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1.

[1. Vorlesung, 03.11.1827]

Die phyſikaliſche Geographie von Herrn Alexander v. Humboldt, vorgetragen im Semeſtre 1827 / 28.

Meine hochzuverehrenden Herren! Das Unter - nehmen einer Vorleſung über die phyſikaliſche Ge - ographie, erregt bei mir zwei Beſorgniſſe, über dieich zuvor mich auszuſprechen mich verpflichtet halte. Die eine läßt mich befürchten, daß die Abweſenheit von hier ſo vieler Jahre, wo ich in andern Ländern lebte, und fremde Sprachen redete, meinem Vaterlande mich fremd machte, und ein anderer Accent vielleicht meiner Sprache nun nicht die Deutlichkeit giebt, die S[?]ie wohl von mir fordern könnten. Auch daß ich zum erſten Male jetzt den Lehrſtuhl beſteige, läßt mich von der hochverehrten Verſamme[?]lung, Nachſicht über die Mängel meines Vor - trags hoffen. Eine zweite Beſorgniß liegt darin, daß die Gegenſtände dieſer Vorleſung ſchon von zwei ver - dienten Männern auf dieſer Univerſität vorgetragen wurden, indem der hochverdienteHerrProf. Ritter, mir ſchon2. voranging, und ein anderer bekannter Gelehrter, wenn auch nur mit theilweiſem Beifalle, doch mit einer glänzen - den Rednergabe, gleiche Gegenſtände zum Vortrag wählte; Verhältniſſe, welche die Schwierigkeiten für mich ſteigern. Nicht minder liegt der phyſikaliſchen Geographie ein ſo viel umfaſſendes Sein zum Grunde, daß ich bei der beſchränkten Zeit nur vorläufig eine allgemeine Ueberſicht geben kann. Jedoch werde ich ſpäter dieſe Wiſſenſchaft näher begrenzen, ſo wie auch die verſchiedenen Erſcheinungen, die wir bei derſelben wahr - nehmen, unterſuchten.

Wenn wir einen Blick auf das Weltſyſtem werfen, ſo ſehen wir, wie in den entfernten Räumen die Materie entweder in große Kugeln geballt, oder im Lichtproceß begriffen, oder in Dunſtform ausge - breitet liegen. Solcher Nebelflecke welche ſichelförmig beſonders nach dem ſüdlichen Pole zu zerſtreuet liegen, giebt es wohl an 3000. Dieſe ſind vorzugsweiſe durch Herſchel's und Frauenhofer's Fernröhre beobachtet; dem ungeachtet konnten ihre Grenzen oft nur unbeſtimmt angegeben werden, da einige ſich faſt nur ahnden laſſen. Einige Sterne finden ſich im Wechſelproceß mit den ſie umgebenden Nebeln, in welchen ſie zu ſchweben ſcheinen, und die wohl das farbige Licht veranlaſſen, welches ſie vor3. andern auszeichnet. Einen Begriff ihrer großen Ent - fernung giebt, daß ihr Licht um zu uns zu kommen die Zeit von 20 25,000 Jahre nöthig hat, da das der Sonne in Minuten uns erreicht. Ob wir in irgend einer Verbindung mit jenen entfernten Räumen ſtehen, ob die Syſteme jener Weltkörper ſich dem unſrigen durch Planeten nähern, wird die Folge lehren.

In dem großen Weltraume ſind ſchon gegen 700 Doppel - ſterne entdeckt, und man hat gefunden, daß die mit einem farbigen Lichte ſich um die drehen, die daſſelbe entbehren und zwar von Oſten nach Weſten. In unſerm Planetenſyſtem hat nur ein Trabant des Mars ein ſolches farbiges Licht, welches zu erkennen iſt, wenn er die Sonnenſcheibe paſſiert. Auſſer dieſen zeigen ſich auch noch einige andere wandel - bare oder veränderliche Sterne, wie z. B. in der Caſſio - peia ſich einer findet.

Wären die Sterne überall gleich verbreitet, ſo würden alle Himmelsräume mit einem ſonnenähnlichen Glanze er - hellt ſein, und wäre unſere Sternſchicht gleich weit von uns entfernt, müßte ſie einen hellglänzenden Teppich bilden, wie ſchon Olbersfrüher bemerkt hat. Aber die Sternſchichten dichter und dünner gewebt, müſſen daher auch einen verſchiedenen Lichtglanz verbreiten, der dem aufmerk - ſamen Beobachter nicht entgehen wird. Durch dieſe ungleiche Vertheilung der Sterne entſtehen die ſchwarzen Flecken,4. wie ich mehrere am ſüdlichen Himmel, beobachtete. Es ſind wahrſcheinlich ins Unendliche fortlaufende leere Räume, die nicht von Sternen erhellt ſind. Bei der groſſen Zahl der Sterne und ihrem oft ſtarken Glanze müſſten eben dennoch jene Himmelsräume hell erſcheinen, wenn ſie nicht mit einer Licht tödtenden Materie gehüllt wären.

Unſer Planetenſyſtem gehört zu der Sternſchicht, die wir Milchſtraſſe nennen, und ſcheint an der Theilung derſelben ſeine Stelle zu haben. Wir können aber nur die Axe dieſer Sternſchicht ſehen, weshalb die Sterne derſelben, ſo gedrängt beiſammen zuſtehen ſcheinen. Die Ent - deckungen von Frauenhoferhaben ergeben, daß die zu ihr gehörigen Weltkörper Aehnlichkeit des Lichtes von ſich geben; dieſe Sternſchicht iſt aber im Auflöſen be - griffen. Die eigentliche Bewegung der Fixſterne iſt nur ſcheinbar.

Zwei weſentliche Unterſchiede der Weltkörper unſers Sonnenſyſtems ſind die, daß welche immer in einer faſt cirkelförmigen Annäherung zur Sonne bleiben, andere da - gegen ſich oft weit von ihr entfernen. Dieſe ſind die Cometen, jene aber die Planeten. Ein Uebergang zwiſchen beiden findet nicht ſtatt, wie einige aus den Ringen und der mehr geſtreckten Bahn der kleinere Pla - neten folgern wollten. Die Planeten unſers Syſtems werden aber von den kleinern, zwiſchen Jupiter und Mars5. ſtehenden in 2 beſondern Abtheilungen getheilt, und die ſich auſſer ihrer Kleinheit auch durch ihre ſich durchſchneidende Bahnen auszeichnen. Erſt in neuern Zeiten wurden ſie entdeckt und ſind die Veſta, Ceres, Pallas und Juno. Dieſe, ſowie die welche auſſerhalb ihrer Bahn ſich bewegen: der Jupiter, Saturn und Uranus ſind den Polen zu ſtark abgeplattet, und haben eine nur dünne Rinde die dem Fichten - holze uns der Naphtha an Feſtigkeit gleich kömmt. Der Uranus iſt dichter wie Saturn. Ihr Unterſchied verhält ſich wie Naphtha zu Waſſer. Die andern Planeten dagegen, die innerhalb der Bahnen der kleinern Planeten ſich drehen, zeichnen ſich aus durch weit größere Dichtigkeit, die der von Platina und Magneteiſenſtein gleich kommt, und weniger an den Polen abgeflacht ſind, wohin auſſer un - ſerer Erde, Mars, Venus und Mercur gehören.

Auſſer dieſen wenigen Planeten gehören zu unſerm Sonnenſyſtem eine große Anzahl von Cometen, deren man ſchon gegen 400 beobachtet hat, und es iſt wahrſchein - lich daß mehrere 1000 dazu gehören. Sie ſind weit weniger dicht wie die Planeten, da der dichteſte Comet kaum 1 / 5000 Theil von der unſerer Erde enthält. Herr Enkehat das Verdienſt, zuerſt beobachtet zu haben, daß einer regel - mäſſig in Jahren zurückkehrt, und fand, daß es ſeine Bahn nicht weiter wie Mars von der Sonne entfernt, und6. ihre nicht näher als zum Mercur ausdehnt. Er iſt ſchon 5 mal beobachtet, und hat den Namen, der Enkſche Comet erhalten. Nach ihm hat der Hr. Hauptmann Bielabei einem andern die Entdeckung gemacht, daß er in Jahren ſeinen Lauf vollbringt. So ſind nun ſchon 2 Cometen be - kannt, die ſich nicht aus unſerm Planetenſyſtem entfernen. Der Bielaſche Comet iſt derjenige, welcher ſeine Bahn der Erde am nächſten hat, und wohl mit ihr in Berührung kommen könnte. Daß er aber wenig zerſtöhrende Eigen - ſchaften beſitzt, beweiſt, daß er zwiſchen den Uranus und ſeinen Trabanten hindurchging, ohne daß ſich eine Veränderung darnach wahrnehmen lieſs. Die unver - änderte Fortdauer der Stabilität dieſes Planetenſy - ſtems läßt ſich beweiſen, und kann nur durch einen Stoß von auſſen zerſtört werden.

Einen Begrif von der auſſerordentlichen Größe des Weltraumes, giebt ſchon der Durchmeſſer unſers Sonnen - ſyſtems; welcher 86 tauſend millionen Meilen beträgt, und dieſe Entfernung verhält ſich zu dem Abſtande des letzten Nebelfleckes von der Sonne, wie eine Linie zu Meilen. Ueber die Beſchaffenheit jener Welt - körper wiſſen wir nun wenig, doch laſſen die Aerolithen muthmaſſen, daß ſie von jenen zu uns geführt ſind, und dieſe haben nahe Verwandſchaft mit unſern Gebirgsarten.

7.

Wie die Geognoſie durch das Studium der Verſteine - rungen aufgeklärt iſt, ſo hat ſich die phyſik. Geographie durch das Studium der Optic erweitert.

Bis hierher geht die phyſikal. Aſtronomie, und wir kommen nun zu unſern Planeten, deſſen Form, Dichtig - keit, Maſſe und Größe wir zuerſt betrachten wollen.

Die Form der Erde wurde ſchon von Ariſtotelesnach den Mondfinſterniſſen genau angegeben, und man nahm bisher ihre Abplattung zu 1 / 305 Theil an. Neuere Pendel - verſuche im ſüdlichen Afrika, der Spitze Grönlands und Spitzbergen, ſowie die genauere Berechnung des Mondes haben dieſelbe zu 1 / 389 Theil ergeben.

Die Dichtigkeit iſt wahrſcheinlich dieſelbe, welche die andern Planeten innerhalb dem Kreiſe der kleinern haben, nach der Attraction der Berge gemeſſen beträgt ſie 4 3 / 10 () Innere Verſuche ſtellen ſolche zu 4 4 / 10. Dieſe Dichtigkeit nimmt im Innern der Erde immer zu, und der höchſte Grad derſelben, muß nach den Geſetzen der Attraction im Mittelpunct der Erde ſein. Auch muß ſich die innere Dichtigkeit durch den Druck der Schichten aufeinander ver - ſtärken. Auch giebt die Stabilität der Meere einen ſichern Beweis von der innern Dichtigkeit der Erde, da ſie ſonſt durch den Druck der Schichten aus ihren Tiefen gedrängt würden.

Die Erdwärme ſcheint aus den durch die Sonnenſtrahlen aufgeregte, magnetiſchen Kräfte hervorzugehen. Denn8. der Einfluß der Sonnenſtrahlen auf die electriſche Spannung iſt ſo groß, daß man unmagnetiſches Eiſen dadurch magnetiſiren kann. Neuere Beobachtungen in der Tiefe der Erde haben gezeigt, daß die Temperatur in derſelben zunimmt. Die äuſſere Rinde der Erde giebt uns die Gebirgskunde, wir kennen aber die Erde nur in einer Tiefe von 900′.

[2. Vorlesung, 07.11.1827]

Wäre unſer Erdkörper aus einer Maſſe gebildet ſo würde er dem Mineralogen kein Intereſſe gewähren; aber die einzelnen Materien bilden unendlich Aſſociationen unſerer Erdrinde, worauf jedoch die climatiſchen Verhält - niſſe keinen Einfluß zeigen.

Je tiefer wir in die Erde eindringen, finden wir daß die Wärme in derſelben beträchtlich zu nimmt. Quellen die tief aus den Erde hervorkommen, ſind weit wärmer als diejenigen, welche einen weniger tiefen Urſprung haben. Die tiefſten Gruben auf den Gebirgen von Peru, wo die mittlere Temperatur etwa 6 7°+ iſt, haben eine gleichmäſſige Temperatur von 26 27°+. Ja man glaubt, daß meilenweit inmInnern der Erde eingedrungen eine ſolche Hitze ſei, daß die äuſſern Schichten daſelbſt ſchmelzen würden, und eine Folge dieſer innern Hitze ſind die heiſſen Quellen und vulkaniſchen Erſcheinungen, von denen es zweierlei Arten giebt, wie ſie der verdiente Geognoſt9. Herr. L. von Bucheingetheilt hat.

Die Erdwärme als die Urſache innerer Wärmeausſtrö - mungen anzunehmen, iſt eine Anſicht eigener Art, die näher zu unterſuchen iſt, da ſie wohl durch gewaltſame Spaltungen des Innern der Erde die ſich wieder ſchlieſſen, hervorbrechen kann. Das Innere der Erde könnte an Wärmeab - oder zunehmen, ſo würde die äuſſere Temperatur derſelben dennoch in 4000 Jahren ſich gleich bleiben.

Die bleibenden Vulkane ſtehen in einem fortwährenden Zuſammenhange mit der Atmosphäre und ſtrömen nur Wärme aus. Die temporären dagegen werfen nur periodiſch ſteinige und erdige Maſſen aus, heben große Maſſen aus dem Innern der Erde hervor, und bilden ſo nicht ſelten neue Berge und Inſeln.

Die bleibenden Vulkane haben eigenthümliche abge -[flachte] Formen, und bilden bei den ſie umgebenden Ge - birgsarten das Dichte ins Körnige um. So ſieht man in der neuern Lage ältere Baſaltſyſteme und Granit.

Wenn wir die Schichten der Erde von oben anfangen, ſo finden wir 4 Schichtungen. 1. Eine aufgeſchwämmte lockere Erdmaſſe, mit Waſſer und Knochen von Thieren jetziger und früherer Zeiten vermiſcht, welche letztern oft von einer rieſenhaften Geſtalt ſind. 2. Dann kom - men die Schichten von Kalkſtein abwechſelnd mit Sandſtein10. vermiſcht, in denen ſich häufig thieriſche Spuren finden, auch ſind nicht ſelten Lagerungen von Vegetabilien ebenſo Steinkohlen darin. 3. Thonſchiefer, alter Sandſtein ohne thieriſche Spuren, und ſchwarzbrauner alter Kalkſtein, unter denen Lagerungen von monocotyledoniſchen Stämmen, als Gräſer, Bambus, Farrnkräuter und Palmen, auch wenige Spuren von kleinen Thiermuſcheln ſich finden. 4. Granit, Gneis, Serpetinſtein, Glimmerſchiefer, Baſalt und Chlorit, die beiden letztern aus der Tiefe oft zapfenförmig hervor - ſtehen.

Dieſe letzten körnigen Gruppen hat man Urgebirge genannt, vorausgeſetzt daß das untere älter ſei. Auf - fallend iſt es daß ſich im Granit und Gneiſs das körnige Gefüge wiederfindet, welches wir bei den Gebirgsarten in der Nähe der Vulkane wahrnehmen. Es iſt eine ſonder - bare Erſcheinung, daß man in den älteſten Gebirgen die älteſten Spuren des vegetabiliſchen Lebens und nur von Monocotyledonen findet; dagegen zwiſchen den Uebergangs - und Flözgebirgen ſich eine groſſe Schicht von Vegetabilien mit Waldungen untermiſcht vorfinden.

Eine zweite Zerſtörung der Wälder ſehen wir auf unſe - rer Erde in den Schichten von Steinkohlen, davon einige ſich in einer Höhe von 15 16,000′ über dem Meere vorfinden.

[3. Vorlesung, 10.11.1827]

Die verſchiedenartigen Verhältniſſe der Gebirgsarten auf der Oberfläche der Erde veranlaſſen die Unebenheiten11. derſelben. Ihre Heterogenität iſt entweder mechaniſch oder chemiſch. Mechaniſch iſt ſie, wo nur die Geſtalt, nicht die Beſtandtheile eine Abänderung erlitten, wie bei den Gebirgsarten, die aus dem dichten ins körnige Geſtein übergingen. Die chemiſchen Heterogenen der Erde finden ſich theils einfach in Schichten gelagert, theils durch die[Aſſociation] der Theile in Maſſen zuſammengeſetzt, wie z. B. bei dem Granit und Gneuſs. Dieſe chemiſche Zu - ſammenſetzungen ſind ſich immer conſtant, und finden ſich in den entfernteſten Theilen der Erde wieder.

Die Gebirgsarten vereinigen ſich wieder in Gruppen, die wir Formationen nennen. Wernerhat das groſſe Verdienſt die[Aſſociationen] zuerſt bewieſen zu haben, und daß Dinge ſich zuſammengebildet hätten, die heterogen ſcheinen. Eine der wichtigſten Entdeckungen iſt aber das Beiſammenſein der Gebirgsarten in Gruppen, ſo daß ſich von einer immer auf das Daſein anderer ſchlieſſen läßt. Baſalt, Granit und Mandelſtein finden wir ſo immer vereinigt. Steinkohlen ſind immer von Quarz und Porphyr begleitet.

Man findet die verſchiedenſten[Aſſociationen]neben - unduntereinander. Die Gruppen der Gebirge folgen peri - odiſch hinter einander. Das Problem der Geognoſie iſt eine Reihe, worin die Gebirgsarten die einzelnen Glieder12. ausmachen. Man findet dieſe Reihen in einer arithmeti - ſchen oder unterbrochenen Folge.

Die heterogenen Stoffe der ganzen Erde kommen zu Gebirgsketten aneinander gereiht in 3 verſchiedene Klaſſen vor. 1. Die Schichten ſind plattenförmig auf einander gelagert, mit verſteinerten Thieren häufig ge - miſcht; dies iſt das Flözgebirge, das man auch Vertical - gebirge nennt. 2. die fragmentariſche Formation, die von Zerſtörungen zeigt, und oft aus Bruchſtücken ver - ſchiedener Gebirgsarten zuſammengeſetzt iſt, wie Sand - ſtein, Thonſchiefer etc. 3. Aus körnigen Gebirgsarten gebildet, wie Granit, der groſſe Brocken bildet, oder Porphyr, der wie der Chimboraſſo ſich kegelförmig erhebt. Mit Quarzporphyr ſtehen Steinkohlen in Verbindung. In ganzen Erdſtrichen ſehen wir dieſe oder jene Klaſſe oft ganz fehlen. Ganze Eilande ſind durch die Mollusken aus Corallen gebildet, wie mehrere Inſeln der Antillen die Columbuswegen ihrer Fruchtbarkeit die Gärten des Königs und der Königin nannte. In dem weiten Land - ſtriche zwiſchen dem Orinoco und dem Amazonenſtrom fehlen die Flözgebirge ganz.

In den Uebergangsformationen erkennen wir das erſte Aufkeimen der Vegetation auf zweiſchaligen See - thieren gelagert. Dieſe beſteht wie ſchon erwähnt iſt13. aus einer dünnen Steinkohlenſchicht von Monocotyledoniſchen Stämmen. Höher finden ſich Lagerungen von Waldungen, dann kommen rieſenmäſſige Eidexen, groſſe Schildkröten. Mehr der Oberfläche zu, zeigen ſich Ueberreſte groſſer See - und Landthiere, und zuletzt Vögelknochen.

Zwiſchen dem Tertiären - und dem Flözgebirge finden wir eine zweite Schicht Steinkohlen, die aus dicotyledoniſchen Waldungen entſtand, und neuern Urſprung iſt als die früher genannte. Beide Steinkohlenlagerungen bilden geognoſtiſche Horizonte, die man überall wieder findet.

Lange glaubte man daß die tiefer liegenden Gebirgs - arten älter ſein müſſten, als die welche das Uebergangs - und Flözgebirge bilden, und nannte ſie deshalb Urgebirge. Neuere Entdeckungen haben jedoch ergeben, daß nicht Auf - lagerungen, ſondern Anlagerungen ſtatt gefunden haben. Manche der ſecundären Gebirge erſcheinen ſo durch Spaltungen getheilt, indem die untere Gebirgsarten ſich zwiſchen ihnen emporheben. Selbſt die Flözgebirge gewannen hierdurch an Höhe.

Es iſt wahrſcheinlich daß die Vulkane durch tiefe Wurzeln im Innern der Erde zuſammenhängend, eine weite unſern Blicken verborgene Ausdehnung haben. Wenigſtens iſt es auſſer zweifel geſetzt, daß an demſelben Tage, als das groſſe Erdbeben Liſſabon zerſtörte, das Meer an den Küſten der Antillen hoch aufbrauſte, und im Carlsbade14. zwei Quellen verſiegten. Dieſe Erſcheinungen laſſen muthmaßen, daß das Innere der Erde viele brennbare Subſtanzen enthält, die beſonders aus Metallen beſtehen. Bei der Berührung dieſer Metalle mit der atmosphäriſchen Luft mußten dieſe oxydiren, und es iſt wahrſcheinlich daß ſich ſo die Rinde unſers Erdkörpers gebildet hat. Die Chemie lehrt wie ſchnell die Oxydation mancher Metalle erfolgt ſobald der Sauerſtoff der Atmosphäre auf ſie wirken kann. Die körnigen Gebirgsarten der Ebenen, beſonders der Granit, können eine der erſten Oxydationen dieſer Art geweſen ſein.

Betrachten wir eine mineralogiſche Karte, ſo ſehen wir den Granit, Gneuß und Glimmerſchiefer in groſſen elliptiſchen Formen ſich durch Spaltungen der neueren Formationen emporheben, in denen ſie gleichſam einge - ſchichtet ſind. Bei Podezo[?] im ſüdlichen Tyrole ſehen wir den Granit auf Kalk aufliegend, wo der dichte Kalk - ſtein ſowie in den Appeninen in körnigen umgewandelt iſt, daß hierbei das Feuer mitwirkte, beweiſt, daß der körnige Kalkſtein immer in Berührung mit den Vulkanen ſich findet. Nach andern Beweiſe finden ſich im ſüdlichen Tyrole, wo man ſchwarzen Porphyr in dieſen Kalkſtein gefunden hat. Das Vorkom - men der Conchilien auf hohen Gebirgen iſt nicht, wie man glaubte, eine Folge des hohen frühern Waſſerſtandes,15. ſondern ſie wurden durch die Hebung der Gebirgsarten mit emporgetragen. So fand ich deren auf der Kette den Andes in einer Höhe von 14,000′. Auf den Pariſchen Inſeln, die durch gleiche Phänomene ihr Daſein erhielten, fanden ſich Meerespflanzen, die von dem Boden des Meeres herauf ins Trockene gehoben waren. Die Baſalt - maſſen nehmen nach der Tiefe zu ab, ſo daß ſie gleichſam auf Stiften zu ſtehen ſcheinen.

Die elaſtiſchen Dämpfe, welche durch Spaltungen die innere Maſſen emporgehoben haben, wirkten wahrſchein - lich auch zur Erzeugungder Metalle mit, und veranlaſſen daß ſie ſich ſchichtweiſe in Gänge lagerten.

Dieſe Revolution der geognoſtiſchen Ideen, und neueren Anſichten über die Bildung unſers Erdkörpers haben in Frankreich und England den tiefſten Eindruck gemacht. Sie gehören nicht dem Auslande an, ſondern gingen von unſerer Mitte aus, da ſie allein von dem hier lebenden großen Geognoſten, Herrn L. von Buchausgingen. Auch die Chemie hat viel beigetragen, Licht hierüber zu verbreiten, und die Verhältniſſe ihrer Bildungen feſtzuſtellen, wobei wir den glücklichen Verſuchen des Herrn Profeſſor Mitſcherlichviel zu verdanken haben[. ]

16.

Von den ſtarren Theilen der Erde gehen wir zu den flüſſigen über, der Luft und dem Waſſer. Die Atmosphäre beſteht aus Sauerſtoff, Stickſtoff und einem kleinen Theile von Kohlenſtoff, der in Ver - bindung mit Sauerſtoff, Kohlenſäure bildet. Das Ver - hältniß des Sauerſtoffs iſt in den untern Luftſchichten ſowohl wie in den oberen ſich immer gleich, wie ich es auf dem Chimboraſſo beobachtete, und noch höher durch Montgolfièrengemeſſen iſt. Der Gehalt an Kohlen - ſäure iſt ſich nicht immer gleich, er ändert ab mit den Jahreszeiten.

Es giebt Bewegungen in der Luft die das Baro - meter anzeigt, und die täglich regelmäſſig wechſeln, indem 2 mal Ebbe und 2 mal Fluth darin iſt, und be - ſtimmt nicht durch Ströme und Erdbeben unterbrochen werden. Im Süden iſt ſie ſtärker und leichter zu beobachten weil die Luft ruhiger iſt, regelmäſſig ſtellt ſich die Ebbe in den Tropenländern des Morgens um 9 Uhr ein, gegen 3 Uhr iſt die höchſte Fluth, die bei 10 Uhr abnimmt, und um 4 Uhr des Morgens wieder - kehrt. Schwieriger iſt dieſe Bewegung im ſtürmiſchen Norden zu beobachten, wo längere Zeit nöthig iſt, um die Stunden des Wechſels aufzufinden.

17.

Die Quantität der Feuchtigkeit in der Atmos - phäre iſt ſehr verſchieden. Der Niederſchlag derſelben als Regen iſt der Menge nach, von dem Clima und von Lokalverhältniſſen abhängig und ſehr abweichend; denn wenn in den Tropen jährlich 120 130 Cubic Zoll Waſſer fällt, beträgt dies bei uns nur 14 15 C. Zoll. Eine der regenreichſten Gegenden im Norden iſt die weſt - lichſte Küſte von Schottland und dennoch regnet es nicht mehr als 30 35 C. Z.

Das Clima iſt nicht allein vom Stande zur Sonne, ſondern auch von den wechſelſeitigen Verhältniſſen der Continente und Meere abhängig, und wird von den vor - herſchenden Winden modificirt. Nahe Meere, hohe Ge - birge haben den größten Einfluß. Die Temperatur wird vorzugsweiſe bedingt, ob die Sonnenſtrahlen auf lichte oder opake Flächen fallen. Auf dem Waſſer - ſpiegel werden nicht alle, ſondern nur ein Theil der Sonnenſtrahlen gebrochen, weshalb dieſe nie die hohe Temperatur der ſtarren opacen Flächen der Erde er - halten. Groſſe Waſſerflächen mindern daher einen hohen Grad der Wärme. In den kältern Jahreszeiten müſſen aber die Winde wieder wärmer ſein, welche lange in Berührung mit groſſen Waſſerflächen ſtehen, die nie18. zufrieren, als wenn ſie weite Strecken über erkälte - tetes vom Eiſe erſtarrtes feſtes Land kommen. Die Oſtwinde ſind deshalb in Winter kälter als die Weſtwinde.

Europa verdankt ſein gemäſſigtes Clima drei Umſtänden

  • a. An der weſtlichen Küſte eines groſſen Continents zu liegen das von einem eisfreien Meere begrenzt iſt, und durch warme Strömungen aus dem Süden erwärmt wird. (Aus gleichen Urſachen iſt Africa ſchon wärmer als Europa. )
  • b. Südlich von einem groſſen heiſſen Continent (Africa) begrenzt zu werden.
  • c. Eine dritte Urſache liegt in dem Verhältniſſe Europas zum Nordpol; da es von dieſem durch ein offnes eisfreies Meer getrennt iſt. Vorzüge die Aſien und Amerika nicht hat.

[4. Vorlesung, 14.11.1827]

Beſonders hängt die Temperatur von der Ruhe der Luft und Feſtigkeit der Erdoberfläche ab. Die Wärme wird durch den Winkel bedingt, unter dem die Sonnen - ſtrahlen auffallen. Nur in einer verticalen Richtung kann die größte Zahl auf einen gewiſſen Flächenraume fallen, und im gleichen Verhältniſſe wie ſich der Winkel verkleinert, muß auch die Wärme bei der ge -19. ringern Zahl der auffallenden Sonnenſtrahlen abnehmen. Der Gang des Windes hat vorzüglich nur in den untern Luftſchichten Einfluß auf die Temperatur, da in den hohen Regionen der Atmosphäre ſeine Wirkungen gering ſind.

Der Ocean aber hat eine andere Temperatur, weil die durchſcheinenden Flächen ſich anders erwärmen als die feſten. Es finden in ihm wie in der Atmosphäre dieſelben Schichtungen ſtatt. Die kältere Theile dieſer Schichten ſind ſchwerer als die wärmern, weshalb jene auch unter fallen, dieſe aber an der Oberfläche ſich er - halten. Ebenſo erkalten die öſtlichen Theile des Oceans leichter als die weſtlichen. Wir können demnach 3 Temperaturen im Meere annehmen. 1, Ein almähliges Abnehmen der Wärme von der Oberfläche zur Tiefe. 2. Die Untiefen welche durch Gebirgsrücken im Meere gebildet werden, haben eine höhere Temperatur als die andern Schichten, ſo daß man ihre Annäherung ſchon durch den höhern Stand des Thermometers erkennen kann. 3. Strömungen, die den Strömungen der Luft ganz ähnlich ſind. Eine der ſtärkſten von dieſen, iſt die bekannte unter dem Namen Golfſtrom. Er bewegt ſich längs den Küſten Südamerika's nach der groſſen Inſelgruppe der Antillen, wo er zwiſchen Ober-Mexico und Cuba in den mexicaniſchen Meerbuſen ſich eindreht, und von den Küſten20. Florida's nach Europa ſich wendet, einige Küſten von Irrland und Schottland, von ganz Dänemark und Schweden beſpült, und die Erzeugniſſe des Südens beſonders Holz und Früchte ans Land wirft. Erſte - res iſt unter dem Namen, Treibholz bekannt. Groſſe Wahrſcheinlichkeit erhält durch dieſe Strömungen die Saga, welche Cornelius Neposerzählt, daß über 1000 Jahre von der erſten Entdeckung durch die Nor - männer, Indianer in kleinen Boten von Häuten nach dem nördlichen Scandinavien gekommen wären, die ſich durch kleine Natur und gelbe Farbe auszeichneten. Höchſt wahrſchein - lich iſt es daß dieſe Nordamerika angehörten, und durch die Strömungen durch den Ocean geführt werden, da jene Be - ſchreibung ganz auf die Eskimos paßt, auch bei dieſen noch ſolche Bote von Häuten gefunden werden.

Von dem Unorganiſchen, dem Starren und Flüſſigen gehen wir nun zur Betrachtung des Organiſchen über.

Im Aufkeimen der organiſchen Anfänge herſcht eine Ungewißheit ob es Thier oder Pflanze werde. Die Prieſtleiſche Materie, die Oscillatorien und Infuſorien haben eine ſolche Zwitternatur. Vorzugsweiſe hat ſich in der neueſten Zeit Bory St. Vincentmit dieſe Organis - men beſchäftigt.

Man hat lange geglaubt daß das Licht[zur] Ent - wickelung organiſcher Stoffe nothwendig ſei. Sie ver -21. breiten ſich aber in's Innere der Erde ſo weit wie wir gedrungen ſind, in Gruben und Höhlen. In den Tiefen des Meeres leben Muſchelthiere und Tangen ſelbſt von grüner Farbe, wie ich ſelbſt im atlantiſchen Ocean mit dem Senkblei hervorzog, und wohin gewiß kein Strahl des Lichtes drang. Ganz des Lichts entbehren die Eingeweidewürmer, die bei einem groſſen Wärmegrade gedeihen. Man hat ſchon über 1000 Arten derſelben entdeckt. Weit verbreitet finden ſich in allen Zonen und den entfernteſten Ländern dieſelben Arten, wenn Thiere durch nahe Verwandſchaft zu einer Familie gehörend in derſelben vorkommen. Dieſelbe Art die ſich in den Hirſchen und Rehen findet kömmt auch in der Antilope und dem Kengeruh vor.

Der rothe Schnee ſcheint einer der erſten Anfänge organiſcher Entwickelung zu ſein, da er ſchon in der Feuchtig - keit der Luft ſein Daſein erhält, und in einer Temperatur unter dem Gefrierpuncte ſeine[Wachsthumsperiode] hat. Es beſteht aus kleinen organiſchen kugelförmigen Körpern die BauerUredo nivalis nannte, er gehört aber zu den gallertartigen Gewächſen. Die Prieſteiſche Materie, Leper[?], Monilien und ähnliche, ſind die erſten Anfänge der Vegetation, die durch eine Aneinanderreihung von Schläuchen ſich bilden. So ſteigt die Vegetation immer höher von der Einfachheit zum Zuſammengeſetzten, und von der Kleinheit zum Groſſen. Von den Ulven in den Tiefen des Meeres22. ſteigt ſie empor zu den Palmenbäumen die 250 300′ ſich über der Erde erheben. Die Ulven vegitiren ſelbſt bei 60 68° R. fort.

Die Zahl der bekannten Pflanzenarten beläuft ſich etwa auf 60,000, und wenn der Süden in der Fülle der Arten ſchwelgt, ſo ſind ſie den kalten Zonen nur kurz zugetheilt.

Wenn wir auf die Pflanzengeographie zurückkommen, werden wir ſehen, welche Einheit der Natur in der Ver - theilung der Pflanzen herſcht, die höchſt merkwürdig iſt. Man kann beſtimmt die Zahl der Arten von einem Lande berechnen, wenn zwei Länder unter gleichem Himmels - ſtriche verſchiedene Pflanzen haben, und dieſe nur von einem Lande bekannt ſind, weil die fehlenden durch andere ihren aber ähnliche erſetzt werden, ſo daß zugleich die Stände der Familien daraus mit Gewißheit gefol - gert werden kann. Viele dieſer Familien ſind nur dem Süden eigen, andere dagegen nur dem Norden. Auf - fallend iſt der Unterſchied in den Arten der Pflanzen ſolcher Länder die unter gleichen Breitegraden liegen, aber durch Meere oder hohe Gebirge getrennt ſind.

Ihrem Vorkommen auch, kann man die Pflanzen ein - theilen in geſelliglebende und einzeln ſich findende. Letz - tern bilden vorzüglich die dichten Urwälder der Tropen durch23. die Vereinigung einer groſſen Zahl von Arten, unter denen halten eine vorherſchend iſt. Nachtheilig wirken dieſe auf die Cultur der Menſchen, ſie widerſtrebten ihren ſtärken und hielten die Entwickelung des Geiſtes zurück. Ein Bild der geſelligen Vegetation ſind unſere Waldungen, wo viele Pflanzen derſelben Art zu groſſen Maſſen ſich vereinigen, und ein Grund mit iſt die vorgeſchrittenen Cultur in Eu - ropa. Andere Länder wie das nördliche Aſien, haben nur baumloſe Steppen, welche das Nomadenleben er - zeugten. Das Gemiſch der Arten bietet keine groſſe Ab - wechſelung dar, und giebt nicht den ſchönen Anblick der Natur als da, wo die Mannigfaltigkeit nur in den Gruppen herſcht, wie wir ſie beſonders auf den Gebirgen weiter gegen Norden antreffen, wo das Verhältniß der Zahl der Gattungen zu denen der Arten weit gröſſer iſt als irgendwo.

Die Thiere ſondern ſich auf ihren niedrigſten Stufen von denen der Pflanzen: durch willkührliche Bewegung. Viele von ihnen ſind wie die Pflanzen an einem Ort gefeſſelt, (doch hängt) dieſe Locomotivitäthängtnicht mit ihrer organiſchen Vollkommenheit zuſammen, da mehrere Arten von Muſchelthieren, die ſich durch Feſtwach - ſung nicht von dem Orte ihrer Geburt entfernen können, auf einer höhern Stufe der Vollkommenheit ſtehen wie Echinu[?]s Arten, die durch membranöſe Füſſe, ſich durchaus frei bewegen können.

24.

Durch die freie Bewegung ſind die Thiere anders ver - theilt als die Pflanzen, ſo findet man z. B. viele Fiſche die bei Gibraltar vorkommen am Vorgebirge der guten Hoffnung wieder. Die verſchiedene Temperatur der Meeres - ſchichten begünſtigt dieſe Verbreitung, wie die Gebirge bei den Pflanzen.

Aus dem Thierreiche kennen wir bis jetzt 45,000 In - ſecten, 5400 Vögel, 3500 Fiſche und 700 Säuge - thiere, etwa der Vögel. Dieſes Verhältniß hat jedoch nicht immer beſtanden, denn bei den groſſen Ka - taſtrophen der Erde ſind viele, beſonders rieſenartige Säugethiere untergegangen, denen die Vögel leichter entgehen konnten. Nur Theile ihres Knochenbaues ſind uns als Ueberreſte von dieſen groſſen Thieren geblieben, wie ſie die Schöpfung nicht mehr aufzuwei - ſen hat, und wovon beſonders den Schweinen, Ele - phanten und Krokodillen ähnlich. So war z. B. der Mecoloſaurus ein Krokodill von der Höhe eines Ochſens u. ſ. w.

Die Geographie der Thiere giebt wichtige Auf - ſchlüſſe über den frühern Zuſammenhang der Länder, und wir erkennen daraus den frühern Zuſammenhang vieler Inſeln mit den Continenten. Die Inſeln der Südſee haben nur kleine den Mäuſen ähnliche Thiere. Hingegen die Inſeln des indiſchen Oceans haben die -25. ſelben Thiere welche im ſüdlichen Aſien vorkommen. An der Küſte von Malacca hat man 2 neue Rhinoceros entdeckt, die ſich auch auf Sumatra finden. Dieſe Inſeln waren wahrſcheinlich die Gipfel von zuſammenhängenden Ge - birgen, deren Thäler nun das Meer füllt.

Das höchſte Ziel der Naturbeobachtungen iſt die Ent - wickelung der Menſchheit ſelbſt, und deren Verbreitung auf der Oberfläche der Erde.

Man hat verſucht verſchiedene Menſchenracen aufzuſtellen, und zur Eintheilung haben Knochenbau, Haare und Farbe gedient. Dieſe Merkmale ſind aber ſehr ſchwenkend und unbeſtimmt, denn ihre Vereinigung findet ſich nicht bei allen Individuen einer Race, und auf der Lage der Länder finden häufige Übergänge ſtatt, wo keine Ver - miſchungen wahrſcheinlich ſind. Kielchentheilte ſie zuerſt in die weiſſe, gelbe und ſchwarze Race, denen Blumenbachnoch die Malaien und Amerikaner hinzufügte. Die Neger - völker wovon den Alten ſchon nach dem Knochenbau, den aufgeworfenen Lippen und ſchwarzen wolligen Haaren be - kannt. Später hat man geſucht die Sprachen auf die Eintheilung und Verwandſchaft der Menſchen anzuwenden, doch Wilh. von Humboldthat gefunden, daß ſie bei den ver - ſchiedenſten Racen oft ſehr übereinſtimmend, bei ähnlichen26. Völkern dagegen ſehr verſchieden ſind. 1Man wird dann auch hier die groſſen Eintheilungen verlaſſen müſſen, wie es bei der Botanik ſchon geſchehen iſt, um in klei - nere Familien engere Grenzen zu ſetzten.

Hiermit wäre dann das Naturgemälde geſchloſſen, deſſen Umriſſe wir in 5 Abtheilungen durchgingen. Die 1te zeigte die feſten Theile der Erde, die 2te die flüſſigen: Luft und Waſſer; die 3 te gab ein Bild der Vegetation, die 4 te der Thiere, und die 5 te zeigte uns den Menſchen in ſeiner Verbreitung.

[5. Vorlesung, 17.11.1827]

Die Geſchichte der Einheit der Natur, und die der Völker in gegenſeitiger Beziehung, iſt eine Unterſuchung der wir uns, wenn auch nur theilweiſe hingeben wollen. Zur Einheit der Natur führt uns die Naturkenntniß, womit ſich die Naturwiſſenſchaften beſchäfftigen. Die Er - weiterungen der Wiſſenſchaften ſtehen in einem nahen Zuſammenhange, indem wir oft durch Entdeckungen in einer, mit neuen Anſichten in andern oft unerwartet überraſcht werden.

Es liegt in jeder Wiſſenſchaft ſelbſt, daß ſie kürzer und deutlicher vorgetragen werden kann, je mehr ſie er - weitert iſt, da die Entwickelungen aus einfachen Grund - lagen ſich leichter auffaſſen laſſen, als bei Erklärungen27. von Erſcheinungen, die in einem Chaos gehäuft ſind, und die nur beziehungsweiſe erläutert werden können. Ein Beiſpiel giebt uns die Meteorologie, wo wir die Kräfte mannigfaltiger Erſcheinungen, wie die Inclination des Magneteiſens und der Magnetnadel wirkſam ſehen, ohne ſie beſtimmt erklären zu können.

Die Kenntniß der Natur und ihre Verhältniſſe zum Menſchen, theilt ſich in eine Menge von Wiſſen - ſchaften. Es könnte ſcheinen als ſollte mein Vortrag eine Encyclopädie der Naturwiſſenſchaften ſein. Die Encyclopädie verfolgt aber eine jede Wiſſenſchaft ausführlich in ihre einzelnen Theile. Bei einer ſo groſſen Menge von Gegenſtänden, kann aber ein Vortrag wie der meinige, auf wenige Stunden beſchränkt, nicht einzeln jede Wiſſenſchaft verfolgen. Nur kann es meine Ab - ſicht ſein, durch eine Zuſammenfaſſung der Wiſſenſchaften in Umriſſen zu zeigen, wie weit wir in der Er - gründung der Naturkörper und Naturkräfte ge - drungen ſind.

Natur iſt die Vielheit in der Einheit, der Inbegriff aller Naturdinge und Naturkräfte. Naturkenntniß iſt die Kenntniß der Dinge neben einander, oder hinter - einander. Erſteres iſt die Naturbeſchreibung, letzteres die28. Naturgeſchichte. Die Naturbeſchreibung ſetzt die Körper neben einander nach ihren Verwandſchaften. Die Natur - geſchichte dagegen verfolgt ſie von ihrem erſten Entſtehen an, in ihre Verbreitung, und ſucht die Abänderungen zu erforſchen, die durch äuſſere Wirkungen entſtehen konnten. Beide Arten der Naturkunde bilden beſondere Wiſſenſchaften, doch zuweilen kann eine nicht ohne die andere beſtehen, wie wir allein die neuern Anſichten der Geognoſie ihrer Geſchichte verdanken.

Der Name Naturgeſchichte iſt vielfältig gemißbraucht da man allgemein auch die Naturbeſchreibung damit be - legt hat. Die Veranlaſſung dazu gab ohne Zweifel Pliniusder die Hiſtoria naturalis nannte, indem er den Namen aus dem Griechiſchen in's Lateiniſche übertrug.

Die Naturkenntniß iſt entweder eine beſondere oder allgemeine. Sie ſtrebt entweder nach dem Ojecte ſelbſt, oder ſie betrachtet alle Körper als ein Ganzes, und ſucht die verſchiedenen Verhältniſſe auf in denen ſie zur Menſchheit ſtehen. Die Botanik ſelbſt gründet ſich ſchon auf eine Art objectiver Anſchauung, wie z. B. der Drachenbaum auf Orotava darbietet, der bei ſeiner Entdeckung vor 500 Jahren faſt dieſelbe Stärke wie jetzt ſchon hatte. Oder Adanſonia des Senegal die29. oft 30 40′ im Durchmeſſer hat, wo in einem Stamme derſelben, die Vorſteher einer Ortſchaft ihre Zuſammen - künfte halten. Die Eintheilung der Monocotyledonen in Gräſer, Zwiebeln, Palmen und Farrenkräuter geben andere Beiſpiele.

Nach dem Object kann man die Naturgegenſtände auch für ſich betrachten; ſo iſt eine 2 te Abſtraction, alle Körper in ihren räumlichen Verhältniſſen zu den Zonen als ein Ganzes zu betrachten, womit ſich die Pflanzen - geographie beſchäftigt. Valeriusſtellt in ſeinem Werke Geographia generalis et ſpecifica 1650,2 wozu Newtonmehrere Erläuterungen gegeben,3 zuerſt die G. reſpectita auf, worin er den Stand unſers Weltkörpers zu den übrigen angiebt, und die G. comperativa, worin er die einzelnen Naturerſcheinungen mit einander vergleicht. Die hier abgehandelte Wiſſenſchaft hat Kantohne daß er ſelbſt etwas darüber ſchrieb, ſehr richtig Welt - beſchreibung genannt, eine Benennung die auch wir bei - behalten wollen. Die ſpecielle Geographie in Verbin - dung mit dem telluriſchen Theile, iſt vortreflich in der vergleichenden Geographie von Carl Ritterabgehandelt, welches das vorzüglichſte Werk über dieſen Gegenſtand iſt.

Die Weltbeſchreibung giebt Materialen der Wiſſen -30. ſchaft. Das Ziel aller Beobachtungen und Unter - ſuchungen iſt die Kenntniß aller Naturkräfte und Naturkörper in ihren mannigfaltigen Verhält - niſſen zueinander, ohne Widerſprüche darin zu finden. Kein Widerſpruch ſollte in den Wiſſenſchaften ſtatt finden, denn er beruht immer, entweder auf falſche Beobachtungen oder auf falſche Speculationen. Erfahrung und Beobachtungen ſollten nie mit der ächten Natur - philoſophie im Streite ſein. Unſer Zeitalter hat das Merkwürdige, daß zwei entgegengeſetzte Tendenzen darin vorherſchen. Nämlich entweder eine bloſſe Anhäu - fung von Thatſachen, eine ſinnliche Wahrnehmung derſelben oder 2, die der Beobachtungen nach Vernunftſchlüſſen, wobei alle Verſuche und genauere Prüfungen verachtet werden, und nur ſpeculativ Syſteme gebildet, die doch nur die Form einer Naturphiloſophie ohne Kenntniſſe und Erfahrungen haben. Nur in den Fällen wo es zur Verſinnlichung nothwendig iſt, dürfen wir mathematiſche Hypotheſen anwenden. So wiſſen wir z. B. daß es keinen Licht - und keinen Schallſtoff giebt, und dennoch iſt es nothwendig um die Bewegung derſelben mathematiſch zu beſtimmen, auf Quantität und räumliche Verhältniſſe zurückzukehren.

Die Geſchichte der Wiſſenſchaften iſt nicht die Geſchichte31. einer einzelnen, ſondern es ſoll darin entwickelt werden, wie die Völker im Allgemeinen zu den neuern Naturanſichten gekommen ſind, und welche Begeben - heiten darauf einwirkten.

Die Idee der Einheit der Natur iſt bei den ſo genannten Wilden nur ein dunkeles Vorgefühl, oder eine dunkele Ahndung. Das durch die Cultur geweckte Denken leitet zu Beobachtungen, die durch das dunkele oder undeutliche Erkennen der Natureinheit zur Begeiſterung führt. Erſt durch das geſteigerte Nachdenken erhalt ſie ihre deutliche Erkennung. Die

erſte Erkenntniß der Völker liegt im Dunkeln, da ſelbſt bei denen die wir Wilde nennen, und in ihrem erſten Naturzuſtande zu leben ſcheinen, finden ſich Reſte von Kenntniſſen, die ſie nicht durch ſich ſelbſt erlangt haben können, ſondern durch Traditionen erhielten, und ich möchte mich zu der Meinung neigen, daß es keine Urſtämme mehr giebt, ſondern alle die Wilden, die noch von Reiſenden geſehen wurden, Ueberreſte früherer cultivirter Nationen ſind. So finden wir z. B. bei den eben genannten Wilden, Ideen über die Himmelskörper, ſelbſt über Erſcheinungen im Monde, die erſt in neuern Zeiten wieder entdeckt wurden,32. Benennungen von Fixſternen etc. die eine weit höhere frühere Cultur nur zurücklaſſen konnte.

Die erſten Spuren der Civiliſation finden wir in Babylon und Aſſyrien und tiefer in Indien hinein, die in Sagen und Mythen ſich finden. Viele Völkerwande - rungen haben ſie weiter verbreitet. Erſt bei den heleniſchen Stämmen die aus Thracien kamen, verbreitete ſich mehr Licht darüber. Bei dieſen erſt beginnt die Geſchichte der Wiſſenſchaften. Bei einer genauen Verfolgung der - ſelben würde es mir vielleicht glücken, ihr einigen Reiz der Neuheit abzugewinnen, ſo kann ich aber nur die vor - züglichſten Begebenheiten daraus hervor haben.

Lange glaubte man, daß die Idee der Einheit der Natur einem Urvolke angehörte, und nannte dieſe daher Urphyſik. Die heleniſchen Stämme ſezten eine Art von Achtung gegen alle Völker, die nicht mit ihnen auf gleicher Stufe der Cultur ſtanden, doch dieſe Achtung war wohl nur eine moraliſche zu nennen. Denn nicht ein Urvolk reifte allein zur Cultur heran, die Idee der Einheit der Natur ſprach ſich bei vielen Völkern zugleich aus. Es bleibt wenigſtens bei dem dunkel der Geſchichte unentſchieden, wo der erſte Lichtpunct einer Naturbetrachtung ſich zeigte.

33.

[6. Vorlesung, 21.11.1827]

Die Epochen der Geſchichte in dem Fortſchreiten dieſer Kenntniſſe, ſind theils groſſe Weltbegebenheiten, theils durch einzelne groſſe Männer, oder durch Erfindungen, von Inſtrumenten herbeigeführt. Wir können ſie in 6 Epochen eintheilen, die jedoch in den neuern Zei - ten ſchwer feſt zuſtellen ſind. Dieſe ſind 1, die Ioniſche Schule und die der Pythagoräer. 2, Alexander's Heerzug nach Indien. 3. die der Araber, der Be - gründung chemiſcher Kenntniſſe. 4, die Entdeckung von Amerika. 5. Die Erfindung neuer Inſtrumente. 6. Cook's große Reiſe um die Welt.

1. Die Ioniſche-Schule und derPythagoräiſche Bund

In ihnen finden wir die erſte Erkenntniß der Ein - heit der Natur. Die Ionier waren die erſten, unter denen Thalesund Socrateseine Naturphiloſophie auf - ſtellten. Sie betrachteten aber die Weltkörper noch nicht einzeln, ſondern ſehen das ganze Weltſyſtem als ein Ganzes an. Die Planeten und andere leuchtende Sterne hielten ſie für feurige brennende Maſſen, und das ganze Weltſyſtem ſollte aus einer Urmaterie und der Luft entſtanden ſein. Es fand ſich bei ihnen zuerſt die Idee des Verdickens und Verdünnens, die34. ſich bis zur neuern Zeit erhalten hat. Ebenſo die Lehre, daß einige Elemente flüſſig andere luftartig ſind, hat ſich alle Jahrhunderte hindurch erhalten. Die ioniſchen Philoſophen beobachteten nicht allein im all - gemeinen ſondern auch im Einzeln. Diogenesmachte über das Athmen der Fiſche ſehr richtige Beobachtungen, und beſchäftigte ſich auch mit den Vulkanen.

Pythagoraswar der Schöpfer einer eigenen Schule, die mit der ioniſchen eng verknüpft iſt. Mit vielem Dun<ſt>und Myſtiſchen iſt dieſer Name umgeben, den man oft mißbrauchte, ſelbſt in verſchiedenen Ländern l〈…〉〈…〉eben ließ. Der pythagoräiſche Bund wurde zerſtört, ſo verbreitet auch ſeine Lehren waren. Die Herren Böhm& Idlerhaben ſehr ſcharfſinnig dieſelben in neuerer Zeit unterſucht. So ſymboliſch die Anſichten der Pythagoräer auch zu ſein ſcheinen, ſo ſieht man bei ihnen doch eine Anwendung der Mathematik auf die Naturkenntniß, die eine mathe - matiſche Symbolik gab.

In ſpätern Zeiten haben die pythagoräiſchen Lehren durch die Streitigkeiten der erſten Chriſten viel Myſtiſches er - halten. Plutarchhat ihn ſogar mit Numazuſammen - geſtellt.

Die Meinungen der Pythagoräer haben auch auf Coper - nicusgewirkt, wie ſpäter bewieſen werden ſoll. Sie35. hielten nicht die Sonne für das Centrum der Erdbahn, ſon - dern dachten ſich die Sonne als einen feurigen Schild, der ſich um den Weltherd bewegte, und durch ſeine Strahlen die Erde erleuchte und Wärme gäbe. Platohatte über das Innere der Erde ſchon ziemlich richtige Anſichten.

Anklänge der Pythagoräer ſind bei Platoim Thymëns ausgeſprochen. Man muß bei ihm zweierlei unterſcheiden.

  • a. Seine ſcharfſinnigen empyriſchen Unterſuchungen. Er er - kannte zuerſt die Wirkungen des Waſſers und Feuers auf die Bildung der Erde, und ahndete den wahren vulka - niſchen Zuſtand unſers Erdkörpers, wozu ihn der an vulkaniſchen Erſcheinungen ſo reiche griechiſche Boden leitete. Er hielt die Vulkane ſelbſt für eine Ver - bindung unterirdiſcher Feuermaſſen mit der Atmosphäre. Auch das Mittelmeer betrachtete er zuerſt als eine einizige Niederung, in der, wie er ſcherzweiſe ſich äuſſerte, die Griechen gleich Fröſchen auf ihren Inſeln lebten.
  • b. Seine rationellen Betrachtungen. Dieſe ſind dunkel.

Von den Gebirgsarten unterſcheidet er ſolche die durch das Waſſer, und andern die durch das Feuer gebildet ſind.

2. Alexander's Zug nach Indien

iſt eine Weltbegebenheit, welche die zweite Epoche für36. die Erweiterung der Naturkenntniſſe bildet. Bis dahin kannten die Helenen nur wenig von den Tropenländern, denn was ſie von Nubien wußten, war geringe; und ſie lernten den Zuſammenhang groſſer Länder kennen. Wenn Alexanderauch nicht ganz die Tropenländer berührte, ſo fand er doch in ihrer Annäherung, die ihnen eigenthümlich grosartige Schöpfung ſchon, die ſich noch weit über die Grenze der eigentlichen Tropenländer nach Norden hinaus erſtreckt. So kamen neue Kenntniſſe nach Griechenland, da die ältern über dieſe Producte bei den Helenen ſehr gering waren, die ſie durch den engen Handel über den perſiſchen Meer - buſen ſammelten. Sie erſtreckten ſich kaum über die Kenntniſſe des Bambusrohrs und Zuckerrohrs, deren ſchon Herodoterwähnt, und daß aus erſterer die Köcher ge - macht würden. Einige nähere Kenntniſſe von Cteſiusüber Indien, der als Reiſender dieſe mannigfaltigen Producte erwähnte, haben, wie Schlegelſehr treffend beweiſt, Alexanderbewogen, jenen berühmten Zug zu unternehmen. Der tiefe Eindruck, den dieſer Heeres - zug auf Griechenland machte, läßt ſich nur mit dem ver - gleichen, den die Entdeckung von Amerika in neuerer Zeit auf die damals cultivirten Länder zur Folge hatte.

Damals lernte man kennen den Piſang, Aryenik von dem Volke der Aryier genannt, eine Menge fremder Wurzeln37. hohe Bäume, und die größten Thiergeſtalten, die bisher fremd waren. Ihre Architectur bezog ſich mehr auf Thier - abbildungen, da die Aegyptier mehr die der Pflanzen liebten. Von daher wurden die erſten Elephanten nach Europa gebracht. Man lernte die heiſſen Winde, Mon - zu[?]ne genannt, kennen. Man beobachtete das Steigen und Sinken der Flüſſe, und fand daß der Nil nicht allein dieſe Eigenſchaft beſitze, und daß es vom Fallen des tropiſchen Regens abhänge. Man erkannte den Einfluß des Clima's auf die verſchiedenen Völker[]. Bisher hatten die Griechen nur die Aethiopier aus heiſſen Himmels - ſtrichen kennen gelernt; die nicht ſchwarze Farbe der Indier war ihnen eine neue Erſcheinung, und ſie erkannten als die Urſache, eine feuchte Hitze, da die trockne Hitze hingegen die Neger färbt. Sie lernten die Weisheit der Indier kennen, beſonders die Mathematik und Anwen - dung der Algebra, wenn gleich der Theil von Indien, in welchen Alexandereindrang, noch am wenigſten gebildet war. Erſt ſpäter wurde eine höhere Cultur in den mehr weſtlich gelegenen Ländern des Ganges gefunden. Von den Chaldäern lernten ſie die Himmelskunde; dieſe ſind kein Volk, ſondern eine Prieſterkaſte, welche am Belus - tempel ihren Gottesdienſt verrichteten. Calliſtenesden38. Ariſtotelesgeſchrieben, ſpricht von der Entdeckung gegen 300 Eclipſen.

Mit Ariſtoteleshängt Alexander's Zug innig zuſammen da ſein Wiſſen größtentheils als das Reſultat deſſelben anzuſehen iſt. Er hatte eine groſſe Naturalienſamm - lung auf ſeinem Landgute in Epheum angelegt, und ihm ſind wir es ſchuldig, daß die ſpecielle Beſchreibung der Naturkörper, an die Stelle der Erkenntniß der Einheit in der Natur trat. Zwei Hauptbeſtrebungen leiteten ihn vorzüglich, die ſpecielle Naturbeſchreibung, und die phyſiologiſchen Anſichten des thieriſchen Lebens.

Der Geiſt des Ariſtotelespflanzte ſich in Aegypten unter der Herr[?]ſchaft der Ptolomäer weiter fort, es wurde nach ſeinem Beiſpiele ein Muſeum und Bibliotheken angelegt. Die Streitigkeiten zwiſchen Ptolomäusund den Griechen veranlaßten ein Verbot der Ausfuhr des Papyrus aus Aegypten, welches ſeine Anpflanzung auf den griechiſchen Inſeln und in Sicilien zur Folge hatten. Auf letzterer Inſel wird er jetzt noch häufig gefunden, während er<in>Aegypten gänzlich verſchwunden iſt.

Als Aegypten zu einer römiſchen Provinz wurde, gin<gen>die Sammlungen und das Streben nach Naturkenntniſſen nach Rom über, und wurden mit Geiſt aufgenommen. Zuerſt trat Strabounter AuguſtusRegierung auf,39. deſſen Geographie eine phyſicaliſche Erdbeſchreibung iſt. Er war der Erſte der die Geſtalten und Formen der Thiere mit den verſchiedenen Climaten in Verbindung ſetzte.

Die 37 Bücher des Pliniusiſt das großartigſte Werk der Römer, das umſo unerwarteter erſchien, da man früher ſo wenig noch für Naturkenntniß gethan hatte, und eher von den Griechen zu erwarten geweſen wäre. Der Plan iſt beſſer wie die Ausführung; von der Sternkunde an, die Meteorologie durch alle Zweige der Naturgeſchichte, ſelbſt mit der Blüthe der Kunſt zu verbinden, war die Abſicht. Dem Werke fehlt aber die Anordnung. Plinius (ſoll ein ſtolzer Mann geweſen ſein,) war Statthalter von Spanien, dann Befehlshaber der Flotten, konnte daher bei überhäuften Geſchäften ſeinen Plan nicht ſelbſt aus - führen, ſondern mußte durch andere arbeiten laſſen, obgleich er ſelbſt viele Materialien dazu lieferte.

Der ernſte und ſtrenge Weg des Pliniuswurde nicht lange verfolgt, ſondern durch die Schwärmerei der Neu - Pythagoräer wieder verdrängt. Aber auch dieſe hatte einen wohlthätigen Einfluß, denn wenn gleich die allgemeine Phyſik vernachläſſigt wurde, ſo führte ſie zum Gefühl der Einheit zurück, und das Studium der geheimen Kräfte brachte ſie zur Lehre der Chemie. Die Idee der Verdickung und Ver - dünnung der Ioniſchen Schule und des pythagoräiſchen Bundes40. iſt eine Philoſophie des Maaſſes und der Zeit, die nach vielen Jahrhunderten auf Copernicusund Keplernoch wirkte.

[7. Vorlesung, 24.11.1827]

3. Einfall der Araber in Aegypten.

In den frühen Zeiten haben ſich die Phönicier und Aegypter mit der Unterſuchung der Stoffe am meiſten beſchäftigt. Wir ſehen dies an der Bereitung metalliſcher Gemiſche der Färbung des Glaſes, der Einbalſamirung ihrer Todte<n>welche ihre Grabmäler bis zu unſrer Zeit aufbewahrt haben. Von hier gingen dieſe Kenntniſſe nach Rom über. Aber auch die ſchwärmeriſchen Ideen des Morgen - landes wurden unter Hadrian's Regierung mit in Rom eingeführt. Schon unter dem Kaiſer Calligulabediente man ſich der Chemie zu Verſuchen um Gold zu machen, und dieſe wurde ſo allgemein, daß der Kaiſer Diocletianein Edict gegen die Chemiker ergehen ließ. Pliniuserzählt nämlich im 33 B. 22 K. ſeiner Hiſtoria naturalis, daß man dem Kaiſer Caligulavorgeſpiegelt habe, aus Operment Gold zu machen, es ſei aber ſehr wenig Au<s ->beute erhalten worden! Dennoch wurden dieſe chemiſchen Verwandlungſproceſſe fortgeſetzt, und der Kaiſer Dio - cletiangab endlich den Befehl, alle[aegyptiſchen] Bücher über die Chemie zu verbrennen.

41.

Das Wort Chemie kommt aus dem Coptiſchen und Plutarcherwähnt es ſchon. Urſprünglich iſt es von dem Namen eines Landes genannt Chiari, abgeleitet, in welchem ſie ihren Urſprung mag gehabt haben.

Der Verfall Aegyptens als römiſche Provinz be - reitete eine Revolution vor, durch welche die Araber um ſo leichter Eingang fanden. Erſt bei ihrem Durchzuge durch Aegypten, erlernten ſie chemiſche Kenntniſſe, in welchen ſie ſich bald ſo ſehr auszeichneten.

Während der Schwächung des römiſchen Reichs durch lombardiſche und germaniſche Stämme, die Nacht über das Abendland deckte, blühte die Cultur im Morgenlande um ſo heller auf. Während der Oſten ſich hob, ſank der Weſten in Dunkelheit, da er nichts von den Fort - ſchritten jener Länder erfuhr. Doch nicht allein nach Süden richteten germaniſche Stämme ihre Wanderungen, ſondern auch nach Oſten, tief in Aſien hinein, noch hinter der chine - ſiſchen Mauer ſind deutſche Stämme nach Klaproth's Entdeckung gedrungen, die jetzt noch den Namen Uſier führen und im Lande Manſchu wahren. Sie wurden anfänglich von den Perſern angeregt, ſich auf chineſiſche Stämme zu werfen. Erſt 400 Jahre nach dieſer erſten Wanderung bedrängten die germaniſchen Stämme die42. Völker des ſüdlichen und weſtlichen Europa's. Eine ſpätere Völkerwanderung iſt die der Hunnen, die nicht nach der allgemeinen Annahme ein mongoliſcher, ſondern ein finniſcher Stamm ſind. Nach dieſen folgte die der Gothen.

Zu den Epochen welche den Geiſt der Menſchen wieder auffriſchten, gehört die der Herrſchaft der Ara - ber. Sie waren nicht die Erſten, welche in Aegypten eindrangen, da[?] Hirtenvölker, die durch den Iſthmus kamen ihnen vorangingen. Nachdem die Araber Jahr - tauſende ruhig auch ihrer Halbinſel gelebt hatten, über - zogen ſie Aegypten,unddrangen immer weiter vor, und herſchten vom Ganges bis zu den Säulen des Hercules. Sie kamen unwiſſend ohne roh zu ſein, wie ſich der eigene Character der Wecha[?]biten zeigt, doch eine groſſe Vor - liebe für die Natur, weckte bei ihren Nachkommen die Wiſſenſchaften, die beſonders weſtlich bei ihnen aus - gebildet wurden. Sie kamen nach Aegypten ſchon mit Keimen der Civiliſation, die ſie von Muhametderhielten, und ſtanden mit Aethiopien, Aegypten und Perſien in Verbindung. Griechiſche Aerzte hatten ſich mit Neu-Platoniern ſchon zu Muhameds Zeiten in Mecca niedergelaſſen, und ſelbſt vor Muhamedfinden43. wir die Dichtkunſt bei ihnen blühen,4 auch Kampfſpiele wurden in Mecca und Medina von ihnen gefeiert.

Die glänzenſte Epoche der Araber war, als die Ge - ſchlechter der Aſcheni[?]eden und Caliphat ſie beherſchten. Durch die Einwirkung der aegyptiſchen Schule, und durch griechiſche Flüchtlinge blüheten die Wiſſenſchaften auf. Merkwürdig genug daß Griechenland bei ſtetem Unglücke, Strahlen des Lichtes überall verbreitete. Die Araber fingen an, Himmelsbeobachtungen, Chemie und Pflanzen - kunde zu treiben, erfanden aſtronomiſche Inſtrumente, nahmen die indiſchen Zahlen an, die ſie wahrſcheinlich durch den Verkehr mit den Perſern erhielten, und die im 13 ten Jahrhundert unter dem Namen arabiſche Zahlen zu uns kamen, und durch ihre Einfachheit großen Ein - fluß auf die Wiſſenſchaften hatten. Die erſte richtige Kenntniß der Optic und Refraction der Strahlen gehört ihnen an. OparisWerk, aus dem Plutarchſchöpfte, enthält vieles darüber wieHerr De Lambertneuerlich gezeigt hat. Im 11 ten Jahrhundert ſpricht ſich ſchon ihr Geiſt für aſtronomiſche Beobachtungen aus. Die Ueberſetzung grie - chiſchen Werke wurde von ihnen ſo wichtig erachtet, daß ein Ueberſetzungs-Ausſchuß entſtand. Die Wiſſenſchaften waren in das Kaſten-Verhältniß eingezwängt, nach44. dem Grundſatze des islamiſchen Glaubens. Die wich - tigſte Tendenz iſt die chemiſchen Entdeckungen. Sie haben zuerſt die Säuren entdeckt, als Salpeterſäure, König - waſſer etc. Sie bereiteten ferner Queckſilberoxyd, Roſen - waſſer, etc. ſelbſt eine Art von Brantewein wußten ſie zu deſtilliren. Es iſt überhaupt ſchwer Alles anzu - geben, was wir den Arabern zu verdanken haben.

Die Araber hatten 2 Reflexe, einen nach Oſten an den Mongolen, wo ein Enkel des Timurdie Sternwarte zu Samarkand errichtete, und den andern gegen Weſten an die Spanier. Sie füllen mit ihrer Betriebſamkeit eine glänzende Epoche aus die vom Jahre 640 bis 1235 zur Einnahme von Cordova reicht. Nach der Unterdrückung der Araber in Spanien, findet ſich der Abglanz ihrer Kenntniſſe bei Baco (einem Spanier) in Majorca der die ars magna hinterließ. Der Dr. Mirabilisbildet eine myſtiſche Schule in Spanien; er nahm die Einheit der Natur tief wieder auf, endete aber wegen An - ſchuldigung von Zauberei im Kerker.

4. Entdeckung von Amerika.

Dieſe Epoche wurde durch das Aufblühen des Handels in den italiänſchen Freiſtaaten vorbereitet, und durch45. die Erfindung der Buchdruckerkunſt 1436 ungemein begünſtigt. Petrarchas Poëſie hat vorzüglich dazu bei - getragen, die klaſſiſche Literatur Italiens zu bilden. Schon der König Robertſchickte nach Griechenland um Bemerkungen zu ſammeln. Das freie Sprachſtudium wirkte bedeutend mit. Ein vorzügliches Studium der alten Claſſiker hat beim Aufblühen der italiänſchen Civili - ſation, alte Kenntniſſe wieder geweckt.

Die ſcandinaviſchen Schiffer Gornund Dreihaben ſchon im Jahr 1003 Amerika theilweiſe entdeckt, nament - lich die Küſte von Neu-Fundland. Die Gebrüder Ce[?]nihatten ums Jahr 1390 ebenfals ihre Reiſe dahin gerichtet, und nicht allein Neu-Fundland ſondern auch Georgien beſucht. Ja im 11 ten Jahrhundert trug Marco Polos Reiſe viel dazu bei, indem er ſüdlich zwiſchen Sumatra und Java durchdrang. Doch iſt der Einfluß dieſer Reiſen nicht ſo groß geweſen, als derjenige, an denen ganze Reiche wie Spanien und Portugal Theil nehmen.

Die Entdeckung von Amerika trifft mit 3 großen andern Weltbegebenheiten zuſammen, denn während Amerika ſich gleichſam aus den Wellen erhob, ſtiegen die ſchönſten Gebilde der alten Kunſt aus ihren Gräbern empor, in den Jahren von 1498 1506, als der Apol, etc.

46.

Martin Luthers und Calvins groſſe Reform gab dem Geiſte Freiheit und Stärke. Zu derſelben Zeit fiel die Entdeckung eines neuen Weltſyſtems von Copernicus1507, aber 1543 erſchien erſt ſeine Schrift Gregoriam coeleſtinam recolationis. Er glaubt das Syſtem des Phylolauswieder herzuſtellen, das er mißverſtand. Doch begeiſtert durch daſſelbe kam er auf ſein groſſes Syſtem.Herr Idelerhat gezeigt daß ArchimedesWerk ihm unbekannt bleiben mußte, da es erſt ein Jahr nach ſeinem Tode erſchien.

Die Entdeckung von Amerika weckte eine groſſe Zahl von Anſichten. Man ſah hier zuerſt Schnee unter dem Aequator; damals erkannten die Menſchen zuerſt daß vom Aequator nach Süden zu die untere Schneela<ge>ſich mit den Breitegraden verändere. Man erkannte zuerſt den Einfluß der Höhe auf Clima, auf Pflanzen. Es entſtanden groſſe Diſcuſſionen über die verſchiedenen Menſchenracen, nördlich weiſſe, die ſüdlich dunkeler war aber auch eine Art von Aethiopier, die nicht von der Hitze gefärbt ſein können, da ſie auf den Höhen der Andeskette leben, die ein Clima wie Norwegen und Schweden haben. Man kam auf eine richtigere Anſicht der Vul -47. kane, die auf der Andeskette ſo häufig ſind. Man er - kannte die wahre Natur der fabelhaften Waſſervul - kane. Der Golfſtrom wurde entdeckt. Nicht allein eine neue Erde war entdeckt, auch ein neuer Himmel wurde geſehen, an dem die magelaniſchen Wolken beſonders auffielen, und 2 groſſe Nebelflecke ſind, die ſchon den Arabern bekannt waren.

Wer erkennen will, wie die Entdeckung von Amerika auf die phyſikaliſche Erdbeſchreibung wirkte, der leſe AcoſtisNaturgeſchichte, geſchrieben am Ende des 16 ten Jahrhunderts, der die erſten Anſichten ſammelte, die die Spanier nach Europa brachten. Petrus Magnus Angieraſchrieb um dieſelbe Zeit.

[8. Vorlesung, 28.11.1827]

Nach der Entdeckung von Amerika belebten ſich Städte und Univerſitäten. Columbus, Vasſo de Gamaund Ma - gellanerweiterten die Schiffahrt. Columbusbeobachtete die Paſſatwinde, und auch er war es, der zuerſt zwiſchen den azoriſchen und canariſchen Inſeln die Beobachtung von der Abweichung der Magnetnadel machte.

Die ariſtoteliſche Philoſophie in ihrem engen Gewande hatte keinen Raum mehr für ſo vieles Wiſſen und nahete ſich ihrem Ende. Zu ihrem Sturze trug Jordano Brunoein Italiäner viel bei, der Mathematic vortrug, und das merk -48. würdige Schickſal hatte, von Calvinverketzert und von der Inquiſition verbrannt zu werden. Baco5und Com - panella, (Philoſophia inſtauranda)6 Zeitgenoſſen von Jordano Bruno, glücklicher als er, folgten ihm in ſeinen Anſichten. In beiden Werke ſpricht ſich ein tiefes Ge - fühl für die Einheit der Natur aus.

Wenn in dem Leben der Völker und ihrer Entwickelung geiſtiger Kräfte, alles organiſch zuſammenhängend er - ſcheint, ſo haben die Araber durch den Einfluß der aſtro - nomiſchen Tafeln die Entdeckung von Amerika vorbereitet. Sie hatten einen bedeutenden Einfluß auf den Nutze<n,>den die phyſikaliſche Geographie durch Pflanzenkunde und Chemie erhielt. Wiſſenſchaften, die ihr Entſtehen nur ihnen verdankten, und die im Groſſen nun durch jene Entdeckung in Ausführung gebracht wurden. Melalam〈…〉〈…〉 Caſtalamaund Fuscanellahaben das größte Verdien<ſt.>Letzterer ſtand mit Columbusim Briefwechſel, und be - ſtärkte ihn in ſeinem Unternehmen.

5. Die Entdeckung phyſikaliſcher Inſtrumente.

Dieſe Epoche fällt von 1590 bis 1643. Die vorigen Epochen waren merkwürdig durch Reiſen und Länderent - deckungen, man ſuchte durch den Beginn der Wiſſenſchaften49. die Erfahrungen der ſinnlichen Erſcheinungen wahrzunehmen, und Unterſuchungen darüber anzuſtellen. Dieſer Epoche war es vorbehalten die Organe zu erfinden für's tiefere Forſchen, durch neue Inſtrumente die Sinne zu verſtärken.

Das Fernrohr wurde 1590 von Middelbergerfunden. Er lehrte uns, daß auch andere Planeten Monde haben, die Urſache des erblühten Erſcheinens in der Milchſtraſſe, den Ring des Saturns, die Mondberge u. ſ. w. Das Thermometer iſt 1600 von Fahrenheiterfunden, und 1700 von Reaumurverbeſſert. Den Einfluß der Temperatur auf die verſchiedenen Climate und ihrer Vege - tation lernten wir durch ihn kennen.

Das Barometer, 1630 von Torricellierfunden, zeigte den Druck der Atmosphäre. Pascalwandte es zuerſt zur Meſſung der Höhe der Berge an. Die Ebbe und Fluth der Atmosphäre wurde durch ihn entdeckt. Leibnitzbehauptete in ſeinem Streite gegen Newton, es zuerſt in der Aſtronomie im Jahre 1674 angewandt zu haben. Später leiſtete es vorzüglich der Phyſik Dienſte.

Je mehr man ſich der neuern Zeit nähert, iſt dieſe Epoche um ſo ſchwieriger in ihrer Reihenfolge zu entwickeln. Die Erweiterung der Schiffahrt, die weitere Verbreitung der Wiſſenſchaften, häufen die Entdeckungen auf eine50. Art, daß Deutlichkeit der Darſtellung, nur durch die Compoſition des Gemäldes entſtehen kann.

Genauere Kenntniß von den Luftſtrömungen ver - danken wir Dampierund Hallier; ſie ſahen zuerſt ein daß man die Atmosphäre als ein Luftmeer betrachten könne. Letzterer entdeckte auch die Linien der Ab - weichung der Magnetnadel.

6. Cook's Reiſe um die Welt.

Dieſer verdanken wir eine Vollendung der Kennt - niß unſers Erdkörpers, und die Umſchiffung der Erde. Ungeachtet der vielen Entdeckungen in der Naturgeſch<ichte>und der Phyſik, iſt ſie nicht ſowohl durch ſich ſelbſt ſo wich<tig>als durch die Folgen die ſie hatte.

Ihr verdanken wir die Erweiterung der magneti - ſchen Linien, eine genauere Kenntniß der Tempe - ratur der Meere, die geognoſtiſche gleiche Vertheilung der Gebirgsarten und Lagerung der Erdſchichten. Unſer<em>Landsmann Forſteraus Halle, welcher als Natur - forſcher Theilnehmer dieſer Reiſe war, verdanken w<ir>vorzüglich dieſe Entdeckungen.

51.

Dieſe Reiſe war der Anſtoß zu allen darauf fol - genden. Die Regierungen fingen an ſich lebhaft dafür zu intereſſiren. So leiſteten die Reiſen von Baudin, Freycinetund Dupertfür die Kenntniß der phyſikaliſchen Erdbeſchreibung ſehr viel; ſie lieferten den Beweis gegen die damalige Annahme, daß die ſüdliche Hemisphäre nicht ſtärker abgeplattet ſei als die nördliche.

Die Landreiſen ſind ein charakteriſtiſcher Zug neuerer Zeiten. Sie ſind nicht ſo ausgedehnt wie die, welche bei den Arabern ſtatt fanden, aber mit neuen Inſtrumenten ausgerüſtet, führten ſie in kurzen Strecken und in einzelnen Theilen verſchiedener Climate zu den wichtig - ſten Entdeckungen. Das Innere von Aſien wurde uns bekannt durch die Reiſen von Niebuhrund Pallas. Erſterer fand daß das Himalayagebirge, (4500 Toiſen hoch) höher als der Chimboraſſo in der Andenkette Amerika's ſei. In Europa wurde vorzüglich durch Sausſureder Einfluß der Gebirge phyſikaliſch unterſucht. Reiſen in Amerika fanden ſtatt, auf denen viele Inſtru - mente zu Beobachtungen benutzt wurden. Der ſüdliche Theil von Afrika wurde von Barn, Lichten - ſteinund Hochſtättergenauer unterſucht. Beſſere Folgen hatten die Reiſen ins Innere von Afrika52. durch Hornemann, Mungopark, Denhamund Clapperton.

Früher glaubte man, nur durch groſſe Reiſen wichtige Entdeckungen und Beobachtungen machen zu können. Es giebt aber einige Wiſſenſchaften denen die Stettigkeit des Raums mehr Stoff bietet wie weite Strecken, da man den Typus weiter Gegenden oft auf einem kleinen Raume findet. Die Geognoſie hat auf dieſem Wege ihre Ausbildung erhalten, denn die Kenntniß der Formationen durch Wernerund ſeine Schüler ſind überall anwendbar; durch dieſe wurde erſt bekannt, wie die einzelnen Reſte der organiſchen Natur in den Steinſchichten ſich verbreitet finden. Cuvier, Brangaund Schlottheimverdanken wir beſonders die genaue Kenntniß derſelben. Eine Folge derſelben war die Kenntniß der ausgebrannten Vulkane, die von Cenit -[?] Porphyr umgeben ſind. Die Idee der Hebung der Berge und Inſeln, eine genauere Kenntniß der Erdbeben gingen durch Beobachtungen in engere Räume hervor, und ſind auf ganze Continente ausgedehnt und haben Licht durch phyſikaliſche und chemiſche Ent - deckungen erhalten.

Italien die Wiege ſo vieler Kenntniſſe in den53. Künſten, der Wiſſenſchaften und der Litteratur, ver - danken wir auch die Entdeckung des Galvanismus und die Erfindung der Voltaiſchen-Säule, die zu höchſt wichtigen Entdeckungen führte. Sie zeichnet ſich durch die Zerſetzung der Körper aus, die unter ihre Einwir - kung gebracht werden, indem die verſchiedene Pole der Säule die verſchiedenen Stoffe anziehen. Die Entdeckung der elektriſchen Säule geſchah im Jahre 1800von Alexander Volta. Durch ihre Anwendung hat Da〈…〉〈…〉vydie Metalloide entdeckt, woraus unſere Erdarten im oxydirten Zuſtande beſtehen.

Eine andere wichtige Entdeckung von Arſtid, 1820, iſt die Identität der magnetiſchen und elektriſchen Kräfte, es ſind nur verſchiedene Aeuſſerungen der nämlichen Grund - Kraft. Aragofand daß die Erregung der elektriſchen Kräfte in allen Körpern zu bewerkſtelligen ſei durch Rota - tion, ſelbſt im Waſſer. Man gewann Kenntniß über die Bildung der Wolken und des Nebels; über die Entſtehung der Phänomene des Nordlichts, der Gewitter und Gewitter - regen, die immer noch in dunkel gehüllt ſind, erhielten wir einiges Licht. Dalton, Sausſure, Gay-Lusſac, DeLuc, Erman, Bellinghauſenund andern verdanken wir die wichtig -54. ſten Entdeckungen. Herr Ermanverdanken wir ein neues Inſtrument, die Feuchtigkeit der Luft genauer zu beſtim - men als bisher.Herr Gay-Lusſacſtellte die geiſtreiche Idee der Spannung der Atmosphäre auf.

Am Ende des 18 ten Jahrhunderts führte die Verbeſſerung der Fernröhre durch Dollon, Herſchelund Frauenhoferzu wichtigen Entdeckungen in der Aſtronomie. Ein neuer Plane<t,>der Uranus wurde aufgefunden, zwei Cometen entdeckt der Enkiſche und Bielaſche, die unſer Planetenſyſtem nicht verlaſſen. Die Bewegung der Doppelſterne, die Nebelflecke in den entfernſten Räumen wurden erkannt. Die Entdeck<ung>der Polariſation der farbigen und unfarbigen Gläſer in den Inſtrumenten, hat zu den Beobachtungen gewirkt ob das Licht der Körper ein eigenes ſei, oder von andern Himmelskörpern komme.

So wie Doppelſterne und Nebelflecken in der Erweite<rung>der Weltanſichten die Aſtronomie an den äuſſerſten Gren - zen des Weltſyſtems beſchäftigten, bemüheten ſich engliſche Reiſende unter der Führung des Capitain Parrydem äuſſer - ſten Ende der Erde, dem Nordpole ſich zu nähern, und drang bis zum 86° N. B. vor. Der Capitain Hu[?]ynnäherte ſich dagegen dem Südpol um mehr, als Cookgekommen war und fand gegen die allgemeine Annahme, daß ſich am Südpol55. weniger Eis als am Nordpol finde.

Die Entwickelung der menſchlichen[Intelligenz] hält gleichen Schritt, mit der Entwickelung des phyſikaliſchen Wiſſens. Früher hatten die Völker mehr Neigung zum Philoſophismus, da die Cultur nur um des abendländiſche Inſelmeer verbrei - tet war. Unſere Epoche hat der Cultur eine groſſe Ver - breitung gegeben; die Fortſchritte in den Wiſſenſchaften und Entdeckungen ſind gleichzeitig, aber nicht gleichmäſſig, da ſie als Stöſſe anzuſehen ſind, die ſie durch ausgezeichnete Männer oder durch Weltbegebenheiten erhalten.

Das Streben nach allgemeinen Ideen, nach Einheit der Natur iſt wieder geweckt. Bei dem Bau des Himmels mit Berückſichtigung des Planetenſyſtems war es eher möglich Uebereinſtimmung und Einheit aufzuſtellen, beſonders durch das Wirken von Kepler, Newtonund La Place. Schwieriger aber iſt dies auf der Erde, wo die Heterogenität der Stoffe, die chemiſchen Verhältniſſe, die ungleichen ſtarren und flüſſigen Theile der Erde, mannigfaltige Erſcheinungen geben. Dohlamberthat das Problem auf eine merkwürdige Weiſe gelöſt, die Mechanik des Himmels dargeſtellt. Vieles Dunkel haben immer noch die Vulkane in der Geognoſie, und die meteoro - logiſchen Erſcheinungen der Atmosphäre für uns, ſo wie die56. elektriſchen Spannungen der Gewitterwolken und Gewitter - regen, als auch die Erſcheinungen des Nordlichts, das wahrſchein - lich an den Grenzen der Atmosphäre ſeinen Urſprung hat.

Es iſt ein Vorurtheil beſonders der neuern Zeit, daß man glaubt, die Entdeckungen in den einzelnen Wiſſenſchaft hätten keinen Einfluß auf die Entdeckung des allgemeine Wirkens der Kräfte im Groſſen. Die neuern Fortſchritte ſprechen aber gegen dieſes Vorurtheil, da die Entdeckungen in der Chemie und Phyſik, durch die Voltaiſche Säule glänz<ende>Fortſchritte hervorgebracht haben.

[9. Vorlesung, 01.12.1827]

Als Quellen der Wiſſenſchaft ſind beſonders anzuführen

  • a. Studium der Natur nach Sammlungen, und
  • b. Studium der einzelnen hierher gehörigen Naturwiſſenſchaft durch die Litteratur.

Das Studium der Natur iſt das wichtigſte, es kann ge - fördert werden durch Reiſen, auf deren Beobachtungen der Natur geſammelt werden.

Zur allgemeinen Ausbildung iſt es aber nöthig alle Reiſebeſchreibungen und Schriften die darauf Bezug haben durch zugehen. Das Generelle kann nur aus dem Einzelnen hervorgehen, durch das Specielle von Beobachtungen einzeln<er>Völker, finden wir, daß es auch nothwendig iſt, einige Betrachtungen der Natur zuzuwenden.

57.

Die älteſte phyſikaliſche Geographie aus der Mitte des 17 ten Jahrhunderts iſt Vareniusgeographia generalis. 7Der Plan zu dieſem Werke iſt ſehr ſchön, nur wird oft das Generelle mit dem Speciellen darin verwechſelt.

Muloc's Einleitung in die mathematiſch-phyſik: Erdbeſchreibung. 8

Bergmanns phyſikaliſche Erdbeſchreibung. 9

Neuere Werke ſind:

Die äſthetiſche Behandlung von Naturſonnen und der Einfluß der botaniſchen Gärten durch ihre pittoreske Zu - ſammenſtellungen hat in neuerer Zeit mächtig angereizt fremde Länder zu ſehen. Nicht weniger hat die Kunſt in der lebendigen Aufnahme von Pflanzenformen hierzu bei - getragen.

In den frühern Zeiten der Griechen und Römer waren dieſe Schilderungen nur im Geſange den Dichtern eigen. Es bildete hier die Landſchaftsmalerei den Hinter - grund der Gemälde. Die eigene Richtung der unbelebten Natur war ihnen fremder. Die Griechen und Römer zeigen auch groſſe Liebe für die Natur, wie PliniusBeſchreibung ſeiner 2 Villen22 und Cicero's Briefe23 beweiſen. Solche Be - ſchreibungen wurden aber keine beſondern Zweige der Litte - ratur, ihre Liebe für Natur zeigt ſich immer nur ein Hintergrunde ausgedrückt, wie ſie ſie benutzten um den lebenden Figuren Licht zu geben.

Dieſe ſentimentalen Anregungen ſind mehr dem indiſchen59. Stamme eigen, wir finden in ihrer Poeſie die anmuthigſten Beſchreibungen, und ein tiefes Gefühl für Pflanzen und Thiere. In ſpätern Zeiten erſchien beim Aufleben der Litteratur von Cardinal Bendeeine Phyſionomik der Pflanzen. Er bemühte ſich die Naturſcenen des Aetna zu ſchildern. 24Andere vortreff - liche äſthetiſche Behandlungen ſind in dem groſſen hiſtoriſchen Werke von Benderüber die Natur in Amerika. 25In neuern Zeit iſt Buffondurch ſeine Naturgeſchichte auch hierin ausgezeichnet, doch haben ſeine Schilderungen viel Kälte, indem er nicht ſelbſt ſammelte. 26 Georg Forſterwar in neuern Zeiten der erſte Deutſche, der in ſeinen ſchönen Beſchreibungen der Südſee eine Naturſchilderung gab. 27Denn Bernardüber tropiſche Erſcheinungen,28 und Chateubriantin ſeiner Beſchreibung des Miſſiſſipi29 haben unter den Franzoſen ſich ausgezeichnet.

Neben der äſtthetiſchen Behandlung der Naturſcenen iſt die Landſchaftsmalerei ein anderer Zweig. Bei den Alten war ſie kein beſonderer Gegenſtand der Kunſt geweſen. Im Aufleben der Künſte blühte ſie zuerſt in der nieder - ländiſchen Schule bei Verneuk van Eyk (doch nicht bei Hubertund Johann van Eykdie die Stifter der[niederländiſchen] Schule waren. ) In der Mitte des 16 ten Jahrhunderts beſchäftigte ſich damit Basſanound Carracci, es war dies jedoch mehr Nachahmung der Phantaſie. Erſt in der Mitte60. des 17 ten Jahrhunderts ſammelte Franz Hoſtder 1647 mit dem Prinzen Moritznach Braſilien ging exotiſche Naturſcenen. In neuern Zeiten hat der Maler Hodgeswelcher Cookauf ſeiner Reiſe begleitete Tropenſcenen aus Oſtindien geliefert. Beſonders aber hat Franz Rugendasin Darſtellungen von Pflanzenformen ſich hervorgethan.

Es hat dieſe Kunſt der Verbindung der Pflanzenformen mit der Landſchaftsmalerei in neuern Zeiten zu Reiſen mächtig angereizt. Sie gab auch mir den erſten Antrieb, wozu beſonders Forſter's Schilderungen der Südſeeinſeln30 und HodgesGemälde der Naturſcenen von Oſtindien wirkten.

Hiermit iſt die Einleitung meines Vortrages beendigt.

Die Weltbeſchreibung iſt definirt worden, als eine Beſchreibung desGeſchaffenen, und wir können das Welt - ſyſtem 3 Betrachtungen unterwerfen.

  • 1. Anhäufung der Materie nach abſoluten Maſſen.
  • 2. Anhäufung der Materie nach Maaß und mathem. Gröſſe
  • 3. Anhäufung der Materie nach dem Maaß ihrer räumlichen Entfernungen.
61.

1. Anhäufung der Materie nach abſoluter und relativer Gröſſe.

Es iſt hier nicht die Rede die telluriſchen Verhältniſſe zu vergleichen, wir wollen zu den Weltkörpern in ihren Verhältniſſen ſelbſt gehen und betrachten wir die einzelnen Stoffe im Weltraume vertheilt ſind. Zuerſt iſt es uns auffallend wie der kleinſte Planet die Veſta 59 60 Meilen im Durchmeſſer hat. Auf der andern Seite ſehen wir kleinere Weltkörper welche nicht zu unſerm Syſtem gehören, und mit den Aerolithen zu vergleichen ſind, die aus fernen Weltgegenden zu uns kommen. Der Durchmeſſer der Veſta verhält ſich zu dem der Sonne wie 1: 3,300. und Saturns innerſter Trabant iſt noch kleiner als die Veſta. Der gröſſte Aerolith der in Mexico gefunden iſt hat etwa 5′ im Durchmeſſer, der nur (80) mal an Gröſſe vom Trabanten des Saturns übertroffen wird. Der Durchmeſſer des Sirius iſt wenig - ſtens 34mal gröſſer als der der Sonne. Sehr wahr - ſcheinlich iſt des Saturns innerſter Trabant nur halb ſo groß im Durchmeſſer als die Veſta. Es würden demnach 135,000 Aerolithen einen Cometen bilden, während 12,000 dieſer Cometen (Satelliten) zum Centralſtern Sirius gehörten.

62.

Ein ſo ungeheurer Unterſchied findet in Vertheilung der Materie ſtatt. Der Aerolith von 5 Fuß Durchmeſſer würde ſich zum Centralſtern Sirius wie 1: 28 tauſend Millionen verhalten. Wir ſehen daraus,daß zwiſchen den innerſten Trabanten und dem Sirius ein gröſſerer Unterſchied iſt, als zwiſchen dem erſteren und dem in Mexico gefunden Aerolithen von 5′ Durchmeſſer. Auſſer dieſen ſtarren Körpern giebt es noch eine groſſe dunſtförmige Materie welche zerſtreut liegt, ſie iſt theils ſichtbar,[theils] un - ſichtbar, theils läßt ſie ſich auch nur folgern. Die groſſen Luftpyramiden des Thierkreislichts, die wir des Frühjahrs und Herbſt bei uns nur ſehen ſollen, und gegen 10 Grad hoch den Horizont erhellen, gehören nicht wie man〈…〉〈…〉 glaubte zur Sonnenatmosphäre. Es iſt eine Erſcheinung die man täglich am Tropenhimmel ſieht, oft ſtoßweiſe leuchtet und zuerſt von Casſinigeſehen iſt. Eine 2te ſichtbare dunſtförmige Materie ſind die von Herſchelentdeckten Nebelflecke. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſie zu - ſammengedrängte Sterngruppen ſind, die planetariſch〈…〉〈…〉 und in denen noch kein feſter Körper entdeckt wurde, obg<leich>ſie mit 8 900 maligen Vergröſſerungen beobachtet ſind. Je gröſſer die durchdringende Kraft der Telescope iſt, je mehr wird man die äuſſerſten Räume des Weltalls63. und ihr Zunehmen gewahr.

In den ſtarren Weltkörpern die eine feſte Maſſe den Wirkungen des Lichts entgegen ſtellen, finden wir weniger die Maſſe des Lichts angezeigt, wie bei dünnern mehr flüſſigen Körpern als den Cometen, die dadurch empfäng - licher für das Licht ſind. Der enkiſche und bielaſche Comet laſſen uns auf ein ſehr ſtarkes Licht ſchlieſſen, das ſie erhellet. Herr Olbershat darauf aufmerkſam gemacht, daß bei den vielen Sternſchichten in jedem Puncte des Weltalls ein leuchtender Körper ſei, auf die wir nach verſchiedenen Puncten durchblickend treffen, dieſe das Weltall von den vielen Lichtſtrahlen ſonnenhell erleuchtet, und die Sonne ſo überſtrahlen müßte, daß ſie nur als ein heller Körper mit 2 dunkeln Flecken uns erſchiene. Da dieſes aber nicht der Fall iſt, ſo ſchließt Herr Olbersmit Recht auf eine lichtſchwächende Materie, die dunſtförmig, noch nicht zu Weltkörpern geſtaltet im Weltall verbreitet ſei.

[10. Vorlesung, 05.12.1827]

2. Anhäufung der Materie nach der Beſchaffenheit in der Verdichtung.

Dieſe iſt dreierlei. a. ſtarr, b. tropfbarflüſſig und c. elaſtiſch flüſſig. Wir ſehen alle 3 Arten auf unſerer Erde vertheilt.

  • a. Die ſtarre Materie erkennen wir an den feſten Theilen unſerer Erde, den Felſenmaſſen hoher Gebirge.
  • 64.
  • b. Die tropfbarflüſſige Materie füllt der Ocean; Wahrſcheinlich iſt auch das Innere unſerer Erde damit angefüllt; denn es iſt wahrſcheinlich, daß bei der zu - nehmenden Erdwärme nach dem Innern der Erde, in der Tiefe von 48 Meilen eine Wärme von 1600° R. iſt, bei der das Eiſen ſchmilzt.
  • c. Die elaſtiſch flüſſige Materie bildet unſere Atmosph. Sie beſteht vorzüglich aus 3 Gasarten, ſie enthält aber vielleicht noch viele andere Stoffe darin aufgelöſt.

So ſind aber nicht alle planetariſche Körper. Der Mo<nd>z. B. kann mit den Aerolithen verglichen werden, er ſch<eint>nur ein ſtarrer feſter Körper zu ſein, der eine ſehr dünne Atmosphäre hat. Man hat neuerlich allen Tra - banten die Atmosphäre abgeſprochen, jedoch hat man Erſcheinungen an den Satelliten des Jupiters wahr - genommen, daß ſie ſich auf eine wunderbare Weiſe verfinſterten, was nur ihrer Atmosphäre zugeſchrieben werden kann.

Andere Körper ſind nur gasartig wie die Cometen, d<a>man Sterne ſelbſt von 7 bis 8 ter Gröſſe durch den Kern derſelben geſehen hat. Da die mittlere Dichtigkeit dieſer Körper ſo dünn iſt, ſo müſſen die äuſſern Schichten dieſer Weltkörper eine auſſerordentliche Dünnigkeit haben. Denn wir müſſen wohl65. den Kern derſelben von den äuſſern Theilen unter - ſcheiden, da immer nach dem Mittelpuncte zu die ſtärk - ſte Verdichtung iſt. Noch dünner wahrſcheinlich ſind die Nebelflecken welche Herſchelentdeckte, deren Materie in groſſen Scheiben ſich ausdehnt, und bei der ſich darbie - tenden Vergröſſerung ſich nicht zu Sternen auflöſend er - ſcheinen.

Die untern Planeten welche der Sonne nahe ſtehen, haben eine Dichtigkeit wie Platina, die der entfernteren Planeten iſt der Naphtha gleich.

Eine andere wichtige Betrachtung iſt die chemiſche Ver - ſchiedenheit. Die chemiſche Beſchaffenheit unſres Erd - körpers kennen wir genauer; durch die Aerolithen aber, welche ſehr wahrſcheinlich Theile fremder Weltkörper ſind, und aus entfernten Welträumen zu uns kommen, können wir (nämlich nach deren Miſchungen) auf die anderen fernern Weltkörper ſchlieſſen. Ihre Beſtandtheile ſind unſern Gebirgsarten nahe verwandt, was auch die treffliche Unterſuchung desHerrn Guſtav Roſeuns gelehrt hat.

Von unſern Erdkörper kennen wir aber eigentlich nur die Rinde, die aus vielfachen Theilen zuſammenge - ſetzt iſt. Vorherſchend iſt Sauerſtoff und Kieſelerde, man findet eine ſehr groſſe Menge Sauerſtoff an unſere66. Erde gebunden, was Davyund Berzeliusgegen die frühere Annahme hinlänglich bewieſen haben. Man glaub<te>früher daß die Atmosphäre an Sauerſtoff reicher ſei. Die flüſſigen Maſſen ſind von geringerer Mannigfaltig - keit, größtentheils aus Sauerſtoff und Waſſerſtoff auch wahr Stickſtoff und geringen Gehalt von Kohlenſäure zuſammengeſetzt.

Eine andere Betrachtung iſt die Belebung des Orga - niſchen und Unorganiſchen. Die organiſchen Stoffe ſ<ind>nur dünn in der Rinde vertheilt, wenn gleich das Lebe<n>auch in einzelnen Pflanzen und Thieren ſich in den tief - ſten Höhlen und Klüften zeigt. Die organiſchen Stoffe zeichnen ſich von den unorganiſchen dadurch aus, daß, ſo lange ſie ein Ganzes bilden, ſich nicht verändern ſobald aber Trennungen von einzelnen Theilen entſtehen auch chemiſche Zerſetzungen folgen. Bei unorganiſchen Körpern dagegen ändern Trennungen den chemiſchen Zuſtand nicht.

3. Anhäufung der Materie nach dem Maaſſe ihrer räumlichen Entfernungen.

Man unterſcheidet allgemein Himmel und Erde, den telluriſchen und nicht telluriſchen Verhältniſſe. Wir67. können aber in dieſer Rückſicht 2 Fragen aufſtellen:

a. Welcher Himmelskörper iſt unſerer Erde am nächſten gekommen, und b. welche Himmelskörper ſich unter - einander am nächſten kommen.

a. Unter den Himmelskörpern iſt der Mond unſerer Erde an nächſten, und 48,000 Meilen von uns entfernt. Unter den Cometen iſt der, welcher 1670 erſchien auf 6 Mondweiten zu ausgekommen. Wäre er von der Dichtig - keit der Erde geweſen, ſo würde er die Tage um 3 Stunden verlängert haben. Von den neueren iſt der enkiſche Comet im Jahre 1826 nur 2 Mondweiten von unſerer Erdbahn entfernt geweſen.

Man kann auch fragen, ob es wahrſcheinlich iſt, daß Cometenſchweife unſere Erde berührt haben. Im Jahre 1683 bei dem groſſen Erdbeben in Calabrien, zeigte ſich die Sonne mehrer Tage hindurch gleich einer rothen Scheibe, der Mond wurde nur abwechſelnd geſehen, und ein ſtarker Heerrauch füllte die Atmosphäre. Man hat ſpäter geglaubt, daß gerade um dieſe Zeit ein Comet der Erde nahe geweſen ſein könne, der mit ſeinem Schweife die Erde berührt habe. Wohl wäre dies möglich geweſen, daes[?]in damaligen Zeit der Beobachtung hätte entgehen können. 68.Was aber dagegen ſpricht, iſt, daß er auch über dem atla<nti ->ſchen Ocean und Amerika in gleicher Breite zwiſchen dem 45 und 55 ten Grade gefegt haben müſſe, und eine gleiche Verfinſterung hätte man dort bemerken müſſen, welches aber nicht der Fall war. Es iſt gewiß daß der Comet von 1879 den 26 ten Juni vor der Sonnenſcheibe durch gegangen iſt; wäre er ein dichter Körper geweſen ſo hätte er der Erde einen Schatten zuwerfen müſſen.

Es iſt eine alte Sage, die faſt in alle Bücher, die von Cometen handeln, übergegangen iſt, daß ein Jahr nach der Eroberung von Conſtantinopel alſo 1454 ein Comet die Sonne verfinſtert habe, und iſt aus einer alten Chronik vom Obergarderobenmeiſter des bizantiſ<chen>Kaiſers geſchöpft. Neuere Forſchungen haben aber ge - zeigt, daß die Nachricht davon durch eine unrichtige Ueber - ſetzung der Jeſuiten in das Lateiniſche entſtanden iſt da nur im Originale ſteht, es habe ſich die Sonne ver - finſtert und ein Comet ſei geſehen worden.

b. Eine 2 te Frage alſo iſt, welche Himmelskörper ſich untereinander am nächſten kommen. Der innerſte Trabant des Saturns iſt von dieſem nur 27,300 Meilen entfernt, welches etwas über die Hälfte der Mondweite69. von der Erde iſt. Die 3 Satelliten des Saturns ſtehen dieſem näher, als der Mond von uns entfernt iſt; dieſer iſt erſt der 5 te Trabant welcher ſeinem Planeten am nächſten kommt. Der Comet von 1770 iſt im Jahre 1680 und 1689 zweimal zwiſchen dem Saturn und ſeinem 2 ten Trabanten durchgegangen, welche gegen 33,000 Meilen von einander entfernt ſind, ohne daß man eine Veränderung bemerkt hat. Dies iſt das merkwürdigſte Beiſpiel der Annähe - rung. Der Comet von 1780hat ſich auf 5 Mondweiten der Sonne genähert. Der groſſe Ring des Saturns iſt wahrſcheinlich eine Materie die ſich noch nicht zu Satelliten gebildet hat. Er iſt nur 5800 Meilen vom Saturn entfernt.

Betrachten wir die Materie in dunſtförmigen Maſſen, ſo ſehen wir, daß in denen theils Sterne eingeſenkt ſind, theils ſich noch gleichförmig zeigen; ja es giebt Uebergänge von den Sternen zu der Materie.

1. Lichtſtrahlen. Die Entfernung hat man durch die Ge - ſchwindigkeit des Lichts berechnet. Vom Saturn braucht es um zu uns zu kommen Stunden, 3 Jahre vom Sirius, 2400 Jahre von dem Ende unſerer Sternſchicht, und 30 40,000. 70.Jahre von den entfernteſten Nebelflecken.

2. Attraction. Sie iſt ſtärker bei den dichten und feſten Körpern als bei den Lockern. Es iſt wahrſcheinlich daß die entfernteſten Sterne durch Attraction auf unſere Erde wirken doch reicht unſere Bemerkung davon nur bis zum Saturn. Die Inclination oder Abweichung der Erdaxe, die Ebbe und Fluth ſowohl im Ocean, wie in der Atmosphäre ſind davon abhängig. Letztern rühren von der Attraction der Sonne und des Mondes her.

3. Verkehr. Das Starre und Feſte der Aerolithen mach<t>es wahrſcheinlich, daß ſie nicht von auſſerhalb unſers Planeten - ſyſtems herkommen.

[11. Vorlesung, 08.12.1827]

Wenn wir den Character der Weltbeſchreibung ver - folgten, eine allgemeine Mittheilung über die Natur in dieſ<er>Welt geben, den Unterſchied zwiſchen der ſtarren und der nebligten Materie zeigten, den der Aerolithen mit den kleinſten Planeten, und dieſe wieder mit dem Cent<ral ->ſterne verglichen, die Stoffe der nebligten Materie ent - wickelt, und die Verhältniſſe und Wirkungen der ver - ſchiedenen Weltkörper zu einander dargethan haben, ſo kehre ich jetzt zu dem aſtronomiſchen Theile oder den71. nicht telluriſchen Stoffen zurück.

Die dem Auge durch Telescope ſich zeigende Materie iſt theils zu Kugeln geballt, theils ungeballt; es kann hier jedoch nur von dem die Rede ſein, was entdeckt iſt. Eine mathematiſche Behandlung dieſer Weltkörper ge - hört nicht in die phyſikaliſche Geographie, ſondern in die Geodäſie, wir werden uns mit den anderſeitigen Beſtand - theilen beſchäftigen.

Die phyſiſche Aſtronomie iſt nicht in dem Begriffe der neueſten Weltbeſchreibungen zu nehmen. Wir betrachten nicht allein die Bewegung, ſondern auch die Zuſammenſetzung und phyſiſche Beſchaffenheit der Weltkörper. Die Be - trachtung der andern Welten als Bewohner der Erde iſt für uns beſonders vortheilhaft, da unſer Weltkörper kein ſelbſtleuchtender iſt. Wenn wir auf der Sonne lebten, ſo würden wir von dem ſchönen Sternenteppich, der über uns ausgebreitet iſt, nichts wiſſen. Es giebt ſelbſt auf unſrer Erde einige Gegenden, wo dieſer Anblick oft einige Monate lang jährlich, wie es im niedern Peru der Fall iſt, durch die Nebel einer ſo dichten wäſſrigen Atmosphäre entzogen wird, daß die Sonne nur als eine rothe Scheibe erſcheint, und man den Mond nicht errathen kann.

72.

Würden jene Weltkörper nicht ſichtbar ſein, ſo könnten ſie auch nicht auf die Gefühle der Menſchen wirken. Einge - ſchränkter würde der Ideenkreis der Menſchen ſein, dem religiöſen wie dem wahren Wiſſen würde die eigenthüm - liche hohe Begeiſterung fehlen, wir würden nur ſehr unvoll - kommene Begriffe von der Geſtalt unſerer Erde haben, die allein auf Pendelverſuche begründet ſein könnte, ſchwer oder gar nicht würde die Lage der Länder trigonometriſch zu be - ſtimmen ſein, die Schiffahrt ihrer Hauptſtütze beraubt, würde nur beſchränkt ſein können, und die Kenntniß der höhern Mathe - matik nicht erlangt werden.

Die Lage der Erde, zu den mittleren Planeten gehörend iſt vorzugsweiſe für uns vortheilhaft. Auf der Erde aber zeichnet ſich jene Gegend, wo wir unter dem Aequator die Pflanzenformen der verſchiedenen Zonen vereinigt finden, vorzugsweiſe für die Beobachtung des Himmels aus, weil wir von dort alle Sterne des Himmels ſehen können. Ein groſſes Verdienſt wird ſich daher der gleichfalls als ausge - zeichneter Aſtronom bekannte Sohn von Herſchel, durch die Ausführung ſeiner beabſichtigten Reiſe erwerben, um in jenen Gegenden aſtronomiſche Beobachtungen anzuſtellen.

Wenn ſich auch die Exiſtenz der Weltkörper durch Lichter - ſcheinungen anzeigt, ſo ſehen wir doch nur das Licht der73. Sonne und des Mondes, von den Sternen dagegen nur Strahlen, und es iſt nicht nöthig daß ein eigenes Licht dabei wirkſam iſt. Durch Fernröhre geſehen verlieren ſich dieſe Strahlen, und eine Verminderung derſelben be - merken wir ſchon an dem Himmel der Tropen, wo die At - mosphäre reiner und gleichmäſſiger iſt, welches beweiſt, daß die Strahlen von der Beſchaffenheit unſerer Atmosphäre herrühren. Auch die Fixſterne ſind nördlich leuchtender als in den Tropenländern, was aber auch nach den Jahres - zeiten abändert, da in der trockene Zeit das Licht gleich - förmiger iſt als in der naſſen, wo es durch Dünſte gebrochen mehr funkelnd erſcheint.

Das unbewaffente Auge wird bei der Beobachtung der Sterne durch zweierlei getäuſcht, nämlich a, durch eine ſchein - bare Vergröſſerung, und b, durch ſternförmige Polygonalfiguren.

a. Scheinbar vergröſſert werden ſie dadurch, daß nach der Organiſation des Auges, es nur eine gewiſſe Entfernung des menſchlichen deutlichen Sehens giebt, wonach gleichſam durch einen Hebel gehoben, die Netzhaut zu einer Dilatation gebracht wird, die die Sterne vergröſſert. Ein Planet der nur 6 Secunden im Durchmeſſer hat, wächſt ſo ſcheinbar zu 4 Minuten Durchmeſſer an. Die Vega einer der leuchten - ſten Fixſterne hat Secunde im Durchmeſſer, dagegen der74. Uranus von 4 Secunden Durchmeſſer nur ſelten zu ſehen iſt, was von der Intenſität des Lichts abhängt. Bei der Bewegung des Mondes von Sternen hin, ſcheint der Stern eine zeitlang an dem Rande ſeiner Scheibe zu kleben. Man hat dies gleichfalls der Dilatation des Auges zugeſchrieben wir werden aber ſpäter ſehen, daß es andere Urſachen ſind, die hier täuſchen.