Indem mein Sohn Eduard, als Zoolog der Expedition, sich viel mit den Meerthieren und deren örtlichem Vorkommen beschäftigte, liess er dabei die Meerpflanzen, für welche er schon früher, durch mein Beispiel angeregt, Interesse gewonnen hatte, nicht unberücksichtigt; sein oftmaliger Zimmergenosse, Otto Schottmüller (gestorben den 1. December 1864 zu Berlin), welcher im Interesse der botani - schen Gärten die Reise mitmachte, unterstützte ihn hierin vielfach. und diesem verdanken wir namentlich alle im nördlichsten China und den grösseren Theil der bei Nangasaki gesammelten Algen, da die Fregatte Thetis die erstere Gegend gar nicht, den zweiten Ort nur auf kürzere Zeit besuchte.
Einige weiteren Algen lieferten der vorzugsweise von den Landpflanzen in Anspruch genommene Botaniker der Expedition, Herr Regierungsrath Wichura, und der Geognost Freiherr von Richthofen.
In der hier folgenden Zusammenstellung des Gesammelten sind die Namen der einzelnen Finder durch ihre Anfangsbuchstaben angedeutet.
Geordnet und benannt habe ich die ganze Sammlung, bei aller Achtung für die verdienstvollen Arbeiten der berühmten Algologen Jacob Agardh, Camille Montagne und Wilhelm Harvey, nach des unermüdlich thätigen Professors Fr. Tr. Kützing Species Algarum, Lipsiae 1849, 8., als dem letzten und vollständigsten, das ganze Reich der Algen umfassenden Werke, wobei ich mich des thätigen Beistandes meines scharfsichtigen und geistreichen Freundes, Finanzrath Gustav Zeller, erfreuen durfte.
Die reiche Ausbeute aus der grossen Unterclasse der Diatomeen wurde einem anderen Bearbeiter anvertraut, die zweifelhaften Myco - phyceen und die beinahe ausschliesslich im süssen Wasser lebenden Chamaephyceen blieben aus dem einfachen Grunde weg, weil nichts in diese beiden Unterordnungen Gehöriges mitgebracht wurde.
Cladophora rupestris L., Kg. S. Cladostephus Myriophyllum Ag. M. S. Ozothallia vulgaris Decaisne (Fucodium nodosum J. Ag.) M. S. Fucus serratus L. S. Halidrys siliquosa Lyngbye M. S. Corallina officinalis L. M. Jania corniculata L., Lamouroux. M. S. Chondrus crispus δ patens Turn. M. — — η lacerus Turn. S. Furcellaria fastigiata Lx. M. Sphaerococcus palmatus L., Kg. (Rhodymenia palmata Gre - ville), an den Needles der Insel Wight, M. — — δ marginifer Ag. M. Phyllotylus membranifolius Goods., Kg. (Phyllophora mem - branifolia J. Ag.) M. Halopitys pinastroides Gmel., Kg. Phyllacantha fibrosa Huds., Kg. Brook auf Wight.
Nur dreizehn Meergewächse aus einer der durchforschtesten Gegenden der Erde, aber hinreichend, um selbst am südlichsten England den nordischen Charakter der britischen Algenflora hervor - zuheben.
Während mehr als die Hälfte dieser Algen bis über den Polarkreis hinaufgeht, befinden sich die meisten schon in der Nähe ihrer südlichen Gränze; Cladophora rupestris, Ozothallia vulgaris, Fucus serratus, Halidrys siliquosa, Corallina officinalis, Chondrus crispus und Furcellaria fastigiata gedeihen noch an Finnmarkens beeisten Küsten, der essbare Sphaerococcus palmatus sogar an5Tange von Portsmouth und Madeira.denen von Spitzbergen. Phyllotylus membranifolius findet sich noch bei Island, Halopitys pinastroides an den Faröern.
Nur zwei, Cladostephus Myriophyllum und Jania corniculata, haben schon in Grossbritannien ihre Nordgränze, während nach Süden zwar alle noch an der gegenüberliegenden Küste Frankreichs gedeihen, aber beinahe die Hälfte, Cladophora rupestris, Fucus serratus, Furcellaria fastigiata, Sphaerococcus palmatus und Phyllo - tylus membranifolius, die Mündung der Garonne nicht überschreitet.
Halidrys siliquosa und Jania corniculata erhielt ich von Biariz, Ozothallia vulgaris auch von den Azoren, den gebleicht unter seinem irischen Namen Carrageen in die Apotheken wandernden Chondrus crispus gibt Turner bei Gibraltar an, aber nur drei, Cladostephus Myriophyllum, Corallina officinalis und Halopitys pinastroides, treten in das mittelländische Meer ein, keine erreicht die kanarischen Inseln.
Madeira (Funchal 32° 38′ N. Br., 16° 56′ W. L.), die erste Station der Reise, lieferte eben so viele, aber lauter andere Algen: Phycoseris lobata Kg., in der Zone der Corallina, M. Enteromorpha complanata Kg., M. und — Jürgensii Kg., M., beide bei San Vincente, an der Nord - seite der Insel, während der Ebbe im Trocknen. — fucicola Kg., M. und Valonia incrustans Kg., beide daselbst die Patellen über - ziehend. Cystosira pumila Mont., nur drei Zoll lang, obgleich voll Früchte, M. Trichoceras pubescens Kg. Funchal an der folgenden, M. Corallina Calvadosii Lx., M. Caulacanthus fastigiatus Kg., M. Gelidium corneum π heterophyllum Clemente, M. Polysiphonia obscura J. Ag. San Vincente, M. Laurencia pinnatifida Gmel., Lx., daselbst, M. Lomentaria articulata Huds., Lgb., ebendaselbst, M.
Die genannten Florideen, so wie die kleine Cystosira, fanden sich alle in der Nähe des tiefsten Wasserstandes, an Klippen, am zahlreichsten und geselligsten die Corallina.
Während man von den Azoren, vorzüglich durch Karl6Früher bekannte Tange von Madeira.Hochstetter’s, in Seubert’s Flora azorica, Bonnae 1844, 4., ver - öffentlichte Sammlungen, 48 Algenarten kennt, kannte man bisher von dem vielbesuchten Madeira durch Friedrich Holl aus Dresden (Regensburger botanische Zeitung 1830, Seite 371), Masson und R. Brown (v. Buch, Beschreibung der kanarischen Inseln, S. 199) nur folgende mit den Anfangsbuchstaben der Finder bezeichnete 20 Arten,
so dass die Zahl der Algen von Madeira nun um ein Dritttheil ver - mehrt wurde, da unter den von meinem Sohne gesammelten sich nur zwei früher schon bekannte befinden; ein Fingerzeig, wie viel noch zu finden sein mag.
Auffallend ist die Uebereinstimmung der Algenflora von Madeira mit der mittelländischen, von den früher bekannten 20 kommen 17, meist sehr häufig, im Mittelmeere vor, und von den neu mitgebrachten 11 doch 8. Es fehlen nämlich im Mittelmeere das auch nicht bei Madeira wachsende Sargassum bacciferum, das bis jetzt dieser Insel eigenthümliche Trichoceras pubescens und die einzige westindische Art, Hypnea spinella. Die übrigen sind schwer zu erkennende, bisher nur von der Stelle, wo sie entdeckt wurden,7Aussehen und Verbreitung des Sargassum.bekannte Seegewächse: Enteromorpha Jürgensii von der deutschen Küste der Nordsee, Gelidium corneum π heterophyllum von Cadix und Cystosira pumila von den Canarien.
Ein zweiter Zug dieser Flora ist die Kleinheit aller gefundenen Algen; von den neu mitgebrachten erreicht keine einzige die Länge einer Spanne, und auch unter den früheren befinden sich kaum drei oder vier, welche möglicherweise dieses Maass um etwas übersteigen könnten. Die frühe Jahreszeit, 30. März bis 12. April, kann nicht ein Grund dafür sein, da in Portsmouth viel grössere Algen noch früher gefunden wurden, eher theilweise die heftige Brandung des weiten Oceans bei gänzlichem Mangel an geschützten Buchten und der geringe Wechsel von Ebbe und Fluth.
In offener See traf die Thetis auf der Heimfahrt unter 21° N. Br. und 37° W. L. von Greenwich auf den schwimmenden Traubentang, Sargassum bacciferum Ag., Fucus natans L., ästig, ohne Wurzel oder Anheftungsscheibe, mit glattem, stiel - rundem, ½ — 1 Fuss langem Stengel, eine halbe bis ganze Linie breiten, 1 — 2 Zoll langen, scharf gezähnten Blättern, gestielten, kugelrunden, mit Luft gefüllten Blasen von der Grösse eines Hasen - schrotes oder kleiner Erbsen und ohne die geringste Spur von Früchten, die Farbe des alten Laubes fuchsbraun, der neuen durch - scheinenden Triebe bleich olivenfarbig, getrocknet Alles dunkelbraun.
Nach Burmeister’s Beobachtungen stehen die einzelnen Büsche senkrecht mit dem Ende des Stammes nach unten, die Zweige schief aufsteigend, so dass sie mit einander einen Trichter im Wasser bil - den und ihre Spitzen auf der Oberfläche einen Kreis. Die Pflanze ist sammt ihren Bewohnern schwerer als das Wasser, wird nur durch ihre Blasen getragen und sank unter, als Ruiz solche ab - gepflückt hatte.
Diese berühmteste, vielbesprochenste aller Algen trifft der Seefahrer zwischen dem 19. und 45. Grad N. Br. von 39° bis 74° W. L. von Ferro auf einer Oberfläche, welche die von Deutschland sechsmal übertrifft, an wechselnden Stellen in unabsehbar langen, 10 — 20 Ellen breiten Reihen schwimmend an, eine Erscheinung, welche schon im Alterthum bekannt war. Humboldt hat in seinen Ansichten der Natur, 3. Ausgabe, Bd. I., S. 80 — 82, die auf uns gekommenen dunkeln Nachrichten hierüber zusammengestellt.
8Name Sargassum; sein Wachsthum.Helleres Licht verbreitete Columbus, welcher den 16. Septem - ber 1492 im 28° 30′ N. Br., 1493 im 37°, jedesmal zwischen 58 und 61° W. L., diese Tang-Ansammlungen durchschnitt. Die Portugiesen, Entdecker der Azoren, nannten diese Gegend » O mar de Sargasso « und erneuerten die alte Sage von schwimmenden Wiesen, welche die Schiffe im Lauf aufhielten, wie die Remora. Jener Name hat in den Sprachen der iberischen Halbinsel keine Wurzel und ist wahrscheinlich das durch die häufig vorkommende Versetzung des r veränderte deutsche Wort Seegras. *)Rumph, Herbarium Amboinense, vol. VI., um 1699 geschrieben, gebraucht den Ausdruck sargasso speciell für die riemenähnliche Himanthalia lorea L. sp. von der portugiesischen Küste und unterscheidet den schwimmenden Tang davon als Sargassum pelagium; ältere holländische Schriftsteller haben die Form sargassa oder sargossa. Schon Rumph protestirt mit Recht gegen die Annahme, dass er in der Tiefe wachse.Die Engländer bezeichnen den schwimmenden Traubentang mit dem Namen Seaweed und Gulfweed, die Holländer vergleichen ihn mit den in Holland die Canäle bedeckenden Wasserlinsen und nennen ihn Zee-Kroost, deutsche Seefahrer sprechen jetzt von der Krautsee.
Dass dieser Tang ursprünglich an Felsen wachse, beweist schon sein ganzer Bau und noch entcheidender der Umstand, dass er, wie alle höheren Algen, im schwimmenden Zustande zwar neue Zweige, Blätter und Blasen entwickelt, aber eben so wenig, als die in blossem Wasser gezogenen Phanerogamen, zur Fruchtbildung zu gelangen vermag. Meyen’s Angabe, dass diese Alge ursprünglich unbewurzelt sei, ist unrichtig, zwar erschienen grössere Exemplare dadurch, dass ihre Zweige nach allen Seiten strahlen, etwas kugelig, aber ich habe Hunderte von Exemplaren in Händen gehabt und an jedem die Stelle, wo der Stamm abgebrochen war, so deutlich ge - sehen, wie sie auf den Tafeln 23. von Esper und 47. von Turner zu sehen ist.
Einmal abgerissen, treibt er, wie eine Menge anderer Tange, fortsprossend, aber fruchtlos auf dem Meere herum und vermehrt sich, wie Harvey annimmt, nur dadurch, dass die grösseren Büsche bei Stürmen zerreissen und die Bruchstücke weitere junge Zweige treiben.
Nun entsteht aber die Frage, wo die ursprüngliche Heimath dieses Nomaden zu suchen sei?
Des älteren Agardh’s Annahme, an Ort und Stelle (Species Algarum Vol. I., pag. 7), ist unhaltbar, da bis nahe an die Ober -9Thiere im Sargassum.fläche des Meeres reichende Felsen schon längst durch die Brandung, welche sie verursachen müssten, entdeckt worden wären, in grösserer Tiefe aber keine Alge Schwimmblasen entwickelt, wie Ozothallia vulgaris und Halidrys siliquosa beweisen.
J. Agardh’s Angabe angewachsener und fruchttragender Exemplare aus dem Amerika bespülenden Meere (Spec. Fucoid. p. 344), schon an sich etwas unbestimmt, scheint mir um so un - sicherer, als nach seiner Beschreibung dieser Exemplare solche auch im Sinne Kützing’s ein Sargassum wären, während das Aus - sehen des schwimmenden Traubentangs entschieden für einen Carpacanthus spricht.
Von sonst an Sargassen häufigen parasitischen Algen, ein - schliesslich der Diatomeen, welche mir als Wegweiser hätten dienen können, habe ich an Sargassum bacciferum nie die leiseste Spur entdecken können, dagegen fand ich die dem Thierreich angehörende Bevölkerung dieser schwimmenden Wiesen überraschend zahlreich und mannichfaltig. Man beobachtete bis jetzt:
Von diesen 43 Thierarten sind 19 (durch gesperrte Schrift ausgezeichnet) bisher nur auf diesem Tang gefunden worden, mehrere14Ursprung des Sargassum.sind Bewohner des indischen Weltmeeres, z. B. Sclylaea pela - gica L., Membranipora tuberculata. Diese Membranipora, von allen Bewohnern des schwimmenden Traubentangs der häufigste, dessen Individuenzahl Burmeister (Reise nach Brasilien S. 514) auf 135 Bil - lionen berechnet, erhielt ich an von Kotschy an der Küste der Insel Karek im persischen Meerbusen angewachsen gefundenen Exemplaren der Sirophysalis virgata und des Carpacanthus herbaceus, in Gesell - schaft derselben Clytia volubilis. Setzt man diese Thatsache mit Humboldt’s Bemerkung in Verbindung, dass der zwischen Madagaskar und der Ostküste von Afrika von Norden nach Süden gerichtete Mozambique-Strom sich um die Spitze von Afrika herumwendend der Ursprung des für Europa’s Klima so wichtigen Golfstromes sei (Ans. d. Natur I. 194), so wird es sehr wahrscheinlich, dass dieser Strom die an den arabischen und afrikanischen Küsten des indischen Oceans durch Stürme abgerissenen Sargassenzweige mitnehme und an den Rändern seines ungeheuren Wirbels*)Mein Vater hat diese Ansicht schon 1852 auf den Etiketten zu Hohenacker’s verkäuflichen Algen ausgesprochen; auch Maury leitet das Vorkommen des Sargasso auf gleiche Weise vom Golfstrom ab, indem er es mit dem Ansammeln schwimmender Körper in der Mitte rotirender Flüssigkeiten, als der Stelle geringster Bewegung, erklärt. Maury, physical geography of the sea, sixth edition 1860, pag. 8 und Taf. VI. (Ed. v. Martens.) ausstosse, wo sie dann, in langen Reihen geordnet, seine oder seiner Gegenwasser Richtung bezeichnen, wie die losgerissene schwimmende Valonia aegagropila die der Ebbeströmung in den Lagunen von Venedig. Einzelne Exemplare werden dann von Stürmen weiter verschlagen und gelangen an weit entfernte Küsten; Weststürme sollen sie in Menge an der Azoreninsel Flores auswerfen, einzelne stranden an den Canarien, Madeira, bei Cadix; Endress fand sie bei Biariz, Jürgens bei Wangeroge und Harvey erhielt sie von den Orkneys.
Auch angeblich aus Ostindien und von der Westküste Neu - hollands gekommene Exemplare habe ich erhalten, schwimmend angetroffen, mit völlig gleichem Aussehen und gleichen Bryozoen, aber nicht aus erster Hand, und es ist mir sehr wahrscheinlich, dass solche auf der Reise im atlantischen Ocean gefischt und ohne Bezeichnung des Fundortes zu den anderswo gesammelten Algen gelegt wurden, da die Naturforscher der preussischen Expedition wohl einunddreissig andere Sargassen, nie aber auch nur eine Spur von diesem in den ostasiatischen Gewässern angetroffen haben. 15Aehnlichkeit mit einem Tang des rothen Meeres.Eben so unwahrscheinlich und zum Theil auf unrichtiger Bestimmung beruhend mögen daher die Angaben sein, dass Sargassum bacciferum nach Tilesius in der Sundastrasse, nach Turner im stillen Weltmeer, nach d’Urville bei Neu-Seeland vorkomme.
Der Stammvater des schwimmenden Traubentangs wird viel - mehr an Afrika’s Ostküste zu suchen sein, von deren innerhalb der Wendekreise liegenden Theil aber noch keine Alge nach Europa gekommen ist. Bekannter ist das rothe Meer, und hier finden wir den Carpacanthus dentifolius Kg., Fucus denticulatus Forskahl, den Turner (hist. fuc. I. p. 103) als Synonym seines Fucus bacciferus anführt, als den ihm ähnlichsten und nächstverwandten, und zwar sehr häufig, so dass er wohl auch von der Mündung des rothen Meeres, an der Pforte des Todes weiter heraustretend, in den Be - reich des Mozambique-Stromes gelangen könnte. Indessen bestehen zwischen beiden immer noch erhebliche Verschiedenheiten, nament - lich die gezähnte Blattrippe und die kürzer gestielten, selten be - grannten Blasen des C. denticulatus, so dass diese Abstammung immer noch zweifelhaft bleibt, wenn man auch annimmt, dass die von J. Agardh beschriebene Frucht des S. bacciferum einer andern Art angehöre, und Harvey’s sehr richtige Bemerkung (Manual of the British Algae p. XVII) in die Wagschale legt, es habe der schwimmende Traubentang in seiner unnatürlichen Lage sein Aus - sehen verändert, wie sich unter ähnlichen Umständen Ozothallia vulgaris zu Ozothallia Mackaji und Fucus vesiculosus zu Fucus balticus umgestaltet habe.
In früheren Zeiten gebrauchten die Portugiesen und Holländer diesen Tang als Heilmittel gegen Scorbut und Harnbeschwerden, die Nordamerikaner gegen Kröpfe, später wurde Kelp daraus gebrannt, jetzt dient er nur noch als eine dem Reisenden stets erwünschte Abwechselung des einförmigen Schifflebens. Die Hühner picken seine Blasen ab, können sie aber nicht verdauen und kommen dadurch um.
Rio Janeiro, an der Südgränze des tropischen Amerika’s unter 22° 54′ S. Br. und 43° 16′ W. L., war die zweite Station unserer Seefahrer.
Hier fand Schottmüller an den feuchten Felsen des viel - besuchten Berges o Corcovado » der Bucklichte « die erste Landalge, das von Sellow in Brasilien entdeckte Chroolepus villosum Kg.,16Tange von Rio Janeiro.mein Sohn in einem Brunnen der Tejuca die Spirogyra tro - pica Kg.
Im Salzwasser fanden sich:
Cladophora brasiliana n. sp. Taf. III. Fig. 2. pollicaris, di - trichotome divaricatim ramosa, bicolor, ramis primariis atro - virentibus 1 / 36‴, secundariis flavescentibus 1 / 80 — 1 / 100‴ crassis; articulis teretibus, primariis diametro 6 — 8plo, ramulorum ad 10plum longioribus, ramellis elongatis, flagelliformibus, atte - nuatis.
In dem Brackwasser der Lagoa Rodriguez bei dem botanischen Garten, der Cl. fracta am nächsten verwandt, in der Färbung der Cl. dichlora (Kützing, Sp. Alg. p. 413) ähnlich. Die schwarzen Fäden scheinen alte, halb ab - gestorbene, die grünlichgelben, viel dünneren, halbdurch - sichtigen, von jenen proliferirte Zweige zu sein. M.
Die Mehrzahl der genannten Fucoideen und Florideen wurde am Strande bei Praya grande aufgelesen.
Neunzehn Arten, von welchen nur zwei, Enteromorpha com - planata und Plocamium coccineum, auch in der Nordsee vorkommen, zehn aber im mittelländischen Meer, nämlich die zwei eben genannten, dann die beiden Phycoseris - und die beiden Codium-Arten, Zonaria17Verbreitung der brasilianischen Tange.tenuis, nach J. Ag. (Spec. Alg. II. 535), die auch am Cap vorkom - mende Amphiroa exilis, endlich die weitverbreiteten Hypnea musci - formis und Acrocarpus crinalis.
Von den neun übrigen ist Acanthophora Thierryi eine tropische, zwischen den Wendekreisen in allen Meeren häufige Alge, ausserhalb derselben aber nur um einen Grad nördlicher an der Südspitze von Florida von Tuomey und Harvey entdeckt, im Mittelmeer durch die nahe verwandte, von Delile bei Alexandrien entdeckte Acanthophora Delilei vertreten, deren äusserste Gränzen bis jetzt nach Osten Smyrna, nach Westen Trapani und nach Norden Civita-vecchia sind. Dass letztere im rothen Meere vorkomme, ist unrichtig, dass solche im schwarzen Meere gefunden worden sei, unwahrscheinlich.
Spirogyra tropica, Dictyota indica, Haliseris Justii und Sargassum cymosum hat Brasilien mit Westindien gemein, Chroo - lepus villosum, Cladophora brasiliana, Centroceras micracanthum und Gelidium multifidum sind bis jetzt Eigenthümlichkeiten dieses Kaiserreiches.
Auch diese Algen gehören ohne Ausnahme zu den kleinen, die grössten davon, Codium elongatum und Sargassum cymosum, fand man hier kaum acht Zoll lang.
Auf der Heimkehr ging die Thetis in der Simonsbai der Cap - Colonie, 34° S. Br., 18° 30′ O. L., vor Anker, und Schottmüller benutzte den kurzen Aufenthalt daselbst unter Anderem auch zur Aufsuchung von Meergewächsen.
Gefunden wurden:
— pristoides Turn., Kg. = Suhria pristoides J. Ag., von grüner Farbe, weil auf der ersten Stufe der Ausbleichung. Die Sonne hatte bereits die purpurrothe Farbe der Alge vertilgt, aber noch nicht die derselben beigemischte, dem Sonnenschein länger widerstehende grüne, welche dagegen bei dem Trocknen für das Herbar bald entweicht, wodurch die purpurne schöner hervortritt.
Ost-Asien. Botanisch. I. 218Tange vom Cap.Polysiphonia complanata Spr.
Thamnocarpus cornutus Kg.
Acht Arten, keine davon in der nördlichen Hemisphäre vor - kommend, übrigens alle wohlbekannte Südafrikaner, da die durch Reichthum und Schönheit besonders anziehende Algenflora des Caplandes, durch Harvey, andere berühmte Reisende und zahlreiche Missionäre durchforscht, zu den bekanntesten der Erde gehört.
Lieferte aber auch diese kleine Algenzahl keinen Beitrag zur Kenntniss der geographischen Vertheilung der Gewächse des Meeres, so hat sie uns durch die daran klebenden Exemplare einer wunder - schönen Diatomee überrascht und erfreut; zahlreiche, kleinen Sand - körnern ähnliche, helle Puncte verklärten sich unter dem Mikroskop zu den prächtigen runden Scheiben des das Andenken an seinen berühmten Entdecker bewahrenden Arachnodiscus Ehren - bergii Bailey.
In diesem bisher nur an wenigen Stellen und auch da sehr unvoll - ständig durchforschten Gebiete besuchten die Naturforscher auf der Thetis vom 25. Juli 1860 bis in den April 1862 Java, Singapore, Siam, Makao, Hongkong, die Philippinen und Makassar.
Mein Sohn trennte sich am 16. März 1862 in Singapore von seinen Reisegefährten, besuchte die vier grossen Sunda-Inseln, die Molukken und Timor in Neuhollands Nähe, endlich Ceylon und verliess erst am 27. Juli 1863 bei Aden das uns beschäftigende Gebiet.
Gefunden und mitgebracht wurden:
Ich habe versucht, auf den folgenden Tafeln eine Uebersicht aller bis jetzt bekannt gewordenen tropischen Algen des indischen und polynesischen Weltmeeres zu geben.
Das besonders in seinem aussertropischen Theile durch Forskål, Delile, Figari und vor Allen Wilhelm Schimper ziemlich bekannte rothe Meer mit sehr eigenthümlicher Flora habe ich ganz aus den Tafeln ausgeschlossen, die persische Küste, von welcher man nur durch Kotschy ein paar Algen der Insel Karek kennt, fällt auch, als ausserhalb des Wendekreises liegend, weg; von der ganzen Küste von Ostafrika, von Bab el Mandeb, der Pforte desOst-Asien. Botanisch I. 334Ausdehnung der indischen Tangflora.Todes, am Eingang des rothen Meeres, bis Inhambane ist bis jetzt kaum Eine Alge bekannt geworden, so interessant es auch wäre, die südliche Gränze der Algen des rothen Meeres und die nördliche der Algen der Cap-Colonie und des Natallandes, welche in diese Strecke fallen müssen, zu erfahren.
Die Westküste des tropischen Amerika’s gehört auch zu den in algologischer Beziehung bisher sehr vernachlässigten Theilen der Erdkugel, doch lässt schon das Wenige, was man davon weiss, eine eigenthümliche, von der ostasiatischen und polynesischen stark abweichende Algenflora annehmen, deren Schlüssel neben der weiten Entfernung auch in dem von dem Feuerlande heraufziehenden kalten Meeresstrom liegen dürfte. Ich habe sie daher auch ausgeschlossen.
Endlich musste auch das tropische Dritttheil des grossen Continents von Australien als noch vollständig unbekannt wegfallen, da man wegen Mangels an europäischen Ansiedelungen — Port Essington ist als misslungener Versuch eingegangen — keine einzige Alge von daher kennt, so viele und merkwürdige man auch von dem aussertropischen Australien durch Robert Brown, Labillardière, Peron, Gunn, Harvey und Ferdinand Müller erfahren und erhalten hat, und so anziehend auch hier die Erforschung der Gränze dieser australischen Meergewächse gewesen wäre und einst sein wird.
Die so begränzte Algenflora umfasst, von einem Wendekreise zu dem anderen, 47 Breitengrade und von Madagaskar, 45° O. L. von Greenwich, bis zu den Gambiers-Inseln, südöstlich von den Gesell - schafts-Inseln, 215° O. L., 170 Längengrade, was in runder Summe nahe an anderthalb Millionen geographische Quadratmeilen gibt.
Dieser bedeutende Theil der Erdoberfläche lässt sich in fünf Provinzen theilen.
Die Fundorte mit gesperrter Schrift sind Ergebniss der preussischen Expedition.
Die Finder und, wo diese unbekannt blieben, die Quelle, aus welcher die Nachrichten über dieses und das nordchinesisch - japanische Algengebiet geschöpft wurden, sind durch beigesetzte Anfangsbuchstaben, wie folgt, bezeichnet.
Noch blieb eine Schwierigkeit zu überwinden, die An - wendung einer strengen Kritik zur Beseitigung aller irriger Weise der in Frage stehenden Flora zugeschriebenen Arten. Diese in früherer Zeit häufigeren, jetzt selteneren, aber immer noch vor - kommenden und durch Anführung derselben auch in den neuesten Werken angehäuften Irrthümer mögen zum kleineren Theile durch unrichtige Bestimmung entstanden sein, die Mehrzahl aber dadurch, dass Reisende, welche die im Meere schwimmenden oder am Strande ausgeworfenen Seegewächse zum Zeitvertreibe oder um einen be - freundeten Sammler damit zu erfreuen, auffischen und auflesen, bei dem Mangel an Interesse für Pflanzengeographie solche in einem Pack vereinigen, von welchem dann der Empfänger annimmt, es enthalte lauter am Bestimmungsorte des Reisenden gesammelte Sachen.
Beispiele für beide Fälle sind:
Mir selbst kam ein solcher Fall vor; in einer Abendgesellschaft39Algae pseudo-indicae.traf ich mit einem eben aus Bahia in Brasilien zurückgekehrten Reisenden zusammen und fragte ihn, ob er keine Algen mitgebracht habe. Er bejahte es und übersendete mir den folgenden Morgen ein Päckchen einfach getrockneter Algen. Ich machte mich sogleich daran, sie aufzuweichen und für das Herbar einzulegen, es waren gegen zwanzig Arten; aber ich erstaunte nicht wenig, darunter nur sechs Brasilianer zu finden, die anderen waren alte Bekannte, ächte Triestiner mit triestinischen Zoophyten, Parasiten und triestinischem Sande. Wäre ich leichtgläubig und nie in Triest gewesen, so hätte ich die Flora von Brasilien durch ein ganzes Dutzend falscher Arten entstellt, um so mehr, da ich nicht anders glaubte, als dass mein Reisender über England gekommen sei; doch es waren einmal Triestiner, ich reihte sie als solche ein und erfuhr erst später, er sei wirklich über Triest gekommen und habe dort einen Theil der mir gegebenen Algen am Meeresufer aufgelesen und zu den anderen gelegt.
Entschiedener Widerspruch reizt lebhafter zur Erforschung der Wahrheit, als ein blosses Fragezeichen, und so wage ich es, selbst auf die Gefahr hin, dass eine oder ein paar derselben doch noch innerhalb der oben bezeichneten Gränzen aufgefunden würden, folgende einunddreissig Algenarten als Algae pseudoindicae auszuschliessen.
Die ersten Nachrichten über Algen des indischen Oceans hat Georg Eberhard Rumph gegeben, welcher selbst lange Zeit als Kaufmann und Beamter der holländisch-ostindischen Gesellschaft auf Amboina lebte; da seine Beschreibungen und Abbildungen von den neueren Systematikern selten und nicht immer richtig citirt werden, so möge eine Aufzählung und Bestimmung derselben hier folgen. Letztere wurde, wie bei den von den alten Classikern erwähnten Pflanzen und Thieren, nur dadurch möglich, dass man von den in denselben Gegenden heute noch vorkommenden ausgeht und nur unter ihnen auswählt, was auf die Worte des Schriftstellers sich beziehen lasse. Rumph behandelt die Algen im sechsten Band des Herbarium Amboinense, im eilften, den weichen Wasserpflanzen gewidmeten Buch, während das zwölfte die damals als Pflanzen geltenden Zoophyten und Schwämme enthält.
Unter den Erzeugnissen der philippinischen Presse, welche mein Sohn von Manila mitgebracht hat, befinden sich auch zwei botanische Schriften, von zwei dortigen Augustinermönchen verfasst.
Die erste ist: Flora de Filipinas por el P. Fr. Manuel Blanco, Agustino calzado, segunda impression. Manila 1845. LX und 620 S. gr. 8., es lässt sich etwas auf die Algen ein, aber nur mit geringer Sachkenntniss.
Wir finden hier Seite 578 Tremella. Ein Stoff, wie Gallerte, von verschiedener Grösse und Gestalt. Ich habe diese Tremellen, von welchen ich jetzt reden will, bei vielen Gelegenheiten am Ufer des Meeres an verschiedenen Stellen gesehen, auf den Steinen aus - gebreitet, welche die Fluth bedeckt und die Ebbe entblösst; ich hatte sie jedoch nie viel beachtet, bis ich mich einmal auf einem öden Ufer der Insel Negros von vielen ähnlichen Steinen umgeben befand, welche damit wie mit Decken schön überzogen waren, einige von dunkelgrüner Farbe, andere gelb; ich stiess ohne irgend eine Absicht mit dem Stock auf eine dieser Decken und war nicht45Philippinische Tange bei Blanco.wenig erstaunt, als ich sah, dass sich jene ganze Masse gleichzeitig zusammenzog, indem sie aus den Oeffnungen, welche sie hatte, ziemlich viel Wasser ausspritzte. Ich wiederholte dasselbe einige Mal an anderen mit gleichem Erfolg. Dieses ist wirklich eine sonderbare Erscheinung, welche nach Jussieu schon Adanson an einigen Tremellen beobachtet hat. (Vermuthlich gesellige Ascidien.)
Die Schriftsteller der Inseln versichern auch, dass man an einigen Ufern eine dem Kohl ähnliche reizbare Pflanze antreffe, Seite 579, welche sich zurückziehe und verberge, indem sie der Hand ent - schlüpfe, welche sie fassen wolle. Sie besitze viel Schleim, und das Sonderbarste dabei sei, dass die kleinen Fischchen in sie hin - eingehen und sie häufig berühren, ohne dass sie dabei eine Reiz - barkeit zeige. (Eine Spongia?)
Fucus prolifer. Kurzer, runder Stamm, welcher sich in zwei oder mehr Aeste theilt, mit Blasen, welche fleischige grüne Blätter scheinen, alle nach einer Seite gerichtet und an einander gereiht, wie bei den Opuntien; einige unregelmässig kreisrund, andere keil - förmig oder rhomboidisch und gelappt. Was Blätter zu sein scheint, sind in Wirklichkeit grosse, stark flachgedrückte Blasen und bildet keinen dichten Körper, sondern hat eine Höhlung zwischen den zwei Oberflächen der Blätter. — Ist eine einen Fuss hohe Pflanze, sehr selten, die ich an der Punta Santiago (Luzon) gesehen habe. Die Blätter sind einen Zoll breit (Halimeda discoidea Decaisne, cuneata Kg., Opuntia Lx. und triloba Decaisne).
Fucus natans. Stamm ästig, mit stielrunden Zweigen. Blätter lanzettlich, fein gezähnelt, die reifen mit Bärten. Früchte in kleinen, Erbsen ähnlichen, eirunden, etwas zusammengedrückten Blasen mit kleinem Stiel. — Es sind sehr häufige Algen, welche man ge - wöhnlich im Meer in grösseren oder kleineren Haufen treiben sieht. Die Farbe ist fahl braun, und die pergamentartigen Blätter sind über einen Zoll lang. Die Eingeborenen von Ilocos essen sie, ich weiss aber nicht, wie sie dieselben zubereiten. (Verschiedene Arten von Sargassum.)
Seite 580. Fucus edulis. Ist ein Kraut, welches die Wogen an den Strand werfen und das bis in den an das Meer anstossenden Seen gefunden wird. Es ist sperrig, am Fusse gegabelt, sehr ästig, stielrund, durchscheinend wie Kleister oder Gallerte, brüchig und mit Warzen besetzt, in welchen die Samen verborgen liegen. — Häufig bei den Dörfern Tambobon, Paranaque und anderen. Es46Angaben über philippinischeist weit über einen Fuss lang und eine bis zwei Linien dick. Die Eingeborenen kennen es, benutzen es und verkaufen es in Manila; sie waschen es gut aus, trocknen und bleichen es an der Sonne und machen dann ein sehr angenehmes Eingemachtes daraus, indem sie es mit einem Zusatz von Zucker kochen. Dieses Kraut löst sich im Sieden auf und bildet eine Gallerte von der Gestalt der Form, in welche sie gegossen wird. Diese Gallerte ist dann sehr glatt, durchscheinend und brüchig, und ein Sachverständiger hat mir ver - sichert, dass sie eine kühlende und sehr schätzbare Arznei für Brustleidende sei, wenn man ein wenig Lichen pulmonarius hinzu - füge. (Sphaerococcus gelatinus Ag.)
Am Meeresufer jener Ortschaften werfen die Wogen auch eine Menge Kräuter aus, welche, obgleich sie von jenen verschieden zu sein scheinen, weil sie viel dünner sind, doch auch gallertartig sind, daher ich glaube, dass sie das Gleiche seien. (Sphaerococcus lichenoides Ag.)
Ich habe bemerkt, dass diese Kräuter, wenn sie austrocknen, eine Purpurfarbe haben, hinreichend schön, welche vielleicht eine verständige Hand der Leinwand mittheilen könnte. Ich nahm ein Stückchen von diesem schon seit einigen Tagen trockenen Kraut, und nachdem ich es nass gemacht hatte, habe ich, ohne mich vor - zubereiten oder daran zu denken, was daraus werden würde, sie mit einem Tropfen Salzsäure, welchen ich zufällig hatte, auf der Ecke eines weissen Schnupftuches ganz ausgezogen, und es theilte letzterem augenblicklich eine sehr angenehme Purpurfarbe mit; blosses Wasser zog keine Farbe aus. Diese kurze Nachricht kann vielleicht die Neugierde einer überlegenden und fleissigen Person, welche sich in günstigeren Verhältnissen als ich befindet, auf - muntern, sich die Mühe zu nehmen, diese und andere ähnliche Kräuter dieser Meere, welche unzählbar sind, in Beziehung auf den Nutzen zu untersuchen, welchen sie für Gewerbe und Heilkunde haben könnten. Tagalisch Gulaman.
Ich habe auch ein Meergewächs gesehen, welches eine Art von Fucus ist, es besteht aus flachen Zweigen mit sehr kleinen Fäden, wie am Ende ausgefranzte Bänder. Die Eingeborenen der Batanes-Inseln bringen es nach Ilocos und verkaufen es daselbst, es wird gegessen. Getrocknet hat es eine der des Gulaman ähnliche Farbe und theilte, auf die oben angeführte Weise behandelt, dem Schnupftuch eine ähnliche Färbung mit, doch nicht so stark, weil es schon seit einigen Monaten trocken war. (Grateloupia filicina Ag.?)
47Tange bei Blanco.Seite 581 ich habe auch die folgenden Fucusarten gesehen, unter vielen anderen, deren Aufzählung zu weitläufig und deren Bestimmung für mich zu schwierig wäre.
Die eine besteht aus vielen rosenkranzartig an einander ge - reihten Bläschen. Sie ist an vielen Meeresufern häufig. Ist vielleicht Fucus concatenatus. (Eine Sirophysalis?)
Eine andere besteht aus vielen herzförmigen Bläschen, trau - benförmig gereiht, mit Flecken, oben abgeschnitten mit einem gezähnten Saum. (Turbinaria ornata J. Ag.)
Eine andere endlich mit halbrunden, zusammengedrückten Zweigen, weich und wie wollig, welche sich wieder einige Male theilen, mit einer Reihe von Oeffnungen auf einer Seite. Es ist eine Meerpflanze, eine Spanne hoch und von blauer Farbe. (Codium tomentosum St.)
Ulva umbilicalis. Es ist eine etwas concave Alge, kreisrund, angewachsen, schildförmig, biegsam und mit concentrischen Linien. — Ist häufig im Meer von Batangas, in Pinamocan, Bauang und an dem Dayatan genannten Orte. Ist einen Zoll breit, und es wachsen viele bei einander an den Steinen. (Zonaria gymnospora Kg.)
Ulva compressa. Es sind viele Röhren, welche von einem Puncte aufsteigen, am Ende zugespitzt, hohl, sehr dünn, zusammen - gedrückt und von grüner Farbe. — Ist sehr häufig im Meer von Batangas, einen Zoll hoch und sehr zart und weich. (Enteromorpha complanata γ crinita Kg.)
Ulva reticulata. Hat das Laub voller Oeffnungen mit zusammen - gedrückten, in Gestalt eines Netzes verwachsenen Aesten und mit vielen, wenig sichtbaren Blättchen. — Ist häufig im Meer von Batangas und in anderen Gegenden, die Farbe wie fahl braun, sie ist weich, und ich zweifle, ob die Eingeborenen sie einmachen. (Encoelium clathratum Ag.)
Ulva intestinalis. Es sind Kräuter von grüner Farbe, von Gestalt gleicher Röhren, einfach, häutig, lang, ungleich zusammen - gedrückt, an Stellen aufgeblasen und an anderen flach, so dass sie wie Gedärme aussehen.
Seite 582. Diese Kräuter sind wenig mehr als eine Linie breit und verworren unter einander gemengt. In dem Innern der Röhren gibt es einige Tropfen Wasser. — Sind häufig in den zurück - bleibenden Lachen und haben keinen Namen. (Enteromorpha in - testinalis Link.)
48Tange bei Llanos.Conferva litoralis (ist offenbar eine Chara).
Seite 583. Conferva setosa, eine Alectoria (Flechte) oder Tillandsia.
So weit Pater Blanco.
Ein Supplement hierzu: Fragmentos de algunas plantas de Filipinas por el P. Fr. Antonio Llanos, Agustino calzado. Manila 1851. 126 S. 12., enthält nur folgende hierher gehörige Stelle:
Seite 113. Confervinische Algen. Conferva Lia. Ich habe keine Gelegenheit gehabt, diese Kryptogame zu beschreiben, zweifle aber beinahe nicht, dass sie in diese Gattung gehöre. Sie wächst in stehendem und langsam fliessendem Wasser, und man muss sich vor ihr in acht nehmen, da, wie ich gehört habe, die Fische und sogar die Büffel manchmal durch sie umkommen. Die Eingeborenen kennen sie und nennen sie Lia.
Pater Llanos hat wohl von dieser Lia etwas gehört, aber nichts gesehen, wahrscheinlich ist sie eine unseren Potamogetonen ähnliche fluthende phanerogame Pflanze, welche die Fische wohl schützen, ihnen aber nicht schaden kann, immerhin jedoch in’s Wasser gerathenden Menschen und Landthieren gefährlich.
Lia ist kein tagalisches Wort, sondern der spanische Name der aus dem Espartogras, Stipa tenaeissima L., gedrehten Stricke, von liar, binden, verwandt mit Liana, dem spanischen Namen des Hagseils, Clematis Vitalba L., im spanischen Amerika auf Schling - pflanzen überhaupt ausgedehnt und für solche in andere Sprachen übergegangen.
Der Anordnung der folgenden Uebersichten liegt, wie der vorhergegangenen Aufzählung, die Classification in Kützing’s species algarum zu Grunde; die Gattungen und Familien sind mit wenigen Ausnahmen so angenommen, wie er sie bestimmt hat. Nur in Betreff der höheren Abtheilungen sind dessen Classen, Subclassen, Tribus, Ordnungen und Unterordnungen, welche kein späterer Autor an - genommen, bei Seite gelassen und dafür, schon der leichteren Uebersicht wegen, die altbekannten Namen der Nostochineen, Confervaceen, Florideen beibehalten, denen sich die Palmellaceen und Siphoneen als gleichwerthig anreihen. Nur die Fucoideen49Anordnung der Fucoideen.konnten Angesichts der neueren Entdeckungen über ihre Fort - pflanzung nicht in dem früheren, noch von J. Agardh beibehaltenen Umfang belassen werden und mussten in die zwei Abtheilungen Phaeosporeen (mit Zoosporen) und Fucaceen (Tribus Angiospermeae bei Kützing) zerfällt werden, während die Dictyoteen trotz ihrer Farbe wegen der Uebereinstimmung in der Fructification zu den Florideen gebracht wurden. Dieses veränderte denn auch noth - wendiger Weise für einige Familien und Gattungen die Kützing’sche Reihenfolge.
Ich glaube diese Anordnung am besten mit den Worten von A. Le Jolis zu rechtfertigen: » ce serait en effet une prétention chimé - rique dans l’état actuel de nos connaissances que de vouloir donner une classification definitive des algues. Mais d’autre part, il est devenu impossible de conserver sans modifications des systèmes qui ne sont plus en rapport avec les faits acquis à la science, sur - tout en ce qui concerne les algues olivacées. « (Liste des algues marines de Cherbourg. Paris et Cherbourg 1863. 8. p. 12.)
Ost-Asien. Botanisch I. 450Von diesem ungeheuer grossen Gebiete kennt man durch andere Reisende, vorzüglich französische Weltumsegler, 36 Süss - wasser - und 337 Meer-Algen, zusammen 373. Unsere Reisenden sammelten deren 185, halb so viel, als alle ihre Vorgänger zusam - men genommen, und unter diesen 185 befinden sich nur 78 von Anderen innerhalb der oben angenommenen Gränzen gefundene, so dass der Zuwachs an für dieses Gebiet früher unbekannten Arten 107 beträgt.
Man kennt also gegenwärtig von diesen anderthalb Millionen Quadratmeilen mit einem grossen Theile Asiens und mehr als tausend Inseln 480 Arten von Algen.
Die Zahl der britischen Algen überstieg schon nach Harvey’s Manual of the British Algae, London 1841, 8., mit 510 Arten diese Anzahl; diejenige der deutschen war nach Rabenhorst’s Algen Deutschlands, Leipzig 1847, 8., wenn man auch dort, wie hier, die Diatomaceen und Characeen ausschliesst, 1009, also mehr als doppelt so viel; beide sind unterdessen bedeutend vermehrt worden, und man kann hiernach annehmen, dass unsere Kenntniss der indisch - polynesischen Flora noch nicht den zehnten Theil der dort vor - kommenden Algen umfasse.
Dennoch gestattet schon diese unvollkommene Kenntniss einige Blicke in den Charakter derselben.
Das Erste, was besonders auffällt, ist die geringe Grösse der tropischen Algen. Von den 480 Arten erreichen kaum 50 die Länge eines Fusses, wenige Sargassen und Turbinarien drei Fuss. Die längsten unter den mitgebrachten sind Sagassum polycystum von Muntok, 1′ 5″, Sargassum siliquosum von Anjer, 2′, Turbinaria conoides von Palabuan, 2′ 6″, und Carpacanthus ilicifolius von Timor, 3′. Die Familie der Laminarieen, diese Riesen der Algen, welche gesellig an den Küsten der Polarländer unterseeische Wälder bildend, an die Scitamineen und Palmen der Tropenländer erinnern, fehlt gänzlich, eben so fehlen auch die derben Formen der Gattungen Halidrys, Himanthalia, Fucus, Desmarestia, und steigen auch kosmo - politische Algen aus hohen Breiten so weit herab, um, den Wende - kreis überschreitend, in unserem Gebiete aufzutreten, so geschieht es mit bedeutender Verminderung ihrer Grösse, Phycoseris gigantea von 3′ auf 1′, Codium elongatum von 6½′ (in England nach Wood - ward) auf 1′, Codium tomentosum von 1′ auf 6″.
Erwägt man, wie an den Faröern nach Lyngbye Laminaria105Kleiner und mannichfaltiger als die nordischen.saccharina 9′, Himanthalia lorea 12′, Alaria esculenta 20′, Hafgygia digigata 21′ Länge erreichen, im hohen Norden des stillen Welt - meeres an den Küsten von Kamtschatka und des russischen Amerika’s Laminaria bifida 14′, Alaria fistulosa 30′, Nereocystis Lütkeana nach Mertens auf einem bis 270′ langen Stamm eine 6′ lange Blase mit 27′ langen Blättern entwickelnd, den spanischen Galionen die Nähe Amerika’s ankündigte, den arg verfolgten Meerottern Schutz bietet; wie eben so gegen den Südpol Lessonia nigrescens und ovata über 5′, Lessonia fuscescens 30′, Durvillea utilis vielleicht eben so viele, die den Schiffen besser als Boyen die blinden Klippen und die Richtung der Strömung anzeigenden, aber ihren Booten das Landen erschwerenden Macrocystis-Arten zwar nicht, wie ehemals behauptet und geglaubt wurde, 1500′, aber doch nach Gaudichaud’s Messungen 45 — 50′ Länge erreichen, so erscheint die Flora des Meeres, wie dessen Fauna, im schroffen Gegensatz zu derjenigen des Landes, um so grössere Formen entwickelnd, je mehr sie sich den Polen nähert. Sollten die Algen in hohen Breiten deswegen grösser werden, weil die Fluthen stärker, die Meere stürmischer sind, wie in Flüssen die Wasserpflanzen länger werden, als in stehendem Wasser, der Kampf mit den Elementen auch sie stärken, wie den Menschen?
Ein anderer Grund, warum mit der zunehmenden Ueppigkeit der Landpflanzen gegen die Linie eine Abnahme der Meergewächse zusammentrifft, liegt in der zunehmenden Herrschaft der Korallen, welche, alle Klippen überziehend, den Algen das Dasein bestreiten und erschweren; so hat schon in der blauen Grotte von Capri die Astroites calycularis L. sp. alle guten Plätze besetzt, und man sieht keine Spur von Algen.
Dieser Umstand hat eine Aehnlichkeit der Meer - mit den Landpflanzen zur Folge, die tropischen sind ungesellig, bunter gemischt und getrennt, bilden keine monotonen Wiesen, wie so oft die nordischen.
Eine zweite Aehnlichkeit der tropischen Algen mit den tropischen Landpflanzen, die ihren Grund in der höheren Temperatur hat, ist die einer feineren Ausbildung der Gestalt, einer höheren Entwickelung.
Die grünen Algen haben einen zierlicheren Bau, Phycoseris lobata und fasciata treten verästelt an die Stelle der ungetheilten nordischen Ulven, und die sonderbare, einem Netze aus grünseidenen Bändern gleichende, noch im rothen Meere vorkommende, aber106Blattbildung bei Caulerpa und Sargassum.schon im Mittelmeere fehlende Phycoseris reticulata ist von Singapore bis Timor einer der häufigsten Tange.
Die ächt tropische Familie der Caulerpeen ist die höchste Entwickelung der einzelligen Tange, ein kriechender, stielrunder, schlanker, grüner oder grüngelber Stamm entwickelt nach unten in bestimmten Zwischenräumen vielverzweigte Büschel farbloser Wur - zeln, nach oben Zweige mit lebhaft grünen Blättchen, meist auf dem groben Korallengrus der Riffe, aber auch auf reinem Sand - boden, es sind die einzigen Tange, welche sich auf diesem anzusie - deln vermögen. In unserem Gebiete ist diese merkwürdige Familie durch die mannichfaltigen Gestalten von neunzehn Arten vertreten, ausserhalb der Wendekreise und des rothen Meeres nur durch ein paar Arten der am einfachsten gebauten Gattung Phyllerpa, so Ph. flagelliformis am Cap in der Natalbai, der von den Portugiesen nach ihr benannten Algoa-Bai und an Afrika’s äusserster Spitze, am Cap Agulhas, 35° S. Br.; Phyllerpa prolifera, schon von Forskal im Hafen von Alexandrien entdeckt, nebst der allzu nahe damit ver - wandten Phyllerpa nervata im südlichen Mittelmeer bis Sicilien, 38° N. Br.
Eben so sind die mit 80 Arten auftretenden Sargasseen ein Ersatz für die ganz fehlenden subpolaren Laminarieen und Fuceen und für die durch drei selten vorkommende Arten kaum vertretenen Cystosireen der gemässigten Zonen, die höchste Entwickelung der vielzelligen Algen, mit geschiedenem Stamm, Blättern und Früchten, die Wurzelblätter grösser, besonders breiter, die oberen allmälig schmäler und kürzer, wie bei den Phanerogamen, ja, die einzige Tangfamilie, welche, wie diese, die Zweige aus den Blattachseln entwickelt. Auch im indischen Ocean trifft man sehr oft auf offener See treibende Sargassen, von ihrem Heimathboden losgerissen, fortlebend, aber nicht mehr fruchtbringend und reichlich mit Luft - blasen versehen. In dem chinesischen Roman Ping Chan Ling Yen (die zwei gelehrten Mädchen) werden die Liebenden diesen im Ocean herumirrenden Sargassen verglichen, welche einmal zusammentreffen, dann getrennt werden und sich nicht wiederfinden können.
Ein anderer Charakterzug der tropischen Algenflora ist ihr Reichthum an kalkhaltigen Tangen. Der Kalk tritt von den Polen gegen den Aequator mit der zunehmenden Wasserverdünstung immer stärker auf und culminirt in den Organismen zwischen den Wende - kreisen. Wie der hohe Norden und Süden beinahe keine kalkhaltige107Kalkhaltige Tange.Zoophyten hat, die gemässigten Zonen nur wenige und kleine be - sitzen, bis mit der Annäherung an die Wendekreise die mehr einer Gebirgsformation als einer Colonie kleiner Thierchen gleichenden Korallenmassen erscheinen, eben so verhält es sich mit den kalk - haltigen Tangen, welche man noch zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts, befangen in der Linnéischen Ansicht, dass Kalk nur bei Thieren vorkomme, den Zoophyten beizählte, zu welchen sie, dem äusseren Aussehen nach, den Uebergang bilden, Polypiers à Polypes invisibles, wie Lamarck sagte und selbst Cuvier noch glaubte, bis mikroskopische Untersuchungen ihres durch Säuren entkalkten Gewebes ihre Pflanzennatur nachwiesen.
Die einst mit weissen und rothen Korallen die Apotheken schmückende Corallina officinalis ist der einzige dieser Kalktange, welcher an den Küsten von Lappland und Sibirien den Polarkreis überschreitet; Postels und Ruprecht geben Corallina pilulifera und filiformis im Ochotzkischen Meere, Corallina Arbuscula bei Unalaschka an, und auch von ihren anderen (24 nach Areschoug oder 35 nach Kützing) Gattungsverwandten finden wir die Mehrzahl in gemässigten Zonen, nur eine in der hier in Frage stehenden Flora.
Stärker sind hier die schmächtigen Janien vertreten, durch fünf von den bekannten siebzehn Arten.
Dass in diesem Gebiete von sieben Melobesien nur drei, von vierzehn Spongites-Arten, so häufig im Mittelmeere, gar nur eine vorkommen, dürfte eher den sie nicht beachtenden Sammlern zuzuschreiben sein, bei letzteren, den letzten, welche von den Thieren zu den Pflanzen versetzt wurden, auch der Herrschaft der Korallen, welche sie nicht aufkommen lassen.
Zu der mittelländischen Acetabularia mediterranea, der west - indischen A. crenulata und der neuholländischen A. Calyculus ist als vierte und grösste die schöne siamesische A. major hinzugekommen.
Von den zuerst durch Schweigger zu den Tangen versetzten Halimeden kennt man dreizehn Arten, welche die Wendekreise nur wenig überschreiten, am weitesten noch die mittelländische H. Tuna, im adriatischen Meere bis Venedig und Triest, 45° N. Br. Im stillen Ocean fehlen schon alle in dem nordchinesischen und japanischen Meere vorkommenden, und die Angabe, dass H. multicaulis und discoidea in Kamtschatka vorkommen, ist völlig unglaubwürdig und kann nur auf einer Verwechselung der ohne Bezeichnung des Fund - ortes gesammelten Exemplare beruhen. Eben so unrichtig ist es,108Wenig Florideen.dass die in Westindien und unserer ostindischen Flora sehr häufige H. Opuntia im Mittelmeer vorkomme. Im Gebiete unserer Flora fand man acht Arten, eben so viele von Galaxaura, zwei von Corallocephalus, vier von Mastophora, vier von Cheilosporum und vierzehn von der merkwürdigen, ächt tropischen, kaum noch in’s Mittelmeer hineinreichenden Gattung Amphiroa, deren knorpelige Verbindung der kalkigen Glieder, im Leben biegsam, getrocknet ungemein spröde und brüchig, an die Korallengattung Isis erinnert. Endlich bildet Actinotrichia rigida eine eigene, nur hier vorkommende Gattung.
In die Augen fallend durch ihre eigenthümliche Pfauenschweif - form und den leichten Silberglanz unter Wasser ist die Gattung Zonaria, an beinahe jeder der besuchten Küsten wiederkehrend und nicht spärlich; doch auch nirgends gesellig, in unserem Gebiet mit fünf Arten culminirend, doch auch nördlich bis 51° in England, südlich bis 39° an Neuhollands Südküste verbreitet.
Auffallend ist die Armuth dieser Tropenmeere an zarteren, rosenroth gefärbten Florideen im Allgemeinen (leben diese vielleicht dort in grösserer Tiefe, intensives Licht scheuend?) und insbesondere an den in den gemässigten Himmelsstrichen so zahlreichen Calli - thamnieen. Mein Sohn fand nur als Mittelglied zwischen den schon bekannten zwei ostindischen und zwei neucaledonischen zwei weitere bei Benkulen und Makassar, znsammen vier Gattungen mit sechs Arten von den 25 Gattungen mit 265 Arten in Kützing’s species al - garum und tabulae phycologicae.
Nicht viel besser steht es mit den in den europäischen Meeren so häufigen Ceramieen: von den daselbst aufgeführten eilf Gattungen mit 113 Arten kennt man bis jetzt innerhalb der Gränzen unseres Gebietes nur vier Gattungen mit dreizehn Arten und auch diese bloss in einzelnen kleinen, meist mit der Lupe und dem Mikroskop mühsam aufgesuchten Exemplaren, eine Ausnahme von der Regel, dass die Algen gegen die Pole an Grösse zunehmen.
Von anderen Florideen erwähne ich nur die Häufigkeit der Hypneen und Laurencien, dann die Vertretung der in gemässigten Zonen so häufigen, hier seltenen Gelidium corneum und Sphaerococcus confervoides durch die hier sehr häufigen Gelidium rigidum und Sphaerococcus lichenoides, endlich die Entdeckung, leider in wenigen Exemplaren, der merkwürdigen Zellera, welche sich enge an die vielgerühmte Claudea anschliesst.
109Algen der Litoralzone und der Korallenriffe.Ueber das Vorkommen und die Farben im frischen Zustande theilt mein Sohn folgende Bemerkungen mit:
Der Grund der meisten von mir besuchten Küstenstrecken, abgesehen von den Flussmündungen, im Gebiete des indischen Oceans bestand aus Korallen, lebenden oder todten, in Massen oder zu Grus zertrümmert; ein solcher Boden scheint den Tangen nicht günstig, ich fand daselbst wachsend weniger an Arten und Indi - viduen, als ich erwartet, dagegen an jedem Strande immer einzelne ausgeworfen, freilich fast immer wieder dieselben, hauptsächlich die kräftigen Sargassen und Turbinarien, die feineren eingerollten Zonarien und die verkalkten Halimeden. Die obersten Klippen, zur Ebbezeit von Wasser entblösst, fand ich bei Palabuan nur mit kürzeren, frisch grünlich moosartig aussehenden Florideen be - wachsen, wie Sphaerococcus corallopsis, Gymnogongrus densus u. a., bei Atapupu fand ich auf einzelnen, zeitweise vom Wasser ver - lassenen Steinblöcken auch schon die grössere, wie filzig anzu - fühlende Galaxaura spongiosa; auch Amphiroa fragilissima lebt schon in dieser Höhe. Die Korallenriffe selbst an der unteren Ebbegränze, hauptsächlich die kleineren Einsenkungen derselben, in denen auch bei tiefster Ebbe das Wasser bleibt, sind die Heimath der verschiedenen Sargassen, denen sich sehr oft grössere Zonarien (Z. gymnospora), seltener z. B. bei Atapupu Hormophysa articulata, bei Singapore Laurencia botryoides zugesellt; die Kalkfülle zeigt sich hier auch an der Häufigkeit der verschiedenen Kalkalgen: Halimeda und Galaxaura fehlte auf keiner Korallenbank. Nirgends überziehen aber diese Tange, wie z. B. Fucus serratus und vesi - culosus in Norwegen, Stein für Stein eine ganze Strecke hindurch, sondern überall bilden sie nur Gruppen, durch grössere Zwischen - räume als sie selbst getrennt. Laurencia, auf Steinen wenig über der Ebbegränze wachsend, macht sich durch ihre knorpelartige Steifheit beim Anfassen bemerklich, Halymenia an ähnlichen Stellen durch schlüpfrige, fast eiweissartige Weichheit. Die flachen Strecken von Sand und Grus, von zertrümmerten Korallen herrührend, um die Korallenbänke oder zwischen ihnen und dem Strande, sind die Heimath der kriechenden Caulerpen, wie auch auf Timor der im Habitus ihnen ähnlichen phanerogamen Halophila. An Pfählen, welche im Wasser stehen, findet man zuweilen kleinere niedliche Florideen, manche und darunter die interessantesten fand ich aber nur ausgeworfen am Strande. Tiefer, unterhalb der Ebbegränze110Brackwasseralgen. Farben im Leben.waren bei Palabuan die meisten Steine und viele Austern mit Flecken der rothen Hildenbrandtia sanguinea gezeichnet.
Brackwasserbildungen, salzhaltige Sümpfe an der Meeresküste, wie z. B. einer bei Makassar, und Flussmündungen ergaben mir nur grüne Tange, Enteromorphen oder Confervaceen (Chaetomorpha Javanica, inflata, Rhizoclonium setaceum). Grössere Schlammstrecken, z. B. an der Westküste von Borneo, ergaben in den meisten Fällen gar keine Tange.
Die Vertheilung der Farben nach der Tiefe, wie sie Oersted aufgestellt hat, oben grün, dann olivenbraun, in der Tiefe roth, bestätigt sich also wohl im Grossen und Ganzen, aber durchaus nicht überall im Einzelnen, wie schon daraus hervorgeht, dass Tange verschiedener Farbe auf einander wachsend beobachtet wurden, so Zonaria auf Laurencia botryoides, Enteromorpha auf Halimeda, Goniotrichum (Confervacee) auf Ceramium.
Die meisten Kalkalgen sind frisch mehr oder weniger hell - grün, am schönsten Acetabularia, blasser Halimeda und Galaxaura, mit roth gemischt Amphiroa. Die Florideen zeigen meist eine Mischung von Grün und Roth, keines so entschieden, wie im Herbar. Am flüchtigsten ist das Roth bei den schleimig anzufühlenden, so vor allen bei Halymenia, dann bei Hypnea. Laurencia ist schon im Leben mehr grün, die Polysiphonien oft dunkel. Alle Sargassen, Turbinarien und Verwandte sind im Leben so hell olivengelb, wie die nordischen Fucus vesiculosus und Ozothallia nodosa. Zonaria ist auch hellbraun, aber zeigt einen mehr oder minder ausgesprochenen, mehr oder minder beständigen Anflug von Violettgrau, unter Wasser silberglänzend an ihrer oberen Seite. Mehrere Caulerpen sind die einzigen Tange, bei denen auch in der Farbe ein Gegensatz von Stamm und Blatt merklich wird, die im Sand kriechenden Stengel der Caulerpa Freycinetii fand ich frisch hell olivengelb, ähnlich den grösseren Fucoideen, die frei emporstehenden und flottirenden blatt - artigen Gebilde lebhaft grün.
Eine von meinem Sohne mitgebrachte japanische Encyclopädie (Wa-kan-san-sai-dzu-e) führt im 97sten und 98sten Heft nach mehreren phanerogamischen Wasserpflanzen, wie Limnocharis, Limnanthemum, Pontederia, Potamogeton, Ceratophyllum, auch achtzehn Meeralgen auf, allein in so rohen Holzschnitten und mit so kurzen Nachrichten*)Die Uebersetzung des Textes, woraus im Folgenden Einzelnes gegeben wird, verdankt mein Sohn der Güte des Prof. J. Hoffmann in Leyden., dass nur wenige mit Sicherheit, manche gar nicht bestimmt werden können, auch wenn man das fünfte Heft von Kaempfer’s Amoenitates exoticae zu Hülfe nimmt, welches acht Meeralgen mit ihren chinesischen, in Japan unseren lateini - schen entsprechenden und den volksthümlichen japanischen Namen enthält.
Ein Versuch, diese Algen mit Hülfe der mitgebrachten zu errathen, hat folgendes Ergebniss geliefert.
121Tange der japanischen Encyclopädie.Blatt 11. Tokorosen gusa*)Kusa, in Zusammensetzungen gusa, ausgesprochen ksa, bedeutet im Japani - schen ganz allgemein Kraut oder Gras, nori specieller Tang; soweit sich die Be - deutung der japanischen Namen erkennen liess, ist deren Uebersetzung beigefügt., im japanischen Meer, ge - gessen, ersetzt Vogelnester-Gelée. Kaempfer p. 832: Seki qua, vulgo kokuro buto, it. Tokoro tengusa. Muscus submarinus sive Alga rupium capillaris, ramosa, lutescens (ausgebleicht), ex qua in Japonia et Sina coquitur Gelatina, quae per cribrum in vermiculatos bacillos coacta et siccata, ubique prostat venalis, japonice Toko - roten, sinice Tsjantsjaù dicta. Von Hof-Apotheker Vrydag Zynen im Haag erhielt ich von Siebold mitgebrachte gebleichte Exemplare unter dem Namen Tosako. Ist Gelidium Amansii Lx.
11. v. Tosakanori, oder richtiger tori-saka-nori, d. h. Hahnenkamm-Tang, gezähnt, tiefroth.
Gelidium rigens Greville.
Kaempfer’s Roku kaku, vulgo Ino matta, Tori sakanori, i. e. Cornua cervina (ungenaue, doch ebenfalls die zackige Form ausdrückende Uebersetzung), p. 833 dürfte eher auf Gigartina acicularis Lx. zu beziehen sein.
12. Modsugu, in der Provinz Hisen (Westküste von Kiusiu) und auf der Insel Tsusima, viele Fuss lang, biegsam, flottirend, klebrig, dunkelgrün.
Desmarestia viridis Lx.?
12. v. Ogo nori, auf Steinen im Meer, 1 — 2′ lang, grün; in kupfernen Kesseln gekocht gibt es (grüne) Farbe.
Cladophora??
12. v. Fu-nori, chinesisch Hirschhornkraut, überall im Süden und Norden von Japan, essbar.
Was Siebold unter diesem Namen mitbrachte, ist halb aufgelöstes, sorgfältig gereinigtes, silberfarbig glänzendes oder karminroth, grün oder blau gefärbtes Gelidium Amansii, als Schlichte für die Seiden - und Baumwollenweber und zur Bereitung durchscheinenden Papiers verwendet. Auch in der Abbildung der Encyclopädie lässt sich kein rechter Unterschied von dem vor - hergehenden tokorosen-gusa erkennen, nur geht die Verästelung weniger weit.
13. v. Udsu furu i nori, 2 — 3′ lang, 2 / 10″ breit, fein wie Haar, purpurfarbig, sehr wohlschmeckend, von Tauchern geholt. 122Tange der japanischen Encyclopädie.Die kostbarste Art. Die Abbildung stellt lange, einfache, parallele Fäden dar.
Unerkennbar.
14. Siumo oder Siwo mo, d. h. Salzwasser-Ceratophyllum, blass purpurfarbig, in der Binnensee zwischen Nipon und Sikok vorkommend.
Sphaerococcus confervoides L.
Zu Yokohama hörte mein Sohn die Zostera marina L. mit dem ähnlich lautenden Namen S’na-mo bezeichnen, d. h. Sand - Ceratophyllum. Zostera wächst bekanntlich auf Sandboden, Sphaero - coccus, wie die meisten anderen Algen, auf Felsengrund, und auf solchem bildet die Encyclopädie auch ihren siumo ab.
14. Sakura-nori, d. h. Kirschen-Tang, gelblich weiss oder fahl purpurn; mit Blasen der Sakura ähnlich. Sakura ist nach Kaempfer und Thunberg der japanische Name der Weichsel, Prunus Cerasus S.
Sargassum piluliferum Turn. und andere Sargassen.
14. v. Si sai, chinesisch Purpurkraut, japanisch Ama nori, süsses Moos, essbar. Kaempfer p. 832: Si sai, vulgo Ama nori et Mura sakinori, muscus marinus purpureus rupium; edulis, quanquam substantiae durioris et membranaceae.
Cystoclonium armatum Harvey?
15. Wagame, gebraten, auch geschnitten, ähnlich dem Kombu, dünner, schmaler und kürzer.
Alaria amplexicaulis Martens? Kauam ist der kamt - schadalische Name der Alaria esculenta Grev., welche dort auch gekocht wird; das Bild passt freilich nicht. Jedenfalls, wie die drei nächstfolgenden, eine Laminariee.
15. v. Arame, in den südlichen und westlichen Meeren häufig, in Streifen geschnitten, schwer zu verdauen, in Hungersnoth viel gegessen. (Chinesisch Hai tai, Meergürtel, in Tengtscheu, vermuthlich die Stadt Tangtschau oder Teng-tschau-fu am Ein - gang des Golfs von Petscheli, getrocknet zu Seilen benutzt.) Kaempfer p. 833: Kai tei, vulgo Arame, fucus lanceiformis tricubitalis et longior, striatus, ora integra, mucosus, a strenua coctione edulis. Oris rupium adnatus, in superficie maris fluctuat.
In Yokohama wurde Capea Richardiana Ag., wie Nudeln geschnitten, als Esswaare verkauft.
16. Sagarani oder Katsime, wird auch gegessen, besonders123Tange der japanischen Encyclopädie.in Sagara ura, Provinz Tohadomi (an der Südküste von Nipon, zwischen Miako und Yeddo). Kadshume nannte man in Yokohama die Capea flabelliformis Rich.
16. Kombu oder Hirome, auch Yebisu me, d. h. breiter Gürtel oder Gürtel des Fischer-Gottes, Yebisu-sama, hauptsächlich in Yesso, bildet einen Artikel des Tributs von dort nach Japan, wird gegessen, 20 — 30′ lang, 4 / 10 — 5 / 10′ breit; Ein Stamm bildet ein Gebüsch. Kaempfer p. 833: Firomé et Konbu vulgo et literatis. Fucus marinus lanceatae formae, orgya longior, margine dentato. Rupibus adnascens in maris superficie fluctuat, totus genti post praeparationem esculentus, quanquam coriaceae substantiae.
Nach Thunberg, fl. jap. p. 346, Laminaria saccharina Lx.; der gezähnte Rand, auch in der Abbildung der Encyclopädie deutlich erkennbar, passt besser auf Capea elongata, die aber kaum so lang werden dürfte.
17. Fiziki, dunkelgrün, gekocht schwarz, 2 / 10 — 3 / 10′, mit Mausschwänzen verglichen.
Codium tomentosum Huds.
17. v. Umi-Madsu, Meer-Tanne. Carpacanthus tricho - phyllus Kg.
17. v. Umi-Soomen, Meer-Nudel, getrocknet versandt.
Ist wahrscheinlich das oben erwähnte, aus aufgelöstem Geli - dium Amansii auf dieselbe Weise, wie die neapolitanischen Macaroni aus Mehlteig, verfertigte Tschau-tschau, welcher von den Chinesen in bedeutender Menge von Nangasaki nach China ausgeführt wird. In Desima nennt man ihn künstliche Vogelnester, da er eben so schmecken und eben so stärkend sein soll.
18. Aosa, Awosa (ob ao-kusa, grünes Kraut?). Clado - phora??
18. v. Ao-nori, grünes Moos, kraus, dünn, im südlichen Japan gegessen, wohlschmeckend.
Die Abbildung höchst undeutlich. In Yokohama wurde meinem Sohn Ulva lactuca L. mit diesem Namen bezeichnet, und hierauf passen auch die angeführten Worte des Textes recht gut.
23. v. Ma-kuri, aus den Liu-kiu-Inseln und dem süd - lichsten Theil von Kiusiu, Satsuma, eingeführt, 1 / 10 — 2 / 10′ lang, hohle, etwas verzweigte Röhren, von schleimigem Geschmacke, den kleinen Kindern zur Beruhigung gegeben; die Abbildung wenig124Weitere japanische Namen für Tange.verständlich. Ist vielleicht nur ein besonderes Präparat aus dem mehrerwähnten Gelidium.
Die weiteren von Kaempfer Seite 833 erwähnten Algen sind: Tai sei, vulgo Aii nori (indigofarbiger Tang), muscus marinus Corallinae similis, multifidus, folio tenuissimo. Ceramium rubrum Huds. und
Sisjo, vulgo Miru, muscus marinus ramosus coralloides.
Meinem Sohne nannte man ferner die Corallina Filicula Lamarck, wie überhaupt die kleinen, auf Haliotis gigantea auf - sitzenden Algen, Awabi ksa, d. h. Haliotis-Kraut, die Halochloen Gembusa (?? kenbu-k’sa, Seidenstoff-Kraut) und Mo, letzteres ist nach Thunberg zugleich der Name einer Süsswasserpflanze, Cerato - phyllum demersum L. Die Japaner besitzen demnach, wie die Schotten und Norweger, wirklich mehr allgemein verständliche Namen für verschiedene Tangarten, als die Mehrzahl der euro - päischen Schriftsprachen, und aus demselben Grunde, weil die einzelnen Arten für sie von practischem Interesse sind, aber sie halten bei ihren Namen eben so wenig die Gränzen der botanischen Hauptabtheilungen ein, wie wir, wenn wir von isländischem oder irländischem Moos sprechen, oder die Botaniker selbst, als sie den alten Namen der phanerogamen Zostera, Alga, auf die Classe der Wasser-Thallophyten übertrugen.
Das Erste, was uns an der vorstehenden Uebersicht auffällt, ist, dass man von dem in sehr runder Zahl zu 250,000 geographischen Quadratmeilen angegebenen China, so wie von Japan, dem man deren 13,824 gibt, bis zum Jahre 1860 auch nicht eine einzige Alge des süssen Wassers kannte. Die preussische Expedition hat jetzt wenigstens den Anfang gemacht und von mehr als tausend Arten, welche unsere Nachkommen aus diesen grossen, an Flüssen, Seen, Canälen und Reisfeldern reichen Ländern kennen und verzeichnen werden, vier mitgebracht, von Formosa den Nachweis einer grossen Verbreitung des schönen Wassernetzes, von Yokohama die bisher nur aus Padua bekannte linsenförmige Rivularie, eine neue Clado - phora und ein neues Zygnema.
Etwas weniger unbekannt ist die Meeresflora beider Reiche von 23° 30′ bis 45° N. Br. und 118° bis 150° O. L. von Greenwich, also 21° 30′ Breitengrade und 32 Längengrade umfassend.
Durch andere Reisende, vorzüglich Horner und Tilesius, Naturforscher der russischen Erdumsegelung unter Krusenstern, und Williams und Morrow bei der nordamerikanischen Expedition unter Perry, kennt man 78 Arten und Spielarten; die Naturforscher der preussischen brachten deren 111 mit, darunter nur 30 schon von Anderen gefundene, so dass der Zuwachs an für dieses Gebiet unbekannten Arten und Spielarten 81 beträgt, also von den 159 gegenwärtig bekannten über die Hälfte eine Frucht der königlich preussischen Unternehmung ist.
An Grösse haben die Algen dieser Meere gegen die tropischen zugenommen, doch, nach den mitgebrachten Exemplaren zu urtheilen, nur mässig. Die grösste Länge ist bei Anthophycus japonicus 1′ 9″, Halochloa Siliquastrum 1′ 6″, H. patens 2′, H. polyacantha 2′ 3″, Carpacanthus trichophyllus 2′ und Sargassum pinnatifolium 3′ 3″. Zugleich treten nun auch Laminarieen auf, Capea Richardiana bis 1′ 6″ lang, Capea flabelliformis 1′ lang, Stamm und Zweige bis 1½″ breit, und Capea elongata mit bis 2½′ langen, 1¾″ breiten Zweigen, neuseeländische Algen, deren Fundort in Japan insofern nicht genau bestimmt ist, als sie getrocknet als Esswaaren in den Läden gekauft wurden.
Eine schöne, zarte Alaria ist bis zwei Fuss lang und über einen Fuss breit, und von Laminarien im engeren Sinne erhielt man zwar nicht die von Kämpfer und Thunberg in Japan, von Burnett in China angegebene Laminaria saccharina, nach Kaempfer über eine136Charakteristische Gattungen.Klafter lang, nach der japanischen Encyclopädie sogar bis dreissig Fuss lang und einen halben Fuss breit, aber doch ein vielleicht zu Hafgygia Bongardiana Kg. gehörendes Fragment.
Die in den Tropengegenden so häufigen Zonarien fand man hier nur durch eine einzige, aber ausgezeichnete, dort fehlende Art vertreten, die Zonaria Durvillei Bory, von deren Fundorten nur der an Chile’s Küste richtig sein dürfte.
Die nahe verwandten Gattungen Sargassum und Carpacanthus sind mit vierzehn Arten stärker vertreten, als in den entsprechenden Breiten des atlantischen Meeres.
Die Hauptmerkwürdigkeit dieser Flora ist das Auftreten einer sie wesentlich charakterisirenden Gruppe von Fucaceen, welche Kützing’s Gattungen Spongocarpus mit sechs, Halochloa mit dreizehn, Myagropsis mit fünf und Coccophora mit zwei, zusammen 26 ausschliesslich chinesisch-japanischen Arten ohne Gattungsverwandte in anderen Meeren umfasst. Diese Gruppe entspricht den hier ganz fehlenden Blossevilleen der südlichen gemässigten Zone des stillen Weltmeeres, von welchen sie durch die tropische Zone getrennt sind, den durch Asiens Festland unübersteiglich geschiedenen 45 Cystosireen des atlantischen Welt - meeres, hier nur durch drei Familien -, nicht Gattungsverwandte, die halbtropische Hormophysa triquetra und zwei eigenthümliche, nicht häufige Sirophysalis-Arten, schwach vertreten; sie bilden mit ihren in eine Granne oder ein Blatt endigenden Blasen und ihren endständigen Früchten ein Mittelglied zwischen den Cysto - sireen und den von beiden Agardh mit ihnen vereinigten Sargassen, in welche sie durch Sargassum pinnatifolium, piluliferum und Car - pacanthus trichophyllus übergehen.
Von Caulerpeen keine Spur, selbst die Phyllerpen fehlen, welche doch in anderen Meeren beide Wendekreise überschreiten; auch die noch an den Küsten der Philippinen sehr häufigen Halimeden sind mit den Korallenbänken verschwunden, und die 42 anderen kalkhaltigen Algen der angränzenden tropischen Meere sind auf dreizehn vermindert.
Von der zahlreichen Familie der Callithamnieen zeigt unsere Uebersicht nur eine zweifelhafte Spur in Burnett’s Angabe der Grif - fittsia corallina und auch die Ceramieen, im gemässigten atlantischen Meer so häufig, sind mit vier Arten schwach vertreten.
Das schöne Cystoclonium armatum erinnert durch seine137Nutzen der Tange für die Thiere.Starrheit und reiche Verzweigungen an den mittelländischen Sphaerococcus armatus, während es sich durch seine Frucht an eine Gattung kälterer Meere anschliesst. Hypneen, Gelidien, Poly - siphonien und Laurencien bleiben noch häufig, aber der Sphaerococcus confervoides gemässigter Zonen tritt ganz an die Stelle des die Wendekreise nicht überschreitenden tropischen Sphaerococcus liche - noides, und in Tschifu trifft eine neue Art der tropischen Gattung Leveillea mit der hochnordischen Lophura floccosa zusammen.
Jedes Einzelwesen ist zunächst für sich da, dann für seine Kinder; dieses hindert jedoch nicht, dass es in vielfachen Beziehungen zu anderen Einzelwesen stehe, welche letzteren schädlich oder nützlich sein können.
Was nun die Algen betrifft, so sind diese so harm - und wehrlos, selbst ihre Stacheln stechen nicht, dass bei ihnen von einem Schaden gar nicht die Rede sein kann.
Ihr grösster Nutzen besteht in dem Schutze, welchen sie Millionen von Zoophyten, Crustaceen, Mollusken, vielen Fischen und dem Laich all dieser Thiere gewähren, ein Schutz, von welchem der oben erwähnte schwimmende Traubentang ein auffallendes Bei - spiel liefert. In Tropenmeeren jedoch ist derselbe wegen ihrer geringeren Grösse und Häufigkeit nicht so bedeutend, wie in höheren Breiten, und wird den gleichen oder ähnlichen Thieren hier auch von den Korallen gewährt.
Weit geringer ist der Nutzen der Algen als Nahrung für Seethiere, welche in der Regel nur von thierischer Kost leben, so dass man weitaus die meisten Algen nie angenagt oder zer - fressen findet.
Dass der Schwertfisch sein Schwert zum Mähen der Wiesen des Abgrundes benutze, ist längst als Mährchen erkannt, und Couch’s Vermuthung, dass eine Heringsart, Clupea Pilchardus, sich von dem Samen der Tange nähre, ist eben so grundlos.
Harvey erzählt, dass an der Südküste von Florida die Meerschildkröten auf den Caulerpa-Wiesen weiden, und nach Carmichael sollen der bis 25 Fuss lange Seelöwe und ein andert - halb Fuss langer Fisch, Chaetodon monodactylus Carmichael, im äussersten Süden Amerika’s von Macrocystis pyrifera leben; nach Steller nährte sich am äussersten Norden des gleichen138Tange als Nahrungsmittel.Welttheils die seitdem ausgerottete Rhytina Stelleri von anderen Laminarieen.
Cuvier und Valenciennes fanden den Magen einiger Fische mehr oder minder mit Tangen gefüllt, so bei Sparus Boops L., Charax Puntazzo Cuv., Scorpis georgianus Cuv., einem Cantharus aus dem mittelländischen Meere, einigen Sargusarten aus dem rothen und atlantischen Meere und Sargus Aries Cuv. aus der Lagune von Maracaibo im tropischen Südamerika.
Ich selbst fand nie in dem Magen eines Fisches etwas Algen - ähnliches, junge Fische und Taschenkrebse waren fast immer der Inhalt, seltener junge Schalthiere. In der Lagune von Venedig fand ich an einer etwas löcherigen Ulva latissima L. mehrere Exem - plare von Bulla Hydatis L. und schrieb dieser die Löcher zu; an der Hafenmauer von Ancona sass an wie ein Sieb durchlöcherten Exemplaren der Porphyra vulgaris Ag. eine kleine Meerschnecke, Nasa Corniculum Olivi, in Mehrzahl, dazwischen Grateloupia filicina Ag. und Chaetomorpha Linum Kg. ganz unverletzt und unbewohnt, woraus ich schloss, dass diese Schnecke sich von der Porphyra ernähre, und so dürfte auch die unregelmässig durchlöcherte Phy - coseris gigantea von Amboina, Singapore und Yokohama ihre Löcher durch Gasteropoden erhalten haben.
Die Rolle, welche die Tange als Nahrungsstoff für den poly - phagen Menschen spielen, ist ebenfalls eine sehr untergeordnete, übertrifft zwar die der Moose, welche gar nicht gegessen werden, der Farn, welche nur den Maori’s Neuseelands einige Nahrung liefern, und der Flechten, welche selbst in Polarländern wegen ihrer Bitterkeit weniger hierzu benutzt werden, als sie verdienen, dürfte aber der der Pilze bedeutend nachstehen, von welchen viele höheren Arten, ja selbst die tiefstehenden Trüffel, besonders von den slavischen und romanischen Völkerstämmen, Chinesen und Japanern (Thunberg fl. jap. p. 347) in Menge gegessen werden.
Gegen den Südpol ist das wenige Land ganz unbewohnt oder sehr schwach bevölkert, die Algenkost fällt ganz weg; gegen den Nordpol gibt es mehr Land und Menschen, aber der Umstand, dass das zugefrorene Meer die Benutzung der dortigen Riesentange gerade im langen Winter, wenn die Hungersnoth am grössten ist, verhindert, während im Sommer der Fisch - und Vogelfang die Bevölkerung vollauf beschäftigt und sättigt, lässt auch hier keine Phykophagen aufkommen.
139Tangessen in Norwegen und Schottland.Sibiriens und Amerika’s hochnordische Ureinwohner an den Küsten des Eismeeres, in Grönland und Labrador, scheinen die Algenkost ganz zu verschmähen, nur von Sitka im russischen Amerika berichtet Heinrich Mertens (Linnaea Bd. IV., S. 46), dass die Kaloschen den untersten Theil von Fucus vesiculosus L. sowohl frisch als gekocht essen, Laminaria saccharina Lx. und Alaria esculenta Grev. würden auch gegessen; was Mertens aber unter Fucus edulis, welcher vorzüglich zum Wintervorrath eingesammelt werde, ver - standen habe, ist nicht zu errathen, da Fucus edulis Withering = Iridaea edulis Bory und Fucus edulis Gmelin = Sphaerococcus lichenoides Ag. dort nicht vorkommen.
In Europa sind es die Normänner in Island, den Faröern und Norwegen und die Einwohner celtischen Stammes im nörd - lichen Schottland, in Wales, Cornwallis und Irland, welche die Tange als Nahrung benutzen, und zwar namentlich die jungen Stengel und Blätter der Laminarien, welche zehn bis fünfzehn Procent Mannazucker enthalten, so wie der Hafgygia digitata, Tangle der Schotten, dann Mittelrippe und Fiederblättchen der Alaria esculenta, welche schon von Linné den Beinamen die Essbare erhielt, honey ware der Schotten; ferner Sphaerococcus palmatus Kg., schottisch Dulse, irisch Dillisk, süsslich mit Veilchen - geruch; Iridaea edulis, zu zähe, um roh gegessen zu werden, daher in der Pfanne gebraten; Porphyra, Laver, als Salat oder gekocht und als die beste gerühmt; Ulva und Phycoseris, green Laver, gedämpft; Chondrus crispus und Mastocarpus mammillosus, Carra - geen, zu Sulze verkocht; endlich Laurencia pinnatifida, Pepperdulse, des pfefferartigen Geschmackes wegen als Würze zu anderen Speisen (nach Greville und Harvey).
Indessen ist das Tangessen im nördlichen Europa sichtbar im Abnehmen und weicht mit zunehmender Wohlhabenheit und Bildung mehr und mehr anderen Nahrungsmitteln. Greville hörte schon vor 35 Jahren in den Strassen von Edinburg nur selten noch den alten Ruf: » Kauft Dulse und Tangle! « und jetzt wird er wohl ganz verhallt sein.
Ueberschreitet man den Canal, so ist jede Spur von Algen - kost verschwunden; ich habe in Frankreich, Holland, Deutschland und Italien nie etwas davon gesehen oder gehört, und wenn Greville die Bewohner des griechischen Archipels Sphaerococcus palmatus essen lässt, so widerlegt sich diese Angabe einfach da -140Agar-agar der Malaien.durch, dass im ganzen Mittelmeer weder diese, noch eine andere, leicht damit zu verwechselnde Alge vorkommt.
In ganz Afrika und Westasien weiss man auch nichts von essbaren Tangen, und von Südamerika fand ich bloss die Angabe, dass in Chile die ärmeren Volksclassen die Durvillea utilis Bory braten und essen, welche freilich beinahe mehr Aehnlichkeit mit Bratwürsten, als mit Algen hat.
Nur Ostasien, das jetzt uns beschäftigende Floragebiet, tritt als das Land hervor, wo die Tange im Grossen als Speise nicht nur gesammelt, sondern auch gebleicht, getrocknet und in den Handel gebracht werden; die malaiischen und mongolischen Volks - stämme sind die stärksten Phykophagen der Erde: während anderswo die Algen selten mehr als Nothbehelfe bei Hungersnoth und Armuth sind, sind sie hier Leckerei der Reichen und als solche einträglicher Handelsartikel, wie die Holothurien.
In niederländisch Indien ist es vorzüglich Sphaerococcus spinosus Ag. (Eucheuma spinosum J. Ag.), welcher, im Leben dunkelroth, als Agar Agar gesammelt, mit Kalkwasser gewaschen und an der Sonne gebleicht und getrocknet, dann zu einer Gallerte versotten wird, um die beliebten heissen und beissenden Gewürze für den Gaumen behaglicher zu machen. Drei andere, diesem nahe verwandte Eucheumen J. Agardh’s, nämlich Sphaerococcus Serra Kg., Sphaerococcus gelatinus Ag. und Gigartina horrida Harvey, werden unter gleichem Namen auf gleiche Weise behandelt, ja mein Sohn erhielt auf Timor selbst die schmächtige, fadendünne Hypnea divaricata Greville als Agar Agar.
Weniger beliebt, aber viel häufiger, daher leichter ein - zusammeln, ist Sphaerococcus lichenoides Ag., welcher diesen Namen und den noch unpassenderen Plocaria candida Nees dem Umstande verdankt, dass man ihn früher nur gebleicht erhielt; allein schon Rumph erwähnt seine verschiedene Färbung. Er wird nach ihm auf Amboina Aysana und Aystana genannt, in Java Bulung, in Makassar Dongi Dongi, in süssem Wasser ausgewaschen und frisch mit Atsjar oder Dabbo Dabbo, einer Sauce von Citronensaft mit etwas Ingwer, gegessen, wobei er angenehm zwischen den Zähnen knistere, oder getrocknet in den Handel gebracht, kommt auch als Ceylon-Moos nach Europa. Die Annahme, dass er den Stoff zu den mit Lebensgefahr gesammelten, theueren, essbaren Schwalbennestern liefere, ist längst schon widerlegt.
141Tosako der Japaner, Leimtang der Chinesen.Auf der unbewohnten Insel Klein-Tawalli sammelten die malaiischen Bootsleute meines Sohnes zu seiner Ueberraschung die schöne Chauvinia macrophysa Sonder, um sie gesotten als Zugemüse zum Reis zu essen; sie gaben auf Befragen dafür die Benennung lai-lai an.
Nach Gaudichaud wird Enteromorpha compressa Link von den Sandwichs-Insulanern für essbar gehalten.
Ueber die essbaren Algen der Philippinen habe ich S. 45 Blanco’s Nachrichten angeführt und über die von Japan die Kaempfer’s und der japanischen Encyclopädie S. 121 — 123.
In den Kaufläden von Yeddo und Yokohama fanden unsere Reisenden den Tosako in Menge gebleicht; die Farbe des lebenden ist, wie bei den meisten Florideen, ein durch Grün getrübtes Purpur - roth, halb verbleicht durch das Verschwinden der flüchtigeren rothen Farbe grün, stärker gebleicht gelblich bis weiss, ein Farbenwechsel, durch welchen das nahe verwandte capische Gelidium cartilagineum, an welchem oft alle drei Farben zugleich vorhanden sind, je nach - dem seine Zweige im Meeresauswurf bedeckt oder mehr oder weniger der Sonne ausgesetzt lagen, berühmt geworden ist; Esper, Icones fucorum, hat mit einer solchen Curiosität die Reihe seiner Tange auf Tafel I. begonnen.
Das kleinere Gelidium rigens Grev. erhielten sie gebleicht, aber ziemlich unrein, in flachen, viereckigen, drei Zoll langen und breiten Täfelchen; auch Cystoclonium armatum, Capea Richardiana, flabelli - formis und elongata wurden als Esswaaren feilgeboten und erkauft.
Von dem berühmten zähen Leimtang der Chinesen, Gloeopeltis tenax J. Ag., fand mein Sohn nur ein paar vereinzelte Exemplare am Hafen von Hongkong und bei Wahai auf Ceram. Es sind schlüpfrige, bei dem Trocknen an das Papier fest anklebende, viel - verzweigte, stielrunde, oft sichelförmig gebogene Fäden von der Dicke eines Rabenkiels und nur ein bis zwei Zoll Länge. Nach Turner (Fuci II., p. 142) wird dieser Tang vorzüglich an den Küsten von Fokien und Tschekiang gesammelt und in Canton jähr - lich ohngefähr 27,000 Pfund davon eingeführt. Er werde an der Sonne gebleicht und getrocknet, zum Gebrauch in kaltem Wasser von Salz und fremden Bestandtheilen gereinigt, dann in warmem Wasser eingeweicht, in welchem er sich bald ganz auflöse und zu einer festen Gallerte erkalte, welche, wie Leim, in der Hitze wieder flüssig werde. Man benutze diese Gallerte ganz wie das arabische142Leimtang.Gummi oder Tischlerleim, vorzüglich als Firniss der papierenen Laternen und Gitterfenster und als Schlichte bei Seidengeweben. Turner schrieb 1809 und verdankte diese Nachrichten dem berühm - ten Joseph Banks und Herrn Goodhall; neuere sind mir nicht bekannt geworden, die 1836 in Edinburg erschienene Beschreibung von China fügt nur die Vermuthung Dr. Neill’s hinzu, dass der als Nahrung, Leim und Firniss benutzte Hai-Tsai eben diese Gloeopeltis sei, nach der japanischen Encyclopädie bedeutet aber Hai Tai auf chinesisch Meergürtel und sei der Name einer grossen Laminarie, so dass es hier noch Manches aufzuhellen gibt.
Ich schliesse hier eine kurze Aufzählung der Wasserpflanzen aus anderen Abtheilungen des Pflanzenreichs an, welche mein Sohn von der Reise mitgebracht hat.
Die Bestimmung derselben, so wie der Najas-Arten, verdanke ich Herrn Prof. A. Braun in Berlin.
Nitella pseudoflabellata A. Br. Im westlichen Borneo bei Lumar.
— polyglochin var. Zollingeri A. Br. Ebenda bei Bengkajang.
— eine mit N. flexilis verwandte Art. Ebenda.
Chara Ceylanica Willd. Ceylon bei Pointe d. Galle.
Salvinia natans L. Japan bei Yokohama.
Azolla sp. Java, in einem künstlichen Teich der » Wasserburg « bei Djokjakarta.
— sp. Rio Janeiro, in einem Teich des botanischen Gartens zu Botafogo.
Pistia stratiotes L. Sumatra, im Flusse Musi bei Palembang treibend, stellenweise in grosser Menge; sehr häufig im Pasigfluss oberhalb Manila.
— sp.? Siam, in sumpfigen Gräben bei Bangkok.
Najas falciculata A. Br. (Journal of botany 1864). Philippinen, in der Laguna del Bai oberhalb Manila.
— minor var. Indica A. Br. l. c. (Caulinia Indica Willd.). Timor bei Kupang.
— graminea Del. Ceylon bei Pointe de Galle.
Wolffia arrhiza Wimm. Bei Manila.
144Weitere ostasiatische Wasserpflanzen.Eriocaulon intermedium Körnicke. Oestliches Sumatra, bei Lembok in einem langsam fliessenden, klaren Bach, schwimmend.
Hydrilla verticillata L. fil. sp. Singapore in einem kleinen Bach und auf Celebes im See von Tondano.
Ceratophyllum submersum L. Japan bei Yokohama.
Utricularia sp. sp. Singapore, Sumatra bei Lembok, Borneo bei Singkawang und Sintang.
Limnophila, wahrscheinlich gratioloides Gaudichaud, eine Scrofu - larinee. Westliches Borneo, bei Mandhor in einem seichten Teiche.
Trapa bicornis L. fil. In Japan häufig.
Nymphaea stellata Willd. Westliches Borneo bei Sambas.
Schon bei dieser kleinen Anzahl tritt die weite geographische Verbreitung der Süsswasser-Organismen erkennbar hervor. Von den zwölf bestimmten Arten ist nur Eine, Chara Ceylanica, allein auf derselben Insel, von wo sie seit früher bekannt ist, wiedergefunden worden; mehr als die Hälfte der Arten findet sich auch in anderen Welttheilen (so ausser den drei europäischen Arten die Pistia, die Nymphaea und eine Najas in Afrika), zwei weitere Arten, Najas falciculata und Eriocaulon, mindestens zugleich auf dem vorder - indischen Festlande und im Archipel. Von den vierzehn Gattungen, welchen die zwanzig Arten angehören, sind nur vier, Azolla, Pistia, Eriocaulon und Limnophila, Europa fremd, von den zwölf Familien derselben nur Eine, Eriocauleae, ausschliesslich tropisch.
Zu Seite 19. nach Lyngbya fluviatilis.
Scytonema varium Kg. Bei Singkawang an der Westküste von Borneo am Rande des Waldes zwischen Sandhügeln, alten, jetzt über eine Stunde vom Meer entfernten Dünen, in einer Vertiefung, in welcher vielleicht zur Regenzeit süsses Wasser stehen bleibt, auf dem nackten, trockenen Sande schwarzrothe Flecken bildend.
Zu Seite 27. Carpacanthus herbaceus.
Nach einer Mittheilung des Herrn A. Grunow in Wien ist unser Carpacanthus herbaceus von Mampawa » ziemlich typische Form von Sargassum Binderi Sonder, zu dessen Formenkreise Sargassum herbaceum Kg., Carpacanthus oligocystus Montagne, Sargassum dumosum Greville und Sargassum cervicorne Greville gehören dürften. «
Zu Seite 29. Gymnophloea dichotoma.
Die Gymnophloea von Pointe de Galle auf Ceylon dürfte als neue Art aufzustellen sein: Gymnophloea gracilis Martens, fronde gelatinoso-carnosa, inferne laxe et remote, superne crebre dichotoma, fronde subtereti semilineam lata, axillis rotundatis, ramis divaricatis, sensim attenuatis, ultimis linearibus acutiusculis.
Zwei Zoll lang, purpurroth, leicht in grünlich ausbleichend, schlüpfrig, dem Papier fest anklebend. Der Stamm bleibt bis zur zweiten oder dritten Gabelung gleich dick und verdünnt sich bei weiterer Theilung bald langsamer regelmässig dichotomisch, bald plötzlich in gedrängten Büscheln.
Die Rindenzellen bilden dünne, gegliederte Fäden, welche an der Spitze eine grössere birnförmige Zelle von 1 / 150 bis 1 / 100‴ Länge und 1 / 200 bis 1 / 150‴ Durchmesser tragen. Die Fäden sind dünner als die der von Kützing (Phycologia generalis Tab. 74. Fig. IV., 2.) ab - gebildeten adriatischen Gymnophloea dichotoma, dagegen die durch einen körnigen Inhalt ganz oder nur an der Spitze dunkel gefärbten Endzellen beträchtlich grösser.
Zu Seite 117. vor Ceramium.
Hormoceras tenerrimum Martens, biunciale, capillaceum, re - gulariter repetite dichotomum; articulis inferioribus diametro 8 — 10plo longioribus, zonis parum incrassatis diametro brevioribus, interstitiis diaphanis; articulis superioribus sensim brevioribus, denique con - fluentibus, apicibus circinnato-forcipatis. Taf. VIII. Fig. 2.
April 1861 bei Nangasaki, Schottmüller.
Die Vergrösserungen sind auf den Tafeln selbst in Bruchzahlen der natürlichen Grösse angegeben.
Die mit derselben Ziffer bezeichneten Figuren Einer Tafel gehören derselben Art an.
Tafel I.
Fig. 1. Physactis Wichurae, Chinesisches Meer. 1 b. Einzelne Fadenstücke ver - grössert. Seite 21.
» 2. Conferva (Oedogonium?) Cladophorae, auf Cladophora Sumatrana aufsitzend. Sumatra, Süsswasser. S. 20.
» 3. Cladophora zostericola, Japan, auf Zostera aufsitzend, natürliche Grösse; 1 b. vergrössert. S. 112.
» 4. Ulothrix Zelleri, Sumatra, Süsswasser. S. 19.
» 5. Sphacelaria japonica, Japan. S. 112.
» 6. Zygnema undulatum, Japan, Süsswasser. S. 111.
» 7. Zygnema tropicum, Borneo, Süsswasser. S. 21.
Tafel II.
Fig. 1. Cladophora Zelleri, Japan, Süsswasser. S. 111.
» 2. — sumatrana. Sumatra, Süsswasser. S. 20.
» 3. — rugulosa, Japan, im Meer, natürliche Grösse; 1 b. Zweige ver - grössert; 1 c. ein unteres Stück vergrössert. S. 112.
» 4. — tondanensis, Celebes, Süsswassersee von Tondano. S. 20.
» 5. — diluta, Luzon, im Flusse S. Mateo. S. 20.
» 6. — timorensis, Timor, marin. S. 22.
Tafel III.
Fig. 1. Cladophora fusca, Borneo und Java, marin, natürliche Grösse; 1 b. ver - — grössert. S. 22.
» 2. — brasiliana. Rio Janeiro, Brackwasser. S. 16.
» 3. — luzoniensis. Luzon, im Flusse S. Mateo. S. 20.
» 4. Zygogonium javanicum, Java, im Binnenland. S. 21.
» 5. Lyngbya fluviatilis, Borneo im Sambasfluss. S. 19.
» 6. Spirogyra atroviolacea, Borneo, Süsswasser. S. 21.
10*148Tafel-Erklärung.Tafel IV.
Fig. 1. Microdictyon clathratum, Zamboanga auf Mindanao, Philippinen; ver - grössert. S. 25.
» 2. Bryopsis pachynema, Sumatra, natürliche Grösse. S. 24.
» 3. Acetabularia major, Siam; natürliche Grösse. S. 25.
Tafel V.
Capea elongata, Yeddo, verkleinert, ein Stück in natürlicher Grösse. S. 113.
Tafel VI.
Amphiroa canaliculata, Südküste von Java. a) convexe, b) flache Seite. S. 28.
Tafel VII.
Fig. 1. Polysiphonia siamensis, Siam; unten ein Wurzeltrieb. S. 31.
» 2. — inflata, Sumatra. S. 31.
» 3. — javanica, Palabuan auf Java; 3 b. ein Stück stärker ver - grössert. S. 31.
» 4. Dictyomenia gracilis, nördliches China, natürliche Grösse; 4 b. ein Stück vergrössert. S. 119.
» 5. Leveillea bidentata, nördliches China, schwach vergrössert; 5 b. ein Blatt stark vergrössert. S. 119.
Tafel VIII.
Fig. 1. Rhizophyllis Corallinae, Japan, natürliche Grösse; 1 b. vergrössert, 1 c. ein Stück noch mehr vergrössert. S. 119.
» 2. Hormoceras tenerrimum, Nangasaki, vergrössert. S. 146.
» 3. Zellera tawallina, Molukken, Insel Klein Tawalli, natürliche Grösse; 3 b. ein Stück schwach vergrössert, um die Berippung zu zeigen; 3 c. ein Stück aus der Mitte mit einer Rippe, und 3 d. ein Stück vom Rande, noch stärker ver - grössert; 3 e. Cystocarpien. S. 33.
» 4. Gelidium divaricatum, Hongkong, natürliche Grösse; 4 b. schwach ver - grössert. S. 30.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Antiqua
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