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Handbuch der Naturgeschichte.
Zweyter Theil.
Multa fiunt eadem sed aliter. (qvintilian.)
Göttingen, bey Johann Christian Dieterich,1780.
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Zehnter Abschnitt. Von den Pflanzen.

§. 170.

Der gegenwärtige Abschnitt betrift aller - dings eine eben so wichtige als anmu - thige Untersuchung nemlich die allgemeine Naturgeschichte der Gewächse, die wir so viel möglich in der gleichen Ordnung abfassen wol - len, die oben in der allgemeinen Thiergeschichte befolgt worden ist, damit beide desto leichter mit einander verglichen und die Aehnlichkeit oder Abweichung dieser zweyerley Arten von organisirten Körpern um so deutlicher ersehen Werden kan.

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§. 171.

Die Gewächse unterscheiden sich von den Thieren (§. 3. u. 4.) erstens durch die gänzli - che Unfähigkeit irgend einer willkürlichen Be - wegung, und dann durch die Wurzeln, wo - durch sie ihren Nahrungssaft in sich ziehen, statt daß hingegen die Thiere nie durch diesen Weg sondern durchgehende durch den Mund (§. 25.) ihre Speise zu sich nehmen.

§. 172.

Die Wurzel ist wol der einzige Theil, den alle Pflanzen ohne Ausnahme mit einander ge - mein haben. Denn auch die Meerlinsen, die schorfigen Stein-Moose, der Seetang (Fucus) und der Wasserdarm (ulva) haben alle gewisse Saugeröhrgen und Zasern, die Wurzelstelle ver - treten müssen. Da hingegen im übrigen Bau der Vegetabilien zu viel mannichfaltige Ver - schiedenheit vorwaltet, als daß sich etwas all - gemeines darunter ausfinden ließ.

§. 173.

Zudem scheint auch die Bildung der Ge - wachse überhaupt weit zufälliger und unbestän - diger als der Thiere ihre zu seyn: und diese un - gleich mehr bestimmtes in ihrer Form und in ihrem Wachsthum zu haben. Doch ist auch die Bildung der Pflanzen, wenn sie im freyen und ungehindert wachsen allerdings wol bestimmter451 als man denkt, und ein geübtes Auge wird leicht am blossen Wuchs und Umriß einem Baum, auch in der Ferne ansehen von was Art er ist.

§. 174.

Die besondern Theile der Pflanzen und ih - re Geschäfte lassen sich am südlichsten nach den allgemeinen Bestimmungen aller organisirten Körper (§. 9.) in die zur Ernährung und in die zur Fortpflanzung gehörigen, abtheilen. Von jenen zuerst.

§. 175.

Das Hauptwerkzeug zur Ernährung der Pflanzen, wodurch ihnen nemlich ihr Aliment zugeführt wird, ist, wie wir eben gesagt ha - ben, die Wurzel. Diese zieht bey den aller - mehresten Gewächsen den Nahrungssaft gleich unmittelbar aus der Erde wo sie eingewurzelt stehen, oder aus dem Wasser, wenn sie in die - sem schwimmen. Verschiedene Pflanzen aber leben gleichsam wie Ungeziefer auf andern und nähren sich, indem sie diesen ihren Nahrungsfast aussaugen, daher man sie Schmarotzer-Pflanzen (plantas parasiti - cas) nennt. So die Baumkrätzen, und andere Moose, der Mistel, der Epheu u. s. w.

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§. 176.

Die Wurzeln verbreiten sich weit umher, so daß ihre Grösse und Umfang zuweilen be - trächtlicher ist als des ganzen übrigen Ge - wächses seiner. Wir haben kleine Vogelbeer - bäume an Felsen gesehen, deren Wurzeln über 24 Fuß weit in den Steinritzen umher krochen. Die Stärke, mit welcher sie fortwachsen, ist so ausserordentlich, daß wol Felsen und Mauern, nicht nur durch grosse Eichenwur - zeln, sondern schon durch die kleinen Rau - penähnlichen Würzelgen des Epheus gesprengt werden können.

§. 177.

Der Nahrungsaft den die Wurzel ein - saugt, besteht aus Wasser, worin aber Sal - zichte, Oelichte und Erdichte Theile aufgelöst seyn müssen. Nach der verschiedenen Propor - tion in der Mischung dieser Bestandtheile ist auch der Boden selbst verschieden, fett, ma - ger u. s. w. und zum Wachsthum und Fort - kommen dieser oder jener Gewächse geschickt.

§. 178.

Jeder Boden nährt seine bestimmten ihm angepaßten Pflanzen, so daß man schon aus den wild wachsenden Pflanzen einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bodens errathen kan:*)Prof. Zinn im Hamb. Magaz. XXII B. S. 8.453 und hingegen die Gewächse, wenn sie aus ih - rem eigenthümlichen Erdreich in fremdes von anderer Art verpflanzt werden, in der Bildung und in der Kraft ausarten. So verlieren man - che giftige Sumpfpflanzen in dürrem sandichten Boden ihre Schädlichkeit: so artet der Wein - stock in fremden Ländern aus u. s. w.

§. 179.

Die Nothwendigkeit des gemischten Nah - rungssaftes für die Pflanzen wird weder durch das Beyspiel der Hyacinthenzwiebeln, die man auf blossem Wasser wachsen läßt; noch durch Bonners Versuche, Pflanzen in nassen Pa - pierspänen und Baumwolle oder Moos auszu - ziehen; noch durch die Erscheinung entkräftet, da man grosse Pflanzen aus Dachen, und an kahlen Felsen und Mauern heraus wachsen sieht. Denn jenes Wasser, Moos ꝛc. ist nicht von Er - de, Salz ꝛc. entblöst. Und um nackte Mauern und Felsen mit Gewächsen zu beleben, läßt die Natur erst trockne Schorf-Moose (Lichenes) anfliegen, die wenig Nahrung bedürfen: wenn diese dann absterben und selbst zu Erde zerfal - len, so kan aus ihrem vom Regen und Than befeuchteten Moder ein Saamenkorn, das etwa von Vögeln dahin gebracht worden, auskei - men und Nahrung ziehen.

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§. 180.

Wie aber dieser Nahrungssaft in die Pflan - ze steige, und durch was für Adern und Ge - fäße, wird durch den artigen Versuch sichtbar, wenn man abgeschnittene Zweige einige Zeit lang in gefärbtes Wasser steckt, und nachher in verschiedenen Richtungen durchschneidet.

§. 181.

Bey vielen Gewächsen wird die Wurzel gleich über der Erde in Blätter vertheilt: bey den mehresten aber erst noch in einen Stamm oder Stengel, Halm (wie mans bey man - chen Pflanzen nennt) verlängert, der aber im Grunde die gleiche Struktur wie die Wurzel selbst, behält.

§. 182.

Zu äusserst nemlich ist Wurzel und Stamm mit einer feinen Oberhaut bedeckt; unter die - ser liegt die Rinde; hierunter die Hauptsub - stanz, oder das Holz; und in der Mitte von diesem endlich das Mark.

§. 183.

Das Holz oder was dessen Stelle bey den Kräutern und Standen vertritt, besteht aus einem zellichten Gewebe und unzähligen Ge - fässen von mancherley Art, deren einige aufs sonderbarste aus einem spiralmäßig in die Länge455 zusammen gewickelten Faden (wie der Drath um eine gesponnene Saite) bestehen*)Auch das Mark einiger Gewächse hat überaus artig durchflochtene Gefässe. S. fr. grützmacher de ossium medulla fig. 4.. Wo das Holz aussen an der Rinde anliegt, da wird all - jährlich aus dem sogenannten Splint (Liber) eine neue Holzlage (Alburnum) erzeugt. Da hingegen mit zunehmenden Jahren der in - nere ältere Holzkern mehr verhärtet, seine Ge - fässe allgemach verwachsen, auch bey manchen Bäumen Eichen, Weiden ꝛc. leicht fault und ausgehöhlt wird.

§. 184.

Der Stamm theilt sich mehrentheils in Aeste, diese wieder in Zweige und aus die - sen entspringen endlich die Blätter, die aus einem einfachen oder doppelten Adernetz oder Gerippe bestehen, das ans beiden Flächen mit Oberhaut bekleidet ist.

§. 185.

Die Haupt-Bestimmung der Blätter ist wol, daß sie die überflüssigen Säfte der Pflan - ze, gleichsam ihren Auswurf (§. 15.) unter der Gestalt des Thaues oder auch unmerklich ausdünsten sollen. Aber ausserdem ist auch durch sehr sinnliche Versuche erweislich, daß die Blatter ebenfalls Feuchtigkeiten aus der Luft456 einsaugen, mithin einen grossen Antheil an der Ernährung der Gewächse haben.

§. 186.

Die Gestalt, Grösse, Menge und Lage - der Blätter ist bey den verschiedenen Pflanzen - arten unendlich mannichfallig. Einige Gewäch - se haben gar nichts was einem Blatte ähnlich wäre. Und die allermehrsten sind doch blos den Sommer hindurch mit diesem Schmuck geziert, der mit Annäherung des Winters vertrocknet, welkt und abfällt. Verschiedene aber, wie die mehresten Tangel - oder Nadelhölzer, der Epheu, die Krons - oder Meelbeeren, das Heidekraut, der Buxbaum u. s. w. werden nicht entblättert, son - dern bleiben auch den Winter über grün und verlieren nur allmälig und unmerklich ihre Blät - ter, die eben so einzeln durch junge ersetzt werden.

§. 187.

Dieses entblättern der mehresten Gewach - se hat wohl verschiedene Ursachen. Die vorzüg - lichste mag doch allerdings der Frost seyn, der die Gewächse in ihren Winterschlaf versenkt,*)Manche Gewächse z. B. die Wasserlinsen sinken mit Annäherung des Winters zu Boden und überwin - tern wie viele Wasserthiere unten im Schlamm, von da sie sich im folgenden Frühjahr durch die März-Sonne ermuntert, wieder in die Höhe auf die Oberfläche des Wassers erheben. und so wie bey den Thieren den Lauf der Säfte457 hemmt (§. 33) die Gefässe zusammen zieht ꝛc. so daß die Blätter nun an ihrer Verrichtung gehindert werden und absterben. Aber nächst dem tragen freylich auch die Augen, die um die gleiche Zeit an den Bäumen aufzuschiessen an - fangen, sehr vieles zu dieser Catastrophe bey. *)j. andr. mvreay in Nov. Comment, Gotting. Vol. II. p. 51.

§. 188.

Viele Gewächse haben das sonderbare, daß sich ihre Blätter alle Abend an einander legen, niedersenken und sich gleichsam zur Ruhe bege - ben, in Schlaf fallen. Es kann diese sonder - bare Erscheinung nicht blos durch die kühle Abendluft verursacht werden, denn sie äussert sich im Treibhaus so gut wie im freyen; auch nicht durch die Dunkelheit, denn manche Pflan - zen schlafen schon im Sommer Nachmittags um 6 Uhr ein: sondern es ist das vielleicht eine Art Erholung für die Gewächse, so gut wie der Schlaf der Thiere (§. 32.). Fast auf die glei - che Weise schliessen sich gewisse Blumen zu be - stimmten Stunden, z. E. der gelbe Bocksbart (Tragopogon luteum) früh nach 9 u. s. w. und zwar ist dis so zuverlässig, daß man beym spa - ziergehen blos aus der offnen oder geschloßnen Blüthe solcher Gewächse die Tageszeit wissen kann.

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§. 189.

Einige Pflanzen zeigen sogar eine gewisse Bewegung, wenn man nur ihre Blätter oder Zweige berühre: wie das Fühlkraut (Mimosa pudica) oder die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) deren Blättgen, wenn sich auch nur eine Mücke darauf seht, augenblicklich zusam - men klappen und das Insect zerdrücken.

§. 190.

Fast von dergleichen Art ist der Zug der Gewächse nach dem Lichte: der nicht blos an den Sonnenblumen, sondern fast an allen Pflan - zen zu bemerken ist: zumal in Treibhäusern, da sich oft die Blüthen so sehr nach der Hellung an die Glasfenster drängen als ob sie dagegen gepreßt waren.

§. 191.

Auch die Saamen einiger Gewächse zeigen eine Art Bewegung. Bey einer Art Storch - schnabel (Granium hygrometricum) rollt er sich nach der Trockenheit oder Nässe der tust zu - sammen oder aus einander. Bey den Bal - saminen springt die reifende Kapsel bey der mindesten Bewegung mit Heftigkeit auf. Der Saame des Kannekrauts (Equiseti arven - sis) springt, wenn man ihn zumal auf eine Glasplatte legt wol einige Minuten lang auf und nieder.

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§. 192.

Endlich scheinen sich auch sogar einige ab - gestorbene verdorrte Pflanzen, und selbst, ab - geriße Theile davon wieder zu bewegen und gleichsam aufzuleben, wenn sie in Wasser gelegt werden. So die Rose von Jericho, die Saamenkapseln von verschiedenen Mesembry - anthemis, der Nostoc, und die mehresten übri - gen Moose.

§. 193.

Allein man muß sich hüten, irgend eine dieser Regungen der Gewächse mit dem aus - schließlichen Vorrecht der Thiere nemlich der willkürlichen Bewegung (§. 4.) zu vermen - gen. Bey den mehresten sind sie blos aus Rech - nung einer vorzüglichen Schnellkraft, dieser all - gemeinen Eigenschaft: der Körper, zu schreiben. Bey andern haben sie allerdings einige obgleich nur entfernte Aenlichkeit mit der thierischen Ir - ritabilität*)i. f. gmelin de irritabilitate vegetabilium. Tu - bing. 1768. 4. und setzen allemal eine äussere Anreitzung voraus. Bey keiner einzigen aber ist auch nur die mindeste Spur, die auf irgend einige willkürliche oder thierische Bewegung vermu - then, und etwas einer Nervenkrast (Lebens - kraft beym Hrn. v. Haller) ähnliches, den Ge - wächsen zuschreiben ließ.

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§. 194.

Ausser den bisher beschriebenen Theilen der Gewächse sind auch einige, wie der Wein - stock mit Gabeln und Schlingen zum fortran - ken und anhalten; andere mit Dornen in der Rinde oder mit Stacheln, die nemlich aus dem Holze selbst entspringen, versehen. Daß aber die letztern unreife oder zu frühzeitige Augen wären, wie Linné behauptet, kan man bey ihrer läge, und Structur nicht annehmen.

§. 195.

Manche Pflanzen der kältern und heissesten Zonen sind auch mit einem mehlichten oder wollichten Ueberzug bedeckt; der ihnen in Norden zum Schutz gegen die Kälte dient, und unter der Linie durch seine weisse Farbe am Tage gegen Sonnenstich und dann auch gegen die naßkalten Nächte sichert. Einige Gewäch - se in diesen heissen Gegenden sind wie mit Perl - gen, andere (Mesembryanthemum crystallinum) wie mit unzähligen gefrornen Thautröpfgen be - setzt u. s. w.

§. 196.

Auch in den Säften der Pflanzen ist viel sonderbare Verschiedenheit. Manche enthalten einen milchichten, theils ätzenden Saft; andere geben ein Gummi: verschiedene Tangelbäume461 im höhern Alter ein Harz. Andere Campfer: andere Zucker, Wachs ꝛc. Die Birken und einige andere Bäume enthalten im Frühjahr, wenn die Nahrung aus der Erde von neuen und mit bewundernswürdiger Gewalt in die Bäume schießt, eine Menge besondern Saft u. s. w.

§. 197.

Wir kommen zur Fortpflanzung der Ge - wachse, deren mannichfaltige Arten sich doch auf drey Hauptwege zurückbringen lassen. Auf die Fortpflanzung durch Wurzeln oder Zweige, zweytens durch Augen, und endlich durch Saamen.

§. 198.

Die erste Arr der Propagation, von der wir auch schon im Thierreich bey den Polypen und sonst Spuren bemerkt haben, ist im Ge - wächsreich desto gewöhnlicher. Wurzel, Stamm und Aeste sind wie gesagt (§. 181. und f.) von einerley Structur, und es ist daher be - greiflich, wie die Gewächse auch durch alle diese Theile sich vermehren können. Theils ge - schieht das von Natur, theis durch Kunst, beym absinken, ablegen. Es gibt z. E. eine Art Feigenbaum (Ficus bengalensis) dessen Zwei - ge herab hängen, und so bald sie den Boden berühren, von selbst Wurzel schlagen; so daß ein einziger solcher Baum mit der Zeit ein klei -462 nes Wäldchen, dessen Stamme oben durch Bo - gen verbunden sind, vorstellt.

§. 199.

Anders ist hingegen die Fortpflanzung durch Augen. So nennt man nemlich die kleinen Knöpfgen, die im Herbste an den Bäumen, da wo die Blätter ansitzen, zum Vorschein kom - men, aber erst im folgenden Frühjahr sich öff - nen und ausschlagen. Sie finden sich meist mir an den Bäumen der kältern Erdstriche, und ent - halten eben so wie ein Saamen-Korn den Keim zu einem künftigen Gewächs. Sie fallen bey ei - nigen von selbst ab; und wenn man sie vorsich - tig säet, so keimen sie so gut als ein Saame. Man inoculirt damit, oder läßt sie ausschla - gen, und pfropft alsdenn das Reis.

§. 200.

Sehr viel ähnliches mit diesen Augen ha - ben die Zwiebeln. Nur daß die Augen am Stamme der Bäume und also über der Erde, die Zwiebeln aber an Lilienartigen Gewächsen unter der Erde unmittelbar an der Wurzel ent - stehen; bey jenen der Stamm fortlebet, und den Augen Nahrung und Wachsthum gibt; bey diesen aber das übrige der alten Pflanze bis auf Wurzel und Zwiebel im Herbst abstirbt. Bey manchen treibt die alte Zwiebel junge auf der463 Seite raus, daher sich die auffallende Erschei - nung erklären läßt, daß manche Zwiebelgewächse, (zumal die Fritillarien) auf den Rabbatten ih - re alte Stelle nach und nach zu verändern und umher zu kriechen scheinen.

§. 201.

Weit allgemeiner aber, als alle diese Fort - pflanzungswege und vielleicht im ganzen Pflan - zenreich verbreitet, ist endlich die dritte Art (§. 197.), mittelst der Blüthe, die darnach zur Frucht oder auf andere Weise zu Saamen reift.

§. 202.

Die Blüthe der Gewächse nemlich, sie wag übrigens gestaltet seyn wie sie will, sie mag einzeln, oder mehrere zusammen als Traube, oder Aehre oder Kätzgen ꝛc. wachsen, enthält in ihrer Mitte auf dem sogenannten Fruchtboden (receptaculum) verschiedene ausgezeichnet ge - bildete Theile, die in Rücksicht ihrer Bestim - mung und Verrichtung viele Aehnlichkeit mit den Zeugungswerkzeugen der Thiere haben. Ei - nige derselben sind nemlich männlich, andere weiblich, und diese sollen, wenn die Zeit der Fortpflanzung herbey gekommen ist, von jenen befruchtet werden.

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§. 203.

Die weiblichen Theile liegen meist in der Mitte, werden der Staubweg (pistillum) genannt, und bestehen aus dem Fruchtknoten (germen). Griffel (stylus), und der Nar - de (stigma). Der Fruchtknoten sitzt un - mittelbar auf den Fruchtboden auf, und enthält die Saamenkörner der Pflanze, die man mit den Eyern der Thiere, und folglich ihr Behäl - ter mit dem Eyerstock vergleichen kann. Der hohle Griffel sitzt auf diesem Saamenbehälter, und die Narbe endlich zu oberst auf dem Griffel, so daß sie durch den Griffel mit dem Fruchtkno - ten verbunden ist, und alle drey eine gemein - schaftliche Höhlung ausmachen.

§. 204.

Um diese weiblichen Theile sitzen nun die männlichen oder die Staubfäden (stami - na) herum: und bestehen aus dem Faden (fi - lamentum) und dem darauf ruhenden Staub - beutel (anthera). Dieser letztere enthält einen mehlichten Staub, der seiner Bestimmung nach mildem männlichen Saamen der Thiere vergli - chen werden kan.

§. 205.

Bey der Befruchtung fällt dieser männ - liche Blumenstaub auf die weibliche Nar - be: dringt durch den Griffel in den Frucht -465 knoten und fecundirt die daselbst vorräthig lie - senden, bis dahin aber unfruchtbar gewesenen Saamen-Körner. Wenn man die Blüthe vor der Befruchtungszeit eines dieser wesentlichen Theile beraubt, so wird sie dadurch, so gut als verschnittene Thiere, unfruchtbar.

§. 206.

Bey den mehresten Gewächsen find diese beiderley Geschlechtstheile in der gleichen Blü - the, die folglich zwitterattig ist, verbunden. Bey einigen hingegen in verschiedenen Blüthen wovon die einen blos männlichen, die andern blos weiblichen Geschlechts, aber doch am gleichen Stamme befindlich find, getrennt (Monoecia Linnaei). Andere Pflanzen haben gar dreyer - ley Blüthen, blos männliche, blos weibliche, und auch Zwitterblüthen (Polygamia). Bey noch andern sind aber die Geschlechter in den Pflanzen selbst so wie bey den fünf ersten Gassen im Thier - reich, abgesondert: daß nemlich die eine Pflan - ze blos männliche, eine andere aber, die übrigens von der gleichen Art ist, blos weibliche Blumen trägt: und die Blüthen des weiblichen Stam - mes nicht anders befruchtet werden, als wenn der Blumenstaub von der männlichen Pflanze durch den Wind oder durch Insecten und ande - re Thiere oder auch durch Kunst ihnen zugeführt worden ist. (Dioecia.)

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§. 207.

Ausserdem gibt es aber noch eine Menge klei - ner schorfiger moosartiger Gewächse, die schon in ihrem ganzen Bau von den übrigen abweichen und deren Fortpflanzung auf eine von den er - zählten verschiedene, bis jetzt noch dunkle und nicht sattsam beobachtete Weise vor sich geht, (cryptogamia L.) Von einigen, wie von den Pilzen, Schwämmen, vom Schimmel ꝛc. haben wir schon oben (§. 6.) unsre Zweifel wegen des Naturreichs, zu dem sie zu zählen seyn - gen, geäussert. Der Bastard Pflanzen ist ebenfalls schon oben (§. 20.) Erwähnung ge - schehen.

§. 208.

Nachdem die Befruchtung vor sich gegan - gen, fallen allmählig die übrigen nun über - flüssigen Theile der Blüthe ab: der beschwängerte Fruchtknote (§. 203.) aber fängt an auszu - schwellen, und seinen theils erstaunlich zahlreichen Saamen nach und nach zur Reife zu bringen.

§. 209.

Die Bildung sowohl der verschiedenen Saa - menkörner selbst,*)(jam. parson's) microscopical Theatre of Seeds. Lond. 1745. 4. m. Kupf. als auch der Gehäusse, worin sie eingeschlossen sind, ist eben so unendlich man - nichfaltig als der Blüthen ihre. Sie sitzen z. B.467 bey einigen, wie bey den Nadelhölzern in einem Zapfen: bey den Hülsenfrüchten in einer Schoote: bey vielen sind sie in eine holzartige aber doch weit festere Schaale eingeschlossen, und heissen, wenn sie von beträchtlicher Grösse sind, eine Nuß oder Mandel.

§. 210.

Ist der Saame von aussen mit einem safti - gen Fleische überzogen, so heist dieß eine Frucht und zwar wird diese, wenn sie ein Kernhaus, oder Kröbs einschließt, Obst oder Kern - frucht; wenn sie eine Nuß enthält, Stein - frucht; und wenn blosse Saamenkörner in ihr befindlich sind eine Beere genannt.

§. 211.

Zuweilen liegen auch die blossen Saamen - körner von aussen auf dem groß gewachsenen markichten Fruchtboden (§. 202.) auf, wie bey den Erdbeeren, die folglich genau und be - stimmt zu reden, nicht sollten Beeren genannt werden.

§. 212.

Die Misgeburten (§. 14.) sind im Ge - wächsreich ungleich zahlreicher als unter den Thieren. Es ist kein Theil der Pflanze, an welchen man nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufige Monstrositäten bemerkte. Am mei -468 sten sinds überzählige, wuchernde Theile (mon - stra per excessum) doppelte an einander gewach - sene Stämme u. s. w. Wir haben noch vorigen Sommer eine Distel gefunden an der mehrere Stiele breit wie eine Schwerdklinge zusammen - gewachsen waren, und oben acht in einer Reihe stehender Köpfe hatten, fast wie beym Amaran - thus crystatus. An den Blättern sind solche Verunstaltungen weit seltener,*)l. g. zinn de vasis subtil. oculi. p.3. an Früchten hingegen desto zahlreicher. Doppelte Hasel - nüsse, Aepfel, Kirschen u. s. w. sind gemein: wir haben aber auch einst eine Birne gesunden, aus der nicht weniger als 10 besondere Kröbse aus - gewachsen warm. **)Von ähnlichen Birnen s. Abhandl. der Zürcher na - turforschenden Gesellsch. l B. S. 541. u. f.So finden sich zuwei - len vielfache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andere kleinere Rosen hervorschießen, und ähnliche Misgeburten: wohin auch die Peloria gehört, eine monstreuse Abweichung im Sporn an der Blüthe dreyer Arten von Antirrhinum; nemlich linaria, elatine, und spurium, deren Entstchungsart durch verdorbnen Nahrungssaft unser gelehrter Freund der Herr Dr. Merck in Ravensburg überaus scharfsinnig erklärt hat. ***)s. Götting. Gel. Anz. 1774. 121 St.

§. 213.

Auch die Ausartung (§. 19-21. ) geht bey den Gewachsen ungleich schneller, leichter469 und häufiger von statten als bey den Thieren. Alle die unzähligen Spielarten unter den Tul - pen sind binnen 200 Jahren blos aus der ge - meinen gelben Stammart entstanden. So Nel - ken, Aurikeln, Hyacinthen n. s. w. die durch gefüllte und mannichfaltig gefärbte Blumen ins unendliche variiren.

§. 214.

Das Alter der Gewächse ist von sehr un - gleicher Dauer. Manche Schimmelarten brin - gen ihr Leben wol kaum auf einige Stunden. Da hingegen einige Cedern auf dem Libanon, der grosse Castanienbaum di cento cavaIi in Si - cilien, und die noch hin und wieder in Deutsch - land übrigen heiligen Eichen, unter denen un - sere Vorfahren ihre Andacht gehabt, vielleicht Jahrtausende durchlebt haben. Ueberhaupt theilt man die Pflanzen in perennirende und Som - mergewächse, welche letztere nemlich schon mit dem Ende ihres ersten Sommers absterben.

§. 215.

Sogar die Krankheiten der Pflanzen ha - ben viel mit der Thiere ihren gemein. Die zahl - reichsten Uebel sind die Cacherien, Wassersucht, Auszehrung, Bleichsucht, Verhärtungen, Ge - schwülste u. s. w. Die Blattläuse, womit so viele Pflanzenarten heim gesucht sind, lassen sich mit dem Ungeziefer der Thiere, und die sonder -470 baren Auswüchse, die durch die Cynips Arten verursacht werden, mit den Bremsen des Vie - hes, vergleichen.

§. 216.

Vom Nutzen der Gewächse können wir nur etwas weniges vom allerwichtigsten aushe - ben, denn wie ließe sich die Erzählung aller ihre zahllosen und mannichfaltigen Brauchbarkeit in die Schranken, die wir beobachten müssen, zusam - men pressen. Die beiden allerallgemeinsten und größten Bestimmungen der Pflanzen überhaupt, sind wohl, den Totaleindruck der Schöpfung schön zu machen, und dann die Luft zu reinigen. Aller übrige Schmuck der Natur sowohl im Thierreich als unter den Mineralien ist weit mehr versteckt, wird erst bey näherer Beleuch - tung sichtbar, und ist überhaupt weit minder allgemein verbreitet, da hingegen die Gewächse mit ihren heitern abwechselndeln Farben die gan - ze Erde decken, und in der Nähe und Ferne überall Leben und Munterkeit, und grossentheils auch durch die feinsten balsamischen Gerüche Erquickung verbreiten. Wie kräftig aber die Luft durch die Gewächse gereiniget werde, hat man noch neuerlich durch überaus scharfsinnige Versuche erwiesen, da verschiedene Sumpf - pflanzen (vc. Epilobium hirsutum) in artifi - cieller verdorbener unreiner Luft nur um so besser aufgewachsen, aber auch dadurch diese Luft in471 kurzen von ihren schädlichen Dünsten, womit sie geschwängert war, befreyt und gereinigt worden. Ein grosser Theil der in der Erde vermodernden Wurzeln, des abgefallenen Lau - bes ꝛc. dient zum Dünger und erhält die Frucht - barkeit des Bodens. Die Futterkräuter und so viele andere Gewächse müssen zur Er - haltung der Thiere, das Getraide aber, der Reis und die Cartoffeln zur allgemeinsten Nah - rung für die Menschen dienen. So die Cocos - palme, der Brodbaum für die Südlander ꝛc. So alle die Arten von Gemüße, Hülsen - früchten, Wurzeln, Obst, Beeren. u. s. w. Der Zucker zu so mannichfaltigem Gebrauch. *)Man rechnet jährlich auf 81 Millionen Thaler, die Europa blos durch den Zucker gewinnt.Die Gewürze. Der Tabac, der auf beider - ley Weise in so unglaublicher Menge consumirt wird. Alle unsere künstlichen Getränke, der Wein, Brantewein, Caffee, Thee, Cho - colade, das Bier u. s. w. Das Bauholz, Bambusrohr ꝛc. und so vielerley Hölzer zum Gebrauch für Tischler, Drechsler ꝛc. Das Brennholz, Harz, Pech ꝛc. Flachs und Hanf zur Kleidung und wenn es da ausge - dient, auch dam, noch zum Papier. Zum glei - chen Gebrauch ehedem das Aegyptische Pa - pierschilf, Splint u. s. w. Sode und Pot - asche zur Seife, zum Glasmachen. So viele Pflanzen zur Färberey; Indig, Waid,472 Saflor, Färberröthe ꝛc. Endlich alle die wohl - thätigen Arzneykräuter die so vieler Millio - nen Menschen Gesundheit erhalten und ihr Le - ben verlängert haben, und deren Empirische Kenntnis die ganze Arzneykunst der ältesten und wildesten Völker des Erdbodens ausmacht, und von welchen wir blos die Rhabarber, die Chi - narinde, den Campher und den Mohnsaft nen - nen wollen.

§. 217.

Schädlich sind vorzüglich das Unkraut und die giftigen Gewächse.

§. 218.

Ueber die Anzahl der Gattungen int Pflan - zenreich läßt sich freylich nur eine sehr unbestimm - te Muthmassung wagen. Es möchten ihrer doch ungefähr 30,000 seyn.

§. 219.

Der Pflanzensysteme sind gegenwärtig eine grosse Zahl. Sie haben alle ihre besondern Vorzüge. Das Linneische Sexualsystem, das den oben angezeigten Befruchtungswerkzeugen und deren verschiedenen Anzahl und Verhältniß angepaßt ist, empfiehlt sich durch die Faßlichkeit: das Hallerische hingegen, das mehr auf das gan - ze äussere Ansehen der Pflanzen und aller ihrer Theile gegründet ist, durch seine Vollständigkeit und Untrüglichkeit.

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Eilfter Abschnitt. Von den Mineralien überhaupt.

§. 220.

Wir haben die Reichthümer der Natur in ih - ren beiden organisirten belebten Reichen be - sehen. Das Ende unsers Buchs ist nun noch den unorganisirten Naturalien, den minerali - schen Körpern gewidmet, wovon wir die allge - meinen Begriffe schon oben in den ersten Blät - lern angegeben haben.

§. 221.

Zuerst etwas vom Ursprung der Minera - lien, nemlich von den Hauptwegen, wodurch sie theils vor Zeiten mit einemmal entstanden sind, und theils nach und nach und noch immer - fort entstehen. Um jene aufzuklären, müssen wir nothwendig auf den Ursprung unsrer Erde selbst zurück gehen: eine Untersuchung, bey der man sich freylich immer einige gewagte Muth - massungen wird erlauben müssen: doch wollen wir uns nicht dem Flug der kühnen Männer über - lassen, die Kometen und ausgebrannte Sonnen zum Bau ihres Erdsystems aufgebothen haben,474 sondern unsere bescheidnere Meinung vortragen, auf die wir zuerst durch die Untersuchung der Versteinerungen, und durch ihre Vergleichung und gefundene Unähnlichkeit mit den gegenwär - tigen organisirten Körpern und dann durch die Beobachtung einiger ehemaligen Vulcane ge - bracht worden sind, und die uns zwar immer noch eine Hypothese, aber doch eine solche Hypothese zu seyn scheint, die sich der Natur und dem Au - genschein ziemlich leicht und schicklich anpas - sen läßt.

§. 222.

Wir glauben demnach überzeugt zu seyn, daß unsere Erdkugel wenigstens schon einen Jüngsten Tag einmal erlebt, und diesem damals über sie er - gangenen allgemeinen Gericht ihre jetzige Gestalt zu verdanken hat: diese grosse Catastrophe ist blos durch unterirdisches Feuer bewürft worden, das den Boden des Meeres hoch in die Höhe getrieben, mithin das trockne Land mit einem mal überschwemmen müssen. Dadurch folglich die ganze beseelte Erde ertrunken, und hingegen die nun ausser ihr Element versetzten Wasserthiere im Vertrocknen umgekommen sind. Daher al - so die Menge und die regelmässige Lage der meisten versteinerten, und noch nie in Natur, entdeckten und schwerlich je zu entdeckenden, Conchylien u. s. w. auf hohen Bergen, die nur wie Blasen im Brod durch innere Glut empor gehoben wor -475 den. An tausend Stellen brach das Feuer durch die Rinde der Erde durch, daher die unzähli - gen ausgebrannten Vulcane, die in neuern Zei - ten erst wieder dafür erkannt worden sind, und deren man allein von Göttingen bis zum Ufer des Rheins auf 50 bemerkt hat. Die damals und noch bis jetzt höchsten Berge, die das überlau - sende Wasser doch nicht bedecken konnte, und was sonst etwa trocken geblieben, ist doch durch die heftige und wer weiß wie lang anhaltende allgemeine Glut zersprungen, gebröckelt, nach und nach wieder zusammen gebacken n. s. w. Daher der Granit, der folglich so wie die aller - mehrsten Petrefacten, wie die meisten ausge - brannten Vulcane und Basalt-Säulen Gebür - ge blos als Ruinen der Vorwelt, jener Präada - mitischen Erde anzusehen sind, und von allen den andern Mineralien wohl unterschieden wer - den müssen, die auf der nachher erkalteten Er - de, nachdem sie der Schöpfer, auf die von Mo - ses erzählte Weise, mit den gegenwärtigen Ge - schöpfen neu belebt, allgemach oder auch durch ähnliche gewaltsame Catastrophen entstanden sind.

§. 223.

Denn der Ausbruch unterirdischer Feuer und Ueberschwemmungen, die beiden Mittel, wodurch unserer Meinung nach, die Vorwelt vernichtet worden, sind auch auf der jetzigen Er - de noch zwey der beträchtlichsten Quellen zur ein -476 seitigen Zerstörung und anderseitigen Umschaf - fung und Entstehung der Mineralien.

§. 224.

Aller der unter unfern Augen entstehenden un - mittelbaren Vulcanischen Producte, der Vergla - sungen, Laven ꝛc. zu geschweigen, die noch täglich durch würklich brennende Feuerspeyende Berge - hervorgebracht werden, so muß auch das ungleich weiter verbreitete verdeckte unterirdische Feuert sehr viele theils unbemerkte Veränderungen be - würken, die doch zum Theil mit der oben angenom - menen allgemeinen Erdcatastrophe die größte Aehnlichkeit zeigen. So die schleunige Entstehung neuer Berge wie z. B. des Monte nuovo bey Pozzuolo, der im September 1538 binnen 48 Stunden zu einer Höhe von 2400 F. empor ge - trieben ward. *)hamilton's Campi phlegraei tab. XXVI. XXVll. S. 69. u. f.Oder Boden des Meers, der durchs Feuer bis über die Oberfläche des Meers hinaus gehoben, zu neuen Inseln umgeschaffen wird. Wie ehedem Hiera, Thia und andere In - seln des Archipelagus, und noch zuletzt im Ju - nius 1707 eine kleinere Insel in der Nachbar - schaft von Santorini (Thera der Alten.) **)C. de choiseul voy. pittoresque de la Grece. tab. XIII. XIV. S. 21. u. f.So alle die Hügel und Thäler und Sümpfe ꝛc. die man jetzt zwischen Rom und Terracina Berg477 auf, Berg ein und krum herum passiren muß, wo ehedem die via Appia fast schnurgerade und wasserpaß lief. *)fr. mar. pratilli della via Appia. tab 1.

§. 225.

Ganz anders sind die Veränderungen des Erdbodens die durch Sündfluthen und Ue - berschwemmungen verursacht werden. Die wilden Wasser reissen alles durch einander und mit sich fort, weichen den Boden auf, und so wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten durch einander geschwemmten modernden Theile von Thieren und Pflanzen, wie man das an den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da man die Petrefacten von der Sündfluth herlei - tete! Ehe könnten vielleicht manche Steinarten z. B. Bänder Jaspis, der zuweilen wie blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie eine Spur von einer Versteinerung enthalten wird, Urkunden der Sündfluth abgeben.

§. 226.

Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie - big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge -478 gen die Entstehung der Mineralien durch das allmälige Absterben der organisirten natürlichen Körper, durch das Verwittern der unorganisirten selbst, und endlich durch die Zerstörung aller verarbeiteten Naturalien oder Kunstsachen: kurz durch das unabbittliche Loos aller erschaffe - nen oder auch von Menschen verfertigten Dinge, über kurz oder lang nach dem verschiedenen Maaße des von der Vorsehung ihnen zugemeß - nen Lebens oder Dauer, endlich einmal zu ster - den, zu vergehen und wieder zu der Erde zu werden von der sie genommen waren.

§. 227.

So sind z. B. die 173220 Millionen Men - schen, die von Adam bis jetzt gestorben seyn mögen, gleichsam verschwunden, zu einer Erde vermodert, die man deshalb, so wie sie rein in den Gräbern gefunden wird, terra Adami - ca nennt. Und doch sagt dieser Beytrag von menschlichen Leichen noch nichts in Vergleich mit der Asche der seit der gleichen Zeit gestorbe - nen ungleich grössern Thiere, der Wallfische, Elephanten, Crocodile, Pferde, Wasserschlan - gen u. s. w.

§. 228.

Der gleiche Uebergang der abgestorbenen Gewächse ins Mineralreich wird theils am Torf, aber auch schon bey jeder reinen Gar -479 tenerde (humus) sichtbar, die größtentheils aus verfaulten Pflanzenwurzeln erzeugt wird, deren cylindrische Zäsergen und andere sehr deut - liche Spuren schon mit blossen Augen darin zu erkennen sind.

§. 229.

Aber nicht nur die unorganisirten Körper, sondern auch die Mineralien selbst sind diesem allgemeinen Gesetz der Vernichtung (oder viel - mehr Veränderung) unterworfen. Die man - cherley Säuren, die überall in allen Elementen in tust und Wasser ꝛc. verbreitet sind, lösen mit der Zeit die festesten Mineralien auf, und so verrosten die Erzte und die härtesten Felsen zer - fallen in mürbe Erde und Staub ꝛc. So löst das Wasser den Kalk auf und setzt ihn an an - dern Orten wieder als Tophstein und Sinter ab. So werden nach und nach die Metalle vererzt, die vielleicht im Anfang alle gediegen erschaffen waren und theils schon jetzt nur äusserst selten und künftig vielleicht gar nicht mehr in dieser ihrer ursprünglichen reinen Gestalt gefunden werden.

§. 230.

Und endlich müssen auch alle von Menschen schon verarbeitete Producte aus allen drey Na - turreichen hier in Anschlag gebracht werden, die ohne Ausnahme doch endlich, jedes nach480 seiner Weise vermodern oder verrosten, kurz so gut wie die Naturalien selbst, aus denen sie verfertiget waren, zerstört werden, und theils wenn sie schon ins Mineralreich übergegangen sind, noch das leserliche Gepräge ihrer ehema - ligen Bestimmung an sich tragen. So ist im academischen Musäum eine Eisensteinstufe aus dem Zweybrückischen in die ein halb verochertes aber doch noch ganz kenntliches Bergeisen fest ein - gewachsen ist. So besitzen wir selbst einen an - tiken Siegelring, an dem das Metall ganz und gar zu einer festen Eisen miner vererzt ist, aber doch seine ehemalige Form behalten und den gegrabe - nen Onyx noch fest eingeschloffen gleichsam in sich verwachsen hält.

§. 231.

So unerschöpflich also der Stoff zur bestän - digen Erzeugung der Mineralien ist, so uner - müdet ist die Natur diesen gemischten Stoff aus einander zu sondern, zu reinigen, zu bil - den ꝛc. Und wenn sie in Ruhe und ungestört gelassen wird, so braucht sie weniger Zeit als insgemein geglaubt wird, um daraus Steine, Erze ꝛc. hervorzubringen. Die Alten bemerkten schon in den berufenen Eisengruben der Insel Elba, daß die ausgehauenen Klüfte und Nester in kurzen wieder mit Eisen angefüllt würden, und im Museum ist eine Sprosse von einer Berg - leiter befindlich, die man bey Aufräumung einer,481 höchstens hundert Jahre lang verlaßnen Grube auf dem Harz vorgefunden, und um welche sich während dieser Zeit eine Selenitdruse von 7 Zoll im Durchmesser und von einer ganz ausserordentlichen Schönheit angesetzt bat. Und daß auch selbst die Hervorbringung der festesten Steine keinen längern Zeitraum erfodere, wird aus den Erfahrungen, die man in den Crystall - gruben der Schweizer-Alpen anzustellen Gele - genheit gehabt, und theils auch durch solche Stücke erweislich, dergleichen wir vor uns lie - gend haben, da weiche Flußspatdrusen ꝛc. von aussen mit den härtesten Quarzcrystallen überzo - gen und gleichsam incrustirt sind.

§. 232.

Die Eigenschaften der Mineralien, ihre Bildung, Dauer u. s. w. ist so sehr verschie - den, und ihre Nutzbarkeit so überaus man - nichfaltig, daß sich hier nichts allgemeines dar - über sagen läßt, sondern unten bey der Anzeige der Arten angeführt werden muß.

§. 233.

Alle Mineralien lassen sich sehr füglich un - ter folgende Classen bringen:

482

I. Erden und Steine.

II. Salze.

III. Erdharze.

IV. Metalle und Halbmetalle.

denen wir als eine Zugabe

V. die Versteinerungen beygefügt haben.

483

Zwölfter Abschnitt. Von den Erden und Steinen.

§. 234.

Die erste und bey weiten ansehnlichste Classe begreift alle Mineralien, die sich weder wie die Salze in Wasser, noch wie die Erdharze in Oel auflösen, auch sich nicht wie die Erzte, ohne zu zerspringen, hämmern und breit schla - gen lassen. Die ältern Mineralogen haben die Erden und Steine von einander abgesondert und in zwey besondere Classen zertheilt. Allein der beständigen Wiederholungen zu geschweigen, die bey dieser Absonderung unvermeidlich sind, so beruht überhaupt der ganze Unterschied auf der sehr unbestimmten blos relativen Cohäsion, die, wenn sie locker ist, Erden, und wenn sie feste wird, Steine constituiren soll.

§. 235.

Man ist zwey Wege eingeschlagen, die Mi - neralien dieser, und überhaupt auch der übri - gen Classen in systematische Ordnung zu brin - gen. Entweder nemlich werden sie nach ihrer484 äussern Bildung, oder aber nach der Mischung ihrer Bestandtheile angeordnet. Jenes blos nach dem Augenschein und Ansehen. Dieses mittelst der chimischen Auflösung. Man hat den letztern Weg vielleicht mit nicht bessern Grunde für untrüglich angepriesen, als man den erstern für völlig ungewiß zu verschreyen gesucht hat. Wir lassen jeden in seinen Wür - den, folgen aber dem erstern, so wie wir auch oben die Thiere blos nach ihrer äussern Bildung und nicht nach ihrem innern anatomischen Bau angeordnet haben: und so lassen sich denn alle Erd - und Steinarten füglich unter folgende drey Ordnungen bringen.

I. Calcariae. Kalkarten.

II. Argillaceae. Thonarten.

III. Siliceae s. vitrescibiles. Kieselarten.

Nach dem was wir oben von der Entste - hung der Mineralien gesagt haben, so braucht es kaum wieder erinnert zu werden, daß sich diese dreyerley Erdarten nicht immer rein, son - dern sehr häufig zwey oder alle drey unter ein - ander gemischt finden: daß sich aber auch die - se unreinen Erden sehr leicht in derjenigen Ord - nung mit der sie die mehreste Gleichheit ha - ben, unterbringen lassen.

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I. CALCARIAE.

Die kalkartigen Steine sind weich, so daß sie weder in Glas schneiden noch am Stahl Feuer geben und im Feuer noch mürber ge - brannt werden. Sie sind überall in der Schö - pfung verbreitet. Unzählige Flözgebürge die unserer Meynung nach das Grab der Seethiere der Vorwelt ausmachen, bestehen aus Kalk: und er macht den Grundstoff der Muschelschaa - len, der Corallenstämme und selbst aller Kno - chen von Thieren und Menschen, aus.

1. calx cum acidis effervescens, solubilis, opa - cus, non poliendus.

Die gemeinen Kalkarten, die in diesem Ge - schlecht verzeichnet werden, unterscheiden sich blos durch ein gröberes Korn vom Marmor, der eigentlich ein feiner harter Kalkstein ist, aber eine schöne und dauerhafte Politur annimmt.

1. Vulgaris. Der gemeine Kalkstein.

Meist von grauer Farbe. Wird roh zum bauen und pflastern, wenn er aber gelöscht wor - den, zum tünchen, gerben ꝛc. auch zum Zucker - sieden und in der Arzney gebraucht.

2. Fibrosus. Fasericher Kalk.

Fast wie Asbest oder Stralgyps. Häufig auf dem Heinberg bey Göttingen.

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3. Schistosus. Kalkschiefer.

Bricht in Tafeln, wie Thonschiefer; ist meist von weißgelber Farbe. Theils mit Dendritischen Figuren oder mit versteinten Fischen, Krebsen ꝛc. wie im Pappenheimischen. Zuweilen als Stink - stein mit Erdharz durchzogen; wie die Fisch - Schiefer vom Berge Libanon.

2. marmor cum acidis effervescens solubi - le opacum egregie poliendum.

Die unendlich mannichfaltigen Marmorarten, die wegen der Geschmeidigkeit, die dieser Stein mit seiner Schönheit und Dauer verbindet, von je zu den edelsten Kunstwerken der Architectur und Bildhauerkunst verwendet worden sind, lassen sich, in so fern sie schon von den alten Künst - lern verarbeitet worden, oder nicht, in antike und moderne, und nach der Verschiedenheit der Farben, Zeichnung ꝛc. in folgende drey Haupt - gattungen abtheilen:

1. Unicolor, einfärbiger Marmor.

Weiß. Unter den alten (bianco antico) vorzüglich der Parische, der höchstens in Blö - cken von Menschenlänge brach, von einem fast glimmerig glänzenden Korne, und zuweilen (wie an einem antiken kleinen weiblichen Kopfe in un - serer Sammlung) halb durchsichtig etwa wie gebleichtes Wachs. Dann der Carrarische (M. Lunense bey den Alten) u. a.m. Grün. das eigentliche verde antico (M. Laco - nicum) vom Vorgebürge Tänarus, das nicht mit dem also genannten grünen Porphyr ver - wechselt werden darf. So giallo, nero, rosso antico. ꝛc.

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2. Versicolor, bunter Marmor.

Gefleckt, adrig, wolkicht, streificht (wie der Blankenburger Tafftstein) in unzähligen Varie - täten. Dahin paonazzo, broccatello antico etc.

3. Pictum, figurirter Marmor.

Entweder mit Bäumgen, Moos, kurz dendri - tisch: oder mit Zeichnung von alten Mauerwerk, wie im Florentiner Ruinen Marmor (paësino) der meist in dünnen Täfelgen zu eingelegter Ar - beit verbraucht wird. Hieher könnte man auch die Petrefacten-Marmor zählen, die doch aber füglicher nach ihrem Inhalt den Versteinerungen zugesellt werden.

3. lapis lazuli Lasurstein. (Sapphirus veterum) coerulei coloris, opacus.

Eine gemischte Steinart, die ausser dem Kalk auch Kieselerde ꝛc. und Eisentheilgen enthält, die ihr vermutlich die vortrefliche himmelblaue Farbe geben. Findet sich meist nur in kleinen Stü - cken: die größten sind wol am Altar der Casa santa zu Loretto. Die eben so kostbare als schö - ne Ultramarin Farbe, die man aus dem Lasur - stein verfertiget, ist ehedem häufiger als jetzt, zumal im medio aevo zu den Mahlereyen in die Handschriften, und nach jener Zeit wol am mei - sten vom grossen Titian gebraucht worden.

4. creta cum acidis effervescens, friabi - lis, candida, opaca.

1. Scriptoria, die Kreite.

Die Kreite scheint freylich ein verwitterter Kalk; doch bleibt ihre wahre Entstehung schon deswegen, daß sie sich fast unzertrennlich mit488 Feuerstein zusammen findet, noch räzelhaft. Es gibt ganze Ketten von Kreitenbergen. die Englischen, wovon Albion seinen Namen, hat.

2. Lac lunae Mondmilch.

Eine weiche Stärkenartige Kreite, die sich meist in Bergklüften, wie in der Baumannshöhle, auf dem Lucerner Pilatusberg ꝛc. findet.

5. tophvs Tuffstein. Ex aqua praecipi - tatus, cum acidis effervescens, opacus.

Wird aus kalkichten Wasser abgesetzt, ist nicht crystallisirt, sondern überzieht bald dichter, bald lockerer, entweder breite Flächen, da er Sinter genannt wird: oder allerhand andere Körper, die er antrifft. So das incrustirte Moos auf der Papiermühle bey Göttingen, die Coburger Blät - ter Abdrücke, die Incrustate vom Carlsbade, von den Gradirhäusern bey Salz der Helden u. s. w. Auch gehören dahin die Koggensteine, Erb - sensteine, Confect von Tivoli, die Corallen - artige sogenannte Eisenblüthe u. s. w. Zuwei - len ist der Sinter Marmorhart und halb durch - sichtig, wie wir dergleichen von den Ufern des Tigris bey Bassora, und aus der Scharzfelder Knochenhöhle vor uns haben. Jener ist wol der Alabastries Lydinus der Alten.

Wenn der Tophus im Heruntertröpfeln des Kalkwassers sich in Zapfen ansetzt, so heissen die - se Stalactiten oder Tropfstein; die zuweilen allerhand Figuren oder eigentliche Naturspiele bilden. Die Baumannshöhle und die berufne Grotte auf Antiparos*)c. de coiseul voyage pittor. de la Gréce tab. XXXV XXXVIII. sind voll von Millio -489 nen solcher Stalactitzapfen. Unter den grossen Geschenken des Hrn. Baron Asch ans academische Museum finden sich Säulen aus der letztgedach - ten Grotte die über 10 Zoll im Durchschnitt halten.

6. spatum calcarevm Kalkspat. Crystallisatum pellucidum.

Spat ist ein viel umfassendes Bergmanns - wort, das von allen durchsichtigen und crystal - lisirten Steinen dieser Ordnung und dann auch von den crystallisirten metallischen sogenannten Kalken gebraucht wird.

Dieser, der Kalkspat findet sich in verschiede - nen Gestalten, die aber unabänderlich bestimmt sind, und folglich, wenn man sie kennt (so wie alle Crystallisationen ohne Ausnahme) die sichersten und untrüglichsten Unterscheidungszei - chen abgeben. Manche heissen Schweinozäh - ne, andere Nagelkopfspat, Canondrusen u. s. w. Bey den letztern sind die Crystalle sechs - seitig, ohne Endspitzen, sondern wie abgeschnit - ten: und zwar ist diese Endfläche Kreiten weiß und undurchsichtig, wenn gleich die Crystalle selbst übrigens so hell als Wasser sind. Eine Art fin - det sich in schrägen Würfeln und stellt dieser Tex - tur wegen,*)st. isaac newton's Optiks. p.356. sqq. Schriftzüge, die man dadurch ansieht, wie verdoppelt, vor. Dieß ist der Dop - pelspat oder so genannte Isländische Crystall. Eigentlich ist aber dieses rhomboidale Gefüge mehrern, vielleicht allen, Kalkspaten gemein, deren Crystalle, wenn man sie zerschlägt, in solche schräge Würfelgen zerspringen.

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7. gypsum cum acidis non effervescens, opacum, non poliendum.

Gyps ist eine Kalkerde, die schon so mit Vi - triolsäure gesättigt ist, daß sie nun nicht mehr damit aufbraust.

5. Vulgare, Gyps.

Noch mürber als der gemeine Kalk, gebrannt und mit Wasser gemischt giebt er einen beson - dern Geruch, verhärtet und wird nachher zu Estrich, Stuccaturarbeit, Abgüssen von Sta - tuen, Büsten, Münzen u. s. w. gebraucht.

2. Fibrosum, Strahlgyps (Stirium, Iapis in - olithus.)

Fast wie der faserichte Kalk. Wird zu Streu - sand gepulvert.

8. albastrvm cum acidis non efferve - scens, opacum, poliendum.

Verhält sich zum Marmor, wie der gemeine Gyps zum gemeinen Kalkstein.

9. spatvm gypsevm crystallisatum pel - lucidum.

1. Selenites, Gypsspat.

Bricht auch in schräge Vierecke; aber von an - dern Winkeln als beym Kalkspat, läßt sich sehr leicht mit dem Messer spalten. Wenn er in gros - sen Scheiben ist, heist er Marienglas, Frauen - eis, Eselsspiegel, Hornglas, Glacies Ma - riae, lapis specularis.

2. Ponderosum, schwerer Spat.

491

Unterscheidet sich schon durch seine ausneh - mende Schwere. Findet sich in flach gedruckten Crystallen, wie Hahnen Kämme, die Gruppen - weis an einander sitzen. Bey grossen Drusen kreuzen sich diese Gruppen wie Flechtarbeit; theils findet er sich kalkicht weiß und undurchsichtig: theils aber auch in grossen hellen Crystallen von blaulichter oder gelblichter Farbe; zuweilen in überaus zarten Crystallen, die wie an einem Fa - den sitzen, und bereiften Haaren ähneln, daher sie auch Haardrusen genannt werden. Dahin gehört auch der bononische Stein meist von Eyförmiger Gestalt, der sich doch auch ander - wärts findet, und der, wenn er calcinirt wor - den, die so genannten Lichtmagnete gibt, die nemlich Lichtmaterie von der Sonne und Tages - licht oder auch von starken Küchenfeuer (aber nie vom Mondschein) einsaugen, und es in der Dunkelheit, und zwar wenn es buntes prisma - tisches Licht war das sie empfingen, auch genau mit den gleichen Farben wieder von sich werfen.

3. Cubicum, Flußspat, Glasspat, Fluor.

Würflicht, hell durchsichtig wie Glas, theils farbig, zumal gelb, violet und grün. Ist wie der vorige ein gemischter Spat, der nemlich auch Kieselerde ꝛc. enthält. Viele Flußspate leuchten im Finstern, wenn man sie an feste Kör - per reibt oder auch erwärmt: man braucht sie zum Schmelzen strengflüssiger Erzte und die schö - nen bunten Arten aus Derbyshire zu Vasen auf Camine u. s. w.

10. zeolithes radiis concentricis.

Eine erst neuerlich bekannt wordene Steinart, deren chimische Untersuchung viel eigenes zeigt. 492Der Zeolith findet sich häufig auf Island, Fer - röe ꝛc. meist in Kugeln, die aber, wenn man sie zerschlägt in strahlichte Keile zerspringen. Wir besitzen ihn aber auch in sehr grossen Keilen, auch ganz locker in lauter abgesonderten äusserst feinen Strahlen, auch in grünlichen Strahlen bey crystallinisch gediegenen Kupfer u. s. w.

II. ARGILLACEAE.

Die Thonarten sind fettig anzufühlen, und ebenfalls weich, so daß sie weder in Glas kri - tzeln noch am Stahl Feuer geben: statt daß aber der Kalk mürbe gebrannt wird, so erhär - tet hingegen der Thon im Feuer, und manche Arten, wie man am Porcellän sieht, zu einem ausnehmenden Grade.

11. argilla friabilis.

1. Vulgaris. Töpfer-Thon.

Wol die nutzbarste und unentbehrlichste von allen Mineralien, die der gütige Schöpfer des - wegen auch über die ganze Erde verbreitet hat. Meist von grauer Farbe: zieht das Wasser ein, und erweicht dadurch.

Die folgenden Arten sind feiner, aber meist mit andern Erdarten, Kalk, Sand u. s. w. vermischt.

2. Fullonum, Walkererde.

Sehr fettig anzufühlen. Schäumt im Wasser wie Seife, und zieht begierig Fett in sich. Da -493 her ihre Wichtigkeit zum Walten der Tücher. Die feinste findet sich in England. Hieher ge - hört auch wohl die Spanische Kreite.

3. Porcellana, Porcellan Erde.

Die wichtige Erdart, aus der man nach den Jahrbüchern von Feouleam in China im zweyten Jahr der Regierung des Kaisers Tam, das ist A. 442. n. C. G. zu allererst Porcellan gemacht: das nun zu Anfang dieses Jahrhunderts von dem nach - her baronisirten Apotheker Böttger in Meissen ebenfalls erfunden und auf dem höchsten Grad der Vollkommenheit gebracht, aber seit dem auch an mehrern Orten in und ausser Deutschland nachgemacht worden.

9. Faventina, Fayence Thon.

Ebenfalls schneeweiß wie der Porcellan Thon doch nicht so fein. Hieraus ward zu Anfang des 16ten Jahrhunderts von Raphaels Vetter Guido Durantino zu Urbino das unächte Por - cellan oder so genannte Majolica mit schöner Mahlerey, nach des Marc Antonio Kupfersti - chen, verfertigt. Aus ähnlichen Erden, Pfei - fenthon ꝛc. in neuern Zeiten das Steingut, Schmelztiegel, Tobackspfeifen*)Von der Verfertigung der Tobakspfeifen s. das Göttingische Taschen-Buch für 1779. Seite 103-115. u. s. w.

5. Bolus.

Von mancherley Farben. Dahin gehört die Siegel Erde (Terra Lemnia) woraus Pfeifen - Köpfe, Thee Geschirre ꝛc. gemacht werden. Fer - ner der Röthelstein, und das Steinmark das beynah der obgedachten Mondmilch ähnelt, und494 woraus vermutlich die so genannten Meerschau - menen Pfeifen Köpfe verfertigt werden.

6. Tripolitana, der Tripel.

Mager, nicht so fettig wie die vorigen Arten anzufühlen, aber ziemlich fest.

7. Marga, der Mergel.

Von unendlichen Abartungen in der Mischung, Farbe ꝛc. Meist mürbe wie die andern Arten dieses Geschlechts. Zuweilen aber auch fest, Eyförmig (Mergelnüsse). Ist für manche Ge - genden als Dünger zu brauchen.

8. Humus, Garten Erde, Damm Erde.

Eine folgends sehr gemischte unreine Erdart, die so wie der Mergel auch zum Kalk gezählt werden könnte, die die Oberfläche des fruchtba - ren Erdbodens ausmacht, und mehrentheils aus modernden Pflanzenwurzeln entstehet.

12. smectis lapideus.

1. Steatites, Speckstein, Seifenstein.

Von weisser, röthlicher oder grünlicher Farbe, wie ein Stück Seife anzufühlen. Der feinste bricht in China wo er zu Thee-Geschirren, Bas - reliefs, Figuren, Flacons u. s. w. verarbeitet wird.

2. Nephriticus, Nierenstein.

Von grünlicher Farbe, halb durchsichtig, nimt feine Politur an. Findet sich so wie der Speck - stein, nur in kleineren Stücken.

3. Serpentinus, Serpentinstein. Ophites.

Die eigentliche Heimat dieses Steins ist - plitz im Erzgebürge, wo er zu Ende des 16ten495 Jahrhunderts aufgefunden, und seitdem in un - glaublicher Menge zu Reibemörsern, Schreibe - zeugen, Büchsen u. s. w. verarbeitet wird. Man hat Blöcke von 30 Centner schwer gebrochen. Meist von schwarzgrüner Farbe, zuweilen gran, auch mit schönen dunkelrothen Adern ꝛc.

4. Ollaris. der Topfstein, Lavezzi. Lapis Comensis vet.

Hat ein gröberes Korn als der Serpentinstein, nimt daher keine so gute Politur an. Findet sich hin und wieder; auch im fünften Welttheile, wo die Neu-Caledonier ihre Schleudersteine dar - aus schnitzen, am meisten aber und in den größ - ten Stücken in Graubünden, und machte vor Zeiten die Hauptnahrung des schönen An. 1618. vom Berg Conti begrabnen Städtchen Plürs aus. Man dreht mittelst grosser Räder, die vom Wasser getrieben werden, Kochtöpfe aus diesen Stein, die zuweilen wol 3 Fuß im Durch - schnitt halten, und Jahrhunderte ausdauern können.

13. mica particulis lamellosis diaphanis, mi - cantibus.

1. Talcum, Talk.

Meist silberweis oder ins grünliche spielend: ist überaus fettig anzufühlen und färbt ab. Wird zumal in China häufig zu feinen Papier-Tape - ten verbraucht, die davon einen matten Silber - glanz kriegen.

1. Aurea, Katzengold, Katzensilber.

Zuweilen in derben Stücken, die Granaten enthalten.

3. Slud, Rußisch Frauenglas.

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Darf ja nicht mit dem obigen Selenitischen Marienglas verwechselt werden. Findet sich in Blattern von Bogen-Grösse, ist biegsam, aber nicht ganz hell, sondern meist räuchericht.

4. Molybdaena, Bleystift.

Von schwärzerer oder blasserer Farbe. Die feinste englische Sorte wird roh verarbeitet. Die gröbern oder zum Zeichnen allzuweichen Arten werden zu Schmelztiegeln, Ofenschwarze u. s. w. verbraucht.

14. amiantvs, der Asbest. Fibrosus.

Meist in der Nachbarschaft von Topfstein, Nierenstein u. s. w.

1. Flexilis, reifer Asbest.

Der biegsam ist, und sich zu Faden spinnen läßt: dahin der Bergflachs gehört, daraus man die so genannte unverbrennliche Leinwand und Papier, ewige Tochte ꝛc. verfertigt. Bergle - der, Bergfleisch, Bergkork.

4. Rigidus, unreifer Asbest.

Der sich nicht in Faden drehen laßt, sondern bröckelt, wenn er auch gleich wie der Veltliner aus halb Ellen langen blendend weissen Strahlen besteht. Eine besonders schöne Art ist der Strausasbest oder Aerenstein (Lapis acero - fus) der in kleinen weissen Büscheln in einem grauen Gestein bricht.

15. schistvs lamellosus, opacus, scissilis.

1. Ardesius, Schiefer.

Von verschiedener Farbe und Feinheit. Mist schwarz oder schwarzblau: zuweilen grau und497 im Berner Gebiet auch vom schönsten roth und grün. Gröbere Sorten zum Dachdecken. Feinere zu Schreibtafeln.

2. Lydius, Probierstein.

Von feinem Korn und vorzüglicher Härte. Dahin gehört der feinere Schleifstein zum Abzie - hen der Messer, ferner der Paragone oder wahre Basanites der Alten, auch eine Art von Nero anti - co; und dann ein schwarzgrauer weicherer Stein mit kleinen crystallinischem Eisenmann durch - sprengt, dergleichen wir aus Egypten haben, und der insgemein mit unter der allgemeinen Ru - brik von antiken Basalt begriffen wird.

3. Scriptorius, schwarze Kreite.

Von feinem Korn, aber weich, geschmeidig, zum zeichnen ꝛc.

III. SILICEAE.

Die Kieselarten zeichnen sich durch ihre Härte aus, da sie am Stahl Feuer schlagen, in Glas schneiden u. s. w. Sie lassen sich nicht in Säuren auflösen, schmelzen aber mit Zusatz eines festen Laugensalzes leicht zu Glas, daher sie auch Terrae vitrescibiles genannt werden.

16. gemma Edelsteine. Pellucida duris - sima corruscans nobilis.

1. Adamas, der Demant.

Der härteste und kostbarste von allen bekann - ten Körpern, und doch, wie die Kaiser-Probe498 erwiesen hat, seines prächtigen Nahmens unge - achtet, ganz vergänglich. Seine natürliche Cry - stallisation wird oft sehr unrecht angegeben: die rohen Diamanten, die wir vor uns haben, sind völlig so geformt, wie sie der alte Ritter Maun - devile*)Sr. john maundevile's Travaile p. 191. seqq. The Dyamandes ben square and poynted of here owne kynde, bothe aboven and benethe, without - en worchinge of mannes hond ꝛc. aus dem 14ten Jahrhundert in sei - ner Meerfahrt zum heiligen Grabe beschreibt: haben nemlich acht egale dreyseitige Flachen. Der Diamant ist von blättriger Textur und soll eigentlich ohne Grundfarbe, wie ein Thau - tropfe seyn, aber alle Farben mit vollen Feuer zu - rück werfen. Doch werben einige Spielarten von gefärbten Diamanten ihrer Schönheit und Kostbarkeit wegen ausgenommen und den völlig ungefärbten noch vorgezogen. So z. E. die grünen, wovon das grosse Stück in der Büttnerischen Juwelen Sammlung des academischen Musei schon in mehrern Werken beschrieben worden. Der blaue, rothe Diamant ꝛc. werden ebenfalls geschätzt, gelb vermindert hingegen den Werth. Folgends braun oder ein eingesprengtes Pulver ꝛc. sind Hauptfehler. Die besten Diaman - ten kommen aus den alten Gruben von De - can, Golconda ꝛc. Die Brasilischen sind un - gleich schlechter. Daß schon die Alten in Dia - mant gegraben hätten, bleibt uns noch immer unwahrscheinlich. **)Herr Lippert zwar behauptet es. Daktyl. Sup - plem. S. 131. 145. 146. 149.Ludwig Berquen von Brügge hat vermutlich A. 1475. zuerst einen Diamant geschliffen, und zwar für Herzog Carl499 den kühnen von Burgund, dem er aber im fol - genden Jahr von den Eidgenossen Hey Gransee abgenommen und an die reichen Fugger in Aug - spurg verkauft wurde. *)Er ist abgebildet in lambecii bibl. Vindobon. L. II. p. 516. Die größten Diamanten und an - dere Edelsteine in der Welt s. bey Tavernier, la Motraye, und in papillon sur Ia Gravure en bois. T. II. p. 281. Den die Russische Kaiserin von Gregor. Saffray gekauft im Gothaischen Ta - schen Cal. 1771.

2. Rubinus.

Der Rubin ist wol nach dem Diamant der härteste Edelstein. Man theilt ihn seiner Farbe nach in vier Abartungen. a) Der Almandin vom schönsten hochroth. b) Rubibalais, blaß - roth, fast rosenfarb. c) Rubispinell violet - roth. d) Rubicell, gelbroth. Auch die besten Rubine kommen aus Orient, und haben, wie wir an einem grossen Balais in unserer Samm - lung sehen, die Crystallisation des Diamants.

3. Topasius orientalis.

Von bleichgelber Farbe: auf Ceilon, meist im Wasser abgerundet unter den so genannten Reys; doch erkennt man noch an manchen die Crystalli - sation, die aus zwey sechsseitigen Pyramiden besteht.

4. Topasius occidentalis.

Der Schneckenstein und Brasilische Topas, haben beide einerley, aber schwer zu beschreiben - de Figur. Jener vom Schneckenstein (jetzt - nigskrone) einem Felsen im Sächsischen Berg - amt Falkenstein, wo er 1729. entdeckt worden, von blaßgelber Farbe: dieser aus Brasilien; theils500 auch im Wasser abgerundet; von blasser und dun - kelgelber Farbe; theils röthlich.

5. Smaragdus.

Von der Crystallisation der oben beym Kalk - spat beschriebenen Kanondrusen. Der ehemals vermeynte Smaragd im Kloster Reichenau bey Kostnitz ist ein schöner grüner Glasfluß.

6. Sapphirus. (Hyacinthus veter.)

Hat gleiches Vaterland und Crystallisation mit dem orientalischen Topas. Wenn er blaß - blau ist, heißt er Lux Sapphir.

7. Beryllus, der Aquamarin.

Ein seltener Stein von wasserblauer oder Perl - farbe, und von der Gestalt des Schneckensteins oder Brasilischen Topas. Zuweilen gelbgrün, da er Goldberyll heißt, und theils ins schwefel - blaue changirt.

8. Amethystus.

Violet. Eine schöne orientalische Amethyst - Druse, die wir vor uns haben, besteht aus stumpfen vierseitigen Spitzen, wovon jede Seite durch einen erhabnen Rücken wieder in zwey Flä - chen abgetheilt ist.

9. Hyacinthus. (Lyncurium veter.)

Feuerfarb, orangegelb. In Ostindien und Dentschland.

10. Sargonus, Jargon.

Im Wasser abgerundet, aus Ostindien: von ausnehmender Harte und einem besondern etwas matten aber angenehmen Feuer, und blasser Far - be, gelblich, grünlich u. s. w.

11. Chrysolithus.

501

Zeisiggrün mit gestreiften Flachen. In beiden Indien, auch in Sachsen, Böhmen, Kamtschat - ka; theils in grossen Stücken.

12. Turmalinus, der Aschenzieher.

Von brauner, grüner und schwarzer Farbe. Letztere undurchsichtig. Alle zeichnen sich aber durch die ausserordentliche von Lemery A. 1717. entdeckte Erscheinung aus, daß die ihnen bey - wohnende Elektricität nicht nur durchs reiben, wie bey andern Edelsteinen, sondern schon durch blosses Erwärmen auf Hohlen, oder im heissen Wasser erregt wird, und daß sie zwey Pole ha - ben, deren einer die Asche ꝛc. anzieht, und der andere sie abstöst. Die braunen kommen von Zeilon, die grünen aus Brasilien, schwarze aus Norwegen, Tyrol ꝛc.

13. Granatus.

Vom schönsten dunkelroth, meist dodecaetrisch: vorzüglich in Böhmen, Norwegen und Orient; gewöhnlich in glimmerigen Gestein eingesprengt, oder auch in Flüssen, in der Mulde, Aar ꝛc.

14. Opalus, Elementstein.

Ohne bestimmte Form und Farbe. Doch meist milchweis, mehr oder weniger durchsichtig; aber in alle Farben vortreflich und aufs lebhafteste spielend; theils wie glühende Kohlen oder Schwe - felflamme, Pfauenschweif ꝛc. daher er nicht wie Diamante u. a. Steine dieses Geschlechts durch Kunst nachgemacht werden kann.

Hieher gehört auch das so genannte Weltauge das Charleton zuerst beschrieben, das nur im Wasser Durchsichtigkeit, Widerschein und theils Feuerglanz erlangt u. s. w. Und der Lapis mu - tabilis, ein weicher Stein von verschiedener Far -502 be, der beym Opal, Chalcedon ꝛc. bricht und auch erst, nachdem er einige Zeit im Wasser gelegen, pellucid wird.

17. qvarzvm pellucidum hexaedricum.

Wir haben das altdeutsche Bergmannswort Quarz zum Geschlechtsnamen gebraucht: sonst nennt man die Crystallmutter also, zum Unter - schied vom eigentlichen Crystall, der aus einer sechsseitigen Säule besteht, die sich an beiden Enden wieder mit eben so viel Seiten zuspitzt. Zuwei - len ist aber die Säule mit dem einen Ende in den Quarz verwachsen, wie bey den mehresten Schwei - zer - und Sibirischen Crystallen: oder man sieht auch blos sechseckichte Spitzen ohne Säulen auf dem Quarz, wie bey den Harzcrystallen.

1. Pseudodamas, falsche Demanten.

Kleine Crystalle aber vom reinsten Wasser und voller Feuer, daher sie zu Garnituren verarbeitet werden. So die so genannten Zackentopasen vom Schneckenstein, die Marmoruschen vom Carpa - tischen Gebürge, die Bristolsteine aus Irland ꝛc.

2. Crystallus, Bergcrystall.

Die. schönsten brechen in den Klüften der Schweizer Alpen, wo man wol ehe einzelne Stücke von 7 Centner am Gewicht und einer Klar - heit, daß man ein Zeitungsblatt dadurch lesen können, gefunden hat. Vorzüglich selten und merkwürdig sind die, so fremde Körper einschlies - sen: so die Crystalldrusen im Museum, die meh - rere Wassertropfen, andere die grosse Zinn-Gra - naten, andere die Schörl u. s. w. enthalten. Die in den Achatnieren befindlichen Crystallspitzen sind mehrentheils gefärbt wie Amethysten, Topase ꝛc. Hieher gehören auch die Böhmischen Doppelto -503 pasen oder Kling-Crystallen, die ihren Nahmen von dem hellen Klang haben, den sie beym An - schlagen von sich geben; ferner die so genannten Rauchtopasen, wovon unter den Aschischen Geschenken Faustgrosse Crystalle aus Sibirien befindlich sind. Ferner der Morion, und wie wir glauben, der Lapis Obsidianus der Alten, wovon wir ziemlich grosse Tafeln aus Aegypten erhalten haben. Und endlich die ganz undurch - sichtigen Crystallen von braungelber Farbe, wie die so genannten Spanischen Hyacinthen, oder grau und braun marmorirt, u. s. w.

3. Siliceum.

Die im Wasser abgerundeten Crystalle, theils von vorzüglicher Schönheit, wie die Linsbur - ger Steine im Hannöverschen, die von Ceilon ꝛc.

18. feldspathvm lamellosum micans, absque forma determinata.

Blätterig wie ein Spat, ausnehmend hart, meist undurchsichtig.

1. Oculus cati, Katzenauge.

So heissen die feinern Sorten Feldspate; die, wenn sie geschlissen sind, einen leuchtenden Glanz haben, fast wie die Augen der Katzen im fin - stern. Dahin gehört der Sonnenopal, der wie Goldflittern blitzert u. s. w.

2. Labradoricum, der Labradorstein.

Ein erst neuerlich bekannt gewordener Stein, der theils in beträchtlicher Grösse gefunden wird, und in viele Regenbogenfarben, vorzüglich ins Pfauenschweifige blaue, grüne ꝛc. spielt.

504

19. cornevs Hornstein. Semipellucidas, absque forma determinata.

1. Achates.

Von allen möglichen Farben und Zeichnungen. Häufig in Kugeln oder Nieren von verschiedener Grosse, wohin die Melonen vom Berg Car - mel gehören. Meist sind diese Kugeln hohl, theils aber auch mit andern Steinarten ausge - füllt. So ein prachtvolles Stück unter der Sammlung Zweybrücker Achate, die Ihro Durch - laucht die verwittwete Fürstin von Waldeck ans Museum geschenkt haben, da eine Spannen lan - ge Niere von herborisirten Achat und Amethyst - Crystallen mit Chalcedon wie ausgegossen ist: Eine andere, deren Höhle einen Kalkspat-Cry - stall, von der Dicke eines Kinderarms enthalt u. s. w. Auf die Art entstehen wol die Festungs - achate mit eckichten Zügen wie Sternschanzen u. a. Fortifications Zeichnungen, wenn nemlich der Achat, Quarzhöhlen mit Crystallspitzen, füllt. Dendrachaten wenn sie Zeichnungen von Moos und Väumcheu enthalten. Der fälschlich so ge - nannte Isländische Achat gehört hingegen zu den Vulkanischen Producten.

2. Prasius.

Von dunkelgrüner Farbe, und wenn er Meer - grün ist, Chrysopras. Findet sich vorzüglich bey Kosemitz in Schlesien ꝛc. Auch kann hieher das Plasma di Smeraldo gerechnet werden, ein Aegyptischer blaßgrüner Stein von ausneh - mender Härte, woraus noch Altägyptische Kunst - werke übrig sind. *)Winkelmann Gesch. d. K. S. 113.

505

3. Chalcedo.

Von milchblauer Farbe, theils in Zapfen wie Stalactiten und Sinter.

4. Onyx.

Dunkelbraun oder schwarzblau mit milchweis - sen Schichten: weswegen ihn die Alten so vor - züglich zu geschnittenen Steinen besonders zu Ca - meen verarbeiteten, die wenn der Meister die. Schichten des Steins recht zu benutzen wußte, natürliche Gemählde vorstellen konnten. Es ha - ben sich ausnehmend grosse Stücke Onyx aus dem Alterthum erhalten; z. B. das vas Mantua - num zu Braunschweig, das Basrelief mit dem Jupiter Stator und der Pallas in Gotha u. s. w.

5. Pyrrhomachus. der Feuerstein.

Meist in Kreitebergen. Enthält häufig Ver - steinerungen, zumal von Seeigeln und zarten Corallen.

6. Carneola. Sarda veter.

Bald gelblicher, bald dunkelrother.

20. silex opacus absque forma determinata.

1. Jaspis.

Von allen Farben und Zeichnungen wie der Marmor oder Achat. Zeigt in seiner Auflösung auch theils im äussern Ansehen Aehnlichkeit mit dem Thon dem er auch von einigen Mineralo - gen beygesellt wird. Zu den vorzüglichen Abar - tungen gehört der orientalische Blut Jaspis (Diaspro rosso antico): der dunkelgrüne mit rothen Punkten, oder Heliotrop: (welcher Na - me doch von Prosper Alpin u. a. einem weißlichen506 rothgesprengten Jaspis gegeben wird). Der gestreifte Bänder Jaspis u. s. w.

2. Niloticus. Pierre oder Caillou d'Egypte.

Eine besondere Jaspisart in rundlichten meist Faustgrossen Stücken von vorzüglicher Härte, brauner Farbe, und ungemein artigen dendriti - schen und andern Zeichnungen. Ist nicht blos an den Ufern des Nils bey Cana in Ober Aegy - pten, sondern auch in Arabien am rothen Meer, ꝛc. zu finden; auch nicht zuerst vom Paul Lucas sondern schon lange vorher von Prosper Alpin*)rer. Aegypt. L. III. c. 6. p. 146. beschrieben.

3. Basaltes. Lapis Aethiopicus.

Der eigentliche Basalt der Alten, aus dem die Grundlage der schönen Pyramide des Mycerinus bey Cairo, die ohnweit davon befindlichen alten Ge - bäude**)i. greaves's pyramidogr. p.139. die ehedem so berufene colossalische Sta - tue des Memnon zu Theben, der Brunnen der Ver - liebten zu Cairo und mehr dergleichen Sarcopha - gen, auch Büsten u. s. w. verfertigt sind. Dieser Stein ist nichts weniger als Vulcanisch, wie wir aus eigner Untersuchung alt Aegyptischer Kunstwerke von Basalt wissen, und wie sich schon aus der Grösse der daraus verfertigten Colosse u. s. w. schliessen läßt. Und was Strabo am Wege zwischen Syene und Phile für Basalt ansah, ist, wie schon Pocok gefunden hat, blos schwarzangelaufener Granit.

21. saxvm zusammen gebackene Steine. Ex mixtis fragmentis compactum et aggre - gatum.

1. Granites. Syenites veter.

507

Der Granit, von dessen Ursprung wir oben (§. 222.) unsere Vermuthung geäussert haben, ist ein Gemengsel von kleinen Stücken Quarz, Feldspat und Glimmer, die alle in einzelnen eckichten Brocken (nicht wie beym Porphyr in einer weichen Grundmasse) zusammen gebacken sind: daher angeschliffener Granit sich fast wie ein Mosaik ausnimmt. Er deckt die höchsten Bergketten der Erde, ist aber von verschiedener Feine und Festigkeit. Zu den gemeinen Arten gehören die Brecciae, die Wacken vom Brocken, vom Ziegenrücken bey Goslar ꝛc. Der Geis - bergerstein auf den Schweitzeralpen u. s. w. Die vorzüglichsten hingegen sind die vom Sinai und aus Oberägypten, wo Meilen lange Gebür - ge, das Nil Bette in der Gegend von Syene, die dortigen Inseln ꝛc. alles aus dem schönsten röthli - chen Granite bestehen: und woraus die ehrwürdi - gen Denkmale des Alterthums die Obelisken, die so genannte Säule des Pompejus bey Alexandrien, der vorgebliche Sarg des Cheops in der grossen Pyramide und so viel andere Kunstwerke verfer - tiget worden. Denen aus unfern Zeiten blos die allgemein berühmte Basis zur Falconetischen Statue Czaar Peter des Grossen beygesellt wer - den kann, die bekanntlich aus dem einzigen un - geheuern Granit Blocke besteht, der in einem Sumpfe am Finnischen Meerbusen gefunden und seines Gewichts von drey Millionen Pfund ohngeachtet so glücklich transportirt worden. *)Die schwerste Last die je von Menschen Händen be - wegt worden: der Vatikanische Obelisk den Fon - tana aufgerichtet, hält kaum den dritten Theil: nur 973537 35 / 40 Pfund.

508

2. Porphyrites.

Der Porphyr und alle dahin gehörigen Stei - ne unterscheiden sich vom Granit dadurch, daß sie nicht so wie dieser aus lauter einzelnen blos zusammen gebackenen Stückgen bestehen, sondern eine Grundmasse haben, worin die Quarz - oder Spat Brocken als wie in einem Teig gleichsam eingeknätet sind. Die schönsten Arten sind der dunkelrothe oder eigentlich so genannte Por - phyr (Pyrrhopoecilon veter. ) der vermutlich aus Arabien gebracht*)So sagt schon aristides orat. Aegypt. p. 587. wurde, und wegen sei - ner unbändigen Härte so unsäglich mühsam zu bearbeiten ist: und der grüne (Serpentino ver - de antico) der auch in Deutschland z. B. bey Blankenburg in grossen Stücken gebrochen wird.

Der Blatterstein, Mandelstein, Wurst - stein, Pouding stone, die Nagelfluhe u. s. w. sind alles Abartungen des Porphyrs.

3. Arenarium, der Sandstein.

Aus zusammen gebackenen gleichartigen Quarz - körnchen. Es gehört dahin der gemeine Qua - derstein zum Bauen, der Mühlstein, Wetz - stein, Filtrirstein u. s. w.

4. Metalliparum, Gneis.

Unter diesem viel umfassenden ziemlich unbe - stimmten Ausdruck versteht man die mannichfal - tigen gemeinen Bergarten, in welchen sehr häufig Erzte gefunden werden, und die bald lockerer, bald fester aus zarten blättrigen oder körnichten Partickeln von Glimmer, Thon, Quarz u. s. w. zusammen gesetzt sind.

509

22. vvlcanivs die Vulkans-Producte. Subterraneo igne fusus, adustus, cinefactus.

Wir fassen unter diesen Geschlechtsnahmen alle die mancherley Producte zusammen, die entweder durch die grosse allgemeine Glut, die nach unse - rer Vermuthung ehedem die Umschaffung unse - rer Erde bewürkt, oder auch nach dieser Cata - strophe durch die Ausbrüche der hin und wieder zerstreuten Feuerspeyenden Berge hervor gebracht worden.

1. Vitreus, die Vulcanischen Verglasungen. Vitrum fossile.

Es gehört dabin der so genannte Isländi - sche Achat von schwarzer Farbe aber durchsich - tig fast wie Morion, die violetten, grünen und gelben Verglasungen, die sich in den Laven des Vesuvs ꝛc. finden, und als unächte Edelsteine ge - schliffen, und zu Schmuck gefaßt werden; die Fritten oder kleinen Glaskörnchen, die auch in den Wacken der hiesigen ehemaligen ausgebrann - ten Vulcane gemein sind, und der Schörl oder die schwarz und grün gestreiften Crystallisationen die auch theils in Granaten-Form in den Vul - canischen Producten vorkommen.

2. Vulgaris.

Die gewöhnliche gemeine ungeformte Lava mit ihren unzähligen Abartungen in Farbe, Schwere ꝛc. auch die blaue Wacke von den hie - ländischen alten Vulcanen ꝛc. die alle zum pfla - stern und andern Behuf benutzt werben.

3. Columnaris, der Säulen Basalt.

Eigentlich wol die gleiche Masse wie die ge - meine Lava, deren Guß aber bey plötzlichen Er -510 kalten oder durch andere Zufälle, durch ihre ganze Dicke in unzählige Säulen zersprungen ist, ohn - gefähr wie ein nasser Stärke - Klumpe, wenn er, zumal beym Feuer, trocknet, rissig wird ꝛc. Die - se Basaltsäulen sind von verschiedener Gestalt, Stärke, Regelmäsigkeit und Richtung; meist nemlich stehen sie aufrecht, zuweilen liegen sie schräg, und an einigen Orten gar im halben Mond gebogen mit beiden Enden in die Höhe gekehrt. Auf vielen ausgebrannten Vulkanen, z. B. auf dem Dransberg in unserer Nachbarschaft;*)Völlig wie die Insel Castel-a-mare ohnfern vom Aetna. S. die Dedications-Tafel vor den Cam - pis phlegraeis. fig. II. aus dem Weidelsberg an der Hessischen und Wald - eckischen Grenze und anderwärts, finden sie sich ziemlich unförmlich, rauh, krumm ꝛc. Die bey Stolpe, das daher seinen Nahmen hat,**)Stolpa heißt auf Slavonisch eine Säule. sind schon ungleich gerader, auch von dichtern Korn. Die erstaunenswürdigsten von allen aber sind folgends die so äusserst regelmässig geglie - derten Basalte, da jede Säule aus genau auf einander passenden Gliedern, fast wie ein Rück - grad aus Wirbeln, besteht. So die berufene Fingals-Höhle auf der Schottischen Insel Staffa, vor allen andern aber der Riesen-Damm (Gi - ant's-Causway) an der Nordküste von Irland, der aus mehr als 30,000 solcher Säulen, deren jede meist 20 Zoll und drüber im Durchschnitt, und eine Höhe von 15 Fuß hat, die dicht an einander stehen, und oben eine grosse gangbare Ebne bilden. Sie sind von unbestimmten Sei - ten, doch meist 5 oder 6 eckicht: und die ganz unzähligen Glieder, aus denen sie zusammen ge -511 setzt sind, von ungleicher Höhe, die häufigsten 8 bis 12 Zoll hoch, jedes etwa 200 Pfund schwer, und was das unbegreiflichste ist, fast durchge - hends auf der einen Seite convex, auf der an - dern concav, am Rande ausgeschweift, und die Ecken fast wie an einer Krone zugespizt. *)S. die beiden grossen Kupfertafeln die Vivares nach S. Drury A. 1743. von diesem so äusserst merkwürdigen Basalten gestochen hat.

4. Tufaceus, Tufa.

Ein Gemische von Asche, Bimsstein ꝛc. das als ein flüssiger Schaum von den Vulcanen aus - geworfen wird, und nachher zu einem lockern, leichten, bläserigen Stein von brauner, gelbli - cher oder grünlicher Farbe verhärtet; enthält häufig fremde Körper, Conchylien ꝛc. auch ha - ben wir weisse, bimsteinartige Granaten von 24 viereckten Flächen darin gefunden.

5. Puteolanus, Puzzolana.

Bimssteinartig, blaulich grau in kleinen Stück - gen oder auch gepülvert; gibt treflichen Mörtel, und wird zumal zum Wasserbau gebraucht. Der Tarras oder Traß ist eine festere steinartige Puzzolana; die zum gleichen Gebrauche dient, und zuweilen der Tufa ähnelt, aber nicht so leicht locker, bläserig, schlackich ist.

6. Pumiceus. Bimsstein.

Ueberaus leicht, so daß er auf dem Wasser schwimmt: meist graulicht, von einer gleichsam zaserichen Textur, auch wenn er gepülvert wor - den, scharf anzufühlen.

512

7. Cinereus, Vulcans-Asche.

Aschfarb, besteht aus zerbröckelter mürber ge - brannter Lava ꝛc.

Die zufälligen Dinge, die sich ausserdem bey Feuerspeyenden Bergen finden, Stalactiten, Schwefel, Salmiak u. s. w. werden an andern Orten angeführt.

513

Dreyzehnter Abschnitt. Von den Salzen.

§. 236.

Salze heissen diejenigen Mineralien, die sich im Wasser auflösen, und einen scharfen Ge - schmack auf der Zunge geben, der zwar bey al - len Salzen verschieden, aber wie alle Eindrücke auf diesen Sinn schwehrlich mit Worten anzu - deuten ist. Wenn sie rein sind, schiessen sie in durchsichtige meist weisse Krystallen von be - stimmter Form an.

§. 237.

Alle Salze lassen sich unter folgende drey Ordnungen bringen:

I. Acida. Saure Salze. Haben von ih - rem Geschmack den Nahmen, und färben den Veilchensyrup und andre blaue Pflanzensäfte roth.

II. Alcalina. Laugensalze; die den Veil - chensyrup grün färben. Die Auflösungen von514 diesen beyderley Salzen brausen zusammen auf, und machen alsdann durch ihre Verbindung

III. Salia media oder neutra. Mittelsalze, die jenen Pflanzensäften ihre blaue Farbe un - verändert lassen.

I. ACIDA.

1. vitriolum saporis stiptici, calcem in gy - psum mutans.

1. Ferri, Eisenvitriol.

Von grüngelber Farbe; wird bekanntlich zur Dinte, in der Arzney u. s. w. gebraucht.

2. Cupri. Kupfervitriol.

Von himmelblauer oder Seewasserfarbe, nach - dem er mehr oder weniger Kupfer hält. Im Rammelsberge bey Goslar, und in andern Ce - mentwassern.

3. Zinci. Zinkvitriol, Gallitzenstein.

Von weisser Farbe: in Flocken, oder als - kel wie Eiszapfen: ebenfalls auf dem Rammels - berge und anderwärts.

2. alvmen, Alaun saporis austeri, in igne spumans.

Dieses Salz besteht aus der Vitriolsäure und aus einer ganz besondern Erdart, die deshalb Alaunerde genannt wird, die neuerlich viel Auf - merksamkeit erregt hat, und von vielen als eine515 vierte, von den dreyen in der vorigen Classe ab - gehandelten, ganz verschiedne Erde angegeben, von andern aber für eine Modification der Kie - selerde gehalten worden ist.

Selten findet sich der Alaun ganz rein, doch theils fasericht als wahrer Federalaun (alumen plumosum): meist aber in Schiefer, in Thon, Kies u. s. w. versteckt.

II. NEVTRA s. MEDIA.

3. nitrvm Salpeter, saporis frigidi, phlo - gisto in igne detonans.

Blos in Erde ꝛc. versteckt; wird in gröster Menge zum Schießpulver, Scheidewasser, als Arzney ꝛc. verbraucht.

4. mvria Kochsalz, saporis notissimi, acu - ti, in igne crepitans.

1. Aquatica, Wassersalz.

Das nemlich erst aus Seewasser oder Salz - quellen ausgesotten werden muß.

2. Montana, Steinsalz, Sal gemmae.

Mehr oder weniger durchsichtig und rein: meist von weisser Farbe: aber auch zuweilen gelb, roth, himmelblau wie ein Sapphir: zuweilen stralicht wie Asbest ꝛc. In einigen Gegenden in unbegreif - licher Menge, wie in den berühmten Polnischen Salinen unter Bochnia und Wieliczka, wo nun schon seit der Mitte des 13ten Jahrhunderts Salz, und zwar in solcher Menge gebrochen wird, daß wohl eher auf 400,000. Centner vorräthig,516 und über 500 Arbeiter in den viele hundert Lachter weit sich erstreckenden Gruben*)Man kan sich einige Idee von der schauervollen Grösse dieser unterirdischen Gewölbe aus dem sehr grossen Kupferblatte machen, das Nilson davon nach Borlachs Rissen und Benj. Müllers Zeichnung 1760 gestochen hat. beschäftigt sind.

5. ammoniacvm Salmiak. Saporis vri - nosi, in igne volatile.

Findet sich in derber Gestalt in Sibirien, und als weisses Pulver in Lava; vorzüglich häufig in der vom Aetna.

6. borax saporis obtusi, in igne intume - scens, vitrescens.

Der Borax, oder wie er roh eigentlich heißt, Tinkal, ist ein räzelhaftes, noch nicht sattsam aufgeklärtes, vielleicht laugenartiges Salz, das aus Indostan gebracht, in Holland auf sehr ge - heim gehaltne Weise raffinirt, und zum Löthen ꝛc. gebraucht wird.

III. ALCALINA.

7. natrvm mineralisches Alkali (Nitrum veter. ) saporis amaricantis, cum oleo sapo - nem faciens.

Theils mit Erde vermischt: theils aber auch rein und dicht, wie das aus der Barbarey, das sich in grossen Fingers dicken Schichten findet,517 und häufig zum Glasmachen, zu Seife, zum Färben der Indianischen baumwollenen Zeuge u. s. w. gebraucht wird. Die alten Aegyptier beizten ihre Leichen einen Monat lang in diesem Salze ein, ehe sie sie zu Mumien bereiteten, und das, gleiche Salz hat den Kaufleuten am Ufer des Belus zur Erfindung des Glasmachens Anlaß ge - geben.

Auch der fälschlich so genannte Salpeter, der aus feuchten Mauern ausschlagt, ist ein unrei - nes Natrum.

518

Vierzehnter Abschnitt. Von den Erdharzen.

§. 238.

Die gegenwärtige Classe begreift diejenigen mineralischen Körper, die sich nicht im Wasser, aber wenn sie rein sind, in Oel auflösen, und im Feuer brennen.

§. 239.

Sie finden sich nie ganz rein, sondern erhal - ten die leztgenannte Eigenschaft von einem beson - dern Grundtheil in ihrer einfachern oder zusam - mengeseztern Mischung, den man das Phlogi - ston, das brennbare Wesen nennt, dessen Daseyn aus seinen Erscheinungen offenbar er - hellt, obschon seine Natur, so wie überhaupt der Ursprung der mehrsten Erdharze noch nicht sattsam untersucht und entdeckt ist. Manche geben schon an und für sich, andre erst wann sie angebrannt werden, einen specifiken Geruch von sich.

1. ambra, cerea, suaueolens.

519

1. Grisea. Ambergris.

Meist von grauer Farbe, und einem überaus angenehmen Geruch. Der Amber schmilzt in der Warme wie Wachs, ist theurer als Gold, und wird an den Ufern von Madagaskar und von den Sundaischen Inseln gesammlet, ohne daß man noch seine Entstehung hätte erfahren kön - nen.

2. svccinvm Bernstein, Agstein. (E - lectrum) pellucidum, vstum suaueolens.

Meist durchsichtig, von gelber, bald hellerer oder dunklerer Farbe, und vorzüglicher Härte, daher er eine glänzende Politur annimmt, sich drechseln läßt u. s. w. Die Electricität, die man an ihm zuerst wahrgenommen, hat daher ihren Nahmen erhalten. Oft schließt er Bisgen Moos oder kleine Insecten ein, und zwar meist Mücken, Motten, Spinnen ꝛc. aber wohl schwer - lich Wasserinsecten oder gar Fische u. s. w. Diese Erscheinung und die ausnehmende Menge, in der der Bernstein an einigen Gegenden, vorzüglich aber im Curischen und frischen Haff ausgefischt wird, machen zwar seinen Ursprung räzelhaft, begünstigen doch aber immer die Meynung, daß er vielleicht ein Baumharz ist, das durch einen grossen Brand geschmolzen, und gleich in die See geflossen sey, u. s. w. Man verarbeitet die schönen Stücken zu Kunstsachen, eingelegter Arbeit ꝛc. und braucht die Trümmern zu Räucher - pulver, Virnis ꝛc.

3. naphtha liquida graueolens.

1. Petroleum. Bergöl.

Flüssig wie Oel: zumal häufig in Persien, wo ganze Gegenden davon duften, und wie Käm -520 pfer versichert, entzündete Stellen daselbst lange Zeit in einem weg mit einer blauen Flamme lo - dern.

2. Mumia. Bergbalsam.

Fettig-schmierig, sehr kostbar: ebenfalls in Persien.

3. Maltha. Bergtheer.

Sandig-schmierig. Bey Winsen im Hannö - verschen, wo man ihn seit 100. Jahren gräbt, im Elsaß, in der Moldau ꝛc. wo Herr Baron Asch A. 1770. zur Pestzeit eine Digestivsalbe dar - aus verfertigen, und mit grossem Nutzen brauchen lies.

4. asphaltvm. Judenpech, nigrum, splendens, vstum graueolens.

Auf dem todten Meer ꝛc.

5. tvrfa, der Torf. Fusca, radiculosa tenax.

In moorichtem Grund voll Wurzelgestrüppe, wo er gestochen, und bekanntlich zur Feuerung gebraucht wird. Auch hat man Packpapier, Tapeten ꝛc. daraus zu verfertigen versucht. Der Torf häuft sich in vielen Gegenden schnell an*)ch. patin Traité des Tourbes p.4. 65., und Herr von Zanthier, der bekannte Forstge - gelehrte, hat auf dem Brocken, 8 Fuß tief unter dem Torf ein Hufeisen gefunden.

Die Umbererde die zum malen, färben ꝛc. gebraucht wird, ist eine weiche, thonichte Torf - art.

521

6. lithanthrax niger, carbonaceus.

1. Carbo. Steinkohlen.

Von verschiedner Härte, Feinheit ꝛc. In ei - nigen Gegenden in unsäglicher Menge, wie bey Zwickau, wo bey einer Belagerung im dreissigjäh - rigen Krieg A. 1641. durch einen Zufall Feuer in die Gruben gekommen, das noch bis jezt, oft unmerklich aber weit um sich, in entlegne Ge - genden unter der Erde fortgebrannt hat. Fol - gends in Newcastle, wo die Kolenminen jezt wirk - lich unter den Boden des Meers hingetrieben sind, und Kriegsschiffe über der Arbeiter Köpfen seegeln.

2. Gagas. Schwarzer Bernstein.

Vorzüglich hart, so, daß er sich poliren, und zu Kunstsachen verarbeiten läßt.

Des fossillen Holzes gedenken wir im lezten Abschnitt.

7. svillvs, Saustein, Stinkstein, cal - careus, rasus graueolens.

Von verschiedener Farbe, meist grau oder braun; theils schiefrig; geschabt riecht er völlig wie angebrannt Horn: meist enthält er Verstei - nerungen z. E. Belemniten: der von Oeningen, und vom Libanon, Fische ꝛc.

8. svlphvr, Schwefel, flauum, ardens acriter foetens.

Beym Schwefel ist sein Phlogiston mit Vitriol - säure verbunden; er brennt mit einer blauen Flamme, und einem heftigen pikanten Geruch: ist überaus electrisch.

1. Natiuum. Jungfernschwefel.

522

Findet sich theils derb, zumal sehr schön bey Lauenstein im Hannöverschen, auf den Lipari - schen Inseln, bey der Solfatara u. s. w. auch theils crystallisirt, und durchsichtig, wie in Bra - silien ꝛc. zuweilen Rubinroth, arsenicalisch; theils aber gepulvert im Crater des Vesuvs, und andrer noch jezt brennender Vulcane; theils auch flüssig in Schwefelquellen.

2. Pyriticum. Schwefelkies, Marcasit.

Von Messingfarbe, und vorzüglicher Härte, daher er ehedem statt Feuerstein gebraucht wor - den; nimmt auch theils eine schöne Politur an, und wird unter dem Nahmen Gesundheitsstein als Flitterstaat getragen. Er findet sich in meh - rerley Crystallisationen, vorzüglich cubisch, da die Würfel meist mit einer braunen gestreiften Rinde überzogen sind, bey welcher die Richtung der parallelen Streifen auf den 6 Seiten unbe - greiflich sonderbar ist, indem blos die Streifen von den einander gegen über stehenden Flächen auf einander passen, und hingegen mit den Strei - fen der benachbarten Flächen ganz die queer lau - fen. Er hält immer Eisen, daher er auch Ei - senkies genannt wird; meist auch Kupfer. Wenn er ganz blaßgelb ist, heißt er Wasserkies.

523

Fünfzehnter Abschnitt. Von den Metallen.

§. 240.

Diese lezte Classe der eigentlichen Mineralien begreift die Erzte, die sich, wenn sie rein sind, durch ihre ausnehmende Schwehre, und durch ihr glänzendes Ansehen auszeichnen. Sie wer - den theils leichter theils schwehrer im Feuer zum Fluß gebracht, und nehmen erst beym Erkalten ihre vorige Festigkeit wieder an. Die mehresten sind so geschmeidig, daß sie sich, ohne zu zersprin - gen, unter dem Hammer ausdehnen und breit schlagen lassen.

§. 241.

Die Metalle sind im Grunde sehr gemisch - te Körper, und haben wohl ohne Ausnahme ei - nen dreyfachen Grundstoff in sich: ein Phlo - giston nemlich, ein Salz und eine Erde. Des erstern, des brennbaren Wesens, ist schon im vorigen Abschnitt (§. 239.) Erwähnung geschehen. Die Erzte erhalten durch dieses Phlogiston ihr ganzes metallisches Ansehen524 Geschmeidigkeit ꝛc. die sie sogleich verlieren, so bald ihnen dasselbe entzogen wird. Das Salz und die Erde, die die beyden andern Bestand - theile des Metalls ausmachen, sind von ganz eigner Art, und man muß über ihre wahre Na - tur erst noch eine nähere Ausklärung erwarten.

§. 242.

Man theilt die Metalle überhaupt in Gan - ze - oder eigentlich so genannte Metalle, und Halbmetalle, und begreift unter der lezten Abtheilung diejenigen, die nicht so geschmeidig als die erstern sind, und im Feuer größtentheils verflüchtigen. Von jenen hat man das Gold und Silber wegen ihrer größern Feuerbeständig - keit Edle und die übrigen Unedle Metalle ge - nannt.

§. 243.

So verschieden die Gestalten sind, unter denen sich die Metalle zeigen, so lassen sie sich doch am kürzesten auf zwey Hauptgattungen zurück bringen. Entweder nemlich finden sich die Erz - te gediegen (metallum nudum s. natiuum) d. h. in aller ihrer wahren metallischen Substanz und Ansehen, so daß sie ohne weitere Scheidung u. s. w. sogleich verarbeitet werden könnten; oder aber vererzt, (mineralisatum) so daß ihnen der Man - gel eines ihrer eigenthümlichen Bestandtheile, o - der die innige Beymischung einer fremden Säure525 von Schwefel u. s. w. mehr oder weniger von ihrem eigentlichen Ansehen benimmt, ihre Ge - stalt verändert ꝛc.

§. 244.

Man hat neuerlich bezweifeln wollen, ob sich die unedlen Metalle (§. 242.) würklich gediegen fänden. Nun haben wir zwar selbst erinnert (§. 229.), daß sie aus den angegebenen Ursa - chen leicht, und immer mehr und mehr vererzet würden, und es ist auch bekannt, wie leicht ei - nige von ihnen z. E. Zinn und Bley ꝛc. aus ih - ren Minen ausschmelzen können. Allein dieses alles zugegeben, so kann deswegen die Existenz des wirklich gediegnen Kupfers, Eisens, Zinns ꝛc. noch nicht abgeleugnet werden, wenn man sich nicht einen sonderbar eingeschränkten, und dem unsrigen (§. 1.) sehr widersprechenden Begriff von Naturalien bilden wollte, da man denn aber auch hundert andre Mineralien nicht dafür er - kennen, sondern aus der Naturgeschichte ver - bannen müßte.

I. Eigentliche Metalle.

A. Edle.

1. avrvm. Gold, flauum, ponderosissi - mum, maxime ductile.

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Der schwehrste Körper in der Natur: ohne allen Klang: zähe und zum Erstaunen geschmei - dig und dehnbar, wie man beym Vergulden sieht.

1. Natiuum, gediegen.

Meist in Quarz, Spat ꝛc. theils wie Bäum - gen, dendritisch, oder auch, doch weit seltner, crystallinisch, mit acht dreyeckten Flächen wie der Diamant, vorzüglich schön in Mexiko, Un - garn, Siebenbürgen ꝛc.

Waschgold findet sich in grössern oder klei - nern Körnchen unter dem Sande in einigen Flüs - sen, die es von Goldadern, die sie auf ihren Lauf angetroffen, los und mit sich fortgerissen. So bey den Alten der Tmolus in Lydien*)herodot. L. I. p. 47. Wessel., noch jezt manche deutsche Flüsse, obgleich in geringer Menge: so der Rhein, die Aar in der Schweiz, die Eder im Waldeckischen ꝛc.

Das meiste Gold aber ist in kleinen, dem er - sten Anschein nach kaum merklichen Theilgen in allerhand Gestein versteckt. Dahin gehören die Güldischen Kiese, dergleichen wir aus Sibi - rien, aus dem Walliser Land**)nouvelle heloise T. I. L. 23 ꝛc. vor uns haben. Bey jenen ist der güldische Kies zum Theil in einen überaus feinen zellulösen Quarz eingesprengt, und macht das vom Herrn Pallas beschriebene Bimsstein änliche Golderzt.

2. Mineralisatum, vererzt.

Mit Spiesglas ꝛc. im Nagyager Golderzt, das sich zuweilen in einem schönen fleischfarbenen Ja -527 spis findet, der zu Tabatieren u. a. Kunstsachen verarbeitet wird.

2. argentvm, Silber, album, leuius, ductile.

1. Natiuum, gediegen.

Sehr selten crystallisirt: in der gleichen Form wie das Gold: doch theils in ansehnlichen Cry - stallen, wie an einer Norwegischen Stufe im Museum.

Auserdem aber in sehr mannichfaltiger Gestalt, nachdem verschiednen Grad der Reinigkeit und Geschmeidigkeit, z. E. in derben Stücken, wie der gediegne Silberblock im Museum, der vor 50. Jahren auf dem St. Andreas zum Andreas - berge am Harz gebrochen, gegen 200. Mark am Gewicht, und 1644. Thaler am innern Werth hält; oder aber in Zacken wie Zähne, oder in Bäumgen dendritisch, asticht, oder wie Drat, wie Filigrainearbeit u. s. w.

2. Mineralisatum, vererzt.

Die vorzüglistchen Gattungen sind:

a) Glaserzt.

Von schwarzer Farbe und mattem Glanze: das reichste Silbererzt, das wohl 180. Mark im Centner hält, und zugleich das geschmeidigste; es läßt sich mit dem Messer schneiden wie Bley, und im Museum ist eine Medaille von Thalergrös - se, die aus einem Stück Glaserzt geprägt ist.

Ein spröderes Glaserzt heißt Röschgewächse.

b) Hornerzt. Luna cornea.

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Das allerseltenste Silberzt. Von Hornfarbe, o - der auch Perlenfarbe, wie das Kolywanische, eben - falls so geschmeidig daß es sich schneiden läßt.

c) Rothgülden.

Eigentlich von der Farbe, und beynahe auch von der Durchsichtigkeit des Rubins, die sich aber meist mit der Zeit verlieren, da denn die Kno - spen eine schwarzglänzende, doch immer noch (fast wie beym Glaskopf) ins Dunkelrothe fallende Far - be erhalten. Die größten und schönsten Roth - güldenstufen die man kennt, brechen auf dem An - dreasberg, und zu Ste Marie aux mines.

Eine ganz besondere Art Rothgülden ist das Zundererzt oder der Sildermulm, der sich wie ein braunrother, fast rostfarbner Beschlag, oder wie gebröckelter Zunder, auf der Dorothea zu Clausthal ꝛc. findet, wo zuweilen ganze Drusen und Stufen damit überzogen sind.

d) Weißgülden.

Stalfarben: selten crystallisirt mit vier drey - eckten Flächen.

Das Silberfahlerzt ist eine besondere Art Weißgülden, die von schwärzerer Farbe, und zu - gleich kupferhaltig ist: dahin gehören die Fran - kenberger Kornären, die den Nahmen von ihrer Gestalt, und von der zuweilen fast täuschenden Aenlichkeit mit Kornären haben.

Dieses sind die reichhaltigsten, aber auch selt - neren Silbererzte. Denn das allermehrste Silber wird aus andern Minern, denen es zwar nur in geringer Proportion beygemischt ist, die sich aber dafür selbst desto häufiger finden, gewonnen. So aus dem Bleyglanz, aus allerhand Kiesen u. s. w.

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B. Unedle Metalle.

3. cvprvum, Kupfer, rubrum, perdu - rum, maxime sonorum.

Das Kupfer wird von alten Salzen, und zwar sehr leicht aufgelößt, färbt die Solution grün oder blau, und wird giftig: daher sich die Ge - fahr bey unvorsichtigen Gebrauch kupferner Küchengeschirre erklärt. Das beste Kupfer kommt aus Japan und Schweden. Durch Bey - mischung von Gold, Silber, Zinn, am meisten aber von Zink werden aus dem Kupfer die gemisch - ten Metalle, weiß Kupfer, Glockengut, Ca - nonenmetall, Messing, Tomback, Prinz - metall, Pinschbak, Pakfong, Similor und Mannheimer Gold verfertigt.

1. Nativum. Gediegen.

Und zwar auf zweyerley Weise. Erstens nem - lich derb in Gestein; auch zuweilen, aber höchst selten, crystallinisch, wie wir derglei - chen (in eben der Form, wie das crystallisirte Gold und Silber) in Zeolithnieren von der In - sel Feroe besitzen: meist aber ohne bestimmte Form, wie bey Cammsdorf ꝛc. Vor Alters wohl in Men - ge, und an vielen Orten, wie sich schon daraus muthmassen läßt, daß so viele alte Völker der Erde in der frühsten Kindheit ihrer Cultur sich kupferne Waffen verfertigt, da man ihnen schwer - lich Metallurgie genug zutrauen darf, daß sie das Erzt aus Minern zu gewinnen, verstanden hätten.

Die zweyte Art gediegnes Kupfer, ist das aus Kupfervitriol, (anstatt des Eisens, das er ange - troffen und aufgelößt hat), abgesetzte: dieß ist das Cämentkupfer, das im Rammelsberg,530 und bey Neusol in Ungarn, und anderwerts sich findet, und durch altes Eisen, das man dem Vitriolwasser in Weg legt, gewonnen wird.

2. Mineralisatum, vererzt.

a) Kupferkies.

Das allergemeinste Kupfererze, das, wie schon oben gesagt worden, zugleich Schwefel und Ei - sen, nur in verschiedner Proportion, enthält. Je reicher es an Kupfer ist, desto dunkler gold - gelber ist es. Zuweilen mit schönen blauen, rothen ꝛc. Farben angeflogen, und heißt dann Pfauenschweifig oder Taubenhälsig.

b) Kupferfahlerzt.

Stahlfarb. Im Grund dasselbe, dessen wir so eben beym Silber gedacht haben: nur ärmer an Silber, und hingegen mehr kupferhaltig.

Dahin gehört auch das Kupferglaserzt, das von schwärzerer Farbe, als anderes Fahlerzt, und zuweilen mit dunklen bunten Farben ange - flogen ist.

c) Kupfergrün.

In mehrern, zum Theil unbeschreiblich schö - nen Abartungen. Locker und ohne besonderes Ansehen heißt es Berggrün.

Sammterzt mit einer sammtartigen, meist kuglichten Oberfläche, (fast wie Glaskopf).

Atlaserzt keilförmig gestreift, wie der Blut - stein, aber mit dem vollkommensten Atlasglanz. Zuweilen sind die Stralen von einander abgeson - dert, halbdurchsichtig und völlig Smaragdfarben.

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Malachit, Schreckstein, ein ganz derbes marmorartiges Kupfergrün, das meist kuglicht, aber selten in grossen Stücken bricht, zum Theil sehr artig wolkicht ꝛc. gezeichnet ist, und schöne Politur annimmt. Unter den Sibirischen Ma - lachiten, die das Museum vom Herrn Baron Asch erhalten, sind einige der größten Stücke, überaus schön dendritisch.

d) Kupferblau.

Ebenfalls lockerer oder derber: auch crystalli - nisch: und theils von einer unverbesserlichen hoch - blauen Farbe; da es eigentlich Kupferlasur heißt.

e) Lebererzt.

Von brauner, oder Rostfarbe.

4. stannvm, Zinn, (plumbum candi - dum veter. ) album, molle, leue, flexum cre - pans.

Ein leichtes Metall, das, so wie das Bley eher schmelzt als glüht: auch leicht von Säuren angegriffen und aufgelößt wird, daher die zin - nernen Eßgeschirre mit der gleichen Vorsicht als die küpfernen gebraucht werden müssen. Das Englische Zinn ist das beste: nächst diesem das von Malacca und von Siam. Einige Völker, wie z. E. die Lappen kennen fast kein andres Metall;, sie ziehen es zu Dratfäden, und sticken ihre Pelze und ihr Rennthiergeschirr damit. Aus - ser allerhand Geräthe, das insgemein aus Zinn verfertigt wird, braucht man es vorzüglich zum Verzinnen des Eisenblechs, zu Spiegelfolie, Stan - niol ꝛc.

1. Natiuum, gediegen.

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Im Museum ist eine Zwitterstufe aus dem Erz - gebürge, die Herr Professor Büttner selbst von einander geschlagen, und die in der Mitte einen Kern von Zinnschörl enthält, der wie mit einem Saalbande von gediegnen Zinn umzogen, und beides nachher mit dem Zwitter eingeschlossen ist.

2. Mineralisatum; vererzt.

Dahin gehören

a) Die Zinngranaten.

Fast von der Gestalt der eigentlichen Grana - ten, die wir unter den Edelsteinen angeführt haben: aber schwarz, metallisch schwehr, weich, und theils sehr gros, wie wir denn faustgrosse Stücken aus Cornwallis vor uns haben. Die kleinen heissen Zinngraupen.

b) Zinnzwitter.

Ebenfalls vou schwarzer, theils röthlichter Farbe: besteht auch meist aus überaus kleinen kaum sichtbaren Crystallen: wenn diese