PRIMS Full-text transcription (HTML)
Gewiſſens-Buch: Von PROCESSEN Gegen die Hexen
An Alle Hohe Obrigkeiten in Teudtſch - landt auß nothtringenden moti - ven geſchrieben. Jnſonderheit Den Raͤhten vnd Beicht-Vaͤteren der[Fuͤrſten] / den Inquiſitoren, Brandt-Meiſte - ren / Richteren / Advocaten: Beicht-Vaͤteren der Armen Beklagten vnd Gefangenen: Pre - digeren auch anderen Leuten ſehr nuͤtzlich vnd nothwendig zu leſen.
Anfangs Ohne Nahmen in Lateiniſcher Spraach Außgangen / Jetzo Jn die Teudtſche Vbergeſetzet / Durch JOHAN SEIFERTEN von Vlm / der zeit Schwediſchen Feld - Prediger.
BREMEN /Jn verlegung Joſt Koͤhlers / Buchhaͤndelers. Gedruckt bey Jacob Koͤhler.1647.
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Der Koͤnigl. Mayſt. zu Schwe - den / ꝛc. Hoch-wolbeſtalten Gene - ralen vnd Gouverneurn dero Ertz - vnd Stif - ter Bremen vnd Voͤhrden: wie auch Obri - ſten zu Roß vnd Fuß / ꝛc.

Deme Hoch-wolgebornen Herꝛen / Herꝛen /

Hans Chriſtoff von Koͤ - nigsmarck / meinem gnaͤdigen Herꝛn.

GOttes Schutz in Gefahr: beyſtand gegen die Feind: gluckliches wolgedeyen zu gutem vorhaben: vnd al - les anderß erſprießliches an Leib vnd Seel.

Hoch-wolgebohrner General / Gnadiger Herꝛ:

Bey gegenwertigem Hexen-ſtreit / daß ich nicht an meinem End / vnd noch mehr an dem Jungſten Tag / ein vnvermeidliche Straff Gottes em - pfinden muͤſſe / wenn E. Excellentz ich nicht bericht gebe / in denen dingen /* ijin wel -in welchen Sie informirt zu ſein / etwa noͤtig haͤtten.

Solchem Vnheil vorzubawen iſt dieſes Buͤchlin von mir zum offent - lichen gebrauch / in vnſer Mutter - ſprach befoͤrdert worden.

Ewer Excell. woͤllen ja gebetten bleiben: vnd von dieſen grewlichen ſecretioribus vnd entſetzlichen dingen eher nicht vrtheilen / ſie haben denn zuvor / den Inhalt dieſes Buͤchlins 1. Im Capittel-Regiſter. 2. In der 50. 51. Streit-red / dem Anhang / vnd dann 3. der ordnung nach / von vor - nen her biß hinden auß gantz geleſen.

Ich hab darumb die materi ſo eng eingezogen / daß die dem vngeſtudir - ten Leſer / verhinderliche allegata: ver - drießliche art zu Philoſophiren / ver - gebenes Rhetoriſiren, verwirꝛende Ju - riſten / vnd anderer Scribenten jhre nahmen / vnd was ſonſten vnbegreif - licher prolixitet iſt: nit allerhand auff - haltens machte.

Ich hab mit * die Blaͤtter zahl der Lateiniſchen edition, auß Herꝛn Petri Lucii / Rintel. Acad. Buchtruckers /Exem -Exemplar von An: 31. den Gelehrten zum beſten darumb vnten an die pagi - nam geſetzet: daß etliche das Lateini - ſche Exemplar lieſſen kauffen / le - ſen theten / vnd ſonderlich andere / die noch nicht geleſen / auch ſucheten.

wird das Buͤchlin ſelbſten oh - ne mich genug red-wieder-red vnd antwort / einem jeden warheit lie - benden Leſer geben: wer mir mit Augen recht anſehen / ſein vbel gefa - ſtes vorurtheil caſſiren: ein von Paſ - ſionen gegen mir / oder dem Autor / oder die Richtere / oder die ſchuldige / geſaubertes gemuͤth / hinein bringen wird.

Gute Wein beduͤrffen keinen Crantz / vnd werden durch den Wein - ruͤffer verboͤſeret / vnd nicht verbeſſe - ret: alſo inſonderheit dieſe Sachen / ſo in dem Buͤchlin begriffen / doͤrffen keines ruͤhmens / wenn die Chriſten / ſonſten in allen Staͤnden / das Ge - wiſſen zu raht ziehen wollen.

mag mir feind ſein wer will / ſo muß ichs leiden / vnd Gott fuͤr jhn bitten: Vnterdeſſen muß ich doch* iijmeinsmeins Ampts vnnd Gewiſſens nicht vergeſſen.

Ich will nit hoffen / daß jemanden mir diſe that / werde fuͤr eine eigen - nuͤtzigkeit / oder ehrſucht zu meſſen. Gott kennet dißfallß mein intention am beſten. Ich muß gleichwol conſi - deriren, daß man im feld nicht gantze Bibliothecas kan mit fuͤhren / ſo hat di - ſer ſtreit zu allen zeiten / viel der Ge - lehrteſten vnd geuͤbteſten ſo Theolo - gen: als Juriſten exerciret. Viel nach - dencklicher deciſionen ſein bey Gelehr - ten leuten von diſem handell in ſchrif - ten. Allein niemand doͤrff es wegen der boͤſen Maͤulerwagen / daß er et - was davon an den tag gebe. So iſt Auguſtin Lercheimers Buchlein võ diſer ſachen / auch nicht mehr zu be - kommen. Darumb aber iſt das ex - empel von Ahasverimandato revocatorio in der Bibel angezeichnet: daß inſon - derheit / wir Feldt-Prediger / vnſern Obrigkeiten / bey gelegenheit / ſolches groſſen Herꝛn / ſeine moderation, ſollen zu erkennen geben. Er war ein Herꝛ vber 127. Koͤnigreich vnd laͤnder: erwarwar von Haman vberliſtet: vnnd Gott eroͤffnet jhm durch Heſter / das vngluͤck: deme zu danck er das vori - ge mandat casſiret: vnnd damit ruhm bey allen leuten verdienet hat. Wel - ches denn wie geſaget / fleiſſig muß vnterſuchet werden.

Wolan ſey genug mit dieſem: Gott erfuͤlle an E. Excell. ſeyn gnaͤ - digſtes gedeyen: An vnß allen ſeine Barmhertzigkeit. E. Excellentz aber wollen Gottes vnnd jhrem armen Diener beſtaͤndig gewogen zu ſein auch fuͤr dißmahl in vnterthaͤnigkeit gebeten verbleiben.

Perſcriptum den 7. Tag Se - ptembr. An: 1647. Ewerer Excellentz vnd H. G. Gn. D. vnd G. Gfl. Johannes Seifertus.

* jvVor -

Vorred deß Autoris ſelbſten.

AN die Obrigkeiten Teut - ſchen Landes / habeich diß Buͤchlin geſchrie - ben: an die jenigen die es nicht leſen werden vielmehr / alß die es werden leſen. Vrſach iſt: Dann welche Obrigkeiten ſo viel ſorgfalt werden tragen / daß ſie werden meinen / ſeye noth daß man dieſes leſe / was ich in ſachen der Hexerey hierinne beſchrieben / die haben ſchon ſo viel / warumb ſie dieſes leſen ſolten: Nemblich / fleiß vnd gewiſſenhaffte ſorgfalt dieſe ſachen recht zu eroͤrtern vnd zu richten / alſo iſts nit noth langdar -darvon zu leſen / wo mans wolle hernehmen.

Die aber ſo Sorgloß ſeyn / daß ſie dieſe Dinge weder leſen oder groß achten werden: die ha - ben gewißlich eben am aller noͤ - tigſten hierinnen zu leſen / vnnd hierauß zuſtudiren / was jhnen zu thun vnnd zu laſſen ſey: daß ſie auß dieſem Buch lernen ſorg - faͤltig handlen. Alſo moͤgens die leſen / die es nicht leſen werden: die andern habens zu leſen nicht einmahl vonnoͤhten.

leſe es aber wer da woͤll / ſo bitte ich / er woͤlle nur die 51. Streit-reden / mit dem Anhang zum wenigſten leſen / vnd in allen puncten wol examiniren.

* vRegi -
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Regiſter der Streit-reden dieſes Buchs.

  • i. OB auch warhafftig Hexen vnd Vn - holden ſeyn? Pag: 1. ii. Ob dañn deren mehr in Teutſch - land / dann anderſtwo an andern oͤr - tern? 3 iii. Was fuͤr ein groſſe Malifitz-that dieſes ſey? 7 iv. Ob es vnter die exceptirte gehoͤre: vnd was Crimina excepta? 7 v. Ob man gegen die excepta nach belieben den Proceß moͤg anſtellen? 8 vi. Ob die Teutſchen Fuͤrſten wol daran thun wenn ſie mit der ſchaͤrffe gegen die Hexen Procediren. 10 vii. Ob diß vnzifer zur genuͤge durch ſtren - gen weg; oder ſonſten durch andere mittel koͤnne außgereutet werden. 11 viii. Wie vorſichtig hohe Obrigkeiten / vnd dero bedienten: in diſer peinlichen ſachen zu ver - fahren ſchuldig ſeyen? 12 ix Ob groſſe Herꝛen jhr gewiſſen genug ent - binden: wenn ſie ſich wenig mit diſem werck be -kuͤm -kuͤmmern / vnnd alles nur auff jhre Miniſtros ſchieben? 20 x. Ob zu glauben / daß Gott werde zulaſſen / daß je etwan vnſchuldige mit eingemenget wer - den? 30 xi. Ob zu glauben / daß in vnſerem ſtreit ſichs in der that befunden: daß auch vnſchuldige leut mit zu grund gangen. 31 xii. Ob man denn daß Brandtmeiſters In - quiſitional-proceß wider die Hexen / ſoll ein - ſtellen: wenn es erfindtlich: daß viel vnſchuldige de facto dadurch vmb daß leben vnnd jhre ehre ſeyn gekommen. 35 xiii. So nun aber vnſchuldigen leuten ohne mein gefaͤhrden / mit diſem Proceß einige gefahr zuwuchſe: ſoll ich darumb auffhoͤren die Recht - ſchuldigen zu verfolgen? 38 xiv. Obs recht: daß man hohe Obrigkeiten anhetzet / den Inquiſitional-proceß gegen die Hexen zu fuͤhren? 41 xv. Was doch vornemblich dasjene fuͤr Leute ſeyen: welche bey den Obrigkeiten einen ſolchen Hexen-krieg anrichten? 42 xvi. Wie iſt jhme denn zu thun: daß man im Hexen-Proceß / ſich an vnſchuldigen leuten nicht vergreiffe? 45 xvii. Mag man auch denen von Hexerey wegen verhaffteten leuten / die defenſion zulaſ - ſen / vnd jhnen einen Advocaten zuſtatten? 52xviii. xviii. Was fuͤr anmerckungen auß vorer - zehlten dingen zu nehmen? 56 xix. Ob jemand von Hexereywegen gefan - gen wurde / ſoll man denn alſobalden præſumi - ren: er muſſe nothwendig ſchuldig ſeyn? 61 xx. Von der Tortur oder Peinbanck: ob auch zu foͤrchten / daß die vnſchuldigen / ſo daran kommen / ſich ſelbs moͤchten manchs mal verkuͤr - tzen / vnd alſo gegen ſich ſelbſt / vnd gegen andere die vnwarheit ſagen. 67 xxi. Ob eine von Hexereywegen angeklagte Perſohn zum oͤffteren muͤge torquiret wer - den? 77 xxii. Warumb viel Richter zu diſer zeit die beklagten / alſo ſchwerlich los laſſen / wenn ſie ſchon durch die außgeſtandene tortur ſich pur - giret? 81 xxiii. Wie jhme doch zu thun: daß man ſich mit einigem prætext, bey offt wiederholter fol - ter zu ſchuͤtzen? 82 xxiv. Wie mans machen ſoll: wo keine newe indicia vorhanden / man doch gleichwol deren zu fortſetzung der tortur keinen mangel habe? 84 xxv. Ob ein verzeubertes ſtillſchweigen (ma - leficium taciturnitatis) fuͤr ein newes indici - um zu halten: vnnd man deßwegen die tortur continuiren koͤnne? 86 xxvi. Was fuͤr zauberey zeichen von vner - fahrnen vnd vngewogenen Richteren præten - diret werden? 89xxvii. xxvii. Ob die tortur ein gnugſahmes mit - tel ſeie / damit die warheit zu erfahren? 92 xxviii. Argumenten derer jenen: welche meinen es ſey alles alſobald war / was in der tor - tur bekant wird? Auch dero widerlegung. 93 xxix. Ob die tortur in hoc paſſu, weil es damit ſo gefaͤhrlich hergehet / wol gaͤntzlich abzu - ſchaffen? 97 xxx. Inſtruction fuͤr die Beichtvaͤtter / die an die gefangenen muſſen deputiret werden / wie ſich die zuverhalten. Ein nothwendige lehre. 97 xxxi. Obs recht: Daß man vor der tortur, den beklagten weibsbilderen / die haar durch den Hencker laͤſſet abſchneiden? 104 xxxii. Auß was fundamenten man zu der tortur ſchreiten moͤge? 105 xxxiii. Bey weme das vrtheil ſtehe / außzu - ſprechen: daß die indicia von gnugſahmen qua - litaͤten? 107 xxxiv. Ob allein daß gemeine geſchrey / wenn ſonſten keine andere vnd gnugſahme in - dicia vorhanden / ein gnugſahmes indicium zu der tortur ſeye? 108 xxxv. Ob nicht bey ſo beſchaffenen ſachen der Obrigkeit gebuͤhre / ſich gegen die verleumb - der vnd Calumnianten, mit ernſt vnd mit der execution zu legen? 114 xxxvi. Ob auff den fall: daß fama im rech - ten gegen eine beſagte Perſohn gnugſam erwei - ſet: ſolches genug ſeyn zum indicio ad tortu -ram:ram: weil man ſonſten ſchwerlich koͤnte zum beweißthum gelangen: vnd es ein Crimen ex - ceptum betrifft? 116 xxxvii. Ob dann die probationen: ſo in gemeinen Criminal ſachen nicht gnug zur tor - tur ſeyn: insgemein genug ſeyn in exceptis oder hauptlaſteren? 119 xxxviii. Von dem ſatzſpruch der Richte - re: Ob man dann in verborgenen Criminal haͤndlen: da die beweißthumen ſchwaͤr fallen / nicht ehender zu der tortur moͤge ſchreiten / denn ſonſt in anderen? 122 xxxix. Ob man eine Perſohn: die in der tortur nichts bekant / mit vrtheil vnd recht koͤnne zum tod vervrtheilen? 124 xl. Ob jemand erſtens die Malefitz that der Hexerey bekennet: vnd aber auff dem Richtplatz ſein bekaͤntnis wiederruffet: mag auch ſolche re - vocation gelten? 130 xli. Was von den jenen zu mutmaſſen / wel - che in der gefaͤngnis todt gefunden worden? 136 xlii. Was man dann fuͤr zeichen muß ha - ben / daraus man mit ſicherem gewiſſen ſchlieſſen koͤnte: es ſey ein ſolche todtgefundene Perſohn vom teuffel erwuͤrget: oder man hab ſich ſelbſten den todt in der gefaͤngnis aus verzweiffelung angethan? 140 xliii. Vom Stigmate oder Hexen-zeichen / darvon ſo viel ſagens: ob daſſelbe ein indiciumzurzur tortur: oder auch zu dem todes vrtheil ſein ſoll vnd koͤnne? 142 xliv. Ob man alſo groß auff die (denun - ciationes) beſagung / in Criminal ſachen der Hexerey zum fangen vnd torquiren ſich fuſſen koͤnde? 145 xlv. Es hat Medea Glyzerium fuͤr eine Hexe beſaget: Medea wird darauff zum fewr verdammet / Glyzerium leugnet die that: Me - dea bekehret ſich vor jhrem ende vnd thut buſſe: ſoll ich nicht Glyzerium deßwegen fangen vnd torquiren koͤnnen / weil diſe als ein bußfertige Suͤnderinne / jhre gethane bekaͤntniß mit jhrem todt verſigelt? 152 xlvi. Ob dann endlich dem beſagen zu tra - wen: wann man vnzweifelich gewiß iſt: die Be - ſagerinne (denuncians) habe ſich warhaftig be - kehret? Sie wird ja anders nichts dann die war - heit reden? 154 xlvii. Ob denn dex teuffel in ſeinem Hexen - Convent, auff dem Haͤwberg / zu Oxenhauſen / Blocksberg / ꝛc. vnſchuldiger leuten geſtalt alſo præſentiren koͤnne: daß man meinen muͤſſe / ſie ſeyn warhafftig da geweſen? Vnd was hiervon zu halten. 156 xlviii. Examen der argumenten, mit welchen man ſich vnternimmet zu behaupten: daß der teuffel vnſchuldige leut im Hexen-tantz nicht præſentiren koͤnde? 157 xlix. Examen der jenen argumententen:dada welche erſtreiten wollen: man ſoll der Hexen Beſagen (denunciationibus) kurtzvmb glau - ben: vnd die Beſagten darauff zu torquiren diß ein gnugſames indicium ſeye? 164 l. Weſſen ſich ein Richter hierbey zu reſol - viren / daß er ſicher gehe? Ob ein mittelweg zu finden? Oder ob er meiner oder gegentheils par - thei ſoll zufallen / ꝛc. 176 li. Summariſche erzehlung / von den pro - ceſſen, wie ſie heut zu tag gegen die Hexen ge - fuͤhret werden. Ein Capittel wol zu leſen. 178

Appendix I.

  • Von nachdruck vnnd vermoͤgen der tortur, vnd deß beſagens: was diſe beyde ding außrich - ten koͤnnen. 193 ii. Beſchluß an den Leſer / von noch neun hochbedencklichen Streitfragen / die zu eroͤrtern vnd zu bedencken ſeyn. 199
Ende des Regiſters.
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Gewiſ -
1

Gewiſſens-noͤhtige ver - wahrung / in Peinlichen Sa - chen der Hexerey.

Die Erſte Streit-rede. Ob auch Hexen / Zauberinnen vnnd Vnholden ſeyen?

OB ich woll weiß / daß ettli - che daran gezweiffelt / auch von Hoch-gelehrten vnd Catholiſchen / die mit Namen zu nennen nicht noͤ - tig: Obwoll auch etliche / nicht auß frevelmuth / argwohnen / ſeyen woll eher in der Kirchen die Zeiten alſo bewand geweſen / zu welchen man von Coͤrperlicher zuſammenkunfft der Hexen gezweiffelt: Obwollen ich ſelber auch / der ich viel hierzu hab muͤſſen / bey verſchiedenen dieſer malefiz-that beſchuldigten Perſonen / in Gefaͤngnuͤſſen / mich laſſen brauchen / vnd dahero mit vorſorg / auffmerckung / nachdencken / will nicht ſagen auß vorwitz / mich dermaſſen in Ge - dancken vertieffet / daß ich endlich / was hiervon zu glauben / garvnweiß worden. Dennoch aber / wenn ich der verwirreten Gedancken ſchluß end - lich ſoll geben / waß er ſeye: So ſage ich endlich / man muß darvor halten /*Pag: 2. daß in der Welt war -Ahaff -2hafftig ſolche malefiz-Perſonen ſich finden / vnd daß deren etliche ſeyen / ſolches koͤndte ohne fre - vel-muth oder groben vnverſtand nicht gelaͤug - net werden. Man beſehe die jenen ſo hiervon ge - ſchrieben / alß Remigium, Del’Rio, Bodinum, &c. Das jhrer aber ſo viel / vnd alle die jenen ſchuldig ſeyen / die hierinnen verdaͤchtig vnd ver - brennet werden / das glaub weder ich / noch viel andere Gotts-foͤrchtige Maͤnner mit mir / ſoll mich deß auch niemandt ſo leicht bereden / der nicht mit vngeſtuͤmmen ſchreyen / oder blinder authoritaͤt gegen mich ſtehen / ſondern mit ver - nunfft vnd nachdencken das werck beleuchtigen will. Derentwegen ich dem Leſer bezeuge / durch die Liebe vnſers Geſetz-gebers Chriſti / welche Er vnter den Seinen will in acht genommen haben: Hat jemand eyffer vnd kirret wieder dieſe male - fiz-that der Hexerey / der woll ſich doch nur ſo lang ſelbſt zwingen / biß er mit wiſſenſchafft vnd nachdencken / ſo villeicht noch bey jhme nicht / gnugſam ſich verwahret hat. Aller Eyffer iſt nicht Tugend: etlicher iſt nur auß der Natur. Tugend iſt beſcheiden vnd langſam / hat auch beliebung zu leh - ren / fuͤrchtet nicht deßwegen gerin - geret zu werden / wenn ſie ſich belehren laͤſſet. Wowir aber vngeſtuͤmm herein platzen / wenn wir ſchon alles annehmen / daß wir ein ding wiſſen / vnd wollen doch nicht lernen / waß iſtswun -3wunder daß vns die warheit in vielen dingen ent - laͤufft? Nun ſo woͤll der Leſer doch gebeten blei - ben / mit aller beſcheydenheit mir nur langſam nachzufolgen an die oͤrter / da ich jhn hinfuͤhren will: ſoll jhn nicht gerewen / viele dinge mit ſolcher langmuth vnd gedult betrachtet zu haben.

*pag. 3.Die 2. Streit-rede. Ob denn mehr Hexen / Zaͤuberinnen / vnd Vnholden / in Teutſchland alß anderſtwo?

ANtwort: Daß iſt eine Frag / die ich nicht verſtehe: will doch kurtzweil halber nur ſa - gen von dem jenen / waß jetzund vorlauffet. Dahero hat es nur das anſehen vnd den wahn / daß jhrer mehr in Teutſchland / denn anderſtwo gefunden werden.

Vhrſach: Dann in Teutſchland brennets alles von Holtz-hauffen / dieſes Vnzieffer außzu - reuten: Iſt ja ein heller beweiß / daß alles mit hexerey vergifftet ſey: vnd alſo vnſere Ehr nicht wenig deßwegen bey vnſeren Feinden geſchaͤndet werde / vnd wir nun vor Pharao vnd alle ſeinem Volck ſtinckend worden.

Darnach ſo vnterbawen wir dieſe opinion, von vielheit der Hexen / bey vns / mit zweyen ſehr mercklichen ſtuͤtzen.

i. Mit des tummen Poͤfels vnerfahrenheitA ijvnd4vnd aberglauben: Welches ich alſo beweiſe. Die Naturkuͤndiger erweiſen / daß viel dinge auff das aller natur-maͤſſigſte geſchehen / welche doch das anfehen haben / daß ſie etwas von dem gemeinen lauff der Natur bey ſeyt ſpringen / vnd wol wieder - natuͤrlich heiſſen moͤchten: alß die Wolcken-bruͤch / vnverhoffter Hagel-ſtuͤrm / ſchwaͤre Reiffen / Donnerſchlag bey heiterem Himmel / ꝛc.

*pag. 4.Die Medici lehren / daß das vieh ſo woll alß die menſchen / den Kranckheiten / nach ſeiner complexion, eben ſo woll vnterworffen: fin - den ſich im Menſchen vnd Vieh eben gleich newe vnd vnerhoͤrte zufaͤll / die man nicht gnug erfor - ſchen koͤnne: Es ſeyen viel ding in der Natur verborgen / die taͤglich ſich mit verwunderung derer Leuten eroͤffnen / welche der reichthuͤmen Natuͤrlicher Heimligkeiten vnerfahren ſeyn: Es haͤtten die gelehrteſten Leuth von vielen hundert Jahren hero ſolche dinge nicht genug ergruͤn - den koͤnnen / ꝛc. So reden dieſe. Laſt nun in Teutſchland eins dergleichen kund werden: laſt ein Vieh-ſterben einfallen: laſt vngeſtuͤmme vnd vngewoͤhnliche wetter kommen / der Medicus ſoll in die kranckheit ſich nicht finden koͤnnen / oder die kranckheit ſoll wegen langwirigkeit nicht wol - len der kunſt weichen: laſt endlich ein Vngluͤck kommen was da woͤlle / wann es nur vngewohnt iſt / kommen wir nicht alſobalden / ich weiß nicht was vnd wie vnbedachtſamb / aberglaubiſch vnd vnwiſſend hergeplumpet: Ruffen wir nicht al -ſobald5ſobald vber Hexen vnd zauberey? Da tobet man / ja nun haben wirs funden: da ruffet man / nun iſt man zu der Brunquell des Vnglucks kommen: Gehet etwan eine vorbey / ſtehet ſie bey vns ſtill / kommet ſie ohngefehr zu vns /*pag. 5. ſaget ſie es ſeyn ohngefehre haͤndel / da faͤllet man flux zu (da doch nothwendig dieſes nicht nachbleibet) deutet die woͤrter / vñ meinung anderſt / vnd muß ſie alſobald nach vnſerer boͤßheit arth / in alle nachbarſchafft verſchreyet werden. Iſt alſo nicht wunder / daß inner wenig Jahren / das jmmer wachſende ge - ſchrey / vns mit ſo vielen Hexen hat vberſchwem - met: bevoraus / weil die Geiſtlichen ſich hier auch mit einmiſchen / vnd dapffer auffgieſſen / vnd man noch keine Magiſtraten von vns Teutſchen ge - funden / welche mit jhrem eyffer dieſen teuffliſchen diffamationen wiederſtanden weren / davon vn - ren in der 35. Streit-rede mit mehrerem. Andere Nationen gehen viel behutſamer / iſt ſchand daß ſie vns in dieſem vbertreffen: dann / wenn bey jh - nen etwan ein Kind oder Vieh abgehet / das Wet - ter einen baum ſchlaͤgt / der hagel das getreyd ver - derbet / die lufft vergifftet wird / maͤuß vnd hew - ſchrecken daß feld verwuͤſten / ſo meſſens andere Gott vnd der Natur zu / vnd ehe ſagt man nichts von Hexerey / alß man habe es hand-greifflich al - ſo befunden / daß die Natur / auß der Gelehrten auſſag / in jhren geſetzen nicht ſey gebliben.

ii. Hier iſt abermahl der Poͤfel / wegen ſeinesA iijney -6neydes vnd boßheit ſchuldig:*pag. 6. welches ich alſo erklaͤre. Keine Nation leugnet / daß nicht alle - zeit leut ſeyen / welche Gott vor anderen in zeitli - chen Guͤteren mehr was geſegnet / die nicht mit verkauffen beſſer zu recht kommen als andere / die nicht im kauffen anderen bevor gehen / vnd alſo eher reich werden als etwan ein ander: Hoͤre hier vnſeren Teutſchen Poͤfel! flux kompt ein Nach - bar der zuruͤck bleibet / der ſteckt den kopff mit ſeines gleichen zu hauff / man fanget an muncke - len / gehe mit hexerey zu: erſtlich entſtehet ein argwohn / dieſer waͤchſet / ſo man einen in der Kirchen andaͤchtiger ſiht beten / ꝛc. Ich ſchaͤ - me mich dieſes von vns ſelber zu ſagen / welches bey anderen Nationen doch gar nicht vblich / vnd man dahero ſo viel von hexerey bey jhnen nit weiß / alß bey vns. NB. Ich ſage nicht / daß keine Hexen bey vns ſein: Ich will zugeben / daß wel - che ſeyn: Allein das will ich reden / daß wenn man ſo will procedieren alß man jetzo thut / ſo iſt nicht moͤglich / daß vnter ſo vielen nicht etliche Vnſchuldige ſolten verbrennet worden ſeyn / vnd alſo auß vnſerem proceduren zu beweiſen /**p. 7. daß man noch nicht mit recht dargethan / wer ſchuldig oder vnſchuldig geweſen.

Die7

Die 3. Streit-rede. Was doch die Hexerey fuͤr ein ſchweres Laſter ſey?

ANtwort. Daß groͤßlichſte / ſchwehre - ſte / vnd gar aller abſcheulichſte: weil in dem ſelben zu hauff kommen / die vmbſtaͤn - de der groͤßlichſten Laͤſtere: alß des Abfalls von Gott / Ketzerey / Kirchen-ſchaͤndens / Gotts - laͤſterens / Todtſchlags / vnd Blut-freunds moͤr - dereye / ꝛc. Item andere ſuͤnden / die man ſicherer ſchweiget vmb der Jugend willen. Beſiehe Del - rium lib. 5. ſect. 1. &c.

Die 4. Streit-rede. Ob die Hexerey vnter die Excepta gehoͤre?

EReylich Ja! Dann man muß mer - cken / daß die Juriſten / alle malefiz - haͤndell / in zwo Partheyen abſchei - den. *pag. 8.

Etliche heiſſen ſie gemeine / alß Diebſtall / Tod - ſchlag / ꝛc. andere halten ſie fuͤr groͤßlich vnd ab - ſchewliche / als die mehr wieder Gemeine woll - fahrt ſchreiten / vnd ſolche gar zu entſetzlich an - taſten: alß das Crimen læſ. Majeſtatis, der Ketzerey / der Hexerey / der Verraͤhterey / der falſch - Muͤntzerey / deß Straſſen - vnnd Seeraubs / ꝛc. A jvSolche8Solche heiſſen Excepta, auß der vhrſachen / weiln ſie nicht nach gemeiner Ordnung der ge - ſchriebenen Rechten / geurtheilet werden / alſo daß nicht vonnoͤhten ſich an ordentliche proceß deß Rechtens hierinnen zu halten / ſondern er - laubet ohn ſonderliche ordinari proceſſen, we - gen dero abſchewligkeit / dargegen zu verfahren.

Vhrſach: weil ſie extra-ordinari ſchaͤdt - lich / alſo man auch mit extra-ordinari Mit - teln jhnen muß entgegen gehen. *pag. 9.

Die 5. Streit-rede. Ob man dann wieder Exceptirte ma - lefizthaten moͤge den Proceß nach belieben formaliſiren vnd durchſetzen?

ICh ſage lauter Nein darzu: Auß vrſach. Die geſchriebene Geſetz haben ſie zwar fuͤr ſo Exceptiret gemachet / doch iſt nicht erlaͤubet / daß Geſetz der Natur vnd der Ver - nunfft darbey auff eine ſeyten zu ſetzen. Man formaliſire nun in oder auſſerhalb geſchriebenen Rechtens einen proceß darwieder wie man wol - le / ſo muß er doch alſo ſtaffiret ſein / daß nichts daran zu tadlen / alß ob es geſunder Vernunfft zu wieder: diß iſt fuͤr ſich ſelbſt klar / vnd darff keins beweiſens: wird ja niemand ſein / der da wird ſagen / man moͤge wieder geſunde ver - nunfft handlen. Diß muß ich darumb erinneren / weil ich ſehe / daß etliche Richtere / in dieſem pro -ceß9ceß gar zu freywillig verfahren / mehr alß Recht iſt / ſagende: ſey ein Crimen Exceptum. Dannenhero / NB. wenn ſie ſchon elende indi - cia haben: wenn ſie in der peinlichen Frag ſich verſtoſſen: wenn ſie zu leichtglaͤubig geweſen: wenn ſie die defenſion verſaget / ꝛc. welches doch alles wieder die Vernunfft ſtreitet / ſo iſt das jhr ſchirm vnd ſchild / das es hißt: Es iſt ein Exce - ptum,*pag. 10. man doͤrff deßwegen darinnen nach be - lieben procediren, wie ich diß forthin offt an - deuten werde. Allein wenn wir nicht gern wollen wieder alle billigkeit ſtehen / ſo ſolten alle Gerichts - perſonen dieſes zu jhrer haupt-regull vnnd vn - fehlbaren Wegweiſer / ſich ſelbſten allzeit hierin - nen fuͤr augen ſtellen: NB. daß in keinerley ma - lefiz-haͤndeln / ſie ſeyn wie ſie wollen / keinem Menſchen erlaubt ſey / anderſt / alß nach geſunder Vernunfft / den proceß zu formaliſiren. Zum andern iſt es gantz falſch / daß man ſolte in den Exceptis alles ferneres nachdencken dabey alſo doͤrffen zu ruͤck ſetzen. In etlichen Exceptis iſts erlaubt / aber nicht in allen: dann / anderſt wird niemanden auß einigerley Rechts-Buͤcheren ſchlieſſen koͤnnen: daß man dannenhero ſich vber die Vnerfahrenheit vieler zu beklagen / vnd Fa - rin. q. 37. n. 90. alſo recht lehret / NB. daß die meinung / man doͤrffe in Exceptis nach belieben procediren, vnnd allen ordentlichen weg deß Rechtens fallen laſſen / ſehr falſch ſey: vnd muͤſſeA vallein10allein dann zumal gelten / wenn man von der Straff / nicht vom vorgehenden proceß redt / vnnd man nicht weiterer inquiſition von thun hat / ſonder die that erweiſet worden / vnd alſo woll die ſtraff etwan herter ſein koͤndte / alß ſie ſonſten in den geſchriebenen Rechten angedeutet. Be - ſiehe Maſcard. Vol. 3. Concl. 1311. Iſt ſich alſo nicht laͤnger hier auff zuhalten. *pag. 11.

Die 6. Streit-rede. Ob die Teutſchen Fuͤrſten recht thun / wann ſie gegen die Hexerey mit der ſtren - ge verfahren?

DAs ſey ferne von mir / daß ich der Obrig - keit hierinnen einbruch thun ſolte / wenn ſie wieder dieſes peinliche Laſter ſich mit gewaldt aufleinet: will Gott ſelbſt / daß die Obrigkeit vns gebiete / vnd wir jhro ſollen gehor - chen. Dero Raͤthe die haben jhre bewegliche vr - ſachen / durch die Sie dazu gezwungen werden.

i. So reinigt man (ſagen ſie) daß Land von einer boͤſen plage / die ſonſien wie der Krebs vmb ſich friſſet / vnd erblich ſchadet.

ii. So kommen ſie dem ſchaden vor / wel - chen zu vollbringen / die Hexen dem Teuffel ſich verbunden.

iii. So thun ſie jhrem Ampt vnd Beruff ein genuͤgen darmit /**p. 12. Rom. 13. ſo gar / daß / wo ſie ſolches vnterlieſſen / ſie ſich ſchwaͤrlich verſuͤndig -ten /11ten / vnd frembder Suͤnden theilhafftig wurden: weren auch ſchuldig allen darauß entſtandenen ſchaden von dem jhren eygenen zu erſetzen / wie man diß auß der Juriſten Buͤcher / zur volligen genuͤge / ſattſamlich zu erweiſen hat.

iv. So laſſen ſie jhren eyffer ſehen / den ſie haben vmb Gottes Ehr zu beſchirmen / wenn ſie wieder deſſen Haupt-feinde alſo mit fewer vnnd ſchwerdt graſſieren. Dann die Zauberinnen ſoll man nicht leben laſſen. Exod. 23. v. 18. &c.

Die 7. Streit-rede. Ob diß Vnzieffer durch ſtrengen weg zur genuͤge / oder ſonſten durch andere mittel / koͤnne außgereutet werden?

ES moͤgen Fuͤrſten / brennen wie ſie wol - len / ſo werden ſies doch nimmermehr außbrennen / ſie woͤllen dann jhr gantzes Land verbrennen: man hat geſehen / daß man mehr damit verderbet /*pag. 13. alß der Krieg verherget / vnd doch nichts außrichten koͤnnen / daß woll mit blut zu beweinen. Nun ſeyn / die einen gelin - dern weg vorzuſchlagen ſich vnternommen: dar - unter D. Tanner mich beduncket anderen weit vorzuziehen ſey: wolte man jhme folgen / ſolte niemanden gerewen. Fuͤr meinen theil / hab ich dem handel vielfaͤltig nach geſonnen / wie ich doch ja etwas erfinden moͤchte / welches hierzu dienlich genug waͤre / hab auch Gott mehrmahlen darobange -12augeruffen / vnd weiß daß es andere auch gethan haben / ob doch ſein Barmhertzigkeit vns mit den ſtrahlen ſeiner Guͤte erleuchten wolte / damit die - ſe ſo ſchaͤdliche finſternuß auß Teutſchland moͤcht vertrieben werden. NB. Allein ich ſehe einen ſol - chen zuſtand vnſerer zeiten / daß wenn ſchon das anſehen haͤtte / alß ob ein Mittel hierzu gefun - den were / ſolches doch vnſere Obrigkeiten gar nicht wurden beobachten. Dannenhero kan ich mich nach der zeit nicht erkuͤhnen / daß ich etwas offenbahrte / welches ich nicht weiß alſo zu ſeyn / daß nicht die beſtellte Brandmeiſtere / mich nicht ſolten ſelber angreiffen vnd verfolgen. So aber ja ein Obrigkeit were / die dieſe geheimnuß zu er - forſchen belieben wolte tragen / vnd auff Gott vnd die gemeine wollfahrt wagen / meinen Raht auff die prob ſtellen / vnd nur ein Jahr mit gedult ſolchen experimentiren /*pag. 14. ob es muͤglich jhre Lande in ſolcher zeit von alle dieſem Vngluͤck zu entfreyen / ſo ſolte woll etwas darbey vorgenom - men werden / daß nicht vnfruchtbar waͤre / wor - von dieſes Buͤchlin inſonderheit zu handlen / von mir iſt geſchrieben. **p. 15.

Die 8. Streit-rede. Wie vorſichtig Hohe Obrigkeiten vnd dero Bedienten in dieſer Peinlichen Sache zu verfahren ſchuldig ſeyn.

GLeich wie Hohe Obrigkeiten nicht vbel thun / ſo ſie ernſtlich wie der dieſe malefiz that pro -cedi -13cediren: Alſo handlen Sie auch ſehr vbel / wann Sie nicht hoͤchſter Vorſorg / Klugheit vnd nach - denckens ſich hier bey befleiſſen. So gar / daß nicht nur vnfleiſſiger vnnd vngezimter hierin zu pro - cediren / weiln es ein exceptirter handel / verbot - ten / ſondern viel einer mehreren wachſame vnd ſorgfalt / alß bey anderen peinlichen klagen / von - noͤthen / daß der proceß nicht vnfoͤrmlich / vn - verantwortlich / vnnd vnrechtmaͤſſig gefuͤhret werde.

Derhalben / laſt vns das nachgeben / daß hier - bey in etlichen ſtuͤcken erlaubet ſeye / etwas eyffe - riger zu handlen / dann ſonſten in anderen / die nicht exceptiret ſind. So wiederſpreche ich doch / das man die freyheit nehme / gantz vnvorſichtig vnd vnbehutſam nur nach muthwillen zu hande - len / wie man ſonſten bey den non exceptis zu thun pflegt: Dann ich erforderte hier ein ſonder - lichen fleiß im procediren / ein ſonderliche auff - merckunge / vorſorg vnd behutſamkeit / alß ſon - ſten bey keinem anderen dinge. Vrſach iſt:

i. Diß iſt eins von den verborgneſten Laſte - ren / vnd wie alle geſtehen / ſo wirds bey nacht ge - trieben / im finſternuß vnd vnter den geiſtern: da - hero groſſe vorſichtigkeit vnd nachdenckens von - noͤhten / daß es mit rechter mannier ans liecht komme. *pag. 16.

ii. Wir ſehen / daß ſolch angefangener pro - ceß offt etliche Jahr dauret / vnd damit die zahl der Hexen vermehret worden / ſo gar / daß gantzeDoͤrf -14Doͤrffer im rauch auffgangen / vnd doch nichts außgerichtet worden ſey / alß das alle Regiſter noch voller nahmen ſtehen / von noch anderen / die auch daran ſollen: ſolte man denn fortfahren / ſo kaͤme man nimmermehr zu ende / biß das gantze Laͤnder drauff giengen: iſt auch kein Herꝛ gefun - den / der nicht endlich hat muͤſſen auffhoͤren / vnd ſo hat biß dato ein jeder ſelbſt ende gemachet / vnd daß ende nicht gefunden / welches weil es ein ſchwerer vnd allzuweit auſſehender handel iſt / ſol - te man wol ſo gnugſamen fleiß darbey thun koͤn - nen / daß nicht etwan ein irthum viel vnſchuldi - ge damit verwickelte? Sonderlich weilen wo nur ein eintzige erſtens ſich verſtrickt befindet / ſie alſo - bald zu mehreren anzufaſſen nothwendig vrſach geben muß / wie vnten mit mehrerem gezeiget wer - den ſolle.

iii. So es nu kommt / daß aus vnvorſich - tigkeit auch vnſchuldige mit dieſem Sturm hin - geriſſen werden / ſo muß nohtwendig groß vnheil im Land entſtehen: Nemblich ſo vieler Leute todt / infamation, verſchmaͤhung / nicht allein auch vieler Edlen familien,*pag. 17. ſondern der Chriſtlichen Religion ſelbſten / ſonderlich wann man auch auf die jene zugreiffet / welche ſonſten fuͤr andaͤchtiger gehalten worden alß andere. Ich habe newlich muͤſſen mir die ohren reiben laſſen / daß an theil orthen / der wahnwitz auch woll vornehmer leuten alſo groß worden: daß / NB. wo jemand bey den Catholiſchen ſein Pater noſter fleiſſiger betet / ſichmit15mit dem Weyhwaſſer oͤffter beſprenget / andaͤch - tiger zur Kirchen gehet / vnd ſonſten ſeine devo - tion mehr ſehen laͤſſet / denn andere / er ſich da - mit alſo balden der Hexerey verdaͤchtig mache / alß wann die Hexen auß noth / daß ſie vor dem Teuffel fried gewinnen / dieſes alles thun muͤſten. Dahero es kommet / daß an theil orthen ſich die Leut jetzo ſehr behutſam in dieſen dingen halten / vnnd viel Meßprieſter ſelbſt in jhrem Ampt ſehr nachlaͤſſig werden / damit ſie ſelbſt nicht in ver - dacht kommen. *pag. 18.Alſo kompts / daß da man vn - ter dem ſchein der gerechtigkeit ſo vnvorſichtig ge - het / man zu dem atheiſmo vnd allem boͤſen dem Teuffel die thuͤr mehr oͤffnet als verſchlieſſet / vnd darumb erforderen wir ein ſonderlichen fleiß in dieſem ſtuͤck von den Obrigkeiten.

iv. So ſeyn es gemeiniglich Weiber / gegen die man den proceß anſpannet. Aber von was qualitaͤten? gemeiniglich laͤppiſche / naͤrꝛiſche / thoͤrichte / plauderhafftige / leichtfertige / vnbe - dachtſame / vnbeſtaͤndige / betruͤgliche / luͤgenhaff - te / ꝛc. welche / wenn ſie warhafftige Hexen ſeyn / von jhrem meiſter zu aller boͤßheit abgerichtet wor - den. Zu welcher verhoͤr vnd examinirung eine beſonders groſſe klugheit erfordert wird / wo man nicht in tauſendfaͤltigen labyrinth ſich verſtuͤr - tzen ſoll. hat mir newlich ein Juriſt bezeuget / er finde ſo viel difficultaͤten bey dieſem handell / daß es jhme vnmoͤglich ohne groſſen exceß dar - innen fortzufahren / vnd wann er einmal davonabweh -16abwehre / ſolt jhn ſein tag kein Menſch mehr dazu bringen / vnd wolte keinem Herꝛen rahten / daß er ſich mit dieſem ſpiel verunruhigte.

v. So hoͤre ich / NB. daß an theil orthen / den Inquiſitoren, Brandmeiſteren vnd Schoͤpffen / ein gewiß ſalarium, vnd nemlich 4. oder 5. Thal. von der perſon zu vrtheilen / alß ein Kopff-geldt geſetzet ſeye. *pag. 19.Wer ſiehet hie nicht / daß vmb die - ſer eintzigen vhrſach willen groͤſſer vigilantz von noͤhten / damit nicht etwan die begierd zu gewin - nen den proceß vitios mache? da deſto leichter eine wird muͤſſen ein Hexe ſeyn / je mehr gewinn man jhrent wegen zu hoffen. Iſt warlich ein auß der maſſen wichtiger vnd ertz-gefaͤhrlicher handel: wir ſeyn nicht alle alſo heilig / daß nicht unſer ge - muͤth von dem brand der gewinnſuͤchtigkeit ſolte beruͤhret werden koͤnnen / da denn euſſerſte gefahr hernachmahls folgen muß / welche nicht kan ver - mitten werden.

vi. ſoll aber nichts der Obrigkeit die Au - gen ehen der oͤffnen / alß das / wann man einmahl ſich in dieſen proceſſen hat anfangen verſtoſſen / man ſich ſchwehrlich wieder zu recht finden kan: da in anderen faͤhlern jmmer ein weg zur reſtitu - tion verhanden / hie aber alles verlohren bleibet. Das beweiſe ich dahero: Dann in anderen jrr - thuͤmen finden ſich allewege etliche / welche die fehlende kluͤglichen jhres verſtoſſens vnd mit gu - tem nuͤtzen erinneren koͤnnen / vnd auch ohne jhres nahmens beſchmitzung ſolches zu thun vermoͤ -gen:17gen / allein in vnſerem handel iſt diß / als ich ſehe / gantz vnmoͤglich. *pag. 20.Sintemal einer ſey wer er wolle / ſo er ſich mund - oder ſchrifftlich auch auff daß aller vorſichtigſte hierinnen angiebet / etwas gutes zu rathen / NB. ſo wird er alſobald ver - ſpuͤren / daß man jhme einen klicker anhenget / er foͤrchte ſich der ſeinen / das ſie Hexen ſeyn / oder ſey wol ſelbſten ſchuldig / oder woͤlle den todt de - ren rechen / die jhn angehoͤren / vnd verbrennet worden ſeyn. Item / er muß ein Hexen Patron heiſſen / ein vorbitter der grauſamſten laſter: daß heiſt die welt reformieren: allein woͤllen klug ſein: ob man denn meine / daß ſo groß gelehrte Gerichts-verwalter geirret haben: es ſey eine in - juria wider die hohe Obrigkeiten / ja er wird ſich zum gefaͤhrligſten bey den Potentaten verfux - ſchwaͤntzet / vnd jhme alle wort zum nachtheilig - ſten verdraͤhet worden ſein / befinden. Wer iſt nun ſo reſolut, der der warheit zu ſtewr / ſich / ſein vnd der ſeinen Ehr in die ſchantz hierob zu ſetzen einen heldenmuth zu nehmen nicht beden - cken tragen muſte. Darumb iſts mit rathen vnd verbeſſeren verlohren / ſo bald man in diſem pro - ceß hat angefangen zu irren: ſolchem nun vor - zukommen / will ein gut gewiſſen forderen.

vii. Die taͤglich new anwaxende difficul - taͤten gebehren vnter den gelehrten / ſo geiſt-als weltlichen gantz wiederſpaͤnſtige vrtheil. Delrius vnd Binsfeld haben gemeinet / ſie habens getrof - fen:*p. 21. Aber jetzo kommen andere / die jhnen jhreBpar -18particularia zum ſchaͤrffeſten vmbſtoſſen muͤſ - ſen: NB. Mann findet daß ſie ſich auff die Fa - beln vnnd auff die mit der tortur erpreßten con - feßionen zu viel fundiret: mann findet bey jh - nen gar zu geſtrenge reſolutionen: Item daß es den Richteren zu viel nachgeben: mann muß an den Hexentantz zweiflen: oder auß Tannero be - finden daß nit alles daran war ſeye: weil befind - lich einkommen / daß viel verblendung ſich mit eingemenget: die Indicia ſein falſch / oder ſon - ſten nicht ohne argwohn: haben kein genugſam fundament &c. Wer ſihet hie nit / daß einer groſſen auffmerckunge mehr dann ſonſten von noͤhten?

NB. Einred. Wenn ich einen approbierten Scribenten hab / den ich darvon lieſe / waß doͤrfts denn viel difficultirens? Es ſagen ja die Theo - logen, wenn bey zwiſtigen ſententien beyder - ſeitig gute fundamenten ſeyen / ſo koͤnte mann woll dem einen vnnd dem anderen auch glauben vnd folgen / ja woll gar von einer mehr geſicherten meinung propter autoritatem alterius abtret - ten: probabilitaͤt heiſſen ſie auch da ein nit gerin - ge motivaanhanget: autoritaͤt aber an dieſem ort reſtringieren ſie auff eines mans Perſon / welcher vortreflicher vñ beruͤmter als andere ꝛc. *pag. 22.

Antwort. 1. Die autoritaͤt allein kan die - ſem handell auß dem fundament vnnd zur ge - nugſamen ſichere nit helffen / wenn die autores des gegentheils meinung nit zur genuͤge wieder -leget19leget haben. Denn ob ſchon die vnerfahrnere von jhnen beſſer preſumiren; gleichwoll wenn hernach andere beſſere fundamenten anzeigen / ſo muͤſſen ſie gleichwoll auch gehoͤret vnnd exa - miniret werden / daß man alſo ſehen konne / wer an dem beſten vnter jhnen beſtanden: darumb man nit nur mit den alten ſich ſo leichtſinnig kan ſchutzen / ſonderen die moderni oder newen muͤſ - ſen auch mit groſſem fleiß durchſehen werden / ꝛc.

Zum 2. Ob zwar mann ins gemein darfuͤr will halten / waß ob eingeredet ſeye war:*pag. 23. So ex - cipiren doch die Theologi außdrucklich darge - gen / vnnd ſagen: Solches ſey alsdann erſt war / wenn dem Naͤchſten kein gefahr oder ſchaden darauß entſtehen koͤnne (welchs mich wundert / daß ſo gelehrte Leut / wie etliche ſein wollen diß nit conſideriren) darumb in vnſerer ſachen / weyl gefahr dabey man nit auff autoritaͤt / ſonder auff daß gewiſſen muß ſehen / vnnd woll bedencken / waß man wolle ſchlieſſen / weme man wolle folgen damit man nit ſein eigene Seele gefaͤhrde: Es laͤſt ſich hie nit ſo hinein platzen / ſorg vnnd forcht muß vns hie munter machen. Auß welchem allem end - lich folget daß jene / waß ich mich vnternommen zu beweiſen / daß nemlich in proceß wieder die Hexen / wegen der gefahr eines vnwiederbringli - chen Seelen / Leibes / Ehren / Gutes vnd Landes ſchadens / mann ein extraordinari vorſorg vnd weit vmb ſich ſehende wachſamkeit muß gebrau - chen / damit wir vns nit mit vnſerer frevellmuͤtig -B ijkeit20keit gewiſſens ſchaͤdlich verſtricken. Welches ich darumb alſo hart einem jeden einbinden muß / weil die heutige Brandtmeiſter in dem wahn ſte - hen / ſie koͤnnen nicht jrꝛen: weil ſie meinen / daß jhre gefangene alle Geiſtlichẽ betriegen koͤnnen: ſie aber vnd jhre beyſitzer von den Laͤyen-Richteren / weren deſſentwegen quaſi privilegiret ꝛc. *pag. 24.

Die 9. Streit-rede. Ob groſſe Herꝛn jhr gewiſſen genug entbinden / wenn ſie ſich wenig mit dieſem werck bekuͤmmern / vnd alles nur auff jhre Miniſtros verſchieben?

ICh ruͤge dieſes / weil kurtzens ein Herr ſich eben damit entſchuldigen woͤllen: Er hett ſeine Raͤth / die ſolten zu ſehen.

Antwort. Es iſt der ſachen hiemit nit genug gethan: ſondern mann muß ſelbſten dran / vnnd Gott vmb weißheit vnd verſtandt an - ruffen. Vrſachen ſein dieſes.

i. Ein Herꝛ iſt ſeiner leuten / wegen jhrer gewiſſenhafftigkeit / vnd experientz nicht allzeit genugſam verſicheret: viel ſein offt vnerfahren / vngeſtuͤmm / vnd vnfromm: welche wenn ſie jren Herꝛen ſehen einen Chriſtlichen eiffer gegen die Hexerey haben / ſo wollen ſie alſobald ſich woll be - dient machen / es werde von jhnen gleich Chriſt - oder hundiſch gegen die verhafftete verfahren:*p. 25. Darumb ligt einem Herꝛen auff ſeinem ge -wiſſen /21wiſſen / das er ein theil der ſorg auff ſich nehme / vnd nicht alles auff frembde ſchulteren lade.

ii. Bey der Haußhaltung / Jagt / Federſpiel ꝛc. Schieben die Herꝛen nicht alles auff andere / ſondern woͤllen alles hievon auff das genaweſte wiſſen: vergeſſen auch offtmals jhrer autoritaͤt nicht wenig darbey: Laſſen woll darzu wichtige Regiments geſchaͤffte veralten.

Hierauß folget / daß ſie ſich nicht werden da - mit genug vor Gott koͤnnen verantworten / weil ſie in ſo geringen dingen ſo fleiſſig vnnd ſorgfaͤltig ſein: Wann ſie inn ſachen Seel / Leib / Guth / vnd Ehr betreffend ſo fahrlaͤſſig vnnd ſorgloß ſich be - zeigen.

iii. So pfleget Gott / von dem alle Oberkeitli - che gewalt allein herkomt / ſonderlich die Fuͤrſten faſt ins gemein / mit einer beſonders begabten hochweiſen diſcretion zu zieren: daß wo ſie ſelb - ſten im Regiment zu ſehen / es auß ſonderer ſchic - kung Gottes / mit allen dingen glucklicher vnnd ſchleuniger daher gehet: daß iſt das talent / wel - ches ſie anzulegen verbunden: von deme ſie auch einis muͤſſen Rechenſchafft geben. *pag. 26.

iv. So ſein Fuͤrſten von Natur eines gelin - den humeurs / vnnd zu Chriſtlich woll anſtaͤndi - ger clemenz mehr als andere geneiget / ſo auch von Gott herkommet. So ſie nun vnterweilen vom Elenden ſtand der gefangenen ſich lieſſen et - waß fleiſſiger informiren: ſo ſie daß aͤngſtigliche ſeufftzen der armen leuten hoͤreten: vnd nicht nurB iijmit22mit frembden augen vnnd ohren jhrer bedienten die proceſſen verhandlen lieſſen: ſo iſt kein zweif - fel / es wuͤrde manchsmahl viel beſſer darmit her - gehen / vnnd menſchenblut nit alſo wie das waſſer vergoſſen werden. NB. Es moͤgen auß den offi - cianten die leut ſo vnbarmhertzig vnd grawſam ſein wie ſie wollen / ſo ſollens die Herꝛen doch nit ſein: Ihre eigenſchafften ſollen ſein leutſeeligkeit vnd gnad allzeit heuffig an ſich ſehen laſſen / nim - mermehr ſollen ſie vngeſtuͤmm ſein: welche deß - wegen / ſo ſie ſolten / die heut zu tag vnmenſchliche art der peinlichen fragen ſelbſten / doch heimlich vnd vnwiſſend der jhren anſchawen / oder durch gewiſſenhaffte Leut eygentlich ſich darvon laſſen informiren vnd zu gemuͤth fuͤhren / ſo ſolte man viel weniger Hexen in Teutſchlandt zehlen. Da doch die ſtrenge der tortur kein zaal in infinitum daran machet. *pag. 27.Es mag diß zwar eine ſtraff vnſerer ſuͤnden mit ſein / daß vns Gott ſo verſtoe - ket: doch ſo ſuͤndigen die Herꝛen ſelbſt damit / wen ſie vns deſſen / ſo jhnen mitgetheilet iſt / vns damit zu ſchutzen vnd zu ſchirmen ſolcher geſtalt berau - ben / in dem ſie vmb vnſer vngluck / mit jhren gna - den augen ſich ſelbſt zu bemuͤhen / vnnd mit jhren leutſeeligen ohren ſolches ſelbs / vns zu entſetzen ſich nit bekuͤm̃eren woͤllen. Ich pfleg zu ſagen / daß groͤſſeſte Elend der armen gefangenen / ſeye / NB. daß ſie des angeſichts jhres Herꝛen muͤſſen berau - bet ſein: in deme mann ſie in ſolche loͤcher verſte - cket / in welche ein Herꝛ nimmermehr ſeiner augenſtrah -23ſtraalen ſchieſſet / der nur durch gefaͤrbte glaͤſer v - bell affectionierter Leuten / die einen ſolchen ſchein von ſich geben / wie ſie ſelbſten ſeind / vnnd daß liecht der warheit verdunckeln. Der eintzige Herꝛ aller Herꝛen / vnd Koͤnig aller Koͤnige / vn - ſer Heyland hat ſich gefunden / vnd hat vnſer E - lend vnnd gefaͤngniß angeſehen / wie wir in vnſe - rem blut lagen / iſt zum liecht worden denen die da ſaſſen im finſterniß vnd ſchatten des todes: Hat ſich vnſer jammeren vnd von hertzen Erbarmen laſſen / daß wir nemlich ann jhme einen ſolchen Fuͤrſprecher bey dem Vatter hetten / der in allem verſuchet were.

iv. Wenn die Officianten ſpuͤren / daß ein Herꝛ ſich in hoc paſſu an nichts kehret / ſo muͤſſen ſie nothwendig nachlaͤſſig vnnd frecher werden. NB. Es iſt diß aller menſchen natur / daß mann in abweſen der Herꝛſchaft vnfleiſſig iſt. NB. Daß wiſſen alle Herꝛen woll: Darumb ſuͤndigen ſie ſchwer / wenn ſie aller ſorgen ſich entbinden: wenn ſie alle Acten vnd proceſſen in einem ſo wichti - gen handell nit ſtaͤts ſelbſten examiniren: nicht mahnen: treiben: nit vorſorg heiſſen brauchen: daß niemandt zu kurtz geſchehe. *pag. 28.Ein Herꝛ iſt ge - halten / mit feinem Exempell der ſeinen fleiß zu ſchaͤrffen: jhnen allegelegenheit zu benehmen / von deren den vnſchuldigen ein ſchaden zu wachſen koͤnne. Er muß inquiriren / ob / wann / wie offt / von weme die gefangenen / vnnd auff waß man - nier ſie beſucht werden: Ob daß gefaͤngniß ſo einB iiijver -24verwahrung ſein ſoll ſcheußlich / ſtinckendt ꝛc. Ob etliche viel zeit geſeſſen mit kaͤlte vnnd hitze geplagt werden: Ob ſie verhoͤret werden zum todt oder le - ben: Wie es bey der tortur hergehe: Wie mann die leut befrage: Waß die geiſtlichen darbey fuͤr experienz vnnd moderation heiſſen brauchen: Ob auch einem jeden ſeine genugſahme defenſi - ons mittel verſtattet werden: Ob man ſich vber die Commiſſarien zu beklagen: Ob ſie geitzig / vnfreundlich: Ob auch vnter allen inquiſitoren einer zu finden / der ehe der beklagte convinciret / vielmehr den armen gefangenen verbitte als ver - damme: Ob er auch ſich mercken laſſe / Er ſehe lie - ber der gefangene were vnſchuldig: Item ſo einer vnſchuldig befunden ob der Inquiſitor darob ſich erzuͤrnet oder gefrewet:*pag. 29. Ob jemand im ge - faͤngniß geſtorben: wie jhme geſchehen: ob mann jhne vnter der galgen vergraben / waß fuͤr indicia man darzu gehabt vnnd dergleichen. Item ein Herꝛ muß inquiriren waß man von dem Hexen handell vrtheile: Er laß jederen frey davon vor ſich diſcuriren: Er beſehe die Protocolla vnnd laſſe ſich darauß vorleſen / ob der gefangenen ex - ceptiones auch verzeichnet: Er mache daß werck diſputierlich / vnd laß darvon vor ſich diſputiren: Er glaub nit alſo bald alles waß man jhme pro - poniret / er laß ein ding woll examiniren von de - nen die daß obſtat zu halten ſich erbieten / ſo kom - met die warheit deſto mehr an den tag: Es ſoll jhm kein ding ſo vngereimt fuͤrkommen: NB. Erlaß25laß es genug examiniren: waß iſit aber heut mehr vngereimt / als daß nit ſo viel Hexen ſein / als man ſaget? vnd dannoch ſo koͤnte man dieſes waar ſein wol erweiſen / wenn nur ein Herꝛ ſo viel patientz wolt nehmen / daß er die rationes hoͤrete / vnd ſich belehren lieſſe: Es iſt nicht alls goldt waß glaͤntzet / vnd iſt nicht alles vnwahr waß wir nicht glauben koͤnnen:*pag. 30. viel ding iſt verborgen / daß man ſolte er - forſchen / vnd Herꝛen ſtands Perſohnen entde - cken: nichtes ſchadet der warheit ſo ſehr / als ein hartnaͤckig gefaßtes vorurtheil. Doch gnug von der fuͤnfften vrſach.

vi. Des jenen ſelbſten / welche in dieſem proceß einem ſolchen eifer haben / vnnd ſich bey dem Poͤfell damit groß machen / woͤllen den na - men haben / daß ſie glauben: Es ſollen jhre Her - ren ſelbſten groſſen fleiß hierbey thun. Dann vn - langſt ein gar Nachweyſer auß jhrem mittell in dieſe wort außgebrochen: vnſere Teutſchen Fuͤr - ſten laſſen jhren eifer gegen die Hexerey tapfer ſe - hen / wer derff dann mit D. Tannero vnd ſeinem anhang vorgeben / Gott laß zu / daß auch vnſchul - dige Leut ins ſpiel kommen? Nota, diß bindet nichts. Dann wenn ich dargegen ein wende / ſol - che Herꝛen thun ſelbſt nichts zur ſach / vnnd laſſen allein jhre leut nach gefallen darinnen ſchalten vñ walten / ſo ligt alles pralen. *pag. 31.Ich will ſagen / daß Tannerus vnd andere gewiſſenhaffte leute / viel ſelbſt mit augen geſehen / vnd mit ohren gehoͤret / vnd auß den Protocollen angemercket vnd mitſcharf -26ſcharffer meditation erwogen / welches ſolchen Fuͤrſten nur auch nit gar zum halben theil / veren - derlich / verſtuͤmlet / vnd ſo vielfaltig verkehret iſt referiret wuͤrden / als viel der Referenten ge - weſen / da ein jeder daß ſeine dazu gethan. Dahero wenn ſie wollen etwaß beweiſen / ſo muͤſſen ſie hier - auff gezwungens bekennen: daß es nothwendig ſey / daß Herren ſelbſt eigen auffſicht allhier brau - chen. Fuͤrſten heiſſen viel gutes verrichten / weil ſie aber nit fleiſſig genug den jenen in die haͤnd ſe - hen / denen ſie es befehlen / ſo verhenget Gott zur ſtraaff vber ſolchen vnfleiß wie in anderen / alſo auch in dieſer ſach viel mehr etwas / daß man nit glaubet. Iſt alſo diſes argument fuͤr / nit wieder mich.

vii. Die Miniſtri præſupponiren ja ſelb - ſten / daß jhre Herꝛen ſie vnd jhre conſcientien gar ſehr in dieſer ſach graviren. Dann wenn wir Geiſtliche / die Herren Officianten bitten: ſie ſol - ten doch vorſichtig verfahren ꝛc. So heiſt es flux. Mein Herꝛ dringt zu hart auff vns / wir muͤſſen woll. *pag. 32.Daher vnlangſt einer alſo ſich entſchul - digt: NB. Ich weiß / daß bey vnſeren proceſſen auch vnſchuldigen Leuten zu viel geſchicht allein vnſer Herr iſt ſehr gewiſſenhafft: der wills ſo ha - ben / er wirds ja wiſſen zu verantworten: er ver - ſtehts am beſten: ich laß jhn ſorgen: ich muß pa - riren ꝛc. Vnd alſo woͤllen die kluͤgſten ſich hie - mit entbinden. Iſt ein feiner handell: der Herꝛ iſt ſicher hierbey / graͤmtſich nichtes / hat gute muß:ſchiebs27ſchiebs auf den Diener vnd deſſen gewiſſen: dieſer eben ſo auff ſein Herren A auff B vnd B auff A. o Gott! o Gott!

viii. So elend gehets nun heut zu tag in dieſer ſo ſchweren ſachen / daß wo Herꝛen nit ſelb - ſten zuſehen / oder geheimbde auffſeher beſtellen / ſo koͤnnen ſie hier nit hinder die warheit kom̃en. *pag. 33.Denn ſollen ſie von jhren Officianten vnnd de - ren Adjuncten etwas hoffen / da doch dieſe woll auff daß jhrige ſehen / vnd keiner den anderen ver - rahten doͤrff alſo auch nit kan / jeder der nimt mit ſeiner portion von dieſer ſuppen vorlieb. Bevor - auß weyl man an theil oͤrten / nicht nur den Welt - lichen Richteren ſondern auch den Beicht-Vaͤt - tern kopfgeldt hierinnen hat geſetzet: So halten ſie auch mit den Brandmeiſteren jhre convivia / ſie pocaliren mit einander alles auß dem blut der verurtheilten: iſt woll gefochten. Von anderen wird ein Herꝛ die warheit zu erforſchen kein mit - tell haben. Denn wer woll zu ſo einem gefaͤhrli - chen werck ſich laſſen brauchen? Solts einer auß ſchuldigkeit Chriſtlicher liebe waagen / ſo wird man hinderen / daß er nicht gehoͤrt werde / oder wann man jhne hoͤret / ſo werden die jenen / ſo den Curs der Iuſtitien angefangen haben zu hem - men / bald ruffen: mann ſey ſelbſt verdaͤchtig wie droben ſchon angedeutet. NB. Welches D. Tannero wiederfahren / weyl Er mit ſeinem ſchreiben dieſer leuten jhre ſtuͤcklein etwaß genaw vnterſuchet /*pag. 34. daß zweene Brandtmeiſter ſich ge -gen28gen mir verſchworn / wenn ſie ſeiner koͤnten maͤch - tig werden / ſo wolten ſie jhne ſelbſt eben darumb laſſen an die folter bringen. Solte einẽ Herꝛen nit daß blut hierob erſtarꝛen? nun man dencke der ju - ſtitien / die man ſo vnbedachtſam vnd gewiſſenloß gegen ſo Armſeelige elende leut brauchet / deren wolte man auch gerne gegen die jenen brauchen / die ſolchen haͤndeln wiederſtreben. *pag. 35.Ich hab mich mehr als 1000 maal bedacht: Ob ich ſoll in dieſer ſachen fortfahren / vnnd hett auch alles fallen laſſen / wenn mich nicht mein or - den / daß ich ein Geiſtlicher bin / vnd mein gewiſ - ſen hetten zu continuiren gezwungen. Ich thue aber nichts anders / alß daß ich nur bloß daß boͤſe verwerffen / vnd daß gute erwehlen lehre. *pag. 36. 37.

ix. Werden Herꝛen ſtands Perſohnen jhr ampt hierinnen ſeumig thun: So werden ſie / wenn ſie ſchon gerne wolten hernach nit reſolvi - ren koͤnnen / ſonderen ſich ſelbs noch mehr verwir - ren / weil ſolche formulen zu reden gefuͤhret wer - den / die man anders nicht als nur auß der praxi lehrnen muß / vnnd in keinen Buͤcheren jhre be - deutnuͤß kan finden. Als:

  • 1. Gaiæ defenſion iſt gehoͤret / aber ſie hat nit genug gethan.
  • 2. Wir haben ſchwere indicia gegen ſie:
  • 3. Wir procediren ſecundum allegata & probata.
  • 4. Sie hat ſich ſchuldig bekent ohne tortur.
    *p. 38.
    *
5. Sie29
  • 5. Sie hat was ſie in der tortur bekandt / gut - willig ratificiret vor der gerichtsbanck.
  • 6. Viel haben in der Beicht vnnd darnach auff ſie bekent / vnd ſein drauff geſtorben.
  • 7. Titia hat alle puncten vnd vmbſtaͤnd / eben wie ſelbige von jhren angeberinnen referiret / be - kandt.
  • 8. Sempronia hat durch Zauberkunſt in der tortur geſchwiegen.
  • 9. Sie in der tortur nichts empfunden / hat gelachet / hat geſchlaaffen.
  • 10. Sie iſt confrontiret vnnd vberzeuget in jhr angeſicht / vnd iſt doch vnbußfertig geblieben.
  • 11. Sie iſt in gefaͤngniß todt gefunden wor - den / der Teuffel hats gethan / vnd hat jhr das ge - nick abgedraͤhet ꝛc.

NB. Hie muß der leſer dieſe articull eher nicht ponderiren / biß daß er folgende Capittull / vnnd ſonderlichen auch den Anhang geleſen / ſonſten kan er ſich nicht in den handell ſchicken / dann all dieſe articull ein ander noch an jhrem ort werden vorkommen.

*pag. 39.Dieſe arten zu reden kan kein Gelehrter mir außlegen / ich kans in keinem Buch finden / ſon - der muͤſſe ſie auß der praxi der proceſſen lehr - nen / wo nit ſo muß ich mich nothwendig auff daß gewiſſenloſeſte verſtoſſen. Darumben in folgen - den Capitteln / nach geleſenem Appendice der leſer achtung gebe / denn faſt die hauptſumma hierinnen beſtehet.

Die30

*pag. 40.Die 10. Streit-rede. Ob zu glauben: daß Gott werde zu laſſen / daß je etwan vnſchuldige mit ein - vermenget wurden?

ETliche ſagen Nein: Darunter Binsfeld ſetzet es haben die Freundt vnnd Kinder Gottes des wegen ein ſonderlichs privi - legium. 1. Wegen Goͤttlicher ver - heiſſungen / deren er viel auß der Bibell pag. 354 zuſammen heufftet. 2. Hab mann die Exem - pell Suſannæ Athanaſii vnd des H. Biſſchoffs Sylvani. *p. 41.3. Schreibt S. Cyprianus von ſich / daß vor ſeiner bekehrung Er ſey ein Zauberer ge - weſen / vnnd hab weder mit des Teuffels Rath / noch der Zeuberey koͤnnen ein Jungfraw zu An - tiochien zur Vnzucht bringen / ꝛc. Delrius vnd andere haltens hierinnen auch mit Binsfeldio.

Ich Antworte aber:*p. 42. Die opinion gilt nicht: Dann ſie eroͤffnet den Richteren Thuͤr vnd Fen - ſter zur fahrlaͤſſigkeit / daß ſie nicht nach notturfft vnd gewiſſen handlen: Vnd ebner maſſen laxiret ſie den Fuͤrſten jhre gewiſſener auch / daß ſie ſich wenig in jhrem ampt bekuͤmmeren / waß fuͤr gute oder erfahrne / verſtaͤndige / oder vnweiſe Raͤth ſie hier zu brauchen: vnd denn ſo wiederſtrebt diß alles auch der warheit / auß folgenden Vrſachen:

i. Dann warumb ſolt Gott nicht zu dieſer Zeit eben das verhaͤngen / was er vor dieſem hatver -31verhaͤnget? da / wie vnten im Anhang zu ſehen / viel heil. Martyrer / den grauwſamſten peinlich - keiten ſeind vntergelegen / die man auch alß Zau - berer hat getoͤdtet. Wo bleibt nun Binsfeldius mit ſeinem ſchluß?

ii. Gott verhaͤnget woll groͤſſere ding / alß dieſe: alß daß er hat laſſen ſeinen Sohn Creutzi - gen: die Juden Zauberey mit / auff Paͤbſtiſche weiß conſecrirten oblaten treiben / ꝛc. War - umb ſolt er nicht zugeben / daß viel geringere ding geſchehen? Wo ſein hie ſiegell vnd brieff? NB.*p. 43. Hie ſihet der leſer ſelbſt Binsfelden be - weiſtumb nichts ſein: Iſts dem teufel verbotten / ſo iſts doch vnbehuͤtſamen vud gewiſſen loſen Richtern noch nicht verwehret / wie vnten wei - ter erhellen wird.

*p. 44.Die 11. Streit-rede. Ob zu glauben / daß in vnſerm ſtreit / ſichs in der that befunden / daß auch vnſchul - dige leut mit zu grund gegangen?

BInsfeldius vnnd Delrius ſcheinen der meinung ſein: es ſey nicht geſchehen.

Antwort: Ich aber ſag ja: abermal auß vrſachen: (1) Tannerus hat vie - ler Theologen zeugnuͤſſen /*p. 45. die bey den Hexen gebraucht worden / vnd befunden vnd bey jhrem gewiſſen außgeſaget: daß vnſchuldige mit ein vnd vmbkommen ſeyn. (11) So bin ich auchmit32mit vielen Geiſtlichen vnd PP. SS. Th. die als Beicht-Vaͤter hierinnen gebraucht worden / vmbgangen / die auff dieſe meine meinung mir mit ja geantwortet.

NB Ich kenne einen Herꝛn / welcher nach dem er eine geraume zeit hefftig wider die Hexen laſſen procedieren: ſeinen Prieſter der ſie zum todt muͤſſen fuͤhren gefraget: ob er auch meine / daß jemands vnſchuldiger darbey vmkomme? Vnnd dieſer mit zuſamen gezogenen ſchulteren / auch mit einem Eydt bey ſeiner ſeelen bezeuget / daß er nicht anders koͤnne dann mit ja antworten: daß derſelbe Herꝛ ſolches ſo ſchwer zu gemuͤth ge - zogen / dann er alſobalden inhibition thun laſ - ſen. (3) wolte der leſer mich etwas laſſen gelten / ſo kan ichs eben ſo hoch bethewren /*p. 46. daß ichs der ich jhrer auch welche zum todt muͤſſen begleiten / eben ſo woll auß vielen vnabſtoͤſſigen vmbſtaͤn - den wargenommen:*p. 47. Ich zeuge Gott wie ſchwer mir daß hertze darob iſt. So dann (4) auch die jenen / ſo ſothanen proceßen vorſtehen muͤſſen / vnerfahren vnd boͤßhaftige leut / zu ſein befunden werden: Item / die grauſame vnd offt widerhol - te torturen: gefaͤhrliche oder liederliche indicia: der modus zu procediren wider alle geſunde vernufft vnd gute geſetze / wie vnten angedeutet werden ſoll / betrachtet wird / wer will mich in mei - ner meinung ſtraffen? Verſtoßt man ſich doch offtmahl / wann man ſchon meinet / man habe woll zu geſehen: (5) ſo hat Tannerus, daß vorwe -33wenigen Jahren zween Hencker / die betrug hier - innen gebraucht / durch die Iuristiſche facultæt von Ingoll-Statt ſein zum todt deß wegen ver - urtheilt. Anders zu geſchweigen. (6) Hat man doch exempel / das auch gerichts Perſohnen ſelb - ſten endlich angegeben / vnd lebendig verbrennet worden. NB Der teufel kan nichts erwuͤnſchters als dieſes ſpil haben / Teutſch-Land in noch mehr blutſchulden zuvertieffen / dann / daß iſt ein nicht geringes mittel ſein reich zu vermehren. Darumb o jhr Herꝛen! gebet doch etwas acht auff eurer bedienten jhr leben. Ich begehr keinen in vn - gnad zu bringen: doch machen mir etliche ge - richts Perſohnen / mit jhrem vbeln wandel noth - wendig bang. Sols woll wahr ſein / daß man jhrer viel ſelten in der kirchen ſihet. NB. Sein ſie zu gegen / ſo leſen ſie adviſen, kauffbrief / lachen / plaudern mit einander: Sehen ſie ein Weibs - perſohn andaͤchtig beten / da gehets an ein fragen / ob man doch nichts von deren gehoͤret / ob kein argwohn von jhr. Solche leut gehen gar zu frey - ſinnig / ſein hoffertig / geitzig / vnerfahren / grim - mig / vnvernunfftig vnd grob ꝛc. Ich hab an - dere davon alſo hoͤren reden / meinen kopff auff die erden gehangen / doch hernach befunden / ich moͤcht mich deſſen ſchaͤmen oder nicht / daß es gleichwol alſo wahr were. NB (Fit hoc plu - ries.) Da dann mir newlich (7) Ein glaubwuͤr - diger Mann / von einem hencker / vnd ſeinem ſtuͤcklein ſolche dinge auch erzehlet / die ſo viel*pag. 48.*p. 49.Cver -34vermoͤchten / daß man ſich vorſehen muß / daß nicht etwa hencker ſolche kunſten brauchen / mit denen ſie dle leut / zu ſagen was man wil / vber - tauben. *p. 50.

NB. Darumb iſts kein Euangelium / das etliche mit Del’rio ſagen: So jemands vnſchul - diger gefangen wird / daß Gott ſein vnſchuld al - ſo balden werde offenbahren. Ja freylich / wenn die aſchen albereyt auff der Donaw biß zu grund geſuncken. Dannenhero (8) gnugſahm erhellet / daß auch vnſchuldige lent de facto koͤnten an - gegeben / vberſchnellet / vnd zum todt gebracht werden. Es laͤſt ſich nicht alles zur hand offen - bahren / weil nunmehr kund / daß woll gar E. B. iſt mit angegeben worden. So wil ich (9) auß Delrio vnnd Binsfeldo meine meinung ſelbſt erhalten: NB. Dann ſie recht ſagen: die Waſſerprob ſey vnrecht: wer darauff gehe: der procedire vnrecht. So muß folgen: wer wegen der Waſſerprob iſt verurtheilt worden / dem iſt vnrecht geſchehen: dann ſo lang ſoll einer fuͤr vn - ſchuldig gehalten werden / biß man daß contrari - um vber jhm einbringet. Nun koͤnnen ſie nicht leugnen / daß mann auff ſolche verbottene proeb procediret, vnnd noch procedire / darumb ſo kommen noch viel de facto vnverſchuldt vmb jhr Leben Seel vnd Ehr. Alſo woͤllen auch Del’Rius vnd Binsfeld, daß die proeb des Hexenzeichens falſch ſey: Item / daß man auff ein oder anderes bekentniß gegen die leut nicht ſollen fuͤſſen / weder*p. 51.zur35zur tortur / oder zum verdammen: iſt aber ſolches nit offt geſchehen? geſchichts nit noch? vnd man ſoll noch muͤſſen vber vnſere fraag viel diſputi - ren: da mann die leut doch auß der taͤglichen v - bung genugſam belehret: waß ſoll man noch mehr thun? *pag. 52.

Die 12. Streit-rede. Ob man dann den Brandtmeiſters Inquiſitional proceß / wieder die Hexen ſoll einſtellen: wenn es erfindlich: daß viel vnſchul - dige mit der taedt ſelbſten dardurch vmb das Leben / vnnd jhr Ehr kommen?

ES iſt gleich erſt num. 2. eines Fuͤrſten ex - empell nit den Gaͤnſen zum beſten / ange - zogen: der auß dieſer vrſach hat heiſſen inn halten.

Daß aber ein eifer-ſuͤchtiger nicht mit mir zor - ne / ſo muͤſſen wir vns einer diſtinction halber mit einander vergleichen. Da der proceß we - gen zweyfaͤltiger faͤllen auch auff zweyerley ver - ſcheidene weiß / gefuͤhret werden muß.

NB. i. Muß man ſo behutſam vnd ſorg - feltig nach den geſchribenen geſetzen / vnd der ver - nunfft geſunden rath gehen: daß wann wir ge - gemelte dinge beyde zugleich faſſen / ſo hats kein gefahr / daß vnſchuldige ſolten etwa benahet werden.

C ijii. Man36

ii Man kan auch wol ſo vnvernuͤnfftig mit den geſchribenen geſetzen / gegen alles geſundes fuͤhlen vnd weiſen rath verfahren / daß auch noth - wendig vnſchuldige leut muͤſſen in die euſſerſte gefahr vnd vnvermeidentlich verwickelt werden. Muͤſſen bey des beſehen. *pag. 53.

Antwort. i. Der letzten art zu procediren muß man ſich gaͤntzlichen entſchlagen: mit der er - ſten hats kein gefahr / weil nichts daran zu tadeln. Allein (ii) muß man in exceptis nicht nur / ſon - der auch in non exceptis anderſt gehen. Vhr - ſachen ſein dieſe: alß

(1) Weil alſo zu procedieren allzeit vnrecht vnd verwerfflich. NB. Dann. Es iſt wieder rechtlich / daß du einen groͤßlich gefaͤhrdeſt / der es nicht verſchuldet hat.

ii Der ſo gehet: thut ein todt ſuͤnd: Dann / er ſtuͤrtzt ſich in die gefahr einer todt ſuͤnd: der nun alſo procediret, was thut er anders ꝛc? *p. 54.Hie fol - get nothwendig man ſoll nachlaſſen: es ſey der Malefitz handel von was qualitæten er ja im - mermehr woͤlle.

Einrede. (1) Es iſt gleichwol dem gemeinen weſen ſehr nuͤtzlich / daß es von diſem vngezifer gereinigt werde: hie iſt ja vhrſach genug fort zu fahren / wens auch ſchon vnſchuldige trifft?

Antwort: Wens auff deinem gewiſſen / vnd verantwortung nit were / vñ durch dein verſchul - den nit kaͤme: ſo moͤcht mans auff ein paar oder 2. wagen. Nun ſuͤndigeſtu doch / der du wiſſende /auff37auff ein verſuch jhnen die gefahr vervhrſacheſt. Soll man dann boͤſes thun / daß gutes drauß folge? NB Wags mit nur wenigen / du wirſt jhrer mehr als zu viel kriegen. Heiſſet daß / daß gemeine Weſen vom vnkraut ſaͤuberen? Du ſucheſt daß du nicht findeſt / vnd findeſt daß dei - ner ſeelen vnd gewiſſen wehe thut! Such dro - ben Streitrede. 8. n. 3. vnd ſtoß dich doch daran. Drumb ſo groß vnheil nicht ſoll gnug ſein zu dei - nem vorhaben / weil du dein ſeel vnd ehr / mit an - derer vnſchuldiger leuten gefahr beſchwereſt.

Einrede (2) So muß man auch nicht krie - gen / weil du Feldt-Prediger wol weiſſeſt / daß mehr vnſchuldige / alß ſchuldige mit getroffen werden?

Antwort: Reim dich; oder ein anders. Dann da kanſtu hinter dem ofen her / nicht darvon re - den. *pag. 55.Im krig kommen die leut vmb per indi - rectum, vnd werden nicht infamiret / du aber thuſt viel ergers / vnd wir wiſſen wol / was wir den vnſerigen ſagen. Dieſes infamiren / daß du begeheſt / iſt ſchwerer als der todt ſelbſten / vnd ſchadet dem gemeinen weſen mehr alß der krieg: da ich vmb mein leben vnd ehr mich noch wehren oder mit geldt loͤſen / oder mit entſchuldigen frey machen / oder mit Recht abſolviret, oder mit Vorbitt wider darvon kan. Wiltu mit deinen gewiſſen-loſen thaten den Krieg ſchmaͤhen? Es ſoll dir einmal etwas koſten! ſoll dein geiſtli - cher Titul dir nicht zu ſtewr kommen. Im KriegC iijver -38verliert man das Leben vnd behaͤlt die Ehr / du nimmſt vnſchuldigen Leuten beydes / vnd dazu Tyranniſch. Denn du ſchmaͤheſt gantze fami - lien, Edell vnd Vnedell / auff ewige tage: Du infamireſt gantz Teutſchland / vnd die Chriſtli - che Religion, vnd deines infamirens iſt kein ende / wie vnten Dubio 20. n. 12. ſoll erhellen: Laß ſeyn / du habeſt noch recht wegen des Kriegs. So iſt doch in particulari wider dich die gleich - nuß Chriſti / Matth. 13. verſ. 24. uſque v. 31. Darvon ich alſo balden handlen will. *p. 56.

Die 13. Streit-rede. So nun aber Vnſchuldigen Leuten ohn mein gefaͤhrden / in dieſem Proceß eynige gefahr zuwuchſe: ſoll ich darumb auffhoͤren die Recht-ſchuldigen zuver - folgen?

DEin meinung hat noch wenig ſtatt. Ich hab im vorigen Capittell vnterſcheid ge - macht / doch weil von newen in genere gefragt wird / ſo muß ich doch antworten: Sage deßwegen alſo:

Haſtu Hohe Obrigkeit ſchon nicht ſchuld / ſo ſoltu doch darumb nicht laſſen fortfahren: wei - len wie D. Tannerus ſchlieſſet:*p. 57.

NB. Erſtlich im Alten Teſtament Gen. 18. Abraham ſelbſten gegen Gott davon verſ. 24. 25. proteſtiret.

NB. ii. 39

NB. ii. Gott aldar ſelbſten Abrahams pro - teſtation mit ſeinem Jawort verſiegelt.

iii. Im Newen Teſtament Matth. 13. ſol - ches wie obangezogen bekraͤfftiget wird. Denn da mercke: Chriſtus ſagt nicht: Daß jhr nicht außrauffet: ſondern er ſetzet zwey zuſammen / vnd ſagt: NB. auff das jhr nicht zugleich den Weitzen mit außrauffet / ſo jhr das Vukraut außgettet / ꝛc. Nemlich / man ſoll ja daß Vnkraut nicht außgetten / wenns mit gefahr des Weitzens geſchiehet: beſiehe den gantzen Text woll. Daß jhr nicht villeicht (hat verſio vulgata) diß iſt woll in acht zu nehmen. *pag. 58.Nun iſt hie kein vnterſcheid geſetzet / wer vrſacher der gefahr were / ſondern ſchlechts vmb der ge - fahr willen. So will der Haußvatter auch nicht leyden / daß ſeine Knechte ſich deren theilhafftig machten.

Einred. Dieſes deuten die Ketzer vor ſich / vnd die Kirche kehrt ſich doch nicht dran.

Antwort: Die Ketzer deutens Vnrecht: dann daß iſt das fundament: ob man auff die conſideration der gefahr ſoll gehen oder nicht. Ich diſputire hie nicht von Ketzeren / die der Kirchen ſchon wiſſend ſeyn. Ich rede von Leuten die du vnd ich / noch niemand kennet / was ſie ſeyn. Von Ketzern zu reden laß ichs dabey bleiben / was Auguſtinus mich vnterſchiedlich gelehret. Hoͤre Thomam 22. q. 10. art. 8. ad 1. text. NonC ivpoſ -40poſſunt. kan nicht alles Ergernuß auß der welt außgereutet werden:*pag. 59. NB. das meiſte muß man toleriren / weil man nicht alles bequemlich kan außreuten. Iſt rathſamer 30. vnd noch mehr Ehrlich machen / alß einen vnſchuldigen Vnehr - lich. Auguſtinus contra Lit. Petiliani. lib. 3. c. 3. So lang man die Sprewer vnter den Wei - tzen hat / ſoll man ſie biß zur gelegenen zeit des ſich - tens nicht abſonderen: ſondern vmb der from - men willen / ſoll man ſich auch mit den boͤſen be - tragen / alß das man ſolte / wider die Liebe gegen den Frommen vmb der boͤſen willen / ſich ver - ſuͤndigen / ꝛc.

So iſt es iv. ein Vnzeitiger eyffer / wenn jeder - man ſo ruffet: die Hexerey ſey ein allergeheimeſte that: der Teuffell auch viele zu ſchlimm vnnd ver - ſchmitzt zum betrug / auch gegen die jenen die all jhr lebtag bey dem Geiſtlichen Stand geweſen: vnd dannoch ein ſolch hoch-gefaͤhrliches werck zu handtieren /*p. 60. vnd mit dem verſchlageneſten geiſt darob zu kaͤmpffen man nur vngelehrten vnd vn - geuͤbten Leyen vnd Welt-leuten vertrawet: hie hat man nichts auß der Bibell / damit man dieſe vnordnung behaupten koͤndte. Gott hatt frey - lich gebotten daß man die Laſter / aber wenn ſie be - kand genug ſeyn / ſolle ſtraffen: wann man ſchul - dige vor vnſchuldigen kan vnterſcheiden: Vom Vnkraut vnnd Weitzen iſt ſchon vorher geredet: Laſſets beydes mit einander auffwachſen biß zur zeit der erndte / ſo werdens denn die Engell außein41einander leſen / vnd das vnkraut ins fewer hin - werffen. Laſſets biß dahin ſtehen. Oder ſein wir ſo klug / daß wirs / wir vngehobelte / vngeuͤbte / vnd vnerfahrne Leut thun koͤnnen / vnd ſo woll zu treffen wiſſen / NB. waß ruffet vnd pralet man dann: ſey ein ſo geheimes werck? Viel andere malefiz-thaten finden ſich / wo bleibt aber da der ſo hoch geruhmte eyffer? Vnd wenn auch ſchon kein gefahr hierbey were / ſo heiſt es doch das Roß vnter dem arß auffgezaͤumet: wenn man die no - torietet haͤtte / lieſſe ſie fahren / vnd fieng im fin - ſteren an zu mauſen.

NB. Woll thun / meines erachtens / die je - nen Republ. welche /*pag. 61. wann ſich etwas von der Hexerey kund geben will / ſolches alſobalden auß - reuten: allein / daß ſie ſolten mit gefehrlichen mit - teln verborgene dinge forſchen / das halten ſie gar zu ſchaͤdlich. Daß man aber diß Buͤchlin nicht gar wegwerffe / ſo will ich nun andere ſeyten auffziehen.

Die 14. Streit-rede. Obs rathſam / das man Hohe Obrig - keiten anhetze / den Inquiſitional-Proceß gegen die Hexen zu fuͤhren?

ANtwort: anderſt nicht / alß das man ſie zugleich derer hievorher erinnerten faͤllen halber informire: gleichwie es nicht tau - get / daß du einen in einem ſchlupffrigen ort fuͤh -C vreſt /42reſt / vnnd jhne im gehen nicht leiten wolteſt.

Ich hab wol Clamanten von den Cantzlen gewaltig hoͤren jhr meiſterſtuͤck hierinnen pro - biren. So hab ich auch in privat diſcurſen eben dergleichen / von eyfferigen vngehaltenen Leuten gehoͤret. *pag. 62. p. 63. p. 64.

Ich ſtraffe diß nicht abſolut: ja ich haltes fuͤr hoch noͤhtig: daß man mit hindan ſetzung aller affecten je bißweilen auff Vnvernuͤnfftiger Brandmeiſter jhre vngegruͤndete Proceſſen ein ſcharff einſehen hette: daß man der vorangedeu - teten vnd folgenden gefahr nicht ſo gar vergeſſen thaͤte / vnd obangezogene Parabell / die vns von Chriſto nicht vmbſonſt hinterlaſſen / nicht alſo liederlich auß den augen ſtellete. *pag. 62. p. 63. p. 64.

Einred: Du ſagſt / man ſoll mich nicht hoͤ - ren / ich ſey ein Hexen-Patron / ꝛc.

*pag. 62. p. 63. p. 64.Antwort: darff nicht viel ſcheltens / man ſiehet woll / waß ich mit der Parabell Chriſti woͤlle / darbey bleib ich vnd doͤrff nicht vieler wor - ten darzu / die folgende Streit-rede ſoll vns an - fangen ſcheiden.

Die 15. Streit-rede. Waß doch vornemlich das jene fuͤr Leut ſeyen: welche bey den Obrigkeiten / einem ſolchen Hexenkrieg anrichten?

ANtwort: Es ſeind ohngefehr viererley ſorten / wir wollen ſie aber fein ordentlich nach einander beſehen.

Die43

Die erſten ſein von Theologen vnd Præ - laten / welche in der beſten ruh auff jhren ſtu - dir-ſtuͤblin in den allertieffeſt - vnnd ſubtiliſten ſpeculationibus ſich contentiren: waß aber auſſerhalb geſchehe: waß gefaͤngniſſen ſeyen: die ſchwerigkeit der banden: die inſtrumenten der tortur: daß ſeufftzen der gefangenen ꝛc. Daß iſt jhnen eitell verborgenes weſen: an ſolche oͤrter a - ber zu gehen iſt vber jhre wuͤrdigkeit: waß ſolten denn dieſe Leut nuͤtzlichs hierbey wiſſen zu ver - richten?

In dieſe zaal gehoͤren Geiſtliche Ordensleut / die aber aller haͤndell eben ſo woll vnerfahren ſein / alſo koͤnnen ſie wegen jhrer einfalt der inquiſi - toren vnnd Brandtmeiſter boͤßheit nicht erfor - ſchen.

Dannenhero wann jhnen der armen Hexen zu hauff gepauſſete fabell-thaten vorkommen / ſo iſt alldar eitell zetter vnd fewr / ſo groß iſt der eifer / daß ſie abangezogene parabell Chriſti nicht ver - ſtehen.

Die anderen ſein von Iuriſten die jenen al - lein /*pag. 67. welche bey dieſem handell auff den gewinſt ſehen / die wiſſen denn daß werck ſo zu ſpielen daß man ſich darob zu entſetzen.

Die dritten ſein der tolle / vnſinnige / vnd vnge - haltene poͤfel: dieſe haben das privilegium alles mit laͤſteren auff das gifftigſte zu erbreiten vnd zu ergroͤſſeren / davon vnten Dubio 34. dieſe weder die Obrigkeit / mit ſengen vnd brennen nit anhalt /wiſſen44wiſſen ſie auff das leichtfertigſte ſolches an zu zie - hen: ja ſagen ſie: ſie ſein ſelber Hexen-geſchlechts / ꝛc. warumb laͤſt ſich aber die Oberkeit von die - ſem vngezifer alſo durch die hechell ziehen?

Die vierdten ſeind zwar auch auß dem Poͤfell / allein ſein warhaffte Hexen. *pag. 68. p. 69. p. 70.NB. Daß ſie nun allen argwohn von ſich ableinen / ſo ſchelten ſie auff die Hexerey an den allergifftigſten. Da komtſt doch endlich daß ſie ſelber zum fewr muͤſ - ſen tantzen / vnnd mir dannenhero newlich ein Brandtmeiſter bekandt: NB. wenn er jemand hoͤre ſo vnmaͤſſig auff die Hexerey ſchelten*pag. 68. p. 69. p. 70. ſo ſey es jhme ein gewiſſes indicium daß ſolche Per - ſohn ſchuldig ſeye. Dieſes iſt ein ſehr vngereimte rede / ich wolte kuͤhnlich ſagen / daß die allermeiſte von den Hexen Brandmeiſteren ſelbſten mit der Zauberey beflecket / vnd mit jhren wuͤten ſich nur ſo kluͤglich durch jhre vnrichtige proceduren auß dem ſpiel karten. Allein ſtill hiermit! Vnd daß iſts daß mann daß vnkraut nicht will kennen lehrnen. *pag. 68. p. 69. p. 70.

Die Parabell Chriſti vom vnkraut: ſo ſie ein gebott iſt / warumb wird ſie nicht in acht genom - men? Iſt ſie ein rathgebung / warumb wird ſie nicht beſſer bedacht? NB. Eins iſt hie nicht zu vergeſſen: daß offt auch vnſchuldige / daß ſie daß Hexen brennen mit jhrem maul ſo hitzig befoͤr - dert / auß groſſer marter der gepeinigten noth - wendig muͤſſen angeben / vnnd mit jhrem wohl verdienten ſoldt bezahlet werden: da ſie ſich dennſelbs45ſelbs von der tortur vberwunden befinden / vnnd pein zu vermeiden wiſſentlich auch andere vn - ſchuldige angeben. Jeder mercke diß wol waß ich ſage. Dieſe betriegerey hat man in Spannien vnd Italien ſchon langſten angemercket / vnnd darumb ſein dieſe Nationen hierinnen viel be - huͤtſamer als wir.

*pag. 72.Die 16. Streit-rede. Wie iſt jhme dann zu thun: daß man in proceſſen wider die Hexen ſich an vnſchul - digen Leuten nicht vergreiffe?

ANtwort: Es koͤndte woll etlicher maſſen daß werck vermoͤg folgender Reglen ge - fuͤhret werden:

Cautela. 5. Am allerforderſten muß man zu dieſen proceſſen nehmen recht qualifi - cierte Leute: als Wollgelahrte: Vorſichtige: Fromme: Sanfftmuͤtig - vnd Barmhertzige: daß ſie nichts auß vnerfahrenheit / nichts auß boßheit: Item nichts auß geitz / grauſamkeit / vnachtſah - me vnd vngeſtuͤmmigkeit verhandlen. Diß derff nit viel probirens.

Ich beſchmitze hiemit niemanden / allein ich kan daß mit warheit vber vieler vnerfahrenheit klagen / daß ich mich fort vnd fort verwunderen muͤſſe / wie ſolche Leut offt ſchwartz fuͤr weiß vnnd contra annehmen.

NB. Daß man aber etwa einen Hochgelehr -ten46ten vnd Hochgraduirten Theologanten darzu nehmen ſolte / finde ich gantz vnrathſam / weyl ſein hochmuth*pag. 73. p. 74. (1) mit ſeinem titul allein gegen alles anderes pro autoritate ohne einige conſi - deration durchdringet: ſonſt hat man jhne vnd den Fuͤrſten zum feindt. (2.) So iſt offtmahls bey den leuten die Ehr vnd autoritaͤt ohne ca - pable qualitaten (3.) So laſt die hochheit denen leuten nicht zu: daß ſie ſolten die gefangenen be - ſuchen / ſie mit Vaͤtterlicher ſanfftmuth troͤſten / vnd ſich ſonſten zu dem werck nach notturfft in allen dingen genugſam demuͤtigen (4.) dieſe Leut woͤllen auch zu dem groſſen namen / ein groſ - ſe beſoldung haben: dahero man an theil orten mit dem Hexen brennen in helt / NB. weil mann keine reiche Leut mehr hat / daß man ſich konne darvon bezahlt machen (5.) So ein ſolcher au - toriſierter mann denn noch darzu vngeſtuͤmm iſt / ſo iſt es deſto ſchaͤdlicher: denn damit wirfft er alles in einander.

Cautela ii. Es muͤſſen aber die jenen ſo zu dieſem proceß kommen /*pag. 73. p. 74. ſich euſſerſten fleiſſes bearbeiten: Daß wo jrgendt einige difficultaͤt verfaͤllet: Sie nit nur vnbeweglich auff die bloſſe geſchriebene rechten pochen: beſonder vielmehr gute geſunde vernunfft / vnnd reglen der natur vnd billigkeit zu huͤlff ziehen / vnnd ſo lang alles dunckell / ſich mehr als Patronen des gefangenen denn ſeine verderber in allem bezeigen.

Allein man verſtoſſet ſich wider dieſen punc -ten47ten alles ſeitig vngleublich: mann wuͤtet gegen die arme gefangene wider alle billigkeit: mann ſtuͤrmet auff ſie ein: daß jhnen nichtes zu huͤlff kommen muß noch mag: es ſey ein ding gleich ſo vngereimt befunden wie es woͤlle. NB. Niemand doͤrff fuͤr jhre vnſchuld daß geringſte proponi - ren:*pag. 75. p. 76. ja ſie ſelbſten muͤſſen zu allen dingen ſchwei - gen: alles muͤſſen ſie approbiꝛen / waß man jh - nen aufftringet: als wann alle leut ſich muͤßten laſſen anklagen / aber alle defenſion verbotten were. Dahero wird alles per fas & nefas ver - handelt:*pag. 75. p. 76. wer diß hindert / der laſſe ſich nur nicht ein / er muß ſonſt auch dran / da iſt das murren / gruͤntzen vnd zuͤrnen ſo groß / daß es nicht auß - zuſprechen: da man ſich doch vielmehr frewen ſolte. Heiſſet daß gewiſſenhafft gehandelt? O wehe jhr Obrigkeit!

NB. Vnlangſt hab ich einem die obangezo - gene Regell mit vielen worten vorgehalten: der mich beantwortet: ja ich muß woll mit der ſtren - ge hindurch: mann drucket mich mit vberheuff - ten mandaten vnd ſtehe ſchier in ſorgen / mann moͤcht mich ſelbs greiffen ꝛc. O wehe! iſt daß Teutſch gehandelt?

NB.*pag. 75. p. 76. Mercket hier jhr Fuͤrſten: dieſer hat kein gewiſſen gehabt / ſonſt hett er daß maul auff - gethan: ſolte ein ſolcher etwaß redliches rahten / denn jhr alſo zum gewiſſenloſen mann machet: dencke doch o Leſer / waß iſt daß gehandelt? Mit einem wort Fuͤrſt vnd Raht ſein gewiſſen loß: vndalſo48alſo keine Chriſten: daß iſt ein ſtuck welches macht / daß vnſer Regiment muß umfallen.

Cautela. iii. Man muß alles auß dem weg thun / deſſen die inquiſitoren vnd Brandtmei - ſter / zu jhrem vortheil ſich gebrauchen konnen: daß die gelegenheit ſie nit verleite: Zum exempell mann muß keine Kopffgelder von den gefange - nen geben / ſonder den Richteren ſonſten jhren beſtendigen ſold machen.

Diß iſt ſonſt Henckeriſch / auch in der peinli - chen halßgerichtiſchen ordnung / Art. 205. ver - botten.

NB.*pag. 77. Wenn aber Fuͤrſten / der verurtheilten guͤter zu confiſciren ſich laſſen bereden / hierinnen bedencken ſie jhre ehr ſehr wenig: ich mein es gibt dieſer handell anlaß zu den aller ſchmaͤhlichſten diſcurſen, daß auch woll paſquillen darvon gemacht werden. So laſſen ſich die Brandt - meiſter mit einem honorario beſtellen: ſtellen ſich denn alß wolten ſie den proceß caßiren: da muß man jhnen daß honorarium verehren: vnd geſchicht denn / daß mancher etwaß darzu gibt ſeinem nachbahren zu trotz / wenn denn die Leut vmb jhr gelt genug vexiret worden / ſo macht man der Tragedi doch ein end.

Cautela iv. weylen man vermoͤg 1. Caut. nit eben alſo woll qualificierte Perſonen haben kan: vnd wann ſolches auch ſchon moͤglich were / hette mann ſich doch einer groſſen diverſitaͤt in denn Votiren zu befahren: vnd cauſirete ſolchesein49ein vngleichheit der proceſſen: wie nicht weni - ger allerhandt ergernuͤß vnd verwirꝛung bey dem Regiment. *pag. 79.Bevorauß weil in dieſer halß ſa - chen nunmehr taͤglich newe difficultaͤten vor - fallen / deren mann ſich vor alters nicht verſehen: vnd dannenhero die Carolina Prax. Crim. nicht gnuchſam / alſo wehre zu wuͤnſchen: daß J. Kaͤyſerl. Mayeſt. in hoc puncto mit con - ſens des gantzen Reichs eine newe vnd beſondere conſtitution, in welcher alles woll vorgeſehen were / zu verfaſſen beliebete: NB damit durch ſothanes mittel / daß wenigſte in der Richter ei - gener willkuͤhr gelaſſen / vnd alle gelegenheit zu pecciren abgeſchnitten wurde.

Cautela v. Weilen aber ſeine M. wegen kriegs mit vielen anderen geſchaͤfften beladen: ſo were es nicht vntaͤuglich / beſondern hoch noͤtig: vnd den Fuͤrſten ſampt dero Raͤthen gewiſſens - halber obligende: daß mitlerzeit / ſo ja ein ge - neral inquiſition gegen die hexerey von jeman - den angeſtellet werden wolte: er zuvor ein ſpeci - ale Criminal conſtitution verfaſſen / vnd ſie von ſeinen zu ſolchem hexenhandel deputirten Geiſt - vnd Weltlichen leſen / vnd ſich darnach zu halten verobligiren lieſſe.

Delrius vnnd Tannerus ſein beyde auch mit mir in diſem handel einig. Dann dieſes ein allerhoͤchſt noͤtiges erfordern iſt: Weiln von den meiſten heut zu tag ſo vnrechtmaͤſſig hierinnen procediret wird: redt man dargegen: ſo muß*p. 80.Dman50man hoͤren: hæc eſt hodie praxis. Damit ſolls genug ſein: aber o gewiſſen gewiſſen! NB man ſoll ein ſolche praxin haben / die nicht nur auff autoritaͤt auff den bloſſen buchſtaben / ſon - dern auff gleich / recht / billigkeit / vernunfft vnnd erfahrenheit gegrundet ſey / daß andere inter - eſſenten ſich deren auch zu behelffen.

Caut. vi. Zu verfaſſung einer ſolchen Cri - minal Conſtitution, were ferner von noͤhten: daß man ſie nicht nur von Iuriſten, ſondern auch von Theologen vnd Medicis ließ revidiren: in dieſem meinem buͤchlein ſolle noch viel vorfal - len / ſo darzu dienlich. *pag. 81.Wenn ſie nun fertig / ſolt man ſie vorhin etlich Academien zu ventiliren vnd zu diſputiren vbergeben: darnach erſt rati - ficiren / vnd die Richtere daran verbinden / mit erinnerung: ſo jnnerhalb jahrzeit etwaß vorfiele von newen / vnd nicht gnugſam eroͤrteten diffi - cultaͤten / oder dero dingen etwaß / daß man zu enderen / zu vermehren / oder zu verminderen fuͤr noͤtig funde / ſie ſolches anzeigeten / damit dẽ werck nach notturfft rath geſchaffet werden moͤchte.

Dieſe Regull were der beſte vnd ſicherſte weg / vnd deswegen noͤtig / daß man an Ihr Kaͤyſerl. Mayeſt. vnnd daß gantze Reich darob ſuppli - cirte Sonſten ſiehe ich nicht: daß ein Obrigkeit mit gutem gewiſſen koͤnne fortfahren / ſonder ſoll aufhoͤren / vnd wer nit angefangen / ſoll wegen der vnfoͤrmlichen proceduren nit anfangen / daß er ſein gewiſſen nicht verletze / vnnd vnſchuldig blutnicht51nicht auff ſich vnd ſeine nach kommenſchafft lade. Wer anders rahtet / der weiß vnd verſtehet nicht waß er ſagt oder thut.

Cautel. vii. *p. 82.Weylen auch von vielen will darfuͤr gehalten werden / daß den Richteren zu viel durch die finger geſehen werde / vnnd dannen - hero ſich viel gewiſſenloſe that handlungen ent - ſpinnen: ſo ſolten die hohe Obrigkeiten vorſorg thun / daß ſie moͤchten erfahren / warinnen von jhren Gerichts-halteren in hoc puncto pec - ciret werde. Vnnd wo ſie betretten wuͤrden / auch der vnaußbleiblichen ſtraaff gewaͤrtig ſein muͤßten. Zum exempell: ſo mann jemandt ohne genugſahme indicia hett laſſen an die tortur bringen / man die Richter deswegen ließ mit recht beſprechen vnnd ſie redlich abſtraffen / auch zu wuͤrcklicher ſatisfaction parti læſæ zu thun per modum ſeveræ executionis zwingen. Da wuͤrde denn erfolgen: wenn / ſie / die Gerichts-per - ſohnen ſehen vnnd foͤrchten muͤſſen jhre faͤhler / wehren einer vnvermeidlichen ernſtlichen ſtraaff vnterworffen / ſie behuͤtſanier ſich wuͤrden hal - ten / ꝛc.

Diß were eins von den geſicherteſten / vnnd al - ler durch dringendeſten remedien. *p. 83.Allein wer will hier der katzen die ſchellen anhencken?

Es haben vnlangſt 2. vornehme vom Adel von der ſachen alſo diſcuriret: NB. Ihr Landts - Herꝛ ſoll jhnen vollmacht geben / gegen die Brandtmeiſter mit eben denen proceduren zuD ijver -52verfahren / mit denen ſie Brandtmeiſtere gegen die Leut handelten / ſie woltens gewiß ſein / daß ſie Brandtmeiſtere ſelber die ergeſten Hexenmeiſter befunden wuͤrden / des wolten / ſie die Edlen / Ihr leben zu pfandt ſetzen. Ich verpflichte neben den Edelleuten mich mit ebenmaͤſſiger obligation ſolches gar leicht zu erhalten. Allein man hoͤrets woll: vnnd niemandt achtets: vnnd die Herren Beicht-Vaͤtter ſchweigen auch ſtill: nun ſo wird Gott darein ſehen / vnnd auch Richten vnnd Straffen.

*p. 84.Die 17. Streit-rede. Magman auch denen von Hexerey - wegen verhaffteten Leuten / die defenſion zu laſſen / vnd jhnen einen Advocaten verſtatten?

ANtwort: Schaͤmen muß ich mich dieſer frag halben / wegen der groſſen vngerech - tigkeit / die jetzo in dem ſchwang gehet: vn - erfahren (ja boßhaffte vnnd vngerechte Richtere) woͤllen hierinnen / weyl es ein excep - tirter handell den Leuten alle defenſions mittell kurtz vmb abſchneiden: allein (1.) wenn alle ſa - chen in crimine excepto mit jhren notoriet - ten klaer ſein / ſo iſt freylich kein defenſion zu ver - ſtatten. *p. 85.NB. Denn wenn eine ſagt: ja es iſt die Hexerey ein Freye-Kunſt / oder ich bin vom Teuffel verfuͤhret / oder darzu gezwungen ꝛc. Soiſt53iſt ſolche entſchuldigung von vnkraͤfften. Allein hievon iſt kein ſtreit. Darumb (2) wenn daß laſter der Hexerey nit zur genuͤge iſt erweiſet / ſo ſoll man die Leut zur defenſion vnnd zum Advocaten zu brauchen nicht hinderen / wie ſolches auß vielen ſtattlichen Iuriſten, vnnd vieler Academien ih - ren ſtatuten zu erweiſen. Aber waß doͤrffts vie - ler zeugniſſen? *pag. 86.Es iſt ja natuͤrlichen rechtens / welches kein vernuͤnfftiger leugnen kan / daß man ſich mag defendiren, wenn mann nicht iſt vber - weiſet. So dann eine verhafftete / die that nicht entſchuldiget / ſonderen von ſich ſchiebet vnd ſich ſchuldig zu ſein leugnet / die mann jhr auffdringen will / ſo ſoll mann jhr jhre vollſtaͤndigſte defen - ſion vnd alſo auch einen Advocaten zu laſſen / auch den beſten denn ſie kriegen mag. Ja ſo gar iſt es waar / daß man nicht prætendiren mag / es ſey ein Crimen exceptum / daß vielmehr eben vmb des willen der gefangenen Perſon ein Ad - vocat zu geben / ja faſt auffzutringen iſt. Vr - ſachen ſein:

i. Es iſt laͤcherlich / daß mann ruffet: Es ſey ein Crimen exceptum / eher mann die gefange - ne deſſen vberzeuget. Oder laß alſo ſein: womit haſtu die Perſohn vberweiſet / daß ſie der that ſchuldig ſeye? Oblind theit!

ii. Es iſt natuͤrlichen rechtens / daß mann niemanden ſeine nothwendige defenſion ſoll verſagen / ſo gar / daß wann er ſelber nicht genug darzu geſchicket / mann jhne einen qualificiertenD iijmann54mann darzu verſtatten ſoll:*pag. 87. waß aber natuͤrlichen rechtens iſt: NB. Soll in exceptis & non exceptis ohne vnterſcheid obſerviret werden: drumb iſt dieſer Streit auch nichtſen.

iii. Iſt diß nun natuͤrlichen rechtens / daß mann niemanden ſeine nothwendige gegenwehr verſagen ſoll / ſo ſoll mann ſothane defenſion jh - me deſto weniger verſagen / je noͤtiger ſie jhm zu ſein erhellet / vnd je groͤſſer die aufflag iſt / darwie - der er ſich ſchuͤtzen muß. Zum exempell: Im na - tuͤrlichen recht iſt mir erleubet mich wieder einen Meſſerſtoß zu wehren: wie viel mehr doͤrff ich mich wieder einen Schuß beſchirmen? So fol - get nun: weil die natur mir die rechtliche defen - ſion in einer geringen Rechtens anſpraech ver - ſtattet / ſo verſtat tet ſie mir die defenſion noch vielmehr in einer groſſen / ſonderlich die ſo ſchwer iſt / als hie die Zauberey: vnd alſo je ſchwerer man einen zum Rechten beſpricht / je beſſeren Advo - caten jhme daß natuͤrliche Rechtrahtet.

iv. Eben daß erforderet auch die Chriſtliche liebe: deren natur iſt nicht allein an deiner defen - ſion dich nicht zu verkuͤrtzen / ſonder dir vielmehr zu helffen / vnd hilffsmittell an die handt zn geben: ja je groͤſſer die gefahr iſt / je groͤſſere vnd eilendere huͤlff die Chriſtliche liebe thun / vnnd dir ſelbſt vn - gebeten in die hand geben will. Hierauß folget / daß wer dieſem wiederſpricht: Der ſtoͤſſet alles natuͤrliche Recht vmb / vnd verleugnet gewiſſen - loſer weiſe die Chriſtliche Liebe. Wo bleibt nunder55der Brandtmeiſter jhr Eiffer? Ein Kindt ſoll vmb ſeine Puppen mehr verſtandt / dieſelben zu behalten anwenden / als dieſe Leut vmb daß Chri - ſten blut. Doch mann ſchont nunmehr auch der Geiſtlichen nicht.

v. Dieſe abſurditaͤt / vnvernunfft / vnerfah - renheit / vnd boßheit deſto beſſer auß zu ſtreichen / ſo laſt vns von dem handell noch mehr reden 1. Einer ſagt: ich ſey ein Dieb: daß iſt nun ein groſſe injuria. *pag. 90.Nun dieſe gute Herren werden mir alſo balden gerne die defenſion verſtatten. 2. einer ſagt: ich ſey ein Ehebrecher: diß iſt noch viel er - ger: noch gonnen ſie mir ein Advocaten 3. So mich einer denn der Hexerey beſchuldiget: daß iſt ja daß ergſte von allen: vnd denn ſo muß ichs laſ - ſen Recht ſein / vnnd mich nicht verantworten / e - ben darumb / daß es der groͤffeſten laſter eines iſt: wie ſo der klaͤger leugt? So muß ich doch ſchwei - gen: es iſt ein exceptum: pfuy der vnvernunff - tigen grobheit! *p. 91.

vi. Ein Teutſcher Fuͤrſt hatte etliche Jahr wider die Hexen gerumoret: Es wird ein Geiſt - licher auch angegeben vnd eingezogen / ſeine Col - legen halten vmb daß defenſions mittell an: der Fuͤrſt ſagt nein: er fraget ſeine Raͤhte: ſie ſagen ja: er laͤßt ſich von Academien belehren / die ſa - gen auch eben woll ja: pfuy elendt: ſagt der Fuͤrſt / ſoll ich die defenſion muͤſſen verſtatten / ach wie viel hab ich denn deren / die vnſchuldig verbrandt ſein!

D iiijO56

O wieviel hat dieſer gewiſſens vergeſſener Herꝛ conſorten. O Ihr Geiſtlichen vnd Hoffpredi - ger wo iſt ewer beruff! waß thut ewer gewiſſen! Ihr ſoltet diß wiſſen / vnd bereden. Aber / aber / ꝛc. darumb hat erſtgemelter Fuͤrſt noch nicht nach - gelaſſen / mit vorwenden: NB. *pag. 91.Er wuͤrde damit alle vorhin vnterſchriebene vrtheil muͤſſen caßiren, daß ſey ſeiner ehren zu nahendt: biß ei - ner den Zoren mit diſen worten jhme geſtillet: ſo man findet daß man vnrecht gethan hat / ſo ſoll man darumb nit fortfahren / ſonſt werden ſuͤnden mit ſuͤnden geheuffet: vnd die erſten ſuͤnden wer - den mit den letzten nicht gebuͤſſet ſonder vergroͤſ - ſeret.

Die 18. Streit-rede. Waß fuͤr anmerckungen auß dem vorigen Capittell zu behalten.

DIeſes thue ich zu dem ende / daß der leſer die wichtigkeit einer ſo gefaͤhrlichen han - delung / deſto tieffer zu hertzen nehme.

i. Ich ſag es ſey vnrecht / wenn eine nicht vberweiſet iſt / vnd ſie leugnet daß ſie eine Hexe ſey jhr kein Advocaten wollen geben.

ii. Ja man ſoll jhr viel mehr den beſten vnd den allergeſchickteſten ſchaffen: ja einen den ſie ſelbs beliebet.

iii. Wo ſie es nicht weiſet / oder vor angſt nicht darann gedencket / oder nit verſtehet: ſo ſollmann57mann ſie dieſes privilegii erinneren / vnnd ſie darzu bereden.

iv. Ja mann ſoll jhr viel mehr in der defen - ſion beyſpringen / als daß man ſie hindere.

v. Mann ſoll ſich frewen / vnd nicht zoͤrnen / wenn mittel zur vnſchuld an den tag kommen.

vi. Je ſchwerer die klag iſt / je groͤſſer iſts ge - ſuͤndigt / wenn mann die defenſion benimt: vnd alſo verſuͤndiget man ſich hie am ſchwereſten.

vii. Komt jemand in verhafft / ſo ſoll mann jhm zuvor etliche tag zeit geben zur defenſion, ehe mann jhne ferners vornimt: dann es iſt vn - recht die leut alſo balden mann ſie eingeſetzet an die tortur dahin zu reiſſen. Dann mit ſolchem vber eilen verduͤſtert mann die Leut / daß ſie jhrer ſelbs zu jhrer defenſion nicht maͤchtig ſein: Da doch weder daß Recht der natur / oder Chriſtliche liebe / oder geſunde vernunfft / von den Richteren hie will obſerviret werden.

viii. Es iſt nothwendig / daß man den ge - fangenen ein Copia der indiciorum geb / die wider ſie einkommen: Dann wie mann die de - fenſion vnd Advocaten nicht kan verwehren: alſo folget daß man auch die indicia ſoll herauß geben. *pag. 93.Doch ſoll man die zeugen namen nit eroͤffnen / es were denn kein gefahr dabey.

ix. Mann ſoll denen jenen / ſo die gefange - ne ſprechen wollen / ſolches nicht wehren / beſiehe die peinliche halßgerichts ordnung. Art. 4. Da - hero ſein daß vngerechte Leut / die dieſem wider -*p. 94.D vſpre58ſprechen / vnd hinderen daß nicht etwa ein gelehr - ter mann jhnen hinder die ſpaͤn kommen: oder den armen gefangenen einen guten rath gebe / da mann doch den Leuten / ſo viel muͤglich zu jhrer vnſchuldt verhelffen ſolte. NB. Als ohnlangſt ein Geiſtlicher / doch ins geheimb / den Richteren einen faͤhler auß jhrem Protocoll, exofficio & conſcientia gezeiget / ſo haben ſie die gefangenen eilendes laſſen mit dem ſchwert Richten / dem Prieſter aber die gefangenen zu Viſitiren verbot - ten / vnnd muß ich vernehmen: daß eben derglei - chen vnterſchiedlich geiſtlichen widerfahren.

x. Ein Richter iſt ſelbſten ſchuldig / die vor - ſorg zu thun daß den gefangenen kein Advocat mangle.

xi. Daß ſein vnweiſe Advocaten / die inn dieſen ſachen nicht wollen dienen: vnnd andere davon abſchrecken. Doch ich befinne mich beſſer: ſie ſein kluͤger denn ich: die vrſach iſt: ſie ſolten woll ſelber eingezogen werden / wie mann ſolches D. Tannero gerne thun wolte. *pag. 95.

xii. So kan der gefangene gegen die de - cretirte tortur appelliren / wie auß den Iu - riſten erhellet.

xiii. Faͤhret der Richter / deſſen ohnange - ſehen mit der tortur fort / vnnd er zwingt etwaß darmit: ſo iſt ſolche auſſag von vnkraͤfften.

xiv. Wann indicia zur tortur einkommen: vnd aber beſſere gegen-indicia zur vnſchuld vor - handen / ſo ſoll man mit der tortur nicht proce -*p. 96.diren:59diren: alſo auch in widerwertigen præſumptio - nen &c. Aber wer gibt hierauff achtung?

xv. Daß ſein gewiſſens vergeſſene Leut: die ſich ſtellen als wenn ſie den beklagten die defen - ſion verſtatteten / vnnd doch nichts wenigers thun. Diß muß man alſo erlehren. *p. 97.

NB. Der Brandtmeiſter laſt die gefangene Perſohn vorſtellen: ſpricht: ſie wiß woll war - umb ſie in verhafft ſeye: die vnd die indicia we - re gegen ſie einkommen: Soll ſich alſo drauff verantworten / vnd waß zu jhrer vnſchuld dienet einbringen. Wann ſie nun antwortet / vnd alles fleiſſig ableinet / daß man nichts mehr gegen ſie hat / vnd man die vnſchuldt mit haͤnden greiffen muß (ich red auß erfahrenheit) da folget dann weiters nichts / als daß mann ſie heiſt wieder hin ins gefengniß gehen / vnd iſt eben als hette ſie mit einem todten bild geredt / mann zeichnet jhre wort ſpecifice nicht an: niemandt berahtet ſich darob waß zuthun oder zu laſſen: jhr ſagt man: ſie ſoll ſich beſſer bey jhr ſelbs bedencken / ob ſie bey dem negiren woͤll bleiben: mann werde ſie vber etli - che ſtunden wider einforderen / ꝛc. wann ſie nun wegk gefuͤhret wird: ſo ſchreibt mann alſo ins Protocoll: NB. Gaja gefraget: leugnet noch: darumb iſt beſchloſſen ſie zu torquiren ꝛc.

Wenn ſie nun widerkomt / ſo heiſt es: Gaia, jhr ſeid vor vns geweſen / vnd habt geleugnet / nun wir