ſie die Motten vnd der Roſt freſſen / vnd da die Dieb nachgraben vnd ſtehlen / ſamblet euch(:) iijaber[6]Vorrede. aber Schaͤtz im Himmel / da ſie weder Motten noch Roſt freſſen / vnd die Dieb nicht nachgraben noch ſtelen.

Vnter dieſen Kindern der Welt ſeyn etliche / die weder Tag noch Nacht ruhe haben / vnnd deß Gelts nicht ſatt werden koͤnnen / denn quo plus ſunt potæ, plus ſitiuntur aquæ, wie die Waſſerſuͤchtigen / je mehr ſie trincken / je mehr geluſt vnd durſt ſie / creſcit amor nummi, quantùm ipſa pecunia creſcit: je mehr ſie haben / je mehr ſie haben woͤllen ꝛc. Vnnd wenn ſie denn Gelt vnd Gut geſamlet haben / ſo hengen ſieMatth. 6. jre Hertzen dran / wie Chriſtus ſelbſt ſagt / wo ewer Schatz / do ewer Hertz / dem trewen Rath deß liebẽ Davids zu wider in ſeinẽ 62. Pſ: Fellt euch reich - thumb zu / ſo hengt das Hertz nit dran. Thun nichtJob. 13. wie der liebe Job ſich deſſen mit Warheit ruͤhmet / da er ſpricht: Hab ich das Gelt zu meiner Zuver - ſicht geſtellt / vnnd zu dem Goldtklumpen geſagt / mein Zuverſicht? hab ich mich gefrewet / daß ich groß Gut hat / vnd meine Haͤnd allerley erworben hetten? ꝛc. damit hette ich Gott verleugnet von oben. coloſſ. 3.Denn der Geitz iſt ein Abgoͤtterey durch GOttes zorn uͤber die Kinder deß Vnglaubens kommen: Vnd es ſoll kein geitziger / welcher iſt ein Goͤtzendie - ner erbtheil haben am Reich Chriſti vnnd GOt -Epheſ. 5. 〈…〉〈…〉 tes. Denn die da woͤllen reich werden / fallen in1. Tim 6. verſuchung vnd ſtrick / vnd viel thoͤrichter vñ ſchaͤd -licher[7]Vorrede. licher luͤſte / welche veꝛſencken die Menſchen ins ver - derben vnd verdamnuß / dañ der Geitz iſt ein wuꝛ - tzel alles uͤbels. Solche Weltratzen laſſen mit - ler weil jhre arme Seel noth vnnd hunger leyden / ſchaffen derſelben keinen Vorrath / kommen ſelten in die Kirchen zum gehoͤr Goͤttliches Worts / vnd zum gebrauch der H. Hochwuͤrdigen Sacramen - ten / jhr Mammon leſt ſie dahin nicht kommen / vnd ob ſie ſich gleich bißweilen in die Kirch verirren / vnnd hinein kommen / ſo ſeynd ſie doch niemand nutz / mit dem Leib ſeynd ſie wol gegenwertig / aber mit jhren Gedancken gehen ſie anderſtwo vmb ſpa - zierẽ / weſſen das hertz voll iſt / Ey ſprechen ſie ſelbſt: verzeyh mirs GOtt / das fiel mir heut in der Pre - digt ein / Jch dacht / der hawer wirdt auff dich warr - ten / der wirdt dir Gelt bringen / wenn er nur nicht wider weg gieng / Oder wie wirds daheim zugehẽ / der ſoll dich heut bezahlen ꝛc. vnnd was dergleichen mehr iſt. Drauß kan man leichtlich ſpuͤren vnd ab - nemen / was ſolche Leut in der Kirchen / wenn ſie auch einmal hinein kommen / nutz ſeyn / ſie bekuͤm - mern ſich viel 1000. mal mehr vmb das zeitliche als vmb das ewige.

Do auff ein zeit S. Bernhardus uͤber LandHiſtorla[]S. Bernhar - do. reiſet / begegnete jm ein Wandersmann / der ſprach jn vmb ein zehrung an / S. Bernhardus ſahe bald / daß er ein rechtes Weltkind war / vnnd ſpricht zu jhm:Diß[8]Vorrede. Diß Pferdt wil ich dir ſchencken / ſo du ein Vatter vnſer mit andacht / ohne frembde gedanckẽ außbet - ten wirſt. Dieſen vorſchlag nam er mit frewdẽ an / gieng hin vnd bettet ein Vatter vnſer / kam wider vnd fodert das verſprochene vnd zugeſagte Pferdt. S. Bernhardus fragt jn auff ſein Gewiſſen / ob er dasEin Jag - hund leſts jhm ſawr werden / biß er den Haſen fengt / vnnd geneuſt jhn doch nicht. Vatter vnſer auch ohn alle frembde gedancken ge - betet hatt / da ſolt er die warheit rundt herauß ſa - gen? da gab er zur antwort / daß es nicht geſchehen ſey / denn da er mitten im Gebet geweſen war / ſey jm in ſinn gefallen / ob er jm auch den Sattel beym Pferdt laſſen wuͤrde? dieſer ließ jhm den geringen ſattel viel mehr angelegen ſeyn / dann den groſſen Gott wolgefaͤlligen Gottesdienſt / vnnd muſt doch eins mit dem andern entberen.

In vitis pa - trum. Nun iſt es ja wol nicht ohn / es lauffen jederzeit boͤſe Gedancken mit vnter / aber mit dem Schwert deß Geiſtes ſollen wir ſie zu ruͤck treiben. Wie wir den Voͤgeln nit wehren koͤnnen / daß ſie vns - ber das Haupt fliegen / alſo koͤnnen wir boͤſen ein - failenden Gedancken nicht wehren: das aber koͤn - nen wir den Voͤgeln wol wehren / daß ſie vns in die Haar nit Neſt machen / Alſo koͤnnen vnd ſollen wir den boͤſen Gedancken mit huͤlff deß H. Geiſtes weh - ren / daß ſie in vnſer Hertz nicht niſten.

Einred.

Allhier[9]Vorrede.

Allhier finden ſich zween hauffen: Weltweiſe vnd Epicurer / welche dieſe Red nicht recht verſtehen. Die Weltweiſen moͤchten ſagẽ: Non tibi per ventos aſſa columba venit. Alle Staͤnde / ſprechen ſie / muͤ - ſten dadurch auffgehoben werden / wenn niemand ſorgen ſoll. Auff der andern ſeit aber hoͤrens die Epicurer gerne / vnd ſprechen: weil man ſich vmbs zeitliche nicht ſoll bekuͤmmern / ſo woͤllen wir froͤ - lich vnd guter ding ſeyn. Aber mercket ein rechten Bericht.

Sorg iſt zweyerley / eine Chriſtliche vnnd noͤ - tige / vnd ein Vnchriſtliche vnd vnnoͤtige ſorg. Die erſte iſt ein gute / nothwendige vnd von Gott gebot - tene Amptsſorge / die ander ein boͤſe / vnnoͤtige vnd Heidniſche Bauchſorge.

Erſtlich Lehrer vnd Prediger / Obrigkeit vndGen. 3. Pſal. 128. Syr: 7. Regenten / Vaͤter vnnd Haußvaͤter ꝛc. ſollen jhren aͤmptern mit trewem fleiß fuͤrſtehen / vnnd das iſt GOttes ernſtlicher will. Darumb ſagt S. Paulus Rom. 15. Hat jemandt ein Ampt / ſo warte er deß Ampts / lehret jemandt / ſo warte er der Lehr / er - mahnet iemandt / ſo warte er deß ermahnens / gibt jemandt / ſo gebe er einfaͤltiglich / regiert jemand / ſo ſey er fleiſſig / uͤbet jemand Barmhertzigkeit / ſo thue ers mit guten willen.

Alſo iſt Paulus fuͤr ſeine Gemeine ſorgfeltig / vnnd vermahnet auch andere zu ſolcher Nachfolg. (:) (:)Actor. 20.[10]Vorrede. Actor: 20. Jn der Epiſtel Ebr. 13. Item Ezech. 33. wirdt ge - ſagt / daß ſie fuͤr jhre Schaͤflein am juͤngſten Tag ſollen rechenſchafft geben / wie ſolten ſie denn nicht ſorgfaͤltig ſeyn?

Gen. 29. 31. 41.Alſo iſt Moſes, David, Hiskia, Ioſias &c Jn ſeinem Ampt fleiſſig vnd ſorgfaͤltig.

1. Tim. 3 5. Syr. 11.Jtem alſo ſoll auch ein Haußvatter gebuͤrli - cher weiß fuͤr die ſeinen ſorgen / denn ſo jemandt die ſeinigen nicht verſorget / der iſt aͤrger als ein Heyd / (ja als ein vernuͤnfftig Thier) vnd hat den Glauben verlaugnet. 1. Timoth. 5. Jſt alſo die Ampts ſorg keines weges verbotten.

Es hat vnſer HErꝛ Gott als ein weiſer GOtt den Menſchen allein alſo geſchaffen / dz er ſeine Au - gen auffwerts kehret / vnd ſeine Augen nicht wie al - le andere Thier vnterwerts hengt / jhn darduͤrch zuWarfuͤr der Menſch ſorgen ſolle. lehren / daß er nicht zu dieſem zeitlichem Leben / vnd was darzu gehoͤret / geſchaffen ſey / wie alle andere Thier / ſondern daß er ſeine Augen gen Himmel zu ſeiner rechten manſion, vnd ſeinem ewig bleibenden Vatter landt auffheben / vnnd das da droben iſt ſu - chen / vnnd ſeinen wandel im Himmel haben ſoll. Denn allhier ſeyn wir nur Gaͤſt / Haußgenoß vnd Pilgram / vnd wiſſen nicht / weñ vns Gott die Heꝛ -Eccl. 9. berg auffſagt.

In vitis patrum leſen wir von einem Krancken / vmb welchen viel Menſchen geſtanden vnd gewei - net haben / da hab hergegen der Krancke drey mal[11]Vorrede. angefangen zu lachen ꝛc. da er nun vmb die vrſach deß lachens gefraget ward / hat er geantwortet: Erſtlich hab er gelacht / daß niemand gedencke / daß er auch ſterben muͤſſe. Zum andernmal hab er ge - lacht / daß ſich jederman fuͤr dem todt zu ſehr fuͤrch - te / vnd kuͤndte jm doch keiner entlauffen. Zum drittẽ hab er fuͤr groſſen frewden gelacht / daß er nur ein - mal auß dieſem Jam̃erthal / zur ewigen Frewd / da - hin jn vnſer lieber Herꝛ Chriſtus bald holen wirdt / kommen ſoll.

Wir ſollen vns bey zeit zu ſterben ſchicken / vnd mit dem todt gute kundtſchafft machẽ / vns fuͤr dem - ſelbigen nicht zu ſehr fuͤrchten / weil er nur die thuͤr vnnd pforten iſt / dadurch wir zum ewigen Leben eingehen.

Ariſtoteles der hochgelerte Philoſophus pflegte zu ſagen: die ding ſo gar weit von vns ſeynd / fuͤrchtet man nicht / vnd achtet ſie gering. Ob wir MenſchẽStobœuſ wol alle wiſſen / daß vns nichts naͤhers iſt als der todt / ſo ſoll man jn doch nicht fuͤrchten / ſondern ge - ring achten.

Viel mehr der an Chriſtum glaubet / wirdt den todt wenig fuͤrchten / ſondern jn getroſt verachten.

Von S. Martino ſteht geſchrieben / da er ſterben ſolt / da ſtundt der Todt abſchewlich bey ſeinem bett zum fuͤſſen / da ſprach Martinus vnerſchrocken zu jm: Quid tu hîc ſtas horrenda beſtia? nihil habes in me. (:) (:) ijDas[12]Vorrede. Das iſt ein rechtes glaubens Wort geweſen. Von S. Vincentio lieſet man / da er hat ſterben ſollen / daß er das abſchewliche Todtenbildt fuͤr jhm hab ſtehen ſehen / hat er geſagt: was wiltu Todt? meynſtu / du kanſt etwas an den Chriſten gewinnen? weiſtu nicht daß ich ein Chriſt bin? Alſo ſollen wir den Todt auch lehrnen verlachen vnd verſpotten. Jſt doch ſterben nur vnſer gwin / darumb Simeon vnd Paulus begeren abzuſcheiden / vnnd bey ChriſtoPhiliv.[1]. Luc. 2. zu ſeyn.

S. Auguſtinus ſchreibt von 3. Biſchoffen / die gern geſtorben ſeyn ꝛc. der eine / da jhn gute Leut in ſeiner Kranckheit erſuchten / vnd zu jhm ſprachen: Lieber Herr / wenn es Gottes willen wer / daß jhr noch eine zeit auff Erden leben ſollet / koͤndtet jhr noch vielen nutz ſeyn. Da habe er drauff geant - wortet: Si nunquam, benè: ſi aliquando, cur non nunc? darff ich kein mahl ſterben / ſo iſt es wol gut: ſoll vnd muß ich aber einmahl ſterben / warumb ſolt ich deñ jetzt nicht ſterben?

Von einem andern ſchreibt er / daß er erſtlich zwar nicht gerne geſtorben were / vnnd hett GOtt fleiſſig vmb erlengerung ſeines Lebens gebeten:Auguſtinus Din vivere eſt diu tor - queri. Lang leben iſt Langim Einsmals aber ſey jhm ein ſchoͤner Juͤngling er - ſchienen / vnd hab zu jhm geſagt: Pati non vultis, exi - re non vultis, quid amplius vobis faciam? Leyden wolt jhr nicht / (wie denn der Menſchen Leben nur einſtetigs[13]Vorrede. ſtetigs Leyden iſt) ſterben wolt jhr auch nicht / wasVngluͤck ſchweben. ſoll ich dann mit euch weiters thun? drauff hab er ſich GOtt befohlen / vnd ſey gerne geſtorben.

Von S. Ambroſio ſchreibt er: da jhn in ſeiner Kranckheit etliche vermahneten / er ſolte GOTT bitten / daß er jn lenger leben ließ / hab er geantwor - tet: Non ſic vixi inter vos, ut me diutiùs vivere pudeat: nec mori timeo, quia propitium habemus Dominum. Jch hab bey euch alſo gelebt / daß ich mich lenger zu leben nicht ſchaͤmen duͤrfft / ich duͤrfft mein Huͤt - le nicht fuͤr die Augen ziehẽ: hergegen aber fuͤrcht ich mich auch nicht zu ſterben / denn ich weiß daß wir einen gnaͤdigen HErrn vnd GOtt haben.

Da jemandt nun fragen wolt / was er thun ſolt / vnd wie er einen anfang machen ſolt zu ſterben lernen: der hoͤre was jn Chriſtus lehret: thut buß /Mar[c. ][1]. ſagt er / vnd glaubet dem Evangelio. Jtem S. Io - hannes, thut buß / das Himmelreich iſt nahe herbey kommen. Die Buß ſollen wir nicht auffſchieben / biß vns die Seel auff der Zungen ſitzt / vñ der Todt die zween beſten Freund / Seel vnd Leib von einan - der ſcheidt / denn der Menſch weiß ſeine zeit nicht /Eccle. 9. ſondern wie die Fiſch gefangen werden mit einem ſchaͤdlichen Hamen / vnnd wie die Voͤgel mit einem ſtrick gefangen werden / ſo werden auch die Men - ſchen beruckt zur boͤſen zeit / wenn ſie ploͤtzlich uͤber ſie faͤllt.

(:) (: (iijDrumb[14]Vorrede.

Drumb ruffen vnd ſchreyen die Propheten im alten Teſtament / Johannes der tauffer / die heiligẽ Apoſteln / vnd vnſer Herꝛ JEſus CHriſtus ſelbſt vnd vermahnen zur Buß.

Zach. 1. Kehret euch zu mir ſpricht der HErꝛ Ze - baoth / ſo wil ich mich zu euch keren / ſeyd nicht wie ewre Vaͤter / welchen die vorigẽ Propheten predig - ten / vnd ſprachen / ſo ſpricht deꝛ Herꝛ Zebaoth: Ke - ret euch von ewꝛen boͤſen wegen / vnd von ewꝛem boͤ - ſen thun / aber ſie gehorcheten nicht / vnnd achteten nicht auff mich. Wo ſind nun ewre Vaͤter? leben ſie auch noch? iſts nicht alſo / daß meine Wort ewre Vaͤter haben troffen?

Syr. 5. Verzeuch nicht dich zum Herꝛn zu be - keren / vnnd ſchieb es nicht auff von einem tag zum andern / denn ſein zorn kompt ploͤtzlich / wirds re - chen vnd dich verderben.

Syr. 18. Spare dein buß nicht biß du kranck wirſt / ſondern beſſere dich weil du noch ſuͤndigen kanſt / verzeuch nicht fromb zu werden / vnnd harꝛe nicht mit beſſerung deines lebens biß in den Todt.

Syr. 21. Mein Kind haſtu geſuͤndigt / ſo hoͤꝛe auff / vnd bitte / daß dir die voꝛigen auch vergeben weꝛdẽ.

Jn alten Hiſtoꝛien liſt man von einem Edlmañ / Chryſaurus genant in der Provintz Valeria, welcher ein Gottloſer Menſch geweſen / vnd ohn alle fuꝛcht Gottes gelebet / da dieſer nun ploͤtzlich kꝛanck wird / da hat er geſehen die Teufel in ſchroͤcklicher ſcheuß -[15]Vorrede. licher geſtalt zu jm eindringẽ / die jn mit gewalt weg nemen wolten ꝛc. da hat er erbaͤrmlich geſchryen / ſeinem Sohn Maximo vnd dem Haußgeſind geruf - fen / die ſeyn zwar als bald zugelauffen / haben jhmQui non eſt hodie, cras minus aptus erit. aber weder rathen noch helffen koͤnnen / wie er nun die grimmigen boͤſen Geiſter geſehen / daß ſie nicht ablaſſen wolten / hat er ſehr klaͤglich geſchryen: Ah inducias uſq; manè, inducias uſq; manè. Ach ich bitte vmb friſt vnd auffſchub biß auff morgen. Aber ver - gebens hat er gebetẽ / ſondern iſt mit ſolchem ſchꝛeck -Cras eras. lichem gſchrey dahin gefahren / da lachen zu ver - beiſſen iſt. Das heiſt recht: Mors peccatorum eſt peſ - ſima. Den Gottloſen wirdt das Vngluͤck toͤdten. Pſalm 34.

Das iſt nun ein vrſach / warumb wir vns mehꝛ vmb das ewige / als vmb das zeitliche bekuͤmmern ſollen. Wir ſollen bedenckẽ / wie vnſer Leben ſo kurtz vnd vngewiß / vnnd daß wir kein Augenblick vnſers Lebens ſicher ſeyn. Denn vnſer Leben iſt wie ein dampff Jacob. 4. Vnnd Gottes zorn kompt ploͤtzlich Syr. 5. Drumb ſpricht auch David im 95. Pſalm / hodie, hodie, cum audieritis vocẽ domini, heute / heute / wenn jr die ſtimm deß HErꝛn hoͤret / ſo verſtocket ewre Hertzen nicht ꝛc.

So wiſſen wir auch / daß die buß in jenem Leben keinẽ platz hat / auffs fegfewr doͤꝛffen wir nit hoffen / non exibis indè wirds heiſſen / ſo ſchlaffẽ die vigilien, ſeel - meſſen ſind geſſen vñ vergeſſen / da heiſt es / entweďvmbge -[16]Vorrede. vmbgekehrt / oder ewig verlohren. Die ander vꝛ - ſach / daß wir mehr vmb das ewige als vmb das zeitliche vns bekuͤmmern ſollen / iſt daß der juͤngſte Tag nicht weit ſeyn kan. Die Alten haben pfle - gen zu ſagen: Es ſoll der Menſch ſtets an viererley gedencken. 1. An die Schoͤpffung. 2. An die Suͤndflut. 3. An das bitter Leyden vnnd Sterben vnſers HErrn JEſu Chriſti. 4. An das juͤngſte Gericht. Das ſind ſolche 4. ſtuͤck / die wir ohn vnterlaß bedencken ſollen. Denn Alt vnd New Teſtament bezeugen / daß am juͤngſten Tag ein ernſt Gericht folgen wirdt uͤber alle Men - ſchen / darinnen den frommen das verheiſſene ewi - ge Gut gaͤntzlich ſoll uͤbergeben / die boͤſen aber zum ewigen Verdamnuß ſollen verſtoſſen werden / wie ſolches folgende Zeugnuß beſagen. Pſal. 9. Der HErꝛ hat ſeinen Stul zubereitet zum Gericht.

Eſa. 66. Sihe der HErꝛ wirdt kommen mit Fewr / vnnd ſeine Wagen wie ein Wetter / daß er vergelte den grimm ſeines zorns ꝛc. Gleich wie ein großmaͤchtiger Herꝛ / wenn er ſeinen Feind an - greiffen wil / die Heertrummel / die Trom̃eten ſchal - len / vnd ein Feldtgeſchrey hoͤren laͤſſt / Alſo wirdt der HErꝛ auch ſeine heilige Engel in die Tromme - ten ſtoſſen vnnd blaſen laſſen. Dann er wirdt2. Theſſ. 4. kommen mit viel 1000. Engeln. Luc. 21. Alsdenn[17]Vorrede. denn werden ſie ſehen deß Menſchen Sohn kom - men mit groſſer krafft vnd Herꝛligkeit.

Matth. 24. Als denn werden heulen alle Geſchlecht auff Erden / vnd werden ſehen kommen deß Menſchen Sohn in den Wolcken deß Him - mels mit groſſer krafft vnd Herrligkeit / vnd er wird ſenden ſeine Engel mit hellen Poſaunen / vnnd ſie werden ſamblen ſeine Außerwehlten von den vier Winden / von einem End deß Himmels biß zum andern.

2. Theſſ. 1. Wenn nun der HERR JEſus wirdt offenbaret werden vom Himmel ſampt den Engeln ſeiner krafft / rach zu geben uͤber die ſo Gott nicht keñen / vnd uͤber die ſo nicht gehoꝛſam ſeyn dem[E] vangelio vnſers HErꝛn JEſu Chriſti.

Malach. 4. Siehe es kompt ein tag der bꝛen - nen ſoll wie ein Ofen / da werden alle Gottloſe ſtꝛoh ſeyn / vñ der kuͤnfftige tag wird ſie anzuͤnden ſpꝛicht der HERR Zebaoth / vnd wirdt jnen weder zweig noch wurtzel laſſen. Euch aber die jhr mei - nen Namen fuͤrchtet / ſoll auffgehen die Sonn der Gerechtigkeit ꝛc.

Eſaiæ 51. Die Himmel werden zergehen wie Rauch / vnd wirdt alles liechter lohe brennen. E - wiger GOtt ſchroͤcklich iſts wenn ein Hauß bren - net / viel ſchroͤcklicher wenn ein Dorff / viel viel(:) (:) (:)ſchroͤckli -[18]Vorrede. ſchroͤcklicher wenn ein ſchoͤne groſſe wolgebawte Stadt / am ſchroͤcklichſten wenn ein gantz Land brennet. Aber wie ſchroͤcklich wirdt es ſeyn / wenn die gantze Welt / ja Himmel vnnd Erden zugleich brennen / vnd mit groſſen knallen uͤber ein hauffen fallen werden. Daran ſollen wir gedencken / vnnd vnſere ſachen alſo anſtellen / daß wir entfliehen moͤ - gen allem Jam̃er ſo uͤber die Gottloſen gehen wird. S. Bernhar - dus. Denn an dem Tag werden reine Hertzen mehꝛ gel - ten denn verſchmitzte Wort / ein gut gewiſſen wirdt beſſer ſeyn / denn ein Beutel voll Gelts. Denn da wirdt ein ſolcher Richter ſeyn / welchen niemand wirdt mit Worten teuſchen / noch mit Gaben ſte - chen koͤnnen. Solches iſt nicht allein den Gottloſen zu hoͤren ſchroͤcklich / ſondern auch die from̃en muͤſ - ſen ſich etlicher maſſen dafuͤr entſetzen / damit ſie jꝛer ſach deſto mehr in Gottes furcht war nemen.

Wie vns der alte Lehrer Hieronymus mit ſei - nem Exempel erinnert / da er ſpricht: Quoties diem illum conſidero: toto corde contremiſco, & ſive come - do, ſive bibo, ſive quid aliud facio, ſemper videtur illa tu - ba in auribus meis ſonare: Surgite vos Mortui & venite ad judicium: So offt ich an den juͤngſten Tag ge - denck / ſo erzittert vnd bebet mein Hertz im Leib / denn wenn ich eſſe oder trinck / oder was ich ſonſt jmmer thue / ſo deucht mich allwegen / alſo hoͤreteich[19]Vorrede. ich die ſtimme der letzten Poſaunen in meinen Oh - ren klingen: Steht auff jhr Todten / vnd kommet fuͤrs Gericht / daher haben die Alten gar fein ge - ſagt: Memento tubæ domini & vocis Archangeli. Bilde dir ein / als hoͤreſtu die Poſaun GOttes vnd vnd deß Ertzengels ſtimm.

Daher leſen wir von eim Koͤnig / welcher jm - mer trawrig geweſen / vnd ſelten gelacht habe: der - wegen die Hofdiener den Bruder deß Koͤnigs an - langeten / daß er doch mit freundlichen fragen vom Koͤnig erforſchen wolte / die vrſach ſeiner ſtetswe - renden trawrigkeit. Da es nun geſchach / gab der Koͤnig dem Bruder antwort / Er wolte es jm den andern tag anzeigen. Alſo ließ der Koͤnig ein tief -Ex ſpeculo Exemplorũ diſtincto capit. 209. fe Gruben machen / die fuͤllet er halb voll mit gluͤen - den Kolen / uͤber ſolche Gruben ſetzt er einen alten gar boͤſen ſtul / vnd uͤber ſolchen ſtul hieng er oben uͤber ein bloſſes Schwert / an einen geringen Fa - den / vnd ſatzte hart uͤber die Gruben uͤber ein tiſch voller koͤſtlicher Speiß vnd tranck / ließ alſo ſeinen Bruder auff den alten boͤſen ſtul ſitzen / ließ auch vier gewapneter Maͤnner den Bruder mit bloſſen Schwertern vmbgeben / alſo daß jm einer voꝛn mit einem Schwerdt drawet / der ander in ruͤcken / der dritte in die rechte ſeitte / der vierdt in die lincke ſeite / zu erſtechen. Auch ließ der Koͤnig fuͤr den Tiſch kommen / die Trom̃eter vnd allerley Seitenſpieler /(:) (:) (:) ijdie[20]Vorrede. die muſten auffs lieblichſte hofieren / vnd ſagte ent - lich der Koͤnig: Nu lieber Bruder / da vnd tꝛinck / vnd mache dich gantz froͤlich. Antwort der Bꝛu - der / ſagende: Ey lieber Bruder / wie ſoll ich froͤ - lich vnd guter dinge ſeyn / dieweil mich ſo viel vnfall auff allen Orten aͤngſtiget. Sehe ich vnter mich / ſo ſind die gluͤenden kolen da / uͤber mich ſehe ich das ſcharffe ſchneident Schwerdt / fuͤr mich ſehe ich voll den Tiſch / wenn ich mich darzu buͤcken wuͤrde / ſo wuͤrde der Stul brechen vnd fallen / wie ſoll ich deñ koͤnnen eſſen / trincken oder froͤlich ſeyn? hierauff antwort der Koͤnig / wolan / lieber Bruder / ſihe wie dir jetzt zu muth iſt / alſo iſt mir allwege zu muth / denn wenn ich uͤber mich ſehe / ſo erkenne ich meinen Richter / der mich hat zu richten / ſehe ich vn - ter mich / ſo betrachte ich die ewige Verdamnuß deß helliſchen Fewrs / ſehe ich hinter mich / ſo erkenne ich meine Suͤnde / daß ich uͤbel gelebet / ſehe ich fuͤr mich / ſo ſehe ich / vnd erkenne / daß ich ſterben muß / ſehe ich auff die ſeiten / ſo ſehe ich die Teufel / die mir alles boͤſes zufuͤgen woͤllen / vnd mir nach Leib vnd Seel ſtehen.

Weil ich denn ſolches zu betrachten pflege / da dencke nun wie leichtlich vnnd kurtzweilig mir es in dieſem Leben ſeyn ſolte.

Ah qui non credit judicium filius Sathanæ eſt: Dasſeyn[21]Vorrede. ſeyn alle die jenigen / die nach dem pauß mit der wil - den Ganß in tag hinein leben / ſich nicht beſſeꝛn noch buſſe thun.

Drumb ſollen wir vnſeꝛe ſachen alſo anſtellen / daß wir moͤgen entfliehen allem jammer / welcher uͤber die Gottloſe Welt / vnd alle Gottes Veraͤchter ergehen wirdt / auff daß wir wuͤrdig ſeyn moͤgenLuc. 21. zuſtehen fuͤr deß Menſchen Sohn.

Daß ich aber dieſe Predigt / die ſchlecht vnnd recht iſt / vnter E. E. V. Namen in offen Druck ge - geben hab: hat mich bewogen. Erſtlich: dieweil viel vernuͤnfftiger Heiden / auß natuͤꝛlichem Liecht / die Vndanckbarkeit fuͤr ein ſonderlich groß Laſter gehalten / daher auch Martialis ſagt: Dedecus eſt ſem - per ſumere, & nihil dare: Es iſt ein ſchandt allzeit nemen / vnd kein mal etwas wider geben / vnd fuͤr empfangene Wolthat ſich danckbar erzeigen ꝛc. Ey ſo wil vns Chriſten beym Liecht deß heiligen Evangelii ſo viel mehr gebuͤren / daß wir nach er - foderung der Gerechtigkeit fuͤr empfangene Wol - thaten danckbar ſeyn.

Nun hab ich mich wol zuerinnern / ſondeꝛlicher Gunſt vnd befoͤꝛderung / auch mannigfaͤltiger gꝛoſ - ſen Wolthaten / die nicht allein die nunmehr in GOTT ruhende Fraw ſelige an mich gewendet /(:) (:) (:) iijſon -[22]Vorrede. ſondern auch E. V. vnd H. ſaͤmptlich ſampt allen den jhrigen / mir vnd den meinigen / erzeiget vnnd beweiſet haben / ſo erkenne ich mich je ſchuldig vndDat pyra dat poma, qui non ha - bet alia do - na. Actor. 3. willig / ſolches mit allem ſo lang ich leb mit Wor - ten Chriſtlich zu ruͤhmen / ſondern auch mit dem Werck danckbar zu ſeyn. Doch nach meinem be - ruff vnd geringen vermoͤgen: Denn der nicht hat Silber vnd Gold mit Petro zu geben / der geb was er kan vnd hat. Nun weiß vnnd hab ich anders nichts / deñ daß ich als ein armer Diener am woꝛt bißweilen ein Spruͤchlein / Hiſtoriam oder Gleich - nuß / auß Goͤttlicher Schrifft fuͤr mich neme / vnd nach den geringen gaben ſo mir GOtt verliehen / durch anleitung vieler fuͤrnemer gelerter Leut / mit fleiſſiger nachdenckung / nachſuchung / nachfor - ſchung / erkleꝛung vnd außlegung mir vnd andern nutz mache. Als habe ich zu dieſem mal dieſe Leichpredigt ſo viel GOtt gnad verliehen / zum zei - chen der danckbarkeit E. E. V. vnd H. zugeſchrieben vnd dedicirt, mit fꝛeundlicher bitt / E. E. V. vnd H. woͤllen dieſe wolmeinende Arbeit von mir armen Predigern / zu gutem gefallen auffnemen. Dar - nach zum andern: dieweil die Chriſtliche Fraw ſeliger andenckens / hie in dieſem Jammerthal eine geraume zeit der Muͤhſeligkeit dieſes duͤrfftigenelenden[23]Vorrede. elenden Lebens / vnterworffen geweſen / vnd da jhr GOTt das Leben laͤnger gefriſtet: (wie wir denn neben jhr alle von Hertzen von GOtt baten / da es ſeiner Goͤttlichen Majeſtaͤt gefaͤllig / die woͤl - le jhr noch ein Jaͤhrle das Leben gnaͤdigſt guͤnnen) noch mancherley Vnruhe gehabt hette / vnnd viel Widerwertigkeit hett außſtehen muͤſſen. Nun aber hat ſie GOTt von allem Vbel gnaͤdiglich er - loͤſet / vnd ſie in das rechte Vatterlandt abgeholet. So bin ich Zweyfels frey / jhr werdet jhr den gu - ten getroffenen Wechſel gar gerne goͤnnen: Weil jhr geſehen vnnd wiſſet / daß ſie ein frommes vnnd gehorſames Kind GOTtes geweſen / die im Glauben Chriſtlich gelebet / auch ſanfft vnndLuc. 8. ſtill im Friede von euch abgeſchieden iſt. Vnnd ob jhr wol / wie vermutlich vnd nicht vnrecht / uͤber jhrem ſeligen Abſchied hertzlich ſeyd betruͤbet worden: So hoff ich doch / jhr werdet durch GOTtes dargeliehene Gnade / ewer Trawrig - keit meſſigen / Troſt vnd Hoffnung faſſen / vnd die gantze Sache dem Vater alles guten heim - ſtellen. Sie iſt nun hindurch vnnd hat uͤber - wunden / da wir hergegen manchen Schweiß werden laſſen muͤſſen / ehe es vns ſo gut wer - den wirdt / daß wir zu jhr kommen werden. Der[24]Vorrede. Johan. 5.Der HERR deß Todts wirdt ſie am juͤñgſten Tag / vermoͤg ſeines Worts / froͤlich vom Todt1. Cor. 2. aufferwecken / vnnd jhr viel ein beſſer Leben geben / denn ſie geha[b] t hat / in ewiger Frewd vnnd Selig - keit / die kein Aug geſehen / kein Ohr gehoͤret / auchMatth. 13. Dan. 12. in keines Menſchen Hertz kommen iſt: da die ge - rechten werden leuchten wie die Sonn / in jres Va - ters Reich jmmer vnd ewiglich.

Zum dritten / macht die Schrifft ein vnter - ſcheidt zwiſchen dem Todt der Gottloſen vnd from -Pſalm. 9. men. Von den Gottloſen ſtehet Pſalm 9. Periit memoria ipſorum cum ſonitu: Jr Gedaͤcht - nuß iſt ſampt jhnen vmbkommen: das iſt: Jhrer wirdt vergeſſen im guten / oder da ja jhrer gedachtSyr. 3. wird / ſo geſchichts wie deß Pilati vnd Herodis, Drumb ſagt Syr. 10. GOtt hat ſie verdor - ren laſſen vnd verſtoͤhret / vnnd jhren Namen ver -Pſalm 34. Bernhardus tilget auff Erden. Den Pſalm 34. Mors pec - catorum peſsima, quorum nativitas mala, & vita peior eſt: Die Gottloſen ſtifften ſeltenAuguſtinus was guts / auch an jhrem End / denn qualis vi - ta fuit, talis plerumq; eſt & exitus, & non poteſt, qui benè vixit, malè mori, & vix benè moritur, qui malè vixit. Die From -men[25]Vorrede. men aber / wie ſie wol gelebet / alſo ſcheiden ſie auch ſeliglich von dannen / vnnd laſſen hinterſich ewiglich ein guten Namen / Wie David ſagt in ſeinem 112. Pſalm: In memoria æterna e -Pſal. 112. rit juſtus: Deß gerechten wirdt nimmermehr vergeſſen. Alſo gedenckt Syrach deß Manns Gottes Moſis: der aller Welt lieb vnnd werthSyr. 45. war / vnd beyde GOtt vnd Menſchen jm hold wa - ren / vnd ſetzt hinzu cujus memoria ſit in bene - dictione, deſſen Name hoch gepreiſet werde. Je - derman redet guts von jhnen weil ſie leben / vnnd wenn ſie todt ſeyn / ja ſie gelten fuͤr GOttes Ange - ſicht viel: Pſal. 116. Precioſa eſt mors ſan -Pſal. 115. ctorum ejus, in conſpectu Domini: der todt ſeiner Heiligen iſt werth gehalten fuͤr dem HErren. Ambroſius ſchreibt vom Keyſer Theodoſio Pio:

Dilexi virum, quia cum corpore ſol - veretur, magis de ſtatu Eccleſiæ, quàm de ſuis rebus angebatur &c. Das iſt:
Wie war mir das ein hertzlieber Mann /
Daß ich ſeiner nicht vergeſſen kan /
Da es mit jhm kam an das End /
Befahl er ſein Seel in Gottes Haͤnd /
(:) (:) (:) (:)Fuͤr[26]Vorrede.
Fuͤr die Kirch ſein hoͤchſte Sorg war /
Sein Leben acht er nicht ein Haar.

Rom. 8. Matth. 1. Rom. 4.Weil denn die Fraw ſelige auch eine auß der ſchaar der gerechten vnd gehorſamen Kinder Got - tes / vnnd ein ſchoͤner Zuͤchtſpiegel geweſen iſt: ſo iſts je billich daß man jrer gedencke in allen Ehꝛen / jhren Namen nimmermehr vergeſſe.

Letzlich vnnd zum beſchluß / ſo habe ich den boͤ - ſen rohen vnnd ſichern vnbußfertigen einen Zorn - ſpiegel Goͤttlicher gerechtigkeit fuͤr die Augen ſtel -Rom. 5. ten woͤllen / darinnen ſie ſich wol beſehen moͤgen /Tit. 3 Epheſ. 5. wie zornig GOtt uͤber die Suͤnde ſey / vnnd vmb derſelben willen dem Todt den Zuͤgel ſo lang leſt / daß er auch die frommen / die doch mit dem Blut Chriſti gereinigt / dem zeitlichen Todt vnterwerf -Syr. 5. fe: wie ſie dermal eins / wofern ſie in der zeit derPſalm. 95. Gnaden nicht buß thun / vnnd ſich zu dem HErrn jhrem GOtt bekehren werden / nicht allein dem zeitlichen / ſondern dem ewigen todt werden uͤber -Gen. 6. antwortet werden. Jſt doch jetzundt die vnbuß - fertigkeit groͤſſer als zu Noë vnd Pharaonis zeiten / die gantze Welt iſt raſent toll vnd thoͤricht / vnnd derJer. 9. Teufel iſt loß. Ach daß vnſere Augen Waſſers gnug hetten / den klaͤglichen jammer vnd elenden zuſtandt zu beweynen.

Thut buß / vnnd bekehret euch zu dem HErꝛnewern[27]Vorrede. ewerm GOtt. Ob gleich die frommen in jre Au -Joh.[9]. Dan 12. Eſa. 26. Ezech. 37. Actor. 24. gen hinein ſterben / ſo wirdt ſie doch der Hertzog deß Lebens wider aufferwecken. Vnnd ſie mit Ehrn vnd Schmuck kroͤnen Pſalm. 91. Apoc. 2. Sey getroſt biß an das End / ſo wil ich dir die Kron der Ehrn geben. Sap. 4. Die gerechten werden empfangen eine ſchoͤne Cron von der Hand deß hoͤchſten. Eſa. 26. Du wirſt ein ſchoͤne Kron ſeyn / in der Hand deß HErꝛn / vnnd man ſoll dichEſa. 26. nicht mehr heiſſen ein verlaſſene / ſondern meine luſt an dir / denn wie ſich ein Braͤutigam uͤber ſeiner Braut erfrewet / ſo wirdt ſich der HERR uͤber dir frewen. 1. Pet. 4. Jhr werdet die vnverwelck -1. Pet.[1]. Apoc. 2. 1. Pet. 4. Sap. 3. Apoc. 12. Eſa. 66. Matth. 28. liche Kron der Ehren empfangen. Aber die Gott - loſen werden hergegen eine Pechkron empfangen / darunter ſie ewiglich brennen vnnd doch nicht ver - brennen ſollen.

Der ewige GOtt vnd Vatter vnſers HErꝛn vnd Heilands JEſu Chriſti wolle E. E. V vnd H. ſampt allen den jhrigen / in langwuͤriger geſund - heit / Leibs vnnd der Seelen wolfarth / gnaͤdiglich erhalten / vnd fuͤr allem Vnfall Leibs vnnd der Seelen Vaͤterlich bewahren / vnd vns endlich / da wir wahre buß thun vnnd an Chriſtum glauben / auß gnaden das ewige Leben ſchencken. Amen. Gegeben in Reheberg den 22. Decemb. am tagAbraha -[28]Vorrede. Rom. 4.Abrahami (qui credidit contra ſpem in ſpem) deß Vaters aller glaubigen / in dieſem 1614. zum endlauffenden Jahr. Der All - maͤchtige GOtt woͤlle vns ein ſeliges froͤliches ge - wuͤnſchtes Newes Jahr beſcheren / vnd vns allen helffen / daß wir das angehende Newe Jahr mit mehrer Frewd / vnd weniger Suͤnd / zur Ehr vnd Lob GOttes / vnnd vnſerer Seligkeit anfangen / mitteln vnd vollenden / Amen.

E. E. V. vnd Tugenden jederzeit pflichtſchuldiger vnd williger Michaël Bernhertz M. von der Littaw / Prediger vnd Pfarrherꝛ der zeit daſelbſten.

[1]

Thema concionis.

So ſchreibet S. Paulus inn ſeiner Epiſtel an die Philipper an dem erſten Capitel:

JCh weiß nicht / welches Jch erwehlen ſol / denn es ligt mir beydes hart an / ich hab luſt abzuſcheiden vnnd bey Chriſto zu ſeyn ꝛc. ()
  • Dieſe Wort wollen wir durch Gottes gnad zu vnſerm ſeligen Nutz anwenden.

Exordium.

JCh rede es auß grundt meines her - tzens mit warheit / bezeuge es auch mit mei - nem lieben GOtt / daß ich mich ſo lang ich deſſen orts Prediger bin / zu predigen nicht beſchweret / ſondern jederzeit hertzlich ge - frewet hab / diſe Cantzel zubetretten: Aber heut vnnd zu diſem mal wolt ich auß hertzen grundt wuͤnſchen / daß ich ſolcher geſtalt nicht aufftretten / vnd heut zu euch reden duͤrffte. Dann ob ich zwar diſe vierthalb Jar ſo lang ich an diſem ort ein vnwuͤrdiger Mundtbott Got - tes / vnnd durch Gottes Gnad ewer einfaͤltiger Prediger bin / viel gute fromme trewhertzige / gutthaͤtige Zuhoͤrer gehabt / vnnd zu dem Allmechtigen GOtt voran geſchickt / die ich auch auß Chriſtlicher ſchuldiger pflicht / Chriſtlich vnnd hertzlich ge - liebet habe: So rede vnd geſtehe ichs doch gar gerne / (niemand laß ſichs verdrieſſen) daß weiland die Edle / Ehrnhaffte vnnd vieltugentreiche Fraw Eliſabetha / eine geborne Schickin / ſeli -Agen[2]gen angedenckens / deß Edlen vnnd Veſten Herꝛen Valentin Lothn / deß jnnern Raths / Burgers vnnd Handelsmann zu Crembs / jetzo betruͤbten Wittbers / Eheliche Haußfraw: welche der Allmechtige Gott / nach ſeinem Goͤttlichen / Vaͤt - terlichen allerbeſten willen vnnd wolgefallen / nach ſeinem vn - erforſchlichem Rath / von diſem vergenglichem muͤheſeligem Elendsthal / allen zweifel frey / der Seelen nach / zu ſich in ſei - nen groſſen Keyſerlichen Majeſtatſaal durch den zeitlichen Todt abholen laſſen / derer hinterbliebener Leichnam heut nach mittag / in den groſſen vnnd geheiligten Acker Gottes ſol geſeet weꝛden / daran wir kein zweiffel haben / Er wirt am Juͤng - ſten tag auffſtehn / vnnd vnuerweßlich herfuͤe gehen ꝛc. nicht die geringſte vnd hinterſte / ſondern viel mehr eine der fuͤrnemb - ſten vnnd getreweſten Gottes / mein / vnd vieler Armen vnnd Chriſtenfreundin geweſen ſey / vnnd wiewol ich fuͤr mir gar vil naſſer Augen ſehe / die wegen diſes toͤdtlichen Falls viel Waſſer gieſſen / vnd mit betruͤbtem Hertzen eines troſts erwarten / de - nen ich auch nach meinem Ambt / nach Gottes gnadt / zu die - nen verpflichtet bin / ſo weiß ich doch nicht / wie ich dißfals an - dere troͤſten ſoll / der ich ſelbſt betruͤbt bin vnd troſts bedarff.

Drumb kan mirs ewer Chriſt: Lieb / nichtverargen / daß ich anfangs geſagt habe / daß ich von Hertzen wuͤntſchen wolt / daß ich ſolcher geſtalt heut nicht auff meine mir vertꝛawete Can - tzel tretten vnd zu euch reden duͤrffte. Aber was ſol ich thun / hatRom. 12. jemand ein Ambt / ſo warte er ſeines Ambts: ſagt S. Paulus / Lehret jemandt / ſo warte er der Lehre / Ermanet jemandt / ſo warte er deß ermanens ꝛc. Jch bin angeſprochen / heut eine Leichpredigt zuthun / das iſt meines Ambts / dem ſol vnnd muß ich / nach der gab von GOtt auß gnaden mir dargelihen / folge geleiſten / vnnd das zur Handt nehmen / was bey ChriſtlichenSyr. 40. Leichpredigten vonnoͤten. Es iſt aber freylich ja ein arm elendt ding vmb aller Menſchen leben / von Mutterleib an / biß wir in die Erd begraben werden / klagt der liebe Syrach. Vnſer Le -ben[3]ben iſt nur wie ein ſchoͤnes aber ſehr gebrechliches Glaß fortu - na vitrea, cum maximè ſplendet frangitur, gleich wie Jonæ Kurbß / ſchnel auff wuchs vnd Jonæ freud vnd ſchattenJon. 4. macht / aber von eim einigen Wurmbiß verwelcket vnnd ver - dorꝛet: Alſo iſts vmb vnſer Leben beſchaffen / wie vmb ein Graß /Job. 14. Pſal. 90. das bald welck wirdt / das doch fruͤhe bluͤhet vnd doch bald welck wirt / vñ deß abends abgehawen wirt vñ verdorꝛet: Denn es iſt alles Fleiſch wie ein hew / vñ alle ſeine guͤte vnd herꝛligkeit iſt wie ein Blum auff dem Felde. Das hew verdorꝛet / die Blum ver -Eſa. 40. welcket / denn deß Herꝛen Geiſt bleſet drein Eſa 40. O wie vil kleiner vnanſehelicher / doch ſehr ſchaͤdlicher Wuͤrmer hat vnſer Herꝛ Gott / die vnns ſtechen / daß wir verdorꝛen muͤſſen / als da ſeyn: Fieber / Peſtilentz / Waſſerſucht / vnd dergleichen vnzehelich ſehr viel / die das ſchoͤne / Menſchliche Kurbsge - wechs bald alſo koͤnnen zurichten / daß die ſchoͤne geſtalt ver - gehet / vnd die gantze Frucht verdirbet.

Ey war nicht Alexander M: ein Junger freudiger Herꝛ / der die gantze Welt faſt mit ſeinem ſchatten deckete / vnd derſelbi - gen Herꝛ war: da er aber durch ſein zuuiel ſauffen / vber fluͤſſige feuchtigkeit an ſich zoge / vnd dadurch ein Wuͤrmlein / ein Fie - berl. auß bruͤttete / das ſtach jhn / daß er vmbfelt / Kranck vnd Siech wirt / vnd in ſeine augen hinein ſtirbet. Es iſt deß Men - ſchen Leben nur ein ſchatten / der nur ſo lang waͤr tals die Soñ ſcheinet / es magleicht ein kleines Woͤlcklein kommen / ſo ver - ſchwindet er: Jtem ſo ſpricht David im 144 / Pſal. Jſt dochPſal. 144. der Menſch wie nichts / ſeine zeit fehret dahin wie ein ſchatten: denn weltlich Ehr vnd zeitlich Gut / wolluſt vnnd aller vber - muth / iſt eben wie ein Graß: Aller pracht vnnd groſſer ruhm / vergeht wie ein Wieſenblum / O Menſch bedenck eben daß / vnnd verſorge dich ſonſt baß. Hodie rex, cras ſterquilinium. Heut Koͤnig / morgen Todt vnd Kott. Der Koͤnig BelſazerDan. 6. verlohr in einer nacht / Gut vnd Blut / Scepter / Kron vnnd Reich / ſampt Leib vnd Leben.

A ijIulius[4]

Iulius Cæſar geht friſch vnd gſundt auffs Rathauß / ſitzt in ſeinem hoͤchſten pracht / wirt in wenigſtundẽ todt anheim ge - tragen. Pharao, Haman, Darii Raͤth / die felſchen Richter Suſannæ, Holofernes, der ſchoͤnſte Abſolon, Entropius beim Keyſer Arcadio, Seianus beim Keyſer Tyberio, Plau - tianus an Keyſers Severi Hof / ſeyn vnuerſehens zu grundt / driemmern vnnd boden gangen / daß es billich heiſſen mag: Sic tranſit gloria Mundi. Der grewliche vnbarmhertzige Wuͤt - terich vnnd Tyrann Attila, der faſt die gantze Welt inn ein Bockshorn gejagt hett / der erſtickt inn ſeinem eignen Blut die erſte nacht ſeines Beylagers / auß ſeiner Naſen herauß flieſſent.

Die Weltkinder nennen vnnd heiſſen die Welt ein ſchoͤn Luſthauß / darinnen man manche froͤliche ſtundt ohn trawren haben moͤge: da ſie doch in der That vñ Warheit nichts iſt denn ein Trawerhauß / ja Moͤrdergrub vnnd abſchewliches Bein - hauß / darinnen anders nichts iſt / noch zugewarten iſt / dem va - nitas vanitatum, & omnia vanitas: Es iſt alles Eitel: denn eine boͤſe ſtunde macht / daß man eyle freud vergiſſet.

Philippus der Koͤnig inn Macedonien, da er zu ſeiner Tochter Heurath ein groſſes Pancket anrichtet / vnnd mit ſei - nen dazu geladenen Fuͤrſten vnd Herꝛen froͤlich vnd guter ding zuſeyn gedachte / wirt er im Kirchgang vnverſehener weiß von eim Hofdiener hinterwerts erſtochen / vñ freudt in leid verwech - ſelt.

Damit wir aber ohne weitterung zur ſach ſelbſt vnd zum Haubthandel kommen / wollen wir auß diſem kurtzen ſpruͤch - lein / zum beſſeren verftandt folgende zwey Hauptpuͤnctlein kuͤrtzlich mit einander inn der forcht deß Herꝛen betrachten ꝛc. vnnd

I. Erſtlich beſchawen / was vns Menſchen im Liecht vnd im weg ſtehet / daß wir dos ewige / (wie Paulus) nicht von Her - tzen begehren vnd allem vorziehen.

Dar -[5]

Darnach vnnd fuͤrs ander / wie S. Paulus das ewige fuͤrII. alles zeitliche wehlet / vnd warumb wir auch ein ſolches ſehnli - ches verlangen haben ſollen.

Votum.

O du Hertzog deß Lebens / liebſter Herꝛ vnnd Heylandt Jeſu Chriſte / du GOtt alles troſts / ich bitte dich von grundt meines Hertzens / du wolleſt mir dein Gnad vnnd Geiſt gne - digſt mittheilen / meinen Mundt mit deiner goͤttlichen weiß - heit erfuͤllen / meine Lippen eroͤffnen / vnd meine Zunge fuͤhren / dein Wort recht außzuſprechen: Er quicke meiner Chriſtlichen zuhoͤrer trawrige gemuͤtter / damit ſie in ſeliger Hoffnung ge - troͤſtet / jhres Chriſtlichen leidts ergoͤtzet / vnd zum ewigen ſeli - gen leben erhalten werden: Amen Herꝛ Jeſu Amen.

I.

Man ſchreibt / außerwehlte freundt Chriſti / vom Key - ſer Sigiſmundo, der ein gut[t]haͤtiger Herꝛ geweſen iſt / der hat - te einen getrewen Diener lange zeit gehabt / dem er doch nichts verehret oder geſchencket hatt Nun trug es ſich zu / daß der Key - ſer auff ein zeit duꝛch ein Waſſer ritte / dorein ſtallete ſein pferd: da ſagte gedachter Diener ſchertzweiß zu ſeinem geſellen / das Pferdt hat ſeines Herꝛen art. Das hoͤret der Keyſer / vnnd wil kurtzumb wiſſen / was er damit meyne? Hierauff antwortet der Diener / das Pferdt Stallet wo es zuuor Naß vnd Waſ - ſer iſt / alſo gebe der Keyſer denen viel / die zuvor haben vnd reich ſeyn / vnd ſolches nicht verdienen. Der Keyſer merckt ſeines Die - ners meinung / ſagt derwegen zu jhme: Es hette an ſeinem wil - len nie gemangelt / ſondern am gluͤck / daß jhme nichts beſcheret ſey: beweiß es auch mit der that / denn da er anheim kam / ließ er zwo Buͤchſen machen / in gleicher groͤß / gſtalt / vnd farben / fuͤllete eine mit Goldt / die andere mit Bley in gleicher ſchwere voll an / ließ den Diener wehlen / welche er nehmen wolt / ſagte es jhm auch / daß in einer Goldt / in der andern Bley wert: alsA iijer[6]er nun lang eine vmb die andere in die Handt genommen / vnnd vmb gewechſelt / ergrieff er letzlich die mit dem Bley / vnnd leſt die mit dem Golt ſtehen ꝛc. Caſt. lib, 1. Chron Cari. fol. 217. Alſo gehets vielen inn der Welt / daß ſie an ſtatt Golds / das ſchwere / aber weniggeltende Bley erwehlen / an ſtatt deß ewi - gen Schatzs / das vergengliche nichtige vnnd zeitliche nehmen. Vnd ſtehen vns fuͤrnemlich ſieben ſtuck im liechten / die vns lieb ſeyn / daß wir ſie auch dem kuͤnfftigem vnd ewigen fuͤrziehen.

Das erſte ſtuck was vns hie auff Erden liebt / vnd hindert / iſt: noſtri parentes: vnſere Eltern: von denen wir nach GottGen: 3. vnſer Leib vnd Leben / Stammen / Namen / vnterhaltung vnd guͤter haben / von denen wir mit ſchmertzen auff diſe Welt er - zeuget vnnd geboren werden. O es gehet offt hart zu / daß eine Mutter jr Kindt lebendig auff diſe Welt bringe / vnd da Gott nicht das beſte bey der ſache thet / ſo wer es ſchon verhauſt. Kein ſchmertzen inn der Welt iſt ſo groß / der den Weiberſchmertzen uͤbertreffen ſolt / wie denn Gott die groͤſte noth ſeiner KirchenJoh. 16. Eſa: 26. dieſem ſchmertzen vergleicht / Ioh. 16. Eſa. 26. Jtem inn der Hi - ſtoria deß frommen Koͤniges Hiskiæ, da Jeruſalem belaͤgert /Eſa: 36 vnd in euſſerſten noͤthen war Eſa. 36. Jn der heimlichen Offen -Apoc. 12 barung S. Johannis am 12. da Mariæ Sohn / vnd der alte Drach〈…〉〈…〉[bgemah]let werden.

Jm[J]〈…〉〈…〉msthal iſt auff ein zeit ein Weib in ſolchen groſ - ſen noͤthen geweſen / daß man ferꝛner keine Hoffnung zum leben gehabt hat: da aber jederman verzagt iſt / kompt ein armes Schulerchen fuͤr die Thuͤr vnd ſinget: Auß tieffer noht ꝛc. vnd ob es waͤrt biß in die Nacht / vñ wider an den morgen / doch ſoll mein Hertz an Gottes macht / verzweiffein nit noch ſorgen: da diß die gebererin hoͤret / ſpricht ſie zu den andern weibern: hoͤret jr was der Knab drauſſen ſinget? Faſſet druͤber ein Hertz / troͤſtet ſich ſolches geſangs / vnd wirt bald entbunden vnd erfrewet.

So iſts ja billich daß die Kinder jre Eltern hergegen hertz - lich lieben / dazu ſie denn der ernſtliche befehl Gottes anhaltenſoll[7]ſol / Exod. 20. du ſolt Vatter vnnd Mutter ehren. Wer ſeineExod. 20. Deut. 5. Eltern nicht ehret / ſoll nimmermehr geehret werden. Daher hat der H. Geiſt from̃er gehorſamer Kinder ruͤhmliche exem - pel fleiſſig auffzeichnen laſſen. Wie ſich Sem vnd Japhet ge -Gen. 9. 22. 21. 27. gen jrem Vatter Noa / Jſaac gegen ſeinem Vatter Abraham / Jacob gegen ſeinem Vatter Jſaac / Joſeph gegen ſeinem Vat - ter Jacob / Tobias gegen ſeine Eltern gehalten habe. Tob. 1. 4. 8.

Jaes werden auch bey den Heyden auſſerhald der Kirchen Gottes / viel ſchoͤner exempel kindtlicher Lied gefunden / die bil - lich in acht zu nehmen ſeyn.

Zur zeit da die Juden auß der Babyloniſchen Gefengnuß wider waren heim kommen / begab es ſich / daß der Berg Ær - na in Sicilia, welcher ohn vnterlaß inwendig brennet / ſo ſehr groſſe Fewerflammen außwurff / daß die Statt Cathana da - von angezuͤndet ward / da lieff wer da lauffen kundt / vnd ergriff ein jeder in der eil / was er am liebſten hatt / vnd dauon bringen kundt: Da waren zwen Bruͤder Philonomus vnnd Callias alij Anapius genandt: diſe lieſſen jhre Guͤter / Gelt vnd Clei - noth dahinden / vnd faſſeten jhre alte erlebte vnnd vnuermuͤgli - che Eltern / auff jhren Rucken / vnd trugen ſie durch das Fewer auß der Statt an einen ſichern ort. Da guͤnnete jhnen Gott dieſe gnadt / daß das Fewer zu beiden ſeiten wiche / vnnd raum gab / daß ſie ohne ſchaden jhre liebe Eltern davon bringen kund - ten. Val. M. lib. 5. cap. 4.

Eneas ein Edler Herꝛ von Troia / hat ſeinen Vatter Anchiſen auch alſo hertzlich geliebet / denn da die Statt Troia eingenommen / vnnd von den Griechen mit Fewer an - gezuͤndet vnnd verwuͤſtet wardt. : hat er ſeinen Vatter auff die Achſeln gefaſt / vnnd jhn alſo mitten durch die Feind vnnd das Fewer / biß auff den Berg Idam getragen / vnnd fuͤr ſeinen al - ten Vatter viel mehr / als fuͤr ſein ſelbſt Perſon / ſeins Weibs vnd Kindts / ſorg getragen.

Da[8]

Da Oppius ein Burger zu Rom / von den Triumviris oder 3. Mennern in die acht erklaͤrt wardt / vnd er Alters vnnd Kranckheit halben der Todtsgefahr nicht entgehen kundte / vñ ſein Sohn im Vatterlandt vnd in poſſeſſion der Guͤter gar wol hette bleiben koͤnnen: hat er doch viel lieber ſeine Guͤter ver - laſſen / vnd Leib vnd Leben vnd alles hindan geſetzt / vnd ſeinen ſchwachen Vatter vom Todt erloͤſt: denn er hat ſein Vatter auffgefaſt / vnd mit groſſer muͤhe auß der Statt getragen / vnd mit jhm biß in Siciliam kommen. Welche Kindtliche trew / jhme von Sexto Pompeio gar reichlich vergoltẽ wardt. Syr. 3. Liebes Kind pfleg deines Vatters im Alter / vnnd betruͤbe jhn ja nicht ſo lang er lebet / vnnd halte jhm zu gut / ob er kindiſch wuͤrd / vnnd verachte jhn janicht / darumb daß du geſchickter biſt.

Athos deß Reichen Croeſi Sohn in Lydien / der iſt von Jugent auff ſtum̃ geweſen / da aber der Perſier Koͤnig Cyrus wider jhn zog / vnd die Statt Sardis in Aſia ſturmete vnnd er - oberte / vnnd gedachte alles zuerwuͤrgen: Da geſchach es daß die beyde Koͤnige ſo nahe zuſammen ſtoſſeten / daß Cyrus Croe - ſum mit ſeinem Schwert erwuͤrget hette / da fieng auß ſchre - cken vnnd kindtlicher Lieb / der zuvor vnredende vnnd ſtumme Athos anzureden vnnd zuſchreyen: O Cyre, verſchon meines Vatters / vnd bedenck / daß du auch ein Menſch biſt / vnd ſpie - gele dich heut an vnſerm vngluͤck. Val. M. lib. 5. cap. 4.

Da Oedipus, der ſeine Mutter / wiewol vnwiſſent / zum Weib genommen hatte / jhm die Augen außſtach / vnnd auß mangel deß Gſichts ſein weg vnnd ſteg nicht allein gehen kundt / hat ſich ſeine Tochter Antigona zu einer fuͤhrerin dar - geſtellt / vnd auß Kindtlicher lieb mit jhrem Vatter willig ins elendt gezogen.

Jene Roͤmiſche Tochter nehret jhren gefangenen Vatter mit jhren Bruͤſten / vnd erhielt jhn beim Leben.

Das iſt ein ſtuck / welches der Menſch in diſer Welt lieb hat / nemlich ſeine Eltern. Denn es heiſt:

Wer[9]
Wer ſeine Eltern auff Erden liebt /
Dem Gott im Leben vnd Todt gnad giebt /
Kein groͤſſer Zier der Kinder iſt:
Denn die Eltern ehrn zu ſtetter friſt.

Das andere ſtuck das dem Menſchen auff Erden lieb iſt / heiſt Patria, das Vatterlandt. Wie ritterlich vnnd mit hoͤch - ſter lebens gefahr Abraham, Ioſua, Ieptah, Simſon derGen: 14 Jud. 7. 8. 11. ſtarcke Heldt / Ionathas mit ſeinem Waffentraͤger / Iudas Maccabeus, Dauid vnnd andere / vmb das Vatterlandt ge -Macc 24. 1. Sam. 17. ſtritten / kan man nach der leng in der Bibel leſen / denn die Lieb gegen das Vatterlandt iſt faſt allen Menſchen angeborn / da - her leſen wir / daß auch die Heyden fuͤr das Vatterland jhr le - ben / Gut vnd Blut gewaget haben.

Als ſich auff ein zeit zu Rom das Erdreich inn mitten auff dem Marckt auffgethan / vnnd auß eim tieffen loch ein vergiff - ter Peſtilentziſcher gſtanck auffgieng / daß viel Menſchen vnd Viehe ſturben vnd verdurben. Da nun die ſeuche viel fuͤrnemer Heeꝛen wegnam̃ / vñ man das Oraculum vmb raht fragte / gab es zur Antwort: da jemand frey willig in die Gruben ſich begebẽ wurde / ſo wuͤrd das ſterben ein endt nehmen. Als nun niemandt ſein leben fuͤr ein andern gern mit dem Todt abwechſeln wolte / da fand ſich vnter andern ein Edeler Roͤmer Marcus Curtius genannt / der auß lieb zu rettung ſeiner Landtsleut vnnd deß Vatterlandts gar gern ſein leben inn gefahr ſetzte. Dann er ſchmuckte ſich koͤſtlich / ſaß auff ſein beſtes Pferdt / vnnd ſpren - gete in beyſein vieler Roͤmer in die tieffe grube / die alsbald nach jhm zu fiel / vnd alſo endete ſich das ſterben. Tit. Liv.

Codrus der Athenienſiſche Koͤnig liebte ſein Vatterlandt vnnd Vnterthanen ſo hoch / da er vom Oraculo verſtendigt war / daß die Athenienſer / die Dorenſes uͤberwinden wurden / wo der Koͤnig fuͤrs Vatterlandt ſich gutwillig wolte Opffern laſſen. Da gab ſich diſer Koͤnig inn die groͤſte gefahr / vnnd ver - lohr ſein Leben dem Vatterlandt zu gut. Val. M.

BDa[10]

Da der Koͤnig Midas bey den Phrygibus regierte / that ſich bey der Statt Catenas die Erd weit auff / darauß kam eine groſſe flut / welche das Landt vnd Haͤuſer nechſt dabey gelegen dahin floͤſſete. Da nun das Oraculum vmb rath gebeten wardt / was ſie bey dem Vngluͤck thun ſolten? gabs zur antwoꝛt: So ein Menſch freywillig drein ſpringen wuͤrde / ſo wuͤrd der Goͤtter Zorn geſtillet werden / vnd diſe Flut auff hoͤren. Da ſolches Midæ Son / namens Aucurus erfuhr / geſegnete er ſich mit Vatter / Mutter / vnd ſeiner Fraw / kuſſete ſie / vnd ſprang auß lieb ſeines Vatterlandts in die hoͤle. Plut.

Das Vatterland iſt ja ſo ſuͤß
Daß man ſeiner gedencken muß
Sein lebenlang vnd allezeit
Vnd ſtelts in kein vergeſſenheit.

Das dritte Liebsſtuck deß Menſchens auff dieſer Welt / iſt amor conjugalis, der Eheleut Eheliche Lieb. Wir wiſſen auß Gottes Wort / das ſolche affectiones vnd Liebsflammen / der liebe Gottſelbſt gepflantzet / vnd nicht allein noch im ſtandt der vnſchuldt den erſten zweyen Eheleuten gleichſam eingebla - ſen / ſondern auch die Liebesfuncken / nach dem fall / in der Menſchen Hertz ſtieben laſſen / vnnd gleichſam wider ernewert vnd eingepflantzet. Gen. 2. Ein Mann wirt ſein Vatter vnd Mutter verlaſſen / vnd an ſeinem Weibe hangen.

Syr. 37. Ein Mann hat nichts liebers / denn ein ſchoͤneEph. 5. Matth. 19 Bonum ne - ceſſarium. Fraw / denn ſie erfrewet jhn / wo ſie dazu freundtlich vnd from iſt / findet man deß Mannes gleichen nicht. Epheſ. 5. Jhr Menner liebet ewere Weiber / gleich wie Chriſtus ſeine Ge -Prov. 31. meine. Prov. 31. Ein tugentſamb Weib iſt viel Edler denn dieSyr. 7. koͤſtlichen Perlen. Syr. 7. Ein vernuͤnfftig from Weib iſt beſ -1. Cor. 11. ſer weder fein Gold. 1. Cor. 11. Das Weib iſt deß Mannes Ehre. Prov. 5. Frewe dich deß Weibs deiner Jugendt. Prov. 18. Wer ein Ehefraw findet / der kan guter ding vnd froͤlich ſein im Herꝛen. Prov. 31. Deß Mannes hertz darff ſich auff ſie ver - laſſen.

Vin -[11]
Vinculum Adamantinum est conjugalis amoris:
Kein haͤrter Band iſt auff Erden /
Denn wo jhr zwey Ehelich werden:
Die Lieb der Eheleut knuͤpfft ſo feſt /
Daß keins das andere verleſt.

Eccl. 26. Wol dem der ein tugentſam Weib hatt / deß le - bet er noch eins ſo lang / ſie iſt jhrem Mann eine frewd: ſie macht jhm ein fein ruͤhig leben: Er ſey Reich oder Arm / ſo iſt ſie jhm ein troſt / vnd macht jhn allzeit froͤlich: Sie erfrewet jhren Mann: vnnd ſie erfriſchet jhm ſein Hertz: ſie iſt nicht zubezahlen: Es iſt nichts liebers auff Erden vnnd nichts koͤſtlichers. Sie iſt demEccl. 37. Mar. 19. 1. Cor. 6. Mann eine Saͤul / der er ſich troͤſten kan. Beide ſein ein Fleiſch / ein Hertz / ein Leib / ein Will. Drumb ſagt Syrach am 7. cap. Haſtu ein Weib das dir liebt / ſo laß dich nicht von jhr wenden.

Sara deß Ertzvatters Abraham Weib / hatt jhren Her - ren vnd Ehemann hertzlich lieb / welches ſie in dem beweiſet / daßGen: 11. 12. 20. ſie auß jhrem Vatterlandt mit jhm willig zog / vnnd das elendt bawet / auch etlich mal jhr leben ſeinethalben in gefahr gab bey den Philiſtern vnd Egyptern.

Rebecca liebet auch jhren Jſaac hertzlich / vnd nennet ſichGen. 26. ſeine Schweſter vmb ſeinet willen / daß er nicht erwuͤrget wur - de in der Philiſter Landt.

Lea vnd Rahel hatten Jacob lieber als jhren eignen Vat -Gen. 38. ter / zogen willig mit jhme / wo jhn GOTT hin beruffte / daß er wohnen vnd haußhalten ſolte.

Michal beweiſete jhre warhafftige lieb am David / da ſie1. Reg. 19 jhn an eim Seil zum Fenſter hinauß ließ / als jhr Vatter im zorn jhn ſuchen ließ jhn zu toͤdten.

Iulia deß Fuͤrſten Pompei Gemahl / als ſie jhres Man - nes Kleyd mit Blut vom Opffer beſprengt / anſichtig ward / vñ nicht anders gedacht / der Mann wer Todt / fiel auß groſſer lieb fuͤr hertzenleid mit hochſchwangerem Leib auff die Erden / vnd ſtarb in einer Ohnmacht. Val. M.

B ijIſabella[12]

Iſabella deß vertriebenen Koͤnigs Chriſtierni in Denne - marck Gemahlin / als ſich ein zwiſpalt im Reich erhub / vnnd der Koͤnig vertrieben war / da ward jhr gerahten zubleiben / vnd jhren Koͤniglichen ſtandt zu fuͤhren / da wolt ſie durchauß nicht / ſondern gab zur Antwort / ubi meus rex, ibi meum regnum. Wo mein Herꝛ vnd Koͤnig iſt / da iſt auch mein Koͤ - nigreich / vnd iſt jhm williglich ins elendt nachgefolget.

Die Gvelfin Hertzogin in Beyern hat jhren Herꝛen auff dem Rucken auß der belegerung der Statt Winsberg getra - gen / vnnd jhm alſo ſein leben beim Keyſer Conrado dem Schwaben gefreyet vnd jhn loß gemacht.

Careja die Fuͤrſtin in Franckreich hat geſagt: Gott weiß es / daß ich nach meines lieben Mannes Todt keine luſt zule - ben gehabt. Vnd da ſie hat ſterben ſollen / hat ſie geſprochen / nun fꝛew ich mich / daß ich nicht lenger leben / ſondeꝛn zu meinem lieben Mann kommen ſoll.

Sab. lib. 3.Alſo bezeuget ſeine lieb gegen ſeinem ehegemahl der letzte Perſer Koͤnig Darius, da er ſich deß weinens nicht meſſigen kundt uͤber jhrem Todt / ſo er doch vmb verliehrung ſeines Reichs / nie kein zeichen der trawrigkeit von ſich gegeben hatt / als er von Alexandro geſchlagen ward.

Tyberius Grachus: als er zwo Schlangen ein Menlein vnd Weiblein in ſeinem Hauß fand / vnnd vom Zauberer hoͤ - ret / was es bedeutte / hatte ſein Weib ſo lieb / daß er fuͤr ſie ſtarb / ehe dann ſie von den Schlangen vmbbracht wurde.

Herodotus ſchreibet vom Koͤnig Artaxerxe, daß ſeine Gemahlin ein armes Waißle geweſen / die hab er doch uͤber alle maſſen ſehr geliebet / daß er auch / da ſie geſtorben / lenger zu leben nit begert habe: diſer Koͤnig hat der Abgoͤttin Iunoni, eine Brucken von klarem Gold von ſeinem Schloß biß zu jrem Tempel zu Bawen verſprochen / wo ſie jhm ſein Gemahel wi - derumb lebendig machen wuͤrde. Es thut hertzlich vnd ſchmertz - lich wehe / Wenn Ehele[u] t / da eines das andere lieb vnnd werthhelt /[13]helt / vnd mit hertzlicher Lieb vnd trew einander meinen / ſchei - den muͤſſen / denn es gehet doch wie der Chriſtliche Poët Iohan - nes Stigilius ſchreibet:

Non dolor est maior, quàm cum violentia Mortis Vnanimi ſolvit corda ligata fide. ()

Kein groͤſſer hertzenleid vnnd ſchmertzen iſt / denn wenn Eheleut / derer Hertzen mit rechter lieb vnnd trew inn einander geſchloſſen vnnd verbunden geweſen / durch den Todt ſollen ge - trennet / vnd von einander geriſſen werden.

Das vierdte liebes ſtuck hie auff der Welt / ſeyn Liberi: Kinder vnnd Leibserben. Ein fruchtbar Weib iſt ein ſegen Gottes. Jm 127. Pſalm: Sihe Kinder ſeyn ein Gab deßPſal. 127. Auguſtinus Mundus ſi - ne ſole, Con fugium ſine prole. Herꝛen / vnnd Leibesfrucht iſt ein geſchenck. Je mehr Kinder je mehr ſegen. Wol dem der dieſer hat ſein Koͤcher vol. Vnnd hat der Allmaͤchtige liebe Gott ſolche Storgas Phyſicas vnd hertz - liche liebsneigung inn die Hertzen der Eltern gegen jhre Kinder geſencket / daß ſie ſie von gantzem Hertzen trewlich lieben / wie dann Gott gar ſchoͤn bey dem Propheten Eſaia am 49. Cap.Eſa. 49. davon redet: kan auch ein leiblich Mutter jhres Kindleins ver - geſſen / daß ſie ſich nicht erbarme uͤber den Sohn jhres Leibes? Vnnd vnſer liebſter Herꝛ Chriſtus / Matthæi 7. Welcher iſtMatth. 7. vnter euch Menſchen / ſo jhn ſein Sohn bittet vmbs Brot / der jhm einen ſtein dafuͤr gebe? Oder ſo er jhn bittet vmb ein Fiſch / jhm eine Schlange biete? Vnnd im 103. Pſalm: wie ſich einPſal: 103. Vatter uͤber ſeine Kinder erbarmet ꝛc. vnnd iſt gewiß / welche die Kinder nicht lieb haben / vnnd fuͤr Goͤttlichen ſegen erken - nen / die ſeindt Stoͤck vnd Kloͤtzer / nicht werth / daß ſie MannSi quis ha - bet ſocij ca - riſsima pi - gnora lecti, Ingens ille Dei, & no - bile munus habet. vnd Weib heiſſen: denn ſie verachten den Segen Gottes jres Schoͤpffers / der den Eheſtandt geſtifftet hat / vnnd ſie herꝛlich mit ſeinen gaben verehret. Ein ſolches Fewer hat GOtt der Herꝛ inn Menſchlicher Natur angeſteckt / dadurch die Men - ſchen inn lieb gegen jhre Kinder / die von jhnen geborn ſeindt / gleichſam erbrant werden / auff daß ſie auß der lieb die ſie zuB iijjhren[14]jhren Kindern tragen / lernen moͤchten etlicher maſſen / wasJoh. 3. Pſal. 2. fuͤr ein Fewer groſſer brennender lieb gegen ſeinem eingebornen Sohn ſeyn muͤſſe / vnd denn gegen vns / die wir durch jhn ſeine Kinder ſein worden. Dann je trefflicher vnd herꝛlicher die Na - turen ſeyn / je hefftiger das Fewer der natuͤrlichen lieb inn jhnen brennt.

Gen: 17Wie hertzlich bitterlich beweinet / vnnd mit was groſſem ſchmertzen vnnd hertzenleyd betrawret der Altvatter Jacob den betruͤbten fall ſeines Sohns Joſephs / als er meinet er ſey von wilden Thieren zuriſſen vnnd gefreſſen: Es iſt meines Sohns Rock / ſpricht er / ein boͤſes Thier hat jhn gefreſſen / ein reiſſen - des Thier hat mein Sohn zerriſſen. Vnnd Jacob zureiß ſeine Kleider / vnd leget einen Sack vmb ſeine Lenden / vnd trug leid vmb ſeinen Sohn lange zeit / vnd alle ſeine Soͤhn vnnd Toͤch - ter tratten auff / daß ſie jhn troͤſteten / aber er wolte ſich nicht troͤſten laſſen vnd ſprach: Jch muß mit leid hinunter fahren in die Gruben zu meinem Sohn / vnd beweinet jhn.

Carolus M. der erſte teutſche Keyſer hat ſeine Kinder vber die maſſen lieb gehabt. Er hat nicht eſſen noch trincken / oder einige mahlzeit halten koͤnnen / biß die Kinder kommen ſeyn / vnd wo er jrꝛgendt außgangen iſt / hat er allzeit dieſelbigen bey vnnd vmb ſich gehabt. Da er auff ein zeit von etlichen Herꝛen gefragt worden / warumb er ſein Frewlein nicht verehelichte / vnd ſeine Soͤhn frembde Land zu ſehen nicht außſchickte? hatt er mit ſeufftzen geantwortet: Er koͤnne es der zeit noch nicht uͤber ſein Hertz bringen / denn es deuchte jhne / wenn er ſeine Kinder nicht bey ſich haben ſolte / Er muͤſte ſterben.

Da Koͤnig Pſammenitus in Egypten von dem Koͤnige Cambyſe auß Perſien ſambt ſeinen Kindern gefangen ward / da iſt deß Koͤniges Tochter vnter anderen gefangenen Wei - bern vnd Jungfrawen in ſchlechter Kleidung gleich den andern gefangenen / fuͤr dem Vatter uͤber ſchickt Waſſer zuholen / wel -che[15]che der Vatter Pſammenitus ſitzend / vnter andern gefange - nen wol geſehen fuͤruͤber gehen / welches die anderen gefangenen ſchmertzlichen beweinet. Aber der Vatter hat nur die Augen zur Erden nidergeſchlagen ꝛc. Bald darnach wirdt er ſeines Sohns vnter andern gefangenen gewar / daß man jn Toͤdten ſoll / da ſitzt er ebenmeſſig mit nidergeſchlagenen Augen / vnnd weinet nicht. Da aber ſein getrewer alter Hofdiener vnd freund auch zum Todt gefuͤhret wurd / da fengt der Koͤnig an bitter - lich zuweinen / raufft vnnd ſchlegt ſich im Kopff. Da dieſes Cambyſes jnnen wirt / leſt er den gefangenen Koͤnig fragen / wie er es verſtehen ſolt / daß er jetz ſo klaͤglich thue vnnd ſo weine / da er doch zuuor der Tochter vnnd deß Sohnes gefahr nicht mit einem traͤnlein beklaget hette? Antwortet er: Ah dome - ſtica mala, maiora ſunt Lachrymis, Sein vnnd ſeiner Kin - der elendt ſey viel zu groß / denn daß ers beweinen kundte / aber uͤber dieſer ſeines freundes noth kundte er mit threnen noch ſei - nen ſchmertzen bezeugen. Denn je groͤſſer die Lieb iſt / je groͤſſer iſt der ſchmertzen ꝛc.

Als der Keyſer Theodoſius inn der Statt Theſſalonic ſieben tauſent Menſchen hat laſſen toͤdten vnnd vmbbringen: Da waren in gedachter Zal zween Bruͤder / eines reichen Kauf - mans Soͤhne / vmb welche der Vatter / da mit er ſeine Soͤh - ne beim leben erhalten moͤchte / ſich ſelbſt fuͤr ſie Toͤdten laſſen wollen / vnnd druͤber all ſein gut zu geben anerbotten ꝛc. Die Kriegsleut wurden durch deß Vatterslieb vnnd trew zu mit - leiden bewegt / vnd gaben jhme die wahl / daß er einen von den beeden / welchen er wolt / erwehlen ſolte / weil ſie jhme beyde nicht loß geben kuͤndten / auff daß die zahl derer die getoͤdtet werden ſolten / nach deß Keyſers ernſtem befehl / erfuͤllet werden muͤſte. Da nun dem Vatter die wahl frey ſtund / ſtehet er vnnd ſihet ſie beyde an / ach das Vaͤtterliche liebs Hertz war halt auff beyde gerichtet / hebet bitterlichan[16]anzuweinen / raufft die Haar ſeines Haubts / ſchreyet laut vnd klaͤglich / fellet einem nach dem andern vmb den Halß vnd kuſ - ſet ſie / vnd weil er fuͤr groſſer lieb / die er zu jhnen trug / keinen dem andern fuͤrzu ziehen weiß / geſchichts / daß ſie jhm beyde vn - ter dem Haͤnden ertoͤdtet vnd ermordet werden.

Iocaſte ein Koͤnigin der Thebaner hatte zween Soͤhne / die einander feindt waren / daß einer den andern vmbbracht. Da ſolches die Mutter gewahr wirdt / kompt ſie gelauffen vnd findet jhre Soͤhne Todt. Da zeucht ſie das Schwert auß dem einen Sohn / vnnd erſticht ſich ſelbſt damit / vnnd leget ſich im fallen zwiſchen die beyde nieder / mit außgeſtreckten Armen / als wolte ſie beyde vmbfangen.

Da jene Koͤnigin ſterben ſolte / foderte ſie jhren Herꝛen vnd Koͤnige zu ſich / befahl jhm mit threnen jhre Kinder / uͤbergab jm dieſelbigen mit diſen Worten: Accipe carum donum, à ca - ra manu: Nemet hin ein liebes geſchenck von einer lieben Handt.

Da Timantes der beruͤmbte Mahler die Hiſtoriam von Agamemnone vnd der auffopfferung ſeiner Tochter Iphige - niæ abmahlen ſolte / da mahlet er alle trawrige vnnd klaͤgliche geberdt an ſeinen Freunden vnd Dienern / welche zu ſahen / aber deß Vatters trawrigkeit vnd hertzenleidt nach notturfft kundt er nicht exprimirn vnnd abbilden / mahlet jhn derwegen alſo / daß der Vatter das Angeſicht abwendet / in Mantel einwickelt vnnd verhuͤllet. Gab gamit zuuerſtehen / daß niemand mit Figurn oder Gemaͤhlen gnugſam erkleren vnnd darthun kuͤnd - te / wie uͤberauß von Hertzen betruͤbt vnnd trawrig die Eltern werden / wenn ſie jhrer Kindernoth vnd elend anſehen muͤſſen.

Das fuͤnffte ſtuck das vns liebet inn diſer Welt iſt: Opes ſeu bona, Guͤter / Gelt / Gut / Acker / Weingaͤrt / ſchoͤne Heuſer vnd dergleichen. Welche wir theils von vnſern Eltern / oder ſonſten anfallßweiß / theils nach Gottes ſeegn von vn - ſerm ſchweiß zuwegen bringen.

Wenn[17]

Wenn man die gantze weite Welt vnnd alle Stendt auff Erden anſicht / ſo ſihet man ſein wunder / mit was fuͤr groſſem fleiß vnd ernſt die Menſchen nach dem jrꝛdiſchen nichtigen vnd fluͤchtigen Gelt vnd Gut trachten / vnnd da ſie es bekommen / ſich deſſen nicht wenig erfrewen.

Sihet man die Baͤpſtiſche Geiſtligkeit an / ſo findet man ein recht Exempel der Weltkinder. Da ſeyn alle ding mit ſubti - ler geſchwindigkeit auffs Gelt abgericht / da ligen ſo ein meng der Gelt netz / daß faſt niemandt ſo witzig vnnd gſcheid iſt / der jhnen entgehen moͤge / da muß alles Gelt tragen. Vnnd iſt of - fenbar / daß zu der zeit da der Ablaß noch im ſchwang gieng / deß Bapſts jaͤrlich einkommen inn die 10. Million / das iſt: hun -Eines Pfaf - fen Reichs einkommen. dert tonnen Golds / ohne waß die Donatio Conſtantini, vnd das Patrimonium Petri, gebracht / geweſen ſey. Daher ſchreibt Mantuanus von den Roͤmiſchen Paͤpſten: Venalia nobis Templa, Sacerdotes, Altaria, Sacra, Coronæ, Ignis, Thura, preces, cœlum eſt venale Deusq́;.

Dem Bapſt vmbs Gelt iſt alles feil
Himmel / Ablaß / Gluͤck / Segen vnd Heil /
Kirchen / Pfaffen / Altar vnd Cron /
Saltz / Fewer / Waſſer / auch Gottes Sohn.

Da es mit warheit nach dem alten ſprichwort heiſt:

Curia Romana, non curat ovem ſine lana: Dantes exaudit, non dantibus oſtia claudit.
Kein Schaf begert der Roͤmiſchſtuel /
Es ſey denn daß es hab ſein Woll /
Wer etwas bringt / den leſt man ein /
Der aber nichts hat / muß drauſſen ſeyn.

Es iſt ſumma ſummarum, das gantze Bapſtumb ein lautter Geltnetz geweſen. Bapſt Iohannes der zwey vñ zwein - tzigſt hat das Fiſcherhandtwerck beſſer als Petrus / gelernet / vnnd ſoviel erfiſcht / daß nach ſeinem Todt 250. tonnen Golds ſeyn gefunden worden.

CSehet[18]

Sehet der Herꝛen vnnd Regenten ſtandt an / die beſchwe - ren nicht allein fuͤr jhre Perſon jhre arme Vnterthanen / wenn ſie auch gleich Chriſten heiſſen / da dencken ſie wie ſie weltliche ehr / gewalt / vnnd herꝛligkeit / erlangen vnd erhalten koͤnnen: ſondern ſie halten jhnen vnd jhrẽVnterthanen ſchaͤdliche leut / die das Land außſaugẽ / gebẽ ſchaͤdliche rahtſchlege / dadurch die Vnterthanẽ erſchoͤpfft / vñ in euſſerſte gefahr gebracht werdẽ.

Das faſſet S. Paulus in ſeiner trewen warnung fuͤr dem1. Tim. 6. Geitz fein zuſam̃en / da er inn der 1. Tim 6. alſo ſchreibt: die da reich werden wollen / die fallen in verſuchung vnnd ſtrick / vnnd viel thoͤrichter vnd ſchedlicher luͤſte / welche verſencken die Men - ſchen inns verderben vnnd verdamnuß: denn der Geitz iſt ein Wurtzel alles uͤbels.

Sehet an den Burgerlichen ſtandt / vnnd dencke nur ein jeder auff ſich ſelbſt: wie groſſe muͤhe vnd ſorg nimmet mencher auff ſich / damit er nur Gelt bekomme.

Impiger extremos currit mercator ad Indos, Per mare pauperiem fugiens, per Saxa, per ignes. ()

Ein Kauffman denckt tag vnd nacht auff ſein Handel / kan offt fuͤr ſorgen nicht ſchlaffen / zehlet alle ſtunden / macht ſich deß morgens fruͤe auff / laufft alle gaſſen durch / fragt / ob etwas fuͤr jhn tauglichs verhanden ſey? vnd iſt jhm kein Land zuweit oder gefehrlich / er raiſt dahin / vnd waget ſein Leib vnd Leben / in hitz vnd kelte / in ſchne / windt vnd regen / wenn er nur ſeine waaꝛ wol - feil bekommen / vnd auffs thewerſte wider geben kan.

Viel ſuchen Reichthumb mit jhrem ewigen ſchaden / hen - gen das Gewiſſen an nagel / ſetzen die Seel in ein holen baum / oder wie die Weltkinder ſagen / auff ein Zaunſtecken / vnd laſ - ſen ſich Gott vnnd den Teuffel drumb rauffen / wer dann derOedipi Sohn. ſterckeſte iſt / der mag ſie hin nemen. Eteocles, wenn er etwas mit vnrecht bekam / pflegte zuſagen / vmb eines Koͤnigreichs willen / mag einer wol ein ſchelmſtuͤck begehren: inn andern ſchlechten ſachen aber ſol man redlich handeln.

Ein[19]

Ein Landtsknecht leſſet Weib vnd Kinder ſitzen / nim̃et ein Gulden lauffgelt / laufft ein zweintzig ein dreiſſig meilen / in Regen / Schne vnd Windt / in Hunger / Hitz vnd Durſt / verkaufft ſein geſundheit / ſein Leib vnnd Leben / vmb 4. Gul - den Monatsſoldt / dient wol den Tyrannen / dem Teuffel / vñ Bluthunden / vnnd bringt ſich vmb ſeine arme Seele dazu. Siehet offt in vielen tagen keinen biſſen Brodts / muß wagen wenn jhm ſein Halß entzwey geſchlagen wirdt. Fragt man jhn warumb ers thue? ſo ſpricht er: vmbs gelts willen.

Ein Berg man grebt etlich hundert klaffter tieff vnter die Er - den / nach Silber vnd Goldt / vnd wenn er von newen fundgru ben / von reichen gengen ꝛc. hoͤret / ſo iſt da uͤber auß groſſe freud.

Mancher verrath mit Juda Chriſtum vnnd ſein Glie - der / mit Pauſania ſein Vatterlandt vmb lieb wegen / die er zu dem Gelt tregt. Mancher wirdt ein Landtbub: Ein Trachen - halter / verſchreibt ſich dem Teuffel mit Seel vnd Leib / verzeicht ſich deß Himmels / ließ vnſerm Herꝛn GOtt dort fein Gold / wenn er nur hie Reiniſch hett. So gar ſteckt dem Menſchen die Geltſucht zwiſchen Haut vnnd Fleiſch / inn Marck vnnd Beinen / ja auch im Hertzen / vnnd trachtet mancher nach dem zeitlichen nicht allein mit gefahr Leibs vnnd Lebens / ſondern auch der Seelen.

Jn was vnredlichen vnnd gottloſen ſtandt Moͤrder vnnd Freybeutter leben / iſt bekant / welche vmb eines geringen Gelts willen / nicht allein jhren Nechſten berauben / wider das ſibende Gebott / ſondern nehmen auch offt vnſchuldigen Leuten jhr le - ben / wider das fuͤnffte Gebott / vnnd muß mancher armer Menſch ſein leben zuſetzen / vnnd neben ſeinem rechtmeſſigen ſawergeſamletem Gut verliehren. Seltzame vnd wunderbar - liche renck vnd hilpersgrieffe wiſſen die Geitzhelß vnnd Wu - cherer / Gelt zu erhaſchen.

Zu Erfurdt hat ſichs fuͤr etlichen Jahren zugetragen / da iſt ein Balbirer geweſen Meiſter Hanß genannt / derC ijdie[20]die Thumherꝛen pflegte zu Balbirn / zu dem kompt ein Thum - herꝛ vnnd ſpricht: Meiſter Hannß mein Gvatter / jhr muͤſt mich Balbirn / Jch hab 300. Gulden / die ſol ich wegen deß Capitels wegtragen / hiemit ſatzte er den Beutel auff den tiſch / vnd ſetzte ſich auff ein fluel / der Balbirer gibt jhm das Becken in die Hand / als wolt er jhm den Bart damit netzen / ſticht jhm aber die Kele ab / vnd leſt jhn alſo verbluten: begrebt jhn inn ſei - nem Hauß / vnd behelt die 300. Gulden / vnd kundt niemand wiſſen / wo dieſer Pfaſſ hinkommen ſey / bleibt dieſe Mordthat gantzer ſechtzehen Jahr verborgen. Es geſchach aber nach der zeit / das ein Aufflauff fuͤr deß Balbirers Hauß wirdt / da laufft er mit ſeiner Helleparten herauß fried zumachen / vnd ſihet die Stattknecht daher kommen / da wacht jhm ſein Gewiſſen auff vnd ſchreit: Ach wehe mir armen Menſchen / nemet mich hin / vnnd thut mir wie ich fuͤr ſechtzehen Jahren verdient hab / denn ich meinen Gevatter auff meinem ſtuel hab ermoͤrdet: vnd jm 300. Gulden genommen / dort an jenem ort meines Hauſes werdet jhr ſeine Gebein finden / Ach wie uͤbel hab ich gehandelt. Diſen hat man darnach mit dem Schwert gericht.

Das ſechſte ſtuck das wir lieb haben in der Welt ſeyn: no -Syr. 25. ſtri boni amici: getrewe gute Freundt: Syr. 25. Wol dem der einen getrewen Freund hatt. Wenn man die Welt beim Liecht beſicht / ſo iſts war / daß ſie voller vntrew iſt / vnnd rechte gute Fꝛeund faſt ſeltzamer auff Erden ſeyn / deñ ſchwartze Schwanen vnnd weiſſe Raben / denn ſich leyder viel Menſchen mit geber - den freundlich ſtellen / vnd mit eitel Zuckerſuͤſſen worten / groſſe freundſchafft anbieten / vnd ſeyn doch heimlich vnd hinterwert - ling die aͤrgſten Feind / wie die gemeinen reim beſagen:

Judæ kuß iſt worden new /
Gute Wort / vnd falſche trew /
Lach mich an / vnd gib mich hin /
Jſt jetzund der werlet ſinn.
Von[21]

Von welchen Syrach ſaget inn ſeim 12. Cap. der FeindSyr: 12. gibet wol gute wort / vnd klaget dich ſehr / vnd ſtellet ſich freund - lich / kan auch dazu warnen / aber im Hertzen denckter / wie er dich inn die gruben felle / vnnd krieget er raum / ſo kan er deines Bluts nicht ſatt werden. Wil dir jemand ſchaden thun / ſo iſt er der erſte / vnnd ſtellet ſich / als wolt er dir helffen / vnnd fellet dich betrieglich / ſeinen Kopff wird er ſchuͤtteln / inn die Fauſt la - chen / vnd deiner ſpotten. Vnnd der liebe David im 55. Pſal.Pſal. 55. jhr Mund iſt glaͤtter denn Butter / vnnd haben doch Krieg im ſinn / jhre Wort ſeyn glinder dann Oel / vnd ſeind doch bloſſe Schwerter. Syr. 6.

O freund in der noth /
Gehn fuͤnff vnd zwentzig auff ein Loth /
Solls aber ein harter ſtand ſeyn
So gehen jhr fuͤnfftzig auff ein Quintlein.

Aber ein rechter guter freund ſpricht Syrach am 6. iſt einSyr. 6. ſtarcker ſchutz / wer den hat / der hat ein groſſen Schatz. Ein trewer freund iſt mit keinem Gelt noch Gut nicht zubezahlen / ein trewer freund iſt ein troſt deß Lebens. Ein guter freundt kan einen fuͤr ſchaden Leibs vnd Seelen warnen / wie Jonathan den David warnet / vnnd S. Paulus zu Damaſco von gutenAct. 9. freunden fuͤr den grimmigen Juden gewarnet / vnnd inn einem Korb uͤber die Mawren gelaſſen ward.

Wenn ich bey mir ſelbſt bedenck / was mir die zeit meines Lebens begegnet iſt / in meiner Jugent vnnd folgends inn mei - nem Ambt / da mir nicht wenig beſchwerligkeit vnd gefehrlig - keit zugeſtanden iſt / in welchem mir viel ehrliche fromme Leut / die hand gar trewlich gebotten / vnnd nach Gott / mir thaͤtlich außgeholffen / ſo muß ich mit dem lieben Syrach ſagen: daßSyr. 6. ein trewer freund ein troſt deß Lebens ſey / ja ein wolriechender Balſam vnnd fruchtbarer Taw: vnnd ſolte einer viel lieber todtPſal: 133. ſeyn / denn ohne gute Freund leben / wie Ariſtoteles ſagt:C iijNullus[22]Nullus eligeret vivere ſine amicis, habens omnia alia bo -Sen: Nul - lius rei ſine amico iu - cunda eſt poſſeſsio. na: Es ſolt jhm keiner wuntſchen zu leben / ohne gute freundt / wenn er gleich ſonſt aller Welt guͤter hette. Denn kein Ding wie koͤſtlich vnd lieblich es jmmer ſeyn mag / iſt luſtig vnnd an - nemlich / wenns nicht gute Freund mit genieſſen ſollen.

Auguſtinus gedenckt eines ſeines guten freundts / der jhm geſtorben war: Er iſt / ſpricht er / meine Seel geweſen / & ideo horrori mihi erat vita, quia nolebam diut ius vive - re: Derowegen war mir mein leben ein abſchew / vnd ich wolt ohne jhn auch nicht lenger leben.

Vnnd Bernhardus gedenckt ſeines guten freunds Ger - hardi: Ein ſchneident Schwert / ſpricht er / hat vns zertheilt / Mediam partem locavit in cœlo, partem verò in cœno deſeruit: Derhalbe theil iſt in den Himmel verſetzt: der ande - re theil aber iſt allhier im Kott verblieben.

Zum beſchluß Siebenden vnd letzten / iſt vber das alles das leben an jhm ſelbſt edel vnnd heilig / vnnd eim jeden lieb: ut vi - tam redimas, omnia vendas. Satius eſt enim faculta - tum, quàm vitæ jacturam facere. Beſſer neun mal ver -Act. 27. dorben / denn einmal geſtorben / ſagen die Teutſchen. Da S. Pauli geferten / inn der geſchicht der Apoſteln am 27. capitel / auff dem Meer inn groſſe Leibsgefahr kamen / da wurffen ſie alles auß dem Schiff was ſie drinnen hatten / damit das Schiff leichter wurd vnd ſie das leben retteten.

Math: 9 Mar. 5. Luc. 8.Das arme Weib welches zwoͤlff Jahr den Blutgang ge - habt / vnd von den Ertzten viel erlitten vnnd außgeſtanden / die wagt jhren gantzen bettel dran / daß ſie moͤcht geheilet vnnd ge - ſundt werden.

O man verſucht in Leibskranckheiten alle muͤgliche mittel wie man das leben friſten / vnnd die haut davon bringen moͤge. Eph. 5. Niemand hat jemal ſein eigen Fleiſch gehaſſet / ſondern er nehret es vnd pfleget ſein.

Wenn[23]
Wenn einer gleich ſolt werden lahm /
An Henden / vnd Fuͤſſen zuſam /
Vnd kriegt dazu ein mangel groß /
Vnd hab ein Mund von Zeenen bloß /
Schadt alles nicht zu diſer friſt /
Wenn nur das Lebn noch uͤbrig iſt.

Wie bitterlich weinet Hiskia, da jhm der Prophet EſaiasEſa: 38. anſaget / er ſolte ſein Hauß beſtellen / er wuͤrde ſterben. Der liebe David betet / es wolle jhn Gott nicht laſſen ſterben in der helfftPſal. 102. ſeiner tag. O der Todt / der todt iſt viel bitter als kein Entlan / kundt einer ſein leben fuͤr dem Todt retten vnd befreyen / er hett auff der Welt nichts ſo liebes / daß er nicht dafuͤr willig herge - be. Damit Jonæ Schifleut vnd geferten jhr leben feiſten / friſch vnnd vnuerletzt zum Laad kommen moͤchten / wurffen ſie ſelbſt jhre Kauffmans guͤter vnnd jhre Schaͤtz / die ſie mit ſich fuͤhrten ins Meer / vnd ringern alſo jhr Schiff. Diß iſt alſo das erſte ſtuck dieſer Predigt / was der Menſch inn dieſer Welt lieb hat / vnd daſſelbige nicht gerne hinter ſich leſt. Folget nun das an - dere.

II. Dan andere fluck von S. Pauli wahl.

Es ſchꝛeibet der liebe Ambroſius vom Keyſer Theodoſio: als der ſterben ſolte / der nun der laſt deß Regiments / muͤd vnd uͤberdruͤſſig war / daß er gar gerne zu ſterben begehrt hab / aber er hab nur gefurchtet / es wurde nach ſeinem Todt die Kirch noth vnnd anſtoͤß leiden ꝛc. derwegen ſey er mehr ſorgfeltig fuͤr die Kirch geweſen / als fuͤr ſich ſelbſten. Denn er befurchte die Kirch wuͤrde newe Rauber bekommen / wie denn auch geſchach / dann ſein Succeſſor der K[e]yſer Valens, alle Chriſtliche Lehrer verjagete vnd toͤdtete.

So ſchreibet man von dem lieben Martino, da derſelbig auff eine zeit Todt kranck lag / da ſtunden ſeine Pfarꝛkinder vnnd Zuhoͤrer vmb ſein Bett herumb / beklagten vnndbewei -[24]beweineten ihn vnnd baten / weil er der Kirchen Gottes noch nutzlich fuͤrſtehen kundt / er woͤlle GOtt neben jhnen vmb fri - ſtung ſeines Lebens anſprechen / da antwortet er: Domine, ſi Eccleſiæ tuæ adhuc poſſum eſſe utilis, non recuſo labo - rem, ſi minus, fiat voluntas tua. Herꝛ mein Gott / kan ich deiner Kirchen noch fruchtbarlich dienen: ſol mich die arbeit nicht verdroſſen machen: wo aber nicht / vnd ich jetz ſterben ſol / ſo geſchehe dein wille.

Wie nun den frommen Theodoſium vnnd Martinum nicht die luſt zu leben / ſondern der betruͤbte zuſtand der Kirchen / bewegt noch lenger allhie am Joch zu ziehen: alſo begert Pau - lus lieber auffgeloͤſt zu werden / vnnd bey Chriſto zu ſeyn / denn allhie lenger zu leben / denn diu vivere nil aliud eſt quàm diu torqueri: lang leben / iſt lang in vngluͤck ſchweben. Allein der zuſtand der Kirchen machts / daß er vmb ſeiner zuhoͤrer willen / damit ſie nicht mit verdammlicher Menſchenlehr vergifftet /Matth. 13. vnd verfuͤhret wuͤrden / noch lenger zu leben begert. O es weiß der liebe Paulus gar zuwol / daß wann die Leut ſchlaffen / der Teuffel vnkraut zwiſchen den guten Weitzen ſeet / daß er ein1. Reg. 22. Act. 20. Pſal. 14. Eſa: 29 lugengeiſt in aller falſchen Prophetenmundt iſt / daß er Leut er - weckt die da verkehrte lehr reden / verderbliche ſecten einfuͤhren / derer Hertzen voller vnglaubens iſt / ehren GOtt mit jhren lip - pen / aber jhr Hertz iſt ferne von jhm / haben ein ſchein eines2. Tim. 3. Matth. 7. 1. Tim. 4. Eſa. []6. gottſeligen weſens / aber ſeine krafft verlaugnen ſie / ſie ſagen wol Herꝛ / vnd thun doch nicht deß Vatters im Himmel ſeinen willen. Wann im alten Teſtament die Propheten ſeyn ſchlaf - fen gangen / hat der Teuffel falſche Propheten / jrrige Lehr vnd Lehrer / heuffiger deñ ſonſt außgeſeet. Alſo auch in dem Newen Teſtament / nach S. Johannis Todt / ſtunden falſche Chri - ſti auff / nach S. Ambroſij Todt ward die reine Lehr durch die Gothen vnd Wenden / vnnd andere Heyden / vervnreinigt vnnd vntergetruckt. Da Auguſtinus ſchlaffen gieng / iſt das Arrianiſch vnkraut vber Africam auß geſeet worden. Nachvnſers[25]vnſers lieben Herꝛen Lutheri todt / iſt das verfluchte Interim, vnd folgents allerley ſchwermerey / mit aller macht angangen. Das bedenckt S. Paulus / vnnd tregt ſorg fuͤr ſeine gemeine / Er achtet weder band noch truͤbſal / die jhm druͤber begegnen /Act. 20. er helt ſein Leben nicht ſo tewr / damit er nur ſeinen lauff mit frewden vollende. Drumb vermahnet er auch zu Mileto dieAct. 20. Elteſten vnd Lehrer zu Epheſo mit diſen worten: So habt nur acht auff euch ſelbſt vnnd auff die gantze Herd / vnter welche euch der heilige Geiſt geſetzet hat zu Biſchoffen / zu weiden die gemein Gottes / welche er durch ſein eygen Blut erworben hat. Denn das weiß ich / daß nach meinem Abſchied / werden vn - ter euch kommen grewliche Woͤlffe / die der Herd nicht ver - ſchonen werden / auch auß euch ſelbſt werden auffſtehen Men - ner / die da verkehrte lehr reden / die Juͤnger an ſich zuziehen. Darumb ſeyd wacker vnd dencket dran / daß ich nicht abgelaſſen hab drey Jahr / tag vnd nacht / einen jeglichen mit trehnen zu vermahnen. Ein guter Hirt leſſet ſein Leben fuͤr ſeine Schafe. Joh. 10.

Aber ſonſten fuͤr ſein Perſon wehlet S. Paulus den Todt fuͤr das zeitliche leben / cupio diſſoluj ſpricht Er: ich begehrẽ auffgeloͤſt zuwerden: von weme hat er das gelernt? Vom alt -Gen: 49 vatter Jacob im 1. Buch Moſis am 49. Cap. der begert nichts mehr vnd ſehnlichers denn den Todt: Drumb ſpricht er: Herꝛ ich warte auff dein Heil. Vnd von dem alten Simeone LucæLuc. 3. am 2. Cap. Herꝛ nun leſt du deinen Diener mit fride fahren / wie du geſagt haſt ꝛc.

Vnd helt S. Paulus diß leben nicht anders / als ein ge - fengnuß vnnd tieffen Thurn / darinnen er gleichſam gefangen vnd gebunden lege / vnd ſaͤß vnter lauter Schlangen vnnd giff - tigen Wuͤrmern / wie wir denn außwendig mit ſtreit / inwendig mit furcht vmbgeben ſeyn 2. Cor. 7. vnd helt alſo der liebe Pau - lus ſeinen Todt nicht fuͤr ein Todt / ſondern fuͤr ein auffloͤſung / loß laſſung vnd erledigung.

DJob[26]

Job. 7. 14.Iob. muß nicht der Menſch jmmer im ſtreit ſeyn / vnd ſeyn ſeine tag nicht wie eines tagloͤhners? Vnd am 14. Cap. der Menſch vom Weib geborn / lebt eine kurtze zeit / vnnd iſt voll vnruhe. Vnnd Moſes der Mann Gottes im 90. Pſalm. Vnſer leben weret 70. Jahr / vnd wenns hoch kompt ſo ſeynsPſal. 34. achtzig / vnd wenns koͤſtlich geweſen iſt / ſo iſts muͤhe vnd arbeit geweſen. Denn es muß doch der gerechte viel leyden: Vnd durchAct. 14. viel truͤbſal muͤſſen wir eingehen in das Reich Gottes.

Alſo iſt der Todt der frommen nun anders nichts / denn ein anffloͤſung von allen ſtricken vnd banden / vnd kom̃en alſo in jhr warmes Bettlein / vnd auß dem ſtinckenden Kercker vnd Ge -Pſal: 4. fencknuß in vnſer heimat vnd hauß. Pſal. 4. Ligen vnd ſchlaf - fen gantz mit frieden: denn der Gerechte ob er gleich hie zeitlich ſtirbt / ſo iſt er doch in der ruhe / denn er gefelt Gott wol / vnndSap. 4. 3. iſt jhm lieb. Die Seelen der Gerechten ſeyn in Gottes handt / vnd keine qual ruͤret ſie an. Fuͤr den vnuerſtendigen werden ſie angeſehen als ſturben ſie / vnd jhr abſchied wirt fuͤr ein pein ge - rechnet / vnd jhr hinfarth fuͤr ein verderben / aber ſie ſeyn im frie -Dau. 12. de. Dan. 12. vnd viel die vnter der Erden ligen vnnd ſchlaffenApoc. 14. werden auffwachen. Apoc. 14. Selig ſeyn die Todten die inn dem Herꝛen entſchlaffen, Ioh. 11. Lazarus ſchlefft. Deñ es iſt derPhil. 3. Himmel vnſer allgemein Vatterlandt.

Von natur foͤrchten wir vns ſonſt fuͤr dem Todt. Pſal. 18.Pſal. 18. ſchreyet David Circumdederunt me dolores mortis. Deß Todtesſchmertzen haben mich vmbgeben Vñ Syrach ſchꝛeibt:Syr. 41. O Todt wie bitter biſtu / wenn an dich gedenckt ein Menſch / der gutte tag vnd gnug hatt / vnd ohne ſorg lebet / vnnd dem es wol gehet in allen dingen / vnd noch woleſſen mag. Wie kompt deñ S. Paulus drauff / daß er den Todt dem Leben fuͤr ziehen mag? iſt er doch auch ein Menſch? Laſt euch dienen jhr einfel -Simile Von einer Nuß. tigen vnd hoͤret zu: der H. Apoſtel Paulus ſicht nicht die rinden oder ſchaͤler an der Nuß vnnd Pomerantzen / ſondern den Kern vnnd bequemen lieblichen ſafft an. Eine Nuß hat außwendigeine[27]eine gruͤne bittere / darnach holtzige harte rinden vnd ſchale / in - wendig aber ein wolgeſchmacken kern / der den Kern eſſen vñ ge - nieſſen wil / der veracht die bittere vnnd harte ſchalen vmb deß ſuͤſſen Kerns willen. Eine Pomerantzen hat außwendig einPomeran - tzen. fein gefarbte aber ſehr haͤndige haut vnd ſchaͤler / inwendig aber eine geſunde / ſafftige / annembliche frucht. Ein vnuerſtendiger vnwiſſender grober Bawer ſolte wol / die Nuß / vnnd edle Po - merantzen wegen der außwendigen vbelſchmeckenden handig - keit beydes Nuß vnd Pomerantzen / Kern vnd guten gſchmack verwerffen: aber ein vernuͤnfftiger Mann / weiß beſſer ſich in handel zuſchicken / vnd ſchewet vmb der außwendigen bitterkeit / den ſuͤſſen Kern vnd lieblichen geſunden ſafft gar nicht / ſondern nach abſonderung deſſelben / iſt jhm Kern vnd Safft ſo viel de - ſto lieber. Alſo ſihet S. Paulus nicht auff die ſchaͤler deß Tods bitterkeit / ſondern auff den Kern vnnd ſafft der folgenden herꝛ - ligkeit.

Jm andern Buch Moſis / kamen die Kinder Jſrael anExod. 4. Mara. ein ort / da lautter bitter Waſſer war: alsbald aber ein Holtz hinein gelegt war / war es ſuͤß vnnd wolgeſchmackt. Den Todsbecher außzutrinckẽ / ohne abſchewliche bitterkeit / iſt nicht wol muͤglich / es ſey denn ein ſtuck de ligno vitæ, vom BaumApoc.[2] deß Lebens hinein gelegt. Vnd gleich wie die Studenten in der Communitet, jhr bitter Collquintenkraut / nicht eſſen kund -4. Reg 4. ten / es ruͤrete den jhnen der Prophet Eliſa ein Meel drein: Alſo koͤndten wir deß Todts bitters gifftiges kraut uͤbers Hertz nicht bringen / wo nicht das klare ſchoͤne Meel / darauß das BrotJoh.[6]. deß Lebens gebacken wirdt / hinein gemenget were. Drum ſagt der liebe Auguſtinus recht / mors non eſt mors, ſed credentibus janua ad ſalutem:

Kein Frucht das Weitzenkoͤrnlein bringt /
Es fall denn in die Erden /
Alſo muß vnſer jrꝛdiſch Leib /
Zu Staub vnd Aſchen werden /
D ijEhe[28]
Ehe dann er kombt zur Herꝛligkeit /
Die du Herꝛ Chriſt vns haſt bereit /
Durch deinen gang zum Vatter.

Denn weil Chriſtus die ſtraff deß Todtes fuͤr vnns erdul - det / die Angſt der Hellen fuͤr vns gelitten / der Gerechtigkeit Gottes fuͤr vns ein gnuͤgen gethan / vnd vns das leben erwor - ben hat / ſo duͤrffen ſich die rechtglaubigen nun fuͤr dem Todt nicht mehr fuͤrchten: denn ſo ſpricht der mundt vnd grundt derJoh. 8. warheit: Ioh. 8. Warlich warlich ich ſage euch / ſo jemand mein Wort wirt halten / der wirdt den Todt nicht ſehen ewig - lich. Denn Chriſtus iſt im Wort / wer den Herꝛen haben wil / der habe das Wort / vnd wer das Wort hat vnd behelt / der hat den Herren ſelbſten / ſambt aller ſuͤſſigkeit ſeiner gnad / vnd ſei -Act. 7. nes troſts / vnd wirt den Todt nicht ſehen / vnnd ſeine bitterkeit vnd ſchmertzen nicht fuͤhlen. S. Stephanus voll deß Glau - bens vnd troſtes Jeſu Chriſti / entpfundt nicht die bitterkeit deß Todtes / ſondern entſchlieff ſeliglich / vnnd ſprach: Herꝛ JeſuEuſ. lib. 3. [am]p. 36. nim meinen Geiſt auff. Ignatius ein Juͤnger S. Iohannis deß Evangeliſten / vnd ein Chriſtlicher Lehrer zu Antiochia: Als der den grimmigen Loͤwen ſolt fuͤr geworffen werden / hat er mit froͤlichem gemuͤth vnd gleichſam lachent geſagt: Frumentum Chriſti ſum, & per dentes beſtiarum molor, ut mundus panis inveniar: das iſt: Jch bin ja ein Korn meines Herꝛen Chriſti / vnd werde ietzund durch die zeen der wilden Thier / wie auff einer muͤhlen / zu eim Meel gemahlen / damit ich ein rein vnd wolgeſchmack Brot meines Herꝛen Chriſti werde.

Polycarpus. Der erlebte vnd alte Polycarpus, iſt mit freuden zu ſeinem Todt gangen. S. Laurentius, da jhn der Tyrann KeyſerLaurentius. Decius auff ein Roſt legen vnnd braten ließ: ſagte er mit froͤli - chem gemuͤth zu Decio: Jch befinde nicht hitz vom Fewer / ſon - dern eine erfriſchung vnd erkuͤhlung / vnd ſagte weiter: du Ty - rann / eine ſetten iſt gebratten / haſtu nun luſt? ſo : vnd wand - te ſich ſelbſt auff die ander ſeitten / vnnd befahl ſeine Seel demHerꝛn[29]Herꝛen Jeſu Chriſto: Lieber was macht ſie ſo getroſt? Eben das was hie S. Paulum: der ſagt: Jch begehr abzuſcheiden vnd bey Chriſto zu ſeyn.

Wie ſich ein Tagloͤhner / der ſich den gantzen tag abge - mergelt hatt / ſehnet nach dem Feyerabendt. Ein Kriegsman wunſcht daß die ſchlacht ein endt gewinne / vnd er ſein Leben zur beut davon bring / vnd Victori erhalt. Ein dienſtbot vnd ehe - halt der an eim boͤſen ort dient / daß ſein Jahr auß ſey / ein ge - fangener erledigung / ein Krancker geſundheit / ein armer Reichthumb / ein reiſender ſeine heimat vnd wohnung.

Alſo wuͤnſcht jhm hie S. Paulus außgeſpant vnd auffge - loͤſt zu werden / vnnd bey Chriſto zu ſeyn. Denn er weiß gar2. Cor. 18. wol / da er in dritten Himmel entzuckt geweſen / was an dem ort fuͤr vnaußſprechliche freudt iſt / die kein Ohr gehoͤret / kein Zung außſprechen kan / die in keines Menſchen hertz nie kom - men iſt / der der wolt Er auch gar gerne mit genieſſen. Es weißSap. 3. S. Paulus daß ſein vnnd aller gerechten Seelen ſeyn inn der Handt Gottes / vnd ruͤret ſie keine qual / ſie ſeyn in fried. ErPſal. 91. Luc: 16 weiß daß die Seel der frommen von Mund auff / vnd alſo bald von den lieben Engeln getragen wirt in die Schoß Abrahæ, vnnd jhnen nichts leidts widerfehret. Daß wenn ſie heut vom Leib abſcheiden / alsbald im Paradeiß ſeyn. Er weiß daß derLuc: 23. Philipp. 3. Joh. 14. &[17]. Pſal. 1[6]. Himmel vnſer allgemein Vatterlandt ſey / vnd daß bey Chriſto im Hauß ſeines Himmliſchen Vatters ſey frewdt die fuͤll / vnd lieblichs weſen jmmer vnd ewiglich.

Der liebe Petrus / da der auff dem Berg Thabor, nur einen ſchatten deß geſchmacks vom ewigen Leben entpfundt / be -Matth. 17. kompt er ein ſolche luſt / begierd vnd freud: daß er der Welt vnd aller weltlicher freudt / vergiſt / wil ewiglich auff dem Berg ver - bleiben / vnd ſpricht: Hic eſt bonum habitare: hie iſt gut ſeyn: wil alsbaldt anfangen daſelbſten huͤtten zu bawen / vnd aldor - ten verbleiben. Ach was fuͤr ein vnaußſprechliche freud wird inD iijdem[30]dem ewigen Erb deß Himmels allen glaubigen zubereitet / vnd auffbehalten ſeyn?

Es gehet vns warlich auff diſer Welt nicht ſo wol / daß wir mit Paulo nicht ſagen ſolten cupio diſſolvi: ich begehr auff - geloͤſt zu werden: denn: Allhie in diſem Jammerthal / iſt muͤhe vnd arbeit uͤberal / auch wenns vns wolgelinget:

Seyn wir noch was / ſo iſts nur qual /
Vnd Muͤhe vnd Arbeit uͤberall /
Vnd vnſer leid vnd ſchmertz druckt fort /
Mit wehe durchauß an allem ort.

I. I. Patria.Ja ſprichſtu: Jch wolt mit Paulo auch begehren abzu - ſcheiden / vnd bey Chriſto zu ſeyn / wenn wir obenberuͤrte ſieben ſtuck / wo nicht alle / doch etliche im weg ſtuͤnden: denn erſtlich iſt mir mein Vatterlandt lieb. Keyſer Rudolphus 2. Chriſt - milder angedenckens ſagte kurtz fuͤr ſeinem Abſchied: als er inn der Jugent were inn Spanien geweſen / daſelbſt auch