PRIMS Full-text transcription (HTML)
Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit /
wo die ſchaͤdliche Irgeiſterey des Herrn Grafen von Zinzendorf aus deſen neueſten Schriften entdecket wird
Zweiter Theil.
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Gieſen/ beyJoh. Philipp Krieger.1747.

Vorrede.

STreitſchriften ſind mein liebſtes geſchaͤfte nicht. Aber ich liebe doch die warheit, und ſetze mei - nen beruf nicht fuͤrſetzlich aus den augen. Wenn man in dem benachbarten Herrnhag, oder Marien - born koͤnte ſtille ſeyn, ſo wolte ich mit freu - den ſchweigen. O wie vollkommen wuͤr - de mein wunſch erfuͤllet, wann ſich die warheit endlich an denen bezeugen wolte, die ſich ein geſchaͤfte daraus machen, ſie mehr und mehr zu unterdruͤken. Aber ſeit vielen jahrhunderten weiß man keine ſekte, welche mit groͤſerer argliſt das letzte unter - nommen hat, als die ſynagoge des Herrn Grafen von Zinzendorf. So nennet er ſelbſt die parthie verfuͤhrter menſchen, die er faſt in allen theilen der welt, mit ſeinem wink regieret. Man muß ihm das zeug - nis geben, daß er das maas eines recht groſen irgeiſtes, uͤberfluͤßig erfuͤllet hat. Unter ſo vielen falſchen apoſteln und pro - pheten, die von zeit zu zeit in die welt aus - gegangen ſind, wird kein einziger ſeyn; der ihm den rang duͤrfte ſtreitig machen. Herrnhut. II. Th.) (SoVorrede. So verſchmitzt iſt er zu werke gegangen, ſeinen plan zu entwerfen! ſo viel kunſte hat er im vorrath, dasjenige durchzutrei - ben, wodurch ein ganzes vor ihn gemacht werden kan! Seit deme er etwas veſter, als im anfang ſitzet; hat ſich eine neue art von ungemeſſener unverſchaͤmtheit ſei - ner gleisnerei an die ſeite geſtellet. Er fuͤhlet ſich, und gehet nicht mehr leiſe, ſon - dern faͤhret frech daher, uͤber alles, was ſeinem reich im wege ſtehet: ſolte es auch der Heiland und ſeine apoſtel ſeyn. Ich halte ſeine predigen / die er nach und nach durch den druck unter die leute bringen laͤ - ſet, vor einen ſeiner ſchaͤdlichſten griffe. Man merket ſehr deutlich, daß die meiſte, ſonderlich die neueren, recht darzu ausge - ſonnen ſind, daß er die geheimniſſe ſeiner ſchalkheit / in der form erbaulicher ſchrif - ten, algemein machen will. Dieſes koͤnte nicht ſo fuͤglich geſchehen, wenn jene in ei - nem naketen lehrgebaͤude aufgedeckt erſchei - nen ſolten. Hier aber kan er einen guten gedanken darunter mengen. Er kan zwei - deutiger ſprechen, er kan einen ſpruch der ſchrift voranſetzen, und ſeine triegerei zu deſen inhalt machen. Mit dem letzterenhatVorrede. hat er es ſoweit gebracht, daß er gar nicht mehr ſchamroth wird, wenn er alles wa - get. Doch es haben ſeine predigen vor ſei - nen plan, noch einen andern nutzen. Sie ſollen, wie man offenbarlich ſiehet, zum theil die ſtelle einer wiederlegung ſeiner gegner, vertreten. Weil er dieſen aufrich - tig unter die augen zu gehen nicht getrauet, und es ſelber vor unmoͤglich halten muß; ſo koſtet es ihm nicht viel muͤhe, in ſeiner ſynagog uͤber ſie zu triumphiren, da ein unbedingter gehorſam die regel der warheit iſt. In ſeinen verſamlungen, wo er als ein prediger auftrit, ſind die ohren und herzen der zuhoͤrer, durch gewiſſe vorberei - tungsmittel einer ſinnlichen andacht, ganz unverruͤkt vor ihn eingenommen. Er hat ſie ohnehin mit dem vorurtheil einer un - fehlbarkeit geblendet. In dieſen umſtaͤn - den wird ihnen alles zum abſcheu, was er als einen ſatz ſeiner gegner beſchreibet. Sie halten es ohne anſtand vor giftig und vor hoͤlliſch, ehe der Graf noch ausgeredet hat. Er braucht keinen beweis darzu. Beweis gnug, wenn man hoͤret, daß es der Graf haben, oder nicht haben will. Mir ſind wiederum verſchiedene ſolcher predigen zu -) (2gefer -Vorrede. gefertigt worden. Das halte ich vor eine ſtille erinnerung zu dem, was durch ge - genwaͤrtige blaͤtter bewerkſtelliget wird. Es duͤrfte vielleicht etwas beitragen, die tiefen der argheit in dem herrnhutiſchen reich, weiter aufzudecken, und die ehre der goͤttlichen warheit zu retten. Zwar es ſcheinet dieſe meine bemuͤhung weniger ins ganze zu gehen, als die erſte. Dann ich nehme nur graͤfliche predigen zu mei - nem gegenſtand. Der Herr Graf kan irren, ſchwaͤrmen, laͤſtern, und darum thut es die gemeine nicht. So moͤchte man wohl glauben. Allein ich hoffe grund zu haben, warum ich in dieſem fal anders denke. Der Herr Graf iſt ſtifter der ge - meine, und ſie ein werk ſeiner haͤnde. Das werk tadelt ſeinen meiſter nicht. Der Herr Graf prediget dieſes oͤffentlich, und laͤſet es in der drukerei der gemeine, nem - lich zu Marienborn, zum nutzen der bruͤ - der, und zum aͤrgernis der Chriſten, in die welt laufen. Einiges davon ſtehet im lehrbuͤchlein, oder bekentnis der gemeine. Das meiſte iſt eine beſchreibung deſen, was in der gemeine, nach ihrer weſentli - chen verfaſſung geſchiehet, gelehret, undgebilli -Vorrede. gebilliget wird. Ja es waͤre ganz wun - derlich, den Herrn Grafen von der gemei - ue zu unterſcheiden. Er hat ſeine verdek - te tyranney, und den blinden gehorſam, ſo hoch getrieben, daß in keiner geſchichte ſeines gleichen iſt, und die nachwelt darob erſtaunen wird. Man leſe die 73. beilage in ſeinem creutzreich / ſ. 216. wo die ge - meine ihm uͤber den ganzen grundplan, in lehre und leben, eine unumſchrenkte voll - macht ertheilet, und das im namen GOt - tes, des allerhoͤchſten: ja ſie ſpannet ſeine unfehlbarkeit ſo hoch, daß ſie vermittelſt ei - nes von ihme, auf den fal ſeines hintrits, zu beſtellenden oberhauptes, auch nach ſei - nem tode, von ihm will regieret ſeyn. Und der Herr Graf haͤlt es gar vor eine belei - digung ſeiner erzmeiſterſchaft, wenn je - mand die grundſaͤtze der gemeine, von den ſeinen unterſcheiden will. Der um die kirche GOttes ſo ſehr verdiente Herr D. Baumgarten / hat dieſes, nebſt vielen andern graͤflichen mishandlungen, an ſei - nem theil erfahren. Mit deſen gewiſſen - haften beſcheidenheit war dem Herrn Gra - fen nicht gedienet: er wolte nicht anders als Paulus angeſehen ſeyn. Gleichwie man) (3ausVorrede. aus den ſchriften Pauli / die lehrſaͤz - ze der Chriſtlichen gemeinen / mit ge - wisheit behaupten kan; alſo will der Herr Graf, daß man die gemeinen, die ſich zu ſeinen grundſaͤzzen bekennen / noth - wendig auch nach ſeinen ſchriften richten und ſchlichten ſoll. Er will leute haben, die(*)Siehe Herrn D. Baumgarten theol. be - denken / St. 24. ſ. 158. ganz mit ihm ſind. Daher iſt es gekommen, daß die gemeine, wie ich im erſten theil erwieſen habe, die ſchaͤnd - lichſte unwarheiten des Herrn Grafen, auf ihre rechnung genommen, und in ei - ne Apologie ihres glaubens verwandelt hat. Und eben das iſt die urſache, war - um die ſaͤmtliche ſogenannte maͤhriſche kir - chen, bereits im jahr 1745. alle die graͤf - liche betriegereien, die von erſtgedachtem Herrn D. Baumgarten ſo gruͤndlich, als redlich entdekket worden, als ein ſchuld - opfer uͤbernommen hat. Dann weil der Herr Graf, der ſeinen gegnern mit nichts, dann laͤſterungen antworten kan, ſogar blos und beſchaͤmt ſtehen muſte, daß er ge -genVorrede. gen die wafen des lichts ſich nicht mehr ſe - hen laſſen durfte: ſiehe, ſo trat die liebe kreutzgemeine ganz gehorſamlich an ſeine ſtelle. Die unmuͤndige uͤbernahm die vor - mundſchaft vor ihren vormund, und(*)Es iſt 1745. unterm 6. Aug. nahmens der geſamten maͤhriſchen kirche, ein ſchreiben in 4to, an Ihro Koͤnigl. Maj. in Preuſſen abgefaſſet worden: in welchem der Herr Graf ſeine ſooft entdeckte betriegereien, und zwar an manchen orten auf eine ſeltſame art, erneuert. Die macht der warheit, welche Herr D. Baumgarten ihn fuͤhlen laſſen, ſuchet er unter dem namen der ganzen kirche durch ſchimpfen und verklagen zu entkraͤften. der weltliche arm ſolte ihre zuflucht wer - den, als trug und liſt ſie nicht mehr ſchuͤ - tzen wolte. Hieraus wird hoffentlich zu erſehen ſeyn, daß die wenige blaͤtter des gegenwaͤrtigen theilgens, ebenfals wieder das ganze zu gehen, ſich verſichert halten koͤnnen. Wiewohl es kan mir dieſes gleichguͤltig ſeyn. Gnug, daß die aͤrger - liche predigen des Grafen, in das ganze laufen, und nicht nur die proteſtantiſche kirchen, ſondern uͤberhaupt die Chriſtliche,zuVorrede. zu vergiften ſuchen. Ich wuͤrde meinem eigenen gewiſſen nicht antworten koͤnnen, wann ich gegen ſolche ſchaͤndliche gebur - ten, die ſich in dieſen gegenden, und an orten meiner aufſicht, ausbreiten, ohne daß eine hoͤhere hand dieſem frevel ſteuren will, allerlei, ſonderlich unverwahrte le - ſer, ohne warnung lieſe; zumalen da mir manche ſamlung dieſer predigen ohne mein zuthun uͤberliefert, und meine Amtsſor - ge dadurch aufgefodert wird. Daß uͤbri - gens verſchiedene ſtuͤke dermalen zuruͤke bleiben muͤſſen, das iſt wieder mein ver - muthen geſchehen. Der HErr der maͤch - tig iſt, und des name heilig iſt, wolle ſich gefallen laſſen, des ſatans trug und liſt zu ſteuren, und ſeine warheit zu erhalten. Gieſen, den 26. Jenner, 1747.

Die
1

Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit.

I. Des Graf Zinzendorfs Predig von dem eigentlichen Geſchaͤfte der Boten des Lammes gehalten zu Marienborn am Himmelfahrts - Feſt 1745. den 27. May.

Erſtes Hauptſtuͤk. Die Schalkheit im Geſang.

Inhalt.

  • 1) Die Befugnis neue Lieder einzufuͤhren / und deren Schranken §. 1. 2. 3.
  • 2) Das ſchaͤdliche und ſchalkhafte in den neu - en Liedern der Zerrn - huter / uͤberhaupt / §. 4.

  • 3) Neue Proben davon in dem Geſang der die - ſer Predigt beygedrukt worden / §. 5.
  • 4) Enrdeckung und Wie - derlegung derſelben / §. 6. 7.

§. 1.

ICh habe nicht noͤthig, uͤberhaupt zu erinneren, daß die Herrnhutiſche Sekte ſich eigene Lieder gemacht und noch taͤglich mache, um ſich von allem was evangeliſch heiſer, deſto ſichtbarer zu unterſcheiden. Herrnhut. II. Theil. ADaß2Herrnhuterey in ihrer SchalkheitDaß die innere Gemeinſchaft des Geiſtes unter den Gliedern Chriſti, gar wohl beſtehen koͤnne, wann gleich beſondere Heerden, nicht alle und jede Stuͤcke, von der Art und Weiſe, oder Zufaͤl - ligkeiten des aͤuſerlichen Gottesdienſtes, worzu der offentliche Gebrauch der Lieder gehoͤret, un - tereinander gemein haben; das verſtehet ſich von ſelbſten. So lange aber die gebraͤuchliche und in dem gantzem evangeliſchen Zion eingefuͤhrte Lieder, zu ihrem Zweck tauglich, geſchickt, und hinreichend, auch ſo zu reden ein Bekentniszei - chen derjenigen Verbindung ſind, in welcher alle beſondere Gemeinen deſſelben, ſtehen und behar - ren; ſolange iſt man verbunden, aus Liebe zur Eintracht, und zum Beweis der Ubereinſtimmung, ſowol mit den ehemaligen, als jedesmal gegen - waͤrtigen Gliedern der aͤuſerlichen Gemeine, die Fruͤchte ihrer Andacht gemeinſchaftlich zu genie - ſen, mithin auch in gewiſſem Verſtande hier ein - gedenck zu ſeyn, was der Heilige Geiſt in noch wei - term Sin und Umfang befielet, daß wir mit ei - nem Munde loben ſollen GOtt und den Va - ter unſers HErrn JEſu Chriſti.

§. 2.

Wer den HErrn Chriſtum lieb hat, mithin ſein Wort haͤlt, und daher ſein koͤnigliches Ge - bot von der Liebe, und dem Band des Friedens gebuͤhrend verehret; bey demſelben wird vorge - dachte Verbindlichkeit deſto groͤſer, je mehr er wahrnimt, daß aus der Liederneuerung, wegen anderer miteinflieſenden Umſtaͤnde, ein Tren -nungs -3anderer Theil. nungsgeiſt nicht unbillig gemuthmaſet werden kan. Ja woferne nur ein eintziger ſchwacher Bruder Anſtos daran nehmen wuͤrde, um wel - ches willen Chriſtus geſtorben iſt; ſo haͤtte ich kein Bedencken, dieſen Misbrauch einer allen - fals unlaugbaren Freiheit, unter diejenige Ver - gehungen zu rechnen, deren Paulus in ſeinen Briefen hin und wieder gedencket.

§. 3.

Wer eine Gabe dem HErrn zu dichten und zu ſpielen, empfangen hat, dem iſt freilich eben da - durch die Befugnis ertheilet, ſie dem HErrn und ſeiner Gemeine zum Opfer zu bringen. Aber das kan ohne Neuerung geſchehen. Und die Ex - empel ſovieler alten und neuen geiſtreichen Dich - ter, lehren uns, wie es geſchehen muͤſſe. Hin - gegen ſehe man die Herrnhutiſche Gewonheit an. So manche neue Predig, ſo manches auf die Sekte gerichtetes und ſogleich eingefuͤhrtes Lied. Aus dieſen Geſaͤngen nimt man ſodann die Loſun - gen, oder deren Beyſchrift, man fuͤhret ſie in Predi - gen ſtat der Bibel an. Wer die Spuren einer Selbſtgefaͤlligkeit, und geflieſentlichen Trennung hier nicht ſiehet, zumalen wann er die neue Bibeluͤ - berſetzung, den neuen Catechiſmus, nebſt den uͤbri - gen duͤrftigen Satzungen dieſes Volcks, daꝛzu nimt, der muß ſich vorgenommen haben, nichts zu ſehen.

§. 4.

Das ſchlimmſte aber bey dieſer neuen Lieder - ſucht iſt noch uͤbrig. Es beſtehet nicht darinnen, daß allerley kauderwelſche Woͤrter, Zinzen -A 2dorfiſche4Herrnhuterey in ihrer Schalkheitdorfiſche Formeln, griechiſche, lateiniſche, frantzoͤiſche, ja gar judiſche(*)Aus Herrnhutiſchem Geſang-Buch XII. Theil Num. 1997. pag. 1901. 1. Am Schabbas ſind wir ſtille, Und reden in der K’hille Wir thun uns was zu gut Wir acheln von dem Tolah Der fuͤr uns ward ein Olah Und trincken auch von ſeinem Blut.2. Er ward fuͤr uns zum Fluche Drum haben wir Menuche Wir ſind gebenſchte Leut Er macht in uns Hadloke Und ſein Sechus und Z’doke Iſt unſer Schmuck und Schabbas Kleid.3. Die Ausdruͤcke, und was eine verruͤkte Phantaſie ſonſt vor Ausſchwei - fungen ausheken kan, haͤufig in den Herrnhuti - ſchen Singreimen zu finden ſind: obgleich die - ſes ſo laͤppiſche und nie erhoͤrte Flickwerk, zu - mal bey der heutigen Reinigkeit unſerer Mutter - fprache einen an ſich noch ſo geiſtreichen Inhalt eines Kirchenliedes, abgeſchmackt und veraͤchtlich machet. Ja wer kan es einem Leſer verargen, wann er dencket, es habe der Verfaſſer eines teutſchen Kirchengeſangs, der wie ein Bettlers - mantel, nebſt dem teutſchen, aus judiſch, frantz - maͤnniſch, lateiniſch, und anderen Lappen zu - ſammen geflickt iſt, mit geiſtlichen Sachen ge - flieſentlich ſein Geſpoͤtte, wenigſtens eine Kurtz - weil treiben wollen?

§. 5.5anderer Theil.

§. 5.

Aber, wie gedacht, das iſt nicht das aͤrgſte. Der neue Reimſprecher in Herrenhut, hauchet noch uͤberdas ſein Gift in ſolche unſeelige Poeſien. Im gegenwaͤrtigen Lied ſtehet dieſer Satz aus - druͤcklich: die Herrnhutiſche Gemeine (als Herrnhutiſch, und von andern Religionspar - thien unterſchieden) iſt diejenige / welche Chri - ſtus meinet / wann er die Verheiſung gibt / es ſolle dieſelbe auf einem Grunde ſtehen / der von den Pforten der Hoͤllen nimmermehr -A 3berwun -(*)3. Die Parſche und Haphtore Iſt immer nur die B’ſore Daß GOttes ein’ger Sohn Am Creutz vor uns geſtorben Und uns mit Blut erworben Man ſingt und darſchet nur davon.Num. 1999. 1. Der Bore iſt erſchienen Seiner armen Berje zu dienen Er half ihr aus der Noth Er hat ſich makriv geweſen Col echad kan geneſen Wer glaubt und achelt von ſeinem GOtt.2. Sein Boſer iſt die Achile Das Korben fuͤr die Mechile Die K’hile lebt davon Sein Dam iſt die Schetije Das ihm an der Telije Aus ſeiner ofnen Seite ronn.3. Wir gehn bey ihm zu Tiſche Der Iſch mit ſeiner Iſche Aguddas Bocherim Und ſeine liebe Jonah Die Alme und Almonah Die Olelim Vejonekim. 4. Wohl6Herrnhuterey in ihrer Schalkheitberwunden werden koͤnne. Dann er redet von einer Gemeine, von welcher Herrenhut der Erſt - ling ſeye v. 5. wo es anfangs durch manches Gewirre ſchlimm gegangen v. 6. bis endlich beym Streitereſſen und heiligen Wunden - tranck / der alte Meinungszanck vergeſſen / und man ein Hertz und eine Seele worden ſeye v. 6. Zu der Stunde ſoll dieſe Gemeine allererſt entſtanden ſeyn / v. 7. 8. Da iſt ſie zu der Ge - meine worden die noch heute ſtehet / und durch den Eingang ſovieler Bruͤdern und Schweſtern vormehret wird v. 9. die mit ihrer Predig / daß wir mit Blut bezahlet ſind / die Seelen in al -len(*)4. Wohl dem der ſich ſo nehret Und von dem Tolah zehret Sein Boſer Vedam genießt Der ſtirbt nicht addrabba Er hat veſt olam habba So veſt Techijas hammeſim iſt.Pag. 1907. N. 2011. Mel. Wer JEſum bey ſich hat. 1. Nichts iſt doch freundlicher als unſer Herr - gen Nichts liebet ſich ſo ſehr als ſeine Naͤrr - gen.2. Nichts predigt kraͤftiger als Wunden Pfaͤrrgen Nichts ſinget lieblicher als JEſu Lerchen.3. Drum bleib ich unverruckt im Bund der Naͤrrlein Und liebe ewiglich der Naͤrrlein Herrlein.7anderer Theil. len Landen und an jedem Ort bereits in Brand geſtecket. (*)v. 5. Du haſt erfahren was JEſus Gnade thut, Von vielen Jahren in unſers Herren - huth, Dem Erſtling unſerer Gemeinen Der dich noch oft macht vor Freuden weinen.v. 6. Durch manch Gewirre giengs da im An - fang ſchlimm Durch das Gekirre der treuen Hirtenſtimm, Das brachte ſeine arme Schaafe, Bald zu dem ſanfteſten Glau - bens-Schlafe.v. 7. Beym Streitereſſen und heilgen Wun - dentranck Da ward vergeſſen der alte Meinungs-Zanck, man ſang dem Lamm mit froher Kehle, Und ward ein Hertz und eine Seele.v. 8. Das war die Stunde, die ſich das Lamm erſehn, Daß auf dem Grunde die Kirche ſolte ſtehn, Den Satan und die gantze Hoͤlle, Nimmer bewege von ſeiner Stelle:v. 9. Sie ſteht noch heute, die ſeelige Gemein, Erwehlte Leute gehn taͤglich zu ihr ein, Und ihren Schweſtern allenthalben, Kirchen ſind Suͤndern wies Neſt den Schwalben.v. 10. Und ſeit die Warheit daß wir mit Blut bezahlt, Mit ſolcher Klarheit in den Ge - meinen ſtrahlt, So wird faſt alles hinge - riſſen, Und man will nichts als die Wun - den wiſſen.v. 11.Das iſt die Beſchreibung vonA 4Her -8Herrnhuterey in ihrer SchalkheitHerrenhut, theils wie es anfangs von dem graͤf - lichen Schwarmgeiſt ausgebruͤtet, theils wie es bis auf dieſen Tag von eben demſelben geſaͤuget, genehret, und je mehr und mehr mit immer neuen Trebern des Irſals recht ausgefuͤttert worden. Und darauf zielet dann der groſe Lobſpruch und der goͤttliche Freibrief: v. 8. daß ſie die Kirche ſeye, auf den Grund gebauet, den der Satan und die gantze Hoͤlle nimmermehr wanckend machen, vielweniger uͤberwaͤltigen ſolle. Ich will es aus ſeinen Worten noch etwas deutlicher zeigen.

§. 6.

Die Gemeine, welche zu derſelben Stunde / in Herrnhut ihren Anfang genommen hat, iſt kei - ne andere, als die von dem Herrn Graf Zinzen -dorf(*)v. 11. Wir koͤnnen ſagen, daß faſt in jedem Land, In dieſen Tagen die Seelen ſtehn im Brand, Und man an einem jeden Orte Hoͤren will von dem Verſoͤnungs-Worte.Den Inhalt des 10. und 11. Vers beſinget der Graf in einem eigenen Lied, mit hochpran - genden Namen der frembden Voͤlcker und Nationen, auf eine recht eitele Art ange - fuͤllet. Herrnh. Geſangb ſ. 2034. Wie ſind wir doch ſo herzlich ſchlecht ꝛc. und eben daſelbſt: O Haupt vom Kirchen-Spren - gel! ꝛc.9anderer Theil. dorf geſtiftet worden. Er iſt ihr Haupt, ihr Fuͤhrer, ihr groſer Goͤtze; was er lehret, ſetzet, ordnet, und befielet, das iſt Gottes Wort und Heiliger Geiſt bey dieſem Volck; wie die Er - fahrung bezeuget, und die Schriften wackerer Leute; welche den Greuel des Herrnhutiſchen Frevelgeiſtes bisher entdecket, und unwieder - ſprechlich dargethan haben. Dieweil nun hier die Herrnhutiſche Kirche, ſoferne ſie Herrnhutiſch iſt, oder zu Herrnhut ihren Anfang genommen hat, von dem Grafen betrachtet wird, nicht aber ſoferne noch ein und die andere evangeliſche War - heit bey ihr unvergiftet geblieben: ſo ſiehet man hieraus, wie frech und verwegen der Graf ſeine eigene Brut erhebet, wie unverſchaͤmt und hoch - farend ſein Rottengeiſt ſich geberdet, da er ſein Geſindel abſingen laͤſet, dieſer verblendete Sek - tenſchwarm, ſofern er eine Sekte und zu Herren - hut von einem unruhigen leichtſinnigen Menſchen gezeuget worden iſt, ſeye die Kirche, welche ei - nen Grund habe, den der Satan mit allen hoͤlli - ſchen Heeren nicht von der Stelle bewegen ſolle?

§. 7.

Iſt aber dieſes Beginnen nicht ſchaͤndlich und vor dem wahren Heiland unverantwortlich? ſiehet man nicht deutlich hieraus, auf was fuͤr Hoͤhen der graͤfliche Geiſt von dem Verſucher ſich fuͤhren laſſen? Was Herrnhutiſch bey ſei - nem Volck iſt, (und davon redet er an dieſem Ort §. 6.) von wem komt das anders, als von ihm ſelber? Iſt nicht Er, der Graf durch ſeineA 5unum -10Herrnhurerey in ihrer Schalkheitunumſchrenkte Verwegenheit / der Grund, der Anfang, der Stifter, der Vater, der Saͤmann von allem dieſem Ubel? Hat nicht ſeit der Stun - de / die er ſelber als die Geburtsſtunde ſeines Reichs angibt (§. 5.) dieſer ſogenante Erſtling des Graͤflichen Unweſens, ein gantzes Heer von gleichem Ungeziefer ausgehekt? Hat ſich nicht eine Tiefe der Bosheit nach der andern offenba - ret? Iſt nicht Luͤgen, Irſaal, Tuͤcke, Betrug, Mordbegierde, Laͤſterung gegen GOtt und Men - ſchen die Grundveſte ſeiner Herrſchaft uͤber die Seelen? Der Zaun und die Mauer um ſein Her - renhag? ſein Bollwerck und Geſchuͤtz gegen goͤtt - lich - und menſchliche Warheiten und Geſetze? Iſt das nicht das Feuer bis daher geweſen, mit welchem er uͤberall ſo manches in Brand geſteckt? wie ſeine Worte lauten (§. 5.). Und ſiehe, dieſer Grund ſoll der Heiland ſeyn! dieſer Grund ſoll vor den Satan und die gantze Hoͤlle ſo fuͤrchter - lich ausſehen, daß ſie ihre Hoͤrner daran ablau - fen muͤſſen! Eben als wan von der Herrnhuti - ſchen Stunde an, der Satan ſich in einen Fel - ſen, und Heiland der Gemeine verwandelt, mit - hin ſeine alte Maximen geaͤndert haͤtte, und mit ihm ſelbſt uneins worden waͤre, das zu beſtuͤrmen, welches er doch ſelbſt gebauet hat, und noch taͤg - lich zu Trotz dem Heiland, bauet; welches die - ſer maͤchtige Heiland wie Holtz, Heu und Stop - peln zu ſeiner Zeit gewiß verzehren wird.

Das11anderer Theil.

Das andere Hauptſtuͤk. Schalkheit in Erwehlung des Textes.

Inhalt.

  • 1) Urſachen / warum der Graf dieſe Worte Chriſti / und keinen Lammes-Text dieſes - mahl erwehlet hat / §. 8. 9. 10. 11.
  • 2) Warum er Luthers Uberſetzung geaͤndert / und ſeine eigene einge -fuͤhret hat / §. 12. 13. 14.
  • 3) Ungrund der Graͤfli - chen Uberſetzung / §. 15. 16. 17.
  • 4) Des Grafen Unfug in dieſer Sache / wird entdecket / §. 18.

§. 8.

AUf den heiligen Himmelfahrtstag erſcheinet dieſesmal weder Lammestext noch Lo - ſung wie ſonſt geſchiehet. Was muͤſſen die Bruͤder von ihrem Prediger hiebei gedacht ha - ben? Doch dieſe Frage iſt bei ihnen leicht beant - wortet. Es war der Herr Graf der Prediger. Wer wuͤrde ſich erkuͤhnen, ihn zu fragen: war - um thuſt du das? Hat er doch die Lammestexte und die Loſungen, gleichwie alles uͤbrige, ſelbſt geboten. Wie ſolte es ihm nicht frei ſtehen ſein Gebot, wan und wie es ihm gefaͤllet, wieder aufzuheben? Nicht allein was er gebietet und fuͤrſchreibet, ſondern auch was er thut, iſt ein Geſetz: und der Gehorſam ſeiner Leute gibt ſichvon12Herrnhuterey in ihrer Schalkheitvon ſelbſten, eben deßwegen, weil ſie ſeine Leute ſind, die er hernach, wann ſie ihm gehuldiget ha - ben, des Heilandes Leute nennet.

§. 9.

Doch die Idee und der Plan des Herrn Gra - fen bei Erwelung dieſes Textes, hat ſich ſehr deutlich geaͤuſert. Nemlich ſein Hauptplan iſt dieſer, daß alles was der Heiland geſeegneres, ſeeliges, vorzuͤgliches, von ſeiner Gemeine gere - det, verheiſen, oder derſelbigen befolen, und verordnet hat, auf niemand anders, als den Herrn Grafen und ſein Reich zu deuten ſeye. Wann er ſeinem Volk dieſes einpraͤgen und recht lebhaft einbilden kan, ſo iſt ſein Zwek voͤllig er - reichet. So muß alles was auſer Herrenhut, Religion iſt und heiſet, unter des neuen Hei - land Zinzendorfs Fuͤſen liegen, hingegen das Herrnhutiſche Reich in allen ſeinen Maximen, Wegen und Unternehmungen gerade und weſent - lich dasjenige ſeyn, was der HErr Chriſtus als ſein eigenes abgemalet hat.

§. 10.

Der Herr Graf, dichtet demnach und ſtudie - ret eintzig darauf, wie man es machen muͤſſe, damit des Heilandes Worte zum Behuf der Bosheit ſolange gefoltert werden, bis obgedach - ter Plan ſich darinnen bilden moͤge; damit ſeine Bruͤder den Betrug ſeiner eigenen Schalksgriffe deſto weniger merken, und gegentheils ſie deſto - mehr vor ein Werk GOttes und des Heilandes anbeten ſollen. Deswegen hat er den gegenwaͤr -tigen13anderer Theil. tigen Ausſpruch des HErrn JEſu zu dieſer ver - zweifelten Mishandlung bequemer, als irgend ei - nen Lammestext / erachtet. Er hat geglaubet, man koͤnne hier unter dem Namen des Heilandes und mit ſeinen Worten, theils die evangeliſche Kirchen vor der Herrnhutiſchen Gemeine geiſſeln, theils dem Beginnen der Herrnhutiſchen Land - ſtreicher aus der Hand JEſu einen Freibrief und ſchriftlichen Beruf verſchaffen, damit ſie jeder - man vor wuͤrkliche damals von Chriſto beſtelte Apoſtel und des Heiligen Geiſtes Stellbetreter, ungezweifelt halten, aufnehmen und verehren moͤge. Wie ſogleich aus dem Anfang der Predig ſ. 6. 7. 8. deutlich erhellet.

§. 11.

Mit dieſem ſchaͤndlichen Fuͤrſatz iſt der Graf - am Tage der Himmelfahrt JEſu, auf die Herrn - hutiſche Kantzel getreten. Und dieſe vorher aus - gebruͤtete boshafte Fabel, hat er unter dem Schein und Namen einer Predig uͤber JEſu Worte, ſeinem Volk vor dieſesmal aufgebunden. Waͤ - re es nicht beſſer, er naͤhme des Eſopus Fabeln vor? Der Betrug bliebe einerlei, die Worte des Heilandes aber kaͤmen unmißhandelt davon, und die Verantwortung waͤre ertraͤglicher als ſie nun iſt, da man die allerheiligſten Ausſpruͤche des Erloͤſers, zum Vorſchub ſeines Gauckelwerks wiſſentlich und fuͤrſetzlich auf die Folter ſpannet, und eine daraus erzwungene Luͤgenrede, vor eine bibliſche Warheit verkaufet.

§. 12.14Herrnhuterey in ihrer Schalkheit

§. 12.

Hier muß ich beilaͤufig noch etwas erinnern, welches zu einem neuen Beweis der Herrnhuti - ſchen Redlichkeit dienen kan. Bei Gelegenheit, daß der Graf das neue Teſtament auf eine ſehr leichtfertige Art uͤberſetzet, und ſein Geſelle, Na - mens Muͤller, den ſie ihren Biſchof nennen, die - ſer Verwegenheit in einer offentlichen Schrift, auf ausdruͤcklichen Befehl GOttes, wie dieſer Muͤller heiliglich behauptet, nicht nur das Wort geredet, ſondern auch als ein vom heiligen Geiſt dem Grafen befolenes Werck ſie gebilliget und geprieſen hat, iſt auch des S. Luthers Uberſetzung in Betracht gekommen. Man hat unſerer ſeits billig gefraget, warum doch der Graf, der ſich bei aller Gelegenheit einen Lutheriſchen Prediger nennet, in gedachter Uberſetzung ſoweit gegan - gen ſeye, daß er faſt nicht eine Sylbe von des S. Luthers Dolmetſchung beibehalten, ſondern alle Ubereinſtimmung mit derſelben, auch ſogar in der geringſten und gleichguͤltigſten Redensart, auf das ſorgfaͤltigſte vermieden habe?

§. 13.

Hierauf gabe der Graf, und ſein Biſchof Muͤller, folgendes zur Antwort: Erſtlich: die graͤfliche Uberſetzung ſeye eine Schuͤlerprobe, dabei der Herr Graf nur habe gewahr werden wollen, wieviel griechiſch er koͤnne, und wie ſich griechiſch gegen teutſch verhalte. Mit nichten aber ſeye es eine Uberſetzung, die man in der Kir - che oder ſonſt als ein neues Teſtament gebrau -chen15anderer Theil. chen ſolle. Zum andern hat man alle evangeli - ſche Lehrer aufgefodert, nur eine eintzige Probe zum Exempel anzufuͤhren, wo man in Herrnhuti - ſchen Verſamlungen, nicht Luthers ſondern des Grafen Uberſetzung, gebrauche? Nun habe ich dieſe verwegene Ausfluͤchte, im Zinzendorfiſchen Unfug (lerna Z.) und in einer beſondern Diſpu - tation, das Zinzendorfiſche Predigaͤrgernis (noxa homil. Z.) der Gebuͤhr nach abgewieſen, und mehr dann eine Stelle beigebracht, wo man Luthers Uberſetzung, theils in der Herrnhuter Catechismus, theils in ihren Predigen, ausge - muſtert, und die graͤfliche ſogenante Schuͤlerpro - be eingefuͤhret hat. Es iſt demnach das treuher - tzige Vorgeben dieſer Leute offentlich bekant, und vor den Augen einer nur buͤrgerlichen Ehrlichkeit, blos geſtellet worden.

§. 14.

Gleichwol aber haben dieſe offene und gerade Bruͤder, eine ſo unerſchrockene Stirne, daß ſie aus ihrer eigenen ſchriftlichen Proteſtation eben keine ſo fuͤrchterliche Regel machen, die man ih - rem Gewiſſen aufbuͤrden muͤſſe. Dan was die Verleſung des gegenwaͤrtigen Textes, Act. I, 7. 8. belanget, ſo ſiehet einjeder, daß des S. Lu - thers Uberſetzung abermal wiſſentlich ausgemer - tzet, und eine neue graͤfliche an jener Stelle ge - brauchet worden.

Wer kan aber Leuten eine Warheit zu - trauen, welche ſich alſo auffuͤhren? Sie ſagen: es iſt eine Verlaͤumdung der Kreutzgemeine, wennman16Herrnhuterey in ihrer Schalkheitman die Welt weiß machet, man gebrauche nur ein einigmal in offentlicher Verſamlung eine an - dere als des S. Luthers Uberſetzung. Sie zeh - len dieſe Nachrede zu dem vielfaͤltigen Unrecht, welches dem Suͤnderkirchlein und den Leuten des Heilandes, muthwillig von uns evangeliſchen Re - ligionsleuten zugefuͤget werde. Und doch betrit man ſie bei aller Gelegenheit wiederum auf fri - ſcher That, und wird gewahr, daß der Geiſt der Luͤgen ſie alsdann am meiſten zu ſeinen Dien - ſten habe, wann ſie dieſen Frohndienſt, mit dem Vorwand der Unſchuld und des Marterthums, am beweglichſten abzulehnen ſuchen.

§. 15.

Man ſiehet alſo gar deutlich eine neue herrn - hutiſche Warheit, in der Vorleſung dieſes Tex - tes. Aber auch eine Leichtfertigkeit und Neue - rungsſeuche. Dann liebet! was hat doch der S. Luther in dieſem Vers verſehen, das von dem Grafen haͤtte verbeſſert werden muͤſſen? Hat Luther den griechiſchen Text nicht getrofen? oder hat er einen unverſtaͤndlichen Ausdruk im teut - ſchen gebraucht, den man deutlicher und mit ei - ner beſſeren Redensart geben muͤſte? Wandieſes waͤre, ſo wolte ich kein Wort mehr ſagen. Al - lein ich ſehe das Gegentheil. Wo der Graf vom Luther abgewichen iſt, da iſt er auch von der Grundſprache und vom Sin des heiligen Geiſtes abgewichen. Und wo er es deutlicher hat machen wollen, da komt es unverſtaͤndlicher heraus.

§. 1617anderer Theil.

§. 16.

Der griechiſche ausdruk ομχ ὑμν ςι, heiſet in ſeinem ganzen verſtande ſoviel, als in Luthers Uberſetzung ſtehet: es gebuͤhret euch nicht. Es iſt uͤber euren horizont, ihr ſeyd zu gering darzu, es iſt uͤber eure wuͤrdigkeit, zu erkundi - gen und zu wiſſen, was die weiſe Allwiſſenheit des Allerhoͤchſten ſich vorbehalten hat. Der Graf ſpricht: es iſt euer Amt nicht / ihr ſeyd diſpen - ſiret / es wird von euch nicht gefodert. Aber das iſt es nicht, was Chriſtus ſagen wolte. Nicht allein war dieſes das Amt der Apoſtel nicht: ſie waren nicht nur davon diſpenſiret / es war nicht nur eine Sache, die nicht von ihnen gefodert wurde: ſondern es war ſogar ein Vorrecht der goͤttlichen Weisheit, Macht und Allwiſſenheit, daß kein Menſch und kein Engel, ja gar des Men - ſchen Sohn nicht, (in ſeiner Erniedrigung) ir - gend eine zeit und ſtunde wiſſen ſolten, die der Vater ausdruͤcklich ſeiner Macht alleine vorbe - halten hatte. Es kan jemand vieles wiſſen, das eben ſein Amt nicht erfodert, oder das er zu ſei - nen Amtsverrichtungen nicht nothwendig zu ge - brauchen hat, obgleich dieſes wiſſen nicht nur moͤg - lich ſondern auch ruͤhmlich iſt. Wer demnach ſaget: dieſes zu wiſſen iſt deines Amtes nicht, der ſpricht deswegen dem andern ſein wiſſen nicht ab. Chriſtus aber hat es ſeinen Juͤngern hier ſchlechterdings abgeſprochen. Nicht nur weil es nicht ihres Amtes, ſondern weil es durchaus un - erlaubet, und nach dem goͤttlichen RathſchlußHerrnhut. II. Th. Vunmoͤg -18Herrnhuterey in ihrer Schalkheitunmoͤglich ware, daß ſie dieſes wiſſen ſolten. Weil aber der Graf ſeine Landlaͤufer an die ſtel - le derjenigen ſetzet, die der HErr Chriſtus da - mals angeredet hat; und gleichwol jedermaͤn - niglich bekant iſt, daß dieſe Schwaͤtzer, obwol ſie Wunderthaͤter ſeyn wollen, dennoch das nicht wiſſen, was der Vater ſeiner Macht vorbehal - ten hat: ſo dencket er, es ſeye ſeinem Plan ge - maͤſer, daß Chriſtus ſagen muͤſſe: es iſt eurer Amt nicht / ihr ſeyd davon diſpenſiret. Son - ſten aber ſiehet man aus ſeiner Predig (ſ. 15.) gar deutlich, daß nicht allen Herrnhutern dieſe Wiſſenſchaft, die Chriſtus ſeinen Juͤngern ab - ſpricht, verſaget ſeye. Dann ein anders iſt ein herrnhutiſcher Juͤnger oder Apoſtel, ein anders der herrnhutiſche Heiland, der ihn ſendet. Die - ſem und jenem ſeinem Knecht kan es der Hei - land / wann er Macht und Erlaubnis darzu hat von ſeinem Vater / erklaͤren / es iſt genug daß es dieſer Knecht weiß / und andern gele - gentlich ſaget. ꝛc. Daß aber der Heiland im Stande ſeiner Erhoͤhung (davon hier offenbar - lich die Rede iſt) von dem himmliſchen Vater erſt Macht und Erlaubnis erhalten muß, wann er ſeinen Knechten etwas offenbaren will; das gehoͤret zu den herrnhutiſchen Glaubenslehren, die wir unten beleuchten wollen.

§. 17.

Der andere Ausdruck in dieſem Zinzendorfi - ſchen neuuͤberſetzten Text, iſt dieſer, daß der Va - ter im Himmel, obgedachte Zeiten und Stun -den19anderer Theil. den in ſeiner eigenen Hand behaͤlt. Ich weiß nicht ob dieſes zierlicher, oder deutlicher, oder beides zugleich, hat ſeyn ſollen, als des S. Lu - thers Ausdruck. Das aber iſt gewiß, daß es am natuͤrlichſten lautet, wie es der S. Luther gege - ben hat. Der Vater hat es ſeiner Macht vor - behalten. So iſt es meines Erachtens auch deutlich gnug, und zierlich gnug, nach unſerer teutſchen Sprache. Und ſo ſtehet es ausdruͤck - lich im Grundtext. Weil aber der Herr Graf durch einen dreiſigſaͤhrigen Gebrauch unſeres von dem S. Luther uͤberſetzten neuen Teſtamen - tes, es meiſt auswendig gelernet hatte, (wie an - derswo ſeine Worte lauten) und er doch gleich - wol kein rechter Reformator ſich zu ſeyn beduͤn - ket, wenn er dem alten Luther etwas ſtehen lieſe; ſo ſchaffet er ſich lieber neue Redensarten, die ganz und eben ſo ſein eigen ſind, wie ſeine uͤbri - ge Satzungen. Dieſe Texte prediget er, und erklaͤret den vor einen Satan und Bruͤderſeind, der ſich nur erkuͤhnet zu ſagen: Der Graf Zin - zendorf behaͤlt Luthers Uberſetzung nicht.

§. 18.

Aber die Schalkheit dieſes Verfahrens verraͤth ſich von ſelbſten. Haͤlt es der Graf vor billig, nothwendig und loͤblich, und dringet ihn ſein Gewiſſen darzu, daß er mit Hintanſetzung der Lutheriſchen Dolmetſchung, eigene Uberſetzun - gen bei offentlichem Gottesdienſt gebrauchet; wie er dan wuͤrklich ſolches thut: warum will er, wann es zur Sprache kommt, dieſes nicht ge -B 2than20Herrnhuterey in ihrer Schalkheitthan haben, ſondern die Leute bereden, daß er bei dem Luther bleibe? Hat man ſich etwa deſen zu ſchaͤmen, was man aus Trieb ſeines Gewiſ - ſens gethan hat, und taͤglich thut? Der Graf thut es: und wann er fertig iſt, und die Leute ſe - hen es, ſo ſpricht er: ich habe es nicht gethan, wer es mir nachredet, iſt ein Luͤgner. Heiſet aber dieſes nicht, eine und eben dieſelbe Sache werkthaͤtig billigen, und mit Worten vor unan - ſtaͤndig und unbillig erklaͤren? Und wo iſt ein red - licher Man, der dieſes ohne Verletzung der wah - ren Aufrichtigkeit thun und unternehmen darf? Iſt aber gegentheils der Graf in ſeinem Gewiſ - ſen uͤberzeuget, daß es unrecht ſeye, ſich vor ei - nen Lutheriſchen Prediger, und ſeine Gemeine vor Lutheriſch auszugeben, gleichwol aber eine gemeinſchaftliche Uberſetzung der Lutheriſchen Kir - che eigenmaͤchtig abzuſchaffen, und manchesmahl nicht einen einzigen gleichguͤltigen Ausdruk davon zu behalten: warum thut er dann gegen dieſe Uberzeugung, ſo oft es ihm einfaͤlt? das iſt, war - um ſuͤndiget er muthwillig gegen ſein Gewiſſen? Und was noch mehr iſt, warum haͤufet er dieſe Suͤnde mit offenbaren Luͤgen, und laͤugnet un - verſchaͤmter weiſe, was man ſiehet und hoͤret? ja warum uͤberhaͤufet er auch dieſe Argheit mit Verlaͤumdung ſeines Nechſten, und nennet die - jenige Laͤſterer und ſalſche Zeugen, die nur ſagen und bemerken, was er ohne ſcheu und bedenken offentlich begehet? Warum will er mit Schmaͤ - hen und Bannen erzwingen, daß man ihm zugefallen21anderer Theil. gefallen luͤgen und betriegen ſoll? Er urtheile ſelbſt, ob man dieſes von einem ehrbaren Heiden jemals vermuthet hat.

Das dritte Hauptſtuͤk. Schalkheit in der beigefuͤgten Erklaͤrung des Textes.

Inhalt.

  • I. Der wahre Sinn der Worte Chriſti / §. 19 2[)].
  • II. Die ſpoͤttliche Mis - deutung des Grafen
    • 1. Beſchaffenhen der Seelen / welche bekehret werden ſol - len / §. 25-32.
      • 1) Schalkheit des Grafen bei dieſer falſchen Erklaͤ - rung / §. 32.
      • 2) Noch eine ſchalk - heit / §. 33. 34.
      • 3) Wiederlegung derſelben / §. 35. 36.
    • II. Von der Art der graͤflichen Bekeh - rung / §. 37.
      • 1) Zuſtand der Wil - den / als angeblich bekehrten / wird
        • a) vom Grafen erdichtet / §. 38.
        • b) iſt eine fanatiſche Schwaͤrmerei / §. 39-44.
    • a) Die Bekehrung ſelbſt /
      • a) Erſter Greuel der ſchalkheit / die Entkraͤftung des goͤttlichen Worts / §. 44. 45.
      • b) Zweiter Greuel / der Betrug in die - ſer Bekehrung / §. 46. 47.
      • c) Dritter Greuel / die Zuflucht zu ei - ner abermaligen fanatiſchen Of - fenbarung / §. 48. 49. 50.
      • d) Vierter Greuel / Misbrauch der H. Schrift / zu dieſer Betriege - rei / §. 51.
      • 22
      • e) Fuͤnfter Greuel / von den geſchliffenen und geſpaltenen Ohren /ſubtiler Stimme und ſanften Sauſen des Geiſtes / §. 52.

§. 19.

VOrlaͤufig haͤtte der Herr Graf beſtimmen ſollen ob unſer Heiland, in dieſer ſeiner Antwort, die Aufrichtung des Reichs Iſrael ein - geraͤumet oder verworfen, ingleichem, wann er ſie eingeraͤumet habe, in welchem Verſtande ſol - ches geſchehen ſeye? Dann dieſes hat einen ſtar - ken Einfluß in die nachmalige Abhandlung und Anwendug dieſer Zinzendorfiſchen Predig, damit nicht bald das(*)Das hat der Graf ſehr liſtig angegriffen. Nemlich, er drehet es dahin, daß er nicht nur denen, welche das tauſendjaͤhrige Reich glauben, in ſeiner Synagog die Brand - marke gibt, und ſie Zeichendeuter nennet, ſ. 15. 16. f. ſondern auch uͤberhaupt auf die privat-Zuſammenkuͤnfte faͤllet, ja auf die Erwekungen insgeſamt, die nicht herrnhu - tiſch ſind. Er ſtellet dieſe Sachen als eine ſeit 60. oder 70. Jahren geſuchte neue Re - formation, vor, ſ. 9. und leitet die Folge dar - aus, daß man Quacker / Inſpirirte und Naturaliſten dadurch mache, ſ. 20. Er gehet bis dahin, daß er ſeinen Bruͤdern er - zehlet, ſ. 28. Man habe wuͤrklich in denletzten eine, bald das andere von die -ſen23anderer Theil. ſen beiden angenommen werde, je nachdem es zu einer gewiſſen Abſicht vortheilhaftig ſcheinet.

B 4§. 20.

(*)letzten 50. Jahren geglaubet: am Glau - ben fehlete es nicht / wann wir nur dar - nach thaͤten. Dieſes, und dergleichen, ſchildert er ſo verhaßt, ſchaͤndlich, gefaͤhr - lich, und der Obrigkeit nachtheilig, ab, daß eine nicht geringe Bitterkeit und bos - hafte Abſicht, ſich uͤberall zu tage leget. Seine Synogoge ſoll ſoviel von ihm hoͤren: Die Lutheriſche Kirche hat laͤngſt eine Re - formation noͤthig gehabt. Aber die beſte unter ihnen, die etwa noch reformiren wol - ten, haben die Sache durch Unwiſſenheit, und ſchaͤdliches Beginnen, erſt recht ver - dorben. Bis wir Herrnhuter gekommen ſind. Bisher alſo nimt er an, daß die Wor - te Chriſti: Euch gebuͤhret nicht zu wiſ - ſen ꝛc. von keiner Reformation der Zeiten handeln: und daß diejenige ſich gewaltig ir - ren, und Rebellionen anſtiften, ſ. 20. wel - che Chriſto dergleichen Prophezeiung an - dichten wolten. Hingegen gibt er doch den Bruͤdern nicht undeutlich zu verſtehen, daß vor die Herrnhuter und deren kuͤnfrige er - wuͤnſchte Schickſaale, etwas herrliches in dieſen Worten liege. ſ. 19. Vielleicht wer - den ſie denken / ſie haben uns (die Herrn -huter)

24Herrnhuterey in ihrer Schalkheit

§. 20.

Die Frage der Juͤnger (v. 6.) heiſet alſo: Die aber, ſo zuſamenkommen waren, fragten ihn, und ſprachen: HErr / wirſt du auf dieſe Zeit wieder aufrichten das Reich Iſrael? Darauf antwortet der Sohn GOttes (v. 7.) Es(*)huter) vertilgt / ſie werden denken / wie ſie 100. Jahr von den Boͤmiſchen Bruͤ - dern gedacht haben / es ſind keine mehr. NB. In dem point de vuë muͤſen wirs an - ſehen; wenns darnach auf einmal nicht wahr ſeyn wird / wann ſie ſich darnach auf einmal in ihrer Hofnung werden be - trogen finden / da ſie gedacht haben / es waͤren NB. keine Chriſten mehr: ja / her - nach kan man leicht denken / was daraus entſtehen wird. Es wird das daraus entſtehen / daß ſie uns werden in Ernſt vertilgen wollen: und das wird nicht angehen / da werden ſie zu kurz langen. Nichts ſinnreichers aber haͤtte der Herr Graf erfinden koͤnnen, als die herrliche An - merkung, die er in dieſer Predig der Sy - nagoge mittheilet. Wann er ſie nemlich mit der artigen Fabel unterhaͤlt, es ſeye die ſogenante allzufruͤhe Reformation ſeit 60. Jahren, aus dem dreiſigjaͤhrigen Krieg entſtanden. ſ. 10. f. Das iſt erquiklich zu lefen! weit ſchoͤner als der Eulenſpiegel.25anderer Theil. Es gebuͤhret euch nicht zu wiſſen Zeit oder Stunde / welche der Vater ſeiner Macht vor - behalten hat (v. 8.) Sondern ihr werden die Kraft des heiligen Geiſtes empfahen / welcher auf euch komen wird / und werdet meine Zeu - gen ſeyn zu Jeruſalem / und in gantz Judaͤa und Samaria / und bis an das Ende der Er - den.

§. 21.

Daß die Juͤnger Chriſti, welche dieſe Frage thun, als gebohrne Juͤden, uͤbel von dem Meßia berichtet waren, kan als eine bekante Sache vorausgeſetzet werden. Sie hatten von ihren Judiſchen Lehrern dieſes ſchaͤdliche Vorurtheil mit der Muttermilch eingeſogen. Kurtz vor dem Leiden JEſu, da Er ſeiner tieſeſten Erniedrigung am nechſten war, gedachten ſie an die weltliche Hoͤhen, und trieben ſich um den Vorzug der oberſten Staats-Bedienungen in ſeinem Koͤnig - reich. Luc. 22, 24. Nach ſeiner Auferſtehung, die ſie noch nicht glauben konten, bedaureten ſie faſt nichts mehr, als daß die Hofnung von ei - ner Erloͤſung Iſraels durch ſeinen Todt fehl ge - ſchlagen und verſchwunden ſeye Luc. 24, 21. Die vielfaͤltige Belehrungen des HErrn, waren nicht vermoͤgend, dieſe Thorheit endlich zu be - ſiegen, und ihnen ein noͤthiges Licht zu geben. Deswegen verſparet es der weiſe Lehrer bis auf die voͤllige Erleuchtung, worzu die ſeelige Zeit taͤglich naͤher trate. Dieſesmal aber geſellet ſich zu obgedachtem eitelen Wahn, eine neue, undB 5noch26Herrnhuterey in ihrer Schalkheitnoch niemal geaͤuſerte Verwegenheit. Sie ſe - tzen voraus, und nehmen vor bekant an, das weltliche Reich Chriſti ſeye nun veſt geſtellet, durch die Auferſtehung und den Triumph ihres Oberherren. Aber ſie begehren nun naͤhere Nach - richt davon. Sie wollen auch die Zeit und Stun - de wiſſen, wann es mit allen feierlichen Ceremo - nien eintreten ſolle? Dieſes kan der Heiland nicht unbeantwortet laſſen. Ihre Frage hat zwei Stuͤke in ſich. Die Zeit des Reichs, und das Reich ſelber. Beides fertiget die Weisheit JE - ſu, kurtz und nachdruͤcklich ab. Erſtlich begeg - net er den neuen Fuͤrwitz, den ſie dermahlen mit der alten Blindheit verknuͤpfen. Sodann der blinden Einbildung, die er ſchon manchesmal mit Wehmuth bemerket hatte.

§. 22.

Demnach iſt dieſes der Inhalt ſeiner verweis - lichen Antwort: Daß ihr die Unbeſonnenheit ſo weit gehen laſſet, und ſogar Zeit und Stunde beſtimmet haben wollet; das iſt bei dem Uber - bleibſel eurer juͤdiſchen Blindheit vollends un - ertraͤglich. Dann von ſolchen groſen Werken, wie ihr euch das ertraͤumte Reich Iſraels einbil - det, gebuͤhrete allenfals keinem Menſchen die Zeit und Stunde zu forſchen: weil uͤberhaupt die Ausfuͤhrung groſer Anſtalten, dem goͤttli - chen Rath vorbehalten, und ſolange den Men - ſchen ein Geheimnis bleibet, als der alweiſe Vater es in ſich ſelbſt verborgen haͤlt. Joh. 2, 4. Am allerwenigſten ſchikt ſich dieſes Zeit - forſchen27anderer Theil. forſchen fuͤr die gegenwaͤrtige Verfaſſung. Dann ihr habt meine Verheiſung, kraft de - ren, in dieſen Tagen ein gantz anderes Werk erfolgen ſoll. Soweit gehet die Antwort, womit uͤberhaupt das fuͤrwitzige Forſchen der Rathſchluͤſſe GOttes / und deren eigentlichen Offenbahrungs-Zeit / geahndet wird, ohne noch auf das zu ſehen, was die Ausſchweifung der Frage zum Gegenſtand hatte.

§. 23.

Damit aber der Irthum ſelbſt, nicht unbe - ruͤhret bleiben moͤge, ſo wird auch demſelben die noͤthige Gegenbelehrung nicht verweigert. Sie haͤtten ſonſt denken moͤgen, mit dem Weltreich habe es ſeine Richtigkeit, und der auferſtandene Heiland gebe wuͤrklich zu, was er nicht wieder - leget haͤtte. Es ſolle nur die Zeit ein Geheimnis bleiben, das Reich aber ſeye veſtgeſtellet. Dem - nach heiſet es weiter in der Antwort Chriſti: Was aber die grundloſe Gedancken von dem irdiſchen Reich Iſraels betrift, ſo wiſſet, daß ich weit hoͤhere Sachen auszufuͤhren habe. Nicht ein Reich in den Grentzen Iſrael, iſt meine Abſicht, ſondern ein Reich das ſich aus - breiten muß bis an das Ende der Erden. Nicht ein Reich darzu ich groſe Staatsbediente noͤthig habe, ſondern Zeugen an die Suͤnder. Ihr werdet keine Regenten und Stadthalter, keine gewaltige und gnaͤdige Herren / ſondern meine Zeugen ſeyn. Keine weltliche Pracht und Erhebung in glaͤntzende Wuͤrden, iſt hierzu noͤthig,28Herrnhuterey in ihrer Schalkheit noͤthig, ſondern die Kraft des heiligen Gei - ſtes davon es licht wird in den Seelen, und dadurch die Blindheit und Bosheit nebſt dem Unglauben der Welt maͤchtiglich bezwungen werden ſoll: Mund und Weisheit, Lehre und Wunder, werden eure Wafen, die Ehren - zeichen meiner Herrſchaft und die Siegel eurer Bedienung ſeyn ꝛc. ꝛc.

§. 24.

Hieraus erhellet, daß dieſe Verheiſung un - mittelbar auf die damalige Juͤnger des HErrn gerichtet ſeye: Die ſind es, welche die Kraft des heiligen Geiſtes / anſtat der eingebildeten Vor - zuͤge und Staatsbedienungen im Reich Iſraels, durch ein Wunder, Apoſtelg. 2, 1. empfangen ſolten. Die ſind es, welche zu Jeruſalem / in gantz Judaͤa und Samaria / und bis ans En - de der Erden das Zeugnis von JEſu ausge - breitet haben. Dieſe Vorzuͤge koͤnnen die heuti - ge Zeugen des HErrn nicht auf ſich deuten. Sie ſollen uͤberhaupt die noͤthige Gaben des heiligen Geiſtes empfangen, in ihrer Maaſe, und durch die hinreichende Mittel die ſeine Weisheit ver - ordnet hat. Keinesweges aber ſoll der heilige Geiſt uͤber ſie kommen auf eine ſolche Art, welche in dieſem beſonderen Ausdruck der Uber - kunft lieget. Sie ſollen Chriſti Zeugen ſeyn, ein jeder in ſeiner Ordnung, und in ſeinen ange - wieſenen Schrancken. Demnach kan dieſes Verheiſungswort in keine Weiſſagung verwan - delt werden, welche noch itzt oder kuͤnftighin,nach29anderer Theil. nach erſtgedachten Beſonderheiten, erfuͤllet wer - den muͤſte. Das wuͤrde man vergeblich hoffen, weil in der Rede Chriſti ſo wenig Grund zu einer ſolchen Hofnung vorhanden iſt, als die Juͤnger Grund hatten, das Reich Iſrael zu hoffen.

§. 25.

Dieſes vorausgeſetzt, ſoll der Herr Graf nun reden. Ich gehe vorbei, was er von Jahrhun - derten / groſen Zeitlaͤuften / und Special-Pe - rioden prediget. Der S. Luther ſtimmet beſſer mit dem Lucas. Er nennet Zeiten und Stun - den / weil der Heiland hier uͤberhaupt redet; nemlich von allen ſonderbaren Werken GOttes, die aus den Tiefen ſeines unerforſchlichen Raths, wann ihre beſtimte Zeit und Stunde komt, her - fuͤrbrechen. Er nennet kein beſonderes Werk, davon er eine eigentliche Prophezeiung ſtellen wolte. Sonſt haͤtte er von Zeiten und Termi - nen in der Zahl der Vielheit nicht geredet. Es waͤre ſchicklich geweſen einen Termin, und nicht viele zu nennen.

§. 26.

Um ordentlich von der graͤflichen Dolmetſchung oder Deutung zu reden, ſo laſt uns erſtlich die Beſchaffenheit der Seelen erwegen, an welche das Zeugnis der Apoſtel ergehen ſoll. Er ſpricht es wuͤrde (ſ. 7.) das menſchliche Geſchlecht ſeyn. Doch beſtimt er den Augenblick dieſe Re - densart, und nennet ſolche Leute / die ſeine ſubtile Stimme noch nicht hoͤren koͤnnen / die noch nicht ſolche geſchliffene und geſpalteneOhren30Herrnhuterey in ihrer SchalkheitOhren haben / daß ſein ſanftes Sauſen durch - dringen und ſich verſtaͤndlich machen koͤnte. Ihr werdet aber wohl wiſſen / daß ihr nur ſo des heiligen Geiſtes ſeine vices, ſein Amt auf euch habt / daß ihr nur da oder dort hin geſchickt ſeyd und zu ſolchen Leuten / da der heilige Geiſt ſchon angeſchlagen hat / die er ſchon hat / da es aber doch noͤthig iſt / daß man auch menſchlich mit ihnen redt / um der Schwachheit und Menſchlichkeit willen / da wird man euch rufen / da ſolt ihr geholt wer - den / da wird euch der heilige Geiſt (wie es z. e. im nachfolgenden mit dem Philippo ge - ſchehen Apoſtelg. 8, 26.) nehmen / und euch dahin ſtellen dorthin ſtellen / an jenen Men - ſchen. Das werden aber eben doch lauter Seelen ſeyn / die ſchon nach Gnade ſuchen und verlangen / die ſchon ſo was gemerkt ha - ben die nur noch ſagen / wie ſollen wirs ver - ſtehen / da wir niemand haben der es uns aus - legt, und wan ihr werdet ſagen das iſts / ſo wirds ihnen gleich ſo ſeyn. Sie werden ſchon lange haben glauben wollen / und werden nur nichts gewuſt haben zu glauben / und wann ihrs ihnen nun werdet nennen ohne weitere argumentæ; ſo werden ſie ausrufen(*)Eine Judianiſche Manier / mit Ver - wunderung auszudrucken / daß man ver - ſtehe / was gemeinet iſt. Alſo gloßiret der Herr Graf das Kehelle! ſ. 8. Kehelle! das31anderer Theil. das wars / das iſts: HErr nun laͤſſeſt du dei - nen Diener im Friede fahren / dann nun hoͤr ichs / ich ſehe es nun / nun weiß ichs / nun verſtehe ichs / nun iſt mirs klaar / was ich ſo lange bey mir herum getragen habe; ich habs nun erlebt / nun weiß ich nichts was ich mehr veriangen ſoll? mich beſchwemmt die Gnadenfluth.

§. 27.

Sehet doch, wie vollkommen herrnhutiſch der liebe Heiland auf Befehl des Herrn Grafen re - den muß! Sogar das Indianiſche Kehelle! muß auch in ſeinen Worten ſtecken. Das iſt den Apoſteln nicht zu verzeihen, daß ſie ſo herrliche Sachen ausgelaſſen, und die Rede des HErrn nicht mit dem Indianiſchen Zuruf an die graͤfli - che Landſtreicher beſtaͤtiget haben: da doch die Erfuͤllung ſolcher Rede in dem Kehelle! ſonnen - klar vor Augen lieget. Doch wir wollen eines nach dem andern durchgehen.

§. 28.

Unſer Heiland ſoll ſeine Zeugen an ſolche Leu - te abgeordnet haben, mit welchen der Graf in Indien ſeine Sekte vermehret, oder die er durch ſeine Teuſcherei beruͤkt zu haben glaubet. Die ploͤtzlich durch das Kehelle ſagen / zu Herrnhu - tern geworden ſind. Die Weiſſagung Chriſti geher nach dem Inhalt ſeiner Rede, der aus den damaligen Umſtaͤnden begreiflich wird, (§. 24.) aufs genaueſte auf die Apoſtel, und iſt durch die Predig derſelben, an den benahmten Orten,erfuͤllet32Herrnhuterey in ihrer Schalkheiterfuͤllet worden, zu Jeruſalem / in ganz Ju - daͤa und Samaria / und bis ans Ende der Erden / ſo daß ihr Schall in alle Land ausge - gangen / und in alle Welt ihre Worte / wie ſchon Paulus zu ſeiner Zeit bezeuget Rom. 10, 18.

§. 29.

Ich laͤugne damit nicht, was an ſich unlaug - bar iſt. Nemlich, daß alle wahre und von Chri - ſto berufene Lehrer, noch itzt und kuͤnftig an die Menſchen ſein Zeugnis uͤberbringen, und zu ſol - chem Ende die Kraft ſeines Geiſtes uͤberkommen. (§. 24.) Aber es iſt auch keiner unter ihnen ſo frevelhaft, daß er alle Eigenſchaften der Apoſtel, die in dieſer Weiſſagung enthalten ſind, auf ſich und ſeine Verrichtungen deuten wolte. Ich mei - ne, daß er ohne goͤttlichen Beruf in die Gren - zen Samaria und Judaͤa, oder in Indien lau - fen, und daſelbſt die Stelle des heiligen Gei - ſtes vertreten wolte. Vielweniger wird ſich je - mand erfrechen, dem Sohne GOttes nachzuaͤf - fen, eine Juͤngerſchaft aus allerlei zuſammenge - raften unerfahrnen Leuten aufzurichten, ihnen die Kraft des heiligen Geiſtes, ſogar auch die Wun - derkraft mitzutheilen, und ſolcher Geſtalt, ſie in ſeinem Nahmen auszuſenden. Dieſes alles thut immittelſt der Graf Zinzendorf, unter dem Vor - wand der Gemeine. Er ruͤhmet, daß Wun - der in der Gemeine geſchehen, davon er der Stif - ter iſt. Er ordnet eine Juͤngerſchaft, einen Strei - ter - und Zeugen-Plan, er laufet mit, wann esſeine33anderer Theil. ſeine Abſicht erfodert, und treibt mit aller Macht auf das Kehelle! bei den Indianern. Und wann das gerufen iſt, ſo lehret er ſein Geſinde, hier ſeye das erfuͤllet worden, was der Sohn GOt - tes gewelſſaget habe. Da ſind die graͤfliche Sek - tenknechte, nach allen Eigenſchaften des Lam - mes Boren. Dieſe aufgerafte, blinde, unge - gruͤndete, aber mit unſaͤglicher Schwulſt aufge - blehete Schleicher und Muͤßiggaͤnger, muͤſſen ſodan in ihrem Wahnſinn erhalten und geſtaͤrket werden, damit ſie fortfahren ſich vor Apoſtel zu halten. Darum mahlet er ſie ab als ſolche, die der Heiland gerade und perſoͤnlich vor Augen ge - habt, als er ſagte: Ihr werdet die Kraft des heiligen Geiſtes empfangen / und meine Zeu - gen ſeyn.

§. 30.

Doch wieder auf die Sache zu kommen: die Menſchen, an welche das Zeugnis ergehet, ſind ganz nach des Grafen ſeiner Idee oder Plan ge - bildet; deswegen muß ſie auch der Heiland in ſeiner Verheiſung juſt alſo abgeſchildert haben, wie ſie der Graf haben will: obwol der wahre Heiland nicht ein Wort davon gedenket. Ja er wuͤrde nichts weniger als ein Heiland ſeyn, wann er dem heiligen Geiſt ſo ſichtbarlich, wie ihm der Graf andichtet, wiederſprochen haͤtte. Es ſol - len Leute ſeyn, die der heilige Geiſt ſchon hat. Was er damit ſeinen Herrnhutern ſagen wolle, das iſt wohl zu mercken. Damit ich ehr -Herrnhut. II. Th. Clich34Herrnhuterey in ihrer Schalkheitlich mit ihm umgehe, ſo ſollen ſeine eigene Wor - te die richtigſte erklaͤrung geben.

§. 31.

Leute, die der heilige Geiſt ſchon hat / ſind ſolche, die das Kehelle! ſagen. Dann das Wort iſt das eigentliche Kennzeichen dieſer Leu - te. So heiſt es ſ. 30. Der heilige Geiſt hat ſchon dran gemacht / und alle Schwierigkei - ten und Hinderniſſe aus dem Wege geraͤumet / und ſchon eine Converſation angezettelt mit der Seele / und ſie ſind ſchon lange gezehlte Leute / es fehlet nur noch jemand / der komt und fraget ſie: was hat dir dann der heilige Geiſt geſagt? Antwort: ach wann ichs ſa - gen koͤnte! Ich will dirs ſagen: Hat er nicht ſo und ſo geſagt? Ja / Kehelle! Das iſt auch wahr / das hat er geſagt. Es iſt als wann einer ſeinen Traum vergeſſen haͤtte / und haͤt - te ihn wiedergefunden. Und ſ. 23. Aber wir / wann wir einem Wilden ſeinen Heiland predi - gen / ſeinen Schoͤpfer der ihn erloͤſet hat / ſo iſt der heilige Geiſt gewiß ſchon zehen Jahr vorher da geweſen / und wann wir alſo nur koͤnnen ſo weit kommen / ein geſcheut wort mit dem menſchen zu reden / ein deutliches / vernemliches wort / ſo ſind wir nur Zeugen von dem Lamm / von ſeinem fuͤr ihn am Kreutz geſchlachteten Schoͤpfer; ſo ſind wir Zeugen des heiligen Geiſtes / wir verſicherns ihm / wir bekraͤftigens ihm / wir druͤken das ſiegel auf das / was er ſchon lange hatte / und nur nichtleſen35anderer Theil. leſen oder ausſprechen koͤnnen. Wir ſchaffen ihm weder kopf / noch hand / noch fus / noch herz / ſondern wir geben ihm einige Inſtru - mente / machen ihm gedanken und worte / die den vorigen helfen / und lehrens ihn an - wenden.

§. 32.

Man ſiehet aus dieſer waſcherey, worauf die herrnhutiſche Schalkheit ziele. Nemlich die von dem heiligen Geiſt vorgeſchriebene Bekehrungs - art / ſol dadurch in eine herrnhutiſche kaperey verwandelt werden. Wan jemand zu den Zin - zendorfiſchen Juͤngern, die er Lammesboten nennet, Kehelle ſaget, und mit dieſem Loſungs - wort ein herrnhutiſcher Bruder zu werden ſchei - net; ſo ſoll er auch ploͤtzlich bekehret, und des Heilandes Juͤnger ſeyn. Der Herr Graf ſpot - tet ſonſten der Evangeliſchen, und dichtet ihnen an, was er nimmermehr erweiſen wird. Er ſpricht:(*)Sein brief ſtehet in Herrn S. Winklers Zinzendorfiſchen Unternehmungen ſ. 57. Warum bin ich ſoviele Jahre eine uner - muͤdete Pfaffenſtuͤtze geweſen / und habe meine Bruͤder geaͤngſtiget / ſich mit ih - nen zu ſchlieſen. Habe ichs nun gleich aus guter hofnung mit den Pfarrherrn gehalten / ſo habe ich doch niemals be - gehret / meinem Heiland etwas zu verge -ben / ſie erkenneten die Leute vor neuge -C 2bohrne /36Herrnhuterey in ihrer Schalkheitbohrne / weil ſie uͤbereinſtimmen / und vor un -gegruͤn -(*)ben / dann ich will nimmer eins werden mit dem ſchaͤdlichen Stuhl / der das Ge - ſetz uͤbel deutet / der die Leute vor neuge - bohrne erkennet / weil ſie einſtimmen / und fuͤr ungegruͤndet / weil ſie diſſen - tiren. Wolte irgend der Herr Graf ſagen, er verſtehe dieſes uͤbereinſtimmen nicht von dem beifall, den man der warheit, ſondern den Sekten und Parthien gebe: ſo wird er bedenken muͤſſen, daß er von den Pfarrern der evangeliſchen, oder von den Lehrern, die keine Herrnhuter ſind, uͤberhaupt rede, ſo - ferne ſie Pfarrer, oder Prediger der evan - geliſchen warheit ſind. Geſetzt aber, er re - dete von einer uͤbereinſtimmung mit Par - thien, (welches jedoch ſein vortrag nicht lei - det) ſo bliebe doch dieſes unſtreitig, daß er ſelbſt thue, was er an andern ſchilt, ja was er vor eine urſache ausgibt, warum man von ihnen ausgehen muͤſſe. Dann das Ke - helle ſagen, iſt nicht einmal bis dahin zuver - laͤſig, daß es eine ernſte und gruͤndliche bei - ſtimmung verſichern moͤchte, ich geſchweige eine vollkommene bekehrung. Es ſoll nach ſeiner eigenen erklaͤrung (§. 26. *) nur die verwunderung anzeigen, die jemand bli - cken laͤſet, wann er einen vortrag verſtehet. Dieſes37anderer Theil. gegruͤndet / weil ſie nicht einſtimmen. Wann dieſes jemand von uns thun wuͤrde / ſo hieſe es leichtſinnig, ungegruͤndet, betrieglich und ſchaͤd - lich. Dann obwohl das letzte wahr iſt, daß nie - mand gegruͤndet ſeyn kan, welcher mit der heil - ſamen Lehre nicht ſtimmet / 1. Tim. IV, 1. ſo kan doch das erſte deswegen nicht gelten. Es ſtimmen manche buchſtaͤblich uͤberein, und blei - ben auſer Chriſto. Das bekennen wir alle, und der Herr Graf bleibet nicht bei der warheit, wann er obiges gegen die Prediger, die er Pfaffen nennet, behaupten will. Aber ſiehe, wie ihn die Eingenliebe geblendet hat. Er haͤlt ſeine Wilden fuͤr ploͤtzlich bekehrte, wann ſie Kehelle! ſagen. Bekehrt werden, und wuͤrklich oder auch nur dem ſchein nach, herrnhutiſch werden, iſt bei ihm einerley.

§. 33.

Doch, wir wollen den graͤflichen Zeugenplan naͤher beleuchten. Die Wilden / die er ſo ſchnell bekehret haben will, ſoll der heilige Geiſt zehen Jahre zuvor ſchon gehabt haben. Es ſoll nur noch noͤthig ſeyn / daß man auch menſchlich mit ihnen redet. (§. 26.) Das erklaͤret er ſ. 7. noch ferner, und leget dem Heiland folgende wor -C 3te(*)Dieſes iſt noch vielweniger ein zeugnis der neuen Geburt / als die uͤbereinſtimmung mit der warheit, ein ſolches unbetriegliches zeugnis heiſen kan.38Herrnhuterey in ihrer Schalkheitte in den mund: da ſolt ihr (herrnhutiſche Lam - mesboten) an ſeine ſtelle treten / und das zeug - nis / das der Heil. Geiſt von meinem Leiden und Creutz / und von der einzigen ſuͤnde der welt / daß ſie nicht an mich glaubet / bei der welt ablegen will / das ſolt ihr in worte faſ - ſen / in foͤrmelchen vortragen / das ſolt ihr nach ihrem verſchiedenen begrif / nach der mancherley faſſung des menſchlichen gemuͤths an der Leute herz legen / daß ſie ſich werden einbilden / ihr habt ſie uͤberzeugt / daß ſie werden denken / ihr habt ſie gewonnen fuͤr mich.

§. 34.

Man iſt jetzt im ſtande, die andere ſchaͤdliche abſicht dieſer ſchwaͤrmerei, leichter zu entdecken. Nemlich, in dem Plan des Zinzendorfiſchen ge - werbes, iſt dieſes eine hauptmaxime, man muͤſſe zu Seelen gehen / die ſchon erweckt ſeyen / und die von den Religionsmaͤnnern, als Donatiſten und Dienern Moſis / nicht recht bearbeitet wer - den koͤnten. Dan den Leuten(*)Siehe den Erſten Theil, ſ. 161. Erkaͤntniſſe beizubringen / das iſt nicht ſein Plan. Durch dieſe betriegerei hat er manche redliche Seelen, ihren Lehrern, von welchen ſie auf eine goͤttliche art erwecket, und zu einer weiteren fuͤhrung vor - bereitet worden, argliſtig entwendet. Das wiſ - ſen die Bruͤder, und zum theil ſind ſie ſelber zeu -gen39anderer Theil. gen davon. Wann er nun gleichwol zu den Wil - den gehet, und daſelbſt vor ſeine Sekte werben will, ſo moͤchten ſeine Boten ſtutzig werden, und ihn fragen: wie? wer gibt uns dann erweckte herzen bei den rohen Indianern? und wer kan ſie erwecket haben, da kein Wort GOttes unter ih - nen wohnet? Dieſen Zweifel zu heben, muß der Herr Graf ein Mittel erfinden. Und damit er keinen weitern beweis brauche; ſo laͤſt es ſich mit dem Heiland machen. Wann dieſer zu ſeinen Apoſteln ſpricht: Ihr werdet die Kraft des heiligen Geiſtes empfangen / und werdet mei - ne zeugen ſeyn bis ans ende der erden / ſo hei - ſet das ſoviel: ihr Herrnhuter werdet von eurem Meiſter dem Grafen Zinzendorf, zu ſolchen voͤl - kern geſendet werden, die mein Geiſt ſchon hat, und die nichts weiter als foͤrmelchen beduͤrfen, die er euch fuͤrgeſchrieben hat. So verwegen, unverſchaͤmt, und argliſtig, mißbrauchet dieſer Man den Heiland, wann er ſeine ſchaͤdliche grife nicht anders bei ehren erhalten kan.

§. 35.

Es bedarf dieſe Schalkheit deſto weniger wie - derlegung, je deutlicher des HErrn Chriſti wor - te ſind, und je weniger anlaß zu einer ſolchen ver - drehung ein nur vernuͤnftiger Menſch darinnen finden wird. Es lieget 1) nicht eine ſylbe von der Graͤfl. traͤumerey in dieſer Verheiſung unſers Erloͤſers, ſondern der Graf hat es aus dem, was in ſeinem reich uͤblich iſt, freventlich hinein - geſchoben, und auf des Heilandes credit geſchrie -C 4ben,40Herrnhuterey in ihrer Schalkheitben, wie er gewohnt iſt. So ſtreitet auch 2) dieſe freche unwarheit mit der wuͤrklichen Amtes - fuͤhrung der Apoſtel. Dann dieſe giengen zu den voͤlkern, welche in heidniſcher blindheit, finſter - nis und abgoͤtterey, in juͤdiſcher verſtockung, und teufliſchen wercken der bosheit gefangen la - gen. Denen das kreutz des HErren JEſu ein aͤrgernis und eine thorheit war, 1. Cor. 1, 23. Man leſe doch die Geſchichten der Apoſtel / von anfang bis zu ende. Cap. 5, 33. 13, 50. 14, 19. 16, 19. 17, 5. 6. 18. 32. 18, 17. 18. 19, 29. 20, 22. 21, 30. ꝛc. ꝛc. Man vergleiche damit, was ſie ſelber bekennen, daß bande und truͤbſaal ihr lohn geweſen, daß wiederſpruch, laͤſterung, ſchlaͤge, gefangnis, und endlich ein ſchmaͤhlicher todt ihnen zu theil geworden. Man halte die[weiſſagung] Chriſti dagegen Joh. 15, 20. 16, 1. welche dieſen erfolg deutlich gnug beſchreibet. Gewiß, wann ſie nur zu ſolchen ſeelen waͤren geſchiket worden, welche der heilige Geiſt ſchon ſo lange gehabt, und welche nur noch auf herrn - hutiſche Foͤrmelgen gewartet haͤtten, ſo waͤre es mit ihrem amte ſo blutig nicht abgelaufen. So haͤtte es keine muͤhe gebraucht ihnen erkentniſſe beizubringen. So haͤtte Paulus keine argu - mente noͤthig gehabt bei den Heiden zu Lyſtra / denen er die bekehrung prediget von den fal - ſchen, zu dem lebendigen GOtt, mithin das erſte Gebot Apoſtelg. 13, 15. und ſogleich den erſten Artikel von der Schoͤpfung v. 15. 16. 17. zum grunde leget. So haͤtte er nicht einen au -genblick41anderer Theil. genblick bei den Heiden zu Athen bleiben, viel - weniger argumente gebrauchen und ſie zur buſe ermahnen duͤrfen, wie er doch gethan hat Apoſt. 17, 22. Dann hier faͤngt er 1) mit ſtrafen an, gegen ihren aberglauben v. 22. 23. 24. Weiter, braucht er 2) argumenten von der Schoͤpfung und Erhaltung v. 24 -- 28. und von dem zeugnis ihrer eigenen lehrer v. 28. 29. auch von dem ernſten willen GOttes daß die Heiden buſe thun ſolten, ingleichem, von der goͤttlichen langmuth v. 30. Und endlich vom letzten gerich - te v. 31. Zuletzt von dem geſtorbenen und auf - erweckten JEſu / und von der heilsordnung / nach welcher allen Menſchen der glaube darge - boten werde v. 31. Dieſe Predig war voll geiſt und leben. Dennoch hatten es einige ihren ſpot; andere wurden geruͤhret, etliche aber hien - gen Paulo an, und wurden glaubig v. 32. 33. 34. Wie ſchlecht aber haͤtte ſich Paulus zu ei - nem graͤflichen juͤnger, und zu dem ſtreiterplan geſchickt? Er wuͤrde gewiß von dem herrnhuti - ſchen Heiland ausgemuſtert worden ſeyn. Dann dieſer nennet ſolche bekehrungsart ein breitſchla - gen(*)ſ. 22. Wann ihr werdet ſagen; liebe ſeele! es iſt ein Lamm vor dich geſchlach - tet / aber ein GOtteslamm / dein Hei - land iſt fuͤr dich geſtorben / dein Schoͤpfer hat ſein Leben fuͤr dich gelaſſen / er hatdich (ein ausdruk aus der ſprache der gau -C 5diebe42Herrnhuterey in ihrer Schalkheitdiebe und raͤuberbanden) ja er iſt ſeiner ſache ſo gewiß, daß er den lammesboten ganz zornigbefielet:(*)dich erloͤſt; da denkt bei leibe nicht / daß euch der Heide oder der wilde fragen wird: was iſt das? wie kan das moͤglich ſeyn? und daß ihr da erſt werdet alle eure Phi - loſophie zuſammen nehmen / und alles was ihr euer tage gelernt habt; und wenn ihr eins nicht koͤnnet / daß ihr die ande - re methode nehmen muͤſſet / und wenn ein argument nicht helfen wolte / ihr ein anders nachſchlagen muͤſſet / und alle moͤgliche argumenta aufſuchen / bis ihr endlich das findet / was fuͤr den Man iſt / womit ihr den menſchen auf kurz oder lang / breitſchlagen koͤnnt / darum weil er das noch nicht zu beantworten weiß. So raiſoniren die leute / die kei - ne geiſtliche koͤpfe / und keine geiſtliche herzen haben. Aber wir / wann wir ei - nem wilden ſeinen Heiland ſchon predi - gen / ſeinen Schoͤpfer / der ihn erloͤſet hat / ſo iſt der heilige Geiſt gewiß ſchon zehen Jahre vorher da geweſen ꝛc ꝛc. Nemlich, der Herr Graf hat dieſe me - thode ſehr noͤthig. Dann er und ſeine lam - mesboten wuͤrden ſehr uͤbel dran ſeyn, wann die Heiden ſolten grund der hofnung ſodern. Wann ſie mit warheiten, ich will nicht ſa -gen43anderer Theil. befiehlet: gehet geſchwind fort! gleich gehet fort! wann die wilden nicht auf euch gewartethaben,(*)gen der vernunft, ſondern der ſchrift, und mit einem ordentlichen zuſammenhang der heilsordnung wolten uͤberzeuget ſeyn. Sei - ne boten wiſſen weniger davon als die wil - den. Sie ſind rohe elende leute, die der Graf zu Apoſteln macht, weil ſie ſeiner leichtſinnigkeit und verwegenheit theilhaftig worden: das heiſt, den heiligen Geiſt von ihm empfangen haben. Darum macht er ihnen die gruͤndliche Erkentnis GOT - TES und ſeines worts auf alle weiſe ver - haſt: und nennet es eine kunſt, die leute breit zu ſchlagen. Nach ſeinen grundſaͤ - tzen muß man diejenige, welche in irthum ſtecken, und gruͤnde der gewisheit fodern, in ihrem elend verderben laſſen, und gleich / gleich / geſchwind / geſchwind / davon laufen. Was Paulus auf befehl GOt - tes von den wahren boten des Lammes fo - dert, daß ſie zu rechter zeit und zur unzeit anhalten / wiederlegen draͤuen und ermah - nen ſollen mit aller gedult / 2. Tim. 4, 2. daß ſie den frechen und unnuͤtzen ſchwaͤ - tzern / die ganze haͤuſſer verkehren / und lehren das nicht taugt / das maul ſtopfen ſollen / Tit. 1, 10. 11. daß ſie eben ſo maͤchtig ſeyn ſollen, die wiederſprecher ein -zu -44Herrnhuterey in ihrer Schalkheithaben, und ſprechen: ey willkommen! ey! wie haben wir auf den Man gewartet! Seine worte ſtehen unten (§. 45. *) Er verſichert ſogar, weil er ſich nicht mehr ſchaͤmet, daß er dieſen befehl vom Heiland habe.

§. 36.

Daß aber 3) je zuweilen auch erweckte ſeelen ſich gefunden haben, die eine weitere belehrung von den Apoſteln erwarteten, das hat ſeine rich - tigkeit. Dergleichen war der Kaͤmmerer der koͤ - nigin Candaces, Apoſtelg. 8, 27. und Corne - lius Cap. 10, 1. Aber deren ſind wenige: undes(*)zutreiben / als die unwiſſende zu lehren, Tit. 1. 9: ja, was unſer Heiland ſelbſt unzehligmahl mit ſeinem beiſpiel beſtaͤtiget, da er die gegengruͤnde der Phariſaͤer, Sad - ducaͤer ꝛc. wiederleget: das alles verbietet der Graf ſeinen boten, mit dem groͤſten Ei - fer. Und damit niemand gegen dieſes ver - bot muchſe; ſo ſetzt er dabei: ſo ſpricht der Heiland. Dadurch gewinnet er auf zwei ſeiten. Erſtlich das, daß ſeine lammesbo - ten nichts zu lernen brauchen, als die for - mul: dein Schoͤpfer iſt dein Heiland. Da - bei ſind ſie dennoch ſtatthalter des H. Gei - ſtes. Zum andern, daß niemand dieſe fre - che ſchwaͤtzer wiederlegen darf. Dann das wiederlegen heiſt nach der graͤflichen ſprache nur ein breitſchlagen. 45anderer Theil. es iſt eine geflieſentliche ſchalkheit, aus dieſen ſo ſeltenen exempeln einen ſchlus zu machen, der al - ſo heiſen ſoll: ihr zeugen der goͤttlichen lehre, ſol - let nur dahin gehen, wo die leute ſchon laͤngſt haben glauben wollen / wo ſie der heilige Geiſt ſchon hat / wo ihnen die geſpaltene ohren nur noch fehlen / mit welchen ſie ſeine ſubtile ſtim - me / das iſt, die foͤrmelchen des herrnhutiſchen handgrifs, vernehmen ſollen. Und gleichwol iſt der Graf ſo ehrerbietig gegen den Heiland der welt, daß er ihn zum weiſſager ſolcher ſchaͤdli - chen erfindungen macht, und ſeine den Apoſteln gegebene ſo theuere verheiſung in dergleichen mis - geburten einer verduͤſterten argliſt verwandelt, blos zu dem ende, damit ſein verfuͤhriſches unwe - ſen und vermeſſenes beginnen, apoſtoliſch und goͤttlich heiſen ſolle.

§. 37.

Bisher haben wir die beſchaffenheit derer ſeelen (§. 26.) erwogen, an welche die lammes - boten geſendet werden muͤſſen. Das andere das wir noch zu ſehen haben, gehet auf die art der bekehrung / welche der Graf hier beſchreibet, und womit er ſeine ſchalkheit abermal bei denen, welche den geiſt der pruͤfung haben, allzudeutlich verrathen hat. Es komt hierbei auf zwei dinge an: 1) auf den zuſtand der vermeintlich bekehr - ten aus den wilden, vor der angeblichen bekeh - rung, 2) auf die art ihrer bekehrung.

§. 38.46Herrnhuterey in ihrer Schalkheit

§. 38.

1) Was den zuſtand dieſer leute betrift, in welchem ſie der Herr Graf gefunden haben will, ſo erhellet derſelbe aus deſen eigenen beſchreibung, die wir oben (§. 26. 31. 33 ) mitgetheilet haben. Wo man alles zuſammen nimt, was er daher - plaudert, ſo komt ſoviel heraus:(*)Dieſe zwei ſaͤtze liegen deutlich in des Gra - fen worten. Der erſte wird alſo von ihm vorgetragen: (§. 31.) Der heilige Geiſt hat ſchon daran gemacht / und alleſchwie - rigkeiten und hinderniſſe aus dem wege geraͤumet / und eine converſation ange - zettelt mit der ſeele / und ſie ſind ſchon lange gezehlte leute. Der heilige Geiſt hat ihnen NB. das ſchon lange geſagt / was die herrnhuter ihnen ſagen ſollen. Es iſt ihnen nur ſo / wie einem / der ſeinen traum vergeſſen hat / den ein an - derer / der den traum weiß / nur wieder daran erinnern muß. Ingleichem: der H. Geiſt iſt ſchon zehen Jahre zuvor da geweſen. Durch die herrnhuter wird nur das ſiegel darauf gedruckt / was ein ſol - cher menſch ſchon lange hatte / aber nur nicht leſen oder ausſprechen konte. Wie - derum, (§. 26.) es ſind Leute, bei welchen der H. Geiſt ſchon angeſchlagen hat / die er ſchon hat / die nur ſolche geſpalteneund dieſe leutewaͤren47anderer Theil. waͤren 1) durch innere offenbarungen des hei - ligen Geiſtes ſchon ſoweit erleuchtet / daß es2)(*)und geſchlifene ohren noch nicht haben / daß ſein ſanftes ſauſen durchdringen / und ſich verſtaͤndlich machen koͤnne. Der andere ſatz, lautet mit des Grafen worten alſo: wann wir nur koͤnnen ſo weit kom - men / ein geſcheutes wort mit einem ſol - chen menſchen zu reden / ein deutlich ver - nemliches wort / ſo ſind wir nur zeugen von dem Lam / von ſeinem fuͤr ihn am kreutz geſchlachteten Schoͤpfer / ſo ſind wir zeugen des H. Geiſtes / wir verſi - cherns ihm / wir druͤckeu das ſiegel auf das / was er ſchon lange hatte. ꝛc. ꝛc. Dieſes geſcheute, deutliche, vernehmliche wort, nennet er anderswo gewiſſe foͤrmel - chen / (§. 32.) an welche man das zeug - nis des H. Geiſtes von dem kreutz Chri - ſti / und von dem Unglauben der welt / abzufaſſen habe. Und faſt noch deutlicher redet er (§. 31.) Sie ſind ſchon lange ge - zehlte Leute / mit denen der H. Geiſt ei - ne converſation angezettelt hat; NB. es fehlet nur noch jemand / der komt und fraget ſie / was hat dir dann der H. Geiſt geſagt? Antwort: ach wan ichs ſagen koͤnte! Ich will dirs ſagen: Hat er nicht ſo und ſo geſagt? Ja / Kehelle! das iſtauch48Herrnhuterey in ihrer Schalkheit2) an nichts weiter fehle / als daß man ihnen das mit worten und foͤrmelchen nenne / was ſchon in ihren herzen liege.

§. 39.

Laſſet uns nun dieſen von dem Grafen abge - mahlten zuſtand ſeiner wilden, die er geherrnhu - tert, oder nach ſeinem vorgeben, bekehret hat, bei dem lichte der goͤttlichen warheit betrachten. Wann(*)auch wahr / das hat er geſagt. Oder: man muß nur menſchlich (§. 26.) mit ih - nen reden / um der ſchwachheit und menſchlichkeit willen ꝛc. Am allerdeut - lichſten aber bindet er dieſes ſeinen juͤngern ein, ſ. 31. bei dem ſchluß ſeiner predig: Und wenn wir nun in dem treu bleiben / und verhuͤten / unſerm geſchwiſter / und NB. allen leuten auf dem erdboden / din - ge zu predigen / die uns nicht befohlen ſind / und werden hingegen mit allem ernſt dabei halten / was der H. Geiſt den leuten ſchon auf geiſtlich / in der gnaden - ſprache / in des lieben GOttes ſeiner na - turſprache geſagt / und wir werden nur kommen / und werdens ihnen in ihrer ſprache ſagen / da werden wir ſehen / daß wir einen wahren / obgleich nicht ſo weit - laͤuftigen / nicht ſo haͤufigen / nicht ſo lermhaftigen / aber auch einen bleiben - den ſeegen haben. 49anderer Theil. Wann es leute ſind, die der heilige Geiſt ſchon lange, ſchon von zehen jahren hatte, und denen er eben das ſchon geſaget hatte, was die herrn - huter ihnen von neuem ſagen; ſo entſtehen drei fragen hierbei. 1) Was ihnen der heilige Geiſt eigentlich geſagt haben muͤſſe? die antwort hier - auf iſt leicht zu finden. Dann er hat ihnen eben das geſagt, was ihnen die bruͤder ſagen. Die - ſe aber ſagen wie der Graf bekennet, nichts an - ders, als dein Schoͤpfer iſt fuͤr dich am kreutz geſchlachtet, und der heilige Geiſt zeuget da - von / und zugleich von dem unglauben der welt. 2) Die andere frage: Ob denn dieſe Leute noch wiſſen, was der heilige Geiſt ihnen geſaget habe? Die antwort des Grafen iſt etwas zwei - deutig. Einmal ſpricht er: Ja, ſie wiſſen es, es fehlet nur an jemand / der ſie es ausſpre - chen lehret. Wir druͤcken das ſiegel auf das / was ſie ſchon lange hatten. Ein andermal heiſet es, es waͤre ihnen wie einem, der ſeinen traum vergeſſen haͤtte / den man wieder daran erinnern muͤſſe. Seelen, (§. 26.) die ſchon nach gnade ſuchen und verlangen / die ſchon ſo was gemerkt / und ſchon lange was bei ſich herum getragen haben / das man ihnen nur nennen muͤſſe. Die ſchon lange haben glau - ben wollen / und nur nichts gewuſt haben zu glauben / bis man es ihnen nennet.

3) Wie und auf was art der heilige Geiſt ih - nen dieſes geſaget habe? Dieſe frage hat die graͤf - liche ſchalkheit uneroͤrtert gelaſſen. Dann hierHerrnhut. II. Th. Dlieget50Herrnhuterey in ihrer Schalkheitlieget ein geheimnis ſeiner argheit verborgen, wel - ches wir nun beleuchten werden.

§. 40.

Es redet der Herr Graf von den wilden, wel - che das Kehelle! ſagen. Wann der heilige Geiſt dieſen menſchen ſchon eben das geſagt hat, was ihnen die herrnhuter ſagen, ſo und dergeſtalt, daß ſie der heilige Geiſt ſchon hat / und daß ſie nach gnade hungern und verlangen: ſo lie - get ein verborgener glaube in ihren herzen, der nur noch weitere erweckung brauchet. Und da gehet keine eigentliche bekehrung vor, ſondern ei - ne vermehr - und ſtaͤrkung des glaubens, der nach ſeinem anfang, bereits vorhanden iſt. Dann die bekehrung begreifet Buſe und Glauben in ſich, als ihre zwei weſentliche ſtuͤcke. Da nun dieſe wilden keine buſe, oder zerknirſchung des herzens noͤthig haben, wie der Herr Graf traͤu - met: ja, da ihnen der heilige Geiſt bereits das evangelium von JEſu geprediget, und einen hun - ger nach gnade bei ihnen dadurch erwecket hat: ſo iſt nicht begreiflich, warum dieſer heilige Geiſt noch eines herrnhutiſchen bruders noͤthig haben ſoll, der ihnen mit foͤrmelchen, oder menſchlichen worten eben das und nichts anders ſagt, als was er ſelbſt ihnen bereits geſaget hat. Dann, wenn dieſes geſchehen iſt, ſo hat der heilige Geiſt ſon - der zweifel es beſſer, oder wenigſtens eben ſo gut, ihnen ſagen koͤnnen, als der herrnhuter, der zu ihnen komt. Er hat eben ſo menſchlich, und for - melmaͤſig reden koͤnnen, wann dieſes zu der be -kehrung51anderer Theil. kehrung ſo unumgaͤnglich war; er hat ſich nach der ſchwachheit der wilden eben ſo gut richten koͤn - nen, als der Graf mit ſeiner ganzen Synagoge. Dann lieber! warum ſoll der heilige Geiſt den wilden das hauptwerk ins herz gegeben, und das nebenwerk der foͤrmelchen davon gelaſſen haben, davon das hauptwerk nur einen namen bekomt? warum ſoll er ihnen auf geiſtlich / in des lieben GOttes ſeiner gnadenſprache und naturſpra - che es ſchon lange geſaget, und die mutterſprache dieſer wilden, nur noch vergeſſen und weggelaſſen haben? vielleicht hat er die mutterſprache dieſes volks nicht ſo gut verſtanden, als die bruͤder?

§. 41.

Noch beſſer wird ſich dieſes laͤutern, wann wir die dritte frage werden unterſuchet haben; als worzu wir nunmehro ſchreiten muͤſſen. Wann der heilige Geiſt den wilden das vorlaͤngſt geſa - get hat, was ein herrnhuter ihnen noch einmal ſaget: ſo iſt ſolches entweder unmittelbar oder mittelbar / geſchehen. Unmittelbare offenbarun - gen des evangelii zu behaupten, zu einer zeit, da GOttes wort in aller welt erſchallet, und da alle voͤlker gelegenheit haben, ſeiner theilhaftig zu wer - den, ja, da nach des Grafen eigenem angeben wuͤrklich die boten des friedens kommen, und nach dem weiſen rath GOttes, Chriſtum und die heils - ordnung verkuͤndigen: das heiſet nichts anders als fanatiſche haͤndel anfangen, und das pro - phetiſche amt Chriſti verkleinern, das er mittel - bar durch ſein verordnetes kraͤftiges wort undD 2durch52Herrnhuterey in ihrer Schalkheitdurch die Sakramenten fuͤhret. Daß aber der heilige Geiſt mittelbar / das iſt, durch ſein wort und deſen verkuͤndigung, zu den wilden geredet haben ſoll, das kan mit dem lehrgebaͤude des Grafen(*)So lauten ſeine worte ſ. 8. 9. So ſiehets mit den leuten aus / die wir bekehren / mit den nationen der heiden / mit den einzelnen menſchen. Es iſt eine ganz verdrehte / verkehrte Idee / daß man denkt / wann wir nicht kaͤmen / ſo wuͤrde aus den leuten nichts. Wann wir nicht kaͤ - men / ſo kaͤme jemand anders: wann kein menſch kaͤme / ſo ſchickte er wieder einen Engel: wann kein Engel kaͤme / und wann keine andere gelegenheit waͤre an eine ſolche ſecle / ſo erloͤſete ſie der H. Geiſt von gewiſſen beſchwerlichen hin - derniſſen / daß ſie unmittelbar hoͤren koͤn - ten / das iſt gewiß. nicht beſtehen. Dann waͤre es mit - telbar auf jetztgedachte art geſchehen; ſo muͤſte es auch in der ſprache geſchehen ſeyn, in welcher die wilden das Kehelle ſagen. Solcher geſtalt muͤ - ſten dan die menſchliche worte und foͤrmelchen / an welchen es nur noch fehlen ſoll, ſchon damals ihnen bekant geworden ſeyn, als der heilige Geiſt angeblich mit ihnen geredet hatte. Dann der glaube komt aus der predig / und das predi - gen aus dem wort GOttes. Rom. 10, 17. Wieſollen53anderer Theil. ſollen ſie aber glauben / von dem ſie nichts ge - hoͤret haben? wie ſollen ſie aber hoͤren ohne prediger? wie ſollen ſie aber predigen / wo ſie nicht geſandt werden? v. 14. 15. Was haͤtte doch den heiligen Geiſt bewegen ſollen, auf die herrnhuter wohl zehen jahre (wie der Graf ver - ſichert) zu warten? Konten dann die erſte zeugen der warheit, durch welche er den wilden ſchon eben das geſaget hat, was jetzt die bruͤder ſagen, nicht eben ſowol ein geſcheutes wort reden als die juͤngerſchaft und der zeugenplan, den der Graf errichtet hat? Warum hat nicht der heilige Geiſt ſchon damals dieſen plan gemacht? Warum hat er die arme wilden ihren traum wieder vergeſſen laſſen, bis der plan fertig war? Gewis der Graf muß kein mittelbares ſagen des heiligen Geiſtes zugeben. Sonſt waͤren alle ſeine worte gegen ihn. Er muß ein inneres ſprechen des heiligen Geiſtes verſtehen, das kein Apoſtel, wann er zu den wilden kame, vorgefunden hat. Dieſe wah - re und berufene zeugen JEſu, predigten Buſe und Glauben. Sie fanden ihre wilden in lau - ter tod und finſternis, Eph. 2, 1. und in des Sa - tans gewalt, Apoſtelg. 26, 17. 18. 1. Cor. 12, 2.

§. 42.

Wir ſehen hieraus, wie der Graf, da er die liebe zur warheit einmal verabſcheuet hat, aus gerechtem verhaͤngnis GOttes in kraͤftige irthuͤ - mer verfallen muß / daß er den luͤgen glaubet / 2. Theſſ. 2, 10. 11. und ein werkzeug wird, ſol -D 3che54Herrnhuterey in ihrer Schalkheitche immer mehr auszubreiten. Dann weil ihn der wahnwitz vorerſt bethoͤret hat, die goͤttliche wuͤrkungen durch das Geſetz, von der buſe gaͤnz - lich auszuſchlieſen: ſo wird er dadurch genoͤthi - get, auf die ſchaͤdlichſten abwege zu gerathen. Er muß ſeine juͤnger bereden, der heilige Geiſt habe ſchon uͤberal, wo ſie hinkommen, den glau - ben unmittelbar den leuten eingepflanzet, und das verhalte ſich wie ein traum / an welchen man ſie durch die foͤrmelchen von dem lamm, erinnern muͤſſe; ſo ſeye es den augenblick geſchehen. Re - helle! HErr nun laͤſeſtu deinen diener im frie - de fahren! mich beſchwemmt die gnaden - fluth!

§. 43.

Sehr ſchaͤdlich iſt es, daß nun ſogar die heili - ge Schrift zu dieſer ſchalkheit misbrauchet wird. Dann er nimt das, was der heilige Geiſt von Philippo und dem Kaͤmmerer erwehnet, (§. 26.) und machet es zu der einzigen maasregel aller be - kehrung uͤberhaupt. Seine ſchlusfolge gehet da - hin: Wie Philippus den Kaͤmmerer bekehret hat, ſo werden alle Menſchen bekehret, welche zu gnaden kommen. Nun aber iſt jener oh - ne geſetz, blos durch die predig vom marterlam bekehret worden: demnach geſchiehet es gleicher weiſe bei allen menſchen, die zu Chriſto kommen. Das iſt ſein argliſtiger grif, mit welchem er ſein gottloſes beginnen zu beſchoͤnigen ſuchet. Weil dieſe luͤgenhafte ausſchweifung bereits anders -wo55anderer Theil. wo(*)Im erſten Theil / ſ. 96. 97. von uns entdecket worden iſt, da wir bewieſen haben, daß der Kaͤmmerer durch den gebrauch der ordentlichen gnadenmittel, in die heilsordnung getreten ſeye, ehe und bevor ihn Philippus geſehen hatte; ſo iſt nicht noͤthig wei - ter davon zu ſprechen.

§. 44.

Nachdeme wir den zuſtand derer erwogen ha - ben, welche der Graf bekehret haben will: (§. 37.) ſo wird die art ſolcher bekehrung noch kuͤrzlich zu pruͤfen ſeyn. Der ſchaͤndlichſte Greuel, welcher ſich hierbei offenbaret, muß zuerſt bemerket wer - den. Nemlich, da der Graf dieſen fanatiſchen grundſatz einmal angenommen hat, daß bei leu - ten, die man bekehren ſoll, der heilige Geiſt ſchon vorlaͤngſt die ſache richtig gemacht, und zu den ſeelen eben das geredet habe, was man nur mit foͤrmelchen ihnen noch einmal ſagen ſolle: (§. 41.) ſo iſt leichtlich hieraus zu ermeſſen, wieviel kraſt und wuͤrkung dem worte des HErrn, als dem einzigen bekehrungsmittel, uͤbrig bleibe. An das geſetz wird mit keinem wort gedacht, weil er die - ſes vorlaͤngſt als eine giftig ſchaͤdliche lehre vor die aus den heiden /(**)Im erſten Theil / ſ. 126. erklaͤret hat. Und das Evangelium iſt nichts weiter, als ein geſcheu - tes menſchliches wort / ein foͤrmelgen / (§. 38. *) deſen man ſich bedienet, das was wuͤrklich in demD 4men -56Herrnhuterey in ihrer Schalkheitmenſchen lieget, ihme verſtaͤndlich zu machen, und ihn zu lehren, wie er ſolches ausſprechen ſol - le. Es iſt ein leeres werkzeug, das dem guten blos einen namen gibt, damit der menſch das was er ſchon lange in ſich hat / leſen und aus - ſprechen lerne. So heiſen des Grafen worte. Auf das hoͤchſte, iſt es ein bloſes erinnerungsmit - tel deſen, was der heilige Geiſt ſchon laͤngſt wie einen traum / in die Seele geleget hat. Und ſo viel thut es nicht einmal, bis ein herrnhutiſcher dienſtbote ſeines Grafen, es in foͤrmelchen faſſet, und ſo an die herzen leget. Alsdann ſollen ſie ſeyn wie leute / die wieder zu ſich ſelbſt kom - men / welche der Alp zuvor druͤcket / wie ſei - ne worte lauten. ſ. 29. Kan aber der Heiland und ſein evangelium aͤrger geſchimpfet werden, als durch dieſe boshaftige verkehrung geſchiehet?

§. 45.

Das iſt nun der erſte greuel der ſchalkheit, wel - cher in dieſer bekehrungsart des graͤflichen reichs verborgen lieget. Es wird nemlich dem ſeelig - machenden wort GOttes ſeine kraft geraubet. Ein arger grif des boͤſen geiſtes! deſen er ſich je - desmahl zur grundlegung eines ſeelengefaͤhrlichen plans bedienet hat. Wer auf die macht der fin - ſternis acht gibt, wie ſie von anbegin bis auf die - ſe ſtunde, in die kirche jedesmal eingedrungen iſt; der wird finden, daß kein einziger fal vor - handen ſeye, wo ſie nicht mit geringhaltung des goͤttlichen worts, und deſen vorbeigehung in ſa - chen, welche die ſeeligkeit betreffen, ihren betruͤb -ten57anderer Theil. ten anfang genomgenommen, und nachher wie das dunkel in Egypten, ſich ausgebreitet hat. Nach des Grafen erfindung, kan die ganze Bibel hin - geleget werden. Man darf nur zu dem Suͤnder ſagen: dein Schoͤpfer iſt dein Heiland / oder dieſes in eine formul einkleiden, ſo iſt alles ge - ſchehen, was zur bekehrung und Heiligung er - fodert wird. Um die(*)So ſpricht der Graf, ſ. 25. Ihr werdet meine zeugen ſeyn / ſagt der Heiland. Der Heiland ſagt nicht: ihr werdet den leuten die H. Dreieinigkeit klaar machen / ihr werdet den leuten erklaͤren koͤnnen / wie das und das capitel in der Offenba - rung Johannis / oder im Propheten Da - niel u. ſ. w. zu verſtehen ſeyn wird; ihr werdet koͤnnen zeigen / was in dem accent vor eine kraft liegt / und was in der con - ſtruction fuͤr eine emphaſis iſt; ſondern ſo: wo iſt jemand / da der H. Geiſt geweſen / da der H. Geiſt ſich gemeldet hat? ich ſoll ihm was ſagen. Und wann ihr werdet kommen / ey werden die ſpre - chen / willkommen / ey! wie haben wir auf den Man gewartet / ey! wie haben wir ihn verlangt. Und wann ſie euch das nicht ſagen / ſpricht der Heiland / ſo gehet geſchwind wieder fort / gleich ge - het fort / haltet euch nicht auf / dann eswird uͤbrige eben ſo theureD 5warhei -58Herrnhuterey in ihrer Schalkheitwarheiten bekuͤmmert man ſich nicht. Ja die obgedachte, daß der Schoͤpfer am kreutz fuͤr uns geſtorben ſeye, ſoll nicht mehr darzu dienen, wor - zu ſie verordnet iſt. Sie ſoll den glauben nicht pflanzen, nicht den geiſt reichen, wie Paulus Galat. 3, 2. davon bezeuget; ſondern nur anzei - gen, wie ein wilder den ſchon lange bei ſich ge - tragenen glauben, nennen muͤſſe. Auf dieſe art iſt Geſetz und Evangelium zugleich verlohren. Dann wer wird das ein evangelium, eine kraft GOttes zur ſeeligkeit Rom. 1, 16. nennen duͤr - fen, was nur ein leeres benennungswort derjeni - gen wuͤrkung iſt, die der heilige Geiſt ſchon ze - hen jahre vor dieſer predig,(**)So erklaͤret ſich der Graf nochmals ſ. 24. So iſts mit der bekehrung wir at - teſtiren die goͤttliche warheiten / und le - gen ſie aus / wir expliciren ſie / und ma - chen ſie faßlich / die durch des H. Gei - ſtes ſeine wuͤrkung im herzen erreget ſind / und die ſich kaum mehr halten koͤnnen. Wir ſagen: der unſichtbare prediger hat recht / ſo wahr ich dein freund den du ſieheſt und lieb haſt / ein ehrlicher Man bin 1. Joh. 4, 20. Und das iſt eineOeco - in der ſeele voll - fuͤhret hat?

§. 46.

(*)wird nichts ſeyn. Gebt euch nicht erſt die muͤhe / und bleibt ein paar tage da / und beredt die leute ꝛc. ꝛc.

59anderer Theil.

§. 46.

Wie nun die graͤfliche bekehrung beſchaffen ſeyn muͤſſe; das laͤſet ſich hieraus leichtlich er -meſſen.(**)Oeconomie / daruͤber werden ſich die Theo - logi und Philoſophi todt ſtudiren / und todt lehren / und todt ſchreiben / und werden nicht eine geſcheute definition heraus bringen / von der wuͤrkung des H. Geiſtes an den ſeelen / bis ſies ſelbſt erfahren haben / und aus den klaren und deutlichen worten des Heilands einmal die natur der ſache ein bisgen einſehen lernen. Ich glaube jedoch, der Herr Graf kan dieſer letzteren furcht uͤberhoben ſeyn. Wann er ſeine verwirte phantaſie nur erſt in eine natuͤrliche ordnung bringen wolte, ſo koͤnte er ein bisgen verſtehen lernen, daß der heilige Geiſt mit dem wort, und durch das wort dasjenige wuͤrke, was er aus der erfahrung, die aber falſch und erlogen iſt, ſo hoch uͤber alle Theologen und weltweiſen gelernet haben will. Wann der gute Man erſt lernen wolte, ehe er nicht nur lehren, ſondern auch richten, ſchmaͤhen und verur - theilen will; ſo koͤnte er aus den klaren zeug - niſſen GOttes die gefaͤhrlichen gaͤnge ſeines ſchwarmgeiſtes einſehen. Die heilſame er - kentnis iſt von der erfahrung unzertrennlich. Und60Herrnhuterey in ihrer Schalkheitmeſſen. Sie iſt oben (§. 40.) ſchon zum theil be - ſchrieben. Nemlich, ſie beſtehet darinnen, daß man den leuten, die der heilige Geiſt ſchon hat / nur worte machet, und foͤrmelchen beibringet, die dem kind den namen geben. Die neue geburt lebet ſchon durch eine fanatiſche innere ausſprache des heiligen Geiſtes. Er zeuget ſie nicht durch das wort der warheit, wie er zu der Apoſtel zei - ten bis daher gethan hat, ſondern, ſeitdeme herrn - hutiſche Ohrenſchleifer da ſind, zeuget er ſie durch innere offenbarungen: worzu das ordentliche gna - denmittel nichts beitraͤget, als den namen und die erinnerung an das, was wohl zehen jahre zu -vor,(**)Und die Erleuchtung, wodurch jene entſte - het, iſt von dem gebrauch des goͤttlichen worts unzertrennlich. Dieſe Erleuchtung iſt eine wuͤrkung des heiligen Geiſtes, wie unſer Catechismus aus der Schrift lehret. Wer aber ſolche wuͤrkungen behauptet, ehe das wort GOttes ſie herfuͤrbringet, der wie - derſpricht dem heiligen Geiſt auf eine fana - tiſche art, und laͤſtert, was er nicht verſte - het, oder aus boͤſen Abſichten nicht verſte - hen will. Die bruͤder ſind erhabene leute, da ſie in den graͤflichen predigen hoͤren, wie weit ſie mit ihrem meiſter uͤber alle Theolo - gen und Philoſophen hinauf geſtiegen ſind. Wolten ſie doch Paulum hoͤren 1. Timoth. 1, 7.61anderer Theil. vor, da geweſen iſt. Das evangelium: dein Schoͤpfer iſt dein Heiland / iſt nur ein mittel zum ohrenſchleiffen und ohrenſpalten. Dann es fehlet bei denen, die bekehret werden ſollen, weiter nichts, (§. 26.) als daß ſie die ſubtile ſtimme des heiligen Geiſtes / (das ſind die foͤr - melchen / und das geſcheute menſchliche wort!) noch nicht hoͤren koͤnnen / daß ſie noch nicht ſolche geſchliffene und geſpaltene ohren haben / daß ſein ſanftes ſauſen durchdringen / und ſich verſtaͤndlich machen koͤnne. Mit einem wort, es iſt eine bekehrung ohne buſe, ohne heilsord - nung, ohne erkentnis ſeiner ſelbſt, und GOttes, und Chriſti, ohne geſetz und evangelium. (§. 44. 45.) Das iſt der hauptgrund der herrnhutiſchen bosheit, worauf das ganze reich als auf die grund - ſaͤule gebauet iſt. Die predig Chriſti und der Apo - ſtel: thut buſe / und glaubet an das evange - lium / iſt hier gaͤnzlich ausgethan, und das rin - gen / einzugehen durch die enge pforte / in ein ſpielendes Kehelle verwandelt. Wann nun Paulus die Heiden bekehret von der finſternis zum licht / und von der gewalt des Satans zu GOtt / Apoſtelg. 26, 17. 18. ſo iſt offenbar, daß ſeine und des Grafen bekehrungasart him - melweit von einander unterſchieden ſind. Dann Paulus findet ſeine wilden in des Teufels ge - walt und in der Finſternis. Die graͤfliche oh - renſpalter haben an ihren wilden lauter ſolche leute, die das zeugnis und die kraft von JEſu ſchon lange bei ſich herum getragen haden /denen62Herrnhuterey in ihrer Schalkheitdenen es der heilige Geiſt ſchon lange geſaget hat / bei denen man nur darauf das ſiegel druͤ - cket / was ſie ſchon lange hatten. Paulus findet noͤthig ſeinen heiden die augen aufzuthun / daß ſie die gewalt des Satans ſehen, von wel - chem ſie gefeſſelt ſind in ihrer finſterniß. Das heiſt, er muß ihnen das geſetz verkuͤndigen. Der Graf und ſeine boten, beduͤrfen dieſes nicht. Seine wilden ſind ſchon durch ein inneres wort, das der heilige Geiſt zu ihnen geredet hat, ſoweit fertig gemacht, daß ihnen nur noch die formein fehlen, und das ausſprechen dieſer formeln iſt die bekehrung. Das Kehelle ſagen iſt der beweis, daß ſie ploͤtzlich die formeln verſtehen, das iſt, vollkommen bekehret ſind. Ich mag alſo dieſe bekehrung nach ihren wuͤrkenden urſachen / oder nach dem welen / oder nach ihren kennzeichen anſehen, ſo iſt ſie ein leerer betrug des boͤſen gei - ſtes. Dann 1) die wuͤrkende urſachen ſind ein bloſer traum des Grafen. Die vorgaͤngige ein - gebungen des heiligen Geiſtes ſind vorſetzlich von dem Grafen erdichtet. Das geſcheute und menſch - liche wort der bruͤder, iſt weder geſetz, noch das kraͤftige evangelium, (§. 44.) in ſeinem gehoͤri - gen Umfang. 2) Das weſen dieſer vermeinten bekehrung beſtehet in einer gleichfals erdichteten erinnerung an die ehemalige einſprache des H. Geiſtes, und in einer benennung derſelben, (§. 40.) worzu keine innere hauptveraͤnderung kommen ſoll. (§. 26. *) Das kennzeichen dieſer bekehrung iſt das wort Kehelle. Man gehe nun alle predigenChriſti,63anderer Theil. Chriſti, der Apoſtel und Propheten durch, und ſehe, ob man dieſe bekehrungsart bei ihnen finde.

§. 47.

Wenn man des Grafen ſchalkheit aus nichts anders erweiſen koͤnte; ſo waͤre dieſe leichtfertige bekehrungsart der ſicherſte beweis davon. Wer will glauben, daß ein ſolcher menſch von GOtt geſendet ſeye, das reich Chriſti zu bauen, der mit dem goͤttlichen wort und hochwichtigen bekeh - rungsgeſchaͤfte ein ſolches Gaukelſpiel zu treiben ſich erfrechen mag? wer ſiehet nicht die hand - greifliche betriegereien, wann dieſer ſpotgeiſt die form einer apoſtoliſchen gemeine von auſen nach - aͤffet, darbei aber alles, was Chriſtus und ſei - ne Apoſtel, zur ſeeligkeit der menſchen gethan, ge - lehret und verordnet haben, ganz freventlich mit fuͤſen trit? ſich ſelbſt zu einem ſtifter einer neuen bekehrungsweiſe aufwirft, dadurch dem heiligen Geiſt und ſeinen zeugen ins angeſicht wiederſpro - chen, die wahre bekehrung in ein dockenwerk, und in eine arbeit von einer halben(*)So heiſt es ſ. 30. Es ſoll dem wilden ſeyn, wie einer frau zu muthe iſt, wann ſie in dem moment erfaͤhret, ihr Man lebe noch, den ſie vor todt gehalten. So iſt den gnadenhungrigen ſeelen / wann ſie die predig vom kreutz hoͤren / wann ſie eine halbe minute davon reden hoͤren / wannſie minute,ver -64Herrnhuterey in ihrer Schalkheitwandelt, und die allerheiligſte Religion der Chri - ſten auf das aͤuſerſte verſpottet wird?

§. 48.

Der betrug wird ſich naͤher zeigen, wenn man den Grafen fragen darf: woher ihm doch bekant ſeye, daß die wilden ſchon ſo lange vom heiligen Geiſt unterrichter worden, ehe er ihnen die ohren durch ſeine juͤnger ſchleifen laͤſet? Hat ihm etwa der heilige Geiſt durch eine gleiche innere offenba - rung das ins ohr geſaget: dort ſind leute von den wilden, die ich ſchon