PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Poetiſch - und Muſikaliſches Luſtwaͤldchen /
Jn welches erſter Abtheilung abſonder - liche geiſt - und weltliche / wie auch keuſche Ehren - und Liebeslieder / mit beygefuͤgten Me - lodien / nach itziger neuen Ahrt Jn der andern aber / unterſchiedliche gantze Gedichte /Hochzeits - Traur - Gluͤkwuͤnſchungs und Lobſchrifften / Und in der Dritten allerhand kurtze Sinn - Lehr - und Wahlſpruͤche etc. ſo wol geiſt - als weltliche enthalten ſind.
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Gedrukkt zuHamburgbey Michael Pfeiffern / Jn VerlegungJohann Naumanns/ Jm Jahr1652.
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Dem Wohlgebohrnen Herrn Herꝛn Alexander Erskein / Jhr Koͤnigl. Mayſt. zu Schweden wohlbeſtaltem Geheimen und Hoffraht / Kriegs - und Pomeriſchem Eſtatspræſidenten / itziger Zeit zu Einrichtung des Eſtats uñ Loͤb - licher Landesregierung derer Hertzogthuͤmer Bremen und Verden gevolmaͤchtigtem Com - miſſarius etc. Erbherrn auff Trebſees und Vohrland. Meinem groſſen und hohen Goͤnner / maͤch - tigem Beforderer und vielguͤti - gem Patrnen. [Gluͤk / Heyl und Wohlfahrt!]

Hoch -
HOCH und Wolaͤdelge - bohrner Herr / groſſer Goͤnner und maͤchtiger Befoͤrderer.

Wann die alten Weiſen / unſere kluge Vorwelt einen kurtzen Begriff aller Laſter beſchreiben wollen / haben ſie es gethan mit dem ſchaͤndlichen Nahmen der Undankbarkeit / und weiß ich nicht mit was Farben ſie ſolchen abſcheulichen Fehler beſ - ſer hetten abmahlen koͤnnen als mit dieſer Benennung / beobachtet erſtlich GOtt und ſein ſeligmachendes Wort / welches uns außdruͤklich / die Wolthaten mit Dank zu erkennen / gebietet / dadurch entehret und hin - dan geſetzet wird; Nachmals wird einẽ gut - thaͤtigen Menſchen / und treumeinendem Gemuͤhte / die Wolthat einzuziehen / man - chem Freunde ſein redlich geſonnenes Hertz zu verſchlieſſen / und guͤnſtige Befoͤrderung zuverſagen / Urſach gegeben; Drittens ma - chet ſich ein Undankbarer / dem man zuvor alle Liebe erwieſen und gutes gethan / nicht allein ſeinem Wolthaͤter verhaͤſſig / ſondern allen Ehr und Tugendliebenden zu einem abſcheulichen Scheuſall. Vierdtenswer -): (iiijdeden die Gutthaten an ſich ſelbſt / welche ei - nem dankbaren und redlichen Menſchen hetten koͤnnen erwieſen werden / gleichſam wie in den Koht geſchmiſſen / und als ein koſtbarer Wein in einen unſaubern und mit Spinnenweben durchſponnenen Holtz - becher gegoſſen. Kurtz / der Undank iſt eine Quelle / aus welcher viel unzaͤhlige Laſter mit vollem Strudeln herflieſſen. Wann ich denn ſchon vor einer geraumen Zeit in der Fremde mit Freuden vernommen / daß meiner hertzgeliebten Eltern Behauſung / Durch Anweſenheit Jhr Excell. und dero hohes Anſehen beſeliget / und mein lie - ber Vater / deſſen Hand ich nun in zehen Jahren nicht gekuͤſſet / mit vielen Gunſtzei - chendero Leutſeligkeit angeſtrahlet worden / ſo eigne ich mir / vermoͤge unſers Rechtens / welches Vater und Sohn fuͤr eine Perſon haͤlt / alle ſolche erwieſene Gunſten zu / und befinde Jhr Excell. mich davor euſſer - ſtes verbunden. Uber dieſes der Him - mel meine Heimreiſe wieder alles Hoffen ſo gluͤklich geordnet / daß ſie dieſer Ohr - ten durchgefallen / und Jhr Excell. per ſoͤhnliche Gegẽwart angetroffen / habe ich esmirmir vor eine ſonderliche Gluͤkſeligkeit ge - ſchaͤtzet / und alſo / des obberuͤhrten Laſters mich nicht etwan theilhafftig zu machen / ſondern meine ſchuͤldige Dankbarkeit an dẽ Tag zu geben / billiger maſſen auff Mittel un̄ Wege geſonnen. Es giebet mir aber hierzu / Jhr Excell. gunſt geneigtes Gemuͤhte ge - gen die freyen Kuͤnſte / abſonderlich zu der vergoͤtterten Poeſie / und aͤdelen Muſike / welches mich nicht allein der loͤbliche Nach - klang vornehmer Leute verſichert / ſondern auch die Schreiben meines lieben Vaters / die Jhr Excell. auffzuwarten mich ernſt - lich anmahnen / ſatſam vergewiſſern / Ja welches gewogene Mezenatengemuͤhte / ſag ich / ſich zugleich mit den fuͤrtrefflichen Thaten und Weltbekandten Weißheitsuͤ - bungen allbereits von dieſer Sterbligkeit / hinauff an das Firmament geſchwungen / gewuͤnſchten Anlaß / meinem Vater den kindlichen Gehorſam zu leiſten / abſonder - lich aber / und vornemlich / Jhr Excell. mein williges Gemuͤhte und fertige Dienſte an den Tag zu geben / in dem / daß ich dieſes mein gegenwertiges neugepflantztes Luſt - waͤldchen vor Jhre Excell. bringe / und): (vſol -ſolches in ſchuͤldiger Auff wartung fuͤr dero Fuͤſſe lege / und bitte nichts hertzlichers / als daß es von Jhr Excell. meinem maͤchtigen Befoͤrderern / als ein unfehlbares Zeichen meiner wilfertigen Sinnen / nach angebohr - ner Leutſeligkeit auff genommen / und vor al - len neidſuͤchtigen Theonsbruͤdern / welche / gleich wie der ſchwartze Schatten mit dem goldſtrahlendem Sonnenſcheine gebohren wird / ſich auch bey einem nach Ehr und Tu - gend ſtrebendem Gemuͤhte unauſbleiblich finden laſſen / tapfer geſchuͤtzet werde.

Jn welches Erfolgung ich iederzeit / ſo lange mir der guͤnſtige Himmmel das Leben friſten wird / mit dankbarem Hertzen muͤg - lichſt bezeugen werde / daß ich bin

Geben Hamburg den 14. Winter - monatstag des 1651. Jahrs. Jhr Excell. und dero Wohlgebohrnen Hoheit Auſwaͤrtigſter Diener Georg Neumark.

An den Edlen / beruͤhmten und Rechtsge - lehrten Herrn Georg Neumarken / etc. Seinen vielgeehrten und hertzwehrten Freund / Als derſelbe ſein ſchoͤnes Poetiſch und Mu - ſikaliſches Luſtwaͤldchen dem Drukk untergab. Georgius Neumark Verſetzt und mit zugeſetztem H Kom ſag: ei gruͤne Ruh!
JHr aͤdlen Geiſter auf / auff die ihr die Gedanken /
Voll himmliſcher Begier nicht in die engen Schranken
Der ſchnoͤden Eitelkeit euch laſſet ſchlieſſen ein /
Auf / ich beſchwer euch itzt / laͤſt hoͤren was ſoll ſein /
Der Zweg / das rechte Ziehl des vorgeſetzten Lebens
So euch im Sinne liegt? Jch ſuch es nicht vergebens.
Denn hier iſt ſolch ein Sinn der noch im ſuchen iſt /
Und gaͤntzlich euer Ziehl zu ſeinem Zwek erkieſt;
Der ſich dem Tugendzwang in allem untergiebet
Und nichtes auſſer ihr / und ihrer Hoffſtadt liebet;
Ein Geiſt da Feuer iſt / da ſich der Himmel regt /
Der / was ihm wiedrig faͤllt / zu grund und bodẽ ſchlaͤgt.
Mir dencht ich hoͤre ſchon mit gleichen Stimmen ſagen;
Der Berge reiches Mark / das voͤllige Behagen /
Des der nur irrdiſch iſt / wird nicht von Euch erwaͤhlt /
Auch nicht die Herrengunſt / die mancher Menſche zaͤhlt
Bey ſein gantz hoͤchſtes Gluͤk; Wiewol es ſolche Gaben
Die wehrt und theuer ſind / die ſie auch gerne haben.
Die Ehre thut es nicht / darnach ſo mancher ſtrebt
Der lieber ohne Gott als groſſes Anſehn lebt.
Es iſt was beſſers noch das kluge Sinnen lieben /
Um welches ſie vorauß ſich in der Tugend uͤben:
Die Ruhe des Gemuͤhts; Dleß iſt das rechte Ziehl
Worauf ein aͤdler Geiſt ſich endlich legen wil.
): (vjWo
Worauf Er taͤglich denkt uͤm ſolches zuerlangen.
Wie zeitig habt ihr nun / Herr Neumark / angefangen
Recht nach der klugen Ahrt zu ſuchen dieſen Stein /
Der nicht verweltzet wird / der ewig feſt kan ſeyn.
Der Jugend zartes Theil iſt ſchon vorbey geſchlichen
Mit der die Thorheit auch zu weichen ſich verglichen /
Viel Faͤlle bleiben nach die ſtets ein kluger Sinn /
Bedenkt und uͤberlegt biß in das Alter hin.
Der unerſchoͤpffte Fleiß den Kuͤnſten obzuliegen /
Die angewandte Muͤh ließ ſchon die Jahre ſiegen
die minder jaͤhrig ſind. Du dachteſt in die Welt
Und wagteſt es getroſt. Wie manche Noht befaͤllt
Den Fremdling hier und dar / die ihn nicht wenig ſchrekket!
Doch Luſt zur Wiſſenſchafft hat alles uͤberdekket /
Bey dir auch wehrter Freund. Es ſiel zum oͤfftern ein -
Wie kan das wilde Meer doch ohn Gereuſche ſeyn?
Ja auch die Quellen ſelbſt? den Buͤchern ſein ergeben /
War ja von Anbeginn dein Hertz und gantzes Leben.
Ein muhtiger Soldat acht keine Muͤhe nicht /
Noch Noht die ſonſten leicht die ſchwachen Sinnen bricht /
Jmfalt er Sieg und Ruhm und Ruhe wil erlangen.
Du biſt den ſteilen Berg zwar ſchwitzend angegangen
Doch voller Hoffnungstroſt; der gruͤne Helikon
Und der neun Schweſtern Chor hat vielmals deinẽ Thon
Mit groſſer Luft gehoͤrt / nach dem du vorgekommen
Und deinen ſichren Sitz nun unter Sie genommen /
Auf ihren Anbefehl: Hier iſt der Zweg die Ruh
So auf die Unruh koͤmmt. So thu nun dieß darzu
Mein Freund / und ſey bereit die Deinen zu begruͤſſen /
Stekk hier des Reiſens Ziehl / laß deiner ja genieſſen /
Fuͤr allen ſonderlich das liebe Vaterland
Befihl dem Himmel erſt / dein Gluͤk / Beruff und Stand
Mit heiſſer Andachtsgluht; Hernachmals laſſe walten
Die wol befliſſen ſind in Ruh dich zu erhalten /
Gott hat ſchon ſolche Freund dir allbereits erſehn /
Die werden hochgeneigt vor deine Wolfahrt ſtehn.
Der groſſe Wilhelm wird / wie ſonſt pflegt zu bemahlen
Die Sonne Wald und Feld / mit Gnaden dich beſtrahlen -
Und
Und ſchenken Ehr und Ruh / die auch dein ſteter Fleiß
Und unverdroſne Muͤh nach billigem Geheiß /
Der wehrten Tugend ſelbſt mit Fuͤgligkeit verdienet.
Da haſtu deinen Zweg! wann ſolche Ruhe gruͤnet /
Was wird noch uͤbrig ſeyn? Such dir dein ander Du.
Ein Tugendhafftes Weib bringt angenehme Ruh
Durch ihre Freundligkeit und liebliches Beginnen /
So dieſer Stand erheiſcht. Hie ſtillen ſich die Sinnen /
Die hin und her gewankt; Hier iſt der Port am Meer.
Wie wann viel Quellen ſich geſchlaͤngelt hin und her /
Und alle doch zuletzt in einen Fluß ergoſſen;
So koͤmmt auch dieſe Ruh gewuͤnſcht herbey gefloſſen
Mit voller Liebligkeit; Mein Wunſch iſt dashierbey
Dein Hertze ſonder falſch ja wol vergnuͤget ſey.
Jmſall denn deine Luſt und Wohlfahrt ſo wird glaͤntzen /
So Kom und ſage denn: Ei gruͤne Ruh im Lentzen /
Jedoch mein wehrter Freund vergiß des Gruͤnen nicht
So ſeinen Wachsthum haͤgt. Es wil / was noch gebricht
An Luſt und Nutzbarkeit die gruͤne Ruh erſetzen
Es gruͤn ja alles dir bey außerleßnen Schaͤtzen
So Gott und die Natur ertheilet mildiglich
Die neue Muͤh auch dann grun und ergetze dich.
Doch was iſt alles dieß? imfall ich noch bedenke
Und meine Sinnen gantz auf ſolche Wohlfahrt lenke
Die nur der Himmel haͤlt? Wenn ſich des Lebens Ziehl
Nach Unruh Noht und Muͤb mit| Ruhe ſchlieſſen wil.
Das iſt ein groſſes Gut! mit ſuͤſſem Jubiliren
Wird Gottes Lamm uns dort zum Lebensbrunnen fuͤhren.
O Ruh O ſuͤſſe Ruh die ewig gruͤnend iſt
Der du als Gottes Kind mein Reumark faͤhig biſt.
Dahin iſt angeſehn dein Tichten ſchoͤner Lieder
Die Gottes Geiſt erwekkt und dadurch hin und wieder
Viel fromme Seelen regt / und mancher ſchoͤhne Satz
Jn deiner Poeſie die als ein aͤdler Schatz
Sehr wehrt gehalten wird bey Tugendhafften Sinnen.
Fahr fort du aͤdler Geiſt ein mehrers zu beginnen
Parnaſſus lache dir mit voller Liebe zu
Sich nicht de Tadler an / Kom ſagiet gruͤne Ruh!
): (vijVer -
Verbleibe ſtets bereit der Redligkeit zu dienen /
Laß unſre Freundespflicht nicht ruhen ſondern gruͤnen /
So lang als dieſe Welt / Graß / Laub und Blumë traͤgt /
So lang das blaue Dach des Himmels Sternen hegt.
Epigramma votivum de Nomine Neu-Mark.
OPto NOVUM mundiꝙ FORUM; patriæꝙ ME - DULLA
Tu NOV A ſis, Themidos cultor & Aonidum.
Ut, NEOMARCE, NOVI eſt MARCI generoſa leo -
Mens tua, quam Genius ſpirat & ingeniū.
(nis
WOl ſey ein Neuer Markt bey Voͤlkern Recht zu uͤben /
Auch Neues Mark in Ruh das Vaterland zu Ueben.
Wie du nach aͤdler Ahrt ein neuer Marcus-Leu
Schon hin un̄ her beruͤhmt durch Schrifft und Hertzens - treu.

Michel Weiß / Prediger zu S. Katharin in Dantzig.

An den Suͤßklingenden und fuͤrtrefflichen Dichter Herrn Georg Neu - mark / der Rechte Gewuͤrdigten / Seinen ſonders geehrten und ſehr wehrten lieben Herrn und ver - trauten Freund / Als derſelbe ſein Poetiſches Luſtwaͤldchen in unſerm Teutſchen Vaterlande gar anmuhtig ließ gruͤnen und bluͤhen. Sonnet.
DU friſcher Muſenheld / dem Pallaß hat gegeben
Von Jhrer theuͤren Wahr ein nicht geringes Theil /
Daß dein geſchikter Geiſt traͤgt alle Stunden feil /
Wer wird dein wuͤrdigs Lob zur Gnuͤge doch erheben?
Drei
Drei Weiber machen Dich durch alle Welt ſchier leben /
*
* Die Fryne / mein Jch / und der Sofoniſ ben Pfeil
Als auch Kleopatre / die manches Hertz in eil
Erbaͤrmlich angeſtekt. Sie machen uͤberſtreben
Dich Neuͤmark / dieſer Welt / Neid / Liſt / ja gahr den Tod.
Den̄ Kunſt entfreiet Dich und mich auß mancher Noht.
Nun haſt du dieſen Wald gepflantzet und gezieret
Mit Liedern / die voll Luſt und keuſcher Liebe Brunſt /
O Singer und Poet / wir ruͤhmen deine Kunſt /
Ja wehrtes Muſenkind / daß heiſſet wol ſtudieret!
*Welcher dreyer Weibesperſonen merkens wuͤrdige Geſchichte unſer Herr Neuͤmark nicht weniger liblich als nuͤtzlich hat verhoch teutſchet und mit ſchoͤnen Erklaͤ - rungen außgezieret.
*

Aus Liebe zu ſeinem Herrn Neuͤmark und deſſen fuͤrtrefflicher Wiſſen - ſchafft / in der Singe - und Dichter - kunſt ſetzte dieſes zwar eiltgſt / a - ber hertzwolmeinentlich Der Ruͤſtige.

Ad CL. Domini NEUMARCI Sylvas Poeticas.
ET tua bis tandem donare Poemata luci?
Conſilium certê laudo proboꝙ tuum.
Qui premit hæc, quæ ferre queunt mortalib 9 uſū,
Quid commune mihi promvbet ille Bonum?
Tu Sapis, atꝙ Tibi bicturum ſpondeo nomen,
Qui bonus ipſe, cupis pluribus eſſe bono.

Feſtin, Calamo deproperabat ANDREAS TSCHERNINGIUS, Profeſſor oſtoch.

Ad
Ad Elegantisſimum & præclariſſ. Dn. GEORGIUM NEUMARCUM, Nemus poeticûm adornan - tem.
ECce nobis urget numeris Neumarcius Orpheus
Theutonicæ turbæ pectora, ſaxa, feras.
Scilicet alternis permiſto carmine plectris,
Pieridum ceugens ingenioſa ſolet.
Ergò Threiciæ laudis prœconia tolle
Ac inter ſidus ſidera conde nobum.

M. AD AM OLEARIUS.

DEn Waͤldern nim̄t der Herbſt und Winter alle Zier:
Dein Luſt-Wald gruͤnt und bluͤht / Mein Neu -
mark / fuͤr und fuͤr.
Die Voͤgel haben laͤngſt ſchon auffgehoͤrt zu ſingen:
Dein ſuͤſſes Spiel kan ſtets durch Hertz und Ohren drin -
gen.
Was kan nicht kluge Kunſt? Was thut nicht ernſter
Fleiß /
Der die Natur auch ſelbſt zu uͤberwinden weiß?
Dieſes hinterließ in Hamburg ſeinem
wehrten Freunde

Johann Peter Titz.

Ad Politiſſ. & Eruditiſſ. DN. GEORGIUM Neu-Mark.
HElladis & Latii cunctis adaperta pateſcunt
Jam FORA, Jam proprium Teutonis ora
FORUM
Elo -
Elocat. Hoc omni Tu ſedulitate polire,
Et merces illi conciliare cupis,
Quas non auriferis qui defluit Hermus arenis,
Non æquat lutei nobilis unda Tagi.
GERMANAS per TE fac ſic augeſcere inerces,
Ut Patriæ eſſe NOVUM Tu celebrêre FORUM.
ALIUD.
EXſuxit Patrias Bellum furiale MEDULLAS,
Cum premeret Geticus Teutonis arba Pater:
Defluxêre ſui crepit antes corporis artus,
Et maciem membris nex properata dedit.
Sed benè, quod Clariam Phæbus reparare M E -
DULLAM
Nititur, atꝙ animam reddere perpetuam.
Ille jubet, pares Tu felix Optio. Fias (Tu æ.
Ut NOV A ſic Patriæ, & denſa MEDULLA.

Gratulationi, Amicitiæ, & benibolo ad plura incitamente dab. hæc exilia C. Thamnitius, Thorunien - ſis, Gymnasl Patrii Pro - feſſor & Viſitator.

An ſeinen hochgeehrten Herrn Schwager Georg Neumark / als derſelbe ſeinen hochgeprieſnen Luſtwald her - aus gab.
WEſſen iſt der ſuͤſſe Tohn?
Weſſen ſind die ſchoͤne Lieder?
Lebet
Lebet unſer Opitz wieder?
Jſt es nicht Euagers Sohn?
Nein. Es iſt die Zier der Zeit /
Unſer Neumark / der durch Tichten
Jhm weiß kuͤnſtlich zuzurichten
Einen Krantz der Ewigkeit.
Du der Tichter Preiß und Licht /
Billich wirſt du hoch geſchaͤtzet:
Dein gelehrtes Spiel ergoͤtzet.
Wo die Seeten / wie man ſpricht /
Fahren auß und wieder ein
Wird in deine Leibeshoͤle
Orpheus und des Opitz Seele /
Warlich eingezogen ſeyn.

Diß weinige nur konte Seinem hochgeehr - ten Herrn Schwager reißfertig abſingen Sigiſmund Schellhammer / Hamb.

In deliciarum Poeticarum Sylbam â Doctis - ſimo ac ingenioſisſimo Dn. GEORGIO NEUMARCO, Conlcriptam.
SUabe birent Uario turgentes robore ſaltus
Magnaꝙ ſub birdigratia fronde latet.
Hic cæcos umbræ bulius, ibi lumina florum,
Miramur terræ luxuriantis opes.
Aſt mox in banos abeunt hæc gaudia fumos,
Deliciasꝙ iſt as improba tollit byems.
(nus,
Sed quod docte, Nemus condis, Neumarce nec an -
Necfera tempeſtas, nec grabis imber edet.
Non etenim fluxi metuunt ludibria fati,
Docta piæ Vatum Carmina mentis opus.
Scili -
Scilicet æternum tua florida ſcripta manebunt,
Fulgebuntꝙ NOVI ceu nova gemma FORI.
Pergas, noſter Amor, tales exponere merces,
Et Patriæ ſplendor dotibus eſſe tu is.
Hæc quot Sylva comas, quot verſus quotꝙ lepores
Et quot verba tenet, tot tibi fauſta precor.
l. mꝙ facieb.

Ægidius Gutbirius, SS. Th. & Lingv. Orìent. Cult.

An ſeinen Neumark.
SO reiſſeſtu dich ab von dieſer eitlen Erden /
DuO mein andres Hertz du teutſcher Neumark du?
Uñ ſchwingeſt dich mit Macht nach dem Gewoͤlke zu?
Soll dein beruͤhmter Nahm? auch noch unſterblich werden?
Recht ſo du aͤdler Geiſt! ſetz immer friſch hinan
Die Tugend und die Kunſt die weiſen der die Bahn
Zur Unvergaͤnglichkeit. Fahr mit den wakkren Pferden /
Der unverdroſnen Muͤh / und ſchwing dich allgenach.
Der blaue Neid ſtehe dir mit ſcheelen Augen nach.

Dieſes wenige ſetzte eiligſt auf / und uͤber - fendete es von Thoren mit abgehen - der Poſt ſeinem andern Hertzen Joh. Sebaſtian Jacobi / beider Rechten Befliſſener.

Auf Herrn Georg Neumarks meines hoch - geehrten Freundes Poet; Luſtwaͤld - lein.
1.
WAs ſchallt aus dieſem Wald? Jch horche / daß ich hoͤre?
E. Ehre.
Was mehr? ich mag ſehr gern von neuen Dingen wiſſen?
E. Wiſſen.
Mich
Mich duͤnkt / ich hoͤr hierbei ein reingemeintes Kuͤſſen /
E. Kuͤſſen.
Wie? ſchallet es nicht auch von einer feinen Lehre.
E. Lehre.
So handelt dieſer Wald / und ſchallet wie ich hoͤre /
Von Ehre gegen Gott / von Lieb und Wiſſen - ſchafft
Und lehrt der Sitten Zier. Orpheus war der Krafft
Den Wald an ſich zu ziehn. Seht / wie es ſich verkehre /
Nu ziehet ihn der Wald / den unſer Neumark pflantzet /
Wo ſelbſt der Delius mit ſeinen Muſen dantzet.
2.
Jch ſag es ins Geſicht und ſag es hinderwerts /
Herr Neumark ſchreibet rein / und hat ein reines Hertz.
So viel als ich das Deutſch? und reines Hertz mag kennen
So kan ich ihn wol Rein von Sprach und Hertzen nennen.

Aus reinem deutſchen Hertzen geſchrieben von Georg Greflinger-Seladon von Regenſpurg / Cæſ. Not. in Hamburg.

GLuͤk zu Aſtreen Sohn! Du Außbund kluger Tichter /
Du ſchwingſt dich von der Nacht hin an die groſſen Lich -
Die voller Flam̃en ſind: Der aͤdlen Rechte Fleiß / (ter /
Und was dein reiner Sinn von reinen Verſen weiß /
Du reiner Neumark du / das bringt dich an die Sternk.
Man kan zwar die Muſik und Poeſie erlernen /
Jn welchen beyden du ein guter Meiſter biſt /
Wann man das noͤhtigſte darbey nur nicht vergiſt /
Als du mit Ruhm gethan. Jtzt ſchaffen deine Waͤlder /
Da ſchohn der Herbſt beraubt die ſchammerirten Felder /
uns einen Sommer her; wann du ſie ſelber ſingſt /
Und die Violdegam in ſanffter Stimmung zwingſt
Zu reiner Harmonie / ſo fallen unſre Lieder
Als wuͤrden ſie geſcheucht / in ihrem Nebel nieder /
Bald
Bald ſind wir lebendig / todt / freudig / bald betruͤbt /
Wo deiner Seitenklang den Liedern Seele giebt.
Sie ſind / wie meine / nicht geſetzt vor Eſets Ohren.
Bald wird ein geiſtliches bald weltliches gebohren;
Ein Klaͤffer der ſie uns vor grob und bauriſch helt /
Der weiß nicht daß er hat ein Urtheil ſelbſt gefaͤllt
Von ſeinem Unverſtand. Es brauchen die Poeten
An ſtatt der Orgel wol zuweilen Schaͤferfloͤten /
Der Geiſt iſt iedesmahl zu iedem nicht geſchikt.
Dir hats in geiſtlichen und weltlichen gegluͤkt /
Herr Neumark / fahre fort! Du giebſt dir ſelbſt die Sporen /
Druͤm hat Apollo dich und Orpheus außerkohren;
Die Sternenvolle Burg weiſt dir ein groͤßres Pfand /
Gluͤk zu! Sie ſchlaͤgt dir noch den Doctor in die Hand.

Von treuer / deutſcher / aufrichtiger Hand ſeinem treuen deutſchen aufrichtigen Herrn Neu - mark ſatzte dieſes eiligſt in Hamburg Paul Tſcherning von Buntzlau aus Schleſien der H. Schrifft beflieſſener.

A montres-honore & tres-reſpectè Amy GEORGE NEUMARK.
AMateurs curieux des Vers & de Muſique,
approchez vous d icy á la Foreſt publique,
Que NEVMARK a plantè pour recreation,
& en paſſant le temps pour contemplation
de ceux, qui ayment bien Chanſſons & Harmonie,
La Poëſie parfaict, en belle Melodie,
Chanſſons ſpirituels & plein d Enſeignement
Compoſées & cueillis, bien & parfaictement.
Divine Poëſie que tu es agreable!
Au mondeil n y a rien dutou: deton ſemblable.
NEVMARK tu as appris de VIRGILE tes vers,
Et d ORPHE la Muſiqu en ce Rond univerſ.

Jan VVagener, amateut de la langue, fran. ſoiſe.

An ſeinen redlichen Neumark
WJe kan der Freundſchafft Pflicht die Seelen doch ver -
binden!
Jch ſuch? offt hie und da / und weis nicht was ich thu;
Mein Neumark ſchikke miꝛ doch / was du ſchreibeſt / zu /
Ob ich dich irgend kan in deinen Waͤldern finden /
Seh ich die Reinigkeit und deiner Schrifften Ziehr /
So ſeh ich als mir duͤnkt / dein reines Hertz bey mir.

Dieſe in Eyl aufgeſetzte Verſe / uͤber - ſendet von Stolp aus Pom - mern St: Saß.

Nohtwendige Vorrede An den Teutſchen Poeterey - und Muſikliebenden Leſer.

Hter wirſtu guͤnſtiger Leſer / daß in meiner verhochteutſch - ten Kleopatren verſprochene Luſtwaͤldchen / in welches ich eine ziem liche Zahl meiner poetiſchen Gedankẽ / vnd Ubungen theils geiſt-theils weltlich einverleibet / zu empfangen haben. Sofern ich nun ſehen werde / daß dir ſolches belieben wird / und du, bey abgemuͤſſigter Zeit mit deinem guͤnſtigen Gemuͤhte / darinnen heruͤm zu ſpatzieren / es wuͤrdigen wirſt / wirſtu mich ein mehrers / und zwar Sa - chen die etwas wichtiger und mit ſteiſſiger Muͤhe ausgear - beitet / heraus zugeben / heimlich veranlaſſen. Dieſes ab habe ich dich / teutſcher Poeterey Liebenden / nohtwendig zu erinnern / daß / wo du etwan meine Proſodie oder Poe - tiſche Tafeln geſehen / und in gegenwertigem Luſt - waͤldchen etwa eine Anaſtrofe oder Redeverſe - tzung / welcher doch ſehr wenig / und muͤgligſt vermieden / ſinden wirſt / du mich nicht beſchuͤldigen wolleſt / als Einen der andern Geſetze vorſchreibet / und doch ſelbſt nicht be - obachtet / ſondern wiſſen / daß ich etliche Gedichte vor zwey /drey /drey / vier auch wol mehr Jahren aufgeſetzet / da ich mit viel andern / derer eine groſſe Zahl heutiges Tages / der Edelen / und Kunſtreinen Poeſie zum ſchimpflichen Nachtheil / heruͤm ſchwermen (wie man denn bißweilen auf Hochzeiten und Be - graͤbnuͤßen ſatſam ſiehet) in den Tag hinein geſchrieben / und wenig Kunſtregeln oder Grammatikaliſche Lehrſaͤtze in acht genommen / (wie ich Sie dann auch zum theile nicht gewuſt.) Weßwegen ich dich bitte / du wolleſt dich daran nicht ſtoſ - ſen oder Mich zur Entſchuͤldigung anziehen / ſondern / im - fall dir meine poetiſche Tafeln / in welchen die gantze Wiſſen - ſchafft kurtz begriffen / noch zur Zeit unbekandt / oder dieſel - be gering ſchaͤtzeſt / dich |an anderer ſinnreichen Leute Proſo - dien halten. Zum zweiten / wenn du ſindeſt ein einſylbich - tes Gebietswort (imperativ. ) als zum Exempel Trag dein[L]eiden / etc. ſo denke nicht daß ich die Apoſtrofe vergeſſen /[u]nd alſo bas Wort zerſtuͤmpelt / ſondern ſey berichtet daß al -[l]e Gebietswoͤrter (imperat:) von Natur ohne / angehaͤngtes / e muͤſſen geſetzt werden / und ſo das e dabey ſtehet / als: tra - ge geſchicht ſolches Krafft der Paragoge oder En - dungs zuſatzes / da es wegen deß Verſes / bißweilen zierlich angefuͤget wird Hiervon beſiehe HErr Schottels Sprachuͤbung. Drittens / wenn du ſieheft das Woͤrtchen Mang ſo miß mir nicht bey / wie es von etlichen geſchehen / als wenn ichs verſehen / und ein Niederteutſches Wort unter das Hochteutſch gemenget. Jch habe es mit Fleiß gethan. Es iſt dieſes woͤrtchen Mang das rechte Stamm - und Wurtzeiwort von wel - chem hergewachſen: vermengen einmengen ge - menget / gemangkorn / etc. Haͤlt man nun die ab - geſtammeten Woͤrter vor gut Hochteutſch / waruͤm ſoll deñ das Wurtzetwort ſein Buͤrgerrecht / wie einsmals ein ſtat - licher und in teutſcher Sprache kunſt erfahrner Mann ſaget / bey uns Hochteutſchen ſo gahr verlohren ha - ben? Solches Woͤrtchen weitleufftiger zu ſchuͤtzen / iſt mein Abſehn nicht doͤrfte aber anderwerts / von derglei - chen ſtreiligen Woͤrtern mehr / welgeſchehen. Zum vierd - ten ſey der Muſikliebende berichtet / daß faſt die meiſten Lie - der / auf eine Violdegam̃ / und zwar / in umerſchiedlichen ver - ſtimmungen / wie deñ ein Probſtuͤkchen / in meiner Fryne Bozene zufinden / geſetzet ſind / hette auch gerne geſehen / uͤm die vollkommene Ahnmuht zuvernehmen / daß alle Ta - bulaturen hetten koͤnnen beygedrukkt werden / in Man - gelung aber der Zeit / ſonderlich eines Form - oder Holtzſchnei - ders / hat es verbleiben muͤſſen. Kan aber wol geſchehen / daß ich dir / Violdegammen Liebhaber / mit ehiſtem / in einem abſonderlichem Buͤchelchen alle zugehoͤrige / und andere meh: Tabulaturen / entwe der in kupfer oder Holtzſchnitt vor Au - gen ſtelle. Sofern aber die bloßen Melodeyen ſollen von Liebhabern gehoͤret werden / muß ein gut Fundament / bey der Grundſtimme ſein / ein guter Singer den. Text fein deut - lich unterlegen / und die Violin / wo ſie dabey ſtehet / ohne Ko - loraturen darzu geſtrichen werden. Zum fuͤnften ſey freund - lich gebeten / wenn dir etliche drukfehler vor kommen / ſolche nach deinem reiffen Verſtande ſelbſt zu corrigiren / und mir die Schuld nicht beyzumeſſen / beobachtet mich eine noht - wendige Reiſe von der helffte der Correctur abgezogen / uñ mein guter Freund / dem ich Sie in deſſen bittlich anbefohlẽ / auch mit viel Geſchaͤfften belegt geweſen / daß alſo leichtlich etliche Fehler ſtehen blieben. Was aber vor andern noht - wendig muß corrigirt ſein / iſt dieſes: an der 47 Blatſeite im 6 Vers ſtehet geſchehen ſoll heiſſen ergangen. an 165. bl. im 28. v. Alzeſien fuͤr Alzeſten. am 186 bl. im 16 v. Sextin fuͤr Sertin. am 199 bl. im 10 v: Trojan fuͤr Trajan. am 209 bl. im 3v: kom̃ / ach komm fuͤr komm / ach komm auch. am 217 bl. im 3 Sinnſpruch: ſchweig nur albꝛeꝛ Menſch fuͤr ſchweig nur du albrer Menſch am 226 ſollen die zwen erſte Verſe im andern Sinnſpruch: Neulich etc. weiblich ſein. Dieſes iſt es / was ich kuͤrtzlich erinnern wollen. Bitte dieſes mein Luſtwaͤldchen ſo anzunehmẽ / wie ich dir es uͤberreiche / verſpreche dir ins Kuͤnfftige / alle meine poetiſch-verhoch - teutſchte Geſchichte in einem Buche mit Kupfern ausge - ziehret / heraus zugeben / Jmfall ſich ein guter Verleger ſindẽ moͤchte / und andere ergetz - und nuͤtzliche Sachen mehr. Gehab dich wohl.

[1]

G. Neumarks Poetiſch - und Muſikaliſches Luſtwaͤldchens erſte Abtheilung. Jn welcher enthalten abſonder - liche geiſt - und weltliche / wie auch keuſche Ehren - und Liebes - Lieder.

2Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

I.

Abſagung der eitlen Welt / und Ergebung GOttes. B. E.

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3Waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme

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1.
JCh habe Mich mein Gott mit Mir beſprochen /
Daß Jch der Welt ihr Gut-ſein oder Pochen
Jns kuͤnfftige / Dich liebend / fromm und ſtill /
Nicht achten wil.
A ijWeg4Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Weg ſchnoͤde Welt mit allen deinen Dingen /
Wodurch Du offt den Menſchen pflegſt zu bringen
Jn großes Leid / ja offtmals in den Tod
Und Seelennoht.
3.
Mein ſag / was ſind doch alle deine Guͤter?
Nichts anders ja als Netze der Gemuͤhter;
Was iſt dein Geld / dein Gold und Heuſer auch?
Nur Wind und Rauch.
4.
So bald der Zorn deß HErꝛn daruͤber wehet
Wo bleibt es denn? So bald ein Krieg entſtehet /
So bald ein Feur daßelbe nur erhaſcht /
So iſts veraſcht.
5.
War Hiob nicht ein Mann von vielen Geldern?
Von großere Gut und reichbegabten Feldern?
Jhm war kein Menſch / und war Er noch ſo reich /
An Guͤtern gleich.
6.
Jn einem Huj verderben ſeine Kinder /
Es gehet weg ſein Haub / Hof / Vieh / und Rinder /
Er wird gar bald / eh Er es daͤnken kan /
Ein armer Mann.
7.
Der Dioniß ſaß in den hoͤchſten Ehren
Zu Syrakuß / und muſte Kinder lehren /
Dort zu Korinth / hernach aus großer Noht
Ums liebe Brodt.
8.
Du Prahler hoͤr / was hilfft dich doch dein Stutzen?
Was hilfft Dich doch dein Gottvergeſnes Putzen?
Du tritſt herein / und daͤnkeſt nicht einmal
An jene Quahl.
Du5Waͤldchens erſte Abtheilung.
9.
Du lebeſt wol. Was aber daͤnkt in deſſen
Dein arme Seel? als welcher Du vergeſſen /
Du eitler Menſch? Sie klagt ihr Ungemach
Mit Weh und Ach.
10.
Sie iſt bemuͤht Dein boͤſes Thun zu ſtillen /
Sie haͤlt Dir vor deß frommen Gottes Willen /
Dir aber iſts und deiner frechen Rott
Ein lautrer Spott.
11.
Sie klagt Dich an mit bittren heißen Zaͤhren /
Sie aͤchtzt und ſeuftzt / und wil ſich gern erwehren /
Zugleich mit Dir zugehn in jenes Leid /
Der Ewigkeit.
12.
Bedenke Menſch / was ſind doch Herrenguͤnſte?
Ja anders nichts / als Rauch und leere Duͤnſte /
So dieſen gleich / ſo bald Sie faſt entſtehn /
Auch bald vergehn.
13.
Stundt Haman dort nicht auf der Ehrenſpitzen?
Muſt Er nicht ſtets bey Ahaſverus ſitzen?
Wie gieng es ihm? Eh es ein Menſche daͤnkt
Wird Er erhenkt.
14.
Wer war doch wol dem großen Griechen lieber
Als Klitus du? An Gunſt war keiner druͤber.
Dennoch hat Er / nach dem Er ſich ergretzt /
Dich hingemetzt.
15.
Weg Wolluſt / weg mit deinen leichten Sinnen!
Weg Uppigkeit mit deinem Schandbeginn en!
Wie mancher Menſch iſt doch von Dir betruͤbt /
Der Dich beliebt.
A iijJſt6Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
16.
Jſt Faon nicht in geiler Luſt geſtorben?
Was hat doch ſonſt dich Tigellin verdorben /
Als Praſſerey / und dein beliebter Wuſt /
Die Liebesluſt.
17.
Die Schoͤnheit iſt ein Lokkaaſ vieler Suͤnden /
Ein Ungluͤksſee den man kaum kan ergruͤnden.
Wie manches Leid / wenn man es recht erwegt /
Hat Sie erregt.
18.
Wie manches Leid hat Sie doch angerichtet?
Wie mancher Menſch iſt doch durch ſie vernichtet?
Die Schonheit hat ſo manches Land verheert /
Und gantz zerſtoͤhrt.
19.
Wenn Bathſeba mit ihren zarten Wangen
Und Leibesziehr den David nicht gefangen /
So hett Er nicht faſt Gottes Gunſt verſchertzt /
Welchs Jhn geſchmertzt.
20.
Wenn jener Held Antonius die Sinnen
Nicht gantz gericht zur ſchoͤnen Aegyptinnen /
So hett Er ihm ſein Leben nicht verkuͤrtzt /
Und ſich geſtuͤrtzt.
21.
Daß Briechenland zehn Jahre lang bekrieget /
Daß Troja dort ſo gantz veroͤdet lieget /
War nur allein Helene Schuld daran /
Die hats gethan.
22.
Kurtz / was der Menſch vor Hoch und Treflich ſchaͤtzet /
Womit Er ſich nach Hertzensluſt ergetzet /
Jſt alles doch in dieſer Lebenszeit /
Nur Eitelkeit.
Was7waͤldchens erſte Abtheilung.
23.
Was hilfft es Jhn wenn Er einmal geſtorben /
Jmfall ſein Leib durch einen Tod verdorben /
Der Madenſakk? Es wird ein Grab und Stein
Sein Reichthum ſeyn.
24.
Hat Er | ſich denn in Tugend nicht geuͤbet /
Und Gottes Wort von Hertzen hochbeliebet /
Ach Weh! Ach Weh! wie wird es Jhm doch gehn
Jm Aufferſtehn.
25.
Der Himmelsfuͤrſt / der Richter aller Seelen /
Wird Jhn mit Ernſt mang die Verdampten zaͤhlen /
Da wird Er ſtehn zu ſeiner linken Hand
Mit Spott und Schand.
26.
Der Teufel ſelbſt wird ſeyn ſein Mitgeſelle /
Das hellſche Feur wird ſeyn an Goldes Stelle /
Ein greulich Loch / und ſchwefelichter Pfuhl
Wird ſeyn ſein Stuhl.
27.
Da muß Er denn die unerhoͤrten Plagen /
Mit Ach und Weh in Ewigkeit ertragen /
Jn Ewigkeit wird keine Rettung ſeyn
von dieſer Pein.
28.
Druͤm lenk / Ach Gott / Ach lenke meine Sinnen /
Daß Sie ſonſt nichts als Dich nur lieb gewinnen /
Gieb Deinen Geiſt / Der mich auf rechter Bahn /
Weiſ Himmel-an.
29.
Der uͤber Mich mit ſeinen Gaben walte /
Der mein Gemuͤht in deiner Lieb erhalte /
Der meinen Sinn zur Gottesfuͤrchtigkeit /
Lenk allezeit.
Ach8Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
30.
Ach Gott / ſchlaͤgt mich ein Fehler etwa nieder /
So heb Mich auf und troͤſte Mich doch wieder /
Reitzt mich die Suͤnd - und bringt mich in ihr Joch /
So ſchone doch.
31.
Laß dein Gericht nicht uͤber mich ergehen /
Wer kan doch HErꝛ / wer kan doch vor Dir ſtehen?
Kein Menſche nicht. Laß deiner Gnaden Schein
Mein Beyſtand ſeyn.
32.
Lenk ſo mein Hertz in meinem gantzen Leben /
Daß es nichts woll als Dir nur ſeyn ergeben /
Und wenn ich denn vollendet meinen Lauff /
So nim mich auf.

II.

Loblied Goͤttliches Wortes.

Auf Begehren Der Hochedlen / Viel Ehr und Tugend - ſahmen Frauen Anna Barbara von Schlieben gebohrnen Kreytzien / auffgeſetzet.

G. N.

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9waͤldchens erſte Abtheilung.
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Grundſtimme.

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A vAN10Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
AN Deinem Wort am hoͤchſten Gut /
Hab Jch Gott mein Ergetzen /
Denn wenn mich wil mein Fleiſch und Blut
Jns Suͤndenfinſtre ſetzen /
So muß es eintzig und allein
Mein Lebenslicht und Fakkel ſeyn.
2.
NAch dieſem ſoll mein Hertze ſich
Jn wahrer Demuht richten /
Dein guter Geiſt nur leite mich /
Damit mein Thun und Tichten /
Sey eintzig und allein geziehlt
Dahin / wo mir dein Wort befiehlt.
3.
BARBAriſch auf die Suͤndenbahn /
Pflegt mich die Welt zu leiten /
Wenn aber Jch Dein Wort ſeh an /
Merk Jch die Eitelkeiten /
Dadurch die Seele wird gekraͤnkt /
Und in den hellſchen Pfuhl verſenkt.
4.
RAubt Mir ein Ungluͤk die Geduld /
Daß mein Vertrauen hinket
An Deiner vaͤterlichen Huld /
Und mein Gemuͤhte ſinket /
So iſt Mir dein liebreiches Wort /
Ein ſuͤßer Troſt und ſtarker Hort.
VON11waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
VON manchem groben Suͤndenwuſt
Jch kan befreyet bleiben /
Des frechen Fleiſches ſchnoͤde Luſt /
Kan Jch dadurch vertreiben.
Denn wenn durchs Wort der Geiſt obſiegt /
Gar bald das Suͤndenfteiſch erliegt.
6.
SCHLIEch Mir der Teufel nach mit Liſt /
Und wolte Mich belauren /
Alsdenn dein Wort mein Warner iſt /
Mein Schirm und feſte Mauren /
Garſchimpflich Er zuruͤkke prallt
Wenn ich dein Wort nur vor ihn halt.
7.
BENim derhalben / großer Hort /
Mich aller derer Sachen /
Die Mich entfernen deinem Wort /
Und mich zum Achtloß machen /
Weil Jch ſonſt nichtes finden kan
Das Mich kan tragen Himmel-an.
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III. 12Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

III.

Klag - und Troſtlied Eines Betruͤbten / Nach dem Spruche: Zion ſpricht / der HErꝛ hat mich verlaſſen u. ſ.f. C. B.

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13waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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1.
ZJon klaget aus der maßen
Zion die Betruͤbte Die:
Ach der HErꝛ hat mich verlaßen / Und vergiſſet meiner hiel
Gott leſt mich faſt unterſinken / Und im Ungluͤksſee ertrinken /
Leſt mich ſtekken in der Pein / Und wil nicht genaͤdig ſeyn.
Jch14Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Jch kan mich der heißen Zaͤhren /
Meiner Augen herben Fluht / Und des Weinens nicht erwehren /
So iſt mein gequaͤlter Muht
Mit Betruͤbnuͤs uͤberſchwommen /
Daß mein Hertz mit Angſt beklommen /
Taͤglich ſeuftzet / aͤchtzt / und ſchreiht:
Wo bleibt Gottes Guͤtigkeit?
3.
Kan ein Weib ſich wol verbôßen /
So / daß Sie ihr liebes Kind
Solt im Zorne gantz verſtoſſen / U nd ſo grimmig ſeyn geſinnt /
Daß Sie ſich nicht ſolt erbarmen
U nd es wiederuͤm uͤmarmen /
Wenn es ſeine Haͤndchen ringt / Und Jhr Hertz mit Thraͤnen zwingt.
4.
Wenn es liegt auf ſeinen Kniehen /
U nd bekennet ſeine Schuld /
Mein! wie kan Sie ſich entziehen
Daß Sie Jhm nicht werde Huld?
Kan auch eine Mutter neiden /
Das / was Sie mit ſchwerem Leiden /
U nd mit groſſer Schmertzensmacht
Hat aufdieſe Welt gebracht.
Doch15waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
Doch geſetzt / daß Jhr Gebluͤte
So ſehr unverſoͤhnlich bleibt /
U nd Jhr zorniges Gemuͤhte /
Solche Tyranney betreibt /
So wil Jch doch Deiner daͤnken /
U nd Mich Guͤtig zu Dir lenken.
Deines Hertzens heißes Flehn
Hab Jch gnaͤdig angeſehn.
6.
Laß mein Kind von deinem Zagen /
Zion / du Geliebte du /
Hoͤr nur auf von deinem Klagen /
Stell dein traurigs Hertz zur Ruh /
Sey geduldig / meine Liebe /
U nd dich nicht ſo ſehr betruͤbe /
Denn dem Kreutz / und dieß dein Leid /
Dienet dir zur Seeligkeit.
7.
Sey verſichert meiner Gnaden /
Traue meiner großen Macht /
Denn Jch ſeh all deinen Schaden /
Jch bin ſchon darauf bedacht /
Daß Jch werd ein Mittel finden /
Dich deß Drangſals zu entbinden.
Deñ du biſt mein werthes Pfand /
Eingeſchrieben meiner Hand.
Troſt -16Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

IV.

Troſtlied Eines in ungluͤk und Wie - derwertigkeit Schwebenden / Nach dem Spruche: Fuͤrchte Dich nicht / denn Jch habe Dich erloͤſet. u. ſ. f. C. B.

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17waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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1.
SEy nur getroſt und unverzaget /
Wenn Dich ô Jſrael mein Kind /
Betruͤbnuͤß / Angſt und Wehmuht plaget /
Weñ Dir deꝛ Noͤrdlich U ngluͤkswind /
Mit ſeinem Sturm und ſtarkem Sauſen
Wil raſend unter Augen Brauſen.
Steh18Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Steh als ein Mañ / laß Dich nicht ſchtekken /
Halt aus / und bleibe feſt beſtehn /
Laß Dir es keine Furcht erwekken /
Laß dieſes Wetter uͤber gehn.
Du wirſt ſehr groſſe Freud empfinden /
Nach dieſen herb - und rauhen Winden.
3.
Laß ab von deinen ſchweren Sorgen /
Jch habe ja mein Angeſicht
Nur eine kleine Zeit verborgen /
U nd von Dir Jſrael gericht /
Jch wil nur ſehn in ſolchen Faͤllen
Wie Du / mein Kind / Dich an wirſt-ſtellen.
4.
Jch wil ein wenig nur verſuchen /
Wie groß doch deine Liebe ſey /
Ob Du Mir auch wirſt trotzig fluchen /
U nd wie beſtaͤndig deine Treu /
Jch ſteupe Dich uͤm zu-zu-ſehen
Wie Du bey deinem Gott wirſt ſtehen.
5.
Jch habe Dich bey deinem Nahmen
Geruffen / und Mir außerwehlt /
Jch habe Dich und deinen Sahmen
Erloͤſet / und mang Die gezaͤhlt
Die ſich gehorſamlich erzeigen /
Denn Jſrael du biſt mein eigen.
Geh19waͤldchens erſte Abtheilung.
6.
Geh ſicherlich durch Waſſerfluhten /
Du wirſt gantz unver letzet gehn /
Geh ungeſcheut durch Feuersgluhten /
Kein Brandmahl wird man an Dir ſehn /
Denn Jch wil allzeit bey Dir bleiben /
U nd allen U nfall von Dir treiben.
7.
Kan Jch Dich nun in Dieſen ſchuͤtzen /
Was meinſtu wol mein Jſrael /
Was Jch Dir werde koͤnnen nuͤtzen /
Wenn Dich betreffen andre Faͤll?
Jch bin dein Heyland / dein Erretter /
Druͤm fuͤꝛcht Dich nicht im U ngluͤkswetteꝛ.
Klage -20Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

V.

Klagelied Eines hochbetruͤbten und un - gluͤkſeligen Menſchen / in welchem Er Jhm fuͤr allen Dingen einen ſeligen Tod wuͤnſchet.

[figure]
21waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

[figure]
1.
JCh bin muͤde mehr zu leben /
Nim mich liebſter Gott zu Dir /
Muß Jch doch im Leben hier /
Taͤglich in Betruͤbnuͤß ſchweben.
Meine groͤſte Lebenszeit
Leufft dahin in Traurigkeit.
Moͤcht22Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Moͤcht es Dir mein Gott gefallen /
Wolt Jch hertzlich gern ins Grab /
Da mein Leid geſchnitten ab /
Da mein ſchmertzen-volles Wallen /
Dieſes Lebens gantz verſchwindt /
Und ſein endlichs Ende findt.
3.
Jch verſchmachte faſt fuͤr Sorgen /
Meine milde Thraͤnenfluht /
Und des Kreutzes heiße Gluht
Sind mein Fruͤhſtuͤk alle Morgen /
Furcht / Betruͤbnuͤs / Angſt und Noht
Sind mein taͤglichs Speiſebrodt.
4.
Seh Jch jene boͤſe Rotten /
Die ſich in die Welt verliebt /
Werd Jch innerlich betruͤbt /
Wenn Sie meiner hoͤniſch ſpotten;
Weñ Sie ſchreyhene Seht den Mann /
Dem ſein Gott nicht helffen kan.
5.
Dann geh Jch in meine Kammer /
Fall auff meine matte Knieh /
Heul und winſel je und je / Und beweine meinen Jammer /
Meiner Thraͤnen milder Lauff /
Steiget zu Dir wolken-auf.
Gott23waͤldchens erſte Abtheilung.
6.
Gott wenn wirſtu Dich erbarmen /
uͤber meine ſchwere Pein?
Wenn wirſtu mir gnaͤdig ſeyn?
Ach wenn wirſtu Mich uͤmarmen?
Ach mein Gott wie lang / wie lang /
Soll Mir doch noch ſeyn ſo bang?
7.
Setze Mich doch einmal nieder /
L Mich kommen doch zur Ruh /
Allerliebſter Vater Du /
Troͤſte Mich doch einmal wieder /
Gieb Mir endlich doch einmal /
Hertzensluſt nach dieſer Qual.
8.
Doch wer weiß worzu es nuͤtzet /
Daß Du Mich ſo zuͤchtigeſt?
Daß Jch werde ſo gepreſſt?
Und vor welcher Noht es ſchuͤtzet?
Denn Wer in der Welt ſich freut /
Koͤmmt offtuͤm die Seligkett.
9.
Daruͤm laß die Straf ergehen /
Schlage zu und ſteupe fort /
Liebſter Gott / und ſchone dort /
Doch damit Jchs auß-kan-ſtehen /
So verleihe Mir Geduld /
Nach verbo[r]gner Vaterhuld.
Und24Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
10.
Und nim Mich nach Deinem Willen
Nach der außgeſtandnen Qual
Jn den großen Freudenſaal /
Da ſich alle Noht wird ſtillen /
Kom mein Gott wenn Dirs gefaͤllt
Und reiß Mich von dieſer Welt.

VI.

Bußlied. Eines mit ungluͤkbeladenen Menſchen.

B. E.

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25waͤldchens erſte Abtheilung.
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B26Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
HAlt inn / ô großer Gott / zu ſtrafen /
Wenn ſich dein Zornenfeur entzuͤndt /
Wenn Huld und Gunſt bey Dir entſchlafen /
So ſtraf doch nicht dein Suͤndenkind.
Ach ſchone meiner liebſter Gott / Und mache Mich nicht gar zu Spott.
2.
Schau wie Jch bin mit Angſt beladen /
Wie Jch mein boͤſes Thun bereu /
Ach Gott erbarme dich aus Gnaden / Und daͤnk an deine Vatertreu. Es kan / wenn Du nach Recht wilſt gehn / Kein Menſche nicht vor Dir beſtehn.
3.
Jch lege Mich zu deinen Fuͤßen /
Ach HErꝛ verſtoße mich doch nicht / L Mich der Vatergunſt genießen / Und geh mit Mir nicht ins Gericht.
Ach nim Mich auf und ſieh nicht an /
Daß Jch ſo wieder Dich gethan.
4.
Errette Mich aus dieſen Noͤhten /
Reiß Mich aus dieſer Ungluͤksſee /
Die Mich gedaͤnket faſt zu toͤdten /
Daß Jch darinn nicht untergeh /
Jm fall Du nicht wirſt bey Mir ſtehn
So iſt es bald mit Mir geſchehn.
Jch27waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
Jch muß es zwar mein Gott bekennen /
Daß meine Suͤnd und Miſſethat
Die rechte Quelle ſey zu nennen /
Deß / was Mich nun befallen hat / Und daß mein eigne Schnoͤdigkeit
Mich hat geſtuͤrtzt in dieſes Leid.
6.
Druͤm will Jch gerne ſtille halten / Und leiden alles mit Geduld / L aber uͤber mich auch walten /
Mein liebſter Vater / deine Huld / Und mach es endlichen alſo /
Daß Jch auch wieder werde froh.
B ijDank -28Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

VII.

Danklied Eines vonungluͤk und Ver - folgung Erloͤſeten / Nach dem Spruche: Jch danke Dir HErꝛ / daß du ſo zornig biſt geweſen. u. ſ. f.

[figure]
29waldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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B iijJch30Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
JCh danke Dir mein ſtarker Retter /
Jch danke Dir mein liebſter Gott /
Daß du in dieſem U ngluͤkswetter
Mich haſt behuͤtet fuͤr dem Spott /
Den Jene mit vergifften Sinnen /
Gedachten hier auf Mich zu ſpinnen.
2.
Jch danke dir von meiner Seelen /
daß du mich nun erloͤſet haſt /
Auß jener wilden| Leuenhoͤhlen /
Und von der ſchweren Kreutzeslaſt /
die mir ſo ſchwer lag auff dem Ruͤkken /
daß ich davon faſt muſt, erſtikken.
3.
Jch wurde hin und her verſchlagen /
Gleich wie ein Schifchen auf der See /
D ich faſt wer in ſolchen Plagen
Vergangen / mit viel Ach und Weh /
Es ſchmiſſen mich die Ungluͤkswellen /
Bald Himmelauf / bald zu der Hellen.
4.
Nun aber hat es ſich geſtillet /
Druͤm ſag ich / Gott / dir hertzlich Dank; D du mir biſt ſowol gewillet
Vergeſſ ich nicht mein lebelang.
Nach dieſen rauhen Nordenwinden / Leſt ſich dein ſanffter Zefir finden.
5. Jch31waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
Jch danke Dir daß dein Gemuͤhte /
Auf Mich / dein Kind / ſo grimmig war /
U nd daß nun deine große Guͤte /
Mich hat geſetzt aus der Gefahr.
Daß du nach dieſem großen Schaden
Mich wieder troͤſteſt mit Genaden.
6.
Wolan! Jch wil mich nicht entſetzen /
Es komm auch was nur immer woll
Es kan kein U nfall mich verletzen /
Es iſt nichts das Mir ſchaden ſoll.
Denn du biſt ſelbſt mit Mir zu Werke /
Mein Gott / mein Heyl und große Staͤrke.
B jvTroſt -32Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

VIII.

Troſtlied. Als Jch im 1646ſten Jahre durch eine grauſame Feuersbrunſt / biß auf den letzten Heller uͤm das Meinige kam.

Nach dem Spruche: Gott iſt getreu der euch nicht leſt verſuchen. u. ſ. f.

G. N.

[figure]
33Waͤldchens erſte Abtheilung.
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Grundſtimme.

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B vWar -34Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
WAruͤm ſoll Jch mein Hertz mit Graͤmen taͤglich freſſen /
Und daß Jch Menſchlich ſey / ſo liederlich vergeſſen /
Ob ſchon die Feuersbrunſt deß Meingen mich beraube
Was Gottes Gunſt und Gluͤkk Mir reichlich hatt
erlaubt.
2.
Es war ja nichts als Gut / welchs nie beſtaͤndig bleibet /
Welchs oftmals unverſehns wie Heu und Spreu zeꝛſteubet /
Gott theilte Mir es mit aus ſeiner Gnadenhand /
Der hat es wiederuͤm auch von Mir abgewande.
3.
Jch bin ein Menſch / waruͤm ſoll Jch dem Gluͤkke fluchen /
Jſt doch mein Gott getreu / der Mich nicht leſt verſuchen /
Daß Jch was tragen ſoll in dieſer Suͤndenwelt
Was uͤber meine Macht / und Mit unmoͤglich faͤllt.
4.
Gott legt uns eine Laſt zwar auf den matten Ruͤkken /
Daß wir gantz Athemloß darunter faſt erſtikken /
Doch traͤgt Er ſelber mit / und ſchenkt uns ſeine Huld /
Wenn Er nur an uns merkt die hertzliche Geduld.
5.
Er wil mich dießmal auch ins nuͤtzlich Ungtuͤk fuͤhren /
Daß Er mein kindlichs Hertz moͤg als ein Vater ſpuͤhren /
Wie es geberden wil in ſolchem harten Stand /
Obs auch zu frieden ſey mit ſeiner Zuͤchtgungshand.
6.
Daruͤm iſt auch mein Glaub als Mauerfeſt gegruͤndet /
Daß / wie nach groſſem Sturm ein Soñenſchein ſich findet /
Mir wieder ſcheinen wird auf dieſes Traurig-ſeyn /
Ein Gluͤkk das zwiefach iſt / und Gottes Gnadenſchein.
35Waͤldchens erſte Abtheilung.

IX. Loblied Des Studirens welches er allen andern Gluͤkſeligkeiten vorziehet. nach Sidony: Apoll: ſeinem Dabunt ſtatuasliteræ, ſi Trabeæ non dederint.

G. N.

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36Poetiſch-und Muſikaliſches-Luſt
[figure]
37waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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Dieß38Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
1.
Jch frage nichts nach hohem Pracht
Als manche Weltgemuͤhter /
Die nur auf Reichthum ſind bedacht
Auf Geld und große Guͤter.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
2.
Der ruͤhme ſeinen hohen Stand
Und ſeinen alten Adel /
Der doch bißweilen voller Schand /
U nd reich von vielem Tadel.
Ein Andrer ruͤhme Diß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
3.
Der ſuche ſein Ergetzligkeit
Jm Kriege / mit Geſchuͤtzen /
U nd ſeine Luſt im harten Streit
Jm Menſchenblut-beſpruͤtzen.
Ein Andrer ruͤyme Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
4.
Der ſuche ſeinen eitlen Ruhm /
Jm Meer / auf reichen Schiffen /
Mach ihm groß Gut zum Eigenthum
Mit tauſend klugen Griffen. Ein39waͤldchens erſte Abtheilung.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
5.
Ein Andrer mache ſich belobt /
Mit ungelehrtem Reiſen /
Auch dorthin wo der Maurus tobt /
Wo Menſchen Menſchen ſpeiſen.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
6.
Der ruͤhme ſich daß Er mag ſtehn
Bey ſeiner Teleſillen /
U nd jener daß Er angeſehn
Bey ſeiner Amarillen.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
7.
Dieß alles iſt nur Eitelkeit /
So bald der Menſch geſtorben /
U nd liegt nur eine kurtze Zeit /
So liegt auch dieß Verdorben.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
8.
Es hilffet nur die Parnaſſin
Daß man in Ehren ſchwebet /Die40Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
Die theure Kunſt bringts nur dahin /
Daß man im Tod auch lebet.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
9.
Wer ſeiner Sinnen friſchen Lauff / ſetzt auf ein hohes Lernen
den hebt die Tugend Wolken-auf
U nd ſetzt ihn mang die Sternen.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan Mir mein Studiren
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
10.
Daß jener trefflich Oppian
hat eine Seul erlanget /
Hat ſeine ſchoͤne Kunſt gethan
die macht daß er fo pranget.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das
Es kan Mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
11.
Demoſthenes hat zu Athén /
Wie lang er auch geſtorben /
Ein hohe Pyramide ſtehn /
So ihm die Kunſt erworben.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auſ fuͤhren.
12. War -41waͤldchens erſte Abtheilung.
12.
Waruͤm ſteht ein Gedaͤchtnuͤß da
Virgilien zu Ehren /
Jn jener Stadt in Mantua?
Von wegen ſeiner Lehren.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
13.
Wer hat den Kato-portius
Der Seulen wehrt geſchaͤtzet?
U nd jenen Flakkus-verrius?
Die Kunſt hat Sie geſetzet.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeuͤl auf fuͤhren.
14.
Die Tugend und Geſchikligkeit
Kan offt bey Fuͤrſten ſtehen
Hergegen muß U nwiſſenheit /
Nur dort von weiten gehen.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
15.
Ob gleich darauf der Neidhard ſticht
Man muß es lachend leiden /
Denn hierauf iſt ſein Thun gericht /
Die Kuͤnſte zu beneiden. Ein42Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
16.
Thut ſich die Misgunſt gleich hervor /
Die Tugend wird doch ſiegen.
Die Kunſt ſteigt immer fort empor /
Der Neid bleibt unten liegen.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
17.
Gleich wie der edle Myrrhenſaffe
Durch Sturm herauſſer dringet;
Alſo waͤchſt auch der Tugend Krafft
Wenn Misgunſt ſie uͤmringet.
Ein Andrer ruͤhme Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
18.
Weg Reichthum / Stand / weg falſcher Dunſt
An dem die Wolluſt lieget
Giebt Gott mir Tugend Witz und Kunſt
So bin ich wol vergnuͤget.
Druͤm ruͤhm ein Andrer Dieß und Das /
Es kan mir mein Studiren /
Ein Ehrenſeul auf fuͤhren.
Ver -43waͤldchens erſte Abtheilung.

X.

Verweißlied An die naſenweiſe Spottvoͤgel Nach dem Sprichwort / Qui alterum incuſat probri, ſe intueri oportet.

G. N.

Geigenſtimme

[figure]
44Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
[figure]
45waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

[figure]
Ach46Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
1.
Ach moͤcht ein Jegl icher doch in ſich ſelber gehen /
Und in dem Spiegel des Gewiſſens ſich beſehen;
Vielleichte wuͤrd Er bald
Auß ſeinen eignen Werken /
Wie ſein Gemuͤhte ſey geſtalt /
Mit eigner Schande merken.
2.
Solt Er nur bey ſich ſelbſt ſein Leben wol erwegen /
Und ſetne Schand und Ehr ein wenig uͤberlegen /
So wuͤrde mancher Mann /
Des Beßren ſich bequemen /
Und deſſen / was Er vor gethan /
Sich innerlichen ſchaͤmen.
3.
Wer ſeinen Nebenſreund mit Schimpf gern ſchamrohe
machet
Der wird gar offtermals mit Schanden außgelachet.
Wer andre Leute ſchmeht /
Hat offtmals uͤber hoffen /
Wies in gemein den Spoͤttern geht /
Sich ſelber recht getroffen.
4.
Wer / andre Leute nur zu ſchimpfen / ſich ergetzet /
Wird von der klugen Welt den Affen gleich geſchaͤtzet /
Der wil gern allezeit /
Was Er nur ſiehet / gekken /
Da Er doch ſein Unhoͤfligkeit /
Kan ſelber nicht bedekken.
5.
Ein ſolches Schaͤndemaul hat endlich dieſen Frommen /
Daß / wenn ein Ungeluͤk iſt uͤber ihn gekommen /
Man ihn darzu verlacht /
Und goͤnnets ihm von Hertzen /
Daß man ſein Klagen wenig acht /
Und ſeine bittre Schmertzen.
6. Wenn47waͤldchens erſte Abtheilung.
6.
Wenn ſolch ein boͤſer Menſch wird auch einmal geplaget /
Mit Unfall hie und da / dann wird Er ſchtecht beklaget /
Es daͤnket jederman:
Wie? iſt es jene Schlangen
Die Manchen ſo verhoͤhnen kan?
Es iſt ihr recht geſchehen.
7.
Druͤm wenn du dir gedaͤnkſt des Menſchen Gunſt zu ma -
chen /
Und daß man deiner nicht im Ungluͤkk muͤſſe lachen /
So ſtell dein Schimpfen ein /
Laß andre Leute gehen /
Las dir dein Hertz zur Tadlung ſein
Da wirſtu gnugſam ſehen.
Wunſch48Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -

Wunſchlied Jn welchem er alle Gluͤkſeligkeiten / ſo ihm in der Fremde obhanden ſtoßen / hindan ſe - tzet / und eintzig und allein das Vaterland zubedienen / und die lieben Seinigen zu ſehen / B. E. begehrt.

[figure]
49waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

[figure]
C1. Mein50Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
MEin Gott wenn ſoll es doch geſchehen /
Daß ich mag endlich wieder ſehen /
Das hoch beliebte Vaterland
U nd meinen wehrten U nſterſtrand?
Wie lange ſoll ich noch ſo reiſen /
Und mich mit bloßex Hoffnung ſpeiſen?
2.
Neun Jahre ſind vorbey geſchoſſen
U nd wie ein Strohm dahin gefloſſen /
Daß ich die liebe Vaterſtadt
Die mich der Welt gegeben hat /
Nicht habe / wie ich ſoll / gegruͤſſet
Nochmeines Vaters Hand gekuͤſſet.
3.
Hier leb ich zwar in Friedensfreuden /
Und weiß von keinem Kriegesleiden /
Wie leider dort ſo mancher Mann /
Der ſeine Noht kaum zaͤhlen kan.
Der kaum was anders weiß zu ſagen /
Als von betruͤbten Kriegesplagen.
4.
Jch bin / Gott lob / zu allen zeiten /
Alhier bey groß-und weiſen Leuten
Wol angeſehn und ſehr beliebt /
Jch bin gar ſelten auch betruͤbt /
Jch ſpuͤhr und merk auf allen wegen /
Den hertzgewuͤnſchten Himmelsſegen.
5. Es51waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
Es hat nicht vielen ſo gegluͤkket /
Wie Gott es hat mit mir geſchikket;
Wie Mancher ſieht mich ſcheeldruͤm an
D mir das Gluͤkk ſo zugethan /
Doch acht ich nicht der Spoͤtter Neiden
Jch kan es alles lachend leideu.
6.
Dennoch wie gut es mit mir gehet /
Wie koͤſtlich meine Wolfahrt ſtehet /
Wie freundlich mir das Gluͤkke lacht /
Und was es mir vor Freude macht /
So ſag ich doch daß ichs nicht achte /
Wenn ich mein Vaterland betrachte.
7.
Jch weiß nicht was fuͤr eine Staͤrke /
Jch bey mir im Gemuͤhte merke /
Die mich ſo ſehr begierig macht /
D ich numehr faſt Tag und Nacht
Die lieben Meinigen bedaͤnke /
U nd mich / bloß Sie zu ſpraͤchen / kraͤnke.
8.
Mein hoͤchſte Luſt beſteht hierinnen
Es wuͤnſchen taͤglich meine Sinnen /
D ich doch bald den lieben Tag /
Sie friſch zu ſehn / erleben mag.
Nim auf / O Gott / mein oͤftres Flehen /
So wird es / hoff ich / bald geſchehen.
C ijAn -52Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -

XII.

Anklagslied Jn dem er das Gluͤkk wegen ſeiner Wankelhafftigkeit anklaget. Nach den Verſchen: Paſſibus ambiguis fortuna volubilis errat, Et manet in nullo certa tenaxq; loco.

[figure]
53waͤldchens erſte Abtheilung.
[figure]
54Poetiſch-und Muſikaliſches Luſt -
1
HAt ſich nun dein Rad gedrehet /
Du ô mehr als falſches Gluͤkk?
Hat dein Weſtwind außgewehet /
U beſt du nun deine Tuͤkk?
blaͤſeſtu nun aus dem Norden /
U nd biſt meine Feindin worden:
Hat ſich deine Heucheley /
Nun verkehrt in Tyranney?
2
Kurtz ſaß ich auff deinem Wagen /
Auf dem Goldgleichglaͤſern Thron /
Jch war von dir uͤmgetragen /
Als wer ich dein liebſter Sohn.
Jeder ſchaͤtzte mich fuͤr ſelig /
Biß ich Nun von dir allmaͤhlich
Eh ichs dacht in meinem Sinn /
Hoch herab geſtuͤrtzetbin.
3
Doch es iſt ja deine Weiſe /
Du bletbſt nirgends feſt beſtehn /
Faſſeſtu heut eine Reiſe
U nd wilſt hin in Ooſten gehn
Morgen ſieht man dich im Weſten.
Wenn man meint man ſteh am beſten /
und man ſey dein liebſter Freund
So biſtu der aͤrgſte Feind.
4
Polikrat der Samianer
Weiß von dir du falſches Gluͤkk /
und auch der Syrakuſaner
Dioniß kennt deine Tuͤkk
Bel -55waͤldchens erſte Abtheilung.
Belliſar der Roͤmſche Sieger /
und Sapor der Perſche Krieger /
Seuftzen in ſo manchem Land
uͤber deinen unbeſtand.
5
Wolte Tamerlanes ſteigen /
Auf ſein koͤnigliches Pferd /
Muſte Bazait ſich neigen
und ſich legen auf die Erd
und ſo lange bleiben liegen /
Biß der Koͤnig aufgeſtiegen /
Da Er doch vor kurtzer Zeit /
War in gleicher Herligkeit.
6
Hat Orontes nicht erfahren /
Der beruͤhmt Armenian /
und Orbeche zahrt von jahren /
Was du ihnen haſt gethan?
Ach wie haſtu Sie geſtuͤrtzet /
und ihr Gluͤkke ſo verwuͤrtzet!
Daß man ſaſt dergleichen That
Niemals noch gehoͤret hat.
7
Druͤm wol dem der dir nicht trauer
Dir du wankelhafftes Weib /
Der nicht auf dein Schmeicheln bauet
und vertraut dir ſeinen Leib.
Wer auff dich ſein Gluͤkke ſetzet
Der wird oft von dir verletzet /
Wer dir glaubt ſchreibt in den Sand /
und bepfluͤgt ein Klippenland.
C jaKlag -56Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

XIII.

Klaglied Daß die aͤdle Schaͤferinn Karitille ſeine trene Liebe nicht merken wil / und daß er nicht Gele - gen hat ihr ſeine Zuneigung zu offenbahren.

B. E. Erſte Geigenſtimme.

[figure]
An -57waͤldchens erſte Abtheilung.

Andere Geigenſtimme.

[figure]

GeneralBaß.

[figure]
T vAch58Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
[figure]
59waͤldchens erſte Abtheilung.
[figure]
60Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
Ach Hertzeleid!
Dieweil die Zeit
Nicht einmal wil vergoͤnnen /
Daßich bey dir /
Mein aͤdle Zier /
Mag eine Gunſt gewinnen.
So laß ich meine Herde Vieh
Jm Wald alleine weiden /
U nd bin betruͤbet je und je
Jch leb in ſtetem Leiden.
Es iſt mir lauter Hertzverdruß
D ich die Sonne ſchauen muß.
2.
Der ſchoͤnſte Wald
Jſt ungeſtalt /
Der Tag iſt mir zu wieder /
Jch daͤnk allzeit
Auf Einſamkeit
Bald ſetz ich mich danieder /
U nd klage meine Liebesnoht /
Mit bittren heiſſen Thraͤnen /
Bald wuͤnſch ich mir den herben Tod /
Mit einem tieffen Sehnen /
Jch geh ich ſitz / ich ſchlaff und wach
Jch lebe doch in Weh und Ach.
3.
U nd dieß geſchicht /
Mein liebſtes Licht /
Weil ich dir nicht kan ſagenWas61waͤldchens erſte Abtheilung.
Was groſſen Schmertz /
Mein treues Hertz /
bißhero hat getragen
Weil ich betruͤbt-verliebter Mann /
Dir ſchoͤnſten Karitillen
Mein Hertze nicht entdekken kan /
U nd meinen treuen Willen /
Dieß dieß macht mir bey dieſer Zeit /
Ein immerwerend Hertzeleid.
4.
Wenn ich dich ſeh
Jm gruͤnen Klee /
Dein Wollen viehchen treiben
So kan ich kaum /
Jm weiten Raum /
Auf meinen Wieſen bleiben /
Jch jage meine Schafe fort
Zu deinen fetten Gruͤnden /
Erdenk im treiben manches Wort
Welchs deinen Sinn ſoll binden.
So bald ich aber bey dir bin /
Jſt alle| Rednerkunſt dahin.
5.
Jch werde taub
Zittr als ein Laub /
Die Rede wil nicht flieſſen /
Es moͤchte ſich
Bald mildiglich
Der Augenſtrohm ergieſſen;
Dein Reden ſchoͤnſte Schaͤferinn
U nd dein ſo ſuͤſſes Lachen /Die62Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
Die koͤnnen Zungen / Hertz / und Sinn /
Bald feſſelfeſte machen.
Doch treuer Liebe Hertzenskrafft /
Hat allzeit ſolch ein Eigenſchafft.
6.
Ach wenn doch mir
Das wiederfuͤhr
Dein Haͤndchen nur zu kuͤſſen
So wolt ich das
Mit Thraͤnen naß
Schon zu befeuchten wiſſen.
Dann wolt ich gerne ſtille ſeyn
U nd mich nicht ſo beklagen /
Weil dir ein Seuftzer meine Pein
Genugſam wuͤrde ſagen.
Wie aber dieſes mag geſchehn
Kan ich zur Zeit auch nicht erſehn.
7.
Daruͤm nim hin
Du Menſchgoͤttinn /
Mein keuſches Augenblikken
Da wirſtu ſehn
Und bald verſtehn /
was mich vor Schmertzen druͤkken /
L dires ſeyn an Schreibensſtatt /
Da kanſtu ſatſam leſen /
Was mein Hertz vor Betruͤbnuͤß hat /
U nd was mein Liebesweſen.
Mein Augen geben an den Tag /
Was mich im Hertzen quaͤlen mag.
Wirſtu63waͤldchens erſte Abtheilung.
8.
Wirſtu denn nicht
Mein Tugendlicht /
Mein treues Hertze merken /
Und mich fortan
Betruͤbten Mann
Mit Gegenliebe ſtaͤrken /
So wird die heiſſe Liebesgluht
Mich innerlich verzehren /
U nd meiner Thraͤnen milde Fluht /
Mir meinen Tod gebaͤhren /
Ein finſtrer Wald voll Klipp - und Stein /
Wird meine wuͤſte Wohnung ſeyn.
9.
Wann dann der Tod
U nd meine Noht
Mich hingerichtet haben /
So wird man ſehn
Geſchrieben ſtehn /
Da / wo ich bin begraben:
Hier liegt an dieſer oͤden Still
Ein Schaͤfer aͤdler Sinnen /
Den ſeine liebſte Karitill /
Nicht wolte liebgewinnen.
Sein heimlichs Leid hat ihn geſtuͤrtzt /
Und ihm das Leben abgekuͤrtzt.
Lob -64Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

XIV.

Loblied Einer aͤdlen und in allen Tugenden vollkom̃enen Jung - fer. ſonſt bey genahmet die lieb - und holdſelige Kallibelle.

[figure]
65waͤldchens erſte Abtheilung
[figure]
1.
SEy gegruͤſſet ſchoͤne Goͤttinn / Tugenl fatkel dieſer
Stadt
Von Dem / welcher deinẽ Nahmen allzeit hochgeehret hat /
Vernim was Er dir itzo bringt /
Was Er von deinen Gaben ſingt.
Kallibelle66Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Kallibelle keuſche Seele vierde Charis dieſer Zeit /
Zehnde Goͤttinn unſrer Kuͤnſte deine hohe Trefligkeit
Und deine Himmelswerthe Pracht /
Dieh Schoͤneſte zur Goͤttinn macht.
3.
Deiner hellen Augenſtrahlen flinkern gleich dem Sternen -
Licht /
Jch wil glauben daß dem Foͤbus ſolcher ſchoͤne Glantz ge -
bricht /
Der Liebholdinnen Majeſtaͤt /
Jn deinen Liebesaugen ſteht.
4.
Deiner Wangen Liebesfelder ſcheinen lauter Milch und
Blut /
Deiner Lippẽ zukkerhonig ziehet nach ſich Hertz und Muht /
Kein weiſſer Schnee / kein Heiffenbein /
Kan deinen Haͤndchen gleicher ſein.
5.
Wenn du deine Seiten ruͤhreſt wird ein mattes Hertz er -
quikkt /
Hoͤret man denn deine Stimme ſtehet man als wie entzuͤkkt!
Kalliope wird ſelbſt bethoͤrt /
Wann ſie dich / Schoͤnſte / ſpielen hoͤrt.
6.
Jhr Athenſchen Junggeſellen ſtellt nur an ein Frenden -
ſpiet /
Laſſet Agariſten bleiben hier iſt eures Spieles ziehl.
Denn Kallibellen Zierligkeit /
Geht uͤber Agariſten weit.
7.
Hetteſtu nur Kallibellen in Beotien erſehn /
Groſſer Juppiter du hetteſt dein Eginen laſſen ſtehn /
Eginen / derer ſuͤſſe Gunſt /
Dich hat verſetzt in Feuersbrunſt.
Glaub67waͤldchens erſte Abtheilung.
8.
Glaub Achilles tapfrer Fuͤrſte / du der Griechen kuͤhner
Held /
Hette dieſe Kallibelle dort gelebet in der Welt /
Du hetteſt Briſeys ſchoͤnheits Pracht /
Vor Kallibellen nichts geacht.
9.
Kallibelle deine Sitten deiner Demuht aͤdle Zier /
Deine Sanfftmuht / Zucht und Tugend glaͤntzen allem
Zieraht fuͤr /
Die Keuſchheit Schoͤnſte / die du hegſt /
Jſt deine Krohne die du traͤgſt.
10.
Wer nun ſolches Lob bekommen und vor ſchoͤn geſchaͤtzt
wil ſein /
Muß von Ubermuht und Hoffart weit von allem falſchen
Schein
Nur bloß auf Tugend ſein bedacht /
Und uͤben Sie zu Tag und Racht.
11.
Kallibelle ſchoͤne Goͤttinn / aͤdle Blume dieſer Stadt /
Rim was dein ergebner Diener dir anitzt geſungen hat /
Und daͤnke trautſtes Kind dabey /
Daß Er dein Ehren Diener ſey.
Treu -68Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

XV.

Treuſchallendes Klaglied Welches / der aller aͤdelſten / ſo wol von Ge - muͤhtes als Leibesſchoͤnheiten reichbegabten / und in allen Tugenden vollkommneſten Nymfen Karitilllen / Aus den Koͤlmiſchen Weiſſelfeldern / in die uͤber See weitentfernete / und an dem Elben - ſtrohme gelegene Zimriſche Luſtwaͤlder / mit Entbietung / ei - nes hertzfreund lichen Gruſſes / uͤberſendet / der annoch ſtandfeſte / und in aufrichtiger Zuneignug unwandelbare Diener Thyrſis

Jch wil ins kuͤnfftige ſolch ein Gedaͤchtnuͤß ſtifften /
Dir du mein Augentroſt (wo ich nur tebend bin /)
Mein Karittichen dir / dir meiner Koͤnigtun /
Daß unſre Nachwelt auch wird leſen dieſe Schrifften
Kein andres Frauenbild als Karitill allein /
Soll Thyrſis beſtes theil und Treugeliebte ſein.
G. N.
[figure]
Kind69waͤldchens erſte Abtheilung.
[figure]

Grundſtimme.

[figure]
70Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

Nach Herren Heinrich Heldes ſeinem: Dein Heron der itzund. u. ſ. f.

1.
SEin Thyrſis der itzund hier bey der Weiſſet wohnet /
Der ſich nicht ſelbſt ſo ſehr als dich ſein Kind geliebt /
Wird noch nicht von der Angſt der Liebeslaſt verſchonet /
Lebt offtmals wegen dein von Hertzen hochbetruͤbt.
2.
Er daͤnket Tag und Nacht an jene ſuͤſſe Stunden / (Der ſauren unerwehnt wie ſehr Sie ihn geſchmertzt)
Wie Er vor ſieben Jahr ſich offt zu dir gefunden
Wie du Jhn und Er Dich in keuſcher Gunſt gehertzt.
3.
Er daͤnket Tag und Nacht an deine Heldenaugen /
An deinen Zukkermund / an deine Marmolbruſt
An deine Hoͤfligkeit / druͤm wil ihm nichtes taugen /
Das andre Jungfer Volk iſt ihm nur lauter Wuſt.
4.
Wie dieß ſein Paradieß / o Goͤttinn / vor geweſen /
So iſt dein Abſein itzt ihm lauter Helt und Pein /
Und wird auch ehe nicht von dieſer Brunſt geneſen /
Er werde denn zuvor vermodert muͤſſen ſein.
5.
Was ſag ich kan der Tod wol ſolche Liebe toͤdten /
Die nach dem Tod erſt recht als lebhafft reden kan?
Nein dieſer Verſche krafft wird ihn mit Scham beroͤhten!
Daß Er die Gunſt nicht nur auf Lebenszeit gewann.
6.
Ob Er ſchon Sterblicher dich Sterbliche geliebet! (ſpuͤhrt.
So wird nichts Sterblichs doch an beyder Treuͤ ver -
Wenn Lieb und Gegenlieb auf Ernſt wird ausgeuͤbet /
Wird Sie durch keinen Mord des Todes angeruͤhrt.
7.
Kein Frauenzimmer ſolt ſo weit beruffen werden /
Als Karitillchen du / du edler Tugendſchein!
Du ſolſt weit hoͤher ſtehn als dieſer Ball der Erden /
Der Himmel ſelbſt wird auch vor dich zu niedrig ſein,
71waͤldchens erſte Abtheilung.
8.
Weich Roͤmſche Lupia biſtu ſchon hochgeehret /
Mein Karitilchen ſoll doch uͤber dir nun ſtehn /
Jhr Griechſchen Jungfern auch ſeit immerhin gelehret /
Mein trautſter Hertzenstroſt ſoll euch all uͤbergehn.
9.
Er ſetzet dich / ſein Hertz / dich liebſte Karitillen /
Dort jener Fillis vor / dort jener Galathe /
Dort jener Leßbien / dort jener Amarillen /
Dort jener Belliſell / auch jener Argine!
10.
Jn deſſen weil Er nichts von dir itzt kan genießen /
Als daß du ſeiner wollſt imgleichen eindenk ſein /
So pflegt Er deinen Ring vor deinen Mund zu kuͤſſen /
Und taucht ihn wenn Er trinkt gar oft im Becher ein.
11.
Dein liebſtes Ebenbild das liebe Liebeszeichen /
Traͤgt Er auf ſeiner Bruſt und nimmt ein Merkmahl
dran /
Dann geht es dir nicht wohl ſo wird es bald verbleichen /
Jſts gut ſo glaͤntzt das Gold und zeigts dem Hertzen an.
12.
Was nun ſein Zeitvertreib wilſtu vielleichte wiſſen /
Des Morgens iſts ein Buch / Ein Gang nach Mittags -
zeit /
Hier vor die Stadt hinaus da Er dann iſt befliſſen /
Auf lauter Hertzenweh / auf lauter Traurigkeit.
13.
Bald ſchaut Er den Rubin / bald ſieht Er auf das prangen /
Des ſchoͤnen Demandrings / bald auf das Armenband /
So Er von dir mein Kind / zum Denkmahl hat empfangẽ /
Zum Zeichen deiner Gunſt zum treuen Liebespfand.
14.
Und daß Er uͤberal ja dein Gedaͤchtnuͤß finde /
Hat Er ein Stroͤmchen hier / nach dir / mein Kind genant /
Das rauſchet Tag und Nacht durch ſeine tieffe Gruͤnde /
Bey welchem nur auf dich ſein gantzer Sinn gewandt.
15. Da72Poetiſch - und Muſikaliſches-Luſt
15.
Da geht Er offtmals hin / und ſetzet ſich danieder /
Und faͤngt zu klagen an in tieffer Traurigkeit /
Dann ſingt Er bey ſich ſelbſt der Liebe Klagelieder /
Die Er von dir gemacht / vor jener langen Zeit.
16.
Auch dieß iſt nicht genug die jung - und alten Eichen /
So ihren Unterhalt von dieſem Stroͤhmchen ziehn /
Die tragen eingeſchnitzt des halben Mondes Zeichen /
So waͤchſt dein Nahme mit und kan doch nicht verbluͤhn.
17.
Dieß alles hat Er dir mein Seelchen zugeſchrieben /
Damit du ſehen ſolſt wie hoch Er dich geſchaͤtzt /
Und wie Er itzund noch ſo ſtandhafft ſey im Lieben
Wird Er ſchon nicht wie vor mit Gegenwart ergetzt.
18.
Es ſind ſchon ſieben Jahr daß Abſckied Er genommen /
Von dir aus Zimrien / o edle Koͤniginn /
Run hoffe Er wiederuͤm zu dir mein Hertz / zu kommen /
Gott gebe friſche Krafft und ſtaͤrke meinen Sinn.
19.
Jn deſſen leb erfreut / leb tauſendmal vergnuͤget /
Du Liebſter Augentroſt / du edles Sinnenlicht /
Biß ſich das liebe Gluͤkk des treuen Thyrſis fuͤget /
Biß Er mit hoͤchſter Luſt dich Liebſte ſelber ſpricht.

XVI.

Klaglied Wegen des Wißtrauens ſeiner aͤdlen Karuillen

G. N.

[figure]
73waͤldchens erſte Abtheilung
[figure]
D74Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
ES fieng ein Schaͤfer an zu klagen /
Wie ſeines Hertzens treue Gunſt /
Von Karitillen dieſer Tagen /
Gehalten wuͤrde faſt uͤmſonſt.
Das Thraͤnenwaſſer von ihm randte /
Weil Sie ihn nicht vor treu erkante.
2.
Er ließ die Schaf alleine weiden /
Sagt: Herde leb in guter Ruh,
Mich zwingt von dir mein Liebesleiden.
Damit gieng Er dem Walde zu /
Sein Hertze / ſagt Er / wolt ihm brechen
D Er kaum wuſt ein Wort zu ſprechen.
3.
Mir duͤnkt diß waren ſeine Worte /
So Er mit Seuftzen vorgebracht /
An einem Bach am wuͤſten Ohrte /
Der aͤhnlich war der ſchwartzen Nacht:
Hoͤrt zu ihr Buͤſch ihr Wuͤſteneyen /
Hoͤrt / an ſprach Er / mein klaͤglichs ſchreyen.
4.
Fang ich nur an ſie zu beſingen /
Sie die ein Auszug unſrer Zeit /
So moͤchte mir das Hertze ſpringen /
Vor innerlichem Weh und Leid /
Und daß / weil ihr mein treues Flehen /
So gar nicht wil zu Hertzen gehen.
5. Jch75waͤldchens erſte Abtheilung.
5.
Jch bin ja nicht / wie mancher pfleget /
Der nur mit bloßen Worten ſchwehrt /
Und deſſen Hertz nichts wares heget /
Der nur Geſchenk und Gut begehrt /
Der bloß vermeint aus geilen Sinnen
Der Liebſten Ehre zugewinnen.
6.
Hab ich der liebſten Karitillen /
Nicht das erwieſen jederzeit /
Was das Vermoͤgen meinem Willen /
Vergoͤnnet hat nach Muͤgligkeit.
Sie kan wenn Sie nur ſelbſt wil zeugen /
Daß ich bin gaͤntzlich ihr Leibeigen.
7.
Hab ich nicht etlichmal erwaͤhlet /
Bey Nacht ein naß-betautes Graß /
Auf welchem ich mich ſo gequaͤlet /
U nd Sie betracht ohn unterlaß /
Da ich doch wol bey meinen Schafen /
Jm ſanften Bette koͤnnen ſchlafen.
8.
Und dieſes muͤſt ihr ja geſtehen /
Jhr Streuͤch und auch du gantz Revier /
Daß Euch mein Seuftzen und mein Flehen
Bewegt zum Trauren neben mir.
Du Nachtigall kanſt einig ſagen /
Von meinen innerlichen Plagen.
D ij9. Hab76Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
9.
Hab ich nicht meinen Leib geritzet /
Und von daraus mein Blut gebracht
Wo mir mein redlichs Hertze ſitzet /
So ihr zu dienen war bedacht.
Wie willig war es gar zu ſterben /
Jhr treues Hertz nur zu erwerben.
10.
Dieß / und auch noch viel andre Sachen
So meine Treue deuten an /
Setzt Sie bißweilen mit verlachen
Und eitlem Mißtrau hinten an.
Doch ruff ich an euch Himmelslichter
Jhr werdet ſein mein rechter Richter.
11.
Hab ich Sie nicht gleich meinem Hertzen /
U nd noch viel treulicher geliebt /
So bleiben auf mir Noht und Schmertzen /
Auch das / was mich vor dem betruͤbt.
Wie oft ſagt Echo mir im Hayne
D ich Sie lieb alleine. (Reine.)
12.
Ja wenn ich fuͤnd in meinen Sinnen /
Was ihr moͤcht angenehme ſein /
Mein Tichten und mein gantz Beginnen /
Solt ihr ohn allen falſchen Schein.
Zu treuen Dienſten ſein ergeben /
Und ſolt es ſein mit meinem Leben.
13. Nu77waͤldchens erſte Abtheilung.
13.
Nuſchlieſſet doch ihr frommen Goͤtter /
Sey Richter unparteiſche Welt /
Ob ich zu nennen ſey ein Spoͤtter /
Wie Sie mich offtmals dafuͤr haͤlt.
Bin ichs ſo ſchieſſen Ungluͤksflammen /
Hier uͤber meinen Kopf zuſammen.
14.
Geh hin mit deinem ſanften Wehen /
Du Sachteſeusler Weſtenwind /
Geh mach die ſchoͤnſte Nymf verſtehen /
Das allerliebſte Hertzenkind.
D ich Sie lieb als meine Seele /
Biß in die ſchwartze Grabeshoͤhle.
15.
Sag wil Sie ferner mir nicht trauen /
So ſoll Sie deſſen ſein gewiß /
D ich mich wil der Welt berauben /
Mit mancher Noht und Hertzverdrieß.
Wil ſagen: gute Nacht ihr Waͤlder /
Zu tauſend guter Nacht ihr Felder.
16.
So ſang mit bittren heiſſen Thraͤnen
Der treue Schaͤfer in den Wald /
Kaum kunt Er mehr ein Wort erwaͤhnen
Als dieß ſo Er mit Seuftzen lallt:
Ach moͤchte Sie ſich doch bedaͤnken
U nd mich hinfort nicht mehr| ſo kraͤnken.
D iijVer -78Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

XVII.

Verweiſlied Jn welchem Er der Doris Falſchheit und abtruͤnniges Beginnen anklaget. G. N.

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Grund -79waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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1.
UNter den ſchoͤnen rohten Apfelwangen /
Offte nicht hoffend wird ein Wurm gefangen;
Alſo die Menſchen / die man meint vol treuen /
Soll man offt ſcheuen.
D iiijDenn80Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
2.
Denn wenn vielleicht der Mund an einem Ohrte /
Stoͤſſet heraus die zukkerſuͤſſen Worte /
Laͤſſet das falſche Hertz ihm doch gefallen
Bittere Gallen.
3.
Eben auch ſo (zwar ſchoͤnſte Schaͤferinne /
Falſcheſte Doris andre Perelinne)
Biflu geſinnet. Denn auf dich zu bauen /
Darf man nicht trauen.
4.
Gleich wie die Nuß / die man mit groſſem Krachen /
Zwiſchen den Zaͤhnen pfleget aufzumachen /
Krellet / und endlich doch iſt nichts zu naſchen /
Als Wuͤrm und Aſchen.
5.
Alſo bemuͤhet bin ich auch geweſen /
Eh ich treuloſe deiner Gunft geneſen;
Aber nun find ich vor die Liebesfreuden
Liederlichs Reiden.
6.
Tauſendmal hett ich wol darauf geſchworen /
Daß du zum Liebſten mich allein erkohren /
Aber nun ſeh ich daß ich jenem Bleichen
Schimpflich muß weichen.
7.
Warlich / Er iſt doch ja von ſchlechten Gaben /
Wunder / daß du den Thoren lieb kanſt haben /
Doch! Er iſt Reich / hat groſſe Klumpen Gelder
Wieſen und Felder.
8.
Hoͤre / wie offt haſt du geſagt: Jhr Sterne /
Zeuget daß mein Gemuͤht an Falſchheit ferne /
Auch daß mein Lieben ſey ohn alles Triegen.
Pfuy der Luͤgen!
Weiſtu81waͤldchens erſte Abtheilung.
9.
Weiſtu nicht daß der Himmel die gerochen /
Welche ſo ſchaͤndlich ihren Eyd gebrochen /
Fahre nur hin du wirſt es bald erfahren /
Jn turtzen Jahren.
10.
Aber nicht / daß mich etwan deine Schmertzen
Kuͤtzelen ſolten. Nein / ich trag im Hertzen /
Als dein getreuer Schaͤfer / mit dir Armen /
Groſſes Erbarmen.
11.
Dieſes nun bin ich von dir inne worden /
Schaͤndliche Doris aus dem falſchen Orden.
Doch acht ichs nicht / biſtu doch nicht alleine /
Die ich wolmeine.
12.
Wilſtu nicht lieben / kanſtu es wol laſſen /
So wol als Hertzen kan ich dich auch haſſen /
Doris hinweg ein ander treues Kuͤſſen
Wil ich bald wiſſen.
D vLob -82Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

XVIII.

Loblied Jn welchem Fuͤrſt Huldenreich ſeine arme Schaͤferinn / allen Stadt - und Hoͤfiſchen Jungfern vorziehet. Aus meiner verhochteurſchten Geſchicht Fry ne Bozene genannt.

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83waͤldchens erſte Abtheilung.
[figure]
1.
MEin / bin ich denn daruͤm zu ſchmaͤhen /
Daß mein verliebter Fuͤrſtenſinn /
Jhm eine ſchlechte Schaͤferinn /
Zur Allerliebſten auserſehen?
Soll denn hiedurch mein hoher Schein /
Verdunkelt und verloſchen ſein.
2.
Ach nein / es iſt ja weit gefehlet?
Ein tapfrer Sinn und Heldengeiſt /
Sein edles Hertz in dem erweiſt /
Daß Er ſich nicht uͤm Hoheit quaͤlet /
Da offt die Falſchheit / Trug und Liſt /
Verzukkert und vergoͤldet iſt.
D vjEin84Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
3.
Ein Tugendliebendes Gemuͤhte /
Sucht ihm ein Seelchen daß ihm gleicht /
Das nicht aus ſeinen Schranken weicht /
Ob ſchon es nicht aus dem Gebluͤte /
Welchs mit ſcheinaͤdlen Titteln prangt
Und groſſes Anſehn hat erlangt.
4.
Ein hoher Sinn iſt wol vergnuͤget /
Jmfall ihm ſolch ein liebes Kind
Da Schoͤnheit ſich bey Tugend findt /
Wird von dem Himmel beygefuͤget /
Erlanget dieß ein aͤdler Muht /
So fragt Er nichts nach Geld und Gut.
5.
Er ſiehet nicht nach großem Stande /
Wie ungemenſchte Menſchen nun
Bey dieſen boͤſen Zeiten thun /
Er achtet es vor keine Schande
Wenn Er ein ſchlechtes Maͤgdchen liebt /
Die ihm ihr keuſches Hertze giebt.
6.
Jſt Er nur ſonſt von gutem Adel /
Jch meine nicht den Stamm allein.
Die Sinnen muͤſſen Edel ſein /
Und das Gemuͤhte ſonder Tadel /
Es bleibt ſein Adel unbeflekkt
Und durch die Lieb unangeſtekkt.
7.
Daruͤm hinweg ihr junge Frauen /
Mit[eu]rer ausgeputzten Zier /
Und ihr geſchminkte Jungfern ihr /
Hinweg ihr aufgeblaſne Pfauen /
Jch frage nichts nach eurem Pracht /
Der keuſchen Sinnen Ekel macht.
Mein85waͤldchens erſte Abtheilung.
8.
Mein allerſchoͤneſte Bozene
Soll meine Hertzgeliebte ſein
Jhr angebohrner Schoͤnheits ſchein
Macht Sie allein beliebt und ſchoͤne /
Das auserwaͤhlte Tugendlicht /
Weiß ja von keinem Hochmuht nicht.
9.
Sie iſt dem Hoffart ungewogen /
Sie iſt der Wolluſt ſpinnenfeind /
Kein Heucheley an ihr erſcheint /
Sie iſt bey Schafen auferzogen /
Die Uppigkeit und ſchnoͤde Luſt /
Jſt ihren Sinnen unbewuſt.
10.
Die zierlich aufgeſproſne Jugend /
Der Unſchuld ſchwanenweiſſes Kleid
Die wunderſchoͤne Freundligkeit /
Die loͤblich Einfaͤlt / Zucht und Tugend /
Die werthe Keuſchheit die Sie hat /
Steht mir an Goldestonnen ſtatt.
11.
Jch weiß daß ich mit ſtoltzen Freuden /
Die Zeit mit ihr verbringen kan /
Jch bin verſichert daß kein Mann /
Mich ihrentwegen wird beneiden /
Jhr Armuht iſt mein Gold und Geld /
Und groſſes Reichthum in der Welt.
12.
Druͤm mag mich Der und Der verdaͤnken
Daß ich die ſchlechte Schaͤferinn /
Gefaſſet hab in meinen Sinn /
Es wird und ſoll mich gar nicht kraͤnken.
Jch ſage nochmals dieſes frey /
Daß mir Bozen am liebſten ſey.
Lob -86Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

Loblied Jn welchem Schaͤferinn Fryne Bozene das Feldleben vor dem Stadt - leben ruͤhmet Auß der hochteutſchen Geſchicht Fryne Bozene genannt.

G. N.

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87waͤldchens erſte Abtheilung.

Grundſtimme.

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Him -88Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -
1.
HJmmel dir ſey Lob geſungen /
Dir ſey groſſer Dank geſagt /
D ich auf dem Feld entſprungen /
Daß ich ſchlechte Schaͤfermagd
Nicht aus groſſer Herren Orden /
Bin zur Welt gebohren worden.
2.
Hier bring ich in kuͤhlen Waͤldern /
Meine zarte Jugend zu /
Leb in dieſen reichen Feldern
Jn gewuͤnſchtem Fried und Ruh /
Kan mit angenehmen Freuden
Meine Schaf und Laͤmmer weiden.
3.
Wenn die Sonn zu heiß wil ſcheinen /
Treib ich meine Heerde fort /
Zu den ſchattenreichen Hainen /
Dort an einen andern Ohrt /
Da man keine Hitze fuͤhlet
Biß der Tag ſich wieder kuͤhlet.
4.
Da find ich mein Amarillen /
Meine treue Nachbarinn;
Dorte ſeh ich Teleſillen
Mit erfreuͤtem Tugendſinn
unſre ſchoͤne Kallibelle /
Findet ſich auch bald zur Stelle.
5.
Dann ſo faͤngen wir zu ſchertzen /
U nd ein Liebesſpielchen an /Doch89Waͤldchens erſte Abtheilung.
Doch mit keuſchem Tugendhertzen.
Keine bringt was auf die Bahn /
Welches wieder Zucht und Ehre /
Der beliebten Tugend were.
6.
Sind wir deſſen uͤberdruͤſſig /
Koͤnnen wir noch weiter gehn
Zu den Schaͤfern welche muͤſſig
Nicht ſehr weit von dannen ſtehn /
Die mit Reden ſchoͤner Sachen /
U ns die Zeit verkuͤrtzet machen.
7.
Dann leſt Thyrſis uns zu Ehren /
Thyrſis unſer Waͤlderſchein /
Sein Violdigamchen hoͤren
Singt auch wol bißweilen drein /
Wie Er Karitillen liebet /
U nd ſich nur uͤm Sie betruͤbet.
8.
Tytirus der treue Schaͤfer /
Redt von ſchoͤner Tugendzier /
Sylvius der Langeſchlaͤfer /
Bringet manche Kurtzweil fuͤr /
U nd ſo wird die Zeit verkleinet.
Die uns etwa lange ſcheinet.
9.
Jſt die Hitze dann gewichen /
Nahet ſich der Abend bey /
Koͤmmt die Nacht herbey geſchlichen /
Treiben wir zur Schaͤferey /Da90Poetiſch und Muſikaliſches-Luſt
Da wir denn mit unſren Schafen /
Koͤnnen unbeſorget ſchlafen.
10.
Ach wer wolte nun dieß Leben /
Dieſe ſchoͤne Waͤlderluſt /
Vor das ſtaͤdtſche Leben geben /
Vor den uͤberſchminkten Wuſt?
Wer wil heimlichs Hertzenquaͤlen
Vor gewiſſe Ruh erwaͤhlen?
11.
Lobt ihr ſtaͤdtiſche Gemuͤhter /
Euren aufgeblaſnen Pracht /
Ruͤhmt die Nebelgleichen Guͤter
Trotzt auf eure ſchnoͤde Ma ch
Liebet eure groſſe Gelder /
Jch beliebe meine Waͤlder.

XX.

Tantzlied Nach Ahrt der Pohlen Auf den Hochzeitlichen Ehrentag Herꝛn Dietrich Schellhammers / meines vielgeehrten Herrn Schwagers und Jungfer Anna Margreta Friedrichin / begangen in Hamburg den 30. Septemb. 1651.

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91waͤldchens erſte Abtheilung.
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92Poetiſch - und Muſikaliſches Luſt -

Nach dem Sprichwoꝛt:

Frey in deiner Fruͤhlingszeit /
Jung gefreyt hat nie gereut.
Erſter Satz.
1.
DEr iſt Selig welcher bald auf Heyraht daͤnket /
Und auf deſſen ſuͤſſes Thun die Sinnen lenket /
Selig der ihm vorgenommen /
Bey noch friſcher Zeit /
Jn den ſuͤſſen Stand zu kommen /