PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Der allzeit-fertige Handels - Corꝛeſpondent,
Worinnen Die gantze Handels-Wiſſenſchafft / mit deroſelben Scripturen, Briefen / und Cautelen, Samt Allerhand Arten Rechnungs-Formularien und andern Nohtwendigkeiten enthalten /
HAMBURG,BeyBenjamin Schillersſeel. Erben im Thum / Anno1717.

Vorbericht

An den Leſer.

WAnn es im gemei - nen Sprichwort heiſſt: Litera ſcri - pta manet, was einmahl zu Papier gebracht oder geſchrieben / das bleibet der Welt allezeit vor Augen liegen / ſolte es auch zu ſeines Schreibers hoͤchſter Schande und Nachtheil gereichen; ſo iſt dieſes inſonderheit bey ange -a 2hen -Vorberichthenden Kauff leuten / welche faſt immer die Feder / um aus - waͤrtige Correſpondentz zu fuͤh - ren / in Haͤnden haben muͤſſen / zu beobachten; denn ein Principal bey der Handlung muß ja con - tinuirlich allart ſeyn / alle Poſt - Tage die eingelauffenen Schreiben zu beantworten / und ſeine Antwort addreſſiret er mit deſto groͤſſerm Vergnuͤ - gen und Renomée, je beſſer und anmuhtiger ſie ſtyliſiret; Ein Bedienter aber kan ſeinen Prin - cipal mit nichts mehr contenti - ren / ja ich wolte faſt ſagen obli - giren / als wenn er einen reinen / zierlichen / verſtaͤndlichen und wohlgeſetzten Brieff ſchreibet. Oban dem Leſer. Ob man nun wol meynen ſolte / es wuͤrde keinem angehenden Kauffmann und Handels-Die - ner hieran mangeln / ſondern er wuͤrde aus langwieriger Er - fahrung und taͤglich-gepfloge - nen Umgang mit Handels-Scri - pturen ſattſam wiſſen / wie er dergleichen Arbeit recht an - greiffen ſolte / ſo findet ſich doch bey vielen das pure Gegentheil / ſo gar / daß offt unter zehen kaum einer biß anhero in allen Kauffmanns-Vorfaͤllen tuͤch - tig und behutſam auf Schreib - Stuben die Feder zu fuͤhren und zu gebrauchen gewuſt / ſon - dern / wann ein Brief zu beant - worten oder neu zu ſchreibena 3vor -Vorberichtvorgekommen / erſt ein lang - weiliges / unconnectirendes / hin und wieder ausgeſtrieche - nes / und aus Brief-Buͤchern zuſammen geſuchtes Concept aufſetzen muͤſſen / welches doch zuletzt keinen Safft noch Krafft gehabt; etwan nach dieſes oder jenes Kluͤglings Schreib-Art geſchmecket / mit unnoͤhtigen Worten hier und dar angefuͤl - let / von nohtwendigen Realien aber / die den Kern des Negotii haͤtten exprimiren ſollen / ent - bloͤſſet geweſen / ja vielmahls ei - nen ſolchen Stylum gewieſen / welcher dem Kauffmann hoͤchſt præjudicirende / und mit der Zeit zu ſeinem Nachtheil gereichen -dean dem Leſer. de Woͤrter und Sachen in ſich gehalten.

Wann ich nun (da im Werck begriffen war / heilſame Conſi - lia zur Aufnahm der Commer - cien, und Abſchaffung der dar - innen eingeſchliechenen Miß - braͤuche zu geben /) auch dieſem Unweſen gern remedirt geſe - hen haͤtte / nach vielem Uber - legen aber es faſt fuͤr eine Un - moͤglichkeit gehalten / indem / wo die Studia guter Kuͤnſte und Wiſſenſchafften niemahls eini - gen Acceß gefunden / die aus ihnen herflieſſende Wohlreden - heit / und conſequenter das wohlgeſetzte Styliſiren / ſchwer - lich zu vermuhten / auch von ei -a 4nemVorberichtnem unter Ballen-Bindern / Fuhrleuten / Geld-Wechſelern / Kraͤmern / Handwercks-Leu - ten / und bey ſeines unerfahrnen Patrons (ich rede nicht von al - len / ſondern nur von denen / die ſich getroffen finden /) uͤbel-ſty - liſirten Copier-Buche / aufge - wachſenen Handels-Bedien - ten nicht kan gefordert werden: So habe ich doch darum die Hoffnung nicht gantz verloh - ren gegeben / ſondern mich al - lezeit ſelbſt perſvadiret / es koͤnn - te noch wol angehenden Kauff - leuten und Handels-Dienern ein ſolcher Weg gezeiget wer - den / durch welchen ſie den Ge - ſchmack und die rechte Beſchaf -fen -an dem Leſer. fenheit eines kurtz-gefaſten Kauffmanns-Styli erlernen koͤnnten / ſo fern ihnen ſolcher nur durch Hinwegraͤumung aller weitlaͤufftigen Beſchwer - lichkeit gebahnet wuͤrde. Sol - ches denn habe mich zu voll - bringen bemuͤhet in der erſten Abtheilung des erſten Theils dieſes Brieff - Buchs / welches die Vor - bereitung zur tuͤchtigen Kauff - manns-Correſpondentz iſt / und in ſich haͤlt:

  • (1) Alle Requiſita, ſo zur Handlung und Con - toir noͤthig.
(2)Vorbericht
  • (2) Eine Anweiſung zu allerhand Brief-Ar - ten.
  • (3) Ein Alphabetiſch Lexicon, worinnen die meiſten fremden Woͤr - ter / welche bey der Handlung gebraͤuch - lich und eingefuͤhrt / nach ihrem eigentli - chen Verſtande erklaͤ - ret werden.
  • (4) Ein zulaͤngliches Regiſter dererjenigenWoͤr -an dem Leſer. Woͤrter / welche man ſich bey Aufſchrifften bedienet.
  • (5) Nuͤtzliche Regeln / ſo bey Verfertigung der Briefe in Acht zu nehmen. Und
  • (6) Eine noͤhtige Ortho - graphie oder Recht - Schreibe-Kunſt.

Will man dieſer meiner angewie - ſenen Lehr-Art in allen Stuͤcken accu - rat folgen / ſo zweifele nicht / man wer - de den Nutzen davon gar bald ſpuͤren / und in kurtzen ſo weit kommen / daß man die in der andern AbtheilungdesVorberichtdes erſten Theils / befindlichen Handels-Scripturen / als Benach - richtigungs - Fracht - Wechſel - und andere Briefe / Aſſigna - tiones, Obligationes, Quitun - gen / Reverſe, Contracten, al - lerhand Rechnungs-Formula - ria &c. welche insgeſamt nach heu - tigem Stylo eingerichtet ſind / garleicht und geſchickt alsdenn wird imitiren koͤnnen.

Hat man ſich nun den erſten Theil unſers Handels-Correſpon - denten wohl bekannt gemacht / und gleichſam ein gut Fundament geleget / ſo kan man den andern Theil / wel - cher ſich unter dem Nahmen des wohl - ſtyliſirenden Kauffmanns præ - ſentirt / und etwas hoͤhere die Commer - cia angehende Sachen in ſich faſſet /wiean dem Leſer. wie man denn darinnen inſonderheit die reelſten Scripturen von Tra - fiquen und See-Commercio beyſammen findet / mit ſo viel weniger Schwuͤrigkeit vor die Hand nehmen / und ſich auch in dieſem Genere ſo weit perfectioniren / daß man im Stande iſt / ſich kluͤglich und geſchickt aufzu - fuͤhren / wenn uns Gelegenheit vor - koͤmmt / in dergleichen Faͤllen etwas zu negociren und zu ſchreiben. Jſt man auch hiermit fertig / ſo werden endlich der dritte und vierte Theil / wel - che unter dem Titul: Kluger und wohlgeuͤbter Kauffmanns-Se - cretarius, vor noch nicht 2. Jahren zum erſten mahle herausgekommen / vortreffliche Dienſte thun; denn in ſel - bigen findet man annoch einen Vor - rath der allerwichtigſten in Kauff - manns-Affairen vorkommender Brie - fe / wie die davor befindliche beſondere Vorrede / worauf den G. L. verweiſe /aus -Vorbericht an dem Leſer. ausfuͤhrncherer Nachricht davon gie - bet. Will man ſich hieran noch nicht begnuͤgen / ſo kan man auch noch vie - ler beruͤhmter Leute im Druck ausge - gangene Brief-Buͤcher zu Huͤlffe neh - men / als des ſeiner Gelehrſamkeit we - gen hochberuͤhmten Herrn Hars - dörffers, item die wegen zierlicher Re - de-Kunſt und Schreib-Art ſehr herr - liche Schrifften des Herrn Spaten, Weiſen, Cramers, Talanders, Brauſers, Menantes, Salanders &c. Dieſe / ob ſie gleich durchgehends von den Han - dels-Briefen nicht allzuviel Formuln anfuͤhren / geben dennoch in andern uͤber diverſe Vorfaͤlle geſchriebenen Briefen ſolche Manuduction und An - leitung / welche auch in Kauffmanns - Briefen ihren groſſen Nutzen haben kan. Der geneigte Leſer nehme indeſ - ſen dieſes unſer zu gutem Vorhaben zielendes Werck welches ein Vortrab zu weit importanteꝛn Handels-Schrif - ten ſeyn ſoll fuͤr genehm / und bleibe dem Autori gewogen.

[1]

Des Allzeit-fertigen Handels-CORRE - SPONDENTEN Erſte Abtheilung.

[2]
Jnhalt.
  • 1. Von denen Requiſitis, ſo ein angehender Kauffmann auf ſeinen Contoir noͤhtig hat.
  • 2. Anweiſung von denen Arten der Briefe / darinnen er ſich exerci ren muß.
  • 3. Noͤhtige Erklaͤhrung und Gebrauch der fremden Handels-Woͤrter.
  • 4. Zulaͤngliches Regiſter derjenigen Termino - rum, ſo gemeiniglich bey Uberſchrifften er - fodert werden.
  • 5. Nuͤtzliche Reguln / ſo bey Verfertigung ei - nes Briefes muͤſſen obſervi ret werden.
  • 6. Von der Orthographie, oder der Kunſt / recht zu ſchreiben.
[3]

Das I. Capitel.

Von denen Requiſitis, ſo ein angehen - der Kauffmann auf ſeinem Contoir noͤhtig hat.

WEr in der heutiges Tages ſo hochnuͤtzlichen / vielmahls ſehr wichtigen / und von aller uͤber - fluͤſſigen Weitlaͤufftigkeit weit ent - ferneten Kauffmaͤnniſchen Corre - ſpondentz / (wie auch in denen beruͤhmten Schreib - Stuben) erfoderten Scripturen gluͤcklich fortkom - men / und mit Ruhm beſtehen will / von dem werden vornemlich viererley erfordert: Als daß er (1) or - thographi ſch / (2) zierlich / (3) geſchwind / und (4) wohl-geſetzt oder ſtiliſirt ſchreiben koͤnne. Dann / ſo jemand in einigen dieſer vier Stuͤcken fehlet / kan er ſich die Correſpondentz in hochwich - tigen Handels-Geſchaͤfften zu unternehmen nicht vermeſſen; Weil das Recht-ſchreiben eine gute Opinion eines wohl-fundirten Menſchen von ſich giebet / auch dadurch manche Zweydeutigkeit / welche offt von groſſer Conſequence iſt / vermieden wird. Das Schoͤn-ſchreiben erfreuet das Auge des Le - ſenden / und verhuͤtet die Inconvenientz / daß bey ei - ner uͤblen Schrifft offt kaum die halbe Meynung desA 2Schrei -4Von denen RequiſitisSchreibers kan penetriret werden; dahingegen / wann keine uͤble Schrifft vor Augen koͤmmt / die Meynung des Schreibenden deſto deutlicher geſe - hen / und folglich deſto richtiger vollzogen wird. Ge - ſchwind-ſchreiben nuͤtzet bey uͤberhaͤuffter Corre - ſpondentz und vielmahls geſchwind abgehender Poſt ſehr viel; noch mehr aber ein wohl-abgefaßter Brief / welcher die Zunge / ja gar das Gemuͤth / des abweſenden Schreibers deutlich vorſtellet. Von allen vier Qualitaͤten und ihren Requiſitis, auch worinn ſie beſtehen / und wie ſie zu erlernen / wollen wir in fol - gendem einen genauern Unterricht geben.

Orthographia heiſſet die Kunſt recht zu ſchreiben / als / daß man nicht ein B fuͤr ein P, ein F fuͤr ein V, als etwann Vaͤter fuͤr Feder / Babier fuͤr Papier / Ack - ſebdiren fuͤr Acceptiren ſchreibe / welches Verſehen gemeiniglich herruͤhret / daß man in der Jugend nicht wohl Buchſtabiren gelernet / oder fertig leſen kan (wie dann viele vornehme Leute gefunden werden / die nicht taugen eine gedruckte Aviſe, ohne faſt in jeder Zeile an - zuſtoſſen / herzuleſen / auch nicht viel gute und accurat geſchriebene oder gedruckte Schrifften ihr Lebtag un - ter Haͤnden gehabt / ſelbige geleſen oder abgeſchrieben / welches das Unheil nach ſich ziehet / daß / wann man zu Ende einer Zeilen / ein Wort wegen des Raum-Man - gels brechen muß / man es ungeſchicklich / und zwiſchen Buchſtaben / die an einander ſolten behangen bleiben / theilet / als etwann empfangen / da man auf der Zeilen endet mit empfa / die andere Zeile aber mit ngen an - faͤngt / welches ein grober Fehler / und nichts anders / als durch ein gruͤndliches Buchſtabiren und Unterſchei - den der Sylben / auch daß man viele gedruckte Buͤ - cher leſe / wohl abgetheilte Schrifften abſchreibe / undalſo5eines angehenden Kauffmanns. alſo ſich darinnen laͤuffig mache / kan remediret oder verbeſſert werden.

Wer aber hierzu einen gruͤndlichen Unterricht ver - langet / nehme vor ſich des hochgelehrten Herrn Hars - doͤrffers Secretarium, ſtudire fleißig in deſſen 7 den Theile von der Recht-Schreibung der Teutſchen Sprache / im 8ten Theil aber von der Schrifft-Schei - dung oder Diſtinction derſelben. Noch mehr aber wird zu beyden der gelehrte und weit-beruͤhmte Herr Spate in ſeiner Secretariat-Kunſt / und Boͤdickers Grund-Saͤtze Teutſcher Sprache / (in welche ich alle diejenigen / die an dieſem Kauffmaͤnniſchen Se - cretario Mangel und Abgang finden / will gewieſen haben /) Anleitung geben: Sintemahl erſt-bemeldter vortreffliche Mann / der abſonderlich auf das Aufneh - men unſerer Teutſchen Helden-Sprache ſein Abſehen gehabt / ex profeſſo davon (wie auch von allem / was die Feder und derjenigen / die ſie in Staats - Kriegs - Friedens - und Buͤrgerlichen Haͤndeln fuͤhren / ihre Beſchaffenheit und Qualitaͤten angehet /) gehandelt.

Unter dem Schoͤn-ſchreiben verſtehe ich eben nicht / daß es eine Hand ſeyn muͤſſe / als wann es in Ku - pfer geſtochen waͤre / oder als wann man vom ſchreiben wolte Profesſion machen / und einen Schreib-Meiſter abgeben / weil gemeiniglich ſolche gekuͤnſtelte Schriff - ten einen Kauffmann / der nicht viel zu thun hat / anzei - gen: ſondern ich verſtehe eine leſerliche / reinliche / nicht bekleckte und allzuviel abbreviirte / (wie etliche faſt bey jedem Worte / ohne Noht im Gebrauch haben) oder ei - ne in einander gezogene Hand / ſie ſey gleich ſtehend odeꝛ geſchoben; welches erlanget wird / wañ man in der Ju - gend fleißig in der Schreib-Schulen die Hand ſeines Meiſters zu imitiren ſich befliſſen / und nach der Zeit jeA 3laͤn -6Von denen Requiſitislaͤnger je mehr ſich uͤbet / auch ſolche Schꝛifft um ſo viel ſorgfaͤltiger excoliret / als offt ein uͤbel-geſchriebener Brief / der nicht kan geleſen werdẽ / verurſachet / daß der Empfanger des Schreibers Meynung nicht gnug - ſam verſtehen / und alſo (inſonderheit / wo nicht wohl durch Commata und Puncta diſtinguiret wird) des Correſpondenten Begehren kein Genuͤgen leiſten kan: Wie wir deſſen ein Exempel an jenem Jtaliaͤniſ. Kauffmann haben / der von ſeinem Factoren aus Spanien 1. oder 2. lebendige Affen verſchrieben / das Woͤrtlein oder aber / welches im Jtaliaͤniſchen nur geſchwinde weg mit einem o kan geſchrieben und an - gedeutet werden / ſo dicht und ohne Unterſcheid zwi - ſchen 1. und 2. geſetzet / daß der Factor vermeynet / er wolte 102. Affen haben / und dannenhero groſſe Muͤhe und Koſten angewandt / ſolche zu bekommen / endlich a - ber nicht mehr als 54. zuſammen bringen koͤnnen / die er mit einer Excuſe, daß nicht mehr zu kauffe geweſen / nebſt einer groſſen Rechnung uͤberſandt; woraus her - nach ein weitlaͤufftiger Proceß erfolget / indem der J - taliaͤner darauf beharrte / daß er nur 1. oder 2. geſchrie - ben / der andere aber es unrecht verſtanden haͤtte / und alſo ſchuldig waͤre / die Affen wieder zu nehmen. Aus welchen erhellet / wie viel an guter Diſtinction auch deutlicher und zierlicher Schreib-Art gelegen. Zum Geſchwind-Schreiben / und daß doch dem Schoͤn - Schreiben nichts abgehe / wird erfordert eine gelaͤuf - fige Fauſt / lange Ubung / und daß man unter dem Schreiben gleich das Concept, welches die Feder ſoll von ſich flieſſen laſſen / im Kopff mache / oder ſo man nach dem Munde des Dictirenden ſchreibet / daß man ſich nicht lange uͤber die Orthographie bedencke. Es hat aber das Geſchwind-Schreiben / wenn nur nichtsda -7eines angehenden Kauffmanns. dabey verſehen wird / ſeinen ſonderbahren Nutzen / weil dadurch in einem Poſt-Tage mehr kan abgethan / mehr Affairen verrichtet / und die wegeilende Poſt ge - ſchwinder expediret werden / welches man ſonſt bis kuͤnfftigen Poſt-Tag verſpahren muͤſte. Jch wolte unmaßgeblich rahten / daß Kauffleute / die wichtige Affairen haben / ihre Briefe dictiren / und durch 2. Perſohnen zugleich den Brief ins Reine und auch ins Copey-Buch ſchreiben laſſen ſolten / oder indem ſie ſel - ber ſchreiben / laut herſagen / damit der Diener oder Junge zugleich mit ihnen copiiren koͤnnte. Das iſt gewiß / daß ein Dictirender beſſer die Gedancken kan zuſammen haben / als einer / der zugleich im Kopffe concipiren / und die Antwort auf das vor ſich liegende Papier aus der Feder flieſſen laſſen ſoll. Wobey noch anzufuͤhren / daß etliche Kauffleute mit ihren Copiir - Buͤchern entweder in exceſſu, daß ſie alle unnuͤtze Bagatellen, als Gevatter - Hochzeit - und andere der - gleichen Briefe in daſſelbe ſchreiben / viele auch in de - fectu pecciren / und offt die nohtwendigſten Briefe / die uͤber lang oder kurtz groſſen Præjuditz bringen koͤn - nen / nicht einſchreiben / wenige aber den Mittelweg gehen / und das Unnuͤtze von dem Nuͤtzlichen / oder wel - ches ad perpetuam rei memoriam muß notiret weꝛ - den / zu unterſcheiden wiſſen.

Folget das Brief-Styliſi ren an ſich ſelbſt / zu wel - chem der Grund durch Leſung guter Buͤcher / es ſeyn gleich Geiſtlicher oder Weltlicher / Hiſtoriſcher oder Moraliſcher muß geleget werden / weil man aus ſol - chen ſich imprimiren wird / die Redens-Arten wohl an einander zu haͤngen / uͤber eine jede vorfallende Sa - che geſchicklich zu antworten / und daß weder an unnuͤ - tzen Worten ein Uberfluß / noch an nuͤtzlichen WortenA 4ein8Von denen Requiſitisein Mangel vorfalle / gluͤcklich evitiren kan. Jnſon - derheit werden die Teutſchen Adviſen / gute Romaͤnen und Brief-Buͤcher / auch ihren Nutzen ſchaffen / weil man aus jenen den Verſtand-ſchaͤrffende Welt-Be - gebenheiten / und wohlgeſetzte Erzehlungen ins Ge - daͤchtniß faſſet / aus dieſen aber Anleitung bekoͤmmt / wie man einen Brief ausarbeiten / und ſolchen / daß er des Schreibenden ſeine Intention erreiche / oder zum wenigſten wohl darlege / zierlich verfertigen ſoll. Wann nun ein Handels-Bedienter ohne dem auch in ſeinen Lehr-Jahren ſeines Patrons Briefe meh - rentheils copiiret / anderer Leute eingelauffene Brie - fe hingegen fleißig nachgeleſen / und aus der Unterſchie - denheit der Correſpondenten ihren Schreib-Ar - ten ihm die beſte erwaͤhlet / ſo kan es nicht fehlen / er wird endlich zur Ausfertigung eines ziemlichen Brie - fes gelangen / und zwar in ſeiner Profesſion ſo viel leichter / weil der Negotien-Begebenheiten einem Kauffmanne / nach der Sachen Beſchaffenheit / die Worte ſelbſt in die Feder dictiren / und gnugſam ſein Beſtes heraus zu ſtreichen / Schaden und Nachtheil aber von ſich abzuwenden / Anleitung geben. Jnſon - derheit aber wird einem Contoiriſten zu beobachten noͤhtig / an wen / wohin / woruͤber / warum und wie er ſchreibe / damit aus keinem der beſagten Um - ſtaͤnde ihm uͤber lang oder kurtz einiger Præjuditz / (weil offt ein geſchriebener Brief viel gutes und auch boͤſes / wie ſchon gemeldet / anrichten kan) zuwachſen moͤge. Zwar wird der Handels-Diener ſo lang als der Patron der Handlung die Briefe / von welchen præſumiret wird / daß er ſie uͤberleſen habe / ſelber un - terſchreibet / keinen Vortheil noch Schaden fuͤr ſeine Perſon zu gewarten haben / ſondern es gehet ſolches / ſoetwas9eines angehenden Kauffmanns. etwas verfaͤngliches in den Briefen enthalten / auf den Principal ſelber aus; Wie aber ein Diener ver - pflichtet iſt / ſeines Herrn Vortheil in allen zu ſuchen / deſſen Schaden und Nachtheil aber abzuwenden / alſo ſoll er / wann er gleich verſichert waͤre / daß ſein Pa - tron das ihm zum Nachtheil geſchriebene nicht recht penetriren oder begreiffen wuͤrde / dennoch (vornem - lich / wo ihm die Briefe in Abweſenheit des Herrn al - lein abzufertigen und zu beantworten / obliegen) we - gen des kuͤnfftigen Sorge tragen / kurtz / deutlich / oh - ne gezwungene Weitlaͤufftigkeit ſtyliſiren / dabey aber doch / weil unter den Kauffleuten das meum & tuum, mein und dein / ſo genau obſerviret wird / und man im Sprichworte zu ſagen pfleget: Handlung leidet keine Freundſchafft; alle Worte zuvor / ehe er ſie ſchreibet / wohl auf die Gold-Waage legen / und in ungewiſſen gefaͤhrlichen Dingen lieber einen ſolchen Stylum fuͤhren / der ſich ſowol fuͤr ihn und zu ſeinem Nutzen / als fuͤr denjenigen / an dem er ſchreibet / deuten laſſe / damit man bey dergleichen Begebenheit allezeit ein Loch offen behalte / durch welches man im fall des Ubel-gelingens échappiren koͤnne. Dieſes rahte ich nur von zweifelhafften und Nachtheil-bringenden Dingen / da man alle Schlangen Klugheit / welche GOtt ſelbſt nicht verbeut / employren muß. Son - ſten aber ſoll in allen Negotien die Treu und Ehrlich - keit / als der Kauffleute hoͤchſtes Kleinod / wohl obſer - viret / alle betruͤgliche Raͤncke hingegen / als welche Miß-Credit, Abwendung der Gemuͤhter / Verluſt der Correſpondentzen / und zu letzt nichts als Stanck / boͤß Gewiſſen / und ſtreitige Rechts-Haͤndel erwecken / aͤuſſerſt vermieden werden. Wann dero - wegen ein Correſpondent die Hand an die Feder ſe -A 5tzet /10Von denen Requiſitistzet / einen Brief zu beantworten / oder einen neuen Handel anzufangen / thut er wohl / daß er die Sache / woruͤber Correſpondentz ſoll gepflogen werden / wohl erwege / ehe er es wagt / indem ſein Ja oder Nein / zu rechter Zeit geredet / viel Nutzen / zur Unzeit aber viel Schaden bringen kan. So muß er auch Erlaͤute - rungs-Beweiſungs - und Probier-Gruͤnde einer Sa - chen erſt ſelber wohl einnehmen / und dann ſeine Correſpondenten wohl beyzubringen wiſſen. Je gluͤcklicher er denn im Uberreden iſt / je vortheilhaffti - ger wird ſolches in der Handlung ſeyn; doch daß / wie gemeldet / Ehr und Gewiſſen allezeit beobachtet / und niemahls hindangeſetzet werde. Wie aber ſonderbar hoch geachtet wird / die General-Regulen auf ſpe - cial-Faͤlle appliciren zu koͤnnen / und die Kauffmann - ſchafft / eben wie der Menſchen Leben und Wandel / ih - re unterſchiedene Materien und Vorfaͤlle hat / dar - uͤber geſchrieben und Briefe gewechſelt werden / als wenn in dieſem (nemlich im gemeinen Leben und Wandel) Gruß - Freundſchaffts - Complimenten - Gratulations - Condolentz - Hochzeit - Leichen - Re - commendations - Bitte - Befehl - Schertz - Liebes - Erzehlungs - Perſuaſions - Einwilligungs - Ab - ſchlags-Er - und Abmahnungs-Warnungs-Einla - dungs-Streit-Rahts - Erhohlungs - und Rahtge - bungs-Briefe / ſamt vielen andern mehr / vorkommen und noͤthig ſind / ſo geht die Kauffmannſchafft / (von derer Correſpondentz allein in dieſem Buche zu tra - ctiren unſers Vorhabens iſt) mit Einladungs-Ein - und Verkauffs - Schuld - Verſchreibung-Rent - Wechſel - See - Fracht - Adviſo-Speditions - Cre - dits - An - und Abmahnungs-Zeugniß-Gutduͤnckens / ſonſt auch Kauffmanns Parere genannt / Vortrags -War -11eines angehenden Kauffmanns. Warnungs-Complimenten - und Abſchlag - / ſamt vielerhand andern Brief-Arten mehr um / welche voll - kommen anzuweiſen / unſer erſter Zweck bey Diſpoſi - tion dieſes Buchs geweſen. Ehe wir aber zu den voͤllig zu Papier gebrachten Formularen ſelber ſchrei - ten / wollen wir einen kurtzen deutlichen Bericht von jeder dieſer Brief-Arten / und was dabey zu obſervi - ren ſeyn moͤchte / in folgenden ertheilen.

Das II. Capitel.

Anweiſung zu denen Arten der Brie - fe / darinn ein Handels-Bedienter ſich exerciren muß.

EJnladungs-Briefe geſchehen entweder von ſchon in Handlung ſitzenden / oder eine lange ge - fuͤhrte Handlung uͤbernehmenden / oder auch eine gantz neue Handlung anfangenden Kauffleuten / daß ſie durch ſolche ihren Correſpondenten zu wiſſen ma - chen / wie ſie entweder mit friſchen Waaren verſehen / eine lang im Beruff geweſene Handlung ererbet / an ſich gekaufft / uͤbernommen / und mit Fleiß zu continui - ren gedaͤchten / oder wie ſie in ihrer neu-angefangenen Handlung ſich um jedermann wohl verdienet zu ma - chen mit GOtt und Ehren entſchloſſen waͤren. Worzu nun folgende Perſvaſoria und Redens-Arten koͤnnten gebrauchet werden / als / man haͤtte in langer Zeit ſo ſchoͤne Waare nicht gehabt / wuͤſte ſie auch ſo bald nicht wieder zu bekommen / der Preis waͤre raiſonabel, die Gelegenheit ſolche zu verſenden gut / man moͤchte ſich beyzeiten providiren / es waͤre allbereit groſſe Nachfrage / man moͤchte ſonſt zu ſpaͤt kommen / dieſe o - der jene Condition ſolte man bey dem Kauff haben / dieuͤber -12Anweiſung zu denenuͤbernommene Handlung waͤre allezeit in ſolchem Flor geweſen / daß die meiſten Kauffleute ihrer in Ruhm ge - daͤchten / man haͤtte ſich ſicher des Hauſes bedienen koͤn - nen / die gegebene Commiſſiones waͤren getreulich vollzogen worden / es prævalirte ſich das Hauß reci - proquement auf den Correſpondenten / koͤnnte alſo eine Hand die andere waſchen / man haͤtte alle alte Kaͤnntniſſe von Ein - und Verkauffen bey der Hand / Caſſa und Banco waͤren wohl verſehen / ꝛc. Jn der neu-angefangenen Handlung wolte man all ſein Be - ſtes thun / daß man ſich der Ehre deſſen Correſpon - dentz moͤchte wuͤrdig machen / man wolte vor andern denſelben in Ein - und Verkauff favoriſiren / ſeinen Nutzen als eigen betrachten / fuͤr eine geringere oder doch zum wenigſten billige Proviſion dienen / wann ſo bald nicht Remeſſe erfolgen koͤnnte / gegen gebuͤhren - des Intereſſe ein oder 2. Monat Vorſchuß thun / fuͤr eine gewiſſe Proviſion del Credere ſtehen / hier und dar Schaden und Gewinn mit participiren / man wolte gern mit GOtt und Ehren fort / haͤtte zu dem Herrn / als einem allzeit guͤnſtig geweſenen Patron, ein ſonderbahres Vertrauen / er wuͤrde nicht allein fuͤr ſich dem Imploranten ſeine Gunſt / Correſpondentz und Commiſſiones goͤnnen / ſondern auch andere Freun - de mehr darzu recommendiren / ſich der mit ſeinem Vater (oder Vorweſer) genoſſenen Freundſchafft er - innern / und Schreibern dieſes ſolches genieſſen laſſen / man wolte gern deſſen Raht / Befehlen und Gutach - ten ſich unterwerffen / und in Summa alles thun / was ihm zur Etablirung und Fortſetzung der Correſpon - dentz animiren koͤnne / ꝛc.

Einkauffs-Briefe / das iſt ſolche Schreiben / da man Waaren von andern Orten entbietet / koͤnnenmit13Arten der Briefe. mit dieſen Motiven ausgeſpicket werden / man habe zu dem Factor jederzeit ein gutes Vertrauen getragen / er werde des Committenten Beſtes im Einkauff die - ſer oder jener Waare als eigen obſerviren / habe es auch bey vorigen Gelegenheiten ſchon verſpuͤhret / und wenn man nun wieder gegen dieſe Zeit an einen ſol - chen Ort durch dieſe Gelegenheit fuͤr ſo einen Preis / auf und in ſolcher Condition, eine ſolche Waare ver - langte / als erſuchte man dieſelbe auf Lieferung / ſol - cher geſtalt vor baar Geld auf Zeit oder contant, ge - gen Baratto dieſer oder jener Waare / einzuthun / oder einzukauffen / daß ſolche friſch / wohl gewogen / wohl gemeſſen / genau bedungen / von der beſten Qualitaͤt ſeyn moͤge / den Belauff ſolte man à Conto notiren / gleich traſſiren / remeſſe erwarten / das Geld von dem und dem empfangen / aus dieſer oder jener Waare wieder erheben / auf dieſen oder jenen Ort zu Laſt / N. N. vor des Committenten Rechnung traſſiren / man wolte aus ſolcher Probe abnehmen / ob man ferner zu continuiren Urſache haͤtte / ihm mehr Freunde zuwei - ſen / auch hieſiges Orts in dergleichen und andern an - genehmen Faͤllen dienen / ꝛc. Worauf der Ein - kaͤuffer nach vollzogener Ordre antworten kan: Es ſey der gegebenen Commiſſion ein Genuͤgen geſche - hen / die Waare eigenhaͤndig ausgeleſen / im civilſten Preiſe fuͤr ſo und ſo viel bedungen / oder geſtellt / mit dieſer oder jener Gelegenheit wohl conditioniret / un - ter dem und dem Zeichen / abgeſandt worden; hiebey folge Factura, Rechnung / Auszug / Specification des Verſandten / man wuͤnſche guten Empfang / hoffe / daß man nebſt ſeinen Nachbarn werde Marckt hal - ten / und alles mit Nutzen verſilbern oder an den Mann bringen koͤnnen / weswegen man auch die fer -nere14Anweiſung zu denennere Ehre ſeiner Correſpondentz verhoffe / der Be - lauff waͤre an dieſes oder jenes Ordre zu bezahlen traſſiret / ſolcher geſtalt eingehoben / hier und dar aſſigniret / ſo lange bis zu ſeiner Erlegung gegen ge - buͤhrende Intereſſe notirt, man wuͤrde eheſter Ta - gen von Coſty etwas zu verſchreiben noͤhtig haben / da es koͤnnte reſcontriret / abgezogen und berechnet wer - den / hier waͤre noch dergleichen mehr verhanden / dieſe koſtete ſo / und jene ſo viel / von dieſer waͤre abundantz / von jener nichts / es wuͤrde ein Steigen und Fallen / Fruchtbarkeit und Mißwachs / viel oder wenige Zu - fuhr / vermuhtet / ꝛc.

Commiſſion - Verkauffs-Briefe koͤnnen geſtellet werden / daß man in dieſem oder jenem Abſehen / in gu - ter Hoffnung nuͤtzlichen Verkauffs / und aus langer Experientz / was mit dergleichen Waaren / in ſol - chen Faͤllen / an beſagten Orten / fuͤr Nutzen geſchaf - fet worden / dieſe oder jene Waare an ihn zum Ver - kauff geſandt / nicht zweiffelnde / er werde / als wenn es ihn ſelbſt anginge / das Beſte im Verkauff obſervi - ren / ſie an einen guten / feuchten oder trucknen Ort einquartiren / zu dero Conſervation die benoͤhtigte Sorgfalt tragen / gegen dieſe oder jene Waare zu ver - ſtechen ſuchen / man gebe nicht andere Ordre, als contant zu verkauffen / oder vor den Zeit-Verkauff rabattiren zu laſſen; Item, wolte man / ſo viel del credere zu ſtehen einwilligen / er moͤchte ein kurtzes Lager machen / dadurch zur Einſendung mehrer Waa - ren veranlaſſen / dies ſolte eine Probe ſeyn / ſo und ſo wolte man unmaßgebliche Vorſchlaͤge thun / wo ſie am beſten auszubiehten / am ſicherſten / am hoͤchſten / am ge - ſchwindeſten / loßzuſchlagen.

Vor und nach dem Verkauff koͤnnte der das Com -mis -15Arten der Briefe. miſſion-Gut in Haͤnden habende Verkaͤuffer ant - worten / es waͤre dergleichen Gut uͤberhaͤufft / wenig oder viel Nachfrage / kaͤme eben recht gewuͤnſcht / oder zur unbequehmen Zeit / es fuͤnden ſich viele Liebhaber / waͤre wohl oder uͤbel conditionirt arriviret / vom Preiſe nichts gewiſſes zu melden / laͤge wohl verwah - ret / ſtuͤnde Gefahr dabey / mit dem Verkauff / ſolte es ſich ſo und ſo / auf dieſe oder jene Condition, am fuͤg - lichſten practiciren laſſen / und man wolte als eigen das beſte dabey obſerviren / alle getreue Bedienung verſprechen / der Verkauff waͤre ſo und ſo vollzogen / vermuhtlich nach deſſen Contento geſchloſſen wor - den / haͤtte nicht hoͤher koͤnnen getrieben werden / es waͤre bey dieſen oder jenen / der Zeit und Waaren Um - ſtaͤnde nach / theuer genug / man waͤre erboͤtig daruͤber Atteſtata zu bringen / wie man ſich denn allbereit da - mit verwahret haͤtte / bey ſo vortheilhafftigem Ver - kauff hoffte man ferner die Ehre deſſen Correſpon - dentz zu genieſſen / wolte rahten / ein mehrers / oder auch ein wenigers hinfuͤhro von dieſer Waare einzuſenden / dieſe Sorte koͤnnte jetzt ſo viel holen / eine andere ſo viel hoͤher ausgebracht werden / die Unkoſten waͤren leid - lich / allzuhoch / der Transport unſicher / geſteigert / dieſe oder jene Verordnung daruͤber ausgekommen / ſolche Schiff-und Fuhr-Gelegenheit nicht allezeit zu finden / man haͤtte mit nichts als wackern Leuten zu thun / der Augenſchein koͤnte betriegen / niemand waͤre ins Hertz zu ſehen / moͤchte ſich mit del Credere ſtehen nicht bemengen / wolte es ihm zu Gefallen fuͤr ſo und ſo viel thun / koͤnnte uͤber die Verkauff-Gelder / auf An - ſicht dieſes it. uͤber ein halb Jahr diſponiren / man wolte Ordre erwarten / was weiter anzufangen / um fernere Recommendation gebeten haben / ꝛc.

Advi -16Anweiſung zu denen

Adviſo - Briefe / zu welchen wir auch Unterrichts - Ermahnungs - und Warnungs-Briefe ſtellen wollen / werden uͤber allerhand Handels-Verrichtungen / uͤber trasſirte und remittirte Wechſel-Briefe geſchrie - ben / man macht in ſolchen / was auf des Correſpon - denten Rechnung und Ordre gehandelt / ein-und ver - kaufft / bezahlt / empfangen / oder ſonſten exequirt worden / demſelben zu wiſſen / bezeuget damit das Ver - trauen / welches man habe / daß das Gehandelte und Vollzogene kein Mißvergnuͤgen erwecken / genehm ge - halten / und conform werde notiret werden / mit an - gehaͤngter Entſchuldigung / warum dieſes oder jenes ſo / und nicht anders / geſchehen koͤnnen / man moͤchte bey Zeiten vigiliren / das koͤnnte dabey gewonnen / dieſer oder jener Schaden verhuͤtet werden / ſo ginge die Rede / der Leute Muhtmaſſen / Unſicherheit waͤre groß / die Gefahr / Gewinn und Verluſt / nicht zu ver - achten / Mißwachs und fruchtbare Zeit ſtuͤnden zu be - ſorgen und zu hoffen / die Zeiten wuͤrden ſchlecht / ſo und ſo lieffe das Geruͤcht / man ſolte ſich vorſehen / nicht zu viel hazardiren / an das ausgeſtandene Ungluͤck ge - dencken / ſich fuͤr Schaden huͤten / bey Zeiten warnen laſſen / ſo und ſo waͤre es den Mitbuͤrgen ergangen / der Verraͤhter ſchlieffe nicht / es waͤre ſchon Ordre geſtellt / die Zeit zum Einkauffen waͤre da / die Ge - legenheit nicht zu verabſaͤumen / man ſolte erndten im Sommer / fuͤr uͤbeler Correſpondentz ſich huͤten / die - ſem oder jenem nicht zu viel trauen / baar Geld fuͤr den Nohtfall in Caſſa behalten / nicht vertraulich mit je - dermann reden / Mine machen / als wann man eine andere Intention haͤtte / hier und dar zuvorkommen / ſich nicht / bloß geben / nicht ſagen / wo man die Waare her bekomme / bey Zeiten von dieſem oder jenemwel -17Arten der Briefe. welcher auf ſchwachen Fuͤſſen ſtuͤnde / ſein Geld fodern / ſeine Waaren mit Arreſt belegen / hier und dar den Paß und Correſpondentz abſchneiden / ſeiner Schriff - ten ſich verſichern / die Commercien waͤren geſperret / Fried und Krieg zu vermuhten / dies oder jenes Schiff wuͤrde zu Hauſe erwartet / ein anders verreiſete / man wolte mit interesſiren / haͤtte es anders abgeredet / be - ſchloſſen / bedungen / als in der That nun waͤre præſti - ret worden / und dergleichen mehr.

Spedition - Fracht - und See-Briefe / item Con - noiſſamenten / zeigen die zu Lande oder Waſſer ver - ſandte Guͤter an / der Fuhrleute oder Schiffer und Schiffs Nahmen / die ſolche fuͤhren / was dabey Fracht bedungen / das Gut gewogen / oder ſeine Quantitaͤt ſey / wie viel auf die Fracht bezahlt / was da - bey abgeredet / ob die Guͤter von andern Leuten und Or - ten uns zu geſandt / durch unſere Hand gegangen / oder von uns erſtlich verſandt worden / wie ſie gemer - cket / (gezeichnet) emballiret / conditioniret / verſehen / und weiter an andere / mit weß und auf weſſen Ordre, addresſiret und ſpediret worden.

Credits - Briefe recommendiren entweder unſere gute Freunde bey andern / daß ihnen Waaren oder Geld abgefolget / allezeit offene Caſſa, uͤber ſo viel als ſie begehren / oder nur uͤber gewiſſe limitirte Sum - men, und auf ein gewiſſes Abzeichen / von ſich gegebe - ne Parole, Vorweiſung einer Handſchrifft / Siegel oder Kennzeichen / ſchlechterdings oder gegen Revers, oder Einhaͤndigung dieſes oder jenen Pfandes / Lei - ſtung einer gewiſſen Condition, und dergleichen moͤge præſtiret und gegeben werden.

Recommendations - Schreiben haben faſt gleiche Krafft / ſind doch etwas eingeſchrenckter / bitten nurBallein18Anweiſung zu denenallein ihren Bringer und Uberreicher mit Raht / gutem Willen / An - und Nachweiſung / Beforde - rung / Huͤlffe / benoͤhtigten Geld-Mitteln im Ein - und Verkauff / Speditionen, Addreſſe, Logi - ment, Beyſteuer und dergleichen / an die Hand zu gehen.

Vollmacht-Briefe erſtrecken ſich in einer Ge - walt dieſes oder jenes fuͤr einen zu thun / zu handeln / einzuwilligen / zu verrichten / zu proſeqviren / und als eigen damit zu verfahren / man wolle ſolches als ſelbſt - gethan confirmiren / fuͤr genehm halten / hiemit de rato caviret / den Gevollmaͤchtigten in allem Scha - de loß gehalten / fuͤr allen An - und Zuſpruch / kuͤnffti - gen Præjuditz / freygeſprochen haben; Jnſonderheit wird in Gerichtlichen Vollmachten / Krafft welcher einer eines andern Perſon vor Gericht vertreten / und deſſelben Sache / als wann er ſelbſt zu gegen waͤre / agiren ſoll / der Vollmacht einverleibet / daß man N. N. zu ſeinen gevollmaͤchtigten Anwalt und Procura - tor ordne / ſetze und mache / in der allerbeſten Form und Maaſſe / wie es zu Recht geſchehen ſolle und koͤnne; Wegen der zu N. N. und vor N. N. ſich erhobenen Rechtfertigung auf angeſetzte und alle nachfolgende Rechts-Tage ſeinentwegen zu erſcheinen / des Wider - theils Klag und Vorbringen anzuhoͤren / ſo es die Sache erfordert / ſeine Reconvention und Gegen - Klage zu thun / Exceptionem declinatoriam fori und andere vorzu wenden / gegen des Gegentheils Kla - ge / Anſpruch und Forderung zu excipiren / die Ant - wort muͤnd-oder ſchrifftlich darauf zu thun / den Krieg zu befeſtigen / den Eyd fuͤr Gefaͤhrde / auch alle und je - de andere zimliche Eyde / ins Principalen Seele zu ſchweren / Propoſitiones und Articuls vermittelſt desEy -19Arten der Briefe. Eydes vorzutragen / und wanns noͤhtig / mit Zeugen und andern Urkunden zu beweiſen / und wie recht / aus - fuͤhren / des Gegentheils Propoſition und Articul vermittelſt gleichen Eydes zu beantworten / wider des Gegentheils Zeugen / Perſonen und Ausſage / zu exi - piren / zu repliciren / dupliciren / tripliciren und quadrupliciren / und ſo es Noht ſeyn wuͤrde / zu qvintupliciren / alle Nohtdurfft und Gegenwehr / wie die Nahmen haben moͤgen / zu uͤben / Probation und Bewehrung derſelben durch Zeugniß / oder in andere Wege / wie die Rechte zulaſſen / ausfuͤhren / und ſonſt alles Nothwendige im Recht vorzuwenden / zu fordern und zu gebrauchen / im Rechte zu beſchlieſ - ſen / Bey und End-Urtheil zu bitten / ſelbe anzuhoͤren / die anzunehmen / oder davon und allen andern Be - ſchwerungen ſich zu beruffen und zu appelliren / Apo - ſtel zu befoͤrdern / ſolche Appellation und Haupt - Sache zu proſequiren und zu vollfuͤhren / Expenſen und andere Gerichts-Unkoſten einzulegen / und ſelbe zu taxiren bitten / die Taxirten mit dem Eyde in ſeine Seele zu erhalten / einem oder mehr Affter-Anwald zu ſetzen / die Gewalt gantz / oder zum theil / auf ſie zu wen - den / zu widerruffen / und ſolche Gewalt wieder an ſich zu nehmen / und ſonſt alles und jedes zu handeln / zu thun und vorzunehmen / was der Principal ſelber / ſo er zu jeder Zeit gegenwaͤrtig waͤre / thun ſolte / koͤnnte oder moͤchte: Ob auch der gemeldte Anwald eine weitere oder mehrere Gewalt / denn hierein begriffen / beduͤrf - fen wuͤrde / wolle ihm denſelben hiemit auch zugeſtellet / item gelobet haben / alle des Anwalds / oder ſeiner an - geſetzen Anwalde / Handlung gantz genehm / auch ſtet und feſt zu halten / den conſtituirten Anwald / auch ſeine ſubſtituirten und nachgeſetzten Anwalde desB 2Rech -20Anweiſung zu denenRechten / allerdings Schad-loß zu halten und zu enthe - ben / und ſonderlich der Laſt de ſatisdando & judica - tum ſolvi, bey Verpflichtung aller des Principalen liegenden und fahrenden Guͤtern.

Zeugniß-Briefe geben Nachricht / beweiſen / be - ſtaͤtigen und bekraͤfftigen / was man geſehen / die Sa - che ſey ſo und nicht anders vorgegangen / abgeredet und vollzogen worden / man koͤnne dieſem Schreiben vollkommenen Glauben beymeſſen / weil es der Scri - bent ſelbſt geſehen / mit ſeinen Ohren gehoͤret / dabey geweſen / alles durch ſeine Haͤnde gehen laſſen / die Rechnungen revidiret / man habe die Perſon von Ju - gend auf gekannt / ſey allezeit erboͤtig / ſeinetwegen Red und Antwort zu geben / die Waare habe ſich oben gut / hier und dar mittelmaͤßig / verfaͤlſcht / verdorben befun - den / der Freund habe ſein Beſtes gethan / nichts verab - ſaͤumet / man koͤnne es auf Begehren eydlich bezeugen / noch mehr Neben-Zeugen / Inſtrumenta, Brief und Siegel beybringen / und was dergleichen mehr.

Gutduͤnckens-Briefe / welche auch Kauff - manns parere genennet werden / ſind vielfaͤltig / aus guter Meynung / vielmahls auch aus Schuldigkeit und Reqviſition eines Kauffmanns gegen den an - dern / auszufertigen / betreffen gemeiniglich ſtreitende Sachen / Mißhelligkeiten und Jrrungen; Man le - get durch ſolche an den Tag / was man ſeines Orts fuͤr recht und billig halte / in dergleichen Faͤllen / wann ſie einen zu Handen ſtoſſen ſolten / thun / laſſen und reſol - viren wuͤrde / zeigt auch wol Exempla und Præjudi - cata, das iſt / Vor-Urtheil / ſamt einigen gemeinen Rechts-Reguln an / wie es in dergleichen Faͤllen ſey gehalten worden; ſo waͤre ſein Raht / ſo ſolte und muͤ - ſte es von Rechts-wegen gehalten werden / die Sachekoͤnte21Arten der Briefekoͤnte anders lauffen / als mans ihm einbildete / dieſes ſtuͤnde zu befuͤrchten / zu hoffen / ſich mit allzugroſſer Parthey Waaren zu uͤberhaͤuffen / waͤre bey Anfang des Jahrs / da man nicht wuͤſte / was das Gewaͤchs thun koͤnnte / oder die Schiffe bringen wuͤrden / nicht rathſam? Haͤtte A. ſich anfaͤnglich freywillig dazu verſtanden / muͤſte er es auch hernach / als eine Noht - wendigkeit vollziehen / inſonderheit / weil ſeither des erſten Contracts ein Juͤngerer / der jenem umgeſtoſ - ſen / waͤre aufgerichtet worden / B. koͤnnte demnach Schaden und Intereſſe prætendiren / da man ihn in dem einen untreu befunden / ſtuͤnde es in dem andern auch zu præſumiren; der keine Treue hielte / dem waͤre man wieder keine zu halten ſchuldig / man muͤſſe Be - truͤbten nicht mehr Betruͤbniß machen; So ſich die Buͤrgen und Intereſſenten in ſolidum, und einer fuͤr allen / und alle fuͤr einen / verſchrieben / und dem Be - neficio Diviſionis renunciiret haͤtten / koͤnnte man den / der am beſten zu bezahlen haͤtte / fuͤr den andern angreiffen / und dieſes waͤre Rechtens / ꝛc. Doch wolte man darinnen nichts vorſchreiben / es waͤre nur eine unmaßgebliche Meynung / man haͤtte ſich / auf geſche - henes Befragen / dieſen guten Raht mitzutheilen nicht entziehen wollen / unterwuͤrffe ſich gern einem beſſern Urtheil / lieſſe ihm gefallen / was dieſe oder jene darinn thaͤten / wolte ſeine Meynung eben nicht vor einen un - fehlbahren Recht-Spruch / ſondern nur ein ſchlechtes Gutduͤncken und wohl-meynenden Rath ausgegeben haben / ſich gern von klugen Leuten belehren und weiſen laſſen / und anderer Sentiment daruͤber anhoͤren / demſelben folgen / und daß ſolches ſein Gutduͤncken ohne einige Paſſion, Eigennutz / Privat-Abſehen / von ihm gegeben worden / hiemit proteſtiret haben.

B 3Com -22Anweiſung zu denen

Complimen ten-Briefe / welche in Gratulation und Condolence, Anerbietung ſeiner Dienſte und Freundſchafft / und tauſend andern Vorfaͤllen mehr / unter honetten Kauffleuten gewechſelt werden / ſind mehr nach Anweiſung der Sachen ſelbſt / als richtigen Lehr-Saͤtzen / zu concipiren / man erfreuet ſich darinn uͤber ſeines Freundes Gluͤck / betruͤbt ſich uͤber deſſelben Ungluͤck / wuͤnſchet Gelegenheit ihm zu dienen / daß das angefangene Gluͤck lange moͤge continuiren / taͤglich wachſen und zunehmen / zu des gantzen Hauſes Wohl - fahrt ausſchlagen / das unternommene Ehe-Werck / die neu-betretene Ehren-Charge, die wohl-vollfuͤhrte Schiffs-Ausruͤſtung / die kluͤglich angelegte Manu - factur, im Anfange / Mittel und Ende gluͤcklich ſeyn; Den gethanen Riß wolle GOtt wieder erſetzen / das Verwundete heilen / das Verlohrne anderwerts wie - der gewinnen laſſen / ferner den Schutz ſeiner heiligen Engel / auf Wegen und Stegen / nicht entziehen; Man koͤnne ſich ſeiner Freundſchafft / als eines Bru - ders / verſichern / keine Gelegenheit ihm zu dienen / ſolte aus den Haͤnden gelaſſen werden / man wuͤrde ſich gluͤcklich ſchaͤtzen / wenn man durch einige angenehme Dienſte die Ehre ſeiner Wohlgewogenheit erwerben koͤnnte / es ſey nichts / daß man nicht / um ihm zu Gefal - len / thun ſolte / man haͤtte laͤngſt ſeinen Befehl ver - muhtet / auf Mittel gedacht / ſo viel empfangene Hoͤf - lichkeiten zu verſchulden / und was dergleichen mehr.

Vortrags Briefe erſtrecken ſich uͤber eine gewiſſe Sache / von welcher man den Intereſſenten Kaͤnnt - niß giebet / ob er damit einſtimmen / intereſſiren / und ſichs wolle gefallen laſſen / dis oder jenes waͤre jetzund vorhanden / ſo gedaͤchte man es vorzunehmen / er moͤch - te ſich bald entſchlieſſen / der Profit kaͤme nicht alle Ta -ge /23Arten der Briefe. ge / ſo und ſo ſolte ihm / wann er reſolviren wuͤrde / un - ter die Arme gegriffen werden / es waͤre jetzt keiner / der mit dergleichen Waare handelte / man koͤnnte merck - lich dabey gewinnen / wolte als dann hinwieder thun / was ihm anſtaͤndig ſeyn wuͤrde / im Fall er ſich auf die - ſen Vortrag favorabel erklaͤren wolte.

Lettres de refus, oder Abſchlags-Briefe / wei - ſen den Bittenden / oder eine Sache Vortragenden / gaͤntzlich / Hand-greifflich / oder auch verdeckter Wei - ſe / ab / fuͤgen die Urſache hinbey / warum ſolches nicht geſchehen koͤnne / mit angehaͤngten Complimenten / man wolle gern in andern Stuͤcken favoriſiren / es thue ſehr leyd / daß man dismahl nicht aufwarten / nicht helffen / nicht rathen koͤnne / die Sache ſey odieus, ge - faͤhrlich / die Caſſa erſchoͤpfft / man ſtecke ſich nicht gern in Weitlaͤufftigkeit und fremde Haͤndel / wuͤnſchte in - deſſen anderwerts ſein Vergnuͤgen zu finden / dismahl aber moͤchte man ihn excuſiret halten / mit ſolcher Bit - te verſchonen.

Wechſel-Briefe / Literæ cambiales, oder auf Frantzoͤſiſch Lettres de Change genannt / ſind kleine / den Kauffmaͤnniſchen Credit beweiſende Zettel / Krafft welcher derjenige / der ſolche zu Laſt ſeines an einem andern Ort wohnenden Correſpondenten / oder zu Laſt ſein ſelbſten / auf eine gewiſſe Zeit wieder einzuloͤſen / von ſich giebet / von einem andern die ver - accordirte Wechſel-Gelder gleich baar / oder erſt wann der Wechſel an dem Orte / da er ſoll bezahlet werden / acceptiret oder vergnuͤget worden / empfaͤngt / entweder mit Verluſt oder Gewinn / nachdem die in dem Wechſel wieder auszuzahlende mentionirte Gelder beſſer oder ſchlimmer / als die dafuͤr Empfan - gene / auch die Zeit des Wieder-Empfanges lang oderB 4kurtz24Anweiſung zu denenkurtz nach der Bezahlung geſtellet / und der Ort / wo - hin der Wechſel gerichtet / reicher oder armer an Handlung / oder ſein Geld wehrter / nutzbahrer oder ſchlechter / als desjenigen Orts / von welchem der Wechſel herkoͤmmt / gehalten wird; nachdem an ei - nem Wechſel-Platz / auf einen Poſt-Tag / welches aber veraͤnderlich / viel oder wenig Geber ſich finden / i. e. ſolche Leute / welche Geld auf Wechſel-Briefe ge - ben wollen / weil ſie ihr Geld an den fremden Ort / da - hin ſie den Wechſel begehren / noͤthig haben / oder daß viel und wenig Nehmer vorhanden / welche Geld an andern Orten wollen bezahlen laſſen / und ſolches in der Stadt / da ſie wohnen wiedernehmen / (vid. aus - fuͤhrlichen Bericht von Wechſeln in unſern 2. Theile des allzeit-fertigen Handels-Correſpondenten / da - ſelbſt weitlaͤufftig von dieſer Materia tractiret wird.) Jm Wechſeln koͤnnen 2. 3. 4. und mehr Perſonen in - tereſſiret ſeyn. Zwo Perſonen / wenn jemand auf ſich ſelbſt einen Wechſel ausgiebt / in der Zeit / die abgere - det worden / an denjenigen wieder zu bezahlen / der ihm das Geld gegeben; 3. Perſonen kommen zum Wech - ſel / wann man wegen des empfangenen Geldes auf einen andern traſſiret / ſolches an den / von welchem man es empfangen / wieder zu bezahlen / oder wann man ſich ſelbſten verſchreibet / das empfangene Geld auf desjenigen Ordre / der es uns gegeben / wieder an den dritten Mann zu bezahlen; Unter 4. Perſonen beſtehet der Wechſel / wann der Empfanger oder Nehmer des Geldes auf einen andern Mann ziehet oder traſſiret / daß ſolcher / auf des Gebers Ordre, an den Vierdten / und entweder in dem Wechſel-Briefe / oder hinten auf dem Endoſſement, mit Nahmen be - nennten / oder auch unter dem in dem Endoſſementledig25Arten der Briefe. ledig gelaſſenen Raume verſtandenen und authoriſir - ten Mann / wieder bezahlen ſoll / wann ſolcher durch neue Endoſſementen dann fernere Anweiſung thut / und ſein Empfangungs-Recht auf einen Andern tranſportiret / ſo erſtrecket ſich ſchon der Wechſel auf mehr Perſonen / deſſen kuͤnſtliche und auf unterſchied - liche Faͤlle gerichtete / zu Papier-ſtellung weiter hinten unter den Wechſel-Formularien zu erſehen.

Es werden aber ſolche Wechſel entweder auf einige Tage / Wochen oder Monate / nach dato oder auch auf Sicht / das iſt / auf Præſentation des Wechſels / auf Uſo, welches nach kurtz entlegenen Orten 14. Ta - ge / auf weit entlegene aber 4. Wochen iſt / auf gewiſſe Meſſen / Jahrmaͤrckte / Conditiones ſine quanon, zu bezahlen geſtellet / offt nur einer allein / wo man we - gen richtiger Uberkunfft der Poſt nichts zu beſorgen / ausgegeben / offt 2. als prima und ſecunda, ja auch wol tertia & qvarta gemacht / damit / im Fall der Er - ſte nicht ſolte eingelauffen ſeyn / der andere in deſſen Stelle und Wuͤrden treten moͤge / da dann / wann der erſte bezahlet / die folgenden von keiner Krafft ſind. Jm Fall der Nicht-Bezahlung wird auf Re - qviſition des Wechſel-Jnnhabers von einem Nota - rio gegen den Acceptanten oder unvermutheten Ac - ceptanten / auf den der Wechſel lautet / proteſtiret / und alsdann ſolcher Proteſt mit dem Wechſel dem er - ſten Geber des Geldes zuruͤck geſandt / der ſich ohne ei - nige gerichtliche Weitlaͤufftigkeit / Krafft wohl-beſtel - ter Handels-Plaͤtze Wechſel-Rechts / wieder auf den Nehmer oder Ausgeber des Wechſels / des Capitals, mit Schaden und Unkoſten / prævaliret / und ſchleu - nigen Rembourſo ſuchet; es waͤre dann / das an dem Orte / wo der Wechſel proteſtiret worden / ein ande -B 5rer26Anweiſung zu denenrer / par honneur des Ausgebers des Wechſels / ſol - chen eingeloͤſet / und ob er ſchon vielmahls keine ſpecia - le Ordre darzu gehabt / dennoch bezahlet haͤtte / um ſeinen Freund dadurch Schimpffs und Unkoſten zu uͤberheben.

Bodmerey-Briefe werden von See-fahrenden Schiffern / wann ſich ſolche in einem fremden Hafen in Geld-Mangel befinden / demjenigen ausgefertiget / der ihnen gegen Verſchreibung des Schiffes / Geld vorſchieſſet / welches hernach die Rehder oder Schif - fer vielmahls mit ziemlich hoher Lagio, Proviſion und Rente wieder bezahlen muͤſſen.

Schuld-Briefe / oder Obligationes genannt / ver - pflichten denjenigen / der auf Anſuchen von einem an - dern Geld zu / oder ohne / einer gewiſſen Rente / gelie - hen bekommen / oder durch andere Gelegenheit ſchul - dig geworden / daß er ſolches Geld in einer vorbeſchrie - benen Zeit / mit Erlegung der abgeredeten Intereſſe ſolle wieder geben / in Ermangelungs-Fall aber / deſſen fuͤr die Schuld verſchriebene Haab und Guͤter / ſo viel zu der Schuld-Summa von noͤthen / dafuͤr buͤſſen ſol - len / alſo daß man ſolche / wann es willkuͤhrlich ver - ſchrieben / antaſten und verkauffen / und ſich aus ſol - chen / wegen Capitals und verſchoſſenen Unkoſten / be - zahlet machen darff; Wiewol ich nicht rathen will / daß man es / inſonderheit / wo es unbewegliche Guͤter ſind / wann man gleich in dem verſchriebenen Schuld - Briefe die Gewalt deswegen empfangen / ohne Rich - terlichen Conſens, oder zum wenigſten in Beyſeyn eines Notarii, thue. Es werden auch bey der heuti - ges Tages Credit-loſen Welt ſolche Verbindlichkei - ten den Schuld-Briefen einverleibet / an welchen / wie man im Spꝛichworte ſaget / nichts als Galgen undRad27Arten der Briefe. Rad mangeln; dann zu geſchweigen / daß man eyd - lich ſich verbindet / und faſt Leib und Seele / ja die Se - ligkeit ſelbſt / verſchreiben muß / ſo iſt auch ſeither deſſen da es nicht mehr heiſt: Ein Wort ein Wort / ein Mann ein Mann / Endextra fidesꝗ! mit den Cau - telen und Vorſehungen bey Schuld-Verſchreibun - gen ſo hoch geſtiegen / daß man uͤber Haab und Gut noch ſufficiente oder geſeſſene Buͤrgen ſtellen muß. Dieſes duͤrffen keine Weiber ſeyn / weil ſolche nicht Buͤrge werden koͤnnen / auch / ſo ſie Buͤrge worden / nicht zu bezahlen ſchuldig ſind / es waͤre dann / daß ſie etwas dafuͤr genommen / daß ſie Buͤrgen worden ſeyn / oder wann ſie vor einen Braut-Schatz gelobet haͤtten / in welchem Fall ſie auch bezahlen muͤſſen; Ein verſchriebener Manns-Buͤrge aber iſt nicht allein fuͤr ſich / ſondern auch ſeine Erben / dem Geld-Auslei - her verpflichtet / ob gleich dieſer letztern / (nemlich der Erben) in der Verſchreibung nicht waͤre gedacht wor - den. Er muß ſich begeben des Beneficii Diviſionis, ex epiſtola Divi Adriani, inhaltlich in L. penult. C. de conſtit. Pecun. referiret / daß er nemlich / da gleich mehr Mit-Buͤrgen neben ihm waͤren / im Fall daß derjenige / fuͤr den ſie ſich verſchrieben / nicht zahl - hafft ſeyn ſolte / dennoch nicht begehren wolle / daß nur ein jeder Buͤrge fuͤr ſeinen ihme zukommenden An - theil von dem Glaͤubiger ſolle beſprochen werden / ſon - dern er wolle / im Fall es der Schuld-Herr begehret / die Zahlung allein zu præſtiren auf ſich nehmen. Er muß renunciiren dem Beneficio Ordinis ſeu no - conſtitutionis de Fide-juſſoribus, welches vermag / daß / ehe und bevor man die Buͤrgen anlange / der Haupt-Schuldner muͤſſe beklaget werden / nach welcher Renunciation es dem Glaͤubiger frey ſtehet /ent -28Anweiſung zu denenentweder den Buͤrgen oder Selbſt-Schuldener vors erſt mit Recht vorzunehmen; Und letzlich muß er ſich verzeihen des Beneficii cedendarum actionum, welches etwann zulaͤſt / daß / ehe und zuvor der Glaͤubi - ger ſein Recht und Forderung auf den Principal oder Haupt-Schuldner uͤbergeben / die Buͤrgen zu bezah - len nicht ſchuldig ſeyn: Er muß auch renunciiren der Exception Generalem renunciationem non va - lere niſi præcedat Specialis, das iſt: Es habe keine gemeine Renunciation ſtatt / es gehe dann eine ſonderbahre vor / welches ſo viel zu ſagen: Wenn der Buͤrge / wie offt geſchiehet / in der Schuld-Ver - ſchreibung ſich nur kuͤrtzlich verziehen und begeben al - ler Rechte / Gnaden und Freyheiten / von Paͤpſten / Kaͤyſern / Koͤnigen / Fuͤrſten und Staͤdten / gegeben / ſo ſolle ſolche doch guͤltig ſeyn / obgleich in der Ver - ſchreibung nicht eine ſpecial Renunciation (wie wol erfordert wird) eines gewiſſen Beneficii, als Di - viſionis, Ordinis, Cedendarum actionum, vor - her gegangen. Noch groͤſſer und mehr ſind die Ver - pflichtungen ſelbſt / welche durch Verſchreibungen und Renunciationen die Geld-Aufnehmer ihren Glaͤubigern leiſten muͤſſen; Weil wir aber ſolches in den bald folgenden Formularien weitlaͤufftig ausge - fuͤhret / als woſelbſt genug Schuld-Verſchreibungen und Obligationes, mit allen ihren Clauſulen, Cau - telen und Obſervationibus, zu finden / und in dem andern Theile dieſes Correſpondenten mit meh - rern pro captu Negotiantium gewieſen werden / als laſſen wir es allhier bey dieſem wenigen Unterricht bewenden.

Mahn-Brieffe werden die freundlichen Erinne - rungs-Schreiben / die aber manchmahl ungeſtuͤhmgenug29Arten der Briefe. genug ſind / genennet / daß der Debitor ſich doch mit Abtragung der Schuld einſtellen / und nicht laͤnger ſaͤumig ſeyn moͤge; Man ſtellet ihm vor / wie man des Geldes groß benoͤhtigt / wie man auf ſolche Weiſe an den verkaufften Waaren / wenn man ſo lange nach dem Gelde warten ſolte / viel Schaden leyden wuͤrde / man haͤtte ſich eines beſſern zu ſeiner Aufrich - tigkeit verſehen / wolte nicht gern gemuͤßiget ſeyn / an - dere Mittel vor die Hand zu nehmen / oder ihm gar un - ter die boͤſen Schulden zuſchreiben / er ſolte ſich verſi - chert halten / es wuͤrde ihm keinen Credit bringen / man wuͤrde ſeine Waare und Perſon zu arreſtiren ſuchen / wo man ſie fuͤnde / allen Leuten die uͤbele Bezahlung kund machen; Er ſolte ſich eines beſſern bedencken / man haͤtte wieder friſche Waare / wuͤrde er ſich einſtel - len / das Alte abtragen / oder nur auf Rechnung die Helffte zahlen / ſo wolte man wegen des Reſtes mit ihm in Gedult ſtehen / aufs neue fidiren / und was derglei - chen Perſuaſiones und Bedraͤuungen mehr ſind / die nach Gelegenheit der Zeit / des Orts und der Perſon / muͤſſen angebracht werden.

Kauff - und Verkauff-Briefe / welche uͤber ei - nen gewiſſen Haus-Acker-Vieh-und anderer Sa - chen Kauff und Verkauff / unter zwo oder mehr Per - ſonen / in einem / oder unterſchiedenen Oertern woh - nenden / aufgerichtet werden / ſind mehr Contracten, Documenta, Urkunden und Briefſchafften / als Kauffmanns-Briefe zu nennen; Jedoch / weil wir uns vorgeſetzt haben / den Handels-Correſponden - ten in allen auf einem Contoir vorfallenden Scri - pturen laͤuffig zu machen / und daß inſonderheit der - gleichen Schrifften und Contracten, Rechnungen und Documenten / mit den Negotien inſeparabili -ter30Anweiſung zu denenter verknuͤpfft / vermiſcht und verbunden / auch einem Kauffmanne nicht allezeit gelegen iſt / einen Advoca - tum oder Notarium deswegen zu belohnen ſondern / ſo gut als er kan / ein Concept ſelber auf ſetzet / ſolches hier und da mutatis mutandis abſchreibet / auch ſei - nem Diener Befehl gibt / dergleichen zu entwerffen und aufzuſetzen; als iſt die Anweiſung darzu in die - ſem generalen Unterrichte von Kauffmaͤnniſchen Scripturen / und folgends in denen vielfaͤltigen For - mularien / zu finden / und zwar verhoffentlich mit viel groͤſſerm Nutzen / weil ſich bisher niemand gefunden / der von Contoir-Schrifften ſo ausfuͤhrlich / als hier geſchicht / geſchrieben haͤtte. Es iſt aber von den Kauff-Contracten zu wiſſen / daß in denſelben des Kaͤuffers und Verkaͤuffers Nahmen / das Gut / wel - ches ge-und verkaufft worden / die Zeit des Verkauffs / ſamt dem Preiſe / Ubergebung oder Lieferung / und die geleiſtete Eviction, oder daß man das Gut fuͤr allen An - und Zuſpruch dem Kaͤuffer gewehren wolle / muͤſſe beſchrieben und ſpecificiret werden; Wobey zu mercken die Beſchaffenheit und Groͤſſe der ver - kaufften Sachen / die Einwilligung der Contrahen - ten / die Ubergebung des Gottes-Pfennings / die Re - nunciatio Beneficiorum und Exceptionum, als non numeratæ pecuniæ, doli, læſionis ultra dimi - dium, pretii juſti, &c. Man muß auch anſehen die Perſonen der kauffenden und verkauffenden / weil Kin - der / Unſinnige / Verſchwender / denen die Verwaltung ihrer Guͤter benommen / Minderjaͤhrige und Vor - muͤnder ohne gebuͤhrliche Solennitaͤten / nicht kauffen oder verkauffen moͤgen; So koͤnnen auch keine Kir - chen / gemeine und dergleichen Guͤter / ohne ihrer Solen - nitaͤt / item freye Menſchen / in Kriegs-Zeiten contra -bande31Arten der Briefe. bande Waaren / oder geſtohlene Guͤter nicht gekaufft oder verkaufft werden; Und inſonderheit muß im Kauffen und Verkauffen auf der Rechten / und eines jeden Landes ſonderbare Conſtitutiones, in Verfer - tigung dergleichen Contracten, und was dabey in Obacht zu nehmen / geſehen werden. Ein mehrers hievon / wie auch de evictionibus, in den beſchriebe - nen Formularien / als in welchen unterſchiedliche nach allen ihren Cautelis vollkommen ausgefuͤhrte Kauff - Briefe zu finden.

Haur-Miet-oder Zins-Contracte werden uͤber be - wegliche und unbewegliche Guͤter / als Haͤuſer / Gaͤr - ten / Pack-Raͤume / Keller / Schiffe / die da ſollen be - frachtet / Dienſt-Boten / Pferde / ꝛc. welche ſollen ge - mietet werden / aufgerichtet / worzu auch hinten unter den Formularien Anleitung zu finden.

Qvitancen ſind Loßſprech-Zettel / da durch man ei - nen / der unsum Geld oder einer andern Obligation wegen verpflichtet geweſen / von ſeiner Schuld loß - ſpricht / und Zeugniß giebet / daß er uns / gantz oder in ſo weit / fuͤr allezeit oder auf ſo lang / vergnuͤget / wes - wegen wir ihn alles Anſpruches frey und ledig zehlen / und des ſpecificirten wegen nichts mehr auf ihn zu prætendiren haben wollen.

Revers, iſt eine Gegen-Verpflichtung / welche der - jenige / der etwas genoſſen / oder dem von einem an - dern etwas Gutes oder Boͤſes wiederfahren iſt / von ſich giebet / und darinnen ſich verſchreibet / anheiſchig und verbindlich machet / dieſes oder jenes zu thun / auch wol bey angehaͤngter und ihm ſelbſt dictirter Straffe / im fall er dem Verſchreiben zuwider leben ſolte.

Aſſignationes ſind Anweiſe-Zettel auf einen / deruns32Anweiſung zu denenuns ſchuldig iſt / ausgegeben / daß ſolcher unſerntwegen an einen andern / den wir ſchuldig ſind / ſo und ſo viel be - zahlen / oder dieſe oder jene von uns in Haͤnden habende Waare ausliefern ſolle / welches uns eben ſo guͤltig und valuble ſeyn ſolle / als wann wir es ſelbſt empfangen oder genoſſen haͤtten.

Geſellſchaffts-Contracten geſchehen zwiſchen zween oder mehrern / die ſich freundlich unter einan - der vereinigen / und / in der Hoffnung mehrern Ge - winn und Nutzen aus ihrer Geſellſchafft zu ziehen / zu einem ehrlichen Gewerbe auf gewiſſe Conditiones verbinden; Als / daß ſie gleich Geld einſchieſſen / oder der eine mehr als der ander einlegen / der Geringere hingegen / was an ſeinem Capitale mangelt / mit ſeinem Handels-Verſtande und Arbeit erſetzen ſolle. Ob nun woll dieſe Materia einen Handels-Mann nicht offt vorkoͤmmt / jedoch aber vorkommen kan / als iſt auch eine Anleitung dazu in einigen ausfuͤhrlichen Ge - ſellſchafft-Contracten gegeben / welche nach Beſchaf - fenheit der in dem Handel zuſammen tretenden Ge - ſellſchaffter koͤnnen veraͤndert / vermehret / und ver - mindert werden.

Tauſch-Contracten, die auch bey Kauffleuten viel - mahls vorfallen / ſind nichts anders als die Beſchrei - bung gegen einander barattirter Kauffmanns-Guͤter / und dabey abgeredeter Bedingungen / und iſt zwiſchen Verſchreibung / der Kauff-und Tauſch-Briefe ein ſchlechter Unterſcheid.

Lieferungs-Contracten werden diejenigen genen - net / welche uͤber eine gewiſſe Waare / ſo kuͤnfftig um eine beſtimmte Zeit und in gewiſſen Preiſe / an gewiſſen Ort und auf gewiſſe Condition, item an gewiſſe Leute zu liefern / aufgerichtet / und mit einen Gottes -Pfen -33Arten der Briefe. Pfenning / manchmahl auch mit angehaͤngter Pœn und einiger auf Rechnung vorgeſchoſſenen Gelder / bekraͤfftiget werden.

Transactiones ſind Vertraͤge oder Aufhebun - gen zweifelhaffter Streitigkeiten / zwiſchen zwo oder mehr Parteyen / deren eine jede an ihrer For - derung und Gegen-Forderung etwas nachgibt / oder ſchwinden und fallen laͤßt / damit man des rechtli - chen Erfolgs / welcher ungewiß / muͤhſelig und koſt - bahr / moͤge uͤberhoben ſeyn; Oder / wann ſolcher ſich ſchon angeſponnen / durch dergleichen zeitigen Vertrag wieder moͤge aufgehoben und annulliret werden. Es muͤſſen aber ſolche Vertraͤge nicht wi - der GOtt / beſchriebene Rechte / und gute Sitten ſeyn / auch keinen Betrug hinter ſich fuͤhren / ſonſt iſt man ſie zu halten nicht ſchuldig / da ſie hingegen / wann ſie ehrlich und ohne Betrug aufgerichtet worden / vim ſententiæ definitivæ, oder / als wann ein Richter - licher Urtheil-Spruch druͤber geſchehen / haben. Vormuͤnder muͤſſen vor allen Acht haben / daß der Vertrag zu der Pupillen Nutzen geſchehe / ein Kauffmanns-Diener oder Gevollmaͤchtigter hat bey Vertraͤgen nicht Macht uͤber die ihm von ſeinem Prin - cipalen zugemeſſene Gewalt zu ſchreiten / und ob er ſchon eine gemeine Gewalt uͤber alles haͤtte / iſt doch am rahtſamſten / daß / wenn er Zeit hat / er alles ad refe - rendum annehme / und ſeines Principalen Ratifica - tion abwarte.

Compromis, iſt ein freundlicher und guͤtlicher Aus - trag aller Streitigkeit und Jrrungen zweyer ſtreiti - ger Parteyen / welche durch eines freywillig von ih - nen erwehlten Schieds-Richters (Lateiniſch Arbiter genannt) willkuͤhrlicher Erkaͤnntniß alſo entſchiedenCwer -34Anweiſung zu denenwerden / daß keine Parthey an der andern hinfuͤhro ei - nen Anſpruch zu fodern habe. Wie ſolche auf unter - ſchiedliche Manier aufzuſetzen / wird ebenfalls weiter hinten angewieſen werden: Zu wiſſen iſt aber / daß / ſo ein Kauffmann civiliter oder buͤrgerlich wider einen andern klagen / alsdann das Compromis ſtatt habe / nicht aber / wann er eine Action criminaliter oder peinlich zu fuͤhren anhaͤngig gemachet.

Donationes inter Vivos, oder Schenckungen bey Lebens Zeiten / geſchehen auch offt bey beguͤterten Kauff-Leuten / daß ſie vielmahls GOtt zu Ehren / oder aus Liebe zu ihrem Nechſten / etwas weggeben / und wird auch hievon einen Auffſatz zu machen / dem Contoiriſten angewieſen.

Ceſſiones oder Ubergaben ſind ſolche Inſtrumenta, da ein Kauffmann ſeine auf einen andern habende Action, Anſpruch oder Forderung / einem dritten an Bezahlungs-Statt uͤbergibt und zuſtellet / alſo / daß ſolcher hernachmahls die Forderung gerichtlich oder in der Guͤte einzutreiben / daruͤber auch zu tranſigiren / Macht und Gewalt hat / gleich als wenn er von An - fang her das Recht darzu gehabt haͤtte.

Renunciations - Briefe ſind Verzieh-Briefe / dar - inn ein Kauffmann ſich begiebet / daß er gewiſſer Ur - ſache / oder mit einem andern geſchloſſenen Contracts wegen nicht mehr mit dieſer oder jener Waare / Mann oder Action, zu thun haben / in dieſes oder jenes Land Handlung zu treiben / nicht reiſen / ſondern es demjeni - gen / gegen welchen er die Verzicht gethan / uͤberlaſſen wolle; Koͤnnen auch unter die Reverſe gezogen werden.

Inventarium iſt eine Schrifft / welche alle in der Handlung verhandene Waaren / baare Gelder /Schul -35Arten der Briefe. Schulden und Gegen-Schulden / verzeichnet auf - weiſet / alſo / daß man ſich deſſelben beym Anfange neuer Buͤcher oder Handlung zur Formirung des Handels-Capitals, beym Schluß aber der Bilantz zu Unterſuchung des Gewinns oder Verluſtes / nuͤtz - lich bedienen koͤnne.

Schein - oder Recepiſſe - Zettel / oder Urkund / Teſti - monia oder Abſchiede / werden von Kauffleuten viel - faͤltig denjenigen / die ihnen von eines andern wegen Geld / Briefe oder Waaren / bringen und einliefern; Item, uͤber gewiſſe ſich zugetragene Dinge / glaub - wuͤrdigen Gezeugniß / wie auch den Abſchied-nehmen - den Dienern / nachdem ſie ſich gut oder boͤſe verhalten / in guter und boͤſer Form gegeben.

Retorſiones, um die von Verlaͤumdern abgeſchnit - tene Ehre zu retten / ſind Kauffleuten auch offt noͤhtig / worzu noch kommen

Proteſtationes; Wie beyde mit Vorſicht zu ma - chen / iſt hinten in unterſchiedenen Formularien an - gefuͤhret.

Beſtallungs-Contracte werden zwiſchen Kauff - leuten und ihren Buchhaltern und Dienern aufge - richtet / und machet ſich in ſolchen der Diener oder Buchhalter anheiſchig / wie lange / und in was Qua - litaͤt / als entweder auf Reiſen / im Krahme / bey der Caſſa, bey den Buͤchern / oder der Correſpondentz / er ſeinem Herrn getreulich dienen wolle; Der Han - dels-Patron hingegen verſpricht / was er ihm jaͤhrlich fuͤr Belohnung dafuͤr zu zulegen gedencke; Und koͤn - nen hierzu auch gezehlet werden der Lehr-Jungen Verſchreibungen unter Buͤrgſchafft aufgerichtet / wiederum derſelben Ledig-Zaͤhlung und VerſetzungC 2in36Anweiſung zu denenin den Geſellen - oder Diener-Stand. Von beyden Faͤllen ſind hinten Vorſchrifften zu finden.

Supplicationes, welche auch nicht ſelten einem Kauff - manne nohtwendig und nuͤtzlich werden / ſind Bitt - Schrifften an Obern / um etwas zu erlangen / gerich - tet / und weil viel tauſend Vorfaͤlle ſeyn / woruͤber offt - mahls bittlich muß Huͤlffe / Beyſtand / Delation, Lin - derung / Gnade / Privilegia, Freyheiten / Immuni - taͤten und dergleichen / geſuchet werden / als ſind derſelben auch unterſchiedliche Arten aufgeſetzet / die Unbeſchriebenen aber zu eines jeden Verſtaͤndigen eigener Aus-arbeitung uͤberlaſſen worden.

Separationes, oder Abtheilungen / Voneinan - derſcheidungen / geſchehen / wann zween oder mehr Geſellſchaffter ſich von einander trennen / und ent - weder ihre bisher in Compagnie gefuͤhrte Hand - lungen gantz aufgeben / oder jeder a parte fuͤr ſich zu handeln reſolviren; und weil bey dergleichen Separationen inſonderheit ein jedes Theil ſeine ge - wiſſe Præcautiones haben muß / welche wegen kuͤnff - tiger Conſequence, aus hoͤchſt-dringender Noht - wendigkeit / ſehr kluͤglich muͤſſen abgefaſſet werden / als iſt unter den Formularien der Kauffmanns - Schrifften in einer weitlaͤufftig-ausgefuͤhrten Se - parations-Beſchreibung darzu Anleitung und Un - terricht gegeben worden.

Aſſecurationes oder Verſicherungen ſind gewiſſe Contracten, da einer gegen Empfangung einer ge - wiſſen Premie dem andern ſeine / in der wilden See ſchwebende und uͤber dieſelbe zu transportirende Schiff und Guͤter verſichert / daß ſolche in behaltenen Hafen anlangen ſollen; im Fall aber / daß durch Unge - witter / Feindes Liſt und Gewalt / Feuer-und Waſſer -Scha -37Arten der Briefe. Schaden / beſagte Guͤter verungluͤcken ſolten / wolle er deren Wehrt / wie hoch man ſie bey ihm angegeben / und wornach man ihm die Premie bezahlet haͤtte / wie - der erſetzen. Daß aber ſolches deſto gewiſſer ſey / fer - tiget der Aſſecurator eine lange und ſehr verbindliche Schrifft / bey Kauffleuten Pols oder Polize genannt / aus / unterſchreibet ſolche eigenhaͤndig / und gibt alſo dem Herrn der Guͤter dadurch ſchrifftliche Verſiche - rung an die Hand / Krafft welcher er ſich wegen des See-Schadens an den Verſicherer zu halten Fug und Macht hat.

Charte oder Certe - Parteyen / werden unter Miet - Contracten gezaͤhlet / und ſind davon vorgeſchriebe - ne Formularien hinten zu erſehen.

Conto Courant oder Conto Corrente, eine uͤber baare eingegangene und ausgezahlte Gelder lauffende Rech - nung / wird aus dem Haupt-Buche Debet - und Cre - dits-weiſe ausgezogen / auf-ſummirt / ſaldiret / und der Saldo oder das Reſiduum aufs neue fortgetra - gen. Dieſe Rechnung dienet darzu / daß ein Kauff - mann wiſſen koͤnne / wie viel er dem andern noch ſchuldig / oder was er von ihm haben ſolle / was er bis - anhero fuͤr baare Gelder fuͤr ihm eingehoben und wie - der ausgezahlet / fuͤr Waaren eingekaufft und ver - kaufft / fuͤr Wechſel bezahlet / Unkoſten verſchoſſen / und dergleichen mehr; Wann ſolches dann alles d ac - cordo und richtig befunden worden / muß derjenige / welcher die Courant-Rechnung empfaͤnget / ſolche in ſeinen Buͤchern gleichfals ſaldiren / und den Saldo aufs neue uͤbertragen / das noch zu notirende noti - ren / die Percelen gegen einander conferiren / uͤber das Zweiffelhafftige oder Unrecht - geſetzte corre - ſpondiren / und ſich allezeit ſo in ſeinen Handels-Buͤ -C 3chern38Anweiſung zu denenchern verhalten / daß er auf jedes Anfordern im Stan - de ſey / richtige auf einander ſich beziehende Courant - Rechnungen auszugeben.

Conto di Tempo, eine Zeit-Rechnung / wird von etlichen noch genau obſerviret / und auf dieſelbe die Debitores angefuͤhret / an welche von eines Kauff - manns Commiſſion-Waaren auf Zeit verkauffet worden. Was mehr von dergleichen Conten (die bey Kauff-Leuten nach Beſchaffenheit der Ne - gotien unterſchiedlich koͤnnen rubriciret werden) zu wiſſen / iſt in unſerm vollkommenen Buchhalter ausfuͤhrlich zu erſehen.

Factu ren ſind Rechnungen uͤber wegſendende Guͤ - ter / welche unſere Correſpondenten von uns / oder wir von ihnen / verſchrieben haben: Wann wir in jenem Fall ſolche von unſern eigenen Waaren nehmen und uͤberſchicken / ſo wird keine Proviſion gerechnet / weil wir ſchon auf die verſandten Waaren den Profit geſchlagen; Wenn wir ſie aber von andern auf des Committenten Rechnung einkauffen / wird gebuͤh - rende Proviſion 1. oder 2. pro Centum, und zwar unter dem ausgeſchloſſenen Unkoſten / als Zoll / Fracht / Brief-Porto, Emballage, &c. berechnet. Zu ſol - chen Factorie-Rechnungen koͤnte man auch eigener und Commiſſion-Waaren Verkauff-Unkoſten - Brief-Porto-proteſtirter Wechſel-Schiffs-Parten - Compagnien-Repartitions-Intereſſe-Gewiñ - und Verluſt-Lagio-Maͤckler-Thara-Haur-und Haus - haltungs-Rechnungen / ſammt unterſchiedlichen an - dern mehr / zaͤhlen; Jnmaſſen dann auch von ſol - chen allen / und wie ſolche aufzuſetzen / hinten genug - ſamer Unterricht erfolget.

Memorial, Brouillard, Strazze, Manuale,Scar -39Arten der Briefe. Scarte foglie Klidder-Hand-oder Ge - daͤchtniß-Buch / iſt ein Buch / in welches in einer wohlbeſtellten Handlung alles / was gehandelt wird / muß eingeſchrieben werden; Und zwar kan ſolches / nur zum Gedaͤchtniß / durch Herr / Frau / Diener / Jungen / oder wer die ein zuſchreibende Verrichtung unter Haͤnden gehabt / unfoͤrmlich geſchehn: Wann nur die bey ſolcher Action intereſſirte Perſonen / Waaren / Gelder / Zeit und Bedingungen / als die eſſentiellen Stuͤcke / nicht ausgelaſſen werden / ſo wird alsdann zu ſeiner Zeit ein verſtaͤndiger Buch - halter ſchon wiſſen / den Debitorem und Credito - rem heraus zu finden.

Journal iſt dasjenige Buch / worinn alle Handels - Poſten nach Buchhalteriſcher Art ordentlich zu De - bet und Credit geſtellet / und hernach aus dieſem in das Haupt-Buch uͤbergetragen werden: Welches man hier nur anfuͤhret / weil in dieſem Buche durch - gehends vom ſtylo oder der beſten Schreib-Art in Kauffmanns-Schrifften gehandelt wird / der auch in den Handels-Buͤchern ſeine gewiſſe und einiger Maſſen allhier angewieſene Form und Reguln hat. Weitlaͤufftig davon zu tractiren iſt hieſieges Orts unſer Zweck nicht / weil es bereits in das Buchhalten hinein laͤuffet / und in unſerm vollkommenen Buch - halter deutlich genug angefuͤhret worden / dahin wir den Leſer / obiger und anderer Handels-Buͤcher we - gen / wollen verwieſen und damit die Eintheilung der Kauffmanns-Scripturen zu Anweiſung des heu - tiges Tages auf wohlbeſtellten Contoiren uͤblichen Styli beſchloſſen haben; Wenden uns hierauf zu den in Handels-Briefen vorkommenden Lateiniſchen / Frantzoͤſiſchen und Jtaliaͤniſchen Woͤrtern / welcheC 4denen40Anweiſung zu denendenen / die obbeſagter Sprachen kuͤndig / gar bekannt ſeyn werden / bey denjenigen aber eine Explication beduͤrffen / welche nichts anders als ihre Mutter - Sprache gelernet; Dannenhero auch mit ſonderbah - ren Fleiſſe / Sorgfalt und Muͤhe / beſagter Woͤrter rechter Gebrauch nebenſt denſelben angewieſen wor - den. Es haben ſich aber dieſelbige vornemlich / (ich moͤchte wohl ſagen) durch etlicher Kluͤglinge hochmuͤ - thiger Thorheit / und zu Teutſcher Kauff leute eigenen Schande / wiewol ſolche mit der Decke eines groſſen Nutzens will bemaͤntelt werden / in unſere Teutſche Mutter-Sprache eingeſchlichen; Und zwar meiſten - theils darum / weil wir / GOtt Lob! in Teutſchland unſere Commercien bis an die weit entlegenſte Oer - ter der Welt ausbreiten / und alſo mit fremden Nationen, die fremde Sprachen fuͤhren / viel zu thun haben / da man ſich dann hier und dar zu derſelbigen Redens-Arten und Terminis, welche etwann eine Waare oder Kauffmaͤnniſche Handlung (der eingebil - deten Meynung nach) beſſer als unſere Teutſche Sprache vorſtellen und beſchreiben / gewoͤhnet / nicht zwar ſo gantz und gar ohne Nutzen / in Anſehung / daß noch theils auslaͤndiſche Woͤrter ſo beſchaffen / daß ſie eine Sache ſehr kurtz exprimiren / welche im Teutſchen weitlaͤufftig muͤſte umſchrieben werden; die auch allbereit / ſo zu reden / das Buͤrger-Recht / inſon - derheit bey den Hollaͤndern / empfangen / daß ſie nun - mehro diverſe Nationes in Handlungen aus einan - der ſetzen / und nicht wol ohne Schadẽ oder Unordnung (wie einige Sprach-Kuͤnſtler laͤcherlicher aber vergeb - licher Weiſe mit den in Civil-Reden eingeſchlichenen fremden Woͤrtern thun wollen) koͤnnen ausgemun - ſtert werden. Jedoch tadle ich nur ihren Mißbrauch /daß41Arten der Briefe. daß inſonderheit unſere Teutſche Contoiriſten mey - nen / daß ſie keine verſtaͤndige Zeile in den Brief ſchreiben koͤnnen / wo ſie nicht allerhand fremde / un - gereimte / und bey den Haaren herbey gezogene / Latei - niſche / Frantzoͤſiſche oder Jtaliaͤniſche Woͤrter mit einmengen; Jnſonderheit / wo ſie einen Monat 2 à 3 bey einem Sprach-Meiſter geweſen / und etwan aus dem Nomenclatore, oder eines andern Phantaſten zugeſchriebenen Briefe / ein fremdes Wort erſchnap - pet haben; Da muß es gleich heiſſen: Monſieur, Deſ - ſen agreables vom 6. corrente iſt wohl ricapitiret / ich habe aus deſſen Contenu meines Herrn Opinion zur Gnuͤge penetriret / werde auch nicht manqui - ren / daß die proponirte Negotie gluͤcklich reuſſi - re; Welches alles zu Teutſch haͤtte alſo gegeben wer - den koͤnnen: Mein Herr / deſſen angenehmes vom 6ten dieſes habe wohl erhalten / und aus deſſen Jn - halt des Herrn Meynung wegen der vorgeſchlagenen Handlung erſehen / was ich meines Orts werde da - zu helffen und beytragen koͤnnen / ſoll mit hoͤchſtem Fleiß geſchehen / ꝛc. Jch muß bekennen / daß / da mir die meiſten Sprachen Europæ bekandt / ich eine Ehre davon mache / einen reinen Teutſchen Brief zu ſchrei - ben / auſſer wo mich die Nohtwendigkeit zwinget / ein fremdes Wort / welches im Teutſchen nicht fuͤglich kan exprimiret werden / aus einer fremden Sprache anzufuͤhren: Und zwar geſchiehet das billig unſerer Teutſchen Helden-Sprache zu Ehren / als welche an ſich ſelbſt ſo vollkommen / daß wir nicht noͤthig haben / ſelbige mit fremden Flick-Woͤrtern zu beflecken / mit auslaͤndiſchen Anſtrich zu beſchmincken / oder mit dem Frantzoͤſiſch-Jtaliaͤniſch - und Lateiniſchen Bett - lers-Mantel zu verhuͤllen; da wir uns doch ſonſt derC 5Lum -42Noͤhtige Erklaͤrung und GebrauchLumpen auf unſern Kleidern ſchaͤmen / ſolche fremde Woͤrter auch in unſern Reden mit Fug fuͤr keine Zierlichkeit zu halten. Die Barbaren ſelbſt / als Tuͤr - cken / Perſianer und Tartarn / vergoͤnnen ihren Ge - ſandten in keiner andern als ihrer angebohrnen Sprache zu reden / welches / und inſonderheit der Teut - ſchen Sprache Majeſtaͤt / wohl erwegende / Kaͤyſer Rudolphus I. Anno 1276. auf dem Reichs-Tage zu Nuͤrnberg gebohten / daß man alle briefliche Uhr - kunden / Teſtamenten / Handlungen / Ordnungen und Vertraͤge / in Teutſcher Sprache verabfaſſen und zu Papier bringen ſolte / dem aber heutiges Tages in Kriegs-Rechts-und Kauffmanns-Haͤndeln ſo ſchlecht nachgelebet wird / daß man wol ſagen moͤchte: Wer teutſchet uns das Teutſche; Damit aber der Lehr - begierige Contoiriſt gleichfalls auch den rechten Ge - brauch fremder Handels-Woͤrter wiſſen moͤge / ſo be - diene er ſich folgenden Alphabetiſchen Unterrichts.

Das III. Capitel.

Noͤhtige Erklaͤhrung und Gebrauch der fremden Handels-Woͤrter.

A.

A, à, â, bedeutet zu / oder von / wird geſetzet / wañ man ſaget à Hamburg / zu Hamburg / oder auch wenn man den Preis einer Waare will andeuten / daß man ſaget / das Pfund à 6. Rthlr. Ein groß A bedeutet auch wol Annus das Jahr / A. C. Anno Chriſti, klein a. c. anno currente, oder in dieſem lauffenden Jahre / Anno cadente in dieſem abgehenden Jahr / item be - deutet A auch eine Perſon / derer Nahmen man nichtaus -43der fremden Handels-Woͤrter. ausdruͤcken will / daß man ſetzet: A. hat dis gethan / B. jenes / C. aber will keines gut heiſſen ꝛc.

Abandoniren / verlaſſen / ſich eine Sache begeben.

Abbreviiren / abkuͤrtzen / geſchiehet entweder / wann man ein Wort nicht gantz ausſchreibet / oder auch im Schreiben nur kurtz iſt / Abbreviaturen heiſ - ſen abgekuͤrtzte Woͤrter / e. g. Conr. ſtatt Conradus.

Abhorriren / einen Abſcheu / Eckel fuͤr etwas haben.

Abolition, eine Abſchaffung / Vernichtigung /

Aboliren / abſchaffen / unkraͤfftig machen.

Abominiren / verfluchen / abominable, abſcheu - lich / laͤſterlich / greulich.

Abordiren / anlaͤnden zu Waſſer.

Abortiren / wird von einer Frau geſagt / die vor der rechten Zeit des Kindes durch ungluͤckliche Zu - faͤlle geneſet / man ſaget auch: ſein Deſſein oder Vor - haben hat abortiret / iſt zu Waſſer worden.

Abouchiren / Unterredung pflegen.

Abregé, eine Abkuͤrtzung / ein kurtzer Begriff.

Abrogiren / abſchaffen.

Abſens heiſt abweſend / als wenn ein Diener ſagt: Mein Herr iſt abſens, ich kan in ſeiner abſentia oder Abweſenheit nichts thun / Abſentium non habetur ratio, item, abſens carens, wer nicht kommt / dem wird der Kopff nicht gewaſchen / wird nicht gerechnet.

Abſolviren / verrichten / vollenden / it. loßſprechen / daher kommt abſolut, frey / ungebunden: Jch will abſolute oder freye Ordre haben; Jch bin abſolut, ich laſſe mir von niemand vorſchreiben; Er hat mich abſolviret / das iſt / frey geſprochen.

Abſorbiren / verſchlingen / hinwegnehmen.

Abſtrahiren / von einem Dinge abſtehen.

Abſurd, ungereimt / es iſt ein abſurder, das iſt /ein44Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauchein ungeſchickter verdrieslicher Kerl / was er ſagt / das koͤmmt abſurd oder ungeſchickt heraus; Es iſt die groͤſte Abſurditaͤt oder Ungereimtheit von der Welt.

Abtackeln / iſt ein Wort / ſo bey den Schiffen ge - braͤuchlich / wenn ſie nemlich Winters-Zeit in den Ha - fen aufgeleget werden / und man die Segel und alle an - dere Zubehoͤr davon nimmt.

Abundant, uͤberfluͤßig / es iſt allhier eine groſſe A - bundantz oder Uberfluß / man findet dergleichen Waa - re in Abundantz / in Menge / im Uberfluß.

Abuſive, mißbraͤuchlich / ungebraͤuchl. aus Jrthum.

Abuſus, Mißbrauch; Er abutirt / das iſt / miß - braucht meiner Guͤtigkeit; Daher koͤmmt Abus, ein Verſehen / ein Fehler; Er hat einen groſſen Abus begangen; Das iſt per abus oder aus Verſehen ge - ſchehen / er abuſirt ſich / er irret / er fehlt.

Academie, eine hohe Schule / Univerſitaͤt / it. ein ſolches Collegium, da kuͤnſtliche Ritterliche Ubung und Studia getrieben werden / als die Mahler-die Bild - hauer-Academie, &c. Academie des Sciences iſt in Paris und Berlin zu finden / in Jtalien giebt es dergleichen auch unterſchiedliche.

Academicus, ein Student.

Acceptiren / annehmen / empfangen / belieben; ich habe des Hn. Wechſel acceptiret / oder unter den præ - ſentirten Wechſelbrief meinen Namen gezeichnet; ich acceptire / nehme mit Danck anwas er mir vorgeſchla - gen / die Acceptation oder der Empfang iſt erfolget.

Acceß, ein Zutritt / acceſſus ad propoſitionem wird genañt / wann der Prieſter nunmehro zur Erklaͤ - rung ſeines vorgenommenen Lehr-Puncts ſchreitet.

Accidentz / ein zufaͤlliges Ding / das von ungefehr geſchicht / ein boͤſes oder gutes Accidentz / acciden -tali -45der fremden Handels-Woͤrter. taliter / per accidens, ohngefehr / zufaͤlligeꝛ Weiſe / Ac - cidentien, was man auſſer ſeiner ordentlichen Beloh - nung von Neben-Einkuͤnfften / Verehrungen bekommt / Accidit in puncto, quod non ſperatur in anno. Es kan in einem Augenblick geſchehen / was man in einem Jahr nicht vermuhtet haͤtte.

Accis, bedeutet Steur - und Zoll-Geld / ſo man auf die Eß-und andere Waaren leget / dergleichen Accis in vielen Koͤnigreichen und Fuͤrſtenthuͤmern eingefuͤhret.

Acclamation, Zuruff / Gluͤckwuͤnſchung.

Accommodiren / bequemen / zu recht machen; Jch will mich gern accom̃odiren / oder bequemen / zu allen billigen Dingen; Jch hoffe / er werde ſich endlich ac - commodiren; Das Gut iſt nicht wohl accommodi - ret / es ſiehet nicht wohl aus. Accommodement, eine Beylegung / Vertrag; Vielleicht iſt noch ein Accom - modement zu hoffen / oder vielleicht koͤñen ſie ſich noch vertragen; Der Herr hat ſein Accommodement nicht / das iſt / er hat ſeine Bequemlichkeit nicht.

Accompagniren / begleiten.

Accordiren / mit einander uͤbereinſtimmen; Jch bin mit ihm accord, ich bin mit ihm uͤberein; Jch wills mit dem Herrn de accordo notiren / oder / ſo wie er es angeſchrieben / auch anſchreiben; Mit ſeinen Creditoribus accordiren / wenn man ihnen die voͤlli - ge Schuld nicht bezahlen kan.

Accreſciren / zuwachſen; Jch hoffe / es ſoll mir aus dieſem Handel noch etwas accreſciren / oder zu - wachſen / decreſciren abnehmen.

A Coſti, iſt der Ort / da man hinſchreibet / damit man ſolchen in ſeinem Briefe nicht ſo offt nennen darff; Coſtige Briefe / Coſtige Waaren / das iſt / die Briefe oder die Waaren derſelben Stadt / nach wel - cher ich correſpondire.

Ac -46Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauch

Accumuliren / haͤuffen / accumulatio, die Uber - haͤuffung / Vermehrung.

Acerbiren / erbittern.

Acqvieſciren / dabey beruhen / bewenden laſſen.

Acrimonia, die Schaͤrffe / Bitterkeit.

Acriter, hefftig.

Acten, ſind allerhand Begebenheiten / bey den Ju - riſten aber heiſt es ſo viel als ſchrifftlich abgefaßte Saͤtze und Handlungen der Partheyen.

Action, eine Handlung / That / Schlacht / Tref - fen / actioniren / einem vor Gericht belangen.

Activ, hurtig / munter / geſchickt.

Actor, der Klaͤger / Reus der Beklagte.

Actus, eine Handlung / That / Unterfangen. it. ein Stuͤck von einer Opera oder Comœdie.

Accurate, richtig / genau / bedachtſam.

Acumen, eine Spitze / Spitzfindigkeit / acute ſpitzig / acutum Ingenium, ſubtiler Verſtand.

Ad animum revociren / zu Gemuͤht ziehen.

Ad Calendas græcas, das iſt nimmermehr.

Ad deliberandum etwas annehmen / in Beden - cken ziehen / berahtſchlagen wollen.

Additamentum, ein Zuſatz / Zugabe.

Addreſſiren / einem etwas zuſenden; Jch will mich bey ihm addreſſiren oder angeben / der Brief oder das Gut iſt an mich addreſſiret; eine Addreſſe auf ei - nen Brief machen / oder darauf ſchreiben / wo er ſoll abgegeben werden: Jch habe eine Addreſſe an ihn / oder ich kenne ihn wohl / ich kan mich frey bey ihm ad - dreſſiren / angeben / melden.

Ad extrema, auf das Aeuſſerſte.

Adeptio, eine Erlangung / Uberkommung.

Adhærenten / Anhaͤnger.

Ad -47der fremden Handels-Woͤrter.

Adhibiren / gebrauchen.

Adiaphoron, ein Mittelding / daß man thun und laſſen kan / ſonder Verletzung ſeines Gewiſſens.

Ad interim, unterdeſſen / auf ein Zeitlang.

Adjourniren / Zeit und Stunde benennen / Tag - dingen / Friſt ertheilen.

Adjuſtiren / einrichten / gleichfoͤrmig machen / Rech - nung adjuſtiren / in Richtigkeit bringen.

Adjunctus, der einem zugeordnet iſt / adjungiren / zuordnen.

Adjutant oder Adjuvant, ein Gehuͤlff / Mit-Ar - beiter / inſonderheit im Kriege.

Adjuto, Huͤlffe / Beyſtand / Adjutor, der Beyſtand

Ad mandatum, auf Befehl.

Ad manus, bey handen / fertig.

Ad marginem, auf den Rand / ich babe es ad mar - ginem notirt / ich habe es auf den Rand gezeichnet.

Adminiſtriren / verwalten / er adminiſtriret die Sachen ſehr wohl / die Adminiſtration liegt auf ihm.

Adminiculum, eine Huͤlffe.

Admirable, wunderlich.

Admiral, der commandirende Haupt-Officirer bey einer Kriegs-Flotte / dahero Admiralitaͤt das Col - legium, wo die See-Sachen tractiret werden.

Admittiren / zulaſſen / einen zur Verantwortung admittiren; it. zum Hand-Kuß / ich kan ſolches nicht admittiren / permittiren zulaſſen / zugeben / vergoͤñen.

Admodiateur, ein Verpachter / admodiiren / Zoͤlle und Laͤndereyen verpachten.

Admonition, eine Ermahnung / Warnung.

Ad notam etwas nehmen / etwas mercken / hinters Ohr ſchreiben / zugleich mit einem aufzeichnen / ich will es ad notam nehmen / oder daran gedencken.

Ad48Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauch

Ad nutum parat ſeyn / auf den erſten Winck / ſo bald es einer haben will / kommen.

Ad oculum demonſtriren / gantz deutlich / helle und klahr weiſen oder darthun.

Adoptiren / an Kindes ſtatt annehmen.

Ad referendum annehmen / wann einen Diener oder Gevollmaͤchtigten etwas von jemand vorgetra - gen wird / und er nimmt ſolches an / um ſeinen Herrn zu hinterbringen.

Adrittura, adroicture, den nechſten Weg / gera - den Wegs zu / ohne einen Umweg zu nehmen / alſo / wenn ich von Copenhagen wolte Guͤter nach Luͤbeck ſenden / und ließ ſolche erſt uͤber Dantzig gehen / das waͤre nicht a drittura verſchickt.

Ad patres gehen / iſt ſo viel / als ſterben.

Ad perpetuam rei memoriam, zum ewigẽ Andenckẽ

Ad poſtremum, zum letzten.

Ad pias cauſas, ad pios uſus, zu gottſeligen Ge - brauch / als wann einer Kirchen und Schulen / Wittwen und Wayſen etwas gibt.

Ad ſpecialia, zu beſondern Dingen ſchreiten.

Adroit, geſchickt / der ſich wohl zu ſchicken weiß / er iſt ein adroiter, id eſt, geſchickter Kerl / er iſt adroit zu allen Dingen / er hat Addreſſe, Geſchicklichkeit.

Nach Advenant, nachdem es ſich zutragen / ſchi - cken / begeben wird.

Adverſarius, ein Feind / Widerſacher / Gegentheil.

Advertiren / benachrichtigen / daher

Advis, Avis, oder Adviſo, eine Nachricht oder Meldung / eine Zeitung oder Bericht; dahero kommt ein Adviſo-Brief / id eſt, ein Nachricht-Brief / was ein Kauffmann fuͤr den andern gethan hat / werden ge - meiniglich bey den trasſirten Wechſeln gegeben / da -mit49der fremden Handels-Woͤrter. mit ſolchen derjenige / auf den ſie gezogen / deſto eher Glauben beymeſſen moͤge.

Adungvem, auf ein Naͤgelein austrincken / oder ſeine Lection fertig / auswendig wiſſen.

Adulteriren / ehebrechen / ſchwaͤchen. it. etwas das an ſich ſonſt gut iſt / verfaͤlſchen; daher adulterinum ſigillum, ein falſch Zeichen.

Æmuliren / nachahmen / nachaͤffen.

Ænigma, ein Raͤtzel oder dunckele Frage.

Æqualis, gleich / aͤhnlich.

Æquilibrium, gleich inſtehend Gewicht.

Æquipariren / gegen einander vergleichen.

Æquivalent, ein gleichguͤltiges / gleichwuͤrdiges Ding / da eins ſo gut geſchaͤtzt wird als das andere.

Æquinoctium, die Zeit / wann Tag und Nacht gleich iſt.

Æquivocum, ein zweydeutiges Ding oder Rede.

Ærarium, die Schatzkammer.

Æſtimiren / ſchaͤtzen / groß oder hoch achten / er iſt in keinen groſſen Æſtim, man haͤlt nicht viel von ihm. Wie hoch æſtimirt oder ſchaͤtzt der Herr dieſen Ring? Dieſer Menſch iſt ſeiner Meriten oder Tugenden hal - ber inæſtimable, unſchaͤtzbar / ſtehet in groſſer Æſtime.

Affable, freundlich / leutſelig.

Affairen / Geſchaͤffte / un homme d’affaires, ein Mann von Geſchaͤfften / der viel zu thun hat / les affai - res font les hommes, viele Sachen oder Ubung gibt geſchickte Leute / & les hommes font les affaires, und wo Leute handeln mit einander / da gibt es auch aller - hand Haͤndel.

Affectiren / ſich zu etwas zwingen / ſtellen / als wolte man dieſer oder jener gerne ſeyn / ein affectirtes oder gewungenes Weſen.

DAffe -50Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauch

Affection, Zuneigung; Jch bleibe dem Herrn affectionirt / guͤnſtig / gewogen; Er iſt mir mit ſon - derbahrer affection, Gunſt / zugethan.

Affecten, Gemuͤths-Neigungẽ / nach affecten reden.

Afficiren / bewegen / Liebe gegen ſich erwecken.

Affigiren / oͤffentlich anſchlagen / anhaͤngen / als ein Patent an der Thuͤr des Rahthauſes / ꝛc.

Affingiren / andichten / erdichten.

Affirmiren / bekraͤfftigen / bejahen.

Affrontiren / beſchimpffen / beleidigen / ein Affront, Beſchimpffung.

Affuiten / ſeynd Stuͤck-Geſtelle / Lavetten.

Aga, ein Tuͤrckiſcher Obriſter und Hauptmann.

Agenda, Kirchen-Agenda, iſt das Meß - oder Kirchen-Buch / woraus der Prieſter vor dem Altar lieſet und ſinget.

Agent, einer / der eines andern (gemeiniglich aber eines groſſen Herrn) Geſchaͤffte / an einem aus - waͤrtigen Hofe / Stadt oder Republique verrichtet; Daher ſagt man / der Saͤchſiſche / der Brandenburgi - ſche Agent. Sie ſind hoͤher als Factors, welche gemei - niglich nur zum Geld-auszahlen / oder einzuziehen / ge - braucht werden / aber niedriger als Reſidenten / welche ſchon einen hoͤhern character und function haben.

Agio, oder L’agio, der Aufwechſel / iſt das Geld / welches ich zulegen muß / wann ich fuͤr ſchlecht Geld beſſers / e. g. fuͤr courant Geld Species einwechſeln will / alſo / wenn ich wolte 100. Rthl. Species haben / ge - gen Brandenburgiſche 16. 〈…〉〈…〉. oder neue ⅔tel-Stuͤck / ſo muͤſte ich davor bezahlen 131. 132. 133. Rihl. und mehr / (nachdem der cours hoch) und alſo auf meine 100. Rt. ſchlecht Geld 31. Rthl. oder mehr zugeben / welche Zu - Gabe agio genennet wird. NB. Manchmahl hat einernicht51der fremden Handels-Woͤrter. nicht ſo viel ſchlecht Geld / als er Lagio zur vollen Sum - ma, e. g. 100. Rthlr. bedarff / ſo muß er ihm ſolches aus der Haupt-Sum̃a kuͤrtzen laſſen. Es wird aber der aus der Haupt-Summa zu kuͤrtzende Agio anders / als der / da man auf 100. zugibt / gerechet / nemlich mit Setzung in den erſten Satz der Regul Detri die verac - cordirte Agio; zum Exempel: Jch haͤtte 100. Rthlr. Hamburger current, wolte à 18. p. c. Species dafuͤr haben / ſo ſetze ich / um die Agio aus der Haupt-Sum - ma zu kuͤrtzen / alſo: 〈…〉 man fuͤr 100. Rthlr. ſchlecht Geld bekommen wuͤrde. So man aber den zu kuͤrtzenden Lagio nur wolte wiſ - ſen / ſagt man: 〈…〉 So man aber die Lagio aufzugeben hat / ſagt man nur ſchlecht weg: 〈…〉 Eben wie es oben mit der Kuͤrtzung des Lagio aus der Haupt-Sum̃a gehalten worden / ſo iſt es auch mit Kuͤr - tzung des Rabbats aus einer Haupt-Sum̃a beſchaffen. Warum aber alſo gerechnet werde / iſt ſchon an einem andern Ort ausgefuͤhret wordẽ. Beweißlich iſt / daß an vielẽ Orten viel Kaufleute die Lagio alſo Rabbats-wei - ſe zu rechnen nicht gewuſt haben / oder bis dato wiſſen / und dannenhero einer dem andern viel zu kurtz gethan.

D 2Agi -52Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauch

Agiren / handeln / ein Werck anfangen. Agiren heiſt auch bisweilen ſo viel als vexiren / aufziehen.

Agnaten / die nechſte Verwandten und Vettern vom Vater her.

Agnoſciren / erkennen.

Agoniſiren / im letzten Zuͤgen liegen; Er iſt in A - gone, in letzten Zuͤgen / ringet mit dem Tode.

Air, Lufft / item Stellung des Leibes und Ange - ſichts / man ſagt: Er gibt ſich eine groſſe Air, Er bildet ſich viel ein / iſt ſtoltz / un air hautain.

A la teſte, forn an der Spitzen / a la mode, nach itziger Art und Manier.

Alarmiren / beunruhigen.

Alchymia, Goldmacherey. Hat forn und hinten ein A. das erſte bedeutet Armuth / das andere Artzeney / dann wann die Alchymiſten oder Goldmacher nicht fortkommen koͤnnen / ſo laͤufft es endlich auf Armuth oder eine Artzeney hinaus.

Alieniren / veraͤuſſern / entfremden / entwenden.

Alimenta, Alimentation, Nahrung / Unterhalt.

Allées, Spatzier-Gaͤnge in den Gaͤrten.

Allegiren / anfuͤhren; Er allegiret offtmahls das hieſige Stadt-Recht.

Allegata, Beziehungen / Anfuͤhrungen.

Allegoria, eine verbluͤmte Rede.

Allert, hurtig / munter / geſchwind.

Alliantz / Verbuͤndniß / Vereinigung / Alliirte / Bunds-Genoſſen.

Alliciren / herbey locken / anreitzen.

Allodial, Erb - und eigenthuͤmlich Gut / das kein Lehn-Gut iſt.

Alloquiren / anreden / auch wol betteln.

Alludiren / auf etwas zielen / in Schertz etwas an -fuͤh -53der fremden Handels-Woͤrter. fuͤhren / ſich auf vorhergeſchehene Sache beziehen. Al - luſion, Deutung / it. Schertz.

Alloy, iſt der Zuſatz in der Muͤntze / oder der Gehalt derſelben / wird auch die lige genannt / man ſaget / dieſe Muͤntze iſt von guter alloy, von guten Gehalt / Guͤte.

Alpari, oder aupair, iſt Geld um Geld / wann nemlich keine Lagio gerechnet oder gegeben wird; Als wann mir einer fuͤr ein Pfund Sterlings / ſo ich ihm in Engeland geliehen / 4⅙. Rthl. oder 33⅓. ßfl. wieder bezahlet / ſo bald er mir aber 34. oder 35. ß. ge - ben muß / iſt es uͤber pari, und ſo er mir unter 33⅓. gibt / iſt es unter pari.

Alteration, Bewegung / Entſetzung / er hat ſich alterirt / entſetzet / erſchrocken / ſich erzuͤrnet.

Alterniren / umwechſeln / eines um das andere ei - nem Dinge vorſtehen / verwalten. Alternatio, Um - wechſelung. Alternative, alternatim, Wechſel-weis.

Alteſſe, Hoheit / Alteſſe Royale, Koͤnigliche / Ele - ctorale, Chur-Fuͤrſtlich / Ducale Hertzogliche Hoheit.

Alterum tantum, heiſſet / wann die Zinſen ſo hoch aufgewachſen / daß ſie dem Capital gleich.

Ambaſſade, Geſandſchafft / Ambaſſadeur, Ab - geſandter / eines Koͤnigs oder Fuͤrſten.

Ambition, Ehrgeitz / ambiren / um eine Charge, einen Dienſt ſich bewerben.

Ambulatorius, das von einem zum andern gehet.

Amicus, ein Freund. Bey den Kauffleuten iſt es gewoͤhnlich / daß ſie ihrem Correſpondenten ihren Freund oder ihren Mann nennen. Amicablement, freundlich / in der Guͤte. Amicabiliter, in der Guͤte.

Amictus & victus, Nahrung und Kleider.

Ammunition, Kraut / Loht und allerhand Krieges - Zuruͤſtung.

D 3Am -54Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauch

Amneſtia, Vergeſſenheit / Aufhebung der Belei - digung von beyden Seiten.

Amphibolia, eine zweiffelhaffte Rede.

Amplectiren / umfaſſen / verſtehen.

Amplificiren / erweitern; Jch will die Sache ſo viel amplificiren / daß ſie endlich ſoll ample, weit oder groß genug ſeyn; Er iſt allzu ample, oder zu weitlaͤuff - tig in ſeinẽ Briefen; Er amplificirt die geringſte Sache mit ſo viel Worten / daß es ein Verdruß anzuhoͤren iſt; Jch muß bekeñen / ihr wiſſet eure Sache wohl zu ampli - ficiren / koͤnnet ihr eine gute Farbe anſtreichen. Ample - ment, weitlaͤufftig; Ein andermahl will ich plus am - plement davon handeln. Amplificatio, Erweiterung.

Amusſis, eine Richtſchnur / eine Bleywage.

Amuſiren / aufhalten. Es iſt dieſes nur ein Amu - ſement, ein Aufhalten.

Anabaptiſtæ, Wiedertaͤuffer.

Anatomie, Zergliederung des menſchlichen Leibes.

Anarchie, Regiments-Zerruͤttung / da kein Ober - haupt iſt / und man nicht weiß wer Koch oder Kellner iſt.

Anatociſmus, Steigerung des Wucherers / wann Zins auf Zins gerechnet wird.

Anceps, zweydeutig / zweiffelhafftig / ungewiß.

Animoſitaͤt / Hertzhafftigkeit / Tapfferkeit.

Animiren / anfriſchen / behertzt machen.

Annaten, Jahr-Pfruͤnden / oder jaͤhrliches Ein - kommen der verſtorbenen Geiſtlichen.

Annales, Zeit - und Jahr-Buͤcher / Chronicken.

Annectiren / mit anhaͤngen / hinzufuͤgen.

Annotiren / aufzeichnen; Der Herr annotire fleißig / was ich ihm geſagt habe / er nehme es ad no - tam, es iſt eine annotation, oder Anmerckung / die nicht zu verwerffen iſt.

Annuiren / mit dem Haupt wincken.

An -55der fremden Handels-Woͤrter.

Annus Climactericus, das Stuffen-Jahr / wel - ches allezeit das Siebende von des Menſchen Alter iſt / inſonderheit wird das 63ſte vor gefaͤhrlich gehalten / weil 7. und 9. da zuſammen kommen.

Annus ab orbe condito, das Jahr nach Erſchaf - fung der Welt.

Annus continuus, ein Jahr von 365. Tagen.

Annus intercalaris, ein Schalt-Jahr.

Antapocha, Verſchreibung.

Anteceſſor, ein Vorgaͤnger / antecedens, das Vorgehende.

Ante lapſum terminum, vor verfloſſenen Termin.

Anticamera, Antichambre, das Vorgemach bey einem groſſen Herrn.

Anteponiren / vorſetzen / vorziehen / hoͤher achten.

Anteſignanus, der den Troup fuͤhret / der Vor - gaͤnger. it. ein Raͤdels-Fuͤhrer.

Antichreſis, ein Unterpfand / deſſen man ſich an ſtat der Zins zu gebrauchen.

Anticipiren / heiſſt Geld voraus nehmen / ehe man dagegen Vergnuͤgung oder Waare gegeben / oder ehe die Bezahlungs-Zeit verfallen iſt; Jch will dem Herrn um 4. Monath ſo viel Waaren ſchaffen / wann ich jetzund 500. Rthl. anticipiren oder voraus em - pfangen kan. Anticipando, voraus / vorher.

Antidotum, ein Gegen-Geſchenck. it. eine Artzney wider den Gifft.

Antipathie, natuͤrlicher Haß / den gewiſſe Men - ſchen / Nationen und Thiere gegen einander haben.

Apanagiati, abgefundene Herren.

Apanage, Fuͤrſtliches Jahr-Geld / das abgetheil - ten Herren gegeben wird.

A parte, beſonders; Jch habe noch eine a parteD 4oder56Noͤhtige Erklaͤrung und Gebrauchoder beſondere Rechnung mit ihm; Diß ſey ſo lange a parte geſetzet. Apartement, ein abſonderlich Zim - mer im Hauſe.

Apell ſchlagen / heiſt Lerm mit der Trum̃el machen.

Aperté, oͤffentlich / offenbahr.

Apocalypſis, die Offenbahrung.

Apologia, eine Schutz-Schrifft / Verantwor - tung / die ein Beſchuldigter macht / ſeine Unſchuld dar - zulegen.

Apoplexia, der Schlag.

Apoſtaſia, der Abfall<