PRIMS Full-text transcription (HTML)
vermiſchte botaniſche und oͤkonomiſche Abhandlungen,
herausgegeben und mit einer Vorrede verſehen von D. Karl Abraham Gerhard Koͤnigl. Preußiſchen Geheimen Ober-Finanz-Kriegs und Domainenrath.
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Dritter Band.
Berlin1789,bey Siegismund Friedrich Heſſe und Compagnie.

Vorrede.

Mit Vergnuͤgen uͤberliefere ich einem ge - lehrten Publiko hiermit einen dritten Band der, unter dem gelehrten Nachlaß des ſeligen Hof - rath und Profeſſor Gleditſch aufgefundenen, noch ungedruckten, vermiſchten Abhandlungen.

Wenn ſolche, auch nicht im eigentlichen Verſtande, botaniſchen Inhalts ſind, ſo wer - den ſie dennoch, da ſie, auſſer dieſen, mehren - theils oͤkonomiſche und landwirthſchaftliche Ge - genſtaͤnde betreffen, auch ſchon dem eigentlichen Botaniſten angenehm ſeyn, da der beruͤmte Verfaſſer, als einer der erſten und praktiſchen Botaniker in Deutſchland, wohl nicht leicht eine Materie abhandeln konnte, ohne hin und* 2wie -Vorrede. wieder, wo ſich ihm nur Gelegenheiten darbo - ten, praktiſche Bemerkungen aus dem reichen Vorrath ſeiner, ſo vielfach und ſo muͤhſam ge - ſammelten, botaniſchen Kenntniſſe anzubrin - gen.

Vorzuͤglich aber werden dem Oekonomen, und beſonders dem einlaͤndiſchen Landwirthe, die in dieſem Bande vorkommenden oͤkonomi - ſchen Abhandlungen willkommen ſeyn, da ſel - bigen ſchon die Gruͤndlichkeit und Genauig - keit, womit der ſelige Mann ſeine Beobach - tungen anſtellte, hinlaͤnglich bekannt iſt, und fuͤge ich nur noch hinzu, daß von dieſen ver - miſchten Abhandlungen wahrſcheinlich noch ein vierter Band, aber leider auch wohl der letzte erſcheinen wird.

Geſchrieben im Maͤrz 1789.

Gerhard, Geh. Ober-Finanz-Rath.

Inhalt.

Inhalt.

  • Von Anzucht und Eigenſchaften der BucheSeite 1
  • Vom nuͤtzlichen Anpflanzen der kleinen Ruͤſter oder Effendaum30
  • Gedanken uͤber etliche Unterſchiede des Geſchlechts bey Thieren und Gewaͤchſen (Vegetabills) und verſchiedenen ſehr merklichen bey den letztern von Zeit zu Zeit vorfallenden Veraͤnderungen, die das Geſchlecht betreffen35
  • Summariſcher Auszug einer phyſikaliſchen Unterſu - chung von den verſchiedenen Geſchlechtsarten der Bienen uͤberhaupt, inſonderheit von den praͤ - formirten Weiſeleyern und dem doppelten Aſt des Eyerſtocks der Bienenmutter, zu weite - rer Pruͤfung ausgeſetzt55
  • Grundlage einer ſichern phyſiſch-oͤkonomiſchen Kennt - niß des eigentlichen Hauptzuſtandes vom Grund und Boden in der Churmark Brandenburg81
  • Von der rechten Nutzung der Brache innerhalb der bekannten Brachzeit und der abwechſelnden Ord - nung112
  • Gedanken von den natuͤrlichen Urſachen der hoͤchſt - ſchaͤdlichen Seuche bey dem Rindvieh listitem119
  • Beſchreibung der Wurzel Ginſong aus Kanada139
  • Merkwuͤrdige Cur eines erſtickten Kindes144
  • Eine beſondere Art den Bandwurm zu kuriren146
  • Verſuch eines hiſtoriſch-phyſikaliſchen Beytrags zur Naturgeſchichte des Campherbaumes auſſer ſei - nem Vaterlande unter den noͤrdlich deutſchen Himmelsſtrichen152
  • Verſuch zum Verhaͤltniß der Hoͤlzer bey ibrer Bear - beitung177
  • Von den Krankheiten des Schaafviehes204
  • Der wahre natuͤrliche Gattungscharakter der Zietenia231
  • Muthmaßung uͤber die durchſichtigen Koͤrper des Mi - chelii, die bey einigen Blaͤtterſchwaͤmmen gefun - den werden241
Von[1]

Von Anzucht und Eigenſchaften der Buche.

Man pflanzet die Buche am beſten durch den Saa - men fort, der entweder gegen das Ende des Octobers oder im Anfange Novembers in guten wichtigen Koͤr - nern eingeſammlet und ausgeſaͤet wird, oder ſich um dieſe Zeit von ſelbſt ausſtreuet; allein wer ihn auf das folgende Jahr aufbewahren will, muß ihn noth - wendig, ſo viel als moͤglich, vor das Austrocknen und den Angrif der Maͤuſe bewahren, welche ihm begierig nachgehen. Das beſte Mittel, das beyde Uebel abaͤndern kann, iſt nach Duhamel und anderer Angaben, nach einigen angeſtellten Verſuchen, das Einpacken in nicht zu trocknen Sand, und deſſen Auf - bewahrung an einem nicht zu warmen, noch zu kalten Orte; ob aber das Ausſaͤen im Herbſt oder im Fruͤh - jabre am rathſamſten ſey, davon werde ich meine Meynung angeben.

Boden, den die Buche vorzuͤglich liebt.

Den Boden, den ſie vorzuͤglich liebt, beſteht eigentlich in einem leichten und ſchattigten Grunde. ADieß2Dieß iſt die Urſache, weßwegen wir die beſten Bu - chenwaͤlder gegen Morgen und Mitternacht antreffen, weil nemlich dieſe Lagen ſchattenreicher ſind, als die, welche gegen Mittag und Abend liegen. Die Erfah - rung lehret auch, daß die Buchen im ſumpfigen Erd - reich niemals fortkommen, in einem ihr angemeſſenen wachſen ſie aber zu hohen Baͤumen auf, und werden auch allezeit glatter und vollkommener, als wenn ſie auf einem zu hoch gelegenen, gar zu trocknen und ſtei - nigten Boden ſtatt haben, denn in dieſem letztern wird ihr Stamm wohl weißer und haͤrter im Holze, allein im Wuchſe langſamer und knorriger ſeyn,

Wachsthum der Buche.

Was ihren Wachsthum anbetrift, ſo iſt derſelbe ſchnell, man kann aber nicht gewiß behaupten, daß ſie hierin bey einer gleich guten Erde die Eichen hinter ſich ließen. Es iſt dieſer Wuchs bis in das funf - zehnte Jahr indeſſen etwas langſam, von dieſer Zeit an bis in das hundert und zwanzigſte Jahr, nimmt jedoch eine Buche jaͤhrlich in ihrem Umfange und in ihrer Hoͤhe, nach einem beſtaͤndig ſteigenden Verhaͤlt - niſſe mehr zu, und alsdann ſoll ſie nach den Urthei - len der mehreſten Forſtverſtaͤndigen, ihre Vollkom - menheit erlangt haben. Ihre Wurzeln gehen nicht ſenkrecht und tief in die Erde, wie man dieſes wohl von andern Baͤumen weiß, ſondern ſie laufen unter der Oberflaͤche hin, auch bey den groͤßten und beſten Staͤmmen liegen ſie hoͤchſtens vier bis fuͤnf Fuß tief, und ſchicken ſich theils deswegen nicht gut zu Luſtwaͤl - dern, zu Hecken und auch andern Alleen in Gaͤrten, indem ſie durch ihre ausbreitenden Wurzeln den meh - reſten nutzbarſten Gewaͤchſen eine Menge nahrhafter Feuchtigkeiten entziehen, theils weil ſich bis zwanzig,dreyßig3dreyßig Jahre die Krone zu ſehr ausbreitet, und das uͤbrige noch umherſtehende unterdruͤckt, theils weil ſie in den erſten Jahren langſam waͤchſet, und den Lieb - haber auf die Vollkommenheit ſeiner Anlagen zu lange warten laͤßt.

Ob ihr Anbau im Kleinen oder Großen vorzunehmen ſey?

Die Hauptfrage bey der Buche iſt: Soll man ihren Anbau im Kleinen unternehmen, oder ſogleich große Waldungen anziehen? Da das erſtere keinen ausge - breiteten Vortheil zeigen wuͤrde, ſo muß man alſo zu dem zweyten ſchreiten, und es einem jeden anrathen, daß er ſeine Aufmerkſamkeit auf betraͤchtlich große Plaͤtze wende, die dieſe reichlicher belohnen, als kleine Oer - ter. Es iſt aber eine elende Huͤlfe, wenn diejenigen, denen es an geraͤumigen Plaͤtzen fehlet, um ihre Woh - nungen, oder auf den Gemeindehuͤtungen, zur Er - haltung eines Feuerholzes, dergleichen mit vielen Ko - ſten anpflanzen muͤſſen, und man kann alsdenn dieſe Art des Verfahrens wohl ein nothwendiges Uebel nen - nen, welche um ſo mehr verwerflich wird, da ſie die Ungemaͤchlichkeit mit ſich fuͤhret, daß man Pfaͤhle ſetzen, und dieſe gehoͤrig befeſtigen muß. Man thut deswe - gen am Beſten, ſie zu großen Waͤldern, ohne Ver - miſchung mit andern Gattungen, zu lauter moͤglichſt geraden und hohen Staͤmmen anzubauen und auf - wachſen zu laſſen, wozu nothwendig eine geraͤumige, von aller Huͤtung befreyte Gegend erfordert wird.

In ſolchen Faͤllen kann es geſchehen, daß man die Frage anſtellet:

1) Ob ein Ort ſchon von langen Zeiten her mit dergleichen Holze bepflanzet iſt, und alſo nur erhal -A 2ten,4ten, und nach Abnutzung der alten Staͤmme mit jun - gen Anwuchſe vereiniget werden ſoll; oder 2) ob man einen neuen und leeren Platz zu einem Buchenwalde anbauen will? welche ich in folgenden zu erlaͤutern mich bemuͤhen werde. Verjuͤngerung eines ſchon mit Buchen beſetzten Platzes, und wie unſre Vorfahren dabey verfuhren.

Bey Verjuͤngerung eines ſchon vorher mit Bu - chen beſetzten Platzes, hatten unfre Voraͤltern den Ge - brauch, daß ſie nach einer gewiſſen Zeit, z. E. nach Verfließung von zwanzig bis dreyßig Jahren, den ganzen Ort durchhauen ließen, allenfalls nahmen ſie alsdann wohl die ganz veralteten oder gar zu ſchlecht gewachſenen Staͤmme mit heraus, dabey machten ſie aber das junge Holz ſo duͤnne, daß auf jedem Morgen etwa nur 15 bis 30 von den vermeintlichen beſten ſo genannten Laſtreiſern ſtehen blieben. Zu ihren Zeiten war auch dagegen nicht viel einzuwenden. Sie hat - ten einen Ueberfluß an Holze, und man war aus die - ſem Grunde in den meiſten Gegenden, in Abſicht auf die Viehzucht, mehr auf die Verduͤnnung, als Ver - dickung der Waͤlder bedacht, die ihnen ohnedem kaum bezahlet wurden. Nach und nach ſah man jedoch ein, daß auf ſolche Weiſe die Menge des nunmehro nothwendig werdenden juͤngern Wiederwuchſes nicht erhalten werde, weil bey ſo gar großer Ungleichheit der Oberbaͤume und der ſo genannten Ueberſtaͤnder, der mehreſte Nachwuchs des jungen Holzes unterdruͤcket und verdumpfet werden mußte, da von den jungen aus dem Saamen aufgekeimten Pflanzen, alles bis auf die wenigen Laſtreiſer zu Stangen, Wellen und Wa - ſen mit abgehauen wurden. Ueberdem kam noch der Umſtand hinzu, daß dieſe duͤnnen und biegſamen Rei - ſer ſehr[haͤufig] wieder verlohren giengen, und entwe - der ganz krum bis auf die Erde gebogen wurden, oderdoch5doch ihre Gipfel einbuͤßten, da ſie von ihrem bisheri - gen Schutze entbloͤßet, jedem rauhen und heftigen Winde, dem Glatteiſe und Schneegeſtoͤber ausge - ſetzt waren. Und wie konnte man auf das Wieder - wachſen derjenigen kleinen Baͤume rechnen, davon man die duͤnnen Zweige, oder Haare in Waſen ge - bunden hatte? Es ſchlagen ſolche, der Erfahrung nach, nur ſparſam von neuem aus, die ausgebroche - nen Zweige, gelangen kaum in zehn Jahren zu einem friſchen Triebe, und am Ende werden ſie doch nichts als niedrige und krumm gewachſene Staͤmme liefern koͤnnen. Rechne ich nun dazu noch die Gewohnheit, daß an den mehreſten Orten im ſechſten Jahre des Zuſchlages Pferde und Schaafe, und im achten, zehnten oder zwoͤlften alle Arten des Rindviehes in dieſe Plaͤtze getrieben wurden, ſo wird ein jeder leicht einſehen, daß dadurch die wenige Anzahl Reiſer, die hin und wieder einzeln aus Saamenkoͤrnern aufge - wachſen waren, und das, was ſich noch von den Laſt - reiſern kuͤmmerlich erhalten hatte, voͤllig zu Grunde gerichtet werden mußte.

Der natuͤrliche Schluß war endlich bey der Be - trachtung einer ſolchen Wirthſchaft, daß ein Buchen - ort von einer Hauung zur andern ſchlechter werde, und daß man ſich zu verwundern nicht Urſach haͤtte, wenn niedrige abgenagte Staͤmme, oder die ſo ge - nannte Kuhmaͤuler, nunmehro den Platz einnahmen, auf dem ehemals das ſchoͤnſte Nutz: und Feuerholz ſtand. So viele ſonſt herrliche, jetzt aber verwuͤ - ſtete Waldungen, koͤnnen den traurigſten Beweis von der Wahrheit dieſes Gedankens abgeben, und auch noch zu unſern Zeiten dies fuͤr uns ſo ſchaͤdliche Ver - fahren beſeufzen laſſen.

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In gewiſſen gebuͤrgigten Gegenden befolgte man eine andere noch ſchaͤdlichere Methode, da man nem - lich den ganzen Ort auf lauter ſo genanntes Schlag - holz einrichtete, welches bey jeder Hauung allgemein abgetrieben ward, und darauf wiederum vierzig Jahre ſich ſelbſt uͤberlaſſen wurde. Dem alle Jahr einfal - lenden Glatteiſe und Rauhreife, den Sturmwinden und ſpaͤten Froͤſten vermeinte man damit Einhalt zu thun, daß man dieſen Ort, wie bey dem Nadelholze gewoͤhnlich iſt, allezeit von Mitternacht gegen Mit - tag abtreiben ließ, und hierin hatte man wohl eini - ges Recht, ſo und nicht anders zu handeln. Man handelte richtig, weil alsdenn nicht nur der uͤbrig ge - bliebene noch unangebrochene Platz ſich ſelbſt wider die gemeiniglich aus Suͤdweſt kommenden heftigen Stuͤrme, wider das Glatteis und den Rauhreif ſchuͤ - tzet, ſondern weil derſelbe auch zugleich dem jungen Holz zu einer Wand gegen die Oſt - und Suͤdſeite dienet, denn deren Oefnungen ſind deswegen beſonders gefaͤhr - lich, weil die Morgen - und Mittagsſonne im Fruͤhjahr die Rinde der Baͤume zu zart und gegen die Nachtfroͤſte gar zu empfindlich macht. Allein wenn wir auch auf der andern Seite wieder uͤberlegen, wie weit der von einer ſolchen Wand zu erwartende Schutz auf einen Bezirk von einigen hundert Waldmorgen hinausrei - chen koͤnne, und was ſie fuͤr Wirkung thun werde, wenn die Mitternachtsſeite der Gegend einen be - traͤchtlichen Hang nach Suͤden hat, und mithin die vermeinte Schutzwand niedriger, als das zuruͤckge - bliebene Holz ſtehet, ſo koͤnnen wir dieſer Vorſicht keinen allgemeinen Nutzen zuſchreiben. Ein gleiches gilt, wenn die Winde, wie z. E. in Gebuͤrgen nicht ge - rade vor ſich weg wehen, ſondern nach den Thaͤlern und Schluͤften ſich drehen und wenden, und oͤfters wollen die Lagen der Reviere, die Begraͤnzungen mit zaͤnkiſchen Nachbaren, die Hut - und Triftgerechtig -keiten,7keiten, die Nothwendigkeit einer bequemen Abfuͤh - rung, die Lagen gewiſſer beſtimmter Rutſchen, Rieſen und Floͤßen, die Naͤhe oder Entfernung von Dorf - ſchaften, Berg - und Salzwerken u. ſ. w., die nach gewiſſen Anſchlaͤgen alle Jahr ihren Antheil ha - ben muͤſſen, es nicht allezeit erlauben, von dieſer oder jener Seite die Waͤlder nach Willkuͤhr anzuhauen. Die Beſchaͤdigung durch die Viehweide, hielt man in ſolchen Gegenden fuͤr geringe, weil die Hoͤlzer ſehr weitlaͤuftig und unwegſam waren, man glaubte viel - mehr, daß nach Verlauf von vierzig Jahren zum Vor - theil der Gewerke deſto reineres, friſcheres und feu - rigeres Kohlholz erwartet werden koͤnnte. Wenn ich es aber dahin geſtellt ſeyn laſſe, ob nicht vielleicht Buchen 80 bis 100 oder 120 Jahre eben ſo gute Kohlen geben als vierzigjaͤhrige; oder, wenn dieſes ungegruͤndet iſt, ob nicht der hieraus erwachſende Ver - luſt vollkommen erſetzet wuͤrde, daß man bey einer veraͤnderten Behandlung in dem Maaße eine ungleich groͤßere Menge zu erwarten hat? ſo bleibt hingegen unwiderſprechlich wahr, daß alle und jede verhauene Buchenſtaͤmme, wie ich ſchon vorher geſagt habe, erſt nach Verfließung vieler kuͤmmerlichen Jahre wie - der zu einem ledendigen Triebe gelangen, und die mei - ſten von ihnen gar ausbleiben, beſonders wenn ſie ohne - dem ſchon ein Alter von vierzig Jahren hatten, und die wenigen, die auch noch zu Baͤumen aufwachſen moͤchten, niemahls zu recht guten Schaften und Kro - nen erwachſen. Der Einwurf, daß in den kuͤnftigen Heyden zwiſchen durch auch Saamenlohden aufſchie - ßen koͤnnen, iſt von keiner Wichtigkeit und ungegruͤn - det, denn dreißig - und vierzigjaͤhrige Buchen geben noch viel zu wenig oder doch nur taubhuͤlſigen und un - vollkommenen Saamen. Deſſen Anflug kann alſo wenig bedeuten, und uͤberdem nehmen auch die Koͤh - lerpferde noch einen betraͤchtlichen Theil hinweg.

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Außer dieſem war das Verfahren am allerſchlech - teſten, da man ein ſolches Buchenes Schlagholz in noch geringere Diſtrikte, auch auf 15 bis 18 einthei - len ließ. Die Buchen wurden nehmlich alsdann wieder abgehauen, da ſie aufiengen, ſich von der vo - rigen Verwuͤſtung zu erholen, und ſich einigermaßen von neuem empor zu ſchwingen, und was konnte na - tuͤrlicher erfolgen, als daß die Staͤmme nach und nach gaͤnzlich abſtarben, und daß der ſchoͤne Buch - wald ſich mit der Zeit in Gebuͤſche von Sahlweiden, Dornen, Sproͤtzern, Himbeeren und Heidelbeeren, auch Heydefarrenkraut verwandelte.

Verbeſſerung der gedachten ſchlechten Arten des Anbaues.

Nach ſolchen jetzt von mir angefuͤhrten Wahr - nehmungen, erdachte man ſich zuletzt eine andere Me - thode, die von allen alten Gebraͤuchen die beſte blei - bet, und die nur den Fehler hat, daß der Eigen - thuͤmer einer Forſt gar zu lange dabey aufgehalten wird.

Sie beſteht in folgenden Regeln: Man nahm einen wohl und dicht mit Buchen beſetzten Acker, auf welchem die Staͤmme groͤßtentheils zwiſchen achtzig bis hundert und funfzig Jahr alt waren, und zwar in einem ſolchen Jahre, in welchem ſich der Saame reichlich zeigte, ſo daß die Buchen dieſen auf dem, wegen des vielen Schattens, von Gras und Buſch - werk befreyten Boden, mit guter Hofnung ausſtreuen konnten. Noch in ſelbigem Herbſte, wurde der Platz mit Graben umzogen, und dadurch gegen alles Eindringen des Viehes geſchuͤtzet, nur allein dieSchweine9Schweine wurden bisweilen dahin getrieben, aber nur zur Mittagszeit oder gegen Abend, wenn ſie ſchon an andern Orten ſich ſatt gefreſſen und keine andere Nei - gung mehr uͤbrig hatten, als nach den ſo genannten Maſtmaden und knolligen Erdgewaͤchſen zu brechen und zu wuͤhlen. Auf ſolche Art ſollte am Saamen ſelbſt wenig Abgang verſpuͤhret werden, und den uͤbriggebliebenen hingegen der Vortheil zuwachſen, daß er theils mit untergewuͤhlet, und dadurch gegen alle Beſchaͤdigung gedeckt, theils aber demſelben ein voͤllig aufgelockerter Boden verſchaft wuͤrde. In dem darauf folgenden Winter wurden die Baͤume bis auf den zehnten oder funfzehnten Theil gefaͤllet, und vor - zuͤglich wurden ſolche umgehauen, die ſehr ſtarke Kro - nen und ausgebreitete Aeſte hatten, und welche den Zu - gang der Sonne, des Regens, des Thaues und der Luft wirklich hinderten. Dieſes einzelne Aushauen wur - de auch im zweyten und allen, bis zum zehnten und funfzehnten folgenden Wintern, nach eben den Ver - haͤltniſſen beſtaͤndig fortgeſetzt, daß nach Verfließung dieſer Jahre der ganze Platz mit Saamenpflanzen hinlaͤnglich bedeckt ſeyn konnte, und durch das Ab - hauen der hohen Baͤume ihnen zum guten Wuchſe alle Freyheit und aller erforderliche Raum geſtattet wurde. Nun fraͤgt es ſich, wie man den gewoͤhnlich ſpaͤten Froͤſten gehoͤrig begegne? Es iſt bekannt, daß ſelten ein Fruͤhjahr erſcheinet, in welchem nicht der junge Buchenaufſchlag dadurch im April und May wiederum zu Grunde gerichtet wuͤrde, und da dieſer Unfall zu allgemein war und zu ſehr ſchadete, ſo er - forderte die Nothwendigkeit, daß man auf alle Weiſe bemuͤhet ſeyn mußte, den boͤſen Erfolg abzuwenden. Was war alſo natuͤrlicher, als daß man nach einem ſo boͤſen Fruͤhjahre das Aushauen des Holzes ſo lan - ge einſtellete, bis bey abermahls eintretender Buch - maſt hinlaͤnglicher Saamen gefallen, und den ſichA 5nach10nach und nach geaͤußerten Bloͤßen gute Gelegenheit zum Nachwachſen gegeben wurde? Allein noch ein anderes Ungemach beſtand darin, daß bey einem ſol - chen Verfahren, das alle Jahr zu wiederholende Fahren der Wagen, eine große Anzahl junger Pflan - zen gaͤnzlich zernichtete, und man durfte alſo zum Be - ſten der Forſt dieſes nicht geſtatten. Die Arbeiter konnten jedoch dieſes verhindern, wenn ſie das ſo wohl geſchnittene, als in Klafter geſchlagene Holz uͤber den Graben hinaus, oder auf etwa angelegte Wege trugen, von da es bequem und ohne weitern Scha - den, abgehohlet werden konnte. Die Erfahrung erwieß auch, daß auf dieſe Art, und weil in derglei - chen Revieren weder Graß nach Mooß aufwachſen konnte, von den ſonſt ſo ſchaͤdlichen Maͤuſen wenig oder nichts zu befuͤrchten war, welche theils den Saamen verzehren, theils die jungen Wurzeln ab - beißen. Die jungen, noch zarten Pflanzen behielten in den erſten Jahren gegen ſtarke Froͤſte und ſcharfe Winde, und im Sommer gegen die brennende Hitze noch gute Bedeckung; die ſtaͤrkeren hingegen bekamen durch das einzelne Aushauen mehr Raum und Luft, und nach vollendeten Hauungsjahren war zugleich dem weitern Fortwachſen dem nunmehro gaͤnzlich neu erſchaffenen Orte nichts weiter im Wege. Es zeig - te ſich zwar wohl nach und nach verſchiedenes unnuͤ - tzes oder weiches Holz unter dem guten vermiſcht; die - ſes konnte aber nebſt ſolchen Buchenſtaͤmmen, die von ſtaͤrkern entweder unterdruͤckt oder untauglich gewach - ſen wareu, nach Verfließung von funfzehn bis zwan - zig Jahren, ſchon wieder weggenommen werden, weil es das Lohn bezahlte. Man nennet dieſes in Nie - derſachſen das Durchbinden, und zwar war mit ſolchem ſo lange fortzuſetzen, als ſich verdumpftes Holz vor - fand, wodurch man in vierzig bis funfzig Jahren wenigſtens auf einen, im Wuchſe voͤllig gleichen,geſun -11geſunden und[untadelhaften] Buchenwald rechnen konnte.

Gruͤnde weswegen ſie vorzuͤglicher iſt.

Die Gruͤnde dieſer verbeſſerten Forſtwirthſchaft beſtanden eigentlich darin, daß man 1) bey Verneue - rung eines großen Platzes der Natur alles allein uͤber - laſſen, und nur dabey vorfallende Hinderniſſe aus dem Wege raͤumen wollte. 2) Daß man bey ſolchen großen Anlagen alle Koſten zu erſparen gedachte, welches auch um ſo noͤthiger wat, da zu jenen Zeiten die gewoͤhn - lichen Einkuͤnfte der Forſten kaum den dritten Theil von denjenigen betrugen, was ſie anjezt einliefern.

Weitere Verbeſſerung dieſer Grundſaͤtze.

In der Folge fand man jedoch, daß dieſe bey - den Grundſaͤtze einer weitern Verbeſſerung faͤhig, und ſolche Verbeſſerung ohnedem nothwendig waͤre, weil, wie ich ſchon vorher geſagt habe, der Forſtei - genthuͤmer mit dem Wiederanbau, und mit der aus demſelben zu hoffenden Abnutzung, gar zu lange aufge - halten wurde. Was den erſten Satz anbetraf, ſo ſa - hen ſie ein, daß die Natur einige Beyhuͤlfe verlange, und daß auch im gegenwaͤrtigen Falle die von dem Oberbaume mehrentheils ſenkrecht herabfallende Saa - menkoͤrner, nicht hinreichend waͤren, den ganzen Ort ziemlich gleichfoͤrmig zu beſtreuen. Man erlebte uͤber - dem die ſchon erwaͤhnten, von den ſpaͤten Froͤſten ver - urſachten, allgemeinen Verwuͤſtungen, man mußte einen großen Theil des Saamens auf Voͤgel und an - dere Thiere rechnen, welche davon ihre Nahrung hat -ten,12ten, und ihn aufſuchten, auch oͤfters entdeckte man noch zu ſpaͤt, daß in fuͤnf bis ſechs Jahren wenige Pflanzen aufgekommen waren, hingegen daß an ver - ſchiedenen, nach der Ordnung der Jahre entbloͤßten Stellen eine Sammlung von unnuͤtzen Straͤuchern, als Himbeeren - und Brombeerenſtraͤuchern, die z. E. Epilobium Anguſtifolium Linn. oder die ſogenannte deutſche Seidenpflanze, daß Farnkraut, Neſſel, Di - ſteln und dergleichen mehr, wie auch gewoͤhnliches di - ckes Gras, uͤberhand genommen hatte, was bleibt alſo hierbey anders als die Entſchließung uͤbrig, daß man dieſen Uebeln vorzubauen, gleich vom erſten Jahre des Einſchlagens an, und unablaͤßig bis da - hin, da der ganze Raum mit geſunden Pflanzen forſt - maͤßig bedeckt war, keine Muͤhe und Koſten erſparen muͤſſe, um das kuͤnſtliche Ausſaͤen anzubringen; daß man die verſchiedenen Bloͤßen ausfuͤllen, und Straͤu - cher und Graͤſer vertilgen muͤſſe; und ſollte dieſes be - folgt werden, ſo muͤßten, was den zweyten Satz ange - het, eben ſo nothwendig groͤßere Koſten erfordert werden, die man aber deswegen nicht uͤbel angewen - det hielt, weil der kuͤnftige Vortheil ſchon im voraus leicht zu berechnen war. Alles dieſes ſollte jedoch noch mit der moͤglichſten Erſparung geſchehen, nur war die Frage: Wie war dieſes am beſten und zu - traͤglichſten einzurichten? das Pfluͤgen und Graben ging an ſolchen Orten nicht an, weil der Boden mit Wurzeln durchflochten war, und es blieb folglich das Behacken uͤbrig, welches doch wiederum zu koſtbar wurde, wenn es mit den gewoͤhnlichen ſogenannten Radehacken und auf der ganzen Flaͤche des beſagten Platzes geſchehen ſollte. Weniger koſtbar war es hingegen, wenn jeder leere Platz in unſaͤglich viele klei - ne Vierecke eingetheilet wurde, und wenn man die daraus erſchaffenen vielen Kreuzlinien, auf einen Fuß breit, mit Hacken umarbeiten und nachher mit Saamenbeſaͤen13beſaͤen ließ. Die Wurzeln der jungen Buchſtaͤmme koͤnnen in ſolchen lockern Boden ſogleich unter und neben ſich greifen, welches ihren Wuchs gleich im er - ſten Jahre vorzuͤglich befoͤrdert, und ich kenne einen Theil einer wohlgebauten Forſt, in der man dieſe Me - thode als die vorzuͤglichſte und beſte gewaͤhlet hat, ob ſie wohl ein wenig koſtbarer, als die folgende iſt. Sollten aber hin und her noch leere Plaͤtze uͤbrig blei - ben, ſo werden ſie doch in einigen Jahren durch das Ausbreiten der Aeſte voͤllig bedeckt werden. Will man aber auch dieſe nicht ungenutzt laſſen, ſo beſaͤe man ſie nach abgemaͤhten Graſe mit Birkenſaamen, der auf dem bloßen Boden zu Pflanzen aufkei - met. Am Ende iſt man endlich der Erſparung wegen bey einer noch neuern Methode ſtehen geblieben, die eine Anzahl zehn-bis zwoͤlfjaͤhriger Kinder ins Werk richtet, wenn ein jedes unter ihnen mit einer zugeſpitz - ten und mit einem kurzen Stiele verſehenen Hacke, nebſt einer Schuͤrze mit Buchkoͤrnern angeſtellt wird. Bey der Arbeit ſelbſt ſtellet man ſie reihenweiſe neben einander, daß ſie ziemlich geſchloſſen, Fuß vor Fuß ge - hen und bey jedem Fußtritt mit der rechten Hand eine Oefnung in den Boden vermittelſt der Hacke hauen, in dieſen mit der linken einige Buchkoͤrner werfen und ſo in einer Richtung fortfahren muͤſſen, bis alle Bloͤ - ßen, oder ſonſt mangelhafte Oerter, mit dem noͤthigen Saamen hinlaͤnglich verſorget ſind. Nur iſt hierbey zu merken, daß die Kinder ſo dichte neben einander ſte - hen, daß diejenige Oefnung, welche das zur linken Hand befindliche neben dem rechten Fuße einhauet, von ſeinem Nachbar durch den rechten Fuß beym Fortſchreiten auch zugetreten werde. Iſt der Saa - men vorher durch das Werfen mit der Schaufel, mit dem Winde, oder durch eine Waſſerprobe ausgeſucht worden, daß nicht leicht einige taubhuͤlſige oder ſonſt ſchadhafte Koͤrner zuruͤck bleiben, ſo kann man verſi -chert14chert ſeyn, daß ſie faſt ſaͤmmtlich auflaufen werden. Der Boden der gemachten Oefnung giebt Fruchtbar - keit und Feſtigkeit genug, um dem jungen Keime Wachsthum, und den Wurzeln die Haltung zu geben. Die Bedeckung haͤlt waͤhrend der Keimung Froſt und Hitze, auch die aͤußern lebendigen Feinde ab, und da - her bleibt bey dieſem Handgriffe nichts weiter, als die gewoͤhnliche Furcht wider die ſpaͤten Froͤſte uͤbrig, von deren einzigem, vielleicht aber noch nicht hin - laͤnglichem Gegenmittel ich im folgenden mehr ſagen werde.

Wenn es daher auf die Frage ankoͤmmt: Wie ein ſchon in Beſtand geweſener Buchenort abgeholzt, und wiederum verjuͤngert werden ſoll? ſo bleibet noch beſtaͤndig dieſe letzte Methode eines fruͤhzeitigen Zu - ſchlages und einer allmaͤhligen Abholzung ſo lange die beſte, bis man durch weitere Erfahrung eine ge - ſchwindere und zuverlaͤßigere ausgefunden haben wird.

Die Anlegung eines neues Waldes.

Die Anlegung eines neuen Buchenwaldes findet ſchon mehrere Schwierigkeiten, und iſt weit koſtba - rer, giebet aber doch weit mehrere Huͤlfsmittel an die Hand, um den vorgeſetzten Endzweck zu erhalten.

Ein dazu gewidmeter Ort, wird nicht leicht ein anderer als ſolcher ſeyn, welcher zwar noch einige Kennzeichen einer alten Waldung, weiter aber auch nichts davon aufzuweiſen hat, als etwa oberhalb eini - ge einzelne faule Baͤume, und in der Erde viele alte Wurzeln, kurz ein ſolcher Platz welcher nur kuͤrzlich der ungluͤcklichen allgemeinen Huͤtung entriſſen wor - den iſt.

Bey15

Bey dieſem fallen wieder zwey Fragen vor: ob naͤmlich der Platz 1) mit Saamen oder 2) mit Pflan - zen angebauet werden ſoll? Der Eigenthuͤmer muß bey beyden vor allen Dingen bey ſich wohl uͤberlegen: ob er im Stande ſey, gleich im Anfange eine ſtarke Auslage zu wagen, um deſto zuverlaͤßiger fuͤr ſich und ſeine Nachkommen zur kuͤnftigen Nutzung zu gelan - gen? oder: ob er mit wenigern Koſten deſto mehr Zeit darauf verwenden koͤnne? Das erſte bleibt allezeit das beſte, und kann er die Groͤße dahin einſchraͤnken, daß er jaͤhrlich nur 25 bis 50 Morgen wirklich beſtellet, wenn er naͤmlich 500 Morgen anbauen will. Er muß aber nach dieſen Grundſaͤtzen damit unablaͤßig ſo lange fortfahren, bis der auserſehne Raum voͤllig und ohne Mangel nicht nur beſetzet, ſondern auch be - wachſen iſt.

Anbau durch den Saamen.

Bey dem Saͤen wird allerdings erfordert, daß das Land locker und zur Einwurzelung der jungen Pflanzen bequem gemacht wird.

Iſt der Boden nicht mit gar zu vielen Wurzeln durchflochten, oder iſt er ſelbſt nicht gar zu ſteinigt, daß man mit dem Pfluge und Egge darin fortkommen kann, ſo bleibet dieſes freylich das vorzuͤglichſte, in dem alsdenn der Saame gleichweit von einander ent - fernt geſtreuet und unter eine gewiſſe Bedeckung ge - bracht, auch nach Belieben mit Roggenſaamen ver - miſcht werden kann, damit deſſen Blaͤtter und Halme gegen die rauhen Winde und brennende Sonne den jungen Pflanzen einigen Schutz mitzutheilen im Stan - de ſind. Es iſt jedoch dabey wohl zu merken, daß bey dem Abmaͤhen des Korns daſſelbe hoch, und hoͤ - her als gewoͤhnlich abgeſchnitten werde, denn mankann16kann ſowohl Pflanzen beſchaͤdigen, als auch durch das ploͤtzliche zu ſtarke Luftmachen den jungen Staͤmmen Schaden zufuͤgen, und ich wuͤrde alſo das Korn nie - mals hoͤher als zwey Fuß hoch aufwachſen laſſen, da - mit die Pflanzen nicht zu wenig Luft und Regen haͤt - ten. Bey unbedeckten Plaͤtzen giebt es auch keine Hinderniſſe, ſondern vielmehr Vortheil, wenn zu - gleich von ſelbſt verſchiedene Straͤucher mit aufwach - ſen, und zu beſſerer Bedeckung dienen. Iſt aber der Boden ſo beſchaffen, daß man mit dem Pfluge nicht arbeiten kann, ſo laͤßt ſich die von mir bereits ange - gebene Methode mit Kreuzlinien anbringen, und will auch dieſe zu koſtbar ſcheinen, ſo bleibet abermahls das ſchon beſchriebene Einhauen des Saamens uͤbrig.

Wegen Mangel der noͤthigen Decke ſind jedoch dieſe Arten der Ausſaͤung vielen Gefahren unterwor - fen. Es gehoͤrt daher eine gepruͤfte Geduld dazu, mit der man alle Jahre das beſchaͤdigte auszubeſſern nicht ermuͤdet, auch ſich nicht eher mit einer neuen Abtheilung abgiebt, als bis die erſte keiner weitern Wartung bedarf. Das fuͤrchterlichſte Uebel von allen ſind aber die ſpaͤten Froͤſte. Oft gehet die Frucht ei - ner jaͤhrigen Arbeit bey dem allerſchoͤnſten Anſehen, in einer Nacht verlohren, man muß von neuem anfan - gen, die Koſten verneuern ſich zugleich mit, die Zei - ten gehen fort, das dicke Gras und das hochwachſen - de Unkraut vermehret ſich, und dieſes locket die Maͤuſe wieder herbey. Und wird nun der Beſitzer niederge - ſchlagen und verdrieslich, ſo verwandelt ſich nur gar zu leicht die ſchoͤnſte Anlage in wenig Jahren in ihr voriges nichts.

Gedan -17

Gedanken uͤber die ſpaͤten Froͤſte, und wie dieſem Uebel abzuhelfen ſey.

Man hat dieſem Uebel auf mancherley Art vorzu - beugen geſucht, und da die Herbſtſaat die jungen Kei - me im folgenden Fruͤhjahre gar zu zeitig herauslockte, und ſie folglich dem Erfrieren zu fruͤhzeitig ausſetzte, ſo verſchob man das Ausſaͤen bis zum Monat Maͤrz, in der Abſicht, daß die zaͤrtlichen Saamenblaͤtter nicht eher als zum Ende des Aprils oder mit dem Anfange des May zum Vorſchein kommen ſollten; allein auch dieſes war fuͤr unſere Gegenden noch zu fruͤh. Man war nun wohl vor dem Erfrieren ziemlich geſichert, hingegen fiel oͤfters ſtarke Hitze und Duͤrre zu fruͤh ein, oder man mußte beſorgen, daß dieſe ſpaͤten Pflan - zen nicht vor dem Eintritte des erſten Winters reif und ſtark genug werden moͤchten. In einzelen Faͤllen iſt indeſſen dieſer Handgrif gerathen, und mir iſt er auch mit andern nur als das einzige Gegenmittel be - kannt. Ob aber dieſes Verfahren in allen Jahren und im Ganzen anzuwenden ſey? muͤſſen mehrere Verſuche und Erfahrungen lehren, als wozu ſich alle und jede Forſtliebhaber von ſelbſt auffordern muͤſſen.

Anbau durch Pflanzen.

Das Pflanzen wird bey einem etwas betraͤchtli - chen Reviere nicht fuͤglich anders, als mit jungen, hoͤchſtens vier bis fuͤnfjaͤhrigen Staͤmmen vorzuneh - men ſeyn. Groͤßere und aͤltere Pflanzen erfordern gar zu vielen Aufwand und nachmahlige Wartung, und uͤberdem ſchlagen ſie ſelten gut an. Das ſchlimm - ſte bey ſolchen mit ſtarken Baͤumen bepflanzten Ge - genden iſt auch noch dieſes, daß ſie ſich zwar oͤftersBin18in den erſtern Jahren friſch und munter zeigen, in den folgenden aber nur merklich abnehmen, und wohl zehn bis zwoͤlf Jahr nachher abſterben, oder doch auf beſtaͤndig ungeſtalt und von geringem Nutzen bleiben. Zum wenigſten gehoͤren die Pflanzungen mit großen ſtarken Staͤmmen nicht zu der hier er - waͤhnten Abſicht, naͤmlich eine geraͤumige Wal - dung von anſehnlichen und nutzbaren Baͤumen zu ziehen.

Noͤthige Regeln bey dem Verpflanzen.

Bey der vorgeſchlagenen Hauptbepflanzung ſetze ich als die erſte Regel voraus, daß an Wurzeln und Zweigen ſo wenig als nur moͤglich, an dem Haupt - mittelſchuſſe aber durchaus nichts abgeſchnitten wer - den muͤſſe, und weil dieſes bey ganz jungen Pflanzen eher als bey großen in Ausuͤbung zu bringen ſtehet, ſo giebt dieſes vorzuͤglich einen Bewegungsgrund mit ab, weswegen man eher junge Pflanzen waͤhlen muß. Die zweyte Regel iſt, wenn man die Pflanzen nicht aus Baumſchulen, ſondern aus dem wilden Holze nehmen will, daß man ſolche niemahls aus den Di - ckungen, ſondern da wegnehme, wo ſie ſchon der freyen Luft gewohnt geweſen ſind, und zugleich Raum genug gehabt haben, ſich in Wurzeln und Zweigen auszubreiten. Duhamel in ſeinem Tractate von der Holzſaat handelt im dritten Buche weitlaͤuftig und ſehr ſchoͤn von den Baumſchulen, und es werden auch ſolche bey kleinen Anlagen von gutem Nutzen ſeyn. Er verwirft ſie aber in der Einleitung zum vierten Buche, und beſonders in den Anweiſungen zum Anbau großer Plaͤtze mit gutem Grunde, und verweiſet die Unternehmer lieber zu Aushebung ihrer Pflanzen in dem Walde. Die dritte Regel, und die zugleich mit der erſten verbunden iſt, iſt, daß man dieStaͤm -19Staͤmme, wenn es ſeyn kann, ſo auszuheben be - muͤhet ſey, daß ſie einen guten Klumpen Erde um ihre Wurzeln behalten, und daß man dieſe Wurzeln ſelbſt nicht beſchaͤdige, welches bey den Buchen am leichteſten auszuuͤben ſtehet, da ſie gewoͤhnlich keine Pfalwurzeln treiben. Die vierte Regel beſtehet dar - in, daß man ſie nicht weiter als hoͤchſtens 6 Fuß und zwar im Verbande, auseinander ſetze, nachdem vor - her die Loͤcher weit und tief genug ausgegraben und mit lockerer Erde ausgefuͤllet ſind. Die jungen Wur - zeln und vornehmlich die feinen Haarwurzeln koͤnnen ſich ſogleich einſchlagen und in den erſten Jahren dar - in deſto bequemer fortwachſen. Wer etwas mehr Koſten daran wenden kann, der thut wohl, wenn er, anſtatt der einzelnen Loͤcher, Kreuzlinien einer Elle breit ausgraben laͤßt, woraus die Vortheile entſtehen, daß nicht nur die jungen Wurzeln mehr Raum erhal - ten, ſondern daß auch der Eigenthuͤmer ſich die Gele - genheit erleichtert, in den folgenden beyden Jahren das gegrabene Erdreich jaͤhrlich zur Fruͤhlingszeit und im Herbſte von neuem auflockern zu laſſen. Will je - mand mit dem Anbau noch ſicherer gehen, ſo kann er auch die erwaͤhnten Kreuzlinien mit Birkenſaamen, oder mit Buchkernen beſaͤen. Die Pflanzbuchen werden ſchon im erſten Jahre dem Saamen einigen Schutz verſchaffen, und in den folgenden werden die aus dem Saamen gezogene Staͤmme jene wiederum beſchuͤtzen helfen, ſo daß dieſe beſtaͤndig miteinander fortwachſen werden. Man urtheilet jedoch leicht, daß bey ſolcher gedoppelten Beſetzung, das vorher als nuͤtzlich angeprieſene jaͤhrliche Auflockern wegfaͤllt. Natuͤrlich kann alſo in 5 bis 6 Jahren der Aufwuchs nicht ſehr ſchnell ſeyn, er wird aber voͤllig entſchaͤ - diget, da man durch den doppelten Anbau mehr Pflanzen und weit fruͤher eine vollſtaͤndige Dickung erhaͤlt.

B 2Wenn20

Wenn alle dieſe von mir ſo deutlich gemachte Vorſchriften mit moͤglichſter Achtſamkeit beobachtet und ausgefuͤhret werden, auch wenn man dabey die - jenigen nicht verſaͤumet, nach der man alle Jahre dasjenige nachbauen ſoll, was durch Zufaͤlle beſchaͤ - diget oder verdorben iſt; ſo kann man verſichert ſeyn, einen auf kuͤnftige Zeiten gleichfoͤrmig ausfallenden auch durchaus nutzbaren Wald angebauet zu haben, von welchem guten Erfolge mir Erfahrungen bekannt ſind.

Das Ausſchneiteln wird verworfen.

Nur dem von einigen angeruͤhmten Ausſchneiteln der jungen Staͤmme muß ich hier widerſprechen, und das Abſtutzen ſolcher Baͤume, die zu Oberholz gezo - gen werden ſollen, waͤre gar unbedachtſam und gehoͤ - ret nur auf ſolche Reviere, die man zu Schlagholz anziehet, wozu ich die Buche nie mit Nutzen gebrau - chen kann. Duhamel iſt auch im 5ten Buche und deſſen 5ten Kapitel S. 221. bis 223. der von Oelha - fenſchen deutſchen Ueberſetzung gleicher Meynung, und die Urſachen, weswegen das Ausſchneiteln in großen Waldungen nicht anzurathen iſt, be - ſtehen in folgenden: 1) Wo wollte der, welcher jaͤhrlich auch nur 50 Morgen anbauen wuͤrde, und auf ſolche Art in fuͤnf Jahren 250 Morgen zu behan - deln haͤtte, die Zeit und die Koſten hernehmen? 2) Die Buche leidet uͤberall das Beſchneiden nicht gern, und ſie wird hingegen am beſten wachſen, wenn ſie ganz rauh erſcheinet, und umher mit geſunden Blaͤt - tern beſetzt iſt, welche ihr die beſte Nahrung zufuͤh - ren. Da ſie auch von ſelbſt in der Mitte einen Haupt - ſchuß machet, ſo wird dieſer gewiß nicht ausbleiben, wenn er gleich in den erſten Jahren nicht erſcheinet. 3) Ein durch das Ausſchneiteln verwundeter und alſowider -21widernatuͤrlich behandelter Baum, wird der Erfah - rung nach nimmer einen reinen, geſunden und zu Bau - und Nutzholz tuͤchtigen Saft erhalten, und auch dieſen ohne Faͤulniß nie zu einem betraͤchtlichen Alter kommen laſſen. 4) Iſt die Verwuͤſtung ſehr groß, welche die Arbeiter einige Jahre hintereinander in dem Pflanzorte durch das Zertreten und Verbiegen, durch die Ungeſchicklichkeit der Handgriffe und der Werk - zeuge, durch das Auf binden und Austragen des ab - geſchnittenen Holzes u. ſ. w. verurſachen, und wer kann verſichern, daß nicht noch andere Misbraͤuche dabey vorgehen ſollten? 5) Die Pflanzungen werden durch dieſes Ausſchneiteln allzu fruͤh verduͤnnet, und die verwundete Staͤmme werden den ſcharfen Win - den zu fruͤh ausgeſetzt, ſo wie ſie auch 6) ſchwerlich die gehoͤrige Steifigkeit bekommen. Sie koͤnnen alſo beym Froſte, Glatteiſe und Rauhreife ſich ſelbſt nicht halten, ſondern ſie werden bey ſolchen Vorfaͤllen un - fehlbar gedruͤckt und mit ihren duͤnnen und langen Gi - pfeln oͤfters bis zur Erde gebogen werden, und 7) ſind die bey dieſer Arbeit erforderliche Koſten uͤber - haupt unnoͤthig. Wofern die Pflanzen nur nicht weiter, als hoͤchſtens ſechs Fuß im Verband vonein - ander entfernt ſtehen, ſo reichen ſie mit ihren Zweigen in ſehr wenig Jahren gewiß zuſammen. Sie hin - dern ſich alsdenn ſelbſt im Ausbreiten, und werden ſich mit der Zeit ſo beengen und wechſelsweiſe unterdruͤcken, daß alle Seitenaͤſte nach und nach verdorren, und nach Verfließung von zwanzig bis dreyßig Jahren ſich keine andere, als gerade, glatte geſunde, von der Natur ſelbſt gereinigte, mit geringen Kronen verſehene und beſtaͤndig Pyramiden - foͤrmig bleibende hohe Baͤume zeigen werden.

B 3Uner -22

Unerheblicher Einwurf gegen dieſe Art des Anbaues.

Es moͤchten mir aber hierbey diejenigen Forſtbe - diente, welche Sporteln zu genießen haben, den Einwurf machen, daß bey dieſem Verfahren nur wenig Maſt zu hoffen ſey. Wenn ſie dieſes mit einer ernſthaften Miene ſagen, ſo moͤgen ſie ſich ſelbſt ant - worten, da die kaum in vier bis fuͤnf Jahren einfal - lende Buchmaſt gegen den Vortheil gar nicht in Rech - nung gebracht werden kann, den man ſich bey einer ver - beſſerten Anzucht, durch die Erhaltung des laͤngern, rei - nern Nutz - und Kluftholzes verſchaffet, wobey ſie je - doch auch ihre Gelder genießen, theils daß die Be - nutzung der Forſt mehr auf den Vortheil des Eigen - thuͤmers, als auf die Vermehrung der Nebengefaͤlle gerichtet ſeyn muͤſſe, da man ohnedem annehmen kann, daß bey einer regelmaͤßigen Wirthſchaft einem jeden redlichen Forſtbedienten, auch außer den Sporteln, der noͤthige Unterhalt ſchon beſtimmt iſt.

Wie die Abnutzung anzuſtellen ſey.

Die Art der Abnutzung fordert jedoch eine be - ſondere Aufmerkſamkeit. Ich ſetze dabey zum vor - aus, daß ein Eigenthuͤmer ſich aus den neu ange - ſaͤeten oder angepflanzten Oertern nicht einzig und allein ernaͤhren duͤrfe, ſondern entweder mehrere Plaͤtze beſitze, die ihm waͤhrend der Zeit, da er dieſe neue Anzucht ſchonen und wenig nutzen kann, das noͤthige liefern, oder aber daß er ſeine ganze Forſt alſo abgetheilet habe, daß er einen Diſtrikt nach dem an - dern anbauen, durchbinden, und folglich abnutzen und zu Gelde machen koͤnne. Iſt dieſes, ſo muß ſich ein ſolcher Mann zuruͤckerinnern, daß bey einem auf vorbeſchriebe - ne Art, angeſaͤeten oder angepflanzten Buchenorte diewuͤrk -23wuͤrkliche Benutzung, ob wohl im kleinen doch ſchon mit dem funfzehenden Jahre, auch noch wohl mittelſt des ſo - genannten Durchbindens ihren Anfang nimmt. Dieſe Art des Abnutzens gehet alsdenn von zehn zu zehn Jah - ren gewiß fort, und ſie vermehret ſich in ihrem Werthe dadurch merklich, daß in der Folge ſich beſtaͤndig we - niger unnuͤtzes Strauchwerk vorfindet, hingegen nach und nach Stangen und Latten, Roͤhren, Sparren und Balken, ingleichen ſchoͤne reine Klufthoͤlzer aus ſolchen Baͤumen zu nehmen ſind, die zur Auslichtung oder deswegen in gewiſſen Zeitraͤumen herausgenom - men werden muͤſſen, weil ſie von ihren Nachbaren unterdruͤcket worden ſind. Es wird auch dieſe Be - handlung fuͤglich bis dahin ausreichen, daß nach Ver - fließung von 150 Jahren die beſchriebene Wirthſchaft von neuem wieder angefangen werden koͤnne, es muͤßte denn ſeyn, daß ein Forſtverſtaͤndiger, wie einige dafuͤr halten, bey Endigung dieſer Epoche es nuͤtzlich faͤnde, die Buchenwaͤlder in Eichenwaͤlder, die Laubhoͤlzer in Schwarzhoͤlzer, die harten Oerter in weiche u. ſ. w. zu verwandeln.

Einige uͤbele Eigenſchaften der Buche.

Die Buche hat ebenfalls vor andern Baͤumen einige uͤbele Eigenſchaften. Verwelkung der Blaͤtter, und die Urſache dieſes Zufalles.

Dieſe ſind erſtlich in dem Zufalle, da man oͤf - ters mitten im Sommer die Blaͤtter eines Baumes um den dritten Theil verwelkt und duͤrre findet. Man hat lange Zeit dieſes Uebel verſchiedenen Urſachen, und theils der uͤbermaͤßigen Hitze, theils dem uͤber - maͤßigen Regen zuſchreiben wollen, bis man endlich bemerkt hat, daß kleine Wuͤrmer, aus denen zuletzt ein ſchwarzer huͤpfender kleiner Ruͤßelkaͤfer wird, zwiſchen den beyden Waͤnden des Blattes ihre Nahrung ſuchenB 4und24und ſie verzehren, ohne daß aͤußerlich eine merkliche Verletzung zu ſehen iſt. Der Ritter von Linne be - ſchreibt ihn in ſeinem Naturſyſtem unter dem Namen Curculio Fagi.

Die zweyte uͤbele Eigenſchaft beſteht darin, daß das Holz leicht faulet, wenn es abwechſelnder Trock - niß und Naͤße ausgeſetzt iſt, auch daß es vor andern leicht von Wuͤrmern angegriffen wird.

Mittel dagegen.

Da aber die Brauchbarkeit deſſelben allezeit ſtatt hat, ſo hat die Noth die Menſchen getrieben, durch eine Reihe von Verſuchen ein Mittel zu der Er - haltung dieſes Holzes ausfindig zu machen, und man muß den Englaͤndern den Ruhm dieſer Erfindung uͤber laſſen, die auf folgende Weiſe die Probe haͤlt.

Man faͤllet die Baͤume etwa 14 Tage vor Pfing - ſten, zu welcher Zeit der Saft am duͤnnſten und fluͤ - ßigſten iſt, weil er ſich ſtark in die Aeſte, Blaͤtter und Fruͤchte ergießet, und der Stamm den geringſten Antheil daran hat. Ein ſolcher abgehauener Stamm wird auf der Stelle in Planken oder Bretter geſchnit - ten, und dieſe hierauf ins Waſſer gelegt, worin ſie vier bis ſechs Wochen hindurch verbleiben muͤſſen. Nach Verfließung dieſer Zeit werden ſie aber heraus - genommen, durch angeſtecktes Stroh, Hobelſpaͤne und naße Reiſer ſo lange geraͤuchert, bis ſie eine duͤn - ne ſchwarze Rinde bekommen, und voͤllig ausge - trocknet ehe man ſie gebrauchen will. Ihr Saft iſt durch dieſes Verfahren verzehret, und der noch uͤbri - ge ſo bitter gemacht, daß ihn kein Wurm vertragen kann, und ein ſo zubereiteter Buchenſtamm wird dem - nach hierdurch vor dem Unfall geſichert, und außer Gefahr geſetzt. Eine noch kuͤrzere, jedoch aͤhnlicheMethode25Methode haben auch die deutſchen Muͤller bey ihren zu Kamm - und Geſchirrholze zu gebrauchenden Bu - chen, indem ſie ſolche eine gehoͤrige Zeit auf die Rauchkammern legen; und eben dieſen Vortheil er - haͤlt man noch beſſer durch die ſo genannte Dampf - maſchine, in welcher man das Holz durch das Feuer zum Schwitzen bringet, wodurch es den Saft gaͤnz - lich verliehret, und außerdem noch feſter und maſeri - ger, auch in der Farbe dunkeler wird. In Braun - ſchweig hat man die gute Veranſtaltung getroffen, eine ſolche Maſchine in dem Hauſe eines dortigen Tiſchlers anzulegen, in welcher ein jeder gegen geringe Bezahlung die zu bearbeitende Staͤmme durchduͤn - ſten laſſen kann, und dieſem Beyſpiele ſollte billig die Obrigkeit eines jeden großen Ortes folgen.

Die Buchenſtaͤmme berſten bey dem Froſte der Laͤnge nach auf.

Die Buchen berſten ferner drittens der Laͤnge nach auf, und nennet man ſolche alsdenn Eiskluͤftige Baͤume. Sie entſtehen, wenn naͤhmlich ein ſtarker Froſt, nach vor - her gegangener warmer Witterung, einfaͤllt, nach dem der Saft ſich ſtaͤrker zu bewegen angefangen hat. Die aͤußere Kaͤlte ziehet die Gefaͤße zuſammen und draͤnget den mit Luft verſehenen Saft auf eine Stelle, aus der er ſich mit einem Schalle durch Gewalt einen Aus - gang machet.

Die Buche ſtirbt von unten ab.

Ebenmaͤßig ſoll auch viertens ein Forſtverſtaͤndi - ger bemerken, daß die Buche nicht von oben, ſon - dern von unten abſtaͤndig wird, und er muß deswe - gen auf den Fuß des Stammes ſehen, wenn er dieB 5fernere26fernere Dauer beurtheilen, und ſich und andere nicht hintergehen will. Es fallen ſolche Beurtheilungen taͤglich vor, und der Mann verraͤth durch ſolche Un - wiſſenheit den Mangel ſeiner Kenntniſſe, und kann einen alten ſich erworbenen Ruhm einbuͤßen.

Ich wuͤrde auch noch einen bemerkten Zufall unter die Uebel bey dem Anbau der Buche rechnen, wenn er bey der genauern Unterſuchung die Probe gehalten haͤtte, und wenn er nicht zufaͤllig waͤre. Es hat ſich nehmlich in dieſem Sommer bey einem mit Buchen beſaͤeten Platze hin und wieder der Umſtand ereignet, daß junge aufgekeimte Pflanzen, die ſehr gut ſtanden, auf einmal trocken wurden. Faßte man ein ſolches Staͤmmchen an, ſo bemerkte man keinen Widerſtand und man zog es aus der Erde, und fand, daß ſeine Wurzeln durch irgend ein Inſekt abgenaget waren. Der Wurm war jedoch nirgends anzutreffen, und weil man den ganzen Platz nicht verderben wollte, ſo war auch das weitere Nachſuchen beynahe unmoͤg - lich; man ſchloß aber ſehr wahrſcheinlich, daß die Wuͤrmer des Maykaͤfers, die Roͤſel abgebildet hat, und die ſich hier finden ließen, dieſe Verwuͤſtungen anrichteten, um ſo mehr, da dieſer Platz in einem lockern vorhero in Acker beſtandenen Boden lag, und gleich in der Naͤhe in feſterem Boden dieſer Unfall nicht bemerket wurde.

Duͤhamel iſt in der Forſtwiſſenſchaft ein vorzuͤg - lich guter Schriftſteller.

Endlich kann ich nicht umhin, in Betracht der Forſtwiſſenſchaft, woran Buchen und Eichen den groͤßten Antheil haben, nach dem Rathe anderer die ſaͤmmtlichen Abhandlungen des Duͤhamel duͤ Mon -ceau.27ceau, vornehmlich aber allen und jeden Forſtliebha - bern, Pflanzern und Gaͤrtnern, und insbeſondere denen, die gleich praktiſch belehrt ſeyn wollen, weil ſie weder Zeit noch Geſchick haben, ſich mit den Grundwiſſenſchaften abzugeben, denjenigen Band auf das angelegentlichſte zu empfehlen, welcher ei - gentlich von der Holzſaat handelt, unter allen alten und neuen unzaͤhligen Buͤchern und Schriften iſt zu - verlaͤßig kein einziges, worin uͤberall ſo gruͤndlich, ſo einſichtsvoll und mit ſo vieler Ordnung und Erfah - rung gehandelt iſt, und mit welchen die Grundſaͤtze ſo ſchoͤn verbunden worden ſind. Aus dem Tractat von der Holzſaat ſollten Gaͤrtner und andere Pflanzer das dritte Buch, welches von Baumſchulen redet, hin - gegen Forſtliebhaber, Forſteigenthuͤmer und alle Forſtbediente das fuͤnfte und ſechſte Buch, die von theils angelegten, theils im Stande zu erhaltenden, theils aus der Veroͤdung wieder herzuſtellenden gro - ßen Waldungen handeln, von Wort zu Wort ſich ins Gedaͤchtniß praͤgen, um ſich gegen ſo viele abge - ſchmackte Vorurtheile oder uͤbertriebene Kuͤnſteleyen zu verwahren, und ſie von ſich zu entfernen.

Nutzen.

Die Buche iſt in allen Haushaltungen als das beſte Brennholz bekannt, weil das Feuer derſelben eine helle Flamme giebt, und die gluͤhenden Kohlen ihre Hitze laͤnger als andere behalten. Es iſt auch kein Holz von ſo allgemeinen Gebrauche als dieſes. Im Waſſer dauert es vorzuͤglich, und wird deswe - gen insgemein zum Muͤhlenbau angewendet. Es dienet zu verſchiedenen Arten des hoͤlzernen Hausge - raͤthes, zu Tiſchen, Tellern, Schranken, Rollen, Walzen, Stampfen und Preſſen, zu Axt - und Spa - denſtielen und dergleichen mehr. Auch werden ausjun -28jungen und ſtarken Buchen gute Trag - und Schwung - baͤume zu Kutſchen, Felgen zu Raͤdern, Axen, Deich - ſelſtangen, Schlittenbaͤume, Roͤhren, Sparren und Balken zu geringer Leute Wohnungen angewendet. Duhamel giebt ferner die Art, wie man aus dem Holze in Frankreich ſchoͤne Meſſerhefte verfertiget, folgender - geſtalt an: Ein nemlich aus dem groben gearbeitetes Heft wird in eine vorher heiß gemachte und mit Oehl eingeſchmierte Form von polirten Eiſen unter eine Preſſe gelegt, wodurch das Holz in derſelben auf eine gewiſſe Weiſe fluͤßig wird, ſich zwiſchen den eiſernen Blechen der Form ausdehnet, und nachher vollkommen glatt, hart und von einer angenehmen Farbe wird, daß man das Holz nicht fuͤr Buchenholz erkennen kann.

Die Aſche iſt gut zur Waͤſche, und nothwendig bey Seifen - Pottaſchſiedereyen, und Glasfabriken, und die Spaͤne ſelbſt laͤutern den Wein.

In England werden die trocknen Blaͤtter ge - ſammlet und daraus Matratzen in Betten verfertiget, und dem Strohe vorgezogen, weil dieſes fruͤher dumpfig und hart werden ſoll. Allein bey dem davon ange - ruͤhmten Gebrauche faͤllt mir doch auch nothwendig der Zweifel ein, ob trockne Blaͤtter nicht eher in Staub zermalmet werden koͤnnen, als ein zaͤheres eben ſo trocknes Stroh; von dem Gegentheile wird uns kein Englaͤnder uͤberfuͤhren und uns unſere Stroh - matratzen verachten lehren.

Die Frucht dienet bekanntermaaßen zur Maͤ - ſtung des Viehes, und vorzuͤglich der Schweine, ob - gleich das Speck, das dieſe Thiere dadurch erhalten, nicht feſt, ſondern mehr fluͤßig iſt, welchem Uebel jedoch ein Hauswirth, der Erfahrung nach, abhel - fen kann, wenn er unter das Futter etwas Erbſen oder Bohnen miſchet. Alles Federvieh und beſon -ders29ders die kalekutiſchen Huͤhner koͤnnen damit gemaͤſtet werden. Sie giebt auch ein gutes Oehl, und erhaͤlt man aus einem Scheffel guten Saamens vier Kannen. Nach Duͤhamel ſoll dieſes Oehl dem Haſelnußoͤhle gleichen. Es faͤllt dem Magen beſchwerlich, ſo lan - ge es noch friſch iſt, doch verlieret es auch wieder dieſe uͤble Eigenſchaft, wenn es ein Jahr lang in wohl verwahrten ſteinernen Kruͤgen in der Erde ver - graben geweſen. So viel bleibt demohnerachtet ge - wiß, es nimmt jederzeit den Kopf ein, wenn es aus Fruͤchten gepreßt wird, die man nicht reif genug ein - geſammlet hat. Der gemeine Mann gebrauchet die - ſes Oehl oͤfters zum Kochen, auch nimmt er an eini - gen Orten beym Kornmangel die Fruͤchte unter das Mehl zum Brodte.

Vom[30]

Vom nuͤtzlichen Anpflanzen der kleinen Ruͤſter oder Effenbaum.

Da uns in gegenwaͤrtigen Zeiten nicht nur der all - gemeine Holzmangel in vielen weitlaͤuftigen Laͤndern weit empfindlicher zu druͤcken anfangen will, ſondern auch manche Arten des landwirthſchaftlichen und ſtaͤd - tiſchen Gewerbes zu ſchmaͤlern, und die zu veredlen - den unentbehrlichen in - oder auslaͤndiſchen Producte ſchon ſehr vertheuren hilft, ſo hat man Urſache mit Unterſtuͤtzung der allgemeinen Feurung, bey der Land - und Stadtwirthſchaft einen ernſtlichern Anfang zu machen, als es bishero geſchehen iſt. Hierzu iſt ein Vorrath von taͤglichem Brennholze noͤthig, und folglich gewiſſe Holzarten, welche geſchwinder als andere wachſen, dabey mehr Holz an Scheidknuͤppel und Reißholz hervorbringen, auch zugleich in allem Grunde und Boden mit faſt gleichen Vortheilen ge - zogen werden koͤnnen. Es giebt deren verſchiedene, welche dem Landmann hin und wieder zum Anſaͤen und Anpflanzen empfohlen werden. Der Effen -baum,31baum, Effern, oder die kleine Ruͤſter ulmus minor, die Weißbuchenruͤſter, oder vielmehr die kleinblaͤt - trige Ruͤſter, macht eine zu dieſen Abſichten ſehr vor - zuͤgliche Gattung aus. Sie entſtehet aus dem Saa - men der gemeinen Ruͤſter, wie andere Abaͤnderungen mehr, und waͤchſet ſo wohl in ſandigem trocknen, als naſſem Mittelboden, auch in ſchweren und fetten, in moraſtigen, flachen Ebenen um die Stroͤhme, um die Inſeln, auch an den Bergen, zwiſchen den Fel - ſen, wo der Baum ſeine Wurzeln ziemlich tief in die Spalten und zwiſchen die Steine ſchlaͤget.

Es giebt bis zehnerley Ruͤſtern, die ihre Vor - zuͤge, auch Fehler im Holze und Wachsthume zeigen, auch ihren eigenen Grund erfordern, und zum Theil zahme und fremde Abaͤnderungen von den Europaͤi - ſchen oder Amerikaniſchen ſind, und durch die Saat und das Ablegen der jungen Sproßen ſehr vermehrt werden; von welchen in Holland, zu Hamburg und in einigen Gegenden in beſondern Baumſchulen große Quantitaͤten zu Luſtwaͤldern gezogen werden, aber auch im Ernſte bey der Landwirthſchaft und verſchie - denen Profeſſionen gute Dienſte thun. Man kennet ſie unter dem Namen von Ilmen und Vpern Die kleinblaͤttrige oder weißbuchen Ruͤſter, welche auch ulmus carpi folio, ſeu cortice arboris albido genennet wird, und ſich an Blaͤttern, wegen des Ungeziefers, rei - ner als andere haͤlt, auch mit der Eſche faſt zugleich bluͤ - het, iſt ihres Nutzens halber in Thuͤrungen um die Saale und Unſtruth bekannt, und wird eben ſo ſorgfaͤltig da - ſelbſt erzogen, als in den Ebenen der Pfalz, im Cle - viſchen, unter Frankfurth und ſonſt am Rheinſtrome. Man weiſet dieſer nuͤtzlichen Baumart, ihren Stand an Wieſen, in Zaͤunen, Gaͤrten, Daͤmmen, Trif - ten und Wegen an, auch auf vielerley entbehrlichen Plaͤtzen in den Doͤrfern, um dieſelben und an denHoͤfen.32Hoͤfen. Das Stammholz iſt nach den Eichen und Erlen, beym Muͤhlen - und Waſſerbau, das beſte, beſonders an Orten, wo das Steigen und Fallen des Waſſers, und folglich Naͤſſe und Trockne beſtaͤndig wechſeln. Es giebt ſtarke Nutzſtuͤcke in gewiſſen Gebaͤu - den, wogegen jedoch noch von einigen geſprochen wird; ob man gleich hierinnen die Erfahrung vor ſich hat. Es wird vorzuͤglich zu Geſtellen bey Kanonen und Moͤr - ſeln, Glocken, Stuͤhlen, zu Preſſen, Keltern, Roͤh - ren, Pumpen und Rinnen, auch ſonſt zu feiner und dauerhafter mancherley Stellmacher - und Tiſchlerar - beit genommen, man hat es fein und grobjaͤhrig, und gebraucht das erſtere auch zu Verfertigung muſikali - ſcher Inſtrumente, und giebt ihm oft die Farbe des Magahonyholzes, die Drechsler gebrauchen daſſelbe zu Bechern, Schuͤſſeln und kleinem Hausgeraͤthe. Der Baum macht ein feſteres Holz als andere ſeiner Ge - ſchlechtsarten, und waͤchſet daher etwas langſamer im Schafte, giebt aber ſo viel Aeſte und Zweige zum Knuͤppel und Reißholze, als die beſte Weide und Pappel. Man erhaͤlt weniger Schneidelholz davon, wenn man die Staͤmme kurz abkappet, und viel, wenn man die mit jungen Zweigen beſetzten Wipfel, als den Wuchs des vorigen Jahres auf zwey bis drey Fuß lang ſtehen laͤſſet. Im Schlage - oder Unter - holze, auf Bergen und Plaͤnen giebt dieſe Ruͤſter gute gerade Stangen, die man nach verſchiedener Nu - tzungsabſicht, alle 9, 12, 15, 20 Jahr hauen laͤßt. Das leicht ſpaltige Holz, dieſer Art, hat einen recht feſten Kern, und giebt ſchoͤne braͤunliche Bret - ter zu Dielen und ſtarke Tiſchlerarbeit, welches die gemeine wilde Ruͤſter nicht thut.

Um nun dieſe nutzbare Ruͤſter in Menge außer den Waldungen bald zu ziehen, wie es ſeyn muß, ſo ſucht man zu Saamen zu kommen, um den Vorrathzu33zu einer Baumſchule auf einmahl beyſammen zu ha - ben. Dieſer Saame iſt zu Ausgange des Juny, und ſpaͤteſtens in der Mitte des July reif, da er in großer Menge abfliegt, auch leicht zu ſammlen ſteht, und kann dieſer Saame alsdenn, oder da die Baͤume die - ſer Art, ohne eben ſonderlich gekannt zu ſeyn, ſich einzeln unter andern befinden, die Reiſer und Schnitt - linge davon leicht in Buͤndeln, mit Ausgang des Fe - bruar Monats, nach andere Oerter zur Anlage verſchickt werden. Der Saame muß gleich friſch im Schatten in leichte und ſandige, aber etwas feuchte Erde ganz flach gebracht werden, in welcher er bald aufgehet, daß man noch im ſelbigen Jahre, um Michaelis ſchon eine große Menge Saatpflanzen, einer Querhand hoch, auch wohl ſpannenhoch haben kann, die ſich ſchon im fol - genden Fruͤhlinge oder Herbſte in die Baumſchulen auspflanzen laſſen. Dieſe Erziehung iſt zu ſtarken Baumſtaͤmmen die beſte und betraͤchtlichſte, welche man nach 10, 12 Jahren ſchon ſehr anſehnlich finden wird. Dieſe kann man auch zum Schneideln, wie bekannt, nach Verſchiedenheit des nahrhaften Grun - des einrichten, oder abhauen, daß der Stamm uͤber der Erde 4, 5, 6 Fuß hoch ſtehet, welchen man nach und nach verſchiedene wagerecht laufende Aeſte verſchaffet, die ſich kappen laſſen, eine große Menge Zweige zu Reisholz tragen, und nach gewiſſen Jah - ren zu Brennholz behauen werden. Es laſſen ſich aber auch die Staͤmme, wenn ſie in gehoͤriger Weite 4 Fuß auseinander ſtehen, von einem ſolchen Alter, in einem guten tragbaren Grunde, kuͤrzer abhauen, um durch ihren Ausſchlag, welcher ſehr ſtark iſt, in kurzer Zeit davon eine erſtaunende Vermehrung vor die Schulen und Plantagen zu machen. Wie denn dazu geſunde Staͤmme von einem Daumen, halben oder ganzen Fuß ſtark, hart an der Erde weggenom - men werden koͤnnen. Ihre Sproßen werden als -Cdenn34denn, wenn ſie dreyjaͤhrig ſind, nach Art der Wein - reben oder Nelken eingeſchnitten, im Herbſte, Winter oder ſonſt fruͤh im Jahre, in die Erde geleget mit hoͤlzernen Haken befeſtiget, da ſie denn bald wur - zeln, daß man ſie das folgende Jahr abſchneiden und in die Baumſchule bringen kann, bis ſie die Geſtalt und Groͤße haben, die man von ihnen, beym Pflan - zen ſelbſt verlanget. Die uͤbrige Behandlung hier anzufuͤhren, iſt deswegen uͤberfluͤßig, weil ſie bey allen uͤbrigen Holzarten vorkoͤmmt und alſo bekannt iſt.

Gedanken[35]

Gedanken uͤber etliche Unterſchiede des Geſchlechts bey Thieren und Gewaͤchſen (Vegerabilia) und verſchiedenen ſehr merklichen bey den letztern, von Zeit zu Zeit vorfallenden Veraͤnderungen, die das Geſchlecht betreffen.

Die Gewaͤchſe als lebendige und organiſche Ge - ſchoͤpfe ſind wirkliche Bewohner unſerer Erde, wie die Thiere, nur daß ſie ohne eine eigentliche thieriſche Empfindung ſind, und keine ſolche beſondern Einge - weide haben, welche zur Lebenserhaltung und Zube - reitung des Nahrungsſaftes erfordert werden, wie ſie bey den Thieren gefunden werden. Indeſſen haben die Gewaͤchſe doch, wie nunmehr bekannt, eine ſol - che Art der Erzeugung und der natuͤrlichen Fortpflan - zung, die ſich auf die wirkliche Befruchtung eines im Ey oder Saamen verborgenen Keimes gruͤndet. C 2Dieſe36Dieſe Befruchtung muß, der Vernunft und Erfahrung zufolge, eben ſo, wie bey den Thieren, durch zwey von einander verſchiedene Geſchlechter bewirket werden, wenn das weſentliche des Hauptendzwecks, nicht ver - eitelt werden ſoll. Wie nun aber die Naturwirkun - gen zur Befruchtung, bey Thieren und Gewaͤchſen, auf der einen Seite ungemein viele Aehnlichkeit zei - gen, ſo giebt es hinwiederum auf der andern, ſehr betraͤchtliche Unterſchiede, die die Gewaͤchſe vor den Thieren, und jene wieder vor dieſen, in einigen wich - tigen Umſtaͤnden der Befruchtung (foecundatio) recht kenntlich machen.

Es giebt im recht eigentlichen Verſtande maͤnn - liche Pflanzen (plantas mares) deren beſonders ge - baute Zeugungsglieder und dazu gehoͤrige Saͤfte, wie bey den maͤnnlichen Thieren, in dem ihnen natuͤrlich zugehoͤrigen weiblichen Gegenſtand beſonders wirken, und dieſen dergeſtalt befruchten, daß ſich alle diejeni - gen Hauptfolgen in ihren weſentlichen Umſtaͤnden aͤu - ßern, die man etwa bey der Befruchtung der weibli - chen Thiere verhaͤltnißweiſe wahrnehmen kann. Die zur Befruchtung der Gewaͤchſe beſonders beſtimmten Theile, ſind uns, zuſammengenommen, unter einer ſehr verſchiedenen Geſtalt und unter ſolchen Eigen - ſchaften bekannt, welche wir mit einem gemeinſchaft - lichen Namen, die Blume oder Bluͤte (florem) und deren eigentliches Geſchaͤfte, naͤmlich das Befruch - ten oder Bluͤhen (foecundationis negotium ſive efflore - ſantium) zu nennen gewohnt ſind.

Die Blume macht bey allen Gewaͤchſen den dritten Haupttheil aus, in welchem ſie ſich endlich alle gleichſam aus ihrem innerſten entwickeln, und in wel - chem Theil ſich endlich der Wachsthum der Augen oder Knospen voͤllig endiget, nachdem ſie ihren aͤußer - ſten Theil, oder die Spitze des Mardes, dem Herz -keime37keime (corculo) als dem unausgebildeten Entwurfe, der zukuͤnftigen neuen Pflanze, in den befruchtenden Saamen allezeit uͤberlaſſen muͤſſen: der ſich nach der Reife von ſeiner Mutterpflanze (planta matre) endlich trennet, abfaͤllet, und vor ſich, aus eigenen Kraͤften des ihnen mitgetheilten Markes, ein ganz neues Wachs - thum fortſetzet.

Dieſe Blumen, in denen ſich die (partes foecun - dationis ſive fructificationis) Befruchtungstheile mit allen dazu gehoͤrigen Werkzeugen allein beyſammen befinden, und in einander wirken, machen alſo, die - ſer ihrer einzigen weſentlichen Function halber, beſon - ders gebaute natuͤrliche Werkſtaͤtte der Befruchtung (officinam foecundationis naturalis) aus. Man wuͤrde einen reichlichen Stoff haben, hieruͤber außer - ordentlich weitlaͤuftig zu ſeyn, wenn man hier nur die - jenigen Unterſchiede anfuͤhren wollte, die ſich bey dem Befruchtungsgeſchaͤfte der Thiere und Gewaͤchſe aͤu - ßern, ohne von andern Umſtaͤnden Erwaͤhnung zu thun, die die Uebereinſtimmung mit der Befruchtung des Eyes oder Saamens erklaͤren. Weil aber ſehr vieles davon den Naturforſchern bereits bekannt ſeyn ſoll oder kann, ſo will ich hier nur einige allgemeine, andern Liebhabern der Naturbegebenheiten zu gefal - len, in Betrachtung ziehen, welche ſo offenbar und richtig ſie ſind, dennoch insgemein die wenigſte Auf - merkſamkeit nach ſich ziehen. Wir wiſſen naͤmlich aus der Erfahrung, daß mit der allmaͤhligen Entwi - ckelung der thieriſchen Koͤrper ihre ſaͤmmtliche Theile, folglich alſo auch ihre Geburtsglieder oder Zeugungs - Theile, den aͤußerlichen Umſtaͤnden nach, dergeſtalt nach und nach ausgebildet werden, als ſie naͤmlich gleich bey der Geburt oder ihrem Ausgange aus dem Ey, in derjenigen Geſtalt, Anzahl, Lage und Groͤße, auch der dazu gehoͤrigen uͤbrigen natuͤrlichen Beſchaffen -C 3heit38heit zugegen ſind, ſoweit ſie dermalen in den erſten Zeitalter der Thiere ſeyn koͤnnen und ſollen: daß man daran das weibliche und maͤnnliche Geſchlecht wohl unterſcheiden kann. Die Abaͤnderungen und Aus - nahmen, die ſich bey mancherley Gattungen der klei - nen und noch nicht voͤllig bekannt gewordenen Inſek - ten finden, muͤſſen ihre Einſchraͤnkungen nur auf die - ſelben haben, und aus deren noch allmaͤhlig zu uͤber - ſtehenden Veraͤnderungen verſtanden werden.

Dieſe Bildung der thieriſchen Zeugungsglieder gehet, ſo weit man ſie aͤußerlich erkennen kann, bis auf einen gewiſſen Grad, und zwar lange Zeit vorher, ehe ein Thier durch die innere voͤllige Entwickelung aller darzu gehoͤrigen und erforderlichen Theile in den Stand geſetzet wird, daß es durch ſelbige und in den - ſelbigen, mit vollkommenen Kraͤften auch die zur Be - fruchtung gehoͤrige Saͤfte abſcheiden, und durch die - ſelben wirken kann. Dieſer nunmehrige Zuſtand macht alsdann eine beſondere Periode aus, in wel - cher ſich die Thiere, bey einer vorzuͤglichen naturli - chen Lebhaftigkeit befinden. Aller Wahrſcheinlichkeit nach richtet ſich dieſer Umſtand derſelben Periode, we - gen der Fortpflanzung, nach der verſchiedenen Lebens - dauer der Thiere ſelbſt: daß vielleicht unter andern ein großer Theil derſelben, vorher mehrere oder we - nigere Jahre dazu noͤthig hat, um die innern Theile der Zeugungsglieder gehoͤrig zu entwickeln, damit der Koͤrper nach ſeiner Ausbildung die noͤthigen Kraͤfte erhalten kann, die zur Befruchtung dienlichen Mate - rien aus ſich ſelbſt hervorzubringen, abzuſcheiden, und dadurch in ſeinem Gegenſtande denjenigen uns noch ſehr unvollkommen bekannten Reiz zu bewirken, von welchem wir hernach an den weiblichen Thieren die betraͤchtlichſten Folgen wahrnehmen. Dennoch kann man ſich auch den Zuſtand derjenigen Thierevor -39vorſtellen, welche eine kurze Zeit leben, die ſich auf 2, 3, 8 bis 12 Jahre, oder nur auf ſo viele Monathe, Wochen oder nur gar auf 24 Stunden erſtreckt, in welcher ſie ihr Fortpflanzungsgeſchaͤfte zeitiger, ſpaͤ - ter oder ſparſamer, auch wohl nur ein einziges mahl zu Stande dringen, ehe ſie vergehen.

Hierzu koͤmmt noch der zweyte Umſtand, der ſich wegen der ſchon erwaͤhnten obwaltenden großen Ver - ſchiedenheit, zwiſchen einem ſehr großen Theile der Thiere und Gewaͤchſe aͤußert, auch eine beſondere Betrachtung verdienet. Er iſt eben ſo offenbar als gemein! Es moͤgen naͤmlich alle Thiere beſchaffen ſeyn, wie ſie wollen, wenn ſie einmahl aus ihrem Ey kommen, und ohne weitere Verwandlungsart ihre Zeugungsglieder mitbringen, ſo behalten ſie dieſe ihre einmal entwickelte Zeugungswerkzeuge auch beſtaͤndig, ohne ſie jaͤhrlich abzuwerfen, oder ſonſt zu erneuern: ſie moͤgen nun ihre Begattung nur ein oder mehrere mahle vornehmen und aushalten, und dabey ſehr lange fruchtbar bleiben, oder nach den erſten Jahren untauglich werden. Die Erinnerung dieſes Umſtan - des kann ſolchen Leuten in der That ſehr uͤberfluͤßig ſcheinen, welche den Bau und Nutzen der Blumen nicht verſtehen, und alſo dieſe vor diejenigen Werk - zeuge nicht anſahen, die ſie wirklich ſind. Die Na - turforſcher hingegen, wiſſen von dieſer natuͤrlichen Zeugungsordnung, daß die Werkſtatt der Befruch - tung, bey denen und zwar allen und jeden, von jeher bekannt gewordenen Gewaͤchſen, ihr Geſchaͤfte nur ein einziges mahl aushalten kann, und alſo jaͤhrlich zu jeder neuen Befruchtung auch von neuem hervor - gebracht werden muß. Denn niemals hat jemand geſehen, daß eine oder eben dieſelbe Blume in den Gewaͤchſen ſtehen geblieben, und zum zweyten, drit - ten und vierten mahle Frucht gebracht habe.

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Die Gewaͤchſe, ſo viel uns naͤmlich von denjeni - gen ſehr anſehnlichen Theilen derſelben wiſſend iſt, de - ren regelmaͤßigen Bau wir durch unſere Sinne unter - ſcheiden und verſtehen koͤnnen, entwickeln ſich endlich nach mancherley uͤberſtandenen Veraͤnderungen, zu - letzt aus ihrem innern in die Bluͤte, wie die Inſekten, wie anfangs davon gedacht worden iſt. Sie muͤſſen aber dazu ein gewiſſes beſtimmtes Alter erreichen, wobey ſie ſich in einem ſolchen Zuſtande befinden, welcher ihrer Lebensdauer zugleich mit angemeſſen iſt. Denn nie - mals erſcheinet eine Pflanze gleich anfangs, oder im allererſten Zeitalter, in ihrer rechten oder voͤlligen Ge - ſtalt, wenn ſie wie die Thiere, aus ihrem Ey oder Saamen zuerſt hervor koͤmmt, ſondern ſie wird nur allmaͤhlig entwickelt, daß ſie in den Stand koͤmmt, ihre Bluͤte zuletzt zu erzeugen, die noch dazu das erſte oder zweytemahl dennoch nicht fruchtbar zu werden Faͤhigkeit genug hat, ſondern mit dem Aufbluͤhen auch zugleich abfaͤllet. Es laͤßt ſich alſo der Unterſchied des Maͤnnlichen, des Weiblichen oder des Zwitter - geſchlechts niemals an den jungen Gewaͤchſen, wie etwa bey den neugebohrnen Thieren, gleich anfangs erkennen, zu geſchweige, daß man ihnen ihren eige - nen Namen ſchon geben koͤnnte, ehe man ihre Bluͤte abgewartet und unterſucht hat; die uͤbrigen Merkzei - chen, die man ſich durch viele Erfahrung hierinnen machen kann, ſind allezeit unſicher und unbeſtaͤndig. Die Wichtigkeit dieſes Umſtandes, zeiget ſich ſowohl in phyſikaliſchen als oͤkonomiſch praktiſchen Abſich - ten haͤufig genug. Es koͤnnen uns hier folgende Ge - waͤchſe zum Beweiſe dienen, bey welchen ſehr daran gelegen ſeyn muß, auch nur wegen ihrer Vermehrung und eines ſtarken Gebrauches in der Wirthſchaft, den Unterſchied des Geſchlechtes und der Bluͤte, ſobald als moͤglich zu wiſſen, um die erforderlichen Anſtalten darnach zu machen. Statt vieler andern wollen wirhier41hier nur etliche von ſolchen Gattungen anfuͤhren, de - ren maͤnnliche und weibliche Bluͤten in zwey voͤllig von einander abgeſonderten Pflanzen aus einem Saa - men hervorkommen. Dioicaea als die Arten des Wachholders Iuniperi, der Weiden Salicis, der Pap - peln Populi, des Wachßſtrauches Myricae, des Wei - dendorns Hippohae, Piſtanienbaumes Pistaciae, Ho - pfens Humuli, Ibenbaumes Taxi, Melonenbaumes Caricae, und andern, die wir bey gewiſſen Umſtaͤnden nicht entbehren koͤnnen, wozu aus gleichem Grunde noch andere Gewaͤchſe gerechnet werden, welche einer und ebenderſelben Pflanze, auf verſchiedenen Zwei - gen, außer den zum Theil fruchtbaren Zwitterblumen, noch maͤnnliche oder weibliche erzeugen (plantae po - ligamae) auch wohl noch dazu gehoͤrige, beſondere maͤnnliche oder weibliche Pflanz[e]n haben: Derglei - chen ſind etliche Palmenarten Phaenix, Chamaerops, Coccos, Areta, Caryota, der Eſchbaum Fraxinus, Perſimon Dioſpirus, Johannisbrodbaum Ceraelonia, Maulbeerbaum Morus, Ahornbaum Acer, und der Kreuzdorn Rhamnus. Etliche Arten unter den hier angefuͤhrten Gewaͤchſen, bringen ihre beſondere Blu - menzapfen v. Amenta ſ. Iulos. Derjenige Zeitpunkt, in welchem ſich die jungen Pflanzen anfangen, in ihrer Bluͤte zu entwickeln, von deren Gattungen man ſonſt ſchon gewohnt iſt, daß ſie entweder Zwitterbluͤ - ten, oder Maͤnnliche oder Weibliche tragen, die bald fruchtbare ſind, bald unfruchtbare oder blin - de, hat die Botaniſten, nach Anzeige ihrer Schriften, ſchon mehr als zu oft hintergangen, daß ſie ſich in Beſtimmung der Geſchlechter geirret, uͤbereilet, und die Pflanzen unter ſolche Claſſen oder Ordnungen gebracht haben, aus denen ſie ſelbige bald hernach wieder ausſtreichen, und unter andere bringen muͤſſen.

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Wenn ſich nun die Gewaͤchſe endlich einmal in der Bluͤte entwickeln, und alſo ihre Befruchtungs - werkzeuge hervorgebracht haben, ſo ſind dieſe zarte Theile gar nicht von der Eigenſchaft und Dauer, wie bey den Thieren, daß ſie nehmlich ihr Fortpflanzungs - Geſchaͤfte mehr als einmal vollbringen koͤnnten, ſie fallen vielmehr zum Theil mit der uͤbrigen Bluͤte, zum Theil mit der halb reifen oder ganz reifen Frucht ab, oder ſie vergehen doch ſonſt auf eine andere Art. Dagegen bringet jedes Gewaͤchſe, zu einer jeden einzelnen Be - fruchtung, jaͤhrlich dieſe Theile ganz von neuem wie - der hervor, wovon das Gegentheil bey denen Thieren ſatſam bekannt iſt. Wie aber von allen Arten der Thiere, alſo auch die groͤßten, ein jedes einzelne Stuͤck nur die zu einer einzelnen aber beſtaͤndigen und dauer - haften Erzeugungswerckſtaͤtte (unica atque ſingularis foecundationis officina) gehoͤrigen Theile allein unterhaͤlt, ſo bringen einzelne Gewaͤchſe hingegen oͤfters jaͤhrlich eine erſtaunende Menge von einzelnen Blumen. Die Urſache davon ſcheinet nicht ſo ſchwer zu errathen zu ſeyn, da ihre Fruchtbarkeit unendlich vielmahl groͤßer ſeyn muß, als der Thiere, die ſich von den Gewaͤch - ſen naͤhren, oder ſie doch ſonſt zu einem gewiſſen Ge - brauch noͤthig haben.

Alle Gattungen von Gewaͤchſen, welche zugleich mehr als ein Blumengeſchlecht, in zwey von einander abgeſonderten Bluͤten hervorbringen, dieſe zeugen im erſten Anfange, nicht immer beyderley Bluͤte zu - gleich, wie ſie bey zunehmendem Alter und mehrerer Staͤrke thun. In ſolchem Falle laſſen ſie uns, gedachte Zeit uͤber, in einiger Ungewißheit, daß wir uns nicht anders helfen koͤnnen, als wenn wir wohl un - terſuchen, ob eine Pflanze noch ſehr ſchwach, erſt angehend, oder jung ſey, folglich nur erſt fruchtbar zu werden anfange, und ſeine Bluͤte das erſte oderzweyte43zweyte mahl trage! Dieſer Zuſtand wird uns beleh - ren, ob wir etwas hierinnen beſtimmen koͤnnen, oder die Beſtimmung weiter verſchieben ſollen. Denn un - ter ſolchen Pflanzen, welche etwa eine Maͤnnliche von der Weiblichen, bloß durch die Lage und den Sitz auf verſchiedenen Zweigen abgeſonderte Bluͤte brin - gen, wie etwa der Haſelſtrauch Corylus und der Wal - nußbaum Fuylans, wenn einer von beyden die erſte Bluͤte traͤgt, ſo findet man nicht immer die erſte Zeit daran, eine Maͤnnliche und Weibliche zugleich, daß man daraus erkennen koͤnnte, was er ſey, und in welche natuͤrliche Ordnung v. gr. im Linneiſchen Syſtem er gehoͤre, ſondern mit der Zeit kommen erſt beyde Arten dieſer Blumen zugleich zum Vorſchein.

Es trift ſich ſogar bey dem Walnußbaume, in gewiſſen Jahren zuweilen, daß er ſehr haͤufig Maͤnn - liche, aber ſehr wenig Weibliche Bluͤte traͤgt, oder auch eine erſtaunende Menge von Weiblichen, ohne eine einzige Maͤnnliche zu haben: in welchem Falle die Inſecten, als beſondere Diener der Natur, bey dieſem Geſchaͤfte, das befruchtende Blumenmehl von andern Nußbaͤumen in der Naͤhe haͤufig zufuͤhren. Dieſes Beyſpiel habe ich nicht nur oͤfters vor mir ge - habt, ſondern noch in dieſem Jahre an einem zwan - zigjaͤhrigen Baume, in der Naͤhe ſehr genau beob - achten koͤnnen. Ein in der Sache unerfahrner, koͤnnte leicht auf die Gedanken gerathen, als ob es außer dem bekannten Wallnußbaume und Haſelſtaude, noch andere davon abgeſonderte Maͤnnliche oder Weibliche gebe! Denn es koͤnnte auch ſeyn, daß ſie zu einer beſonders vermiſchten oder zwitterbluͤmigen Gattung gehoͤrten, dergleichen das Ahorn Acer und Creuzdorngeſchlechte Rhamni enthalten, und bey dem Johannisbrodbaume Ceradonia nunmehro auch ent - deckt worden ſind.

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Man wird hieraus nicht undeutlich erſehen, wie behutſam der Gebrauch eines Herbarii vivi, in Ab - ſicht der fremden und noch unbekannten Gewaͤchſe ſeyn muͤſſe, worauf die Botaniſten ihre voreiligen Beſtimmungen ohne weitere Betrachtung, ſo oft zu gruͤnden pflegen. Es bleibet indeſſen immer noch die Frage uͤbrig, was hierbey die verſchiedene Lage und ein uͤberfluͤßiger oder ſparſamer Nahrungsſaft unter verſchiedenen Himmelsſtrichen zu thun im Stande ſey? ob ferner nicht die Blumen aller Pflanzen ſich daſelbſt in wuͤrkliche fruchtbare Zwitterblumen ent - wickeln koͤnnen, welche in andern Gegenden nur Maͤnnlich oder Weiblich gefunden werden: als wo - von wir in neuern Zeiten die Entdeckungen bereits vor uns haben. Wie denn ebenfalls noch weiter zu un - terſuchen ſtuͤnde, ob ſolche Gewaͤchſe, welche bey uns nur eine ſolche ſogenannte weibliche Zwitterbluͤte tragen (planta floribus hermaphroditis foemineis) und deshalben zu ihrer Befruchtung einer andern Maͤnn - lichen ſchlechterdings von noͤthen haben, in andern Himmelsſtrichen ſich nicht in fruchtbare Zwitterbluͤ - ten (flos hermaphroditus foecundus) zuweilen entwi - ckeln, denn die Staubtraͤger (ſilamenta) und Staub - huͤlſen (Antherae) ſind ſchon gegenwaͤrtig in denen (Floribus hermaphroditis foemineis) daß das dar - innen befindliche Staubmehl nur noch allein ordent - lich zur Befruchtung ausgebildet ſeyn duͤrfte. Ohner - achtet der Richtigkeit alles deſſen, was kurz vorher iſt angefuͤhret worden, und ſich wohl ohne allen Wi - derſpruch behaupten, als auch aus der Erfahrung zum Theil ſo gar darthun laͤſſet, ſo geben doch alle uͤbrige Um - ſtaͤnde zuſammengenommen, daß die Befruchtungsord - nung bey den Gewaͤchſen eben ſo gewiß und allgemein ſey, als bey den Thieren, und daß in beyderley Natur - reichen, außer denen, einem jeden insbeſondere zu - kommenden Einſchraͤnkungen, ungemein viele Aehn -lichkeit45lichkeit herrſche. Die Maͤnnlichen Thiere ſind von den Weiblichen beſtaͤndig verſchieden, und beyde be - treiben das Geſchaͤfte der Fortpflanzung. Ganz voll - kommene, oder ſogenannte komplete Zwitterthiere ſind nur ſelten, die fehlerhaften und unvollkommenen hingegen deſto haͤufiger anzutreffen, da die Abwei - chung von der natuͤrlichen Bildung der aͤußerlichen und innerlichen Zeugungsglieder zu mannigfaͤltig iſt; daß man denn bey naͤherer Unterſuchung, bald nur den einen Theil gleichſam deliniret, den andern hin - gegen nur zur Fortpflanzung tauglich findet: oͤfters aber keinen von beyden. Wie nun dergleichen Aus - bildungen unter die offenbar fehlerhaften gehoͤren, ſo iſt die Monſtroſitaͤt der Zeugungsglieder, wenn ſie zumahl einen Zwitter vorſtellen ſollen, zuweilen der - maßen undeutlich, verworren und verkehrt, daß die wahren Unterſcheidungszeichen des Geſchlechtes bey - nah zu fehlen anfangen.

Der groͤßte Theil von Gewaͤchſen hingegen be - ſtehet aus Pflanzen, welche fruchtbare und komplete Zwitterblumen tragen, das iſt ſolche, wobey die Maͤnnlichen und Weiblichen Zeugungstheile inner - halb einer gemeinſchaftlichen und deckenden Einfaſ - ſung dergeſtalt und allemahl mit einander verbunden ſind, daß ſie ſich, ohne alle Hinderniſſe beruͤhren, und alſo befruchten koͤnnen. Eine weit geringere Anzahl gegen die erſtern, beſtehet in ſolchen ſogenannten Zwitterpflanzen (Plantae androgynae) welche nem - lich auf verſchiedenen Zweigen die maͤnnliche oder weibliche Bluͤte abgeſondert von einander herfuͤr - bringen. Eine dritte Art von Gewaͤchſen bringet Zwitterbluͤten und maͤnnliche und weibliche ver - miſcht, und zuweilen in ganz von einander abgeſon - derten Pflanzen noch uͤber eine maͤnnliche oder weib - liche Bluͤte: Da aber hierbey weder etwas uͤber - fluͤßiges, noch vergebliches oder unvollkommenes herr -ſchet46ſchet, ſo hat der eben angezeigte Unterſchied der Ge - ſchlechter, ſeine ſichere Beziehung des einen, auf die Unfruchtbarkeit des andern Theiles von Blumen: wie denn bald der maͤnnliche, bald der weibliche nicht voͤllig bis zur Befruchtung entwickelt gefunden wird. Sonſt giebt es noch einige Geſchlechter, deren natuͤr - liche Gattungen aus beſondern maͤnnlichen und weib - lichen Pflanzen beſtehen (plantae dioicae) wie von den Thieren ſchon geſagt worden iſt, welche aber im Gewaͤchsreiche die kleinſte Anzahl gegen die vorigen ausmachen.

Nun aber gehoͤret zur richtigen Beurtheilung aller ſolcher Unterſchiede, eine ſichere Erkenntniß, die ſich auf langwierige Erfahrungen gruͤndet, und von einer blinden Liebe zerſtoͤhret wird, die uns etwa an gewiſſe Syſteme, Meiſter, oder deren Anſehn und Freundſchaft auf eine ſclaviſche Weiſe bindet; daß wir alſo nicht ſagen duͤrfen, was wir wuͤrklich ſe - hen, ſondern vielmehr Meinungen gleichſam nach be - ten muͤſſen, von deren Gewißheit wir noch nicht uͤberzeugt ſind. Denn bey Unterſuchung der maͤnnli - lichen und weiblichen Bluͤten, muß man zu unter - ſcheiden wohl verſtehen, ob ſolche natuͤrlich ſind oder ob ſie durch Fehler der Ausbildung dergleichen gewor - den, wie es unter andern bey den wuchernden oder verſtuͤmmelten Blumen geſchiehet, auch ſonſt bey de - nen zuſammengeſetzten Blumen (floribus aggregatis) vornehmlich wegen der Menge oder Groͤße auf einem allzu engen und eingeſchraͤnkten Blumenſtuhle (thala - mo) und des mangelnden Nahrungsſaftes halber, allerdings geſchehen kann. Wie bald aͤndert ſich nicht die Direction der feinen und mardigen Faſern in den zarteſten Blumentheilen bey der Ausbildung, und wie leicht wird nicht das Ausdehnen (Directio) der wei - chen markigen Fortſatze (procesſus medullares) ge -hemmet,47hemmet, daß ſie an ihren aͤußerſten Spitzen etwas haͤrter werden.

Man unterſcheide daher bey der Unterſuchung insbeſondre, gewiſſe natuͤrliche Pflanzen Geſchlech - ter und Ordnungen, von denen Syſtemate ſexuali ſogenannten Syngeneſisten, nebſt den (gramminibus, monoicis, dioicis und polygamis! aus welchen allen, wenn man nach der Gruͤndlichkeit und Wahrheit handeln wollte, aller Regeln ungeachtet, die man, um dieſe noch zur Zeit ſehr unbeſtimmte Umſtaͤnde zu decken, der Unordnung vorzubeugen, und das noch zur Zeit ſo beliebte (Syſtema ſexuale plantarum) auf - recht zu erhalten, denen Lehrlingen insgemein zu ge - ben pfleget, verſchiedene Geſchlechter voͤllig ausge - ſtrichen, und unter die Claſſe der zwitterbluͤmigen (hermaphroditicarum) gebracht werden muͤſſen: ſo wie im Gegentheil aus den Letztern, mit allem Rechte uͤbergehen wuͤrden.

Denn ſo wie der Mangel und die Verſtuͤmme - lung an den Staubfaden und Staubhuͤlſen (defectus, et anthere cum ſilamentis mutitatae) in vielen Blumen nur erwehnten Pflanzengeſchlechter, Ordnungen und Claſſen bereits erwieſen, und ſogar ſelbſt bey dem Charakter der Pflanzengeſchlechter angewendet wor - den iſt, eben ſo iſt im Gegentheil die Zerſtoͤhrung der Faſern bey der Ausbildung der Blumen und gan - zer Buͤſchel von Blumen bekannt genug. Hierinnen kann uns das Exempel der Zea Linnaei ſtatt aller zur Erlaͤuterung dienen, welche neue Planta monoica und dem ohnerachtet eine ſo anmerkliche und außeror - dentliche unnatuͤrliche Zerſtreuung und Vermiſchung, der ſonſt voͤllig natuͤrlicherweiſe von einander abgeſon - derten maͤnnlichen und weiblichen Bluͤten zeiget, die man ſonſt an dergleichen Arten, nicht leicht vermuthen ſollte, wie ſie doch wirklich gefunden wird.

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Endlich muß hier gehoͤriges Ortes noch eines Umſtandes Erwehnung geſchehen, welcher, da er zuweilen uͤberſehen worden, unter den Naturforſchen - den Gelegenheit zu Vorwuͤrfen, Widerſpruͤchen und Irrungen gegeben hat, und folglich wegen richtiger Beurtheilung der Bluͤte bey maͤnnlichen und weibli - chen Pflanzenarten, einzelne Blumen ganz verſteckt, die man darunter nicht ſuchen wuͤrde: nehmlich eine maͤnnliche Pflanze, hat etliche wenige weibliche, und eine weibliche, einzelne maͤnnliche mit hervor, davon man beym erſten Anſehen nichts daran gewahr wird. Hierunter ſcheinet eine beſondere natuͤrliche Vorſorge verborgen zu ſeyn, und man wird daraus erſehen, warum zuweilen an den maͤnnlichen Pflanzen etliche Saamen entſtehen, und warum die weibliche ihre Saamen dennoch zur Vollkommenheit bringet, wenn man an gewiſſen Orten keinen maͤnnlichen Gegenſtand weit und breit entdecken koͤnne.

Alle Arten der Bluͤten, von welchen im Vor - hergehenden die Rede geweſen iſt, ſie moͤgen nun ein - fache, oder aus dieſen weiter zuſammengeſetzte ſeyn, und mit einem Geſchlechte zu ihrer Befruchtung und Fortpflanzung verſehen ſeyn, mit welchem ſie wollen, ſo behalten ſie doch, nach natuͤrlichen Umſtaͤnden, in Anſehung dieſes Geſchlechtes, eine ſichere Ordnung, die dermaßen beſtaͤndig iſt, daß keine Pflanze ihr Geſchlecht wirklich verwechſelt, und daß alſo eine weibliche Pflanze, wenn ſie es wirklich iſt, ſich nie - mahl in eine maͤnnliche verwandelt, ohngeachtet ſie ihre zur Befruchtung gehoͤrige Theile zu gewiſſer Zeit abwirft, und jaͤhrlich verneuert: welches Letztere, wie ſchon geſagt, bey den Thieren im Gegentheil ſtatt findet. Ohne indeſſen dieſe beſondere Weiſe, die Wichtigkeit und die beſondere Nothwendigkeit der Unterhaltung aller Geſchlechtsarten und der Thiere zu uͤberlegen, die die Natur in ihrer großen Haushal -tung49tung, durch die Beſtimmung des Keimes im Ey oder Saamen gleichſam auf ewig gegruͤndet hat, in welche nehmlich ein Theil des bildenden oder befruchtenden Markes, und zwar eben desjenigen Markes, durch den Saamen, mit den darzu gehoͤrigen tingirenden Saͤften, von derjenigen Pflanzen - oder Thierart, die ſchon vor 1000 oder mehr Jahren gelebet hat, in alle nachfolgenden ohne Verminderung hat uͤbergebracht werden muͤſſen, ohne die Wichtigkeit dieſer Um - ſtaͤnde zu uͤberlegen, ſage ich, haben ſich etliche ein - fallen laſſen, im Ernſte zu behaupten, daß Thiere und Pflanzen ihr Geſchlechte mit ſammt der Ge - ſchlechtsart veraͤndern koͤnnten, auch wirklich veraͤn - derten. Vom Anſchein, widernatuͤrlichen Ausbildun - gen, Mißgewaͤchſen und falſchen Erfahrungen hin - tergangen, wollen ſie ihre Meinung durch das Exem - pel der Weiden (Palices) beſonders unterſtuͤtzen, auf deren Veraͤnderungen, die ſonſt an ſich ſehr groß ſind, und faſt bis ins unendliche gehen, ſcheinen indeſſen ſehr wenige aufmerkſam geweſen zu ſeyn! zum Theil haben ſie das, was ſie geſehen, wenig verſtanden, und davon eine verkehrte Erklaͤrung gegeben.

Das Thier - und Pflanzenreich zeiget hin und wieder in gewiſſen Claſſen, Ordnungen und Geſchlech - tern mehr oder weniger Mißgewaͤchſe, die aber als Zufaͤlle unbeſtaͤndig ſind, abwechſeln, und dabey ſehr bald erkannt werden, wenn im Pflanzenreiche unter andern der Blumenbau, durch außerordentliche Ver - mehrung oder Verminderung einiger Haupttheile, von dem natuͤrlichen dermaßen abweicht, daß ſie zu ſol - chen Mißgewaͤchſen werden, durch die der weſentli - che Endzweck der Fortpflanzung einigermaaßen mehr oder weniger vereitelt, oder ganz und gar vernichtet wird. Vielleicht hat dasjenige, wovon im vorher - gehenden, von einigen ganz jungen Baum - oder Straucharten, wegen des Zeitpunktes die Rede ge -Dweſen50weſen iſt, in welchen ſie zu bluͤhen und fruchtbar zu werden anfangen, zu dieſem Irrthume Gelegenheit gegeben, daß man aus der Verſchiedenheit der unvoll - ſtaͤndigen Bluͤte geſchloſſen, als wenn einige Ge - ſchlechtsarten ihr Geſchlecht wirklich veraͤndert haͤtten. Allein wie kann man nicht ſelbſt durch einen einzelnen und unvermerkten Anflug der jungen Saamenpflan - zen hintergangen werden, die unter einander ſtehen, und kurz nach einander in dicken Geſtraͤuchen anfangen zu bluͤhen, welches etliche mahl abgehauen worden, und aus denen ganz regelmaͤßig untereinander gelau - fenen Wurzeln wieder ausſchlaͤget: wenn man nicht gewiß verſichert iſt, man habe nur einen einzelnen Stamm vor ſich, deſſen Bluͤthe man verſchiedene Jahre nach einander genauer betrachten kann.

Die Gattungen der Weiden, die ſich durch eine, faſt ausſchweifende Vermehrung, ihres abfliegenden wolligten Saamens, und einer beſtaͤndigen Unter - haltung durch Saͤtzlinge, Straͤucher und Stoͤcke faſt unkenntlich gemacht haben, ſind noch zur Zeit mit wenig Genauigkeit unterſucht. Der Herr von Linne hat 39 Gattungen davon angegeben, davon ſich aber ein Theil wieder einſchalten laͤſſet. Alle Gattungen, die bey uns wachſen, bringen, ſo viel man weiß, maͤnnliche und weibliche Blumen, die von einander voͤllig abgeſondert ſind. Bey den maͤnnlichen iſt die Zahl der Staubtraͤger ſehr verſchieden, ſie wechſelt von 1, 2, 3, 4, 5 bis 6, bleibt aber bey etlichen ungewiß.

Herr Scopoli Flor. Carniol. ed 2. giebt unter den rauch - und breitblaͤttrigen Weiden, die wir hier im Lande Werft, Sohl - oder Sahlweiden auch Felber nennen, eine Salicem hybridam an, mit langen ein - zelnen Staubfaden, welche von einander bis zur Haͤlfte geſpalten ſind, und ihre beyden Staubhuͤlſen haben. Der51Der Herr von Linné Spec. Planta 262. No. 10. fuͤhret eine ſehr ſchoͤne Weidenart mit glatten und zackigten Blaͤttern an, welche zwitterbluͤmige Blu - menzapfen (Amenta) haben ſoll, uͤbrigens aber eine beſondere Aehnlichkeit mit ſeiner Salice pentandra oder Laurea hat, welches letztere unſer vortreflicher Lorberbaum oder Baumwollenweide iſt. Wer die Weide verſchiedene Jahre mit Aufmerkſamkeit be - trachtet hat, wird ohne mein Erinnern bemerkt ha - ben, daß ſie ſehr geneigt iſt, ihre Geſtalt zu veraͤn - dern, als wozu die vielen Saamenweiden das meiſte thun: wozu auch noch die großen Abwechſelun - gen kommen, die aus dem vielfaͤltigen Auftragen des Blumenmehles, durch die Bienen und andern In - ſekten vom April an, bis im Brachmonat, jaͤhrlich ent - ſtehen muͤſſen, die bis ins unkenntliche gehen.

Seit drey Jahren, da ich mir vornahm, auf die Unterſuchung der Weidenarten einigen Fleiß zu verwenden, habe ich bey oͤfterer Beſichtigung der Baumwollenweide (Salix pentandra) und einer Mit - telgattung, die ich der Beſchreibung nach, mit keiner beſſer, als mit der zwitterbluͤmigen des Herrn von Linné vergleichen kann, an den weiblichen Blumen - zapfen bemerkt, daß manche darunter viel laͤnger und duͤnner als andere waren. Sie hatten zwar abge - bluͤhet, doch nur in ſo weit, daß ich die Ueberbleib - ſel, der zwiſchen den nunmehro ſchon verwandelten Staubwegen (pistillis) noch ſtehenden Staubfaden, als etwas ganz unerwartetes ſehr gut wahrnehmen konnte. Kurz vorher fand ich dieſe Erſcheinung an einzelnen weiblichen Blumenzapfen, bey unſerer Fi - ſcherweide (Salix viminalis), da eben einer meiner fleißigſten Discipeln, Herr Steidel, der ſich unter den Straͤuchern der gemeinen Abaͤnderung, des kleinen rauhen Werftes (Salix caprea), maͤnnliche und weib -D 2liche52liche Blumen von einer Gattung zu verſchaffen ſuchte, an ihren Bluͤtezapfen, eine ungleiche und ganz un - gewoͤhnliche Vermiſchung von maͤnnlichen und weib - lichen Blumentheilen wahrnahm, die er mir zu wei - terer Unterſuchung ſogleich brachte. Ich fand dieſen Strauch ſeiner beſondern Blumen halber, unter den uͤbrigen ſehr bald, und noch den folgenden Tag an drey ganz verſchiedenen Orten, im hieſigen koͤnigl. Thier - garten in einiger Menge, da ſonſt lauter maͤnnliche oder weibliche Straͤuche ſtehen. Faſt taͤglich beſuchte ich dieſe Straͤuche, um bey ihrem Abbluͤhen gewiß zu ſeyn, ob ſie wirklich fruchtbar waͤren oder nicht. Im ab - gewichenen Fruͤhlinge, iſt meine Beobachtung fortge - ſetzt worden, bis zur Reife des Saamens, und habe ich von allen hierher gehoͤrigen Umſtaͤnden folgende ge - nau beobachtet!

Nur erwaͤhnte Werftſtraͤucher oder Sohlweiden waren ſaͤmmtlich als Saamenweiden, von abfliegen - dem Saamen, entſtanden, ſie trugen, ohne eine ge - wiß zu beſtimmende Verhaͤltniß und Anzahl gegen ein - ander, ganze maͤnnliche und beſondere weibliche Blu - menzapfen, auf einerley Haupt - oder Nebenzweigen, von einer ſehr gewoͤhnlichen Geſtalt und Groͤße, wie ſie bey der großen und natuͤrlichen Gattung zu ſeyn pflegen: nebſt dieſen aber wohl beſondere fruchtbare zwitterbluͤtige zugleich (Amenta hermaphroditica foe - cunda). An den beyderley Blumenzapfen der erſten Geſchlechter, war nichts beſonderes zu unterſcheiden, ſie wechſelten auf den Zweigen mit den zwitterbluͤmi - gen, ohne eine ſehr beſtimmte Ordnung ab. Doch hielten die Letztern ihres Anſehens halber, faſt das Mittel zwiſchen beyden erſtern, welches mehr bey den weiblichen Blumenzapfen als den maͤnnlichen war. Die Staubfaͤden ſtanden paarweiſe mit den Blumen grif - feln oder Staubwegen uͤberall vermiſcht, und ihregroͤßten53groͤßten Huͤlſen, gaben ein fruchtbares Staubmehl von ſich. Der Geruch war ſchoͤn und erquickend, und die Bienen fanden ſich darauf ein.

An etlichen zwitterbluͤmigen Zapfen wechſelten die Staubfaden, ſie waren bald haͤufiger, bald ſpar - ſamer, entweder am untern Ende, oder gegen die Spitze zu, zuweilen nur bloß in der Mitte, oder auch auf der einen oder andern Seite des Blumenzapfens insbeſondere, daß alſo einige bald mehr weibliche oder maͤnnliche, bald weniger, bald ganz zwitterbluͤmig waren, fielen nur wenige, außer den maͤnnlichen ab, und ich erhielte ſchon, mit Anfang des Brachmonats, ihren reifen Saamen.

Dieſe Weidenart waͤre es demnach, die man entweder hybridam nennen muͤßte, die aber dennoch eine von der hybrida des beruͤhmten Herrn Bergrath Scopoli, nach deſſen ſelbſt eigener Angabe, ganz ver - ſchieden bliebe, oder ſie wuͤrde mit beſſerm Rechte Salix polygama hybrida heißen, weil ſie auf verſchie - denen Haupt - und Nebenzweigen drey verſchiedene Geſchlechter, und beſonders die zwitterbluͤtigen Blu - menzapfen hervorbringet.

Man kann den Vorfall an dieſer Weide, und die Erzeugung einer plantae poligamae, in Anſehung der zwitterbluͤtigen vollkommenen Blumenzapfen, vor eine der beſonderſten und allerſeltenſten mit Recht an - ſehen, die in einem ſolchen Pflanzengeſchlechte ſich ereignet, welches bey uns ſonſt lauter Species dioicis enthaͤlt und vor ſich bringet. Es muß bey der Be - fruchtung des Markes, in dem Saamenkeime ſelbſt, eine ganz ungewoͤhnliche Vereinigung vor ſich gegan - gen ſeyn, welche dieſem Marke die Richtung ſeiner unbegreiflich feinen faſerichen Fortſaͤtze, voͤllig zu veraͤndern vermogte, und vielleicht eben dadurch einD 3ganz54ganz beſonderes Vermoͤgen gegeben, eine ganz neue Bildung zu Stande zu bringen, von deren Entſte - hung, wir die Art und Weiſe zu begreifen nicht im Stande ſind, die uns aber bey aͤhnlichen Faͤllen zu einem tiefen Nachdenken, mit Nutzen fuͤhren kann. Viel - leicht haben andere vor mir, dieſen Umſtand von ohngefaͤhr wahrgenommen, und daher geſagt Salices ſexum mutant. Vor der[Hand] werde ich mich be - gnuͤgen, etwas ſo ſeltenes geſehen und mitgetheilet zu haben, bis ich im Stande ſeyn werde, es nuͤtz - licher anzuwenden.

Sum -[55]

Summariſcher Auszug einer phyſikaliſchen Unterſuchung von den verſchiedenen Geſchlechtsarten der Bienen uͤberhaupt, inſonder - heit von den praͤformirten Weiſeleyern und dem doppelten Aſt des Eyerſtocks der Bienenmutter, zu weiterer Pruͤfung ausgeſetzt.

Inhalt.

  • Erſter Abſchnitt, handelt von den verſchiedenen Geſchlechts - arten der Bienen.
  • Zweyter Abſchnitt, von den verſchiedenen Arten und Gat - tungen der Eyer der Koͤnigin, von praͤformirten Thraͤnen - und dergleichen Arbeitsbieneneyern, und wie ein jegliches Ey urſpruͤnglich zu dem Geſchlecht gebildet ſey, das aus ihm entſtehen ſoll;
  • Dritter Abſchnitt, beſchreibt den doppelten Aſt des Eyer - ſtocks der Bienenmutter, zur Erlaͤuterung der vorherigen Saͤtze; und der
  • Vierte Abſchnitt enthaͤlt einige Einwendungen und deren Abfertigung, zu Aufklaͤrung inſonderheit des Swammer - dams und Schirahiſchen Syſtems, und zur Kenntniß aller widrigen Bienenzufaͤlle, nehmlich der verkehrten Faulbrut und des unaͤchten oder Afterweiſels, der nichts als Thraͤnen zeuget, und wie ſolchem Uebel abzuhelfen.

Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Geſchlechtsarten der Bienen.

§. 1.

Es giebt viererler Gattungen von Bienen.

D 4§. 2.56

§. 2.

Warum die Arbeitsbienen keines Geſchlechts, (nullius Sexus) ſind? Darum, weil ſie Arbeitsbie - nen ſind, und ſich ſonſt mit nichts beſchaͤftigen duͤrfen noch koͤnnen, wenn anders die Bienenrepublik be - ſtehen ſoll.

§. 3.

Die Koͤnigin begattet ſich mit Thraͤnen; kann aber auch ohne Begattung Eyer legen, wie die Huͤ - ner; dieſe Eyer aber ſind, ohne vorhergegangener Begattung zu keiner tauglichen Zucht dienlich, ſon - dern bleiben als unreif liegen, oder bringen, wenn ſie durch einen zugeſetzten Futterbrey einer beſondern Art von Bienen belebet werden, vielmals nichts als Mis - geburten hervor. Es giebt bey der Bienenzucht eine maͤnnliche Befruchtung ohne maͤnnliche Begattung, und dieſe zwey Saͤtze ſind wohl von einander zu unter - ſcheiden. Im uͤbrigen leiten uns die verſchiedenen Geſtalten der Bienen von auſſen ſchon auf die verſchie - denen Geſchlechtsarten.

Die Einwendung, daß ein Ableger ſich ohne Begattung beſaame, iſt ſo voreilig als ungegruͤndet. Einige Verſuche in dieſer Kunſt zeigen, daß auch Thraͤnen mit zum Vorſchein kommen, wenn auch gleich keine ſolche Brut von Thraͤnen mit bloßen Au - gen zu unterſcheiden iſt, die dennoch oft in Arbeits - bienenzellen eingelegt vorzufinden ſind, und darin - nen auch entweder ausgebruͤtet oder auch herausge - klaubet, und endlich in ordentliche Zellen uͤbertragen werden. Dergleichen Thraͤnenbrut konnte nicht von dem jungen Weiſel eines Abgelegten herruͤhren, als der kaum vor vier bis ſechs Tagen ausgelaufen war, und dennoch bereits große Thraͤnenwuͤrmer, ja Nim - phen hatte! Von dieſen Thraͤnen nun kann gar wohleine57eine Koͤnigin eines Ablegers befruchtet werden; da - her hoͤchſt wahrſcheinlich die Befruchtung hier, ſo wie im ganzen Naturreiche von ſtatten gehet. Es liegt in einem jeglichen Bieneney, in der kleinſten Feinheit, die maͤnnliche Befruchtung, ſo wie bey den Huͤnereyern. Von dem maͤnnlichen Saamen ruͤhret das Leben des Eyes her, das durch die Bebruͤtung weiter entwickelt, und durch die gehoͤrige Nahrung zur weitern Vollkommenheit gebracht wird. Kaͤme es hauptſaͤchlich auf das weibliche Geſchlecht an, und haͤtten die weiblichen Eyer vor ſich die Kraft, reiche Nachkommenſchaften zu liefern; ſo brauchte man nicht nur keine andere Geſchlechtsarten, ſondern es waͤre auch die fleiſchliche Vermiſchung uͤberfluͤßig, und das weibliche Geſchlecht muͤßte vor dem maͤnnlichen den Vorzug behaupten, welches wider die natuͤrliche und ſittliche Einrichtung der Natur liefe.

§. 4.

Die Thraͤnen haben alle Kennzeichen der Maͤn - ner an ſich. Es ſind freylich viel Maͤnner zu einem Weibe, allein nicht alle ſind zur Begattung beſtimmt, ſondern nur einige wenige. Der meiſte Theil wirft ſei - nen Saamen freywillig in diejenige Zelle, worin zuvor die Koͤnigin ein Ey gelegt hatte. Daß dem ſo ſey, iſt klar, weil die meiſten Thraͤnen Hoden, obgleich keine maͤnnliche Ruthe haben: Hoden aber ſind nichts anders, als maͤnnliche Werkzeuge oder maͤnnliche Gliedmaßen, wo der Saame in gewiſſe Saamenge - faͤße bereitet und aufbehalten wird. Es kann alſo der groͤßte Theil der Thraͤnen dazu erſchaffen worden ſeyn, den maͤnnlichen Saamen, als einen Futterbrey in diejenige Zelle fallen zu laſſen, wo die Koͤniginn bereits ihre Eyer hingelegt hat. Dieſe Muthmaßung wird durch die Ablegerkunſt hoͤchſt wahrſcheinlich, weil das Ey ein gewiſſes Alter und Brey haben muß,D 5wenn58wenn daraus etwas werden ſoll, der aber nur von Thraͤnen herkommen kann, weil lauter Arbeitsbienen ohne Thraͤnen nichts zuwege bringen. Daß nur ein Theil zur Begattung mit der Bienenmutter, der groͤßte Theil aber zu Einſetzung des maͤnnlichen Saa - mens beſtimmt ſeyn muß, iſt auch daher zu erweiſen, daß die Thraͤnen im Fruͤhjahr am mindeſten da ſind, obgleich die Eyerlage hier am ſtaͤrkſten iſt, und die - weil ſie am ſtaͤrkſten vorhanden ſind, da die Eyerlage beynahe ſich endiget. Und ſo hat die ewige Weisheit den veſtaliſchen keuſchen Jungfern auch ewige Jung - geſellen als Geſellſchafter beygegeben. Auſſerdem waͤ - ren die Thraͤnen gaͤnzlich unnuͤtze Glieder, ohne End - zweck da, welches von Gott und der Natur nicht ge - ſagt werden mag.

§. 5.

Enthaͤlt die Folge dieſer Saͤtze. Nun kann man begreifen, warum ſo viele Thraͤnen vorhanden? warum der Stamm zu Grunde geht, wenn keine da ſind! warum ſie zur Brutzeit am zahlreichſien! war - um ſie getoͤdtet werden! warum nur wenige uͤber Winters bleiben! warum ein Stamm zu Grunde geht, obgleich Weiſel und Thraͤnen und Volk und Honig da iſt, welches geſchieht, wenn diejenigen Maͤnnlein fehlen, die da zur Begattung gehoͤren; warum oft ſo gar viel Thraͤnen in einem Stamme ſind? es duͤrfen nur die Maͤnnlein fehlen, die den Eyerſtock, woraus die Arbeitsbienen, der Weiſel und die Thraͤnenmaͤnnlein hervorkommen, nicht mehr be - fruchten koͤnnen; ſo muß nothwendig der andere Eyerſtock nichts als Thraͤneneyer werfen, die von dem andern Theil der Thraͤnen befruchtet und belebet wer - den, durch Zuſatz ihres Saamens oder Futterbreyes; nun kann man begreifen, woher die Buckelbrut, undwie59wie ſchwer ſolche zu curiren, und auch wie ſie zu hel - fen ſey, nehmlich am beſten durchs Copuliren.

§. 6.

Enthaͤlt einige theologiſche Saͤtze und deren An - wendung zur Verherrlichung des großen Gottes im Kleinen.

Zweyter Abſchnitt. Vom praͤformirten Weiſeley.

§. 7.

Zeigt, daß ein jedes Ey, woraus ein lebendiges Thier entſtehen ſoll, den Grund und Urſtoff vom gan - zen Koͤrper des Thieres habe, die maͤnnliche Vegat - tung den ganzen Koͤrper, die Belebung und gleichſam den Geiſt oder die Seele des Thieres gebe. Und da die Unterſcheidungszeichen der Geſchlechter zum Koͤrper mit gehoͤren, auch deren Urſtof urſpruͤnglich in dem Ey liegt, die maͤnnliche Begattung aber dieſen Urſtof blos beleben, nicht aber ertheilen muͤſſe.

§. 8.

Wenn auch lebendige Saamenthierchen im maͤnnlichen Saamen angenommen wuͤrden, die in dem Ey gleichſam die erſte Nahrung faͤnden, und es alſo ſcheinen moͤchte, als enthielte nicht das bloße Ey den Urſtof, beydes zum Leben und Unterſcheidungszeichen der Geſchlechter; ſo ſey man doch nicht gewiß, ob nicht das Saamenthierchen erſt durch den Genuß die - ſes Eyes, oder durch den Nahrungsſaft deſſelben die Unterſcheidungszeichen der Geſchlechter uͤberkomme, und demnach im Eye an und vor ſich ſelbſt dieſes Un -ter -60terſcheidungzeichen der Geſchlechter geſucht werden muͤſſe! Die Saamenthierchen leben ja ſchon im maͤnnlichen Saamen, und muͤſſen da ihre gewiſſe Nahrung zu ihrer Fortdauer uͤberkommen; allein die - ſe Nahrung giebt ihnen noch keinen thieriſchen Koͤr - ger, weil ſie ſonſt zu großen Koͤrpern anwachſen muͤß - ten! Vielleicht iſt im weiblichen Ey auch das thieri - ſche Leben des Koͤrpers (ſo in Bewegung des Ge - bluͤts beſteht) in der kleinſten Feinheit enthalten, und durch den maͤnnlichen Saamen oder Saamenthierchen wird vielleicht nur das geiſtige Leben des Thiers er - theilt! Wenn man annimmt, daß im weiblichen Ey, der Grund des Koͤrpers, und im maͤnnlichen Saa - men, der Grund zur Seele lieget; ſo truͤgen beyde ge - meinſchaftlich in proportionirter Austheilung das ihri - ge zum Daſeyn des Thieres bey. Durch maͤnnliche Schwaͤngerung reiſſet ſich das Ey vom Eyerſtocke los; der geiſtige Theil des Thieres aber im maͤnnli - chen Saamen koͤnnte allemal durch eine gewiſſe feine Ausduͤnſtung wieder in andere Koͤrper, und von die - ſen in andere Theile des maͤnnlichen Saamens uͤber - gehen: ſo wuͤrde im Thierreiche nichts verſchwendet, alles weislich angeleget und ausgebildet werden.

§. 9.

In beyden Faͤllen wuͤrde man einraͤumen muͤſ - ſen, daß der Urſtof von dem Unterſcheidungszeichen der Geſchlechter entweder im weiblichen Ey an und vor ſich ſelbſt urſpruͤnglich, oder in dem durch den maͤnnlichen Saamen befruchteten Ey, folglich mit - theilungs - oder befruchtungsweiſe liege. Die erſte wuͤrde man praͤformirte, urſpruͤnglich gebildete; die andern geſchwaͤngerte oder befruchtete Eyer, die be - fruchteten oder geſchwaͤngerten Eyer aber vor ihrer Befruchtung einfache, oder unpraͤformirte Eyer heiſ - ſen muͤſſen.

§. 1061

§. 10.

Alle, ſowohl einfache als praͤformirte Eyer muͤßten durch einen maͤnnlichen Saamen befruchtet und belebet werden, wofern ſie anders zu einer taugli - chen Zucht dienlich ſeyn ſollen.

§. 11.

Solches Beleben geſchieht nicht allemal durch Begattung, ſondern durch Einſatz des maͤnnlichen Saamens, folglich durch innerliche und auch aͤuſſer - liche Befruchtung.

§. 12.

Die Kraft der Belebung des Saamens liegt in ihm ſelbſten, und nicht in fleiſchlicher Vermiſchung, und ſolcher zeigt ſich kraͤftig, wenn er in gehoͤriger Waͤrme zum Eyerſtock und Eyern gebracht wird.

§. 13.

Enthaͤlt eine kurze Wiederholung voriger Lehrſaͤtze.

§. 14.

Dieſer die Anwendung vom Befruchten des Eyerſtocks auf die Eyer in den Zellen.

§. 15.

Wird gefragt: ob nur die geſchwaͤngerten oder auch die praͤformirten und ſogar auch die einfachen und unpraͤformirten Eyer durch einen aͤußerlichen Saamen befruchtet werden? da ſolches Befruchten von den eigentlichen geſchwaͤngerten Eyern bald ent - ſchieden iſt; ſo wuͤrden ſie noch leichter durch einen Zuſatz von einem neuen maͤnnlichen Saamen belebetund62und befruchtet werden koͤnnen. Die praͤformirten Eyer ſcheinen zwar nicht eher zur aͤußerlichen Be - fruchtung aufgelegt zu ſeyn, als bis ſie zuvor die in - nerliche Befruchtung genoſſen; allein, obgleich die - ſer Weg von dem ordentlichen natuͤrlichen abgeht, ſo iſts doch wohl moͤglich, daß praͤformirte Eyer blos durch eine aͤußerliche Befruchtung zu einer tauglichen Zucht koͤnnen zubereitet werden, wenn gleich keine in - nerliche Befruchtung zuvor vorhergegangen.

§. 16.

Wird noch, außer dem ungewoͤhnlichen Weg der aͤußerlichen Befruchtung dieſer darum als moͤglich be - trachtet, daß die Bienenrepublik weder praͤformirte, noch natuͤrlich geſchwaͤngerte, ſondern lauter einfache oder lauter unpraͤformirte Eyer habe, und daß ſie ſol - che einfache Eyer bloß durch eine aͤußerliche Befruch - tung zu einer tauglichen Zucht zubereiten koͤnne. Und das ſind ſeltſame und wunderliche Wege.

§. 17.

Freylich ſcheint es nach dem Urtheil einiger neuen Bienenlehrer, daß alle und jede Eyer nur durch einen aͤußerlichen zugeſetzten Futterbrey zu einem dreytaͤgigen Wurm erwachſen, und eine taugliche Zucht liefern koͤnnten, ja aus dergleichen wohl gar alſo eine Koͤni - gin entſtuͤnde.

§. 18.

Zu Entſcheidung dieſer Sache wird viel er - fordert.

§. 19.

Wenn wahrhafte Maͤnnlein da ſind, eine maͤnn - liche und innere Begattung ſtatt findet, viele Eyerund63und viele Brut zu keiner tauglichen Zucht recht fort - ſchlagen, ohnerachtet der aͤußerliche Futterbrey bey - geſetzt wird; ſo muß man ſchließen, daß der Grund von dieſem Umſchlag in dem Mangel innerlicher Be - fruchtung zu ſuchen ſey, zumai, da die ſitzen bleiben - de Brut keine lautere Brut iſt, ſondern die eigentli - che Form junger Bienen deutlich aufweiſet, woraus augenſcheinlich zu ſchlieſſen, daß ſchon dieſe Geſtalt der jungen Bienen urſpruͤnglich im Ey muͤſſe gelegen ſeyn.

§. 20.

Solches wird naͤher erwieſen und gezeigt, daß wenn alle maͤnnliche Begattung fehlet, wenn auch gar keine innerliche Befruchtung da iſt, daß doch ge - wiſſe Eyer vollkommen fortſchlagen, wenn nur die aͤußere Befruchtung dazu gekommen, ein Hauptbe - weiß des Daſeyns der Nympfe und ihres Urſprungs durch aͤußerliche Befruchtung und zugleich, daß der Grund vom Fortſchlagen des Wurms im Ey liege, folglich das Ey praͤformirt ſey. Es ſey denn, daß man annaͤhme, daß die aͤußerliche Befruchtung den Urſtof zum Leben und zu den Unterſcheidungszeichen der Geſchlechter imprimiren und mittheilen koͤnne; allein, da dieſer Urſtof nicht einmal durch die innerli - che Befruchtung eingepraͤgt werden kann; ſo wird dies noch weniger durch die aͤußerliche Befruchtung geſchehen koͤnnen. Es ſcheinen alſo die Eyer allemal praͤformirt zu ſeyn, und die aͤußerliche Befruchtung nie eine Zucht zu einer vollkommenen Groͤße bringen, oder zu einer tauglichen Zucht befoͤrdern zu koͤnnen, wofern nicht ſchon urſpruͤnglich die Eyer praͤformirt geweſen; es ſcheinen alſo keine einfache und unpraͤ - formirte Eyer weder bey der innerlichen noch aͤußerli - chen Befruchtung zum Grund zu liegen, ſondern daß alle Bieneneyer, ſie moͤgen innerlich oder aͤußerlichſeyn,64ſeyn, oder beydes zugleich, zu einer tauglichen Zucht urſpruͤnglich praͤformirte Eyer ſeyn muͤſſen (§. 34.).

§. 21.

Da nun Eyer ohne innerliche Befruchtung zu keiner rechten Zucht gedeihen, ſo mag es wohl ſeyn, daß durch ſolche nur ein Eyerſtock geſchwaͤngert, der andere aber nicht geſchwaͤngert werde; und daß die Eyer aus einem geſchwaͤngerten Eyerſtock, bey einer fehlerhaften Schwaͤngerung, durch einen bloßen aͤußerlichen Zuſatz oder durch bloße aͤußerliche Be - fruchtung nicht zu einer tauglichen Zucht aufgeſtellet werden koͤnnen, diejenigen Eyer aber, ſo aus dem[un - geſchwaͤngerten] Eyerſtock herruͤhren, gar wohl durch einen bloßen aͤußerlichen Zuſatz oder aͤußerliche Be - fruchtung zu einer dienlichen Zucht zubereitet werden.

§. 22.

Man muß alſo vor ein praͤformirtes Weiſeley eingenommen werden, 1) darum, weil es viererley Gattungen giebet, naͤmlich eine Bienenmutter; ver - ſchiedene Thraͤnenmaͤnnlein; ſehr viele Thraͤnenkaͤm - merlinge, und noch mehr gemeine Arbeitsbienen. Giebt es viererley Gattungen der Bienen von ver - ſchiedener Geſchlechtsart, ſo muß es auch viererley Urſtof zu ſo viel Geſchlechter geben. Das wird ex analogia und inſonderheit communi erwieſen.

§. 23.

2) Darum, weil eine andere Entſtehungsart wider die Natur der thieriſchen Zeugung und alle Ent - ſtehungsarten der verſchiedenen Geſchlechter laͤuft, und es ohnmoͤglich iſt, daß jetzt aus einerley Ey eine Thraͤ -ne,65ne, dann eine Arbeitsbiene, und nun eine Koͤnigin werden ſolle, je nachdem nur die Zelle und der Zuſatz vom Futterbrey veraͤndert wird.

§. 24.

Es iſt umſonſt, den Grund in der Zelle und Zu - ſatz zu ſuchen, weil dies eine Hauptvorbringung der Natur und des Geſchlechts ſeyn wuͤrde. Sollten die Arbeitsbienen dieſe Kraft haben, die doch keines Ge - ſchlechts oder keinen ſexum in ſich haben? Nur das kann man von der Bienenmutter und Thraͤnen zu - ſammen genommen, gewoͤhnlicherweiſe erwarten. Wenn die Erweiterung der Zellen den ſexum beſtimm - te, ſo wuͤrde folgen muͤſſen, daß wenn die Bienen dergleichen Zellen nur in erwas vergroͤßerten, daß alsdenn keine Weiſel, ſondern nur Thraͤnen, und aus der Verſchiedenheit der Groͤßen und Erweiterungen der Zellen allerhand Thiere aus dem Bienenkaſten, wie ehedem aus dem Kaſten Noaͤ hervorgehen koͤnnten.

§. 25.

4) Muß das Weiſeley praͤformirt ſeyn, darum, weil es oͤfters mißlungene Verſuche bey der Ablege - kunſt giebet, ohngeachtet alles genau nach der Schi - rachiſchen Hypotheſe in acht genommen worden.

§. 26.

5) Weil unter der dreyfachen Arbeitsbienen - brut auch ein und die andere praͤformirte Thraͤnenbrut oder Thraͤneneyer mit zu finden, wie eine dreyfache Erfahrung ſolches beſtaͤtiget, ohngeachtet keine Thraͤ - nen in ordentlichen Zellen eingeſetzt waren; und ſo fand man zum Theil Maden, zum Theil Nymphen, da die Koͤnigin kaum vier bis ſechs Tage erſt ausge -Elaufen66laufen war. So wie die Arbeitsbienen dieſe Thraͤ - neneyer in andere Zellen austragen, ſo machen ſie es alsdenn, wenn ſie praͤformirte Weiſelbrut finden, die ſie weit genauer, als wir, kennen.

§. 27.

6) Weil die Bienen im Weiſelkaſten 3, 4, 5 und mehrere Weiſel auf einmal anſetzen, welches ſie nicht noͤthig haͤtten, wenn ſie aus jedem dreytaͤgigen Arbeitsbienenwurm eine Koͤnigin hervorbringen koͤnn - ten. Da ſie viele praͤformirte Weiſeleyer zugleich in der beygeſetzten dreyfachen Brut vor ſich finden, ſo koͤnnen ſie, als noch Weiſelloſe, nicht anders, als ſie alle anzugreifen und zu bebruͤten, daruͤber ſie oft keinen fertig bekommen, weil ſie ſich in Beyſetzung des vorhandenen Futterbreyes und Aufbauung der koͤniglichen Zelle zu ſehr entkraͤften. Vielleicht reicht der von den Nymphen oder dem vorraͤthigen Thraͤnen - ſaamen ſich findende Futterbrey nicht zu, ſo viele - Weiſel auszubilden, oder es theilen ſich die Bienen bey ſolchem Interregno in verſchiedene Factionen, dar - uͤber der Stock zu Grunde gehet! Waͤren alle drey - taͤgige Arbeitsbienenwuͤrmer zu einer Koͤnigin taug - lich, ſo iſt nicht einzuſehen, warum mancher Able - ger nur einen, oͤfters gar keinen Weiſel aus einer ſo großen Anzahl von Bruten anſetzet!

§. 28.

7) Weil die Bienen im Brutkaſten vielmals ihre Weiſelzellen in der Mitte der dreyfachen Brut - tafel recht unſchicklich anbauen, und nicht neben an den Seiten herunterwaͤrts haͤngend anbringen koͤnnen, die oft[unausgebaut], wegen Mangel des Platzes oder Beſorgniß, dergleichen praͤformirtes Ey zu verderben, ſtehen gelaſſen werden.

§. 29.67

§. 29.

Es iſt hoͤchſt wahrſcheinlich, daß Eyer in koͤniglichen Zellen allemal praͤformirte Weiſeleyer ſind. Legen ſie auch dergleichen Eyer in andere Zellen, ſo bleiben ſie nur ſo lange liegen, bis die, mehrere Koſten und Muͤhe erfordernde, Weiſelzellen erbauet werden koͤn - nen, wornach gar eigentlich die Austheilung geſchiehet.

§. 30.

Sie bewahren, irregulair, dieſes Heiligthum, die koͤniglichen Eyer, einsweilen in andern Zellen auf.

§. 31.

Die Bienenmutter legt alſo Weiſeleyer, zweyer - ley Thraͤneneyer, oder endlich gemeine Arbeitsbienen - eyer, und ſo laſſen ſich die meiſten verdrießlichen Um - ſtaͤnde heben.

§. 32.

Wenn auch beym Ablegen aus einem dreytaͤgi - gen Arbeitsbienenwurm ein Weiſel ausgebruͤtet erhal - ten wird: ſo iſt dies eben kein Beweis ins Allgemei - ne! ſondern vielmehr zu ſchließen, daß auch dieſer Wurm bereits praͤformirt, und von ohugefaͤhr er - haſcht worden iſt. Sonſt muͤßte es keine fehlgeſchla - gene Verſuche geben; in einem ſtark beſetzten Brutkaſten ſehr viele Koͤniginnen zugleich zum Vor - ſchein kommen; bey einem ſchwaͤchern weniger oder gar gar keine. Und dies geſchieht doch nicht, ja oft das Gegentheil.

§. 33.

Die edle Ablegerkunſt behaͤlt dieſem ohnerachtet ihren wahren großen Werth, wenn auch gleich unterE 2zehn68zehn Verſuchen einer und der andere mißlingen ſollte, weil man vortrefliche Mittel hat, dieſem Umſchlag vorzubeugen, inſonderheit das koͤſtliche bewaͤhrteſte Magazin-Ablegen.

§. 34.

Wenn einige Eyer ohne innerliche Befruchtung zu keiner tauglichen Zucht, einige aber ohne innerliche Befruchtung gar wohl zu einer ordentlichen Zucht ge - deyhen koͤnnen, und von jenen die verkehrte Faulbrut und zum Theil die Buckelzucht; von den letztern die Quaͤcker oder uͤberhaͤuften Thraͤnen und der Afterwei - ſel erzeugt wird, wenn jene verkehrte oder buckelbruͤ - tige Brut gleichwohl die Geſtalt der Bienen auf - weiſen; ſo muß ja der Grund zu den verſchiedenen Geſchlechtern ſchon in den Eyern vor ihrer Befruchtung liegen. Daß die aͤußerliche Befruchtung ihnen dieſen Unterſchied eingepraͤgt habe, iſt nicht wahrſcheinlich, weil ſonſt die aͤußerliche Befruchtung vor der innern einen großen Vorzug haͤtte, und weil ſodann auf dieſe Art kein Stock, ſo lange Thraͤnen vorhanden, zu Grunde gehen koͤnnte; weil drittens der After - weiſel alsdann auch eine taugliche Zucht liefern koͤnn - te, wenn nur die Thraͤnen deſſen Eyer durch ihre aͤußerliche Befruchtung angefachet haͤtten. Es muͤſſen einige Eyer nothwendig innerlich befruchtet ſeyn, wofern ſie zu einer tauglichen Zucht fort - ſchlagen wollen, andere Eyer aber auch ohne in - nerliche Befruchtung blos durch eine aͤußerliche fortſchlagen koͤnnen: folglich muͤſſen einige Eyer aus einem geſchwaͤngerten, andere aus einem un - geſchwaͤngerten Eyerſtocke fallen.

Dritter69

Dritter Abſchnitt. Von dem gedoppelten Eyerſtocke der Bienenmutter, oder von dem Eyerſtocke der Bienenmutter, ſo mit zwey Aeſten verſehen iſt.

§. 35.

Die Bienenmutter hat einen doppelten Eyer - ſtock; es iſt alſo leicht, aus dem einen die Thraͤnen, aus dem andern aber die Arbeitsbienen zu liefern, und ſo kann der doppelte Eyerſtock auch eine oͤftere Begat - tung erfordern.

§. 36.

Es kann wohl ſeyn, daß nur ein Eyerſtock durch die maͤnnliche Begattung geſchwaͤngert, der andere aber innerlich nicht befruchtet werde, ſondern daß einer davon bloß einer aͤußerlichen Befruchtung noͤthig ha - be. Sollten beyde Eyerſtoͤcke genau in ihrer Lage ver - bunden ſeyn, und ein jeder ſeine phallopiſchen Gaͤnge haben, und dieſer beyde Aeſte zuſammenſtoßen, und den aͤußerſten Enden nach in der Mutterſcheide ſich en - digen; ſo waͤre es ganz natuͤrlich, daß ſo alle beyde zu - gleich durch die maͤnnliche Begattung geſchwaͤngert, und dieſe innerliche Befruchtung zu allen beyden zugleich aufſteigen koͤnne. Waͤren beyde Aeſte ſo gefuͤgt, daß ſie in keinem Orte zuſammenreichten, und keine ge - meinſchaftliche phallopiſche Gaͤnge mit der Mutter haͤt - ten, ſondern nur einen Eyerſtock, der durch ſolche Gaͤnge mit der Mutter verbunden waͤre: haͤtte ferner je - der Eyerſtock ſeine beſondere Oefnung und Ausgang und reichte jede dieſer Oefnung bis zum aͤußerſten Ende der Mutterſcheide; ſo waͤre wohl begreiflich, wie bey einer dazu gekommenen maͤnnlichen Begattung nur ein Eyer -E 3ſtock70ſtock innerlich koͤnnte befruchtet, der andere aber nicht befruchtet werden. Und ſo haͤtten wir einen ge - ſchwaͤngerten und einen ungeſchwaͤngerten Eyerſtock anzunehmen.

§. 37.

So wie der Eyerſtock beſchaffen, ſo auch die Eyer.

§. 38.

Die zwey Gattungen von Bienen ohne Ge - ſchlechtszeichen moͤgten vom ungeſchwaͤngerten, die andern vom geſchwaͤngerten kommen; allein Vernunft und Bienenrepubliken lehren anders.

§. 39.

Naͤmlich, daß das vorzuͤglichſte, die Thraͤnen - maͤnnchen zum geſchwaͤngerten Eyerſtock gehoͤren, Weiſel und gemeine Bienen hierzu zugleich gerechnet.

§. 40.

Arbeitsbienen und Thraͤnenkaͤmmerlinge koͤnnen, ihrer Menge wegen, nicht zu einem Eyerſtock gerechnet werden, folglich muß ein Theil, naͤmlich die wichtig - ſten, die Arbeitsbienen, zu dem geſchwaͤngerten, die andern zum ungeſchwaͤngerten Eyerſtock hingerechnet werden. Daher koͤnnte man den letzten den Thraͤnen - eyerſtock nennen.

§. 41.

Wo denn nun aber mit den Weiſeleyern und Thraͤnenmaͤnnlein hin? Weil die Thraͤnenmaͤnnlein ſo wichtig, als die Mutterbienen, ſo werden wir die Bienenmuttereyer, ſo wie die der Thraͤnenmaͤnnlein zum geſchwaͤngerten Eyerſtock hinziehen. Man nehme dieſes Poſtulatum an, bis es naͤher erwieſen iſt.

§. 42.71

§. 42.

Entſteht bey fehlender maͤnnlicher Begattung hoͤchſt wahrſcheinlich die verkehrte Faulbrut; kommt bey mangelnder innerlicher Befruchtung ein Thraͤnenweiſel; und gehen hierbey auch die Thraͤ - nenmaͤnnlein unter; ſehen wir aber bey mangelnder Begattung dennoch die Thraͤnenkaͤmmerlinge fortſchla - gen; und kann ein Afterweiſel ſeine Zucht fort - fuͤhren, ohngeachtet keine Thraͤnenmaͤnnlein und kein Weiſel da iſt; ſo muͤſſen wir nothwendig die Weiſel - eyer, die gemeinen Bieneneyer, die Thraͤnenmaͤnn - leineyer zu dem geſchwaͤngerten die andern zu dem ungeſchwaͤngerten Eyſtock hinrechnen.

§. 43.

Eyer, die aus einem ungeſchwaͤngerten Eyerſtock fallen, muͤſſen blos durch einen aͤußerlichen Futterzu - ſatz befruchtet werden, (man behauptet dieſes nicht, wie von andern geſchieht, von allen Eyern,) es wer - den alſo die gemeinen Thraͤneneyer allemal nur alſo belebet werden, und ſie brauchen zu ihrem gedeihli - chen Fortkommen keiner maͤnnlichen Begattung.

§. 44.

Eyer, aus einem geſchwaͤngerten Eyerſtock, ſo - fern ſie keiner maͤnnlichen Schwaͤngerung theilhaftig worden, taugen ſie zur[geſegneten] Zucht? ex analogia ſehen wir, daß dergleichen Eyer, wenn ſie ſchon ihren gehoͤrigen Futterbrey bekommen, ſtecken bleiben und lauter werden.

§. 45.

Daher verdirbt oftmals alle, beſonders Arbeits - bienenbrut, und geht in Faulbrut uͤber, darum, weil ſie keiner innern maͤnnlichen Befruchtung theilhaftigE 4worden72worden. Vielleicht ſind ſie leichter, und ſchwimmen im Futterbrey, ſo daß ſie eine unrechte Lage bekom - men. Schwerlich legt ſie die Bienenmutter verkehrt! ſollten die Bienen beym Zuſetzen des Futterbreyes dieſen Fehler nicht im Anfange verbeſſern koͤnnen? und dieſes hernach zu thun etwan nicht mehr im Stande ſeyn? Es muß nothwendig von einem in - nern Mangel des Eyes herruͤhren, daß man ſo große Lagen verkehrt findet.

§. 46.

Auch gute und tuͤchtige Arbeitsbieneneyer koͤn - nen in ihrer Lage durch uͤberfluͤßig zugeſetzten Futter - brey verdorben werden und faulen. Vielleicht iſt hier der Futterbrey zu ſchlechthaltig, oder beſſer das Ey ſelbſt. Warum entſteht nie in Thraͤnenzellen und bey Thraͤnennymphen verkehrte Faulbrut?

§. 47.

Liegt der Fehler am Weiſel? hat er etwa keine maͤnnliche Begattung mehr? daß umgekehrte Brut erwaͤchſet! oder iſt ſie nach dem Grunde bey den Thraͤnenkaͤmmerlingen zu ſuchen? ſollten dieſe alle verdorben ſeyn, und alle miteinander einen verdorbe - nen Futterbrey zuſetzen? Wenn wir alles ertruͤgen, ſo bleibts wohl dabey, daß der Mangel maͤnnlicher Befruchtung dieſes Verderben und Faͤulniß erregt.

§. 48.

Thraͤneneyer, aus dem ungeſchwaͤngerten Eyer - ſtock, koͤnnen belebt, und zum ordentlichen Wachs - thum gebracht werden! ſollten nicht auch ungeſchwaͤn - gerte Eyer, ſo und auf gleiche Weiſe, aus dem ge - ſchwaͤngerten Eyerſtock herkommen, durch bloßenzuge -73zugeſetzten Futterbrey belebt, und zum ordentlichen Wachsthum befoͤrdert werden koͤnnen? Vielleicht waͤre begreiflich, wie ein Afterweiſel und eine Menge von falſchen Thraͤnen oder Quaͤckern entſtehen koͤnnte.

§. 49.

Ein Afterweiſel muͤßte auf dieſe Weiſe placirt werden. Die Koͤnigin muͤßte ein ungeſchwaͤngertes praͤformirtes Weyſeley aus dem geſchwaͤngerten Eyer - ſtock legen. Dieſes Ey muͤßte von den Arbeitsbienen in eine Mutterzelle getragen, und von den Thraͤnen - kaͤmmerlingen mit ihrem zugeſetzten Futterbrey belebt, und durch die ordentliche Bebruͤtung zum Wachsthum gebracht werden. Und ſo muͤßte dieſer Weiſel, weil es ihm in ſeiner erſten Anlage an der maͤnnlichen Be - fruchtung gefehlet, nothwendig erwas von ſeiner ſchoͤ - nen Geſtalt verliehren. Und dieſer Afterweiſel muͤß - te ſodann auch einen doppelten Eyerſtock haben; weil er aber ſchwerlich von dem Thraͤnenmaͤnnlein belegt wird, ſo kann er nur aus dem ungeſchwaͤngerten Eyerſtock ſeine Eyer ſchmeißen. Das ſind ſodann nichts denn lauter Thraͤneneyer, und zwar ungeſtal - tete Thraͤnen.

§. 50.

Hieraus kann gar leicht Buckelbrut entſtehen, weil die Bienen dieſer Mißgeburt nicht gehoͤrig war - ten, und ſolche erkaͤlten laſſen. Daher gar leicht eine doppelte Buckelbrut angenommen werden mag. Ei - ne, die von einem guten Weiſel bey Entvoͤlkerung und Erkaͤltung entſteht, als vorige Art.

§. 51.

Die Buckelbrut kann ferner entſtehen, wenn die maͤnnliche Begattung gar aufhoͤrt.

E 5§. 52.74

§. 52.

Daher moͤgen bey Ablegern die halb ausgebiſſe - nen Weiſelzellen kommen,

§. 53.

Folge, wenn beyde Eyerſtoͤcke als geſchwaͤngert angegeben werden wollen.

§. 54.

Es kann ſodann keine verſtaͤrkte Eyerlage erfol - gen, wofern nicht zuvor die Eyer durch die innerliche Befruchtung angefuͤllt oder geſchwaͤngert werden.

§. 55.

Alle Verderbniß der Faul - und Buckelbrut muͤß - te vom aͤußerlichen Futterbrey herruͤhren.

§. 56.

Es koͤnnte ein Eyerſtock mehr als der andere be - ſchwaͤngert werden, und folglich mehr Eyer legen; alſo ein Stamm jetzt mehr Thraͤnen, zur andern Zeit mehr Arbeitsbienen erhalten, wie leicht koͤnnte hier mehr Verwirrung und Schaden entſtehen!

§. 57.

Es koͤnnte die Bienenmutter weder aus dem einen noch andern Eyerſtocke mehr Eyer legen, ſo - bald die innerliche Befruchtung aufhoͤret, alſo koͤnnte weder von einem guten noch boͤſen Weiſel, bey Er - mangelung der Thraͤnenmaͤnnlein irgend eine Faul - oder Buckelbrut erzeuget werden. Da aber gleich - wohl der gute und boͤſe Weiſel die Thraͤneneyerlage fortſetzen kann, ſo muß der Abgang der gemeinen Bieneneyerlage von einer mangelnden maͤnnlichen Be -gattung75gattung und mangelnden innerlichen Befruchtung des einen Eyerſtocks herruͤhren, folglich muß ein Eyer - ſtock als geſchwaͤngert, und der andere als unge - ſchwaͤngert angenommen werden.

§. 58.

Es folgt aus dem doppelt angenommenen ge - ſchwaͤngerten Eyerſtocke, daß dieſe Schwaͤngerung nicht ein ganzes Jahr zuvor vorhergegangen, und eine ſogenannte Ausduͤnſtung ein ganzes Jahr lang ſeine Kraft aufbehielten, und doch hernach noch wirk - ſam ſich erweiſen koͤnne.

§. 59.

Der Afterweifel, weil er ja Brut ſchmeißen ſoll, muͤßte ſo gut, als der aͤchte von den Thraͤnenmaͤnn - lein geſchwaͤngert werden koͤnnen, alſo iſt er weder eine betruͤbte Wittwe, noch Zwitter, noch eine Creatur, die aus einem ungeſchwaͤngerten Weiſeley entſtanden, ſondern vielmehr aus einem geſunden Weiſeley oder dreytaͤgigem Weiſelwurm, nur daß er ſeine weitere Ausbildung nicht in einer ordentlichen Weiſelzelle, ſondern in einer gemeinen oder Thraͤ - nenzelle erhalten haͤtte.

§. 60.

Ein Afterweiſel wird alſo ſeine Eyerlage ſo gut verrichten, als ein ordentlicher, folglich wuͤrde er kein Fehler im Stocke ſeyn. Das iſt nun aber wider die Erfahrung. Kann aber ein Afterweiſel ohne inner - liche Befruchtung ſeine Eyer oder Brut legen, war - um ſollte dies nicht auch der aͤchte thun koͤnnen? folg - lich haͤtte man einen geſchwaͤngerten und ungeſchwaͤn - gerten Eyerſtock viel ehender, als zwey zugleich an - zunehmen. Was ſollte auch ein doppelter Eyerſtock,wenn76wenn alle Eyer von einerley Schroot und Korn waͤ - ren? Dieſer innere Unterſchied des Eyerſtocks iſt ohnmoͤglich ohne Grund! er iſt der Grund des Un - terſchieds der Geſchlechter! Koͤnnen in der Natur aus einem Eyerſtock zweyerley Geſchlechter kommen, war - um nicht aus zwey, vier dergleichen?

Vierter Abſchnitt. Von einigen Einwendungen wider die hier vorgetragene Saͤtze.

§. 61.

Es ſtreitet nicht gegen einander, wenn hier von praͤformirten Eyern, und von andern Bienenlehrern, von dreytaͤgig praͤformirter Brut geredet wird. Es ſind gleich viel geltende Saͤtze, ob man ſagt: es gaͤ - be eine praͤformirte Weiſelbrut, oder ob man ſagt: es giebt praͤformirte Weiſeleyer; denn man giebt ja nach dem Schirachiſchen Syſtem zu, daß in jedem Arbeitsbienenwurm der feinſte Organismus zum weib - lichen Geſchlecht liege, nur gleichſam verſteckt und verborgen, ſo lange dieſer dreytaͤgige Wurm in einer gewoͤhnlichen Zelle liegen bleibt, ſich aber alsbald entwickele, ſobald er eine groͤßere Zelle und einen an - dern Futterbrey, auch mehrere Waͤrme uͤberkomme, als wodurch er ausgebildet und erweitert wuͤrde, daß eine Bienenmutter zum Vorſchein kommen muͤſſe. Nun wird nach unſerm Syſtem behauptet, daß dieſer feine Organismus ſchon im Ey ſelbſt aufgeſucht wer - den muͤſſe. Giebt es praͤformirte Wuͤrmer, ſo muß es auch praͤformirte Eyer geben, folglich iſt die Streitſache nicht verkehrt und es einerley, ob man von praͤformirten Weiſeleyern oder von praͤformirter Weiſelbrut redet. Wendet man ein, ein andereswaͤre77waͤre der Organismus zu einem weiblichen Geſchlecht uͤberhaupt, ein anderes der Organismus zu einer Mutterbiene! ſo muß man erſt erweiſen, daß ſolcher Organismus zum weiblichen Geſchlecht in einem je - den dreytaͤgigen Arbeitsbienenwurm wirklich anzutref - fen, ferner, daß die gemeinen Arbeitsbienen lauter Bienen vom weiblichen Geſchlecht, und alſo die weiblichen Geburtsglieder in ſich enthalten; imglei - chen muß man aus dem Geſetze der Natur darthun koͤnnen, wie es moͤglich ſey, daß blos die Geburts - glieder durch einen engern Raum ſollten unterdruͤckt und in ihrer Ausbildung zuruͤckgeſetzt werden, da doch alle uͤbrige Theile des Leibes den nehmlichen Druck aus - zuhalten haben, als die Geburtsglieder; erweiſen muͤſte man, daß ein feiner Organismus zu einem Geſchlecht blos durch einen aͤußerlichen Futterbrey koͤnne mitge - theilet werden; daß zur Belebung einer jungen Zucht keine innerliche noch aͤußerliche maͤnnliche Be - fruchtung erforderlich; daß der dreytaͤgige Wurm, ſobald er nur 4, 5 bis 6 Tage alt worden, ſchon in Anſehung der weiblichen Geburtsglieder zuſammen - gedruckt und verſtuͤmmelt worden waͤre, ſo daß als - denn keine Bienenmutter daraus entſtehen koͤnnte: ohngeachtet noch immer der Organismus zum weibli - chen Geſchlecht in feinſter Kleinheit darinnen liegt, und noch Platz genug in der Zelle iſt; daß der nehmliche dreytaͤgige Wurm, der von der Sorte der gemeinen Bienen ausgezogen, und in eine beſondere Zelle getragen worden, nur eine gemeine Biene ge - blieben waͤre, wenn er in ſeiner erſten Zelle geblie - ben waͤre! Wie kommts? daß in dem Thraͤnen - ey nicht der Organismus zu einer kleinen gemeinen Bienen lieget? ſoll das Thraͤneney urſpruͤnglich den Grund zu einer Thraͤne in ſich enthalten, und nur ein gemeines Ey dieſen Urſtof erſt am zweyten oder dritten Tag durch einen Futterbrey uͤberkommen? Es78Es kann alſo keine praͤformirte Brut da ſeyn, wenn nicht bereits praͤformirte Eyer vorhanden ſind.

§. 62.

Warum nehmen die Bienen keine praͤformirte Weiſeleyer, ſondern einen dreytaͤgigen Wurm? Antw. 1) weil die dreytaͤgigen Wuͤrmer ſchon naͤher zur Be - bruͤtung zubereitet ſind (daher ſie auch ſechs bis acht - taͤgige Brut oft nehmen, und ſie ſogleich am erſten Tag des Ablegens zuſpunden); 2) ſo werden alle Eier von der Auswahl und Bebruͤtung der aͤußerli - chen Befruchtung theilhaftig ſeyn muͤſſen, ſo wie ſie zum Theil der innern Befruchtung nicht ermangeln duͤrften. Sollte man aus lauter neuen Eyern ein Stuͤck Bruttafel nehmen, und zugleich in den Brut - kaſten Thraͤnen beyderley Geſchlechts mit einſetzen, oder auch nur gemeine Thraͤnenkaͤmmerlinge mit, wer weiß, ob man nicht auch Weiſel bekommt? Es hin - dert nichts, daß Ableger erwachſene Thraͤnen nicht leiden, da ſie zu aͤußerlicher Befruchtung ihrer Wuͤr - mer ſolche zur Zeit nicht mehr noͤthig haben. Der erſte Zuſatz, den die Thraͤnenkaͤmmerlinge, als ihren erſten Saamen einfließen laſſen, verhaͤlt ſich eben ſo, wie das Weiſſe im Ey zu ſeinem Dotter. Beydes bleibt ſo lange in ſeinem geſunden Zuſtande, ſo lange kein Anfang mit der Vebruͤtung gemacht wird. Ohn - fehlbar thun die Thraͤnen, wenn der erſte wenige Futterbrey hinzugeſetzt iſt, keinen weitern Zuſatz mehr hinzu, bis die Bienen die Bebruͤtung anfangen; da - her kann ein ſogenannter dreytaͤgiger Wurm, der eine organiſirte Bienenmutter in ſich enthaͤlt, lange Zeit als ein dreytaͤgiger Wurm oft liegen bleiben, bis etwan die Noth da iſt, oder man nun eine ſolche Tafel in den Brutkaſten einſetzet, und die Bienen von ihrem ordentlichen Weiſel trennet, und dieſe Wahrheit iſtleicht79leicht ausfindig zu machen, wenn man einen geſun - den beweiſelten Stock dergleichen Tafel zuſetzet, nach einiger Zeit wieder wohl betrachtet, ohnveraͤn - dert erhaͤlt, und nun damit in einem Brutkaſten die Anſtalt zum Weiſelziehen macht, wie alt wird nicht der dreytaͤgige Wurm geworden ſeyn, ohne daß er ſich weiter entwickelt, bis er aus Noth hierzu im Brutkaſten gebracht wird. Dergleichen dreytaͤgige Wuͤrmer wird man ſodann mitten unter andern gro - ßen Wuͤrmern, ja oͤfters unter lauter Eyern antreffen, ohne daß ſie ſich entwickeln, da andere um und neben ihnen von Tag zu Tag groͤßer werden!

§. 63.

Soll die Swammerdammſche Ausduͤnſtung ſtatt finden?

§. 64.

Es kann ein Weiſelwurm in einer gemeinen Zelle erwachſen, ſo wie verſchiedene Thraͤnen in dergleichen Zellen. Es entſteht alſo ein kleinerer Weiſel; hat ei - nen doppelten Eyerſtock, und kann nicht nur Thraͤnen - eyer, ſondern auch praͤformirte gemeine Bieneneyer und Weiſeleyer legen; weil aber ein ſolch kleiner Wei - ſel vom ordentlichen Thraͤnenmaͤnnlein nicht kann be - ſchwaͤngert werden, ſo wuͤrden die gemeinen Bienen - und Weiſeleyer lauter ungeſchwaͤngerte Eyer ſeyn, und gar leicht zur Faulbrut Anlaß geben, und alſo ein ſolch kleiner Weiſel nichts als lauter Thraͤneneyer oder Thraͤnenbrut ſchmeißen, und alſo mit Recht ein Thraͤ - nenweiſel genannt werden koͤnnen.

§. 65.

Nun kann man ſehen, wenn der Weiſel eine Witwe, oder von einem ungeſchwaͤngerten Wei -ſeley80ſeley erzeugt, aus einem ordentlichen Weiſelwurm in einer gemeinen Zelle gebohren, oder aus einer Thraͤnenzelle gekommen! Will man oͤkonomiſch ver - fahren: ſo muß man dergleichen Staͤmme mit geſun - den copuliren.

§. 66.

Wird Swammerdams Syſtem betrachtet;

§. 67.

Als unnatuͤrlich angeſehen, weil dabey inſonderheit die gemeinen Fehler der Zucht nicht gehoben werden koͤnnen.

§. 68.

Es muͤßte nach ſelbigem kein Stock zu Grunde gehen, welches wider alle Erfahrung.

§. 69.

Einige Erfahrungen beſtaͤtigen dieſe wichtige Sache, die man zu weiterer Pruͤfung hiermit ſumma - riſch entworfen, mitgetheilet.

Grund -[81]

Grundlage einer ſichern phyſiſchoͤkonomiſchen Kenntniß des eigent - lichen Hauptzuſtandes vom Grund und Boden in der Churmark Brandenburg.

Dergleichen aͤußert ſich nach deſſen Verſchiedenheit, Hoͤhe, Lage und einer darauf gegruͤndeten groͤßern oder mindern natuͤrlichen Tragbarkeit, bald in einzel - nen Gegenden, bald in ganzen Provinzen: Es aͤn - dern ſich aber der Erfahrung zufolge unter ihrem jedes Ortes eigenem Clima faſt uͤberall zu beſondern Local - umſtaͤnden, daß man im Urtheilen uͤbetaus behutſam ſeyn muß.

Diejenigen anſehnliche Striche unter den koͤnig - lichen deutſchen Laͤndern, welche in ihrer Lage und Verbindung zuſammen genommen, die jetzige Chur - mark Brandenburg ansmachen, haben bey ihrer ab - wechſelnden Hoͤhe und Lage mit ihren naͤchſt angraͤn - zenden Nachbaren eine zum Theil ſehr aͤhnliche Ober - flaͤche, deren Grundmiſchung und die davon entſte - hende Eigenſchaften ſich einander gradweiſe naͤhern, oder nach eben derſelben ganz verſchieden ſind. DerFChur -82Churmark fehlen indeſſen hohe und niedrige Gebuͤrge, Felſen und Klippen ganz und gar, deren Stelle ver - treten hin und wieder hohe und niedrige Erd - und Sandhuͤgel, die entweder mit Wald uͤberzogen, oder auch von ſolchen entbloͤßet ſind. Zwiſchen dieſen ſind weitlaͤuftig entweder recht fruchtbare, fette oder auch trockne, mittelmaͤßige und ſchlechte Ebenen, de - ren Grund und Voden unter dem Namen des Heyde - bodens bekannt iſt. Dieſer ſtreichet insgemein in feuchte Niedrungen bis in die weitlaͤuftigen Bruchwieſen und Moraͤſte an die Fluͤſſe und Landſeen, ein Theil von den letztern kann zu den Erdfaͤllen gerechnet werden, de - ren Grund in einem mit Sumpferde vermiſchten Mu - ſchel - und Kalkſchlamme beſtehet. Ein Theil der huͤglichten Gegenden in den Provinzen iſt mit Sande be - decket, von gar verſchiedener Art und Miſchung, dabey mehr oder weniger ſteinigt, mit verwitterter Eiſenerde, Glimmer, Kalk, oder Leim, auch mit Staub oder Gartenerde abwechſelnd vermengt. Ein anderer Theil wechſelt oft mitten im Sande, mit Thon, ma - germ Leime, auch einem guten tragbaren Mittelboden auf Huͤgeln und Plaͤnen ab, ſo wie die flaͤchern und tiefern Unterlagen deſſelben.

Beyderley Arten von Huͤgeln machen in eben den Provinzen, mitten in dem beſten oder auch ſchlech - ten Boden nach und nach ſehr merkliche Veraͤnderun - gen: es verliehren ſich davon viele, oder ſie werden doch ſehr niedrig, dagegen wieder neue entſtehen. Wird nun der unterliegende ſandige Boden von fruchtbaren Hoͤhen und Huͤgeln durchzogen, oder be - graͤnzet, ſo fuͤhret ihm der Abfluß der Tagewaſſer eine tragbare Erde zu, und die naͤchſten Laͤndereyen ver - beſſern ſich nach und nach: eben ſo, wie ſich im Ge - gentheil die beſten Laͤndereyen verſchlimmern, wenn ſie von freyen und hoch gelegenen Pflugſand bergen theils durch gedachte Tagewaſſer, theils durch dieStuͤrme83Stuͤrme aus Nord - oder Suͤdweſten ſehr tief oder nur flach uͤberſandet werden.

Ohne aber hiervon der in der Naturgeſchichte laͤngſt bekannten Unterſchiede des Sandes zu geden - ken, ſo finden ſie ſich groͤßtentheils in der Churmark wie bey deſſen Nachbaren, und die traurigen Verſan - dungen durch den Flugſand, mit ſogenannten Brenn - flaͤchen, oder Flaͤchen im todten Sande; von dem ohne allen Schutz und Bedeckung freygelegenen Hoͤhen entſtehen dergleichen, in der Churmark auf vorbeſagte Weiſe, wie bey ihren Nachbaren, ohne daß ſie eben allgemein waͤren oder ſich ſchlechterdings ereignen muͤſſen! Derjenige zerſtoͤhrende Zufall, der dem un - terliegenden Sande ſeiner Decke ploͤtzlich mit Ge - walt oder auch allmaͤhlich beraubet, an welcher ſonſt die Natur faſt beſtaͤndig arbeitet, er habe nun Urſa - chen welche er wolle, ſo verurſachet dergleichen trau - rige Verwuͤſtungen. Dadurch werden die ehedem fruchtbar geweſenen Feldmarken, Weiden, Wieſen, und ſelbſt Torfbruͤcher dergeſtalt begraben, daß man darunter die Lagen von Torf, Thon - und Wieſenerde antreffen kann. Auf den ſogenannten wuͤſten Sand - ſchollen werden nicht unbetraͤchtliche Huͤgel durch Anhaͤufung des Flugſandes um die Steine und Baͤu - me gebildet. Wie oft entſtehen nicht dergleichen ein - zelne Sandberge von verſchiedener Geſtalt und Hoͤhe, in welchen ein junger Birkenaufſchlag allmaͤhlich uͤber - ſandet iſt, daß eine oder mehrere Birken zuſammen bis an die Spitzen voͤllig begraben worden ſind, dabey ihre aͤußere jungen Zweige jaͤhrlich fortwachſen und bluͤhen. Das Anſehn ſolcher Flugſandhuͤgel, die zu - weilen mit der Zeit mit einem ſchlechten Raſen uͤber - zogen werden, unterſcheidet ſie von weitem dadurch, daß man gedachte Huͤgel, vor einem ganz jungen Bir - kenaufſchlag halten ſollte, wenn man ſtatt deren nichtF 2einzelne84einzelne ganze 10 bis 15 fuͤßige Staͤmme aus dem Sande graben koͤnnte.

Was die in gewiſſen Jahren ſich ereignende Ueberſtroͤhmungen und gewaltſame Durchbruͤche von Fluͤſſen und wilden Waſſern in mehreren deutſchen Provinzen und faſt aller Orten thun oder gethan ha - ben, und durch ihre verſandete Verwuͤſtung vor ver - ſchiedene uͤbele Folgen verurſachet, darf man hier gleichfalls vor die Churmark Brandenburg insbeſon - dere nicht anfuͤhren. Am wenigſten aber wird man gleichſam daraus ſchlußweiſe erzwingen wollen, daß es der Churmark an gutem tragbaren hin und wieder fettem Boden mangele: dagegen die Art der Cultur des Ertrages aus dem Feldbau der Viehzucht, und Fettweide nach Maßgabe der uͤbrigen oͤkonomiſchen, auf Localumſtaͤnde und deren Abaͤnderung uͤberall ge - machten Einrichtungen, ganz etwas anders beſage, auch bey jenem noch auf zwey ſehr betraͤchtliche Arti - kel Ruͤckſicht genommen werden muß, die ſich nach der Natur des Bodens der Menge von Schaͤfereyen und den anſehnlichen Forſten des Landes von ſelbſt ergeben.

So manchen Schaden diejenige Laͤndereyen der Churmark von jeher erlitten haben moͤgen, welche zu - naͤchſt an den großen Fluͤſſen belegen und ihrer natuͤrli - chen Lage halber der Ueberſtroͤhmung ausgeſetzet ſind, ſo haben doch andere von aͤhnlicher Lage, beſage ihres vorzuͤglichen fetten Ackers und fruchtbaren Wieſen und Weiden, durch eben dieſelben einen ſehr anſehnli - chen Ueberzug von einer der beſten tragbarſten Erde er - halten. Unter vielen andern Gegenden, dergleichen man betraͤchtlich nennen kann, wollen wir nur den Theil des Oderbruches nennen, der den Namen desjenigen Oderbruches hat, und ſich beſonders von Frankfurth an der Oder faſt bis gegen Wriezen erſtrecket. Derganze85ganze Hauptgrund beſtehet zwar aus Sande, uͤber welchem aber die Oberlage von fetter Erde durch den Oderſchlamm groͤßtentheils entſtanden iſt. Dazu koͤmmt ein an verſchiedenen Orten von den Bergen ſeit langen Jahren herabgeſpuͤhlter Leim. Dieſe fruchtbare flache Erddecke im Oderbruche, gehet ins - gemein nicht uͤber zwey Spadenſtiche tief, und an vielen Stellen betraͤgt ſie kaum die Haͤlfte.

Noch bemerket man hin und wieder einzelne oder mehrere zuſammenhaͤngende Ueberbleibſel von ehema - ligen gewaltſamen Veraͤnderungen in den niedrigen Gegenden, die bey ſtarken Durchbruͤchen der Stroͤhme von einem geſchwinden und oft wiederholten Zuſam - menſtuͤrzen der Fluthen und wilden Waſſer verurſa - chet worden ſind. Sie ſtellen weitlaͤuftige betraͤchtli - che Untiefen vor, welche entweder ein beſtaͤndiger un - merklicher Zufluß unterhaͤlt, oder da ihre niedrige Lage außer der Verduͤnſtung keinen Abgang und Ab - fluß verſtattet, zu ſogenannten Pfuͤhlen oder faulen Seen werden. Anſtalten zu muͤhſamen Bearbei - tungsarten und Koſten haben in der Mark manchen von dergleichen unbrauchbaren Moraͤſten, mit mehr oder weniger oͤkonomiſchen Vortheilen ſo viel moͤglich unſchaͤdlicher gemacht. Einen ſehr anſehnlichen Theil hingegen hat man ſo lange ſich ſelbſt uͤberlaſſen bleiben muͤſſen, bis mit der Zeit die langſame, mit nicht immer gewiß voraus zu beſtimmenden abwechſelnden Zufaͤllen verbundene Naturwirkung, Bequemlichkeit verſchaft, dergleichen Oerter endlich nach und nach in brauchbare Laͤndereyen umzubilden. Viele haben ſich mit der Zeit langſam mit Sand, kalkigtem Torfſchlamm und Waſſermooß ausgefuͤllet, bis ſie von ſchlechtem Seggegraß uͤberzogen worden ſind. Was dabey durch Nachdenken, wirthſchaftliche Anſtalten, Arbeit und große Koſten moͤglich zu bewirken geweſen, iſtF 3gewiß86gewiß geſchehen. Ganze Gegenden in dem groͤßten Theil der Churmark zeigen von dem gluͤcklichen Fort - gange dieſes großen Unternehmens, durch den ſtarken Zuwachs von neuen Laͤndereyen an Acker, Wieſe - wachs, Viehſtand und der Zahl der Einwohner.

Von denen in einigen Gegenden der Churmark befindlichen, ſchon vorher erwehnten, vielen Huͤgeln, welche entweder mit Geſtraͤuche und Waldungen be - deckt ſind, oder auch nebſt einer offenen und freyen Lage, bald gewoͤhnlichen Heydeboden, oder eine fruchtbare uͤber den Sand liegende Dammerde haben, nicht ſelten aber eine mit dichten kurzen Raſen uͤberzo - gene, und reine feine Schaafweide unterhalten, iſt nichts zu wiederholen, als daß ſie wegen ſchon ange - zeigter verſchiedener Lage und Beſchaffenheit der Dammerde den daran gelegenen Laͤndereyen bald nuͤtz - lich, bald ſchaͤdlich werden. Die mit Holz bewachſe - nen Hoͤhen geben den letztern einen beſondern Schutz, und die durch Regen und Schneewaſſer dahin abfluͤßen - de gute Erde, einen Zuwachs. Die aber entweder einen ſehr ſchlechten duͤnnen Heydegrund haben, oder auch durch die heiße Witterung ganz von zerſtoͤhrtem Raſen entbloͤßet ſind, daß der Flugſand durch Waſ - ſer und Sturmwinde beſtaͤndig nach den Niedrungen zugefuͤhret werden kann, uͤberſanden nach und nach ganze tragbare Feldmarken dermaaßen, daß ſich nicht etwa der natuͤrliche Ertrag davon nur ſichtlich vermin - dert, ſondern bey etlichen gar aufgehoben wird. Die alſo unter dem Sande dermaßen begraben worden, daß ſich ſowohl bey uns, als in andern Laͤndern, ſehr ſelten oder gar an keine Verbeſſerung mit oͤkonomi - ſchen Vortheilen denken laͤßt.

Den Anfang ſolcher Verſandungen nach ihren gewaltſamen Gelegenheitsurſachen, mit den abwech - ſelnden traurigen Zufaͤllen aus den alleraͤlteſten Zeiten,nach87nach der erſten Bewohnung der Churmark, nebſt den vielen merkwuͤrdigen Veraͤnderungen, die durch Ge - walt von großen Stroͤhmen darinnen vorgegangen ſind, richtig zu beſtimmen, iſt hier der Ort nicht. Was wuͤrde es nuͤtzen, wenn man mit manchem al - ten Geſchichtsſchreiber, das erſte feſte Land aus dem nicht mehr erweißlichen Meerbuſen herausſtei - gen ließe, und ihm, durch graͤßliche Vulkane eine auf den umgeſtuͤrzten und zerriſſenen Gebuͤrgskeiten entſtandene Oberflaͤche gaͤbe. Wie wenig wuͤrden hier die bloßen Muthmaßungen befriedigen, wenn man aus den allerdunkelſten Zeiten der Vorwelt Beweiſe von koͤrperlichen Ueberbleibſeln, dazu her - nehmen und dabey ſtehen bleiben wollte, denen man oͤfters ſogar keinen rechten verſtaͤndlichen Namen nicht geben kann. Wir geriethen bey einem ſo unanwend - bahren muͤhſamen Fleiße, welchen wir zur Erklaͤrung des unuͤberſehlichen Vorrathes unkenntbarer Ueberbleib - fel von zerſtuͤckten Naturkoͤrpern anwendeten, doch nicht dahin, daß wir den erſten natuͤrlichen Zuſtand der Laͤn - der, die wir bewohnen, wieder auffinden und richtig ausmachen koͤnnten? Was wuͤrden auch einige wenige und wenig wichtige nachrichtliche Bruchſtuͤcke, von dem vormahligen vielleicht ſchwer zu erklaͤrendem Zu - ſtande der aͤußerſten Perioden unſerer Vorwelt auf unſere Gegenden, als den kleinſten Punkt in derſelben, ſonderlich nutzen, bey deren unſicherm Ausfinden, wir in die Finſterniß lauter unanwendbarer Muthmaßun - gen, ganz begraben wuͤrden? Diejenige phyſikaliſche in Verbindung mit allen uͤbrigen Hauptkenntniſſen des gegenwaͤrtigen Zuſtandes unſers Vaterlandes muß uns dagegen immer wichtiger bleiben, da wir daraus im Stande ſind, die ſicherſten Vortheile zu ziehen.

Dieſer abwechſelnde phyſicaliſche und der auf jenen gegruͤndete oͤkonomiſche Zuſtand der ganzenF 4Ober -88Oberflaͤche in der Churmark Brandenburg, iſt nach der einwuͤrkenden Natur ihres darinnen herrſchenden phyſiſchen Clima, zwar ein ihr eigener, dennoch aber kein vor ihren naͤchſten Nachbaren ganz beſonderer: daß man nach der gemeinen Sage und dem daher ge - nommenen Vorurtheil etlicher Schriftſteller glauben muͤßte, als zeichnete ſich die ganze Mark ihres ſchlech - ten und unfruchtbaren Bodens halber uͤberall vor an - dern Laͤndern aus. Denn dieſer Ausſpruch kann nur von hohen, trocknen, rauhen, unfruchtbaren einzelnen Ge - genden wie anderwaͤrts gelten, dergleichen ſie mit ihren Nachbaren gemein hat. Wenn man aber dieſe in Betrachtung ziehen wollte, wie viele zum Theil an - ſehnliche Sandbuͤchſen, wuͤſte hohe Berge, nackende rauhe Felſen und Klippen, die nach Art der niedrigen Gebuͤrgsketten hie oder da zuſammenhangen, wuͤrden nicht manche Kreiſe des heiligen roͤmiſchen Reiches vor ſich insbeſondere etwas aufzuweiſen haben? mit wie vielen fruchtbaren Ebenen, an Thaͤlern, Wieſen, Waldungen und beſonders tragbaren Laͤndereyen aber, wechſeln dieſe nicht ab. Nicht noch zu wiederholen, was die Bruͤche, Moraͤſte, Landſeen und weitlaͤufti - ge Torfmoore, mit ſtehendem Waſſer, welche ſo wie der Heydeboden und Sand, die in vielen, recht vor - zuͤglich tragbaren Laͤndern Deutſchlandes, außer der Mark Brandenburg gleichſam durchſchneiden.

Allein, welche wohl uͤberlegte Anſtalten, wel - cher faſt eiſerne Fleiß ſind unter Beguͤnſtigung der groͤßten Summen nicht von je her mehr in der Mark, als anderwaͤrts mit den gluͤcklichſten Folgen verwendet worden, um nach recht oͤkonomiſch practiſchen Gruͤn - den, durch Verbindung der Natur mit der Kunſt, die der erſten nirgend entgegen arbeiten muß, mit Be - ſtand reelle Verbeſſerung vorbeſagter Umſtaͤnde zu ma - chen. Dieſe werden mit gleicher Kraft nach Moͤg -lichkeit89lichkeit fortgeſetzet, um neues Land hervorzubringen und es tragbar zu machen, das ſchlechte zu verbeſſern, das verbeſſerte zugleich in ſeiner Nutzung zu erhalten und immer zu erhoͤhen: ſo weit nehmlich die beſondere Lokalumſtaͤnde jedes Ortes verſtatten, dergleichen Ein - richtungen und Veraͤnderungen zu machen oder vorzu - nehmen. Wer das Gluͤck und Gelegenheit hat, ſich ſeit 15, 30 bis auf 60, 80 Jahre des vorigen Zuſtandes der Laͤndereyen in der Mark als Sachverſtaͤndiger zu erin - nern, muß nothwendig uͤber die jetzige ihm gegebene neue Geſtalt in die groͤßte Verwunderung gerathen, wo - von ein anderer, der die außerordentlichen betraͤchtli - chen Veraͤnderungen nicht nach einander und aus ein - ander ſelbſt entſtehen ſehen, kaum ein richtiges Ge - fuͤhl hat.

Daß aber wenn man den Sinnen trauen darf, der vorher angefuͤhrte abwechſelnde Zuſtand der Oberflaͤche an Grund und Boden in allgemeinen oder ganzen, we - gen der verſchiedenen Hoͤhe, Lage, und Grundmi - ſchung bey dem zunehmenden hohen, oder zuruͤckge - henden niedrigen Sonnenſtande, und der davon ab - hangenden Witterungseinwuͤrkung, allerdings ſeine Richtigkeit habe, ergiebt ſich aus der Beſchaffenheit der Produkte aller drey Naturreiche, dergleichen die - ſe koͤniglichen Prvinzen von ſich ſelbſt hervorbringen, von Mineralien und Foßilien findet man darinnen nur wenige Arten, die aber zur Anwendung in hinrei - chender Menge nutzbar ſind. Doch gehoͤren ſie nicht unter die beſondern, dergleichen ſich in den uͤbrigen teutſchen Laͤndern nicht vornehmlich an den ausgehen - den der Gebuͤrge finden ſollten: bis auf die Neſter oder einzeln Spuhren von Bernſtein, das hieſige Eiſen befindet ſich allein in Sumpf - oder Wieſeerzten. Alaun in einer beſondern vermiſchten Erde, dieſem folget in verſchiedenen Gegenden das Kochſalz. DerF 5Stein -90Steinkalk bricht nur in einem beſondern Floͤtze, und iſt zuweilen mit dem Gips und deſſen Abaͤnderungen beyſammen oder auch nicht. Etliche Gegenden ha - ben Gruben von hartem und weichem Thon und Kalk - mergel, welche auch bald flaͤcher oder tiefer unter der Damerde ſtehen. Mit den farbigen verſchiedenen Fett - und Walkerthonarten hat es eine aͤhnliche Be - ſchaffenheit. Man bemerket die letztern, wie den Kalk und Gips, mit dem Sande und der tragbaren Erde auch zwiſchen den Durchfluhten zuſammengeſchwaͤmmten Steinlagen vermiſcht.

Ohne hier insbeſondere von dergleichen zum Mi - neralreiche gehoͤrigen Produkten zu handeln, von wel - chen ohnehin in einzelnen Schriften kurze Nachrich - ten und ein Anfang zu oryctographiſchen Bemerkun - gen gegeben worden, will ich im Vorbeygehen nur folgendes in Erinnerung bringen. Das Eiſen, wel - ches ſich nach ſchon geſchehener Anzeige in dem Sumpf - oder Wieſenerze befindet, wird in etlichen Gegenden der Mark haͤufig gegraben und verſchmol - zen, befindet ſich aber durchgehends in Quellen, Mo - raͤſten, groben leimfarbigtem Thon und Sandgrund oft unter der fauchtbaren Damerde, das eintraͤgliche Alaunbergwerk zu Freyenwalde iſt noch das einzige im Lande, man findet in der Muttererde deſſelben al - lerley Beymiſchungen, Gips in einer Art von Frauen Glaße. Neue Anzeichen auf Alaun und Gips, haben ſich ſeit zwanzig Jahren, außer der Churmark, hin - ter Koͤnigswalde, an der Gegend der Warthe bis gegen den Oderſtrohm in Großpohlen nicht hervorge - than. Des Kochſalzes wegen iſt in den Provinzen der Churmark kein Zweifel, da nicht nur die Quellen ſelbſt zwiſchen der Havel, hinter Spandau, am Nauenbruche, und um die Luͤtſche vorhanden ſind, ſondern auch die Altemark davon vornehmlich ein be -ſonderer91ſonderer Zeuge iſt. Ob man ſchon davon, wegen gro - ßen Vorrathes in den uͤbrigen koͤniglichen Laͤndern zur Zeit noch keinen Gebrauch zu machen noͤthig gefunden hat. Außerdem iſt die Gegenwart des Kochſalzes, in unſern Niedrungen und faſt ſtrichweiſe auf Wieſen und Weiden an fetten Graͤſereyen und uͤbrigen Pflanzen der groͤßte Beweiß, deren Guͤte ſich auf das Rind - und Schaafvieh erſtrecket. Sonſt aber wachſen in vorgedachten Gegenden ſogar fremde Meerpflanzen, dergleichen ſonſt außer einem Salz - und Meergrunde, weder anderwaͤrts hervorkommen noch gedeyen.

Kalk findet ſich abwechſelnd in den Churmaͤrki - ſchen Provinzen in verſchiedener Menge, Lage, Ge - ſtalt und Tiefe bald reiner und feſter, bald locker und faſt mit allen uͤbrigen Erdarten vermiſcht. Die be - ruͤhmte Steinkalkfloͤße, die unter den Namen der Kalkberge zwiſchen Ruͤdersdorf und Tasdorf gelegen ſind, und ihres reichlichen Ertrags halber nach Maß - gabe der Berechnungen fuͤr eines der ergiebigſten Bergwerke, und fuͤr einen Schatz des Landes gehal - ten werden koͤnnen, haben fuͤr die Zukunft einen faſt unabſehlichen Vorrath, an ihrem Ende, auf der rech - ten Seite, gegen die Schleuſe hin, finden ſich mitten in derſelben eine Art von Porcelanerde, welche auf die hieſige Fayance verarbeitet wird, mit einzelnem Anbruch von Frauenriß, Strahl und andern Gips.

So wie nun die Churmark faſt durchgehends einen haͤufigen aufgeloͤßten und verwitterten Kalk, in den meiſten Erdarten fuͤhret, welcher vielleicht nicht allein aus dem Steinkalke, ſondern auch durch die Laͤnge der Zeit tief unter Waſſer von zerriebenen und zertruͤmmerten feinen Meermuſchelſchaalen entſtan - den ſeyn mag, ſo bildet dieſer mit Moraſt und an -dern92dern verfaulten Dingen vermiſcht in der Churmark, bald einen Kalkſchlamm bald ſetzet er ſich wie in einigen Gegenden der Uckermark, in der Gegend von Prenzlau in derben und maͤchtigen Lagen unter der Dammerde feſter zuſammen. Schlaͤmmet man dieſe Art des Bruchkalkes aus, ſo erhaͤlt man daraus ei - ne anſehnliche Menge von den kleinſten feinſten ver - gangenen Meermuſcheln. Koͤmmt eben dieſer in der verſchiedenen Dammerde zum Vorſchein, ſo ſtellet er einen weißen Kalkſtaub vor, welcher dieſen Boden ſproͤde, hungrig und mager macht. Dergleichen wird an vielen Orten um Berlin von Maulwuͤrfen mit ausgeworfen, wo er aber in feuchtem fruchtbarem Bruchacker lieget, ziehet er ſich in den heißen Jahreszei - ten zuweilen des Nachts um den Fruͤhſtunden als eine zarte unſchaͤdliche Kalkrinde uͤber die Erde, welche aber taͤglich in den Vormittagsſtunden uͤber ſo bald wieder verſchwindet; und von den Coloniſten bey Neuſtadt an der Doſſe Salpeter genennet wird.

Noch eine in der Chur - und Neumark beſon - ders[haͤufiger] als anderwaͤrts außer denſelben vorkom - mende Erſcheinung iſt dieſe, daß gedachter mit fein und groben Sande vermiſchter Kalkſtaub, die aus gefaulten hohlen uͤberſandeten Baumwurzeln von etli - chen Holzarten, Ausfaͤlle und ihre Geſtalt behalte, wenn auch Holz und Schaale ſchon laͤngſt vergangen ſind, dieſes beſondere maͤrkiſche Produkt iſt von alten Zeiten her, und zwar ſchon ſeit der Regierung des Kayſers Maximiliani II. mit vielen Fabeln von ſeiner Entſtehung unter dem Namen Knochenſtein oſteocolla bekannter geworden. Zuweilen faͤhrt man kurz auf ſtark anhaltenden Platzregen durch die tiefen Wege, in welchen das Waſſer den feinen aufgeloͤßten Kalk von den Hoͤhen herunter dahin zuſammenfuͤhret, da alsdenn Pferde, Wagen und Menſchen gleichſam ineine93eine weiße fette Milch zu ſtehen kommen, dergleichen man bey Loͤſchen des Kalkes gewahr wird. Bey die - ſer Erſcheinung verdienet noch ein Umſtand bemerket zu werden, welcher noch den ſchon erwaͤhnten Kalk - ſtaub angehet, und wovon ſchon geſagt iſt, daß er zu - weilen unter dem Namen des Mergels den Grund einzelner Landſeen ausmachen. Es iſt nehmlich auf der Graͤnze des Lebuſiſchen und Oberbarnimmer Krei - ſes, in dem Forſte, der den Namen Lapenow hat, ein See belegen, welcher von ſeinem weißen Kalkgrunde und klarem Waſſer in dortiger Gegend der weiße See genennet wird. Fiſche, Krebſe und andere dar - innen lebende Thiere ſind vor denen aus andern Seen weiſſer an Farbe, daß ſie ſich, wenn man ſie unter andere Fiſche und Krebſe miſchet, doch an ihrer ſehr blaſſen und weiſſen Farbe unterſcheiden. Die Kran - ken laſſen ſich meilenweit Fiſche aus dieſem See bringen.

Die bekannten Arten von Leime, Ziegelerde, gemeiner und reiner fetter Walkerthon - auch Bolar - und Farbeerden, welche letztere ihre Farben den ver - witterten Eiſenerzten zu danken haben, ſind in der Chur - und Neumark in einzelnen Gegenden nicht ſel - ten, und machen die ſogenannte Bolarerde oͤfters un - ter der Dammerde ganze und ſtarke Lagen aus, wie der gemeine Thon, oder ſie ſind mit dem Sande ſelbſt in großer Menge vermiſcht. Sie kommen an einigen Orten, ſo wie der Staub - oder weiße Kalk oͤfters in den Maulwurfsbuͤgeln unter allerhand Arten von Farben zum Vorſchein, nach dem reinigen und aus - ſchlaͤmmen haben ſie in Oel den Nutzen und Gebrauch des boͤhmiſchen Bolus, ſonſt aber die Eigenſchaft der fremden und einheimiſchen Siegelerden. Nach dem Verſuche unſers großen Chymiſten, Herrn Profeſſor Potts, gaben ſie eine feine Art von Porcellain, wel - ches dem ehemahligen zu Plauen an der Havel ver -fertig -94fertigtem gleich war. Von eben dergleichen rother Bo - larerde finden ſich in den Gaͤrten der Strahlauer Vor - ſtadt zu Berlin etwa Fuß tief oͤfters Lagen. In etlichen Kreiſen der Neumark hingegen iſt die Walk - ererde weit haͤufiger und feiner, daß ſie nach dem Ur - theil Sachverſtaͤndiger nach der Engliſchen die beſte von allen uͤbrigen ſeyn ſoll.

Da die Churmark keine Gebuͤrge hat, ſo giebt es in derſelben nur uͤberall zerſtreute Bruchſtuͤcke und abgerißne Steine von vielerley Gebuͤrgsarten, welche durch die Fluthen unter dem Sande zuſammen ge - ſchwaͤmmt worden ſind. Wenn ſie durch die Stuͤr - me und Fluthen von dem unter und uͤber liegenden Sande entbloͤßet werden, ſo liegen ſie dermaßen dichter und in einer Menge beyſammen, daß ſie hin und wieder gleichſam ganze flache oder tiefere Steinbaͤnkevorſtellen. Unter ihrer Menge von Kieſel - und Sandſteinen befinden ſich verſchiedene Arten Truͤmmern von verſchiedenen Gebuͤrgsarten, von kennbahren und verwitterten grana - tenartigen Feldſpathen, in talglichen und glimmerrei - chen Stuͤcken, wie denn auch basalte, ſehr unkennt - lich gewordene aͤhnliche Steine mit Schoͤrl, alkani - ſchen und mehrern ausgebraunten Steinen vermiſcht, die ihre eigentlichen natuͤrlichen Lagerſtellen, ganz an andern Geburtsorten außer der Mark ſchlechterdings haben. Einzeln trift man unter gedachten Steinen, ſo wie in denſelben verſteinerte oder calcinirte Seei - gel und andere Meermuſchelſchaalen an, welche mit großen und kleinen Zaͤhnen, Graͤten und Knochen von Meerthieren an die in einigen Gegenden wie au - ßer der Mark mit zerſtuͤckten Corallen, Corallinen und andern ganz fremden unbekannten Meergewaͤchſen abwechſeln.

Was die einheimiſchen wilden und zahmen Thie - re in der Churmark betrift, ſo ſind es keine, derglei -chen95chen ſie etwa mit ihren unter einerley Himmelsſtriche belegenen Nachbaren nicht gemein haben ſollten. Von dieſen das oft geſagte von neuem ohne Nutzen abzuhandeln, muͤſſe vor uͤberfluͤßig gehalten werden. Wenn man aber auf die Thiere nach ihren Klaſſen - ordnungen, Geſchlechtern und Arten Bedacht neh - men will, bis zu den Fiſchen, Amphibien, kleinere Thiere auf die Inſekten, ſo moͤchten ſich wohl hin und wieder einzelne Gattungen unter der erſtaunenden Menge ausfinden laſſen, die wenigſtens ihrer Selten - heit halber, andere aber wegen ihrer Schaͤdlichkeit angefuͤhret zu werden verdienen: Ihre Beſchrei - bung aber haben laͤngſt die Naturforſcher unter - nommen, vor welche ſie eigentlich bis zur weitern An - wendung gehoͤret. Da indeſſen in den Provinzen dergleichen doch einzeln vorkommen, beſonders unter den Fiſchen und unter den Voͤgeln: indem die erſten aus dem Meere und entfernten Landſeen in unſere Fluͤſſe treten, die letztern aber ſowohl im Herbſte als im Fruͤhlinge bey ihren Ruͤck - und Wiederſtriche, ſich auf kurze Zeit in gewiſſen Jahren ſehen laſſen, aber bald wieder unſichtbar werden, ſo gehoͤren ſie als bloße Wanderer nicht zu den unſrigen. Da wir aber ohne Nahrung und Bequemlichkeit, die jedem leben - digen Geſchoͤpfe nach ſeiner Art beſonders zukoͤmmt, an keinen natuͤrlichen beſtaͤndigen Aufenthalt von der - gleichen Bewohnern bey uns denken duͤrfen, ſo muß vorher die Erdflaͤche mit denen dazu erforderlichen Gewaͤchsarten hinreichend bekleidet ſeyn, welche theils zu Unterhaltung der tragbaren Erde ſelbſt, theils zur Erhaltung ihrer uͤbrigen lebendigen Bewohner, nem - lich der Thiere und Menſchen, als unentbehrlich un - ter jedem phyſiſchen Clima einzelner Gegenden haben gegeben werden koͤnnen. Das natuͤrliche Clima brin - get durch den ganzen Weltraum in einer gewiſſen Hoͤ - he ſeine ihm beſonders zugehoͤrigen Gewaͤchsarten her -vor.96vor. Dieſe nun bezeichnen, daß durch ihr Daſeyn, ganz unbezweifelt, nach Verſchiedenheit der Lage, der davon abhangenden Witterung des Grundes und Bo - dens dergeſtalt, daß jene beyden Wechſel derſelben verſchiedene Eigenſchaften an guten, auch wohl weit ſchlechtere erhalten. Wie denn dergleichen unter ih - rem eigenen Clima, bald fruͤher bald ſpaͤter bluͤhen, und ihre Fruͤchte reifen, bald groͤßtentheils zugleich bluͤhen und Saamen bringen, oder aber nur ſelten in ihren Standorten dazu gelangen. Wie denn ferner die gewoͤhnliche Entwickelung aller darunter wachſen - den Pflanzen, in einer gewiſſen Hoͤhe der Erde faſt unmerklich und geſchwinder vor ſich gehet, daß ſich die Jahreszeiten nach dem in ſelbigen einwuͤrkenden Sonnenſtande gleichſam kurz in einander verliehren, von dieſem Zuſtande ſind die abwechſelnden Folgen nach Localumſtaͤnden merklich genug, man wird ſie an wilden und zahmen Gewaͤchſen mit Schaden oder Nutzen gewahr, wenn man ſie anders der Aufmerk - ſamkeit werth achtet. Denn eben beyderley Pflanzen werden ſchlechter oder mehr verwandelt, das Clima bleibet herrſchend, und die ohne wuͤrkliche Kenntniſſe deſſelben gemachte Rechnungen entſprechen unſere Einrichtungen.

Wenn aber auch die Rede von ſehr ſchlechtem Heyde - und Sandboden ſeyn ſoll, ſo wird der eigent - liche Sachverſtaͤndige, welcher die Sandarten in der Churmark bis auf dem ſchlimmſten und todten Flug - ſand hinreichend beurtheilen kann, nach der Lage, Miſchung, Tragbarkeit und Bearbeitungsart der Laͤn - dereyen in verſchiedenen Gegenden bey den ordentli - chen oder außerordentlichen Folgen der Einwuͤrkung des phyſiſchen Clima ſolche Unterſchiede finden, wel - che ſich ſogleich an der Tragbarkeit, Menge und Ver - aͤnderung der Erdprodukte ſelbſt aͤußern. Hiervonzeigen97zeigen die Gegenden um Berlin, Rathenau im Lebu - ſiſchen, Oberbarnimſchen und andern naͤchſt anliegen - den Kreiſen, als wo einzelne ſandige Laͤndereyen bald einen reinern mit viel oder weniger tragbarer Staub - erde vermiſchten Sand fuͤhren, bald mit einem thonigen kalkigen, mergelartigen, eiſenſchuͤßigen und glimmeri - gen ſtaͤrkern Antheile verſehen ſind. Nach der ver - ſchiedenen Lage und den angefuͤhrten Verhaͤltniſſen in der Beymiſchung gegen den Sand ſelbſt, bewuͤrkt die Witterung, Bearbeitung, der Zuſatz von Duͤnger und dergleichen Beſtellung nach gewiſſen Graden ihre beſondere Erſcheinungen, die auf unſere Land - und Ackerwirthſchaft ihre Beziehung haben.

Ob nun die Churmark aus eben gemeldeten Ur - ſachen nicht ſchon alle Jahre, durchgehends und uͤberall, zumahl im Heydeboden, der zwiſchen dem beſſern Lande gelegen iſt, nach Unterſchied der Wit - terung, gleich ergiebig ſeyn kann, als in andern Laͤn - dereyen, die einen guten, beſtaͤndig gleichfoͤrmigen, Mittelboden haben: ſo hat ſie doch in ſehr leichtem Lande, und zwar gerade in ſolchen Jahren oͤfters ei - nen guten Ertrag, wenn ſich anderwaͤrts in dem beſten und fetten Boden an Feldfruͤchten ein anſehnlicher Ausfall ereignet. Es mangelt ihr indeſſen hin und wieder der nach ſeiner innern Beſchaffenheit tragbare Boden gar nicht; wie die vielen anſehnlichen Wei - den, Wieſen, Roggen - und Weizenlaͤnder bezeugen, im Mittelboden ſchlaͤgt der Ertrag ſo oft nicht fehl, als der in ganz fettem Grunde. Die uͤbrigen Um - ſtaͤnde und Zufaͤlle, die ſonſt auf Rechnung von Grund und Boden geſchrieben werden, hangen uͤberhaupt, ſo wie der groͤßte Theil der Landwirthſchaft, von der Witterung, wie dieſe von ihrem natuͤrlichen Clima ab. Dazu kommt nicht ſelten Nachlaͤßigkeit, verkehrte Beſtellungsart, aus Unwiſſenheit oder Mißvergnuͤ -Ggen98gen, uͤber den ſelbſt eigenen ſchlechten Vermoͤgens - zuſtand aus ſelbſt eigener Schuld bey manchen Land - leuten her, welche das ihrige dazu beytragen.

Es wird ſich aus dem angefuͤhrten, auf Natur und Erfahrung gegruͤndeten abwechſelndem Zuſtand des Grund und Bodens in der Mark leicht erſehen laſſen, ob derſelbe allgemein ſey, oder nur ſtrichweiſe und in einzelnen Gegenden unter zuſammenwuͤrkenden Urſachen, als Bedingungen angetroffen werde, nach welchen daſelbſt ein mehr natuͤrlicher oder auch durch Cultur in tragbare Umſtaͤnde verſetzter Grund ſey. Daraus denn zugleich hervorgehet, was die Natur unter dem ihr eigenthuͤmlichen phyſiſchen Cli - ma insbeſondere in der Churmark gethan, und was ſie gegen die ſich von Zeit zu Zeit ereignenden Zufaͤlle noch immer bewuͤrke und zu bewuͤrken im Stande ge - weſen ſey. Kuͤnſtliche Anſtalten von Einſichten gelei - tet, welche ſich uͤberall auf die in der großen Natur - haushaltung feſt gegruͤndeten Mit - oder Gegenwuͤr - kungen beziehen, und nach dieſen, mit Ordnung, Fleiß und Koſten betrieben worden, ſo wie ſie noch im - mer fortgeſetzet werden, dieſe haben uns in den gluͤck - lichen Folgen von der Wahl der beſten Mittel derge - ſtalt uͤberzeuget, daß wir die ſicherſten Vortheile da - von ziehen, dergleichen wir jetzo vor uns haben. Von einem todten fliegenden Sandboden, welcher dazu auf einzelne Laͤndereyen noch außerdem mit bren - nenden ſogenannten Sandflaͤchen abwechſelt, wird ohnehin kein Sachverſtaͤndiger, ſo lange etwas frucht - bares erwarten, bis ihm die Natur, wie es von ſelbſt geſchiehet, durch Schutz, Schatten und feuchte trag - bare Stauberde, dergeſtalt darzu vorbereitet hat, daß er durch ſchickliche Bearbeitung und Pflege verbeſſert werden kann. Man laſſe ſich von einer ſchwarzen todten oder zerſtoͤhrten Sumpferde nicht taͤuſchen, dieſo99ſo lange ſie feuchte genug iſt, ein ziemlich gutes Anſe - hen hat, aber wenn ſie in der Luft trocknet, und vor ſich oder mit Sand reichlich vermiſcht, ganz taub be - funden wird, und wie der Sand von dem Winde zerſtaͤubet.

Das herrſchende natuͤrliche Clima beſtimmt in - deſſen, wie ſchon geſagt, die wahre Beſchaffenheit von jeder Art oder Unart des tragbaren Bodens, durch die Witterung und Wechſel der Lage gradweiſe, insbeſondere nachdem ſich die Erhoͤhung der Erde von dem niedrigſten Stande derſelben, welchen ſie vom Spiegel des Meeres an hat, und im Anſteigen uͤber die erſten Vorgebuͤrge bis zu den niedern, mittlern und hoͤhern Alpen ſichtlich veraͤndert. Die darauf nach eben gedachter Hoͤhe und Lage der Erdflaͤchen unter jenen verſchiedenen Clima von ſelbſt hervorkommende Gewaͤchſe, ſind unwiderſprechliche Zeugen von dieſer Wahrheit durch die ganze Welt, alſo auch eben in der Churmark Brandenburg. In dieſer nun koͤnnen wir von der Lage ihrer niedrigſten Laͤndereyen, Torfmoo - ren, Suͤmpfen und Landſeen an, bis auf die anſtei - genden trocknen Ebenen, und die dazwiſchen liegen - den Hoͤhen, auch nicht unbetraͤchtlichen erhabenen Leim - und Sandhuͤgel rechnen, die theils nach dem Umfange des Landes, theils von den Hoͤhen, von Ge - buͤrgen in nicht beſondere Betrachtung kommen. Gleichwohl aber muß ſich der Sachverſtaͤndige uͤber die Anzahl, Mannigfaltigkeit und Guͤte, der in der Mark Brandenburg von ſelbſt wachſenden Geſchlech - ter und Arten mit ihren Abaͤnderungen von Pflanzen nicht wenig verwundern. Von der Tragbarkeit des verſchiedenen Bodens wird man ſich, aus der Menge und den verſchiedenen Pflanzenarten keinen ſo niedri - gen Begrif zu machen Urſach finden, wie andere mit Grund thun zu koͤnnen geglaubet haben, welchen ebenG 2ange -100angefuͤhrte Umſtaͤnde nicht bekannt genung gewe - ſen ſind.

Was nun die keineswegen uͤbertriebene Anzahl der wuͤrklich nuͤtzlichen einheimiſchen Pflanzenarten in der einzigen Churmark betrift, ſo fehlet aus allen fuͤnf Hauptklaſſen, die das ganze Gewaͤchsreich ausmachen, außer der einzigen Palmenordnung, Ordo palmarum, welche die ſechſte iſt, keine andere. Wir moͤgen uns zu dem Ende von den Schwaͤmmen, Fungis, den Flechten, Algis, den Mooſen, Muſcios, Farreukraͤu - tern, Filicetis, den Graͤſern und Schilfarten, eine Gramina et Calamaria, wozu noch die ſiebente Ordnung von Gewaͤchſen kommt, die man insbeſon - dere Pflanzen, Plantas nennet, an Ort und Stelle, ſelbſt in ihren verſchiedenen Standorten von der Men - ge ihrer Arten uͤberzeugen. Unter den Pflanzen be - finden ſich laut dem vor etliche vierzig Jahren aufge - nommenen und von Zeit zu Zeit nachgeſehenen Ver - zeichniſſe, etwas uͤber 1200 Arten, zu welchen 103 ver - ſchiedene Gattungen in Baͤumen und Straͤuchern ge - hoͤren, die unter dem Namen von Holzarten, unſere Laub holz, Kiehn, vermiſchte Waldungen und Gebuͤſche aus - machen. Seit jener Zeit, da die natuͤrliche Wuͤrkungs - ordnung, und die oͤkonomiſchen Veraͤnderungen ganzen Gegenden andere Eigenſchaften und Geſtalten gegeben haben, wie ſie noch jetzo gefunden werden, ſo hat ſich ſeit etlichen zwanzig Jahren in der Churmark ihre An - zahl mit 220 neu entdeckten Pflanzengattungen ver - mehret: welches eine noch im vorigen Jahre auf das neue uͤberſehene beſondere Liſte ausweiſet. Es ver - ſtehet ſich von ſelbſten, daß noch manche unentdeckt geblieben, welche dem kuͤnftigen Fleiße der Kenner nicht entgehen kann. Ein anſehnlicher Theil von Kraͤutern und Graͤſern hat ihre natuͤrliche Standorte mit anderen verwechſelt, auch an Menge und Guͤte ſeit ſechzig Jahren erlitten, daß ſie Sachverſtaͤndigein101in erſten und zweyten Standorten nicht nur nicht mehr antreffen, ſondern auch an ihnen Veraͤnderung an der Guͤte wahrnehmen koͤnnen; denn der Naturforſcher vermißet unter andern ganze Geſchlechter und Arten von Graͤſerey, oder ſie werden ſo ſelten, daß der Landmann von Zeit zu Zeit in ſeinem wirthſchaftlichen Nahrungszweige, wichtige oder geringere Folgen ge - wahr wird, welche er, als ungewoͤhnliche, nicht leicht vermuthen konnte, und deren Urſachen er auch nicht ausfinden kann. Eben von dergleichen Gewaͤch - ſen bleiben viele vor ſeinem Grund und Nutzen vorloh - ren, dagegen in Zeit von dreyßig bis vierzig Jahren ab - wechſelnd, ſich andere zu Verbeſſerung der Grundſtuͤ - cke wieder einfinden, dabey die vorigen Bewohner mit Erhoͤhung ihrer Guͤte auf andere Grundſtuͤcke zum Vorſchein kommen, auf welchen man die dazu erfor - derliche innerliche Veraͤnderung der tragbaren Dam - erde nicht leicht vermuthet haͤtte: ohne daß der Ge - danke von einer andern ganz uneigentlich ſogenann - ten Pflanzenveraͤnderung dabey ſtatt haben koͤnnte. Dennoch kann man von der Graͤſerey unter andern mit vieler Gewißheit darthun, daß ſich dieſelbe bin - nen einer Zeit zwiſchen dreyßig und funfzig Jahren in einigen Gegenden der Churmark, in ihren Arten durch einen Zuſatz neuer Gattungen betraͤchtlich vermehret, an andern hingegen dergeſtalt vermindert, oder auch an guten Eigenſchaften, wovon die Urſachen unter den Naturforſchenden außer Zweifel ſind. Es geben uns beſagte Veraͤnderungen nach den Unterſchieden jener und vieler andern Gewaͤchsarten gleichſam einen beſondern Wink, daruͤber aufmerkſam zu ſeyn, ſo - bald ſich dergleichen in ihren beſonders angemeſſenen Clima ereignen, und ſo fruchtbar werden, daß ihr Ein - fluß auf das allgemeine faſt uͤberhand nehmen will. Außerdem iſt es gewiß, daß man in der Churmark zum Beyſpiel, in einzelnen Provinzen unter ihrem An -G 3theil102theil von einheimiſchen noͤrdlich deutſchen Pflanzen auch ſolche antreffe, dergleichen in Rußland hinter Moscow, ferner in Liefland, um Riga, in einigen Ge - genden der Ukraͤne, in Nordamerikaniſchen Gegen - den, Meißen, Thuͤringen, Boͤhmen, den noͤrdli - chen und mittlern Theilen von Frankreich, in der Schweiz, auf den niedern und mittlern Alpen und auf dem Harze gemein ſind. Der ſchlechte Sand - und Heydeboden hat noch uͤberdem etliche eigene Ge - waͤchſe beſonders vor ſich. Dieſer anſehnliche Vor - rath von Gewaͤchſen, welcher in den Provinzen der Churmark als einheimiſch wechſelt, hat auch dieſelbe mit dem groͤßten Theile von Deutſchland insbeſondere gemein, wie ein davon neuerlich aufgenommenes, und mit den Nachrichten der uͤbrigen Laͤnder dieſes weitlaͤuftigen Reiches wohl verglichenes Pflanzenver - zeichniß beweiſet.

Was die Anzahl und Arten dieſer Gewaͤchſe be - trift, ſo beſtehet der anſehnlichſte Theil derſelben in keinen anderen als ſolchen, dergleichen vorgedachte Laͤn - der, als vor andern die Schweiz bey einer aͤhnlichen Lage und Hoͤhe in ihren fruchtbareſten Gegenden und Boden, wie auch einige nordamerikaniſche gleichfals abwechſelnd hervorbringen, wo nehmlich der natuͤrli - che Wechſel der Pflanzenarten am merklichſten werden kann. Hiervon zeugen insbeſondere die naͤchſten Ber - liniſchen Gegenden, die zwiſchen der Niederlausnitz bis zur Spree, und zwiſchen dieſer und der Havel, bis an die Oder, wie auch die hinter Brandenburg und Potsdam an der Elbe zwiſchen jenen, und denen an der Fino und Doſſe belegenen Feldmarken. Hier - zu kommt die mit dem Mecklenburgiſchen und mit Pommern graͤnzende Uckermark, die Altemark bis in den Droͤmling, nebſt der Priegnitz, welche ſaͤmmtlich unter den gewoͤhnlichſten Pflanzen einige beſonderseigene103eigene haben. In allen dieſen Gegenden ſtreichten, wie außer der Churmark, außer einem trocknen, ſchlechten, ſandigen, kalkigten, warmen vermiſchten Boden und dem eigentlichen Heydeboden, nach der abwechſelnden Lage, ein tiefer zaͤher, naßkalter, kleyig - ter Grund. Der Wechſel von Bruchtorf, der fette gemaͤßigte gute Mittelboden, mit dem huͤglichen ver - miſcht, der eiſenſchuͤßige zwiſchen dem ſogenannten Salzgrunde iſt ganz offenbar, daher es denn der aͤhn - lichen Beſchaffenheit wegen, die der Grund im gan - zen betrachtet, mit ſeinem benachbarten hat, nicht eben zu bewundern iſt, wenn ſich vorbeſagte Unterſchiede, und Abweichungen der Naturprodukte bey jeder Art, wie anderwaͤrts gradweiſe ereignen, welche durch das herrſchende Clima nach Localumſtaͤnden durch deſſen Einwuͤrkung beſonders beſtimmt werden. Was nun die beym niedrigſten, zunehmenden, hoͤchſten und wieder abnehmenden Sonnenſtande ſich ereignende Witterungszufaͤlle, auf Pflanzen und Thiere vor Ein - fluͤſſe haben, davon zeugen ihre ſo betraͤchtliche Ver - aͤnderungen in verſchiedenen Boden.

Daß aber die Churmark Brandenburg ganz eige - ne und beſondere Gewaͤchſe haben ſollte, die ſich nehmlich anderwaͤrts, weder in noch außer Deutſch - land befinden, iſt niemahls vorgegeben worden. Sie iſt indeſſen, wie ihre Nachbaren, mit manchen vor - zuͤglich brauchbaren Gewaͤchſen, auch wohl vor jene weit ſtaͤrker verſehen, welche ihren Nutzen bey aller - hand Nahrungszweigen der Land - und Stadtwirth - ſchaft aͤußern, und durch den Anbau, wie andere fremd eingebrachte, auch mehrere Veredluugsarten noch weit verbeſſert worden ſind, oder noch werden koͤnnten. Da nun die Erfahrung davon alle Erweiſe uͤberfluͤßig macht, ſo iſt wohl keine Frage mehr, ob in den Provinzen der Churmark unter den einheimi - ſchen Gewaͤchſen wilde und zahme Futterkraͤuter, Far -G 4ben,104ben, Fabriken, Arzeney und mehrere Handelsge - waͤchſe befindlich ſind. Die Haushaltungskunſt und Handelsgeſchichte dieſes Landes, wird uns hiervon die voͤllige Aufklaͤrung geben. Wenn man dieſem mit Grunde beyfuͤgt, daß noch ein nicht unbetraͤchtlicher Pflanzenvorrath uͤbrig ſey, der bey guten Einſichten und einer richtigen Anwendung den darunter verſteck - ten heimlichen Cameralnutzen gewiß bringen werde, ſo bleibet nichts uͤbrig, als hieruͤber von Zeit zu Zeit fortzuſetzende Verſuche anzuſtellen, um hernach die vorzuͤglichſten rohen Produkte davon, ohne zu muͤhſa - me weitlaͤuftige Bearbeitung, in einer verhaͤltnißmaͤßi - gen Menge anhaltend zu verſchaffen, deſto ſicherer im Umgang zu bringen.

Dabey aber hat man nicht noͤthig, den Anbau ſolcher fremden Gewaͤchſe zu vernachlaͤßigen, welche unterm hieſigen Clima eben ſo leicht und mit nicht koſt - baren Anſtalten, auch in gleicher Vollkommenheit zu gewinnen ſtehen als jene. Wodurch ſich der natuͤrli - che Ertrag und Werth der Laͤndereyen mit ſichern Fol - gen erhoͤhet, auch ganzen Gegenden, in welchen vor - ber noch manches unbenutzt geblieben war, zugleich eine ſolche und ganz neue Geſtalt gegeben wird: an derglei - chen zu Zeiten des Churfuͤrſten Georg Wilhelms nicht gedacht war, bis Friedrich Wilhelm nach der Zeit vergleichen wohl uͤberdachte Anſtalten in Bewegung zu ſetzen anfieng, welche unter deſſen durchlauchtig - ſten Nachfolgern ihre eigentliche allgemeine oͤkonomi - ſche Richtung mit guten Folgen erhalten haben.

Wie weit es aber, und wodurch es in der Churmark bis zu unſern letztern Zeiten gekommen ſey, daß dieſelbe bey allen dergleichen Kenntniſſen, und deren fleißigen und richtigen praktiſchen Anwendungen, die den ge - genwaͤrtigen Umſtaͤnden unſers jetzigen Zeitalters ſo angemeſſen ſind, an Laͤndereyen, Feldbau, Viehzuchtund105und Einwohnern durch alle ihre Provinzen ſo betraͤcht - lich zugenommen, werden wahre Sachverſtaͤndige aus dem rechten Geſichtspunkte am beſten zu beurthei - len wiſſen. Man ſchafte ſeit mancher Zeit nach und nach viele tauſend Hufen tragbaren Landes, die vor - her in dem Verſtande noch nicht die waren, daß ſie den Nutzen geben, und eine groͤßere Zahl von le - bendigern Bewohnern an Thieren und Menſchen er - naͤhren konnten, als nun. Denn ſie lagen noch groͤß - tentheils faſt ſeit undenklichen Zeiten in faulen und an - dern Suͤmpfen unter Schlamm und Torf begraben, ohne daß ſie nach einem anhaltenden verhaͤltnißmaͤßi - gem Ein - und Auswittern den eigentlichen Hauptnu - tzen haͤtten geben koͤnnen. Hierdurch entſtand eine betraͤchtliche Nutzung aus den anſehnlichen Forſten, von welchen diejenigen Antheile, auf welche Sturm und Waſſer Saamen gebracht, der darauf keinen ge - deihlichen Wachsthum haben konnte, zu beſſern Ab - ſichten angewendet, auch wie zuvor noch wenig ge - nutzte Grundſtuͤcke uͤberall umgeſchaffen wurden. Der vermehrte Wieſewachs und Heuſchlag, die Weide, Viehzucht, nebſt dem ganzen Feld - und Gartenbau erhielte dabey eine nach Localumſtaͤnden moͤgliche und ſchickliche, auch ſolche Geſtalt, die den Finanzanſtal - ten auf immer Ehre machen. Nicht von Schaͤfe - reyen, deren Vergroͤßerung und dem Schaafſtand oder von dem dazu gehoͤrigen feinen Winterfutter der Churmark zu gedenken, ſo muß die Schaafweide in gewiſſen hohen, huͤglichen, trockenen Sandgegenden noch beſonders in Betrachtung kommen; als welche aus ihren beſonders eigenen Graßarten beſtehet, die anderwaͤrts in dem beſten Boden, weder Dauer noch Fortgang haben, wobey das Vieh gut beſtehet, oder dauert, fett wird, und an weit feinerer Wolle, wie bekannt, einen groͤßern Zuwachs erhaͤlt. Dieſe Graß - atten, von welchen die Schaafe nur die jungen ſuͤßenG 5Blaͤtter106Blaͤtter allein, nicht aber die Stengel ſo vorzuͤglich ſuchen, vertauſchen ſie auf keine Weiſe mit dem ſchoͤn - ſten fetten jungen Weizen. Einzelne Striche zeugen abwechſelnd in verſchiedenen Provinzen von der Ge - wißheit dieſes Umſtandes, und von dem Unterſchiede der daſelbſt entſtehenden feinen Wolle, als unter andern vornehmlich im Ober - und Niederbarnim - ſchen, den Beskowiſchen, Lebuſiſchen, Teltowiſchen Kreiſen, auch im Havelande und in der Angermuͤndi - ſchen Gegend.

Der Heydeboden ſelbſt, der in etlichen Chur - maͤrkiſchen Provinzen zwar den anſehnlichſten Theil ausmacht, hat dennoch ſeine Unterſchiede in Anſe - hung der ſtarken Miſchung in der obern Dammerde, der unter der Abwechſelung der Witterung von vieler Bedeutung iſt, ſonſt aber ein von Natur zum Holz - trage vorzuͤglich beſtimmter Grund iſt. Dieſer iſt entweder von Waldungsuͤberbleibſeln bedeckt, und haͤlt alsdenn die Feuchtigkeit laͤnger, als der der Wit - terung frey ausgeſetzter, deſſen Ober - oder Damm - erde, die ſich weit laͤnger als uͤber ein - auch zweyhun - dert und mehrere Jahre hindurch geſammlet und an vielen Orten in ſichtlichen Schichten uͤber einander ge - legt, iſt mit Leim, Stauberde oder auch Kalk vor - nehmlich vermiſcht, und faſt nirgend ganz, ohne alle Beymiſchung, von Eiſenerde. Nach Lage der Oer - ter ſetzen ſie nach ihrem Alter bald mehr, bald weni - ger in die Tiefe, oder ſie wird nach ihrer Entbloͤßung als eine flaͤchere Rinde, nachdem ihr ſchlechter zuſam - mentrocknender Raſen von der Sonne verbrannt und muͤrbe geworden, entweder durch die Suͤd - und Weſt - nordlichen Stuͤrme im Staub weiter weggefuͤhret oder durch die abſtroͤhmende Tagewaſſer, nach denen da - zwiſchen ausſtreichenden Plaͤnen und Tiefen, mit ver - ſchiedenen Folgen zuſammengeſchwaͤmmet. Da denn der aufgedeckte leichte Flug - und Triebſand mit denSteinen107Steinen zum Vorſchein koͤmmt. Das Entbloͤßen des Heydebodens von Waldungen und von ſeiner Damm - erde und Raſendecke, iſt ein hoͤchſt betraͤchtlicher, auch der Folge halber, ſehr bedenklicher Umſtand. Denn da die Natur, welche keine Spruͤnge macht, zu Bedeckung des Sandes und anderer aͤhnlichen Erdſtriche, Jahrhunderte noͤthig hat, um der - gleichen durch Wiedererzeugung der Schwaͤmme, Flechten, Mooſe, Farrenkraͤuter, Heydekraut, Gras und der uͤbrigen Pflanzen und Holzarten zu bilden, ſo laͤßt ſich leicht abſehen, was die Zufaͤlle in einer ſo betraͤchtlichen Zwiſchenzeit zu thun, und wie die un - gluͤcklichen Folgen uns davon zu uͤberfuͤhren, im Stande ſind, wir moͤgen wollen oder nicht. Die Schuld von einem ſolchen Verfahren, und denen dar - aus kommenden uͤbeln Folgen, welches ſchon weit eher als vor ein paar hundert Jahren einen ungewiſſen An - fang genommen, außer welchen die Einwuͤrkung das ihre noch beſonders beygetragen, kann den jetztleben - den landwirthſchaftsverſtaͤndigen Bewohnern nicht zur Laſt gelegt werden, als welche genung zu thun haben, um den davon noch immer entſtehenden Schaden zu mildern und den weitern Fortgang dieſes reißenden uͤberhand genommenen Uebels Einhalt zu thun.

Die uͤbrige ſichtlich große Veraͤnderung mit dem tragbaren Lande, welche den anſehnlichſten Theil der - ſelben betrift, hat ihren Anfang in vielen Gegenden, theils von dem vieljaͤhrigen Abſchwaͤmmen der frucht - baren Garten - und Stauberde, bald mit dem bald ohne Zuſatz beſonders von fettem Leim aus den hoͤhern gele - genen Oertern genommen. Theils haben die Ueber - ſtroͤhmungen von weiten her die fruchtbare Erde nach den Niedrungen zu etlichen Zollen bis Fuß hoch uͤber den elendeſten Sand gefuͤhret, die ſich durch das in einer verhaͤltnißmaͤßigen Tiefe ſtehende Grundwaſſergemaͤßig108gemaͤßig feuchte und unter fleißiger Bearbeitung trag - bar erhaͤlt.

Die uͤberbliebenen Waldungen in allerley Bo - den, und in einer abwechſelnden Lage, die die wah - ren natuͤrlichen Grundſtuͤcke des Staats zur beſtaͤndi - gen Nutzung und Unterhaltung ausmachen, haben un - ter ihren beſonders eigenen Hauptholzarten, welche den groͤßten und wichtigſten Nutzen beſtaͤndig geben, vornehmlich die Kiefer, Pinus Sylveſtris, die Eiche, Quercus robus, nebſt ihrer Rothbuche, Fagus ſylva - tica, die Birke, Betula alba, Erle, Betula Alnus, und die Weißbuche, Carpinus oſtrya: welche theils Schifholz, ein ſtarkes mittleres und ſchwaches Bau - und Nutzholz aller Gattungen, nebſt andern davon zunehmenden Haupthandels und Nebenprodukten ge - ben. Die weniger betraͤchtlichen weichen, harten, deutſchen Nadel - und Laubholzarten ſind in der Chur - mark dennoch vorhanden, und machen von der gan - zen Zahl der in den uͤbrigen koͤniglichen Laͤndern einhei - miſchen 103 bis 106 Holzarten abgezogen, uͤberhaupt, noch 83 aus. Die ſchwachen und kleinen Straͤu - cher darunter, die man ſonſt auf ſchlechtes Brenn - und Reißholz, oder nur auf Fabrikenholz allein, oder auch faſt gar nicht zu nutzen gewohnt iſt, nebſt dem allerfeinſten Grund - und Erdholze, kommen, außer in einzeln landwirthſchaftlichen Faͤllen, kaum in Be - trachtung. Unter den vorhin angezeigten finden ſich in manchen Forſten der Churmark etliche wenige Gat - tungen, die das Clima, nach natuͤrlichen Umſtaͤnden, von ſelbſten nicht hervorbringen wuͤrde, und durch Verſuche von einzeln Liebhabern viel ſpaͤter eingefuͤh - ret worden, auch wie die Amerikaniſchen noch ange - pflanzet werden, von welchen man vielleicht in der Zukunft Stamm - und Strauchholz mit Nutzen erwar - ten kann. Dabey man gelegentlich anmerken muß, daß dergleichen Verſuche mit fremden Hoͤlzern ſchonzu109zu Churfuͤrſt Friedrich Wilhelms Zeiten, von dem Feldmarſchall Doͤrfling auf ſeinen Guͤtern im Lebuſi - ſchen Kreiſe veranſtaltet worden iſt.

Was die wilde Graͤſerey auf der Weide, in Feldern, auf Huͤgeln, in Forſten, und auf ebenen, hohen und andern niedrigen Bruchwieſen, in fetten, gemaͤßigten, kalkgruͤndigen Boden betrift, ſo iſt dieſe nach der Art des Bodens, der Witterung, in der Churmark außer ſolchen Arten, welche man in dem nor - diſchen Deutſchlande und aͤhnlichen Himmelsſtrichen, in Amerika und den Gegenden des nordoſtlichen Aſien ge - legenen, beynahe uͤberall ſehen kann, gar ſehr verſchie - den. Ihre wahre Beſchaffenheit wird nach den Gruͤnden ihrer Verſchiedenheit ſehr wenig gekannt, und von den Landwirthen insgemein aus der Menge und Guͤte des Graſes und Heues bey der Futterung geſchaͤtzet. Die Arten, woraus die geſammte Graͤ - ſerey in der Churmark uͤberall beſtehet, ſind theils wahre Graͤſer, theils groͤbere Segge - oder Riedſchilf - graͤſer und Binſenarten, nebſt einer verhaͤltnißmaͤßi - gen Menge von fetten nahrhaften Arzeney und ſchlech - ten Staudengewaͤchſen, und Kraͤutern, von welchen letztern ſich der Antheil, wie zwey zu ſechs, zu den guten fetten Milch - und Nahrungsgraͤſern verhalten ſoll, unter denen die Arzeneygewaͤchſe ohnehin die wenigſten ſeyn muͤſſen. Nehmen aber dieſe nebſt den zaͤhen, ſtrengen, herben, und ſauerbeizigen, grob - ſtieligen uͤberhand, ſo kann zwar Graß und Heu den Wanſt fuͤllen, aber dabey weder Milch noch andere Nahrung geben. Dieſe Unterſchiede zeigen ſich offenbar auf der Weide und am Heuſchlage in den Provinzen zwiſchen der Spree, Havel, der Oder, Warthe, Netze, und um den Finow und Doſſe. Ob indeſſen der gute oder ſchlechte Zuſtand der Graͤſerey uͤber - all ſogleich beym erſten Gebrauche, der jetzige gewe - ſen, wenn oder wie oft, auch bey was fuͤr Umſtaͤn -den110den er ſich zum ſchlimmen oder guten veraͤndert habe, und wie lange er noch anhaltend ſeyn werde oder nicht, laͤßt ſich ſchwer, auch nur von den gewoͤhnli - chen Zufaͤllen aus gewaltſamen verſtehen, die ſich bald in einzelne Grundſtuͤcke, bald in ganzen Gegen - den ereignen, und daſelbſt den beſagten Zuſtand als eine ſichere Wuͤrkungsfolge hinterlaſſen, und von we - niger oder mehr Dauer ſind. Der Anfang davon verliehret ſich oft in ſehr entfernten Zeiten, und es ſte - het dabey dennoch in weniger oder ganz einzelner Land - wirthe Vermoͤgen, bey allen guten Kenntniſſen und Erfahrungen nicht dergleichen durch Kunſt und Fleiß nach ihren Wuͤnſchen in einer kurzen Zeit zu veraͤn - dern. Das langwierige Auswittern der neuen recht tragbar zu machenden Laͤndereyen, veraͤndert den Grund allmaͤhlich, es verliehren ſich darauf die ganz erſten wilden ſchaͤdlichen oder unkraͤftigen Graͤſereyen, dage - gen ſich abwechſelnd beſſere oder ſchlechtere darauf einfinden, welche die vorherigen Bewohner verdraͤn - gen und ausrotten, ſo gehet der vorige Wildheitszu - ſtand der Graͤſerey ſtufenweiſe in einem beſſern uͤber, oder er verſchlimmert ſich auf eben die Weiſe langſamer oder geſchwinder, mit Verbeſſerung der vorigen Wild - heit, bevor man ihn vor dem Landmann rein, und tragbar nennen kann. Wie es dabey unterdeſſen mit Abnahme und Zuwachs an Menge des Heuſchlages, und ſelbſt mit der Veraͤnderung der Kraͤfte abwechſeln - der Guͤte und der uͤbrigen Eigenſchaften der Gras - und Kraͤuterarten hergehe, zeiget der ſtarke Einfluß davon auf Viehzucht und Ackerbau, bey denen davon abhangenden laͤndlichen Nahrungszweigen und ſtaͤdti - ſchen Gewerbesarten.

Da nun der gegenwaͤrtige Zuſtand der Chur - mark Acker - und Viehwirthſchaft als eine Folge des vielmahl allzuveraͤnderten vorhergehenden ſich bis in die allerentfernteſten Zeiten erſtrecket, ſo werden ſichSach -111Sachverſtaͤndige huͤten ſogleich ohne Ruͤckſicht auf vorangefuͤhrte Umſtaͤnde zu nehmen, aus dem erſten Anſehen etlicher Laͤndereyen geradezu ſichere Schluͤſſe auf ganze Provinzen ziehen zu wollen. Einrichtungs - und ſchickliche Bearbeitungsanſtalten erhoͤhen Ertrag und Werth, und wie viele Handgriffe und Vortheile werden nicht noch jedes Ortes von Seiten der Finan - zen mit aufmunternden Beguͤnſtigungen verbunden, welche die rauheſten, von jeher faſt ganz ungenutzt gebliebene Oerter zum rechten Nutzen bringen: hier - von geben die Provinzen der Churmark die neueſten und einleuchtendſten Beyſpiele.

Von[112]

Von der rechten Nutzung der Brache innerhalb der bekannten Brachezeit und der abwech - ſelnden Ordnung.

Ein guter Ackerverſtaͤndiger, der ſeine Laͤndereyen wohl kennet, weiß ſeine Brache in gehoͤriger Ordnung dermaaßen einzutheilen und zu bearbeiten, ſie moͤgen der Gewohnheit nach, wegen der auf einander folgen - den, oder anzubringenden Beſtellung mit der Som - merung nothwendig abwechſelnden Ruhe, in drey, vier oder ſechs Felder abgetheilet ſeyn, daß er mit de - ren Beſtellung von einer Brache bis zur andern her - umkommen kann. Bey der erſten Abtheilung werden ſechs Jahre, in beyden folgenden acht bis zwoͤlf er - fordert: dabey man ein jedes einzelnes Feld, um die Tragbarkeit deſſelben zu unterhalten, noch wieder in zwey gleiche Theile zu vertheilen genoͤthiget wird. Es haͤlt zwar eine uͤbele Witterung, nicht ſelten die eine oder andere von den Feldarbeiten auf; doch werden dieſelben von ihm mit moͤglichſter Einrichtung derge - ſtalt nach einander vorgenommen, damit alle Bear - beitung demohngeachtet vollbracht werde, und diedarauf113darauf folgende Beſtellung zur Saat, jedesmahl zu rechter Zeit, ohne Abgang wuͤrklich geſchehen koͤnne. Es gehoͤret alsdenn zu einer ſolchen Ausfuͤhrung freylich die Ackereinrichtung eines überaus erfahrnen Landwirthes; wenn nehmlich diejenigen Feldarbeiten, die ſchon im Februar und Merz geſchehen ſeyn ſollten, wegen eines bis im April aber noch anhaltenden Fro - ſtes in der Erde, erſt im May vorgenommen werden muͤſſen! Wenn ferner auf einem Winter, ohne Re - gen und Schnee, gleich in der erſten Zeit, eine große Duͤrre einfaͤllet, die ſich hernach in einer vom Junio an, faſt bis zum Ausgange des Jahres anhaltenden Naͤſſe endiget, dabey ſich ſowohl die Heu - als Feld - erndte verzoͤgert, Gras, Heu und Frucht verdirbt und die Bearbeitung der Brache ſelbſt langſam gehet, und immer unterbrochen wird. Denn wer kann auf dem Sommerfelde alsdenn das Streiken oder Stuͤr - zen ordentlich zu Stande bringen? wird bey ſolcher Naͤſſe nicht der Acker faſt zu einem Moraſte in der Nie - drung, wenn ſonſt die Saatzeit einfaͤller? und wird ſie in einen ſolchen Sumpf geworfen, ſo vergehet ſie doch bald nach dem Auskeimen, daß man eine Nach - ſaat halten muß oder moͤchte! Hier hat der Ackerver - ſtaͤndige Gelegenheit, bey einer ſo ſchlimmen Witte - rung, ſeine Erfahrung und wohl uͤberlegte Abtheilung der. Bearbeitung der hohen und tiefen Felder, im trocknen und magern, auch feſten, fetten Boden, in feuchten Gruͤnden anzuwenden. Eine gute voraus - geſetzte Kenntniß der Brache, erleichtert die Beſtel - lung des Ackers zum Sommergetreide! Die Brache ſoll recht austrocknen, das Sommerfeld hingegen ſeine Fruͤchte behalten.

Die Beſtellung der Sommerfruͤchte, die ſich nach der verſchiedenen Abtheilung der Felder richten muß, erfordert gewiſſe und beſondere Behandlungen, von welchen man hier nur die noͤthigſten Vorſchriften zuHeiner114einer allgemeinen Anleitung zu geben im Stande iſt, die von erfahrnen Leuten immer vor hinreichend gehal - ten werden.

Die zu Beſtellung des Sommerkorns erforder - lichen dreyfachen Hauptarbeiten, ſind insgemein das ſtrecken und ruhen der Brache, und das pfluͤgen zur Saat. Die erſtere nimmt man deshalb noch vor Winters vor, damit nicht alle dieſe Arbeiten zu kurz auf einander kommen ſollen, das Pfluͤgen geſchiehet zuerſt nur flach, um den Raſen und die Stoppeln durch den Pflug in ſo weit umzulegen, daß er ver - ſtockt, daß Froſt und Schnee ihn muͤrbe machen, und die Erde dennoch nicht durch das Winterwaſſer abgeſpuͤhlet werde. Im folgenden Fruͤhlinge durch das Ruͤhren des Sommerfeldes, worauf das leichte uͤbereggte Land bis zur dritten Beſtellung, nehmlich dem Saatpfluͤgen ruhen kann: ob ſchon unter andern der Hafer im leichten, zu Erhaltung der Winterfruͤchte, nur zweymahl beackerten Boden geſaͤet werden kann, ſo traͤgt er doch in einem im Fruͤhlinge dreymahl gut - gepfluͤgtem ſchweren Lande beſſer zu.

Man ſtrecket alſo das Sommerfeld, ſo bald man mit der Winterſaat zu Stande gekommen iſt, und ſetzet dieſe Arbeit bis zum Froſte fort, welches in einigen Gegenden ſchon nach der Roggenerndte, und wieder nach der Roggenſaat geſchiehet, wenn es der Huͤtungsordnung halber geſchehen kann, und die Menge des Unkrautes, und der hohen, ſtarken, dich - ten Stoppeln ſolches erfordern. Zu Erhaltung der Feuchtigkeit in einem allzu trocknen, ſtaubigem Lande, geſchiehet das erſte Pfluͤgen des Morgens oder des Abends, und nicht am heißen Mittage, allezeit ſehr flach, und ſo, daß Furchen und Balken faſt mit ein - ander abwechſeln: die Stoppeln verfaulen dennoch und die Egge oder auch die Walze macht alles gleich,da115da denn das hierauf erfolgende Ruͤhren des Feldes um deſto beſſer von ſtatten gehet.

Gerſte und Buchweizen ſind unter der Som - merſaat, die zarteſten Arten, welche fruͤh geſaͤet wer - den ſollen, und von ſpaͤten Nachtfroͤſten bald verfrie - ren oder ſonſt vergehen, die erſte verdorret leicht, wenn es zu ſpaͤt geſchiehet, und der letztere ſetzet ſchlechter an. Die in gewiſſen Gegenden gewoͤhnlich einfallenden Regen, beſtimmen die Saatzeit der Ger - ſte am ſicherſten, welche zu der fruͤhen Gerſte, zu Anfange des Maymonats am beſten befunden wird; ob ſie gleich duͤnner ſtehet, ſo ſcheffelt ſie doch gut. Denn die ſpaͤte traͤgt ſo reichlich nicht zu, ob ſie ſchon im Stroh beſſer ſtehet. Im geilen Lande ſetzet die ſich uͤberwachſende blaͤſige Gerſte wenig Korn, im magern Sandboden will es mit ihr nicht fort, bey trockner Witterung aber verbrennet die Saatpflanze im hitzigen Miſte ſehr geſchwind. Das fette und feſte Land bekoͤmmt nach einem gleich bey oder nach der Gerſtenſaat einfallenden ſtarken Regen, eine har - te Rinde, durch die der ſchnell auslaufende Keim, nicht dringen kann, und der Saame leidet die Egge nicht, außer gleich nach der Ausſaat. Ueberdem ge - het der Saame ſehr ungleich auf, daß er leicht in Abſicht auf die Zeit der Reife, eine zweyſchuͤhrige Frucht bringet, indem die tief liegenden Koͤrner bald aufgehen, die obern aber ſpaͤter keimen, wenn ſie nicht gleich vertrocknen! Bey ſehr trockner Zeit und in einem ſehr trocknen Grund kann man ſo wenig Gerſte ſaͤen, als bey bald bevorſtehenden Gewittern.

Im magern Sandboden wird Buchweizen mit Nutzen geſaͤet, und zur Saat werden die ſchlechten Koͤrner angewendet, damit er in keine geile hohe Pflanzen erwachſe, ſondern in kleine niedrige Stengel, welche deſto mehr Saamen anſetzen, deſſen Menge beym Ausdreſchen hernach, das Stroh ſelbſt uͤber -H 2wieget,116wieget, das man nach dem Einfuͤhren ſogleich gruͤn ausdreſchet, und das uͤbrige Kraut zum Schaaffutter in der Luft trocknet. Im feuchten und beſſern Grun - de, waͤchſet das Kraut hingegen etliche Schuh hoch, und bluͤhet beſtaͤndig, ohne Korn anzuſetzen, und trocknet noch langſamer, als aus dem ſchlechten Boden.

Da der Hafer in allerley Boden bey verſchiede - ner Witterung gut zu erbauen iſt, ſaͤet man ihn, um der Winterfruͤchte halber fruͤh, in ein friſch gebrochen Land, das erſt zu Acker werden ſoll. Das Eggen und Walzen vertraͤgt er noch ſowohl wenn er aus - waͤchſet, als wenn er ſchon Blaͤtter hat, ob es wohl viel eher nach der Ausſaat im ſtaubigten oder ſandi - gen Acker geſchehen ſoll, damit er nicht zweyſchuͤhrig werde. Sonſt, da der Hafer nicht ſo gut zutraͤgt, als die Gerſte, muß man den beſſern Acker allezeit der Gerſte, und den ſchlechtern dem Hafer geben, ſo, wie der Buchweizen im ſchlechteſten gebracht wird.

Die Erbſen nebſt andern eßbahren Huͤlſenfruͤchten und die Wicken werden, ſobald das Land, der Naͤſſe halber, zu brachen ſtehet, fruͤhzeitig genug geſaͤet, da ihnen der Froſt nicht ſchadet. Dieſe Beſtellung muß eine der erſten ſeyn, wegen Erhaltung der Win - terfruͤchte, da ihre Stengel viel Saft ziehen und bald heranwachſen, ihre Wurzeln decken, und ſich ranken muͤſſen, ehe die Hitze eintritt: außerdem werden ſie vom Honig - und Mehlthau uͤbel zugerichtet und ver - dorren, oder ſie wachſen bey nachfolgender Naͤſſe und kuͤhler Witterung ſehr ſtark, und bluͤhen beſtaͤndig, ohne Frucht anzuſetzen. Die Erbſen haben indeſſen den Vorzug im guten Lande, da die Wicken allezeit den ſchlechten wohl vertragen. Doch hat man ſichere Erfahrungen, wenn man in einem nur zweymahl ge - pfluͤgten, aber zuerſt flach geſtuͤrzten Acker, zuweilen abwechſelnd Wicken ſaͤet, daß ſich die Reitwuͤrmer,oder117oder Werlen ungemein verliehren. Ein gutes Erbs - land wird vor Winters geduͤnget, im Fruͤhlinge tief durchgepfluͤget, und wegen Erhaltung der Winter - fruͤchte ſogleich beſaͤet, ſo gerathen ſie gut. Im Herbſte hingegen wird das feuchte Erbsland aus ein - ander gepfluͤget, damit es nicht kuͤnftig zu zaͤhe blei - be, im Fruͤhlinge aber erſt geduͤnget, und zur Saat wieder zuſammen gepfluͤget. Zum Roggen aber wird es dreymahl wohl durchgearbeitet. Gleich nach der Erndte wird das geweſene Erbsland geſtreckt, damit es nicht allzu ſtark oder geſchwind verwilde - re, wenn das Unkraut Luft zu wachſen erhaͤlt. Wie es denn auch um deswillen zuweilen geſchiehet, daß die dicht verwachſene Stoppeln erſt geſtreckt, mit der Egge rein gemacht, und hernach erſt ordentlich ge - pfluͤgt werden, worauf man es nach acht oder vierzehn Tagen Ruhe, zum drittenmahle pfluͤgen und zur Saat beſtellen laͤßet. Da man ſonſt das Erbsland vor Winters duͤnget, koͤnnte man die Erbſen einmal in ungeduͤngtes Land ſaͤen, und den folgenden Herbſt den Duͤnger fuͤr den Roggen ſpahren.

Der Sommerweizen traͤgt ſehr reichlich zu, und wird mit Nutzen zum Brauen und Brantwein - brennen gebraucht: ob er ſchon im uͤbrigen kein ſon - derlich weiſſes Mehl giebet. Da man ihn zu we - nig kennet, bauet man ihn nicht ſtark an, weil er nicht ſo haͤufig, wie der Winterweizen, gekauft wird. Er verdienet eine mehrere Unterſuchung und beſſern Gebrauch!

Der Sommerruͤbeſaamen oder Sommerruͤb - ſen wird erſt gegen Johanni im guten Boden ge - ſaͤet, wird aber unter den Sommerfruͤchten faſt am allergeſchwindeſten reif. Vor der Reife leidet der noch weiche Saame vom Ungeziefer oft Schaden, wel - ches man die Pfeifer nennt, und im Stande iſt, wo ſich nicht etwas Hedrig darunter befindet, in 24 Stunden einH 3gan -118ganzes Stuͤck von dieſer Ruͤbeſaat auszufreſſen. Der Anbau dieſer nuͤtzlichen Sommerfrucht iſt in etlichen fruchtbaren koͤniglichen Provinzen eingefuͤhret. Vom Leinbau, welcher von ſo vielen neuen Schriftſtellern weitlaͤuftig abgehandelt worden iſt, wird hier noch anzumerken ſeyn: daß, ob er gleich in gewiſſen Ge - genden den Flachs-Leinſaamen und Garnhandel un - terſtuͤtzet, auch ſonſt manchem Armen ſein Brod giebt, ſo iſt er doch nicht durchgaͤngig, wie es wohl ſcheinen koͤnnte, vortheilhaft, ja, er iſt es auf Seiten des Landmannes faſt am allerwenigſten.

Denn bey der Erbſenſaat wird mehr gewonnen: bey Leinbau gehet das Schaaffutter verlohren, es wird mehrere Duͤngung erfordert und angewendet, der Grund dabey dennoch ausgeſauget, daß die darauf folgenden Erndten verliehren. Wo der gute Boden und Duͤnger nicht uͤberfluͤßig iſt, kann alſo der Lein - bau nicht weiter getrieben werden.

Dieſes waͤren unſere Ackerfruͤchte, die uns im Sommerfelde die gewoͤhnliche Nutzung geben, und mit welchen wir ſowohl wegen der Ruhe, als der darauf folgenden Winterung ordentlich abzuwechſeln wiſſen ſollen.

Ge -[119]

Gedanken von den natuͤrlichen Urſachen der hoͤchſt ſchaͤdlichen Seuche bey dem Rindvieh.

§. 1.

Die Frage, woher das Sterben unter dem Rind - vieh an der Peſt entſtehe, hat, meines Wiſſens, noch keiner mit Grunde beantwortet. Durch gegenwaͤrti - gen Entwurf meiner Gedanken, habe ich den End - zweck, zu verſuchen: ob ich Jemanden auf die Spur dieſer hoͤchſt ſchaͤdlichen Seuche bringen koͤnne. Da ich oͤfters zugegen geweſen bin, wenn einige Stuͤcke von denen an dieſer Seuche krepirten Viehes eroͤfnet und beſichtiget worden ſind.

§. 2.

Weil das kranke Vieh uns nicht ſagen kann, wo es ihm fehlet; ſo muͤſſen wir, wenn wir eine Erkennt - niß von ihrer Beſchaffenheit erlangen wollen, auf deſ - ſen innerliche Structur ſo wohl, als auf die Bewe - gungen, und worinnen ſich dieſe aͤußern, acht haben.

H 4§. 3.120

§. 3.

Die Kennzeichen, woran man merket, daß das Vieh mit dieſer Seuche befallen, ſind folgender Ge - ſtalt: Es hoͤret auf mit Freſſen und Wiederkauen, ſtehet traurig, die Augen werden gelb und truͤbe, fan - gen zum Theil an zu zittern, und denen Kuͤhen ver - gehet die Milch. Am andern oder dritten Tage faͤn - get es an zu purairen, da es denn Anfangs Miſt, in der Folge aber Schleim und Materie weg zwaͤnget, und welches das deutlichſte Kennzeichen der Peſt iſt: die Augen rinnen, und aus der Naſe fließet ein gel - ber Rotz. Endlich faͤngt es an mit geſtrecktem Halſe zu dampfen und zu ſchlagebauchen, worauf es am fuͤnften oder ſechſten Tage gemeiniglich krepiret.

§. 4.

Wenn das an dieſer Seuche krepirte Vieh geoͤf - net wird, findet man den Wanſt, oder großen Ma - gen, voll von ſtinkenden und mit vielem Waſſer ver - miſchten, den Blaͤttermagen, oder das Tauſendfach aber, in allen ſeinen Faͤchern vollgeſtopft von trocke - nen und ſehr fein zermalmeten Futters, welches man zu Stuͤcken brocken kann. Die Blaͤtter dieſes, und die inwendige Haut des großen Magens oder Wan - ſtes, ſind verbrannt, der Schlund im Rachen iſt ſchwarz, und die Gallenblaſe iſt groß. Der Rohden und das kleine Gedaͤrme bis ans Tauſendfach iſt ganz leer von Futter, ſchwarz, blau und roͤthlich durch ein - ander angelaufen und voll Wind. Alles uͤbrige her - gegen ſiehet geſund, und iſt weiter nichts zu ſpuͤren, das eine Urſach der Krankheit und des Todes haͤtte ſeyn koͤnnen.

§. 5.

Daß dieſe Krankheit anſteckend ſey, iſt bekannt, zum Uebe fluß aber will ich ſolches mit einigen Exem -peln121peln aus meiner Erfahrung beſtaͤtigen. Das Vieh - ſterben, wovon ich Eingangs erwaͤhnet, wurde durch einige Ochſen, ſo ein Brantweinbrenner von entfern - ten Orten geholet, in die Stadt gebracht. Dieſes Vieh war noch nicht zwey Tage im Stalle, als ſchon eines nach dem andern krank wurde, und unter ſol - chen Anzeigungen, wie §. 3 und 4. gedacht, krepir - ten. Es ſtach das darnaͤchſt ſtehende geſunde Rind - vieh an, ſo, daß ſolches von einem Hauſe, und von einer Straße zur andern fortgieng, bis in Zeit von wenig Wochen von tauſend Stuͤcken uͤber acht hundert dem Tode uͤberliefert waren. Um aber gewiß zu erfahren, ob dieſe Seuche anſteckend waͤre, wurde von einem benachbarten Beamten, auf Veranlaſſung des Orts Obrigkeit, ein geſundes Rind gekauft, und in einen Stall zwiſchen das kranke Vieh geſtellet: es wurde aber auch bald krank und krepirte, und da es eroͤfnet und beſichtiget wurde, hat man alle die Anzeigungen, wie §. 4. bemerket, gefunden.

§. 6.

Da das Rindvieh vor allem andern Vieh nur allein dieſer Art Seuche unterworfen iſt; ſo muß der Grund derſelben in dem geſucht werden, in welchen Stuͤcken dieſes Vieh ſich von andern unterſcheidet: l. G. das Rindvieh wiederkauet, hat einen vierfachen Magen ꝛc. ein Pferd hat dieſer Stuͤcke keines, und bekoͤmmt dieſe Krankheit nicht; ſo mache ich den Schluß: man muͤßte die Urſach darinnen ſuchen, was jenes hat und dieſes nicht hat.

§. 7.

Weil ſich nach §. 4. bey dem an der Seuche kre - pirten Rindviehe, nirgends Kennzeichen der Krank - heit und des Todes, als in dem Blaͤttermagen undH 5Wanſte122Wanſte gefunden; ſo muß der Grund derſelben in dieſen beyden Dingen geſucht werden. Denn, ob zwar das kleine Gedaͤrme entzuͤndet befunden, ſo ruͤh - ret ſolches von der Hitze und der daher entſtehenden Schaͤrfe her, und iſt alſo zufaͤllig. Vermoͤge dieſer von der Hitze entſtandenen Schaͤrfe in den kleinen Ge - daͤrmen, faͤnget das Vieh nach §. 3. an zu purgiren und zu zwaͤngen. Und weil die Excremente aus dem Blaͤttermagen, weil derſelbe verſchloſſen iſt, im ge - ringſten nicht verfolgen koͤnnen; ſo werden die kleinen Gedaͤrme immer mehr und mehr gereizet, und voll Wind, bis endlich der Brand dazu ſchlaͤget und ein Ende machet. Man muß alſo, wie vor erwaͤhnet worden, lediglich die Urſachen in denen Maͤgen, und dann auch in einem noch damit verknuͤpftem Stuͤcke, in dem Wiederkauen ſuchen.

§. 8.

Alles Vieh, das einen Blaͤttermagen hat, das wiederkauet, oder umgekehret: alles Vieh, das wie - derkauet, hat einen Blaͤttermagen. Weil eines ohne das andere nicht gefunden wird, ſo hat es eine noth - wendige Gemeinſchaft mit einander. Und iſt die Gemeinſchaft nothwendig, ſo muß eines auf das an - dere wuͤrken; wie ich in folgenden Paragraphen noch mehr zu beweiſen gedenke; und wenn dieſe Wuͤrkung unterbrochen wird: ſo wird auch das Geſchaͤfte der Verdauung mit unterbrochen und außer Activitaͤt ge - ſetzet. So ſtehet eine Muͤhle ſtille, wenn ihr die Kraft der Bewegung, als Wind und Waſſer, ent - zogen wird. Hieraus erhellet, daß das Wieder - kauen eine Kraft ſey, welche der Verdauung ſeinen Fortgang verſchaffet Dieſe nothwendige Gemein - ſchaft des Wiederkauens mit dem Wanſte und Blaͤt - termagen erklaͤret ſich noch deutlicher, wenn man

§. 9.123

§. 9.

Die Beſchaffenheit des Wiederkauens erweget. Es iſt eine bekannte Sache daß das Rindvieh, wenn es frißt, wenig oder gar nicht kauet; denn vermoͤge ſeiner ſcharfen Zunge, die den Mangel der Obervorderzaͤhne mit erſetzen muß, ziehet es das Futter uͤber die untern Zaͤhne nach ſich, und fuͤhret ſolches zu Ballen gleich - ſam gewickelt, wenig zerkaut, in beſtaͤndigem Schlin - gen, ſeinem großen Magazine, dem Wanſte zu. Wenn es ſatt iſt, oder wenn es die ihm vorgegebene Speiſe gefreſſen; ſo faͤnget es ſogleich an wiederzu - kauen, das iſt: es bringet die ballenweiſe hinunter geſchlungene, zu wenig gekauete und mit der Feuch - tigkeit des Gaumens nicht genug vermengete, und alſo zum Verdauen und Durchgang durch den Blaͤt - termagen noch nicht geſchickte Speiſe per ructus wie - der herauf in den Rachen, kauet ſolche mit den Ba - ckenzaͤhnen ſehr klein, und alsdenn zur Verdauung und Durchgang des Blaͤttermagens tuͤchtig, ſchlucket es ſolche wieder herunter, da ſolche denn ſogleich an einen andern Ort, den man den Magenzipfel oder Fuhrmannsmuͤtze zu nennen pfleget, und zwiſchen dem Wanſte und Blaͤttermagen, aber auch zugleich mit am Schlunde lieget, hingefuͤhret, und von dem Unwie - dergekaueten abgeſondert wird. Das wiedergekauete iſt nicht ſo bald hinunter, als ſchon wieder was fri - ſches zum wiederkauen heraufſteiget; welches Ge - ſchaͤfte, wenn es nicht unterbrochen wird, ſo lange dauert, als ſo viel Speiſe zu der Zeit zum Ueber - und Durchgang der Natur noch noͤthig geweſen.

§. 10.

Weil ich im vorigen §. geſagt habe: daß das Rindvieh die Speiſe zum wiederkauen, durch Ructus herauf bringet; ſo halte fuͤr noͤthig, die Beſchaffen -heit124heit dieſer Sache, ſo gut ich ſie eingeſehen, noch zu erwegen:

Man pfleget dem Rindviehe vier verſchiedene Abtheilungen des Magens, oder vier Maͤgen ſelbſt zuzuſchreiben. Ich laſſe es dabey bewenden, und will, wie ich oben ſchon oͤfters gethan, den erſten den Wanſt, den zweyten den Magenzipfel, den dritten den Blaͤttermagen, und den vierten den Rohden oder Fettmagen nennen. Dieſe vier ver - ſchiedene Stuͤcke liegen dicht an einander. Die er - ſten drey liegen einander zur Seiten, und ſo, daß der Wanſt auf der linken, der Blaͤttermagen auf der rech - ten Seite, und der Magenzipfel darzwiſchen lieget. An dem Orte, wo der Wanſt und Magenzipfel zu - ſammenhaͤngen, gehet der Schlund herein; und zwar ſo, daß er geſchickt iſt, ſo wohl dem einen als dem andern die Speiſe mitzutheilen, welches auch darin - nen geleiſtet wird, wenn er dem Wanſte die rohe und noch nicht wiedergekauete, dem andern aber die wie - dergekanete Speiſe zufuͤhret. Weil nun kein anderer Kanal aus dem Wanſte gehet, dadurch die Speiſe weiter transportiret werden koͤnne; ſo muß ſelbige, wenn ſie weiter will, bey dem Munde des Wanſtes, und alſo dem Schlunde, da ſie herein gefallen, wie - der vorbey, woher denn die Ructus entſtehen. Wann nun ſolch Vieh gefreſſen hat, ſo drucket die erſt ge - noſſene Speiſe, die bereits im Wanſte vorhandene fluͤßige Speiſe ſo, daß ſich jene ſenket, und dieſe zum Wiederkauen uͤbergehet. Denn, weil die unwie - dergekauete zur Paſſirung des Blaͤttermagens, theils wegen des ſehr engen Mundlochs, welches ſich noch darzu nicht dehnet, andern Theils aber wegen der ſehr ſchmahl und kaum eines Zolles weit abgetheilten Faͤcher, welche noch uͤberdem in ſehr zarten Haͤutchen beſtehen, nicht geſchickt iſt; ſo ſiehet man die Noth - wendigkeit um ſo mehr ein, daß ſolche nochmals ge -kauet125kauet werden muͤſſe, und daß die Ructus hierzu noͤ - thig ſeyn. Daß aber die wiedergekauete Speiſe nicht wieder in den Wanſt, ſondern in den Magen - zipfel ſogleich hineinfalle, habe ich bereits §. 9. an - gezeiget. Wem dieſes unbegreiflich vorkommen moͤch - te, der wird bey einer genauen Unterſuchung des eroͤfneten Viehes, wozu man die beſte Gelegenheit bey den Fleiſchhauern hat, bald finden, daß es ſich ſo und nicht anders verhalte. Vielleicht kann folgen - des zu einer mehrern Erlaͤuterung dienen, wenn

§. 11.

Erwogen wird: daß ein Kalb, ſo lange es die Muttermilch genießt, nicht wiederkauet; ſobald es aber Futter frißt, ſo thut es daſſelbe. Man ſchlachte ein ſolches Kalb, das noch kein Futter gefreſſen, ſo wird man die Milch, die es eingeſogen, nicht in der erſten Abtheilung, als dem Wanſte, der zu der Zeit leer, und noch ſehr klein iſt, ſondern in der zweyten Abtheilung, dem Magenzipfel, wohin ſie durch den Schlund ſogleich faͤllet, finden. Da die Milch des Kauens und alſo auch des Wiederkauens nicht be - darf; ſo iſt auch nicht noͤthig, daß ſie zuvoͤrderſt in den erſten Magen gehe; denn wenn ſie dahin gienge, ſo wuͤrde 1) etwas ohne Noth geſchehen, und 2) wuͤrde ſie bey dem Uebergehen Ructus erregen und aufſteigen; welches wo es nicht ſchaͤdlich, doch ohne Nothwendigkeit waͤre, das man in der Natur nicht anzutreffen pfleget. Da nun das, was zum Wie - derkauen nicht noͤthig iſt, ſogleich in den zweyten Ma - gen gehet; ſo lernet man einſehen, warum die bey dem alten Vieh gewiederkauete Speiſe, nicht wieder da - hin gehet, wo ſie hergekommen; und ferner, daß der erſte Magen, der Wanſt, nicht zur Verdauung, ſon - dern nur zu einer Vorrathskammer geſchaffen ſey, diedar -126darinnen geſammlete Speiſe, bey der Ruhe durch ein nochmaliges Kauen denen uͤbrigen Abtheilungen des Magens mitzutheilen. Mit dieſen drey bereits ange - zeigten Abtheilungen oder Maͤgen, die dichte (§. 10.) an einander liegen, und alſo (nach §. 8.) unmittelbar auf einander wuͤrken, hat das Wiederkauen die voll - kommenſte Verbindung, der vierte Magen aber, als der Rohden, und welchen einige nicht unrecht vor den rechten Magen angeben, hat ſeine Gemeinſchaft mit dem Gedaͤrme.

§. 12.

Wenn das Vieh wiederkauet, ſo ſtehet es, oder es leget ſich dabey nieder. Bisweilen, aber doch ſeltſam, wiederkauet es bey willkuͤrlichen ſehr lang - ſamen Schritten. So bald es aber getrieben wird, und ſtaͤrkere Schritte thun muß, ſo wiederkauet es nicht. Das Rindvieh muß alſo zum Wiederkauen Muße haben.

§. 13.

Das Viehſterben ereignet ſich mehrentheils im Nachſommer, Herbſte oder Winter; alſo in ſolchen Zeiten, da das Futter dieſer Art Viehes reif, ſproͤde und hart geworden; im Fruͤhlinge aber, da ſelbiges zart und weich iſt, ereignet ſich, meines Wiſſens, dieſe Seuche niemahls.

§. 14.

Ueberall, wo dieſe Seuche ihren Anfang genom - men, hat man die Urſach demjenigen Viehe Schuld gegeben, ſo von fremden Orten dahin gebracht wor - den, und wer kann dieſes leugnen? Einige ſind ehe -mals127mals der Meinung geweſen, daß dieſe Seuche durch das aus Pohlen, andere aus Ungarn, ja gar aus Italien und der Tuͤrkey hergebrachte Vieh in Deutſch - land heruͤber gekommen ſey. Ich gebe dieſes zu, und kann durchaus nicht geleugnet werden, daß allemal, wo ein Viehſterben zuerſt ausbricht, dasjenige Vieh, ſo von fremden Orten geholet worden, zuerſt krank geworden und krepiret ſey, und daß alles Rindvieh, was dieſes im Tode ſchleunig nachgefolget iſt, wenn es eroͤfnet worden, mit jenem einerley Beſchaffenheit und einerley Urſachen des Todes gehabt habe. Ich will zum Ueberfluß nur einige Exempel anfuͤhren; und wovon ich ein Augenzeuge geweſen: So krepirten im Jahre 1736 im Winter einem Viehhaͤndler ohnweit Frankfurth an der Oder uͤber funfzig Stuͤck der fette - ſten Pohlniſchen Ochſen binnen acht Tage an dieſer Seuche, die er erſt aus ermeldetem Lande geholet hatte, und wo bey den einheimiſchen nichts zu ſpuͤhren war. §. 5. habe ich angefuͤhret, daß dieſe Seuche damals durch Ochſen dahin gebracht worden ſey, welche ein Brandweinbrenner von andern Gegenden geholet. So entſtand auch vor etwa zween Jahren dieſe Seu - che auf einem in hieſiger Grafſchaft belegenen koͤnigl. Preußl. Amte durch Vieh, ſo der daſige Beamte aus der Gegend bey Torgau geholet hatte, und wovon der Herr Hofrath und Landphyſicus Daniel zu Halle ein Zeuge war. Endlich iſt uns auch das große und ent - ſetzliche Viehſterben nicht unbekannt, ſo vor zwey und drey Jahren, ſich von den Graͤnzen Magdeburgs an bis ganz an der Elbe hinauf, auch in Sachſen, im Erzgebuͤrgiſchen Kreiſe und ſonſt noch viel mehrern Gegenden geaͤußert hat. Wenn man nach denen Ur - ſachen hiervon vernuͤnftige Leute fraͤget, ſo bekommt man zur Antwort, daß es zuerſt von dem Vieh ent - ſtanden, welches die Armeen mit ſich hin und wieder gefuͤhret, und an manchen Orten zuruͤck gelaſſen ha -ben.128ben. Und jetzo beſtaͤtiget ſich dieſe Wahrheit leider! auch an dieſem und einigen andern benachbarten Or - ten, da einige Einwohner von denen am 4ten Merz c. a. hierdurch marſchirenden, und aus Sachſen kom - menden Soldaten, die Rindvieh mit ſich gefuͤhret, einige Stuͤcke an ſich gekaufet, und in ihre Staͤlle bey das andere Rindvieh gebracht haben. Dieſes von ermeldeten Soldaten erkaufte Vieh, iſt in vier verſchiedene Staͤlle, in drey verſchiedene Doͤrfer, hier und hieſiger Nachbarſchaft geſtellet worden. Es war noch nicht 24 Stunden in denſelbigen, als man gemerket, daß es krank ſey, es krepirte binnen wenig Ta - gen, und hinterließen das neben ihnen ſtehende ein - heimiſche Vieh krank, ſo, daß es in drey verſchiede - nene Staͤllen, wo das fremde Vieh hineingekommen, bereits alles uͤbrige krepiret iſt, und jetzo noch immer, langſam, von einem Stalle zum andern dieſe Krank - heit fortſchleichet, daß ſie ſcheinet allgemein zu wer - den. Da ich verſchiedene von dieſen verreckten Stuͤ - cken eroͤfnen laſſen und beſichtiget habe, haben ſich die Merkmale, wie ſie §. 4. beſchrieben worden, gar deutlich gezeiget, ſo, daß, wenn ich die Anzeigungen der Leute, wie ſich dieſes Vieh in der Krankheit ver - halten hat, darzu nehme, ſicher ſchließen kann, daß es die wuͤrkliche Viehſeuche ſey.

Da wir nun viele, ja vielleicht wohl keine andere Exempel vor uns haben, daß das Viehſterben durch das von entfernten Orten daher gebrachte Vieh ent - ſtanden, welches entweder ſchon krank in die Staͤlle gekommen, oder doch bald nachhero krank geworden, krepiret, und das geſunde Vieh ſeiner Art mit ver - giftet hat; ſo wird verhoffentlich ſolches niemand mehr in Zweifel ziehen, und meine angefuͤhrten Saͤtze, die ſich alle auf die Erfahrung gruͤnden, werden uns bald auf die Spur der Urſachen dieſer ſchaͤdlichen Seucheleiten.129leiten. Es iſt gar nicht anzunehmen, daß das von fremden Orten hergebrachte und nachher krank gewor - dene Rindvieh, da ſchon von dieſer Seuche inficirt ge - weſen ſeyn ſollte, wo es hergebracht worden. Wenn das waͤre, ſo muͤßte ſich das Viehſterben beyder Or - ten, nehmlich, da wo es her - und wo es hingebracht und eingeſtallet worden, geaͤußert haben, und das hat man wenigſtens noch nicht gehoͤret. Die Vieh - haͤndler kaufen an ſolchen Orten, wo dieſe Seuche im Schwange gehet, kein Vieh, und im Kriege werden die Soldaten da auch nichts an ſich nehmen; die Obrig - keit des Orts und die benachbarten laſſen auch nichts durch; und wenn dem auch ſo waͤre, ſo wird ſich das ſchon kranke Vieh nicht ſo weit treiben laſſen; es wuͤr - de nicht eine, geſchweige mehrere Tagereiſen aushal - ten: es wuͤrde alſo unterweges ſchon krepiren. Das Rindvieh, ſo die kayſerl. koͤnigl. auch Reichs - und herzogl. Wuͤrtemb. Truppen mit in die Gegend des Elbſtroms gebracht, haben ſie aus dem Hohenſteini - ſchen, Mansfeldiſchen und dem Saalkreiſe mit ſich genommen, in allen dieſen Gegenden iſt, Gottlob! vor und nach dieſer Zeit kein Viehſterben entſtanden. Gleichwohl aber hat dieſes Vieh die Seuche mit in dortige Gegenden gebracht, wo ermeldete Truppen mit dem Vieh durchgekommen. Es muß alſo dieſe Seuche, oder den Stof dazu nothwendig unterweges bekommen haben? ich ſage ja: und ſuche es folgen - dergeſtalt zu beweiſen: Es geſchiehet mehrentheils im Herbſte, da das Rindvieh aus entfernten Gegen - den von denen Viehhaͤndlern zur Maſtung und Ein - ſchlachtung geholet wird. In dieſer Jahreszeit findet das Vieh an denen Wegen uͤberall viel Futter; dieſes wiſſen ſich die Treiber wohl zu Nutze zu machen, ſie laſſen das Vieh auf allen Seiten brav anbeiſſen, und je beſſer ihnen das Futter ſchmecket, und je weniger Zeit ihnen zum Freſſen gelaſſen wird, deſto begierigerJſchlinget130ſchlinget es. Bey marſchirenden Truppen geſchiehet ſolches unverwehret: ſie laſſen das mit ſich fuͤhrende Vieh freſſen, wo das Getreide am dickeſten iſt, da es bey denen Haͤndlern wohl die Nacht geſchiehet. Und mitler - weile das Vieh friſſet, ſo ruhen die Treiber, und wenn das Vieh ſich ſatt gefreſſen, und nun nach §. 12. Muße zum Wiederkauen bedarf; ſo wird es hitzig fortgetrie - ben, und das um ſo viel geſchwinder, je mehr der Treiber glaubt, daß es ſolches nach einer guten Mahl - zeit deſto fuͤglicher bewerkſtelligen koͤnne. Folglich wird das nach dem Fraß ſo hoͤchſt noͤthige Wieder - kauen (§. 8.) und alſo auch die Verdauung unterbro - chen, da dann die erſt genoſſene Speiſe in dem großen Magen ungewiederkauet liegen bleibet. Und wenn es denn auch, nachdem es einen hitzigen Marſch ge - than, Ruhe zum Wiederkauen bekommt; ſo iſt es alsdenn viel zu ſpaͤt, weil alsdenn nach §. 9. und 10. keine Ructus mehr erfolgen, oder, wie ſehr wahr - ſcheinlich zu vermuthen: daß das im Wanſte vorhan - dene viele rohe Futter zu fermentiren anfaͤngt, und den Kopfjammer oder die Maulklemme erreget: und folglich, da doch nach §. 11. das Wiederkauen auf den Blaͤttermagen nicht wuͤrken, und der darinnen verhaltenen Speiſe alſo keinen Druck geben kann, zu - mahl, wie angemerket worden, die drey verſchiedene Maͤgen vor ſich keine Kraft, ſondern ihre Bewegung durch ihre Verbindung mit dem Wiederkauen nach §. 8. 9. 10. 11. haben, nicht das geringſte von Spei - ſe und Feuchtigkeit in den vierten Magen und in die Gedaͤrme uͤbergehet, eine heftige Gaͤhrung und Fer - mentation, und nachhero der Brand in dem Leibe entſtehen muß. Da denn dieſen Umſtaͤnden nach, das kranke Vieh nach §. 3., erſtaunend zu dampfen anfaͤngt, und nichts anders als giftige und anſtecken - de Duͤnſte von ſich hauchet, welche ſich durch die Luft auf den naͤheſten zum naͤhern Gegenſtande ſeinesGe -131Geſchlechts, ausdehnen, und durch eine gleichmaͤßi - ge Krankheit, die, wie aus denen Aeußerungen ganz wahrſcheinlich zu ſchließen, zuerſt den Kopf einnimmt und das Wiederkauen verhindert, dem Tode uͤber - liefern.

Anmerkung.

Ich mache mir von der innerlichen Struktur des Rindviehes 1) dieſen Begrif: daß die drey verſchie - denen Maͤgen gar nicht verdauen, auch ſich zu bewe - gen, an ſich keine Kraft haben; ſondern: daß, wenn das Vieh frißt, daß ſelbige Speiſe auf die im Wan - ſte befindliche fluͤßige Speiſe druͤcke, daß die fluͤßige ſich dadurch wie in einem Walkſtocke erhebe, daß, wenn dieſe an das Orificium komme, Ruktus errege, vermoͤge derſelben die Speiſe in den Rachen zum Wie - derkauen komme, und daß, nachdem die Speiſe da - durch zum Fortgange tuͤchtig gemacht worden, ſie wieder hinunter geſchlucket werde und in die zweyte Abtheilung, den Magenzipfel falle, und durch dieſen Druck, der Durchgang durch den Blaͤttermagen in die vierte Abtheilung befoͤrdert, und aus der letztern erſt der Nahrungsſaft dem Koͤrper mitgetheilet werde. Von Entſtehung der Seuche aber, habe ich 2) den Begrif: daß das Vieh, wenn es ſich ſatt gefreſſen, Muße zum Wiederkauen haben muͤſſe. Daß durch hitziges Treiben das Wiederkauen unterbrochen werde. Daß durch Unterbrechung des Wiederkauens keine Speiſe aus dem Wanſte und Blaͤttermagen gehe, daß die Speiſe im Wanſte ſodann fermentiren muͤſſe; daß dieſe Fermentation ſodann das Haupt einnehme, das Wiederkauen vollends verhindere, im Leibe we - gen der vielen Speiſe Hitze, nachhero den Brand errege und alsdann krepire. 3) aber und wegen des Anſteckens: daß das kranke Vieh die fermentirendenJ 2und132und gaͤhrenden Duͤnſte in großer Menge von ſich hauche. Daß dieſe Duͤnſte giftig ſind. Daß das geſunde Vieh, das zunaͤchſt ſteht, dieſe Duͤnſte mit Maul und Naſe aufſchnappe; daß ſolche zuerſt das Haupt einnehmen, und daß dadurch das Wiederkauen verhindert, und alsdann eben ſo wie das vorige krank werde und krepire, und daß das allergeſundeſte Vieh vor andern darinnen nichts voraus habe.

Sollte ich mit dieſer Erzaͤhlung meiner Gedan - ken ſo gluͤcklich geweſen ſeyn,[auf] die Spuren der Ur - ſachen der Rindviehſeuche zu kommen; ſo moͤchte mancher mich wohl um die Mittel fragen, womit man dieſes Uebel heben koͤnne.

Es iſt zwar eine bekannte Sache, daß, wenn man die Urſachen eines Uebels weiß, man um ſo viel eher zu dienlichen Mitteln darwider gelangen koͤnne. Aber leider! iſt es auch wahr, daß man ſich bishero mehr um die Mittel, als um die Urſachen dieſer Seuche bekuͤmmert hat. Wie verkehrt haben wir es alſo nicht angefangen! Wollten die Herren Phy - ſici endlich einmal denen Oekonomen die Haͤnde bie - ten, und ſich ſolcher Sachen wegen zu ihnen nahen; ſo zweifle ich an gluͤcklicher Erlangung dienlicher Mit - tel wider dieſes ſo große Uebel nicht. Indeſſen aber will ich meine Gedanken, ſo gut als ich ſie jetzo da - von habe, nicht verſchweigen, das uͤbrige aber an - dern, zu mehrerer Pruͤfung, anempfehlen, mich aber bey meinen Unterſuchungen der Zeit fernerer gluͤckli - chen Entdeckungen uͤberlaſſen.

Es iſt in Wahrheit etwas erſtaunendes, daß wir bey denen Millionen Mitteln, die vielleicht von mehr als einer halben Welt zu der Cur dieſer Seu - che angewendet worden, noch kein einziges zuver - laͤßiges erfunden, welches wir derſelben mit zuver - ſichtlichem Nutzen haͤtten entgegen ſetzen koͤnnen. Wenn133Wenn es wahr iſt, was ich in vorangefuͤhrten Saͤtzen darzuthun geſucht habe, daß, ſobald dieſes Vieh auf - hoͤret zu wiederkauen, und welches auch die erſte An - zeige iſt, daß es krank ſey; daß alsdenn auch die gan - ze Oekonomie in deſſen Leibe aufhoͤre, und daß als - denn aus dem großen Futterwanſte, dahin die Arze - ney durch den Schlund faͤllet, nicht das geringſte von Speiſe und Feuchtigkeit in den andern und dritten Ma - gen, auch nichts aus demſelben uͤbergehet; wie iſt es alsdenn moͤglich, frage ich, daß die Arzeney, wenn ſie in einen ſo großen ſtinkenden Futterſack faͤllet, und darinnen liegen bleiben muß, etwas wuͤrken koͤnne? Die Erfahrung hat gelehret, und beſtaͤtiget mein Ur - theil hiervon um ſo mehr, da man die Medikamente bey der Eroͤfnung dieſes an der Seuche krepirten Vie - hes noch im Wanſte gefunden. Waͤre ein Vomitiv moͤglich, ſo koͤnnte ſolches, wenn es gleich im Anfang der Krankheit, ehe der Brand dazu ſchlaͤget, ge - braucht wuͤrde, vielleicht von großem Nutzen ſeyn.

Es ſey nun, daß wir in Erlangung dienlicher Arzneymittel gluͤcklich ſeyn oder nicht; ſo iſt doch vor allen Dingen nothwendig, unſer Augenmerk auf Praͤ - ſervirmittel zu richten. Wenn ich mir nicht zu viel Freyheit nehme, ſo will ich unterdeſſen einige doch ohnmaßgebliche Praͤſervirmittel vorſchlagen, bis wir beſſere haben werden. Weil ich nun einmahl fuͤr wahr angenommen, daß das Rindvieh durch ſtarkes Treiben an dem Wiederkauen, und folglich an der Verdauung verhindert wird, woraus dieſe ſchaͤdliche Seuche entſtehet; ſo iſt noͤthig: 1) daß die Vieh - haͤndler, Fleiſcher und alle diejenigen, ſo fremd Vieh von entfernten Orten holen, wohl unterrichtet ſeyn muͤſſen, daß ſie das Vieh langſam treiben, nicht zu ſtark auf einmal freſſen, und nach dem Fraß, und ehe ſie weiter treiben, eine Stunde zum Wiederkauen Muße laſſen. 2) Muͤſſe niemanden erlaubt ſeyn,J 3Rind -134Rindvieh, es ſey ſo nahe und ſo entfernt es wolle, von entfernten Orten zu holen, oder zum Verkauf wegzutreiben, bevor es nicht bey jedes Ortes Obrig - keit angezeiget, welche ihm ſodann dazu die noͤthige Inſtruktion und Paß ertheilet, ohne welchen letztern auch keiner durchgelaſſen werden muß. 3) Was et - wa von marſchirenden Truppen zuruͤckgelaſſen oder zum Verkauf angeboten wird, muͤſſe niemand an ſich nehmen oder kaufen, und in den Stall bey ſein Vieh zie - hen. Was aber ſtehen gelaſſen wird, muͤſſe entweder auf dem Felde eingehuͤrdet und da gefuͤttert oder todtgeſchla - gen, und ſo gut als moͤglich, das Fleiſch und Haut, wenn es noch keine Anzeigungen der Krankheit hat, zu Gelde gemacht werden. Die Armeen aber koͤnn - ten, wenn ſie wollen das zu ihrer Beduͤrfniß mit ſich fuͤh - rende Vieh Tag und Nacht auf freyem Felde liegen und daſelbſt futtern, und wenn ſolches einfallenden Winters wegen, der Stallung bedarf, erſt auf dem Felde die Quarantaine ein acht Tage aushalten laſſen. 4) Wuͤr - de es vielleicht von gutem Erfolg ſeyn, daß, wenn ſich an einem Orte das Viehſterben ereignen ſollte, und man aus deſſen Erſcheinungen gewiß iſt, daß es die Peſt ſey, man das kranke Vieh, ehe die Peſt ſo weit um ſich gegriffen, gleich todtſchlagen laſſe, ehe es ſeinen giftigen Dampf noch weiter aushauchet, mehrere anſticht und das Sterben allgemein machet. Wenn dadurch ein groͤßeres Ungluͤck abgewendet wer - den koͤnnte; ſo wuͤrden ſich diejenigen, ſo davon Nu - tzen haͤtten, nicht entbrechen koͤnnen, denen, welchen das Vieh todt geſchlagen worden, etwas dafuͤr zu erſe - tzen. 5) Weil die Viehſeuche im Herbſte bey war - mer Witterung viel heftiger und geſchwinder um ſich greifet, als im Winter, oder wenn kalte Luft iſt, welches nicht geleugnet werden kann; ſo fraͤget ſichs: ob das wohl rathſam ſey, daß man, wie bishero ge - ſchehen, das Vieh in die Staͤlle ſtecke, allwo die gif -tigen135tigen Duͤnſte, wegen der Waͤrme darinnen, deſto eher hinein ziehen und ſich da ausdehnen, und wo, wenn erſt ein Stuͤck inficirt iſt, ſelbiges deſto gelegentlicher die andern alle anſtecken kann. Dahergegen in freyer und kalter Luft der von dem kranken Vieh ausge - hauchte giftige Dampf, der leichter als die Luft ſelbſt iſt, ſich dem Erdboden, weil da die Luft am ſchwere - ſten, ſich entfernet und wie alle Daͤmpfe in die Hoͤhe ſteiget; folglich dem in freyer Luft liegenden Viehe weniger, als dem ſo in warmen Staͤllen ſtehet, ſcha - det. Man wird ſchwerlich ein Exempel anfuͤhren koͤnnen, daß man mit dem Einſperren des Vie - hes bey entſtandener Seuche Nutzen gehabt haͤtte. Das Gegentheil aber hat hinlaͤnglich ſich gezeiget, wo auf Hoͤfen, da vieles Vieh iſt, wenn ſolches in einen Stall geſperret worden, wenig oder gar nichts uͤbrig geblieben; hergegen dasjenige, das gar nicht in den Stall gekommen, geſund geblieben iſt. Und da auch 6) die Bewegung zur Praͤſervation mir das allerbeſte Mittel*)In der Folge kann vielleicht die Bewegung das einzige und beſte Praͤſervativ, vielleicht auch wohl eine Cur fuͤr dieſe Seuche ſeyn. zu ſeyn ſcheinet, wir auch keine Exempel haben, daß im Fruͤhjahr, wenn das Vieh auf die Wei - de gehet und das junge Gras genießt, kein Viehſter - ben, wie ich §. 13. angezeigt habe, entſtehet; ſo ſoll - te man vor allen andern Mitteln dieſe Proben ma - chen, die darin beſtehen: das geſunde Vieh nicht in die Staͤlle zu ſtecken, ſondern in freyer Luft liegen, und wohl gar um der Bewegung willen, wo nicht im Felde, doch im Hofe und Gaͤrten herumtreiben zu laſſen. Ich ſage mit Fleiß um der Bewegung wil - len; denn man erwege: daß alles Vieh an der Seuche in Staͤllen krank wird und krepiret. Man verſuche ferner auch, wenn im Winter kein Gras iſt: ob dieJ 3gruͤne136gruͤne Saat des Rockens oder Weizens, welche, wenn es gefroren, keinen großen Schaden davon leiden kann, nicht ein gutes Praͤſervirmittel ſey, wenn man das Vieh darauf huͤtete. *)Wenn es wahr, daß im Fruͤhjahr bey dem Ausgehen auf die Weide kein Viehſterben ſich ereignet; ſo muß ent - weder der Genuß des Graſes oder die Bewegung die Urſach ſeyn.Weil es aber nicht fuͤglich angehet, das Milchvieh, weil es gefuttert und gemolken werden muß, ganz und gar aus denen Staͤl - len zu laſſen; ſo muß das ohnſtreitig von gutem Nu - tzen ſeyn: wenn allemahl vorhero, ehe das Vieh ein - gebunden wird, mit ſtark riechenden Sachen, als Pferdehuf, Leder oder andern Sachen, die einen pe - netranten Dampf machen, ſtark geraͤuchert wird, wel - ches ſo oft des Tages geſchehen muß, als ofte das Vieh zum Futtern und milchen eingebunden wird.

Dieſes waͤren nun meine Gedanken von den Ur - ſachen der Rindviehſeuche, die ich, ſo viel mir moͤg - lich geweſen, deutlich und aneinanderhangend vorzu - tragen geſucht, und wobey ich den Endzweck habe, zu der Erkenntniß dieſer Krankheit einen guten Grund zu legen. Zum Beſchluß will ich noch ein paar Ein - wuͤrfe, die ich unter denen, ſo mir koͤnnten gemacht werden, vor die wichtigſten halte.

Wuͤrde 1) jemand ſagen: man habe Exempel, daß das Viehſterben ſich oͤfters auch an ſolchen Orten geaͤußert, wo kein fremdes Vieh hingekommen? ſo antworte ich hierauf, daß, wenn man nach der ſtrengſten Unterſuchung nicht ausfuͤndig machen koͤnnte, daß von fremden Orten Vieh dahin, wo die Seuche zuerſt entſtanden, waͤre gebracht worden, ſich auch keine Spuren entdecken ließen, daß ein anderer be - nachbarter Ort, wo dieſe Seuche im Schwange ge - het, daran Schuld ſey; daß man, ſage ich, alsdannſein137ſein Augenmerk auf dasjenige Stuͤck, welches zu aller - erſt krank geworden, richten, und dann genau unter - ſuchen muͤſſe, was mit dieſem Thiere einige Tage vor - hero vorgegangen, ob es etwa im Wagen oder Pflu - ge gebraucht und hitzig getrieben, oder ſonſten etwas hitziges damit vorgenommen worden. Denn ich ſage mit gutem Grunde, oft wiederholt noch einmal, daß die Viehſeuche nichts anders als die Verſtopfung des Wanſtes und Blaͤttermagens zur Urſach habe, und daß dieſe Urſache, weil dieſe genannten beyden Stuͤcke an ſich weder zum Verdauen noch zum weitern Trans - port der Speiſen keine Kraft haben, in einer andern Urſache, als die Unterbrechung des Wiederkauens iſt, ſeinen Grund habe, dahero man unterſuchen muß, ob und was mit demjenigen Stuͤcke Vieh, das zuerſt dieſe Seuche bekommen, vorgenommen worden, dar - aus die Unterbrechung des Wiederkauens herzuleiten ſey. Damit man ſich aber unter dem Viehe ſo an - ſticht, und dem ſo angeſtochen wird, nicht irren moͤge; ſo bitte ich die Anmerkung, ſo ich hinter dem 14ten §. gemacht habe, nochmals nachzuſehen. Ich habe oben mit Fleiß gedacht, daß man nachſuchen ſolle, ob das Stuͤcke Vieh etwa im Wagen oder Pfluge gegangen, weil in denen Laͤndern, wo der Gebrauch mit Stieren zu ar - beiten iſt, die Viehſeuche ſich haͤufiger als anderswo einfindet. Wollte auch 2) jemand einwenden, das Rindvieh unterließe auch bey andern ſich ereignenden und nicht anſteckenden Krankheiten das Wiederkauen; dem dienet zur Antwort: bey andern Krankheiten ge - woͤhnet ſich das Vieh wegen mangelnden Appetits nach und nach vom Freſſen, und folglich alſo auch vom Wiederkauen ab; und muß man hier nicht glauben, daß es, wie bey der Viehſeuche, nicht wiederkauen koͤnne, ſondern keine Speiſe mehr zu wiederkauen habe. Und wenn ein ſolches an dergleichen Krank - heit krepirtes Vieh eroͤfnet wird; ſo findet man ganzJ 5andere138andere Urſachen des Todes, als bey dem an der Seu - che krepirten Viehe. Denn bey dieſer wird das Vieh auf einmal, ſo bald es den Gift aufſchnappet, ploͤtz - lich krank, ſo daß alle Oekonomie in den Leibern deſ - ſelben aufhoͤret; woraus ſich ziemlich wahrſcheinlich ſchließen laͤſſet, daß, wenn es zu der Zeit ſich eben dicke gefreſſen und noch nicht wiedergekauet hat, bald krepiren muͤſſe, und dasjenige, ſo zu ſolcher Zeit, da es an - gefallen wird, ſchon gewiederkauet, und den Wanſt nicht mehr ſo voll hat, geneſe.

Beſchrei -[139]

Beſchreibung der Wurzel Ginſong aus Kanada.

Ginſong iſt eine Pflanze, deren Wurzel in China einen ſo großen Ruf hatte, daß der groͤßte Theil der Einwohner, die ſich eine große Hofnung von ihrer nervenſtaͤrkenden Kraft machen, dieſelbe lange Zeit mit einer Art von raſender Begierde geſucht haben, welche ſich noch heut zu Tage bey einem großen Theil dieſer Voͤlker gehalten hat. Dieſe Meinung, die ſich wie eine Mode in dieſem Lande bald uͤberall ver - breitet hatte, ſchmeichelt die verliebte Einbildungs - kraft der Chineſer noch immer. Dieſe Vorſtellung wurde bey ihnen, da ſie ohnehin einen Geſchmack an Liebestraͤnken haben, durch dreyerley Dinge unter - ſtuͤtzt, die ſie an den Ginſong wahrzunehmen glaub - ten. Das erſte iſt ſeine aͤußere Form, welche ins - gemein, wie die Alraunenwurzel, zwey dicke Beine vor - ſtellet, woraus man zweytens ſchloß, daß die Natur derſelben, durch dieſe Bildung ſeine Beſtimmung angedeutet haͤtte. Das dritte endlich iſt der Eigen -nutz140nutz derjenigen, welche dieſe Wurzel zuerſt entdeckten, und ihre geheime Eigenſchaften anprieſen, in der Ab - ſicht, einen deſto groͤßern Vortheil durch ihren Ver - kauf zu machen. In China gelingen dieſe Kuͤnſte leicht. Man hat große Begriffe von den verborge - nen Eigenſchaften der natuͤrlichen Dinge, und nir - gends kommt die Marktſchreyerey beſſer zurechte, als unter dieſem Volke, dem von der Kenntniß einer ge - ſunden Weltweisheit und Naturlehre ſehr wenig be - kannt iſt. Die Begierde, welche auf dieſe Art jeder - mann nach den Ginſong zeigte, und der große Werth, welchen man darauf ſetzte, veranlaßte den Kaiſer gar bald, ſich den Handel ganz allein zuzueignen, um ſei - ne Kaſſe dadurch zu bereichern. Zu dieſem Ende ließ er den Platz, worauf der Ginſong in der Provinz Leckton waͤchſt, mit Stacketten einfaſſen, auch Wa - chen umherſtellen, um die Chineſer abzuhalten, dieſe Wurzel zu ſuchen.

Der Kayſer ſendete zu gehoͤriger Zeit viele tau - ſend Tartarn ab, die unter ſeiner Herrſchaft ſtehen, um den Ginſong einzuſammlen. Man beobachtet da - bey die groͤßte Ordnung, und bey der ganzen Arbeit wird die groͤßte Sorgfalt angewendet. Die armen Menſchen, welche hierzu beſtimmt ſind, haben jedoch vieles auszuſtehen. Die Pflanze ſelbſt waͤchſet auf hohen Bergen, welche mit vielen Waͤldern bewach - ſen ſind, und wohin der Zugang ſehr beſchwerlich iſt. Die Wurzel ſteckt tief in der Erde, woraus ſie gegra - ben werden muß. Die Arbeit ſelbſt erfordert eine Zeit von verſchiedenen Monaten, wo die Tartaren aller - ley Ungemach auszuſtehen haben. Eine jede Perſon die - ſes zahlreichen Haufens iſt verbunden, zwo Unzen Gin - ſong dem Kaiſer zu liefern, welche rein, und von der beſten Gattung ſeyn muͤſſen, und das uͤbrige, wel - ches ſie noch fuͤr ſich haben ſammlen koͤnnen, dem Kaiſer fuͤr ſo viel an Silber zu verkaufen, als dieWaare141Waare wiegt. Der Kaiſer, der alles, was er nicht ſelber behaͤlt, wieder verkauft, und einen ordentli - chen Handel damit treibet, uͤberlaͤßt dieſe Waare nicht anders, als gegen eben ſo viel Gewicht an Golde.

Wenn man den Chineſiſchen Schriftſtellern Glauben beymeſſen ſollte, ſo waͤre ſie von der heil - ſamſten Wuͤrkung bey Durchfaͤllen, verdorbenen Magen, Ohnmachten, Schlagfluͤſſen u. ſ. w. Sie fuͤgen hinzu: ſie belebe auf eine bewunderungswuͤrdi - ge Art diejenigen, welche die Liebe erſchoͤpft hat. Sie ſtelle die verlohrnen Kraͤfte wieder her, ſie be - foͤrdere den Durchbruch der Blattern, ſie vermehre die unmerkliche Ausduͤnſtung, ſie verbreite eine wohl - thaͤtige Waͤrme in dem Leibe alter Leute. Sie ſchlie - ßen endlich mit einer in den Augen der Damen unge - mein wichtigen Wuͤrkung, die darin beſtehet, daß ſie das Alter entferne, die Jugend bis in das achtzigſte Jahr verlaͤngere, die Schoͤnheit der Haut erhalte und fuͤr die Runzeln bewahre.

In Europa hat der Ginſong die von den Chine - ſern ſo ſehr geruͤhmte Kraft nicht gezeiget. Be - ruͤhmte Aerzte, deren Zeugniß von Wichtigkeit iſt, unter welchen man den großen Boͤrhave zuerſt nen - nen muß, verſichert, daß ſie dieſe Wurzel zu ver - ſchiedenen mahlen verordnet haben, in Baſtien, in Pulver, in Form eines Thees, bis auf zwey Unzen, und zwar von dem beſten und theuerſten Ginſong, in Faͤllen, wo die Kranken ſelber darnach verlangten, und ſich viel von der Wurzel dieſer Arzeney verſpra - chen, ſie hatten aber nichts anders wahrgenom - men, als eine Verſtaͤrkung, und mehrere Lebhaftig - keit in dem Puls, welches aber durch viele andere in Europa ganz gemeine Mittel auch zu erhalten ſtehet.

Der142

Der Ginſong waͤchſt in China zwiſchen einer nord - lichen Breite von 39 bis 47 Graden in den dickſten Waͤldern und auf den hoͤchſten Bergen. Man findet ihn auch in eben dieſer Breite in den Waͤldern von Kana - da. Der Jeſuit Jartony, der auf Befehl des Chi - neſiſchen Kaiſers, die Charte von der Tartarey auf - nehmen mußte, hatte vorher geſagt, daß, wenn noch ein anderes Land in der Welt den Ginſong her - vorbraͤchte, ſo muͤßte es Kanada ſeyn, auf ſeinen hohen Bergen und in ſeinen dicken Waldungen, wel - ches auch durch die Unterſuchung des Jeſuiten Laffi - trany wahr gemacht worden. Indem er die Waͤl - der in Kanada durchſuchte, fand er den Ginſong, welchen die Akademie der Wiſſenſchaften in Paris fuͤr den aͤchten erkannte. Die Indianiſche Geſell - ſchaft hatte ſo gar den Einfall, die Amerikaniſche Pflanze nach China auf ihren Schiffen zu verſenden, und der Handel gieng damit ſo gut von ſtatten, daß ſie im Jahre 1757 ſchon 3 bis 4000 Pfund davon in China verkauft hatten.

Der Ginſong hat uͤbrigens einen angenehmen Ge - ruch, einen lieblichen Geſchmack, der ein wenig herb und mit einiger Bitterkeit vermiſcht iſt, welches anzeigt, daß er einige den Kraͤften der Angelika und des Meum gleichkommende Eigenſchaft hat. Man giebt ihn zum 5ten oder 6ſten Theil einer Unze klein geſchnitten, und einen halben Noͤßel Waſſer langſam bis auf ein Glas voll eingekocht, wobey man den Topf, waͤhrenden Kochens, wohl zugedeckt hat. Man macht ihn mit ein wenig Zucker ſuͤß, und nimmt alles auf einmahl ein. Man kann auch aus einer Unze zehn Theile ma - chen, beſonders wenn man ſich deſſelben nur bey ge - ringen Unpaͤßlichkeiten bedienen will.

Da der Preiß dieſer Wurzel in China ſo hoch iſt, daß ein Pfund mit eben ſo viel Golde bezahletwird143wird, ſo wird ſie ſehr oft mit Ninzin verfaͤlſcht. Man muß diejenige waͤhlen, welche friſch, wohlriechend und nicht von Wuͤrmern angefreſſen worden, welches ſehr gemein bey dieſer Waare iſt. Man hat im Jah - re 1737 den ganzen Vorrath, den die Hollaͤndiſche oſtindiſche Geſellſchaft auf ihren Schiffen erhalten hatte, beym Seba in Amſterdam geſehen, welcher ihn bey dem oͤffentlichen Ausbieten zuſammen erſtan - den hatte. Unter dieſer ganzen Menge, die ihm eini - ge tauſend Gulden koſtete, war der fuͤnfte Theil ver - dorben. Dieſe hollaͤndiſche Geſellſchaft bringt allen Ginſong nach Europa. Wie groß aber der Vorrath von dieſer Waare ſey, iſt nicht bekannt, denn ſie ſteht nicht auf der gewoͤhnlichen Waaren - noch auf der Preißliſte. Er kommt bloß in die Haͤnde einiger Lieb - haber, die ihn theuer genug bezahlen.

Merk -[144]

Merkwuͤrdige Cur eines erſtickten Kindes.

Eine Amme hatte das Ungluͤck ein ihrer Wartung anvertrautes Kind in ihrem Bette zu erſticken. Ihr Mann lief zu dem Herrn Janin, einem Wundarzt in Paris, um ihm dieſen traurigen Vorfall bekannt zu machen, und es war kein Augenblick zu verliehren, weil die Amme auch die Zeit, da das Kind geſtorben war, nicht angeben konnte. Wie der Wundarzt kam, fand er das kleine Schlachtopfer in ſeiner Wiege, oh - ne einige Zeichen des Lebens, ohne Pulsſchlag in den Arterien, ohne Athemholen; das Geſicht war blas - gelb, die Augen offen ohne Bewegung und Glanz, die Naſe voller Unreinigkeit, der Mund ſtand weit offen, kurz, es war ganz erkaltet. Inzwiſchen, daß etwas leinen Zeug und etwas Aſche warm gemacht ward, hatte man es loß gewickelt, und legte es in ein wohl gewaͤrmtes Bett auf die rechte Seite. Darauf wur - de es uͤber den ganzen Koͤrper gerieben, aber mit fei - ner Leinewand, damit die zarte Haut nicht verletzt wer - den moͤchte. So bald die Aſche den gehoͤrigen Grad der Waͤrme erhalten hatte, begrub Herr Janin das Kind bis ans Geſichte, legte es auf die Seite, welche derjenigen, worauf es vorhin gelegen hatte, entgegen geſetzt war, und deckte es mit einem Oberbette zu. Er hielt ihm ein Glas mit Eau de Luce, welches er von ohngefaͤhr in der Taſche hatte, von Zeit zu Zeitvor145vor die Naſe, und bisweilen ward ihm Tobacksdampf in die Naſenloͤcher geblaſen. Hierauf ließ man den Dampf in den Mund, indem man die Naſe zuhielt. Auf dieſe Art ward die natuͤrliche Waͤrme, nach und nach wieder erregt, man bemerkte nun bald einige Pulsſchlaͤge an der Schlaͤfe, das Athemholen ward heftiger und fruͤher, und die Augen ſchloſſen und oͤfne - ten ſich eins ums andere, endlich gab das Kind durch ein Geſchrey ſein Verlangen nach der Bruſt zu erken - nen. Dieſe wurde ihm vor den Mund gehalten, es faßte gehorig an, und ſog, als wenn ihm nichts wie - derfahren waͤre. Eine Aufmerkſamkeit und Sorgfalt, die nicht viel laͤnger als eine halbe Stunde dauerte, war hinreichend, dieſes arme unſchuldige Geſchoͤpfe zum Leben zuruͤck zu rufen. Ob gleich der Pulsſchlag in den Arterien voͤllig wieder hergeſtellet und das Wet - ter ſehr heiß, ſo ließ man es doch drey Viertelſtunden unter der Aſche. Darauf ward es heraus genommen, gereiniget, wie gewoͤhnlich angezogen, und nachdem es in einen ſanften Schlaf gekommen war, begegnete ihm weiter nichts widriges. Es blieb auch nachher voll Lebhaftigkeit und Staͤrke.

Herr Janin, welcher dieſen Vorfall in ſeinem Memoire von ſchleunigen und gewaltſamen Todesfaͤl - len erzaͤhlt, gedenkt nachher noch eines jungen Men - ſchen, der aus Verzweiflung ſich ſelbſt erhenkt hatte, und dem er eine eben ſo wuͤrkſame Huͤlfe, als jenem Kinde geleiſtet. Dieſe Beyſpiele zeigen hinreichend, daß es moͤglich ſey, nicht allein ertrunkene Perſonen, ſondern auch erſtickte und erhenkte wieder zum Leben zu bringen. Wir koͤnnen daher den beſten Erfolg von denen Bemuͤhungen erwarten, die wir anwenden, um denen durch ſchleunige Todesarten oder andere Zufaͤlle ums Leben gekommene Perſonen zu helfen.

KEine[146]

Eine beſondere Art den Bandwurm zu kuriren.

Vorerinnerung der Kranken.

Dieſe Cur iſt keiner andern Vorbereitung benoͤ - thiget, als daß man dem Patienten ſieben Stunden nach dem gewoͤhnlichen Mittagseſſen eine Brodſuppe nehmen laſſe, welche auf folgende Weiſe zubereitet wird: Man nehme anderthalb Pfund Waſſer, zwo bis drey Unzen friſche Butter, und zwey Unzen klein geſchnittenes Brod; ſalze es ſo viel noͤthig iſt, und koche es an einem guten Feuer, wobey man es oft umruͤhret, bis es eben, und zu einer Brodſuppe ge - worden iſt, etwa eine Viertelſtunde hernach gebe man dem Kranken zween Zwiebacke mittlerer Groͤße, und ein Glas unverfaͤlſchten weißen Weins, oder mit Waſ - ſer, wenn er gewoͤhnlich keinen Wein trinkt. Wenn der Kranke an ſelbigem Tage keine Eroͤfnung gehabt, oder wenn er hartleibig, oder Verſtopfungen unterworfen iſt, ſo gebe man ihm eine Viertel, oder halbe Stun - de nach dem Abendeſſen folgendes Kliſtir: Man neh -me147me ſo viel Pappeln und Ibiſchblaͤtter, als man mit den Fingern faſſen kann (une bonne pincée de Feuille de Mauve et Guimauve) koche ſie ein we - nig in einem Schoppen Waſſer, thue ein wenig Kuͤ - chenſalz hinein, gieße es durch, und thue zwey Unzen Baumoͤhl darzu.

Behandlung des Kranken.

Am folgenden Morgen, acht bis neun Stunden nach dem Abendeſſen, gebe man dem Kranken folgen - des Specifikum: man nehme drey Quentlein fein pul - veriſirter maͤnnlichen Farrenkrautswurzel Filix non ramoſa dentata C. B. pin. et juſt. R. A. Polypolium Filixmas linn. Vermiſche dieſelbe mit vier bis ſechs Unzen deſtillirten Farrenkrauts, oder Lindenbluͤthwaſſer, und laſſe es den Kranken alles austrinken, wobey man das Gefaͤß zwey bis dreymal mit demſelben Waſſer ausſpuͤhlen muß, damit nichts von dem Pulver weder in demſelben, noch in dem Munde des Kranken haͤn - gen bleibe. Fuͤr Kinder iſt die Doſis des[Pulvers] ein Quentlein weniger. Wenn der Kranke, nach - dem er das Pulver genommen, etwa einen Ekel bey ſich verſpuͤhren ſollte, ſo kann er ein wenig einge - machter Citronen oder ſonſt etwas angenehmes kauen, oder ſich den Mund mit einem, oder andern Liqueur ausſpuͤhlen, er muß aber nichts hinunter ſchlucken, er kann auch den Geruch von gutem Weineſſig durch die Naſe einziehen. Sollte demohngeachtet das Pulver ihm aufſtoßen, und er Neigung zum Bre - chen empfinden, ſo, daß es ihm gar bis in den Mund kaͤme, ſo muß er es wieder niederſchlucken, und ſein moͤglichſtes thun, es bey ſich zu behalten. Waͤre er endlich gezwungen es zum theil oder ganz auszu - brechen, ſo muß er, ſo bald die Neigung zum Erbre -K 2chen148chen vorbey iſt, eine zweyte eben ſo ſtarke Doſis von demſelben Pulver nehmen. Zwo Stunden, nach dem der Kranke das Pulver genommen hat, gebe man ihm folgenden Bolus: Man nehme Merkurial - Panacee, und trockenes Harz, von Scamonium von Aleppo, von jedem zwoͤlf Gran; Gummi Gutta, fuͤnf Gran; dieſes zuſammen pulveriſire man ſehr fein, und vermiſche es mit einer hinlaͤnglichen Ovan - titaͤt Hyazinth-Latwerge, damit ein Bolus von mitt - ler Conſiſtenz daraus werde. Dies iſt die Doſis des Purgiermittels, deſſen man ſich gemeiniglich be - dienet; Die Doſis der Lattwerge iſt von zween Scrupeln fuͤr Leute von ſtarker Leibeskonſtitution oder die hartleibig ſind, oder vorher ſtarke Purgiermittel genommen haben, nimmt man zum Bolus von der Merkurialpanacee, und von dem Scamonienharze, von jedem eine Doſis, von vierzehn bis funfzehn Gran, und von dem Gummi Gutta, acht und einen halben Gran; bey ſchwachen Perſonen, die gegen die Wuͤrkung der Purgiermittel empfindlich, die leicht zu purgieren ſind, und bey Kindern muͤſſen die Doſes nach der Klugheit des Arztes verringert werden; In einem Falle, wo alle dieſe Umſtaͤnde zuſammen eintraten, hat man nur ſieben und einen halben Gran Merkurialpanacee, und eben ſo viel Scamonienharz, mit einer hinlaͤnglichen Quantitaͤt Hyazinthen-Lattwerge, und zwar ohne Gummi Gut - ta gegeben, und dieſen Bolus hat man noch darzu auf zweymal eingegeben, nemlich die Haͤlfte zwo Stun - den nach dem Pulver, und die andere Haͤlfte drey Stunden darnach, weil die erſte faſt gar nicht ge - wuͤrket hatte. Gleich nach dem Bolus giebt man eine bis zwo Taſſen ſchwachen weißen Thee, und ſobald die Medizin zu wuͤrken anfaͤngt, giebt man von Zeit zu Zeit eine Taſſe, bis der Wurm abgegangen iſt.

Erſt149

Erſt, nachdem dies geſchehen iſt, muß der Kranke ein gutes Bouillon, und einige Zeit hernach ein zweytes, oder eine ſchwache Suppe nehmen, der Kranke muß hierauf maͤßig eſſen, und muß ſich den ganzen Tag, und beym Abendeſſen maͤßig ver - halten, wie an einem Tage, an welchem man Ar - zeney genommen hat; haͤtte aber der Kranke den Bolus zum Theil wieder von ſich gegeben, oder haͤtte ihn etwa vier Stunden bey ſich behalten, und waͤre nicht genug purgieret worden, ſo muß er von zwey bis acht Quentchen Seidlizer - oder Engliſchesſalz in kochendem Waſſer zerlaſſen nehmen.

Wenn der Wurm nicht in einem Klumpen ab - gehet, ſondern wie ein Faden, welches beſonders zu geſchehen pflegt, wenn er hauptſaͤchlich mit ſeinem Halſe, oder Faſern, in zaͤher Materie verwickelt iſt; ſo muß der Kranke ihn nicht herausziehen, ſondern auf dem Becken ſitzen bleiben, und ſchwachen gruͤ - nen Thee etwas heiß nachtrinken. Wenn der Wurm lange haͤngen bleiben ſollte, ohne zu fallen, und das Purgiermittel nicht genug wuͤr[k]te, ſo muß man dem Kranken Seidlitzer oder Engliſch - Salz geben, wie oben geſagt worden, und er muß geduldig auf dem Becken ſitzen bleiben, bis der Wurm weggefallen iſt. Wenn der Wurm bis zur Stunde des Mittagseſſens nicht zum Vorſchein koͤmmt, und der Kranke das Pulver und Purgier - mittel gut bey ſich behalten hat, ſo muß er gleich wohl zu Mittage eſſen, weil der Wurm bisweilen, jedoch ſelten, noch zu Nachmittage zu erfolgen pflegt. Wenn der Wurm an dem Tage ganz und gar nicht zum Vorſchein koͤmmt, welches nicht anders zu ge - ſchehen pflegt, als wenn man das Pulver oder Purgiermittel, zum Theil oder ganz wieder von ſich gegeben hat, oder aber wenn es nur ſchwach ge -K 3wuͤrket150wuͤrket hat, ſo muß der Kranke zu Abend eſſen, wie am vorigen Abend, und man behandelt ihn in allem eben ſo. Wenn der Wurm auch in der Nacht nicht heraus koͤmmt, ſo muß der Kranke am folgenden Morgen um dieſelbe Stunde, das Pulver wie am vorigen Tage, und zwo Stunden hernach ſechs bis acht Quentchen Seidlitzer oder Engliſch Salz nehmen, und wird in allen Stuͤ - cken, wie das erſtemahl, behandelt. Es ge - ſchiehet bisweilen, daß der Kranke, wenn er im Begrif iſt, den Wurm von ſich zu geben, oder ein wenig vorher, oder nach einem ſtarken Stuhl - gange, eine ſtarke Hitze in der Gegend des Her - zens, oder eine Herzensangſt ſpuͤhrt, oder gar in Ohnmacht faͤllt, ſo darf man ſich deswegen nicht beunruhigen, dies vergehet bald wieder: man darf den Kranken nur in Ruhe laſſen, und ihm guten Weineſſig zum riechen geben. Sollte von dem Kranken, bevor er das Purgiermittel genommen, der Wurm blos von der Wuͤrkung des Pulvers abgehen, ſo darf man ihm nur die Haͤlfte, oder drey Viertheil von dem Bolus geben, den man fuͤr ihn zubereitet hatte, oder man purgiert ihn mit Seidlitzer oder Engliſchem Salze. Wenn man endlich, nachdem man durch dieſe Cur einen Bandwurm (Tervia) abgetrieben hat, bemerkt, daß noch ein zweyter uͤbrig iſt, ſo muß man die Cur, mit dem Kranken, einige Tage hernach, eben ſo wie zum erſten mahle vornehmen. Wenn dieſe Cur richtig betrieben wird, ſo iſt ſie allemahl in wenig Stunden von gluͤcklichem Erfolge. Wir haben ſie an fuͤnf Perſonen verſucht. Die Art des Bandwurms (Taenia), wider welche das Speci - ſikum und dieſe Methode angerathen worden, und welche dadurch ſo geſchwinde abgetrieben wird, iſt diejenige, deren Glieder, Fugen oder Ringe kurzſind,151ſind. Dieſe Cur iſt nicht von gleicher Wuͤrkſamkeit bey den Bandwuͤrmern, deren Glieder lang ſind, und die gemeiniglich vers cucurbitins in franzoͤſiſcher Sprache genennet werden. Um dieſe Wuͤrmer auszurotten, muß man die Cur mehr oder weniger wiederholen, und ſeltener oder oͤfterer, nach denen Umſtaͤnden des Uebels, und der Beſchaffenheit des Kranken: einer von denen, mit welchen wir die Pro - be gemacht haben, hat bey der dritten Wiederholung keine Wuͤrmer weiter von ſich gegeben.

K 4Ver -[152]

Verſuch eines hiſtoriſch phyſikaliſchen Beytrages zur Naturge - ſchichte des Kampferbaumes außer ſeinem Va - terlande unter den nordlich deutſchen Himmelsſtrichen.

Eine der anſehnlichſten und vortreflichſten Aſiati - ſchen, unter dem Namen des Japaniſchen Kam - pferbaumes von Kampfer Cleyer, ten Rhene, Ja - kob Breynio und andern faſt zuerſt bekannt gemachten Holzarten, kam ſeit etwa hundert und zehn Jahren in un - ſern großen Pflanzenſammlungen ſehr einzeln zum Vor - ſchein. Vielleicht waͤre dieſes eher geſchehen und da - von eine Menge geſchwinder erzogen worden, wenn man gleich anfangs auf deren Erziehung aus dem Saa - men Bedacht genommen haͤtte. Aus dieſem Grunde iſt ſie noch ſehr lange immer ſelten geblieben, und wird auch in den anſehnlichſten botaniſchen und an - dern oͤffentlichen Kraͤutergaͤrten noch wirklich vermißt. Zu geſchweigen, daß der Baum in denjenigen be - ruͤhmteſten Luſtgaͤrten großer Herrn und reicher Lieb - haber, in welchen er zu einer anſehnlichen Groͤße er -wachſen153wachſen iſt, ſeines Alters ohngeachtet, nur wenige mahl in den allerneueſten Zeiten zur Bluͤthe und Frucht haͤtte gebracht werden koͤnnen. Ueber die Richtigkeit dieſer Erfahrung kann man ſich nicht wun - dern, wenn man im folgenden durch Gruͤnde von den Urſachen uͤberzeugt ſeyn wird. Die oͤffentlichen Blaͤtter haben, wie ſonſt gewoͤhnlich, von dergleichen ſel - tenen Naturerſcheinungen an fremden Gewaͤchſen bey uns, keine Nachricht gegeben, außer etwa in den letz - ten 30 Jahren unſers Zeitalters dreymahl, wie ich im folgenden anzeigen werde.

Der Herr von Linnée macht in ſeinem anſehnlichen Werke, dem Horto Cliffortiano welches er 1737, zu Amſterdam herausgab, eine hierher gehoͤrige rich - rige Anmerkung; wo er ſagt:

Eximia arbor in horto nondum floruit licet
Magna praetioſa hoc tempore habetur,
Cum difficulter multiplicetur perſtolones
Vel depactos ramos.

Bis dahin hatte der Kampferbaum, auch noch zwoͤlf Jahre hernach, ſo viel man weiß, in keinem andern Europaͤiſchen Garten Blumen hervorgebracht, er iſt alſo ſeiner ſchweren und langſamen Vermeh - rungsart halber, noch immer ſelten geblieben. Ich muß daher den einzelnen Nachrichten aus dem vorigen Jahrhundert, und den Erfahrungen zufolge, die ich ſelbſt davon habe, ſchlechterdings beytreten; da uͤberdem keine oͤffentliche Nachrichten vorhanden ſind, daß er damals anderwaͤrts gebluͤhet haben ſollte:

Denn, ſeitdem von den Jahren 1676, 1678, 1679, 1680 und 1684 an, junge Pflanzen davon von dem Vorgebuͤrge der guten Hofuung, aus Oſtindien zu - erſt nach Holland uͤberbracht wurden, welche beyK 5einer154einer ſimpeln Pflege ſehr wohl angeſchlagen ſind, ſo iſt doch in den nachfolgenden 48 und mehreren Jah - ren, noch kein einziger davon zur Bluͤthe und Frucht gelanget, daß ſich die Liebhaber einer ſo ſeltenen Er - ſcheinung einen dergleichen Vorfall haͤtten zu Nutze machen koͤnnen.

Die erſten Nachrichten von dem Kampferbau - me uͤberhaupt hat Herr Jakob Breyn gegeben, der ſich bekanntermaaßen um die Naturgeſchichte neuer und fremder nach Europa gebrachter Pflanzen ſeiner Zeit beſonders verdient gemacht. Er fuͤhrete deshal - ben nicht nur mit den Gelehrten in andern Weltthei - len einen fleißigen Briefwechſel, ſondern beſuchte auch die damahligen Niederlaͤndiſchen beruͤhmten Gaͤr - ten ſchon 1679, und vor andern den Beverningſchen, Beaumontiſchen, Commeliniſchen, Francisc. van Sewenhuſen, Philip van Hennis, auch mehrere, traf aber den Kampferbaum nur im Beverningi - ſchen Garten allein an. Von welcher Pflanze er ohne weitere Beſchreibung oder Erklaͤrung ſagt: er habe den Anfang oder den Entwurf der Bluͤthen wahrgenommen. Weiter erklaͤhret er ſich daruͤber nicht, als daß er kuͤnftig mehrere Nachrichten da - von zu geben verſpricht.

Die wahren Umſtaͤnde dieſer Erſcheinung muͤſſen alſo noch zweifelhaft bleiben, da 1) wei - ter kein Merkmahl, wie es ſeyn muͤſſen, von ihm angegeben worden iſt. Weil 2) die allzuſpaͤthe Jah - reszeit, in welcher Herr Jakob Breyn die anfangen - de oder ausbrechende Bluͤthe bemerket, von derje - nigen natuͤrlichen Bluͤthezeit in Europa allzu verſchie - den iſt, in welcher der Baum nunmehro in Deutſch - land bey uns in Berlin und zu Dresden gebluͤhet hat. Dieſe letztere aber faͤllet erſt gegen Ende des Aprils, auch wohl in die Mitte des Maymonats bis zum Julius.

Da155

Da 3) der gelehrte Sohn deſſelben, Philip Jakob Breyne in denen 1739 herausgegebenen Iconibus Rar. Plant. pag. 16. et Tab. II, ausdruͤck - lich erinnert floram ſtructuram patri iguotam fuiſſe. Auch ferner 4) nur von rudimentis florum die Rede iſt, ſo kann man dieſes zugeſtehen, und ſich die an - fangende Erſcheinung des neuen Triebes an dem Kam - pferbaum leicht erklaͤhren, ohne gewiß zu ſeyn, ob ſich dieſer zu gedachter ſpaͤten Jahreszeit ſchon ſo weit entwickele, daß man die kuͤnftigen Blumenſtiele dar - an unterſcheiden koͤnne, oder nicht; oder ob dieſer neue Anſatz von Trieben ſich in Zweige und Blaͤtter oder gerade in Blumen habe entwickeln wollen; wel - ches letztere der Wachsthumsordnung zufolge, ſehr be - zweifelt werden kann.

Sollten 5) Blumen und Fruͤchte an gedachtem Baume in Europa, ſeit der erſten Zeit, bis zu dieſem Jahrhunderte, von 1735 39 an zum Vorſchein ge - kommen ſeyn, haͤtten die ſaͤmmtlichen Geſchichtſchrei - ber nicht noͤthig gehabt, ſich von jeher bey denen Be - ſchreibungen derer aus Japan und Oſtindien uͤber - ſchickten getrockneten Zweige, Frucht - und Blumen - ſtielen aufzuhalten, und dieſe aus einem Kupferſtiche und Naturalienkabinette zu benutzen. Kampfer Amoen. Exotic Faſcic. V. p. 370 72 hat unter allen darzu den vollkommenſten Zweig mit Blumen und Fruͤchten geliefert, von welchen er in Japan ſelbſt den Abriß entworfen; obgleich noch mehrere Abbil - dungen des Kampferbaumes vorhanden ſind, die ſich zwar nicht wegen der Schoͤnheit empfehlen, wie die Breynianiſchen, demohnerachtet aber immer eini - germaaßen brauchbar bleiben werden.

Was ſich 6) in gegenwaͤrtiger Abſicht weiter er - innern ließe, iſt von mir ſchon 1749 vorlaͤufig be - richtiget worden, da ich die Ehre hatte, der koͤnigl. Aka -156Akademie der Wiſſenſchaften den 14ten May einen bluͤhenden Kampferzweig, als den erſten, welcher in Europaͤiſchen Gaͤrten gebluͤhet hat, aus dem hieſigen botaniſchen Garten vorzulegen, wodurch zugleich manche oͤffentliche Zweifel und Widerſpruͤche mit ein - mahl gehoben wurden. Die charakteriſtiſche Abbil - dung davon lege ich nochmals fuͤr.

Der beruͤhmte Andreas Cleyer, welcher das in zwey Großfolio Baͤnden beſtehende vortrefliche, und in Japan nach der Natur gemahlte Pflanzenwerk nach Europa geſchickt, welches unter dem Namen Flora Japonica, unter den Sachverſtaͤndigen bekannt und laͤngſt geſchaͤtzet worden iſt, und durch den ehemali - gen Leibmedikum Chriſtian Menzel an den Churfuͤr - ſten Friedrich Wilhelm verkauft, welches noch unter die groͤßten Seltenheiten der koͤniglichen Bibliothek gerechnet wird, eben dieſer ſchickte 1680 im Septem - ber dem Johann Commelin uͤber das Vorgebuͤrge der guten Hofnung, einen jungen Kampferbaum, wovon deſſen Verzeichniß des Amſterdammer Gar - tens Nachricht mit einer guten Abbildung gab.

Noch ein damaliger Zeiten hoͤchſt beruͤhmter Mann in Oſtindien, mit Namen Wilhelm ten Rhyne, welcher Leibarzt, Botanikus und Chymikus des Kai - ſers in Japan war, ließ ſeinem Freunde, den Jakob Breyn, ſchon 1664 einen trocknen Zweig vom Kam - pferbaum zukommen, der keine Bluͤthen hatte. Ein aͤhnlicher Zweig ſchreibt ſich aus dem Briefwechſel 1684 von Herbert de Jager her, von welchem das weitere in Rumphii Herbar Aboineſi. Part. VI. Cap. 82. pag. 82. cura Joh. Burmanni, in der beſonders daruͤber gemachten Anmerkung nachgeſehen zu werden verdienet. Von dieſer Zeit an ſind ſeit 1690 ver - ſchiedene Kampferzweige mit und ohne Blumen, auch trockne Fruͤchte in die Europaͤiſchen Naturalienſamm -lungen157lungen gekommen, die die Schriftſteller in ihren Werken benutzet haben: ſo, wie die Hollaͤndiſchen beruͤhmteſten Gaͤrten auch junge Baͤume erhielten, wovon ein Theil gleich Anfangs fuͤr ſehr hohe Preiſe, doch nur einzeln in etliche deutſche Gaͤrten kam. Fuͤr Saamen aus Indien oder Japan wurde einiger bekannten Handelsvortheile halber nicht geſorgt, oder der Saame wurde mit Vorbedacht, aus Indien, wie viele andere, nicht ausgefuͤhrt; alſo unterhielte die ſchwere und langſame Vermehrung die hohen Preiſe der jungen Pflanzen, und ſie mußten eben ſo ſelten bleiben, wie ſie es noch ſind: wenn nicht der bekannte Schleichhandel der Gaͤrtner dabey zuweilen Ausnahmen gemacht haͤtte.

Ob ſich nun gleich damals, ſo wie in den erſten Zeiten des jetzigen Jahrhunderts, und nachgehends nicht weniger verſchiedene von dergleichen anſehnlichen Baͤumen in den beruͤhmteſten deutſchen Pflanzen - ſammlungen, in dem beſten Zuſtande befunden, die von Fuͤrſten, Standesperſonen und beguͤterten Han - delsleuten unterhalten wurden, ſo blieben ſie doch darinnen eben ſo verſteckt, wie gewiſſe Buͤcher und Manuſcripte, in großen oͤffentlichen Sammlungen, von welchen man zu wenig Nachricht hat, und den wenigſten Gebrauch machen kann. In einem der - gleichen Zuſtande befande befanden ſich dieſe ſeltenen und fuͤr hohe Preiſe dahin gebrachte Baͤume, unter andern zu Carlsruhe im Marggrafthum Baden, zu Dresden in dem Churfuͤrſtl. großen Garten, zu Leipzig in beyden beruͤhmten Boſiſchen Gaͤrten, un - ter denen der Caspar Boſiſche zu der Zeit denen bey - den in Italien an Stiftung ſchon aͤltern Luſtgaͤrten des Fuͤrſten Joſeph del Boſo, zu Palermo in Sicilien, der von Francisco Cupano zu Neapali 1697 beſchrie - ben iſt, an Menge der fremden Gewaͤchſe eben ſo we -nig158nig nachgab, als demjenigen ſchaͤtzbaren zu Rom, des Kardinals Odoardi Farneſii, deſſen Verzeichniß und Beſchreibung Tobias Aldinus ſchon 1625 herausgab. Dieſe vortrefliche Privatſammlungen ſtritten mit ein - ander um den Vorzug am meiſten, ob ſie ſchon den Niederlaͤndiſchen Gaͤrten nicht beykamen, aber doch jeder ſeine beſondern Vorzuͤge noch vor ſich hatte.

Hiervon geben ferner die gleich Eingangs der Abhandlung angefuͤhrte Gaͤrten nicht nur beſondere Beweiſe, ſondern Paul Hermann, machte von den vorzuͤglichſten Arten der Oſt - und Weſtindiſchen Ge - waͤchſen eine Sammlung, die er Paradiſam Batavum nannte, und mit 100 Kupferplatten erlaͤutert 1698 und 1705 zu Leyden herausgab. Nicht zu gedenken des ehemaligen beruͤhmten Stadthalteriſchen Gartens in Onslaarteich, aus welchem der Berlinſche botani - ſche Garten unter der guten Einrichtung des ehema - ligen Reiſegeſellſchafter des großen Tournefort D. Gundelsheimer, noch manche beſondere Original - ſtuͤcke aufzuweiſen hat.

Aus Holland kam dieſe ſeltene Baum-Art, wie ſchon geſagt in mehrere teutſche Gaͤrten, in welchen man dieſelbe von der Zeit an unter andern zu Leipzig, Herrnhauſen, Salzthalen, Berlin, Hamburg, auch zu Danzig, Schwoͤbber, Helmſtaͤdt, Trebniz, und zu Naumburg an der Saale im graͤflich Wertheriſchen Garten antreffen konnte. Zwar gedenket Paul Am - man im Horto Boſiano, quoad exotica deſcripto, vom Jahr 1686. des Campher-Baumes noch nicht, daß er aber bald hernach gewiß darinnen geweſen, und viele Jahre aus gedauret, bezeiget das Verzeichniß des Gartens vom Jahre 1690 durch Elias Peyn, und von 1723 durch Achatius Weehmann. Der be - ruͤhmte Garten des Prinzen Eugenii zu Wien, nebſt dem Kaiſerlichen, dem Fuͤrſtlich Schwarzenbergiſchenund159und etlichen graͤflichen in Boͤhmen, hatten dieſen Baum gleichfalls aufzuweiſen. Seitdem die nachfol - gende Vermehrung mehr oder weniger durch das Ab - legen der Zweige von ſtatten zu gehen angefangen, hat man von den erſten Originalen mehrere erzogen, und die großen Stammbaͤume zum Theil hin und wie - der bis auf unſere Zeit gut erhalten, daß man ſeit 1730 bis 1766 dergleichen noch hin und wieder antreffen koͤnnen; wie man auch zuverlaͤßig davon weiß, daß dergleichen ſehr alte und anſehnliche Stuͤcken im Koͤ - niglichen Garten zu Paris, in engliſchen Privatgaͤr - ten, und am meiſten in verſchiedenen hollaͤndiſchen noch am Leben ſind. In vielen von den botaniſchen Gaͤrten hingegen, werden ſie noch vermißt, und in einem großen Theile der beruͤhmten Luſtgaͤrten, ſind ſie aus mancherley Urſachen laͤngſt abgeſtorben und nicht wieder erſetzt worden. Man verwahret daſelbſt bloß ihre traurigen Ueberbleibſel, an beſonders dazu be - ſtimmten heimlichen Orten, mit andern Verungluͤck - ten dieſer Art, hebet auch wohl Staͤmme und Wur - zeln zum Andenken in den Sammlungen natuͤrlicher Seltenheiten auf.

Wenn man den an den Wurzeln ſolcher vertrock - neten Baͤume befindlichen Merkzeichen trauen kann, ſo muͤßen dergleichen durch eine allzu gekuͤnſtelte Pflege der ſo genannten Kunſtgaͤrtner vor der Zeit ums Leben gebracht worden ſeyn. Dergleichen Kunſtſtuͤcke ſind mit mehrern Gewaͤchſen zum Schaden der Gaͤrten und Nachtheil der Experimentalphyſic ſehr gemein.

Will man ſich von der Richtigkeit nur beſagter Umſtaͤnde uͤberzeugen, darf man nur auf die ganz un - natuͤrliche Pflege ſolcher Leute Acht haben, welche da - mit geradezu verfahren, ohne zu uͤberlegen, daß 1. das Vaterland des Campferbaumes in einem Theile des entferntſten Aſiens gelegen ſey, deſſen Witterung derin160in dem halbſuͤdlichen Frankreiche ziemlich nahe kom - met; daß 2. dieſer Baum unter die immergruͤnenden gehoͤre, als deren dickere Saͤfte, vor den uͤbrigen eine weit langſamere Bewegung haben; 3. daß er folglich nicht bey uns, zur Zeit des allerniedrigſten Sonnen - ſtandes, da der Baum nicht von neuem wachſen, ſon - dern nur eigentlich erhalten werden ſoll, daſſelbe keine ſchnelle, ungleiche und heftige Bewegung ſeiner ſehr verdickten ſchweren Saͤfte, mit einem aͤhnlichen Nach - laße derſelben aushalten koͤnne. Wie er denn eben ſo wohl von etwas kalter Luft, als einer naßkuͤhlen Wit - terung Schaden leidet, als er im Winter bey uns des - halb keinen ſo großen Grad der Hitze in den Glas - und Treibe-Haͤuſern aushaͤlt, wo zu der Zeit kein ſolcher Wechſel und Zutritt der gemaͤßigten freyen Luft iſt, welcher ſich etwa mit der unter der Zona torrida etwas vergleichen ließe. Wenn nun die vorerwaͤhnte fehler - hafte Pflege noch dabey durch eine duftige Waͤrme des Roßmiſtes, oder durch die Kacheloͤfen ſelbſt eine ſo gro - ße Hitze unterhalten wird, in welcher der Baum einige Zeit leben muß; die man faͤlſchlich mit derjenigen na - tuͤrlichen reinen Luft und Waͤrme vor emerley ausgiebt, welche ſonſt andere Gewaͤchſe zwiſchen den beyden Wendezirkeln und der Linie genießen, ſo wird daßelbe, wie es auch geſchiehet, gewiß vergehen.

In ſo weit man aber die Haupteigenſchaften des Campferbaumes kennen gelernet, und beweiſet, daß er ſich vom Vorgebuͤrge der guten Hoffnung geſund nach Holland bringen laſſen, ſo wird man nicht zwei - feln, daß er ſich als ein ſo hartes Gewaͤchſe leicht an die europaͤiſche Gartenpflege gewoͤhnen laßen ſollte; wenn man ihn nur gegen die Kaͤlte ſchuͤtzen kann. Man gab ihm daher gleich Anfangs in den alten hollaͤndi - ſchen und teutſchen Gaͤrten ſeinen rechten Stand, be - ſonders den Winterſtand unter den Orangerien undLorbeer -161Lorbeerbaͤumen, mit einer ſehr ſimpeln Pflege: doch dergeſtalt, daß er etwas mehr Waͤrme, auch etwas zeitiger genießen konnte als die andern vertragen.

Iſt nun der Kampferbaum durch ein verhaͤlt - nißmaͤßiges Beſchneiden ſeiner Wurzeln und Zweige zur Unterhaltung vorbereitet und gehoͤrig verpflanzet, ſo wird er, wenn in den Monaten Junius und Ju - lius die warmen Naͤchte bey uns eintreten und anhal - ten, mit der Orangerie mehr an die freye Luft, oder aber, damit ihm kein unvermutheter Wechſel der kalten Luft ſchaͤdlich werden moͤge, doch ſehr nahe an die offenen Fenſter gebracht, wo er nach dem gebraͤuchli - chen Ausdruck hinlaͤnglich verluftet werden kann, bis er ſein voriges Herbſt: und Winterquartier wieder einnimmt. Er wird in dieſem Zuſtande, ſo lange er im ſtaͤrkſten Wachsthume ſtehet, verhaͤltnißmaͤßig be - goſſen, bis Sonnenwaͤrme und Trieb allmaͤhlig nach - zulaſſen anfangen.

Vey einer ſo einfachen Behandlungsart, auf welche ſich ſchon Joh. Commelin. in Hort. Amſtelo - dam. p. l. pag. 185 86 beziehet, ſind die Hol - laͤndiſchen und Pariſer Kampferbaͤume, nebſt et - lichen in Deutſchland, ohne weitere Beſchwerde und Kuͤnſte zu einer recht anſehnlichen Groͤße und hohem Alter gebracht worden; doch ohne daß ſie jemals Blu - men und Fruͤchte getragen haben ſollten.

Es muß alſo von Seiten der Naturgeſchichte nicht wenig Aufmerkſamkeit verdienen, daß der Kam - pferbaum ſeit ſeiner Ankunft aus Oſtindien in Euro - pa nur von 1680 an bis 1749 noch nicht gebluͤhet und folglich keine Fruͤchte getragen: daß er aber 1749 in der Mark Brandenburg in Berlin das erſtemahl, und 1774 im botaniſchen Garten zum zweytenmahle Blumen getragen, hernach zu Helmſtaͤdt, und am ſtaͤrkſten im Churfuͤrſtlichen Garten zu Dresden ge -Lbluͤhet,162bluͤhet, iſt ſchon im Vorhergehenden angezeiget wor - den. Dabey muß man noch in Erinnerung bringen, daß der Berlinſche Kampferbaum ein vierzehnjaͤhri - ger, ſeit 1732 im Boſiſchen Garten, von einem an - dern gleiches Alters aus Carlsruhe, durch Vorſorge des Marggraͤflich Badenſchen Leibmedici Herrn Eich - rots dahin gebrachten und davon erzogenen Ableger geweſen ſey, dagegen der in Dresden zur Zeit des ſie - benjaͤhrigen Krieges in der Bluͤthe ſtehende, wie ſich der Koͤnigl. Leibmedicus, Herr Geheimerath Cothenius, ſehr wohl erinnert, ein großer anſehnlicher Baum ge - weſen iſt.

Die erſte oͤffentliche Nachricht von der Bluͤthe des Kampferbaumes zu Berlin, machte als eine Sel - tenheit, die Aufmerkſamkeit der Kenner und Liebha - ber von fremden Gewaͤchſen rege, beſonders ſolcher, die die Pflanzen naͤher kannten, und vor andern ge - nauer zu beurtheilen verſtunden. Denn da, beſage der Nachricht, in hieſigen Landen ein vierzehnjaͤhriger Ableger, von einem nicht viel aͤltern, und folglich faſt in ſeinem erſten Alter ſchon zur Bluͤthe gekommen, (dagegen man dieſe Beobachtung an alten und großen Baͤumen, beſonders in Paris wie in Holland noch niemals machen koͤnnen); ſo wollten manche, die da - von gegebene Nachricht nicht vor ſicher genug halten. Ueberdem befand ſich vor und eben zu der Zeit ein etwas aͤlterer Ableger im Garten des Herrn von Zieten zu Trebnitz, welchen der juͤngere Herr Breyn von Danzig dahin geſchickt hatte, ohne alle Merkmale von Blumen.

Ein reiſender Englaͤnder, welcher in Berlin uͤber einer großen Tafel damals der Nachricht, wie meh - rere, gleichfals widerſprach, verlohr daruͤber eine Wette, und nachdem der Herr Praͤſident von Mau - pertuis den bluͤhenden Baum zum letztenmal beſehen,ſchnitte163ſchnitte ich einen Zweig mit Blumen davon ab, und legte ihn in der Verſammlung der Koͤniglichen Aka - demie der Wiſſenſchaften oͤffentlich vor. Von dieſem Umſtande hat die Beckmanniſch Maͤrkiſche Chronik im erſten Theile Nachricht gegeben. Um ſich aber von der Seltenheit der Kampferbluͤthe noch mehr zu uͤberzeugen, ſchrieb der Herr Praͤſident von Mauper - tuis nach Paris und an etliche Gelehrte in Holland, er erhielt von dort uͤberall her die Antwort, daß ihre große und alte anſehnliche Baͤume noch niemals Blu - men getragen haͤtten.

Ob man nun ſchon dieſe in Europa ganz neue Naturerſcheinung nicht weiter in Zweifel ziehen konnte, ſo haͤtte man ſie doch ſehr leicht aus aͤhnlichen Bey - ſpielen vielmehr gleich Anfangs nur unter die ſeltenen rechnen ſollen. Denn von dieſer Art finden ſich unter den fremden Gewaͤchſen mehrere, die theils aus Saamen erzogen, theils durch das bekannte Ab - legen der jungen Zweige vermehret, auch wohl noth - wendig unterhalten werden muͤſſen: daß ſie deshalben den Sachverſtaͤndigen, die ſich mit der Oſtindiſchen und Amerikaniſchen Baumzucht beſchaͤftigen, lange ſo fremde nicht ſeyn koͤnnen als andern, ob ſie ſchon mit Grund immer fuͤr merkwuͤrdig gehalten werden.

Faſt eben ſo ergeht es mit den Ablegern von jungen und alten Baͤumen, deren Zweige, welche vielleicht gar nicht, oder doch hoͤchſt ſelten, bey uns in dem Zuſtande gebluͤhet haben wuͤrden, wenn ſie nicht abgeleget worden waͤren, daß ſie, ſeitdem ſie von den Mutterſtaͤmmen abgenommen worden, ganz unvermuthet in ihrem erſten zarten Alter zur Bluͤthe kommen, hernach aber der Wachsthumsordnung ohn - geachtet, in langer Zeit, oder nur einzeln, auch wohl niemals wieder Blumen anſetzen. Ihre Mutter - ſtaͤmme, von welchen ſie erzogen worden, kommenL 2unter -164unterdeſſen bey ihrem hohen Alter hoͤchſt ſelten, noch das eine oder andere mahl, insgemein aber gar nicht mehr zur Bluͤthe, ob ſie ſchon ein Alter, wie wir in Europa gewiß wiſſen, von hundert und mehr Jahren erreichen, und bis dahin bey einem lebhaften Wachs - thume unterhalten worden ſind.

Dieſe fehlerhafte Beſchaffenheit, welche bey der Pflanze ſelbſt, das Nahrungs - noch Wachs - thumsgeſchaͤfte nicht im geringſten trift, erſtreckt ſich blos auf die Blume, als den dritten Haupttheil eines jeden Gewaͤchſes, der allein und insbeſondere, das natuͤrliche Erzeugungsgeſchaͤfte der Saamen zur Fortpflanzung durch die Befruchtung bewirken ſoll, und artet ſo zu ſagen in eine voͤllige unzweck - maͤßige Unfruchtbarkeit aus. Hierzu aber ver - einigen ſich ſonder Zweifel weit mehrere phyſikaliſche zuſammen wirkende Urſachen, die theils allgemein ſeyn koͤnnen, zum Theil jede Pflanzenart insbeſon - dere angehen, von welchen ſich viele nicht immer be - ſtimmen laſſen moͤchten.

An Beyſpielen fehlet es alſo nicht, die von dieſem gedoppelten Zuſtande des Kampferbaumes, wie von mehrern Pflanzen zeugen. Denn die Verſuche, alte oder erwachſene Baͤume, aus ihrem unfruchtbaren Zuſtande und Abweichung wieder zuruͤck zu bringen, und in die natuͤrliche Entwickelungsordnung zu ver - ſetzen, iſt ſchwer, muͤhſam, und die Folgen davon ſo ungewiß, daß ſie unſern Abſichten und Wuͤnſchen nur ſehr ſelten entſprechen.

Vor ein beſonderes hierher gehoͤriges Beyſpiel von einem Verſuche, welcher vielleicht in hundert aͤhnlichen Faͤllen nicht ſo leicht nach Wunſch ausfallen duͤrfte, kann folgendes gelten, es hat mir dasjenige, was ich eben aus Gruͤnden nach der Wahrſcheinlich -keit165keit zu behaupten geſucht, gar ſehr zu erlaͤutern ge - ſchienen; ohne daß ich mir einfallen laſſen ſollte, daraus auf das allgemeine Schluͤſſe zu ziehen.

Es waren nehmlich ehedem aus der bekannten Oraniſchen Erbſchaft, unter den uͤbrigen fremden Gewaͤchſen, ein paar durch Kunſt zu dreyfuͤßige und armesſtarke Baͤumchen gezogenen Lavendelſtraͤuche von der großen Art, in den hieſigen botaniſchen Gar - ten gebracht worden, die das Alter ſehr anſehnlich gemacht hatte. Moriſon fuͤhret dieſe erkuͤnſtelte oder vielleicht zuerſt durch einen Zufall entſtandene Pflanze unter dem Namen Lavendula latifolia ſterilis an: weil niemand in dieſem Zuſtande jemahls ihre Bluͤthe ge - ſehen hatte, ſich nur wenige einen Verſuch mit den Zweigen derſelben zur Vermehrung zu machen einfal - len ließen, auch dergleichen nur ſelten von ſtatten giengen, ſo rechnete man die Pflanze unter die raren, von deren Urſprung nichts gewiſſes bekannt war. Da nun an dieſen beyden ganz veralteten und ſchmach - tenden Lavendelſtaͤmmen keine Hofnung zur Vermeh - rung durch die Saamen war, daß die Zweige alſo da - zu nur allein uͤbrig blieben, wenn man dieſe Pflanze nicht ganz verliehren wollte, ſo wagte ich die Ver - mehrung durch abgeſchnittene Zweige, welche ich ſteck - te, ob mir gleich ihr aͤußerliches Anſehen davon nichts beſonderes hoffen ließ. Dieſe machten gute Wur - zeln, entwickelten ſich wieder in ihre natuͤrliche Pflan - zenart, nehmlich in Lavendulam latifoliam majorem, den großen breitblaͤttrigen Lavendel oder Spica - nardi woraus ſie entſtanden waren, und brachten im dritten Jahre die gewoͤhnliche Lavendelbluͤthe. Da ich im vorigen Jahre die Ehre gehabt, der koͤnigli - chen Akademie in einer andern Abſicht von dieſem Verſuche eine weitlaͤuftige Abhandlung vorzulegen, ſo muß ich mich gegenwaͤrtig darauf berufen. Viel -L 3leicht166leicht aber koͤnnte ein ſolcher Verſuch, welcher weder allezeit geraͤth, oder ſchlechterdings gerathen muß, ein Reductionsverſuch genennet werden, der, wenn er geraͤth, ſeinen Nutzen bey einigen Gelegenheiten gewiß zeigen wuͤrde. Denn wenn man bedenket, daß eine durch Zufaͤlle aus dem natuͤrlichen Zuſtande in den Stand der Unfruchtbarkeit gleichſam uͤbergangene Pflanze, dadurch wieder verjuͤnget und zu ihrem erſten Vermoͤgen zuruͤcke gebracht werde, ſich durch frucht - bare Saamen zu vermehren oder wieder fortzupflan - zen, ſo wird man, ohne bey einer bloßen Bewunde - rung ſtehen zu bleiben, die Wichtigkeit des Haupt - umſtandes nicht weiter verkennen.

Denn, ſtellet man zwiſchen dem, was mit dem Kampferbaume vorgegangen, und ſich bey andern fremden Gewaͤchſen weit oͤfterer zutraͤgt, eine Ver - gleichung an: da nehmlich deren alte Mutterſtaͤmme aͤußerſt ſelten, oder nie in Europa Blumen getra - gen, groͤßtentheils unfruchtbar bleiben, die davon ge - zogene ſehr junge Ableger hingegen ſehr zeitig gebluͤ - het, ohne ihre Bluͤthe weiter fortzuſetzen: ſo wird man von der Wichtigkeit der Sachen uͤberzeugt, nicht mehr bey bloßen Muthmaßungen oder bey der Be - wunderung allein ſtehen bleiben, und in andern Ge - waͤchſen mehrere Beyſpicle zur Erlaͤuterung finden. Dabey ſich denn insgemein nachfolgende Unterſchie - de zeigen und mit einander abwechſeln werden: als, es werden 1) dergleichen aus Saamen oder Zweigen erzogene Pflanzen lange Zeit oder gar ohne zu bluͤhen fortwachſen. Andere werden 2) ganz im Anfange Blumen tragen, aber ihre Fruchtbarkeit dennoch nicht fortſetzen. Etliche werden 3) reichliche Bluͤthe bringen, die ſich aber niemahlen in die Frucht ent - wickelt, ſondern abfaͤllet, ſo, wie man an mehrern jaͤhrlich faſt taube Blumen und Fruͤchte antreffenwird,167wird. An vielen vollkommenen wird man 4) fruchtbare Bluͤthen und Saamen wahrnehmen, auch die erſten Jahre wieder Pflanzen daraus erziehen, die hernach 40 50 Jahre hinter einander, laut Erfahrung, nur tau - be Bluͤthe tragen. Wie ſehr aber wird man ſich ver - wundern, wenn ſich unter verſchiedenen Himmelsge - genden, auch in einzelnen Orten, in welchen die Cul - tur der fremden Baͤume von Zeit zu Zeit veraͤndert worden iſt, bey angefuͤhrten Umſtaͤnden ganz gegenſei - tige Erſcheinungen aͤußern?

Warum aber der Kampferbaum ſeit ſeiner An - kunft aus Japan oder Oſtindien, in Europa erſt nach etlichen vierzig bis funfzig Jahren, und zwar kaum mehr als etliche mahl, und ſeit den naͤchſt verfloſſenen zehn Jahren nicht mehr gebluͤhet! davon werde ich in der zweyten Abtheilung dieſer Abhandlung die wahrſcheinlichſten Urſachen anzufuͤhren und zu erklaͤh - ren ſuchen, ohne mich hier in die ſchon vorher ange - fuͤhrten Umſtaͤnde weiter einzulaſſen.

Da nun der Baum in dem Berlinſchen botani - ſchen Garten bereits zweymahl gebluͤhet hat, und ſchon bey der erſten Bluͤthe von mir mit aller Ge - nauigkeit unterſucht worden iſt, ſo habe ich zum An - denken einer ſo unvermutheten Erſcheinung, die da - mals in den Europaͤiſchen Gaͤrten die allererſte war, von dem bluͤhenden Hauptzweige eine ſehr genaue Ab - bildung aufnehmen laſſen, dabey der Zeichner als ein Selbſtkenner der Natur gewiß getreu geblieben iſt.

Weil nun eine dergleichen charakteriſtiſche Ab - bildung in den Sammlungen und[Schriften] unſerer botaniſchen Naturforſcher noch immer mangelt, nach welcher ich keine deutlichere und richtigere kenne, als die Kaͤmpferſche, ſo habe ich vor meine Schuldigkeit gehalten, dieſelbe, nebſt der gegenwaͤrtigen Abhand - lung, der koͤniglichen Akademie vorzulegen.

L 4Man168

Man wird ſich daraus uͤberzeugen koͤnnen, daß der Japaniſche Kampferbaum eine beſondere Art von Lorbeer Lauro ſey: wovon andere Schriftſteller vorlaͤufig, meiſt muthmaßliche Nachrichten gegeben: die ſie außer dem großen und verdienſtvollen Paul Hermann, der als der ſicherſte Augenzeuge aus Oſt - indien nach Holland zuruͤck kam, nur aus aufgetrock - neten Zweigen, Blumen und Fruͤchten, und aus den von daher zugeſchickten Nachrichten genommen hatten. Doch iſt durch dieſe einzelne Bruchſtuͤcke manches nuͤtzliche zur Naturgeſchichte des Kampfers und Kampferbaumes beygetragen worden.

Außerdem ſind an dem nach der Natur genau abgebildeten Kampferzweige, die Blumen und zwar ſowohl die daran befindliche, als andere darneben ge - legte einzelne Blumentheile nach ihrer Anzahl, Ge - ſtalt, Lage und Verhaͤltniß gegen einander, in und außer ihrer Verbindung auf das deutlichſte ausge - druͤckt, und theils in natuͤrlicher Groͤße A. C., theils durch das Vergroͤßerungsglas dermaaßen vergroͤßert B. B. H L. vorgeſtellet; daß man daran zum Bey - ſpiel innerhalb der Blumenkrone Coralla, B. die Staubtraͤger E. E. mit ihren Staubhuͤlſen Filament a in Antheris, nebſt allen drey Theilen des Blumengrif - fels Piſtillum F. G. D nehmlich den Eyerſtock Ova - rium D. die Fruchtroͤhre tuba S. ſtylus, mit der Be - fruchtungsnarbe ſtigma, G. wie auch die Honigge - faͤße Nectaria D. mit noch etlichen beſondern kugel - runden Kapern in Fig. B. genau von einander un - terſcheiden kann, als die, zuſammen genommen, den natuͤrlichen Geſchlechtskaracter des Lorbeers in ihrer Verbindung ausmachen.

Zugleich erhellet aus dieſer Abbildung, ſo wie ſich der Kampferbaum bey ſeiner zweymaligen Bluͤ - the gezeiget, daß er unter die nach dem Sexualſyſtemſoge -169ſogenannte zwitterbluͤtige Pflanzen plantas floribus hermaphroditicis gehoͤre. Darunter denn ſolche Blu - men verſtanden werden, deren eigentliche und allein zu dem natuͤrlichen Befruchtungs - und Erzeugungs - geſchaͤfte der Pflanzen gehoͤrige und beſtimmte Werk - zeuge, die durch ein unmittelbares Beruͤhren in ein - ander wirken muͤſſen, ſo nahe als moͤglich in ein und eben derſelben gemeinſchaftlichen Befruchtungswerk - ſtadt officina foecundationis naturalis plantarum mit ein - ander verbunden ſind. Dagegen die Natur den da - von verſchiedenen Gewaͤchsklaſſen andere Geſetze ge - geben.

Dergleichen geſetzmaͤßige Einrichtung iſt dieſer ſtarken Pflanzenklaſſe vornehmlich deshalben gegeben, weil ſie weder Trieb noch Vermoͤgen haben, ſich wie die meiſten Thiere aus einem Ort in den andern will - kuͤhrlich zu bewegen und umher zu wandern, um ſich einen zur Befruchtung erforderlichen Gegenſtand auf - zuſuchen. Ein ſolcher Bau vollkommen ausgebilde - ter Blumen dienet anbey, diejenigen Schriftſteller zu widerlegen, welche ohne weitern Erweiß vorgeben, daß der Kampferbaum maͤnnliche und andere von dieſen auf ganz von einander verſchiedenen Baͤumen habe.

Jedoch um nicht bloß gerade widerſprechen zu wol - len, kann ich dieſe Bemerkung nicht ganz von der Hand weiſen, da eine nahe verwandte Geſchlechts - art, nehmlich Laurus nobilis der gemeine Lorbeer - baum, die maͤnnliche Bluͤthe in einem von den weib - lichen ganz abgeſonderten Baume herfuͤrbringe. Es koͤnnte alſo mit der angegebenen Bemerkung zwar ſei - ne Richtigkeit haben, nur muͤſte man dabey einen voͤl - lig natuͤrlichen Zuſtand nicht mit einem am oͤfterſten vorkommenden fehlerhaften verwechſeln; als in wel - chem letztern die natuͤrliche regelmaͤßige EntwickelungL 5der170der Blumentheile von Zufaͤllen gradweiſe verſtellt oder gar unterbrochen wird.

Da man nun bey Unterſuchung der Blumen - theile nicht immer mit der erforderlichen Genauigkeit zu Werke gegangen iſt, ſo ſind daraus unvermeidliche Irrungen entſtanden, die etliche Schuͤler und Anhaͤn - ger des Linneiſchen Pflanzenſyſtems dahin gebracht, daß ſie die XXII. Klaſſe deſſelben, die den Namen Dioecia hat, ganz ausgeſtrichen, wie denn der XXI. oder Monoecia, nebſt der XXII. der Polygamie ein gleiches noch bevorſtehet. Man hat indeſſen, ehe man Klaſ - ſen ausſtreichen zu koͤnnen glaubet, ſehr viele Erfah - rung uͤber den natuͤrlichen Blumenbau, zu machen, und deſſen fehlerhaften Zuſtand, aus ſehr verſchiede - nen Urſachen, die in die Entwickelung der Blumen vor - nehmlich wuͤrken, nicht mit den erſten zu verwechſeln.

Bey allem ſinnlich vollkommenen Blumenbaue hat doch unſerer noch gar zu jungen Pflanze das Ver - moͤgen gefehlet, ſich in die Fruͤchte zu entwickeln; wie dieſes der Fall bey mehrern jungen zuerſt bluͤhenden fremden und einheimiſchen Pflanzen ſehr oft iſt, daß ſie ihre Bluͤthe ohne alle Befruchtung abwerfen: wo - von im folgenden, verſchiedene Urſachen halber, mit mehrern zu handeln ſeyn wird.

Der natuͤrliche Geſchlechtskarakter, welchen die Blumen dieſer Lorbeerart enthalten, iſt nach beyliegender Abbildung, in der den Botaniſten eige - nen Sprache folgender.

  • Laurus camphorifera.
  • Japonica Kaempfer. Amoen. exot. p. 770. tab. 770. Camphorifera arbor, ex qua Camphori officin. Hermann. Ludg. Batav. 118. vid. et Thunberg. Flor. Japon. Pag. 172.
Cal. 171
  • Cal. O.
  • Corol. 1. petala, roſacea, calycina, 5. 6. partita, hypocarpia, perſiſtens: Laciniis erectis patenti - bus orato acuminatis, exterioribus alternis.
  • Nectar. Tubercula 2 3 ſeta intra filamenta et germen.
  • Aam. Filamenta 9. corolla breviora eaedemque inſerta obruſa compreſſa: triplici ordine dispoſita. An - therae margini filamentorum ſuperiori utrinque adratae. Glandulae 2. globofae petiolatae, baſi ſinguli filamenti interioris ordinis inſertae.
  • Piſtill. Germen ſuboratum. Stylus ſimplex incraſla - tus, leviter inclinans, longitudine ſtaminum. Stigma ereptum et obtuſum.
  • Pericarp. (ex fide auctorum) Drupa globoſa 1. locu - laris, in fundo a baſi perſiſtentis corollae veſtita.
  • Sem. Nux globoſa nucleo globoſo foeta.

Man ſieht aus dieſer Beſchreibung, daß der Camphorifora des Hermanns keine eigene Gattung ſey, ſondern daß dieſer ſeltene Baum zu den uͤbrigen Ar - ten der Lorbeergattung gehoͤrt, wohin ihn auch die fa - denfoͤrmigen Honigbehaͤltniſſe bringen, welche der ganzen Lorbeergattung eigen ſind. Unſer Baum hatte uͤberall Zwitterblumen, dies iſt abermal ein Beweis wie wenig man der Claſſe des Linne Monoecia Dioecia &c. trauen darf. Der gewoͤhnliche und uͤber - all bekannte Lorbeer kommt hingegen in unſern Gaͤrten immer mit getrennten Geſchlechtern vor. Ich zweifle aber nicht, daß er auch Zwitterblumen zeugen mag, wenn nur die Naturforſcher der Gegenden, wo er ein - heimiſch iſt, ihm mehrere Aufmerkſamkeit ſchenken wollten. Zwitterblumenbringende Straͤucher oder Baͤume verhalten ſich oft in andern Himmelsſtrichenganz172ganz anders, wie in ihrem natuͤrlichen Vaterlande. Sie machen, wenn ſie in kaͤltere Gegenden kommen, keine Zwitterblumen mehr, und zeigen uns Blumen von getrennten Geſchlechtern. Die Ceratonia Sili - qua Linn. (Siliqua dulcis Officinar. ) kann hier zum Be - weiſe dienen. Forſkaehl fand dieſen Baum beſtaͤndig mit Zwitterblumen und 6 Staubfaͤden in Egypten. Bey uns zeigt er ſich, als ein Arbor diciea floribus pentandris hexandricoe. Sonderbar genug, wie das Clima auf die Gewaͤchſe wirkt. Aber noch weit merk - wuͤrdiger iſt der Einfluß des Climas auf die Werk - zeuge der Begattung. Hier iſt entweder eine voͤllige Unfruchtbarkeit, oder ſie aͤußert ſich nur in juͤngern Jahren. Tritt der letzte Fall ein, ſo kann man; glaube ich, dreiſt behaupten, daß Mangel der Saͤfte, und vor - zuͤglich, wenn wir die Linneiſche Fortpflanzungstheorie annehmen, Mangel an bildendem Marke Schuld ſey. Der Baum muß noch zu viel Saͤfte auf Bildung der jungen Blaͤtter und Aeſte verwenden, als daß er ohne Schaden ſeines Wachsthums Fruͤchte bringen koͤnnte. Die Kunſt kann ihm zwar hier bisweilen zu Huͤlfe kommen, und ihn dahin bringen, daß er Fruͤchte tra - gen muß, aber der Schaden ſolcher kuͤnſtlichen Me - thoden iſt zu offenbar, als daß man ihn nur auf ir - gend eine Art anrathen koͤnnte. Die voͤllige Un - fruchtbarkeit ſcheint aber noch andere Gruͤnde zu ha - ben, die ich kuͤrzlich hier anfuͤhren will. Erſtlich liegt es daran, daß man dem Strauche nicht den natuͤrlichen Standort giebt oder geben kann. Dies beweiſen ſelbſt einheimiſche Pflanzen, die oͤfters keine Fruͤchte bringen, wenn man ihnen einen andern Standort als den natuͤrlichen giebt. Zweytens fehlt es den meiſten Pflanzen an dem gehoͤrigen Grad der Waͤrme, den man ihnen nie ſo vollkommen, als in ihrem Vaterlande geben kann. Solche Straͤucher, die in warmen Him - melsſtrichen, gerade zur Regenzeit, oder kurz vor oderauch173auch bald nachher bluͤhen, bringen bey uns am erſten Saamen und Fruͤchte, weil ihnen nicht ein ſo großer Grad von Waͤrme noͤthig iſt, als denen, die in der Mitte des dortigen Sommers, wenn die Sonne am hoͤchſten ſteht, ihre Blumen hervor bringen. Selbſt ſchon die eingekerkerte Luft der Gewaͤchshaͤuſer, die doch bey aller Vorſicht nicht ſo wie im natuͤrlichen Va - teriande beſchaffen iſt, mag Schuld an dem Abfallen ſo vieler Blumen ſeyn; aber noch einen wichtigern Grund findet man in den Honigbehaͤltniſſen. Dieſe haben auf den Stand und Zweck der Blume mehr Einfluß, als man vielleicht glaubt. Von ihnen haͤngt bey vielen Pflanzen die Begattung ab. Sie wirken, wie man gleich ſehn wird, nicht unmittelbar auf die Be - fruchtung, indeß haͤngen ſie doch mit dieſer auf eine wunderbare Art zuſammen. Es iſt jedermann be - kannt, wie dergleichen Gewaͤchſe faſt immer beſchaffen ſind, ihr fehlerhafter Bau liegt gemeinhin bloß in den maͤnnlichen Theilen. Die weiblichen Theile werden ſelten Fehler zeigen. Nun wiſſen wir ferner, daß der befruchtende Theil im Staube der Antheren bloßes Oel iſt. Dies Oel geht bis zu dem Gerinnen und be - wirkt dadurch das Ausbilden der Frucht. Es iſt auch bekannt, wie wenige Zwitterpflanzen das Werk der Begattung ſelbſt verrichten koͤnnen, ſondern das reiche Heer der Inſecten zur Huͤlfe haben muͤßen. Dieſen hat die Natur den ſuͤßen Honig angewieſen, der im Grunde der Blume ſich ſo haͤufig ſammlet. Jede Blume enthaͤlt etwas Honig, oder ſondert doch wel - chen ab, ſollte ſie auch nur dieſen ſuͤßen Saft ausduͤn - ſten. Die Erfahrung beſtaͤtiget uns dies bei heißen Sommertagen, wo man oͤfters in Waͤldern einen ho - nigartigen ſuͤßen Geruch wahrnimmt, der ſich auch auf die Blaͤtter verſchiedener Baͤume oder Pflanzen ſammlet und dieſe fleckig macht, wenn nicht bald ein Regen eintritt, der ſie von dieſer Feuchtigkeit befreyt. Jede174Jede Pflanze hat, nach allen chemiſchen Erfahrungen, Zuckerſaͤure und brennbares in ihrer Miſchung. Be - kanntermaaßen machen Oel und Zucker eine ſchleimige Miſchung aus. Nehmen wir dieſe Erfahrungen, die alle unlaͤugbar ſind, zuſammen, ſo wird es uns nicht ſchwer werden zu erklaͤren, warum die maͤnnlichen Theile ſo vieler auslaͤndiſchen Baͤume unfruchtbar ſind. Der Mangel der gehoͤrigen Waͤrme, verhindert das Scheiden des Oels vom Honig, und da iſt es ganz natuͤrlich, daß ſolche Pflanzen unfruchtbar ſeyn muͤßen. Wollte man ja dawider einwenden, daß nur bey wenigen Gewaͤchſen erſt die Botaniker Honigbe - haͤltniſſe geſehn haͤtten, ſo kann man durch die Erfah - rung ihnen ſattſam darthun, daß faſt alle Blumen mit Nectariis verſehn ſind. Man muß nur nicht von Vorurtheilen eingenommen ſeyn, und alles ſo ſehen wie es die Natur zeigt, ſo wird man das Geſagte wahr finden. Nicht alles was man fuͤr Honigbehaͤlt - niſſe erklaͤrt, ſind Honigbehaͤltniſſe, oft ſind es nur An - ſtalten, das Ausfließen des Honigs zu verhindern, oder den Honig vor dem eintretenden Regen zu bewahren. Doch ich komme wieder auf unſern Kampferbaum.

Aus den Winkeln der Blaͤtter entſprangen die Blumen, deren botaniſche Beſchreibung oben erwaͤhnt iſt, in kleinen Riſpen (panicula). Zwey oder drey Blumen hatten einen gemeinſchaftlichen Stiel und 5 bis 6 ſolcher Stiele waren an einer panicula wech - ſelsweiſe geſtellt. Die ganze Laͤnge einer ſolchen Blu - menriſpe, betrug ungefaͤhr die halbe Laͤnge des Blatts.

Von der Frucht koͤnnen wir nichts ſagen, als was ſchon durch andere bekannt iſt. Der Herr Ritter Thunberg traf ſie in Japan von gelber, rother und dunkelvioletter Farbe an. Er erzaͤhlt auch, daß die Einwohner aus denſelben eine Art Talg bereiten, deſ - ſen man ſich ſtatt des Wachſes bediene, um Lichter daraus zu machen.

Der175

Der ganze Baum mit ſeinen Blaͤttern, und die Art ſeines Wachsthums, iſt ſchon oft und hinlaͤnglich beſchrieben, daß es uͤberfluͤſſig ſeyn wuͤrde, hier noch etwas davon zu erwaͤhnen. Ich erinnere nur noch, daß unſer Baum vielleicht mit zu den groͤßten gehoͤrt, den je ein botaniſcher Garten hat aufweiſen koͤnnen. Seine Hoͤhe betraͤgt mit der Krone 25 Schuh. Noch ſcheint er nicht voͤllig ſeinen Wachsthum geendigt zu haben, dies beweiſet auch die lange Zeit, in der er nicht wieder gebluͤht hat. Es fraͤgt ſich aber, woher kam das Bluͤhen unſers Baums? Ich kann keinen andern Grund, als etwa einen vorhergehenden gelinden Win - ter, und einen darauf folgenden ungewoͤhnlich war - men Sommer angeben. Noch kommt vielleicht dazu eine andere Art der Behandlung des Gaͤrtners. Oef - ters haͤngen von ſo geringfuͤgig ſcheinenden Dingen wichtige Wirkungen in der Natur ab. Vielleicht kann hier ein kleiner Umſtand eingetreten ſeyn, den man, weil er zu geringfuͤgig ſcheint, uͤberſieht. Die Erfahrung wird es in der Folge lehren, was Schuld daran geweſen ſey.

Um aber doch auch zu wiſſen, wie viel Kampfer der Baum enthalte, ließ ich eine Unze von den jungen Blaͤttern dieſes Baumes zerſtuͤcken, mit Waſſer uͤber - gießen, und gelinde deſtillieren. Anfangs zeigte ſich nichts von einem Kampfer, bis endlich alles er - kaltet war, wo ich denn etwas uͤber einen Scrupel er - hielt. Der Kampfer war blaͤtterig und ſchwamm theils auf dem uͤberdeſtillierten Waſſer, theils hing er in kleinen Puncten am Halſe der Retorte, und des Kol - bens an. Von Farbe war er dem rafinirten voͤllig gleich, nur hatte er noch einen fremden gewuͤrzhaften Geruch, der dem engliſchen Gewuͤrze (Semen Amoni. Myrtus Pimenta L.) aͤhnlich war. Das Waſſer ſchmeckte ſehr ſtark nach Kampfer und hatte auch etwas von dem gewuͤrzhaften Geruche bey ſich.

Man176

Man bereitet den Kampfer aus dem Holze, und Aeſten, die auch vermuthlich ungleich reichhaltiger als die Blaͤtter ſind. Es ſcheint der ganzen Laurus Gat - tung eigen zu ſeyn, daß der Stamm mit dem Alter be - ſonders an den untern Theilen nach Kampfer rieche, und auch wirklich welchen enthalte. Dies erzaͤhlt man von dem Zimmtbaume, der auch zu dieſer Gat - tung gehoͤrt.

Ver -[177]

Verſuch zur Verhaͤltniß der Hoͤlzer bei ihrer Bearbeitung.

Dieſes betrift vornehmlich ihre Haͤrte und Weiche, Zaͤhigkeit und Sproͤdigkeit, Mildigkeit und Wild - heit oder Widerſpenſtigkeit, imgleichen ihre Adern oder feſte Streifen, deren einen der Baum jaͤhrlich rund herum anſetzt, Narben oder longitudinelle Gruͤbchen oder duͤnne Furchen, Spiegel oder kleine glatte Stellen, Blumen oder dunkele Flecken und Fi - guren, ſeidenhaftes, gewaͤſſertes, wellenhaftes An - ſehen, gekiepertes Anſehen, wie eine ganz fein oder klein teſſellirte Flaͤche von abwechſelnden kleinen Querſtrichlein, ir. Schwehre, Farbe, Geruch, Ge - ſchmack ꝛc.

I. Wilde Hoͤlzer.

  • 1) Schlehen, Schwarzdorn, Acacia offic. ſ. Pru - nus ſylv. Dod. hat die Haͤrte und das Spint des Pflau - menbaums, iſt auch im Herzen braͤunlich wie dieſer. Je aͤlter dieſes Holz wird, deſto aͤhnlicher wird es dem Pflaumenbaume. Doch iſt es zaͤher als dieſer, aber es iſt eben ſo wild oder widerſpenſtig es wider den Strom zu bearbeiten, und pellet. Alles ſproͤde Holz,Mwenn178wenn es auch noch ſo wild iſt, laͤßt ſich doch mit dem feinen Hobel beſſer und ohne zu pellen bearbeiten, als das zaͤhe Holz, wenn es wild iſt, weil ſolches pellet.
  • 2) Ahorn, weißer Berg-Ahorn aus den Zozen, Acer mont. candidum CB. Wenn es jung iſt, ſo iſt es mittelmaͤßig hart, denn je aͤlter der Baum wird, deſto haͤrter iſt das Holz. Es iſt etwas zaͤhe wie der Weißdorn. Die Adern oder jaͤhrliche Reifen liegen dicht an einander. Es hat auch Spiegels wie einige Eichen und Rothbuͤchen, aber nur kleine. Es iſt ein feines Holz und laͤßt ſich ſauber bearbeiten. Es iſt zu Violinenboden, Griffe und Baͤcke geſchickt.
  • 3) Breitloͤbern, Laͤhnen, Leinbaum, Acer mont. tenuiß. dacutis fol. CB. iſt dem weißen Berg-Ahorn in der Haͤrte und Zaͤhigkeit gleich, aber groͤber an Adern. Es ſpielet ſeidenhaft und iſt etwas gekiepert wie Acer. mont. candid., aber wegen den groben Adern dienet es nicht wie dieſes zu Violinen und Re - ſonanzboden.
  • 4) Fladern, Malinen, Gaͤnſeflieder, Acer ſim - plicior Schwenckf. iſt weich und zaͤhe wie Eſpen und weislicht.
  • 5) Raͤpelthaͤn, Masholder, Acer campeſtre et mi - nus CB. iſt mittelmaͤßig hart wie das allerhaͤrteſte Birkenholz, iſt auch zaͤhe. Viele Hoͤlzer aber, die glatt und ohne Aeſte ſind, ſind viel leichter zu bearbei - ten, als was wimmerig, aſtig oder maſerig iſt, denn hier geht eine Stelle mit der andern wider den Strom, nemlich hin und her und quer durch; hiermit muß man ſorgſam und muͤhſam umgehen, die Hobeleiſen ſcharf halten und zart vorſchlagen, dabei ſich auch vorſehen, wie und was man hobelt.
  • 6) Elſe, Erle, Alnus Dod. iſt weich, das geſunde ſowohl als das im Waſſer grau gewordene. Wenn es geſund und trocken iſt, ſo laͤßt es ſich gut hobeln und ſauber machen; aber man muß gut Schneidezeugund179und Eiſen dazu haben, denn Elſen und Rothbuͤchen ſtuͤmpfen das Werkzeug am meiſten. Das Elſen - holz iſt nur ein ſchlechtes Holz zum Verbrennen ſo wohl als in der Dauer, der Wurm frißt es bald im Trocke - nen, im Wetter verſpahckt es bald, in der Erde ver - fault es bald; bleibt es aber ſtets im Grunde des Waſſers, ſo dauert es lange.
  • 7) Birke, Meien, Betula Dod. iſt weich und zaͤhe, laͤßt ſich gut ſpalten (man ſpaltet die Hoͤlzer am lieb - ſten nach den radiis axeos) der Stamm iſt allezeit haͤr - ter und zaͤher als der Zopf, nahe an der Erde iſt der Stamm haͤrter und zaͤher und laͤßt ſich nicht ſo gut ſpalten als oben. Der Maſer waͤchſt unten, iſt auch haͤrter und zaͤher. Der haͤrteſte Birkenſtamm iſt an Haͤrte dem Fliederholze gleich. Die Birkenrinde brennt wie Kien, in Schweden werden die Haͤuſer damit gedeckt.
  • 8) Hagebuͤche, Steinbuͤche, Weißbuͤche, Car - pinus Dod. Oſtrya Cord. kommt dem l. Ebeno nigro an Haͤrte und Arbeit meiſtens gleich, iſt nemlich ſehr hart, ſonderlich der Stamm und das Herz und haupt - ſaͤchlich die braune dunkele Streifen und Stellen in alten Baͤumen. Ob nun gleich dieſes Holz hart und zaͤhe iſt, ſo dauret es doch in der Erde und im Wet - ter nicht: aber im Trocknen iſt es das allerbeſte Holz zu Werzeuge fuͤr die Tiſchler und Zimmerleute. Wo aber hierzu kein Weißbuͤchen zu bekommen iſt, muͤſſen ſie Aepfel - Birn - oder Pflaumenholz dazu nehmen. Hier nennt jedermann Carpinum, Weißbuͤche, doch wollen einige Art Fagi mit weißerer Rinde lieber Weiß - buͤche nennen.
  • 9) Hartbaum, Hartriegel Cornus foem. Lob. Osſea, iſt hart und zaͤhe wie Apfelbaum, aber weiß wie Weißbuͤchen, laͤßt ſich gut bear beiten.
  • 10) Haſelſtaude, Corylus ſylv. Lob. iſt weich aber etwas haͤrter und zaͤher als die Weide, Linde, undM 2Pap -180Pappel, es iſt ſo zaͤhe und hart wie die Birke. Der Stamm iſt weich, aber die Wurzel iſt haͤrter ſo wie das Birkenholz. Der Stamm laͤßt ſich nicht gut hobeln, aber die Wurzel beſſer.
  • 11) Hambutten, Wiepken, Cynosbatus Offic. Ro - ſa ſylv. Tabern. iſt ſehr hart und zaͤhe, etwas gelb - lich. Was nicht aſtig und wimmerig iſt, laͤßt ſich ſauber bearbeiten.
  • 12) Spillbaum, Evonymus Dod. iſt hart und zaͤhe wie das Hambuttenholz, aber gelber, darum wird es auch von den Tiſchlern verarbeitet. Das ge - rade Holz laͤßt ſich ſauber bearbeiten und iſt fein Holz.
  • 13) Buͤche, Rothbuͤche, Fagus Dod. iſt an Haͤrte verſchieden. Es liegt vieles an dem Grunde und an der Sonne. Wenn ſie ſo ſteht, daß ſie Luft und Sonne hat, und nicht ſchadhaft wird, ſo kommt ſie dem Weißbuͤchen gleich. Wenn dies Holz naß iſt, ſo iſt es gut zu hauen und zu ſchneiden, trocken aber ſtumpft es alle Werkzeuge ſehr. Im Wetter und an einem dumpfigen Orte iſt es nicht dauerhaft und wird bald ſpahkig, ſonderlich, wenn es rund und in ſeiner Rinde liegen bleibt, dann findet man darin verſchie - dene Farben.
  • 14) Faulbaum, Frangula Dod. iſt ſehr weich, laͤßt ſich gut arbeiten und ſauber hobeln; aber im Abziehen mit der Ziehklinge pellet es doch.
  • 15) Eſche, Tahw-Eſche, Fraxinus Dod. iſt ſo zaͤhe und ſo mittelhart als alte Birken. Je juͤnger es iſt, deſto zaͤher und weißer iſt es. Sonſt und im Kern iſt es blaßbraun wie der Kern des Hippocaſtani und der Eiche. Das junge Holz ſpielet ſeidenhaft, mit dem Alter hingegen werden die Narben groͤßer wie an den Eichen.
  • 16) Epheu, Hedera arborea CB. iſt weich wie Werſt, fahlgraͤulich, weißlich und auſſer der axi ge - kiepert.
17) Wach -181
  • 17) Wachholder, Iuniperus Dod. wird nicht ſehr groß und dick, weil er viel Aeſte auswirft. Es iſt mittelmaͤßig hart wie das Birkenholz. Das Spint iſt weiß und zart, das Herz aber gelblich, die Adern braͤunlich. Die Adern haben etwas Oel, die Aeſte aber vielmehr. Es waͤre ſonſt gut zu bearbeiten, wenn es nicht ſo viele Aeſte haͤtte; wegen dieſen aber reißt es ſehr ein, weil ſie oͤlig und dabei nicht hart ſind. Es hat einen ſtarken Geruch.
  • 18) Waſſerflieder, Hirſchholder, wilde Schnee - baͤlle, Opulus Ruell. iſt zaͤhe und hart wie Birnbaum, laͤſt ſich aber nicht ſo gut hobeln, weil es gern auf - reißt. Iſt weißlicher, haͤrter und zaͤher als der Opu - lus fl. globoſo T.
  • 19) Hagedorn, Oxyacantha Lob. iſt ſo hart und zaͤhe als Birnbaum, laͤſt ſich ſauber bearbeiten, iſt weißlich, die Adern aber ſpielen etwas braͤunlich. Deſſen Varietas Weißdorn genannt, iſt wenig weißli - cher, laͤſt ſich auch mittelmaͤßig bearbeiten und wird ſauber, hat mit ihm auch gleiche Haͤrte ſc. wie Aepfel - und Miſpelholz, darum pfropft man Miſpeln darauf, iſt haͤrter als Creuzdorn.
  • 20) Elpe, Aepe, Aehle, Toͤlpelgensbaum, Trau - belkirſche, Ceraſus racemoſa J B. Padus fol. annuis Linn. iſt ſo ſtark und zaͤhe als Birnbaum, hat mittel - maͤßig feine Adern. Das Spint iſt weislich, aber das Herz iſt blaß oder hellbraun wie die Farbe des de - cocti von der aͤuſſerſten gruͤnen Wallnußſchaale. Die Knorren hingegen und Seitengewaͤchſe ſpielen ſeiden - haft ſchwefelgelb.
  • 21) Kiefer, Kienbaum, wilde Fichte, Pinus ſylv. CB. Pinaſter Lob. wenn es gerade gewachſen, nicht wim - merig, noch gedrehet, noch aſtig iſt, ſo laͤſt es ſich al - lezeit gut behauen, ſchneiden und hobeln, aber nur fuͤr Zimmerleute: hingegen fuͤr die Tiſchler muß alles tro - cken ſeyn, weil die Tiſchblaͤtter, Panele, Fußboden,M 3Tafeln182Tafeln u. d. gl. muͤſſen zuſammengefuͤgt werden, und die Bretter links und rechts, Zopf und Stamm nach dem vorhabenden Werke und Maaße muͤſſen zuſammen - gerichtet und geleimt werden, da dann an vielen Brettern die halbe Seite vorwaͤrts, die andere ruͤck - waͤrts muß gehobelt werden, deswegen muß das Holz gut trocken ſeyn. Das Fichten oder mager und fein - draͤhtige Kienenholz iſt leicht und nicht zur Dauer im Wetter, aber im Trockenen zur Fournirarbeit, beſon - ders zu Kaſten, Kleider - und Eßſpinden iſt es ſehr gut. Hingegen haben die Bauren das Kienichte gern zu Laden, je kienichter je beſſer, wenn es auch noch ſo ſtark riecht. Die alten und ſtarken Sagebaͤume, die ein groſſes und kienigtes Herz haben, dauren am be - ſten im Wetter zu Pfaͤle und Haͤuſer, wenn ſie nehm - lich nach der guten Wahl gefaͤllet worden. Aber das gute Holz koͤmmt nun ſelten an die Tiſchler. Ein Kienbaum, der in einem Schuß gewachſen iſt, keine groſſe Aeſte hat, niemals von andern Baͤumen verdre - het oder beſchaͤdiget worden, auch nicht ſo frei ſte - het, daß ihn der Wind ſtark treffen kan, hat feine Rinde und feine Adern, iſt gut zu hobeln, zu Kehl - ſtoͤſſe, Reſonanzboden der Claviere und anderer In - ſtrumente geſchickt.
  • 22) Schwarze Pappel, Populus nigra Dod. iſt ſo weich als die Knackweide und von der weiſſen Pap - pel in der Bearbeitung gar nicht unterſchieden. Jo feiner man die Weide und beide Pappeln hobeln will, deſto mehr pellen ſie, d. i. deſto mehr bleiben die feine losgeſchobene Faden unten am Hobel ſitzen, und ma - chen durch ihr Eindrucken auf dem weichen Holze Streifen und hierdurch das Saubermachen muͤhſam. Will man es uͤber Ende hobeln um Hirnplatten zu machen, ſo iſt es zu weich und fohſch, ſo, daß es nicht ſteht noch gegen haͤlt, ſondern ausbroͤckelt. Je aͤlterdie183die Weiden und Pappeln werden, deſto fohſcher und muͤhſamer ſind ſie zu bearbeiten.
  • 23) Eſpen, Laubeſche, Populus tremula C B. iſt ſo weich als die Steinlinde, etwas haͤrter als die zah - me oder Waſſerlinde (Tilia foem. fol. majore C B.) Es iſt ſo zaͤhe wie Birken und Linden. Wenn es naß iſt laͤßt es ſich gut biegen, auch wenn es ſchon trocken iſt. Es iſt fein gekiepert und laͤſt ſich gut bearbeiten, darum machen die Drechsler vielerley z. B. Teller daraus.
  • 24) Eichenholz, Quercus Tab. iſt ſehr verſchieden, einiges iſt ſehr muͤrbe oder weich und milde. Die Mittagsſeite iſt allemal haͤrter als die Mitternachts - ſeite, beſonders am Stamm. Aber in einer dicken Heide oder wenn der Baum hinter einem Berge ſteht, ſo daß ihn die Sonne nicht beſcheinen, noch die Mit - ternachtſchlimmwetter anbringen kann, ſo iſt der Baum rund um von egaler Haͤrte und muͤrber als andere Baͤume. Alle Eichen, die auf niedrigem Grunde ſte - hen und mehr Naͤſſe haben, haben den Vorzug im Wachsthum, ſind auch haͤrter als die, ſo auf ſandigen Bergen ſtehen, wenn ſie nehmlich unbeſchaͤdiget bleiben. Die Beſchaͤdigung aber iſt mannigfaltig, als durch Windbruch, oder wann abgehauene Aeſte im herun - terfallen andere Aeſte mit wegſchlagen, da denn unten Stuͤcken vom Stamm mit abgeriſſen werden; auch werden durch das Abſtammen der Nebenbaͤume manche Aeſte mit weggeſchlagen, wovon der Baum Schaden oder Schwaͤmme bekommt und faul wird; oder der Baum wird unten angehauen, ſo daß die Rinde nicht uͤberwachſen kann, davon wird er trocken, rothfaul und bekommt den großen Wurm oder den kleinen Sandwurm. Von der Beſchaͤdigung und den Schwaͤmmen werden die Baͤume auch oben trocken und faul, und mit der Zeit mehr und mehr[unter - waͤrts] an einer Seite oder in der Mitte, und hiervonM 4wird184wird das Holz roth und bekoͤmmt verſchiedene Farben. Das Malgiſche hat ſehr groſſe Flammen.
  • 25) Steineiche, Quercus vulg. brevibus pedicu - lis J. B. Hall. Lin. iſt viel haͤrter als das gemeine Ei - chenholz, deſſen Farbe auch mehr ins braune faͤllt, als des Steineichenholzes, welches mehr weisliches auch wohl graͤuliches zeiget. Uebrigens gilt bei dieſer auch was von der gemeinen Eiche erinnert iſt. Einige meinen, die Steineiche laſſe die trockene Blaͤtter auch im Winter nicht ſo bald fallen als die gemeine. An - dere nennen eine Truhf-Eiche ohne das innere Holz derſelben zu kennen.
  • 26) Creuzdorn, Wegedorn, Rhamnus catharcti - cus C B. iſt ſo hart als Creuzdorn, aber zaͤhe und ſei - denhaft. Sein gerades Holz laͤſt ſich ſauber arbeiten. Seine Maſer iſt gut zu Pfeifenkoͤpfe, beſſer als Elſen und Birkenmaſer, weil es ſeidenhaft, paille, gelblich, ja in recht alten Staͤmmen recht angenehm roͤthlich ſpielet.
  • 27) Brombeer, Kratzbeer, Rubus vulgaris C B. Dieſes Holz iſt hart und zaͤhe, laͤßt ſich gut hobeln und hat der Hambutte Anſehen und Farbe.
  • 28) Weide, Salix, iſt das weichſte unter allen Hoͤl - zern. Es iſt zwar zaͤher als Lindenholz, weil es aber zu weich iſt, laͤßt es ſich nicht gut hobeln noch mit der Saͤge gut ſchneiden. Dasjenige, ſo gruͤn geworden, iſt zwar weich, laͤſt ſich aber doch gut hobeln. Das Holz der verſchiedenen Weidenſorten iſt an Haͤrte und in der Bearbeitung, faſt gar nicht unterſchieden und gleichet der ſchwarzen Pappel. Doch iſt das Holz der Saalweide (Salix perſicae folio auriculata Hal - ler) und der Lorbeerweide (Salix perſicæ folio non auriculata Commelin. ) etwas zaͤher, haͤrter und fei - ner als der Bruch-Knick - oder Knackweide (Salix pro -cera185cera Dod.) Dieſe beide kommen dem Pappel - und Waſſerlindenholze gleich, die Steinlinde aber iſt et - was haͤrter; doch laͤßt ſich Lindenholz uͤberhaupt beſ - ſer hobeln, ſtechen und ſchneiden. Der Werft (Salix latifolia, inferne hirſuta J B) iſt etwas zaͤher als die Bruchweide, und wird daher von den Boͤttichern eben ſo wie die Haſelſtraͤuche zu Baͤnder gebraucht. Die gelbe Bind - oder Elbweide (Salix lutea tenuis ſativa viminea J B.) iſt noch biegſamer fuͤr die Weinmeiſter, Gaͤrtner ꝛc. als die Saalweide, welche doch die Bruch - weide an Biegſamkeit uͤbertrift.
  • 29) Ebereſche, Quitze, Sorbus aucuparia J B. iſt mittelmaͤßig hart und zaͤhe wie Birken, und laͤſt ſich nicht gar gut bearbeiten.
  • 30) Even-Iben-Euenbaum, Taxus, iſt mittelmaͤſ - ſig hart, ſo wie das milde Eichenholz, aber in der Bearbeitung und im Anſehen iſt es davon ſehr unter - ſchieden. Das Ebenholz iſt ſehr ſproͤde oder gelſtern, laͤſt ſich mit der Sage zwar gut ſchneiden aber nicht gut hobeln. Es iſt zum Einreißen ſehr geneigt. Man - ches Stuͤck laͤſt ſich wohl uͤberzwerg hobeln; was aber durcheinander gewachſen iſt, laͤſt ſich keinen Weg gut bearbeiten. Dieſes Holz hat keine Augen oder Nar - ben. Wenn es nicht ſauber oder glatt bearbeitet wird, iſt ſolches ſehr deutlich zu ſehen.
  • 31) Linde, Tilia foemina, iſt das beſte Holz fuͤr die Bildhauer, denn es laͤßt ſich beſſer hobeln, ſtechen und ſchneiden als die Pappel und Weide, obgleich die zahme oder Waſſerlinde, folio majore C B. eben ſo weich als ſelbige und nicht ſo zaͤhe als die Wei - de iſt, doch iſt auch die Steinlinde etwas haͤrter.
  • 32) Eichen-Kenſter-Kinſter oder Miſtel, Viscum quernum J B. iſt mittelmaͤßig weich wie Birkenholz und laͤſt ſich gut hobeln.
M 533) Ruͤ -186
  • 33) Ruͤſter, Ilmbaum, Ulmus Dod. iſt ſo hart als das allerhaͤrteſte Nußbaumholz, dabei auch zaͤhe, aber Wurzel und Stamm iſt noch haͤrter. Dieſes Holz ſpielet in den jungen Baͤumen ſeidenhaft, in den großen und alten Baͤumen ſchattiret es beſſer ins braune, denn ſie werden ſo groß als Eichen. Es laͤßt ſich mittelmaͤßig bearbeiten und hat kleine Augen oder Narben.

II. Zahme Hoͤlzer.

  • 1) Tannenholz, das rothe oder ſchwarze ſowohl als das weiſſe, Abies rubra Trag. candida. iſt an Haͤrte und in der Arbeit nicht von einander unterſchieden, wohl aber am Anſehen, denn das rothe iſt an der Mittagsſeite roͤther und hat feinere Adern als das weiſſe. Sie ſind beide weich und nicht ſo gut zu be - arbeiten als das Kienenholz, beſonders die Aeſte, weil ſie gerade ſtehen und die Aeſte niederhangen, auch nicht ſo harzig ſind als das Kienenholz. Jedoch fin - den ſich zuweilen am Kienbaum ſolche Aeſte, die da - von vor langer Zeit abgeſchlagen und am Baume tro - cken geworden ſind, dieſe kommen an Haͤrte denen Tannen meiſtens gleich. Das Tannenholz iſt fuͤr die Tiſchler gut im Trocknen zu Orgeln, Paneel, Tiſche, Schraͤnke ꝛc. it. zum Blindholze darauf zu fourniren oder ausgelegte Arbeit zu machen.
  • 2) Spaniſche Schlehen, Acacia hiſpanica. Dies Holz iſt mittelmaͤßig hart und zaͤhe und laͤſt ſich gut bearbeiten.
  • 3) Fremde Schlehen, Acacia indica dicta. Dies Holz iſt hart, das Herz braun geſtreift, aber das Spint ſeidenhaft gelbgekiepert. Es iſt dem Ruͤſter und Creuzdorn meiſtens gleich.
  • 4) Nachtſchattenbaum, Solanum fruticoſum bac - ciferum C B. Amomum plinii, Ger. iſt ſo weich und zaͤhe als Werft zu bearbeiten.
5) An -187
  • 5) Annona ex horto Krauſii Berol. Anona, atqua - lis? iſt ſehr weich, gleichet der Haſelſtaude, und iſt ſchwer, ſauber oder glatt zu machen.
  • 6) Erdbeerbaum, Arbutus fol. ſerrato C B. iſt mit - telmaͤßig hart und etwas zaͤhe, laͤßt ſich auch gut ver - arbeiten.
  • 7) Pommeranzenholz, Aurantium acri medulla Ferr. iſt dem Birnbaumholze gleich, laͤßt ſich gut bear - beiten, gut und ſauber hobeln, iſt etwas hart und zaͤ - he wie der Citronenbaum aber etwas gelber.
  • 8) Pommeſine, Apfelſine, Aurantium dulci me - dulla Ferr. Ihr Holz iſt etwas hart und zaͤhe wie der Citronenbaum, gelb und hat feine Adern.
  • 9) Yerva mora Eulr. Boſia Lin. iſt mittelmaͤßig hart, etwas zaͤhe und kommt dem Nußbaumholze gleich.
  • 10) Hoher Buxbaum, Buxus arborescens C B. Der Stamm ſowohl als die Wurzel iſt ſehr hart, zaͤ - he, wild und boͤſe zu bearbeiten. Es iſt ſehr hoͤckerig und wirft viele kleine Aeſte, deshalb reißt es ſehr ein und iſt daher ſehr muͤhſam ſauber zu machen.
  • 11) Kampferbaum, Laurus camphorifera Kæmpf. Iapon. ex horto Krauſii Berol. Camphorifera offici - cinar. Dies Holz iſt mittelmaͤßig hart, etwas zaͤhe, wie Birke und Laurus, hat eine dem Lauro aͤhnliche Structur, ſpielt auch wie dieſer ſeidenhaft, aber ſeine Farbe faͤllt mehr ins braune, dagegen Laurus mehr ins graue faͤllt. Der Stamm laͤſt ſich gut bearbeiten. Es hat einen ſtarken Geruch.
  • 12) Geisblatt, Specklilie, Caprifolium germ. Dod. Periclymenum non perfol. J. B. iſt mittelmaͤßig hart wie Rothbuͤchen, laͤßt ſich nicht gut hobeln.
  • 13) Aechte Caſtanie, Caſtanea ſativa C B. Ihr Holz iſt hart und zaͤhe wie Apfelbaum und laͤßt ſich gut bearbeiten.
  • 14) Kirſchbaum, Ceraſus ſativa CB. iſt hart und zaͤhe, wie der Fliederbaum, es reißt gerne ein, und laͤßt ſichdes -188deshalb nicht gut hobeln, darum wird es wenig verar - beitet. Das Holz der ſpaniſchen Herzkirſche iſt hart und zaͤhe wie Apfelbaum, und laͤſt ſich mittelmaͤßig bearbeiten.
  • 15) Clematitis Canad. Boerh. iſt ſehr weich, laͤſt ſich gut hobeln, iſt dem weichſten Cedernholze gleich.
  • 16) Linſenbaum, Falſche Senesblaͤtter, Colutea veſicaria C B. Sein Holz iſt weich wie Birkenholz und laͤſt ſich gut hobeln.
  • 17) Dierlein, Juden - oder Kornelkirſche, Cornus hort. mas. CB. Sein Holz iſt weiß und haͤrter als des Ceraſi, es iſt dem Borſtorfer Apfelholze gleich, und laͤſt ſich gut bearbeiten.
  • 18) Quittenholz, Cotonea et Cydonia Lob. iſt et - was haͤrter als Apfelholz, und ſehr wild zu bearbei - ten. Auf ſeinem Stamm wird anderes Obſt gepfropft.
  • 19) Cypreſſenbaum, Cupreſſus C D. Dies Holz iſt hart und etwas zaͤhe wie der Apfelbaum, laͤßt ſich aber wegen der vielen Aeſten nicht ſo gut bearbeiten. Es riecht wie Sadebohm Sabina hat aber feine Adern.
  • 20) Cytiſus Cæſalp. Falcata incana Rivini. Es iſt ſehr hart, das Spint iſt etwas weicher aber zaͤhe. Das Herz an Haͤrte dem Olivenholze gleich.
  • 21) Ecbolium Rivin. Adhatoda Zeylanens. Boerh. iſt weich zu bearbeiten wie das Birkenholz.
  • 22) Feigenbaum, Ficus communis C B. Sein Holz iſt weich und milde, und laͤſt ſich gut hobeln wie Lindenholz.
  • 23) Stachelbeerholz, Grosſularia ſpinoſa fativa C B. iſt mittelmaͤßig hart wie Birken, am Stamm iſt es etwas zaͤhe, hat in axi ein weiches Mark, und laͤßt ſich mittelmaͤßig bearbeiten
  • 24) Roßkaſtanie, Hippocaſtanum vulg. T. iſt et - was weicher als die Steinlinde, mittelmaͤßig hart und zaͤhe wie das Ahorn, auch gekiepert weiß wie dieſes, und laͤſt ſich gut hobeln.
25. Wil -189
  • 25) Wilder Jesmin, Jasminum, iſt mittelmaͤßig hart und zaͤhe, laͤſt ſich ſauber bearbeiten, gleichet dem Birnholze. Der Cataloniſche Jesmin iſt mittel - maͤßig hart, laͤßt ſich nicht gut verarbeiten und reißt ein.
  • 26) Nußbaum, Wallnuß, welſche Nuß, Nux Iuglans C B. iſt ein ſchoͤnes Holz, beſonders die Wur - zel, deren Haͤrte iſt mittelmaͤßig wie am Birnholze, aber der Stamm iſt nicht ſo hart. Dabei iſt es zaͤhe wie Werft und Haſelſtrauch. Es ſpielet allerley Fi - guren und ſchattiret auch ſehr. Es laͤſt ſich ſauber be - arbeiten, und iſt zu den Gewehrſchaͤften und zu vieler - ley Tiſchlerarbeit das beſte Holz. Friſch riecht es ſaͤuerlich.
  • 27) Rothe Bruſtbeeren, Jugubæ offic. Ziziphus Dod. Dieſes Holz iſt dem Birkenholze gleich, an Haͤrte mittelmaͤßig, aber etwas zaͤhe zu bearbeiten.
  • 28) Lerchenbaum, Lier - oder Leerbaum, Larix Dod. iſt weich wie Rothtannen, hat auch ſolches Anſehen. Seine Adern und Aeſte ſind hart. Es laͤßt ſich beſon - ders uͤber Ende fohſch bearbeiten, ſonderlich das jun - ge, deſſen Haͤrte dem Birkenholze gleichet, welches auch keinen Geruch hat und nur in axi etwas harzig iſt wie Larix. Der ordinaͤre Schlichthobel iſt auf Tannen, Linden, Elſen, Lerchenbaum der beſte, aber die feine Politur und Hirnplatten erfordern andere Arbeit.
  • 29) Lorbeerbaum, Laurus latifol. Boerh. Sein Holz iſt mittelmaͤßig hart, etwas zaͤhe, gut zu bear - beiten, iſt dem jungen Wallnußbaumſtamm meiſtens gleich, aber nicht die Wurzel.
  • 30) Leonurus fl. rubro. ſein Holz iſt mittelmaͤſ - ſig weich und zaͤhe wie Nußbaumholz und laͤßt ſich gut hobeln.
  • 31) Licium Bütneri, Hippophæ fœm. fr. flaves - cente Lin. iſt an Haͤrte mittelmaͤßig und muͤhſam, ſau - ber zu machen wie der Taxus.
32) Spa -190
  • 32) Spaniſcher Flieder, Lilac T. iſt zaͤh am weiſ - ſen und blauen, und zwar ſehr zaͤhe. Weil ſie auch ſehr aſtig ſind, ſo ſind ſie ſehr muͤhſam zu hobeln; ſind ſie aber geſund und feſt, ſo kann man ſie doch queer uͤber hobeln und ſauber machen.
  • 33) Citronenbaum, Limonie, Limon vulg. Fer - rar. iſt etwas hart und zaͤhe wie die Birke am Stamm. Es iſt ein feines Holz, hat keine grobe Adern und laͤſt ſich gut bearbeiten, iſt etwas gelblich.
  • 34) Apſelholz, Malus ſativa, iſt an Haͤrte den Weißbuͤchen gleich, aber etwas zaͤhe, es iſt nicht ſo zaͤhe als Birnenholz aber etwas haͤrter. Doch iſt bei allen Baumſorten zu merken, daß zwar an jungen Baͤumen das Holz von unten bis oben wenig unter - ſchieden ſei; an alten Baͤumen aber, die in ihrem Wachsthum gut fortgezogen und nicht ſchadhaft ge - worden, hat der Stamm von der Erde auf bis zu einer guten Mannshoͤhe viel haͤrteres Holz als ſeine Aeſte und als ein junger Baum von gleicher Art.
  • 35) Mispelholz, Mespilus ſat. iſt dem Birnbaum an Haͤrte gleich, auch zaͤhe. Wenn es gerade gewach - ſen und trocken iſt, ſo laͤſt es ſich gut verarbeiten; iſt es aber krumm und maſerig, ſo iſt es ſchwer ſauber zu machen.
  • 36) Weiße Maulbeere, Morus fr. albo C B. ihr Holz iſt weich und zaͤhe, an Haͤrte dem Birnholze gleich. Es laͤßt ſich nicht gut ſauber hobeln, weil es auf der Mitternachtsſeite bis zur Haͤlfte pellet und einreißt; die Mittagsſeite iſt aber haͤrter.
  • 37) Schwarze Maulbeere, Morus fr. nigro C B. Ihr Holz iſt haͤrter als das vorige, ſo daß ſeine Mit - ternachtſeite der Mittagsſeite des weiſſen Maulbeer - baums gleich iſt. Es iſt auch zaͤhe, pellet aber nicht ſo leicht als das vorige. Es gleichet meiſtens dem Nußbaumholze.
38) Myr -191
  • 38) Myrtenbaum, Myrtus latifol. Romana C B. iſt weich und zaͤhe wie das junge Nußbaumholz und laͤſt ſich gut bearbeiten.
  • 39) Oleander, Nerium J B. iſt mittelmaͤßig hart wie zaͤhes Birken, hat feine Adern und keinen Ge - ruch. Was wimmerig und hoͤckerig iſt, laͤſt ſich muͤh - ſam ſauber machen.
  • 40) Schneebaͤlle, Schwelken, Opulus fl. globoſo T. iſt weich wie Birken, laͤſt ſich gut bearbeiten, hat aber einen Peddick in axe, der doch kleiner iſt als in Flieder.
  • 41) Pfirſichbaum, Perſica Cæſalp. iſt weich und milde, gleichet meiſtens dem Lebensbaum.
  • 42) Weiſſe Pappel, Populus alba Dod. iſt weich wie die Weide und ſchwarze Pappel. Dieſe drey Hoͤlzer ſind von gleicher Natur und Haͤrte, ſie laſſen ſich nicht gut ſchneiden und ſpalten. Ihr gerades Holz laͤſt ſich wohl grob hobeln; wo aber der geringſte Wimmer oder Aſt iſt, da iſt es muͤhſam mit dem fei - nen Hobel ſauber zu machen.
  • 43) Virginiſche ſchwarze Pappel, Populus nigra Virgin. iſt weich und pellet, denn unter dem Hobel ſetzen ſich kleine Faden, die auf dem Holze Streifen machen, darum iſt es ſchwer ſauber zu machen.
  • 44) Tuͤrkiſche Espe, Populus tremula Turcica, iſt der Pappel gleich.
  • 45) Pflaumenbaum, Prunus ſativa, iſt nicht ſo zaͤ - he als Birken und laͤſt ſich gar nicht zwingen oder beugen. Es muß langſam getrocknet werden und nicht in freier Luft liegen bleiben, weil es ſonſt auf - reißt. Es hat oft faule Stellen. Es iſt ſo hart als Weißbuͤchen. Von den Tiſchlern wird es haͤufig zu Maaßſtoͤcke, Elen, Spiegelraͤhme und fournirter Ar - beit gebraucht.
  • 46) Schlehpflaume, Prunus ſat. fr. rotundo. Dieſes Holz iſt hart und etwas zaͤhe, ſehr geneigt zum Aufreiſſen und inwendig gar ſelten ohne Fehler. Wenn192Wenn es gerade gewachſen, keine Wimmer oder Aus - ſchoͤſſe hat, ſo laͤſt es ſich ſauber bearbeiten: wenn es aber Aeſte geworfen, oder gedrehet gewachſen, ſo iſt die Bearbeitung bey dieſem und vielen andern Hoͤl - zern ſchwer.
  • 47) Acacia Virgin. ſiliquis glabris Raji. Pſeudo - Acacia Rivini. Das Holz ſeines Aſtes iſt weicher als die Staͤmme der vorgedachten Acacien. Es iſt ſo hart als Birken, ſpielet ſeidenhaft, und laͤſt ſich gut bearbeiten. Das Herz iſt gelb geſtreift, nach auſſen braͤunlich, das Spint aber weißlich.
  • 48) Granatenwurzel, Punica Lin. iſt hart, zaͤhe, und laͤßt ſich gut bearbeiten.
  • 49) Birnenholz, Pyrus ſativa, iſt etwas weicher und zaͤher als Apfelholz, drum iſt es gut zum Stechen, beſonders zu Formen fuͤr die Zeug und Tapetendrucker und zu Krispelhoͤlzer fuͤr die Lohgerber. Auch iſt es das beſte Holz zu ſchwarz gebeizter ſournirter Tiſchler - arbeit, denn wenn es ſauber bearbeitet und ſchwarz gebeizt iſt, ſo iſt es vom l. Ebeno nigro nicht zu unter - ſcheiden.
  • 50) Ahlbeſien, Gichtbaum, Ribes nigra Lobel. iſt ſo zaͤhe und mittelmaͤßig hart als Birken, weißlich und ſo dicht voll Flaͤmmchens als Rothbuͤchen, ſeine Narben aber ſind uͤberaus fein.
  • 51) Rothe und weiſſe Johannisbeeren, Ribeſium fr. rubro Dod. Ihr Holz iſt an Haͤrte und Arbeit ein - ander gleich, mittelmaͤßig hart wie Birkenholz, doch etwas feiner und zaͤher, laͤſt ſich gut bearbeiten und hat eine duͤnne Rinde.
  • 52) Rothe Centifolie, Roſa purpurea CB. iſt weich, milde, laͤſt ſich gut hobeln wie Birken.
  • 53) Gelbe Roſe, Roſa lutea C B. iſt mittelmaͤſ - ſig hart und zaͤhe, laͤßt ſich gut bearbeiten und glei - chet dem Nußbaumholze.
54) Him -193
  • 54) Himbeer, Hindbeerholz Rubus idæus Dod. iſt weich und etwas zaͤhe wie die Bindweide, und laͤßt ſich mittelmaͤßig arbeiten.
  • 55) Gartenrautenholz, Ruta ſativa J. B. iſt weich und etwas zaͤhe wie der Birkenzopf und laͤßt ſich nicht gar gut bearbeiten.
  • 56) Sadebaum, Sageboom, Sevenbaum, Sa - bina officin Juniperus fol. inferne ad natis, oppoſi - tionibus concatenatis Lin. Iſt ſo weich und zaͤhe als Wachholder, auch ſo wild, weil es pellet und viel Aeſte hat; iſt ſehr leicht, hat keine Narben, und dauert wohl etwas beſſer als Linden. Die Adern ſind mittelmaͤßig fein. Das Spint iſt weiß wie am Wach - holder. Das Herz faͤllt meiſtens ins blaſſe Purpur, wie es zuweilen am Taxo ſtaͤrker und wohl gar ins violette faͤllt, da Taxus ſonſt gewoͤhnlich ein hellgelb - lichbraunes Herz hat wie Juniperus.
  • 57) Salbei, Salvia latifolia Rivini, iſt zaͤhe wie Birken, und laͤßt ſich gut hobeln.
  • 58) Flieder, Holder, Holunder, Sambucus vulg. J. B. iſt etwas hart und zaͤhe wie das allerhaͤrteſte Bir - ken am Stamm, iſt ein dichtes und feines Holz. Weil es aber vielen Saft haͤlt und deshalb ſehr auf - reißt, auch einen Peddick oder weichen Mark hat, ſo wird es nicht haͤufig verarbeitet. Was daran gleiches geſchlacht und etwas gelbes Holz iſt, das iſt gut zu Li - neale, Fiſcherknuͤtnadeln, Schuſterpflocke und Woll - karrnzollen, (d. i. das Holz der Wollkarren, darin die Spille laͤuft) weil ein anderes Holz vom geſchwin - den Herumlaufen der Spille leicht brennen wuͤrde.
  • 59) Balſambaum, Tacamahaca, Tecoma haca Hernand. ex horto Rheinsberg. iſt jung, ſein Holz iſt weich und zaͤhe, pellet nicht, laͤßt ſich mittelmaͤßig bearbeiten, iſt dem Werftenholze gleich.
N60) Le -194
  • 60) Lebensbaum, Thuya Theophraſti CB. Arbor vitæ Clus. iſt das mildeſte unter allen Hoͤlzern, iſt nemlich das beſte Holz zur leichten Bearbeitung, fuͤr den Tiſchler, es iſt auch leicht am Gewichte, riecht Anfangs widrig, iſt nur ſo zaͤhe als Kienenholz und ſo weich als die Weide. Sein Anſehen, Adern und Aeſte gleichen dem Wachholder. Das Herz ſpielet wie Kienenholz, an deſſen Mitternachtſeite iſt es fein - adrig, ſeine Mittagsſeite aber hat etwas groͤbere Adern. Wie denn die Mitternachtſeite aller Baͤume muͤrber oder weicher, feinaderichter und an dicken Staͤmmen auch von merklich leichterem Gewichte iſt, als die Mittagsſeite. Milde heißt ein weiches Holz. das im Hobeln nicht ausſpringt, nicht einreißt noch pellet, und dadurch alſo des Tiſchlers Arbeit nicht hindert, ſich auch mit dem großen Hobel und mit der groͤßten Geſchwindigkeit bearbeiten laͤßt ohne Wild - heit oder Widerſpenſtigkeit, die das contrarium der Mildigkeit iſt.
  • 61) Vitis quinquefolia Canadens. ſcandens T. Edera quinque folia Canad. Cornuti, iſt ſehr weich wie das weichſte Eichen, aber etwas zaͤhe wie Birken, hat eine grobe dicke Rinde wie alte Eichen, dieſe iſt inwendig am Holze herum ſehr ſchwammig. Ueber Ende iſt es wie ſpaniſches Rohr anzuſehen.
  • 62) Weinſtock, Schoͤn-Edel und gruͤner Ungari - ſcher Wein, Vitis vinifera C B. ſind an Haͤrte, Ar - beit und Anſehen einander gleich. Die Haͤrte iſt mit - telmaͤßig und die Zaͤhigkeit wie am Nußbaumholze. Am Anſehen iſt es dem jungen Eichenholze gleich. Ueber Ende betrachtet, ſieht es wie das ſpaniſche Rohr aus; hat kleine Augen, reißt ſtark auf, deshalb man ſelten Hirnplatten davon machen kann, es laͤßt ſich gut bearbeiten.
III. Frem -195

III. Fremde Hoͤlzer.

  • 1) Agallochum ſpurium iſt ſehr hart, nehmlich dem l. Ebeno nigro an Haͤrte gleich, aber auch etwas oͤlig.
  • 2) Aloeholz, Paradiesholz, Aloes lignum offi - cinar. iſt ſehr verſchieden, obgleich alle etwas oͤlig. Denn einiges iſt dabey weich, etwas zaͤhe wie Bir - kenholz, iſt dem Corinthenholze gleich und laͤßt ſich gut bearbeiten. Anderes iſt mittelmaͤßig hart wie Nuß - baumholz, laͤßt ſich aber wegen der Oeligkeit doch nicht gut ſauber machen. Noch anderes iſt ſehr hart, dem Guajaco gleich, und laͤßt ſich mittelmaͤßig bear - beiten. Noch anderes iſt an Farbe und Haͤrte dem haͤrteſten Nußbaumholze gleich. Endlich iſt dasje - nige, ſo das beſte ſeyn ſoll, gelblich geſprenkelt, an Haͤrte dem l. Ebeno nigro gleich, und laͤßt ſich gut bearbeiten.
  • 3) Asphaltholz, Asphalati ſ. Asphalti lign. iſt auch verſchieden, eines iſt weich wie Birken und laͤßt ſich gut hobeln; ein anderes aber, ſo aus Oſtindien ſeyn ſoll, iſt ſo hart als Weißbuͤchen und laͤßt ſich auch gut bearbeiten.
  • 4) Aureum lignum ex Java, iſt gepellet hellbraun, ſehr hart und ſehr oͤlig, dem l. Guajaco gleich, laͤßt ſich nicht gut hobeln.
  • 5) Benzoës lignum, laͤßt ſich gut hobeln, iſt ſehr weich wie Saſſafras, hat auch ſolche Narben, ſpielt ſeidenhaft ganz hellgraͤulich unter Holzfarbe, iſt ganz fein und dicht gekiepert.
  • 6) Bintang-Laut von der Inſel Celebes, Bintam - Laut. iſt nicht hart aber zaͤhe wie das weichſte Nuß - baumholz, hat aber groͤſſere Narben und keinen Ge - ruch, ſpielet ſeidenhaft, hat große Blumen, die zwilch - weiſe abwechſelnd tangiret ſind. Das Herz iſt hell - braun, das Spint weißlich braun.
N 27) Fer -196
  • 7) Fernebock, ſ. Fernambuc, Braſilienſe lignum, iſt dunkelroth, das ſogenannte Rothholz iſt hellroth, das Campeſche oder Blauholz, blau Braſilienholz, auch gelbes ſind alle gleich, ſo hart als Koͤnigsholz oder l. Ebenum nigrum, nicht ſo hart als Guajacum nicht oͤlig, nicht zaͤh, ſondern ſo ſproͤde als Koͤnigs-Pflau - men - und ſchwarz Ebenholz, ſie riechen ſuͤß, ihre Haͤr - te hindert das Einreißen. Was daran gleich oder ge - rade gewachſen iſt, iſt wohl muͤhſam, aber ſonſt nicht widerſpenſtig im Hobeln, die Maſer hingegen iſt wild. Die Faͤrber brauchen es.
  • 8) Des Calambacs dritte und theuerſte Sorte, Calambac, iſt ſo weich, als Birkenholz, ſchwer am Gewichte, ſehr oͤlig, ſo daß der Tiſchler, der es glatt hobeln ſollte, ein wenig Teig anſtatt der Hobelſpaͤhne bekam und ſagte, es naͤhme keine Politur an, weil es zu oͤlig ſey. Er riecht auch noch nach 10 Jahren bal - ſamiſch. Er hat meiſtens das Anſehen des Eichen - Kinſters. Im gekieperten, gelblichen und braͤunlichen laufen ſeine lange, dunkele, doch feine longitudinelle Narben oder Furchen parallel und ſehr deutlich, da - bei hat er Blumen oder große dunkele Stellen. Die Chineſen zerreiben ihn auf einem Steine mit Waſſer, und trinken dieſes als ein beſonderes Confortans. Auf gluͤhende Kohlen geworfen riecht er herrlich. Zu Batavia Jnd. or. wird er gegen gleiches Gewicht Goldes verkauft, nach Europa wird er nicht verfuͤhret.
  • 9) Camœnny-hout von Java maj. Cammonia, iſt ſchwer, feſt und grieſelich ſ. paille mit aſchgrau ge - daͤmpft, hat keinen Geruch, keine Narben, feine Adern. Seine Haͤrte iſt dem Koͤnigsholze gleich. Es wird wohl ſauber, laͤßt ſich aber doch nicht ſo gut bearbeiten, als das Koͤnigsholz.
  • 10) Canary-Holz waͤchſt auf Java maj. gleichet an Anſehen, Farbe, Haͤrte und geringer Schweredem197dem Saſſafraſs, hat große Narben wie feine Furchen, aber keinen Geruch, und laͤßt ſich gut hobeln.
  • 11) Carobaccinum lignum, Carabaccium lig - num iſt Zimmtfarben, mittelmaͤßig weich, aber zaͤhe wie das Nußbaumholz, laͤßt ſich gut hobeln.
  • 12) Catiate-Holz, Catiate iſt braunroth geſtreift, ſproͤde und ſehr hart, ſo hart als der haͤrteſte Fernebuck - maſer. Es laͤßt ſich gar nicht ſauber hobeln, auſſer queer uͤber mit dem eiſernen Hobel. Es laͤßt ſich wohl gut ſpalten, aber nicht gerade. Will man es mit dem Schnitzer oder Meſſer ſchneiden, ſo iſt es mehr zum Reiſſen als Schneiden geneigt.
  • 13) Cayaate-Holz ex Java maj. iſt ſo weich als das weichſte Birkenholz, aber nicht ſo zaͤhe. Das Herz iſt doch haͤrter, als was nach der Peripherie hin ſitzt. Es laͤßt ſich gut bearbeiten, hat große Narben, iſt blaß zimmtfarben.
  • 14) Cayoe-Lacka-Holz, Cayoe-Lacka, von der Inſel Gilolo, iſt ziemlich hart und ſproͤde, nemlich wie das Pflaumenbaumholz, hat Narben wie Nuß - baumholz, einen widrigen Geruch wie Gurken, iſt etwas oͤlig, roth wie Fernebuck, aber nicht ſo hart, ſpielet dunkel und hell in inegalen longitudinellen Streifen.
  • 15) Cedrus das gewoͤnlichſte Cedernholz der Tiſch - ler, iſt ſo weich als das haͤrteſte Birkenholz vom Stamm, auch eben ſo zaͤhe, milde und leicht am Ge - wichte, als dieſes. Es ſpielt faſt zimmtbraun mit purpurrothen Streifen. Seine Adern ſind mittelmaͤſ - ſig fein, doch verſchieden, wie am Kienenholze. Es riecht ſuͤß, kommt wohl von Nord-America, denn was ich ſub tit. Cedern aus Malaga bekommen und aus Sud-Amerika iſt, iſt wie das Surinaams Cedar-hout deutlich gekiepert, ſchoͤn, ſeidenhaft, hellgelblichbraun, aber nicht ſo gut zu bearbeiten, als das vorige ge - braͤuchliche. Die ſogenannte Ceder ex Libano, ſoN 3uͤber198uͤber England kam, iſt JuniperusVirgin. & Barbad. Raji oder die Verginiſche Ceder, hat den Cedergeruch, iſt an Anſehen, Adern und Farbe der Sabinæ gleich, iſt ſehr weich wie Thuya oder das weichſte Cedern, laͤßt ſich gut bearbeiten, doch nicht ſo gut als Thuya. NB. der Baum war noch jung.
  • 16) Coffée Holz, ſo jung iſt, iſt weich und fein wie Thuya und laͤßt ſich gut hobeln.
  • 17) Schlangenholz, Colubrinum lignum, iſt mit - telmaͤßig weich, laͤßt ſich gut hobeln, und iſt etwas zaͤ - he wie Nußbaumholz.
  • 18) Conatepie-Holz iſt uͤber die maaßen hart, et - was oͤlig, laͤßt ſich nicht gut bearbeiten, ſieht aus wie Braunholz, hat aber ſchwarzbraune Adern und Augen wie Nußbaumholz.
  • 19) Fiſet, Cotinus T. Fuſtel, Fuſtet, hat egal laufende Adern wie Kienenholz, iſt ſo weich, ſproͤde und mil - de als muͤrbes oder weiches Eichenholz, pellet alſo nicht, und laͤßt ſich gut bearbeiten. Die Faͤrber brau - chen es, die Tiſchler brauchen es auch gern zu Zuͤge oder Schlungwerk, nemlich Frieſe, ſo nebſt den Lei - ſten laufen, und die Fuͤllung an den Thuͤren der Schraͤnke umgeben, denn zu Vorſtellung der Blu - men ꝛc. iſt es zu grobaderig. Sproͤde oder Gelſtern iſt einerley, und iſt zwar das contrarium vom zaͤhen, doch kann es dabey milde ſeyn und nicht ansſpringen.
  • 20) Corinthen-Holz, junges, iſt weich, etwas zaͤhe, wie Birkenholz, und laͤßt ſich gut hobeln.
  • 21) Schwarzes Ebenholz, Ebenum nigrum, von der moluckiſchen Inſel Batyany, uͤbertrift an Haͤrte die allermeiſten Hoͤlzer, und iſt hierin dem l. Guajaco gleich, iſt ſehr ſchwer und inwendig zaͤhe, es wird wohl ſauber aber mit Muͤhe, ſonderlich die Hirnplat - ten. Es iſt ſchwarz mit wenig grau und braunroth verlohren oder gelinde geſtreift, ſo ich am Guineſi - ſchen uͤber England kommenden nicht ſo finde, alswel -199welches auch dem Koͤnigsholze an Haͤrte und Arbeit gleich iſt.
  • 22) Eiſenholz von Paulus-yland in de Straat Batjaar in Oſtindien iſt ſo hart als das haͤrteſte Succa - dana oder Zuckertannenholz, hat auch ſolche Narben, aber keinen Geruch. Einige ganz duͤnne Narben ſind weiß. Es iſt auch zaͤhe und ſchwer, hell coffee - braun, voll ſchmaler ganz dunkeler Streifen; da hin - gegen das uͤber England kommende Eiſenholz weit hel - ler, nehmlich hellzimmtbraun und hin und wieder mit breiten longitudinellen Binden von vielen dun - kelbraunen, obgleich unterbrochenen, doch weit dickern und deutlichern Streifen als das moluckiſche beſetzt iſt.
  • 23) Gelbholz der Materialiſten wird in Buͤchern mit dem Fuſtel verwechſelt, aber nicht vom Pomet, der Hiſt, des Drogues 1735. T. I. p. 135 ſagt, es kom - me uͤber England und Holland. Es kommt in gan - zen Stuͤcken ſo wohl als geraſpelt zum Gelbfaͤrben, iſt ſproͤder als Fuſtel oder Cotinus, welches paille faͤrbt. Es iſt an mittelmaͤßiger Zaͤhigkeit, Haͤrte und Narben dem Zuckertannen gleich. Es ſpielet ſeidenhaft Zitro - nen - und ſchwefelgelb durcheinander, ſo das Fuſtel nicht thut.
  • 24) Franzoſenholz, Guajacum lignum, iſt unter allen Hoͤlzern das haͤrteſte, ſehr oͤlig, widerſpenſtig und hat harte Adern. Die Traverſieren davon ſollen den ſchoͤnſten Ton geben.
  • 25) Japonicum lignum iſt ſeidenhaft, dunkel, brandgelb, oder Dunkelfeuerfarben; an Haͤrte aber Geruch und Geſchmack iſt es dem Fernebuck gleich, jedoch faͤrbet es nicht, wie es denn der Tiſchler vor alt abgeſtandenes Fernebuck haͤlt.
  • 26) Koͤnigsholz iſt ſo hart als Zuckertannen, auch an Anſehen wenig unterſchieden, denn beyde ſind voll dunkeler longitudineller Streifen, die doch im Koͤ -N 4nigs -200nigsholze ſtaͤrker abſetzen, ſonſt aber faͤllt Zuckertan - nen mehr ins caſtanienbraun, das Koͤnigsholz aber mehr in blaßcarmoiſin. Dieſes iſt nicht ſo hart als Oliven, aber ſeine dunkele Adern haben mit der uͤbri - gen Subſtanz gleiche Haͤrte. Es laͤßt ſich ſauber ho - beln und bearbeiten wie Zuckertannen, welches aber ſtaͤrker und ſuͤſſer riecht, und eben ſolche Narben hat wie Nußbaum, die im Koͤnisholze nicht ſo deutlich ſind. Man hat auch eine Art Koͤnigsholz von ſtaͤrke - rer Carmoiſinfarbe gewoͤlkt und wenigere dunkele Streifen, das fein gekiepert iſt. Die Franzoſen nen - nen das Koͤnigsholz Bois violet.
  • 27) Maſtixholz, Lentisci lignum, iſt mittel - maͤßig hart, und zaͤhe wie Nußbaum und laͤßt ſich ſauber hobeln; einiges iſt weiß, anderes fahl Zimmt - gelblich braͤunlich, ein drittes hell und dunkeler, zimmt - roͤthlich dicht geſtreift.
  • 28) Lingo-Holz von der moluckiſchen Inſel Bœrœ, iſt weich und leicht, hat große Narben wie das aller - muͤrbeſte Eichenholz, iſt nicht zaͤhe, laͤßt ſich gut be - arbeiten, iſt ſeidenhaft, nach auſſen hin feuerroth, aber nach axin des Stammes hin ſehr blaß, wie etwan Pfirſichbluͤte oder recht alter Creuzdorn. Rumph hin - ter Valentini deutſchen Muſeo muſeor. P. I. p. 46. ſchreibt aus Amboina: Von den hier herum wach - ſenden einen blutrothen Saft gebenden Baͤumen ken - ne ich nur den Lingoo-Baum, im Maleitſchen An - cana genannt, deſſen lichtrothen Saft man austrock - nen und zu einem Gummi, das ganz klar wie Gummi ausſieht, bringen kann.
  • 29) Witte Lingo-Holz von der Inſel Gilolo, hat das Anſehen des weiſſen Sandels, iſt doch etwas braͤunlicher, ja ſo feſt oder hart als das allerhaͤrteſte Weißbuͤchen im Stamm iſt. Drum ſind die Hirn - platten muͤhſam zu machen. Was daran gerade Holz iſt, laͤßt ſich gut und ſauber bearbeiten. Es ſpieltnicht201nicht ſeidenhaft, hat keine Narben, und hat eine duͤn - ne Rinde wie der Apfelbaum.
  • 30) Mahagen iſt ſchoͤn hellbraun, fein gekiepert, mittelmaͤßig hart wie Nußbaumholz, hat auch ſolche Narben, laͤßt ſich ſauber hobeln.
  • 31) Grießholz, Nephriticum lignum, das wah - re iſt blaßgelbbraun, ſehr hart auch dem l. Ebeno ni - gro gleich, laͤßt ſich nicht gut bearbeiten. Aber ein anderes von gleicher Haͤrte und Bearbeitung iſt dun - kelbraun, und hat das Anſehen des beſten Nußbaum - frießholzes, laͤßt ſich aber nicht ſo gut bearbeiten, denn es iſt ſo hart und zaͤhe wie Weißbuͤchen. Das l. Ne - phriticum ſpurium rubrum iſt auch eben ſo hart als l. Ebenum nigrum, laͤßt ſich gut hobeln, iſt fahl car - moiſin braun geſtreift.
  • 32) Ambraholz, Neroli lignum, iſt holzfarben oder blaßbraun, mittelmaͤßig weich, wie Birkenholz, etwas zaͤhe, von feinen Adern, etwas oͤlig, hat einen ſtarken Geruch, an Bois de Jasmin? davon Geoffroy T. II. pg. 242. ſagt, es komme vom Nerio arboreo altisſimo, fol. anguſto fl. albo, welchen Sloane Voy - age to Jamaica Vol. II. p. 62. the wild Jesmintree nennet.
  • 33) Olivenholz, Olea ſativa CB. iſt etwas wei - cher als Guajacum, hat auch harte Adern, die aber nicht ſo grob ſind als in dieſen. Es iſt auch etwas oͤlig[und] muͤhſam zu bearbeiten.
  • 34) Pareirae bravæ radix, dieſe Wurzel iſt weich und laͤßt ſich recht ausgetrocknet, gut bearbeiten, ſieht ſchoͤn marmorirt olivenfarbe aus.
  • 35) Spaniſches Roſenholz, Rhodium lignum, iſt weich und milde, laͤßt ſich gut hobeln, iſt an Haͤrte der Elſe gleich, iſt aber oͤlig und riecht angenehm, wie Roſenwaſſer. Ein anderes iſt etwas zaͤhe, gleicht in der Arbeit dem Pflaumenholze, und laͤßt ſich nicht recht gut bearbeiten,
N 536) Sal -202
  • 36) Salmonie lign. moluccan. Dieſes Holz kommt von den moluckiſchen Inſeln Sullabesſy, und hat mit dem Europaͤiſchen Nußbaumholze gleiche Eigenſchaf - ten und gleiches Anſehen, ſonderlich wie das beſte aus Frankreich, es iſt wie dieſes mittelmaͤßig hart, dabei zaͤhe, hat eben ſolche Farbe, Narben und dun - kelbraune Streifen und laͤßt ſich in allen Stuͤcken ſo bearbeiten. Daher haͤlt es der Tiſchler auch fuͤr frem - des Nußbaumholz und ſagt dabei, es ſey das begaͤng - ſte Holz fuͤr die Tiſchler und Buͤchſenſchaͤfter, weil es ſich ſauber hobeln, ſtechen und ſchneiden laͤßt. Soll - te aber wohl patria Juglandis noſtratis gar der ulti - mus Oriens ſeyn? Ich habe meinen Indiſchen Freund ſchon gefragt, ob er ſich etwan geirret.
  • 37) Zuckertannenholz, Succadana, riecht ſuͤß, iſt hart, etwas zaͤhe. Einiges hat ein dem Nußbaumholze aͤhnliches Anſehen, hat auch ſolche Narben, iſt aber haͤrter. Einiges iſt dem Koͤnigsholze meiſtens gleich, auſſer daß das Koͤnigsholz ins blaße Carmoiſin faͤllt, keine Narben hat, und etwas haͤrter iſt, Zuckertan - nen faͤllt auch mehr ins Caſtanienbraun. Dieſe zwey Hoͤlzer werden von den Tiſchlern ſtark geliebt, weil beyde hell und dunkelgeſtreift ſind und ſich ſauber ar - beiten laſſen. Succadana iſt ein Land der Inſel Borneo.
  • 38) Tamarindenholz, Tamarindus Raji von Java maj. ſpielet ſeidenhaft, gelblich, weißlicht und an vie - len Stellen in longitudinellen Binden, etwas roth - ſteinroͤthlich. Es iſt hart und etwas zaͤhe wie Apfel - holz, hat kleine Narben wie Nußbaumholz, iſt aber muͤhſam zu bearbeiten, denn es iſt wimmerig und in ½ breiten Strichen zwilchweiſe gewachſen. Es wird in Oſtindien kaum zur Feuerung genutzt.
  • 39) Terpentinholz, Terebinthus Dod. iſt hart wie Weißbuͤchen, weißbraͤunlich voll fuchsrother[Queerſtriche] oder ganz duͤnner[Queerſpiegel], hat feine Adern, laͤßt ſich gut hobeln.
40) Wor -203
  • 40) Wortel-hout aus der moluckiſchen Inſel Oebis major, Wortelhout moluccanum, iſt eine kleine, feine gelblich-zimmtbraune Maſer, leicht und milde wie Linden-Maſer, gut zu bearbeiten, riecht etwas ſuͤß. Iſt eine bis 3 Fuß dicke Wurzel, wird zu Batavia zu fei - ne Kaͤſtchens ꝛc. verbraucht.
  • 41) Zuckerkiſtenholz. Das Gelbe iſt ſeidenhaft, ſehr hart, wie Koͤnigsholz, riecht nicht, laͤßt ſich ſau - ber bearbeiten, weil es ſproͤde iſt und nicht aufreißt, iſt voll Narben wie Nußbaum und Eichen. Das Braͤunere iſt weicher, nehmlich wie Zuckertannen, iſt nicht ſo ſproͤde als das Gelbe und laͤßt ſich nicht ſo gut bearbeiten, weil es gern reißt.
Von[204]

Von den Krankheiten des Schaafviehes.

Wann man wiſſen will, ob ein Schaaf oder Ham - mel geſund ſey, ſo darf man ihnen die Augen nur recht aufſperren, und auf das Weiſe ſehen, ſind ſehr viele ſchoͤne rothe Adern in dem Weiſen, ſo ſind die Schaafe geſund, auſſerdem aber nicht.

Des Winters uͤber ſoll man die Schaafe, wo die Staͤlle in Haͤuſern ſind, vor einer warmen, dumpfi - gen und dicken Luft in acht nehmen, denn wenn ſelbi - ges nicht geſchiehet, ſo ſterben ſie bald.

Eine gute Diaͤt, das iſt, die Schaafe recht zu pflegen und ſie davor recht zu bewahren was ihrer Na - tur entgegen iſt, wird vornehmlich erfordert.

Das Aderlaſſen bey den Schaafen iſt eines der ſicherſten Mittel, die Unordnung des Blutes zu be - ſtimmen, und es wieder auf den rechten natuͤrlichen Weg zu bringen, es muß unter den Augen und der Zunge geſchehen.

1) Die Schaafpocken oder Blattern iſt eine der gewoͤhnlichſten aber auch gefaͤhrlichſten Krankheiten, welches dieſes Vieh auszuſtehen hat.

Das Kennzeichen, daß ein Schaaf damit ange - ſteckt ſey, iſt dieſes: man bemerket an den thraͤnendenAu -205Augen die inwendige Hitze, darauf folget der Aus - ſchlag an denen Naſenloͤchern, ingleichen wenn es an - faͤngt auf den Hinterfußen zu hinken, weil die Pocken zuerſt an den Saamentheilen, ſo wie auch zwiſchen den Vorderfuͤßen und wo ſie von der Wolle entbloͤßet ſind, ſich zuerſt zeigen. Wenn man darnach ſuchet, ſo finden ſich zwiſchen dem Felle gleichſam kleine Kuͤ - gelchen, wie auch auſſen auf dem Felle dunkele Fle - cken, woraus hernach die Pocken werden.

Alle angeſteckte Schaafe muͤſſen von den geſunden abgeſondert in ein beſonderes Staͤllchen eingeſchloſſen werden und zwar enge, worin der Boden mit reinem Stroh beſtreuet werden muß, ſie muͤſſen ganz dichte ſtehen, alle Loͤcher und Lucken gut verſtopfet werden, daß keine kalte Luft zu ihnen hineindringen kan. Dar - auf gibt man ihnen ein in Theer getunktes Stuͤck Brod ein; in dieſem Raum muͤſſen ſie 5 bis 6 Stun - den ſtehen, wenn die Hitze und Dunſt nicht gar zu groß wird, da ſie denn ſchwitzen. Wenn dieſes vor - bey, ſo oͤfnet man die Lucken, damit ſie nicht erſticken.

Nach dieſem werden die Adern mit einem Stilet geoͤfnet, dann giebet man ihnen nach Verlauf von drey Stunden reines und duͤrres Futter, nebſt lauligtem Waſſer zu ſaufen ſo viel ſie wollen.

Wenn die Augen und Naſenloͤcher mit den Pocken angegriffen ſind, ſo ſchmieret man ſuͤße Milch darauf, giebt ihnen weiches Brod und Trank von Gerſtenmehl, damit der Hals nicht zuſammen wachſe.

Die noch geſunden Schaafe ſperret man im Schaaf - ſtall ein, verſtopfet alle Loͤcher, giebt ihnen ebenfalls Brod und Theer, damit ſie ſchwitzen; darauf oͤfnet man ihnen mit dem Stilet die Ader, viſititet darauf, ob Kranke darunter ſind, und welche man findet, die werden wie obige traktiret, die andern aber wieder auf die Weide gethan.

Waͤh -206

Waͤhrend der Krankheit beraͤuchert man die Schaa - ſe, nemlich man legt wollene Laͤppchens, etwas Pfer - dehaare auf gluͤhende Kohlen und raͤuchert damit den Stall, worinnen die Schaafe ſtehen, wodurch die Luft gereiniget wird.

Wenn die Schaafe an den Pocken krank, ſo iſt ihr Blut hitzig, deshalben das Aderlaſſen vorgenom - men werden muß. Je kraͤnker das Vieh iſt, deſto ſtaͤrker laͤuft ihr Blut, und wenn es genung iſt, hoͤret es von ſelbſt auf. Die Aderlaͤſſe geſchehen an beiden Adern des Kopfes laͤngſt herunter nach dem Gaumen - bein, das ſonſt os palali genennet wird, und ſich gegen den Mund zuruͤck in einen Aſt beugen, der mit den Kinnbacken hinauf an den Hals gebet. Gleich oben vor der Stelle wo die Adern ſich zuruͤcke biegen, ge - ſchiehet die Inciſion, mit dem Stilet, wo man queer durch den Kopf unter dem Gaumenbein faͤhret, alſo daß man auf einmahl die zur rechten und zur linken liegende Adern oͤfnet, da dann das Blut durch die Naſenloͤcher und nicht durch die Oefnung laͤuft.

Man kann zwar die Adern an den Schaafen nicht ſehen, es kommt aber nur auf die Uebung an ſie mit den Fingern zu ſuchen, und den duͤnneſten Knor - pel auszuforſchen, der mit dem Stilet ſoll durch ge - ſtoſſen werden: doch muß ſolches ein Lehrling anfangs an einem ſolchen Schaafe verſuchen das geſchlachtet werden ſoll, bis er geuͤbt iſt den Stich geſchwind und hurtig zu verrichten.

1) Ein Schaͤfer muß zwey bis drey ſolche Stilette haben, das Inſtrument darf nicht uͤber Zwerg gefuͤh - ret werden, daß es die Adern nicht abſchneide.

2) Die Ringſucht iſt eine Krankheit, da ſich Feuchtigkeit in dem Gehirne ſetzet, ſo daß die Schaafe den Kopf haͤngen, immer herunter gehen, als ob ſie dummlich waͤren, bis ſie crepiren, hierzu iſt nichts als Aderlaſſen dienlich.

3) Wenn207

3) Wenn die Laͤmmec oft nur vier Tage alt ſind, bekommen ſie den Durchfall. Da muß der Mutter die Milch durch Heu und Grummet gebeſſert werden.

4) Saͤuglaͤmmer bekommen gruͤndige Maͤuler, welche mit Honig und Eyerdotter zu ſchmieren und zu helfen ſind.

5) Imgleichen das Gliederwaſſer, dieſes iſt ein dickes Knie, und ſetzet in den Gelenken ein gelb Waſ - ſer: da muß das Lamm geſchlachtet und das Bein weggeworfen werden.

6) Wenn Schaafe boͤſe Eiter bekommen, muß man ſie fleißig ausdruͤcken und mit Honig ſchmieren.

7) Die Schaafe bekommen manchmal zwiſchen den Klauen Wuͤrmer, werden wund und lahm, da muß man Theer oder aus den alten Knieſtuͤcken geſchelten Wagenſchmier hineinſchmieren, ſo heilet es bald, und das Schaaf hinkt nicht mehr.

8) Winterszeit werden bisweilen Schaafe blind, da muß man zartgeſchabten Schieferſtein und Eyerſchaa - len in die Augen blaßen, hilft es nicht, ſo muß das Schaaf geſchlachtet werden.

9) Die Hammel bekommen zuweilen Nabelge - ſchwuͤre; wann Nachſicht und ſchmieren mit Oel oder Fett nichts hilft, muß man zum Schlach - ten eilen.

10) Die Raͤude iſt eine ſo gemeine als gefaͤhrliche und anſteckende Krankheit der Schaafe, das eine iſt die Sommer, das andere die Herbſtraͤude, das Kenn - zeichen iſt, daß ſie mit den Fuͤßen an den Ort kratzen, oder ſich reiben; da darf man nur dicken Sirup, ſo aus Tobacksrippen gekocht mit Theer darauf ſtreichen, ſo iſt es gut. Es giebt eine trockne und naſſe Raͤude.

Gute Auswinterung und fleißige Aufſicht in der Sommerweide bewahren die Schaafe vor vielen Krankheiten. Bey allen dem darf man aufs Hundert des Jahrs vier Stuͤck Abgang rechnen.

Deß -208

Deßhalben laͤſſet man gern den Schaͤfern und ih - ren Knechten ihr Antheil an Schaafen unter der Heer - de, damit ſie dieſe um der ihrigen willen, deſto beſſer in acht nehmen, und das iſt die Urſach, warum man - che Schaͤfereien der Lohnſchaͤfer ihren vorgezogen wer - den wollen, weil um des gemeinſchaftlichen Viehes willen, die ganze Heerde beſſer in acht genommen wird.

So bald ſich ein oder mehrere Stuͤcke krank erzei - gen, ſoll der Schaͤfer es anzeigen, das Kranke in ei - nen beſondern kleinen Stall gethan, viſitiret und nach Befinden curiret werden. Geuͤbte Schaͤfer, wenn ſie die Raͤude an ihrer Heerde merken, machen das Vieh auf einer fetten Weide geſchwind fett, verkaufen es hernach an die Fleiſcher etwas wohlfeiler, und dieſe machen ſich kein Gewiſſen, dergleichen Fleiſch zu ver - kaufen, da es niemand weiß.

Wenn denen Schaafen Salpeterſalz in Waſſer gemiſcht und ſolches ihnen zu trinken gegeben wird, ſoll es die Egeln, oder Egelſchnecken, wenn derglei - chen im Leibe ſind, toͤdten, und die Schaafe curiren. Es ſoll dieſes Mittel ſehr bewaͤhrt ſeyn.

11) Schaaflaͤuſe werden vertrieben, wenn man Toback und deſſen Rippen kocht und die Schaafe da - mit waͤſchet, Peterſilienſaamen in die Wolle geſtreuet vertreibet ſie auch.

Doch iſt von der Raͤude noch zu gedenken, daß, weil ſelbige anſtecket, ein Schaͤfer, deſſen Heerde da - mit angeſteckt iſt, ſich der benachbarten Koppelweide enthalten und keinen Anlaß geben muß, ihn daruͤber zu verklagen, deshalben haͤlt man die Gemeinden, de - ren Schaafvieh dergeſtalt inficiret iſt, von Obrigkeits wegen an, ihre raͤudige Schaafe weg zu thun. Es giebt aber Schaͤfer, welche eine gewiſſe Salbe ha - ben wollen, womit ſie eine ganze raͤudige HeerdeSchaafe209Schaafe wieder kuriren koͤnnen, daß ſie ſo rein wie zuvor werden, ſie halten es aber geheim.

Boshafte Schaͤfer knechte, wenn ſie ihren Herren einen Poſſen thun wollen, laſſen ein dergleichen rau - diges Schaaf von weitem herkommen, zeigen ihnen ſol - ches, machen dadurch die ganze Heerde verdaͤchtig, daß ſie ſie wohlfeil verkaufen muͤſſen, wenn ſie nicht ſelbſt genaue Aufſicht haben.

Wider die Raude, welche nach Herrn Ellis Mei - nung daher kommt, wenn die Schaafe feuchtes, un - reines Gras freſſen, und des Nachts auf naſſem Bo - den liegen muͤſſen, ſoll folgendes Mittel helfen:

Huͤnermiſt 24 Stunden in Waſſer geweicht, mit 2 Pfund Tobacksrippen wohl gekocht und zugedeckt, ſodann die raudige Oerter oͤfters damit gewaſchen; man kann auch Alaun, Attigkraut, Gerſtenmalz und Salpeterſalz, Vitriol und Weineſſig dazu nehmen.

Man macht auch Lauge von Strohaſche, kocht ſie eine Stunde, thut ein paar Pfund Theer, welches aus den Wurzeln, Stubben und Kienſtoͤcken geſchwaͤ - let wird, item eine Metze grob Rockenmehl dazu, ruͤh - ret es um, giebt es dem Schaͤfer in einer Buͤchſe und laͤſſet die Schaafe damit ſchmieren. Das vornehm - ſte ſoll ſeyn, ſie alle zuſammen einſperren und ſchwiz - zen laſſen, drey Tage nichts zu ſaufen geben, ſondern auf junges Gras treiben, und ſie ſo wieder kuriren laſſen.

Einige nehmen auch nur gruͤne Hanfſtengel, zie - hen ſolche den Schaafen durch das Maul, binden ſol - che hinter den Ohren auf dem Hals zu; weil nun die Schaafe ſolche Hanfſtengel brav zerkauen und den Saft davon einſchlucken muͤſſen, ſo purgiren ſie da - von, und reinigen ſich inwendig aus.

Dieſes Mittel ſoll curative und præſervative nu - tzen. Die mit der Raude angeſteckte Schaafe, heißt man das Schmiervieh, und die Schaͤfer Schmier -OSchaͤ -210Schaͤfer, zum Unterſchied derer, die kein raudiges Schaaf anruͤhren, kuriren und unter ihrer Heerde leiden.

12) Wenn im Herbſt giftige Schwaͤmme wach - ſen, auch wenn die Wieſen mit Spinngewebe, wel - ches ein zaͤher giftiger Schleim und den Schaafen ſehr gefaͤhrlich iſt, bedecket ſind, welche ſehr kuͤhlen, ſo laufen die Schaafe im Gebuͤſche ſehr darnach, und freſſen ſich krank, da ſoll ein Schaͤfer alle Muͤhe an - wenden, ſolches zu verhindern, auch bis die Sonne ſolche aufgezogen hat, nicht da huͤten.

13) Der Trab iſt eine Krankheit, wann das Schaaf an den Beinen beiſt, ſich an den Bantern reibt, und endlich verlahmt, dergleichen Vieh ſo an - geſtecket, muß der Schaͤfer gleich wegthun.

Das oͤftere Salzgeben iſt den Schaafen wider alle Krankheiten eine allgemeine Arzeney, und dienet ſon - derlich das ſogenannte Salpeterſalz, welches das Mit - tel zwiſchen Salpeter und Kuͤchenſalz iſt, darzu. Die Salpetergraͤber verkaufen, wann ſie duͤrfen, das Pfund vor 4. 5 Kreuzer. Dieſes Salz wird aber mit Kleie und gedoͤrrten Kraͤutern vermiſcht, nemlich Wermuth, Eichen - und Erlenlaub, Lorbeer, Wach - holderbeeren, Schaafgarben, Leinkuchen, Cammin - ruß, alles nach Proportion.

Es ruͤhret die Krankheit auch von groben Waſſern her, auch von Schlagen der Knechte, worauf ein fleiſ - ſiger Schaafmeiſter ſehen ſoll.

Manchmal ſtreuen boshafte Leute lebendigen Kalk auf die Schaafe, wenn es nun darauf regnet und der Kalk auf die Haut koͤmmt, ſo beißt er ſelbige auf und verurſacht gleichſam eine Raude.

Wider die Lungenfaͤulung dienet folgendes Mit - tel: 1 Pfund Wermuth, und Lorbeermehl, 1 Pfund ſpaniſchen Merrettig zu Pulver geſtoſſen, mit 1 Pfund geſtoſſenen Wachholderbeeren und geſchrotenen Haferoder211oder Kleyen, dann eine Hand voll Salpeterſalz ver - miſcht, alle Fruͤhjahr den Schaafen in die Krippe ge - geben. Auf hundert Stuͤck rechnet man die Haͤlfte von beſchriebener Doſi.

Die Egelkrankheit iſt, wenn die Schaafe an Or - ten das ſtehende Waſſer ſaufen, oder dergleichen Gras, woran die kleinen Egelſchnecken haͤufig ſitzen, freſſen, und dadurch ſolche Wuͤrmer und Inſekten mit in den Leib bekommen, welche ſich ſonderlich in der Leber und Galle aufhalten. Nach der umſtaͤndlichen Beſchreibung des Herrn Prediger Schaͤffers in Re - gensburg de anno 1753 ſind ſie anzuſehen wie lebloſe Stuͤckchen Haͤute, die aber wirklich lebendig, ſich aus - dehnen, zuſammenziehen, vor und hinter ſich wenden: die Grundfarbe ſchiene bey den meiſten braun, blau - ſchwarz, einige aber auch aſchgruͤn und weißlich: wenn man ſie in laulicht Oel thut, leben ſie einige Zeit. Einige ſollen einen Zoll lang ſeyn, und denen Waſſer - ſchnecken gleich kommen. Dergleichen Wuͤrmer ſollen ſich auch in den Lebern des Rind - und Schweineviehes in manchen Jahren einfinden. Man ſollte ſie dem erſten Anblick nach eher vor Blaͤtter als Wuͤrmer halten.

Einige wollen behaupten, dieſe Wuͤrmer hielten ſich auf dem ſogenannten[Pfennigkraute] auf, allein es koͤnnen ſolche auch auf andern Kraͤutern an ſumpfigen Orten anzutreffen ſeyn, und dahin ihre Eyer legen, und von den Schaafen mit verſchluckt werden, von da ſie durch den Schlunk in den Magen, und ſo fort in den zwoͤlffingerigen Darm, von da in den Gallengang und dann in die Leber kommen, allwo ſie ſich zu tau - ſenden vermehren.

Hieraus entſtehet in der Bauchhoͤhle des Schaa - fes eine Menge Waſſer, welches von der anhaltenden naſſen Witterung und Nahrung herruͤhret, und wo - von viel oder weniger Schaafe oder ganze HeerdenO 2nach212[nachdem] ſie alle von ſolcher vergifteten Weide und Waſſer genoſſen haben, ihren Tod finden.

Das Fleiſch ſolcher Schaafe, wenn ſie geſtochen werden, ſoll deshalb nicht ungeſund ſeyn, hingegen Lunge und Leber taugen nichts. Es iſt alſo den Schaͤ - fern und Schaafknechten ſcharf anzudeuten, daß ſie ihre Schaafe nie an ſumpſige oder naſſe Oerter wo ſte - hendes Waſſer iſt, weiden laſſen, und in naſſen Jah - ren, ſo viel moͤglich, trockene Oerter, Huͤgel und Waͤl - der ſuchen, bis die regnigten Tage vorbei ſind, wie denn uͤberhaupt alles Gras, ſo aus ſtehenden Waſſern und ſumpfigten Orten abgeſchnitten, und den Schaafen vorgelegt wird, dem Vieh gefaͤhrlich iſt.

Die Mittel wider dieſe vorbeſchriebene Egelkrank - heit, ſind folgende, wenn in den Augen der Schaafe die rothen Adern nicht zu ſehen, dabey den Leib voll Waſſer haben, ſo iſt

1) den Schaafen woͤchentlich einmahl Salpeter - Salz mit Ruß und Kleye zu lecken zu geben, hingegen wenig zu ſaufen.

2) Denen Kranken gießt man taͤglich ein Seidel oder ein halb Maaß warm gemachtes Bier oder Wein - eſſig ein, in welchem vorhero eine Hand voll Salz auf - geloͤſet worden, oder geſtoſſene Wachholderbeeren da - zu gethan. Wie denn Eſſig und Salz ſchon in den aͤl - teſten Schriften als ein bewaͤhrtes Mittel angeprieſen worden.

Oft bemeldeter Herr Prediger Schaͤfer raͤth auch an, daß man denen Schaafen, ſo mit Waſſer ange - fuͤllet, mit einer Pfrieme, welche mit einem Roͤhrchen bedecket iſt, ein Loch in die andere Seite des Bau - ches ſtechen, durch das Roͤhrchen das Waſſer abza - pfen und hernach mit Theer wieder beſchmieren ſolle, bis es geheilet iſt. Dieſe Operation wird wohl mit Vor - ſicht geſchehen muͤſſen.

Die -213

Dieweil ſich auch zu Zeiten die Fatalitaͤt ereignen kann, daß Schaafe auf der Weide von wuͤtenden Hun - den gebiſſen werden, ſo iſt in den Stutgartiſchen phy - ſicaliſch, oͤkonomiſchen Anzeigen folgendes Mittel an - geprieſen:

Man ſoll Gauchheil, ein uͤberall wild wachſendes Kraͤutchen, anagallis genannt, ſammt den Stengeln und Blumen, an einem ſchattigen Ort trocknen, zu Pulver ſtoßen oder reiben, dem gebiſſenen Vieh bis zu einem halben Loth auf Brod mit etwas Salz und Alaune geben, oder auch in Waſſer einſchuͤtten, die Wunde aber mit friſchem Waſſer auswaſchen, ſo helfe es. Einige Schaͤfer ſtreuen das Gauchheil unter das Salz, als ein Pulver denen Schaafen zu einem allge - meinen Gegengift und zur Befoͤrderung des Appetits.

An einem andern Ort wird verſichert, daß ein Quent - chen dieſes gepulverten Krautes, in warmen Thee ge - nommen, auch einem von einem wuͤtenden Hunde ge - biſſenen Menſchen helfe. Und Herr Profeſſor Schre - ber verſichert im achten Theil ſeiner beliebten Samm - lungen, mit Umſtaͤnden, daß das Kraut Gauch - heil (im Mecklenburgiſchen rothe Mire auch Hanen - wittig genannt) einen vom wuͤtenden Hunde gebiſſenen Schaͤfer, dem er dieſes Mittel gerathen, wirklich ge - holfen habe.

Da mir eben dieſes ſo nuͤtzliche Buch in der Land - wirtſchaft Gentilhomme Cultuvateur genannt, unter Haͤnden gekommen, worinnen vieles merkwuͤrdige von denen Krankheiten der Schaafe enthalten, ſo habe ſol - ches extractsweiſe hiermit beyfuͤgen wollen.

Von dem Fieber der Schaafe.

Ob gleich die Krankheiten der Schaafe ſo haͤu - fig nicht ſind, als die Krankheiten des großen Vie - hes, ſo iſt es doch eben ſo wichtig und noͤthig, daß ſie der Landmann kenne, weil es wirklich einige dar -O 3unter214unter giebet, die entweder gar toͤdtlich oder doch ſehr ſchwer zu helfen ſind.

Damit wir nun dem Landmanne eine ſo nothwen - dige Kenntniß beybringen, ſo wollen wir die Beſchaf - fenheit ſolcher Krankheiten erklaͤren, ferner deren Ur - ſachen ergruͤnden, und die Art und Weiſe vorſchrei - ben, wie ſie zu curiren ſind, und zwar, vermoͤge ſol - cher Mittel, welche uns nach oft wiederholten Ver - ſuchen, vermittelſt des gluͤcklichen daraus entſtande - nen Erfolgs, am aller untruͤglichſten geſchienen haben.

Wann das Schaaf vom Fieber befallen iſt, ſo hat es Hitze im Maule und in deſſen Augen, dabey bren - net es ihm in den Fuͤßen, dieſe Krankheit ruͤhret ge - meiniglich von dem Froſte her, welchen das Thier er - litten hat.

Wenn nur in einer Schaͤferey zwey oder drey Stuͤck damit befallen werden, ſo iſt dieſer Zufall nicht ſo ſchlimm, als wenn es die meiſten Schaafe betrift, denn es zeigt die Erfahrung im letzten Fall, daß die - ſes eine ſchaͤdliche Krankheit iſt.

Das erſte Mittel, ſo man dawider brauchen muß, iſt, die Urſach dieſer Krankheit zu heben, und dem Schaͤfer anzudeuten, an waͤrmere Oerter zu weiden, welche der rauhen Luft nicht ſo ſehr ausgeſetzt ſind: man bemerket auch, daß die große Sommerhitze bisweilen Schuld daran ſeyn kan, wenn die ſchwaͤcheſten Schaafe in der Heerde das Fieber bekommen. Alsdann muß man ſie an ſchattigen Oertern weiden laſſen. Doch iſt’s in beiderley Faͤllen viel beſſer, daß die kranken Thiere in einem abgeſonderten Stall ruhig bleiben, und da - ſelbſt mit gutem Graſe gefuͤttert imgleichen mit gutem Waſſer getraͤnket werden. Wenn man alſo verfaͤhret, ſo darf man ſich darauf verlaſſen, daß nachſtehende Arzeneymittel alle Wuͤrkung thun werden, die man nur wuͤnſchen mag.

Gleich215

Gleich Anfangs muß man ſie zur Ader laſſen, und folgenden Trank eingeben: nehmet eine Unze Mitri - dat, loͤſet ihn in ein Maaß warmes Bier auf, oder in deſſen Ermangelung in eben ſo viel altem guten ro - then Wein. Thuet noch eine halbe Unze Virginiſchen Felddragun-Wurtzel hinzu und eine Drachma pulveri - ſirte Cochenille. Dieſes iſt auf vier Doſis genug, wovon man einem jeden Schaafe ſo das Fieber hat, eine Doſis des Abends und des Morgens eingiebet. Bemerket man aber, daß das Thier, wie es ſich oft zutraͤgt, hartleibig oder verſtopft iſt, ſo muß man noch zu jeder Doſis vorerwaͤhnten Tranks eine Unze einer ſchmerzſtillenden Latwerge hinzuthun. Hat aber das Thier offnen Leib, ſo wird ſolcher Zuſtand viel zu deſ - ſen Geneſung beytragen, und folglich waͤre die Lat - werge uͤberfluͤßig. Wir haben gefunden, daß nach Gebrauch von vier Doſis das Fieber nicht ferner an - gehalten habe.

Vom Durchlaufe.

Sollte der Durchfall ſich ſogleich mit dem Fieber einſtellen, ſo rathen wir der Natur ihren Lauf zu laſ - ſen. Man merke aber hierbey zugleich, daß der Durchfall gefaͤhrlich werden wuͤrde, falls man ſolchen nicht nach aufgehoͤrtem Fieber ſtillen wollte. Allein, um zu ſeinem Zweck zu gelangen, ſo bediene man ſich folgendes Mittel.

Nehmet ein Viertelpfund Faͤrberſpaͤhne, laſſet ſel - bige in zwey Maaß Waſſer bis auf ein Maaß einko - chen, wenn es bald eingekocht iſt, ſo thut etwas Zimmt hinein. Seiget dieſen Trank durch ein leinen Tuch, und gebet viermahl des Tages dem Schaafe ei - nen halben Schoppen davon zu trinken, bis es gaͤnz - lich geneſen iſt.

O 4Die -216

Dieſes Mittel hat faſt allezeit wider den Durch - fall, der von einem Fieber begleitet wird, und der nach dem vertriebenen Fieber fortdauret, gute Wuͤr - kung gethan. Man muß zu einer jeden Doſin eine Unze Diascordium, ohne Honig und zehn Gran Ja - paniſche Erde hinzuthun. Man giebet dieſe Arzeney aber nur Abends und Morgens ein, wenn man dieſe Sachen hinzugethan.

Von der Schwanzkrankheit.

Wenn das Schaaf den Durchfall bekommt, ſo be - ſudelt der dicke Unflath, welcher heraus fließet, ſei - nen Schwanz, und dieſe von Natur ſcharfe Materie wird je laͤnger ſie ſich daſelbſt aufhaͤlt, immer beiſſender, es entſtehen daher Geſchwuͤre, welche den Schwanz anfreſſen, das Thier abmatten und ihm heftige Schmer - zen verurſachen. Dieſe Krankheit iſt noch weit ge - faͤhrlicher, wenn ſie von einem ſolchen Durchfalle ent - ſtehet, welcher das Fieber verurſachet; weil die Gaͤh - rung des Gebluͤtes der Materie noch mehr Schaͤrfe giebt, und in dieſem Fall muß man dieſes Uebel vor der Krankheit vertreiben, man muß nemlich dahin be - dacht ſeyn den Durchfall zu ſtillen, und ſich bemuͤhen, den Schwanz rein und ſauber zu erhalten.

Was den Durchfall anbetrift, ſo kann man ſol - chen durch die im vorher gehenden Kapitel angezeigte Mittel ſtillen. Man muß den Schwanz ſo viel es im - mer moͤglich iſt, rein abſcheeren, ihn fleißig mit war - men Waſſer und Milch, hernach aber mit Kalkwaſ - ſer waſchen.

Wenn man nun alle dieſe Muͤhe angewandt hat, ſo laͤßet man das Thier auf einer trockenen Weide ge - hen. Nachdem zwey Tage verlaufen, ſiehet man wieder nach dem Schwanz, falls das Uebel fortdauert, ſo wiederholet man den Gebrauch des warmen Waſ -ſers217ſers und der Milch, und wenn man den Schwanz wohl gewaſchen hat, ſchmieret man ihn mit unter ein - ander gemengten Theer oder ſchwarzer Kuͤhnſtocker gewuͤhlten Wagenſchmier, von jedem eines ſo viel als das andere.

So bald das Uebel geheilet, ſo waſche man den Schwanz Abends und Morgens mit warmen rothen Wein oder Urin, wozu man eben ſo viel Waſſer thut, um[di]e Wunden zu heilen, und die Wolle wieder her - aus zu treiben. Es giebt Landleute, welche ſich bey dieſem Zufalle des Samariter-Balſames bedienen. Dieſe Methode iſt nicht zu tadeln. Der Balſam iſt nicht ſchwer zu machen. Er beſtehet aus gleichen Theilen Wein und Olivenoͤl, welches man ſo lange untereinander ſchlaͤgt, bis dieſe Vereinigung zu einem Balſam gerinnet.

Von der Lungenſucht.

Unter allen Thieren werden die Schaafe am mei - ſten von der Lungenſucht befallen. Man wird ſolches leicht durch ihr ſchweres Othemholen, und durch ihr ſtarkes Huſten gewahr, welches ſie plaget. Man muß hauptſaͤchlich dahin bedacht ſeyn, dieſem Uebel durch ſchleunige Mittel abzuhelfen, denn wenn dieſe Krank - heit nur ein wenig vernachlaͤßiget wird, ſo iſt ſie un - heilbar, und das Thier ſtirbt eben ſo wie ein Menſch, an einer Art von Schwindſucht, oder Auszehrung.

Gleich Anfangs wird erfordert, das Thier in an - dere Luft und Weide zu bringen. Beobachtet man nicht dieſe Vorſichtigkeit, ſo darf man ſich von allen Arzeneymitteln, die man gebrauchen wird, keine Wir - kung verſpechen. Die Erkaͤltung iſt die gemeiniglich - ſte Urſache dieſer Krankheit, deren die Schaafe in nie - drigen und feuchten Weiden ausgeſetzt ſind, man muß ſie hernach in verzaͤunte Weiden fuͤhren, wo es kurzO 5Gras218Gras und einen guten Boden giebt, und wo ſelbſt ſie entweder Quell - oder anderes laufendes Waſſer ſau - fen koͤnnen, hierauf druͤckt man den Saft aus einer Menge Huflattigblaͤtter und Wegwartwurzeln aus; ſolchen Saft vermiſcht man durch einander, wozu man den vierten Theil Knobelauchſaft thut. Nach - dem man dieſen Trank verfertiget, fuͤget man ein Pfund Honig hinzu, ingleichen eine Unze geſtoſſenen Anis und anderthalb Unzen Enula Campanæ Alandwurzel, von dieſem Heiltrank giebt man jedem Schaafe des Tages einmahl einen halben Schoppen zu trinken, nach Gebrauch dieſes Mittels und der dabey in acht genommenen Methode wird verſichert, daß unter vie - len kranken Schaafen von dieſer Art nur ein einziges krepiret iſt.

Von der Gelbſucht.

Kein Thier iſt ſo ſehr der Verſtopfung der Leber un - terworfen, als das Schaaf. Man kennet dieſe Krank - heit an der in den Augen der Thiere befindlichen gelben Farbe, ſo bald man ſolches gewahr wird, ſo muß man dieſelben auf eine offene Weide fuͤhren, und den Schaͤ - fer anbefehlen, ſie doch ohne ſie ſehr zu ermuͤden, in ſtaͤtiger Bewegung zu halten, hierauf gebraucht man folgende Mittel.

Laſſet zwey Pfund Fenchelwurzel, eben ſo viel Pe - terſilienwurzel und vier Pfund Hundeszahnwurzel, nachdem es alles recht klein gehackt iſt, in acht Maaß Waſſer, bis auf die Haͤlfte einkochen, ſeiget dieſen Trank durch ein leinen Tuch, welches recht ſcharf aus - gewunden wird, zerſtoſſet hernach in einem Moͤrſel ſo viel Schellkraut oder Schwalbenwurzel, als erfordert wird drey Seidel Saft daraus zu preſſen, thut dieſen Saft zu obbemeldeten Tranke mit drey Drachma Sal. Martis, miſcht dieſes recht unter einander: laſſet da -von219von taͤglich drey Schoppen waͤrmen, und gebet es ei - nem jeden kranken Schaafe ein; dieſes Mittel wird eine vollkommene Geneſung bewerkſtelligen, falls man nur zu gleicher Zeit die Thiere auf gleiche gute Weide fuͤh - ret, ihnen gut Waſſer ſaufen laͤſſet, und ſie in ei - ner maͤßigen Bewegung erhaͤlt.

Von Verſtopfung der Kehle.

Von dieſer Krankheit werden die Schaafe oͤſters befallen; die Zufaͤlle woran ſie erkannt werden, ſind eben diejenigen, als ſolche dabey man die Lungenſucht bemerket; man wird auch wirklich gewahr, daß die Schaafe, welche davon angegriffen worden, einen ſchweren Athem holen, und daß ſie roͤcheln (raſſeln) Man muß die Urſach dieſer Krankheit der Weide, wel - che ſchlimm iſt, und der Verkaͤltung zuſchreiben, wel - che das Thier erduldet. Deswegen muß man ſie auf hohe Weiden fuͤhren, ſie warm halten und ihnen nach - folgende Arzeneymittel eingeben.

Nehmet ein Pfund Honig, nebſt einem Schop - pen guten Weineßig, welches man in ein Maaß Po - leiſaft thut, davon einem jeden Schaafe alle Abend einen Schoppen recht warm gegeben.

Es giebt Landleute, welche behauptet haben, als waͤre der Poleiſaft eine Univerſalmedicin wider alle Krankheiten der Schaafe, dieſes aber iſt ein gefaͤhrli - cher Irrthum, da wir mit unſerm eigenen Schaden gewahr werden, daß man heutiges Tages in keiner Sache ſo unwiſſend iſt, als in denen Krankheiten des Viehes, und um welche man ſich ſo wenig bemuͤhet, ſich gruͤndlich davon zu unterrichten. Die Huͤlfsmit - tel, ſo wir dabey mit ſo großer Zuverſicht gebrauchen, gruͤnden ſich auf die Erfahrung, die wir ſo oft mit gluͤck - lichem Erfolge wiederholet haben.

Vom220

Vom Schwindel.

Dieſe Krankheit iſt eine Betaͤubung, welche die Schaafe gemeiniglich befaͤllt, die man in ſolche fette Weide thut, dergeſtalt, daß der Ueberfluß dieſer ſafti - gen Nahrung ihnen allzu viel Gebluͤte giebt, und die - ſe Art des Schwindels verurſachet, welcher oͤfters toͤdtlich iſt. Es iſt dieſe Krankheit faſt eben diejenige, ſo wir bereits unter dem Nahmen der Saner-Rochus Krankheit angefuͤhret haben, ſie koͤnnen weder hinter noch vor ſich gehen.

Bey dem Schwindel iſt uͤberhaupt erforderlich, dem Schaafe ſcharf zur Ader zu laſſen, und ihm aller vier Stunden einen halben Schoppen von wilden Bal - drianswurzelſaft recht warm einzugeben. Wenn das Thier bald beſſer iſt, ſo laſſe man es auf unfruchtba - ren Hoͤhen weiden, wo nur etwas weniges aber gu - tes Gras vorhanden; wird aber ungeachtet dieſer Sorgfalt das Schaaf noch einmal damit befallen, ſo kann man dieſen Zuruͤckfall fuͤr toͤdlich halten.

Vom Krampfe in den Fuͤßen.

Dieſe Krankheit kommt den Schaafen in die Fuͤße, und es traͤgt ſich oͤfters zu, daß eine ganze Heerde auf einmal damit befallen wird. Kaͤlte und Naͤſſe ſind die einzigen Urſachen davon. Die Schaafe, wel - che in der Regenzeit, unter den Baͤumen liegen, von deren Blaͤttern und Zweigen das Waſſer auf ſie her - unter trieft, werden ſehr oft von dieſer Krankheit an - gegriffen.

Gleich anfaͤnglich fuͤhret man die Schaafe auf eine trockene Wieſe, und ſo bald der Grund dieſes Uebels gehoben, ſo iſt es untruͤglich, daß die Arzeneymitteleine221eine gute Wuͤrkung thun werden. Man laſſe Quum - quefolium ſieden, nebſt wilden Senf in einer hinlaͤng - lichen Menge Bier, oder guten weiſſen Wein, wenn man denket, daß der Wein den Saft dieſer Pflanzen recht an ſich gezogen hat, ſo ſeige man ihn durch ein Leinewand Tuch. Von dieſem Trank nehme man zwey Maaß und fuͤge noch einen Theil vom Saft der Bal - drians-Wurzel hinzu. Alle Abend und Morgen gebe man einem jeden Schaafe einen Schoppen davon zu trincken.

Außerdem muß man eine große Menge wilde Senf-Blaͤtter in Weineſſig ſieden laßen, und wenn es warm iſt, den Schaafen die Fuͤße damit waſchen. Wobey die Landleute zugleich vermahnet werden muͤſ - ſen, ſich die Muͤhe und Fleiß nicht verdrießen zu laſſen, denn in dem Fall, daß ſie das Vieh vernachlaͤßigen, laufen ſie Gefahr alle ihre Schaafe zu verlieren; da - hingegen wenn ſie alles genau befolgen wie es vorge - ſchrieben iſt, werden die Schaafe geſund und ſelten mehr damit befallen werden.

Von der eigentlichen ſogenannten Betaͤubung.

Die eigentliche ſogenannte Betaͤubung, welche von dem Schwindel ſehr unterſchieden iſt, und in wel - cher das Thier weder ruͤckwaͤrts noch vorwaͤrts gehen will, ruͤhret von den jungen Baumſproſſen her, worunter einige ſo ſchaͤdlich ſind, und in welchen die Schaafe ſehr begierig freſſen: die jungen Eichenſproſſen inſon - derheit, verſtopfen ſie ſo ſtark, daß die Betaͤubung, wo - von wir hier geredet haben, davon faſt allezeit unzer - trennlich iſt. Die Symptomata ſind faſt eben diejeni - gen wie beym Schwindel; allein man ſiehet wie ſehr die Urſach verſchieden iſt, und wie ſehr unterſchieden dieſe beyde Krankheiten eine vor der andern iſt; wirbemer -222bemerken hierbey, daß die Symptomata der Betaͤu - bung viel heftiger als des Schwindels ſeiner ſind. Denn ſo bald das Thier damit befallen wird, ſo zit - tert es an allen Gliedern, welches ſich aber beym Schwindel nicht zutraͤgt.

Dieſem Uebel abzuhelfen, nimmt man eine Unze Teufelsdreck, leget ſolchen in 2 Maaß Waſſer, und loͤſet ihn darin auf; giebt jedem Schaafe aller drey Stun - den einen halben Schoppen von dieſem Tranke ein; die - ſes Mittel verſchaffet einen offenen Leib, und giebt den angegriffenen Nerven die benommene Staͤrke wieder. Einige Landleute ſtecken den kranken Schaafen den Teufelsdreck in die Ohren, um ſie damit zu ſtaͤrken. Dieſes Mittel kann aber die Wuͤrkung ohnmoͤglich ha - ben, als der innerliche Gebrauch dieſer Arzeney. Sind nun die Schaafe geneſen, ſo muß ſich der Schaͤfer huͤten, ſie nicht mehr Baumſproſſen abfreſſen zu laſ - ſen, wenn er ſolches verhindert, werden die Schaafe nicht wieder dieſe Krankheit bekommen.

Man kann aus der Behandlung aller Krankheiten, die wir dem Leſer vorgeſtellet, leicht abnehmen, daß die Schaafe ſolchen nur deswegen unterworfen ſind, weil man ſo wenig Sorgfalt fuͤr ſie traͤgt. Nichts iſt in der That unter beruͤhmten Schaͤfern gewoͤhnlicher, als daß man ſiehet, wie ſie ſich ſo gegen dieſe Thiere verhalten, als wann ſie deren gar keine haͤtten, und ſich ihrer nur alsdann erinnern, entweder wenn die Schaafſchur herbey koͤmmt, oder wenn ſie genoͤthiget werden ſolche zu verkaufen.

Wir haben ſchon angemerket, daß die niedrigen Weiden nicht geſund, weil ſie allzuviel Gras und Feuchtigkeit haben, welches ſchaͤdlich iſt; giebt man ſich aber nur ein wenig Muͤhe dieſe Thiere auf gute Weide zu fuͤhren, ſo werden ſie denen Krankheiten nicht ſo unterworfen ſeyn, und geneſen ſehr leicht, wenn ſie auch von ungefaͤhr gleich krank werden ſollten.

Von223

Von der ſchuppig - oder geſchwuͤrigen Haut.

Dieſe Thiere ſind dieſer Krankheit desfalls ſehr unterworfen, weil man ſo wenig Sorge traͤgt, ſie reinlich zu halten und an einen trockenen Ort zu ſtel - len, wann ſie im Regen an feuchten Orten in Horden oder unter den Baͤumen liegen, ſo wird ihre Haut ſchuppig und mit unzaͤhlig kleinen Geſchwuͤren beſetzet und die Wolle faͤllt ihnen unvermerkt ab. Das Thier wird matt und mager; dahingegen diejenigen Schaafe, ſo in der Hoͤhe auf trocknen und geſunden Weiden gefuͤhret werden, von dieſer Krankheit ſehr wenig angegriffen werden.

Nichts traͤgt weniger zu ihrer Geneſung bey als ſie zu ſcheeren wenn es die Jahreszeit nicht zulaͤſſet; hingegen, muß man ſie fleißig mit Seife und Lauge waſchen und ſie mit einer Buͤrſchte reiben, die man in warmes Seifenwaſſer getaugt hat; hierauf laͤſſet man ſie auf einer reinen und trockenen Weide bis die Schaa - fe wohl abgetrocknet ſind; hernach fuͤhret man ſie wie - der in den Schaafſtall zuruͤck, um ſie mit Kalkwaſſer abzureiben, und macht ihnen eine reine und friſche Streue. Dieſes Reiben wiederholet man drey - mal, doch daß man zwiſchen jedesmal zwey Tage ausſetzt.

Sollten ſie aber ohnerachtet der Cur noch nicht beſſer ſeyn, ſo muß man die verletzten Theile mit Theer, jeden Theil ſo viel wie den anderen reiben. In - nerlich hat man nicht Arzeneymittel zu gebrauchen, weil dieſe Krankheit nicht ins Gebluͤte treibt.

Von Entzuͤndung der Haut mit Blaſen.

Man wird anfaͤnglich dieſe Krankheit gewahr, daß ſie ſich an der Bruſt und am Bauche zeiget, allein ſie breitet ſich auch bald an andern Theilen aus. Esiſt224iſt eine Entzuͤndung der Haut, die in Blaſen auf - ſchwellet, in welchen man eine ſchwarze Feuchtigkeit antrift, welche mit Blut vermiſcht iſt. In dieſer Krankheit iſt das Gebluͤt entweder mehr oder weniger verdorben, deßwegen muß man, um ſolches zu reini - gen, zu innerlichen und aͤuſſerlichen Mitteln ſchreiten.

Gleich Anfangs nimmt man die davon angeſteck - ten Schaafe von der uͤbrigen Heerde weg, denn ſonſt wuͤrde die ganze Schaͤferey davon angeſtecket werden. Man laͤſſet die kranken Schaafe an einem Orte wei - den, wo es gutes Gras und Waſſer giebt; denn ohne dieſe Vorſicht in acht zu nehmen, wuͤrden alle ge - brauchte Arzeneimittel keine Wirkung thun.

Man nehme ein Loth Schwefelblumen und eine Unze Honig, mache eine Salbe davon und theile ſie in zwey Theile: wovon man einen Theil in Neſſel - waſſer einweicht; dieſen Trank gebe man zwey Wo - chen lang taͤglich einem jeden kranken Schaafe ein; oͤfne die Beulen, daß die Feuchtigkeit herausfließe, und netze die Wunde mit Wermuthſaft. Nachdem vier Tage auf ſolche Art verfahren iſt, ſo laͤſſet man dem Schaafe wieder ſtark zur Ader und faͤhret damit fort bis zur voͤlligen Geneſung.

Von den Fuß-Wuͤrmern.

Dieſe Thiere werden ſo oft von den Wuͤrmern in den Fuͤſſen gequaͤlet, inſonderheit, wenn man ſie auf naſſe Wieſen fuͤhret; ſie empfinden ſo heftige Schmer - zen, wodurch ſie nach und nach gaͤnzlich von Kraͤften kommen.

Es iſt dieſe Krankheit leicht zu erkennen, wenn ein Schaaf damit befallen wird, ſo hebet es die Fuͤße auf und ſetzet ſie ſehr behutſam nieder. Wenn man den Fuß genau beſiehet, ſo wird man eine Geſchwulſt daran gewahr, die einem Pauſche Haare gleichet; unddie -225dieſes iſt der Kopf des Wurms, den man mit großer Vorſicht und Behutſamkeit wegnehmen muß, weil er ſehr ſubtil iſt, daß wenn man ihn im Fuße zerreißt, er ei - ne ſehr gefaͤhrliche Entzuͤndung verurſachet, man muß mit einem Feder oder Scheermeſſer ganz um der Geſchwulſt aufſchneiden, und den Wurm mit ei - ner kleinen Zange heraus nehmen.

Hierauf leget man Waagenſchmiere oder Theer und Schmeer auf die Wunde und laͤſſet das Thier auf eine trockne Weide fuͤhren, denn ſollte es abermahls wieder damit befallen werden, ſo wuͤrde es faſt ohn - moͤglich ſeyn, ſolches zu heben.

Von dem Rothlauf.

Der Rothlauf iſt eine heftige Entzuͤndung, welche ſich auf der Haut der Schaafe an verſchiedenen Orten zeiget: ſo bald ſich dieſe Krankheit aͤuſſert, kann man verſichert ſeyn, daß viele, ja die ganze Heerde davon angeſtecket wird.

Wir leſen bey verſchiedenen Schriftſtellern, daß unſere Vorfahren, die Art ihres Aberglaubens ſo weit getrieben, daß ſie ſogar die Schaafe ſo mit die - ſer Krankheit befallen wurden, mit empor gereckten Fuͤßen lebendig unter die Thuͤre des Schaafſtalles be - gruben, indem ſie vorgaben, es waͤre eine Zauberey, wodurch man dieſe Krankheit von der uͤbrigen Heerde vertriebe: anſtatt aber dergleichen Traͤumereyen anzu - nehmen, die noch an verſchiedenen Orten als glaub - wuͤrdig angeſehen werden, ſo wollen wir vielmehr nur heilbare Mittel vorſchlagen, die eine vollkommene Ge - neſung bewirken werden.

Stoſſet eine Menge wilder Koͤrbelblaͤtter, thut noch eben ſo viel Kalkwaſſer darzu, als ihr Saft aus den Blaͤttern ausgepreſſet habet, fuͤget noch ſo viel pulveriſirt vom Saamen von Fenu greco hinzu als noͤ -Pthig226thig iſt, die Vermengung zu einen feſten Brey zu ma - chen: dieſes laſſet, wann es recht gekocht hat, wieder kalt werden; man reibet die erhitzten Theile mit die - ſer Salbe alle Abend bis zur voͤlligen Geneſung, kann man es dergeſtalt auflegen, daß es die ganze Nacht liegen bleibt, wann das Schaaf ruhet, ſo wird dieſe Salbe gewiß bey dem Thiere ihre gute Wirkung thun.

Ehe man ſich dieſes Mittels bedienet, ſo muß man die ſchmerzhaften Theile ſo glatt als moͤglich an der Haut abſcheren.

Von der Augen-Krankheit.

Die Kaͤlte hat bisweilen bey den Schaafen ſo gro - ßen Eindruck, daß ihre Augen dergeſtalt davon angegrif - fen werden, daß ſie ſogar blind werden. Es giebt auch noch andere Zufaͤlle, welche ihnen dieſe Krank - heit verurſachen, ſo wohl in einem als im an - dern Falle muß man ſich folgenden Mittels bedienen: druͤcket eine Menge großer Schwalbenwurzel aus, troͤpfelt dem Schaafe einige Tropfen davon bis zu ih - rer Geneſung in die Augen, ſind die Augen ſehr er - hitzt, ſo kann man ſo viel ausgepreßten Weywartſaft hinzuthun. Wofern aber die Augen wegen eines Schnupfens rinnend ſind, oder daß ſie thraͤnen, ſo muß man ſie alle Morgen um die Augenlieder herum mit einem in reinem Waſſer genetzten Leinew and - Pauſchgen auswaſchen, oder man gießet einige Tro - pfen guten Franzbrantwein mit darein.

Man hat bey eben dieſem Zufall mit gutem Nutzen ſechs Tropfen unſers heilſamen Elexirs gebraucht, wel - che man in ſechs Loͤffel voll Springbrunnen waſſer thut, damit die Augen des Schaafes Abends und Morgens bis zur voͤlligen Geneſung anfeuchtet, welches ſich ſel - ten laͤnger als bis zum ſechsten Tag verzogert hat.

Von227

Von der Waſſerſucht.

Man wird oftmals gewahr, daß der Leib des Schaafes aufſchwellet, wegen der Menge Waſſer, das ſich bisweilen zwiſchen dem aͤuſſerlichen Fleiſche und dem Darmnetze ergieſſet, zuweilen aber gar in dem Netze ſelbſt befindlich iſt. Im erſten Fall iſt die Cur ganz leicht, im letztern aber iſt die Krankheit un - heilbar.

In dem erſten Falle muß man zum Abzapfen ſchrei - ten und in der Oefnung die man macht, ein Federkiel ſtecken, um dem ergoſſenen Waſſer einen ſteyen Aus - gang zu verſchaffen, die Wunde heilet von ſich ſelbſt zu, wenn das Schaaf keinen andern Zufall hat; iſt aber die Krankheit langwierig, ſo wird das Thier ſo matt, daß die Natur nicht hinreichend iſt die Wunde zu heilen, und alsdann muß man ſich der Kunſt bedie - nen, indem man die Wunde taͤglich mir Theer und Schmiere verbindet. So bald nun das Thier gene - ſen iſt, ſchicket man es auf eine trockene gute Weide, und maͤſtet es zum Verkauf; denn die ſchlechte Sorg - falt, welche man die Schaͤfer vor ihre Heerde tragen ſiehet, macht, daß die Schaafe wieder von neuem in ſolche Krankheit fallen.

Es giebt noch eine andere Art Waſſerſucht. Die - ſes iſt die Windſucht. Dieſe Krankheit iſt zwar ſehr ſelten, allein gleichwohl werden die Schaafe bisweilen damit befallen, und ſolche ruͤhret von Nachlaͤßigkeit der Schaͤfer her, die, wenn heftige Winde und Re - gen, die Schaafe der rauhen Witterung uͤberlaſſen, anſtatt ſelbige an einen Ort zu fuͤhren, wo ſie Schuͤtz dawider finden, oder ſie lieber in den Schaafſtall zu - ruͤck treiben ſolten. Ob nun gleich dieſe Krankheit leicht zu heilen iſt, ſo mattet ſie doch die Schaafe ſehr ab, die Winde ſtecken zwiſchen Fell und Fleiſch und ſchwellen das Schaaf ſehr auf. Man muß alſo an verſchiedenenP 2Or -228Orten des Leibes, das Abzapfen vornehmen, worauf die Winde gleich fortgehen, die Wunde heilet ſich von ſelbſt, wann man ſich die Operation vornimmt, ſo bald das Thier davon befallen wird.

Die Kraͤtze oder Raude.

Iſt die allerverderblichſte Krankheit fuͤr die Schaa - fe, und folglich ein ſolches großes Ungluͤck, wider wel - ches der Landmann am meiſten auf ſeiner Huth ſeyn muß ſie iſt anſteckend, daß dieſe nicht allein in kur - zem die ganze Heerde uͤberfaͤllt, ſondern ſich auch in der ganzen umliegenden Gegend ausbreitet. Die Nachlaͤßigkeit der Schaͤfer iſt die Haupturſache hier - von. Die Schaafe ſo in offenen gemeinen Triften weiden, ſind dieſer und vielen andern Krankheiten haͤufi - ger unterworfen. Sie ruͤhret von der vielen Kaͤlte her, wovon die Haut aufſpringet, dieſes iſt der Anfang der Raude. Der Mangel des Futters und ein von ſchaͤd - lichen Kraͤutern vergiftetes Gras koͤnnen ſolche auch verurſachen. Des Landmannes vornehmſte Sorgfalt muß alſo darin beſtehen, ſeine Schaafe vor dieſer ſchaͤdlichen Krankheit zu bewahren, indem er ſie von ſolchen Weiden abhaͤlt; vermittelſt dieſer Behutſam - keit wird er ſie vielen Krankheiten entreißen, deren Beſchreibung und Cur wir oben erwaͤhnt haben. Wann er bemerken ſollte, daß dieſe Krankheit in ſei - ner Nachbarſchaft eingeriſſen waͤre, ſo muß er mit ſei - ner Heerde ſich gar nicht den andern Heerden ſeiner Nachbaren naͤhern, wobey wir hier zugleich an - merken wollen, daß die niedrige Huͤtungen inſonder - heit zur Regenzeit ſehr gefaͤhrlich ſind.

Wir rathen auch als einen Hauptgrundſatz an, in der Regenzeit die Schaafe auf hohen und erhabenen Weiden zu huͤten, und ſie theils mit Heu, theils mit andern Gras und Kraͤutern zu fuͤttern. Hier ſinddie -229diejenigen Zufaͤlle, woran man die Raude erkennet. Das Weiße im Auge wird bleich und dunkel, das ganze Verhalten des Thieres verkuͤndiget den Verluſt ſeiner Kraͤfte, es nimmt augenſcheinlich ab, ſeine Haut wird ſchmutzig und wenn man ſeine Wolle anruͤh - ret, faͤllt ſie Haͤnde weiß aus. Das Zahnfleiſch verblei - chet und auf den Zaͤhnen ſitzet ein ſehr dicker weißer Weinſtein, das Thier iſt traͤge und ſo faul, daß es gleichſam ſcheinet als koͤnnten die Fuͤße den Koͤrper nicht tragen.

Man bemerke voraus, daß man diejenigen, ſo da - mit behaftet ſind, von den reinen abſondern muß, und die Kranken in einem wohl vermachten Schaafſtall zu verſchließen ſind, man giebet ihnen ſehr wenig Waſ - ſer und ſehr fein Heu und Haber zu ihrer Nahrung, welches dergeſtalt geſchiehet, daß man inwendig im Schaafſtall rund herum Troͤge anſetzet.

Das Aderlaſſen, welches man bierbey hat verſi - chern wollen, iſt ſehr gefaͤhrlich. Wir wollen im Vor - beygehen anfuͤhren, wie man bemerket hat, daß Schaafe, ſo auf ſalzigen Weiden gehuͤtet werden, nie - mals mit dergleichen Uebel befallen werden; und die - ſes iſt der Grund, weswegen verſchiedene Landleute die Salzlecke mit gutem Erfolg unternommen haben. Es verſichert Herr Hall, daß er ſolches oft mit gutem Nu - tzen zwar gebraucht habe, doch fuͤget er unten hinzu, ſey die Cur nicht ſo ohnfehlbar, wie uns viele Schrift - ſteller haben glauben machen wollen. Wir wiſſen wohl, daß das Salz ein gewiſſes Praͤſervativ wider die Raude ſeyn kann, allein es iſt uns unbekannt, ob dieſes Mittel eine untruͤgliche Arzeney ſey, wenn die Krankheit einmahl ausgebrochen iſt.

Man ſtoͤſſet Meerſalz zu Pulver und ſtreuet damit in trocknem Futter, welches man bisweilen denen Schaafen wie ein Praͤſervativ zu freſſen giebt; wann nun die Thiere ſelbſt wirklich mit der Raude befallen,P 3ſo230ſo menget man etwas mit unter den andern Arzeneyen, deren man ſich zu ihrer Geneſung bedienet.

Man ſtoͤßet eine Unze Senngaliſcher Pfeffer Koͤr - ner oder Paradießkoͤrner zu Pulver, nebſt vier Unzen trockener Wachholderbeeren, hierzu fuͤget man zwey Pfund Meerſalz und ein halb Pfund feinen Zu - cker, dieſe Pulver werden alle recht unter einander gem ſcht, und auf dem Heu und Haber, womit man die Schaafe fuͤttert, geſtreuet. Dieſe Ordnung muß man drey Tage hinter einander wiederholen und fleiſ - ſig die Augen der Thiere betrachten, um zu ſehen, ob ſie ſich etwas beſſern; werden ſie beſſer, ſo wie - derholet man eben dieſelbe Methode, wofern aber im Gegentheil das Uebel in eben derſelben Staͤrke bleibt, oder wohl gar aͤrger wird, ſo weiche man vier Pfund Antimonium in vier Maaß Bier eine Woche lang ein, hiervon giebt man hernach den kranken Schaafen alle Abend und Morgen einen halben Schoppen ein.

Doar laͤſſet ein Pfund Stobetus-Krautwurzel, und zwey Pfund Kaiſerkraut in 4 Maaß Waſſer ſo lange kochen, bis ein Maaß Waſſer eingekocht, waͤhrend des Einkochens haͤnget man in einem Saͤcklein zwey Unzen rohen Mercurium, ſeiget die uͤbrigen drey Maaß durch ein leinen Tuch und gieſſet davon ein Sei - del in das Waſſer, womit ihr die Schaafe traͤnket.

Durch dieſe Vorſchrift und der Sorgfalt, welche wir beſtens empfehlen, die Schaͤfereien trocken, rein und warm zu halten, kan man zum Zwecke gelangen dieſe Seuche oder Raͤude zu heilen; doch traͤgt ſich ſolches bisweilen zu, daß die Krankheit ſo einge - wurzelt iſt, und vermittelſt der ungeſunden und nicht temperirten Luft ſo ſchaͤdlich wird, daß man ſie faſt gar nicht kuriren kan.

Der[231]

Der wahre natuͤrliche Gattungscharakter der Zietenia.

In meinem Pflanzenſyſtem pag. 184. n. 766. habe ich vor einigen Jahren die weſentlichen Kenntzeichen der Zietenia den Liebhabern der Pflanzenkunde mitge - theilt, deſſen nachher die Leipziger in den Commen - tariis de rebus in Scientia Naturali & Medicina ge - ſtis Volum. XII. pars II. pag. 359 erwaͤhnt haben. Weil aber jeder wahre weſentliche Charakter, der〈…〉〈…〉 emlich eine einzelne Pflanzengattung von den Verwandten, durch ein oder anderes Merkmal in der natuͤrlichen Ordnung unterſcheidet, und unterſcheiden muß, und auch der kuͤnſtliche Charakter im natuͤrlichen enthalten wird; ſo erhellet daraus zur Genuͤge, daß die Aus - einanderſetzung deſſelben zu der Zeit vollkommen geweſen.

Unſere Zietenia weicht, in der natuͤrlichen Ord - nung, welche man mit dem Namen der wuͤrfelfoͤrmi - gen Pflanzen (plantœ verticillatæ) belegt, von denen verwandten Gattungen, ſowohl durch ihre beſondere aͤuſſere Geſtalt, als durch den Bau einiger Theile derP 4Be -232Befruchtung ab. Die Feſtſtetzung des natuͤrlichen Charakters iſt bey einigen Gattungen aͤuſſerſt ſchwer, vorzuͤglich aber bey den Pflanzenordnungen, welche vor andern mehr natuͤrlich ſind, weil ſowohl wenig un - terſcheidende Merkmale, als auch deutliche, wegen der großen Verwandſchaft uͤbrig ſind. Zum Bey - ſpiel, kann unſere Zietenia dienen, die unter die ver - wandten Gattungen Stachis, Galeopſis, Betonica, Sideritis und Lamium zu ſetzen iſt.

Die Zietenia, welche in die zweyte Claſſe meines Syſtems (Petaloſtemones) und in die Ordnung derer, welche vier Staubfaͤden mit wuͤrfelfoͤrmigen Blumen (Petrautheræ verticillatæ) haben, gehoͤrt, begreift bis jetzo nur eine Art unter ſich, nemlich eine ſtrauch - artige ſchoͤne haarige Pflanze, die die Naturforſcher ſehr anlockt, und gleichſam reizt. Die aͤuſſere Geſtalt der Pflanze fuͤhrt die Kenntzeichen der natuͤrlichen Ordnun - gen, vorzuͤglich in den erwachſenern Pflanzen, die noch nicht gebluͤht haben, ſehr deutlich an ſich. Sie iſt in die - ſem Zuſtande eine Abart des Lavendels, die Moriſon La - vendula latifolia ſterilis nennt, ſehr aͤhnlich, oder auch einer juͤngern Art von Pflanze dieſer Gattung, die an den Ufern des mittellaͤndiſchen Meeres, der ba - leariſchen Inſeln auf Corſica und andern Gegenden waͤchſt, die man von den Stoͤchadiſchen Inſeln Stœ - chas nennt, wenn man ſie nicht durch die dicht uͤber - einander liegende Schuppen des untern Theiles am Stengel unterſchiede. Hierzu kommt noch, daß der Kelch der Zietenia ſehr rauch und mit dem des Thy - rii Maſtichinæ Lin. ſehr verwandt iſt.

Der große Tournefort machte, ohne eine weitere Beſchreibung davon zu geben, unſere Pflanze, die er in Armenien auf ſonnigten Huͤgeln entdeckte, unter dem Namen: Galeopſis orientalis Lavendulæ folio, calyce villoſisſimo in ſeinem Corollario bekannt. De -233Deren Beſchreibung er uns mit noch mehrern ſchoͤ - nen Pflanzen gewiß gegeben haben wuͤrde, wann er uns nicht durch einen zu fruͤhen Tod entriſſen waͤre. Nach dieſer Zeit iſt ſie kaum in unſern botaniſchen Gaͤrten gebauet worden, wo nicht in dem Pariſer Garten in den erſten Jahren nach ſeiner Zuruͤckkunft aus dem Orient. Daher hat ſie kein Botaniker wei - ter unterſuchen koͤnnen.

Indeſſen findet ſich vielleicht die Zietenia unter den koͤnigl. trockenen Pflanzenſammlungen und unter andern in der reichen Sammlung des Herrn Jusſieu zu Paris, oder unter den vortreflichen Zeichnungen des Koͤnigs, die ſowohl ihrer Seltenheit wegen, als Schoͤnheit an - ſehulich ſind. In der weitlaͤuftigen Pflanzenſamm - lung der Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin, wel - che aus der Guͤndelſchen und Stoßiſchen Samm - lung beſteht, wird dieſe Pflanze auch getrocknet auf - bewahrt. Der groͤßte Theil dieſer Pflanzen ſtammt vom beruͤhmten Gundelius, dem erſten Stifter un - ſers botaniſchen Gartens her, ein Reiſegefaͤhrte des Tournefort durch den Orient, Capadocien, Arme - nien, Griechenland und einigen Inſeln, die er ſelbſt mit eigner Hand geſammlet hat.

Nach den Zeiten des Tournefort iſt ſie ohne weiterer Unterſuchung denen nachfolgenden Botaniſten uͤber - laſſen, einige Zeit ganz verborgen geweſen, bis end - lich Buxbaum ſie als eine neue Pflanze in den ber - gigten Gegenden von Armenien bluͤhend gefunden hat. Er erwaͤhnt ihrer in der fuͤnften Centurie ſeiner Pflan - zen pag, 32 nach ſeiner Art, ohne weitere Spureu ei - nes Gattungscharakters mit einer ſchlechten Abbil - dung Tab. 61. Fig. 1. unter dem Namen Sideritis parvis floribus purpureis. Mach der Meynung des Buxbaum iſt dieſe Pflanze der Sideriti vulg[a]ri aͤhn - lich, nur daß ſie kleiner ſey, und rothe im Monath May in eine lange Aehre geſtellte Blumen habe.

P 5Wenn234

Wenn aber nun die Gattungen der Pflanzen in Un - ordnung ſind, ſo muß natuͤrlich das Syſtem auch unordentlich ſeyn, daher muͤſſen wir alle Gattungen, die durch den Fleiß unſerer Vorfahren auf verſchiedene Hypotheſen gebaut ſind, ohne Vorurtheil des Anſehns nach den natuͤrlichen Geſetzen der Charaktere einer ge - nauern Unterſuchung unterwerfen; und ſie ſowohl nach der aͤuſſern Geſtalt, als nach der Struktur der Blu - men nach beſſern Beobachtungen richtiger beſtimmen, nachdem wir das bey Seite geſetzet haben, was mehr kuͤnſtlich und falſch iſt. Nach dieſen Grundſaͤtzen aus - einander geſetzte Arten geben alsdann Gattungen, die natuͤrlich ſind und deren Charaktere alle moͤgliche Gat - tungskenntzeichen enthalten, die wir an denen bey den Blumen gegenwaͤrtigen Theilen nach aller auf der Befruchtung ſich gruͤndenden botaniſchen Ordnung mit leichter Muͤhe fuͤgen koͤnnen.

Die meiſten Arten von Pflanzen, die vorher auf eine ſonderbare Weiſe verdreht und zweifelhaft unter die Gattungen Sideritis, Botanica, Lanium, Galeo - pſis und Stachys eingeſchaltet waren, ſind nun durch die Muͤhe der Neuern nach der Guͤltigkeit ihres natuͤr - lichen Charakters in ihre Gattungen gebracht worden: doch mit Beyſeitenſetzung derer, die ſie noch nicht ha - ben unterſuchen koͤnnen. Hierher iſt auch die Zietenia zu zaͤhlen, deren natuͤrlicher Charakter mit einer Ab - bildung begleitet, eine genaue, nach den Regeln der Kunſt, gemachte Beſchreibung auseinander ſetzt.

Die Beſchreibung.

Die Wurzel iſt ausdauernd, holzig, faſerig nach oben zu verdickt und Knoſpentragend. Die Knoſpen ſtehen gegen einander uͤber, ſind ſtumpf und wolligt mit gegeneinander uͤberſtehenden Schuppen, die eyfoͤrmig, abgeſtumpft, dich tuͤbereinander liegend ſind.

Die235

Die Stengel ſind krautartig, zerſtreut vier - eckig, und eine Spanne lang; die Baſis des Sten - gels iſt mit eyfoͤrmigen, ganzen, abgeſtumpften, kiel - foͤrmigen, dicht uͤbereinander liegenden Schuppen be - deckt und aͤſtig; die Aeſte ſtehen gegen einander uͤber, ſind unfruchtbar und haben kurze Zwiſchenraͤume.

Die Blaͤtter ſtehn aufrecht gegeneinander uͤber lanzettenfoͤrmig, ganz an der Spitze abgeſtumpft, an der Baſi verduͤnnet, in eine Scheide verwachſen, mit Linien durchzogen und haarig; bey den bluͤhenden Stengeln ſind ſie ſchmaͤler und kuͤrzer; bey den un - fruchtbaren viel breiter, laͤnger und an der Baſi ſehr ſchmal, daß ſie faſt einen Blattſtiel zu bilden ſcheinen. Die Scheide iſt bey den fruchtbaren Stengeln ſehr kurz, und faſt unmerklich; bey den unfruchtbaren aber laͤnger und ſehr deutlich haͤutig und ganz.

Die Haare ſind einfach an der ſcheidenartigen Baſi gegliedert, auf den Blaͤttern liegen ſie dicht an; am Stengel und den Blumen ſtehn ſie ausgebreitet, allenthalben aber ſind ſie lang, nur auf der obern Flaͤche der Blaͤtter und der Nebenblaͤtter ſind ſie ſehr kurz.

Die Nebenblaͤtter (Bracteae) ſind gegenein - ander uͤberſtehend zuruͤckgebogen, den Stengel um - faſſend, eyfoͤrmig, an der Spitze verduͤnnet, ganz ſtumpf, mit fuͤnf Nerven verſehen, oberhalb wollig, unten haarig, flach und laſſen kurze Zwiſchenraͤume.

Der Wuͤrtel ſind viele (4 bis 6) entfernt, ſechs oder vierblumigt von der Mitte bis zur Spitze des Stengels. Die Blumen ſind ungeſtielt.

Der Kelch iſt einblaͤtterig, trichterfoͤrmig. Die Roͤhre cylindriſch, etwas weniges gekruͤmmt, haa - rig: der Rand iſt fuͤnfmal zertheilt und weit offen ſte - hend, mit linienfoͤrmigen ganzen zugeſpitzten, allent - halben haarigen Einſchnitten, von dieſen ſind die zwey uͤbrigen kuͤrzer und breiter.

Die236

Die Blumenkrone iſt einblaͤtterig, rachen - foͤrmig und weißlich. Die Roͤhre iſt cylindriſch, haa - rig, krumm und halbmal laͤnger, als die Roͤhre des Kelchs. Die Muͤndung iſt zuſammengedruͤckt. Die Oberlippe iſt in die Hoͤhe ſteigend, eyfoͤrmig, an der Spitze kaum merklich ausgerandet, auf dem Ribben ſehr haarig. Die Unterlippe iſt dreymal zertheilt und ganz; die beyden Seiteneinſchnitte ſind laͤnglich, rundich, zuruͤck geſchlagen; ihr aͤuſſerer Rand ſteigt nach auſſen in die Hoͤhe, im Bogen beider Einſchnitte in die Hoͤhe gerichtet, und wird in dem mittlern Ein - ſchnitt fortgeſetzt, der eyfoͤrmig nach oben ſich beugt und ausgerandet iſt.

Der Staubbehaͤlter (Stamina) ſind vier: die Staubfaͤden vier, zugeſpitzt, aufrecht, in der Ober - lippe der Blumenkrone verborgen, etwas kuͤrzer als dieſe und glatt. Die beyden aͤuſſern, die etwas laͤn - ger als die uͤbrigen ſind, werden nach der Befruch - tung (wie bey Betonica und Stachys) nach der Seite gebogen. Die Staubbeutel ſind laͤnglicht und einfach.

Das Piſtill. Der Fruchtknoten iſt viermal zertheilt im Grunde des Kelchs. Der Styl fadenfoͤr - mig glatt unter der Oberlippe und etwas laͤnger als die Staubbehalter, die Narbe iſt zweyſpaltig und ſpitz, wie bey der Sideritis.

Eine Frucht iſt nicht da.

Der einzige Saamen iſt kugelrund im Grunde des Kelchs.

Aus dieſer gegebenen Beſchreibung erhellet, daß die Gattung Zietenia von den uͤbrigen ſehr verſchie - den ſey:

  • 1) durch den beynah trichterfoͤrmigen Kelch, deſ - ſen Rand weit offen ſteht und linienfoͤrmige lan - ge Einſchnitte hat.
2) durch237
  • 2) durch die beiden zuruͤck geſchlagenen Einſchnitte der Unterlippe der Blumenkrone und den mitt - lern zuſammengefalteten Einſchnitt.
  • 3) durch einen allezeit vollkommenen Saamen in jedem Kelche, an deſſen Baſis drey unreife ſehr kleine, oder vielmehr nur Anlagen bemerket wor - den, wie bey der Colinſonia.

Der weſentliche Character iſt in meinem Pflan - zenſyſtem pag. 184. n. 766 gegeben worden. Der natuͤrliche aber fließt aus der gegebnen Beſchreibung von ſelbſt, und wir koͤnnen ihn leicht auf folgende Art machen:

  • Cal. Perianthium monophyllum, hypocrateriforme: Tubo ſub cylindraceo: Limbo quinquefido: la - ciniis linearibus, acutis, patentibus longisſimis ſub aequalibus.
  • Cor. monopetala, ringeus. Tubus cylindraceus in - curvus. Faux compreſſa. Labium ſuperius ad - ſcendens, ovatum levisſime emarginatum. Labium inferius trifidum: laciniis lateralibus rotundatis, reflexis ſurſum adſcendentibus, in intermediam ovatam, emarginatam, compli - catam.
  • Stam. Filomenta quatuor ſubulata, corolla breviora, ſub labio[ſuperiore] recondita; quarum duo longiora ad latus flexa. Antherae oblongae ſimplices.
  • Piſtill. Germen quadrifidum; Stylus filiſormis ſtami - nibus longior, ſub labio ſuperiore ſtigma bifi - dum acutum.
  • Pericarpium nullum.
  • Semen unicum globoſum, in fundo calycis.
Alſo238

Alſo iſt ſie ſehr nahe mit Stachis verwandt, aber von Galeopſis, Sideritis, und Betonica ſehr weit ver - ſchieden, welche Gattungen auf keine Art in eine wah - re und natuͤrliche Gattung zuſammen fließen.

Die Art der Zietenia.

  • 1. Zietenia orientalis
    • Galeopſis orientalis Lavendulæ folio, calyce villoſisſimo Tourn Caroll II.
    • Galeopſis Armena Lavendulae folio Herb. viv. Gundelian.
    • Sideritis parva, floribus purpureis Buxb. Cent. V. Plant pag. 32 tab. 61. fig. 1.

Sie waͤchſt in den bergigten Gegenden von Ar - menien, wo ſie im Monath May bluͤht.

Dieſe neue Pflanzengattung, deren natuͤrlichen Charakter ich eben feſtgeſetzt habe, habe ich Zietenia genannt, zum Andenken eines Liebhabers der Pflanz - kunde, des durch ſeine phyſiſchen Kenntniſſe in der Gaͤrtnerkunſt, Oekonomie und Forſtweſen ſehr wohlver - dienten ſiebzigjaͤhrigen Hrn. George Friedrich von Zie - ten, Rittmeiſter bey dem Garde du Corps-Regiment; Ritter des Johanniterordens und Commentur, Herr dieſes Ordens zu Siefelbein und Lagow, der wegen Seines botaniſchen Gartens zu Trebnitz ſchon uber dreißig Jahre beruͤhmt iſt.

Erklaͤrung der Kupfertafel.

  • Tab. I.
    • a. die ganze Pflanze in natuͤrlicher Groͤße ab - gebildet.
    • b. Ein abgeſchnittener junger breitblaͤttriger unfruchtbarer Zweig.
Tab. 239
  • Tab. II. Die Befruchtungstheile der Zietenia und zwar:
    • C. der Kelch mit einer noch nicht entfalteten Blu - me, die nur wenig aus demſelben hervor - ragt.
    • D. der Kelch mit der aufgeſchloßnen Blume.
    • E. der Kelch beſonders.
    • A. die Blumenkrone von der Seite.
    • B. die Blumenkrone von vorne betrachtet.
      • t. die Roͤhre.
      • l Oberlippe.
      • d. die zuruͤck gebogenen Seiteneinſchnitte der Unterlippe.
      • e der mittlere Einſchnitt der Unterlippe, deſ - ſen Raͤnder in die Hoͤhe ſtehn, ſo daß die Flaͤche oben hohl iſt.
      • f. die Falte wo beyde Einſchnitte der Lippe zuſammentreffen.
    • F. Die Blumenkrone von der untern Seite der Laͤnge nach geoͤfnet, damit die innern Theile getrennt werden koͤnnten.
      • l. Oberlippe.
      • m. die Unterlippe zerſchnitten.
      • h. die laͤngern auf die Seite gebogenen Staub - faͤden.
      • i. die kuͤrzern aufrechten Staubfaͤden.
      • k. der Styl.
    • G. Ein laͤngerer Staubbehaͤlter mit einem ausge - ſtaͤndten Staubbeutel der laͤnglich iſt. n.
    H. Ein240
    • H. Ein kuͤrzerer Staubbehaͤlter mit einem vollen runden Staubbeutel. p.
    • I. Der Fruchtknoten mit dem Style und der zwey - ſpaltigen Narbe. s.
    • K. Die einzelnen Saamen mit den Anlagen der unreifen Saamen an der Baſi.
      • a. Die Blume der Stachis germanica Linn. mit der ganzen zuruͤck geſchlagenen Unter - lippe.
      • b. Die Blume der Stachys paluſtris von vorne.
      • c. Der zweylippige, haarige Kelch des Thy - rii Maſtichinæ Lin.
Muth -[241]

Muthmaßung uͤber die durchſichtigen Koͤrper des Michelii, die bey einigen Blaͤtterſchwaͤmmen gefunden werden

Dem, der die Arten der Blaͤtterſchwaͤmme (Agaria) und deren Befruchtungswerkzeuge unterſuchen wird, kommen in den Blaͤttern der Schwaͤmme ſelbſt drey der genauern Unterſuchung ſehr wuͤrdige Gegenſtaͤnde vor. Die Blaͤtter (Lamellæ) von denen ich ſpreche, die ſich auf der unteren Seite des Huts zeigen, werden von doppelter Art gefunden. Einige ſind ganz und von dem Mittelpunkt wo der Stengel befeſtiget iſt bis an den aͤuſſern Umfang ausgedehnt, mit andern klei - nern meiſtentheils dazwiſchen geſtellten, die ſchmaͤler als die erſtern ſind, welche entweder von der Peri - pherie oder vom Mittelpunkt ihren Urſprung nehmen, in der Mitte aber ſogleich ſich enden.

Eben genannte Blaͤtter machen die wahren Behaͤl - ter der Befruchtungstheile aus, aus deren obern Rande wahre Staubbehaͤlter (Stamina) mit ihrem Staubbeutel und Zeugungstheilen begabt haͤngen; beyde Flaͤchen aber jedes Blaͤttchens ſind haͤufig mit Saamen bedeckt, und von warzenfoͤrmigen durchſich - tigen Hervorragungen rauch.

QDas242

Das erſte Denkwuͤrdige alſo ſind die maͤnnlichen Organe oder die Staubbehaͤlter ſelbſt, von den weib - lichen auf eben dem Gewaͤchſe ſehr entfernt. Das zweyte Denkwuͤrdige machen die haͤufigen auf jeder Seite des Blaͤttchens verſtreute, von den Staubbe - haͤltern entfernte, nur durch ein bewafnetes Auge von einander zu unterſcheidende Saamen aus. Das dritte Merkwuͤrdige, was einer nothwendigen und aufmerk - ſamen Betrachtung uͤberaus wuͤrdig iſt, macht die haͤufigen durchſichtigen Koͤrper (corpora diaphana Michelii) des Michelii aus, die von den Staubbe - haͤltern verſchieden ſind und mit dem Saamen ab - wechſeln.

Zu verwundern iſt es indeſſen, daß die maͤnnli - chen Zeugungstheile, die man durch Vergroͤſſerun - gen entdeckt hatte, und die weiblichen, wegen ihrer großen Kleinheit aller Naturforſcher Unterſuchung ſich entzogen haben, ausgenommen der Saame, denn kein anderer Theil kommt ſo nicht zum Vorſchein. Je - doch zeigt der Staub der Staubbeutel, welcher zwi - ſchen die durchſichtigen Koͤrper faͤllt, ſehr deutlich die Ge - genwart der weiblichen Organen die ſich in der Subſtanz der Blaͤttchen verbergen, deren kleine Oefnungen die feinen Theile des Saamenſtaubes vielleicht in ſich aufnehmen, oder wenigſtens das in ihnen enthaltene befruchtende Weſen in Geſtalt eines Hauchs oder Dunſtes aufnehmen.

Vielleicht iſt dieſe Vermuthung der Oefnungen in den weiblichen Zeugungstheilen innerhalb der durch - ſichtigen Koͤrper auf der Oberflaͤche der Blaͤttchen ſo uͤbel und ſo ungereimt nicht? da nicht allein der Saa - menſtaub zu denen zwiſchen den durchſichtigen Koͤr - pern gelegenen Raͤumchens wirklich gelangt, ſon - dern auch kurz nachher an denſelben Oertern voll - kommen reifer Saame gefunden wird. Sonder - bar iſt alſo die bey den Blaͤtterſchwaͤmmchen den voll -kom -243kommenen Pflanzen aͤhnliche Befruchtung zu finden, bey welchen Maͤnnchen und Weibchen unter ſich ge - trennt, auf einer Pflanze bemerkt werden. (plantae monoicae.)

Fuͤr wirkliche weibliche Zeugungstheile koͤnnen nicht gar wohl die durchſichtigen Koͤrper des Michelii gehalten werden, und zwar vornehmlich deswegen, weil ſie vom Anfange gleich bis zum Zerfließen des Schwammes von der Geſtalt und Groͤße unveraͤndert bemerket werden; dieſes muͤßte bey den weiblichen Zeugungstheilen der Gewaͤchſe, nach den Geſetzen der Zeugung, ſich anders verhalten.

Seine durchſichtigen Koͤrper beſchreibt der gelehrte Michelius in ſeinen Novis Plantarum Generibus pag. 133 mit dieſen Worten: In aliquibus præterea fungorum ſpeciebus ac potisſimum in iis, quae in equorum boum ac ſimilium animalium fimo naſcuntur illud obſervavimus animadverſione dignum videli - cet ſuperficiem earundem laminarum Tab. 73. fig. I. non ſeminibus tantum verum etiam corporibus quibusdam diaphanis ſingula vero in nonnullis ſpeciebus conica K. in aliis pyra - midata L ornatum eſſe, quibus corporibus fit ſagaci naturæ conſilio, ne alterum ex iisdem laminis altera contingat, ne forte ſemina in - ter easdem laminas depraventur, vel non de - cidant, niſi[quando] decidere debent, quae quidem corpora maturo ac etiam delapſo ſe - mine concidunt.

Hier will ich noch etwas hinzu fuͤgen, was theils den Nutzen dieſer Koͤrper mehr erlaͤutert, theils aber auch des beruͤhmten Michelius Meynung einigerma - ſen verbeſſert. Denn ich bin mehr durch eine haͤufige Unterſuchung der vollkommenen Blumen, als durch dieQ 2Be -244Betrachtung der Schwaͤmme ſelbſt, uͤberzeugt wor - den; daß die durchſichtigen Koͤrper eine weit edlere und ſichere Beſtimmung bey den Blaͤtterſchwaͤmmen haben.

Was aber die Arten der Schwaͤmme betrift, ſo hat ſicher Michelius keine andere, als Blaͤtterſchwaͤmme ver - ſtanden, die ich alle in meinem Methodo Fungorum nach der Guͤtigkeit ihres natuͤrlichen Characters zum Agaricus gebracht habe. Seinen durchſichtigen Koͤrpern aber, die er nur bey einigen Schwaͤmmen und bey de - nen vorzuͤglich die auf Miſt, oder thieriſchen Unflath wachſen, will bemerkt haben, kann ich nicht beypflich - ten. Im Sommer und Herbſt habe ich auch an an - dern Arten von Schwaͤmmen oft mit bewafnetem Auge dieſe Koͤrper entdeckt, beſonders bey denen, die ſchattige, feuchte und fuͤr den freien Luſtzug verſchloſſene Oerter lieben.

Bey den andern Arten der Blaͤtterſchwaͤmme aber, deren Blaͤtter haͤrter, trockner, knorpelartiger und faſt unverwelklich ſind, habe ich die durchſichtigen warzenfoͤrmigen Koͤrper noch nicht bemerkt, ob ich gleich nicht zweifle, daß ſie aus aͤhnlichem Grunde im natuͤrlichen Zuſtande bey mehreren gegenwaͤrtig ſind, und ſeyn koͤnnen, ob ſie gleich ſich nicht ſo leicht (wie bey den vorher genannten) bemerken laſſen. Denn natuͤr - liche Schlußfolge, ihr Nutzen und ihre Nothwendig - keit ſprechen dafuͤr.

Dieſe Koͤrper ſind, wie ich ſchon oft geſagt habe, nicht anders, als durch eine ſtarke Vergroͤſſerung ſicht - bar, ſie ſind warzenfoͤrmige Hervorragungen von ver - ſchiedener Groͤße, von welchen einige groͤſſer als die uͤbrigen und ſparſamer, andere zweymal kleiner und haͤufiger uͤber die ganze Oberflaͤche des Blatts mit den groͤſſern gemiſcht ſind.

Bey verſchiedenen Arten weicht die Geſtalt der Koͤrper ab, die bald rund und kegelfoͤrmig, bald py -rami -245ramidenartig und eckig vorkommen. Die Raͤume welche zwiſchen den Warzen ſich befinden, ſind waͤh - rend der Bluͤthen mit Blumenſtaub bedeckt, und kurz nachher mit dem Saamen ſelbſt angefuͤllt, der entwe - der in einfacher, oder in keiner Ordnung geſtellt iſt.

Was die Lage der Koͤrper betrift, welche ſie auf den Blaͤttern der Blaͤtterſchwaͤmme beobachten, dieſe iſt in Ruckſicht jedes einzelnen Blattes allezeit wage - recht, und oͤfters auf einer Seite beſſer, als auf der andern zu erkennen.

Michelius nennt ſeine Koͤrper durchſichtig und zwar mit Recht, denn ſie ſind vom feinſten Gewebe, wie cryſtallene Rinde, die man auf Deutſch Druſe nennt, oder nach Art der Salze durchſichtig, die in unterirdiſchen Gruben nicht ſelten kleine Hoͤhlen ganz einnehmen und bilden.

Einen doppelten Nutzen dieſer Koͤrper geſtattet Michelius; aus der Lage ſchließt er, waͤren ſie viel - leicht in der Abſicht den Koͤrpern vorzuͤglich gegeben; erſtlich, damit nicht die mit Saamen belaſteten Blaͤt - ter zuſammenſchluͤgen, und die Saamen druͤckten; endlich damit auch nicht die Saamen vor dem Reif - werden heraus fallen.

Sehr gerne wuͤrde ich der Meynung dieſes be - ruͤhmten Mannes beypflichten, wenn nicht das wie - derholte Betrachten der Schwaͤmme etwas anders lehrte. Denn die durchſichtigen Koͤrper, welche auf beiden Seiten der Blaͤtter zerſtreuet ſind, bringen zur Zeit der Begattung wenn ſie eben noch ſteif und erſt entſtanden ſind, die weichen, vorher ganz bedeckten und verſchloſſenen Blaͤtter durch die Huͤlfsmittel der Entwickelung auseinander, indem ſie ſich wechſelſei - tig ausdehnen und der Luft und dem maͤnnlichen Saa - menſtaub durch Oeffnung ihrer Hoͤhlen den Eingang verſchaffen. Nach vollendeter Befruchtung wird der ganze Schwamm entwickelt und die mit SaamenſtaubQ 3be -246bedeckten Blaͤtter ſchwellen an, werden ſteif, und ge - hen ſo weit von einander, daß ſie der Koͤrper nicht mehr beduͤrfen. Was die durchſichtigen Koͤrper des Michelii zu der Zeit betrift, da ſind ſie ſehr zart, kurz, und den Blaͤttern entgegen geſetzt, erreichen ſie aber we - der, noch ſind ſie wegen ihres ſchwachen Baues im Stande die Blaͤtter von einander abzuhalten.

Auch ſcheinen ſie von der Natur nicht darum eini - gen Blaͤtterſchwaͤmmen gegeben zu ſeyn, daß ſie das zu fruͤhe Abfallen der Saamen verhindern, weil die reifen geſunden Saamen feſt auf ihrem Behaͤltniſſe gewachſen ſind, und niemals abfallen, als durch einen Fehler, Biß der Inſekten oder andere auſſerhalb ſich zutragende Ungluͤcksfaͤlle.

Da aber die Blaͤtter der Blaͤtterſchwaͤmme die wahren Behaͤlter der Befruchtung ſind, auf deren flachen Seite nicht allein das Ausſtreuen des maͤnnli - chen Saamenſtaubes ſich zutraͤgt, ſondern auch das Einziehen dieſes maͤnnlichen Staubes in beſondere Gefaͤße geſchieht, worauf die Vervollkommnung des Saamens folgt, ſo erhellt daraus, daß die um die weiblichen Zeugungstheile geſtellten durchſichtigen Koͤrper des Michelii die vom Anfange der Entwicke - lung bis zur Reife des Saamens ſtehen bleiben, zu ei - nem weit edleren Zweck gegeben worden ſind. Und alle Umſtaͤnde beweiſen, daß ſie in Ruͤckſicht des Saa - menſtaubs einigen Arten gegeben ſind.

Dieſe durchſichtigen Koͤrper oder Huͤlfsmittel die Begattung zu befoͤrdern, habe ich auch bey einigen vollkommenen Blumen, ſowohl auf dem Piſtill als den weiblichen Organen, als auch auf dem Staubbeutel bemerkt, und zwar bald laͤnglichrund, eckig, gerade, unzertheilt; bald aͤſtig, ſteif, borſtenartig, ausgedehnt, blaͤtterig; zugeſpitzt, zuruͤck gebogen und hackig, nach der einen oder andern Seite gebogen, oder nach allen Seiten gerichtet. u. ſ. w.

Sie247

Sie nehmen meiſtentheils das Piſtill ein, ein be - ſonders Werkzeug, wohin nach den Geſetzen der Na - tur der Zeugungsſtaub faͤllt. Zum Beyſpiel kann hier vor allen andern die Narbe in der Blume des Kuͤrbis und der weißen Lilie dienen.

Die Narbe der weißen Lilie iſt dick und dreyeckig, ganz mit durchſichtigen dickern nach allen Seiten hin - gerichteten Koͤrpern wie mit Stacheln beſetzt, welche auch die oben offene Hoͤhlung des cylindriſchen Grif - fels umgeben, die aus der Seite ſtaͤubende Menge des Blumenſtaubes aufnehmen und nicht ſelten bis zum Verwelken des ganzen Piſtills bey ſich behalten.

Hierzu kommt die runde, laͤnglichte oder ſphaͤriſche Geſtalt des maͤnnlichen Staubes, die auf der Ober - flaͤche meiſtentheils mit Stacheln befeſtigt iſt, welche zu dieſem Zweck vortreflich paßen.

Zwar bringen dergleichen Pflanzen oͤfters keine Frucht, nichts deſto weniger aber bin ich dieſen Som - mer von der Aufnahme des maͤnnlichen Staubs durch die Narbe in dem Griffel uͤberzeugt worden. Zu welchem Ende ich jeden Monath die Piſtille der Lilien unterſucht habe, und habe das Ausfallen des maͤnnlichen Staubs bey der weißen Lilie uͤber die Nar - be einigemal geſehn. Die Narbe derſelben war mit einer Menge dieſes Staubs faſt ganz bedeckt, und ein Theil des vegetabiliſchen Zeugungsſtaubs hing nur ober - flaͤchlich auf den genannten, durchſichtigen Warzen, am dritten oder vierten Tag aber war er meiſtens verloh - ren, der ausgenommen, der auf den Theil der Narbe, wo die durchſichtigen Koͤrper mit ihren Zwiſchenraͤu - men weiter eindringen, gefallen war.

Ein einziges Korn von dieſem kleinen Zeugungs - ſtaube, der bis zur Hoͤhlung des Griffels gekommen war, war ſchon bis zur Mitte nach dem Fruchtknoten[gekommen]. Dieſes Korn hatte ſchon ſeine Geſtalt innerhalb dem Griffel ſo veraͤndert, daß es ganz zer -ſtoͤrt248ſtoͤrt ſchien, der Fruchtknoten war etwas aufgeſchwol - len, und hatte ſeine Geſtalt, ſo wie der Saamen ver - aͤndert.

Eine andere Art der durchſichtigen Koͤrper habe ich in dieſem Jahre bey dem Kuͤrbiß auf dem Staubbeu - tel waͤhrend der Zeit, daß der Staub ausgeworfen wurde, entdeckt, die dick, laͤnglichtrund, oben zuge - ſpitzt und krumm iſt.

Ein cylindriſcher und gerader Koͤrper bildet den Staubbeutel, der mit einer ſtaubgebenden cirkelfoͤrmi - gen Linie die nach oben und auſſen ſich ſchlingt, um - geben iſt. Bald mehrere, bald wenigere durchſichtige Koͤrper ragen nach Art der Keile aus den Raͤndern der ſtaubtragenden Linie hervor, welche, indem ſie die Decke der Raͤnder durchbohren, allmaͤhlig reizen, ſte - chen und zur ſchleunigen Auswerfung Gelegenheit ge - ben, auf welche Art die langſame Ausſtreuung des Zeugungsſtaubes bewirket wird, indem die Raͤnder durch die Warzen gereizt, mit einer gewiſſen Schnell - kraft aufſpringen.

Mehreres habe ich noch nicht geſehn und wage es auch nicht zu behaupten, die Aehnlichkeit der durch - ſichtigen Koͤrper des Michelii mit andern auf den Pi - ſtillen oder Staubbeuteln der vollkommenen Blumen haben mich bis dahin gefuͤhrt, und zu dieſer Abhand - lung Gelegenheit gegeben.

About this transcription

TextVermischte botanische und ökonomische Abhandlungen
Author Johann Gottlieb Gleditsch
Extent262 images; 58230 tokens; 10643 types; 418725 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationVermischte botanische und ökonomische Abhandlungen Dritter Band Johann Gottlieb Gleditsch. Carl Abraham Gerhard (ed.) . [3] Bl., 248 S. HesseBerlin1789.

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  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
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ShelfmarkGöttingen SUB, 8 BOT I, 3155:3
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