PRIMS Full-text transcription (HTML)
Das Nationalfeſt der Deutſchen zu Hambach.
Erſtes Heft.
Neuſtadt a / H. 1832. In Commiſſion bei Philipp Chriſtmann.
[1]

Deutſchland, wo die Wiſſenſchaft und die Kunſt am tiefſten ergründet wurden, das große Reich, wo die Treue wohnt und die Kraft, der Fleiß, die Mäßigung und die Rechtſchaffenheit, dieſes unſer geſegnetes Vaterland, iſt gleichwohl unbeſchreiblich elend, weil ihm durch innere Feinde die Elemente der politiſchen Hoheit und der Staatswohlfahrt geraubt ſind: die Freiheit und die Nationaleinheit. Herrſchſüch - tige Thoren, deren mattes Herz für das erhebende Gefühl der Vater - landsliebe keinen Raum hat, kleine Menſchen, die den armſeligen Flit - terſtaat einer Krone höher ſchätzen, als die Majeſtät einer großen Na - tion, verdorbene Gemüther endlich, welche ein eingebildetes perſönliches Glück mit ewigen Leiden einer Bevölkerung von 36 Millionen Menſchen zu erkaufen im Stande ſind, haben durch grauſame Unterdrückung die Ordnung der Natur umgekehrt, die öffentliche Vernunft von der Lei - tung der Staatsangelegenheiten verdrängt, die Nationalkraft gebrochen, und den Ruhm, ja ſogar das Daſein der deutſchen Nation unbarmherzig getödtet. Ihre Staatsweisheit brachte es dahin, daß das deutſche Reich endlich auch nach Außen ſeine Selbſtſtändigkeit verlor und unter das Scepter eines fremden Eroberers gebeugt wurde. Nur dann, als die ſtolzen Herrſcher die Trübſale der Unterjochung ſelbſt fühlen mußten, erſt dann, als man ſie ſelbſt an den Triumpfwagen eines übermüthigen Despoten geſpannt und den bittern Kelch der Sclaverei zu leeren ſie ge - zwungen hatte, erſt dann wollten ſie das Reich und das Volk der Deut - ſchen wieder kennen, wie reuige Sünder erhoben ſie ihre Arme flehend zu dem Volke und baten um Rettung und Hülfe. Jezt auf einmal war nicht von Preußen und Oeſterreich, ſondern nur von Deutſchland die Rede. Nicht Preußen und Oeſterreich, ſondern Deutſchland ſollte befreit und wiederhergeſtellt werden. Großmüthig, wie immer, ver gab unſer Volk alle erlittene Drangſale, gedachte nur der Leiden und der Demüthigung des Vaterlandes, und trat daher dem äußern National - feind ſtark und kühn entgegen. Wo Deutſchland in die Schranken tritt kann der Sieg nicht zweifelhaft ſeyn der äußere Feind ward nieder geworfen, das Vaterland war frei. Und erſtand es nun wirklich, das12vereinte freie und glückliche[Deutſchland], das die Fürſten uns verheißen hatten? Die Cenſur, der Gewiſſenszwang, die Mauthen, die Feudalherrſchaft, das Mainzer Inquiſitionsgericht, das Regiſter der deutſchen Steuern, die 38 Fetzen des Landes, die Geſetze, wodurch man alle dieſe Lappen gegenſeitig für ausländiſch erklärt, und dem deutſchen Bürger das Recht benimmt, in jedem Theile ſeines großen Vaterlandes zu wohnen, die Verweigerung conſtitutioneller Verfaſſungen, das Gerichtsverfahren, die Kabinetsjuſtizen, die Kabinetsregierungen, die Congregationen, die Lotterien, das enorme Steigen der Staats - ſchulden, die Heimlichkeit, die Camarilla’s, der furchtbarſte Geſetzesdruck, die krebsähnlich um ſich greifende Verarmung der Bürger, das zahlloſe Heer von Armen und Bettlern, endlich die Quelle, der Stützpunkt und der Inbegriff aller dieſer Herrlichkeiten, der Bundestag geben die Antwort. In der That, es giebt kein Volk das bitterer getäuſcht worden wäre, als das deutſche Volk. Neuer unerträglicher Druck inne - rer Tyrannei, abermalige Zerriſſenheit und neue Ohnmacht nach Außen war der Lohn ſeiner Anſtrengungen, die Frucht ſeiner Siege. Doch man trug die Leiden des Landes und Volkes nicht mehr gefühllos: man wußte, daß man betrogen war, und der Schmerz der Täuſchung rief eine patriotiſche Oppoſition im Volke hervor, die durch Gewalt mehrere Jahre zwar niedergehalten wurde, doch im Stillen ſich fortpflanzte und blos einer ſchicklichen Gelegenheit bedurfte, um mit neuer Kraft und geſteigertem Nachdrucke hervorzutreten. Einige kleinere Mächte Deutſch - lands waren theils durch drückende Finanznoth, theils durch den Drang anderer Umſtände gezwungen worden, eine Art von Repräſentativ-Verfaſ - ſungen zu bewilligen. So armſelig und krüppelhaft dieſe Conſtitutionen nun auch waren, ſo gaben ſie doch durch öffentliche Verhandlungen von Wahlkammern einen Impuls zur Weckung des öffentlichen Lebens. Die erſte Frucht zeigte ſich in dem Aufſtreben der Preſſe. Sie gewann in Franken und Rheinbaiern den erſten Aufſchwung, ermuthigte und ſtärkte die öffentliche Meinung und ließ bald gewahr werden, welche Kraft in den Deutſchen liegt und wie reif unſer Volk ſchon iſt für eine Ver - faſſung mit der umfaſſendſten Freiheit. Da trat denn vollends die große Kataſtrophe des Julius ein und weckte neue herrliche Kräfte auch im deutſchen Volke. Einem baierſchen Miniſter war der Impuls, den die[Julirevolution] für Erweckung des Volksgeiſtes in Deutſchland gegeben hatte, noch nicht kräftig genug; er ahmte daher das Beiſpiel der Räthe Carl X. nach, griff mit kecker Hand in die Verfaſſung des Landes ein und ſchuf augenblicklich eine ſo allgemeine und ſo nachdrückliche Oppoſi -3 tion, wie ſie vorher in dieſem Lande noch nie geſehen worden war. Dazu kam der günſtige Umſtand, daß einige Monate nach der letzten Staatsumwälzung in Frankreich zwei deutſche Volkskammern gleichzeitig verſammelt waren, gleichzeitig auf Emancipation des Volkes zu wirken ſtrebten und durch Entwicklung einer vorher nicht erkannten Kraft unter einem großen Theile der deutſchen Völker auf einmal den regſten Sinn für das öffentliche Leben und die bürgerliche Freiheit hervorriefen. Nun trat auch die Preſſe entſchiedener auf. Neue Organe derſelben entſtan - den. Nicht blos einzelnen Stämmen, ſondern dem geſammten deut - ſchen Vaterlande galt ihr Wirken. Bald war ein treues Bündniß ver - ſchiedener Journale ſtillſchweigend geſchloſſen, das Ziel des vereinigten Strebens ward nun kühn und frei ausgeſprochen die Befreiung und Wiedervereinigung Deutſchlands. Wie ein electriſcher Funke wirkte das Zauberwort der Einheit Deutſchlands auf alle Gauen unſeres Landes. Das Volk war in kurzer Zeit wie umgewandelt. Nur eine Idee, nur eine Sympathie bewegte alles: die Wiederge - burt des Vaterlandes. Immer zahlreicher, immer dichter wurde die Phalanx der deutſchen Patrioten, in jedem Bruderſtamme ſtiegen glän - zende Talente auf und traten in die Reihen der Kämpfer für die große Sache ein. Es waren nicht mehr die Litteraten und gelehrten Autori - täten allein, welche die Oppoſition bildeten; die Bürger, die Geſchäfts - und Gewerbsmänner, dieſer Kern der Nationalkraft, erklärten ſich feu - rig für die Reform des Vaterlandes und gaben der Sache noch mehr Gewicht und Bedeutung. Die Unterhaltung mit Tagesneuigkeiten ver - ſchwand aus den Geſellſchafts - und Erholungsörtern; Beſprechung über die Bedürfniſſe des Landes und Berathung über die Mittel zur Wie - dergeburt Deutſchlands war an die Stelle getreten. Bald gieng man einen Schritt weiter und veranſtaltete politiſche Feſte, die durch reine Begeiſterung für die Sache der Völker und die Reform des Landes ei - nen tiefen Eindruck in den Anweſenden zurückließen und allgemeinen Enthuſiasmus weithin über alle deutſche Gauen verbreiteten. Da zogen endlich die Trümmer des polniſchen Heldenheeres durch das ſüdliche und weſtliche Deutſchland und bezauberten alle Herzen durch ritterliche Hal - tung, hohe Geiſtesbildung, reine Sitten und vor allem durch die un - ſchätzbare Tugend der Beſcheidenheit. Die Anſchauung ſolcher Eigen - ſchaften ſteigerte die Theilnahme an dem Unglücke der edlen Nation zur äußerſten Enträſtung über den ruſſiſchen Despoten und deſſen deutſche Helfershelfer, und mit Windeseile durchdrang alle ſüddeutſchen Patrio - ten der Gedanke, daß Polen durch Deutſchland wieder hergeſtellt werden4 müße, daß dieß durch die Befreiung und Wiedervereinigung Deutſch - lands auch wirklich geſchehen werde und daß daher die Sache Polens von jener Deutſchlands fortan unzertrennlich ſey. Ein treues Bündniß umſchlingt ſeitdem die polniſchen und die deutſchen Patrioten. Der rieſenmäßige Aufſchwung, den das öffentliche Leben in Deutſchland durch das vereinigte Wirken der verſammelten Volkskammern und der Preſſe im Jahre 1831 gewonnen hat, erweckte auch die Idee, den ausgezeichnetſten Volksvertretern Feſte zu bereiten, um die Uebereinſtimmung des Volkes mit den Grundſätzen der entſchiedenen Oppoſition öffentlich an den Tag zu legen. Unter dieſen Volksvertretern ragte durch Charakter, Geiſt und reinen Willen vorzüglich Schüler hervor. Ihm bereiteten daher die Bürger Rheinbaierns am 29. Januar 1832 ein Feſt des Dankes und der Anerkennung, ein Feſt, das nur von entſchiedenen Patrioten veranſtal - tet auch nur entſchiedene Männer verewigen ſollte, in dieſem Sinne auch wirklich begangen wurde und in der Geſchichte der deutſchen Re - form die erſte Epoche bezeichnen wird. Denn am 29. Januar 1832 wurde in Deutſchland zum erſten Male öffentlich ausgeſprochen, daß eine Vermittlung mit dem Princip der Legitimität und dem Königthume des göttlichen Rechts unmöglich ſey und daß die Reform Deutſchlands auf das Princip der unbedingten Volks-Souverainität gebaut werden müße. Die rheinbairiſche Preſſe eröffnete nun den entſchiedenen Kampf; er wurde mit Kraft und Nachdruck geführt. Da entſchloß ſich die bai - riſche Regierung zu Gewaltſchritten. Man ließ ſie gewähren, um dem Volke über ſeinen rechtlichen Zuſtand die Augen zu öffnen. Die Wirkung blieb nicht aus: ungleich entſchiedener und kraftvoller zeigte ſich der Volksgeiſt während des momentanen Stillſchweigens der periodiſchen Preſſe, als während deren Wirkens. Ein Erſatz für dieſe blos für die Reform Deutſchlands wirkende Preſſe war bald gefunden; er beſteht in großen öffentlichen Volksverſammlungen. Jener deutſche Patriot, der nicht nur den Volksgeiſt in Rheinbaiern zuerſt erweckt, ſondern auch in Deutſchland zur entſchiedenen Oppoſition den erſten Impuls gegeben hat, Siebenpfeiffer, ergriff die Idee zu einem deutſchen National - feſte und theilte ſolche den charactervollen deutſchen Bürgern in Neuſtadt an der Haardt mit. Sogleich kam man überein, den bedeutungsvollen Mai zu benützen, um in einer großen Volksverſammlung auf der Schloß - ruine Hambach, ohnweit des Rheines, den Grundſtein zur Wiederge - burt Deutſchlands zu legen. Vier und dreißig würdige Bürger aus Neuſtadt a.d. Haardt und der Umgegend erwarben ſich das Verdienſt, die Einladung zu dem Feſte, und die Anordnung und Leitung deſſelben zu über -5 nehmen. Wir übergeben hier ihre Namen den dankbaren Andenken der Nachwelt. Es waren die Herren: Ph. Abreſch, Oekonom. S. Baader, Oekonom. S. Baader, Weinhändler. Blaufus, Geſchäftsmann. Ph. Chriſtmann, Buchhändler. F. Deidesheimer, Kaufmann. P. Ferckel, Müller, Fix, Kaufmann. H. Fritzweiler, Kaufmann. G. Frey, Oeko - nom. F. Gies, Oekonom. Göttheim, Kaufmann. Ch. Heckel, Oekonom. Dr. Hepp, Arzt. G. Helfferich, Kaufmann. C. Hornig, Weinhändler. J. Hornig, Oekonom. Käſtler, Geſchäftsmann. F. Klein, Gerber. G. Klein, Gutsbeſitzer. H. Klein, Oeko - nom. K. Klein, Oekonom. J. J. Lederle, Kaufmann. Lembert, Notär. Ch. Mattil, Oekonom. W. Michel, Oekonom. Müller, Notär. J. Raſſiga, Kaufmann. Ries, Schneider. Schimpf, Bürgermeiſter. J. Schopmann, Landſtand. J. Umbſtätter, Oekonom. F. Brod, Kaufmann. Walther, Kaufmann.

Die Einlandung zu dem Feſte, verabfaßt von Siebenpfeiffer lautete allſo: Neuſtadt an der Haardt im baieriſchen Rheinkreis, 20. April 1832.

In öffentlichen Blättern, namentlich der Speierer Zeitung, iſt eine Einladung zu einem Conſtitutionsfeſte auf dem Hambacher Schloſſe er - ſchienen. Solche iſt ohne Auftrag ergangen; mit Beziehung auf nach - ſtehenden Aufruf, bitten wir, jene Einladung als nicht geſchehen zu be - trachten.

Der Deutſchen Mai.

Völker bereiten Feſte des Dankes und der Freude beim Eintritte heilvoller großer Ereigniſſe. Darauf mußte das deutſche Volk ſeit Jahrhunderten verzichten. Zu ſolcher Feier iſt auch jetzt kein Anlaß vor - handen, für den Deutſchen liegen die großen Ereigniſſe noch im Keim; will er ein Feſt begehen, ſo iſt es ein Feſt der Hoffnung; nicht gilt es dem Errungenen, ſondern dem zu Erringenden, nicht dem ruhmvollen Sieg, ſondern dem mannhaften Kampf, dem Kampfe für Abſchüttelung innerer und äußerer Gewalt, für Erſtrebung geſetzlicher Freiheit und deutſcher Nationalwürde.

Alle deutſchen Stämme ſehen wir an dieſem heiligen Kampfe Theil nehmen; alle ſeyen darum geladen zu dem großen Bürgerverein, der am Sonntag 27. Mai, auf dem Schloſſe zu Hambach bei Neuſtadt am Haardtgebirge ſtatt finden wird.

6

Im Mai hielten, nach germaniſcher Sitte, die Franken, unſre ruhmbekränzten Väter, ihre National-Verſammlungen; im Mal em - pfing das heldenmüthige Polen ſeine Verfaſſung; im Mai regt ſich die ganze phyſiſche und geiſtige Natur: wie ſollte, wo die Erde mit Blü - then ſich ſchmückt, wo alle keimenden Kräfte zur Entwicklung ſtreben, wie ſollte die Empfindung des freien Daſeyns, der Menſchenwürde, ſtarren unter der Decke kalter Selbſtſucht, verächtlicher Furcht, ſtraf - barer Gleichgültigkeit?

Auf, ihr deutſchen Männer und Jünglinge jedes Standes, welchen der heilige Funke des Vaterlands und der Freiheit die Bruſt durchglüht, ſtrömet herbei! Deutſche Frauen und Jungfrauen, deren politiſche Mißachtung in der europäiſchen Ordnung ein Flecken iſt, ſchmücket und belebet die Verſammlung durch eure Gegenwart! Kommet Alle herbei zu friedlicher Beſprechung, inniger Erkennung, entſchloſſener Verbrüde - rung für die großen Intereſſen, denen ihr eure Liebe, denen ihr eure Kraft geweiht.

Eine ſolche Einladung mußte in der Bruſt eines jeden deutſchen Patrioten Wiederhall finden, und ſie fand ihn. Unausſprechlich war der Eindruck, den die große Idee einer deutſchen Volksverſammlung allenthalben hervorbrachte; Hoffnung und Vertrauen belebte alles; kaum konnte man den ſchoͤnen Tag erwarten, an dem unter ſo andeutungsvollen Umſtaͤnden der Deutſchen Mai wieder als Nationalverſammlung auf die Buͤhne der Welt treten ſollte. Was indeſſen die Hoffnung und die freudige Begeiſterung des deutſchen Volkes erweckte, das mußte na - tuͤrlicherweiſe das boͤſe Gewiſſen der volksfeindlichen Machthaber mit ſcheuer Angſt und zitternder Geſpenſterfurcht erfuͤllen. Die baieriſche Regierung ſuchte daher das große Feſt zu vereitlen. Sie glaubte ihren lichtſcheuen Zweck wie gewoͤhnlich durch Willkuͤhr und rohe Gewalt zu erreichen; ſie erkuͤhnte ſich daher nicht nur die Verſammlung freier Buͤrger, zu einem friedlichen patriotiſchen Zwecke, foͤrmlich zu verbieten, ſondern auch die Einwohner der Stadt Neuſtadt und einiger umliegen - den Gemeinden auf die Dauer von 3 Tagen von allem Verkehr mit Frem - den abzuſchneiden, denſelben waͤhrend dieſer Zeit jede Zuſammenkunft zu verbieten und ihnen jede freie Bewegung zu unterſagen. Dieſer Akt geſetzloſer Gewalt, der die Inſtitutionen des Rheinkreiſes in ihren Grund - pfeilern erſchuͤttert und fuͤr immer vernichtet haͤtte, beſtand in folgendem Befehle:

Art. 1.

An den Tagen des 26., 27. und 28. des Monats Mai 1832 iſt allen7 Fremden, d. h. allen in Neuſtadt nicht domicilirten oder in Dienſten ſtehenden Perſonen, ein Zutritt und Aufenthalt in der Stadt Neuſtadt nicht geſtattet. Gleiches Verbot erſtreckt ſich fuͤr eben dieſe Tage auch auf die Gemeinden Winzingen, Ober -, Mittel - und Unterhambach.

Art. 2.

An den genannten Tagen iſt die Polizeiſtunde auf 8 Uhr Abends feſt - geſetzt. Mit dieſer Stunde ſind alle Wirthshaͤuſer zu ſchließen; zugleich werden die Polizeibehoͤrden ermaͤchtiget, jedes Wirthshaus zu jeder Stunde des Tages zu ſchließen, wenn in einem derſelben Exceſſen vor - fallen oder zu befuͤrchten ſtehen ſollten.

Art. 3.

Ebenſo werden alle Verſammlungen an den Tagen des 26., 27. und 28 des Monats Mai auf den oͤffentlichen Straßen und Plaͤtzen unterſagt. Als Verſammlung iſt anzuſehen, wenn mehr als fuͤnf Perſonen beiſam - men ſind.

Art. 4.

Ingleichen werden Reden an die verſammelte Volksmenge an allen oͤffentlichen Orten an eben dieſen Tagen verboten.

Doch die Feinde der Nation hatten ſich dießmal getaͤuſcht. Sie hatten dem Volk den Handſchuh hingeworfen, in der Hoffnung, er werde nicht angenommen werden. Allein er ward es. Nur ein Entſchluß durchdrang die Bruſt der Bewohner Rheinbaierns: der unerſchuͤtterliche Entſchluß, die Regierung in die Schranken der Geſetze zuruͤckzuweiſen, die In - ſtitutionen des Landes durch Thatkraft aufrecht zu erhalten und daher aller Verbote und aller allenfallſigen Gewaltmaßregeln der Regierung ungeachtet am 27. Mai auf der Schloßruine Hambach in Maſſe zu erſchei - nen. Der Stadtrath zu Neuſtadt an der Haardt war es, welcher zuerſt wider das geſetzwidrige Verbot der Regierung foͤrmliche Proteſtation einlegte. Wir uͤbergeben die Namen der Mitglieder einer ſolchen ehr - wuͤrdigen Corporation dem dankbaren Andenken der Nachwelt: L. Dacqué. J. Schopmann. J. Goͤttheim. F. K. Exter. G. Frey J. Boͤckler. J. F. Schopmann. Haſſieur. Ch. Mattil. H. Cla us G. F. Grohe-Henrich. Zinckgraf. L. Bub. A. Pancera. J. Foͤſter., C. L. Braun. W. Sauter. A. Penner. E. J. Raſor. Ph. Hel - fenſtein. J. Brod. F. J Frey. J. Abreſch .. Knochel. G. Exter.

Der Schluß der Proteſtation*)Sowohl dieſe Proteſtation, als alle uͤbrigen das Hambacher National - feſt betreffenden Aktenſtuͤcke, werden in dem zweiten Hefte dieſer Feſtbeſchreibung abgedruckt werden. lautet alſo:

8

In Erwägung, daß es der Regierung ſelbſt nach den Geſetzen, auf die ſie ſich zur Rechtfertigung ſolcher unerhörten Maßregeln ſtützt, nicht freiſteht, eine Gegend willkührlich in Belagerungsſtand zu ſetzen, ſogar ſie von allem Verkehr abzuſchneiden, und die zu ihrer Approviſio - nirung zu haltenden Märkte zu unterſagen; daß es vielmehr ihre Pflicht wäre, alle Hinderniſſe der freien Bewegung der Bürger und Fremden aus dem Weg zu räumen und die perſönliche Freiheit der Bürger zu ſchützen.

Daß es ihr zwar mit Recht zuſteht, alle polizeilichen Vorſichts - maßregeln zu ergreifen, um bei öffentlichen Verſammlungen im Freien etwaige Unordnungen zu verhüten und die Störer der öffentlichen Ruhe zu ergreifen; daß es ihr aber nicht zukommt, öffentliche Beluſtigungen und Verſammlungen ſelbſt zu ſtören, wenn dieſe ſich in den Schranken der Ordnung und des Geſetzes halten.

In Erwägung, daß es nicht von der Willkühr der Regierung ab - hängt, eine Verſammlung zum Voraus als ſeditioͤs zu erklären, ehe wirk - liche Thatſachen dieſes beweiſen, und daß es für alle rechtliche und an - geſeſſene Bürger der Gegend äußerſt verletzend ſeyn muß, von der Lan - desregierung öffentlich des Geiſtes des Aufruhrs beſchuldigt zu werden, da es doch im höchſten Intereſſe Aller liegt, jeder Unordnung zu be - gegnen, welche die Freude des Feſtes ſtören würde.

Daß dieſe Beſchuldigung um ſo auffallender iſt, wenn die Regie - rung in allen ſeitherigen Aufrufen, ſelbſt noch in der gerügten Verord - nung, volles Vertrauen in die Gerechtigkeits - und Ordnungsliebe der Bewohner des Rheinkreiſes zu ſetzen vorgibt, und durch ihre Maßre - geln und Beſchlüſſe gerade das gehäſſigſte und ungegründetſte Mißtrauen an den Tag legt, daß ſie ſogar gegen die ganze Gegend ein ſolches Interdict verhängt, wie die franzöſiſche Regierung nicht gegen die wirk - lich aufrühreriſchen Städte Lyon, Grenoble ꝛc. ꝛc. ꝛc. that.

In Erwägung, daß die ſtädtiſche Verwaltung hierin von allen guten Bürgern unterſtützt, hinreichend im Stande iſt, die Ordnung zu handhaben, auch ſelbſt wenn ſie dabei nicht von der Regierung unter - ſtützt würde, daß der Stadtmagiſtrat in corpore dieſe Ordnung ver - bürgt und jede Störung ſogleich ſelbſt unterdrücken wird.

Daß alſo, indem durch die Wachſamkeit der Polizei allen Un - ordnungen vorgebeugt, oder im Entſtehen ſie ſogleich erſtickt werden kön - nen, alle weitere Maßregeln, welche die Einwohner ihrer perſönlichen9 und bürgerlichen Freiheit und Rechte berauben, nur als vexatoriſch be - trachtet werden können.

In Erwägung, daß es die Ehre und das Intereſſe aller Bewoh - ner der mit dem Interdict belegten Gemeinden erfordert, ſolchen die natürliche Freiheit beraubenden ungeſetzlichen Maßregeln ſich zu wider - ſetzen.

Aus dieſen Gründen proteſtirt der Stadtrath hierdurch feierlichſt gegen die angeführte Ver - ordnung vom 8. Mai, und verwahrt ſich gegen alle Folgen, welche die beabſichtigt werden könnende Vollziehung derſelben herbeiführen wuͤrde, und weiſet alle Verantwortlichkeit deßhalb auf die Regierung zurück.

Raſch auf einander folgten nun die Proteſtationen anderer Staͤdte, nament - lich proteſtirten Frankenthal Speier, Kaiſerslautern, Landau und Zwei, bruͤcken. Eine beſondere ehrenvolle Erwaͤhnung muß hier dem Benehmen der Stadt Landau zu Theil werden. Der Wahnſinn der Regierung war naͤmlich bis zu dem faden Vorſatze geſteigert worden, das Schloß Ham - bach mit einer Militaͤrmacht von 2500 Mann zu beſetzen, um die Buͤrger mit Gewalt von dem Beſuche des Feſtes abzuhalten. Um dieſe Militaͤr - macht zu verpflegen, wollte man die Lieferung der noͤthigen Lebensmittel an den Wenigſtnehmenden verſteigern. Allein auch nicht ein einziger Buͤrger konnte zur Uebernahme eines ſolchen Geſchaͤfts bewogen werden, obgleich bei dem Mangel an Concurrenten, ein großer Gewinn ganz ſicher war - Der Stadtrath von Landau machte vielmehr die Regierung auf die furcht - baren Folgen ihres wahnwitzigen Verfahrens aufmerkſam und ſandte eine beſondere Deputation nach Speier, dem Sitze des Regierungs-Collegiums ab, um dem Regierungs-Praͤſidenten die Größe der ihm drobenden Ver - antwortlichkeit mit maͤnnlichem Nachdruck vor die Augen zu halten. Ehre den bravem Deutſchen Landau’s!

Geſtuͤtzt auf ein aͤußerſt gruͤndliches Rechtsgutachten der ausgezeichne - ten Advokaten Schüler, Savoye und Geib, proteſtirten ferner die Feſtordner ſelbſt, und erklaͤrten mannhaft, daß ſie trotz des ungeſetz - lichen Verbotes unerſchuͤttert fortfahren wuͤrden, alle Vorbereitungen fuͤr das Feſt zu vollenden, weshalb deren Einladung dazu erneuert wurde. Endlich erhob ſich auch der eben verſammelte Landrath der Provinz Rheinbaiern wider die empoͤrenden Gewaltſchritte der Regierung, und drang darauf, daß das geſetzwidrige Verbot des Nationalfeſtes zuruͤck genommen werde. Es gereicht uns zum großen Vergnuͤgen, auch die Namen10 der Mitglieder dieſer ehrenwerthen Volks-Repraͤſentation dem dankbaren Andenken der Nachwelt zu uͤbergeben. Dieſe Mitglieder waren: Notär Köſter, Advokat Mahla, Notär Rencker, Rentmeiſter Stöhr, Tabaksfabrikant Kienlein, Conſiſtorialrath Müller, Ein - nehmer Mühlhäuſer, Bezirksingenieur Denis, Doctor Thomas, Advokat Haas, Bürgermeiſter Brunk, Pfarrer Hahn, Gutsbe - ſitzer Gieſen, Gutsbeſitzer Jakob, Gutsbeſitzer Frank, Pfarrer Schnetter, Poſthalter Ritter, Gutsbeſitzer Spitz, Bürgermeiſter Ladenberger, Einnehmer Rauch, Gutsbeſitzer Kern, Gutsbeſitzer Schneider, Weinhändler Gieſen.

Sobald ein Volk der geſetzwidrigen Willkuͤhr ſeiner Regierung einen feſten Willen entgegen ſetzt, iſt der Sieg ihm gewiß, und die Niederlage der Regierung un - vermeidlich. Dieſe Wahrheit bewaͤhrt ſich auch in dem unterſtell - ten Falle. Die baieriſche Regierung ſuchte aͤngſtlich nach einer Hinterthuͤre, und einem ſchicklichen Vorwand, das Verbot des Feſtes zu - ruͤckzunehmen. Sie machte dann zuerſt mit einer halben Zuruͤcknahme einen Verſuch und mußte ſich endlich zu dem ſauern Schritte entſchließen, ihre geſetzwidrige Willkuͤhr zu bekennen, naͤmlich ihr monſtroͤſes Verbot unbedingt zuruͤck zu nehmen. Moͤge das deutſche Volk durch dieſes Er - eigniß ſeine Kraft kennen lernen und niemals mehr vergeſſen, daß dem feſten Volkswillen keine Macht der Regierung zu widerſtehen vermag. Den Namen des Mannes, der in dem Kampfe des Abſolutismus gegen die Natio - nalſache der Deutſchen ein ſo thaͤtiges Werkzeug der Volksfeinde abgiebt - jenes Mannes, der den Verſuch wagte, die Inſtitutionen Rheinbaierns durch taͤglich wiederholte Angriffe allmaͤhlich zu erſchuͤttern und dadurch eine große Hoffnung des deutſchen Vaterlandes zu vernichten, auch den Namen dieſes Mannes uͤbergeben wir der Nachwelt, doch nur darum, damit ſie ihn richten moͤge. Das Werkzeug der geſetzwidrigen Gewalt heißt: Andrian-Werburg und fuͤhrt den Titel Freiherr, General-Commiſſaͤr und Regierungs-Praͤſident.

Die baieriſche Regierung hatte zwar die Intrigue begangen, durch heimliche Correſpondenzen mit den andern Gouvernements die Zurück - nahme des Feſtverbotes nur auf baieriſche Deutſche zu beſchränken und ſo das Verbot gegen unſere Brüder aus andern Stämmen hinterliſtig aufrecht zu erhalten; allein deßungeachtet ſtrömten die Patrioten aus allen Gauen unſeres gemeinſamen Vaterlandes zuſammen. Die meiſten trafen ſchon am 26. Mai in Neuſtadt ein. Von Mittags bis Abends bot dieſe Stadt an jenem Tage das erhebenſte Schauſpiel dar. Von11 Viertelſtunde zu Viertelſtunde langten neue Züge von Patrioten an, die meiſten auf offenen mit Eichenlaub bekränzten Wagen, auf denen die deutſche Fahne wehte. Sei geſegnet glücklicher Tag, wo nach lan - gen Leiden und Drangſalen das Emblem der Kraft und d[er]Hoheit, die Standarte unſeres mächtigen Deutſchlands, von den[Re]präſentanten faſt aller deutſchen Stämme an dem prächtigen Rheine wieder entfal - tet war!

Am 26. Mai Abends verſammelte ſich ein großer Theil der ange - kommenen Gäſte auf dem Schießhauſe bei Neuſtadt, um wechſelſeitig Bekanntſchaft zu machen. Man bemerkte hier die Repräſentanten faſt aller deutſchen Stämme, und unter ihnen die in Deutſchland am höch - ſten ſtehenden Namen. Es war ein großer, ſchöner Moment, wo alte Freunde einander wiederſahen, wo neue Freundſchaften geſchloſſen wur - den, und wo vor allem die Brüderſtämme der Deutſchen mit boffen - dem und freudigem Vertrauen ſich näherten, mit Begeiſterung ſich umſchlangen und die großen Intereſſen des gemeinſamen Vaterlan - des mit tiefer Sachkenntniß und durchdringendem Scharfſinn lebhaft ver - handelten. Später am Abend ſammelten ſich in Neuſtadt an allen öffentlichen Orten kleinere Geſellſchaften, in welchen überall die An - gelegenheiten unſeres Volkes klar, ernſt und würdig berathen wurden.

Die Feſtlichkeiten ſelbſt gingen in folgender Ordnung vor ſich:

  • 1) Am 26. Mai Abends wurde die Eröffnung des Feſtes durch das Geläute aller Glocken und durch mehrſtündiges Abfeuern von Ge - ſchütz angekündiget; auch waren auf den hoͤchſten Punkten des Haardt - gebirges Freudenfeuer angezuͤndet.
  • 2) Dieſelbe Feierlichkeit ging am 27. Mai, als dem eigentlichen Feſttage, früh nach Tagesanbruch vor ſich.
  • 3) Um 8 Uhr Morgens verſammelten ſich die Theilnehmer an dem Feſte auf dem Marktplatze zu Neuſtadt. Der Zug wurde nun geordnet und begab ſich in folgender Weiſe auf die Schloßruine Hambach:
    • a) Eine Abtheilung Bürgergarde mit Muſik;
    • b) Frauen und Jungfrauen mit der poln. Fahne, letztere getragen von einem Fähndrich, der mit einer weiß rothen Schärpe geſchmückt war;
    • c) eine zweite Abtheilung Bürgergarde;
    • d) eine Abtheilung der Feſtordner, von welchen jeder eine Schärpe aus ſchwarz, roth und gold trug, in der Mitte die deutſche Fahne, mit der Inſchrift Deutſchlands Wiedergeburt ;
    • e) der ganze Landrath Rheinbaierns;
    • 12
    • f) eine zweite Abtheilung Feſtordner. (Beide Abtheilungen der Feſtordner bildeten die Ehrenbegleitung des würdigen Land - rathes);
    • g) die verſchiedenen Deputationen aus den deutſchen Gauen, na - mentlich Rheinpreußen, Baden, den beiden Heſſen, Würtem - berg, Franken, Altbaiern, Sachſen, Hannover, Weſtphalen, Naſſau, Lichtenberg, Coburg, Frankfurt u. ſ. w. u. ſ. w.;
    • h) die andern Feſtbeſucher aus allen Ländern deutſcher Zunge, nach Stämmen geordnet, jeder mit einer oder mehreren deut - ſchen Fahnen;
    • i) eine Abtheilung Bürgergarde.

Nachdem der Zug ſich in Bewegung geſetzt hatte, wurde mit feier - lichem Ernſt das bedeutungsvolle Lied angeſtimmt: Was iſt des Deut - ſchen Vaterland. Welche Feder vermöchte den ergreifenden Anblick zu ſchildern, den dieſer Theil der Feſtlichkeit darbot. Die Deutſchen waren zum erſten Male wieder brüderlich vereiniget und zogen unter der Fahne ihres Vaterlandes ernſt und feierlich dahin. Da war kein Auge thränenleer; da hob ſich der Buſen, voll von ſeliger Wolluſt, und von Mund zu Mund tönte der Ausruf: Heil, Heil dem Tage, wo Deutſch - lands Fahne Maͤnner aus allen Gauen des Landes zur brüderlichen Eintracht vereinigte!

Mit ſtürmiſchem Enthuſiasmus wurde hierauf folgendes, von Siebenpfeiffer für 300 Handwerksburſche gedichtetes Lied abgeſungen.

(Melodie nach Schillers Reiterlied.)

Hinauf, Patrioten! zum Schloß, zum Schloß!
Hoch flattern die deutſchen Farben:
Es keimet die Saat und die Hoffnung iſt groß,
Schon binden im Geiſte wir Garben:
Es reifet die Aehre mit goldnem Rand,
Und die goldne Erndt iſt das Vaterland.
Wir ſahen die Polen, ſie zogen aus,
Als des Schickſals Würfel gefallen;
Sie ließen die Heimath, das Vaterhaus,
In der Barbaren Räuberkrallen:
Vor des Czaren finſterem Angeſicht
Beugt der Freiheit liebende Pole ſich nicht.
Auch wir, Patrioten, wir ziehen aus
In feſtgeſchloſſenen Reihen;
Wir wollen uns gründen ein Vaterhaus,
Und wollen der Freiheit es weihen:
Denn vor der Tyrannen Angeſicht
Beugt länger der freie Deutſche ſich nicht.
13
Die Männer ſtrömen aus jeglichem Gau,
Nur Brüder umfaſſen die Gauen
Zu legen die Hand an den Wunderbau:
Ein Deutſchland gilt es zu bauen;
Wo deutſche Männer, da ſind wir dabei,
Wir erheben ein Deutſchland, ſtolz und frei.
Was tändelt der Badner mit Gelb und Roth,
Mit Weiß, Blau, Roth Baier und Heſſe?
Die vielen Farben ſind Deutſchlands Noth,
Vereinigte Kraft nur zeugt Größe:
Drum weg mit der Farben buntem Tand!
Nur eine Farb und ein Vaterland!
Wenn Einer im Kampfe für Alle ſteht,
Und Alle fuͤr Einen, dann blühet
Des Volkes Kraft und Majeſtät,
Und jegliches Herz erglühet
Für ein einiges Ziel, für ein einziges Glut:
Es brennet der Freiheit, des Vaterlands Gut.
Drum auf,[Patrioten]! der Welt ſei kund,
Daß eng, wie wir ſtehen gegliedert,
Und dauernd wie Fels der ewige Bund,
Wozu wir uns heute verbrüdert.
Friſch auf, Patrioten, den Berg hinauf!
Wir pflanzen die Freiheit, das Vaterland auf.

Mit feierlichem Ernſt folgte nach einer Pauſe die Abſingung des folgenden von Chriſtian Scharpff aus Homburg gedichteten Liedes: (Nach der Melodie: Ahndungsgrauend von Körner.

Vaterland, im Schwerdterglanze
Strahlte Hoffnung jugendlich;
Als beſiegt der ſtolze Franze
Fern aus deinen Gauen wich;
Seine Adler ſtürzten nieder,
In der Freiheit Sonnenblick
Sproßte deutſche Ehre wieder,
Deutſche Kunſt und Bürgerglück.
Ha, nur ein Traum war’s, nur fürſtliche Lüge,
Daß ſich der Sclave ſo williger füge
Seiner Despoten fluchwürdigem Bund.
Auf des Sieges heil’ger Stätte
Knieten heuchelnd ſie vor Gott,
Ihre Eide, ihr Gebete
Waren Trug nur, frevler Spott;
Tyrannei, auf Gold gebettet,
Lachte Deiner Hoffnung Hohn,
Hat Dich ſchimpflicher gekettet
An des Nordens blut’gen Thron.
Aber ſchon zuckten des Rachekampfs Pfeile,
Weit durch die Länder mit ſchrecklicher Eile
Stürmt noch das ſtrafende Gottesgericht.
14
Donnernd hallt des Schickſals Stimme:
Völker wacht, die Zeit iſt nah!
Euer Gott in ſeinem Grimme
Auf der Throne Thaten ſah,
Blutig, rechtlos waren alle
Vom Indus bis Tajo’s Strand,
Zürnend ſprach Er: ja, es falle
Ihre Macht von Land zu Land!
Gott der Gerechtigkeit, laß es gelingen,
Vater, Du ſegne das muthige Ringen!
Muthigen hilft ja der ſchützende Gott!
Schimpflich iſt’s in alter Weiſe
Noch zu fleh’n um Fürſtenhuld,
Mit der Schande ſchnödem Preiſe
Mehrt ihr ſo die große Schuld;
Männern ziemt ein ernſtes Mahnen
Mit der Wahrheit Donnerwort,
Selber ſich den Weg zu bahnen
Zu der Freiheit ſtolzem Port.
Aber der Flehende ärndtet nur Schande,
Wahrlich ihm ziemen die ſchimpflichen Bande,
Er iſt der Ehre der Freiheit nicht werth!
Freudig für die Freiheit leben,
Für ſie ſterben ſei der Schwur!
Nicht wie Könige ſie geben,
Volle Freiheit rettet nur.
Daß kein Fürſtenwort bethöre,
Folgt des Vaterlands Gebot:
Jeder deutſche Mann er ſchwöre,
Schwöre: Freiheit oder Tod!
Tod für die Freiheit ſey freudig willkommen,
Männer Ihr alle, für Freiheit entglommen,
Bleibet dem heiligen Schwure getreu!

Als der Anfang des Zuges am Orte des Feſtes angekommen war, wurde auf einem erhöhten Punkte die polniſche, und oben auf den höch - ſten Zinnen der Ruine die deutſche Fahne aufgepflanzt. Weithin über die geſegneten Auen wehte nun das ſtolze Panner unſeres Vaterlandes, ein Anblick, der die Freude aller Anweſenden zu Begeiſterung ſteigerte. Nach der Ankunft auf dem Berge gewahrte man erſt, wie groß die Menge der angekommenen Gäſte ſei. Es waren mindeſtens Dreißig - tauſend Perſonen verſammelt. Man bemerkte insbeſondere Bürger aus Straßburg, Collmar, Paris, Metz, Weiſenburg, Mancheſter, Con - ſtanz, Heidelberg, Carlsruhe, Freiburg, Mannheim, Marburg, - bingen, Würzburg, Jena, Göttingen, Stralſund, Coburg, München, Frankfurt, Nürnberg, Mainz, Worms, Wiesbaden, Kölln, Trier, Gieſen, Stuttgart, Darmſtadt, Kaſſel, Magdeburg, Hof, Erlangen,15 Kiel, Leipzig, Augsburg, Pyrmont, Braunſchweig, Nordhaufen u. ſ. w.

Die Patrioten in Rheinpreußen, die Deutſchen am Niederrhein, die Bürger in Conſtanz, das polniſche National-Comite in Paris und die Geſellſchaft der Volksfreunde in Straßburg hatten Adreſſen einge - ſendet. Wir theilen dieſe Aktenſtücke wörtlich mit:

I. Adreſſe der Rheinpreußen: An die Volksverſammlung in Hambach und die edlen Vertreter der Volksfreiheit in Rheinbaiern.

So weit ein freies Herz in deutſchem Buſen ſchlaͤgt, ſo weit drang auch das Wort der Freiheit, wie es in dem ganzen Rheinbaiern frei und kraͤftig ausgeſprochen wurde. Wir unter Preußens Herrſchaft ſtehenden Rheinländer hoͤrten nur ſelten Euren Ruf der Freiheit erſchallen. Unſere Blaͤtter nicht Organe der oͤffentlichen Meinung, ſondern Organe der legitimen, in den geheimen Cabineten der Miniſtern, ja in den dunklen Stuben eines untern Polizeibeamten gehegten Anſichten zeigten nur den Kampf gegen Euer Wort, aber wir lernten doch auch ſo die Kaͤmpfer kennen. Wir ſahen hier im Preußen troſtloſe Cenſoren und ihre beſoldeten Schreiber, dort im freiern Deutſchland ruͤſtige Ver - treter der Wahrheit, tapfere Kaͤmpfer der Freiheit. Ob aber auch nur ſelten das Wort der Freiheit wie es im freiern Deutſchland erklang, zu uns drang: ob es auch von dem Geraͤuſche preußiſcher Waffen, von den Schmeicheleien eines Soldaten - und Beamtenheeres uͤbertoͤnt werden ſollte, es fand noch Herzen die hoͤher ſchlugen, Augen die feuriger gluͤhten, wenn von Einem Deutſchland, von Freiheit, Recht und Ehre die Rede war. Sind deren auch nur wenige, die ſich erkannt und die es gewagt, denn im Preußiſchen iſt dies ein Wageſtuͤck ſich gegen einander auszuſprechen; ſo hoffen wir doch auch hier einſt der Wahrheit Sieg, den Triumpf der Freiheit feiern zu koͤnnen.

Auf Euch aber ſind vorerſt unſere Blicke gerichtet, und Freiheit, Recht und Wahrheit moͤgen Euch zur That anfeuern, auf daß ganz Deutſchland, und insbeſondere auch unſer Rheinpreußen, das wie Euer Rheinbaiern durch eine freie Geſetzgebung emancipirt iſt, am Beiſpiele erſtarke. Der Himmel ſegne Euer Werk!

Aus den preußiſchen Rheinlanden.

Wenn wir nicht unterſchreiben, ſo geſchieht dieß nur deßwegen, weil wir dadurch der guten Sache mehr ſchaden als nuͤtzen wuͤrden. Wer Preußen nur halbwegen kennt, wird uns deßwegen keinen Vorwurf machen.

16

II. Adreſſe der Deutſchen des Niederrheins.

An die Herren Unterzeichner des Aufrufes in Nro. 310 der allgemeinen Zeitung, uͤberſchrieben: Der Deutſchen Mai.

Sie haben, meine Herren, einen Aufruf an deutſche Maͤnner und Juͤnglinge erlaſſen zur Feier des deutſchen Maifeſtes, welche am 27. d. M. auf dem Hambacher Schloſſe begangen werden ſoll.

Dieſen Ruf, meine Herren, doch fort mit dem ſteifen, kalten, ceremoniellen Tone! Laſſet uns als Deutſche mit deutſcher Zunge zu deutſchen Herzen ſprechen. Dieſen Ruf, ihr rheiniſch-deutſchen Bruͤder, haben auch wir am untern Rheine vernommen, und auch wir glauben uns dadurch getroffen; denn obgleich wir, als brave koͤniglich preußiſche Unterthanen mit dem deutſchen Volke nichts gemein haben duͤrfen, und uns des Ruhmes, Preußen zu ſeyn, ex officio koͤniglich freuen muͤſſen, ſo koͤnnen wir doch nicht umhin, inſtinktmaͤßig aufzuhorchen, wenn wir den Namen nennen hoͤren, auf den wir unſere politiſche Tauf empfangen haben, der uns von Jugend auf der theuerſte war. Ja, Deutſche ſind auch wir noch, und als Deutſche hoͤren wir auf euren Ruf, zum deutſchen Maifeſte zu kommen, das ihr zu feiern beſchloſſen habt.

Wohl moͤget ihr ein Maifeſt begehen, ihr Gluͤcklichen! Euch leuchtete und erwaͤrmte ſchon laͤnger die Sonne; ſchon hat ſie die harte Eisdecke geloͤſet und den ſtarren Winter verſcheucht; ſchon treibt das freundliche Gruͤn der Hoffnung bei Euch uͤberall hervor, der Hoffnung, daß bald die Sonne der Freiheit voͤllig ſiegen und die Saat zur Reife bringen werde.

Aber ach! bei uns armen Soͤhnen des Nordens iſt die Sonne noch fern vom Wendekreiſe, und der Krebs, der uns den Sommer verheißen ſollte, iſt uns vielmehr ein ominoͤſes Zeichen, denn krebsartig ſehen wir uns taͤglich ruͤckwaͤrtsgezogen, und wie ein boͤſer Krebs nagt es an unſerm Herzen. Unſer Boden ſtarrt noch unter dem eiſigen Kleide des Winters, unſer Himmel iſt noch bedeckt, unſere Sonne noch getruͤbt von den finſtern Wolken des Abſolutismus, unſere Atmoſphaͤre gehuͤllt in die dichteſten Ne - bel politiſchen Aberglaubens und Wahns, unſere Schritte ſind gehemmt durch das ſchluͤpfrige Glatteis der Cenſur, welche Schrift, Wort, Gedanken und Handlungen feſſelt, und nur mit den Schlittſchuhen der aͤngſtlichſten Vorſicht duͤrfen wir es wagen, ohne Lebensgefahr uͤber das truͤgeriſche Eis hinwegzugleiten.

Ihr aber lebet im gruͤnenden Mai, und feiert das Feſt der Hoffnung. Wie gluͤcklich ſeid ihr, die ihr Hoffnung hegen duͤrfet! Uns ſind ihre gold - nen Thore noch verſchloſſen.

17

Ihr ladet uns ein, Theil zu nehmen an eurem Feſte, auf daß wir uns wenigſtens mit euch der Hoffnung freuen moͤchten. O wie gerne wollten wir dieſem Rufe folgen, wenn nicht die Macht der Verhaͤltniſſe hindernd dazwiſchen traͤte! Denn warlich iſt es nicht kalte Selbſtſucht, ver - aͤchtliche Furcht, ſtrafbare Gleichgiltigkeit, die uns davon zuruͤck haͤlt.

Ihr riefet das Volk der Deutſchen auf, Theil an eurem Feſte zu neh - men, und dachtet dabei vielleicht am wenigſten an eure Bruͤder am untern Rheine, die in todaͤhnlicher Ruhe vegetiren, und ſchier kein Zeichen politiſchen Lebens von ſich geben. Vielleicht ſpottet ihr dieſer Ruhe, dieſer Geduld, und dachtet nicht daran, daß es die Geduld des Sklaven iſt, der blos deßhalb ſich ruhig verhaͤlt, weil er, an die Ruderbank gefeſſelt, ſich nicht zu regen vermag. Ach! warum mußte das muntere Voͤglein des Rheins eingeſperrt werden in den ſchmalen engen Kaͤfig zu dem alten finſtern Uhu? Da ſoll er ſitzen, der muntere Saͤnger, der gewohnt war, ſich uͤber die Wolken zu erheben und der reinſten Luft, des hellſten Lichtes zu ge - nießen, da ſoll er ſitzen bei dem alten Raubvogel, und ganz gehorſamſt ſich des Gluͤckes freuen und der Gunſt die er genießt: allerhoͤchſten Orts nicht aufgefreſſen zu werden! O des hohen Gluͤcks, o der unſchaͤtzbaren Gnade! Aber rings um den Kaͤfig flattern die freiern Voͤglein des deutſchen Hai - nes und ſpotten der Ruhe des Gefangenen. Spottet nicht, ihr Gluͤcklichern, aber weinet mit den Trauernden, ſo wollen wir mit euch uns eurer Hoffnungen freuen! Doch weil ihr uns riefet, ſo wollen wir wenigſtens aus dem Innern unſers Kaͤfigs Antwort geben und euch ſagen: Wir leben noch.

Waͤhnet nicht, wir laͤgen in[lethargiſchem] Schlummer befangen oder in ſorgloſer Gleichgiltigkeit, weil ihr nichts von uns hoͤret. Nein, ſtill und aufmerkſam ſchauen und horchen wir auf die Zeichen der Zeit, und harren der Brautnacht, wo auch wir unſer Ehrenkleid anzuziehen und die hoch - zeitliche Fackel anzuzuͤnden gedenken.

Aber von außen her muß unſere Rettung, unſer Heil kommen, und ihr, rheiniſche Brüder, ſeid dazu beſtellt und berufen, jetzt, da eure beſchnittene Fittige etwas gewachſen ſind, auch uns aus dem Kerker be - freien zu helfen. An Euch iſt es, mit Kraft und Ausdauer dahin zu wirken, daß das Licht der Wahrheit immer heller um ſich leuchte, und ihr Reich ſich täglich erweitere. Euer Beiſpiel muß den Schüchternen Muth, den Schwachen Kraft und Selbſtvertrauen einflößen. Euer Bei - ſpiel möge die Verblendeten enttäuſchen, den Blinden den Staar von den Augen nehmen. Durch euer Beiſpiel mögen die auf der Stufe der Erkenntniß noch tiefer ſtehenden deutſchen Stämme über die Rechte der218Völker und der Fürſten aufgeklärt und belehrt werden. Und wenn der aufgeklärte, den Druck ſeines Joches fühlende Deutſche irgend Grund zur Hoffnung auf beſſere Zeiten hat, ſo kann ſie nirgends anders beru - hen als bei euch.

Nicht von dem großen Jeruſalem mit ſeinen Heuchlern, ſeinen Pha - riſäern und Schriftgelehrten, nicht von da ging das Licht der Welt aus, ſondern von dem unbedeutenden Bethlehem. Alſo wird auch nicht in Berlin, wo ſchlimmere Heuchler als Phariſäer hauſen, der neue Hei - land erſtehen, ſondern am Rhein iſt das kleine Bethlehem zu ſuchen. Darum bereitet ihr dem, der da kommen ſoll, die Bahn, und ebnet ſeine Wege, auf daß, wenn er kommt, er raſch und ungehindert dahin ſchreiten könne. Darum, wenn ihr wollt, daß auch wir uns der Hoff - nung hingeben, ſo ſeid unermüdet im Handeln und beſtätigt durch euer Thun die Meinung, die Deutſchland von euch hegt. Wirket mit Kraft dahin, daß unter den Großen der Geiſt der Machthaberei, unter den Geringern der Geiſt der ſklaviſchen Demuth vertilgt, und ein Geiſt, ein Sinn der Eintracht und Brüderlichkeit herrſchend, daß die Hab - ſucht und Herrſchſucht der Ariſtokraten und Prieſter unſchädlich gemacht oder unterdrückt werde. Denn ſie ſind die feindlichen Dämone, die der Freiheit entgegenſtehen, ſie ſind die kräftigſten Stützen der Tyrannei, des Abſolutismus.

Auf euch ſind unſere, und aller Gleichgeſinnten Hoffnungen geſtützt, und wir hegen zu euch das Vertrauen, daß ihr euch nicht von den Dro - hungen der Machthaber werdet ſchrecken laſſen, die, wie wir vernehmen, euer Vorhaben zu hindern gedenken. Ihr werdet euch nicht ſtören laſſen durch die Maasregeln derjenigen Korporation, die ſich euere Landes-Re - gierung nennt, und in ihren landesväterlichen Geſinnungen ſo weit geht, eine Geſellſchaft rechtlicher Staatsbürger mit entehrenden Namen zu belegen und ihren auf Verbeſſerung der allgemeinen[Landeswohlfahrt] zielenden Abſichten eine ſchädliche, verbrecheriſche Tendenz unterzulegen. Eintracht giebt Stärke! Alſo werdet auch ihr, feſt zuſammen haltend, in euch ſelbſt Hülfe und Beiſtand finden, wenn ihr ſie zur Abwehrung von Gewaltthätigkeiten bedürft. War es euch Ernſt mit euerm Vor - haben, habt ihr nicht unbedacht euch deutſche Männer genannt, dann werdet ihr auch nicht feig zurück treten, ihr werdet dem Namen Ehre machen, den ihr bekannt, ihr werdet eher euch für das allgemeine Beſte aufopfern, als euch von dem Vorwurfe verächtlicher Furcht, kalter Selbſtſucht treffen laſſen. War euer Vorſatz, dem mann - haften Kampf für Erſtrebung geſetzlicher Freiheit und19 deutſcher Nationalwürde ein Feſt zu weihen, euch zu fried - licher Beſprechung, inniger Erkennung, entſchloſſener Verbrüderung für die großen Intereſſen, denen ihr euere Liebe, euere Kraft geweiht, zu verſammeln, war er feſt und wohlbedacht, dann werdet ihr euch, wir ſind davon überzeugt, durch keinerlei Hinderniß abhalten laſſen, ihn auszuführen, dann wird euch vielmehr der Widerſtand willkommen ſeyn, weil an ihm ihr eure[]Kraft meſſen, euere Vaterlandsliebe erproben könnt. Ja, deutſche Män - ner, ſeid unerſchütterlich in Vorſatz und Muth. Scheuet kein Opfer, wie es auch heiße, und bedenket, daß nie etwas Großes ohne Opfer erreicht worden. O des beneidenswerthen Looſes, ſich für ſein Vater - land aufopfern zu dürfen.

Im Namen aller Deutſchen am Nieder-Rhein.

III. Adreſſe von Konſtanz am Bodenſee.

Ehrenwerthe teutſche Maͤnner des baieriſchen Rheinkreiſes! Liebe Vaterlands-Genoſſen!

Die unterzeichneten Buͤrger zu Conſtanz haben in den oͤffentlichen Blaͤttern mit wahrer und inniger Freude Euren Aufruf zum teutſchen Maifeſte auf dem Schloſſe Hambach bei Neuſtadt an der Haardt, ver - nommen, als deſſen Zweck uns friedliche Beſprechung, innige Erkennung und entſchloſſene Verbruͤderung fuͤr die großen Intereſſen, denen wir unſere Liebe und unſere Kraft geweiht bezeichnet wird.

Zum Beweiſe daß wir auch hier an Suͤdteutſchlands aͤußerſter Grenze durchdrungen ſind von warmer Liebe fuͤr die heilige Sache des theuern teutſchen Vaterlandes, zum Beweiſe daß auch wir regen Antheil nehmen an dem Maͤnnerwort, das fuͤr die Sache des Rechtes und der Civiliſation geſprochen wird, ſenden wir aus unſerer Mitte zwei durch unſere Wahl ernannten Buͤrger die Herren Handelsmann Karl Delisle und Rechts - praktikant und Schriftverfaſſer Karl Huͤetlin. Dieſe moͤgen Ihnen, ſie moͤgen dem geſammten Vaterlande ſagen, daß auch wir freudig bereit ſind fuͤr Freiheit, Recht und Ordnung, fuͤr Volkes-Ehre und Tugend mit Allem was unſere Kraͤfte vermoͤgen redlich und maͤnnlich einzuſtehen.

Des Himmels Segen komme uͤber unſer Vaterland, uͤber das theure teutſche Land!

Gruß und Bruderkuß den teutſchen Bruͤdern und Vaterlands - Genoſſen!

Conſtanz, am Bodenſee den 21. Mai 1832.

Folgen viele Unterſchriften.

20

VI. Gefühle und Wünſche eines Greiſes am Bodenſee, hervorgerufen durch die hohe Idee des am 27. Mai abzuhaltenden Volksfeſtes zu Hambach in Rhein - baiern.

Durch ein halbes Jahrhundert habe ich die hochwichtigen Weltereig - niſſe mit Intereſſe beobachtet. Ich ſah das große Weltereigniß der franzöſiſchen Revolution vom Jahre 1789 erſtehen, beobachtete deſſen Folgen und lebte in der tröſtlichen Hoffnung, Europa werde dadurch emanzipirt und die ſchönen, freien, volksbeglückenden Grundſätze, die ſich in dieſer welterſchütternden Revolution entwickelten, werden geläu - tert die von ganz Europa werden. Das Mißglücken iſt leider allzube - kannt. Im Anfang glaubte ich die erſte und größte Urſache dieſes Miß - lingens in der Unwiſſenheit und dem Sclavenſinn der übrigen europäiſchen Völker geſehen zu haben und fand im Verfolg dieſe meine Meinung immer mehr beſtätiget. Ich ſah die Wunder, die die Tapferkeit des franzöſiſchen Volkes bewirkte, mußte aber leider auch ſehen, daß dieſe Tapferkeit durch Unkenntniß des Volkes mit ſeiner eigenen kritiſchen Lage und Mangel an Gleichheit und Zuſammenhang ſeiner Geſinnungen, dem Treiben der Despoten aller Art unterlag, und daß die vereinigte Despotie ſich wieder zum Herrn der Welt und zum Unterdrücker der Völker mehr als früher aufwarf, ſo daß ich jede Hoffnung aufgab, noch vor meinem Tode, je unſer liebes Teutſchland frei und glücklicher als bisher zu ſehen, bis endlich die Julirevolution von 1830 dieſe nieder - ſchlagenden Gedanken einigermaßen verſcheuchte, und die Hoffnung in mir nährte, noch in meinem Alter Schritte zur Befreiung meines lieben teutſchen Vaterlandes zu erleben. Dieſe meine Hoffnung wird durch die Ent - wickelung des teutſchen Volksgeiſtes für Freiheit und Recht, des Ent - gegenſtrebens der Despotie ohngeachtet, in dem gegenwärtigen höchſt wichtigen Zeitpunkt geſteigert, und es läßt ſich hoffen, daß die Be - mühungen ſo vieler biedern, gelehrten, deutſchen Männer, die ſich un - bedingt der Wahrheit, dem Recht, dem Vaterland opfern, in allen Gauen Teutſchlands vorzüglich aber in dem wackern[Rheinbaiern] häufig und conzentrirt ſich vorfinden, und dieſen Sieg früher, als das zwei - felhafte und bedenkliche Alter vermuthete, erringen möchten.

Doch dieſe Hoffnung trübt die immer mehr herannahende Gewiß - heit, daß der bisher von der vereinten europäiſch-aſiatiſchen Despotie durch Ränke, Lug und Trug geführte Kampf gegen Menſchen - und Volksrechte, und vorzüglich gegen die in dem freieren Weſten von Eu -21 ropa ſich befindenden ſüdteutſchen conſtitutionellen Staaten, Frankreich ꝛc. ſeitdem die Scheidewand (Polen) geworfen, und der Barbarei Thür und Thor zur Unterſtützung unſerer Despoten geöffnet iſt, daß dieſer Kampf auf blutigem Wege beginnen wird.

Daher kann der Menſchenfreund noch einzig in dem Anſchließen und vereinten Wirken der Völker Hoffnung ſchöpfen, daß dieſer Kampf zur Ehre und zum Wohl der Menſchheit, mit Erſtehung eines deutſchen Vaterlandes beendigt werden möchte. Halten die Völker Teutſchlands, Frankreichs und aller Staaten, welche[Volksbefreiung] von der verächt - lichſten Tyrannei verlangen, nicht zuſammen, laſſen ſie getheilt den Despoten Zeit, eine Nation nach der andern zu ſchlachten, zu unter - jochen, wie Polen, wie Italien, wie Spanien und Portugal, und wenn ihnen das Spiel gelingt, auch Belgien und Holland, ſo iſt Eu - ropa für immer in die Nacht der ewigen Sclaverei geworfen.

Unter ſolchen traurigen Vorausſichten müſſen Unternehmungen wie das bevorſtehende Volksfeſt, neues Leben, neuen Troſt der gekränkten Menſchheit geben. Wird das Volk klüger und beſſer als in der erſten franzöſiſchen Revolution ſeine eigenen Rechte, ſein eigenes Glück bewa - chen, und ſtatt ſich zur Unterjochung der Völker als Mordknechte von der Despotie gebrauchen zu laſſen, für ſein eigenes Recht,[für] ſein eigenes Wohl Blut und Leben ins Spiel ſetzen, ſo iſt der Sieg für Recht und Wahrheit gewiß, ſo darf der Teutſche in der ſichern Hoff - nung leben, wieder ein Vaterland, ein vereintes Teutſchland mit Kraft und Macht erſtehen zu ſehen.

Von dieſer Seite aus betrachtet, ſollte das Maifeſt zu Hambach in der Geſchichte Teutſchlands und ſeiner politiſchen Wiedergeburt eine noch höhere Wichtigkeit erlangen, als die Wartburg in der kirchlichen Refor - mationszeit.

Da ſollen ſich die Völker aller Gauen Teutſchlands das heilige Wort in echt deutſchem Sinn geben, vereint und feſt zuſammen zu hal - ten, und für Recht und Wahrheit zu kämpfen, wo es der Augenblick erfordert.

Dank daher den edeln Männern Rheinbaierns, die dieſen hohen Gedanken in Anregung brachten, er goß Balſam in die gekränkte Bruſt des Greiſes, belebte den rüſtigen Mann mit Muth, feuerte das Herz des Jünglings zum muthigen Kampfe an und ſchafft, ſo zu ſagen, ſchon zum voraus in geiſtigem Sinne ein neues verbrüdertes Teutſchland.

Der Himmel ſegne mit einem günſtigen Erfolg dieſes große Wahr - zeichen der Volksbefreiung, er ſtärke und erleuchte die teutſchen Heroen,22 die dieſen Kampf, der Verfolgungen durch Kerker und Interdikte ohn - geachtet, bisher ſo unerſchrocken fortſetzten, und den Muth hatten, den großen Schritt zu einem Verbrüderungsfeſte des teutſchen Volkes, un - ter Verboten und Bajonetten zu wagen.

Ich weiß zum Voraus, daß alles was der gegenwärtige gefahrdrohende Zeitpunkt erfordert, von den bei dem Feſte vereinten Vaterlands-Freunden umfaſſend berathen wird, erlaube mir aber doch einige Gegenſtaͤnde zu beruͤhren, die ich fuͤr dringend halte.

1. Welche Geſinnung herrſcht in den teutſchen Gauen in Hinſicht des bisher von den Feinden der Volksrechte ſo ſehr benutzten Franzoſen - haſſes? Wird dieſer wieder wie in den 1790r Jahren ꝛc. der Despotie die Hand reichen?

Wollen wir unſere Freiheit, wollen wir ein einziges Teutſchland errin - gen, ſo iſt es nur dauerhaft moͤglich, wenn wir und das franzoͤſiſche Volk fuͤr einerlei Zweck zum Kampf geruͤſtet da ſtehen, und wenn es die Noth er - fordert vereint fuͤr einerlei Zweck kaͤmpfen. Die Idee von Eroberungs - und Unterjochungskrieg durch die Franzoſen, wenn der Kampf vom Volk ausgeht, im Volksſinn gefuͤhrt wird, ſoll uns nicht mehr als Schreckbild die - nen. Voͤlker, die fuͤr Freiheit kaͤmpfen, die vereint fuͤr die gleiche Sache ſtreiten, können ſich nicht gegenſeitig der Freiheit berauben ꝛc.

Daher laßt uns wenigſtens in unſerm Suͤdteutſchland dieſes Schreck - bild, womit die Ariſtokraten die teutſchen Voͤlker zu taͤuſchen ſuchen, ver - ſcheuchen, und unſere teutſchen Bruͤder uͤber das wahre Verhaͤltniß dieſes Gegenſtandes belehren.

2. Wie wird ſich das ſuͤdteutſche Volk verhalten, wenn Oeſtreich und Preußen unter dem Vorwand die Regierungen gegen vorgeſchuͤtzte Eingriffe des Volkes, gegen Volks-Aufſtaͤnde ꝛc. zu ſchuͤtzen, und den Bundestags - Beſchluͤſſen, wenn ſie auch noch ſo volksfeindlich ſein ſollten, Kraft und Vollzug zu verſchaffen, die ſuͤdteutſchen Staaten bis an die Grenzen Frankreichs mit ihren Truppen uͤberſchwemmen, uns unter dieſem Deck - mantel wie ein ſchon occupirtes Land behandeln, uns auf dieſe Art mit in den Kampf gegen Frankreich, gegen Freiheit und Volksrechte fuͤh - ren, unſer ſchoͤnes Land zum graͤßlichſten Kriegsſchauplatz umwandeln, und dadurch unſer Ungluͤck auf den hoͤchſten Grad ſteigern wollten.

Die Beantwortung dieſer Frage mag allerdings ſehr ſchwierig ſein, aber man ſollte hieruͤber vor der That gefaßt, entſchloſſen und uͤber das23 allgemeine Benehmen verſtaͤndiget ſein, indem alle ſuͤdteutſchen Staaten allgemein und vorzuͤglich aber einzeln ganz beſonders bei ſolchen Vorfaͤllen in die hoͤchſte Verlegenheit verſetzt und durch ungeregeltes getheiltes Ver - fahren Einzelne zweklos ihre Kraͤfte opfern wuͤrden.

Moͤge die Weisheit der Stimmfuͤhrer des teutſchen Volkes, die vertraut ſind mit der gegenſeitigen Stellung der Voͤlker, hierin Rath geben.

3. Wie hat ſich das teutſche Bundesvolk zu benehmen, wenn einzelne Bundesſtaaten z. B. Baden, in ſeinen conſtitutionell errungenen Rechten durch Truppengewalt beeintraͤchtiget werden?

4. Aus der Tagesgeſchichte geht unwiderleglich hervor, daß Rußlands Autokrat ſich ſelbſt unberufen zum europaͤiſchen Diktator aufgeworfen hat, daß er abſolut ſich ſowohl in die inneren als aͤußeren Angelegenheiten aller europaͤiſchen Staaten und vorzuͤglich der Teutſchen miſcht, daß er unſere errungenen Verbeſſerungen und geſetzlichen Inſtitutionen anfeindet und nur im Hinterhalt den Zeitpunkt ablauert, um mit ſeinen Barbaren - Horden Preußens und Oeſtreichs freiheitsmoͤrderiſche Beſtrebungen durch Waffengewalt zu unterſtuͤtzen und jeden Funken von Licht, Wahrheit und Recht aus dem bedraͤngten Continent von Europa zu verbannen, und daß die uͤbrigen europaͤiſchen Regierungen ſtillſchweigend dieſe uſurpirte Diktatur anerkennen, waͤhrend der ruſſiſche Autokrat willkuͤhrlich und Einreden der uͤbrigen europaͤiſchen Maͤchte verachtend, in der polniſchen Angelegenheit Eid - und Vertraͤgebruͤchig handelt, da doch Polens Sache keine blos ruſſiſche, ſondern eine hochwichtige allgemeine europaͤiſche Ange - legenheit iſt, bleiben muß und bleiben wird.

Nun fragt ſichs, was wird das teutſche Volk thun, wenn die ruſſiſchen Kriegsſchaaren Teutſchlands Grenzen uͤberſchreiten? Werden dann dieſe Voͤlker unthaͤtig warten bis die ruſſiſchen Schlaͤchter ihnen auf eigenem Heerd das Beil auf den Schaͤdel ſchlagen?

Wird es nicht rathſamer ſein, wenn Frankreich durch ſeine unter die ruſſiſche Knute herab gewuͤrdigte Juste milieu Regierung ſich dann noch unthaͤtig verhalten und nicht all ſeine Kraͤfte entwickeln, wenn unſere Fuͤrſten ſich ſelbſt und ihr Volk dieſen graͤßlichen entehrenden Schickſalen preisgeben wollten, daß das vereinte[franzoͤſiſche] und teutſche Volk in Maſſe ſich erheben, und man das ſchaͤndliche Anſinnen dieſer anruͤk - kenden Feinde an den noͤrdlichen und oͤſtlichen Grenzen Teutſchlandes zu vereiteln ſuchen wuͤrde?

24

5. Werden ſich jetzt noch teutſche Maͤnner vorfinden, die ſich durch Preußens Lokſpeiſe des Zoll - und Handelsverbandes mit dem abſoluten Netz der Willkuͤhr-Herrſchaft umſtriken laſſen wollen? Die die Falle die dem conſtitutionellen Teutſchland dadurch gelegt iſt, nicht wittern ſollten?

Wir wollen alle eine allgemeine teutſche Handels - und Gewerbe-Frei - heit, wir wollen aber zuvor ein freies, von dem Abſolutismus unabhaͤngiges Teutſchland, denn nur Staaten, die ſolchen geſetzlichen Gemeinſinn, auf Freiheit und Gleichheit der Rechte gebaute Inſtitutionen haben, koͤnnen ungefaͤhrdet ein gemeinſames Intereſſe betreiben.

IV. Adreſſe des polniſchen National-Comite in Paris.

Das polniſche National-Comite an ſeine deutſchen Brüder bei dem Volksfeſte auf dem Schloſſe Hambach.

Verſammelte an dieſem Orte, welchen die Geſchichte verewigen wird, des großen, erhabenen und edlen Zieles wegen, zu welchem er nach dem Aufrufe Eurer Wortführer leiten ſoll, empfanget hie - mit unſern brüderlichen Gruß von uns, als den dermaligen Vertheidi - gern der Sache einer unglücklichen Nation.

Ja, groß, erhaben und edel iſt das Ziel, zu deſſen Erringung Ihr bei dieſem der Hoffnung gewidmeten Feſte die Mittel beſprechen wollet.

Nur in der politiſchen Einheit Eures Vaterlandes, durch eine Ver - bindung der einzelnen Brüderſtämme, können die gemeinſamen In - tereſſen, das Geſammtwohl alſo Eurer Nation, befördert, die innere Willkühr und äußere Gewalt abgeſchafft, und geſetzliche Freiheit und deutſche Nationalwürde erſtrebt werden.

Aber das Fortbeſtehen des Errungenen kann nur die Einführung der Volks-Souveränität verbürgen, welche der politiſchen Reform zur Grundlage dienen muß.

Alle annoch von Despoten beherrſchten europäiſchen Völker werden ihr inbrünſtiges Gebet mit dem Eurigen verbinden, daß der Ewige, der Gott der Gerechten, Euch bei Eurem Vorhaben beiſtehen und deſ - ſen Erringung gewähren, Eure Hoffnungen und ihre Wünſche mit einem günſtigen Erfolge krönen möge denn durch die bürgerliche Emanzi - pation eines ſo großen Volkes wird der Grundſtein zur Befreiung aller anderen Völker vom Sklaven-Joche gelegt.

Und wenn Ihr nach Erringung der beabſichtigten Reform dem Ewigen für ſeinen göttlichen Beiſtand den Dank zollend, und auf den Gräbern Eurer Väter, welche der Wahrheit und Frei -25 heit ihre Ruhe, Sicherheit, ja ſogar ihr Leben gewidmet haben, opfern werdet, dann gedenket auch unſerer Geſetzgeber, welche ſchon vor 40 Jahren das von ihren Vorfahren ererbte große Prinzip der Volks - Souveränität, als das erſte Bedürfniß für Ruhe und Sicherheit der Völker als die erſte Bedingung des Fortbeſtehens der Volksfreiheit in ihrem ganzen Umfange mit der Oberaufſicht über die Werkzeuge der vollſtreckenden Gewalt, in der von ihnen unſerm Vaterlande gegebenen Verfaſſung vom Jahre 1791 verkündeten, welche aber Märtyrer der Volksſache wurden, und die weitere Entwicklung ihres großen Werkes nicht erlebten, weil der auswärtige Einfluß die unter einander ver - bundenen Despoten es gleich zu untergraben ſuchten und das große Prin - zip im Keime erdrückten, da daſſelbe, außer bei uns, Nirgends einen Ver - theidiger gefunden hat.

Die Erringung dieſes Prinzips und unſer Vorhaben, die Wohltha - ten der bürgerlichen Emanzipation allen Volksklaſſen zuzugeſtehen, iſt und ſoll unſer größtes Bemühen ſeyn, beide ſeyen die erſte Bedingung der Unabhängigkeit, nach welcher wir ſtreben. Es leben unſere deut - ſchen Brüder.

Paris, den 16. Mai 1832.

Lelewel. Rykaczewski. Zaliwski. Przeciszewski. Hluszniewicz. Chodzko. Hube. Pietkiewicz, Sekr.

V. Adreſſe der Volksfreunde (amis du peuple) zu Straßburg.

Die Geſellſchaft der Volksfreunde dem patriotiſchen Bundesvereine in Hambach.

» Völker ſchließt den heil’gen Bund, Und reichet euch die Bruderhand. «

Berenger.

Deutſche Männer!

Der Cultus der Freiheit iſt allen gebildeten Völkern gemein. Es iſt die Religion der Männer, deren Herz für Vaterland und für die Menſchheit ſchlägt, Aller derer, die mit Kraft und Biederſinn nach der Wohlfahrt ihrer Brüder ſtreben.

Dieſe Religion, dieſer Glaube einet alle Sekten, alle Stämme, alle Nationen.

Dieſe Wahrheit habt Ihr empfunden als Ihr das hohe Feſt be - ſchloſſen, das Euch heute vereint. Auch unſer Herz, das Herz von Frankreichs Patrioten, ſchlug dem Eurigen entgegen, und zu neuem26 Leben iſt die Sympathie erwacht beim Anblick der heiligen Flamme, die Euch durchglüht.

Beharret treu und bieder, deutſche Männer, in Eurem edlen Ent - ſchluß. Schließet den Bund der Völker-Einheit unter Euren getrennten Fürſtenſtaaten. Zernichtet die Feſſeln, die der Abſolutismus zu Eurer Trennung geſchmiedet.

Mög unter Euch ein hochherziger und heiliger Bruderbund erſte - hen. Das Frankenvolk jauchzt Eurem muthvollen Streben Beifall zu, es theilt Eure Wünſche, Eure Sache iſt auch die ſeinige. Obgleich es in den Juliustagen dieſem Geiſte der Freiheit den erſten Aufſchwung gegeben, der die Welt jetzt in Bewegung ſetzt, ſo ſeufzt es nichts deſto - weniger unter den Folgen der bitterſten Täuſchungen, als Opfer ſeines Vertrauens in gewiſſe Menſchen, die ihm keine andere Bürgſchaft dar - boten, als ihre falſchen und prahleriſchen Verſprechungen.

Möchte ſein Beiſpiel Euch zur zweifachen Lehre dienen.

Empfanget nun beſonders die Verſicherung des biedern Bruder - Sinnes, den Euch Straßburgs Patrioten auf alle Zeiten weihen.

Rechnet bei jeder Gelegenheit auf ihren Beiſtand und ihre Sym - pathie. Auch ſie ſind bereit, gleich Euch und mit Euch, mit Blut und Leben das Intereſſe Aller, das Intereſſe der Freiheit zu befördern und zu wahren.

Bundesgruß den Brüdern.

Außer der mitgetheilten Adreſſe hatten unſere Brüder in Rhein - preußen noch folgendes Lied gedruckt eingeſendet und unter die anweſen - den Patrioten vertheilen laſſen.

Den Gleichgeſinnten im freiern Deutſchland.
Freudenklang hat unſer Ohr vernommen,
Friſche Lüfte trugen ihn uns zu;
Lichte Gluten ſehn wir rings erglommen;
Nur bei uns noch waltet Grabesruh.
Geiſter, die der Gruft erſtiegen,
Eure Gauen frei durchfliegen,
Müſſen hier im Sarg ſich ſchmiegen,
Von des Schickſals böſem Fluch gebannt.
Schürt mit Eifer heller ſtets die Gluten,
Lauter jauchzt der Freiheit ſtolzes Lied:
Ob erwachen, die bis jetzt noch ruhten,
Ob vielleicht der Nebelduft entflieht
Lebenskräftig hat begonnen
Euer Lenztag, tauſend Sonnen
Strahlen warme Frühlingswonne,
Uns allein durchſchauert Winterfroſt,
27
Fraget nicht, warum denn noch die Scheide
Feig das Schwert, das letzte Heil, verhüllt,
Nicht warum der Männermuth es leide,
Daß des Edlern Blick die Thräne füllt.
Sollen ſelbſt den Stab wir brechen
Ueber unſres Volkes Schwächen?
Höhnend wird die Schande ſprechen
Und zerreißen ſeinen Ehrenkranz.
Doch, o nein! ihr wacht ob ſeiner Ehren,
Schlingt als Kinder ihm den friſchen Kranz,
Und dem Volk, daß wir ſo fromm verehren,
Löſchet nie die Schmach den alten Glanz.
Mag der Sturm im Norden wüthen
Und verwehn der Freiheit Blüthen:
Wird der Süd die Keime hüten,
Bis herangereift die edle Frucht.
Muth, ja Muth! nicht wird uns Gott verlaſſen,
Folgen wir in Treue ſeinem Wort.
Feurig laßt uns lieben, feurig haſſen
Und bereiten uns zum Drachenmord.
Wie der Lindwurm ſtolz ſich brüſtet,
Ihm nach unſerm Blut gelüſtet,
Wir ſind alle wohl gerüſtet,
Tragen kühnen Muth und Kraft von Gott.
Wenn der Sturm auch ſeine Flügel ſchwinget,
Und die Bosheit hemmt die große That;
Zaget nicht, weiß Gott, noch mancher ringet,
Mancher ſtreut noch ſtill des Guten Saat.
Ob die Schergen nächtlich ſchleichen,
Andre ruhn wie kalte Leichen:
Wir voll Gottvertrauen reichen
Uns die Hand und fördern wohl das Werk.
Nicht die Ferne trennt die Bruderherzen,
Hier die Hand, Gott zeugt uns, ſchlaget ein!
Ja, wir ſehn uns, wenn ſich, auszumerzen
Sklavenſchmach, die Heldenſchaaren reih’n.
Schafft nur weiter unverdroſſen,
Wird auch noch, ſo’s Gott beſchloſſen,
Mancher Leidenskelch genoſſen,
Gottes Sache wird nicht untergehn!

Der würdige deutſche Veteran, Benzel-Sternau, welcher durch unüberwindliche Hinderniſſe vom Feſte leider abgehalten war, drückte in einem Brief ſeinen Schmerz und in nachfolgenden Liedern ſeine patrio - tiſchen Empfindungen aus:

Loſungswort dem Mai der Teutſchen.
Dein Blick ſo ſtreng, o Mutter Zeit?
Kommt doch aus Mutteraugen!
Wie lange noch das Kinderkleid,
Wollt nie zu Männern taugen?
28
Der Väter Schuld hat uns geweiht,
Aus Schmerz die Kraft zu ſaugen!
Chor.
Aus Schmerz die Kraft zu ſaugen
Mit Gluten in den Augen!
Reißt muthig euch von Trümmern los,
Entſagt den Ahnenlappen!
Hervor aus reicher Blühte Schoos,
Dem Geiſt vertraute Knappen!
Des Golds genug ſchürft Geninsſtoß,
Ein Volk erſteh, kein Wappen!
Chor.
Ein Volk erſteh, kein Wappen,
Auf Meiſter! nieder Knappen!
Dich grüße Phönix! Sonnenduft
Im Bett der Lorberreißer!
Erſtehend aus der Hermannsgruft
Ein Volk! Begeiſt’rung Kaiſer!
Zerſegle, frecher Aar! die Luft;
Das Sonnenkind glüht heißer!
Chor.
Das Sonnenkind glüht heißer,
Sei, teutſcher Muth uns Kaiſer!
Hiſtoriſch Lied dem Dezember der Teutſchen.
Was ſiehſt du, guter Alter
Trüb nach der Ferne aus?
» Es ſtellt mich mein Verwalter
Als Wache vor mein Haus. «
Chor.
Ei! ei! gedult’ger Greis,
Ei! ei! ſo grau als weiß!
Dich ſchnaubt herb an der Winter,
Wo blieb dein warmer Flauß?
» Verwalt’rin für die Kinder
Macht Ueberröckchen d’raus.
Chor.
Wol! wol! wer ſah noch Pelz
Am ächten Marmorfels!
Nag’ſt da ’nen magern Knochen,
Wo blieb dein fetter Schmauß?
Ach meine Köche kochen
Sich erſt das Mark heraus.
29
Chor.
So! ſo! dem Koch den Topf,
Der Herr ſpeißt mit dem Kopf?
Kein Tröpflein haſt im Becher,
Verrammelt Bachusklauß!
Der Kellner zog als Zecher
Hinein mit Sang und Brauß?
Chor.
Weh! weh! ſchenk Zähren ein,
Da braucht es keinen Wein!
Hohl aus dem Beutel Bazen,
Biſt ſo ein reicher Dauß!
» Mein Aff that ihn zerkrazen,
Dukaten rollten ’raus. «
Chor.
Brav! brav! Finanzgehirn
Bei ſtrupp’ger Affenſtirn »!
Ich meinte dich zu kennen,
Doch biſt der Rechte nicht.
» Soll ich mich auch noch nennen,
Da alles von mir ſpricht? «
Chor.
Hoch! hoch! beſcheiden groß,
Legt die Bewund’rung los!
King Lear’s Anverwandter.
Und Pathchen Shakespear?
Ach! Publikum Genannter
Und gar geplagtes Thier!
Chor.
Hm! hm! nichts mehr davon,
Da kommen Gensdarmes ſchon!

Die Stadt Frankfurt hatte unter den Anweſenden folgende Karte vertheilen laſſen: » An die auf dem Hambacher Feſt anweſenden Deut - ſchen einen Brudergruß von allen Gleichgeſinnten in Frankfurt a. M., welche dem Feſt nicht beiwohnen können.

Wir kehren nunmehr zur Chronologie des feſtlichen Tages zurück.

Als auch das Ende des majeſtätiſchen Zuges die Höhe der Schloß - ruine Hambach erſtiegen hatte, eröffnete im Namen der Feſtordner eines ihrer würdigſten Mitglieder, Dr. Hepp aus Neuſtadt an der Haardt die Feierlichkeit mit folgender Rede von der Tribüne: Deutſche Männer und Brüder!

Seid uns herzlich gegrüßt, an dem bedeutungsvollen Tage, der30 uns heute erſchienen ſeid uns willkommen ihr Alle, die ihr von nahe und ferne aus allen Gauen des deutſchen Vaterlandes euch hier verſammelt habt empfanget unſeren innigen Dank, daß ihr unſeres Aufrufs Sinn und Bedeutung ſo ſchnell erkannt und euch vereint habt zu dieſer, für unſer deutſches Vaterland ſo wichtigen Verſammlung. Im Angeſicht der Trümmer einer traurigen Vorzeit, in der unſer Volk, niedergetreten von übermüthigen Zwingherrn, das Bild innerer Zerrüt - tung und eines unwürdigen ſclaviſchen Zuſtandes darbot, ſtehen wir jetzt, um uns als Freunde und Brüder zu erkennen, um die Hoffnung einer beſſeren Zukunft in uns zu beleben und uns zur kräftigen in dem Entſchluſſe, feſt und unerſchütterlich die Bahn zu wandeln, die zum Ziele unſeres Strebens, zur Wiedergeburt unſeres geliebten Vaterlandes führt.

Was, meine Freunde, liegt uns dabey aber näher als die Frage, was zu dieſem großen Ziele uns führe, das der Blick in die Zukunft uns vorhält was die Schmach zu tilgen vermöge, die auf Deutſchlands ſchönen Gauen laſtet, und auf dem Volke, das ſo bieder, ſo kräftig, ſo tapfer unter den Völkern Europas daſteht? Worin das Mittel liege, das unſerem theueren Vaterlande Ehre, Ruhm, Glück und Wohlſtand, mit einem Worte die Größe und Bedeutung erringen und ſichern könne, die es verloren.

Nur Bekanntes, aber dennoch ewig Wahres und nie genug zu Wiederholendes ſpreche ich aus, wenn ich behaupte, daß die ganze Schmach, der namenloſe Jammer, der auf Deutſchland laſtet, nur aus der Vereinzelung und Getrenntheit der deutſchen Stämme, aus Mangel an Volksthum, aus der Unentſchloſſenheit herrühre, für die heilige Sache des Vaterlandes alles Andere zu opfern.

Nur Einheit giebt einem Volke Kraft und Sicherheit, mögen ein - zelne Theile in ſich noch ſo ſchwach ſeyn, ſie werden in einem gemein - ſamen Mittelpunkt ſtark und mächtig.

Nur Einheit des Willens und des Handelns bei allen deutſchen Stämmen, Erſtarkung und Kräftigung des Volksgeiſtes und bei jedem Einzelnen der Entſchluß für die heilige Sache des Vaterlandes jedes Opfer zu bringen, ſind darum die Mittel die Schmach zu tilgen, die auf unſerem Vaterlande laſtet.

Dieſes Ziel aber liegt uns ferne, ſo lange wir hin - und herſchwan - ken in leidiger Halbheit, hoffend und fürchtend, ſchwatzend aber nicht handelnd, begierig nach Sieg und Entſcheidung, aber zitternd vor Kampf und Gefahr ſo lange kalt berechnender Eigennutz alle Handlungen, ſelbſt die im Intereſſe des Vaterlandes unternommenen, auf die31 Goldwage legt ſo lange jener falſche Liberalismus uns blendet, der ſich nur kund giebt durch ſchöne Phraſen und rhetoriſche Figuren und in Wirklichkeit nur ſtrebt nach nichtigem Glanze und nach Beförderung perſönlicher Intereſſen ſo lange todtes Wiſſen und ſpitzfindige, gelehrte Grübelei höher ſteht, als ein friſcher, geſunder Sinn, als ein klarer, tüchtiger Verſtand, und eine heilige Begeiſterung für Recht und Wahr - heit ſo lange endlich die Sprache des Gefühls und des Mitleids mehr über uns vermag, als feſte Grundſätze und ein unbeugſamer Wille. So lange unſer Volk an dieſen Fehlern wie an einer Cholera des Gei - ſtes und des Herzens leidet, wird Deutſchlands Einheit, Deutſchlands Freiheit, Deutſchlands Wiedergeburt nicht erblühen.

Auf darum, ihr deutſchen Männer und Brüder, vereinigt euch Alle, die ihr wahre Freunde des Vaterlandes ſeyd, vereinigt euch! nicht im Geheimen und Verborgenen, ſondern wie heute im Angeſicht des Vater - landes, und wirkt, daß die Schlechten Widerſtand und die Schwachen eine Stütze haben wirket, daß die Unentſchiedenen zum Entſchluſſe kommen die Zaghaften Muth gewinnen und die öffentliche Meinung in Wahrheit ſich ausſpreche. Nur auf dieſe Weiſe kann dem theueren Vaterlande Hilfe und Rettung kommen, nur auf dieſem Wege werden in ihm Ruhm und Glück, Ehre und Wohlſtand auferſtehen. Gelingt es uns zu handeln, wie es Pflicht, Zeit und Lage gebieten gelingt es uns, die vereinzelten Kräfte zu vereinigen und die vereinigten klug zu ge - brachen welche Macht dürfte es dann wagen, unſerem feſten und ernſten Willen entgegen zu treten?

Darum allen deutſchen Männern, welche für die Wiedergeburt des Vaterlandes, entſchloſſen ſind jedes Opfer zu bringen, ein dreimaliges Lebehoch!

Es lebe Deutſchlands Einheit!

Deutſchlands Freiheit und durch ſie, Deutſchlands Wiedergeburt!

Hierauf folgten ohne Unterbrechung die Reden des Redakteurs des Weſtboten und der Zeitſchrift Deutſchland Siebenpfeiffer und des Redakteurs der deutſchen Tribüne J. G. A. Wirth:

Nede von Siebenpfeiffer.

Der Gedanke des heutigen Feſtes und der Aufruf (vom 20. April) zur Feier deſſelben haben ſo mancherlei und ſeltſame Auslegungen erfah - ren, daß es Pflicht ſcheint für denjenigen, von welchem die Idee und der Aufruf ausgegangen, ſich über die Bedeutung zu erklären, die er damit verknüpft, wobei indeß Jedermann frei bleibt, ſie nach ſeiner32 Weiſe zu deuten und auszubilden. Die Schmähungen des Amtseifers muß man der zärtlichen Beſorgniß für beſtehende Inſtitutionen verzei - hen; die einzige Antwort ſei: unſere würdevolle Haltung.

Aber indem ich mich anſchicke, von der Idee dieſes Feſtes zu reden, ſuch ich, von deren Unermeßlichkeit durchdrungen, vergebens den rechten Ausdruck für die Bilder, die ſchon bei einer andern Feier (am 29. Januar*)S. Weſtbote 1832 Nr. 34, wo die Beſchreibung des Schüler’ſchen Feſtes alſo ſchließt: Dies der vorläufige Bericht, den der Weſtbote ab - ſtattet. Er ſelbſt war Augenzeuge, er erzählt wahr und treu. Noch (am Morgen nach dem Feſte) iſt er des gewaltigen Eindrucks kaum Herr; aber er gewahrt in naher Ferne die immer grö - ßere Entfaltung des Bürgerlebens; er ſah in der geſtri - gen Feier, in der Mitte der ausgezeichneteren Männer des Kreiſes, ein Bürger - oder Volksfeſt, das, wie ſchon bemerkt, bald in ein wahres Nationalfeſt übergehen wird. Jeder der Anweſenden wird den em - pfangenen oder erweckten heiligen Funken der Freiheit und deutſcher Nationalität in die Herzen Aller übertragen und ſo eine Flamme entzünden, in welcher das ſchmachvoll niedergetretene deutſche Vaterland ſich zu läutern und wie der Phönix jugendlich zu erſtehen hoffen darf. vor meiner Seele ſtanden, und die in ſtets lichterer Klarheit hervordringen aus den Tiefen der Zukunft.

Ich werde kurz ſeyn, am Tage, wo Aller Herzen voll ſind; ich werde ſchlicht ſeyn, denn ich rede zu Allen; ich werde wahr ſeyn, nur für die Wahrheit iſt dieſer Redeſtuhl errichtet. Wer reden will in die - ſer kreiſenden Zeit der Völkergeburt, der rede frei und offen wie des Himmels Sonne friſch hineinleuchtet in die ſündenvolle Nacht. Diener der Gewalt mögen im Finſtern ſchleichen oder am hellen Tage die viel - farbige Larve der Heuchelei und Lüge vornehmen; der Patriot, wer ſein Vaterland liebt und die Freiheit liebt, wer die Menſchenwürde trägt im Buſen, der tritt in ſeiner eigenſten Geſtalt auf: er kann irren, aber nimmermehr ſich und Andere belügen; nicht jene Selbſtſucht wird ihn beherrſchen, die in verſchleierter Halbheit ſich für jeden Ausgang des großen Kampfes das Löſe - und Bindemittel retten will, nicht jene Selbſtſucht, die die beſſere Ueberzeugung an die Furcht verräth oder um ſchnöden Gewinn tauſcht, nicht jene Selbſtſucht, die, wie das Gift der Cholera, die Lippen in ſtotternden Krampf ſetzt und den Pulsſchlag des Herzens tödtend erſtarrt; ſondern der Gottesfunke der Menſchheit möge ſein Gemüth bewegen, ſeine Zunge begeiſtern, der Gottesfunke der Liebe zum Vaterland, zur Freiheit.

33

Vaterland Freiheit ja! ein freies deutſches Va - terland dies der Sinn des heutigen Feſtes, dies die Worte, deren Donnerſchall durch alle deutſchen Gemarken drang, den Verraͤthern der deutſchen Nationalſache die Knochen erſchuͤtternd, die Patrioten aber an - feuernd und ſtaͤhlend zur Ausdauer im heiligen Kampfe, im Kampf zur Abſchuͤttelung innerer und aͤußerer Gewalt.

Der Deutſchen Mai Wonnemonat nannten unſere Vaͤter den Mai, wonniglich ſchmeichelt er den Sinnen, mit Wonne kirrt er das Herz, mit Wonnebildern umgaukelt er die Phantaſie. Mit Bluͤten ſahn wir Baum und Strauch geſchmuͤckt, ein Duͤftemeer wird bald umfluthen die zahlloſe Weingelaͤnde: reiche Fruchtbarkeit wird der Erndtemonat bringen, wenn kein Spaͤtfroſt toͤdtet, kein Hagel zerſchlaͤgt, kein Sturm zerknickt. Auch der Voͤlker Leben hat ſeine Maitage, die wiederzukehren pflegen in jedem politiſchen Umſchwung, der mit friſcher Jugendlichkeit alle Nerven und Adern uns durchzuckt: wohl den Voͤlkern, wenn die belebende Sonne der Vaterlandsliebe die edleren Bluͤten befruchtet, wenn nicht der Winterfroſt der Selbſtſucht ſie toͤdtet, nicht der Sturm despotiſcher Gewalt ſie vernichtet! Auch die Voͤlker haben ihre Maitage, wo die bluͤtenum - kraͤnzte Hoffnung erwacht, wo die patriotiſche Phantaſie mit roſenfarbenen Geſichten ſpielt. Auch die Voͤlker haben ihren Erndtemonat, und der Baum ihres Lebens umhaͤngt ſich mit koͤſtlichen Fruͤchten, dem Segen des Wohlſtandes und dem Ruhme der Geſchichte, wenn er wurzelt in der Liebe zum Vaterland, wenn er von treuen Buͤrgerhaͤnden gepflegt und gehegt wird.

Fuͤr unſer Deutſchland war ein ſolcher Mai aufgegangen, mit brau - ſender Jugendkraft ſtuͤrzte das deutſche Volk in den Kampf, zu erringen die Freiheit, zu erringen ein Vaterland; aber die edelſte Bluͤte des Siegs ward zernagt vom Wurm fuͤrſtlich-ariſtokratiſcher Selbſtſucht, die heilige Saat, von edlem Buͤrgerblute geduͤngt, ward zertreten vom eiſernen Fuß der Despoten. Nun iſt er wiedergekehrt der herrliche Voͤlker-Mai, er ſteht vor Aller Augen, das Haupt umkraͤnzt mit den Kraͤnzen der Hoffnung: friſch will der Voͤlkerbaum gruͤnen und bluͤhen, und mit reicher Frucht ſich beladen. Aber noch ſtehen wir ſinnend und zaudernd; noch iſt ihm nicht Aller Liebe geweiht, Aller pflegende Sorgfalt; noch ſchmach - ten die Wurzeln auf duͤrrem Geſtein, duͤrftig benetzt von den Thraͤnen der Maͤrtyrer, die in Verbannung leben, in Kerkern ſeufzen, oder dem Vaterlande den letzen Gruß zuwinkten von dem Schaffot.

So weit von dieſem erhabenen Punkte der Blick reicht, dehnt ſich aus das herrliche Rheinthal, jener beneidete Garten, auf den die Natur alle334Fülle des Segens[ausgeſchüttet]; aber das deutſche Vaterland liegt ver - ödet. Gärten für Obſt, für Wein, für Brodfrüchte, grünende Wieſen und Anlagen prangender Luſt haben deutſche Hände geſchaffen; aber brach liegt der Boden des Vaterlandes. Sinnreich raffinirt der Erwerb, wie er den Baum, wie er den Weinſtock veredle, wie er den Waizenhalm ſchießen und gewichtig laden mache, wie er den Waſſerfluten den Raub entziehe, wie er den wildeſten Berg umſchaffe zu fruchtbarem Ertrag aber die Fluren des Vaterlandes ſtehen verlaſſen, Dörner und Diſteln wuchern, Uhus herrſchen als Adler, Büffel ſpielen die Löwen, und kriechendes Gewürm, Volk genannt, ſchleicht und windet ſich auf der Erde, zahllos ſich vervielfältigend und jenen Raubthieren zum üppigen Fraß dienend. Geſchäftig forſcht und brütet der Geiſt der Erfindung, der Entdeckung, des Betriebs, wie er aus dem Leib der Erde die Metalle herauf hole zu Werkzeugen der Arbeit, des Gewinns und ach! unſrer Bedrückung; aber das edlere Metall der Vaterlandsliebe ruht verſchüttet. Der ſinnende Geiſt errichtet Eiſenbahnen und baut Dampfſchiffe, das enge Comptoir zum Weltmarkt erweiternd, Land mit Land und Volk mit Volk zu gegenſeitigem Wucher verknüpfend: aber der Bürger bleibt fremde dem Bürger, und engherzig verkrüppelt er am Rechentiſch, im ſpießbürgerlichen Puppenſpiel, oder am kühnen Wageſtück eines Schleichhandels. Wir widmen unſer Leben der Wiſſenſchaft und der Kunſt, wir meſſen die Sterne, prüfen Mond und Sonne, wir ſtellen Gott und Menſch, Höll und Himmel in poetiſchen Bildern dar, wir durchwühlen die Körper - und Geiſterwelt: aber die Regungen der Va - terlandsliebe ſind uns unbekannt, die Erforſchung deſſen, was dem Vater - lande Noth thut, iſt Hochverrath, ſelbſt der leiſe Wunſch, nur erſt wieder ein Vaterland, eine frei-menſchliche Heimath zu erſtreben, iſt Verbrechen. Wir helfen Griechenland befreien vom türkiſchen Joche, wir trinken auf Polens Wiedererſtehung, wir zürnen wenn der Despotism der Könige den Schwung der Völker in Spanien, in Italien, in Frankreich lähmt, wir blicken ängſtlich nach der Reformbill Englands, wir preiſen die Kraft und die Weisheit des Sultans, der ſich mit der Wiedergeburt ſeiner Völker beſchäftigt, wir beneiden den Nordamerikaner um ſein glückliches Loos, das er ſich muthvoll ſelbſt erſchaffen: aber knechtiſch beugen wir den Nacken unter das Joch der eigenen Dränger; wenn der Despotism auszieht zu fremder Unterdrückung, bieten wir noch unſern Arm und un - ſere Habe; die eigene Reformbill entſinkt unſern ohnmächtigen Händen, die der Sturz Warſchau’s in’s Zittern gebracht, die Wiedergeburt Deutſch - lands gilt uns als ein nichtiger Traum, und o! wie möchten wir fähig35 ſein jener ſittlichen Kraft, jenes heldenmüthigen Entſchluſſes, auf deſſen Wink ein freies, ein glückliches, ein ruhmvolles Vaterland ſich erhöbe?

Herrliche Werke der ſinnigen Andacht unſerer beſſern Väter prangten dereinſt in dieſen reichen Gauen, noch ſtreken ihre Wipfel oder Trümmer empor die Dome von Freiburg und Straßburg und Speier und Oppen - heim und Mainz und Frankfurt. Andere Tempel erbauten wir daneben, klein und armſelig wie unſer Sinn und unſre Kraft. Noch ſteht die Kirche dort, wo ein Luther gepredigt, noch zeigt ſie das Bild des Reichs - tags, vor welchem er, der muthige Glaubensheld, den Herrſcherſtab des Pfaffenthums, der Unwiſſenheit und geiſtigen Bedrückung zerbrach und die Freiheit des Gewiſſens und der Forſchung für immer errang: aber noch ſteht der römiſche Despot mit deutſchen Fürſten in Vertrag und Bund, und noch iſt kein politiſcher Luther auferſtanden, der das Scepter zerbreche der abſoluten Könige, der die Völker erlöſe von der Schmach der politiſchen Knechtſchaft.

Wir bauen mit dem Schweiße zinspflichtiger Armen dem Ueber - muthe Palläſte, der Ueppigkeit Schauſpielhäuſer und Tanzſäle, der Un - terdrückung Kaſernen und Zwingburgen, der Luſt Landhäuſer und Bäder, dem Stolz errichten wir Prunkſchlöſſer, der Eitelkeit Muſeen und Kunſt - gallerieen, den Völkerſchlächtern Säulen des Ruhms: aber für irgend ein deutſches Nationaldenkmal hat die weite deutſche Erde keinen Raum, haben ſeine 34 ſouveräne Fürſten keinen Sinn; eine Nationalhalle ſuchſt du umſonſt, wo die Majeſtät des deutſchen Volks wiederſtrahle, das freie Geſetz im Innern gründend, die Würde nach Auſſen bewahrend.

Tauſend Dörfer und Städte ſehn wir ſchimmernd ſich ausbreiten, von Bewohnern wimmelnd, wie rührige Ameiſen und erdumwühlende Maulwürfe; aber ein höheres Band, ſie zu ſittlicher Einheit verknüpfend, einen Gedanken, ſie emporrichtend zum himmliſchen Vater, der ſie erſchaf - fen zur Freiheit, zur Menſchenwürde: jenes heilige Feuer, das in unſerm Haupte den Lichtſtrahl entzündet, und unſere Bruſt zum rettenden Ent ſchluſſe der Aufopferung für die Geſammtheit erwärmt, die Kraft des ſchwankenden Willens ſtählt und den flüchtigen Muth des Augen - blicks in Flammen ſetzt das ſuchſt du vergebens.

Dort Carlsruhe Carlsruhe; was kannſt du weiter von der volkreichen, glänzenden Stadt rühmen, die ſich glücklich ſchätzt, der Schemel üppiger Höflinge zu ſeyn, und von den Brocken ihrer Tafel ſich zu nähren? Hier Speier, einſt von tapfern Nemetern bewohnt, einſt der prangende Sitz deutſcher Reichsverſammlungen und des Reichs - gerichts, jetzt von etlichen Jeſuiten und Ariſtokraten beherrſcht. Dort36 das reinliche Mannheim, welches, zwiſchen Hof - und Bürgerthum ſchwebend, des Lebens Ziel und Preis in der Oper zu finden ſcheint. Heidelberg, ein altehrwürdiger Muſenſitz; aber manche der Fackel - träger ſtellen das Licht unter den Scheffel, und mehr als den Muſen opfert man dem Mammon nnd der Eitelkeit, die ſich mit Orden bläht und Hoftiteln. Darmſtadt, nur auf ein Preßgeſetzlein für eine Spanne Landes bedacht, das neben der Cenſur und unterm Schwert des Bundestags kränkle, jenes deutſchen Bundestags, der einen deut - ſchen Stamm zum andern als Fremdling, eine Scholle zur andern als Ausland erklärt. Worms, um deſſen Gunſt dereinſt das deutſche Reichsoberhaupt gebuhlt, deſſen tapfere Bürger Kaiſer befreiten, wo Luther im Angeſichte des Reichstags dem verketzernden Prieſterthum Trotz bot, Worms, von den Römern erbaut, hat den Maulkorb um. Mainz, wo das Genie eines Guttenberg das pochende Gefühl in der engen Bruſt entfeſſelte und den Gedanken zum geflügelten Wort umprägte, Mainz mußte die Schmach erleben, daß dort ein Spezialgericht zwölf Jahre lang auf Jünglingen laſtete, die von einem Deutſchland träumten, weil es in den Proklamationen der Mächtigen verheißen war; Mainz, Deutſchlands Bollwerk, ſeufzt unter der Waffengewalt zweier Könige, deren Kabinetspolitik kein Deutſchland anerkennt, und das Bollwerk ſammt Deutſchland ſchon mehrmals an den Erzfeind verrieth. Frank - furt, rührig mit Fäſſern und Ballen und Geldſäcken; Frankfurt das im Namen noch den Ruhm eines der muthigſten deutſchen Stämme be - wahrt; Frankfurt, wo jeder Pflaſterſtein für eine geſchichtliche Erinnerung Deutſchlands zeugt; Frankfurt iſt o daß ich Alles mit einem Wort ſage! iſt der Sitz des Bundestags, der Sitz des politiſchen Vati - kans, aus welchem der Bannſtrahl herabzuckt, wo irgend ein freier, ein deutſcher Gedanke ſich hervorwagt.

Sollen die Blicke noch weiter ſchweifen, den Schleier durchdringend, der die Schmach deutſcher Gauen deckt? Wollen wir in den Norden hinabſteigen, wo die Nacht des Abſolutismus ſchwer laſtet auf einem Volksſtamm, der ſich der helleſten Erleuchtung mit Recht rühmte, der zu Deutſchlands Befreiung von fremdem Joche ſich zuerſt und am kräf - tigſten erhob, jetzt aber ob der ſchmählichen Knechtſchaft im Innern und von Außen ſich glücklich preißt? Oder wollen wir die öſtlichen Brüder beſuchen, welche die mit Sammet überzogene Eiſenhand des ſchlaueſten Despotismus von den übrigen Deutſchen gewaltſam trennt, ja ſie mit dem Henkerbeile gegen dieſelben bewaffnet?

37

Ha! ihr zürnet, deutſche Männer und Frauen, über die dunkeln Schlagſchatten im Gemälde der Zeitbewegung: wohl euch, wohl dem Vaterlande, daß ihr zürnet! In dieſem edlen Zorn iſt die Bürgſchaft gegeben, daß einſt ein Deutſchland wieder erſtehe aus den Trümmern, worunter die Gewalt der Zeit und der Verrath der Fürſten es begra - ben. Leuchtende Strahlen der Hoffnung zucken auf, die Strahlen der Morgenröthe deutſcher Freiheit, und bald, bald wir ein Deutſchland ſich erheben, herrlicher als es jemals geweſen.

Noch iſt’s daſſelbe Volk, um welches, als den natürlichen und politi - ſchen Mittelpunkt, einſt alle Völker Europa’s ſich reiheten; noch iſt’s daſſelbe Volk, das in der Zeit tiefſter Erniedrigung mit heiliger Be - geiſterung die Ketten des Fremdlings zerbrach und auf blutigen Sieges - feldern den Altar des Vaterlandes erhob; wie zerſplittert und verein - zelt auch die Beſtrebungen der Stämme für die Erringung geſetzlicher Frei - heit, es ſind Steine zum großen Nationalbau für Alle; die Hände, welche Opernhäuſer und Zwingburgen errichteten, werden auch Hallen erbauen, worin die Repräſentanten deutſcher Nation über das Wohl des gemeinſamen Vaterlandes berathſchlagen; mitten aus den Schwärmen der Elenden, die um wankende Throne ſich lagern, oder ſonſt im Schlamm abſcheidender Selbſtſucht ſich wälzen, richten ſich Tauſende männlich empor, glühend für deutſche Freiheit und Volksthum; wenn wir im Gewühl jener Städte viel nichtiges Treiben für Befriedigung des Bauchs und kränkelnder Sinnenluſt ſehn, ſo bemerken wir auch mit Freude die muthigen Vaterlandsvereine, den erwachenden Bürgerſtolz, die ſtets re - gere Theilnahme an allem Oeffentlichen; in jenem herrlichen Frankfurt zumal, wo die finſtere Gewalt ariſtokratiſcher Häuptlinge lauert, flim - mert ſchon der Funke der Freiheit, der im deutſchen Volksſaal zur hell - leuchtenden Flamme ſich entzünden wird; ja auch in den gelähmten Nor - den und Oſten dringt, erwärmend und belebend, immer tiefer der Strahl politiſcher Aufklärung, auch unſere dortigen Brüder haben vom Baum des Erkenntniſſes gekoſtet, und darum ſteht auch vor ihrem Blick unſer deutſches Vaterland in ſeiner traurigen Nacktheit, in ſeiner unwürdigen Blöſe; auch für ſie wird ein froher Maitag anbrechen, und wenn wir fie noch vermiſſen beim heutigen Feſte der Hoffnung, ſie feiern es doch mit im Geiſt, und ſie werden nicht ausbleiben, wann wir das Erndte - feſt begehn, wann die Hoffnung zur Wirklichkeit gediehen, wann das Vaterland, das wir jetzt noch im Herzen tragen, einig und frei und ſtark, ein deutſcher Rieſe, lebendig vor unſere Augen treten wird.

Und es wird kommen der Tag, der Tag des edelſten Siegſtolzes,38 wo der Deutſche vom Alpengebirg und der Nordſee, vom Rhein, der Donan und Elbe den Bruder im Bruder umarmt, wo die Zollſtöcke und die Schlagbäume, wo alle Hoheitszeichen der Trennung und Hemmung und Bedrückung verſchwinden, ſammt den Conſtitutiönchen, die man et - lichen mürriſchen Kindern der großen Familie als Spielzeug verlieh; wo freie Straßen und freie Ströme den freien Umſchwung aller National - kräfte nnd Säfte bezeugen; wo die Fürſten die bunten Hermeline feuda - liſtiſcher Gottſtatthalterſchaft mit der männlichen Toga deutſcher Natio - nalwürde vertauſchen, und der Beamte, der Krieger, ſtatt mit der Be - dientenjacke des Herrn und Meiſters, mit der Volksbinde ſich ſchmückt; wo nicht 34 Städte und Städtlein, von 34 Höfen das Almoſen empfangend, um den Preis hündiſcher Unterwerfung, ſondern wo alle Städte, frei emporblühend aus eigenem Saft, um den Preis patriotiſcher Geſinnung, patriotiſcher That ringen; wo jeder Stamm, im Innern frei und ſelbſt - ſtändig, zu bürgerlicher Freiheit ſich entwickelt, und ein ſtarkes, ſelbſtgewo - benes Bruderband alle umſchließt zu politiſcher Einheit und Kraft; wo die deutſche Flagge, ſtatt Trihut an Barbaren zu bringen, die Erzeugniſſe unſeres Gewerbfleißes in fremde Welttheile geleitet, und nicht mehr unſchuldige Patrioten für das Henkerbeil auffängt, ſondern allen freien Völkern den Bruderkuß bringt. Es wird kommen der Tag, wo deutſche Knaben, ſtatt durch todte Spielereien mit todten Sprachen ſich abzu - ſtumpfen, und die Jünglinge, ſtatt auf mittelalterlichen Hochſchulen durch Gelage, ſchnöde Tändelei und Klopffechterei zu verkrüppeln, durch leben - digen Nationalunterricht und würdige Leibesübung ſich zu deutſchen Män - nern heranbilden und zu jenem Vaterlandsſinn ſich ſtählen, von dem alle politiſche Tugend, alle Großthat ausſtrömt; wo das deutſche Weib, nicht mehr die dienſtpflichtige Magd des herrſchenden Mannes, ſondern die freie Genoſſin des freien Bürgers, unſern Söhnen und Töchtern ſchon als ſtammelnden Säuglingen die Freiheit einflößt, und im Samen des erziehenden Wortes den Sinn ächten Bürgerthums nährt; und wo die deutſche Jungfrau den Jüngling als den würdigſten erkennt, der am reinſten für das Vaterland erglüht; wo, abſchüttelnd das Joch des Gewiſſens, der Prieſter Trug und den eigenen Irrwahn, der Deut - ſche zu ſeinem Schöpfer die unverfälſchte Sprache des Kindes zum Vater redet; wo der Bürger nicht in höriger Unterthänigkeit den Launen des Herrſchers und ſeiner knechtiſchen Diener, ſondern dem Geſetze ge - horcht, und auf den Tafeln des Geſetzes den eigenen Willen liest, und im Richter den freierwählten Mann ſeines Vertrauens erblickt; wo die39 Wiſſenſchaft das Nationalleben befruchtet und die würdige Kunſt als deſſen Blüte glänzt.

Ja, er wird kommen der Tag, wo ein gemeinſames deutſches Va - terland ſich erhebt, das alle Söhne als Bürger begrüßt, und alle Bür - ger mit gleicher Liebe, mit gleichem Schutz umfaßt; wo die erhabene Germania daſteht, auf dem erzenen Piedeſtal der Freiheit und des Rechts, in der einen Hand die Fackel der Aufklärung, welche civiliſirend hinausleuchtet in die fernſten Winkel der Erde, in der andern die Wage des Schiedsrichteramts, ſtreitenden Völkern das ſelbſterbetene Geſetz des Friedens ſpendend, jenen Völkern, von welchen wir jetzt das Ge - ſetz der Gewalt und den Fußtritt höhnender Verachtung empfangen.

Seit das Joch abgeſchüttelt des fremden Eroberers, erwartete das deutſche Volk, lammfromm, von ſeinen Fürſten die verheißene Wieder - geburt; es ſieht ſich getäuſcht, darum ſchüttelt es zürnend die Locken und drohet dem Meineid. Die Natur der Herrſchenden iſt Unterdrü - ckung, der Völker Streben iſt Freiheit. Das deutſche Volk, wenn die Fürſten nicht ühren Wolkenthron verlaſſen und Bürger werden, wird in einem Moment erhabener Begeiſterung allein vollenden das Werk, wo - vor der ſiechkranke Dünkel erſchrickt, wovor die auszehrende Selbſt - ſucht erbebt, und wogegen die hinſterbende Gewalt vergebens die Strei - che des Wahnſinns in die Luft führt; das deutſche Volk wird vollbrin - gen das heilige Werk durch einen jener allmächtigen Entſchlüſſe, wo - durch die Völker, wenn die Fürſten ſie an den Abgrund geführt, ſich einzig zu retten vermögen.

Dies der Gedanke des heutigen Feſtes, des herrlichſten, beden - tungsvollſten, das ſeit Jahrhunderten in Deutſchland gefeiert ward, der Gedanke, der Tauſende von ausgezeichneten deutſchen Bürgern auf dieſer Höhe verſammelt und den Millionen andere Deutſche mitempfin - den, der Gedanke der Wiedergeburt des Vaterlandes. Und ſolcher Gedanke ſchallt von dieſer Bergruine, an deren ſtarren Felswän - den ſo mancher Schädel verzweifelnder Bauern ſich verblutete, von die - ſem biſchöflich-adeligen Raubneſt, an welchem deutſche Volkskraft ſich übte, die heiße Rache durch Zerſtörung kühlend, ſchallt die Forderung deutſcher Freiheit, deutſcher Wiedergeburt, bedeutungsvoll mahnend, in alle Gauen des zerriſſenen, des zertretenen Geſammtvaterlan des hinüber!

Darum noch einmal! Leuchten wird der große Tag, wozu in jeder flüchtigen Stunde neue Herzen ſich bereiten, und wär es uns nicht ver - gönnt, ihn zu ſchauen, ſo würden unſre beſſern Söhne deſto gewiſſer ihn heraufführen, ſie, in deren unbefleckten Gemüthern jener Freiheits -40 ſtolz und jener Männerſinn glüht, der einſt Herrmann nnd ſeine Ta - pfern gegen die Dränger des Volkes geführt; unſre Söhne haben es gelobt und geloben es täglich; was dort auf benachbarter Hochſchule von etlichen deutſchen Jünglingen aus Preußen voll edlen Entſchluſſes geſpro - chen ward, es wiederhallet als Morgen - und Abendgedanke in allen reinen Jugendherzen; derſelbe glühende Drang für das Vaterland kocht und ſiedet und ſprudelt in der Bruſt aller Knaben und Jünglinge, die noch nicht vergiftet ſind von den Lehren der Selbſtſucht, des ariſtokratiſchen Hochmuths; ſie wollen den ſtolzen Tag heraufführen, wo das morſche go - thiſche Gebäude des politiſchen Europa zuſammenſinkt, wobei man ſich über nichts wundern wird, als über das geringe Getöſe des Sturzes.

Doch nimmermehr wollen wir unſern Söhnen und Enkeln das hei - lige Werk überlaſſen, ein deutſches Vaterland zu gründen, nimmermehr wollen wir ihnen den Ruhm und den Stolz gönnen, dieſes Vaterland erſt vor ihren Blicken ſich erheben zu ſehn; nimmermehr wollen wir unſrer eignen Halbheit und Schwäche die Schminke leihen, indem wir, anſcheinend arglos, verſichern, die Gegenwart, die übrige Mitwelt ſey nicht reif für Ideale, die wir im Geiſte nähren.

Wir ſelbſt wollen, wir ſelbſt müſſen vollenden das Werk, und, ich ahne, bald, bald muß es geſchehen, ſoll die deutſche, ſoll die europäiſche Freiheit nicht er - droſſelt werden von den Mörderhänden der Ariſtokra - ten.

Die Jugend empfängt von den Männern den Rath der Weisheit; mögen die Männer am flammenden Muthe der Jugend ſich entzünden. Die Jünglinge werfen von ſich den Tand, womit ſie früher geſpielt; ſie verwiſchen alle Unterſchiede, ſie vertilgen alle Landsmannſchaften und Trennungen: ihr deutſche Männer! o laſſet auch uns aller Spaltungen vergeſſen, alle Marken und Abſcheidungen beſeitigen; laſſet uns nur eine Farbe tragen, damit ſie uns ſtündlich erinnere, was wir ſollen und wollen, die Farbe des deutſchen Vaterlands; auf ein Geſetz nur laſſet im Geiſt uns ſchwören, auf das heilige Geſetz deutſcher Freiheit; auf ein Ziel nur laſſet uns blicken, auf das leuchtende Ziel deutſcher Nationaleinheit, deutſcher Größe, deutſcher Macht: und wenn einſt alle deutſchen Männer dieſer eine Gedanke voll und lebendig durchdringt, dann, ich ſchwör es bei Thuisko, dem Gott der freien Deutſchen, dann wird in ſtrahlendſter Geſtalt ſich erheben, wonach wir Alle ringen und wozu wir heute den Grundſtein legen ein freies deutſches Va - terland.

41
  • Es lebe das freie, das einige Deutſchland!
  • Hoch leben die Polen, der Deutſchen Verbündete!
  • Hoch leben die Franken, der Deutſchen Vrüder, die unſere Nationali - tät und Selbſtſtändigkeit achten!
  • Hoch lebe jedes Volk, das ſeine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit ſchwört!
  • Vaterland Volkshoheit Völkerbund hoch!

Rede von Wirth.

Das Land, das unſere Sprache ſpricht, das Land, wo unſere Hoff - nung wohnt, wo unſere Liebe ſchwelgt, wo unſere Freuden blühen, das Land, wo das Geheimniß aller unſerer Sympathien und all unſerer Sehnſucht ruht, dieſes ſchöne Land wird verwüſtet und geplündert, zer - riſſen und entnervt, geknebelt und entehrt. Reich an allen Hülfsquellen der Natur ſollte es für alle ſeine Kinder die Wohnung der Freude und der Zufriedenheit ſeyn, allein ausgeſogen von 34 Königen, iſt es für die Mehrzahl ſeiner Bewohner der Aufenthalt des Hungers, des Jammers und des Elendes. Deutſchland, das große, reiche, mächtige Deutſch - land, ſollte die erſte Stelle einnehmen in der Geſellſchaft der europäi - ſchen Staaten, allein beraubt durch verrätheriſche Ariſtokratenfamilien, iſt es aus der Liſte der europäiſchen Reiche geſtrichen und der Verſpottung des Auslandes Preiß gegeben. Berufen von der Natur, um in Europa der Wächter des Lichts, der Freiheit und der völkerrechtlichen Ordnung zu ſeyn, wird die deutſche Kraft gerade umgekehrt zur Unterdrückung der Freiheit aller Völker und zur Gründung eines ewigen Reiches der Finſterniß, der Sclaverei und der rohen Gewalt verwendet. So iſt denn das Elend unſeres Vaterlandes zugleich der Fluch für ganz Europa. Spanien, Italien, Ungarn und Polen ſind Zeuge davon. Spanien iſt durch die heilige Allianz, welche ihre Stütze ausſchließend in Deutſch - land hatte, einer auf Aufklärung, Menſchlichkeit und Vernunft gebauten Staatsverfaſſung, ſowie ſeiner patriotiſchen Cortes beraubt und unter das Meſſer fanatiſcher Prieſter und Ariſtokraten, ſowie des Regime des Unſinnes und der Grauſamkeit überhaupt zurückgeführt worden. Ungarn und Italien werden von Oeſterreich mit Hülfe deutſcher Kräfte ihrer Nationalität beraubt und in Knechtſchaft und Finſterniß gehalten. Polen iſt zu wiederholtenmalen von deutſchen Mächten ver - rathen worden, und hat den Verluſt der Freiheit und des Vaterlandes auch in neuerer Zeit einem deutſchen Könige zu verdanken. Die Urſache der namenloſen Leiden der europäiſchen Völker liegt einzig und allein42 darin, daß die Herzoge von Oeſterreich und die Kurfürſten von Bran - denburg den größten Theil von Deutſchland an ſich geriſſen haben, und unter dem Titel der Kaiſer von Oeſterreich und der Könige von Preu - ßen nicht nur ihre eigenen, durch methodiſche Plünderung Deutſchlands erworbenen Länder, nach orientaliſchen Formen beherrſchen und deren Kräfte zur Unterdrückung der Freiheit und Volkshoheit der europäiſchen Nationen verwenden, ſondern auch ihr Uebergewicht über die kleineren Länder Deutſchlands benützen, um auch die Kräfte dieſer dem Syſteme fürſtlicher Alleinherrſchaft und despotiſcher Gewalt dienſtbar zu machen. Bei jeder Bewegung eines Volkes, welche die Erringung der Freiheit und einer vernünftigen Staatsverfaſſung zum Ziele hat, ſind die - nige von Preußen und Oeſterreich durch Gleichheit der Zwecke, Ge - ſinnungen und Intereſſen an Rußland geknüpft, und ſo entſteht jener furchtbare Bund, der die Freiheit der Völker bisher immer noch zu tödten vermochte. Die Hauptmacht dieſes finſtern Bundes beſteht im - mer aus deutſchen Kräften, da Rußland ohne die Allianz mit Preußen und Oeſterreich ohnmächtig wäre und durch innere Stürme in Zerrüt - tung fallen würde. So rieſenhaft daher die Macht des abſoluten Bun - des auch ſeyn mag, ſo iſt ihr Ende doch in dem Augenblicke gekommen, wo in Deutſchland die Vernunft auch in politiſcher Beziehung den Sieg erlangt, d. h. in dem Augenblicke, wo die öffentlichen Angelegenheiten nicht mehr nach dem despotiſchen Willen eines Einzigen, nicht mehr nach den Intereſſen einer über ganz Europa verzweigten Ariſtokraten - Familie, ſondern nach dem Willen der Geſellſchaft ſelbſt und nach den Bedürfniſſen des Volkes geleitet werden. In dem Augenblicke, wo die deutſche Volkshoheit in ihr gutes Recht eingeſetzt ſeyn wird, in dem Augenblicke iſt der innigſte Völkerbund geſchloſſen, denn das Volk liebt, wo die Könige haſſen, das Volk vertheidigt, wo die Könige verfolgen, das Volk gönnt das, was es ſelbſt mit ſeinem Herzblut zu erringen trachtet, und, was ihm das Theuerſte iſt, die Freiheit, Aufklärung, Nationalität und Volks - hoheit, auch dem Brudervolke: das deutſche Volk gönnt da - her dieſe hohen, unſchätzbaren Güter auch ſeinen Brüdern in Polen, Ungarn, Italien und Spanien. Wenn alſo das deutſche Geld und das deutſche Blut nicht mehr den Befehlen der Herzoge von Oeſterreich und der Kurfürſten von Brandenburg, ſondern der Verfügung des Volkes unterworfen ſind, ſo wird Polen, Ungarn und Italien frei, weil Ruß - land dann der Ohnmacht verfallen iſt und ſonſt keine Macht mehr be - ſteht, welche zu einem Kreuzzuge gegen die Freiheit der Völker verwen -43 det werden könnte. Der Wiederherſtellung des alten, mächtigen Polens, des reichen Ungarns und des blühenden Italiens folgt von ſelbſt die Be - freiung Spaniens und Portugals und der Sturz des unnatürlichen engliſchen Uebergewichts. Europa iſt wiedergeboren und auf breiten natürlichen Grundlagen dauerhaft organiſirt. Freiheit des Welthandels iſt die köſtliche materielle Frucht und unaufhaltſames Fortſchreiten der Civiliſation der außer jeder Berechnung liegende geiſtige Gewinn eines ſolchen Weltereigniſſes. Die reichen Länder der europäiſchen Türkei werden dann nicht länger den Feinden aller Kultur überlaſſen bleiben, weil die Eiferſucht einer ſchwachköpfigen und engherzigen Politik dieſe herrlichen Provinzen einem civiliſirten Volke nicht gönnt. Man wird ſie vielmehr der Civiliſation wiedergeben, Conſtantinopel durch Umſchaffung in eine freie Stadt und einen freien Hafen in einen allmächtigen Hebel des europäiſchen Handels verwandeln, die Hülfsquellen Afrika’s für Europa eröffnen, und dann den großen Menſchenfreund, den Handel gewähren laſſen, daß er ſeine unendlichen Gaben und unerſchöpflichen Schätze über die Völker Europa’s ausſchütte und zugleich alle Nationen zu ewig neuen Fortſchritten in der Civiliſation anſporne. Unermeßlich ſind die Folgen der Befreiung Europa’s, unermeßlich ſchon in Anſehung der Emporhebung und gleichmäßigen Verbreitung des Wohlſtandes und unermeßlich vollends in Anſehung der geiſtigen Fortſchritte. Und alle dieſe unendlichen Triumphe des menſchlichen Geſchlechts, all dieſe uner - meßlichen Segnungen ſollten den Völkern Europa’s blos darum vorent - halten werden, damit ein paar unverſtändige Knaben fortwährend die Königsrolle erben können? Wahrlich, ich ſage euch, giebt es irgend Ver - räther an den Völkern und an dem geſammten Menſchengeſchlechte, giebt es irgend Hochverräther, ſo wären es die Könige, welche der Eitelkeit, der Herrſchſucht und der Wolluſt willen die Bevölkerung eines ganzen Welttheils elend machen und dieſelbe durch empörende Unterdrückung Jahrhunderte hindurch hindern, zu dem ihr von Natur beſtimm - ten Zuſtande von materieller Wohlfart und geiſtiger Vollendung ſich aufzuſchwingen. Fluch, ewigen Fluch darum allen ſolchen Verräthern!

Es iſt einleuchtend, daß unter den bemerkten Umſtänden die Reform Deutſchlands, als die Baſis der Reorganiſation Europa’s, eine große gemeinſchaftliche Angelegenheit aller Völker unſeres Welttheils ſey. Von ihr hängt die Wohlfart der großen Mehrheit aller Nationen Europa’s, von ihr die Ruhe und das Glück des ganzen Welttheils ſelbſt ab. Auch Frankreich kann vor der Befreiung und Wiedererſtehung Deutſchlands44 Freiheit, Glück und Frieden in dauerhafter Weiſe nie erlangen, weil die unvereinbarlichen Principien von Volkshoheit und dem Königthume des göttlichen Rechts zwiſchen Frankreich und den deutſchen Königen ewige Reibung erzeugen und einen Kampf entzünden müſſen, dem nur mit dem entſcheidenden Siege des vernünftigen Princips, alſo dem Triumphe der Volkshoheit in Deutſchland, definitiv ein Ziel geſetzt werden kann. Wenn demnach die Reform Deutſchlands ſo ſehr im Intereſſe Frank - reichs liegt, ſo ſcheint es natürlich, daß die deutſchen Patrioten in ih - rem ſchweren und ungleichen Kampfe gegen die Verräther ihres Vater - landes ihre Hoffnung vorzüglich auf Frankreich ſetzen ſollten. Man ſollte meinen, unſere franzöſiſchen Nachbarn müßten dem großen Werk der deutſchen Reform wegen der davon abhängenden Reorganiſation Euro - pa’s frei von allem Eigennutze und insbeſondere frei von Vergrößerungs - ſucht, aufrichtig und uneigennützig ihre volle Unterſtützung widmen. Leider dürfen wir aber dieſer Hoffnung uns noch nicht ergeben. Die gegenwär - tig in Frankreich herrſchende Parthei, geſtützt auf die ganze Maſſe der Reichen und Wohlhabenden, will um jeden Preiß den Frieden erhalten. Ihr iſt es nur um kleinliche materielle Intereſſen zu thun, ſie begreift das wahre Bedürfniß Europa’s ſo wenig, als die Aufgabe des Jahr - hunderts. Sie iſt insbeſondere völlig unfähig, ſich zu der Idee zu er - heben, daß Frankreich die Reform Deutſchlands aus höheren politiſchen Rückſichten völlig eigennützig unterſtützen müſſe. Könnte daher dieſe Parthei auch zu einer Unterſtützung der Bewegung in Deutſchland ſich entſchließen, ſo würde ſie das linke Rheinufer als den Preiß ihrer Hülfe fordern. Außer den Carliſten, welche hier in keine Erwägung gezogen werden können, kämpft gegen die herrſchende Parthei in Frankreich eine zweifache Oppoſition, nämlich die Propaganda und die Republicaner. Letztere ſind aber größtentheils mittellos, daher von den Wahlen und von dem Antheile an der Repräſentation völlig ausgeſchloſſen. Auf fried - lichem Wege kann deßhalb dieſe Parthei niemals an die Spitze der Ge - ſchäfte treten. Würde demnach eine Veränderung des Regierungsſyſtems in Frankreich von der Oppoſition auch durchgeſetzt, ſo geſchähe dieß höch - ſtens im Sinne der Propaganda. Dieſe Parthei will die Freunde der Freiheit in andern Ländern allerdings thätig unterſtützen, allein ſie fordert als Preiß der Hülfe ebenfalls das linke Rheinufer. Nur die Republikaner, insbeſondere die Geſellſchaft der Volksfreunde (Société des amis du peuple) haben reinere patriotiſche Grundſätze und legen auf die Eroberung der Rhein - grenze einen geringen Werth oder verlangen ſie gar nicht. Allein ohne eine Staatsumwälzung, wozu noch lange keine Ausſicht gegeben iſt,45 kann dieſe Partei nicht zur Herrſchaft gelangen und wenn dieß auch der Fall wäre, ſo iſt die Begierde nach dem linken Rheinufer der großen Mehrheit des franzöſiſchen Volkes doch ſo ſehr zur andern Natur gewor - den, daß das kleine Häuflein hellſehender Kosmopoliten dem allgemei - nen Nationalwunſche nicht wiederſtehen könnte, wenn bei einem Kriege, einer gewaltſamen Umwälzung oder irgend einer Kataſtrophe in Deutſch - land zur Eroberung der Rheingrenze Gelegenheit gegeben wäre, oder wenn Frankreich dadurch wohl gar in den Beſitz des linken Rheinufers zufällig kommen ſollte. Von Frankreich haben wir daher im dem Kampfe um unſer Vaterland wenig oder keine Hülfe zu erwarten. Denn, daß wir um den Preiß einer neuen Entehrung, nämlich der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich, ſelbſt die Freiheit nicht erkaufen wol - len, daß vielmehr bei jedem Verſuche Frankreichs, nur einen Schollen deutſchen Bodens zu erobern, auf der Stelle alle Oppoſition im Innern ſchweigen und ganz Deutſchland gegen Frankreich ſich erheben müßte und werde, daß die Befreiung unſeres Vaterlandes vielmehr um - gekehrt die Wiedervereinigung von Elſaß und Lothringen mit Deutſch - land wahrſcheinlicherweiſe zur Folge haben werde, über alles dieß kann unter Deutſchen nur eine Stimme herrſchen.

Hoffe man daher nichts von einer Unterſtützung Frankreichs. Fürchte man ſolche vielmehr, wenn ſie eine Maßregel des Gouvernements werden ſollte. Denn in dieſem Falle hat eine Bewegung Frankreichs zu Gunſten der deutſchen Patrioten einen Krieg gegen Oeſterreich und Preußen zur Folge, in welchem die kleinen deutſchen Mächte augenblicklich auf die Seite Frankreichs treten würden, wenn das günſtige Kriegsglück ge - gründete Hoffnung zur Eroberung darbietet. Baiern, das in einem ſol - chen Falle auf die andern kleinen Fürſten einen großen Einfluß erlangt, verwünſcht ſeine Beſitzung am Rheine und trachtet ſehnſuchtsvoll nach Wiedererlangung von Salzburg, Tyrol und dem Innviertel. Sachſen iſt über die Grauſamkeit, mit der man das Land zerriſſen und verkauft hat, immer noch erbittert, und wird jede Gelegenheit ſeiner Wieder - vereinigung mit Eifer ergreifen. Sobald daher in einem Kriege gegen Oeſterreich und Preußen für Frankreich nur irgend eine Wahrſcheinlich - keit des Sieges vorhanden iſt, treten Baiern, Sachſen, Würtemberg, Baden u. ſ. w. der Vergrößerungsſucht wegen auf die Seite Frankreichs, und es wiederholt ſich die alte Geſchichte des Rheinbundes. Dann iſt[aber] nicht blos Deutſchland unglücklicher als je, ſondern auch das große Werk der europäiſchen Reorganiſation auf lange Zeit wieder hinausge - ſchoben. Aus allen dieſen Gründen dürfen denn die deutſchen Patrioten46 auf die Hülfe Frankreichs nicht allein keine Hoffnung ſetzen, ſondern ſie müßen auch die Pläne Frankreichs aufmerkſam beobachten, vor allem aber in ihr pölitiſches Glaubensbekenntniß den Satz aufnehmen: » Selbſt die Freiheit darf auf Koſten der Integrität unſeres Ge - bietes nicht erkauft werden; der Kampf um unſer Vaterland und unſere Freiheit muß ohne fremde Einmiſchung durch unſere eigene Kraft von innen heraus geführt werden, und die Patrioten müßen in dem Augenblicke, wo fremde Einmiſchung ſtatt findet, die Oppo - ſition gegen die inneren Verräther ſuspendiren und das Geſammt - volk gegen den äußern Feind zu den Waffen rufen. «

Diejenigen, welche ihre Hoffnung lediglich auf die Hülfe Frankreichs ſetzen, werden bei ſolchen Grundſätzen an jedem Erfolge der deutſchen Op - poſition zweifeln. Deßungeachtet wird das große Werk auch auf dieſem, nnſere Nationalehre rettenden Wege zu Stande kommen. Das Mittel liegt in einem Bündniſſe der Patrioten zum Zwecke der Belehrung des geſammten deutſchen Volkes über die Art und Weiſe der nothwendigen Reform Deutſchlands. Der Vaterlandsverein war bei ſeiner Gründung für dieſen Zweck beſtimmt. Wie aber derſelbe inzwiſchen ſich geſtaltet hat, kann er den großen Zweck der Wiedergeburt des Vaterlandes nicht mehr erreichen, weil die Mitglieder deſſelben, und namentlich die Vorſteher den Zweck einer klar erkannten, bis in die Details genau beſtimmten und conſequent zu verfolgenden Reform Deutſchlands ent - ſchieden abläugnen und dem Vereine dafür den vagen und unbeſtimmten Zweck unterſchieben, für die freieſte Entwicklung patriotiſcher Gedanken über die Mittel zur Förderung des Wohls der deutſchen Völker, die Unterſtützung der ganzen Nation in Anſpruch zu nehmen. Der Verein kann in einer ſolchen Weiſe zwar auch nützlich ſeyn, allein den Zweck der deutſchen Reform vermag er nie zu erreichen. Die Sehnſucht nach einem beſſern politiſchen Zuſtande iſt nämlich bei uns faſt überall laut geworden. Allein gerade über die Hauptſache, d. h. worin das Beſſere beſtehe, darüber iſt noch Niemand einig, nicht einmal die Häupter der Oppoſition. So lange ein ſolcher Zuſtand beſteht, iſt die Oppoſition ſelbſt planlos, und muß nothwendig zur Verwirrung Anlaß geben. Aus dieſen Gründen ſind alle gegenwärtigen Beſtrebungen und Aufopferun[-]gen der Oppoſition wirkungslos, und werden es ſo lange ſeyn, bis de - ren Häupter über die Art und Weiſe der nothwendigen Reform Deutſchlands bis in die Details ſich verſtändiget haben, und nun nach47 einem feſten Plane und unter ſicherer Leitung gemeinſam dahin wirken, für dieſe Reform die öffentliche Meinung aller deutſchen Volksſtämme zu gewinnen. So lange dieß nicht geſchieht, fehlt es der Oppoſition an einem Anhaltspunkte; man ſtreitet ſich planlos herum, erbittert und entzweiet, und reißt ein, ohne zu wiſſen, was an die Stelle des Alten treten ſoll. Plan - und zwecklos, iſt eine ſolche Oppoſition unfähig, die Ereigniſſe zu leiten, wird vielmehr völlig von den Umſtänden beherrſcht, und kann leicht das Schickſal erfahren, gerade das befördert zu haben, was ſie vermeiden und abſtellen will, nämlich die Zerſtückelung und da - durch das Unglück Deutſchlands. Wenn dagegen die reinſten, fähigſten und muthigſten Patrioten über die zweckmäßigſte Reform unſeres Landes ſich verſtändiget und zugleich ſich verbunden haben, um durch eigene Journale die öffentliche Meinung des Geſammtvolkes für dieſe Reform zu gewinnen, wenn auch nur 20 an Geiſt, Feuereifer und Charakter ausgezeichnete Männer einen ſolchen Bund geſchloſſen und nun dem gu - ten Volke die unabweisliche Nothwendigkeit ſeiner politiſchen Veredlung, ſowie das dringende Bedürfniß der durchgreifenden Reform des Vater - landes täglich mit Flammenzügen in das Herz ſchreiben, wenn ſolche Männer den Nationalſtolz, das Gefühl der Bürgerwürde und die Flam - me der Freiheitsliebe durch die Gluth begeiſternder Rede in allen deut - ſchen Gauen erwecken, wenn nur 20 ſolcher Männer, zu einem geregel - ten Zuſammenwirken verbunden und von einem Manne ihres Ver - trauens geleitet, der Nation das ſchöne Schauſpiel eines gottbegeiſter - ten Kampfes für das Vaterland, für unſer angebetetes, dreimal herr - liches Deutſchland täglich vor Augen ſtellen, wenn ſie in ihrer Sen - dung nie müde werden, nie erzittern, nie erbleichen, wenn ſie alle Verfolgungen von Seite der Vaterlandsverräther mit Freudigkeit ertragen, wenn ſie der Gewalt kein haarbreit weichen und lieber 1000mal ſich zermalmen laſſen, als von ihrem heiligen Kampfe abzuſtehen, wenn endlich die guten Bürger in den lichtern Gegenden unſeres Landes das Wirken ſolcher Männer durch Verbreitung deren Schriften öffentlich oder im Stillen unterſtützen; ja fürwahr, dann wird, dann muß das große Werk gelingen, die verrätheriſche Gewalt wird vor der Weihe der Vaterlandsliebe und der Allmacht der öffentlichen Meinung in, den Staub ſinken, Deutſchland wird die Freiheit und den Frieden ſehen, es wird zur herrlichſten Macht und Größe emporblühen. Niemand kann hieran zweifeln, der die Macht der Preſſe kennt, und der erwägt welche ungeheure Wirkung dieſelbe ſchon binnen wenigen Monaten her vorzubringen im Stande war.

48

Darum deutſche Patrioten wollen wir die Männer wählen, die durch Geiſt, Feuereifer und Charakter berufen ſind, das große Werk der deutſchen Reform zu beginnen und zu leiten; wir werden ſie leicht finden und dann auch durch unſere Bitten bewegen, den heiligen Bund ſofort zu ſchließen und ihre bedeutungsvolle Wirkſamkeit ſofort zu eröff - nen. Dieſer ſchöne Bund möge dann das Schickſal unſeres Volkes lei - ten; er möge unter dem Schirme der Geſetze den Kampf für unſere höchſten Güter beginnen, er möge unſer Volk erwecken, um von innen heraus, ohne äußere Einmiſchung, die Kraft zu Deutſchlands Wiederge - burt zu erzeugen; er möge auch zu gleicher Zeit mit den reinen Patrioten der Nachbarländer ſich verſtändigen, und wenn ihm Garantien für die Integrität unſeres Gebietes gegeben ſind, dann möge er immerhin auch die brüderliche Vereinigung ſuchen, mit den Patrioten aller Nationen, die für Freiheit, Volkshoheit und Völkerglück das Leben einzuſetzen entſchloſſen ſind. Hoch! dreimal hoch leben die vereinigten Freiſtaa - ten Deutſchlands! Hoch! dreimal hoch das conföderirte republikaniſche Europa! *)Wir laſſen jede Rede als Anſicht des Redners unverändert ſtehen; die begeiſterte Vaterlandsliebe unſers feurigen Wirth hat jedoch, bei allem ſonſtigen Anklang, nach zwei Seiten hin, verletzt, nemlich unſere Nachbarn, die Franzoſen, und das Centralcomite des Preß - vereins, worüber ſich der Redaktions-Ausſchuß eine Anmerkung er - laubt.Den vermeintlichen Angriff auf Frankreich bedauern wir um ſo mehr, da das franzöſiſche Volk in neuerer Zeit das Verlangen der Rheingrenze als ein verderbliches Vorurtheil einzuſehen beginnt, und ſich täglich mehr überzeugt, daß alle aufgeklärten Völker nur einen Zweck, ein Ziel im Auge haben, die Freiheit, im innigſten gemeinſa - men Bündniß gegen die Könige, ihre Unterdrücker. Der Südweſten Deutſchlands und der Nordoſten Frankreichs beſonders haben für jetzt einerlei und ein ſehr dringendes Intereſſe, feſt und enge verbrüdert zu ſte - hen im Kampfe gegen innere und äußere Ueberwältigung. Dieß erkennt Wirth vollkommen, wie wir hingegen völlig in ſeine Entrüſtung ein - ſtimmen, wenn wir ſehen, daß nicht ein einziges franzöſiſches Journal die anmaßende, Freiheit und Nationalität mißachtende Forderung der Rheingrenze zu bekämpfen wagt. Mögen die franzöſiſchen Patrioten, die mit uns gleich denken, und deren Zahl nicht klein iſt, das Vorurtheil

Nach dem Schluſſe dieſer Rede wurde dem Redner von dem Privat - gelehrten Funke aus Frankfurt, im Namen mehrerer Patrioten dort - ſelbſt, ein deutſches Schwerdt, als Ehrengeſchenk feierlich überreicht.

49

Discours prononcé par Lucíen Rey de Strasbourg, an cien rédacteur du Journal universel. *)Obenſtehende Rede wurde in franzöſiſcher Sprache gehalten; für diejenigen, welche dieſer Sprache nicht kundig ſind, folgt hier die Ueber - ſetzung: Rede, gehalten von Luzian Rey aus Straßburg, vor - maligem Redacteur des Journal univerſel. Meine Herren! Es iſt ohne Zweifel Kühnheit, ich möchte ſelbſt ſagen Verwegenheit

Messieurs!

Il y a sans doute de ma part de la hardîesse, je dirais même de la témérité à venir prendre devant vous la parole après les éloquens discours que vous venez d’entendre; mais lorsque l’Allemagne se réveille,*)ihres Volkes austilgen, mögen ſie öffentlich den reinen Grundſatz der Völker - und Länder-Unabhängigkeit ausſprechen, dann werden die Deut - ſchen, dann wird auch unſer patriotiſcher Redner ſie innig als Brüder umarmen, und mit ihnen den großen Bund ſchließen, den Bund der Völkerfreiheit. Alſo umarmen wir ſchon jetzt die edlen franzöſiſchen Bürger, welche das deutſche Nationalfeſt mit ihrer Gegenwart verherr - lichten, und alſo begrüßen wir alle Franzoſen, in deren Namen ſie ge - genwärtig waren, oder deren Geſinnungen ſie ausſprachen! Wir laſſen auch hier ſofort die obwohl ſpäter gehaltene Rede folgen, welche von einem der franzöſiſchem Volksfreunde mit eben ſo erleuchtetem Geiſt als warmen Herzen geſprochen ward.Was ſodann den Vaterlandsverein betrifft, ſo darf man nicht über - ſeben, daß die erweiterte Wirkſamkeit, welche Wirth, gewiß mit der Mehrheit der Vereinsglieder gewünſcht hatte, urſprünglich überſehen ward, und ſpäter ſomit als Anmaßung hätte ausgelegt werden können, die, ehe das gerichtliche Urtheil erfolgt war, doppelt vermieden werden mußte. Auch darf man die unermeßlichen Schwierigkeiten nicht ver - geſſen, mit denen das Vereincomite zu kämpfen hatte, zumal da ihm kein ſicherer Weg der Mittheilung und Verſtändigung mit den Lokalaus - ſchüſſen offen geblieben war. Erſt ſeit das erleuchtete Obergericht Rhein - baierns den Verein als geſetzlich erklärt hat, bilden ſich Ortscomites, und gewinnt das Ganze friſches Leben. Inzwiſchen ſtimmen wir der Anſicht vollkommen bei, daß nicht blos der Preſſe, ſondern dem deut - ſchen Vaterland und der Freiheit überhaupt große und nahe Gefahren drohen. Die Könige und Ariſtokraten rüſten im Stillen, alle Zeichen eines nahen Sturmes ſind ſichtbar. Auch wir rufen daher die deutſchen Völker zur Wachſamkeit auf: mögen ſie bereit ſtehen zum Kampf auf Leben und Tod, wenn die verbündeten Ariſtokraten und Könige ihn wagen! Anmerk. des Redaktions-Ausſchuſſes. 450lorsque vous saluez par des transports unanimes d’acclamation l’aurore de sa liberté naissante; j’éprouve le besoin de vous dire quelques mots au nom de la France. Ces besoin est d’autant plus vivement senti que ma patrie a été méconnue sur cette tribune, et que je dois à cette France à la quelle je me sens fier d’appartenir, de venir ex - poser ici les sentimens qui l’animent. Et ne les a-t-elle pas exprimés elle mêmé ces sentimens lorsqu’un si grand nombre de ses enfans se trouvent ici rassemblés pour célébrer cette journée solennelle d’où datera votre liberté et la sainte-alliance des peuples? N’a-t-elle pas montré combien est grande pour vous sa sympathie lorsque plusieurs de ses citoyens sont venus, malgré les entraves que leur a opposé votre gouvernement, pour vous voir arborer le drapeau qui proclame votre indépendance, le drapeau qui proclame votre éternelle liberté?

Et vous osez sur cette tribune, d’où ne devraient descendre que des paroles de paix et d’alliance, vous osez, dis-je, lui reprocher que ces manifestations généreuses ont des motifs cachés d’ambition et d’intéret, que ces manifestations ne sont qu’un honteux calcul, et que nous sommes venus parmi vous avec des projets de conquêtes, avec la pensée de profiter du premier moment favorable pour vous imposer par les armes un pouvoir que vous ne voulez pas reconnaître, un pouvoir que vous ne voulez pas accepter. Non, Messieurs, telle n’est*)von mir, nach den ausgezeichneten Reden, die Sie angehört, vor Ihnen das Wort zu nehmen; allein während Deutſchland wieder erwacht, wäh - rend Sie mit begeiſtertem einſtimmigem Freudenruf die Morgenröthe der aufkeimenden Freiheit begrüßen, fühle ich das Bedürfniß, einige Worte im Namen Frankreichs zu Ihnen zu ſprechen. Dies Bedürfniß fühle ich um ſo lebhafter, da mein Vaterland auf dieſer Tribüne ver - kannt wurde, und ich es Frankreich, welchem anzugehören mein Stolz iſt, ſchuldig bin, die Gefühle, die daſſelbe beleben, hier auszuſprechen. Und hat es nicht ſelbſt dieſe Gefühle ausgeſprochen, durch die große Zahl ſeiner Kinder, die ſich hier zur Feier des feſtlichen Tages verſammelt finden, der die Wiege Eurer Freiheit und der heiligen Verbrüderung der Völker ſeyn wird? Hat es nicht gezeigt, wie groß ſeine Sympathie für Euch iſt, da trotz der Hinderniſſe, die Eure Regierung ihnen entgegen - ſetzte, mehrere ſeiner Bürger gekommen ſind, Euch die Fahne aufpflan - zen zu ſehen, welche Eure Unabhängigkeit, die Fahne, welche Eure wiege Freiheit proklamirt.Und Ihr wagt es, auf dieſer Tribüne, von der herab man nur Worte des Friedens und der Einigung vernehmen ſollte, Ihr wagt es, ſage ich, Frankreich den Vorwurf zu machen, daß dieſes edle Entgegen -51 pas la pensée de la France, de la France de juillet et par cette - nomination je désigne tout ce qui parmi nous porte un cocur de ci - toyen, tout ce qui palpite au nom de patrie, tout ce qui courrait aux armes ponr défendre la terre sacrée qui lui a donné le jour. Ces hommes sont nombreux en France; il n’est point encore arrivé au honteux pouvoir sous lequel ma patrie gemit en ce moment, mais dont elle parviendra sous peu à s’affranchir, d’étouffer en nous ces sentimens généreux qui furent ceux de nos pères, qui en 1791 les ont rendus vainqueurs de dix-sept armées, et au nom desquels ils ont campé tour à tour sur les rives de l’Arno, du Rhin et du Nil.

Hélas! Messieurs, ce n’est malheureusement qu’avec douleur que nous reportons nos regards vers ces glorieuses journées qui devaient à jamais établir en Europc le règne des lois et de la liberté et que nos pères saluèrent comme les premièrs jours de l’ère des nations et comme les dernièrs de celle des rois. Mais si tant de bonheur ne devait pas nous être reservé, si les nations ont été de nouveau placées sous le joug, si la révolution de 1789 a été exploitée par un despote am - bitieux, si les patriotes se sont laissés éblouir par la gloire, ils - ritent néanmoins encore l’admiration et la sympathie des patriotes de l’Allemagne et de tous les hommes pour qui les noms de liberté et*)kommen geheime Motive des Ehrgeizes und des Intereſſe’s verhülle, daß es nichts ſey als eine ſchimpfliche Berechnung, und daß wir zu Euch gekommen ſeyen mit Plänen der Eroberung, mit dem Gedan - ken, den erſten günſtigen Moment zu benützen, um Euch durch die Waffen eine Gewalt aufzudringen, die Ihr nicht anerkennen, eine Gewalt, die Ihr nicht aufnehmen wollt. Nein, meine Herren, dies iſt nicht die Geſinnung Frankreichs, des Juli-Frankreichs, nnd mit dieſer Benennung bezeichne ich Alles, was bei uns im Herzen die Geſinnung des Bürgers regt, Alles, was entzückt iſt bei dem Namen Vaterland, Alle, die zu den Waffen eilen würden, um den heiligen Boden zu ver - theidigen, den ihnen der Tag gegeben. Dieſe Männer ſind zahlreich in Frankreich; es iſt der ſchimpflichen Gewalt, unter der mein Vaterland in dieſem Augenblicke ſeufzet, und von der es ſich in kurzer Zeit befreien wird, es iſt ihr noch nicht gelungen, dieſe edle Gefühle zu erſticken, die Gefühle unſerer Väter, die 1791 dieſelben zu Sieger über ſiebenzehn Armeen gemacht, und in deren Namen ſie ein um’s andre mal an den Ufern des Arno, des Rheins und des Nil gelagert waren.Ah, meine Herren! leider nur mit Schmerz wenden wir unſere Blicke zurück auf jene glorreichen Tage, welche die Herrſchaft des Ge - ſetzes und der Freiheit auf immer in Europa begründen ſollten, und die unſere Väter als den Anfang der Völker-Aera und als das Ende der52 de patrie ne sont pss de vains mots, des hommes enfin qui sont ie rassemblés.

Devant ce monument de la féodalité, devant ce spectre d’une épo que qui n’est plus, mais dont celle nous vivons porte malheu - reusement encore trop de traces, évoquons devant nous les ombres de tous les hommes dont le sang a coulé pour l’afiranchissement des na - tions! jurons de les imiter, jurons de vivre librès ou de mourir! Mais avant ce serment solennel, unissons nos drapeaux et devant nous viendront se briser les machinations des despotes, devant nous deviendront impuissantes les fureurs de nos oppresseurs!

Mais la révolution de 1789 rappèle une époque plus nouvelle, une époque riche en glorieux souvenirs et féconde en leçons. Ce sont ces trois journées de 1830 la France se leva de nouveau comme un seul homme pour secouer le joug de trente années d’oppression, pour faire revivre le soleil de la liberté, qui dans ce jour solennel éclaire pour la première fois depuis des siècles l’étendard qui flotte sur ces ruines. Nous saluâmes aussi avec transport en ces journées nos couleurs, elle rappelaient tant de gloire, tant de malheurs, tant de courage ...... Elles brillent encore dans ma patrie, mais elles ont presque pâlies du rôle que leur a fait jouer un gouvernement que les nations ont flétri du stigmâte de l’infâmie. Jours glorieux ne reviendrez vous jamais? et*)Königsherrſchaft begrüßten. Aber wenn uns auch ein ſolches Glück nicht beſchieden war, wenn auch die Nation von Neuem unter das Joch ge - beugt worden, wenn auch die Revolution von 1789 die Beute eines ehr - geizigen Despoten wurde, wenn die Patrioten ſich blenden ließen durch den Ruhm, ſo verdienen doch letztere die Bewunderung und Sympathie der Patrioten Deutſchlands und aller Derer, denen der Name Freiheit und Vaterland nicht leere Worte ſind, endlich aller Derer, die hier ver - ſammelt ſind.Vor dieſem Monumente der Feudalherrſchaft, vor dieſem Geſpenſte einer verſchollenen Zeit, aus der aber die unſrige leider noch zu viele Spuren trägt, laßt uns zu uns aufrufen die Schatten aller Männer, de - ren Blut für die Befreiung der Nationen gefloſſen iſt! Schwören wir, ſie nachzuahmen, ſchwören wir, frei zu leben oder zu ſterben! Aber vor dieſem feierlichen Schwure laßt uns unſere Fahnen vereinigen, und die Umtriebe der Despoten werden an uns ſcheitern, die Wuth unſerer Un - terdrücker wird nichts gegen uns vermögen!Die Revolution von 1789 ruft eine neuere Epoche zurück, eine Epoche, reich an ruhmvollen Erinnerungen, fruchtbar an Lehren. Es ſind die drei Tage von 1830, wo Frankreich von Neuem ſich erhob wie ein einziger Mann, das Joch dreißigjähriger Unterdrückung abzuſchütteln und die Sonne der Freiheit von Neuem in’s Leben zu rufen, die an dieſem feſtlichen Tage zum erſtenmale wieder ſeit Jahrhunderten die Fahne53 nos illusions n’ont elles été que des rêves? ....... Varsovie, noble sœur restera tu toujours un tombeau et le cosaque veillera t il éternellement sur des murs arrosés du sang de tant de braves? Les bourreaux de l’Italie et de l’Espagne pourront ils encore longtemps brise[r]les cœurs des patriotes et les peuples n’auront-ils jamais le courage de mettre un terme à leur fureur, à leurs crimes? Telles sont Messieurs les questions que s’adresse journellement la France de Juillet, devant elles tombent d’eux mêmes tous les projets de calcul ou de conquête que prête à ma patrie l’illustre orateur qui ce matin se trouvait à cette tribune et dont les nobles efforts pour la conquête de la liberté ont trouvé tant de sympathie en France. Non Mes - sieurs, la France ne vous demande pas la Bavière rhénane, elle n’a pas le projet de vous la ravir, elle demande l’alliance de l’Allemagne mais une alliance franche et sincère avec laquelle doivent tomber à jamais toutes les barrières que les rois ont jetées entre nous pour notre malheur et le votre. Sans cette alliance la liberté est impassible en Europe.

Liberté! Union! Persevérance! que ce soint donc nos mots d’ordre et notre devise! et avec l’aîde de Dieu les nations revivront*)beleuchtet, die auch auf dieſen Ruinen wehet. Auch wir begrüßten in jenen Tagen mit Begeiſterung unſere Farben, ſie erinnerten an ſo vielen Ruhm, an ſo viel Unglück, ſo vielen Muth ..... ſie wehen noch in meinem Vaterlande, aber ſie ſind faſt erbleicht von dem unwürdigen Spiele, das eine Regierung mit ihnen trieb, welche von den Nationen mit dem Brandmal der Infamie bezeichnet iſt!Glorreiche Tage, werdet ihr nimmer wiederkehren; unſere Erwar - tungen, waren es nichts als Träume? ..... Warſchau, edle Schwe - ſter, wirſt du auf immer ein Grab ſeyn, wird der Koſake ewig auf dei - nen Mauern wachen, vom Blute ſo vieler Braven bethauet? Die Henker Italiens und Spaniens, werden ſie noch lange die Herzen der Patrioten zermalmen, und die Völker werden ſie nie den Muth haben, der Wuth und dem Verbrechen ihrer Unterdrücker ein Ziel zu ſetzen? Dies, meine Herren, ſind die Fragen, die das Juli-Frankreich täglich an ſich ſtellt, vor dieſer Frage fallen von ſelbſt alle Pläne der Berechnung oder der Eroberung, die der berühmte Redner meinem Vaterlande leihet, der die - ſen Morgen auf dieſer Tribüne ſprach, und deſſen edle Bemühungen für den Sieg der Freiheit in Frankreich ſo viel Anerkennung fanden. Nein, meine Herren, Frankreich will nicht Rheinbaiern, es hat nicht die Ab - ſicht, euch daſſelbe wegzunehmen; es will eine Verbindung mit Deutſch - land, eine offene redliche Verbindung, mit welcher auf immer fallen, müſſen alle Schranken, welche die Könige zwiſchen uns aufgerichtet ha - ben, zu unſerm Unglück und dem eurigen. Ohne dieſe Vereinigung iſt die Freiheit in Europa unmöglich.Freiheit, Einigkeit, Beharrlichkeit! dies ſeyen die Loſengswortee54 de nouveau libres, grandes et indépendantes! Vive la sainte Alliance des peuples!

Während der Mittagstafel, woran wegen Mangel an Raum nur unge - fähr 1400 Perſonen Theil nehmen konnten, brachte Dr. Hepp dem Land - rathe Rheinbaierns, welcher der rohen Gewalt der Regierung männlich ſich entgegengeſtellt und freimüthig für die Sache des Volkes ſich erklärt hatte, folgenden Toaſt aus: Freunde des Vaterlandes!

Auf welche abentheuerliche Weiſe der Aufruf zu dieſem ſchönen Feſte von dem Präſidium unſerer Landesregierung mißdeutet, und wie dieſes Feſt zum Hohne unſerer Rechte und Geſetze unterſagt wurde, weiß Jeder der hier Anweſenden, weiß ganz Deutſchland. Die allgemeine Indigna - tion, die ſich überall ſogleich ausſprach das Zuſammenſtrömen der un - zählbaren Theilnehmer an dem Feſte, die Gegenwart ſo vieler hochver -[d]ienter und verehrter Volksfreunde aus allen Gauen des[deutſchen] Va - dterlandes, iſt die ſchönſte und kräftigſte Rechtfertigung der Männer, welche die Aufforderung zur Feier dieſes Tages erließen, und[in] deren Namen ich zu Euch ſpreche.

Im Angeſicht des deutſchen Volkes haben wir den Schimpf abge - wieſen, den jener ſo ſchnell zur Celebrität gelangte Beamte ſowohl auf uns, als auf die Bewohner Rheinbaierns wälzen wollte, als er in ſeiner Bekanntmachung ſich nicht ſcheute, uns als eine im Finſtern ſchleichende Partei Uebelgeſinnter, nach Auflößung der beſtehenden Ordnung Strebender zu verdächtigen.

Ein großer Triumph der Volksſache war es aber, daß zu gleicher Zeit eine Verſammlung erleuchteter Männer, vom Volke gewählt, um das Organ des Kreiſes zu ſeyn, es für ihre Pflicht erkannte, gegen die ſchreiende Verletzung unſerer[Inſtitutionen] aufzutreten, und dem Staats - Oberhaupt die verkehrten Maßregeln der Kreisregierung, und die na - mentlich durch die ungerechte Beſchränkung der freien Preſſe, die Verfol - gungen der Journaliſten und der Mitglieder des Preßvereins und durch das geſetzwidrige Verbot dieſes Feſtes, hervorgerufene Aufreizung der Bewohner des Rheinkreiſes zu ſchildern und die ſchleunige Abſtel[-]lung eines alles Vertrauen der Regierung bei dem Volke zerſtörenden Syſtems zu verlangen.

*)

dies der Wahlſpruch, und mit der Hülfe Gottes werden die Völker von Neuem erſtehen frei, groß und unabhängig! Es lebe der heilige Bund der Völker!

*)55

Und dieſe braven, für Ehre und Recht glühenden Männer ſehen wir heute unter uns; ſie ſind eine der gröſten Zierden unſeres Feſtes; es iſt der Landrath des Rheinkreiſes auf den ſich unſer Auge mit dankbarer Anerkennung und Verehrung richtet,

O hätten doch immer Alle, die das Volk zum Schutz und zur Wah - rung ſeiner Rechte mit ſeinem Vertrauen ehrte, mit gleicher Einig keit, Kraft und Würde, des Volkes Ehre, Recht und Wohl ge ſchützt herrliche Früchte wären heute ſchon dem deutſchen Vaterlande erwachſen.

Darum Freunde der deutſchen Völker, dieſen Ehrenmännern, dem Landrathe des Rheinkreiſes ein dreimaliges Lebehoch!

Nach der Ausbringung des Toaſtes wurden in angemeſſenen Pauſen folgende Lieder abgeſungen:

1. Melodie: Vom hoh’n Olymp herab ꝛc.

Wo Männerſinn, ſo froh wie heute
Bei ſchöner Tafelrunde wohnt,
Wo Sinn für’s Gute, im Geleite
Von feſtem Muth im Herzen thront,
Himmliſch und hehr regt im Buſen ſich Luſt:,:
Freude hebet die männliche Bruſt:,:
Des Bergeszinne wird zum Götterſaale,
Und jedes Mannes Sitz ein Thron,
Es ſpiegelt ſich im Feſtpocale
Der Mann, als Mann, als Götterſohn.
Spiegelt Euch, Männer, in hellem Pocal,:,:
Freut Euch wie Götter beim fröhlichen Mahl. :,:
Uns iſt der Freude reine Quelle,
Die Freiheit, Ehre, Vaterland,
Begeiſtert ſtrahlt das Auge helle;
Dem Freunde drückt der Freund die Hand.
Blitzet, ihr Augen, begeiſterungshell,:,:
Fließe, du reiner, du göttlicher Quell!:,:
Hier engen nicht der Männer Herzen
Des Lebens kleine Sorgen ein.
Gerechte Trauer, herbe Schmerzen,
Verſcheuchet jetzt der goldne Wein.
Glänze, du herrlicher, heimiſcher Wein,:,:
Würdig, nur Freien ein Nektar zu ſeyn. ;,:
Den Männern, die des Volkes Rechte
Vertheidigen mit Gut und Blut,
Und kämpfen wider feile Knechte
Durch Wort und That mit feſtem Muth!
Freiheit iſt mehr, als das Gut und das Blut,:,
Bürgerſinn ehret, iſt köſtliches Gut. :,:
56
Pflückt Blätter ab der[deutſchen] Eiche,
Die nie des Sturmes Macht noch bog,
Brecht im geweihten Haine Zweige,
Bekränzt ſie, donnert: Lebet hoch!
Du ſprichſt als Sinnbild, hochragende Eich,:,:
Keiner, ihr Söhne, den Nacken je beug. :,:
Ein Lebehoch den edeln Polen!
Es ſchlägt für ſie das deutſche Herz.
Laßt auch für ſie uns Kränze holen,
Verſtumme jetzt, du Heimwehſchmerz!
Hoffet, daß Nacht ſich in Helle verklärt,:,:
Daß Euer Heimweh nicht lange mehr währt. :,;
Es gilt den edeln deutſchen Frauen,
In deren Bruſt die Liebe glüht
Zur Heimath, die in ihren Gauen
So hehre, treue Töchter zieht.
Strahlet, ihr Frauen, in roſigem Glanz,:,:
Windet der Freiheit und Ehre den Kranz. :,:
Heil! dreifach Heil dem Vaterlande!
Hier unter Gottes Himmelszelt;
Das Männerwort zum Unterpfande!
Der Bruderkuß als Zeichen gelt,
Daß wir, als tapfere Männer vereint,:,:
Muthig bekämpfen Germaniens Feind. :,:
s.

2. Melodie: Es blinken drei freundliche Sterne ꝛc.

Es leuchten drei ſtrahlende Sterne
Weit aus dem Hambacher Schloß,
Sie leuchten hin über ganz Deutſchland
Erweckend,[erwärmend] und groß.
Sie leuchten hinwieder in Deutſchland
Aus jeglichen Biedermanns Blick,
Und leuchten und ſtrahlen vom Feſte
Kraft kündend, Kraft zündend zurück.
Die Sterne ſind: Vaterland, Freiheit,
Echt deutſche, hochherrliche Ehr:
Die tragen noch Männer im Herzen!
Sonſt leuchten die Sterne nicht mehr.
Bei Leipzig da liegen begraben
Die Rächer der Vaterlands-Schmach
Ihr Kinder! jubeltet: Freiheit,
Ihr Väter! den Frieden nach.
Bei Leipzig da lagen im Staube
Sieg dankend die Fürſten vor Gott!
57
Gelobten den Völkern die Freiheit:
Ihr Schwur war Hohn nur und Spott.
Wem habt Ihr die Schlachten geſchlagen?
Wem alles geopfert im Krieg?
Wem habt Ihr die Throne gebauet?
Wem, ſagt es! errungen den Sieg?!
Und Ihr, die Ihr lieget begraben,
Wem habt Ihr das Herz-Blut verſprützt?
Dem armen geretteten Deutſchland?
Ihm hat es noch heut nichts genützt!
Die Fürſten, die haben’s zerſtückelt;
Umzingelt mit Mauth und mit Zoll:
Die Länder, die Völker verarmen;
Die Kammern der Großen ſind voll.
Sind das noch die einzigen Bande,
In welchen wir kommen und geh’n?
Iſt das der Vereinigung Segen,
In der mit den Fürſten wir ſteh’n?!
Sie haben deutſchthümliche Ehre
Gebrandmarkt durch Trug und Verrath;
Das zeugen die ſiebenzeh’n Jahre
An Polen die neuſte Fluch-That.
Ach, Polen! wo biſt du?! Gott! Polen!
Hört Völker! Ihr Völker, o hört!
Wie Euch der Geiſt der Erſchlag’nen,
Der lebenden Helden beſchwört!
Sie haben die Freiheit verſprochen
Der Schrift und des Wortes, bei Gott
Und ſchlagen ſie Beide in Feſſeln,
Und ſinnen auf gänzlichen Tod.
Bei[Leipzig] da liegen begraben
Die Rächer der Vaterlands-Schmach:
Auf ſind die Todten geſtanden,
Und führen hochzürnende Klag;
Und klagen die Fürſten die Völker
Die Fürſten: verräthriſcher Schuld
Die harrenden Völker: der Langmuth,
Der ſträflichen Sclaven-Geduld.
Wir hörten, und hören, ihr Geiſter,
Die große, die zürnende Klag;
Sie hallt in den Gauen von Deutſchland
Wie donnernder Siegeston nach.
Wir wollen! wir werden! wir ſchwörens!
Euch ſchwören wir’s und unſerm Gott:
58
Das Vaterland, Ehre und Freiheit
Vertheidigen bis in den Tod!!!

3.

Wenn dicht die Blüthenknospen,
Und ſüßer Duft die Lüfte füllt;
Wenn lichter ſich die Wolken hellen,
Umleuchtend ſchön der Landſchaft Bild,
Und Luſt und Glück der Bruſt entquellen:
Dann naht des Frühlings Mai!
Wenn ſüßes, mächtiges Erbeben
Die junge, volle Bruſt durchdringt,
Und ſie in nie gefühltem Streben
An den gefund’nen Buſen ſinkt,
Um nur in Glück und Liebe hinzuleben:
Da naht des Lebens Mai!
Wenn Völker ſich mit Macht erheben,
Die ſchwer gedrückt der Herrſcher Hand,
Und ſelber ſich Geſetze geben;
Wenn vor dem Volk, das ſich erkannt,
Die Allgewaltigen erbeben:
Dann naht der Freiheit Mai!
Und wo die Beſſeren verbunden
Sich zu des Volkes wahrem Hort,
Wo Ordnung und Geſetz bekunden,
Daß ſie erkannt der Freiheit Wort;
Da wird das kranke Volk geſunden,
Dann naht ſein ſchönſter Mai!
Drum! laßt uns All zuſammenhalten,
In einen feſten Bund verwebt,
Laßt Ordnung und Geſetze walten,
Und wo ſich ſo ein Volk erhebt,
Da ſplittern alle Machtgewalten:
Das iſt der Deutſchen Mai!
*)Von Herrn Schlink in Bensheim.
*)
59

Nach dieſen Geſängen ſprach, als Deputirter des Fürſtenthums Lich - tenberg, Advokat Hallauer aus St. Wendel, das in der neueſten Zeit, wegen des patriotiſchen Geiſtes ſeiner Bewohner, die Achtung Deutſch - lands in hohem Grade ſich erworben hat. Große Aufmerkſamkeit widmete man deßhalb der nachſtehenden Rede dieſes ausgezeichneten Patrioten:

Deutſchland, das Vaterland der meiſten hier anweſenden biedern Männer, auch mein Vaterland, das Vaterland derer, die mich zu die - ſem großen Tage ſandten, deſſen Erwachen aus dem erkünſtelten und erzwungenen Schlummer, deſſen Begeiſterung für Recht, Freiheit, Na - tionalität, iſt ein Gegenſtand, der die neueſte Zeit, mächtig ergreift. Nicht allein die Bewohner der Stadt begeiſtert das herrliche Ziel nicht allein ſie verwünſchen in gerechter Entrüſtung das knechtiſche Vegetiren, ver - abſcheuen die entwürdigende Gebote heilloſer Tyrannen und leidenſchaftli - cher ſelbſtſüchtiger Willkühr. Nein! auch in die dunkele Hütte des Land - manns iſt der lichte Ruf der Freiheit gedrungen, jener Freiheit, die dem Menſchen ſeine angeborene Würde, ſeinen Wohlſtand, ſein Menſchen - glück ſichert. Zu allen Zeiten gab es zwar in dieſem Lande Männer, welche für Freiheit, für Menſchenwürde lebten und wirkten, zu allen Zeiten gab es Brave, welche die göttliche ganz erkannten und leider oft als Opfer ihretwegen fallen mußten; doch niemals noch iſt der Gott die - ſer Wahrheit in ſeiner ganzen von gerechtem Zorne glühenden Allmacht auf dieſer Erde, die Völker mahnend, ſo ſichtbar einhergegangen, als in unſern Tagen.

Die beglückten Nationen ſeiner neugeſchaffenen Welt mit freudigem Auge betrachtend, iſt er über das weite Meer zu ſeinen verwaisten Kin - dern Europa’s zurück geeilt, und ſchaut mit Schmerz erfülltem Blicke ſeinen Liebling, ſein Ebenbild, den Menſchen, wie er durch Furcht, Eigennutz, Gleichgültigkeit, Lauheit, ſich ſelbſt ſein Elend bereitet hat, ſieht mit Zorn erglühtem Antlitze, wie Unentſchloſſenheit, Zwieſpalt ſein Volk, ſein geliebtes Geſchöpf, dem Unglück zuführen. Von den Ufern der Seine eilt er über Italiens blumenreiche Gärten, drohend jenen lügneri - ſchen Heuchlern, die, ſeine geweihten Diener ſich nennend, die Allmacht ſeiner Liebe mißbrauchen. In Deutſchlands ſtarken Eichen, im ſchauer - lichen Rauſchen, die göttliche Nähe verkündend, mahnt er mächtig zur Thatkraft, er deutet auf Warſchau’s rauchende Thürme, auf die Wunden des unglücklichen Polens, deutet auf das ruſſiſche Unthier, das den blu - tigen Blick auf Deutſchland richtet. Du, Volk Germaniens, ruft er, du warſt es, das kalt und hülflos dieſe Frevel an der Unſchuld duldete. Biſt du es nicht mehr, deutſches Land, das einſt der Römer ſchmach -60 voll Joch in blut’gem Kampfe kühn zerbrach? Biſt du es nicht mehr deut - ſches Volk, das für der Freiheit Siegeskrone glorreich focht? Du biſt es noch, doch wehe deinem allzuſträflichen Schlummer! Mahnend ſpricht zu dir mein Mund: Du ſollſt die Frevel an dem verworfenen Schänder meiner Schöpfung endlich rächen oder untergehen. Schon ſind dem Vaterlande furchtbare Wetter an dem Horizonte aufgeſtiegen; ſchon ſind jene Vorboten der göttlichen Drohung ſichtbar. Schauen wir um uns her, von allen Seiten droht dem zerriſſenen Vaterlande Ge - fahr; von Preußen, dem die Vergrößerung als Staat ein Bedürfniß geworden, von Oeſterreich, das ſich im ungeſtörten Beſitze ſeiner despo - tiſchen Herrſchaft für die Dauer ſichern möchte. Hinter beiden der würgende Czar, der, noch bluttriefend vom Morde des heldenmüthigen Polens, aller Freiheit und Civiliſation den Herzſtoß verſetzen will; von dieſem dreifachen Feinde ſehen wir das Vaterland bedroht. Selbſt Frankreichs hochherzige Nation möchte nach erfochtenem Siege der Frei - heit im deutſchen Rheine das Blut der Barbaren von ſeinen Waffen abſpülen und an dem blühenden Geſtade ſein Panier aufpflanzen. Für - wahr, die Gefahr iſt groß, unter der das zerriſſene Vaterland ſeufzet, die Gefahr nahe, die ſeinen theilweiſen oder ganzen Untergang herbei - führen könnte. Kräftig erſtehen muß es darum zu glorreicher That, will es nicht ſchmachvoll untergehen. Es iſt Zeit, daß die zerſtreuten Kinder des getrennten Vaterlandes ſich vereinigen, ſich enger an einan - derſchließen, ſich verbrüdern zu einem ſtarken Ganzen, deſſen ſchöne, muthige Haltung Schrecken dem nordiſchen Tiger, Furcht den innern Feinden und Achtung ſeiner Nationalität den civiliſirten Nationen ein - flößen ſoll. Es iſt Zeit, daß alle Furcht, Lauheit, Gleichgültigkeit, Unentſchloſſenheit, Eigennutz und Zwieſpalt reinem Patriotismus und warmem Erglühen für Freiheit und ſelbſtſtändige Nationalität weichen.

Es iſt Zeit, hohe Zeit, daß jeder Einzelne nicht mehr für ſich, für ſeine Familie, für ſeine Stadt, ſeine Gemeinde, ſein Fürſtenthum, ſein Herzogthum, ſein Königreich lebe und wirke, ſondern ſich mit all dem Seinen dem leidenden Vaterlande widme, für Freiheit und Einheit ſchaffe und ringe, dieſe hohen Güter mit ſeinem Herzblute, mit dem Blute ſeiner Kinder, ſollt es noth thun, erkaufe.

Damals, als die Donner der Juli-Kanonen Deutſchland aus ſeinem Schlummer erweckten, damals, als die heiligen Schaaren der verbann - ten Polen durch Deutſchland zogen und die fremde Erde ſich beeiferte, den blutigen Staub von den Edlen zu küſſen, deren Unglück unſer Vater -61 land als mitſchuldig ſchwer anklagte, damals ſchon hat die Gottheit laut zur That und Einheit uns gemahnt, doch wir blieben träge, konn - ten nicht zur Thatkraft, nicht zur Einheit uns entſchließen.

Uns genügte, den gepreßten Buſen durch Verwünſchungen, durch Worte des Abſcheues gegen den Henker ſo vieler edlen Männer, Frauen und Kinder erleichtert zu haben, ohne die Mittel zu ſuchen, dieſer Mordluſt des Tyrannen ein Ziel zu ſetzen, ohne die erforderlichen Kräfte zu ſammeln, gleiches Unglück von dem Vaterlande abzuwehren.

Es genügte uns, unthätig, mit trügeriſchen Hoffnungen uns zu wie - gen, während der günſtige Augenblick zur That vorüberging, nicht ahnend, die Gefahr, das Unglück, das Elend, das über uns her im Anzuge iſt. Während Tyrannei und Despotismus mit ihrer treuen Verwandtin, der Ariſtokratie, alle Triebfedern raſtlos und unverdroſſen in Bewegung ſetzen, bleiben wir gemüthlich am heimathlichen Heerde, und berechnen die Hilfe, welche beim Einbruch des Unglücks von einer fremden Macht uns werden könnte.

Du weinſt Vaterland! weinſt blutige Thränen über die traurige Wahrheit, aber deine Thränen trocknen wieder, ohne zu muthiger Ent - ſchloſſenheit, Einheit und kühner Manneskraft dich zu ermuthigen, gilt es dem Kampf gegen Tyrannei und Despotismus, gilt es dem herr - lichen Sieg der Freiheit und der Menſchenwürde.

So weit iſt es gekommen, daß die meiſten deiner Kinder es nicht einmal wagen, ihre Noth zu klagen, ihr Unglück zu ſchildern, die Mit - tel und Wege vorzuſchlagen, wie vielleicht noch zu helfen wäre. So weit iſt es gekommen, daß ſich deine Söhne durch ein elendes Wört - chen (ein Geſpenſt für Kinder) von dem Wege für Tugend, Freiheit und Recht feig zurückſchrecken laſſen, ohne zu bedenken, daß der Popanz von Gottes Gnaden kühn erfaßt und an das Licht gehalten in ſein Nichts verſinken muß.

Es kann, es darf dies nicht ſo bleiben; es kann, es darf des Menſchen angeborne Würde, ſein höchſtes Gut, nicht ferner ein Spott der Großen ſeyn; es ſoll nicht ferner der friedliche Bürger ſeine ge - rechte Klage an dem Throne tauber Fürſten erfolglos wimmern. Statt um das zerriſſene Vaterland zu würfeln, ſollen und müſſen die Despo - ten, die es zu entweihen ſich erkühnen, die ganze Macht ſeiner Größe erkennen, und vor ſeiner ſtrafenden Rechte erzittern; ein zweiter Varus ſoll der fremde Despote durch den tapfern Arm eines Herr - mann dahin geſtreckt werden!

62

Damit aber jene ſchönere Tage der Manneskraft im Innern und nach Außen, die Tage der Freiheit, des Rechts, des Wohlſtands, in unſerm Vaterland heimiſch werden, müſſen wir uns feſt verbinden; jeder Einzelne muß für ſich und Alle gegen Despotismus und Willkühr kühn in die Schranken treten, muß Blut und Habe in den Kampf für Menſchenwürde gegen die Finſterniß freudig tragen, und lieber ehren - voll auf dem Kampfplatze untergehen, als feig in ſchmählicher Knecht - ſchaft leben wollen!

Eine große, vielleicht die letzte Warnung, läßt Gott an uns erge - hen, um uns aus dem allzu langen Schlummer zur Entſchloſſenheit, zu treuem Zuſammenhalten, zur Einheit, zu erwecken. Eine ernſte Mahnung zur Thatkraft ergeht an dich, Vaterland! und du ſtehſt wehr - los da, ohne Führer, ohne Waffen, eine Beute jedem Fremden, dem es nach deinem Beſitze gelüſtet. Du ſelbſt biſt getheilt, gewaltſam aus - einander geriſſen, und verſtümmelt, und Ariſtokratie und Despotismus ſuchen in den verſtümmelten Theilchen die Freunde der Freiheit dem Pa - nier der guten Sache, der Liebe zum Vaterlande zu entziehen. Wahr - lich baldige Hülfe, baldige Rettung aus dieſem nichtigen Zuſtande thut Noth; Zeit, hohe Zeit iſt es, daß wir kühn uns zuſammenſtellen, zum Schutze der gemeinſchaftlichen Mutter.

Wie aber, fragen wir, wie ſoll das hohe Ziel mit Glück erſtrebt werden, wie ſollen wir es anfangen, bei dem ſo unnatürlich getheilten Vaterlande, bei ſo widerſprechenden Verhältniſſen und Umſtänden, Ein - heit und Nationalität dauernd zu begründen? Wie anders als auf dem Wege geſetzlicher Reform?

Statt dafür Sorge zu tragen, daß in allen Gauen Deutſchlands konſtitutionelle Verfaſſung herrſche, ſuchen die Fürſten, ſucht der Bund zu Frankfurt das Heil des Vaterlandes auf abſolute Gewalt zu bauen. Soll das wirklich Gute, was ſo viele Millionen für gut erkannt haben, eine Wahrheit werden, ſo müßen die Hinderniſſe, die dieſer Wahr - heit entgegenſtehen, vor allem beſeitigt ſeyn.

Weg daher mit dieſen Hinderniſſen! Weg mit dem willigen Werk - zeuge des Despotismus! Weg mit der ſchmauſenden Repräſentation fürſt - licher Gevatter - und Schwägerſchaften! Weg damit auf dem Wege der Reform, der geſetzlichen durch die öffentliche Meinung des Volkes her - beigeführten, Reform. An die Stelle trete eine Verſammlung nicht aus fürſtlichen knechtiſchen Schranzen, ſondern aus freien Männern des Vol - kes gewählt, die auch im Stande, ein freies Volk zu vertreten.

63

Sollte dieſe Idee der Reform bei den deutſchen Männern An - klang gefunden haben, ſo fordere ich die Anweſenden auf, eine Kor - poration zu ernennen, welche über die Art der Ausführung auf geſetzlichem Wege berathe; ich fordere ſie auf im Namen des bedrängten Vater - landes, Blut und Habe an die Einheit und Freiheit Deutſchlands zu ſetzen. Ich fordere ſie auf im Namen Gottes muthig zu ringen, damit dereinſt der freudige Ruf erſchalle: es lebe die freie deutſche Nation, der Schrecken des nordiſchen Siegers, die Furcht jedes fremden Des - poten, geachtet aber von allen civiliſirten Nationen.

Nach der Beendigung vorſtehender Rede wurde noch folgende, von Marburg eingelaufene Adreſſe vorgetragen:

» Verehrte Freunde und Brüder!

Mit einer eben ſo gerechten, als lebhaften Freude haben wir in wei - ter Ferne die Kunde von dem Feſte brüderlicher Eintracht, das Sie den 27ten dieſes Monats feiern wollen, vernommen, und bedauern nichts mehr, als daß die nun zu kurz anberaumte Zeit, uns die perſönliche Theilnahme wodurch wir uns, auch unaufgefordert, an den dortigen Verein deutſcher Brüder freudig angeſchloſſen haben würden unmög - lich macht. Rechnen Sie aber darauf, daß wir in Gedanken in Ihrer frohen Mitte ſeyn, und in ächt conſtitutionellem Geiſte dieſen feſtlichen Tag mit Ihnen hier feiern werden; denn unſere Intereſſen ſind ja die Ihrigen, und Ihre Beſtrebungen, Wünſche und Hoffnungen die unſri - gen. So mächtig hat Dank ſey es der Vorſehung! der Geiſt der Zeit gewirkt, ſo herrlich ſich entwickelt, daß das wahrhaft Beſſere überall gleichen Anklang findet, und daß hiermit endlich die gehäſſige Scheidewand fallen muß, welche Jahrhunderte hindurch deutſche Brü - dervölker in ſchmachvoller Abſonderung hielt, ſie ſich gegenſeitig entfrem - dete, ihre gemeinſchaftlichen heiligſten Intereſſen theilte und ihre einſt im Rathe der Völker ſo hohe Stellung zu einer ſo niedrigen und ihrer ehemaligen Größe ſo völlig unwürdigen Stufe herabwürdigte. Darum muß die Gegenwart tilgen, was die nächſt verfloſſenen Jahrhunderte über uns gebracht und ſich die eben ſo ſchöne, als wahre und große Auf - gabe ſtellen: daß fortan das Band der Liebe und Eintracht deutſche Völ - ker enger umſchlinge und dem despotiſchen Einfluß endlich ein ſicherer Damm geſetzt werde, und ſo die deutſchen Völker die ſo lang entbehrte Selbſtſtändigkeit wieder erringen und im erneuten ſo erhebenden Selbſt - gefühle ihrer Kraft das ſicherſte Palladium ihrer Unabhängigkeit auf - ſtellen!

64

Deutſche Brüder! ſtreben wir, von einem ächt conſtitutionellen Geiſte beſeelt und geleitet, mit vereinten Kräften nach dieſem ſchönen Ziele, ſo werden wir es auch erreichen denn keine Macht der Erde wird ſich mit Erfolg erdreiſten, die Erreichung deſſelben uns ſtreitig zu machen und alsdann in dem ſo erhebenden Selbſtbewußtſeyn ein conſtitutionelles Deuſchland begründet zu haben die würdigſte Ent - ſchädigung für jedes auch noch ſo ſchwere Opfer, finden.

Darum ſeyen uns heilig die wahren Intereſſen unſers gemeinſchaft - lichen Vaterlandes, und es werden nicht fehlen die beſſeren Tage des deutſchen Volkes.

Da Sie, Verehrte Freunde! nach dieſen Verſicherungen uns im Geiſte in Ihrer Verſammlung finden werden; ſo dürfen wir uns auch der gerechten Hoffnung hingeben, daß Sie uns jede Berathung von all - gemeinerem Intereſſe bald thunlichſt mit deutſchem Zutrauen mitthei - len und dabei auf Heſſiſche Treue, Biederkeit und Theilnahme unbedingt rechnen werden.

In ihrem und im Namen der zahlreichen conſtitutionellen Bürger Marburgs und der Provinz Oberheſſen ſenden Ihnen: Deutſchen Gruß und Handſchlag zu. «

Marburg am 25ten May 1832.

(Folgen die Unterſchriften.)

(Die Fortſetzung der Feſtbeſchreibung folgt im zweiten Hefte.)

About this transcription

TextDas Nationalfest der Deutschen zu Hambach
Author Johann Georg August Wirth
Extent75 images; 21864 tokens; 6527 types; 158433 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationDas Nationalfest der Deutschen zu Hambach Unter Mitwirkung eines Redaktions-Ausschusses beschrieben Erstes Heft Johann Georg August Wirth. . 64 S. ChristmannNeustadt an der Haardt1832.

Identification

SUB Göttingen Göttingen SUB, 8 H GERM X, 2627:1https://opac.sub.uni-goettingen.de/DB=1/CMD?ACT=SRCHM&IKT0=54&TRM0=8%20H%20GERM%20X%2C%202627%3A1

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationJournalismus; Gesellschaft; Gebrauchsliteratur; Gesellschaft; Zeitung; core; ready; china

Editorial statement

Editorial principles

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.

Publication information

Publisher
  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-09T17:35:48Z
Identifiers
Availability

Distributed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported License.

Holding LibrarySUB Göttingen
ShelfmarkGöttingen SUB, 8 H GERM X, 2627:1
Bibliographic Record Catalogue link
Terms of use Images served by Deutsches Textarchiv. Access to digitized documents is granted strictly for non-commercial, educational, research, and private purposes only. Please contact the holding library for reproduction requests and other copy-specific information.