PRIMS Full-text transcription (HTML)
[I]
Philoſophiſche Verſuche uͤber die menſchliche Natur und ihre Entwickelung
[figure]
Erſter Band. Leipzig, beyM. G. Weidmanns Erben und Reich.1777.
[II][III]

Vorrede.

Die nachſtehenden Verſuche betreffen die Wirkungen des menſchlichen Verſtan - des, ſeine Denkgeſetze und ſeine Grundvermoͤgen; ferner die thaͤtige Willenskraft, den Grund - charakter der Menſchheit, die Freyheit, die Natur der Seele, und ihre Entwickelung. Dieß ſind ohne Zweifel die weſentlichſten Punkte in unſerer Natur. Jch verehre die großen Maͤn - ner, die ihren Scharfſinn auf dieſe Gegenſtaͤnde ſchon verwendet haben, und ich habe geſucht, ihre Bemuͤhungen zu nutzen. Aber ich meine nicht, daß daraus ein Vorurtheil gegen die meinigen, wenn ſie auch jener ihren nicht gleichen, entſtehen werde. Die Menſchheit iſt noch lange eine Gru - be, aus der ſich jeder Forſcher eine gute Ausbeute verſprechen kann, und ich moͤchte hinzuſetzen, auch dann ſogar, wenn er nur die ſchon oft bearbeiteten Gaͤnge von neuem vornimmt. Denn auch bey den angelegentlichſten Wahrheiten, uͤber welche ſchon einiges Licht verbreitet iſt, fehlet noch hie und da ſehr viel an der voͤlligen Evidenz, die alle vernuͤnftige Zweifel ausſchließt.

Was die Methode betrifft, deren ich mich bedient habe, ſo halte ichs fuͤr noͤthig, daruͤber zuma 2vorausIVVorrede. voraus mich zu erklaͤren. Sie iſt die beobach - tende, die Lock bey dem Verſtande, und unſere Pſychologen in der Erfahrungs-Seelenlehre be - folgt haben. Die Modifikationen der Seele ſo nehmen, wie ſie durch das Selbſtgefuͤhl erkannt werden; dieſe ſorgfaͤltig wiederholt, und mit Ab - aͤnderung der Umſtaͤnde gewahrnehmen, beobach - ten, ihre Entſtehungsart und die Wirkungsge - ſetze der Kraͤfte, die ſie hervorbringen, bemerken; alsdenn die Beobachtungen vergleichen, aufloͤſen, und daraus die einfachſten Vermoͤgen und Wir - kungsarten und deren Beziehung auf einander aufſuchen; dieß ſind die weſentlichſten Verrichtun - gen bey der pſychologiſchen Analyſis der Seele, die auf Erfahrungen beruhet. Dieſe Methode iſt die Methode in der Naturlehre; und die einzige, die uns zunaͤchſt die Wirkungen der Seele, und ihre Verbindungen unter einander ſo zeiget, wie ſie wirklich ſind, und dann hoffen laͤßt, Grund - ſaͤtze zu finden, woraus ſich mit Zuverlaͤſſigkeit auf ihre Urſachen ſchließen, und dann etwas gewiſſes, welches mehr als bloße Muthmaßung iſt, uͤber die Natur der Seele, als des Subjekts der beob - achteten Kraftaͤußerungen, feſtſetzen laͤßt.

Was man in der neuern Pſychologie die ana - lytiſche, auch wohl die anthropologiſche Me - thode nennet, iſt ein hievon ganz unterſchiedenes Verfahren. Man betrachtet die Seelenveraͤnde - rungen von der Seite, da ſie etwas in dem Ge - hirn, als dem innern Organ der Seele ſind, und ſucht ſie als ſolche Gehirnsbeſchaffenheiten und Veraͤnderungen zu erklaͤren. Der MaterialiſtloͤſtVVorrede. loͤſt alles in Koͤrperveraͤnderungen auf, die eine Folge der innern Organiſation ſind; die mecha - niſchen Pſychologen unterſcheiden zwar die un - koͤrperliche Seele, das Jch, von dem koͤrperlichen Organ, und laſſen auch jener ihren eigenen An - theil an den Seelenaͤußerungen, der von dem An - theil, den das Organ daran hat, verſchieden iſt; aber es geht doch bey ihren Analyſen eben ſowohl, als bey den Erklaͤrungen der erſtern alles dahin, zu zeigen, wie weit Fuͤhlen, Vorſtellen, Bewußt - ſeyn, Denken, Luſt, Unluſt, Wollen, Thun, nicht nur von der Organiſation des Gehirns ab - haͤngen, ſondern ſelbſt in Veraͤnderungen und Be - ſchaffenheiten deſſelben beſtehen. Und was nun in dem koͤrperlichen Organ ſeinen Sitz nicht haben kann, das hat ihn denn in der immateriellen See - le bey denen, die eine ſolche annehmen. Das Denkorgan iſt eine Maſchine, wozu die Seele die bewegende Kraft iſt. Was der Seele im ge - woͤhnlichen Verſtande oder dem Seelenweſen zugeſchrieben wird, iſt etwas in dieſem beſeelten Organ, als in ſeinem Subjekt. Es koͤmmt alſo bey dieſen analytiſchen Erklaͤrungen der Seelen - veraͤnderungen darauf an, genauer die Art zu be - ſtimmen, wie ſie es ſind. Dieſe Aufloͤſungen ſoll - ten billig die metaphyſiſchen heißen. Sie lie - gen ganz außer den Graͤnzen der Beobachtung, und beſtehen am Ende in einer Reduktion deſſen, was man bey der Seele beobachtet, auf Modifi - kationen des Gehirns, woran aber ein immate - rielles Jch, als wirkende und bewegende Krafta 3AntheilVIVorrede. Antheil haben, und zugleich mit dem Gehirn mo - dificirt werden kann.

Jch habe unten in einem beſondern Aufſatz die Gruͤnde dieſes Verfahrens ausfuͤhrlicher zu pruͤfen geſucht. Ohne alſo daruͤber hier ſchon zu urtheilen, will ich vorlaͤufig nur eine Anmerkung machen, die mich rechtfertigen ſoll, daß ich auch in den erſtern Verſuchen uͤber die Verſtandeswir - kungen faſt gar keine Ruͤckſicht auf den ſogenann - ten Mechanismus der Jdeen genommen habe, obgleich dieſer von vielen als das wichtigſte ange - ſehen wird, was jetzo bey einer Aufloͤſung des Verſtandes zu erklaͤren uͤbrig ſey.

Sobald man bey den Grundſaͤtzen, worauf die metaphyſiſchen Analyſen beruhen, das Gewiſſe und Wahrſcheinliche von dem abſondert, was noch jetzo nichts iſt, als bloße Muthmaßung, und auch noch lange nichts mehr werden wird; ſo zeigt es ſich, daß jenes nur etwas allgemeines und un - beſtimmtes ſey, welches man als das metaphyſi - ſche hiebey anſehen koͤnnte, dagegen das naͤher beſtimmte, was eigentlich eine Phyſik des Gehirns ſeyn wuͤrde, zu den bloß angenommenen und ver - mutheten gehoͤre, das nur auf Hypotheſen be - ruhet.

Es iſt ein alter, und nun durch die Ueberein - ſtimmung der Erfahrungen beſtaͤtigter Grundſatz, daß der Koͤrper, und noch naͤher das Gehirn, zu allen Seelenveraͤnderungen, zu ihren Thaͤtigkei - ten und Leidenheiten beywirke, und ſo unentbehr - lich dazu ſey; daß ohne ſelbiges weder Gefuͤhl, noch irgend eine thaͤtige Kraftaͤußerung in derMaßeVIIVorrede. Maße vorhanden ſey, daß wir ſolche bey uns ge - wahrnehmen koͤnnten. Sollen nun ſolche Ge - hirnsveraͤnderungen materielle Jdeen heißen, ſo iſt es gewiß, daß es materielle Jdeen gebe, und man wird nicht leicht Gruͤnde finden, deren Wirk - lichkeit zu bezweifeln.

Noch weiter will ich es gerne als ſehr wahr - ſcheinlich zugeben, oder gar fuͤr gewiß halten, daß jede Gehirnsveraͤnderung welche als eine Ver - aͤnderung eines Koͤrpers uͤberhaupt in einer Be - wegung beſtehen muß auch eine bleibende Spur in dem Gehirn nachlaſſe, die, worinn ſie auch beſtehen mag, die bewegten Faſern aufgelegt mache, nachher leichter die erſtmaligen Bewegun - gen von neuem anzunehmen, und zwar ſo leicht, daß es des naͤmlichen Eindrucks von außen nicht bedarf, der das erſtemal erfodert ward. Wenn dieſe zuruͤckgebliebene beſtehende Spuren auch materielle Jdeen im Gedaͤchtniß genennet wer - den, ſo iſt es ungemein wahrſcheinlich, daß es der - gleichen in dem innern Seelenkoͤrper gebe, und daß dieſe vorhanden ſind, auch wenn wir an die vorgeſtellte Sache nicht gedenken. Dieſe Spuren ſind wieder erweckbar, und wenn ſie wirklich wie - der erwecket werden, ſo ſind auch die ehemaligen ſinnlichen Bewegungen wiederum gegenwaͤrtig.

So weit geht das Wahrſcheinliche auch in dem Allgemeinen nur. Aber es iſt eine neue Vor - ausſetzung, wenn man annimmt, daß dieſe Ge - hirnsbeſchaffenheiten das ausmachen, was wir die Vorſtellungen nennen, in ſo fern die Seele da - von zugleich veraͤndert wird, und ſie fuͤhlet, wenna 4ſieVIIIVorrede. ſie gegenwaͤrtig ſind; auch ſolche zuweilen durch ihre bewegende Einwirkung auf die Faſern des Gehirns erwecket. Wenn die Jdee im Gedaͤcht - niß ruhet, ſo ſoll die Seele ſo wenig in ſich ſelbſt eine Spur ihrer Empfindung uͤbrig haben, als das in einem Gefaͤß eingeſchloſſene Waſſer etwas von der vorigen Figur behalten hat, wenn die Ge - ſtalt des Gefaͤßes veraͤndert worden iſt. Dieſer Begriff von der Natur unſerer Vorſtellungen iſt eine pure Hypotheſe. Sie ſtellet die Seele und ihr organiſirtes Gehirn in einer ſolchen Beziehung dar, die das Waſſer zu ſeinem Gefaͤß hat, oder die Luft zu der Blaſe, in der ſie eingeſchloſſen iſt, nur mit dem Zuſatz, das Gefaͤß veraͤndere ſeine Figur ſehr leicht, behalte aber von jedweder ſeiner vorigen Formen eine Leichtigkeit ſolche wieder anzunehmen. Dieß iſt der Mittelpunkt der Bon - netiſchen Aufloͤſung, deſſen Richtigkeit man da - durch beweiſen will, weil ſich die Erſcheinungen auf dieſe Weiſe am beſten begreifen laſſen; und dieß iſt es auch, was unten beſonders unterſucht worden iſt, und ich hier noch dahin geſtellet laſ - ſen will.

Die uͤbrigen naͤhern Beſtimmungen der be - ſondern Art und Beſchaffenheit dieſer materiel - len Jdeen gehoͤren zu der Phyfik des Gehirns, und ſind ſchlechthin nur Vermuthungen, denen, das mindeſte zu ſagen, bisher noch die Zuverlaͤſ - ſigkeit fehlet. Sehr witzig hat man die Spuren im Gehirn, als gewiſſe Abdruͤcke oder Bilder von den Objekten vorgeſtellet, die etwan den Bildern auf der Netzhaut aͤhnlich ſind. Die HartleyiſcheHypo -IXVorrede. Hypotheſe, daß die Gehirnsbewegungen, welche die Empfindungen begleiten, und wieder erneuert werden, ſo oft die Phantaſie Jdeen reproduciret, in gewiſſen Schwingungen der Gehirnsfaſern oder auch des Aethers im Gehirn beſtehen, iſt von Hr. Prieſtley von neuem, in etwas veraͤn - dert, vorgetragen, und als die beyfallswuͤrdigſte Vorausſetzung geruͤhmt worden. Seitdem hat man ſichs vorzuͤglich angewoͤhnt, die Jdeen fuͤr Gehirnsſchwingungen anzuſehen. Newton hat - te nur gemuthmaßet, daß vielleicht die Bewegun - gen in dem Auge und auf der Netzhaut, denen in dem Aether oder dem Licht, das auf ſie faͤllt, aͤhn - lich und oſcillatoriſch ſeyn moͤchten, aber nach ſeiner maͤnnlichen Art zu philoſophiren, wagte ers nicht einmal, von den Eindruͤcken auf das Gehoͤr daſſelbige zu vermuthen, obgleich auch hier die Bewegungen der Luft, die dieſe Eindruͤcke verur - ſachen, in Schwingungen beſtehen. Herr Prieſt - ley glaubet nach der Analogie berechtiget zu ſeyn, daſſelbige von allen Arten der Senſationen auch bey den uͤbrigen Sinnen annehmen zu duͤrfen.

Wenn man auch uͤber die Schwierigkeiten wegſieht, die daraus entſtehen, daß die weichen Nerven und das klebrichte Hirnmark zu keiner Art von Bewegungen weniger aufgelegt zu ſeyn ſchei - nen, als zu Vibrationen, ſo deucht mich doch, nichts ſey weniger wahrſcheinlich, als daß die geſamte ſinnliche Bewegung des Gehirns, die die mate - rielle Jdee ausmacht, ganz und gar in Schwin - gungen beſtehen koͤnne, wie es angegeben wird. Prieſtley hat, um dem erſtern Einwurf auszuwei -a 5chen,XVorrede. chen, bemerkt, daß ſtatt der Vibrationen, wohl eine andere Art von fortgehenden Bewegungen oder auch Druckungen gedacht werden koͤnne; allein dieß heißt in Hinſicht derſelben uns wieder - um auf unſere vorige Unwiſſenheit verweiſen, und die beſondern Beſtimmungen zuruͤcknehmen, die man doch als ihre Unterſcheidungsmerkmale an - gegeben hatte. Es mag vielmehr ſeyn, daß wahre Oſcillationen oder Wallungen in einem fluͤſſigen elaſtiſchen Koͤrper, wie die in der Luft und in dem Aether ſind, in dem Gehirn vorhanden ſind, wenn wir empfinden. Denn nach dem Urtheil der groͤß - ten Phyſiologen iſt man faſt genoͤthigt, außer den ſichtbaren Theilen des Gehirns noch eine andere ſeine Materie in demſelben anzunehmen, und alſo kann es wohl ſeyn, daß dieſe Materie, Lebensgei - ſter, Aether, oder wie wir ſie nennen wollen, die man aber in dem todten Koͤrper nicht mehr ſuchen muß, von ſolcher elaſtiſcher Natur ſey, wie die Materie des Lichts, und alſo auch eigentliche Schwingungen annehme. Aber wie ſoll man ſich dieſe Schwingungen als fortdauernd vorſtellen, und ſie fuͤr die materiellen Jdeen anſehen, die zu den ruhenden Jdeen im Gedaͤchtniß gehoͤren? und wenn dieß wenigſtens ſehr ſchwer iſt, wird man denn nicht ganz natuͤrlich zu dem Gedanken ge - bracht, jene Schwingungen in dem Aether muͤß - ten wohl noch auf eine andere beugſame und wei - che Materie im Gehirn wirken, die nicht ſo ela - ſtiſch ſey, daß ſie ſich jedesmal nach erlittener Ver - aͤnderung voͤllig wieder in ihre erſte Form herſtel - le, und in der alſo auch eigentlich die Spuren vondenXIVorrede. den Vibrationen aufbehalten werden koͤnnen, die man fuͤr die materiellen Jdeen in dem Gedaͤchtniß anſieht. Kann es nicht wenigſtens ſich alſo ver - halten? Und alsdenn iſt es ſchon keine richtige Anwendung der Analogie mehr, wenn Prieſtley ſchließet, daß derſelbige Antheil, den die oſcillato - riſchen Bewegungen an den Senſationen des Au - ges und vielleicht auch des Gehoͤrs haben, ihnen auch bey den Eindruͤcken des Gefuͤhls, des Ge - ſchmacks und des Geruchs in gleicher Maße zu - komme. Die Natur ſuchet Stufenverſchiedenhei - ten. Wenn die Bewegung in der Senſation nur zum Theil oſcillatoriſch iſt, oder nur von Einer Seite es iſt, ſo wird es wahrſcheinlicher, daß ſie bey den Senſationen des Geſichts es am meiſten ſey, weniger ſchon bey den Eindruͤcken aufs Ge - hoͤr, und noch weniger bey den uͤbrigen Sinnen; als daß ſie es bey allen auf gleiche Weiſe ſeyn ſollte.

Eine Hypotheſe iſt vielleicht der andern werth. Kann die Ausbildung und Entwickelung des See - lenweſens, die Entſtehung der Jdeenreihen, und das Wachſen des ganzen innern Gedankenſyſtems, der Urſprung der Fertigkeiten u. ſ. f. in ſo weit dieß alles etwas koͤrperliches in dem Gehirn iſt, nicht fuͤglich auf eine aͤhnliche Art vorgeſtellet wer - den, wie die Ausbildung, oder die Entwicke - lung, und das Auswachſen der organiſirten Koͤrper? Brauchte denn die Bonnetiſche Sta - tue, da ſie noch ganz ideenlos war, ſchon ein voͤl - lig ausgewachſenes, mit allen ausgebildeten Vor - ſtellungsfibern verſehenes Organ zu haben, demnichtsXIIVorrede. nichts fehlet, als nur, daß es von den Eindruͤcken aͤußerer Dinge in Bewegung geſetzt werde, und dadurch gewiſſe Dispoſitionen erlange? Jſt nicht vielleicht das Gehirn in Hinſicht derjenigen Orga - niſation, die es zum Werkzeug der Seele macht, vor der Entwickelung der Seele, ehe dieſe Em - pfindungen und Jdeen aufgeſammlet hat, in ei - nem aͤhnlichen eingewickelten Zuſtande, als ein organiſirter Koͤrper in ſeinem Keim iſt, der nur Anlagen hat, ein Syſtem von Faſern zu bekom - men, oder doch, wenn man nach der Jdee von der Bonnetiſchen Evolution ſich die Sache vorſtellet, dieſe Faſern nur in ihren erſten Anfaͤngen beſitzet? Die Einrichtung der Denkmaſchine wuͤrde auf dieſe Art der Entwickelung des ganzen organiſir - ten Koͤrpers aͤhnlich und gleichartig ſeyn; die zu - ruͤckbleibenden Spuren der Eindruͤcke wuͤrden bey dem Gehirn ſolche Verlaͤngerungen und Verdi - ckungen der Denkfaſern ſeyn, wie bey der Entwi - ckelung des Embryons, und bey dem Auswachſen vorkommen. Aber ſo wie jeder Schritt in der Entwickelung des organiſirten Koͤrpers Bewegun - gen erfodert, wodurch die naͤhrende Materie durch die ſchon vorhandene Organiſation vertheilet wird, ſo koͤnnten bey dem Organ des Denkens die ſinnlichen Eindruͤcke von außen die Stelle dieſer Bewegungen vertreten, und wenigſtens die erſten Reizungen der Kraͤfte dazu abgeben. Und dann mag auch die Hartleyiſche Jdee hier eingeſchoben werden, daß naͤmlich dieſe reizende und die Ent - wickelung befoͤrdernde Bewegungen in Vibratio - nen beſtehen. Es iſt meine Abſicht nicht, eineneueXIIIVorrede. neue Hypotheſe in Gang zu bringen, da wir ihrer ohne dieß ſchon genug haben, ob ich gleich glaube, daß man dieſer letztern eben ſo viel Anſehen aus der Analogie geben koͤnne, als jeder andern. Jch fuͤhre dieſe noch moͤgliche Erklaͤrungsart nur an, um zu zeigen, daß man noch jetzo alle Moͤglichkei - ten, die hierbey Statt finden koͤnnen, nicht durch - gerathen habe. Jch wage es nicht, etwas zu be - ſtimmen, ſo lange die innere Einrichtung des Ge - hirns, die Natur ſeiner organiſchen Kraͤfte, und deren Wirkungsarten und Geſetze in ſo dicker Finſterniß gehuͤllet ſind, als ſie es zur Zeit noch ſind.

Jſt dieſe Anmerkung gegruͤndet, ſo laͤßt es ſich leicht uͤberſehen, wohin man am Ende mit al - len Bemuͤhungen, den Mechanismus der Seelen - veraͤnderungen darzuſtellen, kommen werde. Kei - nen Schritt weiter, als daß man etwan mehrere Fakta aufſammlet, die das Daſeyn gewiſſer blei - bender Spuren in dem innern Seelenkoͤrper be - ſtaͤtigen, deren Natur wir aber nicht erkennen. Unſere Einſicht von der Beſchaffenheit dieſes Me - chanismus iſt durch die neuern Auſloͤſungen um nichts verbeſſert, und noch weniger gewinnt ſie da - durch, daß man die Ausdruͤcke aͤndert, und Fiber - ſchwingungen nennet, was man ſonſten Vorſtel - lungen oder Jdeen genennet hat.

Allein die zwote Folge, die ich aus dem Ge - ſagten hier vornehmlich ziehen will, iſt auffallen - der. Wenn auch dieſe metaphyſiſchen Analyſen etwas reelleres lehrten, als ſie wirklich nicht leh - ren, ſo darf man doch die Unterſuchung der SeelemitXIVVorrede. mit ihnen nicht anfangen, ſondern nur endigen. Die pſychologiſche Aufloͤſung muß vorhergehen. Jſt dieſe einmal beſchaffet, ſo iſt die metaphyſi - ſche auf eine Aufloͤſung einiger weniger Grund - vermoͤgen und Wirkungsarten zuruͤckgebracht, und iſt alsdenn, wofern ſie ſonſt nur auf zuverlaͤſ - ſigen Gruͤnden beruhet, in der Kuͤrze ſo weit zu bringen, als ſie uͤberhaupt gebracht werden kann. Fehlet es aber noch an jener Erfahrungskenntniß von den Grundvermoͤgen, ſo iſt es vergeblich, dieſe aus einer uns ſo ſehr verborgenen Organiſation begreiflich machen zu wollen. Hiezu koͤmmt noch, daß, ſo weit man auch in der metaphyſiſchen Pſy - chologie fortgehet, die Richtigkeit ihrer Saͤtze im - merfort durch die Beobachtungskenntniſſe gepruͤft werden muͤſſe.

Jndeſſen iſt es, ſo zu ſagen, ein neuer Ge - ſichtspunkt, wenn man die Seelenveraͤnderungen ſich von der Seite vorſtellet, wo das Gehirn An - theil daran hat, und dieſer kann eine Gelegenheit geben, ſie beſſer und voͤlliger zu ſehen. Vielleicht wird die neuere Analyſis auch der Erfahrungs - kenntniß endlich dieſen Nutzen bringen; aber zur Zeit ſcheint es nicht, daß ſie es gethan habe. Nicht einmal die Wirkungen des Verſtandes und die Natur der Erkenntniſſe ſind beſſer und deutlicher von denen entwickelt, die nach des Herrn Bon - nets Beyſpiel ſie zergliedert haben, als von an - dern, ſondern man moͤchte eher ſagen, daß die neue Methode in dieſer Hinſicht geſchadet habe. Was faſt jedesmal in den Wiſſenſchaften ge - ſchieht, wenn Epoche gemacht wird, das iſt auchhierXVVorrede. hier geſchehen. Die neue Betrachtungsart, wel - che gemeiniglich auch eine Umaͤnderung des Rede - gebrauchs nach ſich zieht, zeiget die Sachen aus einem neuen Standort, an dem man noch nicht gewohnt iſt, und wo man ſie daher auch nicht ſo beſtimmt und deutlich faſſet, als man ſie vorher aus dem alten gefaßt hatte; man ſieht ſie alſo im Anfang verwirrter und ſchlechter. Die Begierde, Seelenbeſchaffenheiten als Gehirnsveraͤnderungen ſich vorzuſtellen, hat einige neuere Beobachter manches in den Geſetzen des Denkens uͤberſehen laſſen, was ihrer Scharfſinnigkeit nicht entwiſcht ſeyn wuͤrde, wenn ſie dieſen Theil unſers Jnnern nicht in der unvortheilhaften Stellung der Hypo - theſe geſehen haͤtten. Beyſpiele davon werden in den folgenden Verſuchen vorkommen.

Gleichwohl iſt der Hang der Forſcher, mit Vermuthungen da durchzubrechen, wo mit Er - fahrung und Vernunft allein nichts auszurichten iſt, ſo nuͤtzlich als natuͤrlich, und in der Pſycholo - gie ſowohl als in andern Wiſſenſchaften. Der Hypotheſendichter traͤgt das ſeinige zur Fortbrin - gung der Erkenntniß bey, wie der Beobachter, und der luftige Syſtemenmacher hat ein Verdienſt, wie der, welcher Vernunft auf Erfahrungen bauet; nur jeder in ſeiner Maße. Ueberdieß iſt es in an - dern Hinſichten nuͤtzlich, zuweilen gar nothwendig, die feſten Kenntniſſe mit leichten Vermuthungen zu verſetzen, wie das Gold mit unedlern Metal - len, wenn man es zum gemeinen Gebrauch ver - arbeitet. Aber der Freund der Wahrheit wird es doch eingeſtehen, daß man nicht ſagen koͤnne,daßXVIVorrede. daß Kenntniſſe zweckmaͤßig bearbeitet werden; von ſolchen iſt naͤmlich die Rede, wobey es nicht ſowohl auf eine Unterhaltung als auf wahre Be - lehrung des Verſtandes ankommt; wenn nicht die Mittelrichtung aller Bemuͤhungen auf richtige Beobachtungen und Vernunftſchluͤſſe hingehet, von welchen allein nur die ſtarke und feſtſtehende Ueberzeugung zu erwarten iſt, die der Forſcher verlanget. Es darf nicht geſagt werden, daß es an ſolchen Kenntniſſen in der beobachtenden Pſy - chologie noch fehle. Es fehlet ihr auch noch an ſolchen Stellen daran, die ſchon mehrmalen unter - ſucht ſind. Genauere Beobachtungen uͤber den Verſtand; ſo hoͤren z. B. die Verwirrungen in der Lehre von dem gemeinen Menſchenverſtande von ſelbſt auf. Die heftigen Angriffe auf die rai - ſonnirende Vernunft, welche den Menſchenver - ſtand aufheben ſollte, und die Ungewißheit, wor - an man ſich zu halten habe, wenn das Raiſonne - ment wirklich von dem gemeinen Verſtande ab - weichet, wie es zuweilen geſchieht, haben keinen andern Grund, als Mißkenntniß von beiden, und von ihrer natuͤrlichen Beziehung auf einander, die man nicht genau genug betrachtet hatte. Beob - achten und Vergleichen weiſet uns, wie ich meine, ſehr bald wieder uͤber dieſen Punkt zurecht.

So weit von der Nothwendigkeit der beobach - tenden Methode; nur noch ein Wort von ihren Schwierigkeiten. Das meiſte bey ihr beruhet auf einer richtigen Beobachtung der einzelnen Wir - kungen, auf ihrer Zergliederung, und dann beſon - ders auf ihrer Vergleichung, wodurch einzelneSaͤtzeXVIIVorrede. Saͤtze zu Allgemeinſaͤtzen der Erfahrung erho - ben werden. Jede dieſer Operationen hat ihre Hinderniſſe. Es giebt bey dem innern Sinn, wenn nicht mehrere, doch ergiebigere Quellen zu Blendwerken, als bey dem aͤußern; wogegen ich kein Mittel weiß, das wirkſam genug waͤre, um ſich dafuͤr zu verwahren, als die Wiederholung derſelbigen Beobachtung, ſowohl unter gleichen, als unter verſchiedenen Umſtaͤnden, und jedesmal mit dem feſten Ent - ſchluß vorgenommen, das, was wirkliche Em - pfindung iſt, von dem, was hinzu gedichtet wird, auszufuͤhlen, und jenes ſtark gewahr zu nehmen. Wer dieß nicht kann, iſt zum Beobachter der Seele nicht aufgelegt.

Das ſchlimmſte iſt, daß man ſich am mei - ſten vor der Seelenkraft in Acht zu nehmen hat, die ſonſten die beſten Dienſte thun kann, und auch wirklich thun muß, wenn der Blick in uns ſelbſt etwas eindringen ſoll. Es iſt die Phantaſie, und noch naͤher die ſelbſtthaͤtige Dichtkraft, deren Eingebungen nur zu leicht mit Beobachtungen, und mit Begriffen aus Beobachtungen verwechſelt werden. Jndem der Verſtand das wirklich Vorhandene oder Gefuͤhlte gewahrnimmt, bemerket, und nach - her eins mit dem andern vergleichet, ſo wirket die ſelbſtthaͤtige Phantaſie zur Seite, loͤſet Bilder auf, und vermiſcht ſie wieder, und webet fremde Jdeen hinein, die in der Em - pfindung nicht enthalten waren. Alsdenn ent - ſtehet eine Vorſtellung in uns, die eine getreueI. Band. bAbbil -XVIIIVorrede. Abbildung des Wirklichen, oft ein Gemein - begriff aus mehrern einzelnen Empfindungen zu ſeyn ſcheinet, und die wir geneigt ſind, da - fuͤr anzunehmen, weil ſie ein Kind unſers Witzes iſt. Je lebhafter die Phantaſie iſt, deſto haͤufiger ſind ſolche Meteoren, und den - noch ſiehet man auch ohne eine ſtarke Phanta - ſie nichts. Hier muß ſich nun der wahre Be - obachtungsgeiſt zeigen, und jene ſtarke Phan - taſie auf die Darſtellung des Wirklichen ein - zuſchraͤnken wiſſen. Es iſt ſchwer, ſich in Hinſicht dieſer Suggeſtionen der Dichtkraft allemal ſo zu benehmen, wie man ſoll. Sie koͤnnen ſcharfe Bemerkungen eines Genies ſeyn, die richtig ſind, aber eben ſo wohl auch nur Jrrwiſche, die uns mißleiten. Ein Be - griff von einer wirklichen Sache, den der Ver - ſtand aus Empfindungen bildet, ſeinen noth - wendigen Denkgeſetzen gemaͤß, iſt etwas an - ders als eine Jdee der Dichtkraft, die nur durch die Empfindungen veranlaſſet wird, und nur nebenher waͤhrend des Gefuͤhls entſtehet. Jmgleichen iſt eine Folgerung unſerer Ver - nunft aus der Empfindung etwas anders, als eine Jdee, die von der Phantaſie der Empfin - dung als eine Folge von ihr zugeſetzet wird. Oftmals kommt man daruͤber nicht zur Ge - wißheit, als bis das ganze Verfahren mehr - malen wiederholet, und ſorgfaͤltig zergliedert worden iſt. Ueberhaupt aber haben ſolche Dich - tungen einen Werth, wenn ſie von wahren Genies herruͤhren. Auch bloße Einfaͤlle vondieſenXIXVorrede. dieſen eroͤffnen neue Ausſichten fuͤr den lang - ſam forſchenden Beobachter, und geben ihm Gelegenheit, Wege zu finden, wo ſein Gang leichter iſt. Der Syſtemmacher hat ſie zu fuͤrchten, da ſie oft mit Gewalt durch ſeine Gewebe von Betrachtungen hindurch fahren, und es zerreißen; aber richtiges Raiſonne - ment, auf wahre Beobachtungen gebauet, kann dabey ſicher ſeyn. Dieß laͤßt ſich nicht von Einfaͤllen umwerfen.

Eine der vornehmſten Operationen bey der beobachtenden Methode beſtehet in der Ver - allgemeinerung der beſondern Erfahrungs - ſaͤtze, die aus einzelnen Faͤllen gezogen ſind. Hievon haͤngt die Staͤrke der Methode ab. Die Beobachtung hat fuͤr ſich allein nur mit dem Jndividuellen zu thun. Was hierinn enthalten iſt, die Art, wie es hervorgebracht wird, und das Geſetz, wornach die Urſachen wirken, das lehret die Beobachtung. Aber daſſelbige wird auf ganze Gattungen von Din - gen uͤbertragen, von denen man weiß, daß ſie den beobachteten aͤhnlich ſind. Jſt es die Vergleichung, welche dieſe Aehnlichkeit in ihrem ganzen Umfange zeiget, oder, erſtrecket ſich die beobachtete Aehnlichkeit auf die weſent - lichen Beſchaffenheiten, von welchen auf die Aehnlichkeit in den uͤbrigen Beſchaffenheiten geſchloſſen werden kann, wie von der Aehnlich - keit der Urſachen, auf die Aehnlichkeit der Wir - kungsgeſetze und der Wirkungen, und umge - kehrt, ſo hat die Allgemeinheit der Saͤtze ihreb 2nichtXXVorrede. nicht zu bezweifelnde voͤllige Gewißheit. Kann jene Aehnlichkeit nur in Hinſicht einiger Stuͤcke beobachtet werden, ſo iſt die Uebertragung nach der Analogie nur wahrſcheinlich; dage - gen iſt ſie eine pure Hypotheſe, wenn ſie auf nichts mehr beruhet, als auf die bloße Moͤg - lichkeit, daß es mit andern ſich eben ſo verhal - ten koͤnne, als es ſich mit dem verhaͤlt, was unmittelbar beobachtet iſt. Bey der Graͤnze zwiſchen der vollen Gewißheit und der Wahr - ſcheinlichkeit darf es ſo genau nicht genommen werden, aber deſto mehr iſt darauf zu ſehen, daß nicht das bloße So ſeyn koͤnnen, mit der Wahrſcheinlichkeit verwechſelt werde, daß es ſo ſey. Die letztere ſetzet gewiſſe Anzeigen in den Beobachtungen voraus. Jn jenem Fall wird auf eine Hypotheſe gebauet, aber in dem letztern wird ein Schluß aus der Analogie gemacht, der deſto wahrſcheinlicher iſt, je be - ſtimmter die Anzeigen ſind, aus denen man die Aehnlichkeit gefolgert hat. Hier iſt auch zu - weilen der ſorgfaͤltigſte Beobachter in Gefahr, unvermerkt auf leere Vermuthungen zu gera - then. Es kommen hievon gleich in der erſten Unterſuchung Beyſpiele vor. Mit unſern Jdeen von den Farben hat es dieſelbige Be - ſchaffenheit, wie mit den Jdeen von den Fi - guren, die das Geſicht giebet; ſie haben einer - ley Natur, einerley Beſtandtheile, einerley Entſtehungsart. Dieß wird durch die Ver - gleichung zur vollen Gewißheit gebracht. Nun ſind auch die Vorſtellungen des Gehoͤrs gleich -fallsXXIVorrede. falls Vorſtellungen von einerley Natur mit den Jdeen des Geſichts, nur das Objektiviſche ab - gerechnet, und das, was von dem Unterſchied der Sinnglieder abhaͤngt. Auch bis hieher fuͤhrt die Beobachtung mit Sicherheit. Aber wenn man dieß weiter ausdehnet, und nach der Analogie folgert, daß es mit allen Arten von Jdeen aus dem aͤußern Sinn die naͤmliche Beſchaffenheit habe, und noch weiter, daß es auch mit den Jdeen der Seele von ſich ſelbſt und ihren innern Beſchaffenheiten ſich ſo ver - halte, ſo zeigen ſich neue Schwierigkeiten, da die letztern ſich auch auf eine andere Art er - klaͤren laſſen. Alsdenn muß man bey einer Hypotheſe ſtehen bleiben, oder Data in den Empfindungen aufſuchen, welche dieſe Aehn - lichkeit zum mindeſten in ſolchen und ſo vielen Punkten beſtaͤtigen, daß eine Wahrſcheinlich - keit daraus erwaͤchſet, ſie koͤnnen auch in Hin - ſicht der uͤbrigen angenommen werden, die man nicht beobachten kann. Jch habe in ſol - chen Faͤllen mirs zur Regel gemacht, dieſe An - zeigen oder Data, jedesmal, ſo weit ich konn - te, aufzuſuchen.

Wenn Leibnitz ſagte, man koͤnne der Er - fahrungen zu viele aufſammlen, und die Phi - loſophie als die Einſicht ihres Zuſammen - hangs, dadurch hindern, ſo hatte er ohne Zweifel in ſo ferne Recht, als die Ruͤckſicht auf gar zu viele und zu ſehr unterſchiedene Faͤlle es ſchwer macht, ein allgemeines Geſetz aus ihnen abzuſondern. Die Menge der kleinenb 3Ver -XXIIVorrede. Verſchiedenheiten in den Einzelnen, verhindert die Ueberſicht des Ganzen und die Entdeckung des Aehnlichen. Aber wenn aus einigen an - geſtellten Vergleichungen allgemeine Begriffe und Regeln abſtrahirt ſind, und ſolche ausge - dehnet und auf andere Erfahrungen angewen - det werden ſollen, ſo kann man der Erfahrun - gen nicht zu viel haben, um hierinn ſicher zu gehen.

Der Gebrauch der Analogie enthaͤlt den Schluß, daß eine Sache, die der andern in Hinſicht einiger Beſchaffenheiten aͤhnlich iſt, es auch in Hinſicht mehrerer ſeyn werde, ohne daß eine nothwendige Verbindung zwiſchen dieſen letztern Beſchaffenheiten und den erſtern einleuchte. Denn wo dieß Statt findet, da hat die Analogie nur zuerſt auf den Weg ge - wieſen, aber die Folgerung, die aus ihr ge - macht iſt, wird durch einen richtigen Schluß zur Gewißheit gebracht.

Wer nur einigermaßen die Werke der Na - tur kennet, weiß es, wie oft die Analogie ein richtiger Wegweiſer geweſen iſt, und auch, wie oft ſie irrig geleitet hat. Hr. Bonnet wuͤnſchte deswegen, daß aus der Vergleichung dieſer verſchiedenen Faͤlle allgemeine Maximen uͤber ihren Gebrauch aufgeſuchet werden moͤchten. Ohne Zweifel wuͤrden dieſe ein vortrefliches Stuͤck einer logiſchen Vermuthungskunſt ab - geben, woran es noch fehlet, obgleich ein jeder Menſch von gutem Verſtande etwas davon beſitzet, und in ſeiner Sphaͤre von KenntniſſenoftXXIIIVorrede. oft gluͤcklich anwendet. Die Quelle, worauf Hr. Bonnet verwieſen hat, um ſolche Bemer - kungen zu ſammeln, iſt auch die ergiebigſte; naͤmlich die Beobachtung der Aehnlichkeiten in den wirklichen Dingen. Aber dennoch erwarte ich nicht, daß man auf dieſem Wege etwas mehr als Materialien und einzelne Beyſpiele ſammlen werde, die nie zu einem Ganzen wer - den koͤnnen, wenn nicht eine allgemeine Phi - loſophie, uͤber die Beziehungen aller Arten von Beſchaffenheiten in den Dingen auf einander, zu Huͤlfe kommt. Ohne dieſe wird man zum mindeſten nicht alles recht deutlich uͤberſehen, worauf es ankommt. Wie und wie weit fol - get z. B. die Aehnlichkeit in den Wirkungen der Aehnlichkeit in den Urſachen? und umge - kehrt dieſe jener? Wie weit folgt die Aehn - lichkeit in dem Jnnern der Aehnlichkeit in dem Aeußern? Von welcher Groͤße von Aehnlich - keit laͤßt ſich auf eine voͤllige oder doch auf eine noch weiter ſich erſtreckende, und von welcher Gattung von Aehnlichkeiten auf eine andere fortſchließen? Denn dieſe Frage: wie wahr - ſcheinlich es ſey, daß eine Aehnlichkeit in einer gewiſſen Gattung von Beſchaffenheiten, mit einer Aehnlichkeit in einer andern Gattung von Beſchaffenheiten verbunden ſey? iſt von einer andern Frage: wie weit mit dieſer oder jener beſondern Beſchaffenheit eine andere beſondere wahrſcheinlich vergeſellſchaftet ſey? unterſchie - den. Es giebt in den einzelnen Beyſpielen allgemeine Gruͤnde der Analogie; und esb 4giebtXXIVVorrede. giebt beſondere. Solche mit einiger Voll - ſtaͤndigkeit zu uͤberſehen, dient die Spekulation des Metaphyſikers als das Eine Auge, und die Beobachtung der Natur als das zweyte; wenn gleich dieß letztere das fertigſte iſt, wo - mit man am oͤfterſten allein ſiehet. Es haben doch auch die Logiker und Metaphyſiker durch ihre allgemeine Betrachtungen wirklich hierinn etwas vorgearbeitet, und ich wollte nur bey - laͤufig erinnern, daß man ihre Bemuͤhungen nicht fuͤr ſo ganz unbedeutend anzuſehen habe.

Als ein Beyſpiel einer beſondern Maxime bey dem Gebrauch der Analogie, wie Hr. Bon - net ſie wuͤnſchte, kann vielleicht die nachſtehen - de Bemerkung dienen, die uns oft bey pſycho - logiſchen Beobachtungen an die Hand gegeben wird. Schließt man nach der Analogie, ſo wird vorausgeſetzt, daß die Natur einfoͤrmig und ſich im Jnnern aͤhnlich ſey, von der wir doch auch zugleich wiſſen, daß ſie die Abwech - ſelung und Mannigfaltigkeit bis ins Unendli - che liebet. Das letztere offenbaret ſich am er - ſten und am haͤufigſten in den Groͤßen, in Graden und Stufen; die Einfoͤrmigkeit fin - det mehr in den abſoluten Qualitaͤten Statt. Je mehr man die Wirkungen der Natur ſtu - diert, je mehr naͤhert man ſich der großen leib - nitziſchen Jdee, die Mannigfaltigkeit in den Dingen beſtehe am Ende nur in einem Mehr und Weniger in den Groͤßen der Grundkraͤfte, wobey die Kraͤfte ſelbſt einerleyartig ſind, und dieſelbigen allgemeinen Geſetze befolgen. AberbisXXVVorrede. bis dahin kann man nicht hinaufgehen, weder in der Naturlehre noch in der Pſychologie. Wenn man auch zugeben wollte, daß wir von dieſer einfoͤrmigen Urkraft der Dinge einen Begrif haͤtten, und daß ſolche eine vorſtellende Kraft ſey, wofuͤr ſie Leibnitz anſah, ſo koͤn - nen wir doch nimmermehr in den Stand kom - men, die Erſcheinungen der Koͤrper bis dahin aufzuloͤſen. Eine ſolche Analyſis bleibet nur dem Verſtand des Unendlichen vorbehalten. Unſre Erkenntniß von der wirklichen Welt er - fodert es, eine zwiefache Grundverſchiedenheit in den Dingen anzunehmen, eine abſolute in den Grundkraͤften und ihren Beſchaffenhei - ten, und noch eine andere in den Quantitaͤten.

Nun ſage ich, wo wir von einem Dinge auf ein anders ſchließen, weil gewiſſe Anzei - chen der Analogie vorhanden ſind, da iſt es immer zu vermuthen, daß ſie verſchieden ſind in Hinſicht alles deſſen, wobey es auf ein Mehr oder Weniger ankommt, aber dagegen einerley ſind in Hinſicht der Qualitaͤten. Hat man beobachtete Objekte aufgeloͤſet, und ihre Einrichtung aus der Verbindung ihrer Beſtandtheile und deren Beziehungen auf ein - ander begriffen, ſo kommt es darauf an, daß man alles abſondere, was eine Groͤße iſt, was auf Zahl, Menge, Graden der Staͤrke, Laͤnge und Kuͤrze der Zeit, Groͤßen der Ausdehnung u. ſ. w. beruhet; alsdenn kann es eine Regel ſeyn, daß ein anders Objekt in Hinſicht der uͤbrigen abſoluten Qualitaͤten mit dem erſten,b 5gleich -XXVIVorrede. gleichartig und von einerley Natur, in Hin - ſicht der Groͤßen aber verſchieden ſeyn werde, wenn naͤmlich ſonſten Gruͤnde zu einem analo - giſchen Schluß vorhanden ſind. So iſt es, um nur in der Pſychologie zu bleiben, wahr - ſcheinlicher, was aber doch auch naͤher bewie - ſen werden kann, daß bey allen Arten von Vorſtellungen eben dieſelbige Kraftanwendun - gen der Seele vorgehen, und daß ſie alle nach einem allgemeinen Geſetz gemacht werden, als daß hierinn die Eine Gattung weſentlich von der andern unterſchieden ſey; ſo wie es auch dagegen gewiß iſt, daß die Laͤnge, Groͤße und Staͤrke der einzelnen Seelenveraͤnderungen bey ihnen verſchieden ſind. Schließen wir von Menſchenſeelen auf Thierſeelen, ſo iſt es ſolan - ge wahrſcheinlich, daß ihr Unterſchied nur ein Stufenunterſchied ſey, bis ihre Aeußerungen uns auf eine weiter gehende Weſensungleich - artigkeit hinweiſen. Solche Aufloͤſungen der Seelenkraͤfte, wobey das Charakteriſtiſche jed - weder Klaſſe, die aͤußere Verſchiedenheit aus den Gegenſtaͤnden bey Seite geſetzt, auf ein Mehr und Weniger reduciret wird, haben eine ſtaͤrkere Vermuthung fuͤr ſich, als andere.

Da es aber ſchwer iſt, und bey den fortge - ſetzten Aufloͤſungen ſo gar unmoͤglich wird, die Quantitaͤten, und was daraus folget, von dem, was eine Qualitaͤt iſt, genau abzuſon - dern, ſo iſt es begreiflich, daß eine ſolche Ma - xime, wie die hier gegebene iſt, nicht erlaube, ihr blindlings zu folgen, noch uns der Muͤheuͤber -XXVIIVorrede. uͤberhebe, ſorgfaͤltig auf alle Umſtaͤnde zuruͤck zu ſehen, worunter wir ſie anwenden. Ver - ſchiedene neuere Philoſophen finden die Mate - rialitaͤt der Seele, der Analogie, der Natur und der Stufenleiter der Dinge gemaͤßer, als ihre weſentliche Verſchiedenartigkeit von dem Koͤrper. Die Natur gehet herauf von groͤbe - rer zu feinerer Organiſation in ihren zuſam - mengeſetzten Weſen, aber von der Organiſa - tion zur Jmmaterialitaͤt ſcheinet ein Sprung zu ſeyn, der ſich nicht wohl von ihr erwarten laͤßt. Mich deucht, es laſſe ſich dieſelbige Art zu ſchlieſ - ſen umkehren, und eben ſo gut fuͤr die Jmma - terialitaͤt der Seele gebrauchen, als gegen ſie, und vielleicht noch beſſer. Fangen wir bey den Pflanzen und organiſirten nicht beſeelten We - ſen an, und gehen zu den Thieren uͤber, ſo ſe - hen wir auf Weſen, in welchen das innere Princip ihrer Lebensbewegungen durch alle Theile des Ganzen faſt gleichfoͤrmig vertheilet iſt, andere Weſen in der Stufenleiter ſtehen, wo ſolches mehr auf gewiſſe innere Theile, auf ein Gehirn, oder auf ein Fibern - und Nerven - ſyſtem zuſammengezogen iſt. Jn den Poly - pen ſind die Principe der Empfindlichkeit und der Bewegung wie in den Pflanzen allenthal - ben verbreitet, aber in den Polypen ſind ſie mehr und genauer mit einander zu Einem Ganzen vereinigt, haben mehr Gemeinſchaft mit einander, und machen ein inniger verbun - denes Eins aus, als die vegetirende Kraft in den Pflanzen, die mehr in jedem Theil fuͤr ſichabge -XXVIIIVorrede. abgeſondert iſt, ob ſie gleich auch hier ein Eins ausmacht, und einen gewiſſen Hauptſitz hat. Dieſer Unterſchied kann allerdings auf ein Mehr oder Weniger beruhen und Stufenver - ſchiedenheit ſeyn. Jn den Jnſekten, die ſich nicht aus jeden Stuͤcken wieder ergaͤnzen, ſchei - net, das Nervenſyſtem ſchon irgendwo eine beſondere Stelle zu haben, wo das vornehmſte Princip der Thierheit ſeinen Sitz hat. Jn den Thieren mit einem eigentlichen Gehirn geht dieß noch weiter. Dieſe ſind in einem hoͤhern Grade Einheiten. Denn ſie haben Einen Mittelpunkt, wohin alle Eindruͤcke von außen ſich vereinigen, und woher alle Thaͤtigkeiten von innen herausgehen. Wenn man nun in dieſer Stufenleiter hinaufſteiget, der Analo - gie der Natur, und ihrer Mannigfaltigkeit in allen, wobey ein Mehr und Weniger ſtatt fin - det, gemaͤß, ſo meine ich, man muͤſſe von ſelbſt Eine Gattung von zuſammengeſetzten Weſen vermuthen, wo dieſer Mittelpunkt der Empfin - dungen und der Bewegungen, das regierende Princip des Syſtems oder die Entelechia deſ - ſelben, oder, in der Sprache der Chemiſten, der Spiritus Rector, eine voͤllige das iſt eine ſubſtanzielle Einheit ſey oder Ein fuͤr ſich be - ſtehendes Ding. Die Demokratie fuͤhrt durch eine Stufenleiter uͤber die Ariſtokratie zur Mo - narchie. Warum nicht auf eine aͤhnliche Art die Pflanzen - und Polypenorganiſation zu der Menſchlichen? Jn jener iſt es ein ganzes Ag - gregat von Weſen in Verbindung mit einan -der,XXIXVorrede. der, davon jedwedes einzelne einen faſt glei - chen Antheil an dem ganzen regierenden Prin - cip hat; in dieſem iſt eine einzige Subſtanz, die als Jch die Herrſchaft fuͤhrt, oder doch we - nigſtens uͤberwiegende Vorzuͤge hat. Wenn der Menſch auf dieſer aͤußerſten Stufe ſtehet, ſo iſt es wiederum der Analogie der Natur ge - maͤß, nach welcher keine einzelne Beſchaffen - heit Einer Gattung von Dingen allein zu - kommt, daß dieſelbige Einheit einer Seele, als herrſchenden Subſtanz, auch in noch mehrern Thierarten vorhanden ſey, obgleich die Herr - ſchaft der Seele in ihnen mehr eingeſchraͤnkt iſt, wobey eine unendliche Mannigfaltigkeit in Graden Statt finden kann.

So ſorgfaͤltig ich uͤbrigens die Einmiſchung der Hypotheſen unter den Erfahrungsſaͤtzen zu vermeiden geſucht, ſo habe ich deswegen mich doch nicht enthalten, Folgerungen und Schluͤſ - ſe aus den Beobachtungen zu ziehen, und ſie dadurch zu verbinden. Auch habe ichs mir hie und da erlaubet, eine Anwendung von allge - meinen Betrachtungen zu machen. Die Er - fahrungen ſind jedesmal von den Raiſonne - ments die man uͤber ſie anſtellet, zu unter - ſcheiden, aber es iſt hier deſto mehr erlaubet, ſie darunter zu miſchen, da man in der Pſycho - logie an ſimpeln Aufzaͤhlungen der Begeben - heiten noch nicht ſo gewoͤhnt iſt, als in der Na - turlehre. Zum Theil iſt es hier auch ſchwe - rer, die Raiſonnements ſo ſtrenge abzuſondern. Sollte eine voͤllige Umarbeitung der Seelen -lehreXXXVorrede. lehre noch einmal es noͤthig machen, auch hier - inn genauer die Methoden der Naturlehrer zu befolgen, ſo kann es vor der Hand doch nicht ſchaden, daß zugleich raiſonnirt und beobach - tet wird. Am Ende ſind es doch die Reflexio - nen und Schluͤſſe, die die ſimpeln Beobach - tungen erſt recht brauchbar machen, und ohne die wir beſtaͤndig nur auf der aͤußern Flaͤ - che der Dinge bleiben muͤßten. Aber meine Abſicht in dieſen Verſuchen hat es erfodert, theils die eingeſtreueten Raiſonnements nir - gends weiter zu verfolgen, als bis dahin, wo ihre Uebereinſtimmung mit den Erfahrungen noch offenbar iſt; theils ſie nicht anders anzu - bringen, als wo ich glaubte, daß ſie und ihre Gruͤnde eben ſo evident ſeyn wuͤrden, als die Beobachtungen ſelbſt. Der Geiſt des Sy - ſtems verleitet ſonſten eben ſo ſehr, als die Phantaſie, und ich habe es ſo lebhaft gefuͤhlet, wie ſchwer es ſey, unſer Jnneres ſo zu ſehen, wie es iſt, daß es mich nicht befremden wird, wenn man finden ſollte, ich haͤtte hie und da ein Raiſonnement fuͤr eine Beobachtung ange - ſehen.

Jch wiederhole die Erklaͤrung, daß es mein feſter Vorſatz geweſen ſey, auf nichts zu fußen, als was entweder unmittelbare Beob - achtung ſelbſt iſt, oder evidente und durch die Uebereinſtimmung der Beobachtungen beſtaͤ - tigte Vernunft. Dieſe Abſicht vor Augen, habe ichs verſuchet, die Faͤhigkeiten der Seele in die einfachſten Vermoͤgen aufzuloͤſen, undzuXXXIVorrede. zu den erſten Anfaͤngen dieſer Vermoͤgen in der Grundkraft mich ſo weit hin zu naͤhern, als ichs moͤglich fand. Mit den Erkenntnißfaͤhig - keiten iſt der Anfang gemacht. Hier haben faſt alle Pſychologen den Eingang zu dem Jn - nern der Seele am offenſten gefunden, und es beweiſet der Erfolg, daß wirklich die Seele ſich an dieſer Seite am deutlichſten aͤußere, da keine andere Art von ihren Aeußerungen ſich ſo gut zergliedern laͤſſet, als Vorſtellungen und Gedanken.

Dieſe erſten Unterſuchungen ſetzen uns in den Stand, beſſer die neuern Hypotheſen uͤber die Natur unſers Seelenweſens zu beurtheilen. Die Bonnetiſche verdient vor andern die ſorgfaͤltigſte Pruͤfung. Sie kann die Bonne - tiſche heißen, ob gleich Hr. Bonnet nicht der erſte iſt, der ſie vorgetragen hat. Denn wenn man bis auf ihre erſte Anlage zuruͤck gehen wollte, ſo wuͤrde ſich ſolche, wie faſt zu allen andern von den Neuern weiter entwickelten Jdeen, bey den alten Philoſophen ſchon fin - den laſſen. Die ariſtoteliſche Jdee von der Seele als einer ſubſtanziellen Form des thie - riſchen Koͤrpers ſcheint nicht weit von der neuen Jdee, die ſie zu einer ſubſtanziellen Kraft des Gehirns macht, entfernet zu ſeyn. Gleich - wohl kann Hr. Bonnet, ſo viel ich weiß, auf die Ehre Anſpruch machen, dieſe Hypotheſe aufs genaueſte beſtimmet, ſie deutlich und aus - fuͤhrlich entwickelt, zur Erklaͤrung der beſon - dern pſychologiſchen Erfahrungen angewendet,undXXXIIVorrede. und durch ſeinen darſtellenden Vortrag faßlich und bekannter gemacht zu haben. Sie ſcheint immer mehr Beyfall zu finden, und vielleicht mehr, als ſie nach meiner Ueberzeugung ſollte, da ſie, wie ich meine dargethan zu haben, nicht ganz hinreichet, die Beobachtungen zu erklaͤ - ren, und aufs hoͤchſte nur Eine Seite unſerer Seelennatur richtig darſtellet. So viel raͤu - me ich ihr aber gerne ein, daß ihre Schwaͤche nicht ſo offenbar auffallend iſt, als einige ihrer Gegner ſich uͤberreden. Es wird oft wieder - holet, das Gehirn ſey als ein weicher, oder gar fluͤßiger Koͤrper unfaͤhig, bleibende Spu - ren von den Eindruͤcken der Dinge zu erhalten, und koͤnnen ſo wenig materielle Jdeen nach bonnetiſcher Vorſtellung in ſich haben, als das Waſſer die Figur eines Petſchafts be - halten kann, das man ſeiner Oberflaͤche auf - druͤckt. Wenn dieß ſchon genug iſt, die Un - moͤglichkeit der materiellen Jdeen zu zeigen, ſo hat Hr. Bonnet freilich eine große Abſurdi - taͤt behauptet, wie man von einem Philoſo - phen, der mit einer ſtarken Beurtheilungskraft die ausgebreitetſte Kenntniß der Natur verbin - det, nicht ſo leicht vermuthen ſollte. So ver - haͤlt ſichs aber wohl nicht. Hr. Bonnet wuß - te, was dieſe ſeine Widerleger nicht wiſſen, oder woran ſie nicht denken, daß es weiche, gallertige und breyartige Koͤrper gebe, und ſogar ſolche, die dem Anſchein nach fluͤßig ſind, worinn ſich nicht die mindeſte Spur von Or - ganiſation auch mit dem bewaffneten Augeentde -XXXIIIVorrede. entdecken laͤßt, die doch nichts deſtoweniger ei - ne Anlage zu einem organiſirten Koͤrper, zu - weilen auch dieſen ſchon ausgebildet mit allen ſeinen unterſchiedenen Theilen in ſich enthalten. Man darf nur ein Ey betrachten, um ſich davon zu uͤberzeugen, und wenn dieß noch nicht genug iſt, ſo erwaͤge man den Verſuch mit den Eyern der Spinnfliege, die nichts als eine fluͤßige, mil - chichte Subſtanz zu ſeyn ſcheinen, aber, nach - dem ſie einige Minuten im heißen Waſſer ge - kocht ſind, und dann geoͤffnet werden, die un - ter dem Schein des Fluidums verſteckten Nym - phen in ihren voͤlligen Formen darſtellen. *)Bonnets Betrachtungen uͤber die organiſirten Koͤrper, Erſter Th. 9tes Kap. Zweyter Th. 5tes Kap.Kann alſo auch nicht unter der breyartigen Geſtalt des Hirnmarks eine wahre Organiſa - tion verſteckt ſeyn? Nach dem Urtheil des groͤßten Phyſiologen, des Hrn. von Haller, macht die Aehnlichkeit der Steife dieſes Marks mit den Nerven es wahrſcheinlich, daß es faſe - richter Natur ſey, obgleich neulich ein britti - ſcher Arzt Hr. Kirkland dieß abgelaͤugnet hat, der es fuͤr einen bloßen Mukus, eine klebrichte Subſtanz angeſehen haben will. Vielleicht laſſen ſich beide Meinungen gewiſſermaßen mit einander vereinigen. Aber in jedem Fall iſt es ja offenbar, daß, obgleich keine ſichtbare Feſtigkeit in den innern Theilen des Gehirns vorhanden iſt, dennoch ein ſolcher Grad der Konſiſtenz, wie in den Eyern iſt, da ſeyn koͤnne,I. Band. cdieXXXIVVorrede. die hinreichet, beſtimmte Spuren von den dar - auf gemachten ſinnlichen Eindruͤcken in ſich zu erhalten. Das Waſſer dagegen hat nichts Organiſirtes, ſo wenig als ein jeder anderer Koͤrper, der nichts mehr als fluͤßig iſt, ſo daß die Vergleichung von dem auf das Waſſer ge - druckten Petſchaft von ſelbſt wegfaͤllt. Hr. Bonnet iſt dieſem Einwurf nicht zuvor gekom - men, ohne Zweifel darum, weil er nicht ver - muthete, daß er ihm wuͤrde gemacht werden.

Jndeſſen iſt doch nicht zu laͤugnen, daß eben dieſe Weichheit des innern Gehirnmarks, nach dem jetzigen Stande unſerer Kenntniſſe, als eine Anzeige und auch wohl als ein Beſtaͤti - gungsgrund einer von der bonnetiſchen ver - ſchiedenen Hypotheſe koͤnne gebraucht werden, wenn anders Beobachtungen auf eine ſolche hinfuͤhren. Denn ſo koͤnnte es doch auch wohl ſeyn, daß dieſe weichen und fluͤßigen Theile des Gehirns nichts anders in Hinſicht der mate - riellen Jdeen ſind, als was die Fluͤßigkeiten in dem Auge in Ruͤckſicht auf die Bilder auf der Netzhaut ſind. Wenn es gleich wahr - ſcheinlich iſt, wie ichs dafuͤr halte, daß es ma - terielle Jdeen in dem Jnnern des Organs gebe, ſo folget noch nicht, daß man den Sitz dieſer Jdeen weiter in das Jnnere des Gehirns hin - einſetzen muͤſſe, als bis dahin, wo die Anfaͤnge der Nerven ſind, und bis ſo weit iſt doch ohne Zweifel eine Organiſation vorhanden, und alſo auch die Moͤglichkeit, Spuren von den ſinnlichen Eindruͤcken zu behalten. VielleichtliegetXXXVVorrede. lieget alſo noch tiefer in das Gehirn hinein, oder noch naͤher zur Seele, die weiche Materie, die nichts mehr thut, als daß ſie die Bewegungen von dem Organ zur Seele, und von der Seele zum Organ durchlaͤßt, wozu es wohl nicht noͤthig iſt, daß ſie ſelbſt organiſirt ſey. Aber man begreift leicht, daß nun auch hierdurch die bonnetiſche Pſychologie nicht widerlegt werde, ſo fern ſolche auf materiellen Jdeen beruhet, ſondern daß ſie allenfalls nur in ihren naͤhern Beſtimmungen nicht ſo zuverlaͤßig ſey, als in den erſten Grundſaͤtzen.

Die Unterſuchung uͤber die Freyheit, die in einer erhoͤheten Selbſtthaͤtigkeit der Seele beſtehet, hieng mit den vorhergehenden und den folgenden Betrachtungen uͤber die menſch - liche Natur ſo genau zuſammen, daß ich mich auf ſie haͤtte einlaſſen muͤſſen, wenn auch die bekannten Dunkelheiten in dieſer Materie nicht beſonders dazu gereizet haͤtten. Nirgends ſcheinet die Vernunft dem Gefuͤhl, und, wenn man naͤher zuſieht, ſelbſt das Gefuͤhl dem Ge - fuͤhl ſo ſehr zu widerſprechen, als hier. Es muß nothwendig irgendwo ein falſcher Schein dahinter ſtecken, die Urſache deſſelben mag nun da liegen, wo ich ſie glaube gefunden zu haben, oder anderswo.

Der letzte Verſuch uͤber die Perfektibilitaͤt und uͤber die Entwickelung der Seele iſt ge - wiſſermaßen das Ziel, wohin die meiſten der vorhergehenden Betrachtungen zuſammen lau - fen. Bey dem großen Umfang dieſes frucht -c 2barenXXXVIVorrede. baren Feldes habe ich mich auf Eine Strecke eingeſchraͤnkt. Jch habe mich nicht ſo wohl auf die Mittel eingelaſſen, wodurch der Menſch entwickelt wird, als vielmehr auf die Wir - kung dieſer Mittel in ſeinem Jnnern, oder auf das, was die Vervollenkommung unſerer Na - tur in dem Jnnern ſelbſt ausmachet, die durch die ausbildenden Urſachen bewirket wird, und unter den mannichfaltigen Formen, worinn die Menſchheit ſich uns darſtellet, enthalten iſt. Dieß iſt am Ende nichts anders, als eine deut - liche Auseinanderſetzung deſſen, was in dem Ge - fuͤhl des Menſchenfreundes begriffen iſt, wenn er die Wuͤrde des Menſchen und die Erhaben - heit der Tugend empfindet. Dieß Gefuͤhl be - darf einer Leitung von der aufklaͤrenden Ver - nunft. Ohne dieſe kann der edelſte Vorſatz, deren ein Menſch faͤhig iſt, der Vorſatz, an der Verbeſſerung der Menſchheit zu arbeiten, eine falſche Richtung nehmen, und in einen ſchaͤdlichen Eifer ausarten, ſie in Eine von ih - ren beſondern Formen hinein zu zwingen, die man als die alleinige fuͤr ſie anſieht, in der ſie eine innere Vollkommenheit beſitzen koͤnne.

JnhaltXXXVII

Jnhalt des erſten Bandes.

Erſter Verſuch. Ueber die Natur der Vorſtellungen.

I.

Vorlaͤufige Anzeige von den Bemuͤhungen der Philoſo - phen, Vorſtellungen, Empfindungen und Gedan - ken aus Einer Grundkraft abzuleitenS. 1

II.

Was Vorſtellungen in dem Wolfiſchen Syſtem ſind8

III.

Eine Reihe von Beobachtungen und Erfahrungsſaͤtzen, betreffend die Natur der Vorſtellungen12

IV.

Weitere Erlaͤuterung des erſten Charakters der Vorſtel - lungen, daß ſie zuruͤckgebliebene Spuren vorherge. gangener Veraͤnderungen ſind. Ob dieß bey allen Arten von Vorſtellungen ſich ſo verhalte28

V.

Von den Geſichtsvorſtellungen. Entſtehungsart der - ſelben. Unterſchied zwiſchen Empfindung und Nach - empfindung. Einbildung, oder Wiedervorſtellung31

VI.

Dieſelbige Beſchaffenheit der Vorſtellungen in den Em - pfindungsvorſtellungen des Gehoͤrs und der uͤbrigen aͤußern Sinne40

VII.

Die Vorſtellungen des innern Sinns haben daſſelbige Unterſcheidungsmerkmal der Vorſtellungen. Beweis davon aus Beobachtungen45

c 3VIII. XXXVIIIJnhalt

VIII.

Dunkelheit bey den Vorſtellungen aus dem innern Sinn. Ob die Empfindungen des innern Sinns ihre eigene Spuren hinterlaſſen, die ſich eben ſo auf ſie beziehen, wie die Vorſtellungen aus dem aͤußern Sinn auf ihre Empfindungen? Einwurf dagegen aus der Jdeen - aſſociation und Beantwortung deſſelbenS. 57

IX.

Noch eine Vergleichung der Wiedervorſtellungen der letz - tern Art mit denen von der erſtern Art in Hinſicht ih - rer Deutlichkeit73

X.

Ueber die zwote weſentliche Beſchaffenheit der Vorſtellun - gen, die ihnen als Zeichen von Gegenſtaͤnden zukommt. Sie weiſen die Reflexion auf ihre Objekte hin. Ur - ſache davon75

XI.

Eine Anmerkung uͤber den Unterſchied der analogiſchen und anſchaulichen Vorſtellungen87

XII.

Von der bildlichen Klarheit in den Vorſtellungen. Sie kann von der ideellen, das iſt, von der Klarheit in den Jdeen unterſchieden werden. Wie ferne beide ſich auf einander und auf die bezeichnende Natur der Vorſtellungen beziehen. Kritik uͤber die gewoͤhnliche Abtheilung der Jdeen in dunkle, klare, verwirrte, deutliche95

XIII.

Verſchiedene Thaͤtigkeiten und Vermoͤgen der vorſtellen - den Kraft. Das Vermoͤgen der Perception, die Phantaſie, und die Dichtkraft104

XIV.

Ueber das Geſetz der Jdeenaſſociation. Deſſen wah - rer Sinn. Jſt nur ein Geſetz der Phantaſie beyderXXXIXdes erſten Bandes. der Reproduktion der Vorſtellungen; iſt kein Geſetz der Verbindung der Jdeen zu neuen ReihenS. 108

XV.

Von der bildenden Dichtkraft.

  • 1) Der Begriff davon115
  • 2) Ob ihre Wirkſamkeit auf ein Zertheilen und Wie - derzuſammenſetzen der Vorſtellungen eingeſchraͤn - ket ſey? 116
  • 3) Sie macht neue ſinnlich einfache Vorſtellungen119
  • 4) Graͤnzen dieſer Schoͤpferkraft126
  • 5) Graͤnzen des Vermoͤgens, Vorſtellungen aufzu - loͤſen127
  • 6) Ueber die allgemeinen ſinnlichen Vorſtellungen128
  • 7) Geſetze der Dichtkraft, wenn ſie neue einfache Vor - ſtellungen bildet136
  • 8) Folgen, die aus der Wirkungsart der Dichtkraft fließen, in Hinſicht des Urſprungs der Vorſtel - lungen aus Empfindungen138
  • 9) Einfluß der Dichtkraft auf die Ordnung, in der die Reproduktiones der Phantaſie erfolgen139
  • 10) Die Wirkſamkeit der Dichtkraft erſtrecket ſich auf alle Arten von Vorſtellungen140

XVI.

Ueber die Gleichartigkeit und Verſchiedenartigkeit der Vermoͤgen, die zur vorſtellenden Kraft gehoͤren142

  • 1) Beſtimmung der zu unterſuchenden Frage142
  • 2) Eine noͤthige Nebenbetrachtung uͤber die Begriffe von Einartigkeit und Verſchiedenartigkeit143
  • 3) Verſchiedene Stufen der Einartigkeit152
  • 4) Anwendung dieſer Begriffe auf die Vermoͤgen, die zur vorſtellenden Kraft gehoͤren. Jn wie weit das Vermoͤgen, Vorſtellungen aufzunehmen, und das Vermoͤgen, Vorſtellungen zu reproduciren, einer - leyartige Vermoͤgen ſind154
  • 5) Das Verhaͤltniß der Phantaſie zu der Dichtkraft159
c 46) DasXLJnhalt
  • 6) Das Vermoͤgen, Nachempfindungen zu haben, und Vorſtellungen aufzunehmen, haͤngt ab von der Modifikabilitaͤt der Seele, und von der Selbſt - thaͤtigkeit, mit der ſie ihre Modifikationen in der Empfindung aufnimmtS. 161
  • 7) Eine allgemeine Anmerkung uͤber die Entwickelung des Princips der Vorſtellungsthaͤtigkeiten163

Zweeter Verſuch. Ueber das Gefuͤhl, uͤber Empfindungen und Empfindniſſe166

I.

Beſtimmung deſſen, was hier Fuͤhlen, Empfinden, Ge - fuͤhl, Empfindung und Empfindniß genennet wird166

II.

Einige Beobachtungen uͤber das Gefuͤhl.

  • 1) Das Gefuͤhl hat nur mit gegenwaͤrtigen Dingen zu thun170
  • 2) Das Gefuͤhl iſt verſchiedener Grade faͤhig. Jn wie ferne es erwieſen werden kann, daß es ein dunkles Gefuͤhl gebe172
  • 3) Was gefuͤhlet wird, iſt eine paſſive Modifikation der Seele173
  • 4) Was Thun und Leiden, Aktion und Paſſion ſey174
  • 5) Auf welche Art wir unſere Thaͤtigkeiten fuͤhlen178

III.

Von dem Gefuͤhl der Verhaͤltniſſe und Beziehungem

  • 1) Ueberhaupt182
  • 2) Von dem Gefuͤhl der Verhaͤltniſſe und Beziehun - gen der Gegenſtaͤnde unter ſich. 183
  • 3) Von dem Gefuͤhl der Beziehungen der Dinge auf die gegenwaͤrtige Beſchaffenheit der Seele184
4) VonXLIdes erſten Bandes.
  • 4) Von den Empfindungen des Wahren, des Schoͤ - nen und GutenS. 185

IV.

Das Abſolute und nicht das Relative iſt ein unmittel - barer Gegenſtand des Gefuͤhls. 191

  • 1) Der Satz ſelbſt191
  • 2) Beweis des Satzes aus dem Gefuͤhl der objektivi - ſchen Verhaͤltniſſe der Dinge. Gefuͤhl des Ueber - gangs. Gefuͤhl der Einerleyheit und der Verſchie - denheit. Gefuͤhl der Dependenz194
  • 3) Beweis aus dem Gefuͤhl der Wahrheit202
  • 4) Beweis aus den Empfindniſſen205

V.

Von der Beziehung der Empfindniſſe auf die Empfin - dungen.

  • 1) Das Afficirende iſt eine Beſchaffenheit der affi - cirenden Empfindungen210
  • 2) Ob und wie das Afficirende von den afficirenden Empfindungen getrennet werden koͤnne? 217

VI.

Weitere Betrachtung uͤber die Natur der Empfindniſſe.

  • 1) Unterſchied zwiſchen afficirenden Empfindungen, und afficirenden Vorſtellungen220
  • 2) Von urſpruͤnglich und fuͤr ſich afficirenden Em - pfindungen. Von der Ueberleitung des Gefal - lens und Mißfallens von einer Sache auf eine an - dere222
  • 3) Pruͤfung des Syſtems von dem Urſprung aller Empfindniſſe aus aͤußern Empfindungen. Kenn - zeichen der urſpruͤnglich fuͤr ſich afficirenden Em - pfindungen, die ſolches weder durch eine Ueber - tragung ſind, noch durch die Jdeenaſſoiation226
  • 4) Die Unterſuchung uͤber die urſpruͤnglichen Em - pfindniſſe wird fortgeſetzt. Jn welcher Ordnung die natuͤrliche Empfindſamkeit ſich offenbaret238
c 3VII. XLIIJnhalt

VII.

Von der afficirenden Kraft der Vorſtellungen.

  • 1) Sie hat ihren Urſprung aus der afficirenden Kraft der Empfindungen, aus denen die Vorſtellungen entſtehenS. 244
  • 2) Die Empfindniſſe aus Phantasmen ſind ſelbſt Wiedervorſtellungen afficirender Empfindungen247
  • 3) Große Macht der Vorſtellungen247
  • 4) Urſache dieſer Staͤrke249
  • 5) Wie unangenehme Empfindungen in der Vorſtel - lung angenehm ſeyn koͤnnen, und umgekehrt. Von dem Vergnuͤgen, das in den Vorſtellungen als Vorſtellungen ſeinen Grund hat251

VIII.

Jn dem Aktus des Fuͤhlens nimmt man keine Mannig - faltigkeit gewahr. Ob Fuͤhlen als eine Reaktion der Seele koͤnne angeſehen werden? 255

Dritter Verſuch. Ueber das Gewahrnehmen und Bewußtſeyn.

I.

Beſtimmter Begriff von dem Gewahrnehmen und dem Bewußtſeyn262

II.

Ob das Gewahrnehmen einerley ſey mit dem Aktus des Fuͤhlens in einer groͤßern Jntenſion? oder ob es ei - nerley ſey mit dem Aktus des Vorſtellens, wenn die - ſer ſich ausnehmend bey einer Vorſtellung aͤußert? 263

III.

Das Gewahrnehmen bringet Gedanken von Verhaͤlt - niſſen hervor. Vergleichung der Verhaͤltnißgedanken mit dem Gefuͤhl des Abſoluten273

IV. XLIIIdes erſten Bandes.

IV.

Wie das Gewahrnehmen entſtehe?

  • 1) Es ſetzet eine ſich ausnehmende Empfindung oder Vorſtellung von der gewahrgenommenen Sache vorausS. 281
  • 2) Es erfodert eine Zuruͤckbeugung der empfindenden und vorſtellenden Kraft auf die gewahrgenommene Sache283

V.

Ob das Gewahrnehmen etwas Paſſives in der Seele ſey? 285

VI.

Ob das Gewahrnehmen einerley ſey mit dem Gefuͤhl der Verhaͤltniſſe? 291

Vierter Verſuch. Ueber die Denkkraft und uͤber das Denken.

I.

Wie die Unterſuchung dieſes Seelenvermoͤgens anzuſtellen ſey? 295

II.

Die Denkkraft in Verbindung mit der Vorſtellungskraft und mit dem Gefuͤhl macht das ganze Erkenntnißver - moͤgen aus298

III.

Urſprung der Verhaͤltnißbegriffe.

  • 1) Von den erſten urſpruͤnglichen Verhaͤltnißge - danken301
  • 2) Von den Verhaͤltnißideen und Verhaͤltnißbe - griffen307

IV.

Von dem Begriff der urſachlichen Verbindung.

  • 1) Die Humiſche Erklaͤrung von dieſem Begriff312
  • 2) Pruͤfung dieſer Erklaͤrung. Der Begriff von der urſachlichen Verbindung ſtellet mehr vor, als einebloßeXLIVJnhaltbloße Verbindung; er enthaͤlt auch die Jdee von Abhaͤngigkeit des Einen von dem andern316
  • 3) Die Jdee von Abhaͤngigkeit, die mehr iſt, als bloße Verbindung, ſchreibt ſich aus den erſten urſachli - chen Beziehungen her, und aus den Empfindun - gen dieſer beziehenden Aktionen318
  • 4) Was das Begreifen des Einen aus dem andern, was Folgern und Schließen ſey? 322
  • 5) Beſtimmung des Urſprungs des Begriffs von der urſachlichen Verbindung. Die Art, wie dieſer Begriff angewendet wird323

V.

Von der Verſchiedenheit der Verhaͤltniſſe und der allge - meinen Verhaͤltnißbegriffe.

  • 1) Nicht alle Verhaͤltniſſe koͤnnen auf Jdentitaͤt und Diverſitaͤt zuruͤckgebracht werden328
  • 2) Klaſſen der allgemeinen einfachen Verhaͤltniſſe330

VI.

Naͤhere Unterſuchung uͤber den Urſprung unſrer Jdeen aus Empfindungen.

  • 1) Die Empfindungen geben den Stoff her zu allen Jdeen336
  • 2) Jnsbeſondere auch zu den Verhaͤltnißbegriffen337
  • 3) Die Form der Jdee haͤngt von der Denkkraft ab340

VII.

Vergleichung der verſchiedenen Aeußerungen der Denk - kraft unter ſich.

  • 1) Wie die verſchiedenen Aeußerungen der Denkkraft, das Unterſcheiden, das Gewahrnehmen, das Beziehen der Dinge auf einander, das Erkennen, ſich gegen einander verhalten346
  • 2) Die einfachen Denkthaͤtigkeiten, in welche die Aeuſ - ſerungen der Denkkraft bey dem Gewahrnehmen aufgeloͤſet werden koͤnnen348
3) DieXLVdes erſten Bandes.
  • 3) Die einfachen Denkthaͤtigkeiten in den uͤbrigen Ver - haͤltnißgedanken beſtehen in Beziehung und Ge - wahrnehmungS. 353
  • 4) Gewahrnehmung der Beziehungen, ohne Ge - wahrnehmung der ſich auf einander beziehenden Gegenſtaͤnde. Jdeen von Raum und Zeit357
  • 5) Jn wie ferne alle Jdeen durch die Vergleichung gemacht werden361
  • 6) Von der Form der Urtheile. Jn wie ferne ſie in Vergleichungen beſtehen365
  • 7) Vom Folgern und Schließen369

Fuͤnfter Verſuch. Ueber den Urſprung unſerer Kenntniſſe von der objektiviſchen Exiſtenz der Dinge.

I.

Ob die Kenntniſſe von dem Daſeyn der aͤußern Gegen - ſtaͤnde als inſtinktartige Urtheile der Denkkraft ange - ſehen werden koͤnnen? 373

II.

Ob der Menſch bey dem natuͤrlichen Gang der Reflexion vorher ein Egoiſt ſeyn muͤſſe, ehe er es wiſſen kann, daß es Dinge außer ihm gebe? 377

III.

Welche Entwickelung der Gedanken erfodert werde, um zur Unterſcheidung der ſubjektiviſchen und objektivi - ſchen Exiſtenz der Dinge zu gelangen380

IV.

Wie zuerſt die Sonderung der Empfindungen in ver - ſchiedene Theile und Haufen vor ſich gehe? 384

V.

Von dem Urſprung der Grundbegriffe des Verſtandes, die zu den Urtheilen uͤber die Exiſtenz der Dinge erfo - dert werden. Begriffe von einem Subjekt und vonBeſchaf -XLVIJnhaltBeſchaffenheiten. Begriff von unſerm Jch, als ei - nem DingeS. 388

VI.

Fortſetzung des Vorhergehenden. Von den Gemeinbe - griffen von einem Objekt, von der Wirklichkeit, und von der Subſtanz395

VII.

Eine Anmerkung gegen die Jdealiſten aus dem Urſprung unſerer Urtheile uͤber die aͤußere Wirklichkeit der Dinge. Aus welchen Empfindungen die Jdee von der aͤußern Exiſtenz zunaͤchſt entſtanden ſey? 401

VIII.

Jn welcher Ordnung die Gedanken von unſerer eigenen Exiſtenz und von der Exiſtenz aͤußerer Dinge ent - ſtehen411

IX.

Wie wir die Theile unſers Koͤrpers als beſondere Dinge kennen gelernet415

X.

Grundregel, wonach wir uͤber die ſubjektiviſche und ob - jektiviſche Exiſtenz der Dinge urtheilen415

XI.

Anwendung dieſer Grundregel zur Erklaͤrung der beſon - dern Urtheile416

XII.

Wie daraus der Unterſchied zwiſchen qualitatibus prima - riis und ſecundariis zu begreifen ſey422

Sechſter Verſuch. Ueber den Unterſchied der ſinnlichen Kenntniße und der vernuͤnſtigen.

I.

Von der ſinnlichen Erkenntniß und den dabey wirkſamen Denkungsvermoͤgen.

1) Unter -XLVIIdes erſten Bandes.
  • 1) Unterſchied der ſinnlichen Erkenntniß und der ver - nuͤnftigenS. 426
  • 2) Erſte Art der ſinnlichen Kenntniſſe. Reine Er - fahrungen. Reine Empfindungsideen. Unmit - telbare Empfindungsurtheile429
  • 3) Schwierigkeiten bey einigen unmittelbaren Em - pfindungsurtheilen, die man fuͤr mittelbare an - zuſehen pflegt. Sinnliche Urtheile uͤber die ſicht - lichen Groͤßen der Objekte431
  • 4) Zwote Art der ſinnlichen Urtheile450
  • 5) Naͤhere Betrachtung des ſinnlichen Urtheils. Ent - ſtehungsart deſſelben450

II.

Von der Natur der hoͤhern vernuͤnftigen Kenntniſſe.

  • 1) Die hoͤhere Vernunftkenntniß erfodert allgemeine Begriffe. Wie dieſe in der Phantaſie vermittelſt der Woͤrter beſtehen460
  • 2) Urſprung der Gemeinſaͤtze der Vernunft. Ob ſie allgemeine Erfahrungsſaͤtze ſind? 462
  • 3) Gruͤnde gegen dieſe Meinung466

Siebenter Verſuch. Von der Nothwendigkeit der allgemeinen Ver - nunftwahrheiten, deren Natur und Gruͤn - den.

I.

Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit der Gewahr - nehmungen, der Urtheile und der Schluͤſſe uͤberhaupt.

  • 1) Die hier vorkommenden Fragen. Von der Ord - nung, in welcher die Aktus des Gefuͤhls, der vor - ſtellenden Kraft und der Denkkraft auf einander folgen? 470
  • 2) Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit der Ur - theil[e], oder Verhaͤltnißgedanken uͤberhaupt. JnwieXLVIIIJnhaltwie ferne die Denkthaͤtigkeit nothwendig erfolget, wenn die vorher erfoderte Aktus des Gefuͤhls und der vorſtellenden Kraft vorhanden ſind? S. 475
  • 3) Jn wie ferne dieß bey den dunkeln Reflexionen Statt findet, ingleichen bey den erſten urſpruͤng - lichen ſinnlichen Urtheilen des gemeinen Verſtan - des. Wie der Jdealismus und der Skepticismus moͤglich ſey475
  • 4) Daſſelbige bey den Folgerungen und Schluͤſſen481

II.

Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit der Denkarten, in wie fern ihre Form nothwendig durch ihre Gruͤnde beſtimmet wird. 482

  • 1) Unterſchied der nothwendigen und zufaͤlligen Ur - theile, die es der Form nach ſind483
  • 2) Allgemeiner Charakter der zufaͤlligen Urtheile486
  • 3) Zu den ſubjektiviſch nothwendigen Urtheilen ge - hoͤren die Verhaͤltnißgedanken, die aus der Ver - gleichung der Dinge entſpringen486
  • 4) Ob alle nothwendigen Urtheile zu dieſer Gattung gehoͤren? Ob alle Wahrheiten nur Eine Wahrheit ſind? 487
  • 5) Die Urtheile des unmittelbaren Bewußtſeyns ſind ſubjektiviſch nothwendige Urtheile491
  • 6) Die Schlußurtheile ſind ſubjektiviſch nothwendige Urtheile, wenn die Grundurtheile vorausgeſetzet werden. Graͤnze des vernuͤnftelnden Skepticismus492
  • 7) Von der Nothwendigkeit in unſern Urtheilen uͤber die verurſachende Verbindung494
  • Erſter Fall, wo dieſe ſubjektiviſche Nothwendigkeit nur eine bedingte Nothwendigkeit iſt496
  • 8) Jn welchen Faͤllen ſie eine innere abſolute Noth - wendigkeit iſt497
9) WieXLIXdes erſten Bandes.
  • 9) Wie weit das allgemeine Princip: Nichts wird ohne Urſache, ein ſubjektiviſch nothwendiger Grundſatz ſey? S. 501
  • 10) Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit in andern allgemeinen Denkarten. Von Suggeſtionsſatzen507
  • 11) Nochmalige Aufzaͤhlung der ſubjektiviſch noth - wendigen Denkarten und Grundſaͤtze512
  • 12) Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit gewiſſer Denkarten, die eine hypothetiſche Gewohnheits - nothwendigkeit iſt. 516

III.

Von der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit in den Denk - arten des gemeinen Verſtandes.

  • 1) Worinnen Kenntniſſe des gemeinen Verſtandes beſtehen? 519
  • 2) Wie die verſchiedenen Arten der ſubjektiviſchen Nothwendigkeit bey ihnen zu unterſcheiden ſind526

IV.

Von der objektiviſchen Wahrheit, und von objektiviſch nothwendigen Wahrheiten530

  • 1) Worauf es bey der Wahrheit unſerer Erkenntniß von den Gegenſtaͤnden ankomme. Die Vorſtellun - gen als Jmpreßionen von den Dingen ſind nur ſub - jektiviſche Scheine531
  • 2) Was es eigentlich ſagen wolle, die Objekte ſind ſo, wie wir ſie uns vorſtellen? 535
  • 3) Die nothwendigen Denkgeſetze unſers Verſtandes koͤnnen von uns nicht fuͤr blos ſubjektiviſche Denk - geſetze, die es nur vor uns ſind, angeſehen wer - den. Die allgemeinen theoretiſchen Wahrheiten ſind nicht blos Relationes fuͤr uns540
  • 4) Ob unſere Kenntniſſe von wirklichen Dingen blos ſubjektiviſcher Schein ſey? 546
I. Band. d5) JnLJnhalt
  • 5) Jn wie fern wir Vorſtellungen von aͤußern Ob - jekten haben, die wir als Vorſtellungen von den Dingen ſelbſt, nicht bloß von gewiſſen Beſchaffen - heiten und Seiten der Dinge, gebrauchen koͤnnen? S. 548
  • 6) Das Grundgeſetz, wovon die Zuverlaͤßigkeit und Realitaͤt unſerer Erkenntniſſe abhaͤngt551
  • 7) Erforderniſſe bey unſern Jmpreſſionen, wenn die Erkenntniß nicht bloß ſubjektiviſcher Schein ſeyn ſoll552
  • 8) Fortſetzung des Vorhergehenden. Warum die Schoͤnheit mehr etwas blos Subjektiviſches ſey als die Wahrheit554
  • 9) Fortſetzung der Betrachtung uͤber die Erforderniſſe bey unſern Jmpreſſionen, wenn die Erkenntniß ob - jektiviſch ſeyn ſoll559
  • 10) Gang der geſunden Vernunft, wenn ſie ihre Kennt - niſſe fuͤr mehr als bloßen Schein anſieht. Beweis, daß etwas Objektiviſches in unſerer Erkenntniß von wirklichen Dingen enthalten ſey560
  • 11) Worauf die Unterſcheidung zwiſchen nothwendigen und zufaͤlligen Wahrheiten beruhe564
  • 12) Das ſubjektiviſche Geſetz des zufaͤlligen Bey - falls, und das Geſetz, nach welchem etwas objekti - viſch fuͤr zufaͤllig erkannt wird568

Achter Verſuch. Von der Beziehung der hoͤhern Kenntniſſe der raiſonnirenden Vernunft zu den Kenntniſſen des gemeinen Menſchenverſtandes.

I.

Was hoͤhere Kenntniſſe der raiſonnirenden Vernunft ſind? Von der Natur der allgemeinen Theorien570

II.

Jn den abſolut nothwendigen Denkarten koͤnnen ſichderLIdes erſten Bandes. der gemeine Verſtand und die Vernunft nicht wider - ſprechenS. 575

III.

Auf welche Art die Vernunft und der gemeine Verſtand ſich einander widerſprechen koͤnnen? Wie ſie ſich von ſelbſt vereinigen, und ſich wechſelſeitig einander be - richtigen576

IV.

Wie uͤberhaupt in allen Faͤllen bey einer wahren Dis - harmonie der hoͤhern Vernunft, und des gemeinen Menſchenverſtandes zu verfahren ſey? 584

V.

Vergleichung der entwickelten hoͤhern Kenntniſſe des Verſtandes mit den unentwickelten ſinnlichen Kennt - niſſen, in Hinſicht der Seelenvermoͤgen, welche da - bey wirkſam ſind587

Neunter Verſuch. Ueber das Grundprincip des Empfindens, des Vorſtellens und des Denkens.

I.

Beſtimmung des zu unterſuchenden Punkts590

II.

Das Princip des Fuͤhlens faͤllt mit dem Princip des Den - kens an Einer Seite zuſammen592

III.

Das Beziehen der Vorſtellungen auf einander, welches zum Denken erfodert wird, iſt eine Aeußerung der vor - ſtellenden Kraft594

IV.

Andere Gruͤnde fuͤr die Meynung, daß die Denkkraft nur in einem hoͤhern Grade des Gefuͤhls und der vor - ſtellenden Kraft beſtehe598

V.

Erfahrungen, aus denen zu folgen ſcheint, daß die Aktus der Denkkraft weſentlich von den Aeußerungen desd 2GefuͤhlsLIIJnhaltGefuͤhls und der vorſtellenden Kraft unterſchieden ſind.

  • 1) Empfinden, Vorſtellen und Denken ſcheinet ſich einander auszuſchließenS. 599
  • 2) Das Gefuͤhl der Verhaͤltniſſe iſt oft lebhaft, ohne daß die Gewahrnehmung der Verhaͤltniſſe es auch ſey601
  • 3) Die Aeußerung der vorſtellenden Kraft bey dem Beziehen der Vorſtellungen auf einander, ſcheinet nicht allemal den zweeten Aktus des Denkens, nem - lich das Gewahrnehmen des Verhaͤltniſſes in glei - cher Maße mit ſich verbunden zu haben602

VI.

Das Reſultat aus den vorhergehenden Erfahrungen iſt folgendes: Das erſte Stuͤck des Denkaktus, das Beziehen der Vorſtellungen auf einander, iſt eine ſelbſithaͤtige Wirkung der vorſtellenden Kraft. Das zweyte Stuͤck, das Gewahrnehmen der Be - ziehung, iſt eine neue ſelbſithaͤtige Aeußerung des Gefuͤhls.

  • 1) Vorſtellung und Erlaͤuterung dieſer Jdee606
  • 2) Urſprung des Empfindens, des Vorſtellens und des Denkens aus Einem Princip611
  • 3) Uebereinſtimmung dieſer Vorſtellungen mit den Be - obachtungen616

Zehnter Verſuch. Ueber die Beziehung der Vorſtellungskraft auf die uͤbrigen thaͤtigen Seelenvermoͤgen.

I.

Von der Abtheilung der Grundvermoͤgen der Seele.

  • 1) Es iſt zu vermuthen, daß die Aufloͤſung aller uͤbri - gen Seelenaͤußerungen auf Eine und dieſelbige Grundkraft zuruͤckfuͤhren werde, aus der die Ver - ſtandeswirkungen entſtehen618
2) VonLIIIdes erſten Bandes.
  • 2) Von den verſchiedenen Grundvermoͤgen der Seele, Gefuͤhl, Verſtand, Thaͤtigkeitskraft oder WilleS. 619

II.

Von der Natur der Vorſtellungen, die wir von unſern Thaͤtigkeiten haben.

  • 1) Jede Aeußerung der thaͤtigen Kraft iſt vorher in - ſtinktartig erfolget, ehe eine Vorſtellung von ihr hat gemacht werden koͤnnen627
  • 2) Die inſtinktartigen Thaͤtigkeiten ſind Aeußerun - gen der thaͤtigen Seelenkraft, die durch Empfin - dungen gereizet und beſtimmet iſt629
  • 3) Entſtehungsart der Vorſtellungen, die wir uns von unſern eignen Aktionen machen. Zuerſt, was zu einer vollſtaͤndigen Empfindung einer Aktion erfodert wird637
  • 4) Was in der Wiedervorſtellung einer Aktion ent - halten ſey. Die Vorſtellung von einer Aktion ent - haͤlt einen Anſatz zu der Aktion ſelbſt641

III.

Aufloͤſung einiger pſychologiſchen Aufgaben aus der Na - tur unſerer Vorſtellungen von Aktionen.

  • 1) Warum Leute von großer praktiſcher Fertigkeit in einer Art von Handlungen weniger aufgelegt ſind, ſolche deutlich zu beſchreiben, und warum umge - kehrt die Geſchicklichkeit zu dem letztern ſo oft von der Ausuͤbungsfertigkeit getrennet iſt? 650
  • 2) Was das Weſentliche in den Fertigkeiten ſey? 653
  • 3) Worinn das Nachahmungsvermoͤgen beſtehe? 664
  • 4) Auf welche Art das Mitgefuͤhl ſich aͤußere? 677
  • 5) Die Macht der Einbildungskraft auf den Koͤrper beruhet auf Vorſtellungen von Handlungen. 684

IV.

Wie die vorſtellende Kraft der Seele ſich auf ihre Re - ceptivitaͤt und auf ihre thaͤtige Krafr beziehe.

d 31) DasLIVJnhalt
  • 1) Das Vermoͤgen, Aktionen ſich vorzuſtellen, bezieht ſich auf die thaͤtige Kraft, welche die Aktionen her - vorbringet, auf dieſelbige Art, wie das Vermoͤgen, Empfindungen zu reproduciren, ſich auf das Ver - moͤgen beziehet, ſolche anzunehmen. Die vorſtel - lende Kraft iſt eine hoͤhere Stufe der innern Selbſt - thaͤtigkeit686
  • 2) Ob alle Kraftaͤußerungen der Seele als eine Be - arbeitung der Vorſtellungen angeſehen werden koͤnnen? Leibnitz-Wolfiſche Erklaͤrung von den Willensaͤußerungen691

V.

Von der Verſchiedenheit der Empfindungen, in ſo ferne ſie mehr die eine, als die andere von den Grund - vermoͤgen der Seele zur Wirkſamkeit reizen703

  • 1) Der Grund, warum gewiſſe Empfindungen mehr die Empfindſamkeit erregen, andere mehr den Verſtand zum Denken, und andere mehr den Willen zum Handeln beſtimmen, liegt zum Theil in einer gewiſſen Beſchaffenheit der Empfindungen704
  • 2) Es koͤnnen uͤberhaupt nur ſolche Sachen beſondere Gegenſtaͤnde des Gefuͤhls ſeyn, von welchen die Eindruͤcke beſonders, und unvermiſcht mit den Ein - druͤcken von andern der Seele zugefuͤhret werden707
  • 3) Vielbefaſſende, lebhafte, ſtarke und unauseinander - geſetzte Empfindungen ſind die eigentlichen Gefuͤhle, welche ruͤhren und bewegen. Allzu ſtarke Ein - druͤcke betaͤuben710
  • 4) Gleichguͤltige Empfindungen reizen das Empfin - dungsvermoͤgen, als Sinn betrachtet, aus demſel - bigen Grunde, aus dem ſie auf die Vorſtellungskraft wirken714
  • 5) Gemaͤßigte und mehr auseinandergeſetzte Em - pfindungen reizen die vorſtellende Kraft. Noch mehr auseinandergeſetzte die Denkkraft715
6) DieLVdes erſten Bandes.
  • 6) Die Gefuͤhle reizen unmittelbar die Empfindſam - kett, in ſo fern ſie angenehm ſind. S. 720
  • 7) Unangenehme Gefuͤhle reizen die Thaͤtigkeitskraft. Aber dieſe wird am meiſten unterhalten durch Beduͤrf - niſſe, denen durch die thaͤtigen Beſtrebungen der Seele abgeholfen werden kann, und durch Vorſtellungen von vorhergegangenen angenehmen Empfindungen724
  • 8) Folgerungen aus dem Vorhergehenden. Das Ver - haͤltniß in den entwickelten Grundvermoͤgen der Seele haͤngt zum Theil von der Art und Weiſe ab, womit die Seele Veraͤnderungen von außen an - nimmt, und ſolche zu Empfindungen macht727

Eilfter Verſuch. Ueber die Grundkraft der menſchlichen Seele, und den Charakter der Menſchheit.

I.

Ob wir eine Jdee von der Grundkraft der Seele haben koͤnnen, und welche?

  • 1) Was eine ſolche Grundkraft ſeyn ſoll? 730
  • 2) Jſt eine Vorſtellung von ihr moͤglich? 733
  • 3) Jſt das Gefuͤhl die Grundkraft der Seele? 734

II.

Von dem Unterſcheidungsmerkmal der menſchlichen Seele, und dem Charakter der Menſchheit.

  • 1) Wie fern es bey jedweder Hypotheſe uͤber die Na - tur der Seele dennoch einen Grundcharakter der menſchlichen Seele von andern Thierſeelen geben muͤſſe738
  • 2) Die Eigenheiten der menſchlichen Seele vor den Seelen der Thiere740
  • 3) Ob der Grundcharakter der Menſchheit in der Per - fektibilitaͤt geſetzet werden koͤnne? 742
  • 4) Ob das Vermoͤgen der Reflexion dieſen Grund - charakter ausmache? 744
5) Pruͤ -LVIJuhalt des erſten Bandes.
  • 5) Pruͤfung der Herderiſchen Jdeen. Ob das Ver - haͤltniß der Extenſion zur Jntenſion in der Natur - kraft fuͤr den Grundcharakter zu halten ſey? S. 748

III.

Von der innern Selbſithaͤtigkeit der menſchlichen Seele.

  • 1) Worinn dieſe Selbſithaͤtigkeit zu ſetzen iſt752
  • 2) Ein hoͤherer Grad von ihr gehoͤrt zu den Eigenhei - ten des Menſchen754
  • 3) Wie ferne darinn der Grundcharakter der menſchli - chen Seele liege? 758
  • 4) Ob dieſer Grundcharakter beſtimmt ſey? 761

Anhang zum eilften Verſuch. Einige Anmerkungen uͤber die natuͤrliche Sprachfaͤhigkeit des Menſchen.

I.

Aus der natuͤrlichen Vernunft - und Sprachfaͤhigkeit des Menſchen kann nicht geſchloſſen werden, daß ſolche bey ihm auch hinreiche, ſelbſt ſich eine Sprache zu erfinden766

II.

Der Grund, warum vorzuͤglich die Toͤne zu Zeichen der Sachen gebraucht worden ſind, lieget nicht ſo wohl dar - inn, daß der Sinn des Gehoͤrs ein mittler Sinn iſt, als darinn, daß der Menſch die Eindruͤcke auf dieſen Sinn durch ſein Stimmorgan wiederum andern eben ſo kann empfinden laſſen, als er ſie ſelbſt empfunden hat770

III.

Es iſt nicht erwieſen, weder, daß der Menſch von ſelbſt keine Sprache erfinden koͤnne; noch daß er nothwendig von ſelbſt ſie erfinden muͤſſe. Es giebt einen Mittelweg zwiſchen dieſen beiden Meinungen772

IV.

Die Sprachfaͤhigkeit iſt nicht bey allen menſchlichen Jndi - viduen gleich groß. Beſtaͤtigung der Meinung, daß irgend einige Jndividuen ſich ſelbſt uͤberlaſſen eine Sprache erfinden wuͤrden778

Erſter[1]

Erſter Verſuch. Ueber die Natur der Vorſtellungen.

I. Von den Bemuͤhungen der Philoſophen, Vorſtel - lungen, Empfindungen und Gedanken aus ei - ner Grundkraft abzuleiten.

Die Seele empfindet, ſie har Vorſtellungen von Sachen, von Beſchaffenheiten und Ver - haͤltniſſen, und ſie denket. Dieß ſind Aeuſ - ſerungen ihrer Kraft, die dem gemeinen Verſtande ſich als verſchiedene Wirkungen von ihr dargeſtellet haben, und deswegen auch jede ihre eigene Benennung erhalten hat. Auf der aͤußern Flaͤche der Seele ſie betrachtet, bis wohin nur die gemeine Beobachtung dringet, da ſind Empfindungen nicht Vorſtellungen, und beide nicht Gedanken. Jede dieſer Kraft-Aeußerungen zei - get ſich auf ihre eigene Art, mit einem eigenen Charak - ter und hat ihre beſondere Wirkungen, die von den Wir - kungen der uͤbrigen verſchieden ſind. Bis ſo weit ſchei - nen alſo dieſe Thaͤtigkeiten, und ihre Vermoͤgen, ver - ſchiedenartig zu ſeyn.

Aber wenn nun der forſchende Philoſoph jene ver - ſchiedene Scheine zu zergliedern ſuchet, etwas tiefer un - ter die Oberflaͤche der Seele hineindringet, und daſelbſt dem Entſtehen der unterſchiedenen Kraft-Aeußerungen ausI. Band. Adem2I. Verſuch. Ueber die Naturdem innern thaͤtigen Princip der Seele nachſpuͤret; wie weit hinein erſtrecket ſich alsdann ihre aͤußerliche Verſchie - denartigkeit, und wie tief geht ſie in das Jnnere hin - ein? Es iſt Ein und daſſelbige Weſen, die gemeinſchaftli - che Quelle, aus der alle Seelen-Thaͤtigkeiten entſpringen. Wo und auf welche Art theilen ſie ſich in die verſchiedene Ausfluͤſſe, welche die Beobachtung unſers Selbſt uns ge - wahrnehmen laͤßt?

Jſt vielleicht ihre ganze Verſchiedenheit bloß aͤußer - lich? Jſt Empfinden, Denken, Vorſtellungen machen, von welchen hier nur zunaͤchſt die Rede iſt, an ſich eben dieſelbige gleichartige Thaͤtigkeit der Seele, die nur andere Geſtalten annimmt, je nachdem die Ge - genſtaͤnde verſchieden ſind, auf welche man ſie anwen - det?

Oder beſtehet ihre Verſchiedenheit allein in der Ver - ſchiedenheit der Werkzeuge, durch welche das innere Princip der Seele arbeitet? wie bey den aͤußern Sinnen, wo das Empfindungsvermoͤgen daſſelbige iſt, aber doch in mehrere aͤußere Sinne ſich zertheilet, weil die Or - gane verſchieden ſind, wodurch wir empfinden? Wenn es ſo iſt; ſo kann man die Hoffnung faſt aufgeben, hier - uͤber zur Gewißheit zu kommen, da uns die innern Or - gane der Seele, und ihre Verſchiedenheiten unaufdeck - bar verborgen ſind.

Oder vorausgeſetzt, daß es weder eine Verſchieden - heit in den Werkzeugen, noch eine Verſchiedenheit der Objekte, noch eine Verſchiedenheit in anderen aͤußern Beziehungen ſey, was dieſelbige Seelen-Thaͤtigkeit dann zu einem Empfinden, dann zu einem Vorſtellen, dann wiederum zu einem Denken machet, iſt es denn etwa ein innerer Unterſchied in den Graden, ein Mehr oder Weniger, von der jenes abhaͤnget? Jſt etwa eine Vor - ſtellung nichts anders, als eine mehr entwickelte und ſtaͤrkere Empfindung; und Denken nichts als ein er -hoͤhetes,3der Vorſtellungen. hoͤhetes, verlaͤngertes oder mehr verfeinertes Empfin - den?

Auf die Beantwortungen dieſer Fragen ſind die Un - terſuchungen der ſyſtematiſchen Seelenlehrer hinausge - gangen. Alles entſtehet aus Einer Grundkraft; dieſe wirket uͤberall auf einerley Art und nach einerley Geſetzen. Dieß iſt ein Grundſaz faſt bey allen.

So wie die Seele fuͤr ſich ein einfaches Weſen iſt; ſo ſoll auch ihre wirkende Kraft einfach und einartig ſeyn, und auf eine und dieſelbige Art wirken, wann ſie wirket, und nur die Anſtrengung und Staͤrke, mit welcher ſie wir - ket, und die Richtung der Kraft nebſt den Gegenſtaͤn - den, auf welche ſie ſich auslaͤſſet, ſollen den Grund von allen Verſchiedenheiten ausmachen, die wir bey ihren Aeußerungen und Thaͤtigkeiten antreffen. Da mag ſie denn in ſich ſelbſt wirken, oder außer ſich, ſie mag wirken im Denken, im Empfinden, im Vorſtellen, oder auch außer ſich auf den Koͤrper im Bewegen; ſo koͤnnen dieſe Wirkungen nur in ſolchen Hinſichten ver - ſchieden ſeyn, als ich vorher angefuͤhret habe.

Einige haben dieſe Einartigkeit der Seelen-Aeuſ - ſerungen nur auf ſolche ausgedehnet, die man bey den kuͤnſtlichen Abtheilungen zu einer beſondern Klaſſe hin - brachte; und vor andern hat man diejenigen, welche zu dem Erkenntniß-Vermoͤgen gerechnet worden ſind, und unter den genannten dreyen, dem Empfinden, dem Vorſtellen und Denken begriffen werden koͤnnen, als gleichartig angeſehn. Zu dieſen Aktionen hat man eine Grundkraft angenommen, und dieſe den Verſtand ge - nennet. Die Willens-Aeußerungen in der Seele ſind zu einer andern Klaſſe gebracht, und dann auch alle zu - ſammen auf eine aͤhnliche Weiſe in eine Grundkraft auf - geloͤſet worden. Hr. Sulzer nimmt zwo Grundkraͤfte in der Seele an, Verſtand und Empfindſamkeit. Aber die meiſten ſind weiter gegangen, und ihrer MeinungA 2nach4I. Verſuch. Ueber die Naturnach auf ein allgemeines Princip, auf eine Quelle alles Denkens und alles Wollens gekommen.

Dieſe Grundthaͤtigkeit glaubten Helvetius, Con - dillac, Bonnet, auch zum Theil Search, in dem Empfinden angetroffen zu haben. Unſer Leibnitz und Wolf, eine gerechte Nachwelt wird ihnen ihre Stelle unter den Philoſophen und Geiſteskundigen vom erſten Rang niemals entziehen, behaupteten: die er - ſte Grundthaͤtigkeit ſey eben diejenige, womit die Seele ihre Vorſtellungen machet. Die Begierde der Philoſo - phen, alle Beſchaffenheiten eines Dinges auf ein gemein - ſchaftliches Princip, die verſchiedenen Veraͤnderungen und Wirkungen auf Eine und dieſelbige Urſache, meh - rere Aeußerungen einer Kraft auf Eine Grundthaͤtigkeit, und mehrere Vermoͤgen auf Ein Grundvermoͤgen zuruͤck - zufuͤhren; iſt dem Nachdenkenden natuͤrlich. Der Ge - danke, daß man durch alle verſchiedene und mannigfaltige Seiten, an welchen ſich das thaͤtige Weſen auswaͤrts ſehen laͤßt, bis zu ſeiner erſten einfachen und einartigen Kraft durchgedrungen ſey, oder bis dahin durchdringen koͤnne, iſt ſehr ſchmeichelhaft. Wir ſind dem Jnnern der Natur, wo ſie ſo einfoͤrmig und beſtaͤndig, als unend - lich mannigfaltig und abwechſelnd in ihren aͤußern Ge - ſtalten iſt, naͤher gekommen, und in der That iſt es ein großer Gewinn fuͤr unſere Kenntniße, wenn ein ſolcher Zuſammenhang der entfernten Folgen mit ihrem erſten Grunde irgendwo entdecket wird. Dieſen Hang zum einfoͤrmigen Syſtem vergebe ich den Philoſophen ſo ger - ne, als ich will, daß man es mir vergeben ſoll, wenn ich ſelbſt etwa in der Folge von ihm verleitet und da - durch irgendwo uͤber die Evidenz der Erfahrungen und Schluͤſſe hinausgegangen bin. Nur Schade, daß man ſo oft nur eine Wolke anſtatt der Juno erhaſchet. Die Natur iſt ohne Zweifel in ihrem Jnnern einfach: aber auch nur in ihrem Jnnern, in ihrem Mittelpunkt;ſie5der Vorſtellungen. ſie iſt es nicht in ihrem Umfang, wo ſie ſich mit unend - licher Abwechſelung und Mannigfaltigkeit zeiget. Wie weit ſtehen wir von jenem Jnnern noch ab! Die Sim - plicitaͤt, die wir in den wirklichen Dingen anzutreffen mei - nen, iſt nur zu oft bloßer Schein, welcher auf Dunkel - heit, Verwirrung und Einſeitigkeit unſrer Jdeen beruhet, eine wahre Einfalt aus Unwiſſenheit iſt, und ſich ver - lieret, wenn die Beobachtung die Gegenſtaͤnde uns naͤ - her bringet und unſere Begriffe lichter, vollſtaͤndiger und vielſeitiger macht.

Anſtatt mich dabey aufzuhalten, worinne es andere verſehen haben moͤgen, will ich ihnen eingeſtehen, daß ſie meiſtens alle den richtigen Weg, nehmlich den Weg der Beobachtung und der Aufloͤſung, genommen haben; aber ich muß es auch zugleich geſtehen, daß ich der Muͤ - he ungeachtet, die ich mir gegeben habe, ihnen zu fol - gen, und beſonders dem Gang der ſcharfen und tiefen Unterſuchung des Hrn. Bonnet und unſers Wolfs nach - zukommen, dennoch bey ihrem Verfahren nicht ſo be - friediget worden ſey, daß ich es nicht fuͤr noͤthig gehalten haͤtte, nochmals die ganze Nachforſchung fuͤr mich ſelbſt zu wiederholen. Jhre Fehltritte ſind ihnen von andern ſchon vorgehalten worden, und nicht ohne einen guten Erfolg; denn bis jetzo iſt es in der Philoſophie noch leich - ter, einzureißen und umzuſtoßen, als aufzubauen und zu beſſern.

Es darf kaum erinnert werden, daß es, um die Grundkraft in der Seele zu entdecken, nicht genug ſey, alle ihre Veraͤnderungen zuſammen mit einem gemein - ſchaftlichen Namen zu belegen, jedwede Aeußerung et - wa ein Empfinden, oder ein Vorſtellen zu nennen, und dann aus einer einfachen Empfindungs - oder Vor - ſtellungs-Kraft ſie wiederum alle abzuleiten. Eben ſo wenig iſt es genug, ein gewiſſes gemeinſchaftliches Merk - mal von allen ihren unterſchiedenen Arten abzuſondern,A 3und6I. Verſuch. Ueber die Naturund dieſes Allgemeine, worunter Denken, Empfinden und Vorſtellen, nebſt allen uͤbrigen als beſondere Arten, unter einen generiſchen Begrif gebracht worden ſind, fuͤr das einfache Princip anzuſehen, worinn der Keim von ihnen liege, aus dem ſie ſich entwickeln. Jede beſonde - re Art der Seelen-Veraͤnderungen, in welche ſie bey ei - ner kuͤnſtlichen Klaſſification vertheilet werden, hat doch ihr Eigenes und Charakteriſches. Und da iſt immer die Frage: ob eben dieſes Eigene nur in einer beſtimmten Vergroͤßerung, in einer Aufhaͤufung oder Verlaͤnge - rung des Gemeinſchaftlichen beſtehe? ob es gar nur von der Verſchiedenheit aͤußerer Umſtaͤnde abhange? oder ob es nicht vielmehr eine innere Verſchiedenheit in dem thaͤ - tigen Weſen, und in der Art und Weiſe, wie es thaͤtig iſt, vorausſeze? die Kraft ſich zu entwickeln und zu wach - ſen, die in den Pflanzen, in den Thieren, wirket, iſt uͤberhaupt eine Entwickelungskraft. Aber dadurch iſt es in Wahrheit nicht entſchieden, daß dieſe Grundkraft in einer Art dieſer Koͤrper innerlich einerleyartig mit der in der andern ſey, und daß nur ein Grad mehr oder we - niger, oder ihre verſchiedene Einhuͤllung in dem Samen, oder die Verſchiedenheit des Orts und der Nahrungsſaͤf - te ſie in dem einen Fall zu einer Urkraft der organiſchen empfindungsloſen Pflanzen, in dem andern zu der Grund - kraft der beſeelten Thiere mache.

Eine Aufloͤſung der Kraͤfte auf eine ſolche Art kann unmoͤglich den Nachdenkenden befriedigen. Aber ſie ſoll es| auch wohl nicht nach der Meinung der angefuͤhrten Philoſophen. Hr. Bonnet, Leibnitz und Wolf ha - ben etwas mehr zu erweiſen geſuchet, und ich wuͤrde fuͤr mein Theil nichts mehr verlangen, als wozu ſie Hofnung gemacht haben, wenn ſie wirklich geleiſtet haͤtten, was ſie haben leiſten wollen. Nichts mehr um nur allein bey den Wirkungen des Erkenntniß-Vermoͤgens ſtehen zu bleiben, als dieſes, daß aus der Beobachtungund7der Vorſtellungen. und durch die Zergliederung der Wirkſamkeitsarten der Seele, wenn ſie Denket, Empfindet und Vorſtellun - gen machet, die innere Jdenditaͤt dieſer Thaͤtigkeiten offenbar werde. Wenn es evident gemacht werden kann, daß die Beſtandtheile in ihnen allen innerlich dieſelben ſind, daß nur ein Mehr oder Weniger, oder gar nur ei - ne aͤußere Verſchiedenheit in den Mitteln und Gegen - ſtaͤnden ihren ſcheinbaren Unterſchied ausmache, ſo kann wohl weiter nichts verlanget werden. Alsdenn wuͤrde auch daraus der fruchtbare Satz gefolgert werden koͤn - nen, daß ein jedes Weſen, was zum Empfinden von Natur aufgeleget iſt, entweder, wenn ſeine aͤußere Um - ſtaͤnde ſich aͤndern, oder, wenn ihm eine groͤßere innere Staͤrke der Grundkraft beygebracht wird, zu einem vor - ſtellenden und denkenden Weſen gemacht werden koͤnne. Dieß wuͤrde ein großer Schritt zu dem allgemeinen Grundſatz von der Einartigkeit aller Weſen ſeyn. Dieß iſt das Ziel, welches man ſich geſetzt hat, und es iſt nur die Frage, ob man es auch erreichet habe? Jch kann mit Condillac, und noch weiter mit dem Hrn. Bonnet auf eine lange Strecke fortkommen; aber auf den Stel - len, wo ſie von dem Gefuͤhl und Empfinden zum Bewußtwerden oder zur Apperception und zum Denken uͤberſchreiten, und dieſes aus jenem erklaͤren, was einen der weſentlichſten Punkte ihres Syſtems aus - machet; da deucht es mich, die Phantaſie habe einen kuͤh - nen Sprung gewagt, wo der Verſtand, der ſich uͤber die Graͤnzlinien der Deutlichkeit nicht hinauswaget, zu - ruͤckbleiben muß.

Der Weg, den ich zu dem nehmlichen Ziel genom - men habe, mag mich hinbringen, oder nicht; ſo habe ich fuͤr nothwendig angeſehen, vor allen Dingen jedwede von dieſen Seelenwirkungen, Empfindungen, Vor - ſtellungen und Gedanken, vorher fuͤr ſich beſonders zu unterſuchen. Vielleicht hatte man ſie noch nicht ge -A 4nug8I. Verſuch. Ueber die Naturnug beobachtet, als man ſchon zur Vergleichung ſchritt, wodurch denn bey der letztern manche Dunkelheit uͤbrig bleiben muͤſſen. Mit den Vorſtellungen habe ich den Anfang gemacht.

II. Was eine Vorſtellung in dem Wolfiſchen Sy - ſtem ſey.

Nach dem Begrif, den Leibnitz und Wolf von einer Vorſtellung gegeben haben, kann jede Modifika - tion unſerer Seele, ſie ſey welche ſie wolle, von einer ge - wiſſen Seite betrachtet, eine Vorſtellung genennet werden. Eine jede hat ihre Urſachen, entweder außer der Seele oder in ihr ſelbſt, und eine jede hat ihre Wir - kungen und Folgen. Dieſe Beziehung jedweder Seelen - Veraͤnderung auf andere Dinge, die ihre Urſachen und Wirkungen ſind, hat hier dieſelbigen Folgen, welche ſie uͤberall hat; dieſe nehmlich, daß ſolche Urſachen und Wirkungen in einem gewiſſen Verſtande aus ihr erkenn - bar ſind, und daß ſie ſelbſt, in ſo ferne ſie Wirkung oder Urſache iſt, als ein entſprechendes Zeichen und als eine Abbildung ſo wohl von ſolchen Dingen, von welchen ſie verurſachet iſt, als von ſolchen, welche ſie wiederum ver - urſachet hat, betrachtet werden kann. Sollen ſie in die - ſer Hinſicht Vorſtellungen heißen; ſo iſt dieß eine all - gemeine Benennung, die jeder Modification der Seele zukommen kann. Es giebt eine allgemeine Analogie zwiſchen der Wirkung und ihrer Urſache. Die letztere druͤcket ſich gleichſam in jener ab, und ſtellet ſich durch jene und in jener dar. Dahero kann die Wirkung die Urſache, ſo wie die Urſache wiederum die Wirkung vor - ſtellen, die aus ihr erkannt werden kann, und der ſie ent - ſpricht. Jn dieſem unbeſtimten Verſtande iſt das Wort Vorſtellung in der Wolfiſchen Philoſophie geblieben. Jede9der Vorſtellungen. Jede Veraͤnderung in der Seele, jede Bewegung, jeder Eindruck auf ſie, jede Empfindung, jeder Trieb, jede Thaͤtigkeit in ihr, fuͤhret den Verſtand, der ſcharf genug iſt, den Zuſammenhang von Urſachen und Wirkungen durchzuſehen, auf andere Sachen hin, ſo wohl auf die vorhergehende, von welchen ſie als Wirkung abhaͤngt, als auch auf die nachfolgende, welche wiederum als Wir - kung von ihr abhaͤngen. Hiemit nun den Grundſaz ver - bunden, daß alles in der wuͤrklichen Welt in einer durch - gaͤngigen Verbindung mit einander ſtehe, und alſo auch jedwede Modifikation in der Seele eine voͤllig be - ſtimmte Beziehung auf jede Veraͤnderung in jedem Theil des ganzen Syſtems der wirklichen Dinge habe; ſo ſind wir mit einem mal bey dem Princip der Leibnitziſchen und Wolfiſchen Seelenlehre, daß eine jede Veraͤnderung in der Seele das Geſammte Ganze der Welt vor - ſtelle; und dem unendlichen Verſtande, der jede Urſa - che in ihrer Wirkung, und jede Wirkung in ihrer Urſa - che, erkennt, alles dasjenige wie in einem Spiegel vor - halte, was auf ſie, als Urſache oder als Wirkung, mit - telbar oder unmittelbar, eine Beziehung hat.

Von dieſer Seite betrachtet ſind auch die Freude, der Hunger, das Verlangen, die Furcht und alle Ge - muͤthsbewegungen und Begierden und Leidenſchaften, Vorſtellungen, wie es die Jdeen von der Sonne, von einem Pferde, von einem Menſchen, ſind. Wenn es auf nichts weiter ankommt, als auf den Redegebrauch; ſo will ich mich gerne zu dieſem bequemen. Wer ver - diente mehr Geſetzgeber in der philoſophiſchen Sprache zu ſeyn, als Leibnitz? Aber was wird denn nun dadurch aufgeklaͤret, wenn wir alle Arten der Seelen-Veraͤnde - rungen Vorſtellungen heißen, und alſo das Vorſtel - lungen machen als die Grundthaͤtigkeit zu allen uͤbri - gen Wirkungsarten anſehen? und, was hier noch naͤher hergehoͤret, wo iſt das Charakteriſtiſche ſolcher Beſchaf -A 5fenhei -10I. Verſuch. Ueber die Naturfenheiten, die in der gemeinen Sprache von den Ge - muͤthsbewegungen unterſchieden, und Vorſtellungen, Jdeen und dergleichen genennet werden?

Wolf*)Pſycholog. Rat. §. 195. hatte indeſſen doch einen Unterſchied zwi - ſchen mittelbaren und unmittelbaren Perceptionen gemacht. Dieſe letztern beziehen ſich auf ihre Objekte, auf eine ſolche Art, daß ſie unmittelbar, ohne Zwiſchen - ſchluͤſſe zu erfodern, auf andere Sachen hinweiſen und ſelbige uns vorhalten, wie ein Portrait das Geſicht des Menſchen. Wir ſehen einen Baum, und es entſtehet ein ſichtliches Bild von einem Gegenſtande, an dem Geſtalt, Farbe, Groͤße, Theile und ihre Lage gegen einander, unmit - telbar aus dieſem Bilde erkannt werden. Bis dahin iſt die Vorſtellung eine unmittelbare Perception. Aber dieſes Bild iſt eine Wirkung von den Lichtſtralen, die in einer gewiſſen Menge, auf eine gewiſſe Art, in einer gewiſſen Lage und Ordnung, auf unſere Augen fallen, und davon, daß dieß geſchieht, liegt die Urſache wiederum in der Groͤße, Lage, und Feſtigkeit des Koͤrpers und ſeiner Be - ſtandtheile, welche das Licht auf eine ſolche beſtimmte Weiſe zuruͤckwerfen. Alle uͤbrige Eigenſchaften des Baums, die man nicht ſiehet, haben auf die letztge - dachte Wirkung deſſelben bey dem Licht, und auf den davon verurſachten Eindruck durchs Gewicht, eine ſolche Beziehung, daß jedwede von ihnen etwas dazu beygetra - gen, und das Bild nothwendig in irgend einer Hinſicht modificirt hat. Aber dieſe unſichbaren Beſchaffenhei - ten des Objekts muͤßten durch Raiſonnements aus den Zuͤgen des Bildes geſchloſſen werden, wenn ſie daraus erkannt werden ſollten. Sie gehoͤren zu den unmittelbar vorgeſtellten nicht; ſondern ſind nur eingewickelt in dem Bilde enthalten.

Durch dieſe Unterſcheidung machte Wolf es be - greiflich, wie in einer einzigen individuellen Perceptionder11der Vorſtellungen. der Seele, der Zuſtand der ganzen Welt, das Gegen - waͤrtige, auch das Vergangene und Kuͤnftige, eingewi - ckelt und mittelbar enthalten ſeyn koͤnne. Aber er machte keinen Gebrauch davon, ein Unterſcheidungs-Merkmal der eigentlich ſo genannten Vorſtellungen von andern Seelen-Veraͤnderungen feſtzuſetzen, ob er gleich ſo viel zeig - te, daß die unmittelbaren Vorſtellungen nur die in uns klaren Vorſtellungen ſeyn koͤnnen, die von uns als Vor - ſtellungen und Bilder der Sachen zu erkennen und zu gebrauchen ſind.

Es iſt ohne Streit ein Merkmal unſerer Modifika - tionen, welche Vorſtellungen ſind, daß ſie andere Sa - chen und Objekte unmittelbar uns vorhalten, und durch ſie erkennen laſſen, ſo oft wir ſie als Bilder gebrauchen. Und wenn wir ſie nicht gebrauchen; ſo haben ſie doch dieſes als etwas Eigenes an ſich, daß man ſich ihrer auf eine ſolche Art bedienen kann. Es wuͤrde nur die Frage uͤbrig bleiben, ob man mit dieſem Merkmal ausreiche, um ſie von allen uͤbrigen Seelen-Veraͤnderungen voͤllig zu unter - ſcheiden? Wir finden gewiß keine Modifikation in uns, der wir uns ſelbſt auf die gedachte Art bedienen koͤnnen, welche nicht auch ohne Bedenken zu der Klaſſe der Vor - ſtellungen gebracht werden koͤnnte. Nicht zwar jedweder Modifikation, aus der, als einer Wirkung, ihre Urſa - che unmittelbar erkennbar iſt, oder, uͤberhaupt, von irgend einem Verſtande daraus erkannt werden kann, iſt eine Vorſtellung in dieſem beſondern Sinn des Worts; aber jedwede, der wir uns ſelbſt zu dieſem Zweck auf dieſe Art bedienen koͤnnen, iſt es. Darum wuͤrde es auch eine vorlaͤufige angemeſſene Erklaͤrung von der Vor - ſtellung abgeben, daß ſie eine ſolche Modifikation von uns ſey, aus der eine andere Sache unmittelbar von uns erkannt werden koͤnne. Und in der That iſt dieſe Erklaͤ - rung fruchtbar, und fuͤhret, wenn ſie entwickelt wird, zu wichtigen Folgerungen. Aber was ſie mangelhaft macht,iſt12I. Verſuch. Ueber die Naturiſt theils dieſes, daß ihre Entwickelung nicht leicht ſeyn wuͤrde, indem der Unterſchied zwiſchen der unmittelba - ren und mittelbaren Erkennbarkeit dazu deutlich ausein - ander geſetzet werden muͤßte, wobey vieles Dunkle vorkom - men wuͤrde; theils, daß ſie entweder gar nicht, oder wenigſtens nicht anders als durch einen langen Umweg, auf das Eigene in der bildlichen oder zeichnenden Bezie - hung auf andere Sachen, welches wir in den Vorſtel - lungen antreffen, hinfuͤhret, noch den Grund deſſelben, worinn das vornehmſte Unterſcheidungsmerkmal dieſer Gattung von Seelen-Veraͤnderungen enthalten iſt, auf - decket.

III. Eine Reihe von Beobachtungen und Erfahrungs - Saͤtzen, die die Natur der Vorſtellungen be - treffen.

Keine Kritik mehr uͤber die Begriffe und Erklaͤrungen andrer. Die Leibnitz-Wolfiſche verdiente es, be - ſonders erwaͤhnet zu werden, weil ſie ſo oft unrichtig ange - wendet worden iſt, und eben ſo oft ungerechte Vorwuͤrfe von andern erfahren hat.

Beobachtungen muͤſſen uns mit der Natur der Vor - ſtellungen bekannt machen. Jch will hier die Reihe von Erfahrungs-Saͤtzen, von unmittelbaren Beobachtungen und unmittelbaren Folgerungen aus ihnen, herſetzen, wor - aus