PRIMS Full-text transcription (HTML)
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[I]
Praktiſche Anweiſung zur Konſtrukzion der Faſchinenwerke und den dazu gehoͤrigen Anlagen an Fluͤſſen und Stroͤmen nebſt einer Anleitung zur Veranſchlagung dieſer Baue.
Mit 8 Kupfern.
Berlin,in Kommiſſion bei Friedrich Maurer1800.
[II][III]

Vorrede.

Dieſe Abhandlung, von welcher ſchon die erſten Kapitel zum Theil in der Sammlung nuͤtzlicher Aufſaͤtze und Nachrichten, die Baukunſt betref - fend, Jahrgang 1798 abgedruckt ſind, erſcheint hier im Zuſammenhange. Sie ſoll nur eine Anweiſung enthalten, wie bei dem Baue der verſchiede - nen Faſchinenwerke zu verfahren iſt, weil die bereits bekannten Anleitun - gen zu dieſer Bauart, theils nicht vollſtaͤndig genug, theils auch ſo be - ſchaffen ſind, daß ſich davon ſelten ein tuͤchtiger Bau, der den Wellen und dem Eiſe trotzen koͤnnte, erwarten laͤßt.

Die ganze Anweiſung gruͤndet ſich auf meine vielfaͤltige eigene Er - fahrungen und auf die Beobachtung der Bauarten verſchiedener Stroͤme, insbeſondere aber iſt die Bauart an der Oder und Warthe als Grund - lage angenommen, weil dieſer, ſelbſt an andern Stroͤmen der Vor - zug eingeraͤumt worden, auch eine vieljaͤhrige Erfahrung den ſicherſten Beweis fuͤr ihre Tuͤchtigkeit ablegt. In Abſicht der Coupirungen muß ich bemerken, daß mir der Hr. Kriegsrath Senf zu Cuͤſtrin, welcher die groͤßten und meiſten Coupirungen in unſerer Gegend ausgefuͤhrt hat, einige ſeiner ſehr wichtigen Erfahrungen mittheilte, wofuͤr ich hierdurch oͤffentlich Dank abſtatte.

Es darf wohl kaum erwaͤhnt werden, daß dieſe Bauart in einem andern Klima oder unter ſehr verſchiedenen Umſtaͤnden, als die hier vor -IVVorrede.ausgeſetzteu ſind, einiger Modifikazionen bedarf; allein bei welcher architek - toniſchen Anweiſung iſt dies nicht der Fall?

Es waͤre ſehr leicht geweſen, dieſe Anweiſung zum Faſchinenbaue, durch eine Menge von Beiſpielen zu begruͤnden; hierdurch waͤren aber keine andere als die gegebenen Regeln entſtanden, und weil dieſe Beiſpiele wenn ſie von Nutzen ſeyn ſollen, nicht nur das Ganze ſehr weitlaͤuftig machen, auch die Kupferabdruͤcke dadurch noch anſehnlich vermehrt wer - den, ſo habe ich mich zur Erſparung der Koſten, nur auf den Bau ſelbſt eingeſchraͤnkt.

Wenn uͤbrigens in dieſer Schrift außer dem Baue der Werke, noch einige Bemerkungen uͤber die Wahl der Bauſtellen, die Wirkungen und Folgen der Anlagen beigebracht ſind, ſo gehoͤren ſolche eigentlich nicht in den Plan derſelben, nach welchem nur die Abſicht iſt, die Konſtrukzion der Faſchinenwerke zu beſchreiben, weil die weitere Ausfuͤhrung uͤber die Art wie Stroͤme nach Grundſaͤtzen zu reguliren ſind, eine beſondere Abhandlung erfordert, worin der Bau der Packwerke als bekannt voraus geſetzt wird. Auch giebt es ſchon ſo mancherlei Anweiſungen, Stroͤme zu verbeſſern, ohne daß man aus denſelben lernt, wie eigentlich der Bau gefuͤhrt werden muß daher dieſe zufaͤlligen Bemerkungen, nur in ſo fern beigefuͤgt ſind, als ſie mit zur beſſern Beurtheilung bei der Fuͤhrung des Baues dienen koͤnnen.

Alle vorkommende Abmeſſungen beziehen ſich auf rheinlaͤndiſches Maaß, welches mit dem bei uns eingefuͤhrten brandenburgiſchen zwoͤlftheiligen Maaße uͤberein koͤmmt. Berlin im Januar 1799.

E.

Inhalt

Anweiſung zum Faſchinenbaue.

V

Inhalt.

  • Einleitung.
  • Seite. §.
  • Vortheile bei dem Faſchinenbaue. Schwierigkeiten ſolchen zu beſchreiben1
  • Beſchwerden bei Ausfuͤhrung der Baue. Ermunterung die dem Waſſerbaumeiſter gebuͤhrt2
  • Erſtes Kapitel. Von der Eintheilung der Faſchinenwerke.
  • Erklaͤrung der Packwerke, als: Deckwerke, Buhnen, Fangbuhnen, Ueberfaͤlle, Buhnenkoͤpfe3 1
  • Erklaͤrung der Vernaͤtherungen, als: Spreutlagen, Rauchwehren, Uferbekleidungen5 2
  • Zweites Kapitel. Von den Materialien und Werkzeugen welche zum Faſchinenbau erfordert werden.
  • Seite. §.
  • Faſchinen; ihre Verfertigung6 3
  • Bindweiden, Baͤnder, Schleife, Schloß7 4
  • Wuͤrſte und ihre Verfertigung8 5
  • Pfaͤle9 6
  • Erde10 7
  • Werkzeuge, Geraͤthſchaften oder Utenſilien10 8
  • Drittes Kapitel. Von den Packwerken uͤberhaupt, beſonders in Abſicht ihrer Dimenſionen.
  • Seite. §.
  • Naͤhere Erklaͤrung eines Packwerks12 9
  • Krone oder Oberbreite, Unterbreite, Doſſirung oder Boͤſchung. 12 10
  • Hoͤhe13 11
  • Ob die Spitzen der Faſchinen gegen das Waſſer zu legen ſind. 15 12
  • Jahrszeit fuͤr den Bau16 13
  • VI
  • Viertes Kapitel. Von dem Baue der Buhnen.
  • Seite. §.
  • Zwecke bei dem Buhnenbaue17 14
  • Wurzel, Kopf, Streichlinie
  • Defenſiv - und Offenſivbuhnen
  • Normalbreite des Stroms
  • Wirkung der Buhnen auf das gegenuͤberliegende Ufer. 18 15
  • Lage gegen den Stromſtrich. Schiefliegende und ſenkrechte Buhnen19 15
  • Wirkung der Buhnen auf den Abbruch des diſſeitigen Ufers.
  • Verlandung welche Buhnen bewirken19 16
  • Laͤnge der Buhnen. 21 16
  • Ausmittelung der Urſachen des Abbruchs22 17
  • Nicht immer ſind Buhnen zweckmaͤßige Mittel
  • Unterſuchung des Grundbettes22 18
  • Materialienvorrath23 19
  • Warum Buhnen zuweilen vom Strom weggeriſſen werden.
  • Abſtecken der Buhne24 20
  • Einſchnitt in das Ufer25 20
  • Anfang des Baues25 21
  • Faſchinenkopf26 21
  • Wie weit man die erſte Faſchinenlage in den Strom baut.
  • Vorlage, Ruͤcklage27 21
  • Bewuͤrſtung27 22
  • Benagelung28 22
  • Erdbeſchwerung28 23
  • Ende der erſten Lage29 23
  • Anfang der zweiten Lage30 24
  • Vorſprung jeder Lage uͤber die untere gegen den Strom hin
  • Beſtimmung der Ausladung und Einziehung31 24
  • Bau der dritten und vierten Lage32 25
  • Loshauen der Wuͤrſte
  • Kurze Lagen
  • Ob ſich das Werk auf den Grund geſetzt hat
  • Rammen33 25
  • VII
  • Seite. §.
  • Schwierigkeiten beim Zeichnen der Packwerke34 26
  • Zuruͤckziehung der Lagen34 27
  • Was hier bei der Erdbeſchwerung zu beobachten iſt35 27
  • Ausgleichung der Krone35 28
  • Bauart in verſchiedenen Tiefen35 29
  • Bauart der Schoͤpfbuhnen36 30
  • Sind keine Waſſermagnete. Ihr Nutzen
  • Bau der Rauſchbuhnen36 31
  • Fuͤnftes Kapitel. Vom Baue der Spreutlagen auf den Buhnen.
  • Seite. §.
  • Zeit in der man baut37 32
  • Spreutlagenpfaͤle
  • Bauart
  • Bewuͤrſtung, Benagelung, Erdbeſchwerung38 32
  • Sicherung der Rauchwehre38 33
  • Sechstes Kapitel. Von dem Baue der Coupirungen.
  • Seite. §.
  • Faͤlle in welchen man Coupirungen anlegt39 34
  • Stromcoupirungen
  • Durchbruchs oder Deichcoupirungen40 34
  • Abmeſſungen der Stromcoupirungen, Doſſirung, Kronenbreite, Hoͤhe. 40 35
  • Wahl des Ort, wenn ein Deich geſchuͤttet werden ſoll41 36
  • Wenn ein Stromarm abgeſchnitten werden ſoll42 36
  • Ob man einen Stromarm ober - oder unterhalb coupiren ſoll.
  • Wenn mehrere Coupirungen laͤngs eines Stroms ausgefuͤhrt werden ſollen43 37
  • Zeit in der Stromcoupirungen ausgefuͤhrt werden43 38
  • Bauart uͤberhaupt44 39
  • Erddamm vor der[Coupirung]
  • Materialien45 40
  • Abſtecken. Einſchnitt in das Ufer. Fuͤhrung des Baues. 46 41
  • Schluß48 42
  • Arbeit nach dem Schluß50 43
  • VIII
  • Seite. §.
  • Große Pfaͤhle taugen nichts bei Coupirungen51 44
  • Mittel wenn ſich die Oefnung nicht ſtopfen will
  • Durchbruchscoupirungen. Zeit in der ſie auszufuͤhren ſind. Wahl des Orts52 45
  • Abmeſſungen53 46
  • Arbeit54 46
  • Faſchinenuͤberfaͤlle, Schlickpackwerke54 47
  • Siebentes Kapitel. Von dem Baue der Rauchwehren.
  • Seite. §.
  • Packwerksrauchwehren. Bauzeit. Materialien55 48
  • Bauart55 49
  • Uferrauchwehren oder Uferbekleidungen
  • Bauzeit. Materialien. Bauart. 56 50
  • Von den Vorſchlaͤgen57 51
  • Achtes Kapitel. Von dem Baue der Deckwerke.
  • Seite. §.
  • Faͤlle in welchen Deckwerke angelegt werden. 58 52
  • Wo ſie entbehrt werden koͤnnen
  • Naͤhere Beſtimmung ihrer Figur59 53
  • Einſchnitt, Abſtecken, Anfang des Baues59 54
  • Fortſetzung deſſelben61 55
  • Ende des Baues62 58
  • Spreutlage63 59
  • Neuntes Kapitel. Von den Pflanzungen.
  • Seite. §.
  • Nutzen und Unentbehrlichkeit der Weiden und Pappelpflanzungen. 63 60
  • Strauch - und Baumpflanzungen64 60
  • Pflanzzeit, Winterpflanzung, Sommerpflanzung65 61
  • Faͤlle in welchen Pappeln oder Weiden zum Pflanzen gewaͤhlt werden. 65 62
  • Von den Strauch-Gruben oder Neſterpflanzungen66 63
  • Abſtecken und Fuͤhrung der Arbeit67 64
  • IX
  • Seite. §.
  • Baumpflanzungen, beſte Pflanzzeit68 65
  • Anlegung derſelben69 65
  • Fuͤhrung des Haues und Hauzeit70 66
  • Von den Weiden und Pappellarten zu Strompflanzungen. 71 67
  • A. I. Weiße Weide, Salix alba71
  • II. Knackweide, S. fragilis72
  • III. Mandelweide, S. amgydalina72
  • IV. Gelbe Bandweide, S. vitellina72
  • V. Lorbeerweide, S. pentandra73
  • VI. Saalweide, S. caprea73
  • VII. Rothe Bandweide, S. purpurea74
  • VIII. Korbweide, S. viminalis74
  • IX. Bachweide, Roſenweide, S. Helix75
  • X. Werftweide, S. acuminata76
  • B. I. Silberpappel, Populus alba76
  • II. Schwarzpappel, P. nigra76
  • III. Zitterpappel, Espe, P. tremula77
  • Zehntes Kapitel. Von Verfertigung der Zaͤune.
  • Seite. §.
  • Von den Befriedigungen78 68
  • Verfertigung der Flechtzaͤune79 69
  • der Wurſtzaͤune80 70
  • der Stangenzaͤune80 71
  • lebendigen Hecken81 72
  • Sicherung einzelner Kopfweiden81 73
  • Schlickzaͤune82 74
  • Eilftes Kapitel. Von den Anſchlaͤgen.
  • Seite. §.
  • Schwierigkeiten ſolche anzufertigen83 75
  • Ob Baue durch Entreprenneur oder auf Rechnung auszufuͤhren ſind. 83 76
  • Ausmittelung der Faſchinen und Erde zu einer Kubikruthe Packwerk. 84 77
  • Der Wuͤrſte85 78
  • X
  • Seite. §.
  • Der Faſchinenpfaͤhle86 79
  • Saͤmmtlicher Materialien zu einem Deckwerke, einer Buhne oder Coupirung86 80
  • Zur Spreutlage und Rauchwehre87 81
  • Bei Neſterpflanzungen und Flechtzaͤunen87 82
  • Arbeieslohn fuͤr Faſchinen, Wuͤrſte, Bindweiden, Pfaͤhle; Spreutlagen, Rauchwehren und Pflanzungen88 83
  • Erdanfuhre und Eichung der Kaͤhne89 84
  • Tagelohn90 85
  • Koſten fuͤr Faſchinenlegen91 86
  • Fuhrlohn91 87
  • Koſten fuͤr Geraͤthſchaften92 88
  • Anſchlag von einer Buhne92 89
  • Coupirung94
  • Zwoͤlftes Kapitel. Bruchſtuͤcke von Verordnungen in Abſicht des Faſchinenbaues, der damit beſchaͤftigten Offi - zianten und der Strompolizei.
  • Seite. §.
  • Aus der Deich - und Uferordnung in der Lebuſiſchen Niederung an der Oder97
  • Erneuerte und verbeſſerte Dammordnung zu Unterhaltung der Weichſeldaͤmme in der Marienwerderſchen Niederung100
  • Ufer - Ward - und Hegungsordnung fuͤr Schleſien101
  • Deich - und Ufer - auch Graben - und Wegeordnung, in dem, auf beiden Seiten der Oder, zwiſchen Zellin und Oderberg belegenen Niederbruch. 109
  • Waſſer - und Uferordnung fuͤr den Rheinſtrom117
  • Damm - und Uferordnung fuͤr Oſtpreußen und Litthauen122
  • Reglement fuͤr die ſo den Bromberger Kanal befahren125
  • Unterricht wie die Weidenpflanzungen anzulegen. 126
Einlei -
[1]

Einleitung.

Es darf nur kurz erwaͤhnt werden, daß es von dem groͤßten Vortheile iſt, wenn man ſich bei dem Baue an Stroͤmen, ſtatt der ſonſt gewoͤhnlichen koſtbaren Pfal - und Steinwerke, der Faſchinenbaue bedient, welche nicht nur bei dem Stoße des Waſſers und Eiſes weniger Beſchaͤdigung[ausgeſetzt] ſind, ſondern auch außer der anſehnlichen Koſtenerſparung bei ihrem Aufbaue, noch den Vortheil mit ſich fuͤhren, daß ſie laͤnger dauern und uͤberdem eine Be - nutzung des Weidenſtrauchs gewaͤhren.

Dieſe Vortheile werden beſonders einleuchtend, wenn man erwaͤgt, daß zu dem Ma - teriale bei dem Baue ſelbſt, nichts als Strauch, Erde und kleine Pfaͤle, und zu den Ge - raͤthſchaften, nur Karren, Bretter, Handrammen, Schippen, Schlaͤgel, Beile u. d. gl. noͤ - thig ſind. Hierdurch wird man nicht allein in den Stand geſetzt, dem reißendſten Strome Trotz zu bieten, ſondern auch denſelben nach Gefallen ſo zu benutzen, wie es bei jeden Umſtaͤnden erfordert wird. Wenn indeſſen bei dem Faſchinenbau nur leichte Mittel an - gewendet werden, ſo erfordert dennoch der Bau ſelbſt viele Aufmerkſamkeit und eigene Kunſt - griffe. Wer die Beſchaffenheit dieſer Baue aus Erfahrung kennt, wird geſtehen, daß die innere Konſtrukzion derſelben und die Fertigkeit und einzelnen Handgriffe, welche der Buh - nen - Kribb - oder Dammeiſter ſelbſt anwendet, ſo einfach ſie auch ſcheinen wenn man ſie anſieht, dennoch ſchwer zu beſchreiben ſind, und ſich ſelbſt durch Zeichnungen nicht hinlaͤng - lich verſinnlichen laſſen; ein Modell davon, wuͤrde aber noch unſchicklicher ausfallen, weil ſich im Kleinen, ſtatt der Faſchinen, nicht leicht etwas anders anwenden laͤßt, und denn doch der Hauptumſtand, die Arbeit ſelbſt und das ſtroͤmende Waſſer fehlet.

Es kann durch die muͤhſamſte Technologie ſelten ein Handwerker gebildet werden, und es iſt daher hier auch nicht die Abſicht, einen zulaͤnglichen Unterricht fuͤr den Buhnen -A2Einleitung.meiſter zu liefern, ſondern nur einen hierin noch nicht erfahrnen Baumeiſter oder Aufſeher in den Stand zu ſetzen, eine dergleichen Arbeit richtig zu beurtheilen und den Buhnenmeiſter bei ſeinen Verrichtungen, in ſolcher Aufſicht zu halten und ſo zu leiten, damit er nicht wie es zuweilen geſchiehet, planlos handelt, und doch noch in dem Wahne ſteht, daß er dem Aufſeher unentbehrlich iſt, und von der Sache mehr, als er verſtehe. Dies iſt leider bei Man - chen der Fall, welche die Aufſicht uͤber dergleichen Baue erhalten, weil es ihnen an Gelegenheit fehlte, dergleichen Baue, an ſolchen Orten wo ſie tuͤchtig ausgefuͤhrt werden, mit anzuſehen. Indeſſen iſt doch die Bauſtelle der vorzuͤglichſte Ort, um ſich in dieſer noch nicht hinlaͤnglich bekannten Bauart*)Hr. Prof.[Buͤſch] ſagt in ſeiner im Jahre 1796 herausgegebenen Ueberſicht des geſammten Waſſer - baues 1. Bd., S. 294. Es giebt auch in unſern Gegenden nur wenig Leute, die ſich auf den Bau derſelben (der Pakwerke) verſtehen. Der ſeelige Beckmann geſtand mir, daß er in ſeiner vieljaͤhri - gen Praxis nicht ſo weit gekommen waͤre, daß er ein ſolches Werk ſelbſt ausfuͤhren koͤnne, und nur Einen Landmann im Herzogthum Bremen kenne, mit deſſen Beiſtand er ein ſolches Packwerk gut aus - zufuͤhren ſich getraue. praktiſch zu bilden; da aber theils die Koſten, theils auch ſelbſt die Gelegenheiten fehlen, weil ſelten wichtige Coupirungen und große Anlagen der Art im Zu - ſammenhang ausgefuͤhrt werden, ſo muß allerdings eine Beſchreibung die Stelle des Lokal - unterrichts erſetzen, wenn ſie auch in manchen Stuͤcken nicht ganz vollſtaͤndig und ſo deut - lich ſeyn kann, als die eigene Anſicht der Geſchaͤfte eines geſchickten Buhnenmeiſters ſolche darſtellet. Man wird dabei ſuchen, durch Zeichnungen, ſo weit es angeht, dieſe Arbeit auf - zuklaͤren, und ſo durch Beſchreibung und Zeichnung zuſammengenommen, einen angehenden Baukuͤnſtler und Aufſeher von dem Weſentlichen der Arbeiten, von ihrem Zuſammenhange und den Folgen zu unterrichten, und ihn zugleich mit den[Kunſtausdruͤcken] der Buhnenmei - ſter ſo bekannt zu machen, daß er wenigſtens ihre Kunſt - und Handwerksſprache mit ihnen reden, ſich dadurch bald ihr Zutrauen erwerben und ohne ſich geradezu als Lehrling bloß zu ſtellen, deſto geſchwinder und zuverlaͤßiger von ihren wichtigſten Geſchaͤften die vorzuͤglich - ſten Kenntniſſe erlanget.

Wenn hierdurch eine Vertraulichkeit mit dieſer Bauart und ihren Beſchwerden ent - ſtehet, ſo wird es einleuchten, daß dieſelbe, ſollte ſie auch urſpruͤnglich von den Bibern**)Die kuͤnſtliche Waſſerbaue der Bieber ſind bekannt, und man kann daruͤber Buͤffon allgemeine Hiſtorie der Natur, III. Bd., 2r Th., S. 37 u. f. nachleſen.3Einleitung.entlehnt ſeyn, doch in ihrer Erfindung ſo ſinnreich, und eben wegen des einfachen Anſehens in der Ausfuͤhrung, mit mehreren Schwierigkeiten und ſelbſt oͤfters mit großen Unfaͤllen und Gefahren verknuͤpft iſt, als die Ausfuͤhrung irgend eines Landbaues, bei welchem immer ein feſter Grund vorausgeſetzt wird oder leicht verſchaft werden kann, und wo mit keinem ſolchen Elemente, als hier mit dem Waſſer, gekaͤmpft werden darf.

Wenn alſo der Baumeiſter, welcher Pallaͤſte und Prachtgebaͤude aufgefuͤhrt hat, mit Recht geruͤhmt wird, ſo verdient gewiß ein Mann, welcher ſolche Waſſerbaue ausfuͤhrt, in der That noch mehr Ermunterung und Unterſtuͤtzung; denn jene Werke fallen in die Augen und die Nationalachtung fehlt denn ſelten; allein ein Waſſerbaumeiſter iſt in der Ruͤckſicht einem wolthaͤtigen[Menſchenfreunde] gleich, der nur im Stillen Gutes ausuͤbt, weil ſeine Werke ſogar nicht durch aͤußeres Anſehen in die Augen fallen koͤnnen, ſondern im Waſſer verborgen bleiben, und man nur ſelten, ans dem vorhergehenden oͤfters unbekannten Zuſtand, von ihren nuͤtzlichen Wirkungen und Folgen, von der Muͤhe und beſchwerlichen Arbeit ihres Urhebers, von ſeinen Sorgen und Lebensgefahren, beim Eisgange, anwachſenden Waſſer, Sturm und Unwetter urtheilen, noch ihm ſolche als Verdienſt anrechnen kann. Es iſt da - her wohl zu wuͤnſchen, daß dergleichen Maͤnner auch an mehreren Belohnungen und Vorzuͤ - gen Antheil erhielten, und zur Mittheilung ihrer muͤhſamen erworbenen Erfahrungen ermun - tert wuͤrden, wodurch in einem Lande, deſſen inneres Verkehr, deſſen Handel, Kultur und Wohlſtand von ſo vielen wichtigen ſchiffbaren Stroͤmen und Kanaͤlen abhaͤngig iſt, ein we - ſentlicher Nutzen geſtiftet, und zugleich eine gewiſſe, bis jetzt noch ſehr vermißte Ueberein - ſtimmung in der Bauart, erhalten werden koͤnnte.

A 2[4]

Erſtes Kapitel. Von der Eintheilung der Faſchinenwerke.

§. 1.

Nach den verſchiedenen Zwecken, welche man durch einen Strombau erreichen will, iſt auch die Eintheilung der[Faſchinenwerke] verſchieden, ob gleich die Fuͤhrung des Baues in vielen Faͤllen uͤbereinſtimmend iſt.

Die an Fluͤſſen und Stroͤmen vorkommenden Faſchinenbaue werden eingetheilt, in: Packwerke, (Kribbwerke, Buſchſtaken,) worunter man alle diejenigen Strombaue ver - ſteht, bei deren Auffuͤhrung Faſchinen oder Reisbuͤndel uͤber einander gepackt werden.

Unter den Packwerken ſind begriffen:

a. Deckwerke, (Bleßwerke, Uferdeckungen, Ufereinfaſſungen, Landfeſten, Grund - betten, Grubenwerke, Flußbetten,) welches ſolche[Faſchinenwerke] ſind, die durchgaͤngig an das Stromufer anſchließen und zur Beſchuͤtzung eines abbruͤchi - gen oder Schartufers, laͤngſt demſelben in den Strom erbauet werden.

b. Buhnen, (Fluͤgel, Kribben, Abweiſer, Schlechten, Schlachten, Schlengen,*)Unter Schlengen verſteht man auch Pfalhaͤupter, welches ſolche Strombaue ſind, die aus gro - ßen eingerammten Pfaͤlen mit dazwiſchen gepackten Faſchinen beſtehen. Hoͤfter werden aus einge - rammten Pfaͤlen und ſtarken Bohlen erbauet. Hacken, Weichen, Sporn, Zungen,) unterſcheiden ſich von den Deckwerken da - durch, daß ſie von dem Ufer ab in den Strom hinein erbauet ſind, und eigent -5Eintheilung der Faſchinenwerke.lich einen Faſchinendamm bilden, der nur an einem Ende mit dem Lande zu - ſammen haͤngt.

Die Buhnen ſelbſt werden noch eingetheilt, in:

α. Schutzbuhnen, (Abweiſebuhnen,) wenn ſie nur beſtimmt ſind, ein Ufer gegen fernern Abbruch zu ſchuͤtzen, den Strom aus unregelmaͤßigen und nach - theiligen Buchten oder Kruͤmmungen abzuweiſen,*)Im letzten Falle werden ſie auch Sackbuhnen genannt. um an den abbruͤchigen Ufern Verlandung zu bewirken.

β. Treibbuhnen, (Prellbuhnen,) wenn es vorzuͤglich darauf ankommt, gegen - uͤber liegende Ufer, Inſeln oder Sandfelder wegzutreiben.

γ. Schoͤpfbuhnen, welche beſtimmt ſind, den Strom aufzufangen, um ihn in einen Stromarm oder Kanal zu leiten, und

δ. Rauſchbuhnen, oder eigentlich Kribben, wovon immer zwei zugleich einan - der gegenuͤber liegend an beiden Stromufern angelegt werden, um bei einem ſeichten Fahrwaſſer, die Breite deſſelben zu vermindern und die Tiefe in der Mitte zu vermehren.

Dieſe vier Arten von Buhnen unterſcheiden ſich in Abſicht der Bauart gar nicht von einander, und die Unterſcheidung der Schutz - und Treibbuhnen wird um ſo mißlicher, da man oͤfters mehrere Zwecke mit eben derſelben Buhne zu erreichen ſucht.

c. Fangbuhnen, (Coupirungen, Zukribbungen, Enclavirungskribben, Kluftdaͤm - me, Verſchlaͤge,) ſind Faſchinendaͤmme, die von einem Stromufer bis zum ge - genuͤberliegenden reichen; ſie ſind dazu beſtimmt, einen Stromarm oder Durch - bruch abzufangen oder abzuſchneiden.

d. Ueberfaͤlle und Schlickpackwerke, welche mit den Coupirungen ganz uͤber - einkommen, ausgenommen, daß ſie wegen des uͤberſtuͤrzenden Waſſers gewoͤhn - lich niedriger als die Coupirungen erbauet werden. Sie vertreten die Stelle der Wehre.

e. Buhnenkoͤpfe, (Triangelkoͤpfe,) ſind angefangene Buhnen, die mit ihrer laͤngſten Seite an das Ufer ſchließen und, von oben angeſehen, ein Dreieck bil - den. Sie gehoͤren eigentlich unter die Deckwerke.

6Erſtes Kapitel.

§. 2.

Außer den Packwerken kommen noch bei dem Faſchinenbaue vor: Vernaͤtherungen, dieſe werden eingetheilt in:

a. Spreutlagen, (Spreulagen,) welche als Decken auf den Packwerken ange - bracht werden, um die Begruͤnung des Werks zu befoͤrdern, und ſolches ſo lange, bis das Weidenreis ausgewachſen iſt, gegen Beſchaͤdigung von oben zu ſichern.

b. Rauchwehren, die ſowohl zur Deckung leicht abbruͤchiger Ufer, als auch bei ſolchen Buhnen, beſonders bei Fangbuhnen und Ueberfaͤllen, wo ein ſtarker An - fall des Stroms und Eiſes zu befuͤrchten iſt, als Decken angebracht werden. Im erſten Falle heißen ſie auch Uferbekleidungen.

Ferner wird zum Faſchinenbau die Anlegung der Pflanzungen, die Kultur der Weiden und Pappeln, die Verfertigung der Schlickzaͤune[und] die Umzaͤunung der Packwerke und Pflanzungen gerechnet.

Der Bau mit Sinkſtuͤcken gehoͤrt zwar zum Faſchinenbaue, weil ſolche aber mehr beim See - wie bei dem Flußbaue vorkommen, ſo ſind ſie hier nicht mit aufgefuͤhrt worden.

Zweites Kapitel. Von den Materialien und Werkzeugen, welche zum Faſchinenbau erfordert werden.

§. 3.

Das erſte nothwendige Materiale zum Bau der Packwerke ſind Faſchinen oder Reisbuͤn - del, (Wellen, Braaken,) welche aus ziemlich geraden Baumzweigen, die am Stamm nicht viel uͤber einen Zoll ſtark, und ſo lang wie die Faſchine ſelbſt ſind, verfertiget werden. Das beſte Strauchholz ſind Weiden und Pappeln; nicht ſo gut Nadelhoͤlzer, Ellern und Bir - ken: wenn aber Mangel hieran iſt, ſo werden auch Faſchinen von anderm Laubholz, aus Buͤchen, Eichen, ja ſelbſt von Dornenſtrauch gemacht. Friſch gehauenes Reis hat Vorzuͤge vor aͤlterem, welches ſchon ausgetrocknet iſt.

Die Verfertigung der Faſchinen geſchiehet folgendergeſtalt: Wenn das Reis7Von den Materialien und Werkzeugen.gehauen iſt, ſo werden die Stammenden deſſelben zuſammengenommen, ſo daß der zuſam - mengepreßte Reisbuͤndel an den Stammenden eine Dicke von einem Fuß erhaͤlt. Hierauf wird einen Fuß von dieſem Ende der erſte Band umgelegt, und darauf 3 bis 4 Fuß davon der zweite, ſo daß die fertige Faſchine etwa 9 bis 10 Fuß lang, am Stammende einen Fuß und in der Mitte etwa 8 Zoll dick iſt. Laͤngere Faſchinen koͤnnen zwar nichts ſchaden: ſind ſie aber zu lang, ſo laſſen ſie ſich nicht leicht von einem Menſchen regieren. Kurze[Faſchinen] geben hingegen einen ſchlechten Verband, und muͤſſen daher nur in der Mitte des Packwerks verarbeitet werden. Zum Verarbeiten ſind die friſchbelaubten Faſchinen die be - ſten, weil ſie ſich im Waſſer leichter ſenken, und daher nicht ſo viel Erde zur Beſchwe - rung beduͤrfen.

Die erſte Figur zeigt die Abbildung einer fertigen Faſchine. Taf. I.

Beim Binden der Faſchinen iſt es nicht noͤthig, daß man ſich dazu beſonders ver - fertigter Wuͤrgen mit Ketten bedient, weil ein fertiger Arbeiter auch ohne dieſe die Fa - ſchinen feſt binden kann, und das Wuͤrgen nur die Arbeit noch mehr vertheuern wuͤrde. Eben ſo ſind zum Hauen des Faſchinenreiſes[nur] Beile noͤthig; der Faſchinenmeſſer be - dient man ſich nur alsdenn, wenn in einer jungen Weiden - oder Pappelpflanzung Holz ge - hauen werden ſoll, und man beſorgt iſt, daß mit dem Beile die noch ſtehen bleibende Stammenden beſchaͤdiget werden und nicht wieder auswachſen moͤchten.

§. 4.

Bindweiden, (Wehden, Wieten,) werden zum Binden der Faſchinen und Wuͤrſte gebraucht. Man bedient ſich dazu gute Reiſer von Weiden und Pappeln, die nicht bruͤchig ſind und ſich leicht drehen laſſen. Auch kann man dazu Birken - oder andere Reiſer ge - brauchen.

Die Bindweiden werden bundweiſe geliefert; jedes Bund enthaͤlt ein auch zwei Schock Reiſer, wovon aber oͤfters nur zwei Drittheil zu gebrauchen ſind.

Das Verfertigen der Baͤnder aus den Bindweiden geſchieht folgendergeſtalt: Wenn das Reis noch zu viel Saft hat, ſo wird ſolches am Feuer geroͤſtet und hierauf an der Sonne ausgebreitet; iſt das Reis aber ſchon welk, ſo iſt dieſe Vorſicht nicht noͤthig. Der Arbeiter nimmt nun eine Bindweide, tritt mit dem linken Fuß auf das Stammende derſelben, oder klemmt ſolche irgendwo ein. Die Ruthe wird alsdenn von unten nach oben immer nach einerlei Seite mit der rechten Hand umgedrehet, und mit der linken Hand nach - gefahren; wenn dieſes bis zur Spitze geſchehen iſt, ſo wird die Schleife gemacht, indem8Zweites Kapitel.Taf. I. dieſe Spitze durch die Oeffnung der umgebogenen Nuthe geſteckt wird. Die zweite Figur ſtellt eine ſolche Schleife dar. Hierbei iſt aber vorausgeſetzt, daß ſich die Bindweide wenig - ſtens in einige Zweige ſpaltet, damit die Spitze mehrmal dazwiſchen geſteckt werden kann. Bei dem Binden der Faſchinen muͤſſen die Baͤnder ſchon vorraͤthig ſeyn, und es koͤmmt vor - zuͤglich darauf an, daß mittelſt dieſer Baͤnder die Faſchinen recht feſt gebunden werden. Die Art, wie man die Baͤnder um die Faſchinen legt, iſt folgende: Wenn der Band unter dem Reisbuͤndel an ſeiner Stelle liegt, ſo wird das Stammende durch die Schleife des Ban - des geſteckt, und indem der Arbeiter das linke Knie gegen die Faſchine fetzt, zieht er den Band ſcharf an, dreht hierauf einen Knoten wie beim Binden der Garben, und ſteckt das Ende unter dem Bande durch in die Faſchine.

Wenn die Faſchine nicht auseinander gehen ſoll, ſo muß der Knoten, oder wie es genannt wird, das Schloß tuͤchtig gemacht werden. Es kommt dabei vorzuͤglich darauf an, daß das Ende des Bandes, wenn es tuͤchtig angezogen iſt, gut umgedreht und alsdann ein wenig nachgelaſſen und umgeſchlagen wird; ſo erhaͤlt das Schloß die in der dritten Fi - gur abgebildete Form.

Ob eine Faſchine gut[gebunden] iſt, kann man dadurch pruͤfen, wenn man ſolche bei dem Bande anfaßt, von der Erde aufhebt und hin und her ſchwingt.

Bei angekauften Faſchinen findet zuweilen der Betrug ſtatt, daß zuſammengeraftes Reis, welches nicht die Laͤnge der Faſchine hat, mit[eingebunden] iſt. Dieſes aber laͤßt ſich leicht aus der Beſichtigung des Stammendes beurtheilen.

§. 5.

Wuͤrſte (Waaſchen, Waaſen, Wippen, Wiepen, Bandfaſchinen, Ankerfaſchinen,) ſind lange duͤnne Faſchinen, welche aus ſchlankem Reiſe, gewoͤhnlich von Weiden oder Pap - peln, und wenn dieſe nicht zu haben ſind, von Birken oder Ellern, fuͤnf Ruthen lang, 4 bis 5 Zoll dick gebunden werden, und auf jede 8 Zoll einen Band erhalten. Da man ſich der Wuͤrſte zur Verbindung und Zuſammenhaltung der Faſchinen bedient, ſo duͤrfen ſie nicht zu dick ſeyn, weil ſie quer uͤber die Faſchinen kommen und zu große Zwiſchenraͤume geben wuͤrden; ſind ſie aber zu duͤnne, ſo koͤnnten ſie leicht durch die eingeſchlagenen Pfaͤle zer - ſprengt werden.

Die Wuͤrſte laſſen ſich wegen ihrer Laͤnge nicht ſo, wie die vorhin beſchriebenen Fa - ſchinen, an der Erde binden, ſondern es muß dazu eine beſondere Wurſtbank von 4 Fuß langen Pfaͤlen verfertiget werden.

Die9Eintheilung der Faſchinenwerke.

Die Verfertigung der Wurſtbank geſchiehet, indem auf eine Laͤnge von 5, oder wenn die Wuͤrſte laͤnger werden ſollen, von mehrern Ruthen auf einem moͤglichſt ebenen Boden, alle zwei Fuß, vier Fuß lange Pfaͤhle, lothrecht, beinahe einen Fuß tief in die Erde einge - ſchlagen werden. Wenn dieſe Pfaͤhle gerade ſtehen und alle einerlei Hoͤhe haben, ſo werden von jedem Pfahl a b (Fig. 4.) Fuß von a bis c abgeſetzt und die Stelle bei c bemerkt. Taf. I. Hierauf wird eine zweite Reihe Pfaͤhle d e ſchraͤg eingeſchlagen, ſo, daß ſolche neben den Merkmalen bei c zu ſtehen kommen, und wenn ſie nach der Linie gerichtet ſind, ſo wird je - des Kreuz bei c, mit Bindweiden zuſammengebunden und die Wurſtbank iſt fertig.

Wenn nun zuvor dasjenige Reis ausgewaͤhlt worden, welches ſich am beſten zu den Wuͤrſten ſchickt, oder beſonders lange Faſchinen mit ſchlankem Reiſe dazu geliefert ſind, ſo wird ſolches auf der Wurſtbank vertheilt und dafuͤr geſorgt, daß nicht zu viel Stammenden nebeneinander kommen; auch muͤſſen alle Stammenden des Reiſes, in die Mitte der Wurſt verſteckt werden, damit ſolche auſſerhalb nicht zu ſehen ſind. Hierauf tritt der Arbeiter vor die Wurſtbank, bindet mit Bandweiden zwiſchen jedem Pfahlkreuz die Wurſt dreimal, ſo daß ſaͤmmtliche Baͤnder in Entfernungen von 8 Zoll von einander ſtehen, die Wurſt ſelbſt aber 4 bis 5 Zoll dick wird, nachdem das Reis gut oder ſchlecht iſt. Beim Anziehen des Ban - des ſetzt der Arbeiter das linke Knie gegen die Wurſt, um ſolche deſto feſter zuſammenziehen zu koͤnnen. Die Schloͤſſer werden hier an den Baͤndern eben ſo, wie bei den Faſchinen, verfertiget; nur muß dahin geſehen werden, daß ſaͤmmtliche Schloͤſſer auf einer Seite liegen, damit die fertige Wurſt[bei] dem Gebrauch ſo aufgenagelt werden kann, daß die Schloͤſſer unten kommen und alſo am wenigſten beſchaͤdiget werden.

Die Wuͤrſte wuͤrden ihren ganzen Zweck verfehlen, wenn ſie nicht hinlaͤnglich Fe - ſtigkeit haͤtten; weshalb ſolche dadurch gepruͤft werden koͤnnen, daß man ſie nach der Laͤnge auseinander zu ziehen ſtrebt, oder ſie in der Mitte anfaßt und ſehr ſchnell nach oben zieht. Gehen ſie hierdurch nicht auseinander, ſo ſind ſie gut.

§. 6.

Die Pfaͤhle, (Spickpfaͤhle) zur Befeſtigung der[Faſchinen] und Wuͤrſte, ſind 4 Fuß lang und bis 2 Zoll ſtark, weil ſtaͤrkere Pfaͤhle die Wurſt zerſprengen wuͤrden. Sie koͤnnen aus ſolchem Holze, welches fuͤr die Faſchinen zu ſtark ſeyn wuͤrde, beſonders aber aus rindſchaͤligem kiehnenem Holze, verfertigt werden. Auch iſt jedes andere Holz, welches ſich ſpalten laͤßt, hierzu brauchbar.

Zu den Spreutlagen und Rauchwehren bedient man ſich kuͤrzerer Pfaͤhle von 2 bisB10Zweites Kapitel.3 Fuß Laͤnge. Man nimmt dieſelben gern von Zoll ſtarken weidenen Zweigen, im Fruͤh - jahr oder Herbſte, damit ſolche auf dem Werke ausſchlagen und einwurzeln. Auch pflegt man ſich, wenn die Spreutlage oder Rauchwehre ſehr dem Eisgange ausgeſetzt iſt, der An - ker - oder Hakenpfaͤhle zu bedienen. Dieſe koͤnnen nur aus Aeſten gehauen werden, indem man den oberſten Zweig bei dem Abhauen etwa 3 bis 4 Zoll lang ſtehen laͤßt. Die fuͤnfteTaf. I. Figur zeigt einen ſolchen Ankerpfahl.

§. 7.

Die Erde, welche zum Bau der Packwerke erfordert wird, muß, wenn eine Wahl ſtatt findet, nach den Umſtaͤnden gewaͤhlt werden; im Nothfall kann man ſich aber einer je - den Erdart bedienen.

Wenn die Faſchinen gruͤn und ſtark belaubt ſind, ſo iſt grober Sand das beſte Materiale zur Beſchwerung der Faſchinenlagen. Hingegen, wenn die Faſchinen trocken ſind, ſo iſt fette Kleyerde und Raſen am dienlichſten; waͤre aber nichts als Sand vorhanden, ſo muß man wenigſtens die erſte Faſchinenlage mit fettem oder lehmigtem Boden zu belaſten ſuchen, damit der uͤbrige Sand nicht ſo leicht durchfaͤllt und den Boden erhoͤhet.

Die letzte Erdſchicht eines jeden Packwerks muß aus fettem Boden beſtehen, damit die Weidenreiſer gut auswachſen.

Torf oder Moorerde, welche nicht ſchwerer als Waſſer iſt, taugt zur Beſchwerung der Packwerke gar nichts.

Wie viel Materialien und unter welchen Bedingungen ſolche zu einem jeden Bau erfordert werden, wird in der Folge[auseinandergeſetzt]. Auffallend wird es aber immer blei - ben, daß zu den kuͤhnſten Waſſerbauen an Fluͤſſen und Stroͤmen, nur Faſchinen, Wuͤrſte, Erde und kleine Pfaͤhle erfordert werden.

§. 8.

Werkzeuge, Geraͤthſchaften oder Utenſilien, welche der Faſchinenbau erfordert, ſind folgende:

Aexte, um das große Holz zu den Pfaͤhlen zu bearbeiten.

Beile, zum Faſchinenhauen, Pfaͤhle anzuſpitzen und zum Abhauen der Wuͤrſte.

Faſchinenmeſſer, zu dem §. 3. angefuͤhrten Gebrauche. Dieſe Meſſer muͤſſen aber keine nach vorne gebogene Spitze haben, ſondern wie Figur 6. geformt ſeyn.

Spaden mit einem eiſernen Schuh, zum Graben und verbreiten der Erde.

Schlaͤgel zum Einſchlagen der Faſchinenpfaͤhle; der Kopf wird aus hartem, aͤſtigem,11Eintheilung der Faſchinenwerke.ruͤſternem Holze, 6 bis 8 Zoll dick und 12 bis 15 Zoll lang, der Stiel aber 2 Fuß lang gemacht. Figur 7. Taf. I.

Schub - oder Kummkarren mit umbeſchlagenen Raͤdern, zum Transport der Erde, von etwa 2 Kubikfuß Inhalt.

Lauf - oder Karndielen, um das Karren zu erleichtern und die Beſchaͤdigung der Wuͤrſte auf den Packwerke[n]zu verhuͤten, von 5 / 4 bis Zoll Staͤrke.

Ruͤſtboͤcke, um Karndielen daruͤber zu legen, wenn uͤber einen breiten Graben oder von einem hohen Ufer herunter gekarret werden ſoll.

Handrammen, die[Faſchinenlagen], wenn ſolche mit Erde bekarret ſind, herunter zu rammen; ſie werden von Ruͤſtern - oder Eichenholz, 3 Fuß lang, viereckigt, oben 8 bis 10 Zoll und unten 12 bis 14 Zoll ſtark gemacht und mit Handgriffen verſe - hen. Figur 8.

Pflanzleinen, von 5, 10 bis 20 Ruthen lang, zur Abſtechung der Pflanzlinien.

Faſchinenleeren oder eiſerne Ringe von einem Fuß im Lichten weit, mit einem Ge - winde, um darnach die Staͤrke der Faſchinen am Stammende zu unterſuchen. Es wuͤrde aber zu beſchwerlich ſein, dieſes Inſtrument bei jeder Faſchine zu gebrau - chen; es dient daher nur, wenn Faſchinen zu ſchwach ſcheinen, um darnach zu ent - ſcheiden, ob ſie von hinlaͤnglicher Staͤrke oder bandmaͤßig angefertiget ſind. Fig. 9.

Maßſtaͤbe und lange Stangen, auch ein Senkblei zum Ausmeſſen und Auspeilen.

Bootshaken, um weggeſchwommene Sachen zuruͤckzuziehen; auch wenn etwas ver - ſenkt iſt oder auf dem[Grunde] liegt, ſolches herauszuziehen.

Wagen und Kaͤhne zum Transport der Materialien. Auſſer dieſen aber noch auf je - der Bauſtelle einen kleinen Kahn, damit wenn etwas wegſchwimmt oder ein Arbei - ter ins Waſſer faͤllt, ſogleich ein Fahrzeug vorhanden iſt.

B 212

Drittes Kapitel. Von den Packwerken uͤberhaupt, beſonders in Abſicht ihrer Dimenſionen.

§. 9.

Wenn hier von Packwerken die Rede iſt, ſo werden darunter nach dem Vorhergehenden die Deckwerke, Buhnen und Coupirungen verſtanden. Um die Eigenheiten dieſer nur in ih - ren Zwecken verſchiedenen Anlagen zu uͤberſehen und in Bezug auf ihre Bauart zu beſtim - men, wuͤrde man ſich unter einem Packwerke einen Koͤrper vorſtellen koͤnnen, welcher auf die Art entſteht, indem vom Ufer ab auf der Oberflaͤche des Waſſers, dergeſtalt Faſchinen durch Wuͤrſte und Pfaͤhle zuſammen in verſchiedenen Schichten oder Lagen verbunden und mit Erde beſchwert werden, damit durch dieſen Verband dem Waſſer ſchon waͤhrend des Baues Widerſtand geleiſtet, und durch die eigene Schwere dieſer Schichten, das Senken der - geſtalt befoͤrdert werde, daß ſie ſich nach und nach auf den Grund ſetzen, um bei der Voll - endung, wenn die erſten Schichten den Grund erreicht haben, und die oberſte in hinlaͤng - licher Hoͤhe uͤber dem Waſſer feſt ruhet, ein zuſammenhaͤngendes Werk gebildet wird, welches dem Strome eine andere Richtung giebt, oder das Ufer allein gegen Beſchaͤdigung ſichert.

Aus dieſer Ueberſicht werden ſich die Erforderniſſe eines Packwerks ableiten laſſen, deren Dimenſionen hier naͤher unterſucht werden ſollen.

§. 10.

Die obere Breite oder Krone, (Kappe, Kamm,) einer Buhne richtet ſich nach der Staͤrcke, mit welcher der Strom anfaͤllt, beſonders aber darnach, in wie fern ein Strom heftige Eisgaͤnge hat, und das Werk mehr oder weniger in den Strom hineingebauet iſt. Bei Fluͤſſen, die keine zu große Geſchwindigkeit haben, giebt man den Buhnen 9 bis 12 Fuß Kronenbreite, in groͤßern und ſchnellern aber 18 Fuß, nachdem mehr oder weni - ger Gefahr fuͤr das Werk wegen ſeiner Laͤnge zu befuͤrchten iſt. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den Deckwerken, nur daß dieſelben nicht immer eine gleiche Breite erhalten koͤnnen, weil die Lage der Ufer an manchen Stellen eine groͤßere oder geringere Breite noͤthig macht. Cou - pirungen und Ueberfaͤlle, vorzuͤglich wenn ſie dem Anfall des Stroms und Eiſes ſehr ausge - ſetzt ſind, erhalten bis zu 5 Ruthen Breite.

13Von den Dimenſionen der Packwerke.

Die untere Breite eines Packwerks haͤngt von der Kronenbreite und Doſſi - rung, Abdachung oder Boͤſchung ab. Bekanntlich widerſtehet ein jeder Bau dem Umſtuͤrzen bei uͤbrigens gleichen Umſtaͤnden deſto mehr, je groͤßer ſeine Doſſirung oder Anlage iſt; man muͤßte alſo den Packwerken an gefaͤhrlichen Stellen mehr Doſſirung, als an minder gefaͤhr - lichen, geben. Dieſe Regel laͤßt ſich aber ſchwer in Ausuͤbung bringen, weil die groͤßte Doſ - ſirung, welche man einem Packwerk ohne Nachtheil ſeiner uͤbrigen Feſtigkeit geben kann, ein - fuͤßig iſt, das heißt, wo auf jeden Fuß Hoͤhe, ein Fuß Anlage kommt. Bezeichnet die zehnte Figur den vertikalen Querſchnitt einer Buhne, ſo iſt A B die Krone, C D die Un -Taf. I. terbreite, A D oder B C die Doſſirung oder Boͤſchung, A E die Hoͤhe und D E die Anlage der Doſſirung A D. Wenn nun die Hoͤhe A E mit der Anlage E D gleich groß iſt, ſo ſagt man, daß A D eine einfuͤßige Doſſirung ſey; iſt D E doppelt ſo groß wie A E, ſo iſt die Doſſirung zweifuͤßig u. ſ. [ w. ]

Daß es nicht rathſam iſt, eine groͤßere als einfuͤßige Doſſirung einem Packwerke zu geben, laͤßt ſich leicht daraus beurtheilen, weil man mit Faſchinen bauet, welche im Durch - ſchnitt einen Fuß dick ſind, weshalb ſolche bei einer anderthalbfuͤßigen Doſſirung ſchon Fuß weit, frei ohne Beſchwerung liegen wuͤrden, wodurch leicht der uͤble Erfolg beim Sen - ken der Lagen des Werks entſtehen koͤnnte, daß der mittlere Koͤrper des Packwerks unter der Krone ſich auf den Grund ſenkt, die beiden untern Enden an der Doſſirung (bei D und C Figur 10.) aber aus Mangel der Beſchwerung ſchwimmen und nach oben zu ſtehen wuͤrden. Auch laͤßt ſich einſehen, daß der Eisgang leichter eine bis 2 Fuß frei liegende Faſchine beſchaͤdiget, als wenn ſie nur einen Fuß frei liegt. Es wird daher auch bei der folgenden Anweiſung zum Bau der Packwerke immer vorausgeſetzt werden, daß unter allen Umſtaͤnden die Doſſirung einfuͤßig ſey.

Die Beſtimmung der Unterbreite einer jeden Buhne oder Coupirung macht nunmehr keine Schwierigkeiten, ſobald nur die Kronenbreite und Hoͤhe derſelben bekannt iſt, weil man nur zur Kronenbreite die doppelte Tiefe addiren darf, um die Unterbreite zu finden. Es ſey z. B. die Breite der Krone 12 Fuß, die Hoͤhe des Werks 27 Fuß, ſo iſt die Unterbreite = 12 + 2.27 = 66 Fuß.

§. 11.

Die Hoͤhe, welche den Packwerken aller Art zu geben iſt, kann in keinem Falle gleichguͤltig ſeyn. Bevor ſich aber hieruͤber etwas beſtimmen laͤßt, iſt es noͤthig anzufuͤhren, daß man ſich nur alsdenn von einem Packwerk Dauer zu verſprechen hat, wenn ſeine14Drittes Kapitel.Krone ausgewachſen iſt. Denn nicht nur die duͤnnen Ruthen des Strauchs, ſondern auch die Wurzeln deſſelben, welche ſich in dem Packwerke verflechten, geben ihm eine ſolche Fe - ſtigkeit, daß es dem ſtaͤrkſten Stromanfall und dem Eisgange Widerſtand leiſten kann. Wird nemlich, wie es die folgende Anweiſung fordert, der Strauch auf den Werken alle drei bis vier Jahre zur gehoͤrigen Zeit abgehauen, ſo koͤnnen nie ſtarke Staͤmme auf dem Werke entſtehen, und der ſchlimmſte Eisgang kann zwar uͤber das Werk weggehen, die Ru - then umbiegen, auch allenfalls die aͤußerſten Reiſer abſcheelen, aber wenn kein ſtarkes Holz auf dem Werke vorhanden iſt, ſo laͤßt ſich nicht abſehen, wie ein dergleichen Werk zerſtoͤrt werden ſollte, vorausgeſetzt, daß es aus Mangel an Doſſirung nicht umgewaͤlzt oder wegen zu ſteiler Lage in den Strom, denſelben nicht genug abweiſt und dadurch vom Lande abge - loͤſt wird. Wenn hingegen die Krone nicht beſtraucht iſt, ſo wird durch die Sonnenhitze das Faſchinenreis ſo muͤrbe, und die Baͤnder der Faſchinen und Wuͤrſte ſpringen ſo leicht auf, daß nicht nur ſchon von dem darauf folgenden großen Waſſer, ein anſehnlicher Theil der Krone einen Werks weggefuͤhrt wird, ſondern, wenn der Eingang noch dazu kommt, ſo iſt nichts wahrſcheinlicher, als die Zerſtoͤrung der oberſten Faſchinenlage, da denn der Ruin der uͤbrigen leicht nachfolgt.

Wenn alſo das Auswachſen der Krone vorzuͤglich die Aufmerkſamkeit des Waſſerbau - meiſters verdient, ſo entſtehet die Frage: wie die Hoͤhe eines Werks einzurichten ſey, um ſich des Fortkommens der Weidenreiſer zu verſichern? Es iſt offenbar, wenn das Werk zu hoch uͤber[den] Waſſerſpiegel liegt, daß nicht nur die bald trocknen bald naſſen Faſchinen verweſen, ſondern daß auch auf der Krone, wenn wirklich fette Erde darauf gebracht iſt, die daſelbſt zum Auswachſen beſtimmten Weidenreiſer aus Mangel an Feuchtigkeit vertrocknen muͤſſen. Umgekehrt wuͤrde ebenfalls Nachtheil daraus entſtehen, wenn die Krone ſo tief ins Waſſer gelegt wird, daß ſie nie zu Tage kaͤme, weil alsdenn die Weidenreiſer eben ſo wenig aus - wachſen. Es iſt daher am ſicherſten, den durch viele Erfahrungen erprobten Satz anzuneh - men: die Krone eines Packwerks, vorausgeſetzt, daß der Waſſerſtand im Sommer nicht zu ſehr veraͤnderlich iſt, einen Fuß hoch uͤber das kleine Sommerwaſſer, welches im Durch - ſchnitt bei einem Strom jaͤhrlich einzutreten pflegt, anzulegen. Hierdurch wird man geſichert, daß der Weidenſtrauch unter allen Umſtaͤnden Nahrung hat und nicht leicht vertrocknet. Auch kann ſelbſt ein großes Sommerwaſſer, welches gewoͤhnlich nicht ſehr lange anhaͤlt, ei - ner ſolchen Pflanzung nicht leicht ſchaden, denn entweder reichen die Reiſer mit ihren Spi -15Von den Dimenſionen der Packwerke.tzen uͤber daſſelbe, ſo iſt es ohne Nachtheil; gehen aber wirklich einige kurze Reiſer aus, ſo ſproſſen aus den Wurzeln wieder neue hervor.

Waͤre hingegen der Fall, daß der Sommerwaſſerſtand eines Stroms großen Ab - wechſelungen unterworfen iſt, ſo muͤßte man ſtatt eines Fußes, eine verhaͤltnißmaͤßige groͤ - ßere Hoͤhe uͤber das kleine Waſſer annehmen. In zweifelhaften Faͤllen wird man aber immer weniger Nachtheil zu befuͤrchten haben, wenn man lieber dieſe Hoͤhe zu klein als zu groß annimmt.

In der hier folgenden Anweiſung wird vorausgeſetzt werden, daß die Hoͤhe des Sommerwaſſers keinen zu großen Abwechſelungen unterworfen iſt.

Eine auffallende Erfahrung, die ich bei mehrern zu hoch angelegten Werken ange - ſtellt habe, beſtand darin, daß auf denſelben, aller angewandten Sorgfalt ungeachtet, kein Weidenreis auf der Krone zum Auswachſen zu bringen war; dahingegen fand ich, wo die Faſchinen mit dem mittlern Waſſerſpiegel im Sommer, gleich hoch lagen, daß daſelbſt gruͤne Weidenreiſer ſtanden. Es ſcheint alſo die Natur ſelbſt die Fingerzeige zu geben, kein Werk zu hoch anzulegen, wenn es auf das Auswachſen deſſelben ankoͤmmt.

Sobald alſo an einem Fluß im Durchſchnitt die Hoͤhe des kleinen Sommerwaſſers beſtimmt iſt, welche ſich aus den Waſſerſtandstabellen erſehen laͤßt, die an den Stroͤmen, wo eine gute Waſſerpolizei ſtatt findet, gefuͤhrt werden, ſo kann man leicht an einer jeden Stelle deſſelben die erforderliche Hoͤhe eines anzulegenden Packwerks beſtimmen, wenn zu die - ſer Hoͤhe ein Fuß hinzugeſetzt wird.

Bei Buhnen hat dieſe Hoͤhe noch den Vortheil, daß, weil ſich der Eisgang gewoͤhn - lich beim Mittelwaſſerſtande einfindet, die Buhnen nicht ſo viel vom Triebeiſe leiden, indem die ſchlanken elaſtiſchen Ruthen der Krone, dem Eiſe keinen merklichen Widerſtand entgegen - ſetzen, und gewoͤhnlich veranlaſſen, daß ſolches laͤngſt der Streichlinie ruhig fortſchiebt, ohne das Werk zu beſchaͤdigen.

Die hier beſtimmte Hoͤhe der Packwerke ſetzt voraus, daß ſich ſolche nicht mehr zu - ſammendruͤcken; weil aber jedes Packwerk ſich nach einiger Zeit auf jede 12 Fuß Hoͤhe noch ungefaͤhr um einen Fuß zuſammenpreßt, ſo wird erfordert, daß bei dem Baue anfaͤnglich verhaͤltnißmaͤßig eine groͤßere Hoͤhe angenommen wird.

§. 12.

Im Betreff aller Arten von Packwerken iſt noch auseinander zu ſetzen, welches beſ - ſer ſey: die Faſchinen mit den Spitzen oder mit den Stammenden nach außen zu kehren. 16Drittes Kapitel. Von den Dimenſionen der Packwerke.Bringt man die Spitzen innerhalb, ſo ſieht man leicht ein, daß es wenig Schwierigkeiten haben wird, eine Faſchine bei dem Stammende aus dem Packwerk zu ziehen, weil ſie nach innen immer duͤnner wird. Wenn alſo Eisſchollen an einem ſolchen Packwerke angefroren ſind und bei dem Wachſen des Stroms abgehen, ſo koͤnnen leicht Faſchinen ausgezogen wer - den, wodurch das Werk aufgelockert wird und ſich ſeiner Zerſtoͤrung nahet. Auch iſt es be - kannt, daß je groͤßer der Widerſtand iſt, welchen ein Koͤrper dem anſtoßenden Eiſe entgegen - ſetzt, deſto heftiger wirkt daſſelbe auf ihn, und deſto groͤßer iſt die Erſchuͤtterung. Da nun dieſe Nachtheile bei weitem nicht ſo ſehr ſtatt finden, wenn man bei einem Bau die Spitzen der Faſchinen nach außen kehrt, auch uͤberhaupt nach innen zu, eine beſſere Befeſtigung der Faſchinen in dieſem Falle erhalten wird, ſo bleibt es am gerathenſten bei allen Packwerks - bauen, die Spitzen der Faſchinen nach außen und die Stammenden nach dem Innern des Werks zu kehren.

§. 13.

Die Jahrszeit, in welcher es am ſchicklichſten, Packwerke anzulegen, iſt der Som - mer, ſobald das große Fruͤhjahrwaſſer abgegangen iſt. Denn man erhaͤlt alsdann noch ſo viel Zeit, daß ſich das Werk ſetzen kann, um es im Herbſte auszugleichen und mit einer Spreutlage oder Rauchwehre zu verſehen, damit ſeine Krone vor dem Anfall des Eiſes ge - ſchuͤtzt wird. Auch laſſen ſich Spreutlagen nicht wohl im Sommer anlegen, weil alsdann zu befuͤrchten ſtehet, daß die Weiden nicht auswachſen.

Nach dieſen vorlaͤufigen Bemerkungen, iſt nun aus dem feſtgeſetzen allgemeinen Be - griffe von den Packwerken und deren verſchiedenen allgemeinen Erforderniſſen, ihre Bauart zu entwickeln. Da aber letztere nach den Zwecken bei Buhnen, Coupirungen und Deckwer - ken einigermaßen von einander verſchieden iſt, ſo wird es beſſer ſeyn, ſolche einzeln zu be - ſchreiben, und mit den Buhnen, als den vollſtaͤndigſten Werken, aus welchen ſich die Aus - nahmen bei den uͤbrigen leicht erklaͤren laſſen, den Anfang zu machen.

Viertes17

Viertes Kapitel. Von dem Baue der Buhnen.

§. 14.

Die mancherlei Zwecke, welche man durch den Bau einer Buhne zu erreichen ſucht, koͤnnen darin beſtehen: einen Strom abzuweiſen, zu vertiefen, einzuſchraͤnken; Sandfelder, Inſeln oder gegenuͤber liegende Ufer weg zu treiben; dem Strome eine andere Richtung zu geben, das Ufer gegen ferneren Abbruch zu ſchuͤtzen oder vor einem abbruͤchigen Ufer Verlandung zu bewirken. Nachdem die vorkommenden Umſtaͤnde verſchieden ſind, darnach ſucht man auch dieſen oder jenen Zweck oder mehrere zuſammengenommen zu erreichen, und hieraus entſteht auch die §. 1. angefuͤhrte Eintheilung, in Abweiſe - Treib - Schoͤpf - oder Rauſchbuhnen.

Wenn A B in der eilften Figur eine fertige Buhne iſt, ſo gelten in Abſicht ihrerTaf. I. Abmeſſungen die §. 10. angefuͤhrten Benennungen. Denjenigen Theil A, welcher an das Ufer ſtoͤßt, nennt man die Wurzel, und den vordern Theil B, welcher am weiteſten in den Strom tritt, den Kopf der Buhne. Diejenige lange Seite der Buhne, welche laͤngs der Krone den Stoß des Waſſers auffaͤngt, heißt die Streichlinie.

Man verſteht auch unter einer Defenſivbuhne, wenn ſie nur zum Schutz desje - nigen Ufers dient, woran ſie angelegt iſt, ohne auf das gegenuͤberliegende Ufer zu wirken; und unter einer Offenſivbuhne, wenn ſie vorzuͤglich beſtimmt iſt, das gegenuͤberliegende Ufer anzugreifen. Es vereinigen ſich aber groͤßtentheils bei Erbauung einer Buhne ſo viel Zwecke, daß man ſelten von einer beſondern Benennung Gebrauch machen kann.

Die Anlegung einer Buhne erfordert ſehr viele Aufmerkſamkeit und die genaueſte Kenntniß eines Stroms mit allen ſeinen Eigenheiten beim kleinen, mittel und großen Waſſer und beſonders bei dem Eisgange. Noch mehr Vorſicht und[Aufmerkſamkeit] iſt noͤthig, wenn ganze Stromgegenden regulirt werden ſollen, weil man alsdann mit den Geſetzen bekannt ſeyn muß, nach welchen der Strom ſeine Laufbahn bildet, und die er befolgt, wenn er ohne Einwirkung der Kunſt, in ſeinem natuͤrlichen Zuſtande gelaſſen wird. Weil uͤberdem Buh - nen Werke ſind, welche in den Strom hinein gebauet werden und die Strombahn verengen, ſo muß fuͤr dieſe Stromgegend die Normalbreite, das iſt diejenige Breite genau ausge -C18Viertes Kapitel.mittelt und aus Erfahrung feſt geſetzt werden, mit welcher der Strom bei einer mittleren Waſſerhoͤhe, hinlaͤnglich ohne uͤber die Ufer zu treten abfließen kann, gehoͤrige Tiefe zur[Schif - fahrt] hat, das Bett nicht auswuͤhlt, die Ufer nicht leicht abbruͤchig macht und die Strom - bahn rein erhaͤlt.

Als eine Grundregel bei Buhnenanlagen laͤßt ſich annehmen: daß ſo bald eine Buhne die Normalbreite eines Stroms uͤberſchreitet, ſie auf Vertiefung des Grundbettes oder auf den Abbruch des gegenuͤberliegenden Ufers, nachdem das Grundbett oder Ufer aus einem feſteren Material beſtehet, oder wenn die Feſtigkeit beider gleich iſt, auch beide Wirkungen in dem Grade mehr hervorbringt, nach dem die Normalbreite mehr uͤberſchritten wird. Bei breiten Stroͤmen entſtehen indeſſen nur ſelten Wirkungen auf[das] gegenuͤberli[e]gende Ufer, und die Einbaue wirken groͤßtentheils auf Vertiefung und auch wohl dem Zweck entgegen, auf den Abbruch des diſſeitigen Ufers.

§. 15

Gewoͤhnlich macht man ſich von der Wirkung einer Buhne auf das gegenuͤberlie - gende Ufer unrichtige Vorſtellungen. Man glaubt, daß wenn die Verlaͤngerung der BuhneTaf. I. A B (Figur 11) das gegenuͤberliegende Ufer in C trift, alsdenn auch der Abbruch bei C er - folgen muͤſſe. Dieſes gruͤndet ſich auf die falſche Vorſtellung, daß das in der Richtung A B abfließende Waſſer fortfahre, ſich in dieſer Richtung zu bewegen und endlich bei C wirke, wo es Widerſtand finde. Dieſes koͤnnte der Fall ſeyn, wenn das ſo abfließende Waſſer, keine Hinderniſſe bei der Fortſetzung ſeiner Bewegung nach A B faͤnde; aber vorzuͤglich das von oberhalb fortwaͤhrend durch D B zufließende Waſſer, lenkt den Strahl von ſeiner Bahn ab, und macht ihn in Bezug auf den Punkt C unwirkſam. Wenn daher eine Buhne am gegenuͤberliegenden Ufer Abbruch verurſacht, ſo iſt der Grund in einer ganz andern Urſache zu ſuchen. Gewoͤhnlich findet man in der Strombahn da Abbruch, wo ſich der Strom ſchneller bewegt, und es laͤßt ſich die Vertiefung des Grundbettes oder der Abbruch der Ufer alsdenn nur durch die vermehrte Geſchwindigkeit des Waſſers erklaͤren; den von Eisgaͤngen und von Windſchlag verurſachten Abbruch ausgenommen. Nun aber entſtehet durch einen jeden Einbau eine Verengung des Profils und daher eine groͤßere Geſchwindigkeit des Waſ - ſers, und gewoͤhnlich iſt dieſe Geſchwindigkeit in dem Profil, welches durch den Kopf des Einbaues geht, hier in B D am groͤßten. Dieſe vergroͤßerte Geſchwindigkeit des Waſſers verurſacht in dem Maaße einen groͤßern Abbruch des Ufers gleich unterhalb D, nachdem der19Vom Baue der Buhnen.Buhnenkopf B weiter in den Strom tritt, und das gegenuͤberliegende Ufer weniger FeſtigkeitTaf. I. als das Grundbette beſitzt.

Wie weit eigentlich eine Buhne in den Strom gehen muͤſſe, um am gegenuͤberliegen - den Ufer Abbruch zu verurſachen, iſt ſchwer zu beſtimmen; denn ſehr oft uͤberſchreiten die Einbaue die Normalbreite des Stroms und bewirken nur Vertiefung des Grundbettes, wel - ches beſonders bei breiten Stroͤmen der Fall iſt; dahingegen bei ſchmalen Stroͤmen, wenn der Einbau einen ſtarken Stromſtrich auffaͤngt, auch zuweilen der Fall eintritt, daß die Normalbreite nur wenig uͤberſchritten iſt, und dennoch Abbruch entſtehet.

Wenn gleich in Abſicht der Wirkung einer Buhne auf das gegenuͤberliegende Ufer ihre Lage gegen den Stromſtrich nur wenig in Betrachtung kommt, und das meiſte davon abhaͤngt, wie weit ſie den Strom verengt und dadurch die Geſchwindigkeit vermehrt, ſo iſt es doch in vielen Faͤllen, in Abſicht des disſeitigen Ufers nicht gleichguͤltig, welche Lage eine Buhne gegen den Stromſtrich hat.

Eine Buhne kann unter verſchiedenen Winkeln vom Ufer gegen die Richtung des Stromſtrichs abgehen. Man nennt ſie eine ſchiefliegende, geneigte oder deklinante Buhne, wenn der Winkel welchen ſie mit der Richtung des Stromſtrichs bildet ein ſpitzer iſt, und man ſagt die Buhne liegt noch ſchiefer, wenn dieſer Winkel kleiner wird. Iſt die - ſer Winkel ein rechter, ſo heißt die Buhne eine rechtwinklichte oder ſenkrechte. Eine Buhne liegt um ſo ſteiler gegen den Stromſtrich, je mehr ſie ſich dem rechten Win - kel naͤhert.

Wenn man mehrere Buhnen an verſchiedenen Fluͤſſen und Stroͤmen unterſucht, ſo bietet ſich leicht die Erfahrung dar: daß wenn ein betraͤchtlich ſchneller Stromſtrich aufge - fangen wird und die Buhne gegen denſelben eine zu ſteile Lage hat, auch uͤberdem wenn das gegenſeite Ufer hoch iſt, alsdenn oͤfter, beſonders bei Stroͤmen von geringer Breite, oberhalb bei der Wurzel der Buhne am Ufer, ein Abbruch bemerkt wird. Am haͤufigſten wird er aber gefunden, wenn es der Buhne auf derjenigen Seite, welche gegen den Strom gekehrt iſt, oder auf der Streichſeite, und dem Ufer ſelbſt an Doſſirung fehlt. Es iſt daher bei Ein - bauen, unter den angefuͤhrten Umſtaͤnden anzurathen, denſelben keine zu ſteile Lage gegen den Stromſtrich zu geben.

§. 16.

Auſſer den Wirkungen oberhalb einer Buhne, entſtehen aus ihrer Lage gegen den Stromſtrich, und in Bezug auf die durch den Einbau geſchehene Verengung des Bettes,C 220Viertes Kapitel.unterhalb Wirkungen, welche von vieler Bedeutung ſind. Denn in ſo fern eine Buhne groͤß - tentheils beſtimmt iſt, das Ufer vor fernerm Abbruch zu ſichern oder den Strom einzuſchraͤn - ken, ſo iſt es doch offenbar ſehr weſentlich, wenn ſo weit die Buhne in den Strom reicht, hinter derſelben ſtatt der vormaligen Waſſertiefe, Verlandung entſtehet, und alsdenn die neuen Ufer das bewirken, was vorher durch kuͤnſtliche Faſchinenbaue erreicht werden mußte. Hierdurch faͤllt die Unterhaltung der Buhnen weg, das uͤberſtuͤrzende Waſſer und der Eis - gang koͤnnen die Buhne nicht mehr ſo beſchaͤdigen, als wenn ſich unterhalb derſelben noch eine Waſſertiefe befindet, und durch Bepflanzung der Verlandung von der Buhne ab, laͤßt ſich jedem nachtheiligen Einriß in der Buhne oder dem Ufer vorbeugen.

Wen[n]alſo Verlandung unterhalb einer Buhne aus mehrern Urſachen in ſo fern mit beendzweckt werden muß, als der Strom ſolches wegen ſeines Schlicks und Sandes verſtat - tet, ſo kommt es vorzuͤglich darauf an, aus Erfahrungen die Umſtaͤnde anzugeben, unter welchen Buhnen Verlandung bewirkt haben oder dieſen Zweck verfehlten. Meine vielfaͤltigen Beobachtungen uͤber die Wirkung ſo vieler Buhnen in verſchiedenen Fluͤſſen und Stroͤmen, unter ſo mancherlei Lagen, Strombreiten, Ufern und Geſchwindigkeiten, laſſen ſich wenigſtens im Allgemeinen ſo weit es hier her gehoͤrt, in Folgendem zuſammen ziehen.

Wenn eine Buhne nicht ſehr weit in den Strom eingreift oder wenn der Strom ſehr breit, und das gegenuͤberliegende Ufer uͤberdem niedrig iſt, ſo iſt ihre Lage gegen den Stromſtrich ziemlich gleichguͤltig, und man kann ſelbſt bei rechtwinklichten Buhnen in der Regel Verlandung unterhalb derſelben erwarten, wenn nur die Buhne nicht zu hoch, das heißt nicht viel uͤber das kleine Waſſer angelegt iſt, und an ihrem Kopfe eine einfuͤßige Doſſi - rung hat. Hinter ſehr hoch erbauten Buhnen findet man ſelten Verlandung und eben ſo wenig, wenn der Kopf nicht gehoͤrige Doſſirung hat, welches bei ſehr vielen Buhnen verſe - hen wird und daher die groͤßte Aufmerkſamkeit des Waſſerbaumeiſters erfordert. [Gewoͤhn - lich] findet man hinter einem ſteil ohne Doſſirung erbauten Kopf, eine betraͤchtliche Waſſer - tiefe, wodurch hinter der Buhne nicht nur ein ſtarkes Wirbeln des Waſſers oder ein Wider - ſtrom entſtehet, ſondern noch uͤberdem das Ufer gleich unterhalb der Buhne, ſtatt gedeckt zu werden, abbruͤchig wird. Wenn es nun eine bekannte Erfahrung iſt, daß ſich der Sand und Schlick eines Stroms nur an denjenigen Stellen niederlegt, wo ſich ſtillſtehendes Waſſer befindet, ſo laͤßt ſich einſehen, wie wenig unter dieſen Umſtaͤnden Verlandung zu erwarten iſt.

21Vom Baue der Buhnen.

Iſt ferner ein Strom wenig breit und ſchnell fließend, und tritt der Einbau weit in denſelben, ſo daß von dem Einbaue ſchon ein betraͤchtlicher Theil des ſaͤmmtlichen Stromwaſſers aufgefangen wird, ſo wird man bei einer ſteilen Lage der[Buhne] und hohen gegenuͤberliegen - den Ufern, ſelten Verlandung hinter derſelben antreffen, und nur wenn die Buhne eine ge - wiſſe Neigung gegen den Stromſtrich hat, findet man unterhalb ein Sandfeld angelegt. Da - gegen wenn die Buhne einen noch merklich kleinern Winkel mit[dem] Stromſtrich bildet, oder noch viel ſchiefer gegen denſelben angelegt iſt, ſo findet ſich auch ſelten Verlandung. Es ſcheint alſo, als wenn es fuͤr verſchiedene Stroͤme, bei einer gewiſſen Laͤnge des Einbaues, Strombreite und mittleren Geſchwindigkeit, nur eine beſtimmte Neigung giebt, unter welcher Buhnen angelegt werden muͤſſen, und von der man ſich nicht zu ſehr entfernen darf, wenn man nicht den Endzweck der Verlandung verfehlen will. Wenn nun hier nicht der Ort iſt, dieſen Gegenſtand noch weiter zu verfolgen und naͤher auseinander zu ſetzen, und ſich um ſo weniger beſtimmte Regeln angeben laſſen, nach welchen man mit mathematiſcher Gewißheit ſo fort, wenn nur die Abmeſſungen des Stroms, ſeine Geſchwindigkeiten und die Laͤnge des Einbaues gegeben ſind, daraus ſogleich den Neigungswinkel der Buhne angeben kann, da es zu einleuchtend iſt, welche mannichfaltigen Urſachen auf die Wirkung einer Buhne Einfluß haben, ſo geht wenigſtens ſo viel daraus hervor, wie genau man einen Strom kennen muß, wenn man an demſelben Werke anlegen will, die ein vorgeſetztes Ziel erreichen ſollen. Auch beziehen ſich die hier gegebenen Regeln lediglich auf Erfahrungen in Bezug auf die Natur derjenigen Fluͤſſe und Stroͤme, bei welchen ich ſelbſt Beobachtungen an - zuſtellen Gelegenheit hatte, und es kann ſehr leicht ſeyn, daß andere Stroͤme zu noch viel - faͤltigeren Wahrnehmungen Gelegenheit geben.

In Abſicht der Zeit, welche dazu gehoͤrt, hinter einer richtig angelegten Buhne Ver - landung zu erhalten, haͤngt es ſehr davon ab, wie viel Schlick oder Sand ein Strom mit ſich fuͤhrt, und es iſt leicht einzuſehen, daß es ſehr ungewiß iſt, hieruͤber etwas zu beſtimmen.

Noch ergiebt ſich aus dem Vorhergehenden, daß es nicht gleichguͤltig iſt, wie weit eine Buhne in einem Jahre in einen Strom gelegt wird, weil, wenn ſie mit einem male zu weit vom Ufer abgeht, alsdenn zu befuͤrchten ſtehet, daß die Verlandung das Ufer hinter der Buhne nicht erreichen werde, und zwiſchen der Verlandung und dem Ufer, noch eine Waſſertiefe verbleiben kann. Es werden daher die Buhnen im erſten Jahre nicht zu weit in den Strom hineingelegt, und wenn ſie anfangen Verlandung zu bewirken und nicht andere22Viertes Kapitel.Urſachen eine fruͤhere Verlaͤngerung erfordern, ſo wird nur denn die Buhne, auf eine ver - haͤltnißmaͤßig groͤßere Weite verlaͤngert.

§. 17.

Will man mittelſt der Buhnen nicht allein diejenige Stelle eines abbruͤchigen Ufers decken, wo ſich der Schaden befindet, und wo allenfalls Deckwerke hinreichen wuͤrden, ſon - dern ſolche Vorkehrungen treffen, daß die Urſache des Uebels gehoben wird, ſo kann der Bau an der ſchadhaften Stelle nur wenig helfen; zur gruͤndlichen Abwendung des Nachtheils wird erfordert, daß man oberhalb in der Strombahn die Urſachen aufſucht, und wenn ſie gefunden ſind, die bekannten Eigenheiten des Stroms bei denjenigen Vorkehrungen anwen - det, durch welche man einen vorgeſetzten Endzweck zu erreichen, und die Richtung des Stroms, ehe er noch den Ufern ſchaden kann, ſo zu leiten ſucht, daß ſie nicht zum Nach - theile der Ufer gereichen kann.

Sehr oft wuͤrde man durch[Bepflanzung] der Sandfelder oder durch Schlickzaͤune eben den Endzweck erreichen, welchen man durch koſtbare Buhnenbaue zu erlangen ſucht, und ſehr oft kommt es nur darauf an, eine oberhalb gelegene Sandbank zu verlaͤngern, um die Schartufer vor fernerm Abbruch zu ſichern. Es liegt außer dem Plan dieſer Schrift, die Gruͤnde noch weiter auseinander zu ſetzen, welche den Baumeiſter zur Wahl dieſer oder jener Bauart beſtimmen, noch die Art und Weiſe anzugeben, wie nach hydrauliſchen Grundſaͤtzen und Erfahrungen ihre Wirkungen im Zuſammenhang beurtheilt werden koͤnnen. Dieſe naͤ - here Auseinanderſetzung wuͤrde zu weit von dem vorgeſetzten Ziele, dem Baue ſelbſt abfuͤh - ren. Gegenwaͤrtig wird die Lage der Buhne und die Bauſtelle als zweckmaͤßig ausgemittelt vorausgeſetzt, und nur die Ausfuͤhrung eines ſolchen Baues beſchrieben.

§. 18.

Iſt alſo die Bauſtelle wo eine Buhne angelegt werden ſoll feſtgeſetzt, ſo muß vor allen Dingen das Grundbett genau unterſucht werden, ob nicht etwa Holz, Steine oder an - dere feſte Koͤrper und Unebenheiten vorhanden ſind, die kein gleichfoͤrmiges Senken des Werks verſtatten oder deſſen Verbindung mit dem Grunde verhindern, in welchem Falle und wenn der beabſichtete Zweck doch bei einer geringen Veraͤnderung erreicht werden kann, eine andere Stelle fuͤr die Anlage der Buhne ausgewaͤhlt oder das Hinderniß hinwegge - raͤumt werden muß.

Man koͤnnte zwar dergleichen Hinderniſſe fuͤr unerheblich halten, ihnen durch einen kuͤnſtlichen Bau begegnen und ſie in das Werk mit einſchließen; allein da dieſes immer ein23Von dem Baue der Buhnen.mißliches Unternehmen bleibt, und ein ſolches Hinderniß oͤfters mit geringen Koſten hinweg - geraͤumt werden kann, ſo iſt das letztere weit ſicherer, als daß man ſich der Gefahr ausſetzt, das Werk unnuͤtzer Weiſe zu verbreiten, um dieſen Koͤrper einzuſchließen, wobei man doch in die Verlegenheit kommen kann, einen ſchlechten Verband zu erhalten.

§. 19.

Ferner iſt dafuͤr zu ſorgen, daß vor dem Anfange des Baues alle veranſchlagte Materialien und noch einige zur Reſerve theils auf der Bauſtelle ſelbſt, theils in nicht zu entfernten Depots vorraͤthig ſind; denn ſo wenig es rathſam iſt, bei einem großen Baue ſogleich alle Materialien[anzufahren], indem die letzten ſo weit von der Bauſtelle entfernt ſeyn wuͤrden, daß ſie eines neuen Transport beduͤrften, eben ſo wenig darf es daran fehlen, da es fuͤr den Baumeiſter unumſtoͤßliche Regel ſeyn muß, nicht eher mit einem dergleichen Bau anzufangen, noch ihn weiter zu fuͤhren, als wenn er ſo viele Materialien hat, daß er ſein Werk auf den Grund bringen kann; denn laͤßt er es einige Zeit, beſonders bei wachſen - dem Waſſer, ſchwebend liegen, ſo laͤuft er Gefahr, daß der Strom unter dem Werke Ver - tiefungen verurſacht, das ganze Werk umſchlaͤgt oder vom Ufer weggenommen wird. Da - durch waͤre das angefangene Werk eine voͤllig vergebliche Arbeit und die Koſten waͤren weg - geworfen, weshalb dieſe Verfahrungsart um ſo tadelnswuͤrdiger iſt, da ſie nur deshalb ge - ſchiehet, um an einem ſolchen Orte doch etwas zu bauen, ſtatt daß es in aller Ruͤckſicht weit beſſer ſeyn wuͤrde, die Arbeit, Muͤhe und Koſten ſo lange zu ſparen, bis man etwas gehoͤrig vollenden kann. Dieſes unzweckmaͤßige Verfahren laͤßt ſich am ſchicklichſten mit ei - nem Fachwerksgebaͤude vergleichen, welches man Jahre lang ohne Bedachung der Wit - terung preis giebt.

Unfehlbar liegt darin der Grund, daß von mancher Buhne angegeben wird, der Strom habe ſie weggenommen, ganz oder groͤßtentheils zerſtoͤrt, da doch, wenn ſolche or - dentlich auf den Grund gebracht wird, ſie nie von unten her zerſtoͤrt, ſondern nur an der oberſten Lage beſchaͤdigt werden kann.

Wenn gleich hier verlangt wird, daß ein großer Theil der Materialien immer vor - raͤthig ſeyn ſoll, ſo muͤſſen doch nicht zu viel Wuͤrſte vorraͤthig gebunden werden, weil von alten Wuͤrſten die Baͤnder leicht ſproͤde ſind, und die Wurſt nicht mehr die erforderliche Fe - ſtigkeit zur Befeſtigung der Faſchinen hat.

Die Faſchinen und Pfaͤhle muͤſſen ſo nahe wie moͤglich bei der Bauſtelle angefahren werden; auch ſetzt man die Faſchinen ſo auf, damit die Stammenden auf die Erde kommen,24Viertes Kapitel.weil auf dieſe Art der Arbeiter am leichteſten die Faſchinen wegholen kann. Es muß aber bei dem Aufſtellen der Faſchinen darauf geſehen werden, daß der Haufen ſo geſetzt wird, damit man gegen die Waſſerſeite hin, die Faſchinen wegnehmen kann, weil alsdann der Ar - beiter wenn er Faſchinen holen will, nicht erſt um den Haufen herum gehen darf.

§. 20.

Um die Anweiſung, wie bei dem Baue der Buhnen verfahren wird, an einem ganz beſtimmten Beiſpiele zu zeigen, ſo wird angenommen, daß an einem hohen etwas ſteilen UferTaf. II. die Richtung der Buhne durch die beiden Pfaͤhle A B Fig. 10. gegeben ſey. Es wird fer - ner vorausgeſetzt, daß die Waſſertiefe, in welcher die Buhne erbauet werden ſoll, 36 Fuß, die Kronenb[r]eite 12 Fuß, und die Laͤnge der ganzen Buhne, auf der Krone gemeſſen, 8 Ru - then oder 96 Fuß betrage. Die Laͤnge iſt zur Erſparung der Zeichnungen, nicht groͤßer an - genommen worden; es hat aber auf die Fuͤhrung des Baues keinen Einfluß, wenn ſolche zehnmal und noch groͤßer waͤre, weil alsdenn eben ſo fortgefahren wird, wie die folgende Anweiſung lehret. Auch iſt es in den meiſten Faͤllen nicht einmal rathſam, beſonders wenn man ſchon die Normalbreite des Stroms uͤberſchreitet, die Buhne gleich anfaͤnglich ſehr lang zu machen, weil nicht nur,[außer] der mehrern Gefahr fuͤr die Buhne, auch der Nach - theil entſtehet, daß man hinter derſelben keine hinlaͤngliche Verlandung bewirkt, wovon meh - rere Buhnen Beiſpiele ſind.

So viel Gruͤnde aber auch vorhanden ſeyn koͤnnen, eine Buhne nicht zu lang in ei - nem Jahre anzulegen, eben ſo erheblich iſt es auch, bei einer angefangenen Buhne mit dem Baue nicht eher abzubrechen, als bis die erſten Lagen wirklich den Grund erreicht ha - ben; oder, man kann und muß annehmen, daß die Laͤnge der Krone, wenigſtens der Tiefe gleich, alſo im gegenwaͤrtigen Falle 36 Fuß iſt, ehe man das Werk eine Zeit lang, liegen laſſen kann.

Sobald die Richtung der Buhne, oder vielmehr ihre Streichlinie gegen den Strom durch die beiden Pfaͤhle A B Fig. 10. gegeben iſt, ſo wird auf A B ſenkrecht, aus A und B die Breite der Krone abgeſetzt und durch zwei Pfaͤhle D und C bemerkt. In alle vier Punkte A, B, C, D kommen bei dem Baue lange Stangen, damit ſich der Buhnen - meiſter waͤhrend dem Baue darnach richten kann.

Iſt nun, wie hier vorausgeſetzt wird, das Ufer hoͤher, als der Waſſerſpiegel, und die groͤßte Tiefe von dem Spiegel des niedrigen Sommerwaſſers an bis auf das Grundbett des Stroms gemeſſen, wenn dazu noch ein Fuß gerechnet wird, in der Gegend, wo dieBuhne25Von dem Baue der Buhnen.Buhne angefangen werden ſoll, 36 Fuß, ſo werden auf A B ſenkrecht von E bis F derge -Taf. II. ſtalt 36 Fuß abgeſetzt, daß der Punkt F an das Ufer trifft. Auf die Richtung der beiden andern Stangen C D wird ebenfalls dieſe Weite ſenkrecht aus C nach G abgemeſſen, und in G auf C G eine ſenkrechte Linie G H erreichet, ſo findet man dadurch am Ufer einen zweiten Punkt H dergeſtalt, daß F den Anfang und H das Ende der erſten Faſchinenlage bemerkt.

Haͤtte man am Ufer eine andere Tiefe, ſo wuͤrde ſich dieſe Verfahrungsart, um die Punkte F und H zu finden, nur dadurch abaͤndern, daß E F und C G groͤßer oder kleiner werden.

Wenn die Punkte F und H beſtimmt ſind, ſo wird zwiſchen denſelben ein Ein - ſchnitt F H K in das Ufer bis zur Tiefe des Waſſerſpiegels gemacht, welcher oberhalb bei F, wo der Strom herkoͤmmt, etwa bis 2 Ruthen breit in das Ufer hineingehet, unter - halb bei H aber ſchmaͤler zulaͤuft. Bei einem niedrigen Ufer darf man nur die Erde ſchreg abſtechen, ſo daß man etwa einen Fuß unter den Waſſerſpiegel kommt, auch iſt es nicht noͤ - thig, daß die Sohle des Einſchnitts horizontal iſt, ſondern man laͤßt ſie gewoͤhnlich mit einer vierfuͤßigen Doſſirung nach dem Strom zu, abflaͤchen.

§. 21.

Wenn dieſer Einſchnitt fertig iſt, ſo wird mit dem Faſchinenwerfen der Anfang gemacht. Zuerſt tritt der Buhnenmeiſter an den Anfang des Werks bei F, neben ihn einige Arbeiter in einer Linie bis zur Niederlage der Faſchinen, ſo daß ſie ſich mit den Haͤnden ab - langen koͤnnen, und ſo reichen ſie dem Buhnenmeiſter fortwaͤhrend Faſchinen zu. Dieſer nimmt die Faſchine am Stammende mit der einen und in der Mitte mit der andern Hand, und wirft die erſte Faſchine dicht am Ufer gegen den Strom, ſo daß ſie uͤber die Haͤlfte mit ihrem Stammende auf dem Einſchnitt und mit der Spitze auf dem Waſſer liegt. Neben dieſe Faſchine werden hurtig nach H zu (Fig. 11.) mehrere geworfen, und ſobald der Strom anfaͤngt, die letzte etwas zu drehen, ſo wird gleich eine zweite Reihe Faſchinen in einer et - was ſchiefen Richtung[auf] die untere geworfen, wie ſolches die eilfte Figur anweiſet. Bei dieſem Werfen muß der Buhnenmeiſter ſchon auf das Ende der erſten Faſchinen treten, da - mit ſolche von dem Strome nicht umgedrehet werden, und ſo wie die letzte Faſchine in der zweiten Reihe liegt, wird ſogleich ein Stuͤck Wurſt von etwa 12 Fuß lang, quer uͤber die Faſchinen, etwa zwei Fuß von den Spitzen ab geworfen, und mit einigen Faſchinenpfaͤhlen ſowohl auf dem Einſchnitte bei F, als auf den Faſchinen ſelbſt befeſtiget. (Fig. 12.) Zwi - ſchen die auf den[Faſchinen] hervorragenden Pfaͤhle werden wieder Faſchinen gelegt, aber ſo,D26Viertes Kapitel.daß ſie etwas mehr in den Strom eingreifen, und ſogleich werden andere auf dieſe nachTaf. II. dem Lande zu geworfen, um durch deren Belaſtung das Drehen der aͤußerſten Faſchinen durch den Strom zu verhindern. Auch werden beinahe ſo weit, als das Stuͤck Wurſt reicht, Faſchinen in das ſtille Waſſer gelegt. Von jetzt an duͤrfen keine Faſchinen mehr mit dem Stammende auf das Ufer geworfen werden, weil dadurch das Senken der Faſchinenlagen er - ſchwert wird. Sollte man aber finden, daß ſich das Ufer mit der Faſchinenlage hinunter zieht, ſo kann man bei den folgenden Lagen, die Faſchinen mehr nach dem Einſchnitt in das Ufer ziehen. Auch muͤſſen von nun an und waͤhrend dem ganzen Baue, keine Faſchinen ſich kreuzen, oder quer uͤbereinander liegen, weil hierdurch Hoͤhlungen entſtehen.

Ueber dieſe Faſchinen koͤmmt wieder ein Stuͤck Wurſt von 18 bis 24 Fuß lang, aber mehr nach dem Strom zu, als das vorige, und ſowohl auf dem Einſchnitte, als auch auf den Faſchinen ſelbſt wird ſolches mit einigen Pfaͤhlen befeſtiget. (Fig. 13.) Durch das Ende der Wurſt, welches im Waſſer ſchwimmt, kann man, wenn der Strom ſehr ſchnell iſt, und man das Wegſchwimmen einiger Faſchinen beſorgen ſollte, zwei Pfaͤhle uͤbers Kreutz ein - ſtecken, welches man einen Bock nennt, der aber groͤßtentheils entbehrlich iſt.

Mit dem Faſchinenwerfen wird auf dieſe Art fortgefahren, ſo daß, wenn der zuletzt geworfene Bock beinahe erreicht iſt, ein laͤngeres Stuͤck Wurſt wieder uͤber die liegenden Fa - ſchinen auf die vorige Art befeſtiget wird. Der ſo befeſtigte Anfang der Faſchinenlage heißt zuweilen ein Faſchinenkopf oder Ausſchuß, und wenn fuͤr deſſen Sicherheit durch das Ueberlegen der Wuͤrſte hinlaͤnglich geſorgt iſt, ſo entſteht hinter demſelben ſtillſtehendes Waſ - ſer, auf welchem die[Arbeit] ohne Hinderniß fortgeſetzt werden kann.

Sobald der Faſchinenkopf gehoͤrig befeſtiget iſt, ſo iſt es nicht mehr noͤthig, die Wuͤrſte auf das Ufer zu befeſtigen, ſondern man kann ſolche auf die bereits feſtliegende Fa - ſchinen annageln. (Fig. 14.)

Wie weit man mit dieſer Faſchinenlage in der Mitte vom Ufer abgehen kann, haͤngt theils von der Tiefe, theils von der Geſchwindigkeit ab, mit welcher der Strom an das Ufer faͤllt. Gewoͤhnlich geht man mit der erſten Lage in dem vorliegenden Falle nicht uͤber 12 bis 18 Fuß vom Ufer in den Strom, und es iſt bei dem ganzen Ablegen bis an das Ende der erſten Lage bei H, nichts mehr zu bemerken, als daß ſaͤmmtliche Faſchinen mit ihren Stammenden nach der Mitte zu gerichtet werden, und die ganze Lage etwa einen ſolchen Bo - gen formirt, wie die 15te Figur zeigt. Die Spitzen der Faſchinen bilden alsdenn die aͤußerſte Bogenlinie, und es iſt zu vermeiden, daß keine Faſchinen quer uͤber die andere zu lie -27Von dem Baue der Buhnen.gen koͤmmt, ſo wie auch nicht mehrere Stammenden der Faſchinen in einer Linie neben ein - ander liegen duͤrfen, vielmehr muͤſſen ſolche ſich abwechſelnd, bald mehr nach hinten, bald mehr nach vorne, neben einander befinden, damit keine Hoͤhlungen in den Faſchinenlagen entſtehen. Das Queruͤberlegen der Faſchinen wuͤrde noch den Nachtheil mit ſich fuͤhren, daßTaf. II. dieſelben von den uͤbergelegten Wuͤrſten nicht gehalten werden koͤnnen, und ſich nach der Bewuͤrſtung und Benagelung ausziehen laſſen.

Wenn der Buhnenmeiſter mit dem Ablegen der Faſchinen bis an das Ende H ge - kommen, ſo iſt hierdurch das Vorlegen der erſten Lage oder die Vorlage beendet, und es wird mit der Ruͤcklage der Anfang gemacht.

Es werden nemlich am Anfange bei F uͤber die bereits liegenden Faſchinen andere dergeſtalt am Rande herumgeworfen, daß ſie etwas in den Strom uͤber ſtehen. Auf dieſe Faſchinen werden nach dem Lande zu immer wieder mehrere gelegt, ſo daß ſich der Buhnen - meiſter auf dieſen nach dem Lande zuruͤckzieht, woher auch dieſes Ablegen die Ruͤcklage ge - nennt wird. Hierdurch erhaͤlt die Faſchinenlage die in der 15ten Figur abgebildete Geſtalt. Bei dieſem Zuruͤcklegen iſt darauf zu ſehen, daß durch die aufgelegten Faſchinen, die ganze Lage eine Dicke von nicht mehr als etwa drei Fuß erhaͤlt, und die Oberflaͤche derſelben ſo eben als moͤglich wird, ſo daß ſolche, wenn mit gruͤnen Faſchinen gebauet wird, einer geſchornen Hecke, und bei trocknen einem Beſen aͤhnlich ſiehet, indem der kunſtmaͤßige Handgriff eines Buhnenmeiſters eben darin beſtehet, daß er die Faſchinen ſo geſchickt wirft, daß ſie in einer - lei Richtung neben einander zu liegen kommen, die entſtehenden Luͤcken gehoͤrig ausgefuͤllt und bei der Ruͤcklage alle Stammenden ſo bedeckt werden, daß nur diejenigen, welche an das Ufer ſtoßen, ſichtbar bleiben. Auch zeigt es ſchon einen wenig geuͤbten Buhnenmeiſter an, wenn er die Faſchine nicht gleich auf ihre rechte Stelle wirft, ſondern ſie wieder auf - nehmen und anders legen muß.

Weil von den Faſchinen, welche an das Land ſtoßen, die Baͤnder zum Vorſchein kommen, ſo muͤſſen, wenn dieſerhalb die Lage nicht recht eben wird, die Baͤnder aufgehauen und die letzten Faſchinen am Stammende ausgebreitet werden, damit alles eben wird und die ganze Lage mit dem Lande zuſammen zu haͤngen ſcheint.

§. 22.

Nunmehr werden ſo ſchnell wie moͤglich uͤber dieſe ganze Lage Wuͤrſte aufgenagelt, weil beſonders, wenn die Faſchinen aus einer ſchweren Holzart verfertiget ſind, ein Senken derſelben entſtehet, wodurch, wenn ſie nicht zuſammengenagelt ſind, Nachtheil fuͤr die LageD 228Viertes Kapitel.zu beſorgen iſt. Es folgt daraus die Regel fuͤr einen Aufſeher von ſelbſt, daß, wenn die Faſchinen in der beſchriebenen Art ausgelegt ſind, unter keinerlei Vorwand auch nicht desTaf. II. Mittagsbrodes oder der Feierſtunden wegen, abgebrochen werden darf, ſondern erſt bewuͤrſtet werden muß, bevor man von der Arbeit gehen kann.

Dieſe Regel gilt allgemein ſo wohl bei den Buhnen wie bei den Coupirungen, und es muͤſſen daher auch vor Eintritt des Feierabends, ehe man das Werk die Nacht uͤber verlaͤßt, die Faſchinenlagen mit Wuͤrſten und Pfaͤhlen tuͤchtig an das Ufer befeſtiget, aber ja nicht mit Erde beſchwert werden.

Bei dem Bewuͤrſten wird folgendergeſtalt verfahren: Zuerſt wird aus der Mitte ein Stuͤck Wurſt a b (Figur 16.) dem Strome entgegen, und ein anderes c d Strom ab - waͤrts geſtreckt, auch zur beſſern Verbindung noch ein Stuͤck e f am Obertheil der Lage frei aufgelegt. Dieſe heißen Kreutzwuͤrſte. Hiernaͤchſt werden zwei Reihen Wuͤrſte am aͤußer - ſten Rande der Lage, gegen das Waſſer zu, dicht neben einander ſo geſtreckt, daß die Fa - ſchinenſpitzen etwa zwei Fuß vorſtehen. (Fig. 16.) g, h, i. Sie werden Randwuͤrſte ge - nennt, und gleich mit vier Fuß langen Faſchinenpfaͤhlen zwiſchen jedem dritten Bande der Wuͤrſte, oder zwei Fuß auseinander beſteckt. Weil die aͤußern Faſchinen ziemlich frei und locker liegen, ſo koͤnnen dieſe Pfaͤhle in die Randwuͤrſte ohne Schlegel mit der Hand einge - druͤckt werden, und muͤſſen, damit ſie ſich nicht durchdruͤcken, einen Fuß oben uͤberſtehen, da ſie denn bei den folgenden Lagen, wenn ſie nicht außerdem eingedruͤckt ſind, noch nachge - ſchlagen werden. Parallel mit den Randwuͤrſten werden im Bogen herum einfache Wuͤrſte gelegt, bis die letzte in der Mitte nur einige Fuß vom Ufer abſtehet. Dieſe Wuͤrſte werden auf gleiche Art, wie die Randwuͤrſte, in Entfernungen von zwei Fuß mit Pfaͤhlen beſteckt, welches auch allemal da geſchehen muß, wo ſich zwei Wuͤrſte durchkreuzen. Die Pfaͤhle wer - den hierauf mit dem §. 9. beſchriebenen Schlegel ſo weit eingeſchlagen, daß ſie nur noch 3 bis 4 Zoll uͤber die Wuͤrſte vorſtehen. Dieſes Einſchlagen der Pfaͤhle heißt die Benage - lung, wobei man vorzuͤglich, wenn die Wuͤrſte und Faſchinen trocken ſind, dahin zu ſehen hat, daß kein Pfahl ſich durchziehet.

§. 23.

Nach dem Benageln und Bewuͤrſten wird die Faſchinenlage mit Erde bekarrt, wozu man beſonders, wenn die Faſchinen[trocken] ſind, wenigſtens bei der erſten Lage, gern fette Kley - oder Lehmerde nimmt, zu den uͤbrigen aber, vorzuͤglich bei friſch belaubten Faſchinen, groben Kieß (gravier) waͤhlt, und ſich nur in allen Faͤllen fuͤr zu feinem Schwemmſande oder29Von dem Baue der Buhnen.Torf huͤten muß, weil erſterer durch die[Faſchinen] laͤuft, letzterer aber ſelbſt ſchwimmt undTaf. II. leichter als das Waſſer iſt. Die Erde wird entweder zu Waſſer mit Kaͤhnen angefahren, und ſodann auf die Faſchinenlage verbreitet, oder wenn die Erde in der Naͤhe vorhanden iſt, ſo bedient man ſich allein der Schubkarren, jedoch muß vorher eine Ruͤſtung von Karndielen ge - legt und niemals ohne dieſelbe auf dem We[r]ke gekarrt werden, weil dadurch die Wuͤrſte und deren Baͤnder zu ſehr leiden.

Das Aufkarren der Erde geſchiehet vom Lande nach dem Strome zu, indem man von dem Ende, wo der Strom herkommt, anfaͤngt, und ſo mit der Beſchwerung nach unten bei H und nach vorne zu weiter geht. Wie hoch dieſe Erdſchicht aufgebracht werden muß, haͤngt von mehrern Umſtaͤnden ab. In der Regel wird ſolche einen Fuß hoch angenommen und bis zur Randwurſt ausgebreitet, es verſteht ſich aber von ſelbſt, daß auf die vor den Randwuͤrſten hervortretenden Faſchinenſpitzen nicht nur gar keine Erde gebracht wird, ſon - dern ſelbige auch zwiſchen den Randwuͤrſten und der zunaͤchſt gelegenen einfachen Wurſt ſo duͤnne verzogen werden muß, daß ſie die Wurſt nur eben bedeckt, da es nicht rathſam iſt, das Senken des vordern Endes zu ſehr zu befoͤrdern, weil ſolches doch durch die folgenden Lagen hinuntergedruͤckt wird, auch die vordere Erde von dem Strom leicht weggeſchwemmt werden koͤnnte, folglich unnuͤtz verloren ginge. Ueberhaupt iſt aus gleichen Gruͤnden vorzuͤg - lich darauf zu ſehen, daß die Erdlage uͤber dem Waſſer bleibt und nur die Faſchinenlage groͤßtentheils eingetaucht wird. Iſt daher das ſpecifiſche Gewicht der Erde betraͤchtlich, und das der Faſchinen ebenfalls, ſo muß die Erdlage weit duͤnner ſeyn, als wenn leichte Erde auf leichte Faſchinen gebracht wird. In Abſicht der erſten Faſchinenſchicht iſt aber noch be - ſonders zu bemerken, daß ſolche weit weniger als die uͤbrigen beſchwert wird.

Dieſe erſte fertige Lage bildet nunmehr nach der etwas vergroͤßerten Durchſchnitts - darſtellung der 17ten Figur eine aus Faſchinen, Wuͤrſten, Pfaͤhlen und Erde beſtehenden Koͤr - per, der bald nach der Arbeit hoͤchſtens 4 Fuß Dicke hat. Wenn er aber durch den Druck der folgenden Lagen zuſammengepreßt und gerammt iſt, ſo laͤßt ſich derſelbe nur drei Fuß dick annehmen.

Wenn waͤhrend dem Bekarren die Randwuͤrſte anfangen in das Waſſer zu kommen, ſo ſteckt ſich der Buhnenmeiſter zwiſchen F und b (Figur 16.) mehrere Faſchinenpfaͤhle etwa einen Fuß tief in die Randwuͤrſte, theils um Faſchinen zwiſchen dieſe Pfaͤhle zu legen, theils auch, um bei dem Sinken der erſten Lage den Rand derſelben noch vor ſich zu haben.

30Viertes Kapitel.

Iſt das Bekarren fertig, ſo werden die Ruͤſtbretter wieder zuruͤckgenommen und die Erde gehoͤrig planirt, ſo daß die Oberflaͤche ganz eben wird.

§. 24.

Faͤngt die erſte Lage an ſich ſtark zu ſenken, ſo muß deſto geſchwinder mit der zweitenTaf. II. Lage der Anfang gemacht werden. Es werden zuerſt von g an (Figur 18.) zwiſchen die auf der Randwurſt eingeſteckten Pfaͤhle Faſchinen geworfen, ſo daß ſie auf der erſten Lage nach dem Waſſer zu uͤberliegen, gegen das Stammende aber durch andre Faſchinen in eben der Richtung beſchwert werden; hiermit wird ſo lange von g ab fortgefahren, bis der Strom anfaͤngt, auf die frei liegenden Faſchinen zu wirken und ſolche weg zu drehen ſtrebt. Alsdann wird uͤber dieſe ein Stuͤck Wurſt gelegt, wovon das eine Ende nach dem Lande zu auf den Faſchinen befeſtiget wird, das andere aber im Waſſer ſchwimmt, und wenn man ſchon ge - gen das Vorderende der Lage gekommen iſt, ſo wird ſolches noͤthigenfalls mit einem Bock verſehen. Auf dieſer Wurſt wird das Ablegen ſtromwaͤrts fortgeſetzt, bis ſich der Strom wieder der uͤberſtehenden Faſchinen bemaͤchtiget, wo denn wieder ein neues Stuͤck Wurſt auf - gelegt wird. (Figur 18.) Auf dieſe Art verfaͤhrt man weiter, und ſucht immer durch meh - reres Ueberlegen der Faſchinen den Strom zu gewinnen, wobei alles darauf ankoͤmmt, daß an dem Ende der Lage, wo der Strom herkommt, die Faſchinen tuͤchtig befeſtiget werden.

Wie viel man mit jeder neuen Lage uͤber die unterliegende ſtromwaͤrts vorſpringt, haͤngt von der Tiefe und von der Geſchwindigkeit des Stroms ab, weil eine groͤßere Tiefe und Geſchwindigkeit ein behutſameres Vorruͤcken erfordert. Denn wollte man bei einem ſeich - ten Bette mit jeder folgenden Lage nur wenig uͤber die vorhergehende bauen, ſo wuͤrde da - durch das Senken ſehr ungleichfoͤrmig werden, weshalb man bei einer geringen Tiefe, die Lagen nicht nur weit uͤber bauet, ſondern auch beſonders den erſten keine zu große Dicke ge - ben darf. Bei einem tiefen Bette muß aber deshalb nicht zu weit uͤber gebauet werden, weil es ſonſt nicht moͤglich iſt, die zu weit in den ſchnellen Strom tretende Faſchinenlagen feſt zu halten, bevor ſie nicht den Grund erreicht haben. Im gegenwaͤrtigen Falle, wo eine Tiefe von 36 Fuß und eine Geſchwindigkeit des Stroms von 3 bis 4 Fuß vorausgeſetzt wird, kann man annehmen, daß jede neue Lage uͤber die unmittelbar darunter liegende etwa 6 Fuß vorſpringt. Dieſes gilt aber nur an demjenigen Rande der Lage, welcher beinahe mit dem Ufer parallel laͤuft; denn auf beiden Seiten gegen das Ufer zu, muͤſſen andere Geſetze befolgt und die Lagen von beiden Seiten eingezogen werden.

31Von dem Baue der Buhnen.

Um die Vorſchrift, wie weit jede Lage ſtromwaͤrts uͤbertreten und dagegen auf bei - den Seiten eingezogen werden muß, deutlicher zu geben, ſo ſey Figur 19. eine bereits mehrTaf. III. in den Strom getretene Lage, wo olbnp die ſo eben gelegte Ruͤcklage und qrst die un - mittelbar darunter befindliche mit Erde beſchwerte Lage bezeichnet. Damit nun der Buhnen - meiſter wiſſen kann, wie weit er auf der Seite bei l, wo die Faſchinen zum Theil auf dem Waſſer liegen, uͤberwerfen muß, ſo wird die Verlaͤngerung der beiden Pfaͤhle B A genommen, und auf B H ſenkrecht die Linie k l ſo lang gemacht, daß ſolche der groͤßten Stromtiefe unter der Faſchinenlage gleich iſt. Eben ſo lang wird die Linie m n genommen, welche auf D K ſenkrecht ſtehet. Dieſe Weite k l, m n heißt die Ausladung.

Die Beſtimmung der Punkte l und n ſetzt voraus, daß mittelſt einer Viſirſtange oder eines Senkbleies, vor Anfertigung der neuen Lage, die Stromtiefe gemeſſen werde, und ſo oft ſich dieſe Tiefe aͤndert, ſo muß auch darnach die Ausladung veraͤndert werden.

Durch die beiden Entfernungen k l und m n iſt nun die Ausladung des Werks auf beiden Seiten beſtimmt; wie weit aber jedesmal ſtromwaͤrts ausgelegt werden muß, haͤngt von den vorhin angegebenen Beſtimmungen ab. Iſt dieſe Weite, wie hier, auf 6 Fuß feſt - geſetzt, ſo wird darunter verſtanden, daß a b, 6 Fuß betrage.

Wenn nun vom Anfange bei l am Rande herum bis gegen das Ende bei n auf die erforderliche Weite ſo ausgelegt iſt, daß immer die oberſten Faſchinen etwas mehr uͤber die untere nach dem Waſſer zu uͤberſtehen, ſo iſt die Vorlage fertig und es wird mit der Ruͤck - lage der Anfang gemacht, wobei wieder dahin zu ſehen iſt, daß die ganze Faſchinenlage durchgaͤngig eine Dicke von hoͤchſtens 3 Fuß erhalte, und daß keine Faſchine hinter den Punk - ten l und n nach dem Lande zu, uͤber die Faſchinen der erſten Lage greife, damit die Sei - tendoſſirung nicht verloren geht.

Iſt daher qlrsnt die unmittelbar darunter befindliche mit Sand bekarrte Faſchi - nenlage, ſo muß die Ruͤcklage nicht in der Breite k l zuruͤcktreten, ſondern es wird erfordert, daß an den Seiten bei q l und t n allmaͤhlig nach oben zu die Faſchinen immer etwas zu - ruͤckgezogen werden, ſo daß die ganze Einziehung der Lage uͤber die untere etwa 3 bis 4 Fuß betraͤgt und die ganze Faſchinenſchicht auf beiden Seiten eine einfuͤßige Doſſirung erhaͤlt. Mit der Ruͤcklage zieht man ſich uͤber die erſte Lage nach dem Einſchnitt ſo weit zuruͤck, als es das Senken der erſten Faſchinenlage erlaubt, dergeſtalt daß die zweite Lage, ſowohl nach vorne zu, als auch gegen den Einſchnitt hin, uͤber die erſte Lage erweitert iſt.

32Viertes Kapitel.

Wenn auf der zweiten Lage die Ruͤcklage fertig iſt, ſo wird ſolche, wie vorher §. 22., bewuͤrſtet und mit Erde bekarret.

§. 25.

Auf gleiche Art verfaͤhrt man bei der dritten und vierten Lage, ſo daß man allemal mit dem Legen der Faſchinen zur Vorlage da anfaͤngt, wo das Werk noch etwas uͤber dem Waſſer hervor ragt, mit der Ruͤcklage aber bis an das Ufer zuruͤckgehet. Waͤhrend dieſer Arbeit geben entweder die Wuͤrſte der unterſten an dem Ufer angenagelten Lagen nach, und ziehen durch das Senken und den Druck der oberſten Lagen das Ufer und die Wuͤrſte mit hinunter, wodurch das Ufer eine flaͤchere Doſſirung erhaͤlt, in welchem Falle die Faſchinen und Wuͤrſte der oberſten Lage mehr landwaͤrts gezogen werden muͤſſen. Wenn aber die oberſten Lagen wegen den auf dem Ufer befeſtigten Wuͤrſten nicht ſinken koͤnnen, wovon man durch das Berſten der Erde des Einſchnitts uͤberzeugt wird, ſo muͤſſen die Bindweiden der am Ufer auf dem Einſchnitt angenagelten Wuͤrſten vorſichtig aufgehauen werden, wobei aber zu bemerken iſt, daß die jedesmalige oberſte Lage, durch ihre auf dem Ufer befindliche Wuͤrſte, tuͤchtig befeſtigt bleiben muß.

Sind gleich die Wuͤrſte der untern Lagen losgehauen, ſo darf man das Wegſchwim - men derſelben nicht befuͤrchten, weil die in jeder Faſchinenſchicht durchgehenden Faſchinen - pfaͤhle, einen Zuſammenhang der Lagen unter einander und mit dem Grunde hervorbringen.

Wenn vier bis ſechs Lagen alle von gleicher Dicke gemacht ſind, wie die drei undTaf. IV. zwanzigſte Figur nach einem etwas kleinern Maaßſtabe im Durchſchnitt zeigt, ſo iſt es vor - theilhaft, um zu verhindern, daß die Lagen, wenn ſie auf den Grund kommen, nicht zu ſteil liegen, daß man nicht mehr mit allen Lagen in gleicher Dicke bis an das Ufer zuruͤck - geht, ſondern nach Verhaͤltniß der Tiefe dergeſtalt mit den Lagen abwechſelt, daß ſich die eine in einer Laͤnge von etwa zwei bis drei Ruthen verlaͤuft, welches man eine kurze Lage nennt, die andre aber in gleicher Dicke ſo lange gegen das Ufer hingefuͤhrt wird, bis man ſich uͤberzeugt hat, daß das Werk auf dem Grunde liegt; da denn, ſo weit man dieſes ver - ſpuͤrt, keine Lage mehr daruͤber gebracht wird.

Um zu dieſer Ueberzeugung zu gelangen, darf man nur bemerken, ob ſich die erſten Lagen mit dem Ufer und von demſelben regelmaͤßig abgezogen haben, ſo iſt es wohl wahr - ſcheinlich, daß ſie eben ſo gleichfoͤrmig auf den Grund gegangen ſind, wenn das Werk nem - lich waͤhrend dem Sinken immer eine horizontale Lage behalten hat, und nun keine weitere Spuren vom Sinken mehr bemerkt werden. Iſt ferner, wie es erfordert wird, die Tiefevorher33Von dem Baue der Buhnen.vorher gemeſſen worden, und hat man keine Gruͤnde zu vermuthen, daß ſich das Grundbett noch waͤhrend der Arbeit vertieft hat, ſo darf man nur die Tiefe mit der Anzahl der Faſchi - nenlagen vergleichen. Es muß daher ein Aufſeher darauf halten, daß der Buhnenmeiſter in ſeinem Journale genau bemerke, wie viel Lagen er gemacht habe. Sollten ſich aber, unge - achtet nach einer ſolchen Beſtimmung das Werk im Grunde ſeyn muͤßte, doch noch immer in der oberſten Erdſchicht und am Ufer Riſſe zeigen, ſo wuͤrde das freilich ein Beweis ſeyn, ent - weder daß die Lagen nicht gleich ſtark genommen worden, oder daß der Strom ſich waͤhrend der Arbeit[noch] vertiefte, oder daß das Werk ſich in dem untern weichen Grunde eingedruͤckt habe. In dieſem Falle muß nothwendig das Werk durch Handrammen ſo lange zum wei - tern Sinken gebracht und noch mehrere Lagen uͤbergelegt werden, bis ſich keine Riſſe mehr zeigen, wobei man ſich dann nur huͤten muß, dieſe Lagen nicht weiter mehr mit dem Ufer zu verbinden, weil man dadurch den Riſſen zwar vorbeugen, ſie im Grunde aber nicht heben wuͤrde.

Die zwanzigſte Fignr zeigt die fuͤnfte Lage (welches eine kurze iſt) nach der Be -Taf. III. wuͤrſtung von oben anzuſehen. Sie iſt nur etwa bis auf die Haͤlfte der darunter befindli - chen vierten Lage gegen das Ufer zu zuruͤckgezogen. In der vier und zwanzigſten Figur ſiehtTaf. IV. man dieſe Lage im Durchſchnitt.

In Abſicht des Rammens iſt zu bemerken, daß wenn ſich beim Sinken der Lagen Unebenheiten zeigen, hierbei die Handramme zu Huͤlfe genommen werden muß, um ein gleich - foͤrmiges Sinken zu bewirken; auch muß insbeſondere da, wo man glaubt daß das Werk ſchon auf dem Grunde liegt, noch tuͤchtig gerammt werden, damit in keinem Falle Hoh - lungen entſtehen.

Schon §. 22. iſt erinnert worden, daß wenn man bei dem Baue einer Buhne we - gen Eintritt des Feierabends oder der Nacht, mit der Arbeit aufhoͤren muß, daß ſolches nur alsdann geſchehen darf, wenn die zu letzt verfertigte Faſchinenlage tuͤchtig bewuͤrſtet und be - nagelt iſt. Waͤhrend der Nacht pflegt ſich aber das Werk gewoͤhnlich etwas zu ſenken und die oberſte Lage zum Theil unter den Waſſerſpiegel zu kommen. Damit nun der Buhnen - meiſter ſogleich wiſſen kann, wie weit er am andern Tage, die folgenden Faſchinen-Schichten auslegen muß, ſo hat ſich derſelbe den Abend vorher zu bemerken, wie weit der Rand der letzten Lage von dem Ufer, oder von irgend einem feſten Punkte abſtehet, weil es nicht ſo ſicher iſt, dieſe Entfernung durch eine Viſitirſtange auf zu ſuchen, auch die in die RandwurſtE34Viertes Kapitel.eingeſtekten Pfaͤhle, zu tief unter dem Waſſerſpiegel ſeyn koͤnnen, als daß ſolche bemerkt werden koͤnnten.

§. 26.

Es iſt zwar nicht leicht jedesmal genau anzugeben, wie die Lagen nach und nach ſinken, weil dieſes vom Gewicht der aufgebrachten Erde, vom Gewicht der Faſchinen, vom Grundbette und von unendlich vielen Urſachen beim Baue ſelbſt abhaͤngt. Ueberdem verbin - det ſich auch jede oberſte Lage mittelſt ihrer durchgehenden Pfaͤhle und mit Huͤlfe der Ramme und der beſtaͤndigen Bewegung auf dem Werke ſo ſehr mit der darunter befindlichen, daß ſaͤmmtliche Schichten als ein zuſammenhaͤngendes Ganze angeſehen werden koͤnnen, von wel - chem es ſchwer iſt, die Lage der einzelnen Theile anzugeben. Damit ſolches aber einigerma -Taf. IV. ßen uͤberſehen werden kann, ſo ſind in den Figuren 23. bis 30. mehrere Durchſchnitte ge - zeichnet, um daraus ungefaͤhr abzuſehen, wie die Lagen nach und nach auf den Grund gehen. Es iſt hierbei nicht moͤglich geweſen, das Abbrechen des Ufers waͤhrend dem Baue bei dem Sinken der Lagen genau anzugeben, weil dieſes von der verſchiede - nen Feſtigkeit der Ufer abhaͤngt; ob gleich hierdurch das Sinken der Lagen und die Geſtalt des ganzen Werkes nach dem Laͤngendurchſchnitt, noch mancherlei Abwechſelungen unterwor - ſen iſt. Eben ſo laͤßt ſich auch nicht genau beſtimmen, wie die einzelnen Lagen waͤhrend dem Baue liegen, weil bei friſchbelaubten Faſchinen, die Lagen eher auf den Grunde kommen als bei ſehr trockenen.

§. 27.

Wenn man mit dem Auslegen ſo weit gekommen iſt, daß das aͤußerſte Ende der Lage nicht nur die angenommene Laͤnge der Buhne hat, ſondern auch, um die Waſſertiefe an der Spitze etwa anderthalb mal genommen noch laͤnger iſt, alſo in dem hier angenomme - nen Beiſpiele, wenn A C Figur 21. und 27. nicht nur 96 Fuß, ſondern noch 36 und 18 Fuß, olſo uͤberhaupt 150 lang iſt, ſo wird nicht weiter vorgearbeitet. Es koͤmmt alsdenn darauf an, dem Werke an der Spitze die erforderliche Doſſirung zu geben, weil gerade hier der ſtaͤrkſte Anfall des Stroms und Eiſes Statt findet, und die Hoͤhlung C D E Figur 27. leicht Veranlaſſung zu Vertiefungen und zur Zerſtoͤrung des Werks geben wuͤrde. Statt alſo, wie vorher geſchehen iſt, mit jeder folgenden Lage vorwaͤrts weiter in den Strom zu gehen, ſo werden jetzt alle Lagen verhaͤltnißmaͤßig nach der Tiefe und der erforderlichen Doſſirung zuruͤckgelegt oder eingezogen, und die Lage ſelbſt muß ſich ſo weit nach dem Ufer zu er - ſtrecken, bis man auf den Theil der Buhne kommt, welcher ſchon auf dem Grunde feſt liegt Faͤhrt man auf dieſe Art fort, wie es die Figuren 28. und 29. nachweiſen, ſo entſtehet end -35Vom Baue der Buhnen.lich die bis auf die Ausgleichung und Spreutlage fertige Buhne, deren etwanigen Durch - ſchnitt Figur 30. vorſtellt. Denkt man ſich das Waſſer hinweg, ſo wuͤrde ſolche, von obenTaf. IV. anzuſehen, etwa die Geſtalt, wie Figur 31., haben, wobei zu bemerken iſt, daß die einzelnen Lagen, um ſie deſto mehr bemerklich zu machen, etwas ſtark ausgedeutet ſind, obgleich bei einem fertigen Werke die ganze Flaͤche der Doſſirung glatt und ohne Abſatz ſeyn muß.

Noch iſt hier anzufuͤhren noͤthig, daß in Abſicht der Erdbeſchwerug bei denjeni - gen Lagen, welche nicht mehr weit von der Spitze der Buhne ab liegen, anders, als §. 23. angefuͤhrt worden, verfahren wird. Statt nemlich die Erde nach den Randwuͤrſten hin ver - laufen zu laſſen, ſo iſt es vielmehr erforderlich, daß bei allen Lagen, welche gegen die Spitze oder den Kopf der Buhne kommen, vorzuͤglich auf eine tuͤchtige Erdbeſchwerung ihres Vor - derendes gehalten wird, weil dadurch um ſo mehr an der Buhnenſpitze, eine tuͤchtige Verbin - dung der obern Lage mit der untern nnd dem Grunde entſtehet.

§. 28.

Die ſo weit fertige Buhne wird auf ihrer Krone uͤberall ausgeglichen, auf die ge - woͤhnliche Art bis in das Ufer hinein, ſo weit ſolches der Einſchnitt erlaubt, bewuͤrſtet, und demnaͤchſt mit einer Lage guter Erde bedeckt, ſo daß ſie einige Fuß uͤber das kleine Waſſer hervorragt. Iſt nun der Bau im Anfange des Sommers unternommen worden, ſo laͤßt man die Buhne auf dieſe Art bis gegen den Herbſt liegen, damit ſich dieſelbe noch ſetzen kann, welches denn auch gewoͤhnlich in dieſer Zeit geſchiehet und einige Unebenheiten auf ihrer Ober - flaͤche veranlaßt. Wenn die erforderliche Zeit zum Setzen des ganzen Werks verfloſſen, ſo wer - den im Fruͤhjahre oder Herbſte alle Unebenheiten mit Faſchinen ausgeglichen und die Spreut - lage darauf gelegt, wie ſolches in der Folge auseinander geſetzt wird.

§. 29.

Die hier gegebene Beſchreibung von dem Baue einer Buhne iſt zwar nur auf den be - ſondern Fall eingeſchraͤnkt, daß ihre Laͤnge, auf der Krone gemeſſen, nur 8 Ruthen be - trage, das Ufer ziemlich ſteil ſey, und die uͤbrige Waſſertiefe nicht uͤber 36 Fuß groß werde. Aus der Art, wie die Arbeit ausgefuͤhrt wird, laͤßt ſich aber leicht einſehen, daß es nicht die mindeſte Schwierigkeiten hat, die Buhne ſo weit zu verlaͤngern, als es die Umſtaͤnde erfor - dern, und daß, wenn man durch die Anſpannung des Stroms einen ſtaͤrkern Anfall deſſel - ben zu befuͤrchten hat, alsdenn nur die groͤßte Vorſicht beim Verarbeiten und insbeſondere bei der Befeſtigung der Faſchinen durch Wuͤrſte erfordert wird; ſo wie auch, vorzuͤglich nach dem Lande zu, tuͤchtig gerammt werden muß. Waͤre das Ufer noch ſteiler und beinaheE 236Viertes Kapitel.Taf. IV. ſenkrecht, ſo macht dieſes keinen Unterſchied in der Arbeit, wovon man ſich durch das Zeich - nen der einzelnen Lagen uͤberzeugen kann; ſollte aber das Ufer ſehr flach ſein, ſo entſtehet daraus weiter nichts, als daß man mit der erſten Lage den Grund fruͤher erreicht, und auf dieſelbe nicht ſo viele neue Lagen, wie in dem vorhergehenden Beiſpiele, packen kann. Die Figur 32. zeigt den Durchſchnitt einer ſolchen Buhne.

Eben ſo macht es gar keine Schwierigkeiten, wenn die Waſſertiefe ſehr abwech - ſelnd iſt, weil es alsdann lediglich darauf ankommt, uͤber einer groͤßern Tiefe die Lage verhaͤltnißmaͤßig breiter, und bei einer geringern, ſchmaͤler zu machen. Waͤre in einem beſon - der Falle die Tiefe unter der Lage, wo gearbeitet wird, 14 Fuß, ſo muͤßte man die[Ausla -Taf. III. dung] Figur 19. k l, m n nur 14 Fuß groß annehmen; waͤre aber die Tiefe 48 Fuß, ſoTaf. IV. ſo muͤßte ſo wohl k l als m n, 48 Fuß lang werden. Die Figur 33. zeigt den Durchſchnitt einer ſolchen Buhne, die in abwechſelnden Tiefen erbauet iſt.

§. 30.

Die Schoͤpfbuhnen, welche beſtimmt ſind, den Strom aufzufangen, um ihn in einen Kanal oder Stromarm zu leiten, muͤſſen ihrer Natur nach, der Richtung des Stroms entgegen gebauet werden, Statt daß die gewoͤhnlichen Buhnen quer in denſelben hineingehen. Bei ihrem Baue wird nach denſelben Grundſaͤtzen verfahren, wie vorhin bei den Buhnen ge - zeigt wurde, indem man von dem Ufer ab in den Strom hinein arbeitet, ſo daß ihre Kon - ſtrukzion ganz dieſelbe iſt, wie bei den uͤbrigen Buhnen. Wenn es hierher gehoͤrte, ſo wuͤrde ſich leicht aus vielen Erfahrungen darthun laſſen, daß die Erwartung, welche man von den Schoͤpfbuhnen hegt, viel zu groß iſt, und daß ſie keinesweges ſolche Waſſermagnete ſind, wie man ſich vorſtellt, vielmehr iſt in den meiſten Faͤllen ihre Wirkung nur ſehr unſicher, und man kann ſie auch groͤßtentheils durch andere Anlagen entbehrlich machen.

Von ſo geringem Nutzen ſich auch die Schoͤpfbuhnen durch die Erfahrung bewieſen haben, wenn es darauf ankommt, einem Durchſtiche oder Stromarme Waſſer zuzufuͤhren, ſo unentbehrlich ſind ſie dennoch da, wo ein Strom ſich in mehrere Theile theilet, um die vor - ſpringende Landſpitze oder den Theilungspunkt zu befeſtigen und ihn gegen das anſtroͤmende Waſſer und gegen den Eisgang zu ſichern.

§. 31.

Noch koͤmmt eine Art Buhnen vor, welche Rauſchbuhnen, Rauſchfluͤgel oder Kribben genannt werden. Sie ſollen bei kleinen Fluͤſſen dazu dienen, wenn ſolche ſich ſehr verbreitet haben und fuͤr die Schiffahrt zu ſeicht geworden ſind, dem Fahrwaſſer mehr Tiefe37Von dem Baue der Buhnen.durch die Zuſammenpreſſung des Fluſſes zu verſchaffen. Man legt ſie an den ſeichteſten Stellen einander gegenuͤber an, und ſie werden gewoͤhnlich nur ſehr leicht von Faſchinen, auch ſelbſt von Brettern und Pfaͤhlen erbauet, in ſo fern ſie nur als Palliatif dienen, indem eine ordentliche Stromregulirung zweckmaͤßigere Vorkehrungen erfordert.

Fuͤnftes Kapitel. Vom Baue der Spreutlagen auf den Buhnen.

§. 23.

Wenn ſich die Buhne hinlaͤnglich geſetzt hat, ſo wird ſolche dergeſtalt mit Faſchinen ausge - glichen, daß die Oberflaͤche derſelben, oder die Krone, einen geringen Abhang vom Lande ab gegen den Strom zu, oder von der Wurzel gegen den Kopf erhaͤlt. Die Krone ſelbſt wird dann einen halben Fuß hoch mit fetter Erde bekarret, und darauf eine Decke von Weiden - reiſer oder eine Spreutlage gelegt. Da dieſe Weidenreiſer vorzuͤglich zum Auswachſen be - ſtimmt ſind, ſo legt man die Spreutlagen nicht gern im Sommer, weil alsdann zu befuͤrch - ten ſtehet, daß ſolche vertrocknen. Die beſte Zeit dazu iſt im Fruͤhjahre, wenn die Weiden noch nicht belaubt ſind, oder im Herbſte, wenn das Laub ſchon welk iſt. Von dieſem Strauche, wozu man den beſten ausſucht, der nicht uͤber ¾ Zoll ſtark ſeyn muß, werden Fa - ſchinen und Wuͤrſte gebunden; auch iſt es gut, daß man ſich, Statt der gewoͤhniglichen Pfaͤhle von kiehnenem Holze, Pfaͤhle aus weidenen Knuͤppeln, die mit einem Haken (Figur 5.) ver -Taf. I. ſehen ſind, verfertigen laͤßt, weil dieſe alsdenn, wenn ſie friſch gehauen ſind, in dem Werke ſelbſt auswachſen und durch ihren Haken die Wuͤrſte feſthalten. Die Laͤnge dieſer Pfaͤhle zur Spreutlage kann geringer als die Laͤnge der gewoͤhnlichen Faſchinenpfaͤhle ſeyn; zwei bis drei Fuß ſind hinreichend. Wenn ſolchergeſtalt alles vorbereitet iſt, ſo werden die Faſchinen ein - zeln quer auf das Werk gelegt und die Baͤnder aufgehauen; das Reis wird ſo ausgebreitet, daß eine jede Weidenruthe dicht neben die andere kommt, und alle unter ſich parallel oder auf der Richtung der Buhne ſenkrecht ſind. Die Stammenden der Reiſer werden in die auf - gekarrte Erde verſteckt.

Auf dieſes ausgebreitete Reis wird am Rande der Krone herum eine doppelte Rand -38Fuͤnftes Kapitel.wurſt gelegt, auch werden parallel mit den Seiten der Buhne vom Kopf ab nach dem Lande zu, in Entfernung von bis 2 Fuß, Wuͤrſte quer uͤber die Weidenreiſer geſtreckt, und alle 2 Fuß ein Spreutlagenpfahl eingeſchlagen.

Hierbei iſt darauf zu ſehen, daß die Wuͤrſte, ſo weit es angehet, auf den Einſchnitt des Ufers zuruͤckgelegt werden, ſo wie auch die einzelnen Wuͤrſte mit ihren Enden unter der Randwurſt durchgeſteckt, und allemal, wo ſich Wuͤrſte kreutzen, ein Hackenpfahk eingeſchla - gen werden muß. Sollten nicht Hackenpfaͤhle genug vorhanden ſeyn, um alle Wuͤrſte der Spreutlage anzunageln, ſo muß wenigſtens dafuͤr geſorgt werden, daß derjenige Theil der Randwurſt, welcher dem Anfall des Stroms am meiſten[ausgeſetzt] iſt, dergleichen erhaͤlt;Taf. IV. waͤre aber auch dieſes nicht moͤglich, ſo muͤſſen zuweilen zwei Pfaͤhle uͤbers Kreuz (Figur 34.) durch die aͤußerſte Randwurſt geſchlagen werden. Beim Strecken der Wuͤrſte iſt zu vermei - den, daß das Zuſammenſtoßen derſelben nicht in einerlei Gegend, bei mehrern zugleich ge -