PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Deutſcher Sinn-Getichte Drey Tauſend.
Cum Gratiâ & Privilegio Sac. Cæſ. Majeſtatis.
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Breßlaw /Jn VerlegungCaſpar Kloßmanns/Gedruckt in der Baumanniſchen Druckerey durch Gottfried Gruͤndern.

An den Leſer.

GUnſtiger / geliebter Leſer / ich halte dafuͤr / daß dieſe meine Sinn-Getichte viel fuͤrre - dens oder fuͤrſprechens nicht beduͤrffen; denn ich werde alle Koͤpffe vn - ter meinen Hut doch nicht bringen / nem - lich niemanden zwingen / daß er meine Gedancken muͤſſe gut heiſſen: Allerding es nicht moͤglich in einem Garten zu verwehren / daß auff die Blumen nicht ſo wol Spinnen / als Bienen fallen. Jch ge - dencke nur etwas weniges vom Reimen - Maſſe; einmal / daß die Endungen der Reime zuſammen ſtimmen nur nach vn - ſerer Mund-Art wo ſie geſchrieben; deñ / wie es vielleicht frembden dannenher nicht fuͤglich lauten moͤchte / wie wir die ſelblautenden Buchſtaben außſprechen / alſo wuͤrde es auch in vnſren Ohren uͤbel klingen / zu reden wie die frembden reden / alſo / daß es nur noͤthig ſcheinet / im Reime ſich deß einheimiſchen Außſpruches zu ge -brau -brauchen: Nachmals / daß die einſylbigen oder einigliedrigen Worte / welche in der Deutſchen Sprache faſt das meiſte auß - machen / ich bald lang / bald kurtz geſetzet / offters in einem Reime / nicht ſo wol auß uͤberſehen / als daß der Beylaut im leſen vnd reden alsdenn ſo faͤllet / welcher ohne dieſes im Reim-ſchreiben faſt die beſte Richtſchnur iſt. Sonſt / daß ich die Poeti - ſchen Lateiniſchen Namen behalten / auch wol ſelbſt eigene nach Lateiniſcher Art zu zeiten erfunden / geſchiehet darumb: Daß jene ſchon Buͤrgerſchafft bey den Deut - ſchen gewonnen vnd gar gelaͤuffig / meine Sachen auch ſchwerlich ſo tieff vnter den gemeinen Poͤfel gerathen werden (ehe vnter die ſo der Poeterey kuͤndig /) die neuen deutſchen Namen aber noch etwas hart / vngewoͤhnlich ja wol mehr vnver - ſtaͤndlich als die Lateiniſchen kommen: Dieſe zur Sache ſich fuͤglicher ſchicken wollen / als im Deutſchen / weil doch jede Sprache jhre eigene Art vnd Geiſt hat /A ijwel -welcher einer andern Sprache nicht gerne dienen vnd ſich vnterwerffen wil. Der Jnnhale dieſer Getichte / handelt mei - ſtens von Sachen die in gemeinem Leben fuͤrkom̃en / daß dannenher offtmals mit dem gemeinen Wahn vnd niedriger Art geredet wird: Und weil die Sinn-Ge - tichte fuͤr kurtze Stichel-Getichte / die Stichel-Getichte fuͤr lange Sinn-Getich - te gehalten ſind / wird mir zugelaſſen ſeyn / ſo ich offters etwas frey gehe / in deme ich doch nur fuͤrhabe die Laſter zuverhoͤhnen / nicht aber zu billichen vnd ſtaͤrcken. Jm uͤbrigen / ob meiner Perſon anſtaͤndig der - gleichen Sachen ans Liecht zu laſſen / muß ich das Urtheil leidẽ; das weiß ich aber / iſt dem Leibe vergoͤnnet zu ruhen / iſt dem Ge - muͤte auch zugelaſſen bißweilen zu ſpie - len. Gehab dich wol lieber Leſer / bleibe wol geſinnet / vnd ſo ich gejrret / ſo den - cke daß du auch jrreſt / ſo du anders ein Menſch biſt.

Salomon von Golaw der Verkleinende.

Salomons von Golaw Deutſcher Sinn-Getichte Erſtes Tauſend.

Scaliger von der Poeterey oder Tiche - Kunſt im 2. Buch in der 125. Abtheilung. EJn (Epigramma) Sinn-Getichte / iſt ein kurtz Getichte / welches ſchlecht hin von einem Dinge / einer Perſon / oder derer Beginnen / etwas anzeiget / oder auch etwas fuͤr - her ſetzet / darauß es etwas gewiſſes ſchlieſſe / vnd folgere.
Hans Ulrich Muͤffling in ſeinen Blu - men auß deß Scaligers Schrifften / im drit - ten Brieffe oder Sendſchreiben. MAn muß die nicht hoͤren / welche ſchreyen / daß durch Ubung in der Tichterey / welche ernſteren vnd wichtigern Wiſſenſchafften zuſte - het / vergebens vnd vnfuͤglich verſchwendet werde. Denn / ſo man hierinnen Maß haͤlt / fehlet es nun ſo viel / daß das Gemuͤte damit ſolle ermuͤdet wer - den / daß ſie vielmehr ſchaͤrfferm vnd genauerm Nachdencken / dich wacker vnd munter mache. Daſelbſt weiter. Die Tichterey iſt anders nichts / als ein Ab - bildung vielerley Dinge / welche die menſchlichen Gemuͤter abzeucht vnd gleichſam ſaubert / durch zierliche vnd ſchickliche Fuͤgnuͤß / vom Roſt vnd Staube deß Uberdruſſes.

Deß Erſten Tauſend Erſtes Hundert.

1Erſtes Tauſend

1.

An etliche Lobſprecher eines verſtor - benen Heldens.
JHr klugen / derer Fauſt die Feder embſig fuͤhret
Zu klagen deſſen Tod / der an die Wolcken
ruͤhret
Durch Thaten ohne gleich / durch Thaten die der Welt /
Deß Himmels kurtze Gunſt / hat einig fuͤrgeſtellt
Zum Eigenthum zwar nicht / zum Wunder aber allen
So weit der Titan leucht; der Mut mag euch entfallen
Daß diß / wo ewig Ding genug zu ſchaffen hat /
Die Feder enden ſoll vnd ein papiernes Blat.
(winnet /
Weicht ab von da / wo Fleiß gar ſchwerlich Frucht ge -
Klagt nichts ſo ſehr als diß / das klagen jhr nicht koͤnnet.

2.

Hochzeit-Wuntſch.
So lebt nun / liebes Paar / lebt zwiſchen Krieg vñ morden
Jn dennoch ſuͤſſer Ruh vnd in dem ſchoͤnen Orden
Der lieben Einigkeit; lebt daß deß Gluͤckes neiden
Muß euch vnd euer Thun ſtets fliehen vnd vermeiden!
So wuͤntſchen etwas gilt / ſo woll auch diß Gott geben /
Daß jhr / wenn jhr ſeyd tod / noch lange moͤget leben /
Viel Soͤhne daß man deñ nach euch / dem Vater / nennet /
So viel der Toͤchter auch / nach euch / der Mutter / kennet.

3.

Uber die Schaͤferey Amœna, eines vngenanten Freundes.
Muſa, Venus, Charis ſchauet
Wie Amœna ſtaffeln bauet
Auff -2Erſtes Hundert.
Auffzuſteigen euren Thron!
Gebt jhr Raum zur rechten Seite
Schaffet daß man jhr bereite
Eine friſche Lorber-Kron.
Phœbus lehnt jhr ſeinen Wagen
Jhren Ruhm herumb zu tragen
Durch das blaue Sternen-Feld.
Hermes ſoll die Fluͤgel faſſen
Daß ſie ſey / verkuͤnden laſſen /
Zu dem ewig-ſeyn geſellt.
Bill ich! denn ſo hohe Sinnen
Muͤſſen andren Danck gewinnen
Als ein kriechend Erde-Geiſt /
Den man auß dem eignen nennen
Dennoch nicht mag recht erkennen /
Weil er andres iſt als heiſt.
Sinnen / die vom Himmelkommen
Werden billich auffgenommen
Jn das reine Himmel-klar /
Da der ſchwartzeu Erde Schatten
Glantz vnd Flammen jhrer Thaten
Nimmer mehr vertunckeln thar.

4.

Waffen-Anſtand.
VOn Anſtand vnd von Fried vnd vielen ſchoͤnen Dingen
Wil Fama dieſer Zeit ein neues Liedlein ſingen;
Doch weiß ich nicht obs new. Der Anſtand iſt gar alt /
Der Fried iſt auch fuͤr laͤngſt gar recht / gar wol beſtalt.
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo nie man noch geſtritten /
Da Waffen vnd jhr Brauch / nach dieſes Krieges Sitten
A vGleich3Erſtes Tauſend
Gleich wie in einem Spiel / nur bloß zum Schertz vnd Schein
Und daß ſie nicht der Roſt zerfreß / in Haͤnden ſein?
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo nie kein Feind ſich findet
Der zu bekriegen ſteht / vnd wo man ſich nur gruͤndet
Auff Meinung / vnſer Land / nach drauß geſchoͤpfftem Nutz
Alsdenn dem lieben GOtt zu geben in den Schutz?
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo man die Krieges-Kinder
Gar glimpff - vnd guͤtlich meint / vnd bloß die feiſten Rinder
Sambt jhrer jungen Art / vnd etwa Pferd vnd Schwein
Schaf / Hun / Han / Ente / Gans / laͤſt ſeine Feinde ſeyn?
Der Fried iſt lange ſchon in vnſre Graͤntzen kommen
Da jene viel zwar vns / wir jhnen nichts / genommen /
Jn dem wir vns bemuͤht / O eine feine Kunſt!
Zu brechen jhren Trotz / durch vnſre gute Gunſt.
Es iſt ja Fried vnd Ruh im Lande gantz die voͤlle /
Das Feld haͤlt Sa bat-Tag / der Acker liget ſtille /
Und duldet nicht wie vor / daß jhm viel Wunden ſchlug
Deß Bauers frecher Arm vnd ein tyranniſch Pflug.
Es iſt ja Friede da; man darff ja mehr nicht ſorgen
Wie jeder Haab vnd Gut fuͤr Dieben haͤlt verborgen
Jn ſicherem Gemach; es bleibt ja Gold vnd Geld
Jn feſtem Hauſe ſo / wie durch das offen Feld.
Hierinn ſingt Fama falſch von Anſtand vnd von Friede;
Jhr Sinn ſey dieſer denn / daß weil die Welt iſt muͤde
Der alten Deutſchen Trew / nur mit Betriegligkeit
Man habe ſteten Fried vnd Krieg mit Redligkeit.

5.

Schertz vom Flachs-Nutze.
Gewiß / der liebe Flachs iſt gar ein nuͤtzes weſen;
Der / der es wo nicht glaubt / mag dieſe Reime leſen:
Ein Maͤgdlein gieng zu Stuhl vnd thaͤt / ich weiß nicht was /
Da war das Hembd jhr gut ſonſt waͤr ſie noch wol naß.
6. Tag /4Erſtes Hundert.

6.

Tag / vnd ein Tages-Wuntſch.
DJe Nacht iſt nun dahin / die Sonn iſt wieder kommen /
Der Schlaf deß Todes Bild iſt weg von vns genommen /
HERR Gott du reines Liecht / laß ferne von mir ſeyn
Der Suͤnden finſtre Werck / vnd gib nur deinen Schein!
Laß mich dein werthes Wort frey offentlich bekennen /
Laß mich in deiner Lieb vnd meines Nechſten brennen /
Laß meinen Sinn vnd Geiſt ſeyn wacker fuͤr vnd fuͤr
Zu thun was mir gebuͤhrt vnd wolgefaͤllet dir!
Und ſo mein muͤder Leib noch laͤnger ſoll beſchauen
Das Unrecht dieſer Welt / vnd dieſes Elend bauen /
HErꝛ GOtt / ſo gib Geduld / verleih beſtaͤndigkeit /
Laß ſcheinen deinen Troſt vnd hilff zu rechter Zeit!
Laß mir mein Augen nicht von eitlen Dingen blenden /
Nach koͤſtlich Ding der Welt / von dir / mein Hertze wenden /
Hilff daß ich mich nicht theil vnd bleibe gantz an dir /
Auff daß du hoͤchſtes Gutt mogſt bleiben auch in mir!
Wenn endlich denn mein Liecht vnd Leben muß vergehen /
So laß mich dort gantz ſchoͤn vnd wie verklaͤret ſtehen /
Da / wo du Sonnenſtral voll von Gerechtigkeit /
Schoͤn hell erleuchten wirſt die ſelig Ewigkeit!

7.

Nacht / vnd ein Nacht-Wuntſch.
DJe Mutter vnſrer Ruh / die Artzney vieler Sorgen
Die finſtre Nacht iſt da / die Sonne geht verborgen /
Die halbe Welt iſt ſchwartz / iſt traurig ohne Liecht /
Jſt gleichſam mehr nicht da / lebt zwar / lebt doch auch nicht.
HErꝛ GOtt / du heller Glantz / laß vnſer Hertz vnd Sinnen
Jm finſtren nimmer ſeyn / gib daß ſie wachen koͤnnen
Auch mitten in dem Schlaf / auff daß dein Goͤttlich Schein
Moͤg vnſrer Seele Liecht vnd helle Fackel ſeyn!
Wenn wir deß Kummers Laſt zu vnſren Haupten legen
So laß ſich deinen Geiſt in vnſrem Geiſte regen /
Und ſchaffe daß die Nacht / wenn vns der Tag erweckt
Der Suͤnden ſchnoͤde Buͤrd in allem hat verdeckt!
Laß5Erſtes Tauſend
Laß deiner Engel Dienſt auch vns zu Dienſte kommen!
Gib daß von vnſrem Haupt ſey Schad vnd Schmach genommen;
Auff daß der ſtarcke Feind der ſchwartze Fuͤrſt der Nacht
Deß Leibes ſuͤſſe Ruh vns nicht verbittert macht!
Und ſo es ſo ſoll ſeyn / daß heut ich noch ſoll gehen
Deß Todes finſtren Gang / ſo wollſtu bey mir ſtehen
Und gehen fuͤr mir her / ins Leben durch den Tod /
Jn Himmel auß der Welt / zur Freude von der Noth?

8.

Das Gebete.
Wenn die Welt mit Menſchen kriegt
Muß der Menſch mit Gotte kriegen;
Weil die Nothvns gegen liegt /
Muͤſſen wir fuͤr Gotte liegen /
Vnd durch beten endlich ſiegen.

9.

Verleumbder.
Jch kenn ein hoͤlliſch Volck die Bruͤder der Erinnen /
Ein Volck von ſuͤſſer Zung vnd von vergifften Sinnen.
Das zwiſchen Mund vnd Hertz / das zwiſchen Wort vnd That
Hat einen engen Raum / wie Oſt von Weſten hat.
Es lobt mich im Geſicht / es ſchaͤndet mich im Ruͤcken /
Es wil durch meine Schmach ſein eignes Laſter ſchmuͤcken /
Es ſehnet ſich empor verachtet alle Welt /
Und hat genug an dem / daß jhm es ſelbſt gefaͤllt.
Was iſt mir denn zu thun? Sonſt wil ich nichts jhm goͤnnen
Als daß ſein falſches Maul moͤg einen Stand gewinnen
Wo ſonſt durch holen Grund ein ſtinckend Athem zeucht /
Der auff die Ferſen zielt / vnd in die Naſen kreucht.

10.

Wein-Luft.
Wer mit Bacchus kaͤmpffen wil
Huͤte ſich vnd traw nicht viel;
Erſtlich6Erſtes Hundert.
Erſtlich ſchlaͤgt er auff die Beine
Trifft er dich; ſo biſt du ſeine.

11.

Mein vnd dein.
Alles machet mein vnd dein
Daß man nicht kan friedlich ſeyn.

12.

Buͤcher-leſen.
Wie die Honigmacherinnen
Auß viel Blumen ſaugen kuͤnnen
Jhren ſuͤſſen Nectar-Safft:
So auch vnſre Wiſſenſchafft /
Waͤchſt durch vnverſeumtes leſen
Jn ein gleichſam Goͤttlich Weſen.

13.

Brautſchrifft.
All jhr Kuͤnſtler in der Welt /
Derer kuͤhnes Auge-ſchauen
Euch ſo viel kan Haͤuſer baueu
Jn das blaue Goͤtter-Feld /
Koͤnnt jhr nicht voran mir ſagen
Was ſich gutes zu wird tragen /
Wenn ſich Mars zur Venus ſtellt
Jn dem ſchoͤnen Jungfern-Zeichen?
Tycho ſage was er wil /
Fehl ich / fehl ich doch nicht viel:
Kinder werden dannen reichen
Die deß Vaters tapffren Sinn /
Vnd der Mutter ſchoͤnes Kinn
Lieblich werden abegleichen.
14. Grab -7Erſtes Tauſend

14.

Grabſchrifft / eines Speiſe - oder Kuchelmeiſters.
Der hier begraben liegt / der hielt ſehr viel vom eſſen
Und kan im Grabe noch deß eſſens nicht vergeſſen;
Denn / weil er ſelbſt nicht mehr die Eſſens-Luſt kan buͤſſen
Gibt er ſein eigen Fleiſch den Wuͤrmen zu genieſſen.

15.

Von der Phyllide.
EJnes Morgens ſchaut ich gehen
Phyllis vor den Roſenſtrauch /
Da ſie nach gewohntem Brauch
Seine Zierden ſahe ſtehen.
Damals kont ich nicht vergleichen
Welches vnter jhnen wol /
Weil ſie beyd an Schoͤnheit voll /
Von dem Siege ſolte weichen:
Ob die Phyllis angenommen
Von den Roſen jhre Zier /
Oder ob vielleicht von jhr
Solche ſolcher Schein bekommeu /
War gar uͤbel zu beſcheiden /
Denn ich hatt in jhren Glantz
Mich vertieffet alſo gantz /
Muſte nur die Augen weiden.
Endlich hab ich doch erfahren /
Als der Sonne guͤldnes Rad
Traff den letzten Tages-Grad /
Daß die Roſen Diebe waren;
Weil8Erſtes Hundert.
Weil ſie hatten wollen gleichen /
Vnd der Phyllis ſtehlen ab
Jhrer Farbe ſchoͤnſte Gab /
Muſten bald ſie drauffverbleichen.

16.

Hochzeit-Wuntſch.
Lebt / liebes Paar / mit GOtt / lebt liebes Paar mit Segen /
Lebt / liebes Paar / im Gluͤck daß Neid euch koͤnn erregen /
Jch ſage noch einmal / lebt hin in ſuͤſſer Ruh
Biß Kindes / Kindes / Kind druͤck euer Augen zu!

17.

Ein andrer.
So lebt jhr beyde nun / lebt eines in der Liebe /
Lebt eines in dem Sinn / damit euch nicht betruͤbe
Deß Gluͤckes runde Macht / denn ſeine Tuͤck vnd Neid
Hat keinen andern Feind als Lieb vnd Einigkeit!
Jedoch woll Einſamkeit zur Einigkeit nicht kommen /
Noch eures Lebens Brauch euch eher ſeyn benommen /
Biß daß ſich denn zur Zeit die ſuͤſſe Zeit erweiſt /
Die Elter-Vater euch / euch Elter-Mutter heiſt!

18.

Ein andrer.
Wie jhr verbunden ſeyd / ſo ſey auch euch verbunden
Der Segen vnd das Heil / ſambt langen Lebe-Stunden!
GOtt creutzig euer Creutz / vnd Waſſer ſey euch Wein /
Biß jhr das vierdte Glied hoͤrt in der Wiege ſchreyn.

19.

Miſt-Juncker.
Ein zartes Mutter-Kind / das nie vom Haus entnommen /
Jſt einem Ochſen gleich / der nie vom Stalle kommen.
20. Paten -9Erſtes Tauſend

20.

Paten-Zettel.
Du kom̃ſt / O liebes Kind ein Gaſt in dieſe Welt /
Da gleich das Gaſthaus jetzt zu Grund vnd Bodem faͤllt
Durch / in / vnd mit ſich ſelbſt: Drumb iſt dir nun ſehr gut
Daß dir der Himmel bleibt / erkaufft durch Chriſti Blut.

21.

Grabſchrifft.
Da ich ſolte / kont ich leben /
Da ich ſolte / kont ich ſterben /
Denn das ewig zu erwerben
Kont ich ſterblich leichte geben.

22.

Hoffnung.
Auff was gutes iſt gut warten /
Vnd der Tag kom̃t nie zu ſpat
Der was gutes in ſich hat;
Schnelles Gluͤck hat ſchnelle Fahrten.

23.

Brautſchrifft. An den Braͤutigam.
Jch weiß nicht was man glaubt? Jch weiß nicht wem man
Jch haͤtt ein hohes Schloß / Herꝛ Braͤutigam gebauet
(trauet?
Auff eurer Worte Grund / als wie auff Fels vnd Stein /
Seh aber daß die Welt nur wil betrogen ſeyn
Und ich mit ſambt der Welt. Jhr ſprecht: Jhr ſeyd ergetzet
Daß auch deß Himmels Gunſt fuͤr Augen hat geſetzet
Den ſuͤſſen Hochzeit-Tag / vnd meinet doch die Nacht
Die euch zum Vater weiht / die Braut zur Mutter macht.
Weil ſchwartzes jhr nun meint / vnd weiſſes dennoch nennet /
So ſey euch / mercket drauff / zur Straffe zuerkennet /
Daß / wenn jhr meint es ſoll das erſt ein Soͤhnlein ſeyn /
So wird es E E E wie Mutter Eva ſchreyn.
24. An10Erſtes Hundert.

24.

An die Braut. Auß Verſetzung deß Nahmens; Eilff Knaben.
Jungfer Braut / in eurem Namen
Find ich ſo gewiß / als Amen /
Eurer Ehe Kinderlein.
Was darinnen von Eilff Knaben /
Wo iſt uͤbrig an Buchſtaben /
Werden lauter Toͤchter ſeyn.

25.

Hochzeit-Wuntſch.
Werthes Paar / das gantze Leben
Sey bey euch ein ſteter Krieg /
So / daß beyden ſey gegeben
Gleiche Beut vnd gleicher Sieg.
Kaͤmpfft mit Liebe gegen Liebe /
Vnd mit Trew kaͤmpfft gegen Trew /
Daß euch Zwieſpalt nie betruͤbe /
Niemals auch der Kauff berew.
Zwar / es wird wol offt geſchehen
Daß die Braut zu ſeiner Zeit /
Bey ſechs Wochen nicht wird ſehen
Wie die Wirthſchafft ſey bereit:
Doch bedeut es nichts denn Beute /
Wenn das Ziel fuͤrbey wird ſeyn /
Werden euren Schatz die Leute
Hoͤren auß der Wiege ſchreyn.
B26. Eine11Erſtes Tauſend

26.

Eine Schoͤn-heßliche.
Jch kenn ein Frauen-Bild / das waͤre voͤllig ſchoͤn /
Nur daß der Schoͤnheit Stuͤck in falſcher Ordnung ſtehn.

27.

Eine Schoͤne.
Wenn Menſchen GOtt ſonſt nicht erſchaffen haͤtte wollen /
Haͤtt eurentwegen nur er diß nicht laſſen ſollen.

28.

Hochzeit-Wuntſch.
Liebes Paar / lebt ſo im Leben /
Daß euch Wolfarth ſey gegeben
Wie zu einem Eigenthum!
Lebt / daß eurer Ehe Ruhm
Fuͤr / ſo wol / als nach dem Grabe /
Alle Welt zur folge habe!
Lebt! laſt ſehen daß jhr lebt /
Vnd nach langem Namen ſtrebt /
Daß nach viermal zehen Wochen
Jhr muſt backen Kindlein-Kuchen!

29.

Das hoͤchſte Gut.
Zum hoͤchſten Gut in dieſer Welt
Wehlt jeder / was jhm ſelbſt gefaͤllt;
Gar im Schoß ſigt der dem Gluͤcke
Dem gegeben ſind vier Stuͤcke:
Ein guͤtig Gott /
Ein liebes Weib /
Ein friſcher Leib /
Ein ſelig Tod.
30. Ho -12Erſtes Hundert.

30.

Hoheit / hat Gefahr.
Auff ſchlechter ebner Bahn iſt gut vnd ſicher wallen:
Wer hoch geſeſſen iſt / hat niedrig nicht zu fallen.

31.

Hier / ſind wir: Dort / bleiben wir.
Jch bin / ich bleibe nicht in dieſer ſchnoͤden Welt /
Und weil das bleiben mehr mir als das ſeyn gefaͤllt /
So lieb ich ſterben mehr als leben / weil ich kan
So hoͤren auff zu ſeyn / zu bleiben fangen an.

32.

Liebes-Flammen.
Hat die Liebe Feuers-Art
Weil ſie hitzt vnd brennt;
Wie daß jhrer Flammen Fahrt
Sich Thal-ein denn wendt?

33.

Schoͤnheit.
Wenn der Schoͤnheit ſchoͤne Frucht
Waͤre Keuſchheit / Ehr vnd Zucht /
Waͤren manche ſchoͤne Wangen
Nicht ins Hurenhaus gegangen /
Manches krauſes Haar waͤr nicht
Mit der Grichen II verpflicht.

34.

Gluͤcke waͤget die Freunde.
Boͤſes Gluͤck hat dieſe Guͤtte /
Daß die vngewiſſen Sachen
Vns gewiſſe Freunde machen;
Daß man ſich fuͤr denen huͤtte
B ijDie13Erſtes Tauſend
Die nicht die ſind die ſie ſcheinen /
Sondern vnſer Gut gut meinen.

35.

Zagheit.
Wenn ein Harniſch waͤre gut
Fuͤr die Zagheit / Furcht vnd Schrecken;
Wenn ein Spieß vnd eiſern Hut
Koͤnten Mut vnd Hertz erwecken /
Ey was haͤtten die fuͤr Zeit
Die ein ſolches Waffen ſchluͤgen?
Wuͤrd jhr Gold doch / glaͤub ich / weit
Alles Eiſen uͤberwiegen.

36.

Gerechtigkeit deß Neides.
Keine Straff iſt außgeſetzet
Auff deß Neides Gifft;
Denn er iſt zu aller Zeit
Selbſten voll Gerechtigkeit /
Daß er meiſtens trifft /
Vnd ſich durch ſich ſelbſt verletzet.

37.

Pruͤfe / denn liebe.
Kenne vor vnd traw nicht bald;
Traw wol / hat das Pferd verrieten:
Kenne nicht / hat frembde Sitten:
Fruͤhe-zeitig wird nicht alt.
38. An14Erſtes Hundert.

38.

An einen vortrefflichen Mann.
Niemand / mein Freund / haſſet dich /
Nur der Tod fuͤhrt viel Beſchwerden /
Weil er muß befahren ſich
Daß du wirſt ſein Meiſter werden.

39.

An einen lieblichen Poeten.
Jſt wo wer / der widerſpricht /
Daß die Pierinnen nicht
Mit der Fraw von Gnidus Sinnen
Ein vernemen haben koͤnnen?
Was dein Mund / mein Freund / bericht /
Was nur deine Muſa ticht /
Schaut man nicht voll auff darinnen
Lauter Venus ſich entſpinnen?

40.

An eben denſelbten.
Daß die dreymal drey Goͤttinnen
Dich ſo herꝛlich angenommen /
Da du diſt auff Pindus kommen /
Jſt geſchehen / daß ſie koͤnnen /
Jetzund fuͤr Bellona wuͤten /
Jhren Stand durch dich behuͤten /
Vnd ein Haus in dir gewinnen.

41.

Grabſchrifft.
Dem Himmel war ich nur vnd nicht der Welt geboren
Was hab ich / ſterb ich gleich / durch ſterben denn verloren?
B iij42. An15Erſtes Tauſend

42.

An einen kriegriſchen Held.
Als auß deiner Sinnen Staͤrcke
Jupiter nam ein gemercke /
Daß du durch ſo kuͤhnes ſtreiten
Wuͤrdeſt biß in Himmel ſchreiten /
Sprach er: Vns die Ehre bleibe!
Dannenh er ich einverleibe
Dieſen Held / nach Himmels-Rechte!
Jn der Goͤtter alt Geſchlechte;
Denn er moͤcht auß eignen Thaten
Fuͤr ſich ſelbſt hie her gerathen.

43.

An einen gelehrten Held.
Weil der Pallas Jungferſchafft
Jſt der Keufchheit ſo verhafft /
Daß ſie denn nun jhre Pflicht
Jetzt in deiner Liebe bricht?
Keiner iſt / als du / ſo gar /
Welcher jhrer wuͤrdig war.

44.

An eben denſelbten.
Phœbus iſt nicht gar dein Freund /
Weil du mehr / er minder ſcheint /
Auſſer jhm / der Phœbe Liecht;
Auſſer dir / Glantz jhm gebricht.
45. Auff16Erſtes Hundert.

45.

Auff einen gluͤckſeligen Schelmen.
Dir ſey / ſagſt du / bald gewehret /
Was du dir nur kanſt gedencken:
Schade / daß du nie begehret
Daß du maͤchſt am Galgen hencken!

46.

Hochzeit-Wuntſch.
Wolfahrt muͤſſe / liebes Paar /
Euch wie jhr euch ſelbſten lieben /
Gluͤcke muß auch jmmerdar
Sich in euren Dienſten uͤben.
Segen / Heil vnd Seligkeit
Muͤß euch in die Arme ſchlieſſen /
So / wie jhr zu ſeiner Zeit
Werdet Kindes-Kinder kuͤſſen.

47.

Ein andrer.
Theures Paar / ſeyd ſo beſuͤſſet
Mit der Liebe Liebligkeit /
Daß jhr drinnen nichts nicht wiſſet
Als von Fried vnd Freudens-Zeit;
Biß jhr denn nach langen Jahren
Schauet / durch deß Prieſters Hand /
Euer Kindes-Kind ſich paaren /
Jn den ſuͤſſen Liebe-Stand.
B iiijVer -17Erſtes Tauſend

48.

Vertorbene Kauffmannſchafft.
Bey dem Baͤcker kauffen Korn / bey dem Schmiede kauffen Kohlen /
Bey dem Schneider kauffen Zwirn / hilfft dem Haͤndler auff die
Solen.

49.

Sparſamkeit.
Wenn die Jugend eigen wuͤſte /
Was das Alter haben muͤſte:
Sparte ſie die meiſten Luͤſte.

50.

Das Land in der Stadt.
Wer nach dem Land jetzund wil auff dem Lande fragen /
Der jrrt; Mars hat das Land laͤngſt in die Stadt getragen.

51.

Zwieſpalt der Staͤdte vnd deß Landes.
Weiſtu wannen her die Stadt
Mehr vnd mehr das Land ſo haſſet?
Weil der Landmann mehr nichts hat
Daß der Buͤrger an ſich faſſet.

52.

Die jetzigen Soldaten.
Sind Martis Kinder nicht feine geſegnete Leute?
Was Gott / Menſch / Feind / Freund hat wird jhre taͤgliche Beute.

53.

Eine Einigung zwiſchen Jove vnd Marte.
Es hat mich juͤngſt ein Freund auß Pindus laſſen wiſſen /
Daß Jupiter vnd Mars wolt einen Friede ſchlieſſen:
So Mars hinfort nicht mehr bey allen ſeinen Tagen
Nach Himmel / vnd nach dem was him̃liſch iſt / wil fragen;
Wil18Erſtes Hundert.
Wil Jupiter da hin ſich bindlich denn erklaͤren:
Dem Mars noch nebſt der Welt / die Hoͤlle zu gewehren.

54.

Kunſt verſtummet.
Daß jetzund die Pierinnen /
Mars / fuͤr dir nicht reden koͤnnen /
Frew dich nicht; es iſt jhr Wille /
Vngehindert in der Stille
Sich mit Rechte zu berathen
Auff ein Vrtheil deiner Thaten.

55.

Untreuer Krieg.
Was ſich reimt das ſchickt ſich auch /
Spricht der friſche Landes-Brauch;
Drumb ſo ſchickt ſich liegen / triegen /
Auch ſo fein zu vnſerm kriegen.

56.

Zeiten-wandeln.
Sich in ſich vnd vns in jhr
Endert Zeit nur fuͤr vnd fuͤr;
Drumb ſind auß dem Landsknecht-Orden
Lauter Landes-Herren worden.

57.

Die Erde wird bewegt.
Daß der Himmel ſtille ſteht /
Daß die Erde rumher geht
Steht zu glauben: Vnſer Land
Hat ſich hinter ſich gewand /
Daß nunmehr der Jungfer ſtat
Dieſe Zeit der Krebes hat.
B vUnter -19Erſtes Tauſend

58.

Unterſcheid zwiſchen Land-Mann vnd Lands-Knecht.
Vnterſcheiden muß man recht
Landes-Mann vnd Landes-Knecht;
Jener muß / wenn dieſer wil:
Jener gibt / nim̃t dieſer viel:
Jener dient / vnd dieſer ſchafft:
Jenes Angſt / iſt deſſen Krafft:
Dieſer raubt die gute Zeit /
Jenem bleibt die Seligkeit.

59.

Von einem eintzelen Freunde meiner Reimen.
Meine Muſa hat kaum einen /
Der jhr Phœbus wil erſcheinen;
Gar genug! Sie hat alleine /
Was fuͤr ſich ſonſt in gemeine /
Alle dreymal drey Goͤttinnen
Dieſer Zeit kaum haben koͤnnen.

60.

Fleiſch-Marckt.
Wer hier nur iſt bekant
Der weiß / man kaufft jetzund /
Das Fleiſch zwar / durch das Pfund /
Die Weiber / nach der Hand.
61. Mars20Erſtes Hundert.

61.

Mars vnd Venus ſind zugehoͤrige.
Wer Poeten nennet Tichter /
Jſt ein vngerechter Richter;
Heute kan man noch erfahren
Daß ſich Mars vnd Venus paaren /
Denn es iſt ein Theil vom kriegen
Auff der Magd zu Felde liegen.

62.

Nicht zu hoch!
Jch trachte nicht nach hohen Dingen /
Jch geh gern auff der niedren Bahn /
Fing Clepticus zu ſagen an /
Da man jhn ſolt an Galgen ſchlingen.

63.

Die freſſige Zeit.
Vnſer Zeit vnd jhr Geſinde
Freſſen geitzig vnd geſchwinde
Alles auff biß an den Grund:
Wetten wil ich / daß jhr Schlund
Kuͤrtzlich rauß gibt vngedeuet
Was ſie freſſen vngekeuet.

64.

Cogere milites,Soldatenwerben , and • zwingen.  
Mars verhoͤnt nur das Latein /
Muß doch ſelbſt Lateiniſch ſeyn /
Wil er Voͤlcker an ſich bringen
Muß er vor die Knechte zwingen.
65. Der21Erſtes Tauſend

65.

Der Tod iſt der Suͤnder vnd der Krieger Sold.
Die Suͤnder haben Sold; Sold haben auch Soldaten:
Der Tod iſt gleicher Lohn auff jhre gleiche Thaten.

66.

Damen vnd Chevalliers.
Die Damen wolln von nichts als Chevalliers jetzt wiſſen;
Das macht ſie ſind zum Krieg auff Renterey befliſſen.

67.

Unterſcheid der Woͤrter Dame vnd Dama.
Was Dame ſey / vnd denn was Dama, wird verſpuͤret /
Daß jene Hoͤrner macht / vnd dieſe Hoͤrner fuͤhret.

68.

Roſenobel / der Soldaten Winter - Blumen.
Der Fruͤhling fodert Blut / der Winter gibet Gold /
Drumb iſt dem Winter Mars, vnd nicht dem Fruͤhling hold;
Hier / wachſen rothe; dort / entſprieſſen Edle-Roſen /
Wer wolte denen nicht / fuͤr jenen / liebekoſen?

69.

Auff den Tadler.
Dein Momus wil ich nicht ſeyn / Momus, noch vernichten
Dein Urtheil / wenn du ſprichſt: Das Vers - vnd Reime-Tichten
Sey Schulenfuͤchſerey. Wie aber / daß das leſen
Noch giltig bey dir iſt / als Schulenfuͤchſiſch Weſen?
Ey lieber lies nicht mehr / ſonſt wirſt du gar zum Kinde /
Und darffſt / daß dir mein Reim noch eine Ruthe binde.
70. Auff22Erſtes Hundert.

70.

Auff dergleichen.
Zoilus haͤlt nichts vom tichten /
Pflegt Poeten zu vernichten /
Daß nicht Midas Eſels-Kopff
Jhm wo auff die Achſeln hopff.

71.

Die vnartige Zeit.
Die Alten konten froͤlich ſingen
Von tapffern deutſchen Heldens-Dingen
Die jhre Vaͤter außgeuͤbet /
Wo Gott noch vns ja Kinder gibet /
Die werden vnſrer Zeit Beginnen
Beheulen / nicht beſingen koͤnnen.

72.

Von meinem Buche.
Kuͤndig iſts / daß in der Welt
Sich zum Guten Boͤſes finde:
Wenn mein Buch nur waͤr geſtellt /
Daß beym Boͤſen Gutes ſtuͤnde!

73.

An die Leſer.
Dieſes Buch / ſoll Monde ſeyn;
Leſer aber / ſeine Sonnen /
So / daß durch der Sonnen Schein
Auch der Monde ſey entbrunnen.
74. Kunſt23Erſtes Tauſend

74.

Kunſt von Gott.
Daß der Muſen alter Stam̃
Her vom Himmel Anfang nam /
Macht / daß auch ein Edelmann
Sich zu jhnen freunden kan.

75.

Feſte Stadt / wuͤſte Land.
Seither daß vnſer Stadt verſchantzet vnd bewehret /
Seither iſt vnſer Land verwuͤſtet vnd verheret.

76.

Von dem Brauch der Naſamonum vnd Augilarum.
Manche Braut bleibt nicht zu frieden /
Daß jetzt der Brauch bleibt vermieden /
Das nicht thun am Hochzeit-Feſte /
Was der Braͤutgam thut / die Gaͤſte.

77.

Auff Venerillam.
Venerilla haſſet Schertz
Was ſie meynt / das iſt jhr Hertz.
Wer an jhr was ſuchen wil
Such / vnd feume nicht zu viel.
Der nichts ſagt / vnd viel doch thut /
Jſt fuͤr Venerilla gut.

78.

Auff den bellenden Tadler.
Wenn die Verſe gelten wolten
Mir / wie ſie dem Naſo gulten /
Haͤtt24Erſtes Hundert.
Haͤtt ich laͤngſt den Ketten-Hunden
Meinen Momus beygebunden.

79.

Von den Weiber-Bruͤſten.
Wie kom̃ts / daß Frauen-Volck ſo klare Stimmen fuͤhret?
Weil duppelt Blaſebalg hart an jhr Lufftroͤhr ruͤhret.

80.

Von der Weiber Plauderey.
Die Weiber reden laut / ſie reden lang vnd offt /
Den Athem oben zu / mehrt vnten auff die Lufft.

81.

Von dem Gebrauch der Balearen.
Der Balearen Brauch iſt zwar zu vns nicht kommen /
Daß durch die Gaͤſte vor / der Braut wird abgenommen
Was ſonſt der Braͤutgam nim̃t: Doch hoͤrt man / mancher mag
Thun vor / was erſt man dort thaͤt auff den Hochzeit-Tag.

82.

Betriegliche Hoffnung.
Der ſeinen Segel hin nach Engeland gewendet /
Jſt manchmal durch den Wind in Holland angelaͤndet:
Und der durchs enge Meer zu lauffen jhm getrauet
Hat vnverhofft ſein Schiff in offner See geſchauet:
Wer manchmals eine Nuß fuͤr gut hat angeruͤhret
Hat drinnen einen Wurm vnd dran ein Loch verſpuͤret:
Ob Jungefraw zwar nicht vnd Jungfraw / hoch entſchieden /
Jſt dem doch wol / der nam die / die das E! vermieden.

83.

Unterſcheid zwiſchen Jungfraw vnd Jungefraw.
Was Junge-Fraw / vnd denn was Jungfraw / wird erkant /
Daß dieſes Wort iſt gantz / vnd jenes iſt getrant.
84. Der25Erſtes Tauſend

84.

Der Zeiten Schauſpiel.
Es denckt mich noch ein Spiel bey meinen jungen Jahren /
Drinn ich ein Koͤnig war / da andre Knechte waren /
Da nun das Spiel war auß / fiel meine Hoheit hin /
Und ich ward wieder der / der ich noch jetzo din:
Der heutige Gebrauch traͤgt gleichſam ein ergetzen
Die Bauren dieſer Zeit den Fuͤrſten beyzuſetzen:
Schimpff aber iſt nicht Ernſt; vnd deß Saturnus Feſt
Jſt einmal nur deß Jahrs / zu Rom im Brauch geweſt.

85.

Schwanger ſeyn / ſchadet dem ſchoͤn ſeyn.
Schwanger ſeyn / iſt eine Schande /
Keine Schand in Bulſchafft ſchweben:
Dannenher in vnſrem Lande
Huren mehr / als Muͤtter leben.

86.

Fluͤchtige Tugend.
Die Tugend iſt ein Weib / ſo Mahlern iſt zu glauben;
Drumb fleucht ſie / Monſieur Mars moͤcht jhr die Keuſchheit
rauden.

87.

Adels-Feinde.
Edelleute muß man laſſen
Von den Eſelleuten haſſen;
Wer nur gut iſt / meint es gut
Auff das edle Ritters-Blut.

88.

Die verkoppelte Freundſchafft
Der Freundſchafft keuſcher Stand / war weiland voller Ehren:
Jetzt laͤſt ſie ſich durch Geld / zum Huren-Brauch bethoͤren.
89. Auff26Erſtes Hundert.

89.

Auff Pudibundam.
Pudibunda, wie ſie ſpricht /
Ehret hoch deß Tages Licht /
Wer mit jhres Leibes Gaben
Noch fuͤr Nachtes ſich wil laben /
Muß ſich muͤhen daß er macht /
Wenn es Mittag / Mitternacht;
Kan er ſonſt nicht Rath erfinden
Muß er jhr das Haupt verbinden:
Manchem kum̃t es / ders geneuſt
Daß ſie ſelbſt die Augen ſchleuſt.

90.

Neunerley Fragen / vnd neunerley Antwort.
1. Wie kuͤm̃t es / daß die Welt im argen iſt verſuncken? Sie ließ den rechten Weg vnd gieng nur nach geduncken.
2. Wie kuͤm̃t es / daß die Zeit nicht wil gebeſſert werden? Die Menſchen in der Zeit verboͤſern die Geberden.
3. Wie kuͤm̃t es / daß die Laſt der Noth die Welt ſo drucket? Sie jſſet jetzund auß / was ſie vor eingebrocket.
4. Wie daß vns Rath vnd That ſo wenig wil erſprieſſen? Drum daß / wie wir von GOtt / GOtt nichts von vns wil wiſſen.
5. Wie daß ſich die Fortun ſo ploͤtzlich hat gewandelt? Weil der / der ſie bekam / ſie uͤbel hat gehandelt.
6. Wie koͤm̃t es / daß jetzund die Boͤſen oben ſchweben? Wer hoͤchlich fallen ſoll / den muß man hoch erheben.
7. Wie kuͤm̃t es / daß jetzund die Frommen vnten liegen? Sie kaͤmpffen mit Gefahr / mit Ehren drauff zu ſiegen.
8. Wie daß vns wil die Zucht zur Sicherheit gelaugen? Dieweil der letzte Tag die Welt wil ehſtes fangen.
C9. Kuͤm̃t27Erſtes Tauſend
9. Kuͤm̃t aber keine Zeit / darinn es beſſer werde? New Himmel iſt nicht weit / nicht weit iſt auch New Erde.

91.

Die letzte Brunſt der Welt.
Vnſre Welt iſt Schlaͤge-faul
Setzt ſich wie ein ſtaͤtig Gaul!
Wil ſie Gott zu Stande bringen
Muß er ſie mit Feuer zwingen.
Jene Welt ertranck durch Flut /
Dieſe Welt erfodert Glut.

92.

Vom Kaͤyſer Probus.
Kaͤyſer Probus wolte ſchaffen
Daß man duͤrffte keiner Waffen.
O wo iſt bey vnſren Tagen
Kaͤyſer Probus zu erfragen?

93.

Huren-Zeit.
Durch Proculus geſchahs daß zehnmal zehn Jungfrauen
Nach dreymal fuͤnffter Nacht man konte Weiber ſchauen.
Kum̃ wieder Proculus! Weil in den Frauen-Orden
Faſt jede Jungfer wil / iſt Mars gar muͤde worden.

94.

Rhein-Fluß.
Der dich erſtlich nante Rhein
Wolte / glaub ich / ſprechen Wein:
Der dich erſtlich nante Rhenus,
Wolte glaub ich ſprechen Vonus:
Was die Venus im Latein
Jſt vns / Rhenus, deutſch dein Wein.
95. Rhein -28Erſtes Hundert.

95.

Rhein-Wein.
Reimet ſich gleich Wein vnd Rhein /
Reimt ſich Waſſer nicht mit Wein.

96.

Wo Herren / da Narren.
Ey man muß dem Hofe-Leben
Fuͤr den andren Fuͤrzug geben!
Denn bey groſſer Herren Tiſche
Sind ſtets Haſ vnd Stoͤckelfiſche.

97.

Hofe-Leben.
Das Hofe-Leben iſt ein rechtes Hoffe-Leben;
Denn da verſpricht man Gunſt / vnd Ungunſt wird gege -
(ben.

98.

Fleiß bringt Schweiß / Schweiß bringt Preis.
Jederman hat gerne Preis /
Niemand macht jhm gerne Schweis:
Wer der Arbeit Marck wil niſſen /
Muß jhr Bein zu brechen wiſſen.

99.

Auff eines Helden Verleumder.
Da du lebteſt / werther Held /
Ward dein Ruhm Berg-auff geſtellt;
Nun von vns du biſt entwand
Wird dein Ruhm kaum noch erkannt:
Naͤmlich wenn der Loͤw ligt tod /
Jſt er auch der Haſen Spot.

100.

Der Natur-Weg.
Wer / wie die Menſchheit geht / wil wiſſen jhre Spur /
Der wiſſe: Sie geht von / durch / in / auß der Natur.

Deß Erſten Tauſend Andres Hundert.

30Erſtes Tauſend

1.

Die Warheit im Wein.
WArheit ſteckt in dir O Wein!
Wie wil der denn ſcheltbar ſeyn /
Der die Warheit zu ergruͤnden
Sich beym Bacchus viel laͤſt finden?

2.

Wein / der Poeten Pferd.
JHrer viel ſind zwar befliſſen
Sich im Helicon zu wiſſen /
Ob ſie gleich nun ziehn vnd ziehn
Kommen langſam ſie doch hin /
Denn jhr beſtes Pferd iſt heuer
Viel zu ſeltſam vnd zu theuer.

3.

Auff den Bibulum.
BIbulus iſt gar nicht ſtoltz /
Denn er trincket Wein auß Holtz /
Faͤngt in Ziehn ſein klares Waſſer;
Jſt er dannenher ein Praſſer?

4.

Hunger.
HVnger iſt der beſte Koch /
Dieſes mangelt jhm nur noch /
Daß er / wie ſonſt andre Sachen /
Sich nicht ſelbſt kan ſchmaghafft machen.
5. Jung -31Andres Hundert.

5.

Jungfrauſchafft.
JVngfrauſchafft iſt zwar ein Sieg
Wider vnſres Fleiſches Krieg:
Doch ſind viel die fuͤr das ſiegen
Lieber wollen vnten liegen.

6.

Eigen-Lob.
DVppler / nicht ein eintzler Mund /
Gibt der Warheit jhren Grund;
Drum kan der nicht gelten viel /
Der ſich ſelbſt nur loben wil.

7.

Auff Hornutum.
HOrnutus las: Was Gott Job habe weggenommen
Sey duppelt jhm hernach zu Hauſe wieder kummen /
Wie gut / ſprach er / war diß / daß Gott ſein Weib nicht nam /
Auff daß Job jhrer zwey / fuͤr eine / nicht bekam.

8.

Von Jobs Weibe.
WJe kam es / daß / da Job hatt alles eingebuͤſſet
Was jhm ergetzlich war / daß er ſein Weib nicht miſſet?
Es ſteht nicht deutlich da / warumb ſie uͤbrig blieb /
Allein ich ſchlieſſe faſt / er hatte ſie nicht lieb.

9.

Deß Krieges Raubſucht.
ALs Venus wolte Mars in jhre Liebe bringen /
Hat ſie jhn blanck vnd bloß am beſten koͤnnen zwingen;
Denn ſo ſie / wie ſie pflegt / in theurem Schmucke blieben /
Haͤtt er ſie duͤrffen mehr berauben / als belieben.
C iiij10. Him -32Erſtes Tauſend

10.

Himmel-Erbe.
DJe Alten ſind jetzund der Jungen jhre Kinder /
Denn dieſe wiſſen mehr vnd jene wiſſen minder:
Wol gut! weil Gott ſein Reich den Kindern anverſpricht
Erbt jene Welt allein vnd dieſe Welt erbt nicht.

11.

Unchriſtlicher Krieg.
MArs thut nicht was jhm man thut /
Nimmet Gut vnd gibt nicht Gut;
Wer iſt denn / der mich beſcheide /
Ob er Chriſt ſey oder Heyde?

12.

Vorige vnd jetzige Kriege.
WAs taug der alte Krieg? Der neue Krieg iſt beſſer;
Denn jener / war ein Feind der Menſchen; der / der
Schloͤſſer:
Und jener machte leer der Menſchen Leib von Blut /
Da dieſer nur fegt auß / der Kaſten altes Gut.

13.

Offtmals voll / macht endlich toll.
ZVnfft vnd Zechen ſind verwand /
Eines zwiefach nur genant;
Drum wer anhaͤngt allen Zechen /
Jſt auch kuͤhnlich einzurechen
Jn die tolle wilde Zunfft /
Bey das Volck der Vnvernunfft.

14.

Gehenckter Judas.
DEr vnſer Brot gleich braucht / der trit vns doch mit Fuͤſſen /
Wil vns ſo wol nicht im / als an dem Creutze wiſſen:
Allein33Andres Hundert.
Allein es kuͤm̃t dazu / daß endlich ſelbſt ſein Fuß /
Hoch in die Lufft verſtrickt / vom treten feyern muß.

15.

Frey-Leben / Gut-Leben.
WEr andren lebt / lebt recht: Wer jhme lebt / lebt gut:
Weil jener / andren wol; jhm / uͤbel der nicht thut.
Wol dem / dem da zugleich die Freyheit iſt gegeben /
Bald recht / bald gut / wenn / wie / vnd wem er wil / zu leben.

16.

Auff die demuͤtige Pertundam.
D vnter jederman Pertunda fein ſich ſchmuͤgen
Und jetzo da / jetzt dort wil willig vnten liegen /
Das thut ſie dannenher; ſie hat zur Zeit gehoͤrt
Wie Schoͤnheit vm ſo viel durch Demut wird vermehrt.

17.

Auff eben Selbte.
WEr wil Pertunda ſtoltz / hoch-traͤchtig auch wol nennen?
Er gibt genug an Tag / er muß ſie recht nicht kennen:
Heiſt dieſes denn wol ſtoltz? Sie bleibet vnten an
Und duldet uͤber jhr ſo leichtlich jederman.

18.

Auff die liſpelnde Fucutillam.
O Fucutilla, groß vnd ſehr groß iſt der Schaden /
Daß mit ſo ſchwerer Zung iſt dein ſchoͤn Mund beladen;
Denn wenn du ſagen ſolſt / kom̃ zu mir plotz vnd flugs /
So ſprichſt du allemal / kom̃ zu mir potz vnd fugs.

19.

Stadt-Leute vnd Dorff-Leute.
WEr ſind Buͤrger? Nur Verzehrer:
Wer ſind Bauern? Jhr Ernaͤhrer.
Jene / machen Kot auß Brote;
Dieſe machen Brot auß Kote.
C vWie34Erſtes Tauſend
Wie daß dennder Buͤrger Orden
Hoͤher als der Bauern worden?

20.

Welt-Beherꝛſcher.
GGott / Fleiß vnd die Gelegenheit
Beherꝛſchen Menſchen / Welt / vnd Zeit:
Gott / iſt in Noͤthen anzuflehn:
Gelegenheit nicht zu verſehn:
Der Fleiß / muß fort vnd fort geſchehn.

21.

Krieges-Greiphen.
MAn hat dem Plinius nicht gerne wollen glauben
Daß Greiphe ſind / die Gold auß tieffer Erde rauben;
Es zeuget dieſes Mars, der brauchet ſolche Greiphen /
Die alle Welt vm Gold durchwuͤhlen vnd durchſtreiffen.

22.

Frantzoͤſiſcher Brauch.
Daß mit einem Meſſer eſſen viel Frantzoſen / iſt zwar Brauch;
Maͤnner thun es / Weiber thun es / duͤnckt mich aber doch nicht
auch.

23.

Hochzeit-Wuntſch.
SEyd gluͤcklich hier vnd dort / ſeyd ſelig denn gepreiſt
Jhr / die man heute Braut / vnd Braͤutigam euch heiſt /
Seyd Morgen Mann vnd Fraw / ſeyd Eltern uͤbers Jahr /
So habt jhr denn erlangt / was zu erlangen war.

24.

Ein andrer.
THeures Paar / deß Gluͤckes Neid
Muß euch nimmermehr verſehren /
Vnd die Macht der Sterbligkeit
Schade nimmer euren Ehren.
Gebe35Andres Hundert.
Gebe Gott! daß uͤbers Jahr
Jn der Mutter Armen lache
Das / was euch / O edles Paar /
Nach dem Tode lebend mache.

25.

Bittre Liebe.
LJeben iſt ein ſuͤſſes Leiden
Wenns nicht bitter wird durch ſcheiden:
Bittres wil ich dennoch leiden
Daß ich ſuͤſſes nicht darff meiden.

26.

Mittel zum Reichthum.
Wer / wie er werde reich / wil Weis vnd Weg betrachten /
Der lerne Geld vnd Gut bald viel / bald wenig achten.

27.

Hochzeit-Wuntſch.
LJebe / Friede / Segen / Gluͤcke /
Sey euch weil jhr ſelbſten ſeyd;
Biß daß euch empor entzuͤcke
Sterbligkeit zur Ewigkeit.

28.

Nicht alles was ſchwer / dringt vnter ſich.
L ich uͤberreden mich
Schweres Ding dring vnter ſich?
Wie daß denn die Steuer-Laſten
Vber vns noch jmmer raſten?
29. Die36Erſtes Tauſend

29.

Die Steuer.
D mein Buch die theure Gabe
Allen zu gefallen habe
Glaͤub ich nicht / doch wil ich hoffen /
Das / was folgt / ſey gar getroffen;
O es muͤſſe hoͤlliſch Feuer
Freſſen die verfluchte Steuer.

30.

Gewonheit vnd Recht.
Gewonheit vnd Gebrauch / zwingt offt vnd ſehr das Recht;
Hier / iſt der Mann ein Herꝛ deß Weibes; dort / ein Knecht.

31.

Dinſtag vnd Freytag.
ES hat durch vnſer Land ſich alles vmgekehret /
Drum wundert mich der Brauch / daß der ſo lange wehret /
Daß Dinſtags noch vnd nicht man Freytags Hochzeit macht /
Und mehr als goͤldnes frey / das ſchwere dienen macht.
Es gienge zwar noch hin deß Dinſtags Hochzeit haben /
Freytages aber doch bald tod / bald ſeyn begraben.

32.

Tadler.
Wem niemand nicht gefaͤllt / wer alles tadelt allen /
Wer tadelt dieſen nicht / vnd wem kan der gefallen?

33.

Saumſaal.
ANfang hat das Lob vom Ende /
Drum macht der daß man jhn ſchaͤnde /
Der in allen ſeinen Sachen
Nimmer kan kein Ende machen.
34. Traͤg -37Andres Hundert.

34.

Traͤgheit.
DEr kan ohne Krieg vnd Waffen
Seinem Ruhme Ruhe machen /
Der nur wachſam iſt zum ſchlaffen
Schlaͤffrig aber zu dem wachen.

35.

Auff den Oſcum.
WO wer nach Ehre ſtrebt / da pfleget ſie zu fliehen /
Wo wer die Ehre fleucht / da pflegt ſie nachzuziehen:
Es weiß nun Oſcus diß; drum nim̃t er einen Raum
Und fleucht / was er nur kan / in Suͤnden ohne Zaum.

36.

Auff einen Hoͤrner-Traͤger.
Der Lieb iſt nichts zu ſchwer / pflegt Corniger zu ſagen;
Drum iſt jhm auch nicht ſchwer / auß Liebe Hoͤrner tragen.

37.

Vergoͤtterung der Helden.
Es wolln jetzund nicht mehr auß Helden Goͤtter werden;
Das macht / jhr Himmel iſt hienieden auff der Erden.

38.

Fraw / vmbgekehrt / Warf.
DJe erſte Fraw zwar Warf das Joch
Der Suͤnd an vnſren Hals /
Doch ſind jetzt vnſre Frauen noch
Was kluͤger dieſes Falls /
Sie ſetzen manchem Hoͤrner an /
Daß er ſich nicht entſtreiffen kan.
39. Selig -38Erſtes Tauſend

39.

Seligmacher.
CHriſtus / der vns ſelig macht /
Ward fuͤr vns ans Creutz gebracht.
O wie wuͤrden ſich bedencken /
Die manchmal das Selig ſeyn
Suchen nur durch frembde Pein /
Wenn ſie ſelbſten ſolten hencken.

40.

Stat geht fuͤr Land.
BEy der Stat iſt Statligkeit
Bey dem Dorffe Duͤrfftigkeit;
Jſts nun recht wenn gleich die Stat
Statlich auch zu ſteuern hat?

41.

Die goͤldenen Soldaten.
DJe Sonne geht in Gold: So ſprechen vnſre Bauern /
Drum wird bey vns jhr Licht nicht mehr gar lange tauern.
Mars ſtarrt vnd rauſcht fuͤr Gold; jhr Bauren laſt das graͤmen /
Die goͤldne Gleißnerey wil finſtern Abſchied nemen!

42.

Seligmacherey.
Selig machen kan nur einer;
Sonſten hats geternet keiner.

43.

An einen Freund.
WEil du mich Freund / beſchenckſt mit dir
So danck ich billich dir mit mir;
Nim hin deßwegen mich fuͤr dich /
Jch ſey dir du / ſey du mir ich.
44. Geitz -39Andres Hundert.

44.

Geitzhals.
Den Geinhals vnd ein fettes Schwein
Schaut man im Tod erſt nuͤtzlich ſeyn.

45.

Reichthum.
WEr auff uͤbrig Reichthum tracht /
Der wird ſonſten nichts erſtreben
Als / daß er noch bey dem Leben /
Jhme ſelbſt ein taͤglich ſterben
Vnd hernachmals ſeinen Erben
Ein gewuͤntſcht Gelaͤchter macht.

46.

Feyertage.
Wenn Feyertag die Jungen halten
Wolln halten Bete-Tag die Alten.

47.

Auff einen Ehrgeitzigen.
Alle Menſchen guͤnnen dir daß du moͤchteſt Cæſar werden /
Doch mit drey vnd zwantzig Wunden nieder liegend auff der
Erden.

48.

Regiments-Wetter.
WEr nicht glaubt daß Obrigkeiten
Bill ich ſind vnd heiſſen Goͤtter /
Der hab acht bey dieſen Zeiten
Was ſie machen fuͤr ein Wetter.
Frincipes ſunt
Dii, non quidẽ
Altitonantes,
ſed Imitonan -
tes.
49. Fuͤr -40Erſtes Tauſend

49.

Fuͤrſten.
Daß die Fuͤrſten uͤber Menſchen / vnd nach Rechten / Herꝛſcher
ſeyn /
Doch nicht ewig; moͤchten Fuͤrſten jhnen taͤglich bilden ein.

50.

Von meinen Reimen.
Sind meine Reime gleich nicht alle gut vnd richtig /
So ſind die Leſer auch nicht alle gleich vnd tuͤchtig.

51.

Danck / wird bald kranck.
DAnckbarkeit / du teure Tugend /
Alterſt bald in deiner Jugend /
Drum macht deine kurtze Friſt
Daß du jmmer ſeltſam biſt.

52.

Weltliche Hoffnung.
HOffnung iſt ein faules Seil
Bricht in vnverhoffter Eil /
Daß vns Armut bleibt zu theil.

53.

Das Vergangene.
Wer jetzund berathen wil die vergangne Sachen;
Der wird junge Weiber auch auß den Alten machen.

54.

Gute Wercke.
WO gute Wercke ſelig machen
Bringt ſolche Meinung gute Sachen;
Wie kan die Seligkeit doch fehlen
Wo zwene Jeſus ſind zu zehlen.
55. Auff41Andres Hundert.

55.

Auff Kuͤhnmunden.
KUnimundus giebt ſich an
Manche Stunde ſeinen Man
Zu beſtehen. Das iſt viel!
O es iſt bedinget worden /
Daß er weder ſelbſt ermorden
Noch ermordet werden wil.

56.

Freundſchafft mit Gott.
WEnn ein Menſch mit Gott gut ſteht
Der ſteht wol / wenns uͤbel geht /
Denn er kan die hoͤchſten Gaben
Vater / Bruder / Troͤſter haben.

57.

Muͤgliche Unmuͤgligkeit.
ALs Adam wolte Gott vnd ſeinem Weſen gleichen
Ward er ein ſterblich Menſch / vnd muſt auß Eden weichen:
Seither wir haben diß / was Gott kan / kuͤnnen wollen /
Und vnvermuͤglich Ding doch muͤglich machen ſollen;
Seither iſt vnſer Frey in Dienſtbarkeit verkehret /
Die Haut iſt abgeſtreifft / das Marck iſt außgezehret.

58.

Das beſte der Welt.
WEiſtu / was in dieſer Welt
Mir am meiſten wolgefaͤllt?
Daß die Zeit ſich ſelbſt verzehret /
Vnd die Welt nicht ewig wehret.
D59. Ge -42Erſtes Tauſend

59.

Geſegnete Arbeit.
D vnſer Feld jetzt nichts als Dorn vnd Diſteln traͤget /
Drum ſchwitzet vnſer Leib vnd vnſer Hertze ſchlaͤget:
Doch laß ich mich auff Gott; der ſehe was er thut /
Dieweil er dißfalls ſpricht: Wol dir / du haſt es gut! Pſ. 128.

60.

Auff Jungfer Nackt-Lieb.
CUpinuda klaget ſehr
Vber Vater Adams Fall /
Drum / daß niemand uͤberall
Darff jetzund gehn nackend mehr.

61.

Welſchland.
Das Welſche Land heiſt recht ein Paradeis der Welt /
Weil jeder der drein kum̃t ſo leicht in Suͤnden faͤllt.

62.

Juriſt vnd Artzt /
EJn Juriſt darff eines Artztes / der jhm ſein Gehirne ſtaͤrcke /
Daß er recht / was Rothes wolle / vnd was Schwartzes
heiſſe / mercke:
Auch der Artzt darff deß Juriſten / der jhm ſeine Sachen ſchmuͤcket
Ob er etwa hat den Krancken ſam̃t der Kranckheit fortge -
ſchicket.

63.

Auff Bibulum.
Es torckelt Bibulus iſt ſtuͤndlich toll vnd voll;
Der Weg zur Hoͤll iſt breit / er weiß er trifft jhn wol.

64.

Sommer vnd Winter.
Daß jedes Jahr vier Zeiten hat haͤlt man mehr nicht recht;
Der Fruͤhling / iſt deß Winters; der Herbſt / deß Sommers Knecht.
65. Ver -43Andres Hundert.

65.

Vertrauen auff Chriſtum.
WAs fragt ein edler Loͤw nach eines Huͤndleins bellen?
Was fragt ein Fels im Meer nach Winden vnd nach Wel -
Was Juda Loͤw beſchuͤtzt: Was Davids Fels behaͤlt /
(len?
Das iſt vom Teuffel frey vnd ſicher fuͤr der Welt.

66.

Hoffnung vnd Geduld.
HOffnung iſt ein feſter Stab /
Vnd Geduld ein Reiſe-Kleid /
Da man mit durch Welt vnd Grab
Wandert in die Ewigkeit.

67.

Die Stirne.
Die Stirn iſt ſonſt der Thron drauff Ehre ſitzt empor;
Was hat fuͤr Ehre der / der Haare henckt davor.

68.

Hochzeit-Wuntſch.
WErthes Paar / lebt in die wette
Mit deß Gluͤck es beſter Zeit /
Biß daß euch die Ewigkeit
Von der Sterbligkeit errette.
Wann der neunde Monat weicht /
Hebet / eines / an zu zehlen /
Dieſes muß euch nimmer fehlen
Biß die Zahl auff zehne reicht.

69.

Die hinfaͤllige Welt.
JCh bin zwar wol kein Rath auß Gottes Cantzeley /
Doch weiß ich was daſelbſt jetzund im Wercke ſey;
D ijEs44Erſtes Tauſend
Es wird der trancken Welt jhr Leichendienſt beſtellet
Weil ſie jemehr vnd mehr in ſchwere Seuchen faͤllet:
Sie hat ſich offt kaſteit / durch Hunger; vnd purgirt
Durch Peſt; Mars hat jhr auch viel uͤbrig Blut entfuͤhrt:
Noch dennoch iſts vmbſonſt. Drum der ſich jhr vertrauet /
Hat fuͤr ein ſchoͤnes Bild / ein ſtinckend Aas erſchauet.

70.

Die Buͤcher Moiſis vnd Joſuæ.
Wo Moiſes hoͤret auff / faͤngt Joſua bald an:
Genad iſt noͤthig da / wo das Verdienſt nichts kan.

71.

David durch Michal verborgen.
DJe Michal legt ein Bild ins Bett an Davids ſtat /
Und dann zu ſeinem Haupt ein Fell von einer Ziegen:
Wil mancher wie ein Bild im Bette ſtille liegen /
So gibt man jhm gemein ein Fell das Hoͤrner hat.

72.

Der Schrifft-kuͤndige Mars.
WEr ſpricht daß vnſer Mars auff Gottes Buch nicht fraget?
Er hat genaw gemerckt / was Koͤnig Saul dort ſaget:
Wer mir nicht nach zeucht auß / deß Rinder ſoll man ſtuͤcken /
Und alſo hin vnd her durch alle Graͤntzen ſchicken:
Drum iſt nun alles Vieh / verſchickt / zerſtuͤckt / vertrieben /
Daß vns von jhnen kaum der lehre Stall iſt blieben.

73.

Arm auff Erden / Reich im Himmel.
WEr einen Reichen nennt / hat alles diß genennt
Was dieſe Welt fuͤr gut / fuͤr hoch / fuͤr herꝛlich kennt:
Wer einen Armen nennt / der hat von dem geſagt /
Was alle Welt veracht vnd aller Unfall plagt.
Noch dennoch tauſch ich nicht; ein Armer in der Zeit
Jſt fertig reich zu ſeyn dort in der Ewigkeit.
74. Ge -45Andres Hundert.

74.

Geduld.
Leichter traͤget was er traͤget /
Wer Geduld zur Buͤrde leget.

75.

Unbeſonnene Sorgen.
Das Fleiſch kocht langſam gar / wenn Blei liegt in dem Topfe;
Zu nichts iſt der geſchickt / dem Sorge ſteckt im Kopfe.

76.

Erde / durch Verſetzung / Rede.
OB eine Red vns ſchoͤn vnd kuͤnſtlich gleich bedeucht
So iſt ſie doch ein W[i]nd / d[e]r hin zum Winde zeucht:
Wer Erde liebt / liebt das / was endlich Angeſichts /
Wann Gott gebeut / zerſt[e]ubt / vnd wird ein lehres nichts.

77.

Die Welt ward nicht auß Sonnen-Staube / ſondern wird zu Sonnen-Staube.
JCh weiß nicht / ob die Welt kan laͤnger ſtehn vnd halten /
Weil da vnd dort jhr Baw nimt Bruͤche / Riſſe / Spalten?
Gott ſcheidet ſich von vns / wir ſcheiden vns von Gott /
Die Wolfahrt reumt das Land vnd bleibt vns nichts als Not.
Die Tugend fleucht ſeitab / die alten Laſter weichen
Der neuen Teuffeley. Es kuͤnnen ſich nicht gleichen
Der Unterthan vnd Herꝛ / der Herꝛ vnd Unterthan.
Der Man ſucht fremdes Weib / das Weib ſucht fremden Man /
Der Himmel wil nicht mehr der Erde Saamen guͤnnen /
Die Erde wil nicht mehr / wie vor / gebaͤren kuͤnnen;
Das macht / daß man zum theil dem Epicurus glaͤubt
Die Welt werd ehſtes das / was in der Sonne ſtaͤubt.

78.

Gezwungene Soldaten.
Wer ſeufftzend zeucht in Krieg / iſt kein gar gut Soldat;
Was duͤnckt dich nun von dem / den man gezwungen hat.
D iij79. Die46Erſtes Tauſend

79.

Die bußfertige Welt.
DJe neue Welt iſt from vnd froͤmer als die alte;
Sie darff nur acht Gebot die ſie im Leben halte /
Denn / Ehbruch / Diebſtal / bleibt; man Hanet[nur] die Leute
Und macht was vns gefaͤllt / nach Krieges Art / zur Beute.

80.

Gluͤcke vnd Ungluͤcke.
DAs Gluͤck iſt abgetheilt vons Ungeluͤckes Tuͤcke
Durch den Buchſtaben U. vnd den Buchſtaben R.
So / daß man N. vor / vnd U. zu letzte nenne /
So iſt in einem NU Ungluͤcke bey dem Gluͤcke.

81.

Die Hoffaͤrtige oder uͤberſichtige Welt.
Die Welt acht vnſrer nichts / wir achten jhrer viel;
Ein Narꝛliebt den / der jhn nicht wieder lieben wil!

82.

Creutze.
So doͤs iſt ſchwerlich was / es iſt zu etwas gut;
Das Creutze plagt den Leib / vnd beſſert doch den Mut.

83.

Elende.
Man trage mit Geduld den Jammer dieſer Zeit /
Was Jammer erſtlich war / wird endlich Herꝛligkeit.

84.

Das Unrecht der Zeit.
Was frag ich nach der Zeit / wenn der mir nur wil wol
Der alles ſchafft was war / was iſt / was werden ſol.

85.

Schlaf / vmgekehrt / falſch.
Der Schlaf heiſt ruͤcklings falſch; denn er betreugt vns oft /
Gibt Gold im Traume / gibt / wann wir erwachen / Luft.
86. Jch47Andres Hundert.

86.

Jch bin wer ich bin / ſo bin ich deß Luth. Herren.
Begehrt mich Gott nicht reich vnd ſonſt von hohen Gaben /
So ſey ich wie ich bin / er muß mich dennoch haben.

87.

Warheit im Weine.
Sucht Warheit wer im Wein vnd findet ſie im Wein /
Der wundre ſich nicht mehr daß Deutſchen redlich ſeyn.

88.

Reich / durch Verſetzung Cheir.
CHeir heiſt Grichen eine Hand
Stecket in dem Woͤrtlein Reich;
Wer da reich iſt / werde gleich
Einer milden Hand erkant /
Die da gibet vnd nichts nim̃t /
Die verſchenckt / vnd nichts bekuͤm̃t.

89.

Laus vnd Laus.
Was Loh heiſt im Latein / das hat im Deutſchen Fuͤſſe /
Es kitzelt dort vnd juͤckt / hier gibt es ſcharffe Biſſe.

90.

Menſch / durch Verſetzung / ſchmen.
WJl der Menſch ſich ſelbſt befehn /
Wird er leichtlich keinen ſchmen;
Schmeh nicht bald vnd thu gemach
Jeder hat ſein eigne Schmach!
D iiij91. Arm. 48Erſtes Tauſend

91.

Arm. mar.
STreich vom m. ein Strichlein auß /
Dann wird dir ein n. drauß /
Thu das n. fuͤr das a /
Alſo ſteht fuͤr Augen da /
Wie da den die ſchnoͤde Welt /
Welcher arm iſt / hat vnd haͤlt.

92.

Grab / vmgekehrt / barg.
Wol dem / den biß her barg
Ein Grab fuͤr ſo viel arg.

93.

Not / vmgekehrt / ton.
Die Not / die iſt ein Ton davon die Augen rinnen /
Nicht viel ſind wann er klingt / die druͤber lachen kuͤnnen.

94.

Die Welt / ein Lumpen-Haͤndler.
Nicht handle mit der Welt / ſie fuͤhrt verlegne Wahren!
Du wirſt ſonſt wie ſie ſind mit Schad vnd Schand erfahren.

95.

Lieb / verſetzt Blei.
Das Blei dringt vnter ſich / vnd wil nur jmmer ruhn:
Wer dir ſich Lieb / ergibt / kan ſonſten wenig thun.

96.

Der Sonnen vnd deß Menſchen Untergang.
UNtergehn vnd nicht vergehn /
Jſt der Sonnen Eigenſchafft:
Durch deß Schoͤpffers Will vnd Krafft
Stirbt der Menſch zum aufferſtehn.
97. Auff49Andres Hundert.

97.

Auff die Weiber.
Wann fuͤr den Man das Weib ſpricht in der Handelunge /
So iſts / wie wann den Sinn offt uͤbereilt die Zunge.

98.

Gottesdienſt / iſt ohne Zwang.
Wer kan doch durch Gewalt den Sinn zum Glauben zwingen?
Verlaugnen kan zwar Zwang / nicht aber Glauben / bringen.

99.

Eingeborne.
WEr alte Vaͤter ſucht / vnd ſucht ſie alle gar /
Der kuͤmt zu letzt auff den / der Anfangs Erde war:
Wer Gott zum Vater hat / der bleibet wol geadelt /
Denn keiner hat den Stam̃ von Ewigkeit / getadelt.

100.

Adel.
HO her Stam̃ vnd alte Vaͤter /
Machen wol ein groß Geſchrey:
Moiſes aber iſt Verraͤther /
Daß dein Vrſprung Erde ſey.

Deß Erſten Tauſend Drittes Hundert.

50Erſtes Tauſend

1.

Mannes-Bildnuͤß
EJn jedes Ding der Welt hebt an / geht fort / nimt zu /
Es war ſchon eine Zeit / da ich nicht war noch du:
Glaub aber mir gewiß / wann dieſes du wirſt leſen /
Ein Mann iſt mir bekant / der nie kein Kind geweſen.

2.

Von GOtt beſchert Bleibt vnverwehrt.
Der vngeſtuͤm April, laͤſt dennoch Veilcken bluͤhen;
Mir kan / was Gott mir guͤnnt / kein rauhes Gluͤck entziehen.

3.

April vnd Maͤy.
April der zoͤrnt zuvor / eh Maͤy wil wieder lachen:
Zu jener Luſt den Weg / muß dieſe Not vns machen.

4.

An mein Vaͤterlich Gut / ſo ich drey Jahr nicht geſehen.
GLuͤck zu du oͤdes Feld! Gluͤck zu jhr wuͤſten Auen /
Die ich / wann ich euch ſeh / mit Threnen muß betauen
Weil jhr nicht mehr ſeyd jhr; ſo gar hat euren Stand
Der freche Mord-Gott Mars, grundauß herum gewand!
Seyd aber doch gegruͤſt / ſeyd dennoch fuͤrgeſetzet
Dem allem / was die Stat fuͤr ſchoͤn vnd koͤſtlich ſchaͤtzet!
Jhr wart mir lieb / jhr ſeyd / jhr bleibt mir lieb vnd werth /
Jch bin / ob jhr verkehrt / noch dennoch nicht verkehrt.
Jch bin / der ich war vor: Ob jhr ſeyd ſehr vernichtet /
So bleib ich dennoch euch zu voller Gunſt verpflichtet /
So lang ich ich kan ſeyn / wann dann mein ſeyn vergeht /
Kans ſeyn / daß Muſa wo / an meiner Stelle ſteht.
Gehab dich wol / O Stadt! die du in deinen Zinnen
Haſt meinen Leib gehabt / nicht aber meine Sinnen /
Gehab dich wol! mein Leib iſt nun vom Kercker los
Jch darff nun nicht ſeyn mehr / wo mich zu ſeyn verdroß.
Jch51Drittes Hundert.
Jch ha be dich / du mich / du ſuͤſſe Vater-Erde /
Meiu Feuer glaͤntzt nunmehr auff meinem eignen Herde /
Jch geh / ich ſteh / ich ſitz / ich ſchlaf / ich wach vmbſonſt /
Was teuer mir dort war / das hab ich hier auß Gunſt
Deß Herrens der Natur / uͤm habe-Danck zu niſſen
Und uͤm geſunden Schweiß; darff nichts hingegen wiſſen
Von Vortel vnd Betrug / von Hinderliſt vnd Neid /
Und wo man ſonſt ſich durch ſchickt etwan in die Zeit.
Jch eſſ ein ſelig Brot / mit Schweiß zwar eingeteiget /
Doch daß durch Beckers-Kunſt vnd Hefen hoch nicht ſteiget /
Das zwar Geſichte nicht / den Magen aber fuͤllt /
Und dient mehr daß es naͤhrt / als daß es Heller gilt.
Mein trincken iſt nicht falſch / ich darff mir nicht gedencken
Es ſey gebrauen zwier vom Braͤuer vnd vom Schencken.
Mir ſchmeckt der klare Safft / mir ſchmeckt das reine naß /
Das ohne Keller friſch / das gut bleibt ohne Vaß /
Drum nicht die Nymphen erſt mit Ceres duͤrffen kaͤmpffen
Wer Meiſter druͤber ſey / das nichts bedarff zum daͤmpffen /
Weils keinen Schweffel-Rauch / noch ſonſten Einſchlag hat /
Das ohne Geld ſteht feil / das keine frevle That
Hat den jemals gelehrt der dran jhm ließ genuͤgen.
Der Kraͤmer fruchtbar Schwur vnd jhr genißlich luͤgen
Hat nimmer Ernt uͤm mich; der viel-geplagte Lein
Der muß / der kan mir auch / an ſtat der Seiden ſeyn.
Bewegung iſt mein Artzt. Die Kraͤuterreichen Waͤlde
Sind Apothecks genug: Geld / Gold / waͤchſt auch im Felde /
Was mangelt als denn mehr? Wer Gott zum Freunde hat /
Und hat ein eignes Feld / fragt wenig nach der Stat /
Der vortelhafften Stat / da Nahrung zu gewinnen
Faſt jeder muß auff Liſt / auff Tuͤck / auff Raͤncke ſinnen.
Drum hab dich wol O Stat! wenn ich dich habe / Feld
So hab ich Haus vnd Koſt / Kleid / Ruh / Geſundheit / Geld.

5.

Erneuertes Schleſien.
DEr Krieger Art vnd Werck bißher / war rauben / ſtehlen:
Der Staͤter Art vnd Werck / erkauffen vnd verhoͤlen:
Es52Erſtes Tauſend
Es iſt was ſtarck geſagt! es iſt ja gut gemeinet /
Wiewols von auſſen nicht / als wie es ſolte / ſcheinet:
Was new iſt / das iſt gut; drum iſt jhr Sinn geweſen /
Daß man bey allem ſoll das Renovatum leſen.

6.

Bewegliche Guͤter.
Der Landman thut nicht recht / daß er ſo klaͤglich thut
Um ſein entwante Wahr; es war beweglich gut.

7.

Wanderſchafft der Leute vnd der Guͤter.
MAn ſagt / man lieſet viel / wie daß fuͤr langen Jahren
Zu Zeiten ein gantz Volck auß ſeinem Sitz gefahren
Und neues Land geſucht. Hinfuͤro wird man ſagen
Was andres: Wie man ſah bey vns in vielen Tagen /
Vom Land Holtz / Stein / Ziehn / Bley / Gold / Silber / Kupffer /
Eiſen /
Fleiſch / Brot / Tranck / vnd was nicht? Hin in die Staͤte reiſen.

8.

Soldat / durch Verſetzung / als tod.
SOldaten ſind ein Volck / die durch behertzte Thaten
Der Welt vnd jhrem Thun viel dienen vnd viel rathen:
Wann aber ein Soldat der Welt dient wider Gott /
Der bleibt in dem er bleibt / iſt eh er bleibt / als tod.

9.

Stat / durch Verſetzung / Satt.
Die Unruh iſt im Land vnd Ruh iſt in der Stat /
Dann jenes leidet Nbth / vnd ſie iſt meiſtens ſatt.

10.

Steuer / durch Verſetzung / es reut.
ES reut wol trefflich ſehr / was Steuer wird gegeben
Weil fortmehr nichts mehr iſt / als nur das liebe Leben:
Allein53Drittes Hundert.
Allein es darff geſchehn / es reut noch / doch zu ſpat /
Nicht den ſo ſehr der gab / als der genummen hat.

11.

Uberall Krieg.
WEil nunmehr die gantze Welt
Wider ſich zeucht ſelbſt ins Feld /
Kan der Glaub in ſolcher Zeit
Auch nicht bleiben ohne Streit.
Dennoch fuͤhrt er ſo den Krieg /
Daß Geduld behaͤlt den Sieg /
Daß die Hoffnung kriegt die Kron /
Vnd Beſtand den rechten Lohn.

12.

Bloſſe Warheit.
Die Warheit iſt ein Weib das zwar kein Laſter kennt /
Doch / weil ſie nackt vnd bloß / ſo wird ſie ſehr geſchaͤndt.

13.

Die ſchamhafftige Zeit.
SJe ſey ſonſt wie ſie ſey die Zeit
So liebt ſie doch Verſchaͤmligkeit /
Sie kan die Warheit nackt nicht leiden /
Drum iſt ſie emſig / ſie zu kleiden.

14.

Schale / iſt nicht Kern.
WAs auſſen heiſſet Schutz
Das heiſt von innen Nutz:
Diß lehrten vns drey Jahr /
Es ſey gar eigen wahr.
Drum lerne / Landsmann / lern
Ob Schale ſey der Kern?
15. Lob -54Erſtes Tauſend

15.

Lob-Sucht.
DEr uͤm Lobes willen thut
Das was loͤblich iſt vnd gut /
Thut jhm ſelbſten was er thut /
Thut es nicht / dieweil es gut.

16.

Ein ehrliches Leben vnd ſeliger Tod.
Wer ehrlich hat gelebt vnd ſelig iſt geſtorben /
Hat einen Himmel hier vnd einen dort erworben.

17.

Friede / iſt das beſte.
Fuͤr groſſer Herren Mund gehoͤrt das allerbeſte /
Mag leichte wo ſich von ein grober Bauer maͤſte:
Der Fried iſt eine Koſt die koͤſtlich naͤhrt vnd ſpeiſt /
Drum wird gemeiner Mann davon jetzt abgeweiſt.

18.

Ordnung hilfft Haushalten.
ESs gehet dieſem wol / der ſo ſein Haus kan faſſen /
Daß jedes drinnen weiß was thulich / was zu laſſen:
Drum gehts jetzt auch ſo fein; wenn Krieg der Herꝛ aufruͤhrt /
So weiß der Bauer ſchon daß jhn ſein Beutel fuͤhrt.

19.

Vermeſſenheit.
Zum Wercke von dem Wort
Jſt offt ein weiter Ort.

20.

Auff einen Freſſer.
EDo lobt vnd haͤlt fuͤr gut
Wann ein Menſch ſtets etwas thut:
Nichts55Drittes Hundert.
Nichts thut er / doch thut er das
Daß er jſſt / wenn er kaum .

21.

Sparſame Zeit.
Der Mangel dieſer Zeit / hat Sparſamkeit erdacht /
Man tauffet jetzt auch bald / ſo bald man Hochzeit macht.

22.

Die Natur / duldet nichts leeres.
DEr da ſaget: Daß kein leer
Jrgend wo zu finden waͤr;
Der hat nicht geſehn ſo weit
Jn die Beutel vnſrer Zeit.

23.

Koſten-Ordnung.
DJe Satzung nach Gebuͤhr zu Zehren
Kan keinen jetzund mehr beſchweren /
Man hoͤrt daß der nicht viel verthat /
Dem man benim̃t / was er nur hat.

24.

Geſetz vnd Evangelion.
Wenn mich Sinai wil toͤdten /
Hilfft mir Sion auß den Noͤthen.

25.

Hier / durch Verſetzung / heri.
Auß hier kom̃t heri rauß; was koͤſtlich heiſſen mag
Jn dir hier / ſchnoͤde Welt / iſt wie ein geſtrig Tag.

26.

Krieg / zwiſchen hier vnd dort.
HJer vnd dort ſind Bruͤder zwar /
Doch ein gantz verkehrtes Paar.
EHier /56Erſtes Tauſend
Hier / fuͤhrt wieder dort viel Krieg /
Doch behauptet dort / den Sieg.
Jeder muß in dieſen Zug;
Wer dem dort dient der iſt klug;
Dort / belohnt mit lauter Gott /
Hier / bezahlt mit lauter Tod.

27.

Der Hencker vnd die Gicht.
Der Hencker vnd die Gicht verſchaffen gleiche Pein;
Nur er / macht kleine lang; ſie / lange Leute klein.

28.

Soldaten / Mahler vnd Poeten.
TJchtern vnd Mahlern / war weiland leichte geguͤnnet
Ans Licht zu bringen was nur jhr Gehirne gekuͤnnet:
Soldaten ſteht jetzt durch ſich ſelbſt frey
Bald Teuffel / bald Gott / bald Menſch zu ſeyn.

29.

Poetiſche vnd Hiſtoriſche Verwan - delung.
Daß von Verwandlung mehr kein tichten nichts bringt an?
Ach ſind doch derer mehr als jemand tichten kan.

30.

Brieff-Edle.
WO ein gemahlter Brieff vnd außgekauffte Bullen /
Wer Edel noch nicht iſt / erſt Edel machen ſollen /
So kan wol eine Maus deß Adels ſich vermeſſen /
Die einen ſolchen Brieff hat vnverſehns gefreſſen.

31.

Redligkeit.
WEil die Ehr vnd Redligkeit
Weicht vnd fleucht auß vnſrer Zeit /
Weiß57Drittes Hundert.
Weiß ich nicht was drinnen ſehr
Fromer Mann waͤr nuͤtze mehr.

32.

Auff Technicum.
TEchnicus kan alle Sachen
Andre lehren ſelbſten machen;
Reiten kan er / fechten / tantzen /
Bauen kan er Staͤt vnd Schantzen /
Siegen kan er / meſſen / rechen /
Schoͤn vnd zierlich kan er ſprechen /
Stat vnd Land kan er regiren /
Recht vnd Sachen kan er fuͤhren /
Alle Kranckheit kan er daͤmpffen /
Fuͤr die Warheit kan er kaͤmpffen /
Alle Sterne kan er nennen /
Boͤs vnd gutes kan er kennen /
Gold vnd Silber kan er ſuchen /
Braͤuen kan er / backen / kochen /
Pflantzen kan er / ſaͤen / pfluͤgen
Vnd zuletzt: erſchrecklich luͤgen.

33.

Geraubt / iſt erlaubt.
DJe Welt iſt voller Raub. Sie raubet Gott die Ehre
Und gibt ſie jhr nur ſelbſt: Sie raubt ſein Wort vnd Lehre /
Sein Ordnung vnd Befehl / vnd fetzt an deſſen ſtat
Was jhr gevoͤllter Wauſt zur Zeit getraumet hat:
Drauff raubt der Teuffel nun das Gluͤck vnd allen Segen /
Und pflegt hingegen nichts / den Unmut zu erregen /
Er raubet Fried vnd Ruh / er raubt die gute Zelt /
Er raubet Scham vnd Zucht / er raubt die Seligkeit:
Der Menſch beraubt den Menſch an dem / das jhm gegeben
Von Leumut / Ehre / Gut / Geſundheit / Wolfahrt / Leben:
E ijDer58Erſtes Tauſend
Der Ober-Stand raubt hin den letzten Biſſen Brot /
Und laͤſt gemeiner Schaar nichts / als die leere Noth:
Der Unterthan raubt weg Gehorſam / Pflicht / vnd Treue /
Die Furchte fuͤr der Straff vnd fuͤr den Laſtern ſcheue:
Die Liebe die ein Chriſt zum Chriſten billich traͤgt /
Die iſt durchauß entraubt / die iſt ſeitab gelegt.
Was macht dann der Soldat? (das Volck von fremden Sinnen
Daß Menſchen man hinfort nicht mehr wird achten kuͤnnen)
Er haͤtte gar fuͤrlaͤngſt / wenns jhm nur waͤr erlaubt /
Den Himmel vnd Gott ſelbſt gepluͤndert vnd beraubt.
Was Rau ber hat die Welt! doch mag ein jeder glauben /
Daß den / der ſo geraubt / man wieder wird berauben;
Jch wett! ob er jhm ſchon geraubt haͤtt alle Welt /
Daß er davon doch nichts / als Hoͤll vnd Tod behaͤlt.

34.

Der vnartige Sommer. 1637.
KAlte Naͤchte / heiſſe Tage
Giebt Gott dieſes Jahr zur Plage:
Kalter Glaube / heiſſe Suͤnden
Kuͤnnen beſſren Lohn nicht finden.

35.

Taͤglicher Wuntſch.
VOn auſſen guter Fried vnd gute Ruh von innen /
Jn wol-geſundem Leib auch wol-geſunde Sinnen /
Deß Himmels Freude dort / der Erde Segen hier;
Ein mehres weiter nicht / iſt taͤglich mein Begier.

36.

Die Steuer vnd Gottes Wort.
Die Steuer vnd Gotts Wort behalten ewig Stelle;
Das Himmelreich / iſt diß / vnd jenes / iſt die Hoͤlle.
37. Reich -59Drittes Hundert.

37.

Reichthum.
JCh waͤre gerne reich; dann daß ich reich nicht bin /
Drum wil man mich dazu / noch zu der a Straffe
a. Nemlich durch Steuer - execu - tion.
ziehn;
Jch waͤre gerne reich! wer arm mich nicht kan leiden /
Der mag mir tauſend Pfund vnd noch ſo viel be -
ſcheiden;
Jch hab ein Ungriſch Gold nicht Ungern im Beſchluß /
Nicht haben / haben nicht / das bringet mir Verdruß.
Wer Gold nicht geben wil / der mag mir Silber geben /
Das Sil ber nehm ich auch / ich wil gar friedlich leben
Mit dem der dieſes bringt; ein Schelme! der jhn ſchlaͤgt
Ob mir waͤr Jahr vnd Tag / ſolch Ding zu Hauſe traͤgt.
Drum mangelt mir nun nicht die Hand die Reichthum nim̃et /
Mir mangelt nur die Hand von der mir Reichthum kuͤmmet:
Und kuͤm̃ts / ſo iſt es gut: Wo nicht / was ligt mir dran?
Reich iſt wer ehrlich hier / dort ſelig leben kan.

38.

Der beſte Soldat.
Jch halte nicht dafuͤr daß der Soldat ſey gut
Der nicht ein Saͤnger iſt vnd kan das re-ſol-ut.

39.

Hochzeit-Wuntſch.
DAs Gluͤcke / theures Paar / ſey zinsbar eurem Willen /
Und muͤß euch Haus vnd Hof mit Heil vnd Segen fuͤllen;
Mit Segen / der da bleibt / wenn alle Zeit verlaufft /
Mit Segen den man da erſt nennt / wenn man jhn taufft.

40.

Steuer.
WAnn ſo offt an Gott man daͤchte
Als man an die Steuer denckt /
Waͤr vns / glaub ich / laͤngſt zu rechte
Fried vnd Ruh von Gott geſchenckt.
E iij41. Ruͤck -60Erſtes Tauſend

41.

Ruͤckkunfft vom Freunde / Ankunfft zur Freundin.
DA / wo ich jetzund war / da war mir hertzlich wol /
Wol wird mir wieder ſeyn wohin ich kommen ſol:
Gunſt ohne Falſch war hier / dort iſt Lieb ohne Liſt /
Hier ward ich ſehr geehrt / dort werd ich ſchoͤn gekuͤſt.
Beym Freunde war ich jetzt / zur Freundin kum̃ ich nun /
Hier that der Tag mir guts / dort wird die Nacht es thun.

42.

An einen Freund / uͤber geſtrige Bewirthung.
DEr Morgen / treuer Freund / entdecket vnſre Schulden /
Dadurch wir deine ſind / fuͤr ſo viel reiche Holden /
Die vns dein Abend gab. Es bleib vns danckens Krafft
Biß daß der letzte Tag ins letzte Bett vns ſchafft!

43.

Vom Jahr 1638.
Da Von nIchts / Ia fVr DIe Todten
SteVern WVrDen aVßgeboten.

44.

Hochzeit-Wuntſch.
DEr Fried iſt nun gemacht / die Einigkeit verpflichtet /
Die Trew iſt nun verknuͤpfft / die Freundſchafft angerichtet;
Der dieſen Bund geſtifft / erhalte dieſen Bund /
Daß er beſteh zu letzt / wie er von Anfang ſtund!
Die Welt mag / wie ſie wil / ſich kochen oder braten /
Muͤß euch doch alles arg / zu lautrem wol gerathen /
Biß daß jhr kum̃t ins wol / das wol bleibt fuͤr vnd fuͤr /
Und laſt denn hinter euch / was heiſſen kan wie jhr.
45. Ab -61Drittes Hundert.

45.

Abſchied eines Verſtorbenen.
NVn gehabt euch alle wol
Derer Augen Threnen-voll
Hin mir in mein Grab nachſehen!
Weil jhr weint ſo muß ich flehen;
Lieber faſſet wieder Mut
Was euch kraͤnckt / das iſt mir gut!
Lobt den Tod / der mich fuͤr Leiden
Hat zum Frieden abgeſcheiden!
Lobt den Tod / der mir bringt Luſt
Der kein ſchmertzlich Ende koſt!
Lobt den Tod der mich fuͤr Jammer
Schleuſt hinfort in ſichre Kammer!
Lobt den Tod / der mir fuͤr Zeit
Schenckt die Vnvergaͤngligkeit!
Lobt den Tod / durch den gelungen
Daß voll ruͤhmens meine Zungen!
Lobt den Tod ders ſo gemacht
Daß mein Mund nichts thut / als lacht!
Jhr / die ich; jhr / mich die lieben /
Laſſet weinen / ſtillt betruͤben /
Mir iſt wol / das guͤnnet mir;
Gebe Gott / daß nun auch jhr /
Biß jhr kum̃t zu meinen Freuden /
Sicher ſeyd fuͤr Angſt vnd Leiden!

46.

Wunder-Werck der Welt.
MAn ſagt / vnd hat geſagt von groſſen Wunder-Wercken.
Die wol zu mercken ſind / vnd waren wol zu mercken;
E iiijNoch62Erſtes Tauſend
Noch iſt ein groͤßres kaum / als daß ein fromer Mann
Bey dieſer boͤſen Zeit from ſeyn vnd bleiben kan.

47.

Glaube.
EJn Baw von Stahl / von Stein vnd Eichen /
Darff langer Zeit nicht leichtlich weichen:
Ein Baw der auff dem Glauben ſteht
Vergeht / wenn Ewigkeit vergeht.

48.

Auff Blandulam.
BLandula ſchwert gar nicht gerne /
Doch verſchwert ſie Haut vnd Haar /
Wiſſenſchafft ſey von jhr ferne
Wenn ſie eine Jungfer war.

49.

Auff Anniam.
DJeſe muß man mir mit nichten
Als ein alte Magd beruͤchten /
Weil ſie kaum noch dencket dran
Da ein Floh war ſchon jhr Mann.

50.

Ein Kuß.
Der Mund iſt ein Altar; das Opfer iſt das kuͤſſen;
Das Prieſterthum allhier / wil jederman geniſſen.

51.

Schleſien / durch Verſetzung / iſ Schleen.
Jſ Schleen / Schleſien! ſie ziehn zuſammen ſehr;
Was vormals du vermochſt / vermagſtu nun nicht mehr.
52. Teutſch -63Drittes Hundert.

52.

Teutſchland / verſetzt / Scheulandt.
EJn Scheuland biſt du jetzt / O liebes Teutſchland worden
Durch Zorn / Neid / Krieg / Gewalt / durch rauben vnd durch
morden;
Ein jeder ſcheut ſich nun in dich zu bauen ein /
Weil mehr kein Menſch in dir / nur lauter Teuffel ſeyn.

53.

Auff Petulcam.
DEr Keuſchheit Schloß wol zu verwahren
War an Petulca ein begehren;
Sie ſagte: Fleiß wil ich nicht ſparen /
Wann nur nicht ſo viel Schluͤſſel waͤren.

54.

Jungfraw / verſetzt / rif genauw.
Der jetzund Jungfraw rufft / der rif gar ſehr genauw /
Er haͤtte bald gerufft / viel fehlt nicht / Junge-fraw.

55.

Feindlicher Freund.
JCh kan nicht mehr wol Deutſch / vnd muß es frey bekennen /
Dieweil ich ſpreche Feind wenn ich den Freund ſoll nennen;
Der Freund iſt ſelbſten Schuld / weils ſeine That beweiſt /
Und jhn ein huͤndiſch R. als Feind zu achten heiſt.

56.

Feind.
WEr iſt Feind? Der mir nicht guͤnnet
Was mir Gott vnd Gluͤcke ſchenckt /
Der bey Tag vnd Nachte ſinnet /
Wie er Hertz vnd Sinn mir kraͤnckt /
E vDer64Erſtes Tauſend
Der nach meinem Lebentrachtet /
Der nach meiner Wolfahrt ſtrebt;
O wird der fuͤr Feind geachtet /
So iſt Feind wer jmmer lebt.

57.

Deutſche Sprache.
DAs Deutſche Land iſt arm / die Sprache kan es ſagen /
Die jetzt ſo mager iſt / daß jhr man zu muß tragen
Auß Franck reich was ſie darff vnd her vom Tiber-Strom
Wo vor Latein ſtarb auch / mit dir / Un Roͤmiſch Rom /
Zum Theil ſchickts der Iber: Das andre wird genummen /
So gut es wird gezeugt / vnd auff die Welt iſt kummen /
Durch einen Gerne-Klug / der wenn der Geiſt jhn ruͤrt /
Jetzt dieſes Prale-Wort / jetzt jenes rauß gebiert.
Die Muſen wuͤrckten zwar durch kluge Tichter-Sinnen
Das Deutſchland ſolte Deutſch vnd artlich reden kuͤnnen /
Mars aber ſchafft es ab / vnd hat es ſo geſchickt
Daß Deutſchland iſt Blut-arm / drum geht es ſo geflickt.

58.

Parole, verſetzt / O Prale.
O Prale / Landsmann / pral / in fremder Sprache Schmucke /
Du pralſt in fremder Sprach / vnd fremd in deinem Rocke!

59.

Grabſchrifft eines Schneiders.
HJer ligt ein Schneider in der Ruh /
Der manche Loͤcher flickte zu:
Jetzt kan er jhm die Haut nicht flicken /
Die jhm die Wuͤrmer gantz zerſtuͤcken.

60.

Gereiſete.
Die Deutſchen zohen ſtarck in Franckreich / acht zu geben
Auff dieſer Sprache Laut / vnd auff der Leute Leben:
Frantzoſen65Drittes Hundert.
Frantzoſen ziehn jetzt ſtarck / in vnſer Deutſchland auß
Zu rauben vnſer Gut / zu nemen vnſer Haus.

61.

Haus-Weſen.
VJel erdulden / nichts nicht fechten;
Schaden leiden / doch nicht rechten;
Andre voͤllen / ſich entleeren;
Lohnen / doch den Dienſt entberen;
Jmmer geben / nimmer nemen;
Nimmer lachen / jmmer graͤmen;
Herꝛſchen / gleichwol dienen muͤſſen;
Viel verwenden / nichts geniſſen;
Wenig haben / offte geben;
Selbſten fallen / andre heben;
Wann dann Gut / Blut / Marck vnd Kraͤfften
Liegen fuͤr ſo viel Geſchaͤfften /
Wie der alte Hund den Knuͤttel /
Duldenden Rebellen-Tittel;
Dieſes bringt die Wirthſchafft mite
Lobt ſie / lieben Leut / ich bite!

62.

Gott vnd Krieg.
Was nicht iſt / dem rufft Gott zum ſeyn vnd zum beſtehn:
Was iſt / dem rufft der Krieg zum nicht ſeyn / zum vergehn.

63.

Gott fuͤget / wie gnuͤget.
JCh weiß wie jetzt mirs geht / wies aber gehen werde
Weis der / der mich gewuſt / eh Himmel war vnd Erde:
Nach ſeinen geh mein Gang vnd nicht nach meinen Sinnen /
Mir gnuͤget redlich hier / dort ſelig leben kuͤnnen.
64. Jch66Erſtes Tauſend

64.

Jch hoffe was beßres.
Herꝛſcht der Teuffel heut auff Erden?
Wird Gott morgen Meiſter werden.

65.

Wolfeihlkeit.
Wolfeihl Brot bey dieſer Zeit /
Machet theure Seligkeit.

66.

Gottes vnd deß Teuffels Wort.
ES hat Gott durch ſein Wort diß runde Haus gebauet /
Und was man drinnen merckt / vnd was man auſſen ſchauet:
Der Teuffel hat ein Wort / dadurch er Fuͤrſatz hat
Zu tilgen was Gott ſchuff; vnd dieſes heiſt Soldat.

67.

Beute.
FRantzoſen tragen Schuld / daß ſo ſie / wie ſie ſchreiben /
Nicht reden auch dazu ſo / wie ſie Worte treiben /
Gar ſelten ſind geſinnt: O Deutſchland kan es auch!
Sih an das Woͤrtlein Beut vnd ſeinen friſchen Brauch.
Was Feinden wird entwehnt / daß heiſſe / meinſtu / Beute?
Nein / was der Bauer hat vnd was die Edelleute /
Auff Straſſen was man ſtielt / auß Kirchen was man raubt /
Diß hat das Woͤrtlein Beut / an Freund vnd Feind erlaubt.

68.

Cavallier.
Ein Cavallier heiſt jetzt / was weiland hieß ein Held:
Dort macht es Hertz vnd Mut / hier macht es Gunſt vnd Geld.

69.

Ein Rittersmann.
Ein Rittersmann riet vor in Krieg / beruͤhmt zu werden:
Man reitet jetzt in Krieg / dem Namen nach / nach Pferden.
70. Red -67Drittes Hundert.

70.

Redlicher Leute ſchelten / gilt fuͤr loſer Leute loben.
Wann mir ein boͤſer / gut / ein guter / boͤſe wil;
So acht ich gutes nichts / hingegen boͤſes viel.

71.

Deß Diogenis Leuchte.
Diogenes iſt tod; wann dieſer lebte heute
Er leuchtete ſich tod / eh als er fuͤnde Leute.

72.

From ſeyn / iſt ſchwer.
DAs gute thun iſt ſchwer / leicht aber boͤſe leben;
Drum weil die Welt iſt alt vnd kan nicht ſchwer mehr hebẽ /
So pflegt ſie ſich zu dem / was leicht iſt / zu begeben.

73.

Ein jedes Werck fodert einen gantzen Menſchen.
WEr etwas hat zu thun / vnd taͤglich thun wil kuͤnnen /
Muß gaͤntzlich ſeyn dabey mit Leib vnd auch mit Sinnen;
Jm Kriege kan man diß: Man wagt Fleiß / Schweiß / Rath /
That /
Man waget Seel vnd Leib / zu ſtehlen das man hat.

74.

Ehſtand deß Hertzens vnd der Zunge.
DAs Hertz vnd Zung / iſt wie vermaͤhlt /
Die zeugen Kinder vnge zaͤhlt /
Wenn beyde ſie nicht eines ſind /
Wird jedes Wort ein Huren-Kind.
75. Kriegs -68Erſtes Tauſend

75.

Kriegs-Schneider.
SAmſon machte Feyer-Kleider /
Von den Feinden den Philiſtern