PRIMS Full-text transcription (HTML)
[III]
Unpolitiſche Lieder
Und ich ging hin zum Engel und ſprach zu ihm: Gieb mir das Büchlein. Und er ſprach zu mir: Nimm hin, und verſchlinge es; und es wird dich im Bauch grimmen, aber in deinem Munde wird es ſüß ſein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein von der Hand des Engels, und ver¬ ſchlang es; und es war ſüß in meinem Munde wie Honig; und da ich's gegeſſen hatte, grimmete mich's im Bauch. (Offenbarung St. Johannis 10 9. 10. )
Hamburg. BeiHoffmann und Campe. 1840.
[IV]

Gedruckt bei C. G. Pinckvoß.

[V]

Inhalt.

Erste Sitzung.

  • Seite
  • Knüppel aus dem Sack1
  • Klagelied3
  • Stimme aus der Wüſte4
  • Im Jahr 18125
  • Jusqu'à la mer6
  • Grün8
  • Die Verbrüderung9
  • Chatten10
  • Stand und Stände11
  • Stammbaum12
  • Nie ohne dieſes! 14
  • Staatsinquiſition15
  • Stöpſelzieher16
  • Des Leibes und der Seele Krieg18
  • Die deutſchgeſinnte Polizei19
  • Die T-Deutſchen20
  • Maîtres de danse21
  • Das heil. römiſche Reich22
  • Zarte Rückſichten23
  • Schlafe! was willſt du mehr? 24
VI

Zweite Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied25
  • Die Denkmalwüthigen27
  • Hunde und Katzen28
  • Mauskätzchen30
  • Heugabel und Beſenſtiel32
  • Von34
  • Von und aus35
  • An das geliebte Fräulein Von36
  • Der Corporalſtock37
  • Die alte gute Zeit40
  • Rechts und links41
  • Altes und Neues42
  • Weinlied43
  • Vox Dei Vox Populi44
  • Der dreizehnte Artikel45
  • Der deutſche Zollverein46
  • Walhalla47
  • Heute48
  • Hindurch! 49
  • Mützen50
VII

Dritte Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied51
  • Salvator mundi53
  • Angebinde54
  • Statiſtiſche Glückſeligkeit55
  • Eile mit Weile! 56
  • Lapidarſtil57
  • Die orthodoxen Ropaliſten58
  • Die unmündigen Aufgeklärten59
  • Die modernen Heiden60
  • Die monarchiſchen Frommen62
  • Ein Weltgericht63
  • Ein Staatsgericht64
  • Herrnhuter in beiderlei Geſtalt65
  • Die theologiſchen Daguerrotype66
  • Die privilegirten Geheimen67
  • Die Abtrünnigen68
  • Niemandes Herr, Niemandes Knecht70
  • Die beiden Strauße71
  • Dunkelmannstracht73
  • Vorwärts und Haltauf74
VIII

Vierte Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied75
  • Blitzableiter76
  • Gleichheit77
  • Die Adelszeitung nach Chriſti Geburt 184078
  • Iſrael80
  • Fromm81
  • Die Patrioten82
  • Champagnerlied84
  • Der deutſche Kaiſer86
  • Licht und Schatten87
  • Höchſt und Allerhöchſt89
  • Cenſorenmißverſtändniß90
  • Die Genügſamen91
  • Die wilden Gänſe92
  • Freiheit93
  • Haifiſch94
  • Heute mir, morgen dir95
  • Gott ſei der armen Seele gnädig! 96
  • Papier ohne Ende98
  • Lumpe und Lumpen99
IX

Fünfte Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied100
  • Landwirthſchaftliches102
  • Schlagverſe103
  • Die Europamüden105
  • Veredelung106
  • Ein ſchöner Zug107
  • Kirchenhiſtoriſches108
  • Die lateiniſchen Gläubigen109
  • Die liberalen Modegecken110
  • Humanitätsſtudien111
  • Dummheit113
  • Lauriger Horatius, quam dixisti verum114
  • Die Streichinſtrumentiſten115
  • Mein iſt das Recht116
  • Die Sternträger117
  • Die Fragenden118
  • Diplomatiſche Klarheit und Kürze119
  • Die jungen Litterarhiſtoriker120
  • Die Ausgepreſſten121
  • Recenſenten122
X

Sechste Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied123
  • Schwabenkrieg125
  • Der Wehrſtand127
  • Der Spittelleute Klagelied128
  • Aria eines ſehr gering beſoldeten Profeſſors130
  • Virtus philologica131
  • Licht - und Fenſterrecht132
  • Claſſiſche Gelahrtheit133
  • Der Kunſtzopf134
  • Erläuterung zum 13. Artikel der Bundesacte136
  • Bömiſche Dörfer139
  • Der Litteratenorden141
  • Sterne143
  • Die Kameele144
  • Herren und Knechte145
  • Variatio delectat146
  • Meuſels gelehrtes Deutſchland147
  • Steuerverweigerungsverfaſſungsmäßigberechtigte148
  • Die guten Geiſter149
  • Die Eidgenoſſen150
XI

Siebente Sitzung.

  • Seite
  • Trinklied151
  • Deutſches Thule152
  • Mißverſtändnis153
  • Philiſter154
  • Dichterklage155
  • Dichtertroſt156
  • Sie und ich157
  • Heimweh in Frankreich158
  • Heimkehr aus Frankreich159
  • Auf deutſchem Grund und Boden160
  • In Deutſchland161
  • Nur in Deutſchland163
  • Mein Vaterland165
  • Engliſche Geduld in der engliſchen Krankheit166
  • Frühlingswunſch167
  • Hannoverſches Frühlingslied168
  • Abendlied169
  • In der Heimath170
  • Letztes Lied171
  • Neujahrslied172
XII

Anhang oder Vertrauliche Sitzung.

  • Seite
  • Armin175
  • Gedichte aus Gent182
  • Schiller in Lauchſtädt186
  • Trinkſprüche189
Wer Steine wegwälzt, der wird Mühe damit haben, und wer Holz ſpaltet, der wird davon verletzet werden.
Prediger Salom. 10, 9.
[1]

Erste Sitzung.

Knüppel aus dem Sack.

Von allen Wünſchen in der Welt
Nur Einer mir anjetzt gefällt,
Nur: Knüppel aus dem Sack!
Und gäbe Gott mir Wunſchesmacht,
Ich dächte nur bei Tag und Nacht,
Nur: Knüppel aus dem Sack!
Dann braucht 'ich weder Gut noch Gold,
Ich machte mir die Welt ſchon hold
Mit: Knüppel aus dem Sack!
Ich wär' ein Sieger, wär 'ein Held,
Der erſt' und beſte Mann der Welt
Mit: Knüppel aus dem Sack!
12
Ich ſchaffte Freiheit, Recht und Ruh
Und frohes Leben noch dazu
Beim: Knüppel aus dem Sack!
Und wollt 'ich ſelbſt recht luſtig ſein,
So ließ' ich tanzen Groß und Klein
Beim: Knüppel aus dem Sack!
O Märchen, würdeſt du doch wahr
Nur Einen einz'gen Tag im Jahr,
O Knüppel aus dem Sack!
Ich gäbe drum, ich weiß nicht was,
Und ſchlüge drein ohn 'Unterlaſs:
Friſch! Knüppel aus dem Sack
Auf's Lumpenpack!
Auf's Hundepack!
3

Klagelied.

Wann einſt die Flaſchen größer werden,
Wann einſt wohlfeiler wird der Wein,
Dann findet ſich vielleicht auf Erden
Die goldne Zeit noch einmal ein.
Doch nicht für uns! uns iſt geboten
In allen Dingen Nüchternheit
Die goldne Zeit gehört den Todten,
Und uns nur die papierne Zeit.
Ach! kleiner werden unſre Flaſchen,
Und täglich theurer wird der Wein,
Und leerer wird's in unſern Taſchen
Gar keine Zeit wird bald mehr ſein.
1 *4

Stimme aus der Wüſte.

Stark ſei dein Muth und rein dein Herz!
Und tönt's auf allen Seiten:
Die ſchlimme Zeit! die böſe Welt!
Du wagſt dich friſch hinaus ins Feld,
Das Schlechte zu beſtreiten.
Rein ſei dein Herz und ſtark dein Muth!
Dann biſt du wohl gebettet.
Und ſetzte dich der Menſchen Neid
Hinaus in Wind - und Wellenſtreit
Auch Moſes ward errettet!
Nicht unſre Zeit ſei deine Zeit!
Die deine ſtets die beſte!
Rein ſei dein Herz und ſtark dein Muth,
Daß Gottes Lieb 'auch Wunder thut
An deinem Oſterfeſte!
5

Im Jahr 1812.

Wenn der Kaiſer doch erſtände!
Ach! er ſchläft zu lange Zeit:
Unſre Knechtſchaft hat kein Ende
Und kein End 'hat unſer Leid.
Auf dem ſchönen deutſchen Lande
Ruht der Fluch der Sklaverei
Mach uns von der eignen Schande,
Von dem böſen Fluche frei!
Kaiſer Friedrich, auf! erwache!
Mit dem heil'gen Reichspanier
Komm zu der gerechten Rache!
Gott der Herr er iſt mit dir.
Ach, es krächzen noch die Raben
Um den Berg bei Tag und Nacht,
Und das Reich es bleibt begraben,
Weil der Kaiſer nicht erwacht.
6

Jusqu'à la mer.

Als die Diplomaten tranken:
Blücher hoch! und hoch das Heer!
Dem wir Freiheit jetzt verdanken
Und des Friedens Wiederkehr!
Nun, da ſprach der greiſe Krieger
Vor der Diplomatenſchaar,
Er, der mit der Zung 'ein Sieger
Wie er's mit dem Schwerte war:
Ernten mögen unſre Erben
Was wir ſäten in der Schlacht!
Mag die Feder nicht verderben
Was das Schwert jetzt gut gemacht!
Dieſe Worte möcht 'ich ſchreiben
Nicht auf Erz und nicht auf Stein,
Nicht an Wänd' und Fenſterſcheiben,
Nein, in jedes Herz hinein;
7
In das Herz der Diplomaten,
Die am langen grünen Tiſch
Deutſchlands Wohl und Weh berathen,
Und oft ſtumm ſind wie ein Fiſch;
Die in ihren eignen Sachen
Wollen ſchier Franzoſen ſein,
Lauter Böck 'und Schnitzer machen
Wie ein Schüler im Latein.
Hättet ihr doch deutſch geſprochen!
Denn franzöſiſch fällt euch ſchwer:
Immer ſprecht ihr nur gebrochen
Von dem Rhein jusqu'à la mer.
8

Grün.

Deutſches Volk, wie gut berathen!
Hoffnung ſprieſſt in deinen Gau'n:
Grün ſind ſtets noch deine Saaten,
Deine Wälder, deine Au'n.
In der Hoffnung ruht dein Leben:
Bleibt auch manche Hoffnung aus
Steuern nehmen, Steuern geben,
Dieſe Hoffnung ſtirbt nicht aus.
Hoffnung tilget deine Klagen,
Löſchet deines Zweifels Spur,
Denn mit grünem Tuch beſchlagen
Sind die Sitzungstiſche nur.
Darum geh in dieſen Tagen,
Deutſches Volk, in Hoffnungstracht;
Grüne Röcke muſſt du tragen,
Weil man dir nur Hoffnung macht.
9

Die Verbrüderung.

Mel. An dem reinſten Frühlingsmorgen Ging die Schäferin und ſang.

Nur im Oſten kann es tagen,
Und es tagte wunderbar,
Und im Oſten ward geſchlagen
Frankreichs ſieggewohnte Schaar.
Und die Moscowiterhorden
Haben uns das Heil gebracht,
Sind mit uns verbrüdert worden
Durch die deutſche Freiheitsſchlacht.
Die Verbrüdrung kann nur fruchten,
Bringt uns Segen immerdar:
Dankbar gehn wir drum in Juchten,
Eſſen dankbar Kaviar.
10

Chatten.

Ut primum adoleverint, crinem barbamque submittere, nec nisi hoste caeso exuere vo¬ tivum obligatumque virtuli oris habitum. ignavis et imbellibus manet squator.
Tacitus de Germ. cap. 31.
Sitte war's in alten Tagen
Bei der edlen Chattenſchaar:
Bis man einen Feind erſchlagen,
Ließ man wachſen Bart und Haar.
Auch noch heute giebt es Chatten,
Die mit langen Bärten gehn,
Weil ſie noch das Glück nicht hatten,
Irgend einen Feind zu ſehn.
Wo die meiſten Feinde waren,
Drang der Chatte wild hinein,
Von des Leibes Feigheitshaaren
Wollt 'er zeitig ſich befrein.
Wir auch haben heute Chatten,
Die mit langen Bärten gehn,
Doch ſie wollen auch den Schatten
Eines Feindes nicht mal ſehn.
11

Stand und Stände.

Ha! eure Mauern, eure Wände,
Hat ſie nicht längſt die Zeit zerſtört?
Wo blieb der Unterſchied der Stände?
Hat jeder Stand nicht aufgehört?
Wir haben keine Zeit zum Stehen,
Nichts hat noch ſeinen alten Stand;
Jetzt will die ganze Welt nur gehen,
Wie kann da ſtehen noch ein Land!
Was ſoll der Stand? was ſollen Stände?
Sie hemmen nicht der Zeiten Lauf.
O, reicht euch alle gern die Hände!
Euch alle nimmt Ein Haus nur auf.
12

Stammbaum.

Mel. Einſam bin ich nicht alleine.

O des Schickſals böſe Tücke,
O das böſe Spiel der Zeit!
Einſt wohl ſaßen wir im Glücke,
Jetzo ſitzen wir im Leid.
Nur der Anblick meiner Felder,
Meiner Wieſen iſt noch mein;
Längſt verkauft ſind meine Wälder,
Nur ein Baum blieb mir allein.
Wenn ich dieſen Baum umklammre,
Heg 'ich Hoffnung, ſchöpf' ich Muth;
Wenn ich vor ihm wein 'und jammre,
Fühl' ich neue Lebensglut.
Nein, ich habe nicht vergebens
Meine Tage hingebracht!
Seht, da ſteht der Baum des Lebens
Und in voller Blüthenpracht!
13
Und die Menſchheit wird beglücken
Das was ich hienieden that:
Denn mit dieſen Blüthen ſchmücken
Wird ſich mancher Hof und Staat.
O du Baum aus altem Samen,
Wie beruhigſt du mein Herz!
Schon vor deinem ſtolzen Namen
Schwindet aller Gram und Schmerz.
Grünt, ihr jungen Sommerlatten,
Wachſt in fröhlichem Gedeihn!
Und in meines Stammbaums Schatten
Schlaf 'ich ſanft und ſelig ein.
14

Nie ohne dieſes!

O glücklich wer noch Vettern hat,
Dem glänzet noch ein Morgenroth:
Er wird, wenn nicht Geheimerath,
Doch Etwas noch vor ſeinem Tod.
Wohl that's dem armen Adam weh,
Daß Gott ihm nicht ſein Eden ließ;
Er hatte keine Vettern je,
Sonſt ſäß 'er noch im Paradies.
15

Staatsinquiſition.

Mel. Wer wollte ſich mit Grillen plagen?

Wie heißt die ſchrecklichſte der Liſten,
Die ärger iſt als Feindesliſt,
Und auch ſogar den ſpan'ſchen Chriſten
Noch unbekannt geblieben iſt?
Ich will dir deine Neugier ſtillen:
Conduitenliſte heißt die Liſt,
Worin du durch Behördenbrillen
Schön abdaguerrotypet biſt.
O wär 'ich dann ein Troglodyte,
Der Berg' und Wälder wilder Sohn!
Doch leider bin ich von Conduite,
Ein einzig Wort verfehmt mich ſchon.
16

Stöpſelzieher.

Wenn es keine Flaſchen gäbe,
Würden keine Stöpſel ſein,
Und wie einſt dem Zeus die Hebe
So kredenzt 'ich dir den Wein.
Aber leider wird gezogen
Jetzt auf Flaſchen nur der Wein
Und wie einen Demagogen
Sperret man den Edlen ein.
Und ein Stöpſel hält die Wache
Wie ein Scherge Tag und Nacht,
Und er ſitzt ihm auf dem Dache,
Daß er ſich nicht mauſig macht.
Doch dein Rächer iſt vorhanden,
Nur Geduld, du edler Wein!
Und er wird aus deinen Banden
Dich zu rechter Zeit befrein.
17
Und wie heißt der brave Rächer,
Der den Wein befreien kann?
O ihr wiſſt es, frohe Zecher,
Stöpſelzieher heißt der Mann.
Stöpſelzieher! hoch erheben
Laſſt uns ihn bei Sang und Wein:
Alle, alle ſollen leben,
Stöpſelzieher groß und klein!
Und ein jeder Hauswirth denke
Heuer und zu jeder Friſt,
Daß kein ordentlich Getränke
Ohne Stöpſelzieher iſt.
218

Des Leibes und der Seele Krieg.

Das die Albernen gelüftet, tödtet ſie.
Sprüche Salomonis 1, 24.
Nach Seelen wird die Zählung nur gemacht,
Nach Köpfen wird die Steuer aufgebracht.
Da dachtet ihr, der Leib hat ſeine Rechte
Und wie man ihn in Reih 'und Glied wohl brächte.
Da fing mit einem Mal das Turnen an,
Und wer nicht turnte, war kein biderb Mann;
Man ſang vom Barrn, Rung, Reck und Schwingel Lieder
Und Deutſchland hallte freudig alles wieder.
Da kam die Polizei euch auf den Leib:
Was ſoll der demagogiſche Zeitvertreib?
Der Staat will Köpf 'und Seelen, doch mit Nichten
Turnleiber, ſo die Steuer nicht entrichten.
Der Staat beſchränkte drum das Turnen nur
Auf edle fromme geiſtige Dreſſur.
Was lerntet ihr doch auch vom Schwingen, Recken?
Ihr lerntet nur euch nach der Decke ſtrecken.
19

Die deutſchgeſinnte Polizei.

Mel. Süße, heilige Natur.

Weg mit wälſchem Ungeſchmack
Und dem ſchamlos offnen Frack!
Deutſcher Rock und deutſch Baret,
Ei, wie ſteht's ſo fein und nett!
Alſo ſprach man Tag und Nacht
Nach der Leipziger Freiheitsſchlacht,
Doch behielt im ganzen Land
Stets der Frack die Oberhand.
Bald auch hing man an den Pflock
Hie und da den deutſchen Rock;
Nur der Bruder Studio
Machte noch damit Halloh.
Und nun kam die Polizei
Und ſie ſprach: es iſt vorbei!
Deutſche Tracht iſt Tand und Schein,
Deutſch von Herzen ſollt ihr ſein!
2 *20

Die T-Deutſchen.

Teutſch läuft eben ſo wider unſere Mundart, als wollten wir ſchreiben ter, tie, tas. Der gothiſchen und ſächſi¬ ſchen iſt thiutiſk, folglich der hochdeutſchen nur diutiſk gemäß.
Jac. Grimm in den Gött. gel. Anzeigen 1826. Seite 1600.
Ihr könnt nicht unterſcheiden d und t,
Und wollt uns lehren wie man ſchreibt und ſpricht?
Ihr macht doch ſonſt ein b und ſprechet p,
Warum doch macht ihr's d in deutſch denn nicht?
Es nimmt's euch übel noch der deutſche Bund;
Ihr wiſſt, er will einmal kein teutſcher ſein.
Ihr proteſtiert ja doch nur ohne Grund,
So laſſt einmal das viele teutſche Schrei'n!
21

Maîtres de danse.

Le patriotisme des nations doit être égoiste.
Mme. de Staël.
Ja, es war ein tolles Tanzen,
Ohne Raſt und ohne Ruh;
Von den Wällen, aus den Schanzen
Tanzten ſie nach Frankreich zu.
Welche Schmach für eure Väter,
O wie dumm und wie verkehrt,
Daß ihr lernt von Frankreichs Maîtres
Was wir ſelber ſie gelehrt!
Pfui! welche Schmach und Schande,
O wie dumm und wie verkehrt,
Daß ihr lernt die Allemande,
Die wir ſelber ſie gelehrt!
Sparet euren Fleiß und Eifer,
Bis der Feind uns kommt ins Haus,
Tanzt mit ihm dann einen Schleifer
Hopſaſa! zum Land 'hinaus!
22

Das heil. römiſche Reich.

Tamdiu Germania vincitur.
Tacitus de Germ. cap. 37.
Ach! hätteſt du vom röm'ſchen Weſen
Und von der röm'ſchen Litteratur,
O Vaterland, doch nichts geleſen,
Nichts als die röm'ſchen Münzen nur!
Doch hat uns Rom mit ſeinen Waffen
Nimmer ein ſolches Leid erdacht,
Als mit Latein die Lai'n und Pfaffen
Ueber das deutſche Reich gebracht.
Deutſch wird der Papſt noch eher lernen,
Eher ein guter Deutſcher ſein,
Als man geneigt iſt zu entfernen
Endlich aus Deutſchland das Latein.
23

Zarte Rückſichten.

Wir waren es! o Heil, daß wir es waren,
Die einſt erfanden vor vierhundert Jahren
Dich, Pflegetochter hoher Gnad 'und Gunſt,
Dich, weltberühmte edle Druckerkunſt!
Herbei aus allen deutſchen Gau'n in Schaaren!
Kommt, laſſt uns unſern Dank Ihm offenbaren,
Ihm, der das Wort gefreit aus ſeinem Bann,
Daß es die ganze Welt erfreuen kann.
Von allen Thürmen ſoll es hell erſchallen,
Aus allen Feuerſchlünden wiederhallen!
Dank, Guttenberg, du haſt das Wort gefreit,
Frei ſei's und bleib's bei uns auch allezeit!
Doch nein! es iſt manch allerhöchſter Wille,
Daß wir uns jetzt nur freu'n ganz ſtille, ſtille:
Ein Jubelfeſt von Deutſchland nur allein
Säh 'aus, als ſollt' es Schadenfreude ſein.
Was würde Holland wohl, was China ſagen,
Wenn wir ſo jubelten in dieſen Tagen?
Es iſt kein ſchönes, iſt kein würdig Feſt,
Wozu ſich nicht der Nachbar laden läßt.
24

Schlafe! was willſt du mehr?

Mel. O gieb, vom weichen Pfühle.

Wo ſind noch Würm 'und Drachen,
Rieſen mit Schwert und Speer?
Was kannſt du weiter machen?
Schlafe! was willſt du mehr?
Du haſt genug gelitten
Qualen in Kampf und Strauß;
Du haſt genug geſtritten
Schlafe, mein Volk, ſchlaf 'aus!
Wo ſind noch Würm 'und Drachen,
Rieſen mit Schwert und Speer?
Die Volksvertreter wachen:
Schlafe! was willſt du mehr?
25

Zweite Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg.
Auf Geſundheit unſrer Feinde,
Stoßet an Mann für Mann!
Sie, die Gründer unſres Strebens,
Die Entwickler unſrer Kraft,
Unſres höhern geiſt'gen Lebens
In der Kunſt und Wiſſenſchaft
Unſre Feinde dort und hier!
Ohne ſie was wären wir?
Hätten wir uns ſo gefunden,
So zu Freud 'und Leid verbunden?
Stoßet an Mann für Mann,
Auf Geſundheit unſrer Feinde!
26
Auf Geſundheit unſrer Feinde!
Auf und dran! ſtoßet an!
Mögen ihre Ränke ranken,
Möge wuchern ihre Liſt!
Wir, wir wollen uns bedanken,
Weil's doch gut gemeinet iſt;
Denn ſie haben's gut gemeint,
Haben uns ſo feſt vereint,
Daß wir nur noch lächeln können
Ueber das was ſie uns gönnen.
Auf und dran! ſtoßet an!
Auf Geſundheit unſrer Feinde!
27

Die Denkmalwüthigen.

Monumentorum ardnum et operosum honorem, ut gravem defunctis, aspernantur.
Tacitus de Germ. cap. 27.
Ihr denket jetzt: uns blieb nur das Gedächtniß
Der weiland großen Thaten zum Vermächtniß,
Und haben wir ein Denkmal nur geſetzt,
Iſt Großes auch von uns geſchehn zuletzt.
Begnügt euch nicht, daß uns die großen Ahnen
An unſers Volkes Größ 'und Tugend mahnen!
Das Große laſſt uns ſelber ſtets erneu'n,
So kann uns nur das Große wahrhaft freu'n.
28

Hunde und Katzen.

Die Hund 'und die Katzen die ſtritten ſich
Und zankten ſich um die Wette,
Wer unter ihnen urkundlich
Den älteſten Adel hätte.
Wir haben ein ururaltes Diplom
Lang her von undenklichen Tagen,
Was Remus mit Romulus einſt zu Rom
Gab allen Iſegrims-Magen.
Zeigt uns, erwiedern die Katzen, wohlan!
Zeigt her die alten Briefe!
Was ſteht denn drin, was hangt denn dran?
Wo ſind ſie, in welchem Archive?
Man ſchickte den Pudel eilig nach Rom
Zum Aerger der Katzen und Kater,
Der ſollte holen das alte Diplom
Herbei vom heiligen Vater.
29
Der Pudel kommt ganz ungenirt
Zum Papſt hereingetreten;
Er hat den Pantoffel ihm apportiert
Und dann ihn höflich gebeten.
Der Pudel empfing aus des Papſtes Hand
Was das Hundevolk begehrte;
Dann zog er wiederum in ſein Land
Auf ſeiner alten Fährte.
Und als er kam an den Po bei Rom,
Da ſchwamm vor ihm ein Braten,
Er ſchnappte darnach, und verlor ſein Diplom,
Und muſſt 'es auf ewig entrathen.
So ſtand die Sache nun wie zuletzt,
Der Streit blieb unentſchieden,
Und Hund 'und Katzen halten bis jetzt
Noch immer keinen Frieden.
Die Hunde die denken noch immer ſo:
Wir werden ſie ſchon überwinden!
Sie ſuchen und forſchen noch immer am Po
Und können den Adel nicht finden.
30

Mauskätzchen.

Les talens sont distribués par la nature sans égard aux généalogies.
Frédéric, Oeuvres posthumes 1, 65
Mauskätzchen gab ein großes Feſt
Und hatte dazu geladen
Bekannt 'und Verwandte von Oſt und Weſt
Und lauter Ihro Gnaden.
Miau miau miau
Sie trieben vielerlei Poſſen und Scherz,
Und füllten ſich weidlich den Ranzen,
Und weil es nun eben war im März,
So wollten die Kätzerlein tanzen.
Miau miau miau
Doch alle die gnädigen Kätzerlein,
Die gnädigen Kater und Katzen,
Die konnten nichts als miauen und ſchrein
Und ſchluchzen und pfuchzen und pfnatzen.
Miau miau miau
31
Mauskätzchen ſchickt nach dem Pudel hin,
Der konnte das Hackebrett ſchlagen,
Der ſollte ſo was nach ihrem Sinn
Auf dem Hackebrett vortragen.
Miau miau miau
Der Pudel war ein geſcheiter Mann,
Eine bürgerliche Canaille:
Was geht mich Dero Geſellſchaft an,
Ew. Gnaden Katzengebalge?
Wau wau wau wau.
32

Heugabel und Beſenſtiel.

Heugabel und Beſenſtiel,
Die wollten ſich vermählen;
Da gab's im ganzen Land gar viel
Und mancherlei zu erzählen.
Was iſt das für ein Paar!
Wie die zuſammen paſſen!
Er iſt zu Haus das ganze Jahr,
Sie draußen auf Wegen und Gaſſen.
Er denkt an Stub 'und Flur,
Und ſie an Ochſen und Pferde;
Sie ſtrebet nach dem Hohen nur,
Und er bleibt auf der Erde.
Bei Frühlingsſonnenſchein
Will ſie ihr Amt nur führen;
Er aber muß Jahr aus Jahr ein,
Er muſs ſich immer rühren.
33
Doch als die Trauung war,
Da wurden die Mäuler ſtille;
Heugabel und Beſenſtiel blieb ein Paar,
I nun, es war ihr Wille.
Heißa! das ganze Land
Zur Hochzeit war geladen,
Verwandt, bekannt und unbekannt,
Die Krummen, die Schiefen, die Graden.
Da tanzten munter und friſch
Die Schemel, die Hütſchen, die Bänke,
Die Kannen, die Mulden, die Stühl 'und die Tiſch'
Und Kiſten und Kaſten und Schränke.
Heißa! nun wurden ſie
Poetiſch über die Maßen,
Daß ſie vor lauter Poeſie
Stand, Rang und Würde vergaßen:
Die Liebe macht uns gleich,
Frau Beſenſtiel, Herr Gabel!
Der Will 'iſt unſer Himmelreich
Und das iſt keine Fabel.
334

Von.

Auf die Präpoſitiones In, Von, Zu nehmen ſie groß Acht, als ob ihrer Ehren und Wohlfahrt ein großes daran gelegen.
Matthias Quad von Kinkelbach, Teutſcher Nation Herrlichkeit 1609. Seite 27.
An meine Heimath dacht 'ich eben,
Da ſchrieb ich mich von Fallersleben.
Ich ſchrieb's und dachte nie dabei
An Staatscenſur und Polizei.
So ſchrieben ſich viel Biederleute
Nach ihrem Ort und thun's noch heute,
Und keiner dachte je daran,
Durch von würd 'er ein Edelmann.
35

Von und aus.

Ich bin herunter gekommen Und weiß doch ſelber nicht wie.
Schäfers Klagelied von v. Göthe.
Auf Burgen ſaßen Edelleute,
Wo aber ſind die Burgen heute?
Es wohnt oft ohne Hab 'und Gut
Im Thale manches adlich Blut.
Und von den Gütern ihrer Lieben
Iſt ihnen nur ein von geblieben;
Des alten Namens Herrlichkeit
Blieb manchem nur in unſrer Zeit.
So bin auch ich von Fallersleben.
Wer wird ein aus mir wiedergeben?
Ich bin nur von, einſt war ich aus,
Jetzt hab 'ich weder Hof noch Haus.
336

An das geliebte Fräulein Von.

Nicht Berg 'und Meere trennen mich,
Mich trennt ein Wort von dir:
Du biſt von Staub und Staub bin ich
Das trennet dich von mir.
Und ſitzen magſt du neben mir,
Und nahe ſein um mich:
Ein Wort, es trennet mich von dir,
Und ewig fern bin ich.
Erliſch nun Sonn 'und Sternenzelt
In Nacht und Nebelgraus!
Denn alle Liebe dieſer Welt,
Sie löſcht das Wort nicht aus.
37

Der Corporalſtock.

Frequens fustium usus.
Tacitus de Germ. cap. 45
Von einem Helden will ich ſingen
Der einſt die ganze Welt bezwang:
So konnt 'es keinem noch gelingen,
So glorreich wie es ihm gelang.
Obſchon im Waldesgrün geboren
Bei Amſelſchlag und Frühlingswehn,
So war er doch dazu erkoren,
Mit Herren Hand in Hand zu gehn.
Er ward gewiegt von Fürſtenhänden,
Zopf und Kamaſche pflegten ſein;
Sie muſſten viele Zeit verwenden
Zu ſeinem Wachsthum und Gedeihn.
Dann gab man ihn noch in die Lehre
Zu einem braven Corporal,
Da ward er voller Zucht und Ehre,
Wie Leder zäh, und hart wie Stahl.
38
Er bracht 'es nun in wenig Tagen
Zu ſolcher hohen Trefflichkeit,
Daß Staunen, Schrecken, Angſt und Zagen
Ergriff die ganze Chriſtenheit.
Er ward bekannt in allen Landen
Wo nur was Großes je geſchah,
Und ganze Regimenter ſtanden
Vor ihm wie Leichen lautlos da.
O weh, er iſt nun Staub und Aſche,
O weh, o weh, er iſt nicht mehr!
Dahin iſt Zopf, dahin Kamaſche!
Dahin ſein ganzes großes Heer!
Kein Denkmal iſt von ihm geblieben,
Doch war in jener guten Zeit
Auf jedem Rücken eingeſchrieben
Sein Ruhm und ſeine Tapferkeit.
Uns aber lieſs er zum Vermächtniß
Den alten Corporal zurück,
Der ruft uns allen ins Gedächtniß
Mitunter noch das alte Glück.
Wir aber ſind zu dumm geworden
Für jene alte gute Zeit;
Sie ſei im Süden, ſei im Norden,
Nur bleibe ſie von uns recht weit!
39
Auch Millionen werden flehen,
Wenn Gott der Herr ſitzt zu Gericht:
Laß alle Helden auferſtehen,
Nur dieſen, dieſen einen nicht

Chor.

Den Corporalſtock nicht!

40

Die alte gute Zeit.

O lernet doch ihr armen Knecht 'und Wichte,
O lernt doch unſers deutſchen Volks Geſchichte,
Und preiſt nicht groß und herrlich jene Zeit,
Die Zeit der niedrigſten Erbärmlichkeit!
Doch nein, ihr bleibt bei eurem dummen Schwätzen,
Ihr wollt der guten Zeit ein Denkmal ſetzen
Wohlan, ſo gießt die Zopfzeit dann in Erz,
Und gießt hinein des deutſchen Volkes Schmerz!
41

Rechts und links.

Ich finde dieſe Rede voll Verſtand, Wiewohl mich Griechenland nicht auferzogen.
Aus den Phönizierinnen des Euripides nach Schiller.
Norden, Süden, Wein und Bier,
Plattdeutſch dort und Hochdeutſch hier,
Katholik und Proteſtant,
Mancher Fürſt und manches Land
Wer das nicht vergeſſen kann,
Iſt fürwahr kein deutſcher Mann;
Wenn er's gut mit dir auch meint,
Vaterland, er iſt dein Feind!
Das bedenket jeder Zeit,
Wenn ihr ſtrebt nach Einigkeit,
Deutſche Fürſten, deutſcher Bund,
Deutſche Lai'n und Pfaffen, und
42

Altes und Neues.

die Deutſchen ſind entzweit; Denn die Einen ſtreben zu erhalten, Und die Andern ſchwören Tod dem Alten.
König Ludwig I. von Baiern, Ged. 3, 8.
Tod dem Alten, Tod dem Neuen,
Allem was uns trennen muß!
Sprecht nicht mehr von Luthers Siege,
Nicht vom dreißigjähr'gen Kriege
Und weſtphälſchen Friedensſchluß.
Tod dem Alten, Tod dem Neuen,
Drüber nur die Menſchheit weint!
Sprecht nicht mehr von Adelsrechten
Und wie Deutſche muſſten fechten
Wider Deutſche für den Feind.
Tod dem Alten, Tod dem Neuen,
Was uns trennt von Recht und Pflicht!
Deutſchlands Alter, Deutſchlands Jugend
Sei ein feſter Bund der Tugend,
Dran des Feindes Macht zerbricht!
Heil dem Alten, Heil dem Neuen,
Was uns führt zu Recht und Pflicht!
Laſſt die Jungen und die Alten
Frei auf dieſem Pfade walten
Und ihr Fürſten, wehrt ſie nicht!
43

Weinlied.

Wer fragte je nach deinem Glauben,
Wenn er vor dir mit Andacht ſaß,
Bei dir, du edler Sohn der Trauben,
Die Zeit und alle Welt vergaß?
Willkommen, reiner Gottesſegen,
Sei uns willkommen tauſendmal!
Genährt vom Himmelsthau und Regen,
Getränkt vom Licht und Sonnenſtrahl!
Aus welcher Ehe du entſprungen
Geſegnet ſei das Eheband!
Und ſprichſt du auch in fremden Zungen,
Geſegnet ſei dein Vaterland!
Und wärſt ein Ketzer du, ein Heide,
Wir Gläubigen verehren dich,
Wir fliehn zu dir in unſerm Leide,
Wir freun mit dir uns inniglich.
Dich hat der Herr der Welt begnadet,
Nur du darfſt ohne Glauben ſein;
Der große Wirth der Gläub'gen ladet
Uns alle, alle zu dir ein.
44

Vox Dei Vox Populi.

Mit euren ſiebzig Stimmen habet
Ihr uns gar manchen Sang gemacht,
Doch hat der Sang uns nie gelabet,
Nie gute Stimmung uns gebracht.
Und wenn ihr auch in allen Dingen
Die ſiebzig Stimmen richtig zählt,
Was kann dem Menſchen doch gelingen,
Wenn's ihm an Einer Stimme fehlt?
45

Der dreizehnte Artikel.

Und ſeid ihr auch in Jugendfriſche,
Noch ganz geſund, noch gar nicht alt
Wo einmal dreizehn ſind bei Tiſche,
Stirbt einer von den dreizehn bald.
So ging es, als der Bundesacte
Dreizehnter mit bei Tiſche ſaß:
Daß da der Tod den Jüngſten packte!
O weh! das war ein ſchlechter Spaß.
46

Der deutſche Zollverein.

τοῦ γὰϱ κϱάτος ὲστί μέγστον.
Homeri Ilias 2, 118.
Schwefelhölzer, Fenchel, Bricken,
Kühe, Käſe, Krapp, Papier,
Schinken, Scheeren, Stiefel, Wicken,
Wolle, Seife, Garn und Bier;
Pfefferkuchen, Lumpen, Trichter,
Nüſſe, Tabak, Gläſer, Flachs,
Leder, Salz, Schmalz, Puppen, Lichter,
Rettig, Rips, Raps, Schnaps, Lachs, Wachs!
Und ihr andern deutſchen Sachen,
Tauſend Dank ſei euch gebracht!
Was kein Geiſt je konnte machen,
Ei, das habet ihr gemacht:
Denn ihr habt ein Band gewunden
Um das deutſche Vaterland.
Und die Herzen hat verbunden
Mehr als unſer Bund dies Band.
47

Walhalla.

Sei gegrüßt, du hehre Halle
Deutſcher Größ 'und Herrlichkeit!
Seid gegrüßt, ihr Helden alle
Aus der alt' und neuen Zeit!
O ihr Helden in der Halle,
Könntet ihr lebendig ſein!
Nein, ein König hat euch alle
Lieber doch in Erz und Stein.
48

Heute.

Nur nicht ängſtlich! nur nicht klagen!
Laß doch, was Dir nicht behagt!
Willſt du nach dem Schickſal fragen?
Hat es je nach Dir gefragt?
Willſt Du wie die Kinder ſcherzen?
Süß iſt wohl der Kindheit Luſt;
Wärſt Du Dir im Männerherzen
Jener Freuden auch bewuſſt?
In der Wiege des Bewuſſtſeins
Liegt der Säugling Deines Glücks;
Wirf den Gaukel alles Luſtſcheins
Der Erinnerung hinterrücks!
Was Du liebteſt, was Dich freute,
Gönn ihm ſeinen raſchen Flug!
Blieb Dir nicht ein frohes Heute?
Athme auf! Du haſt genug.
49

Hindurch!

Es iſt die Zeit ein großer Fluß,
Wir ſitzen an dem Strande;
Und was uns Freude bringen muß,
Liegt drüben auf dem Lande.
Hindurch! hindurch! was ſtehſt du ſtill?
Der Fluß wird nie verrinnen.
Wer durch die Fluth nicht ſchwimmen will,
Der wird kein Land gewinnen.
450

Mützen.

Wunderthätig ward die Mütze,
Die dereinſt Francesco
*)Siehe Ristretto storico della vita e prodigiose gesta del Beato Fran¬ cesco di Girolamo della Comp. di Gesu. Roma 1816. 12°.
*) trug
Das iſt Wunder doch genug!
Die franzöſiſche Freiheitsmütze
Ward zur Kaiſerkrone gar
O wie groß, wie wunderbar!
Und des Preußen Landwehrmütze
Ward ein deutſcher Siegeshut
Und dies Wunder that uns gut.
Doch bei unſern heut'gen Mützen
Iſt von Wunder keine Spur,
Denn es ſind Schlafmützen nur.
51

Dritte Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg.
Das Glas in der Rechten,
Die Flaſch 'in der Linken,
So wollen wir fechten,
Nicht wanken, nicht ſinken!
Krieg dem Durſt und Krieg dem Kummer!
Und ein Bündniß mit dem Wein!
Krieg der Nacht und Krieg dem Schlummer!
Schenkt mir Muth und Feuer ein!
Das Glas in der Rechten,
Die Flaſch 'in der Linken,
So wollen wir fechten,
Nicht wanken, nicht ſinken!
Wohlig ſitzen wir im Weinhaus,
Unſer Krieg iſt wie ein Traum;
Selbſt die Welt, das alte Beinhaus,
Hat Reſpect und rührt ſich kaum.
4 *52
Das Glas in der Rechten,
Die Flaſch 'in der Linken,
So wollen wir fechten,
Nicht wanken, nicht ſinken!
Eine Flaſche hat geſchlagen
Unſre Feinde kreuz und quer;
Und da ſtehen wir und fragen:
Giebt's denn keine Feinde mehr?
Das Glas in der Rechten,
Die Flaſch 'in der Linken,
So wollen wir fechten,
Nicht wanken, nicht ſinken!
Und das Ende von dem Liede?
Ei, was machen wir uns draus!
Alles Strebens Frucht iſt Friede
Wir, wir gehn im Sturm nach Haus.
53

Salvator mundi.

Des deutſchen Kaiſers Kammerknechte
Sind jetzt Europas Kammerherrn.
Am Himmel aller Erdenmächte,
O Iſrael, wie glänzt dein Stern!
Es ward die Zeit wohl immer böſer
Und immer höher ſtieg die Schuld,
Da ſproß aus dir uns der Erlöſer,
Und Rothſchild kam in Gnad 'und Huld.
Ja, er iſt der Erlöſer worden
Für dieſe ſchuldenvolle Welt,
Geſchmückt mit dem Erlöſerorden
Hat er vergoſſen all ſein Blut.
54

Angebinde.

Wenn wir auch ohne Ahnen ſterben
Und ohne Adelsglück und Ruhm:
O glücklich, wenn wir dort ererben
Ein Gotteslehn zum Eigenthum!
Auch iſt's ein Troſt für unſer Leben,
Für unſre ſchwächliche Natur:
Erbſünde hat uns Gott gegeben,
Erbadel gaben wir uns nur.
55

Statiſtiſche Glückſeligkeit.

Unſers ganzen Wohlſtands Quellen
Siehſt du alle hell und klar
Ueberſichtlich in Tabellen
Jahr für Jahr und bis auf's Haar.
Hier zehn Schafe mehr geſchoren,
Dort ein neues Lagerbier,
Dort drei Ochſen mehr geboren,
Und ein Drittel Seele hier.
Welch ein Wachsthum zum Entzücken!
Lauter höhere Cultur,
Lauter Streben zum Beglücken!
Und wir ſind das Glückskind nur.
56

Eile mit Weile!

Ja, immer größer wird die Eile:
Man ſucht Gewinn, man will Genuß,
Doch bleibet uns an Langerweile
Noch immer großer Ueberfluß.
Und fliegſt du wie ein Vogel, fliege!
Die Langeweile läſſt nicht ab:
Sie lag mit dir ſchon in der Wiege,
Sie geht mit dir auch in das Grab.
57

Lapidarſtil.

Iſt das Deutſch ſchon ſo verdorben,
Daß man's kaum noch ſchreiben kann?
Oder iſt es ausgeſtorben,
Daß man's ſpricht nur dann und wann?
Oder habet ihr vernommen,
Daß es bald zu Ende geht?
Daß die Zeiten nächſtens kommen,
Wo kein Menſch mehr deutſch verſteht?
Jedes Denkmal wird friſieret
Von der Philologen Hand,
Und ſo haben ſie beſchmieret
Erz und Stein und Tiſch und Wand.
Wo man hinſchaut, ſtrotzt und glotzet
Eine Inſchrift in Latein,
Die ſich trotzig hat ſchmarotzet
In das Denkmal mit hinein.
Deutſches Volk, du muſſt ſtudieren
Und vor allem das Latein,
Niemals kannſt du ſonſt capieren
Was dein eigner Ruhm ſoll ſein!
58

Die orthodoxen Royaliſten.

Was, Erdenſöhne, wollt ihr doch von Gottesſohne?
Ihr ſetzt ihn auf und ſetzt ihn ab von ſeinem Throne.
Er läſſt euch ruhig ſchreiben, disputiern und ſchrei'n,
Ihr wiſſet wohl, Er führt euch nicht zur Frohnfeſt ein.
Und vor den Erdenherrſchern kriechet ihr im Staube!
Wie unerſchütterlich iſt da doch euer Glaube!
Ihr macht von jedem Zweifel eure Herzen frei,
Sobald ihr wittert nur Cenſur und Polizei.
59

Die unmündigen Aufgeklärten.

Dort Freie und Knechte, während wir unmündig ſind, unter Vormundſchaft.
Stenzel, Fränk, Kaiſer 2, 559.
Aufklärung iſt der Ausgang des Menſchen aus ſeiner ſelbſt verſchuldeten Unmündigkeit.
Kant.
Unmündig ſeid ihr alleſamt,
Dazu hat euch der Staat verdammt,
Und wer einmal unmündig iſt,
Wird aufgeklärt zu keiner Friſt.
Wahr mag nun wohl das eine ſein,
Das andre leuchtet uns nicht ein:
Sagt an, wo's uns an Licht gebricht?
Wir ſehn oft nicht vor lauter Licht.
60

Die modernen Heiden.

Wie ein Vogel des Stricks kommt ab, Iſt unſer Seel entgangen: Strick iſt entzwei, und wir ſind frei.
Dr. Martin Luther.
Was ſoll Pegaſus noch ſpringen
Oben auf dem Schauſpielhaus?
Was ſoll noch Apollo ſingen?
Ach! ſein Spiel iſt längſt ſchon aus.
Rom und Hellas ſind verſunken,
Und die Götter ſind verreiſt;
Nectar wird nicht mehr getrunken,
Und Ambroſia geſpeiſt.
Unſer Gott hat ſich erhoben
Ueber allen Raum und Zeit,
Er der große Geiſt wohnt droben,
Und der Himmel iſt ſein Kleid.
Und der Vater hat geſendet
Seinen Sohn vom Sternenzelt,
Und der Sohn hat ſich gewendet
Zu der ſündevollen Welt.
61
Und er hat das Kreuz getragen,
Hat geduldet Spott und Hohn,
Und es ließ ans Kreuz ſich ſchlagen
Gottes eingeborner Sohn.
Und zum Baum im Weltenraume
Wuchs das Kreuz in friſcher Kraft,
Und die Blüthen an dem Baume
Wurden Kunſt und Wiſſenſchaft.
Was ſoll Pegaſus noch ſpringen
Oben auf dem Schauſpielhaus?
Was ſoll noch Apollo ſingen?
Ach! ſein Spiel iſt längſt ſchon aus.
62

Die monarchiſchen Frommen.

Ihr wollt, es ſoll nur hier auf Erden
Ein Hirt und Eine Heerde ſein,
Die ganze Welt ſoll dienſtbar werden
Dem Wort des Herrn, nur Ihm allein.
Ihr habt die Bibel in den Händen,
Das Bajonett auf dem Gewehr
Soll ſo ſich unſer Leiden enden?
Iſt das des Heiles Wiederkehr?
63

Ein Weltgericht.

Die Weltgeſchichte iſt das Weltgericht,
Doch kein Gericht für jeden Magen,
Denn ſolche derbe Speiſe würde nicht
Ein jeder Herr und Knecht vertragen.
Drum hat man viele Männer angeſtellt,
Die müſſen's klopfen, kochen, braten,
Daß dies Gericht der ganzen Welt gefällt,
Zumal den hohen Potentaten.
Zu haben iſt es dann an jedem Ort,
Für Geld bekommt es leicht ein Jeder;
Mit einer Brühe giebt man's gratis fort
Sogar auch wohl noch vom Katheder.
Es iſt bereitet dann ſo excellent,
Daß man die Finger danach lecket;
Geſättigt rufen wir: potz Element!
Wie gut doch die Geſchichte ſchmecket!
64

Ein Staatsgericht.

Wer ſich abſondert, der ſuchet was ihn gelüſtet, und ſetzt ſich wider alles was gut iſt.
Sprüche Salomonis 18, 1.
Es hat die Welt wohl ihre Mucken,
Doch leider ihre Mucker auch;
Die Mucken könnteſt du verſchlucken,
Vom Mucker platzte dir der Bauch.
Doch wär 'ein Staatsbauch mir beſchieden,
O weh der armen Muckerſchaar!
Kein einz'ger Mucker blieb' in Frieden,
Ich fräße ſie mit Haut und Haar.
65

Herrnhuter in beiderlei Geſtalt.

Mel. Nachtigall, ich hör dich ſingen.

Nie wollt ihr des Herrn vergeſſen,
Nicht beim Trinken noch beim Eſſen,
Und ihr tunkt in rothen Wein
Ein biscuiten Lämmlein ein.
So erfüllt ihr Gottes Willen
Im Geheimen und im Stillen,
Und es iſſt auf Chriſti Tod
Euer Nachbar trocken Brot.
566

Die theologiſchen Daguerrotype.

Die Herrſchaft, oder beſſer, die Tyrannei des Verſtandes, vielleicht die eiſernſte von allen, ſteht der Welt noch bevor.

Ihr wollt im Licht und in der Wahrheit leben,
Auf Licht und Klarheit geht nur euer Streben;
Licht ſoll das Weſen aller Dinge ſein,
Und alles andre iſt euch Trug und Schein.
Ihr ſeid in eures Geiſtes voller Klarheit
Ein Lichtbild nur, ihr ſeid nur halbe Wahrheit:
Licht iſt Verſtand, und Farbe das Gemüth
Euch fehlt worin das Leben erſt erblüht.
67

Die privilegirten Geheimen.

C'est un grand rien. (Mündl. Ueberlief. )
Sie mauern und ſie bauen
Am Tempel alles Lichts,
Doch iſt noch nichts zu ſchauen
Sagt an, woran gebricht's?
Wird's klar an jenem Tage,
Am Tage des Gerichts,
Wann wägen wird die Wage
Das Etwas und das Nichts?
Ein König wollt 'erfreuen
Sich einſt auch dieſes Lichts,
Er ſprach als thät's ihn reuen:
Es iſt ein großes Nichts!
Drum iſt es auch erklärlich:
Wär's etwas mehr als nichts,
Erlaubte man wohl ſchwerlich
Bei uns dies große Nichts.
5 *68

Die Abtrünnigen.

Mel. Ueb 'immer Treu' und Redlichkeit.

Das Waſſer ſprach zum Eiſe: Kind,
So bleib doch nicht ſo ſtehn!
Der Weg iſt weit, die Zeit verrinnt,
Wir müſſen weiter gehn.
Leb wohl! ich kehre nicht zurück,
Leb wohl! ich bleibe hier:
Beſchert ward mir ein höhres Glück,
Jetzt bin ich mehr als ihr.
Komm aus dem Himmel doch geſchwind!
Sprach's Waſſer zu dem Schnee,
Der Weg iſt weit, die Zeit verrinnt,
Wir müſſen in die See.
Leb wohl und grüß das Vaterland!
Ich gehe nicht mit dir:
Jetzt hab 'ich einen höhern Stand,
Jetzt bin ich mehr als ihr.
69
So bliebt ihr Freund 'uns auch zurück,
Weil Stillſtand euch gefiel;
Ihr ſuchtet nur ein andres Glück,
Ein andres Lebensziel.
Einſt gingen wir wohl Hand in Hand,
Die Mutter rief ſo laut
Die Mutter war das Vaterland,
Die Freiheit unſre Braut.
Ihr die ihr Eis und Schnee jetzt ſeid
Und dünkt euch mehr als wir,
O wartet nur, es kommt die Zeit
Und Waſſer ſeid auch ihr.
70

Niemandes Herr, Niemandes Knecht.

Zum Amboß hielt ich mich zu ſchlecht,
Zum Hammer war ich euch nicht recht.
So bin ich Amboß nicht noch Hammer
Und rufe frei von Herzensjammer:
So iſt es gut, ſo iſt es recht,
Niemandes Herr, Niemandes Knecht!
Fliegt frei der Vogel durch das Feld,
So iſt noch ſein die ganze Welt.
Müſſt 'er im goldnen Käficht hocken,
Er würde ſchwerlich dort frohlocken:
So iſt es gut, ſo iſt es recht,
Niemandes Herr, Niemandes Knecht!
71

Die beiden Strauße.

Zwei Strauße ſind anjetzt vorhanden,
Zwei Strauße von verſchiedner Art;
Ein Paar wie ſich's in allen Landen
Noch niemals hat geoffenbart.
Man muſs ſie hören, muſs ſie leſen,
Und mancher wird davon entzückt,
Und mancher kann nicht mehr geneſen,
Er wird halb närriſch und verrückt.
Und wenn der eine muſicieret,
Spatzieren wir ins Himmelshaus,
Und wenn der andre disputieret,
Jagt er Gott Vater ſelbſt hinaus.
Könnt 'ich ein kleines Fürſtlein werden
Von Gottes Gnad' und Volkes Gold,
So nähm 'ich für die Volksbeſchwerden
Die beiden Strauß' in meinen Sold.
72
Der eine wäre mein Miniſter
Für's Budjet und die Kabbala,
Er lehrte dann die Herrn Philiſter,
Wie ſie einſtimmig ſprächen: Ja.
Er ſollte darthun in Sermonen
Begreiflich für ein jedes Kind,
Daß Volk und Conſtitutionen
Nicht viel, gar nichts, nur Mythen ſind.
Den andern würd 'ich nur verwenden,
Wenn's Aufruhr gäb' und Mord und Brand,
Er würde mit der Geig 'in Händen
Gleich bändigen das ganze Land.
Trotzdem hab 'ich in unſern Tagen
Vor keinem Strauße Furcht und Graun:
Die Zeit hat einen Straußenmagen,
Wird auch den Doctor Strauß verdaun.
73

Dunkelmannstracht.

Es iſt das Licht ſüße, und den Augen lieblich die Sonne zu ſehen.
Prediger Salomonis II, 7.
Unſre Freuden, unſre Leiden
Wollen wir in Schwarz nur kleiden;
Schwarz iſt Anſtand überall
Bei dem Grab und auf dem Ball.
Tragt die Nacht nicht am Gewande,
Jagt ſie lieber aus dem Lande!
Finſterniß und Traurigkeit
Herrſcht genug in unſrer Zeit.
Nach dem Sprichwort unſrer Alten
Sollet ihr auf Farbe halten.
Kleidet euch in Sonnenſchein!
Nacht ſtellt ſich von ſelber ein.
74

Vorwärts und Haltauf.

Ein Vorwärts war ſein ganzes Streben,
Ein Vorwärts für ſein Vaterland,
Drum ward er auch bei ſeinem Leben
Der Marſchall Vorwärts nur genannt.
Er konnte nie ein Haltauf leiden
Und was ihn hemmt 'in ſeinem Lauf;
Ein Vorwärts muß das Haltauf meiden,
Sonſt höret es von ſelber auf.
Und ſo auch dachten ſeine Erben,
Weil jeder gern den Ahnen gleicht;
Sie wollten ohne Haltauf ſterben,
Und haben auch ihr Ziel erreicht.
Ein Blücherſch Gut, bei Oels gelegen,
Haltauf genannt, iſt ſequeſtriert,
Und wird nun eben dieſerwegen
Im nächſten Juni
*)Und zwar nach dem Proclama 22. Juni 1840.
*) ſubhaſtiert.
75

Vierte Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg.
Den Stöpſel weg! und ſchenket ein!
Schenkt ein, daß unſer Herz erglühe,
Und wie die Blum 'am Sonnenſchein,
So an der Glut des Weins erblühe!
Den Stöpſel weg! dann wird es klar:
Was ſich in einem Nu gefunden,
Das iſt ſogleich für jedes Jahr,
Ja für die Ewigkeit verbunden.
So recht! jetzt werft den Stöpſel fort!
Ei, der verfluchte Kerkermeiſter,
Der wollt 'uns zwingherrn Wein und Wort,
Und trennen alle guten Geiſter!
Der Stöpſel war Philiſterei,
Die uns nichts Gutes wollte gönnen
Die Flaſch 'und unſer Herz iſt frei,
Und wir, wir zeigen was wir können.
76

Blitzableiter.

Wilder Geiſt, wie Wetterwolke
Ueber uns zuſammenzieht:
Ach, wie hilft man unſerm Volke,
Daß ihm nicht ein Leid geſchieht?
Wetterſchäden zu verhüten,
Giebt es ja ein Mittel jetzt;
Für des wilden Geiſtes Wüthen
Giebt's ein Mittel auch zuletzt.
Hänget an die Blitzableiter
Titel, Würden, Orden, Geld,
Und das Wetter wird gleich heiter,
Und beruhigt iſt die Welt.
77

Gleichheit.

Gott ſchuf die Thäler, ſchuf die Berge,
Gott ſchuf die Rieſen, ſchuf die Zwerge,
Er ſchuf die Menſchen groß und klein:
Gleich ſoll ſich nichts auf Erden ſein.
Wir wollen Gottes Ordnung halten,
Wir laſſen's alſo hübſch beim Alten;
Auch gleiches Maß und gleich Gewicht,
Ja, wär's nicht da, wir gäben's nicht.
78

Die Adelszeitung nach Chriſti Geburt 1840.

Stemmata quid faciunt?
Juvenalis 8, 1.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt die alte Herrlichkeit,
Das alte Glück der alten Zeit,
Der Deutſchen alten Preis und Ruhm:
Das heil'ge deutſche Adelsthum.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt, was ihr von Alters wiſſt,
Daß uralt aller Adel iſt,
Denn eh die Welt den Heiland ſah,
War ſchon der deutſche Adel da.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt und ſingt den alten Sang,
Daß aus der Götter Schoß entſprang
Des alten Adels echtes Reis,
Der armen Menſchheit Ehrenpreis.
79
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt und ſingt das alte Lied,
Das alte Lied vom Unterſchied,
Und daß ein göttergleich Geſchlecht
Verdient ein eignes Menſchenrecht.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt den alten Satz zurück,
Daß Fürſtenheil und Völkerglück
Und alles Gut 'in dieſer Welt
Nur mit dem Adel ſteht und fällt.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringet uns das Alte nur:
Daß jede Bürgercreatur
Nie ein Verdienſt hat um den Staat,
So lang ſie nicht den Adel hat.
Was bringt die Adelszeitung Neues?
Sie bringt das einz'ge Neue nur,
Daß auf des Vaterlandes Flur
Stammbäume wieder gut gedeihn
Gott woll 'uns allen gnädig ſein!
80

Iſrael.

Deine Sonne ging zu Rüſte,
Und dein Sabbathstag begann:
Ewig ſoll dein Beten dauern,
Und um Iſrael dein Trauern,
Denn es hebt nie wieder an.
Kein Meſſias kann dich retten,
Aber Gott erbarmet ſich,
Und erweckt durch deine Leiden
Lieb 'in Chriſten und in Heiden,
Und die Liebe rettet dich.
81

Fromm.

Der Ritter hieß vrum, wenn er mit dem Degen in der Fauſt das Recht ver¬ theidigte, ſelbſt aber niemand etwas zu Leide that; die Zeiten änderten ſich; man wollte keine frommen Ritter mehr haben; was man dagegen recht vrum, brauch¬ bar, fand, waren fromme Schafe.
Hofrath Benecke zum Wigalois Seite 581.
Wer an das Vaterland nur dachte,
Dem Vaterland ſich dienſtbar machte
Mit Rath und That, mit Hab 'und Gut
Und, wo es galt, mit Leib und Blut,
Wer ſo das Himmelreich gewann,
Hieß weiland nur ein frommer Mann.
Was aber ſind die frommen Leute
Für unſer Vaterland doch heute?
Sie haben ſich von uns gewandt,
Der Himmel iſt ihr Vaterland,
Das Leben ihnen eine Laſt,
Der Tod nur lieb, die Welt verhaſſt.
682

Die Patrioten.

Nunc patimur longae pacis mala.
Juvenalis 6, 291.
Ich ſaß in einer alten Schenke,
Verräuchert waren Tiſch 'und Bänke,
Kaum ſah man Ohren, Aug' und Naſe,
Ein jeder ſaß vor ſeinem Glaſe.
Und als ſie ſo im Zwielichtſcheine
Still ſaßen da bei ihrem Weine,
Da ward es Zwielicht auch in ihnen,
Daß ſie ſich ſelber hell erſchienen.
Die Augen funkelten wie Blitze,
Sie rückten ſchnell von ihrem Sitze,
Sie wurden laut und immer lauter,
Vertrauter dann und noch vertrauter.
Wie ſie aus voller Kehle ſangen!
Und wie die Gläſer hell erklangen!
Geſegnet ſei die gute Stunde!
So ſcholl es laut von jedem Munde.
83
Dem König Heil! Heil ſeinen Fahnen!
Heil ſeinen guten Unterthanen!
Heil ſeinen treuen braven Knechten,
Die für ihn ſterben, für ihn fechten!
Da gab es Witze, Scherz 'und Schwänke,
Lebendig ward die ganze Schenke,
Sie wurden toll und immer toller,
Die Flaſchen leer, die Köpfe voller.
Der eine fiel, der andre ſchwankte,
Der eine ſank, der andre wankte,
Und hob ſich einer auch mal wieder,
So fiel er mit dem andern nieder.
Und Wirth und Gäſte, Tiſch 'und Bänke,
Und Flaſchen, Gläſer, Scherz' und Schwänke,
Wie lags beiſammen da ſo traulich,
Und wie gemüthlich und erbaulich!
6 *84

Champagnerlied.

Ein ächter deutſcher Mann kann keinen Franzen leiden, Doch ihre Weine trinkt er gern.
Brander im Göth. Fauſt.
Das iſt für mich die beſte Schlacht,
Wenn die Flaſchen knallen,
Wenn die Stöpſel fallen,
Wenn es ſchnell wie Blut ſich ergießet,
Wenn es hell wie Feuer fließet,
Wenn ſich alle Händ 'erheben,
Jedem Herz und Hand zu geben
Stoßet an! ſtoßet an!
Das iſt die ſchönſte Schlacht der Welt,
Die einzige die mir gefällt!
Unſre Feinde, ha, wir kennen ſie nicht;
Gott geb' ihnen hier mehr Wärm 'und Licht,
Daß es ihnen dort nicht dran gebricht.
Stoßet an! ſtoßet an!
Und wird von uns ja einer erſchlagen,
Wir wollen ihn zu Grabe tragen
85
Mit einem Labetrank,
Mit einem Habedank:
Requiescat! requiescat!
Er hat es ſatt!
Und wünſchen, daß der müde Streiter
Erwache morgen friſch und heiter.
Wir aber kämpfen immer weiter,
Bis die letzten Flaſchen knallen,
Bis die letzten Stöpſel fallen.
86

Der deutſche Kaiſer.

Hin iſt des deutſchen Reichs uralte Herrlichkeit,
Zu einer Sage ward's in dieſer jungen Zeit,
Doch hält das Volk noch feſt an ſeinem alten Herrn,
Zu ſeinem Banner eilt's noch hin von nah und fern.
Was lockt das Volk wohl hin? Nicht Kriegsluſt, Sold und Ruhm,
Nicht mehr Begeiſterung fürs alte Kaiſerthum.
Das Volk ſucht Obdach nur, es will nur Ruh 'und Raſt,
Begehrt Erquickung nur für manche Müh' und Laſt.
Zum deutſchen Kaiſer bin auch ich wohl eingekehrt,
Auch ich hab 'auf ſein Wohl gar manches Glas geleert:
Denn dieſer Kaiſer war ein deutſches Wirthshaus nur,
Vom heil'gen röm'ſchen Reich die allerletzte Spur.
87

Licht und Schatten.

ſo wäre es vielleicht manchem Schrifſteller vom Anfang des 19, Jahrhundert's in proteſtantiſchen Ländern nicht zu verdenken, wenn er ſich einen ſchick¬ lichen und beſcheidenen Theil von derjenige Preßfreiheit wünſchte, welche die Päpfſte zu Anfange des 16. ohne Bedenken allgemein zugeſtanden haben.
Fichte, Reden an die deutſche Nation. (Berlin 1808.) S. 12.
Freilich, Luthers Zeiten hatten
Schatten mehr, viel mehr als Licht,
Und man ließ der Welt den Schatten,
Doch das Licht verbot man nicht.
Zwar noch heut 'iſt frei der Schatten,
Aber nicht des Lichtes Schein;
Licht will man uns wohl verſtatten,
Doch zum Schattenſpiel allein.
Jene finſtern Zeiten kannten
Keine ſche Cenſur:
Und ihr hellen Proteſtanten
Rühmt euch geiſtiger Cultur?!
88
Laſſt doch jedem ſeinen Schatten,
Und ſein Licht verwehrt ihm nicht;
Laſſt doch uns auch, was wir hatten,
Unſern Schatten, unſer Licht!
Laſſt doch uns in unſern Tagen
Ihn den Fürſten finſtrer Nacht
Mit dem Dintenfaß verjagen,
Wie es Luther hat gemacht!
89

Höchſt und Allerhöchſt.

Die allerhöchſten Herrſchaften beſtiegen den höchſten Gipfel des Berges, knieten nieder und flehten zum Höchſten.
Oeſtl. Zeitungen.
Gott iſt nur der Höchſt 'auf Erden,
Doch der Allerhöchſte nicht.
Willſt du deſſen inne werden,
Nun, ſo haſt du hier Bericht:
Alles Allerhöchſt 'auf Erden
Iſt von Königesgeſchlecht,
Und das kann doch Gott nicht werden,
Denn das iſt für ihn zu ſchlecht.
90

Cenſorenmiſſverſtändniſs.

Hierum wo etwas frei noch wär, Bald bringen ſie ein Urſach her, Zu faſſen das mit einem Strick.
Ulrich von Hutten.
Die Kaiſerkronen ſind erfroren,
Und heuer ſieht das Volk ſie nicht.
So faſſt den Nachtfroſt bei den Ohren,
Ihn ſtreichet, ihn, nicht mein Gedicht!
Die Königskerzen ſind erfroren,
Und heuer glänzt nicht mehr ihr Licht.
Der Herbſtwind that's, o ihr Cenſoren,
Ihn ſtreichet, ihn, nicht mein Gedicht!
Nicht ſtrafet mich, nicht ſtraft den Dichter!
Nur Wahrheit ſprach und ſpricht ſein Mund:
Der Dichter iſt nur ein Berichter,
Er thut nur das Erlebniß kund.
91

Die Genügſamen.

Du Ideenvolk, auf's Denken
Muſſt du dich allein beſchränken!
Möchte dir doch Gott auch ſchenken
Preßfreiheit zu deinem Denken!
Gott hat uns genug gegeben.
Segnet Er nur unſre Reben,
Wird es ja in unſerm Leben
Preßfreiheit genug noch geben.
92

Die wilden Gänſe.

der luft der muoz uns doch gemein sîn.
Vrîdanc.
Ihr wilden Gänſe habt es gut,
Ihr ziehet frei und wohlgemuth
Von einem Strand zum andern Strand
Durch's ganze liebe deutſche Land.
Uns zahmen Menſchen geht's nicht ſo,
Wir reiſten gern 'auch frei und froh
Ununterſucht und unbekannt
Durch's ganze liebe deutſche Land.
Kaum ſind wir aber fort von Haus,
So muß auch ſchon der Paſs heraus.
Wir werden niemals ſorgenfrei
Vor lauter Mauth und Polizei.
O daß doch einer es erdenkt,
Wie man den Luftball ſicher lenkt!
Hier hört nicht auf die Hudelei
Nur in den Lüften ſind wir frei.
93

Freiheit.

Wozu ſollen die Beſchwerden?
Freiheit iſt genug auf Erden,
Wenig, viel und nichts zu werden.
Freiheit ward uns in Gewerben,
Im Verthun und im Verderben,
Im Verhungern und im Sterben.
Weiter kannſt du's hier nicht bringen;
Andre Freiheit zu erringen,
Wird dir dort nur erſt gelingen.
94

Haifiſch.

O ſage mir,
Wie heißt das Thier,
Das Vieles kann vertragen,
Das wohl den größten Rachen hat
Und auch den größten Magen?
Es iſt bekannt
In Stadt und Land,
In jedem Ort und Flecken,
Und wer's einmal geſehen hat,
Denkt dran mit Angſt und Schrecken.
Schlag nach geſchwind,
Mein liebes Kind,
In Oken's erſtem Bande:
Es heißet Haifiſch in dem Meer
Und Fiscus auf dem Lande.
95

Heute mir, morgen dir.

Nichts will bei uns mehr gehen,
Weil wir auf's Stehn nur ſehen,
Drum laſſen wir auch unſre Heere ſtehen.
Nur ihnen iſt zu danken,
Daß wir in unſern Schranken
Nicht kommen in ein miſſlich Schwanken.
Doch ſteht vor dieſen Heeren,
Leibwachen mit Gewehren,
Ein groß Gedankenheer mit Schwert und Speeren.
Wenn beide ſich bekriegen,
Wer wird von beiden ſiegen?
Die Gedanken ſtehn, und unſre Heere fliegen.
96

Gott ſei der armen Seele gnädig!

Mel. Wer niemals einen Rauſch gehabt.

Der Herr von Leib regieret jetzt,
Ein ganz gewaltiger Mann,
Er iſt gar werth und hochgeſchätzt,
Und bleibt es auch fortan,
Denn viele Millionen ſind
Ihm unterthan mit Weib und Kind.
Frau Seele ſchaffet Tag und Nacht,
Das arme gute Weib,
Gräbt edles Erz aus manchem Schacht
Und nur für Herrn von Leib,
Denn Herr von Leib das iſt der Staat,
Ihr wiſſt ſchon, was der nöthig hat.
97
So wird in Kriegs - und Friedenszeit
Sein theures Haupt bewacht,
Und zwar in Glanz und Herrlichkeit,
Weil's ihm Vergnügen macht;
Und dies Vergnügen kennt kein Ziel
Und koſtet viel, ja viel viel viel.
Manch junger Held erhält viel Geld,
Bloß weil er Wache ſteht
Und ſorglos durch die Friedenswelt
In Uniformen geht.
Drum zieh den bunten Rock auch an,
Du Seel ', und werd' ein Kriegesmann!
798

Papier ohne Ende.

Durch Papier beſtehen wir:
Menſchenherrſchaft iſt Papier.
Ja, Papier ſind alle Pacte,
Auch ſogar die Bundesacte,
Alles, alles iſt Papier.
Durch Papier beſtehen wir:
Gottes Wort iſt auch Papier,
Denn Papier iſt Glaub 'und Fibel,
Auch ſogar die ganze Bibel,
Alles, alles iſt Papier.
Durch Papier beſtehen wir:
Laſſt uns achten das Papier,
Seine Ahnen auch die Lumpen
Mehr als Gold und Silberklumpen,
Denn ohn 'End' iſt das Papier.
Doch was ſind am Ende wir?
Wären wir doch nur Papier!
Wenn der jüngſte Tag ſich fände
Und wenn Alles nähm 'ein Ende,
Blieben doch am Ende wir.
99

Lumpe und Lumpen.

O wie iſt es doch ſo ſelten,
Daß ein Ehrenmann was gilt!
Wollt ihr heute noch was gelten,
Leget ab der Ehren Schild!
Und zu Lumpen müſſt ihr werden,
Denn aus Lumpen macht man Geld,
Und das Geld es gilt auf Erden,
Bis vergeht die Lumpenwelt.
7 *100

Fünfte Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg.
Die Fröſch 'und die Unken
Und andre Hallunken,
Die können nur zechen
Mit röchelnden Rachen,
Sie ſchlürfen aus Bächen,
Aus Pfützen und Lachen,
Aus Gruben und Klüften,
Aus Weihern und Teichen,
Aus Gräben und Grüften
Und manchem dergleichen,
Und plärren im Chor
Auf Modder und Moor
Nur Schnickſchnack, Schnackſchnack,
Und Unkunk, Quackquack.
101
Wir ſitzen ſo ſinnig,
Treuherzig und minnig,
Wir frohen Geſellen,
Wir machen es beſſer,
Denn unſere Quellen
Sind Flaſchen und Fäſſer;
Wir laſſen ſie fließen
Bei Lachen und Scherzen,
Bis ſie ſich ergießen
In unſere Herzen;
Draus tönt dann der Wein
Gar lieblich und fein
Nur Liedes-Singſang
Und Liebes-Klingklang.
102

Landwirthſchaftliches.

Mit Vortheil läſſt ſich bauen
Ein neues Futterkraut,
Das man in allen Gauen
Sonſt wenig hat gebaut.
Damit kann man beleben
Die Viehzucht überall,
Man kann es täglich geben
Dem Vieh in Hürd 'und Stall.
Duck-dich ſo heißt der Samen
Und iſt gar wohl bekannt,
Die Frucht hat andern Namen,
Wird Knute nur genannt.
Wenn's Vieh daran nur lecket,
So wird es wohlgemuth,
Daß es, was man bezwecket,
Recht gern und willig thut.
103

Schlagverſe.

Nein, beſtehen ſoll das Schlagen!
Zwar nicht gut iſt Schlag und Hieb,
Werden wir nur nicht geſchlagen,
Iſt uns alles Schlagen lieb.
Denn wir ſind gut eingeſchlagen,
Nicht geſchlagen aus der Art.
Wenn die Trommel wird geſchlagen,
Iſt ſchon unſer Volk geſchaart.
Gegen Feindes Anſchlag ſchlagen
Wir den Richtweg ein zur Schlacht,
Und es wird die Schlacht geſchlagen,
Eh's der Feind noch hat gedacht.
Wie ein Schiff im Meer verſchlagen,
Schlägt ſein böſer Anſchlag um,
Und die Trommel wird geſchlagen,
Siegreich kehrn wir wieder um.
104
Und ſo wagen und ſo ſchlagen
Wir uns muthig durch die Welt,
Bis das Herz hat ausgeſchlagen
Und des Lebens Schlagbaum fällt.
Und ſo lange Finken ſchlagen
Und die Eichen ſchlagen aus,
Werden deutſche Herzen ſchlagen,
Und das Schlagen ſtirbt nicht aus.
105

Die Europamüden.

Den Mädchen und den Flaſchen
Ward eure Jugendfriſche;
Ihr geht mit leeren Taſchen
Beim Alter jetzt zu Tiſche.
Sehnſüchtig nach dem Schlummer
Sitzt ihr in eurer Kammer,
Und euer letzter Kummer
Es iſt ein Katzenjammer.
106

Veredelung.

Nur das Vollblut läſſt man gelten,
Drum erzielt man's hie und da,
Ja, man ſchicket auch nicht ſelten
Selber noch Arabia.
Wer kann das Beginnen ſchimpfen?
Iſt es auch nicht practiſch ſehr,
So den Adel einzuimpfen,
Giebt's doch etwas Adel mehr.
Was kann mit der Zeit noch werden,
Sind vereinte Kräft 'im Bund!
Treibt man's ſo ſchon mit den Pferden,
Kommt man bald auch auf den Hund.
107

Ein ſchöner Zug.

Wenn ihr nicht frei euch fühlt zu Haus,
Wohlan, ſo ziehet gleich hinaus!
Frei könnt ihr ziehn aus allen deutſchen Landen,
Freizügigkeit iſt auch für euch vorhanden.
Ein ſchöner Zug von unſrer Zeit!
Ein ſchöner Zug: Freizügigkeit!
Dir fehlt ein n an deines Glückes Sterne:
Freizügig Volk, freizüngig wärſt du gerne!
108

Kirchenhiſtoriſches.

Dank, Luther, Dank! du lehrteſt jeden
Mit Gott in deutſcher Sprache reden,
Haſt uns zu Gottes Preis und Ruhm
Gebracht ein deutſches Chriſtenthum.
Doch hat uns unter deinem Schilde
Gebracht die Philologengilde
Zu ihrem eignen Preis und Ruhm
Ein proteſtantiſch Heidenthum.
109

Die lateiniſchen Gläubigen.

Denn es hörete ein jeglicher, daß ſie mit ſeiner Sprache redeten.
Apoſtelgeſchichte 2, 6.
Ihr ſingt und betet in Latein!
Will Gott kein Gott der Deutſchen ſein?
In unſres Feindes Sprache ſollen
Wir Dank und Preis dem Höchſten zollen?
Iſt ihm nicht jedes Volk und Reich,
Iſt ihm nicht jede Sprache gleich?
Ihr wollt mit fremden, todten Tönen
Ihn den Lebendigen verſöhnen?
Zu Gott empor, du deutſches Herz,
Deutſch bet 'und ſing' in Freud 'und Schmerz!
Die Sprache, die mit dir erſchaffen,
Ziemt nur vor Gott den Lai'n und Pfaffen.
110

Die liberalen Modegecken.

Du ſchwöreſt Allem Untergang
Was je dich hemmt in deinem Frieden,
Verflucheſt den Gewiſſenszwang
Und Geiſtesdruck hienieden;
Du ſchreiſt nach Freiheit, ſchreiſt nach Recht
Im Anblick großer Kriegesheere,
O du großmäuliges Geſchlecht,
Und dich beherrſcht die Schneiderſcheere!
111

Humanitätsſtudien.

Idque apud imperitos humanitas vocabatur, cum pars servitutis esset.
Taciti Agricola cap. 21.
Dies Geſchlecht, das in Vokabeln
Wie der Ochs 'im Joche zieht,
Das vor grauen Götterfabeln
Keine Gegenwart mehr ſieht
Dies Geſchlecht, es ſchien geboren
Nur in Rom und in Athen,
Und wie Deutſchland ging verloren,
Ließen ſie es gern geſchehn.
Wenn nur Götterruh und Frieden
Ihre matte Seele fand,
Nun, das war für ſie hienieden
Mehr als je ein Vaterland.
112
Wirbſt auch du um Siegeskränze
In der todten Wiſſenſchaft?
Weihſt auch du dem fremden Lenze
Deines Lebens Füll 'und Kraft?
Deutſche Jugend, du von heute,
Voll von Griechiſch und Latein,
Wirſt du auch der Vorwelt Beute,
Du auch uns verloren ſein?
Ein Geſchlecht, das in Vokabeln
Wie der Ochs 'im Joche zieht,
Das vor grauen Götterfabeln
Keine Gegenwart mehr ſieht?
113

Dummheit.

Dummheit macht ſich ſtets am breitſten
Hier in dieſer engen Welt,
Sie erſcheint auch am geſcheitſten
Immer noch der dummen Welt.
Aber was mir thut am leidſten
Auf der ganzen lieben Welt:
Dummheit, Dummheit, kommt am weitſten
Endlich doch noch in der Welt.
8114

Lauriger Horatius, quam dixisti verum:

Hoc fonte derivata clades
In patriam populumque fiuxit!
Ihr müſſt durch alle Schulen wandern
Und ſchon von Kindesbeinen an,
Von einem Lehrer zu dem andern,
Zu lernen was man lernen kann.
Ihr müſſet immerfort ſtudieren,
Das halbe liebe Leben lang,
Ihr müſſet zeitig euch dreſſieren
In einen ſchulgerechten Zwang.
Ihr müſſet Prüfungen beſtehen,
Die ſelbſt ein Hiob kaum beſtand,
Und dann noch bitten, betteln, flehen,
Als ſuchtet ihr's gelobte Land.
Was iſt denn euer Ziel auf Erden
Für ſoviel Kräfte, Geld und Zeit?
Ihr wollet nur Bedienten werden
Und bleiben bis in Ewigkeit.
115

Die Streichinſtrumentiſten.

Es giebt einen Freiſtaat, der in einer Bruſt Raum hat oder haſt du kein Herz?
Jean Paul, Dämmerungen für Deutſchland.
Ihr möchtet gerne ſtreichen
Des Geiſtes Freud 'und Luſt,
Doch könnt ihr niemals reichen
In eine freie Bruſt;
Die wird euch nimmer fröhnen
Wie lumpiges Papier,
Die wird euch ſtets verhöhnen
In eurer Vampyrgier.
Wenn ihr den Wütherichen
An Glück und Ehren gleicht,
Ihr werdet einſt geſtrichen,
Wie ihr die andern ſtreicht.
Drum ſtreichet nur die Geigen,
Macht ehrlich eure Hand!
Spielt auf zum Geiſterreigen
Für's deutſche Vaterland!
8 *116

Mein iſt das Recht.

Ich bin ein Herr in meinem Rechte,
Und dieſes Recht, es iſt mein Haus:
Wer wagt es, welcher Knecht der Knechte,
Und will vertreiben mich daraus?
Ihr könnt's belagern, könnt's berennen
Ich aber weiche nicht daraus;
Ihr könnt's zertrümmern, könnt's verbrennen
Mein iſt das Recht, das Recht mein Haus!
117

Die Sternträger.

Wenn ihr den Stern am Rücken traget,
Wo auch ſein Kreuz der Eſel trägt,
Gewiß, nicht eine Seele fraget,
Ob drunter auch ein Herz wohl ſchlägt.
Doch ſo, ich könnt 'es nicht verſchmerzen,
Erging' es mir wie dieſen Herrn,
Nichts auf dem Herzen, nichts im Herzen,
Und doch am Herzen einen Stern.
118

Die Fragenden.

O curas hominum, o quantum est in rebus inane!
Persius I, I.
Warum ſo viel Staffetten jagen?
Was hat ſich denn wohl zugetragen?
Nicht viel die Diplomaten fragen.
Sie fragen in die Kreuz und Quere,
Sie fragen über Kriegesheere,
Und über Flotten, Land 'und Meere.
Sie fragen ſtets, bei Nacht, bei Tage,
An jedem Ort, in jeder Lage,
Sie fragen über jede Frage.
Ob wir wohl Antwort je erleben?
Wenn lange noch die Fragen ſchweben,
Wird uns die Zeit ſchon Antwort geben.
Dann werden ſie und ihresgleichen,
Sie die lebendigen Fragezeichen,
Vor ſolcher Antwort ſchier erbleichen.
119

Diplomatiſche Klarheit und Kürze.

Hinz! ſagt Klaus,
Ich komm von Haus.
Es ſchickt mich her,
Ihr wiſſt ſchon wer?
Wie heißt denn das?
Ihr wiſſt ſchon was?
Hinz ſagt: Klaus!
Geh nur nach Haus,
Und ſag du dem,
Du weiſſt ſchon wem,
Und ſag du das:
Ich will ihm was
120

Die jungen Litterarhiſtoriker.

Känntet ihr doch nur
Unſre Sprach 'und Gedichte,
Unſerer Litteratur
Tauſendjähr'ge Geſchichte!
O ſo ſchwiegt ihr nur,
All ihr Pfuſcher und Hudler,
Unſerer Litteratur
Allzeitfertige Sudler!
Seidenſchwanznatur
Iſt euch aber gegeben,
Und von der Litteratur
Müſſet leider ihr leben.
Nun, ſo ſchmiert denn nur
Ohne Scham und Gewiſſen!
Unſere Litteratur
Ward ſchon öfter beſchmiſſen.
121

Die Ausgepreſſten.

Ach, aus dem Leben wird verſchwinden
Des Geiſtes und des Herzens Saat!
Wo iſt doch künftig noch zu finden
Lebend'ges Wort und friſche That?
Wie's Korn der Müller auf die Mühle,
So ſchicken wir zur Preſſe hin
Den Vorrath friſcheſter Gefühle
Und neueſten Ideengewinn.
Und wenn uns ſo das Tagsintereſſe
Tagtäglich an die Preſſe weiſt,
Sehn wir auf Leipzigs Büchermeſſe
Bald nur noch Deutſchlands Herz und Geiſt.
122

Recenſenten.

Vivant omnes hi et hae, qui et quae, Horum harum, quorum quarum
Sanitatem bibimus etc.
Ihr alten Jungfern, Recenſenten,
Ihr könnt euch über nichts doch freu'n,
Ihr möchtet jeder Braut im Kranze
Auf ihrem Kirchgang Häckſel ſtreu'n.
Ihr alten Jungfern, Recenſenten,
Ihr ahndet Mutterfreuden nicht,
Ihr habt mit Puppen nie geſpielet
Und wiſſt nicht, was ein Kindlein ſpricht.
123

Sechste Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg
Unſre Väter ſind geſeſſen
Auch vor vollen Gläſern hier,
Unſre Väter ſind vergeſſen,
Und vergeſſen werden wir.
Wer kann alles auch behalten,
Was geſchieht und nicht geſchieht?
Ob ſich hier die Stirn 'in Falten,
Dort der Mund zum Lächeln zieht?
Leer 'und volle Köpf' und Taſchen
Werden nach uns auch noch ſein,
Nach uns giebt's noch Krüg 'und Flaſchen,
Gläſer mit und ohne Wein.
124
Und wenn dieſe gehn zu Scherben,
Neue Gläſer werden draus;
Wenn die alten Gäſte ſterben,
Kommen neue Gäſt 'ins Haus.
Könnten unſre Väter ſprechen,
Sprächen ſie: ſtoßt an und zecht!
Leben war noch nie Verbrechen,
Und der Lebende hat Recht!
125

Schwabenkrieg.

Cur mundus militat sub vana gloria.
Jacobus de Benedictis.
Die Trommel ſchlägt, zum Krieg hinaus
Mit Spießen, Degen, Flinten!
Fürwahr, es iſt ein harter Strauß!
Wir ziehn hinaus mit Mann und Maus,
Und keiner bleibt dahinten.
Und als die wilde Schlacht begann,
Da ſollten wir uns ſchlagen.
Da ſprach ich: gebt mir meinen Mann
Was geht mich euer Krieg denn an?
Will mich mit ihm vertragen.
Der Rath war überraſchend neu
Den Tapfern wie den Feigen.
Ein jeder ſprach: bei meiner Treu!
Ich bin kein Tieger, bin kein Leu,
Ich will mich menſchlich zeigen.
126
Und ſo auch dachte bald der Feind,
Er ließ die Fahnen ſenken:
Wir wollen brüderlich vereint,
So lang uns noch die Sonne ſcheint,
An etwas Beſſers denken.
Da zechten wir auf den Vertrag,
Und ſangen Friedenslieder;
Und als vorbei war das Gelag,
Sprach Jeder: ach, wann kommt der Tag,
Wann ſchlagen wir uns wieder!
127

Der Wehrſtand.

Gott grüß euch, lieben Kriegesknechte!
Ihr ſeid die Friedensherren nun:
Wo ſind noch Schlachten, wo Gefechte,
Seit Völkerhaß und Zwietracht ruhn?
Was wart ihr einſt im deutſchen Reiche?
Ein Eichwald ſchier mit Schwert und Speer;
Jetzt ſeid ihr an der deutſchen Eiche
Die Miſtel nur und ſonſt nichts mehr.
128

Der Spittelleute Klagelied.

Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Wir müſſen Morgens früh aufſtehn,
Und wenn wir das Gebet geſprochen,
Zwei Eimer Waſſer holen gehn
Und unſre Morgenſuppe kochen.
Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Dann müſſen wir um halber zehn
An unſer Tagewerk gleich ſchreiten,
Und wiedrum an dem Heerde ſtehn
Und unſer Mittagsmahl bereiten.
Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Kaum iſt das Mahl genommen ein,
Kaum kann man ſich des Schlafs erwehren,
Gleich muß man wieder munter ſein,
Das Vesperbrötchen zu verzehren.
129
Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Iſt nun auch endlich das geſchehn,
So wird es Abend unterdeſſen,
Wir möchten gern zu Bette gehn,
Und müſſen noch zu Nacht erſt eſſen.
Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Gottlob! bald endigt ſich die Noth!
So denkt man wohl, o ja mit Nichten!
Wir müſſen nach dem Abendbrot
Erſt unſre Andacht noch verrichten.
Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Nun iſt es doch zum Ausruhn Zeit!
O nein! wir dürfen noch nicht ſchlafen;
Der Spittelmeiſter lärmt und ſchreit:
Erſt reinigt Teller, Krug und Hafen!
9130

Aria eines ſehr gering beſoldeten und doch königlichen Profeſſors am Vorabend ſeines 25jährigen Dienſtjubiläums.

Aus Dornen ſeh 'ich Roſen blühen,
O blühte ſo mein Glück doch auch,
Denn meines Lebens Sorg' und Mühen
Sind mehr noch als ein Dornenſtrauch.
O Frühling, Frühling, denke mein,
Laß Glück und Roſen eins nur ſein!
Dann mag verwelken und verſchwinden
Auch mit den Roſen mir mein Glück,
Es wird ſich immer wiederfinden,
Denn mit den Roſen kehrt's zurück.
O Frühling, Frühling, denke mein,
Laß Glück und Roſen eins nur ſein!
131

Virtus philologica.

Quos ego!

Was rühmt ihr doch an Rom und Griechenland
Stets Freiheit, Tapferkeit und Vaterland?
O wäret ihr nur Sklaven dort geweſen,
Von eurem Rühmen wärt ihr längſt geneſen!
Zwar Sklaven ſeid ihr, eurer Wiſſenſchaft,
Die euch verzehret euer Mark und Kraft,
Daß ihr trotz allen alten Herrlichkeiten
Schulfüchſe ſeid und bleibt in unſern Zeiten.
9132

Licht - und Fenſterrecht.

Was ihr von Lichtrecht ſchreibt und ſprecht!
Uns ward ja nur ein Fenſterrecht:
Hinein wohl darf das Licht ins Haus,
Doch leider darf kein Licht heraus.
O gute gnädige Natur!
Sind unſre Augen Fenſter nur?
Und ſoll der Geiſt zufrieden ſein
Mit Allem was man bringt hinein?
133

Claſſiſche Gelahrtheit.

Mel. Guter Mond, du gehſt ſo ſtille.

Ja, es war in jenen Tagen
Liebe für das Vaterland:
Wie ſich Sparta hat geſchlagen,
Macht Thermopylä bekannt.
Lebt es doch in Aller Munde
Was dereinſt dies Sparta war,
Und es giebt uns ſichre Kunde
Ein Tertianer ja ſogar.
Was bei Pforzheim iſt geſchehen,
Frag die Philologen drum,
Gieb es ihnen ſelbſt zum Lehen,
Und ſie bleiben dennoch ſtumm.
134

Kunſtzopf.

Mel. In einem Thal bei armen Hirten Erſchien mit jedem jungen Jahr.

Aus deinem eignen Haar gewunden
Ward dir ein ungeheurer Zopf.
Schon hundert Jahre ſind verſchwunden,
Dir aber blieb der Zopf am Kopf.
Viel große Meiſter ſahn ihn hangen,
Und jeder nahm dir ab ein Stück,
Sie alle ſind dann heimgegangen,
Dir aber blieb der Zopf zurück.
Geheimnißvoll und zaubriſch ſchwebet
Der Zopf ob allen Staffelein,
Und keiner der da lebt und webet
Will dich, o freie Kunſt, befrei'n.
Was dir noch blieb, wird werthgehalten
In allen Kunſtakademien;
Die Alten bleiben gern beim Alten,
Und keiner darf ein Haar draus ziehn.
135
Drum mag's dich auch nicht weiter quälen,
Wir alle tragen unſer Leid;
An Zöpfen wird's der Welt nicht fehlen
Von nun an bis in Ewigkeit.
Und wird dein alter Kopfſchmuck ſchwinden,
Dann ſind die Meiſter gleich bereit,
Dir einen neuen Zopf zu winden,
Wie er ſich paſſt für unſre Zeit.
136

Erläuterung zum 13. Artikel der Bundesacte.

Herr Wirth, Herr Wirth, ein Gläschen Wein!
Für mich wird das genug nicht ſein:
Schenkt mir ein volles Viertel ein!
Und mir bringt eine Flaſch 'herein!
Der Wirth, er dreht ſich um und um,
Er läuft im ganzen Haus' herum,
Und rechtsum, linksum, ringsum, und kurzum,
Er kann den Schlüſſel nicht finden.
Und ach! die Gäſte mehren ſich:
Was zögerſt du? ſo ſprich, ſo ſprich!
O Wirth, o Wirth, erbarme dich!
Denn unſer Durſt iſt fürchterlich.
Der Wirth, er aber bleibet ſtumm,
Und dreht ſich wieder um und um,
Und läuft im ganzen Haus 'herum,
Und rechtsum, linksum, ringsum, und kurzum,
Er kann den Schlüſſel nicht finden.
137
Und größer wird die Cumpanei,
Und größer nur die Zögerei,
Und immer lauter das Geſchrei:
He holla! Wirthſchaft! Wein herbei!
Der Wirth, der Wirth, er ſtellt ſich dumm,
Er hört, er ſieht, er bleibet ſtumm,
Und dreht ſich wieder um und um,
Und läuft im ganzen Haus 'herum,
Und rechtsum, linksum, ringsum, und kurzum,
Er kann den Schlüſſel nicht finden.
O Wirth, was iſt das für Manier?
O Wirth, o Wirth, wie zaudert Ihr!
Bringt Wein! denn Wein begehren wir.
Zum Teufel denn, was iſt das hier!
Der Wirth, verneigt ſich, ſteht ganz krumm,
Er lächelt, ſchmunzelt, ſtellt ſich dumm,
Er hört, er ſieht, er bleibet ſtumm,
Und dreht ſich wieder um und um,
Und läuft im ganzen Haus 'herum,
Und rechtsum, linksum, ringsum, und kurzum,
Er kann den Schlüſſel nicht finden.
Das iſt doch ſonderbar, hum! hum!
Schon eine Viertelſtund 'iſt um,
Du drehſt dich, rennſt wie toll und dumm,
So ſag doch wie? ſag, ſag warum?
138
Der Wirth weiß ſchon das Wie? Warum?
Er neigt ſich, beugt ſich, ſteht ganz krumm,
Er lächelt, ſchmunzelt, ſtellt ſich dumm,
Er hört, er ſieht, er bleibet ſtumm,
Und dreht ſich wieder um und um,
Und läuft im ganzen Haus' herum,
Und rechtsum, linksum, ringsum, und kurzum,

Er.

Ich kann den Schlüſſel nicht finden!

Alle (in höchſter Verwunderung).

Er kann den Schlüſſel nicht finden!

139

Bömiſche Dörfer.

Pegaſus der alte Schimmel
Und Apollo fehlet nie,
Ja der ganze Götterhimmel
Prunkt in eurer Poeſie.
Mit dem Wörterbuche leſen
Muß man jedes Maigedicht;
Wer die Cypris iſt geweſen
Weiß ich armer Deutſcher nicht.
Auch Pandora, Flora, Iris,
Zeus, Aurora, Rhadamanth,
Midas, Iſis und Oſiris
Sind mir gänzlich unbekannt.
Sagt, für wen doch wollt ihr dichten?
Für's gelehrte Häufelein?
Nun, ſo müſſt ihr drauf verzichten,
Deutſchlands Dichter je zu ſein.
140
Zwar das deutſche Volk hat immer
Seinen hochgelehrten Stand;
Dieſer aber hatte nimmer
In der Welt ein Vaterland.
Beſſer drum, ihr ſingt und pfeifet
Wie's gemäß dem deutſchen Mund:
Caſtor! Pollux! das begreifet
Auch ſogar ein dummer Hund.
141

Der Litteratenorden.

Es hangen Orden aller Sorten
In jedem Goldſchmidsladen aus,
Doch finden wir an allen Orten
Nichts was da paſſt für uns heraus.
Noch nie zu viel belohnet worden
Iſt unſer geiſtig Eigenthum:
So laſſt uns ſtiften einen Orden
Zu unſrer Freud 'und unſerm Ruhm.
Ein rother Krebs am ſchwarzen Bande
Mit goldenen Vergißnichtmein,
Das ſoll im ganzen deutſchen Lande
Der Litteratenorden ſein.
Die erſte Klaſſe wird beſcheret,
Wenn einer weit auf Reiſen war
Und über Leipzig wiederkehret
Geſund und friſch das nächſte Jahr.
142
So oft er fort war und vollendet
Den Heimweg unverſehrt zurück,
So oft wird ihm dafür geſpendet
Ein neues höhres Ordensglück.
Und wer zuletzt nach öfterm Wandern
Nie mehr verfehlt den Weg nach Haus,
Den ehren wir vor allen andern
Und zeichnen ihn als Hummer aus.
143

Sterne.

Warum hat Gott der Herr geſchmücket
Mit Sternen ohne Maß und Zahl
Den ſchönen weiten Himmelsſaal?
Das wiſſen wir, wir Menſchen nicht.
Warum hat Gott der Herr geſchmücket
Mit Blumenſternen Wieſ 'und Feld,
Die ganze liebe weite Welt?
Das wiſſen wir, wir Menſchen nicht.
Warum hat mancher Fürſt geſchmücket
Seit Jahr und Tag mit Stern und Band
So manche Bruſt in Stadt und Land?
Das weiß ſelbſt Gott im Himmel nicht.
144

Die Kameele.

Ihr Schüler von den hohen Schulen,
Wie habt ihr euch ſo tief geſtellt!
Ihr ſolltet in den Lüften ſchweben
Hoch über der Philiſterwelt!
Doch ſeid ihr ſelbſt Philiſter worden
Und haſcht wie ſie nach Brot und Geld.
Ihr Schüler von den hohen Schulen,
Wie habt ihr euch ſo tief geſtellt!
145

Herren und Knechte.

Ihr wolltet euch zu Göttern machen,
Und ſiehe, das gelang euch ſchlecht;
Da machtet ihr das Volk der Schwachen
Zu einem dienenden Geſchlecht.
Und dies Geſchlecht muß immer büßen,
Zu groß iſt ſeine eigne Schuld,
Und wollt ihr's Leben ihm verſüßen,
So iſt es eure Gnad 'und Huld.
Da iſt die Rede nicht vom Rechte,
Das wär 'auch nur ein toller Wahn:
Ihr ſeid die Herrn, ſie ſind die Knechte,
Und was ihr thut iſt wohlgethan.
10146

Variatio delectat, nach einer Volksmelodie.

Wenn heut 'ein Geiſt herniederſtiege!
Uhland.
Heute roth, heute roth,
Heute roth und morgen todt.
Daß ein Wort dich könnte fällen,
Schien ſich niemand vorzuſtellen,
Aber, aber es geſchah.
Nur ein Wort, nur ein Wort,
Die Verfaſſung war gleich fort;
Eid und Treue und Gewiſſen
Wurden wie Papier zerriſſen,
Und was war's denn weiter auch!
Denn die Welt, denn die Welt
Auf Verändrung noch was hält:
Alles Alte wird alltäglich
Und zuletzt ganz unerträglich,
Darum friſch damit ins Grab!
147

Meuſels gelehrtes Deutſchland.

Mihi quidem nulli satis cruditi videntur, quibus nostra ignota sunt.
M. T. Cicero.
Die ihr ſo vielerlei doch wiſſt
Was in der Welt geſchrieben iſt!
In jedem Land 'in jeder Zeit
Recht gut und gern zu Hauſe ſeid!
Wenn ihr auch Erd 'und Himmel kennt
Und jedes Buch und Pergament,
Ihr wiſſt nicht viel, weil ihr nicht wiſſt
Und wiſſen wollt, was Deutſchland iſt.
10 *148

Steuerverweigerungsverfaſſungsmäßig¬ berechtigte.

Sprecht von Volks - und Menſchenrechten,
's iſt doch eitel was ihr ſprecht!
Ihr erlangt mit allem Fechten
Weder Schreib - noch Rederecht.
Sprecht zu hunderttauſend Malen
Immer nein, und nein, ja nein:
Eure Steuern müſſt ihr zahlen!
Das iſt euer Recht allein.
149

Die guten Geiſter.

Mel. Warum ſind der Thränen Unterm Mond ſo viel?

Biſt du auch hienieden
Gar gering und arm,
Herz, gieb dich zufrieden,
Laſs den Gram und Harm!
Denn die höchſten Gaben
Sind auch dir nicht fern,
Weil wir alle haben
Einen Gott und Herrn;
Einen Herrn und Meiſter,
Und ein Himmelreich
Alle guten Geiſter
Sind auf Erden gleich.
150

Die Eidgenoſſen.

Es war einmal ein arm Schulmeiſterlein,
Der wollt 'in ſeinem Lohn verbeſſert ſein.
Doch war ſein Dorf nur klein und, Gott erbarm!
Die Bauern waren alle gar zu arm.
Drum ging zum reichen Dorf der arme Mann!
Trug dort den Bauern ſeine Dienſte an.
Er pries den Leuten ſeine Tüchtigkeit,
Auch könn 'er Wetter machen jederzeit.
Da ſprachen ſie: das iſt für uns der Mann!
Und nahmen ihn ſogleich zum Meßner an.
Doch blieb das Wetter immer wie es war,
Heut neblicht, regnicht, morgen hell und klar.
Da ſagten ſie: iſt das nun unſer Lohn?
Solch Wetter hatten wir ja immer ſchon.
Ja, ſprach er, ja, ſobald ihr einig ſeid,
Bin ich zum Wettermachen gleich bereit.
Doch war von Einigkeit nicht eine Spur,
Denn jeder wollte ſtets ſein Wetter nur.
151

Siebente Sitzung.

Trinklied.

huob er ûf unde tranc.
Weinschwelg.
Ja, luſtig bin ich, das iſt wahr!
Wie's Lämmlein auf der Au.
Die ganze Welt iſt Sonnenſchein,
Ich fange hier den Regen ein
Und trinke Himmelthau.
Den Stein der Weiſen find 'ich noch;
Margret, ein Schöpplein Wein!
Ich mach' aus Wein noch Gold und Geld,
Potz Velten! noch die ganze Welt,
's Darf nur kein Krätzer ſein!
He! reiß den Zeiger von der Uhr!
Was kümmert uns die Zeit?
Laſs laufen was nicht bleiben kann!
Was geht denn mich ein andrer an?
Trink, Bruder, gieb Beſcheid!
Ihr Bänk 'und Tiſche nehmt's nicht krumm!
Ein Lied gar bald entflieht.
Als ihr noch grünbelaubet wart,
Da ſangen Vöglein mancher Art
Euch auch gar manches Lied.
152

Deutſches Thule.

Es ruht des Landes Ruhm und Kraft
In goldnen Vließen und Aehren,
Und unſre Kunſt und Wiſſenſchaft
Gilt nur den Huben und Stähren.
Was Opitz ſang, war Phantaſie,
Jetzt geht in unſere Gauen,
Die wahre Schäferpoeſie
Iſt da lebendig zu ſchauen.
O komm zu uns, du deutſcher Chriſt,
Und geh bei uns in die Schule,
Und lern ', ob es ſo übel iſt
Hier in der ultima Thule
*)Wirklich ein ſchleſiſches Dorf im Roſenberger Kreiſe Opelner Regierungsbezirks, nach Knie, Geogr. Beſchreib. von Schleſien. 3. Abth. S. 781.
*).
153

Mißverſtändniſs.

Mel. Herz, mys Herz, warum ſo trurig?

Singe wem Geſang gegeben,
Sprach zur Vogelſchaar der Aar,
Das iſt Freude das iſt Leben!
Und es ſang die Vogelſchaar.
Und es wurde bunt die Heide,
Grün der Wald und grün das Feld,
Und aus ihrem Winterleide
Trat verjüngt hervor die Welt.
Das war Freude, das war Leben
In dem Wald und auf der Flur,
Denn die Sänger waren eben
Lauter gute Sänger nur.
Doch es kamen ſtolze Namen,
Wiedehopf und Königlein,
Pfau, Faſan und Truthahn kamen,
Miſchten ihren Jubel ein.
Und es wurde bleich die Heide,
Falbe wurde Wald und Feld,
Und in ihrem Winterleide
Lag nun wiederum die Welt.
154

Philiſter.

Philiſtervolk auf allen Wegen,
Philiſter vor und hinter mir,
Im Sonnenſchein, im Schnee und Regen,
Philiſter dort, Philiſter hier!
Haſt du noch Beine, ſo enteile!
Zwar iſt gewiß du ſtirbſt einmal
Doch iſt ein Tod vor Langerweile
Schon hier auf Erden Höllenqual.
So dacht 'ich, und es klopft ſo eben,
Und ein Philiſter ſtellt ſich ein,
Umarmt mich, küſſt mich, gottergeben
Geh' ich in meinen Tod hinein.
155

Dichterklage.

Wol im der ie nâch steten vröuden ranc.
Walther von der Vogelweide.
Was ſoll Dichten, was ſoll Singen,
Seit es niemand hören mag?
Niemand will nach Freuden ringen,
Niemand will uns Freude bringen,
Wie der Maienblüthen-Tag.
Wehe, wehe jedem Herzen,
Weil's den Frühling ſo vergiſſt!
Wo iſt heitre Luſt und Scherzen,
Seit die Jugend wie vor Schmerzen
Stumm und eingewintert iſt?
Junge Welt, nun tauch dich unter
In den Frühlingsſonnenſchein!
Sieh 'die Vögel werden munter,
Und die Au wird bunt und bunter
Soll's für dich nicht Frühling ſein?
156

Dichtertroſt.

Wo iſt die Zeit als Namen galten
Und Dichter war ein Zauberwort?
Noch leben Dichter wie die alten,
Doch Ruhm und Minneſold iſt fort.
Einſt war ſie hoch und ſchön geprieſen,
Der Dichtung laute ſel'ge Luſt
Sie iſt verbannt und heimgewieſen
In jedes edlen Dichters Bruſt.
In dieſem ſtillen Heiligthume
Träumt ſie in Selbſtgenügſamkeit
Von Minneglück, von Ehr 'und Ruhme,
Von einer ſchönren künft'gen Zeit.
157

Sie und ich.

Ihr ſeid die Herrn der Schlöſſer und Palläſte,
Zu Haus bei Gold und Edelſtein:
Ich bin ein Fremdling bin ein Gaſt der Gäſte,
Nicht einen Grashalm nenn 'ich mein.
Doch mir gehört die hohe Himmelsveſte,
Der Frühling und der Sonnenſchein:
Behaltet eure Schlöſſer und Palläſte!
Ich ſinge und die Welt iſt mein.
158

Heimweh in Frankreich.

Zwiſchen Sâone und Rhône.

Wie ſehn 'ich mich nach deinen Bergen wieder,
Nach deinem Schatten, deinem Sonnenſchein!
Nach deutſchen Herzen voller Sang und Lieder,
Nach deutſcher Freud' und Luſt, nach deutſchem Wein!
Könnt 'ich den Wolken meine Hände reichen,
Ich flöge windesſchnell zu dir hinein;
Könnt' ich dem Adler und dem Lichtſtrahl gleichen,
Wie ein Gedanke wollt 'ich bei dir ſein!
Die Fremde macht mich ſtill und ernſt und traurig;
Verkümmern muß mein friſches junges Herz.
Das Leben hier, wie iſt es bang 'und ſchaurig,
Und was es beut, iſt nur der Sehnſucht Schmerz.
O Vaterland, und wenn ich nichts mehr habe,
Begleitet treu noch dieſe Sehnſucht mich;
Und würde ſelbſt die Fremde mir zum Grabe,
Gern ſterb 'ich, denn ich lebte nur für dich.
159

Heimkehr aus Frankreich.

Deutſche Worte hör 'ich wieder
Sei gegrüßt mit Herz und Hand!
Land der Freude, Land der Lieder,
Schönes heitres Vaterland!
Fröhlich kehr' ich nun zurück,
Deutſchland du mein Troſt, mein Glück!
O wie ſehnt 'ich mich ſo lange
Doch nach dir, du meine Braut,
Und wie ward mir freudebange,
Als ich wieder dich erſchaut!
Weg mit wälſchem Lug und Tand
Deutſchland iſt mein Vaterland!
Alles Guten, alles Schönen
Reich ſel'ge Heimath du!
Fluch den Fremden die dich höhnen,
Fluch den Feinden deiner Ruh!
Sei gegrüßt mit Herz und Hand
Deutſchland, du mein Vaterland!
160

Auf deutſchem Grund und Boden.

O daß ich Hoffnung wieder habe,
Dies lang 'entbehrte ſüße Glück!
Ich kehre neu wie aus dem Grabe
Zur ſchönen Erde jetzt zurück.
Gelöſt iſt meines Herzens Blindheit,
Ich ſehe wieder Tagesſchein,
Ich lebe wie in früher Kindheit,
Die ganze Welt iſt wieder mein.
Und allem was da lebt und webet
Muß ich mich froh und liebend nahn,
Und wie der Lenz die Erd 'umſchwebet,
Will auch mein Herz die Welt umfahn.
161

In Deutſchland.

Noch kompt vrönde und sauges tac, wol im ders erbeiten mac.
Walther von der Vogelweide.
Noch iſt Freude, noch iſt Leben
Ueberall im deutſchen Land.
Deutſche Fraun und Männer geben
Sich einander noch die Hand.
Und der ſchöne Glaube lebt noch
An die deutſche Ehrlichkeit.
Und der Geiſt der Treue ſchwebt noch
Ueber uns und unſrer Zeit.
Und es wird noch Frühling wieder
Auch für uns in Wald und Feld,
Und es ſingt noch frohe Lieder
Ueberall die deutſche Welt.
Wahrheit findet noch und Dichtung
Ihre Herzen, ihren Mund,
Und es thut nach mancher Richtung
Sich das Schön 'und Beſſre kund.
11162
Tadelt nicht die Zeit die neue
Wünſchet nicht das Heute fern!
Zeit iſt daß ſich jeder freue,
Jeder lobe Gott den Herrn.
Sprecht ihr Weiſen, ſprecht ihr Thoren!
Und wer wäre nicht ein Kind?
Ach! ich bin zu früh geboren!
Eine neue Welt beginnt.
163

Nur in Deutſchland.

φίλη ένί πατϱ〈…〉〈…〉 δι γα〈…〉〈…〉 η.
Homer Il. 3, 244.
Zwiſchen Frankreich und dem Böhmerwald,
Da wachſen unſre Reben.
Grüß mein Lieb am grünen Rhein,
Grüß mir meinen kühlen Wein!
Nur in Deutſchland:,:
Da will ich ewig leben.
Fern in fremden Landen war ich auch,
Bald bin ich heimgegangen.
Heiße Luft und Durſt dabei,
Qual und Sorgen mancherlei
Nur nach Deutſchland:,:
Thät mein Herz verlangen.
Iſt ein Land, es heißt Italia,
Blühn Orangen und Citronen.
Singe! ſprach die Römerin,
Und ich ſang zum Norden hin:
Nur in Deutſchland:,:
Da muß mein Schätzlein wohnen.
11 *164
Als ich ſah die Alpen wieder glühn
Hell in der Morgenſonne:
Grüß mein Liebchen, goldner Schein,
Grüß mir meinen grünen Rhein!
Nur in Deutſchland:,:
Da wohnet Freud 'und Wonne.
165

Mein Vaterland.

Treue Liebe bis zum Grabe
Schwör 'ich dir mit Herz und Hand:
Was ich bin und was ich habe,
Dank' ich dir, mein Vaterland.
Nicht in Worten nur und Liedern
Iſt mein Herz zum Dank bereit;
Mit der That will ich's erwiedern.
Dir in Noth, in Kampf und Streit.
In der Freude wie im Leide
Ruf ich's Freund und Feinden zu:
Ewig ſind vereint wir beide,
Und mein Troſt, mein Glück biſt du.
Treue Liebe bis zum Grabe
Schwör 'ich dir mit Herz und Hand:
Was ich bin und was ich habe,
Dank' ich dir, mein Vaterland.
166

Engliſche Geduld in der engliſchen Krankheit.

Dedimus profecto grande patientiae documentum.
Taciti Agricola cap. 2.
Sehnſucht hatte mich getrieben
Nach dem Lande meiner Lieben.
Aber, armes Heimathland,
Habe dich faſt nicht wiedererkannt.
Lange ſchon liegſt du danieder,
Und wie zuckt's dir durch die Glieder!
Groß iſt Gottes Gnad 'und Huld,
Aber noch größer deine Geduld.
Nie wirſt du den Schmerz verwinden
Und auch nie den Arzt wohl finden:
Deine Qual, wer heilt ſie, wer?
Engliſche Krankheit heilet man ſchwer.
167

Frühlingswunſch.

Wenn jetzt in dieſen langen Tagen
Die Blumen wieder blühn,
Wenn jetzt die Nachtigallen ſchlagen
Im friſchen Waldesgrün;
Wenn bei dem Klange der Schallmeien
Die Kinder groß und klein
Hier in den Dörfern, dort im Freien
Sich froh zum Tanze reihn
Dann mahnen Tänze, Kläng 'und Lieder
An dich, o Heimath, mich:
Wann preiſ' ich dich doch glücklich wieder,
Wann biſt du frei wie ich?
168

Hannoverſches Frühlingslied.

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: ſie ſäen nicht, ſie erndten nicht, ſie ſammeln nicht in die Scheunen, und euer himmliſcher Vater nähret ſie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn ſie?
Matthäus 6, 26.

Mel. Das Grab iſt tief und ſtille.

Ihr lieben guten Herzen,
Ihr ſcherztet allergernſt;
Trotz allem Leid und Schmerzen
Iſt euch verhaſſt der Ernſt.
Die Nachtigallen jagen
Den Ernſt jetzt über's Meer
Was ſolche Vögel wagen!
Das wundert mich doch ſehr.
169

Abendlied.

Abend wird es wieder:
Ueber Wald und Feld
Säuſelt Frieden nieder,
Und es ruht die Welt.
Nur der Bach ergießet
Sich am Felſen dort,
Und er brauſt und fließet
Immer, immer fort.
Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh,
Keine Glocke klinget
Ihm ein Raſtlied zu.
So, in deinem Streben
Biſt, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
Wahre Abendruh.
170

In der Heimath.

Owé war sint verswunden alliu miniu jâr!
Walther von der Vogelweide.
Gelichtet iſt der Wald und kahl das Feld,
Wie alt geworden iſt die junge Welt!
Geebnet ſind der Gräber lange Reihn,
Neu ſind die Häuſer, neu von Holz und Stein,
Sogar der Bach verließ den alten Zug
Die Glocke nur, ſie ſchlägt noch wie ſie ſchlug.
Von allem was du hatteſt keine Spur,
Du findeſt es im Menſchenherzen nur,
Und jedes hegt für dich Erinnerung,
Und jedes macht dich wieder froh und jung;
Das Herz bleibt ohne Wandel, ohne Trug,
Es ſchlägt noch immer wie es weiland ſchlug.
171

Letztes Lied.

Nackt ein, nackt aus,
Zur Welt hinaus:
Mein Bündel Sorgen mit hinab
Ins dunkle Grab!
Nun ſchaufelt zu und immerzu!
Ich ſchlafe feſt und habe Ruh.
In Liebesmuth
Voll Jugendglut
Ein halbes Leben mir verſchwand;
Das andre fand
In dieſer Welt nicht Raſt noch Ruh
Drum, Brüder, ſcharret zu, nur zu!
172

Neujahrslied.

So ſingen wir, ſo trinken wir
Uns froh hinein ins neue Jahr.
Wir laſſen drüben Gram und Leid,
Und nehmen mit die Fröhlichkeit
Ins neue Jahr.
So ſingen wir, ſo trinken wir
Uns froh hinein ins neue Jahr.
Die Freundſchaft geht von ſelber mit,
Begleitet treu uns Schritt vor Schritt
Ins neue Jahr.
So ſingen wir, ſo trinken wir
Uns froh hinein ins neue Jahr.
Die Hoffnung wartet unſrer dort,
Sie ſprach: Komm mit! ich ziehe fort
Ins neue Jahr.
So ſingen wir, ſo trinken wir
Uns froh hinein ins neue Jahr.
Drum, wer's nicht froh beginnen kann,
Der fang es lieber gar nicht an,
Das neue Jahr!
[173]

Anhang oder Vertrauliche Sitzung.

[174]175

Armin.

Uns iſt in alten Sagen gar wunderviel geſagt,
Wonach in unſern Tagen das Publicum nicht fragt.
Ich aber will berichten was heute nur geſchieht,
Nur ſchöne neue Geſchichten. Und alſo hebt ſich an das Lied.
Es kam vom Himmel nieder der deutſche Held Armin,
Seit grauen Zeiten wieder, er kam, wir ſahen ihn;
Er war noch ſtets derſelbe, er ging ganz frank und frei,
Er wollte Deutſchland ſehen, ob's noch daſſelbe Deutſchland ſei.
Im Teutoburger Walde da ließ er ſich herab,
Er dacht 'an Alles wieder was einſt ſich dort begab.
Da fragt ihn ein Gensd'arme: wo haben Sie Ihren Paß?
Es erwiedert ihm der Recke: was kümmert dich denn wunder das?
Ich bin ein Officiante, ich thue nur meine Pflicht,
Und thue gar nichts weiter als was die Vorſchrift ſpricht:
Wer ohne Paß hier kommet, wer ſich nicht legitimirt,
Der wird von Polizeiwegen ſofort hier arretiert.
Zum Glücke kam gegangen ein alter Edelmann,
Der hatte ſich von ferne ſchon gehört die Sachen an;
Es war ihm aus der Kindheit Armins Porträt bekannt:
Für dieſen Fremden bürg 'ich. Er nahm ihn gleich auch bei
der Hand.
176
Und führt 'ihn durch den Schloßhof in den alten Ritterſaal;
Das Geſinde hieß er kommen, es bracht' ihm einen Pokal,
Das war ein echter Römer, den ſchenkt er ganz voll Wein,
Und bot ihn auf Deutſchlands Freiheit dem viellieben Gaſte ſein.
Ja, ſprach Armin, ich trinke auf Deutſchlands Freiheit jetzt,
Ich bin des Fechtens müde, was hat man auch zuletzt?
Doch ewig haſſ 'ich die Römer und ewig bei Tag und Nacht,
Sie haben uns ſtets das Schlechte, und gewiß auch die Päſſe
hergebracht.
Der Edelmann verſetzte: Beſänftige dich nur!
Es iſt in der Welt von Römern jetzt kaum noch eine Spur;
Du haſt ſie ja vertilget, kein Menſch ſpricht mehr Latein,
Du haſt ihn ausgelöſchet des Römerreiches Glanz und Schein.
Es beten zwar die Chriſten in Latein noch hie und da,
Auch lernen die Juriſten draus ihre Principia;
Auch treiben es die Gelehrten und halten noch viel darauf,
Doch, glaub 'ich, endlich höret der Bettel mal von ſelber auf.
So etwas darf nicht kümmern, das iſt bei uns der Brauch:
Ein Deutſcher iſt ein Gelehrter, drum lernt er Alles auch.
Du haſt in deiner Jugend ja auch gelernt Latein,
Und biſt kein Römer geweſen Trink aus! ich ſchenke wieder ein.
177
Doch ſei mir gottwillkommen, du hoher Held Armin!
O laß mich dich umfangen, o laß mich vor dir knien!
Du biſt doch ſtets derſelbe, mit deinem blonden Haar,
Mit deinem liebevollen, deinem ſchönen blauen Augenpaar!
Vergönne daß ich leſe, wie lieb und werth du biſt,
Wie jede deiner Thaten uns hoch und heilig iſt
Es las darauf der Edelmann ihm aus dem Lohenſtein;
Bald kam ein ſüßer Schlummer, Nacht war's, der Held Armin
ſchlief ein.
Und als am hellen Tage Armin erwachet war,
Da kamen alle und brachten ihm ihren Glückwunſch dar;
Es kam die Frau mit den Fräuleins, es kam der Edelmann,
Und alle ſahen den Helden mit Blicken minniglichen an.
Und unterdeſſen eilte die Mähr 'von Mund zu Mund,
Und durch die Eiſenbahnen ward's allen Deutſchen kund:
Er iſt da, iſt wiedergekommen Deutſchlands Befreier Armin!
Im Teutoburger Walde, kommt her, kommt her und ſehet ſelber ihn!
Da ſchickten die Weſtphalen als Feſtcomité im Nu
Grobkörnigen und feiſten Pumpernickel ihm zu,
Es ſchickten die alten Saſſen ihm echte Cheruskerwurſt,
Und andre deutſchen Stämme dachten an des Helden guten Durſt.
12178
Es ſandten ihm die Baiern mit Bock ein Fuderfaß,
Weil das in ihrem Lande noch immer das beſte was;
Es ſandten darauf die Franken Bocksbeutel wohl verpicht
Und die freien Städte Cigarren aus Havanna, ſie hatten
Deutſcheres nicht.
Und wie ein Schwarm Heuſchrecken kamen von Pyrmont herbei
Die Naturforſcher und Aerzte fünfhundert und fünfzigerlei;
Sie hielten die zehnte Spazierfahrt in ſolcher Geſchäftigkeit,
Daß ſie des Eſſens vergaßen und zum Trinken ſich nahmen keine Zeit.
Sie wollten die deutſche Trinkſucht erforſchen am Helden Armin,
Ob Gott in ſo frühen Zeiten ſchon uns dieſelbe verliehn,
Sie wollten nach Pariſer Zoller ihm meſſen ſeinen Schlund
Und dann in Oken's Iſis promulgieren den Sachbefund.
Es befand ſich einer drunter, der ſchien ein Agent zu ſein
Von dem Jenaer beliebten Mineralogen-Verein;
Der zog ein Diplom aus der Taſche: dem deutſchen Freiheitsſtein!
Da ſprach von Lemgo ein Steinmetz: mit Nichten, das iſt doch
zu gemein!
Auch kamen in ſelber Stunde von München und von Berlin
Zwei berühmte Mitglieder der berühmten Akademien:
Herr Zeüne war der eine, (der fehlt bei keinem Feſt!)
Der andere war Herr Maßmann, die ſollten forſchen aufs Allerbeſt.
179
Der eine nur erdkundlich, wie Germania damals war,
Ob blaue Augen hatten die Teutonen und blondes Haar?
Der andere philologiſch wie ſich ſelber ſchrieb 'Armin,
Ob deutſch, ob teutſch, was richtig und welches vorzuziehn?
Auch ſtellte ſich Herr Albrich, ein kleines Männlein ein,
Er war faſt außer Athem vom Philologenverein,
Der ſollt 'Arminium fragen, wie man ſpreche das Latein,
Und ob damals die Schulmeiſter in Rom nur Sklaven geweſen ſei'n?
Es kamen auf Flügeln des Sanges die Sänger aus Schwabenland,
Weil ſonſt kein anderer Sänger in Zunft und Anſehn ſtand;
Sie brachten von der Freiheit gar manchen ſüßen Bar,
Da von dieſer Freiheit zu ſingen noch keinem bisher verboten war.
Sie brachten auch große Liſten zu einem Denkmal herbei,
Genehmigt von allen Fürſten und auch von der Polizei;
Sie luden mit Subſcriptionen jeden biderben Deutſchen ein,
Es ſollte das Armins-Denkmal ein Denkmal aller Deutſchen ſein.
Es waren von Köln am Rheine elftauſend Jungfraun geſchickt,
Die brachten ein ſeidenes Fähnlein, drin mit Gold und Perlen geſtickt,
Gar lieblich anzuſchauen, ein heiliger Hermann ſtand,
Weil mit der Heiligen Hülfe Armin befreit das deutſche Land.
Von Düſſeldorf und München kam ein Wagen mit Künſtlern an,
Ihre Aufwartung zu machen dem größten deutſchen Mann;
Sie wollten ihn zeichnen und malen, radieren und modelliern,
In Stein und Marmor hauen, in Erz gießen und lithographiern.
12 *180
Es ſaß Armin im Seſſel, wuſſte nicht wohin? woher?
Von allem Sehen und Hören war ihm das Herz ſo ſchwer.
Was andre gerne möchten, das fühlte recht der Held;
Den Drang nach Ruhme fühlet nur wer berühmt iſt in der Welt.
Armin in heiterem Ernſte nahm den Römer in die Hand:
Hoch lebe die deutſche Freiheit! hoch lebe das Vaterland!
Und alle, alle riefen: ſie lebe früh und ſpat!
Zwar war im Saale zugegen gar mancher geheime Rath.
Armin in heiterem Ernſte nahm den Becher wieder jetzund:
Hoch alle Majeſtäten und hoch der deutſche Bund!
Und alle, alle riefen: recht lang 'in Einigkeit!
Zwar waren im Saale zugegen Cherusker genug zur Zeit.
Kaum war es ausgeſprochen, da kam vom Leineſtrom
Ein Zug von Profeſſoren mit einem ſchönen Diplom.
Georgia Auguſta hatte einſtimmig ſich reſolviert
Und Armin den hehren Helden zum Doctor juris utriusque creiert.
Armin in heiterem Ernſte nahm in die Hand das Diplom:
Gut daß ich es noch erfahre was ich gethan an Rom
Iſt alſo Recht geweſen iſt Recht bis auf dieſen Tag!
Gott gebe, daß es den Sieben, wie's mir jetzt geht, ergehen mag!
Schon war es Nacht geworden, der Wächter blies ins Horn,
Da kam ein Bote geritten mit einem goldenen Sporn
Und einem Pergamentbriefe, er kam noch zu rechter Zeit,
Es war darin eine Bulla von Seiner Heiligkeit.
181
Armin begann zu leſen, er ſchüttelte das Haupt;
Daß er ſein Latein verlernet, das hätt 'er nicht geglaubt.
Er ließ von einem Profeſſor ſich die Bulla klaſſiſch vertiern
Und dann zu beſſerm Verſtändniß im Tacitusſtile expliciern.
Seine Heiligkeit begehret, daß ſich der Held Armin
Bei ſeinem großen Einfluß jetzt wolle gern unterziehn,
Ein Friedenswerk zu ſtiften von wegen gemiſchter Eh'n,
In Germania könn 'und dürf' es ſo uncanoniſch nicht mehr gehn.
Um dazu anzuſpornen, erfolg 'hier ein Symbol;
Wer's Wohl der Kirche wolle, erlang' auch ſo ſein Wohl,
Und wen die Kirche begnade, ſei begnadet für alle Zeit:
So, meinte der Philologe, ſo ſchriebe Seine Heiligkeit.
Ihm war ſo angſt geworden, dem edlen Helden Armin,
Trotz aller Freud 'und Wonne wollt' er nach Walhalla ziehn.
Da hielt den großen Deutſchen zu unſerm hohen Glück
Auf einige Minuten ein frohes Ereigniß noch zurück.
Es kam ein Fürſt geritten, der erhob mit eigener Hand
Und ſportelfrei den Helden in den deutſchen Adelſtand.
Das war zu viel da ſtarb er. Nun heißt es doch fortan:
Das Vaterland hat gerettet ein alter deutſcher Edelmann.
182

Gedichte aus Gent.

1. An Vlaemſch Belgien.

Suche nicht das Heil im Weſten!
In der Fremde wohnt kein Glück
Suchſt du deines Gückes Beſten,
Kehre in dich ſelbſt zurück!
Aus der Tugend deiner Ahnen
Muſſt du deine Burgen baun,
Und der Löw 'auf deinen Fahnen
Lehre dich dir ſelbſt vertraun.
Treu bewahr in deiner Mitte
Vor dem wälſchen Uebermuth
Deine Sprach 'und deine Sitte,
Deiner Väter Gut und Blut.
Dann erſt kannſt du rühmend ſagen,
Daß du lebſt in unſrer Zeit,
Daß erblüht in unſern Tagen
Deine alte Herrlichkeit.
183

2. Tricolor.

Schöne Blume, wie umſtricket?
Dich die wälſche Spinne doch!
Und du biſt noch nicht zerknicket?
Und du grünſt und blüheſt noch?
Ja, ich blühe, roth und golden,
Etwas ſchwarz nur miſcht ſich drein,
Etwas ſchwarz doch meine Dolden
Werden bald nur ſchwarz noch ſein.
184

3. Gegen die Fransquillons.

Einſt wird auch eure Stunde ſchlagen
Und rufen wird euch Mann und Kind
Den Ruf aus jenen ſchönen Tagen:
Schild en Vrind!
*)Siehe Leo's 12. Bücher niederl. Geſchichten I, 179.
*)
Und alle Herzen werden ſagen:
Wohl uns, daß wir es wieder ſind,
Das Volk aus jenen ſchönen Tagen!
Schild en Vrind!
Doch heute können wir nur klagen:
Kaum hören wir vor wälſchem Wind
Den Ruf aus jenen ſchönen Tagen:
Schild en Vrind!
185

4. Vlaemſch-Belgien 1839.

Nein, du biſt noch nicht verloren,
Schönes gottgeſegnet Land!
Ueber dir und deinen Thoren
Ruht noch ſchirmend Gottes Hand.
Deine Sprach 'und Sitte lebt noch
Ueberall in Stadt und Land,
Und der Vorzeit Ruhm erhebt noch
Jedes Herz und jede Hand.
Freiheit hat dir Gott gegeben:
Sei dann frei, du freies Land!
Frei zu edlem Thun und Streben!
Frei von wälſchem Lug und Tand!
186

Schiller in Lauchstädt 1804.

Vorgetragen am Breslauer Schillerfeſte 1837.

Daß man zu Lauchſtädt ſonſt zur Sommerzeit
Komödie ſpielte, weiß man weit und breit;
Auch daß zuweilen dann zugegen war
Von Weimar aus das große Dichterpaar,
Und wie der Muſenſohn vom Saalathen
Nach Lauchſtädt pflegte grade dann zu gehn.
Doch weiß man nicht, was eines Tags geſchah.
Man ſpielt die Räuber; Schiller ſelbſt iſt da.
Vom Dichter iſt das ganze Haus beglückt,
Der Dichter ſelber iſt vom Spiel entzückt.
Doch ach! der Vorhang fällt, das Stück iſt aus;
Zufrieden geht das Publicum nach Haus.
Nur Bruder Studio iſt ſo erfreut,
Daß er gar manche Räuberſeen 'erneut.
Friſch! in die böhmſchen Wälder! ſchreit man hier,
Und dort: der Wald iſt unſer Nachtquartier.
Man lärmet, jubelt, ſchwärmet, trinkt und ſingt,
Der Dichter ſitzt von froher Schaar umringt,
Er ſitzt ſo heiter und ſo wohlgemuth.
Er trinkt als tränk' er neue Jugendglut.
Doch als es endlich nun am Wein gebricht,
Da ruft er: Nein! wir trennen uns noch nicht,
187
Noch nicht! dem Glücklichen ſchlägt keine Uhr.
Hinaus mit mir, hinaus in die Natur!
Schön war die Nacht, kein Lüftchen regte ſich,
Hell ſchien der Mond, das letzte Wölkchen wich.
Da rief der Dichter zu den Seinen: Traun!
Hier iſt gut ſein, hier laſſt uns Hütten baun!
Und unter Bäumen in der Mondſcheinnacht
Wird ſchnell ein Lauberhüttenfeſt gemacht.
Und wie man hat gebracht die Bänk 'herbei,
Und ſitzt und ſingt, da kommt die Polizei.
Was will der Sklav bei freien Männern hier?
Ich will, ſpricht der Soldat, ich will daß ihr
Nicht weiter ſingt und in ſo ſpäter Zeit
Die Badegäſt' aus ihrem Schlafe ſchreit
Da wird nur heftiger die Sangesluſt
Und alles ſchreit vereint aus voller Bruſt:
Was will der Sklav bei freien Männern hier?
Und ſingt: ein freies Leben führen wir!
Doch jener rief: heraus! Soldaten, raus!
Und ſo gab's einen tücht'gen Kampf und Strauß.
Der Sangesfürſt mit ſeinem Hof entwich,
Er ließ ſein großes ſchönes Reich im Stich,
Den heitern Himmel mit der Sternenpracht,
Die wonnigmilde lichte Mondſcheinnacht:
In des Herzens heilig ſtille Räume
Muſſt du fliehen aus des Lebens Drang!
Freiheit iſt nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Geſang.
188
Trug nun auch damals mancher Muſenſohn
Gar manchen Schlag und Puff und Knuff davon,
So denkt doch freudig unter uns daran
Noch Einer, der es nie vergeſſen kann,
Wie er mit Schiller trank und ſang und ſtritt,
Wie er mit Schiller fliehen muſſt 'und litt.
Das hat mir ſelber erzählt Einer,
Damit Schillers werde gedacht;
Wir gedenken Schillers und ſeiner
Als hätten wir es mitgemacht.
189

Trinksprüche.

Breslauer Schillerfeſt 10. Nov. 1835.

Es leben die Poeten!
Die erhabenen begrabenen
Und die ſtrebenden lebenden,
ſinnig waltenden,
innig entfaltenden,
minnig geſtaltenden,
klangentzückten entzündenden,
ſangbeglückten beglückenden,
bei Erlebniſſen,
bei Begebniſſen,
bei Begräbniſſen,
bei Hoch -
und bei noch
anderen Zeiten
und Gelegenheiten
Es leben alle Poeten auf Erden,
Die's heute ſchon ſind oder morgen noch werden!
190

Breslauer Dürerfeſt 20. Mai 1836.

1.

Es leben die Gönner und Könner!
Denn ein Künſtler, was gewönn 'er,
Hätt' er nicht auch ſeine Gönner?
Der Künſtler muß auf der Erde leben,
Doch iſt ſein ganzes Ringen und Streben
Euch auf der Erde den Himmel zu geben.
Er möchte lieber im Himmel ſchweben,
Als unten an der Erde kleben
Doch muß er nun mal auf der Erde leben.
Wenn's euch nun freut, wie der Künſtler waltet und ſchaltet,
Wenn euch freut was er in Worten und Tönen entfaltet,
Und zu ſeelenvollen Bildern geſtaltet,
So mögt ihr eure Freude zur Erſcheinung bringen,
Und laſſt anmuthiglich eure Meinung klingen,
Und vergleicht nicht erſt mit der Bilderei des Thalers
die Schilderei des Malers
Und mit der Moneten Singſang
der Poeten Klingklang!
Denn das iſt mir nun einmal klar
Seit manchem Jahr und bleibt auch wahr
Heut 'und immerdar:
191
Alle wahre Kunſt
Ohne wahre Gunſt
Müht ſich fürwahr umſunſt.
Drum laſſt uns alle das Glas erheben:
Die Kunſt und die Gunſt,
ſie ſollen leben!

2.

Es leben die Componiſten!
Die aus dem gewaltigen Meer von Tönen
Fiſchen die Perle des Edelen, Schönen,
Die uns des Lebens Mißklang entwöhnen,
Allem Jammern, Klagen und Stöhnen,
Uns mit dem Weltgewühle verſöhnen,
Uns das Leben erheitern, verſchönen
Die, was ein Dichter irgend geſagt hat,
Was er gelacht und was er geklagt hat,
Was er zu ahnen kaum gewagt hat,
Raſtlos ſtreben und ringen
Schöner in Tönen darzubringen.
In allen Herzen muß das Schön 'erſprießen,
Wenn ſie das Schön' in Tön 'ergießen;
Und wir wollen den Dank im Becherklang bringen,
Wenn ſie uns ihren Zecherſang ſingen.
192

3.

Es leben die Dichter, die fröhlich ſtrebenden,
herzenerhebenden,
Düſtres und Klares, Schönes und Wahres
ſinnig verwebenden,
Erd 'und Himmel minnig umſchwebenden,
die da trachten und dichten,
das Dunkle zu lichten,
das Gebeugte zu richten,
das Verworrne zu ſchlichten;
Die aus der Erde Banden und Schlingen
Sich frei mit der Lerche gen Himmel ſchwingen,
Und unbekümmert um dieſen und jenen
Fröhlich ſingen ihr Lieben und Sehnen,
Und nicht aus Pfützen und Lachen ſchlürfen,
Und keiner undeutſchen Quelle bedürfen,
Und nach keinen fremden Gängen ſchlürfen
Sondern am heimiſchen Born ſich laben
Und in ihrem eigenen Herzen graben,
Weil ſie ſelbſt den Schacht im Herzen haben;
Die wie der Frühling Blüthen entfalten
Und wie der Frühling niemals alten,
Und auf die ganze Welt verzichten,
Weil ſie nicht um Ruhm und Geld dichten.
193

Breslauer Schillerfeſt 10. Nov. 1836.

Es lebe die Zeit die neue!
Und keiner bereue
Die Zeit die neue,
Doch jeden erfreue
Die Zeit die neue!
Ich beſchwör 'euch bei den Perrücken und Zöpfen,
Bei den Atlasröcken mit großen Knöpfen,
Bei den runden bepuderten ernſten Köpfen,
Bei dem Reifrockknix und dem Fiſchbeinmieder,
Bei dem verſchämten Aufſchlag der Augenlieder,
Bei der Feiertagsruhe aller Glieder,
Bei den Treſſen und Litzen,
Manſchetten und Spitzen,
Bei den ſeidenen Strümpfen mit falſchen Waden,
Bei den Schönheitspflaſtern, Schminken, Pomaden,
Bei der Weitſchnurigkeit
Und Breitſpurigkeit
Aller alten und jungen
Herzen und Zungen
Wer könnt' es wagen,
Das Verlorene zu beklagen,
Und wünſchen, unſerem Leben und Treiben
Das Langweilige wieder einzuverleiben?
13194
Wie der Staub verweht durch das Feld,
Iſt der Puder hinweg aus der Welt,
Und was er verhüllt und unkenntlich gemacht,
Iſt rein und lauter ans Licht gebracht.
Die alte Zeit muſſte verloren gehn,
Schon weil ſie Schillern muſſte geboren ſehn.
Die alte Zeit iſt die gerichtete,
die vernichtete,
Weil Schiller dichtete.
Doch wir wollen vom Alten
Alles Gute behalten.
Wir behalten heute zu unſerem Feſte
das Beſte
All' ihr Verſammelten wiſſt es:
Schiller bleib 'es, denn Schiller iſt es.
195

Breslauer Künſtlerfaſching 1837.

Hoch lebe die Faſtnacht!
Wo wir faſten und raſten
Um des Lebens Laſten,
Und uns gewöhnen zu fröhnen
Allem Schönen,
Wo wir anſtecken
Die Kerzen unſrer Herzen,
Und wie Gecken
Uns ſelbſt zum Beſten haben
Und mit heitern Gäſten laben,
Nach Fröhlichkeit trachten und dichten
Und unſre Gedanken richten
Eher auf den beſten Keller
Als auf den letzten Heller
Es lebe die Faſtnacht,
Die keinem Laſt macht,
Wo Wirth und Gaſt lacht
Und ohne Raſt wacht
Bis an den Morgen
Abzuwerfen der Sorgen
Ballaſt-Fracht
Und was das Leben verhaſſt macht
Hoch lebe die Faſtnacht!
18 *196

Breslauer Schillerfeſt 10. Nov. 1838.

1.

Laſſt die Philiſter immer ſchrei'n:
Gar keine Zeit wird bald mehr ſein!
Wenn wir nur ſoviel Zeit noch haben
In Jugendluſt voll Fröhlichkeit
Uns zu erfreun an Gottes Gaben,
Was kümmert uns dann noch die Zeit!
Ob leer iſt oder voll die Taſche,
Iſt nur immer voll die Flaſche,
Und Herz, Geiſt und
Der Magen geſund,
Dann kann man ſich in unſern Tagen
Auch mit der papiernen Zeit vertragen;
Und wir laſſen ein
Jeden Caſſenſchein,
Und mit Geduld ein
Jeden Staatsſchuldſchein,
Und ohne weitere Deliberation
Jede heitere Obligation,
Und wir halten nicht die Hand ſchief,
Wenn uns kommet ein Pfandbrief,
197
Und wünſchen, daß immer heckten
In unſeren Kiſten und Kaſten die Staatseffecten,
Und freuen uns über jedes Lumpenpapier,
Wovon man leben kann bei dem Humpen dahier.

2.

Und wär 'er auch für euch nichts weiter als ein Ketzer,
So war er doch ein biedrer edler deutſcher Mann,
Den man im beſten Weine wie im ſchlechtſten Krätzer
Genug nie loben noch auch je beſchimpfen kann.
Und hätt' er nur geſprochen das Eine Wort,
So müſſt 'er leben unter uns hinfort:
Wer nicht liebt Wein, Weib und Geſang,
Der bleibt ein Narr ſein Lebelang!
Hoch lebe du ehrlicher Dr. Martine
sine fine!

3.

Hoch lebe Scharnhorſt! Preußens Schutzpanier,
Und Ehr 'und Ruhm für Preußens Schaaren!
Was er uns iſt, das wiſſen wir,
Wenn wir bedenken was wir waren.
198

4.

(Der damalige Präſident des Feſtes, Prof. Schön, hatte kurz vorher einen Trinkſpruch auf die Frauen ausgebracht.)

Schön hört ſich's an, wenn Schön beim Schillerfeſt
Die ſchönen Frauen leben läſſt.
Schön ging mit ſchönen Frauen ſchon voran,
Schön folgt auf ſchöne Fraun der Mann,
Nicht weil er war der erſt 'im Paradies,
Sondern weil er iſt der erſte ohnedies.
Ich meine unter Mann nicht allerlei Leute,
Die jeder Tag uns bringt, das Morgen und Heute.
Wer männlich ſtrebt und wagt, ſteht und nicht fällt,
Und männlich lebt, unverzagt geht durch die Welt,
Und männlich ſich müht für's Gut' und Rechte,
Und männlich erglüht mit Muth wider das Schlechte,
Und männlich auf eigenen Beinen ſteht,
Und ſich nicht nach jedem Wetter, Glauben und Meinen dreht,
Und männlich, mit Geduld, bieder erträgt,
Und männlich ohne Schuld nieder ſich legt,
Und frei noch iſt in Gefängniß,
Und froh noch iſt in Bedrängniß,
Der weiß was er will, und will was er kann,
Ihr Männer, ſtoßet an!
Hoch lebe mit und ohne Frau der Mann!
199

Bei einem Faſchingsball 1839.

Es leben die Frauen und Fräulein!

Die uns wie ein Kranz im Frühling gewunden
umgeben,
Und wie ein Tanz von fröhlichen Stunden
umſchweben,
Und Freude in unſer Leben weben,
Und Leben unſerm Streben geben,
Und unſer Leben zum Leben erheben,
Die unſer Herzweh
Und unſere Plagen,
Wie die Sonne den Märzſchnee,
Wiſſen zu verjagen;
Die den Becher
der ſchlimmen Laune für ſich behalten,
Und uns nur den Fächer
der Fröhlichkeit entfalten;
Die beſſer Kartoffeln als Pantoffeln kennen
Und mehr für den Herrſcher als die Herrſchaft entbrennen;
Die nicht grollen und ſchmollen,
Wenn wir trinken ſollen und wollen,
Die unſern heißen Durſt zu würdigen
immer bereit ſind,
Und denen unſere leeren Flaſchen und Taſchen
nimmer leid ſind:
200
Es leben die Frauen und Fräulein jetzt eben,
Die uns wie ein Kranz im Frühling gewunden
umgeben,
Und wie ein Tanz von fröhlichen Stunden
umſchweben,
Und Freuden in unſer Leben weben,
Und Leben unſerm Streben geben,
Und unſer Leben zum Leben erheben,
die Frauen und Fräulein eben
ſie ſollen leben
hoch!
201

Breslauer Schillerfeſt 10. Nov. 1839.

Ich habe einſt die Philiſter leben laſſen,
Aber ich müſſte jetzt das Leben haſſen
Und die Sonn und den Regen, die die Reben nähren
Und uns das Schönre zum Leben gewähren
Sollt 'ich mich zu ſolchen Dingen zwingen
Und ein Lob den Philiſterlingen bringen.
Ich will nicht beehren mit einem Tropfen die Tröpfe
Und werf' ihnen lieber den Pfropfen an die Köpfe.
Doch will ich heute herauf beſchwören
Was unter Schillers Denkmal liegt wie im Grabe,
Ich will es zu meiner eigenen Schande hören,
Wie ich damals die Philiſter bedichtet habe:
Es leben die Philiſter,
Ihre Gevattern und ihre Geſchwiſter!
Die Poetenverachter,
Monetenbetrachter,
Die Luchſer, die Muckſer,
Die Pfennigfuchſer,
Die Mucker und Achſelzucker,
Die Agio - und Taxenkucker,
Die Linſenleſer
Und Zinſenzähler,
202
Die Couponsſchneider
Und Hungerleider,
Die, wo andre vor Freude weinen,
Gleich mit dem Regenſchirm erſcheinen;
Und wo die Freude droht einzuſchlagen,
Den Blitzableiter in der Taſche tragen;
Die den Teufel ſcheuen
Und ſich wie Teufel freuen;
Die nicht mehr mit dem Zopfe prangen
Und doch an dem Zopfe hangen;
Die Pantoffelgedrückten,
Kartoffelentzückten,
Waſſer-Verpraſſer,
Die ſich mit der Schlinge der Mäßigkeit ſchnüren,
Und doch die Klinge der Gefräßigkeit führen;
Die in lauter Formen und Normen ſich bewegen,
In lauter Schmiegen und Biegen ſich regen;
Die auf dem Stuhle des Schlendrians ſitzen,
Und in der Schule des Bocksbeutels ſchwitzen.
Es leben die Philiſter,
Ihre Gevattern und ihre Geſchwiſter!
Denn
Wenn
Die Philiſter nicht mehr leben,
So wird es auch keine Poeten mehr geben!
Nun aber ſeh 'ich, wie die Philiſter hecken,
Wie ſie die Lande mit Schauder und Schrecken bedecken.
203
Geld und Brot, und Brot und Geld!
So ſchreit die Welt;
Das iſt die einzige Mannigfaltigkeit
In dem langweiligen Liede unſrer Zeit.
Brot iſt das einzige Univerſelle
Unſerer Univerſitäten
Das reimt ſich nicht iſt aber doch wahr,
Und wer's nicht glaubt, dem wird's mit der Zeit noch klar.
Auf Brot gerichtet iſt der Knabe
Und verfolgt das Brot wie ein Rabe,
Brot iſt des Jünglings Preisaufgabe,
Und der Mann ſtudirt es bis zum Grabe;
Und alle jagen, haſchen, ſtreben, ringen,
Wollen es zum Brote, zum Leben bringen.
Und was iſt Geld?
Ach, leider, ach es gilt
Das iſt ein treues Bild
Von der Philiſterwelt.
Wir wollen unſre Schwerter und Schilde rühren
Und ein anderes Bild im Schilde führen.
Wir wollen Schiller als Reichspanier tragen
Und mit Schillern die Philiſter ſchlagen.
Man ſollte eigentlich mit dem Eſels-Kinnbacken
Wie Simſon weiland auf ſie hinhacken
Immer tapfer, luſtig und munter.
Aber es ſind vornehme Leute drunter,
Und die würden es gar übel nehmen,
Wenn wir mit ſo grobem Knübel kämen.
204
Drum wollen wir es ſtiller treiben
Und wollen lieber bei Schiller bleiben.
Wir, die wir die Poeſie ins Leben trugen,
Und uns für Ideen zankten und ſchlugen,
Mit unſrer Begeiſterung ausgepfiffen,
Wir, von des Lebens Ernſt ergriffen,
Von ſeinem Leid und ſeiner Kläglichkeit,
Von Haſs und Neid und mancher Unerträglichkeit,
Wir wünſchen, daß Schiller auf Oberons Hifthorn blaſe,
Daß das Philiſtervolk wider Willen tobe und raſe,
Und mit uns ſinge im luſtigſten Triller:
Hoch lebe! hoch, hoch Schiller!

About this transcription

TextUnpolitische Lieder
Author August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Extent227 images; 17894 tokens; 4937 types; 113476 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationUnpolitische Lieder [Erster Theil] August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. . XII, 204 S. Hoffmann und CampeHamburg1840.

Identification

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz SBB-PK, 19 ZZ 5062-1http://stabikat.de/DB=1/SET=12/TTL=1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=1016&SRT=YOP&TRM=617496692

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationBelletristik; Lyrik; Belletristik; Lyrik; core; ready; ocr

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