PRIMS Full-text transcription (HTML)
[I]
Die Deutſche Turnkunſt zur Einrichtung der Turnplaͤtze
Mit zwei Kupferplatten.
Berlin1816.Auf Koſten der Herausgeber.
Preis 1 Thaler.
[II]
Gar leichtlich verlieren ſich die Kuͤnſt, aber ſchwerlich und durch lange Zeit werden ſie wieder erfunden.
Albrecht Duͤrer.
[III]

Vorbericht.

Wie ſo viele Dinge in der Welt hat auch die Deutſche Turnkunſt einen kleinen unmerkli - chen Anfang gehabt. Ich wanderte gegen das Ende des Jahrs 1809 nach Berlin, um den Ein - zug des Königs zu ſehen. Bei dieſer Feier ging mir ein Hoffnungsſtern auf, und nach langen Irrjahren und Irrfahrten wurde ich hier hei - miſch. Liebe zum Vaterlande und eigene Nei - gung machten mich wieder zum Jugendlehrer, was ich ſchon ſo oft geweſen. Zugleich ließ ich mein Deutſches Volksthum drucken.

In ſchöner Frühlingszeit des Jahrs 1810 gingen an den ſchulfreien Nachmittagen der Mittwochen und Sonnabende erſt einige Schü - ler mit mir in Feld und Wald, und dann immer mehr und mehr. Die Zahl wuchs, und es wur - den Jugendſpiele und einfache Übungen vorge - nommen. So ging es fort bis zu den Hunds -*tagen,IVtagen, wo eine Unzahl von Knaben zuſammen - kam, die ſich aber bald nachher verlief. Doch ſonderte ſich ein Kern aus, der auch im Winter als Stamm zuſammenhielt, und mit dem dann im Frühjahr 1811 der erſte Turnplatz in der Haſenheide eröffnet wurde.

Jetzt wurden im Freien, öffentlich und vor jedermanns Augen von Knaben und Jünglin - gen mancherlei Leibesübungen unter dem Na - men Turnkunſt in Geſellſchaft getrieben. Da - mals kamen die Benennungen Turnkunſt, turnen, Turner, Turnplatz und ähnliche mit einander zugleich auf.

Das gab nun bald ein gewaltig Gelaufe, Geſchwatz und Geſchreibe. Selbſt durch Fran - zöſiſche Tagblätter mußte die Sache Gaſſen lau - fen. Aber auch hier zu Lande hieß es anfangs: Eine neue Narrheit, die alte Deutſchheit wie - der aufbringen wollen. Dabei blieb es nicht. Vorurtheile wie Sand am Meer wurden von Zeit zu Zeit ruchtbar. Sie haben bekanntlich niemals vernünftigen Grund, mithin wäre es lächerlich geweſen, da mit Worten zu widerlegen, wo das Werk deutlicher ſprach.

ImV

Im Winter wurde nachgeleſen, was uͤber die Turnkunſt habhaft zu werden. Dankbar denken wir noch an unſere Vorarbeiter Vieth und Gutsmuths. Die Größern und Heran - gereiften, vom Turnweſen beſonders Ergriffenen, unter denen auch mein jetziger Gehülfe und Mitlehrer Ernſt Eiſelen war, übten ſich dabei recht tüchtig und konnten im nächſten Sommer als Vorturner auftreten. Von denen, die ſich damals ganz beſonders auf das Schwingen legten, es nachher kunſtrecht nach Folge und Folgerung ausbilden halfen und ſelbſt große Meiſter darin wurden, ſind zwei Piſchon und Zenker am 13ten Sept. 1813 bei der Göhrde gefallen.

Im Sommer 1812 wurden zugleich mit dem Turnplatz die Turnübungen erweitert. Sie geſtalteten ſich von Turntag zu Turntag vielfa - cher, und wurden unter freudigem Tummeln im jugendlichen Wettſtreben auf geſelligem Wege gemeinſchaftlich ausgebildet. Es iſt nicht mehr genau auszumitteln, wer dies und wer das zuerſt entdeckt, erfunden, erſonnen, verſucht, erprobt und vorgemacht. Von Anfang an zeugte die Turn -kunſtVIkunſt einen großen Gemeingeiſt und vaterländi - ſchen Sinn, Beharrlichkeit und Selbſtverläug - nung. Alle und jede Erweiterung und Ent - wickelung galt gleich als Gemeingut. So iſt es noch. Kunſtneid, das lächerliche Laſter der Selbſucht, des Elends und der Verzweifelung, kann keinen Turner behaften. Auguſt Thaer, der jüngſte Bruder von einem Turnerdrei, brachte damals am Reck bereits ſechzig Aufſchwünge einerlei Art zu Stande, die in der Folge noch auf hundert und zwei dreißig geſtiegen ſind (Siehe Seite 87). Als Thaer während des Krieges einen im Felde erkrankten Bruder pflegte, raffte ihn 1814 die nämliche Seuche weg, von der ſein Bruder genas. Zuvor hatte er noch von Mögelin aus zur Einrichtung eines Turnplatzes zu Wriezen an der Oder mit Rath und That geholfen.

Nach Beendigung des Sommerturnens von 1812, bildete ſich zur wiſſenſchaftlichen Erforſchung und kunſtrechten Begründung des Turnweſens aus den Turnfertigſten und Allgemeingebildetſten eine Art Turnkünſtler-Verein. Er beſtand jenen ganzen Winter hindurch, in dem die FranzoſenaufVIIauf der Flucht von Moskau erfroren. In die - ſen Zuſammenkünften verwaltete das Ordner - amt auf meinen Wunſch und Willen Fried - rich Frieſen aus Magdeburg, der ſich beſon - ders auf Bauweſen, Naturkunde, ſchöne Künſte und Erziehungslehre gelegt hatte, bei Fichte ein fleißiger Zuhörer geweſen, und bei Hagen in der Altdeutſchen Sprache; vor allem aber wußte, was dem Vaterlande Noth that Damals ſtand er bei der Lehr - und Erziehungs-Anſtalt des Dr. Plamann, die, obwohl wenig beachtet, dem Vaterlande vortreffliche Lehrer ausgebildet. Frieſen war ein aufblühender Mann in Ju - gendfülle und Jugendſchöne an Leib und Seele ohne Fehl voll Unſchuld und Weisheit, beredt wie ein Seher; eine Siegfriedsgeſtalt, von gro - ßen Gaben und Gnaden, den Jung und Alt gleich lieb hatte; ein Meiſter des Schwerts auf Hieb und Stoß, kurz, raſch, feſt, fein, gewaltig, und nicht zu ermüden, wenn ſeine Hand erſt das Eiſen faßte; ein kühner Schwimmer, dem kein Deutſcher Strom zu breit und zu reißend; ein reiſiger Reuter in allen Sätteln gerecht; ein Sinner in der Turnkunſt, die ihm viel verdankt. IhmVIIIIhm war nicht beſchieden ins freie Vaterland heimzukehren, an dem ſeine Seele hielt. Von wälſcher Tücke fiel er bei düſterer Winternacht durch Meuchelſchuß in den Ardennen. Ihn hätte auch im Kampf keines Sterblichen Klinge gefället. Keinem zu Liebe und keinem zu Lei - de : Aber wie Scharnhorſt unter den Alten, iſt Frieſen von der Jugend der Größeſte aller Gebliebenen.

Beim Aufruf des Königs vom 3ten Fe - bruar 1813, zogen alle wehrhafte Turner ins Feld, und die Sache ſtand augenblicklich wie verwaiſet. Nach langem Zureden gelang es mir in Breslau einen meiner älteſten Schüler Ernſt Eiſelen zu gewinnen, daß er während des Krie - ges an meiner Statt das Turnweſen fortführen wollte. Es war ihm dennoch ein harter Kampf heim zu bleiben, ob gleich Ärzte und Kriegs - männer ihm vorſtellten, und eigene Erfahrung es täglich bewahrheitete, daß wegen einer frü - hern langwierigen Krankheit und verfehlter Heil - art ſeine Leibesbeſchaffenheit den Beſchwerden des Krieges unterliegen müßte. Ich begleitete Eiſelen ſelbſt von Breslau nach Berlin, zurZeitIXZeit, als ſich das Preußiſche Heer in Marſch ſetzte, und die Hauptſtadt ſchon von den Fran - zoſen geräumt war; ſtellte ihn den erſten Behör - den und Schulvorſtehern vor, die ihm alle Un - terſtützung verſprachen, und auch nachher Zu - trauen bewieſen haben. Eiſelen hat darauf in den Sommern von 1813 und 1814 und in dem Zwiſchenwinter der Turnanſtalt vorgeſtanden und mit den jüngern Nichtwehrhaften das Turnwe - ſen weiter gefördert.

Am Ende des Heumonds 1814 kam ich wie - der zurück nach Berlin, und nun wurde den Spätſommer und Vorwinter ſehr ernſtlich an der Verbeſſerung des Turnplatzes gearbeitet Noch im Herbſt bekam er einen 60 Fuß hohen Kletterthurm, nützlich und nothwendig zum Stei - gen, unentbehrlich aber im flachen Lande zur Übung des Auges für die Fernſicht. Im Win - ter, als die Freiwilligen heimgekehrt und manche Turner zurückgekommen waren, wurden die ge - ſellſchaftlichen Unterhaltungen über die Turnkunſt[ erneuert] Die ganze Sommerübung wurde durchdacht und durchſprochen, und ſo in Reden und Gegenreden die Sache klar gemacht.

BeiX

Bei Napoleons Ausbruch und Wiederkunft gingen alle wehrhafte Turner abermals frei - willig zu Feld, und nur zwei, ſo ſchon die Feld - züge 1813 und 1814 mitgemacht hatten, blieben wegen Nachwehen zurück. Es mußten nun die jüngeren Heimbleibenden mit friſcher Kraft wie - der an das Werk gehn. Auch im Frühjahr und Sommer 1815 erhielt der Turnplatz noch wieder weſentliche Verbeſſerungen und Erweite - rungen, einen verſchließbaren Schuppen, Klei - derrechen und Vierbaum.

Im Herbſt und Vorwinter wurde das Turnweſen noch ein Mal ein Gegenſtand geſellſchaftlicher Unterſuchung. Nachdem die Sache in einem Turnrathe reiflich erwogen und durchprüft, Meinungen verglichen, Erfahrungen vernommen und Urtheile berichtiget worden begann man aus allen frühern und ſpätern Aus - arbeitungen und einzelnen Bruchſtücken und Bei - trägen ein Ganzes zu machen, was dann zuletzt durch meine Feder gegangen.

Wenn auch zuerſt nur Einer als Bauherr den Plan entworfen, ſo haben doch Meiſter, Geſellen, Lehrlinge und Handlanger treu undred -XIredlich gearbeitet und das Ihrige mit Blick und Schick beigetragen. Das iſt nicht ins Einzelne zu verzetteln. Auch ſoll man nicht unheiliger Weiſe Lebende ins Geſicht loben.

So iſt die kurze Geſchichte, wie Werk, Wort und Buch entſtanden. Vollendet und vollkommen kann keins von allen dreien ſein; aber zum Erkennen des Muſterbildes mag das Buch hinwürken. Darum wird das Auf - geſtellte nur dargebracht, um dem Vaterlande Rechenſchaft zu geben, in welchem Sein und Sinn unſer Thun und Treiben waltet.

Dies gerade wollten viele Erzieher und Schullehrer, Freunde der Jugend und Bieder - männer gern erfahren, die wohl wiſſen, was dem Vaterlande gebricht. Auch unſere ſonſtigen durch alle Stände der bürgerlichen Geſellſchaft ver - breiteten Schüler begehrten Nachricht vom ge - genwärtigen Zuſtand der Sachen. Von allen Seiten kamen wiederholte Anfragen und Wün - ſche um ein Turnbuch. Schriftlich haben wir ausgeholfen, ſo gut es anging und ſo viel wir nur konnten. Wir hatten bis über den Rhein und die Weichſel einen lebhaften Brief -wech -XIIwechſel zu führen. Den dritten Abſchnitt die - ſes Buchs haben wir auszugsweiſe jedem in Abſchrift geſchickt, der ſich an uns wandte. Bei der ſteigenden Ausbreitung des Turnweſens, bei der Weiterbildung der Kunſt konnte ſo die Sache auf die Länge nicht gehen. Wir konn - ten unmöglich gleichgültig bleiben, daß die müh - ſam wiederentdeckte und erweckte Deutſche Turn - kunſt durch Halbwiſſerei, Halbſchreiberei und Halbthuerei Schaden nehmen ſollte. Von blo - ßem Hörenſagen und Zuſchauen kann einer über die Turnkunſt nur wie der Blinde über die Farbe ſchreiben. Man iſt es der heiligen Sache der Jugend und des Vaterlandes ſchuldig zu verhüten, daß ſie kein Gegenſtand eitler Buch - macherei und buchkrämeriſcher Erwerbſucht werde. Deshalb iſt dies Buch auf eigene Ko - ſten herausgegeben, und der Preis ſo niedrig geſetzt; auf damit etwas verdienen wollen iſt nicht gerechnet.

Es iſt aber noch lange nicht Alles abge - handelt, was zur Turnkunſt gehört nur die erſten und weſentlichen Vor - Grund - und Haupt - übungen ſind aufgeſtellt, und hoffentlich ſo um -ſtänd -XIIIſtändlich und deutlich beſchrieben, daß ſie auch einem gar nicht mit der Sache Bekannten die - ſelbe klar machen können. Die ſpätern und ſchwerern Übungen, ſo man erſt bei größerer Fertigkeit erlernen kann, ſind kürzer[aus] einan - der geſetzt, ſo wie die kleinen Abänderungen nur angedeutet weil ſie für den Anfang entbehr - lich ſind. Wer die[erſten] Übungen fertig kann und genan kennt, wird auch dieſe Beſchreibung verſtehen. Eigenes Anſchaun iſt viel werth, und macht das Wort lebendig. Es ſollte ſich alſo keiner Geld und Zeit reuen laſſen wenigſtens auf einige Zeit einen Turnplatz zu beſuchen. Lehre und Leben, Wiſſen und Werken ſollten zwar immer vereint ſein; aber hier laſſen ſie ſich gar nicht trennen.

Auf ein größeres Werk über die Turnkunſt müſſen wir für jetzt Fechten, Schwimmen, Reiten, Tanzen, die Kriegs - übungen für die Jugend, Kopfübern oder Luftſpringen und Schlittſchuhlaufen ver - ſparen.

Das Fechten iſt eine weſentliche Haupt - übung, und zur vollſtändigen TurnbildungganzXIVganz unentbehrlich. Dazu muß es nach Deut - ſcher Art auf Hieb und Stoß, und beides links und rechts getrieben werden. Es ſchickt ſich nicht recht für Turnplätze, wohl aber für Turnhäu - ſer und - Säle. Bei der Berliner Turnanſtalt wird es beſonders als Winterübung an den ge - wöhnlichen Turnnachmittagen vorgenommen, im Sommer aber von 6 bis 8 Uhr des Mor - gens auf einem dazu eigens gemietheten Sale. Hier wird das Schwingen immer des Abends getrieben, weil es eher bei Licht geſchehen kann, und frühmorgens zu ſehr ermüden und für den Tag abmatten würde.

Die Lehrart und Kunſtſprache der Fecht - kunſt liegt ſehr im Argen. Es hat der Kunſt als ſolcher geſchadet, daß ſie als Selbſthülfe und Kampfſchirm ausſchließlich betrachtet worden. So hat ſich jeder beſondere Kampfbrauch in die Kunſt gemiſcht. Dadurch daß der Altdeut - ſche Kampfwart erſt ein Mitmann, und zuletzt ein Beiſtändner und lebendiger Schild - halter geworden; durch Stichblätter wie Sup - penteller, durch Sturmhüte, Rieſenſtulpen,Schlag -XVSchlaghoſen und Stiefeln wie Löſcheimer iſt ſie auf den hohen Schulen ſehr ausgeartet.

Schwimmen darf man nicht an den Turntagen mit den andern Turnübungen zugleich treiben. Bei dieſer Übung muß der Staat ein - treten, weil ſie Sicherheitsanſtalten erfordert. Fiſcher, Fährleute, Flußſchiffer kann er wohl zwingen, daß ſie ſchwimmen lernen. Aber ſie mögen es aus Faulheit nicht üben, die ſie noch dazu mit Dummheit beſchönigen: Wenn man dann ins Waſſer fällt, muß man zu[lange] ampeln, ehe man ertrinkt. Könnten die Fiſcher noch ſchwimmen, ſo wären auch die Fiſcherſte - chen nicht faſt gänzlich abgekommen. Würden alle Sommer Schwimmlehrer (wozu die Hallo - ren in Halle vortrefflich wären) durchs Land vertheilt, ſo würden die Unglücksliſten nichts von Ertrunkenen melden, auch würden nicht ſo viele Menſchen in der Blüthe der Jahre an ſcheus - lichen Krankheiten durch Nichtbaden ſterben. Ein Nichtſchwimmer hat immer die Waſſer - ſcheu, und geht aus Angſt mit dem Schmutz der Haut, den er im Leben aufſammelt, jämmer - lich zu Grabe.

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Reiten ſollten alle ſchwingfertigen Tur - ner nach dem 16ten oder 17ten Jahre erlernen können. Dazu kann aber nur der Staat helfen. In zarter Kindheit, und früher Jugend iſt das Reiten ſchädlich für Wachsthum, Geſundheit und Sittlichkeit. Ein Vater, der ſeinen Sohn liebt, muß ihm als Knaben kein Reitpferd halten. Das verfäult und verludert den jungen Menſchen, ſetzt ihm den Dünkel von Erwachſenheit und Vornehmigkeit in den Kopf, verleitet ihn zu Verſchwendung und eitlen Lüſten und Laſtern. Ohne Noth muß ſich kein Menſch mit dem Thier gemein machen.

Dem Tanzen als Leibesübung kann ſein Werth nicht genommen werden, es bildet den Anſtand und gute Haltung; hingegen ſtärken die andern Turnübungen weit mehr, und Zier - lichkeit iſt in einem verweichlichten Zeitalter am Erſten zu entrathen. Daß beide Geſchlechter ſchon in den Kinderjahren zuſammen tanzen ler - nen, iſt gar nicht zu dulden. So wie das Tan - zen gewöhnlich getrieben wird, iſt es: Zerſtörer der Geſundheit, Verderber der Sittlichkeit und Verführer zur Sünde. Der neuern Tänze ſindjetztXVIIjetzt zweier Lei: Bühnentänze und Buhl - tänze, dafür ſind die alten Reigen verloren gegangen, bis auf ihre letzte Spur im Kehraus und einigen geſellſchaftlichen Spielen. Der Tanz gehört für die häuslichen und volklichen hohen Feſte Freude in Ehren, ſoll niemand wehren.

Kriegsübungen, wenn auch ohne Ge - wehr, bilden männlichen Anſtand, erwecken und beleben den Ordnungsſinn, gewöhnen zur Folg - ſamkeit und zum Aufmerken, lehren den Einzel - nen ſich als Glied in ein großes Ganze fügen. Eine wohlgeübte Kriegerſchaar iſt ein Schau - ſpiel von der höchſten Einheit der Kraft und des Willens. Jeder Turner ſoll zum Wehr - mann reifen, ohne verdrillt zu werden.

Kopfübern oder Luftſpringen kann nur mit großer Vorſicht und Auswahl getrieben werden, und gehört auch dann nur für ſolche, die durch die andern Übungen Stärke, Aus - dauer, Schnelle und Geſchmeidigkeit erlangt haben.

Schlittſchuhlaufen kann in manchen Wintern an Orten, wo Gelegenheit dazu iſt,**alleXVIIIalle ſolche Turner beſchäftigen, die nicht am Schwingen und Fechten Theil nehmen können. Jung und Alt ſollte es treiben, und nicht unter ſeiner Würde halten.

Die Geſchichte der frühern Turnkunſt in Deutſchen Landen verdient eine gründliche Unterſuchung. Faſt alle Volksfeſte ſind durch Vernachläßigung der Turnkunſt eingegangen oder verkommen. Ein jedes Volksfeſt, was Beſtand haben ſoll, muß ſeine Zeit halten, und ſeinen Ort haben. Geſchichtliche Denkwürdigkeit wird im lebendigen Anſchaun männlicher Kraft er - neuert, und die Ehrenthat der Altvordern ver - jüngt ſich im Wettturnen. Ein wirres Volks - gewoge macht ſo wenig ein Volksfeſt, als die bloße Menge einen Jahrmarkt. Es muß etwas hinzu kommen, was dem Treiben einen Halt giebt. Wo ſich allerlei Leute nur als müßige Eckner mit dem Bahgeſicht angaffen können, und weiter nichts zur Augenweide haben da ſtehen ſie ſich einander im Wege, und müden ſich freudenlos ab, weil die feſtliche Würze fehlt. Erſt wird die Zeit langweilig, und dann der Tag unheilig. Da ſoll überreichliches EſſenundXIXund Trinken den Mangel der Feſtlichkeit erſe - tzen aber der Menſch feiert kein Feſt auf dem Maſtkoben. Er hat ja nur einen Magen. Wohl hält nach dem wahren Sprichwort: Eſſen und Trinken Leib und Seele zuſammen; aber That und Handlung muß hinzukommen, wenn eine Erinnerung bleiben ſoll. Je voller der Ma - gen, je todter das Auge, je leerer die Seele! Nicht Quaas und Fraß Leben und Weben müſſen bei jedem Volksfeſte vorwalten.

Über die Turnſprache nur etwas Höchſt - weſentliches, da es hier an Raum fehlt, um für ſie nach allen Gründen und Gegengründen gegen jedermann in einem offenen Kampfe zu rechten und fechten. Es iſt ein unbeſtrittenes Recht, eine Deutſche Sache in Deutſcher Spra - che, ein Deutſches Werk mit Deutſchem Wort zu benennen. Warum auch bei fremden Spra - chen betteln gehn, und im Ausland auf Leih und Borg nehmen, was man im Vaterlande reichlich und beſſer hat. Kein gründlicher Sprachkenner, kein echtdeutſcher Volks - mann hat auch je der Wortmengerei die Stan - ge gehalten. Nur Sprachſchwache und Af -ter -XXterdeutſche[werfen] ſo gern den Zweifel auf: Ob man im Deutſchen ſich auch Deutſch aus - drücken könne? Ihre Sprachſchwäche, Unwiſ - ſenheit und Verkehrtheit dichten ſie der edeln Deutſchen Heldenſprache an, verlaſſen dieſe feld - flüchtig, ergeben ſich der Wälſchſucht und mein - deutſchen.

Kunſtner und Wiſſenſchafter ſind in der Regel für reindeutſche Kunſtwörter in allen an - dern Künſten und Wiſſenſchaften. Von den ihrigen kommt es ihnen immer zu ſchwer vor, und darum laſſen ſie es auch ohne Verſuche bewenden. Auch iſt ſelten unter ihnen ſolch ge - ſelliger Verkehr und geſellſchaftlicher Verein, als die Sprachbildung erfordert. Soll eine Kunſt - ſprache lebendig ſein, ſo muß ſie aus dem Leben hervorgehn. Ein Einzelner kann wohl die Sprache zu ſeinem Theil rein halten, nur nicht allein rein fegen.

Übrigens entſpringt alle Wortmengerei aus Unkunde, Sprachfaulheit und Vornehmthuerei. Leider können alle Klagen und Reden dagegen nichts helfen, ſo lange die Deutſchen Kinder in ihrer Kindheit gefliſſentlich um ihre Mutter -ſpracheXXIſprache betrogen werden; ſo lange man den Kindern die Sprachmutter raubt, und ihnen eine fremde Sprachamme gewaltſam aufdringt. Die Geſchmackloſigkeit und die Unklarheit neuer Schriftſteller entſtehen aus meindeutſcher Volksvergeſſenheit. Kolbe, ein wackerer Käm - pfer, hat die urkundlichen Beweiſe geliefert, in ſeinen Schriften: Über Wortmengerei. 2te ver - mehrte Auflage. Leipzig bei Reklam 1812. (2 Thaler 12 gr. ) Abgeriſſene Bemerkungen über Sprache. Ein Nachtrag zu der Schrift: Über Wortmengerei, Leipzig bei Fleiſcher 1813 (20 gr. ) Noch ein Wort über Sprachein - heit. Berlin. Realſchulbuchhandlung. 1815 (12 gr.). Die Vielſpracherei iſt der Sünden - pfuhl, woraus aller Büchernebel dunſtet. Was Einer Sprache recht bleibt, iſt der andern und der eigenen zumal, auch wohl billig. Was eine lebendige Sprache um Leib und Leben bringt, ſollte man ihr doch nicht zu Leide thun. Nimmermehr wird die Deutſche Sprache eine Mangſprache werden. Noch immer behauptet ſie im ſiegreichen Kriege ihr Urrecht als Urſpra - che. Ihr iſt Wortmengerei Armuth, Rein -heitXXIIheit Reichthum, und Reinigung Berei - cherung. Die Fremdſucht iſt ihr Galle, Gift und Grenel, ein Irrleuchten im Dämmer und Nebel. Fremdwörter gehen als ſolche und wenn ſie hunderttauſend Mal eingebürgert heißen, nie in Gut und Blut über. Ein Fremdwort bleibt immer ein Blendling ohne Zeugungskraft; es müßte dann ſein Weſen wandeln und ſelber als Urlaut und Urwort gelten können. Ohne ein Urwort zu werden lauft es als Ächter durch die Sprache. Wälſchen iſt Fälſchen, Entmannen der Urkraft, Vergiften des Sprachquell, Hem - men der Weiterbildſamkeit, und gänzliche Sprach - ſinnloſigkeit.

Die Deutſche Sprache vereint reine Ur - ſprünglichkeit mit Weiterbildſamkeit, und hohes Alter mit jugendlicher Friſche. Sie iſt ein Werk aus einem Guß und Fluß. Ihr gro - ßer Reichthum an Urwörtern giebt ihr ein ent - ſcheidendes Übergewicht. Die Fülle, Schärfe und Feinheit der Worthülfen, ſo als Vor - linge, Inlinge und Endlinge gebraucht werden, und wie ſtehende Schriften der Wort - bildung anzuſehen ſind, geben den Schlüſſel zudemXXIIIdem unendlichen Sprachſchatz. Dadurch wird im Deutſchen das Mögliche auch wirklich. Darum bleibt jede Wortzählung eine verun - glückte Mühe und jeder Wortſtempel von ver - altet und neugebildet ein ungewiß Ding. Un - ter ſprachthümlichen Wörtern iſt kein Wortrang von Erſtlingen und Spätlingen. Wörter ſind nicht Wein und Lagerbier, ſo mit der Zeit an Geiſtigkeit zunehmen. In der Bildſamkeit lebt die Verjüngung der Sprache. Sie iſt der Born ihrer Unſterblichkeit. Die Wortquellen kann man im Deutſchen nur ergründen, nicht erſchöpfen. Nicht fertig werden die Wörter ge - geben, wohl aber hat die Sprache die Zuthat und die Bildekraft in ihren Bildegeſetzen. Da finden ſich Muſterwörter und Muſterweiſen. Darum bedürfen Wörter keiner Buchahnen, allein durch Sprachthümlichkeit ſind ſie ſprach - bürtig.

In der Theilbarkeit, Zerſetzung, Verſetzung und Zuſammenſetzung beſitzet die Deutſche Spra - che eine Vielgeſtalt, die ſich wendet, ſchwenket und kehrt, und nach allen möglichen Richtungen fortſchreitet. Als Urſprache hat ſie eine KlarheitzurXXIVzur Mitgift, die jeder Afterſprache mangelt. Sie iſt anſchaulich gebildet, und lebt im An - ſchaun. Sie ſenkt ſich in die Tiefen des Ge - müths, wenn ſie mit Geiſtesfittigen aufſchwingt. Sie hat kindliche Einfalt treu bewahrt, iſt bün - dig in der Darſtellung, erbaulich in der Rede, erwecklich im Liede, und kernig und körnig im Spruch.

Die Deutſche Sprache wird in Wiſſen - ſchaft und Kunſt niemals Kenner und Könner in Stich laſſen. Nimmer werden die Stufen - wörter fehlen, jede Folge und Folgerung wird auszudrücken ſein. Die Sprache wird treu ge - pflegt mit dem Entwickelungsgange Schritt hal - ten, für jede neue Geſtaltung unſers Volks paſ - ſen, für jede Lebensfülle zureichend ſein, und mit dem Wachsthum des Volks an Bildſamkeit zunehmen. Aber vom Wißdünkel der Aller - weltsbürgerei müſſen wir abſtehen. Mit dem Allerweltsleben hat keine einzelne Sprache zu ſchaffen, nur das eigene Volksleben iſt ihre Seele.

Wer Ungemeines beginnen will, und zur That ſich anſchickt braucht in ſeinem Gewiſ - ſensrathe nie zu fragen: Hat ſchon irgendjemandXXVjemand Ähnliches gewollt, Gleiches angefangen oder Daſſelbe vollführt? Aber wohl muß er das Recht wägen: Darf man ſo handeln und thun? Nicht anders mit dem Wortbildner. Nimmt der nur gehörig Rückſicht auf die Ur - geſetze der Sprache und ihr ganzes Sprach - thum; ſo bleibt er frei von Tadel und Schuld. Kein Splitterrichter hat Fug zu fragen: Hat ſchon jemand ſo geſagt? Man muß prüfen: Darf man ſo ſagen? Iſt es nicht beſſer auszu - drücken? Denn jede lebendige Sprache bewegt ſich in allgewaltiger Rege; aber Sprachlehren und Wörterbücher kommen dann auf dem gang - baren Pfade richternd hinterher.

Der Kunſtſprachenbildner ſoll ein Dollmet - ſcher des ewigen Sprachgeiſtes ſein, der in dem ganzen Sprachthum waltet. Darum muß er in die Urzeit der Sprache zurückdenken, und ihren Bil - dungsgang auf rechter Bahn verfolgen. Kann er an der Quelle verſchollene Urlaute erlauſchen; ſo muß er dieſe zuerſt vor allen Leuten lautbar machen. Im Erwecken ſcheintodter Urwörter liegt eine wahre Mehrung und Sprachſtärkung. Kein Wort iſt für ausgeſtorben zu achten, ſolangeXXVIlange die Sprache nicht todt iſt; kein Wort für veraltet, ſo lange die Sprache noch in Jugend - kraft lebt. Begrabene Wurzeln, die noch grün ſind, und im vollen Wachsthum neue Stämme, Äſte und Zweige treiben können, bringen Segen und Gedeihen. Die Schoſſen und Sproſſen alter Herzwurzeln verkünden einen neuen Früh - ling nach langer Winterſtarre. Da befreit ſich die Sprache von Flick - und Stückwerk, und geht wieder richt und ſtrack. Ohne das Pflegen der Wurzelkeime wird die Sprache als Saumroß und Packthier beladen, und muß endlich unter der Laſt ſchwerfugiger Zuſammen - ſetzung erliegen. Jedes wieder in Gebrauch kommende Urwort iſt eine reichhaltige Quelle, die den Fahrſtrom ſpeiſet, den Thalweg austie - fet, und allen Oberwohnern Vorfluth ſchafft. Turn mag als Beiſpiel dienen. Davon ſind jetzt ſchon gebildet und bereits redebräuchlich: Turnen, mitturnen, vorturnen, einturnen, wett - turnen; Turner, Mitturner, Vorturner, turneriſch; turnluſtig, turnfertig, turnmüde, turnfaul, turnreif, turn - ſtark; Turnkunſt, Turnkünſtler,Turn -XXVIITurnkünſtleriſch; Turnkunde, Turn - lehre, Turngeſchichte; Turnanſtalt, Turngeſellſchaft, Turngemeinde, Turn - gemeinſchaft; Turnplatz, Turnfeld, Turnplan, Turnhof, Turnſtelle, Turn - bahn; Turnhaus, Turnſaal, Turn - boden; Turnzeit, Turnſtunde, Turn - tag, Turnſommer, Turnjahr, Turn - ſchule, Turnkühre, Turnraſt; Turn - lehrer, Turnmeiſter, Turnwart, Turn - wartſchaft, Turnwalt; Turnordnung, Turngeſetz, Turnregel, Turnbrauch, Turnſitte, Turnziehm, Turnſchick, Turn - weiſe, Turnart; Turnzeug, Turnge - räth; Turntracht u. ſ. w. ; Turnü - bung, Turnſpiel, Turnfahrt, Turn - feſt Turnſprache, Turnwort, Turn - ſpruch, Turnreim, Turnlied, Turn - buch. u. ſ. w.

Turn in turnen, Turner u. ſ. w. iſt ein Deutſcher Urlaut, der auch in mehren Deut - ſchen Schweſterſprachen vernommen wird, in aus - geſtorbenen und noch lebenden, und überall dre - hen, kehren, wenden, lenken, ſchwenken, großesRe -XXVIIIRegen und Bewegen bedeutet. So durchklingt er Langbardiſch, Altfränkiſch, Angelſächſiſch, Engliſch, Schwediſch und Islandiſch. Schon vor 1023 iſt es in Deutſchland ein Schriftwort. Da braucht es Notker bei Pſalm 39 zur Er - läuterung von einem Fuhrmann: unde nuieo ſamfto er fier ros ſament turnet, unde unieo gehorig ſin imo ſind alles cheres, ſo nuieo in luſtet. In einer alten Thier - märe von Büſching bekannt gemacht ( - chentliche Nachrichten für Freunde der Geſchichte, Kunſt und Gelahrtheit des Mittelalters. Bres - lau 1816. 4tes Stück, Seite 57 und 59) heißt der Thiere König der Löwe: ein kühner Tur - ner. Noch bis auf den heutigen Tag giebt es Deutſche Geſchlechter, die Turner heißen.

Es iſt dem armen Worte lange ſehr übel ergangen. Deutſche Sprachzweifler hatten es längſt für todt erklärt, und ihm Theil und Erbe am Deutſchen Sprachſchatz abgeſprochen. Arge Wortſchnüffler und Schleichwarenriecher witter - ten hier gleich verbotenen Smuggel, und verdamm - ten das echtdeutſche und turnierfähige[tur - nen] geradezu als Franzöſiſches Erzeugniß, ohneſichXXIXſich an ſeinen Sprachſtempel und Urſchein zu kehren. Und doch bekennt ſelbſt der Franzöſi - ſche Sprachforſcher Du Fresne, wie das Fran - zöſiſche tourner durch die Deutſchen oder Fran - ken nach Frankreich gekommen. Ein Deutſcher Mann wird aber dadurch noch kein Franzoſe, wenn ihn das Unglück traf, in Gefangenſchaft zu gerathen. Nach ſeiner Entledigung kann er gleich wieder in Reih und Glied eintreten. Weder ein Deutſches Wort, noch ein Deutſches Land wird dadurch ſchon Franzöſiſch, wenn es die Franzoſen ſich zueignen. Entlehnte Kunſt - wörter und entführte Kunſtwerke kann man zu allen Zeiten rechtmäßig zurückfordern.

Wenn aber auch Du Fresne das Wort aufgiebt, ſo will er doch das Werk als Fran - zöſiſch retten, und ſeine Landesleute dem Sinn und der Sage und aller Geſchichte zuwider zu Erfindern der Turniere machen. Sein Beweis iſt nicht halb, nicht ganz, nur eine einzelne Stelle in einem einzelnen Franzöſiſchen Zeit - buch. Dort heißt es (in Chronico Turonensi) beiläufig und gelegentlich beim Jahre 1066, wie der Tod des Gaufried Herrn von Preulli er -wähntXXXwähnt wird: Torneamenta invenit. Schwer - lich ſoll das heißen: Er hat die Turniere erfun - den Denn das konnte kaum ein König und Fürſt, geſchweige ein Sondermann. Der Sinn jener Stelle iſt ſicherlich nur: Er hat ſie in Frankreich in Gang gebracht. Das beſtätiget eine Urkunde aus dem Schriftthum der Sonſt - Reichsſtadt Rothenburg an der Tauber. Die meldet bereits beim Jahr 942: Vom andern Thurnier zu Rothenburg. Dies wäre eigentlich genug. Weil aber leider jeder Fran - zöſiſche Lügenwind, ſobald er nach Deutſchland herüberwehet, als Sturm wüthet und die Wahr - heit entwurzelt; ſo will ich die Thatſache noch weiter und breiter belegen. Martin Schmei - zel’s [weiland Profeſſors der Geſchichte zu Halle] hiſtoriſcher Erweis, daß die so - lennen Turniere ſchon im zehnten Se - culo in Teutſchland gebräuchlich gewe - ſen iſt aus den Halliſchen Anzeigen, 43 u. 45ten Stück vom Jahr 1733 wieder aufgenommen in Schott’s Juristiſches Wochenblatt 50. 51 Stück. Leipzig 1772.

Das ganze Mittelalter hindurch iſt auchnie -XXXIniemals einem Deutſchen eingefallen, an der Ur - thümlichkeit und Deutſchheit der Turniere zu zweifeln. Wer den biedern und mannlichen Rit - tern hätte wollen Franzoſenthum und Wälſch - ſucht aufheften der wäre gewiß ſchön ange - kommen. Und der glühende Eiferer für Deutſch - heit Mannhold von Sittewalt (nach ſei - nem Schriftnamen) eröffnet in ſeinen Geſich - ten: Turner war bei den Alten ein jun - ger Soldat, ein tummelhafter wacker Kerl, ein friſcher junger Geſell, der ſich in ritterlichen Thaten übete, daher Turniren und ein Turnier ſeinen Na - men und Anfang genommen. (Leidener Ausgabe von 1646. 2ten Theil. Seite 319. Straßburger Ausgabe von letzter Hand. 1650. 1665. 2ten Theil. Seite 423).

Die Turnkunſt ſelbſt war lange eine ver - ſchollene Alterthümlichkeit. Einer ſchwatzte und ſchrieb zwar dem andern nach, wie herrlich die Vorzeit und wie trefflich die Altvordern gewe - ſen. In Wörterbüchern waren die Namen einiger Übungen eingepfercht. Man kannte noch Übungen von Hörenſagen ohne ihre Na -men,XXXIImen, und vernahm wieder Namen ohne die benamten Übungen zu kennen. Fiſchart’s Gargantua von 1590 enthält einen Reich - thum von Spiel - und Übungsnamen, aber wer kennt die unbeſchriebenen bloß hergezählten Din - ge, wenn ſie nicht vielleicht auch gauſäſſig benannt ſind. Nur zwei Kunſtwörter habe ich aus dieſem Wortſpeicher entnehmen können: Heuſchreckenſprung und Arm durchſchlei - fen; denn Barlaufen und zum Ziel ſchocken hatte ich auch ohne ihn noch aus der Volksſprache. Hans Thurnmeier von Abensberg (nach ſeinem Schriftnamen Aven - tinus) der 1534 im 68 Jahr ſeines Alters ver - ſchied, gedenkt des Barlaufen alſo: mit dem Lermen umbſchlahen und Sturm haben ſie [die alten Deutſchen] den Barrit geheißen, davon man noch der Barlaufen ein Spiel heißt und nennt. So haben wir wiſſentlich kein altes Deutſches Kunſtwort verkommen laſ - ſen, wohl aber verſchollene wieder in die Sprache des Lebens zurückgebracht. Die alte Kunſt iſt auch ehrwürdig in ihren Sprachtrümmern. So fand ſich Rung von Ringen (in ThomaeGar -XXXIIIGarzonii Piazza universale, oder allgemeiner Schauplatz aller Künſt verdeutſcht Frankfurth am Main 1619 und 1659.) und ward freudig aufgenommen. Wo nur irgend ein Halt war, wurde er gleich als Hort ergriffen. Sonnen - und Sternenbahnen, Kugelbahnen u. ſ. w. wa - ren ſchriftſäſſig. Davon entlehnten wir Bahn zur Bezeichnung des zu jeder Übung erforderlichen Raumes vom Stand bis zum Ziel, oder vom Anfang bis zum Ende. Wo ein Bildegeſetz anſprach, wurde ihm unbedenklich auf ſprachähnlichem Wege gefolgt. Anfußen aus der Jagdſprache eröffneten den Reigen für anferſen, anhanden, anmunden, anſchul - tern, u. a. Bei dem erſten, wie bei den andern bezeichnet das Wort nur das Glied, was einen Gegenſtand berührt, und niemals dieſen. Im - mer iſt nur die Rede vom Was, Womit und Wodurch niemals vom Wo, Wohin und Woran.

So iſt der Bildungsanfang immer erſt Rückkehrt zur Urbedeutung geweſen, wenn ſelbſt auch jetzo die Nebenbedeutung bereits ſchon als deren Stellvertreter gäng und gebe war, z. B. ***ReedeXXXIVReede (Siehe Seite 237), handeln (45), ſchweben und rennen. Nie wollte man der Sprache Gewalt anthun, wohl aber die Ur - rechte der Sprache aufrecht erhalten, und Selb - ſtändigkeit und wahre Sprachfreiheit von wälſch - ſüchtigen Meindeutſchen zurückerkämpfen. Sprache iſt Gemeingut der Sprachgenoſſen, das Sprachthum iſt die Handveſte; die Bilde - geſetze ſind Gerechtſame, die jeder Einzelne wah - ren, ſchützen und ſchirmen muß. Die Sprach - gemeinde lebt auf uraltem Ganerbe, und darf ihr Traugut nicht verſchulden, nicht verböſern, nicht verbilden, nicht aufgeben und verſchleudern. Sie muß, was ſie zu treuen Händen empfan - gen, als eiſern überliefern, und urkräftig und nachhaltig hinterlaſſen.

Unbedenklich entlehnten wir alte Wörter aus den reingehaltenen Kunſtſprachen. Rah, Nock und Ruſt ſind ſeemänniſch, Bühne iſt bergmänniſch, Holm iſt zimmermänniſch. Auch Ackerbau, Handwerk und Gewerbe ſind vergli - chen. Selbſt ſogar die Kriegsſprache iſt benutzt, ſo ſehr ſie auch noch an den Franzoſenmäh - lern der alten Niederlagen leidet. (Zu verglei -chenXXXVchen [Dr. Karl Müller’s] Allgemeines Ver - teutſchwörterbuch der Kriegſprache. Leipzig bei Bruder und Hofmann 1814 1 Thaler ). Niemals, auch nicht im Traum, iſt mir eingefal - len bloß überſetzen zu wollen, und weiter nichts Mit den Kunſtwörtern muß man es wie m〈…〉〈…〉 den Sprichwörtern machen, die buchſtäblich〈…〉〈…〉 immer Unſinn geben. Sinn durch Sinn, Eigen heit durch Eigenheit, ein Urthum durch das an - dere : Das geht von Sprache zu Sprache.

Einzelne aufgefundene Wörter wurden die Richtwörter der ganzen Reihenfolge. Steig - und Werf - zeug hat die älteſte Verdeutſchung des Vitruvius. Baſel 1614. Hebezeug iſt im Bergweſen. Ihnen nachgebildet ſind: Spring - zeug, Schwingzeug, Schwebezeug, Klet - terzeug, Ziehzeug.

Nach den Sprachähnlichkeiten und den Bildegeſetzen haben wir die Lücken der Kunſt - ſprache ſprachthümlich auszufüllen geſucht, das Fehlende ergänzt und dem Mangel abgeholfen. Sache und Sprache haben wir immer beiſam - men getrieben, und ſo ſollen die Kunſtwörter Hand und Fuß haben und Kopf und Herz -EinXXXVIEin Wort muß das andere erklären, jedes iſt ein Schlüſſel zur Sprachkammer, das erſte beſte iſt der Reigenführer zur ganzen Wörterfolge, wie bei der Angabe der Sprunghöhen (Seite 28): Knöchelhoch, wadenhoch, knie - hoch, ſchenkelhoch, hüfthoch, nabelhoch, herzhoch, bruſthoch, halshoch, ſchulter - hoch, kinnhoch, mundhoch, naſenhoch, augenhoch, ſtirnhoch, ſcheitelhoch.

Eine durchgeführte Kunſtſprache muß ſchon in der Wortbildung ein Wortfinden gewäh - ren; als: Sprunghöhe, Sprungweite, Sprungtiefe und von turnſchen und Turnſchene alle mögliche Arten. Mithin ſoll aber auch kein Buchrichter ein einzelnes Kunſt - wort herausgreifen, vor ſeinen Freiſtuhl ziehen, und darüber dünkelweiſe aburtheln. Man muß die Kunſtwörter einer Kunſtſprache alleſammt in Reih und Glied muſtern, und dann Schau über ſie halten, ob jedes an Ort und Stelle iſt, und kunſtgerecht ſeinen Poſten einnimmt. Wer nicht mit Umſicht, Überſicht und Einſicht erſt die Kunſt und ihren Wortbedarf erforſcht mag leicht vorlaut Wörter verabſchieden, ſo ernachXXXVIInach langem Kühren und Kieſen wieder einbe - rufen muß. Die Deutſche Sprache hat ſinn - verwandtlichen Reichthum! Was aber von allen Schaftgewehr könnte den Ger erſetzen? Nur er iſt beides wurfrecht und ſtoßrecht, wuchtbar auf fern und nah, wegen Geſtalt und Gehalt nicht misdeutig. Dabei von uraltem Stamm aus einer weitverbreiteten Deutſchen Wurzel, die ſich durch Altgalliſch, Lateiniſch und Griechiſch fortſtreckt, und endlich fern im Morgenland unter Perſen, Arabern und Türken als Dſche - rid zum Vorſchein kommt.

Alle Wörter, die ſich gegenſeitig erläutern, prägen ſich leicht dem Gedächtniß ein, und kom - men dem Erinnerungsvermögen zu Hülfe. Sol - che wie: ſpringen, Springer, Springel; klimmen, Klimmer, Klimmel; ſchwingen, Schwinger, Schwingel; fechten, Fechter, Fechtel, Hiebfechtel, Stoßfechtel; ſind ſchon durch ihre Ableitung verſtändlich und ge - rechtfertiget. Ihnen können, wer weiß wie viele, noch nachgebildet werden.

Durch die altdeutſche Wortkehre hat man die Turnſprache möglichſt geſchmeidig zuer -XXXVIIIerhalten geſtrebt: Dauerlauf Laufdauer, Klettermaſt Maſtklettern, Spring - ſtab Stabſpringen. u. ſ. w.

Der Wiederlaut wurde niemals ver - ſchmäht, wo er ſich ungezwungen darbot: Hinkfuß Hangfuß, Springgraben Springgrube, lochen legen, ſtützen ſtürzen u. a. m. Der Wiederlaut iſt ja auch mit unſerer Urſprache geboren, und kann nur mit ihr verenden.

Eben ſo wenig hat man ſich vor dem Schlagreim geekelt und geziert. Iſt er doch unter allen Sprechern der Altermann, ein mund - rechter Worthalter für alle Leute, und ein leut - ſeliger Redner ſonder Gleichen. Schick und Blick, Lauf ohne Schnauf, Wage und Lage, Ruck und Druck, klippen und klappen, kippen und wippen u. a. m. ſprechen durchs Ohr deutlicher zum Gemüth, als breite Redniſſe zum Verſtand. Kunſtwör - ter müſſen möglichſt genau, beſtimmt, treffend und merkbar ſein; Kunſtausdrücke ernſt, ge - ſetzt, männlich und edel; Kunſtlehren, Re - geln und Geſetze einfach, klar, bündig, herz -lichXXXIXlich, Deutſch heraus, nicht hinter dem Berg hal - tend, wahrheitsvoll, volkfaßlich, gleich fern von Schmutz und Putz; Kunſtſprüche ſchlecht und recht, kurz, kernig und körnig.

Manche Turnwörter müſſen nothwendig rufbar und ſchaltbar werden, und darum einfach und volltonig wie Empfindungslaute. Mit bloßen Schrift - und Leſewörtern kann die Turnſprache nicht auskommen; ſie braucht Sprech - und Lebewörter und die müſſen an - ſtellig und ausrichtig, ja ringfertig lauten. Nur darum iſt bisweilen die Saſſiſche Urweiſe dem Sächſiſchen Herkommen vorgezogen z. B.: Stopp! ſtoppen, wo Opitz ſtopfen ge - braucht, was aber in dieſer Bedeutung unge - wöhnlich undeutlich und kleinlaut. Auch ſind ſtopp! und ſtoppen ſeemänniſche und werkmän - niſche Rufe. Keine Kunſtſprache darf vornehm und neuzeitig aufgefleihet dick thun, oder wohl gar nach Art der Schmutzfinken und Sprach - ſchinder ſich über die Mutterſprache was her - ausnehmen. Bei allen andern echtdeutſchen Kunſtſprachen muß ſie ihren Anklang finden. Sie ſoll ihre Wortgebilde alle nach altem SchrotundXLund Korn prägen, keine Schwimmer in Umlauf bringen, ſo die nächſte Flage und Fleihge ſchon abſetzt.

Um nicht mit hausbackenem Verſtand auf die Worthetz zu reiten, und Wortſchatten und Schemen zu erjagen ſind alle alte Bilder wieder in Rahmen gefaßt und aufgeſtellt, ſo die Sprache noch hatte, beſonders beim Schwingen z. B. Bratenwender, Scheere, Jungfern - ſprung, Diebsſprung u. d. Nach dieſem Gebilder ſind beim Schwingen, Barren und Recken ähnliche verſucht z. B. Neſt, Felge, Welle, Mühle, Speiche, Halbmond, Schlange und manche andere. So ſteht nun in der Turnſprache alt und jung einträchtig beiſammen, lauter bekannte Geſichter, denen ge - wiß jeder bald heimiſch wird wie zu Hauſe. Hier wo ſich ein leibhaftes und lebhaftes Weſen darſtellt, muß auch jedes Kunſtwort lebendig ſein, ſinnig, ſinnlich, ſinnbildlich und anſchaulich. Das Wort iſt weniger wandelbar als das Werk. Iſt alſo erſt die Kunſtſprache glücklich geordnet und ſprachthümlich gefeſtet; ſo kann die Folge -zeitXLIzeit der Mühe entrathen, die Wörter aufs Neue wieder umzudeutſchen.

Da in die Turnſprache manche weſentlich nothwendige Wörter aus Mundarten aufge - nommen ſind, z. B. Reck, Riege, Reede, Tie, Schleet aus dem Saſſiſchen; An - mann (zu Vorder-Hinter - und Nebenmann) aus dem Schweizeriſchen; ſchocken zunächſt aus dem Thüringiſchen; die Herrn von der Schriftfeder über das Verhältniß der Mund - arten zur Geſammtſprache noch lange nicht im Klaren zu ſein ſcheinen; ſo mögen folgende An - deutungen auf eine künftige Berichtigung hin - zielen.

Mundarten ſind keinesweges für bloße Sprachbehelfe zu halten, für Ausdrucksweiſen von niederm Range, die nur annoch in einem Verſteck und Schlupfwinkel des Sprachreichs aus Gnade und Barmherzigkeit Duldung ge - nießen. Im Gegentheil ſind ſie nach altem wohlhergebrachten Recht in irgend einem Gau auf Grund und Boden erb - und eingeſeſſen. Darum können ſie niemals die Rückſicht auf Heimath und Wohnſtätte verläugnen. Siemüſ -XLIImüſſen alle und jede Örtlichkeit beachten: Berg und Thal, Wald und Feld, Wieſe und Weide, Flur und Fluß, Acker und Aue, Land und See, und tauſend andere. So bilden ſie Einzelnhei - ten in Fülle aus, und die eigenſten Beſonderhei - ten auf zweckmäßige Art und Weiſe. Ihre Wohlhabenheit iſt der wahre Sprachreichthum. Ihr beſchränkter Bereich iſt Samenbet, Gehäge und Schonung von kräftigem Nachwuchs. Denn in einem weit und breit durch Gauen, Marken und Lande wohnenden Volke muß es natürlich eine Menge höchſtnothwendiger Begriffe geben, treffliche Bezeichnungen, gehaltene Schilderun - gen, und ſprechende Gemählde, die doch niemals in Büchern vorzukommen Gelegenheit hatten. Aus dieſen mehrt ſich dann allezeit, wenn Noth am Wort iſt, die Schriftſprache, die ohne ſie nicht heil ſondern unganz iſt. Die Geſammt - ſprache hat hier Fundgruben und Hülfsquellen, die wahren Sparbüchſen und Nothpfennige des Sprachſchatzes.

Mundarten zeugen immerfort den alten Urſtamm in ſprachthümlicher Reinheit von Ge - ſchlecht zu Geſchlecht. Der könnte ohne ihrenSchirmXLIIISchirm gar leicht an einſeitiger Überfeinung und Verzierlichung verſiechen, Saft und Kraft verlieren, und marklos an der Auszehrung ver - quinen. Da ſich die Mundarten nur ſprach - thümlich fortpflanzen, nicht in Büchern, ſondern in aller Leute Mund leben; ſo hindern ſie gewalt - ſame Verregelungen und Verriegelungen der Geſammtſprache. Sie treten in die Landwehr, wenn das Buchheer geſchlagen. Offenbare Sprachwidrigkeiten laſſen ſich Leute, die nach ihrer Altvordern Weiſe trachten, nicht zu Schul - den kommen, und laſſen ſich auch von ihres Gleichen keine Sprachunbilden gefallen. Sie köunen wohl Sprachfehler begehn, aber keine Sprachfrevel. Ein Schriftſteller kann weit eher der Sprache Gewalt anthun, und ſeine Nothzucht noch obendrein in einem Buche zu Ehren bringen, auch da ſeine Wälſchlinge und Bankerte verſorgen. Vor aller Leute Ohren und Munden geht das nicht ungeſtraft hin, da kann jeder Rüger ſein.

Die Mundarten leben im ewigen Landfrie - den mit der Geſammtſprache, und treten vor den Riß, ſo bald in der Schriftſprache Lücken ent -decktXLIVdeckt werden. Ohne Mundarten wird der Sprachleib ein Sprachleichnam. Die Schrift - ſprache iſt die höchſte Anwaltſchaft der Spracheinheit, die Mundarten bleiben die dazu höchſt nöthigen Urverſammlungen der vielgeſtal - teten Einzelnheit. Ein mundartiges gauſäſſi - ges Wort muß, um durch Schriftwürdigkeit zur Schriftſäſſigkeit zu gelangen:

  • 1. eine Deutſche Wurzel ſein, oder nachweislich von einer ſolchen ſtammen;
  • 2. den Deutſchen Wortbildegeſetzen nicht wider - ſprechen, ſondern ſprachthümlich gebildet ſein;
  • 3.[ echtdeutſch,] und nicht ſchriftwidrig lauten;
  • 4. mit Hochdeutſchen Lauten ausſprechbar ſein, und mit den gewöhnlichen Buchſtaben in der Schrift darzuſtellen;
  • 5. einen Begriff bezeichnen, wofür es bis jetzt noch kein Schriftwort gab;
  • 6. zu keiner falſchen Nebenbedeutung verleiten;
  • 7. Weiterbildſamkeit beſitzen;
  • 8. kein ſchwerzuſammengefugtes Angſt - Noth - und Qualwort ſein;
  • 9. ein ſchlechteres Schriftwort ſchriftwürdiger erſetzen.
DiesXLV

Dies ſind die erſten Prüfregeln der Schrift - würdigkeit gauſäſſiſcher Wörter. Von ſchir - ken (Seite 125) ſind Schirk, Schirke, Schir - kel gleich redebräuchlich geworden, und ſchir - kig, ſchirkhaft, ſchirklich, verſchirken u. a. dabei leicht zu finden. So gewinnt man mit einem bildſamen Wort der Schriftſprache einen ganzen Wortſtamm, und verpflanzt ihn in ein nachhaltiges Fruchtland. Zur Vergleichung ſteht Seite 126 die mir bekannte gauſäſſige Sinnverwandtſchaft. Ein Urwort, oder ein ab - geleitetes iſt allemal beſſer, als ein zuſammen - geſetztes. Ein Wort ſoll aber gefugt, nicht bloß zuſammengeſetzt; genuthet und nicht genagelt; nicht geleimt, ſondern ge - ſchweißt ſein.

Von den Förderern und Gönnern des Turnweſens ſoll künftig im Jahrbuch der Turn - kunſt die Rede ſein. Hier iſt nur vorläufig zu erwähnen, daß die hohen Preußiſchen Staats - behörden mit Wohlgefallen und Fürſorge ſo - gleich an dieſe Angelegenheit dachten, als der Staat von ausländiſcher Herrſchaft befreiet wie - der ſelbſtändig daſtand. Ohne die UnterſtützungdesXLVIdes Miniſter von Schuckmann, des Finanz - miniſters Grafen von Bülow, und des Staatskanzlers Fürſten von Harden - berg, wäre die Sache ſoweit nicht gediehen, als ſie jetzt dem Vaterlande vorgelegt werden kann.

In dem erſten Jahrbuche der Turn - kunſt, was unfehlbar zur Oſtermeſſe 1817 herauskommen wird, wollen wir eine kurze bün - dige Geſchichte der Berliniſchen Turnanſtalt lie - fern, wünſchen auch eine Überſicht von allen Deutſchen Turnanſtalten zu geben. Wir erbit - ten uns dazu Beiträge über: Entſtehung, Ein - richtung und Beſchaffenheit der Turnplätze, ihre Größe und Lage; Turnerzahl nach Alter und dem Stande der Ältern; Namhaftmachung der Ausgezeichneten, nebſt der Angabe, was ſie beſonders geleiſtet; Turnfahrten; Turnlie - der; Volksſpiele, Volksbeluſtigungen, Volksfeſte und Neubelebung durch die Turnkunſt, neue Turn - Erfindungen oder Entdeckungen; - cher und einzelne Stellen, die Gegenſtände der Turnkunſt betreffen; handſchriftliche Werke und auf welchem Wege man zu ihrer Benutzungge -XLVIIgelangen könne; gauſäſſige Namen von Übun - gen und Spielen.

Auch Nachrichten von frühern berühmten Turnern aus gedruckten und ungedruckten Zeit - büchern ſollen uns ſehr willkommen ſein; noch mehr aber von ſolchen, die noch in Überlieferun - gen und Sagen fortleben. Die Altvordern ha - ben nicht verſchmäht, die turneriſche Fertigkeit unſerer hochgefeierten Kaiſer und Könige zu erwähnen. Von Karl dem Großen iſt es bekannt, daß er gern und leicht über den Rhein ſchwamm. Heinrich der Vogler war ſchon als Jüngling vom Harz nach Rom zu Fuß ge - wallfahrtet, und blieb als Mann in Turnübun - gen allen Zeitgenoſſen überlegen. Maximi - lian der erſte leuchtet in der Abendſonne der Ritterzeit in Thaten, die als Abentheuer an die alten Heldenſänge erinnern.

Die Jahrgeſchichte jeder Turnanſtalt muß alljährlich mit dem 18ten October geſchloſſen werden. Zu einzelnen Angaben über Turnfer - tigkeit eignen ſich beſonders:

Freiſprünge und Stabſprünge nach Höhe und Weite; Rieſenſprünge (Höhe und Länge desSchwin -XLVIIISchwingels); Doppelſchlag, Hinkſchlag; Stre - cken (Umkreiſen mit den Händen auf die Dauer); Barren - und Daumanmunden auf Dauer; Klettern, mit Bemerk der Dicke und Höhe des Kletterzeuges, und des Zeitraums; Klimmen (Art, Dicke und Höhe des Klimmzeuges); Zieh - klimmen auf Dauer; Schnelllauf und Dauer - lauf, beide genau nach Raum - und Zeitmaaß; Weite und Höhe der Würfe, nebſt der Schwere des Geworfenen. Alle ſolche und ähnliche Bei - träge müſſen aber ſchon vor Weihnachten ein - geſchickt ſein.

Das Jahrbuch der Turnkunſt ſoll unaus - geſetzt alljährlich erſcheinen, damit ſich die Turn - kunſt immer vollkommner geſtalte und neu im Leben verjünge.

Berlin den 31ten März 1816.

Friedrich Ludwig Jahn.

Folgender wichtige, erſt ſpät bemerkte Druckfehler im Buche wird, aus Mangel an anderweitigem Raume, hier noch nachgetragen:

  • Seite 238, ſtatt Zeile 10 und 11 v. unten, lies:
    • Schlängelbahnriege: nicht uͤber 8.
    • Wettlaufriege: (wenn die Rennbahn 30 F. breit) nicht über 8.
  • Seite V. von unten ſtatt 13 ten leis 16 ten.
XLIX

Inhalt.

  • Erſter Abſchnitt. Die Turnuͤbungen Seite
    • I. Gehen3.
      • 1. Anſtand im Gange3.
      • 2. Dauer4.
      • 3. Schnelle5.
      • 4. Nichtachten der Oͤrtlichkeit5.
      • Lediggang, Laſtgang5.
    • II. Laufen7.
      • Laufvorrichtungen: Laufbahnen7.
      • Laufhaltung8.
      • Laufregeln9.
      • A. Das Rennen10.
        • 1. Schnellrennen10.
        • 2. Dauerrennen11.
      • B. Der Schlängellauf11.
        • 1. Schnellſchlängeln11.
        • 2. Dauerſchlängeln12.
      • C. Der Zickzacklauf12.
        • Schlangenlauf12.
        • Schneckenlauf13.
        • Kibitzlauf13.
        • Sturmlauf13.
        • Lediglauf, Laſtlauf14.
    • L
    • Seite
    • III. Springen15.
        • Springvorübungen15.
        • Haltung16.
        • 1. Zehenſtand16.
        • 2. Zehengang16.
        • 3. Hüpfen17.
        • 4. Anferſen17.
          • a. Laufſchlag18.
          • b. Scheinlauf18.
          • c. Wechſelſchlag18.
          • d. Doppelſchlag18.
          • e. Hinkſchlag19.
        • 5. Hocken19.
          • a. Sitzhocken19.
          • b. Springhocken19.
        • 6. Hinken20.
          • Hinkſprung20.
          • Durchhink21.
          • Hinkkampf21.
        • 7. (Strecken) 21.
        • 8. Zuſammenſetzungen aus d. vorig. Arten21.
        • Von den Sprüngen im Allgemeinen21.
        • Vom Aufſprung und Niederſprung22.
        • Vom Standſprung22.
        • Vom Sprung mit Vorſprung22.
        • Vom Anlaufſprung23.
        • Der Heuſchreckenſprung24.
        • Der Springlauf24.
      • A. Der Freiſprung25.
        • 1. Weitenſprung26.
        • 2. Höhenſprung (am Freiſpringel) 27.
        • Sprung in die Weite und Höhe29.
        • LI
        • Seite
        • 3. Tiefenſprung29.
        • Sprung in die Tiefe und Weite29.
        • B. Das Stabſpringen30.
        • Springel (Stabſpringel) 30.
        • Springſtäbe30.
        • Stabhaltung31.
        • 1. Weitenſprung32.
        • 2. Höhenſprung32.
        • Sprung in die Weite und Höhe33.
        • 3. Tiefenſprung33.
        • Sprung in die Tiefe und Weite33.
    • IV. Schwingen35.
      • Schwingzeug:
        • Schwingel36.
        • Schwingpferd37.
      • Zuſtände des Schwingens39.
      • Schwingvorübungen39.
        • 1. Hüpfen40.
        • 2. Hocken40.
        • 3. Grätſchen40.
        • 4. Spreizen40.
        • 5. Kreuzen42.
        • 6. Hurten43.
        • 7. Heben43.
        • 8. Wippen44.
        • 9. Hockwippen44.
        • 10. Handeln45.
      • Schwingregeln45.
      • A. Einfache Sprünge48.
        • a. Seitenſprünge49.
          • 1. Erſtes Auf - und Abſitzen49.
          • 2. Zweites49.
          • 3. Jungfernſprung50.
          • LII
          • Seite
          • 4. Die Kehre51.
          • 5. Die Wende51.
          • 6. Die Scheere52.
          • 7. Die Mühle52.
          • 8. Der Hockſprung52.
          • 9. Die Nadel53.
          • 10. Die Gaffel53.
          • 11. Die Grätſche53.
        • b. Hinterſprünge53.
          • 1. Die Wippe53.
          • 2. Die Spreize54.
          • 3. Der Jungfernſprung54.
          • 4. Die Spille55.
          • 5. Die Schraube55.
          • 6. Der Katzenſprung55.
          • 7. Der Affenſprung56.
          • 8. Der Froſchſprung57.
          • 9. Die Kehre57.
          • 10. Die Wende57.
          • 11. Der Rieſenſprung57.
        • Fechtſprünge (Sprünge mit einer Hand) 60.
      • B. Geſchwünge61.
        • 1. Der Kreis62.
        • 2. Der gewundene Jungfernſprung62.
        • 3. Das Vorſchweben62.
        • 4. Das Rad auf zwei Pauſchen62.
        • 5. Das Uhrwerk63.
        • 6. Kehrſchwung und Spille63.
        • 7. Der Bratenwender63.
        • 8. Das Rad auf einer Pauſche63.
        • 9. Die Finte63.
        • 10. Der Hexenſprung64.
        • LIII
        • Seite
        • 11. Die Doppelkehre64.
        • 12. Kehrſchwung und Wende64.
        • a. Noch mehre einfache Sprünge64.
          • fortgeſetzte Sprünge66.
          • Doppelſprünge67.
          • Sprünge von Dreien ausgeführt68.
        • b. Mehre Kopfüberſtücke68.
          • Schwebeſtücke69.
          • Freiſprünge69.
        • Das Bockſpringen70.
    • V. Schweben72.
      • Schwebezeug (Liegebaum, Schwebebaum u. ſ. w.) 72.
      • Schwebevorübungen73.
      • Schwebeübungen73.
        • 1. Schwebegang73.
        • 2. Vorbeiſchweben73.
        • 3. Aufnehmen eines Hutes ꝛc. am Zopfende73.
        • 4. Niederſetzen73.
        • 5. Schwebekampf73.
    • VI Die Reckübungen76.
      • Turnzeug: Reck76.
      • Erklärungen77.
        • a.
          • Seithang77.
          • Querhang77.
        • b.
          • Aufgriff77.
          • Untergriff77.
          • Zwiegriff77.
        • c.
          • Sitz (Seitſitz und Reitſitz) 77.
          • Stütz78.
          • Schwebe78.
      • A. Hangübungen78.1.LIVSeite
        • 1. Der Anhang78.
          • a. Vorlings78.
            • 1. Querhangs
            • 2. Seithangs
          • b. Rücklings79.
        • 2. Der Liegehang79.
          • a. Vorlings79.
            • 1. Querhangs
            • 2. Seithangs
          • b. Rücklings80.
          • DasNeſt und der Schwimmhang80.
        • 3. Der Schwebehang81.
          • a. Vorlings81.
            • 1. Querhangs
            • 2. Seithangs
          • b. Rücklings81.
        • 4. Der Abhang81.
          • a. Querhangs (Fußhang) 81.
          • b. Seithangs
            • 1. Kniehang82.
            • 2. Riſthang82.
            • 3. Ferſenhang82.
        • 5. Das Hangeln (am Hangelreck) 82.
          • 1. Anhangs82.
          • 2. Liegehangs (Liegehangeln) 82.
          • 3. Kniehangs (Kniehangeln) 82.
          • 4. mit Wendegriff und Kehrgriff82.
        • 6. Das Ziehklimmen82.
          • a. Querhangs83.
          • b. Seithangs83.
        • 7. Der Griffwechſel und das Stemmen84.
        • LV
        • Seite
        • 8. Das Handeln85.
          • 1. im Stütz (Stützhandeln) 85.
          • 2. in der Schwebe (Schwebehandeln) 85.
        • 9. Niederlaſſen und Erheben85.
          • Anmunden86.
          • Anſchultern86.
      • B. Schwungübungen86.
        • 1. Der Aufſchwung87.
          • 1ſte Art: Wellaufſchwünge87.
          • 2te Art: Sitzaufſchwünge88.
          • 3te Art: Mühlaufſchwung88.
          • 4te Art:
            • a. Schwungſtemmen88.
            • b. Felgaufſchwung89.
            • c. Kreuzaufſchwung89.
          • 5te Art: Knieaufſchwung89.
        • 2. Der Umſchwung89.
          • a. Wellen89.
            • 1. die gewöhnliche Welle90.
            • 2. die Kniewelle90.
            • 3. die Sitzwelle90.
            • 4. die Burzelwelle90.
            • 5. die Kniehangwelle90.
          • b. Die Felge90.
          • c. Die Bauchfelge90.
          • d. Die Kreuzbiege91.
          • e. Die Speiche91.
          • f. Der Überſchwung91.
        • 3. Der Abſchwung91.
          • a. Reine Abſchwünge (Stehſchwung ꝛc) 91.
          • b. Gemiſchte Abſchwünge92.
        • 4. Der Durchſchwung92.5.LVISeite
        • 5. Der Unterſchwung92.
        • Folge der Reckübungen zu ihrer leichteren Erler - nung und Durchübung nach der Riegenordnung93.
    • VII. Barrenübungen96.
      • Turnzeug: der Barren96.
      • A. Hebe -, Stütz und Stemmübungen97.
        • 1. Hüpfen97.
        • 2. Niederlaſſen und Erheben97.
        • 3. Niederlaſſen und Aufkippen97.
        • 4. Anmunden97.
        • 5. Heben98.
        • 6. Die Schwebe98.
        • 7. Handeln98.
          • a. im Stütz
          • b. in der Schwebe
        • 8. Die Stützkehre99.
      • B. Schwungübungen99.
        • 1. Der Sitzwechſel99.
        • 2. Die Kehre100.
        • 3. Die Wende100.
        • 4. Sitzwechſel mit Kehre100.
        • 5. Sitzwechſel mit Wende100.
        • 6. Der Halbmond100.
        • 7. Die Schlange100.
        • 8. Der Schwebewechſel101.
        • 9. Der Kreis101.
        • 10. Wippen101.
        • 11. Abwippen102.
        • 12. Überſchlagen102.
          • a. aus dem Hang
          • b. aus dem Stütz
        • Durchſchieben102.
      VIII. LVIISeite
    • VIII. Klettern104.
      • Kletterzeug104.
      • Klettergerüſte105.
        • 1. Der Einbaum105.
        • 2. Der Zweibaum106.
        • 3. Der Vierbaum107.
        • 4. Der Klimmel107.
      • A. Das eigentliche Klettern108.
        • Kletterregeln108.
        • 1. Stangenklettern110.
        • 2. Maſtklettern110.
        • 3. an der Lehnſtange110.
        • 4. Tauklettern110.
        • 5. Leiterklettern110.
      • B. Das Klimmen111.
        • 1. mit Senkgriff111.
          • a. Tauklimmen112.
          • b. Stangenklimmen112.
          • c. an der Strickleiter112.
        • 2. mit Riſt - oder Wagegriff112. Ruckklimmen112.
      • Wettklettern112.
      • Vorbeiklettern113.
    • IX. Werfen114.
      • A. Schießen115.
        • 1. mit dem Feuergewehr115.
        • 2. mit der Armbruſt115.
        • 3. mit dem Bogen116.
        • 4. mit dem Schaft (Gerwerfen) 116.
          • Wurfgeräth (der Ger) 116.
          • Wurfzeug (d. Pfahlkopf) 117.
          • LVIII
          • Seite
          • Wurfbahn117.
          • Wurfhaltung117.
          • Wurfvorübungen118.
            • a. Der Kernwurf119.
            • b. Der Bogenwurf119.
            • c. Der Tiefenwurf120.
          • Treffer und Fehler beim Gerwerfen120.
      • B. Schocken121.
        • Schockbahn121.
        • Schockziel (Schott) 121.
        • Schockhaltung122.
        • Schockweiſe122.
      • C. Stoßen123.
        • Stoßbahn123.
        • Stoßgeräth123.
        • Stoßweiſe124.
      • D. Schleudern124.
      • E. Gellen125.
      • F. Schirken125.
    • X. Ziehen127.
      • Ziehzeug127.
      • Ziehbahn127.
      • A. Handziehen127.
        • 1. mit den Händen allein127.
          • a. Hand in Hand127.
          • b. hakelnd127.
        • 2. am Ziehzeuge128.
        • Emporziehen128.
      • B. Nackziehen129.
        • a. ſtehend129.
        • b. auf allen Vieren129.
    • LIX
    • Seite
    • XI. Schieben130.
      • A. Schieben des Gegners130.
        • 1. Hand in Hand,130.
        • 2. Hände an den Achſeln130.
      • B. Schieben an beſondern Vorrichtungen131.
    • XII. Heben132.
      • 1. Heben des Armkraft-Meſſers132.
      • 2. Heben des Wagebalkens133.
      • 3. Heben von Sandbeuteln133.
    • XIII. Tragen134.
      • A. Tragen lebloſer Dinge134.
        • 1. Tragen in den Händen allein134.
        • 2. Tragen auf den Schultern135.
      • B. Tragen eines Menſchen135.
        • 1. Huckeback135.
        • 2. Huckeſchulter135.
        • 3. Auf d. Handflechte135.
          • a. einen ſitzend136.
          • b. einen liegend (Schwimmen-laſſen) 136.
      • XIV. Strecken137.
        • A. mit Gebrauch der Hände137.
          • Stufenfolge137.
        • B. ohne Gebrauch der Hände139.
      • XV. Ringen140.
        • Ringplatz140.
        • Ringhaltung140,
        • Ringgriff141.
          • a. Ganzer Griff141.
          • b. Halber Griff141.
        • Ringvorübungen141.
        • LX
        • Seite
        • Was beim Ringen entſcheidet143.
        • Was unerlaubt iſt im Ringen143.
      • XVI. Sprung im Reifen145.
        • 1. Durchſchlag von vorn145.
        • 2. Durchſchlag von hinten145.
        • 3. Durchſchlag im Lauf146.
        • 4. Halber Durchſchlag ſeitwärts146.
        • 5. Ganzer Durchſchlag ſeitwärts146.
      • XVII. Sprung im Seile147.
        • A. Im kurzen Seile147.
          • 1. Einfacher Durchſchlag147.
            • a. Gerader Durchſchlag147.
            • b. Gekreuzter Durchſchlag148.
          • 2. Doppelter Durchſchlag148.
            • a. Gerader Doppeldurchſchlag148.
            • b. Gekreuzter Doppeldurchſchlag148.
          • 3. Die Drehung149.
        • B. Im langen Seile150.
          • 1. wobei d. Springer auf d. Stelle bleibt150.
          • 2. wobei d. Spr. nicht auf d. Stelle bleibt151.
            • a. Durchlaufen des Seiles151.
            • b. Überſpringen des Seiles151.
            • c. Sprung in das Seil151.
            • d. Augenblick im Seile151.
            • e. der einfache Kreislauf152.
            • f. der doppelte Kreislauf152.
      • Anhang mancherlei Übungen153 166.
  • Zweiter Abſchnitt. DieTurnſpiele167.
    • Von den Turnſpielen überhaupt169.
    • Beſchreibung erprobter und bewährter Turnſpiele173.
    • LXI
    • Seite
    • A. Spiele, ſo auf dem Turnplatze getrieben werden173.
      • 1. Schwarzer Mann173.
      • 2. Barlaufen174.
    • B. Spiele, ſo außerhalb des Turnplatzes vorge - nommen werden müſſen177.
      • 1. Ritter - und Bürgerſpiel177.
      • 2. Jagdſpiel oder die Jagd181.
      • 3. Das Stürmen oder der Sturmlauf182.
      • 4. Das Deutſche Ballſpiel182.
  • Dritter Abſchnitt
    • I. Über Anlegung und Einrichtung eines Turnplatzes187.
      • Vom Ort187.
      • Von deſſen Lage188.
      • Vom Schuppen (oder Hütte) und Tie189.
      • Von der Geſtalt des Platzes190.
      • Von den Gränzen des Platzes190.
      • Von Einfahrt und Eingängen190.
      • Von der Größe des Turnplatzes und der einzelnen Turnſtellen192.
      • Raum und Geräth für 400 Turner194.
      • Von dem Nöthigen für 200 Turner196.
      • Von den beſten Turnbäumen197.
    • II. Anſchlag des Turnzeuges und - Ge - räthes und der Vorrichtungen für einen vollſtändig eingerichteten Turnplatz, auf dem ſich 400 Turner tiegen - weiſe zugleich üben können199.
    • LXII
    • Seite
  • Viertter Abſchnitt
    • I. Über die Art, wie die Übungen zu treiben und im Gange zu erhalten ſind209.
      • Turnkunſt209.
      • Turnanſtalten210.
      • Turnplätze212.
        • Das nothwendigſte Turnzeug für 80 Turner214.
      • Turnlehrer215.
      • Turnübungen218.
      • Turnzeit222.
      • Turntracht225.
      • Tie229.
      • Zuſchauer230.
    • II. Die Turngeſetze233.
      • A. Geiſt der Turngeſetze233.
      • B. Allgemeine Turngeſetze235.
      • C. Beſondere Turngeſetze (Übungsgeſetze) 237.
  • Fünfter Abſchnitt
    • I. Zur Bücherkunde der Turnkunſt247.
      • Nutzen und Nothwendigkeit der Turnkunſt248.
      • Von der Bewegung249.
      • Über die Turnkunſt der Griechen und Römer249.
      • Neuere allgemeine Werke251.
      • Ringen251.
      • Schießen254.
      • Baden und Schwimmen255.
      • Kopfübern oder Luftſpringen256.
      • Fahnenſchwenken256.
      • Spiele257.
      • LXIII
      • Seite
      • Tanzen258.
      • Schwingen264
      • Fechten264.
      • Turnkunde271.
    • II. Erklärung des Planes von einem Turnplatze auf Platte 1286.
LXIV

Einige Fehler.

  • Seite 10. Zeile 1 v. oben ſtatt Schnellauf lies Schnelllauf.
  • S. 11. Z. 11 v. unten ſtatt Schwebeu lies Schweben.
  • S. 16. Z. 13 v. ob. ſtatt hiuten lies hinten.
  • S. 19. Z. 1 v. unt. ſtatt Knies lies Kniees.
  • S. 20. Z. 1 v. unt. ſtatt eiue lies eine.
  • S. 25. Z. 8 v. unt. ſtatt gemichſten lies gemiſchten.
  • S. 26. Z. 9 v. ob. ſtatt die lies den.
  • S. 36. Z. 1 v. unt. ſtatt Abſchnitt 2, II. l. Abſchnitt 3, II.
  • S. 37. Z. 13 v. unt. ſtatt beſteu lies beſten.
  • S. 37. unter d. letzten Zeile ſtatt Dv lies Da.
  • S. 39. Z. 8 v. ob. ſtatt Abſchnitt 2, II. lies Abſchnitt 3, II.
  • S. 51. Z. 3 v. ob. ſtatt hängt lies hangt.
  • S. 66. Z. 10 v. ob. ſtatt dach lies doch.
  • S. 77. Z. 6. v. ob. ſtatt rechtwinklich lies rechtwinklig.
  • S. 94. Z. 10 v. unt. ſtatt gewöhnliche lies gewöhnliche[. ]
  • S. 106 Z. 11 v. ob. ſtatt welches lies welche.
  • S. 115. Z. 3 v. ob. ſtatt große Vorſicht vielen Raum lies große Vorſicht, vielen Raum.
  • S. 116. Z. 9. v. unt. ſtatt ans lies aus.
  • S. 122. Z. 12 v. unt. ſtatt geſtüzt lies geſtützt.
  • S. 123. Z. 6 v. ob. ſtatt bloß, durch lies bloß durch.
  • S. 123. Z. 13 v. ob. ſtatt den Plan XV lies den Plan, XV.
  • S. 126. Z. 4 v. ob. ſtatt ſchueiden lies ſchneiden.
  • S. 128. Z. 2 v. unt. ſtatt nur lies nun.
  • S. 159. Z. 12. v. ob. ſtatt Kmapfe lies Kampfe.
  • S. 160. Z. 2 v. unt. ſtatt von Innen nach Außen lies von Außen nach Innen.
  • S. 171. Z. 4 v. ob. ſtatt Geſellſchaftsfpiel lies Geſell - ſchaftsſpiel.
  • S. 177. Z. 4 v. ob. ſtatt dia lies die.
  • S. 182 Z 12 v. unt. ſtatt abfſteigend lies aufſteigend.
  • S. 274. Z. 12 v. ob. ſtatt 1794 lies 1795.
[1]

Erſter Abſchnitt. Die Turnuͤbungen.

[2][3]

I. Gehen.

Ein guter Gänger muß mit Anſtand: zugleich Schnelle und Dauer verbinden, und die Örtlichkeit Berg und Thal, Sand und Lehm nicht achten.

Ein guter Gänger ſein iſt eine große Kunſt, ſie aber auf dem Turnplatze zu üben, wäre zu zeit - raubend, daher muß ſie ſchon dem Kinde durch ſeine früheſten Umgebungen gelehrt werden; denn ein Jeder weiß, wie ſchwer es hält, frühere ſchlechte Angewohn - heiten im Gange wieder abzulegen.

1. Anſtand im Gange. Hierzu gehört:

Eine grade natürliche Haltung des ganzen Lei - bes, beſonders des Kopfes, ohne alle Künſtelei und Ziererei; ein leichter, aber doch feſter Tritt auf den ganzen Plattfuß, nicht mit einer Seite früher als mit der andern; Streckung der Kniee bei jedem Niedertritt. Die Füße müſſen ein wenig auswärts gehalten werden, ſich aber in dieſer Stellung nicht hin und her drehen.

A 2Die4

Die Arme dürfen ſich etwas bewegen, aber nicht ſchleudern: die Bewegung muß mehr mit dem Unter - als Oberarm geſchehen. Das Gehen darf kein Schleichen, aber eben ſo wenig ein Hüpfen werden, der Gang darf nicht ſchwanken und wie - gen: er muß gerade aus und ſicher ſein: die Knö - chel und Kniee dürfen dabei nicht an einander ſtreichen. Die Größe der Schritte muß mit der Leibeslänge und beſonders den untern Gliedern in richtigem Verhältniß ſtehen, ſo daß der Leib bei keinem Schritt aus der Wage kommen darf.

2. Dauer im Gehen: erlangt man nur durch viele Übung. Mit Kindern oft und wo möglich täg - lich vorgenommene, und immer verlängerte Aus - gänge und ſpäter größere Wanderungen und Fuß - reiſen üben darin am beſten. Große Ausdauer im Gehen und das Vermögen, dabei noch das - thige Gepäck zu tragen, iſt eine Eigenſchaft, deren Werth viele Menſchen noch nicht hinlänglich zu ſchätzen wiſſen; frühe und häufige Gänge machen, und dabei im Ranzen auf beiden Schultern Ge - päck tragen, muß oft und kann nie genug geübt werden. Doppelranzen und Querſäcke, von denen die eine Hälfte vorn, die andere hinten hinab hängt, ſind der Geſundheit äußerſt nachtheilig, zumal im Knabenalter. Ranzen, Reiſetaſchen, Trageſäcke u. ſ. w. dürfen5dürfen niemals einriemig, müſſen allezeit zwei - riemig ſein, damit die Laſt auf beiden Schultern gleichvertheilt[ruht. ]Doch kommt bei dem Laſtge - hen, wie beim Lediggang, alles darauf an, daß Arme und Hände zum Gebrauch frei ſind.

3. Schnelle des Ganges beruht auf Größe und Schnelle der Schritte; daher kleine oder kurz ge - ſpaltene Leute durch Schnelligkeit erſetzen müſſen, was ihren Schritten an Größe abgeht. Die beſte Übung iſt, oft einen und denſelben Weg in beſtimm - ter und allmälig immer kürzerer Zeit zurückzulegen.

4. Nichtachtung der Örtlichkeit. Das Gehen auf dem Wirrfelde (unebnem Boden) iſt weit ſchwie - riger, als auf dem Blachfelde; aber auch weit ſtär - kender, beſonders wenn die kleinen Höhen etwas ſtark aufſteigen und abfallen; eben ſo das Gehen durch tiefen Sand.

Wird eine Anhöhe ſo ſteil, daß zu dem Schritt eine bedeutende Kraftanwendung gehört, und die Schritte überhaupt mehr ſtufenweiſe geſchehen, ſo nennt man die Bewegung nicht mehr gehen, ſondern ſteigen, welches eben wie das Gehen, als Ledig - und Laſtſteigen geübt werden kann.

Es wäre ſehr zu wünſchen, daß man in der Nähe jedes Turnplatzes ein bedeutend Wirrfeld und kleine ziemlich ſteile Anhöhen von 20 Fuß 30 Fuß habenkönnte,6könnte, um das Gehen und Laufen über unebnen Bo - den, das Steigen und beſonders das (beim Laufen vorkommende) Sturmlaufen zu üben.

Kurzer Heideraſen, beſonders in Tangelwaldun - gen, iſt wie gebohnter Fußboden. Wer hier ohne Fehl - glitte gehen und laufen, ſpringen und ringen kann, iſt ziemlich überall gangrecht, und hat ſprengen und ver - renken wenig zu fürchten.

7

II. Laufen.

Das Laufen iſt, mit Vorſicht getrieben, eine beſon - ders für die Bruſt und Lunge ſehr heilſame Übung.

Vorrichtungen:

Die Laufbahnen.

a. Die Rennbahn: am beſten ſchnurrecht. Sie darf nicht mit Raſen bewachſen ſein, noch zu flüch - tigen Sand haben, aber auch keinen fetten Boden, der bei jedem Regen ſchlüpfrig wird.

Ihre Breite iſt 25 Fuß. Die Länge muß im - mer der beſtimmte Theil einer Deutſchen Meile (zu 24,000 rheiniſchen Fußen) ſein, niemals unter 100 Schritt (= 200 F.).

Der Stand (Lauferſtand Anfang d. Bahn) und das Ziel (Ende) müſſen immer durch feſte und aus der Ferne ſichtbare Gegenſtände bezeichnet ſein: durch Bäume, Pfähle, Säulen oder Stangen mit Fahnen ꝛc.

b. Schlängelbahn (ſ. Platte 1, den Plan, V.). Auf feſtem ruſigen Boden werden drei Kreiſe be - ſchrieben, deren Mittelpunkte in einer graden Linieliegen.8liegen. Zu beiden Seiten des Umfanges wird der Raſen 9 Zoll breit ausgeſtochen, ſo daß eine 18 Z. breite Bahn entſteht. Jedem Kreiſe kann man 21 F. 4 Z. Durchmeſſer geben, dann hat die ganze Bahn ziemlich genau 200 F. (= 100 Schritt). Zwei an einander liegende gleiche Kreiſe muß die Schlängelbahn wenigſtens haben, weil man in einem Kreiſe bei der Neigung des Leibes zur Kreismitte nur entweder links oder rechts laufen kann; in einer doppelkreiſigen oder mehrkreiſigen Bahn aber nothwendig abwechſelnd ſchlängeln muß.

Laufhaltung:

Bruſt heraus! Oberleib vor, jedoch beim Schnelllaufen mehr, als beim langſamen.

Schultern zurück!

Arme an! Oberarme nahe dem Leibe, Ellenbogen hinten aus! nur die Unterarme dürfen ſich bewegen.

Sole leicht auf! Niedertritt auf den Ballen, nicht auf dem Plattfuß.

Mund zu! bei allen Turnübungen, beſonders beim Lauf.

Lange Athemzüge! das Ein - und Ausathmen muß ebenmäßig und ebenzeitig ſein (Lauf ohne Schnauf!), undmehr9mehr durch die Naſe, als durch den Mund geſchehen.

Vorſichtsregeln:

  • 1. Ausdauer im Laufen ſuche man nicht mit einem Male, ſondern nur allmälig zu erlangen; man übe ſich oft, und immer etwas länger.
  • 2. Man übe ſich beſonders an kühlen, windſtillen Tagen.
  • 3. Man laufe in der erſten Übezeit nur mit dem Wind, nicht gegen den Wind.
  • 4. Bei ſtarker Erhitzung, oder kurzem Athemholen höre man auf.
  • 5. Nach dem Laufen kühle man ſich durch Herumge - hen ab, nie durch Stillſtehen; am wenigſten aber durch Niederlegen auf den Boden. Iſt man ſehr erhitzt, und das Wetter mehr kalt als kühl, ſo ziehe man gleich einen Rock an.

Laufveränderungen.

  • A. ſchnurrecht, ohne alle Krümmen: das Rennen.
  • B. ſchlängelnd, in Bogen und Kreislinien: der Schlängellauf.
  • C. zickzackend, in geraden Linien und Winkeln: der Zickzacklauf.

Dieſe drei Laufveränderungen können nun ausgeführt werden

1.10

1. auf die Schnelle der Schnellauf.

2. auf die Dauer Dauerlauf.

Das Mal finden, als Übung des Augenmaßes, muß beſonders geübt werden. Wie der Schütze die Schußweite, muß der Läufer die Laufweite kennen, und daraus abnehmen, ob er im Schnelllauf das Ziel errei - chen kann, oder nur im Dauerlauf.

A. das Rennen.

(der ſchnurrechte Lauf)

1. das Schnellrennen (der ſchnurrechte Schnell - lauf) wird in der Rennbahn geübt. Man kann die Turner hier, wie bei allen Wettübungen, zu - ſammenſtellen: nach dem Alter, nach der Größe, nach der Fähigkeit. Weniger als 100 Schritt (200 F.) und mehr als 200 Schritt (400 F.) darf man zum Wettrennen auf die Schnelle nicht leicht nehmen. Hat man in der Nähe des Turnplatzes keine breite Ebene, wo man viele zugleich kann laufen laſſen, und man will die Folge nach der Lauffertigkeit beſtimmen, ſo muß man die kleinen Riegen,*)Riege (die): eine beſtimmte Anzahl von Leuten oder Dingen, die in einer gewiſſen Ordnung und Reihe ge - dacht werden. von 6 8 Läufern in der Rennbahn, nach der Uhr laufen laſſen.

2.11

2. das Dauerrennen (der ſchnurrechte Dauerlauf) wird ebenfalls in der Rennbahn geübt. Will man wiſſen, wie lange und wie weit ein jeder läuft, ſo geſchehen die Umläufe in geraden Linien, von einem Male zum andern; und jeder muß die Zahl der Umläufe, die er gemacht hat, behalten. Die Riege iſt unbeſtimmt. Beim Wettrennen auf die Dauer gebührt dem der Preis, der den weite - ſten Raum, in der kürzeſten Zeit, mit der minde - ſten Anſtrengung zurücklegt, und am Ziele uner - ſchöpft bei guten Kräften anlangt.

B. der Schlängellauf.

1. das Schnellſchlängeln (der ſchnelle Schlängel - lauf) wird in der Schlängelbahn geübt. Im Schlängellauf können Arme und Hände durch[Schweben] den Leib in der Wage halten. Die Rie - genzahl iſt ſechs. Alle ſechs Läufer treten, jeder aber 3 Schritt vom andern, in den erſten Bahn - kreis, und laufen auf ein gegebenes Wort oder Zeichen ab. Sie folgen nun ſo der Krümmung der Bahn, daß ſie durch jeden Berührungspunkt, auf den ſie ſtoßen, in den andern Kreis hinüber - laufen. Wer ſeinen Vordermann erreichen kann, giebt ihm einen Schlag mit der Hand, und der Geſchlagene muß die Bahn verlaſſen; eben ſo, wer über die Bahnränder hinausgeglitten iſt. Werzu -12zuletzt übrig bleibt, iſt Sieger. Zu merken iſt noch, daß in dem erſten Kreiſe, von dem die Lauf - riege anlief, noch nicht geſchlagen wird, ſondern erſt vom Berührungspunkt des zweiten an; in mit - ten des Laufes natürlich in allen dreien.

2. das Dauerſchlängeln (der Schlängellauf auf die Dauer) wird in der Schlängelbahn geübt. Dauerſchlängelt einer allein, ſo muß Zahl und Zeit der Umläufe gezählt werden. Dauerſchlän - gelt die ganze Riege, ſo müſſen alle gleichen Ab - ſtand und Tritt halten, damit nicht durch unglei - chen Lauf ein Einholen erfolgt, und der Lauf ſtocket.

C. der Zickzacklauf.

Schnelle ſcharfe Wendungen im Laufe machen zu können, iſt von großem Nutzen. Um Bäume oder Pfähle läßt ſich dieſe Laufart üben. Es würde ſehr gut ſein, wenn man eine eigne Zickzackbahn dazu ausgraben könnte; doch iſt dies nicht leicht thunlich, weil ſich die ſcharfen Kanten bald abſtoßen würden.

Der Schlangenlauf. Der Vorläufer oder Anläu - fer läuft in der Rennbahn von einem Rande zum andern, ſo daß er jeden Rand um einige Schritte weiter berührt, als vorher. Jeder Folgende hat weiter nichts zu thun, als genau ſeinem Vorder - mann zu folgen.

Der13

Der[Schneckenlauf] wird auf dem Spielplatze geübt. Der Vorläufer beſchreibt genau eine Schne - ckenlinie, in der Mitte windet er ſich mit einem Haken um, und läuft durch den gelaſſenen Zwi - ſchenraum zurück. Die Folgenden halten wieder nur genau ihren Vordermann.

Beim Schlangen - oder Schneckenlauf läßt man die Hände an die Hüften legen (Daum hinten! Finger vorn!), damit ſie durch Herumſchwanken nicht hindern. Die Laufriege iſt je größer, je beſſer.

Der Kibitzlauf iſt eine Art Zickzacklauf. Man ſetzt nämlich einen Fuß ſeitwärts nach vorn, den andern Fuß hinter dieſen, und nun den erſten wieder ſeit - wärts nach vorn. Nun ſetzt man den zweiten auf der andern Seite nach vorn, den erſten hinter die - ſen, und dann jenen wieder ſeitwärts nach vorn. Dieſe Bewegung wird immer wiederholt, ſo daß jedesmal drei Tritte ſchnell hinter einander nach einer Seite folgen. Dieſer Lauf von mehrern, wel - che ſich die Hände auf die Schultern gelegt haben, in gleichem Zeitmaaße gemacht, nimmt ſich gut aus.

Der Rücklauf (das Rückwärts-Laufen) iſt mehr ein ſchnelles Trippeln, und kann ohne Gefahr nur auf dem Blachfelde geübt werden.

Der Sturmlauf: das Hinanlaufen an ziemlich ſteileAn -14Anhöhen, was mitunter aus Steigen, Laufen und Klettern zuſammengeſetzt iſt; eine ſehr wichtige Übung zur Stärkung der Schenkel, Kniee und Wa - den, und zum Heben der Bruſt. Am bequem - ſten iſt hierzu eine ſandige Anhöhe von ziemlicher Ausdehnung, ſo daß eine ganze Riege zugleich lau - fen kann. Bei hartem Boden wird mehr Vorſicht erfordert, und hier geht auch die Übung wegen der wenigen Haltung, beſonders wenn die Anhöhe ſehr ſteil iſt, zu ſehr ins Klettern über, und hat nicht den Nutzen für die unteren Glieder. Halden, abhängige Seitenſteilen, und Rutſchwände im Ge - ſande ermüden den Steiger mehr als Felſen, da jeder Tritt, nicht ſchnell und glücklich ausgeführt, ein Rückglitt wird.

So wie das Gehen, kann auch das Laufen im Laſtlauf und Lediglauf geübt werden, ſo - wohl als Ledig - und Laſtrennen, als Ledig - und Laſtſchlängeln. u. ſ. w.

III. Spri -15

III. Springen.

Springen heißt: vermöge eines Abſtoßes aus einem oder beiden Füßen ſich in die Luft ſchnellen.

Vorrichtungen und Springzeug werden bei den verſchiedenen Sprungarten einzeln beſchrieben.

Springvorübungen: ſind alle darauf berechnet, die unteren Glieder zu ſtärken und gelenkig zu machen, und eine gute Haltung beim Springen, wie im Allgemeinen an - zugewöhnen. Dieſe, ſo wie die Schwingvorü - bungen, welche frei ohne Vorrichtung ge - macht werden, können nicht genug empfohlen wer - den; ſie ſind nicht bloß vorbereitend für die genann - ten Übungen, ſondern überhaupt von großem Nu - tzen für die allgemeine Ausbildung des Leibes. Mit ihnen muß jede Unterweiſung im Turnen anfangen; in ihnen muß jeder Turner durchaus Fertigkeit und Ausdauer erlangen.

Sie ſind um ſo ſchätzbarer, da ſie ohne alle Vorrichtung, im engen Raum vorgenommen wer -den16den können, und eben ſo gut zu gleicher Zeit von einer großen Anzahl im Freien.

Haltung: Fuß an Fuß! Füße und Kniee müſſen immer, ſo dicht als möglich geſchloſſen ſein.

  • Leib gerade!
  • Bauch ein!
  • Bruſt heraus!
Auf dieſe Haltung des Oberleibes iſt beſonders Aufmerkſamkeit zu verwenden. Durch ſie wird das Kreuz eingezogen (hohl) und da - durch allein die feſte edle Stellung des Leibes bewirkt.

Hände an! an die Hüften flach angelegt, der Daumen hinten, die 4 Finger geſchloſ - ſen vorn.

Mund zu! Lipp auf Lippe!

1. der Zehenſtand (Unter Zehen werden hier immer Zehen und Ballen zuſammen verſtanden)

Der Turner hebt die Abſätze von der Erde und ſteht feſt auf den Zehen. Dies hat wenig Schwierigkeit, wenn die Zehgelenke ſcharf gebo - gen und die Kniee ganz ſteif ſind. Dies muß auf die Dauer geübt werden.

2. der Zehengang: wobei die Kniee ſich niemals biegen und die Fußgelenke ſich wohl ſtrecken müſ - ſen, wirkt beſonders auf Waden - und Kniemuskeln, vorwärts. tück -17rückwärts. ſeitwärts. a. mit nebenſetzen ohne Anſchläge der Ferſen, Knöchel und Kniee. Die Füße dürfen nicht klip - pen und klappen. b. mit überſetzen: vorwärts und rückwärts.

3. das Hüpfen: die Aufſchnellung des Körpers von der Erde aus dem Zehenſtand, wobei die Kniee in der Luft ganz geſtreckt ſind. a. mit Knieſteifen: der Körper wird bloß durch die Fußgelenke, durch ſchnell auf einander folgende Abſtöße von der Erde geſchnellt. b. mit Kniebeugen (nachgebenden Knien) die Kniee biegen ſich ein wenig, ſtrecken ſich aber ſogleich, nachdem die Zehen die Erde verlaſſen haben. Beim Niederſprung biegen ſie ſich eben - falls nur wenig.

Beide Arten, a und b können geübt werden 1. an Ort und Stelle. 2. von Ort und Stelle. vorwärts. rückwärts. ſeitwärts. rechts und links.

4. das Anferſen: die Berührung des Geſäßes mitBden18den Ferſen. Dies übt die Gelenkigkeit der Kniee noch weit mehr als das Hüpfen mit Kniebeugen. a. der Laufſchlag: Anferſen im Lauf. Nur vor - wärts. Während der eine Fuß die Erde berührt, ſchlägt der andre an das Geſäß; der rechte Fuß an die rechte Geſäßbacke, der linke an die linke. Das Laufen muß nur langſam ſein, die Auf - ſchnellung von der Erde aber hoch und ſchnell auf einander folgend. b. der Scheinlauf: die vorige Übung, indem der Turner an Ort und Stelle verbleibt. c. der Wechſelſchlag: unterſcheidet ſich nur da - durch vom Scheinlauf, daß während der eine Fuß anferſet, der andre ſtandfeſt bleibt; die ganze Bewegung alſo nicht im Sprunge, ſondern aus dem Stande geſchieht. d. der Doppelſchlag: das Anferſen mit beiden geſchloſſenen Füßen zugleich, eine der wichtig - ſten Vorübungen. Je höher und leichter die Aufſchnellung, deſto ſchöner der Doppelſchlag. 1. An Ort und Stelle bleibend. 2. Von Ort und Stelle ſich bewegend; aber nur wenig vorſchreitend, und mit guter Haltung des Leibes. Auf die Dauer geübt, kann man den Doppelſchlag bis hundert Mal und darüber machen. e. der19e. der Hinkſchlag: das Anferſen mit dem Fuße, auf dem man hinkt; die ſchwerſte Art des An - ferſens. Zwanzig Hinkſchläge mit einem Fuß hinter einander greifen ſchon an.

5. das Hocken: die zuſammengezogene Stellung des Leibes, wobei ſich die Kniee der Bruſt nähern. a. Sitzhocken geſchieht in einer aus dem Zehen - ſtande gemachten Kniebeugung. Der Oberleib iſt alſo ſenkrecht, die Oberſchenkel wagerecht und das Geſäß nahe an den Ferſen.

  • 1. An Ort und Stelle verbleibend.
    • 2. Von Ort und Stelle.
    • Die Fortbewegung in obiger Stellung greift wegen der ſtarken Bie - gung der Kniee dieſe ſehr an; befördert aber auch beſonders ihre Gelenkig - keit und Stärke.
    • Vorwärts. Rückwärts.

b. Springhocken: das gleichzeitige Hinaufziehen beider Kniee bis an die Bruſt, welches natürlich im Sprunge geſchehen muß: aber nur an Ort und Stelle bleibend. Auf die grade Haltung des Oberleibes muß hier beſonders geachtet wer - den. Um die Hüften vorzubereiten, übt man das Knieſchnellen oder Schlagen jedes ein - zelnen Knies gegen die Bruſt, während derB 2an -20andre Fuß ſtillſteht. Beim Knieſchnellen ſchirmt ſich der Turner mit der wagerechten platten Hand das Kinn, damit nicht durch zu heftigen und zu hohen Knieſchneller die Zähne klappen.

6. das Hinken: dient dazu, jedem Fuße gleiche Kraft zu geben, gleiche Abſtoßfertigkeit und gleiche Nie - derſprungsfähigkeit. a. links auf dem linken Hinkfuß. 1. Hangfuß hinten. 2. Hangfuß vorn. b. rechts auf dem rechten Hinkfuß. 1. Hangfuß hinten. 2. Hangfuß vorn. Vorwärts: iſt das leichtere, Seitwärts und Rückwärts nur für Geübtere, und auch nur auf dem Blachfelde; auf dem Wirrfelde iſt’s gefährlich. Üben kann man zugleich beim Hinken den Fußfang, das ſchnelle Fangen des Hinkfußes, in dem Augenblick, da er von der Erde ent - fernt iſt. Hieher gehört ferner der Hinkſprung nur vorwärts 1. hinüber: über eine Weite. über eine Höhe. 2. hin -212. hinauf: auf eine Anhöhe, Treppe und dgl. 3. hinunter: mit großer Vorſicht; der Durchhink: durch den Bogen, welcher entſteht, wenn man mit der einen Hand die Spitze des entgegengeſetzten Fußes faßt. Den Durch - hink kann man erſt durch einen längern, dann kürzern Reifen u. ſ. w. verſuchen; der Hinkkampf: das Gegeneinanderhinken mit ver - ſchränkten unter der Bruſt feſtliegenden Armen. Wer abſetzt, hat verloten. Zu üben 1. im Zweikampf (Einer gegen Einen). 2. im Dreikampf (Zwei gegen Einen). Beim Hinkkampf werden immer zwei Gänge ge - macht: links gegen links, und rechts gegen rechts.

7. Das Strecken (S. Übg. XIV. ) kann nur als Si - cherungsmittel gegen den Fall oder verunglückten Sprung, mit zu den Vorübungen gerechnet werden.

8. Aus den beſchriebenen Vorübungen entſtehen noch folgende wichtige und ſchwere Zuſammenſe - tzungen: 1. das Hüpfen aus dem Sitzhocken. 2. der Doppelſchlag aus dem Sitzhocken. 3. das Springhocken aus dem Sitzhocken.

Von22

Von den Sprüngen im Allgemeinen.

Jeder Sprung hat einen Aufſprung und Nie - derſprung, als Anfang und Ende. Beide müſſen nur auf Zehen und Ballen ausgeführt werden, nie mit dem ganzen Plattfuß.

Beim Niederſprung, der immer mit geſchloſſe - nen Füßen geſchieht, darf der Leib vom Scheitel bis zur Sole nie eine ſenkrechte Linie bilden, ſondern muß den Stoß durch die Brechung der Linie mildern, durch Bie - gung der Fuß -, Knie - und Hüftgelenke, und ein geringes Vorneigen des Oberleibes.

Jeder Sprung kann geſchehen:

1. Von der Stelle (Standſprung).

2. mit Vorſprung.

3. mit Anlauf (Anlaufſprung).

Bei den beiden erſten Arten geſchieht der Aufſprung immer mit geſchloſſenen Füßen.

1. Beim Springen von der Stelle macht man auf dem Aufſprungsort bloß eine ſchnelle Kniebeu - gung, und ſchnellt ſich, ohne in dieſer zu verwei - len, mit angezogenen Füßen fort.

2. Beim Springen mit Vorſprung ſtellt man ſich einen Schritt von dem Aufſprungsort, ſpringt auf dieſen dann mit geſchloſſenen Füßen, und verfährt wie vorher.

Bei dieſen beiden Arten des Sprunges kann manim23im Anfange auch die Hände an die Hüfte legen, wie bei den Vorübungen, um den Körper deſto beſſer in ſeine Gewalt zu bekommen, und durch das Heraufreißen der Arme nicht zu unregelmäßigen Bewegungen verführt zu werden.

3. Bei dem Springen mit Anlauf wird folgender - maaßen verfahren. Man nimmt einen Anlauf von 12 bis 15 Schritten. Dieſer muß leicht, und weder ſehr raſch noch heftig ausgeführt werden. Er ſoll bloß die Schnellkraft der Füße rege ma - chen, und dem ganzen Körper einen ſtarken Schwung geben. Das Ende des Anlaufs macht das augen - blickliche Aufſetzen eines Fußes in die Stelle des Aufſprungs, der andre Fuß wird nun im Nu vor - an geworfen; der erſte ſtoßt ab und ſchließt ſich ſo ſchnell als möglich an den voran geworfenen an, ſo daß beide Füße noch vor der Mitte des Sprunges geſchloſſen ſind.

Es erfordert viel Übung, den Aufſprungsort immer ſicher abzuſchätzen und mit dem Fuße richtig zu finden. Man muß ſich durchaus gewöhnen, beide Füße zum Abſtoßen gebrauchen zu lernen; und fällt einem dies ſehr ſchwer, ſo kann man ſich im Anfang eines Galoppanlaufes bedienen. Aus dem Mangel der gleichen Abſtoßfertigkeit beider Füße entſteht das lächerliche Bahlaufen, woman24man plötzlich an dem Abſprungsorte ſtutzt, nicht von der Stelle kann, und den Anlauf wiederho - len muß.

Wenn der Sprung die größte Höhe erreicht hat, muß der Oberleib faſt ſenkrecht ſein, ſich aber gegen Ende des Sprunges wieder etwas mehr ſen - ken. Die Füße kann man im Sprunge ganz an - gezogen, oder vorwärts geſtreckt halten; die letztere Art iſt ſchwerer, fallt aber weit beſſer ins Auge.

Als eigne beſondere Arten des Springens werden hier angeführt:

1. der Heuſchreckenſprung: die Füße ſind eng ge - ſchloſſen, und die Aufgabe iſt, einen beſtimmten Raum mit der mindeſten Anzahl von Sprüngen (mit beiden geſchloſſenen Beinen zugleich) zu durch - meſſen; aber auch die Sprünge ſchnell auf einan - der folgen zu laſſen, iſt ſchwer.

Die Übung iſt ſchwierig wegen der Haltung des Gleichgewichtes.

2. der Springlauf: mit ungeſchloſſenen, ſpreizenden Beinen und Füßen. Wenn die Sprünge auch noch ſo klein gemacht werden, iſt der Springlauf doch dadurch weſentlich vom Laufen unterſchieden, daß der Leib immer vollkommen ſenkrecht, beinah rück - wärts geneigt iſt, und die Beine ſich in den Knieen beim Niedertritt nur wenig biegen, und ſonſt im -mer25mer geſtreckt mit geſenkten Fußſpitzen vorangewor - fen werden. Der Körper muß jedesmal wie eine Feder vom Erdboden geſchnellt werden. Keine an - dre Übung macht wohl die Schnellkraft der unte - ren Glieder reger, als eben dieſe. Bei dieſem Springlauf kann man leicht mit jedem Sprunge eine bedeutende Weite erreichen. Übt man ihn aber in Rückſicht auf Schnelligkeit, ſo giebt er dem Leibe einen faſt unaufhaltbaren Schwung. Er erfordert aber feſten und ſehr ebnen Boden; Anſtand und Schick, Schnelle und Dauer ſind dabei Hauptau - genmerke.

Das Springen theilt ſich nach den Gliedern, welche dabei in Anwendung kommen, in den Frei - ſprung und den gemiſchten Sprung.

Der Freiſprung wird durch das bloße Abſchnel - len der untern Glieder von dem Erdboden vollführt; beim gemichſten Sprunge werden die Hände und Arme zur Hülfe mit angewendet. Zu letzterm gehört das Stabſpringen und das Schwingen, welches letztere wegen ſeiner großen Ausdehnung und Mannigfal - tigkeit als eigne Übung aufgeführt worden iſt.

A. das Freiſpringen.

Der Freiſprung kann geſchehen:

1. in die Weite Weitenſprung.

2. in26

2. in die Höhe Höhenſprung.

3. in die Tiefe Tiefenſprung.

1. Der Weitenſprung.

Vorrichtung: ein Graben (Springgraben) (ſ. Platte 1. den Plan: VII, a und b), deſſen Borde oder Ränder an einem Ende ſehr nahe ſind, am andern weit aus einander laufen, Auf jeden Fuß der Länge darf die Breite nicht über 4 Z. zuneh - men. Man hat gern die Graben von 4 F. 16 F. Weite, dann muß er aber 36 F. lang ſein. 1 F Tiefe iſt hinlänglich. Der Abſprungsbord muß feſt, die Niederſprungsſeite weich und, wenn dies nicht, wenigſtens flach abgearbeitet ſein.

Sprungveränderungen.

a. vorwärts (Vorwärtsſprung).

b. ſeitwärts (Seitwärtsſprung). rechts. links.

c. ſchräge (Schrägſprung), wobei der Anlauf aber rechts. grade geſchieht. links.

d. drehend (Drehſprung), wobei der Springer ſich rechts. ganz um ſeine Achſe dreht; was links. erſt auf der Stelle (als Stand - ſprung) geübt werden muß.

e. rückwärts (Rückſprung).

Alle27

Alle dieſe Sprünge können vom Stande, mit Vorſprung und mit Anlauf vollführt werden; rückwärts aber allein von der Stelle. Bei allen, die ohne Anlauf gemacht werden, können die Hände auch an die Hüften angelegt werden.

Das beſte Maaß bei der Sprungweite iſt die eigne Leibeslänge des Springers. Zwei Lei - beslängen lernt faſt ein jeder ſpringen, Leibes - längen ſind ſchon ein guter Sprung, und drei ein außerordentlicher.

Zur Übung wird der Weitenſprung am beſten um die Wette gemacht.

2. Der Höhenſprung.

Springzeug: Springel (der): beſteht aus zweien mit durchgebohrten Löchern verſehenen Pfählen, durch die hölzerne Pflocke oder eiſerne Bolzen geſteckt werden, über welche man durch Sand - beutel ſtraff gezogene Schnüre legt, die bei der leichteſten Berührung abfallen. Die Schnüre müſ - ſen wo möglich roth ſein, und ſchon im Stoff ge - färbt. Die Lochpfähle ſind 6 F. hoch und ſte - hen 8 F. aus einander. Die Löcher fangen 1 F. 2 Z. über der Erde an, und ſind 2 Z. von Mittel zu Mittel entfernt.

Die Bahn zum Anlauf muß hier, wie bei allen Arten des Sprunges, feſt und eben ſein. Am be -ſten28ſten iſt es, wenn ſie ſich ein wenig neigt, und kurz vor dem Auſſprungsort wieder etwas hebt.

Die Sprungveränderungen: ſind wie beim Wei - tenſprung. Das beſte Maaß iſt auch hier die eigne Leibeshöhe. Die vorzüglichſten Sprung - höhen ſind:

Knöchelhoch, Wadenhoch, Kniehoch, Schenkelhoch, zwiſchen Knie und Hüfte; Hüfthoch, Nabelhoch,

  • Herzhoch,
  • Bruſthoch, bis zur Bruſthöhle oder Herz - grube;

  • Halshoch, bis zur Halsgrube;
  • Schulterhoch,

Kinnhoch, Mundhoch, Naſenhoch, Augenhoch, Stirnhoch, bis zum Anfang der Haare; Scheitelhoch.

Bruſthoch lernen bei einiger Übung die meiſten Menſchen ſpringen; ſcheitelhoch nur ſehr we - nige.

Der29

Der Sprung in die Weite und Höhe:

iſt aus den beiden abgehandelten Arten zuſammen - geſetzt. Man kann ihn an einem gewöhnlichen Springel üben; beſſer iſt es aber, wenn man einen Springel mit Füßen hat, den man in den Spring - graben ſetzen kann; denn hierdurch kann man im - mer beſſer die Weite des Abſprungsortes von der Schnur beſtimmen.

3. Der Tiefenſprung.

Vorrichtung: Ein beinah ſenkrecht abgeſtochner - gel, oder in deſſen Ermangelung: ein Gerüſt von 3 10 F. Höhe. Eine 24 36 Fuß lange Bohle, die ohne zurückſchnellende Prellweiche wohlbefeſtigt auf etwa 4 6 Ständern ruht, von denen der niedrigſte 3 F., der höchſte 10 F. hoch, iſt hinrei - chend. Der Niederſprungsort muß weicher Boden ſein.

Jeder Tiefenſprung geſchieht nur von der Stelle, nicht mit Anlauf; ein richtiger Nieder - ſprung iſt dabei die Hauptſache. Er muß ſehr auf die Zehen und mit nachgebenden Knieen geſchehen, jedoch müſſen bei Berührung der Erde die Kniee noch wenig gebogen ſein, damit ſie nicht zu raſch nachgeben, und dadurch, wenn der Oberleib ſtark vorfällt, wohl gar gegen das Kinn ſtoßen.

In die Tiefe und Weite darf man nur mit großerVor -30Vorſicht und von geringen Hoͤhen ſpringen; ein Bach oder Graben mit ungleichen Ufern iſt dazu ſehr paſſend.

Zur Übung darf man die Sprungtiefe von 2 Leibeshöhen nicht überſchreiten.

B. Das Stabſpringen.

Springzeug: Springel (der) (ſ. Platte 1, Zeich. A), wie beim Freiſprung, nur müſſen die Lochpfähle 10 F. hoch ſein und eben ſo viel von einander abſtehen. Die Löcher ſind 3 Z. aus einander und fangen 2 F. 3 Z. über der Erde an. An der aus - wendigen Seite jedes Lochpfahles muß in einer Höhe von 2 F. ein Tritt (Knagge) angebracht werden, zum bequemern Höherſtecken (Lochen) der Bolzen.

Springgeräth: Springſtäbe: junge getrocknete und geſchälte Kienſtämme von 7 11 F. Länge und verhältnißmäßiger Stärke, ſo daß jeder ſeinen Sprin - ger mit Sicherheit trägt. Das untere (dicke) Ende wird etwas zugeſpitzt, damit es deſto feſter im Bo - den haftet.

Die Bahn iſt wie beim Freiſprung nur muß etwa F. vor der Schnur eine kleine Grube zur Einſetzung des Stabes gemacht ſein, oder wenig - ſtens der Erdboden aufgelockert werden.

Stab -31

Stabhaltung: die eine Hand faßt den Stab oben, den Daumen nach oben, die andre den Stab nach dem dicken untern Ende zu, den Daumen nach un - ten. Es läßt ſich auf dieſe Art immer geſchickter ſpringen, als wenn der Daumen der untern Hand nach oben ſteht.

Hauptaugenmerke ſind: der Fuß, der an der Seite der unteren Hand iſt, muß jedesmal den Abſtoß geben; wenn alſo die linke Hand unten iſt, der linke Fuß. Das Aufſetzen des Fußes geſchieht im - mer ein Paar Fuß hinter dem Staabe, je nach - dem der Sprung hoch iſt , aber immer zu glei - cher Zeit mit demſelben. Die Beine gehen an der entgegengeſetzten Seite des abſtoßenden Fußes, alſo wenn dieſes der linke war, rechts an dem Stabe in die Höhe, und ſchwingen ſich geſchloſſen ſo hoch als möglich voran, der untere Arm ſtreckt ſich, die Bruſt kommt nahe an den Stab, und der Körper dreht ſich ſo herum, daß man beim Niederſprung nach dem Anlaufe hinſieht.

Um die Schwingung der Füße und die Hal - tung des Gleichgewichts zu lernen, muß der Tur - ner erſt den Stab in den Graben ſetzen und von der Stelle ſpringen; und dann erſt ganz kurze An - läufe nehmen, um das richtige Einſetzen des Fußes zu lernen. Der Stab muß immer gerade in derRich -32Richtung des Sprunges eingeſetzt werden, und ſich dann in einer ſenkrechten Ebene bewegen. Das Rechts - und Linksſpringen iſt auch hier bald zu ler - nen; wenn das richtige Einſetzen des Fußes einige Schwierigkeit macht, ſo kann man ſich auch hier im Anfange des Galoppanlaufs bedienen. Eine Haupt - ſache iſt, daß der Stab beim Anlauf in die Rich - tung des Sprunges und wagerecht gehalten wird; das ſchiefe geſenkte Halten und nachherige Seit - wärtsreißen beim Einſetzen hemmt den Schwung und bringt aus dem Gleichgewicht.

Sprungveränderungen:

1. In die Weite: über den Springgraben.

a. von der Stelle, für Anfänger.

b. mit Anlauf. Das ſtarke Vorauswerfen und Strecken des ganzen Leibes iſt hier durchaus nothwendig, um einige Weite zu erlangen.

2. in die Höhe: über die Springſchnur; iſt die ſchwerſte Art.

a. mit Zurücklaß des Stabes; die gewöhn - lichſte.

b. mit Hinübernahme des Stabes; erfordert viele Übung.

Die Höhe des ausgeſtreckten Armes bis zu den Fingerſpitzen giebt hier das Maaß eines gutenSprun -33Sprunges. Die ganze Drehung des Springers um ſeine Achſe iſt beim Höhenſprung ein ſchweres Stück.

Der Stabſprung in die Weite und Höhe muß auch im Springgraben geübt werden. Die Höhe kann man durch die vorgehaltene Schnur beurthei - len, doch wird dieſe immer durch den Stab weg - geriſſen werden.

3. In die Tiefe: bloß vom Stande. Die Hände faſſen den Stab ſo tief als möglich, und können im Sprunge ſelbſt noch tiefer gleiten, um einen ſanfteren Niederſprung zu bewirken. Die Drehung des Körpers iſt hierbei unnütz.

In die Tiefe und Weite: ein ſehr gewaltſamer Sprung, darf daher nie von großer Höhe geſche - hen. Die Drehung muß hier wieder Statt finden.

Eine leichte und bequeme Art des Stabſprunges iſt die mit zweien Stäben, zwiſchen denen man durchſpringt. Sie iſt als Turnübung eigentlich zu leicht, und verdient nur in folgender Art geübt zu werden, wo ſie beſonders heilſam für das Kreuz iſt. Man ſetzt beide Stäbe in die Mitte eines 3 4 F. tiefen Grabens, faßt ſie in der Schulter - oder Scheitelhöhe, ſchwingt ſich zwi - ſchen beiden hindurch, macht bei Berührung des jenſei - tigen Ufers bloß eine Kniebeugung und ſchnellt ſich ſo - gleich wieder rückwärts. Dieſe Bewegung, öfter fort -Cgeſetzt,34geſetzt, iſt, beſonders wenn der Graben 8 F. 10 Z. und mehr breit iſt, ſehr angreifend.

Alle Sprünge können, wie die Gänge und Läufe, Ledigſprünge und Laſtſprünge ſein, wobei aber, wie dort, Arme und Hände ſtets laſtfrei ſein müſſen.

IV. Schwin -35

IV. Schwingen.

Das Schwingen gehört zum gemiſchten Sprunge, indem der Schwung, den der Körper durch einen Ab - ſtoß der Füße erhält, durch das Aufſetzen der Hände unterſtützt wird. Der Gegenſtand, auf den die Hände aufgeſetzt werden, muß immer feſt ſein. Man geht nun aber weiter, und rechnet nicht nur alle Sprünge, die den Turner mit Aufſetzung der Hände auf die zu die - ſer Übung beſtimmte Vorrichtung, oder über ſie hinweg bringen, zum Schwingen; ſondern auch alle Verände - rungen, die der Turner auf derſelben vornimmt.

Das Schwingen, eine der vorzüglichſten Leibes - übungen, wirkt faſt auf alle Theile des Leibes gleich heilſam; ſtärkt beſonders Arme und Beine, Bauch - und Rückenmuskeln, befördert ſehr die Gelenkigkeit, und bil - det außerordentlich den körperlichen Anſtand.

Da das Schwingen ſo wichtig, und ſo ſehr als Kunſt ausgebildet iſt, ſo verdient es, daß man ihm, ſo wie dem Fechten, eigne Stunden in Schwingſälen widmet. Hiezu eignet ſich beſonders der Winter, wo wegen derC 2Wit -36Witterung ohne dies die Übungen im Freien meiſt aus - geſetzt werden müſſen, bis es Turnhäuſer giebt.

Schwingzeug: Schwingel (der), eine dem Pferde ähnliche Vorrichtung, die, wenn man ſie polſtert, mit Pferdehaut überzieht und ihr noch mehr das Pferdeanſehen giebt, auch Schwingpferd genannt wird. *)S. den Anſchlag des Turngeräthes (Abſchnitt 2, II). Der Schwingel (ſ. Platte 1, Zeichn. D.) iſt für Turner von 15 Jahren und dar - über 6 F. lang und etwa 18 Z. dick, oben in ge - rader Linie abgearbeitet, gegen den Kopf zu etwas an Stärke abnehmend, jedoch hier, wie am Hin - tertheile überall rund.

Gut iſt es, wenn der ſenkrechte Durchmeſſer etwas - her als der wagerechte iſt. Das Kreuz hat 2 F. Länge, der Sattel mit Pauſchen (die Sattelbogen, als Handgriffe) 1 F. 8 Z., und der Hals 2 F. 4 Z.. Die Pauſchen ſind Z., höchſtens 4 Z. hoch, und 3 Z. dick; ſie müſſen oben rund und nach unten etwas an Stärke abnehmend ſein, ſo daß man ſie feſt halten kann; auch dürfen ſie an keiner Seite überſtehen, ſondern müſſen dünn aus - laufen. Sie werden, von gutem Holze gemacht, in den Schwingel etwas eingelaſſen und mit großen Nägeln befeſtigt. Die Beine werden etwa 1 F. vom hinteren, und203720 Z. vom vorderen Ende tief eingeſtämmt, und beſon - ders nach vorn ſchräg geſtellt. Sie dürfen höchſtens 4 Z. über die Seiten des Schwingels überſtehen und wenn man ſie 6 8 F. in die Erde ſetzt, was auf dem Turn - platz immer geſchehen muß, ſo können ſie noch enger ſein.

Bei einem Schwingpferde (ſ. Platte 1, Zeichn. E.) läßt man das Kreuz vom Sattel nach dem Schwanze zu 1 Z. aufſteigen, den Hals vom Sattel an nach dem Kopfe zu ſoviel, als die Höhe der Pauſchen beträgt (2 4 Z.). In der Dicke läßt man das Pferd am Kreuz bis 20 Z. zunehmen, am Kopfe bis 12 Z., höch - ſtens 10 Z. abnehmen. Das Polſtern geſchieht ſo: der ganze Block wird mit Leinwand überzogen; auf dieſe werden Haare genäht, am beſteu Pferdhaare; darüber kommt wieder Leinwand, und über dieſe die gegerbte Pferdehaut, ohne Haare denn mit dieſen wird ſie nie weich genug . Das ganze Polſter wird ½ ¾ Z. ſtark. Auf dieſes werden nun die Holzpauſchen (Pltte 1, Zeichn. F.) 5 / 4 Z. ſtark, 3 Z. hoch, jede mit 3: 8 9 Z. langen und Z. ſtarken Schrauben befeſtigt. Auf die Pauſchen wird eine ½ ¾ Z. ſtarke ausgeſtopfte leinene Wulſt gelegt; die Seitenwände der Pauſchen werden nun ebenfalls mit Haaren belegt und das Ganze mit Leinwand überzogen, ſo daß die oben beſchriebene Ge - ſtalt herauskömmt. Das Leder, welches man zum Über - ziehen der Pauſchen nimmt, muß weich und dauerhaft ſein.

Da38

Da das Schwingpferd zum Hoch - und Niedrig - ſtellen ſein muß, ſo beſtehen die Beine aus Röhren und Schiebern (Platte 1, Zeichn. G.). Jede Röhre iſt aus vier 5 / 4 zolligen Brettern zuſammengeſetzt; die Kanten müſſen ſorgfältig abgenommen werden, ſo daß das Ganz - eine runde Geſtalt bekommt. Die Röhren müſſen 6 8 Z. in den Block gehen und feſt eingekeilt werden, un - ten hält ſie ein eiſerner Ring zuſammen. Die Schieber haben 2 Z. im Gevierte und müſſen genau paſſen. In dieſe werden 6 7, ½ zollige Löcher gebohrt, die 2 Z. über der Erde anfangen, und immer 2 Z. aus einander ſind. Die Bolzen, welche man durch dieſe von aus - wendig nach inwendig ſteckt, erhalten einen Knopf, der das Durchgleiten verhindert. Kann man es daran wen - den, die Schieber von Eiſen ſchmieden zu laſſen, ſo iſt dies bei weitem beſſer; ſie brauchen dann nur 1 ½ 1 ¾ Z. im Geviert zu haben.

Dem Schwingel eine ganz pferdähnliche Geſtalt zu geben, iſt nur erlaubt, wenn dadurch nicht ſeiner Brauch - barkeit geſchadet wird.

Die vorher angegebenen Maaße muß der Schwin - gel haben, nachdem er gepolſtert iſt. Alle Ecken, Kan - ten, hervorſtehende Nägel, Schnallen und Näthe müſ - ſen auf das ſorgfältigſte vermieden werden.

Das Sattelkiſſen (Platte 1, Zeichn, E, a), wel - ches auch jeder Schwingel mit Pauſchen bekommt, iſt ½ Z. dick39dick, und geht beinahe bis unter den Bauch, wo es um - geſchnallt wird.

Wenn das Schwingpferd auf dem niedrigſten Stande 3 F. 8 Z. Höhe hat, ſo können ſich ſchon 11 12 jährige Knaben daran üben, und auch Erwachſenere.

Soll ein Schwingel bloß für 8 12 jährige Kna - ben ſein, ſo kann man ihm nach den im Anſchlage (Abſchn. 2, II. ) angegebenen Verhältniſſen verkleinern.

Die paſſendſte Schwinghöhe für einen Jeden iſt: etwas geringer als ſeine eigne Schulterhöhe.

Zuſtände des Schwingens:

  • a. der Stand.
  • b. der Lauf.
  • c. der Sprung.
  • d. der Stütz.
  • e. der Sitz. *)
  • f. der Schluß.
  • g. die Schwebe.
  • h. der Hub.
  • i. der Schwung.

*) Der Sitz ſoll beim reinen Schwingen eigentlich nicht vorkommen, und kann nur Anfängern bei weni - gen Sprüngen erlaubt werden.

Vorübungen.
  • 1. Hüpfen.
  • 2. Hocken.
  • 3. Grätſchen.
  • 4. Spreizen.
  • 5. Kreuzen.
  • 6. Hurten.
  • 7. Heben.
  • 8. Wippen.
  • 9. Hockwippen.
  • 10. Handeln.

Die fünf erſten Vorübungen können ſowohl frei, als am Schwingel geübt werden; die fünf letzten bloß am Schwingel.

Von40

Von der freien Übung:

1 u. 2. Die zwei erſten ſind Springvorübungen; und Fertigkeit in ihnen wird bei jedem Schwingluſtigen vorausgeſetzt. Unter Hüpfen wird hier bloß das mit nachgebenden Knieen (Kniebeugen), und unter Hocken das Springhocken verſtan - den.

Die eigentlichen Schwingvorübungen, ſo frei geübt werden, haben beſonders zur Abſicht, die Biegſamkeit der Hüftgelenke zu befördern.

3. Grätſchen (das) heißt die Bewegung beider Schen - kel zu gleicher Zeit nach beiden Seiten. Zuerſt ſtellt man ſich an einen Stuhl oder anderen feſten Gegenſtand, wo man die Hände auflegt, um das Ausgleiten zu vermeiden, und läßt nun die Beine langſam aus einander; die Füße werden dabei ein - wärts gehalten, die Kniee geſtreckt, und die Soh - len auf die Erde gedrückt. Dieſe Übung darf nie gewaltſam getrieben werden, man muß ſie aber oft wiederholen.

Hat man hierin Fertigkeit erlangt, ſo geſchieht die Übung im Sprunge, d. h. man hüpft die Hände an die Hüften gelegt in die Höhe, grätſcht in der Luft, und kommt mit geſchloſſenen Beinen wieder zur Erde, ſpringt ſogleich wieder auf u. ſ. w.

4. Spreizen (das) heißt die Bewegung eines Schenkelsim41im Hüftgelenk, nach allen Seiten, während das andre Bein auf der Erde ſtehen bleibt. Bei allem Sprei - zen als Vorübung müſſen bei vollkommener Stre - ckung der Kniee die Fußſpitzen angezogen (gegen den Leib), und die Füße einwärts (d. h. gleichlau - fend) gehalten werden, um die Spannkraft der Sehnen in den Hüft - und Kniegelenken deſto mehr zu befördern.

a. vorwärts: mit einem Bein nach dem an - dern. Das Knie des Stehbeines iſt hier immer ſehr geneigt, ſich zu biegen, ſo wie die Fußſpitze des Spreizbeines ſich zu ſtrecken.

b. ſeitwärts: die ſchwerſte, aber auch wich - tigſte Art. Die Beine dürfen hier nicht im min - deſten nach vorn oder hinten abweichen, und der Oberleib ſich nicht nach dem Beine drehen und ſchwanken; die Beine müſſen wenigſtens einen rechten Winkel mit einander bilden.

c. rückwärts: die kleinſte Bewegung, wobei das Kreuz ſehr nachgeben muß. Hier muß man ſich nicht durch Vorneigen des Oberleibes, oder Krümmen der Kniee helfen wollen.

Es giebt nun noch eine zuſammengeſetzte Spreiz - art, nämlich nach vorn im Bogen: von inwen - dig nach auswendig, oder umgekehrt. Man übt dies über einen Gegenſtand, z. B. einen Stuhl, ſo wieman42man Beinkleider verſucht, ob ſie gehörigen Schritt haben. Der Oberleib darf der Bewegung des Beines nicht folgen, und das andre Bein muß feſt ſtehen. Dieſes Spreizen kommt beim Schwingen häufig vor.

5. Kreuzen (das) iſt ein Grätſchen im Sprunge, wo - bei beim Niederſprunge die Füße immer abwech - ſelnd gekreuzt werden. Je mehr man grätſcht, kreuzt und das Gleichgewicht hält; deſto beſſer iſt die Aus - führung.

Vorübungen am Schwingel.

Bei den fünf erſten Vorübungen gelten folgende allgemeine Beſtimmungen.

a. Der Turner tritt mit gerader Haltung und geſchloſ - ſenen Füßen ſo dicht wie möglich an den Schwin - gel, aber ohne ihn zu berühren; die Hände faſſen die Mitte der Pauſchen, die Ellenbogen ſind nach oben gerichtet.

b. Aus dieſer Stellung wird der Körper vermittelſt eines Abſtoßes der Füße, mit Hülfe der Hände, ſo weit ſenkrecht in die Höhe geſchnellt, bis die Arme ge - ſtreckt ſind.

c. Hat der Körper dieſe Höhe erreicht, ſo ſinkt er ſo - gleich wieder ſenkrecht zur Erde, berührt dieſelbe nur einen Augenblick, und fährt ſo in der Bewe - gung fort. Gewöhnliche Fehler hiebei ſind: das Vorfallen des Oberleibes und Zurückwerfen derBei -43Beine, die Nichtſtreckung der Arme, oder das Zie - hen an den Pauſchen, wobei die Ellenbogen ſinken, ſtatt des bloßen Druckes nach unten.

Beim Hocken allein iſt es nicht möglich, den Oberleib ganz ſenkrecht zu halten; nur muß man mit den Knieen nicht an den Schwingel ſtoßen, und dieſe recht über den Sattel bringen.

Beim Spreizen, welches hier bloß ſeitwärts und immer wechſelbeinig geſchieht, muß man ſehr darauf ſehen, daß das jedesmalige Hangbein recht ſenkrecht bleibt, und nicht mitſpreizt.

6. Hurten (das). Man hüpft in die Höhe, läßt, ſo - bald die Arme geſtreckt ſind, die Beine gegen den Schwingel fallen, und bleibt im Stütz.

Aus dieſer Haltung werden nun die Beine, ohne Krümmung der Kniee, bloß durch einen Ruck aus dem Kreuze, beide gleichzeitig etwa eine Spanne vom Schwingel abgeſtoßen oder abgeworfen; und dieſe Bewegung öfter wiederholt.

7. Heben (das). Der Turner hüpft in den Stütz, wie vorher, und ſitzt auf, wenn auch noch nicht kunſt - und ſchwinggerecht. Er ſetzt nun beide Hände ſo auf die erſte (vordere) Pauſche, daß der Daumen nach vorn, die 4 Finger der Hand nach hinten ſte - hen, die Ellenbogen ſich einander möglichſt nähern und ganz geſtreckt ſind. Er läßt nun die Füßevom44vom Sattel los und iſt ſo, weit grätſchend, mit geſtreckten Beinen, in der Schwebe. Aus dieſer Haltung hebt er nun den Leib, durch Einziehen des Unterleibes, ſo hoch als möglich, läßt ſich dann wieder hinunter, biegt die Ellenbogen und ſenkt ſich ſo tief, daß er beinah mit den Oberſchenkeln den Sattel berührt; hebt ſich wieder und macht dieſe Bewegung mehrere Male hinter einander, immer ganz langſam ohne den mindeſten Schwung.

8. Wippen (das). Der Turner iſt in der Schwebe, wie vorher, wobei immer die Hände ſo nah zuſam - men ſtehen müſſen, daß ſie ſich beinah berühren. Er bringt nun die Beine in Schwung, und wirft ſie gleichmäßig nach hinten, wobei das Kreuz, und nach vorn, wobei der Leib eingezogen wird. Je höher und ebenmäßiger die Schwingungen, deſto beſſer das Wippen. Ein Geübter ſchlägt hinten und vorn mit den Füßen zuſammen, wobei die Beine aber immer geſtreckt bleiben müſſen.

9. Hockwippen (das). Der Turner iſt auf der hin - teren Pauſche in der Schwebe, zieht die Beine mit einem Ruck an und ſetzt ſie beide vor ſich in den Sattel; läßt ſie wieder in die Schwebe ſinken, und ſetzt ſie hinter die Hände auf’s Kreuz. u. ſ. w. Die Sohlen müſſen feſt aufgeſetzt, und die Füße ge - ſchloſſen werden. Wer dieſe Übung von und aufder45der Pauſche kann, macht ſie vom Kreuze aus, wobei die Hände dicht hinter die Pauſche geſetzt werden.

10. Handeln (das) heißt in der Turnſprache immer, ſich im Stütz oder in der Schwebe in aufrechter Stellung des Oberleibes auf den Händen weiter bewegen. Der Turner ſtellt ſich hinter den Schwin - gel, ſetzt die Hände dicht neben einander auf das Kreuz (die Daumwurzeln neben einander, die an - dern 4 Finger jeder Hand nach auswärts), und hüpft in die Schwebe; und in derſelben bewegt er ſich nun mit kurzen Griffen über den ganzen Schwin - gel fort. Die größte Schwierigkeit findet man an den Pauſchen. Das Handeln in der Schwebe (das Schwebehandeln) wird vor - und rück - wärts, das Handeln im Stütz (Stützhandeln) rechts und links geübt.

Schwingregeln.

1. Beim Schwingen, ſo wie bei allen Turnübungen, muß alles rechts und links geübt werden. Ein Sprung heißt rechts, wenn das rechte Bein die ſchwerſte, erſte oder Hauptbewegung macht, oder wenn daſſelbe oder die ganze rechte Seite des Schwingers vorangeht. Die Seite des Schwin - gels oder Schwingpferdes entſcheidet nicht.

2. Die ſenkrechte Haltung des Kopfes und Leibes mußbei46bei allen Bewegungen geſucht und beobachtet wer - den, ſo wie die Streckung der Knie - und Fußge - lenke, wenn die Biegung nicht gerade Erforderniß des Sprunges iſt.

3. Wie bei allem Springen geſchieht der Aufſprung mit, und der Niederſprung auf Zehen und Ballen.

4. Wenn ein Sprung wiederholt wird, ſo darf bei dem jedesmaligen Niederſprunge der Schwinger auch keinen Augenblick auf der Erde verweilen, viel we - niger öfter aufſpringen, ſondern muß ſich ſogleich wieder in die Höhe ſchnellen.

5. Nach einem gemachten Aufſitzen ſoll ſich der Schwin - ger im Schluß, nicht im Sitz befinden, weil nur der Schluß dem Körper eine beſtimmte gute Hal - tung, und beſonders beim Abſitzen eine feſte Unter - ſtützung giebt. Der Schluß iſt folgender: der Oberleib iſt gerade, das Kreuz eingezogen, die Hüft - gelenke, welche beim Sitz nach vorn gebogen ſind, werden ſo geſtreckt, daß die Schenkel in ſenkrechter Richtung unter dem Leibe hangen. Dadurch ent - ſteht zwiſchen dem Sattel und der Spalte ein Zwi - ſchenraum, in den man gerade eine Hand bringen kann. Iſt dieſer größer, ſo iſt der Schluß zu an - geſtrengt.

6. Faſt alle Sprünge können gemacht werden:

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a. vom Stande, b. mit Vorſprung, c. mit An - lauf.

a. Bei der erſten Art liegen die Hände ſchon früher auf dem Schwingel und heben den Leib gleich nach dem Abſtoß.

b. Der Vorſprung geſchieht immer einige Sprün - ge mit Einer Hand ausgenommen mit ge - ſchloſſenen Beinen und Füßen, nicht zu nahe am Schwingel.

c. Der Anlauf darf nicht größer als 8 10 Schritt ſein, und wird durch den Vorſprung geendigt. Wichtig, für den Anfänger aber ſchwierig iſt nun das rechtzeitige Aufſetzen der Hände nach dem Vor - ſprung, beſonders bei den Hinterſprüngen. Der Vorſprung darf nur leicht und flach über der Erde geſchehen, die ganze Kraft wird in den Auf - ſprung gelegt.

Durch den Vorſprung wird der ſtarke Schwung, den der Körper durch den Anlauf bekam, gehemmt; der Oberleib fliegt alſo vor und die Beine bleiben zu - rück. Dieſe Bewegung wird durch den Aufſprung verſtärkt, der die Schultern des Schwingers ſchon allein über das Kreuz des Schwingels oder Schwingpferdes bringt. In dieſem Augenblick alſo nach dem Aufſprung werden beide Hände, nahe zuſammen, weit vorwärts, leicht, doch feſt auf das Pferd geſetzt, aber nicht aufge -ſchla -48ſchlagen. Dieſe unterſtützen nun den Schwung des Kör - pers nach vorn; in dem Augenblick aber, wo die Schul - tern über dem Aufſetzungspunkt angekommen ſind, geben ſie einen ſtarken Abſtoß. Dieſe richtige Anwendung der Regeln iſt es, welche Rieſenſprünge über 7 bis 8 F. lange Schwingel und Schwingpferde möglich macht. Abkürzungen: r. = rechts, H. = Hand, B. = Bein, P. 1. = Vorderpauſche, l. = links, F. = Fuß, S. = Sattel, P. 2. = Hinterpauſche.

Alle Sprünge beim Schwingen theilen ſich A. in einfache Sprünge und B. in Geſchwünge.

A. Einfache Sprünge.

die nur aus den Vorübungen und ganz einfachen Bewegungen beſtehen, und von denen keiner in dem andern enthalten iſt.

Je nachdem ſie von der Seite oder von hinten ge - macht werden, ſind es, wie folgende Überſicht lehrt,

a. Seitenſprünge und b. Hinterſprünge.

a. Seitenſprünge und b. Hinterſprünge.
1. Erſtes Aufſitzen und 1 tes Abſitzen. 1. Wippe.
2. Zweites Aufſitzen und 2 tes Abſitzen. 2. Spreize.
3. Jungfernſprung. 3. Jungfernſprung.
4. Kehre. 4. Spille.
5. Wende. 5. Schraube.
6. Katzenſprung mit Ab - hüpfen oder Dreh -
6. Schee -49
6. Scheere. ſprung, Scheere und Abwippen oder mit
7. Mühle. 7. Affenſprung oder mit
8. Hockſprung. 8. Froſchſprung.
9. Nadel. 9. Kehre.
10. Gaffel. 10. Wende.
11. Grätſchſprung. 11. Rieſenſprung: vorwärts. rückwärts.

a. Die Seitenſprünge.

1. Das erſte Aufſitzen. Der Turner hüpft in den Stütz, ſpreizt das r. B. bis zum r. Winkel, läßt die r. H. los, und dreht nun B. und Leib zu glei - cher Zeit herum, bis das Geſicht nach dem Kopf des Pferdes ſteht; die r. H. greift vor in den Sat - tel, und das r. B. ſchließt ſanft.

1 ſtes Abſitzen. Die r. H. bleibt im Sattel, das r. B. und der Leib drehen ſich gleichzeitig zurück, und die r. H. iſt ſchon früher auf P. 2, als das r. B. an das l. B. anſchließt. Der Körper bleibt einen Augenblick im Stütz, und macht dann den Niederſprung.

2. Das zweite Auſſitzen. Der Turner hüpft in den Stütz; die r. H. läßt das r. ſpreizende B. durch, und nimmt ſogleich wieder ihre Stelle ein, ſo daß ſie einen ſanften Schluß bewirkt.

D2 tes50

2 tes Abſitzen. Die r. H. geht auf P. 2. ; Leib und B. drehen ſich wie vorher, die r. H. macht dem B. Platz, und nimmt ſogleich wieder ihre Stelle ein. Das Gewicht des Körpers muß wäh - rend der Bewegung ganz auf den vordern Arm gebracht werden.

Gewöhnlich ſitzt man rechts auf, l. ab; links auf, r. ab: und wiederholt dies noch einmal; und zwar erſt mit dem erſten und wenn die Schwingriege durch iſt, mit dem zweiten Auf - und Abſitzen.

Da es den Anfängern ſchwer wird, Bein und Leib zugleich zu drehen, auch viele zu bequem ſind; ſo läßt man es anfangs ſo machen, daß nach dem Überſchwun - ge des B. die H. in den S. faßt, das B. aber nicht ſchließt, ſondern bis an den Hals vor - und ſogleich zu - rückſchwebt.

Der Schwung hilft ſehr zur gleichzeitigen Zurück - nahme des Fußes, Leibes und der Hand. Dies läßt man 3 4 mal raſch hinter einander machen, indem man immer im Stütz bleibt.

3. Der Jungfernſprung. Der Schwinger hüpft in den Stütz und hurtet; indem die Beine das Pferd verlaſſen haben, wendet ſich der Körper ganz nach vorn, das r. B. ſpreizt vorwärts im Bogen über den Hals hinüber, in den Schluß. Die l. H. ver - läßt P. 1. bloß ſo lange, bis das B. durch iſt. Wäh -51Während des Sprunges iſt der Oberleib gerade, das Gewicht des Körpers liegt auf dem r. Arm und das l. B. hängt ſenkrecht.

Abſitzen: das B. geht eben ſo zurück. Der Leib dreht ſich erſt etwas vom Pferde ab und nachdem das B. über der P. weg iſt, wieder gegen das Pferd. Man kann auch bloß mit der r. H. abſi - tzen, was aber bei weitem ſchwieriger iſt.

Der Jungfernſprung wird auch 2 mal hinter einander auf und ab gemacht.

4. Die Kehre. Anfang wie zum Jungfernſprung, aber ſtatt des Einen Beines werden beide geſchloſ - ſen nach vorn im Bogen gehoben. Der Körper iſt in ſitzender Stellung nach vorn gerichtet. Nach - dem die l. Hand die Beine durchgelaſſen und wie - der auf P. 1. gegangen iſt, ſtoßt die r. H. ab und der Schwinger ſteht neben P. 1., an der rechten Seite des Pferdes, das Geſicht nach vorn, die l. H. auf P. 1.

5. Die Wende. Der Schwinger hüpft in den Stütz und hurtet, die Beine gehen aber nach hinten (nach d. Kreuz des Pf.) geſchloſſen in die Höhe; der Oberleib ſenkt ſich gegen das Pferd, der ganze Kör - per geht geſtreckt über das Pferd fort. Die r. H. verläßt P. 2., die l. H. geht von P. 1. auf P. 2. und neben dieſer geſchieht der Niederſprung.

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Die fünf beſchriebenen Stücke übt man zwar ge - wöhnlich am Sattel und von der l. Seite des Pferdes rechts, und an der r. Seite des Pferdes links, ſo daß bei Beendigung des Sprunges die Stellung nach vorn iſt. Zur Übung muß man ſie aber auch am Kreuz und Hals machen, und von jeder Seite des Pferdes rechts und links.

6. Die Scheere. Der Schwinger macht die Schwebe auf P. 1., wippt einige Mal, und indem ſich die Füße hinten zum Zuſammenſchlagen nähern, kreuzt er ſie, macht eine Drehung mit dem Leibe, ſtößt mit den Händen ab, und fällt umgekehrt in den Schluß. Wird gewöhnlich vier Mal gemacht.

7. Die Mühle. Die Hände auf beiden Pauſchen, aber Aufſitzen auf das Kreuz, und Schluß mit den Wa - den. Das r. B. ſitzt ab, ſchließt ſich an das l. B. an, und beide ſchwingen ſich geſchloſſen bis über den Hals. Hier fallen ſie aus einander in den Schluß; die Hände werden verwechſelt, und die Bewegung einige Male wiederholt; gleich darauf eben ſo zurück. Die erſte Bewegung war rechts, weil das Abſitzen oder der Abſchwung hier am ſchwierigſten, und auch die rechte Hand am meiſten trägt.

8. Der Hockſprung oder die Hocke. Stütz, hur - ten, hocken. Die Beine werden zwiſchen den Ar -men53men durchgeworfen, mit einem Abſtoß wieder zu - rückgezogen; dieſes zweimal hin und her, und end - lich wieder durchgeworfen mit Abſtoß der Hände und guter Streckung der Beine. Mit Anlauf wird der Sprung bloß vorwärts durch gemacht.

9. Die Nadel. Aufhüpfen, das r. B. geht gebogen um den r. Arm herum, durch den Sattel; das linke Bein und der Leib folgen, und der Schwin - ger iſt umgekehrt im Schluß; er ſitzt links nach vorn ab.

10. Die Gaffel. Stütz, das eine Bein hockt durch den Sattel; indem das zweite durchgeht, geht das erſte zurück, und ſofort.

11. Der Grätſchſprung oder die Grätſche. Stütz, hurten, grätſchen. Die Hände ſtoßen ab, und ſchnellen den Körper hinüber, ſo daß er auf der r. Seite des Pferdes mit dem Rücken gegen den S. zur Erde kömmt. Mit Anlauf dürfen die Beine und Füße nicht das Pferd berühren.

b. Die Hinterſprünge.

1. Die Wippe: heißt jeder gerade Sprung, wobei der Turner in die Schwebe fällt; und ſich darin erhält. Stellung der Hände wie bei der Scheere. Man übt ſie zuerſt auf P. 2., dann auf P. 1.. Das weite Aufſetzen der Hände und gleichzeitige Loslaſ - ſen, und Ergreifen der Pauſche iſt durchaus noth -wen54wendig. Durch das Abwippen unterſcheiden ſich dieſe Sprünge von den Längenſprüngen (ſ. beim Rieſenſprung). Die Beine werden im Wip - pen rückwärts über dem Pferde geſchloſſen, der ganze Körper kommt in die wagerechte Lage. In dieſem Schwunge nehmen die Arme, durch das Zu - rückſchieben des Oberleibes, ſchon eine ſchräge Stel - lung und ſind nun um ſo leichter im Stande, ſtark abzuſtoßen. Die Hände kehren ſich nun ſogleich gegen das Pferd, und gehen dicht geſchloſſen über daſſelbe fort, um die Bruſt gegen das etwanige Aufſchlagen zu ſichern. Durch die Streckung des ganzen Leibes und der Beine wird allein das weite und ſchöne Abwippen möglich.

2. Die Spreize. Aufſprung wie zur Wippe; im Schwunge ſpreizt das r. B. vorwärts im Bogen über P. 2. fort, die r. H. geht vom Kreuz über das r. B. fort auf P. 2. In dieſem Augenblick, wo das r. B. zwiſchen beiden H. iſt, ſtoßen dieſe ab, und der Turner macht neben P. 2. mit ge - ſchloſſenen Füßen den Niederſprung; die r. H. bleibt auf der P. 2. Die Beine dürfen bei dem gan - zen Sprunge das Pferd nicht berühren.

3. Der Jungfernſprung. Gerader Vorſprung, Auf - ſchwung beider geſchloſſenen B. nach der l. Seite des Pferdes, und Jungfernſprung auf Kreuz, Sat -tel55tel oder Hals; verſteht ſich: in Einem Zuge. Ab - ſitzen, wie beim Jungfernſprung von der Seite. Die Richtung des Leibes muß bei dieſem Sprunge immer nach vorn ſein.

4. Die Spille. Gerader Vorſprung. Aufſchwung der geſchloſſenen Beine an die r. Seite des Pferdes. Die r. H. faßt im Schwunge (oder gleich im An - fang, welches aber ſchwerer) die Pauſche 2, das r. B. ſitzt auf, ſchwebt vor, wobei die Bruſt nach hinten (nach d. Kreuz d. Pf.); und der Turner kommt mit demſelben Schwunge wieder auf der Stelle des Vorſprungs, Bruſt nach vorn, zu ſtehen.

5. Die Schraube. Aufſchwung der B., wie bei der Spille, aber an der l. Seite des Pferdes, ſo daß das l. B. im S., das r. B. am Kreuz, die linke H. auf P. 2, die r. H. auf dem Kreuz. Die r. H. ſtoßt ab, der Körper dreht ſich um den l. Arm; das r. B. ſpreizt rückwärts über den Hals, und kommt in den Schluß (Bruſt nach vorn). Die r. H. faßt ſogleich P. 1. mit dem Daumen nach vorn, die l. H. geht auf den Hals (Daumen der P. 1. zu) und es wird r. abgeſeſſen. Das Ganze ſo raſch als möglich hinter einander.

6. Der Katzenſprung: jeder Sprung, bei dem man von hinten zum Stehen auf das Pferd kommt. Der Aufſchwung der Beine iſt gegrätſcht und ge -ſtreckt,56ſtreckt, wie bei der Wippe; dann aber werden ſie, wie die Hockwippe lehrt, ſchnell nach vorn ange - zogen und vor den Händen auf das Pferd geſetzt. Auf Kreuz, P. 2, S., P. 1, oder Hals. Das ſchnelle gerade Aufrichten und Feſtſtehen iſt eine Hauptſache. Wer viel Schwung hat, muß mit ge - ſtreckten Beinen auf das Pferd kommen. Der Ab - ſprung kann geſchehen:

a. durch Abhüpfen: vom Kreuz, P. 2, S. und P. 1. nicht vom Halſe. Man ſtellt ſich auf die Ballen, ſpringt auf, grätſcht ſogleich, damit die Füße nirgends einen Anſtoß finden, rück - wärts über das Pf. fort; ſchließt dann die Beine wieder und macht den Niederſprung auf der Stelle des Vorſprungs. Die Hände ſind dabei vorgeſtreckt. Vorher kann man auf den Pau - ſchen auch raſch hin und her hüpfen (aber ſtets nur auf den Ballen);

b. man macht den Drehſprung, d. h. man ſpringt im S. in die Höhe, dreht ſich und fällt, das Geſicht nach hinten, in den Schluß hinab. Dann macht man die Scheere, und wippt von P. 1 ab;

c. oder man macht:

7. den Affenſprung. Man hockt auf einer Pauſche auf den Ballen: die eine H. zwiſchen beiden Füßen,die57die andre H. auf der andern P. In dieſer Stel - lung hüpft man einige Mal von einer P. zur an - dern, indem man die Hände immer verwechſelt, ſo - wohl rechts herum, als links zurück. Dann macht man einen Abſchwung wie mit der Wende vor ſich hin über das Pferd: r., wenn die r. H. vorſteht, und l., wenn die l. H. verſteht, indem ſich die H. beim Niederſprunge, wie bei der Wende ver - wechſeln;

d. oder man macht:

8. den Froſchſprung, d. h. man ſetzt die H. auf den Kopf des Pferdes, und ſchwingt ſich grätſchend über daſſelbe fort.

9. Die Kehre. Anlauf und grader Vorſprung. Auf - ſchwung der Beine nach der l. Seite des Pferdes; Kehre rechts, Niederſprung neben P. 2. oder ne - ben P. 1.

10. Die Wende. Aufſprung, wie zur Spille, und dann Wende. Um den rechten Schwung zu er - halten, geſtattet man anfangs die Hände auf dem Kreuz zu haben. Eine ſchöne Ausführung des Sprunges macht aber die r. H. auf P. 2 noth - wendig.

11. Der Rieſenſprung: jeder Sprung von hinten, der Länge nach, über das Pferd. Da nun aber zur Erlernung dieſes Sprunges große Übung gehört,ſo58ſo gehen ihm die Längen - oder Weitenſprünge voraus. Jeder Längenſprung ſoll eine Wippe, oder derſelben wenigſtens ähnlich ſein, d. h. die Beine grätſchen ſo weit als möglich, die Hände verlaſſen die Aufſetz - Stelle, und greifen ſo weit vor, als der Schwung den Leib führt; ſo daß dieſer in die Schwebe fallt. Iſt der Schwung zu ſtark, ſo müſ - ſen ſie wenigſtens ſoviel halten, daß der Schwinger ſanft in den Schluß kommt. Das Niederfallen in den Sitz oder Schluß ohne Vorſetzung der Hände iſt durchaus nicht zu geſtatten.

Der Rieſenſprung iſt zweierlei Art:

a. vorwärts, wobei die H., wenn das Pferd nicht zu hoch, in den Sattel greifen. Noch ein - mal auf dem Kopf aufſetzen iſt erlaubt, beſſer iſt das einmalige Aufgreifen. Der Niederſprung geſchieht, wie beim Springen, alſo etwas vor - geneigt.

b. rückwärts: Im Aufſpr. dreht der Schwin - ger Geſicht und Bruſt ganz nach hinten, zieht den Leib ein, und hält die Hände vor.

Das Abſitzen geſchieht:

a. beim Längenſprung vorwärts, vom Kreuz oder Sattel: durch gewöhnliches Abſitzen, wobei die eine Hand weit vor, die andre dicht vor den Körper geſetzt wird; vom Halſe: indemder59der Schwinger beide H. auf den Kopf ſetzt und über dieſen eine Art Froſchſprung mit geſtreckten Beinen macht;

b. beim Längenſprung rückwärts, vom Kreuz: durch den eben angeführten Spr.; vom Sattel: eben ſo, oder mit Abſitzen beim Jung - fernſpr. ; vom Halſe mit Abwippen.

Die Seitenſprünge macht man gewöhnlich über dem Sattel und von beiden Seiten des Pferdes, rechts und links, ſo daß das Geſicht gegen den Kopf des Pf. gekehrt iſt. Zur Übung muß man ſie aber auch von jeder Seite des Pf. rechts und links über den Hals und Kreuz üben, und oft die Hände nicht die Pauſchen greifen laſſen.

Man muß ferner die Seitenſprünge erſt aus dem Stütz üben, dann von der Erde: die bloß auf das Pferd gehenden nur mit Vorſpr. und Anlauf, die hinü - ber gehenden mit beiden.

Bei der erſten Art ſind vier weſentliche Verſchie - denheiten:

1. Man iſt im Stütz nach jedem Auf - und vor jedem Niederſprunge, nach jedem Ab - und vor jedem Auf - ſitzen.

2. Man macht das Aufſitzen in einem Zuge, iſt aber nach jedem Abſitz oder vor jedem Niederſpr. im Stütz.

3.60

3. Man macht das Abſitzen in einem Zuge, iſt aber vor jedem Aufſ. und nach jenem Aufſpr. im Stütz.

4. Man macht Auf - und Abſitzen in einem Zuge ohne Stütz.

Viele der angeführten Sprünge können aber auch mit einer Hand gemacht werden, und dies giebt die Abtheilung der

Fechtſprünge oder Sprünge mit einer Hand.

Dieſe haben das Eigenthümliche, daß die meiſten, Katzen -, Froſch - und Rieſenſprung ausgenommen, auch mit einem Fuße ausgeführt werden. Bei denen von der Seite wird die Stellung und der Anlauf immer ſchräg genommen.

  • 1. Aufſitzen: mit l. H. und r. F. mit r. H. und l. F.
  • 2. Jungfernſprung:
    • mit r. H. und r. F.
    • mit l. H. und l. F.
    von d. Seite u. v. hinten.
der Fuß, der nicht den Sprung macht, ſtoßt ab.

3. Kehre:

  • rechts, wo der linke F. abſtoßt.
  • links, wo der rechte F. abſtoßt.
von d. Seite u. v. hinten.

4. Wende von der Seite: rechts, wenn der l. F. abſtoßt. links, wenn der r. F. abſtoßt.

5.61

5. Wolfſprung: zwiſchen Hockſprung und Kehre. rechts, wenn der l. F. abſtoßt. links, wenn der r. F. abſtoßt.

Ein reiner Hockſprung mit Vorſprung und gradem Anlauf läßt ſich ausführen, wenn das Pferd ſehr nie - drig iſt.

6. Katzenſprung:

  • mit r. H.
  • mit l. H.
Gerader Anlauf und Vorſprung.

7. Froſchſprung: mit r. H. mit l. H.

8. Rieſenſprung:

  • vorwärts
  • rückwärts
rechts. links.

B. Die Geſchwünge.

Man kann der Geſchwünge oder zuſammenge - ſetzten Sprünge ſehr viele machen; die vorzüglichſten ſind aber folgende: 1. Kreis. 2. Gewundener Jungfernſprung. 3. Vorſchweben auf beiden Pauſchen.

  • 4. Rad auf 2 Pauſchen
  • 5. Uhrwerk
mit Kehre und Wende.

6. Kehrſchwung und Spille. 7. Bratenwender. 8. Rad auf einer Pauſche. 9. Finte. 10.6210. Hexenſprung. 11. Doppelkehre. 12. Kehrſchwung und Wende.

Beſchreibung.

1. Der Kreis. Das r. B. macht das 2 te Aufſitzen,[und], ohne den S. zu berühren, das Abſitzen zum Jungfernſpr., Niederſprung und dann Jungfernſpr. und 2 tes Abſitzen, Niederſprung: und nun das linke Bein daſſelbe.

2. Der gewundene Jungfernſprung. Kehrſchwung links auf das Kreuz; das r. B. macht die Nadel, das l. B. Abſitzen zum Jungfernſprung.

3. a. Das Vorſchweben auf beiden Pauſchen. L. H. auf P. 2, r. H. auf dem Kreuz. Das r. B. ſchwingt ſich auf, die r. H. geht auf P. 2, mit dem Daumen nach vorn; indem das r. B. ab - ſchwebt, geht l. H. auf P. 1, Niederſprung und Kehre r. über den Hals. Links, von der r. Seite des Pferdes. Das Vorſchweben des Beines muß bis über das Pf. gehen.

b. Jungfernſprung mit Vorſchweben, Nie - derſprung und Kehre oder Wende, und eben ſo zurück.

4. Das Rad auf zweien Pauſchen. Beide H. auf beiden P., das r. B. ſchwingt ſich auf, und ſchwebt vor, indem die r. H. auf P. 2. ſtehen bleibt unddas63das l. B. feſt am S. liegt. Das r. B. ſchwebt zurück und der Turner macht die Kehre r. oder die Wende links.

5. Das Uhrwerk: Kehrſchwung l. über P. 2, aber ſo, daß die r. H. bloß das l. B. durchläßt, und ihren Platz zwiſchen beiden Beinen nimmt. Dann Zu - rückwerfen des l. B. aus der Schwebe über den Sattel, indem ſich die l. H. lüftet, und nun das Rad rechts.

6. Kehrſchwung und Spille. Beide H. auf beiden P., Kehrſchwung r. auf den Hals, die r. Hand geht auf P. 1. neben die l. H., das l. B. macht Spille oder vielmehr Aufſitzen und dann l. das 2te Abſitzen; dann eben ſo Kehrſchwung r. auf das Kreuz und wieder Auf - und Abſitzen links, alles im Stütz, und endlich Kehre rechts.

7. Der Bratenwender. Schwebe auf P. 2, der Daumen der r. H. nach vorn, der l. H. nach hin - ten; die Beine gehoben und grätſchend. Der Kör - per dreht ſich über die P. herum, die Hände fol - gen der Bewegung.

8. Das Rad auf Einer Pauſche. Stellung der Hände und des Körpers auf P. 2. wie zum Vor - ſchweben, aber ſtatt deſſen die Kehre.

9. Die Finte. Kehrſchwung l. auf das Kreuz, ſtatt des Vorſchwebens; und nun zurück das Rad.

1064

10. Der Hexenſprung: ein öfters fortgeſetzter Kreis über dem Sattel, der mit Vorſchweben anfängt, und mit dem Jungfernſpr. endigt; nach dieſem und vor dem Abſitzen, muß immer etwas angehalten wer - den, um einen andern Schwung zu gewinnen.

11. a. Kehrſchwung mit Jungfernſprung und 2 tes Abſitzen, als Vorübung zur Doppelkehre.

b. Die Doppelkehre: Kehre r. über den Hals auf, und Kehre zurück über das Kreuz ab, in einem Zuge. Niederſprung auf der Stelle des Aufſprunges.

12. Kehrſchwung und Wende: die l. H. auf P. 1, die r. H. auf dem Hals, Kehrſchwung l. und Wende r. über den Sattel zurück.

Es folgen hier noch mehrere einfache Sprünge, welche, obgleich ſie nur Abarten von den angeführten ſind, doch auch geübt werden müſſen; ferner mehrere fortgeſetzte Sprünge, welche Kraftanwendung und Ausdauer in einem hohen Grade üben; und endlich einige Doppel - und dreifache Sprünge, wobei der Schwinger die Bewegungen ſehr ſicher und in ſeiner Gewalt haben muß, um ſie gleichzeitig mit ſeinen Mit - ſchwingern auszuführen.

a. Einfache Sprünge.

1. Aufſitzen mit beiden Händen auf P. 1, und eben ſo ab.

2. Jung -65
  • 2. Jungfernſprung
  • 3. Kehre
aus dem Stütz rücklings. *)Vorlings und rücklings bezeichnen bloß die Rich - tung des Körpers in Lage, Stellung, Haltung beim Zu - ſtande der Ruhe; vorwärts und rückwärts aber deu - ten ſeine Bewegung an.
  • 4. Jungfernſprung
  • 5. Kehre
rückwärts mit Anlauf.

6. Hockſprung mit einem B. und vor - oder tückwärts ab. Schnell, in Geſtalt eines halben Kreiſes.

7. Hockſprung in den Stand auf das Pferd:

von der Seite und von hinten.

8. Scheeren: a. beide Hände auf beiden P.; der Körper dazwi - ſchen. Scheere nach vorn, Scheere nach hinten; b. beide H. hinter dem Körper und Scheere nach vorn, wo keine Schwebe und kein Wippen Statt findet; c. gewöhnliche Scheere, aber ohne Schwebe und mit Auflegung des Bauches (von wenigem Werth) .

9. Katzenſprung: a. mit der Wende. b. mit der Kehre. c. auf einem Fuß.

10.E66

10. Sitzwechſel. Beide H. auf einer P., beide B. ge - ſchloſſen an einer Seite des Pf. und nun Hin - überwerfen der B. rückwärts von einer auf die andre Seite.

11. Affenſprung auf Kreuz und Hals, mit Nieder - ſprüngen wechſelnd.

b. Fortgeſetzte Sprünge.

Bei dieſen iſt zu merken, daß, wenn man auch nicht im Stande iſt, den Aufſprung gleich nach dem Nie - derſprung folgen zu laſſen, man dach niemals ſtehen bleiben darf; ſondern gleich einen neuen Vorſprung und nach dieſem den Aufſprung nehmen muß.

1. Kehren: r. hin und l. zurück, oder l. hin und r. zurück, welches die gewöhnlichſten; zur Übung aber auch: r. hin und r. zurück; oder l. hin und l. zurück. Die beſte Zuſammenſtellung iſt: r. über Kreuz, l. über Sattel, rechts über Hals oder von der rechten Seite des Pferdes: l. über Kreuz, r. über S., l. über Hals.

2. Wenden: a. r. hin, l. zurück oder l. hin, r. zurück. b. r. hin, r. zurück oder l. hin, l. zurück. c.67c. r. über Kreuz, l. über S., r. über Hals. d. l. über Kreuz, r. über S., l. über Hals.

Verbindet man nun Kehren und Wenden, ſo erhält man noch eine große Menge von Zuſammenſtellungen.

3. Hockſprung: a. über S., Kreuz oder Hals hin und her. b. über Kreuz hin, S. her und Hals hin oder umgekehrt.

4. Grätſche: fortgeſetzt gemacht, würde eine große Sicherheit und zwei Menſchen zur Hülfe erfordern.

c. Doppelſprünge,

ſo von zweien zu gleicher Zeit ausgeführt werden.

1. Aufſitzen auf Kreuz und Hals.

2. Jungfernſprung auf Kreuz und Hals.

3. Kehren über Kreuz und Hals.

4. Wenden über Kreuz und Hals.

5. Hockſprung über Kreuz und Hals.

6. Jungfernſprung von der Seite und Katzen - ſprung von hinten auf’s Kreuz, und Abwippen von den Schultern.

7. A. macht Jungfernſprung von der Seite, B. die Wippe auf und von ſeinen Schultern.

8. Katzenſprung von hinten und vorn: auf Kreuz und Hals, und P. 2. und P. 1, und Abhüpfen; oder Drehſprung, Scheere und Abwippen.

9. Wippe von vorn und hinten: auf Kreuz und Hals.

E 2d.68

d. Sprünge von Dreien zugleich ausgeführt.

1. Hockſprung über Kreuz, S. und Hals.

2. Jungfernſprung über Kreuz und Hals, und Hock - ſprung im Sattel.

3. Kehren über Kreuz und Hals, und Hockſprung im Sattel.

4. A. Katzenſprung auf den Hals, B. Katzenſprung in den S., C. rückwärts auf das Kreuz; dann A. und C. Froſchſprung und B. Drehſprung, Scheere und Abwippen. Vor dem A kann allenfalls noch einer den Rieſenſprung machen.

Hiermit wäre eigentlich der Abſchnitt vom Schwin - gen geſchloſſen. Wir wollen aber noch einige Stücke folgen laſſen, die man am Schwingpferde zu machen pflegt, und theils Kopfüberſtücke, theils Schwebe - ſtücke, theils (freie Stücke) Freiſprünge ſind:

a. Kopfüberſtücke.

1. Bärenſprung: von hinten in den S., beide H. auf P. 1, Bauch aufgelegt und rechts oder links überſchlagen.

2. Überſchlagen nach dem Hockſprunge. Hockſprung, Lage im Kreuz auf dem S., beide H. feſt an beiden P. und rückwärts überſchlagen.

69

3. Burzelöaum. Sitz auf P. 2, rückwärts burzelnd, den Schwanz faſſend, und hinter dem Pferde ſtehen.

4. Aus dem Stande im S. über - oder Radſchla - gen, wobei der eine F. auf den Hals geſtellt wird.

5. Todtenſprung. Anlauf von der Seite, beide H. faſſen beide P., der Schwinger überſchlägt ſich und ſteht jenſeits des Pferdes, den Rücken gegen das Pferd.

Windmühle.

Beinſprung.

Von der Seite auf die Seite überſchlagen.

Von hinten auf das Kreuz überſchlagen.

Von hinten auf - und überſchlagend in den S. fallen.

b. Schwebeſtücke.

Die Wage. Der Leib ruht wagerecht auf dem Ellen - bogen der r. H., welche die P. 2 faßt. Die l. H. unterſtützt auf P. 1. oder, welches ſchwerer, auf P. 2. oder, welches am ſchwerſten, gar nicht;

Der Drehling: das Umdrehen auf dem r. Arm, und der Abſchwung nach der Wage; wobei man auch überſchlagen kann.

c. Freiſprünge.

1. Halber Diebſprung: Anlauf von der Seite,ein70ein Fuß wird über den Sattel fort in den Sitz geworfen.

2. Ganzer Diebſprung: Sprung mit beiden ge - ſchloſſenen Füßen über den Sattel fort.

3. Rieſenſprung: ohne Aufſetzen der Hände, Ab - ſtoß mit einem Fuß. Das Grätſchen fällt hierbei ſchwer.

Das Bockſpringen (der Sprung über einen ſtehen - den Menſchen) gehört mit zum Schwingen.

Stellung des Feſtſtehenden: ein F. vor dem andern, beide auswärts; der Abſatz des vorderen vor der Spitze des hinteren; das hintere B. im Knie gebo - gen, das vordre geſtreckt, Knie an Knie. Hände auf den Knien geſtützt, mit geſtreckten und ange - ſchloſſenen Ellenbogen, der Kopf ſtark geſenkt auf die Bruſt.

Das Bockſpringen kann zugleich von einer ganzen Riege ausgeführt werden. Alle ſtehen gleich weit von und hinter einander, in einer gera - de ausgehenden ſchnurrechten, oder gekrümmten und umgebogenen Linie. Der Letzte oder Hinterſte beginnt zu ſpringen, der nun letzte folgt u. ſ. w., ſo daß jeder die ganze Reihe durchſpringt, und dieſe ins Unendliche fortgeführt werden kann. Die Zwi - ſchenräume richten ſich nach der Geübtheit der Bock - ſpringer, ob ſie eines längern bequemern Zwiſchen -An -71Anlaufs bedürfen, oder ob die Niederſprungsſtelle zugleich die Aufſprungsſtelle ſein ſoll. Bockſprin - gen muß aber immer nur von Gleichgroßen, Gleich - alten, und Gleichſtarken getrieben werden.

Das Schwingen darf immer nur unter Aufſicht und mit ſteter Unterweiſung eines Sachverſtändigen ge - trieben werden, der immer bei der Hand iſt, nöthigen Falles die erforderlichen Hülfen zu geben. Dieſe ſind nur dann richtig, wann ſie den Schwung des Schwin - gers vermehren, ohne ihn in der Bewegung zu ſtören; und ihn vor dem Fallen bewahren.

72

V. Schweben.

Schweben heißt Haltung im Gleichgewicht: in der Ruhe, wie in der Bewegung.

Schwebezeug: 1. Der Liegebaum, ein an der Erde liegender geſchälter Baumſtamm (Maſt). Bei einer klei - nen Turnerzahl kann der an die Erde gelaſſene Schwebebaum auch zum Liegebaum dienen. 2. Der Schwebebaum (Platte 1, Zeichn. N.): ein ſchlanker geradwuchſiger Kien - oder Tan - nenſtamm ohne Aſtknorren; je länger, deſto beſ - ſer, nicht gut unter 40 F. Länge und 10 Zoll Stärke am Stammende. Er ruht zwiſchen 2 Paar ſtarken Pfählen auf eiſernen Bolzen, die hoch und niedrig geſteckt werden können. Er darf nicht zu viel, noch zu wenig ſchwanken, ſondern muß das gehörige Leben haben. 3. Das Schleet mit Wackelenden, wuchsrund, von der Dicke eines Stammes, woraus man vier Latten ſchneidet, 16 Fuß im Lichten, über einer Vertiefung von 1 bis höchſtens 2 Fuß.

Min73

Minder nothwendiges Schwebezeug iſt folgendes: 1. der Schwebepfahl, ein 1 F. aus der Erde hervorſtehender Pfahl; 2. die Ruſt, ein hochgekanntet Brett oder Planke, ſo an den Enden feſtgemacht iſt; 3. der Steg mit feſten Enden und einer glatten, doch ſchmalen Oberfläche über einer Vertiefung von 1 bis 2 Fuß.

Schwebevorübungen: 1. Das Stehen auf einem Beine: indem man das andre vor - oder rückwärts ſtreckt, krümmt, in die Hand oder auf den Arm legt, u. ſ. w. Man kann dabei auch andre Geſchäfte und Dinge verrichten, als etwas zureichen, fangen, zuwerfen, die Jacke ausziehen. Das Knie des Standfußes darf dabei nicht knicken. 2. Das Gehen auf der Dielenritze: oder einer andern geraden Linie, wobei die Füße auswärts. 3. Das Stapeln: Gehen mit langgeſtreckten hochge - hobnen Beinen. Je langſamer die Fußhebung und Niederlaſſung iſt, deſto ſchwerer wird es dem An - fänger; Arme und Hände müſſen hinabhangen.

Schwebeübungen: Die folgenden Übungen müſſen alle erſt auf dem Liegebaum, dann auf dem Schwebebaum vorge - nommen werden. 1.741. Der Schwebegang: vom Stammende auf das Zopfende. Füße auswärts! Tritt auf dem Platt - fuß! Leib gerade! Mund zu! Blick auf den Weg! a. vorwärts. b. rückwärts. über ein Hinderniß: Hut, vorgehaltne Ruthe u. ſ.w. Hiebei muß das Umwenden, beſonders am Zopfende, geübt werden. 2. Das Vorbeiſchweben: Ausweichen beim Begeg - nen. Beide ſetzen ſtark auswärts den rechten gegen den rechten, und den linken gegen den linken Fuß, faſſen ſich an und treten dann mit dem andern ein - wärts über. 3. Das Aufnehmen eines Hutes und dergl. vom Zopfende. 4. Das Niederſetzen und Aufſtehen ohne Gebrauch der Hände. 5. Der Schwebekampf, wo zwei Gegenüberſtehende ſich durch leichte Schläge vom Schwebebaum zu bringen ſuchen. Haltung: Füße geſpreizt! Vorderfuß auswärts! und ſtark gebogen. Hinterfuß gequert und geſtreckt! Arme breit! auseinander und etwas ge - krümmt vorgeſtreckt.

Es75

Es gelten nur Schläge mit der flachen Hand, auf Hand, Arm und Schulter.

Nur beim Schlage des Gegners dürfen die Hände zurückgezogen werden. Dies und das ſchnelle Rück - und Vorbiegen des Oberleibes, ſo wie das Durch - ſchlagen-laſſen des Gegners, und raſche Nachſchla - gen ſind Hauptvortheile.

Wippen, Schaukeln und Stelzenlaufen ſind eben - falls Schwebeübungen.

VI. Die76

VI. Die Reckuͤbungen.

Unter dieſen Namen ſind begriffen alle Übungen, wel - che an dem Turnzeuge, Reck genannt, vorgenommen werden können.

Turnzeug: das Reck (Platte 1, Zeichn. K.), eine auf Ständern (Platte 1, Zeichn. L.) wagerecht ruhende Z. ſtarke runde Stange. Der Abſtand von einem Standpfahl zum andern muß über eine Menſchenlänge betragen. Für Anfänger muß das Reck ſchulter - oder ſcheitelhoch ſein, für Geübtere ſo hoch, daß ſie darnach ſpringen müſſen. Der Boden unter dem Reck muß weich ſein.

Alle Reckübungen laſſen ſich in zwei Abtheilungen zuſammenfaſſen: A. die Hangübungen: wo der Turner ſich übt, in alle Arten des Hanges zu kommen, ſich darin zu erhalten und zu bewegen; B. die Schwungübungen: wobei der Turner alle Arten des Schwunges in ſeine Gewalt zu bekom - men ſucht.

Er77

Erklärungen.

a. Aller Hang am Reck iſt entweder: 1. Seithang, wobei die Schulterlinie des Tur - ners mit dem Reck gleichlaufend iſt; oder 2. Querhang, wobei die Schulterlinie die Rich - tung des Recks rechtwinklich durchſchneidet.

b. Der Handgriff am Reck (der Reckgriff) kann ſein: 1. Im Seithange: a. Aufgriff, wobei die Hände oder Arme von oben aufgelegt werden. b. Untergriff, indem die H. oder Arme von unten durchgreifend aufgelegt werden. c. Zwiegriff, wenn die eine Hand auf -, die andre untergreift. 2. Im Querhang greift immer von jeder Seite eine Hand oder Arm auf, ſo daß es nur Einen Quergriff giebt.

c. [Auf] dem Reck kann ſich der Turner in folgenden Zu - ſtänden befinden: 1. im Sitz: a. Seitſitz: auf beiden Schenkeln. b. Reitſitz: auf einem Schenkel, wobei der andre zwar hinter dem Reck, die Schulterlinie aber gleichlaufend iſt mit dem Reck;im78im Spalt, den Blick längs dem Reck, ein Schenkel an jeder Seite des Recks. 2. im Stütz: Bauch auf oder über dem Reck, Beine geſchloſſen an einer Seite, Hände Seitgriffs. 3. in der Schwebe, wo der Leib von den Händen getragen das Reck nicht berührt, und dieſe kann geſchehen aus dem Sitz (Seit - ſitz und Reitſitz) oder Stütz.

A. Die Hangübungen.

1. Der Anhang: jeder Hang, in welchem der Turner in aufrechter Stellung mit Händen oder Armen am Reck hangt.

a. Vorlings. *)S. beim Schwingen die Anmerk. wegen vorlings und rücklings, vorwärts und rückwärts Seite 65.

1. Querhangs: in der Hand (Querhang), in den Unterarmen (Armquerhang); 2. Seithangs: Aufgriffs: in der Hand (Seithang),

  • im Unterarm
  • im Oberarm
(Armhang);

Un -79Untergriffs: in der Hand (Seithang mit Untergriff); Zwiegriffs: in der Hand.

b. Rücklings, nur Seithangs: Aufgriffs: in der Hand (Seithang rücklings), im Unterarm (Armhang rücklings); Untergriffs: in der Hand (Seith. rückl. mit Un - tergriff); Zwiegriffs: in der Hand.

2. Der Liegehang: iſt die Lage des Turners am Reck, wenn er aus dem Anhang (oder Abhang) die frei - hangenden Glieder an das Reck wirft. Der dazu nöthige Schwung heißt der Anſchwung.

a. Vorlings.

1. Aus dem Querhang der Hände werden die Füße in den Querhang geworfen.

2. Aus dem Seithang der Hände:

  • Aufgriffs
  • Untergriffs
  • Zwiegriffs
Fußſpitzen ſeithangs zwi - ſchen den Händen. Kniee ſeithangs neben den Händen.
b.80

b. Rücklings.

Aus dem Seithange rückl. in der Hand:

  • Aufgriffs
  • Untergriffs
  • Zwiegriffs

Kniee ſeithangs zwiſchen den Händen.

Weggelaſſen ſind hier nun, als leicht auffindbar, alle vermiſchten Anhänge in einer Hand und einem Arm, eben ſo alle Anhänge in einer Hand oder einem Arm; ferner alle Abhänge in einem Fuße; und die aus bei - den entſtehenden Liegehänge. Dieſe letztern kommen jedoch alle bei den Aufſchwüngen vor.

Hier folgen noch zwei Stücke, ſo zwar eigentlich keine Liegehänge ſind, mit dieſen aber die meiſte Ähn - lichkeit und Verwandſchaft haben: Das Neſt. Aus dem Seitliegehang, mit den Fuß - ſpitzen am Reck, wird der Körper ſo durch die Arme durchgedrängt, daß das Kreuz ſtark eingezogen und gebogen, und der Kopf nach der entgegengeſetzten Seite gedreht und gehoben wird; Der Schwimmhang: im Querliegehang wird der Kör - per ganz umgedreht, ſo daß der Bauch nach unten kommt. Die eine Fußſpitze wird dabei feſt auf das Reck gelegt, die andre faßt die Ferſe des erſtern Fußes. Hände und Arme werden ebenfalls umge - kehrt. Dies kann auch in einer Hand und in einem Fuß gemacht werden.

3.81

3. Der Schwebehang: die Lage, in welche der Turner kommt, wenn er die Beine aus dem An - oder Liegehang ſo über die Höhe des Reckes bewegt, daß ſie in der Schwebe ſind, d. h. ohne das Reck zu berühren, ſich weder vor - noch rückwärts bewegen.

Der Schwebehang wird anfangs von der Erde, dann immer aus dem freien Hange gemacht.

a. Vorlings: 1. Querhangs: wobei die Beine grätſchen, In der Hand. 2. Seithangs: wobei die Beine geſchloſſen ſind,

  • Aufgriffs
  • Untergriffs
  • Zwiegriffs
in der Hand.

b. Rücklings, nur Seithangs:

  • Aufgriffs
  • Untergriffs
  • Zwiegriffs
in der Hand.

Bei dieſem Schwebehange muß das Kreuz einge - zogen, der Kopf unter, und die Füße über dem Reck ſein.

4. Der Abhang: jeder Hang, in welchem der Turner mit Füßen oder Unterſchenkeln, den Kopf nach un - ten, am Reck hangt.

a. Querhangs:Fin82in den Füßen (Fußhang), wobei die Fuß - ſpitzen verſchränkt werden und die Füße ſich kreuzen; b. Seithangs: 1. In den Knieen (Kniehang), 2. an den Fußſpitzen (Riſthang), 3. an den Ferſen (Ferſenhang).

Riſt - und Ferſenhang müſſen an einem Reck geübt werden, wo der Turner mit dem Kopf beinah die Erde berührt, damit dieſer nicht durch einen Fall leiden kann.

Das Hangen an einer Hand im Anhange muß man, als beſte Vorübung zum Hangeln, üben. Jede der Hände muß wenigſtens ſo lange das Reck einzeln umfaſſen und halten, bis des andern geſtreckten Armes Hand an den Schenkel geſchlagen hat. Je länger man aber an einer Hand auf die Dauer hangt, deſto ſchwieriger wird die Übung. Man kann dies letztre Dauerhangen üben: a. in der Hand: querhangs, ſeithangs: aufgriffs und un - tergriffs;

  • b. im Unterarm
  • c. im Oberarm
nur ſeithangs.

5. Hangeln heißt, ſich im Hange fortbewegen, welches vorzüglich zur Stärkung der Arme und Schultern,der83der Bruſt und des Bauches dient, und ſehr auf die Dauer geübt werden muß.

Man bedient ſich dazu des Hangelreckes (Platte 1, Zeichn. M.). Dies iſt ein vier - oder ſechseckiges Ge - ſtell verbundener Recke, an deren Innenſeite man ſo lange herum hangelt, als die Kräfte erlauben.

Das Hangeln kann geſchehen:

  • 1. In allen Arten des Anhangs vorlings.
  • 2. In allen Arten des Liegehangs (liegehangeln); eben ſo ſchwimmhangs (ſchwimmhangeln).
  • 3. In allen Arten des Schwebehanges.
  • 4. Im Kniehange.
  • 5. Mit Wendegriff und Kehrgriff:
    • a. mit Wendegriff: indem der Hangelnde immer an einer Seite des Recks bleibt, und dabei halbe Drehungen um ſeine Axe macht. Durch die Drehung und das Herumgreifen kommen die Hände immer aus Aufgriff in Untergriff, und umgekehrt;
    • b. mit Kehrgriff: nur rückwärts; indem der Hangler mit den Händen im verkehrten Quer - hang iſt, ſo daß die Daumen nach vorn ſtehen.
    Bei allem Hangeln müſſen die Beine geſtreckt und ge - ſchloſſen ſein.
  • 6. Das Ziehklimmen: aus dem Hange mit geſtreck - ten Armen, den Leib durch reines Ziehen ſo weit alsF 2mög -84möglich in die Höhe bringen, ohne mit den Ellen - bogen in die wagerechte Linie zu kommen muß ſchon darum ſehr geübt werden, weil man, ohne einige Fertigkeit in demſelben, nichts aus dem freien Hange machen kann:
    • a. Querhangs: bis zum rechts - und links Anſchultern;
    • b. Seithangs:
      • Aufgriffs
      • Untergriffs
      • Zwiegriffs
      bis zum 1. überſchauen, 2. anmunden, 3. überkinnen.
    Der Leib kann bei allem Ziehklimmen ſein:
    • a. ganz geſtreckt: langhangend,
    • b. in den Knieen gebogen: hangknieend,
    • c. in den Hüften nach vorn gebogen, wobei die Kniee geſtreckt ſind: hangſitzend.
    Das Hangen in einer Hand, mit einem gebogenen Arm, und langſame Herunterlaſſen iſt die beſte Vorü - bung zum Ziehklimmen mit einem Arme, welches eine der allerſchwierigſten Übungen iſt.
  • 7. Griffwechſel und Stemmen. Ihnen beiden muß das Ziehklimmen, als dabei in Anwendung kommende Übung, vorausgehen: a. der Griffwechſel: das gleichzeitige Verwech - ſeln der Griffarten durch Ziehklimmen:1.851. Aus Auf - in Untergriff und umgekehrt, 2. Zwiegriffs, 3. Aus Armhang (Unterarm aufgriffs) in Untergriff und umgekehrt; b. das Stemmen: h. die Bewegung aus dem Seithange mit gekrümmten Armen in den Stütz: 1. mit Auflegung der Unterarme, 2. mit wechſelarmigem Aufkippen der Ellen - bogen, 3. mit gleicharmigem Aufkippen der Ellen - bogen.

  • 8. Das Handeln h. den Körper im Stütz und in der Schwebe (auf den Händen) weiter bewegen: 1. Im Stütz: rechts und links; 2. In der Schwebe: a. aus d. Seitſitz: rechts und links, b. aus d. Reitſitz: 1. auf einem Schenkel: rechts und links, 2. im Spalt: vorw. und rückw. c. aus dem Stütz: rechts und links.

    Beides Stützhandeln und Schwebehan - deln kann wechſelhandig (Griff auf Griff), oder gleichhandig (ruckweiſe) geſchehen.

  • 9 Das Niederlaſſen und Erheben:1.861. aus dem Stütz: vorlings das Anmunden, rücklings das Anſchultern; 2. aus der Schwebe (aus dem Reitſitz im Spalt): das Heben des Leibes mit grätſchenden Bei - nen, und Niederlaſſen mit nachgebenden El - lenbogen, ſo tief als möglich, ohne jedoch das Reck zu berühren wie beim Schwingen.

B. Die Schwungübungen.

Der Schwung iſt dreierlei: 1. Aufſchwung: die Bewegung, welche den Tur - ner aus dem Liegehang, Schwebehang oder Ab - hang auf das Reck bringt; 2. Umſchwung: jede ganze Drehung des Turners um die Axe des Reckes; 3. Abſchwung: jede Bewegung, welche den Tur - ner aus dem Stütz oder Seitſitz vor - und rück - wärts, mit einer wenigſtens halben Drehung um ſeine Axe, auf die Erde bringt.

Es kann alſo kein regelmäßiger Abſchwung aus dem Reitſitz auf einem Schenkel, und aus dem im Spalt (welcher ſeitwärts geſchehen müßte) gemacht werden.

Jedem Aufſchwunge geht der Anſchwung vorher, welcher auch ſchon beim LiegehangSchwimm -87(Schwimmhang, Neſt), Schwebehang, Ab - hang nothwendig war.

Der Anſchwung kann geſchehen von der Erde (Standſchwung) oder aus dem (freien) Hange (Hangſchwung), welcher letztere der ſchwerere iſt.

1. Der Aufſchwung: Erſte Art: wobei der Turner in den Reitſitz auf einem Schenkel kommt; geſchieht aus dem Liegehang vorlings ſeithangs, in einem Knie; das andre freihangende Bein giebt den Schwung. Wenn Anfänger erſt den Querliegehang machen, und dann den einen Arm aus dem Untergriff in den Aufgriff bringen, ſo dient dies bloß zur Erleichterung.

Dieſer Aufſchwung kann ſo gedacht werden, daß die Oberarme, Unterarme oder Hände, einer oder beide, rechts oder links, neben einander, oder durch das Hangbein getheilt, aufgriffs, un - kergriffs oder zwiegriffs, auf dem Reck liegen. Daraus entſtehen ein hundert und zwei und drei - ßig (132) verſchiedene Aufſchwünge, von denen ungefähr die Hälfte vor - und rückwärts auszu - führen iſt.

Dieſe alle werden gewöhnliche Auf - ſchwünge oder Wellaufſchwünge genannt. Hie -88Hieher gehören noch: Zwei Aufſchwünge mit verſchränkten Armen; Ein Aufſchwung mit Faſſung des Kniees unter dem Reck durch.

Zweite Art: wobei der Turner in den Seitſitz kommt. Dieſe Aufſchwünge werden aus dem Lie - gehang rücklings ſeithangs gemacht, vorwärts und rückwärts, und heißen Sitzaufſchwünge.

Man kann aber die Schenkel auch durch eine oder beide Hände theilen. Statt des Reckes kann man bei dieſer Art auch die Füße faſſen.

Dritte Art: wobei der Turner in den Reitſitz im Spult kommt. Dieſe Art geſchieht aus dem Querſchwebehang, rechts und links, und heißt Mühlaufſchwung.

Zur Erleichterung und ſchnellern Ausführung faßt man das Reck ſeithangs aufgriffs, ſchwingt die Beine wie zum Seitſchwebehang in die Höhe und geht dann mit Zurückwerfung eines Beines durch den Querſchwebehang durch.

Vierte Art: wobei der Turner in den Stütz kommt; geſchieht aus dem Seitſchwebehang: a. Aus dem Seitenſchweben vorlings: 1. Vorwärts (mit dem Kopf voran): wird das Schwungſtemmen genannt. Die Beine werden in den Seitſchwebehanggewor -89geworfen, gehen aber ſogleich mit einem ſtarken Schwunge zurück, die Arme zie - hen den in die Höhe gehenden Leib an das Reck und ſtemmen, 2. Rückwärts (mit den Füßen voran): der Felgaufſchwung. Die Beine werden durch den Schwebehang hindurch ſo an das Reck geworfen, daß der Bauch auf daſſelbe zu liegen kömmt; b. Aus dem Seitenſchweben rücklings geht der Aufſchwung nur rückwärts (mit den Füßen voran): Kreuzaufſchwung. Der Schwung bringt hier den Turner mit dem Kreuz auf das Reck, die folgende He - bung des Kopfes aber in den Stütz rück - lings.

Dieſer, ſo wie der Felgaufſchwung durch ein bloßes Ziehen, alſo ohne Schwung iſt weit ſchwieriger.

Fünfte Art: aus dem Kniehang kann ohne Hände ein Aufſchwung vorwärts und rückwärts gemacht werden, wodurch der Turner in den Seitſitz kommt. Er wird der Knieaufſchwung ge - nannt.

2. Der Umſchwung.

a. Wellen: Welle (die) h. jeder fortgeſetzte Auf -ſchwung90ſchwung aus dem Lieghang oder Abhang, welcher den Turner ein oder mehrere Male um das Reck treibt: 1. die gewöhnliche Welle: aus dem ge - wöhnlichen Aufſchwung vor - und rückwärts, 2. die Kniewelle: aus dem gewöhnlichen Aufſchwung mit Faſſung des Kniees: vor - und rückwärts, 3. die Sitzwelle: aus dem Sitzaufſchwung vor - und rückwärts, 4. die Burzelwelle: aus dem Sitzaufſchwung mit Faſſung der Füße, vor - und rückwärts, 5. die Kniehangwelle: aus dem Knieauf - ſchwung rückwärts, bloß rückwärts. Hiezu iſt nöthig, daß man den Stehſchwung ganz ſicher hat;

b. Die Felge: aus dem Stütz, 1. vorwärts: fortgeſetzte Bewegung des Schwung - ſtemmens, 2. rückwärts: fortgeſetzte Bewegung des Seit - aufſchwungs. Der Leib muß dabei ſo feſt als möglich an dem Reck bleiben.

c. Die Bauchfelge: eine Felge, wobei die Ober - ſchenkel von den Händen gefaßt werden.

d.91

d. Die Kreuzbiege: aus dem Armhang rücklings, vorwärts und rückwärts.

e. Die Speiche: aus dem Unterarmhang vor - lings; bloß nach vorn, mit den Füßen voran.

f. Der Überſchwung: ein Seitaufſchwung, wo - bei der Turner, ohne das Reck mit dem Leibe zu berühren, über daſſelbe hinüber, bis auf die Stelle des Aufſprungs kommt.

3. Der Abſchwung muß immer mit geſchloſſenen Füßen und Beinen geſchehen.

a. Reine Abſchwünge: mit ganzer Drehung des Turners um ſeine Achſe: 1. vorwärts aus dem Stütz: auch mit Hebung; 2. vorwärts mit Aufſetzung der Kniee; 3. rückwärts aus dem Seitſitz; 4. rückwärts wie vorher, aber mit Faſſung der Füße, die aber nach beendigter halber Drehung wieder losgelaſſen werden; 5. der Stehſchwung: Aus dem Seitſitz wirft ſich der Turner, ohne Gebrauch der Hände, rückwärts in den Kniehang, geht mit die - ſem Schwunge beinahe bis in die wage - rechte Linie, läßt die Kniee los und ſteht vor dem Reck. Erſt muß der Steh - ſchwung aus dem Kniehange geübt wer - den, dann das langſame Hinabwerfen inden92den Kniehang und endlich beides zuſam - men; aber immer mit großer Vorſicht, und anfangs mit Hülfe.

b. Gemiſchte Abſchwünge: mit halber Drehung des Turners um ſeine Axe, nach welcher in entgegengeſetzter Richtung eine zweite erfolgt: 1. vorwärts aus dem Seitſitz; 2. vorwärts wie vorher, aber mit Faſſung der Füße; wie oben rückwärts. Dieſe beiden Abſchwünge werden reine, wenn man an die erſte halbe Drehung den Durch - ſchwung rückwärts anhängt.

4. Der Durchſchwung: vorwärts und rückwärts; ein Umſchwung, deſſen Axe nicht das Reck, ſondern die Schultern des Turners ſind.

Bewegung wie zum Seitliegehang vorlings; die Spitzen werden aber angezogen, die Füße geſchloſ - ſen zwiſchen den Armen durchgeworfen; dann wird der Körper ſo weit als möglich hinabgeſtreckt, und die Bewegung wieder rückwärts gemacht.

5. Der Unterſchwung: die Beine werden beinah bis in den Seitſchwebehang geworfen, nun aber der Körper nachgeſchoben, das Kreuz eingezogen und der Leib, in einem hohen, weiten Bogen nach vorn, zur Erde geſchnellt. Die Hände müſſen weder zu lange am Reck bleiben, noch zu früh loslaſſen.

Die93

Die Reckübungen ſind hier nach ihrer natürli - chen Folge und Folgerung, wie ſie auseinander entſtehen und zuſammen gehören, aufgeführt. Bei der Erlernung aber muß man eine Folge nach ihrer größeren Leichtig - keit und Steigerung annehmen; und bei ihrer ſo großen Zahl vieles im Anfang auslaſſen.

Zur Erlernung und Durchübung von einer größern Anzahl und ganzen Riege möchte nachſtehende Reihe die beſte und leichteſte ſein:

1. Seithang: Aufgriffs. In demſelben das Reck auf und abhangeln.

2. Unterarmhang und das Reck zu Ende hangeln.

3. Oberarmhang und das Reck zu Ende hangeln.

4. Querhang und auf und abhangeln.

5. Ziehklimmen, auf die Dauer:

a. Querhangs,

b. Seithangs aufgriffs.

  • 6. Querliegehang
  • 7. Seitliegehang
Dreimal hinter einander, d. h. dreimal den Anſchwung.
  • 8. Kniehang: auch wechſelfußig.
    • 9. Querſchwebehang
    • 10. Seitſchwebehang
    dreimal hin - ter einander;
doch muß man ſo lange darin verbleiben; daß man ſieht und merkt, man könne darin ruhen und verweilen.
men94

11. Wellaufſchwung im linken Knie, und Ab - ſchwung vorwärts aus dem Stütz.

12. Wellaufſchwung im rechten Knie, und Ab - ſchwung rückwärts aus dem Sitz.

13. Felgaufſchwung und Abſchwung vorwärts.

14. Das Anmunden.

15. Stemmen.

16. Schwungſtemmen und Abſchwung vorwärts.

17. Handeln im Stütz, rechts und links.

18. Durchſchwung und Kreuzaufſchwung, und rückwärts Abſchwung.

19. Das Anſchultern.

  • 20. Sitzaufſchwung: vorwärts u. rückw.
  • Mühlaufſchwung rechts und links,
und belie - bige Ab - ſchwünge.

21. Wellen:

  • a. gewöhnliche
  • b. Kniewelle,
  • c. Sitzwelle,
vorwärts, rückwärts.

22. Mühle.

23. Felge: rückwärts, und vorwärts ab.

24. Kreuzbiege: rückwärts.

25. Speiche.

26. Überſchwung.

27. Durchſchwung: hin und her.

28. Unterſchwung.

29.95

29. Stehſchwung.

30. Hangeln mit Wendegriff und Kehrgriff.

31. Griffwechſel.

32. Handeln in der Schwebe: vorwärts und rück - wärts.

VII. Die96

VII. Die Barrenuͤbungen.

Turnzeug: der Barren (Platte 1. Zeichn. H.): be - ſteht aus zwei wagerechten gleichlaufenden 8 Fuß langen Hölzern (Holmen), deren jedes auf 2 Stän - dern ruht. Jeder Holm iſt 3 Z. hoch und 3 Z. breit, oben und an den Enden ganz rund, auch unten nicht mit ſcharfen Kanten. Die Ständer kön - nen dicker ſein, müſſen ſich aber nach den Überla - gen zu bis zur Dicke derſelben verjüngen, beſon - ders nach der äußern Seite des Holmes zu (Platte 1. Zeichn. J.), und dürfen ebenfalls keine Kanten haben; ſie ſtehen 1 F. von jedem Ende ab.

Für Anfänger muß der Barren nicht höher als bis an die Achſelgrube reichen; für Geübte kann er ſcheitelhoch und darüber ſein.

Alle Barrenübungen laſſen ſich in zwei große Ab - theilungen bringen:

A. Alle Hebe -, Stütz - und Stemmübungen, welche bloß die Stärkung der Arme beabſichtigen;

B. Alle Schwungübungen, wobei die ſtützendenAr -97Arme nur Nebenſache und Mittel zum Zweck, der künſtliche Schwung hingegen und die geregelte Be - wegung des Leibes Hauptſache iſt.

Bei allen Barrübungen, wenn es nicht ausdrück - lich widerrufen wird, iſt der Leib in der Mitte des Bar - ren, jede Hand faßt einen Holm mit dem Daumen nach inwendig.

A. Hebe -, Stütz - und Stemmübungen.

1. Das Hüpfen: am Ende des Barren, bis zur Ausſtreckung der Arme, wie beim Schwingen:

a. mit Kniebeugen,

b. mit Knieſteifen.

Iſt der Barren ſcheitelhoch und darüber, ſo geht es in ein Stemmen über.

2. Das Niederlaſſen bis zur Berührung der Erde mit den Fußſpitzen oder Knieen, je nachdem der Barren hoch, und wieder Er - heben.

3. Das Niederlaſſen auf die Ellenbogen und Aufkippen derſelben:

wechſelarmig,

gleicharmig.

4. Das Anmunden (Berühren des Barren mit dem Munde):

  • a. Anmunden des Barren
  • b. Anmunden des eignen Daumen
rechts u. links.
GNach98

Nach jedem Anmunden müſſen die Arme wieder geſtreckt werden.

5. Das Heben. Die Füße werden vorwärts oder rückwärts, mit zuſammengezogenem Leibe, ge - ſtreckt gehoben, ganz langſam, ohne Schwung; und mehrere Male hinter einander.

Aus dieſem Heben entſteht:

6. die Schwebe:

a. vorwärts: wo die Beine grätſchend über dem Barren ruhen, und der Leib die Arme nicht berührt;

b. rückwärts: wo die Beine grätſchend rechts und links, hinter den Armen, neben dem Barren hangen, und der Leib die Arme nicht berührt;

c. über einem Holme: rechts und links.

7. Das Handeln: fortbewegen auf den Händen:

a. im Stütz:

1. mit geſtreckten Armen,

2. mit gebogenen Armen, wobei die Ellen - bogen höher als die Schultern ſein müſſen;

b. in der Schwebe: über einem Holm des Barrens.

Alles Handeln kann geſchehen:

wech -99

wechſelhandig: mit einer Hand nach der andern;

gleichhandig: mit beiden Händen zu gleicher Zeit.

8. Die Stützkehre: eine Drehung im Stütz, durch Abſtoß der Hände, wobei dieſe ihre Plätze ver - wechſeln. Sie muß erſt wechſelhandig, dann gleichhandig geübt werden.

Die meiſten dieſer Übungen laſſen ſich auch mit aus - wärts nach der Außenſeite der Holme ge - drehten Daumen machen.

B. Die Schwungübungen.

1. Der Sitzwechſel: wobei die Beine immer ge - ſchloſſen bei feſtſtehenden Händen, bald vor, bald hinter dieſelben; bald von einem Holm auf den andern geworfen werden:

a. zur Kehre: vor den Händen, rechts und links.

b. zur Wende: hinter den Händen, rechts und links.

c. zum Halbmond:

  • 1. von r. hinten nach r. vorn
  • 2. von l. hinten nach l. vorn
und um - gekehrt.

d. zur Schlange:

G 21.100
  • 1. von r. hinten nach l. vorn
  • 2. von l. hinten nach r. vorn
und um - gekehrt.

2. Die Kehre: die Beine werden geſchloſſen vor - wärts rechts oder links über den Barren fort - geworfen, der Turner kommt auswendig am Holm zur Erde. Bewegung des Körpers und der Hände wie bei der Kehre im Schwingen.

3. Die Wende: die Beine werden geſchloſſen rück - wärts, rechts oder links, über den Barren fort - geworfen, der Turner kommt auswendig zur Erde. Bewegung des Körpers und der Hände wie bei der Wende im Schwingen.

4. Sitzwechſel mit Kehre: vorlings.

5. Sitzwechſel mit Wende: rücklings.

6. Der Halbmond: am rechten oden linken Holm

a. vorwärts: aus dem Sitzwechſel zum Halbmond, mit Kehre.

b. rückwärts: aus dem Sitzwechſel zum Halbmond, mit Wende.

7. Die Schlange: von rechts nach links, und von links nach rechts:

a. vorwärts: aus dem Sitzwechſel zur Schlange, mit Kehre.

b. rückwärts: aus dem Sitzwechſel zur Schlange, mit Wende.

8.101

8. Der Schwebewechſel: die Beine werden grät - ſchend rückwärts über einen Barrenholm gewor - fen, von da über den andren, und ſo hin und her in der Schwebe, daß immer ein Bein aus dem Barren, das andre in demſelben iſt.

9. Der Kreis, mit einem Beine beſchrieben:

a. von auswendig nach inwendig. Ein Fuß wird rückwärts aus dem Barren ge - worfen, und vorwärts wieder hinein, von der Hand durchgelaſſen.

b. von inwendig nach auswendig. Der Fuß wird vorwärts aus dem Barren, und rückwärts hinein geworfen.

Der Kreis wird erſt am Barrenende, dann in der Barrenmitte, doch immer mit Vor - ſicht geübt.

10. Das Wippen: ein Rückwärts-bewegen der Beine im Stütz, nach vorn gemacht wird der Leib, nach hinten das Kreuz einge - zogen.

Man übt dies mit mäßigem Schwunge oder mit Rückſicht auf die Höhe, wobei es beinah bis zum Überſchlagen geht. Letzteres mit gro - ßer Vorſicht.

Anfangs hält man die Beine geſchloſſen, ſpäterkann102kann man aber vorwärts und rückwärts über dem Barren grätſchen, wobei man in der Mitte ſein muß; ſonſt wird dieſe Übung immer am Ende des Barren getrieben.

11. Das Abwippen: vom Ende des Barren. Man wippt einige Mal mäßig und ſtoßt dann den Leib rückwärts wagerecht fort; wie beim Schwingen. Ein gerechtes Maaß iſt die Lei - beslänge mit ausgeſtrecktem Arme.

12. Das Überſchlagen:

a. aus dem Hange. Beide Hände faſſen von unten, man überſchlägt ſich rück - wärts, die Hände halten feſt. Die Füße berühren die Erde und machen die Bewe - gung rückwärts. Ein leichtes Stück.

b. aus dem Stütz: am Ende des Barren, Geſicht nach außen. Man wippt ein - oder einige Male vor und überſchlägt ſich, ſo daß man vor dem Barren zu ſtehen kommt. Anfangs immer mit Hülfe Zweier, welche die Arme halten.

Anmerkung. Die meiſten dieſer Schwungübungen können aus dem Stütz mit gebogenen Armen und mit aufgelegten Ellenbogen vollführt werden.

Das Durchſchieben (der Durchſchub) gehört zu keiner der angeführten Arten der Barrenübun -gen.103gen. Man ſteht neben dem Barren, faßt den einen Holm auf -, unter -, oder zwiegriffs, wirft die Füße unten durch auf den andern Holm, ſchiebt den Leib bis in das Kreuz auf den Barren, und richtet ſich auf.

VIII. 104

VIII. Klettern.

Klettern heißt: irgend einen erhabenen Gegenſtand, den man mit den Füßen allein nicht erſteigen kann, durch Hülfe der Hände und Füße, oder der Hände allein, erreichen oder zu erreichen ſuchen.

Kletterzeug:

1. Die Kletterſtange von 2 4 Z. Stärke, und verhältnißmäßiger Länge, 10 30 F. hoch. Am beſten geſchnittene und rund geho - belte Stangen aus gutem Kernholz.

2. Der Klettermaſt von 6 12 Z. Stärke am Stammende, glatt gehobelt und oben mit einem feſten Kreuz (Platte 2, Zeichn. W und Z.) zum Ausruhen verſehen. Von 20 60 F. Höhe.

3. Das Klettertau: 5 / 4 6 / 4 Z. ſtark, mit einer feſten Öſe zum Anſchleifen; 20, 30 und 40 F. lang.

4. Die Leitern:

a. Holzleiter: ſehr feſt mit breiten einge - ſtämmten, oben abgerundeten Sproſſen,die105die höchſtens 1 F. von Mittel zu Mittel ſind. Neigung gegen die Erde 60°;

b. Strickleiter: 20 F. lang, wenigſtens mit 3 hölzernen Sproſſen: oben, unten und in der Mitte.

5. Lehnſtangen und Lehnmaſte: d. h. Stan - gen und Maſte, die in einem Winkel zwiſchen 45 und 70° feſt angelehnt ſind.

Die Anbringung des Kletterzeuges iſt ſehr verſchie - den. Hat man hohe, ſtarke Bäume, ſo kann man Tau, Stangen und Maſte an den Äſten oder an Rahen, welche in die Bäume gelegt ſind, befeſtigen. Fehlen dergleichen Bäume, ſo muß man Gerüſte errichten, an denen ſich alsdann auch Mehrere zugleich üben können. Alle dergleichen Gerüſte beſtehen aus 2, 3, 4 oder meh - reren ſenkrechten Maſten, ſo durch Rahen verbunden ſind, an denen Taue, Leitern und Stangen angebracht werden.

Hier die Beſchreibung einiger bereits durch den Ge - brauch bewährt gefundener

Klettergerüſte:

1. Der Einbaum (Platte 2, Zeichn. R.). Ein 40 F. hoher, ſehr ſtarker Maſt wird in die Erde ge - rammt, und am Zopfende durch 2 wagerechte Balken eingefaßt. Dieſe ſtehen nach der einen Seite 6 F. heraus, und werden durch einrun -106rundes Holz verbunden, woran man das Tau befeſtigt. Durch eine ſchräge Leiter, die von ihrem Ende bis 6 F. tiefer gegen den Maſt geht, wer - den dieſe Balken geſtützt; auf der andern Seite ſtehen ſie 3 F. über, und werden auch durch Stre - ben gegen den Baum geſtützt. Sie laufen hier aus einander, nahe am Maſt und am Ende ſind ſie durch 8 Z. breite Sitzbretter verbunden; der mittlere Raum von 20 Z. bleibt zum Durchſteigen. Von dieſem Raume geht eine Leiter faſt ſenkrecht 15 F. tief auf eine andre Bühne, welches alſo 25 F. von der Erde an dem Baume angebracht iſt; und von hier geht im Neigewinkel von 60° gegen die Erde eine Klimmleiter, die in der Mitte durch Streben geſtützt ſein muß. Bis zur Höhe von 25 F. kann man auch noch 2 3 Streben gehen laſſen, welche den Baum halten und zu - gleich als Lehnſtangen zum Klettern dienen.

2. Der Zweibaum (Platte 2, Zeichn. S.). Zwei Maſte werden 18 F. aus einander in die Erde geſetzt. 20 F über der Erde werden ſie durch eine ſtarke Rahe verbunden, die an beiden Seiten 4 bis 5 F. überſteht. An ihren beiden Enden (Nocken) werden Taue befeſtigt. In der Mitte wird eine Strickleiter gehängt und zwiſchen dieſer und den Maſten werden 3 Z. ſtarke Stangen zum Kletternund107und Klimmen eingeſetzt. Von der einen Seite liegt gegen jeden Maſt eine Lehnſtange, von der andern eine Klimmleiter.

3. Der Vierbaum (Platte 2, Zeichn. T.). Ein ſtar - ker Maſt wird eingerammt; aus ihm gehen in einer Höhe von 30 F. über der Erde im Kreuz 4, zwölf Fuß lange, Rahen; dieſe werden 8 F. weit vom Mittelmaſt durch Klettermaſte unter - ſtützt. Am Ende jeder Rahe iſt ein Tau befeſtigt. In einem Neigewinkel zweier Rahe wird eine Klimmleiter angeſetzt. Vier Fuß vom Maſte kann man an den Rahen noch Stangen anbringen.

Ein Gerüſt, welches für den Anfang gerade nicht nöthig, aber auf einem vollſtändig eingerichteten Turn - platze nicht fehlen ſollte, iſt:

4. der Klimmel (Platte 2, Zeichn. V.), eine Vor - richtung zum Klimmen. Ein gleichſeitiges Viereck von 9 F. im Geviert wird beſchrieben; in deſſen Ecken werden 4 ſtarke Stiele, 6 F. hoch über der Erde, geſetzt und dieſe werden mit 4 ſtarken Über - lagen oder Rahmen verbunden. Auf dieſe werden vier Fächer im Winkel von 60° errichtet.

Die 4 Strebebänder, welche die Fächer ver - binden, werden von 1 zu 1 F. ihrer Länge, wie eine Leiter, mit Sproſſen verbunden, deren in jedem Fach fünf genug ſind. Die Sproſſen wer -den108den, wo ſie ſehr lang ausfallen, unten dick ge - macht, damit ſie feſt ſind, und oben zum beſſern Anfaſſen dünner bearbeitet.

Das Klettern iſt zweierlei:

A. das eigentliche Klettern (Klettern mit Hän - den und Füßen)

iſt entweder:

a. Hangklettern: wo der Körper eine ſenk - rechte oder rückwärts geneigte Lage hat; oder

b. Reitklettern: wo der Körper eine vor - wärts geneigte Lage hat, und ſich mit den Füßen allein halten kann.

B. das Klimmen (Klettern mit den Händen allein) iſt beſtändig ein Hangklettern.

A. Das eigentliche Klettern.

Kletterregeln. Iſt das Kletterzeug dünn (als Stange und Tau), ſo müſſen die Hände das Meiſte thun, und daher ſehr feſt umſpannen; iſt es über ſpann - dick (Maſt), ſo können die Hände bloß mit den Unterarmen feſt angelegt werden, und die Bruſt muß von der andern Seite den Gegendruck ma - chen. Bei einem ſtarken Maſte faßt eine Hand den andern Unterarm; iſt er noch ſtärker, ſo werden die Finger verſchränkt.

Die109

Die Beine umſpannen das Kletterzeug ſo, daß das eine vorn mit Wade und Ferſe, das andere hinten mit dem Fußgelenk, Schienbein und Knie gegenliegt. Das Tau wird bloß zwiſchen Ferſe und Fußgelenk feſtgehalten.

Bei einem ſtarken Maſte, beſonders wenn er rauh iſt, ſchließen beide Kniee und Oberſchenkel von beiden Seiten, die Schienbeine werden nach hinten angelegt und die Fußſpitzen von hinten gegenge - ſetzt. Bei einem ſehr ſtarken und glatten Maſte, wo man die Finger verſchränkt, thut man auch wohl, beide Beine nach vorn zu ſtrecken und die Füße zu überknöcheln.

Beim Klettern greift immer eine Hand um die andre und über die andre weg, nicht eine nach der andern; alſo Vorgriff und Übergriff, nicht Vorgriff und Nachgriff.

Es kommt alles darauf an, beſonders beim Tau, daß die Hände ſo hoch als möglich greifen, und dann die Füße ganz nah an die Hände heran ge - zogen werden, d. h. daß man große Spannen (Griffe) macht.

Beim Herabklettern am Tau muß man die Hände niemals an demſelben gleiten laſſen, ſondern Griffe machen, wie beim Hinaufkletern. An Stange und Maſt kann man herabgleiten.

Das110

Das Klettern an:

1. der Stange (Stangenklettern) iſt immer Hangklettern und die leichteſte Art; man muß da - her in dieſer große Fertigkeit erlangen;

2. dem Maſt (Maſtklettern) iſt immer Hangklet - tern und die ſchwerſte Art; ſehr angreifend für den ganzen Körper, wenn der Maſt ſehr hoch und dick iſt;

3. der Lehnſtange:

an der Oberſeite Reitklettern,

an der Unterſeite Hangkletern;

iſt ſehr verſchieden, je nachdem die Stange wenig oder viel Neigung hat, dünne oder dick iſt;

4. dem Tau, immer Hangklettern:

a. am ſenkrecht ſchlaffen Tau,

b. am ſenkrecht geſpannten Tau,

c. am ſchräg geſpannten Tau.

Das ſchwerſte Tauklettern iſt: mit beiden - ßen und einer Hand. Auch nicht leicht iſt das Verkehrt-Klettern (die Beine oben, Kopf nach unten);

5. der Leiter (Leiterklettern). Die ſchwerſte Art iſt an der ſchlaffen Strickleiter, wegen der Nachgie - bigkeit der Sproſſen; nächſt dieſem an der Innen - ſeite der ſchrägſtehenden Holzleiter; an deren Au - ßenſeite iſt es ein bloßes Steigen.

B.111

B. Das Klimmen.

Da bei dieſer Übung der Körper bloß durch Hülfe der Arme gehoben werden ſoll, ſo müſſen auch die Beine und der ganze übrige Leib ſo ruhig als möglich gehal - ten werden.

Das Ziehklimmen am Reck iſt die beſte Vor - übung.

Alles Klimmen geſchieht entweder mit:

1. Senkgriff, am ſenkrechten oder ſchrägen Kletter - zeuge, wo die Fläche der Hand ſenkrecht; oder mit:

2. Riſt - oder Wagegriff, am wagerechten Kletter - zeuge, wo der Riſt der Hand nach oben und die Fläche der Hand wagerecht.

1. Das Klimmen mit Senkgriff geſchieht immer mit Vor - und Übergriff, nicht Nachgriff; die Ellenbogen müſſen dabei ſo nahe als möglich an den Leib geſchloſſen werden.

Der Leib kann dabei ſein:

a. ganz geſtreckt langhangend,

b. in den Knieen gebogen hangknieend,

c. in den Hüften nach vorn gebogen, wobei die Kniee geſtreckt ſind hangſitzend.

Die Beine können dabei gehalten werden:

  • a. geſchloſſen an einer Seite
  • b. grätſchend an beiden Seiten
des Kletter - zeuges.
Dies112

Dies Klimmen geſchieht:

a. am Tau (Tauklimmen),

b. an der ſpanndicken Kletter - oder Lehn - ſtange (Stangenklimmen),

c. an den beiden Hauptſeilen der Strick - leiter.

2. Das Klimmen mit Riſt - oder Wagegriff: ge - ſchieht faſt nur an der Holzleiter; an der Strick - leiter iſt es, wegen Nachgiebigkeit der Sproſſen, ſehr ſchwer. Es ſoll eigentlich immer mit Vor - und Übergriff getrieben werden; im Anfang iſt jedoch das Nachgreifen gern zu geſtatten, nur muß es nicht immer mit derſelben Hand geſchehen.

Das Ruckklimmen mit beiden Händen zugleich, darf nur nahe an der Erde auf 2 Sproſſen auf und ab geſchehen, weil ein Fehlgriff dabei nicht ſelten.

Am Klimmel geſchieht das Klimmen wie an der Leiter; in einem Fach in die Höhe, im andern herunter, und ſo weiter, ſo lange die Kräfte dauern; oder auch immer in einem Fach auf und ab. Der Klimmel hat den großen Nutzen, daß ſich mehrere zu gleicher Zeit im Wettklimmen üben können.

Zum Wettklettern (und Wettklimmen) ſind wenig - ſtens ein Paar gleich dicker und gleich hoherStangen113Stangen (als am Zweibaum), Taue (am Zwei - baum, Vierbaum) oder Maſte erforderlich.

Das Vorbeiklettern eines bei dem andern kann geſchehen:

a. von unten nach oben (Überklettern),

b. von oben nach unten; und

iſt gewöhnlich Miſchübung von Klettern und Klimmen.

HIX. 114

IX. Werfen.

Das Werfen iſt ſechserlei:

A. das Schießen:

1. mit dem Feuergewehr,

2. mit der Armbruſt,

3. mit dem Bogen,

4. mit dem Schaft (bei uns das Gerwerfen);

B. das Schocken: Werfen ſchwerer Gegenſtände, wobei der Wurf die Kraft durch ein einfaches Vor - und Rückſchwingen des geſtreckten Armes bekommt;

C. das Stoßen, wobei ſchwere Körper bloß durch das Strecken des vorher gekrümmten Armes fort - bewegt werden;

D. das Schleudern, wobei leichte Körper durch verſchiedenartige Schwingungen, bloß durch die Hände oder vermittelſt eigener Werkzeuge gewor - fen werden;

E. das Gellen (wälſch Ricochettiren);

F. das Schirken.

Das115

Das Werfen iſt eine der wichtigſten Übungen, zur Stärkung des Armes und Schärfung des Augen - maaßes; jedoch erfordert es große Vorſicht vielen Raum und Berechenbarkeit der Bahn. Daher können auch nur das Gerwerfen, Schocken und Stoßen auf dem Turnplatze getrieben werden, aber dieſe ſollten auch, obgleich ſie nicht für Kinder unter 11 Jahren ſind, auf keinem Turnplatze fehlen.

A. Das Schießen.

1. Mit dem Feuergewehr, beſonders der Büchſe, iſt für Jünglinge eine herrliche Übung. Es wäre wohl zu wünſchen, daß bei jedem Turnplatz eine eigne Schießbahn außerhalb deſſelben wäre, oder man wenigſtens eine andre benutzen könnte; auf der die größeren Turner in eigenen Stunden Anweiſung bekämen: die gewöhnliche Turnzeit würde zu ſehr geſtört werden. Es kann hier nicht die Rede da - von ſein, fertige Schützen zu bilden, denn dazu gehört lange Übung; aber jeder Mann ſollte we - nigſtens eine genaue Kenntniß des Feuergewehrs erlangen, und damit umgehen lernen;

2. mit der Armbruſt. Dieſe vertritt, wenn ſie gut iſt, beinahe die Stelle des Feuergewehrs, dann aber iſt ſie auch koſtſpielig und erfordert gleichfalls viel Vorſicht; das Feuergewehr iſt daher immer vorzu -H 2zie -116ziehen. Zum Vergnügen und für Knaben iſt die Armbruſt jedoch ſehr gut;

3. mit dem Bogen. Das Bogenſchießen iſt eine ſehr heilſame Übung, indem ſie einen feſten Arm und ſcharfes Auge giebt, für das reifere wie für das Knabenalter gleich vortheilhaft; daher außer dem Turnplatz auch ſehr zu empfehlen;

4. mit dem Schafte, bei uns:

das Gerwerfen.

Wurfgeräth: der Ger (Platte 1, Zeichn. C.), eine geſchnittene Stange als Schaft. Die Spitze (Platte 1, Zeichn. C, a.) wird mit einem 4. Z. langen eiſernen Beſchlage verſehen, der ſich halbkugel - oder kegelförmig endigt. Das Schaftende (Platte 1. Zeichn. C, b.) bekommt einen 2 Z. langen eiſernen Ring als Beſchlag, der ſo viel Gegengewicht hal - ten muß, daß der Schwerpunkt des Gers nur etwa 2 3 Z. ans der Mitte nach der Spitze zu fällt.

Für Kinder und Knaben, bis 12 Jahre alt, muß der Ger 6 F. lang und 1 Z. höchſtens 5 / 4 Z. ſtark ſein; für Größere und Ältere nach Verhältniß ihrer Stärke 7 oder 8 F. lang, und 5 / 4 oder 6 / 4 Z. ſtark. Von einem andern Verhältniß ſollte und muß kein Ger auf dem Turnplatze geduldet wer - den, ſonſt wird er entweder zu dünn oder zu dick. Zu den Geren muß beſonders trocken Holz genom -men117men werden; wenn man es haben kann, Eſchen - holz, ſonſt muß man ſich mit Kienenholz behelfen

Wurfzeug: ein Pfahlkopf (Platte 1, Zeichn. B.) als Wurfziel. Ein 12 16 Z. hoher, kopfähn - licher Klotz (Platte 1, Zeichn. B, a.) wird durch eine eiſerne Krampe, auf einem 4 F. hohen, 5 6 Z. ſtarken Ständer (Platte 1, Zeichn. B, b.) befeſtigt. Die Krampe wird durch 2 ſtarke Eiſen - ringe an den Ständer und Kopf befeſtigt; ſo daß dieſer vom Wurfe getroffen, überſchlägt, aber han - gen bleibt.

Die Wurfbahn muß, wegen der oft weit vom Pfahle abſpringenden Würfe und Gere wenigſtens 30 F. breit ſein. Am Ende der Bahn wirft man einen Erdwall von 3 4 F. Höhe auf, von dieſem ſteht der Pfahlkopf wenigſtens 20 F. ab. Ein Verſchlag von Brettern, ein Schott, iſt noch beſſer, da die Gere bei ſtarken und geraden Würfen leicht über den Wall rutſchen, und in einer andern Bahn hin - dern. Zum Wurf ohne Anlauf müſſen 40 50 F., und daher die ganze Bahn wenigſtens 70 F. lang ſein.

Wurfhaltung: Beine geſpreizt;

Fuß des Wurfarms hinten und gequert;

Fuß118

Fuß des Ruharms vor, und ein wenig auswärts;

Ruharm in einem ſpitzen ſchräg lie - genden Winkel: Fauſt ge - ballt, Nägel ſichtwärts;

Wurfarm in einem ſpitzen Winkel, hält den Ger mit der Fauſt nahe am Geſicht in der Schwebe.

Beide Füße beim Wurf ſtandfeſt.

Vorübungen:

a. die Schwebe des Gers finden und abwägen;

b. in der Schwebe halten und tragen, im Stand und Lauf;

c. Rucken: den Ger durch einen Ruck der Hand und des Unterarms plötzlich wagerecht nach hin - ten bewegen;

d. Schnellen: den geruckten Ger durch einen Schneller wieder vorwärts ſtoßen, wobei er wagerecht bleiben muß und nicht aus den Fin - gern ſchießen darf;

e. Ruck und Schneller wiederholen, und beide Vor - und Rückbewegungen ſo ſchnell und kraft - voll als möglich;

f. dann Abwürfe verſuchen; erſt kürzere, dann längere, wobei alle Finger zugleich losgelaſſen werden müſſen.

Der119

Der Gerwurf iſt: Kernwurf, Bogenwurf und Tiefenwurf.

1. Kernwurf geſchieht ganz, wie aus der Haltung und den Vorübungen folgt, wagerecht, ſoviel es die Schwerkraft erlaubt. Der Kernwurf muß erſt von einem Jeden ziemlich fertig gemacht wer - den können, bevor er zum Bogenwurf übergeht.

2. Bogenwurf, der in einem ſtarken Bogen auf das Ziel geht, erfordert bei weniger Kraft mehr Übung und Geſchicklichkeit. Der Ger wird ſo gefaßt, daß er etwas Übergewicht nach vorn hat; und der Vortheil beſteht darin, dem Ger beim Abwurf einen ſolchen Stoß oder Druck zu geben, daß er ſich bei erreichter größter Höhe unter dem richtigen Winkel mit der Spitze zuerſt ſenkt.

Der Winkel, unter welchem der Ger auftrifft, muß unter 45° ſein; ſonſt ſchlägt er über und hat zu wenig Kraft.

Beim Bogenwurf kann der Ger ſo geführt werden:

a. daß der Arm ſich beim Anziehen faſt ganz ſtreckt, und ſich ſo dreht, daß die Öffnung der Finger von oben kommt; die Bruſt wendet ſich etwas gegen den Ger. die gewöhnliche Art;

b. daß der Arm ſich beim Anziehen wenigerſtreckt120ſtreckt und gar nicht dreht. Die Bruſt wendet ſich auch nicht, der Oberleib biegt ſich aber ſtark rückwärts. Dieſen Wurf em - pfindet man ſtark im Kreuz.

Der Bogenwurf reicht weiter als der Kernwurf; man muß ihn aber auch in Rückſicht auf Höhe allein, und dann auf Höhe und Weite zugleich üben.

3. Tiefenwurf: von einer Anhöhe in die Tiefe, kann Kern - und Bogenwurf ſein.

Kernwurf, Bogenwurf und Tiefenwurf können gemacht werden:

1. a. vom Stande (Standwurf),

b. mit Anlauf (Anlaufwurf);

dabei 2. a. rechts,

b. links, welches eben ſo ſehr, als Rechts - werfen geübt werden muß.

Hieraus entſtehen 12 Veränderungen.

Treffer ſind, wenn der Ger

beim Kernwurf anſpitzet,

beim Bogenwurf aufſpitzet,

beim Tiefenwurf einſpitzet.

Fehler ſind, wenn der Ger,

ſtatt wagerecht und im Bogen zu ſchießen, ſchlän - kert, kippt und wippt, quert und trummt (wie ein Trumm herunter fällt), wenn er anſchaf - tet mit dem Schaftende anſtreifft ; oderauf -121aufſchaftet mit dem Schaftende zuerſt auf - fällt : überhaupt, wenn er nicht ſpitzet.

B. Das Schocken.

Schocken iſt das Werfen ſchwerer Gegenſtände, welche wie Kugeln bein Kegelſpiel in die Hand gelegt werden. Mit beiden Händen zugleich ſchocken iſt nicht turneriſch. Auf dem Turnplatze, wo man nach einem Ziele ſchocket, gebraucht man nur 1 3 pfün - dige Geſchützkugeln. Anderthalb - bis zweipfündige Ku - geln laſſen ſich am bequemſten werfen und ſchocken.

Die Schockbahn muß 16 20 Fuß breit, und eben ſein, an beiden Seiten aber freien Raum haben; ſo daß die Wurflinie auf beiden Seiten 30 F. von allen Übungsplätzen abliegt: alſo 60 F. Breite für den ganzen Platz. Länge der Bahn vom Stande bis zum Ziele 100 Fuß.

Das Schockziel beſteht aus einem 8 9 F. hohen, 4 F breiten ſenkrechten Rahmen von 4 5 zol - ligem Holze. In die Mitte deſſelben wird ein prall ausgeſtopfter Sack in Geſtalt eines Eies gehängt, welcher getroffen ausweicht.

Sechs bis acht Fuß hinter dem Ziele iſt ein Schott angebracht ein ſchräger Wall mit ſtarken Bret - tern belegt je höher, je beſſer und dabei am beſten ein Flügelſchott , das die Kugeln,welche122welche darauf fallen, in die Bahn zurückrollen läßt. Hinter dem Schott muß, für den etwani - gen hinüber - und wegfliegenden Wurf noch 20 F. frei ſein, und die Gränze des Ganzen gegen das Fortrollen mit einem niedrigen Erdwall eingefaßt ſein. Der ganze Platz muß alſo wenigſtens 60 F. breit und 130 F. lang ſein.

Schockhaltung. Für das Rechtsſchocken:

Der rechte Fuß (Fuß des Wurfarmes) ſteht hin - ten und gequert; der linke Fuß (Fuß des Ruh - atmes) vor und gerade aus. Rechter Arm (Wurf - arm) geſenkt neben und am rechten Oberſchenkel, Handgelenk ſtark gebogen. Linker Arm (Ruharm) auf den linken Schenkel geſtüzt.

Schockweiſe. Die rechte Hand faßt die Kugel, der Arm macht einige Rück - und Vorſchwünge, wobei ſich der Leib nicht vor - und rückwärts neigt, und dann den Abwurf, wobei die Kugel gleichzeitig von Hand und Finger losgelaſſen werden muß. Es geſchieht immer ein Wurf rechts, dann einer links. Der Schocker tritt in die Mitte der Bahn, die übrigen der Riege an die entgegengeſetzte Seite ſeines Wurfarmes, damit ſie von keinem Miswurf getroffen werden können.

Eine Art des Schockens, die aber nicht aufden123den Turnplatz gehört, iſt das Werfen einer höl - zernen, ſteinernen oder eiſernen u. ſ. w. Linſe (Di - ſcus), die während des Wurfes durch die Luft rädeln muß.

C. Das Stoßen.

Stoßen: Werfen, bei dem bloß, durch Ausſtre - ckung (Ausſtoßen) des vorher gebogenen Armes der Wurf geſchieht. Da daſſelbe nie angewendet werden kann, um ein Ziel ſicher und weit zu treffen, ſo bedient man ſich ſeiner bloß zur Stärkung des Armes, und wirft daher nur ſchwere Laſten in die Weite oder Tiefe.

Stoßbahn (ſ. Platte 1, den Plan XV.), 20 30 F. breit und 40 F. lang. Der Stand muß 6 8 F. breit mit einem zur Hälfte ſeiner Dicke in der Erde liegenden Baume begränzt ſein, gegen welchen der vordere Fuß beim Stoßen geſetzt wird. Das Ende der Bahn muß einen kleinen Wall ha - ben, der das Fortrollen der Kugeln verhindert. Gut iſt es, wenn vor dem Stande eine Vertie - fung (Graben o. d. g.) iſt, wo hinüber man ſtoßt.

Stoßgeräth: 6 24pfündige Geſchützkugeln ſind am bequemſten, weil ſie ſich gut faſſen laſſen, und ihre Schwere und ihr Gewicht bekannt iſt.

Stoß -124

Stoßweiſe. Haltung und Stellung wie beim Scho - cken. Der Stoßarm wird aber in einem ſpitzen Winkel gebogen, mit der Hand dem Geſichte gleich gehalten. Die Kugel wird nun in die offne Hand gelegt und nach einigen kleinen Vor - und Rück - biegungen des Leibes und der Hand fortgeſtoßen.

Folgende Übung gehört zwar nicht zum Wer - fen; da es aber die einzige eigentliche Stoßübung iſt, die man auf dem Turnplatze noch treiben kann, ſo wird ſie hiermit aufgeführt:

Ein ſchwerer Balken, der ſich um einen ſtarken Nagel auf einem etwa 4 F. hohen Ständer in der Schwebe dreht, wird durch Stoßen ſchnell herum ge - dreht. Die Stärke des Stoßes wird nach der Zahl der Umdrehen berechnet, welche der Balken macht, und dieſe kann man leicht durch einen angebrachten Schnäpper zählen.

D. Das Schleudern.

Werfen leichter Körper, welche mit den Händen allein, oder mit eigenen Werkzeugen durch verſchieden - artige Schwingungen fortgeſchlendert werden.

1. Schleudern mit den Händen allein, das ge - wöhnliche Werfen. Die Wurfweiſen ſind ſehr ver - ſchieden; die gewöhnlichſten ſind:

a. der Wurfarm holt hinten hoch aus,

b.125

b. der Wurfarm holt hinten tief aus,

c. die Wurfhand liegt anfangs mit dem Riſt gegen den Rücken.

Man wirft mit kleinen Steinen, Bällen und dergl., die nicht über ½ Pfund ſchwer ſind:

  • in die Weite
  • in die Höhe
  • nach dem Ziele
vom Stande, mit Anlauf.

2. Schleudern mit eignen Werkzeugen: als Schleuder, Wurfſtock, Wurfriemen, Wurfſchnur und dergleichen.

Alles Schleudern gehört, wie ſchon oben geſagt, nicht auf den Turnplatz. Eben ſo:

E. Das Gellen.

Werfen mit Prall auf feſte Erde, kann wegen des An - und Abgellens, was nicht bahnmäßig zu berech - nen iſt, nicht auf dem Turnplatze getrieben werden. Das Brummerwerfen gehört mit dazu.

F. Das Schirken.

Werfen mit einem flachen Stein, Schiefer oder Scherben ſchief auf die Waſſerfläche, ſo daß das Gewor - fene (Schirkel) mehrmals in die Höhe prallend, - pfend darüber hinweg gleitet (Schirke macht) iſt keine Übung für den Turnplatz.

In allen Waſſergegenden iſt das Schirken eineBe -126Beluſtigung der Knaben, und hat nach den einzelnen Mundarten in Landſchaften und Gauen verſchiedene Na - men: bämmeln, das Bäuerlein löſen, bleiern, die Braut führen, die Braut ſchlagen, Brot ſchneiden, Butterbäm - men ſtreichen, Butterbrot ſchmieren, werfen, But - terſtollen werfen, fiſcheln, flacheln, Flätter auch Pflä - ter werfen, flötzen, flözern, Fröſche werfen, hitzerlen, Jungfern ſchießen, werfen eine ein - zwei - oder dreibeinige Jungfer, Kindli werfen, die liebe Frau löſen, pfleizern, pflinzern, plätſchern, plätteln, putjen, Schiffchen machen ſchlagen, ſchiffeln, ſchippern, Schneller ſchla - gen, ſchnellern, Schüſſelchen werfen, ſpätzeln, Staaren ſtechen, Steinblitzer machen, ſteineln, ſtelzeln, Suppen ſchlagen ſchmeißen ſchmelzen.

X. Zie127

X. Ziehen.

Ziehzeug:

1. Ziehtau (oder Ziehſeil), wenigſtens 20 F. lang und 1 Z. ſtark, und an beiden Seiten mit Öſen verſehen. Sollen dreißig gegen einander ziehen, ſo muß es ſchon 60 F. lang ſein.

2. Nackziehſeil (Platte 1, Zeichn. O.) beſteht aus zwei, 2 3 F. langen und 2 3 Z. breiten Gurten oder Hülfen, deren Enden durch zwei, 10 F. lange, Stränge verbunden werden.

3. Stäbe, 2 3 F. lang und 5 / 4 6 / 4 Z. ſtark.

Die Ziehbahn muß eben, und nach Verhältniß der Taulänge auch lang ſein.

A. Das Handziehen, ziehen mit den Händen:

1. mit den Händen allein:

a. Hand in Hand: einfach: rechts gegen rechts, links gegen links;

b. häkelnd: einfach: rechts gegen rechts, links gegen links;

128

doppelt: rechts gegen links, links gegen rechts;

mit 4 Fingern, mit 1 Finger;

2. am Ziehzeuge:

a. am Ziehtau (das Tauziehen) ein Zieh - kampf. Geſchieht rückwärts gehend, die Hände faſſen das Tau der Daum gegen den Geg - ner . Die Zahl kann auf beiden Seiten da - bei gleich oder ungleich ſein. Sind es viele gegen viele, ſo muß jede Parthei immer ruck - weiſe zu ziehen ſuchen. Der Ziehkampf kann alſo ſein

ein Zweikampf,

ein Dreikampf,

ein Vielkampf;

b. am Ziehſtabe (das Stabziehen),

am kurzen gequerten Stabe:

im Zweikampf: Einer faßt den Stab auswendig (Außengriff), der Andere in - wendig (Innengriff).

Das Emporziehen eines am Boden Liegen - den, auf mehrere der vorigen Arten. Die beſte von dieſen iſt aber, daß ſich 2 an die Erde ſetzen, Sole ge - gegen Sole geſtemmt, und nur am kurzen gequerten Stabe ſich aufzuziehen ſuchen.

B.129

B. Das Nackziehen Ziehen mit dem Nacken:

a. ſtehend: das Nackziehſeil wird ausge - ſpannt, jeder legt ſich einen Gurt über den Nacken, ſieht den Gegner an und ſucht ihn rückwärts zu ziehen. Stäts Aug in Auge da - bei! man darf ſich nicht drehen, auch das Seil nicht mit den Händen berühren oder faſſen, welche am beſten an die Hüften (Daumen hin - ten!) gelegt werden;

b. auf allen Vieren. Das Nackziehſeil wird ausgeſpannt. Jeder tritt mit dem einen Fuß über beide Stränge, Rücken gegen den Geg - ner (Sole zu Sole!) gekehrt, legt den Gurt über den Nacken, ſo daß die Stränge zwiſchen den Beinen durchgehen; läßt ſich auf Hände und Füße nieder und ſucht nun den Gegner zu ziehen, wobei das Kreuz geſtreckt und der Kopf gehoben ſein muß. Die Übung iſt nicht gefährlich, was Nichtturner ſich einbilden.

Alle Ziehübungen haben den Vortheil, daß zu ihrem Betreiben keine weitere Vorübung gehört, und Ungelenke und Ungeſchirkte gleich daran Theil nehmen können.

JXI. 130

XI. Schieben.

Das Schieben iſt zweierlei:

A. Schieben des Gegners, wo Kraft gegen Kraft wirkt:

1. Hand in Hand:

  • rechts gegen rechts, oder
  • links gegen links;
mit Streck - armen.

Hier kommt es darauf an, den Gegner zum Weichen oder zum Biegen des Armes zu be - wegen.

2. Hände an den Achſeln:

a. Hände feſt! (mit der Handfeſte), wobei beide Hände entweder inwendig, oder eine H. inwendig, die andere auswendig ſteht;

b. mit Handwenden, wo jeder bemüht iſt, dem andern den vortheilhafteſten Griff (den Innengriff) abzugewinnen.

Dieſer Schiebekampf kann nun geſchehen:

1. auf beiden Füßen: nach obigem a und b;

2.131

2. auf einem Fuß Hinkſchieben, nach a und b:

der Stärkere hinkt allein, oder

beide Gegner hinken.

B. Schieben an beſonderen Vorrich - tungen, wo man bloß die Schwere des zu ſchiebenden Gegenſtandes zu überwinden hat.

Wenn man dies auf dem Turnplatz treiben wollte, ſo wäre am ſchicklichſten dazu ein Wa - gen mit 4 Rädern, auf einer feſten glatten Bahn, der mit Kugeln oder Steinen von beſtimm - tem Gewichte gefüllt würde.

J 2XII. 132

XII. Heben.

Alles Heben von großen Laſten, vorzüglich mit geſpreizten Beinen und geſtreckten Armen, welches ſo ſehr auf den Unterleib wirkt, iſt nicht für den Turnplatz. Hieher gehört nur das Heben mit wagerecht ge - ſtreckten Armen, welches für dieſe ſo außerordentlich ſtärkend iſt.

1. Das Heben des Kraftmeſſers (Platte 1, Zeichn. P.). Ein 4 5 F. langer Stab wird von Zoll zu Zoll mit Einſchnitten verſehen, in welche Gewichte von 1 2 Pfd. gehängt wer - den, das obere Ende von 6 Z. bleibt rund zum Handgriffe.

Haltung des Kraftmeſſers. Die Hand umfaßt den Griff feſt, ſo daß die Öffnung zwiſchen Dau - men und Zeigefinger nach oben, die Öffnung der Finger nach inwendig ſteht. Arm und Kraftmeſ - ſer ſind in gerader Linie; das Ende von dieſem ruht auf der Erde.

Das Heben geſchieht immer mit 2 Kraftmeſſern, injeder133jeder Hand einen; man bringt ſie langſam etwas über die wagerechte Linie und läßt ſie dann eben ſo bis auf den Boden ſinken. Ein Gewicht von 2 Pfd. in einer Entfernung von 50 Z. zu heben, erfordert ſchon ziemlich viele Kraft. Das wage - rechte Halten auf die Dauer iſt ſehr übend.

2. Das Heben des Wagebalkens.

Ein ſchwerer Balken wird auf eine 2 3 F. hohe Unterlage in die Wage gelegt, und an einer Seite mit einer Handhabe verſehen. Dieſe faßt man mit geſtrecktem Arme und ſucht den Balken zu halten, indem er aus dem Mittel gerückt, oder mit Gewichten beſchwert wird.

3. Das Heben von Sandbeuteln, oder beſſer Gewichten aber mit Vorſicht , welche an die ausgeſtreckten Arme gehängt werden.

XIII. 134

XIII. Tragen.

Das Tragen darf man weder zu früh noch zu ſpät anfangen. Im erſten Anfange muß die Laſt ſehr ge - ringe ſein, und nur allmälig kann ſie beim Wachſen der Kräfte vermehrt werden.

Um es im Tragen zu einer Fertigkeit zu bringen, gehört Zeit, Geduld, Gewöhnung, ſtätes Wiederholen und Beharrlichkeit.

Auf Dauerbarkeit beruht die Fertigkeit des Trägers, und daß er noch zu andern gleichzeitigen Bewegungen rüſtig iſt.

Große Laſten, unter deren Wucht man keucht, ſoll er als Turner nicht ſchleppen, wohl aber ſich zu einer mäßigen Beilaſt gewöhnen.

A. Das Tragen lebloſer Dinge.

1. Das Tragen in den Händen:

a. mit wagerechten Armen, indem man Sandſäcke in die Hände nimmt iſt mehr eine Hebeübung;

b. mit geſenkten Armen, indem manGe -135Gewehre oder ſchwere Stangen in die Hände nimmt. Für die Arme ſehr ſtär - kend.

2. Das Tragen auf den Schultern:

a. ſchwerer Stangen oder Gewehre;

b. eines doppelriemigen Tragbeutels, der auf beiden Schultern hangt, und nur ſo ſchwer iſt, daß der Turner andere Übun - gen damit vornehmen kann, indem Hände und Arme frei ſind. So nützlich dieſe Übung mit dem Ranzen auch iſt, beſon - ders bei kleinen Fußreiſen (Turnfahrten), ſo ſchädlich kann ſie für die Bruſt werden, wenn man ſie übertreibt und ſchwere La - ſten trägt (Siehe Gehen, S. 4 bis 5.).

B. Das Tragen eines Menſchen. Nur Größere und Stärkere dürfen Kleinere und Leich - tere tragen.

1. Huckeback Schenkel auf den Hüften.

2. Huckeſchulter Schenkel auf den Schul - tern.

3. Auf der Handflechte. Die Handflechte wird von zweien ſich Gegenüberſtehenden gemacht, die mit der rechten Hand ihr lin - kes Handgelenk faſſen, und mit der linken das rechte des Gegners; oder umgekehrt:

a.136

a. Einen ſitzend, wozu ein Tragepaar;

b. Einen liegend, wozu eine Paarreihe. Aus dieſer Übung geht das ſogenannte Schwimmen-laſſen hervor, wobei die Paarreihe den Getragenen, welcher ſich ganz ſtreckt, in die Höhe wirft, und auf der Handflechte wieder auffängt, ſo daß der Schwimmende mit jedem Schwub ein Tragepaar weiter kommt. Jedes Tragepaar muß ſeine Arme hart an die Arme ſeiner Nebenpaare halten, beim Ruhen wie beim Heben.

Der Schwimmende darf bei keinem Schwub aus der Paarreihe kommen, noch höher als ſie. Der Schwub des Paares zu Häupten kann etwas ſtärker ſein, als der anderen Paare, und vom Kopf bis zu den Füßen allmälig abnehmen. Will man weiter ſchwimmen laſſen, als die Parreihe lang iſt; ſo treten die Paare, bei denen der Schwimmende vorbei iſt, wieder zu den Füßen Paarweiſe an. Dieſes muß aber mit großer Vorſicht und nie ohne Aufſicht geſchehen.

XIV. 137

XIV. Strecken.

Strecken heißt die Übung, wobei der Leib vom Hin - terkopf bis zur Ferſe eine gerade Linie macht. Die ver - ſchiedenen Stücke dieſer Übung beſtehen darin, den Leib in dieſer Stellung oder Lage zu erhalten oder zu bewe - gen, wobei theils die Hände unterſtützen, theils mit den Armen ruhend an den Leib geſchloſſen werden. Alle ſind außerordentlich ſtärkend für das Kreuz.

A. Strecken mit Gebrauch der Hände.

Stufenfolge:

Stand! und Haltung wie beim Springen.

Zehenſtand!

Hocken!

Hände ab! und vor! geſtreckt.

Nieder! auf die Hände, ohne mit den Knieen die Erde zu berühren.

Geſtreckt! Ausſtrecken, bis der Leib vom Hinter - kopf bis zur Ferſe eine gerade Linie macht; alſo ohne Katzenbuckel und Hangeleib. Ruhen in der vorigen Stellung. DieArme138Arme ſind ſchon ganz geſtreckt, wenn ſie mit dem Leibe einen rechten Winkel ma - chen. Eine größre Streckung ermüdet zu bald. Übung auf die Dauer bis das Wort Auf! zum Aufrichten ruft; oder ver - bunden mit dem Umdrehen (Umkreiſen):

Kreis um!

a. Umkreiſen mit den Händen, d. h. mit den Händen einen Kreis beſchrei - ben, indem die Füße feſt ſtehen blei - ben: rechts und links; eine herrliche Übung, die man mit Recht die Rücken - probe nennen kann. Auf die Dauer (Handkreiſen Handkreis).

b. Umkreiſen mit den Füßen, wobei die Hände feſt! iſt weniger wichtig (Fußkreiſen Fußkreis).

Beides Strecken und Umkreiſen können geübt werden:

a. indem das Geſicht erdwärts gekehrt, und die Füße alſo aufzehen;

b. indem das Geſicht himmelwärts gekehrt iſt, und die Füße aufferſen. Das Ruhen, und das Umkreiſen noch mehr, in dieſer Streckung iſt ſehr ſchwer.

Dies Strecken kann von einer großen langen Streck - riege zugleich geübt werden, wobei man ſich am beſtenobiger139obiger Achtwörter der Stufenfolge bedienen kann. Dabei muß jeder in der Streckriege gehörigen Raum zum Umkreiſen haben.

B. Strecken, ohne Gebrauch der Hände.

Dieſe werden mit den Armen am Leib, in deſſen Richtung, gehalten.

1. Sich von der Erde vor - und rückwärts ausge - ſtreckt aufheben laſſen.

2. Ausgeſtreckt über einer Vertiefung liegen:

a. auf zwei Stühlen, da Hinterkopf und Ferſen nur aufliegen; der dritte unterm Geſäß ſtehende wird vom Liegenden ſelbſt herausgezogen, in die Höhe gehoben, und hin und her überge - wechſelt;

b. auf einer Latte, deren Enden auf zwei Schämeln ruhen:

mit einem Schwebeſtock (leichter),

ohne einen Schwebeſtock (ſchwerer).

3. Sich erhebend ausſtrecken, wenn die Beine bis in das Kniegelenk vom Fuß an auf einer Er - höhung (Stuhl, Bank und dergl. ) feſtgehalten werden, und der Leib in der Tiefe liegt; bis zum rechten Winkel im Hüftgelenk, wobei die Beine im Knie geſtreckt.

XV. 140

XV. Ringen.

Ringplatz: er muß ſo groß ſein, daß ſich vier bis ſechs Ringerpaare bequem tummeln können, ohne ſich zu ſtören. Sollen große Vielkämpfe darauf geführt werden, ſo muß er 60 100 F. lang und 40 50 F. breit ſein. Er muß weichen Boden haben; und muß von allen Steinchen, Wurzeln, Kraut - ſtängeln und Spänen ꝛc. ſorgfältig rein gehalten werden.

Ringhaltung: Ein Fuß vorn nach dem Gegner zu, und das Knie gebogen;

Ein Fuß hinten und gequert;

Ellenbogen am Leibe;

Fäuſte geballt, vor dem Leibe, nahe an einander;

Oberleib vor gebeugt.

So in der Wage ſtehend hat der Menſch die größeſte Laſt für den, der ihn aufheben und von der Stelle rücken will. Der Ringer muß nie hoch, ſondern niedrig gegen ſeinen Gegner gehen.

Der141

Der Ringgriff theilt ſich in den ganzen und hal - ben Griff:

Ganzer Griff, wobei man mit beiden Armen unter denen des Gegners deſſen Leib umfaßt;

Halber Griff, wo der eine Arm über dem einen, der andere unter dem andern des Geg - ners liegt.

Beim Umfaſſen des Gegners werden die Finger niemals verſchränkt; ſondern, wo man kann, iſt das beſte die Handflechte, wobei die gefaßte Hand geballt am beſten zum Drücken in das Kreuz des Gegners, und dadurch zum Niederdrücken deſ - ſelben gebraucht wird.

Vorübungen:

1. das Abgewinnen des ganzen Griffs;

  • 2. das Heben
  • 3. das Rückbeugen
  • 4. das Legen: rechts, links;
mit halbem und mit ganzem Griff: indem ſich der Gegner ruhig verhält oder vertheidigt;

5. das Feſthalten an der Erde, eines Stärkeren von Schwächeren:

a. indem Einer dem auf dem Rücken Liegenden die Arme ſeitwärts ausbreitet, und des Gegners Beine mit ſeinen Beinen unterſchlingt;

b. indem der Haltende ſich quet, im beinah rech - ten Winkel, Bruſt über Bruſt legt, des GegnersBruſt142Bruſt und Rücken mit ſeinen ſich verflechtenden Armen umſchlingt. Wenn der Gegner ſich einem zum Umwenden und Abkommen nähert, rückt man immer weiter herum, um den rechten Win - kel wieder zu erlangen;

c. wenn zwei Kleinere, dem Gegner zuſammen an Kräften gewachſen, denſelben feſthalten, der eine zu Haupte nach b, der andre zu Füßen, die er feſt mit den Armen umſchlingt.

Ungeachtet dieſes Feſthaltens muß der Gehaltene nun verſuchen

6. das Aufkommen. Wer auf dem Rücken dabei liegt, muß zuerſt ſuchen, ſich umzuwerfen, damit er auf den Bauch komme, wo er des Gegners auf verſchiedne Art ſich beſſer entledigen kann.

Nach dieſen Vorübungen kann man, um die Lei - besſchwere und Stärke, abgeſehen von aller Ringfertig - keit, zu erproben, im Gleichfaſſen ringen. Die Geg - ner treten einander gegenüber, ſtrecken jeder den nämli - chen Arm hoch und den andern erdwärts. Jedes Rin - gers Arme ſind in einem Strich übereck in der Gehre (wälſch Diagonale). Beim Gleichfaſſen ſind entweder beider rechte Arme oder beider linke Arme unten.

Das Ringen im Gleichfaſſen macht den Über - gang zum Ringen im Zulauf.

Das Ringen mit Angriff und Vertheidigung,Griff143Griff und Gegengriff kunſtgerecht nach Folge und Fol - gerung darſtellen zu wollen, geht nicht füglich an, indem die Zahl der Griffe ins Unendliche geht und jeder Ge - gengriff nach Umſtänden und Gelegenheit verſchieden iſt; man muß ſich daher begnügen, eine Auswahl von guten Ringgriffen aufzuſtellen, wozu aber hier nicht Platz und Zeit iſt. Durch Übung lernt man bald viele kennen.

Nicht das Niederwerfen, ſondern das Feſt - halten des Unterliegenden entſcheidet den Kampf. Jeder Rung iſt ein Kampf von Kräften, wo es nur Gegner giebt, aber keine Feinde.

Sich wehrhaft, den Gegner wehrlos zu machen, iſt Zweck des Ringens. Mann an Mann. Die letzte Kraftäußerung, wo der Leib ſelbſt die einzige Wehr und Waffe. Unerlaubt iſt:

Packen in die Kleider,

Stoßen und Schlagen,

Beißen und Kratzen,

Haargreifen,

Fingerfaſſen,

Umdrehen einzelner Glieder,

Der Griff zwiſchen beide Oberſchenkel hindurch (wohl aber das Faſſen einzelner oder beider Beine!),

Bruſtknien, noch überhaupt Knieen auf des Geg - ners Leib und Gliedern.

Ge -144

Gerungen kann werden im:

Zweikampf: Einer gegen Einen;

Dreikampf: Einer gegen Zweie;

Vierkampf: Einer gegen Drei, u. ſ. w.;

Vielkampf: Viele gegen Viele.

Beim Vielkampf müſſen die Gegner an ihren Jacken hinten und vorn Abzeichen haben, am beſten ein farbenes Leibband.

Schwächliche, Verſteifte, Unbeholfne, noch nicht Eingeturnte dürfen nicht gleich in der erſten Turnzeit zum Ringen gelaſſen werden.

Ohne Aufſicht darf kein Ringen geſtattet werden. Kein Ringkampf (Rung) darf bis zur gänzlichen Erſchöpfung des Gegners ausgerun - gen werden. Sobald einer oder beide Ringer heftiger werden, als dem Turner geziemt, muß der Ringwart ſogleich den Kampf aufheben.

Der Rung darf beim Liegeringen nicht zu lange dauern, beim Stehringen kann er län - ger ſein.

XVI. 145

XVI. Sprung im Reifen.

Die Reifübungen haben zwar bei Weitem nicht das Mannigfaltige und Bildende als die folgenden Übun - gen im kurzen Seile; ſie verdienen aber dennoch ge - trieben zu werden, und dies geſchieht auf dem Platze für die eben genannten Übungen (S. Platte 1., den Plan). Der Reifen, ein leichter Tonnenband, feſt verbunden und ohne Knoten, muß dem Springer ſo hoch ge - hen, daß er ihn nur ſo eben unter den Füßen durchrollen kann, d. i. etwa bis ins Hüftgelenk reicht. Der Reifen darf von den Händen nie - mals feſtgehalten werden, und nicht durch dieſe, ſondern durch den Schwung ſeine Drehung erhalten.

1. Durchſchlag des Reifen von vorn. Bei dieſer und den beiden folgenden Übungen (2 u. 3) wird der Reifen mit beiden Händen, jede einige Zoll von der andern, gefaßt. Der Reifen geht zuerſt unter den Füßen und dann über den Kopf weg und ſo fort.

2. Durchſchlag des Neifen von hinten. DerKRei -146Reifen geht zuerſt über den Kopf, und dann von hinten unter den Füßen weg.

3. Durchſchlag im Lauf:

a. im Galopp, wo nach jedem Durchſchlag beide Füße die Erde berühren, und immer derſelbe vorgreift;

b. im Trabe, wo nach jedem Durchſchlag nur ein Fuß die Erde berührt, und der andre ſchwebend gehalten wird.

4. Halber Durchſchlag ſeitwärts. Die eine Hand hält den Reifen ſeitwärts hoch, ſchlägt ihn unter den Füßen durch, und nach erfolgtem Aufſprunge ſogleich wieder zurück.

5. Ganzer Durchſchlag ſeitwärts. Haltung wie vorher, der Reifen macht aber ganze Umſchwünge;

a. erſt unter den Füßen, dann über den Kopf weg (von auswendig nach inwendig);

b. erſt über den Kopf und dann unter den Füßen weg (von inwendig nach auswendig).

XVII. 147

XVII. Sprung im Seile.

A. Im kurzen Seile, welches der Springer ſel - ber ſchwingt.

Das Seil muß ½ ¾ Z. ſtark ſein, und wird ſo lang gefaßt, daß, wenn der Springer darauf tritt, es ihm zu beiden Seiten bis an die Hüften geht; bei dem gekreuzten Durchſchlage etwas länger.

Die Haltung iſt hier und beim Reifenſprung, wie bei den Springvorübungen:

die Arme werden etwas gekrümmt nahe an den Leib gebracht,

die Hände in der Gegend der Hüften, nur we - nig vorgeſtreckt;

die Seilſchwingung geſchieht bloß durch Dre - hung der Handgelenke; die Arme dür - fen ſich gar nicht oder nur wenig rühren.

1. Einfacher Durchſchlag.

a. Gerader Durchſchlag:

auf der Stelle:

K 2von148

von vorn,

von hinten;

im Laufe:

im Galopp,

im Trabe.

b. Gekreuzter Durchſchlag, wobei die Unter - arme kreuzweiſe über einander liegen:

1. mit derſelben Kreuzung:

auf der Stelle:

von vorn,

von hinten;

im Laufe:

im Galopp,

im Trabe;

2. mit ſtets wechſelnder Kreuzung:

auf der Stelle:

von vorn,

von hinten;

im Laufe:

im Galopp,

im Trabe.

2. Doppelter Durchſchlag, wobei das Seil bei jedem Aufſpr. zweimal unter den Füßen durchgeht.

  • a. Gerader Doppeldurchſchlag,
  • b. Gekreuzter Doppeldurchſchlag.
Hierbei kommen alle vorher angeführten Ab - änderungen vor.
3.149

3. Die Drehung, um a. den Durchſchlag von vorn in den von hinten zu verwandeln, und b. umgekehrt:

a. der Springer ſchwingt das Seil in demſelben Augenblick, da er es eigentlich von vorn nach hinten unter den Füßen durchſchlagen ſollte, ſtatt deſſen an ſeiner rechten Seite vorbei in die Höhe, dreht ſich zugleich ſchnell rechts herum, und macht nun den Durchſchlag von hinten nach vorn.

Gehet ebenfalls mit der linken Drehung;

b. der Springer dreht ſich in dem Augenblick, da er das Seil von hinten nach vorn unter den Füßen durchgeſchlagen hat und es vorn hochſchwingt, raſch um, und macht nun ſo den Durchſchlag von vorn nach hinten.

Anfangs langſam, dann auf Schnelle und Dauer.

Bei Erlernung der gekreuzten und doppelten Durch - ſchläge wird man anfangs zur Erleichterung immer mit einfachen abwechſeln; überhaupt iſt es aber auch eine ſchöne Übung, nach einer beſtimmten Reihenfolge mit den verſchiedenen Arten von Durchſchlägen abzuwechſeln; und dabei kann man noch bald die Kniee ſtrecken, bald die Füße anziehen oder ganz den Doppelſchlag derFüße150Füße machen (anferſen), auf einem Fuße hüpfen (hin - ken) oder bei jedem Aufſprunge mit den Füßen wechſeln.

B. Im langen Seile, welches von einem andern geſchwungen wird.

Das Schwungſeil muß etwa ¾ Z. ſtark, weich und biegſam, und 16 20 F. lang ſein. Das Seil wird an einem Pfahle, Baume ꝛc. etwa 3 ½ F. hoch vom Boden befeſtigt. Wer das Seil ſchwingen will, ergreift es etwa 14 F. von ſei - ner Befeſtigung, und bringt es nur durch eine kleine Drehung der Hand in beſtändige Kreisſchwingun - gen, bei denen es ganz nahe über dem Erdboden weg gehen muß. Man erlangt hierin bald Fertig - keit, ſo wie im ſchnellen und langſamen Dre - hen und im Nachgeben. Das Letztere iſt beſon - ders nothwendig, um einen Anſtoßenden nicht hart fallen zu laſſen.

Die Übungen im langen Seil theilen ſich in ſolche,

1. wobei der Springer auf der Stelle bleibt. Der Springer tritt vorwärts, rückwärts oder ſeitwärts zur Mitte des Seiles, welches nun da - nach von vorn, von hinten oder von der Seite unter den Füßen weg geſchwungen wird. Die Kniee kann man in der Luft ſtrecken oder anziehen, und auch den Doppelſchlag mit den Füßen machen;

2.151

2. wobei der Springer nicht auf der Stelle bleibt:

a. das Durchlaufen des Seiles. Das Seil wird vom Springer abwärts gedreht. Dieſer nimmt den Augenblick wahr, wo es ihm am nächſten iſt, und läuft, indem es ſich von ihm entfernt, hinter daſſelbe her, welches nun vor ihm in die Höhe geht und ihm Zeit läßt zum Entwiſchen. Dies kann von einer ganzen Riege hinter einander geübt werden;

b. das Überſpringen des Seiles. Das Seil wird dem Springer entgegen gedreht. In dem Augenblick, wo es am höchſten iſt, macht der - ſelbe den Aufſprung; während er ſich auf - ſchnellt, ſinkt das Seil bis zur größten Tiefe. Der Sprung und Springer muß aber raſch ſein, damit er nicht vom Seile ereilt wird;

c. der Sprung in das Seil und das Her - auslaufen. Das Hinüberſpringen iſt wie vorher, der Springer bleibt aber auf der Nie - derſprungſtelle, läßt das Seil einige Mal unter ſich durchgehen und läuft dann rückwärts hinaus;

d. der Augenblick im Seile. Der Hinein - ſprung iſt wie vorher, aber das Herauslaufenfolgt152folgt ſogleich, ohne daß man einen Umſchwung des Seiles abwartet.

e. der einfache Kreislauf: iſt die Übung unter a und b. Die Riege iſt aber ſo groß, daß ſie den Kreis, deſſen Mittelpunkt der Pfahl und deſſen Halbmeſſer die halbe Länge des Seiles iſt, ausfüllt. Der Lauf geht immer fort, und bei jedem Umſchwunge muß Einer durchlan - fen oder überſpringen. Auf der andern Seite des Pfahles kann noch ein Seil, wie das erſte oder ihm entgegen, geſchwungen wer - den, ſo daß man bei jedem Umlaufe 2 Seile durchlaufen oder überſpringen, oder eins durch - laufen und das andre überſpringen muß;

f. der doppelte Kreislauf. Es machen zwei Riegen in entgegengeſetzter Richtung zugleich den Kreislauf, die eine läuft inwendig, die andre auswendig; die eine überſpringt das Seil, wenn die andre durchläuft.

Alle dieſe Übungen laſſen ſich nun mit denen im Reifen und kurzen Seile verbinden, wodurch wies der eine große Menge von künſtlichen Zuſammenſetzun - gen entſteht.

An -153

Anhang mancherlei Übungen.

1. Das Überſpringen einer mit der Hand gehal - tenen kurzen Ruthe, eines Stabes oder der zuſam - mengehaltenen Hände.

2. Die ganze Drehung um die Axe und mehr, beim Sprung auf der Stelle.

3. Setzen und Aufſtehen ohne Gebrauch der Hände:

a. die Beine unter gekreuzt;

b. ein Bein vorgeſtreckt, welches beim Setzen und Aufſtehen gar nicht berühren darf, alſo auf einem Fuße;

c. lang ſich hinlegend, mit verſchränkten Armen, und nun aufſtehen, ohne Arme und Hände zu gebrauchen; auch von einer ganzen Liege - reihe nach dem Wort und Ruf in die Wette geübt.

4. Ohrfaſſen und Armdurchſchleifen:

1. mit der linken Hand das rechte Ohr, und den rechten Arm hindurch geſchleift;

2.154

2. mit der rechten Hand das linke Ohr, und den rechten Arm durchgeſchleift.

Bei beiden Arten entweder

a. das Ohr oben gefaßt (leichter), oder

b. am Ohrläppchen gefaßt (ſchwerer).

5. Das Berühren der Stirn mit dem Fuße; das Legen des Fußes in den Nacken.

6. Das Umfaſſen des Hinterkopfes mit Arm und Hand, bis zum Kinn und weiter mit den Finger - ſpitzen reichend.

7. Das Herausziehen eines Meſſers, welches neben dem kleinen Zehen im Boden ſteckt, wobei die entgegengeſetzte Hand hinter den Füßen herum - greift, und dieſe feſt und grade aus ſtehen bleiben.

8. Das Aufheben eines vor Einem liegenden Gegen - ſtandes, wenn die Ferſen nur wenige Zoll von einer Wand ſtehen.

9. Das Berühren der Erde mit den Fingern, wenn die Kniee ganz geſtreckt bleiben.

10. Ein Stück Geld oder dergl., in der Entfernung von etwas weniger als der eignen Leibeslänge, mit dem Munde von der Erde aufnehmen, ohne dieſe mit dem Leibe zu berühren, alſo geſtreckt.

11. Bückkreiſeln.

Man faßt mit einer Hand das Ohrläppchen der andern Seite, nimmt in die freie Hand einen höl -zernen155zernen Teller, Scheibe ꝛc., ſtreckt den Arm und bückt ſich ſo weit vorn über, daß das in der Hand Ge - haltene auf der Erde ſtreichend einen Kreis beſchreibt. Nach etwa dreimaligem Umkreiſeln richtet man ſich in die Höhe, läßt das Ohrläppchen los, hält den Teller mit dem Arme wagerecht, und verſucht grade aus zu gehen.

12. Die Quern.

Ein Paar Gleichgroßer und Gleichſchwerer tritt auf einem ebenen Platz ſichtwärts gegen einander, ſchließt die geſtreckten Füße, ſtellt ſie gegenſeitig Ze - hen an Zehen, ſtreckt Arme und Hände aus, ſo daß letztere einhäkeln, wobei einer die Unterhand, der andere die Oberhand hat. Nun quernt das Paar entweder links oder rechts herum, und darf ſich während des Quernens nicht loslaſſen.

Anmerkung. Bückkreiſeln und Quernen ſind eine ſehr gute Mithülfe, um ſchwindelfeſt zu werden.

13. Das ſteife Anlehnen an eine Wand, in immer ſchrägerer und weiterer Richtung und Lage, und das ſteife Abſtoßen aus dem Kreuz und Nacken im Stande, wobei die Arme am Leibe geſtreckt ge - halten werden.

14. Man ſetzt ſich auf etwas Rundes, Walzen - oder Kugelförmiges, z. B. ſteinerne Flaſche (Kruke) ꝛc. ſtreckt156ſtreckt die Beine nach vorn über einander, ſo daß nur ein Abſatz den Boden berührt (leichtere Art).

Zweite Art (die ſchwerere): die Beine werden über einen Stock gekreuzt, der mit ſeinem Unter - ende auf dem Fußboden, und mit dem Oberende auf dem Schooß liegt.

In dieſer Haltung nimmt man nun allerlei vor: Nadel einfädeln, ein Licht am andern anzünden, ſeinen Namen auf ein Blatt ſchreiben, ſprechen mit Begleitung von Handgebärden, aus einem Bächer trinken, ohne ſich zu begießen oder etwas zu ver - ſchütten.

15. Das Knicken der Handgelenke mit verſchränk - ten Fingern und gegen einander geſtützten Ellen - bogen; nur bis zum Nachgeben der Handgelenke, nicht aber der Finger.

Das Knicken kann geſchehen:

a. einhandig:

links gegen links,

links gegen rechts,

rechts gegen rechts;

b. beidhandig:

hier werden die Finger gegenſeitig ſo ver - ſchränkt, daß die rechte Hand des Einen gegen die linke des Andern kommt, und eben ſo um -ge -157gekehrt. Überhaupt linke Hand gegen rechte, und rechte gegen linke.

Man macht zwei Gänge, damit jeder die Daumen ein Mal auswendig haben kann.

16. Das Schmitzen.

Erſte Art: muß umzechig, Schmitz um Schmitz, geſchehen. Man pflegt dabei wohl die ganze Buchſtabenreihe nach ihrer Folge durchzuſchmi - tzen, ſo daß der Erſte (Anſchmitzer) bei dem Schmitzgeben A., und der Andre, ſobald er ſei - nen Schmitz giebt, B. ſagt. Zum Schmitzem - pfangen muß Jeder Zeige - und Mittelfinger wa - gerecht geſtreckt halten. Wer abzieht, iſt über - wunden; dagegen kommt der Fehlſchmitz dem Stillhaltenden zu Gut.

Zweite Art. Hier hat Einer beide Hände oben (Oberhand), der Andre beide Hände unten (Un - terhand). Die beiden vorderen Fingergelenke werden gegenſeitig etwas einwärts gebogen, ſo daß ſich die Fingerſpitzen an den hinteren Fin - gergelenken gegenſeitig berühren.

Die Unterhand fängt an, oder hat das An - ſchmitzen. Eine Hand oder beide Hände ſchnell unten hervorgezogen, gekehrt, und dann mit der Fläche auf die Außenſeite der Hände des Geg -ners158ners geſchmitzt. Das Schmitzen kann einfacher Schmitz, Doppelſchmitz und Kreuzſchmitz ſein.

17. Das Knöchen.

Zwei ſtellen ſich ſichtwärts gegen einander, in dem Maaß, daß Jeder den ausgeſtreckten Unterarm des Andern bequem mit der Fauſt erreichen kann. Jetzt biegt Jeder ſeinen Kampfarm etwas einwärts. Die Fäuſte werden geballt. Der Ruharm wird wage - recht vor den Bauch gelegt, und darf auf keinerlei Weiſe gebraucht werden. Der Eine hält nun zuerſt ſeinen gebogenen Unterarm ziemlich wagerecht hin, daß der Andere ihn mit der Fauſt treffen (knöchen) kann. Dem, der ſeinen Arm hinhält, ſteht frei durch Bewegung des Armes die Fauſt des Gegners aufzufangen, auch mit dem Ellenbogen; nur Abzie - hen gilt nicht. Doch muß das Knöchen mit ruhi - gem Hinhalten des Armes und Aushalten des Knöchs zuerſt geübt werden; die geballte Fauſt knöcht aber ſtets flach (mit dem Mittelgliede der vier Finger), nie ſcharf (mit den Mittelknöcheln derſelben). So wie der Eine geknöcht hat, hält er ſeinen Unterarm wieder dem Andern hin; denn das Knöchen geſchieht immer umzechig oder wech - ſelweiſe (Knöch um Knöch). Wer die mehrſten Knöche aushalten und austheilen kann, iſt Sieger -Keiner159Keiner darf beim Knöchen ausfallen, ſondern muß das Maaß halten.

Nur Gleichgroße und Gleichſtarke dürfen gegen einander knöchen.

Anmerk. Schmitzen und Knöchen machen den Über - gang vom Scherz zum Ernſt, und müſſen daher immer mit Vorſicht und Aufſicht getrieben werden.

Bei den andern Turnkämpfen iſt es nicht, wie hier, Zweck, dem Gegner Schmerz zu verurſachen, und ihn dadurch zu überwinden. Es iſt aber höchſt nothwendig, daß der Turner über den Schmerz Herr wird, und ihn im Kmapfe mit Anſtand und Würde ohne Murren ertragen lernt.

Schmitzen und Knöchen gewöhnen an Ertra - gung von leichtem Schmerz, an Überwindung des Unmuthes bei unangenehmen Gefühlen, zum Aus - halten und Ausharren bei einer mit Schmerz ver - knüpften Anſtrengung.

18. Armproben:

a. Armſteifen und - beugen.

Einer ſtreckt ſeinen geſteiften Arm aus, ſo daß er nicht völlig wagerecht liegt, ſondern ſich etwas erdwärts ſenkt, wobei er die Fauſt ballt. Der Andere, ſo den geſtreckten ſteifen Arm beu - gen will, faßt ihn oberhalb des Handgelenkes mit ſeiner entgegengeſetzten Hand von außen im Aufgriff. Alſo iſt der rechte Arm ſteif ge -ſtreckt160ſtreckt, ſo muß der Beuger mit ſeiner linken Hand faſſen, und wäre es der linke Arm, mit der rechten. Der Beuger muß alle Mal[auf] der Außenſeite des ſteif geſtreckten Armes ſtehen.

Die andre Hand legt er über die Hand des ſteif geſtreckten Armes, ſo daß jeder Finger auf den nämlichen Finger kommt, und der Daum den Daum kreuzt.

Nun ſucht man durch kräftigen Druck auf die geballte Fauſt, und feſten Widerhalt mit der andern Hand, das Handgelenk zu beugen, worauf der Arm auch im Ellenbogengelenk nachgiebt.

Das Beugen darf nur durch gleichmäßigen Druck und Widerhalt geſchehen, niemals durch Ruck und Zuck, was gefährlich iſt.

b. Armſtützen und - ſtürzen. Zwei ſetzen ſich an einen überreichbaren Tiſch gegen über, ſtützen jeder einen und den nämlichen Ellenbogen, entweder den rechten oder den linken auf den Tiſch, ſo daß ſich Unterarm und vorausge - ſtreckte Hand vornüber neigen. Beide legen nun die Druckhände feſt in einander (handen ein) und ſuchen durch ebenmäßigen Dauerdruck von Innen nach Außen des Gegners Arm nie - derzudrücken (zu ſtürzen). Rucke und Zuckedür -161dürfen dabei nicht Statt finden, die Ruhhand bleibt unter dem Tiſch, und wird auf den Schenkel der nämlichen Seite geſtützt.

Es muß zwiefach geübt werden:

links gegen links,

rechts gegen rechts.

c. Armſtraffen und - ſchlaffen:

Bauch etwas eingezogen, die Arme wagerecht vorgeſtreckt, daß ſie mit dem Leibe eine ſechs - eckige Zelle bilden, wobei ſich die Spitzen der Mittelfinger berühren. Der Straffer darf ſeine Arme nicht nahe an ſeiner Bruſt haben.

Das Schlaffen muß ohne Ruck, bloß durch Ziehen geſchehen. Der Schlaffer faßt die Arme des Straffers neben dem Handgelenke im Auf - griff.

19. Schulterübungen.

a. Das Zuſammenſchlagen der Ellenbogen:

1. vorwärts wobei der Rücken der Hände gegen die Seite geſetzt wird;

2. rückwärts.

b. Das Zuſammenſchlagen der Hände mit wagerecht ausgeſtreckten Armen:

1. die Hände ſchlagen vorn mit der Fläche und hinten mit dem Rücken zuſammen;

L2.162

2. die Hände ſchlagen vorn mit dem Rücken und hinten mit der Fläche zuſammen.

c. Die Arme hangen ſenkrecht herunter, mit dem Rücken der Hand nach vorn; und wer - den nun vorwärts in die Höhe und ſo weit als möglich zurück bewegt, dann eben ſo hin - ab und nach hinten hinauf; alſo in einer ſenk - rechten Ebene; in dieſer haben die Schultern etwas weniger Freiheit als in der wagerechten.

d. Das Radſchlagen der geſtreckten Arme. Die Arme werden aufwärts bewegt wie vor - her, dann aber nach hinten gedreht und herab geworfen, wieder gehoben u. ſ. w.; alles ſoviel als möglich in der ſenkrechten Ebene.

Alle dieſe Bewegungen werden von beiden Ar - men zugleich ausgeführt.

20. Die Rückwippe: das Rückheben Zweier, die ſich mit den Rücken gegen einander ſtellen und die Arme in einander ſchlingen.

21. Das Handeln auf der Erde.

a. Aus dem Sitz auf der Erde ſich auf den Hän - den in die Schwebe heben, und dann fort - handeln (Beine geſtreckt nach vorn): vor - wärts und rückwärts.

b. Aus der Stellung zum Sitzhocken die Hände zwiſchen den Knieen auf die Erde ſetzen (dieKniee163Kniee daran klemmend), ſich in die Schwebe heben und forthandeln: vorwärts und rückwärts.

22. Der Sprung gegen die Wand, mit Übertritt des andern Fußes und Drehung beim Niederſprung (Rücken wandwärts).

23. Das Hinanlaufen an einer Wand mit Dre - hung beim Niederſprung.

24. Das Stabwinden. Die Hände faſſen den Win - deſtab, wie beim Stabſpringen, und ſetzen ihn feſt gegen die Erde.

Wenn die rechte Hand oben iſt, tritt der linke Fuß über den rechten fort; der Turner dreht und biegt ſich rückwärts mit Kopf und Leib unter dem Stabe durch, und eben ſo zurück. Je tiefer die Hände, deſto ſchwerer.

25. Das Überſteigen des Stabes. Der Stab iſt dünn und etwa 3 F. lang.

a. Erſte Art:

1. Haltung hinter dem Rücken, Däume nach außen,

2. Wende über den Kopf nach vorn (Vornwende),

3. Durchſteigen mit beiden Füßen,

4. Rückwende des Stabes.

b. Zweite Art:

1. wie bei a.,

2. wie bei a.,

L 23.164

3. Übertritt von vorn nach hinten um einen Arm, mit dem rechten oder linken Fuß,

4. Wende über den Kopf mit der linken oder rech - ten Hand,

5. Rücktritt mit dem rechten oder linken Fuß,

6. Rückwende.

26. Durchſteigen.

Erſte Art (oder die leichtere). Beide Hände wer - den flach auf die vordern Ecken des Schämels oder Stuhles geſtützt, die Arme geſteift; worauf der Turner erſt mit dem einen Fuß durchſteigt, und, ſo bald er dieſen auf die Erde geſetzt hat, den anderen nachholt.

Die Hände dürfen nicht gelüftet werden, ſon - dern müſſen feſt auf den Ecken bleiben; auch muß der Sitz des Schämels oder Stuhles eigentlich gar nicht, oder doch nur ſehr leiſe von der Sohle geſtreift werden.

Dies gilt vom Vor - und Rückdurchſteigen. Der Turner kann anfangen und enden:

1. an der linken Seite des Schämels oder Stuhles ſtehend,

2. an der rechten.

Zweite Art (oder die ſchwerere). Die eine Hand wird auf eine Vorderecke flach geſtützt, die an -dere165dere übereck in der Gehre (wälſch Diagonale) auf die Hinterecke:

1. linke Hand auf der Vorderecke,

2. rechte Hand auf der Vorderecke.

27. Das Sillen: eine luſtige ſcherzhafte Übung.

Sillzeug: iſt der Sillbaum, eine wenigſtens 4 F. lange runde Stange, die 4 5 F. hoch über der Erde auf 2 Ständern oder an Bäu - men befeſtigt wird.

Sillgeräth:

Sillſeil, ein Seil von 15 20 F. Länge und ½ bis ¾ Z. Stärke;

Sillpflock: ein hölzerner Pflock von 2 Zoll Länge, der in ein kleines Loch oder Spalte an der untern Seite des Sillbaumes loſe geſteckt wird.

Die Sillübung:

Das Seil wird ſo über den Sillbaum gewor - fen, daß es jenſeits in einem Bogen beinah bis zur Erde hangt, die beiden Enden hangen dies - ſeits zu beiden Seiten des Sillpflockes. Der Siller tritt nun mit einem Fuße in den Bo - gen des Seiles und faßt die Enden mit beiden Händen; bringt nun den andern Fuß neben dem erſteren hindurch, zieht ſich durch Anzie - hung der Seilenden in die Höhe und ſchlägtmit166mit dem freien Fuße den Sillpflock heraus; zieht dann den freien Fuß wieder durch das Seil zurück, und läßt ſich langſam zur Erde nieder. Sobald der Siller nicht mit Geſchick zu Werke geht und darin etwas verſieht, fällt er herunter; an ſich iſt die Übung leicht. Da nun das Fallen oft geſchieht, ſo muß der Sill - baum nicht höher als beſchrieben iſt, und die Erde unter ihm weich und aufgelockert ſein. Man kann links ſillen und rechts ſillen, je nachdem man mit dem linken oder rechten Fuße den Sillpflock herausſchlägt. Man kann dabei auch beide Enden des Seiles mit einer Hand faſſen, oder den Pflock nach dem Heraus - ſchlagen wieder aufnehmen und hineinſtecken, und mehrere dergleichen Veränderungen machen.

[167]

Zweiter Abſchnitt. Die Turnſpiele.

[168]169

Von den Turnſpielen uͤberhaupt.

Zur Turnkunſt gehören ſehr weſentlich die Turnſpiele. Sie ſchließen ſich genau an die Turnübungen, und bil - den mit ihnen zuſammen eine große Ringelkette. Ohne Turnſpiele kann das Turnweſen nicht gedeihen, ohne Spielplatz iſt ein Turnplatz gar nicht zu denken. Auch außerhalb der Schranken des Turnplatzes ſollte von Rechts wegen jede Turnanſtalt ein Turnfeld haben, wo Blache und Wirre mit einander abwechſeln, wo Hain, Gebüſch, Geſtäude, Dickicht und offne Räume anzutref - fen, Laubholz und Tangelholz.

In jeder Turnübung liegt eine Schule, obſchon die freie Aneignung der Kraft hier bei weitem größer iſt als anderswo; in jedem echten Turnſpiel regt ſich eine Welt. So machen Turnſpiele den Übergang zum größern Volks - leben, und führen den Reigen der Jugend. In ihnen lebt ein geſelliger freudiger lebensfriſcher Wettkampf. Hier paart ſich Arbeit mit Luſt, und Ernſt mit Jubel. Da lernt die Jugend von klein auf, gleiches Recht und Geſetz mit andern halten. Da hat ſie Brauch, Sitte,Ziem170Ziem und Schick im lebendigen Anſchaun vor Augen.

Frühe mit ſeines Gleichen, und unter ſeines Glei - chen leben iſt die Wiege der Größe für den Mann. Jeder Einling verirrt ſo leicht zur Selbſucht, wozu den Geſpielen die Geſpielſchaft nicht kommen läſſet. Auch hat der Einling keinen Spiegel, ſich in wahrer Geſtalt zu erblicken, kein lebendiges Maaß, ſeine Kraftmehrung zu meſſen, keine Richterwage für ſeinen Eigenwerth, keine Schule für den Willen, und keine Gelegenheit zu ſchnellem Entſchluß und Thatkraft.

Knaben und Jünglinge kennen ihre Geſpielen, Ge - ſellen, Gefährten und Geſpanne ſehr genau, nach allen ihren guten und ſchlimmen, ſchwachen und ſtarken Sei - ten. Daher kommen die ſogenannten Ekel-Spitz - und Spottnamen in Schule, Feld und Welt. So iſt das Zuſammenleben der wähligen Jugend der beſte Sitten - richter und Zuchtmeiſter. Ihr Witz iſt ein fröhliches Treibjagen auf Mängel und Fehler. Die Geſpielſchaft iſt der ſcharfſichtigſte Wächter, dem nichts entgeht, ein unbeſtechlicher Richter, der keinen Nennwerth für voll nimmt. So erzieht ſich die Jugend auf eigenem und geſelligem Wege in kindlicher Gemeinde, und lebt ſich Bill und Recht ins Herz hinein. Selbſtling, Spielver - derber, oder nach dem Kinderreim: Spielverläu - fer Katzenverſäufer mag auch die unverſchäm -teſte171teſte Range nicht heißen. Es giebt zur Größenlehnur den gemeinen Pfad, keine vornehmen Wege.

Von der zahlreichen Menge ſogenannter Knen -, Jugend - und Geſellſchaftsfpiele können nur äußerwe - nige Turnſpiele heißen, Zuerſt fallen alle Sitzſele ſammt und ſonders aus; ein Turnſpiel will Beweing, gemeinſames Regen und Tummeln auf dem Wettan. Noch weit weniger iſt von der Unzahl jener ſchon bli - chen oder leider noch erdenklichen Spiele die Rede die den Reiz zur ſchnöden Gewinnſucht nähren, und,〈…〉〈…〉 nn das Glück einſchlägt, etwas Erkleckliches abwerfen. Ein Spiel ſollte nie einen Erwerb geben. Turnſpiel eht um Sieg und Gewinn, aber niemals um Gew〈…〉〈…〉 ſt. Darum ſind ſelbſt dem kleinſten Turner auch außerder Turnzeit niemals: Marmel, Knippkügelchen, Knpf - und Nadelſpiele u. a. d. zu geſtatten. Mit ſo[lch]en Nichtswürdigkeiten fängt man an, und mit ſeinem der anderer Leute Vermögen hört man auf. Die S〈…〉〈…〉 d - fluth von Kinderſchriften hat einen Schwall von auge - ſonnenen Kinderſpielen, die keinem kindlichen Kinde recht ſind. Denn es giebt wahnbefangene Schriftleute, die ſchreiben läppiſch für Kinder und albern für’s Volk. Manche vortreffliche volksthümliche Spiele ſind durch böſe Zeitläufte und Ausländerei in Deutſchen Landen aus dem Leben verſchwunden. Ihre Namen, aber auch weiter nichts, kennt man noch von Hörenſagen. Sieha -172haben ſich zugleich mit alten Volksfeſten verloren. Die Jugend hat viel wieder gut zu machen, und in der Fol - gezeit durch Turnkunſt, fröhliche Reigen und Turnſpiel die Volksfeſte zeitgemäß zu beleben.

Ein gutes Turnſpiel muß:

1. keine zu große und weitläuftige Vorrichtungen er - fordern;

2. leicht erlernbar ſein, und doch regelfeſt in ſich be - gründet;

3. nicht vom bloßen Zufall oder meiſt von ihm abhängen;

4. eine nicht zu kleine Anzahl von Spielern turngemäß beſchäftigen;

5. nicht einen zu großen Raum bedürfen, der mit der kleinen Spielerzahl in keinem Verhältniß ſteht;

6. unter den Mitſpielern keine müßige Zuſchauer brauchen;

7. bewürken, daß jeder ſich gehörig rührt, und keiner müßig feiert;

8. eine zweckmäßige Vertheilung von Laſt und Raſt haben;

9. nicht einſeitig und ohne Abwechſelung im ewigen Ei - nerlei bleiben;

10. um gut geſpielt zu werden, eine große Gewandheit und Geſchicklichkeit der Mitſpieler verlangen;

11. immer wieder mit neuem Eifer und reger Theilnah - me geſpielt werden können;

12. vor allem aber dem jugendlichen Gemüthe behagen.

Be -173

Beſchreibung einiger erprobten und bewährten Turnſpiele.

A. Spiele, ſo auf dem Turnplatze und zwar auf dem Spielplatze (S. Platte 1; Plan, XIX. ) vor - genommen werden können.

1. Schwarzer Mann.

Die ganze Anzahl der Spielenden, nicht gut un - ter 20 und über 100, ſtellt ſich auf das eine Mal des Spielplatzes. Von Allen muß nun Einer den Schwarzen Mann abgeben, wel - cher ſich, mit einem Abzeichen (Leibband, Tuch, etwas Grünem oder dergl. ) verſehen, auf das andre Mal begiebt. Der Schwarze Mann kommt nun den Andern mit dem Rufe: fürch - tet ihr euch vor dem Schwarzen Mann? dieſe Alle aber mit dem luſtigen lauten Schrei: Nein! Nein! oder dergleichen dem Schwarzen Mann entgegen und ſuchen das an - dre Mal zu erreichen. Der Schwarze Mann dagegen ſucht ſich Geſpielen zu erhaſchen, und wer von ihm mit einer Hand drei Schläge hinter einander erhält, iſt gefangen und tritt als Schwarzer Mann neben ihm auf. Dieſer Gang des Spiels wiederholt ſich nun ſo oft, bis Alle Schwarze Männer geworden ſind. Wann aber zuletzt eine kleine Schaar oder Einer dreiMale174Male hinter einander durchkommt, ohne daß alle oder einer gefangen werden, ſo ſind ſie frei.

Die Schwarzen Männer müſſen jedesmal zuſammen von ihrem Male ausgehen und rufen. Wenn aber von einem derſelben ein noch nicht Gefangener in ihrem Male betroffen wird, ſo iſt er, ohne einen Schlag erhalten zu haben, gefangen, eben ſo wer über die Gränzen des Platzes läuft; dagegen mag ſich aber auch kein Schwarzer Mann in dem Male der An - dern erblicken laſſen! Jeder Gefangene muß ſofort ein kennbares, von der Schwarzen Männer-Schaar angenommenes, Zeichen an - thun.

2. Barlaufen.

Die ganze Zahl der Spielenden, nicht gut unter 20 und über 60, wird nach der Fertigkeit im Laufen erſt paarweiſe geſtellt und dann in zwei gleichzählige Hälften (Geſpielſchaften) ge - theilt, deren jede ein Mal einnimmt. Die eine Spielhälfte ſchickt einen ihrer Spieler zum For - dern, womit jedes Spiel eröffnet wird. Dieſer ſucht ſich einen Feind, den er fordern will, her - aus. Beide ſetzen einen Fuß gegen einander, und den andern nach hinten. Der Gefordertelegt175legt ſich weit vor, ohne den hinteren Fuß zu heben, und ſtreckt beide Arme aus; der Forde - rer legt ſich zurück und giebt mit einer Hand dem Geforderten drei Schläge, ſo ſchnell oder langſam als er will, auf eine oder beide Hände: nach dem dritten Schlage ſucht er aber ſein Heil in der Flucht. Der Andre ſucht ihn ſogleich oder auf der Verfolgung mit einem Schlage zu erreichen. Kann er dies, ſo hat er ihn zum Ge - fangenen gemacht. Erreicht er ihn aber nicht ſogleich (wenigſtens bis zur Mitte der Spiel - bahn), ſo ſchickt die andre Spielſchaar dem For - derer einen Andern zur Hülfe, vor dem der Geforderte weichen muß.

Überhaupt iſt nun das waltende Geſetz im Spiele, daß jeder vor ſolchem Gegner weichen muß, und von dem durch einen Schlag gefan - gen werden kann, welcher ſpäter aus ſeinem Male gekommen und ausgelaufen iſt, als er ſelbſt. Das Auslaufen geſchieht zwar nach kei - ner beſtimmten Ordnung, doch iſt es in den mei - ſten Fällen als Regel zu beobachten, daß jeder nur gegen einen Gegner ausläuft, dem er im Laufen gewachſen iſt.

Auch[muß] der Vorturner, welcher ſelbſt als beiderſeitiger Spiel - und Schiedrichter nichtmit -176mitſpielt, darauf ſehen, daß Einer nicht zu oft, Mancher gar nicht und nie zu Viele auf ein Mal auslaufen. Wird der Platz einen Augenblick leer, ſo finden ſich von einer Hälfte ſogleich Blänker ein, welche den Feind locken.

Drei bis vier Schritt von jedem Male an Einer Seite der Bahn, von beiden Hälften rechts oder links (d. h. immer von den quer gegenüberliegen - den Winkeln des Spielplatzes), ſteht ein Pfahl oder dergl., an welchen die Gefangenen geſtellt wer - den. Dieſe ſtehen mit grätſchenden Beinen, von denen der eine immer den des Nebenmannes berüh - ren muß, an der Seite des Platzes; der äußerſte (ſeiner Spielſchaar zu der erſte) ſtreckt die Hand ſeiner Spielſchaar entgegen. Jede Spielſchaar kann ihre Gefangenen erlöſen, wobei nur der äußerſte derſelben einen Schlag zu erhalten braucht, und alle ſind befreit, die mit einander in Berührung ſtanden; doch muß der Befreier ſich hüten, nicht vorher geſchlagen zu werden; indem oft ſolche ſtrei - tige Fälle vorkommen, daß der Befreier nach der Gegenſchaar Behauptung eher geſchlagen worden und alſo gefangen ſein ſoll. Bei ſo ſtreitigen Fällen entſcheidet der Vorturner im Spiele.

Das Erlöſen bringt noch ein größeres Lebenin177in das Spiel, indem die Einen auf Erlöſung aus - gehen, die Andern die Gefangenen bewachen.

Geſetze beim Spiele:

1. Vier bis ſechs Gefangene, je nachdem die Zahl der Spieler iſt, machen ein Spiel.

2. Die Hälfte, welche gewonnen, fordert im näch - ſten Spiele.

3. Sobald ein Gefangener gemacht iſt, hört das Spiel ſo lange auf, bis jede Hälfte in ihrem Male iſt und die Gefangenen ſtehen.

4. Wer über die Gränzen des Platzes läuft, iſt ge - fangen.

5. Nur nach Endigung eines Spieles können Spieler abgehen.

6. Auch können alsdann von beiden Seiten durch Ka - beln neue Spieler angenommen werden, ſo lange die Spielerſchaft nicht die angenommene Richtzahl von ſechszig überſteigt.

7. Sind zwei Spiele geendigt, und wollen Andre ſpielen, ſo müſſen die früheren Barläufer Platz machen.

B. Spiele, ſo außerhalb des Turnplatzes vor - genommen werden müſſen.

1. Das Ritter - und Bürgerſpiel:

Will man dies Spiel mit einzelnen Abtheilungen vor -Mneh -178nehmen, während die andern ſich auf dem Turn - platze üben, ſo muß der dazu nöthige Platz ganz in der Nähe des Turnplatzes ſein. Findet man ihn nur entfernt, ſo muß man mit allen Turnern auf mehrere Stunden dort hin ziehen.

Die beſte Beſchaffenheit und Gelegenheit des Platzes iſt folgende:

Ein waldiger Platz von 200 400 Schritt im Geviert. Kienenſchonungen und dichtes Unter - holz ſind am beſten. Der Platz muß wo möglich vieles und dichtes Gebüſch und auch freie Stellen haben, ſo wie Erhöhungen und Vertiefungen (Tol - len und Tellen) oder Graben. Die Zahl der Spie - ler wird nach der Stärke ſo eingetheilt, daß nach ausgetheilten Beſatzungen auf beiden Seiten gleich viele ſind. Die eine Spielſchaar ſtellt Ritter, die andre Bürger vor. Die Ritter haben 4 Bur - gen, jede etwa 20 50 Schritt von einer Ecke des Platzes entfernt. Die Bürger haben eine Stadt, in mitten des Platzes.

Die Stadtbeſatzung muß wenigſtens 2 Mann und immer ſo ſtark ſein, als die Beſatzungen von 2 Burgen zuſammen. Wenn 50 60 Spie - ler ſind, ſo müſſen in die Stadt 4, in jede Burg 2 Mann gelegt werden.

Das ganze Spiel geht nun darauf aus, den Feinddurch179durch Gefangennehmung ſeiner Leute ſo zu ſchwä - chen, daß er nicht mehr im Stande iſt, im freien Felde und offner Feldſchlacht Widerſtand zu leiſten. Die hiezu nöthigen Kämpfe werden durch Rin - gen geführt. Die Leiter des Spieles, die Anführer der Spielſchaaren müſſen beſonders darauf ſehen, daß daſſelbe nicht in ein bloßes Balgen ausartet. Schlagen und Stoßen iſt niemals erlaubt. Um dies zu bezwecken, muß man Folgendes beobachten.

Eine offne Schlacht muß immer vermieden werden, ſo man ihres Ausganges nicht ziemlich ge - wiß iſt. Man muß den Feind von deſſen Veſten ab und nach den ſeinigen hin zu ziehen und locken ſuchen; man muß oft kleine Abtheilungen oder Ein - zelne abſchicken, ſeine Stellung, die Stärke ſeiner Beſatzungen, die Örter, wo er die Gefangenen hält und bewahrt u. ſ. w., auszuforſchen und bekund - ſchaften; man muß ſeine einzelne Poſten (Vor - poſten u. ſ. w.) abſchneiden und aufheben, Ver - ſtecke und Hinterhalte legen und aus dieſen Haltſtätten dem Feinde Schaden und Abbruch thun; falſche Angriffe und Überfälle machen u. ſ. w. Der heſtigſte Kampf entſteht gewöhnlich bei Gefangen - nehmungen und den Verſuchen, die Gefangenen zu befreien. Nur geübte und ringfertige Turner dürfen zu dieſem Kampfſpiele gelaſſen werden,M 2und180und niemals ein Gemiſch von ſehr verſchiedenem Alter. So dürfen, wenn die 16 und 17 jährigen ſpielen, keine 12 und 13 jährige zugelaſſen werden. Es folgen nun die nothwendigſten Spielgeſetze:

1. Es ſind 4 Burgen und 1 Stadt.

2. Die Spieler ſind ſo vertheilt, daß nach beſetzten Plätzen auf jeder Seite gleich viele ſind.

3. In der Stadt muß immer ſo viel Beſatzung ſein, als in zweien Burgen zuſammen.

4. Bei voller Beſatzung darf kein Platz genom - men werden; bei unvollzähliger durch die fünffache Zahl derſelben.

5. Unbeſetzte Plätze werden genommen, und mit der für ſie beſtimmten Zahl belegt.

6. Zu je zwei Gefangenen gehört ein Mann Beſatzung.

7. Gefangene werden befreit, wenn der Entſatz fünfmal ſo zahlreich iſt, als ihre Bewacher.

8. Gefangene werden in jedem Fall befreit, wenn der Feind mit ſeiner ganzen noch übrigen Macht, die jedoch größer ſein muß als die Zahl der Ge - fangenen, vor den Platz rückt, und nur die geſetz - mäßigen Bewacher drinn ſind.

Will eine Anzahl von 16 30 Ritter und Bürger ſpielen, ſo müſſen ſie 2 ſchräg gegen ein - ander liegende Burgen nehmen; die beiden andernBur -181Burgen und die Stadt aber unbeſetzt und nicht gelten laſſen.

2. Das Jagdſpiel oder die Jagd.

Hiezu kann der Platz des Ritter - und Bürger - ſpieles genommen werden, und, wenn dieſer fehlt, ein anderer von wenigſtens 100 Schritt Länge und 50 Schritt Breite, ebenfalls bewachſen.

Ein Spieler wird zum Jäger gewählt, der ſich 1 3 andere (je nachdem der Platz groß iſt) zu Hunden ausſucht. Jäger und Hunde müſſen gut ſichtbare Zeichen tragen. Das Wild verſam - melt ſich nun auf der beſtimmten Freiſtatt. Der Jäger rufet laut: Freier Abzug! , worauf ſich das Wild in den Wald zerſtreut und verſteckt. Nach einer Weile rufet der Jäger weit hörbar, als Zei - chen, daß die Jagd beginnt: Hallo! Hallo! oder Freier Abzug aus! oder dergl., und zieht nun mit den Hunden aus. Das Wild kann nun nach Belieben in die Freiſtatt zurückkehren, wenn es ſich nur vor Hund und Jäger in Acht nimmt. Die Hunde können das Wild nur feſthalten; ge - fangen iſt es erſt, wenn der vom Hunde herbei gerufene Jäger ihm drei Schläge gegeben hat. Findet nun der Jäger kein Wild mehr im Walde, ſo zieht er nach der Freiſtatt, und ruft von Neuem: Freier Abzug. Das gefangene Wild wird jetztzu182zu Hunden, und das Spiel ſo lange fortgeführt, bis kein Wild mehr vorhanden iſt. Mit dem Frei - ſein am Ende des Spieles iſt es wie beim Schwarzen Mann.

3. Das Stürmen oder der Sturmlauf.

Das Spiel kann nur geübt werden, wenn man in der Nähe der Turnplatzes 10 20 F. hohe An - höhen hat. Sind dieſe ſteil und von harter Erde, ſo kann man bloß das Sturmlaufen üben. Man bildet nämlich Riegen, deren Größe nach der Ausdehnung und Breite der An - höhen verſchieden iſt; und läßt immer eine auf ein gegebenes Zeichen oder Wort ablaufen: wer zuerſt oben iſt, hat gewonnen. Sind die Anhöhen ſandig, und nicht ſehr ſteil abfſteigend, ſo kann man dieſelben von einer Schaar beſetzen, und von der andern ſtürmen laſſen.

Wer dabei hinunterläuft oder - gezogen wird, iſt gefangen; eben ſo, wer hinaufgezogen wird, oben fällt oder niedergeworfen wird, und darf an dieſem Spiel nicht weiter Theil nehmen. Die Entkräftung des einen oder andern Theiles endet und entſcheidet das Spiel.

4. Das Deutſche Ballſpiel: iſt beſonders au - ßer der Turnzeit ſehr zu empfehlen. Bei ſeiner Einfachheit vereint es große Mannigfaltigkeit, undge -183gewährt eine vielſeitige Regſamkeit, da Werfen, Schlagen, Laufen, Fangen und Bücken abwechſelnd vorkommen, und das Augenmaaß ſehr geſchärft wird.

Bekanntlich theilen ſich ſämmtliche Mitſpieler in zwei gleiche Hälften (Geſpielſchaften), von denen die eine den Schlag und die andere den Fang hat. Die Zahl der Geſpielen auf jeder Seite (Geſpiel - ſchaft) kann füglich nur acht, höchſtens zehn ſein. Iſt am Turnplatz ſo viel Außenraum und ſonſtige Gelegenheit, daß mehre Ballſpiele zu gleicher Zeit ungeſtört Statt finden können; ſo hat man eine Abwechſelung mehr und ein vortreffliches Turnſpiel.

[184][185]

Dritter Abſchnitt. I. Über Anlegung und Einrichtung eines Turn - platzes. II. Anſchlag des Turnzeuges und-Geräthes, für einen vollſtändig eingerichteten Turn - platz.

[186]187

I. Ueber Anlegung und Einrichtung eines Turnplatzes.

Angaben über Anlegung und Einrichtung eines Turn - platzes ſind durchaus nicht im Allgemeinen, für alle be - ſonderen Fälle, im Voraus zu machen. Sie müſſen ſich allemal nach der Örtlichkeit, den Umſtänden und Bedürf - niſſen richten. Über die Grundſätze, nach welchen man die Zahl und Abſtufungen des Turnzeuges und der Turn - gerüſte beſtimmen muß, leſe man Abſchn. 4, I. nach. Auf alle beſonderen Rückſichten kann man ſich hier nicht einlaſſen, ſondern nur die allgemeinen, welche bei jedem Turnplatze zu nehmen ſind, und danach die Beſchrei - bung eines vollſtändig eingerichteten Turnplatzes lie - fern. Wird ein Turnplatz angelegt für eine öffent - liche Schule, Waiſenhaus, Erziehungsanſtalt u. dgl., wo täglich beſtimmte Turnſtunden gehalten werden und ſo in den ganzen Lehrgang eingreifen; ſo wäre es nöthig, einen ſehr nahe gelegenen Platz zu erlangen; doch möch - ten wir keinen öffentlichen Platz in einer Stadt dazu vorſchlagen. Soll dagegen ein Turnplatz für die Ju -gend188gend eines oder mehrer Dörfer, einer ganzen Stadt, oder auf einer einzelnen Anſtalt angelegt werden, wo die freien Nachmittage zu der Übung angewendet wer - den; ſo ſchadet es nichts, wenn der Turnplatz eine halbe Stunde von der Stadt liegt, ja es wäre ſelbſt ein ¾ bis 1 Stunde weit gelegner einem weit näheren, minder brauchbaren vorzuziehen. Denn für Kinder von acht bis neun Jahren, die man ohnehin nicht fortwährend mit Übungen beſchäftigen kann, iſt die Übung im Ge - hen ſchon ſehr wichtig, und für Alle iſt ein weiterer Weg und Gang nach dem Eſſen dienlicher als die andern Leibesübungen.

Jeder Turnplatz muß wo möglich folgende Beſchaf - fenheit, Gelegenheit und Örtlichkeit haben. Er muß eben ſein, muß hoch liegen, denn auf der Höhe iſt eine freiere reinere Luft, und die Übungen können nicht ſo leicht durch Feuchtigkeit unterbrochen werden er muß feſten, mit kurzem Raſen bedeckten Boden haben, und mit Bäumen beſtanden ſein, aber nicht mit Kie - nen, wegen des Ausgleiten’s auf den Nadeln, Kienäp - feln und Wurzeln. Fehlen die Bäume ganz, ſo muß man welche anpflanzen, wenigſtens an den Gränzen und auf dem Tie (Verſammlungs -, Geſellſchafts - und Ruh - platz); wenn es ſein kann, auch zwiſchen den einzelnen Übungsplätzen. Bäume ſind in zweien Rückſichten vor - theilhaft. Sind ſie groß, ſo läßt ſich manches Kletter -zeug189zeug daran anbringen und dadurch viele Koſten erſpa - ren, in jedem Fall aber geben ſie gegen die Sonne und den Wind Schutz, der nie ganz zu entbehren iſt. Be - ſonders gern hält man ſich den Oſt - und Nordoſtwind von Turnplätzen ab; und darum iſt es ſehr gut, wenn dieſelben in oder am Walde liegen. Bei großen Städ - ten iſt auf der Südweſtſeite, weil von dort her die feuchten Winde wehen, die geſundeſte Lage. Kann man in der Nähe einen bequemen Platz zum Ritter - und Bürgerſpiel und eine Anhöhe zum Stürmen und zum Tiefenſprung haben, ſo iſt das ſehr viel werth.

Wenn drei und mehre Stunden zum Turnen an - gewendet werden, ſo muß durchaus trinkbares Waſſer auf den Turnplatz geſchafft werden können. Ein Hauptbedürfniß für jeden Turnplatz, der nicht nahe an Gebäuden liegt, iſt eine verſchließbare feſte Hütte, ein Schuppen oder kleines Haus neben dem Tie, zur Auf - bewahrung des beweglichen Turnzeuges und-Geräthes. Soll auch das feſtſtehende, welches man im Winter ausgräbt, darin aufbewahrt werden, beſonders die gro - ßen Leitern, ſo muß es freilich 40 F. lang ſein (davon ein Weitres bei Erklärung des Planes).

Wo die Natur weniger gethan hat, muß man mehr Arbeit und Koſten anwenden. Die Bahnen zum Sprin - gen, Schwingen u. ſ. w. müſſen überall, wo kein feſter Boden iſt, wenigſtens ½ Fuß hoch von Lehm geſchlagenund190und mit Sand überſtreut werden. Hat die Rennbahn fetten Boden, ſo muß ſie auch mit Sand überſtreut wer - den; hat ſie tiefen Sand, ſo iſt dies ſchlimmer, und dieſem Übelſtande kann ſchwer, und nur durch Überleh - mung oder Auffahren feſterer Erdarten abgeholfen wer - den. Auch verbrauchte Lohe thut gute Dienſte.

Die beſte Geſtalt eines Turnplatzes iſt ein Rechteck, das beinah noch einmal ſo lang als breit iſt; weil man dann der Rennbahn die gehörige Ausdehnung in gera - der Linie geben kann, und keine Übung, durch eine zu große Tiefe des Platzes, dem Auge des immer außen ſtehenden Zuſchauers entzogen wird. Ein Turnplatz muß feſte Gränzen haben, am beſten feſte Schranken, wenigſtens einen Graben. Schranken und hinter denſel - ben eine niedrige Dornhecke in einem Graben ſind ſehr vortheilhaft gegen das Durchkriechen des kleinen Viehes (beſonders der Schaafe und Gänſe, deren Dünger höchſt ſtörend und hindernd iſt). Ein Baumgang oder wenig - ſtens eine Baumreihe um den Turnplatz iſt für Turner und Zuſchauer ſehr angenehm.

Jeder Turnplatz muß wenigſtens eine Einfahrt und einen Eingang haben, welche beide zuſammenfal - len können. Liegt der Platz zum Ritter - und Bürger - ſpiel oder die Höhe zum Stürmen nach einer anderen Seite, ſo kann man noch ein bis zwei andre Ausgänge haben. Die Wege von den Eingängen bis zum Tiedür -191dürfen aber keine Bahn weg - und durchlaufen. Bei der Auswahl der Stellen für die einzelnen Übungen muß man ſehr darauf ſehen, daß die, welche zu einer Haupt - art und - gattung gehören, nie zu weit aus einander kommen, wie z. B. alle Laufbahnen (Rennbahn, Schlän - gelbahn, Spielplatz), alle Stellen zum Höhen -, Weiten -, Tiefen - und Stabſprunge, u. ſ. w. Man muß ferner darauf ſehen, daß die einzelnen Übungsplätze eine gute Verbindung unter einander haben und zwar durch be - ſtimmte Wege; ſo daß man, um von einer Übung zur andern zu kommen, nie eine Bahn zu durchkreuzen braucht. Die Ordnung kann in dieſer Hinſicht nicht zu weit getrieben werden, indem nur bei wenigen jungen Leuten der Ordnungsſinn ſo feſt iſt, daß man nicht - thig hätte, durch äußere Mittel zu Hülfe zu kommen. Daher muß die Breite und Länge jeder Bahn und, wo es ſein kann, ſelbſt die Richtung und Stellung aller Rie - gen genau bezeichnet ſein.

Ein mit Raſen bewachſener Platz erleichtert dies ſehr; man hat nur nöthig, bei allen Anläufen, Bahnen und Niederſprungsörtern den Raſen wegzuſtechen; auch die Gränzen der einzelnen Übungsplätze und Wege kann man durch ſchmale Furchen bezeichnen.

Der Tie, Schuppen und die Kleidergeſtelle müſſen immer dicht zuſammen und wo möglich in der Mitte des Platzes liegen. Das bewegliche Turnzeug und Turn -geräth192geräth, welches von einem Turntage zum andern im Schuppen aufbewahrt wird, iſt folgendes: Alles Ziehzeug, lange und kurze Schwungſeile, Springſchnüre nebſt Beuteln und Bolzen, Spring - ſtäbe, Gere, Sattelkiſſen, Schock - und Stoßkugeln, Geſetztafeln; Waſſergefäße, Maaßſtäbe, Handwerk - zeug (Spaten, Beil u. ſ. w.). Die Klettertaue werden nicht abgenommen, ſondern nur nach dem Gebrauch in die Höhe gezogen und oben umge - ſchlungen.

Von der Größe des Platzes.

Da die Größe eines Platzes nur nach der Anzahl und Größe der einzelnen Turnſtellen berechnet werden kann, ſo ſei, obgleich bei jeder Übung der dazu gehörige Raum angegeben iſt, dies noch einmal überſichtlich hin - geſtellt, nach Rheinländiſchem Maaß, wonach im Buch überall nur berechnet iſt.

Es gehört: zur Rennbahn: 24 30 F. Breite und 300 400 F. Länge; zur Schlängelbahn: 30 F. Br. und 70 F. Länge; zum Freiſpringel: 14 F. Br. und 40 F. L. zum Stabſpringel: 16 F. Br. und 40 F. L. zum Springgraben: 40 F. Br. und 50 F. L. zur Vorrichtung beim Tiefenſprung: 20 F. Br. und 40 F. Länge;zum193zum Schwingel: 20 F. Br. und 40 F. L. zum Schwebebaum: 12 16 F. Br. und 60 80 F. L. zum Reck: 12 20 F. Br. und 16 20 F. L. zum Barren: 12 F. Br. und 24 F. L. zum Hangelreck: 20 24 F. im Geviert; zum Klimmel 10 12 F. im Geviert; zum Einbaum: 30 F. im Geviert; zum Zweibaum: 30 F. im Geviert; zum Vierbaum: 30 F. im Geviert; zu einem Klettermaſt: 4 6 F. im Geviert; zur Gerwurfbahn: 30 F. Br. und 70 F. L. zur Schockbahn: 60 F. Br. und 120 140 F. L. zur Stoßbahn: 30 F. Br. und 40 F. L. zur Ziehbahn: 10 12 F. Br. und wenn 20 gegen 20 ziehen ſollen, wenigſtens 100 F. Länge; zum langen Schwungſeil: Platz von wenigſtens 30 F. Durchmeſſer; zum kurzen Schwungſeil: 20 30 F. Br. und etwa eben ſo viel Länge. Sollen die Übungen im Laufe gemacht werden, ſo muß er etwas länger ſein; zum Vorübungsplatz: wenigſtens 20 F. Br. und 40 F. L. zum Spielplatz: 60 120 F. Br. und 100 120 F. L. zum Tie: 50 F. im Geviert;Nzum194zum Schuppen und den Kleiderrechen: 50 F. im Geviert.

Iſt man nun im Klaren, wieviel Turnzeug man gebraucht, ſo wird man daraus und aus den eben ge - machten Angaben leicht die Größe des Platzes berechnen können.

Ein Turnplatz iſt, nach den im 4ten Abſchnitt, I. aufgeſtellten Grundſätzen nur dann vollſtändig einge - richtet: wenn er ſo viel Turnzeug und Vorrichtungen ent - hält, daß, bei jeder beliebigen Eintheilung, alle Turner zu gleicher Zeit riegenweiſe beſchäftigt werden können.

Danach würde zu einem Turnplatze für 400 Tur - ner ein Flächenraum von 465 F. Länge und 260 F. Breite gehören, und Folgendes an Vorrichtungen, Gerü - ſten und Turnzeug:

1. Rennbahn.

2. Schlängelbahn.

3. Zwei lange und 30 kurze Seile.

4. Ein langes, ein kurzes Ziehtau, ein Nackzieh - ſeil, Ziehſtäbe.

5.195

5. 12 Schwingel:a. mit Pauſchen: 1 von 3 F. Höhe. 2 3 F. 4 Z. 2 3 F. 8 Z. 2 4 F. 1 4 F. 4 Z. 1 4 F. 8 Z. b. ohne Pauſchen: 1 von 3 F. 6 Z. Höhe. 1 4 F. 1 4 F. 6 Z.

Die Dicke und Länge und die Verhältniſſe des Kreuzes, Sattels und Halſes ſiehe beim Anſchlage.

6. 2 Freiſpringel.

7. 3 Stabſpringel.

8. 1 Springgraben wo möglich noch ein klei - nerer dazu.

9. 1 Vorrichtung zum Tiefenſprung.

10. 2 Schwebebäume und 1 Liegebaum.

11. 12 Recke: 2 von 3 F. 6 Z. Höhe 2 4 F. 2 4 F. 6 Z. 2 5 F. 1 5 F. 6 Z. 1 6 F. 1 6 F. 6 Z. 1 7 F.

N 212.196

12. 9 Barren:1 von 2 F. 6 Z. Höhe 2 3 F. 2 3 F. 6 Z. 2 4 F. 1 4 F. 6 Z. 1 5 F. Die Weite zu jedem Höhenverhältniß ſ. beim Anſchlage.

13. Kletterzeug: Einbaum, Zweibaum, Vierbaum (dieſer iſt, wenn Einb. und Zweib. da ſind, am erſten zu entbehren), Klimmel, 3 Klettermaſte.

14. Hangelreck.

15. Spielplatz.

16. Ringplatz.

17. Vorübungsplatz.

18. Schockbahn.

19. Stoßbahn.

20. Gerwurfbahn.

Bei 200 Turnern würde ſich die Zahl des ange - gebenen Turnzeuges, beſonders in Hinſicht der Springel, Schwingel, Recke und Barren ſehr ändern und mindern. Es wäre unnöthig, hier noch Beiſpiele angeben zu wol - len; wer den 4ten Abſchnitt, I. lieſt und verſteht, wirdſich197ſich in jedem Fall ſein Bedürfniß leicht berechnen kön - nen. In Hinſicht des Platzes wird ſich auch ein Jeder zu helfen wiſſen. Iſt derſelbe ſehr beſchränkt, ſo muß man den Spielplatz außerhalb deſſelben ſuchen, die Schock - bahn weglaſſen, Vorübungen und Seilübungen auf der Rennbahn treiben u. ſ. w.; dies richtet ſich alles nach der Örtlichkeit und den vorhandenen Mitteln. Wo Raum genug iſt, thut man wohl, lieber etwas zu viel, als zu wenig zu nehmen. Alle angegebenen Verhältniſſe paſſen nur auf baumloſe freie Räume. Finden ſich aber hin - und wieder Bäume, und ſtehen ſie bald enger, bald dichter; ſo muß man ihren Umfang und die etwanige Hinderung durch ihren Stand bei den Übungen zuvor abrechnen, und danach einen größern Raum haben. Alle Bäume auf dem Turnplatze müſſen außerhalb der einzelnen Turnbahnen ſein.

Für den Turnplatz ſchickt ſich kein Tangelholz, Kie - nen, Tannen, Fichten u. ſ. w. Schotendorn, Roßkäſten, und Raupenpappeln ſind gar nicht zu dulden. Wo Er - len gut wachſen, iſt der Boden zum Turnen zu feucht; Birken gedeihen überall. Die beſten Turnbäume bleiben Eichen, Linden und Ahorn.

Eine Aufzählung des nothwendigſten Turnzeuges für 80 Turner findet man im 4ten Abſchn., I., weil dort zugleich für dieſe beſtimmte Anzahl von Turnern undTurn -198Turnzeug die Eintheilung der Übungen und danach die Abtheilungen der Turner angegeben ſind.

Die Erklärungen des auf dem erſten Kupferblatte befindlichen Planes eines Turnplatzes für 400 Turner, iſt demſelben auf einem eigenen Druckblatte vorgefügt.

II. 199

II. Anſchlag des Turnzeuges und - Geräthes und der Vor - richtungen für einen vollſtändig einge - richteten Turnplatz, auf dem ſich 400 Turner riegenweiſe zugleich üben können.

Von einem Koſtenanſchlage kann hier nicht die Rede ſein, denn Holzpreiſe und Arbeitslohn ſind überall ver - ſchieden. Es ſoll hier nur der Bedarf an Holz und anderen Sachen angegeben werden, ſo wie die Zahl der verſchiedenen Abſtufungen, ihre Verhältniſſe nach Länge, Breite, Dicke u. ſ. w. Alles nach Rheinländiſchem Maaß. Dieſer Anſchlag iſt für 400 Turner; und wo ſich dieſe finden, ſind auch ſchon die Koſten daran zu wenden. Unternimmt ein Einzelner die Anlegung eines Turnpla - tzes ohne gehörige Unterſtützung, ſo muß er ſich freilich in der Menge und Vielfältigkeit der Gerüſte und Gerä - the, beſonders aber auch bei den größeren Gerüſten (Klettergerüſten u. ſ. w.) nach den vorhandenen Mitteln und Bedürfniſſen richten.

Springen.

2 Freiſpringel: 6 F. über -, 2 F. in der Erde. (4200(4 F. x 8 F.) = 32 F., 3 4zollig Kreuz - oder Ganzholz.

3 Stabſpringel: 10 F. über -, 3 F. in der Erde. (6 x 13 F.) = 78 F. vierzollig Kreuz - oder Ganzholz. 20 30 F. Kreuzholz zu Tritten oder Knaggen.

5 Paar eiſerne Bolzen: 6 Z. lang, ½ Z. ſtark.

2 Springſchnüre: von 10 F. Länge und ½ Z. Stärke.

3 Springſchnüre: von 12 F. L. und ½ Z. St.

10 Springbeutel (Sandbeutel): etwa 2 Pfd. ſchwer.

Springſtäbe: 1 Schock, 7 11 fußige, von jeder Art 12; wenn nicht jeder Turner einen eignen haben muß.

Spinggraben.

Brett zum Tiefenſprung: 24 F. lang, auf 4 Pfäh - len, von 4 10 F. Höhe ſteigend.

Schwingel.

Mit Pauſchen:

Ohne201

Ohne Pauſchen:

  • 1 von 3 F. 6 Z. Höhe und 4 F. 8 Z. Länge.
  • 1 4 F. 5 F. 4 Z.
  • 1 4 F. 6 Z. 6 F.

Die größte Dicke iſt nicht über 18 Z., nicht unter 14 Zoll.

Alſo ſind nöthig: Zwei Enden Stammholz: 1 von 30 F., 1 von 24 F. L.; und 18 14 Z. Stärke.

Zu Füßen:

  • (4 x 3 ½) F. = 14 F.
  • (8 x 4) F = 32 F.
  • (8 F. x 4 F. 4 Z.) = 34 F. 8 Z.
  • (8 F. x 4 F. 8 Z.) = 37 F. 4 Z.
  • (4 x 5) F. = 20 F.
  • (4 F x 5 F. 4 Z.) = 21 F. 4 Z.
  • (4 x 4) F. = 16 F.
  • (4 F. x 4 ½) F. = 18 F.
  • (4 x 5) F. = 20 F.
vierzollig Kreuz - oder Ganzhölz.

213 F. 4 Z.

Schwebezeug.

2 Schwebebäume und 1 Liegebaum: 3 Kien - oder Tannenſtämme von 40 80 F. L., und wenigſtens 12 Z. Stärke am Stammende.

Zu202

Zu Geſtellen: die Ständer beim gr. Schwebeb. 6 F. über 3 F. in der Erde. kleinen 4F. 3F.

Alſo:

  • (4 x 9) F. = 36 F.
  • (4 x 7) F. = 28 F.
fünf - bis ſechszollig Kreuz - oder Ganzholz.

Die Löcher in den Ständern 6 Z. aus einander. 4 eiſerne Bolzen, auf denen die Bäume liegen, von 1 $$\frac{5}{4}$$ Z. Stärke.

Recke.

12 Stück von 8 verſchiedenen Höhen, jedes 16 F. lang und auf 3 Ständern:

  • 2 von 3 F. 6 Z.
  • 2 4 F.
  • 2 4 F. 6 Z.
  • 2 5 F.
  • 1 5 F. 6 Z.
  • 1 6 F.
  • 1 6 F 6 Z.
  • 1 7 F.
Höhe über der Erde.

Dazu: 12 Stangen von 16 F. Länge und 2 Z. Stärke.

An203

An Ständern:

  • (6 F. x 5 F. 6 Z.) = 33 F.
  • (6 x 6) F. = 36 F.
  • (6 x 7) F. = 42 F.
  • (6 x ) F. = 45 F.
  • (3 x 8) F. = 24 F.
  • (3 x 9) F. = 27 F.
  • (3 F. x 9 F 6 Z.) = 28½ F.
  • (3 x 10) F. = 30 F.
fünfzollig Kreuz - oder Ganzholz.

Zum Hangelreck: 6 Stangen von 9 F. Länge und 2 ½ Z. Stärke. 6 Ständer, 7 F. über -, 2 F. in der Erde: macht (6 x 9) F. = 54 F., vier - bis fünfzollig Kreuz - oder Ganzholz.

Barren.

9 Barren, jeder 10 F. lang: macht an Überlagen (18 x 10 F.) = 180 F. dreizollig Kreuzholz.

Höhe v. d. Erde. Weite. macht an Ständern:

  • 1 von 2 F. 6 Z. 12 Z. (4 x 4) F. = 16 F.
  • 2 3 F. 14 Z. (8 x 5) F. = 40 F.
  • 2 3 F. 6 Z. 16 Z. (8 x ) F. = 44 F.
  • 2 4 F. 17 Z. (8 x 6) F. = 48 F.
  • 1 4 F. 6 Z. 18 Z. (4 x 7) F. = 28 F.
  • 1 5 F. 20 Z. (4 x ) F. = 30 F.
vierzollig Kreuzholz.

206 F.

Klet -204

Kletterzeug.

Taue: alle $$\frac{5}{4}$$ $$\frac{6}{4}$$ Z. ſtark, mit einer feſten Öſe;

  • 2 von 20 F.
  • 4 30 F.
  • 1 40 F.
Länge.

1 Strickleiter von 20 F. Länge.

An Holz:

Zum Zweibaum: 2 Maſte: 10 12 Z. ſtark; 20 F. über -, 4 F. in der Erde; 2 Kletterſtangen: 3 Z. ſtark; 20 F. über -, 2 4 F. in der Erde; 2 Lehnſtangen: 4 6 Z. ſtark; 24 F. über -, 4 F. in der Erde; 1 Rah, 5 6 Z. ſtark und 28 F. lang; 2 Klimmleitern von 24 F. Länge.

Zum Vierbaum: 1 Maſt: 30 F. über -, 5 6 F. in der Erde; 14 18 Z. ſtark; 4 Maſte: 30 F. über -, 4 F. in der Erde; 8 10 Z. ſtark; 4 Rahen: 12 F. lang und 6 Z. ſtark; 1 Klimmleiter von 35 F. Länge.

Zum Einbaum: 1 ſtarker Maſt, 40 F. über, 7 8 F. in der Erde; 3 Lehnſtangen, wo möglich bis zum erſten Abſatze;80.20580 90 F. Kreuzholz; 2 vier und zwanzigfußige Bretter; 1 Leiter von 9 F. zur Unterſtützung des Schnabels; 1 Leiter von 16 F; 1 Klimmleiter von 30 F.

Zum Klimmel: 80 F.: 5 6 zollig Kreuz - oder Ganzholz zu Stie - len und Rahmen; 20 F. Kreuzholz zu oberen Stielen; 130 F.: 3 zollig Kreuzholz zu den Sproſſen und Holmen.

3 Klettermaſte: zwiſchen 20 und 60 F.; mit einem feſten Kreuze von Eichenholz, mit vier Winkel - eiſen, die unter dem Kreuze und am Maſte mit Schloßnägeln befeſtigt werden.

Gerwerfen.

2 Pfahlköpfe (ſ. die Beſchreibung). Den Ger hält ſich jeder Turner ſelbſt.

Schocken.

12 Dreipfünder; 12 Anderthalb - oder Zweipfünder; einige Bretter zum Schott (Kugelfang); das hölzerne Viereck und der Sack.

Stoßen.

Kugeln von 6 24 Pfd.

Zie -206

Ziehen.

  • 1 Tau von 15 20 F. Länge
  • 1 von 30 100 F.
und 1 Z. Z. Stärke.

Zu 2 Nackziehſeilen: 4: 2 3 F. lange Gurte, mit Öſen an beiden Seiten; 4: ½ ¾ Z. ſtarke und 10 F. lange Stränge oder Seile.

Stäbe: 2 3 F. lang und ¾ $$\frac{6}{4}$$ Z. ſtark.

Schwungſeile.

2 lange von 16 20 F. L., ½ ¾ Z. Stärke mit einer Öſe. 40 kurze von 6 8 F. L. und ½ Z. Stärke; wofern nicht jeder Turner ſein eignes hat.

Armkraft-Meſſer.

(ſ. Beſchreibung unter Heben).

Windeſtäbe.

(ſ. Anhang mancherlei Übungen).

An allem Turnzeuge, ſelbſt an den Stielen von Kreuzholz müſſen ſcharfe Kanten ſtets vermieden werden.

Vier -[207]

Vierter Abſchnitt. I. Über die Art, wie die Turnübungen zu treiben ſind. II. Die Turngeſetze.

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I. Ueber die Art, wie die Turnuͤbun - bungen zu treiben und im Gange zu erhalten.

Turnkunſt.

Die Turnkunſt ſoll die verloren gegangene Gleich - mäßigkeit der menſchlichen Bildung wieder herſtellen, der bloß einſeitigen Vergeiſtigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überverfeinerung in der wiedergewonne - nen Mannlichkeit das nothwendige Gegengewicht geben, und im jugendlichen Zuſammenleben den ganzen Men - ſchen umfaſſen und ergreifen.

So lange der Menſch noch hienieden einen Leib hat und zu ſeinem irdiſchen Daſein auch ein leibliches Leben bedarf, was ohne Kraft und Stärke, ohne Dauer - barkeit und Nachhaltigkeit, ohne Gewandtheit und An - ſtelligkeit zum nichtigen Schatten verſiecht wird die Turnkunſt einen Haupttheil der menſchlichen Ausbildung einnehmen müſſen. Unbegreiflich, daß dieſe Brauchkunſt des Leibes und Lebens, dieſe Schutz - und Schirmlehre, dieſe Wehrhaftmachung ſo lange verſchollen geweſen. OAber210Aber dieſe Sünde früherer leib - und liebloſer Zeit wird auch noch jetzt an jeglichem Menſchen mehr oder min - der heimgeſucht. Darum iſt die Turnkunſt eine menſch - heitliche Angelegenheit, die überall hingehört, wo ſterbliche Menſchen das Erdreich bewohneu. Aber ſie wird immer wieder in ihrer beſondern Geſtalt und Ausübung recht eigentlich ein vaterländiſches Werk und volkthümliches Weſen. Immer iſt ſie nur zeit - und volkgemäß zu trei - ben, nach den Bedürfniſſen von Himmel, Boden, Land und Volk. Im Volk und Vaterland iſt ſie heimiſch, und bleibt mit ihnen immer im innigſten Bunde. Auch gedeiht ſie nur unter ſelbſtändigen Völkern, und gehört auch nur für freie Leute. Der Sklavenleib iſt für die menſchliche Seele nur ein Zwinger und Kerker.

Turnanſtalten.

Jede Turnanſtalt iſt ein Tummelplatz leiblicher Kraft, eine Erwerbſchule mannlicher Ningfertigkeit, ein Wett - plan der Ritterlichkeit, Erziehungsnachhülfe, Geſundheits - pflege und öffentliche Wohlthat; ſie iſt Lehr - und Lern - anſtalt zugleich in einem ſtäten Wechſelgetriebe. Zeigen, Vormachen, Unterweiſen, Selbſtverſuchen, Üben, Wettüben und Weiterlehren folgen in einem Kreislauf. Die Turner haben daher die Sache nicht von Hörenſagen, ſie haben kein fliegendes Wort aufgefangen: ſie haben das Werk erlebt, eingelebt, verſucht, geübt, geprüft, erprobt, erfahren undmit211mit durchgemacht. Das erweckt alle ſchlummernden Kräfte, verleiht Selbſtvertrauen und Zuverſicht, die den Muth niemals im Elend laſſen. Nur langſam ſteigert ſich die Kraft, allmälig iſt die Stärke gewachſen, nach und nach die Fertigkeit gewonnen, oft ein ſchwer Stück vergeblich verſucht, bis es nach harter Arbeit, ſaurer Mühe und raſtloſem Fleiß endlich gelungen. Das bringt das Wollen durch die Irrwege der Willelei zum folge - rechten Willen, zum Ausharren, worin aller Sieg ruht. Man trägt ein göttliches Gefühl in der Bruſt, ſo bald man erſt weiß, daß man etwas kann, wenn man nur will. Geſehen haben, was anderen endlich möglich gewor - den, gewährt die freudige Hoffnung es auch zu leiſten. In der Turngemeinſchaft wird der Wagemuth heimiſch. Da wird alle Anſtrengung leicht, und die Laſt Luſt, wo andere mit wettturnen. Einer erſtarkt bei der Arbeit an dem andern, ſtählt ſich an ihrer Kraft, ermu - thiget ſich und richtet ſich empor. Ein Beiſpiel wird ſo das Vorbild, und reicht weiter als tauſend Lehren. Eine echte That iſt noch nie ohne Nachkommen geblieben.

Ohne eine Turnanſtalt ſollte billig keine nam - hafte Stadt in Deutſchen Landen forthin bleiben. Den Einwurf: Es koſtet was können nur Tröpfe vor - bringen, die gern als Köpfe ſpuken möchten. Menſchen werden gezählt, Männer gewogen und ſind nicht zu erdrillen.

O 2Turn -212

Turnplätze.

Auch der kleinſte Ort könnte und ſollte von Rechts wegen, wenn er eine Schule hat, auch nach ſeinen be - ſchränktern Bedürfniſſen einen Turnplatz haben. In jedem Kirchſpiel des platten Landes müßte wenigſtens ein vollſtändiger Turnplatz ſein, wo ſich dann aus den größern und kleinern Ortſchaften die turnfähige Jugend zuſammenfinde, und in jugendlichem Wettturnen verſu - che. Wenigſtens an den Denktagen der Erlöſung, Auferſtehung und Rettung des Deutſchen Volks ſollte dazu Rath werden. Der 31te März, 18te Junius und 18te October ſind recht eigentlich zu großen Turntagen gewonnen. Im Laufe der Zeit können gar leicht aus dieſen kleinen Anfängen größere Feſte werden. Wann dann die geſammte Jugend erſt einge - turnt iſt, ſo wandern die Turnfertigſten aus dem kleinern Ort in den größern, von dort am folgenden großen Turntage die Preiserringer zur Gauſtadt, und ſo an jedem kommenden Feſte immer weiter zur Mark - und Landesſtadt, bis ſich endlich die beſten Turner des gan - zen Volks am großen Hauptfeſte in der Haupt - ſtadt treffen.

Wer den erſten Abſchnitt des Buchs: die Turn übungen, und den dritten: I. Über Anlegung eines Turnplatzes mit Aufmerkſamkeit geleſen, und beide verglichen hat wird auch gewiß einſehen, daß esdurch -213durchaus nothwendig iſt, Turnzeug in gehöriger Zahl und Zweckmäßigkeit anzuſchaffen. Dies gilt ganz beſon - ders von Reck, Barren, Springel und Schwin - gel. Die drei erſten ſind überall wohlfeil zu bekom - men. Sind einem aber die Schwingel zu theuer, ſo muß man in ſolchem Fall nur einige hinſetzen, und ſich darauf beſchränken, daß nur die größeren Turner das Schwingen treiben. Schon eher iſt ein koſtſpieliges Klettergerüſt zu erſparen. Ein niedriges und ein hohes Tau allenfalls an Rahen in Bäumen angebracht, eine kleine, und eine große Klimmleiter reichen zur Noth ſchon hin.

Wer aber den Schluß machen wollte, daß, wenn für vierhundert (400) Turner das in dem Anſchlag (Siehe Seite 199) angegebene Turnzeug nöthig wäre, man alsdann für 200 Turner nur die Hälfte, für 100 das Viertel und für 50 bloß das Achtel gebrauche, würde einen großen Fehlſchluß machen. Denn funfzig (50) Turner von jedem Alter und jeder Größe brauchen eigentlich Turnzeug von eben ſo viel Abſtufungen, als die vierhundert (400), wenn auch nicht von jedem Grad zwei bis drei Stück.

Für Diejenigen, welche ſich ſonſt noch nicht mit dem Turnweſen beſchäftiget haben, und doch die Grund - ſätze kennen zu lernen wünſchen, nach denen das Turnzeug anzuſchaffen iſt, folgt hier noch ein Beiſpiel, was viel -leicht214leicht an kleinern Orten, Dörfern u. ſ. w. öfters Anwen - dung finden möchte.

Das nothwendigſte Turnzeug für achtzig Turner.

Springel:

  • 2 zum Freiſprung, 2 zum Stabſprung;
mit Schnüren, Beuteln und Bolzen.

Springſtangen.

1 Springgraben.

Recke: 4 Stück: 16 F. lang, von 3 F. 6 Z., 4 F. 6 Z., 5 F. 6 Z. und 6 F. 6 Z. Höhe.

Barren: 4 Stück: 8 F. lang und 2 F. 6 Z., 3 F., 3 F. 6 Z. und 4 F. 6 Z. hoch, und 14, 15, 16 und 18 Z. breit.

Schwingel: 4 Stück: mit Pauſchen, 3 F., 3 F. 4 Z., 3 F. 8 Z. und 4 F. hoch.

1 Schwebebaum.

1 Pfahlkopf und wenigſtens für die drei erſten Ab - theilungen Gere.

1 Nackziehſeil.

1 Seil: von 20 30 F. Länge und ¾ Z. Stärke, als Ziehtau und zu den Seilübungen.

Kurze Seile: für die erſte und zweite Abtheilung.

2 Klettertaue: etwa von 20 und 30 F., ſo einfach als möglich angebracht.

1 Klettermaſt: etwa 20 30 F. hoch und 6 8 Z. ſtark; eingegraben.

2215

2 Kletterſtangen: von 10 20 F. Höhe und 2 3 Z. Stärke; an Baumäſten od. dergleichen befe - ſtigt, und eingegraben.

1 Klimmleiter: von 12 15 F. Höhe; die Sproſ - ſen 10 Z. von Mittel zu Mittel.

Turnlehrer.

Ein Vorſteher einer Turnanſtalt (Turnwart) übernimmt eine hohe Verpflichtung, und mag ſich zuvor wohl prüfen, ob er dem wichtigen Amte gewachſen iſt. Er ſoll die jugendliche Einfalt hegen und pflegen, daß ſie nicht durch frühreife Unzeitigkeit gebrochen werde. Offenbarer als jedem andern entfaltet ſich ihm das jugendliche Herz. Der Jugend Gedanken und Gefühle, ihre Wünſche und Neigungen, ihre Gemüthsbewegungen und Leidenſchaften, die Morgenträume des jungen Le - bens bleiben ihm keine Geheimniſſe. Er ſteht der Ju - gend am Nächſten, und iſt ihr darum zum Bewahrer und Berather verpflichtet, zum Hort und Halt und zum Anwalt ihres künftigen Lebens. Werdende Männer ſind ſeiner Obhut anvertraut, die künftigen Säulen des Staats, die Leuchten der Kirche, und die Zierden des Vaterlan - des. Keinem augenblicklichen Zeitgeiſte darf er fröhnen, keiner Rückſichtelei auf Verhältniſſe der großen Welt, die oft im Argen liegt. Wer nicht von Kindlichkeit und Volksthümlichkeit innigſt durchdrungen iſt, bleibe fernvon216von der Turnwartſchaft. Es iſt ein heiliges Werk und Weſen.

Einzig nur im Selbſtbewußtſein der Pflichterfül - lung liegt der Lohn. Später beſchleicht einen das Alter, unter dem Tummeln der Jugend. Auch in den höſcſten Zeitläuften bewahren ſich Glaube, Liebe und Hoffnung, wenn man ſchaut, wie ſich im Nachwuchs des Volks das Vaterland verjüngt. Vom Schein muß der Turn - lehrer abſtehen, für die Außenwelt kann jeder Gaukler beſſer prunken. Unter allen Lehrern der Jugend hat ein Turnlehrer den ſchwerſten Stand. Bei andern Leh - rern beruht das Geſchäft auf Wiſſen und Wiſſenſchaft, in denen beim allſtündlichen und alltäglichen Betreiben von Zeit zu Zeit weitere Fortſchritte zu machen ſind. Des Turnlehrers Würken iſt unzertrennlich von Kennen und Können. Ein anderer Lehrer wird dem größten Theile ſeiner Schüler immer voraus bleiben; einen Turnlehrer müſſen aber die Knaben und Jünglinge bald in den Turnübungen einholen, und können ihn dann leicht übertreffen.

Dennoch muß ein Turnlehrer vor allen Dingen bemüht ſein, ſich in den Turnübungen ſo viel Fertigkeit zu erwerben und zu erhalten als ſeine Leibesbeſchaf - fenheit erlaubt. Nur eigenes Selbſtverſuchthaben und Erproben geben ihm einen deutlichen und klaren Begriff von der einzelnen Bewegung und Übung, und von denWir -217Wirkungen, ſo ſie hervorbringen. Dabei muß er ſich ſehr hüten und ſorgfältig in Acht nehmen, daß er den kleinern Turnern kein Bild der Lächerlichkeit und auf - fallender Ungeſchicklichkeit giebt. Größere ehren ſchon den guten Willen und das mühevolle Beſtreben. Geht ihm auch die Erwerbung einzelner Turnfertigkeiten nicht von Statten; ſo muß er doch in alle Theile der Turn - kunſt eindringen, und in den Geiſt des Turnweſens. Die Turnſchüler müſſen den Turnlehrer als Mann von gleichmäßiger Bildung und Volksthümlichkeit achten kön - nen, der Zeit und Welt kennt und das Urbild, wonach zu ſtreben iſt; ſonſt wird er bei aller turneriſchen Fer - tigkeit ihnen nur wie ein Faſelhans und Künſtemacher vorkommen. Ein Turnlehrer muß:

1. der Jugend kein böſes Beiſpiel geben, weder auf noch außer dem Turnplatze;

2. ſich während der Turnzeit aller ſolcher Genüſſe ent - halten, die der Jugend nicht geziemen z. B. To - back rauchen, Schnapps trinken u. a. dgl.,

3. ſich nicht vornehmthueriſch und aufthueriſch gebär - den, ſondern ſtets leutſeelig ſein und bleiben;

4. nicht zu ſpät auf den Turnplatz kommen, ſondern wo möglich immer mit den Frühſten da ſein;

5. als Geſetzbewahrer die Geſetze zuerſt halten, und ſich nicht hoffährtig davon ausnehmen, ſondern der ſtrengſte Richter gegen ſich ſelbſt ſein;

6.218

6. es bei Leibe nicht allen Turnern zuvor - oder gleich - thun wollen, ſondern ſich ſtill und beſcheiden, ohne Lärm und Geſchrei einturnen;

7. die Geſpräche der Jugend ſo leiten, daß ſie lehr - reich und unterhaltend werden, und in Wort und Werk keinen Anſtoß geben;

8. auch den Schein von Schulſteifheit vermeiden, und in ſeinem Betragen und Benehmen freundſchaftlich mit Ernſt und herzlich mit Würde ſein;

9. es deutlich an den Tag legen, daß er von der Wichtigkeit der Sache begeiſtert iſt, und nicht von feiler Selbſucht und ſchnöder Eitelkeit getrieben wird;

10. mit ſeinen Schülern, Zöglingen und Anvertrauten zu leben verſtehen und umzugehen wiſſen, daß ſie ihn als Menſchen lieben und als Mann achten;

11. die verſteckten Eigenthümlichkeiten auffinden, die keimenden Tugenden pflegen, und die hervorge - ſproſſenen volkthümlich ausbilden;

12. als der ältere Freund, Ordner, Schiedsrichter, Rathgeber und Warner unter den Turnern walten.

Turnübungen.

Alles Turnen hat ſein Geſetz und ſeine Regel, ſeine Schule und Zucht, ſein Maaß und ſein Ziel. Die höch - ſte Eigenthümlichkeit beim Einzelnen und die höchſteVolks -219Volksthümlichkeit bei Allen. Lehre und Leben bilden hier keinen Gegenſatz. Beide ſind einträchtig und eins. Daher iſt es möglich und findet würklich Statt, daß auf einem und demſelben Turnplatze jeder Turner ſein eigen Gepräge erhält nach ſeinem eigenen Schrot und Korn. Die Turnkunſt als Pflegerin der Selbſtthätigkeit, führt auf geradem Wege zur Selbſtändigkeit. Sie för - dert die leibliche Geſammtausbildung des Menſchen durch geſellige Regſamkeit in lebensfriſcher Gemeinſchaft.

Bei den Turnübungen muß ſich immer eins aus dem andern ergeben, ohne Drillerei, ſo die freie Eigen - thümlichkeit der Einzelnen durch ihr Schalten gefangen nimmt. Die Turnübungen in Folge und Folgerung ergänzen ſich wechſelſeitig, und können und müſſen um - zechig getrieben werden. Die richtige Vertheilung von Raſt und Laſt gewährt die Dauerkraft. Indem einige müde geturnte Glieder feiern, arbeiten die andern wie - der. Die Turnkunſt iſt gegen jede Einſeitigkeit. Links und rechts ſind ihr Bedingniſſe, wovon keins erlaſſen werden darf. Sie will einen ganzen Mann, und iſt mit keinem zufrieden, deſſen Leib in die Brüche geht. Übereinſtimmung und Folgerechtheit entwickeln die allſei - tige Kraft.

Es giebt freilich Übungen, die nach dem Weſen der Sache hintereinander getrieben werden müſſen, und erſt dann, wenn die Vorübung beendigt iſt und ein Ganzesbe -220bereits ausmacht. Viele Übungen müſſen aber ſchlech - terdings gleichzeitig getrieben werden, weil ſonſt die Be - ſonderheit und Einerleiheit auch ſelbſt der beſten Übung der Geſammtbildung widerſtreiten würde. Wollte man bloß eine Übung erſt bis zur höchſten Vollkommenheit bringen, um dann zu einer andern überzugehen; ſo würde die Jugendzeit nicht lang genug ſein, um nur in ein Paar Hauptturnübungen Fertigkeit zu erlangen. Die leibliche Kraft läßt es auch nicht dahin kommen. In ſolchem Zerren und Renken würde ſie erlahmen und erſtarren. Nur die öftere Wiederholung erzeugt die Vollkommenheit, wenn anders die Wechſelwürkung ande - rer Übungen hinzukommt.

So wenig man aber einen Knaben in einem fort immer nur bloß mit einer Übung beſchäftigen ſoll, ſo giebt es doch gewiſſe, mit welchen man den Anfang machen muß, und die gleichſam Einleitung und Vor - ſchule zum Ganzen der Turnkunſt ſind. Jeder nicht ein - geturnte Knabe oder Jüngling iſt entweder verſteift, oder wenn er auch noch Gelenkigkeit beſitzt, ſo verſteht er wenigſtens ſelten mit ſeinen Gliedern regelrechte Be - wegungen zu machen. Allen dieſen Mängeln helfen die beſchriebenen Spring - und Schwingvorübungen (S. Seite 15 21 und Seite 39 42.) am Zweck - mäßigſten ab. Sie muß man mit jedem Neuen, der zur Turnanſtalt kommt, zuerſt und viel üben, und dann oftwie -221wiederholen. Nach dieſer Einleitung muß man nun die leichteſten Anfänge jeder Übung vornehmen, als: die erſten Lauf - Spring - und Kletterübungen, das Ziehen, Hangeln, Handeln am Barren und Schwebegehen. Hiedurch prüft man am beſten die Kraft, ſieht wo es dieſem oder jenem fehlt, und wie dem Mangel abzu - helfen.

Im Anfang, beſonders wenn ein Turnplatz gleich ganz, oder auch nur meiſten Theils eingerichtet iſt, thut man wohl feſtzuſetzen, daß die Turner nur ſolche Übun - gen treiben, die ihnen erlaubt, und nur ſolche Stücke machen, die ihnen bereits gezeigt ſind. Ungeübte kön - nen, ſich ſelbſt überlaſſen, bei ihnen unbekannten Übun - gen leicht Schaden nehmen.

Sobald in einer beginnenden Turnanſtalt nur eini - ge Fortſchritte gemacht ſind, muß der Vorſteher (Turn - wart) oder Turnlehrer, aus den Verſtändigſten und Turnfertigſten Vorturner erwählen, oder erwäh - len laſſen. Die Vorturner müſſen die Neuen in den Vorübungen unterweiſen, und bei den Übungen, wo es Noth thut, ſelbſt vormachen (vorturnen). Sie müſſen Hülfen zu geben wiſſen, und, wo ein Ausgleiten oder Fallen leicht möglich iſt, beſonders Acht geben und bei der Hand ſein, um allen Schaden zu verhüten. Auch müſſen ſie die Beſonnenheit beſitzen, aus den einzelnen Stücken einer vielgeſtalten Übung jedes Mal eine zweck - -222mäßige Auswahl zu treffen. Bei der Aufſicht über Jüngere und Schwächere müſſen ſie beſonders berück - ſichtigen, daß es hier nicht ſowohl auf Erlangung von Fertigkeiten, als auf allgemeine Vorbereitung zur Turn - fähigkeit ankommt.

Turnzeit.

Auf dem Turnplatze iſt die Aufgabe zu löſen, viele Turner zu gleicher Zeit planmäßig zu beſchäftigen. Zur Turnzeit ſollten immer billig ganze Nachmittage ver - wandt werden. Mittwoch und Sonnabend Nach - mittag ſind auch in der ganzen Deutſchen Welt ſogar durch hohe landesherrliche Geſetze ſchulfrei. In der neuern Zeit iſt der Misbrauch eingeriſſen, daß man auch auf Schulen das Lernen in Hefte zwängt, wodurch blutwenig im Gedächtniß haftet, und die arme Jugend in der Schreibfrohne dem lieben Gott den Tag ab - ſchmiert. Je mehr Leben wieder in die Welt gekommen, deſto weniger dürfen die Schulen am Buchſtaben hangen.

Von bloßen Augenblicken, wo ſich die Jugend nur kümmerlich auslüftet, iſt natürlich hier nicht die Rede. An Turntagen wird der ganze Nachmittag in zwei gleiche Hälften getheilt. Die erſte Hälfte iſt für die freiwillige Beſchäftigung (Turnkühr), die andere Hälfte für die vorgeſchriebene (Turnſchule). In der erſten Hälfte wählt ſich jeder ſeine Beſchäftigung ſelbſt, undtreibt223treibt Übungen, die ihm am meiſten behagen, oder in welchen er ſich ſchwach fühlt, oder auch in denen er ſich vorzüglich ausbilden will. Lehrer und Vorturner müſ - ſen aber immer in Thätigkeit ſein, um die Ordnung zu erhalten, bald dieſen bald jenen, auch manchmal eine ganze Riege zu unterweiſen. Während dieſer frei - willigen Beſchäftigung (Turnkühr) hat der Lehrer die beſte Gelegenheit, ſich von dem Selbſttriebe und der Selbſtthätigkeit eines jeden, und von den Neigungen, Anlagen, Beſtrebungen, Entwickelungen, Fortſchritten und Fertigkeiten anſchaulich zu überzeugen.

Am Ende dieſer Zeit werden die Turner durch ein überall auf dem Turnplatze hörbares Zeichen z. B Klap - per, Glocke o. dgl. auf dem Tie verſammelt. Dies iſt die beſte Zeit, wo die Turner nach gehörigem Ausruhen und Abkühlen mit Brot und Waſſer ihren Hunger und Durſt ſtillen können. Das Brot bringt ſich jeder von Hauſe mit. Es würde die ganze Turnordnung ſtören und ein unbändiges Hin - und Hergelaufe geben, dürfte es während der Turnraſt etwa in der Nähe des Platzes erkauft werden. Überhaupt iſt das Verlaſſen des Turnplatzes während der Turnzeit nur in dringen - den Fällen zu geſtatten, aber niemals um Lebensmittel zu holen. Das Waſſer wird auf den Turnplatz ge - ſchafft, aber außer der Turnraſt darf keiner trinken.

Sobald alle getrunken haben, wird wieder ein Zei -chen224chen gegeben, worauf alle Turner ſich nach ihren Jah - ren auf einen ein für alle Mal angewieſenen Stand ſtellen. Hier werden die Liſten verleſen, und die Feh - lenden ſogleich aufgezeichnet. Über den Nichtbeſuch des Turnplatzes wird Nachfrage gehalten, damit nicht böſe Buben unter dem Vorwand und Behelf des Turnpla - tzes ſich auf den Müßiggang geben und jugendwidri - gen Zeitvertreib.

Nun fängt die vorgeſchriebene Beſchäftigung (Turn - ſchule) an. Die Turner ſind ein für alle Mal nach ihrem Alter in beſtimmte Abtheilungen gebracht. Alle in einem Jahr Geborne gehören zu einer und derſelben Abtheilung. Sollten ſich einige finden, die eine Aus - nahme von der Regel machen, entweder bei weitem grö - ßer oder kleiner, oder ſtärker oder ſchwächer als ihre Jahrgenoſſen ſind, und ſich alſo nicht mit dieſen zugleich üben können; ſo müſſen ſie in die zunächſt ältere oder jüngere Abtheilung verſetzt werden. Iſt eine Abtheilung unverhältnißmäßig gering, ſo muß man ſie mit einer andern Abtheilung vereinigen. Iſt ſie hingegen ſehr zahlreich, ſo muß ſie getheilt werden.

Alle Übungen werden nun in ſo viele einzelne Schulen getheilt, als Turnerabtheilungen ſind. Hienach werden jeder Abtheilung für einen Tag beſtimmte Haupt - und Nebenübungen angewieſen, damit jeder Turner in einer Reihe von Turntagen die Schule von ſämmtlichenTurn -225Turnübungen durchmacht, und nach einander in allen Unterweiſung erhält.

Jeder Abtheilung iſt ein Vorturner zugeſellt, der die Abtheilung in Riegen theilt, und ihre Übungen leitet. Vorzuturnen braucht er nicht immer ſelbſt, ſon - dern das thut der Erſte oder der Anmann von jeder Riege.

Bei dieſer Turnweiſe iſt es einzig und allein möglich, die Zahl und den Grad (Abſtufungen) des Turnzeuges zu berechnen. Es muß nämlich ſo viel da ſein, daß alle Turner, man mag den Abtheilungen Übun - gen anweiſen, welche man will, ſich zugleich riegenweiſe üben können. Allerdings erfordert dies viel Turnzeug, und mit unter wohl zwei Stück von jedem beſondern Grad (Siehe Reck, Barren, Schwingel); aber ſtatt deſ - ſen die Abtheilungen aus allen Jahren und Altern zu miſchen iſt nicht rathſam und thunlich. Wollte man ſolch Gemiſch zuſammen wettturnen laſſen, z. B. ringen, ſo könnte der Schwächere leicht Schaden nehmen. Ohne jene Turnweiſe können aber nicht die Turner ihre Stärke und Turnfertigkeit gegen ihres Alters Gleichen prüfen und abwägen.

Turntracht.

Ohne eine bleibende Turntracht kann keine Turn - anſtalt gedeihen. Der leidige Trachtwechſel würde baldPnach226nach einander alle Übungen unmöglich machen, und ſo das Turnweſen wieder vernichten.

Eine Turntracht muß dauerhaft und wohlfeil ſein, und zu allen Bewegungen geſchickt. Graue ungebleichte Leinwand iſt der beſte Stoff. Alle andere Zeuge ſind weniger dauerhaft und wohlfeil, und doch nicht ſo leicht zu reinigen. Eine grauleinene Jacke und eben ſolche Beinkleider kann ſich jeder anſchaffen. Wür - den Zeuge aus ausländiſchen Stoffen geduldet; ſo müß - ten ſich die Übungen gar bald in Übungen für Rei - che, Vermögende, Bemittelte, Wohlhabende, Unbemittelte, Dürftige und Arme theilen.

Die Turntracht muß eine Gleichtracht von gleichem Stoff und gleichem Schnitt ſein; damit ſie nicht den einen fördert und den andern hindert. Alle Turnübungen werden barhand und barhaupt vorgenommen, auch im Winter braucht der Deutſche keine Pelzmütze.

Halstücher ſind auf keinen Fall unter keinerlei Bedingung zu dulden, ſie mögen den Wundbinden oder Hunde-Halsbändern gleichen, galgenſtrickmäßig umgelegt ſein oder gar wie Dohnenſchleifen.

Hoſenträger dürfen ſich nicht vorn kreuzen; hin - ten mögen ſie gekreuzt oder beſſer noch durch zwei Querſtreifen verbunden ſein.

Stiefel dürfen keine ſchwere Reuter - und Poſt - knecht - Stiefel ſein, oder gar Gebäue wie Löſcheimer. Spo -227Sporen können ſogar lebensgefährlich werden. Zug - ſtiefel gehören mit den Schnürbrüſten zu dem Folterge - räth, was die Putzwuth für Zierlinge erteufelt hat. Die zweckmäßigſte Fußbekleidung für Turner ſind Halbſtie - fel aber keine Schnürſtiefel , die eben über die Knöchel hinaufreichen, zum Anziehen weit genug ſind und mit einem Überſchlag verſehen, mit einem Riemen oberhalb der Knöchel befeſtiget werden. In ſolches Schuhzeug fällt beim Gehen kein Steinchen und kein Sandkorn, und doch wird die Wade nicht eingezwängt, wie bei den Überſtrümpfen.

Lederne Beinkleider taugen nicht auf den Turnplatz, auch Überziehhoſen ſind nichts nutz, ſelbſt wenn ſie auch nur zum Schein falſche Knopfreihen ha - ben. Turnbeinkleider müſſen gehörigen Schritt haben, im Bund gebürend weit ſein, daß ſie den Bauch nicht preſſen; und an einem Hoſenträger hangen. So hoch dürfen ſie nicht hinauf gehen, daß das Herz in den Hoſen ſitzt. Es iſt ſehr zweckwidrig und der Geſund - heit nachtheilig, ſie mit Riemen, Knöpfen und derglei - chen über Schuh und Stiefeln zu befeſtigen. Im Ge - gentheil ſollen ſie auch nicht auf der Erde ſchleppen. Ein ordentliches Maaß kommt ihnen zu, was jede Glie - derbewegung erlaubt und erleichtert. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ſie weder weit wie ein Sack, noch eng wie ein Darm ſein dürfen. Am aller Ungeſundeſten iſtP 2eſ,228es, ſie über die Hüſten zu ſchnallen und zu ſchnüren. Das giebt einen Schmachtriem, wodurch die Wohlge - ſtalt des Menſchenleibes als Weſpenleichnam von ein - ander zu brechen ſcheint, und die Hälften wie Vorder - und Hinterwagen nur noch nothdürftig zuſammenhangen.

Bei den Turnübungen ſelbſt kann man nicht kühl gekleidet genug gehen; nach vollendeter Arbeit, nach dem Abmüden und dem Erhitztſein muß man einen Rock zum Überziehen haben, um ſich gegen plötzliche Erkältung zu ſchützen. Tuchene Jacken ſind gar nichts werth, und müſſen von jedem Turnplatze verbannt ſein. Ein Frack, Wrack, das heißt zerbrochener Rock, auch Kluft genannt, weil er mitten von einander geſpalten iſt ein höchſt unnützes Gepäck, und nur eine Scheinkleidung. Die nothwendigſten Theile bleiben unbedeckt Bauch und Kreuz. Statt deſſen flattert der Zwieſelſchwanz der Rockfittige wie ein Fächer und Fliegenwedel hinterher. Ein Deutſcher Rock, der hinten zu iſt und vorn zu geht bleibt immer die angemeſſenſte und anſtändigſte Tracht. Er muß ſo weit ſein, daß er bequem über die Turnjacke gezogen und doch zugeknöpft werden kann. Über die Kniee darf er nicht hinunter reichen, weil er ſonſt den Gang ſchwer macht. Auf kleinen Wanderungen (Turnfahrten) vertritt er dann zugleich die Stelle eines Mantels.

Tie.229

Tie.

Der Turnplatz iſt kein Drillort, und kann alſo nicht von Schulſteifheit ſtarren. Bei den Übungen ſelbſt darf ausdrücklich nichts anders von den Turnern geſprochen werden, als was zur Sache gehört. Dafür muß aber natürlich jeder Turnplatz einen der Größe der Turnan - ſtalt angemeſſenen Tie haben. Der Tie iſt Verſamm - lung -, Erhohlung -, Unterhaltung - und Geſellſchafts - Platz. Schattenbäume müſſen ihn umgeben. In der Mitte muß eine etwas erhabene Dingſtatt ſein, und ein Dingbaum, woran an einem ſchwarzen Brette die Turngeſetze und andere Dinge zu leſen. Von der Ding - ſtatt herab wird den Turnern das Nöthige bekannt gemacht. Hier werden die neuen Turner eingeſchrieben, und die etwanigen Händel geſchlichtet. Hier ſind die Anzeigetafeln von verlornen und gefundenen Sachen. Hier hangen die Geſetze. Hier iſt das Tagebuch. Hier iſt die Glocke oder ein ähnliches Werkzeug, womit man die Turner zuſammenruft.

Auf dem Tie ſtehen Bänke zur Bequemlichkeit der Turner, wo ſich die eben Angekommenen ausruhen, die Turnmüden erholen und die Freunde gegenſeitig etwas mittheilen können. Hier werden mancherlei Geſchäfte abgemacht. Hier iſt fröhliches Geſpräch, munterer Scherz, jugendlicher Witz und Geſang. Hier einzig und alleindarf230darf auf dem ganzen Turnplatz nur gegeſſen und ge - trunken werden. Dafür kann auf dem Tie ſchlechter - dings keine Turnübung Statt finden.

Auf dem Turnplatze wird nur trocken Brot gegeſ - ſen und Waſſer getrunken. Wem trocken Brot nicht mundet, hat keinen Hunger, und kann füglich warten, bis er nach Hauſe kommt. Wen Waſſer nicht erquickt, hat entweder keinen Durſt, oder noch nicht lange genug geturnk, vielleicht auch ſich überhaupt zu wenig in freier Luft bewegt.

Zuſchauer.

Der Turnplatz iſt keine Bühne, und kein Zu - ſchauer hat Recht, auf ihm ein Schauſpiel zu erwar - ten. Aber er iſt eben ſo wenig eine geheime Halle: feſte Schranken muß er freilich haben, die den Tur - ner von dem bloßen Zuſchauer abſondern. Dafür müſ - ſen die Übungsplätze nach den einzelnen Orten und Stellen ſo angeordnet werden, daß ſie von außen hin - reichend zu ſehen ſind, und ſich gerade von dort für den Zuſchauer am beſten ausnehmen. So hat alsdann jedermann hinlängliche Gelegenheit, ſich durch den Au - genſchein von dem Weſen und Werth der Turnübungen zu überzeugen.

An den Turntagen aber auf dem Turnplatze ſelbſt Beſuche anzunehmen und anderweitige Anfragen zu be -ant -231antworten, iſt die Zeit zu kurz. Wer noch etwas An - deres wiſſen will, als der Augenſchein lehrt und die eigene Anſicht, muß zu ſeiner Belehrung eine andere Zeit wählen.

Durch die Öffentlichkeit der Turnübungen werden die nachgeglaubten und nachgelallten Vorurtheile am beſten bekämpft und in ihrer grundloſen Nichtigkeit und argen Blöße dargeſtellt.

Viele geſchämige Leute, Knaben wie Jünglinge und Männer, lernen vom Zuſehen und üben zu Hauſe nach, was ihnen auf dem Turnplatze vorgeübt wurde. Die Menge bekommt dadurch Geſchmack und Gefallen am Turnen, und ſelbſt ältere verſteifte Leute ſehen ſo viel ab, um manches Verſäumte nachzuholen.

Die Ältern, Lehrer, Pfleger und Vormünder der Jugend haben ſo die ſchönſte Gelegenheit, ihre Kinder, Schüler und Zöglinge ſich ſelbſt überlaſſen unter und neben ihres Gleichen unvermerkt zu beobachten. So können ſie tiefer in die Kindlichkeit der Ihrigen blicken, als wenn ſie dieſelben immer um und neben ſich wie am Schnürchen haben.

Bei zweckmäßig eingerichteten Turnplätzen haben alle Leute zugleich die Mitobhut und Mitaufſicht. Wäh - rend ſie zuſchauen, verwalten ſie zugleich eine Anwalt - ſchaft der Sitten.

Dafür müſſen ſie ſich aber gänzlich beſcheiden, drau -ßen232ßen zu bleiben, und ſich nicht müßig feiernd unter die arbeitenden Turner miſchen wollen. Zärtliche Mütter und andere Verwandtinnen ſind auf dem Turnplatze nur im Wege. Das giebt dann Gelegenheit zu Hätſche - lei, Loberei, Rühmerei und Markelei, impft dadurch jugendliche Gemüther mit Eitelkeit, die ſie von Grund aus verdirbt.

233

II. Die Turngeſetze.

A. Geiſt der Turngeſetze.

Gute Sitten müſſen auf dem Turnplatz mehr wür - ken und gelten, als anders wo weiſe Geſetze. Die höch - ſte hier zu verhängende Strafe bleibt immer der Aus - ſchluß aus der Turngemeinſchaft.

Man kann es dem Turner, der eigentlich leibt und lebt und ſich leibhaftig erweiſet, nicht oft und nach - drücklich genug einſchärfen, daß keiner den Adel des Leibes und der Seele mehr wahren müſſe, denn gerade er. Am wenigſten darf er ſich irgend eines Tugend - gebots darum entheben, weil er leiblich tauglicher iſt. Tugendſam und tüchtig, rein und ringfertig, keuſch und kühn, wahrhaft und wehrhaft ſei ſein Wandel. Friſch, frey, fröhlich und fromm iſt des Turners Reichthum. Das allgemeine Sittengeſetz iſt auch ſeine höchſte Richtſchnur und Regel. Was andere entehrt, ſchändet auch ihn. Muſter, Beiſpiel und Vorbild zu werden danach ſoll er ſtreben. Dazu ſind die Hauptlehren: nach der höchſten Gleichmäßigkeit in derAus -234Aus - und Durchbildung ringen; fleißig ſein; was Gründ - liches lernen; nichts Unmännliches mitmachen; ſich auch durch keine Verführung hinreißen laſſen, Genüſſe, Ver - gnügungen und Zeitvertreib zu ſuchen, die dem Jugend - leben nicht geziemen. Die meiſten Ermahnungen und Warnungen müſſen freilich immer ſo eingekleidet ſein, daß die Tugendlehre keine Laſterſchule wird.

Aber im Gegentheil darf man nie verhehlen, daß des Deutſchen Knaben und Deutſchen Jünglings höchſte und heiligſte Pflicht iſt, ein Deutſcher Mann zu werden und geworden zu bleiben, um für Volk und Vaterland kräftig zu würken, unſern Urahnen den Weltrettern ähn - lich. So wird man am beſten heimliche Jugendſünden verhüten, wenn man Knaben und Jünglingen das Rei - fen zum Biedermanne als Beſtrebungsziel hinſtellt. Das Vergeuden der Jugendkraft und Jugendzeit durch ent - markenden Zeitvertreib, faulthieriſches Hindämmern, brün - ſtige Lüſte und hundswüthige Ausſchweifungen wird auf - hören ſobald die Jugend das Urbild männlicher Le - bensfülle erkennt. Alle Erziehung aber iſt nichtig und eitel, die den Zögling in dem öden Elend wahngeſchaf - fener Weltbürgerlichkeit als Irrwiſch ſchweifen läſſet, und nicht im Vaterlande heimiſch macht. Und ſo iſt auch ſelbſt in ſchlimmſter Franzoſenzeit der Turnjugend die Liebe zu König und Vaterland ins Herz gepredigt und geprägt worden. Wer wider die Deutſche Sacheund235und Sprache freventlich thut oder verächtlich handelt, mit Worten oder Werken, heimlich wie öffentlich der ſoll erſt ermahnt, dann gewarnt, und ſo er von ſeinem undeutſchen Thun und Treiben nicht abläſſet, vor jeder - mann vom Turnplatz verwieſen werden. Keiner darf zur Turngemeinſchaft kommen, der wiſſentlich Verkehrer der Deutſchen Volksthümlichkeit iſt, und Ausländerei liebt, lobt, treibt und beſchönigt.

So hat ſich die Turngemeinde in der dumpfen Gewitterſchwüle des Valand, für das Vaterland geſtäh - let, gerüſtet, gewappnet, ermuthiget und ermannt. Glaube Liebe Hoffnung haben ſie keinen Augenblick ver - laſſen. Gott verläßt keinen Deutſchen iſt immer der Wahlſpruch geweſen. Im Kriege iſt nur heim aber nicht müßig geblieben, der zu jung und zu ſchwach war. Theure Opfer hat die Turnanſtalt in den drei Jahren dargebracht. Sie ruhen auf den Wahlplätzen von den Thoren Berlins bis zur feindlichen Hauptſtadt.

B. Allgemeine Turngeſetze.

1. Jeder, der Mitglied der Turngemeinſchaft werden will, muß zuvor verſprechen, der Turnordnung nachzuleben, und nicht anders zu handeln auf keinerlei Weiſe.

2. Jeder ſoll nur in grau leinener Turntracht auf den Turnplatz kommen.

3.236

3. Kein Turner ſoll einigen Unwillen, Fehd und Feind - ſchaft, ſo er mit einem und dem andern Mitturner hat, während der Turnzeit und auf dem Turn - felde äußern; ſondern jeder ſoll bloß turnen und in Friede, Freude und Freundſchaft.

4. Es ſoll auch keines Haſſes oder Grolles auf dem Turnfelde gedacht werden; und eben ſo wenig auf dem Hingang und Heimgang, auch auf keinen Turnfahrten. *)Wanderfahrten. Fußreiſen.

5. Jeder Turner darf nur auf den bezeichneten Wegen und Stegen zum und vom Turnplatze kommen und gehen, (weder durchkriechen, noch überſteigen, auch nicht überſpringen).

6. Beim Kommen und Gehen muß jeder Turner auf den Tie gehen, und am Dingbaum ſchauen, was vor iſt, was es giebt und was jedermann kund und zu wiſſen Noth thut.

7. Welcher Turner irgend etwas erfährt, was für und wider die Turnkunſt und unſre Übung der - ſelben Freund oder Feind ſprechen, ſchreiben und wirken: muß davon ſogleich Anzeige machen, damit zu ſeiner Zeit und an ſeinem Orte aller ſolcher Kunden mit Glimpf oder Schimpf könne gedacht werden.

8.237

8. Und ſo ſoll ein Jeder nach unſerm löblichen Turn - brauch ſich richten und nicht neuſüchtig Neuerungen aufbringen, ohne vorherige Rückſprache und Be - rathung.

C. Beſondere Turngeſetze. (Übungsgeſetze)

1. Jeder Turner ſoll nur nach Ablegung von Rock und Stock, Hut und Halstuch turnen.

2. Jeder Turner ſoll nach der Ordnung turnen, wie er auf den einzelnen Turnſtellen ankommt, und ſeine Reihe halten.

3. Die Turner theilen ſich bei den Übungen in Riegen. *)S. Erſt. Abſchn. ; II, Laufen A., 1. Anmerk.

4. Die Richtzahl einer Riege darf nicht überſchritten werden.

5. Es darf kein Turner von einer Riege zur andern laufen, ſo lange die Mitturner bei dieſer Übung bleiben; es ſei dann, daß ihm dieſe zu ſchwer fiele.

6. Es darf ſich keiner in eine Riege eindrängen oder einſchleichen, ſondern muß, wenn ſie vollzählig iſt, auf der Reede**)Reede (die): Ort, wo man ſich zu etwas bereit macht: (daher dann auch ein Platz, wo ſich die Schiffe zur Ab - fahrt bereit machen). warten, bis einer abgeht, oder die ganze Riege aufhört.

7.238

7. Die Richtzahl der Riegen iſt folgende: Wurfriegen: Gerriege: nicht über 12. Schockriege: 12. Stoßriege: 12. Springriegen: Freiſprungriege nicht über 12. Stabſprungriege 8. Riege zum Grabenſprung: frei : nicht über 20. mit Stab : 12. Schwingriege: nicht über 10. Reckriege: 8. Barrenriege: 8. Schweberiege: 12. Schwungſeilriege: 12. Schlängelriege: (wenn die Schlängelbahn 30 F. breit) nicht über 8.

8. Jeder Turner ſoll die Bahn frei laſſen, bei jeder Turnübung, und auf den Ruf: Bahn frei! ſogleich und willig folgen, ohne Widerrede und Verzug.

9. Jeder Turner ſoll alles und jedes Turnzeug und Turngeräth nur zur beſtimmten Turnübung gebrau - chen und bloß an ſeinem gehörigen Orte. Eben ſo ſoll alles bewegliche Turngeräth (als Ger,Spring -239Springſtäbe u. ſ. w.) nach der Übung an ſeine Ruhſtelle kommen.

10. Bei keiner Übung darf etwas Anderes geſprochen werden, als was zur Sache gehört.

11. Welcher Turner einer Übung zuſehen will, mag ſich auf den Reeden ſtellen, ſetzen oder lagern.

12. Niemals ſollen die Übungen nach der Außenſeite durch Zwiſchenſteher gedeckt ſein.

13. Verſammlungen und Unterhaltungen, Geſpräche und Mittheilungen, Eſſen und Trinken gehören auf den Tie.

Vom Laufen.

14. Es ſoll beim Laufen, zumal beim Maſſenlauf nicht geſprochen werden.

15. Nach dem Laufen ſoll keiner gleich ſtill ſtehen, noch ſich ſetzen oder gar lagern, ſondern zur allmäli - gen Abkühlung und Erholung umhergehen.

Vom Springen.

16. Die Stab - und Freiſpringel, ſo wie die zu ihnen gehörenden Bolzen und Schnüre dürfen nicht ver - wechſelt werden.

17. Es ſoll an keinem Springel gezerrt, geſtiegen, ge - klettert, noch irgend eine Übung an den Lochpfäh - len vorgenommen werden.

Auch ſollen immer zwei an angebrachten Knag - gen lochen: der eine rechts, der andre links.

18.240

18. Die Springſtäbe; welche auf dem Turnplatze gehal - ten werden, ſind 7 F., 8 F., 9 F., 10 F. und 11 F. lang und verhältnißmäßig dick. Wenn ein Turner ſich einen eignen Springſtab hält, ſoll er ihn nach dieſen Maaßen einrichten, und mit ſeinem Namen bezeichnen. Zu dünne und unbenamte Stäbe wer - den weggenommen.

19. Niemand darf ſeinen Springſtab verleihen, noch ſich ſelbſt eines fremden bedienen. Wer keinen eignen hat, ſoll die allgemeinen gebrauchen und anwenden.

20. Wem ein Springſtab von ſieben Fuß Länge und verhältnißmäßiger Dicke zu ſchwer fällt der iſt noch nicht reif zum Stabſpringen.

Vom Schwingen.

21. Es ſoll niemand, ſo er nicht ſchon Fertigkeit in den Vorübungen erlangt hat, eigentliche Schwingſtücke ſich einüben.

22. Solche, die Theil nehmen wollen an den ordentli - chen Schwingſtunden außerhalb des Turnplatzes, ſollen nur unter folgenden Bedingungen dazu ge - laſſen ſein: 1. Gehörige Fertigkeit in allen Hauptübungen, als: a. das Einbaumtau erklettern; b. den Felgaufſchwung aus dem Hange;c.241c. den Freiſprung bis zur Nabelhöhe; d. das Barrenanmunden rechts und links; 2. Fertigkeit in allen Spring - und Schwingvor - übungen.

Vom Schweben.

23. Der Schwebebaum ſoll nur am Stammende beſtie - gen werden.

24. Es ſollen beim Schwebekampf nur drei Turner darauf ſein: 2 Schläger (in der Mitte) und einer auf Anwartſchaft (am Geſtell).

25. Beim Schwebegang ſollen auch nur drei Turner darauf ſein: 2 Schweber und ein Wartender. So - bald der Erſte an das Zopfende gelangt, ſteht der Zweite ſtill.

26. Jeder vom Zopfende Abgeſprungene ſoll daſſelbe anhalten, und auf den Ruf: Stopp! , ſo er es vergeſſen, deſſen ſich mahnen und rathen laſſen.

27. Schaukeln und Reiten, Kippen und Wippen auf dem Schwebebaum ſoll nicht geſtattet werden; auch ſoll keiner unter dem Baum durchlaufen, durchge - hen oder durchkriechen.

Vom Reck.

28. Es ſoll niemand an einem Reck turnen, das er nicht erreichen kann, im Stand oder Hangſprung.

Vom Barren.

29. Es ſoll ſich niemand an einem Barren üben, anQdem242dem er nicht in den Stütz hüpfen oder ſtemmen kann; denn nicht zum Klettern ſind die Barren.

30. Die Barrenſtellen ſollen rings herum frei bleiben.

Vom Klettern.

31. Es ſollen die Taue nicht geſchwenkt werden, auch ſoll keiner daran ſich ſchaukeln.

32. Wenn einer bereits klettert, ſoll ein anderer ihn nicht hindern, ſei’s durch Nachklettern, ſei’s durch Straffhalten des Taues; wenn er’s nicht ſelber verlangt.

33. Keiner darf die Leiter an einem Klettergerüſt erſtei - gen; es ſei dann, daß er das Tau deſſelben Ge - rüſtes erklettern kann.

34. Nur beim Einbaum iſt es erlaubt, nach Erſteigung des Taues die Leiter herabzukommen; beim Vier - baum und Zweibaum hingegen muß ein jeder am Tau ſelbſt oder an den Stangen und Maſten her - abklettern.

35. Oben auf allen Klettergerüſten dürfen höchſtens 2 zugleich ſein; und einer muß ſogleich herab, ſobald ein Dritter das Tau erklettert.

36. Auf den Kreuzen der Klettermaſte ſoll nur Einer ſitzen und auch dieſer nur ſo lange, als Noth thut und gehörig iſt.

37. Es darf ſich niemand an einem Tau üben, ſobald er das nächſt niedrige nicht erklettern kann.

38.243

38. Im Klimmel, ſo wie innerhalb der andern Kletter - gerüſte, darf niemand, beſonders kein Schauluſti - ger ſtehen.

Vom Gerwerfen.

39. Jeder Turner und Werfluſtige ſoll ſeinen eigenen Ger halten, und mit ſeinem Namen am Schaftende.

40. Die Maaße für einen Ger ſind: 6 F., 7 F. oder 8 F. Länge und 1 Z., 5 / 4 Z. und 6 / 4 Z. Stärke. Es ſoll daher kein Ger geduldet wer - den, wenn er nicht eines der angegebenen Maaße hat.

41. Niemand ſoll mit einem fremden Gere werfen, auch ſoll es keiner dem andern zulaſſen und erlauben.

Vom Schocken und Stoßen.

42. Niemand darf eine Kugel in der Bahn liegen laſ - ſen, ſondern er muß ſie wieder in den Kaſten legen.

43. Schock - und Stoßbahnen müſſen von ſchauluſtigen Turnern vermieden werden; dieſe dürfen nur ſchräg rückwärts vom Werfenden ſtehen, d. i. auf der Seite der Riege.

Vom Ringen.

44. Es darf kein Turner eine Ausforderung zum Zwei - kampf im Ringen ausſchlagen; er ſei dann krank, unwohl, turnmüde oder durch ein örtliches Übel verhindert; die Kleidung entſchuldigt nicht.

Q 2Von244

Von Turnſpielen.

45. Von Turnſpielen ſollen alle Schwache und ſehr Kleine ausgeſchloſſen bleiben, auch die, ſo noch nicht über die Vorübungen weg ſind.

46. Es ſoll kein Spiel ohne Erlaubniß unternommen werden.

47. Niemand ſoll mitſpielen, der nicht vorher bei der Theilung zugegen geweſen und abgetheilt worden.

48. Überhaupt ſoll ſich keiner in irgend eine Spiel - ſchaar einſchleichen oder eindrängen; es ſei denn für dieſen Tag beſonders geſtattet und vorher be - kannt gemacht.

49. Die allgemeinen Turngeſetze ſind auch bei den Turnſpielen gültig, wie in jedem Vielkampf; doch kann gemeinſame Übereinkunft vor Beginn eines Spieles in Nebendingen einen Spielbrauch ordnen, ſtellen und feſtſetzen.

Fünf -[245]

Fuͤnfter Abſchnitt.

  • I. Zur Bücherkunde der Turnkunſt.
  • II. Erklärung von dem Plane eines Turnpla - tzes auf Platte 1.
[246]247

I. Zur Buͤcherkunde der Turnkunſt.

Auf Vollſtändigkeit macht dieſer Anfang zu einer - cherkunde der Turnkunſt keinen Anſpruch. Er ſoll zur Beförderung des Turnweſens würken, indem er für Freund und Feind zur weitern Belehrung und zum Rath-einholen Bücher nachweiſet über Gegenſtände, die in die Turnkunſt einſchlagen. So wird vielleicht man - cher Befangene, der noch Vorurtheile wider die Turn - kunſt hegt, ſie ſich aus alten Büchern von Weiſen und Erfahrnen wegleſen. Dieſe Anzeigen geben vielleicht Gelegenheit, daß manches handſchriftliche Werk oder gedruckte Buch aus ſeiner Verborgenheit hervorkommt. Bücherkundner und Buchwarte, Buch - und - cherhändler, denen dieſe Schrift etwa vor Augen kommt, werden dadurch in Stand geſetzt, uns Merke und Nachweiſe von Büchern zu geben. Zu dieſem Zwecke ſind alle Bücher, ſo wir nicht beſitzen und die wir nur von Hörenſagen und aus Verzeichniſſen kennen, mit einem Sternlein (*) bezeichnet. Vielleicht daß irgend ein Freund und Gönner der Turnkunſt, der dieſe oderan -248andere noch nicht von uns namhaft gemachte Bücher beſitzt, ſich dadurch veranlaßt fühlt, ſie uns zu leihen oder zu verkaufen oder zu ſchenken. Dankbar werden wir jeden Beitrag zur Weiterbildung der Turnkunſt an - nehmen, und zu ſeiner Zeit davon Rede und Rechen - ſchaft geben.

Bei der Aufzeichnung der Bücher iſt zur leichtern Überſicht und ſchuellern Auffindlichkeit eine gewiſſe Folge beobachtet; doch haben wir für jetzt noch nicht nach Ley, Fach, Falt und Art ordnen wollen.

Nutzen und Nothwendigkeit der Turn - kunſt.

Galenus de sanitate tuenda.

Joh. Pet. Frank Syſtem einer vollſtändigen mediei - niſchen Polizei. 4 Bände, 8. Mannheim. 1 ter Band 3 te Aufl. 1804; 2 ter Band 1804; 3 4 ter V. 1783 1788. (8 Thlr. 4 gr. ) [2 ter Band, Dritte Abtheilung: Von zu früher Anſpannung der Ju - gend. Von geſunder Beſtellung des Schulweſens. Von Wiederherſtellung der Gymnastik. Alles klar, kurz und bündig.]

F. Hoffmann de motu, optima corporis medicina. Hebenstreit exercitationes adolescenti ætati salubres.

Krüger Erziehung der Kinder.

-249

Zückert von Erziehung der Kinder.

Ballexserd de l’Education physique des En - fans.

Der Schleſiſche Arzt.

Unzer der Arzt, eine Wochenſchrift. 6 Bände (7 Thlr. 12 gr.).

Tiſſot von der Geſundheit der Gelehrten; aus dem Franzöſiſchen überſetzt. Leipzig b. Müller. 1775 (8 gr.).

Von der Bewegung.

A. Ypey phyſiologiſche Beobachtungen über die will - kührlichen und unwillkührlichen Bewegungen der Muskeln, überſetzt mit Anmerkungen von J. K. F. Leune. Leipzig b. Walter. 1789 (14 gr.).

Joſ. A. Rougemont über die ſchädlichen Folgen einer gewaltſamen Auſtrengung der Kräfte. Bonn. 1789.

Joſ. Barthez neue Mechanik der willkührlichen Bewe - gungen der Menſchen und Thiere; aus dem Fran - zöſiſchen überſetzt von Kurt Sprengel. Halle b. Kümmel. 1800 (1 Thlr. 8 gr.).

Franz Fuller Medicina Gymnastica ꝛc. nach der ſechſten Herausgabe aus dem Engliſchen überſetzt. Lemgo b. Meyer. 1750.

Über die Turnkunſt der Griechen und Römer.

Vegetius de re militari.

Hie -250

Hieronymi Mercurialis de arte gymnastica libri sex. [Erſchien zuerſt 1573. 4 te Auflage 1601. Hier giebt im Anhang zum Cap. XI. Lib. I. der Verfaſſer dem Petrus Faber ein wortreiches Gegen - lob, wobei er ſelbſt nicht zu kurz kommt. Neuere Ausgabe Amſterdam 1672. Die Abbildungen ſind in allen Ausgaben ſchlecht, undeutlich, und auch bis - weilen verzeichnet.]

Petri Fabri Agonisticon. [wahrſcheinlich zuerſt 1590. Vermehrte und verbeſſerte Auflage, Lyon 1595. Seite 550 (Lib. III. C. XV.) giebt er Mer - curialis die Ehre, daß ihn dieſer zuerſt auf den Ge - danken zu dieſem Buche gebracht. In der Vorrede und am Schluß des zweiten Buchs ſetzt er ſich aber auf das hohe Pferd. Beide Bücher ergänzen ſich wechſelſeitig.]

Lud. Caelii Rhodigini Lectionum antiquarum libri triginta. [Die älteſte Ausgabe Paris 1517; die beſte Frankfurth und Leipzig 1666. Da bei ihm über die Turnkunſt das meiſte beiläufig und gele - gentlich vorkommt; ſo muß man die Stellen von mehr als hundert Orten zuſammenleſen, wo man ſie oft gar nicht ſuchen ſollte. Abgerechnet, daß er vom Hundertſten ins Tauſendſte kommt ſonſt klar und bündig, und gar oft mit dem ſchlagendſten und eigenſten Ausdruck.]

Pe -251

Petri Victorii variarum lectionum libri XXV. [Florenz 1553 iſt die erſte und die beſte Ausgabe. Ein ſcharfſinniger Vergleicher der alten Schriftſteller, voll feiner Bemerkungen über die Redniſſe des Alter - thums; denen ſehr zu empfehlen, die Alles buchſtäb - lich für baare Münze nehmen.]

Alexander ab Alexandro dierum genialium libri. [Manche treffliche Merke zur Geſchichte der Turnkunſt. Beleſen, nicht verleſen.]

Neuere allgemeine Werke.

Gerhard Ulrich Anton Vieth Verſuch einer Ency - klopädie der Leibesübungen. 2 Theile mit Kupfern. Berlin b. Hartmann. 1794 1795. (2 Thlr. 12 gr.)

J. Ch. F. GutsMuths Gymnaſtik für die Jugend. Schnepfenthal. [Erſte Ausgabe 1796. Zweite Auf - lage 1804, mit 12 Tafeln. (3 Thaler)

Valentin Trichter’s Curiöses Reit-Jagd-Fecht - Tanz - oder Ritter-Exercitien-Lexicon. Leipzig b. Gladitſch 1742.

Ringen.

ὉΠΛΟΔΙΔΑΣΚΑΛΙΑ sive Armorum Tractan - dorum Meditatio Alberti Dureri. Anno ciͻiͻxii. [iſt der vollſtändige Titel eines handſchriftlichen Werks, was ſich auf der Magdalänen-Bibliothek zuBres -252Breslau befindet, und wovon wir eine Abſchrift beſi - tzen. Von Dürer iſt es nicht, ſondern einer ſeiner Schüler hat es ſich nach Art und Weiſe unſerer heu - tigen Hefte zuſammengeſchrieben. So gar die Lücken (Schwänze) mit vielem weißen Papier fehlen nicht. Hin und wieder ſind alte Kernſprüche hinein verwebt:

Erſchrickſt Du gern,
Kein Fechten lern.

Manche Kernworte mögen wohl vom Meiſter ( - rer) geſprochen ſein. In der Handſchrift wird er nicht namentlich genannt, nur vom Meiſter iſt die Rede. Ein großer Theil der Handſchrift heißt: Ur - ſprüngliche Kunſt des Meſſerfechtens mit allen Regeln und gründlichen Haltungen der Alten, zum Ringen, Greifen und Werfen, desgleichen Hauen, Stechen und Schneiden von Herrn Hanſen Lebkhommers von Nürnberg komponirt. Das Ringen enthält hundert und dreizehn (113) turneriſche Rünge, ohne diejenigen, wo es Kopf und Kragen, Leib und Leben koſtet. Bei dem einen Rung ſteht: Dies Stück gefallt dem Sebaſtian Krößl gar wohl. Auf der Innenſeite des Vorderdeckels ſteht von der - ſelben Hand, welche die Handſchrift geſchrieben: Se - bastiano Cresselio a Vilsegg mancipatus pareo.]

Fabian von Auerswald. Ringerkunſt fünf und achtzig Stücke, zu ehren kurfürſtlichen gnaden zuSach -253Sachſſen ꝛc. zugericht durch. Gedruckt zu Wit - temberg durch Hans Lufft 1539. [Ein gründliches Buch, was in eine größere Deutſche Turnkunſt ganz aufgenommen zu werden verdient. Fabian von Auerswald verfaßte ſeine Ringerkunſt 1537 zu Wit - temberg im fünf und ſiebenzigſten Jahr ſeines Alters.]

Joh. Georg Paſchen Vollſtändiges Ringbuch ꝛc. Hall in Hachſen. [1688]

Klare Onderrichtinge der voortreffelÿcke Worstel - konst, Uytgevonden door den wÿtberoemden en vermaerden Worstelaer Nicolaus Petter. Am - ſterdam 1674. 4. [16 Seiten mit 71 Abbildungen.] [Die - ſes Buch ward vor dem Kriege im Jahr 1813 einem Sprachmeiſter J. F. Lürmann zum Überſetzen für die Berliniſche Turnanſtalt anvertraut, der ſich nachher im Jahr 1814 nicht entblödete, eine Überſetzung heraus zu geben: Das Ringerbuch von dem berühmten Fauſtfechter und Ringer Nicolaus Petter. Berlin gedruckt bei Quien (4 gr.). Eine heilloſe Buch - macherei, da der Überſetzer der Urſchrift getreu aller - lei greuliche Dinge nach der Reihe abhandelt: Stöße vor die Bruſt, Bruſtſtöße, Haar - griffe, Armbrechen, Fauſtſchläge, Gurgel - griffe und Beinſchläge. Und dieſe leib - und lebensgefährliche Mord - und Todſchlag - Künſte em -pfiehlt254pfiehlt die Vorede der Jugend fleißig zu üben und ſich eigen zu machen.]

F. J. Stalder Fragmente über Entlebuch. 2 Theile. Zürich bei Orell. Geßuer Füßli und Comp. 1797. 1798. [Zweit. Theil Seite 8 u. f. Über die Gym - naſtik der Entlebucher, beſchreibt die hirtenſchweize - riſche Abart des Ringens

Schießen.

Der Gewehr-gerechte Jäger. Stutgard 1762.

Verſuch über Gewehrfabriken, die Schießkunſt und das Jagdweſen; aus dem Engliſchen nach der zweiten Ausgabe mit Anmerkungen von Timäus. Leipzig bei Reinecke 1792. (1 Thaler)

J. Ch. Hendel’s Archiv für Deutſche Schützengeſell - ſchaften ꝛc. 3 Bände, 1802. 1803. Halle bei Hendel (4 Thaler).

J. G. Meyer’s vollſtändiger Unterricht im Scheiben - ſchießen zum allgemeinen Nutzen und Vergnügen. Manheim bei Schwan und Götz, 1805. (12 gr.)

v. Scharnhorſt über die Würkung des Feuergewehrs. Berlin bei Nauck, 1813.

The english Bowman, or tracts on Archery, to wich is adedd the second part of the Bow - mans glory, by T. Roberts a member of the toxophilite society. London bei Eggerton und Waring, 1801. (3 Thlr. 16 gr.)

Ba -255

Baden und Schwimmen.

W. Gf. Plouquet das Waſſerbet; ein Vorſchlag zu einer bequemen und ſichern Badeanſtalt in Flüſſen und Bächen. Tübingen bei Cotta. 1798. (2 gr.)

Ebendeſſelben Beſchreibung eines ſichern, bequemen und eleganten Schwimmgürtels. Tübingen bei Heer - brandt. 1805. (2 gr.)

Kr. Ant. Zwierlein über die neueſten Badeanſtalten in Deutſchland auf Flüſſen, zur See und an Bade - örtern, deren Nutzen, Schaden und Charlatanerien dabei. Frankfurth am Main b. Simon. 1803. (12 gr.)

Dieth. Lavater über den Nutzen und die Gefahren des Badens der Jugend an freien Örtern, nebſt Vorſchlägen, wie dieſe letztere zu mindern ſeien, und einer Anleitung, wie man im Waſſer Verunglückte behandeln ſoll. Zürich bei Ziegler. 1804. (4 gr.)

J. C. Meyer der Rathgeber vor, bei und nach dem Bade ꝛc. Pirna bei Frieſe. 1805. (12 gr.)

Engelb. Wichelhauſen über die Bäder des Alter - thums, inſonderheit der alten Römer, ihren Verfall und die Nothwendigkeit, ſie allgemein wieder einzu - führen, Manheim bei Schwan und Götz. 1807. (1 Thlr. 6 gr.)

Über Schwimmſchulen Siehe Geſundheitszeitung vom Jahr 1774.

Oron -256

Oronzio de Bernardi’s vollſtändiger Lehrbegriff der Schwimmkunſt; aus dem Italiäniſchen überſetzt von Friedrich Kries. Weimar Industrie Comptoir. 1797, 2 Theile. (2 Thaler.)

J. Ch. F. Guts Muths kleines Lehrbuch der Schwimm - kunſt zum Selbſtunterricht nach den Grundſätzen der neuen Italiäniſchen Schule des Bernardi und der ältern Deutſchen. Weimar Industrie Comptoir 1798. (12 gr.) [Ein ſehr brauchbares Buch].

Kopfübern oder Luftſpringen.

Trois Dialogues du St. Archange Tuccaro de l’abbruzzo au royaume de Naples. A Paris chez Claude de Monstroeil. 1589. [Die Geſprä - che werden oft lange Waſchreden, halten ſich lange bei unnützen Eingängen auf, und überfluthen mit einem unausſtehlichen Wortſchwall. Die würklichen guten Körner muß man erſt mit großer Mühe von der Spreu ſondern.]

Fahnenſchwenken.

Johann Georg Paſche deutliche Beſchreibung unter - ſchiedener Fahnen Lectionen in acht Spiel eingethei - let, nebſt dem Pikenſpiel, Partiſan und halben Piken oder Jägerſtock. Hall in Sachſen. 1673. [Franzö - ſiſch und Deutſch].

Spie -257

Spiele.

Danielis Souteri Palamedes, sive de tabula lusoria, alea et variis ludis, libri tres, quorum I. philologicus, II. historicus, III. ethicus seu moralis. Leiden 1622.

Meursius de ludis Græcorum.

Iulius Caesar Bulenger de ludis veterum [im Gron. Thes. VII.]

Fr. A. v. Garſault die Kunſt des Ball - und Raqueten - machers und des Ballſpiels; aus dem Franzöſiſchen von Dn. Gf. Schreber. Berlin bei Pauli. 1768. 4. mit Kupfern. (20 gr.)

Guthsmuths Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geiſtes, für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unſchuldiger Jugendfreuden. 3 te verbeſſerte Auflage. Schnepfenthal im Verlage der Buchhandlung der Erziehungsanſtallt. 1802. 8.

A. H.. über öffentliche und gemeinſchaftliche Vergnü - gungen der Landleute; ein Verſuch, Polizeidirecto - ren, Menſchenfreunden, Obrigkeiten und wahren Volksfreunden zur Prüfung vorgelegt. Altenburg bei Schnuphaſe. 1804 (9 gr.).

Über Volksſpiele und deren Einfluß auf Erweckung und Erhaltung deutſcher Kraft und deutſchen Sinnes: von Wilhelm Beſſer in Quedlinburg. 8.

RTan -258

Tanzen.

(Von Seiten der Geſundheitslehre)

J. Lipawpsky. 1792 [wahrſcheinlich Prag].

G. L. W. Sponitzer das Tauzen in pathologiſch - moraliſcher Hinſicht erwogen. Berlin bei Maurer. 1795. (3 gr.)

Joh. Evangeliſt Wetzler über den Einfluß des Tanzens auf die Geſundheit nebſt Verhaltungsregeln. Landshut bei Weber. 1801. (2 gr.)

J. Wendt über den Tanz als Vergnügen und Schädlichkeit, ein Beitrag zur Diätetik. mit 1 Kupf. Breslau bei Schall. 1802. (8 gr.)

Folgende Anzeige von Schriften über das Tanzen iſt mit allen Bemerkungen wörtlich aus Vieth (En - ryklopädie der Leibesübungen. 2 ter Th. S. 452 456) genommen.

In das Urtheil eines ſo würdigen Mannes iſt gewiß kein Mistrauen zu ſetzen. Die mit einem Kreuzlein () bezeichneten Schriften hat Vieth nach ſeiner Angabe (S. 451) zu ſeiner Abhandlung benutzt.

Πεϱὶ ὀϱχήσεως: vom Lurian. Amſt. 1687. Dieſe Schrift enthält ein Geſpräch zwiſchen Lucian und Kraton, worin jener dieſen von dem Werthe der Tanzkunſt überzeugt. Hiſtoriſche Nachrichten, die Tanzkunſt der Alten betreffend. Erforderniſſe eines guten Pantomimiſchen Tänzers.

Deut -259

Deutſche Überſetzung in der Sammlung verm. Schr. z. Beförd. d. ſch. Wiſſ. und fr. Künſte, 1 B. Berlin bei Nikolai. 1759.

Athenaeus Deipn. L. 1. c. 18.

Apulejus Metom. L. 1. c. 10.

Traité historique de la Danse par M. Louis Cahusac. Paris. 1753. 12. 3. P.; eine allerdings ſchätzbare Abhandlung, worin man jedoch weniger Rai - ſonnement und mehr hiſtoriſche Data wünſchen möchte.

Deutſch in der Sammlung verm. Schrift. 1 u. f. B.

Jo. Meursii Orchestra s. de saltatione veterum; im 8 ten B. S. 1234 des Gronowſchen Thesaurus.

Jo. Bilbergh de Orchestra s. de saltatione veterum. Upsal. 1685.

Traité de l’origine de la danse, in dem Extraor - dinaire des Mercure galant. 1680, 10. u. 11. B.

Deux memoires pour servir à l’histoire de la danse des Anciens par Jean Burette, im 2 ten Bande der Memoir. d. l’ac. des Inscriptions.

Dial. sopra le antiche saltazioni di Pier. Ant. Gaetani im 36 ten B. der Raccolta d’Opusc. scient. ed. filol.

Chriſt. Heinr. Brömel’s Abhandlung v. d. Feſt - tänzen der erſten Chriſten. Jena. 1704. 4.

Muſſard von den aus dem Heidenthum in die chriſt - liche Kirche übergegangenen Gebräuchen. Kap. 5.

R 2(Ich260

(Ich finde dies Buch, wo von den Kirchentänzen Nachricht gegeben wird, ohne Angabe des Druck - orts und der Jahrzahl erwähnt.)

Gust. G. Zeltneri Dissert. de Choreis veter. Hebræor. Alt. 1726. 4.

Jo. Seb. Rentzii Dissert. de religiosis saltatio - nib. vet. Judæorum. Lips. 1738. 4.

Essay towards the history of Dancing. Lond. 1712. 12. (Ohne Anzeige d. Verf.)

Dan. le Roy Ordeelkundige Aanmerkingen over de Dansseryen zu der ouden, as lateren Volkeren. Rotterd. 1722. 8.

Pierre Bonnet Bourdelot histoire de la danse sacrée et profane, ses progrès, et ses révolutions depuis son origine jusqu’à présent Par. 1724. 12.

Octav. Ferrarii Dissert. de Mimis et Panto - mimis, im 2 ten B. von Sallengre’s Thes. S. 677 u. f.

Nic. Calliachii de ludis scenic. Mimor. ac Pantomim. syntagma. ebend. S. 699 u. f.

John Weaver history of the Mimes and Pan - tomimes with an historical account of several performers in dancing, living in the times of the Roman Emperors. Lond. 1728. 8.

Bou -261

Boulanger de Rivery Recherches historiques sur les Mimes et Pantomimes. Par. 1751. 12.

Claude François Menestrier des ballets anciens et modernes selon les regles du théa - tre. Paris. 1682. 8. S. auch Act. erud. 1683. S. 238. f.

l’Abbe du Parc Idée des Spectacles anc. et nouv. Paris. 1668. 12.

Art of dancing by Gallini. Lond. (ohne Anzeige der Jahrszahl).

Festin de Pierre Ballet Pantomime composé par Mr. Angiolini et representé à Vienne en Octob. 1761. Dieſe Beſchreibung iſt von H. Cal - zabigi.

D. Grünenberg disput. An liceat saltare?

Meletaon von der Nutzbarkeit des Tauzens.

Berends Tanzkunſt. 1713.

Bonin neueſte Art der galanten und theatraliſchen Tanzkunſt 1712.

Paſche’ns Beſchreibung wahrer Tanzkunſt, mit einer Vorrede von Borkmann. Leipz. 1713. (Paſche war Tanzmeiſter in Leipzig im Anfange dieſes [vori - gen] Jahrhunderts. Borkmann in Zerbſt. ) (alt 6 gr.)

* Lambranzi theutral. Tanzkunſt m. K. 1716. (alt 3 Thlr.)

* Hänſels Tanzkunſt. 1755. (alt 6 gr.)

Foi -262

Foinet Arbeau orchesographie, 1688.

Feuillet (Maitre de Danse à Paris) Chorégra - phie ou l’art d’écrire la danse par caracteres, figures et signes demonstratifs. 2. Ed. 1701. Deutſch in folgendem Werke:

Gottfried Taubert’s (Tanzmeiſter zu Leipzig) rechtſchaffener Tanzmeiſter, oder gründliche Erklä - rung u. ſ. w. u. ſ. w. u. ſ. w. Leipz. 1717. Ein dickes Buch von 1176 Seiten in 4 ohne Vorrede und Regiſter, mit mehr als 50 Kupfertafeln voll choregraphiſcher Figuren. (alt 2 Thlr.) (Ermüdend weikläuftig, von Gelehrſamkeit ſtrotzend, aber immer eins der vorzüglichern Werke).

C. Chr. Lange Anfangsgründe zur Tanzkunſt. (in der Mappemonde liter. ohne weitere Anzeige erwähnt).

Charles Pauli (maitre à danser à l’univ. de Leipsic) Elemens de la Danse. Leipzig 1756. 96 S. 8. (enthält ein kleines Wörterbuch von Be - nennungen, die in der Tanzkunſt vorkommen und manche gute Bemerkungen). (alt 8 gr.)

C. J. V. F Kunſt nach der Choregraphie zu tanzen und Tänze zu ſchreiben. Braunſchw. 1767. 56 Seiten. 8. (Ein ziemlich magerer Auszug aus Feuillet).

[C.263

[C. J. v. Feldtenſtein Erweiterungen der Kunſt nach der Choregraphie zu tanzen ꝛc. Braunſchw. 1772.]

Theod. Franzisk. Peterſen praktiſche Einlei - tung in die Choregraphie oder Tanzzeichnungskunſt, nach dem franzöſ. Original (welchem? Feuillet?) nebſt 12 engl. Tänzen. Erſt. Theil. 1791. Schles - wig. 84 S. 8. Angehängt ſind die Artikel Tanz u. Tanzkunſt aus Sulzer; ein ganz brauchbares Büchelchen für Liebhaber des geſellſchaftlichen Tan - zes. Rezenſirt Allg. Litt. Zeit. 1793. N. 355.

Noverre Lettres sur la danse et sur les ballets. Wien. 1767. 444 S. 8. (Ein Hauptbuch für den, der die höhere Tanzkunſt zu ſeinem Stu - dium macht.)

Joh. Georg Sulzer Allgem. Theorie der ſchö - nen Künſte in alphab. Ordnung. IV Th. Leipzig 1786. u. 87.

I. Theil; Artikel: Allemande. Ausdruck. Ballet. Bewegung. Bourree. Choregraphie. Ciaconne. Courante.

II. Th. Figur. Figuranten. Folie d’Espagne. Forlane. Gavotte. Geſellſchaftstänze. Gique. Hal - tung des Körpers.

III. Th. Loure. Menuet. Musette. Pantomi - me. Passacaille. Passepied. Pastoral. Polonoise.

IV. 264

IV. Th. Sarabande. Schritt. Stellung. Tanz. Tanzkunſt. Tanzſtück.

[Neuer Tanz - und Ballkalender für das Jahr 1801. Berlin, bei Johann Friedrich Unger; mit 13 Kupf. (6 gr.). Inhalt: Geſchichte der Tanzkunſt; Über die Philoſophie der Tanzkunſt ein Geſpräch; über alte und neue Bälle; über den Tanz, in patho - logiſcher Rückſicht; über Maskaraden; über Seil - tänzer; über den Tanz in Anatomiſcher Rückſicht; über Thiertänze; über den Tanz in pädagogiſcher Hinſicht; Tanzlieder. ] [jetzt bei Schade in Berlin.]

Schwingen.

Joh. Georg Paſchen kurze jedoch gründliche Be - ſchreibung des Voltiger. ꝛc. Halle in Sachſen, 1683.

Joh. Andreas Schmidt: gründlich lehrende Fecht - ſchule, nebſt einem curiöſen Unterricht vom Volti - giren und Ringen ꝛc. Nürnberg, 1749. Quer 8.

Alexander Doyle Auslegung der Veltagirkunſt. Nürnberg, 1729.

Fechten.

Der alten Fechter anfengliche Kunſt. Frankf. (ohne Jahreszahl).

Fechtkunſt, die ritterlich mennliche Kunſt und Hand - arbeit Fechtens und Kempfens. Frankf. 1558.

Trat -265

Trattato di Scienza d’arme; di M. Cam. Agrip - pa. in Venet. 1568.

Arte dell’Armi di Achille Marozzo Bolognese. In Venetia appresso Antonio Pinargenti. mdlxvii. gr. 4.

Die italiſchen Fechtbücher von Jacob Modonense, Guido Antonio und Lucano Bolognese ſind bald nachher geſchrieben.

Ragione di adoptas sicuramente l’arme, si de offesa, come da difesa. etc. di Giac. di Grassi in Venet. 1570.

Joach. Meyer gründliche Beſchreibung der freien ritterlichen und adelichen Kunſt des Fechtens u. ſ. w. Straßburg 1570 und Augsb. 1600 und 1660.

Dell arte di Scrimia Libri III. di M. Giov. dall Agocchie. in Venet. 1572.

Henr. a Gunterodt de veris principiis artis dimicatoriæ. Witteb. 1579.

Trattato dello Schermo d’Angelo Vizani dall Montone in Bologna, 1588.

Paradoxe of Defense wherein is proved the trave grounds of fight to be in the short an - cien Weapons and that the short Sward hath advantage of the long Sward, or lang Rapier; by George Silver. Lond. 1599.

Li -166[266]

Libro de las grandezas de la Espada por D. Luys Pacheco de Narvaez en Madrid. 1600.

Schola, o vero Teatro, nel quale sono rappre - sentate diverse maniere, e modi, di parare, e diferire di Spada sola et pugnale di Nico - lette Giganti in Venet. 1606. ed in Padoua 1628.

Scienta e practica d’arme di Salvatore Fa - bris in Copenh. 1606. Deutſch Leipz. 1677.

Scienza e practica d’arme di Salvatore Fabris, deutſch von Joh. Joach. Hymitzſchen. Leipzig 1713. bei Joh. Herbord Kloßen [auf jeder Seite ital. und deutſch.] Fol.

Des kunſtreichen und weitberümten Fechtmeiſters Sal - vatoris Fabri Italiäniſche Fechtkunſt. Leiden, bei Iſack Elzevier. Anno 1619. Fol.

Ein new künſtlich Fechtbuch im Rappier, zum Fechten und Balgen. u. ſ. w. durch Mich. Hundt. 1611.

Joach. Koppen newer Diskurs von der rittermä - ßigen und weitberühmten Kunſt des Fechtens u. ſ. w. 1619.

Hans Mich. Schöffer von Diez gründliche und eigentliche Beſchreibung der freien adelichen und rit - terlichen Fechtkunſt. Marpurg. 1620.

Oplomachia di Bonav. Pistofilo nella quale… etc. si tratta par via di Teorica e di Practicadell267dell maneggio e dell’uso delle armi in Siena 1621.

* Academie de l’Epée ou pratique du maniement des armes par Girard Thibauld. 1628 und 1668.

Jo. Salgen Kriegsübung u. ſ. w. den friſchan - fahenden Fechtern und Soldaten für erſt nützlich und nöthig zu wiſſen. 1637.

La Scherma di Francesco Jeronimo Alfieri. in Padoua. 1640.

L’arte di ben maneggiare la Spada di F. J. Al - fieri. in Padoua. 1653.

Kurze jedoch deutliche Beſchreibung, handelnd vom Fechten auf den Stoß und Hieb. Halle. 1661.

Jo. Ge. Trieglers neues künſtliches Fechtbuch. Leip - zig 1664.

Fecht-Ring - und Voltagir-Buch Leipz. 1673.

Jo. Ge. Bruchii grondige Beschryvinge van de edele en de ridderlyke Scherm - ofte Wa - pen - Konste. tot Amsterdam. 1676.

Der künſtliche Fechter, oder Theodori Verolini Be - ſchreibung des Fechtens im Rappier, Duſacken und Schwerdt. Würzburg, 1679.

Der Adelichen Gemüther Wohlerfahrne Exercitien Mei - ſter das iſt: vollſtändige Fecht -, Ring - und Voul -te -268tesier-Kunſt. von Joh. Georg Paſchen. Frankf. und Leipz. bei Kriſtian Weidemannen, 1683. Fol.

Le Maitre d’Armes, ou l’exercice de l’Epée seule, dans sa perfection, par le Sieur de Lian - cour à Paris et à Amsterd. 1692.

Alexander Doyle Neu altmodiſche ritterliche Fecht - und Schirmkunſt. Nürnb. und Frkf. 1715.

Anton Friedrich Kahn, Oberfechtmeiſter zu Helm - ſtädt [erſt zu Göttingen, Schüler des Kreusler in Jena][Anfangsgründe] der Fechtkunſt. Göttingen 1739. 4.

Neue Ausgabe, Helmſtädt 1761. 4.

L’academie de l’homme d’epée etc. par Ms. Gi - rard. A. la Haye. 1740 und 1755. Quer Fol.

Jo. Andreas Schmidt gründlich lehrende Fechtſchule, oder leichte Anweiſung auf Stoß und Hieb ſicher zu fechten, nebſt einem curieuſen Unterricht vom Voltigiren und Ringen, mit viel ſaubern dazu dien - lichen Kupfern verſehen. Nürnb. 1749. Quer 8. [ſ. Schwingen.]

L’école des armes par Angelo à Londres. 1758. Quer Fol.

Übungen auf dem fürſtl. Sächſiſchen Hoffechtboden zu Weimar. Verb. und verm. Auflage. Weimar, 1764. 8. [v. Hauptm. S. C. F. Weiſchner.]

Weiſch -269

Weiſchner ritterliche Geſchicklichkeit im Fechten. Weim. 1766.

Traité de l’art des Armes, par de la Boissiere. Paris 1766.

Gme Danet L’art des armes, ou la maniere la plus certaine de se servir utilement de l’E - pée; à Paris chez Herissant. 1766. 2 Theile.

Heinr. Chriſtoph Ranis Anweiſung zur Fechtkunſt. Berlin bei Mylius, 1771.

Theorie pratique de l’escrim pour la pointe seule, avec des Remarques instructives pour l’assant par Battier. 12. Paris. 1772.

The Fencers Guide, by Lonnergan. 8. London 1772.

Maximes et Instructions sur l’art de tirer des armes, par le Chev. de Treville. 8. Peters - bourg 1775.

Temlich’s Anfangsgründe der Fechtkunſt. 8. Halle 1776.

Veſter’s Anleitung zur adelichen Fechtkunſt. 8. Bres - lau 1777.

Nouveau Traité de l’art des armes, dans le quel on établit les principes certains de cet art et ou l’on enseîgne les moyens les plus simples de les mettre en pratique, par Demeuse. 12. Liege 1778.

Tre -270

Treatise on the theory and practice of Fencing, by M. Arthur. 4. London 1781.

Joh. Georg Heinrich Haspelmacher’s ſyſtemati - ſche Abhandlung von den ſchädlichen Folgen einer nicht auf ſichern Regeln gegründeten Fechtkunſt, nebſt einer Anweiſung, wie man ſolche vermeiden kann. Helmſtädt bei Joh. Heinr. Kühnlin. 1783.

Flüchtige Bemerkungen über die verſchiedene Art zu fech - ten einiger Univerſitäten von einem fleißigen Beo - bachter, Halle 1791.

Gründliche Abhandlung der Fechtkunſt auf den Hieb zu Fuß und zu Pferde mit Kupf. v. Karl Timlich. Wien, 1796. 4.

Schmidts Lehrſchule der Fechtkunſt. 1 Theil, oder Lehr - buch für die Gavallerie zum vortheilhaften Ge - brauch des Säbels. 4. Berlin 1797.

Die Fechtkunſt auf Univerſitäten mit Kupf. 8. Köthen bei Aue.

Art of Defense on foot with the broad Sword and sabre, uniting the Scotch and Austrians methods into one regular System, to which are added Remarks on the spadroon. 8. Lon - don 1798.

Gründliche und vollſtändige Anweiſung in der Deutſchen Fechtkunſt auf Stoß und Hieb aus ihren innerſten Geheimniſſen wiſſenſchaftlich erläutert u. ſ. w. mitKupf.271Kupf. Jena in Wolfgang Stahl’s Buchhandlung. 1798. (v. Roux.)

Grundriß der Fechtkunſt als gymnaſtiſche Übung betrach - tet. v. Joh. Adolf Karl Roux. Jena 1798. 8.

Theoretiſch praktiſche Anweiſung über das Hiebfechten v. Joh. Adolf Karl Roux. Furth. 1803. 8.

Anleitung zur Fechtkunſt von Dr. Joh. Wilh. Roux. Erſtes Bändchen, die Anleitung zum Stoß enthal - tend; mit 10 Kupf. Jena 1808. 4.

Die Fechtkunſt auf Stoß und Hieb von Venturini. Braunſchweig 1802.

Abhandlung der Fechtkunſt auf den Stoß, mit choro - graphiſchen Kupfertafeln von Ch. C. Timlich. Wien 1807. 12.

Turnkunde.

Vieth (Encyclopædie der Leibesübungen) handelt im 1 ſten Theil nur von einer allgemeinen Turnkunde. Aus den ſeitdem (1794) in Deutſchland erſchienenen oder ins Deutſche überſetzten Reiſebeſchteibungen und andern Schriften zur Länder - und Völkerkunde iſt nun Manches nachzutragen.

Chriſt. Gottlob Haltaus Jahrzeitbuch der Deut - ſchen des Mittelalters ꝛc. In einer freien Überſe - tzung mit vielen Zuſätzen und Berichtigungen aus den ältern und neuern Zeiten dargeſtellt. Erlangenbei272bei Joh. Jacob Palm. 1797. (1 Thlr. 8 gr.). [Hier findet ſich viel von eingegangenen und aufgehobenen Jugend - und Volksfeſten.]

Kinder - und Knabenfeſte waren ſonſt ſehr häufig. Joh. Guil. Stuckii Antiquitatum couvivialium Lib. III. Amſterdam, 1695; erzählt Lib. I. Cap. XVII, daß zu ſeiner Zeit die Baſeler Jugend am Georgstag mit kriegriſchem Spiel zum Thor hinaus auf ein raumes und luſtiges Feld zog, und dort einige Stunden lang um ausgeſetzte Preiſe im Laufen, Ringen, Schießen und andern Übungen wett - turnte. Gleichfalls verſammelte ſich die Züricher Jugen von ſämmtlichen Schulen ſammt ihren Leh - rern alle Sommer ein Mal auf einer Aue unter Trommel - und Pfeifen-Klang, hielt erſt ein fröhli - ches Turnſpiel, und dann zuſammen ein Mahl. Milch und Brot waren hier die Hauptgerichte. Des - halb hieß dies Jugendfeſt: In die Milch ziehen. Damals hatte die Berner Jugend ein Feſt, was Tiſchlintag genannt wurde. Zu Salzwedel in der Altmark hielten noch in den 90. Jahren die Schüler aus den obern Ordnungen von der dorti - gen gelehrten Schule allſommerlich eine Waldfahrt nach dem Ferchauer Eichenwalde. Nachher ſoll es in ein Kneiplaufen zum Hannöveriſchen Städt - chen Wuſtrow verzierbengelt ſein. In Hamburgnach273nach Richey (Idioticon, Hamburg. 1743.): In’t Grön gahn (ins Grün gehn), das Sommerfeſt der Schulkinder, da ihnen ein gewiſſer Tag zu ihrer Erluſtigung im Grünen feſtgeſetzt wird.

Graal, laute Fröhlichkeit und freudiges Getümmel, hieß ſonſt ein Feſt, was nach Rethmeier Braunſchwei - giſcher Kirchenchronik all ſieben Jahr vor der Stadt Braunſchweig auf dem Lindenberg gefeiert wurde. Pomarius Magdeburgiſche Chro - nik beſchreibt unter dem 25ten Erzbiſchof einen Turniergraal. Siehe Friſch Wörterbuch unter Gral. Dem ähnlich heißt in manchen Städten, namentlich in Mecklenburgiſch Friedland, Mahl und Tanz nach dem Königsſchießen Königs Häge (Hag, Behagen).

Bei Wittenberg auf der Bleſerſchen Wieſe ward ſonſt nach der Heuärnte ein großes Wettrennen gehalten, wo auch flinke aufgeſchürzte Dirnen um den Preis liefen.

Fiſcherſtechen bei Kröllwitz auf der Saale, dem Giebichenſtein gegenüber.

Maſtklettern noch ſeht im Gange, auch in Schön - feld bei Leipzig.

Wettreiten, ſonſt ſehr üblich auf dem Lande im Braudenburgiſchen. Der letzte heißt NeſtlingSund274und wird in weidene Gerten eingeflochten, auf den Hof ſeines Herrn gebracht.

Wettreiten und Schlagen mit einem Prügel nach einer hochhangenden Tonne, die mit Steinen gefüllt iſt im Brandenburgiſchen und Pommern. Sehr gewöhnlich in den Zeiten von Derflinger, Seid - litz und Ziethen.

Wettläuten, beſonders eine Art das Beiern beim Einläuten der Feſte, im Brandenburgiſchen.

Ball geben im Magdeburgiſchen, auch im Branden - burgiſchen, ein alter Brauch. Siehe deutſche Mo - natsſchrift, 1794 und Campens Verdeutſchungswör - terbuch unter Ball.

Tummelhaus, jetzt Tollhaus zu Sora[u]in der Nie - derlauſitz.

Quäſte zu Quäſtenberg im Harz an der goldenen Aue, eine Stunde von Bennungen, ſonſt alle Jahre, jetzt aus leidiger Knikkerei nur ein Jahr ums andere am dritten Pfingſttage. Die Jünglinge des Dorfs dürfen ſich nach uraltem Recht die größeſte Eiche im Forſt ausſuchen und abhauen. Dieſen Baum bringen ſie nun durch Walzen, Ziehen und Heben der bloßen Hände, ohne Hebebäume und Seile den höchſten Berg hinan, der die alten Burg - trümmer überhöht. Auf der Berges Spitze wird der Baum aufgerichtet, an einem Querholz ein gro -ßer275ßer Kranz von grünen Zweigen (Quäſte) daran auf - gehangen. Dann wird einige Mal um den Baum getanzt, und im feierlichen Zuge mit klingendem Spiele zum Prediger hinabgezogen, der darauf in der Kir - che eine Predigt hält. Nachher bis tief in die Nacht Tanz, Geſang und Gelag. Siehe: Reiſe durch den Harz und die Heſſiſchen Lande, beſonders in Hin - ſicht auf Naturſchönheiten, Anbau und Alterthümer. Braunſchweig 1797. (20 gr.). Volksſagen vom Harz nacherzählt von Ottmar [Nachtigall]. Bremen [jetzt Frankfurth am Main] bei Willmans. Friedrich Gottſchalk Taſchenbuch für Reiſende in den Harz.

Turnkunſt der Dithmarſen. Siehe Dithmarſiſche Chronik ꝛc. durch M. Ant. Heinrich Walthern. Schleß - wig. gedruckt durch Johan Holwein, 1683. Im Jahr 1533 iſt zu Büſen Dirk Dammers im 103ten Jahr ſeines Alters geſtorben, welcher zu ſeiner Zeit der ſtärkſte in Dithmarſen geweſen; der zum Süderdiek 16 Tonnen Weizen für ſich auf die Hände genommen, und auf den Boden gewor - fen, und damit denſelben gewonnen ; der in Städten und Ländern den Stein und Baum acht Fuß höher und weiter werfen konnte als alle andere, und der eines mal dem Lande große Ehre eingelegt, als die Bevollmächtigten des Lan - des mit dem Fürſten von Hollſtein auf dem Kuck -S 2wall276 wall einen Tag gehalten, und er nach vollendeter Handlung einen ſehr ſtarken Mann, der ſich ſon - derlich ſeiner Stärke gerühmet, und auf den die Holſten feſt getrotzet, hat im Ringen überwunden und ihn über das Mal oder Ziel mit zwei Fingern gezogen, weil dem Volke gemeiniglich zwei Finger krumm in der Hand liegen, und als der Holſte ge - ſagt: Gieb mir die ganze Hand hat er geant - wortet: Neen, du bist so fahrlik; rit’st du mi twe Finger ut, so will ik noch twe behol - den, dar ik Kohl mit eten kann. [Nein, Du biſt ſo gefährlich; reißeſt Du mir zwei Finger aus, ſo will ich noch zwei behalten, daß ich Kohl damit eſſen kann.] Und weil beide Theile, ein jeder bei ſeinem Mann, drei Ahmen aufgeſetzet, als ſein dieſelben ausgetrunken, und von den Holſten gezah - let worden.

Kale Mertens Johann iſt ſo ſtark gewe - ſen, daß er den Notarium Johann Bolt, welcher ein dicker und ſtarker Mann geweſen, auf die Hand genommen, und von der Erden auf den Tiſch ge - ſetzet dergleichen er auch gethan bei Lange Jo - hann von Barlte, dem allerlängſten in Dithmar - ſchen. Er hat zwei Tonnen Hamburger Bier in beide Hände nehmen und tragen können, hat auch dritthalb Tonnen Bier zugleich können tragen, der -glei -277 gleichen noch Peter Block zu Herſebull im Nord - ſtrande weiland thun können. Er hat es in Ham - burg allen im Baumſchießen und Steinwer - fen vorgethan, hat eine leere Tonne über Süwels Bartels Haus geworfen. In ſeinem Alter hat er eine Tonne Salz zwiſchen beiden Händen aufge - richtet, dieſelbe auf einer Hand im Hauſe herum - getragen, und beim Feuer niedergeſetzet hat auch kurz vor ſeinem Ende einen Stein auf dem Kirchhofe, daran vier ſtarke Männer mit Bäumen gearbeitet, aus einer Kuhlen gehoben. Sonſt iſt er ein frommer Mann geweſen, der M Henning Müh - len in ſeinen Letzten bekannt, daß er ſeine Tage nichts zu heben vorgenommen, ſo ihm gefehlet hätte. Den 9ten Februar 1578 iſt er geſtorben.

Reigen und Tänze der alten Dithmarſen. Siehe Viethens Beſchreibung und Geſchichte des Landes Dithmarſchen. Hamburg 1733. 4. Seite 107 wird hier etwas Oberflächliches über die Dithmarſi - ſchen Tänze und Tanzlieder gemeldet, und dann fol - gen vier Lieder in Saſſiſcher Mundart, die man gewöhnlich ganz unrichtig Plattdeutſch nennt.

Beiträge zur Gymnastik der Schweizer giebt Stalder in den Fragmenten über Entlebuch. Zweit. Th. Seite 183 354.

Über die Volksvergnügungen in Pommern,von278von Friedrich Rühs, in der Zeitſchrift: Eurynome und Nemesis; Stettin 1806 1807 1808.

Fechtergeſellſchaften gab es ſonſt in Deutſchland zwei uralte von Kaiſern beſtätigt eund bevorrechtete: die Geſellſchaft von St. Marcus von Löwenberg, und die Geſellſchaft der Freifechter von der Feder von Greifenfels. Jene hatten den heiligen Markus, dieſe den heilgen Veit zum Schutzheiligen. Der erſten Hauptmann war nebſt der Lade und den Ur - kunden in Frankfurth am Main, der andern aber nebſt Lade und Urkunden in Prag. Der Oberhaupt - mann beider Geſellſchaften war beſtändig im Kai - ſerlichen Hoflager, als ihr Vertreter und Anwalt. Die Mitglieder beider Geſellſchaften führten durchge - hends gleiche Waffen, mußten das Ringen und Schwingen verſtehen, hielten gleichen Fechtbrauch und hatten gleiche Fecht - und Ringgeſetze, wo - nach Augenſtoß, Bein - und Armbruch und Schäftſtoß d. h. nach dem männlichen Gliede ver - boten war. Wer ſich nicht in die Geſetze und den Brauch fügte, auch nicht mit reinen Stößen und Schlägen nach redlicher Fechter Weiſe umging, ward nicht für tüchtig und zunftmäßig geachtet, ſondern als ein grauſamer und tückiſcher Lux (Luchs von lugen) angeſehen und Luxbruder (wälſch Natu - ralist) genannt. Ein Luxbruder konnte in keinerFech -279Fechtergeſellſchaft Geſell und Meiſter werden, durfte keine Fechtſchule halten oder andere Übungen als Lehrmeiſter treiben; doch geſtatteten beide Geſellſchaf - ten, daß ſich Luxbrüder mit ihnen auf Hieb und Stoß ſchlugen. Wer Meiſter werden wollte, wurde in öffentlicher und freier Fechtſchul den anweſenden Brüdern vorgeſtellt, die ihn dann in allen ritterli - chen Gewehren, von der kürzeſten zur längſten und von der längſten bis zur kürzeſten Wehre nach ihrer beſten Kunſt und ihrem beſten Vermögen probten und verſuchten. Wenn er ſich dann ehrlich und wehrlich, redlich und männlich gegen ſeine Gegner gehalten und ihnen auch aus allen ritterlichen Ge - wehren der Kunſt gemäß genug gethan, ſo wurden ſie vom Hauptmann gefragt: ob ſie den gegenwär - tigen für einen ehrlichen Meiſter des Schwerts erkennen wollten? Antworteten ſie ſämmtlich Ja ſo wurde der ehrenfeſte und mannhafte weil er die ritterliche und adeliche Kunſt des Fechtens aufrichtig und ehrlich erlernt, und um ſeiner wohlbeſtandenen Fechtkunſt Wil - len, woran jedermännlich Wohlgefallen gehabt und getragen zu einem angelobigen Meiſter des Schwerts geſchlagen. Zuvor mußte er aber mit einen Eid angeloben und ſchwö - ren: allen Geſetzen, ſo ſich bei der Meiſterdes280des Schwerts Freiheit befinden, treu und ehrlich nachzukommen, und denſelben nicht widerſetzen oder widerſtreiten, noch viel weniger einem andern Anlaß dazu geben. Solcher Meiſter konnte laut kaiſerlicher Bevorrech - tung den Degen an der Seite und die Feder auf dem Hute tragen, ritterliche Übungen gleich den Ade - lichen treiben, auch zu Pferde turniren, aller Orten unter Erlaubniß der Orts Obrigkeit Fechtſchu - len halten, und ihre Geſchicklichkeit öffentlich ſehen laſſen.

Die Geſellſchaft der Markusbrüder war die älte - ſte, die der Freifechter wurde die am meiſten ver - breitete. Gemeiniglich waren den Freifechtern zugethan: Drathzieher, Drechsler, Färber, Feuer - mauerkehrer, Gürtler, Hutmacher, Klipper oder Klämpner, Meſſerſchmiede, Nadler, Schloſſer, Schnei - der, Schuhmacher, Seiler, Uhrmacher, Windenmacher und Zinngießer. Marcusbrüder hingegen waren mehr: Bäcker, Feilenhauer, Hammerſchmiede, Kirſch - ner, Posementirer, Rothgießer, Schellenmacher, Sägenſchmiede und Tuchmacher.

Beide Geſellſchaften hielten ſehr auf Ehre, Zucht, Sitte, Treu und Glauben. Wer dawider frevelte, wider Verbot mörderlich Gewehr brauchte, oder da - mit verletzte; muthwillig Schulden machte und nichtbe -281hezahlte; überhaupt etwas beging, was ihm und der ganzen Geſellſchaft zu Schimpf und Schande gereichte: der wurde für einen untüchtigen Meiſter erkannt. Ihm wurde das Schwert öffentlich gelegt, und er ſo aus der Rolle einer löblichen Zunft ausgelöſchet und getilget. Siehe Gottfried Rudolph Pommer’s eigentl. Bugen - hagen Sammlung hiſtoriſcher und geographiſcher Merk - würdigkeiten, nach des Verfaſſers Tode herausgegeben von Abraham Gotthelf Käſtner. Altenburg bei Richter, 1752. Hier ſteht ein Meiſterbrief eines Fechters von St. Marco und Löwenberg ertheilt: Danzig den 22ſten Junius 1682; ferner ein Lehrbrief eines Frey - fechters: Mainz den 27ſten Januar 1719 und noch einer: Prag den 15ten Junius 1735.

In Augsburg hatte Burgemeiſter und Rath die Ordnung der Fechtſchulen dieſer Geſellſchaften in den Jahren 1568, 1596 und 1611 beſtätiget. Sie hielten ihre Schulen für gewöhnlich im Tanzhaus. Als dieſes 1632 abbrannte, gab Konrad Bodenehr Bürger und Methſieder 1637 Hof und Stadel dazu her. Boden - ehr ließ 1651 den Stadel zu einer Schaubühne einrich - ten, aber 1661 verkaufte er Gebäude, Schaubühne und Fechtſchule zugleich mit der erlangten Gerechtigkeit an das ältere Almosen (Armenpflegamt), wobei aber die Fechterübungen fortdauerten. Die Fechtſchule wurde baufällig und im Jahr 1776 bei Erbauung eines neuenSchau -282Schauſpielhauſes gänzlich abgetragen. Der Turnfeind und allen männlichen Leibesübungen abholde Paul von Stetten der jüngere, in ſeiner Kunſt-Gewerb - und Hand - werksgeſchichte der Reichsſtadt Augsburg (Augsburg 1779), kann darüber ſeine Freude nicht bergen.

Über die Fechtſchulen in Nürnberg meldet [Will’s] Historischdiplomatiſches Magazin für das Vaterland. Nürnberg 1780 1782 (2ter Band S. 513): Wenn die Fechtſchulen zu Nürnberg aufgekommen, iſt ſo genau nicht zu ſagen. Über das 16te Jahrhundert gehen ſie wohl nicht hinaus. Aber in der erſten Hälfte deſ - ſelben zwiſchen 1500 und 1550 ſind ſie gewiß ſchon gehalten worden. 1561 ſind ſie wieder erlaubet und die erſte Endreßen Stengel, einem Schuhmacher, ver - williget worden, nachdem man 10 Jahre vorher und ſeit dem Markgräfiſchen Krieg keine Fechtſchule zu Nürnberg geſehen. Sie ſind auf dem Egidier Hof, im Heilsbrunner Hof und in Gaſthöfen gehalten wor - den, bis man endlich 1623 das Fechthaus erbauet, welches noch ſtehet und vornehmlich zu dieſem, ſo wie nachgehends zu allen andern Spectakeln gebraucht wurde. Was ſich in den Müllneriſchen Annalen und ſonſt findet, iſt außer dem bereits angezeigten folgen - des. 1576 wurde eine Fechtſchule auf St. Egidien Hof gehalten. 1582 hat ein berühmter Meiſter des langen Schwerts, Melchior von Hahn genannt, ſeinesHand -283 Handwerks ein Kürſchner zu Nürnberg, Fechtſchule gehalten, zu welcher unverſehens etliche Sächſiſche Trabanten gekommen, die ihm zwar heftig zugeſetzet, ihn aber doch nicht haben verletzen können. Es war dies eine ſehr tapfere Fechtſchule, dergleichen in vielen Jahren zu Nürnberg nicht geſehen worden. 1585 ſind die Fechtſchulen wegen Sterbeläufte verboten, und 1593 wieder eine auf dem Egidier Hof gehalten wor - den. 1691 den 20ten Jul. ſind die Fechtſchulen durch ein Mandat verboten worden, weis aber nicht aus welcher Urſache. Denn ſie dauerten doch noch, und erinnere ich mich, daß ſich in der erſten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts noch Klopf - und Feder - fechter im Fechthauſe haben ſehen laſſen.

Neben dieſen Fechtergeſellſchaften aus dem Bürger - und Handwerker-Stande blühte die Fechtkunſt auf hohen Schulen. Hier wurde leider aus nichtiger Vornehm - thuerei, und um den Götzen des Franzoſenthums zu fröhnen, die Kunſtſprache verfälſcht und verwälſcht. Aus - ländiſche Brocken und Flicken verlappten das Ganze, bis es als etwas Entlehntes ausſah; Kreusler, Vater und Sohn, haben wenigſtens die Deutſche Fechtkunſt auf den Stoß in der Werkthätigkeit erhalten. Ihre Schüler haben in allen Landen das Übergewicht der Deutſchen Fechtkunſt herrlich gewieſen, und durch ſie ſo obgeſiegt, daß einſt in Paris keiner als Fechtmeiſterbe -284beſtallt wurde, er habe denn zuvor mit einem dort leben - den Deutſchen, einem Schüler von Kreusler, einige Gänge gemacht, und ihn zu beſtehen gewagt. Das ganze 17te Jahrhundert hatte Deutſchland die erſten Fechtmeiſter, unter denen Heinrich von und zum Velde einer der hochberühmteſten. Er war 1585 auf der Juſel Rügen geboren, und ſtarb 1662 zu Leipzig, des Stifts St. Petri Pauli zu Magdeburg Senior. Einer ſeiner Schüler war Joh Joachim Heyuitzſch aus Nordhauſen, 1713 noch Fechtmeiſter zu Leipzig. Ein Zeit-Kunſt - und Ruhmgenoſſe von ihm war Hans Wulf von Mulßheim in Straßburg, deſſen Schüler ſich in alle Lande mit Lob ausbreiteten. Aber ſie reich - ten alle nicht an Kreusler. Einſt kam er unerkannt nach Dresden, und ging als Fremder auf den Fecht - ſaal der Edelknaben wo ihn König Auguſt der Starke aufforderte mit ihm zu fechten. Aber gleich nach dem erſten Gange warf der König hoch erfreut den Fechtel fort, und grüßte ihn: Du biſt Kreusler oder der Teufel. Von allen dieſen Dingen ſcheint Joh. Gottfried Hoyer nichts gewußt zu haben. Unmög - lich hätte er ſonſt in ſeiner Geſchichte der Kriegskunſt. Göttingen 1799 (2ten B. S. 104) vom Fechten ſchrei - ben können: weniger Geſchmack hingegen fand der Deutſche an einer Leibesübung, die eine viel größere Beweglichkeit des Körpers erforderte, als ihm zu erlan -gen285 gen möglich war. Hier blieb die Fechtkunſt ein aus - ſchließliches Vorrecht der Officiere und des Adels, der auf den [Ritter -] Academien und in den Ca - detten-Häuſern darin [nur nach Franzöſiſcher Art] unterwieſen ward und bei dem ſie ſich bekanntlich bis auf unſere Zeiten [ſo nothdürftig] erhalten hat. [daß bis auf den Aufruf des Königs von Preußen im Jahr 1813 ſich keiner vom Wehrſtande mit Mitgliedern hoher Schulen gern auf die Klinge ſchlug, ſondern weit lieber ſchoß.]

Merkwürdig bleibt es, daß ein altdeutſches Wort, nämlich Schirm, was bei Ottfried Scirmu, bei Not - ker Skerm, im Nibelungenliede Scherm lautet, wo es an allen drei Orten den Schild bedeutet, mit Schir - men oder ſich ſchilden, decken, ſchützen, vertheidigen in Römiſche Tochterſprachen übergegangen iſt. Im Itali - ſchen: Schermo, Scherma, schermare, scrimiare, schermire, für Schild, Fechtkunſt, fechten. Im Fran - zöſiſchen: Escrime, escrimer, escrimeur für Fecht - kunſt, fechten und Fechter. Auch ins Slawiſche hat ſich die Deutſche Wurzel verbreitet z. B. im Böhmi - ſchen iſt Shermyr Fechter und Kämpfer. In den Deutſchen Geſchwiſterſprachen hat das Urwort Verwandte Scherm-School im Niederländiſchen Fechtſchu[f]e. Im Engliſchen Skirmish Gefecht, Streit, Schlägerei, und Skirmish im Handgemenge ſtreiten, wie unſer ſcharmü - tzeln. Im Schwediſchen Skärma, früher Skirma fechten.

II. Er -286

II. Erklaͤrung von dem Plane eines Turnplatzes

auf

Platte I.

I. 10 F. breiter Raum zur Umgränzung (mit Schranken, Bäumen, Hecken u. ſ. w.).

II. Einfahrt und Eingang, 15 F. breit.

III. Gänge, theils 5 F., theils 10 F. breit.

IV. die Rennbahn, 400 F. lang, 30 F. breit. a. Stand. b. Ziel.

V. die Schlängelbahn, in einem Platz von 70 F. Länge und 30 F. Breite.

VI. in einem Platz von 80 F. L. und 40 F. Br: a. Stabſpringel. b. Freiſpringel.

VII. in einem Platz von 90 F. L., und 40 F. Br:

  • a. Großer
  • b. Kleiner
Springgraben.

c. Vorrichtung zum Tiefenſprung.

VIII. 287

VIII. Schwingplatz, v. 240 F. L. und 40 F. Br.

  • a. Schwingel ohne
  • b. Schwingel mit
Pauſchen.

IX. Schwebeplatz, v. 80 F. L. und 30 F. Br.

  • a. Großer
  • b. Kleiner
Schwebebaum.

c. Liegebaum.

X. Reckplatz, v. 200 F. L. und 30 F. Br.

XI. Barrenplatz, v. 120 F. L. und 30 F. Br.

XII. Kletterplatz, v. 135 F. L. und 40 F. Br. a. Klettermaſte. b. Zweibaum. c. Einbaum. d. Vierbaum. e. Klimmel. f. Hangelreck.

XIII. Platz von 230 F. L. und 40 F. Br. a. Gerwurfbahn. b. Ziehbahn.

XIV. Platz zum Schocken v. 130. F. L. und 60 F. Br. a. Ziel der Schockbahn. b. Schott (Kugelfang). c. Kleiner Wall.

XV. Stoßbahn, v. 40 F. L. und 30 F. Br. a. Stand. b. Kleiner Wall.

XVI. 288

XVI. Platz zu den Seilübungen, von 60 F. L. und 60 F. Br: a. a. Plätze zum langen Schwungſeil, jeder 30 F. L. und 30 F. Br. b. Platz zum kurzen Seil, 60 F. L. und 30 F. Br.

XVII. Ringplatz, v. 60. F. L. und 60 F. Br.

XVIII. Vorübungsplatz, v. 60 F. L. und 40 F. Br.

XIX. Spielplatz v. 120 F. L. und 120 F. Br. a. a. die Male.

XX. Platz von 150 F. L. und 50 F. Br: a. der Tie (50 F. l. und 50 F. breit);[]Dingſtatt (Rechteck von 12 Fuß); b. der Schuppen (40 F. l. und 20 F. tief. ) c. Kleidergeſtelle.

:::::: bezeichnet die Anläufe.

About this transcription

TextDie deutsche Turnkunst zur Einrichtung der Turnplätze
Author Friedrich Ludwig Jahn; Ernst Wilhelm Bernhard Eiselen
Extent365 images; 51957 tokens; 10394 types; 354191 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationDie deutsche Turnkunst zur Einrichtung der Turnplätze Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Wilhelm Bernhard Eiselen. . LXIV, 288 S. SelbstverlagBerlin1816.

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Zentral- und Landesbibliothek Berlin Berlin ZLB, B 980 Tur 3

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationFachtext; Pädagogik; Gebrauchsliteratur; Pädagogik; core; ready; china

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