PRIMS Full-text transcription (HTML)
Der ſo noͤthig als nuͤtzlichen Bŭchdrŭckerkŭnſt und Schriftgießereÿ,
Zweyter Theil.
dem eine kurtz gefaßte Nachricht von einigen Buchdruckern ſo wohl inn - als auſſerhalb Teutſchland vorgeſetzet, und mit Kupfern ausgezieret.
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Leipzig,zu finden beyChriſtian Friedrich Geßner1740.

Denen ſaͤmtlichen in der beruͤhmten Kayſer - lichen freyen Reichs-Stadt Augſpurg vorjetzo lebenden Buchdruckerherren, Seinen inſonders Hochgeehrten Herren und Freunden.

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Wohledle, Vorachtbare und Kunſterfahrne, Jnſonders Hochgeehrte Herren und Freunde,

DJe guͤtige Aufnahme des erſten Theils meiner ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdruckerkunſt hat mich ermuntert auch ge - genwaͤrtigen zweyten Theil ans Licht zu ſtellen. Weil nun in dem erſteren die Leben der vorjetzo in Leipzig leben - den Buchdruckerherren vornemlich beſchrieben worden; So uͤbergab ich): (3ihnenihnen auch ſelbigen damahls zur Beur - theilung. Jn gegenwaͤrtigen Theil ſetzte ich mein Unternehmen fort, und bemuͤhte mich auch um die Lebens-Be - ſchreibungen auswaͤrtiger Buchdru - ckerherren. Eben deßwegen bin ich bewogen worden, dieſe Arbeit einer auswaͤrtigen Geſellſchafft zur guͤtigen Beurtheilung zu uͤberreichen.

Ew. Wohledlen, werden es mir dahero nicht unguͤtig auslegen, daß ich Jhnen dieſe ſchlechte Blaͤtter gewied - met habe. Der gute Ruhm, welcher von Jhnen auch in der Ferne bekannt iſt, laͤßt mich hoffen, Sie werden dieſes Unternehmen mit eben dem Gemuͤthe anſehen, als ich Jhnen dieſen zwey - ten Theil zugeſchrieben habe. Die Liebe zu dieſer edlen Kunſt hat nicht nur verurſachet, daß ich mich derſelben in meiner Jugend ergeben habe, ſondern ſie hat mir auch die Neigung eingepflantzet, daß ich nach meinen Kraͤfften derſelben Ruhm und Ehre zu befoͤrdern ſuche.

Vor -

Vorietzo haben wir dazu die ſchoͤnſte Gelegenheit, da derjenige Tag immer naͤher heranruͤcket, an welchem wir die Freude oͤffentlich uͤber die Erfindung unſerer Kunſt an den Tag legen wer - den. Es ſind uns auch ſchon einige mit einem guten Beyſpiel vorgegangen. Wem iſt unbekannt mit was vor Freu - denbezeugungen die Buchdrucker - herren in Harlem dieſes Jubelfeſt bereits begangen haben, und wer weiß nicht, wie man ſich hier und da Muͤhe giebt dieſen Tag feyerlich erſt noch zu begehen? Jſt es billig, daß man GOt - tes Guͤte uͤberhaupt mit Danck erken - net, wenn er uns Wohlthaten erzeiget; So wird uns auch niemand veruͤblen koͤnnen, daß wir uns bemuͤhen, ihm vor die Erfindung unſerer edlen Kunſt ein Danckopfer zubringen, zumal da durch ſelbige GOttes Ehre und des Naͤchſten Nutze augenſcheinlich befoͤr - dert wird.

Ein jedes Kunſtglied traͤgt billig da - zu ſo viel bey, als es vermag. Und wa - rum ſollten wir nicht emſig dazu ſeyn,): (4dada unter uns keiner das Gluͤcke haben wird, dieſen Tag noch einmal zu erle - ben. Jch habe alſo auch einen Beytrag gewaget. Jſt er nicht alſo beſchaffen, wie er wohl haͤtte gerathen ſollen: So wird man doch meinen reinen Willen vor die That auslegen, wenigſtens ha - be ich ſo viel gethan, als ich gekonnt ha - be. Hiervon wird niemand leichtlich beſſer urtheilen koͤnnen, als rechtſchaff - ne und erfahrne Kunſtglieder. Dieſen, abſonderlich aber Ew. Wohledlen, uͤberreiche ich ſelbigen zu einer geneig - ten Aufnahme. Erhalte ich nur ſo viel, daß Jhnen mein Unternehmen nicht gaͤntzlich zu wider geweſen, ſo werde ich dieſe Gefaͤlligkeit mit gebuͤhrenden Danck erkennen, und mich eifrigſt be - muͤhen allzeit zu verharren

Ew. Wohledlen, Vorachtbaren und Kunſterfahrnen, Meinen Hochgeehrten Herren und Freunden,

Dienſtbegieriger
Chriſtian Friedrich Geßner.
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Geneigter Leſer,

DEr Endzweck einer Vorrede beſtehet ordentlich darinnen, daß man ſeine Leſer unter - richtet, was ſie in einem Buch ſuchen ſollen; Man giebt Rechenſchaft warum man ſeine Gedancken ſo und nicht anders eingerichtet habe; Man bittet alsdenn um Vergebung, wenn etwa ein Fehler mit untergelauffen, und empfiehlt ſich der Wohlgewogenheit ſeiner Leſer. Dieſes alles will ich demnach kuͤrtzlich in dieſen Blaͤttern ebenfalls verrichten. Was nun das erſtere anbetrifft, ſo findet man in meinem zweyten Theil der ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdruckerkunſt und Schriftgie - ſerey I) eine kurtzgefaßte Nachricht von einigen Buchdruckern ſo wohl inn - als auſſerhalb Teutſchland. Jch haͤtte freylich wuͤnſchen wol - len, daß dieſe Nachricht noch vollſtaͤndiger haͤtte): (5erſchei -Vorrede. erſcheinen koͤnnen; Alleine dieſer gute Wunſch ſtund zwar in meinem Vermoͤgen, die That aber muſte ich der Gewogenheit anderer uͤberlaſſen. Jch hatte zu dem Ende viele auswaͤrtige Freunde und Liebhaber dieſer edlen Kunſt theils ſelbſt ſchriftlich erſuchet, theils durch andere erſuchen laſſen, mit einigen Nachrichten mir an Handen zu gehen. Bey einigen fand meine Bitte ein geneig - tes Gehoͤr, bey andern war ſie vergeblich. Den erſtern ſage ich hiermit oͤffentlich den ergebenſten Danck vor ihre Bemuͤhung, und erbiethe mich zu allen Gegendienſten; Die letzteren ermuntre ich aber nochmals, und uͤberhaupt erſuche ich einen ieden geziehmend, daß ſie mir nicht nur einige Nachrichten von den jetzo hier und da lebenden Buchdruckerherren, ſondern auch, ſo ferne es moͤglich, von dem Anfang und Fortgang der Buchdruckerkunſt ihres Wohnplatzes guͤtigſt mit - theillen wollen, damit man mit der Zeit eine voll - kommene Buchdrucker Hiſtorie von Teutſchland liefern koͤnne. Meine gegenwaͤrtige Bemuͤhung iſt nur ein Beytrag zu dieſer Hiſtorie. Haͤtte ich dieſe Nachrichten ſo lange zuruͤckbehalten wollen, bis ich von allen Orten die erwuͤnſchte Nachricht eingezogen: So haͤtte ich noch lange warten muͤſ - ſen, bis ich auch nur den meiſten Theil uͤberkom - men haͤtte. Und wer weiß, ob ich nach vieler Zeit viel gluͤcklicher geweſen waͤre? Die Gemuͤther der Menſchen ſind gar zu veraͤnderlich. Eigenſinn, Hochmuth, Verachtung, Neid, und einige ande - re dergleichen ſchoͤne Eigenſchafften habe ich gar wohl gemercket, welche ich auch zu ſeiner Zeit be - mercken werde. Jetzo habe ich noch keine Luſtdarzu.Vorrede. darzu. Unterdeſſen werde ich mit gelaſſenem Ge - muͤthe bey einigen Nebenſtunden immer fortfah - ren dasjenige anzumercken, was zu meinem End - zweck noͤthig iſt, und ſelbiges hernach ans Licht ſtellen. Gefaͤllt es nicht allen, oder den meiſten, ſo bin ich ſchon zu frieden wenn es nur einigen ge - faͤllt. Die Einrichtung dieſer Nachrichten iſt die Alphabetiſche Ordnung, welche ich deßwegen er - wehlet habe, damit ich allen Rangſtreit vermei - den moͤgte. Giebt der Anfangsbuchſtabe einer geringen Stadt den Vorrang, ſo kan ich nicht da - vor, daß es das Alphabet ſo haben will. Wem es verdrießt, der zancke ſich mit dem Alphabet, und laſſe mich in Ruhe. Wenn es moͤglich war, ſo habe ich zugleich angemercket, wenn die Buch - druckerkunſt an dieſem, oder jenem Ort zu erſt be - kannt worden, wie die erſten und folgende Buch - druckerherren geheiſſen, was ſie vor Jnſignia gefuͤhret, und was ſonſten von ihnen zu wiſſen noͤ - thig war. Hier haͤtte ich noch viel weitlaͤuftiger ſeyn koͤnnen, wenn ich alle Nachrichten haͤtte ein - ruͤcken wollen. Da ich mir aber einmal vorgeſe - tzet hatte, von keiner Stadt etwas anzufuͤhren, von der ich nicht auch die neuern Nachrichten bey der Hand haͤtte; So iſt es geſchehen, daß ich ei - nen ziemlichen Theil meiner Anmerckungen ge - genwaͤrtig zuruͤck behalten habe, welches man mir vermuthlich als keinen Fehler auslegen wird. Und das war eins.

Man trift aber II. in dieſem Theil allerhand Dinge an, die zu der Buchdruckerkunſt ſelbſten ge - hoͤren, und als Ergaͤntzungen des erſten Theils koͤnnen augeſehen werden. Alſo habe ich in dem 1. Cap.Vorrede. Cap. von den Formaten geredet, in dem 2. Cap. von der Erfindung der Buchſtaben uͤberhaupt, und hernach von einigen Alphabeten, welche ich alle in Kupfer ſtechen laſſen. Haͤlt man ſelbige mit dem erſten Theil zuſammen, ſo wird man fin - den, daß ich nunmehro die meiſten Alphabete auf - getrieben und geliefert habe, welche jemals in der gantzen Welt gebraͤuchlich geweſen ſind. Jm 3. Cap habe ich ſo wohl die hebraͤiſchen, grichiſchen, lateiniſchen, und teutſchen Abkuͤrtzungen, oder Abbreviaturen, vorſtellig gemachet. Daß die - ſes ein ſehr noͤthiges Stuͤck geweſen, werden mir alle diejenige zu geſtehen, welche alte Handſchrif - ten und alte gedruckte Buͤcher geleſen und geſetzt haben. Die Figuren dieſer abgekuͤrtzten Woͤrter ſehen zum Theil fuͤrchterlich aus, und wenn man derſelben Bedeutung weiß, ſo ſieht man, daß ſel - bige nichts anders, als Sylben ſind, welche man gor leicht aus dieſem Capitel wird kennen lernen. Jm 4. Capitel habe ich eine Vergleichung einiger nach der alten Art geſchriebenen teutſchen Woͤr - ter mit der neuern Rechtſchreibung angeſtellet, damit angehende Setzer ſehen koͤnnen, wie ſie alte Buͤcher, wenn ſie wieder aufgelegt werden, mit leichter Muͤhe nach unſerer jetzo gewoͤhnlichen Rechtſchreibung abſetzen koͤnnen. Hierauf folgt der fortgeſetzte Verſuch des wohl eingerichteten Woͤrterbuches, worinnen die Kunſt-Woͤrter er - klaͤret werden. Jm erſten Theil hatte ich zwar eine ziemliche Anzahl ſolcher Kunſtwoͤrter be - reits angefuͤhrt; Jch habe aber auch noch eine Nachleſe anzuſtellen vor noͤthig befunden, weil ich verſchiedene Woͤrter angemercket, die ich imer -Vorrede. erſten Theil uͤbergangen habe. Und ich glaube, wenn eine guͤtige Aufnahme dieſer beyden Theile uns mit der Zeit zu einer neuen Auflage ermun - tern ſollte, daß ich alsdenn noch unterſchiedliche einzuruͤcken noͤthig haben wuͤrde. Hernach habe ich einige Reichsabſchiede und Buchdruckerord - nungen, welche denen Buchdruckern von hohen Potentaten, Kayſern, Koͤnigen Churfuͤrſten Fuͤr - ſten und Herren ertheilet worden ſind, angehaͤngt. Und dieſes habe ich deswegen gethan, damit man ſo gleich mit einem Auge uͤberſehen koͤnne, was in dem vornehmſten Orten von Teutſchland kunſtgebraͤuchlich ſey. Vermuthlich wird dieſe Bemuͤhung anch den Nutzen haben, daß man ſich bey ſtreitigen Faͤllen darinnen Raths erhohlen kan, wie weit dieſer, oder jener Punct, Rechtens ſey. Ein Plaͤtzgen Raum verfuͤhrte mich, daß ich des Herrn Paul Paters Fragen von der Buch - druckerey angehaͤnget und mit Anmerckungen be - gleitet habe. Dieſe Diſſertation hat man bis - hero bey nahe mit allgemeinem Beyfall aufge - nommen. Wie weit aber ſelbige einen Beyfall verdiene, wird hoffentlich aus meinen Anmerck - ungen erhellen. Nach dieſen allen folgt ein wohl - eingerichtetes und vollſtaͤndiges Regiſter uͤber beyde Theile zugleich. Weil ich aber glaubte die Erkaͤnntnis der Buchſtaben alleine wuͤrde einem Lehrbegierigen nicht viel helffen, wenn er nicht auch gantze Woͤrter und Redens-Arten vor Au - gen bekaͤme, ſo bin ich lange mit mir zu Rathe ge - gangen, was ich hierzu erwehlen ſollte. Und ſie - he da, ich gerathe unvermuthet auf das in viele Sprachen uͤberſetzte Vater Unſer. Jch ließ ſel -bigesVorrede. biges ſo gleich unter folgenden Titul: Orationis dominicæ Verſiones fere centum ſumma, qua fieri potuit, cura genuinis cuiuslihet linguæ cha - racteribus typis vel Aere expreſſæ, abdrucken und theils in Kupfer ſtechenlaſſen. Damit man die unbekannten Sprachen deſto eher leſen koͤnne, ſo iſt allemal die Art zu leſen mit lateiniſchen Buch - ſtaben darunter geſetzet. Warum ich aber dieſe Uberſetzungen als einen Anhang betrachte, iſt deswegen geſchehen, weil das meiſte fremde Sprachen ſind, welche ich unter das Teutſche nicht gerne vermiſchen wollte. Und nunmehro waͤre ich alſo mit einem Stuͤck fertig. Doch nein, ich muß erſt noch ein paar Buͤcher nennen, welche mir gute Dienſte gethan haben. Das Erſte iſt, wenn ich ſo reden darff, ein frantzoͤſiſches Format - Buch. Jch will den gantzen Titul herſetzen, weil doch die wenigſten das Buch ſelbſten werden ge - ſehen haben, zumal da er den gantzen Jnnhalt des Buchs vor Augen leget. Er lautet aber al - ſo: La Science Pratique de L’Imprimerie, con - tenant des Inſtructions tres faciles pour ſe perfe - ctionner dans cet Art. On y trouvera vne De - ſcription de toutes les pieces dont vne Preſſe eſt conſtruire, avec le moyen de remedier à tous les defauts, qui peuvent y ſurvenir. Avec une Me - thode nouvelle & fort aiſée pour impoſer toutes ſortes d Impoſitions, depuis l in folio jusque a l in cent-vingt-huit. De plus, ou y a joint des Ta - bles pour ſcavoir ce que les caracteres inferieures regagnent ſur ceux qui leur ſont ſuperieurs & vn Tarif pour trouver d un coup d œil, combien de formes contiendra une copie à imprimer, treſvtileVorrede. vtile pour les Auteurs & Marchands Libraires qui font imprimer leurs Ouvrages à leurs de - pens. A Saint Omer, par martin fertel, Imprimeur & Marchand Libraire, 1723. 4. An - faͤnglich dachte ich wunder, was ich aus dieſem Buchlernen wuͤrde, und wenn ich die Wahrheit ſagen darf, ſo wuͤßte ich mich nicht auf das gering - ſte zu beſinnen, welches ich darinnen gefunden haͤtte, ſo mir unbekannt war. So viel iſt wohl wahr, daß man alle noͤthige Nachrichten darin - nen antrift, welche ein Buchdrucker wiſſen muß. Neuigkeiten aber und beſondere Vortheile ſuchet man vergeblich darinnen. Weit beſſere Dienſte hat mir Friedrich Chriſtian Leſſers Typogra - phia jubilans, Leipzig, 1740. 8. gethan. Jch habe es an jedem Ort, wo ich mich ſeiner Nachrichten bedienet habe, gemeldet. Es iſt mir auch M. Wilh. Jeremias Jacob Cleſſens drittes Jubel - Feſt der Buchdruckerkunſt zu Geſichte gekommen. Alleine dieſes iſt dem vorhergehenden gar nicht gleich. Des Herrn D. Schmidts angehaͤngte Predigten ſind das beſte darinnen. Aus den Actis Erudit. 1739. p. 577. habe ich noch ein daher gehoͤriges Buch recenſirt gefunden, nemlich: Hiſtoire de l Origine & des Progres premiers de l Imprimerie par Proſper Marchand, Haag, 1740. 4to. Das Buch ſelbſten aber habe ich zur Zeit noch nicht auftreiben koͤnnen, ob ich es gleich mit allem Eifer geſuchet habe. Jch bekam uͤberall die Antwort, es iſt noch nicht fertig, ob es gleich in den Actis recenſirt iſt, und alſo muſte ich mir die Begierde vergehen laſſen.

GleichVorrede.

Gleich da ich dieſe Worte ſchreibe erhalte ich aus Coppenhagen und Regenſpurg noch einige Nachrichten, man wird es mir alſo nicht uͤbel neh - men, daß ich ſelbige am Ende meiner Nachricht noch angehaͤnget habe. Nunmehro iſt nichts mehr uͤbrig, als daß ich wegen der eingeſchliche - nen Fehler meine Leſer geziehmend um Verzei - hung bitte, und mich ihrer Wohlgewogenheit be - ſtermaſſen empfehle. Leipzig an der Oſter - meſſe 1740.

M. J. G. H. v. O.

Kurtz -
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Kurtzgefaßte Nachricht Von einigen Buchdruckern ſo wohl inn-als auſſerhalb Teutſchland.

Nachdem ich in meinem erſten Theil der ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdru - ckerkunſt eine hinlaͤngliche Nach - richt von den Buchdruckern in Leip - zig mitgetheilet habe; So habe ich mich entſchloſſen dem andern Theil eine Nachricht von einigen Buchdru - ckern ſo wohl inn - als auſſerhalb Teutſchland vorzuſetzen. Warum ich dieſe Nach - richt ſo, und nicht anders eingerichtet, davon habe ich bereits in meiner Vorrede Rechenſchafft gegeben.

Ehe ich aber noch meine Nachrichten anfange, ſo will ich erſt noch verſchiedene Anmerckungen in An - ſehung der Leipziger einſchalten. Es betreffen ſelbige einige Jnſignia. Jn der kurtzen Nachricht von den Buchdruckern in Leipzig p. 99. habe ich angegeben,Adaß2Kurtzgefaßte Nachricht,daß Johann Rhamba den Heiligen Geiſt, in Ge - ſtalt einer Taube, zu ſeinen Zeichen gehabt habe Es iſt aber falſch. Denn ich habe nunmehro ein Ori - ginal von ſeinem Jnſigne in Haͤnden, welches ich auf Tab. I. abſtechen laſſen. Es zeiget ſich auf ſelbigem in einer Wolcken das Wort〈…〉〈…〉. Aus der Wol - cken raget eine Hand hervor, die einen Zettel haͤlt worauf folgende Worte ſtehen: Salus Tua ego ſum. Alsdenn erblicket man eine See, worauf ſich ein zerſcheidertes Schiff befindet. Auf dem feſten Land kniet ein bethender Mann mit gefaltenen Haͤnden, der neben ſich einen Ancker liegen hat. Auſſen herum ſtehen die Worte: Auxilium meum a domino, qui fecit cœlum & terram. Pſ. 120. Und unten ſiehet man deſſen verzogenen Namen H. R. Jch beſitze noch ein anderes von ihm, da er Chriſtum am Creutz, worunter Maria und Magdalena ſtehen, gefuͤhret. Unten an dem Creutz ſtehet: H. R.

Von Johann Beyern ſtehet p. 100. er habe den Pelican gefuͤhret. Jch habe aber wiederum ein Ori - ginal in Haͤnden, welches mich noͤthiget, das eꝛſte zu wiederruffen, und folgendes an die Stelle zuſetzen. Es iſt ein ordentlicher Schild, worauf ein Licht auf einem Leuchter ſtehet. Zur lincken Hand ſtehet die an - dere Perſon in der Gottheit unter der Geſtalt eines Mannes, welcher eine brennende Fackel in der Hand hat. Zur Rechten vermuthlich Johannes, und oben in dem Wolcken zeiget ſich die dritte Perſon in der Gottheit in der Geſtalt einer Taube, woruͤber das Wort〈…〉〈…〉 ſtehet .. Gantz unten erblicket man in einem Schildlein I. B. welches deſſen Aufangs Buch - ſtaben ſind. Siehe T. I.

Bey Jacob Gaubiſchen p. 102. hatte ich garkein

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3von einigen Buchdruckern. kein Jnſigne angegeben. Warum? Jch habe da - mahls keines auftreiben koͤnnen. Nunmehro habe ich ſolches gefunden, deswegen ich es auch jetzo be - ſchreiben will. Es iſt ſelbiges aus 1. Buch Moſis XXXII, 24. hergenommen, und ſtellet den Jacob vor, wie er mit dem Engel kaͤmpfet. Auſſen herum ſte - hen die Worte: Fides Dei victrix. Gen. XXXII. Es iſt alſo falſch, wenn Herr Leſſer in ſeiner Ty - pographia iubilante p. 230. dieſes Zeichen Simon Gronnenberg zu Witte berg beyleget. Gronnen - bergs Zeichen werde ich unten anfuͤhren. Siehe Tab. I.

Von Hennig Groſſen p. 104. habe ich ehemahls auch kein Jnſigne angeben koͤnnen. Nunmehro aber kan ich es thun. Es iſt ſelbiges ein laͤnglicht runder Schild, um welchen allerhand Zierrath zu ſehen. Jn dem Schild ſelbſten ſtehet eine Pyramide, welche die Goͤttin der Beſtaͤndigkeit haͤlt. Auſſen herum ſtehen die Worte: Fortitudo cuſtos dignitatis; Unten dar - unter deſſen Name mit dem Handelszeichen, weil er zugleich den Buchhandel gefuͤhret hat. Sieh. Tab. I.

Bey Tobias Beyern p. 108. mangelten mir ehe - dem auch die Nachricht in Anſehung ſeines Zeichens. Dieſen Mangel kan ich jetzo erſetzen. Es ſtellet ſel - biges die Geſchichte des jungen Tobiaͤ mit dem unbe - kannten Fiſch vor, welcher ihm verſchlingen wolte. Tob. VII. Auſſen herum ließt man die Worte: Tobias inuaſus a piſce ab Angelo liberatus Cap. VI. Siehe Tab. I.

Endlich, hatte ich von Lorentz Cober p. 108 ge - ſetzet, er haͤtte den Vogel Greiff in ſeinem Jnſigne gefuͤhret, welcher mit beyden Klauen drey Blumen haͤlt. Jch wiederruffe dieſes, weil ich genauere Nach -A 2richt4Kurtzgefaßte Nachricht,richt habe. Er fuͤhrte nemlich den Heiligen Lauren - tium mit dem Roſt, zur Rechten ſtehet die Liebe, und zur Lincken die Hofnung, auſſen herum ſtehen die Worte: Gloria & honor & pax omni operanti Bonum. Siehe Tab I.

Und ſo viel von einigen Zuſaͤtzen zu meinem erſten Theil in Anſehung der Buchdrucker Jnſignien von Leipzig. Was ich auſſerdem hier und da bey einigen Buchdruckern zu erinnern vor noͤthig befunden habe, das ſuche man in dem Regiſter, ſo wird man es an ſeinem Ort finden. Nunmehro ſchreite ich demnach zur Nachricht ſelbſt.

A.

Abo, die Hauptſtadt in dem Großfuͤrſtenthum Finnland. Siehe Schweden.

Augſpurg.

Nachdem die verſprochene Nachricht von Augſpurg noch nicht eingelauffen iſt: So will ich indeſſen ein Verzeichniß von den Buchdruckern, die ſich daſelbſt nach und nach niedergelaſſen haben mittheilen. Jch will aufrichtig handeln, und ſogleich ſagen, wo ich ſel - bige hergenommen habe. Denn dieſes kan man mir vor keine Schande auslegen. Jch will diejenigen viel - mehr entdecken, und ihre Bemuͤhungen loben, als daß ich mich ihrer Anmerckungen bedienen, und ſie da - bey zu nennen vergeſſen ſolte. Hiebey hat mir vornem - lich der um die Buchdruckerkunſt wohl verdiente Herr Johann David Werther in ſeinen wahrhafftigen Nachrichten, der ſo alt-als beruͤhmten Buchdrucker - kunſt, Franckfurt und Leipzig, 1721. 4 gute Dienſte gethan. Des Hochehrw. Herrn Friedrich Chri -ſtian5von einigen Buchdruckern. ſtian Leſſers Typographia iubilans, Leipzig, 1740. 8. giebt auch einige Nachricht. Es ſind aber fol - gende Buchdrucker von Augſpurg anzumercken:

  • 1466. Johann Vaͤmler, oder Baͤumler.
    a)Man weiß von ihm eine Lateiniſche 1466. und eine Teutſche gedruckte Bibel in Folio 1467. ingleichen eine Cronica von allen Kaͤyſern und Koͤnigen die ſeyder Xpi gepurd ge Regiert und gereychßnet haben. 1476.
    a)
  • 1471. Johann Schuͤßler.
    b)Er hat B. Oroſii, Presbyt. in Chriſtiani nominis Queru - los, ſ. Hiſtoriarum Libros VII. f. 1477. gedruckt.
    b)
  • 1472. Guͤnther Zainer.
    c)Iſidori origines ſind in ſeiner Druckerey 1472. gedruckt worden.
    c)
  • 1477 Anton Sorg,
    d)Vogt fuͤhrt in ſeinem Catalogo Libr. rar. p. 100. eine ſehr rare von ihm 1477. gedruckte Bibel an.
    d)
  • 1490. Hanns Schoͤnberger.
    e)Eine teutſche Bibel hat 1490. ſeine Preſſe verloſſen. Siehe M. G. Frid. Magni Diquiſit. de Antiquis S. S. Verſionibus Germ. Aug. Vind. excuſis.
    e)
  • 1495. Lucas Zeiſſelmayer.
  • 1499. Erhardt Rodolt.
    f)Schon 1484. hat er zu Venedig Euclidis opera gedruckt Siehe Leſſern l. c. p. 48. ſq. und Maittairs. Annal.
    f)
  • 1501. Hanns Froſchauer.
  • 1514. Johann Ottmar.
  • 1515. Johann Muͤller.
  • 1518. Silvan Ottmar.
  • 1519. Sigmund Grimm.
  • 1524. Melchior Kriegelſtein.
  • 1527. Heinrich Stelner.
  • 1541. Valentin Ottmar.
  • 1546. Philipp Ulfaͤrt.
A 31549.6Kurtzgefaßte Nachricht,
  • 1549 Johann Zimmermann.
  • 1551. Narciß Ramminger.
  • 1559 Raphael Sailer.
  • 1580. Joſias Waͤrli.
  • 1595. Johann Praͤtorius.
  • 1605. Valentin Schoͤning.
  • 1617. Andreas Apperger.
  • 1618. David Franck.
  • 1626. Johann Ulrich Schoͤning.
  • 1650. Andreas Erfurther.
  • 1661. Simon Utſchneider.
  • 1675. Jacob Kopmeye.
  • 1679. Leonhard Zacharias.
  • 1680. Anthon Napperſchmidt.
  • 1682. Johann Jacob Schoͤnig.
  • 1595. Sebaſtian Haͤuſer.
  • 1685. Auguſtus Sturm.
  • 1687. Caſpar Brechenmacher.
  • 1694. David Zacharias.
  • 1605. Johann Chriſtoph Wagner.
  • 1696. Matthias Metta.
  • 1699. Andreas Maſchenbauer.
  • 1700. Joſeph Gruber.
  • 1702. Johann Michael Tabhart, aͤlterer Vorgeher.
  • Abraham Gugger.
  • 1705. Peter Detleffſen.
  • 1706. Johann Jacob Lotter, der Zeit Vor - geher.
  • 1712. Johann Matthias Schoͤnig.
  • 1717. Auguſtus Sturm, wird Factor in der Mettiſchen Druckerey.
  • 1719. Anthon Maximilian Heiß. Siehe Werthernl. c. p. 493.
Ber -7von einigen Buchdruckern.

Berlin.

An dieſem Ort hat die edle Buchdruckerkunſt gar bald einen Platz bekommen. Denn man weiß, daß daſelbſt 1484. Ottonis von Paſſau Bibliſche und andere Hiſtorien in platteutſcher Sprache gedruckt worden ſind, jedoch ohne Benennung des Buchdru - ckers. Siehe Leſſern l. c. p. 50. Um das Jahr 1706. waren daſelbſt folgende Buchdruckerherren:

  • Chriſtoph Runge.
    a)Er hat die Buchdruckerey von ſeinem Herrn Vater geerbt.
    a)
  • Chriſtoph Schultze.
    b)Jhro Koͤnigl. Maj. und Churfuͤrſtl. Durchl. Friederich Wilhelm haben ihn zum Hof-Buchdrucker angenommen, nachdem er ſeine Druckerey von Guben dahin gebracht.
    b)
  • Ulrich Lippert
    c)Wurde Hof-Buchdrucker, da er die Schultziſche Witt - we geheyrathet.
    c)
  • Johann Friedrich Block.
    d)Adjungirter Hof-Buchdrucker.
    d)
  • David Saalfeld.
  • Robert Rocher.
    e)Frantzoͤſiſcher Hoff-Buchdrucker. Er hat ſeine Drucke - rey aus Holland dahin gebracht.
    e)
  • Gotthardt Schlechtiger.
  • Johann Weſſel.
    f)Er wurde hernach an Rochers Stelle Frantzoͤſiſcher Hoff-Buchdrucker, indem er deſſen Druckerey gekaufft.
    f)
  • Johann Lorentz.
  • Chriſtoph Suͤßmilch.
    g)Er erbte die Hoff-Buchdruckerey von Herrn Lipperten
    g)
  • Jacob Michaelis.
  • Johann Toller.
  • Siehe Werthern l. c. p. 499.
A 4Braun -8Kurtzgefaßte Nachricht,

Braunſchweig.

Friedrich Wilhelm Meyer, Buchdrucker und Buchhaͤndler daſelbſt, iſt An. 1695. zu Lemgo geboh - ren. Sein Herr Vater war Heinrich Wilhelm Meyer, bey welchem er die Buchdruckerkunſt er - lernet hat. Nachdem er aber ſo wohl zu Hauß, als in der oͤffentlichen Schule, in den ſchoͤnen Wiſſenſchaff - ten hinlaͤnglich unterrichtet war; So gieng er 1713. auf die beruͤhmte hohe Schule zu Jena, und trieb daſelbſt die Rechtsgelehrſamkeit mit groſſem Fleiß. Als ſein Herr Vater zu Braunſchweig eine Dru - ckerey gekaufft hatte, ſo gieng er 1716. dahin und - bernahm ſolche, dabey er zugleich eine Buchhandlung angerichtet hat. Jm Jahr 1719. verehlichte er ſich mit Anna Dorothea Haͤßlerin, mit welcher er ver - ſchiedene Kinder erzeuget hat. Unter ſeinem Verlag hat er des beruͤhmten Hermann Conrings Opera in VII. Vol. in Folio; des Herrn Paſt. Leigs Commen - tarium uͤber den Propheten Eſaiam in VI. Theilen in 4to, ingleichen Herrn Paſt. Palms in Hamburg er - bauliche Betrachtnngen, und andere mehr, gedruckt und verlegt.

Coppenhagen.

Johann Georg Hoͤpffner, iſt gebohren zu Luͤ - neburg 1689. den 17. May. Sein Vater war Chri - ſtian Hoͤpffner, Buͤrger und Brauer daſelbſt, die Mutter aber Margaretha Hoͤpffnerin, Peter Lier - manns, gleichfals Buͤrgers und Brauers allda, ehe - leibliche Tochter. Von ſeinen in GOtt ruhenden El - tern ward er von zarter Jugend an in aller Got - tesfurcht und Chriſtlichen Tugenden erzogen, auch 1699. in die daſige Lateiniſche Schule zu St. Johan - nis geſchickt, welche er auch etliche Jahre fleißig be -ſucht,9von einigen Buchdruckern. ſucht, und ſeine Zeit darinnen nicht uͤbel angewendet hat; Weil aber ſeine Eltern an ihm bemerckten, daß er Belieben von ſich blicken ließ eine loͤbliche Kunſt, oder Profeſſion zu erlernen, ſo mißfiel ihnen auch ſol - ches nicht. Er beſchloß demnach in der Buchdrucker - kunſt GOtt und dem Naͤchſten zu dienen, worauf derſelbe 1705. dem ſeel. Herrn Conrad Neumann E Hoch-Edlen und Hochweiſen Raths der Kaͤyſer - lichen Freyen Reichs-Stadt Hamburg Buchdrucker, uͤbergeben wurde, um in deſſen Officin den Grund zu dieſer loͤblichen Wiſſenſchafft zu legen, welches er auch in 5. Jahren ſeine Bemuͤhung treulichſt ſeyn ließ, darauf er nach erkannter Geſchicklichkeit von obge - dachten ſeinem Lehrherrn 1710. frey geſprochen und zum Cornuten ernennet wurde. Auf dieſer Stuffe verweilte ſich derſelbe nicht laͤnger, als 3. Wochen, nach welcher Zeit er ſofort ſein Poſtulat, uͤblichen Ge - brauch nach, verſchenckte, daß er alſo in eben derſel - ben Officin, wo er den Grund zu dieſer Kunſt gele - get, auch zum Mittglied rechtſchaffener Kunſtverwand - ten beſtaͤtiget wurde. Nachdem er nun verſchiedene Staͤdte in Teutſchland beſehen, und daſelbſt in eini - gen Druckereyen conditionirt; So empfand er ei - nen Trieb die Koͤnigreiche Daͤnnemarck, Nor - wegen und Schweden zu beſehen. Er reiſete dem - nach 1715. nach Coppenhagen, allwo er zwey Jahr als Geſelle bey dem nunmehro ſeel. Herrn Georg Matthias Godiche in Condition ſtunde. Als ſel - biger 1717. im Monat Sept. die Schuld der Natur bezahlte, ſo erwaͤhlte und ſtellete ihm die hinterbliebe - ne Frau Wittwe als Factor ihrer Buchdruckerey vor, und da er dieſes Amt 3. Jahre zum Vergnuͤ - gen der Frau Wittwe verwaltet hatte, ſo fuͤgte esA 5die10Kurtzgefaßte Nachricht,die goͤttliche Vorſorge, daß er mit derſelben, Nah - mens Maria Catharina Godiche, eine gebohrne Meyrin, ein Chriſtliches Ehe-Verbindniß eingieng, welches den 12.. Martii 1720. vermittelſt Prieſterlicher Copulation beſtaͤtiget wurde; Und alſo wurde er nun Herr und Beſitzer von ſeines Herrn Vorfahrens auf - gerichteten Buchdruckerey. Mit ſeiner durch Gottes Gnade noch lebenden Frau Eheliebſte hat er in ver - gnuͤgter Ehe zwey Kinder einen Sohn und eine Toch - ter gezeuget, davon der Sohn Nicolaus Chriſtia - nus Hoͤpffner nur noch am Leben iſt, der bey ſei - nem Herrn Vater die Buchdruckerkunſt erlernet hat. Die Tochter aber hat bald nach der Gebuhrt das Zeitliche verlaſſen. Als 1711. die Koͤnigliche Reſi - dentz-Stadt Coppenhagen die Contagion betraf, ſo waren die meiſten rechtgelernten und poſtulirten Buchdrucker Herren daſelbſt mit verſtorben, weswe - gen auch der guten Ordnung wegen eingerichtete Kunſt - gebrauch daſelbſt gantz verfallen war. Unfer Herr Hoͤpffner war demnach der erſte, welcher denſelben wieder einfuͤhrte, wodurch er den bishero verdunckel - ten Glantz der edlen Buchdruckerey in Daͤnnemarck wieder empor brachte. Ob nun gleich dieſes viel Ver - druß und Koſten verurſachte, ſo hat doch die Gerech - tigkeit ein ſo wohl gemeyntes Abſehen bis hieher der - geſtalt beſchuͤtzet, daß die Buchdrucker-Officinen da - bey in gutem Flohr ſtehen. Jm Jahr 1728 mußte er ebenfalls das betruͤbte Schickſal, welches die Koͤ - nigliche Reſidentz-Stadt Coppenhagen vermittelſt einer hefftigen Feuers-Brunſt betraf, mit nicht we - nigem Verluſt empfinden; Jndem er dabey 2 Haͤu - ſer mit allen Hauß-Geraͤthe, eine ſchoͤne Druckerey und einen koſtbahren Verlag von Buͤchern im Rauchver -11von einigen Buchdruckern. verſchwinden ſahe, wodurch er mit Frau und Kindern in einen bejammernswuͤrdigen Zuſtand gerieth. Alleine auch hier ward er nicht weggeworffen, und der Herr, auf den er hoffete, ließ ihn nicht zu ſchanden werden, ſondern lenckte die Hertzen hoher und geneigter Goͤn - ner, die ihm behuͤlfflich waren, daß nicht nur ſeine beyden Haͤuſer viel herrlicher, als zuvor, wieder auf - gebauet und eingerichtet wurden, ſondern daß er auch eine ſo vollkommene Buchdrucker - Officin wie - der anlegen konnte, daß Se. ietzo glorwuͤrdigſt re - gierende Koͤnigl. Majeſtaͤt Chriſtianus VI. Erb-Koͤ - nig zu Daͤnnemarck und Norwegen ꝛc. allergnaͤdigſt beliebten ihn zum Directeur uͤber Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt und Univerſitaͤts Buchdruckerey allergnaͤ - digſt zu ernennen, zu dem Ende ihm 1731. den 10. Martii die allergnaͤdigſte Koͤnigliche Beſtallung aus der Daͤniſchen Cantzley ausgefertiget wurde, welche wichtige Stelle er auch durch Gottes Gnade zu al - lerhoͤchſten Wohlgefallen ſeines allergnaͤdigſten Koͤnigs bis dieſe Stunde treulichſt und allerunterthaͤnigſt ver - waltet. Wir wuͤnſchen hiebey, daß ihn die goͤttliche Vorſorge noch viele Jahre, und in ſeinen Nachkom - men auf undenckliche Zeiten dabey erhalten moͤge! Diejenigen Wercke, welche in ſeiner Officin verferti - get worden ſind, hier anzufuͤhren, wuͤrde viel zu weit - laͤufftig fallen. Daͤnnemarck und Norwegen kan ein Zeugniß ablegen, daß ein ſauberer und reiner Druck aus ſeiner Druckerey geliefert werde, welcher von ſei - ner wohl uͤberlegten Einrichtung deutlich zeuget.

Ernſt Heinrich Berling trat in dieſe Welt 1708. den 22. Martii. Deſſen Herr Vater, Melchior Chri - ſtian Berling, war dazumal ein Hertzoglicher Meck - lenburgiſcher Forſt-Bedienter, er muſte ſich aber 1716. wegen12Kurtzgefaßte Nachricht,wegen einiger durch Erbſchafft ihm zugefallenen Land - guͤter in das Hertzogthum Lauenburg begeben, allwo ihn Jhro Koͤnigl. Majeſt. von Großbritannien zu dero Holtz-Foͤrſter im Lauenburgiſchen Amte allergnaͤdigſt ernannten. Seine Frau Mutter Catharina, war eine gebohrne Hennigs Jm Jahr 1723 wurde er ſeinem Herrn Vetter Albrecht Chriſtian Pfeiffer, Buchdruckern in Lauenburg, die Buchdruckerkunſt zu erlernen uͤbergeben, und als er von ſelbigem 1727 um Martini losgeſprochen wurde, und nach 14. Ta - gen daſelbſt poſtuliret hatte, ſo reiſete er die naͤch - ſten Oſtern darauf nach Strahlſund zu Hrn. Schind - lern in Condition, 1729. nach Hamburg zu der ver - wittweten Frau Spieringen, und 1731. wurde er von dem Herrn Directeur Johann Georg Hoͤpff - ner nach Coppenhagen in deſſen Officin verſchrieben. Hier fuͤgte es die Vorſehung GOttes, daß er ſich mit des oberwehnten Hrn. Directeurs Stieff-Tochter, Cicilia Chriſtiana Godichen, 1732 in ein eheliches Buͤndniß einließ, wovon allbereit 3. Soͤhne und eine Tochter, Nahmens: Johann Chriſtian, Catharina Vendelia, Georg Chriſtoph und Carl Friedrich lebendige Zeugen ſeyn koͤnnen. Jm Jahr 1733. rich - tete er daſelbſt eine gantz neue Druckerey auf die an - jetzo in Coppenhagen eine mit von den beſten iſt, und durch welche er auf eigene Koſten ſchon manches nuͤtz - liches und anſehnliches Buch der gelehrten Welt gelie - fert hat. Anietzo iſt er beſchaͤfftiget des ſeel. Scri - vers Seelen-Schatz in Daͤniſcher Sprach in 4to ans Licht zuſtellen. Worzu, und zu noch viel meh - rern, wir ihm viel Seegen und Gluͤck anwuͤnſchen.

Andreas Hardtwig Godiche, wurde gebohren in Coppenhagen den 11. Decemb. 1714. Sein HerrVater13von einigen Buchdruckern. Vater war Georg Matthias Godiche, die Mut - ter Maria Catharina, gebohrne Meyerin; Er er - lernete die Kunſt bey dem Herrn Directeur Hoͤpffner, an welchem ſeine Frau Mutter nach Ableben ſeines ſeel Vaters zum andernmahl verehlichet worden. Nach ausgeſtandenen Lehrjahren verſchenckte er da - ſelbſt ſein Poſtulat, und hatte vor vielen das Gluͤck nach wenig Jahren, nemlich 1735. des allda verſtor - benen Buchdruckers Joachim Schmidgens Buch - druckerey an ſich zu erhandeln. Jm Jahr 1736. erwaͤhlte derſelbe zu ſeiner Gehuͤlffin Herrn Hoͤpff - ners, eines Rathsverwandten in Hadersleben, Jung - fer Tochter Anna Magdalena Hoͤpffnerin, mit wel - cher er zwey Soͤhne erzeuget, davon der erſte dieſe Welt ſchon wieder verlaſſen hat, der andere aber Friedrich Chriſtian iſt annoch am Leben. Er fuͤh - ret ſeine Buchdruckerey mit einer Lobenswuͤrdigen Be - dachtſamkeit.

Niels Hanſen Moͤller, trat ans Licht der Welt in Coppenhagen 1702. Sein Vater Hanns Nielſen Moͤller, iſt privilegirter Weißbierbrauer und Brandtweinbrenner geweſen, der aber 1710, geſtorben iſt. Seine Frau Mutter hatte ſich wieder 1712. mit einem Buchdrucker, Johann Sebaſtian Martini, einem Luͤbecker von Geburth, verheyrathet, welcher aber 1720. geſtorben iſt Bey ſelbigem lernete er die Buchdruckerkunſt 1716. Weil aber ſelbiger noch eher verſtorben, als er ſeine Lehrjahre ausgeſtanden hatte, und die Frau Mutter ihre Buchdruckerey ver - kauffen muſte, ſo begab er ſich 1722 in Kriegs - dienſte und ſtunde bey dem zweyten Daͤniſchen Fuͤhn - ſchen Cavallerie Regiment als Corporal. Jndem aber zur ſelbigen Zeit uͤberall Friede wurde, und keine wei -tere14Kurtzgefaßte Nachricht,tere Hoffnung zu einiger Befoͤrderung vorhanden war, ſo begab er ſich wieder zur Buchdruckerkunſt, ſel - bige ordentlich auszulernen. Es geſchahe ſolches in Luͤbeck bey E. E. Hochweiſen Raths-Buchdrucker, Herrn Green, 1727. allwo er in ermeldeten Jahre bey eben dieſem Herrn poſtuliret hat. Hierauf iſt er bey Herrn Willards in Luͤbeck, in Altona bey Hrn. Huͤllen, in Magdeburg bey Herrn Muͤllern, in Frey - berg bey Herrn Matthaͤi, in Dreßden bey Hrn. Har - petern, und in Luͤneburg bey Herrn Stern in Con - dition geſtanden. Alsdann iſt er von Herrn Lynow nach Coppenhagen verſchrieben worden, welcher ſein letzter Herr in dem Geſellenſtand geweſen iſt. Jm Jahr 1733. hat er ſich eine gantz neue Buchdruckerey angelegt, und bey einer Kunſtliebenden Geſellſchafft nach Kunſtmaͤßigen gewoͤhnlichen Gebrauch ſeinen Herrn Jntroitum erleget. 1736. verehlichte er ſich mit Jungfer Guͤndel Mortensdatter Kock, deren Vater in Kleinſchmidt Amt-Meiſter und Buͤrger, Nahmens Morten Kock iſt, mit welcher er zwey Toͤchter erzeuget hat. Die Buͤcher, ſo aus ſeiner Preſſe kommen, zeigen eine gute Geſchicklichkeit von ſeiner Perſon an.

Cuͤſtrin.

Johann Huͤbner, Koͤniglicher Regierungs Buch - drucker, iſt gebohren 1684. Sein Herr Vater iſt Ambroſius Huͤbner geweſen. Jm Jahr 1705. kam er zu Herrn Chriſtian Henckeln, Univerſitaͤts Buchdrucker in Halle, die Kunſt zu lernen. Er hat auch daſelbſt 1706. ſeine Lehrjahre zu Ende gebracht und noch in ſelbigen Jahre in dieſer Druckerey ſein Poſtulat verſchencket, darauf er 1715. im Jenner Hrn. Gottfried Heinichens, Koͤnigl. Regierungs-Buch -druckers

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15von einigen Buchdruckern. druckers eintzige Jungfer Tochter Maria Catharina geheyrathet, und zugleich als Regierungs-Buchdru - cker Adjunctus mit derſelben vier Soͤhne und zwey Toͤchter gezeuget hat, davon die aͤlteſten zwey Soͤhne Johann Gottfried und Samuel Friedrich die Kunſt bey ihm erlernet haben, welche ſich anietzo bey ihm aufhalten, nachdem ſie in Leipzig, Halle, Berlin und andern Orten mehr, auf der Druckerey ſich umgeſehen haben. Die uͤbrigen aber ſind noch unter ſeiner Ver - pflegung. Von Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Preuſ - ſen iſt er zugleich uͤber einige Verlags-Buͤcher privi - legiret.

Dreßden.

Von den allererſten Buchdruckern dieſer beruͤhmten Stadt habe ich bereits einige Nachricht in dem erſten Theil p. 70. mitgetheilet. Es waren ſelbige Wolf - gang und Matthias Stoͤckel, ingleichen Gimel - Bergen. Von dieſem letztern habe ich ſein Jnſigne eben daſebſt beſchrieben, und nunmehro ſtehet es hier Tab. II. in Kupfer zu ſehen. Auſſer dem habe ich in Leſſers Hiſtorie p. 232. gefunden, daß auch ein Chri - ſtian Bergen daſelbſt gelebet, welcher ſein eigen Bild - niß zum Zeichen gefuͤhret habe; Er ſoll ſich aber alſo ab - gebildet haben, nemlich: einen glatten Kopff mit kurtzen Haaren, an der Oberlippen einen Knebelbarth, an Kinn einen zweyſpitzigen Barth, welcher auch die Wangen bis zu den Ohren bedeckt. Sein Mantel und Kleid iſt geſtickt, und an der Bruſt traͤgt er eine Kette mit einem Adler. Einige neuere und die heut zu Tag daſelbſt lebende Buchdruckerherren ſind folgende:

Jacob Harpeter, Buͤrger und privil. Buchdru - cker in Dreßden, iſt gebohren zu Nuͤrnberg in der Vor - ſtadt Marckwerthe den 24. Julii 1664. Sein ſel. Vaterwar16Kurtzgefaßte Nachricht,war Martin Harpeter, Wirth zur rothen Glocken allda. Die Mutter Frau Magdalena, eine gebohrne Hauerin. Jm Jahr 1679. den 17. April trat er ſei - ne Lehrjahre in Nuͤrnberg bey Herrn Georg An - dreas Endtern an. Nach vollbrachten Lehrjahren poſtulirte er 1684. den 20. Mart und 1697. den 24. Nov. verheyrathete er ſich in Schleuſingen mit Hrn. Sebaſtian Goͤbels, des Obern Raths Buch - druckers und Buchhaͤndlers, juͤngſten Jungfer Toch - ter, Chriſtina, mit welcher er 3. Soͤhne gezeugt, nem - lich: Johann Wilhelm den 22. Dec. 1698. Johann Valentin den 9. Nov. 1700. Jmmanuel Friederich den 1. Junii 1703. ſo alle 3. die Kunſt erlernet haben. Vom Jahr 1697. biß 1705. iſt er Factor bey Herrn Georg Wilhelm Goͤbeln, Gymnaſ. Buchdruckern und Buchhaͤndlern in Schleuſingen, geweſen. Als - denn hat er 1705. den 21. Aug. in Dreßden von Joh. Michael Funcken die Buchdruckerey erkauft, und iſt hernach geſtorben.

Joh. Conrad Stoͤßel, Koͤniglicher Hof-Buch - drucker, iſt zu Chemnitz, im Gebuͤrge, 1692. den 3. Ju - lii gebohren. Sein Herr Vater iſt Conrad Stoͤſſel Buchhaͤndler und Buchdrucker in Chemnitz. Seine Frau Mutter, Frau Chriſtiana Sophia Porten - reuthern. Jn ſeiner Jugend hat er die daſige Schule beſuchet, worauf er 1704. den 1. Julii als Lehrling in die Buchhandlung aufgenommen worden, darinnen er 5. Jahr biß 1709. den 1. Julii ehrlich geſtanden, wie des ſel. Mannes von 12. Aug a. c. ertheiltes Zeugnis be - ſaget. Die Buchdruckerkunſt zu erlernen iſt er 1705. den 24. Junii auf 4. Jahr aufgenommen worden, die er auch bey ſeinem Herrn Vater redlich ausgeſtanden, zu Chemnitz 1709. den 28. Oct. loßgeſprochen wor -den,17von einigen Buchdruckern. den, und 1709. den 26. Nov. eben daſelbſt zu einen Kunſtglied an und aufgenommen worden iſt. Jm Jahr 1716. den 29. May trat er zu Dreßden in der Koͤnigl. Hof-Buchdruckerey bey Joh. Riedeln das Amt eines Factors an, welches er zwey Jahr mit Ruhm verwaltet. Jn eben dem angefuͤhrten Jahr heyrathete er den 5. Aug. Hrn. Joh. Riedels einiges Kind u. Tochter Jfr. Joh. Margar. Riedelin, und trat hierauf 1718. den 18. Nov. in den Herrenſtand, nachdem er des ſel. ver - ſtorbenen Herrn Riedels Stelle und Druckerey in Beſitz bekommen hat. Mit ſeiner Ehegattin hat er keine Kinder erzeuget. Seine Arbeit legte ein gutes Zeugniß ab, daß er, als ein Verſtaͤndiger Mann, ſolche in acht genommen, ſie hat aber meiſtentheils ins Koͤnigl. Collegium gehoͤret. Endlich iſt er 1733. den 7. Junii geſtorben, deſſen hinterlaſſene Wittbe fuͤhret bis dieſe Stund die Druckerey noch fort. Sein Jnſigne war ein doppeltes Einhorn. Ein mal in dem ofnen Helm, und hernach unten im Schild. Siehe Tab. II.

Joh. Chr. Krauſe, privil. Buchdrucker in Dreßd. iſt zu Tuhrm in der Grafſchafft Schoͤnburg. 1683. den 12. April gebohren. Sein Vater ſel. iſt geweſen Herr Johann Caſpar Krauſe Ludim. & organiſt. allda; die Mutter ſel. Frau Anna Catharina, ge - bohrne Seligmannin, von Schneeberg, allda er auch 1700. die Buchdruckerkunſt bey Herrn Heinrich Fulden erlernet, hernachmals 1706. in Berlin bey Gotthard Schlechtigern, Koͤnigl. Preußl. Hof - Buchdrucker poſtuliret, und 1711. in Dreßden, die Schmiediſche Buchdruckerey erkaufft hat. Jm Jahr 1714. hat er ſich mit Jungfr. Charlotte Hed - wig, Herrn M. Joh. Georg Schiebels, Cantoris in Radeburg, hernach beruffenen Paſtoris in LentzBhin -18Kurtzgefaßte Nachricht,hinterlaſſenen Jungfer Tochter verehliget, aus welcher Ehe er 5 Kinder erzeuget hat, davon aber nicht mehr als ein Sohn, Nahmens Johann Carl, am Leben iſt, welcher gleichfalls die Buchdruckerkunſt erler - hat hat. Jn ſeinem Geſellenſtand hat er in Leip - zig, Franckfurt, Berlin, Rudollſtadt, Zwickau, Chemnitz, Delitſch und Schneeberg in Condition geſtanden. Sein Jnſigne iſt ein Palm-Baum an deſſen Stamm ſein verzogener Nahme zu ſehen iſt nebſt den Worten:

Je mehr gedruͤckt,
Je mehr begluͤckt.

Sieh. Tab. II.

Johann Wilhelm Harpeter, privilegirter Buch - drucker in Dreßden, iſt gebohren in Schleuſigen den 22. Dec. 1698. Deſſen Herr Vater Jacob Harpe - ter, iſt d. z. Factor in der Goͤbeliſchen Officin allda geweſen, die Frau Mutter Chriſtina, eine gebohrne Goͤbelin. Jm Jahr 1712. iſt er nach Schleuſingen zu Herrn Georg Wilhelm Goͤbeln, Gymnaſ. Buch - druckern und Buchhaͤndlern von ſeinen Eltern zu Er - lernung der Kunſt gethan worden. Nach ausgeſtan - denen Lehrjahren hat er daſelbſt 1717. den 2. Nov. poſtulirt, von dar er ſich 1718. in die Fremde begeben hat. Nach dem Tod ſeines ſeel. Herrn Vaters hat er von 1721. bis 1724. der Frau Mutter als Factor vorgeſtanden: Endlich aber 1724. den 3. Octob. die Druckerey von der Frau Mutter erkaufft. Jm Jahr 1731. den 1. Nov verehlichte er ſich mit Jungfer Chriſtina Eliſabeth, Herrn Martin Hoſmanns, Cantoris und Kirchners zu St. Johannis zu Dreß - den, aͤlteſten Tochter, mit welcher er 5. Kinder er - zeuget hat, davon noch 2. am Leben ſind, als Chri - ſtian Samuel und Chriſtiana Charitas, ſo beydenoch19von einigen Buchdruckern. noch unerzogen. Sein Jnſigne iſt das gewoͤhnliche Buchdrucker-Wappen mit beygeſetzten Nahmen I. W. H. P. Siehe Tab. II.

Emanuel Friedrich Harpeter, Buchdrucker zu Friedrichs Stadt, trat zu Schleuſingen den 3. Junii 1703. an das Licht der Welt. Nachdem er ſich nun zu Erlernung der Buchdruckerkunſt in Schulen dar - zu vorbereitet, ſo trat er die Lehre 1716. bey ſeinem Herrn Vater Jacob Harpetern, Buchdruckern in Dreßden, an, nach Verlauff derſelben und darauf er - folgten Losſprechung im Jahr 1721. begab er ſich in die Fremde, poſtulirte noch ſelbigen Jahres bey ei - ner loͤblichen Geſellſchafft in Nuͤrnberg. Nach ſei - ner Zuruͤckkunfft verheyrathete er ſich 1729. den 14. Novembr. mit Jungfer Johannen Roſinen, Herrn Michael Haupts, Koͤnigl Pohln. und Churfuͤrſtl. Saͤchßiſ. Equipage Lieutenants bey der Artillerie, Toch - ter, in welcher Ehe er vier Kinder erhalten hat, nemlich: 1.) Jacob Friedrich, 2.) Johanna Chriſtiana, 3.) Friedrich Samuel, 4.) Johanna Chriſtina, welche beyden letztern bereits wieder geſtorben ſind. Jm Jahr 1735. uͤbernahm er nach ſeines Herrn Bruders Tod, Johann Valentin Harpeters, hinterlaſſene Buchdruckerey, welche er 1733. gantz neu aufgerich - tet hatte. Sein Jnſigne iſt das ordentliche Buch - drucker-Wappen mit ſeinem dazu geſetzten Nahmen E. F. HP.

Erfurth.

Daß die Buchdruckerkunſt gar zeitig nach Erfurth gekommen ſey, hat bereits Herr Leſſer p. 52. ange - mercket. Er fuͤhrt ein Buch an, welches daſelbſt 1489. gedruckt worden, wobey ſich aber der Buch - drucker nicht genennet hat. Um das Jahr

B 21514.20Kurtzgefaßte Nachricht,
  • 1514 lebte daſelbſt Johann Knapp, welcher Bartholomæi Arnoldi ab Vſingen Exerci - tium veteris artis heraus gegeben hat.
  • 1527. Melchior Sachs. Er fuͤhrte ſeinen verzo - genen Nahmen in einem Schild zum Jnſigne, wie man auf unſerer Tab. III. ſehen kan.
  • 1584. Eſaias Mechler, wohnte zum guͤlden Creutz vor der Kauffmanns-Bruͤcke.
  • 1589. Georg Baumann, wohnte auſ den Fleiſch - marckt, und fuͤhrte in ſeinem Jnſigne einen Thurm, an welchem gebauet wird, womit er vermuthlich auf ſeinen Zunahmen gezielet. Siehe Tab. III.

Friedrich Melchior Dedekind, fuͤhrte in ſeinem Wappen einen teutſchen Schild, worinnen drey aus der Erden hervorgewachſene Lilien Knoſpen zu ſehen ſind, durch deren Stengel ein Meſſer geſteckt; auf dem Helm ſtehet ein Kind, welches in der rechten Hand ein Meſſer und in der Lincken die drey abge - ſchnittene Lilien haͤlt. Siehe Tab. III.

Martin Wittel, wohnte zum goldnen Engel ge - gen der Meimer Gaſſe. Sein Jnſigne beſchreibt Herr Leſſer alſo: er fuͤhrte einen teutſchen Schild ohne Tincturen. Jn der Mitte deſſelben ſtehet ein Wiederhacke aufgericht, an deſſen Stiel unten ein Querſtrich ein Creutz ausmachet, in dieſes Creutz lauf - ſet eine Roͤmiſche X, oder ein ſo genanntes Andreas Creutz. Uber demſelben ſtehet zur Rechten ein Latei - niſches M. und zur Lincken ein Lateiniſches W. welche die Anfangs Buchſtaben ſeines Nahmens ſind. Auf dem Schild ſtehet ein zugeſchloſſener Helm, und auf beyden Seiten die Wappen-Decken ohne Tincturen. Auf dem Helm ſind zwey Druckerballen auf einan -der

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21von einigen Buchdruckern. der geſetzt. Das gantze Wappen umgiebt ein oval - zettel, in welchem folgendes ſtehet: INSIGNIA MAR TINI WITTEL. ERF. Der Zettel ſelbſt iſt mit einem viereckigten Rand umſchloſſen, und in allen vier Ecken ſtehet ein Engelskopf Bis hieher Herr Leſſer. Auf unſerer Tab. III. kan man es ge - ſtochen ſehen.

Johann Beck, wohnte zum weiſen Schwan un - ter den Schillern.

1663. N N. Hertzens Buchdruckerey.

Johann Heinrich Groſch, war Univerſitaͤts - Buchdrucker, deſſen Druckerey jetzo die Heringiſche iſt.

Michael Funcke, iſt zugleich Buchhaͤndler.

David Limprecht, deſſen Druckerey erbte nach ſeinem Tod Herr Johann Chriſtoph Beyer.

Georg Heinrich Muͤller, deſſen Druckerey kam an Herr Fickelſcherer nach Jena.

Andreas Muͤller, deſſen Wittwe die Druckerey mit ihrem Schwieger-Sohn fortſetzet.

Johann Rudolph Engelhardt, deſſen Drucke - rey beſitzt Alexander Kaufmann.

Johann Joachim Hynitſch, deſſen Druckerey jetzo ſtille liegt.

Johann Chriſtoph Hering, von dem hernach.

N. N. Adlung, deſſen Druckerey beſitzt ietzo Herr Andreas Goͤrling.

N. N. Clauß, deſſen Druckerey hat gegenwaͤrtig Herr Johann Heinrich Nonne, von den uͤbrigen koͤnnen wir etwas ausfuͤhrlichere Nachrichten beybrin - gen, da wir von den vorhergehenden kaum die Nah - men auf zu treiben vermoͤgend geweſen ſind.

Heinrich Beyer, Buchdrucker in Erfurth und ehe - mahliger Pachter der Niſiſchen Druckerey in Jena,B 3iſt22Kurtzgefaßte Nachricht,iſt gebohren zu Naumburg den 9. Febr. 1660. Sein Vater war Georg Beyer, Einwohner auf der Herrn - Freyheit, die Mutter Magdalena Freudenreichin von Oſterfeld, eine Meile von Naumburg. Von ſeinen Chriſtlichen Eltern iſt er zu allen Guten aufer - zogen worden, und weil ihm GOtt mit einem guten Verſtande begabet, ſo iſt er ſeiner Eltern Augen gar fruͤh entriſſen worden, indem er in ſeinem 12. Jahr nach Witterberg kommen, allda bey Herrn Eraſ - mum Philipp Bocken den Buchhandel zu erlernen. Nachdem aber gedachter Herr Bock ſeinen Handels - Stand veraͤndert, ſo hat er ſich auf deſſen Gutbefin - den zu der loͤblichen Kunſt der Buchdruckerey gewen - det, und bey Hrn. Matthias Henckeln, Univerſitaͤts Buchdruckern 5. Jahre gelernet bis 1678. in Novemb. Als er ſich nun noch eine geraume Zeit in Wittenberg nach ſeinen Lehrjahren aufgehalten, ſo hat er hernach die meiſten Conditiones in Leipzig und Jena gehabt, wiewohl er auch noch an andern Orten in Condition geſtanden. Jm Jahr 1691. den 22 Nov. hat er ſich mit Jungfer Reginen Marien, Herrn Samuel Krebſens, Civ. Academ. und Buchdruckerherrns in Jena eintzig hinterlaſſenen Tochter in ein Chriſtliches Ehegeloͤbniß eingelaſſen. Von Jena wurde ſelbiger 1692. nach Halle zum Factor in der Frau Salfeldin Druckerey beruffen. Da aber 1693. ſeine Frau Schwie - ger Mutter mit Tode abgegangen, ſo hat er ſich wie - der nach Jena wenden muͤſſen. Weil aber die Kreb - ſiſche Druckerey nachgehends zertheilet worden, und er einen ziemlichen Theil zu einer Druckerey bekam, ſo ſetzte er ſolche viele Jahr in ein Gewoͤlbe, und ar - beitete hin und wieder vor einen Geſellen, bis er 1700. des ſeel. Herrn Joh. Zach. Niſii Buchdruckerey inPacht23von einigen Buchdruckern. Pacht nahm. Er hat aber ſolche kaum angetreten, ſo nahm ihm GOtt eine Gehuͤlffin in eben dem Jah - re weg, welche ihm zwey Soͤhne hinterließ. Er war bald 6 Jahre in ſolchem Pachte, und weil er bey da - mahliger Schwedens Zeit beſorgte, es moͤchten ſchlechte Zeiten vor die Druckerey werden, ſo gab er ſolchen Pacht wieder auf, und arbeitete bey Hrn. Werthern wieder vor einen Geſellen. Da aber ſein aͤlteſter Sohn auch die Druckerey lernen wolte, und zum Stu - diren keine Luſt hatte, ſo ſuchte er 1708. ſeine geerbte und ſo lange im Gewoͤlbe geſtandene Druckerey her - vor, fuͤhrete ſolche nach Erfurth, und lernete ſeinem aͤlteſten Sohn ſelbſt ſolche Kunſt, und hat alſo ſein Leben auf 12. Jahr in Erfurth zugebracht, da ihn denn GOtt 1720. am Feſt der Heiligen Dreyfaltig - keit zwiſchen 6. und 7. Uhr von dieſer muͤhſamen Welt ſeelig abforderte. Sein Symbolum war gedultig froͤhlich allezeit. Sonſt iſt von dem ſeel Beyer noch zu gedencken, daß ſelbiger ein luſtiger und fried - liebender Mann geweſen, der gerne jedermann mit Rath gedienet; Er war ein guter Setzer und Dru - cker, vornemlich aber konnte er mit den Holtzſchneiden und Abgieſſen wohl zu rechte kommen, daß er auch viele Druckereyen damahliger Zeit mit Leiſten, Final - Stoͤcken und Buchſtaben verſahe, weil das Holtz - ſchneiden noch nicht ſo gemein war.

David Limprecht, Herrſchafftlicher Buchdrucker, war 1662. den 7. Dec. in Zeitz gebohren, und 1738. den 3. May im 77ſten Jahr ſeines Alters geſtorben. Seine Druckerey vermachte er Johann Chriſtoph Beyern.

Georg Andreas Muͤller, ein Bruder des ſeel. Verſtorbenen Johann Caſpar Muͤllers in Leipzig,B 4trat24Kurtzgefaßte Nachricht,trat ans Licht der Welt 1678. den 10. Auguſti zu Braunſchweig. Sein Vater iſt geweſen Herr Jo - hann Muͤller, Kauff - und Handelsmann allda; die Mutter Frau Eliſabeth gebohrne Schlitten, aus Aſchersleben. Weil ihm nun der Vater zeitig ver - ſturbe, ſo iſt er auf Anrathen ſeines Bruders, wel - cher damals in Wittenberg in Condition ſtunde, 1695. bey Hrn. Johann Michael Goteritſch in die Lehre getreten, welche er auch allda ehrlich ausgeſtanden hat. Nach deſſen Verflieſſung iſt er nach Leipzig, und denn 1699. nach Eiſenach gekommen, woſelbſt er 1700. poſtuliret hat. Jm Jahr 1702. den 21. Februarii hat er ſich verehlichet mit Jungfer Sabinen Johannen, Herrn Johann Chriſtoph Rudolphs, Buͤrgers und Buchbinders, Tochter, und hat von ſol - cher Ehe eine eintzige Tochter hinterlaſſen. Jm Jahr 1715. hat er ſich in den Herrenſtand begeben, und eine eigene Druckerey in Erfurth angeleget. Sein Leben hat er bis 1736. den 15. Jan. auf 58. Jahv gebracht; Jm Eheſtande hat er 34. Jahr gelebt und 5. Enckel erlebet. Die Wittwe fuͤhret nebſt ihrem Schwieger Sohne Johann Chriſtoph Beyern die Druckerey fort.

Johann Chriſtoph Hering, iſt den 25. Mart. 1693. in Altendorff, eine Meile von der Veſtung Koͤ - nigſtein gelegen, gebohren. Sein Herr Vater iſt Andreas Hering, Gaͤrtner und Einwohner allda, und deſſen Mutter Anna Sabina, eine gebohrne Mitzſchrichin, geweſen. Jn ſeiner Jugend iſt er nach Mittelndorff in die Schule gegangen. An der Oſter-Meſſe 1704. iſt er bey Herrn Georg Baltha - ſar Ludewig, Buchdruckern in Pirna in die Lehre getreten und 1709. Sonntags in der Michaels-Meſſeloß -25von einigen Buchdruckern. loßgeſprochen worden; da er denn gleich 3. Jahre Cor - nute geweſen, indem er 1712. Sonntags in der Mi - chaelis-Meſſe in Pirna bey ſeinem Lehrherrn ſeel. po - ſtuliret hat. Zum erſtenmahl hat er ſich 1722. den 22. Januar. in Jena mit Jungfer Maria Eliſabeth Schreiberin, weyland Herrn Andreaͤ Schreibers, Civ. Acad. und Buchdruckers, hinterlaſſenen Jung - fer Tochter verehlichet, welche aber den 24. Februar. 1722. wieder geſtorben iſt. Jn der Michaelis-Meſſe 1724. wurde er bey Frau Anna Magdalena Gro - ſchin, als ſeiner ſeel. Frau Schwieger-Mutter, zum Factor vorgeſtellet, da es ſich denn fuͤgte, daß er ſich zum andernmahl 1726. den 9. Julii mit Frau Mar - tha Sybilla Wertherin, gebohrner Groſchin, in den Eheſtand begeben hat, mit welcher er 5. Kinder erzeuget, als 1.) Georg Gotrfried, 2) Johann Caſpar, 3.) Sophia Chriſtiana, 4.) Johann Wil - helm, und 5.) Martha Friederica; drey davon ſind in der Ewigkeit, nemlich 1.) Georg Gottfried, 2.) Johann Wilhelm, 3.) zuletzt Sophia Chriſtiana, daß alſo nur noch zwey Kinder am Leben ſind, nem - lich Johann Caſpar, und Martha Friederica, welche noch in die Schule gehen. Jm Jahr 1730. den 30. Jul. gieng ſeine Frau Schwieger-Mutter mit Tode ab, da er denn durch ſeine Frau die Druckerey be - kam, und den 2. Aug. darauf zum Univerſitaͤts-Buch - drucker angenommen wurde. Sein Jnſigne iſt ein auf der See fahrendes Schiff, woruͤber in einem Zettel die Worte zu leſen ſind: Finis coronat o - pus. Siehe Tab. III.

Johann Wilhelm Ritſchel, von Hartenbach, iſt in Erfurth den 31. Mertz 1705. gebohren. Sein Herr Vater iſt der weyl. Tit. Herr TheodoricusB 5Ru -26Kurtzgefaßte Nachricht,Rudolph Ritſchel von Hartenbach, E. Hochedlen und Hochweiſen Stadt-Raths daſelbſt, geweſener Stadt-Voigt, wie auch bey daſigem loͤbl Buͤrger - Regiment wohlbeſtalter Stadt-Hauptmann, und der Kirchen und Schulen zu St. Michaelis Jnſpector, geweſen. Seine Frau Mutter war Frau Anna Ritſchelin, gebohrne Heinin; Seine Eltern haben ihn in die St. Michaelis Schule geſchickt, in welcher er ſo lange geblieben, bis er faͤhig geweſen in daſiges Gymnaſium zuziehen. Weil er aber gewiſſer Urſa - chen wegen zum Studiren keine Luſt bezeiget, ſondern einig und allein zur Buchdruckerey Luſt hatte, ſo ge - ſchahe es, daß er auch den 19. May 1719 bey ſei - nem Schwager, Herrn David Limprechten, Herr - ſchafftlichen Buchdruckern in Erfurth in die Leh - re getreten, und ſeine Lehrjahre bey demſelben, ſo wie einem Lehrknaben zuſtehet, redlich ausgeſtanden hat, und darauf noch den 27 April 1723. davon wieder frey geſprochen worden: Alsdenn hat er den 18 May beſagten 1723. Jahres daſelbſt bey ſeinem Schwager poſtuliret. Jm Jahr 1733. zu Oſtern iſt er bey Herrn Limprechten Factor worden, welches Amt er drey viertel Jahr verſehen hat, bis zum Ableben ſeines Herrn Vaters, da er die Brau-Gerechtigkeit erer - bet hat. Jm Jahr 1736 mit Anfang des Jahres, hat er in ſeiner Druckerey den Anfang mit arbeiten gemacht. Und weil er ſchon im Jahr 1735 von ei - ner gnaͤdigen Herrſchafft zum Herrſchafftlichen Buchdrucker angenommen worden; ſo hat er ſich eine gantz neue Druckerey angeleget. Jm Jahr 1734. den 9. Nov. hat er ſich mit Jungfer Marthen Friedericken Tennemannin, Tit. Herrn M. Georg Joachim Tennemans, der Chriſtlichen Evangeli -ſchen

Tab. IV p. 27

Jnsignia Ritschl ab Hartenbach

27von einigen Buchdruckern. ſchen Gemeinde zu St. Michaelis Diaconi, E. Hoch - Ehrwuͤrdigen Miniſterii Aſſeſſoris, und des Gymna - ſii Senatorii Profeſſoris daſelbſt, andern Jungfer Tochter copuliren laſſen. Mit welcher er 2. Kinder er - zielet, nemlich einen Sohn, Georg Wilhelm, geb. den 21. Mart. 1736. und eine Tochter, Martha Magdalena Friderica, gebohren den 8. Nov. 1737. Jn ſeiner Druckerey wurde der Anfang zu arbeiten gemacht mit des ſeel. Johann Arndts Paradieß - Gaͤrtlein, welches zweymahl, als einmahl in 8vo. und das andermahl in 12mo gedruckt worden. Nachdem hat er des Herrn Hoffraths von Falckenſiein Thuͤrin - giſche Chronica auf eigenem Verlag zu drucken an - gefangen, in welchem Buche auch ſchon bereits bis 15. Alphabeth denen Herren Liebhabern ausgeliefert wor - den, wovon er in einer Zeit von einem Jahre laͤng - ſtens das gantze Werck vollſtaͤndig gar liefern wird. Weil nun deſſen ſeel. Herr Ur-Groß - und Groß-Vater, welche ſich in Kriegsdienſten wohl verhalten, ſo gar, daß dieſelbe in den Adelſtand erhoben, und von Har - tenbach genennet worden, auch deshalb von Jhro Kaͤyſerliche Majeſtaͤt mit Brieff und Wappen verſe - hen worden; So hat er ſich deſſelben zu allen Zeiten, als gehoͤrig, bedienet. Die Beſchreibung davon ſte - het in dem Brief ſelbſten, welchen wir hier einruͤcken wollen, und das Wappen Tab. IV. Der Brief aber lautet alſo:

Jch Maximilian Joſeph von Minzenried, A. A. L. L. Philoſophiæ, Chirurgiæ, Iuris utrius - que & Medicinæ Doctor, Ritter des guͤldenen Creutzes, Jhro Paͤbſtlichen Heiligkeit CLE - MENTIS des eilfften Roͤmiſchen Pabſten, und Kayſerl, auch Koͤnigl. Catholiſchen Majeſt. CA - ROLI28Kurtzgefaßte Nachricht, ROLI des Sechſten Roͤmiſchen Kaͤyſers, und zu Hiſpanien, Jndien, Hungarn und Boͤheimb Koͤnigs, unſers allergnaͤdigſten Herrn, auch des Heil Roͤmiſchen Reichs und Stuhls Pfaltz - und Hoffgraffen zu Latein Comes Palatinus &c. &c. Be - kenne mit dieſem offenen Brieffe und thue kund Je - dermaͤnniglichen, daß vor verfloſſenen etlichen Jah - ren, durch Jhro Durchl. des Heil. Roͤm Reichs Fuͤrſten und Hertzogen Sfortia, aus Jhme von Jhro Paͤbſtl. Heiligkeit und Kaͤyſerl. Majeſtaͤt de egirten vollkommenen Gewalt und Vollmacht in Conſiderirung meiner, durch etliche Jahre, ſo wohl im Felde, als ſonſten in Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt Dienſten gefuͤhrten Praxin erworbenen Verdienſten, auch ſchon dreyen Allergnaͤdigſten Kaͤyſern in ſchweh - ren Peſt - und Krieges-Zeiten geleiſtete treue und er - ſprießlichſte Dienſte, mir etliche ſtattliche Begnadi - gungen und Privilegia verliehen. wie Dero daruͤber gefertigtes Diploma noch laͤngers inhaltet, und mir unter denſelben Begnadigungen auch dieſe beſondere Macht allergnaͤdigſt mitgetheilet und verliehen worden iſt, daß Jch aus Paͤbſtl. Heiligkeit und Roͤmiſchen Kaͤyſerl. und Koͤnigl. Catholiſchen Majeſtaͤt Ge - walt, Ehrlichen, redlichen und wohl verdienten Leu - then, die ich nach eingenommenen Bericht und zeitli - cher Erfahrung, wuͤrdig ſeyn erachten werde, einem Jeden nach ſeinem Stand und Weſen Wapen und Kleinodien mit Schild geben und verleihen, dieſel - be Nobilitiren, Wapens - und Lehensgenoß machen, ſchoͤpffen und erheben ſolle und moͤge, vermoͤge Jhrer Paͤbſtlichen Heiligkeit, Kaͤyſerl. und Catholiſchen Majeſtaͤt daruͤber verfertigte Libell und Freyheits - Briefe; Dem allen nach, zumahl es gebuͤhrlich ziem -29von einigen Buchdruckern ziemblich ſolche und dergleichen von hoher Obrigkeit durch Goͤttlichen Segen herruͤhrende und ertheilte Gnaden Privilegia und Freyheiten dermaſſen anzu - wenden, auf daß dem Nechſten damit zu Ehren, Wohlfahrt und Befoͤrderung geholffen, fuͤrnehmlich aber hoͤchſtgedachter Roͤmiſch-Kaͤyſerl. und Koͤ - nigl. Catholiſchen Majeſtaͤt und des Heiligen Roͤ - miſchen Reichs Unterthanen und Getreuen, bevorab dieſen, welche Jhro Kaͤyſerl. und Koͤnigl. Cathol. Majeſtaͤt und dem Heil. Roͤmiſchen Reiche er - ſprießliche und getreue Dienſte vor andern geleiſtet, oder leiſten koͤnten, deſſentwegen aller gebuͤhrlichen Ehre und Befoͤrderung wohl wuͤrdig. Dieweil ich dann wahrgenommen, auch aus dieſer wohl mei - nenden Affection die ich zu allen aufrichtigen Leuthen trage, zu Gemuͤthe gefuͤhret, die Ehrbahr - und Red - lichkeit, gute Sitten, Tugend, Vernunfft und an - dere Wiſſenſchafften, damit der Edle, Wohlgelahr - te und Wohlweiſe THEODORICUS RUDOL - PHUS Ritſchl von Hartenbach, bey der Stadt Er - furth Raths-Gliede ꝛc. und deſſen Bruder der Edle HIERON YMUS PHILIPP Ritſchl von Har - tenbach wohl angeſehenen Buͤrger mir bekandt ge - machet worden. Zu dem ich auch erfahren, daß der Groß-Vater Georg Ritſchl von Hartenbach ſeel. be - reits vor hundert und mehr Jahren ſeiner treugelei - ſteten Dienſte halber in den Adelichen und Freyherr - lichen Stand erhoben, und mit einem gewiſſen Wa - pen begnadiget worden; uͤber das mir auch beyge - bracht, daß Dero beyder verſtorbene Vater Chri - ſtoph Ritſchl von Hartenbach ſich viele in Kriegs - Dienſten bey Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt, auch andern hohen Koͤnigen und Potentaten meritiret gemacht,und30Kurtzgefaßte Nachricht. und in 14. Haupt-Schlachten und Treffen, ohne an - dere Scharmuͤtzel mit geweſen, ſolcher aber ſich ſeines Nahmens und Wapens ſelten bedienet. Als habe ich aus obgemeldten und noch vielmehr andern erweg - lichen Urſachen auf Jhr Erſuchen und Anlagen Jh - nen ſolchen Namen, Wapen und Stamm wieder zu renoviren und zu confirmiren, mit wohl bedacht - ſamen Muth und rechten Willen in Krafft meines ha - benden Gewalts und Paͤbſtlicher auch Kaͤyſerli - cher Freyheit in der allerbeſtaͤndigſten Weiſe, Maaß und Form, wie es immer am kraͤfftigſten beſchehen kan, ſoll und mag, obberuͤhrte THEODORIC. RUDOLPH Ritſchl von Hartenbach und deſſen Bruder HIERON. PHILIPP Ritſchl von Hartenbach, auch des erſtern ſeine ietzo habende 3. Soͤhne, nahmentlich Emanuel Rudolph, Johann Rudolph und Johann Wilhelm. allen ihren auch deſ - ſen ehelichen Leibes Erben und derſelben Erbens-Er - ben fuͤr und fuͤr in Ewigkeit dis nach beſchriebenen Wapen und Kleinod beſtehend in dem Schilde 4. Fel - der, derer 2. roth, worauf ein braunes in vollen rin - nen befindliches Pferd mit einer weiſen plumage, 2. gelbe aber ſo leer und guͤldene Zierathen darinne ſind, uͤber dieſem Schilde der offene Helm mit denen Te - cken, woruͤber noch eine guͤldene Crone, daraus gleichfalls wieder ein halb braunes Pferd mit der Plumage in der Hoͤhe gelehnet zu ſehen, allermaſ - ſen und geſtalt, wie hier in der Mitte dieſes Brieffs mit ſeinen eigentlichen Farben angezeiget und erſchei - net, denenſelben alſo Siegelmaͤßig, Wapen und Lehensgenoß gemacht, geſchoͤpfft, erhebt, nobi - litiret, renoviret und confirmiret; Thue auch ſol - ches hiermit und in Krafft dieſes Brieffs alſo und der -31von einigen Buchdruckern. dergeſtalt renoviren und confirmiren daß nun hin - fuͤhro gedachte THEODORICUS RUDOLPH, HIERONYMUS PHILIPP, EMANUEL RUDOLPH, JOHANN RUDOLPH und JOHANN WILHELM Ritſchel von Harten - bach, ihre eheliche Leibes-Erben und deroſelben Er - bens-Erben ſolch obbeſchrieben Wapen und Klei - nodt, auch Schild und Helm fuͤr und fuͤr zu ewi - gen Zeiten haben, fuͤhren und ſich deren in allen und jeden ehrlichen, redlichen Sachen, Handlun - gen und Geſchaͤfften, Kaͤmpfen, Gefechten, Feld - Zuͤgen, Panieren, Gezelten aufſchlagen, Jnſie - geln, Pittſchafften, Kleinodien, Begraͤbniſſen, Gemaͤhlden, und ſonſt in allen Ohrten und En - den, nach Jhren Ehren, Nothdurfft, Willen und Wohlgefallen, auch alle und jede Gnade, Freyheit, Ehre, Wuͤrde, Vortheil, Recht und Gerechtigkeit, mit Aembtern und Lehen, geiſtlichen und weltlichen zu haben, zu halten und zu tragen, mit andern Jhro Kayſerlichen und Koͤnigl. Catholiſchen Majeſtaͤt und des Heil. Roͤmiſchen Reichs-Le - hens - und Wapens-Genoß Leuthen, Lehen, auch - allerhand Gericht und Recht zu beſitzen, Urtheil zu ſchoͤpffen, und Recht zu ſprechen, deſſelben alles theilhafftig, wuͤrdig, empfaͤnglich darzu tauglich, ſchicklich und gut ſeyn in geiſt - und weltlichen Sachen und Staͤnden ſich deſſen allen auch freuen, genieſſen ſollen und moͤgen, als andere Jhro Kaͤyſerliche Majeſtaͤt und des Heiligen Roͤmiſchen Reich Le - hens - und Wapensgenoß Leuthe haben, genieſſen, freuen und gebrauchen, aus Recht und Gewohnheit von aller maͤnniglich ungehindert, alles bey Vermei - dung hoͤchſt ernandter Roͤmiſch-Kaͤyſerlichen und Koͤ -32Kurtzgefaßte Nachricht, Koͤniglichen Catholiſchen und des Heiligen Roͤ - miſchen Reichs ſchwehren Ungnad und Straffe, auch darzu eine poen, ſo in angeregt meiner Kaͤy - ſerlichen Freyheit, nemlich Funffzig Marck loͤh - tiges Gold, ausdruͤcklich begriffen, die ein jeder, ſo offt Er freventlich hierwieder thaͤt, den halben Theil der Roͤmiſch-Kaͤyſerlichen und Koͤ - niglichen Catholiſchen Majeſtaͤt und des Reichs - Cammer, und den andern halben Theil mir ohn - nachlaͤßig zu bezahlen ſchuldig ſeyn ſolle. Alles ge - treulich und ohne Gefaͤhrde, doch andern, die vielleicht das obbeſchriebene Wappen und Kleinod gleich fuͤhreten, an ihren Rechten, Wappen und Kleinod allerdings unſchaͤdlich. Mit Uhrkund die - ſes Brieffs, den ich mit eigener Hand unterſchrieben, auch mein Palatinat-Jnſiegel, deſſen ich mich in dergleichen Sache gebrauche, beſiegelt. Geben und beſchehen in der Kaͤyſerlichen Reſidentz Stadt Wien in dem Ein Tauſend Siebenhundert und Siebenzehenden Jahre, den Zehenden Mo - naths-Tag Novembris.

(L. S.) Maximilian Joſeph von Minzenried, Comes Palatinus Cæſareus ut ſupra mppr.

Hanc præſentem Copiam cum vero ſuo Originali Diplomatis Nobilitatis concordare atteſtor ego infra ſcriptus Notarius Publicus Cæſareus juratus (L. S.) FRANCISCUS HENNINGUS Schade mppr.

Præ -33von einigen Buchdruckern.

Præſens hoc Exemplum cum jam exhibito Di - plomatis Nobilitatis Authentico ſigillato probe peracta collatione verbotenus maximeque con - veniens ſe deprehendiſſe, ad hunc actum le - gitime rogatus & requiſitus in fidei firmita - tem teſtatum facit 17. Iduum Decembr. Anno 1718. (L. S.) JOHANN. GERHARD. Staͤrcker, Sacra Imperiali autoritate Notar. Publ. Jurat. mppr.

Johann David Jungnicol, iſt in Zwickau 1695. den 16. Junii gebohren, Sein ſeel. Herr Vater Raphael Jungnicol, iſt ein Chirurgus und Ober - aͤelteſter in dem gantzen Zwickauiſchen Creyſe, wie auch Cammer-Diener bey dem Fuͤrſten von Wieſenburg geweſen; Die Mutter aber Maria Magdalena, gebohrne Rachelſin, eines Ober-Foͤrſters Tochter aus Trau. Jn Zwickau und in Schlaitz iſt er in die Schule gegangen. Jm Jahr 1701. ſtarb ihm ſein Herr Vater in Zwickau, und deſſen Frau Mutter verehlichte ſich wiederum 1703. an Herrn Chriſtian Bittorffen, Buchdruckerherrn und Stadt-Wacht - meiſter in Zwickau, welcher ſich auf Verlangen des damahligen Herrn Graffen von Reuß 1705. nach Schlaitz begeben, und daſelbſt Hof-Buchdrucker und Stadt-Richter in der Heinrichs-Stadt wurde. Jm Jahr 1709. trat er in Schlaitz bey ſeinem Hrn. Stief - Vater in die Lehrjahre, worauf er 1714. den 7. Jun. in Schlaitz in Cornuten Stand getreten iſt, und noch in dieſem Jahr den 24. Junii in Schlaitz ſein Poſtu - lat verſchencket hat. Jm Jahr 1721. hat er ſich nachCErf -34Kurtzgefaßte Nachricht,Erfurt begeben und die Jungfer Doͤrrin, eines Zeugmachers Tochter geheyrathet, mit welcher er 5. Kinder gezeuget hat, davon annoch ein eintziger Sohn, Johann Georg, annoch am Leben iſt. Jm Jahr 1737 den 1. Nov iſt er in Erfurt Herr wor - den, da er ſeines ſeeligen Bruders, Carl Friedrich Jungnicols, Druckerey mit 6. Preſſen gekaufft hat; Auf ſeinen Verlag hat er gedruckt: 1.) Herrn Mag. Wenigks, Pfarrers zu Biſchleben, Hiſtor. Sacram Vet. & Nov. Teſt. in 4to mit vielen Kupffern, 10. Alphabeth ſtarck Desgleichen 2) deſſen Bet-Altar in 8vo. 3.) D. Muͤllers himmliſchen Liebes-Kuß, Erquickſtunden, Creutz-Buß - und Bet-Schule in 4to. 4) Herrn M Pfeiffers, Paſt. zu St. Joh. Sammlung heiliger Reden, ſo von denen beruͤhmteſten und ge - lehrteſten Lehrern der Reformirten Kirche in Frantzoͤ - ſiſcher Sprache gehalten, und von gedachtem Herrn M. Pfeiffern in die Teutſche Sprache uͤberſetzet wor - den, in 4to. 9. Alphabeth. Jn ſeinem Wappen fuͤhrt er ein Einhorn. Siehe Tab III.

Franckfurt am Mayn.

Jn dieſe beruͤhmte Stadt hat ſich ſo gar ein Ge - ſelle niedergelaſſen, welcher bey Johann Fauſten und Peter Schoͤffern in Condition geſtanden. Er hieß Johann Petersheim, und lebte daſelbſt 1459. welches Herr Leſſer aus Johann Chriſtoph Wolffs Conſpect. Suppellect. Epiſtolico p. 286. erweiſet. Man kan aber nicht leichtlich alle Buchdruckerherren, welche ſich daſelbſt nach einander niedergelaſſen haben, nahmhaft machen. Jnzwiſchen habe ich folgende gefunden:

  • 1513. Chriſtoph Corvinus,
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
1530.35von einigen Buchdruckern.
  • 1530. Chriſtian Egenolf.
  • 1553. David Zaͤpfl n.
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
  • 1573. Wendel Humm.
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
  • Andreas Wechel.
  • 1577. Martin Lochler.
  • 1585. Sigismund Feyerabend.
  • Peter Faber.
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
  • 1590. Claudius de Marne.
  • 1593. Johann Aubri.
  • 1601. Nicol Baſſer.
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
  • 1621. Sigmund Latomius.
  • Eraſmus Kempfer.
    (*)Dieſes Zeichen werde ich zu einem jeden ſetzen, von dem ich ein Jnſtgue nach dieſem Verzeichniß beſchrei - ben will.
    (*)
  • Hartmann Palthenius.
  • Egenolf Emmel.
  • Johann Hofer.
  • Johann Friedrich Weiß.
  • Johann Bringer.
  • David Aubri.
  • Caſpar Roͤtel.
  • 1624. Paul Jacobi.
  • Johann Nic. Stoltzenberger.
  • 1626 Wolf Hofmann.
  • 1637. Anton Humm.
  • Johann Conrad Reuter.
  • 1639. Matthaͤus Kempfer.
  • 1646. Philipp Fiever.
  • 1652. Johann Kempfer.
  • 1656. Daniel Fievet.
  • 1658. Johann Georg Sperlin.
    a)Dieſer hat 1660. die neue Buchdrucker-Ordnung ge -
    a)
C 21659.36Kurtzgefaßte Nachricht.
  • 1659 Balthaſar Chriſtoph Wuſt. Sen.
  • Aegidius Vogel.
  • Nicol Kuchenbecker.
  • Hieronymus Pollich.
  • 1660. Johann Goͤrlin
    b)Man weiß, daß er etliche zwantzig Jahr Vorgeher geweſen iſt.
    b)
  • 1661. Johann Gottfried Kempfer.
  • 1663. Johann Nicol Humm.
  • Heinrich Frieſe.
  • 1665. Blaſius Jlßner.
  • 1667. Johann Andreaͤ.
  • 1668. Johann Kuchenbecker.
  • 1672. Johann Georg Drullmann.
  • 1674. Wendel Mowaͤldt.
  • 1675. Johann Dietrich Friedgen.
  • Johann Haaß.
  • 1681. Johann Philipp Andreaͤ.
    c)Jſt etliche zwantzig Jahr Vorgeher geweſen.
    c)
  • Balthaſar Chriſtoph Wuſt. Jun.
  • 1686. Martin Jaqvet.
  • 1687. Johann Hainſcheid.
  • 1688. Johann Bauer.
  • 1690. Johann Wuſt.
  • 1691. Andreas Teutſchmann.
  • 1697. Johann Kellner.
  • 1699. Nicolaus Weinmann.
    d)Deſſen Druckerey iſt 1719, durch die Feuersbrunſt verzehret worden.
    d)
  • 1701. Johann Balthaſar Waͤchter.
  • 1704. Matthias Andreaͤ.
  • Anton Hainſcheid.
1706.
a)druckt, welche den Buchdruckern von dem daſigen Stadt-Magiſtrat ertheilet worden.
a)
Tab. V. pag. 37.

Christoph Corvinus.

David Zaͤpflin.
37von einigen Buchdruckern.
  • 1706. Anton Chriſtian Jlßner.
  • Marcus Huber.
    e)Deſſen Druckerey iſt einige Zeit ſtille gelegen.
    e)

Nunmehro will die Jnſignia beſchreiben, ſo ich von einigen Buchdruckern von Franckfurt nach und nach geſammlet habe.

  • I.) Chriſtoph Corvinus hat ſich die Geſchichte des Propheten Eliaͤ erwehlet, welchem die Raaben Speiſe bringen, womit er ſonder Zweifel auf ſeinen Namen gezielet hat. Auſſen herum ſtehen die Worte: ex vno omnia. Siehe Tab. V.
  • II.) David Zaͤpflin ſetzte ans Ende ſeiner gedruck - ten Buͤcher insgemein eine aus einer Wolcke hervor ragende Hand, welche ein gecroͤntes Hertz haͤlt. Auſ - ſen herum lieſet man die Worte: Cor regis in manu domini.
    f)Jch habe dieſes Jnſigne aus einem ſehr merckwuͤrdi - gen und bey nahe gantz unbekannten Buch genommen. Nemlich von der teutſchen Uberſetzung von Ariſtotelie Problemat. Francf. 1553. 12. Hieraus lernt man, woher doch ſo viele aberglaͤubiſche Dinge entſprungen ſind.
    f)Siehe Tab. V.
  • III.) Wendel Humm fuͤhrte den Simſon, in - dem er den Loͤwen den Rachen zerreißt. S. Tab. VI.
  • IV.) Peter Schmidt und Sigmund Feyerabend hatten den ſchmiedenden Vulcanum erkieſet, wobey die Fama ſtehet und blaͤſet. Siehe Tab. VI.
  • V.) Nicol Baſer hatte die Goͤttin des Gluͤcks auf einem Rad. Siehe Tab. VI.
  • VI) Eraſmus Kempfer fuͤhrte einen geharniſch - ten Mann zu Pferd, welches auf einem Poſtement ſtehet; An dem Poſtement lieſet man E. K. welches die Anfangs Buchſtaben von ſeinem Namen, und auſſen herum: Milita bonam militiam. S. Tab. VI.
C 3Und38Kurtzgefaßte Nachricht,

Und ſo viel von einigen Jnſignien. Nunmehro ſchreite ich zu den Lebensbeſchreibungen ſelbſt.

Balthaſar Diehl, der aͤlteſte Buchdrucker, von denen jetzo lebenden Buchdruckern zu Franckfurt am Mayn, iſt 1687. gebohren. Sein Herr Vater war Johann Berthold Diehl, ein Kaufmann daſelbſt, die Mutter Anna Dorothea, eine gebohrne Goͤrli - nin Die Kunſt lernte er daſelbſt bey Herrn Johann Goͤrlin 1703. und poſtulirte hernach 1708. bey Hrn. Matthias Andreaͤ. Jm Jahr 1716. trat er den Herrenſtand an, nach dem er etwas von der Goͤrli - niſchen Druckerey geerbet hatte. Hierauf heyrathete er eines Materialiſten Jungfer Tochter, mit welcher er ſechs Soͤhne und eine Tochter gezeuget hat Sein aͤlteſter Sohn, Chriſtoph Friedrich, hat bey ihm die Kunſt erlernet, und 1738. bey ihm poſtuliret. Zum Jnſigne bedienet er ſich eines Schildes, worinnen ſein verzogener Name und das Handels-Zeichen zu ſehen. Der Schildhalter iſt ein nackigter Mann, welcher bey einem abgehauenen Baum ſtehet, wor - aus ein gruͤner Zweig gewachſen. Siehe Tab. VI.

Reichard Euſtachius Moͤller, Buchdrucker und Buchhaͤndler zu Franckfurt am Mayn, erblickte zu Biederitz, in dem Hertzogthum Magdeburg den 17. Febr. 1695 das Licht der Welt. Sein Herr Vater M. Johann Euſtachius Moͤller iſt Evangeliſcher Prediger zu Biederitz geweſen; Seine Mutter war Frau Catharina Eliſabeth, des Hochehrwuͤrdigen Herrn D. Erneſti Backii, Senioris zu Magdeburg, eheliche Tochter. Da nun ſein Herr Vater fruͤhzeitig, nemlich den 19. Febr. 1695. als an deſſen Tauf-Tag, verſtorben; So iſt er der muͤtterlichen Erziehung bis 1707. untergeben geweſen, welche ihn zu Magdeburgzur

Tab. VIpag. 38.
P. Schmid et H. Feÿerabend
Wendel Humm
Nicolaus Baſei.
Eraſmus Kempfer.
Balthaſar Diehl
Reinh Euſtachi[ɧ]Moller.

39von einigen Buchdruckern. zur Kirch und Schulen fleißig erzogen, worauf er auch in ſelbigem Jahr nach Jena in daſige Schule ge - geſandt wurde, allwo er denn zugleich im Meyeriſchen Buchladen in die Lehre aufgenommen wurde. Weil er aber nach ausgeſtandenen Lehrjahren noch ſehr jung war; So hat ihm die ſel. Frau Meyerin, als ſeiner Mutter Schweſter, angerathen, die loͤbliche Buchdru - ckerkunſt noch zu erlernen, wozu er ſich denn auch verſtanden, und 1712. bey Johann Chriſtoph Krebs, daſigen Buchdruckern auf vier Jahre in die Lehre begeben hat Nach uͤberſtandenen Lehrjah - ren, und da er ohngefehr 3. oder 4. Wochen Corneli - us geweſen, hat er 1716. bey Herrn Johann David Werthern, oder vielmehr wie es damahls gebraͤuchlich geweſen, bey der gantzen Jenaiſchen Geſellſchafft ſein Poſtulat verſchencket; noch in ſelbigem Jahr iſt er von dar uͤber Leipzig nach Hamburg gereiſet und zu Herrn Spiering in Condition gekommen; Jm Jahr 1717. wurde er aus Hamb. nach Lemgo zu Herrn Heinrich Willhelm Mayern in ſeine Handlung und Buchdru - ckerey verſchrieben. Jm folgenden Jahr gegen Oſtern reiſete er von dar nach Franckfurt am Mayn in Condi - tion zu Herrn Matthias Andreaͤ, allda er in der Herbſt-Meße in ſelbigem Jahr noch bey einer gantzen Geſellſchafft von Herrn Matthias Andreaͤ zum Factor ſeiner ſtarcken Druckerey vorgeſtellet wurde, welche Stelle er ruͤhmlich bis zu Ende des 1719. Jah - res verwaltet hat, da er dann wieder nach Jena in die Meyeriſche Buchhandlung als Factor verſchrieben wurde. Ob nun gleich der ſel. Herr Andreaͤ ſolches ungern ſahe, ſo trat er dennoch die Reiſe zu Anfang des 1720. Jahrs dahin an und verſahe abermahls die Stelle eines Factors allda biß den 1. Martii 1722. C 4Da40Kurtzgefaßte Nachricht,Da nun Herr Matthias Andreaͤ in der Herbſt - Meſſe 1721. geſtorben, ſo wurde er abermahls in ſelbi - ge Druckerey als Factor verſchrieben, da er dann den 4ten Mertz 1722. wieder angekommen, und ſeine Stelle abermahl angetreten hat. Endlich hat es der hoͤchſte gefuͤget, daß er ſich mit Herrn Matthias An - dreaͤ ſel. Wittwe, Frauen Annen Claren, Herrn Johann Goͤrlins ſel. Buchdruckers allda, ehelichen Frau Tochter in ein Chriſtliches Ehe-Verloͤbniß ein - ließ, den 12. May a. c. das Buͤrgerrecht erhielte, und den 1. Julii ſelbigen Jahrs ſich mit gedachter Frau An - draͤin verehlichte, in welcher Ehe er auch noch, ob zwar ohne leibes-Erben, gantz vergnuͤgt lebet, und un - ter den Buchdruckerherren ietziger Sub - Senior iſt. Und ob er zwar gleich Anfangs bey der Druckerey den Buchhandel etwas klein und ohne einem offnen La - den getrieben; So hat es ſich doch 1729. gefuͤget, daß er das daſige Gentziſche Buͤcher-Lager in Geſell - ſchafft halb an ſich gekauffet hat, wodurch er dann ge - noͤthiget worden ſich noch in ſelbigem Jahr nach einen offenen Laden und Bediente umzuſehen, um den Buch - handel kuͤnfftighin beſſer, und ſtaͤrcker zu treiben. Wo - bey er dann folgende nuͤtzliche Buͤcher, nebſt vielen an - dern, in ſeinem eigenen Verlag gedruckt und an ſich ge - bracht hat, als: Johann Arnds Evangel. Poſtill, ſamt der Paßions Hiſt. fol. deſſen wahres Prieſter - thum in allerley Druck und und Format mit und oh - ne Kupfffer; Conſiliorum & Reſponſorum faculta - tis Jurid. Tubingenſis fol. 6. Baͤnde in Compagnie von 1731. biß 1735. gedruckt; Gundlingii Diſcurs uͤber die luſtitutiones luris luſtiniani 1739. in Octav. Eiusd. Diſcurs uͤber Cocceii lus Publ. 4to 1735. D. Heinr. Mullers Evangeliſche Schluß-Kette in Com -pagnie41von einigen Buchdruckern. pagnie, 1734. in fol. D. Rambachs Colleg Hiſt. Ec - cleſ. in 4to 1734. D. Phil. Jac. Speners Handlung von der Natur und Gnade 1733. in 8vo. Deſſen Lei - chen-Predigten 13. Theile in 4to. 1737. Johann Frid. Starckii Comment. in Ezech. in 4to. 1731. Deſſen Pasſions-Andachten in 8vo. 1735. Deſſen taͤgliches Hand-Buch in gut und boͤſen Tagen, in 8vo. 1739. D. Pritii Predigten von wahrem Chriſtenthum, in 8vo. 1739. Nouveau Dictionaire du Voyageur in 8vo. 1738. Deßgleichen hat er vor auswaͤrtige Handlungen in ſeiner Druckerey nebſt vielen an - dern folgende ſehr koſtbare Wercke gedrucket: R. P. Francisci Polygraphia Sacra, in fol. 1735. R. P. Cal - met Commentarium litterale in omnes ac ſingulos tum veteris. tum noui Teſt. libros in fol. 1734. 2. Baͤnde D. Ioſephi Manſi Bibliotheca moralis, 4 Baͤnde in Fol. 1732. De Graveſon Hiſt. Eccl. Vet. & Nov. Teſt. in fol. 1728. Deſſen Jnſigne iſt ein ordentliches Wappen, in deſſen Schild der Vo - gel Greiff mit den Druckerballen, und auf dem Helm eben dieſer Vogel mit dem Winckelhacken ſtehet, auſſen ſiehet man das Handelszeichen. Siehe Tab. VI.

Joh. Benjamin Andreaͤ, Buchdrucker und Buch - haͤndler, wie auch der Zeit Vorſteher einer loͤblichen Buchdruckergeſellſchafft zu Franckfurt am Mayn. Sein ſel. Herr Vater war Johann Philipp Andreaͤ, bey welchem er die Kunſt erlernet, und nach deſſelben Todt, nemlich zu Ende des Jahrs 1722. die Druckerey bekommen hat. Es iſt ſolcher ſeit 1726. verheyrathet, und deſſen aͤlteſter Sohn, Joh. Heinrich, ſchon zwey Jahr zu Erlernung dieſer Kunſt eingeſchrieben. Ubri - gens iſt noch zu gedencken, daß dieſe Andreiſche Buch - druckerey ſeit 1667. durch Vater, Sohn und EnckelC 5unter42Kurtzgefaßte Nachricht,unter dieſem Nahmen nunmehro gefuhret, und in ſelbige ſowohl als in der Handlung viele groſſe und andre Buͤcher gedruckt und verlegt worden. Als:

  • Biblia Critica in fol. 9. Tom. Biblia Hebr. Maji, in 4to. Poli Synopſis 5. Tom. in fol. Hertzii Opera, in 4to. 2. Tom. de Ludolphi Conſultationes. in fol. Dictionnaire Francoiſe Royale par Pomey. Dictionnaire Imperial. Veneroni. Jtaliaͤniſch Fr. Lat und Teutſch, in 4to.

Heinrich Ludewig Broͤnner, der Zeit Vorſteher, iſt den 21. Dec. 1702 in der Stadt Wertheim an der Tauber gebohren. Er lernete die Buchdrucker - kunſt daſelbſt in Franckfurth am Mayn von An. 1717. bis 1721. bey weyl Herrn Johann Philipp Andreaͤ, und uͤberkam 1722. durch Anheyrathung Herrn Johann Bauers ſel. hinterlaſſenen Wittwe deſſen Buchdruckerey, aus welcher Ehe von drey erzeugten Kindern noch ein Sohn, Heinr. Remigius Broͤnner, der Zeit am Leben iſt, welcher 1728. den 15 Mar. geboh - ren und 1737. den 11ten Jun. zu Erlernung der Buch - druckerey eingeſchrieben worden.

David Jacob Cronau, iſt 1704. in der Kayſerli - chen freyen Reichs Wahl - und Croͤnungs-Stadt Franckfurt am Mayn gebohren, woſelbſt er auch die Buchdruckerkunſt von 1720. bis 1723. bey weyl. Hrn. Johann Koͤllner erlernet, auch deſſen Buchdrucke - rey durch Erbſchafft und Anheyrathung ſeiner hinter - laſſenen Wittwe den 26. Dec. 1729. uͤbernommen hat, in welcher Ehe er keine Kinder erzeuget, ohnge - acht ſelbige 6. Jahre gedauert hatte. Jm Jahr 1735. begab43von einigen Buchdruckern. begab erſich in die zweyte Ehe, und zeugte in derſelben zwey Kinder, als einen Sohn und eine Tochter der Sohn iſt 1736. den 16. Oct. gebohren und bekam in der heiligen Tauf den Namen: Joh Nicol, welche beyde noch am Leben ſind.

Franckfurth an der Oder.

Von den Buchdruckern, welche ſich zu Franckfurth an der Oder nach einander niedergelaſſen haben, ſind mir folgende bekannt:

  • 1567. Johann Eichhorn.
    a)Der Churfuͤrſt zu Brandenburg Joachim ertheilte ihm 1567. am Tage Joh. Baptiſtaͤ uͤber die gantze Chur - Marckt Brandenburg ein Privilegium, worauf man ſo gleich in ſeiner Druckerey mit der Augſpurgiſchen Con - ſeßion und dem Chriſtlichen Concordienbuch den An - fang zur Druckerey machte. Sein Sohn Andreas und deſſen Sohn Johann begleiteten die Stelle eines Raths - kaͤmmeres und fuͤhrten die Druckerey fort. Kurtz ſei - ne Kinder und Kindes-Kinder ſetzte die Kunſt daſelbſt ſort.
    a)
  • 1583. Andreas Eichhorn. *
  • 1595. Friedrich Hartmann.
  • 1600. Wolfgang Richter *
  • 1613 Johann Bringer *
  • 1616. Johann Eichhorn.
  • 1651. Nicolaus Roch.
  • 1653 Eraßmus Roͤßner.
  • 1658. Salomon Eichhorn.
  • 1664. Chriſtoph Zeitler.
  • Andreas Beckmann.
  • Johann Ernſt.
  • 1667. Friedrich Eichhorn
  • 1679. Johann Coepſelius
  • 1690 Chriſtoph Andreas Zeitler
1701.44Kurtzgefaßte Nachricht,
  • 1693. Tobias Schwartz.
  • 6701. Johann Chriſtoph Schwartz.
  • 1703. Johann Chriſtoph Steppin.
  • 1715. Hermann Simmer, heyrathete Anna

Margaretha Eichhornin, eine Tochter Friedrich Eichhorns, wodurch er deſſelben Druckerey erhalten, und daruͤber von neuem prwilegirt wurde.

Nunmehro will ich die oben bemerckten Jnſignia be - ſchreiben, und alsdenn die Lebensbeſchreibungen der jetzi - gen daſelbſt befindlichen Buchdruckerherren beyfuͤgen. Andreas Eichhorn hatte nach Anleitung ſeines Na - mens ein Eichhorn erwehlet, wie Herr Leſſer berichtet, p. 227.

Wolfgang Richter hatte ſich den ſchoͤnen Juͤng - ling Ganymedes erkieſet, wie ihn der in einen Adler verſtellte Juppiter in Himmel gefuͤhret. Auſſen herum ſteh en die Worte in Deo lœtandum Siehe Tab. VII.

Johann Bringer einen durch die Lufft fliegenden Engel, welcher in den Haͤnden ein Band haͤlt; Oben in dem Wolcken ſtehet das Wort〈…〉〈…〉. Unten das Handelszeichen und die Anfangsbuchſtaben von ſeinem Namen I. B. Auſſen herum ließt man die Worte: Ecceannuncio vob sgaudium magnum ſiehe VII.

Tobias Schwartze, Univerſitaͤts-Buchdrucker, iſt 1665 den 15. Martii zu Oelße in Schleſien gebohren. Sein Vater iſt ein Zwilligmacher geweſen. Er wur - de von Jugend auf zur Schulen angehalten; Weil ihm aber der Vater gar zeitlich verſtorben: So hat ihm Herr M. Wegner Diaconus an der Ober - Kirchen daſelbſt, als ein Vetter 1680 nach Franck - furth an der Oder zu ſich genommen, und zur Schu - le gehalten, worauf er 1686. als ein Studioſu inſcribiret worden. Es hat gedachter Herr M. Weg -ner

Tab. VII pag. 44

Wolfgang Richter.

Johann Bringer.

45von einigen Buchdruckern. ner einen Sohn gehabt, welcher die Druckerey lernen ſollte, indem er die Druckerey zu Landsberg an der Warte an ſich gekauffet hatte Da er aber fruhzei - tig geſtorben, ſo hat er unſern Schwartzen beredet, die Kunſt zu erlernen, damit er ihm die Druckerey uͤber - geben koͤnnte. Hierauf iſt er alſo nach Frf. am Mayn gereiſet, und hat bey Joh Dietrich Friedchen ſel ſei - ne Jahre ausgeſtanden; und hernach daſelbſt poſtu - liret, und einige Oerter beſuchet. Da er aber von ihm ein Schreiben erhalten er ſollte nach Frf. an der Oder kommen, mit ihm Unterredung zu halten: So hat er ihm die Druckerey verkaufft. Er fieng darnach 1691. ſeine Druckerey an, heyrathete 1702 eine Wittwe, So - phia Rothin, eines Predigers Tochter aus Doͤbbrin, mit welcher er drey Soͤhne gezeuget, die zwey aͤlteſten ſind wieder geſtorben, und der juͤngſte hat die Drucke - rey bey ihm gelernet und poſtuliret Nachdem er nun eine Zeitlang die Druckerey gefuͤhret hatte und die Stelle eines Univerſitaͤts Buchdruckers ledig wurde, ſo hat ihn eine Hochloͤbliche Univerſitaͤt darzu angenom - men. Weil er aber Alters halben 1734. die Officin ſeinem Sohn uͤbergeben, ſo hat ermeldtete Univerſitaͤt gleichfalls auf ſeinen Sohn geſehen und ihn zu ihren Buchdrucker angenommen.

Martin Huͤbner, iſt zu Damnitz im Magdebur - giſchen 2. Meilen von Halle gelegen Anno. 1696. den 31. Martii gebohren worden. Sein Vater iſt ein Weingaͤrtner und Einwohner daſelbſt, Nahmens Am - broſius Huͤbner, geweſen. Jn Wettin hat er die Schule beſuchet, und 1711. in Cuͤſtrin bey Herrn Gottfried Heinichen, Koͤnigl. Regierungs-Buch - drucker, die Kunſt erlernet, darauf er zu Oſtern 1716 losgeſprochen wurde, und auf folgenden 2. Jun. erwehn46Kurtzgefaßte Nachricht,wehnten Jahres in Stettin bey Herrn Hermann Gottfried Effenbarthen ſein Poſtulat verſchencket hat. Nachgehends hat er unterſchiedliche Oerter be - ſuchet, bis er 1725. nach Franckfurt an der Oder aus Berlin in der Frau Wittwe Simmerſin Druckerey verſchrieben wurde. Endlich hat er der - ſelben ihre privilegirte Buchdruckerey nebſt den Ver - lag 1726. abgekaufft, und ſich hernach noch in die - ſem Jahr den 15. Octobr. mit Jungfer Louiſa Meiſ - nerin, aus Cuͤſtrin, Herrn Johann Meiſners, Ge - richts Aſſeſſoris daſelbſt, eintziger Jungfer Tochter, verehlichet, mit welcher er 2. Toͤchter und 1. Sohn gezeuget. Weil nun 1732. den 22. Junii ſeine Frau Liebſte wieder geſtorben; So hat er ſich nachgehends 1733. den 7. May zum andernmahl mit Jungfer Dorothea Eliſabeth Padelin, Herrn Chriſt. Pa - dels, Tuchhaͤndlers allda, aͤlteſten Jungfer Tochter, wiederum ehelich verbunden, und mit derſelben eine Tochter und einen Sohn gezeuget. Jn deſſen Dru - ckerey werden die von Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Preuſſen allergnaͤdigſt privilegirten und mit deſſen ei - genhaͤndiger Unterſchrifft erlaubten Theologiſchen Buͤ - cher, an Poſtillen, Gebeth - und Geſang-Buͤchern, und unterſchiedlichen Schul-Buͤchern gedruckt, und von demſelben verlegt.

Siegmund Gabriel Alex, iſt zu Jacobsdorff, bey Franckfurt an der Oder im Jahr 1698. den 25. Martii gebohren. Sein Herr Vater iſt Martin Alex, Prediger in ermeldeten Jacobsdorff, Brie - ſen und Kerſchdorff geweſen, welcher ihn zu Franck - furth an der Oder und Fuͤrſtenwalde zur Schule gehalten. Die Kunſt erlernete er 1713 zu Croſſen bey ſeinem Stief-Bruder, Herrn Johann FriedrichLiſ -

Tab. VIII. p. 47

Siegmund Gabriel Alex

47von einigen Buchdruckern. Liſcovio, worauf er 1718. bey der Buchdrucker So - cietaͤt zu Franckfurth losgeſprochen wurde, und noch in ſelbigem Jahr 1718. zu Berlin bey einer gantzen Buchdrucker Societaͤt poſtulirte. Jm Jahr 1730. hat er bey des ſeel Hrn. Johann Chriſtoph Schwar - tzens Wittwe ein Jahr als Factor der Druckerey vorgeſtanden, welcher er hernach 1731. die Buchdru - ckerey abgekaufft hat, und Herr wurde. Worauf er noch in ermeldteten Jahr den 29 April Jungfer Do - rothea Eliſabeth Chriſtin, des ſeel. Herrn Magi - ſter Chriſts, geweſenen Rectoris daſelbſt, juͤngſte Jungfer Tochter geheyrathet hat. Seine Druckerey iſt ſehr alt, und 1687 von dem hochſeeligen Churfuͤr - ſten Friedrich Wilbelm privilegirt worden. Deſſen Jnſigne ſtellet einen Blumen-Korb fuͤr, worauf eine Biene fliegt, auſſen herum ließt man die Worte: Mes yeux à toutes, mon coeur à une. Siehe Tab. VIII.

Gotha.

Jn dieſer Stadt hat die edle Buchdruckerkunſt erſt ſeit hundert und etlichen wenigen Jahren einen Wohn - platz gefunden. Herr M. Georg Conrad Rieger, hat in der Vorrede zu M. Wilhelm Jeremias Ja - cob Kleſſens dritten Jubelfeſt der Buchdruckerkunſt Gotha, 1740. 8. p. 11. ſqq. alle daſelbſt nach einan - der wohnhafte Buchdruckerherren nahmhaft gema - chet, und das merckwuͤrdigſte von ihnen angefuͤhret. Es wird mir erlaubt ſeyn, daß ich das nothwendigſte daraus entlehne und hieher ſetze. Der erſte Buch - drucker daſelbſt: Peter Schmidt hat 1638 einen Anfang gemacht Weil er ſich aber etwas unanſtaͤn - dig aufgefuͤhret hat: So hat ihn der glorwuͤrdige Her -tzog48Kurtzgefaßte Nachricht,tzog Ernſt entlaſſen, und hingegen dem ſeel. Herrn Rector, M. Andreas Reyhern 1643. durch einen beſondern Befehl gnaͤdigſt aufgetragen, ſeine Drucke - rey von Schleuſingen nach Gotha zu verlegen, wor - uͤber er ſo wohl ihm, als ſeinen Erben und Nach - kommen ein gnaͤdigſtes Privilegium ertheilet hat: Hier - auf ließ gedachter Herr Reyher ſeine Druckerey durch einen Factor, Johann Michael Schallen, ver - walten, bis deſſen Herr Sohn Chriſtoph Reyher 1668. dieſelbige uͤbernommen, nachdem er in Leipzig die Buchdruckerkunſt ruͤhmlich erlernet hatte. Ge - dachter Chriſtoph Reyher bekam ebenfalls ein gnaͤ - diges Privilegium daruͤber von Jhro Hochfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit dem Hertzog Ernſten; welches hernach Jhro Hochfuͤrſtliche Durchl. Friedrich I. und Friedrich II. beſtaͤttigten. Als er aber wegen hohen Alters ſeiner Druckerey nicht wohl mehr vorſtehen konnte; So wurde deſſen einiger Sohn, Herr Jo - hann Andreas Reyher 1703. von Sr. Hochfuͤrſtl. Durchl. Friedrich II. aus Coppenhagen nach Gotha beruffen. Anfaͤnglich wurde er nur dem alten Herrn Vater als Hofbuchdrucker ſubſtituiret, bis er endlich 1714. die Buchdruckerey nebſt dem gnaͤdigſten Privile - gio wuͤrcklich und eigenthuͤmlich angetreten hat. Die - ſes Privilegium haben hernach Jhro Hochfuͤrſtlichen Durchl. Hertzog Friedrich III. aufs neue mit allen Clauſuln und davon abhangende Freyheiten ſo wohl uͤber die Buchdruckerey, als Buͤcher-Verlag aller - gnaͤdigſt beſtaͤtiget. Die jedermann vor Augen lie - genden gedruckten und verlegten Buͤcher koͤnnen ein deutliches Zengniß ablegen, daß unſer Herr Reyher ſeine Kunſt gantz wohl verſtehe, nachdem er ſeine Wiſ - ſenſchaft in Holland und andern Orten reichlich ver -meh -49von einigen Buchdruckern. mehret hat. Er bemuͤhte ſich auch eifrigſt, alles anzu - ſchaffen, was nur zu einer wohl eingerichteten Buch - druckerey noͤthig iſt. Zu dem Ende hat er ſich mit einem reichen Vorrath von den beſten L[e]ttern, Figu - ren, und Kupferpreſſen u. d. m. ruͤhmlich verſehen. Rieger l. c.

Halle in Sachſen.

Johann Chriſtian Hendel, Univerſitaͤts Buch - drucker in Halle, trat zu Aſchersleben 1692. den 3. October ans Licht der Welt. Sein Herr Vater war Chriſtian Hendel, Stadt Chirurgus daſelbſt, welchen er gar bald durch den Tod einbuͤſſen muſte, darauf auch die Mutter gleichfals folgte, daß er alſo in dem erſten Jahre ſeiner Kindheit zum Vater - und Mutterloſen Waͤyſen wurde. Bey ſolchem ſchweren und betruͤbten Verhaͤngniß nahmen ſich die naͤchſten Blutsfreunde ſeiner treulich an, gaben dieſem Waͤy - ſen den hoͤchſinoͤthigen Unterhalt und erzogen denſel - ben bis ins 11te Jahr. GOtt erweckte aber hernach eine groſſe Wohlthaͤterin, nemlich die weyland Hoch - wohlgebohrne Frau von Legath, eine gottesfuͤrch - tige, Chriſtliche und tugendhaffte Dame, die ſich hoͤchſtruͤhmlich angelegen ſeyn ließ, denſelben zur Ehre Gottes und des Naͤchſten Nutzen weiter zu bringen Es muſte ſich dannenhero fuͤgen, daß hochgedachte vor - nehme Frau eine Reiſe nach Halle that, und dieſen Knaben mit ſich nahm, bey welcher Gelegenheit die - ſelbe ſich mit dem ſeeligen Herrn Profeſſor Francken beſprach, demſelben dieſen Knaben vorſtellete und nachdruͤcklich recommendirte, welches ſo viel wuͤrckte, daß er alſofort in das Waͤyſenhauß an - und aufge - nommen wurde, und in der Gottesfurcht und andern noͤthigen Wiſſenſchafften getreuen Unterricht bekam. DNach50Kurtzgefaßte Nachricht,Nachdem er nun dritthalb Jahr im Waͤyſenhauſe zu - gebracht, ſo ſtarb ſeine bisherige große Wohlthaͤ - rerin die Frau von Legath zu ſeinem groſſen Leid - weſen; dannenhero muſte er eine ſolche Lebensart er - greiffen, davon er kuͤnfftig gedachte ſein Brodt zu ha - ben. Er erwehlte demnach die edle Kunſt der Buch - druckerey, in welchem Vorſatz er auch ſeinen Endzweck erhielt, daß er dieſelbe, als Setzer, zu lernen anfing im Jahr Chriſti 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr war Chriſtian Henckel, fuͤrnehmer Buchdrucker - herr in Halle, welcher noch am Leben iſt, und bey ſei - nem hohen Alter in erwuͤnſchten Wohlſeyn lebet. Unter - deſſen guter Anfuͤhrung und Unterweiſung hat er 5. volle Jahre geſtanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Feſte wurde er losgeſprochen, und von dem beſchwerlichen Cornutenſtande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet. Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunſt, verſchenckte er bey ſeinem gewe - ſenen Lehrherrn, Herrn Henckeln, ſein Poſtulat, und wurde alſo zu einen Mitgliede dieſer Kunſt gewoͤhn - lichermaſſen erklaͤret. Hierauf verließ er Halle, und conditionirte an auswaͤrtigen Orten bey einem und dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver - langet wurde. Jmmaſſen des ſeel. Herrn Johann Jacob Krebſens, geweſenen Univerſitaͤts Buchdru - ckers, nachgelaſſene Wittwe denſelben zu Fortſetzung ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei - nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor derſelben durch oberwehnten Herrn Henckeln und ſei - ner damahligen Geſellen oͤffentlich vorſtellen ließ, wel - che Factorey er unter goͤttlichem Beyſtande treu und ſorgfaͤltig verwaltet hat, dergeſtalt, daß obgedachteWitt -51von einigen Buchdruckern. Wittwe ſich entſchloſſen ſich mit ihm ehelich zu verbin - den, welches durch goͤttliche Fuͤgung und prieſterliche Zuſammengebung den 11. May 1717. geſchahe, wor - auf er die Druckerey gerichtlich annahm, und als ſein Eigenthum erkauffte. Mit dieſer ſeiner Ehefrau bekam er drey Soͤhne, wovon der erſte, Johann Frie - drich Krebs, als Buchhaͤndler in Wuͤrtzburg lebet; der andere, Johann Heinrich, iſt ein Mitglied der Buchdruckerkunſt, ſo ſich in Koͤnigsberg verheyra - thet hat, und dieſelbe allda eifrig fortſetzet; der dritte, Johann Jacob, als der juͤngſte iſt gleichfalls ein Mitglied von dieſer Kunſt, ſtehet anietzo ſeinem Herrn Stief-Vater bey und beobachtet deſſen Geſchaͤffte, mit allem Fleiß und gehoͤriger Treue. Nachdem er nun mit dieſer Krebſiſchen Wittwe, als ſeiner getreuen und redlichen Ehefrau Gertraud, einer gebohrnen Kruͤ - gerin von Rathenau 21. Jahr und 5. Monat im Eheſtand gelebet, und mit derſelben, wiewohl ohne Kinder, eine chriſtliche, vergnuͤgte und friedſam e Ehe gefuͤhret, ſo hat dieſelbe, nach dem unumſchraͤnckten Rathſchluſſe GOttes, der Todt getrennet, indem ſel - bige den 8. Octob. 1739. in den 72. Jahre ihres Al - ters das Zeitliche mit dem ewigen verwechſelt, wo - durch er alſo in den betruͤbten Wittwenſtand geſetzet worden. Was nun ſeinen Beruf anlanget, ſo hat er, ſo lange er ſeine Officinam Typographicam gebrau - chet, ſo viel moͤglich, ſich aller groben, Satyriſchen, GOtt, der Religion und Erbarkeit zu wiederlauffen - den Schrifften ernſtlich vermieden, und ſich deren gaͤntz - lich enthalten, dagegen iederzeit geſuchet, GOtt und ſeinem Naͤchſten mit und in derſelben gefaͤllig zu leben und zu dienen. Und da die Zeiten manchmal ſehr nahrloß geweſen, und er oͤffters nichts vorzunehmenD 2ge -52Kurtzgefaßte Nachricht,gewußt, ſo hat er manches erbauchliches Tractaͤtgen und Diſputationes beruͤhmter und gelehrter Maͤnner, fuͤr die Hand genommen und gedruckt, daß er alſo end - lich wegen Menge derſelben und dabey erfolgten ſchlech - ten Abgange genoͤthiget worden iſt, einen Diſputa - tionsladen anzulegen, welchen er auch noch ietzo den Gelehrten zum beſten fortſetzt. Sein Leib - und Wahlſpruch iſt:

GOtt iſt meine Zuverſicht,
Meine Freude Troſt und Licht.

Das Signet ſo er fuͤhret, iſt das allgemeine Kunſt - und Druckerwappen, mit deſſen Namen J. C. H.

Johann Friedrich Grunert, Univerſitaͤts und Raths-Buchdrucker, iſt 1700. den 26. Jan. zu Halle gebohren Sein Herr Vater iſt geweſen, Johann Grunert, Univerſitaͤts und E. Hoch-Edlen Raths - Buchdrucker daſelbſt. Jm Jahr 1715 hat er mit der Erlernung der Buchdruckerkunſt bey ſeinem Hrn. Vater den Anfang gemacht, und den 19. Febr. 1719. ſein Poſtulat bey demſelben verſchencket Jm Jahr 1733. uͤbernahm er von ſeinen Geſchwiſter ſeines ſee - ligen Vaters Buchdruckerey, und verehlichte ſich noch in dieſem Jahr den 13. Julii mit Maria Magda - lena, Herrn Andreas Seyfarts, Buͤrgers und Guͤrt - lers in Halle, eheleiblichen eintzigen Tochter dritter Ehe, welche aber den 6. Dec. a. c. wiederum ver - ſtorben iſt. Jm Jahr 1734. den 11. Auguſti ver - heyrathete er ſich zum andernmal mit Anna Maria, einer gebohrnen Knauthin, Herrn Johann Friedrich Hamiltons, E Hochedlen Raths Muͤhlenſchreibers, hinterlaſſenen Wittwe, mit welcher er drey Kinder erzeuget, nemlich zwey Soͤhne und eine Tochter, wo - von ein Sohn Johann David noch am Leben iſt. Die -

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53von einigen Buchdruckern. Diejenigen Wercke und