PRIMS Full-text transcription (HTML)
Luſtiges Komödienbüchlein
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München,1859. Verlag der J. J. Lentner’ſchen Buchhandlung. (E. Stahl.)
Luſtiges Komödienbüchlein
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München,1859. Verlag der J. J. Lentner’ſchen Buchhandlung.(E. Stahl.)

Als Manuſcript gedruckt. Druck von E. Stahl.

Jnhalt.

  • Seite
  • Prinz Roſenroth und Prinzeſſin Lilienweiß1
  • Casperl unter den Wilden41
  • Heinrich von Eichenfels67
  • Casperl in der Türkei119
  • Blaubart139
  • Casperl als Porträtmaler187
  • Dornröslein209

Prinz Roſenroth und Prinzeſſin Lilienweiß oder die bezauberte Lilie, romantiſches Zauberſpiel in drei Aufzügen.

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Perſonen.

  • Die Fee Liebinniglich.
  • König Goldkron.
  • Prinzeſſin Lilienweiß, deſſen Tochter.
  • Prinz Roſenroth.
  • Casperl Larifari, ſein Knappe.
  • Ritter Hugo von Felseck.
  • Fräulein Emma von Hohenthal.
  • Der böſe Zauberer Negromanticus.
  • Leopardus, Wächter des Zaubergartens.
  • Dünkelmayer, Hofrath.
  • Ein Bär.
  • Der Drache Feuerrachen.
  • Der Teufel.

I. Aufzug.

Wilde, felſige Gegend. Prinz Roſenroth ſitzt erſchöpft auf einem Felsblock. Nicht weit von ihm liegt Casperl auf dem Boden.
Prinz Roſenroth.

Jch bin ein unglücklicher Prinz; ein ganzes Jahr ſchon durchziehe ich die Welt, ohne das Jdeal zu finden, welches ich erringen möchte, ja erringen muß! Wie viele Gefahren und Abenteuer habe ich ſchon überſtanden und noch bin ich nicht am Ziele! Wie am Himmel ein helles Geſtirn ſo leuchtet mir das Bild der Prinzeſſin Lilienweiß von ferne; ſeine Strahlen dringen bis in das Jnnerſte meines Lebens aber unerreichbar iſt das himm - liſche Bild, wie mir däucht, und ich werde endlich aus Sehnſucht verſchmachten! Ja, ich bin recht unglücklich!

Casperſ.

Jetzt hören’s a mal auf mit dem Lamentiren! Was ſoll denn ich nachher ſagen? Sie haben alle1*4Tag eine Portion Sehnſucht zum verzehren; aber ich hab gar Nix als Hunger und Durſt und bin alleweil hundsmüd dabei. Ja, wie wir noch ge - ritten ſind, da war’s doch paſſabel zum aushalten; aber ſeit ſich unſ’re Rößeln die Füß abgelaufen haben vor lauter Hetzen und Jagen und ſeit wir z’Fuß auf Abenteuer ausgehen, iſt’s ſchier nimmer ausz’halten. Was habn ’S denn alleweil mit der Prinzeſſin? Muß’s denn grad die ſein. Prin - zeſſinen gibt’s ja genug auf der Welt, reich und ſchön, die einen Mann brauchen können. Jch thät mir halt ſo Eine holen, und nachher hätt die arm Seel an Ruh.

Roſenroth.

Casperl, du biſt zwar ein treuer Kerl, aber das verſtehſt du nicht. Wenn du nur genug zu Eſſen und zu Trinken haſt, dann biſt du auch zu - frieden. Höheres als dieß begreifſt du nicht.

Casperſ.

Jetzt möcht ich aber doch wiſſen, ob denn’s Eſſen und ’s Trinken nit a Hauptſach iſt? Das halt Leib und Seel zuſammen. Schaugen’s Jhna nur in Jhren Raſirſpiegel auweh! Den hab’n wir beim letzten Kampf mit dem Rieſen z’brochen! Sie ſeh’n ja aus wie a Haring, ganz ausg’hungert5 und abgezehrt; es iſt eine wahre Schand für an Prinzen von Geblüt. Und ich geh auch z Grund nach und nach, als wie ein Jagdhund, der auf ſeine letzten Füß lauft. Jch halt’s nimmer aus und lauf Jhnen doch nächſtens einmal davon; nachher können’s allein herumvagiren; auf d letzt kommen wir noch mitenand auf’n Schub nach Haus, wenn uns ein Gendarm in dem elenden Zuſtand antrifft.

Roſenroth.

Schweig einmal mit deinem Geſchwätz. Jch will dich nicht zurückhalten, wenn du mich verlaſſen willſt.

Casperl.

So, und wer putzt Jhnen dann die Stiefel in der Fruh, wenn ich nimma bei Jhnen bin? und wer macht den Caffé, wenn wir Ein haben? und wer flickt Jhnen die Panzerhoſen?

Roſenroth.

Das ſind Nebenſachen. An derlei Kleinigkeiten des Lebens denkt ein Held nicht, der nach ſeinem Jdeale ſtrebt.

Casperl.

Und alleweil das Lineal da! Wenn’s nur Ein - mal die Jdee’n aus’n Kopf brächten!

(Gähnt.)

Au - weh, jetzt werd ich ſchon ſchläfrig. Nacht wird’s6 auch und alleweil im Freien campiren! Das gibt wieder ein Mordscarthar Morgen früh. Nur Ein - mal möcht ich wieder in ein Wirthhaus kommen

(ſchläft ein.)
(Es wird Nacht, der Mond ſteigt hinter den Felſen auf.)
Roſenroth.
Sei mir gegrüßt du ſtille Nacht,
Jn der mein Herz in Sehnſucht wacht.
Doch ſchlummer ich ein aus Müdigkeit,
So geb der Traum mir das Geleit
Zu der geliebten Lilienweiß,
Die ſtrahlet in der Sterne Kreis!
O Mondenlicht ſenk dich herab
Zu leuchten auf mein ſtilles Grab;
Du, Traum, pflanz eine Lilie dann,
Daß Roſenroth ſanft ruhen kann!
(Er ſchlummert ein. Es öffnet ſich ein Felſen im Hintergrunde; die Fee Liebinniglich erſcheint im rothen Schimmer. Neben ihr Prinzeſſin Lilienweiß.)
Die Fee.
Was du ferne noch ſiehſt prangen,
Ja dein einziges Verlangen
Sieh hier, deine Lilienweiß!
Treu halt aus und ringe ſtändig,
Denn der Kampf iſt unabwendig
Jn des Erdenlebens Kreis!
7
Wer nicht durch das Leid gedrungen,
Hat auch keinen Sieg errungen
Und pflückt keinen Lorbeerkranz;
Aber wann der Kampf beſtanden,
Löſen ſich des Schmerzes Banden
Und es winkt des Himmels Glanz!
(Die Erſcheinung verſchwindet unter ſanfter Muſikbegleitung.)
Roſenroth
(erwachend).

Himmliſche Erſcheinung, verweile! Weh mir, es war wieder nur ein Traum! Aber das Engels - bild ſenkte den Balſam der Hoffnung in dieſe Bruſt und mit neuer Kraft geſtählt erwache ich zum Be - wußtſein meiner Berufung.

(Es wird Tag.)
Casperl
(gähnend.)

Gut g’ſchlafen hab ich, aber jetzt ſitz’n wir halt noch auf’m alten Fleck. Der Durſt hat mich ein - g’ſchläfert und der Hunger hat mich wieder aufge - weckt. Das iſt eine ſaubere Geſellſchaft.

Roſenroth.

Auf Caspar! Laß uns unſern Weg weiter ſuchen! Die Hoffnung winkt und der Troſt ſpannt die Segel meines Lebensſchiffleins auf. Die Wimpel wehen! folge mir!

(geht ab.)
Casperl.

Ja die Gimpel gehen! Jch folge dir!

(ab.)
8

Verwandlung.

Der Zaubergarten des Negromanticus. Ein Blumenbeet, auf welchem unter anderen Blumen eine ſchöne weiße Lilie hervorragt; rechts eine Hundshütte, vor ihr liegt Leopardus knurrend. Leopardus (mit einem Leopardenfell angethan.) Negromanticus.
Negromanticus.

Was knurrſt du Beſtie? Haſt du nicht gute Tage bei mir?

Leopardus.

Daß ich bei Tag an der Kette hänge und Nachts losgelaſſen werde? Daß ich nur drei Mal gefüttert werde und jedesmal 6 Pfund Rattenfleiſch bekomme? Das heißt ihr gute Tage haben? Verflucht ſeid Jhr ſammt eurer Zauberkunſt! Lieber wär ich ein Leo - pard in der ägyptiſchen Wüſtenei geblieben.

Negromanticus.

Das iſt alſo dein Dank, daß ich dich aus einem Thiere der Wüſte in eine menſchliche Figur ver - wandelt habe?

Leopardus.

Das dank euch der Satan. Damals hatte ich meine Freiheit, jetzt lieg ich gefangen und muß ein Knecht ſein, weil ihr mich brauchen könnt, da alle9 eu’re Diener es nicht mehr bei euch aushalten konn - ten und davon liefen.

Negromanticus.

Dich kann ich nur als grimmigen Wächter brau - chen aber nicht als Gärtner, der meine verzauberten Blumen pflegt. Daß der mir entlief und ich ihn trotz meiner Zauberkünſte noch nicht erſetzen konnte, iſt mir höchſt unangenehm. Jch habe ſchon überall herumgeſchrieben, aber ’s will keiner zu mir. Jetzt muß ich die Blumen ſelbſt gießen, ſonſt verſchmachten ſie und ich vermag ſie nicht mehr in Menſchen zu verwandeln.

Leopardus.

Das habt ihr von eurer Grauſamkeit gegen die Frauenzimmer. Zuerſt raubt ihr ſie und dann, wenn ſie euch nicht heirathen wollen, verzaubert ihr ſie in Blumen. Wenn ich des Nachts vor meiner Hütte liege, höre ich oft ihren wehmüthigen Geſang; ſelbſt mein Leopardenherz wird oft zu Tigerthränen ge - rührt und ich verbeiße meine Weichmüthigkeit immer an den alten Knochen, die ihr mir zu nagen gebt. Beſonders die weiße Lilie da lamentirt am kläglichſten.

Negromanticus.

Schweig, Eſel, das verſtehſt du nicht. Marſch, füll mir die Gießkanne am Zauberbrunnen mit10 Eau de Cologne und bringe ſie ſchnell her.

(Leopardus ab.) (Streichelt die Lilie.)

Ja mein liebes, ſanftes Prin - zeßchen Lilienweiß, es iſt nur deine eigene Schuld, daß du nun als Blume dein ſchönes Häuptlein im Morgenwinde hin und her neigen mußt. Hätteſt du mich geheirathet, ſo wäre Alles gut und du wärſt nun die Gemahlin des großen Zauberers Negromanticus.

(Leopardus kömmt mit einer großen Gießkanne zurück.)
Leopardus.

Da iſt die Gießkanne. Jetzt ſchüttet d’rauf los auf die armen Dinger

(knurrt).
Negromanticus
(nimmt die Gießkanne und übergießt die Blumen.)
Mit Waſſer dem ſüßen
Will ich euch begießen,
Es ſoll auf euch fließen
Zum Blühen und ſprießen!
Gebt mir nur ein Zeichen,
Von Herzenserweichen,
Jhr rothen, ihr bleichen,
Gebt mir nur ein Zeichen.
Damit Schmerzens-Klage
Euch’s Herz nicht zernage
Gebt Antwort der Frage
Die täglich ich ſage:
11

Welche von euch entſchließt ſich endlich, mich zu heirathen? nun ?

Die Blumen ſprechen:

Keine, Keine, Keine!

Negromanticus.

Gut! ſo bleibt’s dabei, ihr dummen Dinger. Jhr bleibt Blumen und ich bleib ledig. Verdammt! Es gibt aber noch andere Mittel euch zur Vernunft zu bringen. Wartet nur; jetzt will mich keine von euch zum Manne haben und auf einmal werdet ihr mich Alle wollen; aber da werd ich nur Eine wählen und die Andern werden in Verzweiflung gerathen.

(Die Blumen lachen.)

Was? ihr unterſteht euch zu lachen? Das iſt impertinent!

(Geht unter fortwährendem Gelächter der Blumen ab.)
Leopardus
(allein).

Recht ſo! bravo! ihr Blümlein fein! Lacht nur den alten Narren aus. Hätte ich nur die Macht, euch wieder in Jungfräulein zu verwandeln, ich würde als Leopardus eine nach der andern aus lauter Liebe mit Haut und Haaren auffreſſen!

Die Blumen.

Wir danken ſchön!

12
Leopardus.

Merkt auf! Jetzt will ich euch Eins vorſingen.

Lied
(in Einem Tone geſungen mit Tamburin-Begleitung.)
Leopard bin ich genannt,
Weither aus dem Wüſtenland
Auf vier Beinen lief ich ſchnell
Ehemals mit getupftem Fell!
Jetzt lieg ich im Garten hier,
Auf zwei Beinen ſtatt auf vier
Und als Wächter mancher Blum
Bringt die Langweil mich um.
Zauberer Negromanticus
Macht uns allen viel Verdruß,
Pack ihn einmal doch am Schopf,
Freß ihn bis zum letzten Knopf.

Nun wie gefällt euch dies Lied? Es iſt ein ſo - genanntes Wüſtenlied mit einigen kleinen Ab - änderungen.

Die Blumen.

Gut, gut, ſchön, ſchön!

Leopardus.

Nun wird es bald Mittag, die Sonne ſticht ſchon gewaltig. Jch will ein kleines Schläfchen machen.

(Er legt ſich hin und ſchläft ein.)
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Unter leiſer Muſik fliegen Schmetterlinge herbei und ſetzen ſich auf die Blumen, nur auf die Lilie nicht.
Lilie.
Allein muß ich ſein
Jm Blumen-Hain
Wer will mich erlöſen
Vom Zauber dem böſen?
(Fee Liebinniglich erſcheint von Wolken getragen.)
Fee.
Geduld, Geduld! Liebinniglich
Kömmt, Lilienweiß, zu tröſten dich!
Der Freudentag wird kommen
Und alles Leid genommen!
Geduld, Geduld in trüben Stunden
Hat manchen Schmerz wohl überwunden;
Ein krankes Herz, eine Dornenkron
Die bringen oft den ſchönſten Lohn!
Drum ſei getroſt lieb Lilienweiß
So wahr Liebinniglich ich heiß.
Der Vorhang fällt.
14

II. Aufzug.

Zimmer im Pallaſte des Königs Goldkron König ſitzt, vor ihm Dünkelmayer.
Dünkelmayer.

Euer Majeſtät haben mich rufen laſſen, womit kann meine Gelehrſamkeit dienen?

König.

Jhre Gelehrſamkeit werde ich demnächſt nicht mehr gebrauchen können; denn was ſoll’s mit Jhrer Aſtronomie, Geographie, Philologie, Che - mie und Philoſophie, wenn Sie noch nicht ent - decken konnten, wo meine geliebte Tochter iſt, die mir vor einem Jahre ſchon entführt wurde? Güti - ger Himmel! Vielleicht iſt dieſes liebe Kind gar nicht mehr unter den Sterblichen! etwa ſchon von einem wilden Thiere gefreſſen! Es iſt erſchrecklich, was mein königliches Vaterherz oder mein väterliches Königsherz leidet! Wozu habe ich Sie angeſtellt, als daß mir Jhre Wiſſenſchaft und Jhre Genie nützlich werden? Wozu habe ich Sie zum Hofrathe ernannt, wenn Sie keinen Rath zu geben wiſſen?

15
Dünkelmayer.

Es gibt Verhältniſſe und Umſtände, welche außerhalb der möglichen Errungenſchaften aller wiſſenſchaftlichen Forſchungen ſind, Majeſtät. Aber dennoch bin ich überzeugt, daß ich einmal den Knoten zu löſen im Stande ſein werde, wenn Aller - höchſtdieſelben mir Zeit gewähren.

König.

Zeit, Zeit und immer Zeit! Wie lange ſtu - diren und experimentiren Sie ſchon an der Auf - gabe, die ich Jhnen geſtellt habe?

Dünkelmayer.

Jch bin eben noch nicht damit fertig geworden, die Zirkel und Quadrate des Lebenshoroscopes der Prinzeſſin Lilienweiß, Königlichen Hoheit, dergeſtalt zu combiniren, daß ich an den Faden anknüpfen könnte, der mir den Schlüſſel zur Löſung der eigent - lichen Aufgabe bietet. Um dieß bewerkſtelligen zu können, bedarf ich noch der Summe von 10,000 fl., damit ich mir die nothwendigen Jnſtrumente kann anfertigen laſſen. Jch brauche noch einen Tubus, der zweitauſendmal vergrößert, zur Beobachtung der Geſtirne, ferner einige phyſikaliſche Subſtanzen der theuerſten Gattung und verſchiedene andere Gegenſtände.

16
König.

Sie ſollen haben, was Sie wollen, wenn es Jhnen dazu dient, zu entdecken, wo ich meine Toch - ter finden kann. Die letzte Perle aus meiner Krone, den letzten Diamant aus meiner Schatzkammer opfere ich; denn was ſind all dieſe Kleinodien gegen mein herrlichſtes Kleinod, meine Tochter Lilienweiß! Eines aber ſage ich Jhnen, Herr Hofrath, wenn Sie meine Aufgabe nicht bald erreichen, wenn Jhre Forſchungen kein genügendes Reſultat haben, ſo laſſe ich Sie ohne Weiteres hängen und dieß iſt mein letztes Wort; verſtanden, Herr Hofrath?

(Geht zornig ab.)
Dünkelmayer.
(allein.)

Hängen? mich hängen? Das wäre nicht übel! Nein, daß dieß nicht geſchieht, dafür will ich ſorgen. Hab ich die 10,000 fl. vom Herrn Schatzmeiſter in Empfang genommen, ſo werd ich mich augenblick - lich aus dem Staube machen. Jch hab mir außer - dem ein hübſches Sümmchen bei Seite geſchafft und ſo geht’s herrlich. Mein Auskommen habe ich und König Goldkron mag ſich um einen anderen Hof - gelehrten umſehen, der ihn an der Naſe herumführt. Ha, Ha, Ha, ich lach mir dann in’s Fäuſtchen.

17
Casperl
(guckt zur Thür herein.)

Jſt’s verlaubt?

Dünkelmayer.

Wer iſt da?

Casperl.

J bin’s.

Dünkelmayer.

Wer ſind Sie? Was wollen Sie?

Casperl.

G’horſamer Diener, g’horſamer Diener.

Dünkelmayer.
(Für ſich.)

Das iſt eine drollige Figur, ein ko - miſcher Kerl.

(Zu Casperl.)

Was wünſchen Sie? Wie ſind Sie da hereingekommen?

Casperl.

Auf meine zwei Füß.

Dünkelmayer.

Hat Sie der Portier eingelaſſen? Wiſſen Sie, wo Sie ſind?

Casperl.

Wo ich bin? Ja, wiſſen’s; ſo viel ich weiß, bin ich in der Reſidenz Seiner Majeſtät des Königs Goldkron.

Dünkelmayer.

Allerdings, aber zu welchem Zweck?

218
Casperl.

Zweck oder Zwick ich muß dem König was außerordentlich Wichtig’s ſagen.

Dünkelmayer.

Haben Sie ſich zu einer Audienz melden laſſen?

Casperl.

Zu was?

Dünkelmayer.

Zu einer Audienz, zu einer Aufwartung.

Casperl.

Jch bin kein Pudel, s Aufwarten hab i net glernt.

Dünkelmayer.

Sonderbare Bemerkung. Sollte Jhnen das Hofceremoniel nicht bekannt ſein?

Casperl.

Nix da, des Gſchwatz wird mir z’lang. Sagn’s mir lieber, wo ich den Herrn König finden kann?

Dünkelmayer.

Wenn ich weiß, wer Sie ſind, ſo kann ich Jhnen Gelegenheit verſchaffen, zu Seiner Majeſtät zu gelangen, denn ich bin Hofrath Dünkelmayer.

Casperl.

Hofrath Simpelmayer?

19
Dünkelmayer.
(Mit Nachdruck.)

Dünkelmayer, Hofrath und Leib - gelehrter des Königs.

Casperl.

Ach! das iſt aber was Neus. Von einem Leib - kutſcher oder Leibſchneider oder Leibſtuhl hab i ſchon g’hört; aber von einem Leibgelehrten no nix. Das muß a curioſe Anſtellung ſein.

Dünkelmayer.

Brechen wir ab ich habe nicht viel Zeit zu verlieren.

Casperl.

J dank ſchön, abbrechen mag i net, i bleib vor der Hand lieber noch ganz.

Dünkelmayer.

Kurz und gut, zum Schluſſe: Wer ſind Sie?

Casperl.

Jch bin der Casperl Larifari und Leibbe - dienter beim Prinzen Roſenroth und ſoll dem König von meinem Herrn was ausrichten.

Dünkelmayer.

Da hat ſich der Prinz Roſenroth einen ſonder - baren Geſchäftsträger gewählt. Ha, ha, ha wirk - lich höchſt ſonderbar. Ein Bedienter und eine diplo - matiſche Sendung? wie reimt ſich das zuſamm en.

2*20
Casperl.

Ein Bedienter und eine zipflomatiſche Wendung?

Dünkelmayer.

Toller Menſch! Nun denn; Seine Majeſtät kommen eben den Corridor herauf. Machen Sie ihm Jhr Compliment. Jch werde Seine Majeſtät darauf vorbereiten.

(ab.)
Casperl.

Das iſt aber a kurioſer Kerl, der Simpelmayer da. Sapperement, jetzt kommt, glaub ich, der König.

König.
(Mit Krone und Scepter.)

Wo iſt der Abgeſandte, den man mir eben ge - meldet hat.

Casperl.

Unterthäniger Diener!

König.

Was wollen Sie? wo haben Sie Jhr Creditiv?

Casperl.

Kein Speditiv hab i net, aber was z’ſagen hab i!

König.

Haben Sie meinen Miniſter des Auswärtigen noch nicht geſprochen?

Casperl.

Weder ein Auswendigen noch ein Jnwendigen. 21Mich ſchickt halt der Prinz Roſenroth wegen der Prinzeſſin Lilienweiß!

König.

Wie? um meine Tochter handelt es ſich?

Casperl.

Von einer Handelſchaft iſt keine Red.

König.

Warum kömmt Jhr Prinz nicht ſelbſt zu mir?

Casperl.

Weil er kein g’ſcheid’n Aufzug hat, vor lauter Rumſuchen in der Welt um die Prinzeſſin Lilien - weiß zu finden. Ja Sie glauben’s gar nit, wie’s uns zwei miſerabel geht. Wiſſen’s was? Jetzt möcht i z’erſt was z’eſſen und z’trinken, nachher ſag i mein Botſchaft!

König.

O ſprechen Sie, ſprechen Sie zuvor! Vielleicht weiß Prinz Roſenroth etwas von meiner geliebten Tochter!

Casperl.

Nix weiß er, als daß die Prinzeſſin Lilienweiß in ein Blumenſtock verwandelt iſt.

König.

Weh mir! welche Nachricht!

22
Casperl.

Die Fee Liebinniglich hat’s vorgeſtern meim Herrn im Traum verzählt, daß der böſe Zauberer Negromantikus die Prinzeſſin g’raubt hat und in einen Lilienſtock verzaubert, weil’s ihn nit hat hei - rathen wollen.

König.

Gütige Götter! welches Schickſal!

Casperl.

So das hab ich Jhnen ausrichten ſollen und jetzt werdn’s ſchon wiſſen, was z’thun haben. A gut’s Trinkgeld für’n Casperl, ein paar Flaſchen Wein und was Gut’s z’eſſen. Nach her ſag ich Jhnen noch was.

König.

Ein königliches Geſchenk für dieſe Nachricht wenn ihr Jnhalt auch unerhört iſt!

Casperl.

Was? unerhört? Sie hab’n ja g’hört, was ich Jhnen g’ſagt hab.

König.

Kommen Sie mit mir in mein Kabinet, um das Nähere zu beſprechen, was in dieſer Sache zu thun. Jch muß den edlen Prinzen ſprechen.

23
Casperl.

Ja mir iſt’s ſchon recht; aber er traut ſich nit ’rein, weil er g’flickte Hoſen hat und ein zerriſſenes Jabodl.

König.

Armer Prinz!

(Beide ab.)

Verwandlung.

Wald.
Prinz Roſenroth.

Mein Diener Caspar bleibt ſo lange aus, daß ich vermuthen muß, er habe bei ſeiner Sendung wieder einmal eine Ungeſchicklichkeit begangen. Jch warte nun ſchon zwei Stunden und dieſer Wald iſt doch kaum eine halbe Stunde von dem Schloſſe des Königs Goldkron entfernt. Jch ſelbſt wage es noch nicht, mich dem Könige zu nähern, bis ich über meine Aufnahme Nachricht erhalten habe.

(Es brummt in der Ferne.)

Was hör ich! Jn dieſem Walde iſt es nicht geheuer. Er iſt voll wilder Thiere, ich muß auf einen Kampf bereit ſein. Muth, Muth, Roſenroth!

(Es brummt näher.)

Es ſcheint die Stimme eines Bären zu ſein! Wehe mir, wenn ich ihn nicht erlege.

24
Ein Bär
(tritt ein).

Brum, Brum, Brum!

Roſenroth.

Wage es nicht, dich mir zu nähern, oder mein ritterliches Schwert wird dich tödten.

Bär.

Halt ein, edler Prinz! Jch thue dir Nichts zu leid. Vernimm vielmehr, was ich dir ſagen werde.

Roſenroth.

Wie erſtaunt bin ich, daß du, ein wildes Thier der Wälder, mich mit menſchlicher Stimme anredeſt!

Bär.

Jch bin eigentlich kein Bär, ſondern deines Glei - chen, ein Menſch und zwar der Ritter Hugo von Felseck. Unter den Blumen im Garten des Zau - berers Negromanticus ſteht in eine Roſe verwan - delt meine Braut, Fräulein Emma von Hohenthal. Da durch den Tod des böſen Zauberers alle Blumen wieder entzaubert werden und die unglücklichen Jung - fräulein, die ihn nicht heirathen wollten, wieder ihre vorige Geſtalt bekommen, ſuchte ich vor einiger Zeit den Negromanticus im Kampfe zu erlegen; allein wider ſeine große Zauberkunſt vermag ſelbſt ein ritterliches Schwert nicht zu ſiegen. Er verwandelte25 mich in einen Bären, wie du ſiehſt, edler Prinz. Laſſe dich alſo auf keinen Kampf mit ihm ein, um Prinzeſſin Lilienweiß zu befreien.

Roſenroth.

Furchtbares Geſchick für einen Ritter ſo vor - nehmen Geſchlechtes.

Bär.

Höre weiter! Nachdem ich in dieſe ſcheußliche Geſtalt verzaubert war, ſagte mir der Zauberer höhniſch: Kühner Ritter, nun Bär, hätteſt du ge - wußt, daß die verzauberten Fräulein durch die Be - rührung mit einem Zweige der Wundereiche zu retten wären, ja meine Macht ſelbſt dadurch gelähmt werden könne, ſo würdeſt du ſicherlich den kühnen und erfolgloſen Kampf mit mir nicht gewagt haben. Nun trage deine Qual in der Bärenhaut. Dies die Worte des Zauberers.

Roſenroth.

O ſage, theurer Ritter, ſage, wo dieſer Wunder - baum ſteht und wie ich einen Zweig desſelben zu pflücken vermag.

Bär.

Die Eiche, welche die Fee Liebinniglich gepflanzt hat, ſteht einſam im ſchauerlichen Schlangenthale und iſt von einem feuerſpeienden Drachen bewacht,26 der an ihrem Stamme liegt. Wer dieſen erlegt, ge - langt zu ſeinem Zwecke.

Roſenroth.

Ha! dieſen Kampf will ich beſtehen! Entweder ſiege ich oder ich falle und der Tod wird mir nur willkommen ſein.

Bär.

Jch will dir beiſtehen. Wenn du den Kopf des Drachen abgeſchlagen haſt, ſo werde ich das Blut aus deſſen Rumpfe ſaugen, damit ihm nicht zwei Köpfe hervorwachſen, was außerdem der Fall wäre.

Roſenroth.

Herrliches Unternehmen! Laß dich umarmen werthgeſchätzter Ritter; wir wollen ewige Freund - ſchaft ſchließen.

(Sie umarmen ſich.)
Bär.

Auf denn! Mit vereinten Kräften werden wir wohl das Ungeheuer bezwingen.

(Beide ab.)
Casperl.
(tritt auf, einen großen Brief in der Hand.)

No, wo is er denn? Jetzt lauf i ſchon a halbe Stund umanand und find mein Herrn net. Wir hab’n uns ja da z’ſammbſtellt. Heda, Heda! Prinz27 Roſenroth! Wo ſind’s denn? Sitzen’s etwa hinter einer Stauden? Der Casperl iſt da! Nix is! Weiß der Guckuck, wo der wieder hin iſt, und ich ſoll ihm den Brief vom König Goldkron bringen! Hat er vielleicht wieder ein Abenteuer im Kopf? Der Geier ſoll ſo an Dienſt holn, wo man’s ganze Jahr kein Ruh hat! Jetzt darf ich wieder einen halben Tag rumlaufen bis ich ihn find, und derweil ſitzt er ganz kommod in ein’m Wirthshäusl und ißt Bratl und Salat, während ich mir Lungl und Leber ’raus renn. Schlipperment, iſt das a Leben!

(ruft)

Prinz Roſenroth; Durchlaucht!

(läuſt ab.)
Dünkelmaier.

Jn dieſem Walde will ich mich verbergen bis es Nacht wird und ich ungeſtört meinen Weg fort - ſetzen kann. Glücklich bin ich bis daher gekommen. Mein Geld hab ich mir in Banknoten umgewechſelt und trage es bequem in der Brieftaſche. Jm näch - ſten Ort nehm ich mir Extrapoſt denn leider ſind die Eiſenbahnen noch nicht erfunden und fahre bis Hamburg, wo ich mich nach Amerika ein - ſchiffen werde. Der alte König Goldkron wird mich wohl nicht verfolgen laſſen; er denkt nur an ſeine verlorne Tochter! Ha, ha, ha!

(will abgehen.)
28
Teufel.

Halt, Kamerad!

Dünkelmayer.

Wer ruft mir? Weh mir man verfolgt mich!

Teufel.

Steh mir, ich bin dein guter Freund.

Dünkelmayer.

Jch kenne dich nicht, wie kannſt du mein guter Freund ſein. Wer biſt du?

Teufel.

Jch bin der Leibhaftige und will eine kleine Luftfahrt nach Amerika machen; wenn du magſt, kannſt du mit mir reiſen.

Dünkelmayer.

Auf dieß kömmt’s mir auch nicht an! Recht ſo! Mit dem Teufel in Compagnie; da hab ich nichts dagegen.

Teufel.

So ſetz dich auf meinen Rücken; halte dich aber feſt!

(Dunkelmayer hängt ſich an den Teufel und ſie fahren durch die Luft.)
Teufel.

Prrrrrr!

Der Vorhang fällt.
29

III. Aufzug.

Ein felſiges Thal. Jn der Mitte ſteht eine Eiche, zu deren Füſſen der Drache Feuer - rachen liegt.
Drache.

Obgleich es eigentlich nicht üblich iſt, daß Drachen ſprechen, ſo muß ich es doch thun, damit ihr wißt, woran ihr ſeid. Jch bin alſo der erſchreckliche Drache Feuerrachen. Meine Mutter war die nächtliche böſe Fee Schlangenblitz und mein Vater der Zauberer Negromanticus. Von Haus aus war ich eigentlich ein Papierdrache, den die Buben im Herbſte auf den Wieſen fliegen ließen; allein nach und nach wuchs ich heran und gewann endlich meine dermalige Geſtalt. Jch bin ein furchtbarer Kerl und wer mir in den Weg tritt, dem ſpeie ich Feuer in’s Geſicht, wie ihr auch gleich ſehen werdet, wenn der gute Prinz Roſenroth einen Zweig von dieſem Baume pflücken will, den ich auf Befehl meines Papas zu bewachen habe. Ach! wäre ich doch lieber in meiner Kindheit geblieben; als Papierdrache be - fand ich mich ſo wohlgemuth und heiter geſtimmt, beſonders, wenn ich durch die blaue Luft dahinflog30 und endlich wieder auf den grünen Raſen niederſank! Nun ſind mir dieſe jugendlichen Gefühle fremd ge - worden, ich bin mir ſelbſt zuwider. Meine Leiden - ſchaften, die ich nicht bekämpft, mein böſes Naturell, das ich nicht überwunden, haben mich complett ruinirt. Laßt euch das Warnung ſein! Die beſte Seele kann ſchlecht und verdorben werden! Dieß ſagt euch der Drache Feuerrachen.

Prinz Roſenreth und der Bär.
Roſenroth
(das Schwert in der Hand.)

Hier ſind wir alſo im Schlangenthale angelangt.

Bär.

Und dort ſteht die Zaubereiche, an deren Wurzeln der böſe Drache liegt.

Roſenroth.

Heda, Drache! entferne dich, damit ich einen Zweig des Wunderbaumes brechen kann.

Drache.

Mein Platz iſt hier und ich weiche nicht von der Stelle!

Roſenroth.

So werde ich dich dazu zwingen!

(geht auf ihn los.)
(Der Drache ſpeit Feuer.)
Roſenroth.

Magſt du auch wie ein Vulkan Feuer ſpeien, es wird mich nicht hindern, dich zu vertreiben.

(Casperl lauft mit einem Briefe herein.)
31
Casperl.

Ja was iſt denn da wieder los? Alleweil Spe - takel! Warten’s a Bißl und leſen’s zuerſt den Brief!

(Sieht Bär und Drachen.)

Da dank ich gar ſchön; auf der ein Seiten ein Drach und auf der andern ein Bär! Da lauf ich davon.

Bär.

Halt Freund! der Bär thut dir nichts zu Leid.

Casperl.

A! da hab ich Reſpekt, des iſt ein Mal ein manirlicher Bär, gewiß ſind Sie ein quieszirter Tanzbär und privatiſiren jetzt.

Roſenroth.

Was ſteht in dieſem Briefe? Vermuthlich iſt er vom König Goldkron.

Casperl.

Ja, von dem iſt er. Wie haben’s jetzt das wie - der errathen können? Sie ſind halt ein Tauſendſaſa.

Roſenroth.

Sehr natürlich! Es wird die Antwort auf meine Anfrage ſein, die ich dich ſtellen hieß.

Casperl.

Richtig, ſo iſt’s.

32
Roſenroth
(liest)

Edler Prinz! Sei mir jederzeit willkommen! Empfange zugleich mein königliches Wort, daß ich dir meine geliebte Tochter Lilienweiß zur Gemahlin gebe, ſobald du ſie aus den Händen des böſen Negromanticus befreit haben wirſt!

Goldkron, König.

Casperl.

Punktum, Streuſand d’rauf! aber auf den Punktum kommt’s halt noch an, wegen der gewiſſen Befreiung.

Roſenroth.

Nun erſt bin ich doppelt begeiſtert und mein Muth kennt keine Grenzen, da der ſchönſte Lohn des Lebens mir entgegenwinkt!

Heda, Drache! ſtell dich zum Kampfe!

Drache.

Jch bin bereit.

(Er erhebt ſich und ſchlägt mit den Flügeln.)
(Casperl verſteckt ſich.)
Roſenroth.

Wohlan.

(Er kämpft mit dem feuerſpeienden Drachen, haut auf ihn ein; der Bär ſtürzt ſich d’rauf.)
Drache.

Jch bin beſiegt.

Verſinkt in den Boden. Ein papierener Drache fliegt auf und ver - ſchwindet oben; Roſenroth und Bär fallen ſich in die Arme.
33
Casperl
(aus ſeinem Verſteck hervortretend.)

Ah! das iſt aber ſchön! Herr Jegerl, der ſchöne Drach! Jch mein, ich bin auf der Oktoberfeſtwieſen. Juhe, Juhe!

Duett. Roſenroth und Bär.
Viktoria, Viktoria,
Der Sieg iſt nun errungen!
Viktoria, Viktoria,
Der böſe Drach bezwungen!
Viktoria, Viktoria!
Roſenroth.

Nun will ich den Zweig brechen, um Lilienweiß zu erlöſen und als Braut heimzuführen!

Bär.

Und mich berühre dann auch mit dem Wunder - zweige, damit ich von meiner Bärenhaut befreit werde.

Casperl.

Und mich rührn’s a bißl an, damit ich eine Bärenhaut krieg, denn die brauch ich zu die Schläg, die ich allenfalls noch bekommen könnt.

Während alle drei ſich der Eiche nähern, verwandelt ſich die Scene in den Zaubergarten wie im erſten Aufzuge.)
334

Zaubergarten des Negromanticus.

Negromanticus und Leopardus.
Negromanticus.

So eben habe ich in meinen Zauberſpiegel ge - ſehen, daß mir eine große Gefahr droht. Auch iſt mein Trinkglas zerſprungen, was von übler Vor - bedeutung iſt. Jch muß alle meine Zauberkräfte zuſammennehmen, um nicht zu unterliegen; auch auf dich zähle ich, Leopardus. Sei wacker und bleibe ein treuer Wächter. Jedenfalls ſuche zu verhüten, daß irgend Jemand dieſen Garten betrete. Nach überſtandener Gefahr werde ich dich dadurch belohnen, daß ich dir deine vorige Geſtalt wieder gebe und als Leopard in die ägyptiſche Wüſte laufen laſſe.

Leopardus.

Jch danke dir im Voraus. Lieber aber wär es mir dennoch, wenn du mich an eine Menagerie ver - kaufen würdeſt, wo ich meine alten Tage bei guter, regelmäßiger Fütterung beſchließen könnte.

Negromanticus.

Auch gut, wenn es dir lieber iſt! Nun geh ich in mein Zauberkabinet, um mich mit allen Waffen zu rüſten, die mir meine Kunſt bietet. Einſtweilen ſei wachſam und brülle, wenn ich kommen ſoll.

(ab.)
35
Leopardus
(allein.)

Nun, Gott ſei’s gedankt, erſcheint vielleicht doch einmal der Augenblick, der mich aus dieſer Sclaverei befreit! Aha! da kommt ſchon Etwas heran.

Casperl
(guckt herein).

Ps, Ps guter Freund! Jch möcht Jhnen a bißl was ſag’n.

Leopardus.

Marſch da, hier darf Niemand herein!

Casperl.

Wenn ich aber Entrée zahl; auf a paar Sech - ſer kommt’s mir nit an.

Leopardus.

Hier wird man auch gegen Geld nicht einge - laſſen.

Casperl.

No, laßn’s nur ein Wörtl mit ſich red’n!

Leopardus.

Nichts da, oder ich erwürge dich!

Casperl.

Jch muß ja hinein, weil mein Herr auch bald nachkommt.

Leopardus.

Wage es nicht einzutreten, oder

3 *36
Casperl
(ſtolpert und fällt herein).

Schaugen’s ich bin ja nicht hereingetreten, ich bin ja nur hereing’fall’n.

(Steht auf.)
Leopardus.

Jeder Fremdling, der dieſen Boden betritt, iſt verloren.

(ruft)

Negromantikus!

Ein Blitzſtrahl verwandelt Casperl in einen Eſel.

So, da haſt du den Lohn für deine Unverſchämt - heit. Als Eſel kannſt du die Diſteln und ſonſtiges Unkraut dieſes Gartens freſſen! Nun iſt wohl die Gefahr, von welcher Negromanticus geſprochen, vor - über. Jch will zu ihm und mir den verſprochenen Lohn holen für meine Wachſamkeit.

(ab)
Casperl
(als Eſel)

Ya, Ya, Ya!

Prinz Roſenroth den Eichenzweig in der Hand und Ritter Hugo von Felseck treten ein.
Felseck
(wieder in ritterlicher Geſtalt)

Wie leicht iſt mir, ſeit ich meine ritterliche Geſtalt wieder habe. Der ſchwerſte Turnierharniſch war mir nicht ſo läſtig wie das abgelegte Bärenfell.

Roſenroth.

Sieh hier das Blumenbeet. Dieß werden wohl unſere verzauberten Fräulein ſein!

37
Chor der Blumen.
Wir ſind es, ja, wir Blumen aller Arten,
Die ſchon ſo lange auf Erlöſung warten.
O kommt, befreit uns durch den Zweig der Eiche,
Damit der böſe Zauber von uns weiche.
Doch eilt, damit zuvor wir uns vereinen,
Eh Negromanticus wird hier erſcheinen;
Wir neigen ſchon die Köpflein euch entgegen
Und harren auf des Eichenzweiges Segen.
Roſenroth.

Wer könnte noch zögern, das ſüße Werk zu vollbringen?

(Er naht ſich den Blumen.)

Göttliche Fee Liebinniglich! in deinem Namen berühre ich die Blumen, damit ſie wieder Mädchen werden.

(Er ſchwingt den Eichenzweig.) Sanfte Muſik hinter der Scene, wie Harfenklänge. Die Blumen verwandeln ſich in ſchöne Jungfrauen, Prinzeſſin Lilienweiß um - armt Roſenroth und Emma von Hohenthal den Ritter Felseck.
Prinz Roſenroth.

Seligſter Augenblick meines Lebens!

Felseck.

Dank dir, liebliche Fee!

Lilienweiß.

O wie bin ich glücklich, meine vorige Geſtalt wieder zu haben!

38
Emma.

Unſer Blumenleben war höchſt traurig!

Lilienweiß.

Wenn wir auch ſüßen Duft aushauchten, die Strahlen der Morgenſonne ſich lieblich auf uns ſenkten und die friſchen Thautröpflein uns erquick - ten; es war doch nur ein Traumleben.

Roſenroth.

Nun ſeid Jhr befreit zu unſerer Wonne! Laßt uns eilen, dieſen Ort böſer Zauberkünſte zu verlaſſen. Geliebte Prinzeſſin, meine erſte Pflicht iſt es, Euch in die Arme Eures Vaters zurückzu - führen!

Jelseck.

Und Euch, mein Fräulein, biet ich meine rit - terliche Hand. Auf der Burg Hohenthal bei Euern Eltern ſoll nun ungeſäumt unſer Vermählungsfeſt gefeiert werden.

(Alle wollen ahgehen.)
Casperl.
(als Eſel)

Ya, Ya, Ya!

Roſenroth.

Sieh da! ein Eſel, den wir gar nicht bemerkt hatten in der Freude unſerer Herzen. Was willſt du, armes Thier?

39
Lilienweiß.

Es iſt ein verzauberter Menſch, der vor Kur - zem in den Garten gedrungen war.

Casperl.

Ya, Ya, Ya!

Roſenroth.

Wer du immer biſt, mein Eichenzweig ſoll auch dich erlöſen.

(Er berührt ihn.)
Casperl
(wieder in voriger Geſtalt.)

Schlipperement! das war aber doch a bißl z’viel: mich in einen Eſel z’verwandeln!

Roſenroth.

Ei du biſt’s, mein guter Casperl?

Casperl.

Ja freilich bin ich’s. Haben’s mich denn nit erkannt, hab’n mich doch ſchon ſo oft ein Eſel g’heißen?

Roſenroth.

Jn der That nicht! Doch, auf! laßt uns nicht ſäumen, fort von hier!

(Alle ab, bis auf Casperl.)
Casperl.

Jetzt könnt eigentlich die G’ſchicht gar ſein, alſo mach ich mein höfliches Compliment.

(Es donnert.)

Auweh! Da kommt noch a Donnerwetter hinten - d’rein, da geh ich.

(ab)
40
Negromanticus
(ſtürzt herein.)

Bei allen Teufeln der Hölle! Jch bin beſiegt! Wo ſind meine Blumen? wo iſt all meine Zauber - gewalt? Jch fühle mich ohnmächtig und hilflos!

(Blitz und Donner.)

Weh mir! Sollte dieß Alles das Werk der Fee Liebinniglich ſein?

Liebinniglich erſcheint in Wolken.
Liebinniglich.

Ja, böſer Zauberer, es iſt mein Werk, daß Lieb und Treue geſiegt haben, und an der Zeit war es, daß dein böſes Wirken zu Schanden ge - worden.

Falle zurück in das hölliſche Element, dem du dich ergeben hatteſt!

Nekromanticus verſinkt unter Flammen. Der Vorhang fällt.

Casperl unter den Wilden. Ein culturhiſtoriſches Drama in zwei Aufzügen.

[figure]

Perſonen.

  • Casperl Larifari.
  • Gerſtlmaier,

    reiſender Naturforſcher.

    Bürgermeiſter

    Zipfelberger.
  • Schneck,

    Nachtwächter.

    Ein Trommler der Bürgergarde.
  • Neptunus

    der Meergott.

  • Mehrere wilde Jnſulaner in Tricôt.
  • Ein Krocodil.
  • Ein Delphin.

I. Aufzug.

Afrikaniſche Jnſelgegend, im Hintergrunde das Meer. Während der Ouverture, welche eine ſtürmiſche Muſik ſein muß, geht der Vorhang auf. Furchtbarer Sturm, Blitz und Donner. Ein Schiff wird auf den Wogen hin - und hergetrieben. Es ſchlägt ins Schiff ein, welches verbrennt und untergeht. Casperl ſchwimmt auf den Wellen und ſteigt ans Ufer, während das Gewitter allmäh - lig aufhört.
Casperl.

Na, da Dank ich g’horſamſt! Die Waſſerpar - thie ſoll der Guckuck holen! Wie mir nur ein - g’fallen iſt, nach Amerika ausz’wandern? Ja rich - tig! weil mich mein Grethl ſo plagt und chicanirt hat. Eigentlich aber kann ich doch nix dafür; denn wie ich beim Grünenbaum am Hafen auf und ab - gangen bin und ſchon wieder hab umkehren wollen, hat mich ein Schiffscapitän beim Kragen packt und hat mir auf Engliſch, was i aber nit verſtanden hab, g’ſagt: Ju, ju, moſt werden Matroſerl, ei nimm ju auf mei Schipp! J hab g’meint, des ju bedeut’t Juhe und bin glei mitgangen, weil i mir dacht hab, da werds luſtig hergehn. 44Auweh zwick! Das iſt aber bald anders word’n. Zuerſt haben’s mir freilich ein prächtigen Likör geben und ein Pfund Schinken und eine Portion geröſteten Wallfiſch und zwölf Haring und da hab ich ein Rauſch kriegt; ich weiß nimmer, war’s der Wallfiſch oder der Branntwein, der mir in Kopf gſtiegen iſt kurz wie ich wieder von meinem Dusl aufg’wacht bin, da hat der Capitän ſchon mit einer Stangen in die See g’ſtochen ghabt und ich war unter die Matroſen gepreßt, daß mir’s Hören und Sehn vergangen iſt. Ja, das glaubt kein Menſch, was ſo eine Matroſenpreſſerei fürchterlich iſt! Von allen Seiten wird man gedruckt. Na, da ſind wir halt ſo fortg’fahren, oben blau, unten blau, nix als Himmel und Waſſer und wir mitten - drein; mir iſt’s ganz blau vor die Augen word’n und engliſche Prügel hab ich auch genug kriegt, die thun grad ſo weh wie die boariſchen. Endlich nach mehreren Tagen iſt heut das Donnerwetter kommen, als wenn d Welt untergehn wollt und wir Alle ſammt’n Schiff. Ein Blitz, ein Schlag jetzt war’s vorbei; Gott ſei Dank, hät’ich net’s Schwim - men g’lernt, wie’s mich amal aus’n Wirthshaus in’s Waſſer g’worfen haben, ſo hätten mich ohne Zweifel die Wellen des Oceans verſchlungen; 45 doch hier bin ich gerettet aber pudelnaß wie aus’n Faß!

Grauſames Geſchick oder eigentlich Ungeſchick; denn das iſt doch eine Ungeſchicklichkeit, wenn man ſo mir nix dir nix von den Wellen an ein unbe - kanntes Land geworfen wird! Ha, Verzweiflung! Denn da wird’s ſchwerlich ein Wirthshäuſel geben, die Gegend ſieht mir nicht darnach aus! Auweh! da kommt ſchon ein ausgeſtopftes Krokodill auf mich losmarſchirt! Jch mach mich aus’m Staub.

(Läuft hinaus.) Ein Krokodill marſchirt über die Bühne, einige Papageien fliegen hin und her. Zwei Wilde kommen von verſchiedenen Seiten herein.
Erſter Wilder.
(Mit Pfeil und Bogen.)

Kro kro!

Zweiter Wilder.
(Mit einer Lanze.)

Pu pu pu!

Erſter Wilder.

Mumulibutzili, Krokodilli!

Zweiter Wilder.

Schiſſi, ſchiſſi, ſtechi, ſtechi!

Erſter Wilder.

Wuliwulipumdara.

Zweiter Wilder.

Hungerli, nix freßi ganzi Tagi.

46
Erſter Wilder.

J a, Diaboliverflixti.

Zweiter Wilder.

Muri, ſchnuri, prdibixti!

Erſter Wilder.

Kokolimu, kokalimu.

Zweiter Wilder.

Mu, Mu!

(Beide ab.)
Profeſſor Gerſtlmaier. Wie Robinſon mit einer Schürze von Palmblättern und einem großen rothen Paraplui.
Gerſtlmaier.

Nun lebe ich ſchon ein Jahr auf dieſer ein - ſamen Jnſel unter dem achtundvierzigſten Grade ſüdlicher Breite und widme mich unabläſſig dem Studium der Naturwiſſenſchaft. Dank dem Zufall, daß mich die wilden Einwohner für ein höheres Weſen anſehen und als ſolches verehren, ſonſt hätten ſie mich längſt gefreſſen. Allein das iſt ja der Vor - theil der Männer der Wiſſenſchaft, daß ſie ſtets von einem verklärenden Nebeldunſte umhüllt ſind und von den Laien im Allgemeinen, im vorliegenden Falle in specie von den Menſchen-Freſſern, als Halb - götter angeſehen werden müſſen! Noch bin ich aber mit meinen Forſchungen nicht zu Ende; unerachtet47 der genaueſten mikroscopiſchen Beobachtungen gelang es mir noch nicht zu entdecken, ob die Excremente der Sepia annulata aus rein animaliſchen oder ve - getabiliſchen Atomen beſtehen, worüber ich bereits am achthundertſten Bogen einer ausführlichen Ab - handlung arbeite.

Noch ein paar Monate, und der preußiſche Dam - pfer Aquila, der mich hier auf Staatskoſten ausge - ſetzt, wird mich wieder abholen. Es bleibt mir alſo nur noch kurze Zeit für meine Forſchung.

Wie dem auch ſei, jedenfalls kehre ich, reich an Erfahrungen, mit einer Sammlung von 40,000 naturwiſſenſchaftlichen Objekten nach Europa zurück. Ei! was ſeh ich da kommen? Eine Art Papa - gei? Ein Psittacus formosus? Die Species ſcheint mir neu. Jch will mich etwas verbergen und beobachten.

(rerſteckt ſich.)
Casperl
(tritt ein.)

Schlapperdibix! das iſt ja eine miſerable Land - ſchaft! Kein Wirthshaus weit und breit! Keine menſchliche Seel! Nix als Affen, Papperln und ſon - ſtige Menagerievieher! Das iſt ja zum verhungern. Hätt ich nit a paar Schnecken g’funden leider ohne Sauerkraut! ſo wär ich ſchon hin! Mein48 Magen kommt mir jetzt ſchon vor wie ein leerer Tabaksbeutel; mein Unterleib iſt ſchon ſo eing’ſchrumpft, daß ich gar nimmer weiß, ob ich jemals einen Bauch g’hab thab! Ja, was wär denn das? der Casperl iſt doch mit zum hungern und durſten auf der Welt! Ha Schreckenszeit! Und wie komm ich denn wie - der fort und nach Haus zu meiner Grethl! Rings - rum Waſſer und nix als Waſſer! Wenns nur we - nigſtens Bier wär; allein dieſes heimatliche Getränk ſcheint hier gänzlich unbekannt zu ſein.

Mich kommt ſchier die Verzweiflung an! Auweh, auweh! wenn ich verhungern müßt nein, das hielt ich nit aus, da ging ich eher zu Grund!

Gerſtlmaier.
(ſpringt hervor und packt den Casperl.)

Halt, du entkömmſt mir nicht.

Casperl.

Herr Jemini! was iſt denn das?

Gerſtlmaier
(Casperl feſthaltend.)

Ein herrliches Exemplar.

Casperl.

Laſſen’s aus oder ich ſchlag aus!

Gerſtlmaier.

Ah, ich habe mich geirrt: Psittacus garrulus. 49Nur ſtillgehalten, Freundchen, bis ich dir die Flügel ein wenig geſtutzt, damit du mir nicht mehr ent - kömmſt.

Casperl.

Was fallt denn Jhnen ein? Flügelſtutzen? Jch bin ja kein Vogel.

Gerſtlmaier.

Das muß ich, als Gelehrter, beſſer wiſſen, wer du biſt und zu welcher Species du gehörſt.

Casperl.

Nix Species, ich bedank mich für den Speci, der mich ſtutzen will. Nix ſtutzen und nix dutzen heißt’s bei uns zwei! Verſtanden!

Gerſtlmaier.

Nun, du ſcheinſt mir ein zahmes Exemplar, das vielleicht ſchon europäiſche Bildung genoſſen hat und wieder über’s Meer hiehergeflogen iſt.

Casperl.

Bildung hab ich nicht genoſſen, aber Bratwür - ſteln und Blauskraut genug; nur hier zu Land heißt’s Hunger leiden. Jetzt aber, wie kommen denn Sie daher in die abgelegene Jnſel, ich bin wirklich froh, daß ich eine menſchliche Phyſionomie ſeh, ob - ſchon Sie wie a Narr ausſchaun.

450
Gerſtlmaier.

Es iſt die Frage, wer der Narr iſt. Er iſt alſo wirklich kein Papagei?

Casperl.

Wär nit übel! Jch bin nicht nur kein Papagei, ſondern der Casperl Larifari, penſionirtes Mitglied der europäiſchen Völkerwanderung und untergegan - gener Schiffsmatroſe außer Dienſt, nebenbei Priva - tier und Stiefelputzer, alſo wenn’s mich als Be - dienten brauchen können oder was, ſo ſteh ich zu Dienſten, aber ich ſeh mehr auf gute Koſt, als auf ſchlechte Behandlung und Arbeit ſo jetzt wiſſen ’S Alles, was ’S zu wiſſen brauchen und überhaupt, wenn Sie ein ordentlicher Gelehrter ſein wollen, ſo geben’s mir a Maß Bier als Drangeld.

Gerſtlmaier.

Gut, gut genug des Geplappers, drolliger Pſittacus. Jch will dich in meine Dienſte nehmen, denn ich werde dich wohl brauchen können in meiner Höhle.

Casperl.

Was in der Höll? Nein ich dank, da drin mag ich Nix zu thun haben, da is der Teufel und ſein Großmutter!

51
Gerſtlmaier.

Es iſt ja nur eine Felſenhöhle, in der ich wohne und meine Sammlung von Naturalien aufbewahre.

Casperl.

So? Capitalien hab’n ’S, das laß ich mir g’falln; bei einem Capitaliſten mag ich ſchon Budienter ſein, da fallt bisweilen was ab.

Gerſtlmaier.

So ſind wir einig. Jch bin dein Herr und du biſt mein Diener.

Casperl.

Ja, ich bin von nun an Jhr Kammerdiener oder vielmehr ihr Höhlendiener, weil Sie keine Kammer zu buſitzen ſcheinen thun.

Gerſtlmaier.

Jch werde Alles redlich mit dir theilen, obgleich die Bißen auf dieſer Jnſel oft ziemlich ſchmal ſind.

Casperl.

Und ich werde auch Alles redlich mit Jhnen theilen, beſonders weil ich Nix hab; denn ſonſt thät ich’s ſelber b’halten.

Gerſtlmaier.

Nun kannſt du gleich deinen Dienſt antreten. Bleibe hier und warte bis ich von meinem wiſſen -4 *52ſchaftlichen Spaziergang zurückkehre; dann ſollſt du etwa meine Beute heimtragen.

Casperl.

Wenn Sie einen Beutel haben, in welchem ſich Geld bufindet, ſo können’s mir’n lieber gleich jetzt geben.

Gerſtlmaier.

Bleibe nur hier; ſollten ſich Einwohner dieſer Jnſel nähern, ſo verſtecke dich; denn du wärſt ver - loren, im Falle ſie dich entdecken würden.

Casperl.

Gehn’s nur zu ich gib ſchon Acht auf mich.

(Gerſtlmaier geht ab.)
Casperl.

Das hab ich ſchon wieder g’merkt: des iſt halt auch ſo ein gelehrter Hungerleider, wie mir’s z’Haus gnug haben. Die ſind überall z’finden, ſogar auf dieſer Jnſel da muß ſo einer rumlaufen. Aber jetzt will ich ein bißl ausraſten, des warme Klima thut mir gar nit gut; ich hab ſchon einen Schlaf, als wenn ich 12 Maß Bier getrunken hätt.

(ſetzt ſich an einen Baum gelehnt.)

So ah! da liegt man gar nicht übel auf dem indianiſchen Moos, ſo weich wie im Feder bett.

(ſchläft ein.)
53
Die beiden Wilden ſchleichen herbei.
Erſter Wilder.

Kro, kro, kro!

Zweiter Wilder.

Pu, Pu!

Erſter Wilder.

Witzliwuzi.

Zweiter Wilder.

Wuziwitzli.

Erſter Wilder.

Stritzliwixi.

Zweiter Wilder.

Karamalomilapitſchipatſchiwatſchi!

Erſter Wilder.

Witſchiwatſchi!

Die Wilden fallen mit Geſchrei über Casperl her.
Casperl.

Auweh, auweh, die Menſchenfreſſer! Herr Pro - feſſor, kommen’s mir zu Hülf! Auweh! auweh!

Erſter Wilder.

Freſſi fraßi!

Zweiter Wilder.

Guti Bißi!

Erſter Wilder.

Spißibrat!

54
Zweiter Wilder.

Kro, kro, kro!

Die Wilden ſchleppen Casperl hinter die Scene, mittlerweile kömmt das Krokodill wieder und ſingt folgende Arie:
Kroßodill.
Jch bin ein altes Krokodill
Und leb dahin ganz ruhig und ſtill
Bald in dem Waſſer, bald zu Land
Am Ufer hier im warmen Sand.
Gemüthlich iſt mein Lebenslauf,
Was mir in Weg kommt freß ich auf
Und mir iſt es ganz einerlei,
Jn meinem Magen wird’s zu Brei.
Schon Hundert Jahre leb ich jetzt,
Und wenn ich ſterben muß zuletzt,
Leg ich mich ruhig in’s Schilf hinein
Und ſterb im Abendſonnenſchein.
(marſchirt ab.) Die Wilden ſchieben eine Feuerſtelle heraus mit flackernder Flamme, ein Bratſpieß liegt darüber. Es kommen noch andere Wilde dazu unter ſcheppernder Muſik tanzen ſie und ſingen folgenden Chor:
Spißi Spaßi Casperladi,
Hicki, Hacki Carbonadi,
55
Trenſchi, Tranſchi, Apetiti,
Freſſi, Fraſſi, Fetti, Fitti.
Schlicki, Schlucki Casperluki,
Dricki Drucki mameluki,
Michi, Machi Casperlores,
Spißi Spaßi Tſcha capores.
Casperl wird gebunden an Händen und Füßen herausgeſchleppt.
Casperl.

Auweh! auweh! potz Schlipperement, das wird mir zu arg. Jch bin ja ein Menſch und kein Kalbsbratl. Hört’s auf, ihr rabenſchwarzen ver - dächtigen Jndividuen! Hört’s auf! Jch gelobe, daß ich nie mehr eine Maß Bier trinken will, wenn ich diesmal ungerupft durchkomm!

Furchtbarer Donnerſchlag, die Wilden laufen auseinander. Jn den Wellen erſcheint der
Meergott Neptun.
Jch habe deinen Schwur gehört,
Mit welchem Rettung du begehrt,
Sieh hier am Ufer den Delphin,
Er trägt dich über’s Meer dahin.
Du kannſt auf ſeinem Rücken ſchlafen,
Er bringt dich ſicher in den Hafen.
Doch was du haſt gelobet hier,
Den Schwur halt wohl und trink kein Bier
56
Jch bin die Gottheit der Gewäſſer,
Das Waſſer ſoll dir ſchmecken beſſer.
Dieß ſagt zu dir der Gott Neptun
Und kehrt zurück in’s Waſſer nun.
(verſinkt.)
Casperl
(befreit von ſeinen Banden.)

Adie, Adie, ich bedank mich halt recht ſchön für meine Errettung aus den Händen und Rachen die - fer menſchenfleiſchappetitlichen ungebildeten indiani - ſchen Wildlinge!

(für ſich)

Aber ang’führt hab ich den Waſſermayer doch! Jch hab g’ſchwor’n daß ich nicht eine Maß Bier mehr trink; ja freilich nicht Eine, ſondern möglichſt mehrere, denn Eine Maß hat mir ohnehin nie g’langt!

Nun, auf! in das theure Vaterland! Muthig will ich dieſen ausländiſchen Karpfen beſteigen und mich ſeiner Entführung anvertrauen! Leb wohl ſchönes Eiland, auf dem ich aber keine Eierſpeis geßen hab! Leb wohl Naturforſcher!

Er beſteigt den Delphin, welcher unter ſanfter Muſik mit ihm fort - ſchwimmt; Gerſtlmaier erſcheint auf einem Hügel am Ufer und ſchaut durch ein großes Perſpektiv dem Casperl nach. Der Vorhang fällt.
57

II. Aufzug.

Stadt. (Morgendämmerung.) Nachtwächter Schneck mit Spieß und Laterne läuft herein und ſchellt an einer Haus-Thüre.
Schneck.

Aufg’macht! ’runterg’ſchaut! Aufpaßt! weckt’s den Burgermeiſter auf!

(ſchellt immer ſtärker.)
Bürgermeiſter
(mit der Zipfelmütze, öffnet ein Fenſter und ſchaut herunter.)

Was gibts da drunten? Was iſt das für ein Spektakel? Wer unterſteht ſich ſo an meinem Haus zu läuten, daß ich aus Schrecken beinah aus’m Bett g’fallen wär?

Schneck.

Jch bin’s Herr Bürgermeiſter.

Bürgermeiſter.

Wer iſt dieſes unverſchämte Jch?

Schneck.

Der Nachtwachter is.

Bürgermeiſter.

Was? Er iſt es, Schneck? Was gibt’s, was gibt’s? Warum ſo früh eine Meldung? hätt’s nit ſpäter auch Zeit g’habt?

58
Schneck.

Nein, Nein! Kommen Euer Gnaden nur herr - unter ich hab was ungeheuer Wichtiges zu notifli - xiren.

Bürgermeiſter.

Wart Er nur, ich komme gleich hinab.

(macht das Fenſter zu.)
Schneck.

Sipperement, ſipperement, das iſt eine G’ſchicht! Jch weiß gar nit, wo mir mein Nachtwachterkopf ſteht.

Bürgermeiſter
(im Schlafrock.)

Alſo ſchnell, was iſt beſonderes g’ſcheh’n? Aber hätt Er nicht das Rathscollegium zuerſt aufwecken können? warum mich aus meiner amtlichen Ruhe ſtören?

Schneck.

Jch bin ſchon bei alle Rathsherrn g’weſen; aber der Herr Rath Faßlmayer hat’s Podagra und kann nicht auf; der Rath Wurſtmüller hat ſich geſtern, wie er vom Bier nach Haus gegangen iſt, den Fuß überſtaucht, weil er niederg’fallen iſt; der Rath Grobhäusler iſt im Kindbett, das heißt: ſeine Frau hat einen Buben kriegt; der kann nit aus’m Haus und der Marktſchreiber iſt gar nit hier; der iſt geſtern Nachmittags in’s Gäu fort und noch nit59 wieder z’ruck. Er muß ein paar Kälber kaufen, weil er zum Kirchtag Würſt braucht.

Bürgermeiſter.

Das iſt doch fatal, daß Gewerbe und andere Allotria’s ſo oft mit den Amtsverpflichtungen coli - diren! Alſo ſchnell, was gibt’s?

Schneck.

Ja, Herr Bürgermeiſter! ſtellen S Jhnen vor: wie ich da in der Zwielichten meinen letzten Nacht - wachtergang mach und über’n Markt geh, ſeh ich aufeinmal einen furchtbar großen ſchwarzen Klum - pen ober mir in der Luft. Jch hab glaubt es is der Teufel und hab mich gleich unter ein Obſtler - ſtandl verſteckt. Pumps!

Bürgermeiſter
(fährt zuſammen.)

Erſchreck er mich doch nicht ſo!

Schneck.

Pumps hat’s than, und wie ich hinſchau, iſt ein großer Vogel auf und davon g’flogen und auf’m Pflaſter iſt eine Gewaltsfigur g’legen, die einen furchtbaren Seufzer gethan hat.

Bürgermeiſter.

Nun und was weiter?

Schneck.

Jch hab mich vor Aengſten gar nimmer aus -60 kennt und bin davong’loffen. Nachher wie mir nach und nach die Couragi wieder kommen iſt, bin ich zu alle Rathsherrn ’rumgrennt, nu, das wiſſen S ja und zuletzt hab ich Jhnen in meiner Todesangſt aufgeweckt.

Bürgermeiſter.

Allerdings ein furchtbares Ereigniß, das unſer gutes Städtlein betroffen hat! Da muß Alles auf - g’weckt werd’n. Der Stadttrommler ſoll gleich herumtrommeln und Allarm ſchlagen, der Stadt - Thurmer ſoll blaſen was er kann und an den Glocken anſchlagen; lauf Er auch gleich zum Spri - tzenmeiſter, daß die große Feuerſpritzen ausruckt; man kann nicht wiſſen, was g’ſchieht. Jch will unterdeſſen meinen Amtsrock anzieh’n; dann hol Er mich wieder ab; denn unter ſolchen Umſtänden al - lein auszugeh’n, das könnt gefährlich ſein und wäre für den Bürgermeiſter auch nicht ſchicklich. So jetzt lauf er, was er kann!

Schneck.

Jch lauf ſchon! Wenn mich nur das Unge - heuer nit frißt.

(ab)
Bürgermeiſter geht in’s Haus, unterdeſſen iſt es Tag geworden. Bald darauf beginnt das Geläute vom Thurme und der Thurm - wächter ſtößt in’s Horn, der Stadttrommler marſchirt über die Bühne und trommelt; der Lärm wird immer ärger.
61
Casperl
(läuft herein.)

Schlipperdibir! das iſt a Metten, ich kenn mich gar nit aus! Zuerſt hat mich der indianiſche Stock - Fiſch über’s Meer getragen; an der europäiſchen Küſte, i weiß nit wie’s dort heißt bin ich aus - g’ſtieg’n, eigentlich abg’ſtiegen. Kaum hab ich ein bißl ausraſten wollen, denn mir war ſteinübel von der Seekrankheit, weil ich auf’m Meer Nix als Auſtern g’freſſ’n hab ſo iſt auf einmal ein ungeheurer Vogel herg’flogen, hat mich bei der Hoſen packt und iſt mit mir auf und davon bis er mich vor einer halben Stund mitten in das Stadtl auf’s Pflaſter niederg’ſetzt hat, daß Alles kracht hat. Jetzt fragt ſich’s: wo bin ich? Jch hab mich vor lauter Ueberraſchung nit umg’ſchaut und des Höllen - Spectakel macht mich ja ganz confus. Ah, da kommt der Trommler wieder, den will ich fragen.

(Trommler nähert ſich.)

Heda, ſind S a bißl ſtat auf ein Augenblick. Sag’n S mir doch, was der Lärm bedeut’t und wo ich bin?

Trommler.

Da müſſen S den Spritzenmeiſter fragen oder den Nachtwachter. Nach’n Reglement muß ich’s Maul halten, wenn ich im Dienſt bin.

(trommelt weiter.)
62
Casperl.

Schlipperement! jetzt weiß ich ſo viel wie zuvor.

Nachtwächter kommt um den Bürgermeiſter von ſeinem Hauſe ab - zuholen.
Casperl.

Heda! Guter Freund! Jch bitt Jhnen, ſa - gen S mir doch

Schueck.

Pst, Pst! Jch muß den Herrn Bürgermeiſter abholen und da darf i nix red’n, weil ich im Dienſt bin.

Casperl.

Brav! das ſind a mal verſchwiegene Leut! Das heißt man das Amtsgeheimniß halten.

Bürgermeiſter kömmt mit dem Nachtwächter aus ſeinem Hauſe.
Bürgermeiſter.

Was iſt da für ein perdächtiges Subjektum! Nachtwächter! gleich verarretiren! Ei was ſeh ich, das iſt ja der Monſiö Casperl! Wo kommen denn Sie wieder her aus der Fremd?

Casperl.

Ah! Schnickel, Schneckerl! Das iſt ja der Herr Burgermeiſter Zipfelberger! Juhe! Juhe! Jetzt bin ich alſo wieder z’Haus und weiß net wie!

Bürgermeiſter.

Die Madame Grethl hat ſchon ſehr nach Jhnen63 geſchmachtet, weil Sie ſo lang ausblieben ſind. Die wär vor Sehnſucht beinah g’ſtorben.

Casper.

Ei was? Da wär ich lieber noch ein halbe Stund länger ausblieben!

Bürgermeiſter.

Ja ſag’n S: wo warn S denn die ganze Zeit über?

Casperl.

Auf der Wanderſchaft weit hinten über’s Meer.

(Vornehmthuend)

Zuerſt war ich Matroſenhauptmann auf einem zwölfpfünder Dreimaſterdampfſchiff, dann war ich Seegeſchöpf und Meerungeheuer; hierauf Jnſulaner, Naturalienſammler und Bratlaspirant; ſodann wieder Seefahrer und ſchließlich Luftfahrer bis ich mich in meine liebe Vaterſtadt per posteriorem wieder niedergelaſſen habe.

Bürgermeiſter.

Aber nein! Alſo ſind Sie das Ungeheuer, wel - ches heute Nacht auf dem Marktplatze niederfiel?

Casperl.

Dasjenige, welches nicht nur, ſondern auch

Schneck.

Die ganze Stadt in Allarm verſetzt hat?

64
Bürgermeiſter
(zu Schneck.)

Das heißt, weil Er ein Haſenfuß iſt! Es iſt erſchrecklich! was werden die Leut von uns denken?

Casperl.

Vermuthlich was ſie zuvor ſchon von dem ho - hen Magiſtrat gedacht haben: Nix Rar’s!

Bürgermeiſter.

Genug davon! Nachtwächter jetzt geh er und ſag er den Allarm wieder ab. Jch meinerſeits will die Einwohnerſchaft beruhigen.

(ab)
Casperl.

Und ich werde die Sehnſucht meiner Grethl be - ruhigen, aber zuvor will ich auf die vielen Stra - patzen ’nauf meinem Gevattersmann dem Wirth zum blauen Bock einen intereſſanten Beſuch ab - ſtatten. Dieſer ernſte, bedeutungsvolle Gang iſt mir vor Allem von Wichtigkeit. Nachtwachter! und du gehſt derweil zu meiner Grethl und bereiteſt ſie auf die Rückkehr ihres getreuen Gatten vor.

(Jm Schauſpielerton.)

Sag ihr, ja ſag ihr, wölchen unſög - lichen Gefahren ich entgangen bin! ſag ihr, wie mein gattliches Hörz ihr aus dem blauen Bock ent - gegenſchlögt! ſag ihr, ihr ſag, ſag ihr, ihr ſag, wie ich zittere und ziböbe im Hinblick auf den Rückblick65 des Wiederblicks unſeres zörtlichen Wüderſöhens und der Umſchlingung der weitausgebreiteten Umſpan - nung der liebenden Armee treuer verhältnißmäſſiger Gattenliebe und öhlicher Umſtände. O, ſag ihr

Schneck.

Hör auf, Casperl, das kann ich mir ja nit Alles merken. Weißt was? ich geh mit dir ins Wirthshäusl; da kannſt mir’s beſſer expliciren, nachher gehen wir miteinander zu deiner Grethl und die muß uns ein Kaffé machen.

Casperl.

Einen Kaffé machen, ſehr Kaffé mit einigen Bretzeln und ſonſt noch was zum Eintunken. Juhe! Jetzt bin ich wieder z’Haus! Ueber’s Meer mag ich nimmer, ich bleib ein ruhiger Staatsbürger und nähre mich redlich.

Der Vorhang fällt.
5

Heinrich von Eichenfels. Drama in drei Aufzügen nach Chr. Schmids Erzählung mit einem Vorſpiel.

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5 *

Perſonen.

  • Graf Friedrich von Eichenfels.
  • Gräfin Adelhaid,

    deſſen Gemahlin.

  • Heinrich,

    ihr Söhnlein.

  • Margaretha,

    im Dienſte der Gräfin.

  • Görg,

    Gärtner im Schloſſe des Grafen.

  • Hannes,

    des Grafen Knappe.

  • Juta,

    Zigeunermutter.

    • Wolf,
    • Mathes,
    • Zigeuner.

  • Schnaps,

    Hirtenjunge.

  • Menrad,

    Einſiedler.

  • Dienſtleute des Grafen.
  • Zigeuner ꝛc.

Vorſpiel.

Zimmer im Schloſſe des Grafen. Gräfin Adelhaid an einem Tiſche mit weiblicher Arbeit beſchäftigt, Margaretha, etwas rückwärts, ſitzt und ſpinnt; ihr zur Seite eine Wiege mit Vorhängen gedeckt.
Gräfin
(zu Margareth.)

Schläft der Bube?

Margaretha.

Nein, edle Frau; er iſt wach und blickt mich mit ſeinen hellen Augen freundlich an, als wollt er ſagen: Heut will ich euch zum Trotz mein Nach - mittagsſchläfchen nicht machen.

Gräfin.

Das ſchlimme Bürſchlein! Laß uns Eins zu - ſammen ſingen, vielleicht beliebts dem kleinen Herrn dann.

Margaretha.

Gewöhnlich geht’s ſo. Ruhe thut ihm noth, denn er zappelt ja den ganzen Tag über.

70
Gräfin.

So fangen wir an:

(ſingt: Margareth begleitet ſie.)
Wenn die Sonn iſt aufgeſtiegen
Und die dunkle Nacht entfloh,
Dann die Vöglein hoch auffliegen,
Die da ruhten irgendwo,
Jn den Neſtern, auf den Bäumen
Jn der Büſche grünen Räumen,
Holla! auf ihr Vögelein!
Auf, begrüßt den Sonnenſchein!
Wenn ſie dann mit glüh’ndem Strahle
Hoch einher am Himmel zieht,
Senkt das Vöglein ſich zu Thale
Und in düſtern Schatten flieht.
Nur die Käfer ſummen leiſe
Auf den Blumen ihre Weiſe.
Sum, ſum, ſum lieb Käferlein,
Sumſe mir mein Büblein ein!
Wenn die Sonne ſelbſt ſich neiget,
Und der Abendſtern dort prangt,
Munter ſich manch Vöglein zeiget
Eh es nach dem Neſt verlangt,
71
Schüttelt noch einmal die Flügel,
Sonnt euch auf dem grünen Hügel,
Singet hell: Gut Nacht, gut Nacht,
Schlummert all bei Sternenpracht!

Schläft er?

Margaretha.

Er ſchnarcht wie ein kleines Mäuslein.

Gräfin.

G’ſegn’s ihm der liebe Gott, daß er wächst und gedeiht!

(tritt an die Wiege.)

Ach! wenn doch mein Friedrich den Knaben ſäh wie er ſo lieblich ſchlummert! Jſt doch nichts Lie - beres, als der ſanfte Athemzug eines ſchlafenden Kindleins!

Margaretha.

Ja der edle Herr, wo mag er jetzt Herberg haben?

Gräfin.

Herberg? Ei was denkſt du Margreth? Jm Krieg da gibts ſelten Herberg. Das Bett iſt Gottes freies Erdreich und die Zehrung ein Stück vertrock - netes Brod; ja oft fehlt’s ſogar am friſchen Trank aus einer Quelle und Hunger und Durſt ſind zu - meiſt der Ritter Feldgenoſſen.

72
Margaretha.

Mir iſt’s wohl lieber, ich bin ein Mädel; denn Spinnrocken und Kindswart ſind ein ſanft Gewerb.

Gräfin.

Heut ſind’s gerade 3 Monate, daß mein Herr auszog auf des Herzogs Aufgebot gegen den Mark - grafen.

Margaretha.

Was aber die fürnehmen Herren immer zu ſtreiten haben? oft um ein Geringes.

Gräfin.

Dießmal gilt’s wieder den Kloſterzehend, und iſt’s vom Markgrafen fürwahr ein muthwillig Ge - bahren, denn der Zehent hat ſeit älteſter Zeit dem Herzog gebührt.

Margaretha.

Und der Herr Graf muß ihm helfen mit ſeinen Reiſigen.

Gräfin.

Jſt’s doch ſeine Schuldigkeit als deſſen Lehens - mann.

Margaretha.

Schuldigkeit hin oder her; ich blieb aber doch lieber daheim bei Weib und Kind.

73
Gräfin.

Ei! was Ehr und Pflicht gebieten, das muß immer s’erſte ſein. Machſt’s ja ſelbſt ſo, Margreth, du möchſt gewiß oft lieber in die Spinnſtube zu den Mägden und Knechten gehen, zu plaudern und zu koſen, als hier an der Wiege ſitzen und den Buben pflegen.

Margaretha.

Jhr habt wohl recht, edle Frau! Jeder ſoll das Seine thun, wie’s Pflicht iſt.

(Trompetenſtoß des Thurmwarts.)
Gräfin.

Der Thurmwart bläst; wird wohl ein Gaſt ſein. Schau hinaus auf die Zugbrücke.

Margaretha.
(an’s Fenſter tretend.)

Ein Reiter ſprengt h’rüber! Herr Jeſus! s’iſt des Hannes Schimmel.

Gräfin.

Gott ſei Dank; Botſchaft von meinem Herrn!

Margaretha.

S’klappern ſchon die Hufe auf dem Pflaſter im Schloßhof.

Gräfin
(will hinaus.)

Mög’s gute Kunde ſein!

74
Hannes
(beſtaubt und abgehetzt, tritt ein, ſtürzt auf die Gräfin und küßt ihr die Hand.)
Gräfin.

Grüß Gott, Hannes! was bringſt du?

Hannes.

Edle Gräfin, es muß wohl gleich heraus, wie’s iſt.

Gräfin.

Mein Gott, was iſt geſcheh’n?

Hannes.

Der Graf liegt hart getroffen!

Gräfin

Verwundet? wie? wo? o ſag Hannes! Viel - leicht liegt er gar ſchon todt?

Hannes.

So arg iſt’s nit, Frau Gräfin; aber ſchlimm iſt’s doch!

Gräfin.

Sprich, ich muß es ja wiſſen, und wenn’s das Aergſte wäre!

Hannes.

’s war ſchon bald aus mit dem Streit; wir hatten mit den Marktgräfſchen manch harten Strauß gehabt und die Zeit iſt uns kurz geworden hin und herging ’s ſcharf, aber wir legten ſie nieder.

75

Auf dem Heimweg, ſechs Stunden von hier an der Waldmühle ihr kennt ſie ja ergaben ſich die mit dem rothen Fähnlein; ein Theil davon ſtieb auseinander; der Herzog gab unſerm Herrn freund - lich Urlaub und als wir abritten, rief er noch nach: Gott lohn’s euch, Graf Friedrich! ohne euch wär’s ſchlimm gegangen! da ſchwang der Graf ſein Ba - rettlein ich hatt ihm den Helm ſchon abgenom - men und ritt mit mir allein fröhlich von dannen, um bälder zu Euch zu kommen; der Troß ſollte ge - mach nachzieh’n.

Gräfin.

Weiter, weiter was iſt’s mit ihm?

Hannes.

Als wir eine Stund ſcharf geritten waren, ſpür - ten’s die Gäule; des Grafens Hengſt fing’s hinken an. Wollen die Burſche ein bißl ruhen laſſen, zu viel iſt zu viel, ſagt der Graf, ſprang vom Gaul und legte ſich in’s Gras; dieweil lüft ich die Sättel und gab den Roßen an einem Wald - brünnlein zu ſaufen. Holla, kracht’s durch’s Buſch - werk her! s’waren Vier von den Markgräfſchen; die ſtürmten meuchlings auf uns ein und ſchrie’n dabei: Wollen dir noch die Zech zahlen, die du uns auf -76 gerechnet haſt, Graf Eichenfels! Wir zogen aus dem Leder; was wollen ſo ein paar Lumpen gegen des Grafens Arm und Schwert, und mein Kolben auch dazu? Wie’s Wetter waren ſie wieder weg, aber mein Herr ſtrauchelt ein wenig und ſank nieder; aus ſeiner Stirn quoll ’s Blut ’raus! Herr Gott im Himmel, ſchrie ich! aber der Graf wollt’s nit mehr hören.

Gräfin.
(Stößt einen Schrei aus.)
Hannes.

Jch lehnt ihn an einen Baum, wuſch ihm die böſe Wunde mit hellem Waſſer und band ſie mit einem Tüchlein feſt zu. Ein Glück war’s, daß wir nit weit vom Köhlerwinkel waren, wo die Bauern den Meiler ſchüren die kommen gleich auf mein Geſchrei herbei und trugen ihn in’s Dorf! da ließ ich ihn; die Pflege iſt treu; iſt auch gleich ein Knecht in’s Kloſter geritten, um den Pater Felix zu holen, der’s Heilen verſteht und ein guter Wundarzt iſt. Jch aber ſaß auf, als wenn der Hölliſche hinter mir wär, und jagte heim, und nun thut, wie ihr glaubt, edle Frau!

77
Gräfin.

Da thut nur Eins noth! Jch muß zu meinem Friedrich; wie’s auch ſei. Hannes laß mein Beiz-Rößlein aufzäumen, der Wilhelm ſoll auch ſatteln und mitreiten! Auf die Reiherbeiz geht’s heut nicht! Herr im Himmel verleih die Gnade, daß ich meinen Herrn noch am Leben finde!

(Hannes ab.)
Margaretha.

O theuere, gute Gräfin, was habt ihr für ein herbes Leid!

Gräfin.

Wie Gott will! du aber ſorg mir für den Buben. Jch werde wohl ein paar Tage ausbleiben; denn, find ich nicht einen Todten, wie ich zu Gott hoffe, bedarf’s ja meiner Pflege, bis wir den Ritter auf’s Schloß herbringen können. Derweil vertraue ich dir meinen Heinrich an; du ſorgſt ja gern für ihn, wie ich ſelbſt.

(Neigt ſich über die Wiege)

Leb wohl, Herzensbub; deine Mutter ſegnet dich!

Margaretha.

Habt keine Sorge um euer Kind; ich halt’s ja als ob’s mein eigen Kleinod wäre! Lebt wohl; mögt ihr Alles beſſer finden, als wir jetzt meinen. Wie oft78 iſt der Ritter ſchon verwundet worden! ’s wird dieß - mal wohl auch nit ſo arg ſein.

Gräfin
(abgehend.)

Geb’s Gott!

Margaretha
(allein.)
(Schaut zum Fenſter hinaus.)

Arme Frau! Da ſteigt ſie auf und ſprengt fort! Der Wilhelm hinterdrein, daß das Feuer auffliegt!

(Der Thurmwächter bläst.)

Ja blas nur dein Stücklein zum Ausritt! Alter Narr, meinſt wohl, es ſei ein fröhlich Jagen! Leg dein Horn weg und ſchweig lieber. Der gute Ritter! ach! wie grämt ich mich halb zu todt, wär ihm ein Leids geſchehen und müßten wir in ſchwarzer Woll gehen; da wär auf lang alle Freud aus Burg Eichenfels geſchieden. So will ich aber das Beßte denken; Gott verläßt uns nicht! und ſo ein ſchöner, mannhafter Herr!

Görg
(guckt zur Thür herein.)

Greth, was gibts im Schloß?

Margaretha.

Ei was ſoll’s geben? Nichts Gut’s.

Görg.

Oho! Grad ſteh ich im Wurzgarten 79 Tre, Tre blast der Chriſtoph vom Thurm herab; gleich raßelt die Kette an der Brück und ’s ſprengt was herein; bis ich über die Stieg vom Weiher heraufſteig und meinen Korb bei Seit geſetzt, Tre, Tre blast ’s wieder und fliegt auch ſchon die Frau Gräfin zum Thor hinaus.

Margaretha.
(Jhn nachäffend.)

Tre, Tre, Tre ja ſo iſt’s und weißt du warum? weil der Ritter zwei Meilen von hier auf dem Siechbett liegt und vielleicht an ſeinen Wunden ſtirbt.

Görg.

Da iſt freilich kein Spaß zu machen! hätt ich das gewußt! der arme Herr! und denk dir aber, das paßt auch nit dazu; unten in der Schloßher - berg lungern Zigeuner, ein luſtig Geſindel; die fideln und tanzen, daß ’s n wahrer Jux iſt!

Margaretha.

Jagt ſie doch fort! Das Lumpengeſindel will doch nur ſtehlen und ſeitabtreiben?

Görg.

Eine alte Hex iſt dabei; die ſagt aus der Hand wahr.

Margaretha.

Und was hat ſie denn dir geſagt?

80
Görg
(wichtig.)

Mir? Ja mir

Margaretha.

Daß du ein Eſel biſt und bleibſt.

Görg.

Oho!

(Man hört Zigeunermuſik und Geſchrei.)

Hörſt du, da zieh’n ſie ab; kannſt ſie von oben ſeh’n.

Margaretha.

Was geht mich das Volk an! Jch möcht lieber Trübſal blaſen, ſtatt den Dudlſack zu hören.

Görg.

Denk dir, haben auch ſo ein Höckerthier bei ſich aus Afrika und d’rauf ſitzt ein luſt’ger Aff!

Margaretha.

Ei laß mich mit dem Zeug und geh deiner Wege.

Görg.

Auch recht! wenn du aber willſt, kannſt ſie da hinten beim kleinen Erker unten vorbeizieh’n ſeh’n.

(ab)
Margaretha
(allein)

Firlefanz, was kümmern mich die Zigeuner da unten? Man ſollt ſolch Geſindel nicht im Reiche dulden und wär wohl geſcheiter, wenn die Herzoge81 und Grafen und all die edlen Ritter ſtatt utner ſich Krieg zu führen, zuſammenhalten wollten, um dem Räuberweſen ein End zu machen, das keine Heerſtraſſe ſicher läßt, geſchweig erſt einzelne Gehöfte.

(Die Muſik kommt näher.)

Nun geht’s bald zum Thore hinaus, Gottlob!

(an die Wiege)

wirſt wohl gar aus dem ſüßen Schlaf geweckt werden, Herzensgräflein?

(ſchaut hinein)

der ſchnarcht wie eine Säg! da könnt ich doch ein bißl an den Erker ſchau’n; ſeh’n möcht ich doch die Burſche und gar das Höckerthier mit dem Affen drauf; bin ja gleich wieder da.

(ſeitwärts ab.)
Juta
(lauſcht zur Thür herein; da ſie Niemand ſieht, tritt ſie vorſichtig ein.)

Das wär das erſte Mal, daß wir bei ſolch vornehmen Beſuch Nichts mitgenommen hätten. Gibt’s da Nichts zu kripſen in ſo ei’m gräflichen Schloß? Kein Geſchmeid, kein Linnen oder ſonſt was? Den Spinnrocken laß ich ſtehen! Heiliger Crispin, heut wirſt uns doch nit ſitzen laſſen! Holla eine Kindswiegen! Könnten ſo ein Würmlein brauchen, wenn Eins d’rin läg. Zum Nachwuchs für unſer Gelichter oder wenn’s geht, gibt’s gelegentlich ein hübſch Lösgeld, wenn man’s nur klug anfangt.

(Schlägt die Vorhänge der Wiege zurück.)
682

Ei du allerliebſter Schnack! ſchlafſt ja zum Küſſen! Du biſt mir ſchon recht.

(vorſichtig um ſich blickend)

Das Hausgeſind gafft unten noch bei den Meinen, da wird wohl die Kindswärterin auch da - bei ſein. Wird mich doch Glück und Geſchick dies - mal nicht ſitzen laſſen! So komm, herziges Käfer - lein! verlaß dein warm ſeiden Grafenbett und folg mir in’s kühle Felſenloch! Kannſt dort auch ſchlafen.

(Sie nimmt das Kind und birgt’s unter ihrem Ueberwurf.)

Hopſa, hopſa nur nicht aufgewacht, damit’s kein Geſchrei gibt, will dir aber ſchon’s Mäulchen zuhalten fort, fort, ſonſt zieh’n ſie ab und ich müßt nachzotteln, das wär verdächtig.

(raſch ab.)
Margaretha.

Da bin ich wieder. Hat mich doch gefreut, daß ich’s geſeh’n hab. Das find aber abſcheuliche ſchwarze Geſichter und das Gehudel und Gedudel!

(zum Fenſter.)

Ah, da wandern ſie fort und die alte Hex läuft hintendrein, als wenn ſie was vergeſſen hätt!

So jetzt ſind ſie draußen! Gute Fahrt durch’s Land!

(gegen die Wiege.)

Nun, Heinrich, jetzt wär’s aber Zeit in den Garten hinab.

(ſingt.)
Wach auf, wach auf, ’s iſt Frühlingszeit,
Wach auf, mein Lieb und ſei bereit!
83
Der Himmel iſt ſo wunderblau,
Die Blümlein winken auf der Au.
(Will das Kind nehmen ſieht die Wiege leer.)
(Schreit.)

Herr Jeſus das Kind iſt fort! Wer hat’s? Wer hat’s?

ruft.)

Görg, Görg! Martha! Hannes! Kommt! Helft! helft! s Gräf - lein iſt weg!

(Beſinnt ſich.)

Ei was thu ich ſo? vielleicht hat’s die Martha in den Garten getragen. Wir hatten ja ausgemacht, den Abend drunten zu ver - plaudern, während das Kind im Graſe liegt. Und doch! Jch weiß nicht, mir iſt ſo bang, ſo abſon - derlich bang! Martha, Martha haſt du den Hein - rich? Martha, Martha!

(ab.)
Ende des Vorſpiels.

I. Aufzug.

Zigeunerhöhle. Vorne an einem kleinen Tiſch ſitzt Juta und flickt alte Kleider, neben ihr ſpielend Heinrich. Jn Gruppen lagern um ein Feuer, über dem ein Keſſel hängt, die Zigeuner. Nach vorne Wolf und Mathes würfelnd.
Wolf.

Klipp, Klapp, ich hab’s!

Mathes
(wirft.)

Oho! Paſch!

Wolf.

Lump! wart ich krieg’s doch!

Mathes.

So wirf g’ſcheut, Katzenaug!

Wolf
(wirft.)
(hell auflachend)

Sechs und Sechs! wirf beſſer!

Mathes.

Dem Spötter, ein Maulſchell!

(haut ihn über’s Geſicht.)
Wolf
(zieht’s Meſſer.)

Biſt’n Schuft, Hallunk!

Juta.

Haltet Ruh, ihr Lumpen! Müßt ihr immer85 unſern frommen Hausfrieden ſtören? Wart’t ich komm euch!

(hebt einen Stock auf)

Ruh, ſag ich, ihr Gäuche! Dem Erſten, der ſich rührt, hau ich Eins auf die Diebsfinger, daß ihm das Stehlen auf vier Wochen vergeht!

Wolf.

Der Mathes hat angefangen.

Mathes.

Und Wolf hat nit aufg’hört.

Juta.

Jhr ſeid wie die Buben; s’iſt n’Schand! Schaut nur meinen Herzensjung da an, der iſt ſo ſanft wie ein Lamm. Nehmt euch n’Beiſpiel d’ran; gelt Bübl?

(herzt den Heinrich.)
Wolf.

Vornehm Blut!

Juta.

Still Burſch! Zapft euch lieber vom Faß an, daß ihr geſtern heimgebracht aus dem Klo - ſter. Jch geb’s frei aber kein Hader! Wo bleibt denn wieder der Schnaps heut?

Mathes.

Der Schnaps iſt ein Schlingel, ein Tagdieb; du ſchick’ſt ihn auf’s Spioniren und er lungert86 unter den Waldbäumen irgendwo und ſchlaft mit dem Maulwurf um die Wett.

(zapft das Faß an.)
Wolf.

Der Kerl braucht Prügel! he da eingeſchenkt! der Kerl taugt nichts!

(trinkt)

der Kerl iſt zu faul!

(trinkt)

Juta, dein G’ſundheit, alte Hex!

Juta.

Wart ich will dir die Hex!

(haut ihm Eins über’n Rücken.)
Wolf.

Dank für die Beſcherung! Uns wackere Män - ner klopft ihr und den Buben da herzt ihr, daß es eine Sünde iſt wenn’s unter uns Sünden gäb. O du allerſüß’ſtes Zuckerkind!

(höhnt den Knaben.)
(Heinrich weint.)
Juta.

Laß dich nicht irr machen, Herzkind! wein nicht; laß die Kerls ſchwatzen. Du biſt doch mein ſüßer Bub.

Heinrich.

Aber ſie ſpotten und höhnen immer und ich thu ihnen nichts zu leid.

Wolf.

Könnt’ſt auch nit, wenn du wollteſt, Lunger - mäulchen.

87
Juta.

Ruh da! kein Wort mehr oder ich ſchick die Drud über euch die Nacht, daß ihr Jammer ſchreit.

Mathes.

Nein, Nein Alte! Davon wollen wir nichts wiſſen! Haben’s ſchon ein paar mal g’ſpürt.

Juta.

So merkt’s euch! Holla aufgepaßt! Da kommt der Schnaps!

(Schnaps tritt ein.)
Juta.

Was gibt’s drauſſen im Wald?

Wolf.

Haſt du nichts für uns erſchnuppert?

Mathes.

Keine Handelſchaft zu machen, mit Kopfnüſſen zahlbar?

Schnaps.

Jn der Waldſchenke erfuhr ich, daß Kaufleute aus der Stadt nach Frankfurt zieh’n wollen, um Geſchmeid und Langwaaren auf die Meſſe zu brin - gen. Jn ein paar Stunden kommen ſie durch.

Juta.

Brav gemacht Schnapschen! Sollſt für die fromme Botſchaft ein gut Stück mehr haben vom88 Wildbraten. Auf denn, heilig Völklein! Legt euch an den Weg! Klug aber und fürſichtig! Geht nur alle mit. Jch will auch dabei ſein, damit wir’s geſcheit machen.

(Die Zigeuner brechen auf.)

Wolf, du fährſt links ab und du Mathes rechts ſeitwärts in’s Geklüft, wo ſie vorbei müſſen. Wenn’s um das Steineck geht, ſchneidet ihr den Vordern den Weg ab; die Andern packen hinten an. Zuerſt aber braucht den Bogen.

Wolf.

Meine Pfeile ſind friſch zugeſpitzt.

Mathes.

Und Steine gibt’s dort genug zum Wurf.

Juta.

Jch ſteck mich in die verfall’ne Waldkapelle, da kann ich den Saumweg gut überſchauen. Wenn ich pfeif, ſo geht’s los.

Schnaps, du hüt’s Haus und ſorgſt für den Buben. Auf, Auf, Geſindel!

(Alle ab bis auf Schnaps und Heinrich.)
Heinrich.

Nun laufen ſie wieder fort; was thun ſie denn?

Schnaps.

Nichts Gutes, lieber Bub. Sollſt es doch ſchon längſt wiſſen, was da geſchieht.

89
Heinrich.

Was weiß ich, armer Bub! Hätt ich dich nicht, guter Schnaps, ſo wär ich wie ein wildes Thier?

Schnaps.

Ja darum und nur dir zu lieb bin ich auch da geblieben; wäre ſonſt längſt ſchon fortgelaufen. Aber du dauerſt mich.

Heinrich.

Jch danke dir’s tauſendmal! Ach, wenn ich nur fort könnt aus dem Loch; aber ſie bewachen mich wie einen Schatz.

Schnaps.

Wie? einen Schatz? was weißt du von Schätzen?

Heinrich.

Hab ich ſie denn nicht oft genug vom Schatz - graben reden hören? Ach guter Schnaps, laß mich fort, führ mich hinaus in’s Freie, in den ſchönen, grünen Wald, den ich kaum ein paarmal geſeh’n hab. Wie ſingen draußen die Vögel ſo fein!

Schnaps.

Du weißt’s, ich kann nicht, ich darf nicht! Sie trauen mir nicht. Wenn ich allein bei dir zu Haus90 bleib, ſchließen ſie von Auſſen die eiſerne Fallthüre und legen einen ſchweren Stein d’rüber und ver - rammeln ſie.

Heinrich.

Aber, findet denn kein Menſch den Weg herein?

Schnaps.

Dafür iſt geſorgt, wer würde ſich durch das Geſtein wagen? Ein Abgrund am andern! Das unterirdiſche Felſenneſt iſt ſicher und abgelegen. Und wird’s bedenklich, ſo ziehen wir wieder an einen anderen Ort. Hätten ſie mich nicht gefangen, als ich das Vieh hütete, das ſie mir wegtrieben, ich hätt auch nicht hergefunden und hätt’s auch nicht gewollt. Ach! könnt ich doch wieder ein ehrlicher Hirt ſein! Mein Vieh wär mir lieber als dieß abſcheuliche Volk!

Heinrich.

Und ich ſoll immer unter ihnen bleiben! Es iſt erſchrecklich! Wer weiß, wo ſie mich herhaben, und was ſie noch mit mir anfangen werden?

Schnaps.

Geraubt biſt du worden, weiß Gott wo? du biſt wohl auch ehrlicher Leute Kind! Aber hör,91 ich werd ſchläfrig! Mein Gang hat mich müd gemacht. Gib Ruh, denn will ich ſchlafen. S wird wieder Lärm genug abſetzen, wenn ſie mit ihrer Beute heimkommen.

Heinrich.

Schlaf, lieber Schnaps; ich will mich ſtill hal - ten. Der liebe Gott, von dem du mir oft heim - lich erzählt haſt, wird uns doch einmal helfen.

(Schnaps legt ſich an einen Stein gelehnt und ſchläft.)
Heinrich
(ihn betrachtend.)

Ja, ſchlaf nur deine Müdigkeit aus. Mir iſt’s nicht um’s Schlafen. Jch armer Bub! wenn der Schnaps nicht wär, ſo hätt ich keinen Menſchen auf der Welt, der mich lieb hat; denn das ſeh ich wohl ein, daß das keine rechte Lieb iſt, die die Alte zu mir hat; und wenn der Schnaps nicht wär, ſo müßt ich glauben, daß es auf der ganzen Welt keine guten Menſchen gäbe, ſondern lauter böſe und ſchlechte; und wenn der Schnaps nicht wär, ſo hätt ich nie was vom lieben Gott erfah - ren; nur ihm hab ich’s zu danken, daß ich weiß, er hat Himmel und Erde erſchaffen und alle Men - ſchen und will, daß ſie alle brav ſind und zu ihm in den Himmel kommen, weil er der liebe himm -92 liſche Vater iſt. O weh! wie traurig iſt’s für mich, daß ich immer unter dieſen böſen Menſchen ſein muß! Lieber Vater im Himmel ich bitt dich, befreie mich aus dieſem Gefängniſſe! Es wäre gewiß keine Sünde, wenn ich einmal davon lief; aber wie das anfangen, da die Höhle rings um - ſchloſſen iſt und keiner der vielen Gänge einen Ausweg hat? Einmal nur hört ich die Juta zum Wolf ſagen, als ſie meinte, daß ich feſt ſchlief: Wolf, du allein weißt, daß dort am Ende des lan - gen Ganges noch ein Loch iſt, das in’s Freie führt. Das iſt mir zu gefährlich, denn es könnte doch einmal Einer hereinfinden, den wir nicht gern hier hätten. Geh und mach’s zu; nimm alte Baumſtämme und Steine und verramml’s gut. Wenn wir Zwei einmal hinaus wollen, wiſſen’s wir doch. So ſagte die Alte zum böſen Wolf und das hab ich mir gemerkt. Jetzt, da die Andern wohl lang ausbleiben und der gute Schnaps ſchläft, könnt ich doch einmal verſuchen, ob ich nicht hin - auskomme. Jch will das Lämpchen nehmen und den dunklen Gang hinaufgehen! Wenn der liebe Gott es will, daß ich die Freiheit erlange, ſo wird er mir’s ſchon zeigen, wie ich’s machen kann, und93 er wird mich draußen die Wege führen, die ich wandeln ſoll; denn ein böſer Räuber, wie die da ſind, will ich nicht werden.

Nimmt die auf dem Tiſch ſtehende Lampe und will fort, wendet ſich zum ſchlafenden Schnaps.

Guter, lieber Schnaps! Wie leid thuts mir, daß ich dich nun verlaſſe, allein du willſt und kannſt mich nit fortführen! Das haſt du ja eben deutlich geſagt; ſo muß ich denn allein entfliehen, wozu mir Gott verhelfen möge! Leb wohl! Vielleicht ſeh’n wir uns wieder.

(Geht ab.)
Schnaps.
(Allein.)
Nach einiger Zeit erwachend.

s will nicht recht geh’n mit dem Schlafen. Jch hab Hunger und Durſt; werd ſchon wo einen Brocken hier finden und das Faß iſt auch angezapft.

(bemerkt, daß Heinrich nicht da iſt.)

He! wo biſt du denn? Schlingel, haſt dich etwa verſteckt?

(ſucht in der Höhle umher.)

Potz tauſend! wo ſteckſt du! Holla, Holla!

Verſchwindet im Hintergrunde. Der Vorhang fällt.
94

II. Aufzug.

Wald mit der Einſiedelei Menrads.
Menrad.
(aus der Hütte tretend.)

Welch ein herrlicher Frühlingstag! Wie die Sonne ſo ſchön durch das junge Blättergrün ſcheint! Dort ziehen Rehe ſtill durch den Wald und die Vöglein ſingen ihr Morgenconcert! Wer ſollte da nicht zum Schöpfer der Natur dankbar aufblicken und ihm ein Loblied bringen?

Herr im Himmelreich dort oben,
Laß dich preiſen, laß dich loben,
Der du Alles ſo gemacht!
Der du läßt die Sonne ſcheinen
An dem Himmelblau dem reinen,
Mond und Sterne in der Nacht!
Laß dir Dankgebete bringen
Bei der Vöglein hellem Singen,
Die auf leichten Zweigen ruh’n!
Auf des Paradieſes Stufen
Haſt dem Menſchen du gerufen:
Was ich ſchuf, betracht es nun!
95
Doch der Menſch erlag dem Stolze,
Bis dein Sohn am Kreuzesholze
Alle Sünden auf ſich nahm,
Bis er wieder ſie befreiet,
Die da waren arg entzweiet,
Ehe der Erlöſer kam.
Herr im Himmelreich dort oben,
Laß dich preiſen, laß dich loben,
Daß du uns erſchaffen haſt!
Daß du durch des Sohnes Leiden
Uns aus Schmerzen führſt zu Freuden,
Uns gewähreſt ſüße Raſt!

Alſo iſt’s! die ganze Natur, meine ich immer, ſtimmt jeden Morgen in mein Gebet ein! Und da glauben die dummen Leute, ſo ein Einſiedler führe ein langweilig Leben und ſei ein unnützer Burſch! Alle Menſchen können und ſollen freilich nicht Eremiten ſein, allein wenn Einer wie ich in der Welt ſchon ſo viel durchgemacht hat, in Friedens - und Kriegs - zeiten, mag es ihm doch gegönnt ſein, ſich in ſeinen alten Tagen zur ſtillen Betrachtung und Erbauung in die Einſamkeit zurückzuziehen. Wem ſchadet’s denn? 96Jch bin Niemand im Leben zur Laſt und wenn ich einmal ſterbe, ſo geht auch nichts für die Welt ver - loren. Jch will jetzt in die Hütte gehen und mei - nen Morgentrunk thun, ein bischen Milch; dann geh ich heilſame Kräuter ſammeln, die der Apothe - ker bei mir holt; jetzt blühen deren ſo viel auf, daß es ringsum duftet, als ob die lieben Engelein mit dem Weihrauchfaſſe durch den Wald gezogen ſeien.

(ab in die Hütte.)
Heinrich
(mit zerriſſenem Kleide, ſtürzt athemlos herein.)

Gott im Himmel! ich kann nicht mehr wie bin ich gelaufen! die Angſt verfolgt zu werden, hat mich gehetzt weh mir, ich verſchmachte! Mein Gott, laß mich nicht ſterben!

(ſinkt bewußtlos nieder.)
Menrad
(mit einem Körbchen aus der Hütte tretend, bemerkt Heinrich an - fänglich nicht.)
Menrad.

Ah, das hat geſchmeckt! was will ein Menſch mehr und Beſſeres als einen Schluck Milch und wenn er die nicht hat, einen Trunk aus der friſchen Waldquelle? Als Kriegsknecht dacht ich meinerzeit freilich Anders! da hieß es: Wein her! Wein! und ich war auch nicht beſſer d’ran als jetzt; danken97 wir Gott jederzeit für das, was wir haben; ’s iſt immer genug!

Ei ſieh! da ſchläft ein Knabe! Jch kenn ihn nicht; wo mag er herkommen in dieſes ſtille Thal? Wie ſelten verirrt ſich ein der Gegend Unkundiger zu mir! Will doch ſehen

(neigt ſich zu Heinrich.)

Was ſeh ich? das arme Kind ſcheint krank und ohnmäch - tig! das iſt nicht ein geſunder Schlaf, er athmet kaum. Liebes Kind, was fehlt dir? Er will nicht erwachen. Da muß ich helfen! Schnell friſch Waſſer!

(eilt ab, kömmt gleich mit Waſſer zurück und netzt Hein - rich’s Stirn und Lippen. Heinrich bewegt ſich und ſchlägt die Au - gen auf.)

Gut, Gut das hat geholfen! Trink ein bischen, Knabe!

(Heinrich trinkt und erwacht vollends aus der Ohnmacht, Menrad ſetzt ſich auf die Erde und legt Heinrich vor ſich in ſeinen Schoß)

Wie geht’s nun Kleiner?

Heinrich.

Jch weiß nicht wie mir geſchieht.

Menrad.

Hab Muth! Es geſchieht dir nichts Schlimmes; du biſt in guter Hand. Trink noch einmal von dem friſchen Quellwaſſer da; das wird dir gut thun.

Heinrich
(trinkt wieder.)

Ach das labt! ich danke ſchön. Wie gut ſeid Jhr lieber Mann!

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Menrad.

So jetzt biſt du wieder wohl, nicht wahr? Kannſt wohl ein bischen auf den Füſſen ſtehen?

Heinrich
(verſucht aufzuſtehen, ſinkt nieder.)

Aha! ’s geht noch nicht armer Burſch. Biſt wohl recht weit gelaufen? Und wie iſt dein Gewand zerriſſen! du mußt ja gefallen ſein, und deine Händ - chen ſind wund; wie dauerſt du mich! Sag was iſt dir geſchehen? Woher kömmſt du in dieſem er - bärmlichen Zuſtande?

Heinrich
(richtet ſich auf.)

Ach! guter Mann, woher ich komm? Jch weiß es ſelbſt nicht.

Menrad.

Sonderbare Antwort.

Heinrich.

Bisher lebte ich nur in dunklen Höhlen und ſah kaum ein paar Mal das Tageslicht. Jch wüßt auch gar Nichts von der Welt draußen und vom lieben Gott oben im Himmel, wenn mir der gute Schnaps nicht heimlich davon erzählt hätte.

Menrad.

Deine Reden ſind mir Räthſel, liebes Kind; aber ſage: wer waren denn die Menſchen, bei denen du dich bisher aufgehalten haſt?

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Heinrich.

Es müſſen böſe Leute geweſen ſein, denn Schnaps warnte mich vor ihnen. Ein altes Weib pflegte mich von allen Anderen gefürchtet.

Menrad.

Biſt du ſchon lange unter ihnen geweſen?

Heinrich.

Jch weiß es nicht anders; aber Schnaps ſagte mir, ich ſei ein geſtohlenes Kind.

Menrad.
(Für ſich.)

Ah, nun komm ich auf eine Spur. Vielleicht gar die Zigeuner-Bande, welche ſich hier und dort im Lande umthut?

(zu Heinrich.)

Sage Kind: waren die böſen Menſchen etwa Räuber?

Heinrich.

Allerdings, wie Schnaps ſagte und ich ſelbſt auch beobachtete. Sie brachten oft des Nachts viele ſchöne Sachen in die Höhle, nicht ſelten auch Men - ſchen, die ſie peinigten und wieder losließen. Ach, was mußte ich Alles anſehen, während ich ſcheinbar am Feuer ſchlief! Geſtern Nachts, als ſie Alle fort waren, floh ich.

Menrad.

Gott ſei’s gedankt, daß du entkamſt und daß7*100dein Schutzengel dich geleitet hat! Nun komm in meine Hütte, um auszuruhen und dich mit Speis und Trank zu erquicken.

Heinrich.

Gern will ich’s. Wenn mich nur Niemand verfolgt!

Menrad.

Für deine Sicherheit laß mich ſorgen und ſei ruhig!

(Beide ab in die Einſiedelei.)
Der Knappe Hannes.
(Jm Hereingehen in die Culiſſen rufend.)

Halt dich ruhig Burſch! reiß nicht am Zaum, kannſt an den Buchenblättern knuppern, mein Rapp! So, hab mir ſchier die Bein ſteif geritten, bin deß - halb ’n bißl abgeſeß’n und hab den Rappen ange - bunden. Muß doch im Vorbeireiten meinen alten Kriegsgeſellen wieder einmal heimſuchen. Der iſt nun ſchier heilig worden und ich bin noch der alte weltliche Hanns mit Blechhaube und Stoßdolch er trägt die Kapuz! Heda, Menrad, frommer Ein - ſiedel

(klopft an die Thüre)

Schläfſt, alter Waldvogel? Raus mit dir! wollen Eins von vergangenen Strei - chen plaudern.

Menrad
(zum Fenſterchen heraus.)

Ps, Ps! Mach kein ſo Höllenſpektakel, Hannes;101 bei mir ſchläft Einer, der der Ruhe bedarf; darfſt ihn nicht wecken.

Hannes.

Oho! mitleidige Barmherzigkeit! beherbergſt et - wan einen durſtigen Muſikanten, der im Lande herum - ſtrolcht?

Menrad
(tritt aus der Einſiedelei.)

Still da! Ein armer Knab iſt bei mir einge - kehrt.

Hannes.

Ein armer Knab! Woher, Wohin? Brauchen keine Buben, die ledig umherſtreifen; gib mir einen Trunk, alter Geſell! Haſt wohl wieder nichts als Waſſer und immer Waſſer!

Menrad.

Dir thät’s wohl Noth öfter am friſchen Wald - quell zu ſchöpfen, als ſtets vor dem Zapfen zu liegen!

Hannes.

Das Waſſer gehört für die frommen Einfiedel, der Wein für die frommen Knappen und ſonſtigen edlen Geſellen mit Helm und Schwert. Zur Zeit und da ich nichts Anderes habe, beliebt es mir meine Kehle mit Waſſer zu erfriſchen, denn ich bin