PRIMS Full-text transcription (HTML)
[1]
Relation:
Aller Fuͤrnem - men / vnd gedenckwuͤrdigen Historien / so sich hin vnnd wider in Hoch vnnd Nieder Teutschland / auch in Franckreich / Jtalien / Schott vnd Engelland / Hisspanien / Hungern / Polen / Siebenbuͤrgen / Wallachey / Moldaw / Tuͤrckey / ꝛc Jnn diesem 1609. Jahr verlauffen vnd zutragen moͤchte.
Alles auff das trewlichst wie ich solche bekommen vnd zu wegen bringen mag / in Truck ver - fertigen will.
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I.

GRoßguͤnstiger Leser / ꝛc. Demnach durch die gena - de deß allerhoͤchsten wir abermahl ein newes Jahr antretten / vnd ich in außfertigung der Ordinarij avisa, wie nun etlich Jahr be - schehen / (So gewiß ich die haben vnnd bekommen mag) zu Continuiren vermittels Goͤttlicher gnaden bedacht / ꝛc. Wann aber bißweilen Errata vnd vngleichheiten / die so wol wegen der vnbekandten Ort / als auch der Persohnen Namen / dero authoritet Erbaͤmpter oder der gleichen Singulariteten vnd Proprieteten fuͤrfallen / so auß vnwissenheit nicht recht geschrieben / in der Correctur auch angeregter vrsachen halben nicht zu aͤndern muͤglich / ꝛc. Als wolte der großguͤnstige Leser solcher / wie auch / was in der Eyl vbersehen / seinem vernuͤnfftigen wissen nach / vnbeschwert selbsten Corrigiren, Endern vnd verbessern / ꝛc. Angeregter vrsach halben auch / vnnd das bey der Nacht eylend gefertigt werden muß / zum besten verstehn / auff vnd annemmen / ꝛc. Hiemit von dem Allmaͤchtigen Gott ein frewdenreiches Gluͤckseliges Newes Jahr / bestaͤndige gesundheit / vnd alle Wolfahrt / den Großguͤnstigen Leser / nach jedes authoritet vnder - dienstlich dienst: vnd Freundlich wuͤnschend /

Johann Carolus.

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1.

Zeitung auß Coͤln / vom 8. Jenner Anno 1609.

DJe Spannische Besatzung den Rhein hinab / vnd der orten schreyen starck nach Gelt vnd wollen einmal bezahlt sein / weil sie vernommen daß die Flotta in Span - nia reich einkommen / vnd fordern die Teutschen allein 9. Thonnen Gold fuͤr jh - ren außstand man besorgt aber sie werden schwerlich dritthalb darvon bekommen / das wirdt wider ein newen auffstand verursachen / wie sich dann schon etlich darzu vermercken lassen / vnd weil der anstand inner 3. tag auß / vnd man nichts gewiß von weiterm hoͤrt / wird das Brand - schaͤtzen vnd Pluͤndern wider angehen.

Seider juͤnst haben wir nichts besonders vernommen / allein melden die Brieff auß Holland / den biß Vltimo Frebruarij prolongirten Treves oder Stillstand / zwischen den Spanni - schen vnd Stadischen / darbey angezeigt wird / das von beydentheilen abermals ein newe zusam - menkunfft auff Primo Februarij zu Breda angestelt worden / vmb zu ersuchen / ob vielleicht die sachen moͤchten verglichen werden / dessen Beschluß oͤffnet zeit. Der Raht allhie hat sich biß - hero auff juͤngst angezeigten puncten / der Statt beschwerden vnd rechnung belangend / noch nicht Resolvirt, sagen aber / daß sie sich beschweren / der Statt Secreten der gantzen Burger - schafft / vñ in sonderheit den Zuͤnfften zuerkennen zugeben / zubesorgen die Gemeine sich damit nicht werde Contentiren lassen / sagt vnd gibt vor / soll sie bezahlen / woͤlle sie auch wissen / wo die beschwerden vnd gravamina herkommen / wie es nun ablauffen wird lehret zeit Mann sagt Kay: May: habe der Churfuͤsten von Trier vnd Mayntz gesanden / in dieser sachen zwischen dẽ Raht vnd der Gemeinde vnderhandlung zu pflegen / deputirt, vnd weil die Burgerschafft von jren habendẽ privilegien vñ Freyheiten im geringsten nit weichen will / sondern[alles]inhalts / deß verbundbrieffs / welcher sie den weg klerlich weist / zu halten gedencket Vergangen Drey Koͤnig Abend hat ein Erbar Raht eine Proceßion nach S. Mergen / vnd zun heyligen Drey Koͤnigen in Thum gehalten / welche Proceßion im Transfix Brieff Jaͤhrlichen zuhalten verord - net / vnnd gleichwolln 80. jahren oder mehr nicht geschehen / also haben sie diesen puncten im Transfix Brieff ein genuͤgen gethan / da sie nun in allem so fein folgenden / ist nicht zu zweif - feln / das alle streittige sachen in der still / vnd mit gutem frieden moͤchten verglichen werden.

Auß Andorff vom 26. Decemb.

Vom hielaͤndischen wesen ist nicht viel guts zuschreiben / dann sich die sachen mehr zum Krieg als Fried oder anstand ansehen last / weil man gewisse nachrichtung / daß der Konig in Spannia bereit schon viel Kriegsvolck fuͤr diese Land werben lassen / so kuͤnfftigen Fruͤling an - kom̃en solle / vngeacht aber dessen handelt man beiderseits noch einen langen bestand zutreffen / vnd wie man fuͤrgibt / haben die Staden weil der Treves zu end diß jahr auß ist wider 20. tag verlengert / wiewol etlich von 3. Monat reden / das ist aber allein ein solches außgeben / darauffnichts[5]nichts zu hoffen / vnnd man das Volck wegen besserer bezahlung von der Mutination abhalte / welches sehr schwirig / weil man dasselb auff die Flotta vertroͤst / aber bißher davon noch nichts empfangen Die in Ostenda hat man gestilt / welches zeit gewesen / dann sie mit den Staden von Schleiß Corespondentz gehalten / weil die selben jnen[mit]Speiß vnd anderm beygesprun - gen / so haben die von Pruck auch gen Schleiß vmb Proviand geschickt / das hat selbiger Ober - ster gemerckt / vnnd die abholler gefangen genommen / hat sie aber alsbald wider ledig lassen muͤssen / wer sonsten daruͤber zuboden gangen / Jn summa die sachen in Flandern stehn we - gen der bezahlung vnder dem Volck vbel / vnd da der Krieg kuͤnfftig fortgeht / ist sich dieser orten grosser Verreterey / vnd verlust einer stattlichen Festung zubesorgen Vor 8. tagen ist zu bruͤs-sel der von Foppinga Oestereichischer General Leutenamt / so wegen der vnrichtigkeit vnd blin - den namen halben / im Wuͤrtshauß zur Katzen verstrickt gewest / mit gewalt gefaͤnglich einge - zogen / die andern 3. Hauptleut aber / so man dieser handlung halben auch angeklagt / befinden sich zu Oltensyel / vnd liegen auch im Arrest / die haben so gar die Stadische gefangne Solda - ten / nach[Rantzianjrung]in der damaln angestelten musterung fuͤr jhre Soldaten durchgehn lassen / ebner massen befind sich der oberst Leutenampt Bangratz Gallas / so an jetzo ein frey Faͤndlein von 400 man hat dieser ursach willen auch daselbst. Sonst sind die von jrer Fuͤstl: Durchl: juͤngst nach Franckreich / Engelland / vnd Denemarckt abgefertigte Herren / allein der vrsach dahin verreist / selbigen Konigen derhalben muͤhe in der friedenshandlung zu dan - cken.

Auß Rom / vom 20. Decemb.

Sontags ist die Hertzogin auß Churland ein Pollagin / vnnd deß Cardinals Ratzivil Baaß Pilgrams vnd vnbekandter weiß mit 6. Edelleuten vnd 3. Matronen allher komen / die heylige oͤrter zubesuchen / vnnd in der Herberg zum Schwerd jhren einzug genommen / als aber durch die Jesuiter solche außkundschafft worden / hat sie deß Signor Mario Farnese Gemahl auß anstifftung der Jesuiter empfangen / hernach zum Bapst jhm die Fuͤß zu kuͤssen / vnd fol - gents in jhr Behausung gefuͤhrt / die ist willens etlich Monat allhie zubleiben / einen Arm dar - an sie ein beschwerlich anliegen hat / Curieren zulassen. Der schatzmeister allhie / hat hiesigen Kauffleuten Mandirt. Alle beschnitene[vñ ringe]Muͤntzen in die Muͤntz / oder wer solche hette in verzeichnuß zugeben. Dem Hertzogen von Nevers hat der Bapst ein groß Edelgestein La - pis Lazeræ genant / neben andern Edelgestein / vnnd Geistlichen sachen auff 4000. Cronen wert verehrt / der ist Mitwoch mit etlich seiner Diener nach Neapoli postirt / dessen Gemahl aber soll diesen Winter allhie verbleiben.

Auß Neapoli hat man das nach anlendung derselben Galleren sich befunden / das an Soldatẽ / so auff vorgehabte Jmpressa auß gefahren in 1500. Persohnen / mehrertheils Span - nier mangeln / sonst sind auch / 1200. Soldaten mit den Neapolitanischen vnnd Siciliani - schen Galleren zu Cajetta angelangt / allhie gehen viel vornemme Persohnendeßgehentodts dahin / vnd ist diese wochen ein Hauß gantz abgebronnen.

Auß Venedig / vom 26. Dito.

Mit dem Alten Großhertzogen von Florentz ist es wider besser worden / mit[den jungen][6]Hertzogen aber ist es sehr gefehrlich / also daß jhres Lebens zubesorgen Die Herrschafft zu Ge - nua hat auff anhalten jhrer Kauffleut den außlendischen Kaufleuten so allher handeln / Man - dirt, von all jhren einkommenden wahren 2. Sold von jedem 100. Ducaten wert herzuschies - sen / die arme Sclaven jhrer Nation vom Tuͤrcken außzuloͤsen. Auß Spannia hat man ein Million Gold in die Meer Staͤtt verordnet / solches Gelt nach Jtalia zusenden / wie auch 180000. Cronen so den Fuckern bahr soll bezahlt werden / vmb jhren Rest aber sind sie auff nechst kuͤnfftige einkommende Flotta vbers Jahr verwiesen worden. Zu Roan in Franckreich hat Peter Cheva Apotecker vm̃ 100000 Cron / vñ zu Andorff der Johan Tuis 20000. Cron falliert. Juͤngste Brieff auß Constantinopel berichten / das Sultanus den frieden mit Koͤni: Matthias in Hungern auff 20. Jahr Ratificirt, dessen Ampassator auff 15. diß von dannen verreissen sollen / die puncten aber mit Gran / vnd Caniß / solche wider einzuraumen / wie auch die Jnvestitur, mit Wallachey vnd Sibenbuͤrgen / hab man in ein kuͤnfftige handlung ver - schoben so ist man allda deß General Veziers / mit viel Volcks von Alepo / sampt deß Persia - ners gesanden erwarten / ein frieden mit dem Tuͤrcken zumachen / weil derselbe von dem - becken der Tartar Koͤnig / welcher jhn mit Krieg anficht / bereit ein Niederlag erlitten / sonst weren die Rebellen von Tripoli / vnnd Sayda / auch der Grentzen halber an einander gewest / daruͤber beyderseits viel vmbkommen / welches dem Sultan wol zu staten kompt / der Carente - rogli aber sey nit vmbkommen / sondern hab wider 15000. Man beysammen / daher alle Paͤß von den Tuͤrcken besetzt werden.

Auß Wien / vom 26. Dito.

Die Oesterreichische Staͤnde von Horn sind noch allhie / vnd heut von dem Ertzhertzog Maximilian wider auff 3. Tag zur gedult erhandelt worden / es ist alles ein auffzug / sie gehn mit falschen Practicken vmb / man hat vmb den Jlliasischen wie auch vmb den Cardinal von Dieterichstein geschrieben / die sollen sich darein schlagen. Weil der Ertzhertzog Leopoldus / der Bischoff von Gurck / vnd deß Bapsts Nuntius allhie: so ist vnser seits wenig guts zu hoffen. Ertzhertzog Maximilian ist willens kuͤnfftigen Montag zuverreissen wird aber (weil er zuge - sagt von hinnen nit zukommen / biß die Stend Content sein) schwerlich sein koͤnnen / weiß also Gott was darauß werden wird. Herr Graff von Sultz / Herr von Altheimb / vnd Herr Ha - genmuͤller sein noch allhie / haben biß dato kein bescheid bekommen / dieser tagen haben Herrn von Hoffkirch / vnd Herr Præsident Priner miteinander Kuglen wexlen wollen / es ist aber vom Koͤnig verbotten worden. Die Hungerisch Ritterschafft zu Raab / haben vor wenig ta - gen auff befelch deß Herrn Jlliasischen Pallatini / einen Predicanten in die Statt gebracht / als Herr oberst Preiner dasselb vernommen / hat er denselben mit etlich Muscatirer wider auß der Festung begleiten lassen / als 2. Hauptleut / Namens / Suffari Michael und Lengick Bodisar sich dessen bey Herrn obersten Preiner / neben den Hungarischen Ritterschafft beschwerd / hat Herr Preiner jhnen mit scharpffen worten begegnet / vnd sein Rappier halb außgezogen / da - hero er den Hungerischen Rechten nach / den Kopff verlohren hat / hierauff die gantze Ritter - schafft obgemelt 2. Capitain zu jhr Koͤn: Wuͤr: allher gesand / sich dessen beschwerd / koͤnnen aber weder Antwort noch Bescheid haben / man vermeint / da der Koͤnig seinem zusagen nach solches nicht halten wuͤrde / moͤ cht dieses einen newen auffstand in Vngarn erwecken.

Auß[7]

Auß Prag / vom 29. Dito.

Von dem Oesterreichischen wesen / wird allhie vnderschiedlich außgeben / daß die Ober vnd vnder der Enß / wider vnder jhr Kay: May: schutz kommen sollen deßgleichen wird gesagt das nach den Feyertagen der Phillip lang soll ledig werden / der meistetheil aber helt es fuͤr / das Contrarium, / sonst verlaut das jnner kurtz wider ein Reichstag nach Regenspurg außgeschrie - ben / vnd demselben Kay: May. in Persohn bey wohnen werden.

ENDE.

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[8][9]

2.

Zeitung auß Coͤln / vom 15. Jenner Anno 1609.

DEr Churfuͤrst dieses Stiffts solle sich haben vernemen lassen / mit den Gaffeln / weil er der geistlichen Guͤter vnd andere gerechtigkeit halben / in hiesiger Statt mit Jn - tereßirn, sich zuvergleichen. Jnmittelst hat ein erbar Raht den Gaffels deputirten, weil sie so hefftig anhalten / vnnd zuwissen / was die Statt etwan hinderstendig sein moͤchte / ein verschlossen schreiben mit dem grossen Jnsigel verpitschiert zugestelt / in welchem die Ant - wort auff jhre Petition sein solle / mit der außtrucklichen Protestation, daß sie solch schreiben vn - der sich allein verbleiben vnd lessen sollen / vnd daß sie den Jnhalt allen denen / so auff die Gaf - fel vereidet sein / vnd den jenigen so darinn Jntereßirt sein / nit zu offenbaren / dann sich nit ge - buͤhret / daß ein jedweder der Statt geheimniß wissen soll / deßwegen die Gaffelsgenossen sich taͤglich versamlen / vmb sich zu resolviren, wesen sie sich hierinn zuverhalten / weiter erfolgt / oͤff - net zeit.

Auß dem Hag vom 9. Dito.

Man ist jetzt im werck / sich vber die Articul deß langen bestands zu resolviren, man kan aber noch eygentlich nit wissen / wo die deputirten zusammen kommen sollen / der gegentheil be - gert wol das wir unsere deputirten in vnser gebiet senden solle / welches aber nicht geschehen / sondern zu Breda geschehen wird / andere Brieff melden / man handelt jetzt vnsers bestandts halben / auff die Conditiones, so hiebevor proponirt, simpliciter einzugehen / die Provincien vnnd Staͤtte aber wollen darzu noch schwerlich bestehen / derhalben man trachtet / daß diese handlung noch lange zeit verschleissen vnd verweitern moͤchte / damit vnsere adversarius nach seinem wol - gefallen zeit gewinne / vnd seine sache retreßiere, wie er begert / mit fester hoffnung vns entlich in zwiespalt zubringen.

Auß Preßburg vom 24. Decemb.

Gestern spat haben sich die in Ober vnd Nider Vngarn gegen dem Jllishaskij als Pala - tino alhie endlich dahin erklert / die von dem Bassa von Offen / an jhren Koͤnig begert / 50000. Thaler Contribution richtig zu machen / damit die Pottschafft inner 4. wochen gegen Wien wider gelangen moͤge / doch dergestalt / daß der Koͤnig den Oesterreichern die Religion gantz vnnd gar frey lassen solle / darauff er alsbald mit solcher resolution, einen eygnen Currir zum Koͤnig nach Wien abgefertigt / was nun jhr May: deßwegen thun wird / gibt zeit.

Auß Rom / vom 27. Decemb.

Der Bapst will den am Christag gesegneten Stoco dem newen Koͤnig in Vn -garn[10]garn zuschicken. Die Hertzogin auß Churland befind sich noch allhie / welche jhrer Soͤhn einen von der hohen Schul zu Padua alher beschrieben / dann sie biß Ostern alhie bleiben will. Der Koͤnig in Spannia hat der Principe di Stigliano in Neapoli durch einen Currir zu wissen ge - than / daß er zum grand Consilier in Spannia verordnet worden / es will auch jhr May: jhme fuͤr Sabionetta andere ort im Koͤnigreich Neapoli / neben einer guten Summa Gelt einrau - men. Die Grawbuͤntner haben mit gemeiner bewilligung jhrer 3 gebundsgenossen all: Fe - stungen jhres Lands nider gerissen / sich zuversichern / damit kein außlendisch Volck mehr sich darin auffhalten / noch kein theil sich wider das ander stercken / noch frembder Fuͤrsten Voͤlcker gebrauchen koͤnnen / wann sie vnder einander vneinig wuͤrden / haben auch ein Contribution angelangt / jhre Guardia auff den Graͤntzen wegen der Festungen Fuentes zu erhalten. Brieff auß Franckreich bestettigen / den beschlossenen Heurat mit deß verstorbenen Hertzogen di Mer - curio zweyen Toͤchter / vor jede mit 50000. Cron jaͤhrlich einkommens an Heurath gut mit. dem Hertzogen von Nemours vnd Printzen von Conde.

Auß Wien / vom Vltimo Dito.

Allhie befind sich ein abgesander vom Hertzogen von Florentz / vnd einer von Mantua / welches den Oesterreicher allerley gedancken macht / vnnd haben jhre May: auff 27. diß den Evangelischen Oesterreichischen Stenden anzeigen lassen / waũ sie bey dem / was sich jr May. erstlich gegen jhnen erkleret haben / nit bleiben wollen / solle jhnen freystehn zuthun was sie wol - len / darauff die Stende wider alsbald nach Horn verreist / all jhr geworben Kriegsvolck ge - mustert vnd auffziehen lassen / sie auch jhrem Eyd ein genuͤgen zuthun / vnnd wo man sie hin schicke / ohne falsch vnd trewlich zudienen ermahnet / darauff sie einen General obersten begert / so aber noch 3 tag verschoben worden Der Koͤnig hat 4 Currir abgefertigt nach Spannia / Florentz / Polen vnd Muͤnchen zu was vorhaben ist gut zu erachten / so sind deß Bischoffs von Saltzburg Gesanden / vnd Baͤpstischen Nuncius zum Bischoff nach Saltzburg / Herr Hagen - muͤller aber nach Prag / jhrer May: diesen handel anzuzeigen verreist. Auff 26. diß ist allhie wider ein Proceßion von den Augustinern / biß zu S. Steffan von der gantzen Clerisey gehal - ten worden / deren der Koͤnig vnd beyde Ertzhertzogen beygewohnett.

Ein andere vom 2. Jenner.

Auff 14. diß sind alle Catholische 4. Stende / wie auch die Evangelischen / so mit gehul - diget / wie zuerachten / ein versamblung zu halten vnd Gelt zumachen / hieher beschrieben wor - den. Sonst hat dieser tagen ein Currir von 6. Reichsfuͤrsten ein Jnterceßion schreiben vor die Oesterreichische Stende allher bracht / deßgleichen haben auch die Moͤrerische Stende sehr starck vor dieselbe Jntercedirt, ist aber alles vmb sonst / daher sie vbel zu frieden / der ReichsFuͤr - sten schreiben ist fast 6. Wochen alt / vnd an einem andern ort verliegen blieben. Der Koͤnig ist ein zeit her sehr vnlustig / gehet noch in seiner Vngarischen Kleydung / vnd hat den obersten von Hoffkirchen zu den Evangelischen Stenden nach Horn / welche alda aber jhr May: ge - gebnen bescheid ein General beratschlagung gehalten werden / mit muͤndlichem befelch ge - schickt dessen man mit verlangen geward Auff 26. Passato ist Ertzhertzog Leopoldus selbst 6. zu Fuß nach Closter Newburg zu Wallfahrten gangen / vnnd deß andern tags wider allherkom -[11]kommen. Alhie gibt man auß / das theis der Evangelischen Stende vnd deß Reichs Solda - ten zu Gauversdorff in dem Quatier zu sammen kommen / vneins worden / vnd der Stende Volck eingebuͤst haben sollen. Den Ober Enserischen sollen auch auß dem Reich 500. Reut - ter zu geschickt worden sein. Sonst solle der Jllishaskij mit den vornemsten Officiren auff den H. Drey Koͤnig tag auch allherkommen.

Auß Venedig / vom 2. Dito.

Juͤngste Maylendische berichten die ankunfft deß Printzen von Maroco auß Spannia alda / welchen der Hertzog von Ascoli ein guten weg biß in Koͤniglichen Pallast einbegleitet / auch der Fuentes gar freundlich empfangen / gedachter Fuentes solle auch hinfuͤro das Koͤnig - liche sudicat vn molestirt lassen sonst hat er das Decret vber die Muͤntzen wider publicirt, doch mit vorbehalt / das man die Venedische Ducaten / Justinen vnd Cuquini, so im Decret verbot - ten gewesen / vngeacht sie schon beschnitten / zu 4. schilling außgeben moͤge / er hab auch bey den Schweitzern den Paß von 7000. Soldaten nach Flandern zu senden erhalten / dem solle auch juͤngst angedeute Million Golts auß Spannia von den Meer Staͤtten ehest zukomen / davon er den Schweitzern jhren außstand bezahlen solle. Auß Spannia vernimbt man / der Koͤnig hab daselbst den Ablaß deß Jubeljahrs zu erlangen / ein stattliche Proceßion gehalten / auch dem Anthonio Scherlin Engellaͤnder befohlen / ein stattliche Armada außzuruͤsten / den Hollendern widerstand zuthun / welcher sich nach Algaeri begeben / deßgleichen ist von Lisabona ein Armada nach den Portugalischen Jndien mit 3000. Portugesen abgelauffen / die Hol - lender gaͤntzlich zuvertilgen / welche sich mit dem Tuͤrcken sollen verbunden haben. Brieff auß Constantinopl melden / der General vber die Armada oberhalb Rodis / als er viel Christen Galleren ersehen / vnd solchen auß forcht nit entgegen fahrn woͤllen / sondern zu ruck nach Mil - lo begeben / so ein Jnsel in Arcipelago ist / wie solches Sultanus erfahren / hat er jhn allda ein - ziehen / die vornemsten Tuͤrcken aber auff die Galleren schmieden / auch den Lateinischen Bi - schoff vbel tractiren, vnd die Kirchen sambt desselben Closter zureissen lassen / der hat auch dem Tartarischen Koͤnig befohlen / ein groß Kriegsheer den Persianer zubekriegen zuversamblen / wie gleichfals alle Paßen auff seinen Graͤntzen thun sollen. Sonsten werden auß der ordinari Schiff allein 4. kleine Galleren zugeruͤst. Von Florentz wird bestettiget / daß versuncken deß Tuͤrckischen Gallions / ob welchem die grosse Beut vnd Tribution Allessandria gewest sein / daß man mit muͤh allein 60. Ballen Seiden davon erretten moͤgen / vnnd sollen zu Livorno von newem wider 4 Perdonen außgeruͤst werden:

ENDE.

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3.

Zeitung auß Coͤln / vom 22. Jenner Anno 1609.

AN welchem ort beiderseits deputirte wegen der Treves zusamen kommen sollen / hat man sich noch nicht verglichen / scheint daß die jenige so vor diesem so hefftig auff den be - stand getrieben / sonderlich der Koͤnig in Franckreich / jetzt darzu nit sehr geneigt sein / doch bemuͤhet man sich wegen der Conditionen dieses bestands halben / in welchem taͤglich viel difficulteten fuͤrfallen / dadurch die handlung noch wol zu scheittern gehen moͤchte. Auß Span - nia hat man noch Confirmation daß der Koͤnig daselbsten / wie auch in Portugal tag vnd nacht wie auch die Feyertage vber an Gallionen vnd Kriegsschiffen so nach Jndien fahren sollen / Arbeiten lest dann er gesinnet mit lanter gewalt die Hollender sampt jhren adhærenten da - selbsten außzureuten. Koͤnig Carl in Schweden hat in seinem nach Haußfahren von Riga den letzten Sturmwind in 9. seiner Kriegsschiff verlohren / auch seine 2. Kauffahrende so von Ambsterdam nach Riga woͤllen / selbiges mahl vertruncken. Auß Essen wird geschrieben / das deß Churfuͤrsten Hoff Juncker Carle von Oppenheim zu Muͤnster noch auffgehalten wirdt / Weil jhre F. Durchl: jhm verbotten die alda angewende vnd verzehrte vnkosten zubezahlen. Von Braunschweig hat man / daß der Hertzog den Burgern daselbsten den Paß von newem genommen / vnnd bey Leibstraff verbotten / daß niemandt von seinen Vnderthanen einigen Wagen Korn oder Holtz dahin fuͤhren solle / wolte auch bey Luͤnenburg einer seiner Graff - schafft daherumb liegend ein Festung bawen lassen / jhnen die Paͤß zubenemen vnnd ist in ob - gemelter Statt gar kein Nahrung / auch so still das alda an vielen orten das Graß auff den Gassen wechst / vermutlich der Hertzog sie auff kuͤnfftigen Sommer wider angreiffen moͤcht. Dargegen schreibt man daß die Haͤnse Stette zugleich etliche Thonnen schatz zu Bremen sol - len erlegt haben / vmb gemelter Statt im fall der noht beyzustehen. Von vnsern Gaffelssachen ist anders nichts zu melden / dann daß sie sich taͤglich versamlen / vnnd wegen deß schreibens so jnen ein Erbar Raht zugestelt berahtschlagen / dessen erwartet man mit verlangen.

Auß Venedig / vom 9. Dito.

Alhie hat man alle Mummerey biß auff 8. tag vor Faßnacht verbotten / auß Constan - tinopoli hat man / daß der Tefferder Bassa welcher mit seinem Volck auff den Persischen Gren - tzen bleiben solle / wider zuruck gezogen der General Vezier aber were mit seinem Kriegsheer wider den Bassa in Boßnia, welche man vor diesem wider die Rebellen außgesandt / hernacher aber sich zu jnen geschlagen / vnd mit 4000 Soldaten herumb streifft / geruckt / selbige wo muͤglich zudempffen. Der Koͤnig in Persia hat den Carenterogli so sich zu jm Saluirt zum Ge - neral Leutenampt mit 30000. man gegen dem Koͤnig zu Majore welcher den Tartar Haan wider jhn auffbracht / verordnet. Sonst ist der Persianer noch willen den Frieden mit dem Sultan zuschliessen / gleichwol Sultanus alles Kriegsvolck auß Vngarn nach Adrianopoli be - schrieben / solches wider jhn zu brauchen Zu Genova sind die Savoischen Galleren mit 70. Kisten Realen meistheils den Herrn Centurionen gehoͤrig angelangt / wil auch ein wol armir - te fregatta von Livorno mit vielem Silbergeschirr / so der Florentinische Adel auff die Hochzeit hergeliehen / so alles dem Don Virginio Orsino vberlieffert werden. Auß Spannia haben wir /sel -[14]selbiger Koͤnig habe dem Signor Baptista Serra den befehl Algozi Maiori in Sicilia so 3000 Cro - nen einkommens hat / sampt dem officio vber die Schreiberey im Koͤnigreich Neapoli von 10000. Cronen jaͤhrlich intrada vbergeben.

Auß Wien / vom 14. Dito.

Weil die Evangelische Stende jhr Volck in den Doͤrffern vmb Krems losirt / so wird besorgt / sie moͤchten sich selbiger wie auch der Statt Stain impatroniren / derwegen jhr Koͤn: May: solches zuverhuͤten / den Obersten von Buchheim mit seinen 1500. Reutern hinauff geschickt / wie auch viel Geschuͤtz / so man von hiesigen Pasteyen genommen / vnd weil der Jllis - haskij noch allhie / wird eracht / man mit jhm tractieren werde / etlich 1000 Vngarn zuversam - len / mit solchen die Evangelischen / so nit huldigen / auch mit gegebener resolution zufrieden sein wollen / mit gewalt zum gehorsam zubringen / die Vngarn aber werden sich hierzu nit brauchen lassen / dessen sie sich dann außfuͤhrlich gegen dem Jllishaskij erklert / so stehen die Mehren auch in großer Kriegsruͤstung / wohin es nun angesehen oͤffnet zeit / dann ob wol die Evangelischen Stende zu mehrerm glimff viel puncten nachgelassen / wollen sie doch bey den vbrigen der letzt vbergebnen Schrifft bleiben / auch Leib vñ Gut darbey zusetzen / haben auch auff 500 Reutter dieser tagen auff R〈…〉〈…〉 tz gelegt / vñ auff 10 diß durch Herrn von Landaw jrer May: anzeigen las - sen / daß sie ferner nit mit Ertzhertzog Maximiliano sondern jrer May: selbsten handeln wollen / vnd im fall man jhnen beyden Herrn vnnd Rittern / sondern auch dem dritten Politischen Stand / die Religion wie zu Kayser Maximiliani vnnd Ferdinandi zeiten nit zulasse / sie zur defension greiffen vnd mehr Volck werben muͤssen / dargegen haben jhre May: auff 10. diß offentliche mandat anschlagen vnd den Evangelischen Stenden zuschicken lasen / sich Persoͤn - lich auff 21 diß bey derhuldigung einzustelen / ist auch die sage / daß jhre May: die Religion ab erzehlter gestalt bewilligen werde / sonsten erwarten die Kay: Gesanden deß Herrn Ha - genmuͤllers mit verlangen von Prag / mit jrer May: bescheid.

Auß Prag vom 12. Jenner.

Auß Preßlaw wird geschrieben / daß die Handwersbursch neben anderm gesind ein boͤß Spiel angefangen / dann als ein Moͤnch in S. Albrechts Closter die 3. Christfeyertag vber Lutherischen Predicanten auffs aͤrgst außgemacht / hat sich der Poͤffel an S. Johanstag nach mittag zusammen rottirt / vnd ein halben Wagen mit 2. Raͤdern genommen / das Closter da - mit auffgerent / alles was sie darinn funden / zerschlagen / die Moͤnch hatten sich theis versteckt / theis mit der Flucht salvirt / hernach haben sie die Kirchthuͤr / als sie solche nit zerhawen koͤn - nen / gleichfals auffgerent / darin wie im Closter als zerschlagen / die Sacristey auch auffgebro - chen / die Meßgewand zerschnitten / die Bilder von den Altarn herunter gerissen vnd zerhackt / da nun der Raht keine fuͤrsehung gethan / vnnd nit so zeitlich die thaͤter gefangen genommen hette / were es bey solchem Closter nit blieben / wie aber andere gesehen daß man diese gefangen / haben sie den Raht gezwungen sich zuverschreiben / daß jnen nichts darumb geschehen soll vnd sie dieselben wider ledig lassen wollen / liegen aber noch gefangen / vnnd ist zu besorgen es werd theils das Leben kosten / dann der Raht jhre May: das berichtet / dero resolution daruͤber zu - erwarten. Vnserm Pater Andreas alhie ist dieser tagen von einem bezechten Kutscher als er vom Alsheimb heim gehen wollen / nit weit von deß Herrn von Stralendorffs Behausung / ein grossen Stein nach geworffen / hernacher mit einem Brotmesser ein stich auff jhn gethan worden / Pater Andreas aber ist jhm ins Messer gefallen / solches auß der hand geschlagen / gleich - wol sich etwas an einem Finger verwund / als aber der Kutscher sich Fluͤchtig in ein Hauß be -geben /[15]geben ist er in solchem / als man den handel vernommen / biß jhn der Profoß geholet / behalten worden / wie man sagt sole Pater Andreas noch fuͤr jhn bitten / damit er ledig gelassen werde. Als man dieser tagen ein Edelman / so einen entleibt / in einem Hurenhauß gesucht / hat man an desselben / einen vornemmen Moͤnch deß vornemsten Closters alhie bey einer Huren am Bett gefunden / vnd ob wol solcher eingezogen / ist er doch wider ledig gelassen / vnnd seinen Convents Bruͤdern zugestelt worden.

Ein andere vom 17. Jenner.

Gestern mittags sind die Petzische Knecht bezahlt vnnd abgedanckt / auch herr Hagen - muͤller wider nach Wien abgefertiget worden.

Auß Preßburg vom 7. Dito.

Mann sagt alhie starck / das der Roͤm Kay. May die Cron Vngeren wider zu ruck be - geren / welches die Vngern nicht thun / sondern eh leib vnd leben lassen werden / vnd wird die Cron durch Vngarn vnd Teutsche starck verwacht / auff kuͤnfftigen Lantag aber so in der erstẽ Fastwochen angehen soll / werden die Vngaren begeren / die Teusche hinweg zuthun / dargegen aber jhr May. jnen nit trawen / vnd weilen weder der empter noch anderer sachen halben alda / auchwegen deß Ostereichischen wesens nichts beschlossen worden / wird es noch seltzam hendel geben / Herrn Graven Turso weil der Jllishasky das Schatzmeisterampt / so jhme jhre May. sampt dem Tietul vbergeben / nicht vergoͤnen weil er nicht vnder jhme / sondern allein vnder jhrer May. sein / derselben auch den Eid vnd Rechnung thun will / derowegen er andere fuͤrge - schlagen / Herr Craißobrister Colonitsch stehet mit dem Cardinal Forgatsch auch nicht recht will jhme das hauß zu Newheusel zur außgang seiner bestallung nit einraumen / vnd weiln jme der Cardinal vnlangst ein schimpffliches schreiben zugeschickt / hat seiner Husaren einer dero vornembsten diener / da man nit darzwischen kommen nider gerend / sonst helt er starck vmb er - lassung seiner Empter an / vnd außstehender bezahlung so vber 612000 guͤlden ist / dargegen moͤcht jme die herrschafft Terrebes in ober Vngern an abschlag seiner schuld gegeben werden. jm fall das Oestereichische wesen nicht gestelt wird / so werden die Vngarn den Stenden bei - stehen / wie dann die heidugken mit verlangen darauff warten.

Auß Wien / vom 7. Dito.

Hie Lands lest sichs je lenger je geferlicher ansehen / die Stende sind mit juͤngstem be - scheid vbelzufriden / dargegen aber wenig huͤlff an Volck vnd Geld bei den Koͤnigischen zuspuͤ - ren / vnd haben die Vngarn den Stenden hohe Promiß gethan / sie nit zuverlassen / des Koͤnigs vnd der Stende volck ligen beiderseit bey der Statt Krembs / allein einen buͤchssenschuß von ein ander / vnd haben jhre May. zu dem vorigen Hauptman Knießlern noch 500. Knecht in Krembs gelegt / halden beyderseits starcke schiltwach / also dz sie niemand verdechtig vngerecht - fertigt in Krembs einlassen / so ist heut des Hauptman Dornhaups Volck zu Nußdorff / solche in hiesige Statt zulegen gemustert / aber weder jnen noch andern Geld gegeben worden / allein das sie dem Bawrsvolck grossen schaden thun / dargegen die Stende jederman bezahlen / welches beim Koͤnig nit sein kan / dan es bey Hoff genaw zu gehet / Herr Jllishaßky ist gestern allher kommen / vnd hat sich der Koͤnig sampt den zwen Ertzhertzogen auff ein Schweinsge - jegt auch Herr Caroll von Liechtenstein auff den Mehrerischen Landtag begeben.

Auß Crackaw[vom 1. Jenner]

Der newe Demetrius hatt ein herrliche Victoria wider den Suski in der Moschkaw sampt einem sehr reichen Klosterschatz vnd 3. Stette erobert / ist auch des Suski Obersten einer zu jhmgefallen /[16]gefallen / dahero wird eracht / dieser Demetrius noch die gantze Moschkaw bekommen vnd her - nach dem Polnischen Koͤnig oder seinem jungen Printzen vbergeben werde / willen ohne das die Moschkowitter solchẽ starck zum Regenden begeren / hatt des VVeiyvoda Sandoniski, welcher sich auff den / Polnischen grentzen befindet / Curier dem Koͤnig zeittung gebracht / das er seine Dochter in des Demetry Leger verlassen / da nun derselbe voͤllige Victoria erhielte / koͤnte jhm solche weilen sie schon gekroͤnt / vermehlet werden / ist aber wol zubesorgen / die Polen werden jhme solches nit vergunnen / weiln er ein Moschkawiter / oder aber der Koͤnig koͤnte jhme da - gegen eine Herrschafft einraumen / welches dan viel Polen aus den Rackusanern / die noch sehr schwirig / gern sehen. sonst ist der Koͤnig in Polen zimblich versoͤhnet / die Polen aber wer - den selbst kuͤnfftigen landtag so den 15. diß zu Warsaw auff 6. wochen angestelt worden / ein - ander seltzam ansehen / darauff der Koͤnig 2000 zu Fueß vnd 1000. zu Roß mit sich auff den Landtag nemen / der junge Printz vnd Princessin aber alhie verbleiben / in bemeltes De - metry Victoria hat er vor sein theil auß dem kloster 2. Truhen voller Ducaden / an deren jeder 2. Mann hart getragen / vnd seine Soldaten 10000. Rubils / deren jeder 3 gul. 20. kreutzer gilt bekommen / auff bemeldem lendtag sollen des Susky Tarters vnd Persische gesanden er - scheinen / es hatt auch der Tarter Haan an vnsern Koͤnig geschrieben / ob er Frid oder nicht zuhalden gesinnet.

Auß Rom / vom 3. Jenner.

Der Principe Distigliano hat durch einen Currier von Neapoli dem Koͤnig in Spania ein Danckbrieff zugeschickt / das er zu einem Grandconsilier in Spannia verordnet worden / auch die abwechßlung seiner Herschafft Sabionetta in Lambardia / gegen einraumung der Stett Aversa, Nolla, Meropoli vnd Cassal zu S. Mariæ in Capua, so in allem 500000 Cronen wert 250000. Cronen bahrgelt bestettiget / der ist willens sich in Spannia zu seinem Officio zube - geben. Jn Neapoli Vacirt wegen absterben diß Baͤpstischen Nunctij das einkommen der Kir - chen zu Pavia, von 12000. Cronen / so dem Cardinal franco vbergeben werden solle / allda zu Neapoli hat der Signor Allessandria di Monti vom Bapst daß generalat vber seine Galleren er - langt / vnd ist dem Hertzogen von Nevers von deß Hertzogen di Mantua Agenten ein sehr statt - lichs Pancket gehalten worden / wegen deß angefangenen Baw auff dem Monte Cavallo vor den Bapst so 200000. Cronen kosten solle / hat man bereit 20000. Cronen hergeschossen. Sonst hat die Statt Rimini zu Dancksagung wegen erwehlung deß Cardinals Nazareth, 2. Adelspersohnen mit einem Præsent von 4000. Cronen wert vor den Bapst allher gesandt / gleichfals ist man im werck der Tyber vberschwemmung zu verhuͤten / welches auff 40000. Cronen kosten wird / derwegen man auff alle mittel / Gelt auffzubringen.

ENDE.

[17]

4.

Zeitung auß Coͤln / vom 29. Jenner Anno 1609.

VOn newem wenig zumelden / allein wird von Ambsterdam geschrieben / daß die deputirten von der Ost Jndianischen Compagnia vnd der Admiralitet daselbsten zu dem Ende / wie vor diesem gemelt / nach dem Hage gezogen sein / deßgleichen wird avisirt, das nit weit von Marsilia nach mittag zwischen 12. vnd 1. biß auff 4. Vhrn viel 1000. gewapneter Soldaten zu Roß vnd Fuß wol mundirt, mit weissen Feldzeichen vnd 10. in einem glied in einen Wald gezogen vnd endlichen daselbst verschwunden sein / welches viel edle vnd vnedle Personen gesehen haben. Auß Neuß wird avisirt, das grosse vneinigkeit zwischen beiden Herrn / von oderkirchen vnnd Corsuan / mit dem Guͤlischen Marschalk gute Correspondenz mit weiterer anregung / daß die Spannischen auß den Schantzen zu Rurort in die 5. oder 600 starck / auß hinderstendiger besoldung / ohn eini - ges ansehen von jemands / gewaltig gestreifft vnd gebrandschatzt haben. Jn Frießland ist auch ein Feuriger fliegender Trach gesehen worden / man vermeint auch / weil die Hollen - der sehen vnd spuͤren / daß der Koͤnig in Spannia zu Wasser vnnd Landt grosse Kriegs - præparation machen vnd zurichten lest / werden sie durchauß keine tractation eingehen wollen / was gibt lehret zeit.

Auß Rom / vom 10. Jenner.

Sambstags abent ist der Hertzog von Neuers von Neapoli wider alhero gelangt / dem hatt derselb Vice Re 4. schoͤne Pferd / vnnd deßen gemahl andere Present verehrt welche dann auch selben abend von Genova dahin ankommen / dem jhr Gemahl mit dem Hoff - gesind ein guten weg entgegen gezogen / welche in deß Frantzoͤsischen Ampassators Pallazio einlosirt worden. Der Signor Cæsare Zatore Genovesischen Handelsmann / so vor einem jar die Marggraffschafft Marignavo erkaufft / ist gehling gestorben / verlest in 300000. Cronen Reichthumb / welches alles seinen Bruͤdern zufelt / weil er kein Testament ge - macht. Das Bistumb Bavia mit 10000. Cronen einkomens / ist dem Signor Billio Maylender durch den Cardinal Montaldo verliehen worden. Der Signor Tarquinio Tros - sinio Vincendiner so zu Mayland wegen Argwohn eines Rahtherrn todts gefangen gele - gen / wie auch 2. so das Gelt beschnitten vnd entwichen gewest / sind gefenglichen allher gebracht worden.

Der Neuͤw Koͤnig in Vngaren Mathias hatt dem Pabst alle beschaffenheitt mit den Euangelischen Stenden angezeigt / Darauff sich der Papst erclert / jhnen keines wegs die Religion zue zulaßen / dann er jhme jhn kurtzer zeitt Zehen Taußent Soldaten auff sein eigenen Costen zu vnderhalten / zuschicken woͤlle.

Sontag hat er ein Mandat publiciren lassen / keine deß Bapsts Silberne oder Guͤldene Muͤntz / noch zaginen Golt zuuͤberschicken / deßgleichen sollen auch die Goldt - schmid kein anders Golt als die zeginen Ducaten zu jhrer Arbeit schmeltzen.

Auß[18]

Auß Venedig / vom 16. Dito.

Genueser Brieff melden / die ankunfft deß Ambrosii Spinola Galleren von Pi - onpino, welche allein das Pulver vnd die Piscoten auff 3000. Cronen wert dahinden ge - lassen. So wird auß Cassal di Monserato geschrieben / das selbiger Hertzog seinen Vnder - thanen gebotten / daß ein jeder den Mantuanern mit Getraid zu huͤlff kommen vnnd an 100. fl. wert dritthalben Contribuiren solle. Der Conte de Fuentes hat den schweitzern versprochen / ihnẽ inner Monats frist jhre außstendige besoltung zuebezalen / jnen auch das Saltz vnnd anders zukomen zulaßenn bewilliget. Alda hat auch der Cardinal Peromeo Jnquisitor mandirt, das niemandt der Schweitzer / Niederlaͤnder / vnd anderer Nation Kinder / so nit der Roͤmischen Religion in der Kost / Dienst / noch Herberg auffnemen sollen / es sey dann daß er solche verlangen. Sonst wollen die Schweitzer vnter einander / bevorab die Baßler mit den Lucernern nit vergleichen / wegen sie vor diesem einen Fratzosen so Calvinisch vnnd 30. Jahr zu Basel gewest / durch anstifftung der Jesuiter enthaubt haben. Auß Neapoli wird geschrieben / die Nave Pellino mit 4000. Salmen getraid beladen / vnd in 200. Wandersleuten / darun - ter auch ein Prælat welcher deß Vice Re von Neapoli Bastart Sohn / sampt dem Don An - donio di Sandoua seiner Guardia Capitain gewest / vnd vber 200000. Cronen wert bey sich gehabt / auch von Palermo in Spannia fahren woͤllen / von den Englischen Meer - raͤubern gefangen vnd nach Tunis gefuͤhrt worden / wie gleichfals die Nave Pigno so auß Cipern alhero segeln wollen. Hiesige Herrschafft hat jhren Theologen jhr Stipentiat auff 300. Cronen verbessert. Vnd auß Turino haben wir / das der Koͤnig in Franck - reich dem Monsor Ladigiera zum obersten Marschalck im Delphinat vnd dem Hertzog von Guisa zum Gubernator im Provintz verordnet.

Auß Constan. haben wir / das sich der General per Mare ohne versicherung wegen der verlohrnen Schiff auß Alexand: nit an die Porten begeben wellen / damit er sich verant - worten koͤnte / dan er an solchem verlust nicht schultig / weil sein Volck keines beuelch oder hilff von jhme erwarten woͤllen.

Auß Wien / vom 15. Dito.

Was massen Koͤn: Matthias allen Landstenden durch jhre Mandaten in gener - mandiren vnd Publiciren lassen / vnd daß sie es bey jhrer Fuͤrstl: Durchl: Ertzhertzog Ma - ximilian den 27. Novembris gegebenen bescheid verbleiben zulassen gedencken / hat man juͤngst vernommen / die vermoͤgen ferner / woferr sich die Stende erforderter gestalt auff 21. diß zur Huldigung einstellen / sollen sie der general verzeihung vnd Kay: Maximilian Conceßion faͤhig / die vngehorsamen aber der Straͤfflichen Execution gewertig sein / daher man verhofft die Stende auff dieses scharffes Mandat Pariren vnnd der Straff nit er - warten werde / wie der Herr Joͤrg Friedrich vnd Hanswilhelm / Graffen von Hardeg / einer von Losenstein / Stieber / Rotalbeck / vnd andere mehr bereit gehuldiget / jhre May: lassen jhre Reuter vnd Knecht zu sammen ziehen / die werden zu Hallerbrun ferner ord - nung erwarten / alsdann wirds gehen oder brechen muͤssen. Sonst hat Herr Carl von Liechtenstein vor sein Leib 500. zu Fuß vnnd 200. zu Roß werben lassen / sein BruderMa -[19]Maximilian thut 1. Regiment von 4000. man vor jhr May: richten / das also ein ernst zuspuͤren / vnd ob wol Herr Jllishaskij taͤglich mit den Herrn Raͤhten vnnd deputirten zu raht gehen / hilfft doch sein raht zum frieden wenig / ist also zubesorgen / das man gehling zum Schwerd greiffen werde / weil beide theil von jhren Prætensionen nit weichen wollen. Herr von Herberstein Orator ist dieser tagen von Constantinopoli zu Ofen ankommen / der soll aldort verbleiben / biß die im vertrag verglichene Summa / daran noch 50000. thaler restiren / bezahlt werden / wie man dann starck im werck solche ehest hinunter zu - schicken.

Vorgestern ist Herr von Buchheim mit 7. Corneten Reuter / vnnd ein Fendlein Knecht / wegen jhrer May. vnnd ein Herr von Gerra mit 3. Corneten Reuter / vnnd 3. Fendlein Knecht / auff der Evangelischen seiten / ein halbe meil von holebrun ins Feld geruckt / vnnd so nahend zusamen kommen das sie einander mit Pißtolen wol erlangen koͤnnen / vnnd ist solches allein wegen deß qartiers zuthun gewest / dann als Herr von Gerra ins Buchheimisch qartier gerugt / vnd nit weichen wollen / haben sie ein Schar - muͤtzel gehalten / in welchem die Buchheimbische vbermand worden / das sie inn 100. Mann die andern aber / wegen eines guden vortheils so sie gehabt / wenig verlohren / de - rowegen Herr von Buchheimb wider solchen gewalt starck vmb huͤlff geschrieben / dann die Stend teglich viel Volck werben.

Die Burgerschafft alhie ist sehr schwirig / were jhnen auch leicht zum Dantz zu Pfeiffen / vnd weillen man bereith Wachtheusser auffricht / vnd etlich Fendlen darein legen will / werden auch alle angeschagene Patenden in der Statt / hin vnd wider abge - rissen / vñ nichts darauff gehalden / dan die Evangelischen Stend einmal zum Schlagen sich resolvirt / wan gedachde Stend auff 21. diß nicht pariren / wollen jhr May sie fuͤr Vogelfrey / als vngehorsame ercleren.

Herr Jllishasky ist Montags wider hinweg / soll sich gegen jhrer May. erboten ha - ben / in kuͤrtz 24000. Hungarn zu Roß vnnd Fuß / wider Ostereich im fall der Noth zu lieffern.

Ein andere vom 17. Dito.

Seider juͤngst haben jhre Koͤn: May: den Evangelischen Stenden / juͤngst ange - deutes Mandat zu Horn / durch einen Herrn oder vnderschiedliche Doctores oͤffentlich publiciren wie auch noch ein anders Edict alhie anschagen lassen / das alle die jenigen / so den Stenden wider jhre May: dienen / wo sie sich nit hinweg begeben / Vogelfrey vnnd in die Acht erklert sein sollen / man hat auch dieser tagen etliche Feldstuͤck von hinnen hinauff fuͤhren woͤllen / welche doch den 16. diß wider hieher gebracht worden. Sonst bleiben die Stende noch bey jhrer meynung / von jhrer letsten Schrifft nicht zuweichen / es begegne jhnen gleich daruͤber was Gott woͤlle / soll jhnen auch auß dem Reich huͤlff an Volck zu Roß vnd Fuß zukommen sein / gleichfals sollen jhre May. auch vertroͤstung starcker gelt - huͤlff von vnderschiedlichen Potentaten haben / sonderlich auß Spannia vnd dem Bapst ein grosse Summa Gelts erwarten. Man will gleichwol außgeben / daß jhre May: auff dem Land die Religion auch verwilligen / vnd niemand auß den Staͤtten vnd Maͤrckten darzu zugehen / verwehren wollen / daher wird verhofft / die Stende moͤchtens eingehen / die Wochen alher zur Huldigung erscheinen / Herr Hagenmuͤller ist auch wider alher kom -men /[20]men / bringt aber kein guten bescheid / dann jhre Kay: May: Oesterreich vnnd Mehrern perforza wider haben woͤllen / moͤchte also Oesterreich noch was außzustehen haben.

Auß Prag / vom 24. Jenner.

Herr Wolff von Kolenbrot oberster Landkammerer / deß Koͤnigreich Boͤheimen / ist auff seiner Herrschafft gehling Tods verschieden / so ligt Herr oberster Landhoffmeister Christoff Poppel auch toͤdtlich kranck / sonst ist es hie gar still / vnnd soll kuͤnfftige wochen der Boͤheimische Landtag angehen.

ENDE.

[21]

5.

Zeitung auß Coͤln / vom 5. Februarij Anno 1609.

ALhie steht es mit dem Magistrat vnnd gemeinen Burgerschafft noch im alten wesen / vnd bemuͤht sich die Gemeine Burgerschafft sehr vmb wissenschafft zuhaben / vber der Statt einkommen / außgeben vnd vorraht / haben sonsten nun mehr die Zuͤnfften ab - geforderte 44. Personen den alten Statt Eyd / welcher allein auff Catholische Personen ge - richt Confirmirt vnd erkant / daß solcher Eyd vnd was darbey durch den Magistrat zur erleute - rung anhangt / solches jhrer verbuͤndnuß Brieff nicht zu wider / sonder gemaͤß sein / hat also dieser puncten seine richtigkeit / der Allmaͤchtig verleihe ferner sein gnade / jhr F. Durch: auß Bayern befinden sich vbel auff / Gott woͤlle der selben wider zur gesundheit helffen.

Auß Brussel vom 31. Jenner.

Die kuͤnfftige wochen auff 4. Februarij werden die Ampaßatores auß Frankreich En - gelland vnd Dennenmarck gen Andorff kommen / deßgleichen die vnsere deputirten als Mar - quis Spinola Reichard Vereicken vnd Audienzier, von den Staden auß Holland aber kommen keine dahin / was beschlossen wird / gibt zeit / wie man sagt werden die kein Monat beyeinander sein / fondern bald schliessen muͤssen / was sie zuthun gesinnet / jhr F Durchl: Beichtvatter ist noch nicht wider zuruck kommen / der Hertzog von Luͤnenberg ist verschienen Mitwochen nach Franckreich vnd Engelland verreist / vmb selbige Land zubesehen.

Auß Ambsterdam vom 2. Februarij.

Verschienen Mitwoch ist der Printz von Oranien mit seiner gesellschaft / Graff Hein - rich seinem Bruder vnd andern Herrn mehr / welche von hiesigem Magistrat sehr stattlich ent - pfangen vnd kostfrey gehalten / auch hernacher durch die Statt / vmb viel schoͤner Kunststuͤck zu besehen gefuͤhrt worden / die sind vergangen Sambstag wider mit 3. Schlupen von der Admiralitet nach dem Hag gefahren / auß Engelland schreibt man das zu Londen wochentlich 200. Personen sterben.

Auß Rom / vom 17. Jenner.

Auß Neapoli wird bestetigt / daß die Nave Bellino mit juͤngst angedeuten deß Vice Re Bastarts Sohn sampt andern Herrn / von 5. Meerraͤuberischen Perdonen, dero Moren vnd Hollender gewest / gefangen nach Algieri gefuͤhrt worden / derowegen man viel Gelt dahin ge - macht / dieselbe damit außzuloͤsen / in welchem Scharmuͤtzel auch viel Personen vmbkommen. Als der Bapst auff offener gassen / gegen einem Palatio gefahren / hat der Poͤbel am paßiren / sich starck gegen jhm hoͤren lassen / daß sie mit dem juͤngst publicirten Eedict der geringen Mintz halben nit zufrieden sein derwegen der Bapst den Monsor Vitalis Præsidenten vber die Muͤntz zu sich beruffen / vnd Mandirt, kein andere Sorten als die Testoni / welche sehr beschnitten zu - verschmeltzen. Der Hertzog von Nevers vnd dessen Gemahl sampt dem Monsor Sciatres, sindnach[22]nach Florentz paßirt / entgegen der Hertzog di Mandragone von Loretta wie auch ein gute summ Gelts vom Cardinal Gioiosa vmb Vacirende Pfrunden zu erkauffen / alher gelangt / so hat man auch schreiben / daß ein Heurath zwischen deß Signor Johann Georgij Allessandriæ Sohn / vnd einer Princeßin von Esta beschlossen worden.

Auß Venedig / vom 22. Dito.

Maylender Briff vom 10 diß berichten. der Principe di Maroco haben das Alphonso Con - zaga behausung bestanden / wegen er kein lust hat ferner in deß Fuentes Hoffhaltung zu sein / alda thut man deß Duca di Mandragone erwarten / jhm die Poßeßin Sabioneta einzuraumen. Auß Genua wird vermeld / daß die Spanier sehr vbel mit dem Hertzog in Savoia zufrieden / wegen er jhnen kein Baß durch sein Land lassen wollen / sonst hat der Koͤnig in Spannia wil - lens / ein partita von 4. Million Golts mit dem Signor Saluzij zuschliessen / solche nach Flan - deren zu wechseln welches ein anzeig / daß der Krieg wider angehen werde Der Marchese di Sorcino hab etlich deputirte an Spannischen Hoff gesand / zu Sollicitiren jhm die[Herrschafft] Vdoma oder das einkommen davon einzuraumen / weil er nit mehr Maiestro del Campo vbers Spannisch Kriegsvolck sein will. Dinstags ist der Venedische Patriarch im Collegio gewest / was vrsach ist vnbewust / deßgleichen haben sich die Contiflieromino Pompei vnnd S. Bonifacio Veroneser, auch der Signor Martinengo mit einer schoͤnen Compagnia vor der Herrschafft er - zeigt / vnd gegen derselben hochbedanckt / daß sie zu Obersten vber die Armada verordnet wor - den. Sonst hat man heut die Cechini vnd Vngarische Ducaten / so zu gering / verbottten. Der Koͤnig auß Engelland hat dem Marchese Malaspina deß Großhertzogen von Florentz Ampassator vber andere erwiessene Ehr / jhm noch 9. Silberne Trinckgeschirr auff 4000. Cronen werth verehrt. Juͤngste Brieff auß Constantinopoli melden / die ankunfft deß Ve - nedischen Baylo alda / welcher ein stattlichen inzug gehalten / der soll taͤglichen Audienz beim Sultano haben / der will auch deß Generals per mare entschuldigung wegen deß Alexandrini - schen Tributs / weil er jhm sehr geneigt / in gnaden auffnemen / werden also die Jntereßirten den schaden leiden muͤssen daher sich Franckreich was zubesorgen haben / vnnd die Tuͤrcken was wider selbigen Cron fuͤrnemen moͤchten / daran sie doch nicht schuldig. Mann sey auch an der Porten deß Primo Veciers taͤglich gewertig / vnd hab Sultanus alle seine Kriegshaͤupter von al - len orten beschrieben an der Porten zu erscheinen / sich eines newen Kriegs zuberahtschlagen / es werden auch im Arsenal etliche newe Galleren fuͤr die Meer Armada zugericht.

Auß Wien / vom 18. Dito.

Auff wider zu ruck kunfft deß Herrn Hagenmuͤllers von Prag haben jhr F. Durchl: Leopoldus sampt andern Herrn / etlich mal beim Koͤnig Audienz gehabt / vnd soll Herr Graff von Altheimb stuͤndlichen zu den Stenden nach Horn verreisen / als dann zu seiner wider - kunfft stracks mit Leopoldo auff der Post nach Prag kommen / wie sie dann bereit theils jhrer Leut zu Kutschen voran geschickt / auch soll man den Stenden zu Horn damit man jhr zusam - menkunfft verhuͤtet / den Paß vber die Tonaw zu Stain vnnd andern Ortten gespert haben / wie dann jenseits der Tonaw etliche in deß Herrn Pergens Gut ligen muͤssen / die andern blei - ben zu Horn / denen sind 1500. Mann auß der Pfaltz zukommen / gegen welche die Koͤnigschebiß[23]biß dato nichts anfangen koͤnnen / dann sie grosse Correspondens mit etlichen Fuͤrsten im Reich vnd von denselben Volck vnd Gelt genug haben koͤnnen. Die Stende zu Horn geben auß sie vernemen / der Koͤnig werde etlich 1000. Vngarn wider sie in Oesterreich fuͤhren / darge - gen aber hetten sie von denselben auch vertoͤstung / daß sie jhnen ebenfals / auff welche stund sie es begeren / huͤlff thun werden Sonst sollen 3000. Heyducken allher kommen. Herr Oberster von Buchheimb ligt mit 5 Corneten Reutter vnd 2 Fendlen Knechten zu Holle - bron hatt die Kirchen sampt dem Marckt verbolwerckt / der Koͤnigsche Leutenampt Sandalin aber mit den vberigen Compagnien in den nechsten Doͤrffern / es sollen auch morgen deß her - ren von Stoͤltzingen / vnnd Hauptmann Dornheims Volck allher kommen. Der Stende Volck ligt zu Schoͤngruben Mittergraben / Wolckersdorff vñ an denselben nechsten Doͤrf - fern / mit etlichen Stuͤck Geschuͤtz / gleich fals wol verschantzt / vnd wird beiderseits fleißig wacht gehalten / also das beidertheils Wachten einander stuͤndlich sehen moͤgen / ließ sich auch anse - hen / als ob es gleich zu einem rechten treffen kommen solte / wie dann Herr von Buchheimb schon was eingebuͤst / so ist doch ein anstand gemacht worden / die Gemuͤter erzeigen sich sehr hitzig auff einander / also zubesorgen / diesem Land ein merckliche straff von Gott vorhanden sey. Der Koͤnig sterckt sich taͤglich mit Volck / Herr von Liechtenstein wirdt neben 3000. man / auch 1000. Ruͤtzen / so von Raab vnd Gomora mit 3000 Gackonischen Reuter her - auff kommen sollen / vnd wirbt herr von Buchheim auch stuͤndlichen mehr Volck / gleichfals soll dem Koͤnig vom Bapst ein ansehnliche summa Gelts huͤlff ehest zukomen die Lintzerische Stend sollen auch mit jhrem Volck zu den anderen herunder rucken / sonst hat Herr Graff Ludwig von Koͤnigsperg die Evangelische Stende im viertel Asparn zu jhm erfordert / jhne im namen der gesanten Stende was anzuzeigen.

Ein andere vom 21. Jenner.

Seider juͤngst hat man mit den Evangelischen Stenden nichts tractirt, sondern jhr May: erwarten derselben zubeschreiben Huldigung alhero / wie dann solcher Termin sich heut endet / vnd ob wol derselben sich biß in 12. alhie befinden / die zu Huldigen begeren / so wollen doch die andern vnd meisten noch nit / sondern bey jhrer letsten Schrifft bleiben / dargegen jhr May: auß jhrer gegebnen resolution nichts schreitten / noch den Stenden ein mehrers bewilli - gen / haben auch die juͤngst angedeute wider zuruck gebrachte Veldstuͤcklein abermal sampt 2. Fendlein Knechten nach Hoͤllebron zum Herrn von Buchheim gesand / Gestern ist der Car - dinal von Dieterichstein sampt noch andern Mehrerischen gesanden / wie auch Herr Carle von Liechtenstein alher komen / vnd sollen die Mehrerischen sich erklert haben / im fall der Re - ligion halben keine vergleichung geschicht / den Oesterreichischen Stende bey zustehen.

Auß Prag / vom 24. Dito.

Alhie ist man Ertzhertzog Leopoldt vnd der andern Kay: Commissarien von Wien wi - der gewertig / verschienen Mittwoch zu 5. Vhrn sind beyde verlobte Breutigam von Fuͤrsten - berg mit 2. Senfften 6 Kutschen vnd 10 Reuttern von hinnen nach Jtalia verreist / aber viel schulden hinderlassen.

Ein[24]

Ein andere vom 26. Dito

Heut fruͤ hat sich das Boͤheimisch recht angefangen / so kommen auch taͤglich viel Boͤheimische Landherrn auff den Landtag an / sonsten haben jhre May: heut zu 9. Vhrn den Fuͤrstl: Sachsischen / Weinmaͤrischen / Altenburgischen / auch Pommerischen herrn abge - sanden von Stettin zu gleich mit einander die Lehen ertheilt / auß Schlesien wirdt vermelt / der Hertzog von Teschen vnd noch 14. vornemen Herrn in Schlesien / haben die Roͤmische Religion angenommen / sein auch willens das gantze Land zubekehren. Sonst wird auch auß - geben der Hertzog von Braunschweig hab all sein Volck wider selbige Statt auffmanen vnd mustern lassen / vnd ist sein Oberster Kaͤmmerer mit Todt abgangen.

Auß Lyon / vom 18. Jenner.

Auff deß Printzen von Conde Hochzeit / so sich mit deß Connestabile Dochter verheu - rat / thut sich der Adel sehr ruͤsten / auff solcher / weil es ohne das Faßnacht zeit viel Vest zuhal - ten / gleichfals soll der Hertzog von Nemours mit deß Duca di Aumala Fraͤwlin / die seinige inner 2. Monaten zu Nizza celebriren, dann der Sponse Vatter solcher selbst beywohnen will dem - nach aber dieses Vests wegen daselbsten 2000. Spannier in Guarnison ligen / also thun die Genffer allerhand fuͤrsehung / damit vnter solchem Vest nichts thaͤtlichs wider sie moͤge fuͤrgenommen werden.

ENDE.

[25]

6.

Zeitung auß Coͤln / vom 12. Februarij Anno 1609.

A Engelland hat man / daß zu Londen jhrer Schiff eins auß Ost Jndien mit zeit - tung vnd Neglin an kommen / wie das die Schiff auß Hollande noch alle vngeladen halten / auch in jhrem fuͤrnemen schwerlich kommen koͤnnen. Letzte Brieff auß Ant - torff melden / das man auff 5. dieses deß Ertzhertzogen resolution vber die Conditionis deß lan - gen bestands den Koͤnischen Frantzoͤsischen vnd Engellendischen gesanden fuͤrgetragen / vnd eroͤffnet worden / ob wol jhr F. Durchl. die herrn Staden bemuͤhet / das der jetzt lauffende still - standt noch 3. Monat lang Prolongirt werden moͤge / haben sie jhm solches doch gantz vnd gar ab geschlagen / derhalben man besorgt / das es mit dem Frieden nichts sein wird. Nach dem die Spannischen am 4. diß in 600. zu Roß vnnd Fuß mit Graff heinrich von dem Berge Leutenampt / auß der Schantzen Ruhrodt etlich Gelt nach Lingen Convoirt, vnnd im zuruck ziehen auß Westphalen mit guter Beut sich ins Dorff Muͤlheim gelegt / sind in die 11 Corne - ten Stadischer Reutter auff sie gestossen / daher die Spannischen die Kirchen eingenommen vnd tapffer herauß geschossen / etliche der Stadischen sampt dem beruͤmbten Capitain Lam - bert erschossen / deßwegen die Stadischen etliche Haͤuser bey der Kirchen in Brandt gesteckt / damit die Spannischen auß der Kirchen gedempt / deren in die 60 sampt einem Leutenampt geblieben / alle jhr befelchshaber / welche fuͤr die Soldaten burg geblieben / gefangen / vnnd mit jhrer beut beneben 180. gesattelter Pferd darvon gezogen sein. Vnsere Herren sollen die er - forderte Rechnungen an etliche vertrawte Personen auß den Gaffeln vnd Zuͤnfften zuthun / sich erbotten haben / derhalben man sich bemuͤhet auß jeder Gaffeln 2. qualificirte Personen vnd Menner zunemmen.

Auß Rom / vom 24. Jenner.

Der Hertzog von Mandragone ist noch nit von Mayland komen / die Posses zu Sabionet - ta vom Conte de Fuentes zu vbernemmen / dann die vom Hauß Gonzaga krafft eines Testa - ments der recht Patron dieser Herrschafft ist / vnd solche seiner Dochter / so dem Principe di Sti - gliano verehelicht worden / zum Heurahtgut gegeben / dahero solche Landschafft / ohne ver - willigung deren von Gonzaga nit kan verendert werden / es were dann / daß dieser Stamm gantz abgestorben were / es soll gleichwol der Hertzog von Mantua seiner Raͤht einen abgefer - tigt haben / dem Koͤnig von Spannia sein Recht vnd Gerechtigkeit vber diese Herrschafft zu repræsentiren vnd alles vmbstendlich außzufuͤhren. Genueser brieff melden / der Don Blasco Arragona were von Mantua vnd Mayland daselbst ankommen / nach Spannia zu reisen / bey welchem der Hertzog von Mantua vnd Conte Fuentes der Koͤnigin sehr herrliche Præsenten, sonderlich von einem Vhrwerck / so mit Diamanten vnd Rubinen geziert / vnd andern sa - chen zuschicken. Demnach auch dem Conte Fuentes die Freyheit vber die Marggraffschafft Voghera seines gefallens vom Koͤnig von Spannia eingeraumbt worden / wirdt darfuͤr ge -halten /[26]halten / er werde bey dem Gubernament zu Mayland ersterben / der solle gleichwol in handlung stehen / die Marggraffschafft an jetzo vmb 100000. Cronen zuverkauffen. Diese wochen hat man alhie in grabung deß Grunds zu S. Petro ein Kreutzlein oder heyligthumb mit schoͤnen Edelgesteinen besetzt gefunden. Auß Franckreich wird vermeld / selbiger Koͤnig lasse den Je - suitern noch 3 Collegien als zu Amiens, Euren vnd Rems auffrichten / in welchem jeden ein ge - wisse anzahl solle vnderhalten werden / sonst hat dieselbe Koͤnigin ein Silbern Ampel in der Jesuiter Kirchen alher geschickt. Auß Spannia haben wir / daselbst werde viel von werbung eines Kriegsvolcks geredt / sonst hat derselbe Koͤnig dem Printzen von Toscana vber die 200000. Cronen Heuratgut vor sein Gemahl der Ertzhertzogin von Oesterreich / Jaͤhrlich 16000. Cronen einkommens verordnet / dem solle auch ehist das gulden Fluͤß ertheilt werdẽ.

Auß Venedig / vom 30. Dito.

Der Curier von Verona so alher gewolt / ist auff dem Vicentinischen gebiet von 8. Ban - diten angesprengt / vnd jhm bey 500. Ducaten genommen / von welchen sich die 4. mit der Flucht Salvirt, die andern 4. aber als sie von andern hart verfolgt / haben sich in ein Hauß be - geben / vnd sich starck darauß gewehrt / ist doch letzlich das Hauß sampt jhnen in Brand gesteckt worden. Florentinische Brieff melden / daß man das Quadagni generals vber dieselben Gal - leren zu Livorno taͤglich gewertig / alda sind auch von Portu Veragio mit etlichen deß Hertzogen Galleren 70. Sclaven eingebracht worden. Demnach die von Loreo so nit weit von Ferrara ligt / vnd nicht wol mit demselben zu frieden / etlich Volck in ein Wald / Holtz zufellen geschickt / haben die von Ferrara alsbald jhren Barigello mit etlich Knechten dahin gesand / vnd dieselben angreiffen lassen / daruͤber beiderseits etliche vmbkommen / auch etliche von Loreo nach Ferrara gefangen gebracht worden. Hiesiger Herrschafft Gallion hat in Arcipelago 2. Raubschiff an - getroffen / welche sich aber nach langem Scharmuͤtzeln nach Barbaria Salvirt, sonst hat die Signoria der Gemein Mandiren lassen / jar Stewren zuerlegen / dann sie willens etliche Galle - ren vber die ordinari außzuruͤsten.

Auß Wien / vom 28. Dito.

Mitt Koͤnig May vnd den Evangelischen Stenden stehet es noch in alten Terminis vnd alles vnverglichen / weiln aber jhre May durch Herrn Ferdinand von Colonitsch ein Re - gimend Teutsche Knecht / wie auch durch den Graven Dompier, etlich Wallonische Pferd / vnnd Nadasti Thomas 1000. Vngarische vnnd Crabadisch husarn werben lassen / so ist noch schlechte hoffnung zu solcher vergleichung vorhanden / wie dann jhre May. eigentlich entschlos - sen / vber vorergangne Resolution das wenigste nicht zu verwilligen / dahero ein groß Blutver - giessen zubesorgen / demnach sich die Stende auch noch taͤglich stercken / vnd nach moͤglichkeit in einem vnd andern versehen / welche aber in die lenge nicht werden außdauren koͤnnen / Die Meherischen gesanden seind auch noch alhie die bemuͤhen sich starck ein Fridliche vergleichung bey jhrer May. vnd den Stenden zumachen / wie sie dan noch einer gnedigen resolution erwarten / vnd Montags ist Ertzhertzog Leopoldus sampt dem Graffen von Sultz von hinnen nach Prag verreist / also das man guter hoffnung daß der zwispalt zwischen Kay: vnd Koͤn: May: auch guͤtlich moͤge verglichen werden / so ist der Cardinal von Dieterichsteingleich -[27]gleichfals wider nach Olmitz verreist / dem der Baͤpstische Nunctius das geleid gegeben / vnd hat jhrer May: gerahten / die Religion in Oesterreich Paßiren zulassen / so aber allein der Clessel mit etlich wenig Raͤhten verhindert. Dieser tagen ist Jacob Kemper von Krembs Schluͤssel Amptman / wie auch 6. Burgersleut von dannen alher geschrieben / vnd arrestirt worden.

Ein andere vom 30. Dito

Alhie ist seider obgemelts nicht fuͤrgangen / aber taͤglich ein solches / reitten vnnd fahren gehn Hoff das nicht zuschreiben / vnd demnach der mit den Evangelischen Staͤndten biß hero gemachte anstand sich biß Vltimo diß endet. Also haben sich die jenige / so bey Hollebron nit weit von den Koͤnigischen gelegen / wie heut Aviso einkommen / mit jhrem Volck besser nach Kor vnd Kloster Neuburg begeben / sich beider Orth zu bemaͤchtigen / vnnd alda die Thonaw / wie leichtlich geschehen kan / zusperren / damit nichts weiters auff Wien kommen moͤg / vnd weil sie ausser Herrn Gotthards von Starenbergs Regiments / so nach der Ens in 9000. zu Roß vnd Fuß starck sein / haben sich auch Gestern auff einen hohen Berg bey Hollebrunn mit den bey sich habenden 20. Stuͤck geschutz / so sie nicht mit kleinem schrecken der Koͤnigischen in Holebrunn 3. mal abgehen / gar starck sehen lassen / wie auch als Ertzhertzog Leopoldus fuͤruͤber gereiset / in voͤlliger Schlachtordnung gehalten / wie dann 1500. Pferden von denfelben jhre Durchl: vnd andere Kay: gesanden ein guten weg mit guter Kartesia begleit. Herr Ferdi - nand von Colonitsch kan mit seiner Werbung nicht fort oder auffkommen / weil er im Reich nit werben darff / vnd die Knecht hierumb nicht trawen wollen / sondern befoͤrchten es moͤchte jhnen / mit der bezahlung nicht woll ergehen.

So sind die Mehrerischen abgesanden wider nach hauß verreist / was aber jhnen jhre May. vor ein bescheit geben ist noch vnbewust. Die 50000. Thaler zu der Tuͤrckischen Pre - sent weiln solche nicht auffzubringen / hat sich der Jllishaskij gegen einraumung der Herrschafft Vngarisch Altenburg herzugeben erbotten / welche jhme bereit solle zugesagt sein.

Auß Prag / vom Vltimo Dito.

Morgen ist man Ertzhertzog Leopoldi gewerdig / wie dann der Graff von Sultz bereit angelanget / sonst ist die Preposition so Mittwochs hat sollen vorgetragen werden / noch nicht be - schehen / wird von einem Tag zum andern verschoben / zu was end eroͤffnet zeyt.

Ein andere vom 2. Februarij.

Weil verschinen Sambstag die Proposition zu diesem Boͤheimischen Landtag beschehen / also seind auff morgen frue alle Evangelische Stende so zu diesem Landtag beschriben / nach Hoff in die Gruͤn Stuben bescheiden worden / die sollen dann den Principal vnd ersten articul / der Augspurgischen Confeßion eroͤrttern / vnd solchen hernach Kay: May. zu deren fernern Resolution verschlossen vbergeben / hernach sollen / die andern 14. Articul gemeltter Confeßion verhandelt werden / wann jhnen dan jhre May. die Religion zulassen / erbieten sich allein die Evangelische Stende jhrer May: etlich 1000. thaler auser der Catholischen zuerlegen / also das zubesorgen die Oestereicher werden sich auch wider vntter jhrer May. Schutz begeben.

ENDE.

[28][29]

7.

Zeitung auß Coͤln / vom 19. Februarij Anno 1609.

BRieff auß Brussel melden / daß der Ertzhertzog seine erklerung vber die bestants Ar - tickul nit ehe thun woͤlle / biß zuvor sein Beichtvatter / wie dann auch der Currier auff 24. Passato vom Koͤn: Hoff an jr F. Durchl: abgefertiget / auß Spannia wider an - kommen sey / sonst wird auch geschriben / daß der jetzt verflossene stillstandt weiters prolongirt sey / vnd sind die herrn Staden nit gesinnet derselben noch weiters zu verlengern / sondern er - bieten sich / wann der Ertzhertzog jr vorgeschlagen Conditiones deß langen bestands vnderschri - ben hat / vnd solche gleichfals vom Koͤnig ratificirt worden / alsdann nach 20. in 24 tagen an - stand zugeben vnd zubewilligen. Brieff auß dem Hage melden / das die herrn Staden mit den deputirten von den Maioribus vnnd der Admiralitet zu Ambsterdam zu handlung stehn / wie man ehest wider ein gute anzahl Schiff zum Krieg auß ruͤsten moͤg. Vernemen auch auß Hol - land / weil ohngefehr vor 4 Monten zu Delff ein beruͤmter liebhaber / von Schild vnnd Ma - lerey / auch andern frembden / vornemlich Jndianische sachen / gestorben / also hat sein nachge - lassene Witwe vnd Erben jederman durch ein Edict wissen lassen / daß sie auff 4. Martij negst kuͤnfftig alle Malerey vnd anders / so von oͤhlfarben auff Leinwad vnd Holtz gemacht / vnd gar kuͤnstlich sein / neben den Jndianischen sachen verkauffen wolle / welche nun lust darzu haben / sich alda zum Ochsenkopff finden lassen / vnnd werde obgemelte sachen vmb ein rechts gelt be - kommen. Auß Ambsterdam wird avisirt, das alda 7. Vbelthaͤter außgestrichen / gebrandmalt / vnd der Statt verwisen / auch folgenden tag einen gezuͤchtigten im Zuchthauß / wegen er sich nit bessern woͤllen / durch den Hencker die Augen außgestochen / wiewol er zum todt verdampt gewesen / vnd denselben wol verdient het / weil er aber ein Weißling war / haben die Weißmei - ster darfuͤr gebetten / in hoffnung / weil er nun Blind ist sich bessern soll. Weil die herrn von Zoppenbruch vnd Mildendung den streit zwischen den Furirern von Odenkirch vnnd Corß - wal nit vergleichen koͤnnen / ist endlich dahin kommen / das beide streidente Parteyen gehn Speyer ins Recht / vnd alda deß Ausspruchs erwarten. Jn vnsern Gaffels sachen ist nichts schließlichs vorgefallen / allein stehts kurtzlich an dem / daß sich vnsere herren in allen billichen sachen woͤllen finden lassen / verhoffen also das noch alles guͤtlich moͤcht accommodirt werden.

Auß Prag / vom 7. Dito.

Proposition so Kay: May: den Roͤmischen stenden am 31. Jenner dieses Jahr haben vortragen lasseu. 1. Stellen Kay: May: den stenden heim / das sie den Religions Artickul vor allen dingen beratschlagen / vnd im selben einig werden / vnd da jhre meinung jhrer May: vorgebracht / wollen sie dieselbige genugsam berahtschlagen / vnd sich aller gnedigst darauff re - solvirn. 2. begeren jre May: an die gehorsame Stende / zu abzahlung der auffgeloffenen Kriegs vnd andern vnkosten / ein ansehnliche Summa gelts / auff 5. Jahrlang. Daß auff je - des Maß Weitzen / Gersten vnd ander Bier zu den vorigen 6. Weißgroschen noch 2. moͤchten geschlagen werden. 4. Die Steur einnemer / sollen von den versessenen vnd außstendi - gem Bier gelt rechnung thun. 5. Wegen außstendiger Haußsteur soll die Execution ge -gen[30]gen die ungehorsamen ergehn. 6. Das Lehen zu Teggavv weil selbiges an der Pfaͤltzischen Graͤntz ligt / zuverhuͤten allerley infals / bemelten Lehens / soll ein Landrichter erwehlet / oder in berahtschlagung gezogen werden / ob diß Lehen in Pilßnerkreiß gehoͤrig / vnnd dahin geschlagen werden koͤnne. 7. Wegen der Wasserfloͤsung vom Wasser Werlitz biß an die Elbe / vnd dan ferner vnter Rutenberg zufuͤhren / weil die Trautenawische Waͤld gar außgehawen / bege - ren jre May zu dero verrichtung 10000. Gulden huͤlffe. 8. Wegen theurung deß Saltzes / weil jr May: geliebter herr Vetter Bischoff zu Bassaw / albereit mit dem Fuͤrsten in Bayern abgehandelt / daß das Saltz zu Baßaw nidergelegt / vnd von dannen in Boͤheim gefuͤhrt wer - den soll / woͤllen ir May: bemelte handlung vbersehen lassen / vnd dem Saltzmangel abhelffen 9. Demnach wegen erhebung der Bergwerck / außrottung der boͤsen Muͤntzen / erhal - tung der Grentzen / so wol anrichtung der Schiffahrt auff dem Wasser Molda. Jtem zuver - sehung der Privilegien, durch die Stende noch kein resolution erfolgt / als begeren jr May: das sie solches selbs vor die hand nemen wollen. 10. Jhre May begeren auch gnedigst / daß die Stende in gnugsamer berahtschlagung ziehen sollen / weil die Boͤheimische Grentzen / vor - nemlich Pfaltz / Sachsen vnd Bayern / nit wenig schaden zugefuͤgt worden / sonderlich denen zu Lauß wie solchem vorzukommen. 11. Zu erbawung vnd besserung deß Pragers schloß Kirchen vnd ander zugehoͤrde / begeren jr May: daß die Stende von jedem Vnderthanen 9. oder 10. Weißgroschen auch etwas von den jrigen Contribuiren sollen. Vor verlesung dieser Proposition ist etlich Landstenden vorgehalten worden / daß sie sich wider jre May: verbinden / dessen sie sich aber purgirt, vnnd ob wol vorgebracht / daß sich die Weisen der Religion halben vergleichen sollen / ist doch diß allein ein Jesuitisch griff / weil die Lutherische / Husitten Cal - vinisten / vnd Picarter nit in ein Horn blasen / doch ist man guter hoffnung / weil die gemeine Stend auff die Augspurgische Confeßion sehr tringen / vnnd ehe nicht Contribuiren wollen / es werde dann ein gut mittel getroffen / es haben gleichwol die Alt vnd klein staͤttner auff anstiff - ten eines Jesuiter von den Stenden sich abgesondert / doch aber wider zu jnen begeben. Das Graffen von Sultz gemahl / weil sie Evangelisch gewesen vnd also verschieden / haben die Geist - lichen nit wollen zur Kirchen leuten lassen / die soll taͤglich in jre Herschafft hinauff gefuͤhrt[werden]. / Jhre May: hat nach gethaner proposition den Stenden anzeigen lassen / sie sollen sich der Religion halben vergleichen / vnd hernach zu dero resolution vbergeben / alsdann die andern Artickel auch verhandelt werden / doch koͤnnen die Stende sich deßhalben nit wol vereinigen / da aber jhre May: die Religion zulest haben sich die Evangelischen erbotten / ausser der Ordi - narij Contribution noch etlich 1000 Thaler zuerlegen. Ertzhertzog Leopoldus so alher komen / hat fast taͤglich 2. mal bey jrer May: Audienz, sonst sind der Schlesischen Stende gesanten mit gutem Content abgereist / die Religion frey / vnd das ein Landt Fuͤrst vnd nit der Bischoff wie biß her geschehen / vber sie Guberniren solle / erhalten.

Ein andere vom 14. Februarij.

Mit vnserm Landtag ist es mit der gestalt beschaffen / das die Stende den Punctum Re - ligionis berahtschlagt / vnd denselben jrer May: vbergeben / darauff haben sie selbigen verschie - nen Mittwoch jre resolution den Stenden versigelt zustellen lassen / welche sie folgenden Don - nerstag geoͤffnet. Aber also befunden / daß sie keines wegs damit zufrieden sein koͤnnen oder woͤllen / die laut wie hernach folgt / die Roͤm: Kay. May: koͤnnen mit gutem gewissen in Reli -gions[31]gions sachen nichts newes bewilligen / sind auch dieser hoffnung es werden alle Stende dieses Koͤnigreichs nichts news begeren in Religions sachen / sondern bey den alten abrednussen / außgeschnittenen Zetteln / bestettigten gebraͤuchen vnd ordnung verbleiben lassen. Jre May: sind auch dieser meynung / das von dem Pragerischen Ertzbischoff die Priester vnter beyder gestalt / ohn verbuͤndnuß sollen geweihet werden / damit sie in solchem keinen mangel leiden / auch das die vnter zweyerley gestalt in Kirchen / deren so einerley sein / vornemlich daselbst / wo sie zusprach haben / jre verstorbne Leiber mit Glocken geleut zur Erden bestatten moͤgen / was die Picarder von der Bruͤderlichen einigkeit sich Jntiduliren belangt / ist beschlossen worden / das dieselben von jhrer Religions vbung / welches sie in den winckeln begehen / gantz vnnd gar ab - stehen / vnd entweder sich zu deren Sub una oder aber sub utraq schlagen sollen / und mit densel - ben Priestern in Kirchen gebreuchen / Ceremonien vereinigen / also haben jre May: auch diese resolution geben / sie lassens bey diesen zuvor außspruͤchen so geschehen vnd Kay: May: wider sie Picarder ergangenen befelchs also beruhen / weil dieser jr Gottesdienst im Koͤnigreich Boͤheim nit mals fuͤr lobwirdig erkant worden. Auff diese Resolution werden die Stende kuͤnfftigen Montag repliicren mit Protestation, da jnen wegen der Religion nit Satis faction geschicht / sie die Proposition nit vornemen noch was bewilligen / sonder wider davon ziehen woͤllen / sonst sind die Husitten auß der Alten Statt vnd kleinen seiten starck darwider / das man in den Pra - ger Staͤtten nit Teusch predigen solle / die in der newen Statt aber / werden mit soͤlchem Teut - schen Predigen wol zu frieden / vnd sollen die Stende / die hievor jhrer May. Schrifft vberge - ben haben / daß jhr May: die Religion in gemein also frey lassen woͤlle / das ein jeder / ja so gar ein Baursman / was er in seinem gewissen befinde / ohn einige Molestation glauben moͤge / ist aber wol zu erachten jre May: werden von der vorigen meinung nit weichen.

Auß Wien vom 6. Dito.

Der Mehrerischen stende abgesanden sind theils wider nach Horn verreist / vermoͤge deß außgesagten geleits vnd anstands auff 14. tag / der Evangelischen stende Außschutz herunder zubringen / wie dann in solcher zeit beiderseits nichts thaͤlichs solle vergenommen werden / im fall aber jetzt nichts verricht wird / sind die Mehrerische entschlossen jres Landshalben / ein Ge - neral defension auffzurichten / Herr Ferdinandt Collonisch so auffs Bapsts bezahlung 7. Fenlein Knecht werben sollen / hat noch wenig Knecht / dann alles den Stenden zu laufft / die sich dann stets stercken / Sonst wird alhie bey der Klagbrucken gegen dem Thor herauff ein Palama, wie auch beim roten thor auff den Pasteyen Wachtheuser / Soldaten darin zulegen / auffgericht / dessen die Burger sehr schwirig / vnd wirbt Graff Dompier noch stets außlendische Reutter. Die noch alhie liegende Mehrerische gesanden halten taͤglich bey jrem Landtshaupt - man an / wie auch die andern deputirten Raͤhte / ausser deß Graven von Fuͤrstenberg zusamen kunfft / Gott geb das was guts folg / dann die Pfaffen sich sehr befoͤrchten / da es angehe / sie am meisten treffen werde. Von deß Orators Leuten sollen 2. vnter einem tumult / so die Tuͤrcken deß Nachts in jhrem Losament angefangen vmbkommen sein / vnd hat sich Ertzhertzog Ma - ximilians verreissen verschoben / dann er vbel auff.

Auß[32]

Auß Rom / vom 31. Jenner.

Der Hertzog von Mondena hat beim Pabst erhalten / ein Monte von 200000 Kronen sibent halb per Cento vber die Lehen guͤtter im Ferarischen gebiet aufzubringen / mit welchem gelt er den versetzten Diamant vmb 100000 Kronen vom Hertzogen zu Mantua außloͤßen will / Mit einem Extra ordinari Curier auß Spania hat man die ankunfft der Flota Noua Spa: mit grosem reichthum / Es habe auch derselbe Koͤnig dem Hertzog von Montellione 20000 K: erlegen lassen / damit auff den Reichstag in Teuͤtschland znvereisen / der wahl eines Roͤmischen Koͤnigs bei zuwohnen / auß Franckreich wird vermeldt / es seye mit vergunst der selbe Koͤnigin zwischen dem Conte Fesco vnd der Hertzogin von Montpensier ein heyrat beschlossen worden / Auff absterben des Conte Octauii Taßoni Comendators zum H: Geist wirt ein Aptey in Calabria von 12000 Kronen einkommens / desgleichen auff des Cardinals Quenara Ertzbischoffs zu Geuillia ableiben / der beuelich eines Præsidenten selbigen Koͤnigreichs mit 100000 Kronen Jntrado / so dem Bischoff zu Valledodit des Koͤnigs vnd Duca di Lerma Beichtvatter solle einge - raumbt werden.

Auß Venedig / vom 6 Februa:

Brieff auß Meiland melden der Conte Fuentes habe dem Francisco de Auilo seinen Obristers Kaͤmerling die Posses der Marggraffschafft Vogera ein zuraumen verortnet / alda ist auch ein Frantzosischer gesandter angelangt der zeigt an / das der Hertzog von Mantua durch mittel des Koͤnigs in Franckreich vom Großtuͤrcken Paßporten erlangt nach Jerusalem vnd Heiligem Grab zureißen / deme ein Tuͤrckischer Chiaus zu seiner leibt Guardi solle zugeordnet werden /

Zu Florentz ist der Hertzog von Nevers sampt seinem Gemahl angelangt / welcher von dem Jungen Printzen vnd seinem Gemahl gantz stadtlich empfangen vnd in der alten Großher - tzogen Palazza einbekleit / jhme auch zu Eheren ein schoͤne Schiffart von 300 Barchen zuhal - etn vnd zusehen angestelt worden. Der Hertzog von Savoia hat dem Sign. Gioan Baptista Mari - ni Neapolitan: Ritters Orden von S Lazaro ertheilt. Von Genua wird vermelt / das man alda taͤglich der Spannischen Galleren mit der Barschafft erwarte / vnd hette nur an einer Stim jhm Raht gemangelt das die Jesuitter daselbst auch weren außgeschafft worden we - gen sie dahin getrachdet / wan sie einige ligende guͤtter erkaufften / sie keinen Nodarien hierin gebrauchen duͤrffen. Brieff auß Spania avisiren die wider ankunfft desselben Koͤnigs zu Madrill, der solle aber in einem Monat / mit seinem Jungen Printzen nach Arragona reisen / demselben solches Koͤnigreich huldigen zulassen / sonst ruͤste sich der Signor Vincencio Centurione, sehr starck auff den Fruͤling mit den Galleren wider die Coßaren auß zu lauffen.

Juͤngste briff auß Constandinopoli melden / das obwol Sultanus dem General Per Mare, sicher geleid geben / auch seine entschuldigung angehort / seie er doch hernach enthaupt vnd seine guͤ - der Conficirt worden. der Großtuͤrck hat auch auff einem geruͤst geschworen / eine Kriegs Ar - mada wider die Florentinische Berdonen ehist auß zuruͤsten / darzu bereid geosse Promißion ge - schicht / alda seint auch wegen des ankommenen General Veziers vnd das er Asia zu ruh bracht / beneben die Rebellen außgerot / groß Frewdenfest gehalden / auch der Friden zwischen dem Tuͤrcken vnd Koͤnig in Persia entlich beschlossen worden / welches der Persianer thun mussen / weiln der Roͤm: Keyser mit dem Tuͤrcken fried gemacht / der wird gleichwol von den Tartaren vnd Koͤnig zu Maior noch stets angefochden.

Auß[33]

Auß Wien / vom 4. Dito.

Demnach die Oestereichische zu Horn versamlede Stende vber den abermahlen ver - flossenen termin / alher zuerscheinen vnd Erbhuldigung zuleisten noch nit bedacht / sondern sich sowol als jhr Koͤn: May: mit Kriegsvolck vnd Monition, teglich stercken / vnd lautter ver - nehmen lassen / das sie vber das / so bereit geschehen / von jhrem billigen begeren keines wegs weiter weichen koͤnnen / vnd sich Ertzhetzog Maximilian deser handlung gahr entschlagen / als haben die Mehrerischen Land Officier, jhre abgesanden so wol zu Hornischen Lantstenden / als Koͤn: May: alher geschickt / sich in diese sache zulegen / ob doch zwischen beyden theilen Fried vnd Einigkeit erhalden werden moͤchte / wie sie dan verschine wochen zweymahl Audientz bey jhrer Koͤn: May: gehabt vnnd in der ersten deroselben vermeld / wie die von Horn von jhren Abgesanden klerlich wissen woͤllen / was sie sich uor huͤlff im fall der not / von jhnen zugetroͤsten hetten / auch sie des vor einem jahr mit jhnen auffgerichtet vertrags vnd vorstehender gefahr erinert / dahero sich dis wesen gahr nicht zu einem Friden / sondern vielmehr zu jhre May: vnd dero Lender hochschetlichen trenun ansehen lassen / welches dan mehr auß schlechdem mißver - stand / vnd eusserlichem schein in worden / als der Substanz selbst herfliessen / bitten derowegen sie wolten doch jhre Laͤnder / Vnderthanen / so wohl auch jhrer May: Hoheit vnd ansehen be - hertzigen / vnd die vor Augen schwebende gefahr zu welchem sie lenger nicht schweigen koͤnnen / verhuͤten. jn der andern haben sie jhre verrichdung bey den Hornischen Stenden Reveriert / das nemblich sie dieselben vber jhr vorgewend bedencken dahin behandelt / das auff gnaͤdigst ver - laubnus jhrer May: zuhinlegung des bewusten mißverstants gewisse Persohnen auß jhrem mittel schicken moͤgen doch mit dieser Condition vnd sicherm geleit das inner 14. Tagen zu bey - den theilen nichts thaͤtlichs vorgenommen werde da es aber beschehe / ohne jhre entgelt / sein auch die ob vnd vnder der Ens im geleit begriffen / vnnd jeder Religion halben gefangene Burger ledig lassen / beneben die Paͤß zu Wasser vnd Landt wider eoͤffnet werden sollen / weil dann die hoͤchste gefahr im verzug / also bitten sie gehorsamst / der Laͤnder vbergeben Jnterceßiones vnnd Memoralia dieser Laͤnder zum besten gnedigst zuersehen / vnd sich daruͤber zu resolviren, hierauff habe jhr May: den Mehrerischen Stenden vbergeben / welche dann jhr gesande wider nach Horn abgefertiget / guter hoffnung es werde noch alles zu einem guten Friden gelangen Von deß Tuͤrckischen Begs / so als ein Geisel alhie ligt Dienern / hat einer ein Soldaten / so alda die Wacht gehalten / allein vmb 12. Vngarisch Pfenning dahin gebracht / daß er Sodomitterey mit jhm getriben darauff der Tuͤrck mit 80 streichen gebruͤgelt / der Soldat aber lebendig ver - brent worden. Von Graͤtz wird geschrieben / deren alda ankommen Vngarischen Potschafft begeren / wegen der Kron Vngarn / das man die darzu gehorige Grentzen restituiren solle / ab - geschlagen worden / also wider nach Hauß verreist.

Ein andere vom 10. Dito

Den 6 diß sind die Mererischen Gesanden zu den Ostreichischen Stenden nach Horn mit einem sichern Gleit geschickt worden / dieselben zu einer weittern handlung zu erscheinen zube - wegen / wider hieher gelangt / die melden / daß bemelte Ostereichische Euangelische Stende vff kuͤnfftige wochen in zimlicher anzal mit gnugsamer volmacht hieher erscheinen werden / ob es nun eine vergleichung abgeben wird lehret zeit. Es werden alhie allerlei seltzamer Pasqaillengemacht34gemacht vnd außgesprengt / vnder solchen ist dieser tagen einer wider die herrn zu Wien her - fuͤr kommen / darauff sie starcke nachforschung gehabt / vnd gar viel verdaͤchtige Burgersleut auff das Rahthauß fordern / auß welchen sie einen alda in Arrest behalten / vnnd zween seiner diener ins gefengnis werffen lassen / da er sich nicht wider entschuldigen / ist zubesorgen er ein grosse Straff wird auß stehen muͤssen.

ENDE.

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[35]

8.

Zeitung auß Pruͤssel / vom 20. Februarij Anno 1609.

BErichte den Herrn hiemit / wie der Præsident Reichardot Marquis Spinola und Secreta - rius alhie zu jhrer Durchl: kommen / vnd wie vor gewiß gesagt wird / ein Treves auff 10. in 12 Jahrlang gemacht sey / Gott geb daß es wol gehalten werde / wirdt also nun ein newe reformation fuͤr die hand genommen werden / Got verleihe gute bezahlung / darneben ver - schienen 16. diß zu Hoff auff der Balgen durch jhrer Durchl: Trommeter außgeblasen / nach dem Schrifftlich angeschlagen vnd verbotten / das keine Lackeyen noch andere weder bey nacht oder tag / bey straff 100 streichen auff ein Esel gebunden gesetzt / kein Rappier / Dolchen / lange Messer tragen duͤrffen. Jtem es soll auch kein Herr weder klein noch grosser einige Buͤchsen oder Pistolen solche zeit tragen. Wer daruͤber thun wird soll in straff jhrer Durchl: vnnd deß Auditors Generals vngnade stehen. was nun solches bedeut ist vnbewust. Fuͤr 5. tagen ist allhie zwischen 2. Teutsche Herrn als dem Herrn Baron Dannenberger vnnd Rittmeister Golt - acker ein differenz entstanden / daß sie mit der Klingen einander vor die Pforten da man zu Schiff nach Andorff zufahren pflegt / gefordert / wacker auff einander gestochen / daß Dannen - berger den Goltacker in ein Arm verwund / darnach wider an einander gerahten / vnd so dapf - fer gebraucht / daß sie beyde in ein graben gefallen.

Auß dem Hag vom 20. Dito.

> Letste Brieff von Andorff avisiren, das der Koͤnig in Spannia willens sey / alles was jhr Durchl: Ertzhertzog Albertus wegen deß bestands beschliessen / ratificiren vnd bestetigen wolle / welches noch alhie schwerlich glaubt wird / weil andere aviso haben das jhre May: wegen der Navigation auff Jndien vnnd andere ort groß beschwernuß tragen. Die Herrn Staden ha - ben alle deputierte von den vnierten Stetten / vmb sich mit jnen / wegen deß kuͤnfftigen anstand zuberahtschlagen in dem Hag zuerscheinen beschrieben / darauß zu schliessen / das dieselben zum anstand noch geneigt sein.

Auß Ambsterdam vom 22. Dito.

Weil sich die Kauffleut wegen der 3. Steur von jeglichem 100. fl. an die newe Bancko zugeben beschwert / ist solches abgeschafft / vnnd ist mit der Bancko schon ein anfang gemacht. Vergangne wochen haben sich etlich 100. Bapistische auß dieser Statt vnd andern Stetten zu Woͤrden in Holland versamlet / vnnd daselbs in einem Hauß die Meß thun lassen / als der Oberste daselbst mit seinen Knechten darzu kommen / jhnen solches zuverbieten / haben sie jhn getrawet / er solle sich von dannen machen / oder wolten jhm Fuͤß machen / auch jhne Buͤchsen vnd Wehr genug sehen lassen / deßwegen er gezwungen / daß er weichen muͤssen. Wie nun sol - ches von den herrn Staden wird verstanden werden / hat man zu vernemen.

Auß Rom / vom 7. Februarij.

Der verstorbene Conte Octavo Tassone Commendator zum heiligen Geist / ist stattlich zur Erden bestattet / vnd der Signor Nicolo sein Vetter / zu seinem Erben eingesetzt / auch der Monsor Vlpio zum Ertzbischoff der Statt Chieti verordnet / sein Officium aber de abbreviatore dem Cira -co[36]co Rocci vmb 10700. Cronen verkaufft worden. Auß Neapoli hat man / daselbst werden taͤg - lich bey naͤchtlicher weil viel Personen erstochen / sonderlich habe ein junger Man von 24. Ja - ren in kurtzer zeit in 30. Personen / wie auch sein eigen Weib ein wunder schoͤne Fraw / in be - trachtung daß er kurtz sein leben enden werde / nur damit sie keinen andern freyete / entleibet / beneben dem Vicere selbst getrewet jhn vmbzubringen / wann er jhm die aufferlegte Schatzung nit nachlassen wuͤrde / der hat sich / als jn das Hoffgesind fangen wollen / zu wehr gestelt / dersel - ben 2. erschossen / vnd etliche beschediget / dann er stets 2. Pistolen bey sich getragen / aber auch daruͤber erstochen / durch die Statt geschleifft / vnd endlich auffgehenckt worden / es sind 8. vor - neme Persische Edelleut den Christen glauben anzunemen allher kommen / die haben dem Bapst die Fuͤß gekuͤst / der hat am Liechtmestag Persoͤhnlich seiner geistlichen vnd andern die Kertzen bey der Meß außgetheilt.

Auß Venedig / vom 13. Februa:

Der Hertzog von Nevers ist auff 28. Passato von Florentz mit seinem Hoffgesind nach Lorette, sein Gemahl aber nach Mantua gereist / daselbst jhres Gemahls zu erwarten / vnnd Faßnacht halten / dieser tagen ist ein gesander vom Koͤnig Matthias auß Wien hiedurch zum Bapst Paßirt, daselbst vmb gelthuͤlff anzuhalten / da er anderst wolle / daß er den Oesterreichi - schen Stenden die reformirte Religion nit zulassen wolle / sonst sey er getrungen / jhnen jhr bege - ren zu bewilligen. Demnach der Signor Casparo Cumani ein Paduaner mit dem Conte Alessan - dro Pompei lang Feindschafft gehabt / vnd niemahln auch von den Rahtsherrn selbsten / so sich darin gelegt haben / moͤgen verglichen werden also hat der / Cumani verschienen Montags mit 10. Soldaten / gedachten Pompei / welcher allein sampt seinem Sohn vnnd nur seiner Diener einer bey sich gehabt / im Campo de Maria formosa vberfallen / den Conte vnd seinen Sohn hart verwund / auch jren diener in ermelter Kirchen / darin sie sich Salviren wollen / gar vmbgebracht / der Cumani aber sampt seinem anhang vom gemeinen Volck so sich rottirt / verfolgt / vnd samt 4. seiner gesellen gefangen worden / denen wird es nit nach dem besten ergehn. Diesen abend hat man auß Florentz bey einem Extra ordinari Currier zeitung / derselbe großhertzog were auff 7 diß im 60. Jahr seines alters gestorben / der hat gleichwol hiebevor den Signor Johan de Me - dices zum Obersten Regenten seines Stado verordnet / vnnd durch dessen ableiben / fallen dem Bischoff von Vincenz 2500. Cronen heim / die er sonst het bezahlen muͤssen. Juͤngste Brieff auß Constantinopoli melden / die Spachien daselbst hetten sich wider den Teffierdar empoͤrt / die er doch hernach mit gewalt wider gestilt / sonst were auß befelch deß Sultans viel Haußhebiger Tuͤrcken von dannen in Natoliam alda zuwohnen gezogen / weil selbige ort von den Rebellen sehr verwuͤst / vnd deren vom General vber die 100000 vmbgebracht worden / auch daß das Land gleichsam oͤde steht / der Carenterogli so an jetzt deß Persianers Obrister / thut sich mit ei - ner grossen Summa Volcks auff den Tuͤrckischen Grentzen gegen Tartaria befinden / welcher mit den Tartarn bereit etliche Scharmuͤtzel gehalten / in denen dieselben allezeit den kuͤrtzern gezogen / dahero sie willens sich mit dem Persianer in einen Frieden einzulassen / welcher im Persianischen Arsenal eilends viel Galleren vnd Schiff zuruͤsten lasse.

Auß Wien / vom 12. Dito.

Von jedem theil der Evangelischen stende ob vnd vnder der Ens / sollen 8. Persohnenzu[37]zu kuͤnfftiger handlung auff genngsame versicherung den 16 diß alher kommen / welche dann zu Horn wider ein zusammenkunfft angestelt / die sehen / so wol der Koͤnig starck auffs Boͤhei - mischen Landtags außgang / sich darnach wissen zu richten / vnnd sonderlich die Stende jhre gesanden mit besserer Jnstruction hieher senden moͤgen / vnd ob wol man vermeint / Ertzhertzog Maximilian werde wider nach Jnßbrugk reisen / so sollen sie doch bey dieser Tractation vnd ver - gleichung deß Koͤnigs mit Kay: May: darin sich dann Ertzhertzog Leopold sehr bemuͤhet vnnd fast taͤglich Currir hieher vnd wider dahin postirt, beywohnen / jedertheil aber sich starck auff seinen Vortheil versihet / inmittelst wird stets Volck geworben / allein will der mangel Gelts jmmer groͤsser werden / wie man dann mit harter muͤhe das Lauffgelt zusamen gebracht / hie - zwischen muͤssen die Vnderthanen auff dem Land von diesem Kriegsvolck grossen vbertrang leiden / die 50000 Thaler so man an der Præsent noch nach Ofen restirt, ist man im werck sol - che bey den handelsleuten alhie auffzubringen wie sie dañ deß wegen zusamen gefordert wor - den / dann der Bassa zu Ofen will sonsten den Orater nicht herauff lassen.

Auß Prag vom 15. Februarij.

Koͤnig Matthias hat jrer Kay: May: zu entpieten lassen / im fall jhre May: sich nit mit jhm vergleich / er den Stenden jhr begeren einwilligen muͤsse / darauff sie geantwort / sie solches weiter berahtschlagen / auch Ertzhertzog Leopoldum / welcher wegen anstehenden Religion bißher alhie verharren muͤssen bald wider nach Wien senden / vnnd verlaut / daß jhr May: an denselben begeren / den Geistlichen stand vnd beyde seine Bisthumb zu resigniren, dahero zuer - achten / sie jhn sehr lieben / vnd gern zum Roͤmischen Koͤnig befuͤrdern wollen / so er aber demuͤ - tiglich abgeschlagen.

Auß Wien vom 14. Dito.

Seiter juͤngst ist alhie nichts sonders fuͤrgangen / allein daß jhr Koͤn: May: noch starck mit Kriegswerbung fortfahren / vnd wie man vermeint moͤcht bald was thaͤtlichs vorgenom - men werden / der Allmaͤchtig Gott woͤll es gnaͤdig verhuͤten.

So sagt man auch das vor etlichen Tagen bey Pottendorff nahent bey Ebenfort gele - gen zwischen dem von Koͤnigsberg vnd des Graven Domphiers Reuderei / solle ein Schar - muͤtzel vorgangen sein ob nun was daran vnd wer obgesiegt gibt zeit. Die Herren von Wien haben die jenigen Burger so sie wegen des wider sie gemachden Pasquils, im Rathaus Arristie - ren wider ledig gelassen / vnd ob woln ein grosse gelt straff von jhnen begert worden / hat man sie doch derselben / weilen der Thaͤter selbst nit gefunden / wider erlassen.

Auß Prag / vom 21. Dito.

Jhre Fuͤrstl. Durchl. Ertzhertzog Leopoldus sein noch alhie / die sollen auff kuͤnfftigen wochen wie man sagt sampt dem Graven von Sultz von jhrer Kay: May. wider nach Wien geschickt werden / die Boͤhemische Land Stende als der außschus seind noch alhie beysamen / die andern aber seind dieser Tagen voͤn hinnen hinweg vnd wider nach hauß gereist / die haben von jhrer Kay: May: auff jhr vbergebne Reblica noch kein Resolution erlangt / vnd wofern sie[38] nit balt ein gute Resolution bekommen werden / woͤllen sie auch vnverrichter sachen davonzihen / Vor 3. Tagen ist der Oberste von Altheimb von jhrer May: auff der post nach Wien geschickt worden / Nach Dreßden sollen auff die jtzige Fastnacht etlich vnd zweintzig Reichs Fuͤrsten zu - samen kommen / vnd sich miteinander / wie man sagt / wegen eines Roͤmischen Koͤnigs / vnd der Reichs noturfft halber zuberahtschlagen. Dise wochen ist ein Vngarischer Bischoff sampt dem Herrn Tozzi alher kommen / was aber seine verrichtung oder werbung / ist vnwissend. Herr Clessel ist auch dieser tagen alher gelangt / helt sich aber heimlich bey dem hiesigẽ Ertzbischoff auf / vor 6 oder 7. Tagen ist dem Herrn Lazarus Henckel dem juͤngern ein Eisener stock mit Gelt darin 6000. Thaler gewesen / so nach Nurnberg haben sollen gefuͤhrt werden / im Rock -〈…〉〈…〉 aner Wald 8. meil von hinnen / von 8. vermumbten Personen zu Roß genommen worden / vnd sind albereit von diesen Strassenraͤubern 2. alhie eingezogen worden / die wirdt man ehest mit der strengen frag Examiniren, wer jhr mitgesellen sein / Von etlichen Personen wirdt vor gewiß außgeben / daß sie Aviso haben / daß der Teuffel leidhafftig in Reuttersgestalt / in deß von Buchheims / so wol der Stende Quartiren mit einer Blawen vnnd andern Fahnen herumb reit / der fuͤhr seine Wacht ordentlich auff / jage die Soldaten vnder einander / das nicht genug darvon zuschreiben seye.

Auß Erfurdt vom 7. Februarij.

Heut nachmittag vmb 3 / Vhren / hat sich in vnser Statt Erfurt ein vnerhoͤrt vberauß groß Vngluͤck / welches mit Augen nit gnugsam kan beweint werden / deßgleichen auch nie gesche - hen / zugetragen vnd begeben weil Erfurdt gestanden / so nach folgender massen ergangen. Es hat ein Rothgerber auff dato sein Hochzeitmal in der Braut Hauß gehalten / als nun die er - bettenen Hochzeitgaͤst im besten essen / trincken vnnd froͤlichkeit waren / seind beede Stuben darin die Hochzeitleut gesessen / vber einander / vnd eingefallen / dadurch der Hochzeitgaͤst in 22. Personen jaͤmmerlich erschlagen / vnd also bald Todt geblieben / in 20. Personen auch jaͤm - merlich / deren theils beede Schenckel vnd Arm / theis ein Schenckel vnd Arm / etliche sonsten am Leib jaͤmmerlich zerknitscht vnd beschediget worden / vnd also ein jaͤmmerlicher Spectackel gewesen / es ist die Braut tod blieben / der Breutigam aber ist davon kom̃en / vnder den Todten sind auch etliche Rahtsherren gewesen / man hat ein gantze nacht gearbeit / ehe man sie alle hat koͤnnen herfuͤr bringen / dahero etliche im Staub vnnd anderm Vnraht ersticken muͤßen / die vielleicht sonst davon hetten koͤnnen kommen. Der trew barmhertzige Gott woͤlle vns vnnd maͤnniglich fuͤr solchem jaͤmmerlichen vnfall ferner Vaͤtterlich behuͤten vnd bewaren.

ENDE.

[39]

9.

Zeitung auß Coͤln / vom 5. Matij. Anno 1609.

AUs Andorff wird geschrieben / das endlich am Brusselischen Hoff bescheidt auß Hi - spania kommen sey / daß der Koͤnig der Staden begeren / worauff der bestandt vnnd treves von 12 Jahren getroffen werden soll / bewilliget hab / ausserhalb wenig puncten darin etwas schweres vorgefallen / doch vermeint man dasselbe mit allem ernst / damit der be - stand nit zu ruck gehe vnd verbleibe / solle vollents verglichen werden / davon wir negst mehrer vmbstend gewertig. Weil es nun darauff beruhet / das beide parteyen auff jhre gefahr nach Jndien fahren muͤssen / so werden in kurtzem 12. wol außgeruͤster Schiff wegen der Herrn Staden / vnd 8. im namen der Compagnia nach OstJndien segeln vnd fahren.

Auß Franckreich wird vermelt / daß selbiger Koͤnig seinen Ampassator Monsor Jennius eilends aus den Niderlanden nach Hoff beruffen haben soll vnnd sich mit demselben vber ein schreiben / so jhr May: vom Koͤnig in Engelland bekommen / zuberahtschlagen / vnd gieng das geschrey daselbst / als wan jhre May: die Waffen widerumb annemen wolle. Auß Holland wird Avisirt, das am 19 passato daselbst vnd in den Niderlanden ein grosse erhebung vnnd in - nudation des Meers gewesen seye / also daß die Statt Harlem gantz vnnd gar im Wasser gestanden. Die Stadischen so vergangene wochen hinauff gezogen / haben wie man sagt / daß Hauß Passenheim offen vnd niemand drin gefunden / weil die darauff gelegene mit allem wz sie weg bringen koͤnnen / bey zeit sich davon gemacht / vnd sind gemelte Stadische also wider zu ruck gezogen vnd herumb geschweifft. Der Herr Corßwal ist endlich mit seiner Haußfraw vnd Gesind vom Schloß Rheit abgewichen / vnd dem von Odenkirchen mit der Fraw Mut - ter vnd den seinigen alda lassen muͤssen / damit er vbel zufrieden / deßwegen gemelter von Oden kirchen die Besatzung mehr versterckt vnd befohlen / ob er wider kaͤme / nit hinein zulassen / wie diß ablauffen wirt / gibt zeit.

Auß Rom / vom 14. Februarij.

Sambstags ist ein Currir vom Koͤnig Matthias auß Wien alher kommen / beim Bapst vmb Gelt anzuhalten / darauff derselbe alsbald etliche Staffeta an seinen Nunctium vnd Kay: May: daß sich dieselbe mit dero herrn Bruder vergleichen sollen / abgefertigt. Alhie ist der Signor Paulus Anthonius Lalia gestorben vnd seinem Sohn so noch nit 25 jar alt 400000. Cronen verlassen / deßwegen auch seine handlung / so er zu Venedig gehabt / eingezogen / vnd die barschafft an ligende Guͤter im Kirchen gebiet verwendet werden. Auß Florentz hat man Confirmation desselben Großhertzogen / auch des Ertzbischoffs von Auignona vnnd Bischoffs di Pessaro ableiben / sonst lasse sich der junge Hertzog albereit also tituliren, Cosmus Medices diß Na - men der 4. vnnd Großhertzog in Toscana, deßwegen auch den Marchese Saluiati außgesand / die Posses vor jhn in seinem gantzen Stado anzunemen. Auß Franckreich haben wir / daß sich sel - biger Daulphino vnter vielen Fuͤrsten vnd Herren offt sehen lasse / vnnd sich in allen Ritters -spielen[40]spielen uͤbe / daselbsten habe des Duca di Vienna Sohn einem Parisischen Edelman Pastonate geben lassen / deßwegen er jhm einen Kampff angebotten / so aber vermitten blieben / weil jhre. May: willens solches zuvergleichen.

Auß Venedig / vom 20. Februa:

Es sind 2 Barbarische Galliotten / so die Jnsul Corsica angefochten / zu grund gangen / und 25. Tuͤrcken von denselben Voͤlckern gefangen worden. Auß Placenz hat man / daß die Genuesischen Handelsleuth vor den Koͤnig in Spannia 750000. Cronen inner 5. Mona - ten / nach den Niderlanden zu wexeln vbergenommen / deßgleichen haben die Signori Fieschi vñ Justiniani auch 400000 Cronen nach Flandern zuwexeln sich erbotten / sonst sind 700000. Cronen auß Spannia zu Genua ankommen / davon sollen 600000. Cron ins Castel zu Maylandt gelegt / vnd der Rest vnter die particular Persohnen außgetheilt werden. Weil der jung Großhertzog von Florentz erst 19 Jahr alt / solle der Cardinal del monte neben der alten Hertzogin / biß er 25 Jahr erreicht / das Land Guberniren / vnd solle der verstorbene Großhertzog vor seinem ende / wegen deß steten vntauwens nicht haben Communicieren koͤnnen. Mit - wochs abends sein auff S Marx platz viel Haͤuser vnd Laͤden abgebronnen / vnnd lest sich an - sehen / als wann die Schweitzer wegen der Religion einander bekriegen wollen. Brieff auß Constantinopoli melden / der primo Vezier habe Sultanum ermahnt / ein grosse Armada zu zu - ruͤsten / etliche Principal zu straffen / welche vor diesem mit den Rebellen gute Correspondenz gehabt. Die Spachien vnd Janitscharen haben den Teffter dar Bassa, so die Rebellen bekriegt / wegen boͤser bezahlung vor dem Sultano verklagt / sein Hauß geplundert / vnd jhne / da er sich mit seiner Guardia nit ins Schloß salvirt, gar vmbbringen wollen.

Auß Wien / vom 20. Dito.

Ob wol man vermeint / der Stende abgesanden wuͤrden diser tagen mit aller vollmacht alher kommen sein / so sind sie doch erst auff 16. diß zu Horn zusammen kommen / vnd wie man alhier außgibt / sollen dieselben erst auff 28. diß jhr gesanden alher senden / welches allein dahin angesehen / im fall den Boͤheimischen Stenden die Religion frey gelassen wuͤrde / sie verhofften daß sie jhnen auch hernach huͤlff thun solten / doch ist man guter hoffnung / das an jtzt ein gewis - se vergleichung geschehen werde / wo nicht / so doͤrfft letzlich ein groß Blutvergiessen darauß ent - stehen. Ertzhertzog Maximilian hat dieser tagen wider nach Tyrol verreisen wollen / so aber wegen eines von Prag alher kommenden Currirs / welcher alsbald wider dahin abgefertiget / eingestelt worden / biß derselbe wider anhero gelangen wird. Montags ist nahent beym Peyler Thor ein Brunst in einem Rauchfang oder Schornstein so starck erstandẽ / das man bey S: Steffan / vnd S. Peter viel mahl die Glocken angeschlagen / vnd ob wol dieses bald gedempfft worden / ist doch jhrer May: Cammer Furrier herrn Saltzners Haußfraw darob so hart er - schrocken / daß sie in ein Gicht gefallen / vnnd alsbald gestorben / auch ein Perlen Kraͤmer / so seinem Nachbarn zu huͤlff zugelauffen / vber ein Gang zu Todt gefallen.

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Ein andere Auß Wien vom 20. Febr.

Ob wol man der Euangelischen Stendt alhero gewerdig gewest welches aber wie man an - heuͤt außgibt wegen der Clessel die ob der Ens ausschliessen wellen / hat es die Maͤrherische St - endt nit wenig verdrossen vnd wider eingestelt worden.

Herr Ferdinand von Collonitsch hat seine 7 Fendlen fußvolck wie auch herr Graff Dom - puͤer seine 500 Wallonen darunder Ratzen v Hungaren wie auch Polen zusamen gebracht / thun hierum dem Armen Mann grossen vberlast / Herr von Kaͤnigsperg welcher auff der Euangelischen seiten vnder Jhme ein Regiment Knecht / auch 500 Pferdt fiert / ist willens dieweil an ietzo gemeltes Koͤnigisch Kriegsvolck auff sein dessẽ von Kaͤnigsperg guͤetter geruckt sich auff dieselben zubegeben / vnd wie heuͤt von oͤdenburg geschriben wirt / solle der arme Man. alles in die Stedt vnd Schlesser fuͤhren.

Auß Prag vom 23. Februarij.

Ertzhertzog Leopoldus hat taͤglich verhofft von jhrer May: mit gutem bescheidt der Oe - stereichischen Landen halben an Koͤnig Matthias abgefertigt zu werden / wie dann Kay: May. derowegen ergehen zulassen bedacht gewest / wo nit andere widerwertige sachen sie davon ab - gehalten. Sonst haben dieselben den Boͤheimischen Landstenden jhr Consistorium gnedigst bewilligt / im fall sie erweisen / das sie solches vor diesem gerechter weiß auch vnter sich gehabt / daruͤber sie sehr schwirig worden / vnd gleich darauff ein ander replicktschrifft vbergeben. Der Clessel hat dieser tagen bey jhrer May: vnd Ertzhertzog Leopoldo Audienz gehabt / sein vorbrin - gen aber ist noch gar in geheimb.

Diese wochen ist alhie auf der kleinen seiten in des Melchers Pex hauß durch verwarlosung der Gutscher ein Prunst in einem stall Morgens vmb 8 uhren außkomen / darbey sich ein star - cker wind erhebt / daran man bis 2 vhren nachmittags gelest / vnd gemeltes Hauß was von. Holtz gewest alles abgebronnen.

ENDE.

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10.

Zeitung auß Coͤln / vom 12. Martij. Anno 1609.

LEtste Brieff auß Andorff melden / das in dem bestand noch nichts gewisses beschlos - sen seye / dieweil man der herrn Staden Deputirten zuvor erwartet / nach dem aber die herrn Staden vernemen / daß der Koͤnig von Spania jhre Deputirten wegen deß be - stands wie er vor diesem von Brussel gemeld / nicht allerdings erheblich vnd gut sey / dann der Koͤnig seine Protestationes, die Niderland nit ewiglich renuncieren, sondern so lang der Still - stand / es were gleich 12. oder 15. Jahr / frey erkenen will / wann diesem also / moͤchte der Treves den Krebsgang gewinnen / das Stadische Kriegsvolck hat vergangen wochen diser orten dem Land vñ wandersleuten mit pluͤndern vñ Brandschatzung grossen schaden gethan / auch etlich Karren mit Seiden wahren welche hiesigen Kauffleuten gehoͤrig / vnd nach Braband haben sollen gefuͤhrt werden / nahend bey hiesiger Statt angesprengt / die Karren auffgeschlagen vnd die wahr mit sich genommen / vnnd davon gezogen. Vor wenig