PRIMS Full-text transcription (HTML)
D. G. CHRISTIANUS AUGUSTUS Comes Palatinus Rheni Dux Bavariæ, Juliaci, Cliviæ & Montium, Comes Velden - tiæ, Spanhemÿ, Marcæ, Ravensbergæ & Mörers, Dominius m Ravenſtein, &c.
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MEDULLA MIRABILIUM NATURÆ. Das iſt: Auserleſene / unter den Wundern der Natur / aller verwunder - lichſte Wunder / Von Erſchaffung der Natur / Himmliſchen Firmaments / Sternen / Planeten / und Cometen; als auch dieſer ſichtbarn Welt / und des Meers. Deßgleichen / in Brunnen / Flüſſen / Seen / und dem Meer; Auf / An / und in Gebür - gen / Erden / und Jnſulen: Wie auch / etzlichen Thie - ren / Bäumen / Früchten und Gewächſen. Jn Europa, Aſia, Africa, und Ame - rica.
Aus hiernächſt-benandten Autoren zuſammen getra - gen und beſchrieben; ſammt beygefügten Kupffern.
Sultzbach / Jn VerlegungJohann Hofmanns/ Kunſt - und Buch-Händlers in Nürnberg / DrucktsAbraham Lichtenthaler/1679.

Erklärung Des Kupffer-Tittuls.

DJe Bücher der Natur / umleuchtet
zwar ein Liecht /
Doch vor der Finſternis / erkendts ein
jeder nicht;
Wilſtu in freyer Art / durch dieſe Wol -
cken dringen /
So muß ein hoher Geiſt / dir ſeinen
Schlüſſel bringen.

Dem Durchläuchtigſten Fürſten und Herꝛn / Herꝛn CHRISTIANO AUGUSTO, Pfaltz-Graven bey Rhein; in Bäyrn / zu Gülich / Cleve / und Berg Hertzogen. Graven zu Veldentz / Spon - heim / der Marck Ravensberg / und Mörs / Herꝛn zu Raven - Stein / ꝛc. Meinem gnädigſten Fürſten und Herꝛn.

Durchläuchtigſter Hertzog / gnä - digſter Fürſt und Herꝛ!

WErckwürdig iſt / was der Königliche Prophet David unter ſeinen vielen Lob - Pſalmen von denen unend - lichen Wundern GOttes in dem 111. a iijPſalmZuſchrifft. Pſalm zeuget / da er alſo redet: Groß ſind die Wercke des HErꝛn / wer ſolcher achtet / hat eitel Luſt dar - an. Wie nun aber zu beklagen / was in dem gleich-nachfolgenden Veꝛs mit - angehängt iſt / daß nemlich die Tho - ren ſolches nicht glauben; und die Narren es nicht achten: Alſo iſt ſich nicht zubefremden / daß unter den Menſchen ſo gar wenige zu finden / die in Erforſchung der Wercke des HErꝛn ihres Schöpffers / und deſſen an dem Firmament / als auch auf dem Terr-aqueo globo zu män - niglichs Betrachtung unzählig aus - geſtelten Wundern mit David dahin gelangen / daß ſie in ſolcher contem - plation eitel Luſt darob empfinden. Ob nun zwar mit den mehriſt-gröſten und verwunderlichſten Wundern / welche die Göttliche Weisheit beyEr -Zuſchrifft. Erſchaffung dieſer ſichtbaren Welt / aus der ewigen verborgenen Stille hat herfür geruffen / und ans Liecht geſtellet / es alſo beſchaffen iſt / daß der natürliche Menſche aus eigenen Ver - mögen / und ſeiner bloſſen Vernunfft / dieſelbe nicht ergründen / oder verſte - hen kan / in maſſen GOtt ſelbſten / in dem mit Hiob gehaltenen Geſpräch / in deſſen Buch am 38. Cap. dahin zie - let; den weiſen Heiden auch ſolches nicht allerdings unbekandt geweſen / welche dannenhero zuſagen pflegten: Non unicuique contingere adire Co - rinthum. So iſt es aber darum nicht alſo gemeinet / daß es eine pur lautere Unmöglichkeit ſey / zur Er - kändnis der Wercke des HErꝛn zu ge - langen / ſondern vielmehr dahin zu - deuten / daß der höchſte Schöpffer nach ſeinem Wolgefallen ſolches da - rum alſo angeordnet habe / den Men -a iiijſchenZuſchrifft. ſchen dadurch anzuzeigen / daß hierin - falls er ſelbſt der einige Geber ſeyn und bleiben: auch allen / die hierum bitten und anklopffen / nach eines je - den talent, Erkändtnis und Verſtand geben / ſchencken / und offenbaren wol - le / geſtalten je und alle Zeit die Freun - de und Liebhabere der Weisheit die im Verborgen iſt / unter Chriſten / Ju - den / und Heyden / dieſen Weg einge - folget / und nicht abgelaſſen / biß ſie zur Erkändtnis der Natur und dero - ſelben Verborgenheiten / förderiſt a - ber des Schöpfers ſelbſten kommen uñ gelanget ſind / und gleichſam geſchmä - cket und empfunden haben / wie Luſt - und liebreich der HErꝛ in ſeinem Fin - den und Erkennen ſeye; Naturæ Con - templatio, (ſchreibet der H. Baſilius,) eſt voluptatis cœleſtis veſtibulum, perennis jubilus mentis, porta tran - quillitatis, animi Superiorum cumIn -Zuſchrifft. Inferis conciliabulum, humanæque felicitatis faſtigium; quod attingens anima è gravi veluti ſuſcitata veter - no, lucisque regionem ingreſſa, ſuì - que oblita, non tam cœleſtis hominis quam Terreſtris Numinis perſonam agere videtur. Welches dann auſ - ſer Zweiffel auch E. Hoch-Fürſtl. Durchleucht von dero Jugend an / durch einen innerlichen Trieb ange - friſchet / dahin vermocht / daß ſie in unabläſſigen Suchen / und Erfor - ſchung Göttlich - und natürlicher War - heit und Verborgenheiten; förder iſt aber wie David redet / in dem Geſetze des Herꝛn Tag und Nacht / biß auf die - ſe Stunde beharren: fuêre Palatinæ Fa - miliæ Principes ab omni ævo artium acſcientiarum Amatores eximii, Li - terarumq́ue ac Literatorum munifi - centiſſimi Fautores; bezeugen die Schrifften / noch lebender Gelehrten;

a vDem -Zuſchrifft.

Demnach auch nicht von Unge - fehr geſchehen zu ſeyn / möchte können geurtheilet werden / daß / in allhieſi - gen Hoch-Fürſtl. Land-Richter-Ampt Sultzbach / verſcheidene dergleichen Wunder der Natur / in Waſſern / Ge - bürgen und ſonſten / ob - und unter der Erden / nicht ohne beſondere Ge - müths-Ergötzung / (denen die es ach - ten /) zu männiglicher Betrachtung ſich darſtellen.

Recht verwunderlich iſt dieſes Hoch-Fürſtl. Land-Gericht ſelbſt / nunmehro vor ſieben-hundert Jahren aus der finſtern Verborgenheit eines wilden uñ ungeheuren Waldes / in wel - chem es wegen der Hunen aus Ungarn öffters Lands-verderblichen Einfällen (als welche ſo wol bey dero An - als Abzug mehrmalen ihren Weg durch daſſelbe genommen) faſt bey zwey hundert Jahr / gleichſam verborgenge -Zuſchrifft. geweſen / durch Grav Ernſt von Heubſch / ſeinen erſten Urheher / hin - widerum entdecket / und zu wohnba - ren Stand gebracht worden: Jn dem dieſer groß-müthige Held / nach dem er aus See-Land durch erlittene Waſſers-Noth vertrieben / im Jahr Chriſti 975. einen fernen Weg zoge / und mit ihm dreyhundert von Adel / (deren theils Wappen und Namen annoch im Kloſter Caſtel zu ſehen /) die Heubſch-Leute genandt / zu dama - lig regierenden Röm. Käiſer Otto dem II. in Teutſchland / von deſſen Freygebigkeit er dieſes Stuck Landes auf dem Nortgau / wo dermalen Sultzbach / Amberg / und das Kloſter Caſtel liegen / erhalten / und erſtmal zu Brunn an den Grentzen ein Schloß gebauet: Sein Sohn Gebhardus, I. aber / die Fürſtl. Reſidentz allhier / aus Veranlaſſung eines alten GemäuersſoZuſchrifft. ſo er diß Orts gefunden / angeleget hat. Nicht minder denck-würdig iſt / wie ſchnell dieſes Edle Geſchlecht der Graven von Heubſch und Sultzbach / hinwiederum ſich erholet / und zu un - gemeinen hohen Anſehen geſtiegen / daß es nicht allein in dem Jhme ein - gethanen Gezirck verſcheidene Städ - te / Klöſter / Märckt / Schlöſſer / und Kirchen erbauet; ſondern auch noch anderer Orten dergleichen Stifftun - gengethan hat! geſtalten unter ſol - chen / Beringersgaden / und das in der Nähe gelegene Kloſter Michelfeld von Grav Beringer / des obgedach - ten Gebhardi Sohn / Jhrem Stiffter zeugen. Nechſt deme / genoſſe auch dieſer Grav Beringer das ſeltene und ſonderbare Glück / daß zu gleicher Zeit zween Käiſer / Conradum, den dritten Römiſchen / (deſſen geheimer Rath der Herꝛ Bernhardus geweſen /) undZuſchrifft. und Emanuelem, den Grigiſchen Käiſer zu Aidamern gehabt; Er a - ber für ſein Perſon / des damal im Reich angerichteten Kammer-Ge - richts zu Rotweil oberſter Præſident geworden iſt. Alſo auch / ſoll unge - meldt nicht bleiben / daß hieſiges Hoch-Fürſtl. Land-Gericht / nach dem es in Verfolg der Zeit endlich auch an den höchſt rühmlichſten Röm. Käiſer Carolum IV. gelanget / derſelbe / wann Er auſſer Böhmen im Reich ſich aufgehalten / die Hoch-Fürſtl. Reſidentz allhier / zu Seinem Käiſer - lichen Ablager erwählet / maſſen un - terſchiedliche / den Ständen des Reichs ertheilte Freyheiten unterm dato Sultzbach / ſolches beſteiffen. Mehrer dergleichen Merckwürdig - keiten Kürtze halber zu geſchwei - gen.

Wann dann DurchläuchtigſterHer -Zuſchrifft. Hertzog / gnädigſter Fürſt und Herꝛ / E. Hoch-Fürſtl. Durchl. unter die Zahl vieler / durch die Hiſtorien der Nach-Welt zu ſteten Gedächtnis / rühmlichſt-angemerckten Königen und Fürſten / quibus volupe erat ſce - ptri onus levitate calami recreare, & gubernandi moleſtias librorum tractatione temperare, quiq́ue nullo alio ſtudio ita occupati, nec tantâ morâ tantæque ardore, ut rerum na - turalium inquiſitione: höchſt-billig mit zu zehlen; und hierbey mich er - innere / daß Zeit meiner unterthänig - ſten Dienſten / ich die Gelegenheit gehabt / vorberührte / in dieſem Fürſtl. Land-Richter-Ampt befindliche Wunder der Natur / ſo wol bey Hoch - Fürſtl. Anweſenheit / als auch nach - gehends in obgehabten Verrichtun - gen mehres zu perluſtriren / auch Zeit hero bey habender Weile ausver -Zuſchrifft. verſcheidenen Büchern und Schriff - ten / welche von dergleichen Wundern / die in allen Theilen der Welt wißlich ſind / zeugen / das Wenige ſo hiervon aufgezeichnet / finden können / colligi - ret / und zuſammen getragen.

Als habe auf gnädigſtes Zulaſſen / E. Hoch-Fürſtl. Durchlaucht / ich die - ſes Opuſculum unterthänigſt dedici - ren und übereigenen; und anbey zu fernern Hoch-Fürſtl. Hulden und Gnaden gehorſamſt mich befehlen ſol - len / als

E. Hoch-Fürſtl. Durchl. Unterthänigſt-Ge - horſamſter Joh. Heinrich Seyfrid.

bEin -

Einleitungs Vorrede. An den Liebhaber der natür - chen Wunder.

DJe aller fürtrefflichſte und wunder - würdigſte Creatur unter allen ſicht - baren Geſchöpffen / damit der groſ - ſe und allgemeine Wunder-Schau - Platz / die Welt / von dem Allweiſen Himmels-König verſehen / pranget / iſt der Menſch; von dieſer kleinen Wunder-Welt ſolten billig alle Wunder-Erzehlungen den An - fang machen; dann / was kan wol von einigem Ding ſeltzam und curiös für gebracht werden / daß dergleichen in dem Menſchen nicht viel Wunderſamers ſolte anzutreffen ſeyn? Und ſo man ihne nach allen ſeinen Theilen und Be - ſchaffenheiten eigentlich beſchꝛeiben wolte / welche Feder ſolte wol vermögen ſolches auch nur nach dem wenigſten Theil werckſtellig zu machẽ? Wel - cheꝛ Redneꝛ oder Künſtleꝛ ſolte wol gefunden weꝛ - den / die verborgene Seltenheiten dieſes Wun - der-Geſchöpffes auszureden / oder das Wunder - Gebäu des Leibs nachzuahmen. Mit einem Wort: Die Fauſt eines ſolchen Schreibers mus ermüden / der Künſtlichſte Redner muß lal -len:Vorrede An den Leſer. len: Und die Kunſt mus zum Dunſt werden / wann ſie ſich unterfangen wollen zubeſchreiben / das Vermögen / den Urſprung / und die We - ſens-Art der Menſchlichen Seelen; auszure - den ihre Würckungen und Verwandſchafft mit dem Geiſt als ihres Werckzeuges / und deſſen Neigung gegen dieſelbe; nachzubilden den Leib als die Wohnung dieſer beyden / und die ſeltzſa - me Verrichtungen und Zuſammenfügung ſei - ner Theile: Von dieſem aber weitläuffiger und umſtändiger zu handeln / iſt man diß Orts nicht gemeinet / zumalen viel zu unvermögent ſich dißfalls befindet / derowegen auch ſolches einem höhern Verſtand überläſſet: Gegenwär - tiger Schau-Platz aber wird dennoch nicht er - manglen / unter ſeinen Natur-Wundern / gleich wie er faſt von allen Creaturen / wiewol nur Stück - und Erzehlungs-weis / alſo auch etwas von dem Menſchen fürzuſtellen / und den Liebha - bern zu zeigen.

G[l]eich wie nun das Leben aller Menſchen / nach dem Gleichnis eines Welt-Weiſen / gar füglich einem groſſen Schau-Platz vergliechen wird / auf welchem ſich eine Verſammlung vie - ler Leute befindet / und ſich in mancherley vor - nehmen und vielen ungemeinen Verrichtungen bemühen; bey dieſer Verſammlung aber / befin - den ſich nicht nur allein Actores, ſondern auch Spectatores, welche / als mit höherm Verſtand begabte Leute / den andern / Ziel / Maaß / undb ijundVorredeOrdnung für ſchreiben / auch die Würde und den Nutzen aller Verrichtungen reifflich zu prüfen / und verſtändig urtheilend / von allen den endlichen Ausſchlag zu machen / wiſſen: Alſo können dieſe Letzte / nemlich die Spectatores auf dem groſſen Welt-Schau-Platz mit guten Fug von den Heyden / Natur - und Welt-Weiſe: Von den wahren Chriſten aber / Gott-weiſe Leute genennet werden / als welche nicht unnütz - lich gleich andern umher ſpatzieren / ſondern Gottes unermäßliche Weisheit an den mancher - ley Wunder-Cꝛeaturen / in der Fuꝛcht des HErꝛn nicht nur allein mit den duncklen Natur - oder Vernunfft-Augen: Sondern auch mit dem erleuchteten Verſtand oder Gnaden-Auge / un - abläſſig anſchauen / mercken / und betrachten. Dann / haben nach Zeugnis des Apoſtels Pauli Rom. 1. die Heyden Gottes unſichtbares We - ſen erkennen / und ſeine Gottheit an deſſen Ge - ſchöpffen abſehen können / wie viel mehr will ſol - ches Chriſten geziemen? Merck würdig iſt / was je - ner groſſe König und Monarch Nebucad-Nezar nach wider erlangten Menſchlichen Sinnen und Verſtand / bey dem Propheten Daniel am 4. Cap. redet: Nach dieſer Zeit / ſpricht er / hub ich meine Augen auf gen Himmel / und lobete den Höchſten; ich preiſete / und ehrete den / der ewig lebt / deſſen Gewalt unendlich / und ſein Reich im - merdar beſtehet: Gegen welchen alle die auf Erden wohnen gleich wie die Heuſchrecken / jaalsAn den Leſer. als nichts zu rechnen ſeynd. Vielen / nur unter den Chriſten wäre zu wünſchen / daß ſie jetzt-ge - dachtem Könige möchten nachſchlagen / ihre Au - gen als vernünfftig-erſchaffene Menſchen auf - heben / und von ihnen nicht laſſen geſagt werden / was dorten der Pſalmiſt klaget / und dergleichen Leute / Roß und Mäuler nennet / die nicht Ver - ſtand haben. Dann / ob ſchon von dem Höch - ſten ſie eben wol zu vernünfftigen Menſchen ge - ſchaffen / auch mit Verſtand und reinen Sinnen ſind begabet worden / ber auben jedoch ſie ſich der - ſelben hinwiderum von ſelbſten / leben Thieriſch in Unverſtand ohne Vernunfft / ſehen auch nur auf die Erde / und dieſes / was das Augen-maaß giebt / bezeugen aber hierdurch / daß in den thieri - ſchen Monarchien dieſer Welt / ſie nicht viel beſ - ſer als Thiere leben; nicht minder / denenſelben gleich / das Gras auf dem Felde / das iſt / ihr Brod eſſen. Da ſie im Gegentheil mit vorge - meldten mächtigem Könige Nebucad Nezar ihre Augen gen Himmel ſolten empor heben / erken - nẽ / loben / rühmen / ehren / und preiſen den / der alles vermag; dem nechſt auch anſchauen und be - trachten dieſe Welt / mit allen den herꝛlichen Wercken und Geſchöpffen des Schöpffers der - ſelben: Nicht weniger / bemüht zu ſeyn / in den - ſelben / den jenigen zu ſuchen / finden / und zu er - kennen / in deme ſie leben / weben / und ſind. Jn ſolcher Betrachtung würde förder iſt ſich darſtel - len / daß GOtt / das einige und höchſte Gut / imb iijAn -VorredeAnfang der Zeit / in ſeinen Geſchöpffen ſich habe wollen offenbahren und herfür ihun; in welchen er auch gleichſam ſichtbar geworden / alſo / daß ſein unſichtbar Weſen / das iſt / ſein Krafft und Gottheit erkennet und geſehen wird / ſo an der Erſchaffung / als an der aller-weiſeſten Ordnung / Regier - und Erhaltung aller Dingen / der auch den erſten Menſchen nicht nur ſo oben hin aus einem gemeinen Erden-Kloß formiret / ſondern als eine kleine Welt geſchaffen / und vor allen an - dern lebenden Geſchöpffen einen lebendigen A - them eingeblaſen / das iſt / mit einer unſterblichen ewi[g]en Seele / und einem reinen vernünfftig - und unbefleck[te]n Geiſt gezieret und mit Weisheit / Verſtand / Heiligkeit und Keuſchheit begabet / mittels welcher Gaben / er zu der Gleichheit / E - benbild / Gemeinſchafft / und Vereinigung des ewig[e]n und höchſten Gutes ſich erſchwingen / den Schöpffer und Meiſter dieſes alles erkennen und preyſen könne.

Ob nun ſchon dieſer Strahl des Bildes GOttes / und das Einhauchen der Göttlichen Krafft und Geiſtes / durch den traurigen Sün - den-Fall Adams ſehr verfinſtert und vertunckelt; nicht weniger / der innere Menſch an den Kräff - ten der Seele und Geiſtes alſo geſchwächt und verderbet iſt / daß er von Natur das Wenigſte verſtehet; das mehriſt und wichtigſte aber nach Zeugnus des weiſen Syrachs ihme verborgen bleibet; auch ſo gar in irꝛdiſchen Dingen dievor -An den Leſer. vorhandene Wiſſenſchafften nur eitel Stuck - werck und Unkollkommenheiten ſind: Scientia noſtra eſt vel ut umbra in Sole, ſchreibet ein Ge - lehrter: So iſt jedoch durch Chriſtum den an - dern Adam / in welchem alle Schätze der Weis - heit und Erkändtnis verborgen liegen / alles her wider bracht / darum auch der innere wider ge - borne Menſch in den Wercken und Wundern ſeines Schöpffers und Widerbringers um ſo freudiger und getroſter ſich üben / um ſo mehr auch ſich ſchuldig und verpflicht erkennen ſolte / denſelben zu ſuchen / und ſeine Wunder zu erfor - ſchen / ſintemal er keinem ſich unbezeugt läſſet / ſonderlich unter den Chriſten / denn er ja nicht ferne von einem jeden iſt / noch ſeyn kan / weil ſo gar wir ſeines Geſchlechts / in ihm leben und we - ben: Auch von ihm / in ihm / und durch ihn alle Ding erhalten werden. Mit einem Wort: Er ſolle dieſe ſichtbare Welt-Kugel Himmels und Erden / die voller Wunder / Weisheit / und Herꝛlichkeit ihres Schöpffers iſt / als einen vor - geſtelten Spiegel der unendlichen Allmacht deſ - ſelben / und als ein Bild der ewigen unſichtbaren Dingen / mit rechten Menſchen-Augen an - ſchauen; im Anſchauen ſich vertieffen; im Vertieffen beluſtigen; im Beluſtigen zum höch - ſten Gut ſich aufſchwingen; in ſolchem Auf - ſchwingen aber / den Schöpffer dieſes alles / und ſein ſelber lernen erkennen. Nachmals / ihmeb iiijeinVorredeein unaufhörlich Lob / und Danck-Opffer ab - ſtatten.

Sehr herꝛlich / merck - und denck-würdig hat vor andern heiligen Gottes-Männern / der Königliche Prophet David die Wunder GOt - tes in der Natur / in ſeinen Pſalmen und Lob - Geſängen beſchrieben / auch durch öffters Wi - derholen dennoch darob ſich nicht erſättigen - gen / darum er endlich im 103. Pſalm in dieſe Wort ausbricht: Die gantze Erde ſey voll der wunderbaren Güte des HErꝛn. Ohne Zweif - fel hat dieſes der Heilige Geiſt nicht vergebens als eine geſchehene Sachen laſſen aufzeichnen / ſondern an David eine lebendige Ideam und Muſter der wahren GOtt wol-gefälligen An - ſchauung und Betrachtung der Wercke des Schöpffers wollen vorſtellen. Wie nun un - widerſprechlich wahr iſt / daß das Wort des HErꝛn oder die Heilige Schrifft das Haupt - Buch ſey / in welchem die wahre Erkändtnis GOttes / nach ſeinem Weſen / Willen und Wercken aus Gnaden den Menſchen-Kindern geoffenbaret worden: Alſo auch iſt mehr denn gewiß / daß das andere auf gethane Buch / nem - lich dieſe Welt / als eine ſichtbare Darſtellung der unſichtbaren Ewigkeit / nicht weniger hoch werth zu halten; nachdemmalen in ſolchem Buche gleichſam mit Augen geſehen / und in ei - nem GOtt gelaſſenen Gemüth betaſtet und empfunden werden kan / was in dem Wort desHErꝛnAn den Leſer. HErꝛn von deſſen Majeſtät / Weſen und unaus - ſprechlicher Herꝛlichkeit beſchrieben und aufge - zeichnet iſt / davon auch Paulus in der Epiſt. an die Römer am 1. zu leſen. Daraus dann fol - get / daß dergleichen zu unterlaſſen / nicht erwe - gen oder bedencken / ſondern in der Welt wie das dumme Vieh leben / freylich ein viel ſchwerere Sünde ſeyn müſſe / weder gröſſerer Theil der Menſchen glauben / begreiffen / oder bedencken können / der Urſachen erſt-gedachter Apoſtel Paulus berührten Orts ſchreibet: Daß die Heyden unter andern auch billig um dieſer Sün - de willen verdammet und verlohren gehen / daß / da ſie GOttes Herꝛlichkeit an und aus der er - ſchaffenen Welt augenſcheinlich ſehen / dennoch den Schöpffer derſelben nicht recht erkennen / alſo auch nicht als den einigen wahren GOtt ehren / und ihme mit Danck-Opffer begegnen. Gilt nun dieſer Schluß den Heyden: Wie ſtehets mit einer unzähligen Menge der Chriſten? Denen beyde Bücher / nemlich das Gnaden - Buch der Heiligen Schrifft / als das geoffenbar - te Wort GOttes: Und dann auch das Buch dieſer ſichtbaren Welt / oder der aus GOtt aus - gefloſſenen Natur / offen ſtehen / von ihnen unter - ſuchet / geleſen / und betrachtet werden können. Billig ſolten der gleichen Leute ſich erinnern laſ - ſen / wie weit die Heyden durch ihr unabläſſiges Nachforſchen in dem Bucheder Natur kommen ſind; in welchem das Göttliche Weſen dochb vnurVorredenur per modum Speculi, als ein Spiegel / und à poſteriori ſich zeuget / und in den Wercken ſei - ner Hände offenbaret: Jn ſeinem Wort aber findet man / wie daſſelbe heilige Weſen aus dem verborgenen Liecht ſeiner Majeſtät gleichſam ſey heraus gangen / den Menſchen in herꝛlicher Geſtalt erſchienen / ſie angeredet / ihnen ſich of - fenbaret / Geſetz und Evangelium gegeben / da - rein auch alles / was zur ſeeligmachenden Er - kändtnis ſein - und ſeines heiligſten Willens / den Menſchen nutz und nöthig geweſen / ein verleibet / und ihnen vortragen laſſen. Hieraus nun er - hellet unſchwer wie ſchwach und noch gar unvoll - kommen die Erkändtnis GOttes bey denen Heyden geweſen ſeyn müſſe / als welche dieſes andern und vornemſten Buchs der Gnaden / gäntzlich ermanglet. Zwar / haben ſie aus dem Geſchöpff erkandt / daß ein GOtt ſey: Wer Er aber ſey? Oder wie ſein Weſen beſchaffen? Das blieb ihnen ſtumm und verborgen. Man lieſet in ihren Schrifften von nichts als von der Na - tur / unter welchem Namen ſie GOttes Ehre und Herꝛlichkeit vertunckelt / und die Erſchaf - fung aller Dinge gelaugnet haben. Seneca ſelbſt erkandte dieſen Jrꝛthum / und ſtraffte ihn auch an andern / welche behaupteten / diß und das hab die Natur gethan. Tu naturæ, ſchreibt er / Deo nomen mutas. Quantò pulchrius ſi di - xeris, Deus hoc aut illud fecit. Dergleichen Meinung iſt auch ein Gelehrter unter den Chri -ſten /An den Leſer. ſten / da er ſich hören läſſet: In tota Sacra Scri - ptura non extat iſtud naturæ vocabulum, ſed ubique dicitur, hoc effecit Deus, hoc fecit Deus, ut illud fieret. &c. Hierbey nun mag es beruhen / zumalen dieſe Materi viel gelehrte Männer in ihren Schrifften umſtändig all ſchon aus geführet / un ihrem Mit-Chriſten zu erwegen vorgeſtellt haben. Es wird auſſer Zweiffel den - noch wol / wie bißhero / alſo auch hinführo bey deme bewenden / was oben angeregter Königli - che Prophet David in ſeinem 92. Pſalm hier - von Propheceyet / daß / ob ſchon die Wercke des HErꝛn / noch ſo groß und wunderbar / und dieſe / ſo ihrer achten / eitel Luſt darob empfinden; den - noch ſolches von den Thoren nicht geglaubet / und von den Narren nicht geachtet werde. Al - lermaſſen aber nicht zu zweiffeln. Der Chriſt - liche wol-geneigte Leſer werde bey dieſer Panegy - ri auf dem Theatro dieſer Welt / unter der Zahl der Spectatorum und Anſchauer der Wunder GOttes / deren zwar der gantze Erd-Kreiß voll iſt / ſich mit befinden / bedacht / daß bey allen de - nen / die in glaubiger Zuverſicht dermal einſten hoffen / Jnnwohner und Beſitzer der andern und Neuen-Welt zu werden / nicht fehlen könne / auch allbereit ſchon hier in dieſer Welt eine Begierde und Vorſchmack fühlen / und deroſelben Wun - der-Geburten freuden-voller Offenbahrung in ſich wenigſt etlicher maſſen / ob ſchon unvollkom - men / empfinden: Und alſo nicht nur Philoſo -phicèVorredephicè, wie die Heyden auch gethan / ſeines Schöpffers unermäßliche Weisheit über ſich am Firmament; und unter ſich auf dem Erd - Boden / auf welchem er umher wallet / contem - pliren / und GOttes unſichtbares Weſen / und deſſen Gottheit an denen Geſchöpffen wahrneh - men und betrachten; ſondern auch / und zwar viel mehr Theoſophicè, wie rechtſchaffenen Chriſten ziemet / und obliget / dergleichen Con - templationes, Betrachtungen und nachfor - ſchen / zu näherer Erkändtnis des Schöpffers / und deſſen ſo verborgen als wunderbaren Regie - rung: Am allermeiſten aber / zu ſeinem ſelbſt ewigen Heyl und beſten appliciren / und anwen - den.

Als iſt auch bey Verfertigung dieſes Werckleins / kein ander Abſehen geweſen / dann daß zu mehrer Erweckung Luſts und Begierde zu ſo thanen Wundern GOttes in der Natur; und folglich dero eyferigen Betracht - und Nachforſchung / dieſelbige Wunder ob wol unzählich / doch gröſſeren Theil und meiſtens noch unbekandt / verborgen / unerforſchet und unbetrachtet / geſtalten wie der hoch-erleuchte Gottes-Freund und tieffſinnige Philoſophus Hiob am 26. Capitel hiervon bezeuget / von ſol - chen man kaum ein geringes Wörtlein vernom - men habe / wie ſie am himmliſchen Firmament an den Fix-Sternen / Planeten / und Cometen: Als auch auf dem Terr-aqueo globo, oder derWelt -An den Leſer. Welt-Kugel / ſparſim, in dero vier Theilen in Europa, Aſia, Africa, und America, in Waſ - ſern / Brunnen / Bächen / Seen / und dem Meer; deßgleichen / um / auf / und an den Ge - bürgen / Thälern / und theils Ländern; Alſo auch an etlichen benandten Thieren / Bäumen / Gewächs und Früchten / dem Menſchen ſich vorſtellen / zwar nur die aller-verwunderlichſte / in ſo viel von ſolchen bißhero durch ein ſo andern Liebhaber Göttlicher Weisheit / iſt beobachtet / aufgezeichnet / und in Schrifften der Nach-Welt hinterlaſſen / gleichſam concentriret / in belieb - ter Kürtze zuſammen getragen: Anbey aber mit vorbedacht alle Weitſchweiffigkeit / überflüſſige Gedancken / und vergebliches ratiociniren über - gangen worden / damit dem Gott-gelaſſenen Le - ſer ſein freyes unpartheyſches Urtheil verbleiben; von ſelbſten einem ſo andern in der Furcht des HErꝛn / in ſo viel derſelbe hierzu Gnad verleihen wird / nachdencken / und darinn ſich beluſtigen möge; zumalen ewig wahr iſt / und auch bleiben wird / was der Apoſtel Paulus bezeuget 1. Cor. 2. Cap. daß wie niemand aus eigner Vernunfft / wie ſubtil und ſpitzfündig ſie auch immer ſeyn könne / ergründen möge / was GOtt ſey? Es werde ihme dann durch GOttes Geiſt in dem Wort des HErꝛn geoffenbahret: Alſo auch / ſo wenig jemand verſtehen / wiſſen oder begreif - fen könne / was der Menſch iſt / ohne den Geiſt des Menſchen der in ihme iſt / den aber unter vie -lenVorredelen kaum einer kennet: Eben ſo wenig / kan je - mand die Kräfften / Macht / Gewalt / und unzäh - lige Wunder des von GOtt erſchaffenen Gei - ſtes dieſer Welt / der viel genandten / aber noch wenig bekandten Natur warhafftig urtheilen / begreiffen / und verſtehen / es ſey dann / daß er die - ſen Geiſt kenne / ſeine Kräfften und ſein Vermö - gen wiſſe. Nicht minder die unendlichen Ver - änderungen in deſſen ſichtbaren Aus-Geburten gründlich verſtehe und begreiffe. Hierüber iſt mit Luſt zu leſen / was ein neuer Scribent unter andern hiervon gedencket / da er alſo ſchreibet: Mihi quidem id ſemper viſum fuit à Chriſtia - na pietate alienum, quod plerique origines re - rum Cauſasq́ue ex putidis gentilium lacunis vel proprii cerebri Labyrintho haurire malint, quàm limpidiſſima illa Moſis, Prophetarum ac Pſalmorum ſcaturigine, quibus Evangeli - ſtæ ac Apoſtoli ſua ſuperſtruxerunt. Neque enim à Deo ſeparanda ſunt opera ejus & unde notitia Creatoris hauritur, ibi quoque fontes creaturarum quærendi ſunt. Nihil ſane re - rum naturalium toto mundo datur, cujus non abditiſſima quævis ex ſola Scriptura Sacra erui ac evidentiſſimè demonſtrari poſſint. Negli - gentia hæc eſt & ſtupor illorum qui con - temnunt ſcripturas, qui vel non legunt vel obiter tantùm ac cum ſtultitiæ humanæ præ - judicio ad deliria ſuarum cogitationum divi - nam ſapientiam accommodare volunt &c.

Höch -An den Leſer.

Höchlich iſt es zu bejammern / daß der irꝛdi - ſche Menſche durch den leydigen Fall Adams unter andern ihne befallenen Gebrechen nicht al - lein an dem innerlichen Erkandnis verfinſtert / ſondern auch an ſeinem Geſichte ſolchen Man - gel und Abgang empfindet / daß er an keinem ei - nigen Geſchöpffe / das in der Lufft / auf dem Erd-Boden / oder in dem Waſſer zu ſchauen / be - weglich - und unbewegliche / des Allmächtigen Schöpffers unausſprechlich-geſchaffene Weis - heit weder am gantzen erkennen / noch an deſſen verſcheidenen Theilen warhafftig kan beaugen / ſondern dieſelbe ingeſammt anders nicht / als ob ſie etwas Dunckelheit umgeben / ihme vorkom - men / daß er die höchſt-verwunderliche Aus-Ar - beitung der mancherley unzähligen Zierden / wo - mit der geſchaffene und alle Ding formierende Geiſt / die Natur / ſolch ihre Aus-Geburten und Kinder ſchmücket und bekleidet / und dem durch das Myſterium iniquitatis, (wie Paulus redet /) gleichſam bezauberten Menſchen / zu mehrer Aufmunterung (in ſolch ſeiner Schlaff-ſucht /) und Erweckung Göttlichen Lobs / vorſtellet / ſol - te verſcheidenlich können ſehen / bemercken / und gründ ich unterſcheiden; dahero auch die ferne - re Ausbreit - und Erkundigung natürlicher Wiſ - ſenſchafften hierunter gewißlich ſehr gehemmet worden ſind / daß viele ſonſten hoch-gelehrte Leu - te ihre Philoſophiam öffters nur auf ein bloſſes Errathen gründen müſſen / da jetzund viel ver -bor -Vorredeborgene Dinge nicht allein erforſchet / ſondern auch mit den Augen geſehen / und durch die Sin - nen können begriffen werden: Dann unwider - ſpechlich leichter iſt zuerkennen / und durch die Würckung der Sinnen zu begreiffen das / was GOttes unbegreiffliche Weisheit gemacht hat / weder zu errathen und ſich ein zubilden / was dieſelbe hab machen wollen.

Es iſt zwar dieſer Fehler nach und nach durch Gott-weiſe / in dem Liecht der Natur ſe - hende: Und alſo beedes von GOtt erkohrne / und der Natur hierzu gebohrne Gelehrte Män - ner erkandt / und auch in ihren Schrifften bekla - get worden: Alldieweilen aber die Erfüllung der Zeit / darinnen eine nähere und herꝛlichere Offenbahrung der Wunder des wunderbaren Schöpffers auszubrechen / verordnet iſt / noch nicht erfüllet geweſen / iſt es alſo verblieben / biß in dieſem noch lauffenden Seculo der Göttlichen Majeſtät es gefallen / bey gleichſam überhäuffter / und alſo zu reden nunmehr ausgeſchütteten Ver - achtung GOttes / und ſeiner Warheit / dieſe / biß auf jetzige Zeiten annoch zuruck-gehaltene Erkändtnis deſſen Allmacht und Weisheit an den Geſchöpffen / weilen ſonderlich unter den Gelehrten die alſo genandte Natur-kündiger / um deren äuſſere Geſtalt / Schalen / und Decke am meiſten ſich bemühet / und doch weder ſehen oder erkennen können / was an ſolcher zuſehen iſt / vollend zu offenbaren; ob hierdurch ein und an -dererAn den Leſer. derer der in ſeinem Hertzen ſpricht / es iſt kein GOtt / zu tiefferem Nachſinnen möchte gerei - tzet / und dahin angefriſchet werden / daß er nach genugſamer Beluſtigung an der äuſſern Form / Schalen und Decke / auch daſſelbſtändige Leben / Weſen / Liecht und Form zuerforſchen / zube - ſchauen / und alſo im Grund zuverſtehen / war - umb dieſer Geiſt / oder die Natur / dieſe und jene ihre Ausgeburten alſo wunderbar gezeichnet / gezieret und bemercket habe. Hierdurch würde er gleichſam Staffel weiß aufſteigen / von denen irꝛdiſchen zu den himmliſchen / von denen end - lich zergänglichen zu den unvergänglichen ewi - gen / von denen aus böß und guten vermiſch - ten / zu den reinen und unvermiſchten; kurtz / von den leiblichen zu den geiſtlichen Geſchöpffen; und wann in dieſem allen er eine Gleichheit ſein ſelbſt wurde erkennen; unzweiffentlich auch endlich den ungeſchaffenen GOtt und Schöpf - fer dieſes alles / der allen ſeinen Geſchöpffen ge - genwärtig iſt / und ſie begreiffet; von keinen a - ber begriffen werden kan / finden und ſchmecken / wie freundlich dieſer HErꝛ ſey / hochgelobt in den Ewigkeiten.

Wie nun in der Nach-Welt man ſich be - mühet / dieſen Fehler und Mangel zuverbeſſern / und die Würckung der Sinnen inſonderheit des Geſichts / als hierzu das edelſt und nothwendig - ſte / mehrers zu ſchärffen / und zu höherer Voll - kommenheit zu bringen; alſo hat man endlichcdieVorrededie Augen-Gläſer erfunden / deren dann für - nemlich zweyerley / die eine Gattung nennet man Ferꝛn-Gläſer / oder Perſpectiven / wegen ihrer Würckung / als welche darinn beſtehet / daß dadurch entlegene Dinge / ſo wegen ihrer Ent - fernung ſonſten dem Geſicht unſichtbar ſind / gleichſam herbey gezogen / und zu ſichtbaren Stand gebracht werden; das allererſte Ferꝛn - Glaß hat Jacob Matz eines Brillenmachers Sohn von Alkmar in Holland / im Jahr 1544. Durch Zuſamfügung zweyer Brüllen-Gläſer / deren das eine in der Mitte dick / und umb den Rand dinn; das ander aber / umb den Rand dick / und in der Mitte dinn / in ein Rohr zu - ſamm geordnet / erfunden. Die andere Gat - tung wird in gemein genannt ein vergröß Glaß / durch welches unzählige Dingen / die ſonſten we - gen ihrer Kleinheit / und ſubtilen Weſens un - ſichtbar ſind / dem Geſicht in ihrer natürlichen Geſtalt / Form / und höchſtwunderlichen Ziera - then / ſichtbar / deutlich / und verſcheidenlich kön - nen vorgeſtellt werden. Von der erſten Gat - tung iſt wegen beliebter Kürtze hier kein Platz derſelben umbſtändig zugedencken / wird aber ſeines Orts bey Beſchreibung der Wunder Gottes in der Lufft / am Firmament / Sternen / Planeten und Cometen / erhellen / was hierdurch bey einer Zeit hero iſt entdeckt und erfunden wor - den. Die andere Art / nemlich die Vergröß - Gläſer belangend / ſind hierdurch inner wenigJahren /An den Leſer. Jahren / nach dem ſolche zu zimlicher Vollkom - menheit gebracht / mehr Verbor genheiten der Natur entdecket und weißlich geworden / weder die Alten durch all ihr Speculiren und Philoſo - phiren in etlich hundert Jahren ausgerichtet; und gleichſam eine neue und andere Welt zu Ge - ſicht gebracht: Ja / unendlich viel kleine vor - mals unſichtbar und demnach unbekannte Ge - ſchöpffe / über welche ſich nicht weniger zu ver - wundern iſt / als über alle andere / die bißhero ſchon bekandt waren / ſind hierdurch erſt zu Tag kommen / die ſonſten niemand gewuſt / oder ge - kandt hätte.

Hiervon nun wäre ein groſſes Werck zu ſchreiben; es ſind aber bereits in unterſchiedli - chen Sprachen verſcheidene Bücher davon zum Druck kommen / dahin der wolgeneigte Leſer remittiret wird. Alſo hier dem ſelben zu Dienſte nur etliche wenige Obſervationes bey - gebracht werden ſollen. Denen Medicis iſt ſattſam bekandt / was ungleiche Meinungen bißhero vorkommen / woraus doch Gangræna, der kalte Brand im Menſchen entſtehe? Was er ſey? und woher es komme / daß er ſo ſchnell überhand nemme? dabey aber ſo übel / oder gar nicht zu curiren ſey / man ſchneid oder haue dann das inficirte Glied ab / worauf doch öff - ters der Tod zu folgen pfleget. Hierüber iſt ſich nicht groß zu verwundern / wie in mehr an - dern Morbis auch / weilen die proxima cauſac ijnochVorredenoch nicht entdecket iſt; was aber ſolche ſey / daraus der ſo genandte kalte Brand entſtehet / kan bey Athan. Kirchero, in mundo ſubterr. geleſen werden / der zeiget: Gangræna nihil aliud eſſe, quam innumeram venenatorum vermium, carnem corrodento corrumpen - tium, multitudinem, & rationem, cur gan - græna tam citò increſcat, hanc eſſe, quod vermiculi illi ita generari ſoleant, ut chartæ albæ folio impoſitus unus, recitati unius mi - ſererè ſpatio, quinquæ alios produxiſſe obſer - vatos. Zu Teutſch iſt es ſo viel geſagt: Der kalte Brand beſtehe in nichts anders / dann in einer unzähligen Menge kleiner vergiffter Würmlein / die das Fleiſch zernagen und zu - gleich mit in eine Corruption bringen (welches der Brand genennet wird /) wannenhero es komme / daß er ſo ſchnell umb ſich freſſe / ſey diß die Urſache / daß man beobachtet / wann eines dieſer Würmlein auf ein reines weiſſes Pappier geſetzt werde / habe man beauget / daß in Zeit man das Miſerere ſprechen möge / dieſes Würmlein ſchon fünff andere aus ſich gene - rirt habe. Nach alſo entdeckter Urſache / wird hinkünfftig in ſolchem Zuſtand beſſerer Rath zu finden ſeyn. Dieſes kan bey andern derglei - chen Gebrächen auch die ex corruptione ent - ſtehen / auſſer Zweiffel mit Nutzen obſerviret werden.

Jn dem Eſſig / der doch aller Fäulung wi -der -An den Leſer. derſtehen ſolle / kan durch ein Microſcopium, (Vergröſſerungs-Glaß /) wargenommen werden / daß eine Art Würmer wie Schlan - gen geſtaltet / darinnen im Zirckel herumb fah - ren. Jn Peſt-Zeiten ſoll die Lufft / wie etliche curioſe Naturkündiger beobachtet / voller klei - ner unſichtbaren Thierlein / die ex putrefactio - ne erboren / ſchweben / welche durch den Athem mit eingeſchlucket werden; dahero nachmals in denen Peſt-Beulen auch eine beſondere Art Würmer gefunden werden. Jn dem reine - ſten Sand des Meers werden allerley köſtliche edler Steine / Diamanten / Schmaragden / Rubin / ꝛc. in Menge geſehen: Alſo auch in dem gebrandten Vitriol oder deſſen Caput mortuum, ſihet man augenſcheinlich gantze Zainlein gläntzenden Goldes / welches doch ohne Vergröß-Glaß unmüglich zu ſehen iſt.

Jn dem vierdten Theil eines Mucken-Au - ges / hat man etlich hundert Circkel wargenom - men; ein Engelländer berichtet / daß er im gan - tzen Auge deren bey zwölff hundert gezehlet hät - te. Hierbey zu geſchweigen / der überaus ſchö - nen Farben die ſich dem Geſicht vorſtellen. Ein Haar / iſt geſtaltet wie ein holes / kleinen Finger dickes Rohr / welches am End dicker als bey der Wurtzel iſt. Das feinſte Pappier ſcheinet wie ein rauhes grobes Tuch / voller Un - gleichheit / Runtzel / Höhen und Tieffen: Eben alſo kommt dem Geſicht vor / die allerzarteſtec iijHautVorredeHaut an den Händen des Frauen-Zimmers / die iſt gantz rauch / ſchuppicht / und harechtig. Jn den Blumen / können die Adern und der Safft / dannenhero ſie ihre Nahrung / und dabey auch wargenommen werden / wie dieſer Safft flieſſet und geſtehet. An den Tulipen / die verſcheidene Farben haben / wird mit Luſt angeſchauet / wie dieſe Farben miteinander ſich mengen / das Rothe im Weiſſen / und das Weiſ - ſe dahingegen im Rothen unterſchieden iſt.

Merckwürdig iſts / was unendliche Zahl Löchlein in dem Johannis Kraut zu befinden / und wie wunderlich ſie durch beſondere Bläßlein hinwiederumb geſchloſſen ſind. Wer mit Weil ein Lilien Blat betrachtet / der wird erſt verſte - hen lernen / warumb Chriſtus geſagt / daß Sa - lomon in all ſeinem Pracht nicht ſey gezieret ge - weſen / wie dieſer eines.

Unterſchiedene Kräuter / die im Beruff ſind / daß ſie keinen Saamen tragen / die weiſen ſolchen im Vergröß-Glaß / inſonderheit das Farn-Kraut / ꝛc.

Die Aepffel / Birn / und dergleichen lang gelegene Früchte / wann ſie ſchier beginnen zu faulen / die zeigen auch eine Art ſonſten dem Ge - ſicht / unſichtbarer Würme.

Jn der etwas geſtandenen Milch werden auch Würmlein: Jm alten rantzigten Speck aber nicht allein rauhe zottigte Würmer / ſon -dernAn den Leſer. dern auch mehr anderer Gattung / heßliche zot - tigte Thierlein beauget.

Was durch das Vergröß-Glaß / an den Ertzen / Bergwercken / und Hand-Steinen be - obachtet wird / welches in gemein dem Geſicht unmüglich iſt zu ſehen / das werden die Jenige zeugen / die hierdurch in Erwählung der Mine - ralien nicht wenig Vortheils erhalten; den Kern gefunden / und die Schale liegen laſ - ſen.

Nicht ohne Gemüths-Ergetzung werden die mancherley Vogel-Federn beſchauet / und über den ſchönen vielfältigen Farben ſich ver - wundert. Ein einiges Zäſerlein von einem klei - nen Federlein erſcheinet wie eine völlige Fe - dern mit ſchönen Striemen wie die Sonne ge - zieret.

Hiervorn iſt umbſtändig erwehnet worden / was Beſchaffenheit es mit dem kalten Brand habe; und daß ſolcher aus nichts / als einer un - zahlbaren Menge kleiner Würmlein beſtehe: Jn dem Geblüt derer Jenigen / ſo mit dem Fie - ber behafftet / werden auch Würmer gefunden; wie nicht weniger / in aller / zwiſchen Fell und Fleiſch ſteckenden Gebrechen / als da ſeynd Krä - tze / Räude / allerley Eyß / und Geſchwer / und dergleichen.

Auch das reineſte Glaß / ſcheinet ſehr un - gleich / voller Klunſen / Runtzel und Spälte:c iiijEbenVorredeEben alſo ſehen die Nägel an den Händen / die voller Adern und Klunſen ſind.

Was vor abſcheuliche Wunder-Thiere ein Flohe und Laus ſeye / das kan weit beſſer geſchau - et als beſchrieben werden.

Es ſcheinen die an Menſchen Händen kaum ſichtbare Linien und Schweiß-Löchlein / gleich den Furchen auf dem Feld / voller unſau - berer Hölen; die Löchlein aber ſind voller Haar.

Jn dem Abſchabig des Käß ſihet man Thiere / die ſich den Nägeln an den Fingern gleichen / ihr Rucken iſt gantz voller Borſten / wie die Stachel-Schweine.

Ein Schab ſtellet ſich vor wie ein zottigter Beer / oder ein Stachlichter Ygel; an dem alle Glieder / ſo gar die Augen und Nerven des Leibs zu ſehen ſind.

Wann ein Stücklein der allerfeinſten Cammer-Leinwath oder des ſchwartz Seiden allerzärtiſten Flors betrachtet wird; erſcheinet es / wie ein aus ſtarcken Stricken geſtricktes Garn / voller Ungleichheit / Krümme / und klei - ner Fenſter; die Waſſer an den gewäſſerten Seiden-zeugen und Schamlott / kommen nir - gend anders worvon / als daß ein Theil vor dem andern erhabener iſt.

Woher das Brennen der Neſſeln komme / iſt bißhero auch beſtritten / darumb aber noch nicht errathen worden; das Vergröß-Glaß a -berAn den Leſer. ber zeiget / daß das Neſſel-Blat oben auf voller ſcharffer ſtechender Spitzlein ſey / an denen zu hinderſt wie ein kleines Bläßlein voller gifftiger Materi anhänge. Wann nun die Spitze / ſo aus einer harten Subſtantz beſtehet / und in der Mitte ein Loch / durch welches das gifftig bren - nende Weſen hervor tringt / jemand berühret / ſo gleich empfindet man an dem verletzten Ort ſchmertzen.

Alles jetzt vermeldtes übertrifft was der be - rühmte Engelländer Hokius an dem Schim - mel beobachtet / davon ſchreibet er / und zeithero andere aus ihme / daß einſten er auf der Decke eines Buchs ein kleinen Flecken Schimmels / oder wie Theil melden / ein Tröpfflein Unſchlicht / kaum in Gröſſe eines Hirſchkörn - leins durch das Vergröß-Glaß beſchauet / da habe er verſcheidentlich wargenommen / daß es ein Büſchel Blumen wäre / deren Theils runde Knöpffe hätten / als ob ſie noch zuwären / an - dere aber waren offen und aufgeblühet; theils ſchienen ſchon wieder zuverwelcken. Dieſe alle / ob wolen ſie gar nahe aneinander ſtunden / ſo hatte doch jede ihre beſondere Wurtzeln; die Stihl waren lang / die Subſtantz weich / wie ein Erd-Schwamm / ſo daß wann ſie mit der Spitze einer Nadel berühret wurden / an Stund zerbra - chen. Jn der Flammen eines Liechtes / darein ſie etlich mal gehalten wurden / blieben ſie un - verletzt. Der Geruch und Geſchmack war un -c vange -Vorredeangenehm. Hiervon beykommende Figur meh - res zeugen wird.

Was ſoll man von den ſchwartzen Kohlen ſagen / deren unzahlbare Menge kleiner Lufft - Löchlein mit nicht geringerer Verwunderung bemercket werden. Dieſe gehen nach der Ord - nung überzwerg durch die gantze Länge / alſo daß keine Kohlen zu lang iſt / daß man nicht nach der Länge hindurch blaſen könte / geſtalten / durch das offtgenandte Vergröß-Glaß man das Liecht dadurch ſcheinen ſihet. Jn dem achtzehenden Theil eines Zolls / hat erſt belobter Hokius, de - ren in die anderhalb hundert gezehlet / daraus zu ſchlieſſen / wie viel eine Kohle von zehen oder mehr Zoll breit in ſich begreiffe. Eben dieſer Un-Summ Lufft-Löchlein will die Schwärtze an der Kohlen beygemeſſen werden.

Mehres hiervon beyzubringen / fället zu lang. Wohl-gedachter Hokius, und Petrus Borellus, deſſen in dieſem Wercklein anderswo auch gedacht werden wird / haben dergleichen / und noch andere Obſervationes in ihren Schrifften. Weme aber beliebet tauſend an - dere bißhero noch unbekandte Seltenheiten zu - erfahren / und darinnen ſich zu beluſtigen / der trachte ſich ein ſolch Vergröß-Glaß; Es kan / noch wird ihn weder koſten noch Zeit ge - reuen.

Hierbey ſoll auch mit Stillſchweigen nicht übergangen werden / der höchſt preißwürdigeRuhm /An den Leſer. Ruhm / derer Potentaten / Fürſten und Her - ren; wie auch vieler Privat-Perſonen / edel und unedel / die vorberührtes Dictum des heiligen Davids in ſeinen 92. Pſalm / daß nemlich dieſe / ſo der Wercke des HErꝛn warnehmen / eitel Luſt darob empfinden / ihnen haben laſſen geſagt ſeyn; und demnach auch aus würcklichen Be - find - und Empfinden dieſer ſo angenehmen Luſt / eifferigſt dahin annoch ſich bemühen / wie ſie neben unzahlbaren Kunſt-Erfindungen / welche der Geiſt der Natur aus dem Microcoſmo, dem Menſchen / zu Tage gebracht / und noch immer fort hervor bringet; nicht weniger auch die Je - nigen verwunderns würdige Kunſt-Stücke im Macrocoſmo, an welchen dieſer Geiſt die ſo ge - nandte Natur vor andern ihren unendlichen Würckungen etwas beſonders den Menſchen zu fernerm Nachdencken hat wollen vorſtellen / ih - nen zur Ergötzung; ihrem neben Menſchen a - ber zu Dienſte / und Erweckung gleichmäſſiger Beluſtigung / in alſo genandte Kunſt - und Ra - ritäten-Kammern zuſamm bringen möchten. Billich iſt ein ſolches Unternehmen zum höchſten zu loben; nur wäre anbenebenſt auch zu wün - ſchen / daß ſolche Kunſt-Kammern nicht ſo gar verſchloſſen gehalten würden / ſondern etwas offener ſtunden / und auch mitler Stands / und Privat-Perſonen / doch Liebhaber der Wunder Gottes / der Zugang und Beſichtigung gratis, und ohne beſondere Koſten / (weilen je die Na -turVorredetur ſolch ihre Wundergeburten umbſonſt auch männiglich zu betrachten / ausſtellet. ) möchte zu geſtanden werden. Dieſes nun ſolte gewißlich ohne mercklichen Nutzen nicht abgehen / ſinte - mal nicht ſelten ein oder anderer Reiſender / in dieſem als jenem Land einiger rarer Dingen warnimmt / worvon auch des Landes Jnge - borne Gelehrte und Ungelehrte / wenig / oder moch gar nichts wiſſen. Ein ſolcher würde bey alſo ihme anhand gegebener Gelegenheit nicht ermanglen / was er geſehen / oder doch glaub - würdig vernommen / bekandt zu machen. Wann nun von dem Jenigen der einer ſolchen Kunſt und Raritäten-Cammer vorgeſetzt iſt / derglei - chen Relationes ſo balden aufgezeichnet / nach - unals aber mit Fleiß darüber ferner inquiriret würde / ſolte es ſich wol finden / was beförde - rung zu mehrer Erkändtniß der Natur / und ih - rer Wunder-Geburten hierdurch ſich zeigen würde.

Es ſcheinet auch / daß die Natur in ihrer Sprache / aus den Waſſern / Steinen / Thie - ren / Gewächſen und Früchten / durch derglei - chen beſondere ungemeine Vorſtellungen / die Menſchen anrede / unterrichte / lehre / warne / und zu näherer ihrer Kundſchafft gantz liebreich gleichſam invitire, und ſich ihnen gemeinſam zu machen verlange / wann man nur Aufachtung haben / und es würdig erkennen wolte / deme fer - ner nachzuſinnen. Alſo findet man hier unddar /An den Leſer. dar / namentlich aber in der Jnſul Sicilien bey der Stadt Siracuſa einen Brunnen / und in Schottland unweit von der Stadt Edinburg / ein Oel-Quelle / welche immerdar in ihrem Thun und Völle bleiben / und nimmer über gehen. So bald aber Menſchen dabey kom - men / Waſſer oder Oel zu ſchöpffen / Quellen an Stund der Geſtalt ſie zu / daß auch / wieviel Waſſer oder Oel / immer kan und mag daraus geſchöpfft werden / ſie demnach ſtets voll blei - ben / und einiger Abgang nicht geſpühret wird. Was will hierdurch die Natur anders anzeigen / dann das männiglich ſolch ihrer ausgeſtellten Wunder zu Vermehrung des Lobe Gottes je öffter / je lieber ſich gebrauchen ſolle. Nicht aber ſollen ſolche Wunder-Gaben mißbrauchet / oder zu geringen kein nützigen Dingen verwen - det / und gar verunehret werden. Mit nichten / dann hierab bezeiget dieſer Geiſt die Natur / ein ſonderbar Mißfallen / geſtalten deſſen ſie ſelb - ſten mehrer Orten Anzeige gibt / nur etlicher Kürtze halber zugedencken: So iſt auf der un - überwindlichen Veſtung Alten Hohen-Ems / ein friſcher Quell-Brunnen / der / wie heiß und dürre Zeiten auch immer ſeyn mögen / doch all - zeit Waſſer gibt; ſo bald aber ſein Waſſer zu einiger Sudel-Arbeit gebraucht wird / verlieret ſich die Quelle / und kommt in vierzehen Tagen nicht wieder. Auf dem Berghaus Riſenberg in Böhmen / ſihet man einen Brunnen / wanneineVorredeeine unreine Perſon aus demſelben Waſſer ſchöpffet / verlieret ſich die Quelle ein gantzes Jahr; und der Brunn bleibt trucken. Gleich - falls bey Deltſch und Milawetz / in jetzt-gedach - ten Böhmen ſind einige Waſſer Quellen / ſo bald eine unreine Mann - oder Weibs-Perſon daraus trincket / oder nur hinzu nahet / ſo gleich werden ſie trüb und unbrauchbar / biß ein ſolcher Menſch wieder hinweg gehet. Nun dieſer hohe und reine Geiſt / oder die in Gemein alſo ge - nandte Natur / will auch bey Beſchauung ihrer Wunder / die Anſchauer zu gebührender Ehr - erbietung anweiſen. Bey dem Städtlein Lu - canica im Königreich Neapolis, ſchauet man ei - nen gar Waſſerreichen Brunen. So jemand der Quelle ſtillſchweigend ſich nahet / ſo findet er ſolche rein / klar / und hell: So bald er aber dem Brunn den Rucken kehret / wird ſie gantz trüb und unklar / ꝛc. Nicht weniger erfordert dieſer wunderbare Geiſt ein ſtilles Gemüthe / welches / bevor es ausbricht / für ſich hin / in ei - ner tieffen Stille / die zu Tage ausgeſtellte Wercke des HErꝛn ſeines Schöpffers / bey ſich überlegen und betrachten ſolle. Zeugen / dieſes ſind abermal etliche Waſſer / unter denen auch erſt ermeldter Brunn im Königreich Neapolis: Desgleichen / in America, bey der Stadt Quito, im Königreich Peru, iſt auch eine Waſſer - Quelle / ſo lang jemand ſtille ſeyn / und ſchweigenkan / mag er nach Genügen Waſſerſchöpf -An den Leſer. ſchöpffen; ſo gleich aber / als er beginnet zu re - den / entſtehet in der Quelle ein Sieden und Bru - deln / das Waſſer wird trüb / und unbrauchbar. Aus der Erfahrung erhellet / daß dieſer ſtille Geiſt / nichts weniger vertragen kan / als wann Mutwillens er ver unruhiget wird; viel Exem - pel ſo hierüber beyzubringen / können in volgen - den Tractat mit Verwunderung geleſen werden / von Quell-Brunnen / Waſſern / Seen / tieffen Löchern und Hölen / die alle dieſe Eigenſchafft haben / daß wann auch nur ein Stein hinein ge - worffen wird / alſo fort bey etlichen Wind und Regen; Bey theils Donner und Blitzen: Bey etlichen aber alles zugleich Augenblicklich gehö - ret / geſehen / und öffters mit Schaden empfunden wird. Wie unausſprechlich Liebreich dieſer Geiſt / die Natur / den Menſchen ſich bezeiget / wie ſorgſam er ihr Beſtes ſuchet / wie unverdroſſen / er ſich beweiſet / ſie in bevorſtehendem Unglück zu warnen / erſcheinet überflüſſig aus deme / daß wann die Göttliche Gerechtigkeit die undanckba - ren Menſchen über den ihnen beſcherten / aber mit Sünden verſchlemten Uberfluß und Se - gen / durch Theurung ſuchet zu ſtraffen / dieſer mitleydende Geiſt / ſolche bevorſtehende Land - Straffe den Menſchen kund machet / durch ge - wieſe Zeichen / da vieler Orten ſich ereignet / daß einige Brunn-Quellen / die etliche Jahr verſi - hen und ſich verloren / bey dero widerflieſſen / eine unfehlbare Anzeig nechſt folgender Theu -rungVorrederung ſind: Alſo auch ſtellet er gewieſe Merck - zeichen vor / der künfftigen Kriegs-Unruhe / des ſchwehren Regen und Ungewitters - und eines allgemeinen Land-Sterbens. Ja / es iſt dieſer Geiſt noch nicht damit friedlich / ſondern erſtreckt ſo gar ſeine allgemeine liebreiche Warnung auch auf ein und anders Geſchlecht in Specie, und gar auf Particular Perſonen. Jn Francken (anderer vieler Länder und Orten zugeſchwei - gen;) ſind zwey adeliche Geſchlecht wißlich / die beede dieſe zuverläſſige Warnung haben / daß ſo jemand ſo zur Stelle / oder in der fremb - de / aus ihnen in annahender Todes-Gefahr ſich befindet / oder gar ſtirbet: Ein Quell - Brunn bey des einen Schloß alsdann verſeihet. Eine Quelle aber bey des andern Wohnung durch einen unkändtlichen Wurm trüb / und un - brauchbar gemacht wird. Zu Terridon in Ita - lien begibt es ſich / daß ſo ein Burger oder Jnn - wohner daſelbſt / das einſtehende Jahr ſterben ſoll; er in Umbarbeitung ſeines Feldes eine Menge Blut findet / ſo heraus ſtrudelt. Vie - ler anderer dergleichen Begebenheiten / kürtze halber vorbeygehend. Was ſoll man ſagen von denen vieler Orten ſtets flieſſend - und noch täg - lich neu hervorkommenden Heil-Brunnen? Sind ſolche nicht aller von den Artzten verlaſſe - nen armen Krancken letzte Zuflucht? Wie mild - und hülffreich erweiſet ſich dieſer allgemei - ne Geiſt hierinn / ſonderlich im Anfang / wannſolche

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An den Leſer. ſolche Heil - und Geſund-Brunnen ſich offenba - ren / und beginnen bekandt zu werden. So bal - den aber die Aertzte ſich mit zuſchlagen / und ihre Recepta mit - und neben dem Waſſer adhibiren / ſo gleich verlieret ſich die verſpührte Geneß - Krafft / auſſer Zweiffel keiner andern Urſach / dann daß dieſer hohe Geiſt / keine Geſellen in curiren der Kranckheiten neben ſich dulden kan / ſondern allein oder nichts ſeyn will. Er hält auch ſeine gewieſe Merckzeichen / daraus etli - cher maſſen zuſchlieſſen / was von der vorhaben - den Cur zu hoffen ſtehe: Jn Perſia / unfern der Stadt Ardewil auf dem Gebürg Sebelan, iſt unter mehr andern nahe beyſammliegenden Heil-Brunnen einer Randau genandt; Wann der Patient eine glückliche Cur zuhoffen / laſſen ſich beſondere Gattung Schlangen ſehen / die auf dem Kopff eine Crone von kleinen ineinan - der geflochtenen Schlänglein haben; ſo aber dieſe nicht vor den Tag kommen / wird die Cur umbſonſt gebrauchet. So gutthätig und hülff - reich dieſer Geiſt aller Orten ſich bezeiget: So übel kan er vertragen / wann ſolch ſeine Frey - gebigkeit in eigen-nützigen Geitz will verwendet / oder ſonſt beſchimpffet werden.

Jn Engelland iſt ein zimmlich groſſer / gar fiſch-reicher See Gufer genandt / ſo lang män - niglich darinn zu fiſchen frey ſtehet / iſt an Fi - ſchen ein Uberfluß vorhanden: So bald aber deswegen Verbot geſchicht / verlieren ſich auchddieVorrededie Fiſche / laſſen auch ehender ſich nicht wieder - umb ſehen / biß ſolch Gebot caſſiret und abgethan wird / mehrer Exempel zugeſchweigen. Jn der Jnſul Heilig-Land Holſtein Gottorp gehörig / war umb das Jahr 1530. Ein ſolcher reicher Hering-Fang / daß über zweytauſend Men - ſchen ihre kommliche Nahrung dannenhero ha - ben kondten. Als aber die Jnnwohner in den folgenden Jahren aus Muthwillen einſten einen Hering mit Ruthen geſtrichen; hat von daran der Fiſch ſich nach und nach verlohren / alſo daß umb das Jahr 1554. kaum hundert Menſchen von dieſer Fiſcherey Unterhalt haben mögen. Wer wolte ſich nicht verwundern über der ſo gar ſeltenen Eigenſchafft eines kleinen Sees / bey der Stadt Fungoa in China, welche darinn beſtehet / daß wann des Orts Stadthalter oder Regent / ein frommer gerechter Mann iſt / ſo bleibt das Waſſer dieſes Sees allzeit klar und hell / gleich einem Spiegel; iſt er aber unge - recht / eigen-nützig und unbarmhertzig / ſo wird das Waſſer allzeit trübe und unklar ſeyn. Viel zu lang würde es fallen / auch nur mit gar weni - gen anzumelden / was dieſer Geiſt die Natur / am Firmament / auf und in der Erden / im Meer / an Thieren / Vögeln / Fiſchen / Gewäch - ſen / Bäumen / und Kräutern denen unachtſa - men Menſchen zu ihrer mehrer Aufmunterung / ſo wunderbar vorſtellet; es wird ein ſolches ei - ner gelehrtern Federn als dieſe iſt / vorgeſparet.

NunAn den Leſer.

Nun wieder zukehren zu denen vorbelobten Kunſt-Kammern; ſo iſt nicht ohne / man ſie - het zur Verwunderung in denſelben vieler hand frembde ausländiſche Thier / Gewürm / - gel / Gewächs / Früchte / Wurtzel und Kräuter / deßgleichen allerhand Meer-Muſchel / Coral - len / Fiſche / Baum-Gänß / und ſo gar den un - beglaubten Vogel Phœnix, welcher / etlich noch lebenden Natur-kündigern / die nicht zuge - ben wollen / daß ein dergleichen Vogel zufinden / in der berühmten Kunſt-Kammer zu Dreßden in Sachſen / in ſeinen Goldfarben Federn / mit einem Häublein oder Cron auf dem Kopff / kan vorgezeigt werden; neben noch andern vielen Natur-Gewächſen / edlen und unedlen Stei - nen / mit mancherley darauf erſcheinenden Fi - guren; item Rifen-Gebein / und viel andere Seltenheiten / welche die Natur ausgeſtellet / wie davon die Kunſt-Kammern in Teutſch - und Niederland / Italien und Franckreich ſattſam zeugen. Allein / ſcheinet es doch / ob hätte aller Orten die Knnſt vor der Natur den Vorzug / geſtalten / ein ſo andern Orts viel hundert von Menſchen gefertigte Kunſt-Stücke aus Metall / Stein / Bein / Corall / Holtz / und andern Ma - terien / zuſamm getragen / zu ſehen: Dahinge - gen / kaum etzlich wenige Wunder der Natur / gemeiniglich / mancherley Steine ſo die Natur gezeichnet / wie ingleichen / Holtz und Früchte / ſo etwan zufälliger Weiß zu Stein geworden /d ijnebenVorredeneben noch etlich andern dergleichen raren Din - gen / doch in geringer Anzahl anzutreffen. Woraus unſchwer abzunehmen / daß umb die durch die Natur ausgeſtellte Wunder / man noch lange nicht / mit ſo groſſen Koſten / Mühe und Fleiß ſich beworben / als umb die Kunſt - Stücke von Menſchen Händen gemacht. Wie nun aber es anders nicht als wolgethan ſeyn würde / wann dieſer Defect erſetzet / und denen wenig vorhandenen Raritäten der Natur / zu mehrerm Anſehen und Vollkommenheit der nochmalen belobten Kunſt-Kammeren / auch an - dere beyfügte / zumalen ſolche gröſſeren Theils Gratis und umbſonſt zu haben; nicht aber / wie die durch Menſchen gefertigte Kunſt-Stücke umb hohe Summen Geldes müſſen an ſich ge - bracht werden. Gewißlich würde es einer Kunſt - und Raritäten-Kammer eine ſchöne Zierd geben / und einen herꝛlichen Nachruhm erwecken / wann den jenigen Kunſt-Stücken und Wundern / der Natur noch ferner beygefügt würden: Jn Stein verwandeltes Waſſer / Holtz / Thier / Früchte und Kräuter / worvon zwar einiger Orten etwas / aber gar wenig / zu ſehen. Zum Exempel: Mancher Art Steine / aus klaren Waſſer innerhalb wenig Stunden geworden / derer Brunnen in Teutſchland vieler Orten zu finden. Deßgleichen Holtz / ſo das Waſſer in Stein verwandelt: Jtem / Leder und Tuch: alſo auch Thier / Gewürm / allerhand Früchte /undAn den Leſer. und Kräuter; und von dem Jenigen ſteinern Confect, ſo in Franckreich bey dem Stättlein Vigand in einem Brunnen: Und dann in dem Fluß Teberone unweit Rom in Menge zu fin - den / und dem Natürlichen ſo gleich ſihet / daß niemand es unterſcheiden kan. Mancherley Art Kräuter / als da iſt: Cyperus, Juncus, Ranunculus, &c. wachſen im Florentiſchen Ge - biethe Jährlich gar ſchön an einem Bache bey dem Städtlein Roncolano. Wann ſolche abgehauen werden / und eine Zeitlang liegen / werden ſie ſteinern / eines verwunderlichen An - ſehens; dergleichen begibt ſich auch bey dem Flecken Colle in eben dieſer Landſchafft / nur daß hier das Holtz / Kräuter und Blätter nicht gar in Stein verwandelt / ſondern mit einer ſtein - harten Rinden überzogen werden. Derglei - chen Gewächs / ſolten noch wol ihre Stelle in einer Kunſt-Kammer zieren. Alſo auch iſt auf dem Hartz ein Brunn / der ſtets allerhand Stei - ne / denen Armen / Beinen / Händen / Füſſen / und andern Gliedmaſſen des Menſchlichen Leibs ſich gleichende / auswirfft. Niemand aber hat noch unterſucht / wozu dieſe Steine dienen / die auſſer Zweiffel ihren nutzbaren Gebrauch zeigen könten: Quia Deus & Natura nihil faciunt fruſtra. Und ſolte nicht auch ein Stab / der in des Sees Niach in Jrꝛland Waſſer eingeſteckt / ſo tieff er den Grund berühret / in Eyſen; und ſo weit ihne das Waſſer benetzet / in Stein ver -d iijwan -Vorredewandelt werden; das obere Theil aber Holtz ge - blieben / meritiren / daß ihme eine Stelle gegön - net würde: Oder eine Ruthe / welche in einem See unten an dem Welt-bekandten Berg Hecla in der Jnſul Jßland / ſo fern und weit ſie in den Grund des Sees geſtecket wird / gleichſam Au - genblicklich aus einem leichten Vegetabile in ein ſchweres Metall / nemlich Eyſen / höchſtverwun - derlich ſich verkehren. Jn dem heiligen Lande / unten an dem Berg Carmel / ſoll ein Waſſer-rei - cher Brunnen aufquellen / welcher immerdar mit einer beſondern Art Glaßachtigen Sandes ſich anfüllet / und da benebenſt dieſe ſeltene Ei - genſchafft hat / daß alles was mineraliſcher Art iſt / ſo es hinein geworffen wird / alſo gleich in Glaß: das Glaß aber hinwiederumb zu Sand verwandelt. Wann dergleichen Brunnen in Teutſchland zufinden wäre / würde auſſer allen Zweiffel dieſes wunderbare Waſſer von vielen Künſtlern mit höchſten Fleiß anatomirt / und ferner unterſucht werden. Jn dem Ampt Blanckenburg bey dem Cloſter Michelfeld / zei - gen ſich in einem Steinbruch allerhand Gat - tung rund formirter Schüſſel und andere Ge - ſchirꝛ aneinander ſtehend / eben / ob alles mit Fleiß alſo gethan wäre: Deßgleichen / bey Spangen - berg in Heſſen / auf einem Berge diß Namens / gibt es eine groſſe Menge runder Steinlein / die von der Natur mit einem Zeichen wie eine Spange wunderlich bezeichnet. Alſo auch beyBudin -An den Leſer. Budingen jetzt-gedachtes Landes / hat es einen gantzen Acker voll Kroten-Stein / die haben nicht allein eine ſchöne Bezeichung einer Kro - ten / ſondern werden auch in allen gifftigen Seu - chen und Zufällen / inner - und äuſſerlich nutzlich gebrauchet. Und in Siebenbürgen iſt ein Berge / deſſen Höhe über und über mit runden Stein-Blätlein mancherley Farben bedecket / welche / wann ſie durch ein Meſſer / Blätlein - weiß / gleich dem Frauen-Eyß abgelöſet werden; erſcheinet die Form einer Schrifft / wie auf den Türckiſchen Ducaten zuſehen.

Zu Aqua Sparta, und Todi in Italien / wird Holtz / meiſtes brauner Farb / an Härte a - ber dem Eben-Holtz gleichend / aus der Erden gegraben / dieſes Holtz hat gar zierliche Adern / Streiffe und Liniamenten / kan zu allerley Sa - chen / verarbeitet werden. Daß es Anfangs Erde geweſen / zeugen etliche Stücke / daran noch ein Theil rechte Kreiden-Erde iſt; etliche Stücker aber werden gefunden / die zur Helffte bereit zu Stein geworden ſind. Jm Feuer glimt es zwar / brennet doch nicht / wiewol es eine ſtarcke Hitze gibt. Hiervon ſind in der wol eingerichten Kunſt-Kammer zu Gottorp in Holſtein etliche ſchöne Stück zuſehen; denen könten auch von den jenigen Steinen die bey Ancona im Meer: Und wann ſie zerſchlagen / Fiſche darinnen gefunden werden; item / Schne - cken / die bey Duyno in Iſtria aus dem Felſen ge -d iiijhauen:Vorredehauen: Und Fiſche / welche unten am Pirenæi - ſchen Gebürge man aus der Erden gräbet / bey - gefüget merden.

Mancherhand verwunderliche Steine / als auch in Stein verwandelte Sachen / werden in dem heiligen Lande / und in Arabien / umb die Gegend / und am Gebürg Synai gefunden / da - von jedoch in ſo vielen Reiß-Beſchreibungen gar ein weniges aufgezeichnet vorhanden / dar - umb auch ſich nicht zu befrembden / daß derglei - chen rare, aber nicht geachtete Sachen noch wenig Orten zuſehen ſind. Kürtzlich nur etli - cher zu gedencken: So ſihet man am Berge Carmel ein gantzes Feld voller Melonen / die zu Stein geworden; und doch / ſo wol äuſſer-als innerlich ihre ſonſt natürliche Geſtalt / Farbe / und ſo gar die Kerne / (welche gläntzen wie Dia - manten /) behalten haben. Deßgleichen / zwi - ſchen Jeruſalem und Bethlehem / liegt es auf ei - nem Acker voll kleiner Steinlein / welche denen ſelbs-gewachſenen Erbſen allerdings ähnlich / und vor ſolchen nicht zuerkennen. Hiervon nehmen die vorbeykommende Pilger und Fremb - de nach Belieben; man ſpühret aber darumb keinen Abgang.

So wird auch noch heut diß Tages am U - fer des Todten Meers jenſeit des Jordans / die Saltz-Seule des Weibs Loths geſehen / von welcher die Araber dort herumb / öffters ein Stuck abſchlagen / und wegbringen / doch gleichTagsAn den Leſer. Tags hernach den Ort hinwiederumb ergäntzet finden. Wie nun dieſes in Warheit unter die gröſten Wunder der Welt / billich zuſetzen: Auch von Chriſten und Juden hoch zu achten: Alſo iſt nicht weniger wunderns wehrt / woher es doch komme / daß unter ſo viel tauſend Chriſtli - chen Pilgern / die innerhalb etlich hundert Jah - ren / das heilige Land beſuchet / und biß an das Ufer des Todten Meers; ja Theils ihrer Aus - ſage nach / ſoweit kommen / daß über zwo oder drey Teutſcher Meilen davon nicht entfernt ge - weſen; ſie nicht vollend über den geringen Fluß den Jordan geſetzet / und dieſes Wunder-Bild nach Würden und Genügen betrachteten / und nachmals beſchrieben hätten. Ohne Zweiffel muß hier was anders im Wege ſtehen / weilen die vorgeſchützte Gefahr wegen der Araber / die Sache nicht ausmachet.

An dem berühmten Berg Synai / ſihet man im Aufſteigen deſſelben rechter Hand / einen vom Gebürg abgeledigten grauen Felſen / (da ſonſten das Gebürg ſelbſten / alles gantz ſchwartz - braun iſt /) dieſer Felß iſt allerdings / dem Stamm / Wurtzel / Aeſten / Zweigen und Blättern nach / geſtaltet wie ein natürlicher Baum. Einige verſtändige Liebhaber Gött - licher Wunder / pflegen Zweige abzubrechen / und mit ſich heimzuführen; unweit davon / wo aus zwölff Riſſen eines empor ſtehenden Felſens / ſo viel Waſſerreiche Quellen hervor tringen /d vundVorredeund Thal ein lauffen / zeigen ſich viel ſchöner ra - rer Gewächſe / von Früchten / Kräuter - und Wurtzeln / zwar alle dem Leben nach gebildet / wie ſie in Gärten pflegen zu wachſen / ſind aber ſteinern. Die Steine und Felſen an jetzt - ge - dachtem Berg Synai ſelbſten / wann ſie mit Mühe von dem Stahl-veſten Gebürg abgeſchla - gen worden / zeigen / daß ſie durch und durch / mit recht verwunderlichen Adern / als Aeſte von den Bäumen durchwachſen / und dermaſſen ſchwer ſind / daß ſie auch dem Eyſen gleich kommen. Ebener maſſen ſind bey dem Städtlein Toro am rothen Meer / allwo zu den Zeiten der Kinder Jſraels / die zwölff Brunnen / und ſiebentzig Palm-Bäume geſtanden / an einem Berglein die Menge kleiner / den Datteln / Mandeln und andern Früchten der Farb und Geſtalt nach / ſich gleichende Steinlein zu finden: Ja ſo gar in erſt - genandten rothen Meer ſelbſten / tieff unter Waſſer / wachſen allerhand Bäume und Früch - te / auch Knoblauch / Zwibel und Rettig / und ſonſt mancherley frembde Wurtzeln / die im Waſſer zwar alle gantz weich ſind: An der Lufft aber eine ſteinere Härte an ſich neh - men.

Jm Jahr 1634. begab es ſich / daß in Africa bey fünff Tagreiſen von der Stadt Tri - polis in Barbaria, einer gantzen Stadt Namens Biedoblo, Jnnwohner / Viehe / Bäume / Erd - Frücht und Gewächs / in dem Stand wie jedesdamalAn den Leſer. damal ſich befunden / in einer Nacht plötzlich in Stein verwandelt worden / und männiglich an - noch vor Augen ſtehen. Der Welt-bekandte Cardinal Richelius, hat aus dieſer Stadt einen alſo in Stein verwandelten Knaben / in Franck - reich überbringen laſſen.

Daß nicht allein die Erde allerley Gattung Blumen / ſehr ſchöner Farben hervor bringe / ſondern auch in der Tieffe des Meers gefunden und herauf geholet werden / zeuget America; in deſſen Landſchafft Il Nuovo Reino di Granada genandt / wachſen im Grund des Meers man - cherley ſchöne Blumen / von auserleſenen Far - ben / welche durch die Urinatores, (Teucher) aus der Tieffe herauf geholet werden / wormit nachmals man in den Kirchen die Altär und an - dere köſtliche Gebäu zieret. Dann dieſe Blu - men wann ſie etwas Zeit an der Lufft gelegen / eine Criſtalliniſche Härte bekommen.

Alle jetzt-gemeldte Raritäten / würden wol - eingerichteten Kunſt-Kammern eine merckliche Zier und Ruhm verurſachen.

Dieſen angemeldeten Raritäten konten fer - ner von Thieren / Fiſchen / Gewächſen / Bäu - men und Früchten / noch einige folgende beyge - fügt werden: als Meer-Muſcheln von einem nicht ſonders groſſen Fiſche / in Oſt-Jndien / de - ren das Stuck öffters über drey Centner wigt. Hiervon haben die PP. Jeſ. etliche Stuck nach Liſbona in Portugal überbringen / und auf ihreKir -VorredeKirchen ſtellen laſſen. Jn der Jnſul Anian gibt es eine Art Krebſe / welche / ſo bald ſie aus dem Waſſer kommen / zu Stein werden. Alſo auch bey der Stadt Terni in Italia, hat es gar eine beſondere Gattung Krebs / welche über der natürlichen / noch mit einer andern und zwar ſteinern Schalen bedeckt ſind / die jedoch weder am Krichen noch ſonſten ſie nicht hindert.

Und könte auch etwas wunderlichers ſeyn / als eine Art Hunde in Japan, welche durch öff - ters Baden im Waſſer / endlich in Fiſche ſich verwandlen?

Jn Africa, in dem Königreich Congo, findet ſich ein Thierlein Eutiengie genannt / welches ſtets auf den Bäumen ſich enthält / und ſo es den Erdboden berühret / ſtirbet. Dieſes Königliche Thierlein hat jederzeit zwantzig an - dere ſchwartz-haarigte Thierlein Embis ge - nandt / gleichſam zur Leibwacht bey ſich / deren Zehen ihme vorgehen / und Zehen nachfolgen / ſo offt es von einem Baum zum andern ſpringt; ſein ſehr ſchön colorirtes Fell wird nur von - niglichen Perſonen zur Zierde getragen.

Dieſer Gegend iſt auch das Thier Abada, welches einige Scribenten für das Nas-Horn (Rhinoceros,) angeben / aber ſich verſtoſſen / dann es demſelben nicht gleichet / auſſer daß es auch zwey Hörner hat / deren das gröſſere vorn an der Stirn / das kleinere aber / im Nacken trä - get / ſonſten aber der Geſtalt nach einem Pferdähn -An den Leſer. ähnlich iſt / dahero vor ein Geſchlecht des Ein - horns gehalten werden will.

Jn der Barbari hat es auch ein Geſchlecht wilder Pferde allda Bouchicougs genandt / die tragen auch vorn an der Stirn ein gerades Horn.

Das unvergleichlich ſchöne Vögelein Tunchonfung in China, ſo aus der Blume Tunchon ſein Leben empfähet / länger auch nicht lebendig bleibet / als biß beſagte Blume verwel - cket. Deßgleichen eine frembde Art Hünner dieſes Landes / welche aus ihren Schnäbeln lange Baumwolline Fäden ſpinnen. Jtem noch eine andere Gattung / die an ſtatt der Fe - dern Wolle tragen; und der Vogel Hoang - cioyu, der über Sommers ein ſchöner Saffran - gelber Vogel iſt; im Herbſt aber ins Meer ſich begibt und zu einem Fiſch wird; neben dem al - lerſchönſten Vögelein Canadis in denen Weſt - Jndiſchen Jnſulen des Antilles, ſo an Gröſſe kaum einen Käffer / am Geruch aber allen Am - bra übertrifft / und ſehr lieblich ſinget / ſind in den Kunſt-Kammern auch noch wenig bekandt. Es fället auch zu lang / viel andere dergleichen wunder-würdige Anmerckungen der Thiere und Vögel allhier zu errinnern. Die Liebhaber werden hierinnfalls ſchon ſelbſten fernere Nach - forſchung anzuſtellen wiſſen; doch kan man nicht umb hin / noch etlicher weniger Meldung zuthun / und zwar / werden billich hier mit an -gemel -Vorredegemeldet / die Jenige alſo genandte Chriſt-Aepf - felein. Dieſe wachſen an einer beſondern Art wilder Aepffel Bäume / die / wie andere umb ſie herumb ſtehende Bäume wilde Holtz-Aepffel tragen: Jn der Chriſt-Nacht aber / alten Calen - ders / innerhalb einer Stunde blühen und Früch - te bringen. Jn Böhmen liegt ein Cloſter Ci - ſtertzer Ordens / zur gulden Cron genandt / her - auſſen vor dem Thor ſtehet eine Linden / an wel - cher ein dicker ſtarcker Aſt / deſſen Blätter ein Anſehen haben / wie der Ciſtertzer Münche Kap - pen / kommen auch Jährlich in ſolcher Geſtalt hervor.

Was könte aber wol rarers und verwun - derliches geſchauet werden? als eine Käſten / Ka - ſtanien / (Caſtanea,) in dero abgeledigten Schale oder Rinde / ein Hirt mit einer gantzen Heerde Viehes eben ſo gemächlich als in einem Stall benachten / und bedeckt bleiben kan. Hier / will faſt aller Glaube zerrinnen / doch aber in Erwegung des Scribenten Welt-bekandten Ruhms / und daß ſolches er nicht von hören ſa - gen / ſondern aus ſelbſtiger Erfahrung zeuget / auch in ſeinen letzten Schrifften wiederholet / muß die Vernunfft nicht herꝛſchen / ſondern daß dem alſo ſey / glauben. Nur iſt hierbey zubetau - ren / daß der gleichen ungeheuer groſſe Caſtanien / nicht füglich kan über Land gebracht werden / dann alle Käſten und Ballen hier nicht beykom - men: Auch alle Thür - und Stiegen zu enge /ſolcheAn den Leſer. ſolche unzerbrochen in eine Raritäten-Kammer zubringen / die auch nur von einer eintzigen der - gleichen Gröſſe / Caſtanienan gefüllet würde: Oder man könte die Schalen oder Rinde zum Gehäuß einer Kunſt-Kammer erwählen / und darinnen ſolche anrichten / in gewieſe Zimmer ab - und eintheilen. Diß wäre dann eine rechte Wunder-Kammer. Jn ſolche dienete auch ein Aſt / oder doch wenigſt ein Zweige von dem jeni - gen Baum / der einem Spannier Roccus Mar - tinus genandt / von einem in die Bruſt eingeſtoſ - ſenen Dorn / iſt heraus gewachſen. Jtem / ei - nige Aepffel von Sodom / wie die am Ufer des Todten Meers wachſen / von auſſen ſchön roth anzuſehen / inwendig aber / voller Aſchen und Staube ſind. Deßgleichen die Frücht von dem jenigen Negel-Baum in der Jnſul Macian, vor dem alle umbherſtehende Bäume ſich biegen / und wann er beginnet zu blühen / ſie an Stund ihre Blüh abwerffen. Alſo auch einige Zweige von den ſeltenen Baum in Oſt-Jndien / deſſen Wurtzel in zween Theil zertheilet / davon das Holtz und Blätter des Jenigen / ſo gegen We - ſten ſihet / ein ſtrenges Gifft führen: Wie da - hingegen der Theil gegen Oſten ein herꝛlich An - tidotum Wider-Gifft / befunden wird. Nicht weniger / etliche Früchte des jenigen Wunder - Baums in der Canariſchen Jnſul Ferro, den die Spannier Santo nennen. Noch vieler an - derer dergleichen Bäume und Früchten zuge -ſchwei -Vorredeſchweigen / biß derer an ihrem Ort mit mehrem ſoll gemeldet werden.

Etlicher Höltzer / Bäume und Erd-Früch - ten nicht zu vergeſſen / ſondern vor andern derer kürtzlich zugedencken: So zeiget ſich erſtlich die ſeltſame Frucht Peci in China, in Gröſſe einer Caſtanien. Dieſe / wann ſie im Mund zer - käuet / und zugleich mit einem Stücklein Kupffer in dem Mund gehalten wird / machet es ſolches alſobalden brey-weich. Jn Weſt-Jndien iſt der Baum Hoizmamaxalli, welcher natürliche Ochſen-Hörner hervor bringet. Jtem ein klein Bäumlein aus Mexico, wann deſſen Zweige oder Rüthlein geſpalten werden / wird man ge - war / daß die Trümmer einander haſſen / und nicht mehr beyeinander bleiben wollen. So findet ſich mehrer Orten am See-Strand in Weſt-Jndien eine beſondere Gattung Holtzes von Farbe Bech-ſchwartz / welches / nachdem es abgehauen iſt / eine ſteinere Rinde überkommt / und alsdann am Feuer nicht brennet / es werde dann ehe vor mit Fiſchtraen beſtrichen.

Jm Königreich Granata, wachſen ein Ge - ſchlecht Aepffel / welche / wann ſie auf geſchnitten werden / die Figur eines Crucifixes erſcheinet. Die ſeltſame und dabey koſtbare Nuß Tavarcare aus denen Maldiviſchen Eylanden / vor deren ein Stuck ehedeſſen 4000. Reichsthaler gebot - ten worden / verdienten auch ihre Stelle: Wie auch / die wunderzierlichen Rohr-Stäbe in derJnſulAn den Leſer. Jnſul Madagaßcar / die mit gleich-lauffenden Linien gleichſam geholkälet / und an den Ränden mit Dorn-ſtacheln in Geſtalt vieler Sternen gar zier - und ordentlich beſetzet ſind.

An verwunderlichen Kräutern ermangelt es auch in nichten. Jn Oſt-Jndien im König - reich Bengala, wächſet ein Kraut / welches das Holtz mit hefftiger Bewegung der geſtalt an ſich ziehet / daß es ſcheinet / ob wolte es ſolches den Leuten aus den Händen reiſſen. Dergleichen Kraut findet ſich auch auf der Jnſul Ceilon; Wann zwey Höltzer auf zwantzig Schritt weit voneinander / und diß Kraut mitten zwiſchen beede hinein gelegt wird / füget es ſie zuſammen; und ſo jemand ein - oder das andere Holtz feſt mit den Händen hält / thut deſſen ungeacht diß Kraut je dannoch einen ſo ſtarcken Zug / daß dem kaum mag widerſtanden werden. Jn dem Tartariſchen Königreich Taniu wächſet eine Stauden welche im Feuer unverbrennlich / im Waſſer aber verfaulet. Man muß abbrechen / es fält zu weitſchweiffig / noch viel andere ver - wunderns-würdige Kräuter / Wurtzel und Erd - Gewächſe zu benennen. Ein mehres von jetzt - angemeldeten und andern / wird bey Durchge - hung dieſes Tractats an ſeinem Ort zufinden ſeyn. Hier mag es bey dieſer Erwehnung / der alles Lobs würdigen Kunſt-Kammern beru - hen.

Die Veranlaſſung zu dieſem Tractätlein iſtedaherVorrededaher erfolget / daß in allhieſigen Fürſtlichen Land-Gericht Sultzbach verſchiedene Wunder der Natur männiglichs Augen ſich vorſtellen. Dann / es finden ſich mehrer Orten beſondere Waſſer-Quellen / welche / wann ſie ſich eröffnen und zuflieſſen beginnen / eine unfehlbare Theu - rung des Geträids prognoſticiren; wie da hin - gegen durch dero Verdrucknen eine Enderung und bevorſtehende Wolfeile vorſagen. Eine andere ſehr Waſſer-reiche Quelle ſihet man an den Gräntzen / die durch das Jahr nur drey Mo - nat lang flieſſet: Die übrige neun Monat aber die geringſte Spühr Waſſers nicht ſehen läſſet. Noch eine beſondere Art Waſſer findet man in unterſchiedlichen Berg-Hölen / welche ſo gleich in dero Abtropffen zu ſchönen weiſſen Steinen / dem Alabaſter gleichend / erhärten. Alſo auch werden verſchiedenen Orten des Landes / in den Felſigen Gebürgen / mancherley verwunderli - che Hölen geſehen / die zwar dermalen noch / den wenigern Theil völlig ſind erkündigt worden; unter dieſen iſt eine dermaſſen raumig und weit / daß auch ein - und mehr tauſend Mann darinnen Platz finden ſolten: Jſt aber ebenermaſſen in ihren weit erſtreckenden Neben-Gängen noch nicht gäntzlich durchwandert worden. Unter der Zahl dieſer Hölen ſind einige / die in gemein die Wind-Löcher genennet werden / aus dieſen kommen je zu Zeiten grauſame Sturm - und Wirbel-Wind hervor / die ſchon öffters an Ge -bäuenAn den Leſer. bäuen und Bäumen empfindlichen Schaden verurſacht haben. Endlich ſo findet ſich auch in etlichen unweit hieſieger Stadt gelegenen Wäldlein eine beſondere Wurtzel / welche von dem Land-Mann Jrꝛ-Wurtz benamſet wird / von ihrer Eigenſchafft / dann / ſo jemand die - ſelbe betritt / wird er augenblicklich in ſeinen Sinnen verruckt / weiß nicht / wo er iſt / oder wohin er ſich wenden ſolle / biß ein andere Perſon ihme begegnet / die ihn zurecht weiſet / oder zu ſchlaffen kommt. Jn der Nachbar - ſchafft hat es einen See / ſo etwas darein ge - worffen wird / entſtehet ein Ungewitter; deß - gleichen iſt unweit dieſes Fürſtenthumbs / in der Nähe ein anderer See / wann Muthwillens etwas darein geworffen wird / es ſey ein Stein / oder ein Stuck Eyſen / ſo wütet und brudelt er ſo lange / biß er das hinein geworffene her - aus und an das Ufer ſchmeiſſet. Alſo auch ſind wenig Meilen von hier einige wilde Aepf - fel-Bäume / die zwar wie andere umbherſtehen - de Jährlich ihre Früchte bringen; in der Chriſt - Nacht aber blühen / und kleine doch aber voll - kommene Aepffelein tragen; und was derglei - chen Wunder mehr ſeyn / ſich auch auſſer Zweif - fel finden und zeigen würden / wann nur je - mand Zeit hätte / oder nehmen wolte / ex pro - feſſo ſo thanen Wundern nachzuforſchen / und die dabey vorkommende merck-würdige Umb -e ijſtände /Vorredeſtände / der Gebühr nach aufzuzeichnen. Jn Anſchau - und Betrachtung nun dieſer und der - gleichen Wunder / (dann was andere / und ſo zu reden geringere / wolbekandte Dingen angehet / dabey nicht etwas beſonder merck-würdiges zu obſerviren; ſind ſolche alle mit Vorbedacht / umb beliebter Kürtze willen übergangen wor - den /) hat man ſich vorſtehen laſſen / in den vie - len Büchern / die hiervon geſchrieben worden / von deren unzahlbaren Menge / die ſparſim auf dem gantzen Erd-Boden ſich eröffnen und darſtellen / das Genügen anzutreffen / zumalen in ſolchen Schrifften von viel / alſo zureden / ge - ringern / männiglich zuvor wolbekandten Sa - chen / auch die ſonſt unerhebliche Umbſtänd je - derweilen weit genug ausgedähnet ſind. Allein / es iſt hiervon überal altum ſilentium; und wann es bey Theils Scribenten hoch kommt / eꝛwehnen ſie doch kaum zwey - oder dreyer deꝛglei - chen Wunder der Natur / aber in groſſer Un - vollkommenheit / es iſt meiſt alles kurtz abgebro - chen / die vornehmſten Umbſtände werden über - gangen; und ſind alſo noch lange nicht nach Würden beſchrieben / wie ſie verdieneten / wenig ausgenommen / welches dann nirgend anderswo herkommt / als daß ſelten hochgelehrte Leute aus ſelbſt eigener Betrachtung und genauer Erforſchung / ſondern nur von hören ſagen / o - der aus Nachſchreibung anderer / die es auch beſ -ſerAn den Leſer. ſer nicht gewuſt / ein und anders aufgezeichnet und ihren Schrifften einverleibt haben; geſtal - ten aus dem langen hinach folgenden Catalogo Authorum, die doch unter den Neuern hierinn - fals das Beſte gethan zuhaben / erachtet werden wollen / mehres nicht / als was in dieſem Tra - ctätlein verfaſſet iſt / hat können gefunden wer - den. Welches / wie ſchon gedacht / zu mehrer Merck - und Vermehrung Göttlichen Lobs / und Ausbreitung deſſen herꝛlicher Wunder / (Me - mento ut magnifices opus ejus, ſagt Hiob /) alſo / wie es aufgeſchrieben / extrahiret / zu beſſe - rer Bequemlichkeit in gewieſe Sectiones, als auch nach den vier Theilen der Welt ab - und eingetheilet; etliche ſeltene Geſchicht und Be - gebenheiten hinzu gethan; und mit unterſchied - lichen Figuren / ſo gut man vermöcht / gezieret worden: Nun aber dem Gott-liebenden wolge - neigten Leſer zu mehrer ſeiner Ergötzung in dem HErꝛn / nechſt hertzlicher Anwünſchung alles zu Seel und Leib erſprießlichen Wolfahrens übereignet wird.

e iijCata -

Catalogus Derer Bücher / welcher in Verferti - gung dieſes Werckleins ſich bedie - net worden.

  • AThanaſii Kircheri, Mundus Subterra - neus.
    • China Illuſtrata.
    • Oedipus Ægyptiacus.
    • Magna Ars Lucis & Umbræ.
    • Muſurgia.
    • Arca Noæ.
    • Ars Magnetica.
    • Itinerarium Exſtaticum.
  • Ottonis de Guerike de Vacuo Spatio.
  • Atlas Major.
  • Muſæum Wormianum.
  • Stanislai de Lubieniz, Theatrum Cometi - cum.
  • Caſp. Schott. Magia Univerſalis.
    • Phyſica Curioſa.
  • Majoli, Dies Caniculares.
  • Helmontij Scripta.
  • Acta Philoſophica Societ. Regiæ in Anglia.
  • Joh. Herbinij, De admirandis Mundi Catar - ract. Kyo -
    • Kyovia Subterranea.
  • Joh. Heinr. à Pflaumern, Mercurius Italicus.
  • Andreæ Libavii, Libr. Singularium.
  • Petri Borelli. Hiſt. & obſervat Medico - Phyſ.
  • Joh. Bapt. Portæ, Magia Naturalis.
  • Jani Cæcilij Frey, Opuſcula varia.
  • Joh. Jonſtonij Taumatographia.
  • Olaus Magnus.
  • Abraham Gœlnizij, Ulyſſes Belgico Gallicus.
  • Robert. Boyle, de Gemmarum origine.
  • Petri Servij, Naturæ Mirabil.
  • Val. Ardreæ Mollenbroccii, Cochlear. Cur.
  • Jacob. Gaffarelli, Curioſ. inauditæ.
  • Gottfried Ludwigs Archantologia Coſmica.
  • Olfert Dappers Beſchreibung Africæ,
    • Americæ.
    • Des Käyſerthums Sina.
  • Theatri Europæi erſter Theil.
    • Ejuſdem fünffter Theil.
  • Americæ, der achtzehende Theil.
  • Adam. Olearii, Perſianiſche Reiſe.
  • Arnold Montanus, Geſandſchafft in Japan.
  • Johann Niehofs / Reiß-Beſchreibung in Sina.
  • Zweyte und dritte Geſandſchafft nach dem Käy - ſer-Reich Sina.
  • Joh. Jans Struſen denck-würdige Reiſe durch Moſcovien / Grichen-Land / Perſien und Oſt-Jndien.
  • Joh. Albrecht von Mandelslohe.
e iiijJoh.
  • Joh. Jacob Breunnig.
  • Joh. von Sommers.
  • Georg Chriſtoph von Neitzſchitz.
  • Frantz Ferdinand von Troylo.
  • P. à. S. Thereſiæ: Und
  • Sandis. Orientaliſche Reiſen.
  • P. Fr. Electi Zwinneri, Blumen Buch des Heiligen Landes.
  • Friedrich Martens / Spitzbergiſche Reiſe.
  • Martiniere Reiß in die Nordiſche Länder.
  • Mehrley alt - und neue Reiß-Beſchreibungen ins Heilig Land.
  • Martini Zeileri Reiß-Buch über Teutſchland.
  • Deſſen Topographien Teutſchlandes
    • und Franckreichs.
    • Itinerarium Hiſpaniæ.
    • Sendſchreiben.
    • Hand-Buch.
  • Walther Schultzen Oſt-Jndiſche Reiſe.
  • Eraſmi Franciſci, Oſt - und Weſt-Jndiſch - und Chineiſcher Staats und Luſt-Garten.
  • Deſſen eröffnetes Luſt-Haus der obern und nie - dern Welt.
  • Hieronymi Cardani, Offenbarung der Na - tur.
  • Matheſii Sarepta.
  • Egydij Gutmanns Offenbarung Göttlicher Maj.
  • Abentheuer der Natür - und künſtlichen Sachen in China und Europa, durch A.P.F.B.
Phil.
  • Phil. Camerarii, Operæ hor. ſucciſivarum.
  • Atlas Minor.
  • Zachariæ Theobaldi, Arcana Naturæ.
  • Olearii, Gottorpiſche Kunſt-Kammer.
  • Schauplatz des Kriegs von 1669. biß 1674.
  • Thomas Carve Reiß-Beſchreibung.
  • Johann Rudolph Glaubers Scripta.
  • Gottfried Voigts Phys. Zeit-Vertreiber.
  • Joh. Laurentz Bauſch / de Lapide Ætite.
  • Aſiatiſch - und Africaniſche Denck-würdigkei - ten.
  • Heinrich Sivers Bericht von Groen-Land.
  • Michael Saxens Alphabetum Hiſtoricum.
  • Samuelis Fabritii, Coſmo-Theoria Sacra.
  • Ulyſſes Brandenburg.
  • Jacob Böhms Schrifften Extracta.
  • Caſp. Barlæi Braſilianiſche Geſchichten.
  • Eraſm. Franciſci, Cuinæiſch - und Americani - ſcher Blumen-Buſch.
  • Heinrich Kornmann de Monte Veneris.
  • Frantz Carons Japaniſche Relation.
  • Dygbi Heimlichkeiten der Natur.
  • Joh. Walchii, Commentar. Uber den groß und kleinen Baurn.
  • Joh. Prætorii Antropodemus Plutonicus.
  • Achilles Alexander, Urſachen der Erdbeben.
  • S. G. S. Schatz-Kammer / übernatürlich - und wunderbaren Geſchichten.
  • Johann Rudolph Rebmanns Naturæ Mag - nalia.
e vJoh.
  • Joh. de Laet, America Nieder-Teutſch.
  • Joh. Huygen Lindſchottens Oſt-Jndiſche Reiſe.
  • Helmontii Dageraed.
  • Nicolas de Nicolai voyage du Levant.
  • Jean Taſſin, Tab. Geographicæ.
  • Le Journal de Scavans.
  • Louys Colon Ulyſſe Francois.
  • P. du Val, Geograph. Univerſelle.
  • Boucher, Le Bouquer Sacre.
  • Jean Batt. Tavernier Sixvoyages.
  • Hiornal Veneto de Letterati.
  • Andr. Scoti Itinerar. Italiæ.
  • Viaggi di Pietro della valle in Perſia.
  • Leonardi Fioravanti, Caprici Medici.
Abthei -

Abtheilung dieſes Werck - leins.

Wird abgetheilet in zwey Bücher.

Das erſte Buch. Handelt von Erſchaffung der Natur / himmliſchen Firmaments / Sternen / Planeten und Cometen; wie auch / dieſer ſichtbaren Welt / (Heocoſmi,) und des Meers. Jn 3. Capitel.
  • 1. Von der Natur.
  • 2. Von dem erſchaffnen Himmel und deſſen Wundern / am Geſtirn / Planeten und Cometen.
  • 3. Von der aus Waſſer und Erden beſtehen - den Kugel / (die Welt /) inſonderheit des Meers Eigenſchafften.
Das

Das ander Buch. Wird eingetheilt in vier Theil.

Der erſte Theil. Handelt von der Natur und ſeltener Eigenſchafft mehrer Art Wunder - Brunnen / Bäche / Flüß und Seen. Jn ſechzehen Cap.
  • 1. Wunderbare Quell-Brunnen und Bäche / die nicht ſtets / ſondern nur zu gewieſen Zeiten flieſſen; und ſo dann dem Land / oder ſelbiger Gegend etwas beſonders bedeuten.
  • 2. Wunderbare Quell-Brunnen und Bäche / die zwar doch ohne ſonderbare Bedeu - tung / (ſo viel wiſſend) auch nur zu ge - wieſen Zeiten flieſſen.
  • 3. Beſondere Eigenſchafften etlicher Brunnen und See / die durch Vertrocknen oder Verändern / einige bevorſtehende Tods / oder andere Fäll anzeigen.
  • 4. Ubernatürliche Eigenſchafften etlicher Brunnen und Flüſſe.
  • 5. Fernere Continuation, wunderbarer und ſeltzamer Eigenſchafften / mancherley Quell-Brunnen und Flüſſe.
  • 6. Brunnen / die nach des Monds und Meers - Lauff ſich richten.
  • 7. Brennende Waſſer-Brunnen und Bäche.
  • 8. Oel-Quellen.
  • 9. Brunnen / deren Waſſer die Menſchen trun - cken machet.
  • 10. Gefähr - und Tödtliche Quell-Brun - nen.
  • 11. Mancherley Heil-Geſund - und heiſſe Brunnen / flieſſend - und ſtehender Waſ - ſer.
  • 12. Reiche Saltz-Quellen / Bäch / und See.
  • 13. Brunnen / Waſſer-Bäche / und ſtehende Waſſer / die alles / was ſie berühren / mit einer ſteinern Rinde überziehen; oder gar in Stein verwandlen / und ſelbſt zu Stein werden.
  • 14. Wunderbare theils übernatürliche Ei - genſchafften etlicher See - und ſtehender Waſſer.
  • 15. Schwimmende Jnſulen.
16. Beſon -
  • 16. Beſondere Art und Eigenſchafft etlicher Jnſulen.
Anderer Theil. Begreifft in ſich Wunder - und ſeltzame Eigenſchafften und Begebenheiten der Gebürge / Steine / Felſen und Erden. Jn zehen Cap.
  • 1. Brennende Berge.
  • 2. Hohe und berühmte Berge in der Welt.
  • 3. Verwunderliche Begebenheiten durch Ein - fall und Fortgehen etlicher Berge.
  • 4. Seltzame Geſtalt etlicher Felſen und Ber - gen.
  • 5. Wunder auf / an / und in Bergen / Thälern / Felſen / Stein und Erden.
  • 6. Ubernatürliche Eigenſchafften etlicher Ber - ge / Felſen / Stein und Erden.
  • 7. Mancherley verwunderliche Hölen und Löcher in den Gebürgen / Felſen und Erde.
  • 8. Seltzſame verborgene Eigenſchafften etli - cher Länder und Oerter; als auch der Erden und Winde.
9. Etli -
  • 9. Etlicher Menſchen und Völcker Unter Jrꝛ - diſche Wohnung.
  • 10. Plötzliche Verwandlung in Stein der Menſchen / Viehes / Gewächs / und an - ders.
Dritter Theil. Hält in ſich beſondere und verwun - derliche Eigenſchafften / Geſtalt und Anſehen etlicher Meer-Wunder und Fiſche / vier - füſſiger Thieren / Vögel und Gewürm. Jn fünff Cap.
  • 1. Meer-Menſchen und Monſtra in denen Waſſern.
  • 2. Wunder-Geſchöpffe Gottes im Meer und flieſſenden Waſſern.
  • 3. Etlicher meiſtens frembder Thier auf Er - den / und dero beſondere Eigenſchaff - ten
  • 4. Etlicher gröſſern Theils frembder Vögel Natur und Geſtalt.
  • 5. Frembdes / theils unbekandtes Gewürm / deſſen Gröſſe / Geſtalt / und Eigen - ſchafft.
Vierd -
Vierdter Theil. Deſſen Jnnhalt / Wunder - und theils übernatürliche Eigenſchafften etlicher Bäume / Frücht / und Ge - wächs. Jn drey Cap.
  • 1. Wunder theils übernatürlicher als ſeltener Natur und Eigenſchafften etlicher Bäume.
  • 2. Beſondere Eigenſchafften etlicher Früch - ten.
  • 3. Seltene Eigenſchafft und Natur etlicher Kräuter / Wurtzel und Blumen.
Das
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Das Erſte Buch. Von Erſchaffung der Natur / himmliſchen Firmaments / Sternen / Planeten / und Cometen; Wie auch dieſer ſichtbaren Welt / und des Meers.

Erſtes Capitel. Von der Natur.

JN dem verwunderlichen / guten Theils aber noch wenig verſtan - denem Buche des heiligen Hiobs im 32. Cap. liſet man / daß als die vermeinte drey Freunde die - ſes heiligen Mannes / Eliphas von Theman / Bildad von Su - ha; und Zophar von Naema / dero ſo künſtlich eingericht - als tieffgeholtes Geſpräch in Be - ſtreitung ihres Freundes klagen / geendet; da habe ein vierdter / nemlich / Elihu der Sohn Baracheel von Bus / des Geſchlechts Ram / ſeine Rede folgenden Jnhalts angefan - gen: Jch bin jung / ihr aber ſeyd alt / darum habeAich2Das erſte Buch. ich mich geſcheuet meine Kunſt an euch zu be - weiſen. Jch dachte / laſſe die Jahr reden / und das Alter Weisheit zeigen. Aber! der Geiſt iſt in den Leuten / und der Odem des Allmächtigen machet ſie verſtändig. Die Groſſen ſind nicht die Weiſeſten; und die Alten verſtehen nicht das Recht. Jhr werdet vielleicht ſagen: Wir haben die Weisheit troffen / aber! die Rede thut mir nicht genug / ꝛc. Die Welt iſt jeder Zeit Welt geweſen / iſts noch / und wird es auch biß zum Ende bleiben. Nichts neues geſchicht un - ter der Sonnen. Und dieſe unter des heiligen Hiobs Freunden geweſte Uneinigkeit und Stritt / regieren noch heutiges Tags unter den Schul - Gelehrten / die in vielerley Secten zertrennet / ſich anmaſſen / die eintzigen Liebhaber der wahren Weisheit / und emſige Unterſucher der natür - lichen Wunder zu ſeyn; auch von dem Urſprung und Haupt-Urſachen aller natürlichen Dingen ungleiche Principia ſtatuiren / und ſolche quovis modo äuſſeriſt zu verfechten ſich bemühen / ge - ſtalten die Erfahrung ſolches ſattſam beſtätti - get. Und damit der wolgeneigte Leſer hiervon mehrere Nachricht bekomme / ſo iſt in folgenden Bericht die Beſchaffenheit ſo wol der Alten als neuen Schul-Weiſen / ſamt ihren mancher - ley Meinungen von der Natur / und dem Ur - ſprung aller Dingen / annoch kürtzlich beyzufü - gen / nicht undienlich erachtet worden.

Es3Von der Natur.

Es haben die drey angegebene Freunde der Philoſophi oder der Weisheit dieſer Welt / als da ſind I. die Stoici oder Peripathetici, II. die Academici; und III. die Sceptici, nun all ſchon länger als tauſend Jahr äuſeriſt ſich be - mühet / dieſe ſichtbare Welt / in welcher ſie gele - bet / und die Wunder des Geiſtes derſelben / den man die Natur nennet / zu erforſchen / und ihr Talent der Poſterität in Schrifften zu hinter - laſſen. Was ungleiche Principia aber ſie ge - habt / darauf ſie ſolche ihre Philoſophiam ge - gründet / findet man im durchleſen ihrer - cher zur Verwunderung / ſo daß / wann man be - dencket / was doch in totâ illâ Philoſophia ent - halten ſey / erfindet ſich / daß (nach Anzeig wah - rer Philoſophen /) faſt eben ſo viel abſurda do - ciret / als Bücher ſind geſchrieben worden; die auch mehrer Orten kaum ohne Mitleyden kön - nen geleſen werden. Jener Welt-Weiſe ſprang nacket aus dem Bade / und ruffte ſeine ἔγρικα aus. Ein anderer lehrete ſeine Weisheit aus einem Vaß / und ſuchete am hellen Mittag bey ange - zündeten Fackeln Menſchen. Dorten that ei - ner nichts als lachen: Ein anderer aber weinen. Fragte man die Urſache ſolch ihres Begin - nens? ſo gaben ſie zur Antwort: Es geſchehe weil die Welt ſo närriſch ſey. Unterſucht man die Principia und Lehr-Sätze dieſer Welt-Wei - ſen / ſo ſind ſie eben auch Frembd genug. Ari - ſtoteles, aller Peripateticorum Dux & Prin -A ijceps,4Das erſte Buch. ceps, lehrete / die Welt ſey ohne Anfang und allzeit geweſen. Democritus ſtatuirte / die Welt ſey caſu, ex concurſu atomorum zu - ſam gebacken. Leucippus gab vor: Es wären Infiniti Mundi. Anaxagoras behaubtete: der Himmel ſeye aus Steinen componiret. Poſ - ſidonius ſagte: Wann die Sonne in das Ocea - num ſich verkrieche / ſo verurſache ſie ein groß Krachen. Xenophanes collocirte in con - cavo Lunæ noch einen andern Orbem. Die Academici gaben vor: Alle Ding ſeyen Un - gewiß. Mehrer dergleichen Meinungen zu geſchweigen. Hat demnach Cicero nicht gar unrecht geſchrieben / da er ſetzet: Nihil tam ab - ſurdum dici poſſe, quod non dicatur ab aliquo Philoſophorum.

Was nun dieſer Heyde ſuo tempore geur - theilet / das zeugen auch die Schrifften der Welt-Weiſen dieſer Zeit / in welchen ein immer - wehrendes contradiciren iſt. Hiervon wegen vorgeſetzter Kürtze nur einige Beyſpiel anzufüh - ren: So iſt unter den alten Naturkündigern wie ſchon gemeldet / Ariſtoteles der Vornehm - ſte. Unterſuchet man dieſes ſonſt unvergleich - lichen Mannes vorhandene Schrifften über dem Wort Natura, was es bedeute / oder da - durch ſoll verſtanden werden? So erholet man in Antwort: Quòd natura ſit principium motus ut quietis in corporibꝰ, quibus per ſe & non per accidens ineſt. Höret man hierüber die Jün -gere5Von der Natur. gere Philoſophen / ob ſie dieſes ihres Vorgehers und Meiſters definition der Natur ſubſcribi - ren und ſolcher beyſtimmen? So erfindet ſich / daß unter andern noſtro tempore ein hochge - lehrter vortrefflicher Mann / der auch ſeine Se - ctatores, und einen nicht geringen Anhang hat / dieſe des Ariſtotelis definition nicht allein be - ſtreitet / ſondern auch zu beweiſen ſich unterſte - het / quòd plures errores & inſcitiæ in hiſce verbis definitoris inveniantur quàm verba. Fragt man / was dann ſeine Meinung ſey? So ermangelt er nicht dahin ſich zu expliciren: quòd Natura juſſum Dei, quo res eſt id quod eſt, & agit quod agere juſſa eſt. Nicht geringere diſcrepanz ereignet ſich über des Ariſtotelis Mei - nung von dem Menſchen / da abermal erſtgedach - ter Philoſophus in folgende Wort ausbricht: Vituperoſa eſtilla definitio, qua homo animal rationale, vel ut ex eſſentiæ deſcriptione de - pingitur. Homo autem, (fähret er fort) eſt creatura vivens in corpore per animam im - mortalem, ad honorem Dei, ſecundum Lumen & ad imaginem verbi primi exemplaris o - mnium cauſarum ſigillata. Mehr genannter Ariſtoteles, und mit ihm eine groſſe Schaar der heutigen Schul-Gelehrten behaupten die Lehre von vier Elementen: Feuer / Lufft / Waſſer und Erden. Andere neuere / und unter ſolchen vor - erwehnter Philoſophus widerfechten dieſes glei - chermaſſen / und geſtehen nur zwey ElementaA iijprima -6Das Erſte Buch. primaria, nemlich: Lufft und Waſſer / aus de - nen die Erde oder der Quell-Sand als ein Ele - mentum ſecundarium ſey erboren worden; das Feuer aber / könne mit nichten unter die Zahl der Elementen gerechnet werden / dann ſolches vielmehr ein Contr-Element zu nennen ſey. Hierzu kommt die dritte Parthey / dieſe exten - dirt die Zahl der Elementen biß auf ſieben / nem - lich: Geiſt / Liecht / Himmel / Wind / Lufft / Waſ - ſer und Erden. Derer zu entgegen iſt die vierd - te Parthey / dieſe ſtatuirt gar nur ein Element / Feuer / Lufft / Waſſer und Erde ſeyen nur pro - ducta oder Früchte dieſes eintzigen Elements. Noch anderer Meinungen zu geſchweigen. Wie ſchwehr / wo nicht gar unmüglich es ſey / zu dieſer edlen Scientz / der Erkündigung der Natur / und wahrer Erkänntniß deroſelben unzehligen Wun - der-Geburten / bey ſo geſtalten Sachen zugelan - gen / wird denen Liebhabern zuerwegen überlaſ - ſen. Die Erfahrung bewähret / daß zu allen Zeiten ein - ſo anderer Elihu aus der Zahl der Welt-Weiſen und Natur-Kündiger nicht die geringſten / behauptet / es ſey dem Menſchen abs - que ductu altiori, und Ergreiffung näherer Principien unmüglich / dem gemeinen Schlag nach / die wahre Erkänntniß der Natur zu erfol - gen / weniger aus des Ariſtotelis Schrifften al - lein zuerholen. Die groſſen ſind darum eben nicht auch die Weiſeſten; und dero opiniones, Wahn und Meinungen / zumalen bey einer ſol -chen7Von der Natur. chen Trennung und Zwiſpalt / ſind für keine unwider ruffliche Regulen / und conſequenter für dieſelbſtige Warheit zu achten / bedacht / daß es dem Menſchen über aus ſchwer falle / eine ein - tzige Wiſſenſchafft und Kunſt warhafft und voll - kommen zu beſitzen / darüber einer ſich hören läſ - ſet: Cognitio ſcientiarum omnium (ſchreibt er) tam eſt difficilis, ne dicam impoſſibilis, ut prius vita tota hominis deficiat, quàm vel unius diſciplinæ minima ratio perfectè inveſti - gari poſſit. Und wann es auch mit einem ſol - chen Philoſopho auf das höchſte kommen / und ſo gar Magiſter Philoſophiæ ſey erklärt wor - den / dennoch immerdar im Tyrocinio verblei - be / auch ausgeſondert ein ſo andere Opinion die er ſich beybringen laſſen / ſonſten nicht Urſach habe / ſeine Wiſſenſchafft ſo hoch zu rühmen / und deßwegen über andere ſich zuerheben. Merck - würdig iſt / was hier von ein alter wolbenamter Philoſophus ſeinen noch vorhandenen Schriff - ten einverleibt / da er alſo ſchreibet: Omnium Philoſophantium concors & unanimis ſen - tentia eſt, qua arbitrantur ſcientiam quamli - bet homini ipſi pro utriusque captu ac valore non nihil divinitatis adferre, ita ut ſæpè ultra humanitatis limites in Deorum beatorum choros eos referre poſſint. Ego verò alius ge - neris perſuaſus rationibus, nil pernitioſius, nil peſtilentius hominum vitæ, animarumque noſtrarum ſaluti poſſe contingere arbitror,A iiijquàm8Das erſte Buch. quam ipſas artes ipsàsque ſcientias. Ideoque ſcientias ipſas magna ex parte vituperandas eſſe mea opinio eſt, nec ullam quæ careat juſta reprehenſionis cenſura, necque rurſus quæ ex ſe ipſa laudem aliquam mereatur, niſi quam à poſſeſſoris probitate mutuatur; und bald hernach: Scientias omnes tam malas eſſe quàm bonas, nec aliam nobis ſupra humani - tatis metam afferre deitatis beatitudinem, niſi illam fortè, quam antiquus ille ſerpens polli - cebatur primis noſtris parentibus, inquiens: Eritis ſicut Dii, ſcientes bonum & malum, &c. Dieſes nun hat theils unter den Welt-Weiſen Urſach gegeben / daß ſie das güldene dictum ih - rer Vorfahren / nemlich: das