PRIMS Full-text transcription (HTML)
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ANNULUS DEI SIGNATORIUS.
Der Hochwerthe Pittſchafft-Ring Gottes. Aus dem Propheten (Haggai 2. v. 24.)
Zur ſelbigen Zeit / ſpricht der HErr Zebaoth / will ich dich Serubabel / du Sohn Sealthiel / ꝛc.
Bey Hochanſehnlicher und Volckreicher Funeration Des weiland Edlen / Großachtbaren / Hochweiſen / Hoch - gelahrten und Hochbenamten Herren MATTHÆI HOFFMANNI, JCti, Sacr. Reg. Maj. Polon. Secretarii, geweſenen Freyſaſſen / und Fuͤrnehmen Wolverdienten RathsHerren der Koͤnigl. Stadt Meſeritz / Welcher den 18. Nov. St. N. Anno 1669. nach aus - geſtandener Leibes-Schwachheit / auff Empfangung des Hochwuͤrdige[n]Heil: Abendmahls / in wahrer Erkaͤntniß und Anruffung ſeines Er - loͤſers JEſu Chriſti / des Morgens fruͤh / zwiſchen 3. und 4. Uhr / ſanfft und Seelig eingeſchlaffen / ſeines Alters 51. Jahr und 8. Wochen / Auch darauff den 1. Dec. war der heilige Advents-Sontag / mit Chriſtlichen Ceremonien in unſerem Evangeliſchen Gottes. Hauſe / iſt zur Erden beſtattet / betrauret und beklaget worden / Jn Hochadlicher und vornehmer Verſamlung Jn einer Leichpredigt dargeſtellet / und auff Begehrung der Hochleid tragenden zum Drucke auffgeſetzet
JnFranckfurt an der Oder/ drucktsChriſtoph Zeitler/1670.
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Des weiland Edlen / Großachtbaren / Hochweiſen / Hoch - gelahrten und Hochbenahmten Herꝛn MATTHÆI HOFFMANNI, JCti, Jhr. Koͤn. Maj. in Pohlen geweſenen Secretarii, Fuͤrnehmen Freyſaſſen und Wolverdienten Rathsherren in Meſeritz / I. Hinterlaſſenen Hertzbetruͤbten Fr. Wittib / Der Edlen / WolEhrbaren / viel Ehrenreichen / mit Sitt - Tugend - und Andacht - Hochbegabten Frauen ANNA MARIA, gebohrnen JACOBINN, II. Hochgeehrten Frauen Schwaͤgerinn / Der WolEhrbaren / Hoch-Ehr-Sitt - und Tugendbegabten Fr. ELJSABETH LEHMANNJN / gebohrnen JACOBJNN / III. Hochgeehrten Herren Schwager / Dem Wol-Ehrenveſten / Vorachtbaren / Wolweiſen und Wolbenahmten Herrn SAMUEL LEHMANN / Wolverordneten Treufleißigen Regierenden Herren Buͤrgermeiſter / wie auch der Koͤniglichen Gefaͤlle Einneh - mer in der Koͤnigl. Stadt Meſeritz. Als meinen Hochgeehrten Frauen Gevatterinnen / und hochgeneigten Goͤnnerinnen / Meinem Hochgeehrten Herrn Gevatter / und Fuͤr - nehmen ſehr werthen Freunde. [3]IV. Denen Hochgeehrten / Geehrten H. H. Vettern / Dem WolEhrenveſten / Vorachtbaren / Wolweiſen und Wolbenahmten Herrn GEORG ARNDT, Wolverordneten Treufletßigen Regierenden Herren Burgermeiſter der Koͤnigl. Stadt Meſeritz. Dem WolEhrenveſten / Vorachtbaren / Wolweiſen und Wolbenahmten Herrn JACOB ARNDT / Wolverordneten treufleißigen Herren Buͤrgermeiſter der Koͤn. Stadt Schwerin an der Warthe. Dem WolEhrenveſten / Vorachtbaren / Wolweiſen / Wolgelahrten und Wolbenahmten Herꝛn JACOB KüNTZELN / JCto. wolverdien - ten Koͤnigl. Stadtrichter in Meſeritz. Dem Ehrſamen / Fuͤrſichtigen und Wolbenahmten Herrn ELIÆ SCHWARTZROCK / geſchwor - nen Elteſten / und des loͤblichen Gewercks der Tuchmacher Handwercksmeiſter allhier. Dem Ehrenveſten / Vorachtbaren und Wolbenahmten Herrn JOHANN FRIEDRICH THILO, Vornehmen Buͤrger und Not. Publ. zu Landsberg an der Warthe. Dem Ehrbaren und Wolbenahmten Herrn HERMAN ENGELLMANN / Buͤrgern / Kuͤrſchnern und geſchwornen Elteſten allhier in Meſeritz.

Meinen reſpectivè hochgeehrten Hn. Hn. Gevattern / Schwa - ger und vornehmen werthen Freunden uͤbergiebet dieſen Pittſchafft-Ring mit Wuͤnſchung kraͤfftiger Ve[r]ſiegelung durch GOtt den Heil. Geiſt / auch nich - licher Leibs - und Seelen-Wolfahrt Jhr allerſeits Gebeth - und Dienſtſchuldigſter M. JOHANNES ROLLIUS.

4.[4]PRÆFATIO.

Edle / ꝛc.

HOchwertheſte / in Ehren geliebete Frau Ge - vatterin / Deine Augen ſeynd / wie die Teiche zu Hesbon. Dieſe Worte be - ſchreiben den innerlichen Zuſtand der von GOtt geliebten Sulamith / im Hohenlied Salomonis im 7. Cap. v. 4. Hesbon (oder Heſebon) heiſt ſo viel / als einen TrauerGuͤr - tel. Der geheime Verſtand will ſo viel ſagen: Deine Augen flieſſen von Thraͤnen / vor Liebe und Verlangen nach dem Ge - liebten / von deſſen Liebe du kranck und wund biſt. Und ſolche Thraͤnen ſeynd Teiche zu Hesbon / das iſt / Waſſer ſo vom Traur - Guͤrtel rinnet. Wie deſſen nun allzu gewiß gewahr worden alle glaͤubige Kinder Gottes / nach der Weiſſagung Unſers Erloͤ - ſers / Warlich / Warlich / Jch ſage euch / ihr werdet weinen und heulen / aber die Welt wird ſich freuen / Joh. 16, 20. Als empfindet Sie es genugſam / in dem Sie Jhren Hertzliebſten Eheherren / durch den Todt / verlohren / und ſiehet man an Jhr / daß Jhre Augen ſind / wie die Teiche zu Hesbon. Jſts doch ſchmertzlich / wenn man eines treuen Freundes beraubet wird / und man ſeiner lieblichen Geſellſchafft muß entrahten. S. Auguſtin, ein beruͤhmter Kirchenlehrer / und Biſchoff zu Hippon in Africa, gedencket ſeines Traurens / welches er gefuͤhret / als er einen guten vertrauten Freund in der Jugend verlohren hatte. Er beſchreibets in ſeinem 8. Beichtbuche c. 7. 8. Er ſey / ſagt er / damahls uͤber die maſſen ſehr betruͤbet geweſen / und habe bitter -lich5.[5]PRÆFATIO. lich geweinet / weil es ihm ſchmertzlicher / als der Todt geweſen / daß er nicht mit ſeinem Freunde wie zuvor zuſammen habe leben ſollen; Er ſey ſeines Lebens faſt uͤberdruͤſſig geworden. Jener Poete nennet ſeinen Freund / die Helffte ſeiner Seelen / Er habe dieſes damahls erfahren / daß eine Seele in zwey Leibern wohne / darumb ſey ihm das Leben zu wieder geweſen / denn er habe nicht wollen / als wie eine Helffte leben. Er habe nur ſtets geſeuffzet / wehgeklaget / und habe nirgend weder Ruh noch Rath gefunden. Nicht konten mich erluſtigen / ſagt er / die lieblichen Waͤlder / nicht die anmuthigen Gaͤrte / nicht erfreuͤliche Geſaͤnge / nicht ſonſt an - genehme Geſellſchafften / alles ſey ihm zu wieder geweſen / auch das Tagelicht ſelber / auſſer ſeinem guten Freunde / den er in al - len Winckeln geſuchet / und nirgends funden / ſeine Wolluſt ſey in bloſſen Weinen beſtanden. Er habe eine Reiſe vorgenommen / von Tagaſto nach Carthago. Biß endlich ihn anderes Trauren mehr betroffen / und die Zeit den Kummer verzehret habe / da ſey er gewahr worden / wie er in ſeinem allzugroſſen Trauren geirret habe / weil er ſein Gemuͤthe gleichſam auff den Sand ausgeſchuͤt - tet / in dem er einen ſterblichen Menſchen geliebet / als wenn er nimmermehr ſterben wuͤrde. Endlich ſchleuſt er / O Seelig iſt der / der / O GOtt / dich liebet / ſeinen Freund in dir / und den Feind umb deinet willen. Denn derſelbe kan nichts liebes verlieren / der ſeinen Freund in demſelben liebet / der nicht kan verlohren wer - den / und wer iſt das anders / ohne du unſer GOtt? Was Augu - ſtin damahls geklaget / erſahre ich ben dem Seeligen Hintritt ihres Hertzliebſten Eheherrens / als meines vornehmen Freundes / ſo gar / daß ich mit jenem gelaͤhrten Manne / als er Zwingeri Tod zu Baſel betraurete / in dieſe Worte faſt ausbrechen duͤrffte: Piget me vivere poſt tantum Virum. Nun dieſer Mann weg iſt / mag ich nicht mehr leben. Ach / was ſolte Sie / hochwertheſte Frau Gevatterin / nicht vielmehr einen tieffen und unuͤberwindlichen Hertzenſchnitt fuͤhlen / nach dem ihre Sonne ſo bald untergegangen am hohen Mittage in ihremA 3vollem6.[6]PRÆFATIO. vollem Glantze / ehe ſichs deſſen jemands verſehen. Sie klaget ja offters / Ach zu geſchwinde / Ach zu geſchwinde / iſt mein Seeliger Herꝛmir entriſſen / ehe ich mich nach ſeiner Anheim - kunfft habe gnugſam mit Jhm in einem und dem andern unter - reden koͤnnen. Jch bin es nicht in Abrede / daß es ſehr geſchwin - de ſey geweſen vor unſern Augen. Das Seelige Hertze hatte nun ſeine Reiſe nach Crakaw und von dannen nach Hauſe / unter der gewaltigen Schutzhand Gottes gluͤcklichen vollendet. Sie em - pfieng ihren Eheherren / als nechſt GOtt den einigen Auffenthalt ihrer Seelen / mit groſſen Freuden / welches geſchach Abends den 8. Novembr. vergangenen Jahres. Der 9. Novembr. ward mit Auffſuchung noͤthiger Brieffe zugebracht. Der 10. mit Soñtaͤg - licher Andacht / und einer kurtzen Converſation, die ich damals von Jhm genoſſen. Den 11. reiſete der Seelige Herr auff ein Be - graͤbniß in die Nachtbarſchafft / da er ein Denckmahl unſerSterb - ligkeit gehabt / davon er den 12. dito ſpaͤte wieder kam. Der 13. muͤhete ihn mit wiedrigen Geſchaͤfften ab / und trat bey ihm ein ein gehlinger Zufall eines Fluſſes / welcher den 14. Nov. als ich Jhn Mittags beſuchte / die Sprache ſchwer machte / und Artzney Mittel forderte. Dieſe worden gebraucht / und als den 16. der Herr Medicus von Zuͤllchow kam / mit mehrem Fleiße angewen - det; Aber das Gebethe und die Beſchickung ſeines Hauſes war hier zu beſchleunigen / welches geſchach den 17. Novemb. Den Sontag / an welchem es gegen Abend zwar ein Anſehen hatte / als ob es mit dem Seeligen Herren beſſer werden wolte / aber des Nachtes brach die Schwachheit mit voller Macht heran / da ich Jhm auff vorher / mit Andacht und ſonderlichem Fleiße gethane Beichte / den Mahlſchatz und Zehrpfennig zur ewigen Seelig - keit / nemlich das Hochwuͤrdige Heilige Abendmahl reichete / dar - auff e r gegen Morgen / unter fernerm Gebethe / ſanfft und Seelig einſchlieff. Daruͤber klaget Sie nun freylich: Ach zu ge - ſchwinde! Ach zu geſchwinde! Aber / Nein. Deo nihil ſubitum, qvia à Deo nihil non diſpoſitum, ſagt Tertullianus. Fuͤr7.[7]PRÆFATIO. Fuͤr GOtt iſt nichts zu geſchwinde / weil alles wol verſehen iſt: GOtt der HErr hat es ſo / und nicht anders haben wollen / der Jhm dieſen geſchwinden Zufall zugeſchicket. Es haͤtte uns der SeeligeHerr irgend erzehlet / was vor truͤbſeelige Zeiten herein bre - chen wuͤrden / wie es hin und her wanckete und witterte; Er haͤtte ſich und uns damit betruͤbet / wie wir nun / leider Gottes / eine Plage nach der andern herein brechen ſehen. Er aber war nun ſolcher Truͤbſaalen / Angſt und Drangſaalen fort fuͤr fort auszu - ſtehen / ermuͤdet / in dem e r offtermahls der Ruhe zu wuͤntſchen pflegte / die e r nun in ſeinem GOtte erlanget hat. Sie unter - deſſen / hochgeehrte Frau Gevatterinn / iſt hertzlich betruͤbet / Jch ſehe gar wol ihr tieffes Trauren / welches durch allerhand Umb - ſtaͤnde vermehret und gehaͤuffet wird. Als ich Jhr vorgangen / die Geiſtliche Goldkammer der Bußfertigen und Gott-verlan - genden Seelen / des gelaͤhrten Eraſmi Franciſci, deſſen Buͤcher ihr Seeliger Eheherr ſonderlich geliebet / (welcher dieſe ſeine An - dachten aus den Piis deſideriis Hermanni Hugonis, und des Regenſpurgiſchen Theologi Johannis Henrici Urſini An - merckungen daruͤber / zuſammen getragen) zu leſen gelehnet / ſehe und ſpuͤre ich / daß Jhr ſonderlich anzumercken und zu notiren dieſe Worte p. 258. ſeq. beliebet haben. Mein Troſt iſt allein bey dir / HErr: aber du haͤlteſt ſolches heimlich / und ver - birgeſt dich zur Zeit meiner Noth; ſtelleſt dich / ob wuͤſteſt du nicht umb mein Elend / oder kenneteſt mich nicht / o - der wolleſt mich meiner Suͤnden und Miſſethaten hal - ber / nicht mehr kennen. Daß ich / von Menſchen / ver - laſſen werde; wundert mich nicht: Deñ Menſchen ſind Menſchen: Sie gehen lieber in den Roſen-Garten / und unter die Blumen der Gluͤckſeeligkeit / da alles froͤlich und zierlich bluͤhet / da lauter Freuden-Geſaͤnge ſchallen; als in die Wuͤſten des Creutzes und der Muͤhſeeligkeit /da8.[8]PRÆFATIO. da ſich etwan nur eine traurige Rohrdommel hoͤren laͤſt; Jn den Wald des Leides und Traurens / da allein die Turteltaube ſitzt und wehklaget. Wo der Wein / Goͤtter und Menſchen froͤlich macht / da ſtellen ſie ſich wol ein: Aber / wo man ſeinen Tranck mit Weinen miſchet / und ſein Brot iſſet mit Aſchen; da geben Sie keinen Gaſt. Sie ſind der zerbrochene und unbeſtaͤndige Rohrſtab Æ - gypti: Wer ſich auff ſie lehnet / oder verlaͤſt / dem geher er in die Hand / und durchbohrt ihm dieſelbt. Aber das thut mir wehe im Hertzen / und ſticht mich in meinen Nieren: Daß auch du / meine einige Zuflucht / mein eini - ger Reichthumb / mein einiges Gutt / ja mein hoͤchſtes Gutt / dich ſo frembde ſtelleſt / als ob du im Lande ein Gaſt waͤreſt; Mich in meinem Kummer und Wehmuth / in meinen euͤſſer - und innerlichen Anfechtungen / alſo unge - troͤſtet liegen laͤſſeſt / mir einen harten Blick uͤber den andern giebeſt / und mit deiner Huͤlffe ſo lange verzeuͤchſt: Da mich doch ſo hertzlich nach dir verlanget / und ich dei - ner ſo ſehnlich harre. Du haſt gleichwol mir verſprochen: So ich durchs Waſſer gienge / wolteſt du bey mir ſeyn / daß mich die Stroͤme nicht ſolten erſaͤuffen; So ich ins Feuer gienge / ſolte ich nicht brennen / und die Flamme ſolte mich nicht anzuͤnden; Well du der HERR mein GOTT / der Heilige in Jſrael / mein Heyland ſeyſt! Stehe doch! Mein GOTT und mein Heyland / letzt gehe ich durch einen tieffen Strom / und die Fluth will mich erſaͤuffen: Jetzt gehe ich durchs Feuer der Truͤbſal! Jetzt iſt meine Seele / die Troſtloſe und Elende / uͤber die alle Wetter gehen! Ach! warumb laͤſſeſt du mich denn ſo lange ohne Troſt; da mir doch umb Troſt ſehr bangeiſt9.[9]PRÆFATIO. iſt? Warumb erbarmſt du dich nicht / und reiſſeſt mich aus dieſem Elende heraus / zu dir / in deine himliſche Wohnung / in das Hauß der ewigen Ruhe? Wol thut Sie / daß Sie Jhr Thraͤnen-Tuͤchlein ihrem Heylande JESU Chriſto zuſchicket / Jhr Anliegen auff GOtt den HErrn wirfft / und Niemanden ihre Schmertzen klaget / als in der Bethkam̃er ihres Hertzens ihrem GOtte / mit deme Sie ſich freundlich be - ſpricht / frey reden darff / ja Jhren Heyland umbfangen / daß Sie niemand hoͤne / Cant. 8, 1. Denn wolten wir unſer Leid der Welt klagen / wir wuͤrden entweder Schwaͤtzer oder Spoͤtter fin - den / wie es denn an dieſem Orte an Splitterrichtern / kluͤgeln / kuͤtzeln / hoͤhnen / und ſpotten gar nicht / an Treu und Auffrichtig[-]keit am allermeiſten fehlet. Drumb iſts am allerbeſten / man ſchreibe ſein Anliegen ins groſſe Buch / darinnen ſo viel tauſend Thraͤnen der Heiligen Gottes ſtehen / die der HERR alle zehlet / Pſal. 56, 9. Welches Buch den Titel fuͤhret: Jch wil ſchweigen / meinen Mund nicht auffthun / du wirſts wol machen / Pſal. 39, 11. Sie nehme dieſen Thraͤnenkelch / voll bitter Myrrhen und Aloes / den Jhr ihr Heyland / Sie Jhm deſto feſter zu verbinden / reichet / vorlieb / und dencke / es komme von lieber Hand / es habe ihn Chriſtus ſelber in ſeinem bittern Leiden getruncken / da ſeine Seele am Creutze die Allerverlaſſenſte ge - weſen / Pſal. 22. Warumb wolte Sie ſich weigern Jhme Be - ſch[e]id zu thun / Sie ſage nur: Jch will des HErrn Kelch nehmen / und ſeinen Nahmen verkuͤndigen / Pſal. 116. Sie darff gar nicht / mit jener Arthemiſiâ, e[t]wa die Aſche Jh - res Eheherrens unter Jhren Tranck m[i]ſchen / und vor Liebe all - mehlich in Jhren Leib eintrincken / Sie iſſet ohne diß Aſchen wie Brot / und miſchet ihren Tranck mit weinen / Pſ. 102. Sie darff auch nicht mit jenen Jndianiſchen Weibern ſich ſelbſt in des Todes Staub ſetzen / wie es beym Alex. ab Alex. lib. 3. c. 7. und Herod. lib. 4. zu ſehen. Sie bleibe eine Hanna / die daBGOtt10.[10]PRÆFATIO. GOtt diene mit Faſten und Beten Tag und Nacht / Luc. 2, 37. Sie ſage mit Jener: HErr GOtt Vater / Jch war eins mit dem / den du mir gegeben hatteſt; Nun a - ber du die eine Helffte von mir genommen / und es da - mit gemacht haſt / wie du gewolt / ſo opffere und uͤbergebe ich mich dir / die andere Helffte vollends / mache du es auch mit derſelbe / wie du wilt / gleich wunderlich / nur See - lig / beym Ludov. de Ponte Vallis-Oletano de Chriſtiani Hom. perfect. Tom. 2. Tr. 5. c. 13. Sie wird empfinden / daß Jhr Heyland JEſus / manchen Gnadenblick Sie mitten in ihrer Andacht wird empfinden laſſen. Der Heil. Geiſt / der ein Gott des Troſtes iſt / wird Jhr in ihrer Verlaſſenſchafft beywohnen / alles Creutze verſuͤſſen / und in Jhrem Hertzen bezeugen / daß Sie Gottes Kind ſey. Jch bringe hier und trage / zur Ehren-Be - ſtattung Jhres Seeligen Eheherrens / deſſen Jch mein Lebenlang gedencken will / nicht Cypreſſen und Cedern / nicht Lilien und Ro - ſen / damit man vor zeiten die Graͤber tapfferer Leute beſtreuete. Gar ſchoͤn ſpricht Ambroſius, in der Leich-Rede Kaͤiſers Valen - tiniani: Jch will ſein (des Kaͤiſers) Grab nicht mit Blumen beſtreuen; ſondern ſeinen Geiſt mit dem Ge - ruch Chriſti uͤberſchuͤtten. Andere moͤgen gantze Blu - men-Koͤrbe voll Lilien ſtreuen: Unſere Lilie iſt Chriſtus / mit dieſer Lilien / ſind ſeine Gebeine geheiliget. Jſt ſo viel geredt: Die Unſchuld des HErrn Chriſti / iſt die reine ſchneeweiſe Lilie / womit des Seeligverſtorbenen Kaͤyſers Glau - be gezieret war. Dieſe Lilie / nemlich den Ruhm des Glaubens / an die zugerechnete Reinigkeit und Gerechtigkeit JEſu Chriſti / will ich Jhm nachſtreuen. Jch will des Seeligen Herrn Hoff - manns Begraͤbniß nicht mit Blumen beſtreuen / ſondern ſeinen Geiſt mit dem Geruch Chriſti uͤberſchuͤtten. Mit der ſchnee - weiſſen Lilien der Gerechtigkeit Chriſti / ſind ſeine Gebeine gehei - liget. Jch ſetze auf ſein Grab einen Pittſchafft-Ring / denn e rdurch11.[11]PRÆFATIO. durch wahren Glauben an Chriſti Bluttiges Verdienſt ein wer - ther Pittſchafft-Ring Gottes geweſen. Man hat vor zeiten Ringe gehabt / in welchen man alles hat ſehen koͤnnen. Von Gyge dem Koͤnige der Lydier meldet Plato lib. 6. de Legib. daß er einen Ring an der Hand gefuͤhret / dadurch er alles habe ſehen koͤnnen / wiewol er von niemands ſey geſehen worden. Dem Maximiliano I. dem Roͤmiſchen Kaͤyſer / ward beym Einzuge in eine vornehme Reichsſttadt / ein Ring verehret / mit einem Steine Phengite, dadurch er auch das jenige / was hinter dem Ruͤcken geſchah / erkennen konte / wie Camerar. Cent. 1. Hor. Succiſ. c. 65. Domitianus hat ein gantz Zimmer gehabt / mit dieſem Steine Phengite umbhangen / darinnen er alles ſehen koͤnnen. Eine Witwe iſt vor der Welt veracht / ſie wird nicht gerne an - geſehen / ſpiegelt ſich aber billich in den Goͤttlichen Verheiſſun - gen. Sie / Hochgeehrte Frau Gevatterin / beſchaue ſich in den Worten Jeſaiæ c. 54. Der HErr hat dich laſſen im Geſchrey ſeyn / daß du ſeyſt wie ein ver - laſſen und von Hertzen betruͤbt Weib / und wie ein junges Weib / das verſtoſſen iſt / ſpricht dein Gott. Dabey ſtehet dieſe Verheiſſung: Der dich gemacht hat / iſt dein Mann / HErr Zebaoth heiſſet ſein Name / und dein Erloͤſer der Hei - lige in Jſrael / der aller Welt GOtt genen - net wird. Jſt Sie einſam / wie eine Turteltaube / hat we - der Herren noch Kinder / ſo thue Sie wie jene Witwe / von der Chryſoſtomus ſaget: Habet illorum vice omnium De - um, an ſtatt alles deſſen / hat Sie ihren GOtt. Sie ſage mit Ignatio, Meine Liebe iſt der gecreutzigte JEſus; ſo wird Sie auch ein ſchoͤner Pittſchafft-Ring bleiben / in der Hand Gottes / und dermaleins zur rechten Hand des HErrenB 2JEſu /12.[12]PRÆFATIO. JEſu / dahin Jch mich mit dem Seeligen Herren in ſeinem Ab - ſcheide beſchieden / Jhren Seeligen Herren finden. Denn Dort wollen Wir uns wieder ſehen. Unterdeſſen legeSie unbeſchweret dieſen vorgeſtelltenPittſchafft - Ring bey / zu Jhres Seeligen Eheherren Gedaͤchtniß. GOtt der Heilige Geiſt verſiegele den Troſt ſelber in Jhrem Hertzen. Wie ich Sie denn hiermit den ſuͤſſen Troͤſtungen / des Gnaden - reichen Gottes treulich ergebe / verbleibende bey ſtetem Ange - dencken Jhres Seeligen Eheherrens

Dat. Meſeritz den 5. Mart. St. N. Jm Jahr Chriſti 1670. Jhr allerſeits Gebet - und Ehren - williger Freund M. Johannes Rollius.

JESU13.[13]Chriſtliche Leichpredigt.
JESU Præfulgente!
Das walt der Vater der Barmher -
2. Cor. 1, 3.
tzigkeit / und GOtt alles Troſtes / der uns troͤſtet in allem Unſerm Truͤbſal / deſſen Hand
Oſeæ. 6, 1.
zwar ſchlaͤget / aber auch wiederumb verbindet / Er
Thren. 3, 32. 33.
betruͤbet wol / aber Er erbarmet ſich wieder / nach ſeiner groſſen Guͤtte / denn Er nicht von Hertzen die Menſchen plaget und betruͤbet / Thren. 3. Der HErr toͤdtet und macht lebendig / Er fuͤhret in die Hoͤlle / und wieder heraus / 1. Sam. 2. Der wolle
1. Sam. 2.
ietzo mit ſeinem Him̃liſchen Troſte beyſtehen der Hertz - und Schmertz-betruͤbten Frauen Wittib / und Jhr zu erkennen geben / daß Jhr Seeliger Eheherr / der Weiland Edle / GroßAchtbare / Hochweiſe / und Hochgelahrte Herr MATTHÆUS HOFFMANN, ſey geweſen ein ſchoͤner Pittſchafft-Ring in der rechten Hand Gottes / O HErr JEſu / heyle / was du geſchlagen / troͤſte / was du betruͤbet /
Pſal. 80, 20.
wiſche ab die Thraͤnen von den Augen der Weinenden / Laß dein Antlitz leuchten / ſo geneſen wir / Amen.

Proœmium.

QVam vellem neſcire Literas, So ſagteSvetonius in vita Ne - ron. c. 10. vor zeiten der Kaͤyſer Nero, Außerwehlte Kin - der Gottes in Chriſto JEſu / ietzo ſchmertzlich betruͤbte / und hefftig verwundete Hertzen / als e r bey Anfang ſeiner Regierung / ein blutiges Urtheil unterſchreiben ſolte / und er ſich deſſenB 3gegen14.[14]Chriſtliche Leichpredigt. gegen ſeinem Hauptmanne Burro dreymahl wegerte / Er wolte wuͤntſchen / Er haͤtte nimmermehr ſchreiben gelernet. Seneca Lib. de Clement cap. 1. p. m. 208. Edit. Lipſ. Conf. Cho - kier. The - ſaur: Polit. L. 2. c. 5. p. 65.Senecâ im Buch de Clementiâ, kans nicht gnugſamb auslo - ben / e r nennets Vocem Generoſam, magni animi, magnæ lenitatis. Ein Wort eines tapffern Gemuͤthes / hohen Sinnes / und groſſer Gelindigkeit / welches billich die Benachtbarten des Roͤmiſchen Gebietes hoͤren ſolten. Wenn ich ietzo dieſe Cantzel betrete / den letzten Ehrendienſt zu erzeigen / Meinem hertzliebſten Freunde / dem weiland Edlen / Großachtbaren / Hochweiſen / und Hochgelahrten Herrn MATTHÆO HOFFMANNO, gewe - ſenen JCto, Jhr. Koͤnigl. Maj. in Pohlen Secretario, fuͤrneh - men Freyſaſſen / und Wolverdienten Conſuli und Rathsherren allhier / breche ich billich auch aus in dieſe Worte: Qvam vel - lem neſcire Literas, Jch wolte / daß ich dißmahl die Cantzel nicht betreten duͤrffte / oder meine Zunge ungelehrt waͤre / zu ſol - chen traurigen Liebes-Dienſten. Heulet doch ihr Than -Zach. 11, 2. nen / denn die Cedern ſind gefallen / Zach. 11. Cum Cedris Arboribus Celſiſſimis, primores & proceres e - jus (populi) confert, ut cœteris ſublimiores & perqvam e - minentes, giebts Cyrillus Alexandrinus an dieſem Orth. Durch die Cedern / als die hoͤchſten Baͤume / werden verſtanden die Fuͤrnehmſten im Volck / als die / wie Cedern / fuͤr andern her -Zach. 11, 2. fuͤr leuchten. Heulet ihr Eichen Baſan / denn der feſte Wald iſt umbgehauen. Wir haben aus unſerm Mittel einen tapfferen / verſtaͤndigen / und vorneh - men Mann verlohren / der da war Splendor Patriæ, der Zie - rath und Glantz ſeines Vaterlandes. Da Scipio Africanus gefallen war / lieff Metellus, der ihm ſonſt zu wieder geweſen war / mitten auff den Platz zu Rom / rieff mit traurigem Munde uͤberlaut: Concurrite, concurrite, Cives, mœnia Urbis no - ſtræ everſa ſunt. Lauffet zuſammen ihr Buͤrger / die Mauren unſer Stadt ſind umbgefallen. Er vermahnete auch ſeine Soͤh -ne /15.[15]Chriſtliche Leichpredigt. ne / ſie ſolten dieſen Mann zu Grabe tragen / Non fore, ut po - ſtea id officium ab illis Viro Majori præſtari poſſet. Es wuͤrde Rom hinfuͤro keinen ſo vornehmen Mann haben / dem ſieValer. Max. Lib. 4. c 1. p. 138. dieſen Dienſt erzeigen koͤnten / wie Valer. Maximus bezeuͤget. Wir moͤgen bey der Leichbeſtattung unſers Seeligen Herren HOFFMANNI wol auch ſagen: Concurrite, Concurrite Cives, mœnia Urbis noſtræ everſa ſunt. Lauffet zuſammen Jhr Einwohner / die Mauren unſer Stadt ſind umbgefallen. Da der beruͤhmte Zeno Citticus, ein gelehrter Mann / denDiog. La[ê]rt. de Vit. Phi - loſ. L. 7. c. 1. Diogenes Laêrtius ruͤhmt / Er ſey geweſen Acerrimi Judicii, & ab aſſentando alienisſimus, hohes Verſtandes / und dabey auffrichtig / ferne von aller Falſchheit / geſtorben war; betraure - te ihn nicht allein Athen, mit der gantzen Nachtbarſchafft / ſon - dern Antigonus der Koͤnig in Macedonien / der dieſen Mann hoch zu æſtimiren pflegte / rieff laut: Qvale Theatrum per - didimus, Was hat doch Athen und die gantze Nacht - barſchafft / vor einen anſehnlichen Mann verlohren. Unſerm Seeligen Herrn HOFFMANN koͤnnen wir auch mit Beſtand der Warheit nachruffen: Heu quale Theatrum in Hoffmanno perdidimus! Ach was fuͤr einen tapf - fern Mann haben wir am Seel. Herrn Hoffmann ver - lohren. GOtt hat hier einen Riß gethan / dieſe Staͤdte heiſ - ſet Perez Uſa, 2. Sam. 6. Was ſehen Wir allhier nicht vor2. Sam. 6, 8. Thraͤnen / die dieſem Seel. Manne hintennach folgen? Denn da iſt ja ſein Hintritt I. Obitus Luctuoſus, Ein klaͤglicher Fall. Hier klaget 1. Vidua, die Schmertz betruͤbte Frau Wittib / die thut uͤber die maſſen klaͤglich. Die Edle / Wol-Ehrbare / Hoch - Ehr - Sitt - und Tugendbegabte Frau Anna Maria / ge - bohrne Jacobinn / ſtehet bey dem blaſſen Todesſchatten / Jh - res geweſenen hertzliebſten Ehe-Schatzes / Sie windet die Haͤn - de / vergeuſt bittere Thraͤnen / und ſaget: Hic ſol meus oc - cidit, Hier iſt meine Sonne untergangen. Hier liegtverwelckt16.[16]Chriſtliche Leichpredigt. Jon. 4, 17.verwelckt der Kuͤrbiß / der meinem Haupte Schatten gab / Jon. 4. Jch hoͤre von dieſem muthgepreſten Hertzen eine Stimme: Er hat meine Ehre mir ausgezogen / (meine Krone / Hoffnung / das Leben in guter Ruh / Luth. gloſſ. Marginal. ) und die Krone von meinem Haupte genommen /Job. 19, 9. Job. 19. HErr / Mein GOtt / Du haſt mir ein hartes erzeiget / Du haſt mir einen TrunckPſal. 60, 5. Weins gegeben / daß ich davon taumele / Pſ. 60. Ach nun ſpeiſeſtu mich mit Thraͤnen-Brodt / und traͤnckeſt mich mit groſſem Maß vollPſal. 80, 6. Thraͤnen / Pſal. 80. Hier klaget 2. Familia, Denn wie - wol keine Waͤyſen Thraͤnen verhanden ſind / dennoch beklaget die Anſehnliche Freundſchafft Jhr Kleinodt / und den Glantz Jhrer Familie, die Krone unſers Haupts iſt abgefal - len / unſer Hertzens-Freude hat ein Ende / unſer Reygen iſt in Wehklagen verkehret /Thren. 5, 15. 16. Thren. 5. Hier trauret und empfindet eine Wunde 3. Noſtra Eccleſia, Unſere Evangeliſche Kirche. Wir fangen zwar heu te durch Gottes Gnade an das neue Kirchen Jahr / aber wir ſind beraubet eines vornehmen Gliedes / der mit Rath und gu - ten Anſchlaͤgen manches Wetter wuſte abzuwend. n. Hier iſt in Trauren verhuͤllet 4. Curia, das Rahthauß / als welches ein vornehmes Theil des Collegii Conſularis, ein Ornament und Zierde verlohren. Denn an einem guten Rathgeber iſt viel gelegen. Wo nicht Rath iſt / da gehet das Volck unter / wo aber viel Rathgeber ſind / da ge -Prov. 11, 14. het es wol zu / ſagt der weiſe Salomon Prov. 11. Es be - kennets Annibal gegen die Tarentiner, Multa quæ impeditaſunt17.[17]Chriſtliche Leichpredigt. ſunt naturâ, Conſilio expediuntur. Viel verworrene SachenLivius. Dec. 3. L. 5. p. m. 550. kan man mit Rath ſchlichten / und zu rechte bringen / Es iſt gar uͤbel beſchaffen / wo ſolche Leute wegkommen / und ſchlaffen ge - hen / die mit guttem Rathe einem Orthe beyſtehen koͤnnen / Warumb haͤngſtu dich itzt an andere Freun - de? Sind deine Rathgeber alle hinweg / daß dich alſo das Wehe ankommen iſt / wie eine in Kindesnoͤthen? Wird beym Micha gefraget c. 4. DaMicha. 4, 9. dem Kaͤyſer Octaviano, nach Abgang ſeiner gutten Freunde und treuer Raͤthe / ein Ungluͤck zu handen ſtieß / ſagte er: HorumSvet. c. 66. nihil mihi accidiſſet, ſi aut Mecœnas aut Agrippa vixisſet. Mir were dergleichen nimmermehr begegnet / wenn mein Me - cœnas oder Agrippa noch lebete. Man beklaget denn erſt nach langen Zeiten / was man zuvor nichts geachtet hat. Ja es be - jammert dieſen Mann 5. Piorum Corona, alle Fromme gut - hertzige auffrichtige Leute / weil an Jhm wahr ward jenes Grie - chiſchen Poeten Außſpruch: Vir Bonus, Commune Bonum,Menander. Ein gutter redlicher Mann iſt ein allgemeines Gutt. Gewiß / Er war das Auge / das manchen hat geleitet / wie Hobab,Num. 10, 31. 1. Sam. 20, 28, 29. Num. 10. Der Mund / der manchen vertreten / wie Jo - nathan den David, 1. Sam 20. Die Zunge / die andere unterwieſen und laͤße Haͤnde geſtaͤrcket / die Ge - fallene auffgerichtet / und die bebende Knie bekraͤfftiget / wie Hiob c 4. Der berwehrte Freund / derHiob. 4, 3. 4 Exod. 18, 18. ſeq. manchem die Laſt erleichtert / wie Jethro, Exod. 18. Jch an meinem Theil bekenne / daß ich an Jhm verlohren / Dimidium Animæ meæ, Einen ſehr vornehmen Freund / der ſeiner Treue und Auffrichtigkeit halben war die Helffte meines Hertzens / wie Horatius ſeinen Virgilium ruͤhmet. O quam bonum eſt,Senec. de Tranq. A - nimi c. 7. ſagt Seneca, Ubi ſunt præparata pectora, in quæ tutò ſecre -Ctum19.[18]Chriſtliche Leichpredigt. tum omne deſcendat, quorum conſcientiam minus, quam tuam timeas; quorum ſermo ſollicitudinem leniat, ſen - tentia Conſilium expediat, hilaritas triſtitiam disſipet, Con - ſpectus ipſe delectet. Wie gut iſts / wo man ein treues Hertz hat / dahin man ſich vertrauen kan / fuͤr welchem du dich ſo wenig ſcheuen darffſt als vor dir ſelber / deſſen Zuſprechen deinen Kum - mer ſtille / deſſen Rath deinen zweiffelhafftigen Sachen einen Außſchlag geben / deſſen Freude deine Traurigkeit vertreibe / undSyr. 6, 14, 15, 16, deſſen Anſchauen dich ſelbſt erluſtige. Ein treuer Freund iſt ein ſtarcker Schutz / wer den hat / der hat einen groſſen Schatz. Ein treuer Freund iſt mit keinem Gelde noch Gutt zu bezahlen / Er iſt ein Troſt des Lebens / und wer GOTT fuͤrchtet / der krieget ſolchen Freund / ſaget wol der Haußlehrer Syrach. c. 6. Nun alle dieſe Thraͤnen wer - den mit Unſerm Seeligen Herrn HOFFMANN verſcharret. Wolte aber GOTT / daß nur nicht Sein Todt Uns waͤre II. Obitus Ominoſus, EinFall / der nicht nur fuͤr ſichUngluͤcksOrigen. Hoi mil. 4. in lib. Judic. genug / ſondern auch mehr Ungluͤck andeutet. Origenes nim̃ts gar wol in Acht / daß / da GOtt der HERR wolte die Kinder Jſrael in der Moabiter Haͤnde laſſen fallen / nahm Er ihnen vor weg den Richter Athniel, Jud. 3. Rem, ſagt er / Video peri - culoſam, Jch ſehe eine gefaͤhrliche Sache / defunctus eſt Otho - niel, quia jam Indignus erat populus, qui haberet judicem talem. Athniel iſt geſtorben / weil das Volck nicht werth war daß ſie einen ſolchen Richter haben ſolten. Es ſcheinet hier auch / als wenn Gott der HErr etwas ſonderbares vorhabe / dennEſ. 57, 1. 2. der Gerechte kom̃t umb / und niemand iſt de〈…〉〈…〉 es zu Hertzen nehme / und heilige Leute wer - den auffgerafft / und niemand achtet drauff. Denn19.[19]Chriſtliche Leichpredigt. Denn die Gerechten werden weggerafft fuͤr dem Ungluͤck / und die richtig fuͤr ſich gewan - delt haben / kommen zum Friede / und ruhen in ihren Kammern / Eſ. 57. Drumb iſts auch wol dem Seel. Herrn HOFFMANN ſelbſten / III. Obitus Bea - tisſimus, Ein Seeliger Todt. Jener ward gefraget / welche Schiffe am ſicherſten waͤren / da ward geantwortet: Die / ſo manEraſmus Franciſc. in der Geiſtl. Goldkam - mer. ans Land gezogen. Ach / die ſeeligen Hertzen gehen weg / à facie Iniquitatis, vor dem Ungluͤck; Wir aber bleiben In facie In - iqvitatis, im Ungluͤck; Jhr ſeyd entgangen aller Noth / die Uns noch haͤlt gefangen / ſingen wir recht von Jhnen; Sie neh - men nun nicht viel Gutt und Geld / und kaͤmen wieder auf Er - den. Denn ſchallet nicht ietzo jene Stimme / Apocalypſis 12.? Apoc. 12, 12.Wehe denen die auf Erden wohnen und auf dem Meer / denn der Teuffel kom̃t zu Euch hinab / und hat einen groſſen Zorn / und weiß daß er wenig Zeit hat? Werffen ſich nicht in die Hoͤhe die Hoͤhe die Wellen der Truͤbſalen / brauſen nicht die Win - de der Verfolgungen / iſt wol mehr viel Glauben zu finden auffLuc. 18, 8. 1. Joh. 5, 19. Vid. Came - ro in Myro - thecio Ev - ang. in h. l. p. 354. der Erden / Luc. 18.? Lieget nicht die gantze Welt im Argen / das iſt / dem Teuffel in der Schooß / Joh. 5? Ach es heiſſet wol recht:

Vivite felices, qvibus eſt fortuna peracta Jam ſua, nos alia ex aliis in Fata vocamur. Vobis parta qvies, nobis maris æqvor arandum. ()

Seelig ſind die Todten / die in dem HErrn ſterben / von nun an. Ja der Geiſt ſpricht / daß Sie ruhen von ihrer Arbeit / Apocal. 14. Apoc. 14, 13.Nu JEſus unſer Erloͤſer lebet / der iſt uͤber uns; Wir wollen derohalben aus dem Brunnen Jſraelis Troſtwaſſer ſchoͤpffen /C 2und20.[20]Chriſtliche Leichpredigt. und mit einander beobachten / Wie theure Seelen von GOTT dem HErrn ſo hoch geſchaͤtzet werden / daß ſie ſind wie ein Pitt - ſchafft-Ring / den der HErr an ſeiner Hand traͤget / dabey wir umb kraͤfftigen und troſtreichen Beyſtand des werthen Heiligen Geiſtes zu GOTT ein ſtilles und andaͤchtiges Vater Unſer ſeufftzen.

TEXTUS.

Haggai Cap. 2. v. 24. Z Ur ſelbigen Zeit / ſpricht der HErꝛ Zebaoth / wil Jch dich SeruBa - bel / du Sohn Sealthiel / meinen Knecht nehmen / ſpricht der HErr / und will dich wie ein Pittſchafft - Ring halten / denn Jch habe dich erwehlet / ſpricht der HErr Zebaoth.

EXORDIUM.

U Nter andern Unahrten / Charisſimi, die die Menſchen-Kinder / nach dem klaͤglichen Fall an ſich ha - ben / iſt dieſe / daß ſie nicht ſo genaue bedencken / was ſie haben / in dem ſie es noch haben / als ſie es erſt hernach beklagen / wenn ſie es nunmehr verlohren. Carendo diſcimus quam chara nobis ſint bona. Gutter Sachen werden wir erſt recht gewahr / wenn ſie uns nun mangeln. Ein gelehrter Hol - laͤnder beſchreibets fein / als er den Abgang des gelahrten Lipſii beklaget:

Hæc21.[21]Chriſtliche Leichpredigt.
Hæc eſt ſiniſtra mentis humanæ lues.
Baudius Jamb. Fun. Carm. in Obit: Lipſ: p. 280.
Felicitatis dona non capit ſuæ
Fruendo, ſed carendo. Donec intereſt
Eximia virtus cœtui mortalium
Aut invidetur, aut feritur frigore.
Poſtquam recesſit, ut nihil diu ſinit
Durare Fati Lex ineluctabilis,
Complorat orbus Orbis amisſum Decus.

Das Gebrechen hat das Menſchliche Hertz an ſich / es verſtehet ſeine Gluͤckſeeligkeit nicht im genuͤßen / ſondern in dem muͤßen. So lange eine tugendhaffte Seele unter den Menſchen wohnet / wird ſie entweder geneidet / oder armſeelig verlaſſen. Jſt ſie weg / wie denn nichts in der Welt lange beſtaͤndig iſt / ſo beweinet erſt die Welt den verlohrnen Zierrath. Boͤſe / boͤſe / ſpricht man / wenn mans hat / aber wenn es weg iſt / ſo ruͤhmet man es denn / ſtehet Prov. 20. LutherꝰProv. 20, 14. ſetzt dabey in der Gloſſ. Was man hat / deß wird man uͤberdruͤſ - ſig. Nimmermehr verſtehen Kinder / was ſie an ihren Eltern ha - ben / biß ſie ſie verlohren / ſie gruͤben ſie wol mit Nadeln aus der Erden / wenn ſie geſtorben ſind. Ein Ehegatte achtet des andern nicht groß / Unterthanen murren offte wieder ihre Obrigkeit / ſind ſie aber denn weg / ſo dencket man erſt zuruͤck / was man dran ge - habt. Solche Verachtung betraff den lieben Sohn GOttes ſelber / Er war das Deſiderium Gentium, aller Heyden Troſt und Verlangen / Hagg. 2. auff welchen die Vaͤter ge -Hagg. 2, 8. wartet und geſeuffzet / Eſa. 45. Treuffelt ihr HimmelEſa. 45, 15. von oben / und die Wolcken regnen die Ge - rechtigkeit / die Erde thu ſich auff / und brin - ge Heyl / und Gerechtigkeit wachſe mit zu:C 3Aber22.[22]Chriſtliche Leichpredigt. Aber da Er ſich nun im Fleiſch offenbahrte / hieß es: Er kam in ſein Eigenthumb / und die Seinen nah -Joh. 1, 11. men Jhn nicht auf / Johan. 1. Er muſte nur klagen: Meiner Mutter Kinder zuͤrnen mit mir /Cant. 1, 6. Cant. 1. Da Er predigte zu Nazareth / in ſeinem Vaterlande / wolten Jhn ſeine eigene LandsLeute zum Berge herab ſtuͤrtzen /Luc. 4, 24. Luc. 4. Darumb ſaget der liebe HErr daſelbſt: Ein Pro - phet gilt nirgends weniger / denn in ſeinemMatt. 13, 57. Vaterlande / und in ſeinem Hauſe / Matth. 13. Joh. 4, 44.Ein Prophet gilt daheim nichts / Joh. 4. Kein Prophet iſt angenehm in ſeinem Vaterlande /Luc. 4, 24. Gen. 37, 4. 1. Sam. 17, 28. Jer. 39, 12. Jer. 12, 6. Jer. 11, 21. Luc. 4. Joſeph war in ſeines Vaters Hauſe veracht / Gen. 37. David daheim der Geringſte / 1. Sam. 17. Jeremias hatte groſ - ſen Reſpect beym Koͤnige zu Babel / und ſcheuten ihn ſeine Fein - de / Jer. 39. aber zu Anathot in ſeinem Vaterlande / ſchrie man Zeter uͤber ihn / Jer. 12. Er dorffte keinem trauen / ſie ſtunden ihm gar nach Leib und Leben / Jer. 11. Die Propheten der Juͤden wor - den von memands anders faſt mehr / als von ihren eignen Leu -2. Reg. 9, 11. Ezech. 33. Eſa. 57, 4. 2. Chron. 25, 16. Luc. 13, 33. Matt. 23, 34. ten geſchmaͤhet. Bald hielt man ſie vor Raſende / 2 Reg 9. Bald pfeiff man ſie an / Ezech. 33. Bald ſperrte man uͤber ſie das Maul auff / und reckte die Zunge heraus / Eſa. 57. Bald legte man die Haͤnde an ſie / und ſchlug ſie / 2 Chron. 25. Bald toͤdete man ſie / und ward Jeruſalem eine Propheten-Moͤrderin / Luc. 13. Matth. 23. Da es nun Chriſtum ſelber ſo trifft / ſagt Er: Ein Pro - phet gilt nirgend weniger / denn im Vater -Marc. 6, 4. vid. Zehner Adag. ſacr. Cent. 3. Adag. 24. p. 470. land und bey den Seinen / Marc. 6. Woher es komme / geben die Ausleger gewiſſe Urſachen. (1.) Ex fami - liari Converſatione. Weil man taͤglich mit ihnen umbgehe / und ſie von Jugend an kenne. Man dencket denn zuruͤck / daßman23.[23]Chriſtliche Leichpredigt. man ſie als Knaben gekennet / wenn gleich aus Kindern hernachDanhauer. Lib Apert. Conſe. part. 1. pag. Corn. à Lap. in Matt. 13, 57. p. 291. Theophyl. in Matth. c. 13. Athen. l. 3. auch Leute worden ſeyn. Da man vielmehr auf ihren ietzigen Eh - renſtand acht haben ſolte / und ihre Gaben des Gemuͤths ſchaͤtzen - Ja oͤfftere Gemeinſchafft bringet Verachtung. Solemus fami - liaria contemnere ſed peregrina exoſculari, ſaget Theophy - lactus. Wir pflegen / was wir gemein haben / zu verachten / was frembde iſt / hoch zu halten. Jener Alexis beym Athenæo ſa - get: Alienum amamus, proximum contemnimus. Einen Frembden lieben wir / einen nahen und Bekandten verachten wir. Weil der HErr Chriſtus bey den Nazarethanern wohnte / mit ihnen umbgieng / verachteten ſie Jhn ſo gar / daß auch ſeine Bruͤder und Verwandten nicht an ihn glaͤu - beten / Joh. 7. Es geſchiehet auch (2.) Ex invidiâ & æ - mulatione. Auß lauter Neid und Mißgunſt / der unter Lands - Leuten leichte ſich entſpinnen kan / Confuſionem ſuam exiſti -Theophyl. in Johan. mant, gloriam contribulis. Wird einer dem andern fuͤrgezo[-]gen / ſo achtets der ander ihm fuͤr eine Beſchimpffung / wie Theophylactus redet. Und dieſe Unart beſchreibet Hierony -Hieron. Lib 2. inMarth. c. 13. mus: Propemodum naturale eſt, cives ſemper civibus in - videre. Non enim conſiderant præſentia Viri opera: ſed fragilis recordantur infantiæ, qvaſi non & ipſi per e - osdem gradus ad maturam ætatem pervenerint: Es iſt faſt natuͤrlich / daß Leute in einer Stadt einander mißguͤnſtig ſind. Denn ſie betrachten nicht / was ein Mann nunmehr ſey und thue / ſondern erinnern ſich der ſchwachen Kindheit / gleich als waͤren ſie nicht auch durch dieſe Staffeln ins Alter geſtiegen / und haͤt - ten vormahls gethan und geredt wie ein Kind / 1. Corinth 13. 1. Cor. 13, 11.(3.) Perverſitas mundi & excœcatio. Die Verblendung der Welt. Jmmer beliebet uns mehr was frembde iſt. Sachen die von frembden geholet muͤſſen werden / die gefallen uns immer mehr / wenn wirs gleich zu hauße koͤnten beſſer haben. Con -Theophyl. in Lux. c. 4. temnuntur etiam res ſelectisſimæ, ſi non fuerint raræ, ſedvulgatæ24.[24]Chriſtliche Leichpredigt. vulgatæ & quotidianæ, ut omnes iis copiosè frui posſint, ſaget der obenbeniemte Theophylactus. Auch die außerleſeſten beſten Sachen / wo ſie nicht ſeltzam ſind / ſondern gemein / daß ſiePlato in Eu - thydemo. Juvenal. Sa - tyr. 11. v. 6. jederman kan haben / werden geringſchaͤtzig gehalten τὸ σπάνιον τίμιον, Quod rarum, carum, was ſeltzam iſt / das iſt theuer. Magis illa juvant, quæ pluris emuntur, ſagt Juvenalis, Was man theuer muß kauffen / gefaͤllet uns Menſchen immer beſſer. Drumb iſt das unſere Unart von Natur / was wir gutes haben / achten wir nicht / weil es gegenwaͤrtig iſt. Alſo werden offte tapffere Leute / in ihrem Vaterlande nicht geachtet / oder geehret / da ſie hingegen von Frembden viel werther und hoͤher gehalten werden. Unter andern Eitelkeiten erzehlet der weiſe Koͤnig auchEccl. 9, 14, 15, 16, 17, dieſe / Eccleſ. 9. Es war eine kleine Stadt / und wenig Leute drinnen / und es kam ein groſſer Koͤnig / und belagerte ſie / und bauet groß Bollwerck drumb. Vnd ward drinnen fun - den ein armer weiſer Mann / der dieſelbe Stadt durch ſeine Weißheit konte erretten / und kein Menſch gedacht deſſelben armen Mannes. Da ſprach ich / Weißheit iſt ja beſſer denn Staͤrcke / noch ward des Armen Weißheit veracht / und ſeinen Worten nicht gehorchet. Das macht / der Weiſen Worte gelten mehr bey den Stillen / denn der Her - ren Schreyen bey den Narren. Dabey ſagt einD. Geier Comm. in Eccl. 9. p. 350. vornehmer Theologus: Sæpe Theſaurus pretioſisſimus à ne - mine attenditur. Offt wird ein koͤſtlicher Schatz von niemand wahrgenommen. Es ſind Leute zur Kirch und Regiement tuͤch -tig /25.[25]Chriſtliche Leichpredigt. tig / die man aber nicht achtet / wiewol es nichts deſto beſſer iſt. Die Athenienſer hatten eine ſonderliche Art in ihrer Republic,Vid. Tholo - ſan. Syntag Jur. Univerſ Lib. 31. c. 6. num. 6. die nenneten ſie Oſtraciſnium, daß wenn bey Jhnen tapffere / heroiſche / verſtaͤndige / auch wolverdiente Leute waren / die in groß Anſehen geriethen / und begunten zu ſteigen / ſo daͤmpffeten ſie ſolche bald / und ſagten ihnen an ins Exilium auff 10. Jahr lang zu gehen / und ſich der Stadt zu enthalten. Da muſten ſolche tapffere und geſchickte Leute weichen / und ſich anderweit hinweg - begeben / denn da gaben die Buͤrger zuſammen ihre Stimmen / und ſchrieben auff Scheiben / oder auff Schalen von den Au - ſtern / dieſes oder jenes Mannes Nahmen / der ihnen dauchte daß er zu maͤchtig wuͤrde; Und alsbald muſten ſolche vornehme Leute die Stadt meiden. Wie dieſes zum erſten an dem Hip - parcho angefangen / und zu allerletzt an dem Hyperbolo iſtVid. Cocl. Rhodigin. l. 16. cap. 21. Antiq: Lect: veruͤbet worden / wie der gelehrte Rhodiginus meldet. Und dieſe Undanckbarkeit hat manch tapffer Mann uͤber ſich muͤſſen ergehen laſſen; Es hats erfahren Ariſtides der Gerechte / The - miſtocles in Perſten / Iphicrates in Thracien / Conon in Cy - pern / Timotheus in Lesbo, Chabrias in Egypten / Chares in Sigæo, welche alle umb ihrer Tugend willen / ſind in ihrem Vaterlande verhaſſet geweſen / wie bey dem Athenæo zu ſehen /Athenæus L. 12. cap. 14. der den Oſtraciſnium nennet / Democraticæ quidem æqva - litatis trutinam, verum popularis inuidiæ infeſtisſimum telum, Es ſey zwar eine Wagſchale / dadurch bey der Regie - rung des gemeinen Volckes die Gleichheit ſey gehalten worden / daß keiner uͤber den andern ihm eine Gewalt zuſchreiben moͤchte / Aber es ſey ein hefftiges / feindſeeliges Pfeil geweſen der Miß - gunſt der gemeinen Leute / wieder tugendhaffte Perſonen / daß / wenn ſie nun umbs Vaterland ſich wol verdient hatten / tapffe - re Heldenthaten verrichtet / ſie zum Gratial das Vaterland ver -Vid. Ariſt. de Republ. lib. 3 c. 13. Tom. 2. Op. p. 2〈…〉〈…〉 2. H. 213. B. laſſen / und fort wandern muſten. Die Athenienſer gaben dieſe Urſachen / wie es Ariſtoteles in ſeinen Buͤchern de Republica anfuͤhret / und wandten vor / wo eine Democratia ſey / daß beyDdem26.[26]Chriſtliche Leichpredigt. Vid. Caſum L. 3. Sphær. Civ. cap. 9. Machiavell. l. 1. Diſcurſ. de Republ. c. 28. 29. Antimachi - avell. L. 3. theor. 16.dem gemeinem Manne das Regiement waͤre / und dennoch das gemeine Weſen beſtehen ſolte / muͤſten ſie alle gleich ſeyn / und taugeten gar nicht darunter Heroiſche Naturen / die die andern Leute mit Tugend und Tapfferkeit uͤberſtiegen / denn ſie waͤren verdaͤchtig / ſie moͤchten das Regiement einmahl / wenn ſie immer an Reichthumb / an Ehr / an Thaten / am Anhange vieler Freun - de wuͤchſen / gar an ſich ziehen. Denn das ſchickt ſich gar nicht / daß Heroiſche Leute ſolten andern unterworffen ſeyn / weil ſie wie Goͤtter unter Menſchen waͤren / ſondern ihnen ſtehe beſſer an die Herrſchafft bey der Monarchi / da das Regiement bey ei - nem iſt / in der Democrati koͤnten ſolche Leute nicht gelitten wer - den / man muͤſſe die Fluͤgel ihnen beſchneiden. Wie Periander dem Thraſibulo die Antwort gethan / da er den Bothen auffs Feld gefuͤhret / und die groſſen uͤber die andern herfuͤr rahenden Aehren abgehauen / daß die Saat uͤberall gleich ſtuͤnde / wie mit mehren die Gelaͤhrten beym Ariſtotele leſen koͤnnen. Dieſe ArtEraſm. in Adag. Chi - liad. 4. Centur. 6. Adag: 86. p. m. 1111. nun hieß man Oſtraciſnium, weil die Stimmen auf Schalen von den Meerſchnecken geſchrieben worden / man nennete es Oſtracophorian und flagellum Teſtaceum, eine Peitſche von Scherben. Und ſoll dieſe Sache einer mit Nahmen Cliſthenes erfunden haben zu Athen, der auch ſelber ins Exilium gewichen. Man gab der Sachen einen Schein / es waͤre ihnen diß decen - nale Exilium, daß ſie 10. Jahr von hauße muͤſten weg ſeyn / ohn alle Beſchimpffung auffgeleget; Und das hießen Sie dieSabellicus L 4. c 9. Stadt rein halten / wie beym Sabellico zu ſehen / da die Athe - nienſer den Ariſtiden vertrieben / und er fragte / warumb ſie das thaͤten an ihm / er haͤtte es ja nicht verdienet / antworteten ſie / ſie koͤnten das nicht leyden / daß er fuͤr gerecht hin und wiederPlutarch: in Ariſtide. gelobet wuͤrde. Die Lacedæmonier die machtens auch bey ihnen alſo / und hießens Petaliſnium, wie auch die Syracuſa - ner, die ihre Stimmen auff ein Oelblat ſchrieben / und auff wem die m[e]iſten fielen / derſelbe muſte weichen / und 5. Jahr aus ſeyn / denn πέταλον heiſt ein Blatt. Aber die Syraeuſaner ſahendaß27.[27]Chriſtliche Leichpredigt. daß das Geſetze nicht gut ſey / denn dadurch / weil die Vornehm - ſten vertrieben worden / wuͤrden dadurch andere abgeſchreckt / gaben dem Regiement gutte Nacht / und blieben in einem Privat -Diodor. Si culus lib 11 & Plut. d. l. Leben / da ward das gemeine Weſen verlaſſen / etliche Gottloſen nahmen Gewalt / und worden allerhand Empoͤrungen / daß man die Gewohnheit des Petaliſmi abſchaffen muſte. Damit iſt nun practiciret worden / die Weltweiſe / die Chriſtus der HErr angemercket: Kein Prophet iſt angenehm in ſei -Vid. Zehn. loc. cit. p. 470. ſeq. nem Vaterlande / Denn diß nicht allein auff Geiſtliche Perſonen / ſondern auch auff andere begabete tapffere Leute kan gezogen werden. Solchen Danck giebet die Welt / und erfuhren diß die beyden Helden / Scipio Africanus und Annibal, auff ein - mahl / jener zu Rom / dieſer zu Carthago, wie davon LiviusLiv. Dec. 4. lib. 8. pag. 1007. ſchoͤne redet: Duæ maximæ Orbis terrarum Urbes ingratæ uno propè tempore in Principes inventæ. Roma ingrati - or, ſiquidem victa Carthago victum Annibalem, Roma vi - ctrix victorem Africanum in exilium expulit. Zwey vor - nehme Staͤdte der Welt / haben faſt auf eine Zeit ihre Undanck - barkeit gegen ihre Fuͤrſten und Helden erwieſen. Und Rom iſt faſt am undanckbarſten geweſen / denn das uͤberwundene Car - thago, hat den uͤberwundenen Annibalem; Die Uberwinderin die Stadt Rom / den Uberwinder und Sieges-Herren den Sci - pionem Africanum ins Elend gejaget. Da ſiehet man nun wie ein eitel Ding es ſey umb zeitliche Ehre / die bald kan zerrin - nen / und wie man es leichte bey der Welt verſchertzen kan / da helffen keine meniten / keine Wolthaten / es wird alles vergeſſen /Eccleſ. 2, 16. wie davon der Prediger Salomo ſaget c. 2. Man geden - cket des Weiſen nicht immerdar / eben ſo we - nig als der Narren / und die kuͤnfftigen Ta - ge vergeſſen alles / und wie der Weiſe ſtir - bet / alſo auch der Narr. Was richtet derD 2Weiſe28.[28]Chriſtliche Leichpredigt. Weiſe mehr aus weder ein Narr / wird geſagetEccleſ. 6, 8. Eccleſ. 6. Daß man billich ſich nicht ſo hoch / umb den Ruhm der Welt bemuͤhet / wenn man nur in ſeinem Stand ſein Gewiſſen kan bewahren / es heiſt billich:

Der Zeitlichen Ehrn will ich gern entbehrn /
Du wolleſt mir nur das Ewige gewehrn /
Das du erworben haſt /
Mit deinem herben bittern Todt /
Das danck ich dir mein HErr und GOtt.

Thomas de Kempis, de Imitat. Ckri ſti l. 2. c. 6.Das iſt doch / ſaget der Andaͤchtige Thomas de Kempis, eine kurtze Ehr / die man von Menſchen nim̃t und bekoͤmmet / auff die Welt Ehre folget immer Traurigkeit. Der Frommen ihr Ruhm iſt in ihrem Gewiſſen / und nicht im Munde der Menſchen. DerJudicium de hoc libr. vid. ap. Hol - tin. Hiſt. Ec - cleſ. ſec. 15. p. 68. Enco - mium ejus libelli p. 73. ſeq. Gerechten Freude iſt von GOtt / und in GOtt. Wer nach der wahren und ewigen Ehre ſtrebet / der achtet nicht die Zeitliche. Der hat doch ein ſtilles und geruhiges Hertz / der nicht darnach fraget / ob ihn die Leute loben oder ſchelten. Der wird gern ver - gnuͤget ſeyn und zu frieden / der nur ein rein Gewiſſen hat. Lo - bet man dich in der Welt / du biſt deſſenthalben nicht heiliger / ſchilt man dich / du biſt deſſenthalben nicht geringer. Non es ſanctior, ſi laudaris; nec vilior, ſi vituperaris. Quod es, hoc es; nec major dici vales, quam (Deo teſte) ſis. Si at - tendis, quid apud te ſis intus, non curabis quid de te lo - qvantur homines. Homo videt in facie, Deus autem in corde. So viel biſtu / als du in und an dich ſelbſt biſt / und man kan dich auch nicht groͤſſer achten / als du fuͤr GOtt dem HErrn biſt. Wenn du Acht drauff haſt / was du bey dir ſelber biſt / ſo wirſtu nicht darnach fragen / was die Leute von dir reden. Der Menſch ſiehet was fuͤr Angen iſt / Gott der HErr ſiehet das Hertze an. Guttes thun / und maͤſſig von ſich halten / iſt eine Anzeigung eines demuͤthigen Her -tzens /29.[29]Chriſtliche Leichpredigt. tzens / Bißher der de Kempis. Wir haben bey Uns in dieſer Stadt bißhero manchen tapfferen Mann gehabt / theils in / theils auſſer dem Rath / davon nunmehr einer nach dem andern ſchlaf - fen gegangen / in dem es geheiſſen hat:

Man traͤgt eines nach dem andern hin /
Wol aus den Augen / und aus dem Sinn /
Die Welt vergiſſet unſer bald /
ſey jung oder alt /
Auch unſer Ehren mannigfalt.

Jch habe / leider Gottes / manchen lieben Mann allhie ſehen bluͤ - hen / und wieder verbluͤhen. Uberaus ſchmertzlich iſt es / daß ich Unſern Seeligen Herrn Hoffmann, der der letzte iſt von denen / die als ich Anno 1652. nunmehr vor 17. Jahren / hieher zum Paſtoratu bin vociret worden / allhier im Rathe geſeſſen / ietzt mit Thraͤnen nachſehen muß: Wie offt wird mir das Hertze bre - chen / wenn ich ſeinen Stand in dieſer Kirchen von ſeiner Perſon werde ledig ſehen. Es kan geſchehen / daß wir den Seel. Herrn mehr ins kuͤnfftige betrauren werden / und befinden / was wir an Jhm gehabt / als es wol ietzo von Uns geſchehen mag. So lan - ge ich lebe / werde ich niemals ohne Thraͤnen mich erinnern / was ich vor tapffere Leute und treue Hertzensfreunde theils am Seel. Herrn D. Kaldenbach, Phyſic. Ordinar. dieſes Orts / den wir Anno 1664. durch den zeitlichen Todt verlohren; Theils nun - mehr an meinem vornehmen Freunde / dem Herrn Matthæo Hoffmanno vermiſſe / Jch befinde / daß auch von guten Freun - den daſſelbe wahr werde / was Publius Mimus in ſeinen Senten - tiis hat / Toties homo moritur, quoties amittit ſuos: Der Menſch ſtirbet ſo vielmahl / ſo viel er die Seinigen verleuret. Dieſen Seeligen Mann beklaget billich ſein Vaterland / und em - pfindet / was es vor einen Patrem Patriæ, einen treuen Vater verlohren. Es iſt gar eine ſchwere Draͤuung / beym Propheten Eſaiæ am 3. cap. Siehe / der HErr Zebaoth wirdEſa. 3, 1, 2, 3,D 3von30.[30]Chriſtliche Leichpredigt. Conf. Förſt. Comm. h. l. p. 100. ſeqvon Jeruſalem und Juda nehmen / allerley Vorrath / Nach dem Ebraͤiſchen lautets / Fulcrum & Ful - turam, Alles was die Stadt ſtuͤtzen und erhalten hilfft / es mag heiſſen wie es will. Darauff erzehlet er die Stuͤcke / die GOtt der HErr wegnehmen wolle: 1. βμντικὰ, Lebens-Mittel / allen Vorrath des Brodts / und allen Vor - rath des Waſſers. 2. Tapffere Leute / als in genere Polemico, Starcke und KriegesLeute / in Eccleſiaſtico, Propheten / in Politico, Richter / welche die Gerichts-Sachen nach den Geſetzen koͤnnen wol und geſchickt unterſcheiden / Wahrſager / Foͤrſterus verſtehets von tapffern erfahrnen Leuten / die da haben ὂμμα ἐμϖ ειριας, oculum Experientiæ, das Auge der Erfahrung daß ſie koͤnnen der Sachen Außgang leichte zuvor ſehen / und aus dem / was ſie vor geſehen / von kuͤnfftigen Dingen urtheilen. Elteſten / Hauptleute uͤber funffzig / und ehrliche Leute / Honorabiles Vultu, die anſehnlich ſind; fuͤr denen man ſich ſcheuen muß / die einen reſpect im Angeſicht mit ſich fuͤhren. Raͤthe / die gutten Rath zu geben wiſſen / und weiſe Werckleute / und kluge Redner. Denn daß die Hinwegnehmung ſolcher Leute ſchaͤdlich ſey / und einer Stadt nachtheilig / ſiehet man 1. à Genere, weil das eine ſonderbahre Straffe vom lieben GOtt iſt. 2. à Conſequente, weil Ver - aͤnderungen darauff folgen. Nun heiſſets aber nach des Xene -Xenophon. lib. 2. rer. græc. Ariſtot. 2. Metaph. phontis Worten: Omnes Mutationes ſunt Rebuspublicis lethiferæ: Die Veraͤnderungen in Staͤdten und Laͤndern / ſind wie toͤdtliche Kranckheiten / da Gefahr dabey iſt. Ariſtoteles nennet die Veraͤnderungen Rerum omnium perturbatrices, αἱ μεταβολαὶ πάντων ταραχώδεις, es folgeten daraus Ver -wirrun -31.[31]Chriſtliche Leichpredigt. wirrungen / wie denn zu hauß kan nachgeleſen werden / was inConf. Muſ - cul. Comm. in Eſa. c. 3. p. 99. folgenden Worten der Zorn des HErrn draͤue. Man ſiehets auch 3. à Simili, aus den Gleichniſſen / es iſt / als wenn die Hewſchrecken das Grummet abfreſſen / Amos 7. Solche Leute ſind wie Seulen eines Hauſes / wennAmos 7, 1. die weg ſind / faͤllet das Tantzhauß der Philiſter uͤbern hauffen /Jud. 16, 29, 30. Jud. 16. Wenn ein Licht aus dem Gemach wird getragen / wird alles finſter und dunckel. Wenn ein Gaͤrtner die fruchtbaren Baͤume aus einem Orth des Gartens aushebet / iſt ſolches eine Anzeigung / er wolle ſelbigen Ort verwuͤſten und oͤde laſſen wer - den: Alſo / wenn die ſchoͤnſten Regenten-Baͤume werden wegge - nommen / bedeutets Vngluͤck und Verwuͤſtung / ſaget ein Theo - logus. Der Herr Abrahamus Bucholzerus, ein beruͤhmterAbrah. Bu - cholz. Chronologus, hat eine feine Obſervation: Semper Urbium excidia antecedunt Viri Magni & heroicis donis inſtructi: qui aliquandiu, pietate, ſapientia, conſilio, fide, virtuteq́; ſua, rebus perturbatis opitulantur: & quaſi humeris ſuis domum ruinoſam ſuſtinent ac fulciunt: Verum his colu - mnis locô ſuô motis totum ædificium collabi neceſſe eſt. Mehrentheils giebt GOtt der HErr den Staͤdten kurtz vor ih - rem Vntergang tapffere Leute / die mit Heroiſchen Gaben ausge - ruͤſtet ſind / die helffen eine zeit lang mit ihrer Froͤmmigkeit / Weißheit / Rath / Treue und Tugend den verworrenen Sachen ab / und ſtuͤtzen gleichſam mit ihren Achſeln das gemeine Weſen / als ein baufaͤlliges Hauß; Wenn aber nun dieſe Saͤulen weg ſind / ſo faͤllet denn das Weſen uͤbern hauffen. Drumb ſind ſol - che Faͤlle nicht nur zu achten fuͤr Omina oder Præſagia, fuͤr Deu - tungen allein / ſondern es ſind ipſ〈…〉〈…〉 ſupplicia, ipſa incommo - da, ipſa naufragia, in der That ſelbſt ein groſſer Verluſt und Schiffbruch. Denn ſolche Leute wachfen nicht auf Baͤumen / es koſtet viel ſo einen Mann zu erziehen / und alle gerathen auch nicht; Bey ſolchen Ingeniis iſt Experientia multorum An - norum & Caſuum, Sie haben ihnen von vielen Jahren hertapffere32.[32]Chriſtliche Leichpredigt. tapffere Wiſſenſchafft aus der Erfahrung colligiret / haben viel Faͤlle unter Haͤnden gehabt / und wiſſen ſich in Sachen zu ſchicken / daß es wol recht heiſſet: Es iſt Golt und viel Per - len / aber ein vernuͤnfftiger Mann iſt ein E -Prov. 20, 15. det Kleinodt / Prov. 20. Wahr iſts / GOtt nim̃r ſie weg / & nemo conſiderat, nemo apponit ad cor, Eſa. 57. Niemand nim̃ts zu Hertzen / niemand achtet drauff / aber im Außgang kommet denn der Glauben in die Hand / man betrauerts denn / was man vor nicht geachtet / es heiſſet denn / Non putaſſemus, Wir haͤttens nicht gemeinet. Jeruſalem haͤtte es auch nimmermehr gedacht / daß es ihr ſo gehen wuͤrde. Drumb thun wir das nun billich / daß wir dem getreuen GOtt / als dem Brunnqvell aller guten Gaben anfaͤnglich dancken / der dieſem Orte feine verſtaͤndige Leute gegeben / betrauren auch ge - buͤhrlicher weiß des Seeligen Herrn Hoffmanns geſchwinden Hinnfall / als der noch manche gute Conſilia zum gemeinen Be - ſten haͤtte geben koͤnnen / ſintemahl es heiſſet: Du ſolt bit - terlich weinen / und hertzlich betruͤbet ſeyn /Syr. 38, 17. Diogen La - ert. de vit. Philoſ. in vita Deme - trii Phaler. darnach er geweſen iſt / Syr. 38. Jener Demetrius Epicus ſaget bey dem Diogene Laêrtio:

Ζωὸν ἀτιμήσαντες ἀποφϑίμενον ποϑέουσι. Oderunt vivum, quem mox poſt funera qværent. ()

Dabey wir auch durch Buß und Bekehrung billich dem lieben GOtt in ſeine gefaſſte Zorn-Ruthe fallen / Ach HErr /Pſal. 6, 1. ſtraffe uns nicht in deinem Zorn / und zuͤch - tige uns nicht in deinem Grimm / Pſal. 6. Weil aber offt iſt anders Judicium Mundi, anders urtheiler die Welt / ein anders ſind Judicia Dei, die Gerichte Gottes / Als wollen wir ſehen was fromme Gottfuͤrchtige Hertzen / diein33.[33]Chriſtliche Leichpredigt. in der Welt ein verachtes Lichtlein ſind / fuͤr den Gedancken der Stoltzen / Job. 12. Unterdeſſen fuͤrJob. 12, 5. unſerm HErrn GOtt vor theurgeſchaͤtzte Seelen ſeyn / als wol - len wir aus den verleſenen Worten betrachten:

Annulum Divinæ Manus ſignatorium. Propoſ.

  • Den Edlen Pittſchafft-Ring / den GOtt der HErr an ſeiner rechten Hand traͤget / wie nehmlich die Außerwehlten Kinder Gottes ſo hoch von GOTT geſchaͤtzet werden / daß Er / als wie auf einen Pitt - ſchafft-Ring / auf ſie genaue acht habe.

Dabey wir zu ſehen haben:

  • I. Annuli Dominum, Wer dieſen Pittſchafft-Ring halte und trage.
  • II. Annuli Materiam & ſubjectum, Wer der Pitt - ſchafft-Ring Gottes ſey.
  • III. Annuli hujus Æſtimium, Wie hoch Jhn GOtt der HErr halte.

HErr JEſu / laß unſere Seelen etwas fuͤr deinen Augen gelten / umb deines Sohnes willen / leite uns nach deinem Rath / und nim̃ uns endlich mit Ehren an. Pſal. 73, 24

ΕΡΓΑΣΊΑ.

ES hat / Charisſimi, der Prophet Hag -Vid: Luth Præfat. in Proph. Hag gai. gai, wie es der Seelige Herr Lutherus an - mercket / zum erſten gepr[e]diget / und iſt der Juͤ - den erſten Prophet geweſen / nach dem ſie wie - derkommen waren aus der Babyloniſchen Gefaͤngniß. Denn da giengs nut dem Tempel. EBau34.[34]Chriſtliche Leichpredigt. Bau ſchlaͤffrig zu / ſie fuͤrchten Pericula & motus bellicos, ſie moͤchten von den benachtbarten Feinden angegriffen werden / ſonderlich von den Perſiern / welche ſie draͤueten zu uͤberfallen / und laureten auff alle Gelegenheiten / wie ſie ihnen beykommen moͤchten. Da dachten nun die Juden / was ſollen wir lange bauen / und viel Unkoſten drauff wenden / draͤuen uns doch die Perſier wie einer fetten Hennen / was wir werden bauen / wer - den ſie verſtoͤren. Darauff laͤſſet nun der Allerhoͤchſte GOTT ankuͤndigen I. Promisſum Generale, Eine allgemeine Verheiſ - ſung. Der Prophet ſoll dem Fuͤrſten SeruBabel anſagen: Jch will Himmel und Erde bewegen / und wil die Stuͤle der Koͤnigreiche umbkehren / und die maͤchtigen Koͤnigreiche der Heyden ver - tilgen. Er wolle eine Mutation ſchaffen in den benachtbar -Dan. 2, 21. ten Koͤnigreichen / denn Er iſt der HErr / der Koͤnige abe und einſetzet / Dan. 2. Er hat Gewalt uͤberKoͤ - nigreiche / Er giebt ſie wem Er will / und er -Dan. 4, 14. hoͤhet die Niedrigen zu denſelbigen / Dan. 4. Die Krone wird bißweilen auffgeſetzt / aufSyr. 11, 5. den man nicht gedacht haͤtte / Syr. 11. Bey JhmDe Periodis & Limitibꝰ Regnorum & Regum fatalibus vid. Dannh. lib. Conſc. Part. 2. pag. 48. ſeqq. p. 170. ſeqq. ſtehen die Periodi Regnantium & Regnorum, wie lange einer regieren / und wie lange auch die Koͤnigreiche waͤren ſolten; Alſo wolte Er ihren Wiederſachern den Perſiern ſo viel zu ſchaffen machen / und ein Lermen unter ihnen enrſtehen laſſen / daß ſie des Juͤdiſchen Volcks wol vergeſſen / und ſie zu frieden laſſen wuͤrden. Jch will die Stuͤle der Koͤnigreiche / ſpricht der HErr / umbkehren / und die maͤchtigen Koͤnigreiche der Heyden vertilgen / und willbeyde35.[35]Chriſtliche Leichpredigt. beyde Wagen mit ihren Reutern umbkehren daß beyde Roß und Mañ herunter fallen ſol - len / ein jeglicher durch des andern Schwerd / Es ſollen die Feinde einander ſelber in die Haar fallen / ſich rui - niren / als wie zu Zeiten Joſaphats / die Menge der Kinder Am - mon / Moab / und die vom Gebuͤrge ſeyn / unter einander uneins2. Chron. 20, 22, 23. worden / daß ſie ſich ſ[e]lber auffrieben / 2. Chron. 20. Darauff folget II. Promisſum Speciale, Eine abſonderliche Verheiſſung / an den Fuͤrſten des Volcks SeruBabel. Was dich aber / SeruBa - bel / anlanget / ſo will ich dich zur ſelben Zeit nehmen / Jch will dich faſſen und ergreiffen / Jch will dich wie ein Pittſchafft-Ring halten / den man fleißig ver - wahret / den man werth haͤlt / und nicht gerne laͤſſet in frembde Haͤnde kommen. Dich / Dich / will Jch auch feſt und unbeweg - lich halten und erhalten / denn ich habe dich erwehlet / ſpricht der HErr Zebaoth / du biſt mein liebſter Knecht / Jch ha - be dich zu dieſem Ampt beruffen / Jch will auch uͤber dir halten / dich regieren / deſſen ſolſtu gewiß und verſichert ſeyn / da haben wir nun zu beſehen:

I.

Annuli ſignatorii Dominum, Wer der HErr ſey / der dieſen Pittſchafft-Ring fuͤhre. Zu derſelbigen Zeit / ſpricht der HErr Zebaoth / wenns nun ſo verworren / ſo elend durch einander hergehen wird / will ich mich deiner annehmen / Jch / der HERR Zebaoth. S. Hierony -Hieron. in Epiſt. ad Marcellam p. 1;〈…〉〈…〉. Vid. Gerh. Tom. 1. Loc. de Nat. Dei § 21. ſeqq. mus in einer Epiſtel an die Marcellam, die ihn umb den Nah - men Gottes Schaddai gefraget hatte / aus dem 9. Pſalm / erzeh - let / die Heil. Schrifft eigene GOtt dem HErrn ſonderlich zehen Nahmen zu. Drey gehoͤrten ad Esſe, und waͤhren Esſentialia, die Gottes Weſen bedeuten / als Jah, Eheje, Jehovah. An - dere ad Poſſe, die ſeine Macht beſchreiben / als El, Elohim,E 2Eloha. 36.[36]Chriſtliche Leichpredigt. Eloha. Andere ad Prodeſſe und Præeſſe, die ſeine Woltha - ten anzeigen / als Adonai, Schaddai, Zebaoth. Ein Nah - me gehoͤre ad Eminere Dei, als Eleion, Excelſus, der Aller - hoͤchſte / Der zeige ſeine Hochheit an / vom Alah aſcendit. Hier wird GOtt genennet / der HErr Zebaoth / der HErr der Heer - ſchaaren / und wird dieſer Nahme meiſtentlich gefuͤhret / wenn GOtt zu maͤchtigen Leuten redet / und ſeine Majeſtaͤt anzeiget /1. Sam. 1, 11. Zum Erſten fuͤhret Jhn die Hanna in ihrem Geluͤbde / 1. Sam. 1. Hernach gebrauchen Jhn offt die Propheten / wie auch der Heil:Jacob. 5, 4. Apoſtel Jacobus in ſeiner Epiſtel c. 5. Und bedeutet dieſer Nahme 1. Æternam Dei Eſſentiam, Sein ewiges Weſen / daß Er iſt der HErr / ehe denn die Berge worden / und die Erde und die Welt geſchaffen worden / iſt ErPſal. 90, 3. GOtt von Ewigkeit zu Ewigkeit / Pſal. 90. 2. Immenſam Potentiam, Seine groſſe Macht und Gewalt / die ſich uͤber Himmel und Erden / uͤber alle Creaturen erſtrecket / drumb heiſſet der Nahme Dominus Virtutum, der HErr der Kraͤffte. Unter andern auch / weil Er Ordnung helt unter denMeiſn. Com ment. in Hoſ. c. 12. p. 1020. Luc. 2, 13. Jer. 19, 13. Act. 7, 42. Creaturen / und dieſelben kan zur Rache brauchen wieder die Menſchen. Sie muͤſſen Jhm zu Geboth ſtehen / wie ein Krieges - Heer ſeinem Feld-Obriſten. Denn da hat der HErr 1. Sein Him̃liſch Heer / die heiligen Engel / die Menge der Him̃liſchen Heerſchaaren / Luc. 2. 2. Hat Er ſein Sternen-Heer / welches genennet wird das Heer des Himmels / Jer. 19. Act. 7. 3. Hat Er ſein Elementariſch Heer / die Creaturen unter dem Himmel in der Lufft / im Meer / und auff Erden / wie die Horniſſen ſeinSap. 12, 8. Heer heiſſen / Sap. 12. 4. Hat Er ſein Kirchen-Heer / denn daCant. 6, 3, 9. Conf. in h. l. Gerhard. Tom. 6. loc. 26. §. 1. p. 1. ſeq. Marc. 5, 9. iſt die Kirche Gottes ſchrecklich wie Heer-Spitzen / Cant. 6. 5. Hat GOtt auch ſein Hoͤlliſch Heer / darunter die Teuffel ſind / derer viel Legionen gezehlet werden / Marc. 5. Dieſer HErr Zebaoth iſt nun derſelbe / der dieſen Ring hat und haͤlt. Vor Zeiten waren Ringe ein Zeichen der Freyheit / unddorfften37.[37]Chriſtliche Leichpredigt. dorfften nur Rittersleute ſolche tragen / wie bey dem PlinioVid. Plin. Hiſt. Nat. l. 33. c. 1. Tholoſan. Syntagm. Juris lib. 14. c. 9. num. 4. Salm. in Pan cirol. part. 1. p. 313. ſeq. Zving. The - atr. vit. hu - man. pag. 782. b. ſeq. Pſal. 22, 10. Pſ. 139, 15, 17. vid Sennert Phyſ. Hypo - mnem. 4. c. 6. p. 198. ſeq. von dero Urſprung nnd Gebrauch zu leſen. Die Glaͤubigen ſind nicht eines Menſchen / ſondern Gdttes Siegelringe. Drumb ſtehen dieſe Majeſtaͤtiſche Worte voran. So ſpricht der HERR: Er waltet ja uͤber uns wunderlich / 1. In Vitæ Ingreſſu, Jn dem Eintritt in dieſes Leben. Er zeucht Uns aus Mutter Leibe / Pſal. 22. Er bildet uns auch ſelber in der Tieffe der Erden / Pſal. 139. Vnd hat koͤſtliche Gedancken uͤber uns. Galenus der fuͤrtreffliche Medicus im 3. Buch de Uſu Partium c. 10. wie wol er ein Heyde / ſtellet dem Schoͤpffer einen Hymnum o - der ſacrum Sermonem, einen Lobſpruch / darinnen er ruͤhmet ſpecimen perfectisſimæ Bonitatis, GOtt thu in der Bildung des Menſchen ein Merckmahl ſeiner vollkommenen Guͤtigkeit. Es waltet GOtt der HErr uͤber uns 2. In Vitæ Progreſſu, in dem Fortgang unſers Lebens. Gleich wie Er uns von Mutter - Leibe an geſehen / gekennet und zu unſerm Ampte beſtimmet / Jer. 1. Alſo dirigiret Er wunderlich der Menſchen Lebenslauff. Jerem. 1, 5.Jch weiß / HErr / daß des Menſchen Thun nicht ſtehet in ſeiner Gewalt / und ſtehet in Niemands Macht / wie er wandele oder ſei - nen Gang richte / Jerem. 10. Es iſt immer ein andersJer. 10, 23. Chemnit. in Loc. de Causa Pecc. p. 140. De lib. Ar - bitr. p. 186. bey. den Menſchen Electio Voluntatis, was ihm der Menſch in ſeinem Willen vorſetzt / Ein anders iſt Eventus ac ſucceſſus, der Ausgang und Fortgang / der von einer hoͤhern Urſache kom - met. GOTT waltet uͤber uns in der Erziehung. Denn wie leicht wird ein junger Menſch verfuͤhret: Er iſt Cereus in Vi - tium flecti, wie ein Wachs bald umbzugieſſen. Was vor NetzeHorat. Pſal. 25, 15. leget ihm nicht der Satan / Pſal. 25. Da ſind die Anſtoͤſſe undE 3Luͤſte38.[38]Chriſtliche Leichpredigt. Cicero pro M. Cœlio. 2. Tim. 2, 22 Pacatus in Panegyric. Luͤſte der Jugend / 2. Tim. 2. Multas Natura ipſa Adoleſcen - tiæ vias lubricas oſtendit, ſaget Cicero, Die Natur ſelber weiſet der Jugend viel ſchlippfferige Wege. Pleriq; in illo Ado - leſcentiæ lubrico, ut non cadant, titubant. Auf dem ſchlipf - ferigen Wege der Jugend ſtraucheln und ſtolpern die meiſten / wo ſie nicht gar fallen; Aber da wird denn wahr die VerheiſſungPſal. 37, 24. Gottes / Pſal. 37. Faͤllet der Gerechte / ſo wird er nicht weggeworffen / denn der HErr erhaͤltGvevar. Ho - rol. Princ. l. 1. c. 2. p. 6. ihn bey der Hand. Gvevara ſaget im Horologio Prin - cipum: Nullius unquam in Juventute Actiones adeò fue - runt honeſtæ, quin emendare illas honeſtius fuerit, quam enarrare. Keiner hat ſich ſo untadelhafftig in der Jugend ver - halten / daß es nicht beſſer ſey ſich darin zu endern / als viel davon zu erzehlen. Das iſt nun ein Werck der Goͤttlichen Gnade / weñC. Schmidt. Conc. 11. de Conſcient. ein junger Menſch nicht gar in Jrrwege geraͤth / daß wol recht ge - ſaget hat ein vornehmer Straßburgiſcher Theologus. Wenn ein junger Menſch in ſeinem 12. oder 14 henten Jahr in die Welt hinaus gehet / begiebt er ſich in die hoͤchſte Gefahr / dabey er ſein Gewiſſen nicht ſalviren kan / wo nicht der Heilige Geiſt die Hand uͤber ihn haͤlt / Er hat einen grimmigen Feind an dem Satan / an der Welt / in ſeinem eigenen Buſen / etc. Da wird von manchem tapfferem Ingenio wahr / was der Poet von dem Saamen der Fruͤchte ſchreibet:

Virg. Gorg.
Vidi lecta diu, & multo ſervata labore,
Degenerare tamen

Jch habe manche mit groſſem Fleiß auffheben ſehen / die doch umb - geſchlagen ſind. Was vor Macht beweiſet der Allerhoͤchſte Gott nicht in unſerm Beruff? Chriſtus ſelbſt tritt nur ſein Ampt an /Matth. 4, 3. bald verſucht Jhn der Satan in der Wuͤſten / Matth. 4. Diabo -Chryſolog. in Matth. lo ſemper primordia boni pulſat, ſancta in ipſo ortu feſtinat extingvere, ſaget wol Chryſologus Wenn man was gutes fuͤr hat / iſt der Teuffel immer hinter her / und ſiehet / wie ers verhin -dere.39.[39]Chriſtliche Leichpredigt. dere. Paulus mahlet ſeinen Galatern den gecreutzigten JEſum fuͤr Augen / Gal. 3. aber bald werden ſie dermaſſen faſcinirt undGalat. 3, 1. bezaubert / daß ſie der Wahrheit nicht mehr gehorchen wollen. Er wandelt zu Corintho als ein Diener Gottes / meints hertzlich / doch muſt er durch Ehre nnd Schanden / durch boͤſe Geruͤchte und gute Geruͤchte durch pasſieren / und manchem falſchem Apo -2. Cor. 6, 4, 8. ſtel uͤber die Zunge ſpringen / 2. Cor. 6. David waget ſich vor Jſrael / daruͤber wird Saul ſein geſchworner Todt-Feind / Saul ſahe David ſauer an / von dem Tage1. Sam. 18, 9. und fort an / 1. Sam. 18. Moſe laͤſt ſichs hertzlich angele - gen ſeyn / dennoch murren der Gottloſen Rotte wieder ihn / Num. Num. 16, 2. Camerarius Hor. ſucciſ. Cent. 1. cap. 28. p. 124.16. Daß die Corinthier nicht unbillich in ihrem Tempel einen Ehernen Palmbaum bildeten / daran an der Wurtzel Froͤſche und Schlangen niſteten / anzeigende / daß Tugend gedruͤcket werde / und Feinde und Mißgoͤnner habe. Sicut Cantharides maximè adultis jam frugibus & Roſis florentibus incumbunt: ItaPlutarch. de Invid. & o - dio. invidia maximè adoritur bonos, & ad virtutem proſicien - tes atq; gloriam, ſaget Plutarchus. Wie die Kaͤfer den reif - fen Fruͤchten und bluͤhenden Roſen ſich meiſtens anlegen / alſo faͤllt die Mißgunſt die Frommen an / und die in der Tugend und Ruhm fort ſchreiten. Livor & Obtrectatio paſſim bonorumLipſ. Cent. 2. Miſcell. Epiſt. 66. operum impedimenta aut venena, ſaget Lipſius. Mißgunſt und Verleumbdung ſind gemeiniglich das Gifft und die Verhin - derung des Gutten. Da muß man in ſeinem Beruff das Ver - trauen ſetzen bloß auff den HErrn Zebaoth / der bedecket uns mit dem Schatten ſeiner Rechten Hand / da muß Recht dennoch Recht bleiben / und dem werden alle fromme Hertzen zufallen / Pſal. 94. Das Verbum Domini gehetPſal. 94, 15. immer voran / und geraͤth alles nach Gottes des HErrn Willen. Sonderlich aber im Tode / Ewiger GOtt! wie freundlich / wie guͤttig biſtu? Wie feſt haͤlteſtu uͤber deinem Pittſchafft-Ringein40.[40]Chriſtliche Leichpredigt. an deiner Hand / nemlich uͤber den Außerwehlten Seelen / die dich in wahren Glauben lieben / denn der feſte Grund Got - tes beſtehet / und hat dieſen Siegel / der HErr2. Tim. 2, 19. kennet die Seinen / 2. Tim. 2. Ach was macht man ſich doch nicht bißweilen fuͤr ſchwere Gedancken? So viel tau -Senec. Tra gic. Stat. 9 Thebaid. ſend wunderliche Todesfaͤlle geſchehen in der Welt / und ſtehen dir auch bevor. Mille ad mortem aditus patent.

Mille modis miſeros lethi mors una fatigat. Jener ſaget wol / wenn er unſer Elend und des Lebens Ungewiß - heit bedencket:

Statius 2 Sylvat. Nos anxia plebes, Nos miſeri, quibus unde dies ſuprema, qvis ævi Exitus incertum: quibus inſtet fulmen abAſtris; Quæ nubes fatale ſonent! ()

Zum Tode ſind Tauſenderley Zugaͤnge. Wir aͤngſten Uns / und wiſſen nicht wo uns her der Todt wird treffen / und was es mit uns vor ein Ende werde nehmen. Woher und aus welcher Wolcke uns ein jehlinger Zufall begegnen moͤchte. Was wirſtu doch fuͤr Todes ſterben? Ach wenn ich doch nicht unbereitet da -Auguſtinꝰ. hin ſtuͤrbe / Saget nicht an einem Orte S. Auguſtinus: Multi propoſuerunt ſibi ſolatia in Agone mortis, ſed inter hoſtes miſere perierunt. Es haben ſich manche furgeſetzt / wie ſie ſich im Tode troͤſten wolten / aber ſie ſind elendiglich unter den Feinden umbkommen. Ach wie viel iſt doch am letzten Ende / und an deſ - ſen Beſchluß gelegen? Ab illa hora pendet Æternitas. Eben an derſelben Stunde hanget die Ewigkeit. Wenn der Baum faͤllet / er falle gegen Mittag oder Mitternacht / auf welchen Ort er faͤllet / daEcel. 11, 3. wird er liegen / Eccleſ. 11. Solſtu aber etwa lange lie - gen / ach wie werden deine Feinde uͤber dir ſchreyen / da / da /das41.[41]Chriſtliche Leichpredigt. das wolten wir / Pſal. 35. Nun haben wir ihn verſchlun -Pſal. 35, 25. gen. Wie wird mir der Sathan alle meine Suͤnde auffruͤcken. Jch werde meinem GOtt nicht auff tauſend eines koͤnnen ant -Job. 9, 3. worten / Job. 9. Aber da haben wir uͤber uns waltende den HEr - ren Zebaoth / der machts beſſer / als wir im̃er uns ſelber wuͤnſchen moͤchten. Providentia DEI, ſaget gar ſchoͤn Baſil. M. res no -Baſil. in E - piſt. ſtras multò diſpenſat melius, quam nos optare poterimus: Gottes treue Vorſorge waltet uͤber uns / und dirigiret unſere Sachen beſſer / als wir uns ſelber wuͤntſchen moͤchten. Da hat GOtt der HERR unſer Stuͤndlein ſchon voran beſtimmet; Er hat dem Menſchen ein Ziel geſetzt / dasJob. 14, 5. kan er nicht uͤberſchreiten / Job. 14. Nicht zwar Abſolutè fatalitate Stoicâ, daß ein Menſch nicht koͤnne anders ſterben / als er ſtirbet / GOtt habe es Jhm ſchon von Ewigkeit her außerſehen / und ohn alle Bedinguͤng beſtimmet / da helffeLipſ. lib. 1. Polit, c. 4. kein Rath / kein Mittel / noch Gebeth / wie in der Stoiſchen Phi - loſophie der gelehrte Lipſius dieſes gelernet / auch die Tuͤrckenvid. Dannh. Theol. Con ſcient. Part. 2. p. 174. ſ. 178. ſeq. Busbeqv. Epiſt. 2. Luther. in Gen. c. 32. Conf. Feur - born. Faſc. 5. Diſp. 6. p. 272. Vid. Hunn. Qvæſt. de Provident. Feurb. Faſc. 5. Diſp. 6. 7. Danhavver l. c. p. 19〈…〉〈…〉. ſ. ſelber / wie Busbeqvius meldet / die Opinion haben / Deum triumphare in ſuâ Causâ, GOtt triumphire und ſiege ſtets mit ſeinem Schluſſe / den Er uͤber die Menſchen gemacht; Wie es ſchlechter Dinge beſchloſſen / ſo muͤſſe es ergehen. Und erzehlet der Seel. Herr Lutherus, daß die Tuͤrcken mit dieſem Vorſatz und feſter Einbildung / in die Schlacht reiten / ſoll ich dißmahl ſterben / ſo werde ich ſterben / ſoll ich aber nicht ſterben / ſo wird mir kein Feind ſchaden. Aber das iſt weit gefehlet von der Goͤttlichen Wahrheit / die uns lehret / GOttes Rathſchluß von unſerm Lebensziel ſey reſpectivum & conditionatum Decre - tum, ein Schluß der mit gewiſſer Bedingung / mit Anſehung der Cauſarum Inferiorum, der Unter Urſachen / wie ſich derMenſch halten wuͤrde / geſchehen. Ach es koͤnte mancher anders ſter - ben / wenn er anders gelebet haͤtte; Wie mancher koͤnte ein laͤnger Leben haben / wenn er ſeine natuͤrliche Kraͤffte nicht mit ſauffen /Fhuren /42.[42]Chriſtliche Leichpredigt. huren / und Epicuriſchem Leben ſchwaͤchete / und Gottes Zorn auff ſich zoͤge / Decurtare tuum eſt, ſed prolongare Tonantis, du kanſt dir wol dein Leben abkuͤrtzen / aber GOtt alleine kan dir es verlaͤngern. Denn da haͤlt GOtt 1. Terminum Gratiæ, Seine Gnaden-Zeit / da Er frommen Kindern / auffrichtigen / gut - thaͤtigen Leuten ein langes Leben goͤnnet. Er hat 2. Terminum Iræ, Ein Zorn-Ziel / da Er den Gottloſen ihre Jahre verkuͤrtzet /Pſal: 55, 24. Jer. 17, 11. Luc. 12, 20. daß ſie ihr Leben nicht zur Helffte bringen / Pſal. 55. Ein Geitzhals muß denn davon wenn ers am wenig - ſten achtet / Jer. 17. wie wir ein Exempel haben Luc. 12. an jenem reichen Manne. Aber Er hat auch 3. Terminum Gloriæ & Divinæ Sapientiæ, das Ehren-Ziel / da es GOtt nicht nach der Regel / ſondern nach ſeiner unerforſchlichen Weißheit machet / daß manch Gottloſer lange lebet / wird alt bey gutten Tagen / und erſchrickt nicht einen AugenblickIob. 21, 7, 13 Oſiand. E - pit. Eccleſ. Hiſt. Cent. 16. An. 82. Eſa. 65, 20. Vid. Exem - pla apud Ca merar. Hor. Succ. cent. 1. c. 108. p. 522. ſeq. Pſ. 102, 25. Gruter. Po - lyanth. p. 269. Pſ. 78, 42. vor der Hoͤllen / Job. 21. Wie jener Tyrann in den Spa - niſchen Niederlanden Duc de Alba, uͤber 90. Jahr gelebet hat / Wie auch jene Knaben von hundert Jahren / Eſa. 65. Die El - teſten im Volck / zur Propheten und Chriſti Zeiten; Die alten Suſannen-Bruͤder / auch vielleicht Cain, Lamech, Cham, und andere ihr Leben moͤgen hoch bracht haben. Hingegen manchen frommen Menſchen / deſſen man noch haͤtte koͤnnen in der Welt genieſſen / nim̃t GOtt der HErr weg in der Helffte ſeiner Tage / Pſ. 102. Optimum quemq; internos, haud diurnare ſinunt Dii. Die Beſten und Froͤm̃ſten laͤſſet GOtt der HERR nicht lange leben / ſaget wol ein gelehrter Mann; Darinn machet es nun GOtt der HErr wie Er will / und darff Jhm niemand vor - ſchreiben / oder den Heiligen in Jſrael meiſtern / Pſ. 78. Denn da obſerviren nicht unbillich unſere Theologi, daß bey man - chen Todesfaͤllen nicht zu leugnen ſey / Voluntas Dei abſoluta & Peculiaris, man erkenne daß ein ſonderlicher unumbſchrenck - ter Wille des Hoͤchſten darinnen walte und gubernire; Daß ei -nem43.[43]Chriſtliche Leichpredigt. nem Menſchen ſein Stuͤndlein ploͤtzlich komme / daß keine Mittel nicht nuͤtzen oder nicht gebrauchet koͤnnen werden / es ſind denn ſolche Zufaͤlle da man fuͤhlet Gottes Hand / und man bekennen muß / das hat GOtt gethan / und mercken daß ſein Werck ſey / Pſal. 64. Man muß nur ſagen /Pſ. 64, 10. das kom̃t vom HErrn / darumb koͤnnen wirGen. 24, 50. nichts dawieder reden / Geneſ. 24. Der Seel. HerrHülſeman. Brev. cap. 4. d. 14. p. 44. D. Hûlſemann ſaget hiervon: Non tenetur Deus in asſignan - do modo & termino mortis temporalis, æqvalem modum ſervare. GOtt iſt nicht verbunden in Beſtimmung der Art und der Zeit des zeitlichen Todes / eine gleiche Schnur / Maß und Weiſe zu halten. Qvamobrem neq; omnis neq; nullus humanæ vitæ Terminus peculiari & abſoluta Dei volunta - te ſic conſtitutus eſt. Derohalben nicht allen / auch nicht gar keinen des Menſchlichen Lebens Ziel auff ſonderliche und un - bedungene Weiſe beſtimmet. GOtt machts nach ſeinem Rath und freyem Willen. Er laͤſſet die Menſchen Kinder ſterben / und ſpricht / kom̃t wieder MenſchenPſal. 90, 4. Kinder / Pſal. 90. Will Er jemanden laͤnger laſſen leben / ſo darff Er keinem dafuͤr Rechenſchafft geben. So ich will daß er bleibe / biß ich komme / was gehet es dich an? Johan. 21. Daß jene zarte Kinder zu BethlehemJoh. 21, 22. durch die Tyranney Herodis umbgebracht worden / war einWerck der freyen Diſpoſition Gottes / Matth. 2. Der fuͤrtrefflicheMatt. 2, 16. D. Dannhawer ein Straßburgiſcher Theologus, giebt einDannhavv. Theol. Con ſcient. part: 2. p. 165. ſeq: 169. ſeq. Gleichniß von einem Koͤnige / der auff zweyerley weiſe in ſeinem Reiche haußhaͤlt / nutu vel abſoluto vel hypothetico, entwe - der daß ſchlechter Dinge muͤſſe geſchehen was er will / oder daß in etlichen Dingen eine gewiſſe Maaßgebung iſt / da er den Unterthanen ihre gewiſſe Freyheit laͤſſet. So iſt auch die Wal -F 2tung44.[44]Chriſtliche Leichpredigt. tung Gottes des Allerhoͤchſten bey Uns / in manchen Abſoluta & peremptoria, ſie gehet ſchlechter Dinge durch / wie es Got - tes Rath beſchloſſen hat / und kan nicht geendert werden / und daſſelbe finde ſonderlich ſtatt / wenn da fuͤrkommen ϑεῖα ἀπὸ μη - χανῆς illapſa, ſolche unverfehene uñ unverhoffte Faͤlle / da bey man erkennet / daß Gottes Hand darunter ſey. Da iſt denn Hora Di - vina, die Stunde von Gott beſtim̃t. Die Juͤden waͤren gerne eher dem HErrn Chriſto zu Halſe geweſen / aber niemand grieff Jhn / denn ſeine Stunde war noch nicht kommen /Joh. 8, 20. Joh. 8. Bey Hiskia, war wol Hora Humana, das Ziel der Natuͤrlichen Kraͤffte war wol aus / aber ein anders war Hora Divina, die Goͤttliche Stunde / die Jhm noch 15. Jahr am Le - bensziel zuſetzte. Mancher Menſch hat eine gute Natur / koͤnte mit Mitteln gerettet werden / aber GOtt der HErr ſchicket einen Schlagfluß / der alle Mittel niederſchlaͤget und ausſchleuſt. Da muß man alles Gottes Weißheit anheim ſtellen / und heiſſet denn: Hic jubet Plato qvieſcere, Wir muͤſſen den Finger auff den Mund legen. Uns gebuͤhret nicht zu wiſſen Zeit oder Stunde / welche der Vater ſeiner MachtRiver. Praxi Medicâ L. 1. c. 2. p. 15. vorbehalten hat / Actor. 1. Riverius, ein vornehmer Frantzoͤſcher Medicus, erzehlet von dem Hieronymo Fraca - ſtario, der auch ein beruͤhmter Artzt zu ſeiner Zeit geweſen / daß ihm bey Tiſche mitten unter dem Eſſen ein Schlagfluß gefallen / da er denn gewincket / man ſolte ihm Cucurbitulas oder Fanto - ſen appliciren, und den Fluß revelliren und abtreiben / weils aber von den Umbſtehenden niemand verſtanden / ſey der ge - lehrte Mann alſo blieben. Jn ſolchen Faͤllen geben wir billich GOtt dem HErrn die Ehre / und untergeben uns ſeinem Vaͤ -Auguſt: in Pſal. 248. terlichen Willen. S. Auguſtinus ſaget in dieſem Fall wol; Du ſprichſt: Siehe / GOtt der HErr ſchlaͤget den Frommen / und laͤſſet freygehen den Gottloſen? Noli mirari, undecunq; mors Pio bona eſt. Laß dichs nicht wunder nehmen / einem frommenMen -45.[45]Chriſtliche Leichpredigt. Menſchen komme der Todt her / woher er wolle / ſo iſt er ihm gut. Was weiſtu aber / was dem Gottloſen vor eine Straffe vorbe - halten werde. Wuͤrden die nicht wuͤntſchen / daß ſie vom Don - ner und Feuer umbkommen waͤren / die am Ende die Stim̃e wer - den hoͤren: Gehet hin ihr Verfluchten in das hoͤl - liſche Feuer: Ja / ſaget man / Es iſt gleichwol elende / wenn man ploͤtzlich / als im Schiffbruch oder ſonſten jehling ſtirbet / beſſer iſts vom Feuer verzehret werden. Einer ſterbe / antwor - tet drauff Auguſtinus, wie er wolle / es wird gefraget / wer der ſey der da ſtirbet / und wo er nach dem Tode hinfahren werde / nicht durch was vor Zufall Er von dieſem Leben abſcheide. Den - cke doch was vor Ende und Außgaͤnge haben die Maͤrtyrer ge - habt. Jſt nicht einer durch das Schwerdt / ein ander durchs Feuer / ein ander durch wilde Thiere hingericht worden. Sie wuſten doch wol / daß GOtt der HErr ihre Coͤrper von allen En - den wieder zuſammen bringen koͤnte / als der alle unſere Haar auf unſerm Haupte gezehlet hat. Fuͤrchte du nur GOtt / und ſey from̃ / daß / von welchem Orte oder durch welche Gelegenheit dich der HErr abfordern / du bereit ſeyſt. Denn du biſt nur ein Mieths-Mann / nicht ein Beſitzer des Hauſes. Das Hauß iſt dir vermiethet / nicht eigenthuͤmblich uͤbergeben / du wirſt muͤſſen wandern / ob du gleich nicht wilſt. Du haſts nicht mit dem Be - dinge bekommen / daß die Zeit in deiner Gewalt ſtehe. Was hat dir GOtt geſaget? Wenn Jch werde wollen daß du raͤumen ſolſt / ſo ſiehe zu daß du bereit ſeyſt. Jch treibe dich aus der Her - berge / Jch will dir aber ein Hauß im Himmel geben: Du biſt allhier ein Frembdling auff Erden / du ſolt ein Beſitzer im Him - mel ſeyn; Darauff giebet er eine feine Regel: Quicquid hic accidit contra Voluntatem noſtram, noveris non accidere, niſi de Voluntate Dei, de Providentiâ ipſius, de nutu ipſius, de Lege ipſius. Was uns allhier wieder unſern Willen wieder - faͤhret / das wiſſe daß es nicht anders geſchehe als nach GOttesF 3Willen /46.[46]Chriſtliche Leichpredigt. Willen / nach Gottes Verſehung / nach ſeinem Wuntſch / nach ſeinem Rathſchluß / ob wirs gleich nicht wiſſen warumb es ſo ge - ſchehe / man gebe es ſeiner Vorſorge anheim / daß GOtt ſeine Ur - ſache habe. Wenn du in eine Schmiede kaͤmeſt / du wuͤrdeſt dich nicht unterfangen die Blaſebalcken / den Amboß / die Hammer zu tadeln / wenn aber ein unwiſſender Menſch waͤre / der alles ta - delte / wuͤrde es nicht der Meiſter beſſer wiſſen und verſtehen / als dieſer? In Officinâ non audes vituperare Fabrum & audes in hoc mundo reprehendere Deum. Jn der Werckſtatt un - terfaͤngeſtu dich nicht den Schmidt zu tadeln / und wilſt in dieſer Welt GOtt dem HErrn fuͤrſchreiben? Darumb iſts einig und allein der HErr Zebaoth / der wunderlich herrſchet und regieret / und hat ſeine Waltung laſſen ſehen an unſerm Seeligen Herrn Hoffmann, an dem GOtt der HErr erwieſen hat Felicia Fata, ſeine ſonderliche Gnade in ſeinem Leben. GOtt hat Jhn wun - derlich gebildet in MutterLeibe / Job. 10. Jn ſeiner Jugend hat Jhn GOtt der HErr wol laſſen erzogen werden / in freyen Kuͤn - ſten eine tapffere Wiſſenſchafft Jhm gegeben / Jhm allerley Lei - bes - und Seelen-Wolthat erzeiget / daß Er in ſeinem Vaterlan - de geehret / von hohen Haͤuptern geliebet und gefoͤrdert worden. Jſt Er etwa aus Schwachheit gefallen / GOtt der HErr hat Jhn nicht verworffen; Hat Er Gefahr gehabt / Er hat nicht Schiff - bruch erlitten / die gutte Hand Gottes hielt uͤber Jhn / daß Er war ein Gefaͤß der Goͤttlichen Barmhertzigkeit / und hat ſeinem Vaterlande wol nutzen koͤnnen. Sonderlich muß man das nach - ruͤhmen dem Seeligen Manne / daß Er ein Liebhaber und Be - foͤrderer der Gelehrten geweſen / und wie er ſelber wol ſtudieretScalig: Ex - erc. 9. con - tra Cardan: p. 44. hatte / und wol empfand was Scaliger aus dem Avenroe an - zeicht / Hominem indoctum & doctum ita differre, ut de ipſis natura hominis non æqualiter prædicetur, Ungelehrte Leute waͤren faſt halbe Menſchen. Und was der beruͤhmte BarthiusBarthius. ſchreibet: Meliorem unum eſſe Diem hominis ſapientis, quam totam vitam fatui alicujus, atq́; obtuſo Ingenio, Eingelehr -47.[47]Chriſtliche Leichpredigt. gelehrter und verſtaͤndiger Mann richte in einem Tage mehr aus / als ein Unverſtaͤndiger in ſeinem gantzen Leben; Die Schreibe - Feder muß doch Kaͤyſerin bleiben / ſagte der Seelige Herr Lu -Luth. Tom. 4. German: Judic. 5, 14. therus aus den Worten Deboræ, Jud. 5. Von Sebulon ſind Regierer worden durch die Schreibefeder / Als hatte Er vor ſei - nem Ende Legata geſtifftet / davon die ſtudierende Jugend Sti - pendia und Mittel zu den Studiis ins kuͤnfftige bekommen ſoll. Welches bey dem Seeligen Herrn eine ſehr gute Intention fuͤr ſein Vaterland geweſen / dero wir auch billich guten Fortgang wuͤntſchen / und werdens vielleicht noch die Nachkommen mit Danck erkennen. Auch hat nun GOtt der HErr mit Jhm im Tode gehalten Terminum Sapientiæ, das Ziel ſeiner Weiß - heit / daß Er Jhn mit einem jehlingen Zufalle von hinnen weg - genommen / dabey ja Gottes Gnade iſt / daß Er nicht unter wegens blieben / ſondern zu Hauß bey ſeiner Liviâ Abſcheid genommen. Es hat GOtt den Seel. Herrn zuvor etliche mahl mit Kranck - heit gewarnet / und bey Jhm angeklopffet: Daß nun der letzte Anſtoß ſchnelle geweſen / darff memand richten. Wer biſtu / daß du einen frembden Knecht richteſt? Er ſtehet oder faͤllet ſeinem HErrn / Rom. 14. DerRom. 14, 4. Eventus und Außgang wirds wol weiſen / wie wol dem Seeligen Herrn wiederfahren ſey / daß Er von manchen Turbis weg iſt / daß nun ſeine Glieder ruhen / Wir werden ſagen: GOtt ſey Lob / daß der Seelige Mann diß Elend nicht erlebet hat / wie haͤtte Er ſich ſollen aͤngſten. Drumb bekennen wir nur: Der HErꝛMarc. 7, 37. hat alles wol gemacht / Marc. 7. Der HErr muͤſſe hoch gelobet ſeyn / der ſeinem KnechtePſal. 35, 27. wol will / Pſ. 35.

Wir48.[48]Chriſtliche Leichpredigt.

II.

Wir haben aber ferner auch zu betrachten: Annuli Ma - teriam & Subjectum, Wer denn dieſer Pittſchafft-Ring Gottes ſey. Wem dieſe Ehre wiederfahre / daß er heiſſe Gottes Pittſchafft-Ring. Das ſind die Glaͤubigen und außerwehlten Kinder Gottes / die vor GOtt ſo hoch geſchaͤtzet ſind / dero Bild traͤget allhier im Text SeruBabel: Jch will dich Seru - Babel / du Sohn Sealthiel nehmen / und wil dich wie ein Pittſchafft-Ring halten. Vor dem Mardochai ließ Ahaſverus außruffen: So wird man dem Mann thun / den der Koͤnig gerne ehrenEſther 7. wolt / Eſth. 7. Ach wie ſchoͤne thut GOtt der HErr mit de - nen / die Jhn lieben / die Jhm dienen. Er fuͤhret nicht allein eineDeut. 32, 10. Pſal. 27, 8. Eſa. 46, 3. Cant. 7, 6. Special-Sorge fuͤr Sie / als fuͤr ſeinen Augapffel / als fuͤr ſeine Kinder die Jhm in der Mutter liegen / als fuͤr ſeine theuͤre Soͤh - ne / und traute Toͤchter / als fuͤr ſeine Liebe / in Wolluͤſten / als fuͤr ſeine Handſchrifft / als fuͤr ſeine geheime Wohnung / als fuͤr ſei - nen verſchloſſenen Luſtgarten / und verſiegelten Wunder Born / da edle Fruͤchte / Granataͤpffel / Cypern mit Narden / Narden mitCant. 4, 12, 13, 14, Franciſe. Vatabl. not. ad Hagg. 2, 23. Matt. 1, 12, 13 Hoſ. 3, 5. Conf. Meiſ - ner. Comm. in Hoſe c. 3. p. 320. Jun. & Tre - mel. in nor. ad Hagg. 2, 23. Saffran / Kallmus und Cinamey wachſen / Cant. 4. Sondern Sie ſind auch ſein werther Pittſchafft-Ring / denn ſo nennet Er dieſen SeruBabel / und beſchreibet ihn 1. A Nomine, vom Nah - men. Die Interpretes etliche / ziehen dieſe Weiſſagung auf den HErren Mesſiam, deſſen Zukunfft in dieſer Weiſſagung ange - kuͤndiget werde / den nennet der Heilige Geiſt Zerobabel, weil Er von Zerobabel herkoͤm̃t / wie das Geſchlecht-Regiſter beym Matthæo außweiſet / c. 1. wie Er auch ſonſten David genennet wird / Hoſ. 3. Den nenne Er ſeinen Knecht / nach der menſchli - chen Natur / weil Er ſeinen Willen gethan / Pſal. 40. Den habe Er erwehlet zum Erloͤſer des Menſchlichen Geſchlechts. Der HErr Mesſias war ein Sohn Davids und SeruBabels / dieJhn49.[49]Chriſtliche Leichpredigt. Jhn fuͤrgebildet / und in ihren Lenden gehabt / wie der Apoſtel von Abraham redet / Ebr. 7. ſaget Jun. und Tremell. an dieſem Ort.Ebr. 7, 9, 10. Der Nahme SeruBabel heiſſet ſo viel / als zu Babel geaͤngſtiget / oder der einen Eckel vor Babel traͤget. Babel heiſſet eine Ver - wirrung / weil GOtt der HErr daſelbſt die Sprachen der Voͤlcker verworren hatte / Geneſ. 11, 9. SeruBabel / einer der vor derGen. 11, 9. Verwirrung einen Scheu traͤget. Dieſen Nahmen fuͤhrte der erſte Fuͤrſt des Juͤdiſchen Volckes / nach der Babyloniſchen Ge - faͤngniß / der war ein frommer Herr / und fieng an zu bauen dasZach. 4, 7, 9, 10. Eſræ 5, 2. Zach. 4, 7. Eſa. 49, 23. Hag. 1, 1, 14. 1. Chron. 3, 17. Hauß Gottes / Zach. 4. Fuͤr ihm muſte der groſſe Berg eine Ebene ſeyn / an dem GOtt der HErr beweiſete / daß Fuͤrſten ſei - ner Kirchen Seuͤgammen waͤhren / Eſ. 49. Er wird ferner be - ſchrieben / 2. à Genere: Er iſt geweſen einSohn Sealthiel / Hag. 1. Der da war von den Kindern Jechania, 1. Chron. 3. Er wird auch beniemet 3. à Functione: Seinem Ampt nach / daß Er ein Knecht Gottes geweſen / denn er ſchaffete / daß Zion gebauet ward / und daß Steine und Kalck zugefuͤhret worden / Pſal. 102. Pſal. 102, 15Dieſen Titel fuͤhrte auch Moſe / von dem GOtt der HErr ſaget: Mein Knecht Moſe iſt geſtorben / Joſ. 1. O desJoſ. 1, 2. ſchoͤnen Ehrentittels? Servire Deo, ſagten die Alten / regnare eſt. GOtt dienen / iſt ſo viel als herrſchen. Ein Knecht Got -Phìlo de Cherubim. tes ſeyn / ſaget Philo, iſt der hoͤchſte Ruhm / und uͤbertrifft nicht allein allen Adel und Freyheit / ſondern auch allen Reichthumb / Herrſchafft / und was ſonſten groß und anſehnlich bey den Men - ſchen iſt. Es waͤren hier viel Lehren auszufuͤhren / wir wollen nur das nehmen / was zur Sache dienet. Treue Regenten / wie unſer Seel. Herr Hoffmann geweſen / ſind rechte Seru Babel. Ravanell. Biblioth. ſa - cræ Tit. Zo - robabel. Ravanellus g