Der Ehrbaren / Viel Ehren-Tugendreichen Frauen Barbara Kernerin / gebohrene Hoffmannin / Des weiland Ehrenveſten und Vornehm - geachten Herrn Melchior Kerners / geweſenen Kauff - manns in Hirſchberg Seel. hinterlaſſenen Wittiben. Meiner Ehren-guͤnſtigen Freundin wuͤndſche ich von GOtt / der ein Richter der Wittiben / und Vater der Wayſen / kraͤfftigen Troſt des heiligen Geiſtes / Schutz und Beyſtand in Faͤhrligkeit / Gedult und Er - quickung in allem Truͤbſal itzt und immerdar / Amen.
ERbahre / Viel Ehr-und Tugend - ſame Fraw / wie das Menſchliche leben ins gemein mit vielem bit - terem Creutz durch menget iſt / alſo auch inſonderheit iſt der E - heſtand ein rechter Weheſtand. Ob wol deſſenAnfang eine ſcheinende Soñe hat /thalamus Calamus. ſo iſt doch ſolcher Schein nicht beſtaͤndig; Denn da giebt es die Erfahrung / das liebhabende E - hehertzen gar bald / und uͤber alles verhoffen von einander getrennet werden. Wie ſchmertzlich das ſey / deutet der Poet an in dieſen Worten:
Dieſes ſchmertz bringende uͤbel hat GOtt über Euch auch verhenget; Jhr habt mit eurem hertz - lieben Ehe-Herrn eine kurtze zeit in friedlicher und geſegneter Ehe geſeſſen / und iſt nun bald ge - ſchehen daß der von Euch genommen / mit dem Jhr noch viel Jahr lang zu leben gewuͤndſchet / ſo gehts in dieſer Welt / ſonderlich mit frommen gläubigen Chriſten. Das Gericht faͤhet amHæ ſunt nuptiæ Sanctorũ. 1. Pet. 4. 17. Hauſe Gottes an.
Wie ſolt Jhr euch aber in ſolch zugeſtan -A ijden[4]Aut ami - ni magni - tudine, aut alloquiis amicorũ Eraſm. in Apoph. l. 2. p. 161. Cic. Tuſc. quæſtion. l. 2. Plinius. N. H. lib. 21. c. 21, pag 400.den Hauß-und Hertz-Creutz ſchicken? Der ge - lehrte Heyde Chilon ſagt: man ſolle und koͤnne alles Creutz uͤberwinden entweder mit Hertz - hafftigkeit / oder zuſprechung guter Freunde. Andere haben der Welt weißheit hierinnen viel zugeſchrieben. Cicero ſaget ſie helffe dem Ge - müthe / nehme hin die unnützen Sachen / befreye den Menſchen von unzimlichen begierden / und treibe alle furcht hinweg.
Plinius rühmet das Helenium oder Alant - kraut / das es die Traurigkeit vertreiben / und froͤlich machen ſolle.
Aber Gottes Wort iſt die beſte artzney wie -Amos. 3. 6. Syr. 11. 14. Prov. 3, 12. Actor. 14. 22. der alles ungemach; Denn das zeiget an / das kein Vngluͤck ohne von Gott ſey. Darnach daß das Creutz nicht ein Zorn-ſondeꝛn Gnadenzeichẽ ſey; Vnd endlich / das man dadurch geleutert / gebeſſert und zur Seligkeit befordert werde ꝛc.
Wenn ihr dieſe Stuͤcke bedencket ſo habt ihr nicht Vrſache euch all zuſehr zu betruͤben / ſondeꝛn ſolt das Hauß-Creutz / ſo Euch Gott zugeſchicket / mit gedult ertragen / allen zuſtand ſeiner All -Hiob. 1. 22. macht befehlen und mit Hiob ſagen: Der HErꝛ hats gegeben / der HErr hats genom̃en / der Nah - me des HErren ſey gelobet. Welchen troſt und gedult in Euch würcken wolle Jeſus Chriſtus / A.
ES ſaget / Jhr meine Geliebte und im HErren Jeſu auſſerwehlte Chriſten / der Pre - diger Salomon: Der Menſch weiß ſeine zeitPred. 9. 12. nicht / ſondern wie die Fiſch gefangen werden mit einem ſchaͤdlichen Hamen / und wie die Vogel mit ei - nen Strick gefangen werden / ſo werden auch die Menſchen beruͤckt / zur boͤſen Zeit / wenn ſie ploͤtzlich uͤber ſie faͤllt. Auß welchen Worten zuvernehmen / das man zu keiner zeit / und an keinem Ort fuͤr dem Tode ſicher ſey / ſondern es gehet den Menſchen / wie Fiſchen und Vogeln / welche ehe ſie es vermeinen / gefangen werden; Zwar wieder an - dere Dinge und faͤhrligkeiten kan man ſich verwahren / wasMetrodo - rus Gerh. L. C. T. 8. §. 57. aber den Todt anlanget / ſo wohnen wir alle gegen ihm in einer unverwahrten Stadt / ſagt einer auß den Alten; Denn: Ubiq; mors eſt, mille ad hanc aditus patent Der Todt iſt allenthalben / es ſtehen tauſenderley zugaͤnge zu ihm offen / ſagt der Heyde Seneca. Seneca in Thebaid. Act. 1.
Diß hatt an ſeinem Theil erfahren der Ehrenveſte / und Wolgeachte Herr Melchior Kerner ein Hirſch bergi -A iijſcher[6]Chriſtliche-Leichpredigt. ſcher Kauffmann / welcher / als Er ſeiner Nahrung halben nach Leiptzig gezogen / mit Schwach heit befallen / und al - ſo kranck von dar hieher zum Lauban gebracht worden. Wiewohl man nun alle menſchliche mittel zur wiederbrin - gung ſeiner geſundheit an Ihm verſuchet / ſo hat doch derEſai. 38, 12. Todt das Oberrecht behalten / und ihm den Lebens-Faden entzwey geriſſen.
Dieſer unverhoffte Todesfall gehet nicht unbillith ſeiner Hertzgeliebten Hauß-Ehre auch Ehemutter und an - dern ſeinen Muths-und Blutsfreunden ſehr zu Hertzen. Ach! klagen und ſagen Sie: Wir haben den Verlohren / der unſers Haͤuptes Krone / denn der unſer Hertzen freu - de / denn der unſers Lebens auffenthalt war. Weil aberPſ. 31. 16. dieſes anders nicht / als nach dem Rath und Willen Got - tes geſchehen / denn unſere zeit ſtehet in ſeinen Haͤnden /2. Sam. 12. 27. und der Seelig-Verſtorbene kom̃t nicht wieder zu uns / wir aber werden zu ihm kommen / ſo thun die Leidtragende al - lerſeits wohl und Chriſtlich / daß Sie ihm eine ehrliche Leichbegaͤngnuͤs an dieſem Ort anſtellen wollen / ſie bewei - ſen damit an dem Todten ihre Barmhertzigkeit / welchesSyr. 7, 37. der wolguͤtige GOtt mit Gnade und Segen erſetzen wird zu ſeiner Zeit. Fuͤr dieſesmahl ſind wir allhier im Nah - men und im Hauſe GOttes verſamlet / des Sel. Herrn Kerners in allen Ehren zugedencken / und die Hochbe truͤbten und Leidtragenden mit kraͤfftigem troſt auß Got - tes Wort auff zurichten; Welches das es gluͤcklich / und wohl geſchehe / helffet mit mir beten ein andaͤchtiges glaͤu - biges Vater unſer / ꝛc.
VNſer lieber HERR und Heyland Chriſtus fuͤhret im Matthæo unter andernMatth. 13, 45. ein Gleichnis ein / von einem Kauffman / welcher gute Perlen geſucht / und da er ei - ne koͤſtliche angetroffen / alles / was er ge - habt / verkaufft / und dieſelbige an ſich gebracht; Wer iſt dieſer Kauffmann? Ein jeglicher glaͤubiger Chriſt. Was iſt die Perle? Der HErr Jeſus / GOttes und Marien Sohn / welches der alte Kirchen lehrer Hilarius beſtaͤti -Hilar. Serm. de Patr. & Filii unit. fol. 765. get / wenn er ſaget: Chriſtus Margarita appellatur, quia illo nihil pretioſius invenitur: Chriſtus wird eine Per - le genennet / weil nichts koͤſtlichers / denn Er iſt / mag ge - funden werden. Der Egyptiſchen Koͤnigin Cleopatræ Perlen / ſo ſie an den Ohren hangen gehabt / ſind ſo herr - lich geweſen / das eine nach Budæi rechnung auff zwey -Budæus lib. 2. de aſſe pag, 168. hundert und funfftzig tauſend Goldguͤlden geſchaͤtzet wor -den.[8]Chriſtliche-Leichpredigt. den. Aber Chriſtus iſt eine viel edlere Perle / und ein Schatz uͤber alle Schaͤtze / mit dem aller Welt reichthumb nicht zu vergleichen. Jrꝛdiſche Perlen füllen die Augen / aber Chri - ſtus die ſchoͤne Himmel-Perle ſtercket Hertz und Seele. Dar - umb / meine liebe Chriſten / ſo laſſet uns mit hindanſetzung aller anderen Guͤter / allein nach Chriſto / der theuerwerte - ſten Perlen trachten / und ihn in unſern Hertz-Schatz ſam - len. Die jrrdiſchen Kauffleute laſſen es ihnen ſehr ſauer werden / die weltliche Schaͤtze und Kleinodien an ſich zu bringen:
Horat. lib. 1. Epiſt. 1. v. 45.Impiger extremos currit Mercator ad Indos,Per mare Pauperiem fugiens, per Saxa, per ignes.Ein Kauffman rennt durch duͤnn und dick /Sucht drin in Jndien ſein Gluͤck /Damit ihn nicht das Armuth druͤck.
Wie vielmehr ſollen wir groſſen Fleiß darauff wenden / damit wir deß HErren Jeſu / des allerhoͤchſten gutes moͤ - gen theilhafftig werden. Qui Chriſtum habet, omnes ſecum divitias habet: Wer Chriſtum hat / der hat alleChryſoſt. lib. 4. Homil. 16. himmliſche Reichthuͤmer bey ſich / ſagt Chryſoſtomus. Wenn wir nun allhier anſehen den Seeligen Herrn Mel - chior Kernern / ſo hat derſelbige als ein Kauffmann in ſei - ner jrꝛdiſchen Handlung keinen Fleiß geſparet / aber doch allezeit dabey ſein Hertz gerichtet auff die Himmel Perle den HErren Jeſu. O Wie lieb iſt ihm dieſer Schatz ge - weſen? Wie fleiſſig hat Er darnach gefraget und gefor - ſchet? Welch ein ſehnen und verlangen hat er nach ihm ge - habet? Vnd daß hat Er ſonderlich an Tag gegeben mit denworten[9]Chriſtliche Leichpredigt. Worten Davids oder Aſſaphs ſeines Capel-Meiſters auß dem 73. Pſalm. HErr wenn ich nur dich habe. ꝛc. Welcher Spruch der vornembſte einer iſt in H. Schrifft / wol wehrt und wuͤrdig / das ein ieglicher getauffter Chriſt den ſelbigen mit Gold-guͤldenen Buchſtaben in ſein Hertz ein ſchreibe / und darauß ſich in Noth und Todt troͤſte. Weil denn der S. Herr Kerner mit dieſem Machtſpruche ſein leben wol und ſeelig beſchloſſen / und aber begehret worden / das ſolcher Jhm zum andencken und andern zur Erinnerung und troſt moͤchte erklaͤret werden / ſo wil ich dem Begehren willig nach geleben und folgendes Lehr ſtuͤck handeln:
Wie dieſe Wort: HErꝛ weñ ich nur dich habe /Propoſitio Pſal. 80. 4. recht ſollen betrachtet und gebrauchet werden?
HErr Zebaoth troͤſte uns / laß uns leuchten dein Ant - litz / ſo geneſen wir. Amen HErr Jeſu / Amen.
WEnn / Jhr meine geliebte in dem HErren Jeſu / from̃e und vom H. Geiſte erleuchtete Chriſten ihr angehendes Sterbſtuͤndlein vermercken / ſo haben ſie gemeiniglich zur hand einen beſondern Troſtſpruch auß GOttes Wort / dran halten ſie ſich / als an einen feſten Stab / damit kaͤmpffen ſie wieder die geiſtlichen Feinde / dadurch uͤber -Rabus in Martyro - log. T. 1. f. 242. Pſal. 116. 7. winden ſie den Todt und gehen froͤlich ein ins ewi - ge leben. Babylas ein frommer Biſchoff zu Antiochia / da er ſterben ſolte / ſtaͤrckete ſich mit den Worten Davids auß dem 116. Pſalm: Sey nun wieder zu frieden / meineBSeele[10]Chriſtliche Leichpredigt. Seele / denn der HErr thut dir gutes. So lieſet man von der edlen Roͤmerin Paula / welche dem H. Hierony -Pſal. 84. 2. Titius in Locis Theol. hiſt. p. 1668. Pſ. 68, 20. Luth. T. 8. Jenenſ. Germ. f. 386. Pſal. 31. 6. Luc. 23. 46 mo bekandt / das Sie dieſe wort auß Davids Pſalm im - mer wiederholet / wie lieblich ſind deine wohnungen HErr Zebaoth / meine Stele verlanget und ſehnet ſich nach den Vorhoͤfen des HErren ꝛc. Vnd unſer S. Herr Doctor Luther ergreiff an ſeinem Ende den Spruch auß dem 68. Pſalm: Gelobet ſey der HErr taͤglich: Gott leget uns eine Laſt auff / aber Er hilfft uns auch. Sela. Wir haben einen GOtt der da hilfft und einen HErren HErren der vom Tode errettet. Vnd bald darauff ſprach Er: Vater in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt / du haſt mich erloͤſet / HErr du getreuer GOtt. Eben ein ſol - cher Troſtſpruch iſt auch der verleſene auß dem 73. Pſalm Davids / HErr / wenn ich nur dich habe / darinnen wir finden.
1. Verba fidem de - monſtrã - tia. 1. Verba fidem demonſtrantia: Solche worte / mit welchen David oder Aſſaph ſeinen Glauben bezei - get / und an Tag giebet. HErr wenn ich nur dich habe / ſpricht Er: Als wolte Er ſagen: So mir die Wahl gegeben wuͤrde etwas zu wuͤndſchen und zubegehren / ſo iſt das mein Wundſch und Wille / das Jch den HErren moͤge haben / und zwar allein den HErren / Modò, nur den HErren. Mercke hier:
a. Quis? Erſtlich / Quis? Wer der HErr ſey / nach dem ſich David ſo gar ſehnet? Es hatten zur ſelbigen zeit die Heyden viel Goͤtter / als den Aſtaroth, Baal, Baalpe - or, Baalzebub, Dagon, Miplezeth und andere / denen auch die Juden offt anhiengen und dieneten. Aber de -nen[11]Chriſtliche Leichpredigt. nen allen war Davids Seele feind / er verwirfft ſie gantz2. Sam. 5, 8. Pſal. 115, 4. Pſal. 106, 37. als unnuͤtze und tode kloͤtzer / ja er ſchilt ſie Dæmonia / o - der Teuffel. Siehet demnach mit dieſen Worten / HErr wenn ich nur dich habe / auff keinen andern als auff den Elohim, welcher iſt der drey einige GOtt / Gott der Vater / GOtt der Sohn und Gott der H. Geiſt. Mit einem Wort / ſein glaube gehet auff die H. Drey - faltigkeit / die begehret Er / die wuͤndſchet er zu haben: Moͤchteſtu allhier gedencken oder fragen: Jſt denn die - ſes Geheimnüß und Artickul von der Dreyeinigkeit im alten Teſtament auch bekand geweſen? Jch antwortte: Freylich hat es darinnen ſeinen Grund. Wenn GOtt in erſten Buch Moſis Cap. 1. ſaget: Laſſet uns Men -Gen. 1. 26 ſchen machen / ſo wird dadurch gedeutet auff alle drey Per - ſonen im goͤttlichen Weſen / wie es Lutherus alſo außle - get / wenn Er ſaget: Verbum faciamus: das woͤrtleinLuth. in 1. Cap. Ge - neſ. f. 13. a. laſt uns machen / gehoͤret zum geheimnuͤß / unſern Glau - ben dadurch zubeſtaͤtigen das von Ewigkeit her ein Gott / und drey unterſchiedene Perſonen in der Einigen Gott - heit ſeyn / nehmlich der Vater / Sohn und H. Geiſt. So ſtehet im Pſalm: Der Himmel iſt durchs wort desPſal. 33, 6. HErren gemacht / und alle ſein Heer durch den Geiſt ſei - nes Mundes. Jn welchem ſpruch außdruͤcklich die drey Perſonen in der Dreyfaltigkeit benennet werden. Der HErr iſt der Vater / das wort iſt der Sohn / der Geiſt iſt der Heilige Geiſt. Anderer zeugnuͤſſe / de -Joh. 1, 1. rer ſehr viel verhanden / zugeſchweigen / was haben wir im Neuen Teſtament hiervon? Jm Neuen Teſta - ment leuchtet die heilige Dreyfaltigkeit klaͤrer / als dieEuſeb. de præpar. E - Sonne am Himmel / ſagt Euſebius. SonderlichB ijMatth.[12]Chriſtliche Leichpredigt. vangel. lib 7. c. 5. Matth. 3. 16.Matth. 3. bey der Tauffe Chriſt / da GOtt der Vater vom Himmel redet / der HErr JEſus / im Jordan ſte - het / und der H. Geiſt in Tauben geſtalt über ihn ſchwe - bet. Welches wol zumercken wieder die alten und neu - en Feinde der Hochgelobten Dreyfaltigkeit. Wir ſagenAuguſti - nus de Tri - nitat. lib. lib. 1. C. 4. mit dem H. Auguſtino: Hæc mea etiam fides eſt, quoniam Catholica fides eſt. Das iſt auch mein glau - be / weil es der allgemeine Glaube der Chriſtlichen Kir - chen iſt. O Liebes Chriſtenhertz laß dir dieſen Glaubens - grund nicht verdaͤchtig machen / noch umbſtoſſen / du moͤch - teſt ohne glauben neben der Seeligkeit hingehen; Wer da wil ſeelig werden / der muß fuͤr allen Dingen den rech - ten Chriſtlichen glauben haben / wer denſelben nicht gantz und rein helt / der werd ohn allen zweiffel ewiglich Ver - lohren ſeyn. Das iſt aber der rechte Chriſtliche Glau -Symbolũ Athanaſii. be / daß wir einen Einigen GOtt in dreyen Perſonen / und drey Perſonen in Einer Gottheit ehren. Bey dieſem Glaubens bekaͤnndnuͤß iſt der Sel. Herr Kerner auch beſtaͤndig blieben und darauff ſelig geſtorben.
b Quomo - do? Darnach nim̃ in acht die Vmbſtaͤnde Quomodo, wie man den Glauben beweiſen ſolle und koͤnne? HErr / wenn ich nur dich habe / ſagt Aſſaph / wuͤndſthet ihm den HErren / den groſſen GOtt / den drey Einigen GOtt zu erlangen und zu haben.
1. Cordia - li affectio - ne. Wie beweiſet / wie bezeuget Aſſaph oder David hiemit den Glauben? Fuͤrs erſt mit in bruͤnſtiger Hertz - liebe / er hat ein Hertz gegen ſeinem GOtt / das voll in bruͤnſtiger Liebe iſt. Wo rechter Glaube im Hertzen / da iſt auch wahre liebe zu GOtt / wie der Apoſtel ſagt:Der[13]Chriſtliche Leichpredigt. Der Glaube iſt thaͤtig durch die Liebe. Die Liebe a -Gal. 5, 6. ber des Hertzens zu GOtt iſt ſtarck wie der Todt / ſie kan ſich nicht bergen / ſondern wie das Feuer ſich reget / und uͤber ſich ſteiget; Alſo auch reine und richtige Liebe dringet durch / und ſuchet daß / was droben iſt / da Chri -Cantic. 8. 6. ſtus iſt / ſitzend zur rechten GOttes; Alles was man ſonſten hoch und herrlich helt in der Welt / das verach - tet ein Gottliebender Menſch. Denn er weiß wol / dasColoſſ. 3, 1 alles / was auſſer GOtt iſt / kein beſtaͤndiges Gut iſt. Darumb wuͤndſchet er allein in GOtt zu ſein / und hat ſeint einige freude an dem lebendigen GOtt mit Da - vid / der im Pſalm ſagt: Mein Leib und Seel freuen ſich in dem lebendigen GOtt. O wiewol iſt einer Chriſt -Pſal. 84. 3. glaͤubigen H. Seelen bey ſolcher GOttes Liebe? Wel - che ruhe hat ſie in dem / der ein GOtt des frieden iſt. Eine Creatur ruhet nicht beſſer als in dem / darauß Sie1. Cor. 14. 33. worden iſt / ein Fiſch im waſſer / ein Vogel in der Lufft / und ein Baum im Erdreich: Alſo die liebhabende Seele ruhet am ſicherſten in GOtt. O welch eine HerrligkeitJoh. Arnd. l. 1. vom wahren Chriſten - thumb p. 238. Bernhard. de inte - riore do - mo cap. 22 iſt daß! Das man wol von einer Jeſu-Liebhabenden Seelen ruͤhmen mag: Sie ſey Gottes Thron und La - gerſtet / eine wohnung des heiligen Geiſtes / ein Luſtgarten / ein guͤldenes Haupt-Kuͤſſen / eine Engelfreude / wie S. Bernhardus ſagt: So ſiehe nun O lieber Menſch das dein Hertz auch voll glaubens und liebe ſey zu deinem GOtt; Vnd wie die Liebe in deinem Hertzen verſchloſ - ſchen brennet / alſo giebt ſie auch an Tag durch andaͤch - tige Gebaͤhrden und gottſeligen Eyffer / auff das dein Glaube / wie Davids und Aſſaphs von auſſen kund undB iijoffen -[14]Chriſtliche Leichpredigt. offenbahr werde. Daß wird dir eine Ehre vor GOtt und Menſchen ſeyn. Mit welcher Ehre das glaub und liebreiche Hertz Herrn Melchior Kerners dieſe Welt geſe - gnet und ſich in ſeinem Schlaffkaͤmmerlein verborgen hat.
2. Orali Cõ - feſſione. Weiter beweiſet Koͤnig David ſeinen glauben in den Worten: HErr wenn ich nur dich habe / durch muͤnd - liche bekaͤntnuͤß. Man ſaget im Sprichwort: Hertzen - grund quillt in mund. Jſt eben was Chriſtus ſagt: wes das Hertz voll iſt / deß gehet der Mund uͤber. Da -Matth. 12, 34. vids und Aſſaphs Hertz ſind voll goͤttlicher Liebe und glaubens / darumb ſo reden ſie mit ihrer Zungen und be - kennen / was ſie im Hertzen haben offentlich; Herr / wenn ich nur dich habe. An einem andern Ort thutPſ. 116. 10 Pſ. 119, 46 David deßgleichen: Jch glaube / ſpricht Er / darumb re - de ich: Setzet aber hinzu: Jch werde ſehr geplaget. So bezeuget Er im 119. Pſalm daß er deſſen keine ſchew ge - tragen / auch fuͤr groſſen Potentaten und Koͤnigen vonAct. 13, 22. den Goͤttlichen zeugnuͤſſen zureden. Wolan / mein lie - ber Chriſt / folge David / der ein Mañ nach dem Wundſch und Hertzen des HErren geweſen / nach / und ſey freu -1. Pet. 3, 15 dig deine bekaͤntnuͤs zu thun von Chriſto und ſeinem E - vangelio fuͤr aller Welt. Sieheſtu daß ihr viele hin - cken und heucheln / un mit ihrer glauben Bekaͤn[t] nuͤß hin - ter dem Berge halten / ſo ſage du mit David: Herr /Pſal. 40, 6 wenn ich nur dich habe. Vnd auß dem 40. Pſalm: HErr mein GOtt / groß ſind deine Wunder und Ge - dancken / dir iſt nichts gleich / ich wil ſie Verkuͤndigenv. 10. und davon ſagen / wie wol ſie ſie nicht zuzehlen ſind;Vnd[15]Chriſtliche Leichpredigt. Vnd abermahl: Jch wil predigen die Gerechtigkeit in der groſſen Gemeine. Siehe! Jch wil mir meinen Mund nicht ſtopffen laſſen / HErr das weiſſeſtu.
Auff ſolche maß hat ſeinen glauben bezeuget der edle Jude Mathathias / der freudige Stephanus / der1. Maccab. 2. 19. Act. 6. & 7. liebe Paulus / der als ein auſſerwehlter Rüſtzeug Gottes den Nahmen Jeſu getragen und bekennet fuͤr Juden und Heyden / fuͤr hohes und niedriges Standes Perſonen. Act. 9, 15.
Von dem Apoſtel Petro leſen wir / als Jhm und den andern ſeinen Collegen ein verweiß geſchahe / daß ſie wieder daß Verboth von dem Nahmen Jeſu predig - ten / daß Er ſich unerſchrocken erklaͤret: Man muß Gott mehr gehorchen / denn den Menſchen / ja Er hat wieder - holet daſelbſt ſein bekaͤntnuͤß / und ſpricht: Wir ſind ſei -Act. 5. 28. ſeq. Syr. 2. 2. ne zeugen. Alſo thue du auch / O lieber Menſch und wancke nicht / wenn man dich zum Abfall locket; Ge - dencke an die erſten Worte Chriſti: Wer mich bekennet fuͤr den Menſchen / den wil Jch bekennen fuͤr meinen him̃liſchen Vater / Wer mich aber verleugnet fuͤr den Menſchen / den wil ich verleugnen fuͤr meinen him̃liſchnMatth. 10 32. Vater.
An jenem groſſen Gerichtstage wird der HErr Jeſus ſagen: Qualem teinvenio: talem te judico. Sap. 5, 17. 1. Reg. 18, 40. Syr. 26, 27Wie ich dich finde / alſo richte ich dich. Die großmuͤ - tigen Bekenner werden empfahen ein herrlich Reich / und eine ſchoͤne Krone von der Hand des HErren: Aber die hinckenden Baaliten werden vom Rach ſchwerdt GOt - tes verzehret werden. O wiewol und fleiſſig hat dieſem nachgedacht unſer Sel. Herr Kerner / darumb er auchſeinen[16]Chriſtliche Leichpredigt. ſeinen Jeſum getroſt bekennet / und durch ſolche bekaͤnt - nis ſeelig geſtorben.
3. Reali a - ctione. Endlich beweiſet David mit den Worten / HErr / wenn ich nur dich habe / ſeinen Glauben wuͤrcklich und in der That. Vnd iſt das ſeine Erklaͤrung: Siehe! O GOtt / O HErr Himmels und Erden; ſiehe! Jch Jch bin bereit umb deines Nahmens willen alles zu thun / alles zuwagen / zuleyden / auch den Todt auß zuſtehen.
Daß ein Menſch ſeinen Jeſum im Hertzen liebet / das iſt ein groſſes: Daß Er ihn mit dem Munde beken - net / daß iſt ein groͤſſers: Daß Er aber auch umb ſeinet willen Gut und Blut daran waget / daß iſt das groͤſſe - ſte / und wird ſonderlich dadurch der Chriſten glaube / und ihre beſtaͤndigkeit fuͤr der Welt offenbahr.
Das nun David ein ſolch gemuͤth gehabet / undPſ. 44. 23. Rom. 8, 36 das auch in ſeiner Kirchen ſolche freudige Maͤrter gewe - ſen / zeiget Er an / wenn er ſaget: Wir werden HErr umb deinet willen taͤglich erwuͤrget / und ſind geachtet gleich wie die Schlacht-Schaffe. Was ſoll ich hier ſa - gen von den Chriſt bekennern des alten Teſtaments? Dieſe haben daß Zeugnuͤß das Jhr viel ſpott und geiſ -Hebr. 11. 36. ſeln erlitten / darzu Bande und Gefaͤngnüß. Sie ſind geſteiniget / zerhackt / zuſtochen / durchs Schwerd getoͤdtet worden. Sie ſind umbher gegangen in Peltzen und Ziegenfellen / mit Mangel / mit Truͤbſal / mit Vngemach / derer die Welt nicht wert war. Vnd alſo noch wird die verfolgungs Poſaune geblaſen / und eine Todten Glock nach der andern gegoſſen. Wiltu demnach den Glauben und Nahmen eines rechtſchaffenen Chriſtenhaben[17]Chriſtliche Leichpredigt. haben und damit prangen / ſo muſtu dir umb Chriſtus willen nichts zu lieb ſein laſſen / nehmen ſie dir den Leib / Gut / Ehr / Kind und Weib / laß fahren dahin / ſie ha - bens keinen gewinn / das Reich Gottes muß dir bleiben.
Ob nun wol unſer Seel. Herr Kerner keinen ge - waltſamen Martyrer todt gelitten / ſondern wie Jacob und David ſanfft auff ſeinem Bette entſchlaffen / ſo hat er doch ſeinen Jeſum ſo hertzlich geliebet / daß Er ſich nicht gefuͤrchtet umb ſeiner Ehre und Lehre willen Leib und Le - ben zu verliehren und in die Schantze zuſchlagen.
Die dritte Vmbſtaͤnde / ſo im erſten Theil unſerer Predigt in acht zunehmen / iſt Cur? Warumb man mit David allein an GOtt hangen und mit Jhm ſagenc. Cur? ſolle: HErr wenn ich nur dich habe? Jſt denn das ſo hochnoͤthig? Freylich iſt es noͤthig. Vnd das umb deß HErren willen / der ſolchen Glauben und Bekaͤnt -Eſai. 45, 23. Phil. 2. 10. nuͤß erfodert / wie ſpricht Er im Eſaia: Jch ſchwere bey mir ſelbſt / und ein wort der Gerechtigkeit gehet auß mei - nem Munde / dabey ſol es bleiben / nemlich mir ſollen ſich alle Knie beugen und alle Zungen ſchweren und ſagen: Jm HErren habe ich Gerechtigkeit und Staͤrcke. Wor -Eſai. 42. 8. Deut. 10. 20. Matth. 4. 10. auß zuſehen / das GOtt ſeine Ehre keinem andern ge - ben / auch nicht zulaſſen wolle / daß man andern Goͤttern dienen ſolle: Es iſt noͤhtig umb des Nechſten willen / dem du mit freudiger Bekaͤntnuͤs und Glauben ſolſt fuͤrgehen / und ihn bewegen auch feſt an GOtt zuhalten. Wer den Suͤnder bekehret von dem Jrthumb ſeines weges / der hat einer Seelen von dem Tode geholffen /Jac. 5. 20 und wird bedecken die Menge der Suͤnden / ſagt S. CJacob.[18]Chriſtliche Leichpredigt. Jacob. Es iſt noͤhtig umb des Teuffels willen / auff daß er zu Schanden werde. Welches jener Heyde Saluſtius ſelber erkennet / darumb Er an den Kaͤyſer geſchrieben: Werden wir nicht auffhoͤren die Chriſten zu Martern / ſo werden wir ihnen in kurtzen Ruhm und Ehre zu wege bringen / uns ſelber aber bey maͤnniglich zu ſpot ſetzen. Niceph. Eccl. hiſt. lib. 10. c. 28.Wie beym Nicephoro zuleſen. Es iſt noͤhtig umb des gewiſſens willen / welches auſſer GOtt nicht ruhig ſein kan. Man ſiehet es an den Mammelucken / in wel - che angſt ſie endlich gerahten? Das auch Franciſcus Spira buͤrtig von Citadell auß der Paduaner LandeSleidanus lib. 21. hiſt. p. 511. umb der Verleugnung willen in ſeinen Suͤnden verzwei - felt / wie Sleidanus erzehlet. Die muthwillig ſuͤndigen / das iſt / die von der einmahl bekandten Warheit abfal - len / haben fuͤrder kein ander Opffer fuͤr die Suͤnde / ſondern ein ſchrecklich warten des Gerichts und des FeuerHebr. 10, 26. eyfers / der die Wiederwertigen verzehren wird / ſagt S. Paulus. Es iſt noͤhtig daß wir an GOtt allein han - gen / und ihn mit Hertz / und Mund und That bekennen und ehren umb unſers Heyls und Seligkeit willen. Kein Menſch iſt ſo boͤſe / der ihm nicht wuͤndſche Seelig zu werden. Nun aber iſt auſſer dem / zu welchem David ſich wendet und ſeine zuflucht nimmet / kein Heyl undAct. 4, 12. keine Seeligkeit. Darumb O lieber Chriſt / ſo wuͤnd - ſche und erwehle dir auch dieſen allein / und ſage: Mo - dò Te habeam, HErr wenn ich nur dich habe. Sey deſſen gewiß und uͤber gewiß / das du in dem Herrn Jeſu / in dem Elſchaddai alle ſufficientz und vollkom - menheit aller Schaͤtze und Guͤter haſt. Wie ein Meernicht[19]Chriſtliche Leichpredigt. nicht kan außgeſchoͤpffet werden; Alſo iſt Jeſus Chri - ſtus ein unerſchoͤpfflich und unergründlich Meer aller Schaͤtze und Reichthuͤmer. Darumb ſo freue dich ſeiner groſſen guͤte und ſorge mit David: Modò te ha - beam, HErr wenn ich nur dich habe / ſo habe ich gnug / ſo bin ich Reich und Seelig. Denn ſiehe mein Chriſt / du haſt an dem HErrn Jeſu in kranckheit eine bewaͤhrte Artzney / im Hunger ein niedliches Brod / im durſt leben - diges Waſſer / Jm finſternuͤß iſt Er dein Liecht / in der Traurigkeit deine Freude / in und wieder die anklage dein Fuͤrſprecher; Du kanſt ſein gebrauchen zur Weißheit wieder die Thorheit / zur gerechtigkeit wieder die Suͤnde / zur heiligung wieder die Vnreinigkeit / zur Erloͤſung wie - der die Gefaͤngnuͤs / zum Gnadenſtuel wieder das Ge - richte / zur Abſolution wieder das letzte Vrtheil; zum friede und ruhe wieder das boͤſe Gewiſſen / zum Sieg wieder alle deine Feinde / Jn Summa: Der HErr Je - ſus iſt deine Staͤrcke in ſchwachheit / dein Weg in irrunng / deine Ehren-Kron in verachtung / dein Raht / wenn ſonſt kein raht zufinden / dein Koͤnig der dich beſchuͤtzet / dein Hoherprieſter der fuͤr dich bittet / dein Heyland der dich ewig erfreuet und ſeelig machet.
Wolteſtu nun dieſem nicht anhaͤngen / und ſich ihm mit Leib und Seel ergeben? Das waͤre dein gewiſ - ſeſter Vntergang und Schaden. Darumb ſo laß an - dere ſuchen und wuͤndſchen mit Alexandro Welt-Eh - re / mit Mida Reichthumb / mit Sardanapalo Wolluſt / mit Pyrrho Geſundheit / mit Caligula untergang der Freun - de / du ſey vergnüget mit deinem Jeſu und ſage: Modò te habeam Domine, HErr wenn ich nur dich habe.
C ijDas[20]Chriſtliche Leichpredigt.Das iſt unſers Seel. Herrn Kerners einiger Hertz - wundſch geweſen: HErr wenn ich nur dich habe / ſo habe Jch alles. Jſt darauff im HErrn Jeſu ſanfft und ſeuberlich eingeſchlaffen. Das iſt eines.
II. Verba Creaturis renunci - antia. Zum II. Finden wir in unſerm verleſenen Text Verba Creaturis renunciantia, ſolche worte / mit wel - chen Aſſaph oder David ſich begiebet des Himmels / und der Erden / ja ſich ſeines Leibes und Lebens verzei - het. Modo te habeam, wenn ich nur dich / HErr / ha - be / ſo frage ich nichts nach Himmel und Erden / wenn mir gleich Leib und Seele verſchmachtet.
a. Polo. Sehet / meine lieben / Aſſaph begiebet ſich hier auch des Himmels. Jch frage nichts nach dem Himmel / ſpricht Er. Das iſt eine ſeltzame rede. Andere wennPſ. 121, 1. Phil. 3, 20. ſie in der Angſtpreſſe ſtecken / ſo heben ſie ihre Augen auf gen Himmel / und ſagen mit Paulo: Vnſer wandel iſt im Him̃el. Sie erinnern ſich der worte Chriſti: SeydMatth. 5. 12. froͤlich und getroſt / im Himmel wird euch alles belohnet werden.
Wie kom̃t denn Aſſaph darauff / das Er ſagt / ich frage nichts nach dem Himmel? O Aſſaph / du Mann GOttes / ſieheſtu nicht / wie ſchoͤne der Himmel iſt? Wie die Sternen daran fuͤnckeln und leuchten? Wie diePſ. 115. 16. Eſai. 66, 1. Planeten ihre Sphæren und Circul ſo ordentlich durch - lauffen? Weiſſeſtu nicht / das der Himmel GOttes Re - ſidentz und wohnung iſt? Jſt dir unbekandt / das imDan. 7, 10. Hebr. 12, 22. 23. Apoc. 7. 9. Himmel ſo viel tauſendmahl tauſend H. Engel und auſſerwehlten ſind?
Warumb ſagſtu denn / ich achte des Himmels nicht? Worauff zuwiſſen / daß das wort Himmel nichtin[21]Chriſtliche Leichpredigt. in einerley verſtande gebraucht werde. Denn da bedeu - tet der Himmel die Lufft / ſo die Erde umbfaſſet wie GOtt dreuet: Jch wil Euch den Himmel wie Eyſen machen. So ſtellet Chriſtus die Vogel des HimmelsLevit. 26, 19. Matth. 6. 26. 1. Geneſ. 15 5. Pſ. 121, 2. Meiſn. Phil. Sobr. 1. p. 430. fur augen. Darnach iſt der geſtirnte Himmel / von wel - chem GOtt zu Abraham ſpricht: Siehe gen Himmel und zehle die Sternen / kanſtu ſie zehlen! weiter iſt der Majeſtaͤtiſche Himmel / darinnen GOtt wohnet / von welchem die huͤlffe des HErren zu uns kom̃t / da auch die Auſſerwehlten / und die H. Engel GOtt ſehen und loben. Wenn nun Aſſaph allhier ſaget: Jch frage nichts nach dem Himmel / ſo verſtehet Er nicht GOttes Majeſtet-Himmel / den Himmel der Außerwehlten und Engel / ſondern die Sichtbaren Himmel / von denen Jhm wol bekand / das Sie endlich zergehen werden / wie Da -Pſ. 102. 27. 2. Pet. 3, 10 vid davon redet in ſeinen Pſalmen; Welches auch S. Petrus bewaͤhret im Neuen Teſtament. Wie ſchoͤne / wie helle und herrlich dieſelben ſind / wil deren doch Aſ - ſaph gerne entperen / wenn er nur ſeinen HErren und GOtt haben moͤge. Nicht allein aber begiebet ſich der Geiſtreiche Aſſaph des Himmels / ſondern auch.
b Der Erden. Wenn ich nur dich habe / ſo fra -b. Solo. ge ich nichts nach der Erden. Scheinet abermahl hart geredet zu ſeyn. Denn da koͤnte man ihm einhalten / das die Erde ja ein ſehr herrlich Geſchoͤpffe Gottes ſey / und dahero nicht zuverachten. Warumb hat GOtt die Er - de gebauet? Das ſie ſolle der Menſchen wohnung ſeyn. Pſ. 115. 16.Was genieſſen wir mehr von der Erden? Sie giebetPſ. 104. 14 Graß fuͤr das Viehe und ſaat zu nutze den Menſchen. C iijWoher[22]Chriſtliche Leichpredigt. Pſ. 65, 10 Hiob. 28, 1. 6. Syr. 38, 4.Woher haben wir Brod und Wein? Auß der Erden. Woher haben wir Gold und Silber? Auß der Erden. Woher haben wir ſo viel edler Gewaͤchſe und Blumen / deren wir zur Artzney / und luſt gebrauchen koͤnnen? AußEſai. 26. 1. Joh. 5. 28. der Erden. Ja wir werden endlich in die Erde begraben / und erwarten auß der Erden eine froͤliche Aufferſtehung von den Toden. Wie kan denn der Mann Gottes ſa - gen ich frage nichts nach der Erden? Wobey zu mer - cken / das Aſſaph nicht ſchlecht hin die Erde verwerffe / ſondern Comparatè und gleichnuͤß weiſe redet er in ſol - cher meinung: Er wolte nicht den gantzen Erdboden / derV. Diete - ric. in Sap. T. 1. p. 790. doch in ſeiner Circumferentz und umbkreiß mit dem Waſſer 5400. deutſcher Meilweges in ſich hat / nehmen / und ſeinen Elohim fahren laſſen. Welches denn nicht Vnrecht geſprochen. Denn was huͤlffe es den Men -Matth. 16. 26. c. Sibimet perituro Pſal. 68, 20 Pſal. 71, 20 ſchen / ſo er die gantze Welt gewinne / und nehme doch ſchaden an ſeiner Seele? Vnd dabey leſſet es Aſſaph noch nicht bleiben / ſondern er begiebet ſich c. auch end - lich ſeines Leibes und Lebens. Denn ſo ſaget er weiter: Wenn mir gleich Leib und Seele verſchmacht. Jn die - ſer Welt iſt es mit dem Menſchen alſo gethan / das uns GOtt eine Laſt auffleget / und leſſet auch die frommen viel und groſſe Angſt erfahren / ja ſie fallen endlich da - hin und gehen unter.
Tibull. lib. 3. E - leg. 2. v. 6.Es heiſt: Frangit Fortia corda dolor: Auch die mutigſten Helden werden durch all zu groſſe Schmer - tzen und Anfechtung zerbrochen. Wenn es nun dahin kom̃t / was zu thun? Etzliche leidigen ſich ſelbſt und ver - zweiffeln. Aber Aſſaph iſt getroſt alle Angſt und Nohtzuerfah -[23]Chriſtliche Leichpredigt. zuerfahren / auch Leib Seel zu verlieren / wenn er nur ſei - nen GOTT und HErren habe. Drumb ſpricht Er: Wenn mir gleich Leib und Seele verſchmacht. Jn ſei - ner Sprache ſtehet das woͤrtlein Calah, von welchem ohne zweiffel kommet das deutſche Wort Kohlen. WieBak. in Amphit. Mortis. a. p. 457. demnoch dieſer H. Mann zu verſtehen geben / ob gleich im Fewer der Anfechtung ſein Hertz zu lauter Kohlen ſol - te verbrennet werden / ſo wolle er doch das alles gerne leiden und außſtehen / wenn Er nur ſeinen Elohim und HErren umb und bey ſich habe.
Sehet / Jhr Geliebte / in dem HErren / ſo gar ſtel - let dieſer H. Gottes-Mann ſein vertrauen auff keine Crea - tur / ſondern allein auff den HErren / der ein GOtt und Schoͤpffer iſt Himmels und der Erden / der auch uns ſel - ber gemacht / und mit Leib und Seele begabet hat. Jſt ihm alſo zu muth in ſeinem Hertzen / wie die Alten geſaget haben: Optandum potius eſſe cum DEO in infer - no, quàm ſine DEO in cælo: Man ſolle wuͤndſchen lieber mit GOtt in der Hoͤlle / als ohne GOtt im Him - mel zu ſeyn.
Dieſes haſtu auch / O Chriſtliches Hertz / in acht zu nehmen / und von Aſſaph zu lernen / wie gering alles jrꝛdiſche zu achten gegen dem wahren lebendigen Gott / welcher iſt Summum & unum Bonum, in quo omnia Bona, das hoͤchſte Gut / und das einige Gut / in wel - chem alles Gut / ſagt S. Auguſtinus. Darumb wennAuguſtin. in Manu - ali T. 9. Col. 807. c. du ſieheſt wie andere nach Geld und Gut trachten / und ſich darin verlieben / ſo wende du dich zu deinem Jeſu und ſage:
Hertzlich[24]Chriſtliche Leichpredigt.Man lieſet von dem Athenienſiſchen Fuͤrſten Themiſto - cle, da er einesmahls im Spatziergehen guͤldene Arm - baͤnder und andere Kleinodien fand / daß er geſchwindPlut. in Themi - ſtocl. T. 1. vit. p. 218. fort gangen und zu ſeinem Diener geſagt: Tolle tu iſta, ego enim ſum Themiſtocles: Hebe du dir dieſe Sa - chen auff / denn ich bin Themiſtocles. Alſo mein Chriſt / wenn dir der Fuͤrſt dieſer Welt Reichthumb / Ehr und Herrligkeit fuͤrwirfft / und wil dadurch dein Hertz von deinem GOTT abwendig machen / ſo gehe ſtracks fuͤr bey und ſage dem Sathan: Behalt dirs ſel - ber / denn Jch bin ein Chriſt und begehre nichts / als meinen Jeſum; Modò Jeſum habeam, wenn ich nurEſai. 30, 20. 1. Petr. 5, 7. den HErren Jeſum habe / ſo habe ich den / der mich ver - ſorget / der mir in truͤbſal Brod und in aͤngſten Waſſer giebet. Wenn ich Jeſum habe / ſo habe ich den / der mich beſchützet; Jſt er doch Jmmanuel / GOtt mitEſai. 8, 10. uns. Er kan und wil erretten / alle / die zu ihm treten. Es kan keine noth und anfechtung ſo groß ſeyn / er weißLev. 26. Rath und Huͤlffe darwieder. Wenn der Himmel uͤber uns eyſern und ehern wird / wenn die Sonn in Finſter -Joel. 2, 31. nuͤs und der Mond in Blut verwandelt werden / wenn ſich Cometen und andere fewer ſchieſſende Chaſmata ſehen laſſen / wenn der Wuͤrg-Engel rumoret / und in al -len[25]Chriſtliche Leichpredigt. len winckeln die Kriegesflamme brennet / wenn Tuͤrcken und Tartern den Sebel wetzen / einbrechen und alles ver - wuͤſten / Jn Summa: wenn der Teuffel auß der unter - ſten Hoͤllen ſeinen Drachen-Kopff herfuͤr thut / Ey ſo kanſtu dennoch freudig ſein und ſagen / Modò Jeſum habeam, wenn ich nur meinen Jeſum habe / ſo hats keine Noth / ſo kan mich kein Vnfall uͤberweltigen / wie groß Er iſt. Denn Er iſt bey mir in der Noth / Er wird mich herauß reiſſen und zu Ehren ſetzen / und ich wer -Pſal. 91. 15. de meine luſt an meinen Feinden ſehen. Wenn ich Je - ſum habe / ſo habe ich den / der mich Seelig machet. Matth. 1.Denn Er iſt der Heyland / der ſein Volck ſeelig machet. Spricht Er doch ſelber: Jch lebe / und ihr ſolt auch le -Joh. 14. c. 12. ben. Vnd abermahl: Wo ich bin / da ſol mein Die - ner auch ſeyen. O wol dir / mein Chriſt / wenn du Je - ſum liebeſt / und ihm dich allein ergiebeſt / ſo kan dein Hertz froͤlich ſeyn / wo Er iſt / da iſt deine Wohnung auch. Vater / ſpricht er / ich wil das / wo ich bin / auch die bey mir ſeyn / die du mir gegeben haſt daß ſie meineJoh. 17. Herrligkeit ſehen.
Man ſchreibet von den Studenten zu Witten - berg / wenn Philippus Melanchthon verreiſet / das ihm die Studenten nachgefolget und geſaget: Ubi Philip - pus, ibi Witeberga: Wo Philippus iſt / da iſt die Uni - verſität Wittenberg. Alſo kanſtu auch / O Menſch ſa - gen: Wo Jeſus iſt / da iſt mein Himmel / und alles was meine Seele wuͤnſchen kan. Sonderlich halt dich an dieſen deinen Jeſum in der letzten Todesſtunde / und ſa - ge: Laß mich dein ſeyn und bleiben / du getreuer GottDund[26]Chriſtliche Leichpredigt. und HErr / von dir laß mich nicht ſcheiden / den Glau - ben in mir mehr: O HErr laß mich nicht wancken / gieb mir beſtaͤndigkeit / dafür wil ich dir dancken in alle Ewigkeit. Jn ſolchem Glauben und Troſt ſind alle Heiligẽ Gottes wol und ſeelig eingeſchlaffen. Vnd das iſt auch der einige Grund / darauff unſer Seel. Herr Kerner ſein leben froͤlich beſchloſſen hat.
III. Verba fi - dentem roboran - tia. Zum III. Vnd letzten haben wir in unſerm Spruch Verba fidentem roborantia, ſolche worte / die einen Glaͤubigen Chriſten gewaͤltig ſtaͤrcken. So ſaget Aſſaph weiter: So biſtu doch GOtt allezeit meines Hertzens Troſt und mein Theil. Vnd oben ſpricht Er verſ. 23. Jch bleibe ſtets an dir / denn du helteſt mich bey meiner rechten Hand / du leiteſt mich nach deinem Rath / und nimbſt mich endlich mit Ehren an. Jn welchen worten uns fuͤr Augen geſtellet werden vier ſtarcke Stuͤtzen / o - der Gruͤnde / darauff ſich angefochtene / und in der Angſt - Schuel wolgeuͤbete Chriſten feſt lehnen / und verlaſſen koͤnnen. Es iſt ſonſt mit dem Glauben alſo beſchaffen / das Er bey den frommen nicht allzeit gleich ſtarck iſt; Wie das an dem Patriarchen Jacob / an Hiob / an Da - vid und andern zuſehen. Wie offt ſpricht das Menſch - liche Hertz / es iſt kein Glaube? Wie offt klaget die Zun - ge / es iſt kein Heyl in dem HErren? O mich elenden / wo ſol ich hin / der ich keinen Glauben fuͤhle / darwieder ſind nun folgende Gruͤnde / und mittel zubehalten und zu gebrauchen.
1. Cordis ſo - latiumVnter denen Das 1. iſt Hertztroſt. Du HErr biſt allezeit meines Hertzenstroſt / ſpricht allhier Aſſaph. Jn[27]Chriſtliche Leichpredigt. Jn ſeiner Sprache heiſt es Cordis rupes, Hertzfels. Womit er ſiehet auff den HErren Jeſum / welcher der1. Cor. 10 4. Num. 20, 8. Pſal. 118 22. Eſai. 28, 16. Pſal. 104, 18. Felß iſt / der mit folget / wie Paulus redet. Er iſt der rechte Grund und Eckſtein / auff den man feſt ſtehen und bleiben kan. Von den Felſen ſaget David / das Sie ſind der Gemſen zuflucht: Alſo iſt auch Chriſtus Jeſus un - ſer und aller ſchwachglaͤubigen zuflucht / troſt und ſiche - rung / und wie der Meer-Igel / wenn er ein Vngewitter mercket / ſich unter einen ſtarcken Felſen verkreucht / und an demſelben als an einem ſtarcken Ancker feſt anhelt: Alſo im Vngewitter der Truͤbſal und Angſt halten wir uns an den Felſen Chriſtum und werden durch ihn erhal - ten. Wie auch die Tauben / wenn ſie vom HabichtBaſil. Mag. Hexaem. Homil. 8. Jerem, 48. 28. Pſal. 55, 7. Cantic. 2, 14. verfolget werden / oder ſonſt ein Sturmwetter mercken / in Steinritze und Felßloͤcher ſich verbergen: Alſo ha - ben wir in dem Felß Chriſto die offenen Steinritze und Loͤcher / das ſind ſeine heilige Blutwunden und Naͤgel - mahl / in welchen wir fuͤr dem hoͤlliſchen Habicht und ſturmwetter der Hoͤllen und ewigen Verdamnuͤß koͤnnen ſicher und verwahret ſeyn. Darumb / O Menſch / in deiner Schwachheit ſiehe auff den Felß Chriſtum / faſſe einen Muht und ſage:
Ein Turteltaub durchs Geyers raub gar leichtlich wuͤr - de gefangen / wenn ſie nicht koͤnt im flug behend / die Fel - ſenloͤcher erlangen; der Felß du biſt HErr Jeſu Chriſt mit wunden auffgeſpalten / darein fliehe ich / werd ſicher - lich fuͤrs Teuffels gewalt erhalten: Vnd abermahl ſin - ge und ſage:
Mit dieſem Troſt hat ſich der Seelige Herr Kerner in ſeinem Hinſcheiden auch geſtaͤrcket / und iſt in den Steinritzen der Wunden Jeſu Chriſti erhalten worden.
2. Hæredi - um. Das 2. Mittel oder Grund / dadurch ein Schwach - glaͤubiger Menſch ſich auffrichten und freudig ſein kan / iſt das Theil oder die Erbſchafft / das Gut und Kleinod / davon der Pſalmiſt ſaget: Du biſt mein Theil / meinMatth. 5. 3. Erbgut / mein Schatz und Reichthumb. O wie wol klinget das in den Ohren derer ſo geiſtlich arm ſind? Pſal. 16. 5.Was iſt aber daß fuͤr ein Theil und Erbe? Wen meinet Aſſaph? Niemanden anders als ſeinen HErrn JEſum / nach dem Er ſo ein hertzliches verlangen hat und traͤget. Der iſt das ſchoͤnſte und lieblichſte Erbtheil. Ach! was ſolte ſchoͤners und anmuttigers gefunden werden koͤnnen? Er iſt weiß und roht / außerkohren unter vielen tauſen -den.[29]Chriſtliche Leichpredigt. den. Seine kehle iſt ſuͤß und gantz lieblich. Mit ver -Cantic. 5, 10. 16. wunderung ſagt S. Johannes: Vidimus gloriam e - jus, wir ſahen ſeine Herrligkeit / eine Herrligkeit / als deß eingebohrnen Sohnes GOttes. Er der HErr JeſusJoh. 1. 14. iſt das allerreicheſte Erbtheil. Jn ihm liegen verborgen alle Schaͤtze der Weißheit und der Erkaͤntnuͤs. WasColoſſ. 2[,]3. ſind dargegen zu achten die Schaͤtze jenes Jndianiſchen Koͤniges Atabalipæ, welcher drey Haͤuſer voll lauter Goldklumpen gehabt / und noch fuͤnff Haͤuſer darinen hundert tauſend geſchlagener Goldblech geweſen. Lau -dieter. Sap 1. p. 725. ter nichts iſt es mit dieſem und der gantzen Welt reich - thumb. Er der HErr Jeſus iſt ein allgemeines Erb - theil. Alle / alle die an Jhn glaͤuben koͤnnen ſeiner ge - nieſſen / denn Er iſt Salvator omnium ein Heyland al -1. Tim. 4, 10. ler Menſchen.
Er / der HErr Jeſus iſt ein beſtaͤndiges und tauer - hafftes Erbgut. Jn der Welt iſt alles vergaͤnglich / a - ber dieſer Schatz iſt ein gewiſſes und beſtaͤndiges Gut / das bleibet und vergehet nicht. Jeſus Chriſtus geſternHebr. 13, 8. und heute und derſelbige auch in Ewigkeit. Wenn du / O Menſch / anfechtung leideſt / wegen deines groſſen Vn - vermoͤgens und Elendes / daß du fuͤr GOtt ſo arm /Apoc. 3, 17. jaͤmmerlich / blind und bloß biſt / Ey ſo troͤſte dich die - ſes herrlichen Anfalls und Antheils deines HErrn Jeſu / auß deſſen Fuͤlle du nehmen kanſt Gnade umb Gnade / das iſt eine Gabe und Gnade des H. Geiſtes nach derJoh. 1, 16. andern.
Siehe doch dein Heyland der der Reicheſte / iſt arm worden / auff daß du durch ſeine Armuth reich wuͤrdeſt. 2, Cor. 8. 9D iijAuff[30]Chriſtliche Leichpredigt. Auff dieſe Erbſchafft und hohes Gut hat ſich der Seel. Herr Kerner auch gefreuet / und iſt dadurch in ſeinem Vnvermoͤgen und Schwachen glauben ſehr reichlich ge - ſtaͤrcket worden zu ſeiner Seligkeit.
3. Præſidiũ. Das 3. Mittel und Grundfeſte / ſo unſern Schwachen glauben ſtaͤrcket iſt deß HErren Chriſti ge - genwarth / Huͤlffe und Beyſtand. Davon lauten des Pſalmiſten wort alſo: Du helteſt mich bey meiner rech - ten Hand / deutet hiermit auff das Gleichnuͤs genom - men von einem ſchwachen Kinde / und ſtarcken Vater. V. Geſnerũ Comm. in Pſal. pag. 542.Denn wie ein Vater ſein Kind bey der Hand nimbt / und ſaͤuberlich fuͤhret / daſſelbe beſchuͤtzet / und in ſeinem Schoß traͤget: Alſo thut der HErr Jeſus mit ſeinen Schwachglaͤubigen Kindern / Er iſt umb Sie / Er er - greiffet Sie mit ſeiner Hand / Er leutet und gaͤngelt Sie / Er vertheidiget Sie / erquicket Sie und errettet ſie auß aller Noth. Daß erkennet und ruͤhmet David wenn ErPſal. 103. 13. ſaget: Wie ſich ein Vater über Kinder erbarmet; Alſo erbarmet ſich der HErr über die / ſo ihn fuͤrchten. Vnd GOtt ſelber zeuget von ſolcher Vaterliebe / in dem Er ſpricht: Jſt nicht Ephraim mein treuer Sohn / und mein trautes Kind. Denn ich dencke noch wol daran / wasJerem. 31, 20. ich ihm geredet habe / darumb bricht mir mein Hertz ge - gen Jhm / daß ich mich ſeiner Erbarmen muß / ſpricht der HErr. O Wie ſind fromme glaͤubige leute durch dieſe Vaterliebe und huͤlffreichen Beyſtand ſo wol ge - troͤſtet worden? Von Carolo Magno dem erſten Deut - ſchen Kaͤyſer lieſet man / daß Er in groſſer Anfechtunggeſagt:[31]Chriſtliche Leichpredigt. geſagt: Indignus ſum: O GOtt ich bin nicht werth / das Jch dein Sohn heiſſe. So bald Er ſich aber erin - nerte der Vaͤterlichen liebe GOttes / ward ihm beſſerHerm. cont. Lab. ſ. 2. p. 781. und troͤſtete ſich mit dieſen Worten: Tu indignos re - cipis. Was wil Jch doch verzagen? Nimmeſtu doch die unwuͤrdigen Suͤnder an. Der Herr Matheſius ge -Luc. 15, 2. dencket im leben Lutheri eines Weibes / welche Luthero klagete / ſie koͤnte nicht glaͤuben. Die fragete der Doctor: Koͤnnet ihr denn euren Kinder glauben? Ja / ſagt das Weib / und recitirete ihn her / darauff ſpricht Lutherus: Haltet ihr auch dieſes fuͤrwahr / Ja / ſprach die Fraw;Mattheſ. in vita Lu - theri Conc. 12. Ey ſo glaͤubet ihr ſtaͤrcker denn Jch / ſpricht der Docter / denn ich taͤglich umbmehrung meines Glaubens bitten muß. Darauff kam die Frau zu rechte. So leutet und fuͤhret der HErr Jeſus die ſeinen per anguſta ad Augu - ſta, durch Angſt zur Freude. Welche gluͤckſeeligkeit auch unſerm Herrn Kerner Seeligen von ſeinem Jeſu wieder - fahren iſt.
Das 4. Mittel / oder Grundſaͤule / darauff ein4. Ornamẽ - tum. Schwacher Glaube ſtehet / iſt die Ehre / die GOtt ſei - nen lieben Kindern endlich beweiſet. Aſſaph ſaget: Et tandem in gloriam ſuſcipies me: Du nimmeſt mich endlich mit Ehren an. Zwar in der Welt muß der Ge - rechte und fromme verlacht ſeyn / und iſt ein veracht Liecht -Hiob. 12, 5. lein fuͤr den gedancken der Stoltzen. Ja die Gottloſen ſetzen den frommen hefftig zu / und verfolgen Sie auffs hoͤchſte / ſie dreuen ihnen den allerſchmaͤhlichſten Todt an zuthun / wie das Buch der Weißheit lehret. Aberihr[32]Chriſtliche Leichpredigt. Sap. 2, 10. & ſeq. ihr GOtt und Heyland Chriſtus Jeſus nimmet Sie endlich mit Ehren an. Welches geſchicht in dieſem Le - ben / im Tode und nach dem Tode. Was haben die frommen fuͤr Ehre von GOTT im leben? Das zeiget David an im 5. Pſalm? Du HErr ſegneſt die Gerech -Pſal. 5. 13, ten / und Kroͤneſt ſie mit Gnaden / wie mit einem Schil - de. Vnd an einem andern Ort ſpricht Er: Er der Ge -Pſal. 21, 6. rechte hat groſſe Ehre an deiner Huͤlffe / du legeſt Lob und Schmuck an ihn. Das iſt der Chriſtliche Brautſchmuck / deſſen ſich ein Chriſt freuen ſol / und ſagen: GaudensPſal. 45, 10. 14. gaudebo, Jch freue mich in dem HErren / und meine Seele iſt froͤlich in meinem GOtt. Denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heyls / und mit dem RockEſai. 61. 10. der Gerechtigkeit bekleidet.
Wie ehret der HErr Jeſus die Gerechten im Tode? Antwort: Er thut ihnen Ehre mit ſeiner und der H. Engel gegenwarth. Davon D. Luther ſagt: wenn ein Menſch von dieſem Leben ſcheidet / der Suͤnden und Welt abſtirbet / alsdenn thut GOtt alle beyde Augen auff / und muͤſſen alle Engel da ſeyn / und auff ihn war - ten / unten / oben / und rings umbher / wo Er anders ge - kleidet iſt mit der Tauffe Chriſti / mit dem Glauben / und GOttes Wort / daß er moͤge gezehlet werden unter Got -Luth. T. 1. Witeb. fol. 431. tes Heyligen.
Wie ehret er Sie nach dem Tode? Dem Leibe nach ehret er Sie mit ſanffter ruhe im grabe. Jhre Ru -Eſai. 11. 10. he muß Ehre ſeyn / wie von Chriſto ſtehet im ProphetenEſaia.[33]Chriſtliche Leichpredigt. Eſaia. So erlangen ſie Ehre nach dem Tode an ihrem Nahmen / der bleibet ewig und wird des Gerechten nim -Pſal. 112. 6. mermehr vergeſſen. An der Seelen wiederfaͤhret Jhnen die groͤſſeſte Ehre im Himmel / davon Goͤttliche Maje - ſtaͤt ſaget: Siehe / Jch wil deine Steine / wie einen Schmuck legen / und wil deinen Grund mit Sapphiren legen / und deine Fenſter auß Cryſtallen machen / und dei - ne Thor von Rubinen / und alle deine Grentzen von er - wehlten Steinen. Da werden die Seeligen Himmel -Eſai 54, 10 Kinder für Chriſto in Koͤniglicher Herrligkeit prangen / und mit ihm in gleicher Regierung ſitzen / und richtenApoc. 1, 6. Matth. 19, 28. helffen die zwoͤlff geſchlecht Jſrael. O welch eine Ehre wird ihnen daß ſeyn? Wie werden ſie ſich aber ſolcher Erhoͤhung freuen? Man lieſet von dem Conſtantino - poliſchen Kaͤyſer Michael / das Er ſeinen Diener Baſi - lium wegen ſeiner trew zum Mit-Regenten erwehlet /Phil. Nic. in ſpeculo vitæ æter - næ. p. 337. und ihn offentlich Kroͤnen laſſen. Das iſt dieſem Hoff - mann eine groſſe Ehre geweſen / daruͤber Er ſo froh wor - den / daß Er dem Kaͤyſer zu fuſſe gefallen / und Thraͤnen vergoſſen. Viel Herrlicher wird es zu gehen am jenem groſſen Gerichts-und und Reichstage / den Jeſus Chri - ſtus halten wird mit allen Menſchen / die Jemals gelebet haben. Da wird Er ſeine getreue Diener und Liebha - ber fuͤrſtellen / deren loͤbliche Tugenden und Thaten erzeh - len / und ſie Herrlich ruͤhmen / fuͤr den H. Engeln und Ertz-Engeln. Sehet / wird Er ſagen: Das iſt Moy - ſes mein getreuer Knecht: Das iſt der Prophet Eſaias / das iſt Johannes der Taͤuffer / das iſt mein lieber Juͤn - ger Petrus / das iſt S. Paulus / welche in meinem ReichEredlich[34]Chriſtliche Leichpredigt. redlich gearbeitet / und meinen Nahmen fuͤr aller Welt kundt gemacht. Das iſt Maria Magdalena / welche ſich von ihren Suͤnden bekehret / und mich hertzlich ge - liebet. Das iſt S. Auguſtinus der gewaltige Lehrer / der ſo eyferig wieder meine Feinde geſtritten. Das iſt Conſtantinus Magnus, der fuͤr meine Kirche Leib und Leben gewaget. Das iſt mein auſſerwehlter RuͤſtzeugApoc. 14, 6. D. Luther / welcher mit meinem ewigen Evangelio durch den Kirch-Himmel geflogen und mir zeugnuͤß gegeben / daß ich ſey der Chriſt zur Ehre GOttes des Vaters ꝛc. Wolan / ſie ſollen nun meine Himmel-Trabanten ſeyn /Apoc. 3, 12. c. 3, 21. und ich wil Sie machen zu Pfeiler in dem Tempel meines GOttes / und wil ihnen geben zu ſitzen auff mei - nem Stuel. O Ehre! O Herrligkeit! wer wolte in erwegung ſolcher Himmel Glorie nicht getroſt und freu - dig ſeyn? Wer wolte nicht mit Auguſtino exclamirenAuguſt. in ſoli loq. c. 23. T. IX. & 784. und ſagen: O quam beatus ero, cum ad videndam tuam Claritatem admiſſus fuero? O wie ſeelig / O wie Herrlich werde ich ſeyn / wenn ich O GOtt / deine klar - heit ſehen werde?
Was hat die H. Maͤrterer in der erſten Kirchen ſo hertzhafft und großmuͤtig gemacht / alſo das S. An - dreas mit freuden nach dem Creutzholtz / daran Er ſolte ſterben / gegrieffen. Das Stephanus ſeinen Feinden unerſchrocken die Warheit geſaget / das Laurentius auff dem gluͤenden Roſt liegende des Tyrannen geſpottet / das Polycarpus und Babylas mit ihren Ketten / damit ſie gebunden / gepranget / das Hieronymus von Pragezum[35]Chriſtliche Leichpredigt. zum Feuer als zu einem Wolleben geeilet? Warlich nichts / als die betrachtung der durch Chriſtum erwor - benen himmliſchen Herrligkeit. Vnd woher kom̃t es noch / wenn fromme leute ſterben / und der Welt Valet geben ſollen / daß ſie mitten in den Todesaͤngſten uner - ſchrocken ſeyn? Nirgends anders woher / als auß der Betrachtung des Troſtreichen Artickuls vom ewigen freuden Leben / denn ſie wiſſen wol / das dieſer zeit leidenRom. 8, 18. nicht wehrt ſey der Herrligkeit / die an ihnen ſol Offen - bahr werden. Sie wiſſen / das auff die in dieſer Welt außgeſtandenen Truͤbſal eine ewige / uͤber alle maß -2, Cor. 4, 17. wichtige Herrligkeit erfolgen werde. Sie wiſſen / und ſind deſſen auffs gewiſſeſte verſichert / daß ſie bey ihrem Jeſu ſeyn / und bleiben werden allezeit. O Wie iſt1. Theſſ. 4. 17. dieſes dem Seel. Herrn Kerner ſo troͤſtlich geweſen? Wie hat Er ſo ſehnlich nach der himmliſchen Engels - burg geſeufftzet? Sonderlich wahren ihm lieb Davids worte auß dem 41. Pſalm: Wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer / ſo ſchreyet meine Seele GOttPſal. 42, 2. zu dir: Meine Seele / duͤrſtet nach GOtt / nach dem Le - bendigen GOtt. Ach! wenn werde Jch dahin kom - men / das ich meines GOttes Angeſicht ſchaue? Nun ſein wundſch iſt erfuͤllet und ſein glaube hat ihm geholf - fen. Wol ihm in ewigkeit!
Der HErr Jeſus der da iſt das α / und ω / der Anfang und das Ende / ſey unſer beſter Rathgeber in allem anliegen: Er gebe und verleihe / daß wir alle -E ijſambt[36]Chriſtliche Leichpredigt. ſambt Himmelſehnende hertzen haben / den jrꝛdiſchen Creaturen abdancken / nach Himmel und Erden nichts fragen / auff ihn allein Vertrauen / und in ſolchem Troſt und Glauben froͤlich auß dieſer Welt abſcheiden / und in das himmliſche Freuden weſen verſetzet werden moͤ - gen / umb ſeines groß Heiligen Nahmens willen / AMEN.
WAs nun deß Seelig verſtorbenen Herren Melchior Kerners ehrliche Geburt / Chriſtlich-gefuͤhrten Le - benslauff und Seeligen abſchied an treffen thut / ſo iſt der ſelbige zu Hirſchberg in Schleſien von ehrlichen Chriſtlichen und from - men Eltern auff dieſe Welt gebohren im Jahr Chriſti 1625. den 5. Maij. und alſo bald nach der leiblichen Geburt zum H. Tauffbade befoͤr - dert / durch ſeine Pathen dem HErren Jeſu fuͤr - getragen / von Sünden abgewaſchen und ins Buch des Lebens eingezeichnet worden. Sein Vater iſt geweſen der Ehrenveſte / und für - nehm geachte Herr Caſpar Kerner / vorneh - mer Bürger und Handelßmann daſelbſt? Sei - ne Fraw-Mutter die Ehrbare Viel Ehren Tu - gendreiche Fraw Regina / gebohrne Berter - mannin / Ehrlichen Geſchlechts / welche durch Gottes Gnade noch am Leben / und ihrem lie - ben Sohne mit weinenden Augen und betruͤb ten Hertzen nach ſiehet / auch auß Mütterlich - ſeuffzenden Muth und traurigem Geiſte Jhn zu ſeinem Ruhe ſtellichen begleiten / und derE iijErden[38]Perſonalia. Erden unſer aller Mutter an vertrauen helf - fen.
Wie nun wolgedachte ſeine liebe Eltern in der wahren ſeelig machenden Evangeliſchen Religion erzogen / und darinnen ſtandhafftig verharret: Alſo haben ſie ihnen nichts hoͤ - hers angelegen ſein laſſen / als daß ſie dieſen ih - ren lieben Sohn gleichfals in wahrer Gottes - furcht / und ſonderlich in der Erkäntnuͤß deß HErren JEſu Chriſti / und der reinen Religi - on Augſpurgiſcher Confeſſion wol unterwei - ſen und aufferziehen moͤchten. Dannenhero ſie Jhn bald von ſeiner Kindheit an zur Schu - len gehalten / den Catechiſmum und andere zum wahren Chriſtenthumb / und zu erlangung zeitlicher und Ewiger wolfahrt gehoͤrige Stuͤ - cke zuerlernen. Wie woll nun ſein Herr Vater ihm frühezeitig als im achten Jahr ſeines Al - ters / durch den zeitlichen Tod nach Goͤttlicher verſehung entfallen / iſt doch nichts deſto we - niger ſeine Chriſtliche Frau Mutter ſo ſorgfäl - tig geweſen / das Er in der angefangenen un - terrichtung guter Kuͤnſte und GOttesfurcht erhalten werden moͤchte. Geſtaltſam ſie jhnbiß[39]Perſonalia. biß ins 15. Jahr ſeines alters zur Schulen ge - hen laſſen. Dieweil aber dazumahl das blu - tige und unſeelige Kriegsweſen in Schleſien mit Gewalt uͤber Hand genommen / und die Hirſchberger der Kriegeszeit wegen zimlichen zerſtrewet / hat ſich wolgedachte ſeine liebe Fraw Mutter / als hochbekuͤmmerte Wittib mit 5. Kindern / als 2. Soͤhnen und 3. Toͤch - tern ins Koͤnigeeich Pohlen / alwo zurſelbigen Zeit der Edle Friede gegruͤnet / in die Gräff - liche Stad Liſſa begeben / dieſen nunmehr ſee - ligem ihrem lieben Sohn die Polniſche ſprache zubegreiffen zur Schulen / dabey aber ihn in wahrem Glauben / und Chriſtlicher andacht zuerhalten / befoͤrdert.
Nach dem aber wegen ungelegenheit deß Ortes / auch das ſie daſelbſt nicht zu Hauſe / iſt Er a[u] ff guttachten und Raht ſeiner Vor - münden mit bewilligung der Fraw-Mutter daſelbſt das Schumacher Handwercks zuer - lernen auff gedinget / welches Er auch gebuͤhr - lich begrieffen / und folgends nach außgeſtan - denen Lehr Jahren ſich auff[d]ie Wanderſchafft anfaͤnglich nach Thoren in Preuſſen nachmalsin die[40]Perſonalia. in die Koͤnigliche Polniſche Reſidentz Stadt Warſchaw begeben / alwo Jhme eine feine ge - legenheit bey ſeinem Landsmanne herren Caſ - par Waltern vornehmen Buͤrger und Han - delsmann von Hirſchberg zugeſtoſſen / bey welchen Er ſich in Handlungsdienſte eingelaſ - ſen und Kauffmanns Gewohnheit nach auff etzliche Jahr verſchrieben / in welchem Dienſt Er ſich als einem getreuen Diener geziemet / allezeit redlich / Trew und auffrichtig erwieſen / Maſſen er manche gefaͤhrliche Reiſe in Wal - lachey / Hungarn und anderen Orthen mit groſſer vorſichtigkeit zu ſeines Herren Nutz verrichtet / wodurch Er erhalten / das ſein Herr als Er von Jhm abſcheid genommen / Jhn mit guten Teſtimoniis und Recommendationen verſehen.
Nach dieſem / als durch Gottes Gnade der wuͤttende Mars in Schleſien und gantzem Vaterlande ſich geleget / hat ſich ſeine Fraw Mutter wiederumb nach Hirſchberg in ihre be - hauſung gemacht / deren dann der ſeeligver - ſtorbene kindliche Hand zubieten / Lieb und trew zuerweiſen / gefolget; und weil Er Got -tes[41]Perſonalia. tes reichen Segen verſpüret / bey der Hand - lung zu bleiben ſich entſchloſſen / ſolche auch bißhero ohne jemandes Vortheil und Schaden Ehrlich getrieben.
Weil Er denn ſolcher maſſen hin und wie - der reiſen müſſen / und nun zu ſeinen Mann - bahren Jahren kommen / hat er ſich durch Goͤttliche Direction nach gehaltenem Gebeth und Ra[t]h[ſ]einer Fraw Mutter und befreund - ten im Jahr Chriſti 1654. im October in den H. Eheſtand eingelaſſen mit der Ehrbaren / Viel - ehren Tugendreichen Jungfraw Barbara deß Ehrenreſten und fuͤrnehm wolgeachtẽh Peter Hoffmanns Buͤrgers und Handelsmañes da - ſelbſt[ſ]eligen hinterlaſſene Tochter / mit welcher Er zwar eine kurtze / aber doch friedliche und ge - ſegnete Ehe beſeſſen / ſintemal Sie durch Got - tes ſegen mit einander gezeuget ein Toͤchterlein / ſo aber das Liecht dieſer Welt nicht geſehen / nachmals ein Soͤhnlein / Namens Chriſtian Melchior / welches der ſterbende Vater mit vie - len ſeuffzen und vaͤterlichem Hertzen / dem viel from̃en und getreuen Gott iederzeit fürgetra - gen / uñ was drittens noch unter MuͤtterlichemFHertzen[42]Perſonalia. Hertzen verborgen / dafuͤr die Hertz-uñ ſchmertz - lich betrübte Fraw Wittib ihr ãngſtliches Ge - bet zu Gott ohne allen Zweiffel verrichtet / der - ſelbe / als von welchem alle Huͤlffe köm̃t / wolte ſie gnaͤdig anſehen / ſampt der Frucht fuͤr Vnfall und Schaden behüten / zu rechter Zeit eine froͤ - liche Entbindung verleihen und dem Kindlein / das Bad der H. Tauffe / ſambt gluͤckſeliger Aufferziehung wiederfahren laſſen.
Seine Kranckheit und letztenAbſchied aus dieſer Welt belangende / ſo iſt Er verwichenes Jahrs offters auffſtoͤſſig und ſchwach worden / dahero der Herr Medicus jhm die Reiſe nach Leipzig zu unterlaſſen gerahten. Jn anſe - hung aber deꝛ Nothwẽdigkeit / ſo ſich deꝛ Hand - lung halben ereignet / hat Er ſich nichts deſto weniger im Nahmen Gottes / dem Er ſich mit Gebet befohlen / auffgemacht und bey zimlicher geſundheit nach Leiptzig ankommen / allwo ihn alſo bald allerhand Paſſiones angefallen und Bettlägerich gemacht. Wobey Er ordentliche mittel nicht außgeſchlagen / ſondern des Hoch - gelahrten Herrn D. Michaelis Rath und Me - dicamenta erſuchet / die Jhm auch faſt wol zuſtatten[43]Perſonalia. ſtatten kommen / daß Er dannenhero ſich wie - der auffgemacht und nach Hauſe begeben wol - len / iſt aber wegen beſchwerligkeit des Reiſens unterweges je laͤnger / je ſchwaͤcher und alſo in groſſer Vnpaßligkeit den 29. Januarii hie - her nach Lauben gebracht worden / worauff er folgendes Tages (Titul.) Herrn D. Lind - nern zu ſich erbitten laſſen / welchem / wie man vermerckt / des Patienten beſchaffenheit nicht wolgefallen wollen. Jn achtung ſolches ſorg - lichen Zuſtandes hat der Seel. Herr Kerner fur das noͤhtigſte und beſte erachtet / ſich zu dem Himmliſchen Leibes und Seelen Artzt zu - wenden / und bey dem Rath und Troſt zu ſu - chen / welches Er mit hoͤchſter devotion ver - richtet. Denn wie man Jhm mit warheit das zeugnüß geben kan / ſo hat Er ſich ſeh[r]wol zum Bußwerck angeſtellet / daß Er in De - muth ſeiner Suͤnden ſich für Gott ſchuldig ge - geben / und nach empfangener Abſolution mit dem wahren Leib und Blut Jeſu Chriſti auff ein Seeliges Ende verſehen und verſorgen laſſen / ſich auch mit ſonderbahrer bewegung erkläret / daß Er auſſer dieſen mitteln der See -F ijligkeit[44]Perſonalia. ligkeit und ſeinem Jeſu nichts anders wiſſe / nichts anders wuͤndſche und begehre / ſey in deß gewiß / das ihn nichts ſcheiden koͤnne von der liebe GOttes / die da iſt in Chriſto Jeſu unſerm HERREN. Jm mittelſt haben die Hochgedachten beyde Herrn Doctores, ſo wol ſein geliebter Herr Vetter / Titul, Herr Mel - chior Bertermann, Med. Candid. quem ego honoris cauſa nominatum volo, mit auffwar - tung / und trewem Rath immer angehalten und ſich bemuͤhet / dem Seel. Herr Kerner durch GOttes beyſtand und ordentliche mit - tel / wieder auff zuhelffen; Aber contra vim mortis non creſcit gramen in hortis. Wie - der des Todes krafft / hilfft keines Krautes ſafft. Weil ſein von GOTT beſtimtes ſtuͤndlein verhanden / iſt es mit Jhm immer aͤrger worden / und hat ſich ſonderlich bey ihm der Lungen entzündung befunden / welche nachmahls in ein Geſchwür ſich reſolviret, darzu geſchlagen der Stein-Schmertz / Colica und andere Symptomata mehr / wegen der boͤ - ſen Leber ein Geſchwulſt in die Schenckel ge - fallen / ſo aber bald wieder uͤber ſich geſtiegen /und[45]Perſonalia. und alſo alle Huͤlffe und Hoffnung dahin ge - fallen. Bey welchen vielfaͤltigen Todes Schmertzen der Seel. Herr Kerner keine un - gedult ſpuͤren laſſen / ſondern ſich ſeinem Je - ſu gantz und allein ergeben / auß GOttes Wort die edelſten Kernſpruͤche ergrieffen / und damit wieder die Todes angſt ſich geſtaͤrcket. Phil. 1.Als den Spruch Pauli: Jch habe luſt abzu - ſcheiden und bey meinem HErrn Chriſto zu ſeyn. Jngleichen: Die Angſt meines Her -Pſal. 25. tzens iſt groß / fuͤhre mich auß meinen Noͤ - then. ꝛc. Vnd abermahl: Wirff dein An -Pſal. 37. liegen auff den HErren und hoffe auff Jhn / Er wirds wol machen. Auch hat Er auß Herꝛ Johann Heermanni Sontäglichen E - vangeliſchen Reimſpruͤchlein andächtig ge - ſeufftzet:
Vnd viel andere mehr Andachten haben ſich an Jhm befunden / das darauß Vnfehlbar zu - ſchlieſſen / der H. Geiſt / als der Hoͤchſte Trö -ſter[46]Perſonalia. ſter wohne und wuͤrcke in ihm. Endlich 3. Stunden fuͤr ſeinem Seeligen Ende iſt Er ge - fallen auff die Worte des 73. Pſalms: HErr / wenn ich nur dich habe ꝛc. Mit welchen Er den Jrꝛdiſchen dingen gaͤntzlich Valet gegeben und bezeuget / das Er allein ſeinen Jeſum ha - ben wolle / den Er auch durch eine plötzliche auffloͤſung erlanget / maſſen Jhn bald der Schlag getroffen / da Er denn unter dem zu - ſchreyen und erinnern ſeines HErrn JEſu / nach dem Er zuvor ſeine innerliche gedancken zu verſtehen gegeben / in GOtt ſeelig einge - ſchlaffen / ſo geſchehen an verwichener Mit - woch 7. Vhr vor Mittage / als Er ſein leben gebracht auff 33. Jahr / 44. Wochen und 6. Tage.
Es wird Jhm auch das Zeügnuͤß gege - ben und nachgeruͤhmet von allen / ſo mit Jhm umbgegangen / das Er gar ei[n] ſitſamer ver - treulicher Mann zu Hauſe und auff der Reiſe geweſen / GOtt / ſein H. Wort und die Hoch - würdigen Sacramenta hertzlich geliebet / auch in ſeiner kranckheit allhier / ſo wol bey geſun - den Tagen anderwertig nach Chriſti einſetzunggebrau -[47]Perſonalia. gebrauchet / ſeinẽ Nechſten nach moͤglig - keit gerne gedienet / zu Hader und Zanck keine Vrſache gegebẽ / ſondern Eintraͤchtigkeit uñ Frie de hertzlich geliebet / ſeinen Handel mit Aufrich - tigkeit getrieben / ein nüchtern und maͤſſiges Le - ben gefuͤhret / ſeine Suͤnden und Mängel er - kennet und GOtt hertzlich abgebeten / für die Seinen / wie auch liebe Frau-Mutter treulich geſorget / in kuͤmmerlichen Fällen kindlich ge - troͤſtet / und alſo in allen Stuͤcken / ſo dem Chriſtenthumb wol anſtehen / gebührlich und wol ſich verhalten.
‒ ‒ ‒ Virtus poſt funera vivit.
Weil denn auff ein Chriſtlich gefuͤhrt Leben ein ſeliger Todt zu hoffen / zweiffeln wir nicht / das auch dieſer unſer Seel. Herr Kerner der Seelen nach bey ſeinem JEſu in unbegreiffli - cher Freude und Herrligkeit lebe und ſchwebe / der Leib aber / ſo der Erden uͤbergeben / hat ſanffte Ruhe und Erquickung biß an den jüng - ſten Tag / welche erlangte Seligkeit wir Jhm von Hertzen wündſchen und goͤnnen.
Vnterdeſſen wolle der Barmhertzi - ge Gott die nachgebliebene und hart be -truͤbte[48]Perſonalia. truͤbte Fraw Wittibe ſam̃t ihren kleinen Waͤyſelein / Fraw Muttern und andern Anverwandten mit dem Troſt des H. Geiſtes kraͤfftiglich ſtaͤrcken / ihnen und uns allen verleihen und geben / daß wir mit dem Seelig entſchlaffenem Herrn Kerner Gottſelig lebẽ / allein dem HErrn Jeſu dienen / und umb ſeinet willen al - les / was vergaͤnglich iſt / fahren laſſen / endlich auch mit Jhm ſeelig entſchlaffen / und am Juͤngſten Tage froͤlich von den Todten aufferſtehen / und in die ewige Himmel-Glorie und ſeeligkeit eingehen mügen: Das helffe uns Chriſtus un - ſer Troſt / der uns durch ſein Blut hat er - loͤſt / vons Teuffels Gewalt und ewi - ger pein / Jhm ſey Lob / Preis und Ehr allem / Amen -
Quid cælum? Quid terram; Creatorem Deſidero.
Auch Denen Wol-Erbarn Viel-Ehren - und Tugendreichen Frauen Fr. Regina Koͤrnerin / gebohrnen Baͤrterman - nin / als Hertz - und ſchmertzlich betruͤbten Fr. Mutter / Fr. Barbara Koͤrnerin / gebohrnen Hoffman - nin / als hoch und ſehr betruͤbten Fr. Wittiben / Wie auch Deroſelbigen Hertzliebſten Soͤhnlein Chriſtian-Melchior / Jngleichen Denen Ehrenveſten / Vornehm - und Wolgeachten / auch Wolbenahmten Herren
Herrn Michael Knebeln / Herrn Gottfried Hoffmann / Allenſambt Vornehmen Buͤrgern und Handels - maͤnnern in Hirſchberg Seinen allerſeits in Ehren gebuͤhr Vielgeliebten Frauen und guͤnſtigen Freundinnen / auch Beſonders Guͤnſtigen / Viel-geehrten und Wolgeneigten Herren / und werthen guten Freunden / Nebenſt wuͤndſchung kraͤfftigen Gnaden-Troſtes von dem Gott alles Troſtes / zuſambt aller Leibes und Seelen wolfahrt
Offeriret und uͤbergiebt M. Salomo Haugsdorphius, P. L. C. Eccl. Laub. h. t. Archi. Diac.
Α X Ω Wol-Ehrwuͤrdige / Wol-Ehrenveſte / Vor-Achtbare / Hoch und Wolgelahrte / Wol - weiſe Wolbenambte / Erbare / Vorſichtige / Kunſtreiche / beſonders Großguͤnſtige / Hochgeehrte / Guͤnſtige / Geehrte Herren / und werthe lieben Freunde / So wol auch Wol-Erbare Viel Ehren - und Tugend - reiche / in Ehren-Großgünſtige / Viel - geliebte / Geehrte Frauen und Jung - frauen /
WEnn wir die H. Goͤttliche Schrifft /Auguſt. ad Fratr in E - rem, Serm. 56 Tom. 10. col. m. 1410. A. & Enar - rat in Pſal. 90. Conc. 2. Tom. 8. Co - lumn. m. 1008 C. Idem de Conſ Evan - gel. lib. 1. c. 35. Tom, 4. colum. m: 365. B. C. (welche nichts anders iſt als Literæ, de Pa - tria noſtra nobis transmiſſæ, gleichſam ein Brieff / welcher uns auß unſerm Vater - Lande / nehmlich auß dem Himmel / zuge - ſchicket worden / und zwar ein ſolcher Brieff / den wir nicht anders ſollen auff und annehmen / quàm ſi ipſam manum Domini, quam in proprio corpore geſtabat, ſcribentem conſpexerimus, als wenn wir die Hand des Herrn Jeſu / welche Er an ſeinem ſelbſt eignen Leibe getragen / ſelber hetten ſchreiben geſehen /) vor uns nehmen / und ſelbige in etwas durchlauffen; So finden wir darinne viel und mancherley Dinge / mit welchen GOtt der H. Geiſt das viel muͤhſeelige / nichtige und hin - fluͤchtige leben der Menſchen compariret und vergleichet. G ijAls[52]AbdanckungGen. 18, 27. Hiob. 7, 6. 7. Pſal. 90, 5. verſ. 9. Pſal, 102, 4. verſ. 12. Eſai. 40, 6. Pſal. 103. 15. Eſai. 64, 6.Als da wird es verglichen und gleich geachtet der Erde / oder Staub und Aſchen / Jtem einem Win - de und Weberſpuel oder Schifflein / einem ſchnel und geſchwinde hin rauſchenden Strom oder Fluſſe / einem kurtzen Schlaffe / und Geſchwätze / welches bald in der Lufft verſchwindet / einem geſchwind vergaͤng - lichen Rauche / und Schatten / einem verwelckten Graͤßlein / Hew / und Bluͤmlein / auf dem Felde /Jacob. 4, 14. Sap. 2, 3. 4. verſ. 10. verſ. 11. verſ. 12. einem abfallenden Blaͤtlein auff den Baͤumen / einem geſchwind entſtehenden und ploͤtzlich vergehenden Dampff / Nebel / Wolcke / und duͤnne Lufft / ja einem geſchwind füruͤberfahrenden Schiffe / einem in einem hui durch die Lufft fliegenden Vogel / einem zum ziel abgeſchoßnen Pfeil / da man uͤberall keine Spur / Weg noch Bahn finden und antreffen kan. Vnd wer wil alle Gleichniſſe hie in der kuͤrtze fuͤrbringen und erzehlen? Der / nunmehro in Chriſto Jeſu ſeinem Heylande / Erloͤſer und Seeligmacher ſeelig entſchlaffene und ſanfft ruhende (Titul) Herr Melchior Koͤrner / hat es uns ſelber nicht nur allein mit ſeinem ſelbſt eignen Exempel / ſondern auch mit ſeinem edlen Goldguͤldnen Danck - und Denck-Spruche gelehret uñ bewaͤhret / welchSyrac. 40, 1. ein elend jämmerlich Ding es ſey umb aller Menſchen leben / in dem Er immerdar mit dem Hoch - erleuchteten Apoſtel S. Paulo (welcher da iſt ὁ τῶν πα - τέρων πατὴρ, καὶ ἐυσεβείας διδάσκαλος, ein Vater der an -dern[53]und Ehren-Gedaͤchtnis. dern Vaͤter / und ein Doctor oder Lehrer der rechtſchaff -Juſtin. Mar - tyr Quæſt. & Reſponſ. ad Ortho - dox. CXIX. iu Reſponſ. pag. m. 365. 2. Tim. 4, 7. verſ. 8. nen Gottſeligkeit /) geſaget:
JCh habe einen guten Kampff ge - kaͤmpffet / ich habe den Lauff vol - lendet / ich habe Glauben gehalten / hin - fort iſt mir beygelegt die Krone der Ge - rechtigkeit / welche mir der HERR / der gerechte Richter / an jenem Tage geben wird ꝛc.
Hat ſich alſo hierbey erinnern / und uns allen mit -Vita huma - na compa - rari poteſt einander / (maſſen mir denn dieſer Spruch zur Parenta - tion und Abdanckung an die Hand gegeben worden /)I. Certamini ſeu Concer - tationi. Alexand ab Alex. Genial Dier. lib. 3. cap. 21. fol m 162. a &. lib. 5. cap. 8. fol. m. 260. ſeqq. Agell. N. A. libr. 5. cap. 6. p. m. 179. Cæl. Rho - digin. Lect. Antiq. l. 13. cap. 30. col. 615. A. ſeqq. & fol. 616. A. ſeqq. zeigen und weiſen wollen / das dieſes Jammer-Leben nicht Vngleich ſey
I. Certamini ſeu Concertationi periculoſæ, einem gefaͤhrlichen Kriege / oder Kampffe und Streite. Es hatten die alten Heyden / beydes die Griechen und auch die Roͤmer / allerhand Exercitia Palæſtrica oder Vbungs-Spiele erdacht und erfunden / darinnen ſich die junge Purſche exerciren und uͤben muͤſten / als im Wet - telauffen und Springen / im Fechten und Ringen / in Schießen und Werffen ꝛc. Vnd hier zu hatten ſie ihre gewiſſe Feſte und Tage / an welchen ſie zuſammen kamen. Welche es nu am beſten kundten / die bekamen Lob / Ehr / und Ruhm darvon / ja auch herrliche Geſchencke von Gelde und Geldes werth / Cronen / Kraͤntze und derglei -chen[54]AbdanckungDio Caſſ. Hiſtor. Rom. l 77. p. m 881. C. Joh. Iſac. Pontan. in Judic. Epiſt Lipſ. præ ‒ miſſ. (o) 2. Lipſ. Admi - rand. lib. 4. de fortitud, Rom. apud. Conſtant. à Monte La - bor. in Facis Hiſt. Com - pend. pag. m. 586. Idem Lipſ. de Gladiato - rib. libr. 1. apud eund. Conſt. â Monte La - bor in Fac. Hiſtor. Cõ - pend. pag. m. 364. & pag. m. 365.chen darzu / maſſen den Dio Caſſius meldet / daß einer allein / ſieben hundert und zwey und achtzig Cronen in dergleichen Ritterſpielen erlanget und darvon getragen. Sonderlich aber haben die edlen Roͤmer von ſolchen ex - ercitiis dermaſſen viel gehalten / das auch Juſtus Lipſius, (deſſen Gaben mirabiles non imitabiles, wunderlich / nicht aber zu imitiren oder nach zuthun ſind) von ih - nen ſchreiben darff / apud hos â primâ adoleſcentiâ vi - ta omnis in armis, honos omnis ab armis erat, Sie hatten von Jugend auf alle ihre lebenszeit in den Waffen zugebracht / auch von den Waffen alles Lob / Ehr und Ruhm erlanget und überkommen.
Vnd zwar leſe ich / das die Gladiatores oder fech - ter mit den Schwerdten oder Degen / (Deren wol in die zehenderley arten und druͤber geweſen /) den Platz und vor - zug gehabt haben / ſo gar / das auch ietzt gemeldter Li - pſius ſchreibet und ſaget / es ſey dieſes Spectacul oder Spiel unter und fuͤr andern allen Celeberrimum fre - quentisſimumq; Romæ, das beruͤhmteſte zu Rom ge - weſen / weil doch an ſelbigen der gemeine Mann und jun - ge Purſche ſo groſſe luſt und freude gehabt / das Sie auch für freuden gleichſam geraſet und gewuͤtet. DruͤmbDio Caſſ. H. R. lib. 68 in Trajan pag. m, 780. D. Lipſ. loc. ci - tat. pag. m. 373 & pag. m. 374. ſich auch die Heidniſchen Kaͤyſer / und andere groſſe Reiche / und wolhabende Herren / hoͤchlichen bemuͤhet / dem Volcke hierinnen Hauffenweiſe zu willfahren / und keine Vnkoſten zuſparen. Wie den der eintzige Traja - nus in die zehen tauſend ſolcher Fechter oder Balger auf - geführet / welche in die hundert und drey und zwantzig tage lang / mit einander gefochten und geſtritten. Ja esſind[55]und Ehren-Gedächtnis. ſind dieſe Spiele / und der ernſt und eyfer darinnen / ſoIdem ibid. pag. m. 374. Idem loc. allegat. pag. m. 375. Sueton. in Cæſar. lib. 1. cap. 10. pag. m. 7. & n Auguſt. l 2. cap. 45 p. m. 109. Alex. ab A - lex. Gen. Dier. lib. 6. cap. 19. fol. m. 362. a. Niceph. H. E. lib. 7. c. 46. pag. m. 298. B. Lipſius ut ſupra pag. m. 276. ſeq. Bucholc. In - dic. Chro - nolog. ſub A. C. 1176. pag. m. 341. Beyer. Diar. Hiſtor. ſub d. 17. No. vemb. pag. m. 644. hoch geſtiegen / das man dafuͤr helt / es habe ſein lebetag kein Krieg oder Schlacht / ſo groſſen Schaden gethan als eben dieſe Spectacula oder Spiele. Vnd ſagt offt - erwehnter Lipſius, er wolle gelogen haben / wo nicht in Europa, in die 20. Ja dreiſſig tauſend Koͤpffe / auch nur in einem eintzigen Monden / darauff gegangen weren.
Welches denn gemacht und verurſacht / das man gar zeitlich gewiſſe leges und Geſetze / ſtatuta und Ord - nungen gemacht / wie beym Svetonio und andern zuſe - hen. Ja es eſt endlich dahin kommen / das man ſolch weſen gar abgeſchafft und auffgehaben / welches denn ſonderlich umbs Jahr nach erbawung der Stad Rom / 1067. faſt ein ſechshundert Jahr nach dem erſten Anfan - ge ſelbiger Spectacul und Spiele / unter der Regierung des loͤblichen Kaͤyſers Conſtantini ſoll geſchehen ſeyn / das durchs gantze Roͤmiſche Reich / alle dieſelben Specta - cula gladiatoria oder Fechter-Spiel / ab und weg gethan worden / ſo wol als auch das Turnieren / welches gleich im ſelbigen Jahre / als Papſt Alexander dem Kaͤyſer Friderico mit fuͤſſen auff den Hals getreten / nehmlich im Jahre nach Chriſti Geburt 1176. in Teutſchland auch daruͤmb abgethan worden / weil in einem eintzigen Jahr 17. Vornehmer vom Adel / im ſelbigen Turnieren / auffm Platze blieben / und umbs Leben kommen.
Vnd auff ſolches und dergleichen Kaͤmpffen / Fech - ten und ſtreiten ſiehet S. Paulus allhier / wenn er ſaget: Jch habe einen guten Kampff gekämpffet. O freylich wol hat der gute Paulus viel und all zu vielzukaͤmpf -[56]Abdanckungzukaͤmpffen gehabt! Kaͤmpffen muſte Er bald nach ſei -Actor. 9, 20. verſ. 23. verſ. 24. verſ. 25. verſ. 28. verſ. 29. ner Bekehrung / als er zu Damaſco anfieng Chriſtum in den Schulen zu predigen / das derſel - bige GOttes Sohn ſey. Denn da hielten die Juden einen Rath zuſammen / das Sie ihn toͤdteten / ſtelleten ihm auch uͤberall nach / ja Sie huͤteten Tag und Nacht an den Thoren / und hetten ihn nicht die andern Juͤnger bey der Nacht / durch die Mauren / in einem Korbe hinab ge - laſſen / fuͤrwar ſeiner wuͤrde ſehr uͤbel gewartet worden ſeyn. Kaͤmpffen muſte Er auch zu Jeruſalem / als Er den Nahmen des HERRN Jeſu frey predig - te / und ſich mit den Gerichten befragte / welche ihm gleichsfalls nachſtelleten / daß Sie ihn toͤd -Actor. 13, 10. verſ. 8. teten. Nach dieſem hat Er zukaͤmpffen gehabt bald mit dem Zauberer und Teuffels-Banner Elimas, wel -verſ. 45. cher die rechten Wege des HERRN abwen - den / und den Landvoigt vom Glauben wendenverſ. 50. wolte / bald mit den Halßſtarrigen Juden zu Antiochia / welche voll Neydes / dem das von Paulo ge - ſagt ward / wiederſprachen und laͤſterten / Ja gar eine Verfolgung wider Paulum und Bar - nabam erweckten / und ſie zu ihren GräntzenActor. 14, 2. verſ. 5. hinauß ſtieſſen / ſo wol als auch die zu Iconion tha - ten / da ſich ein Sturm erhub / Sie zu ſchmaͤhenund[57]und Ehren-Gedaͤchtnis. und zu ſteinigen. Bald mit den Oberſten und Haupt - Leuten zu Philippis in Macedonia / da Er zuſambt demActor 16, 12 verſ. 19. ſqq. Act. 17, 5 ſqq cap. 18, 12, ſqq cap 19, 13 ſqq capp. 21. 22, 23. ſqq. Sila geſteupet und ins Gefängnis geworffen worden. Dergleichen Kampff hat Er auch außgeſtanden zu Theſſalonich / zu Berrhoͤen / zu Athen / zu Corin - tho / zu Epheſo / und ſonderlich zu Jeruſalem / da es ge - waltig hart mit dem guten Paulo hergegangẽ / als die Apo - ſtoliſche Geſchichte nach aller laͤnge erzehlen. Nicht nur allein aber hat Er ſolchen Kampff kaͤmpffen muͤſſen mit den vernuͤnfftigen Menſchen / ſondern auch mit den un -1. Cor. 15, 32 vernuͤnfftigen wilden Thieren / nehmlich anfangs mit einem groſſen / ſtarcken und ungeheuern Loͤwen / her - nach aber mit andern grauſamen Beſtien / als nicht al - lein Nicephorus, ſondern auch S. Paulus ſelber davonNiceph. Hiſt. Eccleſ. lib. 2. cap 25. pag. m. 117. A 2. Cor. 11 7. De Angelo illo Satanæ vid. Auguſt. in Pſal. 98. Tom. 8. co - lum. m. 1109 A. Hieron. Comm. in h. l. Tom. 9. fol. m. 213. G. H. Theophy - lact. in h. l pag. m. 590 B. Lyrain. h. l. Oper. ſchreibet und berichtet. Vnd / damit es ja nicht am kaͤmpffen gemangelt / ſo hat Er auch mit des Satans Engel / der ihn mit Faͤuſten geſchlagen / zu kaͤmpffen und zuſtreiten gehabt. Jn Summa / er hat viel mehr muͤſſen außſtehen / als die andern Apoſtel alle mit einander / wie er ſelber einen gantzen Catalogum o - der Regiſter ſolches kaͤmpffens und ſtreitens auffgezeich - net / da er ſchreibet und ſaget: Jch habe mehr gear - beitet / Jch habe mehr ſchlaͤge erlidten / Jch bin oͤffter gefangen / offt in Todes noth geweſen. Von den Juͤden hab ich 5. mahl empfangen viertzig Streiche / weniger eines. Jch bin drey - mahl geſteupet / einmahl geſteiniget / dreymahlHhabe[58]Abdanckungpart. 4. Lit. dd. ij. a. in princip. 2. Cor. 11, 23. ſqq. * S. Pauli reiſen erſtre - cken ſich uͤ - ber 3000. Meilen Bun ting. Itine - rar. N. T. part. 2. pag. m. 90.habe ich Schiffbruch erlidten / Tag und Nacht hab ich zubracht in die tieffe (des Meeres) ich hab offt * gereiſet / ich bin in faͤhrligkeit ge - weſen zu Waſſer / in fährligkeit unter den Moͤr - dern / in faͤhrligkeit unter den Juden / in faͤhr - ligkeit unter den Heyden / in faͤhrligkeit in den Staͤdten / in fährligkeit in den Wuͤſten / in faͤhrligkeit auff dem Meer / in fährligkeit unter den falſchen Brüdern. Jn muͤhe und arbeit / in viel wachen / in hunger und durſt / in viel faſten / in froſt und bloͤſe / ꝛc.
Wer ſiehet nu hierauß nicht mehr denn gnungſam / wie S. Paulus ſo ritterlich gekaͤmpffet / und wie er mit gar guten Gewiſſen / ja mit recht beſtaͤndigen Grunde der Warheit ſich ruͤhmen und ſagen koͤnnen; Jch habe einen guten Kampff gekaͤmpffet?
2. Tim. 1, 11.Vnd wie es nu S. Paulo dem groſſen Apoſtel / Prediger / und Lehrer der Heyden ergangen / daß Er muͤſſen kaͤmpffen und ſtreiten: Eben alſo geht es auch nochmals allen rechtſchaffnen frommen Chriſten. O wie muͤſſen ſelbige auch in der Welt immerdar ſtrei -Suid. in Voc. Ι᾽ὼβ Lit. F. 2. b. Hiob. 7, 1. ten und kaͤmpffen! Hiob (ὁ μέγας ὄντως καὶ γενναῖος τῆς ἀληϑεὶας ἀγωνιςὴς, der recht groſſe und edle Kaͤmpffer der Warheit / wie ihn Suidas nennet /) fraget und ſaget - Muß nicht der Menſch immer im ſtreit ſein auff Erden? Vnd S. Paulus giebt hierauff die Ca -tegoriſche[59]und Ehren-Gedächtnis. tegoriſche antwort / und ſpricht: Vnſer fleiſch hat2. Cor. 7, 5. keine Ruhe / ſondern allenthalben ſind wir in Truͤbſal / ἔξωθεν μάχαι, ἔσωϑεν φόβοι außwendig ſtreit / inwendig furcht / als ers auch mit ſeinem ſelbſt eignem Exempel erwieſen. Dannenhero hat der Chriſt - liche Poet nachfolgende Maximam oder Regel gemacht / die heiſſet und lautet alſo:
Nunquam bella piis, nunquam certamina deſunt,Proſper[a]- pud Joh. Heerm. La - bor. ſacr. Part. 1. Do - minic. Invoc. pag. m. 207. Geneſ. 14, 1. ſqq. Joſ. 12. 9. ſqq 1. Sam. 17, 4. ſqq. Hiob. [2]5, 6.Et quo cum certet, mens pia ſemper habet.
Wer Chriſtum liebt’ und lobt’ uñ ſich ihm gantz ergiebet: Der wird zu jederzeit im Steit mit Streit geuͤbet:
Ach freylich wol! Denn da haben wir und alle andere fromme Chriſten zukaͤmpffen und zuſtreiten / nicht nur mit vier Koͤnigen wie Abraham / auch nicht nur mit ein und dreißigen / wie der Streitbare Held Joſua / viel we - niger nur etwa mit einem groſſen Vngeheuern Rieſen / wie David / nein gar nicht / denn jene wahren nur arme elende Maden und Würmer / wie Hiob die Men - ſchen und ihre Kinder nennet: Sondern wir haben da fuͤr uns
α) Diabolum inſidiantem, den leidigen Teuffel /Certandum cum 1. Dia - bolo inſidi - ante. Apoc. 12, 9. Epheſ. 6, 12. 1. Pet. 5. 8. Apoc. 12, 13. den groſſen Drachen / die alte Schlange / die Fuͤrſten und Gewaltigen / nehmlich die HEr - ren der Welt / die in der Finſternis dieſer Welt herꝛſchen / die boͤſen Geiſter unter dem Him - mel. Die die gehen umbher / wie brüllende Loͤwen / und ſuchen / welche Sie verſchlingen. H ijSo[60]AbdanckungLuc. 11, 26.So einen gar groſſen Zorn hat dieſer Feind wider die / ſo auff Erden und auff dem Meer woh - nen! Wie Er denn zu ſich nimmet ſieben andere Geiſter / die aͤrger ſind / denn er ſelbſt. Ja er führet wol gar den Tod und die Hoͤlle mit und bey ſich / jenen als den Stockmeiſter / dieſe aber als den Kaͤrcker undEpheſ. 6, 11. Geneſ 4, 13. Matth. 27, 4. 5. Geneſ. 19, 33. ſeqq. 2. Sam. 11, 4. 15. Hiob. 1, 13. ſeqq. cap. 1, 7, ſeq. Gefaͤngnis. Vnd da feyeꝛt er nu nicht / ſondern braucht ſei - ne viel uñ mannigfaltige μεϑοδείας und liſtige anlaͤuffe. kan er nichts außrichten mit innerlichen anfechtungen / wie beym Cain und Juda / ſo verſucht ers euſſerlich mit allerhand Suͤnde und Schande / wie beym Loth und Da - vid oder mit vielerley Creutz und Vngluͤck wie bey dem armen lieben Hiob / und andern. Heiſt demnach gar recht / wie die Chriſtliche Kirche von dieſem unſerm und aller rechtſchaffnen Chriſten abgeſagten Feinde ſinget und ſaget:
Bey dieſem Antagoniſten aber oder feinde bleibt es nicht / ſondern wir haben auch da ferner fuͤr Vns / und wieder2. CumMun do ſcandali - zante Vns
β) Mundum ſcandalizantem, die arge / boͤſe und Welt. Die iſt nieht allein Domus moriendi ein Tod - ten: Hauß / Domus flendi & gemendi, ein Klag - und Thraͤnen Hauß / ſondern auch Domus ſcandalizandi & peccandi, ein recht aͤrgliches Suͤnden-Hauß / oder Diaboli regnum & Diverſorium des Teuffels Herber -ge[61]und Ehren-Gedaͤchtnis. ge und Wohn-Hauß / darinnen wir hie auff ErdenLuth. Conc. von der Chriſten Ruͤſtung und Waffen Tom. 5. Je - nenſ. Ger - man. fol. m. 539. a. fin. als in ſeinem eignen Hofe zur Herberge liegen / und da Er ſein Hoffgeſinde allenthalben wie - der uns beſtellet / und ſchicket hie einen Hauf - fen / dort einen Hauffen auß wider uns. Dort ſtehet von dem groſſen ungeheuern Rieſen Goliath: Vnd ſein Schild-traͤger gieng vor ihm her. Vor -1. Sam. 17. 7. war der hoͤlliſche Goliath / der leidige Teuffel macht es eben auch alſo. Er kaͤmpffet und ſtreitet nicht allein mit und wider uns / ſondern ſeine Schild - und Waffen - traͤger gehen fuͤr ihm her.
Armiger ejus mundus eſt; armigera ejus CaroBaſil. Homil. 3. apud Pe - larg. Com - ment. in cap. 4. Matth. fol. m. 49. a. Auguſt. in Serm. de S. Vincent. Oper. Tom. 10. column. m. 1190, D. eſt; armigeri pravi homines, quorum utitur operâ ſein Waffen-traͤger iſt die Welt / ſeine Waffen-traͤgerin iſt unſer Fleiſch und Blut; Seine Waffen-traͤger ſind die boͤſen und gottloſen Menſchen / deren dienſt / Huͤlff und Beyſtand er ſich gebrauchet. Oder wie es S. Au - guſtinus außredet: Duplicem aciem producit Mun - dus contra milites Chriſti. Blanditur enim ut deci - piat; terret ut frangat: Das heiſt; Die Welt fuͤhret zweyerley hauffen wieder die Soldaten und Ritters-Leute des HERRN JEſu. Denn da ſtellet ſie ſich freund - lich und giebt gute worte / daß Sie einen beruͤcke und be - triege / ja ſie ſchrecket und macht furchtſam / daß ſie einem den Muth nehme / und breche. Setzt aber bald daraufIdem ibid. und ſpricht: Non nos teneat voluptas propria, non nos terreat crudelitas aliena, & victus eſt mundus, wenn uns nur nicht unſere eigne wolluſt auffhelt / nochH iijeine[62]Abdanckungeine andere oder frembde grauſamkeit abſchrecket / ſo iſt die Welt ſchon überwunden.
Drittens / ſo muͤſſen wir noch ein Gaͤnglein gehen / und als rechte gute kaͤmpffer ferner kaͤmpffen und ſtreiten. Denn da haben wir
3. Cum Car - nis Stimulo inſtigante. Luther. Comment. in Galat. cap. 5. Tom. 1. La - tin. Jenenſ. fol. m. 450. a. Caro acriter adverſus Spi - ritum con. cupiſcit, affi - due murmu - rat, impati - ens eſt diſci - plinæ, illicita ſuggerit, nec rationi ob - temperat, nec inhibe - tur ullo ti - more &c: Bernhard. Ser m. 5. Quedrag. fol. m. 27. F. Geneſ. 6, 5. cap. 8, 21. Matth. 15, 19:γ) Carnis ſtimulum inſtigantem, unſer eigen Fleiſch und Blut. Das das iſt nu ein maͤchtig gefehr - licher / arger und ſchaͤdlicher Feind / von welchem der See - lige Mann Lutherus ſchreibet und ſaget: Nemo credit, quàm profunda ſit malitia Carnis, niemand kans glaͤu - ben / wie tieff und unergruͤndlich des Fleiſches boßheit ſey. Ach freylich ſehr tieff und unergruͤndlich. Sintemahl wir dieſen Feind haben und tragen / in unſerm Hertzen / in un - ſerm Fleiſch und Blut / in allen unſern Adern / ja in allen unſern Gliedern / alſo das unſere Augen nichts als alles boͤſes und gottloſes gerne ſehen / unſere Ohren nichts als alles boͤſes und gottloſes gerne hoͤren / unſere Zunge nichts als alles boͤſes und gottloſes gerne redet / unſere Haͤn - de nichts als alles boͤſes und gottloſes gerne thun und ver - richten / unſere Fuͤſſe auff nichts / als auff allen boͤſen und gottloſen Wegen gerne gehen und ſtehen / ja unſer Hertz / Sinn / Muth und Willen nichts als alles boͤſes und gott - loſes meditiren, gedencken und wollen. Welches denn kein wunder / all dieweil doch das tichten und trach - ten des Menſchlichen Hertzens nur boͤſe iſt von der Jugend auff / und immerdar: Vnd auß dem Hertzen herkommen arge Gedancken / Mord / Ehebruch / Hurerey / Dieberey / falſcheGe -[63]und Ehren-Gedaͤchtnis. Gezeugniſſe / Läſterungen: auch / das FleiſchGalat. 5, 17. wieder den Geiſt / und den Geiſt wieder das Fleiſch geluͤſtet / ſo gar / das dieſelben immer wieder einander ſind und wir nicht thun koͤnnen / was wir wol ſonſten gerne wolten / ſondern nur mit S.Rom. 7, 18. Paulo ſagen und bekennen muͤſſen: Jch weiß / daß in mir / das iſt / in meinem Fleiſche / wohnet nichts gutes. Ja mit ihm exclamiren und ſagen: Jch elender Menſch / wer wird mich erloͤſen / von dem Leibe dieſes Todes? Dannenhero ver -vſ. 24. Bernhard. Serm. Qua - drag 5. fol. m 17 F. G. Luther in Pſalm. 19. Tom. 2. Lat. Jenenſ. fol. m. 224. a. Virgil. Aneid. lib. 6. vſ. 417. pag. m. 257. Ovid. Me - tapmorph. lib. 4. fab 10. vſ. 35. Tom. 2. p. m. 178. & lib. 7. fab. 22. vſ. 14. Tom. eod. pag. m. 290, Horat. Carm. lib. 3. Od. 11. gleichet der alte fromme Abt Bernhardus diß unſer ſuͤnd - liches Fleiſch und Blut / einem Strang oder Strick / wel - chen wir / als ein armer Suͤnder / immerdar an unſerm Halſe haben und heruͤmb tragen. Ja der Mann Got - tes Lutherus / nennet es gar Caput Serpentis antiqui, das Haupt der alten Schlangen / dafuͤr ſich niemand gnungſam huͤten und fuͤrſehen koͤnne.
Dieſe drey Feinde nu kommen mir nicht anders fuͤr / als der alten Heyden Cerberus oder Hoͤllen Hund von welchem ſie fabuliret, getichtet und fuͤrgegeben / er habe drey / oder wie andere ſchreiben / funfftzig / ja wol gar hundert Haͤupter oder Koͤpffe / welche alleſambt grauſam und erſchrecklich außſehen / auch nichts als lauter ſchaͤdlich Gifft auß ihren Rachen geiffern und ſpeyen / an ſtat der Haare aber an dieſen Koͤpffen / wie auch an dem andern gantzen Leibe / habe er nichts als lauter grau - ſame Schlangen herunter hangen; Liege da Tag undNacht[64]AbdanckungStroph. 4. 5. pag. m. 124. & Carmin. lib. 2. Od: 13. Stroph. pe - nult pag. m. 85. Cicer. Tuſ - cul. qq. lib. 1. Tom. 3. fol. m. 246. B. Tibull. lib. 3. Eleg. 4. verſ. 18. Lit. D. b. Heſiod. in Theogon. verſ. 301. I ſacius apud Natal. Comit. Mytholog. lib. 3. cap. 5. pag. m. 199. ſubfin. Perott. Cornucop. column. m. 547. num. 3. Becman. de Orig. Latin. Ling. pag. m. 345 Ita nos ho - ſtes noſtri im - pugnant ut noſtris ipſo - rum deſide - riis, jaculorũ vice, adver - ſus nos utan - tur & perpe - tuo ex nobis ipſis vires ſu - mant, quib. nos lædant. Baſil. Homil. 23. citante Pe - larg. Comm. in Matth. 4. fol. m. 49. a. Nacht fuͤr der Hoͤllen und warte auff die hinunter fahren - den Seelen. Vnd wie wol er gegen ſelbige / wenn ſie ankommen / ſich der Hunde art nach / ſehr freundlich und ſchmeichelnde ſtelle; je dennoch aber / wenn eine oder die ander wieder herauß und davon lauffen wolle / ſo erha - ſche / zerbeiße und zerreiſſe / ja freſſe und verſchlinge Er ſie gantz und gar. Druͤmb er auch Cerberus genennet wird / gleichſa[m]als κρεοβόρος, ein Fleiſch-freſſender Hund.
Fuͤrwar dieſe unſere Feinde / der Teuffel / die Welt und unſer Fleiſch und Blut ſind eben auch alſo geartet; Sie liegen auch da Tag und Nacht und warten auff un - ſere arme Seele; Sie ſpeyen auch nichts als erſchreckli - ches Gifft gegen und wieder uns auß / Sie haben auch nichts als lauter grauſame und erſchreckliche Schlan - gen / die Sie wieder uns außlaſſen. Vnd ob Sie wol ſich über alle maſſe lieblich / freundlich und holdſeelig ge - gen uns ſtellen: So iſt doch endlich nichts als der ge - wiſſeſte Tod und das euſſerſte verderben zubefuͤrchten.
Auß welchem wenigen klaͤrlich genung zuſehen / wie alle und jede rechtſchaffne Chriſt-Ritter / mehr denn gnung zuſtreiten und zukaͤmpffen haben. Hat ſich demnach ein jedweder wol in acht zunehmen / damit Er wenns nu zum Kampffe koͤmmet / alſo fechte / nicht als der in die1. Cor. 9, 28. Lufft ſtreichet / ſondern daß er wiederſtand thun2. Tim. 4, 7. alles wol außrichten / das Feld behalten / und mit S. Paulo ſagen moͤge: τὸν ἀγῶνα τὸν καλὸν ἠγώνισμαα,Jch[65]und Ehren-Gedaͤchtnis. Ich habe einen guten Kampff gekaͤmpffet Darnach aber wird unſer Leben auch verglichen
II. Curſui ſeu Peregrinationi laborioſæ, einemII. Curſui ſeu Peregrinati - oni. Polydor. Ver gil. de In - vent Rer. lib 13. cap. 13. pag m 146. Perott. Cor - nucop. colũ. m 528. n 30. Plin. N. H. lib. 6. cap, 65. pag. m. 106. n. 2. 4. Plu - tarch. in Vi - ta Theſei. fol. m. 4. b. C. Jul. Solin. Polyhiſt. cap. 2. fol. m. 46 a. A. Gell. Noct. Attic. lib. 1. cap. 1. pag. m. 1. C. Rhodig. L. A. lib. 13. cap. 17. co - lumn. m. 590. B. Alex. ab A lex. Genial. dier. l. 5. cap 8. fol. m. 259. b. ſqq, Natal. Com muͤhſeeligen Lauff / Walfahrt / Reiſe und Wanderſchaft. Denn ſo ſagt S. Paulus weiter: τὸν δρόμον τέτέλεκα, Jch habe den Lauff vollendet. Jn und mit wel - chen worten Er uns abermahls fuͤhret und weiſet zu den alten Griechen und deren Spiele / ſo ſie genennet Olym - pia, oder Certamina Olympica, welche in der Stadt Olympia, oder wie andere ſchreiben / auff dem uͤberauß hohen Berge Olympus genand / bey den Staͤdten Piſa und Elide, dem groſſen Abgotte Juppiter zu Ehren / an - geſtellet und gehalten worden. Vnd zwar ſol ſolche der Hercules erſtlich erfunden und auffgebracht haben / als er ſeine vier Bruͤder / nehmlich den Peonæum, Epime - dem, Jaſium, und Idam zu einem wette lauffen provo - ciret und außgefodert / mit dem bedinge / daß / wer die andere uͤberlauffen / und ihnen das Vortheil nehmen würde / derſelbe ſolte κοτίνου κλάδῳ mit einem ſchoͤnen Oelzweige oder Krantz und Krone davon gekroͤnet wer - den. Es wurde aber ſolch wette lauffen angeſtellet und gehalten / in einem Schrancken oder Renne-Plan / wel - cher ſechshundert Schrit / (das iſt den achten Theil ei - ner gꝛoſſen deutſchen Meilen / oder ein halb viertel weges /) lang geweſen / und von dem Hercule ſelber / welcher ſo weit in einem Athem / wie etliche wollen / lauffen koͤnnen / mit ſeinen Fuͤſſen oder Schuhen abgemeſſen worden. Da ſichs denn auch zu getragen / das eben dieſer Hercu - les die Victori und den Sieg davon getragen. Wor -Jauff[66]AbdanckungMytholog. lib. 5. cap. 1. pag. m. 415. Pelarg. in Intimat. Fũ. uxor. Teckle - ri 1601.auff hernachmals ſelbige Spiele alle fuͤnff Jahr wieder - holet / und von den Griechen ſo hoch geachtet worden / das auch (Optimus ille Genialium dierum Genius. ) der vornehme Mann Alexander ab Alexandro ſchreibet und ſaget: Græcis Ο᾽λυμπιονίκην eſſe, majus cenſeba -Alexand. ab Alex. Geni - al. dier, lib. 5. cap. 8. fol. m. 261. b. tur munus, quàm Romæ de hoſtibus triumfus, bey den Griechen ein Victor oder uͤberwinder ſeyn in den Olym - piſchen Spielẽ / ward fuͤr viel ein groͤſſer thun gehalten / als bey den Roͤmern einen triumph halten uͤber die Feinde. Ja auch der Koͤnig Tigranes, als er gehoͤret / wie dieſe Leute beyHerodot Ha: licarnaſſ. in Uran. iibr. 8. pag. m. 734. in fin. ihrem Spiele / nicht Geld ſondern / nur eine Krone oder Krantz auffſetzten / hat Er geſagt: Papæ! quales & quan - ti ſunt hi Viri, qui non pecuniarum certamen agi - tant, ſed Virtutis? Ey welche ſtatliche Maͤnner ſindCicer. de Le - gib. lib. 1. Tom. 3. fol. m. 328. C. das die nicht Geldes ſondern Tugend halber ſtreiten! Wie beym Herodoto, (welchen Cicero Patrem Hiſto - riæ einen Vater der Hiſtorien nennet /) zuleſen.
Vnd auff dieſe Spiele ſol S. Paulus nach etli - cher Meinung auch geſehen und gedeutet haben. Ande - re aber meinen / Er verſtehe hierdurch certamen Lampa - dodromicum, das wette lauffen derer welche zu Corin -Cæl. Rhodig in. Lect. An - tiqu. lib. 11 cap. 27. colũ m. 520. A. B. Confer Bal - duinComm. in 1. Cor. 9. pag m. 450. tho an dem Feſt der Minervæ, zwar auch in den Schran - cken gelauffen / aber alſo / das Sie in den Haͤnden eine brennende Lampe oder Fackel / daher ſie auch den Nah - men bekommen / getragen / und damit ſo fort gelauffen. Welcher nu ſeine Fackel biß an das Ziel brennend hin - gebracht / der hat gewonnen und den Sieg darvon getra - gen / welchem aber ſeine Fackel außgeloſchen / der hat ver -ſpielet[67]und Ehren-Gedächtnis. ſpielet gehabt. Es mag nu ſein welches da wolle / ſo ſe - hen wir doch klaͤrlich gnungſam auß S. Pauli Gleich - niß / das Er das menſchliche Leben einem ſolchen wette lauffen / oder ins gemein einer Reiſe und Wanderſchaft / (da es eben ſo wol viel zulauffen giebt) vergleichen thue. Maſſen denn auch der Ertzvater Jacob / ſo wol auch der Koͤnigliche Prophet David ſelber ſchon laͤngſt vorGen. 47. 9. Pſalm. 39, 13. 1. paral 30, 15. Curren dum cuivis in Sta - dio 1. Status ſ. Vocatio - nis. S. Paulo / darauff gedeutet haben. Vnd zwar nicht unbillich. Denn da haben wir ja alle mit einander zu - lauffen.
(a) In ſtadio Status ſeu Vocationis, in den Schran - cken / oder auff dem Renne-Plan und wege unſers Be - ruffes. Es kan der ewige GOTT durch auß keineMatth. 20, 6. muͤſſiggaͤnger fuͤr ſeinen Augen ſehen / ſondern er redet Sie an und ſpricht: Quid hic ſtatis tota die ocioſi? Was ſtehet ihr hie den gantzen Tag muͤſſig? Dannenhero hat Er die drey Hierarchias oder H. Staͤn - de geſtifftet und eingeſetzet / nehmlich den Geiſt-Welt - und Haͤußlichen Stand. Hat auch durch ſeinen Ge - ſalbten / und Außerwehlten Ruͤſtzeug einen jedwe -Actor. 9, 15 Pſalm. 37. 3. den anreden und vermahnen laſſen: Bleibe im Lan - de / und nehre dich redlich. Jtem: Qua poſitus fueris, in ſtatione, mane, Ein jeglicher bleibe in dem Beruff / darinnen Er beruffen iſt. Vnd abermahl: φιλοτιμεῖϑαι ἡσυ -1. Cor. 7, 20, 1. Theſſal. 4, 11. χάζειν, καὶ πρά σσειν τὰ ἴδια, ringet darnach / daß ihr ſtille ſeyd / und das euere ſchaffet. Jſt nu dero -J ijwegen[68]Abdanckungwegen einer oder der ander ein Lehrer und Prediger: je traun ſo muß Er in dieſem ſeinen Stande und Be - ruff nicht ſtille ſtehen / ſondern lauffen / lauffen muß Er /Rom. 12, 7. 2. Cor. 6, 4. 2. Tim. 4. 5. und ſeines Amptes und der Lehre warten / ſich als einen Diener GOttes erzeigen und be - weiſen / auch das Werck eines Evangeliſchen Predigers thuen / und alſo ſein Ampt redlich außrichteu. Vnd ſo ſoll und muß es auch ſein inRom. 12, 8. den andern Staͤnden. 2. Regieret jemand / ſo muß2. Paral. 19, 6. Er traun auch nicht ſtille ſtehen / oder muͤſſig gehen / ſon - dern lauffen / lauffen / das iſt / ſorgfaͤltig ſeyn / und bedencken / daß Er das Gerichte nicht den Men - ſchen / ſondern dem HERRN / der mit im Ge - richte iſt / hege und halte / wie der fromme Koͤnig Jo - ſophat ſaget. Ja lebet jemand 3. im Hauß-Stande / ſo muß er warlich abermal lauffen / und nicht müſſig ſte - hen noch gehen / ſondern laut des erſten Vrtheils / imGeneſ. 3, 19. Syrac. 3, 23. Schweiß ſeines Angeſichtes ſein Brod eſſen / und alſo deſſen / was ihm GOtt befohlen hat ſich ſtets annehmen. Jn Summa / es heiſſet / undJerem. 48, 10 ſol heiſſen: Verflucht ſey der / der des HERRN Werck / (und alſo auch ſein Ampt /) läßig thut. Weiter / ſo hat auch ein jeglicher rechtſchaffner Chriſt zulauffen.
2. Pietatis & devotionis. (b) In ſtadio Pietatis & Devotionis, auff dem Wege der Gottſeligkeit. Denn weil ihm ein jedweder Menſch gar feſte einbilden ſoll und muß / majorem vir -tutem[69]und Ehren-Gedaͤchtnis. tutem pietate in Deum, nullam in humano generePlato in Epi - nom. Oper. Tom. 3. pag. m. 1193. Cicer. pro Cn. Plancio. Tom. 2. fol. m. 189. A. Ariſtot. E - thic. Nicom lib. 5. cap. 3. Tom. 2. pag. m. 74. F. 1. Tim. 4, 8. inveniri, daß keine groͤſſere Tugend in dem Menſchli - chen Geſchlechte koͤnne gefunden werden / als die Gottes furcht / ſondern das ſelbige ſey fundamentum virtutum omnium, der Grund aller anderer Tugenden / ſo gar / das es auch mit ihr heiſſet / wie dort der weiſe Heyde von der Gerechtigkeit geſaget hat:
‘Virtutes pietas in ſeſe continet omnes’ ()Die Pietät oder Gottes-furcht helt und faſſet alle ande - re tugenden in ſich. Ja weil die Gottſeligkeit zu allem Dingen nuͤtze iſt / und verheiſſung hat / dieſes und des zukünfftigen Lebens /: Siehe ſo kan ja kein rechtſchaffner Chriſt ſo boͤſe und Gottloſe ſeyn / das Er nicht ſolte alle ſein lebenlang GottTob. 4, 6. Tit. 2, 12. Hebr. 12, 14. Luc. 1, 74. ſq. für Augen und im Hertzen haben / Zuͤchtig / Gerecht / und Gottſeelig leben / der Heiligung / ohne welche niemand den HERRN ſehen wird / nachjagen / und alſo ſein lebenlang ſei - nem lieben GOtt dienen / in Heiligkeit / und Gerechtigkeit / die ihm gefällig iſt.
Denn / das ichs ein wenig außfuͤhre / wo Gottes - furcht iſt / da iſt auch Glaube / Liebe / Hoffnung / welches ſind die Virtutes Theologicæ. Wo Gottesfurcht / da ſind auch Virtutes Ethicæ, als iſt einer Gottsfuͤrchtig; ſo wird Er ſich traun auch der Gerechtigkeit befleiſſigen / und niemanden Vnrecht thun / denn Er weiß / das es heiſt:Du[70]AbdanckungLevit. 19, 18. Matth. 22, 39. cap. 7, 12.Du ſolt deinen Nechſten lieben als dich ſelbſt und alles was ihr wollet / das Euch die Leute thun ſollen / das thut ihr ihnen. Jſt einer Gotts - fuͤrchtig / ſo wird Er ſich warlich auch huͤten und vorſe - hen / daß ſein Hertz nicht beſchweret werde mit freſſen und ſauffen / weil doch nichts gutes ſondernLuc. 21, 34. Epheſ. 5, 18. nur eine lautere ἀσωτία, und unordig weſen darauß erfolget. Iſt einer Fromm und Gottfuͤrchtig; Ey ſoHebr. 10, 36. wird Er auch geduldig ſeyn / weil Er doch gar wol weiß / daß Gedult uns noht iſt / auff daß wir den wil - len thun und die verheiſſung empfahen. Iſt ei - ner Fromm und Gottsfuͤrchtig; Ey ſo wird Er auch ſanft -Jacob. 1, 19. verſ. 20. muͤhtig und langſam ſeyn zum Zorn / weil doch des Menſchẽ zorn nicht thut / was recht iſt fuͤr GOtt. Jſt einer Gottes fuͤrchtig; gewiß Er wird1. Theſ. 4. 3. verſ. 4. Matth. 5, 8. auch fleiß anwenden die Hurerey zu meiden / und ſein Faß zu behalten in Heiligung uñ in Ehren. Denn Er weiß das Seelig ſind / die reines Her - tzens ſind / und das ſie werden GOtt ſchauen. Prov. 5, 16. Rom. 11, 13. 1. Tim. 6, 18. Pſalm 41, 1. ſqq. Luc. 6, 38. Pſalm. 41, 2. ſqq. Matth. 25, 35. ſqq. Ja iſt einer Fromm und Gottsfuͤrchtig / ſo wird Er ſich auch befleißigen der liberalität und frey gebigkeit / daß Er nehmlich ſeine Bruͤnnlein laſſe herauß flieſſen / ſich der Heiligen Nohtdurfft an zunehmen / ger - ne zu geben und behuͤlfflich zu ſeyn / ſonderlich den duͤrfftigen. Denn er weiß / das Chriſtus ſeyn undunſer[71]und Ehren-Gedaͤchtnis. unſer aller Heyland ſaget: Date & dabitur vobis, gebet / ſo wird Euch gegeben / ja daß ihn der HERR werde erretten zur boͤſen Zeit / ꝛc. Vnd es dort ruͤhmen / und vergelten in der Ewigkeit. Jn Summa ein Fromm und Gottsfuͤrchtiger Menſch / iſt der aller Tugendhaffteſte Menſch. Gleich wie aber / alle Tugenden auß der Gottesfurcht entſpringen und herkom - men: Alſo koͤnnt auch von derſelben her alle felici - tät und Gluͤckſeligkeit / ja alle zeitliche Leibes und ewige Seelen wolfarth. Wil einer bey GOtt und MenſchenPſal. 147, 11. Meiſner. Præfat. ſ. E - piſt. Dedi. cat. in Me - dit. Evang. ſub ſin. lieb und angenehm / ja groß und angeſehen ſeyn; Ey Er ſey fromm gottesfuͤrchtig. Denn der HERR hat gefallen / an denen die ihn fürchten die auff ſeine Guͤte hoffen. Vere nemo in quocun - que vitæ genere magnus eſt, niſi cui magna Pietas nie - mand / Er ſey wes Standes er wolle / iſt recht groß und angeſehen / ohn allein der / welcher recht fromm undJacob. 1. 5. Pſal. 111, 10. Prov. 1, 7, gottfuͤrchtig iſt. Begehret jemand weißheit / Er ſey nur fromm und bitte Sie von GOtt / ſo wird ſie ihm gegeben werden. Denn die Furcht des HErrn iſt der weißheit anfang. Alſo begehrt jemand reich - thumb /; O er ſey nur fromm / und trachte am erſten nach dem reiche Gottes / und nach ſeiner Ge -Matth. 6, 33. Pſal. 34, 10. verſ. 11. rechtigkeit / ſo wird ihnen das ander alles zu - fallen. Denn die den HErrn fuͤrchten haben kei - nen Mangel an jrgend einem Gute. Wil einer ei -Prov. 10, 14. Syr. 26, 3. nen frommen Ehe-Gatten; ſo muß er warlich frommund[72]Abdanckungund Gottsfuͤrchtig ſeyn. Denn ein vernuͤnfftig Weib (Mann) koͤmpt vom HERRN / und wird dem gegeben / der Gottfürchtet. Wil einer den lieben Ehe-Seegen / und feine wolgerahtne Kinder haben: Er ſey nur fromm und gottsfuͤrchtig / ſo wird ErPſal. 128, 4. ſie ſchon bekommen. Denn alſo wird geſegnet der Mann der den HErrn fuͤrchtet. Begehret einer langes leben? Er kan es auch und erlangen / wo ErProv. 14, 27. Sap. 10, 12. 1. Tim. 4, 8. fromm und gottsfürchtig iſt. Denn die furcht des HErren iſt eine Quelle des Lebens. Summa Summarum; Die Gottſeeligkeit iſt maͤchtiger / denn alle Dinge / und hat verheiſſung dieſes und des zukünfftigen Lebens. Wer nu derowe - wegen mit S. Paulo den Lauff gluͤcklich und wol ja ſee -Eccl. 12, 13. liglich wil vollenden: Ey der fuͤrchte GOTT und halte ſeine Gebot / denn das gehoͤret allen Menſchen zu.
Gleich wie es aber viel zulauffen gibt in dem lauffe unſers Beruffes und Chriſtenthumbs / als auff dem We - ge und Stege der wahren pietät und Gottſeligkeit; Al - ſo mangelt es auch warlich nicht daran.
3. Crucis & afflictionis. (c) In ſtadio Crucis & afflictionis, wenn wir fuͤr uns nehmen die groſſe und allgemeine Creutz-Bahne. Ach lieber GOtt! wie gibt es dazulauffen / durch duͤnne und dicke / über Stock und uͤber Stein / als man im Sprich - wort zuſagen pflegt. Denn da heiſt es: Χριςοφόρος Σταυ - ροφόρος, Chriſtianus Crucianus, je froͤmmer Chriſt jegroſſer[73]und Ehren-Gedächtnis. groſſer das Creutz iſt. Weil du GOTT liebTob. 12, 13. wareſt / ſo muſte es alſo ſeyn / ohne Anfechtung muſteſtu nicht bleiben auff daß du bewaͤhret wuͤrdeſt / ſagt dort der Engel Raphaei zu dem lieben Tobia. Vnd S. Paulus ſpricht: Wir muͤſſen durch viel Truͤbſal in das Reich Gottes gehen. Ja anderswo macht er einen ſolchen Schluß und ſpricht; Alle (merckts wol) alle die Gottſeelig leben wol -2. Tim. 3, 12. 1. Theſ. 3, 3. len in Chriſto Jeſu / müſſen verfolgung leiden. Vnd darzu ſind wir von GOtt gleichſam geordnet und geſetzet / als er anderswo lehret und bewahret. Dannenhero Lutherus ſeeliger zu ſagen pflegen: Quili -Luther. in Pſal. 2. Tom. 2. Lat. Je - nenſ. fol. m. 11. 2. bet ſincerè volens Chriſtianus eſſe, ſuos patietur He - rodes, Pilatos, Principes, Reges, gentes, populos, qui fremant in eum, meditentur inania, erigant ſe ad - verſus eum, & conveniant in unum, ein jedweder / der da wil ein rechtſchaffner Chriſt ſeyn / wird leiden muͤſſen ſeine Herodes / Pilatos / Koͤnige / Voͤlcker und Leute / die wieder ihn wuͤtten und toben / vergeblich reden / ſichPſal. 〈…〉〈…〉1. verſ. 2. wider ihn aufflehnen / und mit einander rath - ſchlagen. Geſchicht es aber / ſagt er weiter / nicht von den Menſchen / ſo wird es gewiß geſchehen von den Teu - feln / und zu guter letzt von ſeinem ſelbſt eignen Gewiſſen. Jm ſechſten Jeniſchen Deutſchen Theile redet Er auchLuther. ſu - per Joh. 17. cap. Tom. 6. Jenenſ. Germ. fol. m. 116. b, gar denckwuͤrdig darvon / und ſpricht: Wer ein Chri - ſten iſt / der muß ſich aller Welt gunſt / gnade /Kſicher -[74]Abdanckungſicherheit / ungemach und unruhe verzeihen / und des Teuffels Fuß-Tuch ſeyn / daß er ohne unter - laß muß in Gefahr ſtehen / Leibes und Le - bens / und alle Stunden des Todes gewarten. Luther. Cõ - ment. in Ge - neſ. cap. 29. Tom. 3. fol. m. 98. a. Ja anders wo ſagt Er: Qui non eſt Crucianus, non eſt Chriſtianus, wer nicht ſein Creutze hat / der iſt kein Chriſt.
Dieſes geht nu wol dem alten Adam gar wuͤrgend ein / und thut dem zaͤrtlichen Fleiſche und Blute ſehr weh / ſo gar daß es ſich auch vielmahl wehret / und durch auß nicht dran wil. Wie wir ſehen an dem Simon von Ky -Matth. 27, 31. Maac. 15, 21. Luc. 23, 26. rene / der ſelbe ſolte Chriſto / dem wol frommen Heylan - de ſein Creutze nachtragen / aber er wolte lange nicht / biß Sie ihn endlich darzu zwungen. Heutiges tages gehet es eben auch ſo her / wir wolten alle gerne des lieben Creu - tzes geuͤbriget ſeyn / und uns des Vornehmen PhiloſophiDiog. Laërt. de vita Phi - loſoph. lib. 10. pag. m. 661, ſqq. Epicuri ἐυδαιμονίαν oder Gluͤckſeeligkeit wuͤndſchen / nehmlich / Corpore non dolere, animo tranquillum eſſe, & perturbatione vacare, das heiſt: keine Schmer - tzen am Leibe haben und fuͤhlen / in ſeinem Gemühte fein ruhig und richtig ſeyn / und durchauß keinen Kummer o - der Bekümmernis haben. So / ſo wolte es traun der alte Adam und unſer ſuͤndliches Fleiſch und Blut gerne haben! So / ſo wolten wir alleſam̃t gerne /
Angeſehen doch der HErr einen jeglichen SohnHebr. 12, 6. Prov. 3, 12. Hebr. 12, 8. ſteupet / den Er auffnimmet / und welchen Er lieb hat / den züchtiget und ſtraffet Er / ſeyd ihr aber ohne züchtigung / ſo ſeyd ihr baſtarte / und nicht Kinder / ſagt S. Paulus der hocherleuchtete A - poſtel. Jn erwegung deſſen / wil nu traun uns allen mit einander geiſtlichen Peregrinanten und Wall-Bruͤdern / ja als hurtigen Wette-Laͤuffern gebuͤhren und obliegen / daß wir in uuſerm Creutz-Lauffe unſere läſſige Hän -Hebr 12, 11. verſ. 13. de / und unſere muͤden Knie wieder auffrichten / und gewiſſe tritte thun mit unſern Fuͤſſen / da - mit wir nicht ſtraucheln wie die Lahmen / ſon - dern vielmehr geſund werden / vermahnet der A - poſtel gar denckwürdiglichen. So laſſet uns nu alſo1. Cor. 9. 24. lauffen / daß wir das Kleinodt erlangen moͤgen ſo werden wir zulauffen gnug haben. Sonderlich weñ wir auch bey uns erwegen werden das letzte lauffen / wel - ches geſchehen ſol und muß.
(d) In ſtadio mortis ſeu ultimæ emigratioois,4. Mortis ſeu ultimæ emigratio - nis. 1. Reg. 2, 2. Joſu. 23. 24. Thomas Car ve in Itine - rar. Part. 1. cap. 4. pag. 32. ſq. apud. Zeill. Epiſt. Centur. 3. auff der Sterbe - und Todten Bahn. Daß das iſt der Weg aller Welt / und den muͤſſen wir alle gehen / wie alle Welt / ſagt der Streitbare Held Joſua / und deſſen nachfolger Koͤnig David.
Zwar jener Jrꝛ-Laͤnder meinet und ſchreibet wol / es ſey im Hertzogthumb Momonia oder Mown eine Jn - ſel in welcher niemands jemahls geſtorben / und ob ſchon die Leute daſelbſten mit kranheit beladen wuͤrden / ſo ſtuͤr -K ijben[76]AbdanckungEpiſt. 3. pag. m. 563.ben ſie doch nicht daran / ſo lange Sie ſich daſelbſten auffhielten. Aber ich halte dafur das dieſer Jrr-Laͤnder ſehrSyrac. 14, 18. Hebr. 9, 27. Pſalm 89, 49. irꝛe / alldieweil es doch heiſt: Omnia orta occidunt, al - let was lebet / ſterblich iſt. Denn es iſt ja der alte Bund / du muſt ſterben / und iſt den Menſchen geſetzt / einmahl zuſterben / ſo gar das auch der geiſtreiche Koͤnig und Prophet dannenhero fraget uñ ſaget: Wo iſt jemand der da lebet / und den Tod nicht ſehe. O freylich wol muͤſſen wir alle daran / und davon / Gelehrt / reich / jung / alt / oder Schoͤn!
Damit nu derowegen ein jedweder wol lauffen / und mit S. Paulo auch den Sterbe-und Todten-Lauff gluͤcklich und ſeelig vollenden moͤge / traun ſo iſt von noͤ - then / daß wir uns wol / ja auffs beſte / in acht nehmen. Sonderlichen / weil ſich / wie in den andern / alſo auch in dieſem unſerm letzten Lauff / (welcher iſt / wie unſer See -Mart. Bohẽ. Precat. Rhy - thm. Cent. 2. im 2. Ster - be Gebet. Stroph. 8. Ælian. Var. Hiſt. lib. 13. cap. 1. pag. m. 356. 357. Ovid. Me - tã. lib. 10. fab. 15. verſ. 6. ſqq. Tom. 2. pag. m. 431. ſqq. liger Herr Bohemus ſagt / das letzte Leyden / und unſer hoͤchſte und groͤſſeſte noht) viel und mancher: ley impedimenta und hindernuͤſſe finden und ereugen. Von der Atalanta, des Schœnei, Koͤniges in Scyro Toch - ter / (welche ſo uͤber alle maſſe geſchwinde lauffen koͤnnen / das es nicht anders außgeſehen / als wenn ein Stern ſich reiniget / oder der Blitz und das wetterleuchten geſchwin - de dahin faͤhret /) ſchreibet man / das Sie durch auß kei - nen Mann nehmen wollen / ohn allein den / der Sie im lauffen uͤbertreffen würde / der es aber nicht enden wuͤr - de / ſolte des Todes ſterben. Damit nu derowegen der Hippomenes des Macarei Sohn / und des Neptuninaher[77]und Ehren-Gedaͤchtnis. naher verwandter / dieſe Jungfraw uͤberlauffen / und al -Theocr. I - dyll. 3. verſ. 40. pag. m. 18. Volater. Commentar. Urban. libr. 33. fol. m. 356 ſo ihrer Liebe genieſſen und theilhafftig werden moͤchte: Siehe ſo hat Er durch der Venus raht und eingeben / dieſe liſt erdacht / daß Er der Atalantæ, als ſie gleich im vollen lauffe geweſen / drey koͤſtliche guͤldne Aepffel / wel - che ihm die Venus verehret / in den Weg geworffen / dar - durch ſie / weil ſie ſehr ſchoͤne geweſen / bewogen worden / daß Sie ſelbige mitten im lauffen auffgehaben / und al - ſo betrogen worden. Faſt dergleichen leſe ich auch von dem Ziſcka der Huſiten Oberſten. Denn als ſelbigerAbb. Ur - ſperg. Rer. memorab. Paralii pom. pag. m. 384. Dreſſcr. Iſag. Hiſt. Part. 3. Millenar. 1. pag. m. 413 Aneas Sylv. apud Bu - cholc. Indic. Chronol. ſub A. C. 1420. pag. m. 390. mit ſeinen Feinden ein Treffen halten ſolte / und jene zu Roſſe / er aber nur lauter Fußvolck hatte / und nu bald den kuͤrtzern hette ziehen muͤſſen; Siehe da er denckt er dieſes Stratagema oder Kriegesliſt / daß Er den Feind in einen engen Paß / und Ort mit Doͤrnern und Straͤuchern be - wachſen / gelocket. Weil man denn nicht anders als zu Fuſſe / einander recht beykommen koͤnnen; haben jene / (die Paͤpſtler /) von den Pferden abſteigen und alſo ihr Heyl verſuchen muͤſſen. Ziſcka, weil ihm der Feind mit Gewalt auff den Halßdringet / muß Er ſich mit der furcht ſalviren damit aber der Feind ihnen nicht moͤchte nach - kommen / hat Er den Soldaten weibern befohlen / alle ihre Schleyer ꝛc. Auff den Weg zuſtreuen. Da denn die Reuter mit ihren Spornen darinnen behangen blie - ben / Ziſcka aber ſich gewendet / und ehe die ſich herauß wickeln koͤnnen / ihnen die Haͤlſe entzwey geſchlagen.
Fürwar / nicht anders machen es unſere dro - ben erwehnte Feinde / nehmlich der Teuffel / die Welt / und unſer Fleiſch und Blut. O wie be -K iijmuͤhen[78]Abdanckungmuͤhen Sie ſich auch / alle from̃e Chriſt-Hertzen in ihrem Lauff zu verhindern! O wie erdencken Sie auch aller - hand liſt und betrug! O wie werffen Sie auch einen baldJoh. 13, 22. cap, 21, 20. 1. Joh. 5, 19. dieſes bald jenes in den Weg! S. Johannes der liebe Juͤnger des HERRN ſagt / das in der Welt / welche1. Joh. 2, 16. Luth gloſſ. marg. in h. l. gantz in argen lieget / vornehmlich drey Dinge das præ und den vorzug haben / nehmlich Fleiſches-Luſt / und der Augenluſt / und Hoffertiges leben / das iſt / wie es der Herr Lutherus erklaͤret / Hurerey / Geitz oder Reichthumb / und Ehrgierigkeit / Gewalt / Lob / oben außfahren.
Ovid. Me - tam. lib. 10. fab. 15. v. 55. Tom. 2. pag. m. 433. Nat. Comes Mytholog. lib. 7. c. 8. pag. m. 778. Mantuan. apud Bar - thol. Shon - born. in v. Sent entioſ. Sub A Lit. B. 3 b. Mundi hujus volu - ptates ſpo - liant homi - nem bonis æternis, eiq́; accelerant perpetuum, nullisque ſe - culorum ſe -Welche drey Stuͤcke denn nichts anders ſind / als jene drey guͤ[l] dne Aepffel / dardurch die Atalanta in ihrem ſonſt uͤber alle maſſe ſchnellem Lauffe verhindert und auf gehalten / ja endlich in ſolche Noht gebracht worden / daß Sie in eine Loͤwin verwandelt / und alſo zu einem unver - nuͤnfftigen Thiere worden. Denn wie auch der Chriſt - liche Poet geſaget hat:
Ja was ſind dieſe drey Sruͤcke / (Fleiſches-Luſt / Augen - Luſt / und Hoffertiges leben) anders als des Ziſcka Schleyer / Haͤuben und Vor-Tuͤcher / darinne ihrer viel behangen bleiben / und gar erſchlagen worden / das iſt an Leib und Seele verderben / wie ſolches gar viel Exem - pla beweiſen und darthun.
Wenn[79]und Ehren-Gedaͤchtnis.Wenn nu ſolche und dergleichen hindernuͤſſe einemlis deſiturũ ſupplicium. Hunnius in Com - ment. in 1. Joh. 2. O - per. Lat - Tom. 4. pag. m. 971. 1. Tim. 1, 19. Matth. 16. 26 Plutarch. in Themiſtoc. fol. m. 39. a. E. F. oder dem andern in Weg geworffen worden / da da ſage ich hat man ſich wol in acht zunehmen / damit man nicht etwas verſehe / nicht am glauben Schiff-Bruch lei - de / oder ſonſten Schaden nehme an ſeiner Seele. Themiſtocles der Vornehme Fuͤrſt zu Athen, gieng einesmahls ſpatziren / und als er ſahe / wie das Meer ei - nen hauffen todter Coͤrper / (welche viel guͤldene Ketten / Armbaͤnder / guͤldne Ringe und der gleichen Kleinodien an ſich hatten /) außgeworffen / und ihm nu da im wege lagen / wolte er nicht das geringſte davon auffheben und mit nach Hauſe nehmen / ſondern ſagte zu ſeinem Knech -Eraſm. A - popth. libr. 5. pag. m. 397. num, 23. te / der ihm nachtrat: Tu tolle, & ea tibi cape, Ego The - miſtocles ſum, heb du das auff und nims dir / denn ich bin Themiſtocles. Alſo wenn wir vorerwehnte Din - ge / (allerley Suͤnde / auch nur gelegenheit und anreitzun - gen zu Suͤnden /) da ſehen fuͤr uns / und im wege liegen / ſollen wir ſelbige uns nicht belieben laſſen / ſondern den Teuffel und die Welt anreden und ſagen: Tu tolle & cape tibi ea, Ego Chriſtianus ſum, nihm du dir das / ich bin ein Chriſt. Nu aber iſt das ein rechter Chriſt[/]Auguſt. de Vita Chriſt. cap. 6. Tom. 9. Column. m 893. A. qui non nomine tantùm, ſed & opere eſt; qui in o - mnibus Chriſtum imitatur & ſequitur, welcher nur nicht dem Nahmen nach / ein Chriſt heiſſet / ſondern der auch im Werck und in der That es erweiſet / und ſeinem Jeſu in allem nachgefolget. Weil denn mein Heyland (ſoll ein jeder fromer Chriſt fagen /) Heilig / Vnſchul -Hebr. 7. 26. cap. 12, 14. Luc. 1. 74. ſq. dig / Vnbefleckt und von den Sündern abge -ſondert[80]Abdanckungſondert iſt: Ey ſo wil ich auch der Heiligung nach - jagen / und dieſem meinem wol frommen Heylande / mein Lebenlang dienen in Heiligkeit und Ge - rechtigkeit / die ihm gefaͤllig iſt.
Vernehmne alſo / wie unſer leben auch einem ſteten Lauffen verglichen werde. Vnd zwar dem nicht alleine / ſondern auch endlichen.
III. Mercatui ſeu Nego - tiationi. Cicer. Oſſic. lib. 1. Tom. 3. fol. m. 342. A. Plato apud Danæ. iu A - phoriſm. Polit. pag. 417. Tymp. apud Zeill. in Manual. Part. 1. pag. m. 551. Cicer. Offic. lib. 2 Tom. 3. fol. m. 356, A. III. Mercatui ſeu Negotiationi rigoroſæ einer ſtrengen und ſcharffen Kauffmanſchafft. S. Paulus ſaget: τὴν πἰςιν τετήρηκα, Jch habe Glauben gehal - ten. Treu und Glauben / lieben freunde / iſt fundamen - tum juſtitiæ, das fundament und Grundfeſte der Ge - rechtigkeit / ja der gantzen Menſchlichen Societät und Ge - ſellſchafft / ſagt Cicero und Plato die zwey hochweiſen Maͤnner. Vnd zwar ſo gar / das auch Amurathes der Tuͤrckiſche Kaͤyſer zu ſeinem Sohn / der ihn eines andern bereden wolte / geſaget: Vnter den ſterblichen Menſchen iſt kein Ding nohtwendiger / als Glauben halten. Ja Cicero, deſſen ietzt auch erſt erwehnet worden / ſchreibet und ſaget: Non ulla res alia vehementius Rempublicam continet, quàm fides, es iſt kein Ding / das eine Stadt oder Regiment beſſer er -Ariſtot - Rethor. lib. 1. cap. 15. OPer. Tom. 2. pag. m. 647. E. F. helt / als Treu und Glauben. Jm gegentheil heiſt es ὅςις ἀναιρεῖ συνϑήκην; τοὺς νόμους ἀναίρει, wer treu und glau - ben auffhebt / der nimbt weg die Geſetze; Wenn aber die weg ſind / ἀναιρεῖται ἠ πρὸς ἀλλή λους χρεια ἀνϑρώπων, ſo wird auch der Menſchen Gemein-und Geſellſchafft ſo ſie gegen und untereinander haben / mit hinweg ge -nommen[81]und Ehren-Gedaͤchtnis. nommen und gantz und gar auffgehaben. Dannenhero ſagt auch der Poet.
Hac ſine non tellus pacem, non æquora norunt,Ohn Trew und Glauben in der Welt /Sil. Jtalie. lib. 2. Punic. bell. vſ. 483. Lit. E. iij. b.Zu Waffr und Land der Fried hinfelt.
Gleich wie aber dieſes alles in Genere und ins gemein gar gewiß und warhafftig iſt: Alſo und fürnehmlich / ja fuͤr allen andern / iſt Treu und Glauben hoch nothwendig in Kauffmanſchafften.
Dann ſo lange ein Kauffman fidem hat / ſo lange ſtehts wol uͤmb ihn / verleuret er aber ſelbigen / ſo iſts uͤmb ihn geſchehen.
Dann / ut anima, unde abiit, nunquam redit, gleichSenec. in proverb. ſub. Lit F. pag. m. 638. column. 2. Publ. verſ. m. 137. ſnb. F. Lit. E. 4. b. & vſ. 121. Lît. E. 3. vſ. 135. Lit. E. 4. a. Eraſm. Chi - liad. 4. Cen - tur. 5. Ada. 6. pag. m. 917. wie wann die Seele einmahl von den Menſchen außge - fahren / nicht wieder zu ihm koͤmpt: alſo auch Trew und Glauben. Dannenhero heiſt es: Fidem qui perdidit, quo ſervet in reliquum? Wer Trew und Glauben ver - lohren / woran wil Er fich halten? Ja: Fidem qui per - didit, nil poteſt ultra perdere, wer Treu und Glauben verlohren hat / der kan weiter nichts mehr verliehren / ſa - gen die zweene weiſe Maͤnner Seneca und Publius in ſei - nen Mimis oder Spruͤchen / quibus nihil fingi poteſt nec argutius, nec jucundius, uͤber welche nichts Spitz - fuͤndigers noch lieblichers kan erdacht und gemacht wer - den / als ein vornehmer Mann redet und ſchreibet.
Hie dencket nu lieben Chriſten / iſt Politicè und weltli - cher Weiſe davon zu reden / bey Kauff-und Handels Leu - ten / an Trew und Glauben ſo gar viel gelegen: Was meynet ihr wol / wie Geiſtliche Kauffleute beſtehen undLfort -[82]Abdanckungfortkommen wollen? Sie haben traun von Chriſto ihrem Heylande den Befehl / daß ſie handeln und wan -Luc. 19. 13. deln ſollen. Denn alſo ſagt er zu ihnen: Nogotia -Eſai. 55. 1. Confer Snepff. in h. l. pag. m. 808. mini, donec venero, handelt / biß daß ich wieder komme. Ja es ruffet Goͤttliche Majeſtaͤt ſelber und ſpricht: Wolan / alle die ihr nicht Geld habt / kompt her / und kaufft ohne Geld / und uͤmb - ſonſt. Was aber ſollen ſie kauffen? Antwort beyde Wein und Milch / das iſt das edle / und ſeligmachen - de Wort Gottes / und zwar das liebliche und hoch troͤſtli - che Evangelium Jeſu Chriſti / von welchem jener fromme Theologus geſungen:
Ja die koͤſtliche Perle uͤmb deren Willen einer al - les verkauffen ſoll / ſollen und muͤſſen wir kauffen /Matth. 13. 46. nehmlich den HErrn Jeſum / unſern einigen Heyland und Seeligmacher.
De hac pretioſa margarita videant & legant Eruditi Ambroſ. Sermon. 6. Oper. Tom. 3. pag. m. 231. Auguſt. Quæſt. Evang fecundum Matth. Quæſt. 13 Oper. Tom. 4. column. m. 367. D. 368. A. B. C. Emiſſen. Ho - mil. in Natali Virgin. unius fol. m. 270. b. 271. a. ſqq. Haymon. Homil. de Virginib. Part. æſtival. pag. m. 533. ſqq. Hunn. Comment in Matth. cap. 13. Oper. Lat. Tom. 3. Column. m. 206. ſq. Pelarg. in Quæſt. E - vang Matth cap. 13. Quæſt. 3. Parab. 6. fol. m. 144. 2. Rene〈…〉〈…〉 c. Clav. SS. Script. lib. 2. Part. Poſter. cap. 18. pag m. 725. ſqq́ Alard in Alphab. aur. 4. Conc. 11. pag. m. 209. ſqq Joh. Henric. Urfin. Analect. ſacr. libr. 5. cap. 26. pag. m. 282. ſq. &c.
Den[83]und Ehren-Gedächtnis.Den aber kan niemand anders kauffen / als durch wahren Glauben. Denn die Augen des HERRNJerem. 5. 3. Hebr. 11. 6. Rom. 14. 23. Hebr. 11. 6. Johan. 3. 18. cap. 14. 6. ſehen nach den Glauben / und wer zu Gott kom - men wil / der muß glaͤuben. Hergegen aber / was nicht aus dem Glauben gehet / das iſt Sünde. Vnd ohne Glauben iſts unmoͤglich Gott zu gefallen / ja wer nicht glaͤubet / der iſt ſchon ge - richtet / denn er glaͤubet nicht an den Nahmen des eingebohrnen Sohnes Gottes / ſagt der Mund und Grund der Warheit ſelber.
Dannenhero tritt nu S. Paulus allhier auff / und ſpricht: Jch / Jch habe Glauben gehalten / alsConfer Bal - duin. Com - men. in 2. Tim. 4. pag. m. 668. ſq. wolte er ſagen: Jch habe nicht allein meinen Jeſum durch wahren Glauben ergriffen / ſondern Jhm auch im Glau - ben feſte angehangen / Jhn auch frey frey und oͤffent - lich bekennet fuͤr aller Welt / bin auch nochmals biß auff dieſe Stunde beſtaͤndig bey ihm verblieben / ja gedencke auch ferner biß an mein ſeeliges Ende beſtaͤndig bey Jhm zu verharren. So bin ich ihm auch ſonſten trew geweſen / und habe ihm Glauben gehalten in meinem Ambt und Beruff / ja in meinem gantzen Leben und Chriſtenthum. Sonderlich aber in der Lehre des Seeligmachenden Ev - angelions / ſo Er mir als ein treues Depoſitum und hin - terlegtes Gut auffzuheben anvertrauet hat &c. Vnd ob mir wol (wil er gleichſam weiter ſagen /) der leidige Teufel und die arge gottloſe Welt / und mein eigen Fleiſch und Blut / auf allen Seiten hefftig zugeſetzet / und mich in meinem Lauff des Chriſtenthums hindern / und irre ma -L ijchen[84]Abdanckungchen wollen: So habe ich dennoch einen guten Kampff gekämpffet / den Lauff gluͤcklich vollen -Rom. 8, 38. det / und redlich Glauben gehalten / alſo daß mich weder Tod noch Leben / weder Engel nochvſ. 39. Fuͤrſtenthumb noch Gewalt / weder gegenwer - tiges noch zukuͤnfftiges / weder hohes noch tie - fes / noch keine andere Creatur hat ſchei - den koͤnnen von der liebe GOttes / die in Chri - ſto Jeſu iſt unſerm HERRN. Vnd dannenhero iſt mir nu auch beygeleget die Krone der Gerech - tigkeit oder die ewige Glori und Herrligkeit / in dem an - dern und ewigen Leben / welche ich und alle die mit mir einen guten Kampff kaͤmpffen / den Lauff recht und wol vollenden / und glauben treulich halten / an jenem Tage gewißlich und wahrhafftig erlangen werden.
WEnn wir hie nu das Applica machen auff un - ſern Seelig in Gott entſchlaffnen Mit-Bruder /Piè defunctꝰ a. Bonum Cer - tamen certa - vit. Ut athletis olim ſors, non electio adverſari um dabat cum quo certarẽt: ſic fata cuiq; noſtrum vitæ conditionem als den Ehrenveſten und Vornehm geachteten Herrn Melchior Koͤrnern / geweſenen Vornehmen Buͤr - gern und Handels-Mann in Hirſchberg ꝛc. So ſehen und befinden wir auch an demſelben / Einmahl
1. Quod bonum certamen certaverit ſtrenuis - ſimè, daß Er einen recht guten Kampff gekaͤmpffet. Deñ bald in der Heiligen Tauffe / hat er ſich gleichſam unter - halten laſſen / in dem Er daſelbſt unter die Blut-Fahne ſeines Generalisſimi des HErrn Jeſu / geſchworen / dem Teuffel aber / und allen ſeinem Weſen / und allen ſeinen Wercken entſaget und abgeſchworen. Hernach als Erauß[85]und Ehren-Gedächtnis. auß dem Heiligen Tauff-Bade ſeinen March (ſo zure -cum qualu - ctemur. Lipſ. EPiſt. Cen tur. 1. Epiſtol 34, pag m. 50. ſub init. Miles Chriſti adverſitatis bello depre - henſus, & ſcutum Pa - tientiæ debet anteferre, ne pereat; & ad præl tandum promtus a - morisinferre jacula, ut vincat Gre - gor Moral. libr. 8. cap. 1. C. Lit. m. iij. a. 2. Tim. 2, 3. den) genommen in das Heer-Lager der Kirchen Chriſti / mein ewiger GOtt! welchen Kampff / welchen Streit hat Er da gefunden? Jn dem Er die gantze zeit ſeines lebens wieder die Suͤnde / wieder den Tod / wieder den Teuffel / wieder die Welt / ja wieder ſein verderbtes ſuͤnd - liches Fleiſch und Blut / zu Felde liegen / und mit den ſelbigẽ ſeinen Feinden einen Gang nach dem andern gehen / einen Kampff und Streit nach dam vndern außſtehen / und ſon - ſten viel widerwertigkeit / Angſt / Noht / und Gefahr red - lich erfahren muͤſſen. Da er ſich aber je und allewege erwieſen ὡς καλὸν ςρατιώτην Ι᾽ησοῦ χριςοῦ, als einen gu - ten Kämpffer und Streiter Jeſu Chriſti / alle - zeit treulich gearbeit / und gerungen / nach der Würckung und Krafft des / der in ihm kraͤfftig - lich gewuͤrcket / ſo lange biß er uͤberwunden durch des Lambs Blut / und durch das Wort ſei - nes zeugniſſes. Drumb er auch nu billich mit S.Coloſ. 1, 29. Paulo ſaget: Jch habe einen guten Kampff ge - kaͤmpffet. Alſo weiter / wenn wir unſern Seel. Herrn Koͤrner / fuͤr uns nehmen / und beſchauen / ſo ſehen und befinden wir an ihm.
2. Quod curſum conſummaverit felicisſimè daßb Curſum conſum ma - vit. Er auch ſeinen Lauff gluͤcklich vollendet. Gelauffen / und gluͤcklich vollendet hat er der Lauff ſeines (1.) Be - ruffes / Lebens und Wandels. Denn weil Er gar wol gewuſt / daß ein jeder nach dem erſten von GOtt geſpro -L iijchen[86]AbdanckungGeneſ. 3, 19.chen Vrthel im Schweiß ſeines Angeſichtes ſein Brod eſſen ſolle. Vnd zwar ſo lange / biß daß Er wieder zur Erden werde / Ja weil er wol gewuſt /1. Tim. 5. 8. daß der jenige / ſo die Seinen / ſonderlich ſeine Haußgenoſſen / nicht verſorget / den Glauben verleugnet habe / und aͤrger ſey denn ein Heyde: Siehe ſo hat Er es ihm traun recht angelegen ſeyn laſſen / ſeinen Handel und Nahrung alſo zu treiben / damit Er ſeinen lieben Ehe-Schatz und Kinderlein / und auch ſon - derlichen ſeine liebe Fraw Mutter, als ein beſondern Schatz / ja als einen kleinen Hauß Gott / wie der HeydePlato de Le - gib. Dialog, 11, Oper Tom. 3. pag. m. 1119 Plato redet / und ihr in ihrem betruͤbten Witwen-Stande und angehenden Alter ihre Muͤtterliche treu / gerne ver - gelten wollen / und die Seinen ehrlicher weiſe ernehren und verſorgen moͤchte. Vnd obs ihm wol ſauerSyrac. 7. verſ. 16. worden mit ſeiner Nahrung / (daß Er auch nu - mehr ſeinen Halß / und alſo Leib und Leben / daruͤber ein - gebuͤſſet:) So hat Er ſich doch das nicht laſſen ver - drieſſen / angeſehen Er wol gewuſt / daß es Gott al - ſo geſchaffen / als Syrach redet. Wie Er denn auch gelauffen /[u] nd Gluͤcklich vollendet hat den Lauff ſeines (2.) Chriſtenthumbs. Denn da war Er nicht etwan
Horas Epiſt. lib. 1. Epiſt. 4 vſ. 16. pag. m. 360.‒ ‒ ‒ v v ‒ Epicuri de grege porcus, Ein Epicuriſch Maſt-Schwein / oder auß der Zahl der Thoren / die da ſprechen in ihrem Hertzen / es iſtkein[87]und Ehren-Gedaͤchtnis. kein GOtt / als man denn viel ſolche Welt-Ratzen findet / Nein gar nicht / ſondern / weil Er wol verſtanden /Pſal. 14, 2 Pſal. 53, 1. Luc. 10. 42. Oſiãd in h. l. Luc. 11. 28. Pſal. 1, 2. Pſal. 73, 28 das eines noth ſey / nehmlich GOtt und ſein Wort liebhaben / meditiren, hoͤren und bewahren / auch von dem ſelben reden Tag und Nacht: So war das ſeine Freude / daß Er ſich zu GOtt hielte / und ſeine zuverſicht ſetzte auff den Herrn Herrn. Es war das ſein hoͤchſter wunſch verlangen und begehren / wenn Er ſolte die ſchoͤnenPſalm. 27, 4 Pſal. 84 2. 112. 1. 63, 6. 9, 2. Gottes dienſte des HErrn ſchauen / und ſeinen Tempel beſuchen Wie denn ſeine Seele verlan - gete und ſich ſehnte nach den Vorhoͤfen des HErren / ſich auch freuete / daß Er in das Hauß des HErrn gehen ſolte. Ja das war ſeines Her -Pſal. 42, 5. vſ. 6. tzens freud und wonne / wenn Er ſeinen lieben GOtt mit froͤlichem Munde loben / und ihm von gantzem Hertzen dancken / auch ſein Hertz herauß ſchütten / und zu GOtt ſeines lebens beten ſolte. Vnd damit nicht etwan einer oder der ander gedencken moͤge / ſambt rede ich ſolches auß Heu - cheley: So wil ich mich hiemit beruffen haben auff desPluris eſt o - culatus teſtis unus quàm auriti decem Quiaudiunt, audita dicũt, qui vident, planè ſciunt. Seeligen Herrn Melchior Koͤrners eigne Hand und Schrifft. Denn da hat Er ihm zwey beſondere Buͤ - cher gemacht / in deren eines Er ſieben hundert und ſechs und ſechtzig Sprüche auß heiliger Goͤttlicher Schrifft / in das ander ober / zweyhundert und funffzehen ſchoͤneandaͤch -[88]AbdanckungPlaut in Tru - culent. Act. 2. Sceu, 6. vſ. 8. 9. pag. m. 929.andaͤchtige Gedet und Hertzens: Seufftzer / mit ſeiner ſelbſt eignen Hand geſchrieben / und alſo auch / ohne allen zweiffel / in ſein Hertze eingetragen. Vnd wie Er nu wol gelauffen / auch den Lauff wol und gluͤcklich vollendet hat auff dem ſchmalen Wege der Gottſeeligkeit / alſo hat ers auch verrichtet auff der groſſen weiten und breiten (3.) Pſal. 71. 20. 42, 8Creutz-Bahne. Denn da hat Er auch wie alle an - dere Menſchen erfahren muͤſſen viel und groſſe Angſt / wenn nehmlich die Creutz-Fluten da - her gerauſchet / das hie eine Tiefe und da eine Tiefe gebrauſet und Er dannenhero ſeufftzen / klagen25, 17. Pſal. 69. 2. verſ. 3. und ſagen muͤſſen: die Angſt meines Hertzens iſt groß / fuͤhre mich / O GOtt! auß allen mei - nen Noͤhten oder: GOtt hilff mir / denn das Waſſer (der Truͤbſal) gehet mir biß an die Seele / ich verſincke im tieffen Schlam / da kein Grund iſt / ich bin in tieffen Waſſern / und dieverſ. 4. Flut wil mich erſaͤuffen. Jch habe mich muͤ - de geſchrien / mein Halß iſt heiſcher / das Ge - ſicht vergehet mir / daß ich ſo lange muß har -Luc. 21, 19. Hnbr. 10, 36. ren auff meinen Gott. Wobey Er aber allezeit ſeine Seele mit Gedult gefaſſet / weil er wol gewuſt / das Gedult von noͤhten ſey / damit Er den willen Gottes thun / und die Verheiſſung em -Jacob. 1, 12. pfahen moͤge / nehmlich die Krone des Lebens / welche Gott verheiſſen hat / denen die ihn lieben. Vnd[89]und Ehren-Gedaͤchtnis. Vnd das hat Er ſo lange gethan / biß Er auch endlich wol gelauffen / und ſeinen Lauff Chriſtlich und Seelig vollendet auff der (4.) Sterbe-und Todten-Bahr Denn nach dem Er von der Leipzigiſchen Reiſe kranck und ſchwach zu uns anhero nacherm Lauban kommen / hat er zwar den Artzt nach Syrachs ermahnung / zuSyr. 38, 11. verſ. 2. verſ. 4. ſich gelaſſen / und die Artzney / ſo von dem Hoͤch - ſten kömmet / nicht verachtet: Allein weil ihm ſein ſtuͤndlein von GOtt beſtimmet / und er an einem recht Evangeliſchen Lutheriſchen Orte ſterben / oder / daß ich mit S. Paulo rede / ſeinen Lauff vollendeo ſollen; SoLuc. 21, 19. hat Er ſein liebes Seelichen nochmahln nicht nur allein mit Gedult gefaſſet / ſondern es auch mit dem hoch - teuerm Leibe und Blute JEſu CHriſti ſpeiſen und trencken laſſen / und es alſo nach dem Exempel KoͤnigPſalm 31, 6. Actor. 7. 59. Luc. 23, 46. Davids / wie auch des erſten Maͤrtyrers und Blutzeu - ges S. Stephani / ja des Herrn Jeſu / als ſeines eini - gen Heylandes und Seeligmachers ſelbſten / ſeinem lie - ben GOtt und Vater zu treuen Haͤnden anbefohlen / und ihm ſanfft und ſtille / Chriſtlich und Seelig ſeinen Geiſt auffgegeben / das es numehro mit ihm heiſſet: Jch habe den Lauff vollendet. Haben alſo fer - ner an unſerm Seeligen Herrn Koͤrner zuſehen / und zulernen.
3. Quod fidem ſervaverit fidelisſimè, daß er auchc. Fidem ſerva - vit. Et quidë 1. Politice. Glauben gehalten habe. Vnd das einmahl a.) Po - liticè, Weltlicher weiſe / in allem ſeinen thun und vorhaben / ſonderlich aber in ſeinem Handel und Wan -Mdel.[90]Abdanckungdel. Er war ein Kauff-oder Handels-Mann / aber nichtHoſ. 12, 7. auß deren anzahl / von welchen der Prophet ſaget:Syrac. 26, 37 cap. 27, 2. der Kauffmann hat eine falſche wage in ſei - ner Hand / und betreugt gerne. Vnd Syrach: Ein Kauffmann kan ſich ſchwerlich huͤten fuͤr unrecht / und ein Krämer fuͤr Sünden / ſon - dern wie ein Nagel zwiſchen zweyen Steinen ſteckt: Alſo ſteckt auch Suͤnde zwiſchen kaͤuf - fer und verkaͤuffer. Welche aber ſchlechten NutzSyrac. 27, 4. Chryſoſt. Homil. ſuper Matth. (id eſt. Autor Operis Im - perfect. Ho - mil. 38. ad cap. 21. Matth.) alle - gante Jure Canonic. Diſtinct. 88. c. XI. co - lumn. m. 290. davon haben / ſintemahl das Hauß eines ſolchen Kauf - und Handelsmannes / bald wird zerſtoͤret werden / nicht anders / als wie im Sieben des Weitzens oder ande - rer Dinge die Koͤrner alle mit einander allmaͤhlich auff die Erde fallen / im Siebe aber nichts mehr als der Vn - flat ũberbleibet: Alſo faͤllt auch der Handels-Leute all ihr Haab und Gutt / in dem ſie kaͤuffen und verkaͤuffen / unter dem kauffen und verkauffen dahin / daß ſie hernach nichts mehr uͤbrig haben / als die Suͤnde / wie Chryſoſto - mus ſolch Gleichnis brauchet und einfuͤhret. Nein / ein ſolcher Kauff-und Handels-Mann iſt der Seelige Herr Koͤrner nicht geweſẽ / ſondeꝛn / (wie ihm die / ſo mit ihm umb gegangen / und beſſer / als ich / gekennet / nach ruͤhmen) einSyrac. 27, 4. ſolcher / der ſich mit Fleiß in der furcht des HErꝛn gehalten und dannenhero nicht leicht zuweit ge -Syrac. 27, 4. 1 Theſſ. 4, 6. Pſalm 25, 21. griffen / noch ſeinen Bruder im Handel vervor - theilet / ſondern mit Koͤnig David das τὸ Schlechtund[91]und Ehren-Gedaͤchtnis. und recht behuͤte mich / allzeit practiſiret. Fuͤr al - len Dingen aber hat er ſich auch dahin beflieſſen / daß Er moͤchte Glauben halten b) Theologicè Geiſtli -2. Theologi - cè. Nemo certè vult pejerare cùm divini ſuppli〈…〉〈…〉 ii tũ decoris me - tu apud ho - mines. Ati - ſtot. Rhet. ad Alex. cap. 18. Tom 2. pag. m. 757. B. cher weiſe. Es hatte unſer Seel. Herr Koͤrner / wie droben allbereit gehoͤret / ſeinem Heylande Jeſu Chriſto in der H. Tauffe geſchworen / trew zuſeyn und zu verblei - ben. Dem hat Er nu jederzeit trewlich und nach allem vermoͤgen fleißig nach gelebet. Denn ob Er wol auſſer allem zweiffel / ſambt ſeinen andern lieben Landes-Leu ten und Mitt-Buͤrgern / zu vielen mahlen wird ſeyn ver - anlaſſet worden / ſeines Glaubens und Treue / ſo er ſei - nem Jeſu zugeſaget / zu vergeſſen / und wie andere Apo - ſtatæ und Mam̃elucken gethan / ein Sprung zuthun / und alſo einen andern Glauben und Religion an zunehmen / ſeine aber dargegen zu verleugnen: So hat Er doch je und alle wege bey ſich erwogen / was der Geiſt GOttes ſaget: Sey getreu biß an den Tod / ſo wil ichApoc.[2], 10. Matth. 10, 22. cap. 24, 13 dir die Krone des Lebens geben / Jtem: Wer beharret biß ans Ende / der wird Seelig / und iſt dannenhero bey der einmahl erkandten und be - kandten warheit geſtanden
Quàm ſi dura ſilex aut ſtet Marpeſia cautesVirgil. Æ - neid. lib. 6. verſ. 471. pag. m. 259. Als ein feſter und unbeweglicher Felß. Derowegen Er auch abermahl gleichſam fuͤr unſerer aller / und ſon - derlich ſeiner Herren Lands-Leute / Augen nicht allein ſte - het / uns und ſie zur Beſtaͤndigkeit ermahnet / und mit S. Paulo ruͤhmlichen ſaget / Ich habe Glauben gehal - ten: Sondern lehret auch uns alle mit einander zum Beſchluß /
M ij4. Quod[92]Abdanckungd. Βραβεῖον reportavit. 4. Quod Βραβεῖον adeptus fuerit glorioſisſime, daß Er hierauff und numehr erlanget und uͤberkommen ein herrliches / ſchoͤnes / und koͤſtliches Kleinod von dem Himmliſchen Brabeuta oder Danck-außtheiler / dem HErrn Jeſu.
1. In vita præ - ſonte. Vnd zwar einmahl 1. In vita præſenti hie auff dieſer Welt. Denn dencket lieben Freunde / welch ein herrlich Kleinod und edler Schatz iſt das / daß unſer Seel. Herr Koͤrner / ſo ein ſeeliges Stuͤndlein von ſeinem lie -Ghytræ. O - nomaſt. Theolog. pag. m. 296. Zeill. Hiſto - riſcher an - zeiger pag. m. 200. Oſiand. Epit. Hiſtor. Ec - cleſiaſt. Cen tur. 4. lib. 1. eap. 9. pag. m. 12. Hiſtor. Mag - deburg. Cen - tur. 4. cap. 11. colum. m. 1410. ſqq, Matth 9, 2. Marc. 2, 5. Luc. 5, 20. ben GOtt erlangen koͤnnen. Er ſtarb gleich an dem Tage / da im Calender auffgezeichnet ſtehet der Nahme Evlalia, welches eine heilige Maͤrtyrin geweſen / eine ed - le Jungfraw / ſo umb der Ehre und lehre Chriſti willen in Spanien grauſamlich gepeiniget und hingerichtet wor - den. Dieſer Nahme und Tag iſt recht denckwuͤrdig. Denn Evlalia oder ἐυλαλία heiſt in ſeiner Sprache ſo viel als eine gute Rede oder Sprache. O Vnſer Seel. Herr Koͤrner war ein rechter ἔυλαλος und guter Redner / welcher recht die ἐυλαλία oder gute rede und ſprache ge - wuſt / in dem ihm der wol fromme GOtt dieſe beſondere Gnade verliehen / daß Er hier an einem Orthodoxiſchen und recht Evangeliſchen Orte / ſeine Beichte ablegen[/]und alſo ſeiner Suͤnden vergebung / ſuchen und begehren koͤnnen. Eine rechte ἐυλαλία oder gute rede war auch dieſes / daß Er auß Gottes Wort allerhand Troſt / und ſonderlichen die gnaͤdige Abſolution und freudenreiche worte / (ſey getroſt mein Sohn / deine Suͤnden ſind dir vergeben /) anhoͤren koͤnnen. Eine rechte ἐυλαλία oder gute rede iſt geweſen / daß unſer SeeligerMit -[93]und Ehren-Gedächtnis. Mitt-Bruder ſelber in ſeiner Noth / mit ſeinen lieben Gott reden / ſeinen Jeſum durch wahren Glauben ergreiffen / ſein vertrauen auff ihn ſetzen / ihn umb gnaͤdige Entbin - dung / wie auch umb troſt / huͤlffe und beyſtand des heili - gen Geiſtes bitten und anruffen / und alſo ſeinem treuen lieben Gott ſein armes liebes Seelichen anbefehlen und uͤber antworten koͤnnen. So iſts auch eine rechte ἐυλα - λία oder gute Rede / daß ihm GOtt der heilige Geiſt Chriſtliche gedult / ja ſtarcken feſten Glauben und Hoff - nung in ſein Hertz geſprochen / ihn auß Gottes Wort getroͤſtet / ihm auch ſo viel Krafft und Staͤrcke verliehen / daß Er hat koͤnnen ritterlich ringen / durch Tod und Le - ben hindurch dringen / und alſo ewig ſeelig werden. Wie denn auch dieſes eine rechte ἐυλαλία oder gute rede / und alſo ein koͤſtliches Kleinod und Ehrenzeichen iſt / daß Er mit ſo groſſem Comitat und in Volckreicher proces - ſion nicht allein mit Klang und Geſang zu ſeinem Ruhe: kaͤmmerlein begleitet / ſondern auch / beydes von der Can -Τὰ τῆς ἀ - ρετῆς, δι[-]καίως ἐγ - κωμιάζε - ται, Quæ in virtute poſita ſunt, jure laudantur. Ariſtotel. Rhet. ad. A. Alex. cap. 36. Tom. 2. pag. m. 775. D. Agell. Noct. Att. libr. 5. cap. 9. pag. m. 179. tzel / und auch hier in offentlicher Verſamlung / mit einem herrlichen Elogio und Ehren-Lobe verſehen worden.
Aber was iſt diß alles zurechen gegen dem herrlichen Kleinod und Siegs-Zeichen / daß Er numehr / der See - len nach erlanget und uͤberkommen hat. 2. Invita ſub - ſequenti in dem andern und ewigen Leben? O fuͤr - war! wenig und faſt nichts! Denn numehro ſagt der Seelige Herr Koͤrner mit S. Paulo mir iſt beyge - leget die Crone der Gerechtigkeit / O der ſchoͤnen Krone! O der vortrefflichen Krone! O der uͤberauß koͤſtlichen Krone! Die alten Roͤmer wie auch die GriechenM iijhalten[94]Abdanckunghatten viel und mancherley Kronen oder Ehren-Kraͤntze / welche ſie denen ſo ſich umb gemeine Stad wol meriti - ret und bedienet hatten / verehrten / oder ſonſten bey ihren Ritter-Spielen ein ander auffſatzten. Alſo Koͤnig Da -2. Sam, 12, 30. 1. paral. 21, 2. vids Krone hatte am gewichte einen Centner Golds und viel Edelgeſteine. Kaͤyſers Mauritii Kron welche er zu Conſtantinopel in S. Sophiæ Kirche ver -Bergomenſ. Supplement Chron. lib. 7. fol. m. 125. Camerav. Hor. ſubciſiv Centur. 1. cap. 64. pag. m. 307. Platin in Vi - ta Clement. V. pag. m. 222 Anshelm. Boẽt. libr. 2. Hiſtor. de Gemmis. pag 8. ehret / iſt auch uͤber die maſſe koͤſtlich und vortrefflich ge - weſen. Alſo die drey und dreyßig Kronen des groſſen Pompeji, wie auch die zwoͤlffe der Stad Venedig / wer - den auch nicht ſchlecht und geringe / ſondern ſchoͤne / herr - lich und vortrefflich geweſen ſeyn. Was ſoll ich ſagen von der koͤſtlichen Krone des Papſts Clementis V. Fuͤr - war ſie iſt ſo koſtbar und vortrefflich geweſen / das auch Platina, ein Paͤpſtiſcher Scribent, ſchreiben darff / ein eintziger Stein darinnen / welchen Er / als er in ſeiner Pomp und Pracht daheruͤmb gegangen / darauß verloh - ren / ſey auff die ſechs tauſend Ducaten geſchaͤtzet worden. Vnd was noch mehr iſt / ſo iſt Kaͤyſers Rudolphi II. Krone ſo vortrefflich geweſen / daß ſie auch uͤber etliche hundert tauſend Floren geſtanden. Das / daß moͤ - gen mir noch wol Cronen geweſen ſeyn! Aber alles nichts / alles nichts / gegen der Krone / die S. Paulus; gegen der Krone die unſer Seeliger Herr Koͤrner; gegen der Krone / die alle glaͤubige und beſtaͤndige Kaͤmpffer / Laͤuffer / und Glauben haltende Chriſt-Hertzen von dem gerechten Rich - ter Jeſu Chriſto allbereit erlanget / und ins kuͤnfftige zu - hoffen haben
Sap. 5, 17.Denn dieſe Krone iſt Διάδημα τοῦ κάλλους, eineſchoͤne[95]und Ehren-Gedaͤchtnis. ſchoͤne Krone / oder / ſeiner Sprache nach / eine Kro -1. Petr. 5, 4. 1. Cor. 9, 15. 2. Tim 4, 8. 1. Petr. 5, 4. Apoc. 2, 10. Jacop. 1, 12. ne der Schoͤnheit ſelber. Sie iſt ςέφανος ἀμαράντινος, eine unverwelckliche Krone. Sie iſt ςέφανος ἄφϑαρτος eine unvergaͤngliche Krone. Vnd zwar eine Krone der Gerechtigkeit / eine Krone der Ehren / ja gar eine Krone des Lebens / nehmlich des ewigen Lebens. O Freude! O Wonne! O Glori! O Herrligkeit! in Ewigkeit.
Jn betrachtung deſſen nu rede ich Euch alle mit einander mit dem allerweiſeſten Koͤnige Salomo an / und ſage: Gehet herauß und ſchauet an den Seeli - gen Herrn Koͤrner in der Krone / damit ihn ſeinCantic. 3, 11 Jeſus gekroͤnet hat am Tage der Freuden ſei - nes Hertzens. Gehet herauß hertzliebſte und hoch - betruͤbteſte Frau Muter / und
Maſſen denn der Seelige Herr Koͤrner ſelber Euch alleſam̃t hierzu ermahnet / wenn Er euch anredet und ſaget:
Das aber / meine allerſeit Groß-und Vielguͤnſtige / Hoch-und Vielgeehrte Herrn! wie auch die Viel Er - baren und Tugendreichen Frauen und Jungfrauen den abgeſeeleten Coͤrper unſers Seeligen Herrn MelchiorKoͤrners[97]und Ehren-Gedaͤchtnis. Koͤrners auff freundliches erſuchen und bitten haben wollen zu ſeinem Ruhe-Staͤdtlein begleiten / und der Chriſtlichen Funeration mit ihrer anſehnlichen undFunebris hæc Lex, ut Præcedente Pomp[& e2;]fune bri, vivi ſe - quantur, tan - quam haud multò pòſt morituri A - lex. ab Alex. Gen. Dier. lib. 3. cap. fol, m. 130. a. freundlichen præſentz und gelegenheit bey wohnen; deſ - ſen bedancken ſich die Hochbetruͤbten Frau Mutter / Frau Wittibe / hinterlaſſene Waͤyſelein und gantze Leid - tragende Freundſchafft durch meine wenigkeit zum dienſt freundlichſten / Erkennen hierauß deroſelbten allerſeits hohe Ehre / Liebe / Gunſt und Freundſchafft / mit dem erbitten / ſolches wo moͤglichen / beſter maſſen und hoͤch - ſtes fleiſſes / hinwiederumb zu bedienen. Jedoch von Her - tzen wuͤndſchend / das der treue GOTT ſie allerſeits fuͤr dergleichen Hauß-und Hertz-Creutz gnaͤdiglich be - huͤten / hergegen aber lange zeit in angenehmer proſpe - rität und wolergehen Vaͤterlich erhalten wolle.
Vnterdeſſen laſſe der wol fromme GOTT / in deſſen Haͤnden unſere zeit ſtehet / der auchPſal. 31, 16. Pſal. 90, 3. die Menſchen leſſet ſterben / und ſpricht kommt wieder ihr Menſchen kinder / den Seeligen Herrn Koͤrner in ſeinem Schlaffkaͤmmerlein biß an den froͤlichen Juͤngſten Tag / und biß zur allgemeinen Aufferſtehung der Todten / als wie ein Kind in ſeiner Mutter Schoß / ſanffte und wol ruhen und ſchlaffen. Ja er troͤſte auch kraͤfftiglich / als der GOtt alles2. Cor. 1. 3. Troſtes die Hochbetruͤbeen Frauen / Mutter und Wit - tibe / ſam̃t deren armen Vaterloſen Waͤyſelein / und gantzen anſehnlichen leidtragenden Freundſchafft / undNverleihe[98]Abdanckung und Ehren-Gedaͤchtnis. verleihe ihnen und uns allen ſeine Gnade / daß wir auch alle ſam̃t mit dem Seeligen Herrn Koͤrner einen guten Kampff kaͤmpffen / unſern Lauff wol und gluͤcklich vol lenden / ja Glauben halten und ewig ſeelig werden moͤ - gen / und das umb ſeines Hertzallerliebſten Sohnes Je - ſu Chriſti / unſers einigen Erloͤſers und Seelig - machers willen / Amen / Amen / Amen.
Jn hoͤchſter eyle auffgeſetzet von ſeinem leidtragenden Vetter Melchiore Berterman, Art. Lib. Candid. Med. Pract.
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