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POLITIſcher DISCURS Von den eigentlichen Vrſachen / deß Auf - und Abnehmens / der Staͤdt / Laͤnder und Republicken / in ſpecie, Wie ein Land Volckreich und Nahrhaft[zu] machen / und in eine rechte Societatem civi - lem zu bringen. Auch wird von dem Bauren-Hand - wercks und Kaufmannsſtand / derer Han - del und Wandel / item Von dem Monopolio, Polypolio und Pro - polio, von algemeinen Land-Magazinen / Niederlagen / Kaufhaͤuſern / Montibus pietatis, Zucht - und Werck - haͤuſern / Wechſelbaͤncken und derglei - chen / außfuͤrlich gehandelt.
(Calvin. in Lex. Jurid.)
Publicè intereſſe ducitur, quodin com - mune expedit, & ad totius reipublicæ utilitatem ſpectat, licet quæ ad omnes pertinent, plerumq; à ſingulis negligantut.
Franckfurt /In VerlegungJohann David Zunners/Anno Chriſti M DC LXVIII.

Dem Hochgebohrnen Herꝛn / Herrn Geoͤrg Ludwig / deß Heiligen Roͤmiſchen Reichs Erb - ſchatzmeiſtern / Graffen von Sintzen - dorff / zu Thanhauſen und Neuburg am Jhn / Freyherrn auf Ernſtbrunn / Herrn der Herrſchaf - ten Friedau / Rennersdorff / Sitzendorff / Hau - ſenbach / Maniburg / Ainoͤd / Traͤßmaurn / Wal - persdorff und Gfoͤhl / Erbſchencken in Oeſterreich ob der Ens / Rittern deß guͤldenen Fluͤſſes / der Roͤmiſchen Kaͤyſerlichen Majeſtaͤt Gehei - men Raht / Cammerherrn und Hof Camer Præſidenten; Meinem Gnaͤdigen Grafen und Herrn.

D alles was zu Vermeh - rung Land und Leuten die - net / ad materiam ſtatus ge - hoͤre / iſt ex ipſâ definitione Politices kundbahr / daß a - ber die Commercien, ne - gotien / Handel und Wandel / ein Land Volck-Geldreich nahrhaft machen / auf - bringen und hinwieder in Grund verderbena ijkoͤn -Dedicatio. koͤnnen / iſt in gleichem bekant undtaͤglich vor Augen / wie aber und auf was Weiß / Weg und Mittel ſolches geſchehe / iſt viel - leicht nicht jedem bekant / noch ſo viel mir bewußt von einigem Seribenten bißhero entdecket und an Tag gegeben worden. Nach deme aber die eigentliche Erkaͤntnuß ſolcher Sachen ſo noͤthig / als das Com - mercien-Weſen ſelbſt / welches ich bewieſen habe / daß es zum Staat und Staats materi gar nah gehoͤre / ſo haben Jhre Kaͤyſerl. Majeſtaͤt etwan vor zwey Jahren ein ab - ſonderliches Collegium, und daruͤber Euer Hochgraͤfl. Excellentz zum Præſiden - ten Allergnaͤdigſt verordnet / und mit einer außfuͤhrlicher inſtruction verſehen / welche dahin zielet / daß man auf den Lauf der Commercien abſonderlich Achtung gebe / damit er denen Kaͤyſerlichen Erblanden nicht zum Schaden / ſondern Nutzen ge - reiche / in ſpecie, daß / ſo viel moͤglich / allerhand manufacturen / vor welche nun viel Geld in die Frembde gehet / in den Kaͤy - ſerl. Erblanden gearbeitet / und nicht allein das müſſig gehende Volck in die Arbeit ge - ſtellet / das Geld im Land erhalten / ſondernauchDedicatio. auch durch dieſen Angel der Nahrung meh - rere Vnterthanen in beſagte Kaͤyſerl. Erb - landen gezohen / und alſo dieſelbe Volck - und Geld-reich gemacht wuͤrden. Nach deme nun Jhre Kaͤyſerl. Majeſtaͤt auch Aller - gnaͤdigſt durch ein Kaͤyſerl. Decret meine wenige Perſon zu beſagtem Collegio ge - nommen / und mir darinnen die commiſſi - on uͤber einige manufacturen zu introdu - ciren gegeben war / woruͤber auch Jhre Kaͤyſerl. Majeſtaͤt allergnaͤdigſt privilegia ertheilt / ſolches aber unter dem Kaufleuten bekant worden / iſt nicht zu glauben noch zu beſchreiben / wiewol beſagte manufacturen den Kaufleuten im geringſten nichts ſchaͤd - lich noch hinderlich / ſondern vielmehr be - foͤrderlich geweſen weren / wie gleichwol ei - nige beſagter Kaufleut / ſo inn als auſſer den Kaͤyſerl. Erblanden / ſich erſtlich wi - der das geſaͤmtliche Collegium, hernach in ſpecie wider mich / als den ſie vor den Vr - heber deſſen hielten / geſetzet haben / wie ſie alle Mittel und Weg gebraucht heimlich und offentlich / mit gutem und boͤſen ſolches zuverhindern / mit Worten / mit Schrei - ben / mit Gewalt und gutem / mit Gift unda iijGa -Dedicatio. Gaben / durch Geiſt - und Weltliche / in der Naͤh und in der Ferne / welches damit ſie es deſto beſſer ins Werck richten / und die Frucht in erſter Bluͤet erſticken moͤchten / haben ſie geſucht vor allen Dingen das fundament umb zuſtoſſen / nemlich in das Collegium und Conſilium Vneinigkeit zu bringen / welches ſie dann endlich durch einen Pfaffen zu wegen gebracht / nach dem Spruch: Non audet ſtygius Pluto ten - tare, quod audet, effrænis monachus, plenaque fraudis anus: denn als beſagter unruhiger Moͤnch durch Subornirung an - derer an Eure Hochgraͤfl. Excellentz ein ſehr ſcharffes ehrenruͤhriges Schreiben / heimlich und hinderruͤcks meiner von mir geſchrieben / ſolches mir aber zu wiſſen und unter die Hand kommen / iſt die jenige di - verſion und Vneinigkeit auch gewaltſa - mes procedero darauß entſprungen / dar - von man durch das gantze Land hat zu ſagen wiſſen / und welches weder Euer Hochgraͤfl. Excellentz noch mir nuͤtzlich / Jhrer Kaͤy - ſerl. Majeſtaͤt und dero Dienſt aber hoͤchſt - ſchaͤdlich geweſen / auch viel gute ehrliche Leut und deß gemeinen Weſens Liebhaberſol -Dedicatio. ſolches beklaget / als welche die conſe - quentz deſſen leichtlich geſehen; in deſſen a - ber iſt nicht zu beſchreiben / was vor ein Jubel-Feſt bey den Kaufleuten und Anſtif - tern dieſer action geweſen / als welche nun - mehro erlangt / was ſie verlangt. Ob nun zwar der auß vorberuͤhrter diverſion ent - ſtandene Mißverſtand / ſo viel moͤglich / aufgehoben / und die Einigkeit wiederumb zuſammen geflickt und gelappt wuͤrde / ſo gut als man gekoͤnnt haͤtte / wider alles vermeinen und hoffen der Kaufleut / ſo ha - ben ſie doch deſto freudiger und muthiger ihre boͤſe intention fortgeſetzt / als welchen wol wiſſent war / daß eine Sache / ſo ein - mal geflickt / eher zu zerreiſſen ſeye / als wann ſie noch gantz iſt: hierzu nun gab ihnen Gelegenheit meine Abreiß von Wien nach Muͤnchen / ſo ich wegen meiner und anderer Geſchaͤften gethan; in ſolcher meiner Abweſenheit war nun ihr eintziges ſpeculiren, wie ſie machen koͤnten / daß ich nimmermehr nach Wien kaͤme / ja ich war ihnen auch noch zu Muͤnchen zu nah / derentwegen eine abſonderliche Ehren ab - ſchneideriſche heimliche correſpondentza iiijmei -Dedicatio. meinetwegen von etlichen in Wien und Muͤnchen gefuͤhrt / und beeder Orten auf das aͤuſſerſte traducirt / ja / da ich nach Wien reiſen ſolte / unterwegens mit Nach - ſtellung / Verhaftung / und mit einem Wort nicht allein nach Ehr / ſondern auch nach dem Leben geſtellt worden / woruͤ - ber / als es mir zu wiſſen gethan / und ich mich etlich mahl darunten zu Wien hoher Orten beklaget und umb protection ge - betten / hab ich doch keine andere noch ge - wiſſe Antwort erhalten / als was das ora - culum dem Æacidi geſagt / a jo te Æaci - da Romanos vincere poſſe: Nemlich es werde mir in Wien keine Vngelegenheit geſchehen / oder man werde mir nichts unbilliges wiederfahren laſſen. Auß wel - chen zweiffelhaftigen Schreiben ich bil - lig Vrſach genommen / zu bleiben / wo ich bin / welches dann eintzig und allein mei - ne Widerſacher geſucht / und dadurch das dritte und letzte expediens gefunden / nemlich damit die Vrſach meines Abwe - ſens ihnen nicht zugeſchrieben wuͤrde / noch an Tag kaͤme / haben ſie vorgeben / ich verſtuͤnde das Werck nicht / getrauetemirDedicatio. mir derentwegen nicht mehr hinunter / alſo waͤre man mir auch meine Beſoldung nicht zu geben ſchuldig; kürtzlich die Kaufleut empfingen / was ſie verlangt / nemlich meine Stellund zugleich die Dire - ction uͤber das Commercien-Weſen / wel - che dann die Sachen ſo wol dirigiren wer - den / als wann man den Bock zum Gaͤrt - ner gemacht haͤtte. Jhre Rede iſt / Do -[ct]ores verſtehen nichts von den Commer - cien / miſchen alſo manufacturen und Commercien unter einander / da ſie doch ſelbſten nicht einen Faden arbeiten koͤn - nen / ja die Handwercksleut ſo uͤbel tracti - ren / daß ſie ihnen das Blut auß dem Leibe ſaugen / und ihnen kein Handwercks - mann ſatisfaction thun koͤnte / wann er gleich von dem Himmel kaͤme: aber ein Doctor, wann er Geld hat / kan eher ein Kaufmann / als ein Kaufmann ein Do - ctor werden / dann ob man gleich man - chem Kaufmann Sammet und Geld anhen - cken thaͤte / iſt und bleibt er doch ein Stock - fiſch. Nach deme nun alſo die Sachen darunten zertrennet / die Kaufleut nicht haben wolten / daß das Werck ſolte fort -a vgehen /Dedicatio. gehen / Euer Hochgraͤfl. Excellentz es hingegen haben wolten / und doch de - nen Glauben gaben / die es nicht haben wolten / ich auch hinunter beruffen ward / und doch unterwegens verbotten worden / mich nicht hinunter zulaſſen / Jhre Kaͤy - ſerl. Majeſtaͤt / in der Kaͤyſerl. inſtru - ction auch gantz ein anders gebotten / als mir in der That zu thun zugelaſſen wuͤr - de / und was andere ohne mein Wiſſen / Willen und in meiner Abweſenheit ver - dorben / darzu hab ich unſchuldiger müſ - ſen der Deckmantel ſeyn / was ich auch gethan und angeordnet / alles unrecht und ůbel aufgenommen war; hab ich / da - mit ichs kurtz mache / nachdem ich ſolche contradictoria nicht zuſammen reimen koͤnnen / meine Zeit beſſer anwenden / und auf eine andere Weiß Jhrer Kaͤyſerl. Ma - jeſtaͤt hoffentlich fruchtbar dienen wollen / dann ich doch von dieſen meinen Dienſten in dem Commercien-Weſen nichts erlangt / als daß ich einen ſchweren Fall auf die Bruſt gethan / welcher mich noch taͤglich incommodirt und ins Grab bringen wird / welches dann ſamt Verkleinerungmei -Dedicatio. meines ehrlichen Namens die Fruͤchte von meinen treu gemeinten Kaͤyſerl. Dienſten ſeynd / welches mich umb ſo viel mehr dar - zu ſchmertzet / daß ich meine wenige außſte - hende Beſoldung nicht haben kan / und Jhre Kaͤyſerl Majeſtaͤt von dieſem allem nichts wiſſen / als daß ſie uͤbel berichtet ſeynd / dann ich lieber habe ſtilſchweigen / als euch viel umb andern ohne Erkaͤntnuß zu dienen / bemühen wollen / habe alſo die Zeit / ſo von andern Geſchaͤften noch etwas daran übrig blieb / in guten ſtudiis zubringen wollen / in der Hofnung / daß die Zeit und der Außgang dieſes einmal werden geben / was nun die beſte rationes und conſilia nicht haben erhalten koͤnnen / und in ſolcher Hofnung hab ich dieweil alhier in München die Werckſtat der un - terirdiſchen Natur und Geſchoͤpffen / durchſucht / über tauſend experimenten gethan / und meine Phvſicam ſubterrane - am geſchrieben / auch weil mir etwas Zeit uͤber / meinen Methodum Didacticam verfertiget / welche zwey Bücher hoffent - lich von gelehrten Leuten mehr werden æſti - mirt werden / als wann ich zehen Jahr /michDedicatio. mich zu Wien vergeblich mit den Kaufleu - ten gezaͤnckt haͤtte. Als ich nun der geſtalt in der Ruh / und wie Diogenes in dem Faß ſitze / und mir das vor eine hohe con - ſolation angenommen / was mir die Kaufleute an ſtat eines Vnglůcks berei - tet / auch meine Beſtaͤndigkeit ſahen / da verdreußt ſie der Handel wiederumb / und koͤnnen mich auch in dieſem otio nicht ley - den / ſondern fahren in ihrer teuffeliſcher Verkleinerung fort / und ſpreyen aller Orten auß / ich haͤtte ex ignorantiâ das Werck můſſen bleiben laſſen / waͤre ſchul - dig / ſolches zu reaſſumiren / ſc. da ſie es ſo verderben / daß ihme kaum mehr zu helf - fen / und ſelbſten nun mit Schand und Spott darinnen ſtehen / ſo hab ich / wie - wol ich nicht darnach frag / ob mich boͤſe Leut ſchelten cum à malis vituperari, idem ſit quod laudari, dennoch der Warheit zu ſteur / und andern meinen ehrlichen Freunden zu gefolg gegenwertiges Buͤch - lein an ſtat einer Verantwortung geſchrie - ben / und an deß Tages Liecht kommen laſſen wollen / da ich dann wol weiß / daß es bey verſtaͤndigen Liebhabern mir mehr Ehr /LobsDedicatio. Lobs und guten Namen bringen wird / als alle Ehrendieb / Lůgner und leichtfer - tige Voͤgel / ſie ſeyen auch wer ſie wollen / ſamt ihrem Anhang dem Teuffel / ſeiner Mutter und Großmutter / mit aller ihrer Gewalt und Macht heimlich und oͤffent - lich / ſchrift - und muͤndlich / mir werden Schaden bringen koͤnnen; nam paucis poſſum eſſe beatus, nimirum pauca in terris Deus quælibet optima gignit: Hos reverenter adi, & merces his exere no - ſtras, quas ſi laudârint, ſatis eſt, quid cætera dicat turba, parùm cura & vulgi convitia ride. Stulta placent ſtultis, ob - ſonia quisque palato, digna ſuo quærit, non omnibus una voluptas. Ob ich nun zwar Vrſach gnug gehabt haͤtte / ſol - che Ehren-abſchneideriſche Menſchen / ſo Geiſt-als Weltliche / ſo zu Wien als zu München / welche mich nicht wenig ver - folget / und dieſen Laͤndern / darinnen ſie ſelbſt ſeynd und wohnen / nicht geringen Schaden dardurch gethan / ſo hab ich doch / wofern ſie nicht inhalten / ſolches in meine Praxin ůber gegenwaͤrtigen Tractat verſchoben / welcher mit nechſten in Druckkom -Dedicatio. kommen / und alſo jedermann kundbar werden wird / was vor ſchoͤne patrioten wir in Teudſchland haben / welche wann ſie ſolches mit einem Loͤffel Waſſer ertrencken koͤnten / es thaͤten; und ſolches zuvolbrin - gen / alles Gewiſſens / ihrer Ehr und Stands vergeſſen: ſie haben mich mit - gen hin und her denigrirt und beſchreyet / ich wil ſie mit der Warheit beſchreiben / und ſolche deductiones bringen / welche kein Menſch als Feinde deß Vaterlands wer - den widerſprechen koͤnnen. Jn gegen - wertigem Tractat aber hab ich allein de - monſtriren wollen / welcher geſtalt die Commercien einem Land Schaden und Nutzen bringen koͤnnen / derentwegen ich von derer Natur und conſequentien et - was außfuͤhrlicher habe handeln wollen / koͤnftige Herbſt-Meß / geliebts GOtt / dann vor dißmal iſt es mir anderer Ge - ſchaͤfften wegen zu ſpat worden / wil ich die Praxin uͤber dieſen Tractat hearuß geben / unter dem Titul; Fundamental Inter - eſſe der Kaͤyſerlichen Erblanden; oder von dem Wol - und Vbelſtand / das iſt / von dem gegenwertigen Zuſtand der CommercieninDedicatio. in den Kaͤyſerlichen Erblanden. Auß die - ſen zwey Tractaten / nemlich dieſem ge - genwertigen und dem koͤnftigen / hoffentlich jedermann erſehen wird / daß ich nicht ohne Wiſſenſchaft / Grund und Erfahrung zu dieſer materi kommen / oder darvon geſchrieben habe: iſt nun ſolches wahr / als mir der calculus der gelehrten und er - fahrnen unpartheyiſchen ehrlichen Leuten ohn zweiffel beyſchlagen wird / ſo haben die jenige Ehrenabſchneider unrecht gethan / daß ſie mir eine Vnerfahrenheit und igno - rantz dieſer Sachen haben wollen aufbür - den: es kan einer wol ein Kaufmann ſeyn / aber die Kunſt der Kaufmannſchaft zuver - ſtehen iſt ein Vnterſcheid / welche ob ſie bey mir ſeye / gegenwertiges Buch wei - ſen wird; verſtehe ich nun dieſe Sachen / und hab in meinen concepten recht / und ſo ſolche den Kaͤyſerlichen Crblanden nůtzlich ſeynd / ſo haben die jenige uͤbel gethan / welche mich ſo lange Zeit darauß gehalten / und meinen Pflichten und inſtruction ge - meß / Jhro Kaͤyſerlichen Majeſtaͤt zu dienen abgehalten / an welchem allem der jenige verkapte Ehrendieb Vrſach / welcherdurchDedicatio. durch ſein ehrenruͤhriges Schreiben mei - netwegen an Euer Hoch-Graͤfl. Excel - lentz den Anfang gemacht / und ſeiner geiſt - lichen Kutten wegen mehr credit, als ein ehr - licher Mann / der es aufrichtig meinet / und gerad durch zugehen gewohnt iſt / gefunden hat / und zwar / wer ſolte einem ſolchen Idioten nicht glauben / der ſeiner ignorantz wegen ſchon auf dieſer Welt wil vor heilig gehalten werden / aber fuͤrwahr / wann er keine groͤſſere miracula, noch Dienſt vor Jhre Kaͤyſerliche Majeſtaͤt thut / als er damit mir gethan / ſo waͤre er werth / daß er bey Saͤuen / und nicht bey hohen Fůrſtlichen Perſonen in hoͤchſter Ver - traͤuligkeit und conferentz / zwo Stunden lang / als der Spion ſchreibet / und darzu luͤget / ſitzen ſolt; es waͤre dann Sach / daß Ehren abſchneiden bey Pfaffen keine Suͤnd / ſondern nur bey weltlichen waͤre / doch GOTT iſt gerecht / und wird die - ſen boͤſen Menſchen vieleicht nicht ſo lang leben laſſen / biß dieſes gedruͤckt wird / dann gleich wie ich dieſes ſchreibe / hoͤre ich / daß GOtt von ihme Rechenſchaft zu for - dern anfange / und ihme durch eine Kranck -heitDedicatio. heit ſein Ehr abſchneiden heimgeſtellt ha - be. Daß ich nun gegenwertigen Tractat Euer Hoch Graͤfl. Excellentz dedicire und unterthaͤnigſt offerire, ſeynd neben vieler - hand Vrſachen dreyerley; Erſtlich dieweil Euer Hoch Graͤfl. Excellentz von Anfang biß daher allen Verlauf und Begebenheiten dieſer Sachen wiſſen / als welche ſelbſten zu Befoͤrderung der Commercien / von ihren eigenen Mitteln / nicht wenig darzu geſchoſſen / und von den Kaufleuten nicht viel weniger als ich ſelbſten dulden muͤſſen. Vor das ander / weil Euer Hoch Graͤfl. Excellentz von Jhrer Kaͤyſerlichen Maj. zum Præſidenten uͤber das geſaͤmtliche Commercien-Weſen in den Kaͤyſerlichen Erblanden allergnaͤdigſt verordnet wor - den / welche derenthalben von einem und an - dern außfuͤhrlich informirt zu werden / ſichs nicht werden uͤbel gefallen laſſen; und weil ſie anderer hochwichtigen Geſchaͤften wegen kaum Zeit zum ſchlaffen und eſſen ha - ben / wil geſchweigen / daß ſie auf alle dieſe minutias Achtung haben und reflexion darauf machen ſolten / als habe Eure Hoch - Graͤfl. Excellentz dieſer Muͤh uͤberheben /bundDedicatio. und in gegenwertigem Tractatdie Sachen der Laͤnge nach außfi hren wollen / nicht zwar von hoͤren ſagen / ſondern ex praxi: dann weil ich Matheſin ſtudirt / und ſon - derlich zu Mechaniſchen Sachen Luſt ge - habt / hab ich mit vielerhand Handwercks - leuten zuthun gehabt / ihre Arbeit / termi - nos und inſtrumenta verſtehen lernen muͤſ - ſen / ja ſelber unterſchiedliche Handwercks compendia gefunden / alſo ſpeculirt, wie die manufacturen leichtlich zu machen ſeynd / hernach bin ich weiter gangen / und dahin getrachtet / wie ſie moͤchten verkauft werden; in deme ich damit umbgehe / hab ich der Verlaͤger Compagnien / und mit einem Wort der geſaͤmtlichen Kaufmann - ſchafft Art / Natur und Beſchaffenheit ler - nen müſſen / alſo bin ich nach und nach in dieſe ſcientz und nicht plumpweiß ohne Verſtand / Vrſach und Beruff gerathen / darzu dann nicht wenig gethan hat / daß ich groſſe Reiſen verrichtet / viel anſehnliche Handelsſtaͤdt / dero Regiment und Ge - brauch geſehen / auch in unterſchiedlichen Commiſſionen in dieſer materi gebraucht / und von hohen Orten verſchickt worden /wel -Dedicatio. welches ich mir dann zu nutzen habe machen wollen. Drittens ſo verwalten auch Euer Hoch Graͤfl. Excellentz das Kaͤyſerliche Hof-Cammer Præſidenten-Ampt ſchon lange Jahr rühmlich / und mit groſſer Müh und Sorgen / derentwegen Jhnen dann dieſe materi wiederumb nicht zu wider ſeyn kan / als welche eine Materia Cameralis iſt / & quidem potior pars. Dann das Cameral-Weſen beſtehet nicht allein in Einnahm und Außgab / und dieſer richti - ger Verrechnung / ſondern es beruhet auch / daß man deß gantzen Lands inter - eſſe befoͤrdere / und dem gemeinen Mann zu Mitteln verhelffe / das iſt / daß man ih - me ſage / wo er es hernemmen ſolle / wann man ihme befihlt / daß er was geben ſol; das erſte iſt künſtlicher und noͤthiger / als das letzte: hiervon nun handelt gegenwer - tiger / und der hierin verſprochene zukoͤnfti - ge Tractat, dann es iſt einmal vor allemal gewiß / wann man nicht eine ſonderliche re - flexion auf die Handelſchafft und Kauf - leut in den Kaͤyſerlichen Erblanden ma - chen / und ſolche in einen andern und beſ - ſern Gang bringen wird / daß ſolche nachb ijundDedicatio. und nach gleichſam mit einer Hectica be - hafft / erſtlich an dem Gebluͤt / nemlich an dem Geld / hernach an dem Fleiſch als der Nahrung / und letztens an dem innerſten Marck und humido radicali, das iſt / an Menſchen und Vnterthanen / gemach und unvermerckt abzehren / und der Schaden nicht gemerckt wird werden / als wann nicht mehr zu helffen iſt. Jn curirung ſolcher Po - litiſcher Hectic nun / muß man den Metho - dum Medendi brauchen / denn man in den Phthiſiſchen in Obacht nimt / nemlich man muß nicht viel purgiren und aderlaſ - ſen / ſondern humectantia nutrientia und rofrigerantia brauchen / wiewol die jenige Medici heutiges Tags nicht viel geachtet werden / die nicht ſtarck purgiren und oft aderlaſſen / alſo auch die in politicis nicht viel Danck verdienen / die nicht auf alleꝛhand neue emunctiones, exactiones und con - tributiones ſpeculiren / iſt ſich deßhal - ben auch nicht zuverwundern / wann ich von meiner Arbeit wenig Nutzen haben werde / dann es heiſſet; Veritas odium pa - rit, obſequium amicos: ſed malo pro ve - ritate patiſupplicium, quàm pro adula -tioneDedicatio. tione recipere beneficium; ſage derhal - ben zum Beſchluß nochmalen / wann Jh - re Roͤmiſche Kaͤyſerliche und die Koͤnig - liche Majeſtaͤt in Hiſpanien / die Com - mercien in ihren Landen wolten in Obacht nehmen / daß ſie allein darauß ſo maͤchtig würden werden / daß ihnen kein Potentat auf der Welt an Vermoͤgen / baaren Mit - teln und Volck wuͤrde gleich ſeyn / gleich ich ſolches in einer abſonderlichen deducti - on verfaſſet habe / und ad oculum demon - ſtriren kan. Dieſe nun und dergleichen mei - ne Schriften werden ein unſterblicher Zeu - ge ſeyn / daß es nicht an den Mitteln den Kaͤyſerlichen Erblanden auf zuhelffen / als an dem Willen ſolche anzunehmen geman - gelt habe: dann daß einer reich ſeye / werden drey Stuͤck erfordert; erſtlich daß er Reich - thumb habe / vor das ander daß er wiſſe / daß er es habe / drittens daß er es gebrau - chen wolle: die erſte zwey kan ich demon - ſtriren / zu dem letzten aber niemand zwin - gen / dann dieſes ruͤhret von GOtt qui in - terdum eſurientes implet bonis, & di - vites cum omnibus ſuis divitiis relin quit inanes: und dieſes waͤren alſo die Vrſa -b iijchen /Dedicatio. chen / welche mich bewogen / gegenwaͤrti - gen Tractat Euer Hoch Graͤfl. Excellentz zu deduciren / nicht zweifflend / ſie werden ihnen ſolchen gefallen laſſen / und deſſen Autorem unter dero Protection nehmen / welcher nichts wuͤnſchet / als daß Euer Hoch Graͤfl. Excellentz in langwuͤriger Geſundheit und proſperitaͤt / alle Gluͤckſe - ligkeit und Wolſtand der Kaͤyſerlichen Erblanden erleben / und die wolverdiente Fruͤchte / ihrer Sorg / Müh und Arbeit gedeylich genieſſen moͤchten; in ſolchem Wunſch verbleibe

Euer Hoch Graͤfl. Excellentz Unterthaͤnig Gehorſamſter Diener und Knecht Johann Joachim Becher / D.

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CAPUT I. Die Civil ſocietaͤt wird definirt, daß ſie ſeye eine Volckreiche Nahr - haffte Gemeind.

EH ich den Anfang mache zu er - weiſen / worinnen das Auff - nehmen eines Landes / od Stad beſtehe / muß ich nothwendig zuvor erinnern / dzder Menſch / als die Materi der Republick / ein animal ſociabile ſey / und Geſelſchafft ſuche / wie dann der H. Text ſelbſten ſaget / es iſt nicht gut / daß der Menſch allein lebe: damit er der - halben eine Geſellſchafft habe / werden andere / und mehr Menſchen erfordert; und daß dieſe ge - bohren wuͤrden / hat GOtt das Weibliche Ge - ſchlecht erſchaffen / und den Eheſtand eingeſetzt / deſſen Ende iſt fruchtbahr ſeyn / und die Erde er - fuͤllen; daß alſo negſt der Vernunfft / allein die Menſchliche Geſellſchafft / das Menſchliche Le - ben / von dem Viehiſchen unterſcheidet / welche Geſellſchafft einig und allein die Grund-Uhr - ſach / Anfang / Mitl / und End aller Geſaͤtze / und Ordnungen iſt / welche die Menſchen / ſo wol Heyden / als Chriſten / zu Erhaltung dieſer Ge - ſelſchafft gemacht haben: es ſeynd auch daraußAdie2CAPUT I. die Natuͤrliche Straffen kommen / mit welchen ſie die Ubertretter geſtraft haben; kuͤrtzlich / alles was dieſe menſchliche Geſelſchaft befoͤrdert / das iſt zuverlangen / und zu handhaben / und alles / wz dieſe menſchliche Geſelſchaft ſchwaͤcht / iſt ab - zuſchaffen / und zu ſtraffen: wann ich derohalben eine Stadt recht definiren ſolte / wolte ichs nen - nen eine volckreiche nahrhafte Gemein; und zwar / damit ich am erſten anfange / ſo muß eine Stadt ſeyn Volckreich: dann gleich wie eine Schwalbe keinen Sommer macht / alſo macht auch ein Menſch keine Gemein / noch ihrer drey oder vier Hanßgeſind ein Dorf / oder Stadt: je volckreicher alſo ein Stadt iſt / je maͤchtiger iſt ſie auch; derohalbẽ leichtlich zuerachten / daß die vor - nehmſte Staats Regul / odeꝛ maxima einer Stadt oder Lands ſeyn ſol / Volckreiche Nahrung; ange - ſehen / weder der Lands fuͤrſt / Staͤdt oder Laͤnder conſiderabel ſeyn / wann ſie arm von Volck ſeyn / dann ſie koͤnnen ſich nicht defendiren auß Mangl der Menſchen / werdẽ derohalben zur Beut jedem der da komt / und ſie anfeindet: es iſt aber nicht ge - nug die populirung und Volckreichmachung ei - ner Stadt oder Lands / wann die Nahrung nicht daꝛbey iſt; dañ damit eine volckꝛeiche Veꝛſamlung beſtehen konne / muß ſie zu lebẽ haben / ja eben diß letztere / iſt ein Anfang deß erſten: die Nahrung ſag ich / iſt ein Angel / oder Hamen / wodurch man die Leut herzu locket / dann wann ſie wiſ - ſen / wo ſie zu leben haben / da lauffen ſie hin / und je mehr hinlauffen / je mehr koͤnnen auch voneinan -3Von der Civilen Societaͤt Definition. einander leben; und das iſt die andere funda - mental Staats-Regnl / nemlich umb ein Land populos zu machen / demſelben gute Verdienſt Nahrung zuverſchaffen. Dann ob ſchon ein Land populos waͤre / und im Fal der Noth keine Lebens-Mitl / Nahrung / oder Verdienſt haͤtte / ſo waͤren die Leut potius oneri, quam uſui. Wie man an den uͤbel regierten Staͤdten ſihet / alwo / wann ſie belaͤgert werden / man auß Mangl der Victualien / die Leut / ſo man eines theils zur defenſion brauchen koͤnte / andern theils auß der Stadt / dem Feinde zu Huͤlff jagen muß. Gleich wie nun die Volckreichmachung auß der Nahrung eines Orts quellet / alſo entſpringet die Nahrung auß der Gemeind; nemlich / daß die Leut eines Orts einander unter die Arme greiffen / und einer dem andern durch gemeinen Handl und Wandl zu ſetnem Stuͤck Brod verhelffe: dann es beſtehet die Gemein nit darin / daß die Leut eines Orts nichts gemein / alß die Ungluͤckſeligkeit / ſage Armuth / Arbeit / Steur / Auflagen / und contribution haben / ſondern diß iſt die rechte Gemein / wann die Glieder der Ge - mein ihre Sachen alſo anſtellen / daß einer von dem andern leben / einer von dem andern ſein Stuͤck Bꝛod verdienen kan / ja einer dem andeꝛen die Nahrung in die Hand ſpielet / das iſt die rechte Gemeind / dañ dar durch entſtehet die Nahrung / und durch die Nahrung wird ein Ort populos: iſt alſo die Gemeind die dritte / ja die groͤſte Staats-Negul / dañ wo dieſe wol ſtehet / wird esA ijan4CAP. I. Von der Civilen Societaͤt Definition. an Nahrung / und an Menſchen nicht fehlen / wo aber dieſe verſtimt iſt / ſo kan auch kein guter Thon ſeyn / nichts als Haß / Feindſchafft / Verfolgung / Untertruckung der Armen / Erhebung der Reichen / Rebellion / Verderb / und endlich Ver - armung / und gaͤntzliche Ruin darauß erfolgen: weil dann / wie leicht zuerachten / wann einer auff einer Geigen ſtreichẽ wil / er zuvor jede Saͤtte con - ſideriren und ſtimmen muß / alſo wann eine Ci - vil Gemeind ihrer Nahrung verſichert ſeyn ſoll / ſo muß man gewißlich auff jede Arth von Men - ſchen / ſo darin ſeind / wol Achtung geben / und kompt mir nichts wunderlichers vor / als daß man in dieſen allerſchwereſten Puncten vieler Orten ſo gar kein acht gibt / und ein jeden ſich er - nehren laſſet / wie er kan / es gerahte ihm wie es wolle / er verderbe / und mache hundert andere auch verderben / oder er komme auff / mit der Gemein Nutzen oder Schaden / Auf-oder Abneh - men / ſo fragt man nichts darnach. Weil aber gleichwol an dieſem Puncten viel / ja ſchier alles gelegẽ / und der gantzen Gemeind Wohlfahrt da - ran hengt / als wil ich ein klein wenig / und ſo - viel zu meinem propoſito noͤhtig / die Glider der Gemeind / wie ſie in Puncto der Nahrung ein - ander mit gemeiner Hand / ſollen unter die Arme greiffen / und Gemeinſchafft halten / conſideri - ren, anatomiren, wieder zuſammen ſetzen / und alſo ein ſceleton politicum darauß formiren.

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CAPUT II. Von Vnterſcheid der Menſchen in einer Gemeind.

JSt dero halben zuwiſſen / daß in einer Gemein zweyerley Art Menſchen von noͤhten ſeyn; eine Art / von welcher als der meiſten die Gemeinde beſtehet / die andere aber / welche Diener der er - ſten ſeyn / und hierunter gehoͤrt die Obrigkeit / welche eine Dienerin der Gemein iſt / und die Leut in guter Ordnung und Geſelſchaffts Geſetzen er - haͤlt / damit ein Menſch neben dem andern woh - nen koͤnne / dann die Gemein iſt nicht umb der Obrigkeit / ſondern die Obrigkeit umb der Ge - meine willen da / ſo ſeyn auch Diener der Gemei - ne die Geiſtlichen / welche die Seel / die Gelehrte / welche das Gemuͤth / die Medici, Apothecker / Barbirer / Bader / welche die Geſundheit / die Soldaten / welche den Leib / und die gantze Stadt und Land verwahren; dieſe alle ſeind Diener der Gemein / und wiewol ſie die ſocietatem civilem vermehren / und erhalten helffen / ſeynd ſie doch noch die Gemeinde nicht ſelbſt / ſondern wie ge - ſagt / nur Diener derſelben / welche von der Ge - meine muͤſſen beſoldet und unterhalten werden / und darumb / damit ſie nicht uͤberlaͤſtig der Ge - meine fallen / ſol ſich ihr Zahl nach der Gemeind proportioniren, das iſt / nicht zuviel / noch zu we - nig ſeyn / dann wann mehr Burgermeiſter / als Buͤrger in einer Stadt ſeyn / mehr Prediger / und Beichtvaͤtter / als Zuhoͤrer und Beicht -A iijKin -6CAPUT II. Kinder / mehr Schulmeiſter / als Schuͤler / mehr Doctorn als Kranckẽ / mehr Soldaten / als Buͤr - ger und Bauren / mehr Edelleut / als Untertha - nen / ſo ſtehts kahl umb ſelbig Land / und iſt kein Zweiffel / daß ein ſolch Land oder Stadt bald verderben muͤſſe / deſſen wir dann klare Exempl haben an denen / welche mehr Diener annehmẽ / als ſie ernehren koͤnnen / oder vonnoͤhten haben / ich auch darfuͤr halte / daß kein Ding ſeye / wel - ches die Potentaten ſamt Land und Leuten mehr verderbe / und ehender ruinire, als eben dieſe gar groſſe unnoͤhtige Hofhaltungen. Die andere Art von Menſchen nun / welche die ſocietatem civilẽ eſſentialiter conſtituirn / ſeynd die jenige / wor - von die Gemeinde am meiſten beſtehet / dahero dann ihrer auch am meiſten in der Gemeinde ſeynd. Solche Menſchen nun / derer Diener die vorige ſeynd / kan man billich in drey Staͤnde theilen. Der erſte Stand iſt der groͤſte / nemlich der Baurenſtand / der andere / der Handwercks - ſtand / und der dritte / der Kaufmannsſtand: die - ſer iſt der kleineſte / gleich wie der Baurenſtand der groͤſte iſt; dieweil ein eintziger Kaufmann verhandlen kan / was hundert Handwercksleut verarbeiten / und ein Handwercksmann verar - beiten / was hundert Bauren ihme an rohen ma - terien zum verarbeiten geben koͤnnen / iſt alſo der Baurenſtand der erſte / groͤſte / auch noͤhtigſte: deꝛ eꝛſte / dieweil er die rohe Materi gibt / welche deꝛ Handwercksmann verarbeitet / und der Kauf - mann verkauft: der groͤſte / dieweil der Bauren am meiſten ſeyn muͤſſen / und / wie gleich vorhergedacht /7Von Unterſcheid der Menſchen / in einer Gemeind.gedacht / ein Handwercksmann verarbeiten kan / was ihme hundert Bauren an roher Materi liffe - ren koͤnnen: der noͤhtigſte iſt er zur Gemeind in der Nahrung / dann ohne deß Baurẽ Arbeit haͤtte der Handwercksmann kein ſubjectum zur manu - factur, und ohne dieſe beyde haͤtte der Kaufmann nichts zuverhandlen; daß alſo der Baursmann nicht allein das fundament vom Adelſtand (woꝛ - von ich nun nicht handle) ſondern auch der Grund von dem Civilſtand und deſſẽ ſocietaͤt iſt. Es ſeynd aber in dem Baurenſtand unterſchied - liche Claſſen: dann einige bauen die Erd / einige die Berckwerck / einige nehmen die Viehzucht Jagt in Obacht / und unter dieſen dreyen bringẽ wieder einige Wahren herfuͤr / welche weiterer Bereitung nicht vonnoͤthen habẽ / ſondern alſo - bald ſolcher Geſtalt koͤnnen gebraucht werdẽ / als da ſeynd die eſſende Speiſen: andere bereiten ſie halb / und laſſen ſie hernach den Handwercksleutẽ in den Staͤdten zu voͤlliger Verarbeitung / als da iſt wol Flachs / Spinſel / Zucker / Holtz / Bret - ter / Haͤut und dergleichen. Mit einem Wort von den Bauren haben wir alle edele und un - edele Erdgewaͤx / Fruͤchten / Tranck / Eſſen / Speiſen / Specereyen / Seiden / Woll / Lein - wand / Leder / Metallen / Holtz / Farben / Butter / Oel / Horn / alles / worvon der Handwercks - mann das ſubjectum zu ſeiner Arbeit nimt: dann unter den Bauren / und ihren gezielten ſubjectis leben Becken / Kieffer / Muͤller / Bier - bꝛaͤueꝛ / Koͤch / Zuckeꝛbaͤckeꝛ / Seidẽbereiter / Wol - lenweber / Hutmacher / Leinweber / Weiß - undA iiijRoth -8CAPUT II. Rothgerber / Kuͤrſchner / Gold-Silber-Kupfer - Schmit / Rohtgieſſer / Kañengieſſer / Klaͤmpner / Schloſſer / Schmit / Muͤntzer / Schreiner / Tre - her / Zimmerleut / Faͤrber / kurtz noch hundert andere Handwercke / welche alle / wann der Baursman verdirbt / und ihnen keine Nahrung zu ihrer Arbeit bringt / verderben muͤſſen / iſt alſo klar / dz der Baurenſtand der groͤſte / und noͤhtig - ſte Stand zur gemeinen Nahrung ſey / ja ich halte von keiner Stadt etwas / da nicht Bauren her - umb ſeyn / und umb der Stadt / gleich wie die in der Stadt von ihnen / ihre Nahrung haben. Der andere Stand in der ſocietet beſtehet in Handwercks-Leuten / dann dieſe muͤſſen ver - arbeiten und verzehren die ſubjecten und Materi - en, welche ihnen der Baursmann bringt. Dieſer Stand nun iſt negſt dem Baurenſtand der groͤſte / dann der ander iſt auß kurtz oberwehnten Urſachen der groͤſte. Die Handwercks Leut ſeynd die jenige / welche in der Stadt wohnen / und die civil ſocietaͤt nicht wenig vermehren helffen / und weil das Abſehen der Civil ſocietaͤt auf die Viel - heit der Menſchen zielet / werden billich ſolche Handwercks Leut in unterſchiedliche Claſſen ge - theilt / und nicht jedem zugelaſſen / allein alles zuthun / damit nemblich andere auch etwas zule - ben / und Urſach dahin zukommen haben. Gar fuͤglich aber koͤnte man alle Handwercks-Leut in ſo viel Claſſen abtheilen / ſo viellerley Materien o - der ſubjecten ihnen die Bauren bringen / derer wie geſagt / in genere dreyerley ſeind / als Erden - gewaͤx / Berg-Werck / Viehzucht / zu welcherich9Von Unterſcheid der Menſchen in einer Gemeind.ich auch die Jagt ſetze. Die Handwercke / ſo da Erdengewaͤx verarbeiten und tractiren, ſeind unterſchiedlich / nemblich / ſo viellerley derſelben Species ſeind / und das iſt auch zuverſtehen von denen / die Metallen / und das was von der Viehzucht / und Jagt herkommet / verarbeiten / darvon ich kurtz zuvor einige zum Exempel er - zehlet. Was nun den dritten und letzten Stand der Menſchen in der Civil ſocietaͤt anbelanget / ſo beſtehet ſolcher von Kauf-Leuten / welche mitaller - hand ſo rohen / alsverarbeiteten / und dann darin - nen wieder mit vielerhand handeln / kan man ſolche den beeden vorigen gleich nit abtheilen / dann es were groſſe Thorheit / einem Handels - Mann gebieten wollen / nur mit einerley zuhan - dlen / derentwegen werden dieſe Leut anders / als die vorige / wiewol doch in drey Claſſen abge - theilt: dan da ſeind einige / welche die Handwercks Leut verlegẽ / ihnen zu arbeiten geben / und die ge - machte Arbeit wieder von ihnen nehmen / und mit ſolchen Wahren hernach in groſſo handeln: dieſe nennet man Verleger / Groſſirer, oder rechte Handels-Leute / die andere ſeind nur Kauff - Leut / oder Kraͤmmer / welche minutim und ins kleine bey Ehlen / und Pfunden jederman ver - kauffen / von den vorigen aber ihre Wahren ein - kauffen: die dritte ſeind voriger beeden Diener / nemblich die Wexler; dann dieſe muͤſſen ihnen ihre geloͤſte oder benoͤhtigte Gelder hinmachen / wo ſie ſolche verlangen / und vonnoͤhten haben. Dieſes waͤren alſo die dreyerley principalA vStaͤn -10CAPUT II. Staͤnde im gemeinen Weſen / nemblich der Bauren / Handwerck / und Kauffman-Stand / worauß die gantze Gemeinde beſtehet. Wiewol nun dieſe Staͤnde einander ſo nah verwand ſeyn / daß einer ohne den andern nicht beſtehen kan / al - ſo die groͤſte Gemeinſchafft miteinander haben muͤſſen / ſo ſeind ſie gleichwol in dieſem von ein - ander entſchiden / daß ſie ſich nicht untereinan - der vermiſchen laſſen / ſondern ihre proportion gegen einander haben wollen / dann es wuͤrde nit beſtehen koͤnnen / wann in einem Land mehr Kauff-Leut / als Handwercks-Leut / und mehr Handwercks-Leut als Bauren weren / auß Ur - ſachen / ſo hier oben erzehlt / dieweil nemlich ein Kaufmann mehr verkauffen kam / als hun - dert Handwercksleut machen / und ein Hand - wercksmann verarbeiten kan / was hundert Bauren Materi zur Arbeit bringen koͤnnen: und ob gleich ein Land waͤre / darinnen dieſe propor - tion der Staͤnde unter einander nicht obſervirt wuͤrd / noch auß Mangl deß Lands in Obacht ge - nommen werden kan / ſo iſt doch gewiß / daß dañ ſolches Land oder Stadt ſich der Umbligenden Huͤlffe bedienen muß / welche Huͤlffe gar ungewiß iſt / in deme ſie nur ſo lang wehret / als man in Freundſchaft iſt / die dann ſtuͤndlich kan gebrochẽ werden kan / und dann jedem Baurẽ / oder Hand - wercksmann / auch Kaufmann frey ſtehet / dem andern etwas zu bringen / oder von einander et - was zu nehmen / oder nit; alſo klaͤrlich hierauß erhellet / daß dieſer Staͤnde proportion wol inObacht11Von Vnterſcheid der Menſchen / in einer Gemeind.Obacht muͤſſe genommen / dahin geſehen wer - den / daß der Baurenſtand am meiſten ſeye / und das Land alſo cultivirt werde / daß es materien gnugſam bringe dem Handwercksmann zum verarbeiten; und dieſer Handwercksleut muͤſſen nicht mehr ſeyn / als zu ſolcher Verarbeitung erfordert werden: Letzlich der Kaufleut muͤſ - ſen ſo viel ſeyn / als zur Verkauffung der verarbeiteten Guͤtter gnug ſeyn / ſonſten verderbt ein Stand den anderen / gleich ſich unter einander auch ſelbſt; Weiter / ſo ſollen wie oben gedacht dieſe Staͤnde nicht vermiſcht / noch confundirt werden / geſtaltſam es wider ihr Natur iſt / dann / in dem der Baursmann die Erde bauet / kan er nicht zugleich zu Hauß ſitzen / und Handwercks-Sachen arbeiten / und in deme der Handwercksman arbeitet / kan er nicht zu - gleich herumb lauffen / und einen Kaufmann agiren / gleich wie hingegen der Kaufmañ / in dem er ſich umb die conſumption, debît, Verſchleiß be - muͤhet / nicht indeſſen zu Hauß / oder auf dem Feld kan ſitzen / und Handwercks Sachen / oder Bauren-Arbeit treiben: dann gleich wie dieſes elende Handwercksleut ſeynd / die auf ein unge - wiſſes / nemlich ohnbeſtelte Arbeit machen / her - nach ſolche wol ein Jahꝛ aufdem Laden haben / ehe ſie es und bißweilen auß Noth um halb Geld ver - kauffen / oder im Land herumb von einem Jahr - marckt zum andeꝛn damit lauffen / mehr Reiß - gelt verzehren / als ſie loͤſen; alſo waͤren das auch ungluͤckſelige Bauren / wann ſie ihre Feldarbeitmuͤſten12CAP. II. Von Unterſcheid der Menſchen / ꝛc.muͤſten ſtehen laſſen / und ihre Nohttirfftigkeit im Handwercksweſen ſelbſten zu Hauß arbeiten / ja wie langſameſchlechte Kaufleut weren dieſes wañ ſie nichts zuverkauffen hetten / als was ſie ſelbſten gemacht / und gezeuget: iſt derohalbẽ eine unfehl - bare Regul / wo kein Baur iſt / hat der Hand - wercksman nichts zuverarbeiten / und wo nichts gearbeitetes da iſt / da kan auch der Kauffmann nichts verkauffen / item in deme der Baursman daß Feld arbeit / kan er nicht zu Hauß ſeyn / und in dem der Handwercksman zu Hauß arbeitet / kan er nit im Landherum lauffẽ / und verkauffen / und in dem der Kauffmann diſes letztere thut / kan er kein Bauroder Handwercksman ſeyn / dz alſo hie - rauß der ungezweifflete Schlnß ervolget / dieſe drey Staͤnd ſoll man nicht untereinan der ver - miſchen / ſondern machẽ / dz ſie nur nah bey ſammẽ ſtehen / und eine rechte Gemein machen / nemlich mit gemeiner Hand einander unter die Arm greif - fen / dann wo dieſes letztere / nemblich die rechte Gemeinſchaft dieſer dreyen Staͤnden wol in Ob - acht wird genommen werden / iſt kein Zweiffel / daß ſolche ſocietaͤt / Stad / Land / oder Republick / erſtlich zn bluͤhender Nahrung / und dadurch we - gen deß Zulauffs zu maͤchtiger populoſitet, hier - durch aber zu dem End der wahrhafften policey, nemblich zu einer anſehlicher und noͤhtiger Menſchlicher Geſelſchafft gelangen werde.

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CAPUT III. Was die drey Staͤnde in einer Ge - mein / nemblich der Bauren-Handwercks - und Kauffman-Stand / vor Gemeinſchafft haben und erfor - dern.

DAmit man aber etwas außfuͤhrlicher ſehe / worin dann dieſe notwendige Gemeinſchafft dieſer 3. Staͤnden beſtehe / wil ich ſolches ſo viel zu meinem propoſito noͤhtig / mit kurtzem erweiſen. Erſtlich muͤſſen dieſe 3. Staͤnde gemein habẽ eine Obrigkeit / dann von diverſen Obrigkeiten dieſe Staͤnde zuſammen flicken / thut / wie kurtz hie - vor gedacht / ſelten gut / und hat keinen Beſtand / wann unter dieſem Herrn reiche Kauffleut / und in jener Stadt gute Handwercks Leut / und unter eines andern Herrn Gebiet die Bauren wohnen / dann ſolcher geſtalt wil einer den andern noͤtigen / ſperren / uͤbernehmen; und mit einem Wort einer muß deß andern Gnad leben / und verderben / wann unter einander der geringſte Mißverſtand entſtehet. Derohalben ſehr rahtſam / dz dieſe drey Staͤnde einer Jurisdiction, einer Obrigkeit / ei - nem Herrn zugehoͤren: vor allen Dingen aber ſol die Obrigkeit ſehen / daß ſie dieſe Staͤnde alſo tra - ctire, wie es das End der Buͤrgerlichen Gemein - ſchafft / oder civil ſocietaͤt erfordert / nemblich daß ſie ſich taͤglich je mehr mehr vermehre / und dieGe -14CAPUT III. Gemeine groͤſſer werde / welches wie vor geſagt / geſchicht / wañ man der Gemeine ihr Narung leſ - ſet ſolche befordert: weil aber / wie kurtz hernach folgen wird / ſolche allein in Verhandlung / und Verkauffung / auch Verſilberung ihrer Guͤter be - ſtehet / iſt leicht zuerachten / daß alles / was dieſes verhindere / auch die darauff fundirte Nahrung / und die darauß entſpringende / zum End der Civil ſocietet hoͤchſtnoͤhtige populoſitet verhindere und ſchwaͤche: iſt dero halben der Gemeine und de - rer Nahrung / auch aller darauß folgender utili - teten nichts ſo hinderlich / als wann man die Kauff-Wahren / und Kauff-Leut mit hohen Zoͤl - len und impoſten beſchwert / dann dardurch wird der Handelsmañ bewogẽ / ſeine Wahrentheurer zugebẽ / ſolche impoſten wiederum daꝛauf zuſchla - gẽ: weil ſie dan ein Fremder / da ſolche impoſten nit ſeyn / kan wolfeiler geben / oder wann auß Theure wegen ſolche beſchwerte Waren nit mehr ſo ſtarck conſumirt, und gekaufft werden / ſo folgt / daß der Kauffmann keine conſumption oder debît mehr habe / perconſequenser verderben / und der gantze Handel geſchwecht werden muß. Es iſt andern theils nichts / welches den Buͤrger / und Hand - wercksmañ mehr verderbt / als die ſchwere impo - ſten / ſo auf die Lebens Mittel / und die groſſe Con - tribution, ſo auf ſolche Leut / und ihre Wohnun - gen geſchlagen werden / dann alſo werden ſie ge - noͤhtiget / ihre Arbeit theuer zugebẽ / und zwingen den Kaͤuffer oder Veꝛlaͤger / daß er von ihnẽ geht / es lieber von den frembden nimt / da er es wol - feyler und beſſer haben kan / daß alſo dem Hand -wercks15Von der dreyen Staͤnde Gemeinſchafft.wercks mañ ſeine Nahrung entzogen / und er zum Muͤſſiggang oder Bettlſtab genoͤthigt wird / nit weniger iſt dem Landmann Bauren die groſſe Steur und Auflag ein groſſes augenſcheinliches Verderben / dann wann die zwey erſte Staͤnde ruinirt oder im Abnehmen ſeyn / ſo kan er ſeine Fruͤchte nicht verſilbern / der Handwercksmann trinckt auß Mangl der Mittl Waſſer / da er ſonſtē Wein truͤncke / die groſſe Auflagen machē / dz er ſie theur gebē muß / zumalen / da eꝛ ſie verfuͤhꝛē / und die ſchwere Zoͤl darauf ſchlagen muß: hier zu komt noch / daß wann die Fruͤchte der Erdē theueꝛ ſeynd / ſie gemeiniglich nicht gerahten / er keine hat / dafals ſie aber wolfeyl fallen / iſt es ein Zeichē / daß ihr viel verhanden / und dann ſchier ein jeder ſolche zuverkauffen hat; dannenhero ein ſolcher armer Mann vor dem Reichen / wegen deß ſchaͤd - lichen Vorkaufs nicht zur Verſilberung kommen kan / zumalen machen alle vorerwehnte Urſachen nicht allein die Leut auß dem Land lauffen / ſol - ches arm an Menſchē / ſondern auß dieſer Urſach / daß nemlich wenig Menſchē in einem Land ſeyn / und zwar die noch uͤbrige arm / geſchichts auch / daß die Victualien dem Baursmann ligen blei - ben / und nicht verſilbert werden / alſo der Obrig - keit ihre contribution nicht eꝛtꝛagē koͤnnẽ: dañ ob zwar ſolcher geſtalt die populoſitaͤt / nemlich das Hertz der Civil ſocietaͤt der Obrigkeit ſelbſtē Verderben gereicht / dennoch duꝛch ebē dieſelbe ge - ſchwaͤcht / mit Gewalt verringert / dz Land von Menſchen und Jnwohnernoͤd und wuͤſt ge - macht wird / ſo gedencket doch die guͤtige Naturnoch16CAPUT III. noch ihꝛeꝛ / laͤſſet einē Weg wie andeꝛn / gleich als wann ſie noch da weren / ja als wann ſie ihnen zu Raht ruffen wolte / auß der Erden die Lebens Mittel waxē / welche zum Zeugnuß ihrer der Na - tur Guͤtigkeit / und der Menſchen Unbarmhertzig - keit den uͤberbliebenē zum uͤberfluß / Schand und Schaden / in Scheuren und Kellernligen muͤſſen. Vor das ander ſo haben auch dieſe 3. Staͤnde ge - mein / und ſehr noͤhtig zu ihrer Erhaltung / die conſumption, debit, oder Verſchleiß / dan wo der Kauffman ſolchen hat / nimt er dem Handwercks - man die Waren ab / wo der Handwercksman ſeinē manufacturen einē gewiſſen Verſchleißweiß / da arbeitet er nit allein Tag und Nacht / ſondern weil er ſolcher geſtalt ſeine Arbeit verſilberen kan / lebt er nit allein beſſer / trinckt an ſtat Waſſers / Wein / oder Bier / und gibt dem Land mann Gelt zuloͤſen / er kaufft ihm auch neue Materien zu ma - nufacturen ab / und da kan der Landmann alles Korn / Wein / Fleiſch / Leinen / Leder / Woll und was ihme die Erd gibt / zu Geldmachē / und ſeiner Obrigkeit die Guͤlten entrichten / da freuetſich der Baursman / wann er dieſer Dingen ein fruchtba - res Jahr ſihet / da er nun weiß / wo er mit hin ſol; da er hingegen offt betruͤbt iſt / ja mancher / der di - ſer Dingen Vorrat hat / wuͤnſchte ein Miß jahr / welches ja unmenſchlich iſt; Da freuet ſich der Handwercksman / wan er viel manufacturen ma - chen kan / oder fertig hat / wañ er das gantze Hauß vol Geſind / und Tag und Nacht Unruh hat / dan er weiß / wo er Sambſtags ſein Geldt dafuͤrbeym17Von der dreyen Staͤnden Gemeinſchafft.beim Verlaͤger hohlen ſoll: Da er nun / ſo er etwas fertig hat / aͤngſtig iſt / wo er es bey Juden / oder Chriſten verſetzen / halb hinweg ſchencken / oder verhandelen / ja den einen Tag nicht weiß / wo er den andern ſein Brodt hohlen ſoll; da freuet ſich endlich der Kauffmann / wann er gantze Bal - len Wahren / bald hie / bald dorthin verhandlt / und deſſentwegen / bald von hie / bald von dort Wexel ziehet. Mit einem Wort / die Conſum - ption erhaͤlt dieſe drey Staͤnd / die Conſumption iſt ihre Seel / die Conſumption iſt der eintzige Bindſchluͤſſel welcher dieſe Staͤnde aneinander bindet und hefftet / auch von einander leben macht / ja der conſumption wegen iſt der Kauff - man-Stand ſo noͤhtig in der Gemeind / ſo groß darinnen der Bauren-Stand / dann dieſer ver - mehrt zwar die populoſitaͤt, jener aber ernehrt ſie: dann wie ich nun er weiſen wil / ſo ligt die eintzige conſumption dieſer dreyen Staͤnden / und alſo alle ihre Nahrung allein an dem Kauff - mañ: dann von dieſem lebt der Handwercksmañ / und von demſelben der Baur; ich verſtehe aber am meiſten Handels-Leut / welche Verlaͤgerſeyn / und von welchen viel Handwercksleut leben koͤnnen / und ihren Verlag haben / dann wann alles in der Gemeinde ſol fovirt werden / was zu Vermehrung / Grnehrung der populoſitaͤt und der civil ſocietaͤt dienet / ſo muͤſſen warlich ſolche Verlaͤger vor Grundſaͤulen der Gemeinde gehalten werden / dann von ſo einem Verlaͤger koͤnnen etlich hundert Menſchen leben / darvonBdie18CAPUT III. die Bauren / und von dieſen der Edelmann nicht wenig Nutzen haben: durch das Wort Verlegen aber verſtehe ich / wann ein reicher Mann den Handwercksleutē Mittl macht / daß ſie die in dem Land fallende / oder auß der Frembde hereinge - bꝛachte rohe Waarē in manufacturen veꝛarbeiten koͤnnen / und dann daß ein ſolcher Verlaͤger die gemachte manufacturen von ihm wieder umb ein billiches Geld nimt / und hernach ander - werts / ſo gut er kan / inn oder auſſer Lands ver - handlet: dieſes nennet man Verlaͤger / darvon man Exempl hat / daß durch ihnen etliche gantze fuͤrnehme Staͤdte ſeynd auf kommen / ja etlich 1000. Menſchē von ihnē ihre ehrliche Nahrung gehabt / dzſeynd rechtſchaffene Handlsleut / die da durch ihren Verlag machen / daß die rohe Waa - ren im Lande bleiben / und durch die Unterthanen veꝛarbeitet / ſolche daꝛduꝛch vom Muͤſſiggang ab - gehalten und zu ehrlicheꝛ Nahrung gebracht wer - den / daß an ſtatt nun frembde manufacturen ins Land gehen / und das Geld darfuͤr hinauß ge - het / nicht allein ſolches Geld im Land bleiben / ſondern die im Land gemachte / und in die fremb - de geſchickte manufacturen noch ein mehrers Geld ins Land ziehen / und alſo ſolches popu - los und nahrhafft machen: dieſes ſag ich / ſeynd nuͤtzliche Glieder der Gemeind / die ihr End die ſocietatem civilem vermehren ernehren / aber dieſe Kaufleut / von welchen ehender ein Papa - gey / Hund oder Pferd / als ein einiger Menſch / oder Unterthan leben kan / welche lieber die roheWaa -19Von der dreyen Staͤnde Gemeinſchaft.Waaren auß dem Land fuͤhren / in der Frembde verarbeiten laſſen / und dann wieder hereinbrin - gen / alſo lieber den frembden / als den Jnnlaͤn - dern das Geld goͤnnen; oder die / welches das ge - meinſte iſt / jaͤhrlich viel hundert tauſend in frembde Laͤnder ſchicken / frembder Leut Untertha - nen reich / und potent, hingegen ihres Lands-Fuͤr - ſten Unterthanen arm machen / das Geld hinauß ſchicken / und nichts wertige / oder ſolche manu - facturen darfuͤr herein bringen / die man ſelber im Land haben / und zum wenigſten den Jnwohneꝛn und Bettlern / derer das gantze Land vol lauft / das Stuͤcklein Brodt goͤnnen koͤnnen; welche al - lein auf ihren Profit ſehen / das Land ſchinden / ſchaben und auſſaugen / etwan hernach einem Teufel ein Liecht anzuͤndē / darbey die groͤſte pro - poliſten ſeyn / und nicht allein deß Lands Unter - thanen in keine Arbeit ſtellen / und ihres Gewins genieſſen laſſen / ſondern ihre Mitbuͤrger Ne - ben-Handelsleut verderben / ja als biſſige Hund an dem Bein allein nagen wollē / deß Landmanns und Handwerckmanns blutigen Schweiß auſ - ſaugen / und / ſo man ihnen dann ein boͤſes Wort gibet / oder ſich die Zeiten nur ein wenig aͤnderen und boͤß anlaſſen / oder ein Feind auf 50. Meil voꝛ der Thuͤr iſt / tꝛoͤwen / lauffen ſie mit ihrem geſchundenen Mammon hinweg / und laſſen die arme Leut allein leyden / diß ſeynd die Blut - und Saugigel einer Republick / der Todt und Untergang derſelben End / dann ſie mindern die populoſitaͤt und entziehen dem Land dieB ijNah -20CAPUT III. Nahrung / bereichen deſſen Feind / und tra - gen keine Scheu / ihres Nutzens willen / daſſel - be ſeinen Feinden zuverrathen und zuverkauf - fen / ſie ſeynd die Miedling / und nicht rechte Hirten / gefaͤhrliche Leut in der republick / welche umb ſo viel groͤſſern progreſs haben / je weniger man auf dieſelbe Achtung gibt / ja je mehr ſolche bey den Staats-Perſonen bißweilen ac - ceſs haben / dieſe ſeynd das contrarium mit den Verlaͤgern / dann weil dieſer Juden und Canalien boͤſe intention nur ein Monopolíum iſt / und auf ihre Bereichung allein ſihet / ihres Nachbarn / und Neben-Menſchen Befoͤrde - rung aber (welches doch wider alle leges der ſocietaͤt iſt / laut vorhergehender deduction) gantz auf die Seite ſetzet / ſuchen ſie nicht allein ſolche nit zu befoͤrdern / und gilt ihnen gleich (wie ich es auß ihrem Mund habe / und die Experi - entz ſolches erweiſet) wie lang ein Staat ſtehe / ob er wol / oder uͤbel fahre / ſondern ſie ſuchen auch aufs aͤuſſerſt ihren Nechſten blind zu machen / da - mit ſie ihn deſto beſſer betruͤgen koͤnnen / ſie wen - den vor / man koͤnne der gleichen Waaren nit im Land machen / alle Elementē ſeynd nicht gut dar - zu / man muͤſſe ſie auß der Frembde holen / zwar nur darumb / darmit hinter ihren diebiſchen Ge - win niemands gruͤndlich komme / und ihnen ſol - chen (wans im Land verlegt wuͤrde) unter Augen legen kan: dieſe Urſachen / ſag ich / der Geitz al - lein alles zu haben / die intention dem Land nicht zu dienen / den betrogenen Gewin verborgen zuhalten / das Geld unter einem juſten prætexthin -21Von der dreyen Staͤnde Gemeinſchafft.hinauß zu partirn, neben dem Vorwand der Un - moͤglichkeit / grober ignoꝛantz / und Faulheit (dañ ſolche Geſellen keine Liebhaber von manufacturn ſeynd / und die den geringſten Leinweber / wil ge - ſchweigen / jemands anders verlegt haben / ſeynd grobe ldioten / und von Stoltz uͤbernommene E - ſel) ſeynd die motiven / daß ſolche Todtfeind / und Peſten der republick nicht allein / wie geſagt / dem gemeinen Weſen nicht zum beſten handeln / ſon - dern wie die vorige die lobwuͤrdige Verlaͤger / der civil ſocietaͤt End / die populoſitaͤt / und die Nah - rung vermehren / alſo vermindern dieſe ſolche: dann es iſt gewiß / und ſich nach vorher geleſenem gantz nicht zuverwunderen / daß ein Kauf - mann ein Land aufbringen / oder verderben koͤn - ne / wiewol es unſere Staatiſten theils nicht mercken wollen / allein weil die endliche conſum - ption, wie erwieſen / bey den Handelsleuten be - ſtehet / iſt leicht zuerachten / daß beede folgende Staͤnd / der Handwercks - und Baurenſtand von ihnen dependirt: warum ſchlagt man einem Moͤrder den Kopff herab / hencket einen Dieb / allein darumb / daß der erſte die populoſitaͤt / der ander die Nahrung der Gemeinde mindert / dieſe loſe Menſchen / die vorige Art von Kauf - leuten / welche beydes begehen / ja nicht offent - lich / ſondern meuchtlich / dieſe / ſag ich / an ſtat der Straf venerirt, privilegirt / und nobilitirt man bißweilen; eine Menſchen-Art / die umb ſo viel - boͤſer iſt / daß ſie nicht allein boͤſes thut dem gan - tzen gemeinen Weſen / ſondern dieweil ſie auch ſucht das Gute / nemlich die erſte / edleſte ArtB iijder22CAPUT III. der Verlāger zu verhindern / wiewol ſie / weil ſie boͤß ſeyn / nicht anders als boͤß / und dem guten zu wider thun koͤnnen / wie ſie nun die Verlaͤger / und derer befoͤrdern / beluͤgen / betruͤgen / ver - kleinern / verfolgen / und mit ihnen umbgehen / wil ich anderwertlich erzehlen / wann ich erſtlich ein project von der rechten Gemeinſchaft / und Aufnehmen dieſer dreyen Staͤndē gehandelt ha - be: nun wil ich noch zum Beſchluß deß punctens von der conſumption, folgendes den Verlaͤgern zu Lob und Ehren anhencken / daß nemlich ſie al - lein vor Grundſaͤulen dieſer dreyer Staͤnden zu halten ſeynd / dann von ihnen lebt der Hand - wercksmann / von dieſen der Bauer / von dieſen der Edelmann / von dieſen der Lands Fuͤrſt / und von dieſen allen wieder der Kaufmann: das ſeynd die jenige Haͤnde / welche einander vereinigen muͤſſen. Wir verwundern uns oͤfters / warumb das Teutſchland arm ſeye / und depopulirt / und ſehen nicht die Blutigel / welche ihm in dieſem Schlam das Blut auß den Aderen ſaugen / biß wir ohnmaͤchtig worden ſeynd / und uns end - lich frembde ſolche mit Gewalt herab thun muͤſ - ſen; aber es iſt gewiß / daß allein die Kauffleut die jenige ſeynd welche heimlich ein Land verder - ben / und aufbringen koͤnnen: die Kauffmann - ſchaft / aber nur die jenige / von welcher der Staat an Geld und Nahrung gemehrt wird / iſt negſt der Natur die jenige Saͤuge-Mutter / welche das noch junge Auſnehmen / auch deꝛ deſerteſten Laͤn - der zum Sproſſen / zur Bluͤt / und endlich herli -chen23Von der dreyen Staͤnden Gemeinſchaft.chen Fruͤchten bringet / daß alſo der Poet wol / und verantwortlich hat ſingen koͤnnen; Handeln / Wandeln und Verkauffen: Jn der Welt herum - mer lauffen / bald zu Waſſer / bald zu Lande: nuͤ - tzet trefflich jedem Stande. Wo die Kauf - mannſchaft recht bluͤhet / und die Nahrung nach ſich ziehet / da kann Land und Leut auff Erden / reich und wol beguͤtert werden. Was nun die conſumption, und wie viellerley ſie ſeye / iſt in gleichem zuerinnern / und zu wiſſen / daß ſie zweyerley ſey / nemlich Jnlaͤndiſch und Auß - laͤndiſch: Die Jnlaͤndiſche iſt die jenige / welche von den Unterthanen eines Lands erhalten wird; man bringt ſie zu wegen durch ein Privi - legium, welches man privativum nennet / dar - umb / daß dardurch dergleichen frembde manu - facturen / oder in einem Land fallende Wahren von der Frembde herein zu bringen verbotten wird / dann es iſt natuͤrlich / daß ſich ein jeder am naͤchſten iſt / und ſeinen Landsleuten / und Mitbuͤrgern vor frembden ein Stuͤck Brod goͤnnen / auch kein Waſſer in die Donau / das iſt / Wahren / die man in einem Land ſelber ha - ben kan / von der Frembde hinein bringen ſol / dann ſolcher geſtalt verſchlaͤgt man die Jnlaͤn - diſche Guͤter / wo derohalben ein privilegium privativum uͤber einen Verlag iſt / da iſt die Jnlaͤndiſche conſumption gewiß / und wo dieſe gewiß iſt / da finden ſich ohnfehlbar Verlaͤger / wo aber Verlaͤger ſeynd / da mangelts an Handwercksleuten nicht / und wo dieſe etwasB iiijverdie -24CAPUT III. verdienen / kan und muß der Landmann ohn - fehlbar ſeine Waaren verſilbern / und das iſt eine conſequentz / die richtig einander folget. Die außlaͤndiſche conſumption aber anbelan - gend / ſo iſt ſie die jenige / welche ihre Waa - ren in die Frembde conſummirt: wiewol nun von frembden / wann ſie klug ſeynd / ſelten daruͤber ein privilegium zu hoffen / und alſo dieſe conſum - ption nicht ſo gewiß / als die vorige iſt / ſo wird ſie gleichwol erhalten durch Wolfeyle / Guͤte der Waaren / durch welche zwey Mitl / wie man im Sprichwort ſaget / man auch von ſeinem aͤrgſtē Feind das Geld herauß locken kan: daß aber die manufacturen wol feyl ſeyn koͤnnen / wird zwey - erley erfordert / erſtlich / daß an dem Ort / wo ſie gemacht werden / wolfeyl zu leben ſey / und dar - umb ſeynd die uͤbergroſſe impoſten, ſo man auf die Victualien ſchlaͤgt / dieſem Ende gantz zu wi - deꝛ; vor das ander / daß man in der Arbeit ſelbſten compendia, und Vortheil ſuche / und darum ſol man gute Mechanicos, und Kuͤnſtler lieben / und daraufſpendieren: die Guͤte der Waaren a - ber anbelangeud / wird ſolche zu wegen gebracht durch Unterhaltung guter Meiſter / Erhand - lung guter roher zu manufacturen gehoͤriger materien: zu allem dieſem aber wird erfordert Verſtand / und in ſpecie zur frembden conſum - ption wird converſation mit den frembden / Abſchaffung ber ſchweren Zoͤl auf die hinauß - gehende manufacturen / Trockirung der inn - laͤndiſchen manufacturen vor frembde roheWaa -25Von der dreyen Staͤnden Gemeinſchaft.Waaren requirirt / wie dann ſolches ein jeder ehrlicher Handelsmann / der dem Vatterland zum Aufnehmen / und beſten zu handlen ſuchet / mit mehrerem wiſſen wird / da er dann / wann er dieſe gute intention hat / von GOtt / auch ohn fehlbar hierinnen geſegnet wird werden / da hingegen die vorige Hummeln / die den armen Bienen den Honig ſtehlen / nemlich die ſchaͤdliche Kaufleut / ſo auß boͤſer intention, Geitz / Neyd / Faulheit / und Unverſtand dem Land zum beſten nichts verlegen / ja andere ehrliche Verlaͤger / und ihre Befoͤrderer noch hindern wollen / darvon ich zuvor gedacht / dieſe ſag ich / die nuꝛ deꝛ Gemeinde zum Schaden im truͤben fiſchen wollen / werden den unaußbleiblichen Fluch erben / und weiß man manchsmal nicht / warumb GOtt einen oder den andern Prachthanſen / ein klein wenig ehrlicher / als einen Dieb durch einen unverſche - nen Panckrot fallen laͤſſet. Drittens ſo haben dieſe drey Staͤnde weiter gemein eine gewiſſe proportion, und correlation, ſo alle drey gegen einander (darvon bereits im vorhergehenden gemeldet) als jeder unter ſich ſelbſt; und zwar / ſo haben alle dieſe drey Staͤnde gemein drey ge - faͤhrliche / und hoͤchſtſchaͤdliche / verderbliche Feinde / derer erſte die populoſitaͤt verhin - dert / und der iſt das Monopolium, der andere verhindert die Nahrung / und der iſt das Poly - polium, der dritte zertrennet die Gemeinſchaft / und der iſt das Propolium: von geſaͤmtlichen dieſen / und ihren Gegentheilen / wil ich / ſo vielB vzu26CAPUT IV. zu meinem propoſito noͤthig / in der Kuͤrtze auß - fuͤhrlichen Bericht geben.

CAPUT IV. Von den drey Hindernuſſen und Hauptfeindē voriger dreyer Staͤnden / nem - lich / von dem Monopolio, Polypolio, und pro - polio, ſampt remediis vor die zwey erſte / nemlich / von den Zuͤnften und Kaufmanns compagnie.

DAs Monopolium anbelangend / ſo beſtehet ſolches darinnen / wann ein Glied in der Ge - meind das allein hat in der Nahrung / worvon ſonſten in der Gemeinde viel andere leben koͤn - ten: dann weil das End der civil ſocietaͤt die Vielheit der Menſchē iſt / und ſolche zu lebē haben wollen / das Monopolium aber nur einem / o - der ihrer wenigen gibt das jenige / worvon viel ehrlich leben koͤnten / ſo folget / daß die jenige / welchen dardurch die Nahrung entzogen wird / verderben und auß dem Land muͤſſen / alſo dardurch das Land arm und depopulirt wird / welches wider das End der civil ſocietaͤt / die in Menge der Menſchen beſtehen ſol / iſt. Dann ohneracht der Monopoliſt umb ſo viel reicher wird / als er Anderer Nahrung an ſich ge - zogen; iſt es doch der Gemeind / Stadt oderLand27Von den 3. Haupfteinden der drey Staͤnden.Land beſſer / wann ſie viel mittelmaͤſſige reiche / und von ehrlicher Buͤrgerlicher Nahrung Leut hat / als wann ſie arm von Menſchen iſt / und nur etliche wenige hauptreiche Leut unter ſich hat / dann im Fal der Noth gehen ſolche reiche Leut / und mit ihnen die gantze Gemeind durch / iſt alſo das Monopolium der populoſitaͤt und Ver - mehrung der Jnwohner eines Lands ſchaͤdlich: warumb aber das Monopolium von etlichen ſo ſehr verlangt wird / iſt die Urſach / das ſie gern reich ſeyn / koͤſtliche Haͤuſer bauen / in Kutſchen fahren / ſtatlich haußhalten / und mit Weib und Kindern praͤchtig daher gehn wollen / welches aller Monopoliſten Zweck iſt: dannenhero ziehen ſie alles allein an ſich / und in deme ſie viel zu ih - rem Uberfluß vonnoͤhten haben / nehmen ſie / ich ſag / zu ihrem Geitz / und Uberfluß / andern ih - ren Mitbuͤrgern das jenige hinweg / was ſolche Leut zu ihrer taͤglichen Nothduͤrftigkeit gebrau - chen / machen alſo / indem ſie auf Kutſchen fah - ren / koͤſtliche Haͤuſer bauen / im Fraß und Wol - luſt leben / daß andere ihre Mitbuͤrger nicht einmal zu Fuß gehen / unter Dach kommen / ein Lumpen uͤber den Leib / oder ein Stuͤck Brod bekommen koͤnnen; welches ja unchriftlich / und unbillich / einem andern ſeine Notturft nehmen / und hernach zum Uberfluß gebrauchen. Weil dann nun dz Monopoliú ſolcher geſtalt der civil ſocietaͤt ins Hertz greifft / haben wolbeſtelte O - brigkeiten durch allerhand gemeine Policey-Re - guln die Verordnung gethan / wie ein jedermaͤſſig28CAPUT IV. maͤſſig und buͤrgerlich in ſeinem Stand leben / und ſich im Haußbauen / Eſſen / und Kleyderen verhalten ſolle / damit er außkommen koͤnne / und nicht vonnoͤthen habe ein Monopolium zu affe. ctiren / ſondern ſeinem Mitbuͤꝛger auch ein Stuͤck Brod laſſen: dem Monopolio nun iſt zu wider das Polypolium, dann gleichwie in dem Mono - polio einer hat / worvon viel leben koͤnnen / alſo gibt das Polypolium allen dieſes / worvon nur etliche leben koͤnnen / und iſt alſo das Poly - polium ein Verderb der buͤrgerlichen Nahrung / gleich wie das Monopolium der populoſitaͤt / dann ob ſie / gleich wie geſagt / beyde gantz è Diametro ein ander contrar ſeyn / ſo ſeynd ſie doch in dieſem einig / daß ſie beyde der civil ſo - cietaͤt hoͤchſte Feind ſeyn / in deme das eine die populoſitaͤt / das andere die Nahrung der Gemeinde ſchwaͤchet / und von den Kaufleuten meiſterlich koͤnnen practiciret werden. Darmit man mich aber wol verſtehe / wil ich die Sa - chen durch ein Exempl erklaͤren: wann ein Schuſter in Wien waͤre / und koͤnten doch 50. ih - rer ſich daꝛinnen ernehrē / ſo begieng dieſer Schu - ſter ein Monopolium, dann er triebe 49. Men - ſchen auß der Gemeind / und ſchwaͤchte ſie an der populoſitaͤt / hingegen wann 50. Schuſter in der Gemeind ehrlich / mitlmaͤſſig / und e - ben buͤrgerlich leben koͤnten / und man ließ frey / daß noch 150. Schuſter darzu kaͤmen / ſo waͤre kein Zweiffel / das Handwerck waͤre uͤberhaͤuft / und wurden nicht allein die vo -rige29Von den 3. Hauptfeinden der drey Staͤnden.rige 50. ſondern die darzu gekommene 150. mit - einander verderben / dann es wuͤrde wenig Arbeit / und ſchmahle Biſſen geben / und das unter viele getheilet werden / worvon nur et - liche leben koͤnnen / welches iſt das Polypolium, dann gleich wie der civil ſocietaͤt vortraͤglicher iſt / daß viel mitlmaͤſſige reiche Leut / als nur etliche wenige hauptreiche Monopoliſten in ih - rer Gemeind ſeynd / alſo iſt hingegen gedach - ter Gemeind auch nuͤtzlicher / wann ſie eine ge - wiſſe Anzahl mitlmaͤſſig reicher Leut / als ein uͤbergroſſe Maͤnge Betler und armer Polypoli - ſten in ihrer Gemeind hat / dann ſolche Leut / wie oben bereits gedacht / im Fal der Noth / oder Be - laͤgerung eines Orts / entweder auß Hunger ſelber rebellirn / oder mit Schaden / und Schand dem Feind zugewieſen werden muͤſ - ſen. Mit einem Wort / das Monopolium iſt der Populirung eines Lands zu wider / in dem es nur einem gibt / worvon viel leben koͤn - ten: und das Polypolium iſt der Nahrung eines Orts zu wider / in deme es allen dieſes zulaͤſſet / worvon nur etliche ſich ehrlich zur Nohtturft ernehren koͤnnen / beydes iſt / wie erwieſen / einer Gemeind ſehr ſchaͤdlich / dann es werden dardurch alle drey Staͤnde verdorben / und ruinirt: wann nur ein Bauer im Land / ein Handwercksmann und Kauffmann in der Stadt waͤre / ſo waͤrs ein Monopolium, und deſertes Land und Stadt. Wann hin - gegen mehr Bauren / als Land verhanden /mehr30CAP. IV. mehr Handwercksleut als Arbeit / mehr Kauf - leut / als conſumption in der Gemeinde ſeynd / ſo waͤrs ein polypolium, und durch beede die Ge - meinde bald ruinirt werden / ein Mitl derhalben zu finden / daß / ſo das Monopolium, als Po - lypolium auß der Gemeinde gewieſen werden / haben die alten Obrigkeiten die Zuͤnfte oder Guͤlten erfunden / wordurch jeder Stand / und Handwerck in eine ſolche Zahl reducirt wird / als es der Horizont, oder Nahrung ſelbiges Orts leidet / damit / ſo das Monopoli - um als Polypolium verhuͤtet werde / und nicht jedem frey ſtehe / alles allein zu haben / oder ſei - nem Belieben nach zu thun / was er wil: iſt de - rohalben das End der Zuͤnften / daß ſie daran ſeyn ſollen / auf daß die Zahl der Handwercks - leut / und Meiſter ſich nach der proportion der conſumption, und Nahrung richte / daß nicht zu viel / noch zu wenig ihrer in einer Stadt ſeyn / und einer den andern verderbe; deſſentwe - gen auch die Stoͤrer / Stimpler und Beinha - ſen / und ſolch Volck / welches durch heim - liche Arbeit den Meiſtern das Brod vor dem Mund hinweg ſtielet / billich in der Gemein - de nicht ſollen gelitten werden. Aber dieſes Mitl der Zuͤnften / welches ein remedium wider das Monopolium und Polypolium ſeyn ſol / iſt heu - tiges Tages zu einem boͤſen Mißbrauch worden / dann die Hauffen Handwercks-Gerechtigkei - ten / Gebraͤuch / Lehrbrieff / Geburtsbrief / Mei - ſterſtuͤck / ſchelten / unehrlich / und durch eineSauffe -31Von den 3. Hauptfeinden der drey Staͤnden.Saufferey wieder ehrlich machen / geſchenckte Handwerck / der Geſellen Muthwillen / und hun - derterley andere Dingen / welche die Handwercke zum Schein der Aufrichtigkeit in ihren Zuͤnften haben / machen / daß kein ehrlicher armer Geſel zum Meiſter / oder Buͤrger werden kan; ja unter allem dieſem ſteckt ein heimliches Monopolium, darumb macht man die Zuͤnfte ſo ſchwer / daß nemlich niemands hinein begehrt / noch kan / und alſo den Meiſtern / ſo bereits darinnen ſeynd / das Weſen / und die Arbeit allein bleibe / wel - che dann / weil ſie wiſſen / daß ſie allein ſeynd / den Kaͤuffer / mit dem Preyß uͤbernehmen / trutzen / und ihrem Gefallen nach die Arbeit ſte - hen laſſen / und die Leut mit der Arbeit nicht befoͤrdern / welches dann der Gemeinde uͤber die maſſen ſchaͤdlich iſt. Dieſes derhalben| zu re - medirn / und diß heimliche Monopolium auf - zuheben / haben die Hollaͤnder alle Zuͤnffte caſſirt / und das polypolium zugelaſſen / der ge - ſtalt / daß jedem frey ſtehet ſich zuernehren / wie er kan / deſſentwegen dan ein groſſer Zu - lauf von Menſchen da iſt / und ſich die Hand - wercksleut wegen ihrer groſſen Maͤnge umb die Arbeit reiſſen / ja damit einer vor dem an - dern einen Zulauf habe / befleiſſen ſie ſich guter / und wolfeyler ſauberer Arbeit / und wil als einer mit dem anderen darinnen certirn / und den Vorzug haben. Diß zugelaſſene Polypolium in den Handwercken iſt nun den Kaufleuten / und Verlaͤgern ein gemach -tes32CAPUT IV. tes Spiel / dann dardurch erhalten ſie den Haudwercksmann in ſteter Armut / und Arbeit; dann die Maͤnge ihrer macht / daß ſie fleiſſig / und wolfeyl arbeiten / und die Leut befoͤrdern / ja der Arbeit nachlauffen / und mit aller ihrer Muͤ - he dennoch kaum ein Stuͤck Brodt verdienen koͤnnen: beedes aber iſt unbillich / ſo die viele dif - ficultaͤten der Zuͤnfte; als diß polypolium: dann ohneracht Holland Wunder vermeinet / wie es durch diß letzte aufkomme und florire, ſo iſt doch gewiß / daß es eben dardurch einmal zu aͤuſſerſter Ruin kommen wird / nemlich / wann die Hollaͤnder einmal der frembden con - ſumption privirt und Menſchen arm worden / welches leicht geſchehen kan / wann nur die um - ligende Oerter die Augen etwas beſſer aufthaͤ - ten: dann ſolcher geſtalt muſſen die Handwercks - leut in Holland nothwendiglich ſich in ein ge - ringere / und gewiſſe Zahl reducirn, oder mit ein - ander verderben / und entlauffen: deſſen man dann genngſam Exempel hat / wann Holland in Krieg / und Ungelegenheit mit den Nach - Baurn iſt / daß alsdann die Handwercksleut mit hunderten auß dem Land lauffen; hinge - gen in Teutſchland / wo Zuͤnfte / und die Handwercksleut in gewiſſe Zahl reducirt ſeynd / ſpuͤhret man in Kriegszeiten die geringſte al - teration bey den Handwercken nicht / ſondern ſie bluͤhen alsdann vielmehr / und kommen auf: ſo laſſen ſich auch in Teutſchland darumb die Zuͤnfte nicht abſchaffen / und jedem freylaſſen33Von den drey Staͤnden und Hauptfeinden / ꝛc.laſſen zu arbeiten / was er wil / weil Teutſchland keine Außlaͤndiſche conſumption hat / als die Hollaͤnder / ſondern es wuͤrden in kurtzer Zeit die Handwercke ſo uͤberhaͤuffet / daß ſie auß Man - gel der conſumption mit einander verderben muͤſten. Wie nun hierinnen das Mittel zu treffen / daß nemblich weder zuviel / noch zu wenig Menſchen an einem Orth ſeyn / ſondern ihre Zahl ſich ſtetigs nach dem Maß der Nahrung proportioniren ſoll / wie ſolche propoſition und Maß / daran eines gantzen Orths Wolfahrt ge - legen / in obacht zu nehmen ſey / darvon were viel zu melden / iſt ſicherlich nit eins von den gering - ſten ſecretis politicis, wiewol es unter hundert Orthen kaum in einem in obacht genommen / und practicirt, das iſt / ein Monopolium oder Polypolium verhuͤtet wuͤrd / dann gemeiniglich / in deme man ſich vor dem einen warſchauet / faͤllt man ins andere / ſo erforderts auch viel ſub - tilitaͤten / Erkaͤntnuſſen / und ein gutes Judi - cium, ja gantze geheime Handgriff / die Nah - rung nach den Leuten / und die Leute nach der Nahrung proportioniren, und auff jeden bege - benden Fall ohne confuſion und ruin, oder aͤnde - rung und Neuerung eines Orts zu moderiren, das bißhero bekanteſte und nechſte Mittel aber iſt / ein wachendes Aug auff die Handlung / Bau - renſtandt / und Zuͤnffte der Handwercksleut zu haben / wie nemblich ſolche Staͤnde gegen einander / und unter ſich ſelbſt ſtehen / inſonder - heit daß den Zuͤnfften nicht in allem ihr Will /Cund34Caput V. und zugelaſſen werde / die Handwerck und Mei - ſter / in eine ihnen beliebige Zahl zu reducirn, und die Meiſterſtuͤck ihrem Belieben nach zu beſchweren / und mit allerhand Narretheyen zu uͤberhaͤuffen / und difficil zu machen.

Caput V. Von den Kauffmanns Compagnien und Geſellſchafften / auch von Underſcheid deß Handels / quoad ſubjectum in genere.

WJe nun bey den Handwercksleuthen das Mono - und Polypolium zuverhuͤten / die Zuͤnffte angeſtellt ſeyn / alſo hat man mit den Kauff - und Handelsleuthen / welche ſich ſchwer - lich in ſolche Zuͤnffte reſtringirn laſſen / ein an - der Expedientz gefunden / nemblich man hat Compagnien / oder Maſcopien gemacht / wel - che von ſolcher Anzahl Menſchen und Gliedern beſtehen / als eben ſelber Handel erleiden kan / damit er in kein Monopolium noch Polypo - lium declinire, ſolcher Compagnien nun findet man hin und her in der Welt ſehr viel / welche auch dem gemeinen Weſen ſehr nutzlich ſeynd / dann neben deme / daß wie gedacht / das Mono - und Polypolium dardurch verhuͤtet wird / wer - den auch die negotien dardurch deſto beſſer er - hoben / dann ſo eine gantze Compagnie hat mehr Mittel und credit, gehet auch viel ſiche - rer / als ein privat Handelsmann / welcher viel eher verdeben kan / als ſo eine gantze Compa -gnie /35Von den Kauffmanns-Compagulen / ꝛc.gnie / welche maͤchtig iſt / und einer Sachen außwarten kan / derentwegen man dann auch ſiehet / daß der Handel / ſo durch dergleichen Compagnien getrieben wird / viel mehrer / als bey andern florirt, deſſen man in Jtalien / Franckreich / Engellandt / Schweden und Hol - landt genugſame Exempel hat / was vor maͤch - tige Dinge ſolche Compagnien thun koͤnnen / es werden aber ſo zur fundirung / als Erhaltung ſolcher Compagnien / vier Stuͤck erfordert / und zwar erſtlich / daß ſie von ſoviel Gliedern und portionen beſtehen / als zur Erhebung deß Han - dels noͤhtig / und daß die Glieder / oder partici - panten alſo beſchaffen ſeyn / daß ſie mit ihren Einlags quotis folgen koͤnnen / dann ſonſten verderbet oder hindert einer den andern. Vor das ander wird erfordert / daß kein Mitglied in ſolcher Compagnie in ſolidum vor die andere verſchrieben / noch die uͤbrige Guͤter / Vermoͤ - gen oder Schulden auſſer der Quotâ ſeyn / ſo in der Compagnie hafftet / obligirt ſeyn / oder mit / ſo in Schaden als Verluſt / participiren, dann ſolcher geſtalt wurde das falliment eines eintzigen gnugſam ſeyn / alle andere / auch auſſer der Compagnie / zuverderben / und in Malor zubringen. Drittens wird erfordert eine gemeine adminiſtrirung / ſo der Glieder / als Guͤter der Compagnie / weſſentwegen dann pa - cta oder Vergleich unter den Compagnien auff - gericht / Bediente auffgenommen / Gewindhe - her / oder Gevollmaͤchtigte conſtituirt, und vonC ijden36Caput V. den uͤbrigen in ſolche compromittirt wird / dann gleich wie nicht alle regiren koͤnnen / alſo wurde auch eine Compagnie bald ruinirt ſeyn / wann ein jeder belieben nach darmit umbgehen / und befehlen wolte / derenthalben per plura vota nothwendig alles abgehaudelt / und in den Schluß / welcher Authentiſch ſeyn ſoll / com - promittirt werden / und die Buchhalterey durch die darzu verordnete wol in obacht genommen werden muß / damit keiner dem andern was vorzuwerffen / noch ſich zubeklagen habe. Vier - tens iſt noͤhtig / daß ſolche Compagnien Licentz und Privilegia haben / damit ſie ohngehindert ihre conventicula halten / Freyheit haben ſich zuverbinden / und verſichert ſeyn / daß ihnen ſonſten niemands in ihren Handel greiffen darff / dann wo keine Privilegia ſeynd / ſon - dern nur ihrer etliche ſich in privato verbinden / und wie ſie es nennen / mit einander in Com - pagnia ſtehen / koͤnnen ſie leichtlich uͤber einen hauffen geworffen werden / wann andere Kauff - leuth / die maͤchtiger ſeynd / wider ſie ein Com - pact machen / und gegen ſie handeln / dann alſo verderbt der reicherer den aͤrmern / oder diſer / der außhalten kan / den andern / ſo weichen muß / wie wir dañ Exempel gnug habē / daß anſehliche Compagnien der geſtalt ſeynd ruinirt, und beyde endlich zu grund gangen / ſeynd alſo die Privile - gia zur Sicherheit den Compagnien noͤhtig / es ſeynd aber der Privilegien zweyerley / nach zweyerley Arth der negotien, dann einigenego -37Von den Kauffmans-Compagnien / ꝛc.negotien werden in dem Landt gethan / einige geſchehen auſſer Lands / darbey ſeynd auch zweyerley in obacht zu nehmen / wornach ſich nemblich die Privilegia richten / nemblich in dem Handl / ſo innen Lands geſchicht / muß man trachten / daß man erſtlich Freyheit habe zu han - deln / 2. daß der / ſo in eben ſolchen negotien traffiguirt, einem keinen Schaden thun koͤnne. 3. Daß man dem Landt zum beſten handle. 4. Daß man in Sachen handle / darinnen Nu - tzen zuthun / auff dieſe Puncten nun ſoll ein Pri - vilegium / ſo vor Jnlaͤndiſche Handlung gege - ben wird / abſonderlich collimiren, nemblich / 1. die beſſere und wolfeylere Wahren bringen / haben naturaliter den Vorzug vor den andern. 2. alſo auch die / ſo frembde Manufacturen in einem Landt verlegen wollen / die noch nicht darinnen ſeynd / ſondern bißhero auß der Fremb - de ſeynd herein gebracht worden. 3. alſo auch die in andern Sachen einem Landt zum Vor - theil handeln / ſeynd denen zu præferirn, die ei - nem Landt zum Schaden handeln. 4. Alſo auch iſt dieſer Handl andern vorzuziehen / von welchen viel Menſchen in der Gemeind leben. Jn allen dieſen Puncten kan ein Lands-Fuͤrſt / Statt / oder Republic kecklich ſolche Compa - gnien privilegiren / dann ſie gereichen dem Landt zum beſten / und thut man ſicherer / daß man ge - wiſſe Compagnien fundirt, derer man verſichert iſt / und welche man in gewiſſe Leges reſtringirn kan / alſo daß man den Handl jedes BeliebenC iijlaͤſſet /38Caput V. laͤſſet / und da man nicht verſichert iſt / ob er zu deß Landes Beſten / oder Schaden gefuͤhrt iſt / Was aber die Privilegia anlangt / ſo den Han - del / und die darauff gerichte Compagnien in die Frembde concernirt, ſo iſt zu wiſſen / daß dieſelbe auch auff den allda gefuͤhrten Handel reflexion machen muͤſſen / dann der in die Frembde handeln wil / muß viererley beden - cken. 1. Ob und was fuͤr ein Weg dahin ſeye. 2. Ob er Freyheit habe / dahin zu handeln. 3. Ob er etwas / oder was er da koͤnne hin ver - handeln. 4. Und was er auß der Frembde wider holen koͤnne / der Lands-Fuͤrſt hingegen / Statt oder Republic / ſo ihren Underthanen in die Frembde zu handeln Privilegia ertheilt / muͤſſen folgende reflexiones machen. 1. Ob es ihrer Statt oder Landt nutzlich ſeye / daß ſie ihre Underthanen dahin handeln? und was vor commoda oder incommoda dar auß erfol - gen koͤnnen. 2. Wie man der Zoͤlle Nachbar - ſchafft und Contrabandts wegen in Kriegs - und Friedenszeiten mit dieſen frembden Or - then ſtehe / da die Underthanen hin handeln wollen. 3. Wie die Underthanen bey angefuͤg - tem Schaden duꝛch Rechte oder repreſſalien koͤn - nen manutenirt werden? 4. Daß keine Obrig - keit andere Privilegia in die Frembde / da ſie nicht Herr iſt / zu handeln geben kan / als allein ſolcher geſtalt / daß nur ihre Underthanen neben denen / die da privilegirt ſeynd / nicht dahin handeln moͤgen. Dieſe nun / und dergleichenPun -39Vonden Kauffmans-Compagnien / ꝛc.Puncten ſeynd ſo bey den Jnn-als Außlaͤn - diſchen Privilegien in obacht zu nehmen. Nun wil ich noch zum Beſchluß dieſes Punctens kuͤrtzlich erklaͤren / wie vielerhandt der Handel iſt / und wie vielerley Compagnien darvon be - ſtehen koͤnnen. Wie nun gleich oben gedacht / der Handel zweyerley iſt / neinblich der Jnn - und Außlaͤndiſche / alſo kan man allhie ſolchen wider ins geſambt auff zweyerley Art conſi - deriren: Erſtlich wie vielerley ſo roh / als in manufacturn iſt / vor das ander / wohin in der Welt / ſo mit vorerwehnten rohen Wahren / als manufacturn negotia geſchehen / und ge - handelt wird. Was anlangt den erſten Punct / ſo iſt zu wiſſen / daß wo rohe Wah - ren ſeynd / die manufacturn, und dieſer bey - der die Handlung auff den Fueß nachfolgen / dannenhero wann ich von dem einen reden werde / muß ich nothwendig allezeit der an - dern eingedenck ſeyn / allen Handel dero - halben kan man billig in vierzehen Theil generaliter, alſo auch in ſoviel Compagnien abtheilen / welche unter ſich nach beſchaffener Materi viel unterſchiedliche Haͤndel machen / und treiben koͤnnen / ich ſetze ſie vor dißmal in folgende Ordnung. 1. Seydenhandel. 2. Leinenhandel / dem ich die Baumwoll bey - fuͤge. 3. Wuͤllenhandel / dem ich das Cameel: und andere Haar zueigne. 4. Lederhandel. 5. Buchhandel. 6. Frantzoͤſiſch / Nuͤrm - bergiſch / und Augſpurgiſche manufacturn. C iiij7. Jubi -40Caput VI. 7. Jubilirerweſen. 8. Glaßhandlung / Holtz - handl. 10. Metallen / und 11. Materialiſten Handl. 12. Specerey Handel. 13. Friandiſch Wahren. 14. Victualien. Von jedem dieſer wil ich ſoviel in ſpecie handeln / als zu meinem Vorhaben allhie noͤhtig iſt.

Caput VI. Von dem Seyden-Handel in ſpecie.

1. DEn Seyden-Handel derhalben an - belangend / ſo beſtehet ſolcher in zweyen Stuͤcken / nemblich in Ver - handlung roher-und verarbeiteter Seyden / bey der rohen Seyden iſt in obacht zu nehmen ihre Zihlung / ihre Qualitaͤt / und ihre Verkauf - fung / oder Werth / und Orth / wo ſie anfaͤnglich eingekaufft / und hernach wider verkaufft wird / was die Zihlung angehet / ſo iſt zu wiſſen / daß die Seyden zwar aller Orthen / wo nur Maul - beerlaud zubekommen / zu zielen iſt / aber je waͤr - mer Landt / je beſſer Seyden / nicht wenig thut auch darzu die Arth deß Bodens / und deß Baums / dann nach Beſchaffenheit deß Bodens die Blaͤtter deß Baums / und derer Safft wird nach deme der Seydenwurm auch harte oder weiche / ſtarcke oder ſchwache / ſchoͤne oder daͤßliche Seyden ſpinnt / mit einem Wort / es iſt darinnen ſolche variation, als immermehr mit den Weinen / dann wie bißweilen ein eintzi -ges41Von dem Seyden-Handel in ſpecie. ges Plaͤtzlein beſſern Wein / als alle umbligende Orth bringen / alſo bringt auch bißweilen ein abſonderlich Landt und Strichbaum / vor allen andern beſondere Seyden / unter den Euro - peiſchen haͤlt man die Jtaliaͤniſche vor die beſte / welcher nachfolgt die Spaniſche / dieſer die Frantzoͤſiſche / der Frantzoͤſiſchen die Teutſche / die beſte in Jtalien iſt die Boloniſche / welcher die Meßiniſche und Maylaͤndiſche folget / es ſeynd deſſentwegen zu Meſſina und Bolonien vornehme Seydenmaͤrckt / allwo zu gewiſſen Zeiten deß Jahrs die rohe Seyden Ballenweiß gekaufft wird / in Franckreich hat man vor kur - tzer Zeit hero maͤchtig auff das Seyden zielen ſich geleget / ſeynd auch auff Koͤniglichen Befehl in Truck viel Buͤchlein außgangen / darinnen die Arth deß Seydenwurms / und deſſen Zih - lung außfuͤhrlich vor gemeinen Mann gelehrt werden / in Tyrol umb Rovereid zielt man auch Seydenbaͤume / Jhro Churfuͤrſtl. Gna - den von Maͤyntz / gleich wie ſie in allerhand Sachen ſehr curios ſeynd / alſo haben ſie bey Wuͤrtzburg zu Veitshoͤchen auch eine ziemliche quantitaͤt Baͤume pflantzen / welche wol gegluͤ - cket / angeſehen man nun dort gute Seyden machet / am allerbeſten aber im Teutſchlandt ſchicket ſie ſich in der untern Pfaltz umb Heydel - berg / und in der Bergſtraß / angeſehen das Seydenweſen allda ſo gut thut / als immermehr in Franckreich / weſſentwegen auch Jhro Chur - fuͤrſtl. Durchl. mir vor etlich tauſend StuͤckC vBaͤu -42Caput VI. Baͤume zu pflantzen Gelegenheit / und Platz anweiſen laſſen / es ſeyn aber andere Ungele - genheiten / und nun Krieg und Peſt ſelbiger Orthen herumb eingefallen / daß das Werck verhindert worden / iſt ſonſt nicht zu zweiff - len / daß wo guter Weinwachs / auch gut Maulbeerlaub wachſe / der Baum iſt ſonſt leicht zu handhaben / dann weil er am lang - ſambſten ſeine Blaͤtter gibt / leidet er vom Froſt keine Gefahr / es muͤſſen aber weiſſe Maul - beer-Baͤume ſeyn / dann die andern zu fett ſeyn / und die Wuͤrme darvon gar bald ſchnel - len / ſo hat man auch nun / wie ich hoͤre / Vor - theil / daß man den Maulbeerbaum / und deſſen Laub zum Seydenweſen zweymal im Jahr gebrauchen / und alſo doppelten Nutzen thun kan / unter der oriental Seyden haͤlt man die Perſianiſche fuͤr die beſte / welcher die Siniſche folget / ſo gar zu zart iſt / dieſer iſt entgegen die Smirniſche / Armeniſche / oder Seeſeyden / welche gar grob und ſtarck iſt: Einige Seyden nun / als die Boloniſche / und Meßiniſche wird zu Baͤndern / andere zu Struͤmpffen / andere zu Zeugen und Sammet / andere zu Spinn-Stepp-und Nehſeyden / einige ſo bloß / andere vermiſcht gebraucht / und aller - handt manufacturn darauß gemacht / nach - deme ſie nun zart und fein iſt / nachdem iſt ſie auch theur / darnach hat ſie auch wenig Un - rath oder Lackaßin bey ſich / wiewol allerhand Betruͤg mit unterlauffen / bißweilen Steinin den43Von dem Seyden-Handel in ſpecie. in den Knoͤpffen der Straͤng / und die Straͤng feucht / faul / oder zerſchnitten ſeynd / ſo veraͤn - dert ſich auch der Preyß der Seyden / nachdem ſich die Jahr / Sommer / Baͤume und Wuͤrm anlaſſen / unter welche gar offt ein Sterben und Mißrahten kompt. Was nun den andern Theil dieſes Punctens / nemblich die Verarbeitung der rother Seyden anbelangt / ſo werden der auß vielerhand manufacturn bereitet / alle ins geſambt aber werden entweder gezwirnt / ge - webt / geſtrickt / geſponnen / gefiltzt / gefaͤrbt / zwar alſo roh wird die Seyden ſchon bereitet / wann ſie von den Wuͤrmen geſponnen / geſot - ten / auffgehaſpelt / durch ſonderliche Muͤhlen in Straͤnge verſamblet / und in Ballen ge - bunden wird / aber hernach wird darauß durch andere Zwirn-Muͤhlen und Duppliren die Stepp-und Neh-Seyden bereitet / andere wird zu den Poſamenten und Weberey zuge - richtet / unter die Seydenweberey aber gehoͤ - ren die Seyden-Bandt / alle Seyden-Zeug und Sammet / darunter widerumb ein Unter - ſchied iſt / als Weberey von pur Seyden / oder mit Leinen oder Wuͤllen vermiſcht / und unter den puren Seydenwahren werden einige glatte Wahren geneñet / als Taffet / Attlas / Tertzenell / Sammet / worunter keine Veraͤnderung oder mode kom̃t / als wie unter die Fꝛantzoͤſiſche Zeug / derentwegen ſicherer damit / als mit den Frantzoͤ - ſiſchen gebluͤmbten Zeugen zu handeln / einige Seyden wird zum Struͤmpffſtricken gebraucht /und44Caput VI. und iſt ſich wol zuverwundern uͤber die curioſe invention der Struͤmpffſtricker Muͤhl / welche man kurtz erfunden / und gleich wie die Men - ſchen mit Haͤnden / alſo durch gewiſſe Inſtru - menta ſtricket / ja die Schlingen viel gleicher zie - het / als ein Menſch thun kan / macht alle Tag einen Strumpff fertig / einige Seyden / als die Lakaßin / wird gekamt / geſponnen / und dar - auß Floretbandt gemacht / worzu man dann auch eine abſonderliche invention einer Muͤh - len hat / und ſolch Bandtdarauff webet / ohner - achtet ſolches Inſtrument verbotten / dieweil es die populoſitaͤt vermindert / in deme es viel Menſchen erſpahrt / aber ich ſage einen Handl anzufangen / ſeynd alle ſolche compendia gut / und zugelaſſen / dann ſie machen / daß man die Wahren anfangs wolfeyl geben / und in Flor bringen kan / wo man aber die Sache erſt er - hoben / und in Schwang bracht hat / alsdann kan man ſie auch bleiben laſſen / und den neben - Menſchen auch ein ſtuͤck Brot gewinnen laſſen / und Arbeit geben. Weiter wird die Seyden gefuͤltzt / und Watten darauß gemacht / welche manufactur auß Oſt-Jndien kommen / und hat man nun / weil es waͤrmt und leicht iſt / gantze Camiſol / Decken und Roͤck darvon / iſt beſſer als Beltz / dann es kommen keine Motten hinein / endlich wird die Seyden zu den meiſten dieſen Arbeiten gefaͤrbt / und darinnen iſt ein groſſer Verſtandt / dardurch die Seyden ver - dorben / und gut gemacht werden kan / ſie wirdauff45Von dem Seyden-Handel in ſpecie. auff ihr gewiſſes zugelaſſenes Gewicht gefaͤrbt / und je hoͤher die Farben ſeynd / je mehr ſie zeh - ren / und je groͤbere Seyden ſie haben wollen / in allem dieſem wil es gute inſpection haben / die Stepp-und Nehſeyden ſoll gleich ſtarck / und perlicht die Bandt / Zeug und Struͤmpff aleich und dickt / und mit einem Wort an aller Farb jedes ſein Beſtandt / Gewicht und luſtro haben. Wann nun die Seyden bearbeitet / ſo wird ſie verhandelt / und finden ſich / wie vorge - dacht / dreyerley Handlsleuth darinn / einige die ſie roh kauffen / und verkauffen / einige die ſie verarbeiten laſſen / und verlaͤgen / und dann einige / welche die bereits gemachte manufactu - ren verhandeln / von den zweyerſten iſt in dem vorigen gehandelt / jetzo ſeynd allein die Sey - den-Handler / ſo mit bereits gemachten manu - facturen handeln / zu conſideriren, und iſt zu wiſſen / daß es ein koſtbarer und ſorgſamer Han - del ſeye / darauff ſogar kein groſſer profit iſt / dann weil ſolche Handlsleuth ihre Wahren nicht ſelbſt verlaͤgen / ſondern von dem dritten und vierdten Handhaben / muͤſſen ſie dem Kauf - fer ſowol ihren / als der andern profit anſchla - gen / auch ſeynd die Zoͤll auff den Seyden manu - factoren hoch / die Wahr iſt nicht jedes Kauffs / zumalen wanns Zeug ſeyn / da eine variation und mode darein kombt / welche dann veralten und verligen / der Seyden-Handl iſt bißhero unter den Frantzoͤſiſchen Wahren geweſen / und ſo uͤberhaͤufft / und im polypolio, daß ſieguten46Caput VII. guten theils einander verderben / und was der - gleichen motiva mehr ſeynd / hir gegen iſt doch auch nicht zu laugnen / daß der geſaͤm̃tliche Sey - den Handel / verſtehe Erkauffung roher Seyden / derer Verarbeitung / und der manufacturn Ver - kauffung / wo ſie zuſamen kommen / einen groſſen profit machen / wie ſolches die jenige in Hollandt / Brabandt / und Teutſchlandt / ſo dergleichen manufacturn anfangen zuverlegen / gnugſam ſpuͤren / waͤre auch zu wuͤnſchen / daß dieſe manu - factur / ſo viel moͤglich / in Teutſchlandt introdu - cirt wuͤrde / dañ dardurch Jaͤhrlich auß Teutſch - landt etliche millionen baar Gelt auß dem Landt gehen / da hingegen / wanns darinnen verlaͤgt wuͤrde / nicht allein ein guter Theil die - ſes Gelts im Landt bliebe / ſondern auch viel tauſend Menſchen / die nun betteln gehen / ihr Brot dardurch gewinnen koͤndten / worzu nicht wenig helffen wurde / wann wir Teutſchen un - ſer Leinwand ein wenig bey den Welſchen in beſſer æſtime braͤchten / und erweiſen thaͤten / daß es ihnen noͤhtiger / als uns ihre Seyden waͤre / ſie alſo dahin braͤchten / daß ſie rohe Sey - den umb Leinwand ſtechen thaͤten.

Caput VII. Von dem Leinen-Handel in ſpecie.

2. DEn Leinen-Handel belangend / ſo iſt zu wiſſen / daß ſelbiger nicht allein ein herꝛ - licher Handel / ſondern auch die Wahren da -rinn47Von dem Leinen-Handel in ſpecie. rinn cuͤrrent ſeyn / es beſtehet aber dieſer Handel in ſechſerley Arthen / nemblich Erſtlich in Hand - lung mit rohem Flachs und Hanff / darinnen dann das Biſtumb Straßburg / Schwaben / Bayern / Laͤndel ob der Enß / Weſtphalen und Schleſien den Vorzug haben / geſtaltſam allda viel Flachs und Hanff gezielt / auch groſſer Handel darmit getrieben wird: Zum andern wird viel Handlung darmit gethan / mit Sey - lern / Stricken / und Segelgaren. Drittens iſt eine abſonderliche Handlung mit Spinſel oder geſponnen Garen / welches bey tauſenden ver - kaufft / in andere Oerther gefuͤhrt / und allda verwebt wird. Vierdtens iſt ein abſonderlicher Handel der Leinen Zeughandel / es werden Jaͤhrlich viel tauſend Stuͤck Leinwand in Jta - lien und andere Oerther verhandelt / iſt auch eine cürrente Wahr / und unterſchidlich / glat / oder gebluͤmbt / grob oder fein / weiß oder mit Farben gemiſcht / dieſem Handel thut nit wenig Scha - den das Baumwollene Leinwand / welches ſie in Jndien uͤber die maſſen fein zuzurichten wiſſen / wird von dannen in maͤchtiger Menge in Euro - pam gebracht / weil es dañ viel wolfeyler als Lein - wand / kombt es nit allein viel in den Gebrauch / ſondern thut dem Leinenhandel auch einen be - ſondern heimlichen Stoß / die Oſt-Jndier und Sirener wiſſen dieſes Leinwand / wie gemel - det / nicht allein fein zuzurichten / ſondern auch ſolches ſo arth-und kuͤnſtlich zubemahlen / daß man ſich hoͤchlich daruͤber zuverwundern hat. Der38[48]Caput VII. Der fuͤnffte Handel im leinen Weſen beſtehet in Spitzen / welche haͤuffig in Brabandt und Nie - derlandt gemacht / und aller Orthen verkaufft werden. Sechſtens beruhet der Leinen-Han - del endlich auch in allerley ſchlechten Wahren / als leinene Baͤnder / gefaͤrbt Leinewand vor das Landt-Volck / gemachter Wahr / als Hemb - der / Struͤmpff / Schlaffhauben / Schnup - tuͤcher / gefuͤrnuͤſt Leinwandt / welches alles durch die Naͤderinnen auff den Kauff gemacht / und verhandelt wird / ernehren ſich alſo in ge - nere uͤber die maſſen viel Menſchen von dieſem Handel / die Bauren / die Flachs oder Hanff bauen / die Spinnerinnen / Stricker und Sey - ler / die es ſpinnen / ſtricken und treben / die We - ber / die es verweben / die Spitzenmacherinnen / die es in Spitzen verwircken / die Faͤrber / die es faͤrben / die Schneider und Naͤderinnen / die es verarbeiten / und endlich die Kauffleuth / die es verkauffen / und darmit handlen / in allen die - ſen Theilen iſt nun wider ein ſonderlicher Vor - theil / wordurch eine Landsarth vor der andern ein prærogativ hat / an dieſem Orth wiſſen ſie den Hanff und Flachs beſſer zu bauen / oder die Erde iſt bequemer darzu / an einem andern Orth wiſſen ſie den Flachs und Hanff beſſer zu bereiten / zu brechen / zu ſieden / zu haͤchlen / an einem andern Orth weiß man ihn wol zu ſpin - nen / dort webt man beſſer als hie / hie hat man andere Arth von Gewebs / als dort / und hat ein jeder Orth gemeiniglich etwas / worvon erexcel -49Von dem Leinen-Handel in ſpecie. excellirt / dort webt man beſſer glatt / hie beſ - ſer gebildt / an einem andern Ort webt man gemiſcht / an jenem Ort kan man mit dem Bleichen beſſer umbgehen / alhie mit dem Spirn machen. Mit einem Wort / wo ein Theil ſolcher manufactur eingericht iſt / und man nichts als nur dergleichen alda macht / und ſich ex profeſſo darauf legt / da iſt auch die manu - factur am beſten / und muͤſſen die Kaufleut / wo ſie anderſt gute Waaren haben wollen / ſich auch befleiſſigen / daß ſie ſolche an dem rech - ten Ort holen / wiewol mir nicht zweiffelt / daß durch Fleiß und induſtria viel Sachen ein - gefuͤhrt werden koͤnten / wann nur Liebha - ber / und Verlaͤger da ſeyn / ſonſten wird auch das Leinen mit Wollen und Seyden ge - miſcht / und verwebt / wiewol Seyden nicht ſo wol darbey als Woͤllen haͤlt / am beſten aber vereinigen ſich in der Weberey mit ein - ander Baumwol und Leinwand / worauß man viel ſchoͤne manufacturen / inſonder - heit aber Parchet machet / darmit vor dieſem in Augſpurg groſſer Handl gethan worden iſt / dann weil man den Parchet wol faͤrben kan / und der Baumwol wegen Waͤrmb gibt / auch ehrbar ſteht / iſt es vor das Landvolck ei - ne bequeme Tracht / ſonſten auch zum Unter - futter ſehr dienſtlich / alſo in gutem Abgang: unter vorgemeldter ſexerley Art von Handel / iſt die rohe Waar / Seyler und Leinwand die beſte / Spinſel oder geſponnen Garn / Spi -Dtzen50CAPUT VIII. tzen / und zugeſchnittene Waar die ohnge - gewiſſeſte / ſo iſt auch in genere beym Leinen - handl zu mercken / daß die Handelsleut beſſer darmit fahren / als die Handwercksleut in die - ſer manufactur, dann jetziger Zeit die Spinne - rinnen / Leinenweber / und Spitzenmacher kaum das liebe Brod bey ihrer Arbeit haben / dieweil ſie uͤberhaͤuffet ſeynd / und der Ver - lag mangelt / auß Mangel deß Abgangs der Waaren / dieſe aber nicht mehr ſo ſtarck ge - hen / als vor dieſem / auß bereits erzehlten / und noch andern Urſachen / die wir Teutſche ſelber alſo haben wollen / und uns ſelbſten in dem Liecht ſtehen.

CAPUT VIII. Vondem Wuͤllen-und Haar-Handel in ſpecie.

3. NUn folget der Wuͤllen-Handel / welcher billich ein Regal eines Lands mag genen - net werden / wie ihn auch Engeland darfuͤr haͤlt / und deſſentwegen keine Wol darauß laͤſſet / ſie werde dann darinnen verarbeitet / dann ſol - cher geſtalt kan ſich das gantze Land darvon ernehren / behaͤlt nicht allein das Geld / ſo vor dergleichen Waaren hinauß gehet / im Land / ſondern ziehet auß der gantzen Welt durch ihremanu -51Von dem Wuͤllen-und Haar-Handel in ſpecie. manufacturen ein maͤchtiges Vermoͤgen zuſam - men / neben dem maͤchtigen Vortheil / daß ſie ihr gantzes Land dadurch in Arbeit ſtellen: wie ſie dieſe manufacturen haben angerichtet / und werckſtellig gemacht / faͤllt zu weitlaͤuftig alhie zu erzehlen / dieſes iſt zu wiſſen / daß viel Vor - theil darinnen mit unterlauffen / dann nach de - me die Weyd / und das Land iſt / nach dem ſeynd die Schaf / und ihre Wolle / gleich wie nach den Maulbeerblaͤttern die Seyde variirt, die Spaniſche Wol haͤlt man fuͤr die beſte / welcher die andere Arten als Engliſche / Flandriſche / Boͤhmiſche / Teutſche / ꝛc. folgen / ja es iſt bißweilen auch nur ein gewiſſer Strich Lands / welcher gute Woll gibt: neben dieſem iſt nun ein groſſer Vortheil die Schaf / und die Wol zu ſortiren / dieſelbe zu Kartetſchen / zu ſpinnen / welches ein ſchlecht Werck zu ſeyn ſcheinet / aber doch von ſolcher importantz iſt / daß es weder J - taliaͤner / noch Teutſche biß auf den heutigen Tag den Engelaͤndern und Hollaͤndern haben abge - lernt / ſo iſt hernach auch nicht ein geringer Vor - theil Tuch zu weben / ſolches zu walcken / zu faͤr - ben und zu bereiten / in welchen allen Arbeiten ſonderliche Handgrif ſtecken / welche die jenige wol wiſſen ſolten / die Tuchhaͤndler ſeyn / o - der Wullenweber verlaͤgen wollen / dieſe ſag ich / muͤſſenauf alle Handwercksleut genau acht gebē / dann von dem eintzigen Tuchhandel ein gantz Land leben kan / es hat Nutzen darvon der Edel - mann / der die Wol verkauft / der Schaͤffer der dieD ijSchaaf52CAPUT VIII. Schaaf weidet / und die der Schaafſcheer ab - warten / die ſie ſortiren / die ſie kartetſchen / und die die Kartetſchen machen / die Wolſpinner und Wollenweber / und welche dieſen beedē ihre Geraͤtſchaft machen / als Treher / Schreiner / Blaͤtterſetzer; es haben darvon ihr Einkom̃en die Walckmuͤhlen / und ihre Meiſter / die Faͤrber / Tuchbereiter / Kaufleut und Schneider / Hut - macher / Tapetenwercker / Struͤmpfſtricker / und was dergleichen Volck mehr iſt / dieſe alle koͤnnen ihr Nahrung darvon haben. Es beſtehet aber der geſaͤmtliche Wollenhandel in viererley / als in rohen Wollenhandel / alwo zumercken / daß ſo viel moͤglich / die Wol im Land erhalten / darinnen verarbeitet / und nicht rohe hinauß ge - laſſen werde / es waͤre dañ Sach / daß gar zu groſ - ſer Uber fluß da waͤre; die andere Aꝛt von Wuͤllen - handel / beſtehet in geſponnener Wol / oder Wuͤl - lengarē / damit wiꝛd auch groſſer Handel gethan / dañ dieſes Garen wird gebraucht zum Stꝛuͤmpf - ſtricken / und wanns gefaͤrbt iſt / zum Tapeten - wercken / und zur Teppichnath. Drittens folget der rechte Tuchhandel / und beſtehet in Zeugen / und Tuͤchern / die Zeuge ſeynd entweder pur Wol / oder gemiſcht / breit oder ſchmal / ticht oder lucker / oder gantz duͤnne / als Zeug zu Flor und Seefloggen / alſo ſeynd die Tuͤcher hingegen grob oder fein / leicht oder ſchwer / ſtarck oder ſchwach / und iſt ſo viel theils wegen der Farb / der Feine / deß Fadens / und anderer Umb - ſtānden darbey vom Kaͤuffer in Obacht zuneh -men53Von dem Wuͤllen-und Haar-Handel in ſpecie. men / daß man wol deß Argos Augen haben muͤſte / wann einen ein Tuchhaͤndler betruͤ - gen wil / und einer dannoch nicht wil betrogen werden / dann die manufacturen ſeynd unter - ſchiedlich / als Spaniſch / Engliſch / Frantzoͤ - ſiſch / Jtaliaͤniſch / und in dieſen Orten von un - terſchiedlichen Plaͤtzen auch wieder unterſchied - lich / als in Teutſchland / ein