PRIMS Full-text transcription (HTML)
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TROST Trawriger Eltern
Auß dem 4. Capitul des buchs der Weißheit
beim begraͤbnuß Des Adlichen Holdſeligen Hertzpflaͤntzleins WENCESLAI Des Edlen vnd Geſtrengen Herrn WENZEL von ROTHKIRCHS vnd Panthen auff Winzenberg ꝛc. einzigen hertz-vielgeliebten Soͤhnleins / Welches den 24. Xbris verwichenen 1627. Jahres ſeliglich verſchieden / vnd den 20. Januarij diß lauffenden 1628. Jahres Chri[ſt]- Adelichem brauch nach zu Winzenberg zur Erden beſtattet worden.
Gedruckt zumBrieg/ durchAuguſtinum Gruͤndern. A. C. 1628.
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EXORDIUM I.

Das walt aller betruͤbten Hertzen hoͤchſter vnnd beſter Troſt / Chriſtus Jeſus: hochgelobet vnd mitten in der trawrigkeit hertzlich geliebet / jmmer vnd ewiglich / Amen.

ALs vor zeiten der junge To - bias von ſelnen Eltern ins Land zu Meden gezogen / vnd aber etwas vber die beſtimbte zeit auſſenblieben / fenget ſeine Mutter Hanna an zu weinen vñ ſpricht: Ach mein Sohn:Tob. 10. 4 ach mein Sohn: warumb haben wir dich laßen wandern? Vnſer einige frewde: vnſer einiger troſt in vnſerm alter: vnſer hertz vnd vnſer Erbe. Wir hetten ſchatzes genung ge - habet / wenn wir dich nicht hetten wegge - laſſen.

Dieſer Hiſtorien erinnern wir vns billich beym Eingange vnd anfange / dieſer vnſer heutigen Traw -A ijer-vnd[4]er vnd Troſtpredigt. Wir haben fuͤr vnß ein par Ade - liche hochbetruͤbte Eltern / deren einziges liebſtes Soͤhnlein nicht nur in ein frembd Land gezogen / ſon - dern jhnen durch den todt gantz entzogen worden:

Wenn ſie jetzund aufftretten vnd reden ſolten / wuͤrden ſie eben ſolche jammerworte wie Hanna brauchen / vnnd mit betruͤbtem Hertzen klagen vnd ſagen: Ach mein Sohn: ach mein Sohn: warumb biſt du doch von vnß geſchieden? vnſer einige frewde: vnſer einiger troſt in vnſerm alter: vnſer Hertz vnd vnſer Erbe. Wir hetten ſchatzes genung gehabt wenn wir dich nur hetten behalten koͤnnen.

Vnd zwar wer wolte auch dieſe Adeliche Eltern hiervmb verdencken? Kinder kommen von hertzen / vnd gehen auch wieder zu hertzen. Vnd weiß niemand wie lieb den Eltern die Kinder ſein / als allein die jeni - gen / denen die Kinder geſtorben ſein.

Damit ſie ſich aber gleichwol in jhrem hertzbe - truͤbnuͤs nicht zu ſehr verteuffen / ſondern gebuͤhrende maß halten moͤgen: Als wird von noͤthen ſein / daß wir aus GOttes wort troſt auffſuchen / jhre trawer - thraͤnen ein wenig abwiſchen / vnd die friſch-geſchlage - ne Hertz-wunde auswaſchen / beſtreichen vnd verbin - den. Welches damit es mit gewuͤnſchtem nutzen ge - ſchehen vnd ergehen moͤge / wollen wir zuvor in tiefſter hertzens-andacht beten vnd ſprechen:

Vater vnſer: ꝛc. ()
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Hierauff hoͤret an die Hertzerqui - ckenden Troſt-worte: welche vns beſchrie - ben werden / im Buche der Weißheit am vierden Capitel: Vnd lauten wie folget:

ABer der Gerechte / ob er gleich zu zeitlich ſtirbet / iſt er doch in der ruhe (denn das alter iſt ehrlich / nicht das lange lebet oder viel Jahr hat: klugheit vnter den Menſchen iſt das rechte grawe Haar: vnnd ein vnbe - fleckt leben iſt das rechte alter) denn er gefaͤllt Gott wol vnd iſt jhm lieb: vnd wird weggenommen aus dem leben vnter den Suͤndern: vnd wird hingeruͤcket / daß die boßheit ſeinen verſtand nicht verkehre: noch falſche Lehre ſeine Seele betrige. Denn die boͤſen Exempel verfuͤhren vnnd ver - ter ben einem das gutte: vnd die rei -A iijtzende[6]tzende luſt verkehret vnſchuldige her - tzen. Er iſt bald volkommen wor - den: vnnd hat viel Jahr erfuͤllet. Denn ſeine Seele gefellet GOtt: Darumb eylet er mit jhm aus dem boͤſen leben.

EXORDIUM II.

JHr Adelichen Hertzen Wer iſt vnter vnß / der ſo ein ſteinern oder eyſern hertz hat vnd nicht bewegt wird / wenn Er da auff der Todtenbaar liegen ſiehet / dieſes edle zarte bluͤmlein / welches vber aller Leute verhoffen ſo ſchnell verwelcket iſt.

Jſts nicht war? Wenn jhr ewer hertz vnd augen auff die weinenden betruͤbten Eltern wendet / ſo jam - mert vnd erbarmet euch jhrer / daß ſie ſo zeit / ich ſollen beraubet werden / jhres allerliebſten Soͤhnleins: Die - ſes Soͤhnleins / welchem Gott vnd die froͤmigkeit zun augen heraus geſehen: Dieſes Soͤhnleins / welches der eintzige ſtamm vnd ſtuͤtze jhres Geſchlechts gewe - ſen: Dieſes Soͤhnleins an welchem GOtt vnnd alle Tugendliebende Menſchen jhre beſondere Hertzens - luſt gehabt haben.

Als[7]

Als vor zeiten dem Koͤnige Agamemnon ſeineValer. Maxim. lib. 8. c. 12. Tochter fuͤr ſeinen Augen abgeſchlachtet worden / vnd nachmals Timanthes der beruͤmbte Kunſtmahler die - ſe trawer-geſchicht abmahlen ſollen: hat er nicht ge - wuſt wie er die affecten vnd angſt ſeines Vaͤterlichen Hertzens mit jrgend einen gebaͤrden / farbe oder penſel abbilden ſolte: hat derwegen den betruͤbten Vater mit verhuͤlletem Angeſicht gemahlet; gleich als ob Er den jammer vnd das Hertzeleyd nicht anſehen koͤnte.

Wenn auch ich jetzund eigentlich beſchreiben vnd berichten ſolte / wie dieſes gegenwertige Vater vnnd Mutter-hertze vber dem fruͤhzeittigen abſterben jhres Soͤhnleins geſinnet ſey: Wo ſolte Jch anfangen? oder ſo ich gleich anfinge / wie wolte ichs vollbringen? Jch habe geſehen vnd ſehe noch / wie jhre trawer - vnd liebes-zaͤhren jhnen aus den augen fl[ieſſen]vnd ſich mil - diglich ergieſſen / ſolte vnd koͤnte Jch jhnen ins Hertze ſehen-moͤchte es wol fuͤr angſt Blut weinen.

Jonas der Prophet meinete Er hette vrſach ge - nung zu klagen alß jhm ſein gruͤner Kuͤrbiß / der jhm in der Sonnen-hitze ſchatten gegeben vnverſehens ver -Jon. 4. 9. dorrete. Dieſen gegenwaͤrtigen Eltern iſt kein Kuͤr - bis verdorret / ſondern ein einziges liebes Soͤhnlein: ein ſolches Soͤhnlein vber welchem ſie jederman fuͤr gluͤckſelig geſchaͤtzet: vber welchem ſie mit dem lieben Job frolocken vnd ſagen koͤnnen: Meine ſaat iſtJob. 29. 19. aufgegangen im waſſer: vnd der thaw blei - bet / vber meiner Erndte: meine herrlig -keit[8]keit vernewert ſich in mir. Aber leyder / leyder /Jerem. 17. 12. jetzund muſſen ſie mit dem Propheten Jeremia klagen vnd ſagen: Vnſere auſchlaͤge ſind zertrennet / die vnſer Hertz beſeſſen haben: Vnſere hoff - nung iſt ploͤtzlich dahin geflogen / wie die flo - cken von den Baͤwmen. O Wenzell liebſtes Soͤhnlein / du troſt vnſer augen / du frewde vnſers Hertzens: O wie geſchwinde haſtu dich auß vnſern armen verlohren? O wie vnverſehens muſſen wir dir zu Grabe nach - folgen: wir hetten vermeinet / du O liebes Kind ſolteſt vnß dermahleines das Begraͤb - nuͤs ausrichten. Aber O wie vnverſehens hat ſich das blat gewendet. O liebſtes Soͤhnlein / liebſtes Schaͤtzlein / wolte Gott wir ſolten heut an deiner ſtatt in die Erde ge - ſetzt vnd geſencket werden.

Weil denn nu dieſem allen alſo: vnd das leyd bey dieſen Adelichen Eltern ſo groß iſt: Wer wolte nicht ein hertzliches mitleyden mit jhnen tragen? Wer wolte nicht jhre bluttende vnd verwundete hertzen gern heilen helffen?

Welch ein hertzliches vnd ſchmertzliches mitley - den Jch fuͤr meine Perſon mit jhnen trage; davon wil Jch nicht ſagen: es wirds der am beſten wiſſen / derallwiſſend[9]allwiſſend iſt / vnd hertzen vnd nieren pruͤfet. Ach der ſchoͤne junge Bawm / der kuͤnfftig auch mir vnd den Meinigen ſchatten geben ſollen iſt vmbgefallen vnd verwelcket.

Alß vor zeiten der reichen Frawen zu Sunem jhr2. Reg. 4. 35. Soͤhnlein geſtorben / hat der Prophet Eliſa aus hertz - licher condolentz daſſelbe wieder aufferwecket. Ach wolte Gott daß ich Eliſæ Geiſt vnd kraft haben moͤch - te / ſo wolte ich das fuͤr vnſern augen liegende verſtor - bene Hertz-pflaͤntzlein auch aufferwecken: alſo wuͤrde trawrigkeit in frewde verkehret werden. Aber wie gern Jch ſolches thun wolte / ſo ſtehets doch in meinem ver - moͤgen nicht. Der wille were wol da: nur das vermoͤ - gen iſt nicht da. Aber was Jch nicht thun kan / das wird in kurtzem der Himliſche Eliſa mein vnnd ewer Heyland Chriſtus Jeſus thun.

Vnter deß wil ich diß verrichten / wozu ich beruf - fen / vnnd was mir Ambtshalben oblieget. Wil das abgeleſene Troſt-ſpruͤchlein fuͤr mich nehmen / vnnd mich bemuͤhen / ob Jch daraus die trawrigen halb〈…〉〈…〉 er - ſtorbene Hertzen beyder bekuͤmmerten Eltern vmb et - was wieder erquicken vnd erfriſchen moͤge.

Jch ſehe aber daß mir vornehmlich zweyerley werde zuthun gebuͤhren.

PROPOSITIO.

I.

Erſtlich das Jch den Troſt wel -Bcher[10]cher in dem Leichſpruͤchlein begrief - fen iſt auff ſuche.

II.

Nachmahls / daß Jch diß was dieſem Troſt zuwider lauffen moͤch - te / wiederlege.

Beydes ſoll nach der gnade welches der heilige Geiſt darreichen wird / verrichtet werden.

Helffe der HErr Jeſus das alles nicht allein von Hertzen ſondern auch zu Hertzen gehen moͤge / AMEN.

PRIMA PARS.

WAs fuͤr hertzeleydt es den Eltern ver - vrſache / wenn jhnen jhre Kinderlein durch den tod entzogen vnnd von der ſeyten hinweg geriſſen werden / das bezeuget die taͤgliche erfahrung.

Gen. 32. 24.Der Ertzvater Jacob hat ſonſten ein recht Man - nes-Hertz gehabt / vnd ſich einen eben ſtarcken rauch nicht in die Augen beiſſen laſſen. Aber als jhm ſeinGen. 37. 33 Sohn Joſeph vmbkommen vnnd von einem wildenThiere[11]Thiere gefreſſen ſein ſol / da zerreiß er ſeine Kleyder: legt einen Sack vmb ſeine lenden / vnd ſtellet ſich nicht anders / als ob die gantze Welt ausgeſtorben / ja der Himmel ſelbſt jhm abgeſtorben were.

Koͤnig David war auch ein frewdiger beruͤhmb -1. Sam. 17. 36. ter Held / vnd hat ſich weder fuͤr dem vngehewren Go - liath / noch auch fuͤr Lewen oder Baͤren entſetzet Aber als jhm ſein Sohn Abſolon vmbkombt / wird jhm das2. Sam. 17. 36. Hertz ſo weich daruͤber / daß er an weinen vnd wehe - klagen kein ende machen kan / ſondern ruffet vnd ſchret - et ohn vnterlaß: Mein Sohn / Abſolon: mein Sohn / mein Sohn / Abſolon / wolte Gott ich muſte fuͤr dich ſterben. O Abſolon mein Sohn / mein Sohn.

Ja ſo groß als die frewde der Eltern iſt / weil die Kinder leben / ſo groß wird hernach die trawrigkeit wenn ſie ſterben. Vnd wie der allerſtaͤrckſte Wein in den allerſchaͤrffſten Eßig: alſo wird auch die allergroͤſte liebe in das allerſchmertzlichſte hertzeleyd verwandelt

Solche vnausſprechliche groͤſſe vnd macht der Vaͤterlichen vnnd Muͤtterlichen ſchmertzen zu ſtillen were gantz vnmoͤglich / wenn die heilige Schrifft nicht das beſt[e]darbey thaͤte. Aber hierinnen finden wir koͤſtlichen vnd bewerthen Troſtbalſam / welcher ver - wundete Trawerhertzen von grund ausheilen kan. Jnſonderheit haben vnnd behalten die abgeleſenen Troſt-worte nicht den geringſten preiß.

B ijHomerus[12]

Homerus der hochberuͤhmbte Poët weiß treflich zu ruͤhmen das Kraͤutlein Nepenthes / welches alle trawrgedancken vertreiben vnd einen froͤlichen muth machen ſol. Mit dieſem Wunder-kraͤutlein ſol die ſchoͤne Helena aus Griechenland wol haben vmbge - hen vnnd manchem Melancholiſchen Hertzen damit helffen koͤnnen.

Aber diß Kraͤutlein thuts noch lange nicht. Hier in dem abgeleſenen Spruͤchlein haben wir eines / wel - ches alle hertznagende Trawrgedancken viel beſſer vnd gewiſſer hinweg nehmen kan. Denn es fuͤhret be - truͤbte Eltern bald zu Gott jhrem HErren bald zu jhren Kinderlein vnd zeiget jhnen bey beyden kraͤfftige Hertzſtaͤrckung vnd frewden-troſt.

Was anfangs Gott den Herren betrift / bezeugets von jhm / daß jhm vnſere Kinderlein wol - gefallen vnd jhm lieb ſein. Denn alſo ſtehet geſchrie - ben: Seine (verſtehe deß verſtorbenen Kindleins) Seele gefaͤllet GOtt wol vnnd iſt jhm lieb. Dieſes ſind groſſe worte.

Alß GOTT vor zeiten ſeine liebe gegen ſeinem Sohne Chriſto Jeſu an tag geben wollen / hat er vomMatt. 17. 5 Himmel herab geruffen: Diß iſt mein lieber Sohn an welchem Jch wolgefallen habe. Eben dieſe Worte braucht heut auch der Geiſt Got -tes[13]tes von vnſern Kinderlein: ſetzet alſo dieſelben eben in den gradt der liebe vnnd freundſchafft / darinnen ſein eingebohrner Sohn iſt.

Beym Evangeliſten Marco leſen wir / wie Chri -Marc. 10. 13. ſtus den Eltern jhre zugebrachte Kindlein von jhren armen genommen / ſie an ſeine bruſt gedruͤcket / geher - tzet / vnd ſich nicht anders gegen ſie geſtellet / als ob er allein jhrent-halben in die Welt kommen were. Allhie hat er gleichſam eine erklerunge vber die heutigen wort gemacht / vnnd fromen Gottſeligen Eltern gezeiget / wie er mit jhren hertzliebſten Kinderlein im Himmel vmbgehen: wie freundlich er mit jhnen ſpielen ſcher - tzen vnd ſich ergoͤtzen wolle.

Einen lieben ſchatz haben wir nicht gern weit von vnß. Alexander Magnus hatte den Poeten Home -Plutarch. in Alexand. rum lieb: drumb legte er jhn allezeit vnter das Haupt - kuͤſſen: vnd als er endlich ein guͤldenes Laͤdlein in Koͤ - nigs Darii Schatzkammer fand: ſprach er bald: huic optimè ſervandus dabitur Homerus: hierein ſol nichts anders als allein mein Homerus gelegt wer - den. Alß weil vnſere Kinderlein Gott lieb ſein / ſo wil Er ſie auch ſchlechter dinge nahe bey ſich haben.

Da Koͤnig Pharao ſeine liebe auff den JoſephGen. 41. 40. warff / muſte Er neben jhm der nechſte im Reich ſein. Auff vnſere Kinderlein hat der groſſe Himmel-koͤnig ſeine Vaͤterliche liebesſtralen fallen laſſen; darumb muſſen ſie auch zu nechſt bey jhm ſein / vnd bey jhm in ſeinem frewden-Reiche leben vnd herſchen.

B iijEinen[14]

Einen Menſchen den GOtt liebet vnd jhm wol - gefellet / muſſen die Engel ſchuͤtzen / kein boͤſes auge darff jhn ſawr anſehen.

Jſt aber dieſes nicht ein ſchoͤner: iſt es nicht ein edler vnd herrlicher Troſt? Ach wer kan die wichtig - keit deſſelben genugſam ergruͤnden oder aus-ſprechen?

Ewer Soͤhnlein / jhr betruͤbten Eltern / ge - fellet Gott wol / vnd iſt jhm lieb. Wahr iſt es: Jhr habt ewer Kindlein lieb. Aber GOtt hat es auch lieb: derowegen ſol nu billich ewre Liebe der liebe Gottes weichen vnd raum geben. Ewer Kindlein hat euch wolgefallen. Es gefellet aber Gott auch wol: drumb ſolt jhrs jhm gern vnd willig folgen laſſen. Ja was ewrem Gott wolgefellet / das ſol euch billich nicht vbel gefallen.

Gott hat gutten fug vnd macht gehabt ewer Kind - lein zu ſich zunehmen / vnd daſſelbe ſeines gefallens zu -Pſ. 127. 4. verwahren. Denn Kinder ſind ſeine gabe vnd Leibesfruͤchte ſind ſeine geſchencke. Ewer Hauß-vnd Hertzpflaͤntzlein iſt ehe Gottes geweſen / als es ewer geweſen iſt. Gott hat es ehe geliebet / als jhr es geliebet. Drumb hat Er auch billich mehr recht da - zu als jhr.

Ja GOtt hat ſich mit vnſer keinem verpflichtet / daß Er vnß vnſere Kinderlein laſſen wolle / ſo lange es vnß beliebet: ſondern er hat jhm allezeit vorbehalten / ſie ſeines gefallens abzufodern. Hat derowegen nie -mand[15]mand mit jhm zu zoͤrnen. Peſsſimi eſt debitoris cre, ditori facere convitium. Der iſt ein boͤſer Schuld - man / der ſeinen Gleubiger mit vnnuͤtzen worten zah - len vnd abfertigen wil / ſagt der weiſe Heyde Seneca.

Der alte Tobias hatte dem Gabel in der StadtTob. 4. 12. Rages in Meden zehn pfund Silbers vorgeſtrecket.

Da ers aber nicht laͤnger bey jhm ſtehen laſſen wil / leſt ers durch ſeinen Sohn mit guttem rechte abfodern / wird jhm auch mit guttem willen vnd groſſen danck zu geſtellet.

O jhr Adelichen Eltern / GOtt hat euch ewre Kinderlein auch nur als ein vertrawtes Gutt auff eine gewiſſe zeit vorgeliehen. Solte es jhm denn nicht frey - ſiehen / ſolche wiederumb nach ſeinem gnaͤdigen willen abzufodern? Wil euch nicht gebuͤhren dieſelben jhm willig folgen zu laſſen?

GOtt iſt vnſer Schoͤpffer. Wehe aber demEſa. 45. 9. der mit ſeinem Schoͤpffer hadern wil. Er iſt vnſer HErr / wir ſind ſeine Knechte: Darumb was er an vnß thut / das thut er mit fug vnd guttem rechte.

Jſt doch Mephiboſeth gar wol zu frieden mit ſei -2. Sam. 19. 28. nem Herrn dem Koͤnige David / da E〈…〉〈…〉 hm die helffte deß Ackers wieder nimbt / den Er jhm zuvor gantz ver - ehret hatte. Er ſpricht in vnterthaͤnigſtem gehorſamb: Mein Herr Koͤnig iſt wie ein Engel Gottes: thue was dir wolgefellet. Vnd du O Menſch / als GOttes Knecht / wolteſt ſawr ſehen vnd vnwilligſein /[16]ſein / wenn der groſſe HErr Himmels vnd der Erden / das jenige was Er dir zuvor aus gnaden eingethan / vnd gegeben / nicht aus zorn / ſonder aus liebe wider ab - fodert? O laß dir ſeine Vaͤterliche ordnung gefallen. ſprich in tieffſter demut:

Dein will geſcheh Herr Gott zugleich
auff Erden wie im Himmel-reich.

Dencke vnd bedencke daß Gottes wille allezeit der beſte ſey vnd bleybet. Ja dancke deinem Gott dafuͤr / daß er dir dein Kind ſo lange gelaſſen / vnd zu einem Spiel - voͤgelein vergoͤnnet hat.

Was thet Abraham vor zeiten? Jhm ward be -Gen. 22. 2. fohlen / er ſolte ſeinen Sohn / ja ſeinen einigen Sohn / den Sohn den Er lieb hatte Gott auffopffern / vnnd durch ſolch mittel jhm zukommen laſſen. Das war ein ſtoß. Das war ein ſchmertz ſeinem Vaͤterlichen Hertzen. Er ſolte ſeinen eigenen vnd einigen hertzge - liebten Sohn nicht allein ſterben laſſen / ſondern auch ſelber toͤdten. Vnd dennoch weil es GOtt alſo vnnd nicht anders haben wolte / war er willig vnd bereit zu gehorſamen.

2. Sam. 12. 22.Wie machte es auch David? Da ſein Soͤhnlein todt kranck war / ſtelte Er ſich zwar ſehr klaͤglich. So bald es aber verſchieden / gab Er ſich zu frieden / vnnd erklaͤrete ſich: Er hette vermeinet Er wolle das Kind von Gott loß bieten / weil aber Gottes raht anders ge - weſen / ſo ſey Er damit auch gar wol zu frieden.

Was ſol Jch von dem gedultigen Jammer -Manne[17]Manne Job ſagen? Wie willig hat ſich doch dieſerHiob. 1. 21. in den willen Gottes ergeben? Er kombt auff einen tag vnd auf einmahl vmb alle ſeine wo[l] - gezogene Kin - der. Denn als dieſelben im Hauſe jhres Erſtgebornen Bruders beyſammen ſind / vnnd ſich mit einander in lieb vnd vertrawligkeit erg〈…〉〈…〉 tzen: Siehe da erreget der Sathan aus GOttes verhengnuͤs einen ſturmwind: der kombt aus der Wuͤſten daher gebrauſet: faſſet die vier ecken deß Hauſes: wirfft daſſelbe vber einen hauf - fen; zerquetſcht vnd ertoͤdtet jhm nicht nur eines oder zwey aus ſeinen Kindern; ſondern alle miteinander.

Vber ſolchen zehn leichen / die Er fuͤr ſeinen au - gen ſehen muß / wird Er zwar ſehr betruͤbet: zerreißt ſeine Kleyder / raufft fuͤr angſt ſein Haupt vnnd ſetzet ſich in den ſtaub der Erden. Vnd zwar wer wil jhn auch hierumb gar ſehr verdencken? Ein ſchmertz iſt noch zubeweinen: in geminis ſtupor eſt: Wird er zwiefach ſo leſt die angſt deß Hertzens die thraͤnen nicht fluͤſſen. Aber dein zehnfacher Kinder-Creutz / O Job du hochbekuͤmmertes Vaterhertz / wer kan es ermeſſen vnd ausſprechen?

Doch aber faſſet jhm Job bald wieder einen muth bedenckt wer jhm diß trawren zugeſchickt: troͤſtet ſich vnd ſpricht: Dominus dedit: Dominus abſtulit. Der Herr hats gegeben / der Herr hats ge - nommen. als wolt er ſagen: Waß ſol Jch ma - chen? die Kinder ſein nicht mein / ſondernCGottes[18]Gottes deß Herrn. Er hat mir ſie nur ein zeitlang geliehen: jetzt aber hat er ſie wieder abgefodert.

Was nu dem fromen Hiob begegnet iſt / das iſt euch jetzt auch wiederfahren / jhr Adelichen trawrher - tzen. Der Allerhoͤchſte hat ewre Hauß - vnd Hertzens - frewde auch in leyd verkehret / vnd euch ewer allerlieb - ſtes Soͤhnlein / an welchem jhr ewre Hertzens-luſt ge - ſehen / durch den zeitlichen tod aus den augen geriſſen. Wenn Jhr in ſolchem fall ſchmertzlich betruͤbet ſeyd / wer wil vnd kan euch verdencken? Fieri non poteſt ut nobis illius mors amara non ſit, cujus vita fuit duicis. Es kan nicht ſein / daß vnß deß jenigen ab - ſcheyd nicht ſolte bitter vnd kummerhafftig ſein / deſſen leben vnd gemeinſchafft vnß ſuͤß vnd angenehm gewe - ſen: ſagt Auguſtinus.

Jedoch O Chriſtliches Hertz: trawreſtu mit Job: ſo troͤſte dich auch wieder mit jhm. Sage auch: Der Herr hats gegeben / der Herr hats ge - nommen. Was wil Jch viel klagen vnd zagen? Waß wil Jch mich ſo aͤngſten vnd quaͤlen? Hat mir doch mein Kind kein frembder genommen: ſondern du Herr haſt mirß genommen / du Herr ſage Jch / der du mirß zuvor gegeben. Zwar es ſchmirtzet mich ſehr. Aber was hilfft es? Hetteſtu doch / wenn du vbel gewolt / mirs niemahl geben doͤrf -fen.[19]fen. Oder ſo du mirs ja gegeben / hetteſtu mirs doch bald wieder nehmen / vnd die frewde ſo Jch bißher an Jhm gehabt vorlaͤngſt zerſtoͤren moͤgen.

Alſo hat es auch jener frome Vater gemacht. Raptus eſt Filius meus. Durum quidem ſed tole - rabile tamen: rapuit enim is qui dederat. Mein lieber Sohn / ſpricht Er / iſt mir genommen worden Es thut mir zwar ſehr wehe: aber doch muß Jch mich zu frieden geben. Denn der Herr hat mir jhn ge - nommen. Eben der Herr der mir jhn gegeben hat

Wie ſagt auch dort Auguſtinus? Voluntas Dei aliquando eſt, ut ſanus ſis: aliquando ut æ - grotes. Si, quando ſanus es, dulcis eſt voluntas Dei: quando ægrotas, amara. Non es recto cor de. Quia non vis voluntatem tuam ad Dei vo - luntatem dirigere, ſed é contra Dei ſcilicet ad tu - am. Wenn dirs wolgehet ſo biſtu mit deinem Gott wol zu frieden. Wenn dirs aber vbel gehet ſo murreſt vnd gruntzeſtu wieder jhn. Ach du muſt nicht rechter vernunfft ſein. Du wilt dich nicht nach Gott richten: ſondern Gott ſol ſich nach dir richten. Was wird das fuͤr ein geſchicke haben?

Jn ſumma: Jſt vnß Gott lieb / wie Er denn einem jeden lieb ſein ſol / ſo ſollen wir vnß billich auch ſeinen willen lieb ſein laſſen / den Er an vnß vnd den vnſrigen vollbringet. Wenn wir Gott geben vnd laſſen was Er wil: ſo kan Er vnß hernach auch wieder geben vnd laſſen was wir wollen.

C ijJch[20]

Jch werde ſo bald nicht vergeſſen der ſchoͤnen Troſtworte: ſeine Selle gefellt Gott wol vnd iſt jhm lieb.

Ewer Soͤhnlein / O jhr betruͤbten Eltern / ge - fellet Gott wol vnd iſt jhm lieb. Was wollet Jhr mehr haben? koͤnnet jhr auch etwas hoͤhers vnd beß - ſers auff der Welt wuͤnſchen vnd begehren?

Ein ſtuͤck von ewrem Hertzen: ein ſtuͤck das jhr vnter ewrem Hertzen getragen gefellet Gott vnd iſt jhm lieb. Quid beatius quam diligi ab eo, qui ha - bet poteſtatem vitæ & necis? Was kan gluͤckſeliger auff der Welt ſein / als ein Menſch / der von dem gelie - bet wird / der ein Herr vnd Herſcher vber todt vnd leben iſt? fragt vnd ſagt jener Kirchenlehrer.

Hat Gott ewer Ehe-zweiglein lieb / ſo hat Er jhm gewißlich nichts verterbet. Hat Er jhm gleich dasPhil. 1. 24. zeitliche genommen / ſo hat Er jhm dafuͤr das ewige gegeben: vnd diß iſt jhm auch viel beſſer.

Ewiger Gott wie frewdig wuͤrdet jhr ſein / wenn ein groſſer Potentat in der Welt ewrem Kindlein ge - neigt vnd guͤnſtig were. Aber wie viel frewdiger ſollet jhr jetzund ſein / daß es bey dem Herrn aller Herrn / bey dem Koͤnige aller Koͤnige zu ſo groſſen gnaden kom̃en / vnd jhm ein ſpiegel in augen worden iſt. Wie hettet jhrs hoͤher vnd beſſer anbringen koͤnnen?

Als der alte Kirchen-lehrer Ambroſius ſterben ſollen / hat Er kurtz vor ſeinem ende geſagt: Non ti -meo[21]meo mori quia bonum Dominum habemus. Jch fuͤrchte mich gar nichts fuͤrm tode: Denn wir haben einen fromen Herrn zu dem wir kommen. Du auch / du wehemuͤttiges Vater - vnd Mutter-hertz / ſolt heut alſo ſagen: Was wil ich mich viel betruͤben vber dem tode meines Kindleins? Es iſt zu einem liebreichen Herrn kommen: zu einem ſolchen Herrn der viel ſchoͤner mit jhm thut / alß Jch jemahls mit jhm habe thun koͤnnen.

Ach wie wuͤnſchte jhm Sanct Paulus bey dieſem Herrn zu ſein. Jch begehre auffgeloͤſet zuPhil. 1. 23. werden / ſpricht Er / vnd bey Chriſto zu ſein.

Wie ſeufftzet auch dort Auguſtinus: Eja Domi - ne moriar ut te videam: videam ut moriar. No - lo vivere volo mori. Mori deſidero ut videam Chriſtum. Vivere renuo ut vivam cum Chriſto. Kom / lieber Gott kom / ſpricht Er / vnd laß mich ſterben / nur daß ich bald bey dir ſein vnd bleyben moͤ - ge. Jch wuͤnſche von Hertzen zu ſterben / nur daß Jch bey dir vnd mit dir leben moͤge.

Ewer Soͤhnlein / jhr betruͤbten Eltern / ge - fellet Gott wol vnd iſt jhm lieb: ſage ich noch einmahl. Liebet aber Gott ewer liebes Kindlein / wie ſolte Er euch denn gram ſein?

Es iſt ſonſten der brauch / daß wenn ſich jemand bey den Eltern zu lieben wil / ſo thut Er nur mit jhren Kindern ſchoͤn: Vnd ſolches gefellet den Eltern vielC iijbeſſer /[22]beſſer / als wenn es jhnen ſelbſt begegnete. Alſo liebko - ſet Gott jetzund auch mit ewrem Kindlein: vnd dar - aus koͤnnet jhr ſchliſſen daß Er euch nicht abguͤnſtig ſein muſſe. Ja die liebe Gottes gegen ewer Kindlein ſol euch ein offentlich Zeichen vnd zeugnuͤs ſeiner Liebe gegen Euch ſein. Ach wie froͤlich ſollet Jhr jetzt den Himmel anſehen. Gott hat ein ſtuͤcklein das euch lieb geweſen ſchon zu ſich geholet. Vnd weil jhm die - ſes lieb iſt: ſo werdet jhr jhm gewißlich auch lieb ſein. Wird derowegen nicht lange anſtand haben: Da Er euch alle ſeeligliglich hernach holen wird.

Wir muͤſſen aber ein wenig eigentlicher beſehen / waß es fuͤr ein Gott ſey / dem vnſere Ehe - pflaͤntzlein ſo wolgefallen?

es iſt ein barmhertziger
es iſt ein allmechtiger
es iſt auch ein trewer vnd vnwandel - barer Gott.

Barmhertzig iſt Er. Wie ſagt Er dort vonJer. 31. 20. Ephraim? Jſt nicht Ephraim mein thewrer Sohn vnd mein trawtes Kind? Jch dencke noch wol daran was Jch Jhm geſchworen habe. Drumb bricht mir mein Hertz gegen jhm / daß Jch mich ſein erbarmen muß.

Vnd diß iſts auch was dort Auguſtinus ſaget: Dei proprium eſt miſereri ſemper & Parcere. Gott[23]Gott kan nicht anders alß nur freundlich / Leutſelig vnd barmhertzig ſein. Oder / wie Er an einem andern Ort ſpricht: Plus Deus vult miſereri quàm nos á miſeria liberari. Vnſer Goot wil ſich vnſer ehe erbarmen / ehe wir ſeiner erbarmung begehren.

Ach wie vnbarmhertzig iſt Herodes mit den Be -Matth. 2. 16. thlehemitiſchen Kinderlein vmbgegangen? Ach welch eine ſchreckliche Blutſchwemme hat er vnter jhnen an - gerichtet? Alle ſo zwey Jahr vnnd drunter geweſen / hat er jaͤmmerlicher weiſe erwuͤrgen vnd vmbbringen laſſen.

Was that auch vor zeiten Koͤnig Cambyſes? AlsHerod. l. 3 er von ſeinem trewen Raht Prexaſpe der trunckenheit halber geſtrafft worden? Wolan / ſprach er / du ſolt erfahren daß ich in trunckener weiſe bey guter vernunfft bin. Leſſet darauff alsbald Pre - xaſpis Sohn ins Panquet bringen / ſtellet jhn in die Thuͤr am Saal / nimbt Bogen vnd Pfeil / vnd ſcheuſt jhm das Hertz entzwey. Laͤchelt endlich vnd fraget den Vater: Ob Er auch wenn Er geſoffen / ſo eine gewiß - ſe fauſt hette / alß wenn Er nuͤchtern were?

Solcher ſchrecklichen Tyranney / duͤrfft jhr euch / O jhr Chriſtlichen Eltern bey ewrem Kindlein nicht befahren: es iſt bey einem ſolchen Herrn / welcher / wie wir gehoͤret / eine ſolche fewrige Hertzens-liebe zu jhm treget / daß jhm auch das Hertz fuͤr fewriger Liebe brechen vnd zerſchmeltzen moͤchte.

Nicht[24]

Nicht allein aber iſt Gott barmhertzig / ſondern auch Allmaͤchtig. Vnnd was wuͤrde es auch ſonſten ſein? Es wuͤrde heißen wie dort abermahl Au - guſtinus redet〈…〉〈…〉 Quid prodeſſet bonitas: niſi bo - nitati adeſset poteſtas? Was were es daß mir Gott helffen wolte / koͤnte aber nicht?

Mancher Menſch traͤgt zwar gegen dem andern ein trewes gemuͤtt / vnnd wolte jhm gern mit raht vnd that beyſpringen: Er kan es aber nicht ſchaffen. Der wille iſt wol da / aber das vermoͤgen iſt nicht verhan - den.

2. Reg. 6. 27.Als Benhadad der Koͤnig in Syrien Samari - am mit einer ſtarcken Kriegesmacht belagerte / vnd ei - ne ſehr groſſe thewrung alda entſtunde / ſchrey ein ar - mes Weib den Koͤnig Jſraël / der zur Mawren gieng / mit betruͤbtem mutt vnd munde an: Hilf mir mein Herr Koͤnig. Ach / ſprach der Koͤnig: hilfft dir der Herr nicht / woher ſol ich dir helffen?

Ach wie brandte auch O du armes kleines wuͤrm - lein / deiner liebreichen Eltern Hertz gegen dir / da du auff deinem Kranckenbettlein lageſt / vnd dich von ei - ner ſeiten zu der andern wandteſt. Wenn es in jhren kraͤfften vnd vermoͤgen geſtanden / dir die geſundheit wieder zu bringen; O wie gern wuͤrden ſie ſolches ge - than haben. Aus liebe wuͤrden ſie weder muͤhe noch vnkoſten geſparet haben. Ja wenn ſie dir die gantze Welt hetten einfloͤſſen koͤnnen / wuͤrden ſie nichts ge -ſparet[25]ſparet haben / nur daß ſie dich hetten bey leben erhal - ten vnd behalten moͤgen.

Aber dein Gott bey dem du jtzund biſt / vermag alles zu thun / was Er wil im Himmel vnd auffPſal. 33. 9. Erden. Ja Er kan vberſchwencklich thunEph. 3. 20. vber alles daß wir bitten vnnd verſtehen. Sap. 11. 22.Groß vermoͤgen iſt bey jhm / vnd Er hat ge - walt vber alles Er hat auch alle Creaturen in ſeiner hand;

Dannenher ſchreibt auch der alte Kirchenlehrer Chryſoſtomus nicht vnrecht: Nihil eſt quod mo - rari poſſit ejus auxilium; quoniam DEUS eſt cui omnia ſunr poſſibilia. Et iccircò quorſum cunq́; vult res transfert, & ubi non ſunt viæ invenire ſcit vias. Jhm iſt kein Weg verſchneyet oder verren - net / wenn niemand helffen kan / ſo kan Er helffen.

Die Syriſchen Soldaten vermeineten ſie hetten2. Reg. 6. 14. Eliſam zu Dothan wie in einer fallen: es were vnmoͤg - lich daß er jhren haͤnden entgehen ſolte. Aber Gott wuſte gar wol / wie Er ſeinen Diener erretten ſolte. Er vmbgab Jhn mit fewrigen Roſſen vnnd Wagen: vnd ſchlug die Kriegesleute mit blindheit / daß ſie den Propheten mitten durch ſich vnverſehret gehen laſſen muſten.

Die Kinder Jſraël kamen an das rothe Meer vndExod. 14. 22. wuſten nicht wo hinaus. Vor ſich hatten ſie das Waſſer: neben ſich hohe Berge: hinter ſich die men -Dge[26]ge der Feinde Bey ſich befunden ſie keine macht ſich zuerwehren. Wie da zu thun? Ey da alle Menſchen - huͤlffe aus vnd verſchwunden geweſen: da iſt Gottes huͤlffe erſt angegangen. Er theilete das Meer von ein - ander / daß es den wehmuͤttigen Jſraëliten zu einem freyen paß vnd durchzuge / den Feinden aber zu einer tieffen ſchwemme werden muſſen.

Ferner iſt Gott auch ein trewer Gott. Bey gutten Leuten in der Welt iſt nichts verlohren. O wie viel weniger wird diß verlohren ſein / was die - ſem trewen Herrn vberantwortet wird.

1. Mac. 13. 19.Der Haubt Man Tryphon ſagte dem Judiſchen Kriegeshelden Jonathæ glauben zu / vnnd vberredet jhn / daß Er ſein Volck von ſich thet / vnd mit jhm in die Stadt Ptolemais zog / die wolte Er jhm neben an - dern feſten Staͤdten eingeben Jonathan trawete vnd zog mit jhm. Da ließ Tryphon die Thore zuſchliſſen / nahm Jonathan gefangen: vnnd brachte alle ſeine Leute vmb. Darnach ſchickte Er zu Simon Jo - nathæ Bruder / vnd both jhm an / wo er jhm wolte deß gefangenen zween Soͤhne zu Geiſeln geben vnd hun - dert Centner Silbers ſchencken / ſo wolte Er Jona - than loß laſſen. Simon glaubete jhm: ſandte jhm beydes das Silber vnd die Soͤhne. Aber der boͤſe - wicht hielt keinen glauben: Sondern ließ Jonatham ſambt beyden Soͤhnen toͤdten. O der groſſen vntrew.

Alſo iſt ewer Gott / O jhr betruͤbten Eltern nicht geſinnet: Er wird euch ewer Soͤhnlein nichtver -[27]vertuſchen noch vorhalten: ſondern auff den Juͤng - ſten tag gewißlich vnd vnverruckt wieder zuſtellen.

Dem fromen Job gab Gott alles zwiefach wie -Hiob ul - timov. 10. der / nur ſeine Kinder einfach. Damit wolte Er jhm zuverſtehen geben / daß Er ſich gedulden ſolte biß an jenen groſſen tag / da werde Er dieſelbigen in vnaus - ſprechlicher herrligkeit wieder bekommen.

Endlich iſt Gott auch ein vnwandel - barer Gott. Wie Er geliebet die ſeinen dieJoh. 13. 1. in der Welt waren / ſo liebt Er ſie ans ende: ſagt der Evangeliſt vnd Apoſtel Johannes.

Wer auff Menſchen-liebe Thuͤrme bawen wil / der ſetzet den grund auff einen triebſand. Et cum for - tunâ ſtatq́; caditq́; fides. Es darff leicht ein ſturm - wind deß truͤbſals daher blaſen / ſo verjagt er alle gunſt vnd freundſchafft wie ſprew / daß du mit Koͤnig Da - vid klagen vnd ſagen muſt: Meine lieben vnndPſal. 38. 12. freunde ſtehen gegen mir vnd ſchewen meine plage vnd meine nechſten tretten ferne.

War nicht Vaſthi vnnd Haman beym Koͤnige Ahaſvero in groſſen gnaden? Wie lange aber hatte esEſth. 3. 1. beſtand? Da Vaſthi vermeinete ſie ſaͤſſe dem Koͤnige gar in der ſchoß / wird ſie der Koͤniglichen Cron vnnd Wuͤrden entſetzet: Haman aber / fuͤr dem ſich zuvor alle Koͤnigliche Hofediener neygen vnnd beugen mu - ſten / ward an einen Baum geknuͤpffet funfftzig elen hoch.

D ijViel[28]

Viel ein andere gelegenheit hat es mit deinemOſe. 11. 8. vnd meinem Gott im Himmel. Seine Liebe iſtPſal. 23. 6. von Ewigkeit / ſie wehret auch in Ewigkeit. Seine Barmhertzigkeit folget jhm nach vn -Luc. 1. 50. ſer lebenlang: ſpricht Koͤnig David. Sie wehret jm̃er fuͤr vnd fuͤr bey denen die jhn fuͤrchten. ſingt die Koͤnigliche Jungfraw Maria.

Wie troͤſtlich redet auch der liebreiche Gott ſelber? Eſa. 54. 9.Jch habe geſchworen daß ich nicht vber dich zoͤrnen noch dich ſchelten wil. So ſollen wol Berge weichen vnnd Huͤgel hinfallen: aber meine gnade ſol nicht von dir weichen: vnd der Bund meines friedens ſol nicht hin - fallen: ſpricht der Herr dein Erbarmer.

Wenn jhr nu dieſes alles / O jhr Adelichen trawr - hertzen bedencket; Lieber wie iſt Euch zu mutte? Koͤn - net jhr auch noch weinen? Koͤnnet Jhr auch noch kla - gen? Koͤnnet jhr euch noch vber ewrem ſeligen Soͤhn - lein betruͤben?

Ach deß klaͤglichen Suͤndenfalles vnſerer Paradiß - Eltern. Ach wie jaͤmmerlich iſt Menſchliche Natur dadurch verterbet worden. Da wir vnß frewen ſolten / da weinen wir. Da wir jubiliren ſolten / da wehkla - gen wir. Da wir luſtig ſein ſolten / da trawren wir.

Warlich wenn wir vnſern Gott recht anſehen / vnd ſeine Liebe ſo Er an den vnſrigen erweiſet gebuͤhrlichbehertzigen[29]behertzigen wolten / koͤnte es vnmoͤglich ſein / daß wir vnß nicht zufrieden geben ſolten.

Wenn wir aber von Gott dem Herrn ablaſſen / vnd auff vnſere Kinderlein kommen wollen / werden wir auch vrſachen genung finden / warumb wir das trawren einſtellen / oder je zum wenigſten meßigen ſollen.

Alß vor zeiten zwey Weiber ſich fuͤr dem Koͤnige1. Reg. 3. 24. Salomon vmb ein Kind gezancket / hat der Koͤnig ſich nicht anders geſtellet / alß ob Er das Kind von einan - der hawen / vnd einem jeden Weibe den halben theil geben wolte. Hier hat die rechte Mutter nicht anders gemeinet / als ſie wuͤrde jhr Kind da auff dem platze laſſen muſſen: Darumb bietet ſie ſo trewlich / man ſol - le nur das Kind leben laſſen / ſie wolte es der andern lieber gar geben / alß todt fuͤr jhren augen ſehen. Aber was geſchicht? Da die Mutter anders nichts als jhres Kindes gewiſſen tod fuͤr augen ſiehet / da wendet ſich das blat vmb / vnnd wird aus dem tode lauter leben.

Denn der Koͤnig erkennet aus jhrer hertzlichen vnnd ſchmertzlichen vorbitt / daß ſie deß Kindes rechte Mut - ter ſey / leßt jhr derowegen daſſelbe friſch vnd geſund zuſtellen.

Eine ſolche gelegenheit hat es auch mit vnſern verſtorbenen. Wenn wir meinen ſie ſein rein vnd ſtein todt / ſo ſollen ſie wieder lebendig vnnd vnß ge - ſchencket werden: Vnter deſſen ſollen wir vnß damit troͤſten / daß jhnen durch den zeitlichen todt nichts boͤ -D iijſes[30]ſes wiederfahren / ſondern daß ſie vielmehr Von allem vbel erloͤſet vnd Zu himliſcher ruhe befoͤdert werden.

Daß die kinderlein von allem vbel erloͤſet werden / bezeuget das abgeleſene Leich - vnd Troſt - Spruͤchlein mit ſchoͤnen verſtaͤndtlichen Worten: Er wird weggenommen aus dem leben vn - ter den ſuͤndern / vnd wird hinweg-geruckt: daß die boßheit ſeinen verſtandt nicht ver - kehre: noch falſche lehre ſeine Seele nicht be - triege. Denn die boͤſen Exempel verfuͤhren vnd verterben einem das gutte / vnd die rei - tzende luſt verkehret vnſchuldige hertzen.

Weil vnſere Kinderlein noch bey leben ſein / ha - ben wir vnß jmmer zubefuͤrchten / daß ſie nicht etwa entweder Durch das Gottloſe ſuͤnden weſen verterbet oder aber Durch falſche lehre betrogen werden. von beyden vbeln aber werden ſie durch jhr ſeeliges abſterben befreyet. Welches denn abermal kein ſchlech - ter vnd geringer troſt iſt.

Was anfangs das gottloſe ſuͤnden we - ſen belanget / iſt daſſelbe jetzund in der Welt ſo hoch ge -ſtiegen /[31]ſtiegen / daß es nimmermehr hoͤher ſteigen vnd kom - men kan /. Der Apoſtel Paulus klagt ſchon zu ſeiner zeit tempora mala ſunt: Ach es iſt boͤſe zeit. Eph. 5. 16.Johannes bricht auch heraus vnd ſpricht: totus mun - dus in maligno poſitus eſt: Die gantze Welt1. Joh. 5. 19 liegt im argen. O jhr erleuchteten Maͤnner Got - tes / wenn jhr euch heutiges Tages ein wenig vmbſe - hen / vnd die ruhloſigkeit auff Erden anſchawen ſoltet / was wuͤrdet jhr wol jetzund fuͤr klagreden fuͤhren?

Dencket vnd bedencket jhr Adelichen Chriſthertzen / wie ſchendlich jetzund das wort Gottes vnd die gnade ſo vnß darinnen angeboten wird verachtet wird?

Wir muſſen bekennen / daß Gott ein groß licht ſeiner Erkaͤntnuͤs bißher in vnſerm Vaterlande auff - geſtecket hat. Er hat vnß gezeiget ſein Wort /Pſ. 147. 19. vnd vnß wißen laſſen ſeine ſitten vnd rechte Alſo hat Er vielen Voͤlckern nicht gethan. Aber wie hat ſich der meiſte theil hingegen verhalten? Wie hat er ſolche gnade GOttes angelegt? Ach daß Gott geklagt ſey: Jſt doch faſt nichts vnwerthers alß Gottes wort. Nichts achtet man weniger als Got - tes ehre / vnd was zu befoͤderung derſelben dienet. Wer hat Gott recht fuͤr augen vnd fuͤrchtet jhn? Leben jhrer viel nicht alſo / als ob kein Gott im Himmel were / welcher ſtraffen koͤnne? Gold liebet man mehr als Gott: Mehl mehr als Himel. Welt vnnd Menſchen fuͤrchtet man mehr als Gott. Auff Men -ſchen[32]ſchen Geld vnd Gutt trawet vnd bawet man mehr als auff Gott. Jſt dieſes nicht ſchreckliche ſuͤnde?

Wird nicht auch O jhr Chriſtlichen Hertzen / der allerheiligſte Name GOttes / von klein vnnd groß ſchrecklich gemißbrauchet vnd geleſtert? Wer ſperret jetzund das maul auff / vnd leſſet nicht alsbald daneben die Sacrament vnd Wunden vnſers Heylandes hauf - fig vber die Zunge ſpringen? Ja es darff mancher ſo GOttesleſterlich fluchen / daß auch die Sonne dafuͤr erſchwartzen / der Himel ſich erſchuͤttern vnd die Erde erzittern moͤchte.

Mit was fuͤr andacht vnnd heiligkeit wird auch Gott dem Herrn ſein Sabbath gefeyret? Jſt jhm nicht alſo? Alle Suͤnden die man auff den werck - tag nit thun mag / ſparet man auff den Sontag. Da muß es gefreſſen / geſoffen / geſpielet / gepancketiret ſein. Wenns wol gereht / ſo kombt man jrgend deß Mor - gends ein halbes ſtuͤndlein in die Kirchen / plaudert aber oder ſchlaͤfft die meiſte zeit vnter der Predigt. Ja der Sontag iſt bey dem meiſten theil nur ein Suͤnden - tag: vnd dienet der groͤſte hauffe dem Teufel niemals pflichtiger als eben dieſen Tag.

Was fuͤhret man auch im Hauß-vnd Regiments - ſtande fuͤr ein Leben? Wie halten ſich die Kinder ge - gen den Eltern? Das Geſinde gegen jhre Herrſchaft? Vnterthanen gegen jhre Obrigkeit? Vnd hinwieder - vmb dieſe gegen jhnen? Welch eine vnordnung wird man hier finden. Wil nicht ein jeder nach ſeinem kopffvnd[33]vnd gehirn leben? Hat nicht vberall Vngehorſam / Vntrew / Vngerechtigkeit vberhand genommen: Gehet es nicht wie dort der Prophet Micheas klagt? Die fromen Leute ſind weg in dieſem Lande:Mich. 7. 2. vnd die gerechten ſind nicht mehr vnter den Leuten. Ein jeglicher jagt den andern daß er jhn verterbe / vnd meinen ſie thun wol dar - an / wenn ſie boͤſes thun. Was der Fuͤrſt wil das ſpricht der Richter / daß er Jhm wieder einen dinſt thun ſol. Die Gewaltigen rah - ten nach jhrem mutwillen ſchaden zuthun: vnd drehens wie ſie wollen. Der beſte vnter jhnen iſt wie ein dorn vnd der redlichſte wie ein hecke.

Wo iſt auch jetzund / O jhr bekuͤmmerten Her - tzen / Bruͤderliche Liebe zu finden? Ach ſie iſt jetzund in aller Menſchen Hertzen nicht nur erkaltet / ſondern wieMatt. 24. 12. dicke ſtarcke Eyßzappen gantz erſtarret vnd gefroren. Toͤdten darff man ja nicht gar wol offentlich mit der fauſt aber am willen mangelts freylich nicht. Vnd koͤnte mancher ſeinem armen Nechſten offtmals bey - kom̃en / wie er nicht kan: ſo wuͤrde Er ſein ſtuͤck brodts bald auffgeſſen haben.

Waß anlangt die fleiſchliche vppigkeit vnd wol - luͤſte / Hurerey / Ehebruch / freſſen / ſauffen / ſpielen / tantzen / bulerey / leichtfertige gebaͤrde / worte / vnzuͤch -Etige[34]tige Lieder vnd Hiſtorien / vnflaͤtige zoten / ſchandbare worte / davon iſt gleichſam die Lufft allenthalben ver - ſtaͤnckert worden / wie dort jener Gottſelige Mann re - det. Zwar es wil der heilige Geiſt haben / es ſolle vn -Eph. 5. 3. ter vnß Chriſten die Hurerey nicht genennet werden. Aber daß Gott erbarme / man hat ſie nur mit der that getrieben. Jhrer viel haben ſich derſelben noch geruͤhmet. Ja das Epicuriſche Sodomitiſche ſchand - leben wird jetzund nicht mehr geſtraffet: ſondern noch bemaͤntelt vnd entſchuldigt. Die leydige hoffart muß reinligkeit heißen. Vnverſchaͤmpte reden vnd gebehr - den muß kurtzweil / ſchelten vnd fluchen / angewehnte ſprichwoͤrter / freſſen vnd ſauffen muß froͤligkeit genen - net werden.

Wie geht man auch in ſachen zeitlicher nahrung betreffende / mit einander vmb? Wo iſt gerechtigkeit / trewe vnd redligkeit zufinden? Hoͤret man nicht al - lenthalben von diebſtall / wucher / betrug vnd vervor - theilung? Wer thut ſeinem nothleydenden Nechſten etwas guttes / vnd ſpringt Jhm in noͤthen zu huͤlffe? Einer geitzet vnd karget: der ander verſchwendet wie - derumb die gaben Gottes vnnuͤtzlicher weiſe:

Der reiche den armen zwinget
vnd jhm ſein ſchweiß abdringet /
daß nur ſein groſchen klinget.

Wie vber diß alles einer den andern an ſeinen Eh - ren angreiffe / wie gemein das luͤgen / leſtern vnd ver - leumbden ſey / das kan euch / Jhr betruͤbten Eltern / auch nicht vnbekant ſein. Wo nur etwa jhrer zweenbeyſammen[35]beyſammen ſein / da muß der dritte ſchon herhalten / ob Er gleich weit davon iſt. Vnd wil jetzund leyder gar wenig Jonathans gleichen geben / die das beſte1. Sam. 19. 4. von andern reden vnd derſelben glimpff vnd gutten Namen befoͤdern.

Was endlich an euſerlichen Suͤnden vnd Laſtern mangelt / das wird mit boͤſen vnziehmlichen luͤſten / ar - gen gedancken vnnd vielfaltiger vnreinigkeit / ja mit mancherley boͤſen tuͤcken deß Hertzens erſetzet.

Jnſumma es were leichter das groſſe Meer zuer - ſchoͤpffen / als alle Suͤnden ſo vnter vnß heutigs tages im ſchwange gehen / zuerzehlen.

Wie gemein aber daß gottloſe ſuͤnden - weſen / alſo gemein iſt auch bey jtziger Welt falſche Leh - re: vnd hat faſt das anſehen / als wenn vnſer Heyland eigentlich auff dieſe vnſere zeit geziehlet / wenn Er dort weiſſaget: Es werden falſche Chriſti vnd fal -Matt. 24. 24. ſche Propheten aufferſtehen / vnd groſſe zei - chen vnd wunder thun / daß verfuͤhret wer - den in den jrrthumb (wo es moͤglich were) auch die außerwehlten.

Ach wie viel werden doch jetzund der Ketzer vnd Schwermer gefunden / welche ſich auffs eußerſte be - muͤhen / wie ſie die einfaͤltigen / mit jhrem falſchen Seelengifft betriegen vnd einnehmen moͤgen. Vnd leyder / leyder / es gehet jhnen jhr Handel vnd Hand - werck treflich von ſtatten. Jhrer viel fallen jhnen zu /E ijvnd[36]vnd laſſen ſich von jhrem Heylande abwendig ma - chen.

Wer iſt jetzund / der es jhm mit ſeiner Religion ei - nen rechten ernſt ſein lieſſe? Wer begehret gar viel da - bey zu leyden vnd auszuſtehen? Ach es wil heut bey tage faſt niemand nur einen thraͤnen fuͤr den vergieß - ſen / der fuͤr vnß ſein thewres Blut vergoſſen hat. Nie - mand wil ſeine Guͤtter wagen fuͤr den / der fuͤr vnß ſein Leben gewaget hat. Niemand wil forthin zum zeug - nuͤs deſſen ſterben / der vmb vnſer ſeligkeit willen ge - ſtorben iſt.

Wie ſchendlich vnd ſchrecklich aber nu dieſes alles iſt / ſo troͤſtlich ſol es euch ſein / O jhr Adelichen trawr - hertzen / daß ewer Ehepflaͤntzlein aus dieſer grund-boͤ - ſen Welt hinweg genommen worden. O wie manches kummers ſeyd jhr jetzt vberhaben.

Wenn Jhr ewer Soͤhnlein gleich lange behalten hettet / ſo hette es doch endlich ſterben muͤſſen: ſolte es aber jrgend alß denn geſchehen ſein / wenn es mit ſuͤn - den vnd falſcher lehre verterbet worden: Waß hettet jhr jmmermehr fuͤr troſt haben koͤnnen?

Es iſt bald geſchehen mit den Kinderlein. Sie ſind wie ein zuͤndpulver. Sie fangen bald alles auff was ſie ſehen vndhoͤren: ja das aͤrgſte fangen vnd ler - nen ſie wol zum erſten. Vnd dieſes hat auch Auguſti - nus verſtanden / darumb ſagt er dort: Moriuntur no - ſtri? hoc interpretare quod deſinant peccare, de - ſinant jactari: deſinant miſeri eſse. Wenn vnß dievnſrigen[37]vnſrigen geſtorben / ſo ſollen wir gedencken das ſie al - lein der ſuͤnden vnd allem jammer abgeſtorben.

Vnd ein ander Kirchenlehrer ſpricht auch gar ſchoͤn: Non homo Chriſtianus ſed miſeria homi - nis Chriſtiani moritur. Nicht ein ChriſtenMenſch: ſondern nur eines Chriſten Menſchen elend ſtirbet.

Quanto magis á mundo fueras ſeparatus, tan - to magis Deo eris gratus. Je weiter du von der welt kombſt / je mehr du zu Gott kombſt: ſagt abermal ein fromer Mann.

O wie wol. O wie wol iſt dir geſchehen / O du ſanfft-entſchlaffenes Hertzlein. O wie viel beſſer iſt dirs / daß du da in deinem Saͤrchlein vnd Faulbettlein liegeſt / als daß du noch auff dieſer boͤſen Welt herumb lauffen ſolteſt. Jetzund koͤnnen die Gottloſen Suͤn - den Knechte / mit jhrem boͤſen Exempel dich nicht mehr verfuͤhren. Jetzund kan dir keine reitzende luſt dein vnſchuldiges hertzlein ver - kehren. Jetzund kan kein falſcher Lehrer vnd Seelen-Moͤrder deine Seele betriegen.

Du fuͤhreſt jetzt Davids triumph-Liedlein: Du OPſ. 116. 8 Gott haſt meine Fuͤße errettet vom gleiten Strick iſt entzwey vnd Jch bin frey. Du biſt dem ge - faͤhrlichen Mord-ſtrom dieſer Welt entſchwummen / in welchem wir noch watten vnd baden / Gott helffe daß wir nur nicht gar drinnen erſauffen muſſen.

O daß ich ruhen moͤchte zur zeit deß truͤb -E iijſals[38]ſals ſeufftzet vnd ſaget dort der Prophet Habacuc. WieHab. c. 4. 16. froͤlich waren auch Paulus vnd Silas: Da die thuͤrenAct. 16. 27. deß gefaͤngnuͤs zu Philippis auffſprungen / vnnd ſie ſi - cher aus dem Kercker gehen konten. O wie viel froͤli - cher ſolten wir werden / wenn Gott vnß oder die vn - ſrigen / durch den zeitlichen todt / die ſeelige Thuͤr deß gefaͤngnuͤs vnſers Leibes auffthut / daß wir aller ſuͤn - den-banden loß vnd ledig werden koͤnnen.

Es iſt aber an dieſem allem noch nicht genung. Plus ultra. Es iſt noch mehr dahinte[r.]Gott wil vnſere Kinderlein nicht allein durch den Todt von allem vbel erloͤſen / ſondern auch zu himliſcher Ru - he bringen vnd befoͤdern. Der gerechte ob Er gleich zu zeitlich ſtirbt / iſt Er doch in der ruhe: ſagt vnſer abgeleſenes Spruͤchlein.

Die Paͤpſtler loſiren die verſtorbenen Kinderlein in jhren beſondern limbum, vnd in die von jhnen auf - erbawte Vorburg der Hellen. Aber O der vnruhi - gen Marterkammer. Weg mit dieſer Hertzkraͤncken - den Lehre / die nur aus Menſchlichem gehirn genom - men vnd geſponnen iſt. So bald vnſere Kinderlein jhre Seele auffgeben / ſo bald fuͤhret ſie Gott durchLuc. 16. 22 ſeine himliſche Hofediener die heiligen Engel / nicht in die helliſche Vorburg / oder in den fewrigen ſchwefel - pful deß Teuffels / ſondern in den frewden-reichenHebr. 12. 22. Luſtgarten deß ewigen Lebens / in das Land der Leben -Luc. 23. 43 digen: Jn das himliſche Jeruſalem; ins Paradiß.

Denn[39]

Denn allhie an dieſem Ort allein vnd ſonſten nirgend anderswo iſt ruhe zufinden.

Was jhren Leib belanget / kombt derſelbe auch in keine heßliche Mordgrube / ſondern in ein friſches gra - beſtaͤdtlein / welches Chriſtus Jeſus alß der himliſche WeyhBiſchoff mit ſeinem allerheiligſten Leibe ſelbſt geweyhet vnnd gewaͤrmet / vnnd zu einem lieblichen Schlaffkaͤmmerlein gemacht hat.

Vnnd ob ſie gleich in ſolchem jhrem Grabe ver - faulen vnd verweſen muſſen / ſo werden doch alle jhre Beinlein vnd ſtaublein von den Himliſchen Fron-gei - ſterlein den heiligen Engeln / verwachet vnnd verwah - ret / daß der keines verlohren werde. Vnd muß jhnenPſ. 34. 8. jhre verweſung zu keinem verterb vnd vntergange / ſon - dern vielmehr zu einer newen fruchtbarkeit dienen.

Denn gleich wie ein Weitzenkoͤrnlein nicht gruͤnen vnd fruchten kan / biß es zuvor in die Erden falle vnd verfaule: Alſo kan auch kein Leib wieder herfuͤr gruͤ - nen vnd ſchoͤne fruͤchte tragen: Es ſey denn / daß das alte ſuͤndhafftige Adams-fleiſch in der Erden hin - weg faule.

Vnd diß iſts auch was Johannes in ſeiner hohen Offenbarung ſaget: Seelig ſind die todten dieAp. 14. 13. im Herrn ſterben von nu an: ſie ruhen von jhrer arbeit. Vnd ein alter Kirchenlehrer ſaget auch: Vita eſt navigatio mors portus tutiſſi - mus: Diß Leben iſt nichts anders alß ein gefaͤhrliche Schiffart; Da einem die Vngluͤcks-wellen jmmervber[40]vber dem Kopffe zuſammen ſchlagen wollen. Aber wenn einer ſtirbet / ſo kombt Er zu gewuͤnſchtem rande vnd Lande der himliſchen ſeeligkeit.

O abermal deß ſchoͤnen / O deß herrlichen troſtes. O du betruͤbtes Vater - vnd Mutter-hertz / wiſchet euch die fluͤſſenden trawerthraͤnen von ewren Augen. Jſt doch ewer ſeeliges Soͤhnlein nicht geſtorben / ſondern es ruhet nur. Sein Adeliches Coͤrperlein / wird heut in das Kaͤmmerlein ſeines Grabes geleget / darinnen ſoll Er alle matt - vnd muͤdigkeit ausruhen. Jn keiner Kammer ewres Adelichen Ritterſitzes / hat das ſeelige Hertzlein / jemahls ſo ſanfft vnd ſuͤſſe geruhet / alß es jetzund in dieſem ſeinem Grabkaͤmmerlein ruhen wird. Jtzt redet es euch gleichſam in ſeinem Ruh-bettlein anPſal. 4. 9. vnnd ſpricht: Weinet nicht: Jch ruhe vnnd ſchlaffe gantz mit frieden / denn der Herr hilfft mir / daß ich ſicher wohne. Sein Seeli -Luc. 16. 22 chen iſt in dem ewigen frewdenleben: in der ſchoß A - brahams.

Gleich wie jhr zuvor dieſes ewer liebes Soͤhnlein auff ewre ſchoß geleget vnd euch mit jhm gehertzet vnd ergetzet: Alſo hat das trewe Mutterhertz Chriſtus Jeſus ſein Seelichen jetzt auch auf ſeiner ſchoß / wi -Ap. 21. 4. ſchet alle thraͤnen von ſeinen aͤuglein / vnd hertzet vnd ergetzet ſich mit jhm in ewigwehrender Engel-frewde.

Illi de plorandi ſunt in morte quos miſeros infernus ex hac vitâ recipit: non quos cœleſtis aula lætificandos includit. Die jenigen / ſprichtJſidorus,[41]Iſidorus, ſol man im tode beweinen / welche alß elen - de Leute die helle zu ſich geriſſen: vnd nicht dieſe / wel - che in das Himliſche freuden-leben auff vnd eingenom - men worden.

Wenn einer eine ſchwere vnd gefehrliche arbeit fuͤr ſich hette / welche jhn ſein leib vnnd leben koſtete: Hilff ewiger Gott wie wuͤrde er ſich frewen / wenn je - mand keme vnd jhm zeitlich feyrabend gebe. Nun iſt aber keine ſchwerere vnd gefehrlichere arbeit / denn das ſich einer fuͤr vnd fuͤr mit der ſuͤnde plagen vnnd mar - tern muß. O wie viel mehr ſollen wir vns denn frew - en / wenn Gott vns oder die vnſrigen auß dem blei - ſchweren Laſt[-]wagen der Suͤnden außſpannet / vnnd zur gewuͤnſchten ewigen ruhe befoͤdern thut.

Da jener Gottfuͤrchtige Lehrer in letzten Todes - noͤten lag / ſeine zuhoͤrer aber vmb jhn herſtunden vnd jhn ſchmertzlich beweineten / ſprach er: Lieben Leu - te was weinet jhr? was krencket jhr mit ew - ren thraͤnen mein hertz? goͤnnet mir doch die ruhe die mir mein Gott goͤnnet.

So bald ſich bißher Kriegs-gefahr blicken laſſen / habt jhr / jhr adelichen Eltern / mit ewren adelichen Ehepflaͤntzlein / auff eine wolverwahrte Stadt zuge - eilet / darinnen ſie mit ruhe vnd frieden bleiben koͤnnen. Wo hat aber ewr Soͤhnlein jemahls ruhiger ſein koͤn - nen / alß in der Himliſchen Stad Jeruſalem / darin - nen es jtzund lebet vnd ſchwebet?

Babylon in Chaldea war ſehr mechtig vnd prech -Ftig[42]tig erbawet / vnd hatte zwoͤlff Deutſche meilen vmb - fangen: jhre mawren waren zweihundert Elen hoch / vnd ſo breit vnd dicke / das zween Wagen darauff ein ander haben weichen koͤnen; daruͤber ſich Nebucad - Nezar verwunderte / ſeine luſt dran ſahe vnd ſprach:Dan. 4. 27. Das iſt die groſſe Babel die ich erbawet ha - be zum Koͤniglichen hauſe / durch meine groſ -Bunting. Itin. p. 1. pag. 245. ſe macht: zu ehren meiner herligkeit. Zu Ni - nive da Jonas gepredigt hat / ſollen die mawren hun - dert ſchuch hoch vnd mit funffzehnhundert thuͤrmen beſetzt geweſen ſein.

Aber dieſe Staͤdte alle ſind von den feinden er - obert vnd zerſtoͤret worden: vnd haben die Buͤrger da - rinnen nicht ruhe haben koͤnnen. Die Himliſche ru - he-ſtadt aber / darein ewr Soͤhnlein gebracht worden / kan nicht erobert / kan nicht zerſtoͤret werden. Wolt jhr denn nicht fro daruͤber werden? wolt jhr nicht mit auffgehabenen haͤnden vnd hertzen Gott dancken / das er ſo viel trew an ewrem fleiſch vnd blut erwieſen hat? wolt jhr nicht wuͤnſchen das jhr vnnd alle die ewrigen auch bald zu ſolcher gebenedeiten Himel-ruhe kommen vnd gelangen moͤchtet. Dahin nemlich ubi felix æ - ternitas & æterna felicitas: quam nulla poteſt in - ter turbare calamitas: Da eine gluͤckſelige ewigkeit / vnd eine ewige gluͤckſeligkeit iſt / die nimmermehr zer - ſtoͤret werden kan.

Ach ja freylich du adeliches ſeliges Hertzlein: du haſt vberwunden: wir kempffen vnd ſtreiten noch. Duhaſt[43]haſt eine ſchoͤne Ehren-Kron erlanget: Wir hoffen vnd gewarten noch derſelben. Du haſt den gang ver - richtet / den wir noch gehen ſollen. Du biſt numehr an das froͤliche ort gelanget: dahin wir noch zu kom - men gedencken. Du haſt numehr den groſſen herli - chen ſchatz funden: den wir noch ſuchen. Du ſieheſt numehr mit froͤlichen augen an was wir ſchawen im glauben. Du haſt in volliger beſitzung / was wir ha - ben in gleubiger hoffnung. Alle dieſe wolfarth goͤn - nen wir dir von hertzen: Vnd ſehnen vns hernach mit ſchmertzen.

Vnd diß iſt alſo der Troſt / welchen die Leidetra - genden jhrem trawrigen Hertzen vorhalten ſollen.

Secunda Pars.

ES goͤnnet jhnen aber der Helliſche Sawr - vnd Trawr-Geiſt ſolchen Troſt nicht: bemuͤhet ſich derowegen zum hefftigſten / das er jhnen denſelben zu nichte machen moͤge. Wird dero - wegen von noͤten ſein / das wir numehr auch zum an - dern vorgenommenen Lehr vnnd Troſt-Punct ſchrei - ten / vnd mit einander vernehmen was bey ſo geſtalter ſachen zu thun ſey?

Es ſind die anfechtungen des Sathans / ſo er diß - fals betruͤbten Eltern einzublaſen pfleget / gleich wie ein Jrrgarten / je lenger einer drinnen vmbwandert / je weiter er ſich verirret / das er zu letzt nicht mehrF ijweiß /[44]Cœlius lib. 17. c. 9.weiß / wo er hinter ſich oder fuͤr ſich kommen ſol. A - ber wie vorzeiten Theſeus / alß er in ſeinen JrrgartenA. L. & ſatel. lib. 6. c. 1. gegangen / einen faden nach ſich gezogen / vnd endlich im ruckwege demſelben wieder nachgegangen / vnd al - ſo dem greulichen Wunder-Thiere dem Minotauro gluͤcklich entkommen. Alſo moͤgen betruͤbte Eltern / nur bey dem angehoͤrten Troſt-ſpruͤchlein verbleiben / daſſelbe wird jhnen ein gewiſſe richtſchnur ſein / welche ſie auß dem gefehrlichen Jrrgarten jhrer trawrigkeit gar leicht fuͤhren vnd bringen wird.

Zweyerley aber pflegt der Satan vornemlich den Eltern in weg zu ſchieben / das ſie ſich nicht ſo bald auß jhrem Hertzbetruͤbnuß heraus wickeln vnnd wircken ſollen.

Erſtlich macht Er jhnen gedancken vber jhrer Kinderlein Seligkeit: Darnach auch vber jhrem all zu fruͤh - zeitigem ſterben vnd abſcheyd.

Was das erſte belanget / weiß Er daſſelbe hoch auffzumutzen. Ja / ſpricht er / wenn dein Kind vorhin zu rechtem verſtande hette kom - men koͤnnen: ſo moͤchte es ſeinen geweiſe - ten weg haben. Aber nu iſt es hinweg ge - ſtorben / ehe es an Gott ſeinen Herrn glauben: ehe es jhn anruffen: vnd ehe es jhm dienen koͤnnen. Jſt derowegen ſehr zweifel -hafftig[45]hafftig was von ſeiner Seligkeit zuhoffen oder zuhalten ſey?

Dieſes iſt ein liſtiger grieff des Satans: vnnd iſt gewiß / das derſelbe manchem Vater - vnnd Mutter - hertzen viel ſchwerer iſt / alß jhm der tod ſeiner Kinder - lein jmmermehr ſein kan oder mag.

Denn wenn ſich die Eltern jhrer Kinderlein ver - zeihen ſollen / iſt es jhnen nur halb ding / weñ die Kin - der alſo gelebt haben / das ſie an jhrer ſeligkeit nicht zweifeln doͤrffen. Wie es hingegen hertzeleid vber al - les hertzeleid ſein muß / wenn die Eltern zubeſorgen haben / das nicht etwa leib vnd Seel zugleich auffge - gangen vnd im ſtiche blieben ſey.

Jhr aber / O jhr Chriſt-adelichen Eltern / habt euch an dieſe anfechtung nichts zu kehren. Sie iſt noch lange nicht der Jmportantz vnnd wichtigkeit / das ſie euch den troſt / den jhr bißher angehoͤret / benehmen vnd zu nichte machen ſolle.

Solte ewr Kindlein nicht ſelig ſein? Lieber wem gebuͤhret die Himliſche frewd vnd ſeligkeit? Jſts nichtPſ. 37. 29. wahr / ſie gebuͤhret den Gerechten? Die gerechtenSap. 5. 16. erben das Land vnd bleiben ewiglich darin - nen ſagt Koͤnig David. Die gerechten werden ewiglich leben: ſtehet auch im buch der WeißheitMatth. 25. 46. geſchrieben. Die gerechten werden gehen in das ewige leben. ſpricht auch der grund vnd mund der warheit Chriſtus Jeſus.

F iijWer[46]

Wer iſt aber nu mehr gerecht alß die getaufften Chriſtkindlein? welche in jhrer Tauff-vnſchuld vnnd gerechtigkeit jhr leben beſchlieſſen / vnd in der Welt noch nie erfahren haben / was linck oder recht / was ſuͤnd oder vntugend ſey.

Denn in der Tauffe werden ſie mit den thewren blutstroͤpfflein Jeſu Chriſti von aller vngerechtigkeit vnd ſuͤnden abgebadet vnd abgewaſchen / vnd hinge - gen mit ſchoͤner gerechtigkeit begabet vnd begnadet.

Gal. 3. 27.Denn wie viel ewrer getaufft ſein / die ha - ben Chriſtum angezogen / ſchreibt Sanct. Pau - lus an ſeine Galater. Vnd abermal ſpricht er zu ſei -Tit. 3. 5. nem Juͤnger Tito: Nicht aus den Wercken die wir gethan haben: Sondern nach ſeiner Barmhertzigkeit macht vnß Gott ſelig: durch das Bad der Wiedergeburt vnnd er - newerung deß heiligen Geiſtes.

Ja in der Tauffe ziehen vnſere zarte Ehe-reißlein an den ſchoͤnen rock vñ ſchmuck der gerechtigkeit Chri - ſti / das ſie fuͤr Gott drinnen prangen / vnd mit jhren vnmuͤndigen Zuͤnglein ruͤhmen vnnd ſagen koͤnnen:Eſa. 61. 10. Jch frewe mich in dem Herrn vnd meine Seele iſt froͤlich in dem Herrn meinem Gott. Denn Er hat mich angezogen mit den Kleydern deß Heylß vnd mit dem Rock der Gerechtigkeit hat Er mich gekleydet /wie[47]wie ein Braͤutigamb mit Prieſterlichem ſchmuck gezieret / vnd wie ein Braut in jh - rem geſchmeyde beerdet.

Ja in der heiligen Tauffe hat der ſchoͤnſte vnterPſal. 45. 3. den Menſchenkindern Chriſtus Jeſus ſich mit den Kinderlein in vnzertrenlicher Breutgams-liebe ver - maͤhlet / wie er ſelbſt ſaget: Jch wil mich mit dir verloben in ewigkeit: Jch wil mich mit dir vertrawen in gerechtigkeit vnnd gericht: in gnade vnd barmhertzigkeit: ja im glauben wil Jch mich mit dir verloben vnnd du wirſt den Herrn erkennen.

Vber diß iſts auch gewiß / daß die Kin - derlein noch lange nicht ſo viel ſuͤndigen / vnd demnach auch noch lange nicht ſo tieff in dem ſchuldregiſter Got tes ſtecken vnd ſtehen / alß wir Alten.

Alß vorzeiten das Volck Jſrael in der Wuͤſten /Joſu. 5. 6. wieder Gott vnd Moſen gemurret / ſind ſie alle nieder - geſchlagen worden / vnnd iſt keiner ins gelobte Land kommen / alß allein jhre Kinder. Alſo gehet es noch heutiges tages zu. Die Kinderlein ſo in jhrer vnſchuld ſterben / ſind jhrer ſeligkeit viel gewiſſer / alß die an - dern ſo lange leben. Denn je lenger einer lebet / je mehr er ſuͤndiget. Je mehr er aber ſuͤndiget je mehr er Gott erzoͤrnet. Je mehr er Gott erzoͤrnet / je mehr vnd weiter wird er von dem ewigen frewdenleben hin - weg getrieben.

Daher[48]

Daher kombt es auch / das die kleinen Kinderlein auff jhrem todtbette keinen ſo harten kampff vnd ſtreit außſtehen doͤrffen / alß wir alten: vnd da wir alten oft kleinmuͤttig vnd verzagt ſind / da gehen die lieben Kind lein gleichſam froͤlich vnd lachend dahin / wiſſen vnnd fuͤhlen nichts von dem tode.

Vnnd wer ſagt es doch mehr ohn den Satan das die kleinen Kinderlein GOTT jhren Schoͤpffer nicht anruffen / nicht ehren vnd jhm nicht dienen koͤnnen?

Gehet nur ein wenig mit gedancken zu ruͤck / jhr betruͤbten Eltern / vnnd erinnert euch / wie offt ewer liebes holdſeliges Soͤhnlein fuͤr tiſche vnd fuͤr ewren augen geſtanden / vnnd ſeine ſpruͤchlein auß heiliger Schrifft ſo fertig vnd artig auffgeſaget hat?

Wie offt iſt es neben ſeine adelichen zwey Schwe - ſterlein getretten vnd mit jhnen ſeinen Catechiſmum her recitiret?

Wie offt hat es Morgends vnd Abends ſein hertz lein vnd haͤndlein hinauff gen Himmel gerichtet / vnd mit inbruͤnſtiger andacht geſeufftzet vnd gebetet / das Gott ſein Leiblein vnd ſeelichen jhm in ſeinen Vaͤter - lichen gnaden ſchutz wolle befohlen ſein laſſen.

Wie offt hat es ſein vnmuͤndiges ſtimlein erha - ben vnd ſeinem Erloͤſer ein Lob vñ Danckliedlein nach dem andern her-geſungen. Jch weiß es ſchallet vnnd klinget euch ſolches alles noch in ewren hertzen vnd oh - ren.

Heiſt[49]

Heiſt denn dieſes alles Gott nicht angeruffen? heiſt es nicht jhn geehret? heiſt es nicht jhm gedienet? Ach freylich: ſo gar hat es ſeinen Gott recht angeruf - fen: ſo gar hat es jhn recht geehret: ſo gar hat es jhmMarc. 10. 15. recht gedienet / das wo wir ſelber ins Him̃elreich kommen wollen / muͤſſen wir vmbkehren vnd werden wie dieſes Kindlein / wie der Sohn Gottes ſelbſt außdruͤcklich bezeuget.

Daher halten auch viel der alten Kirchenlehrer dafuͤr das der mehrertheil von denen welche Chriſtus zu ſeiner rechten ſtellen vnd in ſein Himliſches freuden - reich einfuͤhren wird / lauter kleine Kindlein ſein wer - den.

Ja Herre Jeſu / du biſt darumb ein kleines Menſchenkindlein worden / das vnſere Kinderlein auch deiner genieſſen vnd durch dich Erben des ewigen lebens werden moͤchten. Wie du vnſere KinderleinRom. 11. 32. vnter die ſuͤnde beſchloſſen / alſo haſtu ſie auch in deine gnade eingeſchloſſen: vnſere Kinderlein

ſind ja auch dein ererbtes gutt
erworben durch dein thewreg blutt /
Das war deß ewigen Vaters raht
als er vnß dir geſchencket hat.

Vnd alſo doͤrffen nu betruͤbte Eltern jhnen gar keine gedancken vber jhrer Kinderlein ſeligkeit machẽ.

Viel weniger doͤrffen ſie ſich bekuͤmmern vber jhrem fruͤhzeitigen ſterben vnd abſcheid.

Ach / ſpricht ein betruͤbtes Vater - vnd Mutter -Ghertz[50]hertz / es iſt ja zubeklagen / daß ich mein liebes Kindſo bald den Wuͤrmen geben ſol. Es het - te auf Erden Gott vnd Menſchen viel nuͤ - tzer ſein koͤnnen / alß es vnter der Erden iſt. Ach wenn es doch nur ein wenig were aͤlter wordẽ. Aber zu zeitlich / zu zeitlich iſts geſtor - ben. Das liebe ſchaͤtzlein hat mit ſeinen aͤu - glein dieſe Welt kaum recht angeblicket: bald hat ſie jhm der tod wieder gebrochen vnd zu - geſchloſſen. Ach ſchade / ſchade daß ein ſo liebliches Roͤßlein ſo bald verwelcken ſol.

Zwar es iſt nicht ohne es thut fleiſch vnd blut we - he / vnnd koͤnnen ſich bißweilen jhrer viel nicht drein finden: warumb doch vnſer Herr Gott ſo liebe hold - ſelige Laͤmblein ſterben / hingegen aber manchen alten Epicuriſchen Suͤnden-bock ſo lange leben vnd lauffen laſſe?

Aber was antwortet der heilige Geiſt hierauff? Das alter / ſpricht er in ab geleſenem Leichtext / iſt ehrlich / nicht das lange lebet oder viel Jahr hat. Klugheit vnter den Menſchen iſt das rechte grawe Haar / vnnd ein vnbefleckt Le - ben iſt das beſte alter.

Da hoͤret jhr / jhr betruͤbten Eltern. Ewer Soͤhn - lein iſt gar nicht zu jung oder zu zeitlich geſtorben. Jhrbeden -[51]bedencket vielleicht nur nicht welches das rechte alter ſey? das rechte alter beſtehet nicht in vielen Jahren vnd grawen haaren ſondern in mentis ſagacitate & vitæ puritate in rechtem Glauben vnnd vnbefleckten leben.

Weiln denn dieſe zwey ſtuͤck auch bey ewrem Kind lein gefunden werden (wie wir vorhin gehoͤret) ſo iſt es freylich keinmahl zu jung / ſondern alltzeit alt vnnd reiff genung zum Himmel geweſen. Solt derowegen nicht klagen / das jhr groſſe frewde verlohren. Nein jhr habt nur deſto groͤſſere bekommen. Denn je juͤn - ger ewer Kindlein geſtorben / je weniger habt jhr an ſeiner ſeligkeit zu zweifeln.

O wie offt geſchichts / das die Kinder wenn ſie er - wachſen auß dem geſchirr ſchlagen / in ein wuͤſtes wil - des ſchandleben gerahten / vnd alſo ſporn-ſtreichs ent - weder dem Hencker in ſeinen ſtrick / oder aber dem Teu - fel in ſeinen fewrigen ſchwefelpful hinein lauffen.

Je froͤmer ein Kind iſt / je hefftiger jhm der Teu - fel nachſtellet. Dieſer helliſche Mord-Vogel ſitzet gern auff hohe baͤwme. Vnd wie ein gutter bodem / nur deſto mehr vnkraut treget / wenn er nicht fleiſſig erbawet wird: Alſo werden auß gutten Naturen biß - weilen die aͤrgſten Buben / wenn ſie ſich nicht wollen ziehen laſſen. Angelicus juvenis ſenibus ſatani - ſcat in annis. Manchem Kinde ſiehet in der Jugend Gott vnd die heiligen Engel zun augen heraus: wenn es alt wird / wird ein ſchwartzer heßlicher Teuffel außG ijjhm[52]jhm. Vnd moͤchten manche Eltern wuͤnſchen / das jh - re Kinder bald im erſten bade erſoffen weren / denn al - ſo doͤrfften ſie nicht ſo viel jammer vnd kummer an jh - nen erleben / vnd jhnen endlich fuͤr leid das hertz abfreſ - ſen.

Lev. 10. 1.Wenn die Soͤhne Aaronis Nadab vnnd Abihu jung vnd in jhrer Wiegen geſtorben weren / ſo hette nicht endlich das fewer auß der Erden herfuͤr ſchlagen / vnd ſie lebendig auffreſſen vnd verſchlingen doͤrffen.

Wie gehets auch mit dem Cain zu? ſeine MutterGen. 4. 2. ſtellete eine groſſe hoffnung auff jhn: Aber ſie ward jemmerlich betrogen. Denn eben der Cain / den ſie fuͤr einen Mann Gottes hielt / wurde eine rohe wilde Welthummel / ſchlug ſeinen fromen Bruder Abel zu tode. Dannenher es jhm tauſendmal beſſer geweſen / das er jung geſtorben / alß das er ſolche ſchendliche Mordthat begangen.

2. Sam. 15. 14.Dem lieben fromen David gehet es mit ſeinem Abſolon eben alſo. Er ließ jhm einen ſchoͤnen namen geben / vnd hoffte er ſolte ein friedlicher Regent vnnd groſſer Held werden (wie denn Abſolon ſo viel heiſt / alß ein FriedFuͤrſt oder Vater des Friedens) Aber eben der ſo den frieden fuͤr andern lieben ſollen / richtet alle vnruhe im Reiche an / erreget einen auffruhr wie - der den Vater / treibt jhn zum Lande hinaus / vnd fey - ret nicht ehe / biß er mit ſeinen haaren an einer Eichen hangen blieben / vnd jhm das hertz im leibe mit dreyen renn-ſpieſſen durchſtochen worden.

Wer[53]

Wer kan auch wiſſen was auß den BethlehemitiMatt. 2. 16 ſchen Kinderlein ſo der bluthund Herodes vmbbrin - gen laſſen / hette werden koͤnnen? ſie hetten ſich viel - leich wol mit den andern Juden auch an jhrem Hey - lande vergreiffen / vnnd an jhm zu Moͤrdern werden koͤnnen. Dieſer jhr Heyland hette wol von jhren haͤn - den ſterben koͤnnen / gleich wie ſie zuvor fuͤr jhn vnnd vmb ſeinet willen geſtorben ſein.

Dieſes alles hat auch der weiſe Heyde Plato ver - ſtanden / drumb ſchreibt er dort: Dii quos maximi fecerunt celeriùs vitâ abſolvunt. Wen Gott am liebſten hat / den leſt er deſto zeitlicher ſterben.

Derowegen klagt vnd ſaget nu nichts mehr lieben Eltern von dem fruͤhzeitigen abſterben ewres Soͤhn - leins. Es iſt gar nicht zu zeitlich geſtorben / ſondern hat ſeine Jahr volkomlich erreichet / die es haben vnd erreichen ſollen. Ja zweifelt gar nicht daran / je juͤn - ger es geſtorben je beſſer vnd ſeliger iſt es jhm.

Der Athenienſiſche Landsfuͤrſt Themiſtocles iſtCœlius lib. 30. c. 2. ex Plutar - cho. hundert vnd ſieben Jahr alt worden. Alß er aber ſter - ben ſollen hat er geklaget / er hette niemahls lieber ge - lebet / alß jtzund: denn jtzt hette er erſt lernen wollen / wie man recht leben / vnnd den Leuten dienen ſolle. Deñ leben koͤñen / ſagte er / das iſt eine ſchlech - te ſache: aber recht leben koͤnnen das iſt eine groſſe Kunſt.

Solche Kunſt hat ewer liebes Soͤhnlein gekont Drumb hat es nicht zu jung oder zu geſchwinde ſterben koͤnnen.

G iijAlß[54]

2. Sam. 12. 20.Alß Koͤnig Daviden ſein kleinns Soͤhnlein bald nach ſeiner geburt ſtirbet / da ſiehet er auff / waͤſchet vnd ſalbet ſich nicht anders alß ob jhm kein leid wiederfah -2. Sam. 18. 33. ren were. Hingegen da jhm ſein vngerathener Sohn Abſolon vmbkombt / ſtellet er ſich ſo trawrig vnd vn - gebehrdig / das jhm auch ſein FeldHauptman Joab hierumb zu reden vnd jhn ſtraffen muͤſſen.

Alhier moͤcht man nicht vnbillich fragen vnd ſagẽ: O David du heiliger Mann / waß machſtu? Wie kombts das du den vngerahtenen Bu - ben Abſolon / mehr als das andere zarte Kindlein betrawreſt? Waß haſtu doch jm - mermehr fuͤr vrſache? Ey das iſt die vrſache. Des kleinen jungen Kindleins halben troͤſtet er ſich / das daſſelbe in ſeiner vnſchuld geſtorben / vnd alſo ge - wiß ein Erbe der ewigen ſeligkeit worden ſey. Weil aber Abſolon einen auffruhr wieder jhn erreget / jhn auß dem Lande gejaget / vnd endlich auch in ſolchem vngehorſam vmbkommen / hat er jhm bald die rech - nung gemacht / das er nicht allein den leib ſondern auch die Seele wuͤrde eingebuͤſſet haben. Dieſes macht jhm ſein Vaterhertz blutend. Dieſes dringet jhm die heiſ - ſen thraͤnen heraus. Dieſes bringet jhm ſo groſſes hertzeleid / das weñ es moͤglich were er lieber ſelbſt het - te ſterben vnd tod ſein wollen.

CON -[55]

CONCLUSIO cum commendatione Perſonæ.

ABer wir muſſen numehr ſchlieſſen. Haben alſo die Leidetragenden Eltern verſtan - den / warumb ſie ſich vber dem fruͤhzeitigen Ab - ſterben jhres einzigen liebſten Soͤhnleins nicht zu ſehr betruͤben ſollen. Sie finden vrſach genung: ſie ſehen gleich wohin ſie wollen.

Sehen ſie auff Gott? ſo gefellet demſelben jhr Kindlein wol: drumb hat ers zu ſich genommen. Er hat es lieb: drumb hat ers nahe bey ſich haben wollen.

Sehen ſie auff jhr Kindlein? ſo iſt jhm nichts boͤ - ſes wiederfahren: ſondern es iſt aus dieſem muͤheſeli - gen Trawerleben gleich alß ein brand auß dem Creutz - ofen gerieſſen / vnd zu gewuͤnſchter Himmel-ruhe ge - bracht worden.

Zweifeln ſie an ſeiner ſeligkeit? ſie doͤrffen deſſen am wenigſten nicht. Es iſt in ſeiner Tauff-vnſchuld verſchieden. Niemand vnter vns allen wird froͤlicher vnd ſeliger von hinnen fahren koͤnnen / alß dieſes Kind - lein gefahren iſt.

Meinen ſie es ſey zu zeitlich geſtorben? ſolches ſind auch nur vbrige gedancken. Es hat das rech - te alter erreichet / welches beſtehet nicht in vielen Jahren vnnd grawen haaren ſondern in rechtem glauben vnd vnbeflecktem leben.

Diß iſt der Troſt / welchen ich euch / jhr hochbe -kuͤm -[56]kuͤmmerten Eltern auß dem verleſenen Text vorhal - ten wollen. Schlecht vnd einfeltig iſt alles verrichtet worden. Wenns Wuͤnſchens guͤlte / wolte ich wuͤn - ſchen / daß das Seelichen ewres ſeligen Soͤhnleins auß jener ewigkeit auff ein kurtzes geſpraͤche in dieſes Trawerhaͤußlein zu vns kommen moͤchte: O wie viel troͤſtlicher wuͤrde es euch zuſprechen koͤnnen. O wie viel ſtercker vnd beſſer wuͤrde es euch zum hertzen reden koͤnnen. Wie es bey ſeinem leben gern vnnd offt ge - ſungen / alſo wuͤrde es auch ohne zweifel angehoͤrten troſt in folgendes trawer vnd troſt-liedlein faſſen / vnd ſein numehr Clarificirtes ſtimlein auff dieſe oder der - gleichen weiſe erklingen vnd ſchallen laſſen:

W Eil ich jtzund ſol gehen
in mein Grabkaͤmmerlein /
Vnd euch nu nicht mehr ſehen
auff dieſer Welt gemein /
Wil ich noch eines ſingen
zu tauſend gutter Nacht /
Von gar lieblichen dingen
hoͤrt zu vnd gebt drauff acht.
E s muß jtzt ſein geſcheiden /
ade liebſt’n Eltern mein /
Nach Himmeliſchen frewden
ſehnt ſich mein Hertzelein;
Gott ſelbſt thut mir zuruffen /
der ſitzt im hoͤchſten thron /
Mein Himmel ſteht dir offen /
kom liebes Soͤhnlein komb.
Neh -[57]
N ehmen wil ich geſchwinde
dich auß der ſchnoͤden Welt;
Ehe deine Seel empfinde
jhr tuͤck damit ſie ſtelt /
Allen die ich erwehlet
mir hab zum eigenthumb:
Vnd ſie bißweilen fellet /
drumb liebſtes Soͤhnlein kom.
Z ur rechten mein dein Seele
ſol ewig ruhe han /
Das ſie kein vngluͤck quele /
vnd kein plag ruͤhre an:
Der Mond ſol ſie nicht brennen /
ſie ſol nicht ſtech’n die Sonn /
Nichts ſol jhr ſchaden koͤnnen /
drumb liebſtes Soͤhnlein kom.
E inſanfften ſchlaff im grabe
ſol dein zarts leibelein
Biß an den Juͤngſten tag haben /
alß denn zur Seele ſein
Wieder kommen / vnd gehen
in meine frewd vnd wonn:
Vnd fuͤr mir ewig ſtehen /
drumb liebſtes Soͤhnlein kom.
L aſt mich nu willig fahren
hertzliebſte Eltern mein /
Laſt mich ja gern verwahren
Gott den Nothelffer mein /
HAn[58]
An keinen orten vnd enden
mein heil ſo ſicher iſt /
Alß eben in den haͤnden
meins Heylands Jeſu Chriſt.
V ngern wolt jhr euch verzeihen
meiner ein kleine zeit /
Aber jhr werd euch frewen /
mit mir in ewigkeit /
Jhr thut mich voran ſchicken /
bald werdet jhr im todt
Hienach gen Himmel ruͤcken /
antreffen mich bey Gott.
O b euch was Lieb’s entkommen /
alhie durch todes Pein /
So denckt Gott ders genommen
muß euch noch lieber ſein /
Thut euch ja nicht beſchweren /
wenn er nimbt ſein gebuͤhr:
Vnd gebt jhm wieder geren /
was euch geliehen hier.
N irgend wird auffgehoben
mein Seel mit groͤſſerm fleiß /
Alß in der hoͤhe dort droben
bey Gott im Paradeiß /
Jch bin im Herrn verſcheiden /
vnd ruhe ſanfft vnd ſtill:
Da ich ſonſt muͤſſen leiden
auff Erden vngluͤcks viel.
Raſt[59]
R aſt vnd ruhe hab ich funden
von meiner angſt vnd muͤhe /
Die ich gehabt all ſtunden
in dieſer Welt alhie /
Jch bin gar nicht geſtorben /
mein jammer vnd elend
im todt allein vertorben /
vnd gnommen hat ein end.
O der gluͤckſeligen ſtunden /
darinnen ich all noth
Hab numehr vberwunden /
dazu den bittern todt.
Gott lob ich hab gerungen
im glauben Ritterlich /
Durchn todt bin ich gedrungen
zum leben kraͤfftiglich.
T hut euch nicht zu ſehr graͤmen
Jhr liebſten Eltern mein /
Das Gott mich weg thut nehmen
ewr einigs Soͤhnelein;
Weil ich gnad bey jhm finde
vnd jhm mein Seel gefelt /
Eylt er mit mir geſchwinde
auß dieſer boͤſen Welt.
T hut euch nicht zu ſehr graͤmen
vnd weinen ohne noth /
Weil Gott all meine thraͤnen
ſchon abgewiſchet hat.
H ijWas[60]
Was wollet jhr euch plagen
vmb meinet willen ſehr /
Jch hab gar nichts zu klagen
weiß von keim vngluͤck mehr.
K ein angſt vnd keine ſchmertzen
emfinde ich forthin /
Drumb troͤſtet ewre hertzen
das alles vber hin:
Ob mich ſchon ſehr gequelet
der Menſchen-wuͤrger hat /
Vnd mich zimlich verſtellet /
trotz das er mir mehr ſchad.
I n jtzig’r g’ſtalt jhr nimmer
werd’t doͤrffen ſehen mich:
Drumb laſt euch nicht bekuͤmmern
mein blaſſes angeſicht:
Von allen mack’ln vnd flecken
werd ich geſaubert ſein /
Wenn mich Gott wird erwecken
auß meim grab-kaͤmmerlein.
R echtſchaffen ſchoͤn gezieret
wird ſein mein Leibelein /
Herlich clarificiret
wird ſein all mein gebein:
Jch werde wie die ſterren
ja wie die helle Sonn /
Leuchten fuͤr Gott dem Herren /
im Himmeliſchen thron.
Chri -[61]
C hriſtus der iſt mein Herre
Darumb jhr Eltern mein /
Kraͤnckt euch darob nicht mehre
das muß geſcheiden ſein /
Habt jhr mich doch vergeben
eim ſolchen groſſen Herrn /
Der ſelber iſt das leben
ein Fuͤrſt vnd Koͤnig der ehrn.
H ertzlich mein Seel verlanget
nach euch fuͤr Gottes thron:
Biß jhr auch hergelanget
zu gleicher frewd vnd wonn:
Das ich mich recht ergetze
mit euch liebſt’n Eltern mein /
Solchs wuͤnſcht zu gutter letzte
ewer liebſtes Soͤhnelein.

Diß iſts O jhr betruͤbten Eltern / was euch ewer ſeliges Soͤhnlein ſingen wuͤrde / wenn es euch von ſei - ner jtzigen frewd vnd ſeligkeit bericht thun ſolte. Vnd diß iſts auch was vornemlich in heutiger Trawer-vnd Troſt-Predigt gehandelt worden.

Was aber nu des ſeligen Him̃elpflaͤntz - leins Leben vnnd wandel betrifft / ſo iſt es von Gott - fuͤrchtigen recht Chriſtlichen vnd Adelichen Eltern zur Welt gebohren worden / im Jahr vnſers Heylandes Chriſti Jeſu Tauſend ſechs hundert vnnd drey vnd zwantzig den zwoͤlfften Novembris / war der tag Jo - næ vmb halber fuͤnff gegen abend.

H iijSein[62]

Sein Herr Vater iſt der Wol-Edle vnd Geſtren - ge Herr Wentzel von Rothkirch vnnd Panthen auff Winzenberg. Welchen Gott in jtzigem hertzbetruͤb - nuß durch ſeinen heiligen Geiſt troͤſten vnnd auffrich - ten wolle.

Seines Herrn Vatern Fraw Mutter eine No - ſtitzin auß dem Hauſe Lampersdorff.

Seines Herrn Vatern / Herrn Vatern Mutter eine Herrin von Promnitz / außm Hauſe Leſſendorff.

Seines Herrn Vatern Fraw Mutter Mutter / eine Frey Herrin von Kittlitz / auß dem Hauſe Malnitz.

Seine Fraw Mutter iſt die Wol-Edle Vieleh - rentugendreiche Fraw Mariana gebohrne von Schkoppin auß dem Hauſe Klein-Kotzenaw: Fraw auff Winzenberg. Welcher der barmhertzige Gott jhre Muͤtterliche vnd ſchmertzliche Trawerthraͤnen / mit dem troſt-tuͤchlein Goͤttliches worts auch abſtrei - chen vnd benehmen wolle.

Seiner Fraw Mutter Mutter eine Glaubitzin / auß dem Hauſe Kuttlaw.

Seiner Fraw Mutter Herrn Vatern Mutter / eine Stoſchin auß dem Hauſe Breunitz.

Seiner Fraw Mutter Mutter Mutter eine Her - rin von Kittlitz auß dem Hauſe Zeißdorff.

Auß ſolchem loͤblichem gebluͤt vnnd beruͤhmbtem Adel iſt das ſelige Kindlein entſproſſen vnd entſprun - gen / welches jhm fuͤr der Welt nicht kleinen ruhm ge - bieret.

Es[63]

Es bringt jhm aber noch groͤſſere Ehre / das es durch die gnade Gottes auch den rechten Himliſchen Adel erlanget / vnnd dem alleredleſten Hertzog vnd ſtamme des Lebens Chriſto Jeſu durch die heilige Tauffe incorporiret vnd eingepflantzet worden: dazu es denn von ſeinen lieben Eitern auffs ſchleunigſte be - foͤdert / vnd alda nach ſeinem Herrn Vatern vnnd Groß Vatern den nahmen Wenceslai vberkom̃en / welchen Chriſtus der Edle Herr mit ſeinen Edlen blutstropffen ins Himliſche ſtamm-regiſter ſeiner auß - erwehlten auffgezeichnet.

So bald es ein wenig zum verſtande kommen / ha - ben es die adelichen Eltern zu aller Gottesfurcht vnd Chriſtadelichen tugenden angewehnet / vnd jhm aller - hand ſchoͤne gebetlein / hertzer quickende Troſt-ſpruͤch - lein vnnd allerhand Geiſtreiche liebliche Liedlein bald mit der Muttermilch eingefloͤſet. Welches denn die vornembſte ſorge iſt / die Eltern fuͤr jhre Kinder ha - ben vnd tragen ſollen. Denn an jenem tage wird ein Kind ſeinen Eltern nicht dancken / fuͤr das groſſe geld vnd gut / ſo ſie jhm geſamlet: ſondern diß wird allein rechten danck geben / wenn ſie darnach getrachtet ha - ben / wie es reich an GOtt reich an gerechtigkeit vnd froͤmigkeit werden moͤgen.

Wie es aber die Eltern an jhrer zucht / alſo hat es auch das ſelige Kindlein an ſeinem gehorſam nicht mangeln laſſen: iſt ſeinem Herrn Vatern vnd Fraw Mutter alſo zur hand gegangen / das freylich ein rech -ter[64]ter tugendſpiegel an jhm herfuͤr geleuchtet / vnd jeder - man ſeine beſondere luſt vnnd hertzensfrewde an jhm ſehen muͤſſen.

Die lieben kleinen Kinderlein zieren vornehmlich Dreyerley Tugenden:

Die erſte iſt wahre Gottes-furcht.

Die ander gehorſam gegen den Eltern.

Die dritte freundligkeit gegẽ jederman.

Alle dieſe tugenden haben ſich bey dieſem ſeligen Kindlein auch reichlich vnd zur genuͤge ſehen laſſen.

Die Gottſeligkeit hat es jhm wol an - gelegen ſein laſſen. Denn wie jung vnd vnmuͤndig es noch geweſen / ſo hat es doch nicht viel gefehlet / das es nicht alle ſechs Hauptſtuͤcke des Catechtſmi fertig her - recitiren koͤnnen.

So offt vor tiſche vnnd nach tiſche: oder Abends vnd morgens: oder ſonſten zu anderer zeit gebetet wor - den / iſt es von ſich ſelbſt guttwillig vnd von freyen ſtuͤ - cken hinzu getretten / vnnd hat ſich hiezu nicht im we - nigſten / wie ſonſten anderer vnartiger blattern brauch iſt / zwingen vnnd treiben laſſen. Daher es auch ein zimliche anzahl allerhand ſchoͤner gebetlein vnd ſeuff - zerlein gelernet: alß da ſein:

Der Morgen vnnd Abendſegen: Jch dancke dir mein Gott himliſcher Vater ꝛc. ()
Jtem: Jn deinem Nahmen du gecreutzig - ter Herre Jeſu bin ich heut auffgeſtanden:der[65]der du mich durch dein thewres blut erloͤſet haſt: du wolleſt mich heut dieſen tag ſegnen / behuͤtten vnd einen Gottſeligen wandel fuͤh - ren laſſen / das ich mein leben zu deinen Eh - ren zubringen moͤge: vnd wolleſt mich fuͤh - ren nach dieſem leben zu der ewigen Herlig - keit / Amen.

Jtem: Das ſchoͤne Abendgebetlein:Jeſu du liebſter Heyland mein / jetzt geh ich in mein Kaͤmmerlein: wil mich legen in meine ruh: ſchleuß du die thuͤr ſelbſt nach mir zu: vnd wie die wort weiter lauten.

Jtem:O Herre Gott in meiner noth ꝛc. ()

Jtem:O ſtarcker GOtt ins Himmels - thron / ꝛc. ()

Jtem:Hilff auch lieber Herre Gott / das ich ein fromes Menſch werden vnd wachſen vnd zunehmen moͤge / an weißheit alter vnd verſtand / gnade bey Gott vnd den Menſchẽ. Das helffe mir mein HErr Jeſus. ()Welche letzte wort er allezeit mit ſonderlicher andacht recitiret

Jtem:Ach mein hertzliebes Jeſulein / mach dir ein rein ſanfft bettelein ꝛc. ()

Jtem:

Ach bleib bey vns HERR JeſuJChriſt /[66]Chriſt / weil es nu abend worden iſt: Dein wort O Herr das ewige Licht / laß ja bey vns verleſchen nicht.

Jtem:Mein letztes wort laß Jeſu ſein / welchs du geſprochen am Creutze dein: O Vater in die haͤnde dein / befehl ich dir die Seele mein: vnd wenn ich nicht mehr reden kan: ſo nimb mein letzten ſeufftzer an. ()

Jtem:Herr Jeſu du biſt mein Hirte ich bin dein ſchaͤflein / weyde meine arme Seele zum ewigen leben. ()

Der ſchoͤnen Kern - vnd Troſt-ſpruͤchlein heiliger Goͤttlicher Schrifft / hat es beydes Lateiniſch vnnd Deutſch ſo viel vnd ſo geſchwinde gelernet / das auch endlich der Herr Vater ſeiner ſchonen vnd innen hal - ten muſſen / damit nicht etwa ſein zart vnd ſcharff in - genium vbertrieben vnd geſchwecht werden doͤrffte. Vnter denſelben ſpruͤchlein ſind nachfolgende die vor - nehmſten geweſen:

Lutæ am 18 Laſſet die Kindlein zu mir kommen vnd wehret jhnen nicht: Denn ſol - cher iſt das reich Gottes. ()

Jtem außm

73 Pſalm: Herr wenn ich nur dich habe / ſo frage ich nichts nach Himmel vnd Erden. Ob mir gleich leib vnnd Seelver -[67]verſchmacht: ſo biſtu doch / Herr / allezeit mei - nes hertzen troſt vnd mein theil.

Jtem außm51. Pſalm: Schaffe in mir Gott ein reines hertz / vnnd gieb mir einen newen gewiſſen Geiſt. ()

JtemJob am 19. Jch weiß das mein Erloͤ - ſer lebet vnnd er wird mich hernach wieder auß der Erden aufferwecken / ꝛc. ()

JtemSyrach am 4. Laß den armen nicht noth leyden / vnnd ſey nicht hart gegen dem duͤrfftigen ꝛc. ()

Jtem auß dem4. Pſalm: Jch liege vnd ſchlaf fe gantz mit frieden: Denn allein du Herr hilffſt mir das ich ſicher wohne. ()

Jtem zunCorinthern am 15. Hoffen wir al - lein in dieſem leben auff Chriſtum / ſo ſind wir die elendeſten vnter allen Menſchen. ()

Jtem auß dem18 Pſalm: Wenn mir angſt iſt ſo ruffe ich den Herrn an: vnd ſchreye zu meinem Gott. ()

Jtem zunRoͤmern am 14. Leben wir ſo leben wir dem Herrn: Sterben wir ſo ſterben wir dem Herrn / ꝛc. ()

Der Lateiniſchen ſpruͤchlein ſind zehn geweſen.

J ijDas[68]

Das erſteJoannis primo: Verbum caro factum eſt, &c. ()

Das anderpriori Joann’s primo: Sanguis Jeſu Chriſti mundat nos. ()

Das drittead Philippens 1: Chriſtus mea vi - ta: mors mihi lucrum. ()

Das vierdeMors certa eſt incerta dies incerti - or hora extremum quare quem libet eſſe pura. ()

Das fuͤnffteEccleſiaſtici 16: Initium ſapientiæ timor Domini. ()

Das ſechſteSapientiæ tertio: Juſtorum animæ in manu Dei ſunt. ()

Das ſiebendeMatthæi ſexto: quærite primum regnum Dei. ()

Das achteGeneſeos tertio: Semen mulieris conteret caput ſerpentis. ()

Das neundeHebreor. 13: Dominus mihi ad - jutor non timebo quid faciat mihi homo. ()

Das zehndeRomanor. octavo: Si Deus pro nobis quis contra nos. ()

Nechſt den Spruͤchlein hat es ein beſondere luſt vnd liebe zu geiſtlichen Liedern getragen / vnnd derſel - ben eine ſolche anzahl mit jhren gewoͤhnlichen Melo - deien / vnnd mit ſo ſubtieler reiner ſtimm / ohn alles auff oder abziehen / ſingen koͤnnen / das ich fuͤr meine Perſon mit warheit bekennen muß / das ich derglei - chen niemahln von einigem ſolchen Kindlein geſehen oder gehoͤret habe. Jch halte gewiß dafuͤr GOtt hatjhm[69]jhm dieſes Kindlein ſchon hier in dieſer Welt abgerich tet / das es jhm die Himliſche Cantorey ſolle beſtellen helffen. Vnter ſeinen Liedern ſind dieſe die vornehm - ſten geweſen:

Jch dancke dir Gott fuͤr alle wolthat: ()

Jtem:Des Morgens wenn ich fruͤhe auf ſtehe / vnd des Abends zu bette gehe: ſehen mein augen Herr auff dich / vnnd wie die worte ferner lauten.

Jtem: Das Lateiniſche Weyhnacht-liedlein:Pſallite unigenito, Chriſto Dei filio &c. ()

Jtem:In dulci jubilo nu ſinget vnd ſeid fro. ()

Jtem: Das liebliche motetlein:Jch hoͤrt die Engel ſingen: fuͤrwar / fuͤrwar ein ſuͤſſen thon. ()

Jtem:Zu dir von hertzen grunde ruff ich auß tieffer noth / ꝛc. ()

Jtem:Herr Chriſte liebes Bruͤderlein mein / leg dich in meines hertzen ſchrein: O kom denn es iſt an der zeit: dein Kriplein iſt dir ſchon bereit. ()

Jtem:Lob ſey dir guͤttiger Gott / das du mir haſt offenbahret / deinen Sohn mein heil vnd troſt: ()vnd wie es ferner lautet.

Jtem:Wie ſchoͤn leuchtet der Morgen - ſtern. ()

J iijJtem:[70]

Jtem:Jn dich hab ich gehoffet Herr: hilf das ich nicht zu ſchanden werd. ()

Jtem:Nu lob mein Seel den Herrn. ()

Jtem:Gott der Vater wohn vns bey. ()

Jtem:Herr Gott dein gewalt / geht vber jung vnd alt. ()

Jtem:Nu laſt vns den leib begraben: hat er auch gantz außgeſungen / wenn man jhm nur ein wenig eingeholffen.

Jtem:Chriſtus der iſt mein Leben / ſterben iſt mein gewin: jhm hab ich mich ergeben / im fried fahr ich dahin. ()

Wenn auch der Herr Vater etwa auff dem Jn - ſtrument geſchlagen / hat ſich das ſelige Kind alßbald zu jhm gefunden / vnnd jhn gebeten / das er doch das newe Liedlein: (Groß iſt O groſſer GOtt die noth ſo vns betroffen. ()) So wol:erhalt vns Herr bey deinem Wort / ꝛc. ()ſpielen wolte: wel - ches ſo bald es geſchehen / hat es angefangen mit zu - ſingen / vnd ſo offt es die gelegenheit gegeben auch die Octavam rein vnd wol genommen / inmaſſen es ſon - ſten in allen andern Liedern auch gethan.

Sonderlich iſt ſich hieruͤber wol zu verwundern / das er jhm die Sterbe-lieder vor andern wol gefaſſet / vnd diß was zu ſeinem vorhaben gedienet daraus ex - cerpiret vnd außgezogen. Alß / auß dem Geſange:

Hoͤrt[71]

Hoͤrt auff zu weinen vnd klagen / ()hat es des ta - ges offt vnd vielmahl / vnd wo es nur gegangen oder geſtanden / dieſe worte repetiret:

Gleich wie das graß auff dem felde /
wird welck vnd verdorret balde /
Doch wird es wieder herfuͤr gehn /
ſchoͤn hell vnd lieblich fuͤr Gott ſtehn.

Diß iſt bes lieben Kindleins Gottſeligkeit geweſẽ.

Den gehorſam vnd ehrerbiettung gegen die Eltern betreffende / iſt menniglich bekand / wie es ſich dißfals erzeiget vnnd verhalten habe. Man hat wol nicht viel rutten eintragen vnd brauchen doͤrffen: nach einem wort ja nach einem wincken hat ſichs ſchon gerichtet. Jch bin ſelbſt dabey geſtanden vnd habe es geſehen / wie ſchmertzlich das frome hertz anfangen zu weinen / alß jhm nur ein vnfreundlich wort zugeredet worden: ſo gar iſts jhm zu wieder geweſen / wenn es die Eltern nur im wenigſten erzoͤrnen vnd beleidigen ſollen.

Alß auch ohn gefehr ein viertelſtunde vor ſeinem ſeligen ende der Herr Vater jhm einen loͤffel vol Zitt - werwaſſer einfloͤſen wollen / hat es ſeinen gehorſam noch augenſcheinlich dargethan vnd erwieſen. Das arme wuͤrmlein hat gleichſam zwiſchen thuͤr vnd angel geſtecket / vnd hat nicht gewuſt was es thun ſolte. Es hette dem Herrn Vatern gern zu willen gelebet: das Zittwerwaſſer aber iſt jhm gantz zu wieder geweſen. Drumb[72]Drumb weiß endlich das liebe laͤmblein keinen beſſern raht zu finden: ſo offt der Herr Vater mit dem waſſer kombt / ſo offt kuͤſſet vnd reicht es jhm das haͤndlein: gleichſam wolte es ſagen: Hertzliebſter Herr Va - ter: O erbarmt euch meiner: O begehret nicht vnmoͤgliche dinge von mir. Jch bin zwar ewer Soͤhnlein vnnd daher euch allen Kindlichen gehorſam zu leiſten ſchuldig. A - ber O verzeihet mir / das ich euch auff dißmal nicht folgen kan. Jhr ſehet / ich habe das bit - tere Creutzbecherlein des todes in der hand / daſſelbe ſol ich außtrincken: drumb kan ich jtzt ewer waſſer nicht trincken. Hertzliebſter Herr Vater nembts nicht vbel auff: ich wol - te euch gern zu gefallen leben: aber es ſtehet jtzt in meinen kraͤfften nicht Wiſſet jhr doch wol das ich euch ſonſten niemahl vnge - horſam geweſen bin. Jch begehrte es auch noch nicht zu ſein / wenn es nur die zeit vnnd gelegenheit leiden wolte.

Die dritte tugend freundligkeit / hat dem ſeligen Kindlein auch auß ſeinen euglein herfuͤr ge - leuchtet. Es hat ſich gegen jederman ſo leutſelig vnd ſo behaͤglich ſtellen vnd erzeigen koͤnnen / das jhm kein Menſch abgoͤnſtig ſein koͤnnen. Ein jeder der es nuran -[73]angeſehen / hat ſich in daſſelbe verlieben muͤſſen. Jn - ſonderheit hat es mit ſeiner holdſeligkeit den adelichen Eltern manche innigliche hertzensfrewde erregen vnd viel melancholiſche trawer-gedancken vertreiben koͤn - nen.

Jch rede nichts auß heucheley / ſondern alles mit grund vnd beſtand der warheit: vnd werden viel fro - mer adelichen hertzen in dieſer Trawr-verſamlung ge - genwertig ſein / welche alles ſelbſten mit jhren augen geſehen / vnd wenn es die noth erforderte / offentlich davon zeugen werden.

Vnd daher kombt es das auch jtzo der ſchmertz bey den betruͤbten Eltern deſto groͤſſer iſt: vnd jhnen man - che lange nacht vnd manch naſſes auge gemacht vnnd verurſacht hat.

Vngehorſame vbel-gerahtene Abſolons: wilde freche vmbſchweiffende Dinen / geben frome Eltern offt gern dahin / vnnd dancken Gott das ſie jhrer loß werden / vnd nicht etwa jammer vnd hertzeleid an jh - nen erleben doͤrffen. Aber ein Kind das ſich wol an - leſt / fromb vnd gehorſam iſt / nimbt das halbe hertz mit ſich / wenn es den Eltern ſo zeitlich hinweg ſtirbet.

Gleich wie die bluͤmlein alß denn am liebſten ſein / wenn die farben vollkommen / vnd der geruch ſtarck iſt. Alſo begeben auch gegenwertige Eltern dieſes jhr hertz bluͤmlein deſto vngerner / weil es ſo zeitlich in allen tu - genden daher gewachſen / vnnd jhnen ſchon manchen lieblichen frewden-geruch zugerichtet hat.

KVnd[74]

Vnd was ſol man viel ſagen? was der Poet Vir - gilius von des Trojaniſchen Kriegs-Fuͤrſten Aenæ Sohne geſchrieben / das koͤnnen wir mit warheit von dieſem ſeligen Kindlein auch ſagen: es hat gewiß ſein judicium ante annos gehabt: alles iſt fruͤezeitig: al - les iſt bald anfangs Himliſch vnd Engliſch an jhm ge - weſen. Vnd daher iſts kommen das es ſo zeitlich Gott vnd Menſchen beheglich ſein koͤnnen.

Gleich wie aber ſonſten Gott alle die je - nigen ſo Er lieb hat ſtraffet vnd zuͤchtiget: alſo hat er dieſem ſeligen Kindlein auch gethan: vnd es zu vnter - ſchiedenen mahlen / in das krancke bettlein geleget: vnd ſolches ohn allen zweifel darumb / das er jhm dieſe ſchnoͤde Welt deſto ehe verleiden / vnd ein verlangen nach dem ewigen frewdenleben machen moͤchte: nach dem leben welches allein das rechte leben iſt: nach der herligkeit / welches allein die rechte herligkeit iſt.

Jnſonderheit hat es der gerechte Gott fuͤr etlichen Wochen / mit der jtzund vnter den Kinderlein gewoͤhn - lich regierenden ſeuchen angegrieffen / das es groſſe hitze bekommen vnd vberall am leibe rote maſen vnnd flecken gewonnen; biß endlich auch ein fluß in halß ge - fallen / davon derſelbe auff beiden ſeiten alſo zerſchwol - len / das ſich das arme wuͤrmlein auff keine ſeiten wen - den vnd vmbſehen koͤnnen.

Was fuͤr ſchmertzen es hierbey außgeſtanden / iſt daher leicht abzunehmen / das ſich auß vnmaͤſſiger hitze die haut an ſeinem gantzen leibe reſolviret / vnnd gleichwie[75]wie eine rinde von allen gliedern abgeloͤſet vnd geſche - let hat. Daher es auch kommen / wenn es bißweilen die KinderMagd mit den bettlein auff die armen ge - nommen vnd mit jhm in der ſtuben herumb gegangẽ / das es alle ſchritt vnd tritt gefuͤhlet / vnnd daher vmb Gottes willen gebeten / das ſie nur leiſe vnd linde ge - hen wolte.

Bey ſolchem klaͤglichen zuſtande aber / hat ſichs al - lezeit wie ein gedultiges Laͤmblein erzeiget / vnnd alle ſchmertzen mit hoͤchſter ſanfftmut ertragen vnnd ver - tragen.

Ob ſichs aber zwar endlich zu gutter beſſerung an - gelaſſen / vnnd jederman in hoͤchſter hoffnung geſtan - den / es ſolte numehr alle gefahr voruͤber ſein: jedoch alß der 24 Decembris anbricht / welches war der tag fuͤr der geburt vnſers Heylandes Chriſti Jeſu: da v - berfellet es wiederumb eine ploͤtzliche vnverſehene mat - tigkeit: vnd muß alſo das liebe Kindlein noch denſel - ben Morgen vmb ſechs Vhr des todes ſein.

Wie wol ſich aber das ſelige Hertzlein bey dieſe[m]ſeinem letzten todeskampff verhalten / daruͤber iſt ſich billich zuverwundern / vnd beyneben zu wuͤnſchen / das wir alle mit einander von jhm lernen vnd ſeinem Ex - empel nachfolgen moͤchten.

Es hat freylich ſeinen nahmen mit der that gefuͤh - ret vnd iſt ein rechtet Wenceslaus, das iſt ein Victor populi oder vberwinder des Volcks geweſen. Es hat den Teufel vnd Todt mit allem jhrem helliſchem Poͤ -K ijbel[76]bel Ritterlich erlegt vnnd vberwunden.

Alß Chriſtianus Koͤnig in Dennemarck auff ſei - nem todtbette gelegen / hat er kurtz vor ſeinem ende von ſeinem Prediger vnd Hofe Dienern begehret / das ſie jhm etliche ſterbeliedlein ſingen ſolten: alß ſie aber ſol - ches fuͤr trawren vnd wehmut nicht thun koͤnnen / hat ſich der Koͤnig auffgerichtet vnd geſprochen:Weil niemand ſingen wil / ſo wil ich ſingen: das man wird ſagen muͤſſen / ein Koͤnig von Dennemarck habe jhm ſelber zu grabe geſun gen.Hat darauff ſeine ſtimme erhoben vnd ſo lange geſungen / biß jhm vnter ſolchem geſang vnd klang die Seele außgefahren.

Eben dieſes koͤnnen wir auch von dieſem ſeligen Kindlein ſagen. Freylich hats jhm ſelbſt zu grabe ge - ſungen. So bald es die todes-ſchmertzen angefallen / ſo bald hat es die gantze nacht hindurch anders nichts gethan / alß nur jmmer vnd ohn vnterlaß geſungen.

Herr Chriſte liebes Bruͤderlein mein: ()hat es zu vnterſchiedenen mahlen repetiret.

Gott der Vater wohn vns bey: ()hat es al - le dreymahl richtig hinaus geſungen.

Jtem: das ſchoͤne Morgen - vnd Abendliedlein:Jch dancke dir Herr Chriſt in deinem thro - ne:welches ob es zwar von anfang biß zu ende fertig vnd ad unguem außwendig gekont jedoch hat es jhm fuͤr dißmahl allein das letzte geſetzlein / alß welches jhmzu[77]zu ſeinen todesnoͤten am beſten gedienet / belieben laſ - ſen:

All arme Suͤnder Herr zu dir bekehre /
ein ſeligs ende vns allſambt beſchere.

Dieſes hat es die nacht vber mehr alß die dreiſſig mahl wiederholet: vnd zwar nicht ſchlecht ſondern mit groſſer emphaſi vnnd mit einem ſonderlichen eyver wiederholet.

Jn ſumma ſo