Qui tibi nomen et arma dedit de fonte salutis: Ex re nońne tibi nomen et arma dedit Fons vitæ Christus Christus spes vna salutis: Quem ſcriptis, nec non ore Philippe doces. Lucas Kilian Aug! ad invum deline avit et scalpsit.
GEliebte / Jch halte nicht fuͤr noͤtig / daß Jch mich anfangs viel vnd ſoꝛgfaͤltig meiner Perſon hal - ben ſolte entſchuldigen / warumb ich / der ich nicht ewer oꝛdenlich fürgeſetzter Prediger vnd Seelſoꝛ - ger bin / dißmals auff dieſe Cantzel / in diſer ſchoͤnen Kirchen getretten / für diſer anſehlichen volckreichen Gemeind ein Chꝛiſtliche Leichpredigt zuhalten / weyland dem Ehꝛwuͤrdigen Hochge - lehꝛten Herꝛn / Philipps Heilbꝛunnern / der H. Schꝛifft Doctoꝛn vnd Profeſſoꝛn / auch Pfarꝛern vnd Superinten - denten, der Kirchen vnd Schůlen allhie / ſeliger gedaͤchtnuß: Weiln es voꝛhin bewußt / daß ich mich hierzu ſelbſten nicht eingetrungen / oder auch anerbotten / ſonder ernſtlich erſucht vnd angeſprochen woꝛden.
So weiß ich mich auch danckbarlich zuerinnern / das vnſer inn Chꝛiſto entſchlaffne Herꝛ Superintendens vnnd Seelſoꝛger / voꝛ etlich vnnd dreyſſig Jahꝛen mein getrewer Præceptor allhie / vnnd jetzt etlich Jahꝛ her naͤcheinander mein oꝛdenlich fürgeſetzter Superintendens zu Gundelfin -A ijgen[4]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtprediggen geweſen / deßwegen kenne ich mich ſelbſten für ſchuldig vnd pflichtig / Jhme diß Chꝛiſtlich Werck zu gůtem valete zuerzeigen / wann ich nur nicht zu wenig vnnd zu betruͤbt hierzů were.
So darff ſich fürs Ander Ewr Lieb auch nicht ver - wundern / daß Jch eben das verleßne Spruͤchlein auß dem Propheten Eſaia, zu einem Text vnd Materi der Leichpre - digt erwoͤhlet vnd genommen / welcher bey etlichen das an - ſehen moͤchte haben / als wann es ſich hierzu nicht gar wol ſchicken wurde / beſonders weil im ſelben der Frewdt ge - dacht / man werde mit Freuden Waſſer ſchoͤpffen / auß dem Heilbꝛonnen / Wir aber jetzt mehꝛ Layd vnd Trawrigkeit / dann Frewd vnnd Wonne layder erfahꝛen / ja gleich mit Hertzleyd vnd Traurigkeit vberſchuͤttet / vmbfangen vnnd durch gangen ſeind / ein mal wegen vnſers allgemeinen gan - tzen gefaͤhꝛlichen vnd betrübten Zůſtandts vnd Trawerwe -Johan. 16. ſens / da es freylich je mehꝛ vnd mehꝛ nach Chꝛiſti Weiſſa - gung hergehen will: Warlich / warlich Jch ſage euch / Jr werdet weinen vnd heulen / aber die Welt wirt ſich frewen / jhꝛ aber werdet trawrig ſein / doch ewer Trawrigkeit (ſte - het dabey) ſoll in Frewd verkeret werden: Nachmals das eben zu ſolcher betruͤbten Zeit noch innſonderheit / auch die - ſer trawrige Caſus vnnd Fall vns trifft / nemblich der vn - verhoffte toͤdtliche Abgang vnſers in Gott ruhenden Herꝛn Superintendenten vnd Pfarꝛers ſelig. Dañ ob wol derſelbe jhme Herꝛn Superintendenten gantz vnnd gar nicht ſchaͤd - lich / ſondern nutzlich vnd erwuͤnſcht fuͤr ſeine Perſon / weilEſai. 56. er auch vnder der Zal deren / von welchen vnſer Prophet E - ſaias ſchꝛeibt ca. 56. Daß ſie fuͤr dem Vngluͤck weggerafft / zum Fried kommen / vnd ruhen inn jhꝛen Kammern: Es heiſt jetziger zeit mit jme vnd ſeines gleichen / was Lutherus,der[5]H. Doctor Philipp Heilbꝛunners. der ſelige Mann etwan geſagt: Nos moriemur in pace, antequam veniat calamitas ſuper Germaniam: wir woͤllen in Friden ſterben / vnd vns davon machen / ehe dann Noth vnd Trübſal vber Teutſchlandt kommen.
So iſt doch ſolcher toͤdtliche Fall vns hinderlaßnen in vil weg ſchmertzlich zubetrawren vnnd zubeklagen / Weil hierdurch nicht allein ein friedliche Ehe getrennet / die be - truͤbte Wittib jhꝛes lieben Herꝛen / die Kinder jhꝛes gelieb - ten Vatters: Sonder auch die loͤbliche Schůl allhie jhꝛes nutzlichen Profeſſoris, Scholarchen / vnnd ſonderlich ein gantze Gemeind allhie / ja auch die benachbaurten / jhꝛes ge - trewen Seelſoꝛgers / Pfarꝛers vnd Superintendenten / nach dem Willen Gottes beraubt woꝛden / vnd eben zu der Zeit / Da wir ſeiner am noͤtigſten bedoͤꝛfften: Welches ja nicht Frewd / ſonder groſſe Trawrigkeit vnd Leid mit bꝛinget.
Weil wir aber eben darumb auff dißmal vnder an - derm zuſammen kommen / daß wir Troſt vnd Frewd inn vnſerm Trawerweſen auß Gottes Woꝛt ſchoͤpffen vnnd empfangen: Als hab Jch eben darumb deſto mehꝛ dieſes Frewden Spruͤchlein zur Leichmateri erwoͤhlet / beſonders auch der Vrſachen / weil der ſich gar artlich ſchicket auff vnſers Herꝛn Superintendenten ſchoͤnen Zůnamen / vnnd ſeine Chꝛiſtliche Verßlein oder Reimen / die er voꝛ wenig Jahꝛen vnder ſein Bildtnuß / welche bey vns gemein iſt / ge - macht vnd geſetzt hat / alſo lautendt:
Wolan / wann dann auß erzehlten Vrſachen das ver - leßne Spruͤchlein nicht vbel / ſondern wol zu vnſerm Chꝛiſt - lichen Voꝛhaben taugen wirdt / ſo woͤllen wir gleich daſſel - big im Namen deß Allmaͤchtigen / fuͤr vns nem̃en / vnd auß Anleitung deſſelben inn dieſer Predigt für das erſte nichts anders thun / denn daß wir dieſen rechten Heilbꝛonnen be - ſehen / inn der Foꝛcht Gottes betrachten / vnd auß demſel - ben Troſtwaſſer ſchoͤpffen woͤllen ins gemein: Vnd dann fuͤrs Ander in ſonderheit vnſers in Gott růhenden D. Heil - bꝛonners auch in allen Ehꝛen gedencken / Aber ſo vil muͤg - lich auffs kuͤrtzeſt vnd einfaͤltigeſt.
Der Gott alles Troſts / woͤlle vns mit Troſt vnnd Gnad ſeines H. Geyſtes / reichlich beyſtaͤndig ſein / Amen.
Eſaias 5.ANfangs / gleich wie der Prophet Eſaias ein Vetter deß Herrn Meſſiæ geweſen / wie er ſich ſelbſten alſo nennet / in ſeinem Bůch am 5. Cap. Alſo hat er auch dieſes ſeines Herꝛn Vettern gar offt inn Ehꝛn gedacht / vnnd mehꝛ als der andern Propheten keiner / alſo / daß er auch ſein Jungfraw Můtter / ſein Geburt / bit - ter Leiden vnd Sterben / froͤliche Aufferſtehung vnd gan - tzes Reich herꝛlich vnd klaͤrlich beſchꝛieben / vnd rauß geſtri - chen / als were es im alles damaln ſchon gegenwertig gewe - ſen. Vnnd eben dergleichen thůt er auch in dieſem ſeinem 12. Cap. Darauß vnſer verleßne Spruͤchlein genommen / welches gleichwol gar ein kurtzes / aber herꝛliches Capitel /ein[7]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. ein ſchoͤne Weiſſagung vnnd formular, wie man Chꝛiſto dem Meſſia / fuͤr den abgewandten Zoꝛn deß Herrn / vnnd hinwider fuͤr die erzeigte vnaußſprechliche groſſe Wol vnd Gůthaten / zur zeit deß Newen Teſtaments / wer - de vnnd ſolle dancken / vnnd die rechte Lobopffer verꝛichten / ſeinen hohen Namen vnder den Voͤlckern in allen Landen predigen vnd kundt machen / lob ſingen / jauchtzen vnd rüh - men: Jnſonderheit aber gedenckt er im ſelbigen cap. eines Bꝛonnen / vnd zwar nicht eines geringen / vil weniger eines ſchaͤdlichen / vergifften / ſondern eines Heilbꝛonnen / auß welchem man mit Frewden Waſſer ſchoͤpffen werde. Weil aber der Prophet / wie erſt angedeutet / alda vom Reich Chꝛiſti vnd deſſelben Gůthaten weiſſagt / So kan / wie Ew - er Lieb ſelbſt leichtlich zuerachten hat / durch diſen Bꝛonnen nicht ein euſſerlicher Waſſerbꝛonn / für den e[u] ſſerlichen Durſt vnd gemeinen gebꝛauch diſes zeitlichen Lebens dienſt - lich (deren es zweyfels ohne an ſelbigen Oꝛten auch wirdt gehabt haben) ſondern ein Geiſtlicher heylſamer Seelen - Bꝛonn / zum Geiſtlichen Gebꝛauch vnd Durſt fuͤr die Se - len / gemeint vnd verſtanden werden / welcher Bꝛonn nie - mands anders iſt / dann Chꝛiſtus Jeſus GOttes Sohn ſelbſten / wie es vnſer in Gott růhend Herꝛ D. Heilbꝛonner außgelegt / oder welches faſt eben eins / das heilſame troſtrei - che Evangelium / welches von Chꝛiſto handelt / welche beyde auch zuſamen gehoͤꝛen. Deſſen Krafft vnd Eigenſchafft / Nutz vnd Wirckung der Geiſtreiche Prophet Eſaias allhie will andeuten vnnd beſchꝛeiben / wann er ſagt / man werde auß ſolchem Heilbꝛonnen mit Frewden Waſſer ſchoͤpffen. Wie dann ſonſten auch / vnd anderer Oꝛten in der heyligen Bibel das hochtroͤſtliche Evangelium von Chꝛiſto vil ſchoͤ - ner Namen hat / vnnd wirdt deſſelben Krafft vns auff man -cherley[8]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigcherley Weiß fuͤrgebildet. Als das es wirdt einem WeinGeneſ. 49. v[e]rglichen / das wie der Wein truncken macht / vnnd dasProv. 31. Hertz deß Menſchen erfrewet / Pſal. 104. Alſo wirdt manEheſ. 5. von dem Freuden Wein deß heyligen Evangelij Geiſtlich truncken / vnnd vergißt aller Hertzbꝛechenden Angſt vnnd Soꝛg / dardurch vnſer Gewiſſen getruckt vñ gekrenckt wirt.
Es bildets vns auch der heylig Geiſt fuͤr in dem allerPſal. 16. 19. 119. lauterſten Goldt / daher auch David ſeine Pſalmen von Chꝛiſti Leiden / Sterben vnd Aufferſtehung das guͤldene Kleinot nennet. Wie dann das Gold inn Hebꝛeiſcher Sprach den Namen hat von ſeiner angeſchaffnen Staͤrcke vnnd Krafft / die es dem Menſchlichen Hertzen geben ſolle. Daher jener gelerte Mann (Philippus Melanchthon) pflegte zu ſagen: Aurum dicitur confortare cor: ſed no[ſ]miſeri Scholaſtici parum experimur, Das iſt / das Gold ſoll wol das Hertz ſtercken / aber wir Arme / die wir in Schuͤ - len ſein vnd dienen / erfahꝛen es wenig. Aber das Gold deß heyligen Evangelij / iſt das aller ſchoͤneſt vnd edelſte aurum potabile, vnd haben freylich auch arme Geſellen vnd ellen - de Leuth dem reichen vnnd milten Gott zu dancken / fuͤr ſei - ne Himmliſche Goldfluͤßlein ſeines reinen vnd ſuperfeinen Evangeliſchen Troſtwoꝛts / wann ein Hertz / das von Suͤnden ſchwer / vnnd fuͤr Angſt betrübet ſehꝛ / ſolches im Glauben einnimbt / das fühlet Lufft fuͤr ſeiner engen Bꝛuſt / wirdt maͤchtig geſtaͤrckt / vnd kan ſich im Hertzen fein zufri - den geben: Da hinwider die Gottloſen / wie reich ſie auch ſeind / ohne Chꝛiſto / an Leib vnd Seel ewiglich darben vnd ſchmachten müſſen.
Chꝛiſtus ſelbs mahlet vns ſein Evangelion inn einer koͤſtlichen Perlen ab / Matth. 7. vnnd 13. Welche Per -len[9]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunner. len mancherley Krafft haben für das Hertzgeſperꝛ / fallenden Siechtag vnd dergleichen Seuch vnd Gifft / ſo mans zer - reibt vnd nutzet: Aber die Lehꝛ vnd Predig von Jeſu Chꝛi - ſto dem gebenedeyten Weibsſamen vnd Schlangentretter / iſt die aller beſte bewerteſte Hertzlabende Krafft Perle / dar - durch angefochtene betruͤbte Seelen mercklich gelabet / ge - troͤſt vnnd auffgerichtet koͤnnen werden / vnnd empfinden Troſt vnnd Růhe in jhꝛer hoͤchſten Betrangnuß / Liecht in der tieffeſten Finſternuß / vnd leben mitten im Todt.
Anderſtwo wirdt das Evangeliſche Troſtwoꝛt mit dem ſuͤſſen Honig verglichen. Der Teuffel hat ſein wildPſal. 19. 119. Honig / das iſt verfuͤhꝛiſche Chꝛiſtſchenderey / jrꝛige Lehꝛ vnd Menſchenſatzungen / welche in der erſt fein ſuͤß eingeht / weil ſichs alles mit der Vernunfft reimet / vnnd die Kinder diſer Welt ohne das luſterne Hertzen / vnd juckende Ohꝛen1. Theſſ. 2. haben: Aber im Bauch krimmets jhnen darnach / vnnd ſieActor. 17. haben inn alle Ewigkeit an Gottloſer Ketzerey gnůg zu keu -Apoc. 10. en vnd zu dewen / vnd muͤſſen den Todt vnnd das Hoͤlliſche Verdambnuß daran ſchlucken: Aber Chꝛiſti Woꝛt iſt vnd bleibt Honigſuͤß: Vnnd wann einer ſonſt deß euſſerlichen Honiges bald ſatt vnnd vberdrüſſig wirdt / wo man ſein allProverb. 25. zuvil geneußt: So iſt dargegen das Evangeliſche Honig der art / daß man es je lenger je lieblicher hat vnnd hoͤꝛet / vnnd auch in letſten Zuͤgen (da einem doch fuͤr aller Speiß eckelt) wol am meiſten darnach ſich ſehnet / Davon David in ſeinem 34. Pſalmen / Guſtate & videte, quoniam ſua -Pſal. 34. vis eſt Dominus: Schmecket vnnd ſehet / wie freundtlichPſal. 45. vnd ſuͤß der Herr iſt / vnd wie holdſelig ſeine Lippen ſind.
Diß meinet auch eben der heylig Geiſt / wenn er die Himbliſche Weißheit deß Evangelij von Chꝛiſto inn OelBfuͤrbil -[10]Chꝛiſtliche Leich vnd TroſtpredigPſal. 51.fuͤrbildet / weil es die Wunden vnſers verſehꝛten Gewiſſen[ſ]Eſai. 61.heilet / vnd machet vns fein glat vnd ſtarck / das der TeuffelMatth. 25. mit ſeinen beiſſenden Zaͤhnen vnd ſpitzigen Klawen nicht anLuc. 10. vns hafften kan / vnd gibt vns zugleich das Oleum lætitiæPſal. 45. & gaudij, das rechte Frewdenoͤl deß heyligen Geiſtes.
1. Reg. 19.Auch wirdt das Evangelium einem ſanfften gelinden Lüfftlein vnnd Windsbꝛauſſen aͤhnlich geſchetzet. Sinte - mal es vnſere matte außgemergelte Hertzen gar lieblich an - waͤhen / vnd die bꝛennende Hitz deß Geſetzes / vnnd GottesPſal. 6. Zoꝛn / ſo wol als der Hellen Glůt / in vnd an vns außleſchen ſoll / auff daß ſich der Bꝛand in vnſerm Marck vnd Beinen lege / vnnd wir auff dem Weg vnſer Pilgramſchafft / wie ein muͤder vnnd ohnmaͤchtiger Wandersmann / nicht ver - ſchmachten moͤgen.
Vnſer Prophet Eſaias aber in voꝛhabendem Spruͤch - lein will ſolch heylig Evangelion von Chꝛiſto einem gůten geſunden Bꝛunnen / oder friſchen Bꝛunnen Waſſer vnndPſal. 42. 68. kuͤhlen ſpringlein / wie auch David wegen ſeiner Eygen - ſchafft vnnd Wirckung verglichen haben. Dann welcher Geſtalt ein rein Waͤſſerlein allen vnflat hinweg nimpt / vnd den Leib ſaͤubert: Eben alſo reiniget auch das Woꝛt derActor. 15. Evangeliſchen Warheit vnd Klarheit vnſere ſchlammigeRom. 5. Hertzen im Glauben / vnd abſolviret vns von allen Sün - den im Namen Jeſu Chꝛiſti / das wir Frid vnnd Freud fuͤh - len moͤgen.
So vertreibt auch ein Truͤncklein Bꝛunnenwaſſers den Durſt / vnd erfriſcht Lippen / Zung / vnnd Hertz / vnnd macht den gantzen Leib hurtig vnd luſtig: Jnmaſſen dann ſolches das Evangelion als der rechte Heilbꝛunn / auch thaͤt - lich vnd empfindtlich in vnd an vns verꝛichtet: Vnd wanPſalm. 48. wir (wie ein Hirſchlein) von den Hoͤllhunden gejagt vnndgeplaget[11]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. geplaget werden vnd die Sünden Seuch / vnnd deß Todts Stachel rumoret vns im Leibe: So finden wir in Jſrael[s -]Bꝛunnen einen friſchen Labtrunck / das es heiſſen můß / Se - lig ſeind die da hungert vnd duͤrſtet / nach der Gerechtigkeit / dann ſie ſollen ſat werden / Matth. 5. Matth. 5.
Will jetzund gſchweigen / dz auch ein flieſſender Waſſer - ſtrom das Erdreich fein erfeuchtet vnd fruchtbar macht / daß es nicht zur dürꝛen vnnd wuͤſten Einoͤden werde: Vnd al - ſo bleiben fleiſſige Hoͤꝛer vnd Bewahꝛer deß Evangelij auchJacob. 1. nicht vnfruchtbar / ſondern vben ſich in allerley gůten Wer - cken / die Gott gebotten hat / werden ſchoͤne Ehꝛnpflentzlein / die biß in Him̃el hinein wachſen / vnd laſſen immer jhꝛ Liecht leuchten / für den Leuthen / daß ſie jhꝛe gůte Werck ſehen /Matth. 5. vnd jhꝛ Vatter im Himmel gepreiſet werde.
Sehet liebe Chꝛiſten / das hat / vnnd traͤgt auff ſich vnſer Heilbꝛunn vnd Troſtwaſſer / deſſen Eſaias inn vnſern voꝛhabenden Woꝛten gedenckt.
Vnd eben alſo verſtehts / vnd redt hievon der mund vnd grund der Warheit / Chꝛiſtus Jeſus ſelbſten / von ſichvñ ſol - chem ſeinem heylwertigen Gnadenbꝛunnen / in dem ſchoͤnen lieblichen dialogiſmo oder holdſeeligen Geſpraͤch / ſo er mit dem Samaritiſchen Weiblein gehalten / Johann. 4. Johan. 4.Dann nach dem er auff ein Zeit inn den Tagen ſeines Flei - ſehes vnd Predigampts / ſampt ſeinen lieben Juͤngern / durch Samariam reyſet / vnd zu einem Bꝛunnen / ſo nahe bey der Statt Sichar gelegen / vnd der Jacobs Bꝛunn geheiſ - ſen / kommet: ſetzet er ſich auff denſelben / vmb die ſechßte Stund / das iſt bey vns vmb den Mittag oder zwoͤlff Vhꝛ / da die Sonn am heiſſeſten ſcheinet / alda er ſich als muͤd vnd erhitzt von der Reyß / ohn allen zweyffel / hat recreirn vnnd erfriſchen woͤllen / ſeine Jünger auch inn die Statt hineinB ijSpeiß[12]Chꝛiſtliche Leich vnd TroſtpredigSpeiß zukauffen geſchickt: Sihe da kompt ein Samari - tiſch Weib auß der Statt / Waſſer auß demſelben Bꝛun - nen zuſchoͤpffen. Chꝛiſtus vnſer Herr / welchen vil mehꝛ nach der Menſchen Bůß / Bekehꝛung vnd Seelig - keit / als nach Waſſer dürſtet / der nimbt ſtracks Vrſach vnd Anleitung von gegenwertigem handel / ein heylſam Ge - ſpraͤch mit diſem Weib zu halten / begert erſtlich einen trunck Waſſers von jhꝛ / nicht allein ſeinen Durſt zuleſchen / weil er ein warhaffter Menſch / ꝛc. ſondern auch vnnd vilmehꝛ / dem Weib Anleitung zugeben / zureden von Bꝛunnen vnd Waſſern / welche beſſer / vnnd andern fuͤrzuziehen ſeyen: Jn welchem Geſpraͤch Chꝛiſtus alles dahin wendet / daß er diß Weib gleichſam von einem Grad vnnd Staffel zur an - dern fuͤhꝛen / vnnd zu ſeiner vnnd ſeines heyligen Evangelij rechter vnd heylſamer Erkandtnuß bꝛingen moͤge. Es ver - wundert ſich aber am erſten das Weib hefftig / daß er der Herr Chꝛiſtus / den ſie fuͤr einen Juden erkennt / nicht allein mit Ihꝛ / als einer Samariterin freuͤndtlich re - den / ſondern auch ein Trunck von jhꝛ begeren doͤꝛffe / weil dieſe beede Voͤlcker / Juden vnnd Samariter / damaln ein - ander hefftig zuwider / vnnd nichts mit einander zuſchaffen hatten.
Aber Chꝛiſtus gibt jhꝛ zuverſtehen / wann ſie allbereit ſolte wiſſen / vnd erkennen / die gegenwertige Gab Gottes / vnnd wer der were / der mit jhr rede / vnnd zu jhꝛ geſagt / gib mir trincken: Sie würde jhme ſo gar nicht dieſen Dienſt vñ Freundſchafft abſchlagen / daß ſie auch hinwider vilmehꝛ von jme bitten vnd begeren wuͤrde / noch viel ein herliꝛchers Waſſer / nemblich Waſſer deß Lebens / welchs er jr auch gar nit abſchlagen / ſondern reichlich widerfahꝛen laſſen wolt / vñ jhꝛ alſo jhꝛen Trunck euſſerlichen Waſſers / auß diſem Ja -cobs -[13]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛrunners. cobsbꝛunnen wol belohnen vnd vergelten. Aber diß Weib / die damaln nur jrꝛdiſch noch geſinnet war / vnnd meinte der Herr Chꝛiſtus rede nur vom euſſerlichen Waſſer vnd Jacobsbꝛunnen / ſpricht zu Chꝛiſto / habe er doch nichts / da - mit er ſchoͤpffen koͤndte: So ſey auch der Bꝛunn gar tieff / woher er dann lebendig Waſſer wolt nemmen vnnd haben: Er werde ja kein beſſern Bꝛunnen wiſſen / dann eben diſen Jacobsbꝛunnen / der gar beruͤhmpt / vnd vom heyligen Pa - triarchen Jacob ſelbſten herꝛüre / welcher ſelbſt auch darauß getruncken / ſeine Kinder / vnd ſein Viech / ꝛc. Darauff ſich Chꝛiſtus noch beſſer erklaͤrt / daß er von einem ſolchen Bꝛun - nen rede / jhꝛ vnd dem menſchlichen Geſchlecht anbiete / wel - cher nicht deß Leibs zeitlichen vnd augenblicklichen / ſondern der Seelen ewigen Durſt leſchen vnd vertreiben koͤnne / vnd welcher ohne auff hoͤꝛen ſolche Waſſer quelle vnnd gebe / die mit rechter Lebenskrafft / die Menſchen biß in Ewigkeit er - quicken vnd erfriſchen. Vnnd bꝛingt Chꝛiſtus endlich / das Weib nach lang gehaltnem geſpraͤch (davon wir am gemel - ten oꝛt außfuͤhꝛlich zuleſen haben) dahin daß ſie Chꝛiſtum / als den rechten Heilbꝛunnen / nicht allein für jhꝛ Perſon / mit frewden eꝛkennt / vnnd Troſtwaſſer auß ſeiner Predig ſchoͤpffet / ſondern bꝛingt auch dieſe bona nova alsbald inn die Statt / vnnd will auch andere jhꝛe Mitburger ſolcher Frewd vnd Bottſchafft theilhafftig machen.
Haben demnach auß ſolchem ſchoͤnen Geſpraͤch / ſo Chꝛiſtus mit dem Samaritiſchen Weib gehalten / eben das abzunemmen / was vnſer Prophet vom Heilbꝛunnen vnd Waſſern / ſo man drauß ſchoͤpffen werd mit frewden / redet / vnd wir auch auß andern Spruͤchen H. Schꝛifft hie - von Andeutung kürtzlich gethan / daß ſeye niemand anders / dann Chꝛiſtus Jeſus ſelbſten mit ſeinem heyligen vnd troſt -B iijreichen[14]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigreichen Evangelio / ein ſolcher reicher vnnd vberfluͤſſiger Brunn / daß er nimmermehꝛ verſeyet oder außtrocknet / ſon -Pſa. 130. Copi - oſa redemtio. der ohne auffhoͤꝛen / mit groſſer verwunderung / quillet vnd fleußt / von Goͤttlicher Gnad vnnd Barmhertzigkeit / vnndPſal. 75. nicht nur troͤpfflein weiß / ſonder haͤuffig vnnd vberflüſſig /Fonticulꝰ Do - mini ſemper abundat aquis. GOttes Bꝛuͤnnle in / hat waſſers die Fuͤlle / ſagt der Koͤ - nigliche Prophet: Denn deß Herrn Barmhertzig - keit iſt ſo groß / als er ſelber iſt / vnd man kans weder mehꝛenSyr. 2. 18. noch wehꝛen / Vnd wa die Suͤnd maͤchtig woꝛden iſt / da iſtRom. 5. doch die Gnad viel maͤchtiger woꝛden.
Die Heilbꝛunner / oder die Roͤꝛ / alſo darvon zureden / dardurch diß Krafftwaſſer auß dem Heilbꝛunnen ſich er - geußt / vnnd an alle oꝛt auß fleußt / iſt die Predig deß H. E - vangelij vnd deſſelben getrewe Diener / Pfarꝛer vnd Seel - foꝛger / welche diß Heilwaſſer im heyligen Predigampt be -Matth. 10. gern zurichten vnnd zuleiten / nicht allein inn die Ohꝛen / ſonder auch durch die Gnad deß heyligen Geiſtes / dardurch ſie reden / inn die Hertzen jhꝛer Zůhoͤꝛer / zu jhꝛer ewigen Se - ligkeit / wann ſie nur im Glauben getroſt ſchoͤpffen vnd trin -Rom. 1. cken: Dann das Evangelion vnd Predig deſſelben iſt ein Krafft Gottes ſelig zumachen alle die daran glauben / ſagt Paulus Rom. 1.
Vnd dahin ſeind auch die heyligen Sacramenta ge - meint vnd zu gerichtet / als erſtlich der heylig Tauffbꝛunn / darinnen wir arme heildurſtige Patienten / ſo bald wir nur inn diſe Welt geboꝛn / inn Krafft deß Blůts Chꝛiſti / wer - den erquicket / vnd das rechte Gnaden vnd Heilwaſſer / wirt in ſolchem Bad der Widergeburt vnd Ernewrung deß hey -Ti[t]. 3. ligen Geiſtes / reichlich vber vns außgegoſſen / durch Jeſum Chꝛiſt vnſern Heyland / auff daß wir durch deſſelben Gna - de / gerecht vnnd Erben ſeyen deß ewigen Lebens / nach derHoff -[15]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. Hoffnung / das iſt je gewißlich wahꝛ. Dann Chꝛiſtus hat ſeine Gemeine geliebet / vnnd hat ſich ſelbs fuͤr ſie gegeben /Epheſ. 5. auff daß er ſie heyliget / vnnd hat ſie gereiniget / durch das Waſſerbad im Woꝛt / auff daß er ſie jhm ſelbs darſtellet / eine Gemeine / die herꝛlich ſey / die nicht habe einen Flecken oder Runtzel / oder deß etwas / ſonder daß ſie Heylig ſey / vnnd vnſtraͤfflich.
Von diſem Tauffbꝛunnen hat lang voꝛher weißge -Zachar. 13. ſagt der Prophet Zacharias / das nemblich zur Zeit deß Newen Teſtaments / werde das Hauß David / vnnd die Burger zu Jeruſalem / einen freyen offnen Bꝛunnen ha - ben / wider die Sünd vnd Vnreinigkeit. Vnd wir ſingen hievon inn vnſerm Chꝛiſtlichen Geſang: Das Aug allein das Waſſer ſicht / wie Menſchen Waſſer gieſſen: Der Glaub im Geiſt die Krafft verſteht / deß Blůtes Jeſu Chꝛi - ſti / Vnd iſt fuͤr jhm ein rote Flut / von Chꝛiſtus Blůt gefer - bet / die allen Schaden heylen thůt / von Adam her geerbet / auch von vns ſelbſt begangen.
So wirdt auch fürs ander / in vnd durch das heylige Abentmahl / neben dem wahren Leib / auch das wahꝛe Blůt Chꝛiſti / ſo auß ſeiner ſeiten gefloſſen / vns mitgetheilet / vndJohann. 19. durch rechten Gebꝛauch deſſelben / die Vergebung der ſuͤn - den in vns verpitſchafft / vnnd vns ſchwachen niderfaͤlligen Leuthen / vil Safft vnnd Krafft / durch diß thewre Pfandt communicirt vnd gegeben.
Von Elephanten liſet man / 1. Maccab. 6. daß ſie voꝛ1. Maccab. 6. zeiten / wann ſie inn die Schlachtoꝛdnung ſolten geſtellet werden / mit rotem Wein vnd Maulbeerſafft beſpruͤtzet vnd getrencket woꝛden / ſie auff zubꝛingen / můtig vnnd friſch zu machen.
Ebner weiß fuͤllet auch der Herr Zebaoth ſeineReichs -[16]Chꝛiſtliche Leich vnd TroſtpredigReichsgenoſſen / mit dem rechten Weinbeerſafft / welcherJohann. 15. jhme als dem Himmliſchen Weinſtock / auß ſeinen Wun - den geronnen iſt / damit wir wider Welt vnd Hoͤll / nur ge - troſt vnd vnverzagt in jhm ſein / vnd jmmerdar ein friſchen freyen můth haben vnd behalten moͤgen / ob ſchon der argli - ſtige Schreckengaſt vnd Trawergeiſt / ſeine fewrige Angſt - pfeil auff vns thůt zuſchieſſen.
Demnach müſſen wir offtgemelten Heilbꝛunnen nicht nur bloß wiſſen vnd beſchawen / ſondern vil mehꝛ auch nach Anweiſung vnſers Spruͤchleins / vnnd deß heyligen Propheten Eſaiæ, mit frewden jmmer vnd ohn vnderlaß / im heyligen Geiſt / Waſſer vnnd Troſt darauß ſchoͤpffen / trincken vnd genieſen / weil doch der Herr vnnd Himmli - ſche Heilbꝛunner ſelbſten ſo freygebig / guͤtig vnnd barmher - tzig / daß er vns auffs aller freundtlichſt darzu locket vnd la -Eſaiæ 55. det / wann er ſpricht / Eſaiæ 55. Wolan / alle die jhꝛ durſtig ſeyet / kommet her zum Waſſer / vnd die jhꝛ nicht Gelt habt / kommet her / kaufft vnd eſſet / kommet her / vnd kaufft ohne Gelt vnd vmb ſonſt / beyde Wein vnd Milch / ꝛc. VnndMatth. 11. Matth. 11. kommet her zu mir / alle die jhꝛ muͤhſelig vnnd be -Johann. 7. laden ſeyt / Jch will euch erquicken. Vnd widerumb / Jo -Liß hiervon E - zechiel 47. han. 7. Wen da duͤrſtet / der komme zu mir vnnd trincke / vnnd wer an mich glaubt / wie die Schꝛifft ſagt / von deß Leib werden Stroͤm deß lebendigen Waſſers flieſſen: Alſo das vns die vnaußſprechlich Krafft vnnd Wirckung diſes Heilbꝛunnen vnd Waſſers / mit welchem freylich kein ſaur - bꝛunn oder warm bad zuvergleichen / luſtig vnnd hurtig ſol - te machen / mit Frewden vnd hoͤchſter Begird zuſchoͤpffen vnd zu trincken / oder mit dem Koͤnig David auß ſeinem 42. Pſal. 42.Pſalmen zurůffen: Wie der Hirſch ſchꝛeyet nach friſchem Waſſer / ſo ſchꝛeyet meine Seele Gott zu dir: M[e]ine Seelduͤrſtet[17]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. duͤrſtet nach Gott / nach dem lebendigẽ Gott. Wie vns dañ endtlich wol auch vnſer eigen not vnd anligen hierzu zwin - gen vnnd tringen ſoll / weil wirs zum hoͤchſten beduͤrfftig / ſonderlich zu diſen letzten gefaͤhꝛlichen / truͤb: vnnd mühſeli -Pſal. 124. gen zeiten vnnd laͤuffen / da eine Flut vber die ander herꝛau -Pſal. 69. ſchet / vnnd woͤllen vns mit gewalt die Angſtwaſſer vber - ſchwimmen / ja die Baͤch Belial woͤllen vns erſaͤuffen / wie die Schꝛifft redet.
Da gibts rennens vnnd lauffens diſem Heilbrunnen zuͤ / vnd mit hertzlicher glaubiger Begird / auß demſelben zu - ſchoͤpffen vnd zu trincken Krafft vnd Perlewaſſer. Vnd hie koͤndte ich nach laͤnge vnd in ſonderheit / von allerley Creutz / Jammer / Angſt vnd Noth reden / ſo einem Menſchen inn ſeinem gantzen Leben zu handen ſtoͤßt / auch einem jedem inn ſeinem beſondern Berůff vnd Stand / dem Prediger in ſei - nem Kirchenampt / dem Profeſſori vnnd Schůldiener inn ſeinem Lehꝛ vnd Schůloꝛden / der Obꝛigkeit in jhꝛem Regi - ment / vnd ſonderlich denen im Hauß vnnd Eheſtand / wel - chen es gar offt am Wein gebꝛaͤchen thůt / vnnd Waſſer derJohann. 2. Truͤbſal ſich genug findt / nicht nur in der Kuchen vnd auff dem Tiſch / ſondern gar im Hertzen / das es manchmaln zun Augen außtringet / wann der Herr ſie ſpeiſſet mit thꝛe -Pſal. 80. nen Bꝛot / vnd trencket ſie mit groſſem Maß vol Thꝛenen: wie man in Armuͤt / Hunger vnd Kummer / in Kranckheit / Verfolgung vnd dergleichen Troſt vnd Krafftwaſſer / auß diſem Heilbꝛunnen vnnd Predigten deß heyligen Evange - lij dapffer ſchoͤpffen vnd trincken ſolte: Aber es wuͤrde viel zu lang werden: Woͤllen jetzt nur zween Aymer noch ſchoͤpffen / welches ſonderlich bey Leichpredigten geſchehen ſolle: einen wider die Anfechtung deß Teuffels / wegen der Suͤnd: Den andern wider den grimmigen Menſchenfreſ -Cſer[18]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigſer den Todt. Dann der Teuffel den armen MenſchenPſal. 38. der Sünd halben hart zůſetzt / ſonderlich auff dem Tod - beth / daß die Suͤnd manchem vber das Haupt gehn / vnnd wie ein ſchwere Laſt / all zu ſchwer werden woͤllen: Da můß1. Johann. 1. man ſchoͤpffen / auß dem rechten Heilbꝛunnen / vnder an - derm ſonderlich diß ſchoͤne kraͤfftige Sprüchlein vnd Truͤn - cklein / welches zu finden iſt 1. Joha. 1. Das Blůt Jeſu Chꝛi - ſti / deß Sohns Gottes / machet vns rein von aller Suͤnd.
Dann eben darumb hat vnſer Himmliſche Bluͤt - breutigamb ſein heyliges Blůt vergoſſen / nicht allein troͤpfflein weiß in ſeiner Beſchneydung vnnd am Oelberg / ſonder auch rinnender weiß / da er mit Doꝛnen gekroͤnet / mit Geißeln vnnd Ruͤten ſo ſehꝛ zerhawen / daß jhme das Blůt vber ſeinen gantzen heyligen Leib abgeronnen / vnd Pi - latus ſelbſt diſen blůtigen Herrn Jeſum auß erbaͤrmbd fuͤrgeſtelt vñ geſagt / Ecce homo: Sehet welch ein menſch. Ja er hat auch ſein Blůt gleich Stromweiß vergoſſen / da jhm ſeine heylige Haͤnd vnnd Fuͤß durchgraben / Vnd ſon -Johan. 21. derlich / da jhm ſeine Seiten von Kriegsknecht am heyligen Creutz geoͤffnet / vnderſchiedlich Waſſer vnnd Blůt / wie zwey ſtarcke Bꝛunnen Roͤꝛer daher geſprungen.
Diſes Blůt am heyligen Creutzbꝛunnen gefloſſen[2]. Pet. 1. vnd vergoſſen / reiniget vns von vnſern Suͤnden / wie neben Johanne auch Petrus / der heylig Apoſtel bezeuget 1. ca. 1. vnnd vnſere Kinderlein in der Außlegung deß andern Arti - culs vnſers Chꝛiſtlichen Glaubens anzeigen / wir ſeyen the - wer erkaufft / oder erwoꝛben vnd gewonnen / von allen Suͤn - den / von Todt vnd von der Gewalt deß Teuffels / nicht mit Gold oder Silber / ſondern mit deß Sohns Gottes hey - ligen thewren Bluͤt / vnnd mit ſeinem vnſchuldigen Leiden vnd Sterben.
Der[19]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners.Der heylig Auguſtinus ſagt / Chꝛiſtus iſt auff Er - den kommen als ein Kauffmann / vnd wolte vns thewer er - kauffen / nicht mit Gold oder Silber / ſondern mit ſeinem eygnen Blůt / Darumb hat er auch Kauffmans weiß gehal - ten / vnd auff vns / die wir ſein peculium vnd Eygenthumb ſein ſollen / am anfang inn der Beſchneidung / den erſten blůtroten Loͤßgroſchen gegeben: biß er endtlich die Taſche vnd den Beutel ſeines allerheyligſten Leibs / weit gnug auff - gethon / vnnd auß ſeinen fuͤnff Wunden / vnnd allen zerꝛiß - nen blůtfluͤſſigen Adern / vollendts inn der Paſſion alles dargeſtreckt vnd auffgebꝛeittet / daß wir von Suͤnd / Teuf - fel vnnd Hoͤll ſolten erꝛettet werden: Vnd diß Oſterlaͤmb - leins Blůt zeichnet vnſer Thuͤr / das helt der Glaub dem Todte fuͤr / der Wuͤrger kan vns nicht ruͤren / ſingen wir in vnſerm Chꝛiſtlichen Oſtergeſang.
Darumb thut hie nichts das Bluͤt der Baalspfaffen / die ſich ſelbſten geruͤtzet vnd gefetzet haben / auß ſonderlicher1. Reg. 18. Caſteyung / wider Gottes ernſtlich Verbott. FranciſciLevlt. 19. 21. Wunden vnnd Narben thun auch gantz vnd gar nichts zur ſach / die doch etwa im Pabſtumb wo nicht fuͤr gezogen / doch gleich gehalten woͤꝛden / den heiligen Wunden Jeſu Chꝛiſti: So gilt auch durchauß hie nichts vnſerer heutigen Gaiſel - brüder Blůt / wann ſie ſich ſelbs / oder durch andere / dermaſ - ſen peutſchen vnd geißlen / daß das Blůt hernach geht. Weit weit auß mit ſolchem ſtinckenden vnnd abſchenlichen Blůt vnnd vergifften Bꝛunnen. Mit jhꝛem Weyhwaſſer heiſts auch inn keinen weg / Aqua benedicta tollit omnia deli - cta: So thůts auch das Waſſer / damit Pilatus ſeine Haͤnd gewaſchen / nicht / Ja Thonaw vnnd Rhein / were hierzů vil zu klein: Vnnd wann du dich / ſagt der Prophet Jere -Jerem. 〈…〉〈…〉 mias / gleich mit Laugen waͤſcheſt / vnd nemmeſ[t]viel Sayf -C ijfen[20]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigfen darzu / ſo gleiſſet doch deine Vntugent deſto mehꝛ fuͤr mir: Vnd wann man auff ſolch vnnd dergleichen / nichtige ding platzet / bawet vnnd trawet / da můß man Ewiglich mit Fewer vnd Schweffel / fuͤr allen heyligen Engeln vnd demApocal. 14. Lamb Gottes gequelet werden / wie geſchꝛieben ſtehet / inn der Offenbarung Johannis 14. Allein deß Herrn Meſſiæ am Creutz geſchlagne Wunden vnnd Naͤgelmahl / ſeindt die rechte Bꝛunnen / darauß / wie der heylige Athana -Johann. 1. ſius redet / die opulentia vnnd gantze fuͤlle vnſer Seligkeit herquillet / vnnd von diſer Fuͤlle haben wir alle genommen Gnad vmb Gnad / wie Johannes der heylig Apoſtel vnnd Evangeliſt redet / oder wie Bernhardus ſpricht / ſindts die Loͤcher / dardurch die viſcera miſericordiæ Dei, die hertz - liche Barmhertzigkeiten Gottes ſich vber vns ergieſſen.
Zu dieſen heyligen Roͤꝛen vnd Stroͤmen / ſollen nun biß an den jüngſten Tag / alle troſtloſe Patienten lauffen / in anfechtung jhꝛer Sünden / vnnd im Geiſt vnd Warheit ſingen lernen: Mitten inn der Hoͤllen angſt / vnſer Sünd vns treiben: Wo ſollen wir den fliehen hin / da wir moͤch - ten bleiben? Zu dir Herr Chꝛiſt alleine / vergoſſen iſt deinSanguine dat vitam pullis Ægiptius ales: Tu mihi das vitã Sanguine, Chriſte, tuo. Eſai. 1. thewres Blůt / das gnůg fuͤr die Suͤnde thůt / ꝛc. Da ſols geſchehen / das wann gleich vnſer Sünd blůtrot iſt / ſo ſoll ſie doch ſchneeweiß werden / vnd wann ſie gleich iſt / wie Ro - ſinfarb / ſo ſoll ſie doch wie Woll werden / wie vnſer Pro - phet Eſaias troͤſtet in ſeinem Bůch am 1. cap. Vnd das iſt der eine Aymer.
Der ander Aymer Troſtwaſſers auß dieſem Heil - bꝛunnen / ſoll bey vnſer trawrigen Leich vnnd Zůſtandt ge - ſchoͤpfft werden / wider den zeitlichen Todt vnſer ſelbs vnnd der vnſerigen.
Dann zur Sterbenszeit / wann einem ſein lieber Ehe -gatt /[21]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. gatt / den Kindern jhꝛe liebe Eltern / den Eltern jhꝛe Kinder / den Zuhoͤꝛern vnnd Pfarꝛkindern Jhꝛ lieber Pfarꝛer vnnd Seelſoꝛger / ꝛc. mit tod abgehet / oder es gehet einem ſelbſten am Todtbeth an die Riemen / da laufft das Trawer vnd Angſtwaſſer haͤuffig / vnnd von allen enden vnnd oꝛten zuͤ / welches dem Menſchen nicht nur das Hertz / ſonder Leib vnnd Seel mit einander will abſtoſſen / da ſchꝛeyhen ſie mitPſal. 103. David / auß der tieffe / vnd wiſſen offt voꝛ Schmertzen vnd Hertzleyd nicht wo auß vnnd an: Da will dann abermaln zum hoͤchſten von noͤthen ſein / Krafft vnd Troſt waſſer auß dem rechten Heilbꝛunnen zuſchoͤpffen / beſonders vns mit ſchoͤnen Spruͤchlein gefaßt zumachen / welche handlen von Aufferſtehung vnſer Leiber / am froͤlichen moꝛgen deß jüng - ſten Tags / die ich allhie kuͤrtze der Zeit halben nicht erzehlen kan. Vnd ſolcher Artickel der Aufferſtehung von den todtẽ / ſoll vnſer aller ſchoͤneſte Wiſchtuͤchlein ſein / welches wir in dieſen Heilbꝛunnen dauchen / netzen / vnnd damit vil Angſt - thꝛenen von vnſern Augen inn diſer muͤhſeligen Pilgrim - ſchafft abtruͤcknen ſollen: Wie jhme Job der gedultigeHicob 19. Mann gethon / ſprechende: Jch weiß das mein Erloͤſer lebt / vnd er wirdt mich hernach auß der Erden auffwecken / vnnd werde darnach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in meinem Fleiſch Gott ſehen / denſelben werde ich mir ſehen / vnnd meine Augen werden jhn ſchawen / vnd kein frembder.
Da ſolls mit vns heiſſen. Widerkommen macht / daß ich ſcheiden nicht all zuvil acht. Darumb ſollen wir nun mit1. Theſſal 1[4]. trawrig ſein / wie die andere / ſo keine Hoffnung haben. Sintemal wir auß vnſerm Heilbꝛunnen gewiß ſchoͤpffen / daß der Menſch nicht wie das Viech / gantz vnd gar vnder - gehe / ſonder ſo er im Herrn ſtirbt / iſt er ſeelig von nunC iijan:[22]Chꝛiſtliche Leich vnd TroſtpredigApocal. 14.an: Die Seel fehꝛet im frid dahin / ſie kompt zu Chꝛiſto insLuc. 2. Himliſch Paradeiß / der Herr faſſet ſie inn ſeine Hand /Sapient. 3. kein Qual muß ſie foꝛt mehꝛ anruͤren / er wartet mit frewden der Aufferſtehung deß Leibs / Ergetzet ſie alles Leids: vnnd ſie wirdt nicht mehꝛ hungern noch dürſten / es wirdt auchApocal. 7. nicht auff ſie fallen die Sonn / oder jrgend eine Hitz: Dann das Lamb mitten im Stůl wirdt ſie weiden vnnd leiten / zu den lebendigen Waſſerbꝛunnen / vnd Gott wirdt abwaſchen alle Thꝛenen von jhꝛen Augen.
Wolan / auß ſolchem allem koͤndte jetzt geſchloſſen vnd nach lengs rauß geſtrichen werden / welches der groͤſte Schatz vnnd edelſte Kleinot ſey / inn einem gantzen Land / Fuͤrſtenthumb / Statt / Flecken vvnd Gemeine / Nemblich eben das / davon vnſer Prophet Eſaias hie prediget / vnd wir nach noturfft angehoͤꝛt haben.
Man helt ſonſt das für ein gůt Land / welches / wie man ſagt / drey W. oder Woͤꝛtlein hat / ſo mit diſen Buch - ſtaben anfangen. Als
1. Waytzen / das iſt ein gut Traydland / Koꝛnwachs.
2. Weinland oder Weinwachs.
3. Wayd vnd Waſſer fuͤr das Viech vnd gemeine notturfft / welches ſolche Gaben / die freylich nicht zuver - achten / ſondern darfuͤr Gott hoͤchlich zudancken.
Jſt aber dannoch diß alles noch nicht das fuͤrnembſt / das beſte W. iſt außgelaſſen / nemblich das Woꝛt Got - tes / oder nach Eſaiæ Andeutung / dieſer Heilbꝛunn vnndJohan. 15. 12. Waſſer deß Lebens / der Himmliſch Weinſtock vnd Weitz - koͤꝛnlein Chꝛiſtus mit ſeinem Hochwuͤrdigen Evangelio / wann man auß ſolchem Heilbꝛunnen / inn reinen Kirchenvnd[23]H. Doctor Philipp Heilbꝛunners. vnnd Schůlen mit frewden vnnd frieden koͤſtlich Waſſer ſchoͤpffen kan / vnd auß dem Mundt getrewer vnd fleiſſiger Heilbꝛunner / Seelſoꝛger / Profeſſorn vnd Lehꝛer empfan - gen / trincken / vnd ſich damit in allem fürfallenden Noͤthen / Leibs vnd der Seelen rechtſchaffen erquicken vnd erhalten kan / da muß es gewißlich recht Chꝛiſtlich vnnd wohl ſtehen vnd zugehen an einem ſolchen Oꝛt / wann ſchon auch jmmer Waſſer der euſſerlichen Truͤbſal nach Gottes Willen mit vnder laufft: Da es im Gegentheil blůt vbel ſtehn / vnd ein ſchꝛoͤcklicher Jammer ſein muß / wo einem Volck vnd Ge - meine ſolcher Schatz / Heilbꝛunnen vnnd Heilbꝛunner will gantz vond gar genommen oder zugeſtopfft werden / wie inn Steyr / Kaͤrndten / Crain vnnd anderen Oꝛten geſchehen / davon ich ſelbſten einem ein Trawerliedlein zu ſingen wuß - te / dafür vns vnd vnſere arme Kinder vnnd Jugendt Gott aller gnaͤdigſt behüten vnd bewahꝛen woͤlle.
Deßwegen koͤndte ich hierauff auch weitter ein ernſt - liche vnnd trewhertzige Vermanung an Ewer Lieb thun / wie ſie ſteiff vnd feſt / beharꝛlich vnnd beſtendig / vermittelſt Goͤttlicher Gnaden / vber ſolchem ſo thewren Schatz / den ſie auch in dieſer Statt jetz ein lange Zeit gehabt / vnd durch Gottes Gnad noch hat / halten ſolle / doch ohne alle Rebel - lion vnd thaͤtliche Auffruhꝛ: Vnd ehe Leib vnd Gůt jhnen nemmen / ja ein Ader nach der andern / dem Exempel vieler tauſent Maͤrtyrer nach / auß dem Leib reiſſen laſſen / ehe ſie jhnen diſen Schatz rauben vnnd hinreiſſen lieſſen: Getroſt ſingen. Nemen ſie den Leib / Gůt / Ehꝛ / Kind vnnd Weib / laß fahꝛen dahin / Sie habens keinen Gewin / das Reich můß vns doch bleiben. Seyt froͤlich vnd getroſt / ſagt Chꝛi -Matth. 5. ſtus / es ſoll euch im Himmel wol belohnet werden.
Darumb koͤndte ich auch endtlich hie ein ernſtlicheerbaͤrm -[24]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigerbaͤrmbliche Klag fuͤhren / vber die Saumſeeligkeit / Kalt - ſinnigkeit vnd ſchandtlichen Vndanck viler / ja deß groͤß - ten hauffen vnſer Zuhoͤꝛer / gegen diſem vnaußſprechlichem Schatz diß Heilbꝛunnen vnnd Heilbꝛunner / Woꝛt vnnd Diener deſſelben: Welches dann auch eben die Vrſach iſt / das diſer ſo ſeligen Schatzes / Bꝛunnens vnnd Waſſer / der groͤſte Hauff / nicht geneußt vnd theilhafftig wirdt / daran niemandt anders ſchuldig / dann eben ſie ſelbſten.
Jhꝛ habt in dieſer Statt davoꝛnen auff dem Marckt / ein ſchoͤnen Roͤꝛkaſten / mit vilen vnderſchidlichen ſpringen - den Roͤꝛen / wie auch noch andere Waſſerꝛeiche Bꝛunnen mehꝛ: So nun einer nahe bey denſelbigen ligend durſt ſter - be / koͤndte er ſich auch mit Warheit entſchuldigen / oder an - der Leuth jhn? Nein gantz vnd gar nicht / ſondern er ſelber müßte die Schuldt tragen / weil er ſo faul / heiloß / vnd nicht ſchoͤpffen / oder nur dz Maul vnder halten / oder dem Bꝛun - nen nicht nach gehn moͤg: Alſo vnnd ebenmaͤſſig werden ſich die jenige nimmermehꝛ entſchuldigen koͤnnen / ſo eintwe - der dieſem Heilbꝛunnen zu lieb / nicht fuͤr ein Thuͤr hinauß gehen / vnd Waſſer auß demſelben ſchoͤpffen moͤgen / oder es iſt bey jhnen hiemit kein rechter Ernſt vnnd Eyffer / koͤnnen ſich eben lang mit einer Predig / Abſolution vnnd Com - munion behelffen. Jhꝛ Hertz iſt nur auff weltliche Haͤn - del verſtuͤrtzt / hincken auff beyden ſeiten / vnd helffen die Epi - curiſche vnd abfallende Zunfft ſtercken vnd mehꝛen / die ſind jhnen nicht allein ſelbſten / ſonder auch andere hochſchaͤdlich / wie Auguſtinus ſagt / mit jhꝛer Vndanckbarkeit / ventus quidam exſiccans & urens omne bonum, obſtruens fontem divinæ miſericordiæ, das iſt / ein dürꝛer Wind / welcher außtrocknet vnd verſenget alles gute / vnd verſtopf - fet den rechten Heilbꝛunnen Goͤttlicher Gnad vnd Barm - hertzigkeit. Aber hievon gnugſam.
WIR haben gleich zimlich lang den Heil - bꝛunnen inn gemein beſehen / vnnd Troſtwaſſer drauß geſchoͤpffet: Jetzt muͤſſen wir auch in ſon - derheit beſehen / vnnd der gebür nach rühmen / den Ehꝛwuͤr - digen Hochgelehꝛten Herꝛn / Philipp Heilbꝛunner / der H. Schꝛifft Doctoꝛn vnd Profeſſorn, auch Pfarꝛern vnd Su - perintendenten der Kirchen vnd Schůlen allhie / ꝛc. nun mehꝛ ſeliger Gedaͤchtnuß. Dann der heylig Geiſt will vonEbr. 13. vns haben / Ebre. 13. daß wir gedencken ſollen an vnſere Leh - rer / die vns das Woꝛt geſagt haben.
Jch will aber ſolches nicht weitlaͤufftig thun / weil es ſich nicht bedarff / vnd vnſer Herꝛ Superintendens ſeli. E. Lieb voꝛhin beſſer in Ehꝛen bekandt / als ichs ſagen kan / ſon - der nur ſum̃ariſcher Weiß das denck wuͤrdigſte / was jhme zu Ehꝛn vnd gůter Letze / ſeiner hinderlaßnen loͤblichen Freund - ſchafft aber / lieben Pfarꝛkindern vnnd vns allen zu Troſt vnd Nachfolg zu ſagen iſt.
Es iſt aber Herꝛ Doctoꝛ Heilbꝛuñer geboꝛn woꝛden / am Tag S. S. Petri vnd Pauli / Anno 1546. zu Lauffen im loͤblichen Hertzogthumb Wuͤrtemberg / auß welchem recht gelobten Land / wie vnzalbar vil andere herꝛliche vnnd nutze Leut in Kirchen vnd Regimenten / alſo auch vnſer Herꝛ Superintendens herkommen. Sein Vatter Hierony - mus Heilbꝛunner iſt daſelbſten Pfarꝛer geweſen. Sein Anherꝛ Philippus Heilbꝛunner / hat die Pfarꝛ zu Ottheim Maulbꝛunner / volgends die Pfarꝛ zu Aurach Vayhinger Ampts lange Zeit verſehen / vnnd iſt entlich als ein miles Chriſti emeritus vnd wolverdienter Mann rude donirtDvnd[26]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigvnnd zu Ruhe geſetzt woꝛden. Wiewol aber vnſer Her[r]Superintendens von Vatter vnd Großvatter / ſo im heyli - gen Predigampt nutzlich gedient / vnd ſo zu reden Geiſtliche Perſonen geweſen / herkommen vnd geboꝛn woꝛden. JedochPſalm. 51. war er eben ſo wol als andere in Sünden empfangen vnndLuc. 15. geboꝛn / vnnd von natur ein verloꝛn Schaͤfflein / oder KindEpheſ. 2. deß Zoꝛns / darumb hat er auch alsbald nach ſeiner Geburt / durch ſeine Chꝛiſtliche Eltern zum rechten Tauffbꝛunnen / welcher zu Lauffen durch Gottes Gnad auch geloffen / muͤſ - ſen gefuͤrdert vnd gebꝛacht werden / vnd von Sünden abge - waſchen / dem rechten Himmliſchen Weinſtock einverleibt woꝛden.
Zu Entzwayingen (dahin ſein Vatter p. m. tranſ. ferirt, vnd zu einem ſpecialn veroꝛdnet woꝛden / auch da - ſelbſten anno 1564. im Martio ſelig inn Chꝛiſto entſchlaf - fen /) iſt er Chꝛiſtlich in der Foꝛcht Gottes vnd Vermanung zum Herrn aufferzogen / vnd bald zur Schůl gehalten woꝛden / wie er dañ erſtlich zu Vayhingen / darnach zu Lauf - fen / vnd dann auch zu Stutgart / ein zeitlang in die Schůl gangen / vnd hernacher / weil man bald geſehen vnd geſpürt / daß er zum Studirn gar taugelich / vnd mit der zeit ein treff - lich Nutzen Mann geben werde / zu einem Fürſtlichen Sti - pendiaten den 4. Auguſti Anno 1560. auffgenommen / dann von einem Cloſter inn das ander (wie es im Hertzog - thumb Wuͤrtenberg bꝛaͤuchlich / vnnd inn ſolchen Cloͤſtern nicht faulfreſſige Moͤnch / Nonnen vnd dergleichen / ſon - dern feine Ingenia zun Studijs vñ Gottſeligkeit angehalten vnd ernehꝛet werden) vnd entlich auß dem Cloſter Beben - hauſſen / den 24. Februarij Anno 1562. auff die loͤbliche ho - he Schůl Tübingen / inn das Fürſtlich Stipendium pro - movirt vnd befürdert woꝛden. Alda jhnen / als einen da -maln[27]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. maln fleiſſigen vnd frommen Studioſum, ſeine Præcepto - res: in Philoſophicis: Georgius Liebler, Samuel Hei - land, Johannes Mendlinus, Georgius Hitzlerus, Mar - tinus Cruſius. In Theologia autem, D. D. Jacobus Andreæ, D. D. Jacobus Heerbrandus, D. D. Theodo - ricus Schnepffius, & D. D. Johannes Brentius, ſehꝛ lieb gewonnen: vnd hat er nit allein gradum Magiſterij An - no 1566. den 20. Februari mit ſondern Lob erlangt: denn Er vnder 18. competitoribus ſecundum locum obti - nirt (primum locum habebat Andreas Planer Athe - ſinus p. m.) ſondern iſt auch zu einem Repetenten andere zu vnderꝛichten / erwoͤhlet woꝛden.
Als er nun ſich ſonderlich vnd mit groſſem Luſt vnnd Fleiß / auff das Studium Theologicum vnnd heylige Schꝛifft begeben / vnd nicht allein die Lectiones vnnd Di - ſputationes fleiſſig beſůcht / ſondern auch im Predigten / auch inn deß heyligen Reichs Statt Eßlingen (dahin die Univerſitet Tuͤbingen / wegen graſſirender Peſt transfe - rirt woꝛden) ſich exercirt, iſt er im 21. Jahꝛ ſeines Alters / Diaconus zu Biettickheim woꝛden / Anno 1567. Menſe Januario. Von dannen iſt er zwey Jahꝛ hernacher zu Luſtnaw / nahe bey Tuͤbingen Pfarꝛer woꝛden: Da er dann nicht allein privatim fleiſſig ſtudirt / ſondern hat auch die Lectiones Theologicas zu Tuͤbingen embſig beſuchet / dieſelbige excipirt / vnd hat ſich nicht leichtlich etwas davon abhalten laſſen / alſo das die Herꝛn Theologi, ſonderlich D. Schnepfius (deſſen ich gern / als auch meines geweßnen trewen Pręceptoris, in ehꝛen gedenck) jne offt ſelbſten daꝛum̃ angeredt / was er ſich doch zeihe / das er in einem ſo wilden Wetter / zu jhnen hinein kommen: Darauff er alle zeit ge - antwoꝛtet: Domine Præceptor, ego utar occaſione:D ijLieber[28]Chꝛiſtliche Leich vnd TroſtpredigLieber Herꝛ Præceptor, ich will die guͤte Gelegenheit nicht verſaumen / ſondern gebꝛauchen / weil ichs gebꝛauchen kan / wie es dann damaln auch wegen herꝛlicher Leut vnd rechter Seulen der Kirchen vnd Schůlen / treffliche Gelegenheit gegeben hat.
Weiln es aber bꝛaͤuchlich im gemeltem Loͤblichen Hertzogthumb / daß junge Prediger / die ſich wol anlaſſen / vnd mit gůten qualiteten begabet / jmmer hoͤher / vnd auff beſſere Pfarꝛen promovirt werden / Als iſt eben das auch vnſerm Herꝛn Superintendenten widerfahꝛen / Jn dem er von Luſtnaw auff ein beſſere Pfarꝛ / zu Berthauſſen an - no 1571. transferirt, vnd dañ von derſelben hieher gehn Lau - gingen zur Profeſſion bey dieſer loͤblichen Schůl / durch weyland vnſern gnaͤdigſten Fuͤrſten vnnd Herꝛn / Herꝛn Philipps Ludwig Pfaltzgraven / ꝛc. Von Hertzog Ludwi - gen zu Wuͤrtemberg / ꝛc. beeden Hochſeligſter Gedaͤcht - nuß außgebetten vnd angenom̃en woꝛden / im Jahꝛ 1573. Ehe wir aber vermelten / wie er ſich in ſolchen ſeinem fuͤr - nemmen Berůff verhalten / muͤſſen wir gleich hie ein we - nig ſtill ſtehen / vnd entzwiſchen von ſeinem Eheſtandt auch etwas melden.
Dann weil nach dem Außſpruch deß H. hocherleuchten Apoſtels Pauli / ein Biſchoff vnſtraͤfflich ſein ſoll / eines1. Tim. 3. Weibs Mann / ꝛc. der ſeinen eygnen Hauße wol fürſtehe / der gehoꝛſame Kinder habe mit aller Erbarkeit: So hat ſich vnſer Herꝛ Superintendens, weil Er taugenlich zum Eheſtandt / nicht mit concubinen woͤllen behengen / oder ſonſten auſſer der Ehe ergerlich Leben / ſondern dieſes von Gott veroꝛdneten vnd jederman zugelaßnen mittels deß H. Eheſtandts gebꝛauchen woͤllen.
Seine[29]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners.Seine erſte Hochzeit hat er gehalten im Cloſter Hir - ſchaw / den 2. Junij, Anno 1567. mit deß weiland Eh[r]wuͤr - digen vnd Hochgelehꝛten Herꝛn Heinrici Weickersreut - ters / der heyligen Schꝛifft Doctoris vnnd Abbts daſelbſten geliebten Tochter / Jungfraw Agnes / (darbey vnter an - dern anſehenlichen[gäſten]. zu gegen geweßt / der Hoch vnd weit beruͤhm̃te vmb die Kirch Gottes wolverdiente Theolo - gus / Herꝛ Johañes Brentius ſenior, wie auch D. D. Jacob Heerbrand, D. D. Johan. Brentius junior, M. Johann. Entzlinus Director Conſiſtorij Eccleſ. Stutgart. ) mit deren er im heyligen Eheſtand fridlich gelebt 13. Jahꝛ / vnd vier Soͤhne erzeugt / deren der Eltiſte Heinricus allhie zu Laugingen im Herrn entſchlaffen / die drey ſein noch im Leben ſo lang Gott will / an welchen er Herꝛ Superin - tendens ſeliger / groſſe Frewd vnd Ehꝛ erlebt / weil ſie fuͤr - nemme vnd nutze Leuth im Weltlichen vnd Geiſtlichen Re - giment / vnnd Ewer Lieb voꝛhin ohne mein ruͤhmen inn Eh - ren bekandt.
Die ander Hochzeit hat er gehalten Anno 1581. den 8. Maij allhie zu Laugingen / mit deß Weiland Erſa - men vnnd Fürnemmen Matthæi Zebelins Burgers vnnd Gaſtgebens allhie Tochter / Jungfrawen Barbara / nun mehꝛ ein betruͤbte Wittib / mit welcher er bißhero im heyli - gen Eheſtandt wol gehauſſet fünff vnd dreiſſig Jahꝛ / vnd zehenKinder erzeugt / ſechs Soͤhn vnd vier Toͤchtern: De - ren noch im Leben drey Soͤhn vnd drey Toͤchtern: Vnd wie er mit beeden Ehegatten friedlich vnd Chꝛiſtlich / wie eim getrewen Biſchoff gebuͤrt / gelebt: Alſo hat er auch / wie Paulus / am gemeltem Oꝛt erfoꝛdert / feine gehoꝛſame Kinder gehabt / wie auch Kinds Kinder / an welchen er viel Frewd / Ehꝛ vnd Luſt gehabt: Das alſo der getrewe Gott /D iijdem[30]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigdem ſey Lob vnd Danck geſagt / noch manchem Prediger ſein Hauß vnd Ehebet / den Eheſchaͤndern zu Trutz / mit vi - len ſchoͤnen herꝛlichen Himmelspflantzen vnnd Paradeiß - zweyglein ſegnet: Wie dann vnſer im Herrn ent - ſchlaffene Superintendens ein recht geſegneter Mann ge - weſen / vnnd mit den dreyerley bonis, Animi, Corporis & Fortunæ, reichlich von GOTT begabet vnndbegnadet woꝛden.
Am gemuͤth / weil er zu freyen Künſten groſſen Luſt gehabt / inn denſelbigen hoch kommen / vnnd trefflich profi - cirt, alſo daß er Anno 1577. den 8. May / neben ſeinem Bꝛůder Herꝛn Jacob Heilbꝛunnern / vnd Herꝛn Johann Veſenbeccio, von Herꝛn Doctoꝛ Jacobo Heerbrand, zu einem Doctore Theologiæ creirt woꝛden. So hat er auch ein feinen Inſtrumental Muſicum gegeben / vnd ſich nicht allein in Davids Geiſtlicher Harpffen vnd Pſaͤlter - lein / ſondern auch (als er noch Jung geweſen) auch mit der euſſerlichen Harpffen vnd Inſtrument erquickt.
Am Leib iſt er auch geſegnet geweſen / weil jhme der getrewe Gott friſchen vnnd geſunden Leib verliehen / daß er wenig Kranckheiten außgeſtanden / vnd ein rechter friſcher / geſunder vnnd roͤſelichter Mann geweſen / auch noch inn ſeinem hohen Alter / welches ſich biß inn das Sibentzigſte Jahꝛ erſtreckt.
Vnnd weil er auch ſeinem eignen Hauß wol voꝛ - geſtanden / ſo hat Jhn auch GOTT mit zeitlichen Guͤ - tern reichlich geſegnet. Von welchem er auch den Armen vnnd recht Duͤrfftigen (den faulen ſtarcken Bettlern iſt er feind geweſen) gern geholffen vnnd gerathen / wie jhme deſ - ſen noch wol etliche werden Zeugnuß geben / auch ſonſten liberalis vnd gůter converſation geweſen.
Wir[31]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners.Wir kommen aber wider auff ſeinem voꝛgemelten Beruͤff vnnd Standt / inn welchem wie Getrew / Eyfferig / Soꝛgfaͤltig vnnd Fleiſſig Er ſich erzeigt habe / iſt bekandt vnnd offenbar.
Bey dem Fürſtlichen Collegio hat Er groſſen Nu - tzen durch Gottes Gnad geſchafft / vnd viel herꝛlicher Ge - lehꝛter Leuth helffen ziehen / die zum Theil inn dieſem Land vnnd auch allhie bey Kirchen vnnd Schůlen / zum Theil auch anderſtwo vnnd auſſer Lands nutzlich vnnd ruͤhmlich gebꝛaucht werden.
So hat er auch mit der Fuͤrſtlichen Bibliotheca ein zeit her groſſe Müh vnnd Soꝛg gehabt / vnnd Tag vnnd Nacht gearbeitet / biß Er ein Regiſtratur verfertigt / An - no 1587.
Der Weiland Durchleuchtigſte vnd Hochgeboꝛne Fuͤrſt vnnd Herꝛ / Herꝛ Philipps Ludwig Pfaltzgrave bey Rhein / ꝛc. Hochloͤblichſter Gedaͤchtnuß / hat jhne ſeines Eyfers vnd trefflichen qualiteten halben / in Religions vnd Glaubenſachen offt gebꝛaucht.
Anno 1580. iſt Er wegen der Subſcription For - mulæ Concordiæ gen Zweybruͤck geſchicket vnd gebꝛaucht woꝛden.
Anno 1585. Menſe Majo haben Jhꝛe Fürſtliche Durchleucht Jhne nacher Diſteldoꝛff / zu deß Jungen Herꝛen von Gülch Hochzeit genommen.
Anno 1601. iſt er gen Regenſpurg auff das Collo - loquium gezogen / wie er ſich damaln gegen ſeinem Ad - verſario dem Conrad Vetter oder Spoͤtter verhalten / be - zeugt das hievon getruckte Bůch.
Er hat auch viel Bedencken inn Religions Streit - ten geſtellt / auch viel geſchꝛieben wider Papiſten vnd Cal -[32]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtpredigviniſten / wie deren etliche ſcripta in Truck kommen / theils aber in ſeiner Bibliotheca zu finden.
Anno 1602. Menſe Decembri, iſt Er zu einem Pfarꝛer vnd Superintendenten dieſer vnnd der Benach - barten Kirchen Oꝛdenlich erwoͤhlet vnnd angenommen woꝛden.
Wie er ſich nun dieſe Zeit her in ſolchem verhalten /Johan. 12. wie er nicht allein die Laͤmmer deß Sohns Gottes / inn der Schůl mit aller Beſcheidenheit vnd groſſer dexteritet ge - weydet / Sondern auch die Schaffe Chꝛiſti in der Kirchen /Tit. 2. vnd ſich ſelbſten jhnen allenthalben zum Fuͤrbild / der vnver - faͤlſchten Himmliſchen Warheit vnnd Gottſeligkeit / als ein getrewer Hirt vnnd Seelſoꝛger / rechtſchaffen darge - ſtellt habe: Wie er ſich gegen ſeinen Herꝛen Collegis in der Schůl vnnd Kirchen / gegen einem Ehꝛſamen Magi - ſtrat vnnd Burgerſchafft / als ſeinen lieben Pfarꝛkindern / gegen vns Pfarꝛen auff dem Land / als vnſer Superinten - dens, wie auch gegen dem Beampten / Edlen vnnd Vned - ein / ſo Friedlich / Freundtlich / Demuͤtig / Ehꝛentbüttig / Hülffreich / ꝛc. erzeigt / würde viel zulang hie nach not - turfft zu erzehlen.
Wie Lieblich / Verſtaͤndtlich vnd Methodiſch iſt Er doch geweſen inn ſeinen Predigten / die er freylich nicht ge - nommen auß trüben vnnd vergifften Ciſternen / daruͤberJerem. 2. GOtt klagt im Propheten Jeremia, mit dieſen Woꝛten / Mein Volck thůt ein zweyfache Suͤnd / Mich / die leben - dige Quelle verlaſſen ſie / vnnd machen jhnen hie vnnd da außgehawene Bꝛunnen / die doch loͤcherig ſein / vnnd kein Waſſer geben: Darauß ſage ich / hat vnſer Herꝛ Su - perintendens ſeine Predigten nicht genommen / ſondern auß den f[r]iſchen Bꝛuͤnlein Jſraelis oder den rechten Heil -bꝛun -[33]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. bꝛunnen / vnnd ſeine Predigten mit ſchoͤnen Spruͤchen heyliger Schꝛifft geſpicket / wie ich derſelben ſelbſten viel von jhme angehoͤꝛt / ſonderlich deren / welche Er etlich Jahꝛ her inn Erklaͤrung deß heyligen Evangeliſten Matthæi, inn Wochenpredigen gehalten / welchen er mit ſonderm Fleiß vnnd Nachdencken weitleuffig tractirt, vnnd ſich etlich mal verlauten laſſen / Er ſoꝛg wol / Er werde jhn nit abſolvirn, ſonder ſein Leben drüber beſchlieſſen / welches auch geſchehen.
Wolan / es will nun mehꝛ zum Ende lauffen mit vnſerm lieben Herꝛn Superi[n]tendenten vnnd Seelſoꝛ - ger. Vnnd weiln er dieſe letſte truͤbſelige Zeit (darinn wir leyder ſindt) auch erleben vnnd erfahꝛen muͤſſen / hat Er jhme der Kirchen / Schůlen vnnd gantzen Chꝛiſtenheit betruͤbten Zuͤſtand nahe laſſen zu Hertzen gehen / vnnd doch ſich etlich mal verlauten laſſen / Er koͤnne vnnd woͤlle von ſeinen anbevohlenen Schaͤfflein (wie dann einem je - den getrewen Seelenhirten / inn allweg gebuͤren will) nicht weichen / es gehe gleich / wie der liebe GOTT woͤlle / ꝛc.
Hat darneben ſich ſtettig erinnert / daß er inn dieſer Welt keine bleibende Statt habe / Sondern ſein Burger - ſchaͤfft ſey im Himmel. Vnnd wie ſonſten rechtſchaffene Chꝛiſten beſchaffen / das weil ſie wiſſen / das zwar der Todt gewiß / Zeit vnnd Stundt aber deßſelben vngewiß / ſo ge - hen ſie jmmer mit Todts Gedancken vmb / machen ſich bey zeit geruͤſt vnd bereit / leben jmmerdar inn wahꝛer Foꝛcht GOttes / gehen vnd bleiben fein auff jhꝛen Amptswegen / vnnd befehlen ſich Moꝛgens vnnd Abendts fleiſſig inn die Handt GOttes / vnnd Schutz der heyligen Engelein / da - mit jhnen kein Todt ſchaͤdlich / er komb gleich langſam oderEgeſchwind[34]Chꝛiſtliche Leich vnd Troſtprediggeſchwind / drauſſen oder daheimb / ꝛc. Eben alſo hat auch vnſer Herꝛ Superintendens ſeliger gethan / Sein Bett - zeit ernſtlich vnnd fleiſſig gehalten / Auff ein Regiſter / ſo Er ſonderlich dieſes Jahꝛ angefangen vnnd geſtellt / Schoͤne denckwuͤrdige Sprüchlein geſchꝛieben vnd betrachtet / als: Eſaiæ 38. Diſpone domui tuæ, quia morieris tu, & non vives. Pſalm. 118. Non moriar, ſed vivam, & opera Domini narrabo. Romanor. 14. Sive vivimus, ſive morimur. Domini ſumus, vnd dergleichen.
Am heyligen Oſtertag vnnd darauff folgenden O - ſtermontag / hat Er ſeine Predigten noch verꝛichtet / vnd vnder anderm auch deß ſchoͤnen Gebettleins der Juͤnger ſo gehn Emaus gereyſet (Herr bleib bey vns / dann es will Abendt werden / vnd der Tag hat ſich geneiget) nicht vergeſſen / ſonder auff vnſer betruͤbte Abendtszeit gerichtet / wie dann ſolches ſein letſte Predigt / vnnd Kirchgang all - hie geweſen.
Den Afftermontag hernacher / als den letſten Oſter - feyertag / hat er zu Moͤꝛßlingen / gleich das letſtemal viſi - tiert, vnnd bald drauff / ſonderlich den Donnerſtag (da die loͤbliche Progreſſiones gehalten) ſich gantz willig vnd ge - dultig gar zu Beth gelegt.
Man hat aber an jhme nichts toͤdtlichs / ſonder nur ſein voꝛigs Podagram geſpüret / welches auch nicht hefftig / ſonder kaum ein umbra deß Podagrams geweſen / weil Er / wie Er mir vnd andern angezeigt / faſt keine Schmertzen empfunden / allein daß er nicht foꝛt kommen koͤnnen / ſon - dern deß Beths ſich behelffen muͤſſen.
Nechſt verſchienen Sontag Miſericordiæ, als er ſich Moꝛgens noch zimblich wol befunden / hat er ſein Hauß - geſindt ermahnet / mit einander inn die Kirchen zugehen /Aber[35]H. Doctor Philipp Heilbꝛunners. Aber da faͤllt eine Schwachheit / die GOtt bewußt / gleich ploͤtzlich auff jhn / da er dann begert / man ſolle jhm auff helf - fen / hat ſich auch ein wenig in der Stuben vmbfuͤhꝛen laſ - ſen: Weil er aber groſſe Schwachheit befunden / hat er ſei - nem Beth zubegehꝛet / vnd befohlen / man ſolle jhn fein auff die Seiten legen / damit jhme das Hertzblat nicht fuͤrfalle / welches dann inn GOttes Namen geſchehen / vnnd ſtracks darauff inn beyſein Herꝛn Bartholomæi Mercklin / vnnd Herꝛn Johann Widemann / der Artzney Doctorum, wie auch anderer Benachbarten / von ſeinem getrewen Ertzhir - ten Jeſu Chꝛiſto / auß dieſem Jammerthal abgefoꝛdert / inn jhme ſanfft vnnd ſeeliglich entſchlaffen: Da jhme wider - fahꝛen / was er lang voꝛher ſchon GOtt gebetten / Er woͤlle jhn nach ſeinem gnaͤdigen Willen nur nicht mit langwiri - ger ſchmertzlicher Kranckheit heimbſůchen / ꝛc. Es iſt an jh - me erfuͤllt woꝛden / was Chꝛiſtus mit einem doppelten Ayd betheuͤret / Johann. 8. Warlich / warlich ich ſage euch / So jemandt mein Woꝛt wirdt halten / der wirdt den Todt nicht ſehen ewiglich. Vnd was er in ſeinem Chꝛiſtlichen Verſ - lein begert / Der woͤll mir ferꝛner ſein Gnad geben / Dann zu ſich nemmen ins ewig Leben / Welches ſeiner Seel nah ohn allen zweyffel ſchon geſchehen / Seinem verſtoꝛbnen Leichnamb wirdt der Herr ſchon zu ſeiner Zeit ein froͤ - liche Aufferſtehung verleyhen. Wie er ſich dann diſer ſeiner froͤlichen Aufferſtehung getroͤſtet hat in ſeinem Teſtament vnnd letſten Willen / ſo Er Anno 1615. den 8. Januarij geſchꝛieben vnnd verfertigt / deſſen Anfang von Woꝛt zu Woꝛt alſo lautet.
MEin Chꝛiſtliche Glaubensbekantnuß / iſt auß meinen publicirten lateiniſchen vnd teutſchen Schꝛifften / gnugſam bekannt vnnd offenbar.
Dem Allmechtigen Gott / vnd Vatter vnſers lieben Herrn Jesu Christi, ſey fuͤr ſol - che mir verlihene Erkaͤntnuß ſeines heyligen al - lein ſeeligmachenden Woꝛts vnnd Willens / Lob Ehꝛ vnd Preiß / der woͤlle auch mich / zu ſampt meiner lieben Haußfraw vnd Kindern / durch die Krafft ſeines heyligen Geiſts / gnediglich dabey - biß an vnſer ſeliges Ende erhalten / Amen.
Da es ſich dañ nach Gottes gnedigem Willen begeben / vnd mein ſtuͤndlein voꝛhanden ſein wirt / daß mein Leib vnnd Seel von einander ſcheiden ſoll / So bevilhe ich jetzt vnd dann zumal meine Seel inn die gnaͤdige vnd allmaͤchtige Haͤnd mei - nes liebſten Herrn vnd Seligmachers Je - su Christi.
Mein Leichnam ſoll auff den hieſigen Gotts - acker neben meiner lieben Haußfraw vnnd etlichKinder[37]H. Doctoꝛ Philipp Heilbꝛunners. Kinderlein ſeligen begraben werden / vnnd allda der froͤlichen vnd ſeeligen Aufferſtehung erwar - den / Amen / Amen.
Es ſollen aber beſchließlich auch die Zůhoͤꝛer vnnd Pfarꝛkinder diſes jhꝛes getrewen Hirten vnnd Selſoꝛgers nicht alsbald vergeſſen / ſonder inn allweg gedencken / vnnd zwar in allen Ehꝛen. Sonſten ſein gemeinglich Zůhoͤꝛer gar verbicht auff das Leben jhꝛer Prediger / vnd haben nur allzu ſcharpffe Augen auff ſie / doͤꝛffen ſie auch wol außrůf - fen wie ein ſawers Bier. Sie ſolten aber gedencken / daß ſie nicht Engel vnnd Engelrein / ſondern arme Menſchen / vnd demnach auch jhꝛe Menſchliche Gebꝛechen / Fehl vnnd Maͤngel an jhnen haben / welche Zůhoͤꝛer vnnd Pfarꝛkinder fein mit dem Mantel der Liebe ſollen zudecken / vnd vil mehꝛ grata memoria jhꝛer gedencken / was ſie an jnen gethan / ꝛc. Sonderlich auch ſollet jhꝛ der herꝛlichen troſtreichen Pꝛedig - ten eweres im Herꝛn entſchlaffnen D. Heilbꝛunners / ſo er auß dem rechten Heilbꝛunnen euch gethon vnd gehalten / nimmermehꝛ vergeſſen / ſonder im Leben vnnd Sterben / ja einmal in eweren letzten Seufftzen euch damit troͤſten vnnd erquicken / Gott ewrem Himmliſchen Vatter hiefuͤr hertz - lich dancken / vnnd weil er euch dieſen Seelenhirten nach ſei - nem vnerfoꝛſchlichem Rath vnnd Willen eben zu diſer ge - faͤhꝛlichen Zeit genommen / ſolt jhꝛ jhn von hertzen vnnd vn - ablaͤſſig auß rechtſchaffener Rew vnd Buͤß / erſůchen vnnd anrůffen / daß er euch auch hinfuͤro allergnaͤdigſt fuͤr Miedt - lingen / ſtummen Hunden vnd reiſſenden Woͤlffen behuͤten vnd bewahꝛen / die erledigte Stell ewers lieben Pfarꝛers ſe - liger mit einer taugenlichen Perſon vnd getrewen Lehꝛer er - ſetzen / vnd alſo euch / ewre liebe Kinderlein vnnd Nachkom -E iijmen[38]Chꝛiſtl. Leich vnd Troſtp. H. D. Phil. Heilb. men noch laͤnger / ja immerdar Schaͤfflein ſeiner Wayd ſein vnnd bleiben laſſen woͤlle / Ach laſt euch inn ſonderheit nachfolgendes Gebettlein wol befohlen ſein / damit ich auch dieſe Predig will beſchloſſen haben.
Alle Ding Sein Zeitt
Gedruckt zu Vlm / Durch Johann Meder. M DC XVI.
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