PRIMS Full-text transcription (HTML)
Hiſtoriſcher Schau-Platz Oder Chronike Und Beſchreibung Der Koͤniglichen und Churfuͤrſtlichen Saͤchßiſchen Stadt und Herrſchafft Hoyerswerda Jm Marggraffthume Ober-Laußitz.
Aus glaubwuͤrdigen Uhrkunden und Nachrichten geſammlet und in richtige Ordnung gebracht, Worinnen Von der Stadt Nahmen, Erbauung, Situation, Fruchtbarkeit, Freyheiten, Religion, Herrſchafften, Kirchen, Pfarrern, Schulbedienten, Bibliothec-Stifftungen, Forſtweſen, Fiſcherey Unterthanen, Kriegs-Trubeln, Feuers-Bruͤnſten, Mißwachß, Hungers-Noth, merckwuͤrdige Begeben - heiten, Dorffſchafften und ſo weiter eine kurtze Nachricht zufinden und ans Licht geſtellet von
Salomon Gottlob Frentzeln Pfarrern zu Geyerswalde.
Leipzig und BudißinverlegtsDavid Richter1744.

Dem Hoch-Gebohrnen Herrn, HERRN Johann Chriſtian, BARON von Hennicke, Sr. Koͤnigl. Majeſt. in Pohlen und Chur-Fuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen, hochbetrauten wuͤrcklichen Geheimbden - Rath, hochbeſtalten Vice-Cammer und Berg - Gemachs-Præſidenten, Wie auch Der Stiffter, Zeiz, Naumburg und Merſeburg hochverordneten Cammer-Di - rectori, Ritter des St. Andreas-Ordens, Erb-Lehn und Gerichts-Herrn auf Marſchwiz und Wiederau ꝛc. Meinen gnaͤdigen Herrn, Hochgeneigteſten Patron.

Hoch-Gebohrner Herr Gnaͤdiger Herr Baron.

EW. Freyherliche Excellenz werden ſich nicht muͤßfallen laſ - ſen, daß ich als der allergeringſte Die - ner meines GOttes, in dieſer Standes - Herrſchafft Hoyerswerda, dero hohen Nahmen dieſer Hiſtoriſchen Nach - richt vorſetze. Es verbindet mich Pflicht und Schuldigkeit dieſes geringe Opffer Ew. Freyherl. Excellenz vorzu - legen, in dem feſten Vertrauen Die - ſelben werden nicht das geringe Werck, ſondern einen armen Prieſter in hohen Gnaden anſehen. Jch venerire Ew. Freyherl. Excellenz mit tiefſterEhrEhrerbittung, und mein zu GOtt aufſteigender Wunſch iſt, daß der groſſe GOtt und reiche Seegens HErr Ew. Freyherl. Excellenz gnaͤdi - glich anſehen, zu Dero hohen wichti - gen und ſchweren Ambte mit dem Geiſt der Weißheit, des Raths und der Staͤr - cke noch ferner hin ansruͤſten, mit allen hohen Wohlſeyn und vollkommner Zu - friedenheit Lebenslang uͤberſchuͤtten, und Dero hohe Familie in unverruͤck - ten Wohlſtande an Leib und Seel er - halten wolle. Ew. Freyherliche Excellenz geruhen in allen hohen Gnaden mir zu erlauben den Schutz von Dero Gnade mir ferner weit aus - zubitten und daß ich mich in ſchuldigſter Devotion nennen darf

Ew. Freyherl. ExcellenzGeyerswalda den 5. September 1743. unablaͤßiger Vorbitter bey GOtt und allerunterthaͤnigſter Diener. Salomon Gottlob Frentzel Pfarrer zu Geyerswalda.

Viel -
Vielgeehrter Leſer.

HJe iſt eine kurtze jedoch richtige Nach - richt von der Stadt und Koͤnigl. Chur-Fuͤrſtl. Erb - und Standes - Herrſchafft Hoyerswerda, welche aus unterſchiedenen alten geſchriebenen Nachrich - ten und Uhrkunden, bey muͤßigen Stunden mit großer Muͤhe zuſammen getragen und in eine richtige Ordnung gebracht worden. Man hat bißhero noch wenig gedrucktes von derſelben zu leſen bekommen. Denn was Samuel Großer, in ſeinen Lauſitziſchen-Merckwuͤrdigkeiten. D. Carpzov in ſeinem Ober-Lauſitziſchem Ehren - Tempel. Das große Univerſal-Lexicon und andere von der Stadt und Herrſchafft anfuͤhren, iſt entweder ſehr kurtz oder meiſtentheils unrich - tig. Johann Chriſtian Suͤhnel, Paſtor zu Wersdorff, hat bey Gelegenheit der Wurch und Poſchigkiſchen ehelichen Verbindung zu Hoyers - werda, unter dem Titel: Etwas von Hoyerswer - da, anderthalb Bogen ſtarck geſchrieben, aber auch dieſes iſt nicht hinlaͤnglich genug. Jch will zwar nicht ſagen, als ob dieſe meine Arbeit voll -) (4kom -Vorrede.kommen ſey, es waͤre eine Torheit von mir, ſo ich mich deßen ruͤhmen wolte, jedoch iſt dieſes gewiß, daß, was ich geſchrieben, mit allen Nachrichten und Uhrkunden uͤberein kommt. Das Werck haͤtte viel groͤßer und ſtaͤrcker koͤnnen werden, wenn man alles und jedes haͤtte anfuͤhren wollen, was einige erzehlen, weil es aber nur bloße Er - zehlungen, die keinen gewißen Grund und Be - weiß haben, als hat man es mit Fleiß nicht beruͤh - ren wollen. Denn bloße Erzehlungen und Sagen anzufuͤhren, iſt nicht rathſam, weil man dadurch gar leicht Luͤgen unter Wahrheiten ſtreu - en kan.

Verlanget man zuwißen die Urſachen, warum ich dieſe Nachrichten von der Stadt und Koͤnigl. Churfuͤrſtl. Erb - und Standes-Herrſchafft Hoyerswerda dem Druck uͤbergeben, ſo hat mich hierzu unterſchiedenes verbindtlich gemacht. Jch bin kein Stadt-Kind, jedoch in der Herrſchafft gebohren, Colm eine Meile von der Stadt iſt mein Geburths-Orth, bin alſo ein Herrſchafft - lich Kind und folglich kann mich auch ohn alle Wie - der-Rede ein Stadt-Kind nennen, zumahl da uͤberdiß mein Herr Vater Sr. Wohl-Ehrw. M. Michael Frentzel vor 18. Jahren zum Sub - Diacono in die Stadt vociret worden, wie auch ein Buͤrger und buͤrgerliches Hauß hat, wer wird ſeine Vater-Stadt nicht ehren, und ſuchen derſelben ein Denckmahl aufzurichten. Es ver -bindetVorrede.bindet auch mich hiezu nicht wenig, die hohe Wohlthat, eines Wohlweiſen Raths der Stadt, welcher mich zu meinen Studiren mit dem Miſch - kaniſchen Stipendio begnadiget, welche Wohl - that ich zeitlebens mit gebuͤhrenden Danck erken - nen und E. Wohlweiſen Rath von dem Geber alles Guten, den zeitlichen und ewigen Seegen anerwuͤnſche.

Nach meinen zuruͤckgelegten Univerſitaͤts Jahren, bin ich von Jhro Durchl. Frauen Frauen Urſula Catharina Hertzogin von Teſchen, des H. Roͤm. Reichs Fuͤrſtin, hernachmals ver - wittibte Hertzogin von Wuͤrtenberg und Tecka)Starb Anno. 1743. als damahliger allergnaͤdigſten Herrſchafft zu Hoyerswerda, zum Pfarr nach Geyerswalda vociret worden, an welchen Orthe ich numehro durch GOttes Gnade und Beyſtand des H. Gei - ſtes in die 15. Jahre mein Ambt unter allerhand ausgeſtandenen Truͤbſal, Kummer und Verfol - gung fuͤhre.

Am allermeiſten habe ich mich verbuͤndlich geachtet, dieſe Hoyerswerdiſche Nachrichten ans Tagelicht zugeben, da durch ſonderbahres Schuͤckſaal GOttes dieſe Standes-Herrſchafft unter der Gluͤckſeeligen Regierung Jhro Maje - ſtaͤt Friedrich Auguſti Koͤnigs in Pohlen und Churfuͤrſten zu Sachſen, Hoch-Preißwuͤrdiges Cammer-Collegium gekommen; der Allerhoͤch -) (5ſteVorrede.ſte uͤberſchuͤtte dieſe Regierung mit uͤberfließigen Maas ſeiner Guͤte und Gnade.

Anno. 1740. Feſto Johannis Baptiſtæ waren gleich 200. Jahr gefaͤllig, da die Stadt und gan - tze Herrſchafft, die Evangeliſche Lehre und Aug - ſpurgiſche Confeſſion durch ſonderbahre Er - leuchtung und Regierung des H. Geiſtes ange - nommen, vor welche Wohlthat alle ſaͤmbtliche Einwohner ihren GOtt nicht genugſam zuprei - ſen und zu bitten haben, daß er noch ferner hin, unter ihnen ſein heiliges Wort und Sacramenta rein und lauter erhalten wolle.

Dieſe und andere Urſachen mehr haben mich bewogen dieſe aufgeſetzten Nachrichten ans Licht zugeben, dadurch mein danckbahres Gemuͤthe gegen GOtt und gegen eine Hohe und Niedrige Obrigkeit zu erkennen zu geben.

Was nun das Werck ſelbſt anbelanget, ſo iſt ſolches in gewiſſe und ordentliche Capitel einge - theilet, in einem jeden Capitel wird man finden, was zur ſelbigen Materie gehoͤret, jedoch alles in moͤglicher Kuͤrtze, dem Leſer nicht verdruͤßlich zu machen, auch habe vor rathſam befunden, einige Anmerckungen zu machen, welches hoffentlich niemanden muͤßfallen wird zu letzt iſt ein Anhang.

Solte ja hie und da eines und das andere ver - geſſen ſeyn worden, ſo iſt ſolches mit Willen nicht geſchehen, weil ich von denſelben keine rechte oder gruͤndliche Nachricht gehabt, dahero erſuche dem vielgeehrten Leſer, wo er eines oder das anderebeſi -Vorrede.beſitzet, mir ſolches zu communiciren, weil man geſonnen, ſo GOtt Leben und Geſundheit giebt, nach ferner hin, alles was in der Stadt und Herr - ſchafft vorgehet, zu colligiren. Zubeklagen iſt es, daß einige ſo undienſtfertig geweſen, da ich ſie erſuchet, mir diejenigen Nachrichten, ſo ſie beſitzen wollen, zu communiciren, iſt es geſchehen, daß man es ihnen mit Gelde bezahlen ſollen, ſo bin hiezu nicht im Stande oder ſtehen ſie in Ge - dancken, als ob ſie einen groſſen Schatz beſaͤßen, ſo will nicht muͤßguͤnſtig ſeyn, noch ihnen ſolchen berauben, ſondern uͤberlaßen.

Jn dem Capitel von denen Dorffſchafften, ſind einige Doͤrffer mit angemercket, welche zwar zur Herrſchafft nicht gehoͤren, habe ſie aber des - wegen mit angefuͤhret, weil einestheils ſie mit der Herrſchafft graͤntzen, anderntheils aber, mit denen dabey liegenden Herrſchafftlichen Doͤrffern in einiger Verwandtſchafft ſeyn. Jn den Capitel von merckwuͤrdigen Sachen, ſind mit Fleiß eini - ge Caſus mit Stillſchweigen uͤbergangen, oder nur die Anfangs Buchſtaben derer Perſonen, mit denen etwas vorgegangen, geſetzet worden, damit deroſelben hinterlaſſene Familiæ nicht ge - kraͤncket werde.

Jm uͤbrigen hoffe, es wird der vielgeehrte Leſer ſein Vergnuͤgen finden, ſolte aber ſolches uͤber alles vermuthen nicht ſeyn, und man findet hie und da eines oder das andere auszuſetzen, ſo erſu - che mit ſeinem Urtheil ſich nicht zu uͤbereilen, al -die -Vorrede.dieweil es unmoͤglich, eine Sache alſo einzurich - ten, daß es allen Leuten gefaͤllig, der Menſch ſoll noch gebohren werden, der es allen recht machet, zumahl ſolchen, die immer an andern was zu tadeln ſuchen, aber ihre eigene groſſe Fehler nicht erken - nen wollen.

Schluͤßlich iſt mein Wunſch, daß der gnaͤdige und barmhertzige GOtt, die werthe Stadt und gantze Herrſchafft, fuͤr Krieg, Feuer, Waſſer, Peſt, Muͤßwachs, Hunger, Theurung und al - len andern Plagen bewahren. Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen Friederico Auguſto als jetzigen Beſitzer der Herrſchafft in Friede und Ruhe wieder alle Feinde erhalten, mit beſtaͤndigen hohen Wohler - gehen und langen Leben uͤberſchuͤtten. Dero Hohe Koͤnigliche Gemahlin, unſere allergnaͤdigſte Landes-Mutter vor allen wiedrigen Faͤllen be - ſchuͤtzen. Wie auch Dero Koͤnigliche Chur - Printzen, und ſaͤmbtlichen Printzen, und Prin - zeſſinnen Hoheiten in allen hohen Wohlſeyn zu - nehmen. Das ſaͤmtliche Hohe Koͤnigliche und Churfuͤrſtliche Cammer-Collegium an ſeinen Liebes-Seilen leiten. Das Koͤnigliche und Churfuͤrſtliche Ambt, den Wohlweiſen Rath der Stadt und Buͤrgerſchafft mit ſeinen Gnaden - Fliegeln wieder alle Unfaͤlle bedecken wolle.

Geſchrieben zu Geyerswalda den 22. Auguſt 1743. S. G. Frentzel. P. L.

Jn -

Jnnhalt Der Capitel.

  • Cap. I. Von den Nahmen und Erbauung der Stadt. p. 1.
  • II. Von der Einwohner ihrer Religion. p. 13.
  • III. Von denen Kirchen. p. 15.
  • IV. Von der Situation und Gelegenheit der Stadt. p. 21.
  • V. Von der Nahrung und Fruchtbarkeit der Stadt. p. 22.
  • VI. Von dem Wappen und Wahrzeichen der Stadt. p. 25.
  • VII. Von den Freyheiten und Statuten. p. 27.
  • VIII. Von den vornehmſten Gebaͤuden. p. 29.
  • IX. Von denen Herrſchafften und Eigen - thums Herrenp. 35.
  • X. Von denen Geiſtlichen, Schulbedienten und Bibliothec. p. 58.
  • XI. Von denen Ambts-Befehlhabern. p. 101.
  • XII. Von denen Buͤrgemeiſtern. p. 109.
  • XIII. Von denen Legatis und Stiefftun - gen. p. 113.
  • XIV. Aller des Ambts und der Herrſchafft - Schrifft und Ambts-Saßen, wie auch mediaten und immediaten Unterthanen. p. 120.
  • Cap. Cap. XV. Von Forſtweſen und Fiſcherey. p. 122.
  • XVI. Was die Stadt und Herrſchafft zu Krieges-Zeiten ausgeſtanden. p. 126.
  • XVII. Von Feuer, Peſt, und Waſſers - Noth. p. 144.
  • XVIII. Von groſſen Ungewittern, Winden, Muͤßwachs und Theurung. p. 153.
  • XIX. Von allerhand merckwuͤrdigen Sa - chen ſo in der Stadt vorgegangen. p. 162.
  • XX. Unterſchiedene Epitaphia ſo auf den inwendigen GOttes-Acker zu finden. p. 179.
  • XXI. Von denen Dorffſchafften ſo zur Herrſchafft gehoͤren. p. 191.

Anhang. Was in vorigen Capiteln entweder nicht hat koͤnnen gebracht werden oder vergeſſen worden, wie auch was nach der Zeit, als der Herr Verleger das M. S. ſchon in Haͤn - den gehabt, ſo wohl in der Stadt als auf dem Lande vorgegangen.

[1]

Das erſte Capitel. Von dem Namen und Erbauung der Stadt.

Die Stadt fuͤhret zwar nur eine Benennung; jedoch ſind von dieſer unterſchiedliche Meinun - gen. Einige wollen, Graf Hoyer von Mannsfeld, der um das Jahr 1112 dieſe Ge - gend unter ſeiner Bothmaͤßig - keit gehabt, habe die Stadt erbauet, und ſol - che ſey ihm zu Ehren hernach Hoyerswerda benennet worden; ſolches aber widerleget der Boͤhmiſche Scribent BARTHOLOMÆVS PAPROCIVS in ſeiner Boͤhmiſchen Hiſto - rie L. II, C. 10, p. 135, wenn er ſchreibet; EsBhabe2Das erſte Capitel. habe dieſen Ort unter dem Kayſer Heinrich der Boͤhmiſche Ober-Jaͤgermeiſter Howoran (Hoboran) erbauet, nachdem er im Jahre 1003 ſeinen von den Wrßowſken an eine Ei - che nackend gebundenen, und mit vielen Pfei - len durchſchoſſenen Herrn, den Fuͤrſten Ja - romir, errettet, fuͤr welche ſonderbare Treue der Howoran (Hoboran) von dem Kayſer in den Frey-Herren-Stand erhoben und von der fatalen Eiche ihm der Beyname Duba, welches ein wendiſches Wort, und eine Eiche heiſt,(*)Die Geſchichte, ſo ſich mit dem Fuͤrſten in Boͤhmen, Jaromir, und ſeinem getreuen Die - ner, Howoran, (Hoboran) zugetragen, iſt folgende. Jn dem Koͤnigreiche Boͤhmen wa - ren die Herren Wrßowſken wegen ihres ur - alten Geſchlechts und groſſen Reichthums die maͤchtigſten und anſehnlichſten, maſſen ſie mit beyden Croatiſchen Fuͤrſten, ſo das Boͤhmi - ſche und Pohlniſche Reich aufgerichtet, Czech und Lech, in dieſe Lande gekommen waren, und von einem Grafen Wrßche in Croatien her - ſtammeten; Jndem nun dieſes Graͤfliche Ge - ſchlecht in Boͤhmen ſich ſehr ausbreitete, und an Reichthum, Herrſchaften, Schloͤſſern und Staͤdten zunahm, ſo wurde es hochmuͤthig und herrſchbegierig, trachtete nach der hoͤchſtenGe - beygeleget worden.

Die -3Von dem Namen u. Erbauung der Stadt.

Dieſes beyzeugen ſowohl der Stadt Wa - pen, als drey gruͤnende Eichen, zur ſteten Er - innerung, daß Howoran von dem an eine Eiche angebundenen und davon erloͤſeten FuͤrſtenB 2Jaro -(*)Gewalt und Fuͤrſtenthum, bemuͤhete ſich auch, die Vornehmſten ſeines Geſchlechts, Rochan genannt, zu ſolcher zu erheben; weil aber bey Lebzeiten des Hertzogs ſolches ſich nicht wohl fuͤgen wollte, war ſein einziges Tichten und Trachten, wie es das gantze Fuͤrſtliche Ge - ſchlecht ausrotten moͤchte, verhoffete auch, weil Fuͤrſt Jaromir ein groſſer Liebhaber der Jaͤ - gerey war, durch dieſe Gelegenheit ſein boͤſes Vornehmen werckſtellig zu machen. Es be - gab ſich demnach, daß bey anbrechenden hel - len und ſtillen Wetter die Grafen Wrßowſken bey Hofe freudig erſchienen, und den Fuͤrſten in Betrachtung des lieblichen Wetters auf die Jagd ſich zu begeben lockten, und auch ge - ſchwinde beredeten, daß er gantz willig, nebſt ſeinen zween Jaͤgern, Howoran (oder wie einige ſchreiben, Hoboran) und Hriwez, auf die Jagd ritte. Nach des Fuͤrſten Abreiſe ſoll dero Fuͤrſtlichen Gemahlin, Namens Striß - ka, im Traume St. Johannes der Taͤufer erſchienen ſeyn, der ſie alſo angeredet: Stehet auf, und befehlet, daß funfzig gewapnete Maͤnner eilend dem Fuͤrſten nachfolgen, indem ihm heute groſſe Gefahr begegnen, und nachdem4Das erſte Capitel. Jaromir ſolch Stuͤck Landes bekommen, und dieſe Stadt erbauet, als auch ein Monument oder Leichen-Stein, ſo in der Haupt-Kirche bey dem Eingange zu dem hohen Altar lieget,und(*)dem Leben getrachtet werde; Hieruͤber ſoll die Fuͤrſtin erwachet, und ſehr erſchrocken ſeyn, auch eilend dem Fuͤrſten nachgeſchicket haben. Jnmittelſt jagten die Grafen Wrßowſken mit dem Fuͤrſten freudig, und da die Jaͤger ſich hin und wieder zerſtreuet hatten, ſuchten ſie einen bequemen Ort, an welchem ſie dem Fuͤrſten beykommen und ihn hinrichten koͤnnten. Da ſie nun an einen Ort und Berg, Welis ge - nannt, gelangeten, riſſen ſie alsbald den Fuͤrſten von dem Pferde, entbloͤßten ihn, bunden Haͤn - de und Fuͤſſe zuſammen, warfen ihn zu der Erde, und aus Hochmuth und Kurtzweile ſprengeten ſie mit ihren Pferden uͤber ihn weg; Jn ſolcher Angſt ſoll der Fuͤrſt Jaromir mit hoͤchſter Jnbrunſt zu GOtt und ſeinem Patron St. Johanni dem Taͤufer gebetet und gerufen haben, dabey aber dieſe Verſpottung derer Wrßowſken erdulden muͤſſen, daß weder GOtt noch St. Johannes ihn aus ihren Haͤnden errette; ihren Muthwillen aber noch mehr auszuuͤben, huben ſie den Fuͤrſten von der Erden auf, und bunden ihn zwiſchen zweyen Eichen an. Jndem dieſes geſchahe, koͤmmt ohngefehr des Fuͤrſten Jaͤger Howoran (Ho -boran)5Von dem Namen u. Erbauung der Stadt. und die fuͤnfknoͤtigte Eichen-Zweige, als das Wapen, Creutzweis darauf eingehauen zu ſe - hen ſind, und denn ein altes Altar, ſo ehe - dem in dem Pabſtthume in der groſſen Kir -B 3chen(*)boran) herzu, da dieſer ſeinen Herrn, den Fuͤrſten, entbloͤſſet und angebunden ſahe, ent - ſetzte er ſich heftig, kehrete ohne alles Beden - cken geſchwinde zuruͤcke, ſtoſſet auch ohngefehr auf die aus Prage commandirten Soldaten, welchen er des Fuͤrſten Gefahr entdecket, und mit ihnen verabredet, daß er geſchwinde voran reiten, und ſie ihm nachfolgen ſollten, wenn er nun zu dem Fuͤrſten gelangen wuͤrde, ſo wollte er ihnen mit ſeinem Jaͤger-Horn ein Zeichen geben, und die Gegend andeuten. Es hatten aber die Wrßowſken nicht allein den Fuͤrſten zwiſchen zweyen Eichen angebunden, ſondern ſchoſſen auch wie nach einer Scheibe mit ihren Pfeilen auf ihn los, da ſoll der Fuͤrſt heftig gebetet haben, ſo daß St. Johannes der Taͤufer mit ſeinem Mantel die Pfeile ab - gekehret, daß er unbeſchaͤdiget geblieben. Ho - woran (Hoboran) koͤmmt zum Vorſchein, wird aber alsbald gefangen, damit nun ihr moͤrderiſches Beginnen durch ihn nicht moͤchte offenbaret werden, ſo wird er, unangeſehen alles beweglichen Bittens und Verſprechens, nimmermehr dieſe That zu offenbaren, zum Tode verdammet, daß ihn ſein eigener Came -rad,6Das erſte Capitel. chen an einem Pfeiler geſtanden, bey Reno - virung der Kirchen aber abgenommen, und nach Geyerswalde gebracht worden, ſo noch daſelbſt anzutreffen, und darauf zu ſehen iſtdas(*)rad, der andere Fuͤrſtliche Jaͤger, Hriwez, der allbereit von dem Fuͤrſten abgefallen und meineidig worden war, an eine Eiche anbin - den und erdroſſeln ſollte. Howoran (Hobo - ran) ſahe den Tod vor Augen, hat deshalben, man ſollte ihm erlauben, vor ſeinem Ende nur noch dreymahl in ſein Jaͤger-Horn zu ſtoſſen. Dieſe ſeine Bitte wurde ihm gewaͤhret; da er aber zum erſtenmahle geblaſen, wird er von Hriwez auf die Eiche gezogen, damit nur Ho - woran (Hoboran) die Zeit gewinnen koͤnnte, weitlaͤuftig den Hriwez zu bitten, daß er ſich ſeiner armen Kinder annehmen, und ihr Vor - mund ſeyn wolle, nach ſolcher Unterredung muß er zum andernmahle blaſen, darauf wur - de er hoͤher auf die Eiche gezogen, und ein rie - merner Sprengel um den Hals gewunden, daß er damit angeknuͤpfet wuͤrde, deshalben auch genoͤthiget ward, zum drittenmahle zu blaſen, ſobald ſolches geſchahe, ſprungen die von Pra - ge abgefertigten Soldaten hervor, und um - ringeten die Grafen Wrßowſken, nahmen ih - rer 13 gefangen, der Principal Kochan ver - ſteckte ſich unter das Eichen-Laub, und rette - te ſich nebſt andern mit der Flucht, Hriwezaber,7Von dem Namen u. Erbauung der Stadt. das Bild des Hertzogs Jaromirs, wie er an der Eiche angebunden, und nach ihm mit Pfeilen geſchoſſen wird. D. CASPAR PEV - CERVS, der Philoſophie und Medicin Do -B 4ctor,(*)aber, der Hencker-maͤßige Bube, erſchrickt, daß er von der Eiche faͤllet, und ein Bein bricht, und wird alſo gefangen, Howoran (Ho - boran) aber bey dem Leben erhalten und er - rettet. Hierauf fuͤhrten die Abgefertigten von Prage den Howoran (Hoboran) zu dem Fuͤr - ſten, der zwar noch angebunden, jedoch unbe - ſchaͤdiget war, nur allein daß die Fliegen, We - ſpen und ander Ungeziefer ihn unbeſchreiblich geſtochen und gemartert hatten, dahero ſie ihn von der Eiche losbunden, die Kleider anleg - ten und mit groſſen Freuden nach Prage fuͤhre - ten; Unterweges that der Fuͤrſt dem Howoran (Hoboran) fuͤr ſeine treu geleiſtete Dienſte groſſe Verheiſſungen, und beſchenckte ihn mit gewiſſen Dorfſchaften. Jn dem Einzuge des Fuͤrſten zu Prage war ein trefflicher Zulauf, und wurde er mit unaufhoͤrlicher Freude auf - genommen, darauf ergieng ein Mandat von dem Fuͤrſten, daß alle Hohe und Niedrige den Howoran (Hoboran) fuͤr einen Herrn hal - ten, und ihm alle erſinnliche Ehre erzeigen ſoll - ten, und der Fuͤrſt ſelbſt hat dem Howoran (Hoboran) und allen ſeinen Nachkommen zu der vornehmſten Raths-Stelle auch die Ober -Land -8Das erſte Capitel. ctor, ſchreibet von der Stadt Namen und Urſprung in folgenden Gedichte alſo:

Quos -

(*)Land-Jaͤger Meiſterſchaft auf ewig conferiret. Kurtz darauf hat der Fuͤrſt Jaromir alle ſeine Groſſe und Gewaltige, Grafen und Herren von der Ritterſchaft nach Hofe berufen, und nachdem er ihnen vortragen laſſen, wie treu und mit Hintanſetzung ſeines Lebens Howo - ran (Hoboran) ihn aus der Noth und denen Moͤrders-Haͤnden des Kochans und der Wrßowſken erloͤſet, und bey dem Leben er - halten hat, mit gedachten Staͤnden reiflich uͤberleget, wie dem Howoran (Hoboran) ſei - ne geleiſtete Treue vergolten werden koͤnnte, iſt darauf einmuͤthig beſchloſſen worden, daß Jaromir an Jhro Kayſerliche Majeſtaͤt Hein - richen (ſo damahls in Regenſpurg reſidirte) Howoran (Hoboran) allerunterthaͤnigſt re - commandire, und dieſer ihn wegen ſeiner oͤf - ters gedachten Treue in den Freyherrlichen Stand erhoͤhe, ſo auch der Kayſer gantz gnaͤ - dig bewilliget, und ihm den Freyherrlichen Stand mit einem Wapen allergnaͤdigſt be - gnadet, daß er zwey fuͤnfknoͤtigte Eichen-Zwei - ge Creutzweis in einem guͤldenen Felde, er und ſeine Nachkommen, ewig fuͤhren, und in allen vorfallenden Uebungen derſelben gebrauchen ſollte. Die Grafen Wrßowſken und Ver - raͤther ſind hernach am Leben abgeſtrafet undihnen

9Von dem Namen u. Erbauung der Stadt.
Quosque habuit nigro circumflua Werda
ab Eliſtro,
Quæ ſveta dominum nunc quoque voce
refert.
Heroem Werdæ, nam prævia dictio ſignam
Sedem hic Heroi lege fuiſſe monet.
Schomburgos habuit nuper: proſapia late
Quorum apud attiguos eſt dominata My -
ſos
Ceſſit Promniciis Heroibus illa, ſed emta,
Creſcere quos meritis mens generoſa
facit.
Quæque vetuſta ab origine, fortibus inclyta
& auſis
Nunc alibi eſt ſparſim relliqua progenies.

Jn wendiſcher Sprache wird ſie Wojrez oder Wojerez von We in Rjeze Fluſſe ge - nennet, welches ſo viel heißt, als: in dem Waſſer, indem die Stadt mitten in dem Waſ - ſer lieget, denn es fleußt die ſchwartze Elſter an 6 unterſchiedlichen Orten durch die Stadt,B 5wel -(*)ihnen oͤffentlich auf dem Marckte zu Prage mit einem Beile die Koͤpfe abgeſchlagen worden, woruͤber ſich der Ertz-Verraͤther Kochan ſehr betruͤbet, und dabey gedrohet, wie er dieſe Schmach an dem Fuͤrſten Jaromir zu ſeiner Zeit rechtſchaffen raͤchen wollte, ſo auch er - folget.10Das erſte Capitel. welches auch das teutſche Wort Hoyerswer - da anzeiget, ſo da herkoͤmmt von Hoyers und Werda oder Werd, welches ſo viel heißt, als ein Ort, der in dem Waſſer lieget, und mit demſelben umgeben.

Eine einfaͤltige Meinung iſt es, daß dieſe Stadt von Berg-Leuten, ſo ſonſt Hoyer ge - nennet worden, und allhier den Eiſen-Stein gegraben haben, ſoll erbauet ſeyn worden, und den Namen haben. Auch dieſes hat einen ſchlechten Grund, was Herr Sioel vor - giebet, daß Hoyerswerda ſoll ſo viel heiſſen, als Hoch-Schwerdt,(*)Herr Sioel in ſeinem ſo genannten: Etwas von Hoyerswerda Lit. A 3 ſchreibet, ſo woll - te ich doch faſt glauben, es haͤtte Hoyerswer - da zu allererſt Hochſchwert geheiſſen. Denn es iſt mir ein geſchriebenes Inventarium und Beſchreibung der Privilegien des Koͤnigreichs Boͤhaimb, ſo auf dem Schloß Carlſtein in ze - hen Truhen verwahret liegen, und Anno 1505 auf Uladislai Befehl und aller dreyen Staͤn - de der Cron Boͤhaimb Bewilligung mit Fleiß uͤberſehen und regiſtriret worden, zu Haͤnden kommen, und da finde ich in der fuͤnften Tru - hen mit E bezeichnet unter den Briefen, das Land Schleſien und Lauſitz betreffend, p. 261 eines Briefes Erwehnung, darinnen Johan -nes indem alle Docu -mente11Von dem Namen u. Erbauung der Stadt. mente zeigen, daß die Stadt ſchon vor alten Zeiten Hoyerswerda, Heyerswerda, He - verswerda, geheiſſen. Unter andern zeigen ſolches zwey Privilegien, das eine, welches Kayſer Carl der Vierte im Jahre 1300 denen Staͤdten Budißin, Goͤrlitz, Lauban, und Loͤ - bau gegeben, daß die Veſte Hoyerswerda mit ihren Zugehoͤrigen ewiglich bleiben ſoll bey der Crone zu Behaimb, das andere lieget in der Colmiſchen Kirche, welches im Jahre 1360 Friedrich, Ernſt und Jan, Gebruͤdere, Her - ren von der Duba, dem damahligen Pfarrer und ſeinen Nachkommen ertheilet, in der Herr - ſchaft Heide und Walde Holtz zu hauen zum Bauen und Brennen.

Hoyerswerda iſt alſo ein Ort, der mit lauter Waſſer, Moraſt und Sumpf, wie ſonderlich vor alten Zeiten geweſen, umgeben, wie auch aus den alten Urkunden zu ſehen, daß gegen Morgen niemand wegen Moraſt, Sumpf und Waſſer zum Schloſſe hat kom -men(*)nes und Guͤnter, Grafen zu Schwartzenburg, bekennen, Kayſer Carl und ſeinen Erben, und denen folgenden Koͤnigen zu Boͤhaimb das Schloß Hochſchwert verkauft zu haben Da - tum 1357. Wo weiß aber Schleſien noch Lau - ſitz von einem Orte, den man darunter verſte - hen koͤnnte, als unſer Hoyerswerda?12Das erſte Capitel. men koͤnnen, dahero ſie auch vor Alters die Veſte genennet worden, weil man darzu nicht anders als durch ordentliche Wege kommen koͤnnen, ſo aber nunmehro nach und nach durch die Graben, ſo hie und da gehoben, eben und zu feſten Lande gemacht, und die Waſſer in rechte Graben ſind geleitet worden. Wenn und zu welcher Zeit ſolches geſchehen, kan man nicht wiſſen, indem durch die viele Braͤn - de alle alte Nachrichten, Documente und Handſchriften verlohren gegangen.

So viel man Nachricht hat, ſo ſollen vor alten Zeiten an hieſigen Orte nur drey kleine Haͤuſer, zu dreyen Schencken genannt, oder wie es glaublicher, drey Schencken oder Wirths-Haͤuſer, in welchen die Reiſenden Speiſe, Tranck und Nacht-Quartir bekom - men, erbauet geweſen ſeyn; nachdem aber die Geſchlechter, die ſich in dieſen dreyen Schen - cken aufgehalten und gewohnet, ſich vermeh - ret, ſo ſollen auch die Gebaͤude zugenommen haben, bis endlich ein Dorf, und ſodenn gar eine Stadt daraus worden, die nunmehro mit etlichen Hundert Buͤrgern beſetzet, und uͤber drey Hundert Feuer-Staͤtte hat.

Daß ſie ſoll eine Feſtung geweſen ſeyn, wie einige dafuͤr halten, iſt wol nicht zu glau - ben, indem es weder die Situation noch derOrt13Von dem Namen u. Erbauung der Stadt. Ort ſelbſt zeiget, uͤberdiß ſo ſind auch nicht die allergeringſten Ueberbleibſel vorhanden, die da zeugeten, daß es eine Feſtung geweſen.

Das zweyte Capitel. Von der Religion derer Einwohner.

Was die Religion anbelanget, ſo iſt aus denen Urnen oder Toͤpfen, darinnen die Aſche von denen verbrannten Coͤrpern aufgehoben worden, derer man hie und da zuweilen aus der Erden ausgegraben, abzunehmen, daß hieſiges Orts Heiden ge - wohnet; ob aber die Stadt von ihnen erbauet ſey, iſt nicht zu beweiſen, auch nicht, wenn ſie das Heidenthum verlaſſen und die Chriſt - liche Religion angenommen haben. Daß nachgehends die Paͤbſtiſche Religion hier iſt eingefuͤhret worden, zeiget das alte Altar in der Kirchen, welches im Jahre 1690 abge - nommen, an deſſen Stelle ein anderes aufge - richtet worden, das alte hingegen unter der Herrſchaftlichen Empor-Kirche ſeinen Platz be - kommen, von dort aber wieder im Jahre 1726 abgenommen, und hinter das Altar auf bey - den Seiten an die Mauer angemachet worden,auf14Das zweyte Capitel. auf deſſen Obertheile Maria, das Kind JE - ſum auf den Haͤnden haltende, und auf dem Untertheile Maria, den von dem Creutze ab - genommenen JEſum auf dem Schooß liegen habende, zu ſehen; als aber durch GOttes ſonderbare Gnade das Licht des Evangelii durch Doctor Luthern in dieſem Lande auf - gegangen, ſo hat auch dieſe Stadt ſammt zu - gehoͤrigen Orten die ſeligmachende Religion des Evangelii angenommen, unter der loͤbli - chen Regierung derer Herren von Schum - berg, mit Namen Wilhelm, Jan, Wen - tzel und Ernſt, insgeſamt Bruͤder, im Jahre Chriſti 1540 am Feſte Johannis des Taͤu - fers. Die erſte Evangeliſche Predigt hielt BA - SILIVS LAVRENTIVS, ſo anfaͤnglich ein Moͤnch geweſen, welcher hernach 1552 den 10 Jan. oder wie andere wollen, den 23 Novem - ber, an einem Schlag-Fluſſe geſtorben; als aber 1572 die Herren Sigmund, Hans Chriſtoph und ALBERTVS MAGNVS von Maltitz, Gebruͤder, die Herrſchaft be - kommen, ſo wollten dieſelben die Einwohner mit Gewalt wieder zu der Paͤbſtlichen Reli - gion zwingen, es wurde aber durch GOttes Gnade von dem Roͤmiſchen Kayſer Rudolph dem andern der Rath und die Gemeinde bey ihren Privilegien, Statuten und Reli - gions-Freyheit gnaͤdigſt geſchuͤtzet, ſub datoden15Von der Religion derer Einwohner. den 14den Maͤrz 1580 deswegen ein ſolennes Danck-Feſt gehalten, und dabey beſchloſſen, daß alle Wochen in denen Fruͤh-Predigten das Te Deum Laudamus ſoll geſungen wer - den, von welcher Zeit an die reine Evangeli - ſche Religion ungehindert erhalten worden, wofuͤr dem gerechten GOtt und maͤchtigen Beſchuͤtzer ſeiner Kirchen hertzlich zu dancken, und dabey zu bitten, daß er noch fernerhin ſeine Gnade der lieben Stadt und ſaͤmmtli - chen Einwohnern erzeigen, und ſein heiliges Wort bis an das Ende der Welt bey ihnen erhalten wolle.

Das dritte Capitel. Von denen Kirchen der Stadt.

Aus denen alten Documenten kan man abnehmen, daß die Haupt-Kirche, in welcher die Wendiſchen ihren GOt - tes-Dienſt haben, muß den Namen unſer lieben Frauen fuͤhren, wie denn auch ſol - ches die drey alten Altaͤre zeigen, auf welchen das Haupt-Bild, die Jungfrau Maria, das JEſus-Kind auf ihren Armen haltende, zu ſehen.

Magi -16Das dritte Capitel.

Magiſter Samuel Martini in ſei - ner Einweihungs-Predigt der Kirchen zu Blune p. 29 meinet zwar, wie ſolche dem hei - ligen Nicolaus gewidmet, weil auf einem Altare St. Nicolaus mit denen aus der Paßion ihm zugeeigneten Wuͤrfeln derer Kriegs-Knechte, ſo um das Gewand des HErrn Chriſti gewuͤrfelt, zu ſehen ſey. Aber zu bewundern iſt es, daß der Herr Magiſter Martini auf dieſe Gedancken gekommen, indem das Bildniß des St. Nicolaus nur auf dem einen Fluͤgel des Altars ſtehet, und folglich nicht das Haupt-Bild vorſtellet. Das uralte Altar, ſo im Pabſtthume das Haupt - Altar geweſen, und anjetzo zu Geyerswalde in der Kirchen-Sacriſtey iſt, zeiget, daß das erſte vielmehr zu glauben, und alſo den Namen zur lieben Frauen, oder Jungfrau Marien, oder unſer lieben Frauen, mag gefuͤhret haben.

Die Kirche ſoll auf lauter eichenen Pfaͤh - len ſtehen; wenn aber ſolche erbauet, weiß man ſo genau nicht, weil man davon nirgends etwas aufgezeichnet findet; daß ſie jedoch ſehr alt ſeyn muß, ſiehet man theils an denen al - ten Altaͤren, theils auch an denen alten Epi - taphien, maſſen darinnen Epitaphien zu finden, ſo in denen Jahren 1507, 1522, 1523 und auch eins, ſo 1481 geſetzet und aufgerich -tet17Von denen Kirchen der Stadt. tet worden. Das alte Altar, das im Jah - re Chriſti 1516 erbauet, wurde 1689 unter der Regierung Jhro Chur-Printzl. Herrn, Herrn Johann George des dritten, abge - nommen, und an deſſen ſtatt 1690 ein neues aufgeſetzet. Das alleraͤlteſte Altar, wie ſchon gedacht, welches zu Geyerswalde zu finden, iſt im Jahre Chriſti 1421 verfertiget. Dahe - ro auch einige muthmaſſen, als ob in dieſem oder vorhergehenden Jahre die Kirche ſey erbauet worden.

Was am meiſten zu verwundern, ſo iſt dieſe Kirche niemahls abgebrannt, ob gleich der gerechte GOtt die Stadt oft mit groſſen Feuer heimgeſuchet, und dadurch auch nahe um die Kirche herum alle Gebaͤude in die A - ſche geleget worden. Wofuͤr man Urſache hat GOttes Guͤte zu preiſen, und ihm zu dancken, daß er denjenigen Ort, wo er ſeines Namens Gedaͤchtniß geſtiftet, mitten unter der wuͤtenden Flamme beſchuͤtzet und erhalten.

Es gehoͤret dieſe Haupt-Kirche denen Wenden, und wird darinnen alles wendiſch geprediget, auſſer Sonntags und hohen Feſt - Tages, fruͤh von 5 bis 7 Uhr, zu welcher Zeit von denen Diaconis eine teutſche Predigt uͤber die gewoͤhnlichen Sonn - und Feſt-Epi - ſteln abgeleget wird. Ferner geſchehen auch in ſelbiger alle teutſche Wochen-Predigten,CMitt -18Das dritte Capitel. Mittwochs und Freytags, und denn alle Ta - ge fruͤh teutſche Betſtunden, wie auch alle teutſche und wendiſche prieſterliche Handlun - gen.

Jn der Kirche ſind zu ſehen acht groſſe ſteinerne gemauerte Pfeiler, worauf das Kirchen-Gewoͤlbe ruhet, welche durch und durch gewoͤlbet, in der Mitten an einem Pfei - ler ſtehet die neue ſchoͤne Cantzel, welche im Jahre Chriſti 1717 von dem damahligen Amtmanne und Pacht-Jnhaber der Herrſchaft, Herrn Chriſtian Ehrenreich Kotten, aus eigenen Koſten erbauet, und auch ſelbiges Jahr den 25ſten October mit einer teutſchen und wendiſchen Predigt von dem damahligen M. Chriſtian Martini, Ober-Pfarrherrn, eingeweihet worden. Vorher war eine ſehr alte ſteinerne Cantzel allhier. Der Cantzel gegen uͤber iſt eine ſchoͤne groſſe Orgel, wel - che 1607 aufgerichtet worden, neben der Or - gel uͤber der Halle iſt die Kirchen-Bibliothec, ſo 1717 in dem Monat October von dem Amt - manne Kotten und Ober-Pfarrherrn Mar - tini angeleget. Um vor dem Altare ſind die drey Beicht-Stuͤhle, dem Altare gegen uͤber die Herrſchafts-Empor-Kirche, unter der - ſelben die Raths-Stuͤhle, an dem Fuſſe des Altars iſt die Gruft oder das Begraͤb - niß derer hieſigen geweſenen Herrſchaften,und19Von denen Kirchen der Stadt. und darneben der Tauf-Stein. Neben dieſer Haupt-Kirche unter dem Kirchen-Thur - me iſt die teutſche Kirche oder Capelle fuͤr die teutſche Gemeinde, und in vorigen Jahr - hunderten erbauet worden. Denn nachdem ſich die teutſche Gemeinde vermehret, hat ſich ſolche darauf von denen Wendiſchen abgeſon - dert, unbeſchadet nach der alten Verfaſſung derer Accidenzien fuͤr die Diaconen. Anfangs gieng die teutſche Gemeinde erſt unter dem Glauben aus der Wendiſchen oder Haupt - Kirche in die Capelle, woſelbſt ihnen der O - ber-Pfarrherr eine teutſche Predigt hielt. Nunmehro genieſſet die teutſche Gemeinde in derſelben ihren voͤlligen Gottesdienſt. Je - doch werden alle Prieſterliche Handlungen in der Haupt-Kirche verrichtet. Jm Jahre Chriſti 1700 wurde dieſe Capelle erweitert, wiewohl der Anfang zu ſolcher Erweiterung ſchon im Jahre 1697 gemachet wurde, wie ſolches folgende Ueberſchrift, ſo an einem Schwibbogen ſtehet, zu erſehen.

In gloriam ſolius Dei trinuni Simulac propagandam incolarum ſalutem Hoc antea ſacellum jam templum duplo am - plius redditum A. MDCXCVII Dom. I Adventus inaugu - ratumC 2Sub20Das dritte Capitel. Sub purpureo vexillo Militanti Eccleſiæ or - thodoxam religionem conſervet Heterodoxam autem profliget Id quod Flexis genibus expanſis manibus Ex corde ſincero a Defenſore ſuo Jeſu Eccleſia Lutherano-Evangelica Exorat.

Das Altar in derſelben iſt im Jahre Chri - ſti 1698 von dem Herrn George Friedrich von Knobelsdorf erbauet worden, wie fol - gende auf dem Altare befindliche Unterſchrift es darthut:

P. F. F. S. Hæc pictura quicquid eſt, Deo, Relligioni, Poſteritati, Dat, Donat, Conſecrat, Præfecturam nec non contractum Loc. Cond. hujus Dynaſtiæ imitando, Geor. Frid. a Knobelsdorf, Judicii Feudal. Ducatus Saganenſ. Aſſeſſor, Toparcha in Ruckersdorf & Pretſchendorf.

A. 1698.

Ueber dem Altare iſt das Herrſchaftliche Chor, gegen uͤber, uͤber dem Eingange der Kirchen, war die Orgel, welche der Herr von Knobelsdorf fuͤr das alte und kleine Werck verehret, wurde aber im Jahre Chriſti 1730wieder21Von denen Kirchen der Stadt. wieder verkauft, und an ſtatt derſelben ein groͤſſers Werck aufgerichtet. Bey dem Ein - gange aus der Wendiſchen oder Haupt-Kir - chen zur rechten Hand ſtehet die Cantzel, der Cantzel gegen uͤber Lutheri Bildniß in Le - bens-Groͤſſe. Jm Jahre Chriſti 1728 und folgende Jahre wurden unten in die Kirche herum unterſchiedliche Bet - und Kirchen - Stuͤhle erbauet. Jm Jahre 1730 am groſ - ſen Jubilaͤo wurde eine groſſe Halle aufge - fuͤhret, auf welcher nun die Orgel ſtehet, und uͤber derſelben eine Empor-Kirche fuͤr Maͤn - ner, ingleichen lieſſen dieſes Jahr viele gut - thaͤtige Hertzen die Cantzel und das Altar bekleiden, ſtifteten auch einen koſtbaren Kir - chen-Schmuck, welcher in beyden Kirchen gebrauchet wird.

Das vierte Capitel. Von der Situation und Gelegen - heit der Stadt.

Die Stadt lieget gleich im Zuſammen - Fluſſe des Schwartz-Waſſers und der Elſter. Das Schwartz-Waſſer hat ſeinen Urſprung ohnweit Gaußig auf ei - nem hohen Berge, und fleußt an der Graͤn -C 3tze,22Das fuͤnfte Capitel. tze, Meiſſen und Ober-Lauſitz bis vor Hoyers - werda, wo es ohngefehr hundert Schritte vor dem Amt-Hauſe in die Elſter faͤllt, und her - nach die ſchwartze Elſter genennet wird.

Was nun die Situation ſowohl der Stadt als ſaͤmtlicher Herrſchaft anbelanget, ſo graͤn - tzet ſie gegen Mitternacht mit Nieder-Lauſitz, und gegen Abend mit Meiſſen. Gegen Morgen iſt die naͤchſte Stadt Mußkau vier Meilen, gegen Mittag Bautzen vier Meilen, gegen Abend Koͤnigsbruͤck vier Meilen, und gegen Mitternacht Senftenberg zwey Mei - len, Dresden, die Churfuͤrſtlich-Saͤchſiſche Reſidentz, lieget ſieben Meilen hiervon.

Die Luft iſt eben nicht die geſuͤndeſte, we - gen des vielen Waſſers, Moraſte, und dar - aus entſtehender Duͤnſte und Nebel; jedoch hat es auch alte Leute allhier gegeben, abſon - derlich auf dem Lande, welche ihr Alter auf und uͤber hundert Jahre gebracht haben.

Das fuͤnfte Capitel. Von der Nahrung und Fruchtbar - keit der Stadt.

An guter Nahrung fehlet es der Stadt nicht, man findet hier einen groſſen Getreyde-Handel, indem das Ge -treyde23Von der Nahrung und Fruchtbarkeit ꝛc. treyde in groſſer Menge aus der Niederlau - ſitz, Brandenburg und andern Orten ge - bracht und von den Aufkaͤufern und Haͤnd - lern weiter verfuͤhret wird; dennoch ſind die Einwohner meiſtentheils arm, theils wegen der vielen Gaben, ſo ſie haben abzufuͤhren, theils auch wegen der oͤfters erlittenen Brand - Schaͤden, von welchen ſie ſich nicht wieder erholen koͤnnen.

Die Handwercker ſind zuͤnftig, und fin - det man alle Profeßionen darinnen; jedoch ſind die Schneider, Schuhmacher, Leinwe - ber und Schmiede die ſtaͤrckſten.

Das Bier, ſo hier gebrauet wird, war ehedeſſen in groſſen Ruhm, daß es auch weit und breit verfuͤhret wurde; aber wie in der Welt alles veraͤnderlich und unbeſtaͤndig, al - ſo iſt auch die Abfuhre von dem hieſigen Bie - re nicht mehr ſo groß, und ſeine Guͤte ſehr veraͤndert.

Der Acker-Bau iſt ſtarck, es hat faſt jeder Buͤrger ſein Feld und Wieſe-Wachs. Die Felder und Wieſen liegen in guten Grund und Boden, ſo, daß, wenn die Witterung gut, und GOtt ſeinen Segen darzu giebet, die Fruͤchte reichlich eingeſammlet werden. Sonderlich liegen die Wieſen in einer ſchoͤ - nen und fruchtbaren Gegend an der ſchwar - tzen Elſter, von welcher ſie befeuchtet undC 4ſrucht -24Das fuͤnfte Capitel. fruchtbar gemacht werden. Ehedeſſen, als ohngefaͤhr vor dreyßig, vierzig und mehr Jah - ren, ſoll der Acker - und Feld-Bau denen Ein - wohnern vielmehr gebracht haben.

Jn den Gaͤrten fehlet es nicht an aller - hand ſchoͤnen Baͤumen und Gewaͤchſen, je - doch will das Obſt nicht in allen Gaͤrten ge - rathen, die Urſache ſoll ſeyn, weil der Boden ſehr feuchte und naß iſt. Unter denen Gaͤr - ten iſt ſonderlich der Schloß-Garten zu be - mercken, welcher verdienet, daß man ihn be - ſiehet. Es iſt darinnen alles in ſchoͤnſter Ord - nung, ſchoͤne Orangerie, vortreffliche Obſt - Baͤume, luſtige Gaͤnge, Teiche, mit aller - hand Arten Fiſchen angefuͤllet.

Die Waͤlder ſind Holtz-reich, und ob - gleich jaͤhrlich viele Tauſend Baͤume gefaͤllet und Klaftern geſchlagen werden, ſo ſiehet man dennoch keinen Mangel. Die Arten derer Baͤume ſind unterſchiedlich, als Fichten, Tan - nen, Eichen, Bircken, Erlen, u. ſ. w. auch ſind die Waͤlder mit allerhand rothen und ſchwartzen Wildpret angefuͤllet, welche zu Sommers-Zeit auf denen Feldern im Getrey - de groſſen Schaden thun.

Herr Groſſer in ſeinen Lauſitziſchen Merck - wuͤrdigkeiten P. V. p. 19 hat angemercket, wie Doctor Johann Francke in ſeinen Fragmen - tis unter denen in dem Schooſſe der Laußitzi -ſchen25Von der Nahrung und Fruchtbarkeit ꝛc. ſchen Erde befindlichen Merckwuͤrdigkeiten aufgezeichnet, daß man ohnweit der Stadt Beſcow Steine finde, die allerhand Glie - dern des menſchlichen Leibes, nemlich Aer - men, Beinen, Fingern u. ſ. w. aͤhnlich ſind. Es erwaͤhnet dieſer curieuſen Steine ebenfalls Manlius, und meldet, daß ſie auch bey Hoyerswerda zu finden. Ob dieſes in der Wahrheit ſich alſo befindet, kan ich nicht wiſ - ſen; dieſes iſt doch gewiß, daß man zu Colm, eine Meile von der Stadt, allerhand curieuſe Steine ſiehet.

Vor einigen Jahren ſind allhier ſehr vie - le wohlhabende Buͤrger und Einwohner ge - weſen, derer man jetzund noch einige findet.

Das ſechſte Capitel. Von dem Wappen und Wahrzei - chen der Stadt.

Das Wappen hat die Stadt von denen Herren der Duba, ſo von Howoran oder Hoboran, des Boͤhmiſchen Fuͤr - ſten Jaromirs Ober-Jaͤger-Meiſter, her - ſtammen, und um das Jahr 1003 in den Freyherrlichen Stand von dem Kayſer Hein - rich zu Regensburg erhoben worden, der dieC 5Stadt26Das ſechſte Capitel. Stadt erbauet, und dem Rath in das Jnſi - gel drey gruͤne Eichen im blauen Felde ver - lehnet hat. Dieſes Wappen iſt unter an - dern zu ſehen in der Haupt-Kirche an der Orgel auf der Seite gegen dem Altar, in - gleichen an dem Tauf-Steine. Es iſt dieſes Wappen genommen von dem Namen derer Herren von Duba, denn Duba oder Dub, ein wendiſch Wort, heiſt eine Eiche; daß aber drey Eichen daran zu ſehen, zeiget an, daß damahls drey Herren Bruͤder von Duba die Herrſchaft in Beſitz gehabt, welche der Stadt ſolches Wappen zugeeignet.

Was das Wahrzeichen anlanget, ſo iſt ſolches ein in Stein eingehauenes Fleiſcher - Beil oder Axt, und iſt zu ſehen in der Witt - genauer Gaſſe, an der mittelſten Bruͤcke, dem Hauſe gegen uͤber, ſo dem ſeligen Herrn Da - vid Heynen, Anverwandten des Raths, ge - hoͤret. Ehemahls ſtunde ſolches unter der Bruͤcke; vor einigen Jahren aber, da die Bruͤcke neu gebauet wurde, ward ſolches an die Ecke der Bruͤcke, wo es jetzo zu ſehen, auf - geſetzet. Woher ſolch Wahrzeichen ſeinen Urſprung genommen und die Stadt bekom - men haben ſoll, wird folgendes erzehlet: Zween Fleiſcher-Knechte waͤren an ſelbigem Orte, wo das Wahrzeichen ſtehet, in Streit, und dergeſtalt zuſammen gekommen, daß ſieeinan -27Von dem Wappen und Wahrzeichen ꝛc. einander in die Haare gerathen, da nun der Staͤrckere den Schwaͤchern unter ſich ge - bracht, haͤtte dieſer Letzte, als er den Erſten wieder uͤberwaͤltiget, nach jenem ſein Fleiſcher - Beil geworfen, und ihm die eine Hand abge - hauen, deſſen eingedenck, waͤre ein ſolches Beil alsdenn in einen Stein eingehauen, an demſelben Ort aufgeſetzet und zum Wahrzei - chen der Stadt gemacht worden.

Das ſiebende Capitel. Von denen Freyheiten und Statu - ten der Stadt.

Sie hat ihre Freyheiten und Privilegien. Vor Alters erſtreckten ſich dieſelben ziemlich weit, welche aber nach und nach immer verringert worden, nachdem die alten Documenten und Schriften durch das oftermahlige Feuer verlohren gegangen. Das Hochloͤbliche Koͤnigliche und Churfuͤrſtliche Amt hat die Ober-Gerichte, die Stadt aber die Unter - und Erb-Gerichte. Wenn ein Miſſethaͤter vom Leben zum Tode gebracht wird, ſo geſchiehet zwar die Jnquiſition in dem Koͤniglichen und Churfuͤrſtlichen Amte, die Execution aber von den Stadt-Gerichten,ja28Das ſiebende Capitel. ja uͤberhaupt geſchehen alle Executionen von einem Loͤblichen Stadt-Gerichte. Die Un - koſten hierzu muß die ſaͤmtliche Landſchaft tragen, die Wachen aber dabey verrichtet die Buͤrgerſchaft. Das Kirchen-Lehn und Jus Patronatus hat die allergnaͤdigſte Herrſchaft, welche alle Kirch - und Schul-Bedienten be - ruft. Der Rath beſtehet aus acht Perſonen, wenn eine Raths-Perſon abgehet, ſo hat die Buͤrgerſchaft die Wahl, die Herrſchaft aber die Confirmation.

Die Stadt und Buͤrgerſchaft hat freyen Bier-Schanck, bis auf eine Meile Weges, die Dorfſchaften aber, ſo uͤber ei - ne Meile Weges liegen, muͤſſen das Bier auf dem Schloſſe nehmen. Auf dem Raths - Keller werden allerhand fremde Weine ver - ſchencket, ingleichen fremdes Bier, jedoch nur im Sommer, wenn in der Stadt wenig Bier vorhanden, weil man zu der Zeit wegen der ſchlechten Keller nicht uͤberhaͤufiges Bier brauen darf. Was aber den Brandwein an - belanget, welcher auf dem Keller, und ſonſt in keinem buͤrgerlichen Hauſe verkauft wird, ſo muß ſolchen der Keller-Wirth auf dem Schloß-Brandwein-Hauſe nehmen. Die in der Stadt liegende Muͤhle, ſo von vier Gaͤngen, einer Loh und Stampfe, gehoͤret der Herrſchaft; jedoch hat die Buͤrgerſchaftdie29Von denen Freyheiten und Statuten ꝛc. die Freyheit, zu mahlen, wo ſie will. Die Buͤrger haben in der ſchwartzen Elſter ihre freye Fiſcherey, mit Netzen, Haamen, Wa - then und andern Fiſchzeuge. Die Buͤrger - ſchaft hat ihre gewiſſe Statuten, welche ih - nen von Herrſchaft zu Herrſchaft confirmiret und beſtaͤtiget werden.

Das achte Capitel. Von denen vornehmſten Gebaͤuden der Stadt.

Nach dem letzt erlittenen groſſen Brande ſind viele ſchoͤne und koſtbare Gebaͤu - de auferbauet worden. Was die vor - nehmſten Gebaͤude anlanget, ſo ſind ſolche:

Das Schloß, ein groſſes, ſchoͤnes und weitlaͤuftiges Gebaͤude. Als im Jahre 1467 die Sechs-Staͤdte mit Jaroslawo von Sternberg, der damahls Verweſer war, ſamt dem Landmann fuͤr Hoyerswerda ein gantzes Jahr weniger acht Wochen lagen, ſo ſchlugen ſie ihr Lager mit Schuͤttgraͤben und Waͤllen vor das Schloß, beſchoſſen und ſtuͤr - meten auf daſſelbe, abſonderlich die von Bau - tzen mit ihren groſſen Buͤchſen, zerſtoͤrten auch endlich das Schloß, welches in etlichenAnna -30Das achte Capitel. Annalibus mit folgenden Worten aufgezeich - net gefunden. Doctor BARTHOLOMÆVS BENSERVS, Canonicus quondam Budiſſi - , ſequentibus denotavit: Ao. C. 1467 in Vigilia divi Matthæi Apoſtoli & Evangeli - ſtæ iſt Hoyerswerda ſamt dem Schloſſe zer - ſtoͤret worden durch die Sechs-Staͤdte in Oberlauſitz und Niederlauſitz, es muſten aber die von Bautzen das Schloß von ihren eige - nen Unkoſten wieder aufbauen. Dieſes im Jahre 1469 von denen von Bautzen aufer - bauete Schloß hat geſtanden hundert und zwantzig Jahr, indem es 1589 den 30ſten Jan. des Nachts durch Verwahrloſung eines Mahlers, welcher benebſt einem Tiſchler die Zimmer verneuren ſollte, abbrannte, in wel - chem Feuer der Tiſchler verfiel, der Mahler aber durch die Flucht entgangen. Jm Jah - re 1592 ließ Jhro Gnaden der Herr Seyfried von Promnitz dieſes abgebrannte Schloß von Grund auf mit Mauer-Werck wieder er - bauen, welches noch ſtehet, und auf hundert und acht und viertzig Jahr alt. Jm Jahre 1727 ließ die Durchlauchtigſte Fuͤrſtin Urſula Ca - tharina, Hertzogin zu Teſchen und des Heili - gen Roͤmiſchen Reichs Fuͤrſtin, hernach ver - wittibte Hertzogin von Wuͤrtenberg, die eine Haͤlfte, als den niedrigen Theil, abtragen, und von Grund auf gleich dem andern eingroſ -31Von denen vornehmſten Gebaͤuden ꝛc. groſſes Gebaͤude aufbauen, durch welch neu Gebaͤude das Schloß um ein ziemliches Theil vergroͤſſert und mit vielen Zimmern vermeh - ret worden. Es iſt das Schloß um und um mit einem tiefen Waſſer-Graben umgeben, uͤber welchen zwey ſteinerne Bruͤcken ge - hen. Dem Graben gegen uͤber um und um ſind ſchoͤne Luſt-Gaͤrten, uͤber dem Schloß - Hofe iſt ein ſchoͤner groſſer Garten, gegen Morgen ein groſſer Teich, ſo im Jahre 1727 aus zwey kleinen Teichen angeleget wurde, uͤber dem Teich iſt das neue Forſt-Haus, ſo 1723 erbauet ward, gegen Mittag ſtehen groſ - ſe Eichen, welche einen ſchoͤnen Proſpect ge - ben. Das Schloß hat ein ſchoͤnes Forwerck, auch gehoͤret darzu die groſſe Schaͤferey zu Neide, ingleichen hat es einen Hammel - Stall zu Zeißholtz. Dienſte muͤſſen dem - ſelben thun Seydewinckel, Naed, Lau - buſch, Zeißig, Broͤthen, Colm, Groß - und Klein-Partwitz. An Winter-Aus - ſaat hat es in allen 189 Scheffel, und Wie - ſe-Wachs erbauet es uͤber 200 Fuder Heu; ferner hat es zwey Weinberge, auf welchen jaͤhrlich einige Faß Wein erbauet werden. Es gehoͤret noch ein ander Forwerck zum Schloſſe, nemlich das Kihnnicht genannt, welches es zum Dienſte hat; Zeißig und Mauckendorf ſaͤet uͤber Winter und Som -mer32Das achte Capitel. mer 70 bis 80 Scheffel, bey welchem For - wercke auch eine ſtarcke Schaͤferey.

Das Amt-Haus, ſolches iſt im Jahre 1702 von dem Hoch-Wohlgebohrnen Herrn, Herrn Wolf Dietrich von Beichlingen, Seiner Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit zu Sachſen Hochbeſtallten Ober-Cantzler und wuͤrcklichen Geheimden Rathe, gleich einem Winckel - maaß erbauet worden. Jn dem unterſten Stock gegen Abend iſt die Amt - und Rent - Stube, in dem oberſten Stockwercke wohnet der Amtmann. Neben dem Amt-Hauſe iſt eine Wieſe, ſo die Bleiche genennet wird, auf welcher die Buͤrger ihre Leinwand blei - chen, das Gras aber bekommt der Stadt - Diener.

Das Waſch-Haus, lieget gleich beym Amt-Hauſe, welches anfangs zu einem Waſch - Hauſe (wovon es auch ſeinen Namen hat) erbauet und gebrauchet worden. Nachdem aber die Herrſchaft von der Buͤrgerſchaft das Brandweinbrennen an ſich gekauft, ſo iſt ſol - ches zu einem Brandwein-Hauſe gemacht wor - den, worinnen der Brandwein gebrannt und verkauft wird.

Das Rathhaus, lieget am Marckte. Jm Jahre 1515 iſt das alte Rathhaus, ſo 66 Jah - re geſtanden, bis in den Grund im Feuerauf -33Von denen vornehmſten Gebaͤuden ꝛc. aufgegangen, es wurde ſolches das folgende Jahr wieder aufgebauet, iſt aber 1571 in dem damahligen groſſen Brande wieder im Feuer aufgegangen. Jm Jahre 1592 wurde ſolches unter dem regierenden Burgermeiſter Paul Stumph von Grund aus neu erbauet; hat aber nicht laͤnger als 87 Jahre geſtanden, in - dem es 1679 abermahls abbrannte. Jm Jahre 1680 iſt das jetzige Rathhaus wieder aufgebauet worden. Unten herum ſind un - terſchiedliche kleine Laden, ſammt der Brod - Banck, die Treppe hoch zur rechten Hand iſt die Accis-Stube, und zur lincken Hand der Raths-Keller. Die andere Treppe hinauf iſt die Raths - und Gerichts-Stube.

Das Burg-Lehn, liegt am Schloß - Thore, iſt ein groſſes ſteinernes Gebaͤude, und hat gewiſſe Freyheiten. Der Beſitzer bekoͤmmt jaͤhrlich von der Herrſchaft gewiſſe Klaftern Holtz, mag fuͤr ſein Haus Bier brauen, ſo viel er will, jedoch darf er keins verkaufen. Sein Vieh muß ihm die Herrſchaft mit dem ihrigen huͤten laſſen, kan Handel und Wan - del treiben, womit er will, hat keine Abgaben, auſſer etwas weniges, ſo er dem Rath jaͤhrlich erlegen muß. Wenn eine neue Herrſchaft kommt, ſo muß er die Lehn bey ihr ſuchen.

Die Apotheke, iſt am Marckte, hat ein Monopolium, welches aber im Jahre 1725Dſehr34Das achte Cap. Von den vorn. Geb. ſehr geſchwaͤchet worden, ſo daß nebſt derſel - ben nunmehro etliche Materialiſten ſind, wel - che vorhero nicht da geweſen.

Das Schieß-Haus, lieget vor dem Senf - tenberger Thore in dem Stadt-Graben, und iſt im Jahre 1703 auf Erlaubniß des Herrn Cantzlers Graf Beichlingen erbauet worden, welcher das Holtz darzu ſchenckte, nebſt einer Fahne und hundert und funfzig Flinten. Die Schuͤtzen-Bruͤder haben ihre gewiſſe Ge - ſetze, und jaͤhrlich die Mittwoche nach Pfing - ſten ihr Scheibenſchieſſen.

Das Hoſpital, iſt vor dem Wittgenauer Thore am GOttes-Acker. Das alte Gebaͤu - de, ſo lange Zeit geſtanden, brannte 1723 den 11ten May am heiligen Pfingſt-Abend ab, das jetzige neue Gebaͤude wurde das andere Jahr darauf erbauet. Es werden darinnen eine ge - wiſſe Zahl arme und betagte Leute aufge - nommen und verpfleget. Auch wohnet in demſelben der Todten-Graͤber.

Das35

Das neunte Capitel. Von denen Herrſchaften und Eigen - thums-Herren.

Alle alte Documenten und Nachrich - ten zeigen, wie die Eigenthums-Her - ren dieſer Standes-Herrſchaft in der Ordnung nachfolgende geweſen.

Jm Jahre 1003, oder wie einige wollen, 1004, haben die Herren von Duba, ſo von dem Howoran oder Hoboran, des Boͤhmi - ſchen Fuͤrſten Jaromir Jaͤger-Meiſter, her - ſtammen, und von dem Kayſer Heinrich zu Regensburg in den Freyherrlichen Stand er - hoben worden,(*)Siehe das erſte Capitel, von dem Namen und Erbauung der Stadt. ſucceſſive bis um das 1111te Jahr regiret.

Denenſelben folgte im Jahre 1112 Graf Hoyer von Mannsfeld. Von dieſem an hat man weiter nirgends ſichere und gewiſſe Nach - richt. Herr Suͤhnel 1 C. Lit. A 3 b. meinet zwar, daß auf den Grafen Hoyer von Manns - feld die Herrſchaft in Beſitz gehabt Graf Johannes zu Schwartzenburg, und GrafD 2Guͤn -36Das neunte Capitel. Guͤnther zu Schwartzenburg; allein ich finde in denen alten Nachrichten nichts hier - von, ob ich mir gleich groſſe Muͤhe gegeben, die Wahrheit hiervon zu ſchreiben.

Jm Jahre 1300 kaufte Kayſer Carl der vierte als Koͤnig in Boͤheim die Stadt nebſt noch andern Staͤdten des Marggrafthums Oberlauſitz, und vereinigte ſie mit der Cron Boͤheim, wie ſolches aus einem alten Briefe zu erſehen, Datum Weißwaſſer, nach Chriſti Geburth im dreyzehenhunderten Jahre, am naͤchſten Donnerſtage vor St. Martini-Ta - ge. Nach der Zeit iſt die Herrſchaft wieder an die Herren von der Duba verkauft worden, und haben im Jahre 1360 regieret drey Her - ren Bruͤder, als Friedrich, Ernſt, und Jan, Herren von der Duba, welche dem Pfar - rer zu Colm und allen ſeinen Nachkommen das Privilegium, Holtz in der Herrſchaft Hei - de zu hauen, benebſt noch anderen Freyheiten ertheilet. Dieſe drey Herren Bruͤder haben die Herrſchaft 22 Jahre in Beſitz gehabt.

Jhnen folgete 1382 Herr Benſche von der Duba der aͤltere, und regierte 18 Jah - re. Nach ſeinem Tode kam im Jahre 1400 ſein juͤngerer Herr Bruder, Herr Benſche von der Duba, und regierete zwey und zwantzig Jahre. Er ſtarb ohne Erben, da - hero verfiel die Herrſchaft an Jhro Roͤmiſch -Kay -37Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. Kayſerliche Majeſtaͤt Sigmunden, 1423 aber uͤberließ Jhro Kayſerliche Majeſtaͤt ſolche denen beyden Herren Bruͤdern, Herrn Hein - richen und Guͤnthern von der Duba, ſo des Herrn Benſche von der Duba Vetter wa - ren, ſie regierten neunzehen Jahre. Jhnen folgte im Jahre 1442 Guͤnther Bircke, Herr von der Duba, und regierete ſechs Jahre. Er verkaufte ſolche 1448 Jhro Churfuͤrſtlichen Durchlaucht Hertzog Friedrichen zu Sach - ſen, des Heil. Roͤmiſchen Reichs Erb-Mar - ſchallen, Land-Grafen zu Thuͤringen, und Marggrafen zu Meiſſen. Jhro Churfuͤrſtli - che Durchlauchtigkeit erzeigten ſich waͤhrender Regierung gegen hieſige Buͤrger und Ein - wohner ſehr gnaͤdig. Denn als die Stadt im Jahre 1449 am Tage St. Laurentii gantz abbrannte, und in ſolchem Feuer, nebſt denen Wohn-Gebaͤuden, Pferde, Rinder und an - der Vieh, wie auch das Getreyde faſt alles verlohren gieng, ſo erlieſſen ſie denen Abge - brannten, damit ſie ſich inzwiſchen wieder er - holen moͤchten, dero Geſchoß, Renten und Zinſen auf ſechs Jahre. Es hatten aber Jh - ro Churfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit dieſe Herr - ſchaft nicht laͤnger als dreyzehen Jahre in Be - ſitz, denn weil die Herrſchaft Jhro Churfuͤrſt - lichen Durchlauchtigkeit theils von Altenburg, allwo ſie ihre Reſidentz hatten, entlegen,D 3theils38Das neunte Capitel. theils auch weil Jhro Churfuͤrſtliche Durch - lauchtigkeit in Anſehung der Herrſchaft des Koͤniges in Boͤheim Vaſall zu ſeyn nicht an - ſtunde, ſo verkauften ſie ſolche im Jahre 1461 Friedrichen, Herrn von Schumburgk, wel - cher zehen Jahre regierete. Unter deſſen Regie - rung zogen die ſechs Staͤdte mit Jaroslawo von Sternbergk ſammt dem Landmann vor hieſige Stadt, und lagen ein gantzes Jahr weniger acht Wochen davor, zerſtoͤre - ten auch die Stadt und das Schloß. Nach ihm kam 1471 Jaroslaw, Herr von Stern - bergk, des Maggrafthums Lauſitz Land - Voigt, und regierete funfzehen Jahre. Jhm ſuccedirte 1486 Herr George von Stayn, Herr zu Zaſſen, Koͤnigs Matthiaͤ zu Bayern (Hungern) und Boͤheim Anwald und Statt - halter in Nieder-Schleſien, Hauptmann der Fuͤrſtenthuͤmer Schweinitz und Jauer, in Ober - und Nieder-Lauſitz Land-Voigt, und regierete ſechs Jahre, nach welchen er die Herrſchaft im Jahre 1492 an die drey Her - ren Bruͤder, Wilhelm, Jan Wentzel und Ernſt von Schumburgk verkaufte. Wil - helm von Schumburgk ſtarb 1514 den 25ſten Julii, und hinterließ drey Herren Soͤh - ne. Jan Wentzel von Schumburgk geſe - gnete das Zeitliche 1525 den 8ten December, und Ernſt von Schumburgk wurde in einande -39Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. anderes Leben verſetzet 1531 den 14ten April. Dieſe drey Herren von Schumburgk regie - reten neun und dreyßig Jahre. Weil die beyden letztern unverheyrathet mit Tode ab - gingen, ſo bekamen die Herrſchaft 1532 die drey Herren Bruͤder, Jan, Joachim Frie - drich und Wilhelm von Schumburgk, als des vorgedachten Herrn Wilhelm von Schumburgk Soͤhne, und beſaſſen die Herr - ſchaft fuͤnf und dreyßig Jahre. Unter ihrer Regierung iſt allhier im Jahre 1540 am Feſte St. Johannis des Taͤufers das Exercitium Religionis, nach Jnnhalt der Augsburgiſchen Confeßion, durch GOttes Gnade ans Licht gekommen. Der erſte Evangeliſche Prediger war Baſilius Laurentius. Der aͤlteſte, Jan von Schumburgk, ſtarb 1554 den 14ten December, und ſeine Gemahlin, Frau Brigitta von Schumburgkin, gebohrne Schleinitzin, geſegnete die Welt 1556 den 9ten October. Der juͤngere, Wilhelm von Schumburgk, ging mit Tode ab 1567 den 19ten May, deſſen Epitaphium iſt in der Kir - chen vor dem Altare zu ſehen. Seine hinter - laſſene Wittwe, Frau Maria, gebohrne Ganſin von Puttlitz, beſaß nach ſeinem Tode die Herrſchaft fuͤnf Jahre. Nach ih - rem Abſterben aber wurde ſie von dem Schum - burgiſchen Stamme verkauft, nemlich 1571D 4an40Das neunte Capitel. an den Herrn Heinrich von Maltitz, wei - land zu Dippoldiswalda, regierete aber nur ein Jahr, indem er das folgende Jahr 1572 den 13ten Auguſt den Weg alles Fleiſches ging. Deſſen Leichnam wurde in die Kirche vor den hohen Altar begraben. Er hinterließ drey Herren Soͤhne, welche auch nach ihres ſeligen Herrn Vaters Tode die Regierung be - kommen. Als im Jahre 1572 der aͤlteſte, Sigmund, der andere, Hanns Chriſtoph, und der juͤngſte, Albertus Magnus. Sie beſaſſen die Herrſchaft zehen Jahre. Jn waͤh - render ihrer Regierung wurde dem Rath und der Gemeine wegen der Religion und Gerech - tigkeiten zugeſetzet. Es ward aber durch al - lergnaͤdigſten Entſcheid und Urtheil Jhro Kayſerlichen Majeſtaͤt Rudolphs des an - dern der Rath und Gemeine bey ihren Pri - vilegien und Statuten geſchuͤtzet und gehand - habet, ſub dato Prage den 14ten Maͤrtz 1580. Weil nun alſo die Herren von Maltitz ih - ren Endzweck nicht erreichen konnten, ſo ver - kauften ſie aus Verdruß die Herrſchaft im Jahre 1582 an den Wohlgebohrnen Herrn Seyfried von Promnitz, Freyherrn zu Pleß, auf Sorau, Triebel ꝛc. Jhro Roͤmiſch - Kayſerlichen Majeſtaͤt Rath, und der Saga - niſchen Fuͤrſtenthuͤmer Pfandes-Herrn. Er ſtarb im Jahre 1597 den 7den Maͤrtz, nach -dem41Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. dem er funfzehen Jahre regieret. Dieſer Herr von Promnitz verehlichte ſich zweymahl, als das erſtemahl mit Frau Urſula, gebohrner Gotzſchin von Neuhauſe und Hertings - walda, nach deren Abſterben das andere mahl mit Frau Benigna Hoffkin, gebohr - ner Freyin von Lobkowitz auf Lumnitz, Ci - ſternitz ꝛc. Ob gleich dieſer Herr nicht allzu - lang die Regierung hatte, ſo hat er deſſen ohngeachtet viel gutes in dieſer Herrſchaft ge - ſtiftet. Er machte zwiſchen der Kirchen zu Colm und deren Filiale Taͤtzſchwitz einen Vergleich. Er bauete zu Taͤtzſchwitz eine neue Kirche. Jm Jahre 1593 hat er einige Streitigkeiten unter denen Geiſtlichen in der Stadt gehoben und eine gewiſſe Ordnung aufgeſetzet. Der Stadt hat er gewiſſe Sta - tuten und Rechte ertheilet, und andere loͤbli - che Sachen mehr geſtiftet. Nach deſſen Ab - leben kam die Herrſchaft in Bruͤderliche Thei - lung, und nahm ſolche im Jahre 1598 an deſſen Herr Sohn, Herr Seyfried von Promnitz, regierete aber nur ein Jahr. Denn nachdem er in den Niederlaͤndiſchen und Un - gariſchen Krieg als Obriſter gezogen, wo er ſich auch ritterlich gehalten und gluͤcklich wie - der nach Hauſe gekommen, hat er nach lang - wieriger Rechtfertigung die Herrſchaft Pleſſe bekommen, und iſt auch daſelbſt geſtorben. D 5Ehe42Das neunte Capitel. Ehe er aber noch in obengedachten Krieg ging, hat er dieſe Herrſchaft 1599 an dero Herrn Bruder, Herrn Weichart von Promnitz, derer Herren Fuͤrſten und Staͤdten in Sileſien Kriegs-Rath und Obriſten, uͤbergeben, wel - cher ſich mit der Wohlgebohrnen Fraͤulein Polixena, gebohrner Picklerin, vermaͤhlet. Der Einzug und hochzeitliches Ehren-Feſt ge - ſchahe hier zu Hoyerswerda. Er regierete ſechszehen Jahre. Er war ein groſſer Prie - ſter-Freund, den Colmiſchen Pfarrer hat er bey ſeinen habenden Freyheiten geſchuͤtzet, deſ - ſen Privilegien confirmiret, und noch uͤber - diß mit andern begnadiget. Nachdem er mit ſeiner Gemahlin die Herrſchaft Falkenberg bekam, verkaufte er die hieſige Herrſchaft im Jahre 1615 dem Wohlgebohrnen Herrn Sey - fried von Kittlitz zur Maltwitz, Eiſenberg, und Contendorf, Herrn auf Spremberg; weil er aber ſie nicht bezahlen konte, hatte er die Herrſchaft nicht laͤnger als fuͤnf Jahre, und verkaufte ſolche 1620 dem Wohlgebohrnen Herrn Rudolph von Ponickau, auf Baſelitz, Hennersdorf ꝛc. welcher ſich mit der Wohlge - bohrnen Fraͤulein, Catharina Margaretha, gebohrner Schoͤnbergin auf Reichenau, ver - ehelichte. Die Hochzeit wurde zu Camentz vollzogen. Er ſtarb 1649 den 2 September. Deſſen Leichnam lieget in der Kirche vor demhohen43Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. hohen Altar begraben, und regierete alſo ſie - ben und zwantzig Jahre. Nach ſeinem Tode wurde ſeiner Schweſter Soͤhnen, denen Her - ren von Einſiedel, gewiſſer Anforderung halben, das Forwerck Cortitz, benebſt denen Dorfſchaften, Geyerswalda, Laubuſch, Taͤtzſchwitz, Hoſen und Leippe, an ſtatt der Jntereſſe eingeraͤumet. Er hat denen Herren Geiſtlichen in der Herrſchaft viel gutes erwie - ſen, unter andern im Jahre 1646 dem Pfar - rer zu Saͤrchen jaͤhrlich zehen Staͤmme Holtz vermacht, welches Privilegium hernach 1648 von dero hinterlaſſenen Herren Soͤhnen auf zwantzig vermehret worden. Jngleichen hat er der Großpartwiſchen Kirche unterſchiedli - che Privilegien gegeben. Nach deſſen Able - ben hat 1648 dero Herr Sohn, der Wohl - gebohrne Herr George Rudolph von Po - nickau, die Herrſchaft geerbet. Die Huldi - gung geſchahe gedachten Jahres den 13 Maͤrtz, er lebete aber darauf nicht lange, ſondern ſtarb, nachdem er ein Jahr und ſechs Monate re - gieret. Er confirmirte der Stadt ihre alten Statuten. Deſſen Leichnam lieget vor dem hohen Altar. Der Leichen-Stein, ſo ihm zu Ehren und Andencken aufgerichtet worden, ſtehet an dem Pfeiler gegen dem Altar zur rechten Hand, und lieſet man auf ſelbigem folgendes Epitaphium:

Anno44Das neunte Capitel.

Anno 1649 den 1 Julii ſtarb in GOtt ſelig der Hochedelgebohrne Herr Geor - ge Rudolph von Ponickau, Erb - und Lehns-Herr auf der Herrſchaft Hoyers - werda, welcher gebohren Anno 1673(*)Hier iſt ein Verſehen von dem Bildhauer, und ſoll heiſſen 1573. den 17 September, ſeines Alters 76 Jahr.

Johann 3. v. 14. 15.

Wie Moſes in der Wuͤſten eine Schlange ꝛc.

Nach deſſen ſeligen Abſterben bekamen(**)Der Herr George Rudolph von Ponickau war ein ſehr frommer und Chriſtlicher Herr. Man hat von ihm nachfolgende Manuſcripte, die er mit ſeiner eigenen Hand geſchrieben: 1) Ein Geſang-Buch und einige Pſalmen; 2) allerhand Troſt-Spruͤche und derſelben exe - getiſche Erklaͤrung; 3) die vornehmſten Haupt - Lehren der Chriſtlichen Lehre; 4) zween Tra - ctate, deren der eine handelt von der Trun - ckenheit, Geitz und Unverſoͤhnlichkeit; 5) aller - hand Theologiſche Sachen; 6) Gebet-Buͤch - lein; 7) Gebet-Buͤchlein bey allerhand Wi - derwaͤrtigkeiten; 8) Summariſcher Bericht von denen Chriſtlichen Haupt-Lehren nebſt einigen Gebeten; 9) Appendix von der Recht - fertigung; 10) Erinnerung des Troſt-Spru -ches im Jahre 1649 die Herrſchaft ſeine hin -ter -45Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. terlaſſenen zwey Herren Soͤhne, als der Hoch - gebohrne Herr Hanns Chriſtoph von Po - nickau, und Herr Carl von Ponickau. Sie regiereten zuſammen drey Jahre. Jnwaͤh -(**)ches Joh. 1, 7; 11) Tractat, gute Wercke be - ſtehen nicht vor GOttes Gerichte; 12) aller - hand Troſt-Spruͤche und Gebete; 13) aller - hand ſchoͤne Lehren; 14) Morgen - und Abend - Segen; 15) allerhand Troſt-Lehren; 16) al - lerhand Theologiſche Materien; 17) derglei - chen; 18) dergleichen; 19) Auszug von Luthe - ri Schriften. Seinen Lebens-Lauf hat er ſelbſt folgendermaſſen aufgeſetzet: Anno 1573 Donnerſtag nach Creutz-Erhoͤhung, den 17den September Nachmittags zwiſchen 5 und 6 Uhr im Zeichen des Zwillings bin ich George Ru - dolph von Ponickau auf dieſe Welt gekom - men. Mein Vater iſt geweſen Rudolph von Ponickau, in meiner Jugend bin ich daheime zu beten gehalten worden, als ich in das 5 oder 6te Jahr kommen, bin ich von meinem Praͤce - ptore unterrichtet worden in dem Catechiſmo Lutheri, wie auch im Leſen und Schreiben. Als ich zu mehreren Jahren kam, bin ich unterwie - ſen worden, Argumenta aus dem Deutſchen in die lateiniſche Sprache zu uͤberſetzen. Nach - mahls im 11ten Jahre meines Alters bin ich in die Schule nach Zittau und Goͤrlitz verſchicket worden von meinen Vormuͤndern, als Herrnvon46Das neunte Capitel. waͤhrender ihrer Regierung wurde der Pfarr - herr zu Colm nicht allein in ſeinen Freyheiten geſchuͤtzet, ſondern auch noch uͤberdiß ihm ſolche vermehret. Jm Jahre 1651 verkauftendieſe(**)von Schleinitz und Herrn Ernſt von Rechenberg auf Croſſau, hernach habe ich mein Erbtheil, als das Gut Neſchwitz, ſo mir durchs Looß zukommen, annehmen muͤſſen, indem ich da - mahls meines Alters im 17den Jahre, wiewohl ich lieber in meinem Studio verblieben waͤre, hat aber damahls aus erheblichen Urſachen nicht ſeyn wollen. Jm 22ſten Jahre meines Al - ters habe ich mich verehelichet mit Jungfer An - nen Marien von Noſtitz. Jhr Herr Vater iſt geweſen Hanns Nickel von Noſtitz, Roͤm. Kayſ. Maj. Cammer-Rath. Und nachdem ich 6 Jahre mit meiner erſten im Eheſtande gelebet, habe ich durch GOttes Segen mit ihr gezeuget 3 Soͤhne. Nach meinem Witt - wer-Stande habe ich mich wiederum nach GOttes Willen verehelichet mit Frauen An - nen ---- hinterlaſſenen Wittwen, und ha - be mit ihr 26 Jahre im Eheſtande gelebet und durch GOttes Segen mit ihr gezeuget zwey Soͤhne und eine Tochter. Der Text bey mei - ner Sepultur ſoll ſeyn Joh. 3. v. 14. 15. 16. Man hat auch von ihm eine ſchriftliche Auf - zeichnung, wie er ſeine Kinder aufziehen und unterrichten laſſen, und ihnen ſonderlich anbe -fohlen,47Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. dieſe beyde Herren von Ponickau die Herrſchaft an Jhro Durchlauchtigkeit, Herrn, Herrn Jo - hann George den erſten, Churfuͤrſten zu Sachſen ꝛc. Die Huldigung geſchahe den 30ſten Junii auf dem Schloſſe in der groſſen Hof-Stube von einem Edlen Rath und ſaͤmmtlicher Buͤrgerſchaft, von den Dorf - ſchaften aber im Schloß-Hofe. Unter Jhro Durchlauchtigkeit Regierung wurde das For - werck Zerre als ein Pfand-Schilling wegge - geben an den Herrn Ferdinand von Zaͤch, welcher der Cammer eine Tonne Goldes vor - ſtreckte. Jhro Durchlauchtigkeit regiereten neun Jahre. Jhnen folgete 1660 Jhro Durchlauchtigkeit, Herr, Herr Johann Geor - ge der andere, Churfuͤrſt zu Sachſen ꝛc. Die Erbhuldigung geſchahe den 9ten Julii. Un -ter(**)fohlen, Lutheri Catechiſmum auswendig zu lernen und ihn hoch halten. Ferner, Unterrich - te, wie die Catholiſchen zu bekehren und zur Evangeliſchen Religion zu bringen. Jnglei - chen wie ſich Obrigkeiten gegen ihre Untertha - nen zu verhalten haben, und viele andere ſchoͤne geſchriebene Sachen, welche verdienen, in eine richtige Ordnung gebracht zu werden. Er war ein groſſer Prieſter-Freund, und hat eigenhaͤn - dig aufgezeichnet, wie er fuͤr Kirchen und Un - terhalt der Prieſter und Schul-Bedienten groſ - ſe Sorge getragen.48Das neunte Capitel. ter Dero Hochloͤblichen Regierung wurde die uralte Kirchen-Ordnung erneuret, und der Streit zwiſchen dem Primario, Archi-Dia - cono und Sub-Diacono durch gewiſſe Com - miſſarien beygeleget. Jm Jahre 1662 wur - de die Herrſchaft als ein Pfand-Schilling dem Herrn Leopold Wilhelm, Marggrafen zu Baaden, eingeraͤumet, indem er der Cam - mer eine Tonne Goldes vorgeſtrecket, genoß auch den Uſum fructum bis Bartholomaͤi 1669, da ſie wieder von Jhro Churfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit, Herrn, Herrn Johann George dem andern, eingeloͤſet, und Jhro Chur-Printzl. Herrn, Herrn Johann Geor - ge dem dritten, erblich gegeben worden. Die Erbhuldigung an Jhro Chur-Printzl. geſchahe 1670, und ward zum Amtmanne beſtellet Herr Hanns Dietrich von Schlei - nitz auf Tſchacken. Unter deſſen Regierung wurde, was die Herren Commiſſarii unter der glorwuͤrdigſten Regierung Herrn Johann George des andern zwiſchen denen Geiſtli - chen 1668 geordnet, confirmiret und beſtaͤti - get. Jm Jahre 1692 bekam die Herrſchaft Jhro Churfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit, Herr, Herr Johann George der vierte. Die Huldigung geſchahe den 16den December fol - gender Geſtalt: Ein Edler Rath gieng fruͤh um acht Uhr, als zur Huldigungs-Predigteinge -49Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. eingelaͤutet ward, vom Rathhauſe auf das Schloß, warteten allda vor dem Gemach des Herrn Ober-Commiſſarii, Herrn Ernſt Frie - drichs von Doͤhlau, bis ſeine Hochadeliche Excellenz ſich zu Wagen ſetzte, da denn ein Edler Rath dieſelbe zur Kirche begleitet. Jn der Haupt-Kirchen ward geſungen: Jch heb mein Augen ſehnlich auf ꝛc. Kyrie eleiſon. Vor dem Altare ward abgeleſen der 20ſte Pſalm, alsdenn geſungen: Du Friede-Fuͤrſt, HErr JEſu Chriſt ꝛc. darauf muſiciret, da die Muſic zu Ende, gieng das Volck in die teutſche Kirche, woſelbſt M. Samuel Marti - ni, Ober-Pfarrer, die Huldigungs-Predigt hielt, der Text war 2 Sam. 5, 1-5. Vor der Predigt ward geſungen: Nun lob mein Seel den HErren. Der Glaube ꝛc. Es woll uns GOtt genaͤdig ſeyn. Nach der Predigt: Erhalt uns, HErr, bey deinem Wort ꝛc. Nun hilf uns, HErr, den Die - nern dein ꝛc. Nachdem der gantze Gottesdienſt zu Ende, gieng ein Edler Rath vor der Caroſſe des Herrn Commiſſarii wieder aufs Schloß. Nachgehends kamen die Herren Geiſtlichen und ſaͤmmtliche Buͤrgerſchaft auch dahin. Ein Edler Rath, Aelteſten, Viertels-Meiſter, Ausſchuß und Zechmeiſter leiſteten das Ho - magium in dem Tafel-Gemache. Die Geiſt - lichen und Beamten gaben den Handſchlag,Edie50Das neunte Capitel. die Buͤrger aber ſchwuren in dem inneren Schloß-Platze, und die Bauern in dem aͤuſſer - ſten Schloß-Platze.

Jm Jahre 1694 im Monath September bekam die Herrſchaft Jhro Churfuͤrſtl. Durchl. Herr, Herr Friederich Auguſt, Churfuͤrſt zu Sachſen ꝛc. Die Huldigung geſchahe den 30ſten December eben auf ſolche Weiſe, wie bey Jhro Churfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit, Herrn, Herrn Johann George dem vierten.

Jm Jahre 1700 den 19den April verkaufte Jhro Churfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit Frie - derich Auguſt die Herrſchaft an den Hoch - wohlgebohrnen Herrn Wolf Dietrich von Beichlingen, Seiner Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtlichen Durchlauch - tigkeit zu Sachſen Hochbeſtallten Oberſten Cantzler, und wuͤrcklichen Geheimden Rath, fuͤr drittehalb Tonnen Goldes. Bey der Huldigung that M. Samuel Martini, O - ber-Pfarrherr, die teutſche, und Johann Klien, Subdiaconus, die wendiſche Predigt, worauf alle Geiſtlichen dem Commiſſario den Handſchlag geben muͤſſen. Den 5ten Octo - ber kam der Hochwohlgebohrne Herr Wolf Dietrich von Beichling das erſtemahl hier an, und ordnete unterſchiedliche Sachen an, ſon - derlich im Forſt-Weſen, ſetzte einen Ober - Foͤrſter ein, gab dem Colmiſchen Pfarrer jaͤhr -lich51Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. lich dreyßig Klaftern Brenn-Holtz an ſtatt der freyen Axt, und andere mehr.

Jm Jahre 1703 den 22ſten Maͤrtz wurde die Herrſchaft von Hochgedachten Herrn von Beichlingen um ein gewiſſes Geld dem Chur - fuͤrſten von Hannover verſetzet, und von Koͤ - niglichen Commiſſarien an einen Hannoveri - ſchen Abgeordneten, Namens Rex, uͤbergeben, der alsdenn als Poſſeſſionarius und Adminiſtra - tor hier wohnete, welchem auch die Stadt, ein Edler Rath, Pachtleute, Richters auf denen Doͤrfern und alle Forſt-Bedienten den Handſchlag geben muͤſſen. Es wurde aber bald darauf, nemlich den 11ten April, Hochge - dachter Herr Wolf Dietrich von Beichling auf allergnaͤdigſten Befehl Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit zu Sachſen, Herrn, Herrn Friederich Auguſts, in Thoren, nebſt ſeinen zween Bruͤdern, deren der eine Ober-Falcke - nier und der andere Oberſter Poſt-Meiſter, in Arreſt genommen, nach Sachſen durch Hoy - erswerda gefuͤhret und nach Koͤnigſtein ge - bracht. (*)Es ward Hochgedachter Herr von Beich - ling im Jahre 1702 zum Reichs-Grafen de - clariret, und ſolches den 13den April gedachten Jahres auf allen Cantzeln in der gantzen Herr -ſchaftHierauf kam ein Koͤniglicher Be -E 2fehl52Das neunte Capitel. fehl aus dem Ober-Amte Budißin, daß dasoͤffent -(*)ſchaft publiciret und abgeleſen. Als er auf - dem Koͤnigſtein ſaß, kam folgende Jnſcription an den Tag, welche jedoch durch oͤfteres Ab - ſchreiben (ob gleich manches verbeſſert) ſehr vitioͤs erſcheinet. Caſtri Kœnigſteinii Sermo ad prætereuntes. Surſum oculos Viator & ſupinata cervice præcelſum me lapidem ſu - ſpice Regius ſum magna & inexpectata tibi nuncio Scilicet de magni Regiique Miniſtri feriſſimo fato maxime Regis ſeveriſſima affata audi expaveſce tace Ira Regis eſt veluti rugitus catuli Leonis. Prov. XIX, 12. Tecum tamen perpende bina nunc ſeculorum primordia Cancellariis Electoral. Saxon. infauſtiſſima per me extitiſſe alteri olim ex civili ordine adeoque ſi comparas parvo nihilo tamen minus ad illud ſupremum erudi - torum ſolſtitium emerſo Doct. Nicolao Crellio altero nunc magno & fere illuſtria di -53Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. oͤffentliche Kirchen-Gebet fuͤr den Herrn Gra -E 3fen(*)a dignitate equeſtri ad ipſum Cœli zodiacum elevato certe ad ſolis noſtri latus evecto Wolf. Dieter. Comite a Beichling Hic Majeſtatis ſine exemplo comitis comes individuus factus ſtupendum nunc læſæ exemplum redditus toties ſemper excellente excellentior factus ut re & nomine magnus audiret Imo majora de ipſo adhuc expectaſſemus niſi tandem ad noſtra cacumina detendiſſet tunc enim cum penitus ad cœlum attolli vide - retur ſubito in præceps labitur ruit dum aſcendit O inquam infelicem Comitem, qui tali comi - tatu me accedit infeliciorem Cancellarium cui tanta Regis gratia cancellata videtur O infeliciſſimum tandem inter infortunii comites non tam illum quam ſe deplorantes eidem autem vel inter lacrymas ſuccenſentes per anguſta ad auguſta deſperantium ire dicimus Sed quænam cauſa tantæ cataſtrophes quæris Paris ſum non audio quæ dicuntur quæ inſcribuntur refero non video quæ intra me geruntur Tu autem hæc non ſine horrore lege&54Das neunte Capitel. fen von Beichlingen und deſſen Angehoͤrigenſollten(*)& nimium percontari dediſce Scilicet arcana Regis celare bonum, Tob. XII, 7. ſed opera Dei declarare præclarum Interim ſi non dirior me ipſe es mecum ſedes ſupplica Parce Rex Maxime ubi juſtitia non reclamat miſerere ubi miſericordia locum habere poterit obliviſcere quæ injuriarum memoriam non ex - poſcunt reminiſcere ubi ſontes forſan etiam aliquid bo - ni egerunt tandem & precanti talia ignoſce Rex Indulgentiſſime nimirum tam horrendæ viciſſitudinis cauſas ignorantes extemplo odiſſe haud potui quem Magnus Saxo fidum elegerat Achatem Major Rex habuit Comitem abſente quippe ſole ſtellas venerari æquum eſt primum magnitudinis autem propemodum adorare Tu autem Rex Optime quem Auguſtiſſimum orbis declarat Invictiſſimum hoſtes experiuntur Sapientiſſimum Patria Juſtiſſimum mali Clementiſſimum pii Munificentiſſimum fideles ſacDei55Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. ſollten unterlaſſen werden. Die Urſache, warum er in Arreſt gekommen, wuſte ei - gentlich niemand. (*)Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt haben den Herrn Grafen nach der Zeit nicht nur aus dem Ar - reſt wieder auf freyen Fuß geſtellet, ſondern auch in alle Chargen und Ehren-Aemter ſetzen wollen, der Herr Graf aber hat ſolche nicht angenommen, ſondern ſich auf ſeine Guͤter begeben, wo er in die zwanzig Jahre ſein Leben in Ruhe und Friede zugebracht und beſchloſ - ſen.

Nachdem nun hierauf die Herrſchaft an Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit zu Sachſen, Herrn Friedrich Auguſten, fiel, ſo uͤberga - ben Sie ſolche 1705 den 17den Februarii der Durchlauchtigſten Fuͤrſtin und Frauen Ur - ſula Catharina, Hertzogin zu Teſchen (nun -E 4mehro(*)Dei gratia qui eluces Tua ut inſontes protegantur. Abi nunc Viator ac diſce longe patiorem viam eſſe de hinc Marienbur - gum quam inde ad me tutius iter ad Regem Saxonum quam ad regium ſaxorum. Vale! 56Das neunte Capitel. mehro verwittibter Hertzogin von Wuͤrten berg) des Heiligen Roͤmiſchen Reichs Fuͤrſtin, Pfandes-weiſe, weil ſie Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt 250000 Reichs-Thaler darauf ge - lehnet, wobey ſich aber Jhro Koͤnigliche Ma - jeſtaͤt die Kirchen-Sachen, Forſt-Weſen, das Forwerck Saͤrchen und das Gut Alt-Berns - dorf ausgezogen. Jhro Durchlauchtigkeit kamen den 10den April unvermuthet hier an, und wurden den 17den dieſes Monats von Jh - ro Koͤniglichen Majeſtaͤt beſuchet, Jhro Koͤ - nigliche Majeſtaͤt aber fuhren den Morgen dar - auf wieder nach Dresden. Den 20ſten Ju - lii bekamen Jhro Durchlauchtigkeit die Herr - ſchaft erb - und eigenthuͤmlich, und wurde Jh - ro Durchlauchtigkeit ſolche durch Koͤnigliche Commiſſarien uͤbergeben und gehuldiget. Die Commiſſarien waren: Herr von Gersdorf auf Braune, Koͤniglicher und Churfuͤrſtlicher Land-Jaͤger-Meiſter, Herr Doctor Nicolai, Koͤniglicher und Churfuͤrſtlicher Appellations - Rath, Herr Gentſch, Steuer-Caßirer. Dem Miniſterio ward dabey angedeutet, weil Jhro Durchlauchtigkeit Paͤbſtlicher Religion, ſo haͤtten Sie dieſe gegenwaͤrtige Jhro Herren Commiſſarien verordnet, daß ſie die Miniſte - rial-Sachen adminiſtriren ſollen. Jhro Durchlauchtigkeit haben zwey und dreyßig Jahre mit groſſen Ruhm regieret, und ſichgegen57Von denen Herrſchaften und Eigenth. ꝛc. gegen Dero Unterthanen allezeit ſehr gnaͤdig und mildreich erwieſen, daß Dero Gedaͤchtniß allhier ſo bald nicht verloͤſchen wird.

Jm Jahre 1737 verkauften Jhro Durch - lauchtigkeit die Herrſchaft fuͤr 250000 Reichs - Thaler Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Churfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit zu Sachſen, Herrn, Herrn Friedrich Augu - ſten. Die Huldigung geſchahe den 13den Auguſt auf ſolche Weiſe, wie es bey Jhro Majeſtaͤt Vorfahren geſchehen. Die Herren Commiſſarien waren: Der Hochwohlgebohr - ne Herr Otto Friedrich von Zanthier, Sr. Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Chur - fuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit zu Sachſen Hochbeſtallter Cammer - und Berg-Rath, wie auch Creiß-Hauptmann des Ertzgebuͤrges, der Hochwohlgebohrne Herr von Spor, Sr. Koͤniglichen Majeſtaͤt in Pohlen und Chur - fuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit zu Sachſen Ap - pellations-Rath, Herr Langbein, Amtmann zu Radeberg. Die teutſche Huldigungs-Pre - digt hielt M. Kauderbach, Archi-Diaconus, und die wendiſche, M. Michael Frentzel, Sub-Diaconus. Der Allerhoͤchſte laſſe Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt und Churfuͤrſtl. Durch - lauchtigkeit zu Sachſen ſamt Dero Koͤniglichen Gemahlin und ſaͤmtlichen hohen Familie es nie - mahls an irgend einem Guten mangeln, erE 5uͤber -58Das zehende Capitel. uͤberfuͤlle Sie mit dem Maaſſe ſeiner Gnaden und Guͤte, er croͤne Sie mit langen Leben und ſteten hohen Wohlergehen, und ſetze Sie zu immerwaͤhrenden Segen, damit Dero treue Unterthanen in Ruhe und Friede unter Jh - nen leben moͤgen.

Das zehende Capitel. Von denen Herren Geiſtlichen und Schul-Bedienten, wie auch Bi - bliothec.

Ein Ehrwuͤrdiges Miniſterium beſtehet aus einem Paſtore Primario, Archi - Diacono und Sub-Diacono. Der Pa - ſtor Primarius, ſo ehedeſſen nur Pfarrer ge - nennet wurde, (wie denn auch das Primariat ſchlechtweg die Pfarre genennet wird) fuͤh - ret anbey den Titel Inſpector, welchen Titel ſich zuallererſt Matthaͤus Lehmann der juͤngere angemaſſet. Dieſer iſt der erſte ge - weſen, ſo ſich Paſtor Primarius & Inſpector geſchrieben, nach ſeinem eigenen Gefallen und wider ſeine Vocation, indem in derſelbigen nur Paſtor Primarius ſtehet, und von keinemInſpe -59Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. Inſpectore etwas gedacht wird. (*)Die Lehmaͤnner waren uͤberaus hochmuͤthi - ge und ehrgeitzige Leute, ſie hatten ſonderlich einen groſſen Wohlgefallen an dem Titel In - ſpector, dahero auch als Johann Chriſtoph Lehmann, ein Sohn des vorgedachten Leh - manns, Paſt. Prim. nach Noſtitz vociret ward, bat er ſeinen Patron als Collator zu Noſtitz und Kotiz, er moͤgte ihm zugleich den Titel als Inſpector zu Kotiz geben, welches auch geſcha - he, da doch Noſtitz ein ſehr ſchlechter Ort und der Paſtor zu Kotiz wohl zweymahl mehr Ein - kuͤnfte hat, als der zu Noſtitz.Von die - ſem Lehmann an haben ſich hernach alle Pri - marii nicht allein Inſpectores nennen laſſen, ſondern auch die Jnſpection uͤber die andern Geiſtlichen, ſowohl in der Stadt als auf dem Lande, wie auch uͤber die Schul-Collegen an - zumaſſen geſuchet. (**)Jn denen 1610 zur Zeit Kayſer Rudolphs des andern aufgerichteten Ober-Laufitziſchen Religions-Compactatis, zwiſchen damahligen Herrn Adminiſtratore und Decano Blebelio in Budißin und denen Herren Staͤnden von Land und Staͤdten, ſtehet: Pro Auguſtana Confeſſione. Zum dritten ſoll jetziger und kuͤnftige Adminiſtratores keine Jnſpection wei - ters uͤber derer von Land und Staͤdten Augs - burgiſcher Confeßion Verwandten, Collatu -ren,Sonderlich ſuchteſolches60Das zehende Capitel. ſolches im Jahre 1705 M. Samuel Martini, Ober-Pfarrer, zu behaupten. Dem Ober - Pfarrer gehoren alle Actus bey der Herrſchaft und Dero Familie, auf dem Burg-Lehn, bey denen Herren von Adel, Herrſchafts-Bedien - ten und Hof-Leuten, ſo auf dem Schloſſe und Burg-Lehn wohnen, und nicht Buͤrger ſeyn. Fer -(**)ren, Praͤdicanten, Pfarrten und darzugehoͤri - ge Wiedemuths-Leute, und Jntraden haben, ſondern ſoll die Jnſpection denen von Land - und Staͤdten verbleiben, welche hierinnen Ordnung aufzurichten werden wiſſen, ſondern auch be - fugt ſeyn ihre Inſpectores zu haben, damit beſ - ſere Ordnung und Diſciplin erhalten werde, und was der Kirchen jetzo gehoͤrig, auch kuͤnf - tig dabey verbleibe, ſowohl damit nicht die Augsburgiſcher Confeßion widrige Secten nicht zu halten, doch mit der Meynung, daß dieſel - ben keinen Reſpect auf Meiſſen und Sachſen, oder andere Fuͤrſtliche Conſiſtoria im Reiche haben, ſondern in ihrem Selbſt-Eſſe verblei - ben ſollten: Die denn auch ihre Praͤdicanten nach Augsburgiſcher Confeßion Gebrauch und Gewohnheit ordiniren zu laſſen Macht haben ſollen. Damit aber gleich ſehr dem Officio und der Ehre Adminiſtratoris nicht nahe ge - gangen werde, ſollen ſie diejenigen, denen ſie ſolche Jnſpection committiren werden, a re ipſa Inſpectores, und nicht Superintendentes namentlich intituliren.61Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. Ferner von denen Forwercken, Voͤigten, Foͤrſtern, Teichwaͤrtern, Herrſchafts-Muͤl - lern, Schaͤfern und Wintzern, ſo in die Stadt-Kirche eingepfarret ſeyn.

Evangeliſche Pfarrer oder Primarii, wie man ſie nennet, ſind nach der Reformation geweſen: Baſilius Laurentius. Dieſer war vor der Reformation ein Moͤnch; als er aber die Evangeliſche Lehre annahm, und zur Augs - burgiſchen Confeßion ſich bekannte, wurde er zum erſten Evangeliſchen Pfarrer allhier vociret. Er ſtarb im Jahre 1552 den 10den Junii ploͤtzlich, indem ihn beym Back-Ofen der Schlag ruͤhrete. Jhm folgete M. Johann Agricola, ein Stadt-Kind und ſehr hochmuͤ - thiger Mann. Er nennete und ſchrieb ſich Superintendens zu Hoyerswerda, war an - fangs Diaconus und hernach Pfarrer. Wenn er geſtorben und wie lange er Pfarrer gewe - ſen, davon findet man nirgends Nachricht. Jhm ſuccedirte M. Johann Martini. Von dieſem hat man gleichfalls weiter keine Nachricht, auſſer daß Rivander in der Feſt - Chronike P. II, p. 62 ſchreibet: daß Anno 1590 Pfarrer zu Hoyerswerda geweſen M. Johann Martini, ein andaͤchtiger und frommer Mann. Nach ihm kam Matthaͤus Lehmann. Dieſer war anſangs Pfarrer zu Kotiz. Jm Jahre 1616 ward er zum hieſi -gen62Das zehende Capitel. gen Pfarrer vociret, lebete darauf eine kurtze Zeit, indem er 1620 ſtarb. Sein Succeſſor war Petrus Praͤtorius, ein Stadt-Kind, von Chriſtlichen und frommen Eltern geboh - ren. Weil er Luſt zum Studiren hatte, tha - ten ihn ſeine Eltern erſtlich in die Stadt - Schule, hernach nach Camentz, und darauf nach Wittenberg. Er war nicht lange von Wittenberg wieder nach Hauſe gekommen, ſo bekam er die Vocation zum hieſigen Sub - Diaconat. Bald darauf wurde er zum Ar - chi-Diacono und endlich 1621 nach dem To - de des Herrn Lehmanns zum Pfarrer vociret. Er ſtarb 1630. Matthaͤus Lehmann, der mittlere, von Prieſterlichen Eltern geboh - ren zu Kotiz, wo ſein Herr Vater Paſtor war, ſtudirete zu Bautzen, ging darauf nach Wit - tenberg. Nach ſeines Vaters Tode ſucce - dirte er ihm, von dar bekam er die Vocation zum hieſigen Archi-Diaconat, und endlich 1631 wurde er zum Paſtore Primario vociret. Er bekleidete dieſe Stelle ſechszehen Jahre, indem er 1647 ſtarb. Herr Suͤhnel ſchrei - bet, ihm haͤtte ſuccediret George Ludovicus von Hoyerswerda; man findet aber von die - ſem Ludovico nirgends Nachricht, zweifele alſo, ob jemahls ein Ludovicus allhier Prima - rius geweſen, und wo ja einer geweſen, ſo muß er doch eine gar kurtze Zeit allhier gele -bet63Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. bet haben. Denn nach Lehmanns Tode iſt gekommen George Bether, ein Herrſchaft - liches Kind, von ehrlichen und frommen El - tern gebohren zu Laubuſch, eine Meile von der Stadt. Sein Vater war Hanns Be - ther, Haͤfner und Einwohner daſelbſt. Er ſtudirete zu Camentz und Bautzen, ging nach Wittenberg auf die Univerſitaͤt, als er von der Univerſitaͤt nach Hauſe kam, erhielt er die Vocation nach Sproͤwitz, allwo er etliche Jah - re geweſen. Jm Jahre 1648 wurde er allhier zum Paſtore Primario berufen, und ſtarb 1656. Dieſem ſuccedirte Matthaͤus Leh - man, der juͤngere. Er war gebohren 1607 zu Kotiz von Prieſterlichen Eltern. Sein Vater gleiches Namens war damahls Pfar - rer zu Kotiz, hernach allhier Paſtor Prima - rius. Nach ſeinen auf der Schule zu Bau - tzen und der Univerſitaͤt Wittenberg zuruͤck - gelegten Studiis wurde er 1631 nach Sproͤwitz zum Pfarrer vociret, allwo er zwey Jahre ge - weſen. Jm Jahre 1633 erhielt er die Voca - tion zum hieſigen Diaconat, und 1639 zum Archi-Diaconat, in welchen beyden Aemtern er vier und zwanzig Jahre geſtanden. End - lich ward er 1657 zum Paſtore Primario beru - fen. (*)Dieſer Lehmann iſt der erſte, ſo ſich PaſtorPrima -Er hat ſich zweymahl verehlichet, daserſte -64Das zehende Capitel. erſtemahl mit Frau Regina Martinin, und nach deren Tode mit Frau Clara Wesknikin. Er ſtarb 1682, ſeines Alters fuͤnf und ſieben - zig Jahre. Das Predig-Amt hat er ein und funfzig Jahre und zwoͤlf Wochen gefuͤhret, als zwey Jahre in Sproͤwitz, fuͤnf und zwan - zig Jahre als Sub-Diaconus und Archi-Dia - conus, und fuͤnf und zwanzig Jahre als Pa - ſtor Primarius. Auf ſeinem Leichen-Steine, ſo ihm an der Kirche zu Ehren aufgerichtet worden, lieſet man folgende Grabſchrift:

Vor dieſem Grabmahle zwiſchen den beyden Ehe-Frauen, Fr. Regina Martinin, Fr. Clara Wesknikin, ruhet dem Leibe nach der Weil. Wohl-Ehrwuͤrdige, Vorachtbare und Wohlgelahrte Herr Matthaͤus Lehmann, treugeweſener Seel-Sorger zu Sproͤwitz 2 Jahr, Unter - und Ober-Caplan zu Hoyers - werda 25 Jahr, auch Paſtor Primarius und Inſpector 25 Jahr und 12 Wochen. Ward gebohren zu Kotiz auf der Pfarre Anno 1607.
ſo

(*)Primarius & Inſpector geſchrieben, und zwar wider ſeine Vocation, in welcher von dem Ti - tul Inſpector keiner Sylbe gedacht wird.

65Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc.
ſo daß er nachmahlen ſeinem Herrn Vater, nachdem er Paſtor Primarius allhier, als der andere in der Ordnung ſuccediret, ſtarb Anno 1682, ſeines Alters 75 Jahr, ſeines Prediger-Amtes 51 Jahr 12 Wochen. Der Seelen Gnade. Leichen-Text: Jch bin beyde dein Pilgrim ꝛc. Pſ. XXXIX, 13. Symbolum Onomaſticum. Matthæus ein L ehmann eben Paſtor ranget Primarius raͤchtig Et wiglich Inſpector m H oyerswerda errn Cotiz hriſto Luſatus ieblich.

Dieſem folgete M. George Bierling, iſt von Chriſtlichen und Prieſterlichen Eltern gebohren im Jahre 1623 den 27 September zu Gotta, wo ſein Herr Vater Pfarrer war. Seine Eltern hielten ihm anfangs zu Hauſe einen Lehrmeiſter, hernachmahls thaten ſie ihn nach Bautzen, und da er daſelbſt ſeine Stu - dia abſolviret, zog er mit Genehmhaltung ſeiner Eltern nach Wittenberg. Jm Jahre 1651 erhielt er nach ſeinen gluͤcklich zuruͤckge - legten Academiſchen Studien die Vocation zum Paſtorat nach Cunewalda, allwo er vier -Fzehen66Das zehende Capitel. zehen Jahre ſein Amt treulich verwaltet. (*)Jn dem Epitaphio, ſo ihm zu Ehren geſetzet, ſtehet nichts von Cunewalda; ich finde aber in der Abzugs-Predigt, ſo er in Cunewalda ge - halten, (das Manuſcript habe in den Haͤnden) daß er daſelbſt 14 Jahre, und ſeines Wiſſens der 9te oder 10de Evangeliſche Prediger ge - weſen.Von Cunewalda ward er nach Koͤnigswartha berufen, und endlich 1682 zum Paſtore Pri - mario allhier. Jm Jahre 1652 trat er in den heiligen Eheſtand mit Jungfer Magda - lena, gebohrner Seidelin, und zeugete mit ihr ſechs Toͤchter und einen Sohn. Endlich beſchloß er ſeinen ruͤhmlich gefuͤhrten Lebens - Wandel 1692 den 10den Julii fruͤh um zehen Uhr, als er ſein Leben gebracht auf 69 Jahre weniger 11 Wochen. Das Predig-Amt hat er 41 Jahre gefuͤhret; im Eheſtande aber 40 Jahre gelebet. Er war ein gelehrter und exemplariſcher Prediger. Auf ſeinem Leichen - Steine iſt folgende Inſcription zu leſen:

Das Wohlſelige Andencken des Wohl-Ehrwuͤrdigen, Großachtbaren und Wohlgelahrten Herrn, Herrn M. George Bierlings,Wohl -67Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. Wohlverdienten Paſtoris Primarii und In - ſpectoris dieſer Herrſchaft Hoyerswerda, welcher zu Gotta von Prieſterlichen Eltern Jm Jahre 1623 den 27ſten September ge - bohren, nachmahls ſeine Studia auf vornehmen Schu - len und Academien geleget und abſolviret, im Jahre 1651 nacher Koͤnigswartha, und im Jahre 1682 zum Primariat allhier vociret, gantzer 41 Jahre im heiligen Miniſterio be - ſtaͤndig geblieben. Jm Eheſtande hat er mit Tit. Frau Magda - lenen, gebohrnen Seidelin, von Anno 1652 an 40 Jahre gelebet, und 6 Toͤchter und 1 Sohn gezeuget, davon aber nur noch eine Frau Tochter am Leben. Sein wohlgefuͤhrtes Alter hat er Anno 1692 den 10den Julii fruͤh um 10 Uhr allhier be - ſchloſſen, nachdem er ſolches gebracht auf 69 Jahre we - niger 11 Wochen. Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glantz. Daniel XII, 3. Leichen-Text: Daniel XII. v. ult. Du aber Daniel gehe hin, bis daß das Ende komme.
F 2M.68Das zehende Capitel.

M. Samuel Martini, eines Boͤhmi - ſchen Exulanten Sohn, ward im Jahre 1663 zum hieſigen Archi-Diacono vociret, und nach vielen Widerſtande bekam er 1692 die Vo - cation zum Paſtore Primario, ſtarb 1708. Wegen ſeines hohen Alters bekam er noch, ehe er ſtarb, 1708 zum Subſtituten ſeinen juͤngſten Sohn. M. Samuel Martini, iſt gebohren hier in Hoyerswerda auf dem Archi-Diaconat, ſtudirte zu Bautzen und alsdenn zu Wittenberg. Er war aber nur etliche Wochen bey ſeinem Vater Subſtitutus, indem er eine Vocation zum Paſtorat nach Foͤrſtchen bekam, welche er auch annahm und daſelbſt noch lebet. Er heyrathete des Herrn Burgemeiſters Thuno aͤlteſte Jungfer Toch - ter zu Hoyerswerda. An ſeine Stelle kam ſein Bruder, als des aͤltern Martini aͤlteſter Sohn. M. Chriſtian Martini, iſt allhier zu Hoyerswerda gebohren, ſtudirete zu Dres - den, Thoren, Breßlau, Wittenberg, war anfangs Diaconus zu Liebenwerda, hernach Paſtor Subſtitutus bey ſeinem Herrn Vater. Nach des Vaters Tode ſuccedirte er ihm in dem Primariate, und hielt 1710 den 2ten Februarii ſeine Anzugs-Predigt. Er war ein ſehr beleſener, expediter und angenehmer Mann, lebete aber beſtaͤndig in Streit. Er ſtarb 1730 den 18ten October fruͤh um ſechs Uhran69Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. an einem Muͤcken-Stiche im Geſichte, nach - dem er ſein Alter auf ſechszig Jahre gebracht. Dieſem folgete Petrus Fuhrmann, geboh - ren 1690 den 25ſten December zu Kruga bey Luͤbben in der Niederlauſitz. Sein Vater war Peter Fuhrmann, Schulmeiſter zu Kruga, und die Mutter Frau Anna, gebohr - ne Simonin. Er war anfangs in der Schu - le zu Luͤbben und Fuͤrſtenwalda; weil er aber beſtaͤndig kraͤnckelte, ſo nahm ihn ſein Vater wieder nach Hauſe, und hielt ihn zum Lein - weber-Handwerck, die groſſe Liebe aber, ſo er zum Studiren hatte, machte, daß er dieſe Profeßion wieder verließ, und nach Goͤrlitz auf die Schule gieng, allwo er ſeine angefan - gene Studien wieder fortſetzte. Nachdem er einige Jahre daſelbſt geweſen, wandte er ſich nach Wittenberg auf die Univerſitaͤt. So - bald er wieder nach Hauſe kam, erhielt er 1718 von Jhro Durchlauchtigkeit dem Her - tzoge von Merſeburg die Vocation zum Dia - cono nach Spremberg. Jn eben dieſem Jahre bekam er die Vocation von der verwit - tibten Hertzogin von Sachſen zum Hof-Pre - diger nach Zerbich, welche er aber wegen ge - wiſſer Urſachen anzunehmen Bedencken trug, dargegen 1719 die Vocation zum Paſtorat nach Klitten annahm. Jm Jahre 1730 vo - eirete ihn Jhro Durchlauchtigkeit der HertzogF 3von70Das zehende Capitel. von Wuͤrtenberg nach Neſchwitz zum Paſto - re, wo er aber nicht laͤnger als ein halbes Jahr geweſen, und 1731 zum hieſigen Paſtore Primario berufen ward. Es wurden ihm, ehe er noch hieher kam, unterſchiedliche Vocatio - nes, als nach Bautzen, Goͤrlitz, angetragen, welche er aber recuſirte. Jm Jahre 1718 verehelichte er ſich mit Jungfer Johannen Sophien, gebohrner Donatin, Herrn Do - nats, Pfarrers zu Groß-Loya, eheleiblichen Jungfer Tochter, mit welcher er in einer ver - gnuͤgten und geſegneten Ehe dreyzehen Kinder erzeuget, von welchen achte ihm in die Ewig - keit vorangegangen. Er ſtarb 1737 am heili - gen Oſter-Abend, nach einer groſſen und lang - wierigen Kranckheit, ſeines Alters 46 Jahre, 4 Monath und 3 Tage. Er war ein belieb - ter Prediger, und wuſte die Hertzen ſeiner Zu - hoͤrer an ſich zu ziehen, dahero er auch bis die - ſe Stunde ſehr bedauret wird. Zu Ehren iſt ihm folgendes Epitaphium aufgerichtet wor - den:

Zur ſeligen Auferſtehung ruhet allhier Der Weiland Hoch-Wohl-Ehrwuͤrdige und Hochgelahrte Herr, Petrus Fuhrmann, Hochmeritirter Paſtor Primarius und Inſpe - ctor der Kirchen und Schulen allhier. Er71Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. Er wurde gebohren zu Kruga bey Luͤbben den 25ſten December 1690. Seine Eltern waren Weiland Herr Peter Fuhrmann, Schulmeiſter daſelbſt, und Fr. Anna, gebohrne Simonin. Er ſtudirete zu Luͤbben, Fuͤrſtenwalda, Goͤrlitz und auf der Univerſitaͤt Wittenberg. Sein beliebtes Leben zog die Natur der Hohen und Niedrigen in der Welt nach ſich. Dahero derſelbe von des Hertzogs von Sprem - berg Durchl. das Diaconat zu Sprem - berg Anno 1718, und von dar von der verwittibten Fr. Hertzogin zu Sachſen eine Vocation zum Hof-Pre - diger-Amt nach Zerbich 1718 bekam, ſo er aber abſchluge. Wurde darnach Pfarrer zu Klitten 1719, von daſelbſt wiederum von des Hertzogs zu Wuͤrtenberg Durchl. nach Neſchwitz zum Paſtorat 1730, endlich aber von der Durchl. Hertzogin von Teſchen anhero nach Hoyerswerda zum Paſtorat berufen 1730, verehlichte ſich zu Groß-Loya mit Jungfer Johannen Sophien Donatin, hat im Eheſtande gezeuget 13 Kinder,F 4davon72Das zehende Capitel. davon ihm 8 in die Ewigkeit voran gegangen. Starb allhier den 20ſten Aug. 1737, ſeines Alters 46 Jahre, 4 Monat und 3 Tage. Leichen-Text Roͤm. VIII, 10. 11.

Andreas Jokuſch, ſtund nicht laͤnger als 3 Viertel-Jahre allhier im Amte. Er war aus dem Bauer-Stande, ſein Vater George Jokuſch Bauer und Jnwohner zu Schwartz Naußlitz ohnweit Bautzen, und die Mutter Urſula Jokuſchin, von welchen Chriſtlichen Eltern er 1706 am Tage Andreaͤ gebohren, dahero ſie ihm auch zum Gedaͤchtniß ſeines Geburts-Tages in der Heil. Taufe den Na - men Andreas gaben. Weil er ſonderlich Luſt zum Studiren hatte, ſo thaten ſie ihn nach Bautzen auf die beruͤhmte Schule, allwo er bis 1728 ſich aufhielt, und ob er gleich gerne laͤnger daſelbſt geblieben waͤre, ſo muſte er doch wider ſeinen Willen, weil er groß von Perſon und die Soldaten ihm ſehr nachſtelle - ten, in aller Stille auf die Univerſitaͤt nach Leipzig gehen, wo er ſieben Jahre ſeine Studia fortſetzte und die vortrefflichſten Theologen hoͤ - rete. Jm Jahre 1735 bekam er die Vocation zum Paſtorat nach Uhyſt, von da ward er 1737 im Monath November von der Koͤnigli - chen Pohlniſchen und Churfuͤrſtlichen Saͤch - ſiſchen Cammer zum hieſigen Primariat vo -ciret,73Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. ciret, und that 1738 am Neuen-Jahrs-Tage ſeine Anzugs-Predigt. Jm Jahre 1736 ver - ehelichte er ſich mit Jungfer Marien Elco - noren, gebohrner Ritterin, Weiland Herrn Johann Georgen Ritters, Advocati Ordi - narii Jurati der beyden Juſtitien-Aemter Bu - dißin und Goͤrlitz, hinterlaſſener eheleiblicher Jungfer Tochter, welche drey Wochen vor ſeinem Tode in Bautzen einen Sohn zur Welt gebahr, den er in ſeinem Leben nicht geſehen. Er ſtarb im Jahre 1738 den 22ſten October an der Schwindſucht nach einer kur - tzen Niederlage, als er ſein Alter gebracht auf 32 Jahre weniger 5 Wochen und 4 Ta - ge. Er war ein ſehr eiferiger Mann, welches ihm auch ſein Leben verkuͤrtzete, hielt es weder mit ſeinen Collegen noch ſonſten mit andern ehrbaren Leuten. Man hatte ihn in groſſen Verdacht, als ob ers mit den heutigen Neu - lingen hielte, welches auch nicht ohne Grun - de geweſen, indem er mit ſolchen Leuten des Nachts verbotene und heimliche Zuſammen - kuͤnfte hielte, welches und noch viel anderes mehr nach ſeinem Tode erſt recht an den Tag kam. Dieſem ſuccedirte Jeremias Grego - rius Willam, iſt 1690 im May-Monat von Prieſterlichen Eltern zu Klein-Daͤbern geboh - ren, wo ſein ſeliger Vater Johann Willam Paſtor war. Jn ſeiner Jugend hielten ihmF 5ſeine74Das zehende Capitel. ſeine Eltern nebſt andern ſeinen Geſchwiſtern Privat-Præceptores, darnach frequentirte er in Croſſen und Lauben. Jm Jahre 1712 gieng er auf die Univerſitaͤt Leipzig. Jm Jah - re 1716 ſuccedirte er ſeinem Herrn Vater, da - ſelbſt er 12 Jahre geweſen. Jm Jahre 1728 erhielt er die Vocation nach Lohſe, von da 1734 nach Baruth, und endlich 1739 hieher zum Paſtore Primario. Der Allerhoͤchſte verleihe, daß er durch des Heiligen Geiſtes Kraft und Staͤrcke ſein Amt, ſeinen Zuhoͤ - rern zum Beſten, lange Jahre im Segen fuͤh - ren moͤge. Dem Archi-Diacono gehoͤren al - le Actus in der Stadt bey denen Buͤrgern, auſ - ſer die Leichen-Predigten, welche er mit dem Primario wechſelsweiſe hat, und von dem Dorfe Riegel. Dieſelben ſind, ſo viel man von ihnen Nachricht ſindet, folgende geweſen: M. Johann Agricola, ein Stadt-Kind, ſo hernach Pfarrer wurde, ſiehe oben. Petrus Praͤtorius, ein Stadt-Kind, anfangs Sub - Diaconus, ſiehe oben. Matthaͤus Leh - mann, war anfangs Pfarrer zu Kotiz, her - nach Sub-Diaconus, als denn Archi-Diaconus und Paſtor Primarius, ſtarb 1647, ſiehe oben. M. Johann Cichorius, von frommen Prie - ſterlichen Eltern gebohren zu Saͤrchen, eine Meile von der Stadt. Sein Vater, glei - ches Namens, M. Johann Cichorius, warPaſtor75Von denen Herren Geiſtlichen ꝛc. Paſtor zu Saͤrchen, ſtudirete zu Camentz, gieng darauf nach Wittenberg, bekam, als er wieder nach Hauſe kam, die Vocation zum hieſigen Diaconat, und