PRIMS Full-text transcription (HTML)
COMPENDIUM DER VERGLEICHENDEN GRAMMATIK DER INDOGERMANISCHEN SPRACHEN.
I.
WEIMARHERMANN BÖHLAU1861.
KURZER ABRISS EINER LAUTLERE
DER INDOGERMANISCHEN URSPRACHE, DES ALTINDISCHEN (SAN - SKRIT), ALTERANISCHEN (ALTBAKTRISCHEN), ALTGRIECHISCHEN, ALTITALISCHEN (LATEINISCHEN, UMBRISCHEN, OSKISCHEN), ALT - KELTISCHEN (ALTIRISCHEN), ALTSLAWISCHEN (ALTBULGARISCHEN), LITAUISCHEN UND ALTDEUTSCHEN (GOTISCHEN).
WEIMARHERMANN BÖHLAU1861.
[I]

Vorrede.

Das vor ligende buch soll ein leitfaden für vorlesungen und zum selbstunterrichte sein. Der mangel eines solchen werkes ward bisher algemein empfunden. Der stand der indogerma - nischen sprachwißenschaft ist aber ein solcher geworden, daß ein compendium der vergleichenden grammatik der indoger - manischen sprachen geschriben werden kann. Nach abschei - dung des noch zweifelhaften bleibt ein reicher, die verschide - nen seiten, welche die sprache der wißenschaftlichen betrach - tung beut, umfaßender vorrat von erkentnissen, welche nach unserem ermeßen für alle zeiten sicher stehen. Dise nach unserem dafürhalten sicheren ergebnisse der sprachforschung auf indogermanischem gebiete in sachgemäßer übersichtlichkeit kurz und doch in algemein verständlicher weise zusammen zu stellen, ist vor allem die aufgabe eines compendium der ver - gleichenden grammatik der indogermanischen sprachen. Wo es aber unvermeidlich ist, noch dunkles und zweifelhaftes zu*IIVorrede.erwähnen, muß dises eben als solches außdrüklich bezeichnet werden.

Einen solchen leitfaden für das erste studium des indoger - manischen sprachbaues zu verfaßen, ist keine leichte aufgabe. Ob dem verfaßer des vor ligenden werkes eine auch nur vor der hand genügende lösung der selben gelungen sei, mögen andre untersuchen, die ich nicht außer acht zu laßen bitte, daß dises buch ein erster versuch in der bezeichneten rich - tung ist.

Daß ích gerade mich der schwirigen arbeit unterfangen habe, mag die folgende darlegung der entstehung meines bu - ches wenigstens einigermaßen rechtfertigen.

Seit fünfzehn jaren bin ich akademischer lerer und habe von anfang an über indogermanische grammatik gelesen; teils trug ich grammatik einzelner indogermanischer sprachen vom standpuncte der sprachwißenschaft auß vor, teils grammatik der sämtlichen sprachen, die den sprachstamm bilden, so ge - nante vergleichende grammatik. Wenn ich nach der anzal der zuhörer, welche auch dise lezteren vorträge fanden, und nach dem auß dauernden fleiße, mit welchem sie gehört wurden, schließen darf, so müßen sie wol den gegenstand in einer dem anfänger zugänglichen weise dar gelegt haben. Mein heft arbeitete ich merere male um. Namentlich war es mir eine ware freude, für meine hiesigen zuhörer und schüler zu arbei - ten; irer an regenden teilname verdanke ich die lust und liebe, mit der ich mich einer völligen umgestaltung meines in zwei halbjaren vor getragenen heftes über vergleichende grammatik der indogermanischen sprachen unterzog.

IIIVorrede.

Bei disen vorlesungen über indogermanische grammatik empfand ich den mangel eines gedrukten leitfadens, der vor allem die notwendigen beispile und paradigmen zu bieten hat, auf das lebhafteste. Dictieren und fort wärendes anschreiben an die tafel ist für die zuhörer und für den vor tragenden lästig. So kam mir zuerst der gedanke, mein heft als manu - script für meine zuhörer vervilfältigen zu laßen. Hierauß ent - wickelte sich almählich das nun ins werk gesezte vorhaben, ein compendium für anfänger überhaupt ins werk zu setzen. Diß buch ist also mein heft in einer abermaligen überarbei - tung und von disem gesichtspuncte auß bitte ich es zu be - trachten und zu beurteilen.

Es versteht sich, daß ich mich beim vortrage nicht auf das im hefte stehende beschränke; das hier gedrukte ist nur das, was ich in die feder zu dictieren pflege. Außfürungen zu einzelnen punkten und beiläufige excurse habe ich mir nie versagt. Wer nach disem compendium list, wird es wol eben so halten. Daß von einem kurzen abriße alle polemik gegen ab weichende ansichten ferne gehalten werden muste, gebot schon das streben nach möglichst geringem umfange des bu - ches. Überhaupt suche ich so vil als tunlich die dinge so dar zu legen, daß sie ire rechtfertigung in sich selbst tragen. Der stoff ist überdiß so massenhaft, daß auch beim vortrage schwer - lich zeit zu polemischen außeinandersetzungen gewonnen wer - den kann.

Leider geboten mir die verhältnisse die schließliche zu - rüstung des heftes zu einem gedrukten compendium in kurzer frist zu beenden. Doch hoffe ich auch so ein brauchbares buch geschriben zu haben.

IVVorrede.

Anlage und außfürung meines werkes mögen selbst für sich sprechen; dise dinge hier rechtfertigend zu erörtern würde zu weit füren und den umfang des vorwortes alzu ser auß denen.

Dem geerten hern verleger und drucker für die trefliche außstattung des buches und für die sorgsame leitung des druckes auch öffentlich dank zu sagen, halte ich für meine pflicht.

Jena, im september 1861.

August Schleicher.

[1]

Einleitung*)Außfürlichere darlegung des im folgenden behandelten s. in des vfrs Die Deutsche Sprache Stuttg. 1860..

I. Die sprachwißenschaft oder glottik ist

1. grammatik, d. h. wißenschaftliche erfaßung und dar - stellung der laute, der form, der function des wortes und seiner teile und des sazbaues. Die grammatik besteht also auß lautlere oder phonologie, formenlere oder mor - phologie, functionslere oder lere von der bedeutung und beziehung und syntax. Die grammatik kann die spra - che überhaupt oder eine bestimte sprache oder sprachgruppe zum gegenstande haben: algemeine grammatik, specielle grammatik; sie wird in den meisten fällen die sprache dar stellen müßen als etwas gewordenes, also das leben der spra - che in seinen gesetzen zu erforschen und dar zu legen haben. Tut sie diß außschließlich, hat sie also die darlegung des sprach - lebens zu irem gegenstande, so nent man sie historische gram - matik oder sprachengeschichte, richtiger bezeichnen wir sie als lere vom leben**)die sprachen leben, wie alle naturorganismen; sie handeln nicht, wie der mensch, haben also auch keine geschichte, woferne wir dises wort in seinem engeren und eigentlichen sinne faßen. der sprache (vom leben der laute, der form, der function, des satzes), die widerum eben so wol eine algemeine als eine mer oder minder specielle sein kann.

Schleicher, vergl. gramm. d. indog. spr. 12Sprachclassen.

Die grammatik der indogermanischen sprachen ist also eine specielle grammatik; da sie ferner dise sprachen als gewordene betrachtet und auß iren älteren und ältesten zuständen erklärt, so ist sie genauer als specielle historische grammatik der indo - germanischen sprachen zu bezeichnen.

  • Anm. 1. Es ist üblich die nicht bloß beschreibende, sondern die sprachformen so vil als möglich erklärende grammatik, da sie in der regel sich nicht auf betrachtung einer einzelnen sprache be - schränken kann, vergleichende grammatik zu nennen.
  • Anm. 2. Das folgende werk umfaßt nur zwei seiten, welche die sprache der wißenschaftlichen betrachtung bietet, die laute und die formen. Die function und den sazbau des indogermanischen sind wir zur zeit noch außer stande in der art wißenschaftlich zu behandeln, wie wir es bei den mer äußerlichen und leichter erfaßbaren seiten der sprache, bei den lauten und formen ver - mögen.

2. descriptive glottik oder sprachbeschreibung. Aufgabe derselben ist die ermittelung und beschreibung der sprachlichen sippen oder sprachstämme, d. h. der von einer ursprache ab stammenden sprachen und die anordnung dersel - ben nach einem natürlichen systeme.

Eine algemeine ursprache für alle sprachen an zu nemen ist unmöglich, es gab vilmer eine noch nicht ermittelte große anzal von ursprachen.

Die sprachen kann man vor der hand am leichtesten nach irer morphologischen beschaffenheit anordnen. Es gibt 1. spra - chen, die nur auß ungegliderten unveränderlichen bedeutungs - lauten bestehen, isolierende sprachen (z. b. das Chinesi - sche); wir bezeichnen*)vgl. Aug. Schleicher, zur Morphologie der sprache in Mémoires de l’Acad. Imp. des sciences de St. -Petersb. VII. Série tome I, No 7, auch in bes. abdr. Petersb. 1859 und den nachtrag dazu in Kuhn und Schleicher, Beitr. zur vgl. sprachforschung bd II, pg. 460 463. einen solchen unveränderlichen bedeu - tungslaut mit W; auf diser stufe würde das indogermanische stehen, wenn z. b. das wort ai-mi (griech. εἶμι) nicht so, son - dern i oder i ma (formel W oder W + w) lautete; ferner 2. sprachen, die zu disen unveränderlichen bedeutungslauten vorn, in der mitte, am ende oder an mereren stellen zugleich bezie -3Sprachclassen. Vom leben der sprache.hungslaute von uns bezeichnet mit s (suffix) p (praefix) i (infix) fügen können: zusammen fügende sprachen (z. b. die finnischen, tatarischen, dekhanischen und die meisten sprachen überhaupt); auf diser stufe der entwickelung würde das wort ai-mi i-ma oder i-mi (Ws) lauten; 3. sprachen, die die wurzel selbst zum zwecke des beziehungsaußdruckes regelmäßig verän - dern können und dabei die mittel der zusammenfügung bei be - halten: flectierende sprachen. Eine solche zum zwecke des beziehungsaußdruckes regelmäßig veränderliche wurzel bezeich - nen wir mit Wx (W1, W2 u. s. f.). Bis jezt sind uns zwei sprach - stämme diser classe bekant, der semitische und der indogerma - nische. Lezterer hat für alle worte nur eine form, nämlich Wxs (s bedeutet ein suffix oder merere dergleichen), also re - gelmäßig veränderliche wurzel mit beziehungsausdrücken am ende derselben (suffixen) z. b. ai-mi griech. εἶ-μι von wurzel i.

  • Anm. 1. Das semitische, dem indogermanischen nicht verwant, hat merere formen des wortes, das indogermanische nur eine einzige; außerdem ist der vocalismus desselben von dem des indogerma - nischen völlig verschiden, anderer tief greifender gegensätze zu geschweigen. Vgl. Aug. Schleicher, semitisch u. indogermanisch in Beitr. II, pg. 236 244.
  • Anm. 2. Das augment im indogermanischen ist kein beziehungs - zusatz, sondern ein an geschmolzenes ursprünglich selbständiges wort, das bekantlich auch felen kann.

II. Das leben der sprache, gewönlich geschichte der sprache genant, zerfält in zwei hauptabschnitte:

1. entwickelung der sprache, vorhistorische pe - riode. Alle höheren sprachformen sind auß einfacheren her - vor gegangen, die zusammen fügende sprachform auß der iso - lierenden, die flectierende auß der zusammen fügenden.

2. verfall der sprache in laut und form, wobei zu - gleich in function und sazbau bedeutende veränderungen statt finden, historische periode.

Durch verschidene entwickelung auf verschidenen punkten des gebietes einer und derselben sprache spaltet sich im ver - laufe der zweiten periode, deren anfang aber ebenfals vor die historische überliferung fält, eine und dieselbe sprache in me -1*4Sprachsippen. Vom indogerman. sprachstamme.rere sprachen (mundarten, dialecte)*)der unterschid von mundart, dialect, sprache ist im algemeinen nicht fest zu stellen.; diser process der dif - ferenzierung kann sich merfach widerholen.

Alles diß trat im leben der sprache almählich im verlaufe langer zeiträume ein, wie denn überhaupt alle im leben der sprache statt findenden veränderungen almählich sich entwickeln.

Die zunächst auß der ursprache entstandenen sprachen nennen wir grundsprachen, fast jede von inen differenzierte sich zu sprachen; jede diser sprachen kann ferner in mund - arten, dise in untermundarten gespalten sein.

Alle von einer ursprache her stammenden sprachen bilden zusammen eine sprachsippe oder einen sprachstamm, den man wider in sprachfamilien oder sprachäste teilt.

III. Indogermanische sprachen nent man eine be - stimte reihe von sprachen des asiatisch-europäischen erdteiles von so übereinstimmender und von allen andern sprachen ver - schidener beschaffenheit, daß sie sich deutlich als auß einer gemeinsamen ursprache entstanden erweist.

Innerhalb diser indogermanischen sprachsippe zei - gen sich aber gewisse geographisch benachbarte sprachen als näher verwant; so zerfält die indogermanische sprachsippe in drei gruppen oder abteilungen. Dise sind:

1. die asiatische oder arische abteilung, bestehend auß der indischen und iranischen oder wol richtiger eranischen sprachfamilie, welche unter sich ser nahe verwant sind. Älte - ster repräsentant und grundsprache der indischen familie und älteste bekante indogermanische sprache überhaupt ist das alt - indische, die sprache der ältesten teile des veda; später, in vereinfachter form und nach gewissen regeln als correcte schrift - sprache den volksdialecten gegenüber fest gesezt, sanskrit genant. Das eranische kennen wir nicht in seiner grundsprache; die ältesten uns erhaltenen eranischen sprachen sind das alt - baktrische oder zend**)die gâthâs, lieder, des Jaçna weichen in manchen stücken von dem altbaktrischen der übrigen teile des Avesta dialectisch ab. Im vor ligen - den werke ist diser gâthâdialect nur außnamsweise berüksichtigt. (osteranisch) und das altpersische,5Vom indogerman. sprachstamme.die sprache der achämenidischen keilinschriften (westeranisch). Zu diser familie gehört ferner das armenische, welches wir erst auß späterer zeit kennen und-das sich frühe schon von der eranischen grundsprache ab gesezt haben muß.

2. die südwestliche europäische abteilung, beste - hend auß griechisch, dem wol das nur in späterer sprach - form erhaltene albanesische zunächst zu stellen ist, italisch (die ältesten bekanten formen diser familie sind das lateinische, besonders wichtig für uns ist das altlateinische vor einfürung der unter griechischem einfluße gebildeten correcten schrift - sprache, das umbrische und oskische), keltisch (die am besten erhaltene aber dennoch schon ser zersezte sprache der keltischen familie ist das altirische, etwa vom 7ten jarh. unserer zeitrechnung an zugänglich). Italisch und keltisch sind einander änlicher als dem griechischen.

3. die nördliche europäische abteilung, bestehend auß der slawischen familie mit der ser nahe verwanten litaui - schen (die wir von der wichtigsten sprache derselben benen - nen) und der von beiden weiter ab stehenden deutschen. Älteste sprachformen diser abteilung sind das altbulgarische (altkirchenslawische, in datierten handschriften erst auß d. 11. jarh. ), das litauische (und zwar das hochlitauische, südlitaui - sche, preußisch litauische) erst seit 3 jarhunderten zugänglich, aber noch immer auf ser alter lautstufe verharrend*)das preußische (altpreußische) dem litauischen ser nahe stehend, ist nur in wenig umfangreicher und in jeder beziehung verwarloster auf - zeichnung erhalten, das lettische zeigt eine jüngere sprachform. und das gotische (auß dem 4. jarh.). Neben dem gotischen sind jedoch die altertümlichsten vertreter des deutschen und des nordischen, das althochdeutsche und altnordische, da, wo sie ältere formen bieten als das gotische, bei zu ziehen.

Am meisten altertümliches in den lauten und im bau der sprache ist erhalten in der asiatischen abteilung und hier wider im altindischen; dann folgt in bezug auf altertümlichkeit (d. h. bewarung von änlichkeit mit der ursprache bei weniger stark entwickelten eigentümlichen formen) die südliche europäische6Vom indogerman. sprachstamme.abteilung, in welcher das griechische bei weitem am treusten das alte bewart hat, endlich die nördlich europäische gruppe, die, im ganzen und großen überblikt, sich als die am indivi - duelsten entwickelte, als die am wenigsten der ursprache treu geblibene zu erkennen gibt.

Combinieren wir diß mit den eben an gegebenen verwant - schaftsverhältnissen der indogermanischen sprachen unter einan - der und ziehen wir darauß den schluß auf die teilungsprocesse des indogermanischen sprachkörpers in der vorzeit, so erhalten wir mit notwendigkeit folgendes resultat.

Die indogermanische ursprache teilte sich zuerst durch ungleiche entwickelung in verschidenen teilen ires gebietes in zwei teile, es schied nämlich von ir auß das slawodeutsche (die sprache, welche später in deutsch und slawolitauisch auß einander gieng); sodann teilte sich der zurückbleibende stock der ursprache, das ariograecoitalokeltische, in graecoi - talokeltisch und arisch, von denen das erstere in grie - chisch (albanesisch) und italokeltisch sich schied, das lez - tere, das arische, aber noch lange vereint blib. Später teilten sich slawolitauisch, arisch (indoeranisch) und italokeltisch nochmals.

Je östlicher ein indogermanisches volk wont, desto mer altes hat seine sprache erhalten, je westlicher, desto weniger altes und desto mer neubildungen enthält sie. Hierauß, wie auß andern andeutungen folgt, daß die Slawodeutschen zuerst ire wanderung nach westen an traten, dann folgten die Graecoi - talokelten, von den zurück bleibenden Ariern zogen sich die Inder südostwärts, die Eraner breiteten sich in der richtung von südwest auß. Die heimat des indogermanischen urvolkes ist somit in Centralhochasien zu suchen.

Nur von den Indern, die zu allerlezt den stamsitz verließen, wißen wir mit völliger sicherheit, daß sie auß iren späteren wonsitzen ein stamfremdes älteres volk verdrängten, auß dessen sprache manches in die irige über gieng. Von mereren der übrigen indogermanischen völker ist änliches teilweise in hohem grade warscheinlich. Die ältesten teilungen des indogermani - schen bis zum entstehen der grundsprachen der den sprachstamm7Vom indogerman. sprachstamme.bildenden sprachfamilien laßen sich durch folgendes schema an - schaulich machen. Die länge der linien deutet die zeitdauer an, die entfernung derselben von einander den verwantschaftsgrad.

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Grammatik.

I. Phonologie.

A. Vocale.

§. 1.

Indogermanische ursprache.

Da bei anfürung von beispilen nicht nur die vocale, son - dern auch die consonanten der sprachen gebraucht werden, so stellen wir der behandlung der vocale eine übersicht der sämt - lichen sprachlaute, lautphysiologisch an geordnet, mit den etwa nötigen bemerkungen über außsprache und dergl. vorauß.

Übersicht der laute der indogermanischen ursprache,

d. h. derjenigen laute, auß welchen die laute der verschidenen indogermanischen sprachen nach den gesetzen der lautverände - rungen, welche im leben der sprachen ein treten, hervor ge - gangen sind, und auf welche sie demnach als auf ire gemein - same quelle hin füren.

9Indogerman. ursprache. Vocale.
  • Anm. 1. In einer älteren lebensperiode der indogermanischen ur - sprache felten wol die drei aspiraten und die vocalischen doppel - laute mit (also âa, âi, âu); dem ursprünglichsten, noch nicht flectierenden sprachstande giengen die sämtlichen vocalischen doppellaute ab. Ursprünglich besaß also das indogermanische warscheinlich sechs momentane laute, nämlich drei stumme und drei tönende; sechs consonantische dauerlaute, nämlich drei spiranten und drei so genante liquidae, d. h. die beiden nasale n, m und r (l ist eine secundäre abart des r) und sechs vocale. Im späteren stande der sprache, kurz vor der ersten trennung, gab es neun moment. laute und neun vocalische laute. Man übersehe nicht dise eigentümli - chen zalenverhältnisse in der anzal der laute.
  • Anm. 2. Tönend (oder medial) sind die consonanten, bei deren her - vorbringung die stimritze mittönt; diß ist bei allen nasalen und r und l-lauten der fall, wärend die momentanen consonanten und die spiranten mit und one begleitung von stimton gesprochen wer - den können. Tön. consonanten haben also eine vocalische beimi - schung. Die aspiraten sind doppellaute; beide laute, auß denen sie bestehen, der vorauß gehende momentane consonant und der nach folgende hauch müßen bei der außsprache gehört werden.
Vocale der indogermanischen ursprache.
§. 2.
grundvocalerste steigerungzweite steigerung.
1. a-reihe aa + a = aa ()a + aa = âa ()
2. i-reihe ia + i = aia + ai = âi
3. u-reihe ua + u = aua + au = âu
  • Anm. 1. Die zweite steigerung findet sich in der asiatischen, süd - europäischen und nordeuropäischen abteilung der indogerm. spra - chen, gehört also mit höchster warscheinlichkeit zu den auß der ursprache überkommenen wortbildungsmitteln, obgleich die einzel - nen sprachen im gebrauche derselben oft nicht zusammen stimmen.
  • Anm. 2. aa und âa wurden warscheinlich frühe bereits beide in zusammen gezogen. Indessen müßen die so entstandenen beiden doch verschiden gewesen sein, da z. b. gotisch und griechisch noch das der ersten steigerung von dem der zweiten steigerung scheiden.

a, der häufigste vocal, bildet eine classe für sich; i und u sind sich in irem wesen ser änlich und stehen dem a als grund - verschiden gegenüber. Beide haben die inen nahe stehenden und sie oft vertretenden consonanten j, v zur seite, wärend das10Indogerman. ursprache. Vocale.a in keinen consonantischen laut übergehen kann und demnach die vocalische natur in höherem grade an sich trägt als i und u, welche den consonanten näher stehen. a ist in der indoger - manischen ursprache der bei weitem häufigste vocal; er findet sich vil häufiger als u und i zusammen genommen.

Jeder vocal kann sich nur in seiner reihe bewegen; diß geschiht zum zwecke des außdruckes der beziehung an der wur - zel selbst. Die wurzel ist stäts mit dem grundvocale an zu setzen. Vor zwei consonanten findet die steigerung nicht statt; in wurzeln, welche auf zwei consonanten schließen, findet sich nur der grundvocal a (nicht i und u).

Im vocalismus beruht also das wesen der flexion.

Die vocaldenung müßen wir als etwas secundäres der ur - sprache ab sprechen.

  • Anm. Selbst da, wo die übereinstimmung verschidener indogerma - nischer sprachen der denung ein höheres alter an zu weisen scheint (z. b. in manchen nominativen des singularis, wie altind. pitấ (rs), gr. πατήϱ, altlat. patêr, gotisch fadar, d. i. * fathâr; altind. dúrmanâs, gr. δυσμενής; altind. áçmâ, gr. ποιμήν, lit. akmů́, lat. homô, got. guma d. i. * gumâ) glauben wir eine un - ursprüngliche erscheinung vor uns zu haben, die, der natur der sache gemäß, in den verschidenen sprachen erst nach der tren - nung derselben von der ursprache sich entwickelte (nicht sel - ten felt auch in disem puncte die übereinstimmung, vgl. altind. bháran, gr. φέϱων, lat. ferens, got. baírands, slaw. bery). Wir können auch hier in der ursprache nur die echten grundformen vorauß setzen, d. h. das wort in allen seinen teilen noch vol - kommen unversert (also z. b. patars, dusmanass, akmans).
Beispile.
1. a-reihe.

vak-mi (1. sg. praes. ) wurz. vak (loqui), va-vâk-ma (1. sg. perf. ) vâk-s (vox); bhar-âmi, ba-bhar-mi (fero) bhar-ta-s (latus) wurz. bhar (ferre), ba-bhâr-ta (3. sg. perf. ) bhâr-a-s (onus) bhâr - aja-ti (1. sg. praes. des causativ. verbum; φοϱεῖ) u. s. f.; da - ta-s da-tâ (datus data) wurz. da (dare), da-dâ-mi (1 sg. praes. ); dha-ta-s dha-tâ (positus posita) wurz. dha (ponere, facere), da - dhâ-mi (1. sg. praes. ) u. s. f.

11Indogerman. ursprache. Vocalreihen. Vocal. lautgesetze.
2. i-reihe.

i-masi (1. pl. praes. ) wurz. i (ire), ai-mi (eo); vid-masi (1. pl. praes. ) wurz. vid (videre, scire), vaid-mi (video) vaid-aja-ti (3. sg. praes. verbi causativi), vi-vâid-ma*)für die zweite steigerung zeugt die übereinstimmung des griechi - schen und gotischen. (1. sg. perf. ); wurz. div (lucere) div-am (acc. sing. des wortstammes div, lux, lucens coelum, Ζεύς), daiv-a-s (lucens, divus, deus) u. s. w.

3. u-reihe.

bhug-nas (flexus), a-bhug-am (1. sg. aoristi) wurz. bhug (flectere), bhaug-âmi (1. sg. praes. ), bu-bhâug-ma (1. sg. perf. ); jug-a-m (jugum) jug-ta-s (junctus) wurz. jug (jungere), ju - jâug-ma (1. sg. perf. ) u. a.

  • Anm. πέφευγα zeugt nicht gegen die ursprünglichkeit der zweiten steigerung im perfectum, es ist graecismus für * πέφουγα
    **)* bezeichnet erschloßene formen; bei den formen der indogerma - nischen ursprache haben wir dise bezeichnung als überflüßig hinweg ge - laßen.
    **); vgl. formen wie λέ-λοιπ-α zu wurz. λιπ, die also auch hier ου, nicht ευ erwarten laßen, da dem ευ das ει entspricht. S. unten die darstellung des griechischen vocalismus.
Vocalische lautgesetze,
§. 3.
2

d. h. einwirkungen der vocale und consonanten auf die vocale waren in der indogermanischen ursprache noch nicht vorhanden.

Zusammenstoß von vocalen findet nur selten statt, da noch keine consonanten auß gestoßen werden und die praepositionen noch als adverbia getrent vor dem verbum stehen. Treffen je - doch in folge der wortbildung zwei vocale zusammen, so fand wol bereits im ursprünglichen sprachstande kein hiatus statt, wenn der erstere der beiden vocale ein a () war. In disem falle ward höchst warscheinlich das a mit dem folgenden vocale zusammen gesprochen. So gieng i (und u, wofür bei - spile felen) nach a mit disem zu dem diphthonge ai zusammen, z. b. bharait (3. sg. opt. praes. ) von wurz. bhar (ferre) praesens - stamm bhara mit dem i, welches zeichen des optativs ist.

12Altindisch. Übersicht der laute.

Die folge zweier vocale aber, von denen der erstere ein i - oder u-vocal ist, wird nicht als hiatus empfunden, d. h. i und u (nebst ai âi), au, âu bliben vor andern vocalen noch unver - ändert z. b. ianti (3. plur. praes., wurz. i) ku-kru-anti (3. pl. perf. ) krau-as (neutr. auditus, wurz. kru audire).

  • Anm. Auf die nichtvermeidung des hiatus zwischen i, u (und den diphthongen, welche dise vocale als schlußelemente haben) und folgendem vocal weist das älteste indisch deutlich hin. Man kann jedoch auch vermuten, daß ijanti, kukruvanti, krauvas gespro - chen ward, d. h. daß u und i sich vor vocalen zu ij, uv spal - teten, da dise außsprache sich fast von selbst ein stelt und die vermeidung des eigentlichen hiatus doch warscheinlich ist.

Altindisch (Sanskrit)*)Über die grammatik der indogermanischen sprachen vgl. Franz Bopp, vergleichende Grammatik des Sanskrit, Send, Griechischen, Latei - nischen, Litauischen, Altslavischen, Gothischen und Deutschen. Berlin 1833 1852. . Zweite ausgabe, welche auch das Armenische behandelt, I. bd Berl. 1857, II. bd ebendas. 1859. ., III. bd 1. hälfte ebendas. 1860. Diß werk ist natürlich im folgenden vilfach benüzt worden, am meisten in der stambildungslere. Desselben verfaßers Conjugationssystem des Sans - krit, Lateinischen, Persischen, Griechischen, Germanischen, Frankf. 1816. hat jezt nur noch historischen wert, als das werk, durch welches Bopp die vergleichende grammatik der indogermanischen sprachen und die me -.

§. 4.
3
Übersicht der laute des altindischen.

Mit bezeichnen wir die nasalierte außsprache der vocale (wie im franz. en, on), welche durch lautgesezliche wandlung eines folgenden nasalen consonanten entsteht.

Die tonsilbe bezeichnet ́.

13Altindisch. Übersicht der laute.
  • Anm. Man vergleiche dise tabelle mit der §. 1 gegebenen über - sicht der laute der indogermanischen sprachlaute und man wird finden, daß dise sämtlich in ir ebenfals vorhanden sind ( = urspr. ai, = urspr. au), außerdem aber eine fast gleiche an - zal unursprünglicher laute, die durch sprachgeschichtliche pro - cesse auß jenen ursprünglichen hervor gegangen sind und inen nunmer zur seite stehen.

Außsprache. Wir kennen sie durch die indische, im ganzen ser gute tradition und mittels der lautphysiologie und sprachengeschichte.

Das von der außsprache der aspiraten §. 1 bemerkte gilt auch hier.

Die palatalen momentanen laute , , ḱh, ǵh pflegt man wie tsch, dsch oder genauer wie franz. dj, tschh, djh auß zu sprechen, eine außsprache, die nur für einen späteren sprach -*)thodische sprachwißenschaft überhaupt begründete. In Bopps vergl. gram - matik tritt die lautlere noch in den hintergrund, welche zuerst durch Ja - cob Grimms deutsche grammatik seit 1819 zur geltung gebracht, auf das weitere gebiet der indogermanischen sprachen aber durch Aug. Friedrich Pott eingefürt ward in seinem werke Etymologische Forschungen auf dem Gebiete der Indo-Germanischen Sprachen mit besonderem Bezug auf die Lautumwandlung im Sanskrit, Griechischen, Lateinischen, Littauischen und Gothischen. II bde . Lemgo 1833 u. 1836. Zweite Auflage in völlig neuer Umarbeitung, I. teil: Präpositionen. Lemgo u. Detmold 1859. . Die ge - nauere ermittelung der lautgesetze so wie den fortschritt unserer disciplin überhaupt, kann man verfolgen in der Zeitschrift für vergleichende sprach - forschung auf dem gebiete des Deutschen, Griechischen, Lateinischen, her - ausgeg. von Dr. Theod. Aufrecht u. Dr. Adalb. Kuhn (vom 3. bde an von letzterem allein). Berlin, seit 1852 (bis jetzt 10 bände) und in den Beiträgen zur vergl. sprachforschung auf dem gebiete der arischen, kelti - schen und slawischen sprachen, herausgeg. von Adalb. Kuhn u. August Schleicher, Berlin, seit 1858 (bis jezt 2 bände). Die einzelne sprachen und spracherscheinungen betreffende sprachwißenschaftliche litteratur wird im verlaufe der darstellung an gefürt werden. Für das altindische ist be - sonders wegen der accente und der vedischen formen Benfeys größere und kleinere grammatik (erstere Lpz. 1852, leztere ebendas. 1855) von großem werte. Die kürzere faßung ist die mer zu empfehlende. Die Benfeyschen erklärungen der formen sind jedoch in vilen fällen nach unserer ansicht verfelt. Ferner, soweit es bis jezt erschinen, das sanskritwörterbuch der kais. Ruß. Akad. der Wißensch. v. Böhtlingk u. Roth, St. Petersb. 1853 flg. bis jezt 3 bände ; ein außgezeichnetes werk, das einen neuen abschnitt der altindischen sprachstudien bezeichnet.14Altindisch. Übersicht der laute.stand richtig ist; für die ältere zeit wäre die außsprache des und als innige verschmelzung von kj, gj (fast so wie k, g in kind, gieng) das richtige (bei den aspiraten tritt natürlich noch der hauch hinzu). Die hervorbringung diser laute (besonders vor andern lauten als i, e) fält uns jedoch schwer und man bleibt daher lieber bei der minder richtigen traditionellen außsprache diser laute als dentale mit lingualer spirans.

Lingual wird in ermangelung eines beßeren außdruckes für die gegend des mundes zwischen gaumen und zänen gebraucht. Die lingualen momentanen laute sind t - und d - änliche laute, die aber eben nicht an den zänen, sondern vil weiter hinten nach dem gaumen zu hervor gebracht werden, zu welchem zwecke man die zunge zurück beugen muß; die Inder nennen sie kopf - laute (was man unsinniger weise mit cerebralen übertragen hat). Die in Europa conventionell gewordene außsprache schei - det sie nicht von den dentalen.

Von den spiranten ist (eine lautgesezliche wandlung von s) in seiner genauen außsprache nicht bekant, es gilt als ton - los. Man pflegt es entweder wie h oder gar nicht auß zu sprechen.

h ist stets hörbar und gilt als tönender laut, ist also wie unser h, jedoch mit stimton zu sprechen.

ist wie j, aber one den dises begleitenden stimton und wol etwas schärfer (mit engerer stellung des organs) zu spre - chen (etwas wie ch in sichel; die conventionelle außsprache als scharfes s ist falsch und zu meiden, hat mit s nichts zu schaffen).

ist unser sch, franz. ch.

Die nasale. ist der gutturale nasal, also zu sprechen wie unser n in enkel, oder wie ng in lange; ist der pala - tale nasal, der wie eine innige verschmelzung von nj zu lauten hat (wie gn in franz. campagne); , der kopfnasal, ist ein an der stelle, wo , gesprochen werden, zu bildendes n, dessen außsprache uns nicht gelingen will und das wir daher von n nicht zu unterscheiden pflegen.

r und l als vocale lauten etwa so, wie in unsern worten15Altindisch. Vocale.hadern, handeln das mit unhörbarem e gesprochene er und el; ist die länge von r und ist also durch längere außsprache von disem zu scheiden*)Die Böhmen haben ebenfals l, r als vocale, der slowakische dialect hat beide laute auch als längen..

Vocale des altindischen.
§. 5.
5

Wichtig ist vor allem, daß a zu i und und zu u und geschwächt werden und völlig schwinden kann (selten geschiht diß bei andern vocalen). In disem lezteren falle werden r und l vor consonanten silbebildend und gelten als vocale; r ist dann sogar der denung zu fähig (wie i und u der zu und ).

Außer den kürzen i und u hat nämlich das altindische auch noch die unursprünglichen denungen derselben und ; ai und au sind zu und zusammen gefloßen (indem a sich dem i und u näherte und zu e und o ward, i und u aber eben - fals dem a sich assimilierten und so in dieselben vocale e und o über giengen, auß ee und oo ward aber und ).

Das in der sprachengeschichte so wichtige gesetz der as - similation (anänlichung und angleichung) so wie die eben so häufig ein tretende vocalschwächung, die nament - lich beim a ser beliebt ist, tritt uns hier zuerst entgegen. Die vocalreihen des altind. sind also nunmer folgende:

schwächunggrundvoc.1. steiger.2. steiger.
1. a-reihe schwund; i, u; , ;a
2. i-reiheiâi
3. u-reiheuâu
  • Anm. Die a-reihe ist also um ein glid reicher geworden; der po - sitiven steigerung hat sich hier gewissermaßen eine negative (die schwächung) zur seite gestelt.
Beispile.
1. a-reihe.

Die schwächung findet meist statt unter dem einfluße des accents; zugleich wirkt assimilation an ein i, u der folgen -16Altindisch. A-reihe. Schwund des a.den silbe oder der vorhergehende consonant macht seine ein - wirkung geltend.

Schwund des a tritt am häufigsten ein vor r, auch nach r, in welchem falle ar und ra, wenn ein consonant folgt, zu voc. r werden, in gleichem falle wird al zu voc. l, va zu u, ja zu i; der schwund des a ist jedoch keinesweges auf dise fälle be - schränkt.

Beispile für den völligen schwund des a sind:

r = ar; wurz. bhar (ferre, praes. bhár-âmi φέϱω fero) bhr - tá-s (nom. sing. masc. part. praet. pass. ), wurz. kar (facere, 3. sing. praes. kar-ốti) kr-tá-s (factus) ḱa-kr-má (1. plur. perfecti), wurz. mar (mori) mr-tá-s (mortuus, βϱοτός = * μϱο-τό-ς), stamm mâ-tár (μητεϱ mater) mâ-tŕ-bhjas (matribus) mâ-tŕ-śu (μη - τϱάσι) u. a.

Diß r wird nun nach analogie der übrigen vocale behan - delt, also auch gedent, z. b. acc. plur. mâ-tr̂́-s (matres μη-τέϱ-ας) dâ-tr̂́-n (datores, δο-τῆϱ-ας) vom stamme dâ-tár (dator, δοτήϱ).

l = al komt nur in der wurzel kalp (3. praes. med. kálp - a-tê recte se habere, sufficere) vor, die für ursprüngliches karp steht (s. u. bei den consonanten) klp-tá-s (nom. sg. masc. part. praet. pass.).

r = ra; ṕrḱh-áti (3. sg. praes. ) von wurz. praḱh (rogare, interrogare, vgl. got. frah, lat. prec., z. b. in prak-śjáti 3. sg. fut. ); prth-ú-s (latus, amplus) wurz. prath (vgl. πλατ-ύς, lit. plat-ùs, altpers. in u-frât-uś = * εὐ-πλατυς, altind. su-prthus Eufrat) u. a.

  • Anm. Die indischen grammatiker betrachten r, l als grundvocale, ar, al als erste steigerung. Überhaupt gilt inen a als vocal der ersten steigerung (wie es denn auch häufig einem , parallel steht), aber durchauß als zweite steigerung. Die erste steigerung nennen die indischen grammatiker guńá-s (masc. qualitas, vir - tus) die zweite vŕddhi-s (femin. incrementum von wurz. vardh crescere mittels suffix ti gebildet), außdrücke, die vilfach in euro - päische sprachliche werke über giengen.

Schwund des a one daß vocalisierung des consonanten ein treten kann, findet, wie vor andern consonanten, so auch vor dem vocalisierbaren r dann statt wenn nach r (von ar) ein vocal17Altindisch. A-reihe. Schwund des a.folgt; es bleibt dann, wie in allen fällen, in welchen a vor einem consonanten schwindet, eben nur der leztere. Beispile: ḱa-kr-ế (1. 3. sg. perf. med.) wurz. kar (facere) für * ḱa-kar-ê und di - ses auß 1. * ka-kar-mê 3. * ka-kar-tê, ḱa-kr-ús (3. pl. act. perf. ) auß * ka-kar-anti.

Schwund des a vor andern consonanten, z. b. ǵa-ghn-ús (3. plur. perf. ), wurz. han, ghan (pulsare, interficere) für * ǵa - ghan-us (zu sg. ǵa-ghấn-a); ǵa-gm-ús (3. plur. perf. ) v. wurz. gam (ire) für * ǵa-gam-us (zu sg. ǵa-gấm-a); s-ánti (3. plur. praes. ) wurz. as (esse) für as-anti (wie s-unt für * es-unt); s-játi (z. b. in vj-ava-sjati decernit) für * as-jati wurz. as, sa*)Wurzeln mit dem vocale a stellen disen häufig um, davon unten zu anfange des morphologischen teils., eben so ç-játi für * aç-jati grundf. * ak-jati wurz. aç, ça (ac-uere); á-pa-pt-at (3. sg. aor. ) für * á-pa-pat-at, wurz. pat (cadere, volare πτ-έσϑαι) u. a.

u = va (a schwand und v ward zu u); uk-tá-s (nom. sg. masc. part. praet. pass. ) wurz. vaḱ (loqui, 3. sg. praes. vák-ti), u-vấḱ-a (3. sg. perf. ) für va-vấḱ-a, ûḱús (3. plur. perf. ) für * vavaḱús, grundf. * va-vak-anti, ávôḱam für * a-va-uḱ-am (1. sg. aoristi) grundf. * a-va-vak-am (gr. εἶπον auß * ἐ-ϝε-ϝεπ-ον); sup - tá-s (part. praet. ) von wurz. svap (dormire; sváp-iti 3. sg. praes., á-svap-am 1. sg. aor. ) u. a.

i = ja (a schwand und j ward zu i); iś-t́á-s (part. praet. pass. ) für * jag-ta-s wurz. jaǵ (sacrificare, colere; 3. sg. praes. jáǵ-ati), i-jấǵ-a (3. sg. perf. ) für * ja-jấǵ-a, îǵús (3. plur. perf. ) für * jajaǵús grundf. * ja-jag-anti; vídh-jati (3. sg. praes. ) wurz. vjadh (laedere, ferire), vi-vidh-ús (3. plur. perfecti, die 3. sg. lautet vi-vjấdh-a) u. a.

Die schwächung von a 1. zu i und u findet vor r bis -§. 7. weilen mit assimilation an den vocal der folgenden silbe statt; häufig ist die schwächung von a zu i one einfluß der folgenden laute. u entspricht in gewissen fällen einem ursprünglichen an, am (der nasal schwand, nachdem er das vorher gehende a zu u getrübt hatte).

Schleicher, vergl. gramm. d. indog. spr. 218Altindisch. A-reihe. Schwächung des a zu i, u.

Beispile. gir-í-s (mons) wurz. gar (gravem esse), altbaktr. gairis beide auß * gar-i-s (vgl. slaw. gor-a mit anderem stamm - außlaute), gur-ú-s (gravis) vgl. griech. βαϱ-ύ-ς grundf. beider * gar-ú-s, die ursprüngliche wurzelform gar tritt in den steige - rungsformen dises wortes im altind. selbst zu tage, z. b. gár - iśth́a-s (superlativ zu gurú-s); kur-ú (2. imper. act. ) kur-utế (3. sg. praes. med.) u. a. formen der art von wurz. kar (facere), sie stehen für * kar-u, * kar-utê u. s. f. dise aber selbst wider für * kar-nu * kar-nutê u. s. f. (s. u. die lere von der conjuga - tion), kur-más zunächst für * kur-umas auß * kar-nu-mas) wo, wie in den änlichen formen, auch das assimilation wirkende u geschwunden ist; pur-ú-s (multus), grundf. par-u-s, vgl. πολ-ύ-ς wurz. par (implere), pur-á-m, pur-í́ (urbs) von derselben wurz. par mit wandlung des a zu u vor r one einfluß der assimila - tion (vgl. πόλ-ι-ς, grundf. par-i-s).

Die schwächung von a zu i ist häufig, z. b. kir-áti (3. sg. praes. ), wurz. kar, perf. ḱakấra (effundere); gir-áti (3. sg. praes. ), wurz. gar, perf. ǵagấra (deglutire). Besonders findet sich dise schwächung bei den wurzeln auf a (die man, beiläufig bemerkt, nach dem grammatischen systeme der Inder mit den wurzelaußlauten , , âi, verzeichnet findet), z. b. sthi-tá-s (status, στατός) v. wurz. stha (stare), hi-tá-s für älteres (vêd. ) dhi-tá-s (ϑε-τό-ς) v. wurz. dha (ponere), mi-tá-s (wie die vorigen part. praet. pass. ) v. wurz. ma (metiri); ferner in der praesens - reduplication, z. b. bi-bhár-mi v. wurz. bhar (ferre), tí-śth́â-mi = ἵστημι, grundform beider ist * sti-stâ-mi, älter * sta-stâ-mi, wurz. stha (stare; vgl. altind. dá-dhâ-mi, dá-dâ-mi und griech. τίϑη-μι, δίδω-μι, wo das altind. jene schwächung von a zu i noch nicht hat, die im griechischen ein getreten ist).

u = an, am*)Vgl. Ad. Kuhn, wechsel von am und u im sanskrit Beiträge zur vergl. sprachforschung auf dem gebiete der arischen, celtischen und slawischen sprachen von A. Kuhn und A. Schleicher, I. band, Berlin 1858, p. 355 373., z. b. in der endung der 3. plur. - us auß - anti, - ant z. b. bhárêjus = φέϱοιεν = * bharai-ant (3. pl. opt. praes. 19Altindisch. A-reihe. Schwächung des a zu , . Grundvocal a.act. ), babhrús = * babharanti (3. plur. perf. act. ); ubhấ, ubhấu = ambo, ἄμφω; leztere sprachen bieten also die ursprüng - lichere form u. a.

2. Zu und wird a ebenfals in der verbindung ar ge -§. 8. schwächt, so daß îr und ûr, lezteres nach labialen consonan - ten, als gleichbedeutend mit dem vocale r zu betrachten sind; die schwächung zu findet jedoch nicht nur vor r, sondern nicht selten auch in andern fällen statt.

ûr = r (voc. ) = ar nach labialem wurzelanlaute, z. b. pûr - ńá-s (plenus) für * pr-ná-s, altbaktr. pere-na-s (altbaktr. ere ist = altind. r voc. ), grundf. * par-na-s, von wurz. par (implere).

îr = r (vocal) = ar nach nicht labialen anlauten, z. b. stîr-ná-s (part. praes. pass. ) für * str-ńás grundf. star-na-s v. wurz. star (sternere), dîrghá-s für * drghá-s (longus), altbaktr. daregha-s, griech. δολιχό-ς u. s. f., grundf. * dargha-s, vgl. den comparativ und superlativ im altindischen mit steigerung des wurzelvocals a gebildet, comp. stamm drấgh-îjaṁs, superl. stamm drấgh-iśt́ha.

als schwächung von a komt besonders oft, wie die schwä - chung desselben zu i, bei wurzeln auf a vor, jedoch auch häu - fig bei nicht wurzelhaftem, zu bildungszusätzen gehörigem a z. b. hî-ná-s für * ha-na-s (part. praet. pass. ), wurz. ha (relinquere, 3. sg. praes. ǵá-hâ-ti); pî-tá-s (part. praet. pass. ), wurz. pa (bi - bere, 3. sg. praes. píba-ti für * pí-pa-ti auß * pa-pa-ti); ju-nî-más für * ju-na-mas (1. plur. praes. ), vgl. ju-nấ-ti (3. sg. praes. ) vom praesensstamme ju-na, wurz. ju (jungere) u. a.

  • Anm. 1. Durch dise schwächung entwickeln sich auch wurzeln mit i, welchen ursprünglich warscheinlich a zu kam, z. b. altind. kri (emere), z. b. praes. krî-ńấ-ti, fut. krê-śjáti, perf. ḱi-krấj-a u. s. f., also mit echtem i, scheint doch auß ursprünglichem kra = kar hervor gegangen zu sein, vgl. griech. πέϱ-νημι, lit. per - kù (emo), wo die wurzel mit k weiter gebildet ist.
  • Anm. 2. Vgl. die fälle, in welchen scheinbar für a steht, wä - rend es in der tat zusammenziehung von jâ oder hilfsvocal ist §. 15, c, e.

Der grundvocal a erscheint im altindischen als der häu -§. 8. figste vocal in wurzeln und beziehungslauten, z. b. ád-mi (1. sg. praes. ), wurz. ad (edere); ás-ti (3. sg. praes. ), wurz. as (esse);2*20Altindisch. A-reihe, a, .bhár-asi (2. sg. praes. ), á-bhar-at (3. sg. imperfecti), bhár-antas (φέϱοντες nom. plur. masc. participii praesentis), wurzel bhar (ferre); áp-as (opus), áp-as-as (operis); mán-as (μένος), mán-as-as (* μενεσος, μένους); áç-vas grundf. akvas (equos, ἵππος für * ἰϰϝος), sa (ὁ), tam (τόν, is-tum), çata-tamá-s (centesimus) u. s. f.

§. 9.
7

Die steigerung des a zu läßt sich nicht mer in eine erste und zweite zerlegen (wie im griechischen, lateinischen, gotischen), auch ist sie kaum und nur nach der analogie völlig entsprechender formen mit i und u von der denung zu unter - scheiden. Wir verzichten daher hier auf die durchfürung der trennung von denung und steigerung bei dem grundvocale a und ziehen demnach wol manches zur steigerung, was, genauer ge - nommen, als denung zu bezeichnen wäre. Die steigerung von a zu findet sich in wurzeln und in beziehungslauten.

Beispile gesteigerter wurzeln mit dem wurzelvocale a sind ba-bhấr-a (3. sg. perf. ) neben bhár-âmi (1. sg. praes. ) wurz. bhar (ferre), u-vấḱ-a (3. sg. perf. ) neben vák-ti (3. sg. praes. ) wurz. vaḱ (loqui), vấs-as (vestis) neben vas-tế (3. sg. praes. med.) wurz. vas (vestire), kâr-ájati (3. sg. praes. verbi causativi) neben kar-ốti (3. sg. praes. ) wurz. kar (facere) u. s. f.

  • Anm. Die auf a auß lautenden wurzeln erscheinen meist in ge - steigerter form, (daher entstund das grammatische dogma, daß wurzeln auf a nur in der function von pronomina erscheinen, wie ta (nom. sg. masc. sa, acc. ta-m demonstr.), ja (nom. sg. masc. n. ja-s, ja-t relat. ), ka (nom. acc. sg. masc. ka-s, ka-m) u. a., alle verbalwurzeln aber auf außlauten (nach den indischen grammatikern auf , , âi, ). Allein auch die ungesteigerten, ja die verkürzten formen diser wurzeln sind nicht selten, z. b. ǵí-gâ-ti, ǵá-gâ-ti (3. sg. praes. ), aber ga-tá-s (part. praet. pass. ), ga-hí (2. sg. imperat. ), gá-ḱḱhati, grundform * ga-skati (3. sg. praes. ), vgl. βέ-βᾰ-μεν, βᾰ-τής zu wurzel ga (ire); dá-dâ-mi (1. sg. praes. δί-δω-μι), aber da-d-más für * da-da-mas (1. plur. praes. ), vgl. δί-δο-μεν, δό-σις, δο-τήϱ, dă-mus zu wurzel da (da - re); dá-dhâ-mi (1. sg. praes. ) aber da-dh-más auß * da-dha - mas, vgl. τί-ϑε-μεν, ϑέ-σις zu wurzel dha (ponere); á-pâ-t (3. sg. aor. ), pâ-sjá-ti (3. sg. fut. ), aber pí-ba-ti für * pi-pa-ti auß * pa-pa-ti (3. sg. praes. ), vgl. πέ-πο-μαι, πό-σι-ς zu wurz. pa (bibere); pấ-ti (3. sg. praes. ) aber pá-tis, vgl. πό-σις, got. fa-ths,21Altindisch. A-reihe. I-reihe.d. i. * fa-di-s, lit. pà-ts für * pa-ti-s (dominus), mit schwächung vor a zu i pi-tar (nom. pi-tấ), vgl. πα-τήϱ, grundf. pa-tar zu wurzel pa (tueri); tí-śt́hâ-mi, vgl. ἵ-στη-μι (1. sg. praes. ) aber tí-śt́ha-ti für * sti-sta-ti auß * sta-sta-ti (3. sg. praes. ), mit schwä - chung von a zu i sthi-tá-s, grundf. * sta-tá-s, vgl. στᾰ-τ-ς stă - tu-s zu wurzel stha, urspr. sta (stare) u. s. f. Hier ligen dem - nach, wie in vilen änlichen fällen, ga, da, dha, pa, pa, stha deutlich als wurzelformen vor; eben so ist a überall als wurzel - laut auch da an zu nemen, wo zufällig nur die steigerung in der gegebenen sprache erscheint. Vgl. meinen aufsatz wurzeln auf a im indogermanischen, Beitr. II, 92 99).

Gesteigertes a der beziehungselemente haben wir z. b. im außlaute a der praesensstämme: bhárâ-mi (1. sg. praes. ) bhárâ - masi (1. pl. praes. ) neben bhára-si (2. sg. praes. ) bhára-ti (3. sg. praes. ) u. s. f. bhára ist praesensstamm der wurzel bhar (ferre); in fast allen casus des feminini der a-stämme, z. b. náv-â návâ-m nom. acc. sg. fem. (nova, νέϝα) neben náva-s náva-m (nom. acc. sg. masc.) stamm náva (novus); áç-vâ (equa) neben áç-va-s (equus) stamm áçva (ak-va) und vor gewissen casus - suffixen überhaupt, z. b. dêvấ-s, älter dêvấ-sas (nom. plur. ) neben dêvá-s (nom. sg. ) stamm dêvá (deus); ferner in der auß lautenden silbe verschidener consonantischer nominalstämme vor gewissen casussuffixen, z. b. dâ-tấr-am (acc. sg. ) dâ-tấr-as (nom. plur. ) vom stamme dâ-tár (dator), der rein erscheint z. b. in dâ-tár-i (loc. sg. ), in dât-tŕ-bhis (instrumentalis plur. ) dâ-tr-ế (dat. sg. ) u. a. zu dâ-tr geschwächt wird.

2. i-reihe.

Grundvocal i; i-más vgl. ἴ-μεν (1. plur. praes. ) wurz. i§. 10. (ire); vid-más (1. plur. praes. ) vgl. ϝίσ-μεν hom. ϝίδ-μεν wurz. vid (videre, scire); viç-áti (3. sg. praes. ), víç-as (nom. pl. homines, agricolae) wurz. viç (intrare, considere); dí-vam div-ás (acc. gen. s. zu nom. djâu-s coelum) wurz. div (lucere; vgl. Διϝ-ός eben so zu Ζεύς = * Δϳευ-ς); pák-ti-s (fem. coctio) vgl. πέπ-σι-ς für * πέπ-τι-ς von wurz. pak πεπ, urspr. kak, vgl. lat. coc, lit. kep (coquere) mittels suff. ti gebildet, grundform also kak-ti-s.

ist nicht selten denung des echten i, wie wir es bereits als denung des i = a gefunden haben. Die gesetze, nach wel - chem dise denung eintritt, sind nicht in allen fällen ermittelt. 22Altindisch. I-reihe.Das gedente i wechselt häufig mit dem nicht gedenten, und wird eben so gesteigert und gewandelt (in ij, j) wie dises.

In fällen wie pátî-n (acc. plur. masc.) grundf. pati-ms stamm páti (dominus), páktî-s (acc. plur. fem. ) grundf. pakti-ms stamm pákti (coctio) ligt deutlich ersazdenung vor, s. u. (§. 15, d), wo auch die denung vor j noch zu erwähnen sein wird (§. 15, a), wie z. b. î-jất neben i-jất (3. sg. opt.) von wurz. i (ire). Vor schließendem r von nominalstämmen, so wie vor solchem r, auf welches ein consonantisch anlautendes suffix folgt, tritt bei i und u denung ein, z. b. stamm gir (sermo z. b. acc. sg. gír-am) nom. sg. gîr für * gir-s, loc. plur. gîr-śú instr. plur. gîr-bhís für * gir-su, * gir-bhis.

Auch in wurzeln erscheint also neben i und es ist gramma - tische wilkür, wenn in disen fällen die wurzelform mit gedentem vocale verzeichnet zu werden pflegt, wie z. b. wurz. bhi, nicht bhî (timere), vgl. bi-bhi-más und bi-bhî-más (1. plur. praes. ; 3. pers. sg. bi-bhế-ti); in andern wurzeln erscheint zufällig nur der gedente vocal, z. b. nî-tá-s (part. praet. pass. ) zu wurz. ni (nî der grammatiken und wörterbücher; ducere), prî-tá-s zu wurz. pri (prî delectare) u. a.

  • Anm. Besonders die wurzelformen mit auß lautendem vocale wer - den in grammatiken und wörterbüchern häufig in der gedenten form an gesezt, da in disem falle die denung besonders beliebt ist. Über die unursprünglichkeit von and im indogermani - schen vgl. meine andeutungen in Beitr. I. 328 333.
§. 11.
7

Die 1. steigerung des i ist im altind. , z. b. ế-mi (εἶ - μι) grundf. ai-mi wurz. i (ire), vếd-a (οἶδ-α) vếd-a-s (nom. sg., liber sacer Indorum., Vêda) wurz. vid (videre, scire), vi-vếç-a (3. sg. perf. ) vếç-a-s (nom. sg. domus vgl. ϝοἶϰ-ο-ς, vîc-u-s) grundf. * vaik-a-s wurz. viç (intrare), dêv-á-s (deus) grundf. daiv - a-s wurz. div (splendere), pák-tê-s (gen. sg. ) zu pak-ti-s (coctio), pá-tê-s (gen. sg. ) zu pá-ti-s (dominus), bi-bhế-ti (3. sg. praes. re - dupl. ) zu wurz. bhi (timere), nế-tra-m (oculus, i. e. quod ducit) náj-ati (3. sg. praes. ) naj = nê (s. u. §. 14 d.) wurz. ni (ducere), çế-tê (ϰεῖ-ται 3. sg. praes. med.) zu wurz. çi (quiescere, jacere) u. s. f.

23Altindisch. U-reihe.

Die 2. steigerung des i ist âi, z. b. vấiç-ja-s (vir tertii ordinis) wurz. viç (intrare vgl. víç-as und vếç-as), vấid-ja-s (vê - dicus, doctus) wurz. vid (videre, scire vgl. vếd-a-s), dấiv-a-s (divinus) davon dấiv-a-m (divinum, fatum) von stamm dêv-á (deus) wurz. div (splendere), cấiv-a-s (quod Çivi est, cultor dei Çivi) von Çivá-s (deus Çivus), vâiśńavá-s (quod Viśnus est, cultor dei Viśnus) von Víśńu-s (deus Viśnus) u. s. f.

3. u-reihe.
§. 12.
7

Sie läuft in allen stücken der i-reihe parallel, auch die denung des u zu findet hier wie dort statt.

Grundvocal u, z. b. buddhás für * budh-tás (part. praet. pass. ) bu-budh-ế (1. 3. sg. perf. med.) wurz. budh (cognoscere), tud-áti (3. sg. praes. ) wurz. tud (tundere, ferire), jug-á-m (ju - gum, ζυγόν) juk-tás für * jug-tas (junctus) á-juǵ-at (3. sg. aor. ) wurz. juǵ, jug (jungere), su-tá-s (part. praet. pass. ) wurz. su (parere, gignere), çru-tá-s (ϰλυ-τό-ς part. praet. pass. ) cru-dhí (vêd. 2. sg. imperat. ϰλῦ-ϑι) wurz. çru (audire) u. s. f. Im praesensstamme çr-nu, z. b. çr-ńố-mi (1. sg. praes. ) zu wurz. çru (audire) ist ru außnamsweise zu r geschwächt durch völli - gen schwund des u.

Die denung des u zu findet hier eben so statt, wie in der i-reihe die des i zu , z. b. á-bhû-t (ἔ-φυ [τ] 3. sg. aoristi) bhû-tá-s bhû-tá-m (masc. neutr. part. praet. pass. ) zu wurz. bhu (bhû, esse) vgl. φῠ-τό-ν fŭ-turu-s); sû-nú-s (filius) vgl. litauisch sûnús, got. sunus zu wurz. su (parere, gignere, bisweilen auch als sû aufgefürt); sû-nû́-n auß * su-nu-ns (acc. plur. ), got. sununs vom stamme sûnú (nom. sg. sû-nú-s vgl. §. 15, d). Eben so wie i wird u vor r und r + consonant bei nominalstämmen ge - dent (s. §. 10) z. b. stamm dhur (temo, z. b. acc. sg. dhúr-am) nom. dhûr für * dhur-s instr. plur. dhûr-bhís für dhur-bhis u. s. f.

1. steigerung z. b. bốdh-ati (3. sg. praes. ) zu wurz.§. 13. budh (cognoscere), pra-tôd-a-s (masc. baculus aculeatus) wurz. tud (tundere), ju-jốǵ-a (1. 3. sg. perf. ) jốg-a-s (junctio, medi - tatio) wurz. juǵ (jungere), bháv-ati (3. sg. praes. ) á-bhav-at (3. sg. perf. ) bhav = bhô (s. u. §. 14, d) wurz. bhu (esse), sô-śjáti (3. sg. futuri) wurz. su (parere), çrố-tra-m (ntr. auris) zu wurz. 24Altindisch. Vocalische lautgesetze.çru (audire), sû-nố-s (genit. sg. ) stamm sû-nú (nom. sg. sû-nú-s filius) vgl. litauisch sûnaús, got. sunaus u. s. f.

2. steigerung âu, z. b. bâuddhás (masc. assecla Buddhi) von buddhá-s (part. praet. pass., nomen proprium) wurz. budh (cognoscere), á-tâut-sam für * a-tâud-sam (1. sg. aor. ) wurz. tud (tundere), jấug-ika-s (adj. quod ad meditationem, jôga-s dictam, pertinet, solitus) von stamm jôga wurz. jug (jungere), bhấv-a-s (existentia, natura) bhâv = bhâu (s. u. §. 14, d) zu wurz. bhu (esse), sâú-ti (3. sg. praes. ) su-śấv-a (1. 3. sg. perf. ) für * su - sâv-a (s. u. bei den consonanten) sâv = sâu (s. §. 14, d) wurz. su (gignere), á-çrâu-śam (1. sg. aor. compos. ) wurz. çru (audire) u. s. f.

  • Anm. 1. und sind nur als wurzelaußlaute steigerbar lautet die regel der altindischen grammatik, d. h. hier sind sie denun - gen von echtem i, u; als wurzelinlaute aber sind sie im sprach - gefül als unursprünglich empfunden und daher nicht nach art des echten i, u behandelt worden. Echtes i und u erscheint übri - gens nur vor einfachem wurzelaußlaute.
  • Anm. 2. Die betonung der worte scheint zwar besonders wegen der in diser beziehung zwischen griechisch und altindisch ob wal - tenden übereinstimmung schon in der indogermanischen ursprache in bestimter weise fest geworden zu sein, die vor ligenden spra - chen (die beiden genanten auß genommen) gehen aber in irem worttone so stark auß einander, daß eine ermittelung irer ur - sprünglichen betonungsweise unmöglich ist. Wir schließen des - halb die lere von der betonung auß, da sich eine vergleichende zusammenstellung der indogermanischen sprachen unter disem ge - sichtspunkte fast auf altindisch und griechisch zu beschränken hat. Vgl. Franz Bopp, vergleichendes Accentuationssystem nebst einer gedrängten Darstellung der grammatischen Übereinstimungen des Sanskrit und Griechischen. Berlin 1854. .
§. 14.
7
Vocalische lautgesetze.
  • Anm. Hier sind nur die lautgesetze des altindischen zu erwähnen, die innerhalb des wortes statt finden. Die veränderungen, welche der wortaußlaut in folge der stellung des wortes im satze erlei - det, gehören ins gebiet der speciellen grammatik des altindischen, nicht in das der indogermanischen (der so genanten vergleichen - den) grammatik.
1. Gesetze beim zusammentreffen von vocalen.

Grundgesetz: das altindische duldet den hiatus nicht. Er wird25Altindisch. Vocalische lautgesetze.vermiden a) durch zusammenziehung, b) durch schwund des ersteren vocals und c) durch übertritt der vocale in die inen entsprechenden spiranten.

Zusammenziehung findet dann statt, wenn a vor einen vocal zu stehen komt, mit außname der fälle, in welchen a vor dem folgenden vocale schwindet (auß gestoßen wird, wie man sagt). Übertritt in den consonanten tritt ein, wenn i, u (und die i und u als lezten bestandteil enthaltenden (= ai), (= au), âi, âu in dise lage kommen. Diser gegensatz von a dem i, u gegenüber hat seinen grund darin, daß a keinen im ent - sprechenden spiranten hat, wärend dem i und u aber j und v als nur durch geringe verschidenheit der außsprache von inen gesonderte spiranten zur seite stehen; den übergang von i und u zu j und v vermitteln ij, uv.

a. Beispile von zusammenziehung: praesenstamm bhára + i des optativs = bhárê z. b. bhárêt auß * bhara-i-t (3. sg. opt. praes. ); nominalstamm áçva + i des locativs = áçvê (loc. sg. zu nom. sg. áçva-s equus) u. s. f.

  • Anm. Einzelne ältere zusammenziehungen s. im folgenden (§. 15, c). Die §. 6 erläuterten formen wie ûḱús, îǵús bilden keine auß - name dises gesetzes, denn sie sind nicht sowol auß * uuḱús, * iiǵús contrahiert, als durch auflösung von v, j in u, i entstan - den: * vava-ḱus, * uvaḱus, * uvḱus, ûḱús; * jajaǵus, * ijaǵus * ijǵus, îǵús sind die hier vorauß zu setzenden lautübergänge.

b. Schwund des a findet statt z. b. in fällen, wie dha - nín (dives, nom. sg. masc. dhanî́) auß stamm dhána (ntr. nom. sg. dhána-m divitiae) mit dem suffixe in; selbst vor suffix ja findet solcher schwund von a statt, z. b. stamm dhán-ja (adj. dives, nom. sg. masc. dhán-ja-s) von dem selben stamme dhána. Die wurzeln auf a verlieren iren außlaut im perfect und nemen dann sogar, wie consonantisch auß lautende, den hilfsvocal i an: da-d-i-má (1. plur. perf. ) von wurz. da (dare) wie tu-tud-i-má von wurz. tud (tundere), so daß es den anschein gewint, als ob a vor i geschwunden sei und man ima und änliche, nicht aber ma als endung empfunden habe.

c. Die spaltung von i und u (und irer denungen ,26Altindisch. Vocalische lautgesetze.)*)Richtiger ist wol die auffaßung, daß vor vocalen eben keine denung ein trat. zu ij, uv hat sich erhalten, wo dise vocale in einsilbigen worten wurzelhaft sind, seltner hat das gewönliche altindisch die spaltung auch außerdem, namentlich dann, wenn zwei con - sonanten vor dem vocale stehen.

Beispile: bhij-í (loc. sg. ), der nom. singul. lautet bhî-s (ti - mor), der stamm ist also bhî; ij-ấj-a (3. sg. perf. ) wurz. i (ire), auß * i-âi-a; âi ist die wurzel i in zweiter steigerung, i dieselbe in irer grundform.

çu-çruv-ús (3. pl. perf. ) v. wurz. çru (audire), grundf. ku - kru-anti; âp-nuv-ánti (3. plur. praes., das mittels nu gebildet wird, wurz. âp adipisci); bhruv-í (loc. sg. ) nomin. sg. bhrû-s (ὀφϱύς) stamm also bhrû.

  • Anm. j-ánti (3. plur. ind. praes. ) wurz. i gegen die regel für das zu erwartende ij-anti; i ist hier außnamsweise nach der im fol - genden besprochenen weise behandelt.

d. Die wandlung in den entsprechenden halbvo - cal ist im gewönlichen altindisch regel, namentlich findet diß außschließlich statt bei i und u als zweitem bestandteile der diphthonge (= ai) âi, (= au) âu, z. b.

páktj-â (instr. sg. zu nom. sg. pákti-s coctio) für * pakti-â, ni-nj-ế (1. 3. sg. med. perfect. ) zu wurz. ni (nî, ducere) für * ni-ni-ê.

náj-ati (3. sg. praes. ) zu wurzel ni (ducere), die hier mit - tels erster steigerung zu nê d. i. nai gesteigert ist.

ni-nấj-a (1. 3. sg. perf. act. ) zu wurz. ni (ducere); nâi ist zweite steigerung von ni.

çr-nv-ánti (3. plur. act. praes. ) wurz. çru (audire) v. prae - sensstamme çr-nu (vgl. §. 12) für * çr-nu-anti grundf. * kru-nu - anti vgl. oben âpnuv-ánti mit spaltung von nu zu nuv, weil hier zwei consonanten vor u stehen.

çráv-ana-m (auditio, auris nom. sg. ntr.) wurz. cru zu çrô = crau gesteigert, mit suffix ana; çráv-as (ntr. auditio, auris = ϰλέϝος, slaw. sloves) eben so von ders. wurzel mit suffix as.

27Altindisch. Vocalische lautgesetze.

çu-çrấv-a (1. 3. sg. perf. ) wurz. çru (audire), die hier mit - tels zweiter steigerung zu çrâu gesteigert ist.

  • Anm. Die ältere sprache hatte bei i, u wol nur die spaltung. Die reihe der veränderung ist folgende: 1. i, u + voc., z. b. pákti-â, ser leicht entsteht aber 2. ij, uv + voc., z. b. páktij-â und endlich verliert sich das vocalische element ganz, 3. j, v + voc., z. b. páktj-â.
2. Vocalische veränderungen durch die benach -§. 15. barten consonanten bedingt.
  • Anm. Einiges der art muste §. 7 bereits erwähnt werden, wie pûrnás mit wegen p, überhaupt sind die schwächungen des a vor r wesentlich durch disen consonanten bedingt.

a. j liebt denung des vorher gehenden u, i, a (von der spaltung des j zu ij, îj, s. o. §. 14, 1, c) z. b. crû-já-tê (3. sg. praes. pass. ) zu wurz. çru (audire), ǵî-já-tê (3. sg. praes. pass. ) zu wurz. ǵi (vincere, z. b. in ǵi-tá-s part. praet. pass., ǵáj-ati 3. sg. praes. ), ǵấ-ja-tê (nascitur 3. sg. med.) wurz. ǵa (meist ǵan lautend und so verzeichnet, gignere, parere; vgl. altbaktr. za - ja-itê grundf. also ga-ja-tai) u. a.

  • Anm. vor j für i läßt sich auch auß der spaltung von j zu ij erklären. Villeicht stamt auch die denung des u zu und a zu vor j auß derselben quelle. Vgl. das flgde.

b. Zuweilen tritt anstatt j, ij ein, und, mit der vor j be - liebten vocaldenung, auch îj.

Nach a tritt in gewissen fällen ij (mit a oder also êj) für j (mit a oder also aj, âj) ein, z. b. praesensstämme auf a mit dem optativelemente ja bilden nicht - a-ja, sondern - a-ija d. i. - êja z. b. bốdhêjam für * bôdha-ja-m (1. sg. optat. praes. ) praesensstamm bốdha wurz. budh (cognoscere); dế-ja-s (part. necessitatis, nom. sg. msc. ) für * dâ-ja-s stamm * dâ-ja, auß der gesteigerten wurzel da (dare) und suffix ja bestehend; gângêja-s (von gangâ, gesteigert gângâ, mit suffix ja) für * gângâ-jas.

Auch nach consonanten findet sich îj für j, so in den com - parativen mit suffix. urspr. jans gebildet, z. b. stamm lágh - îjaṁs (nom. sg. masc. lághîjân) zu laghú-s (levis) = ἐ-λαχύ-ς für * lagh-jaṁs vgl. ἐ-λάσσων für * λαχ-ϳων und den superlativ28Altindisch. Vocalische lautgesetze.lágh-iś-t́ha-s ἐ-λάχ-ισ-το-ς, wo - is - v. rest jas, - jaṁs ist. So hat ferner das suffix ja auch die form îja, z. b. stamm karań-î́ja (faciendus) für * karan-ja von stamm kára-ńa, der vor ja den außlaut verliert (§. 14, 1, b) u. s. f.

  • Anm. îj = j entwickelte sich im indischen erst nach der schei - dung von arisch in indisch und eranisch; das dem altindischen so nahe stehende altbaktrische hat noch j = altind. îj.

c. jâ wird bisweilen in zusammen gezogen. Diß scheint vor allem der fall zu sein in den weiblichen stämmen auf , das wol nur = jâ sein kann, z. b. bhárantî (ferens) = * bharant-jâ = gr. φέϱουσα = φεϱοντ-ϳᾱ, ǵanitrî́ = * ǵanitr-jâ auß * ǵan-i - tar-jâ (genitrix) = γενέτειϱα d. i. * γενετεϱ-ϳα u. s. f., ja-stämme auß den als masc. bräuchlichen stämmen altind. bhárant, ǵani - tár, gr. φέϱοντ, γενε-τήϱ; dêvî́ = * daivjâ (dea), vgl. lit. deivė́ d. i. * deivjấ grundf. daivjâ (dea, jezt simulacrum vanum, spec - trum), weiterbildung von stamm dêvá, lit. dë́va, grundf. daiva (deus) u. s. f.; deutlich zeigt sich als schwächere lautform von jâ im optat., z. b. 3 sg. activ bibhr-jấ-t, 3. sg. med. aber bíbhr-î-ta, wurz. bhar (ferre, praesensstamm bibhar) u. s. f.

Bisweilen ist auch product änlicher alter zusammenzie - hungen von i-a oder ja nach außfall von consonanten zwischen i und a wie in sîd-áti (3. sg. praes. ) auß * si-adati für * si-sad - ati wurz. sad (considere, perf. sa-sấd-a, aor. á-sad-at) wie ἵζω auß * ἱἑζω = * si-sed-jô grundf. * si-sad-jâmi, lat. sìdo auß * si-sd-o * si-sed-o grundf. * si-sad-âmi (mit der nicht seltenen praesens - reduplication); auch îr z. b. îr-tế (3. praes. med. oritur, surgit, caus. îr-ájati excitat, emittit) ist als entstanden auß derselben praesensreduplication erkant: îr = * i-ar, * ijar von wurzel ar (ire) u. s. f.

d. Ersazdenung. Namentlich in declinationsformen (nom. sg., acc. plur. ) tritt nach abfall von consonanten denung des vorher gehenden vocals ein. Beispile:

Nom. sg. rấǵâ für * râǵan-s stamm rấǵan (msc. rex) und nominativelement s, vgl. ποιμήν für * ποιμ-εν-ς; dhanî́ für * dhanín-s stamm dhanín (dives); mâtấ für * mâtár-s stamm mâ - tar (mater) vgl. μήτηϱ für * μητεϱ-ς; dúr-manâs für * dur-manas-s29Altindisch. Vocalische lautgesetze.(masc. fem. malam mentem habens; zusammengesezt auß dus male und mánas neutr. mens), vgl. δυς-μενής für * δυς-μενες-ς; agnimấn für * agnimant-s (igneus, igne praeditus, stamm agni ignis mit suffix mant). Bemerke bháran one ersazdenung für * bharant-s (nom. sg. part. praes. activi; das entsprechende gr. φέϱων für φέϱοντ-ς hat dagegen die denung).

Acc. plur. áçvân für * açva-ns, nom. sg. áçva-s (equus); pátîn für * pati-ns, nom. sg. páti-s (dominus); sûnû́n für * sûnu-ns, nom. sg. sûnú-s (filius); mátîs für * mati-ns, nom. sg. máti-s (fem. opinio, animus); dhênû́s für * dhênu-ns, nom. sg. dhênu-s (vacca lactaria).

Als ersazdenung mit vocaltrübung ist wol = as vor tönen - den lauten zu faßen, wie in mánôbhis instr. plur. für * manas - bhis auß mánas (neutr. mens, μένος) und bhis (suffix des instr. plur. auß bhi mit dem pluralzeichen s bestehend) u. s. f. Häu - fig findet dise wandlung des as zu bei außlautendem as statt.

e. Ein hilfsvocal i, tritt zwischen stammaußlaut und consonantisch anlautender endung in wortbildungen, besonders in conjugationsformen auf, in welchen ursprünglich und teil - weise noch in der älteren sprache die endung unmittelbar an den stammaußlaut antrat, z. b. in praesensformen einzelner verba, wie sváp-i-mi, sváp-i-śi, sváp-i-ti, svap-i-más (1. 2. 3. sg. 1. plur. praes. ) u. s. f. für * sváp-mi u. s. f. wurz. svap (dor - mire); im perfectum geschiht diß in gewissen personen regel - mäßig, z. b. 1. plur. tutud-i-má wurz. tud (tundere) u. a. Hier kommen die älteren formen one ein geschobenes i noch häufig vor, teils sogar im gewönlichen altindisch, wie z. b. ḱakár-tha (2. sg. perf. ) wurz. kar (facere), teils in der älteren sprache des veda, in welcher ein tutudmá u. s. f. gebildet werden kann. Im futurum z. b. gam-i-sjấmi (1. pers. sing. fut. ) zu wurzel gam (ire); im part. praes. pass. wie vid-i-tás zu wurz. vid (vi - dere, scire) und vilen änlichen bildungen findet solche einfü - gung von i bei gewissen wurzeln statt.

findet sich als hilfsvocal in aoristformen, wie z. b. 2. sg. á-nâi-ś-î-s wurz. ni (nî ducere) neben 1. pl. á-nâi-ś-ma; in praesensformen, wie 1. sg. bráv-î-mi 3. sg. bráv-î-ti neben 1. pl. brû-más wurz. bru (brû loqui) und in imperfectformen, wie á-brav -30Altbaktrisch. Übersicht der laute.î-s, á-brav-î-t (2. 3. sg. ) von derselben wurzel; ấs-î-s, ấs-î-t (2. 3. sg. ) von wurz. as (esse) u. a.

Das vêdische âs für * âs-t (nach einem lautgesetze des alt - indischen, das die lere von den consonanten zu erörtern hat) anstatt des späteren ấs-î-t entscheidet für die auffaßung des als spät ein geschobenen hilfsvocales.

  • Anm. Wenn neben sváp-i-mi für * svap-mi und á-svap-î-t für * a-svap-t (1. sg. praes., 3. sg. imperf. ) ein svápâ-mi á-svapa-t erscheint, so ist diß einfach so zu faßen, daß, wie oft, neben dem praesensstamme auf den wurzelaußlaut, svap, auch ein sol - cher auf a, svapa, erscheint. grh-î-tá-s, part. praet. pass. zu wurz. grah (capere, prehendere), hat ebenfals diß , dessen an - wendung also der des i vollkommen gleich ist, nur ist es seltener.

Altbaktrisch (Zend).

§. 16.
8
Übersicht der laute des altbaktrischen*)Eine grammatik diser sprache gehört noch zu den desideraten der indogermanischen sprachwißenschaft. Bopps vergl. grammatik behandelt das zend in ein gehender weise. Fernere hilfsmittel des studiums sind die außgaben des Avesta von Spiegel und von Westergaard mit über - setzung, leztere wird auch eine grammatik bringen, und der Vendidad Sade von Brockhaus mit index und einem wortverzeichnisse (glossar), der bis dahin (1850) erklärten worte. Ser belerend ist Spiegel, kurzer abriß der geschichte der eranischen sprachen in Beitr. II, 1 37 und 217 235. Ferner verdanke ich ser viles einer handschriftlichen zendgrammatik A. Webers, die ich mit des vfrs freundlicher erlaubnis benüzte..

Mit (in der zendschrift durch zweierlei zeichen gegeben, was auch bei den lauten n, j, v statt findet) bezeichnen wir31Altbaktrisch. Übersicht der laute.einen nasalen klang der vocale; in gewissen fällen wird das nasalierte a durch ein besonderes schriftzeichen gegeben, was wir mit auß drücken.

In der tabelle fanden nur die einfachen vocale platz. An vo - calischen doppellauten und dreilauten kommen folgende vor: ai, aê, au, ao. âi, âu, âo. èu. êi (ei). ôi, ôu. ui, ûi. aêi, aoi, aou.

  • Anm. In manchen fällen sind die neben einander stehenden vocale nicht als diphthonge bildend, sondern als verschidenen silben angehörig zu betrachten, z. b. âa, èê u. a. (s. §. 25).

Die geltung (außsprache) der altbaktrischen schriftzeichen ist im ganzen sicher gestelt, nur in einzelnen punkten kann man zweifeln. Im folgenden bespreche ich nur die laute, über deren außsprache die gegebene umschreibung nicht an sich deut - lich ist.

ist eine modification des t im außlaute (von Bopp durch bezeichnet), man pflegt es in der außsprache nicht von t zu sondern.

qh ist zu sprechen etwa wie unser deutsches ch, nur vil - leicht rauher und tiefer in der kele, doch wird man mit der außsprache unseres ch, wie es nach a lautet, der altbaktrischen außsprache nahe kommen.

mag weniger von s ab gesezt worden sein, als im altindi - schen; für = urspr. k ist jedoch die beim altindischen ange - gebene geltung fest zu halten. Erst in einer späteren zeit mag dise in abname gekommen und so die vermischung von s und ein getreten sein.

ist französ. j, slaw. , , d. h. mit stimmton, ein laut, der uns Deutschen felt.

z ist = franz. und slaw. z, d. h. s mit stimmton, felt eben - fals der jetzigen hochdeutschen sprache.

w mag sich in der außsprache von v unterschiden haben, in welcher weise, ist nicht wol zu ermitteln; wesentlich ist di - ser unterschid nicht und durch die gleiche außsprache von v und w werden wir keinen großen feler begehen.

n vor gutturalen und palatalen consonanten mag wol von32Altbaktrisch. Vocale.der qualität diser laute bestimt worden sein, doch wagten wir nicht, in die tabelle ein gutturales und palatales n auf zu ne - men, da die schrift ein solches nicht unterscheidet und die außsprache als dentales n vor gutturalen und palatalen mög - lich ist.

Der unterschid in der außsprache von und ist kaum zu bestimmen; ich würde vor schlagen ersteres wie franz. fer - mé und lang, lezteres wie e ouvert (wie ) zu sprechen. Die quantität des ist schwer zu ermitteln, villeicht war es weder entschiden lang, noch entschiden kurz; stäts kurz ist e.

Die außsprache der diphthonge ergibt sich auß der schrei - bung (die von Spiegel und Bopp für aê, ao geforderte auß - sprache als ai, au ist schon auß dem grunde unstatthaft, weil ai, au von aê, ao durch die zendschrift geschiden sind).

§. 17.
9
Vocale des altbaktrischen.

Der vocalismus des altbaktrischen ist durch lautgesetze vom ursprünglichen stande vil stärker ab gewichen, als der des altindischen. So ist vor allem durch spät ein getretene lautge - setze die große anzal der diphthonge diser sprache entstanden.

Das a unterligt nicht nur dem schwunde und der schwä - chung, sondern es erscheint auch nicht selten zu e und o ge - färbt (lezteres war im altindischen nur bei = as der fall).

Der vocal r = ar felt, an seiner stelle erscheint ere auch are für er, ar, da dem r in der regel (s. §. 28) ein e nach schlägt. Das altbaktrische zeigt also, da e = a ist, die ur - sprüngliche lautstufe ar, nicht die geschwächte wie das altindi - sche (îr und ûr treten demnach für dises er = ar nicht ein, wie im altindischen für r).

Die denung des i und u zu und ist häufiger als im altindischen. Für ai und au ist aê (wol = ae) und ao eingetre - ten durch assimilation des zweiten elementes ans erste.

Die vocalische assimilation hat ein weites gebiet gewonnen; auch die consonanten wirken in diser sprache vil stärker auf die inen vorauß gehenden und folgenden vocale ein, als diß im altindischen der fall war. Vor allem bedeutend ist das gesetz,33Altbaktrisch. A-reihe. Schwächung.nach welchem die vocale einem i (j) und u (v) der folgenden silbe dadurch änlicher gemacht werden, daß ein i - und u-ele - ment der folgenden silbe ein solches in der vorher gehenden hervor ruft (epenthese, umlaut). Besonders in folge dises laut - gesetzes entstehen die das altbaktrische gleich auf den ersten blick characterisierenden diphthonge und triphthonge, deren an - zal übrigens auch durch die auflösungen von j und v in ire entsprechenden vocale vermert wird.

  • Anm. Die länge und kürze der vocale ist in der schrift der ma - nuscripte nicht reinlich geschiden. In der folgenden umschrei - bung halten wir uns an die handschriftliche überliferung und schreiben also auch da die länge, wo sie mit höchster warschein - lichkeit in der außsprache nicht vorhanden war. Namentlich ist und gewiss überall da als kürze zu betrachten, wo dise laute auß a, i und u hervor giengen, z. b. die verbindung jê für urspr. ja; vô, pô u. s. f. für urspr. va, pa; außlautendes = as; aê für urspr. ai u. s. f., man spreche hier überall und als kürzen auß.

Die vocalreihen des altbaktrischen sind folgende:

schwächunggrundvoc.1. steiger.2. steiger.
1. a-reihe schwund; ia (e, o)
2. i-reiheiaêâi
3. u-reiheuaoâu
Beispile.
1. a-reihe.
§. 18.
9

Schwächung. Schwund z. b. in stamm ukh-ta (part. praet. pass. ), altind. uktá grundf. * vak-ta wurz. vaḱ vak (loqui); uç - mahê (1. plur. med. praes. ) uç-jâ-t (3. sg. optat. ) von wurz. vaç (velle, desiderare), vgl. altind. uç-ánti (3. plur. praes. ind. ) von derselben wurzel; aśâuna͂m (gen. plur., eben so in anderen for - men) für * aśavan-a͂m, stamm aśavan (purus); ja und va gehen in gewissen declinationsformen regelmäßig in , über (s. §. 29, 4); h-mahi, ç-tha, h-enti (1. 2. 3. plur. praes. ind. ) = alt - indisch s-más (i), s-tha, s-ánti, wurz. as (esse; die consonantischen lautgesetze, denen zu folge hier z. b. h, für s auftritt, kön - nen erst weiter unten an irem orte ire besprechung finden), urspr. as-masi, as-tasi, as-anti; qh-jèm qh-jâo qh-jâṭ (1. 2. 3. sg. Schleicher, vgl. gramm. d. indog. spr. 334Altbaktrisch. A-reihe. Grundvocal a, e.opt. praes. ) = altind. sjâm, sjât, sjât, latein. siêm, siês, siêt, urspr. as-jâ-m, as-jâs, as-jât erhalten im griech. * ἐ-σ-ϳημ, * ἐ-σ - ϳης, * ἐ-σ-ϳητ d. i. εἴην, εἴης, εἴη von derselben wurzel; dâ-thr-ê, dâ-thr-ô (dat., gen. sg. ; ist = as im wortaußlaute) grundf. dâ-tar-ai, dâ-tar-as vom stamme dâtar (dator), der z. b. im voc. dâtare für * dâtar mit nach schlagendem e (s. u. §. 28) erscheint. Änlicher schwund des a findet sich auch in den auß lautenden silben anderer nominalstämme.

Die schwächung von a zu i sehen wir z. b. in hi-stâmi, hi-staiti (1. 3. sing. praes. ) für * si-stâmi, * si-staiti, vgl. ἵ-στημι, ἵ-στησι und lat. si-sto, si-stit auß einer urform * sta-stâ-mi * sta - sta-ti von wurz. sta (stare), die hier verdoppelt ist; pi-tar neben dem ursprünglichen pa-tar (nom. pi-tâ pa-tâ für * pa-tars pater) wurz. pa (tueri); Jimas (nom. propr. dei) für altind. Jamás v. der wurz. jam (regere, coercere).

§. 19.
9

Der grundvocal a z. b. in ah-mi, aç-ti = altind. und urspr. ás-mi, ás-ti (1. 3. sg. praes. ) wurz. as (esse); vaç-ti (3. sg. praes. ) wurz. vaç (velle); vaḱ-as (sermo) wurz. vaḱ vak (loqui); aç-pa-s = altind. áç-va-s, urspr. ak-va-s (equus); bar -- aiti = altind. bhár-ati (3. sg. praes. ) wurz. bhar (ferre); stamm a-mar-a (immortalis) wurz. mar (mori); stamm daregha (longus), altind. dîrghá grundf. dargha; çtar-e-ta (part. praet. pass. ), alt - ind. str-tá, wurz. star (sternere); ar-e-ta und er-e-ta (altus, mag - nus), altpers. arta (in arta-khśatrâ altum imperium habens) wurz. ar; stamm dâtar (dator, creator) wurz. da (dare, creare) urspr. da und dha mit suffix tar u. s. f.

Die färbung des a zu e ist vor allem vor r vor consonan - ten häufig, dem in disem falle und im außlaute e nach schlägt (s. u. §. 28). So steht z. b. pere-nô (nom. sg. plenus) für par - na-s von wurz. par (implere), kere-tô neben kare-tô = altind. kr-tás grundf. kar-ta-s (part. praet. pass. ) wurz. kar (facere) u. s. f. Weitere beispile diser art s. u. §. 28. Ferner vor auß lautendem nasal und vor n + consonant, wie z. b. hentem = altind. sántam grundf. as-antam (acc. sing. masc. part. praes. act. von wurz. und praesensstamm as esse, s. §. 27, 2).

35Altbaktrisch. A-reihe. Steiger. . I-reihe.

Auch und sind in gewissen fällen vertreter von a, s. unten bei den lautgesetzen §. 27, wo auch über o (geschriben ) für a zu handeln ist. So ist z. b. ni-vôirjêitê für * ni-vôr-jê-tê = altind. ni-var-já-tê (3. sg. praes. passivi von wurz. var arcere) mit nach v und nach j für a.

ist steigerung des a wie im altind. und in der urspr.,§. 20. z. b. âç-u-s (celer) = altind. âç-ú-s, ὠϰύς, wurz. aç, vgl. aç-pa-s = altind. áç-va-s (equus); kâr-ajêmi (1. sg. praes. causativi) zu wurz. kar, grundf. u. altind. kârájâmi; stamm aiwi-stâra - (ob - ductio, tegumentum) wurz. star; çtâ-ta-s (part. praet. pass. ), çtâ - nem = altind. sthấnam grundf. stâ-na-m (locus) wurz. sta (stare) u. a. Eben so in wortbildungselementen, z. b. barâ-mi, barâ - mahi (1. sg., plur. ) = altind. und grundf. bhárâ-mi, bhárâ-masi vom praesensstamme bhara mit steigerung des stammaußlautes a, vgl. bhara-hi = altind. und grundf. bhára-si (2. sg. praes. ) mit ungesteigertem stammaußlaute; dâtâr-em = altind. dâtấr - am (acc. sg. ) neben dâtare (voc. sg. ) vom stamme dâtar (dator, creator) u. s. f.

wird zu , und âo getrübt; in gewissen fällen tritt für ein (die außsprache des soll nach Spiegel = griech. ω sein, wobei man jedoch die scheidung dises von nicht be - greift). Näheres bei den lautgesetzen §. 27, 3. 4. 6. 7.

2. i-reihe.
§. 21.
9

Grundvocal i, z. b. in vid-ja (scientia; nom. sg. ) = altind. vid-jấ und so würde die zendform vor ḱa (que) lauten, wurz. vid (scire); ḱis-ti-s (scientia) altind. und grundf. kít-ti-s wurz. ḱit (nosse, scire) u. s. f. In beziehungslauten, z. b. suffix ti in dem eben angefürten stamme ḱis-ti-s, in pai-ti-s altind. und grundf. pá-ti-s (dominus) u. a.

Die denung zu ist häufig, in manchen fällen regelmäßig (s. u. §. 29, 3), z. b. vîd-vâo, vîdh-vâo = altind. vid-vấn (nom. sg. msc. part. praet. act. mit abgefallener reduplication, grundf. * vi-vid-vant-s sciens, gnarus) wurz. vid (videre, scire); vîç-ô (gen. sing. = vîç-as) vom stamme vîç für viç (habitatio) wurz. viç; â-frî-tis und â-fri-tis (benedictio) wurz. fri = altind. pri (ama -3*36Altbaktrisch. I-reihe. 1. steiger. aê, ôi. 2. steiger. âi.re); ḱi-ṭ und ḱî-ṭ (n. acc. sg. ntr.) stamm u. wurzel ḱi (pron. interrog. ) u. s. f.

§. 22.
9

Die erste steigerung des i ist ae, geschriben aê (ser häufig ist die schreibung und , wo mit höchster warschein - lichkeit für die außsprache die kürze an zu nemen ist) z. b. vaêda, vaêsta für * vaêd-ta (1. 3. und 2. sg. perf. ) = altindisch vếda, vếttha = * vếd-tha, gr. ϝοῖδα, ϝοῖσϑα = * ϝοῖδ-ϑα, got. vait, vaist = * vait-ta, grundf. für altbaktr. und altind. * vi-vaid a, * vi-vaid-ta wurz. vid (videre, scire); daêv-a-s (daemon) = altind. dêv-á-s (deus) grundf. daiv-a-s wurz. div (lucere); çaê-tê (3. sg. praes. med.) = altind. çế-tê, griech. ϰεῖ-ται wurz. çi grundf. ki (jacere) u. a.

Vor vocalen steht aj wie im altind., z. b. naj-êiti altind. u. grundf. náj-ati (3. sg. praes. ) wurz. ni (ducere). Man siht hier - auß deutlich, daß in einer älteren sprachperiode auch im alt - baktrischen die älteste lautform diser steigerung, nämlich ai, in geltung war.

In gewissen fällen, namentlich vor außlaut s, , tritt für aê ôi (sprich oi, mit kurz. o) ein mit trübung des a der grundf. ai zu o, z. b. pa-tôi-s = altind. pá-tê-s, lit. pa-të́-s grundf. pa-tai-s (gen. sg. zu nom. sg. pai-ti-s), pa-toi-ṭ (ablat. sg. ) grundf. pa - tai-t zu stamm pa-ti (dominus).

aê und ôi wechseln in demselben worte, z. b. vî-daêva-s (nom. sg. daevis inimicus) neben vî-dôjûm (acc. sg. ); - ûm = vem = vam (s. §. 29, 4), also für * dojûm auß * doivem, doivam urspr. daiva-m.

  • Anm. Auß lautend geht aê in über, z. b. âthr-ê (dat. sg. ) vom stamme âtar (ignis), aber âthraê-ḱa dasselbe mit an gehängtem ḱa (que), vor welchem sich der ältere laut erhielt.

Die zweite steigerung des i ist âi, z. b. âiti (3. sg. praes. ; die form komt öfters vor, an zusammensetzung mit einer präposion ist schwerlich zu denken) wurz. i (ire), altind. mit erster steigerung ếti grundf. ai-ti; śâiç-tem für * śâid-tem (acc. sg. part. perf. pass. ) altind. siddham auß * sidh-tam (bonum, perfectum) wurz. altind. sidh.

37Altbaktrisch. U-reihe. Grundvoc. u. 1. steig. ao. 2. steig. âu.
3. u-reihe.

Grundvocal u, z. b. in bu-jât (3. opt. aor. ) wurz. bu (fieri,§. 23. esse), mru-jê (1. sg. praes. med.) wurz. mru (loqui), hu-nûta (3. sg. imperf. med.) wurz. hu (celebrare), rus-ta (3. sg. aorist. med.) für * rudh-ta, * a-rudh-ta wurz. rudh (crescere) u. a.

  • Anm. Bemerke çri-nujâṭ (3. sg. opt.) für * çru-nujât von wurz. çru (audire).

Die denung des u zu , die, wie die des i zu teilweise an gewisse lautfolgen gebunden ist (s. u. §. 29, 3) ist nicht sel - ten, z. b. bû-śjantem (acc. sg. msc. participii fut. act. ) wurz. bu (fieri, esse), mrû-maidhê (1. plur. praes. med.) wurz. mru (loqui), çrû-ta-s altind. çru-tá-s (part. praet. pass. ) wurz. çru (au - dire), kerenûidhi für * kere-nu-dhi (2. sg. imperat. ) v. praesens - stamme kere nu = altind. krńú wurz. kar (facere).

Erste steigerung des u ist ao, z. b. mrao-ṭ (3. sg. im -§. 24. perf. wurz. mru (loqui), vgl. altind. á-brav-ît für * á-bró-t (s. §. 15, e) grundf. * á-brau-t; hao-ma-s (nom. sg. msc. nomen propr. plantae et dei) = altind. số-ma-s grundf. sau-ma-s wurz. altb. hu, altind. su (gignere, sucum exprimere); çrao-thre-m (acc. nom. sg. ) stamm çrao-thra (auditio), altind. çrố-tra-m grundf. krau-tra-m wurz. çru (audire); raodh-ahê (2. sg. praes. medii) wurz. rudh (crescere); zao-thre-m (acc. sg. ), stamm zao-thra, alt - ind. hố-tra-m (sacrificium), zao-tâ (nom. sg. ) = altind. hô-tấ für * hô-tars (sacrificans) wurz. altbaktr. zu, altind. hu (sacrifi - care); a-bav-aṭ, bav-aṭ, altind. á-bhav-at (3. sg. imperf. ) wurz. bu; kere-nao-ṭ (3. sg. imperf. ) altind. á-kṛ-nô-t grundf. a-kar-nau-t zu praesensstamm kere-nu u. a.

  • Anm. aokh-ta-s, nebenform zu ukh-tas = altind. uk-tá-s grundf. * vak-ta-s (dictus) zu wurz. vaḱ, die hier zu uḱ verkürzt (§. 18, 1) und dann gesteigert ward.

Vor s komt auch èu als steigerungslaut von u vor, mit = a, z. b. paçèu-s (gen. sg. ) = altind. paçố-s grundf. * pakau-s zu stamm paçu (pecus); es findet sich in disen genitiven auch ao-s (auch âu-s, d. i. - au-s mit für a, vgl. §. 17, anm.).

Zweite steigerung von u ist âu, z. b. çrâv-ajêmi (1. sg. 38Altbaktrisch. Vocalische lautgesetze.praes. verbi causativi) für * çrâv-ajâmi (§. 27, 3) wurz. çru (au - dire); hâv-anem (nom. acc. neutr., vas in quo est sucus sômi) wurz. hu, altind. su (sucum exprimere). Vgl. auch gâu-s (bos) altind. gâu-s, griech. βοῦ-ς, woferne diß wort, wie höchst war - scheinlich an zu nemen ist, auf eine wurzel gu hin weist.

Vocalische lautgesetze.
Inlaut.
§. 25.
9

Hiatus wird vermiden 1. durch wandel von i, u zu j, v, aê, ôi (d. i. ae, oi) zu aj, ôj, ao zu av, âu zu âv; z. b. thrj-aç - (ḱa), thrj-a͂m (nom. gen. plur. ) stamm tri (tres) z. b. in tri - bjô (dat. pl.); bv-aṭ (3. sg. aor. ) wurz. bu (esse); naj-êiti, vi-dôj - ûm sind bereits oben (§. 22) besprochen; bav-aṭ (3. sg. imperf. ) wurz. bu; gav-a͂m (gen. plur. ) zu gâu-s (bos), hier mit erster steigerung; çrâv-ajêmi auß * crâu-ajâmi (1. sg. praes. causativi) wurz. çru (audire) u. a.

2. a vor andern vocalen geht mit disen zusammenzie - hung ein z. b. barôi-ṭ (3. sg. praes. ) auß bara, praesensstamm von wurz. bar (ferre), und dem i des optativs; aç-pê (möglicher - weise auch aç-pôi, loc. sing. ) auß stamm açpa und dem i des locat. sing. ; açpâi auß açpa (equus) und ai, zeichen des dat. sing. (vgl. §. 14, a) u. s. f.

3. Der durch außstoß von consonanten oder vocalisierung von j, v entstehende hiatus bleibt. Dise veränderungen tra - ten erst in einer späteren lebensperiode der sprache ein, in welcher andre gesetze sich geltend machten, als in einer frühe - ren. So im dativ sing. der i-stämme, z. b. â-fri-tèê stamm - fri-ti (benedictio) auß - taê (das demnach in disem falle mit hia - tus, zweisilbig gesprochen ward) und diß auß - tajaê grundf. - taj-ai; zaredha-êm für * zaredhajêm = * zaredhajam = altind. hrdajam (cor). In fällen wie daêum für * daev