PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Chymiſche Hoch - zeit: Chriſtiani Roſencreuͤtz. Anno 1459.
Arcana publicata vileſcunt; & gra - tiam prophanata amittunt. Ergo: ne Margarit as obijce porcis, ſeu Aſino ſubſterne roſas.
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Straßburg /In Verlaͤgung /Lazari Zetzners. Anno M. DC. XVI.
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Das Erſte Buch.

Dies I.

AN einem Abend vor dem Oſtertag / ſaß ich an einem Tiſch / vnd wie ich mich meiner gewon - heit nach mit meinem Schoͤpf -Meditati[o]. fer / in meinem demuͤtigen Ge - bett gnugſam erſprachet: Vnd vielen groſſen Ge - heimnuſſen: (deren mich der Vatter deß Liechts ſeine Majeſtaͤt nit wenig ſehen laſſen) nachge - dacht. Auch nuhn mir mit meinem lieben Oſter - laͤmblein / ein ohngeſaͤurt / vnbeflecktes Kuͤchlein in meinem Hertzen zubereitten woͤllen / kommet einsmals ein ſolcher grauſamer Wind daher / das ich nit anders meinte / dann es wurde der Berg / darein mein Haͤußlein gegraben / vor groſſem ge - walt zerſpringen muͤſſen. Weil mir aber ſolches vnd dergleichen an dem Teuffel (der mir manch leyds gethan) nit ant that / faſſet ich einen muth / vnd blieb in meiner Meditation, biß mich / wider mein gewonheit jemand auff den Rucken anre - get / darvon ich dermaſſen erſchrocken / das ich mich kaum vmbſehen doͤrffen / noch ſtellet ich mich ſo frewdig / als Menſchliche ſchwachheit zu der - gleichen ſachen ſein kan. Vnd wie mich ſolch dingPræconiſſa, zu etlich mahlen beim Rock zupffet / ſihe ich hin - vmb / da war es ein ſchoͤn herꝛlich Weibsbild / de - ren Kleid gantz blaw / vnd mit gulden Sternen /A ij4Chymiſche Hochzeit:wie der Himmel zierlich verſetzt geweſen. In der rechten Hand trug ſie ein gantz guldin Poſaun / daran ein Nam geſtochen geweſt / den ich wol le - ſen kund / mir aber nochmahlen zu offenbaren ver - botten worden: In der lincken Hand hatte ſie ein groſſes buͤſchel Brieff / von allerley ſprachen / die ſie (wie ich hernach erfahren) in alle Land tra - gen muſte: Sie hatte aber auch Fluͤgel / groſſe vnd ſchoͤn / voller Augen / durch vnd durch / mit denen ſie ſich auffſchwingen / vnnd ſchneller dann kein Adler fliegen kundt. Ich hette vielleicht noch mehr an jhr koͤnnen notieren / Aber weil ſie ſo kurtz bey mir geblieben / vnd noch aller ſchreck vnd ver - wunderung in mir geſtecket / muß ichs ſo ſein laſ - ſen. Dann ſo bald ich mich vmbgewendet / blaͤt - tert ſie jhre Brieff hin vnd wieder / vnd zeuͤcht ent - lich ein klein Briefflein herauß / welches ſie mit groſſer Reverentz auff den Tiſch gelegt / vnd ohne einig wort / von mir gewichen. Im auffſchwin - gen aber hat ſie ſo kraͤfftig in jhr ſchoͤne Poſaunen geſtoſſen / das der gantze Berg davon erhallet / vnd ich faſt ein Viertel ſtund hernach mein eygen wort kaum mehr gehoͤret. In ſolcher vnverſehe - ner Abentheur wuſte ich mir Armen ſelbſten we - der zu rahten noch zu helffen: fiel deßwegen auff meine Knie / vnd bat meinen Schoͤpffer: Er wol - te mir nichts wider mein Ewiges Heyl zugehen laſſen: Gieng darauff mit forcht vnd zittern zu demEpiſtola. Briefflein / das war nuhn ſo ſchwer / das / da es lauter Goldt geweſen were / hette es kaum ſo ſchwer ſein koͤnnen. Wie ich es nun fleiſſig beſihe /befinde5Chriſtiani Roſencreuͤtz.befinde ich ein klein Sigill / damit es vermacht /Sigillum. Darauff war ein zartes Creuͤtz gegraben / mit der Inſcription: In hoc ſigno vinces. So bald ich nun das Zeichen befunden / war ich deſto getroͤ - ſter / als welchem nit vnbewuſt / daß ſolches Si - gill dem Teuͤffel nit annemlich / vielweniger ge - braͤuchlich were. Macht derowegen das Brief - lein ſubtil auff: Darinnen befand ich im blawen Feld mit guldenen Buchſtaben / nachfolgende Verß geſchrieben.

Heut / Heut / Heut /
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Iſt deß Koͤnigs Hochzeit /
Biſtu hierzu gebohren /
Von Gott zu Frewd erkohren /
Magſt auff den Berge gehen /
Darauff drey Tempel ſtehen /
Daſelbſt die Geſchicht beſehen.
Halt Wacht /
Dich ſelbſt betracht /
Wirſt dich[nit fleiſſig] baden /
Die Hochzeit kan dir ſchaden.
Schad hat wer hie verzeuͤcht /
Huͤet ſich wer iſt zu Leicht /
Vnden an ſtund: Sponſus & Sponſa.

Da ich nuhn dieſen Brieff geleſen / erſt woltede Nuptiis. mir gantz geſchwinden / alle Haar giengen mir zu Berg / vnd lieff mir der kalte Schweiß vber den gantzen Leib herab / dann ob wol ich merckte / daß diß die angeſtelt Hochzeit were / von deren mir vor ſieben Jahren in einem Leiblichen Geſicht geſagtA iij6Chymiſche Hochzeit:worden / auch welcher ich nuhn ein ſo lange zeit mit groſſem verlangen gewarttet / vnd endtlich in fleiſſiger nachrechnung vnd Calculation meiner annotierten Planeten alſo befunden / haͤtte IchRequiſita in hoſpiti - bus: ſecun - dum 7. pon - dera. mich doch nimmermehr verſehen / daß es mit ſo ſchweren vnd gefaͤhrlichen Conditionen wuͤrde zugehen. Dann da ich zuvor gemeint: Ich doͤrffte nur gerad bey der Hochzeit erſcheinen / da wurde ich willkom̃en vnd lieber Gaſt ſein / jetzt aber weiſt1. Electi[a]in - certa. es mich auff Goͤttliche verſehung / derer ich noch dißfals nim̃er gewiß: ſo befandt ich auch bey mir ſelbſt / je mehr ich mich ſelbſten erwegete / das in2, Inſcitia, Ignorantia cæcitas Mentis. meinem Kopff nichts dann groſſer vnverſtandt / vnd blindheit in geheymen ſachen were / auch daß nit verſtehen kundt / daß mir vnter den Fuͤſſen ge - legen / vnd mit dem ich taͤglich vmbgangen / viel3. weniger daß ich ſolte zu erforſchung vnd erkandt -4, Naturæ. ſecrata. nuß der Natur Secreten gebohren ſein / weil mei - nes erachtens die Natur allwegen einen Tugent -5. licheren diſcipel hette findẽ moͤgẽ / dem ſie jhren ſo theuͤren / gleichwol zeitlichen vnd vergaͤnglichen6. Schatz vertrawete. So befand ich auch daß mein Leib-vnd euſſerlicher guter wandel vnd Bruͤder - liche lieb gegen meinem nechſten auch nit recht gereiniget / vnd geſeuͤbert were. So erzeigt ſich auch noch deß Fleiſches kuͤtzel / welchem ſein SiñMundana affectio. nur zu hohem anſehen / vnd weltlichem Pracht / nit dem neben Menſchen zu gut ſtund / vnd jm̃er gedachte / ey wie koͤndte ich durch ſolch Kunſt mei - nen nutzen in kurtzem ſo trefflich befoͤrdern / ſtatli - che Gebaͤw auffuͤhren / ein ewigen Namen in derWelt7Chriſtiani Roſencreuͤtz.Welt machen / vnd was dergleichen fleiſchliche gedancken mehr ſein / ſonderlich aber bekuͤmmer - ten mich die dunckele Wort / von den 3. Tempeln / die ich mit keinem nach dencken zuwegen bringen koͤndte / Auch villeicht noch nit kundte / wann mir ſolches nit wunderbarlich were eroͤffnet wor - den. Wie ich nuhn in ſolch forcht vnd hoffnung ſteckte / mich ſelbſten hin vnd wider erwegete / zu allmahlen aber nur wein Schwachheit / vnd vn - vermoͤglichkeit befande / vnnd alſo mir ſelbſten in keinen weg helffen konte / auch mich vor gemelter betrawung hefftig entſetzete: griff ich entlich nachPrecet. meinem gewoͤnlichen vnd aller ſicherſten weg / le - gte mich nach vollendtem ernſtlichem vnd eifferi - gem Gebett in mein Bett: Ob mir doch mein gu - ter Engel auß Goͤttlicher verhengnuß moͤcht er - ſcheinen / in dieſem zweifelichem handel / wie vor - mals etlichmal beſchehen / berichten / welches dañ auch Gott zu Lob / mir zum beſten / vnd meinem Nechſten zu trewlicher vnd hertzlicher warnung vnd beſſerung geſchehen. Dann wie ich kaum ent - ſchlaffen / dauchte mich / ich lege in einem finſternViſi[o]per ſomnum. Turris - citatis, Thurn neben andern vnzahlbaren Menſchen / an groſſen Ketten gefangen / darinnen wir dann ohn alles Leicht vnd ſchein / wie die Immen vbereinan - der gewimlet / vñ alſo einer dem andern ſein truͤb - ſal noch ſchwerer gemacht: wiewol nuhn weder Ich / noch vnſer keiner ein ſticken geſehen / hoͤret ich doch jmmer ſich einen vber den andern zuer - heben / wann ſein Ketten oder Springer / nur vmb das geringſte leichter geweſen / ohn angeſehen /A iiij8Chymiſche Hochzeit:vnſer keiner dem andern viel auff zuheben hatte: Weil wir allezumahl gemachte tropffen geweſen. Wie ich nun auch in ſolchem Truͤbſal mit andern ein gute weil verhartte / vnd jmmer einer den an - dern ein blinden vnd gefangenen geſcholten / hoͤ - ren wir entlich mit viel Trommeten zuſamen bla - ſen / auch die Heertrommel ſo Kuͤnſtlich darzu ſchlagen / daß es vns dennoch in vnſerm CreuͤtzIlluſtratio. erquickt vnd erfrewet hatt. Vnter ſolchem gethön wirdt der Deckel am Thurn oben auffgehoben / vnd vns ein wenig Liechts zu gelaſſen. Da hette man vns erſt recht ſehen durch einander burtzlen / dann da gieng alles durch einander / vnnd muſte etwa der / ſo ſich zu viel erhoben / andern vnder die Fuͤß kommen / Summa / ein jeder wolt der oberſt ſein / wie ich mich dann ſelbſten nit geſaumt / ſon - dern mit meinen ſchweren Springern / dannochLæpis præ - ſidi[i]. vnder andern herfuͤr gewiſcht / vnd an einen ſtein / den ich erwiſcht / erhoben / wiewol ich auch da et - lich mahl von andern angriffen worden / da ich mich allweg / ſo gut ich gemoͤcht / mit Haͤnd vnd Fuͤſſen erwehrt / dann wir meineten nit anders / dann wir werden alle ledig gelaſſen werden / wel - ches doch weit anders geſchehen: Dann nach dem ſich die Herꝛen / ſo oben vom Loch deß Thurns auf vns hinab geſehen / durch ſolches zabeln vnd wuͤn - ſeln ein wenig erluſtriert / heiſſet vns ein AlterMagiſter carceris. Eyßgrawer Mann ſtill ſein / vnd wie er diß kaum erhalten / fanget er / wie ich es noch behalten / alſo an zu reden:

Wann9Chriſtiani Roſencreuͤtz.
Wann ſichs nit thet erheben /
Das arm Menſchlich geſchlecht /
Wer jhm viel guts gegeben /
Von meiner Mutter recht /
Weils aber nit will folgen /
Bleibt es in ſolchen ſorgen /
Vnd muß gefangen ſein.
Noch will mein liebe Mutter /
Vide S. Bern hard. ſerm. 3, de 7. frag mentis.
Anſehen jhr Vnarth nicht /
Laſt jhre ſchoͤne Guͤtter /
Zu viel kommen ans Liecht /
Wiwol ſolchs geſchicht garſelten /
Damit ſie auch was gelten /
Sonſt helt mans fuͤr ein Gdicht.
Darumb dem Feſt zu ehre /
Welchs wir heut feyren thun /
Das man jhr Gnad vermehre /
Ein gut Werck will ſie thun /
Das Seil wird man jetzt ſencken /
Wer ſich daran wirdt hencken /
Der ſelb ſoll werden los.

Wie er nun diß kaum außgeredt / befahle die Alte Fraw jhren Dienern / das Seil in den ThurnMagiſtr[a]Reſtis. zu ſieben mahlen hinab zulaſſen / vnd wer da be - hangen wurde / herauff zuziehen. O wolte GottSepties. ich koͤndte gnugſam beſchreiben / was vnruh ſich dazumahl vnder vns erhaben / dann jeder wolt an das Seyl fallen / vnd hindert doch nuhr einer den andern. Es war aber nach ſieben minuten / mitPrima ve - ctura. 4. dem Gloͤcklein ein Zeichen gegeben. Darauff die Diener auffs erſte mahl vier außgezogen / dannA v10Chymiſche Hochzeit:dazumal konte ich noch bey weitem zum Seil nit kommen / als der ich mich / wie vorgemelt / zu mei - nem groͤſten vngluͤck / an der Wand deß Thurns auff einen Stein / begeben / vñ deßwegen zũ Seil / daß in der mitten hinab gangen / nit kommen moͤ -Secunda. gen. Deß andern mals / wirdt das Seil hinab ge - laſſen / Aber weil manchem die Ketten zu ſchwer / die Haͤndlin aber zu weich geweſen / kondte / er ſich am Seil nit erhalten / ſonder ſchlug noch wol manchen der ſich villeicht erhalten hette / mit ſich hinab / Ja es wurde noch wol mancher von eim andern herab geriſſen / der doch ſelbſten nit dahin kom̃en konte / waren alſo in vnſerm groſſen Elend noch neydig auf einander. Die aber daurten mich ſelbſten am aller vbelſten / denen jhr Gewicht ſo ſchwer geweſen / daß ſie jhnen ſelbſt die Hand auß dem Leib geriſſen / vnd doch nicht hinauff kommen koͤnnen. Alſo kams / das zu den fuͤnffmahlen gar wenig auffgezogen worden: Dann ſo bald das Zeichen ward gegeben / waren die Diener mit dem auffziehen ſo ſchnell / das der mehrtheil vber ein ander geburtzelt / ſonderlich aber das fuͤnffte mahl das Seil gar ler auffgezogen worden / deß wegen der mehrtheil / auch ich ſelbſten an vnſer erledi - gung verzagt / vnd Gott angeruffen / er wolte ſich vnſer erbarmen / vnd da es muͤglich auß dieſer fin - ſternuß vns erloͤſen: der dann auch etliche vnderSextæ, vns erhoͤrt. Dann da das Seil zum ſechſten mal kommet / hencken ſich jhrer etliche[feſtiglich] dar - an. Vnd weil das Seil im auffziehen hin vnd her ſchwancket / iſt es villeicht auß Goͤttlichem willenzu mir11Chriſtiani Roſencreuͤtz.zu mir gefahren / welches ich ſchnell erhaſchet / zu obriſt auff alle andere geſeſſen / vnd alſo entlichVulnus ex turre cœci - tatis. wider verhoffen herauß kommen / welches mich hoch erfrewet / das ich der Wunden / ſo ich am Kopff / von eim ſpitzigen Stein im auffziehen em - pfangen nit empfunden / biß ich mit andern erle - digten / den 7. vnd letzſten zug / thun helffen (wieSeptimæ. zuvor allweg beſchehen) muͤſſen / da mir dann von arbeit das Blut vber mein gantzes Kleid abgelof - fen / welch ich doch vor frewd nit geacht haͤtte: wie nun auch der letſte zug / daran noch am allermei - ſten gehangen / vollendt geweſen / laſſet die Fraw das Seil hinweg thun / vnd jhren vhralten SohnMagiſtræ filius. (deſſen ich mich hoͤchlich verwundert) den an - dern gefangenen jhren beſcheid verkuͤndigen / der ſie dann nach wenigem bedencken alſo angeredt:

Ihr liebe Kind /
Die jhr hie ſind /
Es iſt vollendt /
Was lengſt erkennt /
Was meiner Mutter groſſe gnad /
Ewren beyden hie erwieſen hat /
Daß ſolt jhr jhn nit thun mißgoͤnnen /
Ein froͤlich zeit die ſoll bald kommen.
Darin einer wirt dem andern gleich /
Keiner wirt ſein arm oder reich /
Wem viel befohlen /
Muß viel holen /
Wem viel vertrawt /
Dem gehts and’haut /
Darumb12Chymiſche Hochzeit:
Darumb ſo laſt ewer groſſe klag /
Was iſts vmb etlich wenig tag.

So bald er die wort vollendt / ward der Deckel wider zu gethan / vnd verſchloſſen / vnd das Trom - meten vnd Heertrommeln wider angehoben / So laut kont aber der Thon nit ſein / man hoͤrt noch der gefangenen bittere klag / die ſich im Thurn er - hoben fuͤr allen herauß. Welches mir dann auchMagiſtra recenſet euectos. bald die Augen vbergetrieben. Bald ſetzt ſich die alt Fraw mit jhrem Sohn auff zubereitte Seſſel nieder / vnd befilcht die erloͤſte zu zehlen. Wie ſie nun die zahl vernommen / vnd auff ein GoldgelbSecretarius Taͤffelein auff geſchrieben / begert ſie eines jeden Namen / welche auch von eim Knaͤblein auffge - ſchrieben worden: Wie ſie vns nun nach einander anſihet / erſeuͤfftzet ſie / vnd ſpricht zu jhrem Sohn / das ichs wol hoͤren kundt: Ach wie tawren mich die arme Menſchen im Thurn ſo vbel / wolt Gott / ich doͤrffte ſie alle erledigen. Darauff der SohnCur non o - mnes euecti geantwortet: Mutter / ſo iſts von Gott verordnet / dem ſollen wir nit widerſtreben / wann wir alle Herꝛen weren / vnd alles Gut hetten auff Erden / vnd weren dann zu Diſch geſeſſen / wer wolt vns doch bringen zu eſſen. Deßwegen die MutterGratitudo auctorise -[u]ecti. geſchwigen / Aber bald darauff ſagt ſie: Nuhn ſo laſt doch dieſe von jhren Springern erledigen: Welches dann auch ſchnell geſchehen / vnnd war ich ohn wenig der letſte. Noch kundte ich mich nit enthalten / ob ich wol als auff andere geſehen / ſonder neiget mich vor der alten Frawen / vnnd dancket Gott / der durch ſie mich auß ſolchem Fin -ſternuß13Chriſtiani Roſencreuͤtz.ſternuſt / ans Liecht gnedig vnd Vaͤtterlich brin - gen woͤllen / welches dann auch andere nach mir gethon / vnd alſo die Fraw vernieget. Entlich wurde einem jeden ein guldiner denck - vnd zehr - pfenning gegeben / Darauff war auff der einenNummus aureus. Deus Lu[x]Solis. vel Deo Laus Semper. Mandatũ Taciturni - tatis. ſeitten die Sonn / wie ſie auffgieng gepreget / auff der andern ſeiten ſtunden meines behaltens dieſe drey Buchſtaben D. L. S. Damit einem jeden vr - laub gegeben / vnd zu ſeim thun geſchickt worden / mit dem anhang / wir ſolten zu Gottes lob / vn - ſerm Nechſten nutzen / vnd was vns vertrawet / verſchwigen behalten / welches wir auch zuthun verſprachen / vnnd alſo von einander geſchieden. Ich aber kundte von wegen der Wunden / ſo mir die Springer gemacht / nit wol fort kommen / ſon - der hinckte an beeden Fuͤſſen / welches die Alte bald erſehen / hieruͤber gelacht / vnd wider zu ſich gefor - dert vnd angeredt. Mein Sohn / laß dich dieſenDiſceſſus autoris. mangel nit bekuͤmmern / ſonder erinnere dich dei - ner Schwachheiten / vnd dancke daneben Gott / der dich zu ſo hohem Liecht / noch auff dieſer Welt / vnd im ſtand deiner vnvollkommenheit kommen laſſen / vnd behalte dieſe Wunden von meinet we -Vulnus ex comp[e]dibus gen. Darauff ſich dann das Trommeten abermal erhoben / welches mich dermaſſen erſchreckt / daßExpergefæ - ctio. ich erwacht / vnd erſt gemerckt das es nuhr ein Traum geweſen / welcher mir doch ſo ſtarck im Sinn gelegen / das ich mich noch jmmer vor dem Traum beſorget / ſo daͤucht mich auch / wie ich noch der Wunden an Fuͤſſen empfuͤnde. WieS[o]latium. nun dem allen / ſo verſtund ich doch wol / das mirvon14Chymiſche Hochzeit:von Gott verguͤnnet worden were / ſolcher heim - lichen vnd verborgenen Hochzeit beyzuwohnen / deßwegen ich ſeiner Goͤttlichen Majeſtaͤt hierum - ben mit Kindtlichem vertrawen gedanckt vnd ge -Precatio. betten / Er wolte mich ferner alſo in ſeiner forcht erhalten / mein Hertz taͤglich mit Weißheit vnnd verſtandt erfuͤllen / auch entlich zu erwuͤnſchtem end / ohne mein verdienſt gnediglich bringen. Dar -Præparætio ad iter. auff ruͤſtet ich mich auff den weg / zog meinen wei - ſen Leinen Rock an / vmbguͤrtet meine lenden mit einem Blutrohten Bendel kreuͤtzweiß vber die Achſlen gebunden / Auff meinen Hut ſteckt ich vier rohter Roſen: damit ich vnder dem Hauf - fen durch ſolche Zeichen koͤnte deſto eh gemerckt werden. Zur Speiß nam ich Brot / Saltz vnd Waſſer. Deren ich mich dann / auß raht eines Verſtaͤndigen / zu gewiſſer zeit nit ohne nutz in ſol - chen faͤhlen gebraucht. Ehe ich aber auß meinem Huͤttlein gewichen / fall ich zuvor in ſolchem mei - nem Apparat vnd Hochzeitkleid auff die Knuͤhe /Votum. vnd bitte Gott / das wa ſolches war / Er es doch mir zu eim gutẽ end gereichẽ laſſen wolt / hab auch darauff vor Gottes Angeſicht gelobt: daß da mir etwas durch ſein Gnad wurde eroͤffnet werden / Ich mich deſſelben weder zu ehr noch anſehen in der Welt / ſonder ſeines Namens befuͤrderung vnd dem neben Menſchen zu dienſt woͤlle gebrau - chen. Vnd bin mit ſolchem Geluͤbt / vnd guter Hoffnung mit frewden auß meiner Cellen ge - ſchieden.

Dies15Chriſtiani Roſencreuͤtz.

Dies II.

BLoß war ich auß meiner Cellen / in den WaldTripudium creatura - rum ob nu - ptias. kom̃en / da duncket mich ſchon / es hette ſich der gantze Himmel vnd alle Element / zu ſolcher Hochzeit geſchmucket. Dann auch die Voͤgel meines erachtens lieblicher ſungen dann zuvor / ſo ſprungen die junge Hirſchlin ſo frewdig daher / das ſie mein altes Hertz erfrewet / vnnd zu ſingen bewegt / fieng derwegen mit lauter Stimm auch alſo an zuſingen:

Frew dich du liebes Voͤgelein /
Dein Schoͤpffer hoch zu loben:
Dein ſtim erheb nun hell vnd fein /
Dein Gott iſt hoch erhoben /
Dein Speiß hatt er dir vorbereit /
Gibt dirs zu recht bequemer zeit /
Daran laß du dich genuͤgen.
Was wolſtu doch vnluſtig ſein /
Was wolſt vber Gott zuͤrnen /
Daß er dich wolt ein Voͤgelein ſein /
Wolſt das Koͤpfflin verwirꝛen /
Daß er dich nicht ein Menſchen gemacht /
O ſchweig er hatt es baß bedacht /
Daran laß du dich genuͤgen.
Was mach ich armer Erden Wurm /
Wolt ich mit Gott thun rechten /
Daß ich ſo in den Himmel ſtuͤrm /
Mit g’walt groß Kunſt z’erfechten /
Gott will ſich ja nicht bochen lan /
Wer hie nit daugt mach ſich darvon /
O Menſch laß dich genuͤegen.
Das16Chymiſche Hochzeit:
Das er dich nit zum Keyſer g’macht /
Das laß du dich nit krencken /
Sein Namen hetſt villeicht veracht /
Deß hatt er ſein bedencken:
Die Augen Gottes heller ſein /
Er ſicht dir gar ins Hertz hinein /
Drumb wirſt Gott nit betriegen.
Per ſyluam

Diß ſang ich nun von grund meines Hertzen / durch den Wald hindurch / daß es allenthalben erſchallte / vnd die Berg mir die letſten wort repe - tierten / biß ich entlich ein ſchoͤne gruͤne HeydenIn campũ. erſehen: Dahin ich mich auß dem Wald begeben. 3, Cedri. Auff dieſer Heyden ſtunden drey hohe ſchoͤne Ce - dern Baͤum / welche vmb jhrer breiten willen /3. Templa. ein herꝛlichen vnd erwuͤnſchten Schatten gege - ben / deſſen ich mich hoͤchlich erfrewet / dann ob ich wol noch nit weit gangen / machte mich doch das groſſe verlangen ſchier muͤed / deßwegen ich den Baͤumẽ zugeeylet / darunder ein wenig zu ruhen. Wie ich aber neher hinzu komme / erſihe ich einTabella Mercuria - lis. 1. Taͤfelein / ſo an den einen Baum gehefftet / Auff welches / da ichs nachmalen geleſen / nachfolgen - de wort / mit zierlichen Buchſtaben geſchrieben geweſen:

Hoſpes ſalue: ſi quid tibi forſitan de nuptiis Regis auditum. Verba hæc perpende. Quatuor viarum optionem per nos tibi ſponſus offert, per quas omnes, modò non in devias delabaris ad Re -1. giam ejus aulam peruenire poſſis. Prima breuis eſt, ſed periculoſa, & quæ te in varios ſcopulos de -2. ducet, ex quibus vix te expedire licebit. Alteralongior,17Chriſtiani Roſencreuͤtz.longior, quæ circumducet te, non abducet, plana ea eſt, & facilis, ſi te Magnetis auxilio, neque ad dextrum, neq́ue ſiniſtrum abduci patieris. Tertia3. verè Regia eſt, quæ per varias Regis noſtri delici - as & ſpectacula viam tibi reddet jucundam. Sed quod vix milleſimo hactenus obtigit. Per quar -4. tam nemini hominum licebit ad Regiam perve - nire, utpote, quæ conſumens, & non niſi corpo - ribus in corruptibilibus conveniens eſt. Elige nunc ex tribus quam velis, & in ea conſtans per - mane. Scito autem quamcunque ingreſſus fueris: ab immutabili Fato tibi ita deſtinatum, nec niſi cum maximo vitæ periculo regredifas eſſe.

Hæcſunt quæ te ſciviſſe voluimus: ſed heus ca - ve ignores, quanto cum periculo te huic viæ com - miſeris, nam ſi te vel minimi delicti contra Re - gis noſtri leges nôſti obnoxium: quæſo dum ad - huc licet per eandem viam, quâ acceſſiſti, domum te confer quàm citiſſimè.

So bald ich nuhn dieſe Schrifft geleſen / war mir ſchon alle frewd wider dahin / vnd der ich zu - vor froͤlich geſungen / fieng nuhn an jnniglich zu - weinen / dann ich ſahe gleichwol alle drey Weg vor mir / vnd wuſte auch das mir nach der zeit er - laubt were / mir einen Weg zuerwehlen / NochVia autoris Eligenda. beſorget ich / da ich auff den Steinigen vnd Fel - ſigen Weg kaͤme / moͤchte ich jaͤmerlich zu todt fal - len / Oder da mir der lange Weg wurde / koͤndte ich entweders durch abweg verirꝛen / oder ſonſten auff der weiten Reiß bleiben / So dorffte ich auch nit hoffen / das vnter tauſent ich eben der ſein ſol -Bte /18Chymiſche Hochzeit:te / der den Koͤniglichen Weg erwehlte. Den vierten ſahe ich gleichwol vor mir / aber er war mit Fewr vnnd Dampff dermaſſen vmbgeben / daß ich bey weitem nit hinzu nahen doͤrffte. Be - dachte mich alſo hin vnd her / ob ich wider vmb - kehren / oder der Wege einen fuͤr mich nemmenDubium. ſolte. Mein vnwuͤrdigkeit bedacht ich wol / aber mich troͤſtet als der Traum / da ich auß dem Thurn erlediget worden / vnnd dorffte mich doch nit kecklich auff ein Traum verlaſſen / deßwegenConfirma - tio. ich mich dann ſo lang hin vnnd wider beſonnen / biß mir von groſſer mattigkeit wegen / der hunger vnd durſt in Bauch kom̃en. Deßwegen ich baldColumba Alba arbo - ri Mercu - riali inſi - dens. mein Brot herfuͤr gezogen / vnd auffgeſchnitten / welches ein Schneeweiße Taub / ſo auff dem Baum geſeſſen / deren ich nit wahr genommen / erſehen / vnd deßwegen villeicht jhrer gewonheit nach herabgemacht / vnd zu mir gar heimlich ſich begeben / deren ich dann mein Speiß gern mit - getheilt: die es auch angenommen / vnd alſo durch jhr ſchoͤne / wider ein wenig erquickt. So bald es aber jhr feind ein ſchwartzer Rab erſehen / IſtCorvus Ni - ger. er gleich auff die Taub zugeſchoſſen / vnd gleich - wol meiner nit begert / ſondern der Tauben das jhre nemmen woͤllen / die ſich anders ni[t]dann mit fliehen erwehren koͤnnen. SeindtVerſus me - ridiem. deßwegen mit einander Mittagwerts zu ge - flogen / welches mich dann dermaſſen erzuͤr - net vnnd betruͤbt / daß ich auß vnbedacht dem loſen Raben nacheylt / vnnd alſo wider mei - nen willen / faſt einer Ackerlaͤnge weit / in derverzei -19Chriſtiani Roſencreuͤtz.verzeichneten Weg einen geloffen / vnnd alſo den Raben vertrieben / die Tauben aber erlöſt. Autor inci - dit in 2. vi - am incogi - tanter. Allererſt mercket ich / was ich vnbeſonnen ge - handlet / vnnd das ich allbereit auff ein Weg kommen / darvon ich nit wider (bey gefahr groſ - ſer Straff) weichen doͤrffte. Vnd wiewol ich mich noch etlicher maſſen haͤtte troͤſten koͤnnen / war mir doch das allermeiſt / das ich mein Saͤcklein vnd Brot bey dem Baum gelaſſen / vndes nim - mer holen kundte. Dann ſo bald ich mich vmb - kehret / war mir ein ſo groſſer Wind ſo ſtarck zu wider / das er mich leichtlich fellet / gieng ich dann zu dem Weg fort / ſo mercket ich gantz vnnd gar nichts / darauß ich leichtlich ſchlieſſen koͤn - nen / Es wuͤrde mir das Leben koſten / da ich mich ſolte wider den Wind legen. Nam deßwe - gen mein Creuͤtz gedultig auff mich / macht mich auff die Fuͤß / vnd gedachte / weil es je ſein muſte / woͤlle ich dahin arbeiten / das ich vor Nacht koͤn - te dahin kom̃en. Wiewol ſich nuhn manch ſchein - licher abweg erzeiget / wiſchet ich doch allweg mitCompaſſus. meinem Compaß herauß / vnnd wolte von der Mittaglini vmb kein Schritt nit weichen / wie - wol der Weg manchmal ſo rauch vnd vngebant geweſen / daß ich nit wenig ob jhm gezweiffelt /Diuerſoriũ auff ſolchem Weg gedacht ich ſtettigs an die Tau - be vnd Raben / vñ kundte es doch nit erſpeculierẽ: Biß ich entlich auff einem hohen Berg ein ſchoͤn Portal von weitem erſehen / dem ich dann vnge - acht es mir weit / weit ab dem Weg war / zugeeilt /Occaſus weil allbereit die Soñ ſich vnder die Berg verbor -B ij20Chymiſche Hochzeit:gen / vnd ich ſonſten bey weitem noch kein bley - bende ſtadt erſehen koͤnnen / vnd das zwar ſchreib ich allein Gottzu / der mich wol haͤtte koͤnnen auff ſolchem Weg fort gehen laſſen / vnd mir die Au - gen verhalten moͤgen / daß ich ſolche Port haͤtte koͤnnen vbergaffen: Der eyle ich nun / wie geſagt / hefftig zu / die ich dann noch bey ſolcher Tagzeit erꝛeichet / daß ich ſie dannoch nach aller notturfft beſehen koͤnnen. Es war aber ein vberauß Koͤniglich ſchoͤn Portal / daran viel herꝛlicher Bilder vnd Sachen gehawen / deren jetlichs / wie ich hernach erfahren / ſein ſondere bedeutnuß hat -Tæbula in - ſcriptionis. te. Oben an war ein zimlich groß Taͤfelin geheff - tet / mit dieſen worten: Procul hinc, procul ite Prophani. Vnd anders mehr / welches mir zuer - zehlen ernſtlich verbotten worden. So bald Ich nuhn vnder die Portal kommen / wiſchet gleich ei - ner in eim Himmel blawen Kleid herfuͤr / den ichPortitor. dann freuͤndtlich gegruͤſt / deſſen er ſich gleichwo -Literæ con -[n]ocationis. len bedanckt / aber alsbald mein Ladbrieff von mir gefordert. O wie froh war ich da zumalen / daß ich jhn mit genommen / dann wie leicht haͤtte es ſein koͤnnen / das ich ſeiner vergeſſen / welches dann auch andern beſchehen / wie er mir ſelber referiert: den hab ich nuhn bald auffgelegt / deſ - ſen er nit nur zufrieden geweſen / ſonder mich noch / darob ich mich verwundert / hoch geehret / vnd geſagt: Geht hin mein Bruder / ein lieber Gaſt ſeyt jhr mir: Bat mich darneben / ich wolt jhm meinen Namen nit verhalten / da ich jhm nuhn geantwortet / Ich wer der Bruder vondem21Chriſtiani Roſencreuͤtz.dem Rohten Roſen Creuͤtz / hat er ſich ver -Nomen Au - toris. wundert / vnd gleichſam gefrewet / vnd darauff angehebt / Mein Bruder / habt jhr nit ſoviel zu euch genommen / daß jhr koͤnten ein Zeichen kauf - fen / Ich antwortet: Mein vermoͤgen were ring / ſehe er aber etwas bey mir / daß jhm liebt / daß moͤchte er nemmen. Wie er nuhn mein FlaͤſchlinEmitur[a]- qua teſſeræ mit Waſſer von mir begert / Ich auch ſolches be - williget / gibt er mir ein guldin Zeichen / darauffSanctitate Conſtantia. Sponſus Charus. Spes, Chari - tas. ſtund mehr nit als dieſe zween Buchſtaben S. C. mit vermanung / da mir ſolches wol wuͤrde be - kommen / ſolte ich ſeiner gedencken / darauff fra - get ich jhn wieviel vor mir hinein weren / welches er mich auch berichtet: Entlich auß guter freuͤnt - ſchaffthat er mir ein verpitſchiert Briefflein anDiploma. den andern Huͤetter geben. Wie ich mich nuhn etwas lengers bey jhm auffhielte / faͤllet die Nacht daher / deßwegen bald auff der Porten ein groſſe Pechpfannen angezuͤndet worden / damit ſo je - mandt noch auff dem Weg were / er herzu eylen koͤndte: der Weg aber ſo vollendt zum SchloßSchloß. gieng / war zu beiden ſeiten mit Mawren beſchloſ - ſen / vnd mit ſchoͤnen Baͤumen von allerley Fruͤ - chten beſetzet / auch allweg drey Baͤum auff bee - den ſeiten / Laternen gehefftet / darinnen ſchon all - bereit alle Liechter /[durch] ein ſchoͤne JungfrawVirgo Lu - cifera. Hoffmei - ſterin Voͤgtin. auch im Blawen Kleyd / mit einer herꝛlichen Fackel angezuͤndt worden / daß war ſo herꝛlich vnd Meiſterlich anzuſehen / daß ich mich wider die notturfft etwas langes auffgehalten. Entlich aber nach gnugſamen bericht / vnd nutzlicher in -B iij22Chymiſche Hochzeit:ſttuction bin ich vom erſten Huͤtter freuͤndtlich geſchieden: Auff dem Weg hatte ich gleichwol gern gewuͤſt / was in meinem Briefflein geſchrie - ben / weil ich aber dem Huͤtter nichts boͤſes zutra - wen doͤrffte / muſt ich mein fuͤrnemmen im Zaum halten / vnd alſo den Weg fort paſſieren / bißP[o]rta 2. ich auch zur andern Porten kommen / die gleich - wol der andern faſt gleich / aber mit andern Bil - den / vnd heimlichen bedeuͤtungen gezieret gewe -Tabella, ſen. In dem angehefften Taͤffelin ſtund Date & dabitur vobis. Vnder dieſer Porten lag an einer Ketten ein grauſamer Loͤw / der ſich / ſo bald erCuſtos Leo. mich erſehen / auffgericht / vnnd meiner mit groſſem bruͤllen begehrt: Darvon dann der an -2. Portitor. der Huͤtter / ſo auff einem Marmelſtein gelegen / auffgewacht / vnnd mich geheiſſen ohne Sorg vnd Forcht ſein. Darauff auch den Loͤwen hin - derſich getrieben / vnd das Briefflein / welches ich jhme mit zittern dargereicht / empfangen / gele - ſen / vnd mit groſſer Reuerentz alſo angeſprochen / Nun ſey mir Gott will kommen / der Menſch den ich laͤngſt gern geſehen haͤtte: vnder deſſen zeuͤchtTeſſera emptæ ſæle Studio Me - rentis. Sal, humor. Sponſo mit - tendus. Sal Mine - ralis. Sal Men - ſtruælis. er auch ein Zeichen herauß / vnnd fragt mich / ob ichs loͤſen koͤndte. Weil ich aber nichts mehr hatte / dann mein Saltz / bot ich jhm das dar / welches er mit danck angenommen. Auff dem zei - chen ſtund abermal nur zwen Buchſtaben / nem - lich / S. M. wie ich nuhn auch mit dem ſprachen woͤllen / fanget man in dem Schloß an zuleutten / deßwegen mich der Huͤtter ermahnet / Ich ſolte ſchnell lauffen / ſonſten wer all mein gehabte muͤhevnd23Chriſtiani Roſencreuͤtz.vnd arbeit vergebens / dann man fieng ſchon oben an die Liechter außzuleſchen: daß ich dañ ſo ſchnell gethan / das ich auch den Huͤter nit behiet / ſo angſt war mir / vnd zwar war es warlich vonnoͤtẽ. Dañ ſo ſtarck kunt ich nit lauffen / es war die Jung - fraw ſchon an mir / nach deren alle Liechter auß - geloſchen / haͤtte auch den weg nim̃er treffen koͤn - nen / wann ſie mir nit mit jhrer Fackel noch ein ſchein gemacht haͤtte: Noch treibet mich die not / das ich allernechſt an jhr hinein kommen / da dañPortæ clau - ditur. die Port ſo ſchnell zugeſchlagen worden / das mir auch ein ſtuck vom Rocke hinein geſchloſſen wor - den / welchs ich gewißlichen dahinden laſſen muͤſ - ſen / dann den Thorwartten kondten weder Ich / noch die ſo allbereit vor der Thůren darauſſen ge - rufft / dahin bringen / daß erwider eroͤffnet haͤt - te / Sondern er hab die Schluͤſſel der Jungfra - wen gegeben / die ſie mit ſich in den Hoff genom - men: Vnder deßen ſihe ich mich abermals an der Porten vmb / die war nuhn ſo koͤſtlich / daß jhrs gleichens die gantze Welt nicht hatt: Neben der Thuͤren waren zwo Seuͤlen. Auff der einen ſtund ein froͤlich Bild mit dieſer inſcription: con - gratulor. Das ander verhuͤllet ſein Angeſicht /Pyramide[-]Portæ, war trawrig / vnd ſtund darunder Condoleo. In Summa / ſolche dunckele verborgene Spruͤch / vnd Bilder waren daran / daß ſie die geſcheide - ſten auff Erden nit haͤtten außlegen koͤnnen. Es ſollen aber ſolche alle / ſo es anderſt Gott zuleſt / in kurtzem von mir an Tag gebracht / vnnd eroͤffnetPromiſſum Autoris. werden. Vnder dieſer Porten mußte ich aber -B iiij24Chymiſche Hochzeit:mal meinen Namen geben / der wuͤrde in ein Per - gamentin Buͤchlin zu letſt angeſchrieben / vnd als - bald mit andern / dem H. Braͤutigam[vberſchickt] / da ward mir erſt das rechte Gaſtzeichen gegeben / das war etwas kleiners dann die andern / doch viel ſchwerer / auff dieſem ſtunden dieſe Buchſta -Sælus per naturam. Sponſi præ - ſentandus nuptiis. ben S. P. N. vber deß gab mã mir ein new par ſchu / dann der Boden deß Schloſſes war von lauter hellem Marmor gelegt. Meine alte Schuh doͤrf - te ich der Armen einem / ſo haͤuffig vnter dẽ Thor / doch fein ordentlich geſeſſen / geben / welchem ich wolte. Die ich dann einem alten Mann geſchen -* Comes puer. cket: Darauff fuͤhret mich ein Knab / mit zweyen Fackeln in ein kleines Gemaͤchlein. Da hieſſen ſie mich auf ein Banck nider ſitzen / welches ich auch gethon / ſie aber ſteckten jhre Fackeln in 2. loͤcher / ſo in den Boden gemacht / vnnd gehen darvon / laſſen mich alſo allein ſitzen. Bald darauf hoͤrte ich ein gereuͤſch / ſahe aber nichts / vnd das waren et -[B]al[ne]ato - res, lich Maͤnner die fallen vber mich hin / weil ich aber nichts ſehen kundt / mußt ichs ſo geſchehen laſſen / vnd warten / was ſie doch mit mir wurden anfangen. Weil ich aber bald vermerckt / daß es Balbierer: bitte ich ſie / ſie wolten mich nit ſo he - ben / ich waͤre doch willig zuthun / was ſie begehr - ten / darauff ſie mich bald gelaſſen / vnd alſo einer / den ich doch nit ſehen kundt / fein ſitlich das HaarCapillus detenſus[a]ſſervatus. mitten auff dem Kopff herumb hinweg geſchnit - ten / an der Stirn aber / Ohren vnd Augen / mein langes eyßgrawes Haar hangen laſſen. In ſol - chem erſten angriff / muß ich bekennen: Wer ichſchier25Chriſtiani Roſencreutz.ſchier verzagt / dann weil mich jrer etliche ſo ſtarck hebten / vnnd ich doch nichts ſehen kundt / moͤcht ich nit anders gedencken / dann Gott hette mich vmb meines fuͤrwitz wegen fallen laſſen. Nun die - ſe vnſichtbare Balbierer leſen das abgeſchnitten Haar fleiſſig auff / vnnd tragens mit ſich hinweg:Pueri bini. darauff ſich dann beyde Knaben wieder einge - ſtelt / vnnd mein jnniglich gelacht / daß ich mich ſo gefoͤrcht hette. Wie ſie aber kaum etlich Wort mit mir geredt / fanget man wider an mit eim kleinen Gloͤcklein zuleutten / vnd wie mich die Knaben be - richt / der verſamblung zeichen zugeben: Deßwe - gen ſie mich auffgemant / vnd durch viel Gaͤnge / Thuͤren vnd Schnecken / in ein groſſen Saal vor - geleuchtet. In dieſem Saal war ein groſſe menge der Gaͤſt / von Keyſer / Koͤnig / Fuͤrſten vnd Her -Tricliniũ. ren / Edel vnd Vnedel / Reich vnd Arm / vnd aller - ley geſinds / deſſen ich mich hoͤchlich verwundert / vnd bey mir ſelbſten gedacht: Ach wie biſtu ſo ein groſſer Narꝛ geweſen / das du dir ſolche Reyß ſo bitter vnnd ſawr haſt laſſen angelegen ſein / Sihe da ſein doch Geſellen / die du wol kenneſt / vnd nie nichts auff ſie gehalten: die ſeind nun alle hie: vnd biſtu mit all deim bitten vnnd beten kaum zu letſt herein kommen. Diß vnd anders mehr gab mir der. Teufel dazumal ein / dann ich doch / ſo gut ich kunt / auff den Außgang gewieſen. Vnder deß ſpricht mich meiner bekandten einer hie / der an - der da / an. Sihe Frater Roſencreutz / biſtu auch hie: Ja antwortet ich / meine Bruͤder / die Gnad Gottes hat mir auch herein geholffen / deſſen ſieB 5ſehr26Chymiſche Hochzeit:Impietas hoſpitum, non rectâ viâ ingreſ - ſorum,ſehr gelacht / vnnd fuͤr ſpoͤttiſch gehalten / in ſo ſchlechtem ding auch Gottes beduͤrffen. Wie ich nun jeden ſeines wegs halber befragt / mehrer - theil aber vber die Felſen abkletten muͤſſen / fahet man an mit etlich trommeten / deren wir doch kei - nen geſehen zu Tiſch zublaſen: darauff ſich dann maͤnniglich geſetzt / jmmer einer nach dem jhm ge - dauchte / er were vber andere / deßwegē mir ſampt andern armen Geſellen kaum ein Pletzlein an dem vnderſten Tiſch worden. Bald ſtellen ſich die beyde Knaben ein / vnd Betet einer vnder jh - nen ſo ſchoͤne vnnd herꝛliche Gebetlein / daß ſichQuidam[t]reces ne - g ligunt. mein Hertz im Leib erfrewet. Deſſen doch etlich groſſe Hanſen wenig geachtet / ſonder mit einan - der gelachet / einander gewuncken / in die Huͤt ge - biſſen / vnd dergleichen Fantaſeyen mehr getrie - ben. Darnach wird daß Eſſen auffgetragen / vndCommeſſa - t[ro]. wiewol man keinen Menſchen ſehen kundt / war doch alles ſo ordentlich verſehen / daß mich ge -Miniſtri in viſibiles. daucht / es hette ein jeder Gaſt / ſeinen eigenen die - ner. Wie nun meine Kuͤnſtler ſich ein wenig er - labt / vnnd jhnen der Wein die ſcham ein wenig vom Hertzen geruckt. Da erhub ſich erſt ein Ruͤh -Inebriato - rum gloria t[ro]. Vana. men / vnd wol koͤnnen. Der wolte diß probieren / der ander jenes / vnd waren gemeiniglich vnnuͤtze tropffen die Laͤutteſten: ach wann ich gedenck was vbernatuͤrlichs / vnd vnmuͤglichs außthun ich da - malen gehoͤrt / moͤchte mir noch daruͤber vnwillen. Endlich blieben ſie auch nim̃er bey jrer ordnung / ſondern da flicket ſich da ein Lecker zwiſchen den Herren ein / da ein anderer / da gaben ſie ſolcheſtreich27Chriſtiani Roſencreuͤtz.ſtreich fuͤr / dergleichen weder Samſon / noch Hercules mit all jhrer Staͤrcken nit hetten zuwe - gen bringen koͤnnen. Der wolte Atlantem ſeines Laſts erledigen / Jener wolte den dreykoͤpffigen Cerberum wieder auß der Hellen ziehen. In Summa / jeder hat ſein eigen geſchwader / noch waren die groſſen Herren ſo Naͤrꝛiſch / daß ſie jh - rem fuͤrgeben glaubten / vnd die Boͤßwicht ſo ver - wegen / daß ob wol einer hie der ander da / mit dem Meſſer auff die Finger geklopfft worden / ſie doch ſich nit daran kereten / ſondern da einer etwa ein guldin Kettin erſchnapt / wolten ſie es alle darauf wagen. Ich ſahe einen / der hoͤrte die Him̃el rau - ſchen. Der ander kundte Platonis Ideas ſehen. Der dritte wolte Democriti Atomos zehlen. So waren auch der ewig mobiliſten nicht wenig. Mancher hatte meines erachtens ein guten verſtandt / aber er maſſe jhm ſelbſt zu ſeinem verderben zuviel zu. Endlich war auch einer / der wolt vns kurtzumb bereden / Er ſehe die Diener / ſo auffwarteten / het - te auch ſein ſtreitten noch lenger getrieben / wannMiniſtri in viſibiles. jhm nicht der vnſichtbaren auffwaͤrter einer ein ſo redlichs auff ſein verlogenes Maul geben het - te / daß nicht allein er / ſondern auch viel neben jhmModeſtiæ Proborum hoſpitum. wie die Maͤußlein geſchwiegen. Daß aber gefiel mir am beſten / daß alle die Jenige / auff die ich et - was gehalten / in jhrem thun fein ſtill waren / vnd nicht laut darzu ſchrien / ſondern erkandten ſich fuͤr vnverſtendige Menſchen / denen der Natur geheimnuß zu hoch / ſie aber viel zu gering we - ren. Innſolchem Tumult hette ich ſchier denTag28Chymiſche Hochzeit:tag daran ich hieher kommen / verflucht / dann ich muſte mit ſchmertzen ſehen / daß loſe Leichtfertige / Leut / oben am bret waren / Ich aber in ſolchem geringen ort noch nicht koͤndte mit frieden blei - ben / wie mich dann dieſer Boͤßwicht einer hoͤniſch ein geſchecketen Narren geſcholten. Nun gedacht ich nicht daß noch ein Port vorhanden were / da - durch wir muſten gehen / ſondern meinte / Ich wurde die gantze Hochzeit vber / in ſolchem Spot / Verachtung / vnnd vnwerdt muͤſſen verbleiben / welches ich doch weder vmb den H. Breuttigam / noch Braut jemalen verſchuldet hette / ſolte jhm deßwegen meines erachtens einem andern Nar - ren zu ſeiner Hochzeit geſucht haben dann mich. Sihe zu ſolcher Vngedult bringet einfeltige Her -Impatie[n]tia ex ini - quit ate ho - minum. tzen die vngleichheit dieſer Welt. Aber daß war ei. gentlich ein ſtuck meines Hinckens / darvon mir / wie oben gemeldet / getraumet / vnd zwar nam diß geſchrey je leger je mehr zu. Dann da waren ſchon die ſich falſcher vnd erdichter Geſicht beruͤmbten / die greyflich erlogene traͤwm vns wolten bereden. Aſſeſſor mo deſtus. Nun ſaß ein feiner ſtiller Mann bey mir / der redet nun zu manchmalen von feinen ſachen / Endlich ſpricht er / ſihe mein Bruder / wann nun jemand keme / der ſolche verſtockte Leut wolte auff den rech - ten Weg bringen / wurde man jhn auch hoͤren: Nein trawn antwortet Ich. So will nun / ſprichtMundus vult decipi. er / die Welt mit gewalt betrogen ſein / vnd mag die nit hoͤren / ſo es gut mit jr meinen. Siheſtu auch jenen Lecker / mit was gruͤllengirigen Figuren / vnd Naͤrriſchen gedancken / er andere an ſichbringt.29Chriſtiani Roſencreutz.bringt. Dort aͤffet einer mit vnerhoͤrten verborge - nen Worten die Leut. Doch glaube mir darumb / es kommet noch die zeit / da man dieſen Mumme - reyen die ſchaͤmen wird abziehen / vnd aller Welt Weiſen / wz fuͤr Landsbetrieger darunder geſteckt / da wird vielleicht noch gelten / deſſen man nit ge - achtet. Wie er diß redet / vnd das geſchrey auch je lenger je aͤrger wird / erhebt ſich einsmals in dem Saal ein ſo zierliche vnd ſtatliche Muſic / derglei -Muſicæ. chen ich die Tag meins lebens niemalen gehoͤrt / deßwegen Maͤnniglich geſchwiegen vnd gewar - tet / wz doch darauß werden wolte. Es waren aber bey ſolcher Muſic alle Seitenſpiel / dergleichen mã hette erdencken moͤgen / vnd mit ſolcher Harmoni zuſam̃en geſtim̃et / dz ich mein ſelbſten vergaß / vnd alſo vnbeweglich geſeſſen / daß ſich meine Beyſi - tzer ab mir verwunderten / vñ diß weret faſt ein hal - be ſtund / darinnen vnſer keiner kein Wort geredt / dann ſo bald einer daß Maul wolt auffthun / wur -Mulcta, nõ attenden - tium. de jm vnverſehens ein ſtreich / vnd wuſte doch nit / waher er kaͤme: Mich gedauchte weil vns je von den Muſicanten nichts zu ſehen zu theil wurde / wann ich nur alle Inſtrumenta, deren ſie ſich ge - brauchten / beſchawen moͤchte. Nach einer halben ſtund hoͤrete dieſe Muſic vnverſehens auff / vnnd kundten wir nichts weiters ſehẽnoch hoͤrẽ. Bald darauff erhebt ſich vor deß Saals Thuͤr ein groß gepraſſel vñ gethoͤn / von Poſaunen / Trom̃etẽ / vñ Heerpauckẽ / vñ war alles ſo meyſterlich / als wol - te der Roͤmiſche Keyſer einziehen. Deßwegen die Thuͤr ſich ſelbſten eroͤfnet / da dann der Poſaunenſchall30Chymiſche Hochzeit:ſchall ſo laut worden / daß wir es kaum mochten erleiden: vnder deß kommen in den Saal meinesFaculæ ad lectum. erachtens viel tauſent Liechtlein / welche alle inn richtiger ordnung fuͤr ſich ſelbſt daher gezogen / dz wir vns gentzlich entſetzet / biß endlich die vorge - nanten zwen Knaben mit hellen Fackeln in den Saal getretten / vnd einer ſchoͤnen Jungfrawen /Virgo luci - fera. Hoff - meiſterin / Voͤgtin. ſo auff einem Herꝛlich vergulten Triumph Seſ - ſel fuͤr ſich ſelbſten daher gefahren / vorgeleuch - tet / mich gedauchte / es were eben die / ſo zuvor im weg die Liechter angezuͤndt vnnd abgeleſcht / vnnd waren eben diß jhre Diener / die ſie zuvor an die Baͤwm geſtellet. Dieſe war nun nit wie zuvor Blaw: ſondern mit eim Schneeweiſſen glantzen -Albedo. den Kleid angezogen / welches von lauter Gold ſchimmert / vnd ſo klar ſahe / daß wir ſie nicht Keck - lich doͤrfften anſchawen. Die beyde Knaben wa - ren faſt auch ſo / wiewol etwas ſchlechters beklei - det. So bald die nun mitten in den Saal kom̃en / vnd vom Stul abgeſtiegen: Neigeten ſich vor jhr alle Liechtlein. Darauff wir alle von vnſern Baͤn - cken auffgeſtanden / aber doch jeder an ſeinem ort geblieben. Wie ſie nun vns / wir jhr hinwider alle Reverentz / vnd ehr-erbiettung erwieſen / fanget ſie mit Holdſeliger ſtim̃ an alſo zureden:

Sælutæto - riæ hoſpi - tum.
Der Koͤnig / mein gnedigſter Herꝛ:
So jetzmals iſt nit allzuferꝛ.
Wie auch ſein allerliebſte Braut /
Die jhm in Ehren iſt vertrawt /
Die haben nun mit groſſer frewd /
Euwer ankunfft geſehen albereit /
Thun31Chriſtiani Roſencreutz.
Thun auch jedem inſonderheit /
Ihr Gnad entbieten jederzeit /
Vnd wuͤnſchen von jhrs Hertzen grund /
Das euch geling zu jeder ſtund /
Damit jhr kuͤnfftig Hochzeit freud /
Nit wirdt vermengt / mit jemands Leid.

Darauff ſie abermal hoͤfflich mit allen jhren[L]iechtlein ſich geneiget / vnd bald darauff alſo an - gefangen:

Ihr wiſt das in dem Ladungs Brieff:
Kein Menſch nit hieher worden bruͤfft.
Propoſitio
Actionis.
Der nit von Gott all ſchoͤne gaben /
Vor lengſten moͤcht empfangen haben /
Vnd wer mit aller notturfft ziert /
Wie ſich in ſolcher ſach gebuͤrt /
Wiewol ſie nun nit glauben moͤgen /
Das jemand ſey ſo gar verwegen /
Der mit ſo ſchwer Condition /
In dem fall doͤrfft einſtellen thon /
Wann er ſich nit vor langen zeiten /
Zu dieſer Hochzeit thet bereitten /
Darumb ſie in gut Hoffnung ſtehen /
Alles guts zu euch allen verſehen /
Frewt ſie daß in ſo ſchwerer Zeit /
Gefunden haben ſo viel Leut /
Noch ſeind die Menſchen ſo verwegen /
Das ſie jhr grobheit ntt bewegen /
Vnd tringen ſich an orten ein /
Darzu ſie nicht beruffen ſein /
Daß32Chymiſche Hochzeit
Daß ſich nun hie kein Bub verkauff /
Ein Schalck mit andern vnder lauff /
Sie aber bald ohn alles verhelen /
Ein reine Hochzeit haben woͤllen /
So wirt auff den morgenden Tag /
Probatio
artificum.
Angſtelt werden der Kuͤnſtler Wag /
Da jeder leichtlich wird ermeſſen /
Was er da heimbden hab vergeſſen /
Iſt nun jemand auß dieſer Schaar /
Der jhm nit darff vertrawen gar.
Der mach ſich jetz ſchnell auff ein ſeit /
Dan gſchicht es daß er lenger beit /
So iſt all Gnad an jhm verlohren /
Vnd muß er morgen vnder d’Sporen /
Bey wem nun ſein G’wiſſen klopfft an /
Den wirt man heint im Saale lan /
Biß morgen ſoll er werden frey /
Doch daß er nimmer komm hierbey /
Weiß jemand nun was hinder jhm /
Der geh mit ſeinem Diener hin /
Der jhm ſein gemach wirt zeigen thun /
Darin er heint ſein ruh moͤg han /
Da er der Wag mit ruhm erwart /
Sonſt wirt jhms ſchlaffen maͤchtig hart /
Die andern nemen hie fuͤr gut /
Dann wer wider vermoͤgen thut /
Dem wer beſſer / Er wer entloffen /
Daß beſt will man von jedem hoffen /

So bald ſie das außgeredt / thut ſie wider Re - verentz / vnd ſpringt mit frewden auff jhren Stul /darauff33Chriſtiani Roſencreuͤtz.darauff abermahl die Trommeter angefangen zu blaſen / welches doch manchem ſeine ſchwe - re Seuͤfftzen nit nemmen moͤgen: haben ſie alſo wieder Vnſichtbar hinauß geleittet / doch ſein mehrertheil Liechtlein in der Stuben geblieben / vnd hatt ſich allweg eins zu vnſer einem geſellet. In ſolcher perturbation iſt nit wol muͤglich auß - zuſprechen / was ſchwerer Gedancken / vnd Ge - berden hin vnd wider gangen. Noch wahr der mehrertheil dahin bedacht / der Wag zuerwar - ten. Vnnd wann es je da nit ſein wolte / mitAutor hu - miliat ſe. friden (wie ſie verhofft) darvon zuziehen. Ich hatte mich bald beſunnen / vnd weil mich mein Gewiſſen alles vnverſtands / vnd vnwuͤrdigkeit vberzeuͤgt / nam ich mir fuͤr in dem Saal mit an - dern zubleiben / vnd empfangener Mahlzeit viel lieber Content zuſein / dann zu kuͤnfftiger ſchlap - pen / mit gefahr zuerwarten. Nach dem nuhn einer da / der ander dort in ein Gemach (jeder wie ich nachmahls erfahren / in ein eigen) von ſeinem Liechtlein gefuͤhret worden. Blieben vnſer neun / vnnd vnter andern auch der ſo vormals am Tiſch mit mir geſprachet: Wie - wol vns aber vnſere Liechtlein nit verlaſſen / Iſt doch bald nach einer Stund der ernandten Kna - ben einer kommen / ein groſſe buͤſchel Strick mit ſich gebracht / vns erſtlich gefragt / ob wir da zubleiben entſchloſſen / da wir nnhn ſolches mit ſeuͤfftzen bewilligt / hat er jeden an ein beſonder ort angelegt / vnd iſt alſo mit vnſeren Liechtlin gewi -Pernoctatio triſtis. chen / vnnd vns Arme im finſtern gelaſſen:C34Chymiſche Hochzeit:Da fieng allererſt an das Waſſer bey manchem vber die Koͤrb zulauffen / vnnd kundte ich mich ſelbſtẽ deß weinens nit enthalten. Dañ ob wol vns nit zu reden verbotten worden / lieſſe doch der Schmertz vnd Betruͤbnuß keinen reden. So wahren die Strick ſo wunderlich gemacht / das ſie keiner auffſchneiden / viel wenniger vom Fuß bringen kundte / noch troͤſtet mich das / daß noch manchem / der ſich jetzt zur ruh begeben / ſein ge - winnen mit groſſer Schmach bevorſtunde / wir aber mit einer einigen Nacht / all vnſer vermeſſen - heit koͤnten abbuͤſſen. Biß ich entlich in meinen ſchweren Gedancken entſchlieff. Dann ohn ange - ſehen der weniger theil vnter vns die Augen zu - thet: So konte ich mich doch wegen der muͤhdeSomnium Typicum. Was mit der prob wag abge - hen wuͤrde. Wer hoch ſteigt / faͤlt hoch. nit enthalten. In ſolchem Schlaff haͤtte ich ei - nen Traum / wiewol nuhn daſſelbig nit viel hin - der jhm / halte ich doch nit fuͤr vnnoͤtig denſelben zuerzehlen: Mich gedauchte / wie ich auff einem hohen Berg waͤre: Vnd ſahe vor mir ein groſſes vnd weites Thal. In dieſem Thal / waren bey ein - ander ein vnſaͤgliche menge Volcks / deren jeder auff dem Kopff einen Faden hatte / mit dem er an den Himmel angehencket war. Nun hienge einer hoch der ander nider / etliche ſtunden noch gar auf der Erden. Es flog aber in den Luͤfften ein alter Mann vmb / der hatte in ſeiner Hand ein Sche - ren / damit er hie einem / dort eim andern ſein Fa - den abſchnitt / Welcher nuhn nahe bey der Er - den war / der war deſto eh fertig / vnd fiel ohne ru - mor. So es dann an ein hohen kam / da fiel erdaß35Chriſtiani Roſencreuͤtz.daß ſich die Erd erzittert. Etlichen geriets / daß jhn jhr Faden nach gelaſſen wurde / daß ſie auff die Erden kamen / ehe der Faden abgeſchnitten wurde. Ab ſolchem burtzeln hatte ich meinen luſt / vnd frewet mich von hertzen / wann einer / der ſich lang in Luͤfften ſeiner Hochzeit vberhub / ſo ſchant - lich herunder fiel / vnd noch etwan ſeiner nach - barn etlich mit ſich nam. So frewet mich auch / wann der ſo ſich jederzeit bey der Erden gehalten / ſo fein ſtill konte hiervon kommen / daß es auchExpergeſ. ſeine Nechſten nit mercketen. Wie ich aber nun in hoͤchſten meinen frewden bin / werde ich von einem meinem mitgefangnen vnverſehens geſto - ſen / deßwegen ich erwacht / vnd gar vbel mit jhm zufrieden geweſen. Dachte doch meinem Traum nach / vnd erzehlt jhn meinem Bruder / der auff der andern ſeiten neben mir lag. Der ließe es jhm nit vbel gefallen / vnd verhofft es ſolte etwan noch ein huͤlff darhinder ſtecken: In ſolchem geſpraͤch vertrieben wir die vbrige Nacht / vnd erwarttete mit verlangen deß tags.

III. Dies

SO bald nun der liebe Tag angebrochen / vnd die helle Sonn ſich vber die Berge erhoben / vnnd am hohen Himmel zu ſeinem befohlenen ampt wider eingeſtelt. Fiengen ſich an meine gute kaͤmpffer auß den Betten zuerheben / vnnd ſich allgemach zur inquiſition gefaſt zumachen. Deßwegen dann einer nach dem andern widerC ij36Chymiſche Hochzeit:Colloquium ſurgentiũ. in den Saal kommen / vnd einen guten Tag ge - wuͤndſcht / vnd gefragt / wie wir dieſe Nacht ge - ſchlaffen / wie ſie nun vnſere Bande geſehen / wa - ren auch viel die vns erfiltzetẽ / daß wir vns ſo ver - zagt haͤtten ergeben / vnd nit viel mehr / auff Gluͤck vnd Vngluͤck wie ſie gewaget / wiewol etliche / de - nen das Hertz jmmer geklopffet / nit laut zur ſa - chen ſchrien. Wir entſchuldigten vns mit vn - ſerm Vnverſtandt / vnnd verhofften / wir ſolten nun bald loß außgehen / vnd vns dieſen Spot fuͤr ein witzigung ſein zulaſſen / das ſie hergegen noch nit allerdings entrunnen / vnnd villeicht noch die groͤſte gefahr bevor haͤtten. Entlich wie ſich nuhnCæntus. jederman wider verſamlet / fanget man abermals an wie vormals zu Trommeten / vnd die Heerbau - cken zuſchlagen / da meinten wir nit anders / denn es wurde ſich der Braͤutigam præſentiren, wel - ches doch manchem gefehlet: Dann es war aber -Virgo Lu - cifera. Hoffmeiſte - rin / voͤgtin. mal die geſterige Jungfraw / die haͤtte ſich in ein gantz rohten Samet bekleidet / vnnd mit weiſſem Baͤndel vmbguͤrttet: Auff jhrem Haupt hatte ſie ein gruͤnen Lorberkrantz / welcher ſie trefflich zieret: Ihr apparat waren nicht mehr Liechtlin / ſondern auff die 200. Geharniſchter Maͤnner / welche alle gleich in Roht vnd Weiß / wie ſie gekleidet ge - weſen. So bald die nuhn vom Stul geſprungen / geht ſie gleich zu vns gefangenen her / vnnd nach dem ſie vns gegruͤſt / ſagt ſie mit wenig worten: Daß ewer etlich jhr Elendt erkanndt / daß laſtSolatur humiles. jhm mein Geſtraͤnger Herꝛ gefallen / vnd will es euch auch genieſſen laſſen. Vnnd wie ſie mich inmei -37Chriſtiani Roſencreuͤtz.meinem Habit erſicht / lachet ſie vnd ſpricht: Sih haſtu dich auch vnter das Joch begeben / Ich meint du haͤtteſt dich ſo fein geruͤſt: mit welchen worten ſie mir die Augen vber getrieben. Darauf heiſt ſie vns auffloͤſen / vnd zuſammen kupplen / auch an ein orth ſtellen / da wir die Wag wol ſehen kundten / dann ſagte ſie: Es kan jhnen noch beſſer ergehen / dann einem vermeſſenen / ſo noch hier le - dig ſteht. Vnter deſſen wirt die Wag ſo gantz gul -Libra au - reæ. din geweſen / mitten in dem Saal auffgehenckt / auch ein kleines Tiſchlein mit rohtem Samet be - deckt / vnd darauff 7. Gewicht geſtelt: Erſtlich7. Ponderæ. ſtund ein zimlich groß: darauff vier kleine beſon - ders: Entlich 2. groſſe aber beſonders. Vnd wa - ren dieſe Gewicht zu jhrer Proportz ſo ſchwer / daß es kein Menſch glauben / noch begreiffen kan. Es hatte aber jeder Geharniſchter neben einem bloſ - ſen Schwert ein ſtarcken Strick / die ſie denn nachSætellites. der zahl der Gewicht in 7. Rotten getheilt / vnd auß jeder Rotte einen zu ſeinem Gewicht erweh - let: vnd darauff wider auff jhren hohen Thron geſprungen. So bald ſie nuhn jhr Reverentz ge - than / fangt ſie alſo mit ſtarcker ſtim an zureden.

Wer in eines Malers Stuben geht /
Vnd ſich vmb Malen nichts verſteht /
Redt doch darvon mit groſſem pracht /
Der wirt von meniglich verlacht.
Wer ſich nuhn gibt in Kuͤnſtler Orden /
Vnd iſt doch nit erwehlet worden /
Vnd kuͤnſtlet doch mit groſſem pracht
Der wirt von meniglich verlacht.
C iij38Chymiſche Hochzeit:
Werzu einer Hochzeit bald erſcheint /
Vnd iſt doch niemal worden gemeint /
Vnd kommet doch mit großem pracht /
Der wirt von meniglich verlacht.
Wer nun auff dieſe Wag wirt ſteigen /
Die Gewicht jhn dann nit werden meiden /
Vnd fehrt alsbald nauff das es kracht /
Soll ſein von meniglich verlacht.
Ponderan - tur Artifi - ces.

So bald die Jungfraw außgeredt: Heiſſet der Knaben einer jeden ſeiner ordnung nach ſtellen / vnd einen nach dem anderen auffſteigen: Deſſen1, Cæſar. ſich dann der Keyſer einer nit gewegert / ſondern ſich erſtlich gegen der Jungfrawen ein wenig ge - neiget: Darnach mit allem ſeinem ſtatlichen Ha - bit / auffgeſtiegen: Darauff jeder Oberſter ſein Gewicht auffgelegt / bey welchẽ er mit meniglichs verwundern beharꝛet. Aber daß letſte wurde jhm zu ſchwer / muſte alſo mit ſolcher betruͤbnuß hin - auff / daß er auch wie mich gedauchte / die Jung - fraw ſelbſten erbarmet / die dann auch den jhren zu ſchweigen gewuncken / noch wurde der gute Key -2. Keyſer. ſer gebunden / vnd der 6. Rott vbergeben. Auff jhn kam aber ein Keyſer daher / der tratt ſtoltz auffDan. 5. die Wag: Vnd weil er ein groß dick Buch vnter dem Rock hatte / meint er / es wurde jhme nit feh - len. Wie er aber kaum daß dritt Gewicht erleiden moͤgen / vñ vnbarmhertzig hinauff geſchlingt wur - de / jhm auch ſein Buch im ſchrecken entpfallen /3. alii Cæſæ - res. fangen alle Soldaten an zulachen / vnd wirt er der 3. Rott gebunden vberlifert: So giengs noch etli -chen39Chriſtiani Roſencreuͤtz.chen Keyſern / die alle ſpoͤtlich verlacht vnd gefan -4. Cæſær. Probatißi - mus. gen worden. Nach dieſen komt ein kurtz Maͤñlin / auch ein Keyſer daher / hatte ein krauß brauns Baͤrtlin / der ſtellet ſich nach gewohnlicher Reve - rentz auch auf: Daß er ſich ſo ſtandhafft gehalten / daß mich bedunckt / wañ noch mehr Gewicht vor - handen waͤren / er wurde ſie außhalten: Gegen welchem dann die Jungfraw ſchnell aufgeſtandẽ / ſich vor jhm geneigt / vnd ein roht Sametin Rock anziehẽ laſſen. Entlich auch ein Lorberzweig / derẽ ſie viel auff dem Stul hatte / gereichet / vnd auf die Traͤppen jhres Stuls heißen niderſitzen. Wie es nun nach dieſem andern Keyſern / Koͤnigen vnd Herꝛen ergangen / were zu lang zuerzehlen / allein kan ich vngemeldet nit laſſen: daß wenig auß ſol - chen hohen Heuͤptern geblieben. Wiewol ſich ſon - ſten manch feine Tugent wider mein verhoffen an vielen gefunden. Einer moͤcht diß außhalten / der ander ein anders. Etlich 2. etlich 3. 4. oder 5. wenig aber kundten zu rechter perfection kom̃en. Aber zu jedem dem es gefehlet / warde von den Rotten hefftig gelachet Nach dem auch die inquiſition vber die vom Adel / Gelehrte vnnd andere ergan - gen / vnd bey jedem Standt / etwann einer / etwa zwen / zu mehrmalen aber garkeiner juſt erfunden worden. Iſt es entlich auch an die from̃en Herꝛen Landtbetriegern / vnd Lapidem Spitalauficũ ma -Proba fal - ſariorum. chendẽ Leckern kom̃en. Die wurden mit ſolchẽ ge - ſpoͤt auf die wag geſtelt / dz mir ſelbſtẽ in meinẽ Leid der Bauch vor lachen wolt zerſpringen / ſo kondtẽ auch die gefangenẽ ſelbſten das lachen nit halten:C iiij40Chymiſche Hochzeit:Dann da kundte der mehrtheil deß ernſten Ge - richts nit erwartten / ſondern wurden mit Prit - ſchen vnnd Geißeln von der Wag geſchmiſſen / vnd zu anderen Gefangenen / jedoch bey gebuͤh - render Rott gefuͤhrt. Sein alſo von ſo groſſem Hauffen ſo wenig geblieben / daß ich mich jhre zal zu eroͤffnen ſchaͤme / doch waren hohe PerſonenNobiles ni - hilominus ornantur. auch darunter / wiewol man einen wie den an - dern mit Sametin Kleyd vnnd Lorbeerzweyg geehrt.

Wie nun die inquiſition nun mehr allerdings vollendet geweſen / auch niemand mehr auff der ſeiten / dann wir arme gekuplete Hund da ſtun - den: Trit entlich der Hauptleut einer herfuͤr vnd ſpricht: G. Fraͤwlin / wann es E. G. gefaͤllig /Proba hu - milsum. wolte man dieſe arme Menſchen / welche jhren vnverſtand erkent / ohne jhr gefahr auch nuhr zur Luſt auff die Wag ſtehen laſſen. Ob doch etwas rechts vnter jhnen were. Allererſt war ich in gro - ſen Noͤhten / dann in meinem Creuͤtz war diß nuhn mehr mein Troſt / daß ich nit mußte ſo in ſchanden ſtehen / oder von der Wag gepeutſcht werden. Dann mir zweiffelt nit / das viel der ge - fangenen wuͤndſchten / ſie weren zehen Naͤcht bey vns in dem Saal geblieben: Noch weil es die Jungfraw bewilligt / mußt es ſein / vnd wurden wir auffgeloͤſt / auch einer nach dem andern auffgeſtellt / wiewol es nuhn mehrestheils miß - lungen / wurde jhrer doch weder gelacht noch ſieSocius au - toris. gepentſcht / ſondern mit frieden auff eine ſeit ge - ſtelt. Mein Geſell war der 5. der erhielt ſich ſtatt -lich /41Chriſtiani Roſencreutz.lich / deßwegen von Menniglichen / ſonderlich a - ber dem Hauptman / ſo vns erbetten / gefrolocket / vnd von der Jungfrawen gewohnliche Ehr / jhm erzeigt wurde. Nach jhm wiſchen abermal zwen flux hinauff. Ich aber war der Acht / ſo bald ichAutor 8. nun mit zittern auffgetretten / ſihet mich mein Ge - ſell / ſo albereit inn ſeinem Sammet da geſeſſen / freundtlich vnd Laͤchlet die Jungfraw ſelbſten ein wenig: Nach dem ich aber auff alle gewicht behar - ret / heiſſet mich die Jungfraw mit gewalt auffzie - hen. Deßwegen noch 3. Mann an das ander theil der wag gehanget / ſo doch nichts vermoͤcht: deß - wegen bald der Knaben einer auffgeſtanden / vnd vberlaut geſchrien / der iſts / darauff der ander ge -Der iſts. antwortet: So laſt jhm ſein Freyheit gelten / wel - ches die Jungfraw vergoͤnnet: vnd nach dem ich mit gebuͤrlichen Ceremonien auffgenommenProbatißi - mus. worden / wird mir die wahl gegeben / einen ge - fangenen / wer mir gefiel / zuerloͤſen. Deß - wegen ich mich nit lang beſonnen / vnd den erſten Keyſer / der mich lengſten erbarmet / erwehlt / wel -Liberat. 1. Cæſarem. cher dann bald loß gelaſſen / vnd vns zu mit allen Ehren geſetzt worden. Wie nun der letſte auch auffgeſtelt worden / die gewicht jhm aber zu ſchwer worden / ſihet vnder deß die Jungfraw meine Ro -Autor ro - ſam ſuam donat Vir - gini. ſen / die ich von dem Hut in die Haͤnd genommen / deßwegen ſie dieſelbe durch jhren Knaben bald von mir Gnedig begehrt: Die ich jhr willig vber - ſchickt. Vnnd iſt alſo dieſer erſte Actus vmb zehenHora 10. Actus. Vhr vor Mittag abſolvirt worden / deßwegen man abermal angefangen zu Trommeten. Wel -C 5ches42Chymiſche Hochzeit:ches wir doch noch derzeit nit ſehen konten. Vn - der deß muſten die Rotten mit jhren gefangenen abtretten / vnd eines vrtheils erwarten. Darauff wurde der Rath von den 7. Oberſten vnd vns be - ſetzt / vnnd von der Jungfrawen als præſidentinIudicium de repro - batis. der handel fuͤrgehalten / vnd begert / Es wolt je - der ſein meinung geben / weſſen ſich mit den geſan - genen zuverhalten. Die erſte meinung war / manVotum 1. ſolte ſie alle Toͤdten / doch einen hertter / dann den andern: Als welche ſich wider die lautere Condi - tionen mutwillig eingeſtelt. Andere wolten ſie ge -2. fangen behalten / welches beides weder der præſi - dentin noch mir gefiel. Endlich war durch einen Keyſer / den ich erledigt / einen Fuͤrſten / meinen3. Geſellen / vnd mich die ſach dahin gebracht. Es ſolten erſtlich / was fuͤrneme Herꝛen weren / mit beſcheidenheit auß dem Schloß gefuͤrt werden. Andere koͤnte man etwas ſpoͤtlichers hinauß fuͤh - ren: Die ſolte man außziehen / vñ nackend lauffen laſſen. Die vierdten mit ruten geiſeln oder hun - den hinauß jagen: was ſich geſtern willig ergeben / ſolte man ohn alle entgeltnuß ziehen laſſen: End - lich aber die gar mutwilligen / vnd die ſich in ge - ſteriger Malzeit ſo vngebuͤrlich verhalten / an Leib vnd Leben / nach jedes verwircken ſtraffen. Vnd dieſe meinung gefiel der Jungfrawen wol / vnnd behielt die Oberhand: wurde jhnen auch noch zum vberfluß ein Mittag eſſen verguͤnt: Welches jhnen bald angezeigt / das Vrtheil aber auff 12. Vhr nachmittag auffgeſchoben worden. Hiemit nam der Senat ein End. Vnnd verfuͤgt ſich gleichwoldie43Chriſtiani Roſencreutz.die Jungfraw ſampt den jhrigen an jhr gewohn - lich ort / vns aber wurde der Oberſte Tiſch in dem Saal eingeben / mit bitt wir wolten ſo fuͤr gutne - men / biß der handel vollend außgericht wurde: Als dañ ſollen wir zum H. Braͤutigam vñ Braut gefuͤrt werden / mit welchen wir vns dann der zeit willig abweiſen laſſen. Vnder deß wurden die ge -Prændium fangene wieder in den Saal gebracht / vnd jeder ſeinem ſtandt gemeß geſetzt. Wurde auch jhnen beſohlen ſich etwas zuͤchtigers dann geſtern be - ſchehen zuverhalten: Welches doch keines verbie - tens bedoͤrfft / dann jhnen war die Pfeiff ohne daß in die Taſchen gefallen. Vnd kam ich nit vmb ſchmeichlen willen / ſondern der warheit zu Lieb diß kecklich ſagen / daß ſich gemeiniglich hohe per - ſonen am beſtengewuſt in ſolch vnverhofften vn - fall zu ſchicken: Ihre Tractation war zim̃lich ſchlecht / jedoch Ehrlich / vnd kondten ſie jre auff - waͤrter noch nit ſehen: vns aber waren ſie ſichtbar /Miniſtri in viſibiles. Viſibiles. welches mich dann hoͤchlich erfrewet. Darneben aber ob vns wol das Gluͤck erhoͤhet / lieſſen wir vns doch nit mehr als andere beduncken / ſonder ſpracheten mit den andern vnd hieſſen ſie ein gut Hertz haben / es wurde ſo vbel nit außſchlagen / Ob ſie nun wol das Vrtheil von vns gern hetten erfahren / war es vns doch ſo hart eingebunden / daß es keiner dorffte verlauten laſſen: Doch troͤ - ſten wir ſie ſo gut wir kundten / Truncken auch mit jhnen / ob ſie doch der Wein moͤchte froͤ - licher machen. Vnſer Tafel ward mit rotem Sam̃et bedeckt / mit lauter Silbern vnd GuldinẽProborum exaltatio. Trinck -44Chymiſche Hochzeit:Trinckgeſchirren beſetzt. Welches dann die an - dern mit verwunderung vnd groͤſtem ſchmertzen geſehen. Eh wir aber vns geſetzt / komment beyde Knaben herein / vnd verehren von deß Braͤutti - gams wegen jedem die Guldin Vließ / mit einemRemunera tio à ſpon - ſ[i]. fliegenden Loͤwen: mit begeren / wir wolten dieſel - be vber der Tafel anhaben / vnd deß Ordens (den S. M. vns jetz ſchencket bald auch mit gebuͤrli - cher Solennitet Confirmieren wurde /) reputation vnd Herꝛligkeit gebuͤrlicher weiß erhalten / ſo mir mit hoͤchſter vnderthenigkeit angenommen / vnnd verſprochen / alles was ſeiner Majeſtet wurde be - lieben gehorſamlich zuverrichten. Neben dieſem hatte der Edel Knab einen zedel / darinnen wir or - dentlich Lociert wurden / vnnd begehrt ich ſonſten meinen locum nicht zuverhelen / ſo mir nit ſolches vielleicht zur Hoffart / welcher doch wider das 4. Gewicht / gedeutet wurde. Weil nun vnſer Tra - ctation gar ſtatlich / fragten wir der Knaben einẽ / ob vns nicht erlaubt were vnſern Freunden vnnd bekandten beſcheid Eſſen zuſchicken / der es denn in kein bedencken gezogen / deßwegen jeder ſeinemAutori de - negatur communicæ tio ergæ re - probos. bekandten reichlich durch die Diener zugeſchickt / deren ſie doch keinen geſehen / vnnd weil ſie nicht gewußt / wa her es keme / wolte ich einem etwas ſelbſten bringen / ſo bald ich aber auffgeſtanden / war mir ſchon der Diener einer auff der Hauben / mit vermeldung / er wolt mich freundlich gewar - net haben / dann wa ſolches der Knaben einer het - te geſehen / wer es fuͤr den Koͤnig kommen / wel - ches mir gewißlich vbel erſchoſſen / weil es aberniemand45Chriſtiani Roſencreutz.niemand als er gemercket / gedencke er mich nicht zuverrathen / ſolte aber fuͤrhin deß Ordens wuͤr - de beſſer in acht uemmen: Mit welchen Worten der Diener mich warlich dermaſſen geſetzt / das ich mich inn langer zeit auff meinem ſtul kaum mehr geregt: Bedanckte mich doch der getrewen War - nung / ſo gut mir in eyl vnnd ſchrecken einfiel. Virgo luci - fera, Hoff - meiſterin / Boͤgtin.Bald darauff fanget man an zu Drommeten / deſ - ſen wir ſchon gewohnet / dann wir wuſten wol / dz es die Jungfraw wer / deßwegen wir vns geruͤ - ſtet ſie zu empfahen: die kommet nun mit gewohn - lichem Apparat: Auff jhrem hohen Seſſel daher / vnd wirdt jhr von dem einen Knaben ein hoher guldiner Becher / von andern aber ein Perga - mentin patent vorgetragen: Wie die nun vom Seſſel Kuͤnſtlich geſchwungen / nimmet ſie den Pocal von dem Knaben / vnd vberliffert denſelbi - gen von deß Koͤnig wegen / mit vermeldung / erCalix obam bulans. wer vns von ſeiner M. gebracht / vnnd ſolten wir dem zu Ehren jn herumb gehen laſſen. Auff dieſes Pocals deckel ſtund die Fortuna / von Gold zier - lich gegoſſen. Die hatte in der Hand ein rotesflie - gendes Faͤnlein / deßwegen ich etwas traurigers getruncken / als dem deß Gluͤcks Tuͤck nun mehr gnugſam bekandt worden. Es war aber die Jungfraw gleich ſo wol als wir / mit der guldin Vließ vnd Loͤwen gezieret / darauß ich vermerckt /Ornatu[s]Virginis. daß ſie villeicht deß Ordens præſidentin wurde ſein: Deßwegen wir ſie gefragt / wie doch der Or - den genent wurde? hat ſie vns geantwortet / es wer noch nicht zeit ſolches zueroͤfnen / biß die ſachmit46Chymiſche Hochzeitmit den Gefangenen außgericht wurde. Deßwe - gen jhnen auch noch die Augen gehalten weren: vnnd was an jetzo vns beſchehen / ſey nur jhnen zum Anſtoß vnnd Ergernuß / wiewol es noch fuͤr nichts gegen der Ehr deren wir gewertig zurech -Reprobi di - u[i]duntur. nen. Hiemit empfieng ſie das Patent von dem andern Knaben / in zwey theil vnderſchieden: dem erſten hauffen wurde auß dem Patent vngefahr -Accuſatio unius par - tis. lich ſo viel vorgeleſen:

Sie ſollen bekennen / daß ſie falſchen erdichten Buͤchern zu leichtlich geglaubt / jhnen ſelbſten zu - viel zugemeſſen / vnd alſo in diß Schloß kommen / darzu ſie doch niemalen berufft wordẽ. Were auch vielleicht der mehrertheil vorhanden geweſt / ſichAffectibus mundanis. hierinnen zubeſappen / vnd darnach deſto praͤchti - ger vnd Herꝛlicher zu leben / ſo hette auch einer dẽ andern auffgebracht / vnnd in ſolch Spott vnnd Schand geſteckt / weren derwegen werth ein zim - liche ſtraff zu leiden:

Welches ſie dann demuͤtiglich bekandt / vnd die Hand dargebotten: darauff den andern etwas hartes vngefehrlich auff die weiß zugeredt wor - den:

Alterius partis.

Sie wuͤſten grundtlich wol / vnd weren in jrem gewiſſen vberzeugt / daß ſie Falſche erdichte Buͤcher geſchmiedet / andere genarꝛet / betrogen / vnd hierdurch Koͤnigliche Ehr bey Maͤnniglich geſchmaͤlert. So wuͤſten ſie was Gottloſer verfuͤ - riſche Figuren ſie gebraucht. Da ſie auch Goͤtt - licher Dreyfaltigkeit nit verſchonet / ſondernſich47Chriſtiani Roſencreutz.ſich derſelben Land vnd Lent zu betriegẽ gebraucht / So wer nun mehr am Tag / mit was Practicken ſie rechten Gaͤſten nachgeſtellet: vnverſtendige eingeſetzt. So were Menniglich bekand / daß ſie in offentlicher Hurerey / Ehebrecherey / Fuͤllerey / vñ andern vnreinen weſen ſteckten: welches alles wi - der offentliche ordnung vnſers Koͤnigreichs we - re: In Summa ſte wuͤſten / daß ſie K. M. auch bey dem gemeinen Man verkleinert / ſolten derowe - gen bekennen / daß ſie offentliche vberwieſene Landbetrieger / Lecker vnnd Buben weren / welche verdient / daß ſie von redlichen MenſchenConfeßio in vita. abgeſondert / vnd hertiglich geſtrafft wuͤrdẽ. Hin - der dieſe bekandtnuß kamen die gute Kuͤnſtler vn - gern / dieweil jhn aber nicht allein die Jungfraw ſelbſten den Todt getrewet vnd geſchworen / ſon - dern noch die ander Parthey hefftig vber ſie geto - bet / vnd einmuͤtiglich beklagt / ſie weren von jhnen boͤßlich hinder daß Liecht gefuͤhrt worden: haben ſie groſſen vnfall zuverhuͤten / endlich ſolches mit ſchmertzen bekennet / vnnd doch daneben fuͤrge - bracht / was hierinnen beſchehen / were jhnen nit in aͤrgſtem zuvermercken: Dann weil einmalenExenſatio. die Herꝛen in daß Schloß kommen woͤllen / auch hierumben groß Gelt verſprochen / hette jeder alle liſt etwz zuerſchnappen gebraucht / vñ es alſo / wie es albereit vor Augen ſo weit gebracht: Das es a - ber nit gerathẽ / hetten ſie jhres erachtens nit mehr als die Herꝛen verwuͤrckt: Als welche deß verſtãds ſoltẽ geweſen ſein / dz da einer hette ſi - cher herein kom̃en koͤñen / wuͤrde er nit vm̃ ſchlechtes48Chymiſche Hochzeit:tes gewins willẽ / mit jnẽ / mit ſo groſſer gefar vber die Mauren geſtiegen ſein. So weren jre Buͤcher ſo heuffig auffgekaufft worden / daß wer ſich an - derſt nit neren koͤnnen ein ſolchen betrug anfan - gen muͤſſen: Sie verhofften auch wann man recht wolte vrtheilen / es ſolte an jnen / als die den Her - ren wie Dienern gebuͤrt / auff jhr embſigs begeh - ren / gar kein Mißhandlung erfunden werden: Mit ſolchen vnd dergleichen Worten / wolten ſie ſich entſchuldigen. Es wurde jhnen aber geant -Refutatio. wortet: K. M. ſey entſchloſſen alle vnd jede zuſtraf - fen / doch einen herter als den andern. Dann was von jhnen fuͤrgebracht werde / ſeye gleichwol zum theil wahr / ſolle auch deßwegen den Herꝛn nicht gar geſchenckt ſein: Die aber moͤgen ſich wol zum Todt ruͤſten / ſo mutwilliglich ſich ange - botten / vnnd etwan vnverſtendiger wieder jhren willen verfuͤhrt. Item die mit falſchen Buͤchlin K. M. verletzet / wie denn ſolche alle auß jhren ei -Dolor de Sententiæ. gnen Schrifft / vnd Buͤchlin zu vberzeugen.

Hieruͤber erhub ſich bey vielen ein erbaͤrmlich Klagen / Weinen vnd Flehen / Bitten vnd Fuß - fallen / welches doch alles nit helffen moͤgen: vnnd wundert mich ſehr / wie ſich doch die Jungfraw ſo ſtandthafftig kondte erhalten / da doch jhr E - lend vns allen (wiewol vns mehrertheil viel leids vnd Marter angethan) die Augen vbertrib / vndExecutio. ſententia - rum. zu mitleiden bewegt: Dann ſie fertigt bald jhren Knaben ab: Der brachte mit ſich alle Kuͤrꝛiſſer / ſo ſich heut bey der Wag eingeſtellt: dieſen wurde be - fohlen / jeden den ſeinen zu ſich zunemmen / vnndin49Chriſtiani Roſencreuͤtz.in jhren groſſen Gartten / in ordentlicher proceſſi - on / daß allweg ein Kuͤrißer mit einem gefangnen gienge / zufuͤhren. Da denn jeder den ſeinen ſo artlich erkent / das ich mich verwundert. Es wur - de aber auch meinem geſtrigen Companen erlau - bet hinauß in den Gartten vngebunden zugehen / vnd der Vrthel Execution bey zuwohnen. SoSpectætores bald nun jederman hinauß komen / ſchwinget ſich die Jungfraw auß jhrem Stul / vnd begehret wir wolten auch auff den Traͤppen auffſitzen / vnd bey der Vrthel erſcheinen: Welches wir nit gewei - gert / ſonder lieſſen alles auff dem Tiſch (ohn das Pocal / welches die Jungfraw dem Knaben zu - verwahren befohlen) ſtehn / vnnd fuhren in vn - ſerm Schmuck auff dem Stul hinauß / welcher fuͤr ſich ſelbſt ſo ſanft gangen / als wir im Lufft fuh - reten / biß wir alſo in den Garten kommen / da wir ſamentlich abgeſtanden. Dieſer Garte war nitHortus. ſonderlich zierlich / allein gefiel mir das die Baͤum ſo ordenlich geſetzt waren / ſonſten lieff auch ein koͤſtlicher Bronne darinnen / mit wunderbahrli - chen Bildern / vnd inſcriptionen, auch ſeltzamen Zeichen (deren ich wils Gott in kuͤnfftigem BuchAuthor pro mittit aliã librum, gedencken will) geziert. In dieſem Garten war ein huͤltzerin Geruͤſt auffgemacht / mit ſchoͤnen ge - mahlten Deckenin vmbhenget. Es waren aber 4. Gaͤng vbereinander gemachet: der erſte war herꝛ - licher dann der ander keiner / vnd deßwegen mit eim weiß Daffeten Vmbhang bedeckt. Alſo das wir damalen noch nit wiſſen kundten / wer dar - vnder waͤre. Der ander war leer / vnd vnbedeckt:D50Chymiſche Hochzeit:Die letſten zwen waren abermal mit rohtem vnd blawem Daffet verdeckt: So bald wir nun zu dem Geruͤſt kommen / neiget ſich die Jungfraw nah - end zu der Erden / deßwegen wir hefftig erſchro - cken. Dann wir kundten leichtlich erachten / der Koͤnig vñ Koͤnigin muſtẽ nit weit ſein: Wie wir nun auch vnſer Reverentz wie billich erzeigt: fuͤhrt vns die Jungfraw durch den Schnecken auff den andern Gang / da ſie ſich zu obriſt geſtellet / vnd wir in voriger ordnung geblieben. Wie ſichGratitudo Cæſaris er - galiberato - rem. nun der Keyſer / den ich erloͤſt / damalen / wie auch zuvor ob der Taffel / gegen mir erzeigt / kan ich ohne boͤſer Maͤuler nachtheil nit wol erzehlen. Daun er kundte wol erachten / in was Truͤbſal vnnd ſorgen / er jetzt waͤre / da er erſt mit ſolchem Spott mußte deß Vrtheils erwartten / vnnd er nun mehr durch mich zu ſolcher dignitet vñ wuͤr -Præcomißa de da ſtunde: Vnder deß trit die Jungfraw / ſo mir erſtmals die Ladung gebracht / vnd die ich biß - hero nimer geſehen / herfuͤr: blaſet erſtlich mit jh - rer Poſaunen eins herab / eroͤffnet hierauff mit lauter ſtim das Vrthel alſo:

Es moͤchte die Koͤnig. M. Mein aller: H. vonOrætio ad iudicandos. Hertzen wuͤndſchen / das alle vnd jede ſo hie ver - ſamlet / mit ſolchen qualiteten auff S. M. erfor - dern weren erſchienen / daß ſie dero zu ehren mit groͤſerer frequentz das Hochzeitliche angeſtelte frewden Feſt koͤnten zieren. Weil es aber Gott dẽ Allmaͤchtigen anderſt gefallen / hat ſein M. nichts dawider zu murren / ſonder muß bey altem loͤbli - chen herkom̃en / dieſes Koͤnigreichs wider S. M. belie -51Chriſtiani Roſencreuͤtz.belieben verbleiben. Damit aber nun J. M. an - gebohrne miltigkeit in aller Welt moͤchte celebrirt werden / hat ſie mit dero Raͤthen vnd Landtſtaͤnd dahin allerdings gehandlet / daß das gewohnliche Vrthel vmb mercklichs gelindert wurde: woͤlle al - ſo erſtlich den Herꝛen vnd Potentaten nit alleinSententiæ. Magnatum. das Lebẽ gaͤntzlich geſchenckt / ſondern auch ſie frey loß gelaſſen haben. Mit fr. Gunſt vnd G. bitt / es wolten J. L. ja nit zuͤrnen / daß ſie S. M. Eh - ren Feſt nit koͤnnen beywohnen / ſondern geden - cken / Es ſey J. L. ohne daß von Gott dem Allmaͤ - chtigen mehr auffgelegt / dann ſie fuͤglich vnd mit ruh tragen moͤgen / der habe auch in außtheilung ſeiner Gaben / ein vnbegreifflich bedencken / So ſey es auch J. Reputatz nit nachtheilig / wann ſie ſchon bey ſolchem vnſerm Orden verworffen wer - de / weil wir einmal nit alle / alles koͤnnen moͤgen. Daß aber J. L. von boͤſen Leckern verfuͤhrt wordẽ / ſolle an jhnen nit vngerochen bleiben. Wie dann ſein Ma. willens in kurtzem E. L. ein Catalogum Hæreticorum oder Indicem expurgatorium mit zutheilen / damit dieſelben forhin mit beſſerm Ver - ſtand koͤnnen vnter gutem vnd boͤſen dijudicie - ren: Weil auch S. M. in kurtzem auch vnter de - ro Bibliothec ein Außmuſterung / vnd die Ver - fuͤhriſche Schrifften dem Vulcano auff zuopffern bedacht. Will ſie E. L. Fr. Dienſt. vnd G. gebettẽ habẽ. Es woͤlle jeder mit den ſeinigen auch ſo hau - ſen: Damit verhoffentlich allem vbel vnd vnrath kuͤnfftig moͤge geſteuͤret werden. Darneben ſol - lẽ ſie auch ermanet ſein / fuͤrohin ſo vnbedachtſamD ij52Chymiſche Hochzeit:nimer herein zu begeren / damit jhnen nit voriges der verfuͤrern entſchuldigung moͤchte fuͤrgerupft werden / vnd ſie bey meniglichen in ſpott vnd ver - achtung kommen: Entlich weil je die Landſchaft etwas an jhr L. zufordern / verhoffe J. M. Es wer - de keiner ſich beſchweren mit einer Ketten oder was er bey handen zu loͤſen / vnd alſo freuͤndtlich von vns abzuſcheiden / vnd durch vnſer begleit wi - der ſich zu den ſeinigen begeben.

Sententiæ.

Die andern / ſo im 1. 3. vnd 4. Gewicht nit be -2. ſtanden / will J. M. ſo leichtlich nit von ſich laſſen: Damit nun auch die S. M. gelindigkeit moͤgen ſpuͤren / iſt jhr befelch / dieſelbige gantz nackent auß zuziehen / vnd alſo fort zu ſchicken.

3.

Was im 2. vnd 5. Gewicht zu leicht erfunden worden / ſolle neben der entbloͤſſung auch mit ei - nem / 2. oder mehr Brandmalen (nach dem jeder leichter oder ſchwerer geweſt) bezeichnet werden.

4.

Die ſo von 6. oder 7. ohn die anderen auffge - zogen worden / ſollen etwas gnaͤdigers gehalten werden. Vnd ſo fortan: dann es wurde auff je - de Combination ein gewiſſe ſtraff verordnet / wel - ches zu lang wurde hie zu erzehlen.

5.

Die ſo ſich geſtern frey willig abgeſondert / ſol - len ohn alle entgeltnuß ledig außgehen. Entlich ſollen die vberwieſene Landtbetrieger / ſo kein Ge -6. wicht auffwegen moͤgen / an Leib vnd Leben nach gelegenheit / mit dem Schwert / Strang / Waf - ſer vnd Ruten geſtrafft werden. Vnd ſolle ſolch Vrtheils Execution vnbeweglich anderen zum Exempel / gehalten werden.

Hiemit53Chriſtiani Roſencreuͤtz.

Hiemit brach vnſer Jungfraw das Staͤblein: darauff bließ die ander / ſo das Vrthel verleſen jhrFinis habi - ti iudicti. Poſaun / vnd trat mit hoher Reverentz gegen de - nen / ſo vnter dem Vmhang geſtanden. Aber hie kan ich nit vnterlaſſen / dem Leſer von der zahl vn -Summæ ponderato - rum. 7. 21. 35. 35. 21. 7. 1. 130, 125. ſerer Gefangenen etwas zu eroͤffnen: Deren ſo ein Gewicht: waren 7. die zwey gewogen waren 21. die drey. 35. die vier / 35. die fuͤnff / 21. die ſechs 7. Aber ſo auff die ſiben kam / vnd doch nit gern auffheben moͤcht / der war einer / vnd zwar den ich erledigt: Sonſten deren / die gar hindurch gefal - len waren viel. Deren aber ſo alle Gewicht auff den Boden gezogen etlich. Vnd ſo hab ichs fleiſ - ſig in mein Schreibtaͤfelin / da ſie vnterſchiedlich vor vns geſtanden / abgezehlet vnd notiert. Vnnd das iſt ſich hoch zuverwundern / das vnter allen denen / ſo etwas gewogẽ / keiner dem andern gleich geweſen. Dann ob ſchon vnter den dreyen wie ge -Varietatis modi. ſagt 35. geweſen / hat doch dieſer den 1. 2. 3. der an - der den 3. 4. 5. der dritt den 5. 6. 7. vnd ſo fortan gewogen / daß alſo zum hoͤchſten wunder / vnter 126 ſo etwas gewogen / keiner dem andern gleich geweſen: vnd die wolte ich alle / mit jedes Gewicht wol nennen koͤnnen / wann mir es nit noch der zeit verbotten were: Ich hoffe aber es ſolle kuͤnfftig mit der interpretation an tag kommen.

Als nuhn diß Vrthel verleſen worden / warenReorum mores. die Herꝛen zu vorderſt wol zufrieden. Weil ſie ſich bey ſolcher ſtrenge eines milten Sententz nit haͤt - ten verſehen doͤrffen. Deßwegen gaben ſie noch mehr / dañ man begehrt / vnd lediget ſich jeder mitD iij54Chymiſche Hochzeit:Ketten / Geſchmeid / Gold / Gelt vnd anderm / ſoMiniſtrorũ mores. viel er bey handen / vnd namen mit Reverentz vr - laub. Wiewol nun den Koͤniglichen Dienern ver - botten / keines im abzug zu ſpotten. Kondten doch etliche Spotvoͤgel das lachen nit halten / vñ zwar war es laͤcherlich genug / wan ſie ſich ſo geſchwind ohn hinderſich ſehen darvon machten: Etliche be - gertten man wolte jhnen den verſprochenen Cata - logum fuͤrderlich zukom̃en laſſen / wolten ſie ſich mit jhren Buchern dermaſſen verhalten / daß es K. M. wuͤrde gefellig ſein. Welches jhnen aber - malen zugeſagt worden / vnder dem Thor wurdeHauſtus obliuionis. jedem auß einem Becher ein Oblivionis hauſtus gegeben / darmit er alſo vnfals moͤchte vergeſ - ſen.

Nach dieſem zogen die Freywillige darvon / die ließ man vmb jhrer redligkeit willen Paßiren / doch ſolten ſie nimmer in ſolcher geſtalt herwider kommen. Da jhnen aber / wie auch den andern / Etwas mehrers eroͤffnet werde / ſolten ſie liebe Gaͤſt ſein.

Damnati.

Vnder deß war man am außziehen / in wel - chem dann abermal ein vngleichheit / nach jedes verwircken gehalten worden. Etliche wurden na - ckend vnbeſchedigt fortgeſchickt: Etliche trib man mit Gloͤcklin vnd Schellen hinauß. Etliche wur - den hinauß gepeutſcht. In ſumma der Straf - fen waren ſo mancherley / daß ich ſie nit alle erzeh - len kan. Entlich kam es auch an die letſten / mit denen verzog es ſich etwas laͤngers: Dann biß etlich gehenckt / etlich gekoͤpfft: etlich ins Waſſergeſprengt /55Chriſtiani Roſencreuͤtz.geſprengt / Andere anders abgefertiget wurden / gieng ein gute zeit fuͤruͤber. Vber ſolcher Exe - cution giengen mir warlich die Augen vber / nitCommiſe - rationis ex - poſitio. zwar der Straff halben / welche ſie ſonſten vmb jhres frevels willen wol verdient / ſondern in be - trachtung Menſchlicher blindheit / daß wir vns jmerdar in dem bemuͤhen / das vns vom erſten fall hero verſiegelt: Wurde alſo der Gart ſo kurtz zuvor aller voll war bald gelehret. Daß außer den Soldaten kein Menſch mehr da war. So bald nuhn ſolches beſchehen / auch auff fuͤnffNachtſpill Minuten lang ſich ein Stille erhebt: Kam herfuͤr ein ſchoͤnes ſchneeweißes Einhorn / mit einemVnicorna. guldin Halßband / darinnen etliche Buchſtaben / herfuͤr biß zu dem Brunnen / daſelbſten neiget es ſich auff beede fordere Fuͤß / als ob es dem Loͤwen /Leo. ſo auff dem Brunnen ſo vnbeweglich ſtundt / daß ich jhn fuͤr Steinen oder Ehrnen gehalten / hiemit ehr beweiſet / der nam alſo bald daß blo - ſo Schwerdt / ſo er in den Klawen gefuͤhrt / vndMachæra. brach es mitten entzwey / deſſen ſtuͤcke meinens bedunckens in den Brunnen verſuncken. Bruͤl - let darauff ſo lang / biß ein weiße Tauben inColumba. jhrem Schnaͤbelin ein Aeſtlin von einem Oel - baum bracht / welche der Loͤw alsbald verſchlucket / vnd darauff zufrieden worden. So gieng auch daß Einhorn mit frewden wieder an ſein orth / Hierauff fuͤhret vnſer Jungfraw vns wider denDiſceßus ab hoc actu Schnecken vber das Geruͤſt herab / vnd alſo war vnſer Reverentz abermal gegen dem vmbhang ge - than. Muſten wir vnſere Haͤnd vnd Haͤupter außD iiij56Chymiſche Hochzeit:dem Brunnen waſchen / vnd in vnſer Ordnung da ein kleine zeit wartten / biß der Koͤnig durch ei - nen verborgenen Gang ſich wider in ſeinen Saal verfuͤget / vnnd wir auch wider mit ſonderli - cher Muſic / Pomp / Pracht / auch lieblichem Geſpraͤch auß dem Gartten in voriges vnſer Lo - ſament gefuͤhrt worden. Vnd diß geſchah vmb vier Vhren nach Mittag. Damit vns nun die - weil der Zeit nit zu lang wurde / gab die Jung - fraw vnſer jeder eim Edlen Knaben zu / die wa - ren nit allein koͤſtlich bekleydet / ſondern auchDiſceſſus Virginis Luciferæ. trefflich gelehrt, Kundten deßwegen von allen ſa - chen ſo artlich diſcurriren, das wir vns billich zu ſchaͤmen hatten. Dieſen wurde befohlen vns im Schloß herumb (jedoch an gewiſſe ort) zufuͤhren: vnd da muͤglich vnſerm begeren nach dieweil zu - verkuͤrtzen. Vnder deß nam die jungfraw vrlaub / mit vertroͤſtung ſie wolte bey dem Nachteſſen wid erſcheinen. Vnd darauff die Ceremonien ſuſpen - ſionis ponderum celebrieren, mit bit / wir wolten alſo deß morgendẽ Tags mit gedult erwarttẽ. dañHoſpitum modi in de - lectamen -[t]is. morgen muſten wir dem Koͤnig præſentirt werdẽ. Wie ſie nun alſo von vns geſcheiden / thaͤte vnſer jeder wz jm am liebſtẽ. Ein theil beſahe die ſchoͤne Taflen / die ſie jhnen ſelbſten verzeichneten / beda - chten ſich auch was die wunderliche Characteres bedeuͤttẽ moͤchten / etliche muſten ſich mit ſpeiß vñ Tranck wider erquicken / ich zwar lieſſe mich mei - nen Knaben / ſamt meinem geſellen im ſchloß hinAutoris. vñ her fuͤhrẽ / welcher ſpatzier weg auch die tag mei nes lebens mich nimer gerewẽ ſoll / dañ nebẽ man -chen57Chriſtiani Roſencreutz.chẽ herꝛlichẽ antiquitetẽ wurdẽ mir auch d Koͤnige begraͤbnuß gezeiget / bey welchen ich mehr geler - net / dann in allen Buͤchern geſchrieben ſteht. Da - ſelbſt ſteht auch der Herꝛliche Phoͤnix (von dem ich vor zweyen Jahren ein ſonder Buͤchlein hab auß kommen laſſen / bin auch willens vom Loͤwen /Libellus de Phœnice. Adler / Greiffen / Falcken / vnd andern mehr (da anderſt dieſe mein Narration wird Frucht ſchaf - fen) vñ zwar von jedem ein ſonder Tractetlein mit derſelben Abriß / vnnd Inſcription ans Liecht kom - men zulaſſen. Es dauren mich auch noch meine andere Conſorten / daß ſie ſolchen thewren Schatz verſaumbt: vnd muß doch gedencken / Es ſeye Gottes ſonderlicher will hierin geweſen. Vñ hab ich zwar mehrertheil meins Knaben genoſſen / dann wie jedes Ingenium war / alſo fuͤrt er ſeinen anbefohlenen an end vnd ort die jm gefellig. Nun waren meinem Knaben die Schluͤſſel hierzu ver -Vſus eorum quæ autor vidit. trawet / deßwegen mir vor andern diß Gluͤck zu - geſtanden. Wiewol er nun auch andere hierzu be - ruffen / meineten ſie doch / es wurden ſolche Be - grebnuſſen nur auff dem Kirchhoff ſein / darzu ſie noch wol (wan je da etwas zu ſehen) kommen werden. Es ſollen aber auch ſolche monumenta / wie wir beyde ſie verzeichnet vnnd abgeſchrieben / meinen Danckbaren ſchulern nit verhalten wer - den: das ander ſo vns zweyen gezeigt worden: war die Herꝛliche Bibliothec: Wie die auch vorBibliothecæ. der Reformierung bey einander war. Von wel - cher (wie wol ſie mir mein Hertz erquickt / ſo offt ich ihrer gedencke) deſto weniger begehr zuſagen: weil dern Cathalogus auffs eheſt ans Liecht kommenD 5ſoll.58Chymiſche Hochzeit:ſoll. Zu eingang dieſes gemachs / ſteht ein groß Buch / dergleichen ich niemalen geſehen / in wel - chem ſein alle Figuren / Saal / Portal / auch alle ſchrifft / Ægnigmata vnd dergleichen geriſſen / wz im gantzẽ Schloß zuſehen. Wie wol mir nun auch von dieſem etwas verſprochen / halt ich doch noch der zeit jnnen / vnd muß die Welt vor beſſer lernẽ erkennen. Bey jedem Buch ſteht ſein Autor ge - mahlet. Deren wie ich verſtanden / viel ſollen ver - brent werden / damit auch jr gedechtnuß von rech - ten Leuten außgetilgt werde. Wie wir nun auch ſolches perluſtriert / vnd kaum herauß kom̃en wa - ren / lauffet ein anderer Knab daher / vnd wie er dẽ vnſeren etwas in ein Ohr geredt / vbergibt er jhm die Schluͤſſel / der ſie bald den Schnecken hinauff getragen: Vnſer Knab aber war ſehr erblichen / vnd weil wir jhm mit biten hartzugeſetzt / vermel - det er K. M. woͤll nit haben daß jemand die beyde / als Bibliothecam vnd die Begrebnuſſen ſehe / wol - vns deßwegen / ſo lieb wir ſein Leben haben bitten / ſolches niemand zu entdecken / weil er es ſchon al - bereit geleugnet. Deßwegen wir beydes in frew - den vnnd forcht geſtanden / doch bleib ſolches ver - ſchwiegen vnnd fraget niemand mehr darnach / hattẽ alſo an beyden orten drey ſtund zugebracht / welche mich niemalen gerewet. Wiewol es nun albereit ſieben geſchlagẽ / gab man vns doch nochFaſtidium pulſume - gregiis ſpe - ctæculis. nit zueſſen. Es war aber vnſer Hunger mit ſtetti - ger erquickung wol zubuͤſſen / vnd wolt ich bey ſol - cher Tractation mein lebenlang faſten. Vnder deß wurden vns auch die ſchoͤne brunnẽwerck / Berg -werck /59Chriſtiani Roſencreutz.werck / auch allerley Kunſt Officinen gewieſen / de - ren keine war / die nit all vnſer Kunſt / wenn man die all zuſammen ſchmeltzte / vbertreffe. All jhr ge - mach waren in eim halben Circkel gebawen: Da - mit ſie daß Koͤſtliche Vhrwerck / ſo in Centro an einẽ ſchoͤnen Thurn gemacht war vor Augẽ habẽ /Officinarū conſtituta - rum finis. vnd ſich nach der Planeten lauff (welches hieran Herꝛlich zuſehen war) richtẽ moͤchten. Darbey ich abermal leichtlich erachten koͤnnen / waran es vn - ſern Kuͤnſtlern fehle / wiewol meines beruffs nit iſt / dieſelbige zu informieren. Endlich kam ich in ein Weitẽ Saal (welcher zwar den andern ſchon lengſt gezeigt worden) darinnen ſtund in der mit - ten ein Globus terrenus, deſſen diameter 30. ſchuhGlobus ter - reuus. hielt / wiewol faſt das halbe theil / biß an etlichs / ſo mit den ſtafflen bedeckt war / in die erden vergra - ben war: dieſen Globum konten 2. Man / mit ſei - nen gewerben artlich herumb bringẽ / daß allweg mehr nit / dann ſoviel vber den Horizontem zuſe - hen war. Wiewol ich nun leichtlich mercket / daß er auch einen ſonderlichen nutzen muſte haben / kondte ich doch nit wiſſen / warzu die guldin Ring - lin / die an etlich orten darauff waren / dieneten. Deſſen mein Knab gelacht / vnd ermant / ich wolt ſie fleiffiger beſehen. In ſum̃a / Ich fand da mein Vatterland auch mit Gold notieret: deßwe gẽ mein geſell dzſeinig auch geſucht vñ alſo befun - dẽ. Weil nū ſolches auch bey anderer / ſo gebliebẽ / heimat geſtandẽ: Saget vns der Knab fuͤr gewiß / Es ſeye geſtern von jrẽ altẽ Atlante (ſoheiſt der A - ſtronomus) K. M: angezeiget wordẽ / dz alle vergulte60Chymiſche Hochzeit:te puncten derer Vatterland / wie das von jedem angezeigt worden / ad unguem reſpondiere. Deß - wegen er auch da er geſehen / daß ich mich auß - geſchetzt / vñ doch bey meinem Vatterland ein punct ſtehe / der Hauptleut einen angericht / fuͤr vns zu bitten / daß wir auff Gluͤck vnnd Vn - gluͤck / ohn vnſern ſchaden auffgeſtellt wurdẽ / ſon - derlich weil eines Vatterland ein ſonderlich gut ſignum habe. So ſeye auch er der Knab / als welcher vnder allen den groͤſten gewalt hatte / nit ohne vrſach mir zugegeben worden / deſſen ich mich dann bedanckt / vnd hieruͤber fleiſſiger nach meinem Vatterland geſehen / auch befunden / daß neben dem Ringlein noch etliche ſchoͤ -Excellentia Patriæ Au - toris. ne ſtriemen weren / welches ich mir doch ſelb - ſten nit zu Ruhm oder Lob wil geſagt haben. Ich ſahe noch wol mehr auff dieſem Globo / welches ich nit beger zueroͤffnen / Es gedencke jhm doch je - der ſelbſt nach: warumb nit jede Stat ein Philo - ſophum hab. Hierauff fuͤhret er vns in den Glo - bum gar hinein. Daß war alſo gemacht / auff dem Meer da es ohne daß groſſen platz / war ein Tafel / darauff drey Dedication vnd Autoris nam ſtund /Quid in Glob. dieſe kundt man Subtil auffheben / vnd durch ein geſchmeidig Bretlein / in dz Centrum / welchs jhre vier tragen moͤcht / hinein kommen / das war mehr nit / dann ein rund Bredt / darauff wir ſitzen / vnd wol bey hellem tag (jetzmals war es ſchon dunckel) die Sternen hetten Contemplieren koͤnnen: Mei - nes erachtens waren es lauter Carbunckele / dieglaͤntze -61Chriſtiani Roſencreuͤtz.glaͤntzeten in gebuͤrender Ordnug vnnd lauff ſo ſchoͤn / daß ich kaum mehr herauß wolt / deſſen hernach der Knab bey der Jungfraw gedacht / die mich offtmals mit vexiert: dann es war albereit eſ - ſens zeit / vnnd hatte in dem Globo ich mich der - maſſen ergucket / daß ich faſt der letſt beim Tiſch war Deßwegen ſaumbt ich mich lenger nit / vndReverẽtiæ in convivio exhibita Auctoris. wie ich meinen Rock (zuvor hatt ich jhn abgelegt) wieder angethan / vnnd zu Tiſch getretten / wurde mir von den Dienern ſo viel Reverentz vnnd Ehr entbotten / daß ich vor ſcham nit auffſehen dorfft / vnd ließ alſo die Jungfraw / ſo meiner auff einer ſeiten gewartet / vnbewuſt / ſtehen: welches ſie bald gemercket / mich bey dem Rock erwiſcht / vnd al - ſo zu Tiſch gefuͤhrt: von Muſic vnd anderer Herꝛ - lichkeit weiter zuſagen / halt ich fuͤr vnnoͤtig / weil nit allein ſolche nit gnugſam außzuſprechen / auch oben / ſo viel in meinem vermoͤgen geruͤmbt wor - den: in Summa da war nichts dann Kunſt vnnd lieblichkeit. Nach dem wir nuhn vnſer thun / ſo wir nachmittag gehabt / einer dem andern erzeh - let / (wiewol der Bibliothec vnnd MonumentenHoffmeiſte - rin / Voͤg - tin. geſchwiegen worden) auch wir albereit vom Wein luſtig waren: Fengt die Jungfraw an: Liebe Her - ren / Ich hab ein groſſen zanck mit einer meiner Schweſter. In vnſerem gemach haben wir einenVerwickel te reden / oder retter - ſche fragen. Adler. Nun nehren wir denſelben mit ſolchem fleiß / daß jede will die liebſte ſein / vnd haben deß - wegen manchen Zanck. Die Tag beſchloſſen wir mit einander zu jhm zugehn / vnd gegen welcher er ſich am freundtlichſten erzeigen wird / deſſe ſolt er eigen ſein / diß geſchahe / vnd trug ich wie ge -meiniglich62Chymiſche Hochzeit:meiniglich inn meiner Hand ein Lorberzweig / Meine ſchweſter aber hat keinen: Wie er nun vns beyde erſicht / gibt er von ſtund an meiner ſchwe - ſter einen zweig / den er im ſchnabel hat / vnd begert hingegen deß meinen / welches ich jm geben. Nun vermeint jede er habe ſie am liebſten / weß hab ich mich zuverhalten? Solches der Jungfrawen zuͤchtiges fuͤrbringen / gefiel vns allen wol / hetteAutoris γρῖφος griphus. auch gern jeder die Solution gehoͤrt / weil aber Menniglich auff mich ſahe / vnd den anfang von mir zuhaben begert / war mein Gemuͤt dermaſſen verwirt / das ich jhm anderſt nit wuſte zu thun / dẽ ein anders an d’ſtat zu ſetzen / ſprach derhalben:Autoris gegenfrag. Gnediges Fraͤwlein / Ewer G. quæſtion wer leichtlich auff zuloͤſen / wann mich nit eins bekuͤm - mert. Ich hatte zween geſellen / die beyde liebeten mich ohne maß / weil ſie nun zweiffelten / welcher mir am liebſten / beſchloſſen ſie vnverſehens zu mir zulauffen / wen ich als denn auffangen wuͤrde / der were der rechte: Daß theten ſie nun / doch moͤch - te der eine dem anderen nit gefolgen / blieb deßwe - gen dahinden / vnd weinet: den andern empfieng ich mit verwundern. Wie ſie mir nun nachmalen den handel entdeckt / wuſte ich mich nit zu re - ſolvieren, hab es alſo bißhero anſtehen laſ - ſen / ob ich doch hierein guten rath finden moͤch - te: die Jungfraw wundert ſich hieruͤber / vnd mer - cket wol warumb es mir zu thun were / antwortet deßwegen / wolan / ſo laſt vns beyde wett ſein: Be - gehre hierauff von anderen die Solution. Ich het - te ſie aber ſchon witzig gemacht: fieng deßwegendieſer63Chriſtiani Roſencreutz.