PRIMS Full-text transcription (HTML)
[1]
Goͤtz von Berlichingen mit der eiſernen Hand.
Ein Schauſpiel.
1773.
[2][3]

Erſter Act.

Schwarzenberg in Franken. Herberge.
Metzler, Sievers (Bauern am Tiſche,) zwey Reutersknechte (beym Feuer,) Wirth.
Sievers.

Haͤnſel, noch ein Glas Brandte - wein, und meß chriſtlich.

Wirth.

Du biſt der Nimmerſatt.

Metzler
(leiſe.)

Erzaͤhl das noch einmal, vom Berlichingen, die Bamberger dort aͤrgern ſich ſie moͤgten ſchwarz werden.

Sievers.

Bamberger? Was thun die hier?

Metzler.

Der Weislingen iſt oben aufm Schloß beym Herrn Grafen ſchon zwey Tage, dem haben ſie das Gleit geben, ich weiß nicht wo er her - kommt, ſie warten auf ihn, er geht zuruͤck nach Bamberg.

A 2Sie -4
Sievers.

Wer iſt der Weislingen?

Metzler.

Des Biſchofs rechte Hand, ein ge - waltiger Herr, der dem Goͤtz auch auf’n Dienſt lauert.

Sievers.

Er mag ſich in Acht nehmen.

Metzler.

Jch bitt dich erzaͤhls doch noch ein - mal!

(laut)

Seit wann hat denn der Goͤtz wieder Haͤndel mit dem Biſchof von Bamberg? Es hies ja, alles waͤre vertragen und geſchlichtet.

Sievers.

Ja, vertrag du mit den Pfaffen. Wie der Biſchof ſah, er richt nichts aus, und zieht im - mer den kuͤrzern, kroch er zum Kreuz, und war ge - ſchaͤftig, daß der Vergleich zu Stand kaͤm. Und der getreuherzige Berlichingen gab unerhoͤrt nach, wie er immer thut, wenn er im Vortheil iſt.

Metzler.

Gott erhalt ihn! Ein rechtſchaffner Herr!

Sievers.

Nun denk, iſt das nicht ſchaͤndlich? Da werfen ſie ihm einen Buben nieder, da er ſich nichts weniger verſieht. Wird ſie aber ſchon wie - der dafuͤr lauſen.

Metzler.

Es iſt doch dumm, daß ihm der letzte Streich mißgluͤckt iſt; er wird ſich garſtig erboſt haben.

Sievers. 5
Sievers.

Jch glaub nicht, daß ihn lang was ſo verdroſſen hat. Denk auch, alles war aufs ge - nauſte verkundſchaft, wann der Biſchof aus dem Bad kaͤm, mit wie viel Reutern, welchen Weg; und wenns nicht waͤr durch falſche Leut verrathen worden, wolt er ihm das Bad geſegnet und ihn ausgerieben haben.

Erſter Reuter.

Was raiſonnirt ihr von un - ſerm Biſchof? Jch glaub ihr ſucht Haͤndel.

Sievers.

Kuͤmmert euch um eure Sachen. Jhr habt an unſerm Tiſch nichts zu ſuchen.

Zweyter Reuter.

Wer heißt euch von unſerm Biſchof deſpecktirlich reden?

Sievers.

Hab ich euch Red und Antwort zu geben? Seht doch den Fratzen!

Erſter Reuter
(ſchlaͤgt ihm hinter die Ohren.)
Metzler.

Schlag den Hund todt.

(Sie fallen uͤber einander her.)
Zweyter Reuter.

Komm her, wenn du’s Herz haſt.

Wirth.
(reißt ſie von einander)

Wollen ihr Ruh haben! Tauſend Schwerenoth: Schert euch naus, wenn ihr was auszumachen habt. Jn meiner Stub ſolls ehrlich und ordentlich zugehen.

(Schiebt dieA 3Reuter6Reuter zur Thuͤr hinaus)

Und ihr Eſel was fan - gen ihr an?

Metzler.

Nur nit viel geſchimpft Haͤnſel, ſonſt kommen wir dir uͤber die Glazze. Komm Kamerad wollen die draus plauen.

Zwey Berlichingiſche Reuter (kommen)
Erſter Reuter.

Was giebts da?

Sievers.

Ey guten Tag Peter! Veit, guten Tag! Woher?

Zweyter Reuter.

Daß du dich nit unterſtehſt zu verrathen, wem wir dienen.

Sievers.
(leiſe.)

Da iſt euer Herr Goͤtz wohl auch nit weit.

Erſter Reuter.

Halt dein Maul! Habt ihr Haͤndel?

Sievers.

Jhr ſeyd den Kerls begegnet draus, ſind Bamberger.

Erſter Reuter.

Was thun die hier?

Metzler.

Der Weißlingen iſt droben aufm Schloß, beym gnaͤdigen Herrn, den haben ſie geleit.

Erſter Reuter.

Der Weislingen.

Zweyter Reuter.
(leiſe)

Peter! das iſt ein ge - funden Freſſen. Wie lang iſt er da?

Metzler. 7
Metzler.

Schon zwey Tage. Aber er will heut noch fort, hoͤrt ich einen von den Kerls ſagen.

Erſter Reuter.
(leiſe)

Sagt ich dir nicht er waͤr daher? Haͤtten wir dort druͤben eine Weile paſſen koͤnnen. Komm Veit.

Sievers.

Helft uns doch erſt die Bamberger auspruͤgeln.

Zweyter Reuter.

Jhr ſeyd ja auch zu zwey. Wir muͤſſen fort. Adies.

(ab.)
Sievers.

Scheiskerle die Reuter, wann man ſie nit bezahlt, thun ſie dir keinen Streich.

Metzler.

Jch wollt ſchwoͤren ſie haben einen Anſchlag. Wem dienen ſie?

Sievers.

Jch ſolls nit ſagen. Sie dienen dem Goͤtz.

Metzler.

So! Nun wollen wir uͤber die draus. Komm, ſo lang ich einen Bengel hab, fuͤrcht ich ihre Bratſpieſe nicht.

Metzler.

Duͤrften wir nur ſo einmal an die Fuͤrſten, die uns die Haut uͤber die Ohren ziehen.

A 4Herberge8
Herberge im Wald.
Goͤtz (vor der Thuͤre unter der Linde.)

Wo meine Knechte bleiben. Auf und ab muß ich ge - hen, ſonſt uͤbermannt mich der Schlaf. Fuͤnf Tag und Naͤchte ſchon auf der Lauer. Es wird einem ſauer gemacht, das bißgen Leben und Freyheit. Dafuͤr, wenn ich dich habe Weißlingen, will ich mirs wohl ſeyn laſſen.

(ſchenkt ein)

Wieder leer! Georg! So langs daran nicht mangelt, und an friſchem Muth, lach ich der Fuͤrſten Herrſchſucht und Raͤnke. Georg! Schickt ihr nur euren gefaͤlligen Weislingen herum zu Vettern und Gevattern, laßt mich anſchwaͤrzen. Nur immerzu. Jch bin wach. Du warſt mir ent - wiſcht Biſchof! So mag denn dein lieber Weis - lingen die Zeche bezahlen. Georg! hoͤrt der Junge nicht! Georg! Georg!

Der Bub (im Panzer eines Erwachſenen.)

Geſtrenger Herr!

Goͤtz.

Wo ſtickſt du! Haſt du geſchlafen. Was zum Henker treibſt du fuͤr Mummerey. Komm her du ſiehſt gut aus. Schaͤm dich nicht Junge. Du biſt brav! ja, wenn du ihn ausfuͤllteſt. Es iſt Hannſens Kuͤras?

Georg. 9
Georg.

Er wollt ein wenig ſchlafen, und ſchnallt ihn aus.

Goͤtz.

Er iſt bequemer als ſein Herr.

Georg.

Zuͤrnt nicht. Jch nahm ihn leiſe weg - und legt ihn an, und hohlt meines Vaters altes Schwerdt von der Wand, lief auf die Wieſe uud zogs aus.

Goͤtz.

Und hiebſt um dich herum? Da wirds den Hecken und Dornen gut gegangen ſeyn. Schlaͤft Hanns?

Georg.

Auf euer Rufen ſprang er auf und ſchrie mir, daß ihr rieft. Jch wollt ihn ausſchnal - len, da hoͤrt ich euch zwey dreymal.

Goͤtz.

Geh! bring ihm ſeinen Panzer wieder, und ſag ihm, er ſoll bereit ſeyn, ſoll nach den Pfer - den ſehen.

Georg.

Die hab ich recht ausgefuͤttert, und wieder aufgezaͤumt. Jhr koͤnnt aufſitzen wann ihr wollt.

Goͤtz.

Bring mir einen Krug Wein, gieb Hann - ſen auch ein Glas, ſag ihm, er ſoll munter ſeyn, es gilt. Jch hoffe jeden Augenblick meine Kund - ſchafter ſollen zuruͤck kommen.

Georg.

Ach geſtrenger Herr!

A 5Goͤtz. 10
Goͤtz.

Was haſt du?

Georg.

Darf ich nicht mit?

Goͤtz.

Ein andermal Georg, wann wir Kauf - leute fangen und Fuhren weg nehmen.

Georg.

Ein andermal, das habt ihr ſchon oft geſagt, o diesmal, diesmal. Jch will nur hinten drein laufen, nur auf der Seite lauren. Jch will euch die verſchoſſene Bolzen wieder holen.

Goͤtz.

Das naͤchſte mal Georg. Du ſollſt erſt einen Wams haben, eine Blechhaube, und einen Spies.

Georg.

Nehmet mich mit. Waͤr ich letzt da - bey geweſen, ihr haͤttet die Armbruſt nicht verlohren.

Goͤtz.

Weißt du das?

Georg.

Jhr warft ſie dem Feind an Kopf, und einer von den Fußknechten hub ſie auf, weg war ſie. Gelt ich weiß.

Goͤtz.

Erzaͤhlen dir das meine Knechte.

Georg.

Wohl. Dafuͤr pfeif ich ihnen auch, wenn wir die Pferde ſtriegeln, allerley Weiſen, und lerne ſie allerley luſtige Lieder.

Goͤtz.

Du biſt ein braver Junge.

Georg.

Nehmt mich mit, daß ich’s zeigen kann.

Goͤtz. 11
Goͤtz.

Das naͤchſtemal, auf mein Wort. Un - bewafnet wie du biſt, ſollſt du nicht in Streit. Die kuͤnftigen Zeiten brauchen auch Maͤnner. Jch ſage dir Knabe, es wird eine theure Zeit werden, Fuͤr - ſten werden ihre Schaͤtze bieten um einen Mann den ſie jetzt haſſen. Geh Georg, gieb Hanſen ſeinen Kuͤras wieder, und bring mir Wein.

(Georg ab)

Wo meine Knechte bleiben! Es iſt unbegreiflich. Ein Moͤnch! Wo kommt der noch her?

Bruder Martin (kommt.)
Goͤtz.

Ehrwuͤrdiger Vater, guten Abend! wo - her ſo ſpaͤt? Mann der heiligen Ruhe, ihr beſchaͤmt viel Ritter.

Martin.

Dank euch edler Herr! Und bin vor der Hand nur demuͤthiger Bruder, wenns ja Titul ſeyn ſoll. Auguſtin mit meinem Kloſternamen, doch hoͤr ich am liebſten Martin meinen Taufnamen.

Goͤtz.

Jhr ſeyd muͤd Bruder Martin, und oh - ne Zweifel durſtig!

(Der Bub kommt.)
Goͤtz.

Da kommt der Wein eben recht.

Martin.

Fuͤr mich einen Trunk Waſſer. Jch darf keinen Wein trinken.

Goͤtz.

Jſt das euer Geluͤbde?

Mar -12
Martin.

Nein gnaͤdiger Herr, es iſt nicht wi - der mein Geluͤbde Wein zu trinken; weil aber der Wein wider mein Geluͤbde iſt; ſo trinke ich keinen Wein.

Goͤtz

Wie verſteht ihr das?

Martin.

Wohl euch, daß ihr’s nicht verſteht. Eſſen uud trinken meyn ich, iſt des Menſchen Leben.

Goͤtz.

Wohl!

Martin.

Wenn ihr geſſen und trunken habt, ſeyd ihr wie neu gebohren. Seyd ſtaͤrker, muthiger, ge - ſchickter zu eurem Geſchaͤft. Der Wein erfreut des Menſchen Herz, und die Freudigkeit iſt die Mutter aller Tugenden. Wenn ihr Wein getrunken habt, ſeyd ihr alles doppelt, was ihr ſeyn ſollt, noch ein - mal ſo leicht denkend, noch einmal ſo unternehmend, noch einmal ſo ſchnell ausfuͤhrend.

Goͤtz.

Wie ich ihn trinke, iſt es wahr.

Martin.

Davon red ich auch. Aber wir

Georg.
(mit Waſſer)
Goͤtz.
(zu Georg heimlich.)

Geh auf den Weg nach Dachsbach, und leg dich mit dem Ohr auf die Erde, ob du nicht Pferde kommen hoͤrſt, und ſey gleich wieder hier.

Martin. 13
Martin.

Aber wir, wenn geſſen und trunken haben, ſind wir grad das Gegentheil von dem, was wir ſeyn ſollen. Unſere ſchlaͤfrige Verdauung ſtimmt den Kopf nach dem Magen, und in der Schwaͤche einer uͤberfuͤllten Ruhe erzeugen ſich Be - gierden, die ihrer Mutter leicht uͤber den Kopf wachſen.

Goͤtz.

Ein Glas, Bruder Martin, wird euch nicht im Schlaf ſtoͤren. Jhr ſeyd heute viel gegan - gen.

(bringts ihm)

Alle Streiter!

Martin.

Jn Gottes Namen,

(ſie ſtoſen an)

ich kann die muͤßige Leut nicht ausſtehen, und doch kann ich nicht ſagen, daß alle Moͤnche moͤßig ſind, ſie thun was ſie koͤnnen. Da komm ich von St. Veit, wo ich die letzte Nacht ſchlief. Der Prior fuͤhrte mich in Garten, das iſt nun ihr Bienenkorb. Fuͤrtreflicher Salat! Kohl nach Herzens Luſt! Und beſonders Blumenkohl und Artiſchocken, wie keine in Europa!

Goͤtz.

Das iſt alſo eure Sache nicht.

(Er ſteht auf ſieht nach dem Jungen und kommt wieder.)
Martin.

Wollte, Gott haͤtte mich zum Gaͤrt - ner oder Laboranten gemacht, ich koͤnnte gluͤcklich ſeyn. Mein Abt liebt mich, mein Kloſter iſt Er -furt14furt in Sachſen, er weis ich kann nicht ruhn, da ſchickt er mich herum, wo was zu betreiben iſt. Jch geh zum Biſchof von Conſtanz.

Goͤtz.

Noch eins! Gute Verrichtung!

Martin.

Gleichfalls!

Goͤtz.

Was ſeht ihr mich ſo an, Bruder?

Martin.

Daß ich in euren Harniſch verliebt bin.

Goͤtz.

Haͤttet ihr Luſt zu einem? Es iſt ſchwer und beſchwerlich ihn zu trageu.

Martin.

Was iſt nicht beſchwerlich auf dieſer Welt, und mir kommt nichts beſchwerlicher vor, als nicht Menſch ſeyn duͤrfen. Armuth, Keuſchheit und Gehorſam. Drey Geluͤbde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das unausſtehlichſte ſcheint, ſo unertraͤglich ſind ſie alle. Und ſein ganzes Leben unter dieſer Laſt, oder der weit druͤckendern Buͤrde des Gewiſſens muthlos zu keichen! O Herr! was ſind die Muͤhſeligkeiten eures Lebens, gegen die Jaͤmmerlichkeiten eines Stands, der die beſten Triebe, durch die wir werden, wachſen und gedeyen, aus mißverſtandner Begierde Gott naͤher zu ruͤcken, verdammt.

Goͤtz. 15
Goͤtz.

Waͤre euer Geluͤbde nicht ſo heilig, ich wollte euch bereden einen Harniſch anzulegen, wollt euch ein Pferd geben, und wir zoͤgen mit einander.

Martin.

Wollte Gott, meine Schultern fuͤhl - ten ſich Kraft, den Harniſch zu ertragen, und mein Arm die Staͤrke, einen Feind vom Pferd zu ſte - chen! Arme ſchwache Hand, von je her ge - woͤhnt Kreuze und Friedensfahnen zu fuͤhren, und Rauchfaͤſſer zu ſchwingen, wie wollteſt du Lanze und Schwerdt regieren? Meine Stimme, nur zu Ave und Halleluja geſtimmt, wuͤrde dem Feind ein He - rold meiner Schwoͤche ſeyn, wenn ihn die eurige uͤberwaͤltigte. Kein Geluͤbde ſollte mich abhalten, wieder in d[en]Orden zu treten, den mein Schoͤpfer ſelbſt geſtiftet hat.

Goͤtz.

Gluͤckliche Retour!

Martin.

Das trinke ich nur fuͤr euch. Wie - derkehr in meinen Kaͤfig, iſt allemal ungluͤcklich. Wenn ihr wiederkehrt Herr, in eure Mauren, mit dem Bewußtſeyn eurer Tapferkeit und Staͤrke, der keine Muͤdigkeit etwas anhaben kann, euch zum er - ſtenmal nach langer Zeit, ſicher fuͤr feindlichem Ue - berfall, entwafnet auf euer Bette ſtreckt, und euchnach16nach dem Schlaf dehnt, der euch beſſer ſchmeckt, als mir der Trunk, nach langem Durſt; da koͤnnt ihr von Gluͤck ſagen!

Goͤtz.

Davor kommts auch ſelten.

Martin.
(feuriger)

Und iſt wenns kommt, ein Vorſchmack des Himmels. Wenn ihr zuruͤck kehrt mit der Beute eurer Feinde beladen, und euch erinnert: den ſtach ich vom Pferd, eh er ſchieſen konnte, und den rannt ich ſamt dem Pferd nieder, und dann reitet ihr zu eurem Schloß hinauf, und

Goͤtz.

Was meynet ihr?

Martin.

Und eure Weiber!

(er ſchenkt ein)

Auf Geſundheit eurer Frau!

(er wiſcht ſich die Au - gen)

Jhr habt doch eine?

Goͤtz.

Ein edles fuͤrtrefliches Weib!

Martin.

Wohl dem, der ein tugendſam Weib hat! des lebet er noch eins ſo lang. Jch kenne keine Weiber, und doch war die Frau die Krone der Schoͤpfung.

Goͤtz.
(vor ſich)

Er dauert mich! Das Ge - fuͤhl ſeines Standes frißt ihm das Herz.

Georg. 17
Georg.
(geſprungen)

Herr! ich hoͤre Pferde im Galopp! Zwey! Es ſind ſie gewiß.

Goͤtz.

Fuͤhr mein Pferd heraus, Hanns ſoll aufſitzen. Lebt wohl theurer Bruder, Gott geleit euch. Seyd muthig und gedultig. Gott wird euch Raum geben.

Martin.

Jch bitt um euren Namen.

Goͤtz.

Verzeiht mir. Lebt wohl.

(er reicht ihm die linke Hand)
Martin.

Warum reicht ihr mir die Linke? Bin ich die ritterliche Rechte nicht werth.

Goͤtz.

Und wenn ihr der Kayſer waͤrt, ihr muͤß - tet mit dieſer vorlieb nehmen. Meine Rechte, ob - gleich im Kriege nicht unbrauchbar, iſt gegen den Druck der Liebe unempfindlich. Sie iſt eins mit ihrem Handſchuh, ihr ſeht, er iſt Eiſen.

Martin.

So ſeyd ihr Goͤtz von Berlichingen! Jch danke dir Gott, daß du mich ihn haſt ſehen laſſen, dieſen Mann den die Fuͤrſten haſſen, und zu dem die Bedraͤngten ſich wenden.

(er nimmt ihm die rechte Hand)

Laßt mir dieſe Hand, laßt mich ſie kuͤſſen.

Goͤtz.

Jhr ſollt nicht.

BMartin.18
Martin.

Laßt mich. Du mehr werth als Re - liquienhand, durch die das heiligſte Blut gefloſſen iſt, todtes Werkzeug, belebt durch des edelſten Geiſtes Vertrauen auf Gott!

Goͤtz
(ſetzt den Helm auf und nimmt die Lanze.)
Martin.

Es war ein Moͤnch bey uns vor Jahr und Tag, der euch beſuchte, wie ſie euch abgeſchoſ - ſen ward vor Landshut, wie er uns erzaͤhlte, was ihr littet, und wie ſehr es euch ſchmerzte, zu eu - rem Beruf verſtuͤmmelt zu ſeyn, und wie euch ein - fiel, von einem gehoͤrt zu haben, der auch nur eine Hand hatte, und als tapferer Reutersmann doch noch lange diente. Jch werde das nie vergeſſen.

Die zwey Knechte (kommen.)
Goͤtz.
(zu ihnen. Sie reden heimlich.)
Martin.
(faͤhrt inzwiſchen fort.)

Jch werde das nie vergeſſen, wie er im edelſten einfaͤltigſten Vertrauen auf Gott ſprach: und wenn ich zwoͤlf Haͤnd haͤtte, und deine Gnad wollt mir nicht, was wuͤrden ſie mir fruchten, ſo kann ich mit Einer

Goͤtz.

Jn den Haslacher Wald alſo.

(kehrt ſich zu Martin)

Lebt wohl werther Bruder Martin.

(er kuͤßt ihn.)
Martin.19
Martin.

Vergeßt mein nicht, wie ich eurer nicht vergeſſe.

(Goͤtz ab.)
Martin.

Wie mir’s ſo eng um’s Herz ward, da ich ihn ſah. Er redete nichts, und mein Geiſt konnte doch Seinigen unterſcheiden. Es iſt eine Wolluſt, einen großen Mann zu ſehn.

Georg.

Ehrwuͤrdiger Herr, ihr ſchlaft doch bey uns?

Martin.

Kann ich ein Bett haben?

Georg.

Nein Herr! Jch kenne Better nur vom Hoͤrenſagen, in unſrer Herberg iſt nichts als Stroh.

Martin.

Auch gut. Wie heißt du?

Georg.

Georg, ehrwuͤrdiger Herr!

Martin.

Georg! da haſt du einen tapfern Pa - tron.

Georg.

Sie ſagen er waͤre ein Reuter geweſen, das will ich auch ſeyn.

Martin.

Warte.

(er zieht ein Gebetbuch her - vor, und giebt dem Buben einen Heiligen)

Da haſt du ihn. Folge ſeinem Beyſpiel, ſey brav und fuͤrchte Gott.

(Martin geht.)
Georg.

Ach ein ſchoͤner Schimmel, wenn ich einmal ſo einen haͤtte! und die goldene Ruͤ -B 2ſtung!20ſtung! Das iſt ein garſtiger Drach Jetzt ſchies ich nach Sperlingen Heiliger Georg! mach mich groß und ſtark, gieb mir ſo eine Lanze, Ruͤſtung und Pferd, dann laß mir die Drachen kommen.

Jaxthauſſen. Goͤtzens Burg.
Eliſabeth, (ſeine Frau,) Maria, (ſeine Schweſter,) Carl, (ſein Soͤhngen.)
Carl.

Jch bitte dich, liebe Tante, erzaͤhl mir das noch einmal vom frommen Kind, ’s is gar zu ſchoͤn.

Maria.

Erzaͤhl du mirs kleiner Schelm, da will ich hoͤren ob du Acht giebſt.

Carl.

Wart e bis, ich will mich bedenken Es war einmal ja es war einmal ein Kind, und ſein Mutter war krank, da gieng das Kind hin.

Maria.

Nicht doch. Da ſagte die Mutter, lie - bes Kind

Carl.

Jch bin krank.

Maria.

Und kann nicht ausgehn.

Carl.21
Carl.

Und gab ihm Geld und ſagte, geh hin, und hol dir ein Fruͤhſtuͤck. Da kam ein armer Mann.

Maria.

Das Kind ging, da begegnet ihm ein alter Mann der war nun Carl!

Carl.

Der war alt.

Maria.

Freylich! Der kaum mehr gehen konn - te, und ſagte: liebes Kind

Carl.

Schenk mir was, ich hab kein Brod geſ - ſen geſtern und heut, da gab ihm’s Kind das Geld.

Maria.

Das fuͤr ſein Fruͤhſtuͤck ſeyn ſollte.

Carl.

Da ſagte der alte Mann

Maria.

Da nahm der alte Mann, das Kind

Carl.

Bey der Hand, und ſagte, und ward ein ſchoͤner glaͤnziger Heiliger, und ſagte: Liebes Kind

Maria.

Fuͤr deine Wohlthaͤtigkeit, belohnt dich die Mutter Gottes durch mich, welchen Kranken du anruͤhrſt

Carl.

Mit der Hand es war die rechte glaub ich.

Maria.

Ja.

Carl.

Der wird gleich geſund.

Maria.

Da lief’s Kind nach Haus, und konnt fuͤr Freuden nichts reden.

B 3Carl.22
Carl.

Und fiel ſeiner Mutter um den Hals, und weinte fuͤr Freuden

Maria.

Da rief die Mutter, wie iſt mir! und war nun Carl.

Carl.

Und war und war

Maria.

Du giebſt ſchon nicht Acht. und war geſund. Und das Kind kurirte Koͤnig und Kayſer, und wurde ſo reich, daß es ein großes Kloſter bauete.

Eliſabeth.

Jch kann nicht begreifen wo mein Herr bleibt. Schon fuͤnf Tag und Naͤchte, daß er weg iſt, und er hofte ſo bald ſeinen Streich auszu - fuͤhren.

Maria.

Mich aͤngſtigts lang. Wenn ich ſo ei - nen Mann haben ſollte, der ſich immer Gefahren ausſetzte, ich ſtuͤrbe im erſten Jahr.

Eliſabeth.

Dafuͤr dank ich Gott, daß er mich haͤrter zuſammen geſetzt hat.

Carl.

Aber muß dann der Papa ausreiten, wenn’s ſo gefaͤhrlich iſt?

Maria.

Es iſt ſein guter Wille ſo.

Eliſabeth.

Wohl muß er lieber Carl.

Carl.

Warum?

Eliſabeth.

Weißt du noch, wie er das letzte mal ausritt, da er dir Weck mitbrachte.

Carl.23
Carl.

Bringt er mir wieder mit?

Eliſabeth.

Jch glaub wohl. Siehſt du, da war ein Schneider von Stuttgard, der war ein treflicher Bogenſchuͤtz, und hatte zu Coͤlln aufm Schieſen das Beſte gewonnen.

Carl.

Wars viel?

Eliſabeth.

Hundert Thaler. Und darnach woll - ten ſie’s ihm nicht geben.

Maria.

Gelt, das iſt garſtig Carl.

Carl.

Garſtige Leut!

Eliſabeth.

Da kam der Schneider zu deinem Vater und bat ihn, er moͤgte ihm zu ſeinem Geld verhelfen. Und da ritt er aus und nahm den Coͤll - nern ein paar Kaufleute weg und plagte ſie ſo lang bis ſie das Geld heraus gaben. Waͤrſt du nicht auch ausgeritten?

Carl.

Nein, da muß man durch einen dicken dicken Wald, ſind Zigeuner und Hexen drinn.

Eliſabeth.

Js ein rechter Purſch, fuͤrcht ſich vor Hexen.

Maria.

Du thuſt beſſer Carl, leb du einmal auf deinem Schloß, als ein frommer chriſtlicher Ritter. Auf ſeinen eigenen Guͤtern findet man zumB 4Wohl -24Wohlthun Gelegenheit genug. Die rechtſchaffenſten Ritter begehen mehr Ungerechtigkeit als Gerechtig - keit auf ihren Zuͤgen.

Eliſabeth.

Schweſter du weißt nicht was du redſt. Gebe nur Gott daß unſer Junge mit der Zeit braver wird, und dem Weislingen nicht nachſchlaͤgt, der ſo treulos an meinem Mann handelt.

Maria.

Wir wollen nicht richten Eliſabeth. Mein Bruder iſt ſehr erbittert, du auch. Jch bin bey der ganzen Sache mehr Zuſchauer, und kann billiger ſeyn.

Eliſabeth.

Er iſt nicht zu entſchuldigen.

Maria.

Was ich von ihm gehoͤrt, hat mich ein - genommen. Erzaͤhlte nicht ſelbſt dein Mann ſo viel Liebs und Guts von ihm! Wie gluͤcklich war ihre Jugend als ſie zuſammen Edelknaben des Marggra - fen waren.

Eliſabeth.

Das mag ſeyn. Nur ſag, was kann der Menſch je Gutes gehabt haben, der ſeinem beſten treuſten Freunde nachſtellt, ſeine Dienſte den Fein - den meines Manns verkauft, und unſern treflichen Kayſer, der uns ſo gnaͤdig iſt, mit falſchen widri - gen Vorſtellungen einzunehmen ſucht.

Carl.25
Carl.

Der Papa! Der Papa! Der Thuͤrner blaͤſt’s Liedel: Heyſa machs Thor auf.

Eliſabeth.

Da kommt er mit Beute.

Ein Reuter (kommt.)
Reuter.

Wir haben gejagt! wir haben ge - gefangen! Gott gruͤß euch edle Frauen.

Eliſabeth.

Habt ihr den Weislingen?

Reuter.

Jhn und drey Reuter.

Eliſabeth.

Wie giengs zu, daß ihr ſo lang bleibt?

Reuter.

Wir laureten auf ihn zwiſchen Nuͤrn - berg und Bamberg, er wollte nicht kommen, und wir wußten doch er war auf der Wege. Endlich kundſchaften wir ihn aus, er war ſeitwaͤrts gezo - gen, und ſaß geruhig beym Grafen auf Schwar - zenberg.

Eliſabeth.

Den moͤchten ſie auch gern meinem Mann feind haben.

Reuter.

Jch ſagts gleich dem Herrn. Auf! und wir ritten in Haslacher Wald. Und da wars kurios, wie wir ſo in die Nacht reiten, huͤtt juſt ein Schaͤfer da, und fallen fuͤnf Woͤlf in die Heerd, und packten weidlich an. Da lachte unſer Herr und ſagte: Gluͤck zu lieben Geſellen, Gluͤck uͤberall und uns auch. Und es freuet uus auch das gute Zeichen. JndemB 5ſo26ſo kommt der Weislingen hergeritten mit vier Knechten.

Maria.

Das Herz zittert mir im Leibe.

Reuter.

Jch und mein Kamerad, wie’s der Herr befohlen hatte, niſtelten uns an ihn als waͤren wir zuſammen gewachſen, daß er ſich nicht regen noch ruͤhren konnte, und der Herr und der Hanns fielen uͤber die Knechte her und nahmen ſie in Pflicht. Einer iſt entwiſcht.

Eliſabeth.

Jch bin neugierig ihn zu ſehn. Kom - men ſie bald?

Reuter.

Sie reiten das Thal herauf, in einer viertel Stund ſind ſie hier.

Maria.

Er wird niedergeſchlagen ſeyn.

Reuter.

Finſter gnug ſieht er aus.

Maria.

Sein Anblick wird mir im Herzen weh thun.

Eliſabeth.

Ah! Jch will gleich’s Eſſen zu recht machen. Hungrig werdet ihr doch all ſeyn.

Reuter.

Rechtſchaffen.

Eliſabeth.

Nimm die Kellerſchluͤſſel und hol vom beſten Wein, ſie haben ihn verdient.

(Eliſabeth ab.)
Carl.

Jch will mit Tante.

Maria.

Komm Burſch.

(ab.)
Reu -27
Reuter.

Der wird nicht ſein Vater, ſonſt gieng er mit in Stall.

Goͤtz. Weislingen. Reutersknechte.
Goͤtz.
(Helm und Schwerdt auf den Tiſch legend)

Schnallt mir den Harniſch auf, und gebt mir mei - nen Wamms. Die Bequemlichkeit wird mir wohl thun, Bruder Martin du ſagteſt recht. Jhr habt uns im Athem erhalten Weislingen.

Weislingen.
(antwortet nichts, auf und abge - hend.)
Goͤtz.

Seyd guten Muths. Kommt entwaffnet euch. Wo ſind eure Kleider, ich hoffe, es ſoll nichts verlohren gangen ſeyn.

(zum Knecht)

Fragt ſeine Knechte und oͤfnet das Gepaͤcke, und ſeht zu, daß nichts abhanden komme. Jch koͤnnt euch auch von den meinigen borgen.

Weislingen.

Laßt mich ſo, es iſt all eins.

Goͤtz.

Koͤnnt euch ein huͤbſches ſaubres Kleid geben, iſt zwar nur leinen. Mir iſt’s zu eng wor - den. Jch hats auf der Hochzeit meines gnaͤdigen Herrn des Pfalzgrafen an, eben damals als euerBiſchoff28Biſchoff ſo giftig uͤber mich wurde. Jch hatt ihm vierzehn Tag vorher, zwey Schiff auf dem Mayn nieder geworfen. Und ich geh mit Franzen von Sickingen im Wirthshauß zum Hirſch in Haidelberg die Trepp hinauf. Eh man noch ganz droben iſt, iſt ein Abſatz und ein eiſern Gelaͤnderlein, da ſtund der Biſchoff und gab Franzen die Hand, wie er vorbey gieng, und gab ſie mir auch, wie ich hin - ten drein kam. Jch lacht in meinem Herzen, und gieng zum Landgrafen von Hanau, der mir ein gar lieber Herr war, und ſagte: Der Biſchoff hat mir die Hand geben, ich wett er hat mich nicht gekannt. Das hoͤrt der Biſchoff, denn ich redt laut mit Fleis, und kam zu uns trotzig und ſagte: Wohl, weil ich euch nicht kannt hab, gab ich euch die Hand. Da ſagt ich: Herre ich merkts wohl, daß ihr mich nicht kanntet, und hiermit habt ihr eure Hand wieder. Da wurd’s Maͤnnlin ſo roth am Hals wie ein Krebs vor Zorn, und lief in die Stube zu Pfalzgraf Lud - wig und dem Fuͤrſten von Naſſau und klagt’s ihnen. Wir haben nachher uns oft was druͤber zu gute gethan.

Weislingen.

Jch wollt ihr ließt mich allein.

Goͤtz.29
Goͤtz.

Warum das? Jch bitt euch ſeyd aufge - raͤumt. Jhr ſeyd in meiner Gewalt, und ich werd ſie nicht mißbrauchen.

Weislingen.

Dafuͤr war mirs noch nicht bange. Das iſt eure Ritterpflicht.

Goͤtz.

Und ihr wißt, daß die mir heilig iſt.

Weislingen.

Jch bin gefangen und das uͤbrige iſt eins.

Goͤtz.

Jhr ſolltet nicht ſo reden. Wenn ihr’s mit Fuͤrſten zu thun haͤttet, und ſie euch in tiefen Turn an Ketten aufhiengen, und der Waͤchter euch den Schlaf wegpfeifen muͤßte.

Die Knechte mit den Kleidern.
Weislingen
(legt ſich aus und an)
Carl (kommt.)
Carl.

Guten Morgen Papa.

Goͤtz
(kuͤßt ihn.)

Guten Morgen Junge. Wie habt ihr die Zeit gelebt?

Carl.

Recht geſchickt Papa! Die Tante ſagt: ich ſey recht geſchickt.

Goͤtz.

So.

Carl.

Haſt du mir was mit gebracht?

Goͤtz.

Diesmal nicht.

Carl.30
Carl.

Jch hab viel gelernt.

Goͤtz.

Ey!

Carl.

Soll ich dir vom frommen Kind erzaͤhlen?

Goͤtz.

Nach Tiſch.

Carl.

Jch weis noch was.

Goͤtz.

Was wird das ſeyn?

Carl.

Jaxthauſſen iſt ein Dorf und Schloß an der Jaxt, gehoͤrt ſeit zwey hundert Jahren denen Herrn von Berlichingen erb und eigenthuͤmlich zu.

Goͤtz.

Kennſt du den Herrn von Berlichingen.

Carl.
(ſieht ihn ſtarr an)
Goͤtz.
(vor ſich)

Er kennt wohl fuͤr lauter Gelehrſamkeit ſeinen Vater nicht. Wem ge - hoͤrt Jaxthauſſen?

Carl.

Jaxthauſſen iſt ein Dorf und Schloß an der Jaxt.

Goͤtz.

Das frag ich nicht. Jch kannte alle Pfade, Weg und Furthen, eh ich wuſt wie Fluß, Dorf und Burg hies. Die Mutter iſt in der Kuͤch?

Carl.

Ja Papa! Sie kocht weiſe Ruͤben und ein Lammsbraten.

Goͤtz.31
Goͤtz.

Weißt du’s auch, Hanns Kuͤchenmeiſter?

Carl.

Und vor mich zum Nachtiſch, hat die Tante einen Apfel gebraten.

Goͤtz.

Kannſt du ſie nicht roh eſſen?

Carl.

Schmeckt ſo beſſer.

Goͤtz.

Du mußt immer was apartes haben. Weislingen! ich bin gleich wieder bey euch. Jch muß meine Frau doch ſehn. Komm mit Carl.

Carl.

Wer iſt der Mann?

Goͤtz.

Gruͤs ihn. Bitt ihn er ſoll luſtig ſeyn.

Carl.

Da Mann! Haſt du eine Hand, ſey luſtig, das Eſſen iſt bald fertig.

Weislingen.
(hebt ihn in die Hoͤh und kuͤßt ihn)

Gluͤckliches Kind! Das kein Uebel kennt, als wenn die Suppe lang ausbleibt. Gott laß euch viel Freud am Knaben erleben, Berlichingen!

Goͤtz.

Wo viel Licht iſt, iſt ſtarker Schatten doch waͤr mirs willkommen. Wollen ſehn was es giebt.

(Sie gehn.)
Weislingen.

O daß ich aufwachte! Und das alles waͤre ein Traum! Jn Berlichingens Gewalt, von dem ich mich kaum los gearbeitet hatte, deſſen Andenken ich mied wie Feuer, de ich hoffte zu uͤberwaͤltigen! Und er der alte treuherzige Goͤtz! Heili -32Heiliger Gott, was will aus dem allen werden! Ruͤckgefuͤhrt Adelbert in den Saal! wo wir als Buben unſere Jagd trieben. Da du ihn liebteſt, an ihm hiengſt wie an deiner Seele. Wer kann ihm nahen und ihn haſſen? Ach! Jch bin ſo ganz nichts hier. Gluͤckſelige Zeiten ſeyd vorbey, da noch der alte Berlichingen hier am Camin ſaß, da wir um ihn durch einander ſpielten, und uns liebten wie die Engel. Wie wird ſich der Biſchof aͤngſtigen, und meine Freunde. Jch weis, das ganze Land nimmt Theil an meinem Unfall. Was iſt’s! Koͤn - nen ſie mir geben wornach ich ſtrebe.

Goͤtz (mit einer Flaſche Wein und Becher.)
Goͤtz.

Biß das Eſſen fertig wird, wollen wir eins trinken. Kommt ſetzt euch, thut als wenn ihr zu Hauſe waͤrt. Denkt, ihr ſeyd wieder einmal beym

Goͤtz.

Haben doch lange nicht beyſammen geſeſſen, lang keine Flaſche mit einander ausgeſtochen.

(bringts ihm)

Ein froͤlich Herz!

Weislingen.

Die Zeiten ſind vorbey.

Goͤtz.

Behuͤte Gott. Zwar vergnuͤgtere Tage werden wir wohl nicht wieder finden, als an des Margrafens Hof, da wir noch beyſammen ſchliefen, und mit einander herum zogen. Jch erinnere michmit33mit Freuden meiner Jugend. Wißt ihr noch, wie ich mit dem Polacken Haͤndel kriegte, dem ich ſein gepicht und gekraͤuſelt Haar von ohngefaͤhr mit dem Ermel verwiſchte?

Weislingen.

Es war bey Tiſche, und er ſtach nach euch mit dem Meſſer.

Goͤtz.

Den ſchlug ich wacker aus dazumal, und daruͤber wurdet ihr mit ſeinem Camerad zu Unfried. Wir hielten immer redlich zuſammen als gute brave Jungens, dafuͤr erkennte uns auch ie - dermann.

(ſchenkt ein und bringts)

Caſtor und Pollux! Mir thats immer im Herzen wohl, wenn uns der Margraf ſo zutrank.

Weisling.

Der Biſchoff von Wuͤrzburg hatte es aufgebracht.

Goͤtz.

Das war ein gelehrter Herr, und da - bey ſo leutſelig. Jch erinnere mich ſeiner ſo lange ich lebe, wie er uns liebkoſte, unſere Eintracht lob - te, und den Menſchen gluͤcklich pries, der ein Zwil - lingsbruder ſeines Freund’s waͤre.

Weisling.

Nichts mehr davon.

Goͤtz.

Warum nicht. Nach der Arbeit wuͤßt ich nichts angenehmers, als mich des VergangenenCzu34zu erinnern. Freylich, wenn ich wieder ſo bedenke, wie wir Liebs und Leids zuſammen trugen, einan - der alles waren, und wie ich damals waͤhnte, ſo ſollts unſer ganzes Leben ſeyn. War das nicht all mein Troſt wie mir dieſe Hand weggeſchoſſen ward vor Landshut, und du mein pflegteſt, und mehr als Bruder fuͤr mich ſorgteſt, ich hofte Adelbert wird kuͤnftig meine rechte Hand ſeyn. Und nun

Weisling.

Oh!

Goͤtz.

Wenn du mir damals gefolgt haͤtteſt, da ich dir anlag mit nach Brabant zu ziehen, es waͤre alles gut geblieben. Da hielt dich das ungluͤckliche Hofleben, und das Schlenzen und Scharwenzen mit den Weibern. Jch ſagt es dir immer, wenn du dich mit den eitlen garſtigen Vetteln abgabſt, und ihnen erzaͤhlteſt von mißvergnuͤgten Ehen, ver - fuͤhrten Maͤdgen, der rauhen Haut einer dritten, oder was ſie ſonſt gerne hoͤren, du wirſt ein Spitz - bub, ſagt ich, Adelbert.

Weisling.

Wozu ſoll das alles.

Goͤtz.

Wollte Gott ich koͤnnts vergeſſen, oder es waͤr anders. Biſt du nicht eben ſo frey, ſo edel gebohren als einer in Teutſchland, unabhaͤngig, nurdem35dem Kayſer unterthan, und du ſchmiegſt dich unter Vaſallen. Was haſt du von dem Biſchoff? Weil er dein Nachbar iſt? Dich necken koͤnnte? Haſt du nicht Arme und Freunde, ihn wieder zu necken? Verkennſt den Werth eines freyen Rittersmanns, der nur abhaͤngt von Gott, ſeinem Kayſer und ſich ſelbſt, verkriechſt dich zum erſten Hofſchranzen eines eigenſinnigen neidiſchen Pfaffen.

Weislingen.

Laßt mich reden.

Goͤtz.

Was haſt du zu ſagen?

Weislingen.

Du ſiehſt die Fuͤrſten an, wie der Wolf den Hirten. Und doch, darfſt du ſie ſchelten, daß ſie ihrer Leut und Laͤnder Beſtes wah - ren? Sind ſie denn einen Augenblick vor den unge - rechten Rittern ſicher, die ihre Unterthanen auf al - len Straßen anfallen, ihre Doͤrfer und Schloͤſſer verheeren? Wenn nun auf der andern Seite un - ſers theuren Kayſers Laͤnder der Gewalt des Erb - feindes ausgeſetzt ſind, er von den Staͤnden Huͤlfe begehrt, und ſie ſich kaum ihres Lebens erwehren; iſt’s nicht ein guter Geiſt der ihnen einraͤth auf Mit - tel zu denken Teutſchland zu beruhigen, die Staats - verhaͤltniſſe naͤher zu beſtimmen, um einem jeden,C 2Großen36Großen und Kleinen die Vortheile des Friedens ge - nießen zu machen. Und uns verdenkſt du’s Berli - chingen, daß wir uns in ihren Schutz begeben, deren Huͤlfe uns nah iſt, ſtatt daß die ent - fernte Majeſtaͤt ſich ſelbſt nicht beſchuͤtzen kann.

Goͤtz.

Ja! Ja! Jch verſteh! Weislingen, waͤ - ren die Fuͤrſten wie ihr ſie ſchildert, wir haͤtten alle was wir begehren. Ruh und Frieden! Jch glaubs wohl! Den wuͤnſcht jeder Raubvogel, die Beute nach Bequemlichkeit zu verzehren. Wohlſeyn eines jeden! Daß ſie ſich nur darum graue Haare wach - ſen lieſen. Und mit unſerm Kayſer ſpielen ſie auf eine unanſtaͤndige Art. Er meynts gut, und moͤcht gern beſſern. Da kommt denn alle Tage ein neuer Pfannenflicker, und meynt ſo und ſo. Und weil der Herr geſchwind was begreift, und nur reden darf um tauſend Haͤnd in Bewegung zu ſetzen, ſo meynt er, es waͤr auch alles ſo geſchwind und leicht ausgefuͤhrt. Nun ergehn Verordnungen uͤber Ver - ordnungen, und wird eine uͤber die andere vergeſ - ſen, und was den Fuͤrſten in ihren Kram dient, da ſind ſie hinter her, und gloriiren von Ruh und Sicherheit des Staats, bis ſie die Kleinen untermFuß37Fuß haben. Jch will darauf ſchwoͤren, es dankt mancher in ſeinem Herzen Gott, daß der Tuͤrk dem Kayſer die Waage haͤlt.

Weislingen.

Jhr ſehts von eurer Seite.

Goͤtz.

Das thut jeder. Es iſt die Frage auf welcher Licht und Recht iſt, und eure Gaͤnge ſcheuen wenigſtens den Tag.

Weislingen.

Jhr duͤrft reden, ich bin der Ge - fangne.

Goͤtz.

Wenn euer Gewiſſen rein iſt, ſo ſeyd ihr frey. Aber wie wars mit dem Landfrieden? Jch weiß noch als ein Bub von ſechzehn Jahren, war ich mit dem Margraf auf dem Reichstag. Was die Fuͤrſten da fuͤr weite Maͤuler machten, und die Geiſtlichen am aͤrgſten. Euer Biſchoff laͤrmte dem Kayſer die Ohren voll, als wenn ihm wunder die Gerechtigkeit an’s Herz gewachſen waͤre, und jetzt wirft er mir ſelbſt einen Buben nieder, zur Zeit da unſere Haͤndel vertragen ſind, ich an nichts boͤ - ſes denke. Jſt nicht alles zwiſchen uns geſchlichtet? Was hat er mit dem Buben?

Weislingen.

Es geſchah ohne ſein Wiſſen.

C 3Goͤtz.38
Goͤtz.

Warum giebt er ihn nicht wieder los?

Weislingen.

Er hatte ſich nicht aufgefuͤhrt wie er ſollte.

Goͤtz.

Nicht wie er ſollte! Bey meinem Eyd, er hat gethan, wie er ſollte, ſo gewiß er mit eurer und des Biſchoffs Kundſchaft gefangen iſt. Meynt ihr, ich komme erſt heut auf die Welt, um nicht zu ſehen, wo alles hinaus will.

Weislingen.

Jhr ſeyd argwoͤhniſch und thut uns Unrecht.

Goͤtz.

Weislingen, ſoll ich von der Leber weg reden? Jch bin euch ein Dorn in den Augen, ſo klein ich bin, und der Sickingen und Selbitz nicht weniger, weil wir feſt entſchloſſen ſind zu ſterben eh, als die Luft jemanden zu verdanken, außer Gott, und unſere Treu und Dienſt zu leiſten, als dem Kayſer. Da ziehen ſie nun um mich her - um, verſchwaͤrzen mich bey Jhro Majeſtaͤt und ih - ren Freunden, und meinen Nachbarn, und ſpioni - ren nach Vortheil uͤber mich. Aus dem Weg wol - len ſie mich haben, wie’s waͤre. Darum nahmt ihr meinen Buben gefangen, weil ihr wußtet, ich hatte ihn auf Kundſchaft ausgeſchickt, und darumthat39that er nicht was er ſollte, weil er mich nicht an euch verrieth. Und du Weislingen biſt ihr Werk - zeug!

Weislingen.

Berlichingen!

Goͤtz.

Kein Wort mehr davon, ich bin ein Feind von Explicationen, man betruͤgt ſich oder den andern, und meiſt beyde.

Carl.

Zu Tiſch Papa.

Goͤtz.

Froͤhliche Bottſchaft! Kommt, ich hoffe meine Weibsleute ſollen euch munter machen. Jhr war’t ſonſt ein Liebhaber, die Fraͤuleins wußten von euch zu erzaͤhlen. Kommt!

(ab.)
C 4Jm40
Jm Biſchoͤflichen Pallaſt zu Bamberg. Der Speißeſaal.
Biſchoff von Bamberg, Abt von Fulda, Olearius beyder Rechten Doctor, Lie - betraut, Hofleute, (an Tafel, der Nach - tiſch und die große Pokale werden auf - getragen.)
Biſchoff.

Studieren jetzt viele Deutſche von Adel zu Bologna?

Olearius.

Vom Adel - und Buͤrgerſtand. Und ohne Ruhm zu melden, tragen ſie das groͤßte Lob davon. Man pflegt im Sprichwort auf der Akade - mie zu ſagen: So fleißig wie ein Deutſcher von Adel. Denn indem die Buͤrgerliche einen ruͤhmli - chen Fleiß anwenden, durch Talente den Mangel der Geburt zu erſetzen: ſo beſtreben ſich jene, mit ruͤhmlicher Wetteiferung, ihre angebohrneWuͤr -41Wuͤrde, durch die glaͤnzendſte Verdienſte zu erhoͤ - hen.

Abt.

Ey!

Liebetraut.

Sag einer! was man nicht erlebt. So fleißig wie ein Deutſcher von Adel! das hab ich mein Tage nicht gehoͤrt.

Olearius.

Ja, ſie ſind die Bewunderung der ganzen Akademie. Es werden eheſtens einige von den den aͤltſten und geſchickteſten als Doctores zuruͤckkommen. Der Kayſer wird gluͤcklich ſeyn, ſeine Gerichte damit beſetzen zu koͤnnen.

Biſchoff.

Das kann nicht fehlen.

Abt.

Kennen ſie nicht zum Exempel einen Jun - ker? er iſt aus Heſſen

Olearius.

Es ſind viel Heſſen da.

Abt.

Er heißt Er iſt Weiß es keiner von euch? Seine Mutter war eine von Oh! Sein Vater hatte nur ein Aug und war Marſchall.

Liebetraut.

Von Wildenholz.

Abt.

Recht von Wildenholz.

C 5Olearius.42
Olearius.

Den kenn ich wohl, ein junger Herr von vielen Faͤhigkeiten. Beſonders ruͤhmt man ihn wegen ſeiner Staͤrke im Diſputiren.

Abt.

Das hat er von ſeiner Mutter.

Liebetraut.

Nur wollte ſie ihr Mann niemals drum ruͤhmen.

Biſchoff.

Wie ſagtet ihr, daß der Kayſer hieß, der euer Corpus Juris geſchrieben hat.

Olearius.

Juſtinianus.

Biſchoff.

Ein treflicher Herr! Er ſoll leben!

Olearius.

Sein Andenken!

(ſie trinken.)
Abt.

Es mag ein ſchoͤn Buch ſeyn.

Olearius.

Man moͤgts wohl ein Buch aller Buͤ - cher nennen. Eine Sammlung aller Geſetze, bey jedem Fall der Urtheilsſpruch bereit, oder was ja noch abgaͤngig oder dunkel waͤre, erſetzen die Gloſ - ſen, womit die gelehrteſten Maͤnner das fuͤrtreflich - ſte Werk geſchmuͤckt haben.

Abt.

Eine Sammlung aller Geſetze! potz! Da muͤſſen auch wohl die zehen Gebote drinn ſeyn.

Olearius.

Implicite wohl, nicht explicite.

Abt.43
Abt.

Das meyn ich auch, an und vor ſich, ohne weitere Explication.

Biſchoff.

Und was das ſchoͤnſte iſt, ſo koͤnnte, wie ihr ſagt, ein Reich in ſicherſter Ruhe und Frie - den leben, wo es voͤllig eingefuͤhrt, und recht ge - handhabt wuͤrde.

Olearius.

Ohne Frage.

Biſchoff.

Alle Doctores Juris!

Olearius.

Jch werd’s zu ruͤhmen wiſſen.

(ſie trinken)

Wollte Gott man ſpraͤche ſo in meinem Vaterland.

Abt.

Wo ſeyd ihr her? Hochgelahrter Herr.

Olearius.

Von Frankfurt am Mayn. Jhro Eminenz zu dienen.

Biſchoff.

Steht ihr Herrn da nicht wohl an - geſchrieben! Wie kommt das?

Olearius.

Sonderbar genug. Jch war da, meines Vaters Erbſchaft abzuholen, der Pobel haͤt - te mich faſt geſteinigt, wie er hoͤrte, ich ſey ein Juriſt.

Abt.

Behuͤte Gott!

Olearius.44
Olearius.

Daher kommts. Der Schoͤppenſtul, der in großem Anſehen weit umher ſteht, iſt mit lauter Leuten beſetzt, die der Roͤmiſchen Rechte un - kundig ſind. Es gelangt niemand zur Wuͤrde eines Richters, als der durch Alter und Erfahrung eine genaue Kenntniß des innern und aͤuſern Zuſtandes der Stadt, und eine ſtarke Urtheilskraft ſich erwor - ben hat, das Vergangene auf das Gegenwaͤrtige anzuwenden. So ſind die Schoͤffen lenbendige Archive, Chronicken, Geſetzbuͤcher, alles in Einem, und richten nach altem Herkommen und wenigen Statuten ihre Buͤrger, und die Nachbarſchaft.

Abt.

Das iſt wohl gut.

Olearius.

Aber lange nicht genug. Der Men - ſchen Leben iſt kurz, und in Einer Generation kom - men nicht alle Caſus vor. Eine Sammlung ſolcher Faͤlle von vielen Jahrhunderten iſt unſer Geſetzbuch. Und dann iſt der Wille und die Meynung der Men - ſchen ſchwankend, dem deucht heute das recht, was der andere morgen mißbilliget; Und ſo iſt Verwirrung und Ungerechtigkeit unvermeidlich. Das alles beſtimmen die Geſetze; und die Geſetze ſind unveraͤnderlich.

Abt.

Das iſt freylich beſſer.

Olea -45
Olearius.

Das erkennt der Poͤbel nicht, der, ſo gierig er auf Neuigkeiten iſt, das Neue hoͤchſt ver - abſcheuet, das ihn aus ſeinem Gleiſe leiten will, und wenn er ſich noch ſo ſehr dadurch verbeſſert. Sie halten den Juriſten ſo arg als einen Verwirrer des Staats, einen Beutelſchneider, und ſind wie raſend, daß ſich dort keine anbauen.

Liebetraut.

Jhr ſeyd von Frankfurt! Jch bin wohl da bekannt. Bey Kayſer Maximilians Kroͤ - nung haben wir euren Braͤutigams was vorge - ſchmaußt. Euer Name iſt Olearius? Jch kenne ſo niemanden.

Olearius.

Mein Vater hies Oehlmann. Nur den Mißſtand auf dem Titel meiner lateiniſchen Schriften zu vermeiden, nennt ich mich, nach dem Beyſpiel und auf Anrathen wuͤrdiger Rechtslehrer, Olearius.

Liebetraut.

Jhr thatet wohl, daß Jhr euch uͤberſetztet. Ein Prophet gilt nichts in ſeinem Va - terlande, es haͤtt euch in eurer Mutterſprach auch ſo gehen koͤnnen.

Olearius.

Es war nicht darum.

Liebetraut.

Alle Dinge haben ein Paar Urſa - chen.

Abt.46
Abt.

Ein Prophet gilt nichts in ſeinem Va - terland.

Liebetraut.

Wißt ihr auch warum, Hochwuͤr - diger Herr?

Abt.

Weil er da gebohren und erzogen iſt.

Liebetraut.

Wohl! Das mag die Eine Urſa - che ſeyn. Die andere iſt: Weil bey einer naͤheren Bekanntſchaft mit denen Herrn, der Nimbus von Ehrwuͤrdigkeit und Heiligkeit wegſchwindet, den uns eine neblichte Ferne um ſie herum luͤgt, und dann ſind ſie ganz kleine Stuͤmpfgen Unſchlitt.

Olearius.

Es ſcheint ihr ſeyd dazu beſtellt Wahrheiten zu ſagen.

Liebetraut.

Weil ich’s Herz dazu hab, ſo fehlt mirs nicht am Maul.

Olearius.

Aber doch an Geſchicklichkeit ſie wohl anzubringen.

Liebetraut.

Schroͤpfkoͤpfe ſind wohl angebracht, wo ſie ziehen.

Olearius.

Bader erkennt man an der Schuͤrze, und nimmt in ihrem Amt ihnen nichts uͤbel. Zur Vorſorge thaͤtet ihr wohl, wenn ihr eine Schellen - kappe truͤgt.

Liebe -47
Liebetraut.

Wo habt ihr promovirt? Es iſt nur zur Nachfrage, wenn mir einmal der Einfall kaͤme, daß ich gleich vor die rechte Schmiede ginge.

Olearius.

Jhr ſeyd verwegen.

Liebetraut.

Und ihr ſehr breit.

(Biſchoff und Abt lachen.)
Biſchoff.

Von was anders Nicht ſo hitzig ihr Herrn. Bey Tiſch geht alles drein. Einen andern Diſcours Liebetraut.

Liebetraut.

Gegen Frankfurt liegt ein Ding uͤber, heißt Sachſenhaußen

Olear.
(zum Biſchoff.)

Was ſpricht man vom Tuͤrkenzug, Jhro Biſchoͤffliche Gnaden?

Biſchoff.

Der Kayſer hat nichts angelegners, als vor erſt das Reich zu beruhigen, die Vehden abzuſchaffen, und das Anſehn der Gerichte zu befe - ſtigen. Dann, ſagt man, wird er perſoͤnlich gegen die Feinde des Reichs und der Chriſtenheit ziehen. Jetzt machen ihm ſeine Privathaͤndel noch zu thun, und das Reich iſt, trotz ein vierzig Landfriedens, noch immer eine Moͤrdergrube. Franken, Schwa - ben, der Oberrhein und die angraͤnzende Laͤnder,wer -48werden von uͤbermuͤthigen und kuͤhnen Rittern ver - heeret: Sickingen, Selbiz mit dem einen Fuß, Berlichingen mit der eiſernen Hand, ſpotten in die - ſen Gegenden des Kayſerlichen Anſehens

Abt.

Ja, wenn Jhro Majeſtaͤt nicht bald dar - zu thun; ſo ſtecken einen die Kerl am End in Sack.

Liebetraut.

Das muͤßt ein Kerl ſeyn, der das Weinfaß von Fuld in den Sack ſchieben wollte.

Biſchoff.

Beſonders iſt dieſer letztere ſeit vie - len Jahren mein unverſoͤhnlicher Feind, und mo - leſtirt mich unſaͤglich, aber es ſoll nicht lang mehr waͤhren, hoff ich. Der Kayſer haͤlt jetzt ſeinen Hof zu Augſpurg. Wir haben unſere Maasregeln ge - nommen, es kann uns nicht fehlen. Herr Doktor, kennt ihr Adelberten von Weislingen?

Olearius.

Nein, Jhro Eminenz.

Biſchoff.

Wenn ihr die Ankunft dieſes Mann’s erwartet, werdet ihr euch freuen, den edelſten, ver - ſtaͤndigſten und angenehmſten Ritter in einer Perſon zu ſehen.

Olearius.

Es muß ein fuͤrtreflicher Mann ſeyn, der ſolche Lobeserhebungen aus ſolch einem Munde verdient.

Liebe -49
Liebetraut

Er iſt auf keiner Akademie geweſen.

Biſchoff.

Das wiſſen wir.

(Die Bedienten laufen ans Fenſter.)
Biſchoff.

Was giebts?

Ein Bedienter.

Eben reit Faͤrber Weislin - gens Knecht zum Schloßthor herein.

Biſchoff.

Seht was er bringt, er wird ihn melden.

(Liebetraut geht. Sie ſtehn auf und trin - ten noch eins.)
(Liebetraut kommt zuruͤck.)
Biſchoff.

Was vor Nachrichten?

Liebetraut

Jch wollt es muͤßt ſie euch ein andrer ſagen. Weislingen iſt gefangen.

Biſchoff.

O!

Liebetraut.

Berlichingen hat ihn und drey Knechte bey Haslach weggenommen. Einer iſt ent - ronnen euch’s anzuſagen.

Abt.

Eine Hiobs Poſt!

Olearius.

Es thut mir von Herzen leid.

Biſchoff.

Jch will den Knecht ſehn, bringt ihn herauf Jch will ihn ſelbſt ſprechen. Bringt ihn in mein Cabinet.

(ab.)
DAbt.50
Abt.
(ſetzt ſich.)

Noch einen Schluck.

(Die Knechte ſchenken ein.)
Olearius.

Belieben Jhro Hochwuͤrden nicht ei - ne kleine Promenade in den Garten zu machen. Poſt cœnam ſtabis ſeu paſſus mille meabis.

Liebetraut.

Wahrhaftig, das Sizen iſt ihnen nicht geſund. Sie kriegen noch ein Schlagfluß.

(Abt hebt ſich auf.)
Liebetraut.
(vor ſich)

Wann ich ihn nur drauſ - ſen hab, will ich ihm vors Exercitium ſorgen.

(gehn ab.)
Jaxthauſen.
Maria. Weislingen.
Maria.

Jhr liebt mich, ſagt ihr. Jch glaub es gerne, und hoffe mit euch gluͤcklich zu ſeyn, und euch gluͤcklich zu machen.

Weislingen.

Jch fuͤhle nichts, als nur daß ich ganz dein bin.

(er umarmt ſie.)
Maria.

Jch bitte euch laßt mich. Einen Kuß hab ich euch zum Gott’spfenning erlaubt, ihr ſchei - net aber ſchon von dem Beſiz nehmen zu wollen, was nur unter Bedingungen euer iſt.

Weis -51
Weislingen.

Jhr ſeyd zu ſtreng Maria! Un - ſchuldige Liebe erfreut die Gottheit, ſtatt ſie zu be - leidigen.

Maria.

Es ſey! Aber ich bin nicht dadurch er - baut. Man lehrte mich: Liebkoſungen ſeyen wie Ketten ſtark durch ihre Verwandſchaft, und Maͤd - gen, wenn ſie liebten, ſeyen ſchwaͤcher als Simſon nach dem Verluſt ſeiner Locken.

Weislingen.

Wer lehrte euch das?

Maria.

Die Abtißin meines Kloſters. Bis in mein ſechzehnt Jahr war ich bey ihr, und nur mit euch empfind ich das Gluͤck das ich in ihrem Um - gang genoß. Sie hatte geliebt, und durfte reden. Sie hatte ein Herz voll Empfindung! Sie war eine fuͤrtrefliche Frau.

Weislingen.

Da glich ſie dir!

(er nimmt ihre Hand)

Wie wird mirs werden, wenn ich euch ver - laſſen ſoll!

Maria.
(zieht ihre Hand zuruͤck)

Ein bißgen eng hoff ich, denn ich weiß wie’s mir ſeyn wird. Aber ihr ſollt fort.

Weisling.

Ja, meine Theuerſte und ich will. Denn ich fuͤhle, welche Seeligkeiten ich mir durchD 2dieſes52dieſes Opfer erwerbe. Geſegnet ſey dein Bruder, und der Tag an dem er auszog mich zu fangen.

Maria.

Sein Herz war voll Hoffnung fuͤr ihn und dich. Lebt wohl, ſagt er bey’m Abſchied, ich will ſehen daß ich ihn wieder finde.

Weislingen.

Er hats. Wie wuͤnſcht ich die Ver - waltung meiner Guͤter und ihre Sicherheit, nicht durch das leidige Hofleben ſo verſaͤumt zu haben. Du koͤnnteſt gleich die meinige ſeyn.

Maria.

Auch der Aufſchub hat ſeine Freuden.

Weislingen.

Sage das nicht Maria, ich muß ſonſt fuͤrchten du empfindeſt weniger ſtark als ich. Doch ich buͤſe verdient, und ſchwindet nicht alle Entſagung gegen den Himmel voll Ausſichten. Ganz der deine zu ſeyn, nur in dir und dem Kreis von Guten zu leben, von der Welt entfernt, ge - trennt, alle Wonne zu genießen die ſo zwey Her - zen einander gewaͤhren; was iſt die Gnade des Fuͤr - ſten, was der Beyfall der Welt gegen dieſe einfache einzige Gluͤckſeligkeit. Jch habe viel gehofft und ge - wuͤnſcht, das wiederfaͤhrt mir uͤber alles Hoffen und Wuͤnſchen.

Goͤtz53
Goͤtz (kommt.)
Goͤtz.

Euer Knab iſt wieder da. Er konnte vor Muͤdigkeit und Hunger kaum etwas vorbringen. Meine Frau giebt ihm zu eſſen. So viel hab ich verſtanden, der Biſchoff will den Knaben nicht heraus geben, es ſollen Kayſerliche Commiſſarien ernannt, und ein Tag ausgeſetzt werden, wo die Sache denn verglichen werden mag. Dem ſey wie ihm wolle, Adelbert, ihr ſeyd frey, ich verlange weiter nichts als eure Hand, daß ihr inskuͤnftige meinen Feinden weder oͤffentlich noch heimlich Vorſchub thun wollt.

Weislingen.

Hier faß ich eure Hand. Laßt von dieſem Augenblick an Freundſchaft und Ver - trauen gleich einem ewigen Geſetz der Natur un - veraͤnderlich unter uns ſeyn. Erlaubt mir zugleich, dieſe Hand zu faſſen.

(Er nimmt Mariens Hand;)

Und den Beſitz des edelſten Fraͤuleins.

Goͤtz.

Darf ich ja fuͤr euch ſagen?

Maria.

Beſtimmt meine Antwort nach dem Werthe ſeiner Verbindung mit euch.

Goͤtz.

Es iſt ein Gluͤck, daß unſere Vortheile diesmal mit einander gehn. Du brauchſt nicht rothD 3zu54zu werden. Deine Blicke ſind Beweis genug. Ja denn Weislingen! Gebt euch die Haͤnde, und ſo ſprech ich Amen! Mein Freund und Bruder! Jch danke dir Schweſter! Du kannſt mehr als Hanf ſpinnen. Du haſt einen Faden gedreht dieſen Pa - radiesvogel zu feſſeln. Du ſiehſt nicht ganz frey! Was fehlt dir? Jch bin ganz gluͤcklich; was ich nur traͤumend hofte, ſeh ich, und bin wie traͤu - mend. Ach! nun iſt mein Traum aus. Mir wars heute Nacht, ich gaͤb dir meine rechte eiſerne Hand, und du hielteſt mich ſo feſt, daß ſie aus den Armſchienen gieng wie abgebrochen. Jch erſchrack und wachte druͤber auf. Jch haͤtte nur fort traͤu - men ſollen, da wuͤrd ich geſehen haben, wie du mir eine neue lebendige Hand anſetzteſt. Du ſollt mir jetzo fort, dein Schloß und deine Guͤter in voll - kommenen Stand zu ſetzen. Der verdammte Hof hat dich beydes verſaͤumen machen. Jch muß mei - ner Frau rufen. Eliſabeth!

Maria.

Mein Bruder iſt in voller Freude.

Weislingen.

Und doch darf ich ihm den Rang ſtreitig machen.

Goͤtz.

Du wirſt anmuthig wohnen.

Maria.55
Maria.

Franken iſt ein geſegnetes Land.

Weislingen.

Und ich darf wohl ſagen, mein Schloß liegt in der geſegnetſten und anmuthigſten Gegend.

Goͤtz.

Das duͤrft ihr, und ich wills behaupten. Hier fließt der Mayn, und allmaͤhlich hebt der Berg an, der mit Aeckern und Weinbergen bekleidet von eurem Schloß gekroͤnt wird, dann biegt ſich der Fluß ſchnell um die Ecke hinter dem Felſen eures Schloſ - ſes hin. Die Fenſter des großen Saals gehen ſteil herab auf’s Waſſer, eine Ausſicht viel Stunden weit.

Eliſabeth (kommt.)
Eliſabeth.

Was ſchafft ihr?

Goͤtz.

Du ſollſt deine Hand auch darzu geben, und ſagen: Gott ſegne euch. Sie ſind ein Paar.

Eliſabeth.

So geſchwind!

Goͤtz.

Aber nicht unvermuthet.

Eliſabeth

Moͤget ihr euch ſo immer nach ihr ſehnen, als bisher da ihr um ſie warbt. Und dann! Moͤgtet ihr ſo gluͤcklich ſeyn, als ihr ſie lieb behaltet.

Weislingen.

Amen! Jch begehre kein Gluͤck, als unter dieſem Titel.

D 4Goͤtz.56
Goͤtz.

Der Braͤutigam, meine liebe Frau, thut eine kleine Reiſe, denn die große Veraͤnderung zieht viel geringe nach ſich. Er entfernt ſich zuerſt vom Biſchoͤflichen Hof, um dieſe Freundſchaft nach und nach erkalten zu laſſen. Dann reißt er ſeine Guͤter eigennuͤtzigen Pachtern aus den Haͤnden. Und kommt Schweſter, komm Eliſabeth! Wir wollen ihn allein laſſen. Sein Knab hat ohne Zweifel geheime Auftraͤge an ihn.

Weislingen.

Nichts als was ihr wiſſen duͤrft.

Goͤtz.

Brauchts nicht. Franken und Schwa - ben! Jhr ſeyd nun verſchwiſterter als jemals. Wie wollen wir denen Fuͤrſten den Daumen auf dem Aug halten.

(die drey gehn)
Weislingen.

Gott im Himmel! konnteſt du mir Unwurdigen ſolch eine Seeligkeit bereiten. Es iſt zu viel fuͤr mein Herz. Wie ich von den elenden Menſchen abhieng die ich zu beherrſchen glaubte, von den Blicken des Fuͤrſten, von dem ehrerbietigen Beyfall umher. Goͤtz theurer Goͤtz haſt mich mir ſelbſt wieder gegeben, und Maria du vollendeſt mei - ne Sinnesaͤnderung. Jch fuͤhle mich ſo frey wie in heiterer Luft. Bamberg will ich nicht mehr ſe -hen,57hen, will alle die ſchaͤndliche Verbindungen durch - ſchneiden, die mich unter mir ſelbſt hielten. Mein Herz erweitert ſich, hier iſt kein beſchwerliches Stre - ben nach verſagter Groͤße. So gewiß iſt der allein gluͤcklich und groß, der weder zu herrſchen noch zu gehorchen braucht um etwas zu ſeyn.

Franz (tritt auf.)
Franz.

Gott gruͤs euch geſtrenger Herr! Jch bring euch ſo viel Gruͤſe, daß ich nicht weiß wo an - zufangen. Bamberg, und zehn Meilen in die Run - de entbieten euch ein tauſendfaches: Gott gruͤs euch.

Weislingen.

Willkommen Franz! Was bringſt du mehr?

Franz.

Jhr ſteht in einem Andenken bey Hof und uͤberall, daß nicht zu ſagen iſt.

Weislingen.

Das wird nicht lang dauren.

Franz.

So lang ihr lebt! und nach eurem Tod wird’s heller blinken, als die meſſingene Buchſta - ben auf einem Grabſtein. Wie man ſich euern Un - fall zu Herzen nahm!

Weislingen.

Was ſagte der Biſchoff?

D 5Franz.58
Franz.

Er war ſo begierig zu wiſſen, daß er mit der geſchaͤftigſten Geſchwindigkeit von Fragen meine Antwort verhinderte. Er wußt es zwar ſchon, denn Faͤrber, der von Haslach entrann, brachte ihm die Bottſchaft. Aber er wollte alles wiſſen. Er fragte ſo aͤngſtlich, ob ihr nicht verſehrt waͤret? Jch ſagte: er iſt ganz, von der aͤuſerſten Haar - ſpitze bis zum Nagel des kleinen Zehs.

Weislingen.

Was ſagte er zu den Vorſchlaͤgen?

Franz.

Er wollte gleich alles heraus geben, den Knaben und noch Geld darauf, nur euch zu befreyen. Da er aber hoͤrte, ihr ſolltet ohne das loskommen, und nur euer Wort das Equivalent ge - gen den Buben ſeyn; da wollte er abſolut den Berlichingen vertagt haben. Er ſagte mir hundert Sachen an euch, ich hab ſie vergeſſen. Es war eine lange Predigt uͤber die Worte: Jch kann Weisling nicht entbehren.

Weislingen.

Er wirds lernen muͤſſen!

Franz.

Wie meynt ihr? Er ſagte: mach ihn eilen, es wartet alles auf ihn.

Weislingen.

Es kann warten. Jch gehe nicht an Hof.

Franz.59
Franz.

Nicht an Hof? Herr! Wie kommt euch das? Wenn ihr wuͤßtet was ich weiß. Wenn ihr nur traͤumen koͤnntet, was ich geſehen habe.

Weislingen.

Wie wird dir’s?

Franz.

Nur von der bloßen Erinnerung komm ich auſſer mir. Bamberg iſt nicht mehr Bamberg, ein Engel in Weibergeſtalt macht es zum Vorhof des Himmels.

Weislingen.

Nichts weiter?

Franz.

Jch will ein Pfaff werden, wenn ihr ſie ſeht, und nicht auſſer euch kommt.

Weislingen.

Wer iſt’s denn?

Franz.

Adelheid von Walldorf.

Weislingen.

Die! Jch hab viel von ihrer Schoͤnheit gehoͤrt

Franz.

Gehoͤrt? Das iſt eben als wenn ihr ſagtet, ich hab die Muſik geſehen. Es iſt der Zunge ſo wenig moͤglich eine Lienie ihrer Vollkommenheiten auszudrucken, da das Aug ſo gar in ihrer Gegen - wart ſich nicht ſelbſt genug iſt.

Weislingen.

Du biſt nicht geſcheidt.

Franz.60
Franz.

Das kann wohl ſeyn. Das letztemal daß ich ſie ſahe, hatte ich nicht mehr Sinne als ein Trunkener. Oder vielmehr, kann ich ſagen, ich fuͤhlte in dem Augenblick, wie’s den Heiligen bey himmliſchen Erſcheinungen ſeyn mag. Alle Sinne ſtaͤrker, hoͤher, vollkommener, und doch den Gebrauch von keinem.

Weislingen.

Das iſt ſeltſam.

Franz.

Wie ich von dem Biſchoff Abſchied nahm, ſaß ſie bey ihm. Sie ſpielten Schach. Er war ſehr gnaͤdig, reichte mir ſeine Hand zu kuͤſſen und ſagte mir viel vieles, davon ich nichts vernahm. Denn ich ſah ſeine Nachbarinn, ſie hatte ihr Auge auf’s Bret geheftet, als wenn ſie einem großen Streich nachſaͤnne. Ein feiner laurender Zug um Mund und Wange! Jch haͤtte der elfenbeinerne Koͤnig ſeyn moͤgen. Adel und Freundlichkeit herrſchten auf ih - rer Stirne. Und das blendende Licht des Angeſichts und des Buſens wie es von den finſtern Haaren er - hoben ward!

Weislingen.

Du biſt gar druͤber zum Dichter geworden.

Franz.

So fuͤhl ich denn in dem Augenblick, was den Dichter macht, ein volles, ganz von einerEm -61Empfindung volles Herz. Wie der Biſchoff endigte und ich mich neigte, ſah ſie mich an, und ſagte: auch von mir einen Grus unbekannter weis! Sag ihm, er mag ja bald kommen. Es warten neue Freunde auf ihn, er ſoll ſie nicht verachten wenn er ſchon an alten ſo reich iſt. Jch wollte was antworten, aber der Paß vom Herzen nach der Zun - ge war verſperrt, ich neigte mich. Jch haͤtte mein Vermoͤgen gegeben die Spitze ihres kleinen Fingers kuͤſſen zu duͤrfen! Wie ich ſo ſtund wurf der Bi - ſchoff einen Bauren herunter, ich fuhr darnach und beruͤhrte im Aufheben den Saum ihres Kleides, das fuhr mir durch alle Glieder, und ich weis nicht wie ich zur Thuͤre hinaus gekommen bin.

Weislingen.

Jſt ihr Mann bey Hofe?

Franz.

Sie iſt ſchon vier Monath Wittwe. Um ſich zu zerſtreuen haͤlt ſie ſich in Bamberg auf. Jhr werdet ſie ſehen. Wenn ſie einen anſieht, iſts als wenn man in der Fruͤhlings-Sonne ſtuͤnde.

Weislingen.

Es wuͤrde eine ſchwaͤchere Wuͤr - kung auf mich machen.

Franz.

Jch hoͤre, ihr ſeyd ſo gut als verhey - rathet.

Weis -62
Weislingen.

Wollte ich waͤrs. Meine ſanfte Marie wird das Gluͤck meines Lebens machen. Jhre ſuͤße Seele bildet ſich in ihren blauen Augen. Und weis wie ein Engel des Himmels, gebildet aus Unſchuld und Liebe, leitet ſie mein Herz zur Ruhe und Gluͤckſeligkeit. Pack zuſammen! Und dann auf mein Schloß! Jch will Bamberg nicht ſehen, und wenn Sankt Veit in Perſon meiner begehrte.

(geht ab.)
Franz.

Da ſey Gott fuͤr, wollen das beſte hof - fen. Maria iſt liebreich und ſchoͤn, und einem Gefangenen und Kranken kann ich nicht uͤbel neh - men der ſich in ſie verliebt. Jn ihren Augen iſt Troſt, geſellſchaftliche Melancholie. Aber um dich Adelheid iſt Leben, Feuer, Muth Jch wuͤrde! Jch bin ein Narr dazu machte mich Ein Blick von ihr. Mein Herr muß hin! Jch muß hin! Und da will ich mich wieder geſcheid oder voͤllig raſend gaffen.

Zwey -63

Zweyter Act.

Bamberg. Ein Saal.
Biſchoff, Adelheid (ſpielen Schach,) Lie - betraut (mit einer Zitter,) Hofdamen, Hofleute (um ihn herum am Camin.)
Liebetraut.
(Spielt und ſingt.)
Mit Pfeilen und Bogen
Cupido geflogen
Mit Fackel im Brand,
Wollt mutilich kriegen
Und maͤnnilich ſiegen
Mit ſtuͤrmender Hand.
Auf! Auf!
An! An!
Die Waffen erklirrten
Die Fluͤgelein ſchwirrten
Die Augen entbrannt.
Da64
Da fand er die Buſen
Ach leider ſo blos,
Sie nahmen ſo willig
Jhn all auf den Schoos.
Er ſchuͤttet die Pfeile
Zum Feuer hinein,
Sie herzten und druͤckten
Und wiegten ihn ein.
Hey ey o! Popeyo!
Adelheid.

Jhr ſeyd nicht bey eurem Spiel. Schach dem Koͤnig!

Biſchoff.

Es iſt noch Auskunft.

Adelheid.

Lang werdet ihrs nicht mehr treiben. Schach dem Koͤnig!

Liebetraut.

Das Spiel ſpielt ich nicht wenn ich ein großer Herr waͤr, und verboͤts am Hof und im ganzen Land.

Adelheid.

Es iſt wahr, das Spiel iſt ein Pro - bierſtein des Gehirns.

Liebetraut.

Es iſt nicht darum. Jch wollte lie - ber das Geheul der Todtenglocke und ominoͤſer Voͤ - gel, lieber das Gebell des knurriſchen Hofhunds Ge - wiſſen, lieber wollt ich ſie durch den tiefſten Schlafhoͤren,65hoͤren, als von Laufern, Springern, und andern Beſtien das Ewige: Schach dem Koͤnig!

Biſchoff.

Wem wird auch das einfallen!

Liebetraut.

Einem zum Exempel, der ſchwach waͤre und ein ſtark Gewiſſen haͤtte, wie denn das meiſtentheils beyſammen iſt. Sie nennens ein koͤ - niglich Spiel, und ſagen, es ſey fuͤr einen Koͤnig erfunden worden, der den Erfinder mit einem Meer von Ueberfluß belohnte. Wenn’s wahr iſt, ſo iſt mirs als wenn ich ihn ſaͤhe. Er war minorenn an Verſtand oder an Jahren, unter der Vormund - ſchaft ſeiner Mutter oder ſeiner Frau, hatte Milch - haare im Bart und Flachshaare um die Schlaͤfe, er war ſo gefaͤllig wie ein Weidenſchoͤßling, und ſpielte gern mit den Damen und auf der Dame, nicht aus Leidenſchaft, behuͤte Gott, nur zum Zeit - vertreib. Sein Hofmeiſter zu taͤhtig ein Gelehrter, zu unlenkſam ein Weltmann zu ſeyn, erfand das Spiel in uſum Delphini, das ſo homogen mit ſeiner Majeſtaͤt war und ſo ferner.

Adelheid.

Schach dem Koͤnig, und nun iſt’s aus! Jhr ſolltet die Luͤcken unſrer Geſchichtsbuͤ - cher ausfuͤllen Liebetraut.

ELiebe -66
Liebetraut.

Die Luͤcken unſrer Geſchlechtsre - giſter, das waͤre profitabler. Seit dem die Ver - dienſte unſerer Vorfahren mit ihren Portraits zu einerley Gebrauch dienen, die leeren Seiten nemlich unſrer Zimmer und unſres Charackters zu tappe - zieren; da waͤre was zu verdienen.

Biſchoff.

Er will nicht kommen, ſagtet ihr!

Adelheid.

Jch bitt euch ſchlagts euch aus dem Sinn.

Biſchoff.

Was das ſeyn mag.

Liebetraut.

Was? Die Urſachen laſſen ſich herunter beten wie ein Roſenkranz. Er iſt in eine Art von Zerknirſchung gefallen, von der ich ihn leicht curiren wollt.

Biſchoff.

Thut das, reitet zu ihm.

Liebetraut.

Meine Commißion!

Biſchoff.

Sie ſoll unumſchraͤnkt ſeyn. Spare nichts wenn du ihn zuruͤck bringſt.

Liebetraut.

Darf ich euch auch hinein miſchen, gnaͤdige Frau?

Adelheid.

Mit Beſcheidenheit.

Liebe -67
Liebetraut.

Das iſt eine weitlaͤufige Commiſ - ſion.

Adelheid.

Kennt ihr mich ſo wenig, oder ſeyd ihr ſo jung, um nicht zu wiſſen in welchem Ton ihr mit Weislingen von mir zu reden habt.

Liebetraut.

Jm Ton einer Wachtelpfeife, denk ich.

Adelheid.

Jhr werdet nie geſcheid werden!

Liebetraut.

Wird man das, gnaͤdige Frau?

Biſchoff.

Geht, geht. Nehmt das beſte Pferd aus meinem Stall, waͤhlt euch Knechte, und ſchafft mir ihn her.

Liebetraut.

Wenn ich ihn nicht herbanne, ſo ſagt: ein altes Weib das Warzen und Sommer - flecken vertreibt, verſtehe mehr von der Sympathie als ich.

Biſchoff.

Was wird das helfen! Der Berli - chingen hat ihn ganz eingenommen. Wenn er her - kommt wird er wieder fort wollen.

Liebetraut.

Wollen, das iſt keine Frage, aber ob er kann. Der Haͤndedruck eines Fuͤrſten, und das Laͤcheln einer ſchoͤnen Frau! Da reißt ſich keinE 2Weis -68Weisling los. Jch eile und empfehle mich zu Ge - naden.

Biſchoff.

Reißt wohl.

Adelheid.

Adieu.

(er geht.)
Biſchoff.

Wenn er einmal hier iſt, verlaß ich mich auf euch.

Adelheid.

Wollt ihr mich zur Leimſtange brau - chen.

Biſchoff.

Nicht doch.

Adelheid.

Zum Lockvogel denn.

Biſchoff.

Nein, den ſpielt Liebetraut. Jch bitt euch verſagt mir nicht, was mir ſonſt niemand ge - waͤhren kann.

Adelheid.

Wollen ſehn.

Jaxthauſen.
Hanns von Selbitz. Goͤtz.
Selbitz.

Jedermann wird euch loben, daß ihr denen von Nuͤrnberg Vehd angekuͤndigt habt.

Goͤtz

Es haͤtte mir das Herz abgefreſſen, wenn ich’s ihnen haͤtte lang ſchuldig bleiben ſollen. Esiſt69iſt am Tag, ſie haben den Bambergern meinen Bu - ben verrathen. Sie ſollen an mich denken!

Selbitz.

Sie haben einen alten Groll gegen euch.

Goͤtz.

Und ich wider ſie, mir iſt gar recht daß ſie angefangen haben.

Selbitz.

Die Reichsſtaͤdte und Pfaffen halten doch von jeher zuſammen.

Goͤtz.

Sie habens Urſach.

Selbitz.

Wir wollen ihnen die Hoͤll heis machen.

Goͤtz.

Jch zaͤhlte auf euch. Wollte Gott der Burgemeiſter von Nuͤrnberg mit der guldenen Kett um den Hals, kaͤm uns in Wurf, er ſollt ſich mit all ſeinem Witz verwundern.

Selbitz.

Jch hoͤre, Weislingen iſt wieder auf eurer Seit. Tritt er zu uns?

Goͤtz.

Noch nicht, es hat ſeine Urſachen war - um er uns noch nicht oͤffentlich Vorſchub thun darf; doch iſts eine Weile genug daß er nicht wider uns iſt. Der Pfaff iſt ohne ihn, was das Meßgewand ohne den Pfaffen.

Selbitz.

Wann ziehen wir aus.

E 3Goͤtz.70
Goͤtz.

Morgen oder uͤbermorgen. Es kommen nun bald Kaufleute von Bamberg und Nuͤrnberg aus der Frankfurter Meſſe. Wir werden einen gu - ten Fang thun.

Selbitz.

Wills Gott.

(ab.)
Bamberg. Zimmer der Adelheid.
Adelheid. Kammerfraͤulein.
Adelheid.

Er iſt da! Sagſt du. Jch glaubs kaum.

Fraͤulein.

Wenn ich ihn nicht ſelbſt geſehn haͤtte, wuͤrd ich ſagen: ich zweifle.

Adelheid.

Den Liebetraut mag der Biſchoff in Gold einfaſſen, er hat ein Meiſterſtuͤck gemacht.

Fraͤulein.

Jch ſah ihn wie er zum Schloß her - ein reiten wollte, er ſaß auf einem Schimmel. Das Pferd ſcheute wie’s an die Bruͤcke kam, und wollte nicht von der Stelle. Das Volk war aus allen Straßen gelaufen ihn zu ſehn. Sie freuten ſich uͤberdes71des Pferds Unart. Von allen Seiten ward er ge - gruͤßt, und er dankte allen. Mit einer angenehmen Gleichguͤltigkeit ſaß er droben, und mit Schmeich - len und Drohen bracht er es endlich zum Thor her - ein, der Liebetraut mit, und wenig Knechte.

Adelheid.

Wie gefaͤllt er dir?

Fraͤulein.

Als mir nicht leicht ein Mann gefal - len hat. Er glich dem Kayſer hier

(deutet auf Ma - ximilians Portrait)

als wenn er ſein Sohn waͤre. Die Naſe nur etwas kleiner, eben ſo freundliche lichtbraune Augen, eben ſo ein blondes ſchoͤnes Haar, und gewachſen wie eine Puppe. Ein halb trauriger Zug auf ſeinem Geſicht war ſo intereſſant.

Adelheid.

Jch bin neugierig ihn zu ſehen.

Fraͤulein.

Das waͤr ein Herr fuͤr euch.

Adelheid.

Naͤrrin.

Fraͤulein.

Kinder und Narren

Liebetraut (kommt.)
Liebetraut.

Nun gnaͤdige Frau, was verdien ich?

Adelheid.

Hoͤrner von deinem Weibe. Denn nach dem zu rechnen, habt ihr ſchon manches Nach -E 4bars72bars ehrliches Hausweib aus ihrer Pflicht hinau[ſ]geſchwazt.

Liebetraut.

Nicht doch gnaͤdige Frau! Auf ih - re Pflicht wollen ſie ſagen; denn wenns ja geſchab, ſchwaͤzt ich ſie auf ihres Mannes Bette.

Adelheid.

Wie habt ihrs gemacht ihn herzu - bringen?

Liebetraut.

Jhr wißt zu gut wie man Schne - pfen faͤngt; ſoll ich euch meine Kunſtſtuͤckgen noch darzu lernen. Erſt that ich, als wuͤßt ich nichts, verſtuͤnd nichts von ſeiner Auffuͤhrung, und ſetzt ihn dadurch in Deſavantage die ganze Hiſtorie zu er - zaͤhlen. Die ſah ich nun gleich von einer ganz an - dern Seite an als er, konnte nicht finden nicht einſehen Und ſo weiter. Dann redete ich von Bamberg und gieng ſehr ins Detail, erweckte ge - wiſſe alte Jdeen, und wie ich ſeine Enbildungskraft beſchaͤftigt hatte, knuͤpfte ich wuͤrklich eine Menge Faͤdger wieder an, die ich zerriſſen fand. Er wußte nicht wie ihm geſchah, er fuͤhlte ſich einen neuen Zug nach Bamberg, er wollte ohne zu wollen. Wie er nun in ſein Herz gieng, und das zu ent - wickeln ſuchte, und viel zu ſehr mit ſich beſchaͤftigtwar73war um auf ſich Acht zu geben, warf ich ihm ein Seil um den Hals, aus drey maͤchtigen Stricken, Weiber-Fuͤrſtengunſt und Schmeicheley gedreht, und ſo hab ich ihn hergeſchleppt.

Adelheid.

Was ſagtet ihr von mir?

Liebetraut.

Die lautre Wahrheit. Jhr haͤttet wegen eurer Guͤter Verdruͤßlichkeiten, haͤttet gehofft da er beym Kayſer ſo viel gelte, werde er das leicht enden koͤnnen.

Adelheid.

Wohl.

Liebetraut.

Der Biſchoff wird ihn euch bringen.

Adelheid.

Jch erwarte ſie.

(Liebetraut ab.)
Adelheid.

Mit einem Herzen wie ich ſelten Beſuch erwarte.

Jm Speſſart.
Berlichingen, Selbitz, Georg (als Reu - ters Knecht.)
Goͤtz.

Du haſt ihn nicht angetroffen Georg!

Georg.

Er war Tags vorher mit Liebetraut nach Bamberg geritten, und zwey Knechte mit.

E 5Goͤtz.74
Goͤtz.

Jch ſeh nicht ein was das geben ſoll.

Selbitz.

Jch wohl. Eure Verſoͤhnung war ein wenig zu ſchnell, als daß ſie dauerhaft haͤtte ſeyn ſollen. Der Liebetraut iſt ein pfiffiger Kerl, von dem hat er ſich beſchwaͤtzen laſſen.

Goͤtz.

Glaubſt du daß er bundbruͤchig werden wird.

Selbitz.

Der erſte Schritt iſt gethan.

Goͤtz.

Jch glaubs nicht. Wer weiß wie noͤthig es war an Hof zu gehen, man iſt ihm noch ſchuldig, wir wollen das beſte hoffen.

Selbitz.

Wollte Gott, er verdient es, und thaͤte das beſte.

Goͤtz.

Mir faͤllt eine Liſt ein, wir wollen Geor - gen des Bamberger Reuters erbeuteten Kuͤttel an - ziehen, und ihm das Geleitzeichen geben, er mag nach Bamberg reiten, und ſehen wie’s ſteht.

Georg.

Da hab ich lang drauf gehofft.

Goͤtz.

Es iſt dein erſter Ritt. Sey fuͤrſichtig Knabe, mir waͤre leid wenn dir ein Unfall bege - gnen ſollt.

Georg.

Laßts nur, mich irrts nicht wenn noch ſo viel um mich herum krabeln, mir iſts als wenns Ratten und Maͤus waͤren.

(ab.)
am -75
Bamberg.
Biſchoff. Weislingen.
Biſchoff.

Du willſt dich nicht laͤnger halteu laſſen!

Weislingen.

Jhr werdet nicht verlangen daß ich meinen Eyd brechen ſoll.

Biſchoff.

Jch haͤtte verlangen koͤnnen du ſoll - teſt ihn nicht ſchwoͤren. Was fuͤr ein Geiſt regierte dich? Konnt ich dich ohne das nicht befreyen? Gelt ich ſo wenig am Kayſerlichen Hofe.

Weislingen.

Es iſt geſchehen, verzeiht mir wenn ihr koͤnnt.

Biſchoff.

Jch begreif nicht, was nur im ge - ringſten dich noͤthigte den Schritt zu thun! Mir zu entſagen? Waren denn nicht hundert andere Bedin - gungen los zu kommen? Haben wir nicht ſeinen Buben? Haͤtt ich nicht Gelds genug gegeben, und ihn wieder beruhigt? Unſere Anſchlaͤge auf ihn und ſeine Geſellen waͤren fortgegangen Ach ich denke nicht, daß ich mit ſeinem Freund rede, der nunwider76wider mich arbeitet und die Minen leicht entkraͤf - ten kann, die er ſelbſt gegraben hat.

Weislingen.

Gnaͤdiger Herr.

Biſchoff.

Und doch wenn ich wieder dein Angeſicht ſehe, deine Stimme hoͤre. Es iſt nicht moͤglich, nicht moͤglich.

Weislingen.

Lebt wohl gnaͤdiger Herr.

Biſchoff.

Jch geb dir meinen Seegen. Sonſt wenn du gienſt, ſagt ich: auf Wiederſehn. Jetzt Wollte Gott, wir ſaͤhn einander nie wieder.

Weislingen.

Es kann ſich vieles aͤndern.

Biſchoff.

Es hat ſich leider nur ſchon zuviel geaͤndert. Viellelcht ſeh ich dich noch einmal als Feind vor meinen Mauern, die Felder verheeren, die ihren bluͤhenden Zuſtand dir jetzo danken.

Weislingen.

Nein, gnaͤdiger Herr.

Biſchoff.

Du kannſt nicht nein ſagen. Die weltliche Staͤnde, meine Nachbaaren, haben alle einen Zahn auf mich. So lang ich dich hatte. Geht Weisling! Jch habe euch nichts mehr zu ſa - gen. Jhr habt vieles zu nichte gemacht. Geht!

Weislingen.

Und ich weiß nicht was ich ſagen ſoll.

(Biſchoff ab.)
Franz.77
Franz (tritt auf.)
Franz.

Adelheid erwartet euch. Sie iſt nicht wohl. Und doch will ſie euch ohne Abſchied nicht laſſen.

Weislingen.

Komm.

Franz.

Gehn wir denn gewiß.

Weislingen.

Noch dieſen Abend.

Franz.

Mir iſt als wenn ich aus der Welt ſollte.

Weislingen.

Mir auch, und noch darzu als wuͤßt ich nicht wohin.

Adelheidens Zimmer.
Adelheid. Fraͤulein.
Fraͤulein.

Jhr ſeht blaß gnaͤdige Frau.

Adelheid.

Jch lieb ihn nicht, und ich wollt doch daß er bliebe. Siehſt du, ich koͤnnte mit ihm le - ben, ob ich ihn gleich nicht zum Mann haben moͤgte.

Fraͤulein.

Glaubt ihr, er geht?

Adelheid.

Er iſt zum Biſchoff um Lebewohl zu ſagen.

Fraͤu -78
Fraͤulein.

Er hat darnach noch einen ſchweren Stand.

Adelheid.

Wie meynſt du?

Fraͤulein.

Was fragt ihr gnaͤdige Frau. Jhr habt ſein Herz geangelt, und wenn er ſich losreiſſen will, verblutet er.

Adelheid. Weislingen.
Weislingen.

Jhr ſeyd nicht wohl, gnaͤdge Frau?

Adelheid.

Das kann euch einerley ſeyn. Jhr verlaßt uns, verlaßt uns auf immer. Was fragt ihr ob wir leben oder ſterben.

Weislingen.

Jhr verkennt mich.

Adelheid.

Jch nehme euch wie ihr euch gebt.

Weislingen.

Das Anſehn truͤgt.

Adelheid.

So ſeyd ihr Camaͤleon.

Weislingen.

Wenn ihr mein Herz ſehen koͤnntet.

Adelheid.

Schoͤne Sachen wuͤrden mir vor die Augen kommen.

Weislingen.

Gewiß! Jhr wuͤrdet euer Bild drinn finden.

Adel -79
Adelheid.

Jn irgend einem Winkel bey den Portraits ausgeſtorbener Familien. Jch bitt euch Weislingen, bedenkt ihr redet mit mir. Falſche Worte gelten zum hoͤchſten wenn ſie Maſken unſerer Thaten ſind. Ein Vermummter der kenntlich iſt, ſpielt eine armſelige Rolle. Jhr laͤugnet eure Hand - lungen nicht, und redet das Gegentheil, was ſoll man von euch halten.

Weislingen.

Was ihr wollt. Jch bin ſo geplagt mit dem was ich bin, daß mir wenig bang iſt fuͤr was man mich nehmen mag.

Adelheid.

Jhr kommt um Abſchied zu nehmen.

Weislingen.

Erlaubt mir eure Hand zu kuͤſſen, und ich will ſagen, lebt wohl. Jhr erinnert mich! Jch bedachte nicht. Jch bin beſchwerlich gnaͤdige Frau.

Adelheid.

Jhr legts falſch aus; ich wollte euch fort helfen. Denn ihr wollt fort.

Weislingen.

O ſagt ich muß. Zoͤge mich nicht die Ritterpflicht, der heilige Handſchlag

Adelheid.

Geht! Geht! Erzaͤhlt das Maͤdgen die den Teuerdank leſen, und ſich ſo einen Mann wuͤnſchen. Ritterpflicht! Kinderſpiel!

Weis -80
Weislingen.

Jhr denkt nicht ſo.

Adelheid.

Bey meinem Eyd, ihr verſtellt euch! Was habt ihr verſprochen? Und wem? Einem Mann, der ſeine Pflicht gegen den Kayſer und das Reich verkennt, in eben dem Augenblick Pflicht zu leiſten, da er durch eure Gefangennehmung in die Strafe der Acht verfaͤllt. Pflicht zu leiſten! die nicht guͤltiger ſeyn kann, als ein ungerechter ge - zwungener Eyd. Entbinden nicht unſere Geſetze von ſolchen Schwuͤren? Macht das Kindern weiß die den Ruͤbezahl glauben. Es ſtecken andere Sa - chen dahinter. Ein Feind des Reichs zu werden, ein Feind der Buͤrgerlichen Ruh und Gluͤckſeligkeit! Ein Feind des Kayſers! Geſelle eines Raͤubers, du Weislingen mit deiner ſanften Seele.

Weislingen.

Wenn ihr ihn kenntet.

Adelheid.

Jch wollt ihm Gerechtigkeit wieder - fahren laſſen. Er hat eine hohe, unbaͤndige Seele. Eben darum wehe dir Weislingen. Geh und bilde dir ein ein Geſelle von ihm zu ſeyn. Geh! und laß dich beherrſchen. Du biſt freundlich, gefaͤllig

Weislingen.

Er iſt’s auch.

Adelheid.81
Adelheid.

Aber du biſt nachgebend und er nicht! Unverſehens wird er dich wegreiſſen, wirſt ein Sklave eines Edelmanns werden, da du Herr von Fuͤrſten ſeyn koͤnnteſt. Doch es iſt Unbarmher - zigkeit dir deinen zukuͤnftigen Stand zu verleiten.

Weislingen.

Haͤtteſt du gefuͤhlt wie liebreich er mir begegnete.

Adelheid.

Liebreich! Das rechneſt du ihm an? Es war ſeine Schuldigkeit, und was haͤtteſt du verlohren wenn er widerwaͤrtig geweſen waͤre? Mir haͤtte das willkommner ſeyn ſollen. Ein uͤbermuͤthiger Menſch wie der

Weislingen.

Jhr redet von euerm Feind.

Adelheid.

Jch redete fuͤr eure Freyheit Und weiß uͤberhaupt nicht, was ich fuͤr ein Jntereſſe dran nahm. Lebt wohl.

Weislingen.

Erlaubt noch einen Augenblick.

(Er nimmt ihre Hand und ſchweigt.)
Adelheid.

Habt ihr mir noch was zu ſagen?

Weislingen.

Jch muß fort.

Adelheid.

So geht.

Weislingen.

Gnaͤdige Frau! Jch kann nicht.

Adelheid.

Jhr muͤßt.

Weislingen.

Soll das euer letzter Blick ſeyn!

Adelheid.

Geht! Jch bin krank, ſehr zur unge - legnen Zeit.

FWeis -82
Weislingen.

Seht mich nicht ſo an.

Adelheid.

Willſt du unſer Feind ſeyn, und wir ſollen dir laͤcheln. Geh!

Weislingen.

Adelheid!

Adelheid.

Jch haſſe euch!

Franz (kommt.)
Franz.

Gnaͤdiger Herr! Der Biſchoff laͤßt euch rufen.

Adelheid.

Geht! Geht!

Franz.

Er bittet euch eilend zu kommen.

Adelheid.

Geht! Geht!

Weislingen.

Jch nehme nicht Abſchied, ich ſehe euch wieder!

(ab.)
Adelheid.

Mich wieder. Wir wollen dafuͤr ſeyn. Margrethe wenn er kommt weis ihn ab. Jch bin krank, hab Kopfweh, ich ſchlafe Weis ihn ab. Wenn er noch zu gewinnen iſt, ſo iſt’s auf dieſen Weg.

(ab.)
Vorzimmer.
Weislingen. Franz.
Weislingen.

Sie will mich nicht ſehn?

Franz.83
Franz.

Es wird Nacht, ſoll ich die Pferde ſatteln?

Weislingen.

Sie will mich nicht ſehn!

Franz.

Wann befehlen Jhro Gnaden die Pferde?

Weislingen.

Es iſt zu ſpaͤt! Wir bleiben hier.

Franz.

Gott ſey Dank.

(Franz ab.)
Weislingen.

Du bleibſt! Sey auf deiner Hut, die Verſuchung iſt groß. Mein Pferd ſcheute wie ich zum Schloßthor herein wollte, mein guter Geiſt ſtellte ſich ihm entgegen, er kannte die Gefahren die mein hier warteten. Doch iſt’s nicht recht, die vie - len Geſchaͤfte die ich dem Biſchoff unvollendet lie - gen ließ, nicht wenigſtens ſo zu ordnen daß ein Nachfolger da anfangen kann, wo ich’s gelaſſen habe. Das kann ich doch alle thun, unbeſchadet Berlichingens und unſerer Verbindung. Denn hal - ten ſollen ſie mich hier nicht Waͤre doch beſſer geweſen, wenn ich nicht gekommen waͤre. Aber ich will fort morgen oder uͤbermorgen.

(gehn ab.)
Jm Speſſart.
Goͤtz. Selbitz. Georg.
Selbitz.

Jhr ſeht, es iſt gegangen wie ich ge - ſagt habe.

F 2Goͤtz.84
Goͤtz.

Nein. Nein. Nein.

Georg.

Glaubt, ich berichte euch mit der Wahr - heit. Jch that wie ihr befahlt, nahm den Kuͤttel des Bambergiſchen und ſein Zeichen, und damit ich doch mein Eſſen und Trinken verdiente, geleitete ich Reinekiſche Bauren hinauf nach Bamberg.

Selbitz.

Jn der Verkappung. Das haͤtte dir uͤbel gerathen koͤnnen.

Georg

So denk ich auch hinten drein. Ein Reutersmann der das voraus denkt, wird keine weite Spruͤnge machen. Jch kam nach Bamberg, und gleich im Wirthshaus hoͤrte ich erzaͤhlen: Weis - lingen und der Biſchoff ſeyen ausgeſoͤhnt, und man redte viel von einer Heyrath mit der Wittwe des von Walldorf.

Goͤtz.

Geſpraͤche.

Georg.

Jch ſah ihn wie er ſie zur Tafel fuͤhrte. Sie iſt ſchoͤn, bey meinem Eyd, ſie iſt ſchoͤn. Wir buͤckten uns alle, ſie dankte uns allen, er nickte mit dem Kopf, ſah ſehr vergnuͤgt, ſie giengen vorbey, und das Volk murmelte: ein ſchoͤnes Paar!

Goͤtz.

Das kann ſeyn.

Georg.

Hoͤrt weiter. Da er des andern Tags in die Meſſe gieng, paßte ich meine Zeit ab. Erwar85war allein mit einem Knaben. Jch ſtund unten an der Treppe und ſagte leiſe zu ihm: ein Paar Worte von eurem Berlichingen. Er ward beſtuͤrzt, ich ſa - he das Geſtaͤndniß ſeines Laſters in ſeinem Geſicht, er hatte kaum das Herz mich anzuſehen, mich, ei - nen ſchlechten Reutersjungen.

Selbitz.

Das macht, ſein Gewiſſen war ſchlech - ter als dein Stand.

Georg

Du biſt Bambergiſch! ſagt er. Jch bring einen Grus vom Ritter Berlichingen, ſagt ich, und ſoll fragen komm morgen fruͤh, ſagt er, an mein Zimmer, wir wollen weiter reden.

Goͤtz

Kamſt du.

Georg.

Wohl kam ich, und mußt im Vorſaal ſtehn, lang lang. Und die ſeidne Buben beguckten mich von vorn und hinten. Jch dachte guckt ihr endlich fuͤhrte man mich hinein, er ſchien boͤſe, mir war’s einerley. Jch tratt zu ihm und ſagte meine Commißion. Er that feindlich boͤſe, wie einer der kein Herz hat und ’s nit will merken laſſen. Er verwunderte ſich, daß ihr ihn durch einen Reuters - jungen zur Rede ſetzen ließt. Das verdroß mich. Jch ſagte, es gaͤbe nur zweyerley Leut, brave undF 3Schur -86Schurken, und ich diente Goͤtzen von Berlichingen. Nun fieng er an ſchwaͤzte allerley verkehrtes Zeug, das darauf hinaus gieng: Jhr haͤttet ihn uͤbereilt, er ſey euch keine Pflicht ſchuldig, und wollte nichts mit euch zu thun haben.

Goͤtz.

Haſt du das aus ſeinem Munde.

Georg.

Das und noch mehr. Er drohte mir

Goͤtz.

Es iſt genug! Der waͤre nun auch ver - lohren! Treu und Glaube du haſt mich wieder be - trogen. Arme Marie! Wie werd ich dirs beybringen.

Selbitz.

Jch wollte lieber mein ander Bein dar - zu verlieren als ſo ein Hundsfutt ſeyn.

(ab.)
Bamberg.
Adelheid. Weislingen.
Adelheid.

Die Zeit faͤngt mir an unertraͤglich lang zu werden; Reden mag ich nicht, und ich ſchaͤme mich mit euch zu ſpielen. Langeweile, du biſt aͤrger als ein kaltes Fieber.

Weislingen.

Seyd ihr mich ſchon muͤde?

Adel -87
Adelheid.

Euch nicht ſo wohl als euren Um - gang. Jch wollte ihr waͤrt wo ihr hin wolltet, und wir haͤtten euch nicht gehalten.

Weislingen.

Das iſt Weibergunſt! Erſt bruͤtet ſie mit Mutterwaͤrme unſere liebſten Hoffnungen an, dann gleich einer unbeſtaͤndigen Henne, ver - laͤßt ſie das Neſt, und uͤbergiebt ihre ſchon keimende Nachkommenſchaft dem Todt und der Verweſung.

Adelheid.

Deklamirt wider die Weiber! Der unbeſonnene Spieler zerbeiſt und zerſtampft die Karten, die ihn unſchuldiger Weis verlieren mach - ten. Aber laßt mich euch was von Mannsleuten erzaͤhlen. Was ſeyd denn ihr, um von Wankel - muth zu ſprechen? Jhr die ihr ſelten ſeyd was ihr ſeyn wollt, niemals was ihr ſeyn ſolltet. Koͤnige im Feſtt[agſo]rnat, vom Poͤbel beneidet. Was gaͤb eine Schneidersfrau drum, eine Schnur Perlen um ihren Hals zu haben, von dem Saum eures Kleids, den eure Abſaͤtze veraͤchtlich zuruͤck ſtoſen!

Weislingen.

Jhr ſeyd bitter.

Adelheid.

Es iſt die Antiſtrophe von eurem Ge - ſang. Eh ich euch kannte Weislingen, gieng mir’s wie der Schneidersfrau. Der Ruf hundertzuͤngig,F 4ohne88ohne Metapher geſprochen, hatte euch ſo zahnarz - maͤſig heraus geſtrichen, daß ich mich uͤberreden ließ zu wuͤnſchen: moͤchteſt du doch dieſe Quinteſſenz des maͤnnlichen Geſchlechts, den Phoͤnix Weislin - gen zu Geſicht kriegen! Jch ward meines Wunſches gewaͤhrt.

Weislingen.

Und der Phoͤnix praͤſentirte ſich als ein ordinairer Haushahn.

Adelheid.

Nein Weislingen, ich nahm Antheil an euch.

Weislingen.

Es ſchien ſo.

Adelheid.

Und war. Denn wuͤrklich ihr uͤber - traft euren Ruf. Die Menge ſchaͤzt nur den Wi - derſchein des Verdienſtes. Wie mir’s denn nun geht daß ich uͤber die Leute nicht denken mag die mich intereßiren; ſo lebten wir eine zeitlang neben einander, es fehlte mir was, und ich wußte nicht was ich an euch vermißte. Endlich giengen mir die Augen auf. Jch ſah ſtatt des aktiven Manns der die Geſchaͤfte eines Fuͤrſtenthums belebte, der ſich und ſeinen Ruhm dabey nicht vergaß, der auf hun - dert großen Unternehmungen wie auf uͤbereinander gewaͤlzten Bergen zu den Wolken hinauf geſtiegenwar.89war; den ſeh ich auf einmal, jammernd wie einen kranken Poeten, melankoliſch wie ein geſundes Maͤd - gen, und muͤßiger als einen alten Junggeſellen. Anfangs ſchrieb ich’s eurem Unfall zu, der euch noch neu auf dem Herzen lag, und entſchuldigte euch ſo gut ich konnte. Jzt, da es von Tag zu Tag ſchlimmer mit euch zu werden ſcheint, muͤßt ihr mir verzeihen wenn ich euch meine Gunſt ent - reiſſe; ihr beſitzt ſie ohne Recht, ich ſchenkte ſie ei - nem andern auf lebenslang, der ſie euch nicht uͤber - tragen konnte.

Weislingen.

So laßt mich los.

Adelheid.

Nicht bis alle Hoffnung verlohren iſt. Die Einſamkeit iſt in dieſen Umſtaͤnden gefaͤhr - lich. Armer Menſch. Jhr ſeyd ſo mißmuthig wie einer dem ſein erſtes Maͤdgen untreu wird, und eben darum geb ich euch nicht auf. Gebt mir die Hand, verzeiht mir was ich aus Liebe geſagt habe.

Weislingen.

Koͤnnteſt du mich lieben, koͤnnteſt du meiner heiſſen Leidenſchaft einen Tropfen Linde - rung gewaͤhren. Adelheid! deine Vorwuͤrfe ſind hoͤchſt ungerecht. Koͤnnteſt du den hundertſten Theil ahnden, von dem was die Zeit her in mir arbeitet,F 5du90du wuͤrdeſt mich nicht mit Gefaͤlligkeit, Gleichguͤl - tigkeit und Verachtung ſo unbarmherzig hin und her zerriſſen haben Du laͤchelſt! Nach dem uͤbereilten Schritt wieder mit mir ſelbſt einig zu wer - den, koſtete mehr als einen Tag. Wider den Men - ſchen zu arbeiten, deſſen Andenken ſo lebhaft neu in Liebe bey mir iſt.

Adelheid.

Wunderlicher Mann, der du den lieben kannſt, den du beneideſt! Das iſt als wenn ich meinem Feinde Proviant zufuͤhrte.

Weislingen.

Jch fuͤhls wohl es gilt hier kein Saͤumen. Er iſt berichtet, daß ich wieder Weislin - gen bin, und er wird ſich ſeines Vortheils uͤber uns erſehen. Auch Adelheid ſind wir nicht ſo traͤg als du meynſt. Unſere Reuter ſind verſtaͤrkt und wachſam, unſere Unterhandlungen gehen fort, und der Reichstag zu Augsburg ſoll hoffentlich unſere Projekte zur Reife bringen.

Adelheid.

Jhr geht ihn?

Weislingen.

Wenn ich Eine Hoffnung mit neh - nehmen koͤnnte!

(er kuͤßt ihre Hand.)
Adelheid.

O ihr Unglaubigen. Jmmer Zei - chen und Wunder! Geh Weislingen und vollendedas91das Werk. Der Vortheil des Biſchoffs, der Dei - nige, der Meinige, ſie ſind ſo verwebt, daß, waͤre es auch nur der Politik willen

Weislingen.

Du kannſt ſcherzen.

Adelheid.

Jch ſcherze nicht. Meine Guͤter hat der ſtolze Herzog inne, die deinigen wird Goͤtz nicht lange ungeneckt laſſen; und wenn wir nicht zuſam - men halten wie unſere Feinde, und den Kayſer auf unſere Seite lenken, ſind wir verlohren.

Weislingen.

Mir iſt’s nicht bange. Der groͤßte Theil der Fuͤrſten iſt unſerer Geſinnung, der Kay - ſer verlangt Huͤlfe gegen die Tuͤrken, und dafuͤr iſt’s billig daß er uns wieder beyſteht. Welche Wolluſt wird mir’s ſeyn deine Guͤter von uͤbermuͤ - thigen Feinden zu befreyen, die unruhige Koͤpfe in Schwaben auf’s