PRIMS Full-text transcription (HTML)
Doct. Joh. Joachim Bechers Roͤm. Kayſ. Maj. Cammer - und Commercien-Raths Naͤrriſche Weiſzheit Und Weiſe Narꝛheit:
Oder Ein Hundert / ſo Politiſche alß Phyſicaliſche / Mechaniſche und Mer - cantiliſche Concepten und Propoſitionen / Deren etliche gut gethan / etliche zu nichts worden /
Sampt den Urſachen / Umbſtaͤnden und Beſchrei - bungen derſelben. Ein Tractaͤtlein vor die Liebhaber / ſehr curios und nuͤtzlich zu leſen / als worinnen viel nach - denckliche Sachen enthalten.
(Terentius. )Incerta hæc ſi tu poſtules, ratione certa facere, ni - hilo plus agas, quam quod des operam, ut cum ratione inſanias.
Franckfurt /In VerlagJohann Peter Zubrods. Anno M DC LXXXII.

Erſter Theil Doctor Bechers Naͤrri - ſche Weißheit.

Oder Concepten / welche dem aͤuſ - ſerlichen Anſehen nach naͤrriſch / irraiſonna - ble und ohnmoͤglich geſchienen / dennoch in praxi wohl ſuccedirt und mit Nutzen reuſſiret.

  • 1. Die Erfindung deß Maͤgnets / und deſſen Gebrauchs.
  • 2. Allerhand Segelationes und Entdeckungen der Welt in Oſt - und Weſt-Indien.
  • 3. Moſcowitiſcher Land-Weg nach China.
  • 4. Printz Ruprechts Biber - Compagni in America.
  • 5. Deß Churfuͤrſten von Bran - denburg Durchſchnitt von der Oder in die Elb.
  • 6. Pflantzung der Faͤrber-Roͤth / Waͤyd / Safflar / Riebſaa - men / Reiß / Toback / item Winter-Zucker-Rohr.
  • 7. Koͤnig Henrich deß Vierdtens in Franckreich Seiden-Intro - duction.
  • 8. Koͤnig Edoards und Koͤnigin Eliſabeth Introduction in En - geland der wuͤllen manufactur.
  • 9. Bereitung deß Cardis und Beutel-Tuchs zu Kalbe in Schwaben / welches man biß dato allein in Franckreich ge - than.
  • 10. D. Bechers Inſtrument die rauhe Wind oder Geißhaar aus der Woll zu ſcheiden.
  • 11. Ejusdem Web-Inſtrument mit zwey Perſonen in einem Tag 100. Elen Lacken zu we - ben.
  • 12. Ejusdem hoͤltzern Inſtrumentwollenewollene feine Struͤmpff zu ſtricken / des Tags ein paar.
  • 13. Ejusdem Seiden-Filatotium o - der Abwind-Inſtrument, die feine Seide mit wenig Men - ſchen in groſſer quantitt ab - zuwinden.
  • 14. Deß Herꝛn von Zuͤlchern per - pendicular-Uhr die gradus la - titudinis zu finden.
  • 15. D. Bechers perpetuum mobi - le, phyſico-mechanicum, alle Uhren die an einem Ort ſte - hen bleiben / continuirlich / oh - ne auffgezogen gehen zu ma - chen.
  • 16. Ejusdem Invention aller Orten Waſſermuͤhlen zu bauen.
  • 17. D. Bechers Flußbett und neu - es Waſſerrad zu einer Schiff - muͤhle.
  • 18. Salomon Moorlands Engli - ſches Stentrophonicon auff ei -A iijnene Teutſche Meil miteinander laut zureden.
  • 19. Douſons Inſtrument Saltz auß dem Waſſer zu ziehen.
  • 20. D. Walckots Pumpe aus Saltzwaſſer Suͤßwaſſer zu pumpen.
  • 21. Douſons Kunſt-Rohr / welches da ſchieſſet mit gemeinem Pulver und Bley / als ein an - der Rohr / und doch keinen Knall thut / und beſtehet die Kunſt allein in Bereitung deß Rohrs.
  • 22. Paul Webers Invention von Lufft-Roͤhren.
  • 23. Printz Ruprechts Invention, eiſerne Stuͤcke zu gieſſen / weich und zehe zu machen / daß man ſie drehen kan wie Kupffer / und im ſchieſſen beſſer ſind / als die von Me - tall.
  • 24. Bereitung deß Meſſings / gelb und weiſſen Kupffers / Zinnes und Eiſens.
  • 25. Chriſtian Treulebens eines Schwediſchen Obriſten uri - natoria, oder Kunſt unter dem Waſſer zu gehen / und Stuͤck und verſuncken Gut auffzu - holen.
  • 26. Die Erfindung deß Pulvers / der Artiglerie und der Feuer - wercke.
  • 27. Baͤyriſche Stocator-Arbeit.
  • 28. Die Engelaͤndiſche Lederbe - reiterey.
  • 29. Haͤffnerey und Pottebacke - rey.
  • 30. Faͤrberey.
  • 31. Scheidwaſſer / Sublimat, Præ - cipitat, Zinnober / Gruͤnſpan / Bleyweiß / Bleygelb / Bley - glett / Mennig zu machen.
  • 32. D. Bechers Seegmuͤhl in ei - nem Wald.
  • 33. Experis Waſſermuͤhl bey Lou - don / da das Waſſerrad Hori - zontal geht.
  • 34. Rabeles Tropffen.
  • 35. Vitriol, Salpeter / Saltz oder andere Metallen in die Erde zuſaͤen / darinnen wachſen zu machen / und zu augmen - tiren.
  • 36. D. Bechers Invention von Feuer / Kohlen und Toͤrr.
  • 37. Hollaͤndiſche Papiermuͤhl.
  • 38. Raͤucher-Werck.
  • 39. Neue Art von Fermentiren.
  • 40. Von der Typographi und Ta - chygraphi.
  • 41. Von einer allgemeinē Spꝛach und Schrifft.
  • 42. Huͤltzener Blaßbalg.
  • 43. Kaͤyſers Ferdinandi III. Pro - portional-Zirckel.
  • 44. Printz Ruprechts ſchnelles ſchieſſen aus Geſtuͤcken.
  • 45. Thermoſcopia oder Wetter - Glaͤſer.
  • 46. Neue Fortification.
  • 47. Jachten.
  • 48. Microſcopia und Teleſcopia.
  • 49. Brand-Spiegel.
  • 50. Camera obſcura.
  • 51. Holtzſpar-Kunſt.

Anderer Theil. Doctor Bechers Weiſe Narrheit.

Oder Concepten / welche dem aͤuſ - ſerlichen Anſehen nach guten Schein hatten / von raiſon waren / und gute intention de - monſtrirten / dennoch aber in praxi nicht ſuc - cedirten / und derentwegen bey dem gemei - nen Mann fuͤr naͤrriſch und un - bedacht ausgeſchrien worden.

  • 1. Deß Koͤnigs in FranckreichA vLudo -Ludovici XIV. Expedition nach Gigeri in Affrica.
  • 2. Ejusdem Oſt-Indiſche Com - pagni in Madagaſcar.
  • 3. Ejusdem occupirung und deſe - rirung von Sicilien.
  • 4. Verkauffung Duͤnkirchen an die Frantzoſen.
  • 5. Hollaͤndiſche Colonirung in Quiana.
  • 6. D. Bechers Neu-Hanau in Weſt-Indien.
  • 7. Hertzog Friedrichs von Holl - ſtein weltkuͤndige Ambaſſada nach Moſcau und Perſien / umb Kauffmannſchafft zu treiben.
  • 8. Koͤnigs von Franckreich Durchſchnitt in die Mittel - See zu kommen / ohne die Straaß zu paſſiren.
  • 9. Caroli M. Graben bey Nuͤrn - berg / die Donau mit demMaͤynMaͤyn und Rhein zu vereini - gen.
  • 10. Graf Wolffgang Julius von Hohenloe / General-Lieute - nants Concept, die Donau mit dem Rhein zu vereini - gen.
  • 11. Foſſa Camuz die Wolgau und das Mare Caſpium uͤber Aſof, oder Tanais mit dem Ponto Euxino zu vereinigen.
  • 12. Chineſiſche Mauer / item Ha - drianiſche Mauer in Enge - land / item Hollaͤndiſche O - ber-Ißliſche Iranchemen - ten.
  • 13. Wieneriſche Oriental-Com - pagni nach Conſtantinopel zu handeln.
  • 14. D. Bechers Kaͤyſerl. und Baͤyriſche Seiden-Compa - gni.
  • 15. Ejusdem Kaͤyſerl. Kunſt - und Werckhauß in Wien.
  • 16. Deß geweſten Hof-Cammer - Præſidentens / Grafen von Sintzendorffs Gold-Fabrica zu Neuburg am Inn.
  • 17. D. Bechers Legatur-Werck.
  • 18. Ejusdem Introduction der Ma - nufactur in Teutſchland / und Verbietung frembder.
  • 19. Ejusdem Reichs-Ærarium.
  • 20. Neuvilles in Ambſterdam Pfeffer-Propolium.
  • 21. Reinier von der Schagen Tu - tiæ Propolium.
  • 22. Martin Elers Rheiniſcher Wein-Handel.
  • 23. Daniel Craffts Hopffen - Handel in Baͤyern.
  • 24. Iſaac von Nickeln Kunſt Maulbeer-Baͤume und Sei - den-Wuͤrme auffzuziehenauffauff dem Krautberg zu Har - lem.
  • 25. Ejusdem Perſpectiv auff 20. Teutſche Meil wegs zu ſe - hen.
  • 26. Roͤtterſt Pflantzung eines Weinbergs zu Maͤyderberg bey Nardten.
  • 27. Hollaͤndiſche Windmuͤhl mit doppelten Fluͤgeln im Bil - lemmer Meer.
  • 28. Wilhelm Schroͤders Auſter - bruͤt in Oeſterreich.
  • 29. Leibnitzens Poſtwagen von Hannover nach Ambſteꝛdam in 6. Stunden zu fahren.
  • 30. Andreæ Reußners Schwedi - ſche Waſſerkunſt uͤber den Brunckenberg zu ziehen.
  • 31. Douſſon Schiff zu Rotter - dam.
  • 32. Merſennes Schiff unter dem Waſſer.
  • 33. Deß Ertzbiſchoffs von Saltz - burg Cardinal Grafens Gui - dovvaldi von Thun Waſſer - Fontain.
  • 34. Ejusdem Marmorſteinerne Schlang.
  • 35. Joachim Goͤhnholtz Waſſer - muͤhl zu Maͤyntz.
  • 36. Das Engliſche Schiff mit zwey Kehlen.
  • 37. Liffrings Invention umb Gold aus dem Sand in Quinea zu bohren.
  • 38. D. Theodori Grau Microſco - pium 100000. kleine Thier in einem Tropffen Waſſer zu ſehen.
  • 39. P. Soltfilii, Andreæ Reußners und Hartmanns Perpetuum Mobile.
  • 40. Buͤrgermeiſter Hutte Schluͤ - ſen und Waſſermuͤhlen.
  • 41. Buͤrgeꝛmeiſter Oetgens Block - haͤuſer.
  • 42. Duc de Luxenbourg Feuer-Ma - chinen vor Philippsbourg, I - tem / die Frantzoͤſiſche neue kupfferne Schiffbruͤcke.
  • 43. Hautſchens von Nuͤrnberg Inſtrument in der Lufft zu flie - gen.
  • 44. Glaßweſen.
  • 45. Reuchers Invention den Acker mit Elephanten zu pfluͤgen / woruͤber er ins Zuchthauß kommen.
  • 46. Jacobide la Porte Kunſt Schaͤtz zu graben.
  • 47. Ludwig Ernſt augmentirung der Capitalien zu Marſee zwi - ſchen Ambſterdam und U - trecht.
  • 48. D. Ketgens Bergwerck bey Maſtricht in dem Land von der Ober-Maaß.
  • 49. D. Galeni Spaniſches Saͤiff -machenmachen mit dem Colonel Weyd / und ſein Wein und Eſſig-machen.
  • 50. Deß Obriſten von der Haa - gens Kunſt Perlen weiß zu machen.
  • 51. D. Biſſelii præſervation contra Venenum auff 30. Jahr / ver - mittelſt einer eintzigen Doſe.
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Vorrede An den guͤnſtigen Leſer.

WIewol der liebe GOtt unterſchiedliche Argu - menta und Documenta, ſeiner Guͤtigkeit / Provi - dentz und Exiſtentz ſichtlich in die Natur geleget / ſo iſt doch das Do -[n]um Inventionis bey den Menſchen[n]icht das geringſte / wie denn auch[d]ie heilige Schrifft in Erbauung[d]er Huͤtten deß Stiffts ſolches[m]erckwuͤrdig anziehet / daß Gott[b]ereits damalen einige Meiſter[d]armit begabt. Hier iſt kein Anſe -[h]en der Perſon noch Profeſſion:[K]oͤnig und Bauern / Gelehrte und[U]ngelehrte / Heydē und Chriſten /[F]romme und Boͤſe / ſeyn darmitAbe -begabet worden / welches wir an Archimede, Euclide, Vitruvio, Ge - ber, und zu unſerer Zeit / Albrecht Duͤrrē / Tyc. Brahe, Dan. Neuber - gern und viel anderen mehr ſehen. Die Goͤttl. Gnade hat mir auch et - was von dieſem Dono gegeben / gleich meine Schriften ausweiſen / und Gott der ein Hertzenkuͤndiger iſt / weiß es daß ich ſolche habe ge - ſucht meinem Vaterlande der Teutſchen Nation, dem Roͤm. Reich zum Nutzen anzuwenden. Inſon - derheit war meine Intention, Ma - nufacturen im Roͤmiſchen Reiche zu zielen / und die Frantzoͤſiſche dar - aus zu halten / ich vermeinte das waͤre das unum neceſſarium dieſer Zeit / aber ich hab mich ſehr darin - nen betrogen gefunden / dann ich wuſte nicht / daß die jenige / welche die Sache befoͤrdern ſolten / ebe[n]die jenigen waͤren / die es nicht thu[n]wol[-]wolten: Gott vergebe es ihnen / ſie haben mich in den aͤuſſerſten Ruin gebracht / und war ihnen nicht ge - nug mich in Teutſchland zu verfol - gen / ſondern ſie habens noch in Holl. und Engelland gethan / und ſolcher Geſtalt presſirt, daß wenn ich ſolcher Privat-Perſonē wegen mich haͤtte raͤchen wollen / wie Bat - clajus ſagt / ich meinem allergnaͤ - digſten Kayſer einen groſſen Scha - den von Intereſt und Queckſilber / und andern Schaden jaͤhrlich haͤtte thun koͤnnen. Ich habe mich aber ſtill gehalten und ge - wunden wie ein Wurm / GOtt hat mir doch dieſes zu meiner con - ſolation gegeben / daß mein groͤſter Freund der Hoff-Cammer-Praͤ - ſident gefallen / und ich bin gewiß verſichert / daß Gott gerecht iſt / und auff Ihro Kayſerl. Maj. ein ſon - derliches Abſehen hat / auch die uͤbrige drey die im Plott ſeyn ſtuͤr -A 2tzentzen wird / ich will ſie nun nicht nen - nen noch zu Schanden machen / a - ber vor wahr kan ich ſagen / daß das Frantzoͤſiſche Plott ſo man hier in Engelland Papiſt. nennen wil / ſo groß in Oeſterreich ſey als in Engeland / Gott aber wird bald beydes entdecken. Indeſſen daß man mich von allen Mitteln ge - bracht / bleibt doch das jenige be - ſtaͤndig / welches mir Gott gege - ben / nemlich das Donum Inventio - nis, und wiewol es mir uͤbel gehet und gantz verlaſſen zu ſeyn ſchiene / hat mich doch Gott allezeit darin geſtaͤrckt / und je groͤſſer die Ver - folgung war / je groͤſſere Gnade ge - geben. Seneca ſagt wol / ein jeder kan verfolgt werden und fallen / a - ber ein jeder kan nicht wieder auff - ſtehen und ſich helffen / welches wir nun an dem Hof-Cammer-Praͤſi - denten ſehen wollen / ob er ſo bald auffſtehen werde / als er gefallenſeyſey. Ich hab in allen meinen Truͤb - ſal und im Exilio dieſes Tractaͤtlein und noch ein anders auff dem Meere geſchrieben in hoͤchſtem Sturm von 28. Tagen / intitulirt, Lumen trinum, ich glaube / daß es dem Leſer gefallen wird / dann wie - wol mir nichts von meinen Sa - chen gefaͤllt / ſo halt ich doch dieſe beyde Scripta vor meine beſten: der guͤnſtige Leſer wird hieraus ſehen daß ich in der Welt nicht muͤſſig ge - ſeſſen / daß ich in Ungluͤck den Muth nicht verlohren / daß ich ge - than habe was einem Teutſchen Patrioten gebuͤhrt / er wird auch aus eben dieſem Tractat ſpuͤren daß ich unpartheyiſch von mir ſel - ber geſchrieben / ſo wol in die Naͤr - riſche Weißheit / als Weiſe Narrheit auffrichtig geſetzt / und[f]uͤrwar in meiner Conſeientz / nie -A 3mandmand zu Liebe noch zu Leyd aus einiger Paſſion geſchrieben: Gott ſey mein Zeuge / daß ich das was ich hierinne geſchrieben nicht beſſer weiß / und ich kenne den meiſten Theil der Actorum ſelbſt: die Umb - ſtaͤnde ſind auch ehrlich entdeckt / und ich koͤnte wol groſſen Nutzen anweiſen / welcher aus Leſung die - ſes Buͤchleins entſpringen koͤnte: wan die Curioſi in Teutſchland und anderer Orten / dieſem meinen E - xempel folgen wolten / ſo wuͤrde kein Pancirollus mehr vonnoͤthen ſeyn / der de rebus perditis ſchrei - bendoͤrffte / und der Polydorus Vir - gilius de rerum inventione wuͤrde mit einer andern Feder geſchrieben haben. Dieſes Seriptum habe ich hier zu Londen geſchrieben in mei - nem Exilio, worin mich mein un - danckbar Vaterland verwieſen / uñ wann es ihnen nicht Guts thunkankan / ſo wird es ihnen doch weiſen / wen ſie verlohren. Ich allezeit wuͤnſche ihnen / was jener Grie - che zu Athen / vermeine der Demo - ſthenes geſagt hat / als er ins Exili - um verwieſen / ihr Geſetzgeber dem Staats-Boten antwortete / als er ihm das Exilium ankuͤndigte: Quid referam ingratæ Patriæ? dieſer De - moſthenes antwortete: nihil, niſi quod optem, ut Respublica Veſtra tam felix ſit, quod nunquam opus habeat Demoſthenis recordari. Ich nun meines Theils bin ad me - talla condemnatus, derer hier in Engelland / Schottland / Irrland viel ſeyn / uñ fuͤrwar von wunder - barlicher Natur / kommt etwas weiters curioſes herauß / ſo ſoll der guͤnſtige Leſer parte davon haben / und ihm nicht gereuen daß mich der Gluͤcks-Ballen nach Engel - land geworffen.

A 4Do -1

Doctor Bechers Naͤrriſche Weißheit / oder Concepten / welche dem aͤuſſer - lichen Anſehen nach naͤrriſch / irrai - ſonable und unmoͤglich geſchienen / hingegen dennoch in Praxi wol ſuccedirt und mit Nutzen reuſciret.

1. Die Erfindung deß Magnets und deſſen Gebrauch.

DIe Erfindung deß Ma - gnets ſo ingenios und nuͤtzlich ſie iſt / ſo naͤrriſch und unglaͤublich haͤtte ſie einem Anfangs vor - kommen ſollen / geſtaltſam ſie noch biß dato auch nach der Erfindung nicht genugſam kan verſtanden werden / was nemlich die ei - gentliche Urſache der Direction deß Ma - gnets nach dem Polo, oder deſſen Anziehung deß Eyſens ſey: wiewol viel darvon geſchrie - ben haben / ſo kan ich doch beweiſen daß we -nig2nig das rechte Ziel getroffen: aber hiervon ein mehrers in meinem Lumino trino. Un - terdeſſen ſo uͤbernatuͤrlich auch der Magnet ſcheinet / ſo hat doch die Invention deſſen gut gethan.

2. Allerhand Segelationes und Ent - deckungen der Welt in Oſt - und Weſt-Indien.

Dieſe ruͤhren meiſtentheils her aus Ge - brauch deß Magnets / theils aber auch aus andern Urſachen und Reiſen: unter andern iſt fuͤrwar ſehr denckwuͤrdig / daß Chriſto - phorus Columbus in dieſen letzten Zeiten / die neue Welt erfunden / welche ſo viel 1000. Jahr unbekandt geweſen / er iſt zehen gantzer Jahr mit dieſen Gedancken ſchwanger ge - gangen / und wenn er ſein Concept offenba - ret / da iſt er fuͤr einen Narren gehalten wor - den / denn was kan naͤrriſcher ſeyn als eine neue Welt wollen erfinden? das Concept gieng doch an / und gehoͤrt billig unter die naͤr - riſche Weißheit. Noch iſt uͤbrig die Terra incognita Auſtralis, und daß niemand bey den zweyen Polis geweſen / und der Weg zu Waſſer durchs Eyß-Meer in China.

A 53. Moß3

3. Moßcowitiſcher Landweg nach China.

Viel lange Jahr durch viel Menſchen mit groſſen Koſten / durch ungeheure Waͤl - der / uͤber Berg und Thal / Stroͤhme und Fluͤſſe / haben die Moßcowiter endlich einen Landweg nach China gemacht / und dadurch auch eine Ambaſciada dahin geſchickt.

4. Printz Ruprechts Biber-Com - pagnie in America,

Wiewol die Engellaͤnder treffliche rei - che Kauffmans-Compagnien haben ſowol in Oſt als Weſt-Indien / auch Levante und Tuͤrckey / ſo iſt doch dieſe Biber-Compagnie in den kalten und Eyßlaͤndiſchen Theilen von America ſo geringe ſie Anfangs geſchie - nen / nicht alſo zu verachten / dann ſie hat ih - ren Participanten das angelegte Capital nicht allein bereits wieder erſtattet / ſondern auch ſehr reichlich verinteresſirt, ſolcher Ge - ſtalt daß ob gleich der Ort aldar rauh / und gleichſam unbewohnlich iſt / er dennoch mehr eintraͤget als wo in den waͤrmſten Theilen Wein und Zucker waͤchſet: dieſes machen die Biber-Felle / welche haͤuffig alldar zu be - kommen ſeyn.

5. Deß4

5. Deß Churfuͤrſtens von Bran - denburg Durchſchnitt / von der Oder in die Elbe.

Wiewol viel Durchſchnitte in der Welt hin und her mit groſſen Koſten tentirt worden ſeyn / welche doch nicht reuſcirt ha - ben / darvon in der folgenden Weiſen Narꝛ - heit ein mehrers: So hat doch dieſer Durch - ſchnitt von der Oder in die Elbe ſehr wol reuſcirt, und lieſſe ſich noch mit beſſerer Gele - genheit und Vortheil / durch das Meckelbur - giſche dergleichen Fahrt anſtellen / daß man bequem von Roſtock oder Ruͤbenitz in die El - be / nehmlich aus der Oſt See in die Weſt - See kom̃en koͤnte / ohne den Sund zu paſſi - ren / geſtaltſam auch der groſſe Wallenſteiner von Luͤbeck auff Hamburg ſolches zu thun Willens war.

6. Pflantzung der Faͤrber-Roͤth / Wayd / Safflor / Ribſaamen / Reiß / Taback / item Winter-Zu - cker-Rohr.

Man hat in Zeit von 100. Jahren he - ro in Europa inſonderheit Teutſch - und En - gelland unterſchiedliche Erden-Fruͤchte ge - pflantzet / welche vormahlen nie gut gethan hatten / und der Bauersmann davor ge - halten daß es naͤrriſch gethan waͤre /A 6ſol -5ſolche Sachen anzufangen: dennoch hats der Effect bewieſen / daß die Faͤrberroͤhte in Schlefien gut gethan / der Wayd in Thuͤ - ringen / der Safflor bey Straßburg / der Reiß in Boͤhmen / Ribſaamen und Taback unterſchiedlicher Orten. Ich habe die Ame - ricaniſche Potatos oder Erd-Aepffel mit ſehr gutem Succeß in Oeſterreich gepflantzet / welche gutes Brod / Wein und Brandwein geben / mir zweiffelt nicht man ſolte in Ita - lien die Indianiſche Ananas, Cajon, Carſa - via und viel andere Fruͤchte mehr ziehen / und hab ich nicht ohne Urſach in dem Titul dieſes Puncts Meldung von Winter-Zucker - Roͤhren gethan / darvon ich eine Probe in Ungarn verſichert / welche erſt das zweyte Jahr Frucht getragen / und einen Winter außgehalten: ich bin gewiß verſichert / daß wo Zucker waͤchſet auch Wein wachſen kan / und wo Wein waͤchſet auch Zucker-Roͤhre wachſen koͤnnen / und ob gleich der Safft nicht gantz zeitig wird und in der Refinirung ſo vielen harten Zucker gibt / ſo gibt er doch ei - nen lieblichen Safft / welcher einen herrli - chen Wein-Tranck giebet. Wie die Maul - beer-Baͤume zupflantzen / daß man ſie zwey - mahl in einem Jahre gebrauchen kan / beſiehe den Atlantem, und fuͤrwar wann die Engel -laͤn -6laͤnder noch heutiges Tages in den warmen Theilen Americæ, welche ſie beſitzen / Wein pflantzen / Oliven / Roſinen / Mandeln / Reiß / Baumwolle und dergleichen an ſtat deß Tabacks zielen wolten / ſie wuͤrden Franckreich und Spanien einen groſſen Ab - bruch thun / hingegen ſich ſelbſt / ihre Colo - nien und Negotien ſehr bereichern.

7. Koͤnig Heinrich deß Vierdten in Franckreich Seyden-Introduction.

Es hat dieſer Koͤnig gegen jedermans Gutachten / inſonderheit wider ſeines Cantz - lers perſvaſion ſehr loͤblich und beſtaͤndig in ſeinem propoſito verharret / und gegen jeder - mans Vermeinung die Seyden-Ziehlung Introduciret, und derowegen ein Buͤchlein in Frantzoͤſiſch drucken und unter die Under - thanen austheilen laſſen / welches ſie hernach verteutſchen und in Oeſterreich drucken laſſen / alwo gleich wie auch in Ungarn die Maulbeer-Baͤume trefflich gut thun: weil aber das Concept von mir her kam / ſo wur - de es verworffen oder vielmehr / deutlicher darvon zu reden / von der Nation Faulheit verlaſſen. Der tapffere Churfuͤrſt von Mayntz Hanß Philipps hat es hingegen zu Vayts / Hochem / bey Wuͤrtzburg in Fran -A 7cken -7ckenland aſſumirt und gluͤcklich introducirt: ſo naͤrriſch nun deß Koͤnigs Heinrichs Sey - den. Concept ſchiene / ſo nuͤtzlich iſt es nun fuͤr Franckreich / und ſo weißlich iſt es gethan.

8. Koͤnig Eduards und Koͤnigin Eliſabeth in England Introducti - on der Wollen-Manufactur.

Dieweil Engelland an Heyden reich iſt / ſo hat es die Gelegenheit zur Schaͤfferey / und weil die Wolle zimlich geſchlacht / ſo hat man getrachtet Manufacturen daraus zu machen / und zu verbieten die rohe Wolle hinaus zu fuͤhren. Diß hat dem Koͤnigreich Engelland nicht allein eine groſſe Narungin dem Lande ſelbſt verurſacht / und viel Handwercks-Leu - te unterhalten / ſondern es hat auch auſſer Landes groſſen Handel gemacht fuͤr die Eng - liſche Nation, derentwegen ſie ihren Stapel von Engliſchen Lacken durch die gantze Welt haben. Dieſes wichtige Negotium nun hat die vorſichtige Koͤnigin Eliſabeth abſonder - lich fortgeſetzt / worzu ihr der Spanier Ty - ranniſches procedere und Reformation in Flandern ſpecialiter zu Bruͤg gedienet / in - dem die Handwercks-Leute dorten verjaget / von der Koͤnigin in Engelland auffgenom - men / und alſo dadurch unter den Renlaͤnderndie8die Wallen-Manufactur introducirt worden. So vorſichtig nun ſolches võ den Engellaͤn - dern gethan iſt / auch noch heutiges Tages wie in dem letzten Parliament zu ſehen / in Obacht genommen wird / ſo naͤrriſch iſt es hingegen von den Spaniern gethan / daß ſie die Wollen-Manufactur den Hollaͤndern uͤberlaſſen / hingegen Saragoſſa und andere Oerter in Spanien mehr depopulirt, und verderben laſſen.

9. Bereitung deß Cardiß und Beu - teltuchs zu Kalbe in Schwaben / welches man biß dato allein in Franckreich gethan.

Wiewol Kalbe in Schwaben an ei - nem unfruchtbaren Orte ligt / dannenhero naͤrriſch geſchienen / etwas abſonderliches dort anzufangen / ſo hats doch der Effect be - wieſen / daß durch eine vorſichtige weiſe An - ſtalt ein treffliches Negotium von Wollen - Manufactur, dergleichen ſonſt in gantz Teutſchland nicht iſt / aldar introducirt und ſtabulirt worden / wordurch den Frantzo - ſen nicht wenig Abbruch geſchicht / und wann wie der Hertzog in Wuͤrtenberg / der Chur - fuͤrſt von Mayntz wegen Erffurt / der Ertz - Biſchoff von Saltzburg / Biſchoff vonBam -9Bamberg und Wuͤrtzburg / und der Her - tzog von Neuburg mit mit correſpondirt, und ich reſolvirt das Manufactur-Werck fort zu ſetzen / wann ſag ich / das Verbott und Reichs-Edict waͤre fort geſetzt / und manute - nirt, auch die deſſentwegen mir auffgetrage - ne Commisſion, die ich bereits weit incami - nirt, continuirt, und ich nicht dem geweſten Cammer-Praͤſidenten / dem Grafen von Zintzendorff (welchen doch Gott darnach ge - ſtuͤrtzt) zu gefallen / von den Kayſerl. Mini - ſtris waͤre verfolgt und ruinirt worden / ſo wuͤrden anjetzo die Manufacturen in Teutſch - land beſſer ſtehen / und die Frantzoͤſiſche Gold - Grube noch mehr verſtopfft ſeyn.

10. Doctor Bechers Inſtrument die rauhe Wind - oder Geißhaare auß der Wolle zu ſcheiden.

Es haben die Schaffe gemeiniglich zweyerley Haare / zarte und rauhe / die eine ſind Wolle / die andere ſind Haare wie der Geiſen / und dieſe letztere ſind wiederſpenſtig / ſpiſſig / hart und rauh und ſolcher Geſtalt iſt die Ungriſche Wolle / darumb man nichts als Kulten oder Decken daraus macht: hinge - gen die Spaniſche Wolle iſt die beſte / die Polniſche / Flammiſche / Pommeriſche /Eng -10Engliſche die mittlere Gattung / und ich hoͤre daß in Tuͤrckey in einer Provintz Albanien genannt / die tapferſte Soldaten und auch die allerfeineſte Wolle der Welt ſey. In Perſien hat die Wolle auch vil Wind-Haare / darum ſchreibet Tabernier in ſeiner Reiſe-Be - ſchreibung / von einer Manier wie die Perſia - ner die Haare von der Wolle ſcheiden / die Hollaͤnder nennen es Flocken und haben ein eigen Inſtrument darzu von Staͤben / aber die Wolle wird gar ſehr hierdurch zerſchla - gen uñ muͤrbe. Ich habe es aber auff eine an - dere Manier / durch Huͤlffe nur eines Jun - gens in einem Tage 100. Pfund Wolle alſo von den Geiß-Haaren zu ſcheiden / daß die Wolle ſo ſanfft wie Seyden wird, und gern noch eins ſo viel werth iſt / als ſie vorhin war. Iſt ein ſehr noͤthiges und nutzliches Inſtru - ment zu allen Wolle-Manufacturen, und die einzige Urſach daß aus Mangel deſſen / aus mancher Wolle ein ſpiſſiges Tuch gemacht wird.

11. Ejusdem Web-Inſtrument mit zwey Perſonen in einem Tage hundert Elen Lacken zu weben.

Wiewol ich nicht rathen wil Inſtru - menta zu erfinden umb Menſchen zu erſpa -ren11ren oder ihnen ihre Nahrung zu verkuͤrtzen / ſo wil ich doch nicht abrathen Inſtrumenta zu practiciren, welche vortelhafftig und nuͤtzlich ſeyn / dann wie Cicero ſaget: Inſtrumenti cujusvis laus eſt, ut ſit expeditum & facile. Zumalen an ſolchen Oertern wo viel Arbeit iſt / und wo man das Handwercks-Volck nicht wol haben kan. Und verhaͤlt ſich dieſes Inſtrument ſo ich erfunden auff die Art der Harlemiſchen Seyden-Band muͤhlen / aber diß iſt der Unterſcheid / daß es ſo breit Lacken weben kan als man will / und daß es viel gleicher webt als man mit Haͤnden thun kan.

12. Ejusdem Hoͤltzern Inſtrument Wollene feine Struͤmpffe zu ſtri - cken / jedes Tages ein Paar.

Auf der Univerſitaͤt zu Oxford in Engel - land iſt ein Student geweſen / der hatſich in ein Weibsbild verliebet / und weil er ihrer nit genieſſen koͤñen / iſt er in Melancholi gerathẽ und ans Speculiren kom̃en / und hat endlich dz wunderbare Inſtrument erfunden mit ei - ner groſſen Behaͤndigkeit und Subtilitaͤt ſey - dene Struͤmpffe zu ſtricken / welches die En - gellaͤnder Framm nennen / und Anfangs ſehr geheim gehalten. Ich habe das erſte nach Wien gebracht / all wo der Cammer-Praͤſt - dem dreyſſig Stuͤcke laſſen machen: es ſeyndie12die Inſtrumenta ſehr theuer / angeſehen das Stuͤck zum wenigſten auff hundert Rthlr. kommt / haben ſehr viel entia, und ſeyn von lauterem Eyſen gemacht / auch ſehr wandel - bar / und iſt allzeit was daran zu flicken / ſie haben ſehr viel ſtaͤhlerne Federn / welche Ur - ſach ſeyn / daß man nit wol wuͤllene Struͤm - pffe darauff arbeiten kan / dieweil ſie die Wolle nicht wol zwingen koͤnnen. Ich ha - be derohalben ein ander Inſtrument erfun - den / welches ausgenommen der Nadeln und Zaͤncker / von lauter Holtz iſt / und keine eintzi - ge Feder hat / derentwegẽ gantz unwandelbar iſt / geſchwind und leicht darauff zu arbeiten / und koſtet zum hoͤchſten in allem zwantzig Rthlr. man kan taͤglich ein paar Struͤmpfe darauff machen.

13. Ejusdem Seyden-Filatorium oder Abwind-Inſtrument / die feine Seyden mit wenig Menſchen in groſſer Ouantitaͤt abzuwin - den.

Was fuͤr ein nuͤtzliches Werck es ſey umb die Seyden-Manufacturen, Seyden - Faͤrberey / Seyden-Weberey / Seyden-Ra - terey iſt bekannt / es laͤſt ſich aber darinnen nichts thun / die Seyde wil erſt von den Straͤngen auff die Spuhlen abgewundenwer -13werden / damit ſie hernach auff die Zwirn - Muͤhlen geſetzt und gezwirnet werden kan. Dieſes Abwindẽ nun iſt eine ſehr langweili - ge / verdruͤßliche und Muͤhſame Arbeit / wird nur von Jungen oder Weibsbildern ge - than / und faͤlt den Seyden-Bereitern ſehr beſchwerlich / ihre Seyden aus dem Hauß unter ſo vielerhand Haͤnde zu geben / ſo weit voneinander zu zertheilen und gewaͤrtig zu ſeyn / daß viel darvon verdorben / unnoͤthige Strazze gemacht / oder ſonſten veruntraut wird. Dieſem nun vorzukommen / haben ſie zu Bologne in Italia ein Filatorium er - funden / welches die Seyde abwindet und auch zwirnet / aber dieſes Inſtrument iſt ſehr groß / koſtbar und muͤhſam / und hat viel tau - ſend entia, Zaͤhn und Getrieb / derowegen es offter wandelbar wird: die Italiaͤner halten es gleichwol in ſo hohen Werth und Secre - tezza, daß es bey Hencken verboten jemand zu zeigen. Ich habe gleichwol gedachte Ma - chinam von den Italiaͤnern nach gemacht zu Muͤnchen geſehen / aber wegen ihrer groſſen Koſten und vieler entien wie gedacht nicht ſehr æſtimirt, ſondern eine andere erfunden / welche den hunderſten Theil nicht ſo viel ko - ſtet ohne alle Zaͤhne und Raͤder gehet / derendoch14doch in der Bologneſiſchen etliche tauſend: - ber dieſes iſt meine Machina gantz unwan - delbar und ohn einig Geraſe gantz leicht zu bewegen / alſo daß ein Menſch gar fuͤglich auff einmahl tauſend Straͤnge abwinden kan / da hingegen die Bologneſiſche Machina mit Waſſer getrieben werden muß. Mit ei - nem Wort / zu den Seyden Manufacturen iſt es ein herrlich Werck / und viel tauſend werth / ich habe dergleichen Machinam in praxi zu Harlem auffgeſetzt / und die Stadt hat ein anſehuliches Hauß von 300. Schu - hen laſſen darzu bauen / welches auff die vier - zig tauſend Guͤlden gekoſtet / alſo daß ich ver - meint und verſichert war / nunmehro einmal in Ruhe ohne Herrẽ-Dienſt ein ehrlich Stuͤ - cke Brod von meiner Arbeit zu genieſſen: a - ber meine Feinde am Kayſerlichen Hoffe ſetzten mich nicht allein daraus / ſondern auch aus andern guten Concepten ſo mich in Holl. vertrieben / ja noch in Engeland nicht ruhen laſſen / ſondern auch alda wann es moͤglich geweſen waͤre / vertrieben haͤtten / darvon an einem andern Orte meine Schrifften ein mehrers.

14. Deß15

14. Deß Herren von Zuͤlichen Per - pendicular-Uhr die gradus latitudinis zu finden.

Ein kuͤnſtlicher Uhrmacher zu Aug - ſpurg welcher lange zu Florentz deß alten Groß-Hertzogs Kunſt Uhrmacher geweſen / Namens Treffler / erzehlt mir daß ſie lange vor dem von Zuͤlichẽ eine Perpendicular-Uhr gehabt / und daß der Hollaͤnd Reſident von dannen die erſte mit nach Holland gebracht: kan alſo nicht ſehen wie der Herr von Zuͤli - chen dieſer Invention ſich ruͤhmen mag / als dieſes wol / daß er ſie in den Gebrauch ge - bracht und Obſervationes gethan die gradus latitudinis zu finden / wornach in der Schiff - fahrt ſo ſehr verlanget worden / und woruͤber er ſeine Obſervationes an den Koͤ - nig von Franckreich geſchrieben und in Fo - lio drucken laſſen: aber als ich letztens nach Schottland reiſete / und bey 28. Tage auff der See ware / in ſehr groſſen Stuͤrmen / Schlingerungen und Bewegungen deß Schiffes / hatte ich Gelegenheit genug expe - rimenta zunehmen / ob eine perpendicular - Bewegung auff einem Schiff und deſſen Sturm und Bewegung ſich correct practi -ci -16ciren lieſſe / hab aber das Contrarium befun - den / und abſonderlich noch andere Maͤngel notirt, die ich in einem abſonderlichen tractat beſchrieben / und in London drucken laſſen / un - ter dem Titul De nova temporis dimetiendi ratione: denn ich halte dafuͤr / daß dieſe meine Invention von Uhren die correcteſte ſey / die in der Welt iſt / auch die unwandelbarſte iſt / denn in der gantzen Uhr nicht ein einziger Zahn iſt / auch die gantze Uhr uͤber einen Rthlr. nicht koſtet / die Unruhe iſt Meiſter - ber das Gewichte / und haͤlt ihren Schwang wie der Perpendicul, aber an ſtatt eines mo - tus retrogradi, ſo laͤufft dieſer Perpendicul in die Ruͤndung / iſt eine der neueſten inven - tion dieſer Zeit von Uhren.

15. Doctor Bechers Perpetuum mobile, Phyſico-Mechanicum, alle Uhren die an einem Orte ſtehen bleiben con - tinuirlich ohne Auffhoͤren gehen zu machen.

Ich habe nit allein einen gewiſſen Gang gefunden in den Uhren die Zeit zumeſſen / ſondern ich habe auch ausgeſunden alle Uh - ren continuirlich gehen zu machen ohne Auff -zug17zug ſo lange nehmlich nichts daran bricht o - der gehindert wird / aber dieſe Uhren muͤſſen auff einem Platze ſtehen bleiben / und wiewol es unglaublich ſcheinet / ſo iſt es doch leicht practicirlich dann wann ich nur eine Uhr ha - be / die ein Jahr gehet / welches leicht ſeyn kan / und ich ihr gleich zweyhundert Pfund Gewicht 10. Schuhe tieff zugebe / ſo kan ich doch leichtlich Antiſacoma machen / von einer Ohm Waſſer / die haͤlt zwey Aymer thut net - to 200. Pfund / nun ſupponir ich ohn fehlbar daß leichtlich in einem Hauß / welches nur ein wenig ein Dach hat / es jaͤhrlich ſo viel regnen werde / daß das Waſſer in eine Ci - ſtern verſamlet ein Ohm Waſſer mache / wel - ches genugſam iſt zwey hundert Pfund auff - zuziehen / und alſo die Uhr wieder auffs Jahr zu revolviren. Ja ich habe obſervirt daß es bißweilen in einem Sommer oder Herbſt ſo viel regnet / daß es gnugſam eine Uhr auff 10. Jahr auffziehen koͤnte: wie nun in praxi die - ſes Werck beſtelt / und an ein ander Mecha - nice angehaͤnget ſey / darvon kan man meine Mathematiſche Schrifften leſen und inſon - derheit / was Pater Schott der Jeſuite in ſei - ner Technica curioſa darvon meldet / wie - wol er es ſelbſten nicht recht gewuſt / ſondernvon19[18]von einem Kauffmann von Baſel Namens Jeremias Muͤtz / welchem ich es in Geheim vertraut / vernommen / und wider unſer bey - der Gewiſſen und Willen in den Druck ge - geben / ſo ungeſchickt / daß er auch die Vitia im Riß nicht geaͤndert hat / aber hiervon ein mehrers in meine Phyſica ſubterranea. Der tapffere Churfuͤrſt von Mayntz Hantz Phi - lipps von Schoͤnborn / hat dieſe Invention ſo hoch æſtimirt, daß er die erſte Machinam ſo kuͤnſtlich als koͤſtlich zu Mayntz hat ma - chen / und einen eigenen Thurn darzu hat bauen laſſen / aber ein gewiſſer damah - liger Hoff-Bedienter hat dem Uhrma - cher einem Schweitzer / Nahmens Ja - cob Britzly / welcher diß Werck in Verwahrung hatte / befohlen / ſolches zu negligiren, verderben zu laſſen / und die Me - talline Kugeln heraus zu nehmen / alſo daß dieſes koͤſtliche und kuͤnſtliche Werck auß ei - nem Perpetuo mobili, ſolcher Geſtalt nun - mehro zu einem Perpetuo ſtabili worden: alſo kan man durch boͤſe Leute auch in einer gerechten Sache in Schand und Schaden gerathen. Aber gleich wie der gerechte Gott den Kayſerl. Cammer-Praͤſidenten / der mich ſo auff den Tod verfolgt / abſcheulichBfuͤr20[19]fuͤr der gantzen Welt geſtuͤrtzt hat / alſo[iſt]dieſer Hoff-Bedienter endlich ſeiner Inſo[-]lentz halber auch ſehr gefallen / ſich hat haͤß[-]lich proſtituirt, iſt mit Schand und Spott i[n]die Erde kommen / und umb etliche tauſen[d]Thaler geſtrafft worden und in Schaden ge[-]rathen.

16. Ejusdem Invention aller Orte[n]Waſſer-Muͤhlen zu bauen.

Wie nuͤtzlich die Waſſer-Muͤhle[n]ſeyn / iſt bekandt / und ſind dieſelbige auſſe[r]allem Zweiffel / zu allerhand Gebrauch un[-]gleich viel bequaͤmer / als die Wind-Muͤh[-]len / denn ſie haben einen weit ſtetern und ge[-]wiſſern Gang / und thun ihre Bewegun[g]viel ſachter / derowegen iſt auch das Meh[l]das auff den Waſſer-Muͤhlen gemahle[n]worden / nicht allein feiner und beſſer / als da[s]man auff den Wind-Muͤhlen laͤßt mahlen[,]ſondern daſſelbige gibt auch 10. pro cent[o]am Gewicht mehr aus / als daß von de[n]Wind-Muͤhlen auff welchen viel verſtaͤu[-]bet: ſo koͤnnen auch die Steine auff eine[r]Wind Muͤhlen nicht ſo nett auff einande[r]ge[-]21[20]gemacht oder geſtellt werden als auff einer Waſſer-Muͤhlen / dann wann die Steine von wegen der groſſen Krafft der Winde auffeinander ſtoſſen / ſo wird das Mehl ſan - dig und ſchlagen die Steine offtmahls Feuer / ſo daß die Muͤhlen mit Gefahr in Brand gerathen. Uber das koſtet eine Wind - Muͤhle viel / es iſt ungewiß wann der Wind wehet: auff bergichtem Lande ſind ſie gantz nicht gut / und auff ebenem Lande muͤſſen ſie fuͤr die Staͤdte und auff den Waͤllen im Ge - ſicht deß Feindes ſtehen / und koͤnnen nicht verborgen werden. Vor die Waſſer - Muͤhlen iſt auch an allen Orten keine Gele - genheit zu finden / wokeine Stroͤhme oder Fluͤſſe ſeyn / dahero man viel ſchoͤne Be - wegungen hat muͤſſen unterlaſſen / als Ham - merwerck / Schmeltzwerck / Walck-Muͤhlen / Seyden-Muͤhlen und dergleichen: hingegen haben viel das Waſſer zu erheben geſucht / umb ſolcher Geſtalt Waſſer-Raͤder zu trei -[b]en / und ein ſtill ſtehend Waſſer lauffend zu machen / welches wiederumb zu ſeinem Ur -[ſ]prung ſolte koͤnnen gebracht / und ſtets lauf -[f]end gemacht werden: aber ſie ſind hier -[d]urch zu einem Perpetuo mobili gelangt /[w]elches niemahls wol ausgeſchlagen iſt. B 2Mei -22[21]Meine Erfindung aber hingegen / beſteh[et]in einer aͤuſſerlichen Krafft / wodurch da[s]Waſſer aufgehoben wird / und koſtet mich e[i -]ne gantze Woche Tag und Nacht uͤber nic[ht]mehr als drey Rthlr. und eine gute Mah[l -]Muͤhle mit Waſſer / Rad / und ſeiner voͤll[i -]gen Zugehoͤr / koſtet nicht mehr als zweyhu[n -]dert Rthlr. und kan auffgerichtet werden /[wo]man will: nehmlich man macht eine Ciſter[ne]oder Schiff / darein thut man 200. Tonne[n]Waſſer / ſetzt daruͤber ein umbſchlage[nd]Waſſer-Rad / das oben wiederumb ein[en]kleinen Trog hat; dann wird durch d[ie]Waſſer-Kunſt das Waſſer aus dem u[n -]terſten Trog in den oberſten gehoben / vo[n]dannen ſchieſts auf das Waſſer-Rad / we[l -]ches umblauffend durch das beygefuͤg[te]Kamm-Rad die darzu gehoͤrige Art d[es]Muͤhlwercks treibet. Unterdeſſen faͤlt d[as]Waſſer wieder von dem Rad herab / u[nd]ſchießt wieder in den Trog / von wannen[es]wieder auffgehaben und alſo ſtets im Lau[ff]gehalten wird. Und ob gleich die Bew[e -]gung es fuͤr der Faͤulung bewahret / ſo kan[es]gleichwol auch mit einer Parthey Saltz[ge -]ſaltzen werdeu; und wann mit der Zeit d[as]Waſſer etwas abnimmt / austrucknet od[er]we[g -]23[22][w]egſpruͤtzt / kan ſolches durch Eingieſſung[fr]iſchen Waſſers wiederumb erſetzt werden. [N]un moͤchte vielleicht jemand dieſe zwey[E]inwuͤrffe thun: Erſtlich / daß man das Waſſer als ein Mittel gantz nicht noͤthig hat /[ſ]ondern nur / daß man die aͤuſſerliche Krafft /[w]elche das Waſſer treibet / gerad auff das Kamm-Rad ſolte koͤnnen gehen laſſen;[w]ann nun dieſes die Macht hat / das Waſ -[ſ]er auffzuheben / ſo wirds auch die Macht ha -[b]en umbzutreiben das jenige / ſo das auffge -[h]abene Waſſer treibt. Darauff antworte[i]ch / daß deme zwar alſo / wann man alleine[a]uff die Macht ſiehet: Hingegen aber wann[m]an auff die gleiche Bewegung ſiehet / wor -[d]urch die Waſſer-Muͤhlen vorgezogen und geachtet werden / ſo wird man einen groſſen Unterſcheid befinden / zwiſchen einem Rade / das vom Waſſer / und einem / das von aͤuſ - ſerlicher Krafft unmittelbar getrieben wird / maſſen die aͤuſſerliche Krafft bißweilen nicht ſo ſtaͤtig gehet / als die vom Waſſer. Worauf man zweytens einwenden moͤchte / daß wann die aͤuſſerliche Krafft nicht ſtetig im Gang bleibet / dieſelbe denn auch ungleich das Waſ - ſer in die Hoͤhe treiben wuͤrde / und daſſelbige in ungleicher Quantitaͤt auf das Rad fallenB 3ſolte /24[23]ſolte / welches ungleiche Krafft und Bewe - gung wuͤrde thun. Aber dieſer Einwurff wird hiermit gleichfals beantwortet / daß das Waſſer als ein Mittel darzwiſchen iſt / und aus der Ungleichheit eine Gleichheit macht. Daß nun ein Waſſer welches in ungleicher Quantitaͤt in die Hoͤhe getrieben wird / eben wol in gleicher Quantitaͤt auf dz Rad faͤllet / kommt daher / daß ſich das Waſſer im obern Trog verſamlet / uñ durch eine gewiſſe Maaß oder Schlieſſung / auf das Rad lauffen muß. Nun muß das Waſſer-Werck dergeſtalt ge - ordnet ſeyn / daß es nicht weniger Waſſer in die Hoͤhe bringt / als die Maaß erfordert / ſedoch wann mehr Waſſer hinauff kommet / ſo wird es durch die Schlieſſung verhindert / und kan es an einem andern Orte ablauf - fen / alſo daß der Waſſer-Fall ſo gleich iſt / als durch natuͤrliche Fluͤſſe geſchehen kan / welche durch Regen und Duͤrre koͤnnen vermehret und vermindert werden / da hingegen dieſe Bewegung ſo wol im Winter als Sommer ihren gleichen Gang behalten kan. Und ob ſchon dieſelbe auch deßwegẽ drey Reichsthlr. wochentlich koſtet / ſo kommet gleichwol die Unterhaltung / der gemeinen Waſſer und Wind-Muͤhlen nicht viel weniger zu ſtehen / wann man zuſammen rechnet was dieſelbejaͤhrlich25[24][j]aͤhrlich koſten. So dienet auch ein ſolch Muͤhlwerck einer Stadt nicht allein zur Zierde / ſondern auch zur Sicherheit / weil es verborgen mitten in derſelben ſtehet / und Dienſte thun kan / vornehmlich in Bewe - gungen die eine Gleichheit erfordern / als Stoſſen / Schleyffen / Poliren / Walcken. Zum Beſchluß hab ich es ſo weit gebracht / daß man nun an allen Orten der Welt Waſſer-Muͤhlen haben kan / und uͤber dieſe Erfindung haben mir die Edle / Großmoͤ - gende Herren Staaden von Holland und Weſt-Frießland ein Privilegium ertheilet.

17. Doctor Bechers Fluß-Bett und neues Waſſer-Rad zu einer Schiff-Muͤhle.

Wann man Waſſer-Muͤhlen haben will / zumahlen auff den Fluͤſſen und Rwie - ren / mit unterſchlaͤchtigem Waſſer / und ſol - ches langſam laͤufft / ſo muß man einen Damm oder Waͤhr ſchlagen / das Waſſer zu ſprengen / daß es ſchnelleren Gewalt thut / welches viel Geld koſtet. Nun habt ich dieſes zu verhindern / ein hangendes Fluß-Bett er - funden / zu einer Schiff-Muͤhle ſehr bequem / welches das thut / was ein Waͤhr thut / be -B 4que -26[25]quemer iſt und auch viel weniger koſtet: ich habe auch eine andere Art von Waſſer-Raͤ - dern zu Schiff-Muͤhlen / welche nur vier Schuhe im Diameter ſeyn / hingegen dreyſſig Schuhe breit / derowegen ſchnell herumb lauffen / und doch eine ſehr groſſe Gewalt thun / ſeyn viel bequemer als deß Experings Horizontal Waſſer-Raͤder. Die Probe von meiner Schiff-Muͤhle / wird nechſtens hier auff der Tems zu ſehen ſeyn. Mehrer Be - richt von Waſſerwerck iſt zu ſehen / an dem Ende dieſes Opuſculi.

18. Salomon Morlands Engliſches Stentrophonicon auff eine Teutſche Meile miteinander laut zu reden.

Dieweil der Inventor hiervon ein ei - genes Buch hat laſſen aus gehen / und der Ti - tul dieſes Paragraphi ſelbſt ausweiſet / was der Inhalt dieſer Invention ſey / ſo wil ich darvon nichts weiter melden / als allein die - ſes anziehen / daß wie ich in Engelland ver - nommen / von einem der von Tanger kom - men / daß dieſe Invention in neulichem Belaͤ - gerung der Mohren / da ſie das Auſſenwerck von der Veſtung abgeſchnitten / gute Dien - ſte gethan / dieweil dadurch beyde Comman -dan -27[26]danten miteinander reden koͤnnen / und die Mohren kein Engelliſch verſtanden. Ich ha - be zu Nuͤrnberg bey dem beruͤhmten Optico Frantz Gruͤndler dergleichen geſehen / da der eine ein Inſtrument zum Reden / der ander ein Inſtrument zum Hoͤren gehabt / und ha - ben beyde ſolcher Geſtalt auff eine zimliche diſtantz miteinander reden koͤnnen / daß dar - zwiſchen niemands etwas gehoͤret eben be - ſagter Gruͤndler hat ein Concept vor / etliche Worte als ein Echo durch eine ſpiral-Linie in eine Flaſche zu verſchlieſſen / daß man ſie wol eine Stunde lang uͤber Land tragen koͤnne und wann man ſie eroͤffne / die Worte erſt gehoͤret werden / ob er aber dieſes Con - cept zum Effect gebracht / iſt mir unwiſſend / das Concept aber ſcheinet ſo unmoͤglich und naͤrriſch als durch eine Trompet die Wort blaſen / wie durch das Engliſ. Stentrophoni - con: und dennoch hat ſolches gut gethan / wanns dienet nichts unverſucht / zumahlen darum einiger Geſtalt raiſon hat.

19. Douſons Inſtrument / Saltz auß dem Waſſer zu ziehen.

Dieſer Douſon iſt der jenige Frantzos / der das bekandte naͤrriſche Schiff zu Roter -B 5dam28[27]dam hat angegeben / aber fuͤrwar ſo groſſe Schande er darmit auffgehoben / wie wir in dem andern Theile / nehmlich in der weiſen Narrheit hoͤren werden / ſo groſſe Ehre hat er mit dieſem Inſtrumente ſich zu wege gebracht / wodurch in Behaͤndigkeit die Feuchtigkeit von dem Saltz-Waſſer geſchie - den / und mit gantz geringen Koſten ohne Feuer noch Sieden dz Saltz corporaliſch und trucken gemacht wird. Iſt eine ſehr nuͤtzliche Invention bey den Saltz-Suden und Brun - nen / die Pfannen und Holtz zu erſparen / und wird in Engelland dem Koͤnige in Franck - reich wenig nutzen / hingegen ſelbiger Nation profitabel ſeyn / dieweil es Saltz-Waſſer ge - nug hat.

20. Dr. Walckorts Pumpe aus dem Saltz-Waſſer ſuß Waſſer zu pumpen.

Wenn ich nicht beyde vorhergehende Perſonen kennte / und auch die Machinas ſelbſten geſehen haͤtte / ſo wuͤrde ich es fuͤr un - moͤglich halten / durch Mechaniſche Inſtru - menten / Phyſicaliſche Operationen zu thun / gleich wie vorhergehende dañ ſeynd / nehmlich das Saltz-Waſſer auffzutrucknen und zuWind29[28]Wind zu machen / daß das Saltz wie Hagel trucken nieder faͤllt: und dann mit dieſer Pumpe / wann man ſie in Saltz-Waſſer ſetzet und pumpet / ſie alſobald ſuͤß Waſſer wie ei - ne Mandelkerne heraus ziehet / welches der Koͤnig in Engelland ſelbſten geſehen und ap - probirt. Man iſt ſo lange mit der Kunſt umbgangen / in den Schiffen auff dem Meer ſuͤß Waſſer zu machen / und haben viel auff Præcipitationes gedacht / aber Herꝛ Wal - ckort thut es mit einer Mechaniſchen Be - wegung / womit er zwar ehe er es erfunden / lange Zeit zugebracht / und uͤber die 1500. Pfund Sterlings Koſten angewendet / den - noch aber nun lebender unſterblichen Ruhm von ſeiner Nation und guten Nutzen ver - hoffet / zumahlen von allen Staͤdten und Plaͤtzen wo Brach-Waſſer iſt. Item auff den Schiffen und anderswo. Weil ich al - hier gedencke durch Mechaniſche Inſtru - menten / Phyſicaliſche Operatione; zu thun / ſo muß ich noch zweyer andererer Inſtru - menten gedencken / die zu meiner Zeit hier in Engelland practicirt ſeynd / uñ welche ich bey - de bey dem Herrn Boyle geſehen habe: das eine iſt durch eine Lufft-Pompe die Beine ſo weich zu machen / daß man ſie wie KaͤſeB 6ſchnei -30[29]ſchneiden und eſſen kan. Das andere ver - mittelſt einer gewiſſen Preſſung der Lufft in einem Geſchirꝛ / daß man in der helffte Zeit / und mit der Helffte Hitze / das haͤrteſte Fleiſch gantz muͤrbe und gar kochen kan: weil aber von beyden Inſtrumenten beſondere Tractaten hier in Engelland ausgegeben / alſo will ich hier nicht weiter davon handeln / habe es nur allein darinn wollen anziehen / daß man ſo viel mehr glauben ſolle und koͤnne / daß durch Machaniſche Bewegun - gen auch Phyſicaliſche Operationes geſche - hen koͤnnen.

21. Douſons Kunſt-Rohr / welches da ſchieſſet mit gemeinem Pulver und Bley als ein ander Rohr / und doch keinen Knall thut / und be - ſtehet die Kunſt alleine in Berei - tung deß Rohrs.

Dieſe Invention ſchicket ſich zu den vo - rigen zweyen / deñ ob ſie wol Mechaniſch iſt / ſo thut ſie doch einen wunderlichen Phyſica - liſchen Effect: man hat zwar vor dieſem viel von ſtillem Pulver geſagt / es iſt aber gedach - tes Pulver ſtill blieben und nie vor den Tag kommen / ſo viel mir allezeit wiſſend / undſo31[30]ſo fleiſſig ich nach demſelben nachgefraget: dieſes Douſons Rohr aber hat gantz eine andere Bewandtnuͤs / dann er nimmt gemein Pulver und gemein Bley in der ordinari - Ladung und thut weiter nichts dar zu / ſchieſ - ſet ſo ſtarck als ordinari, und wird doch kein Knall gehoͤret / und beſtehet die Kunſt allein in dem Rohr / deſſen Structur den Knall ſup - primirt. Ich habe zwar ſelbſt den Effect die - ſes Rohrs nicht geſehen / aber Se. Hoheit der Printz Rupprecht haben mir etliche mal geſagt / daß ſie dergleichen Rohr haben / und die Probe darmit gethan / wie es mir denn auch Douſon ſelbſten bekraͤfftiget.

22. Paul Webers Invention von Lufft-Roͤhren.

Wer der erſte Inventor von Lufft - Roͤhren ſey / iſt unbekannt / gewiß aber iſt / daß in Praxi die ſchoͤnſte und beſtaͤndigſte Lufft - Roͤhre mit Metallenẽ Ventilen ein Schwa - be Namens Paul Weber zu Wien gemacht habe / er war ein ſehr ingenioſer Mann in al - lerhand Manufacturen / zumahlen in Firnuͤſ - ſen und Lufft-Roͤhren. Er hat auch Lufft - Bette gemacht und den Firnuͤß ſo zu tempe - riren gewuſt / daß das gefirniſte LeinwandB 7ſich32[31]ſich hat ſtrecken laſſen / und wieder zuſammen gezogen / und dennoch der Firnuͤß allzeit zu und nach gegeben. Er hat Lufftroͤhre ge - macht die 16. Schuͤſſe haben in einer Ladung / er hat auch Lufft Granaten gemacht / unter andern ein koͤſtliches Kugelſpiel / da die Ku - geln von Augſtein waren / ſehr geringen Ge - wichts: auf mein Angebẽ abeꝛ deß Merſennes Invention von Lufft Roͤhren / die da allzeit die Lufft ſollen in ſich halten / uneracht man ſchießt / hat er nie treffen koͤnnen / denn wie - wol es in raiſon beſtehet / ſo iſt es doch im - practicable, derowegen ſo muͤſſen wir es in dem andern Theile auffzeichnen / zu ſeiner Linea hyperbole, und zu ſeinem Schiff un - ter dem Waſſer. Obgedachter Paul Weber war Hatſchierer unter Kayſer Ferdinan - do III. und wegen ſeiner Kunſt der Lufft - Schuͤtz genannt.

23. Printz Ruprechts Invention eyſer - ne Stuͤcke zu gieſſen / weich und zehe zu machen / daß man ſie dre - hen kan wie Kupffer und im Schieſſen beſſer ſind als die von Metall.

Es haben ſich die Leute lange bemuͤhet aus Eyſen Stahl zu machen / vermittelſt ei -nes33[32]nes Cements von Kohlen: der Freyherr Caſpar von Fürſtenberg / Thum-Probſt zu Mayntz iſt der erſte welcher ſich damit bemuͤ - het / und die Sache in der Welt in einen Be - ruff gebracht / mein ſehr groſſer Freund und Patron / deſſen Herr Bruder annoch lebet / und Biſchoff zu Münſter iſt: nachmalen hab ichs aſſumirt, und genugſamb Lehrgeld dar - inne gegeben. Printz Ruprecht aber hat eine gantz contrare operation aus dieſer Inven - tion genommen / und an ſtatt daß wir ſuchen das Eyſen zu Stahl und hart zu machen / hat er das Eyſen weich und geſchmeidig ge - macht / dergeſtalt dz man es drehen und treff - lich wohl zum Schieſſen dienlich machen kan / dann den eyſernen Stuͤckẽ hat biß dato nichts gefehlet als die Bꝛoßheit und Ungeſchmeidig - keit / welche durch dieſe Invention hinweg genommen wird / dergeſtalt / daß ſolche ey - ſerne Geſtuͤcke beſſer als Metallene ſeyn / nur allein daß ſie dem Roſt noch unterworffen: der Printz hat hieruͤber in Engelland ein Pri - vilegium und laͤſſets in Groß arbeiten. Ich ſoll hierbey nicht vergeſſen / daß auff ſeiner Hoheit / deß Printzens Ange - ben / gleich wie er ein ſehr ingenioſer Herr iſt / ein Teutſcher hier im Lande NamensBlauen -34[33]Blauenſtein erfunden hat / mit Steinkoh - len-Flammen / Eyſen-Ertz zu ſchmeltzen / daß es geſchmeidig Eyſen gibt / man hat lang mit zu thun gehabt / dann der Arſenic in den Steinkohlen macht alles Eyſen bruͤchig / end - lich iſts doch gefunden worden / dann ich habe fuͤr kurtzer Zeit die Probe bey dem Printzen geſehen / nehmlich ein Inſtrument von ſol - chem geſchmoltzenem Eyſen gemacht war ſehr geſchmeidig / welches der Printz noch auf meine Invention verkupffert: man hat aus Steinkohlen kein feines weiſſes Cryſtallin Glaß machen koͤnnen / dann der Rauch ſchlaͤgt in die Glaͤſſer / nun aber hat ein En - gellaͤnder Nahmens Hoͤbdin einen Glaß - Ofen auffgerichtet / mit einer Invention von verdeckten Tiegeln / worinnen er mit Steinkohlen das ſchoͤnſte Cryſtalline Glaß macht / und daruͤber ein Privilegium vom Koͤnige hat. Sonſten haben das Metall ze - he zu machen / und im wenigen Gewicht Stuͤ - cke daraus zu gieſſen / in Perfection gewuſt / ein Teutſcher zu Venedig Namens Flicker / Baron Printz Cantzler zu Neuß und ein I - taliaͤner Namens Don Michael Caſtriotti, welcher in Teutſchland erſchoſſen.

24. Be -35[34]

24. Bereitung deß Meſſings / gelb und weiſſen Kupffers / Ziens und Eyſens.

Daß die Teutſche erſt das Meſſing erfunden / iſt gewiß / wiewol der Inventor unbekandt: zu dem Meſſing gehoͤren Glo - ckenſpeiſe / Gunderfait und Stuͤck-Metall / ſo die Italiaͤner Bronzo nennen / es iſt biß dato nicht wol geglaubet worden / daß man ſolte ein natuͤrlich Meſſing oder Bronzo, von der Natur in Ertz gebracht finden. Ich habe aber in Schottland eines gefunden / welches ſie in ihrer Sprache Bell mettel nennen / und woraus ich angewieſen habe / die Zaffra oder blaue Schmalta zu bereiten / welche bißhero aus Sachſen in dieſe Laͤnder gebracht wor - den / und die Haͤffner zu blauen Glaſuren ge - brauchen. Merrettus hat in ſeiner Commen - tation in deß Philippi Nerii Artem vitrari - am vermeinet / daß die Zaffra ein Artificial - Werck ſey / hat aber weit gefehlet. Ceſalpi - nus haͤlt ſie fuͤr eine ſpeciem Magneſiæ, indem er ſchreibt / daß ſie zu viel ins Glaß gethan ſchwartz mache / welches wir in Teutſch Strickblau nennen: aber die Magneſia und Zaffra ſind gantz differente Sachen / daß eine faͤrbt roth / das andere blau / das einenimmt36[35]nimmt dem Glaß die Farbe / das andere gibt ihm eine / und iſt wol zu mercken / daß ob wol die Zaffra oder Kobold gifftig / wann es den - noch ins Glaß geſchmoltzen / und ſolches zur Schmalta gerieben / es nicht mehr gifftig ſey. Herr Boyle hat zum erſten hier in Engel - land die Magneſiam gefunden / welche vor dieſem pflegte aus Piemont gebracht zu werden / und ich kan ſagen / daß ich der erſte ſey / der hier zu Lande die Zaffra gefunden. Gleich wie nun das Kupffer durch Gallmey zu Meſſing / und durch Zinn zu Bronzo gelb gemacht wird / alſo wird es durch Arſenic weiß gemacht / dannenhers der Name Weiß - Kupffer kommt / nehmlich wie insgemein biß dato bekandt durch Zuſetzung Arſenic oder Antimonii. Aber Ludovicus de Comitibus in ſeiner Metallurgia gedencket eines andern Weges / dem Kupffer nichts zuzuſetzen / ſon - dern ſolchem die Farbe durch ein Solvens zu extrahiren, daß es weiß bleibe und nimmer - mehr gruͤn oder roth werde: ich habe mit Sr. Hoheit Printz Ruprecht diß Experi - ment gemacht / und wahr befunden. Gleich wie man nun das Kupffer gelb und weiß machen kan / alſo kann man auch das Zinn weiſſer und haͤrter machen / auch daß es klingtund37[36]und nicht unter den Zaͤhnen knirſcht / auch kan man das Eyſen weiß und gelb faͤrben / worinnen hier ein Engeliſcher Obriſter be - ruffen iſt / Namens Petritz / der aus dem Ey - ſen Meſſing macht / und der Herr Boyle hat mir ein Zinn-Ertz gegeben / welches die En - gellaͤnder Mundick nennen / daraus ſchmeltzt man ein Zinn / welches ſo gelb iſt als Gold. Dieſes iſt auch zu wiſſen / daß in Engelland weder Meſſing noch verzinnt Blech gemacht wird / uneracht ſie Gallmey / Zinn und Ey - ſen in Quantitaͤt haben / es wird auch kein Schweffel drinnen bereitet / uneracht ſie Schwefel-Steine genug haben.

Chriſtian Treulebens eines Schwe - diſchen Obriſten Urinatoria oder Kunſtunter dem Waſſer zu ge - hen / und Stuͤcke und verſuncken Gut auffzuholen.

Es haben zwar viel de Arte Urinato - ria geſchrieben / und ſich viel mit ſelbiger In - vention bemuͤhet / hat auch unter andern die Invention mit der Glocke / der Profeſſor Sturm zu Altorff in ſeinem Tractat: aber es gehoͤret mehr als ein paar Schuhe zum Tantze / nehmlich ein paar gute Fuͤſ - ſe / das iſt / eine habitudo. Derowegener -38[37]erzehlet mir dieſer Herr Treuleben / daß er lange Jahr in Schweden Leute hierzu abge - richtet / welche ſich gewehnet habẽ den Athem in den Glocken zu halten / dann ſonſten den Leuten durch die Compresſion der Lufft / das Blut zu Naſen und Ohren heraus gehet. Ich habe mit dieſem Herr Treuleben wel - cher die Sache in Groſſo in Schweden pra - cticiret und viel 100. Stuͤck Geſchuͤtz aus verſunckenen Schiffen hat herauff heben laſſen / ein Concept vorgehabt das verſuncke - ne Spaniſche Admiral-Schiff / welches fuͤr etlichen Jahren auß America kommen / und bey den Aprolhos mit etlichen Millionen Silber verungluͤckt / wiederumb zu erheben / Schiff und alles war auch darzu bereit / al - lein an der Equippage hat was Geld ge - mangelt / und Herr Treuleben iſt mit dem jungen Sporck nach Prage verreiſet / woruͤber das Werck ins Stecken gerathen. Die be - ſte und ſchoͤnſte Schwimm-Guͤrtel von Blech hat ein Klaͤmptner hier in Engelland inventirt, ſehr leicht und compendios. Die Frantzoͤſiſche Kupfferne Schiffe ſeyn auch bißher auffgekommen: und iſt denckwuͤrdig was von einem Sicilianer Piſcicula genannt / die Hiſtorien ſchreiben / daß er habe koͤnnendurch39[38]durch das Meer durch ſchwimmen und ge - hen / auch lange Zeit unter dem Waſſer ſeyn / als wie ein Animal Amphibium. Die Ana - tomici geben dieſe Urſache / daß wenn man in der Jugend / einem neugebornen Kinde Naſe und Maul zuhalte / und ſolches offters / ſo eroͤffne ſich ein Weg in der Bruſt zum re - ſpiriren / ohne Athem hohlen / welches ich zwar nicht probiren wolte / dieweil / wann es gleich gut thaͤte / man gleichwol befunden hat / daß der Athem / welcher einmahl geſchoͤpffet und aus gelaſſen / nicht mehr zum andern mahl gut ſey. Doch ſagte mir Graff Wolff - gang Julius von Hohenlohe der General Lieutenant / daß Oehl in den Mund genom - men / den Schwimmern lange Zeit Platz ge - be / unter dem Waſſer zu bleiben / gleich wie die Laͤuffer in Engelland ſich von Jugend auff gewoͤhnen / lange den Athem zu halten / wie denn auch ihre Rennpferde ſo ſchnell lauffen / daß weder Haaſe noch Vogel / noch einig beweglich Thter es ſchneller thun kan / ſo aber in Teutſchland nicht wird geglaͤubet werden.

26. Die Erfindung deß Pulvers / der Artiglerie und der Feueꝛwercke.

Man ſagt in dem Sprichwort: Von weitem her luͤgt ſichs leicht: ſo iſts mit China,dar -40[39]darvon uns etliche ſo viel Fabeln ſchrei - ben / als ſie ſelber wollen / abſonderlich ein Author in ſeinem Atlante Sinico all - wo er unter andern meldet / daß die Por - cellan-Geſchirre mit Glaſto oder Wayd ſo ein Kraut iſt / und da haͤuffig gefunden wer - de / blau gefaͤrbet werden / gleich denn auch die Kleider darmit gefaͤrbet werden / welches ei - ne ſo groſſe Luͤgen / und groſſe Ignorantz iſt / daß ich nicht weiß wie ſie excuſirt werden kan: dann wer hat ſein lebenlang gehoͤret / daß Kraͤuter im Feuer und in der Glaſur eine Farbe geben; dann ob gleich / das Glaſtum oder Wayd-Blau faͤrbet das woͤllene Tuch / ſo iſt doch keine conſequens, daß es auch im Feuer blau faͤrben muͤſſe / es waͤre denn Sa - che / daß Author durch Glaſtum die Schmal - ta verſtehe / und da kan ich nicht ſehen / wie ſie die Kleider mit faͤrben koͤnnen: denn Lacken faͤrben / und Glafur faͤrben / ſeyn ſo weit von - einander / als Seyden faͤrberey / Lacken faͤrbe - rey und andere Faͤrbereyen / dann was Bein faͤrbt / faͤrbt nicht Leder / und was Seyden faͤrbt / faͤrbt nicht Baumwolle / und ſo fort. Aus dieſem groben und Handgreifflichen Irꝛthum deß Authoris kan man nun ſehen / was zu halten iſt von anderer Großſprecher Ruͤhmen / welche Mauluacher / wann ſie inei -41[40]einem frembden entlegenen Lande ſeyn / lie - ber ihrem eigenen Vatterlande alle Ehre entziehen / nur damit ſie aus der Frembde et - was luͤgen und großſprechen duͤrffen / dan - nenhero kommt das gemeine Geſchrey / man haͤtte etliche 100. Jahr zuvor das Buͤchſen - Pulver in China gehabt / eben als wann Chi - na aus der Welt / und nit an Oſt-Indien feſt waͤre / oder Alex. Mag ein Narr geweſen waͤ - re / der eine ſo bekandte Invention, nicht ſolte an die Hand genommen und practiciret ha - ben. Ich wil nicht ſagẽ daß auf den heutigen Tag / die Chineſer ſelbſt weder in Pulverma - chen / noch in Stuͤck gleſſen / noch in Feuerwer - cken / noch in der Artiglerie und Conſtablerey / den hunderſten Theil den Teutſchen vorgehẽ. Gewiß iſts / daß ein Teutſcher das Buͤchſen - Pulver erfunden hat zu Mayntz / uñ daß auch aldar die Buchdruckerey erfunden ſey / und daß D. Caſſius ein Teutſcher das rothe Glaß erfunden / und daß D. Balduin den Phoſpho - rum erfunden / und daß D. Brand zu Ham - burg / die Noctilucam oder einen leuchtenden Liquorẽ erfunden: noch iſt uͤbrig ein Oel / deſ - ſen etliche wenige Pfund ein gantz Jahr lang brennen; es iſt uͤbrig ein Liquor, welcher ver - ſchloſſen Waſſer iſt / ſo bald er aber eroͤffnet wird / brennt; es iſt uͤbrig eine Feuerſp: itztwel -42[41]welche einen feurigen Liquorem heraus ſpritzt / und viel Tropffen Feuer in eine groſ - ſe Diſtantz auswirfft. Es iſt uͤbrig ein Pulver[,]welches hundert mahl ſtaͤrcker iſt / als das al - lerbeſte bißher bekante / ich habe alle dieſe In - ventiones mit meinen Augen geſehen / und muß man den Teutſchen die Ehre laſſen / daß ſie Feuerwerck / Buchdruckerey und Kupfferſtecherey erfunden haben / nehmlich Arte & Marte verſirt ſeyn. Hier muß ich noch zum Beſchluß erinnern / daß Pater Kir - cher in Arte magna lucis & umbræ geſchrie - ben / es ſey unmuͤglich Feuer anzuzuͤnden ohne Actual-Feuer / da doch viele Menſtrua, der lebendige Kalck / und andere Dinge mehr durch zugieſſen / vom Waſſer ſich ent - zuͤnden / und der Boyle hier in Londen ſelbſt wird mir Zeugnus geben / daß er ein Metall von mir geſehen habe / welches gepulvert in momento aus der Lufft Feuer gezogen / und gebrennt und angezuͤndt hat / ohn einiges anderes Zuthun. Ich muß auch noch die - ſes erinnern / daß der Rumor von den ewi - gen Lichtern der Alten und ihren Ampelen platt erlogen ſey / dann ich habe zu Mayntz in Erbauung der Veſtung / viel von derglei - chen Ampeln geſehen / welche man aus denMo -43[42]Monumenten ergraben / derer etliche nie - mals angezuͤndet geweſen: unter deſſen wars eine Bedeutung deß ewigen Lichts / welches ſie der Seele wuͤnſchten. Daß aber etliche ſagen / ſie haben Ampullen und nicht Am - pelen gefunden / welche / ſo lange ſie zu gewe - ſen / geleuchtet / ſo bald ſie aber auffgethan / verloſch en ſeyn: So muß der Leſer hier wol wiſſen und unterſcheiden / daß zwey eꝛley Sa - chen ſeyn / Brennen und Leuchten / was brennet verzehret ſich: denn Brennen kan nicht geſchehen ohne Rarefaction, aber es kan wol eine Sache leuchten / die weder bren - net noch warm iſt: das iſt kein rechtes ewi - ges Licht / welches kan ausgeloͤſchet werden / wenn es eroͤffnet wird / die weil es ſeine Krafft verliehret / aber ich wil deme zu - gegen ein contrares ſagen / nehmlich ein ver - ſchloſſen Glaß voll Liquor geben / welches wol hundert Jahr alſo ſtehen / und dennoch eroͤffnet alſobald Feuer geben wird / und darumb heiſſe ich es der Philoſophorum Feuerzeug / aber ich muß hiervon ſtill ſchwei - gen / denn man wirds doch nicht glauben / ſo wenig als wann ich ſagen thaͤte von einem blinden Fechtmeiſter / welcher doch heutiges Tages der beſte hier in Londen iſt / NamensCMr. 44[43]Mr. Weal, der beruͤhmte Circkel-Fechter: und wann ihr darmit nicht zu[frieden] ſeyd / ſo kan ich euch noch zwey wunderlichere Sa - chen vorſtellen / nehmlich einen blinden Mahler und einen blinden Setzer in der Buchdruckerey / welche nicht nur dieſes zur Curioſitaͤt / ſondern auch zu ihrer Nahrung thun / und darinnen noch daruͤber excelli - ren / welches eben ſo unglaubig vorkommen wird / als wenn man von dem Waſſer - Speyer / und Feuer-Freſſer / wie auch von den bekandten Pragiſchen Peltz-Freſſeren / die heutiges Tages in der Welt herumb lauffen / und umb Geld ſich ſehen laſſen / ſa - gen wolte / einem der ſolche nie geſehen.

27. Bayriſche Stocator-Arbeit.

Der alte Churfuͤrſt Maximilian in Bayern / war ein ſehr ingenioſer Herr / welcher neben ſeiner Magnificentz und Ge - neroſitaͤt die Kuͤnſte auch ſehr liebte / und un - ter andern eine mehr als Kayſerliche Reſi - dentz gebauet / von allerhand Koͤſtlichkeiten / Raritaͤten und Antiquitaͤten / darunter nun ſeynd einige groſſe Stuͤcke von Gips auf Marmor Art oder Florentiniſch Stein - werck / und es nun zwar eine gemeine Kunſt iſt / ſo kan es doch niemand in ſolcher perfe - ction machen / und in ſo groſſer Haͤrte undPoli -45[44]Polirung als aldorten / der Churfuͤrſtl. Suc - ceſſor Ferd. Maria haͤtte zugelaſſen / dz ich nit allein dieſes Werck mit den Operanten ſelb - ſten / ſondern noch viel andere Dinge haͤtte fortſetzen und excoliren koͤñen / aber ſein Vi - ce-Cantzler D. Caſp. Schmid / der Schwaͤbiſ. Franzoſe / welcher den altẽ ehrlichen D. Oxel aus gebiſſen / nehmlich den rechten Cantzler / hat auch mich vertriebẽ uñ verhindert. Hier - bey muß ich erinnern / was mir mein Lands - man der ehrliche alte Herꝛ Hacke hier in Lou - den erzehlet / daß nehmlich einer hier ſey / der aus Waſſer koͤnne groſſe ſtuͤcken Stein ma - chen / ſo dz man Quater-ſtuͤcke daraus hauen koͤnne / und daß er dem Koͤnige darvon einen gantzen Seehafen bauen wolle: was darvon kommen ſey / weiß ich nit / aber daß aus Kalck und neuem Kaͤſe ein Stein oder Kiß kan werden / welcheꝛ an Haͤrte dem Demant nicht vil weicht / iſt mir bekandt. Wann ich erzehlẽ ſolte / was ich fuͤr wunderliche Arten von Er - den und Steinen in Schottland geſehen uñ ſelbſten mit Haͤnden betaſtet habe / die theils unſichtbar und hoͤrend und unempfindlich machen / und wie zu Path auf deß Hertzogs von Lauderdale Felſen / die Gaͤnſe die Eyer mit einem Fuſſe ausbruͤten / und wie andere Gaͤnſe auff den Baͤumen und HoͤltzernC 2wachſen /46[45]wachſen / wuͤrde man mich fuͤr Muͤnſterum, Wolfium, Ortelium und dergleichen Nar - ren halten / wiewol es doch wahr iſt. Printz Printz Ruprecht alhier in Engelland hat ei - ne Manier die natuͤrliche Marmorſteine zu beitzen und zu poliren / daß gantze Hiſtorien darauf gemahlt werden / ſehr ſchoͤn / welches noch uͤber die Bayeriſche Stocator gehet / ich habe auch dergleichen gebeitzte Marmor ſtei - ne zu Nuͤrnberg geſehẽ / Toback-Buͤchslein / Schuͤſſeln und Flaſchen / man kan auch den Cryſtal ohne Schmeltzen faͤrben / davon Glauber in dem erſten Appendice uͤber Pharmacopœæ Spagyricæ Siebenden Theil / p. 23 und Philippus Nerius in Arte vitraria ingleichen Meldung thut. Es iſt alhier dem Koͤnig in Engelland proponirt worden.

28. Die Engellaͤndiſche Lederbe rei - terey.

Man muß den Engellaͤndern zulaſſen / daß ſie ingenios ſeyn / zumahl im Nachfol - gen / unter andern haben ſie lange mit den Hollaͤndern geſtritten / wegen der Wollen - Manufactur und wegen der Haͤffnerey / ich will zwar darinnen kein Urtheiler ſeyn / wer ſie beſſer hat / aber von der Lederberei - terey / kan ich wol ſagen / daß die Engellaͤn -der47[46]der den Vorzug haben / dann ſie haben ein Kraut erfunden / wor mit ſie an ſtat der Lohe in gantz kurtzer Zeit das / Pfund-Leder gar machen / weil aber hiervon ein abſonderlich Buch ausgangen / und der Inventor dar - uͤber ein Privilegium hat / ſo wil ich ihm ſei - nen Marckt nicht verderben: diß muß ich auch erinnern / daß ſie in Engelland den Saamen haben / deſſen Oehl dem Leder den edlen Geruch giebet / von den Reuſſiſchen Juchten / alſo daß wir nun auch wiſſen was das Preuſiſche Leder iſt. Zu dem Weiß - gaͤrben haben ſie hier in Engelland die geſot - tene Kreyde erfunden / und Hr. Hacke er - zehlet mir / daß jemands hier ſey / welcher eine Leder mache / das durchfuͤchtig ſey wie ein Glaß / welches zwar unglaͤublich zu ſeyn ſcheinet / ich aber wol begreiffen kan / dann deß beruͤhmten Medici zu Ulm Dr. Beutels Tochter hat mir eine Roſe von Pergament verehret / welches ſo durchſichtig war als das all erklarſte Venetianiſche Glaß. Es haben auch die Engellaͤnder aus gefunden eine Art Leim zu machen von Wallfiſch-Fett / von Beinen und iſt noch etwas geheimes un - ter der Hand in der Lederbereiterey / darvon die Welt bald hoͤren wird / dieweil ich darvon nicht ſchreiben darff. Sie haben auch ei -C 3nen48[47]nen ſehr ſchoͤnen Firniiß von Sandrach au[f]ihre Furnierung von Oliven-Holtz / worvo[n]ſie ſehr feine und ſchoͤne Arbeit machen / und welches Gebrauch ich zu dem Florentiniſ[chen]Lackwerck erſtens applicirt habe / die ſchoͤn - ſte Cabinet darvon zu machen.

29. Haͤffnerey und Pottebackerey.

Wiewol dieſes eine alte Invention iſt / hin und her in der Welt wol bekandt / ſo iſt dennoch taͤglich darinn zu finden / und etwas neues zu practiciren. Die ſchoͤne weiſſe Ma - jolik Glaſur iſt zu Delpht in Holland / zu Hanan in Teutſchland / und ich habe die er - ſte nach Wien gebracht. Unter Cronwels Zeiten / iſt die Haͤffnerey in Engelland erſt recht auffkommen / ſie haben allerhand ſchoͤ - ne Erden in Engell and / einen kreyden-weiſ - ſen Leymen / einen blut-rothen Bolum, eine goldgelbe Ochra, eine graßgruͤne Letten / ſie haben einen Leymen / der ſich im Feuer hart brennt wie ein Stein / und kohlſchwartz wird wie ein Marmor / halte dafuͤr / daß es der Alten Bramnium ſey. Ich habe eine Mixtur von Erden hier in Engelland erfunden / wel - che ſo weiß iſt als Kreyden / man kan ſehr diinne Geſchirꝛ davon machen / laͤßt ſich ſtaꝛck brennen / klingt wie eine Glocke / und iſtdoch49[48]doch leichter als Holtz. Printz Ruprecht hat einen Haͤffner aus Ungarn / welcher eine Mixtur auß Erde gefunden hier in Engeland welche ſo weiß iſt als Kreyden / die gebrennt / halb durchſcheinend iſt / wie der Oſt-Indi - ſche Porcellan, und werden dergleichen Ge - ſchirr hier in Londen oͤffentlich verkaufft. Es ſoll auch ein Geiſtlicher zu Milan ſeyn / wel - cher das Porcellan-Geſchirꝛ machen kan. Es gibt auch an einem Orte in Teutſchland die warhafftige Porcellan-Erde / nehmlich einen Leymen / welcher halb durchſichtig iſt: ſonſten hab ich die Porcellana ſehr nach ge - macht / mit einem Glaß welches ich zu Wien habe machen laſſen / von Bein-Aſchen / deſ - ſen ich Meldung thu in meiner Phyſica ſub - terranea, es ſpielet wie ein Opal und lei - det ſiedend Waſſer. Die Alten haben un - ter der Toͤpffer-Arbeit das Opus Moſ[a]i - cum hoch gehalten / wie man noch zu Vene - dig ſiehet / und hier in London iſt ein Glaß - mahler / welcher allerhand Figuren mit ho - hen ſo wol in die Glaſur bringt / auch das ir - dene Geſchirꝛ als immer moͤglich ameliren kan. Aus Spanien kom̃et ein irrdẽ Geſchirꝛ / welches wie Gold anzuſehen / und doch ver - glaſurt iſt. Glauber meldet von dergleichen met alliſchẽ Glaſuren. Man hat auch erfundẽC 4das50[49]das Glaß zuzurichten als wanns Metall Gold oder Silber waͤre / den natuͤrlichen ſ[o]aͤhnlich daß boͤſe Leuth Gelegenheit genom[-]men falſches Geld daraus zu machen. Es iſt wunderlich daß mein Bein-Glaß an - fangs gantz klar iſt wie ein Cryſtall / wann mans aber ins Feuer haͤlt / ſo wirds erſt truͤbe wie Porcellan, und alſo habe ich auch ein weiſſes Glaß ins Feuer halten ſehen / welches darinne roth worden / wie denn die Kunſt roth Glaß zu machen heutiges Ta - ges auch wieder erfunden worden / und erin - nere ich mich am Chur-Pfaͤltziſchen Hofe / ein Stuͤck Glaß geſehen zu haben / welches man hat haͤmmern und kalt ausdaͤhnen koͤnnen. Doch iſt der Alten rothes Glaß etwas anders geweſen / dann es nur auff ei - ner Seithen deß Glaſes iſt / welches wann es davon geſchliffen / weiß und klar iſt. Es hat aber D. Casſius ein rothes Glaß erfun - den / welches durchaus roth iſt.

30. Faͤrberey.

Man iſt heutiges Tages ſehr hoch in der Faͤrberey kommen. Kuͤffler hat die Scharlach-Farbe erfundenn aus Cotſche - niglie: mir iſt eine Art Cothſcheniglie ge -wie -51[50]wieſen worden / ſo aus der Uckraine kommet. Die Faͤrber Roͤthe iſt auch zu unſerer Zeit erſt in Gang kommen / hingegen / weil wir unſere Manufacturen nicht achten / noch un - ſer Vatterland ins Auffnehmen zu bringen / gedencken / ſondern vielmehr die ſolches thun wollen / daran verhindern / ſo gehen un - ſere Manufacturen auch mehr hinter ſich als vor ſich / ſo geben wir das Geld an die Hol - laͤnder vor die Lumpen-Farbe den Indigo, und laſſen hingegen den Waydbau in Thuͤ - ringen zu Grunde gehen. Es wird fuͤr ei - ne Kunſt gehalten / wuͤllen Tuch ohne Cothſcheniglie roth zu faͤrben / hingegen Seyden mit Cotſcheniglie bundſo zu faͤr - ben / es iſt doch beydes moͤglich und mir be - kandt. Man hat nun auch außgefunden die Baumwolle roth zu faͤrben / wie die De - cken aus Tuͤrckey und Oſt-Indien kommen. Ich habe eine Art von Tapetzerey erfunden von Leinen / welche ich kalt mahlen kan / daß es der beſten Tapezerey gleicht / wie ich denn zu Wien viel ſchoͤne Stuͤcke dergleichen machen laſſen / ſie ſind ſchoͤn / taurhafft und koſten nicht viel / ſeyn auch bald gemacht / ich habe einen Nuͤrnberger Namens Ritter darinnen abgericht / welcher es ſehr hoch ge -C 5bracht /52[51]bracht: den Hanff oder Flachs wiſſen einig[e]alſo zu zu bereiten / daß er dem beſten Baum[-]wollen oder Floret nichts nach giebet. Es i[ſt]nicht wol zu beſchreiben / was vor ein un[-]glaublich Geld die Oſt-Indiſche Compag[.]vor die Oſt-Indiſ. Sitzen oder Baumwolle[-]ne gefaͤrbte Zeuge aus dem Lande ziehet / un[d]darmit den gantzen Lein-Handel ruinirt da doch das Leinen leicht zuzurichten waͤre[/]daß es dem beſten Cadun nicht weiche.

31. Scheid-Waſſer / Sublimat, Præcipi - tat, Zinnober / Gruͤnſpan / Bley - weiß / Bleygelb / Bleyglett / Mennig zu machen.

Die Te[u]tſchen haben ungezweiffelt das Scheidwaſſer gefunden / dafuͤr ſind ſie zu Venedig gefangen gehalten worden / und diß war der Venetianer ihr Goldma - chen / wormit ſie auß dem Spaniſchen Sil - ber das Gold geſchieden / biß die Kunſt aus gebrochen und gemein worden / wiewol man nun auch einen Weg gefunden im Fluß ohne Aqua fort zu ſcheiden / das Aqua fort aber auch ſelbſten ſo gutes Preifes zu ma - chen / als der Salpeter ſelbſten werth iſt. Sub - limat, Præcipitat und Zinober werden aus Queckſiilber gemacht / ſo wol zu Venedig als zu Amſterdam haͤuffig und mit groſſemNu -53[52]Nutzen woran viel tauſend gewonnen wer - den / weil nun alle die Species von Queckſil - ber gemacht werden / und alles Queckſilber deß Kayſers iſt / ſo koͤnte derſelbe auch leicht - lich allen Nutzen zu ſich ziehen. Ich habe Leuthe an der Hand gehabt / welche ſich jaͤhr - lich offeriret deß Kayſers Queckſilber auff 50000. Rthlr. zu erhoͤhen / uͤbeꝛ den ordina - ri-Handel / weil die Sache aber durch mich proponiret worden / ſo hat die Sache muͤſ - ſen ſupprimirt werden / und hat man lieber den Gewinn / den Hollaͤndiſchen Waſ - ſer-Laͤndern / Quaͤckern und Maniſten laſ - ſen wollen ohne einige Erkandtnus / als daß man das Geld angenom̃en / etwas davon zu Manufacturen angewendet / und D. Bechern manutenirt haͤtte / damit aber der gewe - ſte Cammer-Praͤſidente Sintzendorff / ſei - nem boͤſen Gemuͤthe Satisfaction gebẽ moͤch - te / haben ſeine Creaturen und favoriten die - ſes Concept gehindert und hintertrieben / uñ die 50000. Rthlr. jaͤhrlich Frembden gelaſ - ſen werden muͤſſen / und dennoch klagt man allezeit am Kayſ. Hofe man habe kein Geld / und D. Becher thue nichts. Betreffend nun weiter die Bereitung deß Gruͤnſpans und Bleyweiß / deß Mennigs und anderer Sor - ten / ſo ſind ſolche in Teutſchland auch zimlichC 6in -54[53]incaminirt, und waͤren gewißlich nun in de[n]Kayſerl. Erblanden alle in perfection, ge - ſtaltſam mir Herꝛ Ammon in Franckfurth Zeugnuͤß geben wird / daß ich zu allen An - ſtalt gemacht und die Leute beſtellt. Weil aber vom Kayſerl. Hofe aus an ſtat ver - ſprochener Protection und Promotion, von mir auffgerichteten Kayſerl. Kunſt - und Werckhauſes / die Manufacturen mehr ver - hindert als befoͤrdert worden / geſtaltſam mir ſo gar auch nur vor die Handwercks - Leute der verlangte Paß abgeſchlagen wor - den / ſo haben dieſe Manufacturen in den Erblanden muͤſſen liegen bleiben / hingegen anderwaͤrtig auffgerichtet worden / wie dann die Sache endlich ſo weit kommen wird / daß wann man mich endlich auffs euſſerſte verfolget / und mich nirgends bleiben laſ - ſen will / als wie der Kayſerl. Secretarius Natitz, bereits hier in Engelland auff Ordre deß Kayſerl. Hofs / wie er ſagt / gethan / ich gar ein Zinober-Ertz / aus den Kayſerl. Erb - landen entdecken / und daraus ein neues Queckſilber-Negotium zu meiner ſubſi - ſtentz werde auffrichten muͤſſen / gleich wie ich den Sachſen zu gefallen / welche durch den Rentmeiſter Cotten mit mir ttactirenlaſſen /55[54]laſſen / und darnach retractirt, ſo eine gute Zaffra und Schmalta alhier gefunden / als immermehr in Sachſen biß dato geweſen / alſo daß ſelbiges Monopolium nunmehr ein Loch bekommen wird / wie auch bald hier - nechſt das Kayſerliche Queckſilber-Nego - tium wann man ſo procediren wird.

32. Doctor Bechers Seege-Muͤhle in einem Wald.

Es iſt ein ſehr nuͤtzliches Werck umb die Seege-Muͤhlen / und ſind doch erſt in un - ſerm Seculo auffkommen / und weiß doch niemand eigendlich wer der erſte Inventor geweſen / allein dieſes inconveniens hat eine Seegmuͤhle / daß ſie einen Waſſerfall und dieſen nicht zwar gering haben will. Ich habe derohalben eine Invention erdacht / Seege Muͤhlen zu machen / welche mit Ochſen getrieben werden / und die man in den Wald verfuͤhren kan / zu den Baͤumen ſelbſt; denn man mit kan leichterer Muͤhe / die geſchnittenen Bretter verfuͤhren / als gantze Baͤume. Dieſe Invention hat ſehr gut gethan / und iſt approbirt worden.

C 733. Ra -56[55]

33. Rabeles Tropffen.

Es iſt vor einiger Zeit ein Frantzoß hieher an den Engliſchen Hof kommen / Na - mens Rabele, der hat groſſe Sachen auß - ge geben von einem Wund-Waſſer und von einer Medicin die er ſeine Tropffen genennt hat. Wie nun die Frantzoſen grob und inſolent, alſo hat ſich dieſer Geſell auch ein - getrungen / zumahlen durch das Frantzoͤſi - ſche Frauenzimmer / und hat etliche 1000. Cronen bekommen / iſt darauff wieder nach Franckr. uñ wie vermeldet wird / ſo ſey er mit dem veneficio alldorten begriffen in die Ba - ſtille geſetzt worden. Hier aber in Engelland iſt von ſeiner Medicin ſehr ungleich geredt worden / theils haben zu viel / theils haben zu wenig darauff gehalten: unter den Æſti - matoren iſt Printz Ruprecht / welcher mir einen Darm gewieſen / Fingers lang / auff - geblaſen / und auff beyden Enden mit einem Faden zugebunden / in einer Schachtel vor eine Raritaͤt verwahrt / dieſer Darm hat der Laͤnge nach / ſo lang er iſt / einen Schnitt / und iſt wieder zugeheilt / mit occaſion, daß der Printz in præſentz vor etlichen Medicis ein junges lebendiges Schwein eroͤffnet / auffſchneiden mit deß Rabeles Wundbal -ſam57[56]ſam beſpruͤtzen / und wieder zu heilen / her - nach uͤber ein Jahr als das Schwein groß worden / wiederumb in præſentz der Medi - corum ſchlachten laſſen / ſo hat ſich dieſer Darm befunden / welchen der Printz zum Beweiß auff hebet / gegen die jenige / / welche ſtatuiren / Weyd-Wunden koͤnnen nicht ge - heilet werden. Sie haben unterſchiedliche andere Thiere durchſtochen / und nur von dem Waſſer hinein geſpritzt / ſeyn ſo bald wieder geheilet worden / vieler anderen wun - derlichen Hiſtorien zu geſchweigen / welche unglaublich ſcheinen / und mir dennoch wahr zu ſeyn / der Printz bekraͤfftiget. Herꝛ Chriſtian Harel / deß Koͤnigs in Engel - land Hoff Apothecker in St. Dames Bark er - zehlet mir / daß die Præparation folgender Geſtalt ſey / wie er ſie ſelbſten auff Befehl deß Koͤniges bereitet hab. Man diſtilli - ret nehmlich auff die gemeine Weiſe / das Oleum Vitrioli, und gieſſet einen Spiri - tum Vini allgemach darauff / biß es getoͤd - tet / denn diſtillirt man es miteinander heruͤber / und gibt darvon etliche Tropf - fen ein / ſoll ein groſſes Conſervativ ſeyn / und innerlich heilen: aus dem Capite Mortuo aber ziehet man ein Saltz uñ ſolvirt ſolches in einem Waſſer / worin man wil / uñdie -58[57]dieſes iſt ſein Wunder-Waſſer / mit einem Wort / eine Art von Elixier Proprietatis Pa - racelſi und von dem Pulvere Sympathetico Kenelmi Digbæi. Mir gefaͤlt der Spani - ſche Wund Balſam / welchen der Aqua - pendente beſchreibt / und der Portenſchlag zu Saltzburg macht und verkaufft: viel beſ - ſer Joachimus Polemannus der bekandte Chymicus der das Novum Lumen Chy - micum geſchrieben / und dem Fuͤrſten von Sultzbach dedicirt, hat: ſchier auff dieſe Weiſe ein Operation gehabt er hat Oleum Vitrioli mit Spiritu vini abgetoͤdtet / und zur Conſiſtentz abgezogen / ſo iſt ein ſchwartzes Pech zuruͤck blieben / das hat er in Aqua Re - gis ſolvirt, ſo iſt die Solution roth worden / die hat er wie der abſtrahirt, und in deſtillirtem Waſſer ſolvirt, ſo hat es das Waſſer ſehr hoch tingirt, und Fæces gegeben / die hat man geſchieden / und das Waſſer wieder zum Saltz inſpisſirt, dieſes Solviren und ein Coaguliren hat er ſo offt gethan / biß keine Fæces mehr in dem Saltz geweſen. Von dieſem Saltz hat man wunderliche Opera - tiones, auch menſchliche und metalliſche Leiber erzehlet / und daß Colleman notable Dinge darmit gethan. Bey Occaſion undEr -59[58]Erzehlung dieſes ſchnellen Wund-Waſ - ſers deß Rabele, faͤlt mir bey eine andere Art von Waſſer / die Todten-Coͤrper damit zu conſerviren, wie in Holl and der Famose Anatomicus Biltz gethan / und ich gantze Leiber ſo geſehen / habe zwar auch bereits zu - vor zu Nuͤrnberg / bey dem Taliensker dergleichen Liquorem geſehen: ich habe eine Art von Saltz erfunden / welches mehr præ - ſerviren ſoll als das gemeine Saltz / die Probe wird nun davon gethan / und wird die Zeit lehren / was der Effect ſeyn wird / es iſt ein wunderliches Saltz / kein Acidum und kein Alcali und doch beydes zugleich / gibt auch in der deſtillation einen abſonder - lichen Spiritum und Solvens von wunderli - chem Operationen. Sonſten ſind unſerer Zeit noch viel rarer Medieinen erfunden worden / als der Jeſuiter Fieber-Pulver / hier in Londen Simon Semans Fieber - Waſſer / Walckods Peſt-Waſſer / Ame - lungs zu Leipzig Stein-Tinctur, Porten - ſchlagers zu Saltzburg Spaniſcher Wund - Balſam / Puͤchlers zu Lintz Waſſer gegen das Podagra: aber ein mehrers hiervon in meinem Diſpenſorio ſecretorum Medico - rum.

34. Ex -60[59]

34. Experis Waſſer-Muͤhl.

Nicht weit von Detfort / neben dem Koͤ - niglichen Proviant-Hauſe / hat dieſer Ex - peri eine Muͤhle gebauet / welche auff dem Lande ſtehet / und durch einen Canal von dem Tems-Waſſer / ſo wol in dem Zu als Abfluß getrieben wird / worzu er ein abſon - derliches Rad hat / und iſt er ſehr compen - dios, mit wenig Waſſer / treibet dennoch einen ſehr groſſen Stein / und ſuſtenirt der Iuventor daß er in 6. Stunden 6. mahl ſo viel als auff gemeine Weiß damit mah - len will / er hat daruͤber ein Patent / und hat mir die Machinam ſelbſt gewieſen.

35. Vitriol, Salpeter, Saltz oder an - dere Metallen in die Erde zu ſaͤen / darinn wachſen zu machen und zu augmentiren.

Vom Clauß Narren ſagt man / daß er einmahl Ducaten geſaͤet habe / in Hoffnung / daß ſie auffgehen ſolten: und die Lateiner haben ein Sprichwort von vergebener Arbeit / Salem ſcrere; Gleichwol ſo naͤrriſch als es ſcheinet / ſo hat ſich doch befunden / daß die Metal -len61[60]len und Salien von Lufft / Waſſer und Erden ein Increment nehmen / und gleichſam wachſen. Glauberus erzeh - let vom Liquore Silicum, daß die cal - ces der Metallen darinnen wie Baͤu - me auffwachſen / und iſt bekandt was vor Gewaͤchſe der Mercurius ſowol in via liquida als Sieca macht. Daß durch die Sonne in dem Saltz Gold generiret werde / ſchreibet Linſchott von Sicilien bey der Stadt Rapun - dien / und hier bey London zu Dettfort hab ich ein Virriol-Werck geſehen / welches von der Lufft generiret wird / und unter der Erden hol iſt / da das Waſſer herunter troͤpfft / und durch Rinnen in die Pfannen laufft alwo es eingeſotten wird. Martin Schmuck lehret in ſeinem Theſauriolo eine kuͤnſtliche Salpeter-Huͤtte zu bauen / dergleichen etlicher Orten nun in Teutſchland ſeyn / mit gutem Suc - ceſs; Worvon ich aber allhiermel -62[61]meld / beſtehet darinnen / das Saltz / Salpe - ter und Vitriol in gemeinem Waſſer ſol - virt, und die rechte gebuͤhrliche Erde darmit beſprengt / und den Sommer uͤber oͤff - ters wieder eingetrucknet / dann ausge - langt / multiplicirt befunden werden. Die Metalla kan man in ihren Menſtruis corro - ſivis auff ſolviren, mit vielen Waſſer delui - ren und eben ſo procediren. Ich habe auß der Erde Ziegelſteine laſſen formiren / aber nicht brennen / ſondern nur unter einem Dach an die Lufft geſetzt und zu Zeiten an - gefeuchtet. Hierbey kan ich nicht vorbey gehẽ deß Experiments zu gedencken / darvon ich in meinem Supplemento I. in Phyſicam ſubterraneam geſchrieben / nehmlich aus ge - meinen Haffner-Leym Eyſen zu machen / welches ich auch vergangenen Sommer zu Windſor vor dem Koͤnig gethan. Man nimmt gemeinen Haͤffner-Leymen / pulvert ihn / und feuchtet ihn an mit Leinoͤhl / daß er ſich ballen laͤßt; denn formir et man Kugeln daraus / thuts in eine Irretort, treibts her - uͤber / das Caput Mortuum muß ſchwartz ſeyn / wann es recht gethan / diß muß geſtoſ - ſen und mit Waſſer zum Schlich gezogen werden / ſo faͤllt ein ſchwerer ſchwartzerSchlich /63[62]Schlich / aus dieſem kan mit dem Magnet - Eyſen ziehen / welches Eyſen Gold haͤlt / und iſt ſich zu verwundern / daß der Leymen auch den Schweffel Arſenic und Queckſilber an ſich ziehet / und figirt, auff eben dieſe Weiſe tractirt, wie eben die fluͤchtige Ertze mit Ley - men verſetzet / dergeſt alt figirt werden / daß viel ein mehrers an Metall folgender Ge - ſtalt erhalten wird / gibt auch dem Ertz zu - gleich einen guten Fluß / nicht nur aber der Leimen / ſondern gantze Gebuͤrge gibt es voll von Geſtein die einen Goͤldiſchen Ex - tract geben / welcher zu Gold oder Silber ge - ſchmoltzen / in allen Proben darbey beſtehet: inſonderheit hat der gemeine fluͤſſige Sand / als eine Gebaͤhr-Mutter der Mineralien, groſſe Lieb mit den Metallen / dergeſtalt / daß ſie darmit tractirt, allzeit verbeſſert herauß komme. Beſiehe hiervon meine Mineram Arenariam. Ich habe vermeint in Hol - land dem gemeinen Weſen zum beſten / der - gleichen Werck auffzurichten / war auch ſchon in fieri, und mit den Staaden daruͤber tractirt, und geſchloſſen / Proben und Gegen - Proben gethan / gut und accurat befunden / und daruͤber Atteſtata ertheilt worden / demnach hat ſich das Werck zerſchlagen /aus64[63]aus den Urſachen die in der Minera Arenaria erzehlt ſeyn / und die in dem anderen Theil dieſes Tractats der Weiſen-Narrheit wer - den allegirt werden. Die Welt ſucht heuti - ges Tages nichts als hohe ſubtile Kuͤnſte / und dencket nicht daß die Kunſt der Natur folgen muͤſſe / und daß die Natur gantz ein - faͤltig ſey / ohn einiges ſubtiles Deſtilliren in Stein / Leymen und Sand / in / unter und uͤber der Erden Metalla generire, welcher / wann die Kunſt nachfolgete / ſo koͤnte man aller Orten in der Welt Metalla haben / und nuͤtzliche Scheidwercke anrichten / das angelegte Capital mit cento pro cento ohne Wucher / Betrug und ſeines Nechſten Be - ſchwerung vergroͤſſern / und viel gute Sachẽ thun: aber der Welt iſt das Schinden und Schaben / Importen und Beſchwerungẽ viel lieber uñ ſuͤſſer / derowegen dz Geld / ſo ſolcher Geſtalt herauſſer kommt viel angenehmer / weil es nun heiſſet Mundus vult decipi, mag es auch dabey verbleiben / decipiatur ergo.

36 Dr. Bechers Invention von Feuer / Kohlen und Theer.

In Holland hat man Turff / und in Engelland Stein Kohlen / beyde taugen nicht viel zum Brande / weder in Zimmern noch zum Schmeltzen: ich habe aber einenWeg65[64]Weg gefunden nicht allen beyde Sorten / zu guten Kohlen zu brennen / die nicht mehr rauchen noch ſtincken / ſondeꝛn mit den Flam - men darvon ſo ſtarck zu ſchmeltzen als mit dem Holtz ſelbſten / und ſo eine groſſe Exten - ſion der Feuerflammen / daß ein Schuh ſolcher Kohlen 10. Schuhe lang Flammen machen / das habe ich im Haag demonſtrirt mit Turff / und hier in Engell bey dem Hn. Boyle mit Steinkohlen / auch in Windſor / darmit in groſſo abgetrieben. Bey dieſer oc - caſion iſt auch Merckens wuͤrdig / daß gleich wie die Schweden ihre Theer aus Kifern Holtz machten / als hab ich hier in Engelland aus Steinkohlen Theer gemacht / welche der Schwediſ. in allem gleich gehet / und noch in etlichen Operationen daruͤber iſt / ich habe die Probe darvon gethan / ſo wol auff Holtz als auff Stricke / und iſt in der Probe gut be - ſunden worden / geſtaltſam denn auch der Koͤnig darvon eine Probe geſehen / welches vor Engel[.]eine groſſe Sache iſt / und die Koh -[l]en / wann die Theer daraus gezogen iſt / ſeyn[b]eſſer zum Gebrauch als vorhin.

39. Neue Arten von Fermentiren.

Es iſt zu beklagen / daß die Leute ſo gar[c]urios auf neue Zeitungen ſeyn / die doch nur[l]uͤgenhafftig / hingegen auf neue Inven -tionen66[65]tionen / welche doch wahr uñ nuͤtzlich / geben ſ[ie]nit achtung / wañ ſie gleich ſelbige mit Auge[n]ſehen / dannenhero iſt kommen / daß nicht al[-]lein die Inventores der Sachen vergeſſen / ſondern auch die Erfindungen der Sachen verlohren werden: derowegen Panzirollus einen gantzen Catalogum de ſcientiis perdi - tis geſchrieben / welches ja billich eine Schan - de iſt: unter andern ruͤhrets auch dahero / daß man nicht weiß / wer das Papiermachen er - funden / welches eine feine doch wund erliche Invention iſt / aber auff die gemeine Weiſe viel Muͤhe / Klopffens und Geraſſels mit den vielen Staͤmpfflen gehabt. Ich habe aber eine neue Art von einer Papier-Muͤhle zu Serndamm in Holland geſehen / welche ohn einigen Staͤmpffel gehet / ſondern durch eine Waltze in kurtzer Zeit und mit leichter Muͤhe die Lumpen zu einer Pappe gepreßt werden / welches ſehr compendios und wol Anmerckens wuͤrdig.

38. Raucher-Werck.

Fleiſch und Fiſche zu conſerviren, ſind drey Wege / entweder an der Lufft zu truck - neß / oder in dem Rauch zu raͤuchern / oderein -67[66]einzuſaltzen und einzumachen: ich erinne - re mich daß ich zu Stockholm Schaffleiſch gegeſſen ſo an der Lufft gedoͤrret geweſen und gantz weiß war / die Stockfiſche wer - den an der Lufft gedrucknet und eine groſſe quantitaͤt Hechte in Schweden. Das ein - ſaltzen der Fiſche iſt allein bey dem Laberdan, Salmen, Haͤring und in Schweden Stroͤm - ling / in Italien Sardellen gebraͤuchlich / doch hab ich auch in Schottland geſaltzene Auſtern gegeſſen. Kayſer Carolus V. hat die invention Haͤring einzuſaltzen ſo hoch æſtimirt, daß er nach des Inventoris Grab in Holland gefragt und daſſelbe beſucht hat. Ich vernehme / daß in Engelland in Corn - vvall eine Art im Gebrauch ſey / die Fiſche einzumachen mit Preſſen / welcher geſtalt ſie in einer Stunde etliche tauſend einma - chen / welches ich bald ſelbſt ſehen werde. Es iſt auch eine Art die Fiſch einzumachen in Italien gebraͤuchlich ſo man mariniren nennet / und weꝛden gemeiniglich die Lingva duti, Aal und Lampreten alſo ein gemacht / nemlich in Oehl gebraten / mit Pfeffer be - ſprengt / mit Lorbeerblaͤtter belegt / mit Eſſig uͤbergoſſen und in Faͤſſern zugepreſſt. Mich wundert / daß ſie in Holland dieDSchol -68[67]Schollen oder Tungen / die alda haͤuf. fig ſeyn / ſolcher geſtalt nicht zu - richten. In Italien hat man kleine Voͤgel dergeſtalt eingemacht / welche ſie nennen Ave di Cypro, und pfle - get mans auch etlicher Orten in Teutſch - land mit den Lerchen zu thun / wel - che man gebraten in einen Hafen legt / Lorbeerblaͤtter und Wacholder - Beer darzu thut / den Hafen mit Eſ - ſig voll gieſſt und denn oben mit But - ter verrennt / ſo bleiben ſie eine lange weile gut. Ich habe mit Verwun - derung erfahren und ſelbſten in der That geſehen / daß der Zucker das Fleiſch trefflich præſervirt, viel beſſer als Saltz / dann er friſſt noch veraͤn - dert die ſubſtantz des Fleiſches nicht wie das Saltz thut / ſondern laͤſſet / wenn er von dem Fleiſch ausgelangt wird / daſſelbige wolgeſchmackt in ſei - ner Krafft. Ich habe zu Wien ei - nen gantzen Sommer uͤber / da doch die Waͤrme aldar ſehr putrificiren macht / ein groß Stuͤck Wild-Schwei - nen Fleiſch nur allein mit Zucker ein - gemacht præſervirt, welches noch ſehrwol -69[68]wolgeſchmackt geweſen. Wann man ein reingemachtes Spannferckel in eine Zu - cker-Pfannen duncket / worinnen der ge - ſchmoltzene Zucker iſt / ſo wird es durch und durch condirt und haͤlt ſich ſehr lan - ge. Ob gleich nun das Einmachen mit Zucker theurer iſt als die Poͤckel / ſo iſt ſie hingegen geſunder / und kan der Zu - cker wann man verſtaͤndig mit umbge - het nach dem Gebrauch / wiederum er - halten werden. Daß ſonſten der Zucker beſſer vor der Faͤule præſervirt als Saltz / ſiehet man an den eingemachten Fruͤch - ten / welche in Zucker bleiben / hinge - gen in dem Saltz nicht ſtehen wuͤr - den. Was nun das Raͤuchern an - belangt / ſo iſt daſſelbe nun ſo wol an Fleiſch als Fiſchen ein ſehr gutes / nuͤtz - liches und geſundes Werck / und da der Genuß des eingeſaltzenen Poͤckel - Fleiſches den Schaarbock macht / ſo vertreibt daſſelbige ſolchen / und wider - ſtehet ihm / welches herkommet von dem Sale volatili das im Ruß iſt / und das geraͤucherte dergeſtalt penetrirt hat. Auf meinen Zweck nun zu kommen / ſo hab ich in Oeſterreich ein kleines Inſtrument geſchen /D 2worin -70[69]worinnen man in wenig Stunden zum allerbeſten raͤuchern kan / als Karpffen / Spanferckel / Gaͤnſe ꝛc. Solte ſich in den Oertern als Holland / Engel - land / Sottland alwo vielerhand Fiſche ſeyn / mit Nutzen practiciren laſſen / und die Schollen / Weiding und Cabliau viel beſſer geraͤuchert als eingeſaltzen ſchmecken. Es iſt noch eine Art ohne Saltz / Eſſig / Oehl / Zucker ohne doͤr - ren an der Lufft / noch raͤuchern in dem Rauch / Fleiſch und Fiſch Jahr lang zu præſerviren, mit ſo wenigen Koſten als wann ſie geſaltzen waͤren / weil aber die Invention ich einem andern uͤberlaſſe / ſo wil ich durch publication ihrer / ihm alhier keinen Schaden thun / doch dem curioͤſen Lefer ſo viel zur Nachricht ſa - gen / daß es ein naſſes Raͤuchern ſey / nemlich ein Rauch der zu Waſſer wor - den / mag unter die wunderlichſte In - venta unſerer Zeit wol gerechnet wer - den.

39. Neue Arten von Fermentiren.

Es iſt bekant / daß alles Getraͤnck je laͤnger es fermentirt / je ſtaͤrcker e[s]wird / hingegen aber auch zu beſorge[n /]da[ß]71[70]daß es ſauer wird / darvon die Urſa - chen in meiner Phyſica ſubterranea cap. de Fermentatione umſtaͤndig angezeigt worden. Ich hab aber eine Invention erfunden ein Getraͤnck es ſey Wein / Bier oder Aepffel-Moſt ein Viertheljahr lang in der fermentation zu erhalten / das dann ſo ſtarck wird als der allerſtaͤrckſte Wein ſeyn kan / bleibet beſtaͤndig und iſt ſehr ſtarck / geſund und annehmlich zu trincken. Ich habe die Proben etlicher Or - then und zwar in Groſſo gethan und bin verſichert / daß die Unterthanen eines Orths keinen Wein verlangen werden noch von noͤthen haben / wo nur Aepffel vorhanden ſeyn. Printz Ruprecht wird mir deſſen ein Zeugnus geben / welchem ich dieſen gantzen Winter uͤber / der doch dieß - mal hier in Engelland zimlich kalt geweſen ein gantz Faß vol Aepffel-Moſt in der fermentation erhalten / welcher dadurch ſo ſtarck worden / daß er nun dem beſten Wein nicht weichet / und halte dafuͤr Sei - ne Hoheit werden dieſe Invention hier im Koͤnigreich introduciren und dadurch dem Frantzoͤſiſchen Weine nicht wenig Abbruch thun. Diß muß ich noch hierbeyD 3erin -72[71]erinnern / daß ich hier in Londen eine ſonderliche invention von einer Muͤhle ge - ſehen / die Aepffel mit leichter Muͤhe und geſchwinde zu Moſt zumahlen / und ſolte diß Inſtrument in Teutſchland zum Moſt machen und Auſpreſſung der Trauben ſehr dienlich iſt. Der Inventor darvon hat vom Koͤnige ein Privilegium daruͤber erhalten und iſt in Engelliſch ein Buch darvon ausgegangen unter dem Titul Pomona.

40. Von der Typographi und Tachy - graphi.

Man wil den Chineſern das Lob der Druckerey geben in derer erſten Erfin - dung / welches wahr ſeyn kan / wann an - ders auff Leinwandt und Seyden / figuren drucken / oder der Chineſer Characteren vor eine Druckerey gehalten werden kan. Gewiß aber iſt es / daß die Art und Manier von der Europæiſchen Druckerey aus Teutſchland von Mayntz ihren Urſprung nehme / wie nicht weniger auch die Teutſchen das Kupfferſtechen und Etzenerfun -73[72]erfunden haben / und kan wol ſeyn / daß hernach zu Harlem wie einige wollen / die Druckerey erſtlich in die rechte Form kom - men wie dann noch taͤglich etwas zu in - ventiren koͤmmt. Die Hollaͤndiſche Druckerey und Antwerpiſche haben den Vorzug wegen Schoͤne der Buchſta - ben und Guͤte des Pappiers: Franck - furth aber iſt das Emporium von Druckerey in gantz Europa, wie auch von Buchfuͤhrerey / in Engelland hinge - gen wird wenig darinnen gethan / die - weil ſie keine Buchfuͤhrer haben / ſon - dern nur Buchbinder / worinnen ſie doch feine Sachen haben / und ſolte ein teutſcher Buchfuͤhrer nicht uͤbel thun welcher die Translation etlicher ſolcher Operen auf ſich nehme. Unterandern haben die Engellaͤnder die Tachygraphi gefun - den / oder eine Kunſt ſo ſchnell zu ſchreiben als man reden kan / welches ſie den fliegenden Schreiber heiſſen / worvon in Engelliſchen abſonderliche Beſchreibungen außgangen. Sie ha - bens in Engelland in ſolchen Ge - brauch gebracht daß junge Leute / oder welche ſich darauff legen / gantze Predigten in derD 4Kirch74[73]Kirch / und gantze Orationes in dem Par - liament ſo ſchnell auffſchreiben / als ſie geredt werden / welches eine artliche und nuͤtzliche Invention iſt / und hat mir Anlaß zur Speculation gegeben zu practiciren, in der Druckerey ſo geſchwind zu ſetzen als man ſonſten mit der Feder ſchreiben kan: weil aber die edle Kunſt der Dru - ckerey bereits ſo gemein worden / wil ich ſie durch publication dieſes Inventi nicht noch geringſchaͤtziger machen.

41. Von einer algemeinen Sprach und Schrifft.

Hier moͤchte einer anfangs einwerf - fen und ſagen / wann alle nationen ei - nerley Character ſchrieben und einerley Woͤrter redeten / ſo haͤtte man einerley Sprach und Schrifft und doͤrffte man keine neue erfinden: darvon aber wird alhier nicht gehandelt / ſondern die Sa - che und Propoſition beſtehet in zweyen Gliedern / erſtlich in einem Mittel durch Character einander ſchrifftlich zu verſte - hen / daß doch jede nation jhre Sprachebehal -75[74]behalte / und keine der andern Wort / ſondern nur das ſignificatum und den ſenſum verſtehe. Hiervon haben ſehr viel geſchrieben. Commenius hat nach Anlaß der Chineſer einen Orbem ſenſualium pictum ausgehen laſſen / woraus noch wol der nechſte Weg zu einem allgemei - nen Character zu finden. Ein Spa - nier wie auch Pater Kircher haben ſich in - gleichen darinnen bemuͤhet / aber Pater Schott in ſeiner Technica curioſa giebet den Preiß vor allen andern meinem neu - erfundenen Character, welchen ich Anno 1660. heraus gegeben / und geliebts GOtt dieſes Jahr in forma eines vollkomme - nen Lexici auff die Art meines Novi Or -