PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Sieben-Jaͤhrige und gefaͤhrliche Welt Beſchauung Durch die vornehmſten Drey Theil der Welt Europa / Aſia und Africa.
Worbey alles / aller Orte Denckwuͤrdiges fleiſ - ſig erforſchet und aufgezeichnet worden / dergleichen vorhin niemahls an Tag kommen.
Nunmehr auf Befoͤrderung deſſen Hochanſehnlichen Herrn Bruders aus des Seligen Hand-Buche in dieſe richtige Ordnung gebracht und denen Raritaͤt-Begierigen uff Begehren Einer hohen Perſon Durch den Druck mitgetheilet Von Mgr. Chriſtoff Jaͤgern / zu S. Afra und der Churfuͤrſtl. S. beruͤhmten Land-Schule in Meiſ - ſen Paſtore Prim.
Mit Churfl. Saͤchſ. Freyheit.
Jn Budißin zufinden bey Barthol. Kretzſchmarn Buchhaͤndl. Gedruckt vonChriſtoph Baumann/Jm Jahr Chriſti 1666.

Erklaͤrung des Kupffer-Titul-Blats.

Diß Leben gleichet ſich der Wanderſchafft auf Erden /
Die Muͤh und Ungemach / Gefahr und voll Beſchwerden.
Wer Himmel aufgedenckt / der muß durch Dornengehn
Und unters Teufels Bruth von Ungeziefer ſtehn.
Wer ſelig ſtirbt / der geht und ſchreitet aus dem Leiden
Mit breitem ſichern Fuß dort auf den Pfat der Freuden /
Geht hin auf Roſen fort zur Himmels-Freuden-Stadt /
Da GOTT ihm Ehr und Cron laͤngſt beygeleget hat.
Drumb fort! nur hurtig fort von uͤberhaͤuffter Muͤhe
Hinauf geſchritten fort zur ewig ſtoltzen Ruhe /
Da Chriſti Mittler-Hand nimmt auf und weiſet ein.
Es muß ein ſaurer Tritt darnach gewaget ſeyn.
3Zuſchrifft.

Dem Hoch-Edelgebornen / Geſtrengen und Wohl-Mannveſten Herꝛn Rudolph von Neitzſchitz auf Roͤhrsdorff / Borthen und Cunerſtorff / etc. Rittern / Churfuͤrſtl. Durchl. zu Sachſen / ꝛc. hochanſehnlichen Obriſten uͤber Dero Teutſchen Leib-Guardi zu Roß / Cammerherrn und Ambts - Hauptmann zum Stolpen / Radebergk und Hohnſtein. Meinem Hochgeehrten Herrn und vornehmen geneigten PATRON, Von GOTT durch Chriſtum unſern Heyland GOttes Gnade / Geſundheit / Friede / Gluͤck / Segen und Seligkeit ſambt aller ſelbſt erwuͤnſch - enden Proſperität Leibes und der Seelen zuvor

HOch-Edelgeborner Herr und Hochge - ehrter vornehmer geneigter Patron. Vertraut Gut wil ohne Schaden wieder gegeben ſeyn / wanns von dem rechten Herrn begehret wird; Dahero es in de - nen Rechten ſeine ſonderliche Freyheiten hat / und ha - ben auch die Heyden beſtaͤndig druͤber zuhalten wiſſen / wie zuſe - hen / daß der beruͤmte Heydniſche Meiſter der natuͤrlichen Weiß - heit / Ariſtoteles, ſchreibet: Es ſey viel ungerechter und unverant - wortlicher vertraut Gut vorzuhalten und zuverleugnen / als ein geliehenes / Sect. 29. Probl. 2. tom. oper. Alſo leſen wir beym Herod. im 6. Buch / daß des Glauci zu Spaꝛta gantzes Geſchlecht / als eines untuͤchtigen Mannes / ausgerottet worden / darum /A 2daß4Zuſchrifft. daß er das ihm von Mileſio auf zuheben gegebenes Geld leug - nen und nicht flugs ſeinen Soͤhnen zufoͤrdern wollen / als ſie nach Sparta kommen / das Warzeichen deßwegen aufgewie - ſen und das Geld begehret haben.

Und wiewohl das Urthel eben hart / ſo ſehen wir doch dar - aus der weiſen Heyden Tugend und Gerechtigkeit / damit ſie uns Chriſten offt weit vorgehen und am Juͤngſten Tage be - ſchaͤmen werden.

E. Hoch-Adel. Excell. haben mir hiebevorn ein Reiſe - Handbuch vertrauet: Das halte ich billich auch nicht vor ein geringes / dieweil zum theil GOttes Ehre / zum Theil auch des Nechſten Nutz damit zuſchaffen und dann dero Hertzgeliebter Herr Bruder ſein Leben druͤber geendet und hielte ich mirs vor GOTT und in meinem Gewiſſen unverantwortlich / wenn ich etwas dran haͤtte ſparen / was E. Hoch-Adel. Excell. deß - wegen meiner Wenigkeit angeſonnen / oder damit zuruͤcke hal - ten ſollen / da Sie daſſelbe bißhero in angeregter Form ſo Schrifft als muͤndlich wieder begehret.

Wann dann nun dabey gethan / was GOTT durch mei - nen Fleiß und Arbeit aus Gnaden verliehen / daß das Werck nicht allein ſeine richtige Ordnung und Abtheilung in Theile / Buͤcher und Capitul erlanget / ſondern auch die materi und Sachen darinnen ein iegliches an ſeinen Orth / ſo viel immer muͤglich getragen und geſetzet und dieſelben mit verſtaͤndlichem Teutſch beſchrieben worden / welches denn einem Reiſenden in ſeinem Hand - und Tage-Buche zuthun nicht muͤglich / weiln er vor taͤglicher Unruhe und Unbeſtaͤndigkeit ſeines Lebens zu Ge - dancken nicht kommen kan / dann auch Sein Wille und Vor - haben den vollkommenen Zweck noch nicht erreichet und uͤber diß alles ſeine Mutterſprache mit ſo viel andern Sprachen zer - ruͤttet und verwirret wird. Als uͤberreiche nun E. Hoch -Adel.5Zuſchrifft. Adel. Excell. ich daſſelbe mit freudigem Gemuͤthe / als Dero es auch von Rechtswegen gehoͤret / der ſichern Hoffnung lebende / Sie es ſich auch mit Chriſtlichen Hertzen werden gefallen laſ - ſen und mir / wie bißhero ruͤhmlich geſchehen / mit Dero hohen Gunſt und vornehmen Gewogenheit noch ferner zugethan verbleiben.

Denn ſo dort Themiſtocles, der beruͤhmte Fuͤrſt zu Atheen / ſeine Beuthe / die er vor ſeinem Feinde erworben / nicht beſſer an - zuwenden wuſte und demnach dieſelbe mit Freuden ſeiner Mut - ter in Schoß ſchuͤttete / weil er wuſte / daß ſie daſelbſt willkom - men und angenehm waͤre: So wird deßwegen auch mich nie - mand verdencken / daß ichs mit dieſer Ubergabe wage und der Verſicherung lebe / Sie werde bey E. Hoch-Adel. Excell. nicht unfreundlich angeſehen / ſondern angenehm und willkommen ſeyn. Denn was ja meiner Arbeit halben dran mangeln wird / wil ich mir mit meinem Gebet fuͤr derſelbten und dero gantzen Hoch-Adelichen Hauſes Leibes - und Seelen-Wohlergehen al - lezeit fleißig laſſen angelegen ſeyn. Die ich auch hiemit in Goͤtt - liche Obhut treulich befehle. Meiſſen auf meinem Afraniſchen Zion den 1. Januar. des 1666. Jahrs.

E. Hoch-Adel, Excell. zum Gebet und aller Moͤglichkeit ſtets verbundener Mgr. Chriſtoff Jaͤger von Schkeuditz.

An6An den woͤhlgeneigten Leſer.

Vom Reiſen / wie man reiſen und Reiſe - Buͤcher leſen und gebrauchen ſoll.

DAs Reiſen iſt dreyerley: Das Eine iſt ein Noth-Rei - ſen / wen die Noth darzu bringet und zwinget / daß er reiſen muß / wie offtmahls Verfolgung / Krieg / Peſtilentz / Armuth und Hun - gersnoth verurſachet. Das andere iſt ein Aberglaubiges Reiſen / wie diejenigen thun / fuͤrnemlich im Papſthumb / welche / um ſonderbares Ver - dienſts willen der Gnade GOttes / an den / oder jenen Orth Wallfahrten und ſich / als die unverſtaͤndigen Kinder / was ſie ſonderbahres ſehen und hoͤren / fuͤr ſonderbahre Heiligthuͤmer einbilden. Mit dieſen beyden Arthen wollen wir nichts zuſchaffen haben / dieweil ſie weder Ehre / noch Nutzen ſchaffen. Das Dritte iſt ein Ehren-Reiſen / da einer Luſt und Unluſt uͤber ſich nimmet / Laͤnder und Staͤdte / Waſſer und Land durchreiſet und nach Ehre / Kunſt und Tugend ſtrebet / damit er hernach andern Leuten ehrlich zudienen gedencket. Und das iſt eine Tugend / welche an hohen Perſonen / Herren und Edlen zuruͤhmen und ihnen allerdings gebuͤhren wil / dahero der Gelehrte Mann Bernegger in der 173. Frage aus dem Tacito gar herrlich ausgefuͤhret / daß hohe Perſonen und wie ſie reiſen ſollen / dergleichen auch ſonſt andere vornehme und gelehrte Maͤn - ner gethan.

Denn das Reiſen iſt gar ein noͤthig und nuͤtzlich Werck. Noͤthig iſts um der Erfahrung willen / daß man da mit Augen ſehe und glaubwuͤrdig nachſa - gen kan / wie ſich die Laͤnder und Leuthe von Jahren zu Jahren veraͤndern und entweder verringern / oder beſſern und daraus mercke / daß alle Dinge ihrem gewiſſen Ziel und Ende entgegen gehen / was zeitliche Dinge ſeyn und wie wenig darauf zubauen und dann wie wunderbar und unbegreiflich GOTT in ſeinem Regimentund Gerichten.

Zum Exempel: Willibald / geweſener Biſchoff zu Aichſtet / der des Papſts Canon unter die Heiligen geſetzet / hat im ſiebenden Seculo das heilige Land auch durchreiſet; Aber weit anders habens hernach andere nach ihm befunden. Der Edle Bernhard von Breitenbach und hernach Dechant und Caͤmmerer des Ertzſtiffts Meintz / hat dergleichen gethan im Jahr Chriſti 1483. und wie ers befunden / in Latein beſchrieben und ein gantz Buch davon drucken laſſen / auswel -7An dem wohlgeneigten Leſer. welchem hernach Buͤnting ſeine meiſte Nachricht zu ſeinem Alt - und Neu-Te - ſtamentiſchen Reiſe-Buche genommen. Allein in vielen beſchreibts hernach Chriſtoff Fuͤhrer anders in ſeinem Reiſe-Buche und nun auch nach ihm der von Neitzſchitz in gegenwaͤrtiger ſeiner Reiſe-Beſchreibung / der alles ſelber mit Augen geſehen / mit groſſer Gefahr und Ungemach alle Winckel durchkro - chen und gar genaue Nachricht von ſolchen Leuten / die er ſelber auf ſeine Ko - ſten und Speeſen gehalten und mit ſich gefuͤhret / eingezogen.

Und ob ſich gleich die Laͤnder nicht aͤndern / was ihren Situm und Stand betrifft / ſo aͤndern ſie ſich doch am Zuſtande / daß die Grentzen / die Namen / die Herrſchafften / die Jnwohner und Fruchtbarkeit / die Mores / Sitten / Klei - dung und Gebraͤuche / die Religionen / das Regiment / anders / ja viel Or - the gar zerſtoͤhret und aufgehaben / andere aber angelegt / gebauet / oder die gebauete an Gebaͤuen verbeſſert und geaͤndert werden / welches uns denn ein groſſes Liecht zu nuͤtzlicher und noͤthiger Wiſſenſchafft giebet / ſonder - lich einem andaͤchtigen Chriſten / in dem Stuͤcke / daß / wenn er da lieſet und ſi - het / wie das Juͤdiſche Land ſo gar zu Grunde verderbet und geaͤndert und in frembde Haͤnde und Herrſchafften vertheilet / er deſto mehr verſichert und ge - ſtaͤrcket werde in ſeinem Glauben / daß gewiß die Goͤttliche Weiſſagung des Ertzvaters Jacobs / da er alſo geſagt zu ſeiner Zeit im 49. Cap. des 1. B. M. Es wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden / noch ein Meiſter von ſeinen Fuͤſſen / biß der Held komme / das iſt: Nicht ehe wird der Heyland kommen / der / als ein Held / das Menſchliche Geſchlecht aus des Teufels und der Hoͤllen Gewalt erloͤſen wird / als wenn das Juͤdiſche Volck ſein eigen Koͤ - nigreich und Meiſterſchafft zu rathen und zu helffen wird verlohren haben und frembder Obrigkeit muß unterworffen ſeyn / nunmehr erfuͤllet / der Heyland und Held kommen und wir mit den verſtockten Juͤden auf keinen andern war - ten doͤrffen.

Aus dieſen Urſachen bin ich auch bewogen worden / daßich zu Ende die - ſes Reiſe-Buchs einen Bericht von dem Juͤdiſchen Koͤnigreich / wie ſichs nach und nach geaͤndert und endlich auch gar geendet undaufgehoͤret / mit angehen - get: Jngleichen / wie auch der gantze Moſaiſche Gottesdienſt gefallen und dem neuen Bunde des Neuen Teſtaments des Herrn Meßias Jeſu Chriſti / das iſt / der Oſſenbahrung ſeines heiligen Evangelij / gewichen und nachgegeben.

BSind8An dem wohlgeneigten Leſer.

Sind demnach diejenigen zuloben / welche darnach reiſen und uns / als ausgeſchickte Bothen / die rechte Warheit heimbringen und berichten / damit wir nicht an ungewiſſen Dingen hengen bleiben und uns damit behelffen doͤrf - fen / das wir doch anders wiſſen koͤnnen / als es die Vorfahren ihrem befinden nach aufgezeichnet.

Nuͤtzlich iſt das Reiſen auch / denn es beſſert im Wiſſen und Leben und ſagt jener fleißige Reiſemann nicht unbillig: Reiſen iſt ein fleißiger Lehrmeiſter. Denn indem einer nicht nur Staͤdte und Laͤnder / ſondern auch der Menſchen Sitten / Sprachen / Trachten / Wercke und Gemuͤther und wie dieſelben regi - ret werden / ſelber ſihet und erforſchet / ſo ſihet er nicht allein Guts und Boͤſes beyſammen und hab die Wahl / welches wohl oder uͤbel ſtehet / Schaden / oder Nutzen ſchaffet / ſondern auch es mag einer ſtudirt haben und ſo gelehrt ſeyn als er immer wolle / ſo wird doch ſeine Geſchicklichkeit dadurch vermehret / ge - ſtaͤrcket und das Gemuͤthe zur Ehr und Erbarkeit angetrieben und weiß her - nach auch andere weißlich und loͤblich zu regiren / oder andern regiren zuhelf - fen / wie Sirach im 39. Cap. ſeines Hauß-Buchs den Gereiſeten zuſchreibet. Drumb ſagen unſere Alten: Wer nicht auskoͤmmet / der koͤmmet auch nicht ein.

Heimgebackene und Selbſt-kluge richten ſelten viel Gutes aus / oder muͤſ - ſen ſich mit Einbildungen und Aufſchneiden behelffen. Denn die Baͤuriſche Arth / die man zu Hauſe angewohnet / wird mit dem auslaͤndiſchen Saltz der Hoͤflichkeit ſubtil gemacht / daß man hoͤflich / Geſpraͤchig / demuͤthig und recht vernuͤnfftig wird / da man ingegen ſihet / daß die / ſo zu Hauſe im Schatten bey denen ihrigen / als die Jungen bey den Alten im Neſte / ſitzen bleiben / gemeinig - lich gantz wilde / eigenwillig / einbildig / und ſtaͤrrig bleiben / die mit niemande umzugehen / noch ſich zuſchicken wiſſen. Beſihe hierbey auch den fleißigen Schreiber Zeilerum und ſeine 99. Epiſtel im Dritten Hundert.

Daß aber auch wohl welche das Boͤſe von ihrem Reiſen mit nach Hauſe bringen und nicht allein vor ihre Perſon davon Boͤſe werden / ſondern auch wohl loͤbliche Ordnungen / Regimenter / Sitten und Religionen damit be - ſchmitzen / verfaͤlſchen / zerruͤtten und verderben / das gibt die Erfahrung leider! offt und viel / zumahl in dieſen ietzt verderbten letzten Zeiten / mit Schmertzen zu beklagen.

Poli -9An dem wohlgeneigten Leſer.

Politici ſchreibt Herr Schupp am 8. Blat Diſſert. de Nila. & Italia & Gal - lia reduces à Patrum noſtrorum moribus recedunt & omnes pulices tu - ſtire audiunt, ſemperq́ nova inſtituta crepant, non quia bona, ſed quiæ nova, viel Politici / wenn ſie aus Welſchland oder Franckreich wieder heim - kommen / aͤndern flugs ihrer Vor-Eltern Sitten / hoͤren die Floͤh huſten und wollen lauter neue Anordnungen haben / nicht daß ſie ſo gut / ſondern weils nur was neues iſt. Alſo wird in des ſel. Luth. Tiſchreden am 74. Blat gedacht / es ſey dem ſeligen Manne uͤber Tiſche einsmahls erzehlet worden / daß einer von Seckendorff ſich bey einer Gaſterey verlauten laſſen: Wenn GOTT ihm ſein Reichthumb und Wolluſt lieſſe / daß er tauſend Jahr leben und allein ſeinen Willen treiben moͤgte / ſo wolte er hernach GOTT ſeinen Himmel gerne laſſen. Der hatte eine rechte Saue mit aus Franckreich bracht / wie ihn der ſel. Luth. genennet / in welchen nichts anders als Treber gehoͤren.

Solche Leute ſind / traun! wie unerfahrne Aertzte / die alle Patienten oh - ne Unterſcheid mit einerley Artzeney curiren wollen. Oder ſie ſind gleich wie Unweiſe / die ſich mit dem Meſſer ſchaden thun / das ſie zu ihrer Nothdurfft und beſten gebrauchen ſolten. Oder ſie ſind / wie dort Heroſtratus, der ſich beruͤhmt zumachen den herrlichen und in aller Welt beruͤhmten Tempel Dianae zu Epheſo in Brand ſteckte / wie Strabo im 4. Buch davon ſchreibet. Dahero denn dieſelben mit ihrem boͤſen Verhalten dem ohne des noͤthigen und nuͤtzli - chen Reiſen keinen Schandfleck aufklecken / noch iemand daſſelbige verleiten koͤnnen.

Und ob gleich auch viel Fabeln / ſonderlich bey den Antiquitaͤten und alten Sachen und mach ungewiß Ding mit einlauffen / ſo kans dennoch auch der Wiſſenſchafft des Reiſens nicht ſchaden. Wo iſt ein Geſchichtſchreiber der nicht geirret haͤtte / vors (1.) weil unſer Wiſſen / wie die Schrifft redet / in die - ſem Leben nichts / als ſtuͤckwerck iſt / und wir alle klagen und bekennen muͤſſen:

Hæret im ambiguis hominum prudentia rebus,
Was der Menſche weiß und dencket /
Jſt in Zweiffel eingeſencket.

Und dann vors (2.) weil ein Geſchichtſchreiber anderer Leute Bericht nach - ſchreiben muß / was er ſelber nicht ſehen und erfahren kan. Drumb muß manB 2mit10An dem wohlgeneigten Leſer. mit Verſtande leſen / andere dagegen halten und beſcheidentlich urtheln / im uͤbrigen aber doch ihren unverdroſſenen Fleiß loben als welches gleichwohl beſ - fer thut / daß uns etwas mitgetheilet wird / als daß wir gar nichts davon wiſſen ſolten.

Wer auf den Jahrmarckt zeicht / muß ſich nach den Kaͤuffern richten und ih - nẽ allerhand Wahꝛen zufuͤhꝛen / unterdeſſen aber einem ieglichen die Wahl laſſen zunehmen / was ihm gefaͤllet: Alſo auch / wer Reiſebuͤcher ſchreiben / Laͤnder und Staͤdte beſchreiben und / was allda zuſehen / der Welt mittheilen wil / der muß doch gleichwohl alles / ſo man ihm iedes Orths zeiget / berichtet und zuſehen iſt / mit hinein bringen / damit ſich niemand zubeſchweren habe / als wenn er untreu und nicht fleißig gnung geweſen / im uͤbrigen aber einem iedlichen frey laſſen an - zunehmen / was ihm gefaͤllet / einem diß / dem andern ein anders.

Und alſo iſt billig auch zuloben und zudancken dem weiland Hoch-Edlen Herrn George Chriſtoff von Neitzſchitz aus dem Hauſe Wehlitz und Werns - dorff / ꝛc. Daß derſelbe mit hindanſetzung ſeines Vaterlandes / mit Aufwen - dung ſeines Vermoͤgens und ſeiner Geſundheit / ja auch mit Ausſtehung vie - ler Gefahr / Muͤhe und Ungemach zu Waſſer und Lande / ſintemahl es doch war iſt, von denen / ſo da reiſen und frembde Laͤnder beſehen wollen / was im Froſchmaͤußler angefuͤhret wird:

Wer reiſen wil hin durch die Welt /
Und gehen uͤber Meer und Feld /
Weiß aber nicht mit kluger Liſt
Zurathen / wies gelegen iſt /
Der koͤmmet leicht in Angſt und Noth
Und leidet Raub / wohlgar den Todt.

Dahero Dalby, ein gelaͤhrter Daͤne / dem loͤblichen Rath giebt / da er c. 8. p. 74. de Peregrinatione mortalium, alſo ſchreibet:

Si peregrè pergas, ſemper de nocte quieſcas. Manè citò ſurge, boſpitium de luce capeſſas. Manè Deum lauda ſurgendo, ſicut alauda. ()
Wann du zureiſen haſt / ſo laß die Nacht ſeyn Nacht.
Steh deſto fruͤher auf und reiſe mit Bedacht.
Kehr11An dem wohlgeneigten Leſer.
Kehr ein zu rechter Zeit / weil noch der Himmel leucht.
Machs / wie die Lerche thut / die in den Luͤfften fleucht
Zuloben GOTT mit Macht /
Daß dus ſo weit gebracht.

Daß / ſag ich / Ehrngedachter Cavallier Sieben Jahr lang gereiſet und nicht allein andere / ſondern auch das gelobte Land / da vor deſſen das Volck Jſrael gewohnet und GOTT ſeine Kirche gehabt und die heiligen Ertz-Vaͤter / Pro - pheten / Chriſtus und die lieben Apoſtel gewandelt / gepredigt und viel Zeichen und Wunder gethan / durchzogen und alle Nachricht davon mit ſeiner eigenen Hand fleißig aufgezeichnet hinterlaſſen / nach dem er bald nach ſeiner Heim - kunfft den Weg alles Fleiſches gangen / nur daß ſelbige in richtige Ordnung und Verſtaͤndlich teutſch gebracht werden muͤſte / zu deſſen Befoͤrderung denn deſ - ſelben geliebter Herr Bruder / der Hoch-Edelgeborne und Geſtreng-Mannve - ſte Herr Rudolph von Neitzſchitz uff Roͤhrsdorff / Borthen und Cunnersſtorff Ritter und Churfuͤrftl. Durchl. zu Sachſen hochanſehnlicher Cammerherr und Hof-Obriſter / mein vornehmer und großgeneigter Patron keinen Fleiß geſparet / zumahln er geſehen / daß einige hohe Perſonen groß Verlangen dar - nach getragen.

Nun habe ich das meinige durch Gottes Huͤlffe / nach beſtem Vermoͤgen / dabey gethan / ſo viel mir neben meinen ordentlichen Ampts-Geſchaͤfften muͤg - lich geweſen / und uͤberreiche es allhier deinen Haͤnden. Darumb nimms zum beſten auf / brauche es zu deinem Nutzen bey guter Geſundheit und Frieden und gedencke meiner / als eines / der nichts liebers wuͤnſchet / als der gemeinen Wohlfahrt nach hoͤchſtem Vermoͤgen zudienen / im beſten und bitte GOTT fuͤr mich / gleich wie ich auch fuͤr dich / auf daß wir alle ſelig werden / Amen.

B 3Der
12Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung

Der Erſte Theil Der Sieben Jaͤhrigen und gefaͤhrlichen Welt-Beſchauung Des weilant Hoch-Edelgebornen Herrn Georgen Chriſtoff von Neitzſchitzens aus dem Hauſe Wehlitz und Wernsdorff / ꝛc.

Jſt eine Beſchreibung der Reiſe deſſelben durch Jtalien und von Venedig uͤbers Meer nach Conſtantinopel und was er unterwe - gens fuͤr Laͤnder und Orthe beruͤhret / geſehen und beſuchet.

Das Erſte Buch

Haͤlt in ſich die Anſtellung zur Reiſe und endlichem Fortzug uͤbers Alpen-Gebuͤrge biß an die Jtalianiſchen Grentzen und was unterwegens zuſehen geweſen.

Das Erſte Capitel

Von der Anſtellung zur Reiſe.

NAchdem ich bey mir erwogen / wie Edel der Menſch von ſeinem GOTT erſchaffen und mit Verſtande und vernuͤnfftiger Seele begabet / allen andern unvernuͤnfftigen Thie - ren ſo weit vorgezogen / als Himmel und Er - den von einander ſind und dannenhero / wo es bedacht wird / ein ſolch Gemuͤthe ſich billig in die Hoͤhe ſchwinget und ſich alſo in dieſer Welt zuleben vorſetzet / damit es zufoͤrderſt ſeinem GOTT recht diene und durch die Gnade Gottes in Chriſto des Ewigen verſichert werde und dann auch mehr lerne / erfahre und wiſſe / als andere gemeine Creaturen und nicht / wie ein Schiff auf der See / ohne nach -blei -13Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauungbleibende Spur durch diß Leben hindurch ſtreiche / iedoch alles aus Liebe dem Nechſten und gemeinen Beſten zudienen / als ha - be auch ich ſolches zuthun im Namen Gortes bey mir feſtiglich beſchloſſen.

Und ſolches werckſtellig zumachen habe ich im Jahr nach Chriſti unſers Heylandes Geburt 1630. meine Sachen zu Hau - ſe / ſo viel muͤglich / richtig gemachet und ohne Verzug mit groſ - ſer Luſt und Begierde mich im Namen der Heiligen Dreyfal - tigkeit auf die Reiſe begeben und zu erſt nacher Naumburg / umb allda mit denen auf der Meſſe anweſenden Kauffleuthen Compagnie zumachen / welches auch gar gluͤcklich fuͤr ſich gan - gen.

Das II. Capitel.

Von der Fort-Reiſe biß ans Alpen-Gebuͤrge.

VOn Naumburg bin ich mit denen Augſpurger Kauf Leu - then den 27. Apr. ſt. v. Nachmittage umb drey Uhr obge - dachtes 1630. Jahres fortgereiſet und den 15. May dar - auf gar gluͤcklich und wohl mit gedachten Kauffleuthen in Aug - ſpurg angekommen / allwo ich im Wirthshauſe zur Traube eingekehret.

Augſpurg iſt ſonſt ohne daß eine beruͤhmte und wohlbe - kante Stadt und demnach unnoͤthig viel Worte davon zuma - chen / auſſer zugedencken / daß allda die herrliche Waſſerkunſt / der heimliche Einlaß und das wolbeſtallte Zeughauß ſonderbar zuſehen ſind. Deßgleichen auch iſt denckwuͤrdig / daß keine Ra - tzen allda gefunden werden / und fuͤr gewiß geſagt wird / daß ſie weilant Biſchoff Ulrich daſelbſt / ſo Anno 973 geſtorben / hinweg gebethet. Ja wenn man auch gleich von andern Orthen wel - che dahin bringe / wie offtmahls ſol verſucht worden ſeyn / ſo ſterben ſie und bleiben nicht.

Es14Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Es hat aber mit ietztgedachtem Einlaß eine ſolche Be - wandtnuͤß: Es ſind die Thoren und Zugbruͤcken alſo gebauet / daß / ob ſie gleich noch ſo groß und ſchwer ſind / dennoch ſie ſich von ſich ſelber aufthun und niederlaſſen / vor denen / ſo man in der Nacht allda hinein laͤſſet / und hernach auch von ſich ſelber wieder zuthun und aufziehen / wenn die Leuthe hinein ſind und ſihet man niemand weder hinter noch fuͤr ſich / biß man zum in - nern letzten Thore koͤmmt / da wird eine brennende Latern her - unter gelaſſen und muͤſſen die Eingelaſſene ihre Namen von ſich geben und darbey ein Trinckgeld. Und wenn das geſchehen ſo oͤffnet ſich auch dieſes Thor und werden die Eingelaſſene auch vollend in die Stadt gelaſſen. Und auf ſolche maſſe kan man al - le Nacht in Augſpurg kommen / heraus aber wird ſelten iemand zu Nachtszeit gelaſſen.

Nachdem aber faſt maͤnniglich die Staͤdte / zwiſchen Naumburg und Augſpurg gelegen / bekant / achte ich unnoͤthig mit deren Beſchreibung das Werck weitlaͤufftig und dem Leſer verdruͤßlich zumachen. Wil nur dieſelben / ſo wir durchreiſet / kuͤrtzlich erzehlen. Von Naumburg aus ſind wir demnach zukommen.

1. Nach Jehna / allwo eine herrliche und weitberuͤhmte Aca - demia und Hohe Schul. Sind aber nur durchgereiſet und wei - ter kommen:

2. Nach Sahlfeld / da wir auch uͤber Nacht verblieben. Wie wir allhier zum Thore einkommen / ſind wir von dem Thuͤr - mer auf dem Thurm mit Trompetenſchall empfangen wor - den / welches auf eine Vereehrung angeſehen geweſen / die er auch von uns im Wirthshauſe / da wir eingekehret / abgeholet und empfangen hat.

3. Nach Donawerth / 4. Coburg / 5. Bamberg / 6. Forch - heim / 7. Nuͤrnberg und 8. Augſpurg.

Als15Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung

Als ich mich nun in die acht Tage in Augſpurg aufgehal - ten / habe ich nach Gelegenheit getrachtet mich mit ehiſter und beſter Zufaͤlligkeit nacher Venedig zubegeben. Und weil gleich gewuͤnſcht von Venedig Muͤth-Roſſe kommend / allda in meinem Quartier zur Trauben eingekehret / habe ich alsbald das Gedinge mit ihnen gemacht / ein Roß von ihnen gemuͤthet und bin benebenſt des Biſchoffs von Wuͤꝛtzburg Abgeſandten / dañ einen Schleſiſchen von Adel und des Herrn Geſandten Vet - ter den 23. May Nachmittage von Augſpuꝛg foꝛt uñ nacher Rom zugegangen / unterwegens aber kommen 1. auf Landsberg / welches ein Staͤdtlein am Berge liegend fuͤnff ſtarcke Meilen von Augſpurg und hat auf der Hoͤhe ein Schloß / allwo wir uͤber Nacht verblieben. Des folgenden Tages ſind wir kom̃en 2. auf Schoncka und 3. Amborgau. Allhier faͤngt ſich das Alpen - Gebuͤrge an.

Das III. Capitel.

Von der Reiſe uͤber das Alpen-Gebuͤrge.

Auf dem Alpen-Gebuͤrge wird kein Heu gemacht auf den Winter zur Beduͤrffnuͤß / ſondern den Sommer uͤber wird das Vieh drauff gehuͤtet / welches man nennet zu Alp fah - ren. Von Amborgau ſind wir kommen 1. auf Seiga ſind drey Meilen / 2. auf Porte-Kirchen vier Meilen / 3. auf Seelfeld ſechs Meilen / 4. auf Jnsbruck vier Meilen.

Zwiſchen dieſen beyden Staͤdten liegt das felſichte Ge - buͤrge / worauf ſich Keyſer Maximilianus der Erſte dieſes Namens / auf der Gemſen-Jagt verſtiegen und in Leib und Le - bens-Gefahr gerathen / iedoch endlich durch Gottes Gnade ge - rettet worden.

Weiter ſind wir kommen 5. auf Stoͤnach vier Meilen /Cdann16Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauungdann uͤber den hohen Berg / zwey Meilen lang ſich erſtreckend und der Brenner genant / 6. auf Stoͤrtzing vier Meilen / wel - ches eine feine Stadt iſt.

Von hier aus ſind wir unterwegens im freyen Felde kom̃en zu einem gar hohen Stein / welcher unten ein Loch hatte: Und iſt ein alter Brauch / daß / der zuvorn da zu nicht gereiſet / ſich durch das Loch dringen muß und hat einer / ſo ſonderlich corpulent iſt / wohl zuthun / daß er durchkoͤmmet / welches denn unſerer Reiſe Gefaͤrten einer wohl in acht genommen und deßwegen lieber einen Ducaten ſpendiret / als daß er gleich uns durchkriechen wollen / fuͤr welchen Ducaten wir uns hernach luſtig gemachet / als wir kommen 7. auf Brixſin vier Meilen von Stoͤrtzing / welches Brixſin eine Stadt iſt in der Ebene am Gebuͤrge lie - gende / allwo ein Biſchoff reſidiret. Von hieraus ſind wir kom - men 8. auf Blumau / ein Wirthshauß fuͤnff Meilen. Weiter 9. auf Potzen eine Stadt an der Etzſch eine Meile. 10 auf Salur - na ein Dorff vier Meilen und folgends 11. auf Trient drey Mei - len.

Trient iſt eine bekandte und ſchoͤne Stadt / worinnen Teutzſch und Welſch geredet wird / wie ſich denn auch flugs eine Meile davon uͤber dem Berge ſo Platte genannt wird / das Gebiethe Welſchlandes anhebet. Jſt mit guten Mauren und Graͤben wohl verwahret / und iſt ſonderlich auch beruͤhmt von der groſſen Kirchen-Verſamlung / ſo daſelbſt angangen Anno 1546. und gewaͤret biß 1563. welcher viel Fuͤrſten und Herren / Praͤlaten / Cardinaͤle / Patriarchen / Ertz-Biſchoffe uñ Biſchof - fe des Papſthums beygewohnet. Jn dieſer Stadt Kirche zur lie - ben Frauen bey dem Altar ſihet man den Coͤrper des H. Simo - nis, ſo ein kleines Knaͤblein von ohngefaͤhr 4. Jahren geweſen / welches die Juͤden hiebevorn gemartert haben / noch gantz undgar17Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. gar und unverweſet mit Haut und Haar / aber gantz ſchwartz / wie denn auch die Inſtrumenta, damit ſie es gemartert haben / gewieſen werden / weßwegen ſich noch biß dato von ſelbiger Zeit an allda kein Juͤde aufhalten darff / und in dieſer Kirchen iſt ob - gedachtes Concilium gehalten worden.

Von hieraus ſind wir kommen 12. auf Clauſe / welches ein feſter Paß / dem Ertz-Hertzog in Tyrol gehoͤrig: Jſt ſehr hoch und fuͤnff und zwantzig Klafftern in Felß gehauen / zwantzig Elen breit und acht Elen hoch. Endlich ſind wir kommen 13. auf Carpenzi, ſo nur etzliche Haͤuſer und endet ſich allhier das Alpen-Gebuͤrge.

Das ander Buch.

Haͤlt in ſich die Reiſe durch Welſchland und uͤbers Meer biß in Aſia und nach Smirna und was dabey mit vorgelauffen denckwuͤrdig zuvermelden iſt.

Das Erſte Capitel.

Von der Reiſe durch Welſchland.

WElſchland iſt ohne deß bekant und von andern Reiſenden ausfuͤhrlich beſchrieben / daß ohne Noth ich mich lange damit aufhalten ſol / auſſer was ich im durchreiſen biß nacher Venedig einen und andern Ort beruͤhren muͤſſen / deren ich kuͤrtzlich gedencken wil und ſind wir von Carpenzi kommen 1. nach Caſtel franco, welches eine ziemli - che Stadt / 2. nach Tervis, ſo eine groſſe Stadt / dieſe Stadt ſol lange vor Chriſti Geburt geſtanden haben. Denn man haͤlt dafuͤr daß ſie Oſyris, welcher zehen Jahr in Jtalien regiret und hernach Koͤnig in Egypten worden / gebauet haben ſol / maſſen denn die Buͤrger noch an vielen Orthen den Ochſen zum War - zeichen deſſen denen Reiſenden in alten Gemaͤhlden weiſen / wel -C 2cher18Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. cher nach Heydniſchen Brauche von dem Volcke verehret wor - den / weil er nach Abſterben Oſyridis erſchienen und die Heydni - ſchen Pfaffen fuͤrgeben / als wenns Oſyris waͤre. Dieſe Stadt liegt faſt umb und umb im Waſſer / hat ſtarcke Mauren / und iſt mit Munition und Stuͤcken wohl verſehen. Vordeſſen haben die Lombardiſchen Marggraffen allda ihren Sitz gehabt / ietzt aber gehoͤret ſie den Venetianern. Von hier aufs ſuͤſſe Waſſer ins Meer und in zwey Stunden 3. zu Venedig ange - langet. Allda habe ich im weiſſen Loͤwen acht Tage ſtille gelegen und den 8. Junij drauff Nachts zwiſchen 11. und 12. Uhr mit einem Schiffe / ſo gemeiniglich alle Nacht dahin zulauffen pfleget / 4. nacher Padua kommen und ſind wir ohngefaͤhr mor - gens umb 9. Uhr allda angelanget und im guͤldenen Stern ein - gekehret.

Als ich mich nun einen Monat allda aufgehalten und / was zubeſehen geweſen / fleißig in Augenſchein genommen / bin ich mit GOTT ſchluͤßig worden meine Reiſe mit dem foͤrder - ſamſten nach Conſtantinopel fortzuſetzen / habe mich demnach wieder auf einer gemuͤtheten Land-Gutſchen zuruͤcke nacher Venedig begeben / ſind ſechs Meilen / und habe allda mein Logier im ſchwartzen Adler genommen.

Weil ich mich aber des Schiffs halber / ſo nacher Conſtan - tinopel ſegeln wollen / in etwas allda aufhalten muͤſſen / habe ich mich aus dem Wirthshauſe in Cameram locantem begeben und allda nach meinem belieben ſelber bekoſtet / dieweil im Wirths - hauſe die Speeſen ziemlich hoch anlauffen wollen.

Und wiewohlich gerne der Stadt Venedig allhier etwas gedencken wolte / ſo iſt doch des Dings ſo viel / daß ichs faſt nicht wagen darff. Kurtz aber zuſagen / ſo halte ich nicht / daß eine Stadt in gantz Europa der Stadt Venedig an Herrligkeit /Pracht19Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Pracht und Macht vorgehet. Denn zuverwundern iſt ſich 1. uͤber die Groͤſſe derſelben / in welcher 190714. Menſchen wohnen ſollen. 2. Uber die unzehlichen / praͤchtigen Pallaͤſte / auch wohl gemeiner Leuthe. 3. Uber die viel herrliche und gantz kuͤnſtlich er - bauete Kirchen faſt alle von Marmel / Jaſpis / Alabaſter und Porphyrſteinen / inwendig aufs praͤchtigſte ausgeſchmuͤcket. Es werden aber drinnen gezehlet 66. Haupt-Kirchen / 26. Stiff - ter / 54. Kloͤſter / 18. Capellen / und 17. Hoſpitaͤle / 114. Glocken - thuͤrmer / 27. gemeine Schlag-Uhren. 4. Uber die vortreffli - che Bibliothek / 5. Uber das groſſe reiche Arſenal oder Zeughauß. 6. Uber der Stadt und Jnwohner groſſes Reichthumb und Vermoͤgen / 7. Uber ihre loͤbliche Policey und Regirung / ſinte - mahl allda 56. Gerichte gehalten werden / Klaͤgern und Beklag - ten zum beſten / 8. Uber die vielen Bruͤcken / deren 450. gezehlet werden / unter welchen die zu Rivo alto die fuͤrnehmſte / denn ſie ſehr kuͤnſtlich und viel tauſend Kronen koſtet. So liegen auch taͤglich und ohn unterlaß in die 800. Gundelen / oder Schifflein zum uͤberfahren fertig / weil Venedig gantz im Waſſer liegt und mit vielen Canalen durchfloſſen iſt. 9. Uber S. Marx Platz und Kirche: Da iſt Pracht und Herrligkeit zuſehen / daß mann druͤber erſtarret und vernarret. 10. Uber die Kauffmanns - Poͤrſen / deren 53. ſind / da ich Nachricht / glaub ich / aus der gantzen Welt haben und hoͤren / nicht was vor Alters / ſondern von der Zeit paſſiret und vorgehet / 11. Uber die ſchoͤnen ſonder - baren Luſt-Gaͤrten / deren 185. an der Zahl. Zuverwundern iſt ſich auch 12. uͤber der Venetianer Glaßhuͤtten. Dieſelben ſind auf einer kleinen Jnſul / ohngefaͤhr eine halbe Meile von der Stadt / da werden die bey uns in Teutſchland beruͤhmten ſchoͤ - nen Glaͤſer in groſſer Menge gemachet. Anderer Rariteten zu - geſchweigen. Sonderlich iſt zuverwundern. 13. Uber die vielC 3Laͤn -20Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Laͤnder der Stadt Venedig / denn an Jnſuln und Laͤndern ha - ben ſie Corfu, Zefalonia, Cerigo, Zante und Creta, oder Candia, faſt gantz Friaul und Hiſtria, oder Jſterich. Am Meer in Dal - matia Cataro, Spalato, Zara und andere mehr. An Land-Staͤd - ten Caſſano, Caſtell-Franco, &c. Bergamo, Brixia, Crema, Vero - na, Vicentia, Tervis, Padua, und andere mehr / wie davon bey an - dern Scribenten Nachricht zufinden.

Das II. Capitel.

Von der Reiſe zur See nach Aſia und deſſelben beruͤhmten Stadt Smirna.

NAch dem nun das Schiff gantz und gar expedirt und zum ablauffen fertig habe ich mich mit meiner zur Reiſe gehoͤ - rigen Proviſion im Namen GOttes zu Schiffe begeben. Weiln ich aber damals der Jtaliaͤniſch - und Tuͤrckiſchen Spra - chen noch nicht kuͤndig war / habe ich einẽ Niederlaͤnder / ſo derſel - ben erfahren und in die 9. Jahr zu Conſt antinopel ſich in Dien - ſten des Niederlaͤndiſchen Ambaſſadeurs aufgehalten / von dem er auch aus ſeiner langwierigen Tuͤrckiſchen Dienſtbarkeit erloͤ - ſet worden war / mit mir auf gedachtes Hn. Ambaſſadeurs Vet - ters Recommendation, mit dem er nur vor zwey Tagen von Conſtantinopel zu Lande nacher Venedig kom̃en war / wieder zuruͤcke nach Conſtantinopel genommen / wiewohl mit groſſen Koſten / maſſen ich ihm / weiln er mit Kleidern uͤbel verſehen ge - weſen / Mantel und Kleider ſchaffen muͤſſen / welches auf Vier - tzig Reichsthaler hinan gelauffen / mich aber ſelber habe ich auf Tuͤrckiſch ausſtaffiret.

Hiernebenſt / als ich mich mit aller zum Winter und aufs Meer behoͤrender Nothdurfft an Kleidern / Mattratzen / Hauptpolſtern / Leilachen / Bettdecken und Proviſion an Victua - lien und guten rothen Wein auf zwey Perſonen gnungſamver -21Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. verſehen / bin ich den 28. Auguſti ſt. n. Nachts zwiſchen drey - und vier und zwantzig Welſcher Uhr / teutſcher aber ohngefaͤhr ſie - ben und achte im Namen Gottes ſammt meinen Niederlaͤnder nach dem Reiſefertigen Schiffe auf einer Gundela zugefahren: Sind aber / weil noch alles Gut nicht im Schiffe / umb Mitter - nacht erſt in die weite der See / nebenſt noch zweyen andern groſſen Schiffen / mit guten Winde fortgeſegelt / wiewohl wir nur mit halben Segeln und gemachſam fort gehen doͤrffen / weil unſer Schiffherr umb einiger Verrichtung willen zuruͤcke bleiben muͤſſen und erſt auf den Tag zwiſchen 10. und 11. Uhr auf einer groſſen Parquen nachkommen nebenſt zween Trompe - tern / welche unſer Schiff von weiten erſehend mit ihren Trom - peten-Schall luſtig beehret / biß ſie endlich gar zu uns kommen.

Nachdem nun unſer Schiff-Patron unſerm Schiffe ſich genahet und daſſelbe mit Trommel - und Trompeten-Schall / wie gedacht / froͤlich empfangen / welches ſchoͤn zuhoͤren war / auch unſer Capitain demſelben mit loͤſung dreyer Stuͤcken be - willkommet / ſind wir drauff im Namen Gottes mit heller Stimme dreymahl JESUS / JESUS / JESUS ſchrey - end mit vollen Segeln der weite des Meeres zugefahren. Sind alſo vom 29. Auguſt. biß den 2. Sept. ſt. n. gar gluͤcklich fortkom - men und haben dieſen gedachten 2. Sept. im voruͤber Segeln ohn gefaͤhr auf funffzehen teutſche Meilen zu Geſichte bekommen / 1. Ancona.

Dieſes Ancona iſt eine ziemliche groſſe Stadt und ſonder - lich beruͤhmt wegen der Schiff fahrt und ſtarcken Handlung / die allda getrieben wird / wie ſie denn auch noch ziemlich feſt iſt / liegt allenthalben ſehr luſtig / unten an einem groſſen Berge am Meere / welcher Berg genennet wird Monte d Ancona: Dabey liegt auch ein Caſtell zur Stadt gehoͤrig / wor auf ein Cardinalwoh -22Siebenjaͤhrige Welt-Beſchanung. wohnet / ſo dieſelbe guberniret, gehoͤret alles unters Papſts Ge - biethe. Es iſt zwar vor langer Zeit dieſe Landſchafft denen Ve - netianern zuſtaͤndig geweſen / aber hernach von ihnen ſelber Paͤpſtlicher Heiligkeit præſentirt und geſchencket worden.

Vierzehen Meilen davon liegt der beruͤhmte und heilige Orth 2. Loreto eine halbe Meile vom Meer abe. Wird ſonſt S. Maria di Loreto genennet. Jſt zwar eine kleine aber luſtige Stadt / feſt und wohl verwahret und wird von dreyerley Leu - ten bewohnet als Geiſtlichen / Gaſtwirthen und Pater noſter - machern. An dieſem Orthe iſt zuſehen das Haͤußlein der heili - gen Jungfrauen Marien / worinnen ſie zu Nazareth den Gruß vom Engel empfangen und ſol von den Engeln dahin gebracht worden ſeyn. Dahero denn dahin weit und nahe unzehliche Wallfahrten geſchehen / wovon auch der Orth meiſtens alſo be - ruͤhmt worden. Solch Haͤußlein aber iſt von Ziegelſteinen und ſteht in einer ſehr groſſen Kirche / die trefflich ſchoͤn erbauet und iſt der Schmuck / Schatz und Vorrath an Kleinodien / Gold / Edelſteinen / Perlen und Silber bey dieſem Marien-Bilde nicht zuglauben / noch zubeſchreiben.

Den 3. Sept. haben wir bey groſſer Hitze wenig Wind ge - habt / alſo / daß wir unſere Segel nicht viel brauchen koͤnnen. Den 4. Sept. haben wir etwas mehr Wind gehabt und von fer - ne zur Lincken Hand geſehen 3. die Jnſul S. Andreæ, welche gar klein und ōde iſt. Weiter aber auf ſelbiger Hand ſind wir an - ſichtig worden 4. einen groſſen Felſen mitten im Meere / ſo we - gen der Form eines Apffels Pomo genañt wird und werden dar - auf viel Falcken gefangen. Geſehen haben wir 5. die Jnſul Leiſſa, welche nicht groß und denen Venediern zuſtaͤndig / liegend bey Sclavonia oder Dalmatia, wie das Land auch genennet wird. Den 5. Sept. ſind wir anſichtig worden der Jnſuln 6. Katſchaund23Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. und 7. Katſchola, auch denen Venediern zuſtaͤndig / wiewol ſie beide wuͤſte / den 6. Sept. ſahen wir 8. die Jnſul Curſolo, wel - che groß und bewohnt iſt / der Stadt Rapuſa unterthaͤnig und ligt in Sclavonia. Jtem 9. die Jnſul Pelloſa, oder Pellopoſa, ſo auch wuͤſt und unbewohnt lieget.

Den7. Sept. haben wir den erſten Port wegen groſſes Tobens deß Windes und Meers bey einem Flecken 30. Caſtello Novo. ſo Tuͤrckiſch / unfern von Rapuſan nehmen muͤſſen.

Dieſer Flecken liegt gerade im Meer in terra ferma un - term Gebuͤrge und ſind die Jnwohner derſelben Gegend ſehr boͤſe und denen frembden Chriſten abſcheulich nachſtellende Tuͤrcken / weßwegen denn / als wir / weil unſer von der Fortun zerbrochenes Schiff daſelbſten neun Tage / umb ſolches wieder zu beſſern / verbleiben muͤſſen / wie im folgenden Capitul mit mehrern ſoll gedacht werden / unter ſolcher Zeit unterſchiedene mahl den Flecken / Leuthe und Gegend zubeſichtigen auff un - ſerm Neben Kaicklein hinuͤber ſchiffen wollen / hats uns der Schiff-Capitain treulich widerrathen / mit Vermelden / daß / ſo bald dieſelben Tuͤrckiſchen Beſtien einen fremden deß Landes und Sprachen unerfahrnen Chriſten antreffen / ſie denſelben alsbald gefangen naͤhmen / ſo lang verborgen hielten / biß niemand mehr mit Ernſt nach ihm fragte und ſo dann zu ſol - chenſchweren Dienſten gebrauchten / worzu man faſt kein un - vernuͤnfftig Thier gebrauchen ſolte / ja ihn mit Geiſſeln / Pruͤ - geln und Plagen auffs alleraͤrgſte tractirten / oder anderweit in ewige Dienſtbarkeit verkaufften.

Es ſind aber gleichwol Griechen ſelbiger Gegend zu uns kommen / die uns allerhand Lebens-Mittel zuverkauffen ge - bracht / da wir auch / was noͤthig / um billichen Preiß von ih - nen erhandelt.

DUnd24Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Und weil wir zur lincken der Einfahrt ſolches Hafens / oder Ports ein ſchoͤn gruͤnes baͤumichtes Gebuͤrge hatten / ſuchten wir etzliche mahl uns alda zuerluſtigen / auch mit Holtz zum Kochen ins Schiff zuverſehen / wiewol in moͤglichſter Stille / und ſo / daß wir kein lautes Wore reden dorfften auß Furcht fuͤr denen vorgedachten raͤuberiſchen Tuͤrcken / damit ſie uns nicht hoͤren und nachſtellen ſolten.

Das III. Capitul.

Von einem ſchweren See-Sturm / worinnen wir bey nahe verdorben weren.

DJe Fortun aber und Ungeſtuͤhm belangende / die uns in ietztgedachten Hafen genoͤthiget / hat ſich dieſelbe albe - reits den 6. Sept. gegen Abend ziemlich ſtarck angehal - ten. Nach dem aber die Booßgeſellen ſampt andern dem Schif zugeordneten auß dem Gewitter eine groſſe Ungeſtuͤhm auff bevorſtehende Nacht vermercket / haben ſie ſich aufs Meer hinauß zu begeben nicht rathſam befunden / ſind demnach auf Bitte der Paſſagiers zum Schiff-Capitain gangen / jhm gegen - wertige und ie laͤnger ie mehr zunehmende Gefahr der allge - mach hereinfallenden Fortun angezeiget / zugleich bittende / den noch alda ietzo in ſeiner Macht habenden Port einzunehmen und mit dem Schiffe bey zeit einzulauffen / damit die vor Au - gen ſchwebende Leibs - und Lebens-Gefahr und aller im Schiff habenden Guͤther verhuͤtet werdenmoͤgte.

Weil aber ſolche treue Warnung ſtat nicht finden moͤgen / in dem der Capitain fuͤrwendete / es wuͤrde dahin nicht kom - men / haben wir nach Verlaſſung deß guthen Ports unſern Curs fortnehmen muͤſſen: Seynd alſo mit groſſem von denen Booßgeſellen wegen deß auch hernach alſo erfolgten groſſenSturms25Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Sturms eingejagten Schrecken im Namen Gottes mit eife - rigem Gebeth fortgeſeglet und haben uns in ſchneller Eil weit von dem Port gefernet und nunmehr ohn einige menſchliche Mittel allein in Gottes Gewalt geſtanden.

Als nun die Nacht eingebrochen und die ſtarcken Winde / wie gemeiniglich zu Nachts am meiſten zugeſchehen pfleget / aufgeſtanden / auch es gantz dickfinſter worden und ein ſtar - cker Regen noch darzu mit eingefallen / nebenſt unauf hoͤrlichen Donnern und Plitzen / iſt erſt die vorhin prophezeyete und in Wind geſchlagene Ungeſtuͤm mit Macht herein gebrochen / hat das Schiff von einer Seiten zur andern / bald uͤber / bald un - terſich mit grauſamer Gewalt geworffen. Weilen wir aber zu dem vorhin verlaſſenen Port nunmehr unmuͤglich wieder ge - langen koͤnnen / wie ſehr der Capitain darnach gewuͤnſchet / ha - ben wir uns drein ergeben / fleiſſig gebethet und alles Gott und ſeiner Barmhertzigkeit anheim geſtellet.

Zwiſchen 11. und 12. Uhr in der Nacht iſt der Sturm der - maſſen hefftig worden / daß auch / weilen die Segel wegen deß uͤberauß ſtarcken Windes ſo geſchwinde nicht herab genom - men werden koͤnnen / der Wind den Hauptmaſtbaum oben her - ab / iedoch zu unſerm groſſen Gluͤck / ins Meer geſchlagen / daß er das Schiff nicht beruͤhret / da denn erſt Lachen zuverbeiſſen war. Dann in dem wir in ſolchem groſſen windigen / regenhaf - ten finſtern Sturm-Wetter auf dem Meer durch die noch ſtets zunehmende Ungeſtuͤhm in Ermangelung unſers Maſt - baums mit dem Schiffe bald unter / bald uͤber ſich geworffen wurden / daß auch das Schiff von denen hefftigen und ſchreck - lichen Erſchitterungen der Meeres-Wellen / welche nit anders als hohe Berge von ferne auf das Schiff daher waltzeten / uͤber alle maſſe gekrachet und geknacket / haben wir anders nicht ver - meinet / als daß es dieſen Augenblick zu Truͤm̃ern gehen wuͤr -D 2de26Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. de und wir ſammt Schiff und Guͤthern in der finſtern Nacht im Meer verderben muͤſten.

Bald iſt das Schiff auf die Seite geſchlagen / daß alle Keſten / Laden und was drinnen geweſen / uͤbern Hauffen gele - gen / welches denn ein ſolches Krachen und Prauſen verurſa - chet / daß man ſich allein daruͤber gnugſam entſetzen muſte / wenn gleich ſonſt keine Ungeſtuͤhm / noch einige andere Gefahr waren verhanden geweſen.

Jm Schiffe hat man weder ſtehen noch gehen koͤnnen / auf den Lagern aber ſind wir dermaſſen herum geworffen worden / daß uns Hoͤren und Sehen vergangen und in War - heit kein anders Außſehen da war / als daß uns die Wellen / die bereits an allen Orthen mit groſſem Grauſen und Brauſen zu uns eingeſchlagen / lebendig verſencken uñ ertraͤncken wuͤrden: Und iſt uns alſo dieſe einige Nachtlaͤnger / als ſonſt eine gantze Woche / vorkommen / mit unzaͤhlichen Wuͤnſchen nach dem An - bruche deß lieben Tages.

Jn dieſem grauſamen See-Sturm ſind gleichwol zwey Venetianiſche Schiffe / ſo mit uns von Venedig außgelauf - fen / wiewol uns vorkommen / verdorben / eins / ſo zu Druͤm - mern gangen / das andere / ſo verſuncken / dahero wir Gott nit gnugſam zu dancken gehabt / daß er uns allein ſo gnaͤdig - lich erhalten und auß ſo augenſcheinlicher Todes-Gefahr dar - von geholffen. Deñ da war wohl recht Lachen zuverbeiſſen und muͤſte ein ieder / der mit auf dem Schiffe war / den gemeinen Teutſchen Rheim laſſen waar ſeyn / da man zu ſagen pfleget:

Wer nicht fleiſſig bethen kan /
Der werde nur ein Schiffmann.
Das27Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Das IV. Capitul.

Von unſerm Aufbruch und Fortzug von Caſtello Novo.

ZU Caſtello Novo haben wir uns / wie oben gedacht / im Port 9. Tage aufgehalten / von welchem ohngefaͤhr in die 18. wel - ſche Meilen abgelegen 1. die Stadt Cataro, ſo an dem Scla - voniſchen / oder Dalmatiſchen Ufer gelegen und von Natur feſt iſt / weil man ihr um der vielen Berge / rauhen Wege und engen Clauſen zu Lande nicht beykommen kan. Jſt ſonſt denen Venetianern zuſtaͤndig / wie auch 2. die Stadt Ra - puſa, welche zwantzig Welſche Meilen von gedachtem Caſtello Novo gelegen. Dieſe Stadt hat ein freyes Regiment. Weil aber ihre Macht nicht groß gnug / ſo muͤſſen ſie es mit den Nachbarn halten / und ſonderlich dem Tuͤrcken jaͤhrlich 14000. Ducaten Tribut bezahlen. An ſich ſelber iſt ſie zwar Volckreich / ob ſie gleich ſo gar uͤbrig groß nicht iſt. Auſſer der Stadt liegt das Schloß / S. Laurentij genannt / welches feſt und nicht groß / aber ſehr bequem zur Gegenwehr iſt / dabey es auch gegen Auffgang einen bequemen Fort hat. Bey dem Caſtell auf der andern Seiten iſt ein Bergen an welchem unten die Stadt ge - legen / nicht weit vom Meer und gar an einem luſtigen Orth. Es gibt viel Spring Brunnen denn die von den Bergen herab kommen. Jhre Sprach iſt Sclavoniſch / ſie reden aber alle auch Jtalieniſch.

Nach dem nun unſer Schiff wieder ergaͤntzet und fertig war / auch wir uns mit Nothdurfft zur Reiſe wider verſehen / ſind wir den 16ten Sept. mit ſehr guthem Winde wieder auß - gelauffen und den 17. Sept. vorbey geſegelt 3. bey der Jnſul Cor - fu, die bey dem alten Griechiſchen Poëten Homero ſehr beruͤhmt geweſen.

D 3Die28Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Die Hauptſtadt auf dieſer Jnſul heiſt auch Corfu; iſt ſehr feſte und hat drey Caſtell / deren zwey gegen einander / das eine auff einen ſehr hohen ſpitzigen Berge / das andere aber etwas niedriger gelegen / und das dritte liegt unten am Meer / und ſind alle denen Venetianern zuſtaͤndig. Das Land iſt ſehr fruchtbar und findet man gantze Waͤlder von Pomerantzen / Zitronen und Granataͤpfeln drinnen / Wein und Baumoͤhl Honig und Wachs iſt die Menge da / wie auch kein Mangel an Getreide iſt. Keine Raubthierer gibts nicht / aber ſonſt aller - hand gut Wildpert.

Den 18 den und 19. Sept. haben wir ſtets guthen Wind gehabt / biß wir den 20ſten um den Mittag gluͤcklich erreichet 4. die Jnſul Zante und in derſelben Stadt auch Zante genant / angelendet.

Gedachten 18. Sept. aber ſind wir zwiſchen ſechs groſſen Steinklippen / mitten im Meer liegend / mit groſſer Furcht und Gefahr gar nahe hindurch geſegelt / unter welchen einer Vanus genannt zur rechten Albaniæ den Venetianern gehoͤrig / wird von Griechen bewohnet und iſt gar groß. An dieſem Felſen iſt manch Engliſch - und Hollaͤndiſch Schiff zu ſcheitern gangen / die der Wind da angetrieben hat: Dahero wir im vorbey Se - geln groſſe Vorſichtigkeit gebrauchen und das Schiff mit al - lem Fleiß guberniren muͤſſen / damit es uns nicht auch ungluͤck - lich gehen ſollen. Es erbauet dieſer Berg oder Felß auch et - was an Oehl und Getreydig / die andern 5. Klippen haben wir auf der lincken Hand / wiewol gar ſehr nahe / gelaſſen.

Das V. Capitul.

Von dem Gebrauch der Contumaciæ.

ALs wir nun zu Zante im Port eingelauffen / haben wir da - ſelbſt vier groſſe Hollaͤndiſche Schiffe mit Soldaten / wel -che29Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. che denen Venetianern zu kommen / angetroffen / ſeynd in die 2000. Mann geweſen. Es hat ſie aber die Stadt Zante ohne Contumacia nicht einnehmen wollen / weil ſie dazumahl der Peſt halber in Furcht geſtanden. Es hat aber mit dieſer Gewohnheit / Contumacia genannt / ſolche Bewantniß und Beſchaffenheit.

Contumaciam machen iſt ſo viel / als auff eine gewiſſe Zeit ſich der Stadt / oder eines Orths / dahin man begehret / ent - halten: Und geſchicht bißweilen wol von 20. biß auff 30. Tage. Da hat man gewiſſe Haͤuſer / wo vornehme Handelsſtaͤdte / gebauet / worinnen ſolche Contumacirer eingeſperret und wie im Arreſt / biß zu Außgang der geſetzten Tage ſitzen muͤſſen. Wo aber keine ſolche Haͤuſer / kan man ſich die Zeit uͤber auf ſei - nem Schiffe enthalten. So bald ſie nun vermeinen / daß ein Schiff von verdaͤchtigen Orthen wegen der Peſte ohne Fede oder Teſtimonio von dem Orth / davon es abgeſegelt / ertheilet / anlanget / muß es ſich beſagter maſſen auf eine Zeit / ſo nach Gelegenheit der Umbſtaͤnde / darzu beſtimmet / deß Orthes entaͤuſſern.

Als wir nun in die Stadt kommen / ſeind wir von einer darzu beſtellten Perſon in eine Griechiſche Kirche gefuͤhret worden / allda wir unſer Gebeth ein jeglicher ſeiner Religion nach / zu Gott fuͤr geleiſteten gnaͤdigen Schutz auf dem wilden Meer inbruͤnſtig abgeleget und gedancket.

Das VI. Capitul.

Von der Beſchreibung der Jnſul und Stadt Zan - te, oder Zacynth[us], wie ſie auch pflegt genennet zu werden.

DJe Jnſul Zante, iſt ungefaͤhr 600. Jtalieniſche Meilen umfangen und liegt Achaja und Cephalonia zwiſchen inne. Die30Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Die Stadt hat den Namen von der Jnſul: iſt nicht ſonderlich groß und liegt nach der Laͤnge am Meer / iſt von den Tuͤrcken etliche mal abgebrannt und zerſtoͤret / jedoch immer wieder er - bauet und bey Macht erhalten worden. Sie hat uͤber dreiſſig Griechiſche Kirchen und zwey Catholiſche / und iſt Volckreich. Die Jnnwohner ſind mit Gewehr wol verſehen / auch bauet es allda ſehr guthen und ſtarcken Griechiſchen Wein / welcher / wenn er geraͤth / in die 18000. groſſe Vaſſe giebet. Die Oehlbaͤu - me / wenn ſie wol zuſchlagen / koͤnnen in die 13000. Vaß Oehl einbringen. Die kleinen Roſinen ſind Haͤuffig zu finden / daß / ſo ein guth fruchtbar Jahr iſt / zehen Engliſche Schiffe ein Jahr lang alda koͤnnen beladen werden / von Korn / aber Vieh und andern Sachen / was ſie beduͤrffen / koͤmmt ihnen auß Tuͤr - ckey gnugſam zu.

Jm Caſtell / ſo auf einem hohen Berge gelegen und 1200. kleine Haͤuſerlein begreifft / ſind 150. Soldaten / wiewol ih - rer ſonſt von rechtswegen 300. ſein ſollen. Und weil das Caſtell hoch liegt / kan man ſehr weit in die Jnſul hinein ſehen. Dieſelbe iſt ſchoͤn eben und unten voller Oelbaͤume und kleiner Roſinen - Straͤucher / auch ſind in der Veſtung uͤber 70. Stuͤck Ge - ſchuͤtz. Oben ſind mehr Catholiſche / als Criechiſche Kirchen / und / wie man mich berichtet / uͤber 20. Catholiſche ſammt den Capellen und 8. Griechiſche. Sonſten ſollen ſich auf der gantzen Jnſulin 14000. wolbewehrter Mann befinden und geſchehen jaͤhrlich zu Herbſtzeiten erſchroͤckliche Erdbeben drauf / wie denn zu meiner Zeit / als ich drauff geweſen / drey langwaͤrende grauſame Erdbeben entſtanden / daß ich anders nicht gemei - net / als daß die gantze Stadt untergehen ſolte / maſſen denn das Hauß / darinnen ich logiret / ſich hefftig erſchuͤttert / daß ich nicht zu bleiben gewuſt fuͤr Angſt und Schroͤcken. Der Wirth aber hat mir geſagt / ſie weren deß all gewohnt / weilsalle31Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. weils alle Jahr geſchehe und niemals auſſen bliebe. Auch bin ich berichtet worden / es pflege alda gar ſelten zu regenen / wenn es aber anhuͤbe / ſo regene es oft gantzer vier Wochen aneinan - der. Die Hitze iſt uͤber auß groß / daß die Jnwohner nicht zu bleiben wiſſen / wie es denn keinen ſonderlichen Winter gibt und mehr Regen als Schnee faͤllet.

Das VII. Capitul.

Von unſerer Fortreiſe von Zante und was un - terwegens mit vorgelauffen -

GEgen dieſer Jnſul Zante uͤber haben wir geſehen 1. More - am und 2. Caſtellum Porneſo. Den 28ſten Sept. aber ſind wir mit ziemlichen Winde von dannen auffgebrochen / haben den 29ſten Moream auf der lincken Hand gelaſſen / wo - ſelbſt zwey Caſtell Nuovo l’uno Vecchio, l’altro Xlaverino detto zu ſehen.

Morea (alſo wird ietzt genennet die Jnſul Peloponneſus) iſt ein feſte Land und keine Jnſul zwiſchen dem Joniſchen und Egeiſchen Meer inne gelegen / ietzo dem Tuͤrcken gehoͤrig und iſt zehen Tagereiſen im Umkreiße groß. Jn dieſem Land ſind gelegen die vor deſſen zun Zeiten der heiligen Apoſtel und ihrer reinen Nachfolger beruͤhmten Staͤdte 3. Corinthus. 4. Lace - dæmon, ſo auch Sparta genennet worden und 5. Athen, iſt uͤber - auß fruchtbar an Korn / Oel / Seide / Wein / und Vieh / wel - ches man in groſſer Menge drinnen findet. Dieſes Land war vordeſſen der allerbeſte Theil Griechenlandes und hatte / wie ietzt gedacht / die allerberuͤhmteſten Staͤdte und Republicen, ſind aber ietzt alle gefallen und von dem Tuͤrcken zerſtoͤret wor - den / wiewols dennoch mehr bewohnet iſt / als andere Orthe in Griechenland.

EDen32Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Den 30. Sept. haben wir den Berg 6. bey Corinthus, da - hin S. Paulus zwey Epiſteln geſchrieben / geſehen und haben an dieſem Orthe nicht geringe Gefahr wegen der Meer-Raͤu - ber gehabt / wiewol uns der Allerhoͤchſte noch in Gnaden durchgeholffen / denn eben dieſe Nacht / als wir auß dem Port von Zante auffgebrochen / haben drey Engliſche Schiffe / deren eins nacher Venedig / das andere nach Conſtantinopel / das dritte aber in die Jnſul Cypern ſegeln wollen / mit zwey groſſen Tuͤrckiſchen Meerraͤuberiſchen Schiffen hart geſchlagen / ie - doch haben nach langem Gefechte die Engliſchen die Oberhand behalten und ſind gluͤcklich davon kommen / welches zwiſchen dem Caſtell Cerigo und Xlaverino geſchehen.

Den 1. Octobr. ſt. n. haben wir unſern Curs nach Cerigo auß Furcht der Curſaren zunehmen wollen / haben aber wegen Contrari Windes darzu nicht gelangen koͤnnen und alſo zwey Tage und drey Nachte mit groſſer Furcht und Gefahr zuge - bracht. Denn indem wir uns nicht wenig geaͤngſtet / wie wir den Tuͤrckiſchen Seeraͤubern entkommen mōgten und uns das Schiff zu foͤrdern gemartert / ſind wir den z. Octobr. fruͤh Morgens von einem unverbofften ploͤtzlichen Sturmwind auf einen im Meer liegenden ſehr hohen Steinfelſen / Civo duro ge - nannt nahe am Caſtell auf die rechte Hand mit ſolcher Hefftig - keit zweymal aneinander zugetrieben worden / daß wir anders nicht vermeinet / als daß uns die Macht deß Windes / welche uns ſtets der Klippen zugetrieben / dieſen Augenblick an den Felſen ſchlagen und wir elendiglich wuͤrden untergehen muͤſſen / ſintemal uns die Strenge deß Windes nicht zulaſſen wolte / die Segel / ſo voller Wind / ſo bald / als von noͤthen war / zurichten / gleichwol aber das Schiff / als ein Pfeil / in deß den Felſen zuſchoſſe / worbey ich mir denn ſchon vorgenommen / der Augenſcheinlichen Gefahr zuentwerden / da das Schiff wie -der33Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. der die Klippen lauffen wuͤrde / daß ich einen Sprung nach dem Felſen wagen wolte.

Wir haben uns einen gantzen Tag biß in die Nacht hinein um das Caſtell herumb gedrehet und doch unmuͤglich ankom - men koͤnnen. Einmahl ſchlug die Ungeſtuͤhm das Schiff der - maſſen auf die rechte Seite / daß es bereits Waſſer zu ſchoͤpffen anfing und wir nit anders vermeinet / als daß es ietzt zu grun - de gehen wuͤrde / dahero deß lamentirens / Furcht und Schre - ckens im Schiffe kein Ende war.

Den 4ten Octobr. haben wir ein wenig beſſern Wind ge - habt und den 5. dito 7. Malvaſiam zur lincken Hand vorbey ge - ſegelt. Jſt ein Caſtell wiewol nicht groß und iſt auch noch in Mo - rea oder peloponneſo gelegen und den Tuͤrcken zuſtaͤndig. Alda wurden wir umb dieſe Gegend zwey Galeen und zwoͤlff Schiffe von weitem anſichtig / die uns nicht wenig Schrecken verur - ſacheten / weil wir vermeinet / es der Tuͤrckiſchen Curſaren Ar - mada ſeyn werde. Und weil die zwey Galeen auf uns zulieffen / giengen wir zu Rathe / welcher Geſtalt wir ihnen aufs beſte / ſo muͤglich / begegnen moͤgten / ſind aber endlich vorbey gangen und haben uns die andern Schiffe / welche Griechen waren / auf unſer freundliches Nachfragen nicht berichten koͤnnen / wer ſie geweſen / biß wir endlich erfahren / daß es Maltheſer Galeern geweſen / wiewol wir doch deſſen gleichwol keinen gar gewiſſen Grund gehabt.

Zur rechten Hand haben wir gar nahe erſehen die Jnſu - len 8. Mafrocaraſia, 9. Antimilo und 10. Milo, zur lincken Hand aber 11. einen groſſen Steinfelſen im Meere / welcher eine Jn - ſuliſt und Falconera genant / aber nicht bewohnet wird / wie auch ſonſt viel andere Jnſulen mehr umb dieſe Gegend unbe - wohnt liegen. Von Malvaſia liegt Lacedæmonia zwey kleine Tagreiſen zu Lande. Milo iſt vor Zeiten Melos genennet wor -E 2den34Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. den und hat ein hohes Ufer / ſo uͤber das Waſſer gehet gegen das Vorgebuͤrge Malea in Poloponneſo und iſt dieſe Jnſul faſt rund und umgriffen in die 24. Franzoͤſiſche Meilen. Sie hat gar einen Fetten fruchtbarn Boden / da das Korn und ſonder - lich der Weitzen in 40. oder manchmal wenig Tagen druͤber zu vollkommener Hoͤhe koͤmmet und hernach kurtz drauf ge - ſchn dten werden kan. Sie gibt auch Oel und Wein / Silber und[den] beſten Schwefel / als an einem Orthe gefunden werden mag.

Die Jnſul Cerigo, welche ſonſten fruchtbar und denen Venetianern zuſtaͤndig iſt / hat in die zwantzig Doͤrffer und ein Caſtell / wird von Griechen bewohnet und iſt bey ſolchem Ca - ſtell gar ein gefaͤhrlicher Hafen. Denn ſo ein Ungeſtuͤhm auff dem Meer entſtehet / ſind die Schiffe wegen der Felſen in dem - ſelben in groſſer Gefahr.

Von der Jnſul Zante biß Cerigo rechnet man 300. Jta - lieniſche Meilen: Und iſt vielleicht unſer groß Gluͤck geweſen / daß wir die zwey Tage uͤber in ſolchen Port bey dem Caſtell Cerigo nicht einkommen koͤnnen / wegen deß damahls geweſe - nen Sturmwindes und Ungeſtuͤhme deß Meeres / indem uns dadurch leicht ein groſſer Schade erwachſen koͤnnen / der uns aufreiben ſollen / da wir vermeinet am ſicherſten zu ſeyn.

Den 4. Oct. Morgens fruͤh / weil gleich damahls der Tag S. Franciſci war / ſeind ihm zu Ehren drey Stuͤck geloͤſet worden auf unſerm Schiffe / damit / der Meinung nach / durch ſeine in - terceſſion wir beſſern Wind erlangen moͤgtẽ / wie denn auch ge - ſchehen. Den 6. Oct. haben wir guhten Wind gehabt und ha - ben im vorbey Segeln zur lincken Hand geſehen 12. Romaſniam, auf der Rechten aber / wiewol von ferne die Jnſulen 13. Cervo, 14. Termia, 15. Sia, 16. Silia, 17. Sonſuſa, 18. Diſchir, und 19. Tol - buro. Werden von Griechen / der Tuͤrcken Unterthanen / be -wohnet /35Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. wohnet / ſind ziemlich groß und bauen Getreydig. Termia aber hat um und um 45. Jtalieniſche Meilen und gibt guth Volck darinnen. Zur lincken Hand haben wir auch unter andern ge - ſehen 20. Napolun, welches eine Stadt iſt in Griechenland ge - legen.

Den 7. Oct. haben wir Vormittage guthen Wind ge - habt und ſind gegen Abend / wiewol mit ſchlechtem Winde / in Port der Jnſul Termia eingelauffen / daſelbſt uns wieder mit friſchen Waſſer zuverſehen / weil uns unſer Waſſer faſt ſtin - ckend werden wollen.

Dieſe Jnſul hat drey Doͤrffer und iſt ſonſt von hohem Gebuͤrge und weitlaͤufftig / und der Hafen derſelben iſt uͤber - auß guth / um und um mit Gebuͤrge zu beſſerer Gewahrſam der Schiffe von Natur verſehen.

Allhier haben wir auch dieſen Tag geſehen 21. die Ge - gend / da vordeſſen Athen, die beruͤhmſte Stadt und Haupt - ſtadt in Griechenland geſtanden / von Termia ungefaͤhr acht und zwantzig Teutſche Meilen / welche wir auf der lincken Hand gelaſſen.

Den 8. Oct. ſind wir auß dieſem Port wieder aufgebro - chen / als wir uns zu Fortſtellung unſerer Reiſe mit friſchem Waſſer und andern nothwendigen Dingen verſehen und ſind den 9. Oct. die Jnſuln 22. S. Andreæ zur Rechten und 23. Nigro - ponto zur Lincken nahe vorbey pasſiret, und den 10. dito 24. die groſſe Jnſul Scio, ſo Tuͤrckiſch / die Jnſul S. Andreæ liegt im Ein - ſtreich deß Meers M arede Marmora, welches vor Alters Pro - pontis, das iſt / das Vor-Meer genennet worden / weil Con - ſtantinopel dahinter liegt. Gehoͤret den Tuͤrcken zu / wie auch gantz Griechenland / dahero auch alle der weiſſe Wein / ſo drauff erbauet wird / gen Conſtantinopel gelieffert werdenE 3muß36Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. muß / und iſt dieſe Jnſul meiſt von Griechen und wenigen Tuͤr - cken bewohnt.

Nigroponto, welche die Tuͤrcken Egripos heiſſen / hat vor - deſſen Eubæa geheiſſen. Jſt eine vortreffliche Jnſul in Archipe - lago. Die Hauptſtadt darinnen iſt geweſen Chalcis, wird aber ietzt auch genennet / wie die Jnſul ſelbſt und liegt gantz eben / das Land iſt an ſich ſelber gar fruchtbar und hat keinen Man - gel an allerhand nothduͤrfftigen Fruͤchten. Man hat mich fuͤr gewiß berichtet / daß man den Amiantſtein drinnen finde / wel - cher ſo zubereitet werden kan / als wenn er geſponnen were. Und die Leinwat / ſo dar von gewebt wird / wird nicht gewaſchen / wenn ſie unrein worden / ſonderu wird ins Feuer geworffen und dardurch geſaͤubert und wieder rein und ſchoͤn.

Scio, ſo auch Schio, oder Chius genennet wird / iſt vordeſ - ſen eine maͤchtige Jnſul in Archipelago geweſen / von groſſem Reichthum und einem loͤblichen Regiment / iſt aber ietzt ſchlecht beſtellt / weil ſie der Tuͤrck unter ſeiner Macht hat / wel - che auſſer dem Biſchoff keinen Chriſten in der Stadt wohnen laſſen. Derſelbe verrichtet den Gottesdienſt in ſeinem Hauſe. Rephuͤner aber findet man gnug auf dieſer Jnſul / denn viel Leuthe drauff gefunden werden / die nichts thun / als Rephuͤ - ner aufziehen / wiewol das Land an ſich ſelber wegen ſeiner Fruchtbarkeit nicht zu tadeln iſt / denn da waͤchſt gar ein herr - licher Malvaſir / Pomerantzen ſo haͤuffig / daß gantze Donnen außgepreßtes Pomerantzen-Saffts daher kommen / an Fei - gen und andern Fruͤchten mangelts auch nicht / ſonderlich waͤchſt der Maſtix alda in groſſer Menge. Der Maſtix-Baum iſt nicht hoch und groß / bluͤhet faſt wie der Lerchenbaum und wenn die Jnwohner den Maſtix haben wollen / ſo ritzen ſie die Rinde auf an demſelben / ſo dringet er herauß / als ein Hartz: Und das thun ſie das Jahr uͤber gar vielmahl.

Wei -37Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Weiter haben wir auch geſehen 25. die Jnſul Ipſola, wel - che nicht groß und von dem Tuͤrcken unterworffenen Griechen bewohnet iſt.

Zur lincken Handwerts haben wir / ſo feſte Land iſt / und keine Juſul / liegen laſſen 26. Natoliam, welches in Aſia, dem an - dern Theil der Welt gelegen und klein Aſia genennet wirde. Jtem 27. Die Jnſul Mitylene nahe an Aſiam ſtoſſend / oder doch noch zu Europa gehoͤrend: Jtem 28. Carabarum, welches auch feſte Land iſt / in Aſia gelegen / und habens von Scio zur rechten Handwerts gelaſſen.

Dieſe verwichene Nacht haben wir Gefahr wegen deß Golfi, ſo zu ſegeln gefaͤhrlich / außgeſtanden / wie wir denn fol - gendes Tages groß Ungeſtuͤhm zwiſchen Scio und Natolia nach Carabarum zu in Canal außgeſtanden / indem das Schiff faſt umgeſegelt were worden.

Den 11. Oct. haben wir wegen ſolcher groſſen Ungeſtuͤhm auf dem Meer / welches wir vorige Nacht durch Gottes gnaͤ - dige Huͤlffe und Beyſtand uͤberſtanden / wiewol nicht ſonder groſſe Gefahr / Vormittage in einem Port gar nahe unter Natolia Ancker geſencket und ſind alſo nun dißmahl Gott lob in Aſia angelanget / welches wir geſtern zur lincken Hand hatten im vorbey Seglen liegen laſſen.

Das dritte Buch.

Haͤlt in ſich eine Beſchreibung eines Theils von Aſia und was darinnen zu ſehen und wir unſers Theils alda außge - ſtanden / auch wie wir weiter gen Conſtantinopel kommen und was unterwegens geſehen und er fahren worden.

Das Erſte Capitul.

Von einem abermahls außgeſtandenem ſchweren See-Sturm.

Die38Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

DJe Gegend um Natolia iſt eine über alle maſſe luſtige Gelegenheit / alwo es von Oelbaͤumen / Wein - wachs und Ackerbau gleichſam lachet und iſt darne - ben etwas Gebuͤrgig und das Land ſehr fruchtbar / von dan - nen man biß vollends nach Smirna rechnet 50 Meilen.

Gedachten 11. Oct. vier Stunden vor Abend hat uns in dieſem Hafen ein ſolcher Sturm uͤberfallen / daß wir anders nicht gedacht / als wir alle zu Grunde gehen wuͤrden / wie denn vor unſern Augen eine groſſe Barcke / noch auſſer dem Hafen / elendiglich untergangen / daß war uns ein ſchlechtes Will - kommen in Aſia.

Dieſen Sturmwind nennet man paraffski, welcher ein boͤ - ſer und ſehr ſchaͤdlicher Wind iſt. Er erhebt ſich gehling und wehet bald gemach / bald reißt und tobet er dermaſſen / als wenn alles uͤbern Hauffen gehen ſolte / weßwegen wir drey Ancker werffen muͤſſen / wiewol ſie Anfangs nicht eingreiffen wollen / ſo uns nicht wenig Furcht verurſachet Denn indem das Schiff von einer Seiten zur andern ſchlug und die An - cker nicht greiffen wolten / beguͤnte der Schiff-Capitain ſelber auch kleinlaut zuwerden / welches uns unſere Furcht ziemlich vermehrete. Zu unſerm Gluͤck aber waren die Maſtbaͤume oben abgelaſſen / ſonſt hette ſie leicht der ſtarcke Wind herunter ſchla - gen und das Schiff damit zerſcheitern koͤnnen. Were ſonderlich auch der Wind auß dem Meere auf uns geſtanden / als er uns vom Lande ins Meer anſtieß / were unmuͤglich Rath geweſen / daß er uns nicht haͤtte ans felſichte Land und zu ſcheitern getrie - ben / wie der Schiffleuthe Bericht nach an dieſem Orthe manchmahl geſchehen / weil ſich die Felſen vom Lande ziemlich ins Meer ziehen.

Gott gab aber endlich ſeine Gnade / daß die Ancker ein -griffen39Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. griffen und das Schiff / nach dem wir uns ſtatlich geaͤngſtiget und gemartert hatten / ſteiff anhielten / daruͤber wir uns alle im Schiffe hoͤchlich erfreuet und einer dem andern ſein außge - ſtandenes Leid und furchtſame gehabte Gedancken den noch - waͤhrenden Sturm uͤber offenbahret und erzehlet.

Dieſe Fortun und greulicher Sturm hatte biß auf den 13. Oct. in die Nacht hefftig angehalten / daß auch der Capitain ſelbſt bekannt / dergleichen Wind habe er / ſo lange er zur See gereiſet / nicht gehabt. Es wiſſens aber die Seefahrende auf ein genaues / wenn ſich dieſer Wind will mercken laſſen / weß - wegen ſich dieſelben flugs bey Zeit fleiſſig in acht nehmen und auf die Segel ein genaues Auge haben / damit ſie dieſelben herunter bringen und dem Winde die Gelegenheit zu toben auß dem Wege raͤumen.

Den 13. Octobr. als in der Nacht der Sturm nachgelaſ - ſen und wir beſorget / der Wind moͤgte ſich wenden und unſere Gefahr groͤſſer werden / ſind wir im Namen Gottes auß dem Hafen wieder in die See gangen und haben uns ſo den Tag drauff mit ſchlechtem Winde behelffen muͤſſen / iedoch gleich - wol den 14 Octob. drauf / Gottlob / die Stadt Smyrna gluͤcklich erreichet.

Das II. Capitul.

Von der uhralten Stadt Smyrna.

ES iſt dieſes Smyrna eine ſehr alte und beruͤhmte Stadt in Aſia am Meer gelegen und zwar an einer ſehr luſtigen Ge - gend / wiewol ſie nicht ſo gar groß iſt.

Jn dieſer Stadt iſt deß heiligen Apoſtels und Evangeli - ſten Johannis Juͤnger / Polycarpus, wegen der eyfferigen Be - kantnuͤß Chriſti mit der Crone der heiligen Maͤrtyrer gekroͤ -Fnet40Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. net worden. Denn zun Zeiten deß heiligen Apoſtels Pauli war an dieſem Orthe eine herrliche Kirche der Glaubigen / welche gedachter Polycarpus hernach mit ſeinem Maͤrtyrer-Todte ge - ſtaͤrcket hat.

Es bauet an dieſem Orthe ein trefliches Getreyde / daß auch andere Laͤnder dahin kommen und ſich daſelbſt der Le - bensnothdurft erholen / maſſen denn eben dieſes Venetianiſche Schiff / darauf ich biß hieher gereiſet / zu dem Ende allhero ge - ſegelt war / um Getreyde zu laden und abzuholen / dem ich auch deßwegen valediciren und mich nach anderer Gelegenheit / wei - ter fort zu kommen / umthun muͤſſen. Habe mich von Hertzen druͤber erfreuet / in Betrachtung der auf ſolchem Schiff auß - geſtandenen groſſen Gefahr / welcher ich nun zugleich mit va - lediciret.

Weiln ich aber flugs ein groß Engliſch Schiff im Ha - fen antroffen / welches nach Conſtantinopel gewolt / habe ich mich auch mit aufgedinget / mir nothwendige Proviſion an Huͤntern / Wein / Granataͤpffeln / Lemonien und andern aufs Meer dienliche Dinge geſchaffet und bin mit meinem Hollaͤn - der den 17. Oct. Abends im Namen Gottes zu Schiffe gangen und folgende Nacht mit abgefahren.

Von hier haben wir noch acht / oder neun Tagereiſen vol - lend biß gen Conſtantinopel zu ſegeln gehabt. Das Schiff aber war ſehr wol außgeruͤſtet / hatte uͤber dreyſſig groſſe Stuͤcke ſammt anderer armatur von Mußqueten / Helleparten / Degen und allerhand munition, deren man zu Schiffe benoͤthiget iſt.

Das III. Capitul.

Von unſerm Aufbruch zu Smyrna und fernerer Reiſe zur See biß gen Conſtantinopel / ſampt denen mit beruͤhr - ten Orthen.

Den41Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

DEn 18.19. und 20. Oct. haben wir ſehr guthen Wind ge - habt / der uns auch ſo fort gefoͤrdert / daß wir den 19. flugs 1. die Jnſul auch Metlin und Mytilene, ſo vor Zeiten Lesbos genennet worden / erreichet / iedoch zur lincken Hand gelaſſen / uf der rechten Hand aber 2. die Jnſul Chio wieder ins Geſicht bekommen / Mitylene iſt an Fruchtbarkeit gar eine beruͤhmte Jnſul / ſonderlich gerathen da die Baͤumfruͤchte ſo wol / als ſonſt faſt an keinem Orthe / der Wein gehet allen Griechiſchen Weinen vor.

Den 20. Octob. ſind wir 3. die Jnſul Tenedos vorbey geſe - gelt und 4. die Gegend der uhralten Stadt Troja in Aſia und Griechenland cum montibus Idæ, denn gerade Tenedos gegen uͤber / in einer Kruͤmme deß Meeres iſt noch zu ſehen viel alt zerfallen Gemaͤuer und wird fuͤr gewiß vorgegeben / daß es die Stadt Troja geweſen. Man ſihet in ſolchem Gemaͤuer noch einen groſſen viereckichten Thurm und kan man daran gnug abnehmen / was Troja fuͤr eine herrliche Stadt muͤſſe geweſen ſeyn / zumahl dennoch hin und wieder Stuͤcken Mauren und Thuͤrne von Marmel mit unter gefunden werden. Ohngefaͤhr eine Stunde hiervon ſoll auch der Pallaſt deß Koͤnigs Priami geſtanden haben in lauter ſchoͤnen Wieſen an einem Lorber - baumwalde iſt aber nichts mehr davon zu ſehen als ein Haufen zerbrochener ſchwartzer Marmel / aufs fleiſſigſte poliret und ſonſt viel zerbrochene Seulen uñ Bildwerck von Marmel / ſind alſo zwiſchen Aſia und Europa, den beiden Theilen der Welt / deren das erſte zur lincken / das andere zur rechten Hand blie - ben / gar nahe durchhin geſe gelt.

Obgedachten 20. Oct. iſt unſer Schiff nahe bey der Stadt Callipoli in Helleſponto wegen Seuchte deß Waſſers auff den Grund angeſtanden / weßwegen es groſſe Muͤhe gekoſtet ſelbi -F 2ges42Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. ges wieder zu ruͤcke zu bringen und haben zu dem Ende vier An - cker ſencken muͤſſen das Schiff zu ruͤcke zu ziehen / daruͤber aber von Mittag an / da uns der Wind contrar worden / biß in die Nacht / gantzer ſieben Stunden lang / vollauf zu arbeiten ge - habt.

Den 21. Oct. haben wir nur mit dem Schiffe hin und her geſchwebet wegen wieder wertiges Windes und haben den / ob gleich nahe fuͤr uns habenden Hafen nicht erreichen koͤnnen / biß den 22. Oct. da ſind wir endlich 5. zu Callipoli eingelauffen / wiewol mit ſchlechtem Winde / allwo wir uns wieder mit Pro - viſion und behoͤrender Nothdurft verſehen / dieweil wir noch 170. Meilen biß nach Conſtantinopel hatten / weßwegen wir uns auch hier den 23. Oct. aufgebalten. Dieſes Callipoli liegt auf dem Lande / ſo heut zu Tage Sanct Georgen Arm genennet wird / iſt eine halbe Jnſul in den engen Fuhrt deß Meers / Helle - lpontus genannt ſich erſtreckend Alhier iſt eine Uberfahrt auß Europa in Aſiam, darum der Tuͤrcke ſo lang dahin getrachtet / biß er ihm in ſeine Gewalt bekommen / wie auch geſchehen An. 1363. und iſt diß der erſte Paß / den er in Europa gewonnen hat. Nunmehr hat ers gewaltig befeſtiget mit zween Dardanellen und Schloͤſſern auf jeglicher Seite mit einem. Uber dieſem Hel - leſpont, ſchreiben die Poeten / ſoll Leander oft zu ſeiner Buͤlerin / Hero genannt / geſchwummen ſeyn / dieweil das Meer alda nur etwann einer vierthel Meile breit iſt.

Den 24. nach dem der Wind wieder ſtille worden / haben wir uns gegen Callipoli, welches wir doch ſchon etwas / wiewol mit ſchwerem Winde / hinter uns gebracht / wieder wenden und zu Ancker legen muͤſſen / ſeynd aber den 25. Oct. zu Mitter - nacht mit guthem ſtarcken Winde wiederum außgelauffen und den 26. Oct. darauſ 6. die Jnſul Marmoream auff der rech - ten Hand nahe vorbey geſegelt / von welcher Jnſul auch dasMeer43Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Meer an dieſem Orthe den Namen bekommen / daß es Mare Marmoreum genennet wird. Dieſe Jnſul hat den Namen von Marmel / dieweils viel Marmel drauff gibt und darfuͤr gehal - ten wird / daß vorgedachtes Troja ſo praͤchtig wol hat koͤnnen gebauet werden / weil ſie den Marmel dahin auß dieſer Jnſul kaum 10000. Schritte zu holen gehabt.

Den 27. Oct. ſind wir mit einem ſtarcken Contraren Win - de / im truͤben und ſtarcken Regenwetter umb den Mittag / Gott lob / gluͤcklich angelanget 7. zu Conſtantinopel / wiewol wir ſchon vergangene Nacht nicht weit davon geweſen / nur daß wir wegen Mangel deß Windes nit hinan kommen koͤnnen

Das Vierdte Buch.

Haͤlt in ſich eine Beſchreibung der Tuͤrckiſchen Keyſer - lichen Reſidentz-Stadt Conſtantinopel und was daſelbſt in Tuͤrckey herum durch Griechenland und Thracia hin und her denckwuͤrdiges zu ſehen iſt.

Das Erſte Capitul.

Von unſerer Ankunfft zu Conſtantinopel und was dar - bey vorgegangen.

NAch dem wir vns nun Conſtantinopel genahet und ſonderlich an deß Tuͤrckiſchen Keyſers Burg zur lincken Hand hingeſegelt / ſind dem Tuͤrckiſchen Key - ſer / wie auch andern und ſonderlich einem daſelbſt befindlichen groſſen Engliſchen Schiff / zu Ehren dreyzehen Stuͤcke Geſchuͤtz auf unſerm Schiffe geloͤſet worden.

Es hat uns aber ſolch Schiff im Port an unſerm Pandir alsbald erkannt und hat uns fuͤr allen andern anweſenden Schiffen mit mehreen Freudenſchuͤſſen beehret und freundlich empfangen.

Conſtantinopel gegen uͤber liegt eine feine und ſehr luſti -F 3ge44Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. ge Stadt Gallata genannt / dahin ein jeder im Schiffe ſeinen Sinn gerichtet hatte um ſich daſelbſt zuerluſtigen / welches ich mir auch gefallen lieſſe / damit ich allenthalben mich recht um - ſehen und was dieſes Orths ſonderbar / erfahren moͤgte.

Demnach verfuͤgten ſich alsbald / wol in die zwantzig Pür - me, welches ſind Tuͤrckiſche Schifflein / an unſer Schiff / und ward manches von einer / zwey / drey / vier / biß ſechs Perſo - nen / entweder Tuͤrcken Griechen / oder armen Sclaven / von ihren Herren darzu angehalten / mit Reemen regieret: die bo - then ihre Dienſte an die angekommene Fremden / ſammt ihren Sachen / ſo ein ieder bey ſich hatte / uͤber Meer zu fuͤhren / wel - cher Gelegenheit auch ich mich bedienet und bin alſo hinuͤber nach Gallata gefahren.

Das II. Capitul.

Von der Stadt Gallata und wie daſelbſt zu leben ſey / ſo auch Pera genennet wird.

DJe Stadt Gallata iſt zwar nicht gar ſchoͤn und praͤchtig / aber ſie liegt uͤber alle maſſe luſtig und recht in einer Schmaltzgrube / da man alles was zum delicaten Leben von noͤthen / gar umb einen guthen Preiß haben kan / ſo ſchoͤn als Conſtantinopel / an Gebaͤuen / ob ſie gleich nit ſo groß iſt / weil ſie meiſten theils vor Alters von Genueſern erbauet worden. Sie hat eine Ringmauer umher / ſo wol am Lande / als gegen das Waſſer und halten ſich da die meiſten Kauffleuthe von J - talienern / Franzoſen / Engellaͤndern / Niederlaͤndern / Tuͤr - cken / Juden / und Griechen auf / auch wohnen allhier die Am - baſſadeur ietzt erzehlter außlaͤndiſchen Chriſtlichen Kaufleuthe und zwar an einem ſonderlichen Orte Pera genannt / weßwegen denn auch die gantze Stadt pflegt alſo genennt zu werden. Deß Roͤmiſ. Keyſers Reſident aber hat ſeine Wohnung zu Conſtan - tinopel gemeiniglich am Meer.

Es45Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Es haben auch die Catholiſche etliche Kirchen in Gallata unter welchen S. Franciſci Kirche die groͤſte und ſchoͤneſte iſt.

Jch hatte mein Quartier bey einem Franzoͤſiſchen Pa - ſteten Koch genommen / biß mir ein Grieche durch meinen Nie - derlaͤnder ein eigen Hauß zugemuͤthet / ieden Tag davon zu ge - ben 6. Aſper / ſo ungefaͤhr nach unſerer Muͤntze auf 2. Groſchen koͤm̃et / maſſen man an dieſem Orthe ein gantz Hauß mit etzli - chen Zimmern / wiewol ſchlecht / um ein Geringes haben kan. Das meinige hatte drey Kammern / drey Camin und zwey Vorhaͤuſer / darneben aber auch einen uͤberauß ſchoͤnen Pro - ſpect und Außſicht in der Hoͤhe aufs ſchwartze Meer zwiſchen Europa und Aſia und weiſete an deß Tuͤrckiſchen Keyſers Pal - laſt hinauß / wie auch ein groß Theil der Stadt Conſtantino - pel und das Aſiatiſche Gebuͤrge / an welchem unten am Meer viel ſchoͤne Gaͤrten zu ſehen ſind. Da kan man von Gallata auß in ſehr ſchoͤnen und luſtigen Orthen voller Cypreſſen Baͤume am ſchwartzen Meer weit hinauf ſpatziren zu Land und auf dem Meer. Da gibts allerhand ſchoͤne Gaͤrten / in welchen die Roßmarie Manns hoch waͤchſet / wird aber nur fuͤr wild Ge - ſtraͤuche und nichts geachtet.

Sonderlich iſt uns ein Garte am ſchwartzen Meer und darinnen ein uhraltes von auſſen gantz mit Graß uͤberwachſe - nes Gewoͤlbe in dicken Straͤuchern von unſern Janitſcharen gezeiget worden / darinnen die Siebenſchlaͤffer ſollen gelegen ſein und muß man durch ein enges Loch hinein kriechen. Und wenn man hinein koͤmt / ſo iſts gantz finſter und ſind ſieben un - terſchiedene Winckel darinnen. Jch meines theils halte aber vielmehr dafuͤr / daß vor deſſen ein Einſiedler drinnen ge - wohnet.

Nach dem ich nun uͤber 8. Tage bey dieſem Franzoͤſiſchen Paſtetẽ Koche gelegen und viel Geld anworden / habe ich dieſesOrths46Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Orths Gebrauch nach einen eigenen Koch umb ein Geringes durch meinen Niederlaͤnder angenommen und habe alſo viel um ein leichters / als im Wirthshauſe / auß kommen koͤnnen / ob ich gleich neben mir zwey Perſonen zu unterhalten gehabt / denn die victualien gar umb einen leidlichen Werth zubekom - men ſind und gilt die Occa Rindfleiſch / welches an unſerm Ge - wichte kommt auf anderthalb Pfund / 3. Aſper / die machen ei - nen Groſchen. Ein Occa Weins / ſo groß maß / welcher uͤber - auß guth / ſuͤſſe und ſtarck iſt / gilt 6. biß 8. Aſper das Brodt iſt auch ſehr guthes Kauffs: Fiſche und allerhand edle Fruͤchte von Lemonen / Zitronen / Pomerantzen / Granataͤpffeln / Fei - gen / Zwibeben und was man ſonſt erdencken kan / alles ſehr wolfeil / daruͤber ich mich zum allerhoͤchſten verwundern muͤſ - ſen. Von Auſtern kan man das hundert fuͤr 6. Aſper haben / da in der Chriſtenheit / ſonderlich wo Hofſtadten ſind / das hundert wol umb 6. biß 8. fl. bezahlet werden muß.

Das III. Capitul.

Von Beſchreibung der Tuͤrckiſchen Keyſerlichen Reſidentz. Conſtantinopel.

ZWar weil andere die Geſtalt und Gelegenheit dieſer Stadt auch beſchrie ben / will ich mich der Kuͤrtze befleiſſen und nur in den vornembſten Stuͤcken Meldung thun / wie ichs vor meine Perſon befunden und angetroffen.

Es iſt dieſe Stadt Conſtantinopel vor Zeiten Byſanz geneñet worden / von ihremerſten Grundleger Byzas genannt / Keyſer Conſtantinus aber hat ſie hernach zu ſeiner Zeit erhoben und faſt gantz neu erbauet / dahero er auch aldahin ſeine Hofhal - tung gelegt und ſie nach ſeinem Namen Conſtantinopel genen - net. Die Tuͤrcken nennen ſie heute zu Tage Stampo Ida. DasLand47Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Land daherum iſt vordeſſen Thracia genennet worden / ietzt a - ber heißts die Romaney. Es iſt aber diß Conſtantinopel uͤber - auß groß und wie man gewiß dafuͤr haͤlt / hat ſie in ihrem Um - ſchweiff uͤber 15. Jtalieniſche Meilen / welches ich nicht widerre - de / ſintemahlich die gantze Stadt / ſo zu Lande / als auff dem Meer umreiſet / an Menſchen ſchaͤtzt man ſie in die acht mahl hundert tauſend ſtarck. Sie liegt in der Geſtalt einer Triangul in drey Spitzen / oder Winckel eingetheilet / der eine bey deß Tuͤr - ckiſchen Keyſers Pallaſt / da gleich gegen uͤber Pontus Euxinus, oder das ſchwartze Meer zwiſchen Europa und Aſia ſtarck herein fleußt und in das weiſſe Meer faͤllet; der ander bey den ſieben Thuͤrmen / welches ein uhraltes Gebaͤu / weitlaͤufftig und die Thuͤrme mit Bley gedeckt / auch ſehr luſtig gelegen iſt; das drit - te aber bey dem alten Pallaſt deß Keyſers Conſtantini, welcher gar verwuͤſtet / ſonſt aber ein alt Gebaͤu voller Winckel iſt an der Stadt-Mauer angelegen. Dieſe Seite aber von den Thuͤrmen biß ans alte Gebaͤu Conſtantini und zwar noch et - was wenigers abwarts zum Waſſer / iſt groͤſſer / als der an - dern zweyen eines / ſo am Meere liegen und den Triangul ſchluͤſſen.

Die Mauren ſind ſehr hoch und dicke und in die Ring - mauren ſind ſieben Berge und Huͤgel mit eingefaſſet. Der eine liegt bey deß Tuͤrckiſchen Keyſers Schloß und Pallaſt / welcher deßwegen auch erhoben liegt. Am letzten Berge ſteht ein alt Schloß mit ſieben Thuͤrmẽ / deren ich zuvor gedacht und iſt zuverwundern / wenn man in dem einen Thurme etwas re - det / ſo kan mans durch alle ſiebene hindurch hoͤren. Es liegt ei - ne gewiſſe Beſatzung drinnen / davon kein einiger herauß gehen darff ohne ihres Baſſen Befehl und auf die Tuͤrckiſchen zwey hohen Feſte im Jahr. Zwiſchen dem dritten und vierdten Ber - ge iſt ein Thaal / in welchem von neun Jtalieniſchen MeilenGfriſch48Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. friſch Waſſer in die Stadt gefuͤhret wird / daß kein Mangel daran in der gantzen Stadt zu ſpuͤren iſt.

Die Gebaͤu der Stadt Conſtantinopel belangend / ſind dieſelben von gar ſchlechten Haͤuſern von Holtz auffgebauet / haben von auſſen gar kein Anſehen und ſind aufs ſchlechteſte / und liederlichſte zugerichtet: Weñ man aber hinein kom̃et / ſind ſind ſie aufs zierlichſte an Waͤnden und um und um auf der Er - den mit ſchoͤnen Teppichen gezieret / auch ſind die Decken oben / und wo keine Teppiche hengen / die Waͤnde mit Gold uñ andern ſchoͤnen Farben außgemahlet / daß mans von auſſen nicht ge - glaͤubet haͤtte.

Keine Glaſefenſter brauchen ſie / daß man außſehen koͤnte und wenn man ja welche ſindet in den Zimmern / ſo ſind ſie in der Hoͤhe unter der Decken / iedoch von groben dicken Glaſe / welches ſtat deß Bleyes in weiſſen Thoon eines queerfingers dicke und breit eingeſetzet: Wo man aber außſiehet / ſind vier - eckichte offene Fenſter / ſo man mit Fenſterlaͤden ſchluͤſſen kan / und dieſelben macht man im Winter mit Papier zu von Oel - berſtrichen / daß ſie deſto liechter ſeyn.

Die Gaſſen betreffend / ſind ſelbige ſchmaal und unge - pflaſtert / außbenommen an Haͤuſern ſind ſie auf beiden Seiten mit ſteinern Abſaͤtzen und ſind dieſelben von groſſen breiten Kei - ſelſteinen / wie auch / wo etwan eine Gaſſe ja gepflaſtert / mit der - gleichen Steinen beleget iſt.

Sonſt aber hat Conſtantinopel viel leere Plaͤtze / unter welchen ihrer viel mit Cypreſſen - und andern fruchtbaren Baͤumen außgeſetzet ſind / welches denn der Stadt gar einen anmuhtigen Wolſtand giebet.

Die Kirchen alle deren ſammt den Capellen in den Ringmaueren uͤber zwey tauſend ſind / ſind uͤberauß ſchoͤn / in - wendig von dem ſchoͤnſten Marmel von allerhand Farben / ſowol49Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. wol auf der Erden / als oben und an den Seiten / ohne das die Tuͤrcken durch auß keine Bilder / weder gemahlte noch ge - ſchnitzte / drinnen leiden / und die Taͤcher ſind meiſtentheils rund und alle mit Bley zugedecket / wie denn auch die Kirch - Thuͤrme / welche ſehr ſchmaal und umb und umb / ſeinen zwey und wol drey Gaͤnge uͤbereinander haben Brauchen keine Glocken / ſondern wenn Zeit zur Kirchen zu gehen / welches ſechs mahl deß Tages geſchiehet / ſo trit ein Tuͤrcke oben auf ei - nen ſolchen Gang / hat beyde Ohren zugeſtopfft und ſchreyet mit aller Macht / was er kan / und deutet den Gottesdienſt den leuthen an. Wenn aber ihr Sontag / welcher bey ihnen den Freytag gehalten wird / zu feyren iſt / ſo ſtehen ihrer 8. 12. oder auch wohl mehr auf ſolchen Gaͤngen und ſchreyen zugleich / welches denn in der gantzen Stadt auf allen Thuͤrmen / deren uͤber auß viel ſind / ein erſchroͤcklich Gethoͤne verurſachet: Und ehe die Tuͤrcken in ihre Kirchen gehen / waſchen ſie ſich zuvor auſſen vor den Thuͤren an Haͤnden / Armen / Fuͤſſen / Geſicht und mit ehren zu melden / hinden und fornen / wie denn zu dem Ende auſſen vor den Kirchen viel Laßzapffen / oder Haͤhne / das Waſſer her auß zu laſſen eingemauret / vermeinen alſo deſto reiner von Suͤnden in die Kirche zukommen und angenehmer vor Gott zuerſcheinen.

Jhre Baͤder ſind naͤchſt den Kirchen die ſchoͤnſten Ge - baͤude in der Stadt / deren ſehr viel alle mit runden von Bley gedeckten Taͤchern / auf welchen oben runde glaͤſerne Hafen / dadurch daß Liecht hinein fallen kan. Sind inwendig unten uñ oben von lauterm Marmel außgebauet und voller ſchoͤnen Marmel-Saͤulen.

Der Griechen Kirchen ſind dagegen klein und ſchlecht er - bauet. Jn deß Patriarchen Kirche zu Conſtantinopel ſihet man ein Stuͤck graue Seule / rund und zwey Elen lang undG 2ſoll50Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. ſoll / Vorgeben nach / von der Seule ſeyn / woran Chriſtus der HErr gegeiſſelt worden / von welcher noch andere zwey Stuͤ - cke mehr / eins zu Rom / das andere zu Jeruſalem / zu ſinden ſeyn / maſſen ich ſie denn alle drey geſehen habe. Jſt gar ein ſon - derbares Wunder / daß gleichwol / wie ich ſelber mit Augen ge - ſehen / zur Faſten-Zeit dieſe Seule ſchwitzet und wenn ich die Tropffen noch ſo rein abgewiſchet / ſo ſind flugs andere dage - gen wieder herfuͤr gedrungen.

Sonſt ſiehet man auch in dieſer Kirche noch etzliche Coͤr - per der Heiligen / welche gantz unverſehrt und bekleidet ſind / ungeacht ſie der Griechiſchen Moͤnche Vorgeben nach / ſchon vor viel 100. Jahr verſtorbẽ ſind. Der Stuhl dar auf der Pa - triarch in gedachter Kirche ſitzet / iſt mit Tuͤrckoißẽ verſetzet. Die Kirche iſt an ſich ſelbſt ſonſt nicht groß und niedrich vom Tache / der Boden aber mit Marmel gepflaſtert. Die Decke oben iſt rund und mit Farben außgeſtrichen / an deren kleine Fenſter - lein zur Seiten / dadurch das Liecht in die Kirche faͤllet.

Sonſten wird auch in einer uhralten Kirchen / S. Sophia genannt / ſo vor alten Zeiten eine Kirche der Chriſten geweſen / anietzo aber Tuͤrckiſch / und unter etzlich hunder Tuͤrckiſche Kir - chen die allerſchoͤnſte und am Gebaͤu die kunſtreichſte iſt / darin - nen von den Tuͤrcken eine ſteinerne Mulde / auß welcher die Jungfr au Maria ihr Chriſtkindlein gebadet haben ſoll: Jtem in der Mauer ein brauner Marmelſtein / welcher deß Nachts helle glaͤntzen ſoll / gewieſen wird.

Dieſe Kirche hat innwendig faſt mehr Marmelſtein / Porfyr - und andere edle Steine als andere gemeine Steine / und iſt ihrer kunſtreichen Erbauung wegen nicht gnugſam zu beſchreiben.

Man haͤlt ſie vor ein Werck deß Keyſers Iuſtiniani und wird von den Tuͤrcken auch Ala Sophia, das iſt H. Sophia ge -nannt /51Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. nannt und halten offt und viel ihre Andacht drinnen / ſonderlich weil ein Stuͤck Marmel drinnen ſtehet / auf welchem die Jung - frau Maria ihrem Sohne / den die Tuͤrcken gleichwol fuͤr einen groſſen Propheten halten und ehren / pflegen ſein Geraͤthe zu waſchen.

Jhre deren vier ſind Thore / ſind alle auß Ertz und - berauß hohen und allerhand geiſtlichen Figuren außgearbei - tet / auch ſihet man noch da die alten Gemaͤhlde der Chriſten / welche aber von den Tuͤrcken alle zerkratzet / weil wie gedacht ſie kein Bild leiden / außgenommen das Bild Maria mit dem Chriſt kindlein auf den Armen / ſtehet noch drinnen / wiewol mit einem Tuch behenget / daß mans nicht ſehen ſoll.

Dieſe Kirche hat auch vier Thuͤrme mit Bley gedeckt / wie denn die gantze Kirche an ſich ſelbſt auch uͤber und uͤber mit Bley gedeckt iſt. Oben iſt ſie innwendig gewoͤlbt und ruhet das Gewoͤlbe auf ſechzehen koͤſtlichen ſtarcken Pilaren oder Pfei - lern. Viere ſind von Marmel dem Jaſpis gleich / viere auß ſchneeweiſſen Marmel / viere auß Porphyrſtein / und viere auß derm koͤſtlichem Marmel.

Nicht weit von dieſer Kirche iſt eine andere ſehr ſchoͤne gantz neuerbaute Tuͤrckiſche Kirche / hat 6. Thuͤrme / deren vier oben an der Spitze / ſo mit Bley bedeckt / uͤber und uͤber verguͤl - det / die andern zwey uͤbers Bley gruͤn verglaſſet ſind. Solche Kirche iſt innwendig uͤber alle maſſen ſchoͤn und durchauß mit dem allerſchoͤnſten Marmel von allerhand Farben außgezie - ret / auſſerhalb iſt ein groſſer und weiter Hof voller der ſchoͤn - ſten Marmelſeulen.

Dieſer Hof wird genennet auf Tuͤrckiſch Admeidan, auff Teutſch ein Roß-Platz / darum / weil die Tuͤrckiſchen Spahilar, daß ſind der Tuͤrcken Soldaten zu Roß / an ihrem Sabbath / ſo den Freytag gefaͤllet / ſich mit Rennen und Stechen darauffG 3exerciren. 52Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. exerciren. Solcher Platz iſt uͤber 400. Schritte lang / und 200. breit / von welchem unterſchiedene Stiegen und Thuͤren hin - auf auf vorgedachte Kirche gehen.

Auf dieſem Platze ſtehet ein groſſer Marmelſteinerner Pyramis von allerhand außgehauenen Egyptiſchen Charatern und iſt auß einem gantzen Stuͤcke Stein von Marmel in die 30. Elen hoch / ſtehend auf vier groſſen runden Kugeln von Me - tall / darunter ein hohes ſchoͤnes mit allerhand Figuren auß - gehauenes marmelſteinern Poſtament. Nicht weit davon iſt ein andere Seule von Ertz / ſo gantz gewunden / mit drey Schlan - genkoͤpffen / ungefaͤhr zwey Mann hoch uñ nebenſt dieſer ſtehet eine gar hohe von Marmelſtein auffgefuͤhrte ſehr alte Seule / welche / wie man ſagt / der Satan aufgebauet haben ſoll unter waͤrender Zeit / ehe der marmelſteinerne Pyramis iſt aufgefuͤhret worden und iſt hoch zuverwundern / wie eine ſolche groſſe ſchwere Laſt von einem Stuͤck in die 40. Elen hoch / wie ichs deñ ſelbſt abgemeſſen / hat aufgerichtet werden koͤnnen.

Sonſt iſt auch noch eine uͤberauß hohe Columna von brau - nen Stein / ſo von einem gantzẽ Stein ſeyn ſoll: iſt rund und um uñ um mit vielen eiſeꝛen Reiffen umſchloſſen. Wegen unterſchie - dener Feuerbruͤnſt iſt ſie gar bruͤchig und muͤrbe worden. Auß der daran befindlichen Jahrzahl kan man abnehmen / daß ſie uͤber 1200. Jahr alt / ſtehet bey dem Teutſchen Han, welches ein groſſes viereckichtes Gebaͤu iſt mit vielen gewoͤlbten Zellen / wie in Kloͤſtern / darinnen der Keyſerl. Legat, ſo einer zum Tuͤrcki - ſchen Keyſer abgefertiget dahin koͤmmet / ſammt den Seinigen logiret. Jſt uͤber und uͤber mit Bley gedeckt. Auſſer den Kaͤm - merlein ſind / als in einem Cloſter / Gaͤnge umher und von auſ - ſen in der Hoͤhe runde mit Bley gedeckete Daͤcher.

Auch iſt noch eine andere Columna, Hiſtorialis genannt / ſtehet bey dem Auratbaſchar welches ein Tuͤrckiſch Wort und ſoviel53Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. viel heißt / als Weiber-Marckt. Dieſe Seule iſt inwendig hohl / hat eine Schnecken hinauf und iſt ſehr hoch von ſchoͤnen weiſſen klaren wie ungearbeiteten Marmelſtein und von auſſen mit uͤberauß kuͤnſtlichen groſſen außgehauenen Bildern und Figu - ren gezieret und ſtehet auf einem weiſſen ſehr langen hohen und breiten Marmelſteinern mit groſſen Bildern außgehauenen Grunde.

Uber dieſes iſt noch eine runde hohe Marmelſteinerne Seule zuſehen / auf welcher oben ein ſteinerner Kaſten / und iſt dieſelbe zu dem Ende allda aufgerichtet worden: Als eines Tuͤrckiſchen Keyſers Gemahl einsmals den elenden Zuſtand eines toden Menſchen / ſo im Grabe von Schlangen und Wuͤr - men verzehret werden muß / bey ſich betrachtet / hat ſie ſich dar - uͤber hefftig entſetzet und deßwegen angeordnet / wenn ſie ſter - ben wuͤrde / ſolte man ſie mit dem ſteinern Sarge auff eine ſehr hohe ſteinerne Seule ſetzen / damit ſie fuͤr den Schlangen und anderm Gewuͤrme moͤgte ſicher ſeyn und von ihnen nicht ver - zehrt werden koͤnte / welchem ihrem Begehren auch nach ihrem Tode ein Genuͤgen geſchehen.

Es ſind aber die Schlangen wunderbarer weiſe die glatte marmelſteinerne Seule hinauf zum Sarge gekrochen und den toden Coͤrper zuverzehren geſuchet / welches ja eine augen - ſcheinliche Straffe Gottes geweſen der verzweiffelten Hoffart / damit ja wahr bleibe / was Gottes Wort ſaget: GOTT wi - derſtehe denen Hoffaͤhrtigen / aber denen Demuͤthigen gebe er Gnade.

Am Ende der Stadt ſtehet auſſen vor Conſtantini Pfor - te ein hoch aufgemauerter Garte voller ſchoͤnen Cypreſſen - Baͤume / welcher uͤber die maſſen luſtig anzuſehen.

Jn Conſtantinopel gibts fuͤnff groſſe Schulen / darin - nen die Tuͤrckiſchen Sofhi, oder Studenten unterwieſen werden. Da54Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Da hat ein ieglicher ſein Bett in ſeiner Cammer / ein Tapet / ſtat deß Tiſches / auf der Erden. Jeden Tag giebt man einem ieglichen zwey Broͤtlein und ſein Getraͤncke von Gerſtenwaſ - ſer gemacht / und deß Jahrs zwey Kleider. Damit muß er das erſte Jahr zu frieden ſeyn. Das andere Jahr bekommt ein ie - der deß Tags noch einen Aſper darzu / und der wird folgends alle Jahr mit noch einem Aſper verbeſſert. Wollen ſie was mehr haben / ſo muͤſſen ſie es mit Schreiben bey andern verdie - nen / wenn ſie ſonſt von den Jhrigen keine Zubuſſe haben. So ſind in Conſtantinopel auch ſehr viel Hoſpitaͤl fuͤr Frembde / Ar - me und Krancke von groſſen Einkommen / maſſen denn die Tuͤr - cken es den Chriſten an Gutthaͤtigkeit und Wercken der Liebe weit zuvor thun. Die Korn und Proviant-Haͤuſer werden ſtets voll gehalten / iedoch alle drey Jahr erneuert / damit der Vorrath friſch bleiben ſoll / und ſtehen ſolche Kornhaͤuſer an ei - ner Ecke der Stadt gegen Gallata uͤber und ſind mit maͤchtigen eiſern Thoren verwahret. Das groſſe Zeughauß hat mich auch uͤber die maſſe verwundert / und ſteht flugs am Ufer deß Mee - res. Jſt ſehr weitlaͤufftig / maſſen ich 180. gewoͤlbte Bogen ge - zehlet / die alle voller Ruͤſtung ſeyn / und hat man mich fuͤr ge - wiß berichtet / daß 46000. Arbeiteꝛ drinnen zu thun haben / und gehet doch alles gar ordentlich zu. Das Regiment und Iuſtiz iſt hoͤchlich zu loben. Der Obriſte Richter / ſo uͤber Tod und Leben zu ſprechen hat / heißt Stambol Cadiſh. Sonderlich ſind die Tuͤrcken dem Diebſtahl feind und ſtraffen ihn ohn alle Gnade an Leib und Leben.

Der Ort da man die Gefangene Chriſten verkaſtffet / iſt eine groſſe Gaſſe / da denn abſcheulich anzuſehen / wenn ein Tuͤrcke einen ſolchen armen Menſchen Manns und Weibs - Geſchlechtes kauffen will. Er ſihet demſelben in den Mund / ob er etwann Mangel an den Zaͤhnen. Er bekuͤcket und befuͤhletihn55Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. ihn an Haͤnden / Fuͤſſen / Armen und faſt am gantzen Leibe / ob er etwan hie / oder da Mangel habe. Nach dem ein ſolcher Kauffbarer Sclave jung / ſchoͤn / geſund und zu arbeiten ge - wohnt / ſo wird er auch deſto hoͤher geſchaͤtzet von 500. biß 1000. mehr oder weniger Thaler. Wenn ich offt durch gangen bin / haben ſie mich um Gottes willen gebeten ihnen in ihrer Außloͤ - ſung zu Huͤlffe zu kommen / maſſen ſie lieber von Chriften / als von Tuͤrcken gekaufft wollen ſeyn / dieweil ſie von Tuͤrcken un - barmhertzig gequaͤlet und gemartert werden. Das iſt alſo die kurtze / iedoch warhafftige und eigentliche Beſchreibung der Stadt Conſtantinopel.

Das IV. Capitul.

Von Beſchreibung deß Meeres zu Conſtantinopel.

DAs Meer ober - und unterhalb Conſtantinopel iſt gar ungleich breit und groß und hat deme nach auch unter - ſchiedene Namen. Oberhalb Conſtantinopel gegen Mitter - nacht heißt es Pontus Euxinus und iſt maͤchtig weit / aber eben bey Conſtantinopel zeucht ſichs in eine Enge / daß es auß Eu - ropa in Aſiam uͤber die Enge nicht mehr als 4. ſtadia ſind / oder eine halbe welſche Meile / denn ein ſtadium haͤlt 125. Schritte und 8. ſtadia machen eine Jtalieniſche Meile / das iſt ein Vier - thel von einer Teutſchen Meile. Dieſe Enge aber heißt Boſpho - rus Thracius und iſt 120. ſtadia lang und heißt am ſelben Orth Propontis. Darnach thut ſichs wieder zuſammen und wird gantz enge / alſo / daß von Europa in Aſiam hinuͤber nicht mehr ſind / denn ſieben ſtadia und heißt am ſelben Orthe Euripus, oder Helleſpontus und darnach geußt ſichs ins Egeiſche Meer.

Am Helleſpont liegen zwey Schloͤſſer gegen einander / ei - nes in Cherſoneſo, mit Namen Seſtus, das andere druͤbẽ in Aſia,HAbydus56Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Abydus genannt / dieſelbén hat vor Zeiten Xerxes mit einer Bruͤcke zuſammen gehenget und ſieben mahl hundert tauſend Mann zu Roß und Fuſſe druͤber gefuͤhret. Helleſpontus wird heute zu Tage genennet Stritto di Callipoli und die beyde Schloͤſ - ſer Seſtus und Abydus werden auf Tuͤrckiſch genennt Bogazaslar, das iſt / Schloͤſſer an der Enge deß Meeres.

Das V. Capitul.

Von der uhralten Stadt Chalcedonia, wie ſie dieſe Zeit beſchaffen und was um ſelbige Ge - gend zu ſehen.

DJeſe uhralte und vordeſſen beruͤhmte Stadt iſt ietzt ein Dorff / liegt auch uͤber dem Boſphoro deß Thraciſchen Meeres in Aſia, woſelbſt deß Tuͤrckiſchen Keyſers Pallaſt / ie - doch beſſer hin außwerts zum Meere uͤber. Da hat man uns auch die Kirche gewieſen / worinnen vordeſſen das Concilium gehalten worden. Sehr alt iſt dieſelbe / aber nicht gar groß. Da ſiehet man am Meer hinauß auch unterſchiedene ſchoͤne Gaͤr - ten / welche alle dem Tuͤrckiſchen Keyſer gehoͤren.

Als ich einsmahls mit deß Roͤm. Keyſers Reſidenten auf dem Meer hinauß in etliche Jnſulen / darinnen Griechiſche Cloͤſter / gereiſet / als das Cloſter S. Andrea und S. Maria und an - dere mehr / ſind wir in einem deß Tuͤrckiſchen Keyſers Luſtgar - ten gelaſſen worden / darinnen wir eine ſchoͤne Cyſterna voll kla - res lauter Waſſer geſehen / in welcher ſich deß Tuͤrckiſchen Key - ſers Weiber / wenn ſie mit ihm ſpatzieren fahren / zu Sommers - Zeiten in Gegenwart ihres Keyſers baden muͤſſen. Jſt o - benauff ein ſchoͤnes Springwaſſer und nicht weit darvon ſeine Schlaff kammer / darinnen er mit ſeinen Concubinen ruhe haͤlt / welche wir auch beſehen haben. Die Betten ſind alle von rothen Sammet und Atlaß uͤberzogen und mit ſchoͤner Wolle auß -ge -57Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. gefuͤllet: Auch ſind allda etzliche ſeine Tuͤrckiſche ſeidene Roͤ - cke / die er im Garten gebrauchet.

Als wir aber auf die Jnſuln zu den Griechiſchen Muͤn - chen kommen / haben ſie uns gar freundlich empfangen und uns in Cloͤſtern und Kirchen uͤberall herumb gefuͤhret. Wir hatten aber auch einen Tuͤrckiſchen Tſchauſch bey uns / ſo zuvor auch ein Griechiſcher Muͤnch geweſen war und ſeine Lateini - ſche / Jtalieniſche / Griechiſche und Tuͤrckiſche Sprache per - fect verſtund / der mit uns reden und tolmetzſchen konte / was wir nicht verſtunden. Und weil ſehr viel Caninichen in denſelben Jnſuln zubefinden / haben wir mit denſelben unſere ſonderba - re Luſt gehabt / biß wir nach etzlichen Tagen wieder nach Con - ſtantinopel geſchiffet.

Das fuͤnffte Buch.

Haͤlt in ſich meine Reiſe von Conſtantinopel durch Thraciam und Ungarn hindurch nacher Wien in Oeſterreich und was unterwegens mit vorgangen.

Das I. Capitul.

NAch dem ich mich nun ein gantzes Jahr zu Con - ſtantinopel auf gehalten / bin ich bey mir ſchluͤſſig woꝛ - den / mich auch nunmehr weiter umbzuſehen und ſon - derlich meine Reiſe durch Thraciam hindurch zu Lande auf Wien zu nehmen / worzu mir denn der Keyſerl. Reſident groſſe Huͤlfe gethan. Habe mich demnach / als ich meinen Wechſel von Hauſe erhalten / den 29. Oct. ſt. n. deß 1631. Jahres mit einem Tuͤrckiſchen Tſchauſchen uñ einem Curirer auf der Poſt / ſo uns biß nacher Ofen in Ungarn begleiten muͤſſen / im Namen Got - tes auf die Reiſe begeben und meinen Weg nacher Wien inH 2Oeſterreich58Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Oeſterreich zugenommen und ſind wir zu Conſtantinopel ge - dachtes Tages gegen dem Mittag miteinander aufgeweſen.

Es hat aber gedachtes Keyſerl. Reſidentens Befoͤrder - ung unter andern auch dieſes gefruchtet / daß mich weder Poſtroſſe / noch andere Speeſen andeꝛs gekoſtet / als daß ich dem Tuͤrckiſ. Tſchauſchen 3. Ducaten / dem Currirer 10 Reichstha - ler und unter wegens dem Poſtilionen ein Trinckgeld verehret / damit ſie mich mit guten Roſſen verſehen moͤgten.

Die erſte Poſt haben wir gehabt 1. zu Selymbria, ſieben Meilen von Conſtantinopel. Jſt eine kleine Stadt am Vor - Meere Propontis genannt gelegen und pflegt wol ſonſt der Cur - rirer biß hieher auf dem Meer zu reiſen weils einen Port hat fuͤr kleine Schiffe / die groſſen aber muͤſſen hauſſen im Meere bleiben: Aber weil dazumahl wegen groſſes Sturm&ſr / der viel Schiffe Anckerloß gemachet / unmuͤglich war / haben wir uns zu Lande zu reiſen muͤſſen gefallen laſſen.

Von dar haben wir noch eine Stunde / ehe es Abend worden / reiſen koͤnnen / und ſind deß Nachts in groſſem Regen 2. nach Tſchorli kommen. Jſt ein groſſer Marck / ſo aber vor Zei - ten eine Stadt geweſen und iſt allda die andere Poſt. Und als wir etwann anderthalbe Stunde geruhet / ein