PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Vom Himmel und von den wunderbaren Dingen deſſelben; wie auch von der Geiſterwelt und von dem Zuſtand des Menſchen nach dem Tod; und von der Hoͤlle;
Aus der zu London 1758. gedruckten lateiniſchen Urſchrift getreulich uͤberſetzt, und mit Anmerkungen be - gleitet; nebſt einem Vorbericht von des Verfaſſers ruͤhmlichen Leben und Schriften.
Zweyter Theil.
1776.
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Emanuel von Swedenborg
auserleſene Schriften.
Zweyter Theil.
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Franfurt am Mayn,zu finden bey dem CommercienrathDaniel Chriſtian Hechtel,1776.
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Fortſetzung vom Himmel.

Daß Himmel und Hoͤlle aus dem menſchlichen Geſchlechte ſeyen.

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311.

Jn der Chriſtenheit weis man ganz und gar nicht, daß Himmel und Hoͤlle aus dem menſchlichen Ge ſchlecht ſeyen; denn man glaubt, die Engel waͤren von Anfang erſchaffen worden, und da - her komme der Himmel, und der Teufel oder Satanas waͤre ein Engel des Lichts geweſen, weil er aber ein Empoͤrer geworden, ſo waͤre er mit ſeinem Haufen heruntergeſtoſſen worden, und daher komme die Hoͤlle. Daß in der Chri - ſtenheit ein ſolcher Glaube herrſchet, daruͤber wundern ſich die Engel ganz erſtaunend, und daruͤber noch mehr, daß die Menſchen allda nichtA 3das6Vom Himmel. das mindeſte vom Himel wiſſen, da dieſes doch der Hauptpunkt in der Kirche iſt; und ſie hat - ten eine herzliche Freude, daß, weil eine ſolche Unwiſſenheit herrſchet, es dem Herrn gefallen habe, itzt den Menſchen ein mehreres vom Him - mel, wie auch von der Hoͤlle, zu offenbaren, und dadurch, ſo viel moͤglich, die von Tag zu Tag groͤſſer werdende Finſterniß, weil die Kir - che zu ihrem Ende gegangen, zu vertreiben; deswegen wollen die Engel, daß ich aus ihrem Munde doch verſicherte, daß im ganzen Him - mel nicht ein einziger Engel ſey, der von An - fang erſchaffen worden, und in der Hoͤlle nicht einziger Teufel, der erſt als ein Engel des Lichts erſchaffen und hernach herabgeworfen worden ſey, ſondern daß alle, ſowohl im Himmel, als in der Hoͤlle, aus dem menſchlichen Geſchlechte waͤren, naͤmlich im Himmel diejenigen, welche in der himmliſchen Liebe und Glauben gelebt, in der Hoͤlle aber die, ſo in der hoͤlliſchen Liebe und Glauben gelebt haͤtten, und daß die Hoͤlle im ganzen Jnbegriff Teufel und Satanas ge - nennet wuͤrde, naͤmlich die hintere Hoͤlle, wo die ſind, ſo boͤſe Genii genennet werden, hieß der Teufel, und die voͤrdere Hoͤlle, wo ſich die befinden, ſo man boͤſe Geiſter (Spiritus) nen - net, hieß der Satanas: wie ein und andere Hoͤlle beſchaffen ſey, das ſoll im folgenden ge - meldet werden. Daß ſich die Chriſtenheit von denen, welche ſich im Himmel und in der Hoͤlle befinden, dergleichen Glauben eingepraͤgt haͤtte,kaͤme,7Vom Himmel. kaͤme, ſagten die Engel, daher, daß einige Stellen im Wort nicht anders, als nach dem buchſtaͤblichen Sinn verſtanden, nicht aber durch die aͤchte Lehre aus dem Wort erlaͤutert, noch ausgelegt worden waͤren; da doch der buchſtaͤb - liche Sinn des Worts, wofern die aͤchte Lehre nicht vorleuchtete, die Gemuͤther auf mancher - ley Dinge braͤchte, woher ſodann Unwiſſenheit, Spaltungen, und Jrrthuͤmer entſtuͤnden.

312. Daß der Menſch innerhalb der Kirche einen ſolchen Glauben hat, davon iſt auch noch dieſes die Urſache, weil er glaubt, kein Menſch kaͤme eher in den Himmel, oder in die Hoͤlle, als zur Zeit des juͤngſten Gerichts, wovon er dieſe Meinung hat, daß alsdenn alle Dinge, ſo vor ſeinen Augen ſind, untergehen und neue Dinge entſtehen wuͤrden, und daß ſich die Seele ſodann wieder mit ihrem Koͤrper vereinigen, und vermoͤge dieſer Vereinigung der Menſch wiederum als Menſch leben werde; dieſer Glau - be nun enthaͤlt den andern in Anſehung der En - gel, daß ſie naͤmlich von Anfang waͤren erſchaf - fen worden, denn es iſt nicht moͤglich, zu glau - ben, daß Himmel und Hoͤlle von dem menſch - lichen Geſchlechte ſind, wenn man glaubt, daß kein Menſch eher dahin kaͤme, als am Ende der Welt. Damit aber nun der Menſch moͤchte uͤberzeugt werden, daß dem alſo ſey, ſo iſt mir gegeben worden, mit den Engeln Umgang zu haben, und auch mit denen, welche in der Hoͤlle ſind, zu reden, und dieſes nun viele Jahre lang,A 4bis -8Vom Himmel. bisweilen beſtaͤndig von Morgen an bis auf den Abend, und mich alſo, was den Himmel und die Hoͤlle betrift, zu belehren, und dieſes darum, damit der Menſch von der Kirche in ſeinem ir - rigen Glauben, den er ſich von der Aufferſte - hung zur Zeit des Gerichts, und von dem Zu - ſtand der Seele einſtweilen, wie auch von den Engeln und von dem Teufel eingepraͤgt hat, nicht laͤnger verharren moͤchte; weil dieſer Glaube ein falſcher Glaube iſt, ſo verurſachet er Finſternis, und bringt denen, welche aus ſelbſt eigener Einſicht ſolche Dinge uͤberdenken, Zweifel und endlich das Laͤugnen bey; denn ſie ſprechen im Herzen: wie kann ein ſo großer Himmel mit ſo vielen Geſtirnen, und mit der Sonne und dem Mond zerſtoͤrt und zerſtreuet werden? und wie koͤnnen alsdenn die Sterne vom Himel auf die Erde fallen, die doch groͤſ - ſer als die Erde ſind? und wie koͤnnen ſich die von Wuͤrmern gefreſſene, verfaulte und in alle Luft zerſtreute Leiber wieder zu ihrer Seele ver - ſammlen? wo iſt denn nun einſtweilen die See - le, und wie iſt ſie beſchaffen, wenn ſie ohne die bey Leibes Leben gehabte Empfindung ſeyn ſoll? außer unzaͤhlich andern Dingen, die, weil ſie unbegreiflich, unmoͤglich zu glauben ſind, ja, bey vielen den Glauben vom Leben der Seele nach dem Tod, vom Himmel und von der Hoͤlle, und mit ſolchen das uͤbrige, was des Glaubens der Kirche iſt, zunichte machen; daß dieſe un - glaubliche unbegreifliche Dinge ſchon alles ver -wuͤſtet9Vom Himmel. wuͤſtet haben, das kann man ja gar deutlich von denen abnehmen, welche ſprechen: wer iſt aus dem Himmel zu uns gekommen und hat er - zaͤhlt, daß es ſo ſey? was Hoͤlle, es iſt noch die Frage, ob eine iſt? was ſoll das ſeyn, daß der Menſch in Ewigkeit mit Feuer gepeinigt werden ſollte? was ſoll der Tag des Gerichts ſeyn? iſt er nicht ſchon Jahrhunderte hindurch vergeblich erwartet worden? und was derglei - chen mehr iſt, ſo alles aus der Verneinung her - kommt: damit nun diejenigen, welche derglei - chen denken, als wie die mehreſten von denen, ſo wegen ihrer weltlichen Dinge, die ſie ver - ſtehen, ſich ſo gerne gelehrt und witzig nennen laſſen, nicht mehr die, ſo einfaͤlltigen Glaubens und Herzens ſind, irre machen, noch verfuͤh - ren, ihnen auch keine hoͤlliſche Finſternis in An - ſehung deſſen, was Gott, den Himmel, das ewige Leben, und die davon abhaͤngende uͤbri - gen Dinge anbetrift, einfloͤßen moͤchten, ſo iſt mir vom Herrn das Jnnere meines Geiſtes eroͤffnet, und mir alſo gegeben worden, mit allen, die ich jemals bey Leibes Leben gekannt habe, nach ihrem Abſterben, mit einigen Tage lang, mit einigen Monate lang, und mit einigen ein Jahr lang, wie auch mit ſo vielen andern zu reden, daß ich, ich will nur wenig ſagen, ihrer wohl hundert tauſend geſprochen habe, von welchen viele in den Him - meln, und viele in den Hoͤllen waren; ich habe auch mit einigen zwey Tage nach ihrem Tod ge -A 5ſprochen,10Vom Himmel. ſprochen, und ihnen geſagt, daß man zu ihrem Begraͤbnis, Leichenbegaͤngnis und Beerdigung Anſtalt machte; hierauf antworteten ſie: man thaͤte wohl dran, daß man das, was ihnen zum koͤrperlichen Werkzeug und zu ihren Verrichtun - gen in der Welt gedienet haͤtte, wegſchaffe, kurz, ſie wollten damit ſo viel ſagen, ich ſollte doch melden, daß ſie nicht geſtorben, ſondern itzt eben ſo wohl, als zuvor, wie Menſchen leb - ten, und nur von einer Welt in die andere uͤber - gegangen waͤren, und nicht wuͤßten, daß ſie etwas verloren haͤtten, weil ſie eben ſo wohl in dem Leibe und deſſen Sinnen ſeyn, wie zu - vor, wie auch in den Verſtand und Willen wie zuvor, und daß ſie eben die Gedanken und Nei - gungen, eben die Empfindungen, und eben die Begierden haͤtten, die ſie in der Welt gehabt. Die meiſten von den ohnlaͤngſt verſtorbenen, da ſie geſehen, daß ſie eben noch wie Menſchen, und in eben dem Zuſtand lebten, wie zuvor, (denn nach dem Tod iſt bey einem jeden erſt eben der Lebens-Zuſtand, in welchem er in der Welt geweſen iſt, er wird aber bey ihm nach und nach entweder in einen himmliſchen oder in einen hoͤlliſchen verwandelt) wurden mit neuer Freude uͤberſchuͤttet, daß ſie eben noch lebten, ja ſie ſagten, ſie haͤtten dieſes nicht geglaubt; ſie verwunderten ſich aber ſehr, daß ſie in einer ſolchen Unwiſſenheit und Blinoheit, was den Zuſtand ihres Lebens nach dem Tod anbetrof - fen, geweſen waͤren; und daruͤber wundertenſie11Vom Himmel. ſie ſich noch mehr, daß der Menſch der Kirche ſo unwiſſend und blind ſey, der doch vor allen an - dern auf dem ganzen Erdkreis in Anſehung die - ſer Dinge im Lichte ſeyn koͤnnte: die Urſache die - ſer Blindheit und Unwiſſenheit ſahen ſie nun erſt ein, naͤmlich, daß die aͤuſſerlichen Dinge, das iſt, die weltl chen und leiblichen, ihre Gemuͤther eingenommen und uͤberſchwemmt haͤtten, ſogar, daß ſie nicht in das Licht des Himmels erhoben werden, noch die Kirchen-Sachen uͤber die ge - woͤhnlichen Lehrpunkte hinaus haͤtten betrachten koͤnnen; denn aus den leiblichen und welt ichen Dingen, wenn ſie ſo ſehr geliebet werden, als man ſie heute zu Tage liebet, flieſſen, wenn man weiter gehet, lauter Finſterniſſe.

313. Sehr viele von den Gelehrten aus der Chriſtenheit erſtaunen, wenn ſie ſich nach ihrem Abſterben wieder in dem Leibe, in Kleidern, und in Haͤuſern erblicken, als wie in der Welt; und wenn ſie ſich deſſen, was ſie von dem Leben nach dem Tod, von der Seele, von den Geiſtern, vom Himmel und von der Hoͤlle gedacht haben, wieder erinnern, ſo ſchaͤmen ſie ſich, und ſprechen, ſie haͤtten naͤrriſch gedacht, hingegen die, ſo ein - faͤltigen Glaubens waͤren, haͤtten weit mehrere Weisheit, als ſie: es wurden Gelehrte, die ſich in dergleichen beſtaͤrket, und die alles der Natur zugeſchrieben hatten, gepruͤſt, und man brachte in Erfahrung, daß ihr Jnneres ganz und gar zu - geſchloſſen, aber ihr Aeuſſeres eroͤffnet war, ſo,daß12Vom Himmel. daß ſie nicht auf den Himmel, ſondern auf die Welt, folglich auch auf die Hoͤlle geſehen hatten; denn um ſo viel das Jnnere eroͤffnet iſt, um ſo viel nur ſiehet der Menſch auf den Himmel, aber um ſo viel das Jnnere verſchloſſen, und das Aeuſ - ſere eroͤffnet iſt, um ſo viel ſiehet er auf die Hoͤlle: denn das Jnnere des Menſchen iſt ſo gebildet, daß es alle himmliſchen Dinge aufnehmen koͤnne, und das Aeuſſere iſt zum Empfang aller weltlichen Dinge formiret, und diejenigen, welche die Welt und nicht zugleich den Himmel aufnehmen, neh - men auch die Hoͤlle auf.

314 Daß der Himmel aus dem menſchlichen Geſchlechte ſey, das kann auch daraus erhellen, daß die engliſchen Seelen und die menſchlichen See - len einander gleich ſind, beyde haben das Vermoͤ - gen zu verſtehen, zu empfinden und zu wollen; beyde ſind ſo gebildet, daß ſie den Himmel auf - nehmen koͤnnen; denn die menſchliche Seele iſt eben ſo wohl weiſe, als die engliſche Seele, daß ſie aber in der Welt nicht ſo ſehr Weiſe iſt, iſt die Urſache, weil ſie ſich in dem irdiſchen Leib be - findet, und worinnen ſeine Seele, die geiſtlich iſt, natuͤrlich denkt; ein anders aber iſt es, wenn ſie von dem Band dieſes Leibes entledigt iſt, als - denn denkt ſie nicht mehr natuͤrlich, ſondern geiſt - lich, und wenn ſie geiſtlich denkt, ſodann denkt ſie dem natuͤrlichen Menſchen unbegreifliche und unausſprechliche Dinge, und iſt alſo wie ein En - gel weiſe; woraus nun offenbar ſeyn kann, daß das Jnwendige des Meſchen, welches ſein Geiſtgenen -13Vom Himmel. genennet wird, in ſeinem Weſen ein Engel iſt, man leſe im 1ſten Theil Num. 57; wenn der Geiſt von dem irdiſchen Leib los iſt, ſo iſt er eben ſo wohl, als der Engel, in menſchlicher Geſtalt; daß der Engel in vollkommener menſchlicher Ge - ſtalt ſey, leſe man im 1ſten Theil Num. 73-77: wenn aber das Jnwendige des Menſchen nicht aufwaͤrts, ſondern nur abwaͤrts eroͤffnet iſt, ſo - dann iſt es zwar nach der Aufloͤſung vom Leibe dennoch in menſchlicher Geſtalt, aber in einer grauſamen und teufliſchen; denn es kann nicht aufwaͤrts gen Himmel, ſondern nur abwaͤrts auf die Hoͤlle ſehen.

315. Der von der goͤttlichen Ordnung Unter - richt hat, kann auch einſehen, daß der Menſch dazu geſchaffen ſey, daß er ein Engel werden moͤge, weil in ihm das Aeuſſerſte von der Ordnung iſt, wie Num. 304 gemeldet worden, in welchem das, was zur himmliſchen und eng - liſchen Weisheit gehoͤret, gebildet, ergaͤnzet und vermehret werden kann: die goͤttliche Ordnung bleibt niemals in der Mitte ſtehen, noch bildet ſie allda etwas ohne das Aeuſſerſte, denn da - ſelbſt iſt ſie nicht in ihrer Vollendung und Voll - kommenheit, ſondern ſie geher bis hin zum Aeuſ - ſerſten;*)Anmerkung des Ueberſetzers. Hier beruft ſich der Verfaſſer auf etliche Num - mern in den himmliſchen Geheimniſſen,als aber wenn ſie in ihrem Aeuſ -ſerſten14Vom Himmel. ſerſten iſt, alsdenn bildet ſie erſt, und ergaͤn - zet ſich auch durch die dahin zuſammen gelegte Mittel, und ſchreitet zur weitern Hervorbrin - gung, welches durch die Zeugungen geſchie -het;*)als unter andern auf Num. 634; allda heißt es: Die meiſten wiſſen heutiges Tages nicht, daß bey einem jeden Menſchen etwas Jn - neres, etwas noch Jnnerlicheres, und etwas Jnnerſtes ſey; und daß ſein Leibliches und Sinnliches das Aeuſſerſte ſey; die Begierden und Gedaͤchtnisſachen ſind das Jnnere; die Neigungen und das Ver - nuͤnftige ſind das Jnnerlichere; und der Wille zum Guten und der Verſtand im Wah - ren ſind das Jnnerſte; und die ſind von ein - ander hoͤchſt unterſchieden. Num. 3632 heißt es: Die goͤttliche und daher die himmliſche Ordnung endigt ſich bey dem Menſchen in ſei - nem Leiblichen, naͤmlich in ſeinen Geberden, Handlungen, Geſichtszuͤgen, in ſeiner Spra - che, in ſeinem aͤuſſerlichen Gefuͤhl, und in deſ - ſen Annehmlichkeiten; dieſes iſt das Aeuſ - ſerſte der Ordnung. Num. 6451 heißt es: Es iſt ein Jnnerſtes, ein Jnneres unter dem Jnnerſten, und ein Aeuſ - ſeres in dem Menſchen; dieſe ſind ganz ge - nau von einander unterſchieden, ſie gehen nach der Ordnung, alſo vom Jnnerſten bis zum Aeuſſerſten; nach eben der Ordnung,wie15Vom Himmel. het; deswegen iſt daſelbſt die Pflanzſtadt des Himmels.

316. Das der Herr nicht nur dem Geiſte nach ſondern auch dem Leibe nach auferſtanden iſt,iſt*)wie ſie auf einander folgen, flieſſen ſie auch ein; daher kommt es, daß das Leben durch das Jnnerſte in das Jnnere, und durch das Jnnere in das Aeuſſere, alſo, nach der Ordnung, wie ſie gehen, ein - fließt, und daß es nicht eher ſtille ſteht als in dem Aeuſſerſten der Ordnung, allwo es ſtehen bleibt; und weil das Jnnere der Ordnung nach bis hin in das Aeuſſerſte einflieſſet, und allda ſtehen bleibt, ſo iſt offen - bar, daß alles Jnnere in dem Aeuſ - ſerſten beyſammen iſt, aber in dieſer Ord - nung: das Jnnerſte, ſo eingefloſſen iſt, behaͤlt in dem Aeuſſerſten den Mittel - punkt, das Jnnere, welches unter dem Jnnerſten ſteht, geht um dem Mittelpunkt herum; und das Aeuſſere macht die Pe - ripherie oder den Umpfang aus; weil alles Jnnere auch zugleich in dem Aeuſſer - ſten iſt, ſo hat es dahero den Anſchein, als ob das Leben in dem Aeuſſerſten, das iſt, in dem Leibe beſtehe, da es doch in dem Jnnern iſt, wiewohl auch nicht da, ſon - dern in dem Hoͤchſten, das iſt, in dem Herrn, von welchem alles Leben kommt. 16Vom Himmel. iſt die Urſache, weil der Herr Sein ganzes Menſchliche, da Er in der Welt geweſen, ver - herrlichet, das iſt, goͤttlich gemacht hat; denn die Seele, die Er vom Vater hatte, iſt an und fuͤr ſich ſchon das Goͤttliche ſelbſt geweſen, und der Leib iſt das Ebenbild der Seele, das iſt, des Va - ters, und alſo eben auch das Goͤttliche geworden; daher kommt es, daß Er ganz anders, als ein andrer Menſch, naͤmlich dem Geiſte nach und dem Leibe nach auferſtanden iſt: dieſes hat Er auch ſeinen Juͤngern offenbaret, welche meinten, ſie ſehen einen Geiſt, da ſie Jhn ſahen, denn Er ſagte zu ihnen: Sehet meine Haͤnde und meine Fuͤße, daß Jchs Selber bin, taſtet Mich und ſehet, denn ein Geiſt hat nicht Fleiſch und Beine, wie ihr ſehet, daß Jch habe, Luc. 24, 36. 37. 38, wodurch Er an - zeigte, daß Er nicht nur ein Menſch dem Geiſte nach, ſondern auch dem Leibe nach ſey.

317. Damit man wiſſen moͤchte, daß der Menſch nach dem Tod lebe, und nach Beſchaf - fenheit ſeines Lebens in der Welt entweder in den Himmel, oder in die Hoͤlle komme, ſo iſt mir vieles von dem Zuſtand des Menſchen nach dem Tod entdeckt worden, wovon im folgenden, in dem Abſchnitt von der Geiſterwelt, ordentlich gehandelt werden ſoll.

Von17Vom Himmel.

Von den Heiden oder Voͤlkern im Himmel, ſo auſſerhalb der Kirche geweſen ſind.

318. Es iſt eine gemeine Meinung, daß dieje - nigen, welche auſſerhalb der Kirche geboren ſind, die man Voͤlker oder Heiden nennet, nicht ſelig werden koͤnnten, darum, weil ſie das Wort nicht haͤtten, und alſo nichts von dem Herrn wuͤßten, und ohne den Herrn keine Seligkeit waͤre; allein, daß ſie eben auch ſelig werden, das kann man ja blos allein daraus wiſſen, weil die Barmherzigkeit des Herrn allgemein iſt, das iſt, ſich auf alle und jede erſtrecket; und daß ſie eben ſo wohl Menſchen ſind, wie die, ſo ſich innerhalb der Kirche befinden, deren doch, gegen jene zu rechnen, wenig ſind; wie auch daß es nicht ihre Schuld iſt, daß ſie vom Herrn nichts wiſſen; ein jeder, der nur aus einiger erleuchteten Ver - nunſt denkt, kann einſehen, daß kein Menſch zur Hoͤlle geboren ſey, denn der Herr iſt die Liebe ſelbſt, und Seine Liebe iſt der Wille, daß alle ſelig werden; weswegen Er auch Vorſehung ge - than hat, daß bey allen Religion, und dadurch die Erkaͤnntnis des Goͤttlichen, und das innere Leben ſey; denn nach der Religion leben, heißt ein inneres Leben fuͤhren, denn der Menſch ſiehet ſodann auf das Goͤttliche, und in ſo viel er nun hierauf ſiehet, in ſo viel ſiehet er nicht auf die Welt, ſondern er entfernt ſich von derſelben, alſoSw. Sch. II. Th. Bentzie -18Vom Himmel. entziehet er ſich dem Leben der Welt, welches nur ein aͤuſſerliches Leben iſt.

319. Daß die Heiden eben ſo wohl, als die Chriſten, ſelig werden, das koͤnnen diejenigen wohl einſehen, welche wiſſen, was eigentlich den Him - mel bey dem Menſchen ausmacht, denn der Him - mel iſt inwendig in dem Menſchen, und die den Himmel in ſich haben, die kommen in den Him - mel; der Himmel in dem Menſchen iſt: das Goͤttliche erkennen, und ſich vom Goͤtt - lichen fuͤhren laſſen; das erſte und vornehmſte von jeder Religion iſt: das Goͤttliche erken - nen; eine Religion, die das Goͤttliche nicht erkennt, iſt gar keine; und die Vorſchriften einer jeden Religion ſehen auf den Gottesdienſt, und alſo, wie das Goͤttliche zu verehren ſey, daß Jhm der Menſch angenehm ſeyn moͤge; und wenn dieſes in ſeinem Gemuͤthe iſt, in ſo viel er alſo dieſes will, oder in ſo viel er ſolches liebt, in ſo viel wird er vom Herrn gefuͤhret. Es iſt be - kannt, daß die Heiden eben ſo wohl, als die Chri - ſten, ein moraliſches und ſittliches, ja, ſehr viele von ihnen ein beſſeres Leben fuͤhren, als die Chri - ſten; ein ſittliches Leben wird entweder wegen des Goͤttlichen oder wegen der Menſchen in der Welt gefuͤhret; das ſittliche Leben, ſo wegen des Goͤttlichen gefuͤhret wird, iſt ein geiſtliches Le - ben; beyderley Leben ſcheint in der aͤuſſerlichen Geſtalt des Menſchen eine Gleichheit zu haben, aber in ſeiner innern Geſtalt hat es eine voͤlligeUngleich -19Vom Himmel. heit; das eine macht den Menſchen ſelig, das andere nicht; denn wer ein ſittliches Leben wegen des Goͤttlichen fuͤhret, der wird von dem Goͤtt - lichen geleitet, hingegen, wer ein ſittliches Le - ben wegen der Menſchen in der Welt fuͤhret, der wird von ſich ſelber geleitet: dieſes ſoll nun durch ein Exempel erlaͤutert werden; wer ſeinem Naͤch - ſten kein Boͤſes thut, darum, weil es wider die Religion, alſo, wider das Goͤttliche iſt, der ent - haͤlt ſich aus einer geiſtlichen Grundquelle der Ue - belthat; hingegen, wer dem andern nicht Boͤſes thut, blos allein darum, weil er das Geſetz, den Verluſt des guten Namens, der Ehre oder des Gewinſtes befuͤrchtet, alſo nur um ſein ſelbſt und der Welt willen, der enthaͤlt ſich aus einer natuͤr - lichen Quelle der Uebelthat, und ein ſolcher fuͤhret ſich ſelbſt; deſſen Leben iſt natuͤrlich, bey jenem aber iſt es geiſtlich; ein ſolcher Menſch, deſſen ſittliches Leben geiſtlich iſt, hat den Himmel in ſich, hingegen ein ſolcher, deſſen ſittliches Leben nur natuͤrlich iſt, hat den Himmel nicht in ſich; die Urſache iſt, weil bey jenem der Himmel von oben her einfließt, und ſein Jnneres eroͤffnet, und durch das Jnnere in das Aeuſſere fließt; bey die - ſem aber fließt die Welt von unten her ein, und er - oͤffnet das Aeuſſere, nicht aber das Jnnere; denn es findet kein Einfluß aus der natuͤrlichen Welt in die geiſtliche ſtatt, ſondern er gehet aus der geiſt - lichen Welt in die natuͤrliche; wenn dahero der Himmel nicht von dem Jnnern und Aeuſſern zu - gleich aufgenommen wird, ſo wird das JnnereB 2ver -20Vom Himmel. veſchloſſen; hieraus kann erſehen werden, welche es ſind, die den Himmel innerlich in ſich aufneh - men, und welche es ſind, ſo den Himmel nicht aufnehmen. Allein, der Himmel iſt in dem einen nicht eben ſo wie in dem andern, er iſt in einem jeden nach Beſchaffenheit der Neigung zum Gu - ten und zu dem daher ruͤhrenden Wahren, unter - ſchieden; die in der Neigung zum Guten wegen des Goͤttlichen ſtehen, die lieben das Goͤttliche Wahre, denn das Gute und Wahre lieben ein - ander, und wollen ſich gerne mit einander ver - binden; weswegen die Heiden, ob ſie nun wohl nicht in dem aͤchten Wahren in der Welt ſtehen, es dennoch aus Liebe im andern Leben annehmen.

320. Es war ein gewiſſer Geiſt von den Hei - den, der in dem Guten der thaͤtigen Liebe nach ſeiner Religion in der Welt gelebt hatte, da er nun hoͤrte, daß die Chriſten-Geiſter uͤber Glau - bensſachen Schluͤſſe machten, (denn die Geiſter machen unter einander weit vollſtaͤndigere und ſcharfſinnigere Schluͤſſe als die Menſchen in der Welt, vornehmlich uͤber das Gute und Wahre) ſo wunderte er ſich, daß ſie ſo ſtritten, ſagte, er wollte es nicht mit anhoͤren, denn ſie ſchloſſen aus dem Anſcheine und Betruͤglichkeiten, und er be lehrte ſie alſo: wenn ich gut bin, ſo kann ich ja aus dem Guten ſelbſt wiſſen, was wahr iſt, und was ich nicht weis, das kann ich noch annehmen.

321. Jch bin weitlaͤuftig belehret worden, daß Heiden, die ein ſittliches Leben gefuͤhret, imGehor -21Vom Himmel. Gehorſam und Unterthaͤnigkeit, und in einer wech - ſelsweiſen thaͤtigen Liebe nach ihrer Religion ge - lebt, und daraus etwas Gewiſſen erlangt hatten, im andern Leben empfangen worden ſind, und all - da mit emſiger Sorgfalt von den Engeln in dem Guten und Wahren des Glaubens unterrichtet werden, und daß ſie ſich, wenn ſie unterrichtet werden, beſcheiden, einſichtsvoll und weislich be - zeigen, das Wahre leicht annehmen, und daß ihnen ſolches leicht einzupraͤgen iſt; denn ſie haben keine falſche Saͤtze wider das Wahre des Glaubens, die etwa erſt auszujagen waͤren, vielweniger anſtoͤßige Dinge wider den Herrn eingeſogen, als wie ſehr viele von den Chriſten, die von Jhm keinen andern Begriff, als wie von einem gemeinen Menſchen, haben; ja, ganz an - ders iſt es mit den Heiden, ſo bald dieſe hoͤren, daß Gott Menſch geworden ſey, und ſich in der Welt ſo geoffenbaret habe, den Augenblick erkennen ſie es, und beten den Herrn an, und ſprechen: Gott hat ſich wuͤrklich geeffenbaret, weil er Gott des Himmels und der Erde, und weil das menſch - liche Geſchlecht von ihm iſt. Das iſt eine goͤtt - liche Wahrheit, daß ohne den Herrn keine Se - ligkeit ſtatt findet, allein, das iſt ſo zu verſtehen, daß ſonſt keine Seligkeit, als lediglich vom Herrn, ſey: in dem Weltall ſind viele Erdbaͤlle, und alle voller Einwohner; kaum ei - nige allda wiſſen es, daß der Herr auf unſerm Erdball das Menſchliche angenommen hat; den - noch aber werden ſie, weil ſie das Goͤttliche un -B 3ter22Vom Himmel. ter menſchlicher Geſtalt anbeten, vom Herrn angenommen und gefuͤhret; hiervon leſe man in dem Tractat: von den Erdbaͤllen in dem Weltall.

322. Es giebt unter den Heiden, wie unter den Chriſten, Einfaͤltige und Weiſe; damit ich nun belehret wuͤrde, wie ſie beſchaffen ſind, ſo wurde mir gegeben, ſo wohl mit den Einfaͤltigen als Weiſen, bisweilen Stunden und Tage lang zu reden: allein heut zu Tage giebt es keine ſolche Weiſe, als wie ſie zu den alten Zeiten vornehm - lich in der alten Kirche, die uͤber ein groſſes Stuͤck von Aſien ausgebreitet war, und von wel - cher hernach auf viele Heiden Religion gekommen iſt, geweſen ſind: damit ich nun wiſſen moͤchte, wie ſie beſchaffen waren, ſo wurde mir gegeben, mit einigen mich in ein vertrautes Geſpraͤch einzu - laſſen. Es war einer bey mir, der vorzeiten un - ter die Zahl der Weiſern gehoͤrt hatte, und mit - hin auch in der gelehrten Welt bekannt war; mit dieſen redete ich von mancherley Dingen; es wurde mir glaublich, daß es Cicero waͤre: und weil ich wußte, daß er ein Weiſer geweſen, ſo hatte ich ein Geſpraͤch mit ihm von der Weisheit, von der Erkaͤnntnis, von der Ordnung, von dem Wort, und endlich von dem Herrn: was die Weisheit anbetrift, ſo ſagte er, es gaͤbe ſonſt keine andere Weisheit, als die, ſo aus dem Leben kaͤme, und es koͤnnte ſonſt von keiner andern Sache Weis - heit geſagt werden: was die Erkaͤnntnis anbe -trift,23Vom Himmel. trift, ſo ſagte er, ſie kaͤme aus der Weishrit: was die Ordnung anlangt, ſo ſagte er, ſie ſey von Gott dem Allerhoͤchſten, und in dieſer Ord - nung leben, heiße, weiſe ſeyn und Erkaͤnntnis ha - ben: was das Wort anlangt, da ich ihm etwas aus den prophetiſchen Buͤchern vorlas, ſo er - goͤtzte er ſich uͤberaus ſehr, vornehmlich daran, daß alle und jede Namen, und alle und jede Woͤr - ter, etwas Jnneres andeuteten, wunderte ſich aber ſehr, daß die Gelehrten heut zu Tage an einem ſolchen Studio kein Vergnuͤgen empfaͤnden; ich wurde alſo offenbar inne, daß das Jnnere ſeines Denkens oder Gemuͤths eroͤffnet war; er ſagte, er koͤnne nicht laͤnger da bey mir bleiben, weil er da heiligere Dinge vernaͤhme und empfaͤnde, als er ertragen koͤnnte, ſo ſehr wurde er innerlich ge - ruͤhret. Endlich redete ich mit ihm von dem Herrn, daß Er naͤmlich als Menſch geboren, aber von Gott empfangen worden, und daß Er das muͤtterliche Menſchliche ausgezogen und das Goͤttlich Menſchliche angezogen habe, und daß Er es ſey, Welcher die ganze Welt regieret; hierauf antwortete er: vom Herrn wuͤßte er vieles; und er begriffe auch nach ſeiner Art gar wohl, daß es auf keine andre Weiſe haͤtte geſche - hen koͤnnen, wenn anders das menſchliche Ge - ſchlecht haͤtte ſollen erloͤſet werden; inzwiſchen wa - ren einige boͤſe Chriſten da, die mancherley an - ſtoͤßige Dinge oben darein ausſchuͤtteten, er machte ſich aber nichts daraus, und ſagte, es waͤre kein Wunder, weil ſie bey Leibes Leben inB 4Anſeh -24Vom Himmel. Anſehung jener Wahrheiten nichts beſſeres einge - ſogen haͤtten, und ſie koͤnnten nicht eher, als bis dergleichen widrige Dinge aus ihnen wieder aus - getrieben waͤren, das uͤberzeugende in ſich ein - laſſen, gleich wie es die koͤnnten, welche noch gar nichts davon gewußt haͤtten.

323. Mir wurde auch verſtattet, mit andern zu reden, die zu den alten Zeiten geleht, und un - ter die Zahl der Weiſern gehoͤrt hatten; ſie lieſſen ſich erſt weit vorwaͤrts ſehen, und dort konnten ſie das Jnnere meiner Gedanken, und alſo vieles voͤllig vernehmen und empfinden, aus einem ein - zigen Gedanken-Bild konnten ſie eine ganze Rei - he wiſſen, und ſolche durch das Ergoͤtzende der Weisheit mit den angenehmſten Vorſtellungen ausfuͤllen; hieraus nahm ich war, daß ſie unter die Zahl der Weiſern gehoͤrten, und es wurde geſagt, es waͤren welche von den Alten; da ſie nun naͤher kamen, und ich ihnen alsdenn etwas aus dem Wort vorlas, ſo ergoͤtzten ſie ſich in - nigſt; ich ſelbſt empfande ihre Ergoͤtzung und ihr Vergnuͤgen, welche hauptſaͤchlich daher kamen, daß Alles und Jedes, was ſie aus dem Wort hoͤrten, himmliſche und geiſtliche Dinge vorſtellte und bedeute; ſie ſagten, zu ihrer Zeit, da ſie in der Welt gelebt haͤtten, waͤre ihre Art zu denken und zu reden, wie auch zu ſchreiben, eben ſo ge - weſen, und darinnen haͤtte ihr Weisheits Stu - dium beſtanden.

324. Was25Vom Himmel.

324. Was aber die Heiden heut zu Tage anlangt, ſo ſind ſie nicht ſo weiſe, ſondern die meiſten ſind einfaͤltigen Herzens; dennoch aber nehmen diejenigen von ihnen, welche in einer wechſelsweiſen thaͤtigen Liebe gelebt haben, im andern Leben die Weisheit an: von denen will ich nun ein und anderes Beyſpiel anfuͤhren. Da ich das 17te und 18te Capitel aus dem Buch der Richter las, allwo es von Micha heißt, daß ihm die Kinder Dan ſein geſchnitz - tes Bild, ſeine Abgoͤtter und Leviten genom - men haben, ſo war ein Geiſt von den Heiden, der bey ſeines Leibes Leben ein geſchnitztes Bild angebetet hatte, zugegen; da er nun mit Auf - merkſamkeit hoͤrete, wie es Micha ergangen, und wie ihm ſein geſchnitztes Bild, das die Daniter weggenommen hatten, geſchmerzet, ſo uͤberfiel ihn auch unverſehens ein Schmerz und ruͤhrte ihn ſo ſehr, daß er vor innerlichen Schmerz kaum wußte, was er dachte; dieſer Schmerz iſt von mir bemerkt worden, und zugleich habe ich die Unſchuld in allen und je - den Ruͤhrungen deſſelben wahrgenommen: es waren auch Chriſten-Geiſter zugegen, die machten groſſe Augen, und verwunderten ſich, daß der Anbeter des geſchnitzten Bilds von einer ſo ſtarken Mitleids und Unſchulds Ruͤh - rung durchdrungen wuͤrde. Nachgehends re - deten gute Geiſter mit ihm, und ſagten: er duͤrfte kein Bild anbeten, und das koͤnnte er, als ein Menſch, wohl einſehen, allein, er muͤß -B 5te26Vom Himmel. te ſich ohne ein geſchnitztes Bild Gott den Schoͤpfer und Regierer des ganzen Himmels und der ganzen Erde denken, und daß dieſer Gott der Herr ſey: ſobald dieſes geſagt wur - de, ſo gleich wurde der innerliche Anbetungs - Trieb deſſelben, der viel heiliger war, als bey den Chriſten einer zu finden, zu empfinden gegeben, und ich nahm auch an dieſer Empfin - dung Theil; hieraus kann nun offenbar ſeyn, daß die Heiden leichter in den Himmel kom - men, als die Chriſten heut zu Tage, nach den Worten des Herrn Luc. am 13. Cap. v. 29. 30 : Dann werden ſie kommen von Mor - gen und von Abend, und von Mitter - nacht und von Mittage, und im Reiche Gottes zu Tiſche ſitzen: und ſiehe, es ſind letzten, die werden die erſten ſeyn, und ſind erſten, die werden die letzten ſeyn; denn in dem Zuſtand, worinnen derſelbe war, konnte er in alle dem, was zum Glauben ge - hoͤret, unterrichtet werden, und ſolches mit innerer Zuneigung annehmen; bey ihm war Barmherzigkeit, die von der Liebe herruͤhrete, und in ſeiner Unwiſſenheit war Unſchuld; wenn dieſe da ſind, ſo wird alles, was des Glaubens iſt, wie freywillig, und das mit Freuden ange - nommen: er wurde hernach unter die Engel aufgenommen.

325. An einem gewiſſen Morgen wurde von mir ein Chor gehoͤret, aus dem nun, wasvon27Vom Himmel. von dem Chor vorgeſtellt wurde, wurde mir zu erkennen gegeben, daß es Chineſer waͤren, denn ſie ſtellten die Geſtalt ein[e]s Schaafbocks, desgleichen einen Kuchen von Hirſen, und einen Loͤffel von Ebenholz, wie auch das Bild einer ſchwimmenden Stadt vor; ſie wollten gerne naͤher zu mir kommen, und waͤhrend daß ſie ſich zu mir machten, ſagten ſie, ſie woll - ten alleine bey mir ſeyn, damit ſie mir ihre Ge - danken eroͤffnen koͤnnten; allein, es wurde ih - nen geſagt, ſie waͤren nicht allein, es waͤren auch noch andre da, die unwillig daruber waͤ - ren, daß ſie alleine ſeyn wollten, da ſie doch Gaͤſte waͤren; nachdem ſie den Unwillen derſel - ben vernommen hatten, ſielen ſie auf den Ge - danken, ob ſie etwa den Naͤchſten heimlich hin - tergangen, oder ob ſie ſich etwas; ſo andern gehoͤrt, angemaſſet haͤtten; (die Gedanken werden alle im andern Leben mitgetheilet) ihre Gemuͤthsunruhe wurde zu empfinden gegeben, die theils von der Beſorgnis, ſie moͤchten die - ſelben vielleicht beleidiget haben, theils von der Scham daruͤber, und zugleich von andern gu - ten Ruͤhrungen herkam, woraus man erkannte, daß ſie Liebe hatten: ich redete gleich ſo bald mit ihnen, und endlich auch von dem Herrn, da ich Jhn nun Chriſtum nannte, ſo wurde ein gewiſſes Wiederſtreben bey ihnen empfun - den; es wurde aber die Urſache entdeckt, naͤm - lich ſie haͤtten dieſes mit aus der Welt genom - men, daher, daß ſie gewußt haͤtten, daß dieChri -28Vom Himmel. Chriſten ſchlimmer, als ſie, und in keiner thaͤtigen Liebe leben; da ich Jhn aber nur den Herrn nannte, ſodann wurden ſie innerlich geruͤhret: ſie wurden hernach von den Engeln unterrichtet, daß die chriſtliche Lehre vor allen andern in der ganzen Welt Liebe und thaͤtige Liebe vorſchreibe, daß aber wenige zu finden waͤren, die darnach lebten. Es giebt Heiden, die in der Welt aus Umgang und Ruf erfahren haben, daß die Chriſten ein boͤſes Leben fuͤhren, als in Hurerey, Haß, Zank, Saufen und dergleichen, wofuͤr ſie, weil ſolches wider ihre Religion war, einen Abſcheu hatten, dieſe Heiden ſind im andern Leben furchtſamer, als die andern, das Wahre des Glaubens anzu - nehmen; ſie werden aber von den Engeln beleh - ret, daß die chriſtliche Lehre, und der Glaube an und fuͤr ſich ſelbſt, ganz anders lehre, daß aber die Chriſten weniger, als die Heiden, nach den Lehrpunkten lebten: wenn ſie dieſes inne werden, ſo nehmen ſie das Wahre des Glaubens auf, und beten den Herrn an, aber dieſes geſchieht etwas ſpaͤter.

326. Es iſt etwas allgemeines, daß die Heiden, die einen gewiſſen Gott unter der Ge - ſtalt eines Bildniſſes oder Bildſaͤule, oder ein gewiſſes geſchnitztes Bild angebetet hatten, ſo bald ſie ins andere Leben kommen, zu eini - gen, deren Perſon dieſe Goͤtzen oder Abgoͤtter vorſtellen, gefuͤhret werden, aus der Urſache,damit29Vom Himmel. damit ihnen ihre Phantaſien vergehen moͤgen; wenn ſie nun etliche Tage bey dieſen Perſonen geweſen ſind, ſo werden ſie wieder weggefuͤh - ret. Diejenigen, ſo Menſchen angebetet ha - ben, werden auch bisweilen zu den naͤmlichen, oder zu andern, welche an deren Stelle gekom - men, gefuͤhret; wie zum Exempel ſehr viele von den Juden zu Abraham, Jacob, Moſe, und David gefuͤhret wurden, wenn ſie nun inne werden, daß dieſe eben ein ſolches Menſch - liche, als wie die andern, haben, und nicht die geringſte Huͤlfe leiſten koͤnnen, ſo werden ſie ſchamroth, und wieder an ihre Oerter nach Be - ſchaffenheit ihres Lebens gebracht. Unter den Heiden werden im Himmel vornehmlich die Afri - caner geliebet; denn die nehmen das Gute und Wahre des Himmels leichter an, als die an - dern: hauptſaͤchlich wollen ſie gehorſame, nicht aber glaͤubige heiſſen; ſie ſprechen, die Chri - ſten koͤnnten glaͤubige genennet werden, weil ſie die Glaubens-Lehre haͤtten, ſie hingegen nicht eher, als bis ſie ſelbige annaͤhmen, oder, wie ſie ſprechen, annehmen koͤnnten.

327. Jch habe mit einigen, die zur Zeit der alten Kirche gelebt haben, geredet, (die alte Kirche heißt die, ſo nach der Suͤnd - fluth, und damals in vielen Reichen, naͤmlich in Aſſyrien, Meſopotamien, Syrien, Ae - thiopien, Arabien, Lybien, Aegypten, Phili - ſtaͤa bis an Tyrus und Sidon, in dem LandeCanaan30Vom Himmel. Canaan jenſeit und uͤber dem Jordan verbreitet war:*)Anmerkung des Verfaſſers. Die erſte und alleraͤlteſte Kirche auf dieſer Erde iſt die geweſen, ſo in den erſten Capiteln des erſten Buchs Moſe beſchrieben wird, und dieſe Kirche iſt himmliſch geweſen, mithin un - ter allen die vorzuͤglichſte, man leſe in den himmliſchen Geheimniſſen Num. 604. 895. 920. ꝛc. Nach der Suͤndfluth ſind man - cherley Kirchen geweſen, ſo man die alten Kir - chen nennet, davon l[e]ſe man N. 1125. 1126. ꝛc. Der Herr iſt es, welcher Gott von der alleraͤlteſten und auch von der alten Kirche ge - weſen, und Jehovah genennet worden iſt, hier - von leſe man, Num. 1343. 6846. und die damals etwas vom Herrn wußten, daß er kommen wuͤrde, und in dem Guten des Glaubens unterrichtet waren, dem ungeachtet aber abſielen, und Goͤtzendiener wur - den; ſie befanden ſich, vorwaͤrts gegen die Linke, an einem finſtern Ort, und in einen erbaͤrmlichen Zuſtand: ihr Reden war wie ein Pfeiffen, eintoͤnigt, und faſt ohne vernuͤnfti - ges Denken: ſie ſagten, allda waͤren ſie ſeit vielen Jahrhunderten geweſen, und wuͤrden bisweilen heraus genommen, um andern zu einem ſchlechten Gebrauch zu dienen. Hier - durch wurde Veranlaſſung gegeben, an ſehr viele von den Chriſten zu denken, welche zwar nicht aͤuſſerlich, aber doch innerlich Goͤtzen -diener31Vom Himmel. diener ſind, denn ſie verehren ſich ſelber und die Welt, und im Herzen laͤugnen ſie den Herrn, welches Loos ſie im andern Leben auch zu erwarten haben.

328. Daß die Kirche des Herrn auf dem ganzen Erdkreis zerſtreut, alſo uͤberall iſt, und daß alle diejenigen, welche in dem Guten der thaͤtigen Liebe nach ihrer Religion gelebt ha - ben, zu dieſer Kirche gehoͤren, und daß ſich die Kirche, wo das Wort und dadurch der Herr bekannt iſt, zu denen, ſo auſſerhalb der Kirche ſind, eben ſo verhalte, wie das Herz und die Lunge im Menſchen, von welchen alle Eingeweide und Gliedmaſſen des Koͤrpers auf mancherley Weiſe nach Beſchaffenheit der Ge - ſtalten, Lage und Verbindungen, ihr Leben haben, das leſe man Num. 308.

Von den Kindern im Himmel.

329. Bey manchen herrſchet der Glaube, daß nur die Kinder, ſo innerhalb der Kirche, nicht aber die, ſo auſſerhalb der Kirche gebo - ren ſind, in den Himmel kaͤmen; ſie geben dieſe Urſache vor, daß die Kinder, ſo inner - halb der Kirche geboren ſind, getauft, und durch die Taufe dem Glauben der Kirche ein - verleibet waͤren: diejenigen aber wiſſen nicht,daß32Vom Himmel. daß durch die Taufe bey keinem einzigen weder der Himmel noch der Glaube zu wege gebracht werde; denn die Taufe iſt nur zum Zeichen und Merkmal, daß der Menſch muͤſſe wieder - geboren werden, und daß der, ſo innerhalb der Kirche geboren iſt, wiedergeboren werden koͤnne, weil allda das Wort vorhanden, worinnen das Goͤttliche Wahre befindlich iſt, durch welches die Wiedergeburt geſchiehet, und weil daſelbſt der Herr bekannt iſt, von wel - chem die Wiedergeburt gewuͤrket wird. Sie ſollen demnach wiſſen, daß jedwedes Kind, es mag, wo es immer wolle, es mag innerhalb der Kirche oder auſſerhalb derſelben, es mag von frommen oder von gottloſen Aeltern gebo - ren ſeyn, wenn es ſtirbt, von dem Herrn auf - genommen, und im Himmel erzogen, wie auch nach der goͤttlichen Ordnung unterrichtet, und zu den Neigungen zum Guten, und durch die - ſe zu den Erkaͤnntniſſen des Wahren angewie - ſen wird; daß es auch hernach, ſo wie es an Erkaͤnntnis und Weisheit zunimmt, in den Himmel eingefuͤhret, und ein Engel wird. Ein jeder, der vernuͤnftig denkt, kann einſe - hen, daß keiner zur Hoͤlle, ſondern alle zum Himmel geboren ſeyn; und daß der Menſch ſelber ſchuld daran ſey, wenn er in die Hoͤlle kommt, daß hingegen die Kinder noch in kei - ner Schuld ſeyn koͤnnen.

330. Die33Vom Himmel.

330. Die kleinen Kinder, welche ſterben,*)Anmerkung des Ueberſetzers. Der Verfaſſer hat in den himmliſchen Ge - heimniſſen, Num. 2290, allwo eben davon die Rede iſt, noch hinzu geſeßt: Die Kin - der, welche kurz nach der Geburt ſterben ſind im andern Leben eben auch kleine Kinder, ſie haben eben das kindliche Gemuͤth, eben die Unſchuld in der Unwiſſenheit, und eben die Zartheit in allem, und ſtehen blos in den Zu - bereitungs Anfaͤngen, Engel zu werden, denn die Kinder ſind noch keine Engel, ſondern werden erſt Engel: denn ein jeder, der aus der Welt geht, iſt im gleichen Zuſtand ſeines Lebens, ein zartes Kind iſt in dem Zuſtand der zarten Kindheit, ein erwachſenes Kind iſt in dem Zuſtand eines erwachſenen Kindes, ein Juͤngling, Mann, oder Greis iſt in dem Zu - ſtand eines Juͤnglings, Mannes und Greiſes, aber eines jeden Zuſtand wird nachgehends veraͤndert; hingegen der Zuſtand der kleinen Kinder uͤbertrift den Zuſtand der uͤbrigen in dem Stuͤcke, daß ſie in der Unſchuld ſind, und daß das Boͤſe noch nicht bey ihnen durch die Thaͤtigkeit des Lebens eingewurzelt iſt; und die Unſchuld iſt ſo beſchaffen, daß ihr alles Himm - liſche kann eingepflanzt werden, den die Un - ſchuld nimmt das Wahre des Glaubens und das Gute der Liebe auf.

331. DerSw. Sch. II. Th. C34Vom Himmel.

331. Der Zuſtand der Kinder im andern Leben hat einen großen Vorzug vor dem Zu - ſtand der Kinder in der Welt, denn ſie ſind nicht mit dem irdiſchen Leib umgeben, ſondern mit eben einem ſolchen, wie die Engel einen haben; der irdiſche Leib iſt an ſich ſelbſt eine Laſt, er empfaͤngt die erſten Empfindungen und die erſten Bewegungen nicht von der in - nern oder geiſtlichen Welt, ſondern von der aͤuſſern oder natuͤrlichen Welt, weswegen die kleinen Kinder in der Welt das Lauffen, die Bewegungen und das Reden erſt lernen muͤſ - ſen, ja es muͤſſen ihnen die Sinne, als das Sehen und Hoͤren, durch die mit ihnen vorge - nommene Uebung aufgethan werden; ein an - ders aber iſt es mit den kleinen Kindern im andern Leben, dieſe, weil ſie Geiſter ſind, be - tragen ſich gleichſobald nach ihrem Jnnern, ſie gehen, ohne daß es ihnen gelehret wird, ſie reden auch, aber zuerſt aus den allgemeinen Neigungen, die noch nicht in Gedanken-Bil - der unterſchieden ſind, es waͤhret aber nicht lange, ſo fangen ſie an, in dieſe zu kommen, und dieſes darum, weil ſich ihr Aeuſſeres zu dem Jnnern gleichartig verhaͤlt: daß das Re - den der Engel aus den durch die Gedanken - Bilder mannigfaltig veraͤnderten Neigungen flieſſet, ſo, daß ihr Reden voͤllig mit den Ge - danken, ſo von der Neigung herruͤhren, uͤber - einſtimmet, leſe man Num. 234-245.

332. Die35Vom Himmel.

332. Die Kinder werden, ſo bald ſie auf - erwecket ſind, welches gleich nach dem Tod ge - ſchiehet, in den Himmel aufgenommen, und den Engeln weiblichen Geſchlechts, die bey ih - res Leibes Leben die Kinder zaͤrtlich geliebt, aber auch zugleich Gott geliebt haben, uͤber - geben; dieſe, weil ſie in der Welt aus einer gleichſam muͤtterlichen Zaͤrtlichkeit alle Kinder lieb gehabt, nehmen ſie, wie die ihrigen, auf, und die Kinder haben ſie auch vermoͤge der ein - gepflanzten Zuneigung ſo lieb, wie ihre Muͤt - ter: bey einem jeden Engel weiblichen Ge - ſchlechts ſind ſo viel Kinder, als ſo viel er der - ſelben, nach ſeinem geiſtlichen Trieb zu Kin - dern, verlanget. Dieſer Himmel erſcheinet vorwaͤrts aus der Gegend der Stirne, gerade in der Linie oder Geſichtsſtrahl, wornach die Engel den Herrn ſehen; die Lage dieſes Him - mels iſt darum daſelbſt, weil alle Kinder un - ter der unmittelbaren Vorſorge des Herrn ſte - hen; auch fließt bey ihnen der Himmel der Unſchuld ein, welches der dritte Himmel iſt.

333. Die Kinder ſind von verſchiedener Art, einige ſind von der Art, wie die geiſtli - chen Engel, einige von der Art, wie die himm - liſchen Engel; die Kinder, ſo himmliſcher Art ſind, erſcheinen in dieſem Himmel zur Rechten, die aber geiſtlicher Art ſind, erſcheinen zur Lin - ken. Alle Kinder am Groͤßten Men - ſchen, welches der Himmel iſt, befinden ſichC 2in36Vom Himmel. in der Gegend der Augen, in der Gegend des linken Auges befinden ſich die, ſo geiſtlicher Art ſind, und in der Gegend des rechten Au - ges die, ſo himmliſcher Art ſind; und dieſes aus der Urſache, weil der Herr den Engeln, die im geiſtlichen Reich ſind, vor dem linken Aug, und denen, ſo ſich im himmliſchen Reich befinden, vor dem rechten Aug erſcheinet, wie man oben Num. 118. nachleſen kann. Hier - aus, daß die Kinder in der Gegend der Augen am Groͤßten Menſchen oder Himmel ſind, erhellet eben auch, daß die Kinder unter der unmittelbaren Aufſicht und Vorſorge des Herrn ſtehen.

334. Nun will ich auch mit wenigen ſagen, wie die Kinder im Himmel auferzogen werden: ſie lernen von ihrer Auferzieherin reden; ihre erſte Sprache iſt nur der Ton der Neigung, welcher ſtufenweis, ſo wie bey ihnen die Ge - danken-Bilder kommen, deutlicher wird, denn die Gedanken-Bilder, ſo von den Neigungen herruͤhren, verurſachen alles Reden der Engel, wovon man in ſeinem Artikel N. 234-245. nachleſen kann. Erſtlich werden in ihre Nei - gungen, die alle von der Unſchuld herkommen, ſolche Dinge, die vor den Augen erſcheinen, und ergoͤtzend ſind, eingefloͤßt; weil nun dieſe Dinge eines geiſtlichen Urſprungs ſind, ſo flieſ - ſet in ſolche auch zugleich das Himmliſche mit ein, wodurch das Jnnere der Kinder eroͤffnetwird;37Vom Himmel. wird; und ſo werden ſie von Tag zu Tag voll - kommener; wenn ſie nun aus dieſem ihrem er - ſten Alter heraus ſind, ſo werden ſie in einen andern Himmel gebracht, allwo ſie von Lehrern unterrichtet werden; und ſo weiter.

335. Die Kinder werden vornehmlich durch die ihrer Zuneigungs-Art gemaͤße Vorſtellun - gen unterrichtet, welche ſo ſchoͤn, und zugleich ſo voll von innerer Weisheit ſind, daß es einer nimmermehr glauben kann; auf dieſe Weiſe wird ihnen ſtufenweis die Erkaͤnntnis, bey welcher das Gute gleichſam die Seele iſt, ein - gefloͤſſet: es ſey mir vergoͤnnt, hier zwey Vor - ſtellungen, die mir zu ſehen gegeben wurden, und woraus man den Schluß auf das uͤbrige machen kann, zu erzaͤhlen. Erſtlich ſtellten ſie den aus dem Grab aufſtehenden Herrn, und zugleich die Vereinigung Seines Menſchlichen mit dem Goͤttlichen, vor, welches auf eine ſo Weisheitsvolle Art geſchahe, daß es alle menſchliche Weisheit uͤberſteigt, auch geſchahe es zugleich auf eine unſchuldige kindliche Wei - ſe: ſie ſtellten auch das Gedanken-Bild von dem Grab, aber nicht zugleich das Gedanken - Bild vom Herrn, auſſer nur entfernter Wei - ſe dergeſtalt vor, daß man es kaum merken konnte, daß der Herr damit gemeint ſey, auſ - ſer nur gleichſam von weiten her, aus der Ur - ſache, weil in dem Gedanken-Bild von einem Grabe etwas Eindruck von einer Leiche iſt, wel -C 3ches38Vom Himmel. ches ſie alſo entfernten: hernach lieſſen ſie et - was Luftkreisliches, welches gleichwohl wie duͤnnes oder durchſichtiges Waſſer ausſahe, weislich ins Grab, wodurch ſie eben auch auf eine ſchickliche entfernte Weiſe das geiſtliche Le - ben in der Taufe andeuteten. Nachgehends ſahe ich von ihnen die Niederfahrt des Herrn zu den Gefangenen, und die Auffahrt mit den Gefangenen in den Himmel, vorſtellen, und das geſchahe von ihnen mit einer ungemeinen Klugheit und Froͤmmigkeit; und ſie lieſſen, welches kindlich war,*)Anmerkung des Ueberſetzers. Der Verfaſſer hat in den himmliſchen Ge - heimniſſen, Num. 2299, allwo er eben die - ſes erzaͤhlt, dieſe Worte noch hinzu geſetzt: da ſie den Herrn bey den Gefangenen auf der untern Erde vorſtellten, ſo lieſſen ſie ꝛc. beynahe kaum ſicht - bare, hoͤchſt weiche und zarte Stricklein hin - unter, mit welchen ſie den Herrn beym Auf - fahren in die Hoͤhe zogen; das geſchahe im - mer in heiliger Befuͤrchtung, daß nicht das mindeſte in der Vorſtellung auf etwas anſpie - le, worinnen das Geiſtlich Himmliſche nicht enthalten waͤre. Auſſer andern Vorſtellun - gen, worinnen die Kinder ſind, und wodurch ſie in die Erkaͤnntniſſe des Wahren und in die Neigungen zum Guten, als wie durch Spiele, ſo den Gemuͤthern der Kinder gemaͤß ſind, ge - fuͤhret werden.

336. Wie39Vom Himmel.

336. Wie ihr zarter Verſtand beſchaffen, das iſt mir auch gezeigt worden; als ich das Gebet des Herrn betete, und ſie alsdenn in die Bilder meines Denkens aus ihrem verſtaͤndli - chen Theil einfloſſen, ſo wurde ich inne, daß ihr Einfluß ſo zaͤrtlich und gelinde war, daß er beynahe lauter ſanftes Beruͤhren geweſen; und da bemerkte ich zugleich, daß ihr verſtaͤnd - liches Theil bis zum Herrn eroͤffnet war,*)Anmerk. des Ueberſetzers. Jn den himmliſchen Geheimniſſen, N. 2291. heißt es: Da ich das Gebet des Hrn. betete, und ſie alsdenn in die Bilder meines Denkens aus ihrem verſtaͤndlichen Theil ein - floſſen, welcher ſo zart war, daß ſie kaum et - was mehreres, auſſer den Sinn der Worte, faßten; ſo lieſſen ſich aber dem ungeachtet ihre Begriffe in dieſer Zartheit bis zum Herrn eroͤff - nen, das iſt, ſie wurden vom Herrn eroͤffnet. denn was ſich von ihnen auf mich ergoß, war wie vom Herrn uͤberſtroͤmt: der Herr flieſſet auch in die Begriffe der Kinder zuvoͤrderſt am innigſten ein, den ſie ſind noch nicht durch das mindeſte, weder durch falſche Grundſaͤtze zum Aufnehmen des Wahren, noch durch ein boͤſes Leben zum Aufnehmen des Guten, und alſo zum weiſe werden verſchloſſen, als wie es im Gegentheil bey Erwachſenen iſt. Hieraus kann nun offenbar ſeyn, daß die Kinder nach dem Tod nicht gleich ſo bald in den engliſchen Zu -C 4ſtand40Vom Himmel. ſtand kommen, ſondern daß ſie erſt nach und nach durch die Erkaͤnntniſſe des Guten und Wahren, und dieſes nach aller himmliſcher Ordnung, hinein gefuͤhrt werden; denn der Herr weis von der Kinder Art auch das aller - geringſte, weswegen ſie nach allen und jeden Kleinigkeiten ihrer Neigung dazu gebracht wer - den, das Wahre des Guten und das Gute des Wahren anzunehmen.

337. Wie den Kindern durch das Liebliche und Ergoͤtzende, ſo ihrer Zuneigungsart ge - maͤß iſt, alles moͤgliche beygebracht wird, das iſt mir auch gezeigt worden; denn es wurde mir gegeben, Kinder zu ſehen, die auf das anſtaͤndigſte angeputzt, um die Bruſt, und auch um ihre zarten Arme mit Blumenkraͤn - zen, die von den allerlieblichſten und von himm - liſchen Farben glaͤnzten, geziert waren: einſt - mals wurde mir auch gegeben, Kinder mit ih - ren Auferzieherinnen, zugleich mit Jungfern begleitet, in einem paradieſiſchen Garten, der nicht ſo wohl mit Baͤumen, als vielmehr mit in einander geſchlungenen Lorberaͤſten, und al - ſo mit bedeckten Gaͤngen, wie auch mit Ein - gaͤngen, ſo inwendig hinein fuͤhrten, hoͤchſt gezieret war, wie auch ſelbſt die damals eben ſo angeputzte Kinder zu ſehen, und wenn ſie hineingiengen, ſo ſchimmerte das Blumenwerk uͤber dem Eingang aufs lieblichſte heraus: hieraus kann nun offenbar ſeyn, was ſie fuͤrErgoͤ -41Vom Himmel. Ergoͤtzungen haben, wie auch, daß ſie durch an - muthige und angenehme Dinge in das Gute der Unſchuld und Liebe, welche[s]Gute dieſen ange - nehmen und anmuthigen Dingen beſtaͤndig vom Herrn einverleibet wird, gefuͤhret werden.

338. Mir iſt auch durch die im andern Leben gemeinſchaftliche Art der Mittheilung gezeigt wor - den, wie die Denkbilder der Kinder, wenn ſie einige Gegenſtaͤnde ſehen, beſchaffen ſind; ſie wa - ren naͤmlich ſo, als wenn alles und jedes lebte; daher iſt in allen und jeden Bildern ihres Den - kens Leben: und es wurde von mir bemerkt, daß die Kinder auf der Erde, wenn ſie in ihrem Spie - len ſind, eben die Denkbilder haben, denn ſie ha - ben noch kein Nachdenken, als wie es die Er - wachſenen haben, es iſt bey ihnen gleichſam et - was unbeſeeltes.

339. Jch habe oben geſagt, daß die Kinder entweder himmliſcher oder geiſtlicher Art ſind; die himmliſcher Art ſind, die unterſcheiden ſich gar wohl von denen, ſo geiſtlicher Art ſind; jene denken, reden, und betragen ſich ganz ſanft, ſo, daß an ihnen kaum etwas anders, als etwas flieſſendes aus der Liebe zum Guten gegen den Herrn, und gegen andre Kinder, zu ſehen iſt; die aber geiſtlicher Art ſind, die denken, reden und betragen ſich nicht ſo ſanft, ſondern in allem und jedem, ſo bey ihnen beſindlich iſt, iſt etwas gleichſam Fluͤgelſchwingendes zu ſehen;C 5dieſes42Vom Himmel. dieſes kann man auch von ihrem Unwillen*)Hiervon redet der Verfaſſer weiter unten Num. 343. ab - nehmen; das uͤbrige zu geſchweigen.

340. Es koͤnnen viele in der Meinung ſte - hen, die Kinder blieben im Himmel Kinder, und waͤren als Kinder unter den Engeln; die nun nicht wiſſen, was eigentlich ein Engel iſt, die haben ſich auch wohl in dieſer Meinung durch die Bilder, die man hie und da in den Tempeln antrift, allwo die Engel als wie Kinder vorgeſtellt werden, be - ſtaͤrken koͤnnen: allein, die Sache verhaͤlt ſich ganz anders; Erkaͤnntnis und Weisheit machen einen Engel aus, ſo lange nun die Kinder dieſe noch nicht haben, ſo ſind ſie zwar bey den Engeln, aber ſie ſind noch keine Engel; wenn ſie aber Er - kaͤnntnis haben und weiſe ſind, alsdenn werden ſie erſt Engel: ja, woruͤber ich mich verwunderte, alsdenn ſehen ſie nicht wie Kinder, ſondern wie Erwachſene aus; denn ſodann ſind ſie nicht mehr von kindlicher, ſondern von engliſcher mehr er - wachſener Art; dieſes bringt die Erkaͤnntnis und Weisheit mit ſich. Daß die Kinder, ſo wie ſie an Erkaͤnntnis und Weisheit vollkommener wer - den, als wie groͤßer, ja wie Erwachſene und wie Juͤnglinge ausſehen, iſt die Urſache, weil Er - kaͤnntnis und Weisheit unmittelbar die geiſtlicheNah -43Vom Himmel. Nahrung iſt;*)Anmerkung des Ueberſetzers. Der Verfaſſer weiſet hier auf Num. 4792 in den himmliſchen Geheimniſſen; allda heißt es: Die Speiſe und Nahrung hat eine Uebereinſtimmung mit der geiſtlichen Speiſe und Nahrung: die geiſtliche Speiſe iſt das Wiſſen, das Erkennen und die Weisheit; denn davon leben die Geiſter und Engel, und davon naͤhren ſie ſich auch. Und welches wunderbar, ſie erwachſen auch von dieſer Speiſe. Er weiſet auch auf Num 681, allwo es heißt: Was die geiſtliche und himmliſche Speiſe ſey, das kann man am beſten im andern Leben wiſ - ſen; das Leben der Engel und Geiſter wird nicht etwa durch einige Speiſe, wie ſie in der Welt iſt, unterhalten, ſondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde des Herrn gehet, wie der Herr ſelbſt lehret Matth. 4, 4. was dahero ihre Gemuͤther naͤh - ret, das naͤhret auch ihre Leiber, und dieſes ge - ſchiehet vermoͤge der Uebereinſtimmung, denn die Geſtalt des Leibes iſt nichts anders, als die aͤuſ - ſerliche Geſtalt des Jnnern. Es iſt zu wiſſen, daß die Kinder im Himmel nicht weiter, als bis an das erſte Jugendalter kommen, und allda in Ewigkeit ſtehen bleiben. Damit ich dieſes fuͤr gewiß wiſſen moͤchte, daß dem alſo ſey, ſo wurde mir gegeben, mit einigen, die als Kinder im Him - mel auferzogen worden, und allda erwachſen ſind,auch44Vom Himmel. auch mit einigen, wenn ſie noch Kinder waren, und hernach mit eben denſelben, wenn ſie Juͤng - linge geworden, zu reden; und da habe ich von ihnen ihren Lauf des Lebens von einem Alter zum andern vernommen.

341. Daß die Unſchuld die Aufnehmerin al - ler Dinge des Himmels, und daß alſo die Un - ſchuld der Kinder die Grundlage von allen Nei - gungen zum Guten und Wahren ſey, das kann aus dem offenbar ſeyn, was ich kurz vorher Num. 276-283 von der Unſchuld der Engel im Him - mel gezeigt habe, daß naͤmlich dieſes die Unſchuld ſey, ſich vom Herrn, aber nicht von ſich ſelber ſuͤhren laſſen wollen; daß folglich der Menſch nur in ſo viel in der Unſchuld ſey, in ſo viel er von ſeiner Eigenheit entfernt iſt; und in ſo viel einer von ſeiner Eigenheit entfernt iſt, in ſo viel befindet er ſich in dem Eigenen des Herrn; das Eigene des Herrn iſt das, was man die Gerech - tigkeit und das Verdienſt des Herrn nennet. Allein die Unſchuld der Kinder iſt keine aͤchte Un - ſchuld, weil ſie noch ohne Weisheit iſt; die aͤchte oder wahre Unſchuld iſt die Weisheit, denn in ſo viel einer weiſe iſt, in ſo viel will er gerne vom Herrn gefuͤhret ſeyn, oder welches einerley iſt, in ſo viel er vom Herrn gefuͤhret wird, in ſo viel iſt er weiſe. Die Kinder werden demnach von der aͤuſſern Unſchuld, in der ſie anfangs ſind, und die man die Kindheits Unſchuld nennet, zu der in - nern Unſchuld gebracht, welches die WeisheitsUnſchuld45Vom Himmel. Unſchuld iſt; dieſe Unſchuld iſt der Endzweck von allem ihren Unterricht und Fortgang; wenn ſie dahero zu der Weisheits Unſchuld kommen, ſo - dann wird mit ihnen die Kindheits Unſchuld, die ihnen inzwiſchen zur Grundlage gedienet hatte, verbunden. Es wurde mir vorgeſtellt, wie die Unſchuld der Kinder beſchaffen, naͤmlich durch etwas Hoͤlzernes, ſo faſt leblos war, welches lebendig wird, ſo wie ſie durch die Erkaͤnntniſſe des Wahren und durch die Neigungen zum Gu - ten vollkommen gemacht werden; und hernach wurde vorgeſtellt, wie die aͤchte Unſchuld beſchaf - fen, naͤmlich durch ein uͤberaus ſchoͤnes Kind, ſo lauter Leben und nackend war: denn ſelbſt die Unſchuldigen, welche im innerſten Himmel, und alſo dem Herrn am naͤchſten ſind, erſcheinen vor den Augen der andern Engel nicht anders, als wie Kinder, und einige nackend, denn die Un - ſchuld wird durch die Bloͤße, deren ſie ſich nicht ſchaͤmen, vorgeſtellt; als wie von dem erſten Menſchen und ſeinem Weibe im Paradieſe 1. B. Moſ. 2, v. 25 geleſen wird; weswegen dieſe, da der Zuſtand ihrer Unſchuld verloren gegangen, ſich der Bloͤße ſchaͤmten und ſich verſteckten, Cap. 3, 7. 10. 11. Mit einem Wort, je weiſer die En - gel ſind, deſto unſchuldiger ſind ſie, und je un - ſchuldiger ſie ſind, deſto mehr kommen ſie ſich wie Kinder vor; daher kommt es nun, daß die Kind - heit in dem Wort die Unſchuld bedeutet, man leſe Num. 278.

342. Jch46Vom Himmel.

342. Jch habe mit den Engeln von den Kin - dern geredet, ob ſie naͤmlich rein vom Boͤſen waͤ - ren, weil ſie kein thaͤtiges Boͤſe haͤtten, wie es im Gegentheil bey dem Erwachſenen iſt; es wurde mir aber geſagt, ſie befaͤnden ſich eben ſo wohl im Boͤſen, ja, ſie waͤren eben auch nichts als Boͤ - ſes; aber ſie wuͤrden, ſo wie alle Engel, vom Boͤſen abgezogen, und vom Herrn in dem Gu - ten gehalten, ſo gar, daß es ihnen vorkaͤme, als ob ſie aus ſich ſelber in dem Guten waͤren: wes - wegen auch die Kinder, nachdem ſie im Himmel er - wachſen ſind, damit ſie ſich keine falſche Einbildung von ſich machen, als kaͤme das Gute bey ihnen aus ihnen ſelber, aber nicht aus dem Herrn, bisweilen in ihr angeerbtes Boͤſe verſetzt, und darinnen ſo lange gelaſſen werden, bis ſie wiſſen, erkennen, und glauben, daß ſich die Sache ſo verhalte. Jn eben der Einbildung ſtunde auch ein gewiſſer, der als ein Kind geſtorben, aber im Himmel erwachſen war, er war eines gewiſſen Koͤnigs Sohn, daher wurde er in das ihm an - geborne boͤſe Leben gelaſſen, und ſodann bemerkte ich aus der Sphaͤre oder dem Umkreis ſeines Le - bens, daß er ein Gemuͤth hatte, uber andre zu herrſchen, und daß er die Hurerey fuͤr nichts ach - tete, welches Boͤſe ihm alſo von den Aeltern an - geerbt war: nachdem er aber erkannt hatte, daß er ſo beſchaffen, ſo wurde er wieder unter die En - gel, worunter er zuvor geweſen, aufgenommen. Nimmermehr hat einer im andern Leben wegen des angeerbten Boͤſen Strafe auszuſtehen, dar -um,47Vom Himmel. um, weil es nicht ſein ſelbſt eignes iſt, er alſo nicht ſchuld daran iſt, daß er ſo beſchaffen; ſon - dern er wird wegen des thaͤtigen Boͤſen geſtraft, welches ſein ſelbſt eignes iſt, alſo, in ſo viel er ſich von dem angeerbten Boͤſen durch die Thaͤtig - keit des Lebens zu eigen gemacht hat. Daß die Kinder, wenn ſie erwachſen ſind, in den Zuſtand ihres angeerbten Boͤſen eingelaſſen werden, das geſchiehet nicht deswegen, daß ſie Strafe leiden ſollen, ſondern darum, damit, ſie wiſſen moͤgen, daß ſie von ſich ſelber nichts als Boͤſes ſeyn, und daß ſie der Herr vermoͤge Seiner Barmherzig - keit von der bey ihnen befindlichen Hoͤlle weg, und in den Himmel aufnimmt, wie auch daß ſie nicht aus ihrem eigenen Verdienſt, ſondern durch den Herrn, im Himmel ſind; ferner, damit ſie ſich nicht des bey ihnen befindlichen Guten bey andern ruͤh - men moͤchten, denn dieſes iſt wider das Gute der wechſelsweiſen Liebe, ſo wie es auch wider das Wahre des Glaubens laͤuft.

343. Vielmals, wenn etliche Kinder, und zwar, da ſie noch ganz und gar kindlich waren, zuſammen in Choͤren bey mir geweſen ſind, ſo ſind ſie von mir wie etwas zartes unordentliches vernommen worden, ſo, daß ſie noch nicht wie Eins ausmachten, als wie nachgehends, wenn ſie mehr erwachſen ſind; und es konnten ſich, wor - uͤber ich mich verwunderte, die Geiſter, ſo bey mir waren, nicht enthalten, dieſe Kinder zu leiten, naͤmlich zum Reden zu bringen; ein ſolcher Eiferiſt48Vom Himmel. iſt den Geiſtern eingepflanzt; es wurde aber von mir oftmals bemerkt, daß die Kinder widerſtreb - ten, und nicht ſo reden wollten; das Weigern und Widerſtreben, ſo mit einem gewiſſen Schein des Unwillens verknuͤpft war, bin ich oͤfters inne geworden; und wenn ihnen einige Gelegenheit zu reden gegeben wurde, ſagten ſie nur: es iſt nicht ſo: ich bin belehret worden, daß die Kinder*)Anmerkungen des Ueberſetzers. Der Verfaſſer hat in den himmliſchen Ge - heimniſſen, Num. 2294, allwo er eben die - ſes ſagt, noch hinzugeſetzt: im andern Leben. ſo verſucht wuͤrden, damit ſie ſich gewoͤhnen lern - ten und anfangen moͤchten, nicht nur dem Boͤſen und Falſchen zu widerſtehen, ſondern auch darum, damit ſie nicht aus dem Munde eines andern den - ken, reden, und handeln, und ſich aiſo von kei - nem andern, als vom Herrn allein, fuͤhren laſ - ſen moͤchten. **)Jn den himmliſchen Geheimniſſen, N. 2293 heißt es alſo: Vor allen Dingen wer - den die Kinder dahin angewieſen, das ſie kei - nen andern Vater wiſſen und hernach erken - nen, als nur allein den Herrn, und daß ſie von Jhm allein das Leben haben. Dieſes iſt, geneigter Leſer! eine goͤttl. Wahrheit: denn der Herr Jeſus ſagte zu Philippo: Philippe, wer Mich ſiehet, der ſiehet den Vater. Wie ſprichſt du denn, zeige uns den Vater? Joh. 14, v. 7. 8. 9. 10.

344. Aus49Vom Himmel.

344. Aus dem, was ich bereits angefuͤhret habe, kann nun offenbar ſeyn, wie die Erziehung der Kinder im Himmel beſchaffen iſt, daß ſie naͤm - lich durch die Erkaͤnntnis des Wahren und durch die Weisheit des Guten in das engliſche Leben, welches die Liebe zum Herrn und die wechſels - weiſe Liebe iſt, in denen ſich die Unſchuld befindet, gefuhret werden. Wie aber die Erziehung der Kinder auf Erden bey ſehr vielen das Gegentheil iſt, das kann aus dieſem Exempel erhellen; ich war einmal auf der Gaſſe in einer groſſen Stadt, und ſahe Knaͤbchen ſich mit einander ſchlagen, ein Haufen Volk kam herbey geronnen, ſo dieſes mit groſſen Vergnuͤgen mit anſahe, und mir wurde geſagt, daß ſelbſt die Aeltern dieſe Knaͤbchen als ihre Kinder zu einem ſolchen Balgen anreitzten: die guten Geiſter und die Engel, welche dieſes vermittelſt meiner Augen ſahen, hatten einen ſol - chen Abſcheu dafuͤr, daß ich ein Grauen empfand, und hauptſaͤchlich daruͤber, daß die Aeltern ſolche zu dergleichen anreitzten; und ſie ſagten, daß auf dieſe Weiſe die Aeltern bey ihren Kindern gleich in dem erſten Alter alle wechſelsweiſe Liebe, und alle Unſchuld, die die Kinder vom Herrn haͤtten, ausloͤſchten, und ſie bey Zeiten zu Haß und Rache anfuͤhrten: foglich ihre Kinder mit al - lem Fleis vom Himmel, wo lauter wechſelsweiſe Liebe iſt, ausſchloͤßen. Es moͤgen ſich demnach Aeltern, die ihren Kindern wohl wollen, fuͤr dergleichen huͤten.

Sw. Sch. II. Th. D345.50Vom Himmel.

345. Was zwiſchen denen, die als Kinder, und zwiſchen denen, ſo als Erwachſene ſterben, fuͤr ein Unterſchied iſt, ſoll nun auch geſagt wer - den: die als Erwachſene ſterben, die haben eine von der irdiſchen und materiellen Welt an ſich ge - nommene Grundlage, und nehmen ſolche mit ſich; dieſe Grundlage iſt ihr Gedaͤchtnis und ihre na - tuͤrlich leibliche Neigung; dieſes bleibt feſte ſte - hen, und ruhet alsdenn;*)Anmerkungen des Ueberſetzers. Weiter unten in dem Abſchnitt von der Gei - ſterwelt Num. 461 heißt es: Wenn der Menſch von einem Leben ins andre uͤbergeht, ſo nimmt er auch ſein natuͤrliches Gedaͤchtnis mit ſich, aber die natuͤrlichen Vorwuͤrfe oder Dinge, die darinnen ſind, die ru - hen, als wie es bey einem Menſchen iſt, wenn er nicht darauf denket, die Urſache, daß ſie ruhen, iſt dieſe, weil ſie in der geiſtlichen Welt nicht wieder hervorgebracht werden koͤnnen, ſondern es werden nur, wie es Num. 463 heißt, die geiſtlichen Dinge, ſo den na - tuͤrlichen durch die Uebereinſtimmun - gen mit beygefuͤgt ſind, hervorgebracht. Das aͤuſſere natuͤrliche Gedaͤchtnis (von dem innern geiſtlichen Gedaͤchtnis leſe man in eben dieſer Nummer) dienet demnach, in ſo viel die darinnen befindliche Dinge anbetrift, ſo von dem Materiellen, wie auch von der Zeitund dennoch aber dienetes51Vom Himmel. es ihrem Denken nach dem Tod zur aͤuſſern Grund - lage,*)Man leſe weiter unten in dem Abſchnitt von der Geiſterwelt Num. 480; allda heißt es: Der Menſch kann nach dem Tod nicht mehr, wie in der Welt, durch Unterweiſung anders gemacht werden, weil die aͤuſſere Grundlage, die aus natuͤrlichen Erkaͤn̄tniſſen und Neigungen beſteht, alsdenn ruhet, und nicht eroͤffnet werden kann, weil ſie nicht geiſtlich iſt; auf dieſer Grund - lage aber ruhet das Jnnere, ſo zum Ge - muͤthe gehoͤret, als wie ein Haus auf ſei - nem Grund; daher kommts, daß der Menſch in Ewigkeit ſo bleibt, wie ſein Leben, in An - ſehung der Liebe, in der Welt geweſen. denn darein fließt das Denken: wie da - her dieſe Grundlage beſchaffen iſt, und wie der vernuͤnftige Theil mit den Dingen, ſo darin - nen befindlich ſind, uͤbereinſtimmet, alſo iſt auch der Menſch nach dem Tode. Die Kinder aber, die als kleine Kinder geſtorben und im Himmel erzogen worden, haben keine ſolche Grund - lage, ſondern bey ihnen iſt eine natuͤrlich geiſtliche Grundlage, weil ſie nichts von der materiellen Welt, auch nichts vom ir -D 2diſchen*)und Raum an ſich haben, dem Geiſt nicht zu dem Gebrauch, wozu es ihm in der Welt gedie - net hatte, ſondern es ruhet, und nur dasje - nige kommt zum Gebrauch, was der Menſch vermittelſt deſſelben in der Welt gefaſ - ſet, und ſolches[vernuͤnftig] gemacht hat. 52Vom Himmel. diſchen Leib an ſich haben, dahero koͤnnen ſie nicht in ſo groben Neigungen, noch in dergleichen dar - aus herruͤhrenden Gedanken ſeyn; denn alles, was ſie haben, haben ſie von dem Himmel an ſich. Ueberdieſes wiſſen die Kinder nicht, daß ſie in der Welt geboren ſind, deswegen glauben ſie auch, ſie waͤren im Himmel geboren; daher wiſſen ſie auch von keiner andern, als geiſtlichen Ge - burt, als welche durch die Erkaͤnniſſe des Guten und Wahren, und durch Verſtand und Weisheit, wodurch der Menſch eigentlich ein Menſch iſt, ge - ſchiehet; weil dieſe Dinge vom Herrn ſind, ſo geben ſie Beyfall und beluſtigen ſich, daß ſie le - diglich des Herrn ſind. Dem ungeachtet kann der Zuſtand der Menſchen, die auf Erden heran - wachſen, eben ſo, wie der Zuſtand der Kinder, ſo im Himmel erwachſen, vollkommen werden, wenn ſie die beyderley leibliche und irdiſche Liebe, naͤmlich die Selbſtliebe und die Liebe zur Welt, von ſich entfer - nen, und ſtatt derſelben die geiſtl. Liebe annehmen.

Von den Weiſen und Einfaͤltigen im Himmel.

346. Man glaubt, die Weiſen wuͤrden im Him - mel herrlicher und erhabener ſeyn, als die Ein - faͤltigen, weil es beym Daniel heißt: Deren Verſtand in Erkaͤnntnis iſt, die werden glaͤnzen, wie der Glanz des ausgebreiteten Himmels; und die viele zur Gerechtigkeitweiſen,53Vom Himmel. weiſen, wie die Sterne immer und ewig - lich,*)So heißt es eigentlich nach der Grundſprache. Cap. 12, v. 3; allein die wenigſten wiſſen, welche es es eigentlich ſind, ſo durch die Erkaͤnntnißvolle, und durch die zur Gerech - tigkeit anfuͤhrende verſtanden werden: die ge - meinen Leute glauben, die waͤren es, ſo Geſtudirte und Gelehrte hieſſen, vornehmlich die, ſo in der Kirche gelehret und in Anſehung des Lehrens und Predigens Vorzuͤge gehabt, und wohl gar diejeni - gen, welche viele zum Glauben gekehret haͤtten: alle die haͤlt man in der Welt fuͤr Erkaͤnntnisvolle, dem ungeachtet aber ſind ſie es nicht im Himmel, von denen jene Worte geſagt werden, wofern ihre Erkaͤnntnis nicht eine himmliſche Erkaͤnntnis iſt; wie dieſe beſchaffen, ſoll nun im folgenden gemel - det werden.

347. Die himmliſche Erkaͤnntnis, iſt eine in - nere Erkaͤnntnis, die aus der Liebe zum Wahren herkommt, nicht wegen einiges Ruhms in der Welt, auch nicht wegen einiger Herrlichkeit im Himmel, ſondern wegen der Wahrheit an und fuͤr ſich ſelbſt, von welcher man gereitzt und in - nigſt ergoͤtzt wird; die von der Wahrheit an und fuͤr ſich ſelbſt gereitzt und ergoͤtzet werden, die wer - den vom Lichte des Himmels gereitzt und ergoͤtzet, und die vom Lichte des Himmels gereitzt und er - goͤtzt werden, die werden auch vom GoͤttlichenD 3Wahren54Vom Himmel. Wahren gereitz und ergoͤtzet; ja vom Herrn Selbſt, denn das Licht des Himmels iſt das Goͤttliche Wahre, und das Goͤttliche Wahre iſt der Herr im Himmel, man leſe Num. 126-140. Dieſes Licht kommt lediglich in das Jnnere des Gemuͤths, denn das Jnnere des Gemuͤths iſt da, zu gebildet, dieſes Licht aufzunehmen, und ſo, wie es hinein kommt, ſo reitzet und ergoͤtzet es auch, denn was aus dem Himmel einfließt und aufge - nommen wird, darinnen iſt auch Luſt und An - muth; hieraus kommt eben die aͤchte Zuneigung zur Wahrheit, welches eine Neigung zur Wahr - heit iſt um der Wahrheit willen: die nun dieſe Zuneigung, oder welches einerley iſt, dieſe Liebe zur ſelbigen haben, die ſind es, ſo in himmli - ſcher Erkaͤnntnis ſind, und die im Him - mel glaͤnzen wie der Glanz an dem ausge - breiteten Himmel; daß ſie glaͤnzen, iſt dar - um, weil das Goͤttliche Wahre, es mag im Him - mel ſeyn wo es will, leuchtet, man leſe N. 132; und die Ausbreitung des Himmels bedeutet vermoͤge der Uebereinſtimmung dasjenige in - nere verſtaͤndliche Theil ſo wohl bey den Engeln, als bey den Menſchen, welches im Lichte des Himmels iſt. Die aber in der Liebe zum Wahren ſind, entweder wegen des Ruhms in der Welt, oder wegen der Herrlichkeit im Himmel, die koͤnnen nicht im Himmel leuchten, weil ſie nicht vom Lichte des Himmels unmittelbar, ſon - dern vom Lichte der Welt gereitzt und ergoͤtzt wer - den, und dieſes Licht iſt ohne jenes im Himmellauter55Vom Himmel. lauter Finſternis;*)Anmerkung des Verfaſſers. Das Licht der Welt iſt fuͤr den aͤuſſerlichen Men - ſchen, das Licht des Himmels fuͤr den innern, man leſe in den himmliſchen Geheimniſſen Num. 3222. 3223. Das Licht des Himmels flieſſet in das natuͤrliche Licht, und der natuͤr - liche Menſch iſt nur um ſo viel weiſe, um ſo viel er vom Lichte des Himmels aufnimmt, N. 4302. 4408. Aus dem Lichte der Welt, ſo das natuͤrliche Licht heißt, kann das, was im Lichte des Himmels iſt, nicht geſehen werden, Num. 9754. Die dahero blos allein in dem Lichte der Welt ſtehen, die begreifen dasjenige nicht, was im Lichte des Himmels iſt, Num. 3108. Das Licht der Welt iſt den Engeln Finſternis, Num. 1521. 1783. 1880. denn auf ſolche Art hat der Ruhm um ihrer ſelbſt willen, weil er der Endzweck iſt, weswegen es geſchieht, die Oberherrſchaft, und wenn dieſer Ruhm der Endzweck iſt, ſodann iſt es dem Menſchen hauptſaͤchlich nur um ſein ſelbſt willen zu thun, und die zu ſeinem Ruhm dienende Wahrheiten ſiehet er nur als Mittel zum Endzweck, und wie Dienſtbarkeiten, an; denn wer die goͤttliche Wahrheiten blos deswegen liebt, daß er Ruhm davon haben will, der ſiehet in den goͤttlichen Wahrheiten ſich ſelbſt, aber nicht den Herrn, daher wendet er ſein Sehen, welches dem Verſtand und dem Glauben zukommt, vomD 4Him -56Vom Himmel. Himmel zur Welt, und vom Herrn zu ſich ſel - ber; daher kommt es, das diejenigen nur im Lichte der Welt, keinesweges aber im Lichte des Him - mels ſind. Dieſe ſcheinen zwar ihrer aͤuſſerlichen Geſtalt nach, und alſo vor andern Leuten eben ſo Erkaͤnntnisvolle und Gelehrte zu ſeyn, wie die, ſo im Lichte des Himmels ſind, und zwar aus der Urſache, weil ſie eben ſo, ja bisweilen dem aͤuſ - ſerlichen Schein nach noch weislicher reden, weil ſie von ihrer Eigenliebe angefeuert ſind, und dar - auf ausgelernt haben, himmliſche Zuneigungen nachzuluͤgen, gleichwohl aber ſind ſie in ihrer in - nern Geſtalt, worinnen ſie vor den Engeln er - ſcheinen, ganz anders beſchaffen. Hieraus kann einigermaßen erſehen werden, welche es ſind, ſo durch die Erkaͤnntnisvolle, die im Him - mel leuchten ſollen, wie der Glanz an dem aus - gebreiteten Himmel, verſtanden werden: aber, welche es ſind, ſo man durch die viele zur Gerechtigkeit anweiſende, die wie die Sterne leuchten ſollen, verſtehet, das ſoll nun geſagt werden.

348. Durch die viele zur Gerech - tigkeit anweiſende werden diejenigen verſtanden, welche weiſe ſind, und die heiſ - ſen im Himmel weiſe, die ſich in dem Guten be - finden, und diejenigen daſelbſt ſind in dem Guten, welche die goͤttliche Wahrheiten gleichſobald ins Leben einlaſſen, denn wenn das Goͤttliche Wahre zum Leben wird, ſo wird es das Gute, denn eswird57Vom Himmel. wird dem Willen und der Liebe eigen, und was dem Willen und der Liebe eigen iſt, das heiſſet das Gute; dieſe ſind es nun, ſo weiſe genennet wer - den, denn die Weisheit iſt dem Leben eigen; die aber die goͤttliche Wahrheiten nicht alsbald ins Le - ben, ſondern erſt ins Gedaͤchtnis eingehen laſſen, ſie hernach aus dieſem heraus holen und dann be - leben, die werden Erkaͤnntnisvolle ge - nennet: wie, und wie ſehr dieſe und jene in den Himmeln von einander unterſchieden ſind, das kann in dem Artikel, wo von den zwey Reichen des-Himmels, naͤmlich von dem himmliſchen und geiſtlichen Reich gehandelt worden, Num. 20-28, wie auch in dem Artikel von den drey Himmeln Num. 29-40 nachgeleſen werden. Din im himmliſchen Reich des Herrn, und daher im dritten oder innerſten Himmel ſind, die heiſſen Gerechte, daher, weil ſie ſich keiner Gerechtigkeit anmaſſen, ſondern alle Gerechtigkeit dem Herrn zueignen, die Gerechtigkeit des Herrn im Himmel iſt das vom Herrn ausflieſſende Gu - te;*)Anmerkung des Verfaſſers. Das Verdienſt und die Gerechtigkeit des Herrn iſt das Gute, welches im Himmel regieret, man leſe in den himmliſchen Geheimniſſen N. 9486. 9986. Ein Gerechter und Gerechtfer - tigter iſt der, dem das Verdienſt und die Ge -rechtig - dieſe werden dahero allhier durch die zur Gerechtigkeit anweiſende ver -ſtanden;D 558Vom Himmel. ſtanden; dieſe ſind es auch, von welchen der Herr ſpricht, Die Gerechten werden leuchten, wie die Sonne in meines Va - ters Reich, Matth. 13, 43: daß ſie glaͤnzen wie die Sonne, iſt darum, weil ſie in der Liebe zum Herrn aus dem Herrn ſind, und durch die Sonne wird dieſe Liebe verſtanden, man leſe oben Num. 116. -125; auch das Licht bey ihnen iſt flammend, und ihre Gedanken-Bilder haben vom flammenden an ſich, weil ſie das Gute der Liebe unmittelbar vom Herrn, als der Sonne im Himmel, aufnehmen.

349. Alle diejenigen, welche ſich in der Welt mit Erkaͤnntnis und mit Weisheit bereichert ha - ben, ſind im Himmel angenehm, und werden En - gel, und zwar ein jeder nach Beſchaffenheit und Groͤſſe der Erkaͤnntnis und Weisheit: denn wo - mit ſich der Menſch in der Welt bereichert, das bleibt ihm, und er nimmt es nach dem Tod mit ſich, und wird auch, aber nur in dem Grad, in welchem ſeine Zuneigung und Verlangen zum Guten und Wahren ſteht, nicht aber unter die - ſem Grad, vermehret und noch mehr angefuͤllt; die wenig Zuneigung und Verlangen gehabt ha - ben, die empfangen wenig, dennoch aber ſo viel,als*)rechtigkeit des Herrn zugeeignet wird; und ein Ungerechter iſt ein ſolcher, der ſich ſelbſt ei - gene Gerechtigkeit und ſelbſt eigenes Verdienſt zuſchreibet.59Vom Himmel. als ſie in dieſem Grad aufnehmen koͤnnen; die aber viel Zuneigung und Verlangen gehabt ha - ben, die empfangen viel; ſelbſt der Grad der Zuneigung und des Verlangens verhaͤlt ſich wie ein Maas, wo hinzu gethan wird, bis es voll iſt; der bekommt demnach mehr, der ein groſſes Maas hat, und der weniger, der ein kleines hat: daß ſich die Sache ſo verhalte, iſt die Urſache, weil die Liebe, von welcher die Zuneigung und das Verlangen herruͤhret, alles das empfaͤngt, was ihr zukommt, um ſo groß daher die Liebe iſt, in ſo viel empfaͤngt ſie. Dieſes wird durch die Worte des Herrn verſtanden, Wer da hat, dem wird gegeben werden, daß er die Fuͤlle habe, Matth. 13, 12. Cap. 25, 29. Ein voll gedruͤckt, geruͤttelt und uͤberfluͤßig Maas wird man in euren Schoos geben, Luc. 6, 38.

350. Alle diejenigen, welche das Wahre und das Gute um des Wahren und Guten willen geliebet haben, werden in den Himmel aufge - nommen; die demnach deſſen viel geliebet haben, die ſind es, ſo Weiſe genennet werden; die aber deſſen wenig geliebet haben, die heiſſen Einfaͤltige; die Weiſen im Himmel haben vieles Licht, aber die Einfaͤltigen im Himmel ha - ben weniger Licht; ein jeder hat Licht nach dem Grad ſeiner Liebe zum Guten und Wahren. Das Wahre und Gute lieben, um des Wahren und Guten willen, heißt, es wollen und thun, denn die es wollen und thun, die lieben es,die60Vom Himmel. die es aber nicht wollen und thun, die lieben es nicht: jene ſind es auch, die den Herrn lieben, und vom Herrn geliebet werden, weil das Gute und Wahre vom Herrn iſt, und weil es vom Herrn iſt ſo iſt auch in ihnen, naͤmlich in dem bey ihnen befindlichen Guten und Wahren, der Herr; mithin iſt Er auch bey denen, welche das Wahre und Gute in ihrem Leben durch das Wol - len und Thun aufnehmen. Auch iſt der Menſch in ſich betrachtet weiter nichts, als ſein Gutes und Wahres, weil das Gute ſeinen Willen und das Wahre ſeinen Verſtand ausmacht, und der Menſch iſt ſo, wie ſein Wille und Verſtand be - ſchaffen; hieraus erhellet, daß der Menſch nur um ſo viel vom Herrn geliebet wird, in ſo viel ſein Wille von dem Guten, und ſein Verſtand von dem Wahren gebildet iſt. Vom Herrn geliebet werden, heißt, den Herrn hinwiederum lieben, denn die Liebe verhaͤlt ſich wechſelsweiſe, weil der Herr den, der von Jhm geliebet wird, begnadigt, daß er liebet.

351, Die Welt glaubt, diejenigen, welche viel wuͤßten, es mag nun aus den Lehren der Kirche und aus dem Wort, oder aber aus Wiſ - ſenſchaften ſeyn, ſaͤhen die Wahrheiten inniger und ſchaͤrfer ein, verſtuͤnden alſo mehr, und waͤ - ren weiſer, als andre; ja, ſie ſelbſt ſind von eben ſolcher Einbildung eingenommen; allein, was ei - gentlich die wahre Erkaͤnntnis und Weisheit, und was hingegen die unaͤchte, und falſche ſey, ſoll nun im folgenden geſagt werden:

Die61Vom Himmel.

Die wahre Erkaͤnntnis und Weisheit iſt: ſehen und empfinden, was wahr und gut, und was daher falſch und boͤſe iſt, und es wohl von einander unterſcheiden, und das aus einem innern Anſchauen und innern Em - pfindung. Bey einem jeden Menſchen iſt ein Jnneres und Aeuſſeres, das Jnnere iſt das, was den innern oder geiſtlichen Menſchen aus - macht, das Aeuſſere aber, was dem aͤuſſern oder natuͤrlichen, Menſchen zukommt; ſo wie nun das Jnnere gebildet iſt, und mit dem Aeuſſern Eins ausmacht, alſo ſiehet und empfindet auch der Menſch. Das Jnnere des Menſchen kann ſonſt nirgends, als in dem Himmel gebildet werden, das Aeuſſere aber wird in der Welt gebildet; wenn das Jnnere im Himmel gebildet worden, ſodann flieſſen die im Jnnern befindlichen Dinge in das von der Welt herruͤhrende Aeuſſere, und bilden es zur Uebereinſtimmung, das iſt, damit ſie mit ihm Eins ausmachen; wenn dieſes geſche - hen iſt, ſo ſiehet und empfindet der Menſch von innen. Daß das Jnnere gebildet werde, iſt das einzige Mittel dieſes, daß der Menſch auf das Goͤttliche und auf den Himmel ſehe, denn das Jnnere, wie geſagt, wird im Himmel gebildet; und ſodann ſiehet der Menſch auf das Goͤttliche, wenn er an das Goͤttliche glaubt, und den Glauben hat, daß von Jhm alles Wahre und Gute, mithin alle Erkaͤnntnis und Weisheit kommt; und alsdenn glaubt er an das Goͤtt - liche, wenn er von dem Goͤttlichen will ge -fuͤhret62Vom Himmel. fuͤhret ſeyn: alſo, und nicht anders wird das Jn - nere des Menſchen eroͤffnet. Ein Menſch der dieſen Glauben hat, und nach dieſem Glauben lebt, der iſt in der Kraft und in dem Vermoͤgen Erkaͤnntnisvoll oder verſtaͤndlich und weiſe zu werden: um aber Erkoͤnntnisvoll und weiſe zu werden, muß er viele Dinge, nicht nur die, ſo den Himmel, ſondern auch die, ſo die Welt an - betreffen, erlernen, die zum Himmel gehoͤren, die muß er aus dem Wort und von der Kirche lernen, und die zur Welt gehoͤren, aus den Wiſ - ſenſchaften; in ſo viel nun der Menſch erlernet und in ſo viel er ſolches aufs Leben anwendet, in ſo viel wird er Erkaͤnntnisvoll und weiſe, denn in ſo viel wird das innere Sehen, das ſeinem Verſtand zukommt, und die innere Zuneigung, die ſeinem Willen eigen iſt, vollkommen. Die Einfaͤltigen ſind von der Art, daß ihnen das Jnnere eroͤffnet, aber nicht alſo durch die geiſt - lichen, moraliſchen, buͤrgerlichen und natuͤr - lichen Wahrheiten ausgezieret iſt, dieſe em - pfinden das Wahre, wenn ſie es hoͤren, aber ſie ſehen es nicht in ſich; die Weiſen hingegen ſind von der Art, daß ihnen das Jnnere nicht nur eroͤffnet, ſondern auch ausgezieret iſt, dieſe ſehen das Wahre in ſich und empfinden es auch. Hieraus erhellet, was die wahre Er - kaͤnntnis und Weisheit ſey.

352. Die unaͤchte Erkaͤnntnis und Weisheit iſt: nicht von innen ſehen nochempfinden,63Vom Himmel. empfinden, was wahr und gut, und daher falſch und boͤſe ſey, ſondern blos in der Einbildung ſte - hen, was andre ſagten, ſey wahr und gut, oder falſch und boͤſe, und ſolches hernach mit helſen bekraͤftigen; dieſe, weil ſie das Wahre nicht aus dem Wahren, ſondern aus dem Munde eines an - dern ſehen, koͤnnen eben ſo wohl das Falſche als das Wahre erwiſchen, es auch wohl glauben, und es wohl gar ſo lange bekraͤftigen, bis es endlich wie Wahrheit zu ſeyn ſcheinet; denn was bekraͤf - tigt wird, das nimmt den Anſchein der Wahrheit an ſich; und es iſt nichts vorhanden, das nicht bekraͤftigt werden koͤnnte: deren ihr Jnners iſt ſonſt nicht, als nur von unten eroͤffnet, ihr Aeuſ - ſeres aber iſt ſo weit, als ſie ſich beſtaͤrkt haben, aufgethan; weswegen das Licht, woraus ſie ſe - hen, nicht das Licht des Himmels, ſondern das Licht der Welt iſt, ſo man das natuͤrliche Licht nennet; denn in dieſem Lichte koͤnnen die Falſch - heiten wie Wahrheiten leuchten, ja wohl gar, wenn ſie bekraͤftigt werden, ſchimmern, aber nicht in dem Lichte des Himmels. Von dieſer Art ſind nun die, ſo weniger Erkaͤnntnis haben, und we - niger weiſe ſind, die ſich alſo ſehr beſtaͤrkt, hin - gegen die mehr Erkaͤnntnis haben, und weiſe ſind, ſind ſolche, die ſich wenig beſtaͤrkt haben. Hier - aus erhellet, was die unaͤchte Erkaͤnntnis und Weisheit ſey. Allein von ſolcher Art ſind dieje - nigen nicht, welche wohl in der Kindheit dafuͤr gehalten, das, was ſie von den Lehrern gehoͤret, ſey wahr, wenn ſie aber in der Jugend, da ſieaus64Vom Himmel. aus ihrem eignen Verſtand denken, nicht daran haͤngen bleiben, ſondern nach dem Wahren ein Verlangen haben, und aus Verlangen es ſuchen, und wenn ſie es finden, innerlich gereitzt werden; dieſe, weil ſie vom Wahren, um des Wahren willen ergoͤtzt werden, ſehen das Wahre, ehe ſie es bekraͤftigen. Dieſes ſoll nun durch ein Exempel erlaͤutert werden: es war die Rede unter den Geiſtern, woher es komme, daß die Thiere in alles das ihren Naturen angemeſſene Wiſſen, nicht aber der Menſch, darein geboren wuͤrde, und es wurde geſagt, die Urſache ſey, weil die Thiere in der Ordnung ihres Lebens waͤren, keinesweges aber der Menſch, dahero muͤßte er durch das Erkennen und Wiſſen in die Ordnung gebracht werden; geſetzt aber, der Menſch wuͤrde in die Ordnung ſeines Lebens geboren, welche dar - innen beſteht: Gott uͤber alles, und den Naͤch - ſten wie ſich ſelbſt lieben, ſo wuͤrde er in Erkaͤnnt - nis und Weisheit, und daher auch in allen wah - ren Glauben, in ſo viel das Erkennen dazu kommt, geboren werden; die guten Geiſter ſahen und em - pfanden es gleichſobald, daß es die Wahrheit ſey, und dieſes blos allein aus dem Lichte der Wahrheit; hingegen, diejenigen Geiſter, die ſich in dem Glau - ben allein beſtaͤrkt, und daher die Liebe und thaͤ - tige Liebe bey Seite geſetzt hatten, konnten dieſes nicht einſehen, weil das Licht des bekraͤftigten Falſchen bey ihnen das Licht der Wahrheit ver - dunkelt hatte.

353. Die65Vom Himmel.

353. Die falſche Erkaͤnntnis und Weisheit iſt alle die, ſo ohne Erkaͤnntnis des Goͤttlichen iſt, denn diejenigen, ſo nicht das Goͤttliche, ſondern die Natur dafuͤr er - kennen, die alle denken aus dem ſinnlich Leiblichen, und ſind blos ſinnliche Menſchen, wenn ſie gleich in der Welt fuͤr Geſtudirte und Gelehrte gehalten werden;*)Man leſe im 1ſten Theil pag. 295 die Anmer - kung des Verfaſſers, worinnen er den ſinnli - chen Menſchen abgeſchildert hat. allein ihre Gelehrſamkeit erſtreckt ſich nicht weiter, als auf ſolche Dinge, die ihnen in der Welt vor den Augen ſind, die ſie mit dem Ge - daͤchtnis merken, und ſie faſt materiell oder koͤr - perlich anſehen, obgleich die naͤmlichen Wiſſen - ſchaften denen, ſo nach wahrer Erkaͤnntnis ſtre - ben, zur Bildung des Verſtandes dienen: durch die Wiſſenſchaften verſtehe ich die mancherley auf Erfahrung gegruͤndete Verſuche, als Naturkunde, Aſtronomie, Chymie, Mechanik, Geometrie, Anatomie, Pſychologie oder Lehre von der menſch - lichen Seele, Reichshiſtorie, wie auch gelehrte Ge - ſchichte, Kritik und Sprachen. Auch die Lehrer der Kirche, welche das Goͤttliche laͤugnen, gehen mit ihren Gedanken nicht uͤber die Sinn - lichkeiten, ſo zum aͤuſſern Menſchen gehoͤren, hin - aus: ſie ſehen die Dinge, ſo in dem Wort ent - halten ſind, nicht anders an, als wie andre die Wiſſenſchaften anſehen, ſie thun auch gar nicht,alsSw. Sch. II. Th. E66Vom Himmel. als ob es Sachen des Nachdenkens waͤren, und die mit einem vernuͤnftigen erleuchteten Gemuͤth muͤßten angeſehen werden, die Urſache aber iſt dieſe, weil ihr Jnneres, und zugleich mit ſolchem das Auſſere, ſo dem Jnnern am naͤchſten, ver - ſchloſſen iſt; daß es verſchloſſen iſt, kommt da - her, weil ſie ſich ruͤckwaͤrts vom Himmel weg ge - kehret, und dasjenige, was dahin ſchauen koͤnnte, naͤmlich das Jnnere des Gemuͤths, wie kurz vor - her gemeldet worden, ruͤckwaͤrts gedrehet haben: daher kommt es, daß ſie nicht ſehen koͤnnen, was wahr und gut ſey, weil ihnen dieſes in Finſter - nis, hingegen das Falſche und Boͤſe im Lichte iſt. Gleichwohl aber koͤnnen ſinnliche Menſchen, und zwar einige geſchickter und ſpitziger vernuͤnfteln, als andre, aber nur aus den durch ihr Wiſſen - ſchaftliches bekraͤftigten Betruͤglichkeiten der Sin - ne; und weil ſie ſo vernuͤnfteln koͤnnen, ſo duͤn - ken ſie ſich auch weiſer zu ſeyn als andre. *)Anmerkung des Verfaſſers. Die ſinnlichen Menſchen vernuͤnfteln ſcharf und geſchickt, weil ſie auf ihr Reden aus dem leiblichen Gedaͤchtnis alle ihre Erkaͤn̄tnis bauen, man leſe in den himmliſchen Geheimniſſen Num. 195. 196. Die ſinnlichen Menſchen ſind vor andern liſtig und boshaft, N. 7693. Daß die Alten dieſe ſinnliche Menſchen Schlan - gen genennet haben, leſe man N. 195. 196. Num.Das Feuer, das ihre Vernunftſchluͤſſe mit Eifer anflam̄t,iſt67Vom Himmel. iſt ein Feuer der Selbſtliebe und der Liebe zur Welt. Dieſe ſind es, die in falſcher Erkaͤnntnis und Weisheit ſind und die der Herr beym Matthaͤo verſtehet, Mit ſehenden Augen ſehen ſie nicht, und mit hoͤrenden Ohren hoͤren ſienicht,*)Num. 195 heißt es: Die Alleraͤlteſten ha - ben alles, was in dem Menſchen iſt, nicht mit den Thieren und Voͤgeln verglichen, ſondern damit benennet; ſo war ihre Sprache; ſo iſt ſie auch in der alten Kirche nach der Suͤndfluth geblieben, und eben ſo auch bey den Prophe - ten aufbehalten worden: die Sinnlichkeiten des Menſchen haben ſie Schlangen genennet, weil, wie die Schlangen der Erde am naͤchſten, alſo auch die Sinnlichkeiten dem Leibe am naͤchſten ſind; daher haben ſie die aus den Sinnlichkei - ten herruͤhrende Vernunftſchluͤſſe uͤber die Ge - heimniſſe des Glaubens Schlangengift, und ſelbſt die Vernuͤnftler Schlangen genennet; weil nun dieſe aus den Sinnlichkeiten, oder aus dem Sichtbaren, als wie das Jrdiſche, Leib - liche, Weltliche und Natuͤrliche iſt, viel ver - nuͤnfteln, ſo hieß es: die Schlange war liſti - ger, denn alle Thiere auf dem Felde; eben ſo heißt es beym David: Sie ſchaͤrfen ihre Zunge, wie eine Schlange, Ottergift iſt unter ihren Lippen, Pſ. 140, 4. 5. 6. allwo von denen, ſo durch Vernunftſchluͤſſe die Menſchen verfuͤhren, die Rede iſt. Und imE 258. Pſ.68Vom Himmel. nicht, denn ſie verſtehen es nicht, Cap. 13, 13. 14. 15. Und im 11ten Cap. v. 25. 26, Es iſt den Weiſen und Klugen verbor - gen, und den Unmuͤndigen geoffenbaret.

354. Es

*)58. Pſ. v. 4. 5. 6 : Die Luͤgner irren von Mutterleibe an, ſie haben einen Gift der gleich iſt wie der Schlangengift, wie eine taube Otter die ihr Ohr zuſtopfet ꝛc. hier werden die Vernunftſchluͤſſe Schlangen - gift genennet, und welche ſo beſchaffen ſind, daß ſie nicht einmal die Stimme des Weiſen hoͤren, daher kommt die Redensart bey den Alten: die Schlange verſtopfet das Ohr. Jngleichen Amos 5, 19. 20. ꝛc. Und Num. 196 heißt es: Zu den alten Zei - ten ſind alſo diejenigen, welche ſich mehr auf das Sinnliche, als auf das Geoffenbarte ver - lieſſen, Schlangen genennet worden, heut zu Tage aber iſt es noch aͤrger, denn es giebt nicht allein ſolche, die nichts glauben, wenn ſie es nicht ſehen und hoͤren, ſondern auch ſolche, die ſich durch das Wiſſenſchaftliche, wovon die Al - leraͤlteſten nichts wußten, beſtaͤrkt haben, und ſich alſo noch weit mehr verfinſtern: und weil ſie aus dem Sinnlichen, Wiſſenſchaftlichen und Philoſophiſchen uͤber himmliſche Dinge ver - nuͤnfteln, ſo verfinſtern ſie ſich ſo ſehr, daßſie

69Vom Himmel.

354. Es iſt mir gegeben worden, mit ſehr vielen Gelehrten nach ihrem Hintritt aus der Welt, mit einigen, die einen groſſen Ruf hatten, und durch ihre Schriften in der gelehrten Welt be - ruͤhmt waren, auch mit einigen, die nicht ſo be - ruͤhmt, dennoch aber verborgene Weisheit in ſichE 3hatten,*)ſie hernach ganz und gar nichts ſehen, noch hoͤ - ren, und ſind nicht nur taube Schlangen, Pſ. 58, 4. 5. 6. ſondern auch fliegende Schlangen, die viel ſchaͤdlicher ſind, und von denen auch in dem Wort geredet wird. Num. 197 heißt es: Bey den Alleraͤlteſten, welches him̄liſche Menſchen geweſen ſind, wur - de durch die Schlange die Vorſichtigkeit, alſo ebenfalls der Sinnliche Theil wodurch ſie ſich vorſahen, damit ihnen von den Boͤſen kein Schaden zugefuͤgt werden moͤchte, angedeutet; dieſes erhellet aus den Worten des Herrn zu ſeinen Juͤngern: Siehe, ich ſende euch, wie Schaafe, mitten unter die Woͤlfe; darum ſeyd klug wie die Schlangen und einfaͤltig wie die Tauben, Matth. 10, 16. Desgleichen wurde auch durch die eherne Schlange, die in der Wuͤſte erhoͤhet wurde, das Sinnliche Theil des Herrn angedeutet, Welcher einzig und allein der himmliſche Menſch iſt, und fuͤr alle Vorſehung und Vorſorge thut, wes - wegen die, ſo Jhn anſahen, erhalten wurden.70Vom Himmel. hatten, zu ſprechen. Jene, die im Herzen das Goͤttliche gelaͤugnet, ob ſie Es gleich mit dem Munde bekannt hatten, wurden ſo dumm, daß ſie kaum etwas buͤrgerliches Wahre, vielweniger etwas geiſtliches Wahre begreifen konnten: ich habe ver - nommen und auch geſehen, daß ihr Jnneres, ſo das Gemuͤth ausmachet, ſo verriegelt war, daß es wie ſchwarz ausſahe, (ſo wird es in der geiſt - lichen Welt zu ſehen dargeſtellet) und daß es alſo nicht das mindeſte himmliſche Licht vertragen, mit - hin nicht den allergeringſten Einfluß aus dem Him - mel einlaſſen konnte: dieſe Schwaͤrze, worinnen ihr Jnneres erſchien, war bey denen, die ſich wi - der das Goͤttliche durch das Wiſſenſchaftliche ihrer Gelehrſamkeit befeſtigt hatten, noch groͤſſer und ausgebreiteter. Solche nehmen im andern Leben alles Falſche, daß ſie einſaugen wie ein Schwamm das Waſſer, mit Luſt an, und trei - ben alles Wahre zuruͤck, als wie die prallende Kraft eines beinernen Koͤrpers das darauf fallende zuruͤck treibet: es heißt auch, daß das Jnnere derer, die ſich wider das Goͤttliche befeſtigt ha - ben, und fuͤr die Natur eingenommen ſind, ver - beinert oder beinhart ſey: ihr Haupt erſcheinet auch harthaͤutig als wie von Ebenholz welches hart - haͤutige bis an die Naſe geht, eine Anzeige, daß ſie von gar keiner Empfindung mehr ſind. Die nun ſo beſchaffen, die werden in Schluͤnde, die wie Stuͤmpfe ausſehen, verſenkt, worinnen ſie von den Phantaſien, worein ſich ihre Falſchhei - ten verwandeln, hin und her getrieben werden:ihr71Vom Himmel. ihr hoͤlliſches Feuer iſt die Begierde nach Ruhm und einem groſſen Namen, aus dieſer Begierde faͤhrt immer einer auf den andern los,*)Als wie ſie es hier in der Welt gemacht haben, und die meiſten es noch taͤglich ſo machen, wie man aus ihren Schriften, ja, leyder! aus man - chen Theologiſchen ſehen kann, worinnen ſie mit ſtolzer Zunge auf einander losziehen, und ein - ander durchhecheln; und weil der Menſch nach dem Tod ſo iſt, wie er in der Welt geweſen, ſo iſt es kein Wunder, daß ſie auch alsdenn noch gleichſam einander in den Haaren liegen, Der Ueberſetzer. und quaͤlt aus hoͤlliſchen Eifer diejenigen allda, ſo ſich nicht wie Gottheiten verehren, ja einmal uͤber das an - dere peinigt einer den andern. Jn dergleichen nun wird alles Gelehrſamkeitliche der Welt, das nicht das Licht aus dem Himmel durch die Erkaͤnnt - nis des Goͤttlichen in ſich faſſet, verwandelt.

355. Daß es mit dieſen in der geiſtlichen Welt, wenn ſie nach dem Tod dahin kommen, eine ſolche Bewandnis hat, kann blos allein daraus geſchloſ - ſen werden, daß alsdenn alle Dinge, die in dem natuͤrlichen Gedaͤchtnis, und unmittelbar mit dem Sinnlichen des Koͤrpers verbunden ſind, als wie eben das erſt oben erwaͤhnte Wiſſenſchaftliche iſt, ruhen, und nur das aus denſelben herruͤh - rende Vernuͤnftige zum Denken und zum Re - den daſelbſt