PRIMS Full-text transcription (HTML)
Hirſchbergiſchen Warmen Bades / in Schleſien vnter dem Rieſen Gebuͤrge gelegen / Kurtze vnd einfaͤltige Beſchreibung: Was deſſen Natur / Arth vnd Eigenſchafft / Krafft vnd Wirck - ung ſey: Wie es recht vñ nuͤtzlich zu gebrauch - en: Was vor eine Diæt darinnen zu hal - ten: Auch wie man den Zufaͤllen be - gegenen vnd abehelffen moͤge.
Neben einem allgemeinen Bericht / von Mineraliſchen Waſſern vnd Wild Baͤdern. vnd kurtzem Verzeichniß Derer Kraͤuter vnd Berg Arthen / Welche vmb dieſen warmen Brunnen hin vnd wieder[auffn] Gebuͤrgen gefunden werden /
Jn VerlegungGeorg Opitz/ Buch - binder inHirſchberg.
Denen Ehrenfeſten / Achtbarn / Wolweiſen / auch Hoch - vnd Wolgelehrten Herren / Buͤrgermeiſtern / vnd Rahtsverwan - ten der Koͤniglichen Stad Hirſch - berg in Schleſien: Meinen großguͤn - ſtigen / gebietenden Herren / auch vielgeliebter Herrſchafft vnd Obrigkeit.

EHrenfeſte / Acht - bare / Wolweiſe / auch Hoch vnd Wolgelehr - te Herren: Großguͤnſtige vnd gebietende Herren vñ treuc / auch groſſe befoͤrderer: Demnach vn - ſer lieber treuer Gott vnd HErr / durch ſeine Goͤttliche gnad vnd Barmhertzigkeit / gantz wunder - barlicher weis / wieder allen lauff vnd Ordnung der Natur / denA ijMenſchenEpiſtolaMenſchen / hoch vnd nieder / arm vnd reich / auch Mann vñ Weibs - perſonen zu jhrem beſten / dieſes Mineraliſche Waſſer vnd warme Bad / welches daher / weil es der Stad Hirſchberg nahe gelegen / das Hirſchbergiſche warme Bad genennet wird / geſchaffen / vnd aus dem ſtaub der Erden herfuͤr quellen laſſen / als erkennen wir billich ſolche hohe groſſe Gottes - gabe mit treuem danckbaren her - tzen / ſagen auch dafuͤr Lob / Ehr / Preiß vnd Danck vnſerm hoͤch - ſten gutthaͤter / als dem einigen / Ewigen / vnd wahren Gott / auch HErren vnd Schoͤpffer / der vns dieſelbige an dieſem Ort verlie - hen hat. Der gebe ferner auch ſeine genad / ſegen vnd gedeien /dasDedicatoria. das ſolches in ſeinen ordentlichen Lauff / ſtand vnd weſen alſo ver - bleiben / auch wie von anfang vnd bißher / ſeine krafft vnd wirckung erzeigen vnd beweiſen moͤge. Es mag dieſes Bad wol recht vnd billich genennet werden / Erſtlich ein heilſames Bad / weil vielen hochbetruͤbten / vnd von wegen Leibesbeſchwer geaͤngſten Men - ſchen / vermitelſt Goͤttlicher huͤlff vnd gnaden dadurch geholffen / vnd dieſelben von viel vnd man - cherley auch groſſer vnd beſchwer lichen plagen / ſeuchen vñ kranck - heiten ſind erlediget worden:

Vnd demnach mag es genennet werden / ein Wunder Bad / weil es / wie zuvor geſagt / wieder die Natur Leufft / vnd in dem kaltenA iijtruckenenEpiſtolatruckenen Erdtreich ſeine Natuͤr - liche Hitze vnd Waͤrme / gleich - ſam wie von oben herab / von dem Vater des Liechts mit ſich bringet.

Darmit aber nun ſolches den Menſchen zu beſſerm Nutz / fromen vnd gedeien gereichen / auch viel guttes ausrichten / vnd alſo zu erholung gutter geſund - heit dienen moͤge / So wil von noͤhten ſein eine gutte Inſtructi - on, wie man ſich in einem vnd andern / mit dem Baden / als ein vnd außſteigen / auch wegen der ſtunden vnd diæt, das iſt / mit Eſ - ſen vnd Trincken recht vnd wol - verhalten ſol / das alſo dieſes Bad fein ordentlich / vnd mit nutz vnd fromen gebrauchet werde. De -rentwegenDedicatoria. rentwegen der Weiland / Ehren - feſte / Achtbare / Hochgelehrte / vnd wolbenambte Herr Doctor Casparus Schwencfeld, Damahls beſtaͤlter Phyſicus der Stad Hirſchberg / weiln er von langer zeit vnd Jahren her dieſes Bades art / Natur vnd Eigen - ſchafft wol erkennen lernen / auff fleiſſige bitt vnd anhalten vieler Menſchen / Hohes vnd Niedern ſtandes / auch dem gemeinen nutz zum beſten / ſolches in einem fei - nen nuͤtzlichen Buͤchlein beſchri - ben / auch publicirt, vnd in offent - lichen Druck hat kommen laſ - ſen / damit es Meñiglich bekandt / vnd zur nachricht dienen vnd ge - reichen moͤge.

Es ſind aber ſolche Exem -A 4plarEpiſtolaplar vnd Buͤchlein von dem Hirſchbergiſchen Warmen Bad nunmehr alſo diſtrahiret vñ ver - kaufft worden / das deren nicht wol eines mehr zubekom̃en / vnd iſt eine gutte geraume zeit her viel fragens vnd wuͤnſchens darnach geweſen / weil es aller dings nutz vñ noͤtig von Menniglich erkand das ſolches revidiret, vnd von newem auffgelegt / auch mit gut - tem fleiß vnd correction ſolte ge - druckt werden. Weiln aber da - zu viel muͤh vnd vnkoſten / vnd ſonderlich Außreiſen vnd ver - ſeumnuͤß gehoͤret / hat ſich nie - mand darzu finden wollen / der ſolches auff ſich genommen / biß endlich die ſach an mich gelangt / vnd ich von vielen gutthertzigen /auchDedicatoria. auch zum theil vornehmen Per - ſonen bey dieſer Stadt darumb angelanget / vnd mit fleiß darzu ermahnet worden / weil ſolches dem gemeinen Nutz zum beſten gereichet / vnd vielen / auch hohen Perſonen damit wol gedienet / auch ſolches meinem Ampt vnd Beruff gemeß / als der ich mit Buͤchern / dieſelbe zu kauffen vnd verkauffen / ſo wol auch einzubin - den mich gebrauchen laſſe bey die - ſer Stad / das zu ſolchem Werck / ſolches zuverfertigen / ich auch wolte foͤderlich vñ dienſtlich ſein / Welches ich im Namen Gottes auff mich genommen / vnd alſo dieſes Werck oder Buͤchlein / mit fleiß verfertigen laſſen / habe auch die vnkoſten vñ verlegung / ſo vielA vesEpiſtolaes anlanget / bey Heller vñ Pfen - nig mit bahrem Geld bezahlen muͤſſen. Jſt vnd gelanget hier - auff diß mein freundliches vnd dienſtliches bitten an die Herren vnd Frawen Badegaͤſte / welchen darmit gedienet / die wollen mit dieſer meiner Arbeit / muͤhe vnd fleiß vorlieb nehmen: Wuͤnſche auch beyneben zum Bade von GOTT dem Allmechtigen den Herren vnd Frawen Badegaͤ - ſten kraͤfftiges gedeyen / gutte ge - ſundheit vnd langes leben / neben aller heilwertigen des Leibes vnd der Seelen wolfart. Eurer Ehrnfeſt aber / vnd Achtbaren weißheit / Großguͤnſtige / gebiet - tende / auch vielgeliebte Herren Foͤrderer vnd Patronen, hab ichdieſesDedicatoria. dieſes Buͤchlein in vntertheni - gem gehorſam vnd demut hirmit Dediciren vnd Offeriren wollen / Erſtlich / weil es ein alter brauch vnd gewonheit alſo iſt / einen Her - ren vnd Mecænatem jhme auß - zuleſen / durch welches ſchutz vnd huͤlffe gutte nuͤtzliche Buͤcher vñ Schriefften / wieder die Neyder / Mißgoͤnner vnd Verleumbder moͤgen defendirt vnd alſo befri - diget werden. Zum Andern / weil dieſes Warme Bad das Hirſch - bergiſche Bad genennet wird / vñ auch dieſes orts gelegenheit / ſo viel das Gebuͤrge / Kraͤuter / Me - tallen / vnd Mineralia, ſo wol an - ders mehr betrift / nicht wenig da - riñen gedacht / vnd dieſelben mit allem fleiß beſchrieben werden. WilEpiſtolaWil auch zugleich hiermit mei - ne nach vermoͤgen allezeit trewe / willige / vñ gehorſame dienſt / ne - ben meinem Gebet vnd Vater Vnſer / fuͤr E. E. vnd A. W. ge - ſundheit vnd langes Leben / einem Erſamen / Wolweiſen Raht hier - mit præſentirt vnd angeboten haben. Vnd bitte ferner in de - mut vnd gehorſam / hoͤchſtes fleiſ - ſes vnd vermoͤgens / E. E. vnd Achtb. W. wollen jnen diß mein Werck vnd vorhaben wolgefal - len laſſen / auch anders nicht denn im beſten erkennen vnd auffneh - men / auch mich denſelbigen / als meine vielgeliebte Herrſchafft / in jhren ſchutz / huͤlff vnd Foͤrderung zu jederzeit befohlen ſein laſſen. Wil ich mich hin gegen wiede -rumbDedicatoria. rumb als ein treuer vnd gehor - ſamer Vnterthan zu jederzeit er - finden laſſen / vnd befehle hiermit E. E. vnd A. W. ſampt vnd ſon - ders Goͤttlicher auffacht vnd protection. Datum Hirſchberg / am Sontag Miſericord. Domi - ni, im Jahr nach Chriſti Selig - machender Geburt 1619.

Ewrer Ehrnfeſt vnd Acht - barn weißheit: Allezeit in trewen williger vnd gehorſamer Vnterthaner Georg Opitz / Mitwohner vnd Buchbinder in Hirſchberg.

In

In thermas Clariß. & Excellentißmi Medici, D. Casparis Schwenc - feldii, Phyſici Gorlic. Reipubl. ordinarii.

AErij ferro ſcrutatus viſcera montis
Auri latentes eruit qui glebulas,
Magnum aliquid mundo donaſſe videtur avaro.
Opes adeò nunc unicè tellus ſitit.
Aurum, & opes, gemmæꝙ́, frequens quæ donat amic us.
Nil ſanitatis corpori queunt dare.
Tu Schvvencfeldi, igitur de poſteritate mereri
Longè melius ſerâ ſtudes: quando eruis
Thermar um abſtruſas vires, venasꝙ́ ſalubres:
Vt ſanitatis adfer ant plus corpori
Viribus exhauſto: redeat vigor ut novus illi:
Et ægritudo pallida longè exulet.
Prolongare at enim vitam ut mortalibus ægris
Deſcriptione fontium calidorum aves:
Sir quoꝙ́ ſit perpes tua fama, decusꝙ́ perenne:
Intermoriatur nomen & nunquam tuum.

Amoris ergò faciebat Gregorius Richterus Gorl.

PErdidit ad Thermas Xerxes roburq́; decusq́; Militiæ quando bella ſuperba movet. Tucontra importas, Svvencfeldi, lumina ther - Dum calamo calidas ſcribere tendis aquas. (mis: Sit bonus, atq; ſua præſtet bonitate libellus: Durabit quamvis ſcriptus inhæret aquis.

M. Martinus Mylius.

HEllas Achillèos Agamemnoniosꝙ́ calentes
Vndarum latices laude ſub aſtra tulit:
Quæ dudum in tenebris ignor atæꝙ́ jacerent:
Ni lucem dederit ſcribere docta manus.
Tu thermas calamo illuſtras: quas divite fundit
Sudetum viridis fonte corona comas:
Hîc ubi Quadorum juga ſunt depreſſa Gigantum:
Et quâ Teplicium turribus aſtræ petit.
Quæ, bone, pro meritis referent tibi præmia thermæ[t]
Victurum ſpondent omnia ſecla decus.
Dùm calidam emittet radice Bohemia: nomen
Schwencfeldi referet Nympha calentis aquæ.
Thermarum calidas clarat Schwencfeldius undas:
Schwencfeldi genium calda loquetur aqua.

M. Elias Cüchler. P. C.

[1]

Erſter Theil. Von den Mine - raliſchen Waſſern in gemein.

DEr Koͤnigliche Prophet David / als er die vner gruͤndliche Weißheit GOttes / die Er in dem Gebaͤw Himels vnd der Erden / in Regierung vnd Erhaltung aller ſeiner Wercken hat ſehen laſſen / vnd noch taͤgli - chen ſehen leſſet / betrachtet / Erhebet er ſei - ne Stim̃e: HErr / mein GOtt / groß ſind deine Wunder / vnd deine Ge - dancken / die du an vns beweiſeſt / Dir iſt nichts gleich / Jch wil ſie ver - kuͤndigen / vnd davon ſagen / wiewol ſie nicht zu zehlen ſein.

Weil denn in den Metalliſchen Waſſern / als Sawer Brunnen / Warmen Baͤdern / etc. nicht eine geringe anzeigung Goͤttli - cher Guͤtte vnd Allmacht geſpuͤret wird / wil vns in allwege gebuͤhren / das wir ſolche Wolthaten GOttes auch ruͤhmen / vnd jm dafuͤr Lob / vnd Danck ſagen. Vnd ob ichBmich2Von Mineraliſchenmich zwar viel zu wenig befinde / von ſol - chen hohen vnd verborgenen Dingen zu - ſchreiben / wil ich mich doch vnterſtehen ei - nen Anfang zu machen / vnd etwas / ſo viel GOtt der Allmaͤchtige Gnade darzu verlei - hen / darvon ſtamlen / Das andere Gelehr - tern befehlen.

Alle Dinge / darvon die Ertzneyen / wel - che GOtt der Allmaͤchtige auff dieſer Weld den Menſchen verguͤnſtiget vnd geſchenckt hat / genomen werden / koͤnnen in drey vnter - ſchiedene Claſſes abgetheilet werden.

1. Anima - lia.

Erſtlich komen etliche Artzneyen von den Animalibus oder Thieren. Dar - unter verſtanden werden / nicht allein die vollkomenen Thier / als da ſind die Vierfuͤſ - ſige / zahm vnd wilde Thier / Allerley Gefluͤ - gel / mancherley Fiſche im Meer / in Seen vnd Fluͤſſen: Sondern auch die Inſecta oder Annularia / welche vnter ſich allerley Gewuͤrme vnd Vngeziefer / als da ſind Bie - nen Seidenwuͤrmlin / Scorpionen / Can - tharides / Regenwuͤrme / Egel vnd derglei - chen begreiffen.

2. Vegeta - bilia.

Vnter die Andere Ordnung aber werden gerechnet / die Erdgewaͤchſe Vegetabilia benahmet / welche in ſich faſſen / alle Dinge / ſo aus der Erden / entweder vonſich3waſſern in gemein. ſich ſelbſt wachſen / oder durch Pflantzung auß dem Samen / Wurtzeln oder Pfroff - reiſern geziehlet werden: Als da ſind / allerley Kraͤuter / Zweygſchoſſe vnd Baͤume / von welchen vielerley / als Wurtzeln / Bletter / Bluͤhtin / Samen / Fruͤchte / Rinden / Holtz vnd dergleichen zur Ertzney dienſtlich gele - ſen vnd geſamlet werden.

Die Dritte Reye begreiffet die Mi -3. Minera - lia. neralia / Berg Arthen oder Berg - Gewaͤchſe / welche ohn Leben in der Er - den / in Kluͤfften vnd Gaͤngen generiret / vnd entweder aus der Erden gegraben / vnd durch Kunſt gereiniget / geſeigert / vnd von dem Vnreinen geſchieden werden: Oder von ſich ſelbſten aus der Erden herfuͤr an Tag rinnen vnd flieſſen: Als da ſind / ſchoͤne friſche Brunnen / Saltz Brunnen / Sauer - Brunnen / Warme Baͤder vnd dergleichen mehr. Von welchen folgends ſol geredet werden.

Zu mehrer aber vnd beſſer Nachrichtung / kan man alle Waſſer / die aus der Erden fliſſen oder quellen / in dreyerley Arth vnd Geſchlecht / das ich jetzund der Fluͤß vnd Re - gen Waſſer geſchweige / als nehmlich / in Trinck Waſſer / Metalliſche vnd Wunder - Waſſer abtheilen.

B ij1. Wun -4Von Mineraliſchen
Aquæ miracu - loſæ.

1. Wunder Waſſer / Aquæ mi - raculoſæ / werden wegen der Wunderwerck / die ſie verrichten / alſo genant / derer Vrſach verborgen / vnd von den Naturkuͤndigern nicht kan dargethan werden. Als zum Exempel:

Ein Wunder Waſſer war zu Jeruſalem beym Schaff Hauſe im Teiche Bethesda genandt / welches ſolcher Krafft vnd Wir - ckung / das es nach bewegung des Engels / den erſten Menſchen / ſo darein kam / von al - ler Leibes Kranck heit erledigte vnd geſund machete. Dar auff ein groſſe Anzahl von Krancken / Blinden / Lahmen / Außſetzigen / in dem darbey gelegenen Hoſpital lagen / welche des Waſſers Bewegung vnd Auff - treibung erwarteten / Wie darvon beym Evangeliſten Johanne am 5. Cap. . 2. 3. 4. zuleſen. Jn Arcadia iſt ein Brun - nen Alyſſus genandt / aus welchem / ſo einer / der von eim raſenden Hunde gebiſſen wor - den / trincket / bald geſund wird / vnd ſchadet jhm nichts / wie Pauſanias meldet. Ein Warmer Brunnen wird in Sardinia ge - funden / welcher das Geſichte ſtaͤrcket / Weñ aber ein Dieb daraus trincket / verleuret er daſſelbe / vnd wird blind. Nicht weit von Chur im Sunder Thal iſt ein Brunnen / welcher die jenigen ſo jhn trincken / gar naͤr -riſch5.[5]waſſern in gemein. riſch machet. Jm Pintzgaw / Steyermarck / Schleſien vmb das Rieſen Gebuͤrge / hats kalte Brunnen / darvon den Beywohnern / die es Trincken / groſſe Kroͤpffe wachſen. Wiewol die Naturkuͤndiger ſolches dem Kyß zuſchreiben. Man lieſet / das in Theſ - ſalia zwey Waſſer ſeind / wenn die Schaffe aus einem Trincken / werden ſie ſchwartz / aus dem andern weiß / aus beyden geſprenckelt. Ein Wunder Brunnen iſt in Vngern auff den Gebuͤrgen Tatri, nicht weit von der Berg Stadt Schmolnitz / dieſer / reſolviret das Eyſen / ſo darein geleget wird / zu eim Schlich / vnd verwandelt es in Kupffer. Jn Carnis wird gefunden ein See / Czer - nick genennet / welcher im Ende des Herb - ſtes / in einem nuhe / aus verborgenen Adern der Erden voll Waſſer quillet / vnd eine groſ - ſe anzahl Fiſche mit ſich bringet. Verleu - ret ſich widerumb im anfange des Som̃ers / das man darein ſeen / vnd auch einerndten kan. Dergleichen Wunder Waſſer ſind hin vnd wieder auff Erden / als vmb Nea - polis in lacu Averno, im Zipß / etc. welche Viehe / Menſchen vnd Vogel toͤdten / dar - aus getruncken. Jtem welche bald zu Stein werden / als bald ſie aus der Erden flieſſen / vnd welche Holtz vnd andere Sachen in Stein verwandeln: Zum theil ſchaͤdlichB iijvnd6Von Mineraliſchenvnd Giefftig / zum theil nuͤtzlich vnd gantz heylſam.

Aquæ fontanæ potabi - les dul - ces.

2. Natuͤrliche Trinck Waſſer Aquæ fontanæ ſeu potabiles, ſind alle Brunnen / welche ohne vermiſchung der Mineralien oder Erden / ohne Geruch / ohne Geſchmack / ohne Feule / lauter vnd klar als ein Criſtall / ſuͤſſe vnd lieblich aus den Ber - gen vnd der Erden herfuͤr quellen / Viehe vnd Menſchen zum Trancke / davon der 104. Pſalm meldet: Der HERR leſſet Brunnen quellen in den Gruͤnden / das die Waſſer zwiſchen den Bergen hinflieſſen. Daß alle Thier auff dem Felde trincken / vnd das Wild ſeinen Durſt leſche.

Dieſe ſuͤſſe Waſſer werden auch beym Few - er auff gewermet / vnd zum Baden von erli - chen gebraucht / Wie denn ſolche Baͤder bey den Deutſchen / auch bey vns Schleſiern ſehr gemein.

Aquæ Metalli - .

3. Aquæ Metallicæ, Metalliſche / Mineraliſche / oder Wilde Waſſer / werden genennet alle die jenigen / ſie ſein Warm o - der Kalt / welche in der Erden / da ſie jhren Vrſprung haben oder generiret werden / von Berg Arthen / Metallen / Metallarien / Saͤfften oder Geſteinen eine ſonderlicheArth7waſſern in gemein. Arth vnd Eigenſchafft fuͤhren / am Geruch / Schmack / am Fuͤhlen vnd an der Farbe von gemeinen Brunnen Waſſern Vnter - ſchieden / nicht zum bloſſen Tranck / ſondern mehrentheils zur Ertzney koͤnnen vnd ſol - len gebrauchet werden. Dieſe ſind auch nicht einerley / ſondern werden wiederumb abgetheilet. Etliche ſind Corporaliſch /Corpo - rales. welche Corporaliſche Mineralia oder Berg Saͤffte in ſich fuͤhren / als da ſind Alauichte Waſſer / Vitrioliſche Waſſer / Saltz Brun - nen / Schwefel Waſſer / daraus Schwefel / Saltz / Alaun / Kupfferwaſſer vnd der glei - chen geſotten wird / vnd an keines Menſchen Coͤrper vor ein Bad koͤnnen gebraucht wer - den / weil ſie nicht hindurch moͤgen dringen. Eines theils Spiritualiſch / vnd recht Me -Spiritua - les. talliſche Waſſer / welche ein Spiritualiſch oder Geiſtlich Metall vnd die Subtilitet / vnd reine Seele deſſelben in ſeiner erſten Gebaͤrung bekomen / mit ſich fuͤhren / auch jnnerlich vnd euſſerlich koͤnnen vnd moͤgen als Artzneyen nuͤtzlich gebraucht werden / als da ſind Warme Baͤder / Sauer Brun - nen / Salſulæ / vnd dergleichen vnzehlich viel / von welchen ein wenig ſol Meldung ge - ſchehen.

Es wird gefraget / Wannenher die Mineraliſchen Waſſer / welche die Spi -B iiijrirus8Von Mineraliſchenritus vnd Seele der Berggewaͤchſen in ſich haben / aber kein Corpus fuͤhren / jhre Arth / Krafft vnd ſonderliche Eigenſchafft vber - komen?

Etliche haltens dafuͤr / das alle Mi - neraliſche Waſſer oder Brunnen jhre Me - talliſche Natur vnd Krafft empfahen vnd bekommen daher / das ſie vber vnd durch die Metalliſchen Adern / Gaͤnge vnd Minera - lia fliſſen / lauffen vnd rinnen / Derowegen derſelben Arth an ſich ziehen. Welches aber nicht ſein kan. Deñ wo dem alſo / wuͤrdẽ viel mehr Mineraliſche Waſſer gefunden wer - den / als jetzund bekandt ſein / Vnd wuͤrden faſt alle ſuͤſſe Trinck waſſer (wie es die taͤg - liche erfahrung zeuget) gefunden werden / die vber Metalliſche Gaͤnge vnd Strieche fliſſen / welche doch weder Krafft noch Ge - ſchmack an ſich nehmen oder empfahen ſon - dern ſind vnd bleiben ſuͤſſe liebliche Trinck - Waſſer. Wann ſchon ein Waſſer 20. 30. ja etliche Hundert Jahr vber ein Eyſen / Gold / Silber oder ander Metall lieffe / wuͤrde es jhm doch ſeine Krafft nicht ausziehen / oder dieſelbige jhm mittheilen koͤnnen. Zu dem / ſo hette das lengeſt verlauffene Waſſer die Kraͤffte an dem oberſten / vnd dem Fluß am nechſten theilen ſolcher Metalliſchen Gaͤn - ge / lengeſt hinweg / vnd were dieſer Zeit kei -ne Krafft9waſſern in gemein. ne Krafft mehr vbrig / noch verhanden / die das nachkomend Waſſer mit jm heraus ſuͤ - ren moͤchte. Welches ſich denn anders be - findet. Denn wir Augenſcheinlich ſehen / das ſolche Waſſer zu allen Zeiten / Winter vnd Sommer / am Geſchmack / Farbe vnd Gehalt / kraͤfftig gefunden werden.

Vber das / ſo kan es auch nicht ſein / daß das Waſſer ob den Metallen eine Zeitlang ſtande / die Krafft an ſich ziehe / vnd nach em - pfahung derſelbigen / erſt als denn zum auß - fluß ſich foͤdere. Denn / wo diß were / ſo muͤ - ſten zu vnterſchiedlichen Zeiten / die Fluͤſſe vnd Brunnen auffhoͤren / vnd nicht mehr flieſſen / ſo lange biß die geſamlete Krafft da - rein gezogen / vnd das Waſſer deren genung - ſamlich gefaſſet hette / vnd erſt dann wieder anfahe zulauffen / welches doch nicht ge - ſchiehet. Dieweil wir befinden / das dieſel - ben Fluͤſſe ſtettigs vnd ohne auffhoͤren / jhren Trieb vnd Fluß gleich ſtarck haben / vnd den behalten. Jtem / Es wuͤrden Toͤpffe / Keſ - ſel / Handfaͤſſer / die Waſſer Metalliſch ma - chen / Vnd wenn dem gleich ſo were / ſo muͤ - ſten die Waſſer faul vnd ſtinckend werden / die weil ſie keine Bewegung haben. Fer - ner / ſo kan man auch von den rechten Me - talliſchen Waſſern kein Metall bringen / oder ſtuͤcklin der Metallen darinnen finden /B vman10Von Mineraliſchenman ſiede / diſtilltre vnd verſuche es auff alle wege / die man mag erdencken / ſo iſt ſolches zu wege zubringen / aller Koſten / Muͤhe vnd Arbeit verlohren. Folget derowegen / das alle ware vñ Metalliſche Waſſer / jre Krafft vnd Metalliſche Arth empfahen vnd beko - men / von der Metallen erſten Mineren / welche ſind ein Neugebohrnes vnd vnzeiti - ges Metall / das iſt / eine zarte / erſchaffene vnd geborne weiche Subſtantz / die noch nicht zu einem Metalliſchen Coͤrper Coaguliret / erhaͤrtet vnd vollkoͤmlich zeitig worden iſt / ſondern eine Safftige vnd fluͤſſige Eigen - ſchafft in ſich haben / davon werden die aller - beſten vnd edelſten theil / nehmlich die See - le / Geiſter vnd Subtiliteten / das ſind die Metalliſchen Schwaͤden mit dem Waſſer / das dadurch leufft / vermiſcht vnd mitgefuͤh - ret / Jn welches Waſſer alle Subtiliteten vnd Spiritus / oder Geiſtliche Kraͤffte / die in den Mineren ſind, ſich austheilen vnd vermiſchen / nicht anders / als ob die Waſ - ſer von den Metallen / durch eine kuͤnſtliche diſtillation weren abgezogen worden. Vnd auff dieſe arth vnd weiſe diſtilliret die fleiſſi - ge vnd vnveroroſſene Natur aus dem new - gebohrnen vnd vnzeitigen Metall die Krafft vnd Subtilitet in dem groſſen Circulato - rio der Erden / aus welchem Gefaͤſſe es fol - gends getrieben vnd an Tag gefuͤhret wird.

11waſſern in gemein

Es iſt der Metalliſchen Waſſer Schliech wol Metalliſch / muß aber durch Kunſt zu einem Metall gemacht werden / denn es iſt ein Geiſtlich Metall. Wiewol nicht ohne iſt / das die Mineren vnd Metalliſche Saͤff - te / ſampt jhrer Seele in der Subſtantz ſich offtermahls mit den Waſſern vermiſchen / wie an den Saltzwaſſern / Vitriol / Alaun / Schweffelwaſſern zuſehen iſt / alſo das man aus denſelbigen Waſſern Saltz / Schwefel / Alaun vnd Vitriol ſieden kan / wie dann an vielen Orthen in Deutſchland / vnd andern Laͤndern geſchicht: Aber ſolches gehet nicht an mit den Metallen. Darneben findet man auch Mineriſche Waſſer / die eben ſo wol nur allein die Spiritualiſchen Subtili - teten der Saͤffte vnd Mineren mit ſich fuͤh - ren / als die Metalliſche Waſſer / aus wel - chen Waſſern man nimmermehr kein recht Schweffel / Saltz / Alaun / Vitriol / durch ſieden / diſtilliren / noch in ander wege / wie die jmmer moͤgen erdacht werden / zuwegen bringen kan. Denn ob gleich viel Waſſer vnd Brunnen aus den Bergen herflieſſen / zeitige Metall / als Gold / Silber / Kupffer / Eyſen / Zihn / Bley / Queck Silber / Spieß - glaß / Lazurſtein / Armenierſtein / vnd der - gleichen andere Metalliſche Corpora aus den Canalen, Rinnen vnd Gaͤngen derMetal -12Von MineraliſchenMetallen / durch die jaͤhen Felſen oder Ca - taracten heraus treiben / ſind ſie darumb nicht Metalliſche Waſſer vnd haben keine andere Krafft vnd Wirckung / denn andere gemeine ſuͤſſe Trinckwaſſer: dieweil ein mal gewies vnd wahr / das kein recht Natuͤrlich Metalliſch Waſſer / ein Corporaliſch / per - fect vnd vollkommen zeitig Metall mit ſich fuͤhret.

Von der Waͤrme oder Hitze der Mineraliſchen Waſſer vnd Warmen Baͤ - der / ſchreiben die Gelehrten ſehr vngleich.

Eins Theils ſchreiben ſolche Waͤr - me einem Kalckſtein in der Erden verborgen / den wir nicht ſehen / zu. Denn gleich / wie of - fenbarlich ein jeglicher Kalck / ſagen ſie / daß Waſſer heiß macht / ſo vber jn gegoſſen wird: Alſo ſey es der Natur moͤglich / durch ver - brunnene Mineralia ſolches zu machen.

Welches aber nicht geſein kan. Daß Waſ - ſer bekoͤmpt wol der ſelben Matery Ge - ſchmack / aber nicht jhre Waͤrme. Denn / wie ein Kalckſtein nicht mag waͤrmen / er ſey denn vom Fewer vorhin erhitzet / vnd dar - zu fleiſſig bereitet / Alſo muͤſte hier auch vor - hin ein Fewer geweſen / vnd hernach wieder erloſchen ſein. Hiermit wuͤrde baldt die Waͤrme auffhoͤren.

Ande -13waſſern in gemein.

Andere meinen / das der Soñen vñ der Sternen Waͤrme vnd Hitze ſolches aus - richte / welche durch der Erden Lufftloͤchlein dringen / vnd das Waſſer erwaͤrmen. Wañ aber dieſem alſo / wuͤrden mehrentheil alle Brunnen vnd Fluͤſſe warm ſein / dieweil in der Erden vnzahlbare viel Lufftloͤchlein verhanden.

Ferner / moͤchte jemand den winden die Vrſach zulegen / welche in die Erden hienein dringen / die warmen Daͤmpffe an einem Orthe zuſamen treiben / vnd durch dieſe die Waſſer erwaͤrmen / gleich wie die Daͤmpffe in den Wolcken ſich zuſammen thun / vnd letzlich mit Donner vnd Plitz her - fuͤr brechen. Wenn dieſem alſo / muͤſte die Waͤrme mit ſambt den Winden auffhoͤren / wie auch die Erdbidem. Denn die Winde moͤgen in die lenge nicht beſtehen / ſondern werden mit ſambt jhrer Matery / durch die Hitze / vnd etwa durch die Regen geſtillet.

Zum Vierden / kan man des Waſ - ſers Waͤrme der ſchnellen Bewegung / vnd dem hohen Abfall auch nicht zulegen. Deñ die Bewegung machet allein dieſe Ding warm / ſo vorhin eine Waͤrme in ſich haben / Als / Ein Menſch ſo er lauffet / beweget ſei - ne jnnerliche Waͤrme / das ſie herfuͤr drin - get. Es iſt aber keine Waͤrme in dem Waſ -ſer /14Von Mineraliſchenſer / welches von Natur Kalt vnd Feucht iſt.

Folget derwegen / das die Waͤrme der Warmen Waſſer oder Baͤder / Jtem / daß die Waſſer heiß aus der Erden quellen / kom - me von einem Erd Fewer / ſo durch Haar - wachſende Matery erhalten wird / welcher reſpiration, Athem vnd Lufft zubrinnen bekoͤmpt / durch die Poros vnd Lufftloͤchlein / derer die Erde voll iſt. Dieſes Fewer erhi - tziget die Erden an ſeinem Orth / vnd macht ſie warm / Dieweil denn keine Hitze vnd Kaͤl - te einander leyden moͤgen / ſo fleucht die Feuchte / welche hin vnd her in dem Erdt - reich / vnd auch kalt iſt / Vnd je mehr die Hi - tze hernach dringet / je mehr vnd weiter die Feuchtigkeit fleucht / vnd weichens halb iſt. Jm forthfahren aber ſamlet ſich die Feuch - tigkeit / vnd findet zum letzten eine weite Ze - che / darein ſie ſchlegt / vnd ſich allda mit eim Waſſer im diſtilliren in den Helm verſam - let / Denn das Fewer alle Feuchte der Er - den zuſammen treibet. Die groſſe Hitze vnd keine Laͤberung vnd Auffhoͤrung derſelbigen / machet nicht allein die Erden / ſondern auch das Waſſer vnd den Schweiß ſo heiß / daß er ſchier brennet von des Erdreichs Waͤr - me. Vnd denn / dieweil der Schweiß alſo durch die groſſe Hitze dringen muß / wermeter ſich15waſſern in gemein. er ſich noch mehr / vnd wird heiſſer. Denn wir ſehen / das alle Dinge / welche genoͤtet werden / davon erwaͤrmen. Wann nu in ei - ner eroͤffnung / dieſer heiſſe vñ hitzige Schweis ſich verſamlet / ſo ſuchet er das Mundloch / vnd den Ausgang / dem es nachrinnet / biß es an Tag koͤmet.

Gleicher Geſtalt entſtehen auch die Re - gen bey den Wolcken / aus den feuchten Duͤnſten: Gleicher geſtalt entſtehet auch an etlichen Orthen Feuer in der Erden / vnd wird ohn vnterlaß / durch die inwendige Daͤmpffe vnd Matery erhalten. Dann wann die Sonne vnd andere Geſtirn jhre Wirckung in eine feuchte Erd oder Lett verbringt / entſtehet ein maͤchtiger Dampff / dieſer hencket ſich ohn vnterlaß an die Kluͤf - te / wie der Ruß an Camin / vnd wird ein Schwefel oder andere Metalliſche Arth / nach der Erden Eigenſchafft / aus welcher dieſer Dampff gezogen. Durch dieſe feiſte Feuchtigkeit wird das Feuer erhalten / So viel auch dieſes Feuer taͤglich von der Ma - tery verzehret / ſo viel wird durch die Natur geordnet / Es dringet offt vor die Erden hie - naus / vnd nimet vberhand / wie in Lipara / Hiera vnd andern Siciliſchen Jnſulen / auch bey dem Berge Ætna in Sicilia, Ve - ſuvio vmb Neapolis, Hecla in Jßlandt /vnd16Von Mineraliſchenvnd bey Zwickaw in Metſſen in monte Carbonum zu ſehen. Als zum Exempel: Nim Saltz Waſſer / pere einen knollen har - tes Leimes daraus / ſo groß als ein Kopff oder groͤſſer / mache ein Loch inwendig da - rein / vnd kleibe oben andern Leim dazu / da - mit das Loch keine Lufft habe (du mageſt auch ein Loͤchlin einer Erbes groß am Bo - den des Loches laſſen mit einem Federkiel / damit das Waſſer / ſo ſich im Loche ſamlet / dadurch hienauß lauffen mag) dieſem klum - pen Leim oder Letten lege zu dem Fewer / vñ kere den Federkiel von dem Fewer / Wañ nu die Waͤrme anfahet den Leim zubegreiffen / ſo wird aus dem Federkiel recht heiß Saltz - waſſer herfuͤr flieſſen / das auch ſo heiß ſein wird / das du es auff dem Finger nicht erlei - den moͤgeſt / vnd wird der Leim viel eher tru - cken werden / als ſonſten. Ebener maſſen diſtilliret die Natur in den Bergen / Vnd iſt eben mit den Warmen Waſſern eine ſol - che meinung.

Nach dem aber ſolche Hitze in den Kluͤff - ten der Erden klein vnd gering / groß vnd ſtarck / nahe oder weit vom Außgange gele - gen: Alſo ſeind die Warmen Waſſer auch vngleicher Hitze.

Etliche quellen vnd ſpringen ſo heiß aus der Erden herfuͤr / einem ſiedenden vndauffwal -17waſſern in gemein. auff wallenden Waſſer im Keſſel beym Few - er nicht vngleich / Als da ſind etliche Waſ - ſer in Jßland / Apponeſer in Jtalien / Ober - Baden in Schweitz / das Carleß Bad in Boͤhmen / Porcetanæ / vñ dergleichen mehr.

Andere ſind zimlich warm / beym Quall faſt heiß / doch leidlich / Als das Toͤp - litzer Bad in Boͤhmen beym Graupen: Temperirt vnd nur recht zum Baden / das Walliſſer oder Pfeffers Bad / Plumbers Bad in Lotharingen / das Hirſchbergiſche in Schleſien.

Eines theils ſind gar laulecht / oder auch gar kalt / alſo / das ſie zuvor durchs Feu - er oder heiſſe Steine in Wannen muͤſſen gewermet werden. Der gleichen ſind / das Wolck enſteiniſche Bad in Meiſſen / das Landecker Bad bey Landeck in der Graff - ſchafft Glotz. Jtem / der Johannes Bruñ in Boͤhmiſchen Gebuͤrgen / nicht weit von der Aupen bey der Freyheit gelegen.

Die Berg Gewaͤchſe aber / oder Berg Arthen / von welchen die Metalliſchen Waſſer / jhre Mineraliſche Arth vnd Kraͤff - te vberkomen / ſind mancherley.

Metall: Gold / als Pfeffers in Wallis. Silber / als die bey Vincentz in Jtalien / Gaſteiner Bad.

CKupffer /18Von Mineraliſchen

Kupffer / das Oettinger / das Landecker Bad / das Walliſſer.

Bley / Plumbers / in Lottringiſchen Ge - buͤrgen.

Eiſen / Villenſes, Ferratæ / vnd das Hirſchbergiſche.

Metallarien: Queck Silber / das Toletaner Bad in Hiſpanien: Marck aſit oder Gold Kieß / das Gaſteiner / das Toͤpli - tzer: Bleyſchweiff; das Landecker. Schiefer - gruͤn / Lazur Stein / Armenier Stein / das Ga - ſteiner: Arſenicum, Sandaracham, &c.

Berg Saͤffte. Saltz / die Aponita - vnd S. Helenæ. Niter / Puteolanæ, Aci - dula Cronenburgenſis / das Toͤplitzer Bad / vnd nicht weit darvon der Sauer Brunnen: Alaun / Thermæ Lucenſes, Aponenſes / Ba - deweiler Bad. Vitriol / welcher begreifft Schwartz / Gelbe / Graw / Roth Atrament / B. Ægrotorum in agro Volaterrano: ſchwe - fel / Aponitanæ, Patavinæ, Hirsbergenſes: Bitumen / Erdbech / Agſte in / Bergwachs / Berg Campffer / Aquæ in monte Gillo, Thermæ Hirsbergenſes, Calderianæ, Te - plicenſes.

Allerley Erden / Rubrick / Ogger oder Berggeel / Boles / Lettich / Thon / etc. Balneæ montis Othoni, Calderianæ, S. Petri.

Man -19waſſern in gemein.

Mancherley Geſtein / als Kalck - ſtein / Gypß / Marmor / Alabaſter / Sand - ſtein / Steinſafft / das Carles Bad / Balneæ Auſtriæ, Villacenſes in Carinthia, B. mon - tis Groti, der Linſen Brunn am Neckar / Abacher Bad in Beyern / Toͤplitzer Bad.

Etliche halten Edel Geſteine / Amethyſten / Cryſtallen / Granaten / Sma - ragden / Carneol vnd dergleichen.

Daher entſtehet auch der Vnterſcheidt dieſer Mineraliſchen Waſſer / das ſie am Gehalt / an der Natur / vnd an den Kraͤff - ten vngleich gefunden werden. Dann gar ſelten fuͤhren die Metalliſchen Waſſer ei - nerley Mineralien oder Metall / ohne ver - miſchung anderer ding / Sondern offt vnd dick mit einem oder Zweyen / auch Dreyen / Vieren oder mehren Metallen Mineralien / Berg Saͤfften vnd Geſtein / nach dem ein jedes bey ſeiner Arth Gebohren wird / vermi - ſchet werden. Gleich wie die Berg Arthen oder Metallen ſelten ſchlecht / rein vnd ein - fach in den Bergen gefunden werden / ſon - dern vielmehr von Geſtein / Erden / Berg - Saͤfften vnd dergleichen vermiſchet: Alſo werden die Mineraliſchen Waſſer auch ſelten einfach / Sondern vielmehr von man - cherley Berg Arthen imbuiret gefunden: Vnd nach dem eines Metalles oder Berg -C ijwachſes20Von Mineraliſchenwachſes Arth in jhnen vor trefflich / bekomen ſie mancherley Nahmen / vnd werden an der Farbe / Geruch / Geſchmack / am angrieff oder Fuͤhlen / vnd an der Wirckung in den Kranck heiten vnterſchieden.

Die Farben haben ſie vom Dampff vnd Rauch der Metallen / welche ſie empfa - hen / in jhrer erſten Gebaͤhrung.

Gruͤn / lauter / durchſichtig / Queck Sil - ber Waſſer.

Gruͤn / dick vnd truͤbe / Etliche Schweffel - Waſſer / als Baden am Schwartzwalde.

Duͤnne Gruͤn / mit etwas ſchwertze ver - miſchet / als die Vitrioliſchen: Vñ ſo Kupf - er halten / als das Embſer Bad.

Duͤnne Blaw / vnd gleichwol truͤbe / als die Kupffer / Kiß / Alaun.

Duͤnne Roth / ſo Gold / Lazur / Kupffer / bey Antiquera in Hiſpanien.

Weiß / als die Alaun / Kreyde / Gypß / Spatt / Alabaſter / Zihn / Bley / wilde Kiß.

Schwartz / die Kalckſtein / Schweffel - Kreide / Kobalt / als Aquæ Peruſianæ, A - quæ Apulæ, foſſæ Sulphureæ.

Lauter / durſichtig / klar / welche Salpe - ter / Alaun vnd Vitriol fuͤhren / als Toͤplitz in Boͤhmen / Pfeffers in Wallis.

Truͤbe / dicke / die Saltz vnd Ochra.

Breun -21waſſern in gemein.

Breunlicht / wie ein Bier / Eiſenochra / der Bier Brunnen vber Friedeberg / nicht weit vom Queiſſe gelegen.

Etliche behalten jhre Natuͤrliche Farben. Eines theyls verendern dieſelbige / als Thermæ Cornelianæ Aquenſes.

Am Guſt vnd Geſchmacke / welchen ſie von den Berg Gewaͤchſen / Me - tallen / Metallarien oder Saͤfften erlangen / iſt auch ein groſſer Vnterſcheyd / in dem et - liche ſuͤſſe / etliche raͤſſe / als die Alaun / Sal - peter vnd Vitriol haben. Etliche Bitter / welche Kupffer / Alaun vnd Salpeter fuͤh - ren. Etliche Sawer / welche ein ſaures Gewaͤchſe / als Salniter / Vitriol / ꝛc. in ſich haben / wie die Sawer Brunnen / Vnd nach dem eines viel oder wenig deſſelben helt / iſt er ſaͤwerer als der ander. Etliche Geſaltzen / wie die Salſulæ oder Saltz Brunnen / ſo mit eim Niter oder Berg Saltz vermiſchet ſein / als der Saltz Brunnen hinter dem Fuͤrſten - ſtein in Schleſien zum Saltz. Andere ſind wolgeſchmack vnd lieblich zu trincken. Et - liche ſchmecken nach Schwefel / nach Kalck / Alaun. Eins theils ſind Kieſſig / vnd ha - ben einen Eiſen oder Kupffer Geſchmack. Bey vielen ſind der Mineralien oder Berg - Arthen Krafft vnd Geſchmack durch ein - ander vermenget / vnd werden gar ſelten ge -C iijfun -22Von Mineraliſchenfunden / die nur einen Geſchmack hetten weil die Mineralien vnd Berg Arthen ſelten gar rein vnd einfach gefunden werden.

Am Geruche. Etliche riechen wol nach Biernſtein / Berg Campffer. Etliche ſtincken als welche Kupfferwaſſer fuͤhren. Einstheils riechen ſtarck nach Schwefel / als die in Apulien vnd Sicilien / wie auch das Hirſchbergiſche Warme Bad.

Am Tackt / Fuͤhlen oder Empfind - ligkeit / werden ſie vnterſchieden / das etliche ſie dende heiß / als das Carles Bad / Wieſe - badner Bad / Thermæ Bajanæ in Jtalien / ꝛc.

Zimlich heiß / doch ertraͤglich / das Toͤpli - tzer Bad in Boͤhmen.

Warm / das Hirſchbergiſche Bad.

Law / das Wolck enſteiner in Meiſſen / das Sumberger in Maͤhren / der Johannesbruñ in Boͤhmen / das Landecker Bad.

Etliche ſind feiſt / ſchmutzig als die ein Bi - tumen oder Bergwachs haben.

Andere haben keine Feiſtigkeit.

Wie aber jetzt gemelten Mineraliſchen Waſſer Halt vnd Subtiliteten oder Cor - pora (als ob ſie von Goldt / Silber / Kupf - fer / Bley / Zihn / Eiſen / von Schwefel / A - laun / Saltz / Niter / Vitriol / Kalck Stein / Gyps / vnd dergleichen einfach oder ver - menget abflieſſen) auff mnacherley weiſedurch23waſſern in gemein. durch die Farbe / Geruch / Geſchmack / Fuͤh - len / Jtem / durch Kochen / Diſtilliren / dige - riren, coaguliren, corrumpiren, mehr durch den Effectum vnd Wirckung ſollen probiret, erkennet vnd vnterſchieden werden / iſt nicht dieſes Orthes / darvon weitleufftige Meldung zu thun.

Es werden auch alle Mineraliſche Waſſer / als ein Ertzney entweder zum trin - cken / oder zum Baden / Oder zum Trincken vnd Baden zugleich gebrauchet.

Zum Trincken ſind nuͤtzlich / wel - che Niter / Saltz / Eiſen / Alaun / Silber / Gold / Marmor fuͤhren / auch etliche Schwe - felichte vnd Bituminoſiſche Waſſer / ſo von andern Berg Saͤfften / als Alaun / Saltz / etc. Zuſatz haben. Dieſe abſtergiren vnd rei - nigen den Magen / die Gedaͤrme / eroͤffnen die verſtopffte Leber vnd Nieren / vnd mil - tern dieſelbigen. Attenuiren, digeriren, reſolviren, verzehren vnd trucknen aus die Fluͤſſe / welche offtermahlen Colicam, Len - den Stein Mutter Wehe / Vnfruchtbarkeit vnd Gliedſucht vervrſachen. Wenden vnd benehmen Haͤupt Wehe / Darm Gicht / Sei - ten Wehe. Trucknen den Weiſſen Monat - Fluß. Erquicken vnd ſtaͤrcken den ſchwa - chen Magen / Leber / Nieren vnd die Baͤhr - Mutter.

C iiijZum24Von Mineral. waſſern in gemein.

Zum Baden werden gebraucht die - ſe / ſo wegen der Metall / oder andern ſchaͤd - lichen Berg Arthen ſchaͤdlich ſind / vnd in Leib nicht koͤnnen genuͤtzet werden / als da ſind die jenigen / welche in jhrem halt Bley / Kupffer / Gypß / Erdbech / vnd viel Schwef - fel / ohne vermiſchung anderer Berg Saͤffte fuͤhren / als das Wolck enſteiner Bad / Car - les Bad / Hirſchbergiſche vnd Landecker - Bad / vnd ſonſten viel Baͤder hin vnd wie - der. Dieſe haben eine Arth vnd Eigen - ſchafft / das ſie wermen / die Schweisloͤchlin der Haut eroͤffnen / die vbrige boͤſe / verbor - gene / zaͤhe / dicke Feuchtin ſubtile / duͤnne ma - chen / vnd herauſſer locken. Sie erweichen / ſie trucknen / ſie ſtaͤrcken / erwecken den ver - fallenen Appetit / vnd helffen die Dawung beſoͤdern. Derwegen ſie in allerley Gebraͤ - ſten des Haͤuptes / der Bruſt / des Magens / der Leber / alſo des Miltzes / Nieren / der Mutter / Blaſen / der Nerven / der euſſerli - chen Gliedmaſſen / auch zu allerley Schaͤ - den vnd Vnreinigkeit der Haut / nuͤtzlich gebraucht koͤnnen werden.

Zum Baden vnd Trincken zu gleich koͤnnen gebraucht werden / die jenigen / welche Saltz / Niter / Alaun vnd andere Berg Saͤffte / neben den Metallen in jhrer Vermiſchung haben / vnd wenig Erdbechvnd25Von dem Hirſchb. warmen Bade. vnd Scheffel halten / ohne Zuſatz ſchaͤdli - cher Berg Arthen vnd Mineralien: Als da ſind Baden in Oſterreich / Baden in Schweitz Marggraffthumb Baden / Pfeffers Bad / daß Annæberger Bad / Toͤplitzer Bad in Boͤh - men / vnd andere mehr.

Ander Theil. Von dem Hirſchbergiſchen Warmen Bade.

DAs Land Scheſien wuͤſte vnd vnerbauet / haben vor zeiten die Quaden / Lygier vnd Elyſier bewoh - net. Jſt bey mehlichen durch Gottes Segen in ein zimliches aufnemen komen / alſo das es jetzo vber die 130. vmbmauerte Staͤdte vnd ſtaͤdtlin vnd vber die 19000. Doͤrffer / vñ faſt vnzelich viel Ritterſitze in ſich helt / geſchwei - ge der Kloͤſter / welcher auch ein zimlich An - zahl verhanden. Wird heutiges Tages in Funffzehen Fuͤrſtenthuͤmber / von den Fuͤr - ſten / die ſie inne gehabt / abgetheilet.

C v1. Neiſ -26Vom Hirſchbergiſchen
1. Neiſſiſche2. Liegnitſche3. Bregiſche
4. Teſchniſche5. Oelßniſche6. Schweidniſche
7. Jawriſche8. Oppeliſche9. Ratiboriſche
10. Glogaviſche11. Breßlauiſche12. Troppauiſche
13. Muͤnſterber - giſche14. Saganiſche15. Jegendorff vñ Luͤbſchuͤtz.

Jn dem Jauriſchen Fuͤrſtenthumb / wel - ches von der Haupt Stadt dieſes Kreiſſes den Namen vberkommen / am Sudoͤdiſchen oder Boͤhemiſchen Gebuͤrge / im Winckel zwiſchen Mittag vnd Abend / in einem wei - ten / ſchoͤnen vnd luſtigen Thal / iſt gelegen Hirſchberg / von der Hirſchen Wildbahn / die vor zeiten herumb / ehe die Gebuͤrge vnd Waͤlde / ſo liechte vnd duͤnne gemacht worden / genennet / nicht zwar eine groſſe / aber doch ſehr Volckreiche Stadt / von Bo - leslao III. (von den Polen Crinonſtus Latinis diſtortus mit dem krummen Mun - de genandt) welcher ſtette Kriege wieder die Boͤhmen gefuͤhret haben ſol / Vnd dannen - her die vornemeſten Staͤdte gegen Boͤheim - ben werts erbawet / erweitert / vnd befeſti - get / vmb das Jahr 1108. (wie man vermuttungen hat / vnd das Verßlein aus den Symbolis Ambroſii vnd Auguſtini, ſo in der Taffel des alten Altars daſelbſt in der Kirchen auffgezeichnet geweſen / & be - ne DIC hære DItatI tVæ, da die literæ nu - merales das 1108. andeuten / ſolchem bey -fall27warmen Bade. fall giebet) fundiret worden. Lieget nach der Lenge vom Abend gegen Morgen auff einer Hoͤhe nach dem Bober Fluſſe. Von Mit - tage herfleuſſet der Zacken / welcher auff den Schnee Gebuͤrgen / an zweyen Orthen ent - ſpringet / viel friſche Waͤſſerlein / ſo allent - halben von den nahe gelegenen Bergen fal - len / auffnihmet / vnter der Stad gegen Ni - dergang dieſelben dem Bober zufuͤhret / vnd bey dem Haus Berge / darauff vor zeiten ein Schloß oder Burg geſtanden / im Bach - Winckel ſich mit demſelbigen vereiniget. Der Bober aber hat ſeinen Vrſprung / in eim finſtern Walde / nicht weit vom Schatz - lar / da vor Jahren eine Glaßhuͤtte geweſen / zwinget vnd windet ſich durch Berg vnd Thal / beruͤhret Landshutte vnd Kupffer - Berg / Vnd als er die Stad gegen Mitter - nacht begruͤſſet / verſchlucket er den lautern Zacken Fluß ſambt ſeinem Nahmen / paſſiret weiter nach dem Lehn / Lemberg / Buntzlaw vnd Sagen / vereiniget ſich bey Croſſen mit der Oder / vnd vbergiebt da auch ſeinen Na - men. Die Stad iſt mit einer zwiefachen Mauer vmbgeben / vnd mit einem Graben verwahret / Hat im Jahr 1549. den 18. May groſſen Schaden erlitten / in dem ſie aus einem ploͤtzlichen vnd vnverſehens auff - gegangenem Feuer / innerhalb Drey Stun -den28Vom Hirſchbergiſchenden gantz vnd gar in die Aſche geleget wor - den / nu aber mehrentheils wiederumb / vnd viel zierlicher / als ſie zuvor geweſen auffer - bauet worden. Am euſſerſten Orthe ge - gen Auffgang lieget eine ſehr hohe / ſchone vnd lichte Kirche / darbey eine huͤbſche vnd gar Steinerne Schule / Anno 1567. von einem Ehrbarn Raht daſelbſtẽ außm Grun - de auff gefuͤhret vnd erbauet / gelegen / Aus welcher viel fuͤrnehme vnd Gelehrte Leute gekomen / die in / vnd auſſer dem Lande / Kir - chen / Schulen / vnd dem Gemeinen Nutz dienſtlichen / auch zu hohen Emptern ſind gebraucht worden. Die Jnnwohner ſind ſchlecht / ohne ſondere Pracht vnd Hoffart / an Gebaͤrden vnd Sitten freundlich / Nahr - hafftig / mehrentheils Handwercker / fuͤr - nehmlich Tuchmacher vnd Weber. Eines theils befleiſſen ſich des Ack erbaus / andere vben Kauffmanſchafft. Jnſonderheit iſt das Weibes Volck ſehr embſig vnd fleiſſig allerley Sorthen der Schleyer zu wircken / zu Bleichen / vnd auffs ſchoͤneſte zuzurich - ten / welche in groſſer Anzahl von frembden Schotten / Juͤden / Polacken / abgeholet / auch von den Jnnwohnern ſelbſt in ferne Lande gefuͤhret vnd verſchicket werden. Das Regiement iſt mit Fromen / Gelehrten / Ver - ſtendigen Perſonen verſehen vnd beſtellet /welche29warmen Bade. welche daſſelbige in guttem Friede / Ruhe vñ Einigkeit erhalten. Vor jhre Hohe Obrig - keit / erkennen ſie den Boͤhmiſchen Koͤnig / Roͤmiſche Kaͤyſerliche Majeſtat. Dieweil Schleſien / ſeidhero es von Polen abgeſon - dert / von Anno 1333. an / der Kron Boͤh - men incorporiret geweſen.

Die Lufft herumb iſt friſch / rein vnd ge - ſund. Denn weil die Berge kegen Morgen vnd Mitternacht etwas flach / werden die Aquilonij vnd Euri eingel aſſen / ſo die Duͤn - ſte vnd Nebel von den Waſſern vnd Waͤl - den auffgezogen / zertreiben / die Lufft durch - wehen vnd reinigen. Vnd ob zwar die Su - detes vnd das Rieſen Gebuͤrge gegen Mit - tag ſehr hoch ſteigen / verhindern ſie doch nicht der Sonnenſchein dieſe Gegendt zu - waͤrmen / Sondern brechen vnd Schwechen vielmehr die Vngeſunden vnd Schaͤdlichen Auſtros, damit ſie weniger ſchaden / vnd die Lufft inficiren moͤgen. Vnd machet der Wiederſchein von den entgegen gelegenen Gebuͤrgen / dieſen Orth gantz Warm vnd fruchtbar. Man hat auch nie gehoͤret / das aus inficirung der Lufft Peſtis jemals hef - tig hierumb graſſiret hette / auſſer Anno 1585. 1586. 1599. Dadurch inficirte Perſonen vnd andere Sachen / durch GOt - tes Verhengnis / wegen viefaltigen Suͤn -den /30Vom Hirſchbergiſchenden / die Peſtilentz mit eingebracht worden / durch welche etliche Hundert Perſonen ſind hingerichtet worden. Sintemahl Gott der HErr nicht an die Natur oder friſche Lufft gebunden / ſondern als ein Allmaͤchtiger HERR / derſelben / dem Fewer / Waſſer / Sonnen vnd allen Creaturen gebieten kan / das ſie jhm muͤſſen zu Geboten ſtehen / ſich endern vnd ſeinen Willen verrichten. Denn was Er wil / das thut Er / im Himmel / auff Erden / im Meer / vnd in allen Tieffen. Pſalm. 135.

Alles was zur Auffenthaltung des Le - bens von noͤthen / iſt vmb einen zimlichen Pfenning zubekomen. Denn neben dem Ge - treyde / ſo das Feld herumb gut vnd rein tre - get / wird Wochentlich außm Lande / vnd zu - weilen aus Boͤhmen viel Korn / Weitzen / Gerſten / Haber / ꝛc. zugefuͤhret. Rindviehe wird viel hin vnd wieder / vornehmlich auff dem Gebuͤrge / gezeuget. So giebet es auch Schafftrefften / bey denen vom Adel vnd Forwergßleuten / darvon nicht allein gut Fleiſch / Butter vnd Kaͤſe zubekomen / ſon - dern auch noch vbrig anders wohin verfuͤh - ret wird. Gute vnd geſunde Fiſche geben die Fluͤſſe / der Bober / Zacken / vnd andere Berg Waͤſſerlein / als da ſind / Gruͤndlin / Kreſſen / Ockelein / Haͤßlinge / Perßken /31warmen Bade. Hechte / Oehle / Ohlruppen / Barben / Achſẽ / inſonderheit Fohren / auch gutte Kraͤbſe. So iſt Herbſtzeiten von gutten Karpffen / Hech - ten / Perßken / Speiſe Fiſchen vnd andern Teich Fiſchen auch kein Mangel. Mehr giebt es groſſe vnd kleine Vogel in groſſer menge. Haſel Huͤner / Birck Huͤner vnd Auer Huͤner haben die Hohen Gebuͤrge / komen ſelten vor gemeine Leute. Hirſchen vnd Rehe ſind auch nicht gemein / von den Baͤren vnd Woͤlffen ſehr vertrieben wor - den. Haſen ſind das gemeinſte Wilpret - Vmb die Stad giebts allenthalben Kraut - Gaͤrte / darinnen allerley Kuͤchen Kraͤuter / ſo man zur taͤglichen Speiſe bedarff / als Moͤlten / Kohl / Kappes / Geel Moͤhren / Zwiebeln / Rettich / Peterlin / Salbey / Meerrettich / vnd dergleichen gepflantzet werden. An Obſt mangelts auch nicht / ob zwar die Obſtbaͤume nicht die arth zu wach - ſen haben vnd zu tauren / wie anderswo / ſo wird doch deſſen von andern Orthen ge - nungſam hingebracht. Man braͤwet Bier aus Weitzen vnd Gerſten. Gute Reiniſche / Vngeriſche vnd Oeſtereichiſche Wein / be - koͤmet man vmb einen billichen Pfennig ſtets ins Rahts Keller. Dieſes habe ich kuͤrtz - lichen wegen des Warmen Bades / weil es darvon den Nahmen bekomen / vnd die Ba -de Gaͤſte32Vom Hirſchbergiſchende Gaͤſte mehren theils von Speiſe vnd Tranck / wo ſie es nicht ſelbſt mit ſich brin - gen / darinnen laſſen einkaͤuffen / vermelden wollen. Nu folget des Warmen Brunnes Beſchreibung.

Der Warme Brunnen.

EJn kleine Meilweges von Hirſch - berg / nach den Schnee Gebuͤrgen / ge - gegen dem Winckel zwiſchen Mittag vnd Abend / auff einer ſchoͤnen luſtigen Ebene / am Zacken Fluſſe / iſt gelegen ein Doͤrfflin / welches man von dem heilſamen Warmen Waſſer / ſo darinnen aus der Erden quillet / den Warmen Brunnen pfleget zu nennen. Wie / zu welcher Zeit / vnd von wem ſolcher nuͤtzlicher Brunnen ſey offenbahr vnd ent - decket worden / kan man keine Nachrichtung haben / ob ich mich zwar fleiſſig bemuͤhet / vnd allenthalben embſige Nachforſchung gethan. Vermuthlichen iſt es / weil zur ſelbigen Zeit dieſer Orth gantz wuͤſte / einoͤde / vnd voller Waͤlde geweſen / das es von den Jaͤ - gern ſey erſtlich erfunden worden. Dann Hertzog Boleslaus, welchem dieſer tractus gantz zugehoͤrig / zur Jagt ſonderliche Luſt getragen / wie ſolches aus vielen Haͤuſern /darzu33warmen Bade. darzu in den Gebuͤrgen erbauet / wahr zuneh - men iſt. Vnd weil man zurſelbigen Zeit / von den Warmen Baͤdern hier zu Lande / wenig Wiſſenſchafft gehabet / iſt es von den lieben Alten vor ein Wunder Waſſer ge - halten worden / in dem ſie aus Gottes Wort von dem Teiche Bethesda zu Jeruſalem beym Schaffhauſe vernomen / das er Jaͤhr - lichen zu gewiſſer Zeit / von einem Engel / der das Waſſer truͤbete / ſonderliche Krafft vnd Wirckung vberkomen / daß es den erſten Menſchen / welcher ſich darein tauchete / von aller Leibes Kranck heit vnd Schwachheit / wie die auch ſein moͤchte / entledigte. All - weil ſie dann befunden / das dieſes Warme Waſſer zu vielen gefaͤhrlichen Kranck hei - ten nuͤtzlich vnd gut / vnd die beſte fuͤrnehme - ſte Krafft vmb Johannis darinnen beru - hete (weil vmb dieſelbige zeit / wegen der na - he gelegenen Schnee Gebuͤrgen / daſſelbige zu brauchen die bequemeſte vnd luſtigſte Zeit geweſen) haben ſie ſolche Krafft dem Hei - ligen Johanni zugeſchrieben / als wenn er / gleich wie der Engel zu Bethesda, das Waſ - ſer im Warmen Brunnen bewegete / vnd da - durch die Krafft erweckete. Welcher Aber - glaube Heutiges Tages bey dem gemeinen Volcke noch ſehr tieff eingewurtzelt. Denn an S. Johannis Abendt / vnd an JohannisDTage34Vom HirſchbergiſchenTage vberaus viel Volckes von nahen vnd ferren Orthen / dahin ſich findet / Geſunde / ge - ſunden Leib vbers Jahr zubehalten: Kran - cke / Lahme / Kraͤtzige / Auſſetzige / Gichtbruͤch - tige / jhre Kranckheit zuwenden. Fellet hauf - fenweiſe vbereinander in Brunnen wie die Gaͤnſe / gaͤntzlicher meinung / das Warme Bad / were dieſen Tag viel kraͤfftiger / als an - dere Zeit des Jahres / vnd gebe in einer hal - ben Stunde dem Leibe mehr Krafft / als ſon - ſten Vier oder Fuͤnff Wochen. Derowe - gen die Alten S. Johanni zu Ehren eine Capell erbauen laſſen / in welcher vor Zeiten Jaͤhrlichen an Johannis Tage eine Meſſe geleſen worden / denen / welche das Warme Bad gebrauchet haben. Wie dann vor Ja - ren eine groſſe Wallfarth dahin geweſen iſt.

Man liſſet in Chronicis / daß vmb das Jahr 1377. Hertzog Bulco / wieder die Stadt Erfurt einen Krieg gefuͤhret / vnd dieſelbige belaͤgert habe. Vnd in dem ſich Gotſche Schaff vor derſelben wol vnd Rit - terlichen gehalten / verehret jhm der Hertzog nach ſeiner anheimkunfft / Kynaſt / Greif - fenſtein / ſampt den darzu gehoͤrigen Ge - buͤrgen vnd Doͤrffern / vnter welchen auch der Warme Brunn geweſen. Gemelter Herr Gotſche Schaff / weil er dem Ciſter -cienſer35warmen Bade. cienſer Orden. (welchen Boleslaus Hertzog in Schleſien Anno 1175. von der Pforte gen Leubus in Schleſien geſetzet) ſehr guͤn - ſtig geweſen / denſelben fort zu pflantzen / le - giret / als ein fromer vnd Danckbarer Herr vor ſeinem Abſterben / durch ein Teſtament den Warmen Brunn / Vier Bruͤdern Ciſter - rienſers Ordens im Stifft Grieſſaw zu einer Proͤbſtey / bey welchen er biß auff dieſe Zeit verblieben / vnd das officium mit einem Probſte ſampt Vieren Bruͤdern iſt verſor - get worden / wie ſolchs aus der Vbergabe / welch ich im Kloſter Grieſſaw aus dem O - riginal mit verguͤnſtigung des Herren Abts / abgeſchrieben / vnd von Wort zu Wort hie - her verzeichnet habe.

Anno 1403. Sabbatho in proximis quatuor temporibus poſt feſtum Pente - coſtes, facta eſt traditio villæ VVarm - born cum ſuis pertinentiis nomine Te - ſtamenti, â Valido viro Gotſche Schaff, Armigero, Domino & hærede in caſtris Kynaſt & Greiffenſtein, &c. ad præpoſi - turam pro quatuor Fratribus ex mona - ſterio Griſſau, Ordinis Ciſterſienſis in ca collocandis fundatæ, in manus Vene - rabilis Domini Nicolai Abbatis per Be - neſchium de Chriſtinick Capitaneum Du - catuum Suidnicenſium & Iaurenſium.

D 2Eo -36Vom Hirſchbergiſchen

Eodem Anno 11. Septembris confirmata eſt hæc traditio à Wenceslao Epiſcopo & Capitulo VVratislavienſi per inſtrumen - tum publicum, factum manu Stanislai quondam Johannis Lyndenaſt autoritate Notarij, ſimulque donatum eſt à prædicto Epiſcopo & Capitulo jus Patronatus ſuper hanc Præpoſituram dicto Monaſterio Griſ - ſavienſi.

Sind derſelbigen zeit her iſt diß Dorff / der Warme Brunn genandt / getheilet gewe - ſen / vnter welchen das eine theil / wie jetzt ge - meldt / dem Stiefft Grieſſaw zugehoͤrig / das ander theil aber / als nehmlich die Pauren vnd Muͤhle / ſampt etlichen Gaͤrtnern bey dem Herren Gotſchen verblieben iſt. Es iſt auch ſolches Warme Bad / ſonderlich zu die - ſer zeit mit Haͤuſern / die wol vnd zierlich er - bawet / auch mit Zimmern / vnd aller Noht - durfft genugſam verſehen / ſehr vermehret vnd gebeſſert / das frembde Bade Gaͤſte jhre bequemigkeit / auch alle gutte gelegenheit zum Baden wol haben koͤnnen. Denn nicht allein der Herr Abt zu Grieſſaw vor Jahren / die Proͤbſtey / wie ſie genennet wird / welche dem Bade gleich vber gelegen / an dem Fluß der Zaͤcken genandt / vnd ſehr eingegangen / wiede - rumb anrichten / vnd mit huͤbſchen groſſen Gebewen vermehren / auch mit einer Mawerbeſchlieſſen37warmen Bade. beſchlieſſen laſſen: Sondern es ſtoͤſſet an die Proͤbſtey / zu negſt dem Bad das Steinerne Hauß / welchs dem Wolgebornen Herrn H. Hans Vlrich Schaff Gotſche genandt / zuge - hoͤrig / aus welchem man durch einen verdeck - ten gang in das Bad / vnd zu dem Warmen Qual kommen kan / das weder rawe Lufft / noch Wind / Regen vnd Schnee etwas ſcha - den vnd hindern moͤgen. Es ſind auch noch mehr vor weniger zeit / etliche andere Haͤu - ſer auch zu negſt dem Bad gelegen / von dem Ehrenfeſten / Wolweiſen vnd Wolbenamb - ten Herrn Melchior Tiliſch / vornemen Buͤr - ger / Rahtsverwandten vnd Handelsman der Stad Hirſchberg ſchoͤn vnd wolgebauet / auch mit allerley gemachen / als Kuͤchen / Kel ler / Kammern / Gewoͤlben vnd Stallungen wol verſehen / das nicht leicht eine klage oder mangel darob ſich finden / vnd erzeigen wird. Alſo hat auch der Scholtz zum Warmen - Bruñen / H. Albrecht Laußman / ein ſchoͤnes Hauß / gantz Steinern / hinter dem Bad / vnd zu negſt daran ruͤhrend / mit ſchweren vnko - ſten erbawet / welches wol tuͤglich vnd ſehr bequemlich den Herren Badegaͤſten ſein kan. So wol H. Heinrich Wieſener / der Probſt - ſchenck / wie er vor dieſem iſt genennet wor - den / an jtzo aber des Herrn Abts zu Griſſaw im Warmen Brunnen verordneter GerichtsD iijhalter38Vom Hirſchbergiſchenhalter auch ſein Hauß / zuvor das Back - Hauß genent / vnd zu aller negſt dem War - men Brunnen auſſer dem Probſt Hoff gele - gen / mit etlichen Stuben / vielen Gemachen / Gewoͤlben vnd Stallung erbawen vnd zuri - chten laſſen. Wil jetzt vmb geliebter kuͤrtze willen / der andern / als vnter der Linden der Scholtzin ausgeding / vnd der jenigen / wel - che noch diſſeit vnd vber den Zaͤcken ſind / da - riñen auch wol die Herren vnd Frawen Baͤ - degaͤſte moͤgen bewirtet werden / geſchweigen.

So viel von der Habitation vnd Loſa - menten.

Die Kirche belangend / ſo hat es in dem Warmen Brunnen eine ſchoͤne / ſaubere / vnd wolerbawete Kirche / lieget zu nehſt an der Proͤbſtey / vnd an des Herrn Gotſchen ſtei - nern Hauß / in welcher die alten Herren Gotſchen jhre Begraͤbnuͤß haben / vnd derſel - ben etliche nicht wenig daſelbeſt ruhen / der froͤlichen Aufferſtehung vnſerer Leibe am Juͤngſten Tag erwartende.

Dem Pfarherrn dieſes Orts / (welcher jtzunder iſt Herr Georgius Senner, ein from - mer fleiſſiger Mann) iſt die Inſpection des Warmen Bades vertrawet vnd befohlen / nach dem allerbeſten demſelben vorzuſtehen / die Schluͤſſel vnd Stunden auszutheilen / auch auf erforderung allen gutten bericht denBadegaͤſten39warmen Bade. Badegaͤſten mittheilen / vnd endliche fleiſſige vnd gutte auff acht zuhaben / das alles fein or - dentlich / recht vnd wol zugehe / auch im Bade fein reiniglich gehalten Zorn / Zanck vñ Ha - der / ſo viel moͤglich vorhuͤttet / dargegen aber Lieb / Fried vnd Einigkeit zwiſchen den Her - ren vnd Frawen Baͤdegaͤſten erhalten vnd fortgepflantzet moͤge werden. Darfuͤr er denn zu ſeiner ergaͤtzligkeit vnd beſſerer auf - fenthaltung / weil die reditus ſonſten an jnen ſelber ſchwach / die honoraria zugewarten.

Speiſe vnd Tranck laſſen jhnen vemoͤ - gende vnd nahe wohnende Bade Gaͤſte zufuͤh - ren. Fleiſch / Brod vnd Bier bekoͤmet man dar / doch wird von den vmbgelegenen Doͤrf - fern / von Huͤnern / Vogeln vnd Fiſchen auch etwas zugetragen / mehrentheils zu Hirſch - berg (alldar am Doñerſtage Wochenmarckt iſt) geholet. Das Bier da gebranen iſt zim - lich / aber ſonſt wird Schoͤpß vnd Hirſchber - giſch Bier in der Proͤbſtey oder im neuen Wirtshauſe offentlich geſchencket. Nahe vmb den Warmen Brunnen hat es viel Tei - che / welche Herbſtzeiten gute Fiſche geben / Auch viel Doͤrffer / als Voyßdorff / Heerß - dorff / Cunradsdorff / Schmiedeberg / ein of - fenes Bergſtaͤdlin / Arnßdorff / Seudorff / Mertzdorff / Gierſchdorff / Hermßdorff / Peterßdorff / Schreiber Aw / darbey es in denD iiijGebuͤrgen40Vom HirſchbergiſchenGebuͤrgen eine Glaſe Huͤtten hat / Jtem / Wernerßdorff / Kaͤyſerßwalde / Kromenaw / Gotſchendorff / vnd andere mehr. Ein halb Meilichen nach den Gebuͤrgen / lieget ein ſchoͤn Schloß auff einem hohen Berge / der Kynaſt genant / von welchem die Herren Gotſchen Mehrentheils ſich ſchreiben.

Was den Brunnen des Warmen Waſſers anlanget / iſt derſelbige nicht einen Steinwurff vom Zackenfluß gelegen / gar auff der ebene im Dorffe / welcher zwiſchen Abend vnd Mitternacht voruͤber rauſchet. Gegen Nord Oſt lieget Hirſchberg / Gegen Mittage nach dem Abend zu / ſtreichen die Sudoͤdiſchen Gebuͤrge / nehmlich das hohe Rieſen vnd Schnee Gebuͤrge.

Das Warme Waſſer entſpringet an zweyen Orthen / wenig ſchriette von einander. Der eine Qual wird genand das Hoͤltzerne Bad / darumb / das es auswendig nur mit ei - nem Hoͤltzern Vmbſchrutt vmbgebeniſt / auch der Armen Leute Bad / das darinnen gemei - niglich Arme vnvermoͤgende Leute baden / vnd jederman offen ſtehet.

Das andere vnd Haͤupt Quall / dieweil es mit einer Mauer auswendig verfaſſet / vnd innwendig mit Quader Steinen / auſſerhalb dem Bruñen / verſetzet geweſen / iſt das Stei - nerne Bad / benahmet worden.

Dieſen41warmen Bade.

Dieſen Brunnen / demnach er nicht allein außwendig / was das Gebaͤw anlanget / ſon - dern auch der Quall oder Grube / ſehr baw - fellig geweſen / hat auff embſiges anhalten / der Ehrwuͤrdige vnd in GOTT Andaͤchtige Herr Caſpar Ebert / dieſes Orths buͤrtig / damals Abt des Stiffts Grieſſaw / euſſerlich mit einem neuen Gebaͤude / vmbgeben / auch innwendig den Brunnen / welcher ſehr ver - fallen / vnd mit kalten zurinnenden Adern kal - tes Waſſers ſehr geſchwaͤchet ward / wiede - rumb auſm Grunde renoviren / mit Werck - ſtuͤcken verſetzen / vnd alſo verwahren laſſen / das er nu mehr viel gereumer / vnd zum Ba - den bequemer / als zuvormahlen / iſt gewor - den. Neben dem Bruñen iſt auch ein Stuͤb - lin / darinnen die Bade Gaͤſte ſich ablegen vnd abtrucknen koͤnnen. An das Bad ſtoͤſſet gegen Mitternacht eine gemeine Badeſtube / in welcher alle 14. Tage ein Schweiß vnd Koͤpffe Bad gehalten wird / welchs der Ba - der von Friedeberg pfleget zuverſorgen / vnd muͤſſen die Bade Gaͤſte denſelben Tag nach Mittage mit dem Baden inne halten.

Daß Wilde Waſſer oder Brunnen / iſt in eine runde Grube mit Sechß Ecken ver - faſſet / oben heruͤmb zimlich weit / mit Werck - ſtuͤcken verſetzet / vnd Bretten ausgetaͤffelt /D vdas42Vom Hirſchbergiſchendas in 12. oder 14. Perſonen auff einmahl geraum darinnen ſitzen moͤgen. Vor Jahren iſt es viel weiter geweſen / aber weil es zum Baden zu Kalt geworden / hat mans muͤſſen enger faſſen. Vnten wird es immer enger vnd ſpixiger / biß zum Mundloche / da es ſehr ſtarck aus einem ausgehoͤleten Felſen auff - pruͤdelt / das der Brunnen / welcher ohn ge - fehrde fuͤnff Elen tieff / vnd in einen gantzen Felſen auß gehawen / jnnerhalb drey Stun - den / wenn Er ausgeſchoͤpffet worden / wiede - rumb voll anleufft. Was vbrig iſt / fleuſſet ſtets durch eine eingelegte Rinne vnd Gra - ben im Winckel gegen Mitternacht abe / vnd wird von dem Zacken verzehret.

Durch das harte Geſtein im Quall / ſtrei - chet ein Gang oder Ader von Floͤtzen / Sand - ſtein Eiſen Graͤuplin / Schwefel vnd Vitriol Erden / von Farben graulecht / Gruͤn / Gelb vnd Blaulecht / ſampt einem ſeiffichten Erd - reich oder ſubtilen Lettich. Es treibet auch dieſes Waſſer ſehr ſchoͤne / weiſſe / als ein Cri - ſtall / lauter vnd durchſichtige Steinlein / an der groͤſſe vnd forme vngleich / eines theyls gar rund / etliche wie ein Leinſaamen / andere lenglecht / alle gantz glatt vnd ſchmutzig anzu - ſehen / als wenn ſie polliret oder mit Ochle geſchmieret weren.

Arth43warmen Bade.

Arth vnd Eigenſchaft des Hirſchbergiſchen Warmen Bades.

OBen iſt vermeldet worden / das ſuͤrnehmlich dreyerley Waſſer aus der Erden quellen / trinck waſſer / Wunderwaſſer / vnd Metalliſche Waſſer. Weil nun dieſer Warme Brunn nicht ein ſchlecht Trinck - Waſſer / welches der Geruch vnd die Waͤr - me geben: Auch kein Wunder Waſſer / in dem man deſſen gehalt vnd natuͤrliche Vr - ſachen anzeigen kan / folget / das es ein rechtes Metalliſches / Mineraliſches / zur Ertzney / vnd vor mancherley Gebraͤſten der Men - ſchen faſt dienſtlichen / Waſſer ſein muͤſſe. Welches aus der Farbe / aus dem Geruch / Geſchmack / Tact vnd Angrieffe zuerkennen / Auch durch Kochen / einſieden / abgieſſen / diſtilliren / vnd endlich aus der operation vnd Wirckung genungſam kan dargethan vnd erwieſen werden.

Die Farbe anreichend / iſt dieſes Waſ - ſer Helle / Lauter / Klar / Durchſichtig / doch etwas auff Blaw geneiget / einem weiſſen Saphier nicht vngleich. Es quillet vnd ſcheuſt auff ohne vnterlaß mit vnzehlichen viel weißlichten Blaſen / welche doch baldtwieder44Vom Hirſchbergiſchen. wieder vergehen / vnd andere herfuͤr ſchieſſen. Ein Natuͤrlicher gelber Schwefel leget ſich zu weilen / wiewol gar ſelten an den Vmb - ſchrott / vnd ſchieſſen auff dem Waſſer her - fuͤr Gelbe zwintzernde Schweffel Blumen / wie Spinnweben / welche auch in einem Au - genblick wieder verſchwinden. Oben auff Schwimmet etwas / wie eine Aſche / vnd le - get ſich auswendig auſſerhalb dem Gehaͤuſe im Außfluſſe ein Schwartzblaulechter oder Aſchenfarbener Schaum an das Geſtein / nicht vngleich dem Schwartzfaͤrber ſchaum / ſo in den Keſſeln / wenn ſie Gchwartze Farbe Sieden / die Leinwad zu Faͤrben / oben offte ſchwimmet / dadurch das Erdreich vnd Ge - ſtein etwas Blaw vnd Schwartz gefaͤrbet werden.

Der Starcke Schwefelichte Ge - ruch wird von fernen geſpuͤret / Vnd als bald man zum Brunnen ſich nahet / auch im Auß Fluſſe bald in der Naſen vnd im Haͤupte empfunden. Es behelt auch das Saltz / ſo durch Kunſt aus dem Waſſer ge - zogen wird / etwas von deß Schweffels Geruch.

Ein ſchlecht Rein Brunn Waſ - ſer / hat keinen Geſchmack. Dieſes aber ge - truncken / iſt erſtlich Weich / Suͤßlecht / bald hernach ruͤhret es die Zunge vnd den Halßmit45warmen Bade. mit einer linden raͤſſe oder pitzlen / neben ei - nem vermiſchten etwas wiederwertigen Ge - ſchmack / fuͤllet das Haupt / mit betruͤbung der Augen / wegen des Schwefels vnd Bi - tuminis. Das Saltz welches es fuͤhret / iſt gelblecht / vnd hat / auff die Zunge genomen / einen geſaltzenen / ſcharffen / raͤſſen / durch - dringenden / bitteren / herben / etwas zuſam - men ziehenden / grauerlechten / vermiſchten Geſchmack / welche mixtur des Geſchma - ckes aus dem Schwefelichten Kyß / welcher Alaunicht / Kupffer waͤßrig iſt / auch etwas von Eiſen vnd Erd Bech participiret her - ruͤhret vnd koͤmmet.

Am Tackt oder Fuͤhlen / iſt es et - was feiſt / ſchmutzig vnd recht warm / noch nicht recht zum erſten Grad / weder zu Kalt noch zu heiß / leidlich warm / vnd zum Baden nur recht / alſo das mans weder auffwermen / noch abkuͤhlen darff. Solches darumb / weil die Hitze oder Erd Fewer von dieſem Quall weit entlegen / vnd auch kalte Quall zurinnen / welche es temperiren.

Das aber dieſer Warme Brunnen nicht einerley / ſondern mancherley Berg Arthen von Metallen / Saͤfften vnd Schliech in ſei - ner Vermiſchung habe / iſt aus den jetzt er - wehnten Proben vnd Anzeigungen leichtlich abzunehmen.

Daß46Vom Hirſchbergiſchen

Das er einen Schwefel habe / wel - cher Spiritualiſch vnd Lufftig / muß ein je - der bekennen / daß es beim Brunnen reucht / Es were dann die Naſe verſtopfft / oder der Geruch verterbet. Lufftig iſt er / Dieweil er durch fuͤhren oder Kochen / mehrentheils bald verrauchet / doch wird etwas von dem Geruch in dem Saltz / wie oben gemeldet / geſpuͤret.

Den vermiſchten Kyß mit Vitri - ol / Alaun / Berg Saltz vnd Eyſen / zeigen die auffſchieſſenden Blaſen / die Farbe / der vermiſchte Geſchmack / ſo wol der Effect vnd Wirckung. Denn er den jenigen / welche erſt hienein ſitzen / den Leib gewaltig zuſam - men zeucht. Vber diß / nicht weit darvon im Schreiber Aw vnd Rieſengrunde bricht ein ſehr Schwefelichter Kyß / aus welchem vor etlichen Jahren Alaun vnd Kupfferwaſſer iſt geſotten worden. Schmiedeberg da der reiche Eyſen Stein gefellet / iſt auch nicht weit abgelegen. So werden auch ſubtile klei - ne gediegene Eyſengraͤuplin in dem ver - miſchten Geſteine gefunden.

Daß Bitumen / Erd Bech oder Erd Wachs / oder der Boͤrnſtein / wie es et - liche nennen / giebt der Tackt / der Geruch / das Haupt vnd Augenwehe / welche durch die ſubtilen Duͤnſte deß Bituminis cauſiret vnd erwecket werden.

Endlich -47warmen Bade.

Endlichen wird der ſubtile weiſſe Lettich mit einem ſubtileſten Sande vermenget im ſedimento oder Schlich per deſtillatio - nem gefunden.

Der Schwefel hat eine Krafft vnd Eigenſchafft Subtil zu machen / an ſich zu ziehen / zuerweichen / zu wermen vnd zu tru - ckenen.

Der Kyß wermet / trucknet / reſol - viret, zertheilet / zertreibet vnd ſtaͤrcket / die - net dem Miltz vnd Magen.

Das Berg Saltz iſt Subtil / pene - triret / dringet durch / wermet / trucknet / ver - zehret.

Der Vitriol wermet / eroͤffnet / zeucht herfuͤr / ſaubert / reiniget / zeucht ſehr zuſammen vnd heilet.

Alaun weſchet abe / wermet / ſtaͤr - cket / trucknet / reiniget / helt zuſamen vnd heilet.

Das Erd Bech wermet / erweichet / zertheilet / trucknet vnd heilet / helt zuſam̃en / zeucht aus / ſchadet aber dem hitzigen Haupte vnd Augen.

Der Lettich weichet / lindert vnd heilet.

Aus vermiſchung gedachter Berg Ge - waͤchſen vberkoͤmbt diß Warme Bad eine Arth vnd Krafft / das es Waͤrmet / wei -48Vom Hirſchbergiſchenchet / eroͤfnet / digeriret / zertheilet / außzeucht / abſtreichet / ſaubert / reiniget / abtrucknet / zu - ſammen helt / feſte / gantz machet vnd heilet. Vnd weil die Mineralien vngleicher Arth vnd Natur / alſo hat dieſes Warme Bad we - gen ſolcher vermiſchung auch contrarias pro prietates, vnd wircket alſo vngleicher weiſe / nach dem die Natur vnd der Kranck heit vr - ſach verhanden ſein. Etlichen zeucht es den Leib zuſamen / vnd ſtopfet die Stuͤle / bey an - der laxiret vnd Purgiret es vnter ſich durch den Stuel. Bey vielen eroͤffnet es / vnd trei - bet den Harn oder Schweiß gewaltig. Dar - auff denn fuͤrnemlich gutte achtung zugeben / daß man die Natur in jrem wercke nicht hin - dere / ſondern viel mehr befoͤrdern helffe. Jn Summa / Es dienet vortrefflich dem gantzen Leibe / vielen innerlichen vnd euſſerlichen Ge - braͤſten. Denn es nicht allein den Leib er - waͤrmet / ſondern viel mehr die Natuͤrliche Waͤrme vermehret vnd erhelt / ſtercket die Gliedemaſſen / bringet die erkalten vnd erſtar - reten Sehn Adern zu rechte. Es verzehret die vbrigen Feuchten / welche ſteck en vñ nicht forth wollen / machet es fluͤſſig.

Es kan aber dieſes Warme Bad fuͤrnehmlich auff dreierley weiſe gebraucht werden / als nehmlich zum Trincken / zum Aufftroͤpfflin vnd zum Baden.

Recht49warmen Bade.

Recht getruncken / ſaubert vnd reiniget es den erkalten verſchleimeten Ma - gen / Feget die Daͤrme von allem vnrath / ſtaͤrcket ſie / treibet den Harn / Sand vnd Schweis. Etliche Laxiret es / vnd wircket mechtig durch den Stuel / erweck et luſt zum Eſſen / Benimbt Colicam vnd Reiſſen in Daͤrmen / Stillet das durchlauffen vnd heff - tiges verflieſſen der Monatzeit / Die verhal - tene hilfft es befoͤdern. Jſt gutt vnd nuͤtzlich den Weibern / welche zum Mißgebaͤhren ge - neiget / Denn es reiniget die Mutter / vnd verzehret derſelben vbrige Feuchtigkeit vnd trucknet ſie aus.

Zum Baden wird es fuͤrnemlich / auch mehrentheils gebrauchet. Wermet / Weichet / Zertheilet / Trucknet aus die lang - wierigen Fluͤſſe des Haͤuptes vnd anderer Glieder / Es dienet vor allerley Gebraͤſten des Hauptes / ſo von Kaͤlte jhren vrſprung haben / Als ſind / Langwieriges Hauptwehe / Haͤupt Nagel / Schwindel / Ohrenklang / Ohrenſauſen / Ohren Flus / Geſchwaͤchtes Gehoͤre. Es ſtaͤrcket das Gedaͤchtnis / foͤdert den Schlaff / verzehret vnd trucknet aus die Fluͤſſe / welche heuffig in Magen ſincken / auff die Bruſt fallen / oder in die Glieder rinnen. Benimbt langwieriges Zahnwehe von kal - ten Fluͤſſen.

EDarnach50Vom Hirſchbergiſchen

Darnach iſt es dem Magen vber - aus ſehr gutt vnd nuͤtzlich / erwermet den kal - ten / den feuchten vñ ſchlipffrigen trucknet es / den Schwachen / der die Speiſe zerſtoͤret / vñ nicht verdauen kan / Staͤrcket vnd bekraͤffti - get es / verzehret das Phlegma / erwecket den verfallenen Appetit / macht luſtig zum Eſſen / vertreibet das kluxen vnd auffſtoſſen / miltert die ſchweren Schmertzen vnd Drucken / le - get das auffblaͤhen / vnd zertheilet die Win - de / ſtillet das Hertzklopffen aus Winden vnd Blaͤhungen des Magens.

Mehr / Eroͤffnet dieſes Warme Bad die verſtopffte / vnd ſtaͤrcket die ſchwa - che bloͤde Leber / vertreibet Geelbſucht vnd boͤ - ſe Gilbige Farbe / koͤmet zu huͤlffe der boͤſen Bleichen auffgeblaſenen Geſtalt vnd Miß - Farbe des Leibes / die Bleiche Kranck heit genennet / ſonderlichen aus verhaltener Mo - natzeit.

Es wendet Leibwehe / Grimmen vnd Darmgicht / ſo von kalter Vrſach her - kommen. Es machet duͤnn / zertheilet / loͤſet abe / ſchweiffet abe / die kalten Schleimrigen Feuchten / loͤſet auff vnd zertreibet die groben Winde vnd Blaͤſte. Es wermet alle innerli - che Glieder vnd Jnngeweide / reiniget das Gebluͤtte durch den Schweiß / vnd per tran - ſpirationem vnempfindlicher weiſe / denen ſoin lang -51warmen Bade. in langwirigen Kranck heiten gelegen ſind / vnd ſich wiederumb begoͤnnen zuerholen / iſts ſehr gut.

Ferner lindert es den Schmertzen der Lenden vnd des Ruͤcken / ſtillet das Bla - ſenweh / eroͤffnet die Nieren vnd treibet ſtarck Sand vnd Schleim / vnd foͤdert fort den Stein / koͤmbt zu huͤlffe denen der Harn wie - der willen entgehet / vertreibet ſchwerlich Harnen / deß gleichen leget es die Harnwin - de. Es er wermet die kalte Natur / vnd hilfft denen ſo vnvermoͤglich ſein zu den Ehelichen Wercken.

Zu der Gebaͤhrmutter / vnd derſel - ben Gebraͤſten / ſo von kalter Feuchtigkeit herruͤhren / iſt es ein vber aus vortreffliches Bad. Dann es bringet zu rechte die verruck - te Baͤhrmutter / die kalte vnd Schlipfferige trucknet vnd erwermet es / verzehret darin - nen alle vnreine boͤſe vnd verhaltene Feuch - tigkeit / vnd kalte Schleime.

Derowegen denen Frauen / ſo es vor der Zeit vnrichtig gegangen / iſt es ſehr troͤſtlich / Die in der Geburth verſehret worden / heilet es wiederumb / Leget vnd ſtillet derſelbigen Geſchwulſt / Auffblaͤhen / Auffwuͤhlen / oder Auffſteigen.

Es eroͤffnet die verſchloſſene Mutter / foͤ - dert den verhaltenen Monat Fluß / oder dieE ijverſeſſene52Vom Hirſchbergiſchenverſeſſene Zeit en / den vnmaͤſſigen vnd vber - fluͤſſigen Bluttgang helt es zuruͤcke vnd ſtil - let es. Den Weiſſen Fluß / welcher ſich zu - weilen mit groſſem reiſſen ohne auffhoͤren er - zeiget / trucknet es aus / vnd benimpt der Mut - ter Wehtagen.

Jtem / Ehrlicher betagter Frawen Baͤr - mutter / ſo durch viel Kinder zeugen ſehr ab - komen / iſt es nuͤtzlich. Es iſt zutreglich / wel - chen der Maſt darm außgehet oder geſchwol - len iſt / conſolidiret deſſelben Schrunden o - der Rieſſe.

Den Gliedern iſt es ein krefftig Bad. Bequem vnd gutt vor allerley Ge - ſchwulſten / Schmertzen / Reiſſen / Auffdun - ſen / Contracture vnd Laͤhme / Fuͤrnehmlich vor das Zipperlin der Glieder / Haͤnde / Fuͤſ - ſe vnd der Huff Sciatica genandt. Jch ha - be jhrer viel geſehen / welche von ferren Or - ten gantz Contract, Krumb vnd Lahm / zu dieſem Bade gebracht worden / in wenig Tagen der Haͤnde vnd Fuͤſſe maͤchtig wor - den ſind / vnd gutte Beſſerung empfunden haben / ja geſund aus dem Brunnen gan - gen ſind / da man ſie zuvor hienein tragen oder fuͤhren muͤſſen. Es dawet / machet duͤnn vnd ſuͤbtil die zaͤhen Schleime / vnd zeucht aus den Gliedern / die eingeſeſſene Feuchtigkeiten. Die Schlaffenden Glie -der53warmen Bade. der muntert es auff / erquicket vnd ſtaͤrcket die laaſſen vnd muͤden.

Heylſam vnd zutraͤglich iſts den Paralyticis, zitternden vnd webenden Glide - maſſen / benimpt das ſtarren oder einſchrum - pffen der Nerven / ſintemahl es dieſelben er - weichet / erwermet / vnd linde machet. Vor das Entſchlaffen / Krampff vnd Laͤhme der Glieder / ſo von der Colica oder Grimmen in die Daͤrmen kommen / iſt es ein bewertes Bad. Vertreibet die kalten Geſichte / lauf - fen vnd Reiſſen in Armen / Schenckeln vnd in allen Gliedern des Leibes / ſtillet das Ombſen derſelben. Jn Summa / Es wer - met / erweichet vnd macht gezuͤge die kalten / erſchrumpffenen Nerven vnd Span Adern / vnd zeucht aus den fluͤchtigen Tartarum, welcher in Meußlin vnd Gliedern hin vnd wieder vagiret vnd groſſes Reiſſen verurſa - chet.

Feuchte Beulen vnd Geſchwulſte zertreibets / Es bringet zu rechte lahme Glie - der / ſo durch Zaͤuberey verterbet vnd gelaͤh - met worden ſind / deſſen etliche Exempla ver - handen.

Endlichen / Es wendet deß gantzen Leibes Vngeſchickligkeit / ſo von kalter Vr - ſache herruͤhret / zeucht aus die Schwachheit vnd Muͤdigkeit / die auff langwirige Kranck -D iijheiten54Vom Hirſchbergiſchenheiten vnd Fieber erfolget. Den ſtanck vn - ter den Vchſen vnd vmbs Gemaͤchte ver - treibet es / vnd nimbt hinweg den Bocken - tzenden Geruch. Die harten Knollen vnd Beulen der Geleiche emolliret, reſolviret vnd zertheilet es / vnd miltert den Schmer - tzen der Juncturen.

Wo ſich im Leibe von Stoſſen / Schla - gen / Springen Heben oder fallen Gebluͤt - te / oder ſonſten boͤſe Feuchte geſamlet hette / daſſelbe zertreibets / ſtaͤrcket vber die maſſen die Beinbruͤche / auch alle Glieder / welche von fallen / ſchlagen / ſtoſſen / ſind geſchwaͤch - et oder verterbet worden.

Schließlichen heylet dieſes War - me Bad / allerley Maͤngel / Gebrechen vnd Vnflat der Haut / Als da ſind / allerhand Fluͤſſige Grinde / boͤſe Kraͤtze / Rauden / vmb ſich freſſende Flechten / Zittermaͤhler / Schu - pen / iucken vnd beiſſen der Haut / Angehen - den Auſſatz / Haͤßliche Farbe / Vngeſtalt / Flecken / vnd andere dergleichen Vnreinig - keit / machet die Haut ſauber vnd glatt.

Als ein Stillicidium oder Treff - te wird dieſes heilſame Waſſer auch / wie wol ſelten gebraucht. Wenn es zu rechter Zeit vnd Maſſe / nach erforderung der Kranck - heit geſchiehet / Erwermet es das kalte Ge - hirn / verzehret die Fluͤſſe / erweichet die har -ten Seh -55warmen Bade. ten Sehnen vnd Nerven / vnd ſtaͤrcket die - ſelbigen. Derwegen nuͤtzlich vnd foͤderlich / in langwirigen Catharris, Hauptwehe / ver - ſtopffung des Gehoͤres / in Apoplexia, Pa - ralyſi, Erſtarren des Halſes / vnd geſchwaͤch - tem Gedaͤchtniß / Dann es die verlegenen Fluͤſſe erweichet / außzeucht / außtruckenet / vnd daß Gedechtnis ſtaͤrcket.

Bißanhero iſt meldung geſchehen / von des Hirſchber giſchen Warmen Bades Natur / Eigenſchafft vnd Nutzbarkeit / Weil es aber nicht jederman dienſtlich / vnd alle Kranck heiten vertreiben kan / Folget ferner / welchen es ſchaͤdlich / vñ in waſerley Kranck - heiten es zu meiden vnd zu fliehen ſey.

1. Den Kindern / welche vnter 9. oder 10. Jahren ſind. Denn es trucknet allzuſehr jh - re lebliche Feuchtigkeit / verhuͤttet das wach - ſen / Erhitziget die Leber / verurſachet Fieber / Huſten vnd Vnwillen. Vnd ob es die hohe. Notdurfft erfoderte / ſol es gantz maͤſſig vnd mit groſſer Beſcheidenheit beſchehen. Jtem / den gar Alten / betagten Leuten / welche Al - ters halben / gantz ſchwach / matt vnd abgeſer - bet worden ſind.

2. Denen / ſo von Natur ſehr hitzig vnd trucken ſind / vnd ſtets groſſen Durſt haben: Als Bilioſis, Melancholicis, Morbis acu - tis correptis, febricitanten, Auch welcheE iiijein56Vom Hirſchbergiſchenein ſchwach Haͤupt haben / vnd deß Schwe - fels Geruch nicht dulden noch ertragen moͤ - gen.

3. Jſt es vndienſtlich vnd zu wieder den Miltzſuͤchtigen / Leberſuͤchtigen / Schwer - muͤttigen vnd betruͤbten Hertzen / außgeno - men Melancholicos Hyponchondria - cos, welcher Traurigkeit von Schwachheit vnd Auffblaͤhungen deß Magens herruͤh - ret vnd auffſtehet / vnd ſonderlich in decli - natione, recreationis & exhilarationis ergò: Weil einſames Leben den Melan - cholicis ſchadet / giebet es dar allerley ge - legenheit / durch Zuſammenkunfften vnd Freundliche Geſpraͤche das Gemuͤthe zuer - freuen.

4. Welche an der Lungen verterbet / als da ſind Lungſuͤchtige / Schwindſuͤchti - ge / Empyici, Peripneumonici. Jtem / die das Fraiſel fuͤhlen / Waſſerſuͤchtige / vnd ſo mit dem verzehrenden Fieber Hectica genand / beladen / wollen ſich dieſes Bades enthalten / denn es jnen jhre Kranck heit ver - mehret.

5. Jſt es zuwieder denen ſo Cholera morbo laboriren / welchen die Galle fuͤr vnd fuͤr in Magen laͤuffet / vnd welche vn - keuſch leben. Jtem allen Kranck heiten / die von Galle vnd Hitzigen oder VerbrandtenFeuch -57warmen Bade. Feuchten jhren Vrſprung haben. Auch wel - che mit hitziger entruͤſtung der Leber / Miltzes oder Nieren angefochten werden / vnd leicht - lich zum Fieber geneiget ſind.

6. Schadet mercklich denen / ſo ein hi - tzig Haupt haben / oder welchen das Haͤupt ſtettig mit hitzigen auffſteigenden Duͤnſten gefuͤllet wird / Sintemal es das Gehirn ſehr erhitzet / vnd die Spiritus Animales vnruhig machet / auch das bloͤde Geſichte betruͤbet / vnd den rothen vnd trieffenden Augen auff - ſetzig iſt.

7. Kurtz zu reden / Moͤgen alle die jenigen von dieſem Bade bleiben / welche ſich nicht darzu mit bequemen Artzneyen geſchicket ge - macht haben / welche vnmaͤſſig vnd vnordent - lich in Eſſen vnd Trincken ſich halten / keine gute diætam leiden koͤnnen / ſondern ohne ord - nung / ohne reſpect der Zeit mit vollem Lei - be in Brunnen fallen / vnd nach verbrachtem Bade vbel Leben.

8. Endlichen wil es nicht leiden die / ſo Morbum gallicum / Fantzhoſen Beulen / den Rohtlauff / Wurm / vnd andere gifftige Schaͤden haben. Weiß mich zu erinnern / das etliche aus Polen vnd andern Orthen dahin gekomen / vnd ſich deß Bades zubrau - chen vnterſtanden / Erſtlichen einen Tag et - liche nicht vbel befunden / aber bald hernachD vmit58Vom Hirſchbergiſchenmit vermehrung der Kranck heit darvon abe - ſtehen / vnd das Bad einſtellen muͤſſen.

Wie man ſich zum War - men Bade recht berey - ten ſolle.

NJemand ſol ſich zu dieſem War - men Brunnen / ohne Raht eines Gelehr - ten vnd verſtendigen Medici verfuͤgen vnd be - geben. Dann weil ſolches Waſſer / wie ge - hoͤret / nicht jederman zuſaget / noch vor alle Kranck heiten kan gebrauchet werden / ſol man nichts aus eigenem Frevel fuͤrnehmen / das es nicht nachmalen gereuen moͤge. Jhrer viel ſetzen jre Zuflucht gantz vnd gar bloß auff daß Warme Bad / ziehen dahin ohne Rath / ohne alle vorbereitung / Baden ohne Ord - nung / Wie es jhnen aber bekoͤmbt / erfahren ſie mit ſchaden.

Wann man aber aus der Complexion / aus der Kranckheit / derſelbigen Vrſachen / vnd andern Vmbſtenden befindet / das es mit Nutz koͤnne gebraucht werden / ſol man daſſelbige nicht eher anfahen / es ſey dann der Leib zuvor von vbriger Feuchtigkeit ent - lediget / darzu mit bequemen Mitteln wol bereitet vnd Geſchicket gemacht worden. Wo59warmen Bade. Wo ſolches vberſehen / wird die reinere vnd ſubtilere Matery durch das Bad verzehret / aber die Grobe erhaͤrtert: Daraus groſſer Schaden erfolget. Andern wird die boͤſe Feuchtigkeit an allen Orthen im Leibe durch das Bad erweichet vnd auffgeloͤſet / lauffet vber das Hertze / vnd bringet Vnwillen des Magens / Erbrechen / Vndauen / Vnluſt zum Eſſen / Auffblaͤhen / Ohnmacht / Hauptwehe / Verluſt des Schlaffes / langwirige Heiſer - keit / boͤſe Huſten / Seitenſtechen / Schweren Athem / erſteckenden Catharrum / Verſtopff - unge der Leber / der Meſaraiſchen Adern / Fieber / gelbſucht / Leibes verhaͤrtung / Durch - lauff / Empoͤrungen oder Auffſteigen der Mutter / verhaltung vnd brennen des Harns / Reiſſen in Lenden / Entzuͤndung der Schen - ckel / vnd andere Kranck heiten. Alſo ge - ſchicht auch denen / welche allein vmb wolluſt willen Baden / mit vielerley vnd ſtettigem Schwelgen ohne ordnung daſſelbige gebrau - chen. Derowegen mancher Kranck heim - fehret / oder wird bald daheimen kranck / wel - cher vorhin Geſund in das Bad kommen. Solches iſt nu nicht des Bades / ſondern der vnverſtendigen Leute Schuld / ſo jhnen nicht rahten laſſen.

Wie aber ſolche vorbereitung durch Artzneyen / Aderlaſſen / Schroͤpffen / vnd der -gleichen60Vom Hirſchbergiſchengleichen ordentliche Mittel ſol angeſtellet werden / wird ein verſtendiger Medicus / nach embſiger betrachtung aller Vmbſtende der Complexion / Natur / Alters / der Staͤrcke des Leibes / auch qualitet vnd quantitet der Vberfluͤſſigkeiten wiſſen anzuſtellen / vnd zu - verordnen.

Erſtlichen ſol der Leib erweichet / die verſtopfften Aederlin deß Meſaræi / der Le - ber / des Miltzes oder der Mutter eroͤffnet / vnd wo zaͤhe / dicke / rohe / ſchleimige Matery verhanden / ſubtile / duͤnne / Fluͤſſig vnd zum ausfuͤhren tuͤchtig gemachet werden / damit ſie nachmahls deſto leichter durch bequeme Purgierende Artzneyen koͤnne ausgefuͤhret / vnd abgezogen werden. Etwan erfodert die Kranck heit / das man die Schleimige / Zaͤhe / Phlegmatiſche Feuchtigkeit purgiere / ſo ſich im Haͤupte geſamlet vnd verhalten / Als in Catarrhis, Hauptwehe / Paralyſi, Auditu depravato, Arthritide, &c. Oder im Ma - gen vnd Gedaͤrmen ſich angehencket / vnd eingeleget: Als im Magenwehe / Cardia - ca, Darm Gicht: Oder die Gebaͤhrmutter verunreiniget / als in Suffocatione Uteri, Menſtruorum retentione, Mißgebaͤhren / Vnfruchtbarkeit. Zu zeiten abundiret die Galle / ſo aus jhrem Neſt vnd Lagerſtad kom - men / dem Gebluͤtte ſich vermenget / oder indie61warmen Bade. die Daͤrme vnd in Magen ſcheuſt / als in Cholera morbo, in Colica, in der Gelbe - ſucht / ꝛc. Bißweilen die Schwartze Galle o - der Melancoliſche Feuchtigkeit. Offterma - len ſind die Humores peccantes vermiſchet darnach die Ertzneyen auch gerichtet vnd an - geſtellet werden ſollen. Manichmahl iſt das Gebluͤte hitzig vnd vberfluͤſſig / welches durch Aderlaſſen kan gemindert vnd abgekuͤhlet werden. Bey etlichen / welche das Ader - laſſen ſcheuen / wird das Schroͤpffen ge - brauchet. Vnd kan ſolche zubereitung ent - weder daheim geſchehen / oder in Warmen Brunnen / ehe das Bad angefangen wird / geſparet werden. Wie dann darzu mancher - ley Mittel im Dritten Theil dieſes Tra - ctaͤtlins verzeichnet ſind / welche ein verſten - diger Medicus nach eines jeden Patienten gelegenheit vnd Nothturfft wird wiſſen zu endern / vnd mehrentheils Ertzneyen in der Hirſchbergiſchen Apoteken zubekom̃en ſind.

Welche zeit des Jars das Bad zugebrauchen am bequemeſten vnd nuͤtzlichſten ſey.

Gleich62Vom Hirſchbergiſchen

GLeich wie alle Mineraliſche Waſſer oder Warme Baͤder zu jeder zeit des Jahres / Es ſey Winter oder Som - mer / oder was vor eine Zeit immer wolle / ein mal wie das ander / in gleicher Geſtalt / Weſen / Natur vnd Eigenſchafft aus der Erden quellen. Alſo iſt es auch beſchaffen mit dieſem Warmen Brunnen / welcher ſei - ne Krafft Winterszeit ſo wol als im Som - mer / an der Waͤrme / am Geruch / am Ge - ſchmacke behelt. Daß aber im Winter die - ſes Warme Bad ſelten gebraucht wird / ge - ſchiehet derowegen / dieweil der Winter ſehr kalt / vnd die Schweisloͤchlin der Haut meh - rentheils wegen der euſſerlichen vmbgehen - den kalten Lufft geſchloſſen / kan das Warme Waſſer ſeine Wirckung nicht verrichten / ſondern die peccans materia, ſo die Natur durch foͤderung deß Bades zur Haut à cen - tro ad circumferentiam getrieben / wird durch die Kaͤlte geſchrecket / vnd zu ruͤcke gehalten. Zu dem pfleget es auch ſehr zu Broͤdmen / welches denn dem Haͤupte nicht wenig Beſchwerung bringet. Jm Som - mer / wenn groſſe Hitze verhanden / vnd es ſehr geſchwuͤlig iſt / als in Hundßtagen / werden die Leblichen Geiſterlin ſehr ge - ſchwaͤchet / vnd der Leib ſehr abgemattet / al -ſo das63warmen Bade. ſo das die Wirckung an den eingewurtzelten Kranck heiten nicht vollbracht werden.

Gemein helt mans dafuͤr / daß die beſte vnd bequemeſte Zeit zu Baden ſey / der Fruͤ - ling oder Maͤye / wegen der temperirten Lufft vnd luſtigſten Zeit / in welcher ſich gleich al - le Kraͤuter vnd Gewaͤchſe verjuͤngen vnd vernewern. Welches wol recht vnd war iſt / fuͤrnehmlich in warmen Laͤndern / als Italia, Hiſpania, vnd andern Orten mehr / da im Sommer groſſe Hitze einfaͤllet / welche die Leiber vber die maſſe ſehr abemattet.

Weiln aber in dieſen kalten Mitternacht - laͤndiſchen Gebuͤrgen ſelten ſolche groſſe hitze geſpuͤret wird / das ſie das Baden koͤnne verhindern / kan man dieſes Warme Bad nuͤtzlich vnd fuͤglich brauchen im Maͤyen / wenn der Schnee mehrentheils von den na - he gelegenen Gebuͤrgen verfloſſen / anzufa - hen / biß zum ende deß Octobris. Vnd ſind die Hundstage ſelten ſo gar heiß / daß ſie das Baden verhindern koͤndten / es were dann die Natur gar Choleriſch / vnd befleiſſigte ſich gar ſtarcker vnd hitziger Weine.

Auff waſerley weiſe dieſer Warme Brunn recht zugebrauchen ſey.

Es64Vom Hirſchbergiſchen

ES iſt oben gemeldet worden / das man dieſen warmen Brunnen auff drey - erley weiſe nuͤtzlichen koͤnne gebrauchen / zur Trefft / zum Trincken vnd zum Baden / doch fuͤrnehmlich vnd mehrentheils zum Baden / ſelten oder gar wenig zum Trincken / weniger zum Aufftroͤpfflin.

Jn Leib zum Trincken.

OBer zwar zum trincken nicht gemein gebraucht wird / wegen des Erd - Bechs vnd ſtarcken Schweffelichten Ge - ruchs / So iſt es doch vnlaugbar / vnd zeu - gets die taͤgliche Erfahrung / daß es jhr vie - len / welche jhn recht getruncken / nicht vn - dienſtlichen geweſen ſey / wie ich dann ſelbſt etliche gekennet / welche jhn getruncken / auch dariñen Gebadet / von Langwiriger beſchwer - licher Kranckheit durch Gottes Huͤlffe ſind erlediget worden. Das ſich aber mehren - theiles darvon Vbel befunden / Vnwillen / Reiſſen vnd Hauptwehe bekommen haben / iſt daher geſchehen / daß er der Natur entwe - der gantz vnd gar zuwieder / vnd der Kranck - heit nicht zugeſaget / oder das er nicht in rech - tem Maß / in rechter Ordnung / vnd zu rech - ter Zeit iſt gebrauchet worden.

Wie65warmen Bade.

Wie denn von denen beſchehen / welche das Waſſer beym Feuer zuvor gewermet getrun - cken / oder Suppen daraus zu richten laſſen / oder im Bade / oder vnter der Mahlzeit als einen Tranck / oder wenn ſie Schlaffen ge - hen wollen / gebraucht haben. Dieweil dañ durch das Kochen / nicht allein die Geiſter / vnd ſpiritualiſche ſubtiliteten / in welchen dieſes Metalliſchen Waſſers Krafft vnd Ei - genſchafft beruhet / verrauchet / ſondern auch ſeine Operation / durch die Speiſe / ſo bald darauff genommen / verhindert worden / iſts kein Wunder / das allerley Vnheil / Vnwil - len / Vndawen / Auffblehen vnd Reiſſen in Daͤrmen darauff erfolget ſind.

Derowegen / welche jhnen wolgerathen wollen haben / jhre Geſundheit vnd Wolfarth lieb haben / werden ſich hinforth vor ſolcher weiſe / das Waſſer in Leib zubrauchen ent - halten. Sondern / ehe ſie anfahen zu Trin - cken / zu foͤrderſt gutte vnd fleiſſige achtung darauff geben / ob es jhrer Natur vnd der Kranck heit auch zuſage vnd nuͤtzlichen ſey. Darnach / wenn der Leib / nach gelegenheit der Kranck heit / mit bequemlicher vnd noth - wendiger Ertzney / wol purgiret vnd gerei - niget / auch ſo vbrig Gebluͤtte verhanden / ei - ne Ader eroͤffnet worden / ſollen ſie nicht zu -Fvor66Vom Hirſchbergiſchenvor darinnen Baden vnd darnach Trincken / ſondern denſelbigen Erſtlichen etliche Tage Trincken / vnd darnach mit dem Leibe / ſo es von noͤthen / in Brunnen ſich laſſen / vnd das Bad continuiren vnd volziehen.

Des Morgens fruͤhe / nach der Sonnen Auffgang / ſol die Perſon / ſo das Waſſer trincken wil / auffſtehen / den Leib vom Harn / Stulgange / vnd aller ander Vberſluͤſſig - keit wol reinigen / auch den Mund wol ſchwenck en / ſaubern vnd putzen / Vnd wenn die Sonne wol herauff kommen / ſol ſie erſt - lich ein par Kuͤchlin oder eine Morſelle / zu jhrer Schwachheit / wo es die Noth erfodert Eſſen / damit der Magen vom Schweſſelich - ten Waſſer nicht erſchrecket oder vnluſtig gemacht werde / Darnach den Brunnen / ſo Warm erquillet / oder ſo er zuvor außgeſchoͤ - pffet / in der Hand etwas vberſchlahen / ein wenig das erſte mahl aus einem verdeckten Jrdiſchen oder Glaͤſernen Kaͤnnlein oder Geſchirr Trincken: Nach Mittage / wenn die Dauung verbracht / vnd der Magen wieder leer worden / vmb Drey oder Vier vhr / ſol des gemeldten Waſſers wiederumb ſo viel / wie des Morgends getruncken werden / ſo es die Kraͤfften ertragen / vnd der Magen leiden wil / Darauff den Leib bewegen / vnd taͤglich mit einer Vntzen auffſteigen / bißohn -67warmen Bade. ohngefehr zu einem Pfund / mehr oder we - niger / nach gelegenheit der Vmbſtende: Da - rinnen alſo bleiben / vnd als dann wiederumb anfahen allgemehlich abzuſteigen / wie zu - vor angefangen / biß das ſie wiederumb auff das erſte Maß vnd Ziel gekommen / welches in v. vj. vij. viij. ix. x. auch mehr Tagen kan geſchehen. Denn nach gelegenheit der Vmbſtende / der Perſon / Kranck heit / der Leibes Kraͤfften / ꝛc. ſol einem jeden das Maß / Zeit / vnd Stunde / wie viel / wie offte / wie lange es zugebrauchen Vorgeſchrieben werden. Welches denn nicht bey eines je - den Gutduͤncken ſtehen ſol / ſondern einen verſtendigen Medicum man daruͤber ver - nehmen ſol / welcher Zeit / Stunde vnd Maß wol wird anzuordnen wiſſen. Etliche ver - moͤgen deſſen viel / etliche gar wenig zutrin - cken. Manche verbringen es in wenig Ta - gen / andere muͤſſen mehr Tage darzu ha - ben. Denn deſſen zu viel getruncken / brin - get einen Vnwillen / ſchwaͤchet den Magen / vnd verterbet die Luſt zum Eſſen gantz vnd gar / wegen des Schweffels vnd Erdbeches. Wie denn alle Metalliſche Waſſer / die zu - viel Schweffel haben / einen boͤſen Vnluſti - gen / wieder williſchen Magen vervrſachen / ſo man jhrer zu viel Trincket. Moͤgen ſich derwegen Hitzige Cholerici / ſo zum FiebernF ijgenei -68Vom Hirſchbergiſchengeneiget / oder ein hitzig Haupt vnd Bloͤdig - keit der Augen ſpuͤren / des Trinckens wol enthalten.

Weñ man des Waſſers zum Trincken wil rein haben / ſol es nicht / als bald der Brun - nen ausgeſchoͤpffet worden / geſamlet wer - den / dieweil es wegen des ſubtilen Sandes vnd Schlieches etwas getruͤbet wird / Son - dern wenn er faſt wiederumb herauf gequol - len / ſich wiederumb recht gelaͤutert. Jn dem er aber ſelten ausgeſchoͤpffet wird / vnd taͤg - lich die Gaͤſte darinnen baden / ſol man daſ - ſelbige fruͤhe / ehe andere in Brunnen zum Baden ſitzen / ſchoͤpffen laſſen.

Die erſten Tage / kan man etwas von Saltz / von einem bequemen Juleb / Roſen - Honig / Conſerven / oder ſonſten anmuttigen Latwerge darunter miſchen / damit es leich - ter durchgehen / weniger Auffblaͤhungen vnd Reiſſen bringen moͤge.

Es verrichtet aber dieſer Warme Brun - ne getruncken / ſeine Wirckung auff man - cherley wege. Bey etlichen wircket er durch den Bauch vnd Stuelgang / Bey etlichen durch den Harn / bey andern durch den Schweiß. Auch bißweilen operiret er auff ein mal durch den Harn vnd Schweiß. Bey andern durch den Stuelgang vnd Harn. Bey etlichen auff alle Wege. Wohin nudas69warmen Bade. das Waſſer wircket / ſol man deſſelben abe - warten / vnd warnehmen / damit dieſelbige nicht verhindert / ſondern viel mehr gefoͤ - dert werde. Befindet ſich aber keine Wirck - ung deſſen / vnd ein Eckel / Vnwillen / Reiſſen vnd Auffblaͤhen erfolget / iſt der beſte Raht / man laſſe bey zeiten darvon abe / groͤſſere vn - gelegenheit zuverhuͤtten.

Euſſerlich zum Baden.

Welche Zeit des Tages zu Ba - den am beſten.

WAs vor Vngelegenheit vnd Beſchwerde aus vnordentlichem Ba - den entſtehe / erfahren jhrer viel offtermal mit groſſem Schaden. Vermeinen zwar / wann ſie nur viel Stunden an der Zahl er - langet hetten / es geſchehe zur Zeit / oder Vn - zeit / zu Tage oder Nacht / vorm Eſſen oder bald auff die Mahlzeit / ſey wenig daran ge - legen / ſchwimmen mit vollem Leibe den gan - tzen Tag / wo ſie nur wegen der andern Ba - de Gaͤſte koͤnnen / im Brunnen / wie die En - ten / Ja ſie duͤrffen noch wol einen Trunck darinnen thun / damit ſie nicht verſchmach - ten. Die Verrichtung weiſet hernach der Außgang.

F iijDie70Vom Hirſchbergiſchen

Die beſte Zeit zum Baden / iſt die Mor - gen Zeit / Fruͤhe eine Stunde oder zwo nach der Sonnen Auffgang / vnd nach Mittage widerumb gegen Abend / eine Stunde drey oder Viere vor der Sonnen Niedergang / nuͤchtern / wann die Speiſe im Magen zuvor verdawet worden. Es wehre denn / das es der Patient mit leerem Leibe nicht koͤndte ertragen / ſol er eine Huͤner Suppe oder von Kalbfleiſch / oder von Eyern ein Suͤpplin / oder friſch / weich geſotten Eye zu ſich ne - men.

Weil aber dieſer Brunne ſehr enge gefaſ - ſet / das vber 12. oder 14. Perſonen auff ein mal darinnen nicht koͤñen ſitzen / vnd im Maͤy - en / Junio / vnd Herbſte ſehr viel frembde Volck / Hohes vnd Niedriges Standes / ſich dahin verfuͤget / wird nicht jedermau Stun - den zuwehlen / vnd ſeinem gefallen nach darin - nen zu Baden zugelaſſen / ſondern es werden die Stunden von dem Pfarherrn daſelbſt / wie oben angedeutet / außgetheilet / damit ei - nes das ander im Baden nicht hindere / vnd Vneinigkeit vnd Zanck (welche weit vom Bade ſein ſollen) vermieden werde. Denn nach gelegenheit der menge derer die Baden / pfleget er gewiſſe Stunden zu geben vnd auß - zutheilen. Niemand leſſet ſich aus ſeiner ge - legenen Stunde gerne dringen. Damit aberfuͤrne -71warmen Bade. fuͤrneme Leute einer gutten vnd bequemen Stunde moͤgen vorgewiſſert ſein / pflegen ſie dieſelben einen / zween / drey Monat zuvor durch ein ſchreiben / neben einer gewiſſen Her - berge zubeſtellen / vnd etwas darauff zu ſchi - cken / Welchen jre Stunden / ob gleich andere ſich hin ſinden / allewege inne gehalten werden. Es werden die Stunden gemeiniglich / wie folget / auß getheilet. Das erſte Bad haben die Mannes Perſonen / vnd pflegen deß Mor - gens fruͤhe von Fuͤnff Vhr am halben Sei - ger / biß zu Sieben Vhr / Nach Mittage aber von Einem biß zu Drey Vhr / allwege zwo ſtunden nacheinander zu Baden. Dem Frau - en Volck ſind des Morgends fruͤhe / die 7. vñ 8. Stunde / die Dritte vnd Vierde nach der Mittags Mahlzeit / welches auch die gele - gneſten vnd bequemeſten ſind / zum Baden verordnet worden. Die andern / welche in dieſen Baͤdern oder ſtunden nicht raum ha - ben / muͤſſen ſich mit den andern Stunden des Tages vnd zu Nachte behelffen.

Wie lange zu Baden.

DEMNach die Naturen der Menſchen / die Kranck heiten auchF iiijdie72Vom Hirſchbergiſchendie Wirckung deß Warmen Bades ſehr vngleich. Eines iſt ſtaͤrcker / juͤnger als das ander / Etliche Kranck heiten haben lange gewehret / etliche kurtze weile / Eines theils koͤnnen lange Baden / andere nicht / So wircket das Warme Bad in etlichen bald / bey etlichen Langſam / nach der Leiber Ei - genſchafft / Deuchtet mich nicht Rathſam ſein / Bade Gaͤſte / gemeinem Brauch nach an gewiſſe Zeit (Vier Wochen) oder Stun - den (100. Stunden) zu binden / ſondern ſey nuͤtzlicher / das man die zeit des Badens / nach eines jeden Natur / Kranckheit vnd Kraͤfften anſtelle / vnd alſo per gradus fort - gehe / damit die Krafft des Waſſers der Leib fein gemach annehme / vnd deſſelben bey mehlichen gewohne. Denn wer diß Bad Anfangs zum vbermaß brauchet / darinnen zu lange verharret / vnd darneben vnmeſſig vnd vnordentlich lebet / der kan jhm gar leich - te Leber vnd Nieren erhitzen / Fieber / Erbre - chen / Hauptwehe / Grimmen im Leibe / Kraͤ - tze vnd andere gefehrliche Kranck heiten auff den Halß ziehen. Welches ſich die jenigen / ſo es recht Gebrauchen / nicht befohren doͤrffen.

Derowegen zum Anfange / wann der Leib durch bequeme Artzney darzu geſchicket ge - macht vnd præpariret worden / ſol man dieSchweiß -73warmen Bade. Schweisloͤchlin des Leibes entweder durch ein Schweis Bad / oder durch ein Wannen - Bad / aus dem Warmen Brunnen auffge - wermet / wie gemein geſchiehet / eroͤffnen dar - zu die Kirchſchreiberin beſtellet / welche die - ſelbige pfleget auff angeſatzte Zeit / neben dem Brunnen / oder in der Bade Stuben an dem Brunnen zugieſſen. Hierbey ſol man ach - tung geben / das ſie nicht zu Heiß / die Leber / das Gebluͤtte zu ſehr erhitze / Hauptwehe vnd Mattigkeit vervrſache / vnd darnach / das man nicht vber eine halbe Stunde darinnen verharre. Aus der Wannen mag man in Warmen Brunnen tretten / vnd ſich darein allgemach laſſen / vnd zum Erſten mahl vber eine gutte Viertel Stunde nicht darinnen ſi - tzen: Nach Mittage eine gutte halbe Stun - de Baden / Folgenden Tag / fruͤe vnd nach Mittage jedes mahl Drey Viertel ſtunden / den Dritten eine Stunde / Den Vierden an - dert halb Stunden den Fuͤnfften zwo Stun - den / Vnd ſo nicht etwas hindert / damit ver - fahren / des Tages Vier Stunden / ſo lange es von noͤhten. Doch wie offt gemeldet / ſol ſich ein jedes ſelbſt pruͤfen / ob es darbey koͤnte verbleiben. Manche muͤſſen des Tages mit einer Stunde zu frieden ſein / wegen Leibes Schwachheit.

Ehe man des Morgends das Bad an -F vfehet /74Vom Hirſchbergiſchenfehet / ſol man ſehen / das der Leib vorhin durch den Stuelgang / Harn vnd Auswerf - fen wol gereiniget ſey. Man ſol auch zuvor das Angeſichte vnd den Mund mit reinem Brunnen Waſſer ſaubern vnd waſchen / deß - gleichen das Haar ſtreelen / vnd das Haupt kemmen / ein Viertel Stund im Gemach auff vnd ab Spatzieren / vnd nach vollbrachtem Gebete im Nahmen GOttes zum Brunnen mit leerem Magen ſich verfuͤgen. Es were dann / das