PRIMS Full-text transcription (HTML)
Klag - und Troſt-Reimchen Bey unverhofftem und klaͤglichem wiewol ſeligem Abſchied aus dieſer Welt Des Anmuthigen und liebreichen Kindes Jungfr. Annen Catharinen /
Deß weiland edlen Herrn Sigismund Scharffen / etc. etc. Wie auch Der Ehr und Tugendreichſten Frawen Reginen gebohrnen Schimmelfenniginnen / Ehlichen hertzlieben Toͤchterleins /
Welches 1650. 11. Januar. an dieſe Welt gebohren / und 1653. 21. Hewmon. ſanfft und ſelig eingeſchlaffen / und dar - auff 23. ſelbten Monats Chriſtlich und ehrlich im Thum zu Koͤnigsberg in jhrem Erbbegraͤbniß der Erden eingebracht worden.
Gedruckt durch Johann Reuſnern.
[figure]
GEehrte Fraw / von Tugend reich /
Der Sitten Bild / und doch zugleich
Zum Creutz als wie erkohren /
Wie ſchertzt das Gluͤck ſo wunderlich?
Hat ewre groſſe Frewde ſich
So unverhofft verlohren?
Jhr legt kaum hin das ſchwartze Kleid
Des Weinens und der Traurigheit
Vnd muͤſſt es wieder tragen /
War ewer Hertz doch kaum geſund
Vnd ſeht es wird euch wieder wund
Durch dieſen Fall geſchlagen.
Jhr henckt ein Lacken wieder aus /
Vnd ſoltet billig ewer Hauß
Mit gruͤnen Tannen zieren.
Fuͤr
Fuͤr Frewdenſpiel und Luſtgeſchrey
Sieht man der Schulen lange Reih
Die Todten-weiſe fuͤhren.
Das Kind dem jhr das Leben gabt /
Das jhr ſo lieb gehalten habt
Liegt da / o groſſe Schmertzen!
Vor ewren Augen hingeſtreckt /
Es ſtirbt das ſolche Frewd erweckt
Jn ewrem lieben Hertzen.
Den Mund die hellen Auͤgelein
Die aller Zucht und Tugend Schein
Schon kuͤndlich lieſſen blicken /
Die zarten Wangen und die Zier
Der rothen Lippen muͤſſet jhr
Bereit zu Grabe ſchicken.
Jhr hofftet und nicht unrecht zwar
Sie etwa umb ein funffzehn Jahr
Zur Kirchen zu begleiten
Jn Luſt und nicht in ſolcher Noht /
Ach wie umbſonſt / der wilde Tod
Hat deß gelacht von weiten.
Er
Er raffet ſie gantz ploͤtzlich fort /
Wie wann der Mohn jetzt durch den Nort
Beſtrichen ſoltte werden
Wie ſtoltz er ſeine Zier erhoͤht
Wie praͤchtig er an Farben ſteht /
Sein Kopff laͤg 'auff der Erden.
Jch aber dennoch traw 'euch zu
Hie neben die Gemuͤthes Ruh
Daß jhr habt war genommen
Der Dinge Wegfahrt uͤberall /
Vnd daß zu handen euch kein Fall
Koͤnn' unverſehens kommen.
Jhr habt rechtſchaffen ſchon vorhin
Durch Creutz gehaͤrtet ewren Sinn
Vnd gnugſam muͤſſen weinen:
Darumb wird keine Traurigheit
Kein Vnfall kein Betrug der Zeit
Euch neu und ſeltzam ſcheinen.
Es muß ſo gehn nach allem Schein /
Sonſt wuͤrde Frewde zu gemein /
Vnd Vberdruß gebehren /
Deß
Des ſchoͤnen Himmels blawes Zelt
Wuͤrd 'unwehrt wann nicht umb ſein Feld
Zu Zeiten Wolcken waͤren.
Regt keine Kranckheit mir das Blut /
Was ſchaͤtz 'ich der Geſundheit Gut?
Sind immer gutte Zeitten
So wird der Friede ſchlecht erkant /
Dann iſt er lieb / wenn Raub und Brand
Erbaͤrmlich uns beſtreitten.
Jſt guttes Wetter ſtets zur See
Es ſingt die ſchoͤne Galathee
Vnd ſchertzt mit den Tritonen /
Wer nimmt des Ruders fleiſſig war?
Vns lehrt die ploͤtzliche Gefahr
Der Wachſamkeit gewohnen.
Wer ſich in guttem Gluͤcke ſieht
Sein Reichthum waͤchſt ſein Anſehn bluͤht /
Wie er herein ſol tretten
Fuͤr groſſem Hochmuth weiß er nicht /
So daß jhm nirgends was gebricht
Ohn jhn gar an zu behten.
Er
Er ſeh '/ ich raht' es jhm / ſich fuͤr
Jhm wachet etwas vor der Thuͤr
Daß er ſich nicht laͤſſt ahnen /
Sein daunes Segel nehm er ein
Polycrat in den Augen-Schein
Voraus den Fall Sejanen.
Wer hoͤchſt-geſund iſt wiſſe gar
Gewiß die Naheit der Gefahr /
Weil Titan nicht kan ſteigen
Noch hoͤher umb die Mittags-Zeit
So muß er auſſer allem Streit
Sich unttergang-werts neigen.
Mein Gluͤck-Spiel lache ja mir nicht
Mit unbewoͤlcktem Angeſicht
Es ſucht mich zu betriegen /
Fein abgewechſelt ſey es hier /
Stets trawrig ſeyn bleib 'auch von mir
Sonſt moͤcht ich gar erliegen.
Jhr pflichtet / werthe Fraw / mir bey /
Drumb habt der Satzung keine Rew
Die GOtt euch jetzt geſtellet /
Er
Er wieget auff gerechter Hand
Der Menſchen Noht - und Frewden-Stand
Vnd thut was jhm gefaͤllet.
Jch ſchifft 'einmahl das Cuͤriſch' Hab
Aus meiner Vater-Stad herab
Wie lachte mir der Himmel
Gantz unbewoͤlckt den gantzen Tag /
Den Abend kam ein Donnerſchlag
Vnd groſſes Lufftgetuͤmmel.
Jm Augenblick war aller Pracht
Der Sonnen Hellen-finſtre Nacht /
Nim aus des Plitzes Fewer /
Von oben goß der Himmel her
Stein Hagel einer Suͤndfluhtmeer
Vnd alles ungehewer.
Als es kein Viertel Stuͤndchen war
Schien uns die Sonne wieder klar /
Wir huben an zu ſingen.
Wer weiß / ich hoff 'es / dieſes Leid
Wird euch beſtaͤndig gutte Zeit
Auch ebenmeffig bringen /
Mein
Mein beſter Wunſch iſt jetzund dieß.
Des Kindes wegen ſeyd gewiß
Daß jhr ſey wol geſchehen /
Sie hat fuͤr die gehabte Qual
Der Frewden Schatz des Himmels Sal
Vnd kan den HErren ſehen.
Hie ſiehet unſre Lebens-Zeit
Das Reich der Vnbeſtaͤndigheit
Darauff kein Menſch ſol bawen /
Vns gelte gleich Luſt oder Tod /
Wenn wir nur allzeit ſehn auff GOtt
Vnd jhm von Hertzen trawen.
[figure]

About this transcription

TextKlag- und Trost-Reimchen Bey unverhofftem und kläglichem wiewol seligem Abschied aus dieser Welt Des Anmuthigen und liebreichen Kindes Jungfr. Annen Catharinen/ Deß weiland edlen Herrn Sigismund Scharffen/ etc. etc. Wie auch Der Ehr und Tugendreichsten Frawen Reginen gebohrnen Schimmelfenniginnen/ Ehlichen hertzlieben Töchterleins
Author Simon Dach
Extent17 images; 781 tokens; 531 types; 5068 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Preußen 17 digital - Digitalisierung des im VD 17 nachgewiesenen Bestandes preußischer Drucke der Staatsbibliothek zu BerlinNote: Bereitstellung der Bilddigitalisate.2014-11-04T17:43:40Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationKlag- und Trost-Reimchen Bey unverhofftem und kläglichem wiewol seligem Abschied aus dieser Welt Des Anmuthigen und liebreichen Kindes Jungfr. Annen Catharinen/ Deß weiland edlen Herrn Sigismund Scharffen/ etc. etc. Wie auch Der Ehr und Tugendreichsten Frawen Reginen gebohrnen Schimmelfenniginnen/ Ehlichen hertzlieben Töchterleins Welches 1650. 11. Januar. an diese Welt gebohren/ und 1653. 21. Hewmon. sanfft und selig eingeschlaffen/ und darauff 23. selbten Monats Christlich und ehrlich im Thum zu Königsberg in ihrem Erbbegräbniß der Erden eingebracht worden ; Der hochbetrübten Fr. Mutter zu Trost verfertiget Simon Dach. . [4] Bl ReusnerKönigsberg1653.

Identification

Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Germany 8 in: Yi 851-2http://www.stabikat.de/DB=1/PPN?PPN=636535975http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB00002F7E00000000

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Gelegenheitsschrift:Tod; ready; sbb_funeralschriften

Editorial statement

Editorial principles

Diese Transkription wurde automatisch durch OCR erfasst.

Publication information

Publisher
  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-10T11:00:00Z
Identifiers
Availability

Dieses Werk ist gemeinfrei.

Holding LibraryStaatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Germany
Shelfmark8 in: Yi 851-2
Bibliographic Record Catalogue link
Terms of use Images served by Deutsches Textarchiv. Access to digitized documents is granted strictly for non-commercial, educational, research, and private purposes only. Please contact the holding library for reproduction requests and other copy-specific information.