Jch habe einen gutten Kampff gekaͤmpffet / ꝛc.
Denen Erbahren / Ehren - Tugendtſamen / auch Erbahren vnnd Vorſichtigen Frawen Chriſtina / gedachten Ern Pfarꝛers ſeligen hinterlaſſenen betruͤbten Wittiben: So wol Samueln / Frawen Annœ / Catharinœ / vnnd Jungfraw Chriſtinœ / als ſeine hinterlaſſenen betruͤbten Sohn / vnd Toͤchtern. ERbahre / Ehꝛentugendſame / auch Erbahrer vnd Vorſichtiger / ꝛc. Es iſt ein Loͤblicher gebꝛauch / das man der vnſerigen / die im HErꝛn entſchlaffen ſein / jhꝛe Chꝛiſtliche LeichPredigten / nicht allein offent - lich halten: ſondern auch in offenen Druck verfertigen laſſe / damit nicht alleine / die Hinterlaſſenen betruͤbten Erben jhꝛes Gottſeligen Ehemannes / Vatern oder Freundes: Sondern auch andere neben Chꝛiſten in dergleichen betruͤbten Faͤllen / Chꝛiſtlichen Lebens / Wan - dels / vnnd ſeligen Abſchiedes / auß dieſer Welt / ein Gedaͤchtnuͤß / Troſt vnnd Exempel haben moͤchten. Vmb welches willen / Jch dann Ewerm Chꝛiſtlichen begehꝛen auch habe ſtatt thun / vnd folgende Pꝛedigt Publiciren vnd in Druck außgehen laſſen wollen: Helffe der Trewe Gott / das jhr vnnd alle frome Chꝛiſten die ſie leſen werden / Lehr / Troſt vnd Warnung darauß ſchoͤpffen moͤchten.
Georgius Wellichius, beyder Gemeinden zu Korſchlitz vnd Stronnen Subſtitut oder Diaconus.
Die Gnade vnnd Barmhertzigkeit Gottes des Ewigen Vaters / der vber Todt vnd Leben ein HERR iſt / die Vnaußſpꝛechliche Liebe ſeines Sohnes JEſu Chꝛiſti / welcher iſt die Aufferſtehung vnd das Leben / Jn mitwuͤrckender krafft Gottes des H. Geiſtes / welcher iſt ein Troͤſter in aller Noth / ſey vnd bleibe mit vns allen / in dieſem Elenden / Muͤheſeligem / vnd vergaͤnglichem Traurleben / biß in die lang gewuͤnſchete Ewige Frewd vnd Seligkeit / AMEN.
JHꝛ geliebten in vnſerm HochgeliebtenPræfatio à dicto Pſal. 91. verſ. 16. HERRN vnnd Heylande JEſu Chriſto. Als der Geiſtreiche Hocherlauchte Koͤnig - liche Pꝛophet David in ſeinem 91. Pſalm / die groſſe Wolthaten vnſers Gottes / die Er den jenigen / welche vnter ſeinem Schutz vnd Schirm ſein vnd verbleiben / zuerzeigen pfleget / nach der lenge gerhuͤ - met: So ſchleuſt Er endlich an ſtatt GOttes mit dieſen Worten gedachten Pſalm: Jch wil jhn Saͤttigen mit langem Leben / vnd wil jhme zeigen mein Heyl. DamitDuplicia beneficia exhibet DEus fi - delibus. der Prophet Zweyerley wolthaten Gottes anzeiget / die er ſeinen Glaͤubigen in dieſer Welt erzeiget / als: Das Er ſie Erſtlich ſaͤttige mit langem Leben: vnd dann auch jhnen ſein Gnaden Heyl zeige. Ob nun zwar der Trewe liebe Gott / nicht allen menſchẽ zugleich ſolche beyderley er zeiget: ſo befinden wir doch / wenn wir die H. Schrifft durch ſehẽ /Longævā vitam & corporalem æternamꝙ́ Salutem ut Drey vornehme H. Maͤnner / in den drey vnterſchiedenen Haͤuptſtaͤnden / an welchen GOtt beydes nacheinander erfuͤllet / als das Er ſie mit langem Leben geſaͤttiget: vnd auch jhnen ſein Heyl gezeiget hat / wie denn faſt von allen dreyen gemeldet wird / das ſie in einem ruhigem Alter / vnd Lebens ſatt / von dieſer Welt abgeſchieden ſein.
A ijAlsVorꝛede.In ſtatu Eccleſiaſt. Abrahamo Geneſ. 25. v. 7. 8:Als erſtlich wird ſolches võ dem Vater der glaͤubigen dem lieben Ertzvater Abraham im Geiſtlichen ſtande geſaget / wie Gen. 25. zu leſen / da der Text ſaget: Als Abraham 175. Jahr alt war / nahm er abe vnd ſtarb inn einem ruhigem Alter / vnd Lebens ſatt. Hernach von dem lieben KoͤnigeIn ſtatu politico de Davide. 1. Chrõ. 30. v. 18. vnd Propheten David im Weltlichen Regierſtande ſtehet auch 1. Chron. 30. geſchrieben: David ſtarb in einem gutten Alter / voll Lebens / Reichthumb vnd Ehre. Vnd endlich wirds im Haͤußlichen ſtande / von dem Alten Tobia ge - ruͤhmet / Job. 14. das er ſein Leben froͤlich zugebꝛacht / inn Gottes furcht zu genommen / vnd inn guttem Friede ge -In ſtatu œconomico Tobiæ lib. c. 14. v. 16. Accōmoda tio ad de - functum. ſtorben ſey: Vnter dieſe Zahl glaͤubiger Maͤnner / kan auch nicht vnbillich numeriret vnd gezehlet werden / vnſer numehꝛ inn Gottruhender Herr Pfarꝛer / Der weylandt Ehrwurdige / Achtbahre / vnd Wolgelarte Erꝛ Chriſtoff Fruͤmter / beyder Gemeinden zu Korſchlitz vñ Stronnen / Trewfleiſſiger geweſener Pfarꝛer / vnd des Ehrwuͤrdigen Presbyterii im Olßniſchen Fuͤrſtenthumb wolverdienter Senior in die 27 Jahre. Welchem auch der Trewe liebe GOtt / als Er in einem geruhigem Alter / Lebens ſatt ge - weſen / Sein HEyl / vornemlich im letzten Sterbſtuͤndlein gezeiget / vñ am neheſt verſchienenen Dienſtag vergangen / als den 20 Tag Martii, auß dieſem Elenden Thꝛaͤnenthal zu ſich in Himliſchen Frewden ſaal abgefordert: Welches verſtoꝛbenem Gottſeligem Coͤrper / wir jetzo das letzte ge - leyte zu ſeinem Ruhebettlein gegeben haben / vnd nu weiter beyſamen erwarten: Das etwas auß Gottes Wort / vor - nemlich Gott zu ehren / den Trawrigen vñ Leydtragenden zu ſonderem Troſte / vnd dañ vns allen zur Erbawung vor - gebꝛacht werde. Dieweil aber laut der Auſſage des Heyden1. Cor. 3. v. 7. Doctoris S. Pauli 1. Cor. 3. weder der da Pflantzet / noch derdaVorꝛede. da begeuſt etwas iſt: ſondern GOtt der das gedeyen gibt: So wollen wir vns derohalben vor ſeiner Goͤttlichen Majeſtat demuͤtigen / die Knie vnſers Hertzen beugen / vnd zum ſeligen Eingange / jhn vmb die Hohe Gaben ſeines H. Geiſtes von oben herab anruffen / durch ein Glaͤubig Demuͤtig vnd Andaͤchtig Vater vnſer.
TEXTUS 2. Tim. 4. v. 7. & 8. Welchen wir auff dißmal vermittels Goͤttlicher verleyhung zu erklaͤren vorgenommen / wird beſchrieben 2. Timoth. 4. Vnd lauten die Wort deſſelben alſo:
S. Paulus ſprach: Jch werdeſchon geopffert / vñ die zeit meines Abſcheidens iſt verhanden: Jch habe einen gutten Kampff gekaͤmpffet / Jch habe den Lauff vollendet / Jch habe Glauben gehalten. Hinforth iſt mir bey - gelegt die Cron der Gerechtigkeit / welche mir der HErꝛ an jenem Tage / der Gerechte Richter gebẽ wird / nicht mir aber alleine: ſondern auch allen die ſeine Erſcheinung lieb haben.
ES bezeugets nicht alleine (Geliebte vndEXORD. â calami - tate ge - neris bu - mani. Andaͤchtige im HErꝛn Chriſto) die H. von GOtt eingegebene Schrifft: Sondern es gibts auch der Taͤgliche Augenſchein vnd Erfahrung: Das es ein elendA iijJaͤmmerlichChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. Syrac. 40. v. 1. Jaͤmmerlich ding ſey / vmb aller Menſchen leben / von Mutter Leibe an / biß das ſie wider zur Erden werden / die vnſer aller Mutter iſt. Dañ was die H. Schrifft belanget / ſo iſt dieſelbe hin vnd wider voll vieler elender Klagen vnd Erbaͤrmlicher Traurgleichnuͤſſe / von der Gebraͤchligkeit Menſchliches lebens. Wie vornemlich auß dem Buͤchlein Job / den Pſalmen Davids / vnnd der andern Propheten koͤndte dargethan werden. Vnd wenn wir auch im gemei - nen leben ſolten mit andern lebendigen Thieren / was das elende anlanget / eine vergleichung anſtellen / ſo wuͤrde ſichs befinden / das dem Leibe nach / kein elender vñ erbaͤrmlichers Thierlein vnd Wuͤrmlein auff dem gantzen Erdboden zu - finden were / als der arme Menſch iſt. Wenn aber nun dieſes offters ein fromes Chriſten hertz hoͤret / ſiehet vnd er - faͤhret / das er ſo Elend / muͤheſelig vnd betruͤbt ſein Leben in dieſem Thꝛaͤnenthal zubringen muß / ſo hebet er als baldCauſæ ca - lamitatis humanæ. nicht vnbillich an zufragen: Was dann gleichwol die Vrſache ſey: das der Barmhertzige Gott den Menſchen / welchen er Anfaͤnglich nach ſeinem Ebenbilde erſchaffen / mit ſchoͤnen Gaben / Leibes vnd der Seelen gezieret / vnd da er auch ſchon ſolche Gaben durch den Suͤndenfall ver - ſchertzet / inn jhme dennoch widerumb ſeines Sohnes ver - dienſt durch wahren Glauben zugeeignet / vernewret / vnd gleich wol / ſo vielem vnd mancherley Creutz vnd Truͤbſall leſt vnterworffen ſein. Ob nun zwar der allein weiſe Gott / vns Rechenſchafft darumb zugeben nicht ſchuldig iſt: So hat Er dennoch auß Vaͤterlicher Guͤtte vnnd Trewe inn Heil. Schriffc vrſachen auffzeichnen laſſen / warumb Er ſolches thue vnd vornehme / nemlich das Er die Menſchen1. Probatio fidei ut in mit ſo viel creutz vñ truͤbſall in dieſem Leben anheim ſucht. Dieſe Vrſachen ſind entweder / das Er wil die fromen imGlaubenChꝛiſtliche Leichpꝛedigt. Glauben Pruͤfen / wie den lieben Ertzvater Abraham / oderAbrahamo Geneſ. 22. v. 6. 7. dieſelben vmb der Suͤnde willen zuͤchtigen / wie den lieben David / oder aber / das Er die Suͤndliche luͤſten vnnd be - girden wil an jhnen daͤmpffen / wie inn dem lieben Apoſtel2. Caſtigatio ob admißa ſcelera ut in Davide 2. Sam. 13. Paulo. 2. Corinth. 12. Zu dieſen jetzt erzehlten Vrſachen aber / koͤmpt noch eine / welches nicht die geringſte: ſondern faſt die vornembſte iſt: Das nemlich / weil die fromen vnd Glaͤubigen Chriſten / Gliedmaſſe ſindt / inn dem Haͤupt vnſers HErꝛn vnd Heylandes JEſu Chriſti / wie S. Pau -3. Mortiſica - tio carnis ut in Paulo 2. Cor. 12. lus hin vnd wider in ſeinen Epiſteln beweiſet / ſo muͤſſen ſie auch jhrem Haͤupt dem HErꝛen Chriſto aͤhnlich gemachet werden / wie abermal S. Paulus Philip. 2. vnd Coloß. 1. anzeiget / Ja Chriſtus ſelber Matth. 16. Marc. 8. Matth. 10. Wie aber nun der HErꝛe Chriſtus Zweyerley Status oder4. Præcipua Analogia Corporis Christi, Philip. 2. Coloſſ. 1. Phil. 2. v. 20 Col. 1. v. 19. Matth. 10. v. 26. Dupl. ſtat. Chriſti & credentiũ, Pſalm. 22. Staͤnde / als ein wahꝛer Gott in ſeiner zarten Menſchheit gefuͤhꝛet / als den Standt der Erniedrigung / vnd Stande der Erhoͤhung. Alſo muͤſſen auch alle Glaͤubige Chriſten / die jhme ſollen aͤhnlich gemacht werden / ſolche beyderley Staͤnde fuͤhren / als den Standt der Erniedrigung inn dieſem Leben / die ſie mit Chriſto leiden / auff das ſie her - nach auch mit jhm zur Herꝛligkeit erhaben werden / im Stande der Erhoͤhung. Dieſes bezeuget S. Paul. 2. Tim. 2. da er ſaget: Dulden wir mit Chriſto / ſo werden wir auch mit jhme Herꝛſchen. Vnd Jnſonderheit redet die Schꝛifft von beyden Staͤnden vnterſchiedlich / als vom Stande der Erniedrigung / Zach. 2. v. 9. Wer Euch antaſtet / der taſtet meinẽ Augapffel an / vñ Act. 9. Saul / Saul / was verfolgſtu1. Status hu - miliation. mich. Vom Stande der Erhoͤhung aber zeuget S. Pau - lus Phil. 3. das vnſer Leib ſol Chriſti Leib aͤhnlich gemacht werden / nach der wuͤrckung / ꝛc. Nun dieſe beyderley Status2. Status Ex - altationis. oder Staͤnde / die ein Glaͤubiger Chriſt / mit Chriſto ſeinem HErꝛen haben muß / faſſet der offt erwehnte H. ApoſtelPaulusChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. Paulus zuſamen / inn den jetzt verleſenen Worten ſeinerNarratio 2. Epiſtel / an ſeinen Schuͤller Timotheũ geſchriebẽ / im 4. c. Da er denn Gleichnuͤß weiſe lehret / was ſein / vnd eines jedern glaͤubigen Chriſten Zuſtandt ſey / im Stande ſeiner Erniedrigung: Das er nemlich muͤſſe Kaͤmpffen / Lauffen / vnd Glauben behalten. Hernach aber / wo er ſolches durch beyſtandt Goͤttlicher gnaden / gluͤcklich vnd ſelig vollendet. Er denn zum Stande ſeiner Erhoͤhung gelange / welches geſchehen wird in jenem Leben / da jhme Chriſtus der Ge - rechte Richter dem er aͤhnlich worden / die Crone der ehꝛen geben wirdt.
Παρα -〈…〉〈…〉 ευ〈…〉〈…〉.Weil deñ nun vnſer wolgedachter Er Pfarꝛer ſeliger / dieſen Spruch vnter andern bey ſeinem Leben ſehr geliebet / vnd denſelben auch von meiner geringen Perſon / bey ſeinem Chriſtlichen Leichbegaͤngnuͤß einfaͤltig zu er - klaͤren begehret. Als wollen wir vermittels Goͤttlicher gnaden denſelbẽ ohne weitern vmbſchweiff vor vns nemen. Vnd damit wir jhn nicht auff eine andere frem̃de meinung vnd verſtandt torquiren, vnd zwingen / ſo wollen wir bey den Worten vnnd Verſtandt des H. Apoſtels verbleiben / vnd folgende Zwey Stuͤcklein ab zuhandeln vor vns nehmen / als das wir nemlich ſagen wollen.
Lehrpuncte.
I. Wie ſich ein jeder rechtſchaffener Chriſt / derPropoſitio bipartita de duplici Statu Chri ſtianorum. mit Chriſto ſeinem Erloͤſer begehꝛt erhoͤhet zu werden / mit S. Paulo im Stande ſeiner Erniedrigung / recht vnd wol verhalten ſolle / ꝛc. Da denn nach Anleitung der Worte / dreyerley werden inn acht zunehmen ſein / als Kaͤmpffen / Lauffen / vnd Glauben behalten.
II. WasChriſtliche LeichPꝛedigt.II. Was ein ſolcher Glaͤubiger Chriſt / der mit S. Paulo in acht genommen vnnd geuͤbt hat im Stande ſeiner Erhoͤhung / võ dem gerechten Richter JEſu Chriſto am Juͤngſten tage auß gnaden zugewarten hat. Der ge - trewe Richter der Todten vnd Lebendigen / wolle durch ſei - nen H. Geiſt geben vnnd verleihen / das durch diß vnſer Chriſtliches vorhaben ſeines H. Nahmens ehre gefoͤrdert / ſein Reich gemehret / vnnd des Sathans Reich zerſtoͤret werde. I. PARS. De ſtatu Exinani - tionis.
DJeſen jetzo voꝛgenommenen Text (lieben Chriſten) hat der liebe H. Apoſtel Paulus kurtzA φορμὴ ſive occaſio vor ſeinem Ende / an ſeinen lieben Schuͤller den Timotheum auß ſeinem Gefaͤngnuͤß geſchriben. Als er von dem grimmigen Tyꝛannen vnnd Bluthunde / dem Keyſer Nerone, vmb der Bekaͤndtnuͤß Chriſti willen hart gefangẽ gelegen. Da jhme dann Gott der Allmechtige hatte offen - bahret / das nunmehr ſein Ende vorhanden ſey / vnd er inn kurtzen wuͤrde auffgeopffert werden. Welches S. Paulus nicht alleine bey ſich behalten / ſondern ſeinem Juͤnger dem Timotheo hat zuwiſſen thun wollen: Wie das numehr die Zeit ſeiner Auffopfferung verhanden / vnnd Er ſeinen Ab - ſchiedt auß dieſer Welt nehmen ſolte / welches denn ſo ge - wiß wehre / als weñ es ſchon allbereit geſchehe. Damit aber vber ſolcher traurigen Zeitung ſeines lieben Præceptoris vñ Lehrmeiſters / der liebe Juͤnger Timotheus, als ſein lieber Schuͤller / ſich nicht zu ſehr gremete vnd bekuͤmmerte / wilTria in Statu hoc obſervãda. Er jhn wider troͤſten vñ auffrichten / vnd jhme zeigen / das es nicht anders denen in dieſer Welt ergehet / die mit Chꝛiſto wollen dermal eines erhoͤhet werden / als das ſie / nemlichBzuvorChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. zuvor muͤſten Erniedriget werden / vnnd bey ſolcher jhrer Erniedrigung / Drey dinge in acht nehmen. Als:
I. Bonæ mi - litiæ cer - tatio. I. Erſtlich / Muͤſten ſie einen gutten Kampff kaͤmpffen / den er auch allbereit gekaͤmpffet hatte. Weil aber inn der H. Schrifft zweyerley Kaͤmpffe gedacht wirdt / ſo fraget ſichs / was S. Paulus hier fuͤr einen Kampff meine: Denn 1. So iſt ein LEiblicher Kampff / der mit LeiblichenMilitia duplex in ſacris eſt. Feinden geſchiehet / wie ſolche Kaͤmpffe gehalten haben: Der Kriegsfuͤrſt Joſua vnnd die Richter / ſambt den Koͤ -I. Corporalis. 〃 〃 nigen im alten Teſtament: Vnnd noch heutiges Tages von der Weltlichen Obrigkeit mit Recht koͤnnen gefuͤhret werden. Das aber ſolcher Kampff vnd Streit / der mit der Fauſt geſchiehet / wenn ſich jhrer Zwey mit einander raͤuffen vnd ſchlagen / von Paulo nicht verſtanden werde / iſt leicht abzunehmen / weil jhme vnd den andern Apoſteln / wie denn auch noch heute zu Tage allen Lehrern vnd Pre - digern / als Trewen Nachfolgern der Apoſtel niemals ge - boten: Sondern viel mehr verboten wie an Petro zuſehen / da er ſeine Fiſcherpletze bey der Paſſion Chriſti gebꝛauchte /Matth. 26. v. 51. 52. hat jhme Chriſtus ſolches als baldt verweiſet / Matth. 26. Stecke das Schwerdt an ſeinen ort. Vnd wir haben auch kein Exempel / das ſolches entweder die Pꝛopheten / oder Apoſtel gebꝛaucht hetten. Es wehre denn das ſie zur Zeit der noht mit den wilden Thieren hetten ſtreitten muͤſſen /1. Cor. 15. v. 32. wie S. Paulus gethan / vnd ſolches 1. Corinth. 15. beklaget. Auß dieſem verſtehen wir nu / das S. Paulus einen andern2. Cor. 10. v. 4. Kampff meine / der da nehmlich nicht Leiblich: ſondern Geiſtlich iſt / vnd auch mit Geiſtlichen feinden zuthun hat /Arma mi - litiæ noſtræ nō ſt car - nalia. derer ſonſt als Haͤuptfeinde in gemein Dreyerley erzehlet werden / vnd inn folgenden Zweyen verſen begriffen werden koͤnnen:
MeChriſtliche LeichPꝛedigt.Fit cũ du - plicib. ho - ſtibus. So iſt nu der Erſte / vnter ſolchen Geiſtlichen feinden / da - mit die Menſchen zu Kaͤmpffen haben / der leydige Satan /I. Impii tres. I. Satanas Eph. 6. v. 12. welchen Kampff S. Paulus Epheſ. 6. anzeiget / da er ſagt: Wir haben nicht mit Fleiſch vnd Blut zu kaͤmpffen: ſon - dern mit Fuͤrſten vnd gewaltigen / nemlich mit den Herꝛen der Welt / die im Finſtern dieſer Welt herꝛſchen / mit den boͤſen Geiſtern vnter dem Himmel. Was dieſes nun fuͤrPotestas ejus. ein Maͤchtiger feind ſey / hat Er jhn mit etlichen nahmen anzeigen wollen / da Er jhn nennet einen Fuͤrſten / einen Gewaltigen / vnd einen Herꝛen der Welt. Noch genawer mahlet jhn Chꝛiſtus abe / Luc. 11. wie nechſt erklaͤret iſt: daLuc. 11. v. 21. Er jhn nennet einen Starcken Gewapneten feind / der ſein Reich inn der Welt habe / vnnd ſeinen Pallaſt bewahren koͤnne. Vnnd S. Petrus zeiget ſeine Macht vnd Gewalt Gleichnuͤß weiſe an / 1. Petr. 5. Da er jhn einem Lewen ver -1. Petr. 5. v. 8. gleichet. Wer weiß nu nicht / was ein Lewe vor ein ſtarckes vñ maͤchtiges Thier / das er in keinem Eyſen kan verwahꝛet bleyben: ſondern im Holtz (dafuͤr er ſich ſchemet) auff - gehalten wirdt: Alſo iſt der Teuffel auch ein ſtarcker Lewe / der das Eyſen / wie Stro / vnd das Ertzt / wie faul HoltzJob. 41. v. 18. achtet / wie Job 41. ſaget: Dieſe ſeine Macht vnterſtehet ſich nun dieſer boͤſe Feind auff zweyerley weiſe außzuuͤben:Diabolus obſidet du - pliciter. I. Corporalit. Einmal LEiblicher weiſe / da er die Menſchen (wenn jhme Gott die macht zuleſt) am Leibe mit Kranckheiten / wie den lieben Job 1. angreifft / oder aber ſie gantz in allen Gliedern beſitzt / das ſie dem Teuffel gantz aͤhnlich werden / wie wir inJob. 1. v. 12. Luc. 11. v. 14 Evangeliſchen Hiſtorien viel Exempel haben.
B ijFuͤrsChꝛiſtliche LeichPꝛedigt.II. Spiritual. Fuͤrs ander ſetzet Er jhnen am allermeiſten zu Geiſtlicher weiſe / wie man an den Weltkindern erfehꝛet / denen er baldLuc. 11. v. 24. die Augen Geiſtlicher weiſe einnimbt / das ſie blind werdenOculos. vnd im finſtern tappen / davon S. Petrus 2. Epiſt. 1. ſaget:2. Petr. 1. v. 9. Bald beſitzet er jhnen auch die Ohꝛen / das ſie entwederAures. Gottes Woꝛt nicht hoͤꝛen / oder ob ſie es ſchon hoͤꝛen / nichtEſ. 48. v. 8. darnach thun / wie die H. Pꝛopheten vnd ſonderlich Eſa. 48.Jer. 13. v. 10 vnd Jerem. 13. daruͤber klagen. Bald beſitzt er jhnen auchLinguam. jhꝛe Zunge / das ſie nichts deñ Gott vnd Menſchen leſtern /Eſa. 1. 5. vnd ſchmehen / wie Eſa. 1. vnd 5. druͤber klagt. Endlich /Integrum corpus. ſo beſitzet er jhnen auch bald den gantzen Leib / mit allen Gliedmaſſen / die ſie zum dienſt der Vngerechtigkeit ge -Rõ 6. v. 12. bꝛauchen / wie S. Paulus Rom. 4. bezeuget. Ach ſehet vmbExclamat. Gottes willen / welch ein grauſamer maͤchtiger feind dz iſt / der den Menſchen (wenn es Gott verhaͤnget) Leiblich vnd Geiſtlich ſchaden kan. Wider dieſen hat nun PaulusAccommo - datio. Kaͤmpffen muͤſſen / da er jhme ſein Suͤnden Regiſter / das vor der Bekehrunge mit Suͤnden verzeichnet war / vor - gehalten / daruͤber Er dann ſo Erbaͤrmlich klaget: das er jhme ſo vbel zugeſetzet / als wenn Er inn ein Pfal geſpiſſet2. Cor. 12. v. 7. wehꝛe / oder jhn einer mit Faͤuſten ſchluͤge / 2. Corinth. 12. Er hat aber nicht alleine / dieſen H. Apoſtel: ſondern den andern allen zugeſetzet / wie Chꝛiſtus daruͤber klagt: DaLucæ 22. v. 31. Er zu Petro ſaget / Luc. 22. Simon / Simon / der Satha - nas hat Ewer begehꝛet / das er Euch moͤchte ſuͤchten wie den Weitzen. Da ſonderlich das woͤꝛtlein begehꝛen zumercken / das er von GOtt macht vber ſie / wie vber den lieben Job begehꝛet hat. Alſo begehꝛet er noch heute faſt allen Menſchẽ zuſchaden / wo nicht im leben / doch endlich im letzten Sterb -Arma ꝗbꝰ obpugnan - dus ſtuͤndlein / das ſie mit jhme dann erſt noch ein Gaͤnglein thun muͤſſen. Was ſollen wir denn vor Waffen bꝛauchen /widerChꝛiſtliche LeichPredigt. wider ſolchen grauſamen Feind: Nicht Hoͤltzerne Creutz /non ponti - ficia ſed armaturn DEi fide & V. D. Weyhwaſſer / Meßleſen / ꝛc. wie im Babſthumb geſchiehet / denn der Teuffel verlachet vnd verſpottet ſolches: ſondern den Harꝛniſch Gottes / ſollen wir mit S. Paulo Eph. 6. er - greiffen / welches mit einem Wort iſt wahꝛer Glaube / da - mit werden wir beſtehen koͤnnen / wenn das letzte ſtuͤndleinEph. 6. v. 13. koͤmpt. Das iſt nun von dem erſten Geiſtlichen feinde / nemlich dem Teuffel geſagt / vnnd wie wir wider jhn mit S. Paulo kaͤmpffen ſollen. Ehe aber dieſer Feindt vber - wunden: ſo ſtehet ſchon ein anderer auff der ſeiten / derII. Mundus tria caſtra continet in quibus. S. Paulo zugeſetzt / vns noch Heute den Chꝛiſten kampff anbeut. Welches iſt die boͤſe Suͤndhafftige Welt / die iſt gleichſam inn dꝛey Feldtlaͤger / alſo zureden / abgetheilet: Als 1. Sind Ketzer oder Lehꝛer / die die Schrifft verkehꝛen /1. Hæretici vnd S. Paulo / wie auch noch den Chꝛiſten viel zuſchaffen2. Tyranni machen. 2. Sind allerley Tyꝛannen / die S. Paulum ins3. falſi fr[a]- tres. Gefaͤngnuͤß gewoꝛffen / vnd noch Heute zu Kriegen wider die Chꝛiſten luſt haben. 3. Sind falſche Bꝛuͤder / derer S. Paulus viel auff der ſeiten gehabt / die jhn verlaſſen /2. Tim. 4. v. 10. vnd die Welt lieb gewonnen / wie er 2. Tim. 4. dꝛuͤber klaget / Demas hat mich verlaſſen / ꝛc. Alſo ſind jhꝛ noch viel in der Welt / die den fromen Trewloß werden. Jn gemein aber /In genere prava col - loquia Exempla. ſetzet die Welt auch den Glaͤubigen zu / mit verfuͤhꝛiſchen reden / vnd locken / wie Sapient. 2. die Weltkinder ſchreyen: Laſſet vns wol leben / weils da iſt / vnnd vnſers Leibes ge - bꝛauchen / weil er noch jung iſt: oder aber mit boͤſen wercken /Sap. 2. v. 8. als da ſind Fleiſches luſt / Augenluſt / Hoffertiges weſen /1. Joh. 2. v. 16. davon Johannes Canon. 2. ſaget. Nun dieſem Feind muß auch ein Chꝛiſt mit Paulo widerſtandt thun / vnd wider jhnMundus Oppugnã - dus eſt fide verbo etc. kaͤmpffen: Entweder mit dem Schwerdt des Geiſtes / oder mit dem Harꝛniſch des Glaubens / vnd wol zuſehen / das er jhme abgewinne.
B iijWennChꝛiſtliche LeichPꝛedigt.III. Propria Caro in fenſiſſimꝰ hoſtis. 〃 〃 〃 〃Wenn aber dieſer Feind kaum ein wenig geſtillet / ſo findet ſich bald der dritte / der vil naͤher iſt / als die andern zweene: Sintemal er in vns wohnet / vnd iſt das boͤſe Suͤndhafftige Fleiſch vnd Blut des Menſchen / dieſer leſt ſich viel vbeler vberwinden als die voꝛigen zweene. Denn wenn ſchon ein Menſch dem Teuffel durch GOttes Geiſt entgehen kan / auch die boͤſe Welt mit jhꝛem Exempel fliehen / ſo muß er doch dieſen feind ſein Lebtage am Halſe tragen / der vberall mit jhme gehet / wo er ſich hin kehꝛet vnnd wendet. Vnnd welches das aͤrgſte iſt: ſo wird er von dem meiſten theyl der Welt nicht leichte gemercket / das es deñ ein boͤſe anzeigung iſt / nemlich das ein ſolcher Menſch von jhme vberwunden Geiſtlich in Suͤnden todt iſt. Dieſen hat nun der Heilige Apoſtel Paulus wol erkennen lernen / vnd mehꝛ vber den -Roman. 7. v. 24. 25. ſelben / als die andern Feinde geklaget / wie zu leſen Rom. 7. Jch weiß das inn mir / das iſt / in meinem Fleiſche nichts guttes wohnet. Vnd als Er nach der Lenge dieſen feind beſchꝛieben / beſchleuſt Er mit einer Erbaͤrmlichen klage:Oppugna - tio fuga occaſionũ. Jch elender Menſch / wer wird mich erloͤſen / von dem Leibe dieſes Todes. Nun wider dieſen Feind ſollen wir nun auch kaͤmpffen mit S. Paulo / welches geſchiehet / weñ wir jhme ſeine Waffen nehmen / das ſein alle gelegenheiten zu ſuͤn - digen / da wird er nicht koͤnnen herꝛſchen / vnd muͤſſen ge - toͤdtet werden.
II. DEus ho - stis per apparen - tiam. Vber dieſe jetzt erzehlete Dꝛey boͤſe Haͤuptfeinde der Chꝛiſtenheit / ſtellet ſich auch Gott der HErꝛ ſelbſt gegen den Glaͤubigen als ein feind / welches geſchiehet / wenn Er jhnen allerley Widerwertigkeit dieſes Lebens zuſchicket /Thren. 3. v. 10. das ſie offters klagen mit dem Pꝛopheten Jeremia / Thre. 3. Der HErꝛ iſt mir zum Lewen woꝛden. Nun da muß auch ein Chꝛiſt ein rechter Jacob ſein / vnd Standthafftig mitKaͤmpffenChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. Kaͤmpffen anhalten / weñ jhme gleich wie dem Jacob ſoltenGen. 32. die Huͤffte daruͤber verꝛencket werden / das iſt / wenn jhme gleich mit David Leib vnnd Seel verſchmachten ſolten / (wie er Pſalm. 73. ſaget /) ſo ſoll er außhalten / damit er ein rechter Jſraël moͤchte genennet werden. Dieſen Kampff / den S. Paulus gekaͤmpffet hat / muß auch ein jeder Chꝛiſt im Stande ſeiner Erniedꝛigung kaͤmpffen. Warumb erCur bonũ certumen dicatur? jhn aber Kaͤmpffen ſoll / Zeiget Er auch beyneben an. Deñ es iſt ein gutter Kampff / Gutt iſt Er / weil jhn Gott befoh - len / vnd auch ein gutten Außgang mit ſich bꝛinget / welchesLuc. 13. v. 24. beydes Chꝛiſtus zuſamen faſſet / da Er Luc. 13. ſaget: Ringet darnach / das jhr durch die enge Pforte eingehet.
Ehe wir nun weiter foꝛtſchꝛeitten / ſo wollen wir zuvorReſutatio Pelagiano - rum & Sy - nergiſtarũ S. Pauli Woꝛte vertheydigen wider die Pelagianer, Ma - nichæer vnnd Pontificios, wie denn auch die Synergiſten. Denn ſie leicht deuchten moͤchte / als wenn ſie auß dem Woͤꝛtlein (Jch) erzwingen koͤndten / das der Menſch auch nach dem fall / ſeinen liberũ arbitrium in Geiſtlichen ſachen ohne beyſtandt des H. Geiſtes / entweder gantz / oder zum theyl gebꝛauchen koͤndte / weil Paulus ſaget: JCh habe einen gutten Kampff gekaͤmpffet. Aber darauff ſollen wir zur antwoꝛt mercken / Das Paulus hier nicht abſolutè oder Simpliciter, ſolchen Kampff ſeinen eigenen Natuͤrlichen kraͤfftẽ zuſchꝛeibet: ſondern Er verſtehet dadurch implicitè, die Gabe Gottes oď Wuͤrckung Chꝛiſti. Denn wir wiſſen / das Chꝛiſtus alle Geiſtliche feinde einmal vberwunden hat / vnd obgeſieget / dieſen Sieg theilet er nun ſeinen Glaͤubigẽ mit / wie in einem andern orte S. Paulus ſaget / 1. Cor. 15. 1. Cor. 15. v. 17. Gott ſey danck / der vns den Sieg gegeben hat. Weil aber die feinde noch nit zum Schemel Chꝛiſti fuſſe geleget ſein / welches erſt geſchehen wird am Juͤngſten tage / wie DavidPſal. 110.Chꝛiſtliche LeichPꝛedigt. Pſalm. 110. v. 1. Pſalm. 110. bezeuget: ſo muͤſſen die Glaͤubigen auch noch Kaͤmpffen / aber nicht auß jhꝛen: ſondern durch GOttes kraͤfften / der inn jhnen wuͤrcket / wie S. Paulus abermalGalat. 2. 2. Cor. 4. v. 8. ꝟ. 21. bezeuget / Gal. 2. 2. Corinth. 4. 12. Phil. 3. Da er alles Gottes krafft vnd wuͤrckung zuſchꝛeibet. Diß iſt nun gnug von dem Geiſtlichen kampff: Folget ferꝛner.
II. Was alhier die Chriſten muͤſſen in acht mitII. Curriculi abſolutio. S. Paulo nehmen: Nemlich / Den Lauff vollenden. Damit wir nun die rechte meinung dieſes Lauffes anzeigen koͤndten / ſo ſollen wir zuvor die H. Schrifft durchgehen / vnd beſehen / wie auff mancherley weiſe vnd art dieſes woͤꝛt - lein Lauffen darinnen gebꝛaucht wirdt. Aber damit wir der Zeit ſchonen / ſo wollen wir nur die voꝛnembſten bedeutungẽ anzeigen / damit wir zum rechtẽ verſtande dieſes orts kom - men / vnd ſagen dz durch das Woͤꝛtlin Lauffen in H. ſchꝛifft1. Curſus pec - cati. Dreyerley Laͤuffe angedeuttet werden. Das 1. Jſt ein Suͤnden Lauff / welchen die Weltkinder lauffen / davon der Prophet Jer. 14. ſagt: Sie Lauffen gern hin vñ widerJerem 14. v. 10. vnd bleiben nicht gerne anheim / darumb wil jhr der HErr nicht / ꝛc. Hieher gehoͤren anch die Laͤuffer / zum Lehr vnd Predigampt / die auch ein boͤſen Suͤnden Lauff lauffen /Jerem. 23. v. 21. vber die abermal Gott beim Propheten Jerem. 2. klaget: Jch ſandte ſie nicht / noch lieffen ſie / ꝛc. 2. Jſt auch ein2. Curſus vo - cationis. gutter Lauff / welcher den Beruff eines jeder Menſchen an - zeiget / davon die Epiſtel an die Hebreer ſaget: Laſſet vnsHeb. 12. Philip. 2. lauffen / durch gedult in dem Kampfft der vns veroꝛdnet iſt / wie denn S. Paulus auch von jhm ſaget Phil. 2. da er ſeine3. Curſꝰ Chri ſtianiſmi. Pfarꝛkinder vermahnet / Sie ſollen zuſehen / das er nicht vergebens bey jhnen gelauffen vñ gearbeitet hette. 3. Wird das Wort Lauffen / auch gebꝛauchet vors rechte Chꝛiſten -thumbChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. thumb oder Gottſeligkeit / darunter begrieffen wird / alles das jenige / was ein jeder Chriſt in acht nemen muß / wenn er wil Gott gefallen / vnnd ſelig einmal von dieſer Welt abſcheiden. Jn dieſer Meinung vornehmlichen bꝛauchet S. Paulus dieſes Woͤꝛtlein Lauffen alhier. Wie er es deñ anderswo auch alſo gebꝛauchet / als 1. Cor. 9. Lauffet alſo /1. Cor. 9. v. 25. das jhꝛ das Kleinoth ergreiffet / Vnd Hebr. 12. Laſſet vns Lauffen mit gedult in dem Kampff / der vns verordnet iſt. Hebr. 12. v. 1. Jn dieſem Lauff iſt nun am allermeiſten gelegen / wo nun dieſer nicht recht oder zu rechter zeit beſtellet wird / ſo iſt derQuomodo hic curſus ᵱficiendus Menſch ſonſt gar vmbſonſt gelauffen. RECht muß Er 1. beſtellet werden / denn die Ketzer vnd Widerſacher / ver - meinen auch das ſie in dieſem Lauffe lauffen / aber weil ſie1. Secundum Script. Ca - nonicam. jhn nicht recht beſtellen / als wenn ſie entweder Menſchen - ſatzungen / wie die Papiſten / mehr als GOttes woꝛt auff - werffen / vnd denſelben folgen / oder aber jhꝛe Vernunfft zu weit gehen laſſen / wie die Calviniſten / oder auch die Schrifft faͤlſchlich verkehꝛen vnd außlegen / wie die Photi - niſten, ſo heiſt / ſie haben dieſen Lauff nicht recht beſtellet. 2. Muß Er auch vngehindert foꝛtgehen / ſoll er anders GOtt gefallen. Das ſehen wir an jenen / die zum groſſen2. Impeditê ſine remo - ra. Abendtmahl des HERRN eingeladen woꝛden / Luc. 14. dieſelben hatten zwar einen herꝛlichen Lauff vor ſich / der zuvor von Gott geboten vnd jhme gefellig geweſt / wenn erLuc. 14. zu ſeiner zeit geſchehen wehꝛe / als das einer vorwendet / er hette einen Acker gekaufft / vnd muͤſte hingehen jhn zu be - ſehen: Der ander hatte Fuͤnff Joch Ochſen gekaufft / wolt ſie auch beſehen: Der dritte hatte ein Weib genommen / ſolte ohne zweiffel die Hochzeit beſtellen: Welches alles herꝛliche dinge ſein. Aber weil ſie dieſelben dieſem Chꝛiſt - lichen Lauff / davon hier S. Paulus handelt / vorziehen /CvndChꝛiſtliche LeichPredigt. vnd jenen zuvor lieber beſtellen wollen / ſo wird GOtt er - zuͤrnet / vñ ſaget: Jch ſage Euch / das der Maͤnner keiner die geladen ſein / mein Abendtmahl ſchmecken wirdt: Alſo war auch ein gutter Lauff / den Martha verꝛichtete / Luc. 10. Als das ſie im Hauſe in jhꝛer Wirthſchafft fleiſſig war / hin vnd wider lieff. Aber weil ſie dieſen Lauff Gottes den Maria verꝛichtete / hindan ſetzete / ſo ſaget Chriſtus zu jhr: Martha / Martha / du haſt viel ſorge vnd muͤhe /1. Cor. 7. v. 29. 30. 31. Eines iſt noth: Vnnd diß wil auch S. Paulus 1. Cor. 7. anzeigen / da er ſaget: Diß iſt meine Meinung lieben Bruͤder das die da Weiber haben / ſein ſollen / als hetten ſie ſie nicht / die da weinen / als weinten ſie nicht / vnd die ſich frewen / als freweten ſie ſich nicht / vnd die da kaͤuffen / als beſeſſen ſie es nicht / vnd die dieſer Welt gebꝛauchen / das ſie derſelben nicht mißbrauchen / ꝛc. Dieſes iſt nun der Einzige Lauff / der am aller noͤtigſten iſt / vnnd den ein Chriſt wofern er begehret ſelig zu werden / vor allen andern recht Lauffen muß / auch keinen andern jhme vorziehen / welches den S. Paulus mit dem Woͤꝛtlein / (Den) da Er ſaget / den Lauff anzeiget / wil das er denn einen vor - nemlichen erwehlet vnd gelauffen habe. Dieſen Lauff laſt vns auch jhme getroſt nach lauffen: O ſo werden wir wol hier geweſen ſein.
III. Fidei con - ſervatio. III. Vnd Letzten beym Erſten Stuͤck / ſo muß auch ein Chriſt inn dieſer Welt mit S. Paulo / alſo es anſtellen vnnd zuſehen / Das er Glauben behalte. Jnn dieſen beyden Woͤrtlein iſt abermals viel begriffen /I. Fides du - plex. 1. Politica. wenn wir dieſelben ein wenig erwegen / ſo werden wirs be - finden. Durch den Glauben / verſtehet dieſer H. Apoſtel / nicht einen Buͤrgerlichen oder Politiſchen Glauben / alswennChriſtliche LeichPꝛedigt. wenn man jemanden Gelt oder Gutt auff ſeinen Glauben dargiebet / oder von jhme abfordert: Sondern er verſtehet / den Seligmachenden Glauben / welcher iſt nicht allein bloß eine wiſſenſchafft von Chriſti Perſon vnd Ampt: Sonďn2. Juſtiſi - cãs de qua hic auch eine gewiſſe Zuverſicht vnd Vertrawen zu Gott / das vns vmb Chriſti verdienſts willen / alle vnſere Suͤnde ver - geben werden. Von dieſem Glauben ſaget nun der Apoſtel ferꝛner / das Er jhn gehalten habe. Vnd ſollen vnd muͤſſenII. Coſervari debet. jhn auch alle Chriſten inn dieſem Leben halten / woferꝛn ſie begehꝛen Selig zu werden. Es heiſſet aber Glauben halten: 1. Erſtlich / was man mit ſeiner vernunfft in Articuln desI. V. D. ad ſentiendo. Glaubens nicht begreiffen noch erfoꝛſchen kan / GOtte zu - trawen / noch klaͤhrer: Das man ein vnterſcheidt mache / Inter abſurda fidei & abſurda rationis. Zwiſchen dem / was dem Glauben vnnd der Vernuufft zu wider iſt / als zum Exempel: Das GOttes Sohn iſt Menſch woꝛden / von einer Jungfrawen gebohꝛen / auch das Er nicht alleine als wahꝛer Gott / ſondern auch als wahꝛer Menſch / durch die Eigenſchafften der Goͤttlichen natur Allwiſſend / Allmaͤch - tig / vberall Gegenwertig ſey / ꝛc. Das iſt der Vernunfft zu wider / vnnd iſt zwar ein abſurdum rationis, aber nicht ein abſurdum fidei, oder dem Glauben zuwider / vnd heiſt da: Man muß es Gott zutrawen vnd Glauben behalten / Alſo auch das Chriſti Leib vnd Blut / warhafftig vnterm Brod vnd Wein im H. Abendtmahl zu gegen vnd Muͤndlichen / So wol von Gottloſen / als von Glaͤubigen vnnd fromen empfangen wird / obs zwar vnterſchiedliche wuͤrckung hat / das iſt auch meiner vernunfft zu wider / vnd muß abermal heiſſen Glauben halten. Wo dieſes nicht in acht genohmen wirdt / ſo weiß ich nicht / was es anders vor ein Glauben were / weil nun ſolches die Calviniſten widerſprechen / jhꝛerC ijVernunfftCheiſtliche LeichPꝛedigt. Vernunfft mehꝛ als Gottes offenbahꝛtem Woꝛt folgen / ſo folget / ſo lange ſie in dieſem Jrꝛthumb bleiben / das ſie nicht Glauben halten: Dafuͤr vns Gott behuͤtte.
2. Bonis ope - ribꝰ decla - rando. 2. Heiſt auch in H. Schrifft GLAVBEN halten / ſeinen Glauben durch gutte Wercke an Tag geben / vnd im Wercke beweiſen: Diß Lehꝛet S. Paulus klar / 1. Tim. 3. Das Er ſeinen Schuͤller Timotheum vermahnet / Er ſolle1. Tim. 3. v. 9. ein gutten Kampff kaͤmpffen / Glauben vnd gutt Gewiſſen behalten. Vnd Chriſtus ſaget / Luc. 5. Laſſet ewer Liecht ſcheinen vor den Menſchen / das ſie ewre gutte Werck ſehẽ /Matth. 7. vnd den Vater im Himmel Preiſen. Vnd Matth. 7. ſaget Er: Es werden nicht alle die zu mir ſagen / HErr / HErr / ins Himmelreich kommen: Sondern die den willen thun meines Vaters im Himmel. Wo aber dieſes nicht ge - ſchiehet / vnd der Menſch ſeinem eigenen wandel vñ luͤſten nachſtrebet: ſo heiſts / weil jhr des Fleiſches luͤſte nit toͤdtet /Rom. 8. ſo werdet jhr ſterben / Rom. 8. Vnd ohne die Wercke / iſt der Glaube todt / Lac. 2. Alhier halt nu einer vmb Gottes willenJacob. 2. v. 17. ſtille / vñ ſehe das jetzige Leben der Welt genaw an / wenn er daſſelbe betrachtet hat / ſo wird er befindẽ / das der geringſteAntitheſis vnd wenigſte theyl den Glauben recht helt: ſondern gemei - niglich eine lauter Scheinheiligkeit iſt / vnd der meiſte theil Chriſten heiſſen nur ſecundum dici, vnd nicht ſecundũ eſſe. Diß gibt die Erfahrung / wie der meiſte theil / Gottes wort hoͤret / vnd ſich nichts darauß beſſert / der meiſte theil gehet auch zum Tiſche des HERRN / vnd empfehet ſolches zum Gericht vnd ewiger Verdamniß. Denn da iſt keine rechte Rewe / kein rechter Glaube / noch Vorſatz eines beſſern Lebens: Sondern faſt inn allen Handthierungen iſt / Liſt / Betrug vnnd Forteyln zufinden. Was ſoll denn vor ein Glauben ſein / Es iſt eine boͤſe perſvaſion, das man etwavermeinetChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. vermeinet ex opere operato, der Sachen genuͤge zuthun / da der meiſte theil gedencket / das Kirchẽ gehen / das Abend - mahl empfangen / vnnd nichts guttes darbey thun / Selig mache. Darumb iſts kein Wunder / das jtzo bey mehlichen erfuͤllet wirdt / was Chriſtus Luc. 18. vom Ende der WeltLuc. 18. v. 8. geweiſſaget: Meineſtu / wenn des Menſchen Sohn kom - men wirdt / ob er werde Glauben finden. Da moͤchten die Fromen die gar Tewer ſein / in der jetzigen Welt Grund - ſuppe / wol mit dem alten Kirchenlehrer ſeufſtzen / klagen vnd ſagen: O Domine in quæ tempora nos conſcrvâſti. Ach HErr / was vor betruͤbte Zeiten haſtu vns erleben laſſen. Vnd mit Koͤnig David Pſal. 12. Hilff HErꝛ / die heiligen haben abgenommen / vnnd der Glaͤubigen iſt wenig vnter den Menſchen kindern. Ach Gott von Him̃el ſiehe dar ein / vnd laß dich das Erbarmen / ꝛc. Vnd abermal wo bleibt die Bruͤderliche Liebe / die gantze Welt iſt voller Dieb: Kein Lieb noch Glaub auffErdẽ iſt / Ein jeder braucht ſein Trug vnd Liſt. Das iſt ein Zeichen vor dem Juͤngſten tag. Aber wenn man ſolches beklaget / ſo wiſſen es jhr viel fein zu ent - ſchuldigen / entweder das es allezeit ſo geweſt vnnd bleiben muͤſte. Da doch die Frage zu beantworten: Obs alſo were geweſt / iſts aber geweſt / ſo frage man darnach / ob man hat ſtille darzu geſchwiegen. Weil man aber ſolches nichtCauſæ talis confuſionis achtet vnd ſaget: Ventum ad ſupremum eſt, nunquam me - liora ſequentur. So bleibet auch ſolche Sicherheit jmmer1. Status Ec - cleſiaſticus foꝛt / vnd wird von Tage zu Tage noch aͤrger. Daran ſein nicht wenig jhr viel in den dꝛey Hauptſtaͤndẽ vrſache dran / als man ſiehets / GOtt erbarme es / wie es im Geiſtlichen ſtande zugehet / da wirds Predigampt mit Lauffen / rennen vnd Eindringen angefangen / das wider Gott iſt / denn daruͤber klaget Jer. 23. Sie lieffen / vnd ich ſandte ſie nicht. C iijEinChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. Ein ander / der es auch ſo angefangen / wils nicht ſtraffen: Alſo iſt deñ auch der fortgang deſſelben / Jch wil jetzo nicht viel ſagen von Ergerlichem leben / da man mehꝛ einreiſſet als bawet / Sondern was die Lehꝛe anbelanget / da ſuchen jhr viel / Sonderlich vnter den Hoffertigen / Geitzigen / Weichlingen vnnd Zucker Pꝛedigern / nicht Gottes ehre / vnd der Zuhoͤꝛer nutz: Sondern jhr eigen ruhm vñ genieß / das ſiehet man / wie ſie die Schrifft nach jhrem duͤnckel / auff allerley Meinungen vnd Gleichnuͤſſen zwingen vnd drehen / vnd jhꝛe Ingenia oſtentiren, das man ſich nur ver - wundern ſoll / da muß nach allem / was man nur hoͤꝛet oder ſiehet / die H. Schrifft gezwungen vnnd gedrehet werden / wenn man gleich offt einen riſum paſchalem erꝛegen ſolte / wie ſolches leicht koͤndte mit Exempeln dargethan werden. Wenn diß ein Einfeltiger hoͤꝛet / ſo wird er verwirꝛet / vnd meinet das muß eine ſeltzame Bibel ſein / wo ſolche gruͤllen darinnen ſtehen / da iſt denn kein wunder das ſie hernach die Widerſacher laͤſtern / vnnd eine waͤchſene Naſe nennen: Bibliſche Hiſtoꝛien ſein auch zu alt / es muͤſſen meiſtes thei - les Heidniſche ſein / vnd was des dinges mehr iſt / alſo das man offt die Philoſophiam vber die Theologiam herꝛſchen / vnd den Eſel vber Chriſto reiten leſt / wie Herꝛ D. Luther1. Cor. 12. v. 12. redet / davon S. Paulus nichts gewuſt / welcher 1. Cor. 2. ſchreibet / das Er zu ſeinen Corinthiern kommen ſey / nicht mit hohen Woꝛten Menſchlicher weißheit: ſondern in be - weiſung des Geiſtes Gottes vnd ſeiner krafft / ꝛc. DarumbII. Status po - liticus. die anders Lehꝛen / ſeind Pꝛediger nicht ſecundum ſpiritum, ſondern ſecundum literam, wie ſolches koͤndte bewieſen werden. Vber diß / ſo gehets auch im Weltlichen Regier - ſtande vbel zu / als wie man erfaͤhꝛet / das etliche Herꝛſchaff - ten oder Obrigkeiten nur thun was ſie geluͤſtet / endwederjhreChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. jhre Gewalt mißbꝛauchen / oder das boͤſe nicht ſtraffetr / ſondern offt ſelbeſt thua / als zum Exempel: Wer ſtraffet die Gotteslaͤſterer vñ Schaͤnder / die Sabbathbrecher / ꝛc. Welche doch Gott mit Steinen hat laſſen zu tode werffen. Levit. 24. Num. 15. Vnd weil es ein morale iſt / moͤchts auch wol heut geſtrafft werden. Wenn ſie heut ſolten geſteingt werden / ſo wuͤrde man nicht der Steine gnug finden koͤnnen. So lange es aber nicht geſchiehet / ſo wird das boͤſe von Tage zu Tage im gemeinen Leben gehaͤuffet / davon zuvor etwas geſaget / vnd wird den fromen / derer wenig worden ſeind / fortmehꝛ bange in der Welt zu leben. Es ſollen aber zum Beſchluß / ſolche muthwillige Vbertretter der Gebot Gottes / wiſſen das / ſo lange ſie inn ſolcher Sicherheit leben / auch zu jhnen kan geſagt werden / was Chriſtus zu den Phariſeern ſaget / Matth. 5. Es ſey deñ Ewer Gerechtigkeit beſſer / ſo werdetMatth. 5. v. 20. jhr nicht ins Himmelreich kommen: Alſo jhr mutwilligen Suͤnden knechte / jhr veraͤchter Goͤttliches worts vnd der H. Sacramenten / Es ſey denn Ewer Glaube beſſer / ſo werdet jhr nicht ins Himmelreich kommen: Wer ohꝛen hat zu hoͤren der hoͤꝛe / was der Geiſt Gottes ſaget / vnd nehme ſeine Seligkeit beſſer wahr. Vnd dieſes habe ich hier alſo zum Beſchluß erzehlen wollen / das man ſehen ſolle / wie wenig rechter Glaube vnter den Chriſten jetzo ſey / viel we - niger gehalten werde: Folget.
WAs denn alle Glaͤubige Chriſten / die mitII. PARS De Statu Exaltatio - nis. Paulo in dieſer Welt / als im Stande der Ernie - drigung ritterlich gekaͤmpffet / den Lauff vollendet / vnd Glauben gehalten haben / im Stande der Erhoͤhung werden zu gewarten haben / welches Er mit etlichen Vmb -ſtaͤndenChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. I. Quid? Corona juſtitiæ. ſtaͤnden beſchreibet. I. Saget Er / das jhme vnnd allen Glaͤubigen / Eine Crone beygeleget ſey: Da verſtehet Er nicht eine Materialiſche Crone / die etwa von Golt / Silber / Perlen oder Edel geſteine zuſammen geſetzt wehre / damit Weltliche Kayſer oder Koͤnige gekroͤnet werden: ſondern die vnverwelckliche Ehꝛen Crone des Ewigen lebens / wie1. Cor. 9. v. 25. Er ſie 1. Corinth. 9. nennet / Vnnd Apocal. 2. auch alſo ge - nennet wirdt. Das Er aber das Ewige leben eine CroneApocal. 2. v. 10. nennet / hat Er ohn zweiffel gethan / die weil Er nichts herꝛ - lichers noch Koͤſtlichers inn der Welt hat finden koͤnnen / dem Er es hette anders vergleichen ſollen / als einer Crone / damit nur groſſe Potentaten gekroͤnet vnd gezieret werdẽ /1. Cor. 2. v. 9. wie Er denn auch ſonſten 1. Corinth. 2. ſaget / das es kein Auge geſehen / kein Ohre gehoͤꝛet / noch in keines Menſchen hertz kommen ſey. 2. Nennet ers auch eine Crone der Gerechtigkeit / nicht das er durch ſeine Gerechtigkeit die - ſelbe erworben: ſondern durch Chriſti Gerechtigkeit jhme zu wegen bꝛacht / der vnſer Gerechtigkeit iſt.
II. Quando in extre - mo die. II. Zeiget Er an / Wenn jhme ſolche Cron ſoll gegeben werden / An jenem Tage / Nemlich am Juͤngſten tage / wann der Todt wird auffgehaben ſein / GOtt Himmel vñ Erde in hauffen werffen / vnd alle Todten zuſamen bringen wird / das ein jeder ſeinen verdienten Lohn empfange / die fromen auß gnaden / die boͤſen nach jhrem vollkommenen Vngehoꝛſam / ꝛc.
III. Quid ju - ſtus judexIII. Wer wird jhme ſolche Crone geben / Der Gerechte Richter / der niemandt vnrecht thun wirdt / wie offters die Weltlichen Richter / die offt die Armen vngerecht Richten vnd Verdammen / wie Nero an S. Paulo erwieſen hatte: Sondern er wird ſeine Gerechtigkeit beweiſen / an fromen vnd Gottloſen / welches denn den fromen troͤſtlich / vnd den Gottloſen ſchꝛecklich ſein wirdt.
IV. Chꝛiſtliche LeichPꝛedigt.IV. Wehme wird Er ſolche Crone geben / Mir ſagetIV. Cui Paulo & omnibus credentib. Er erſtlich / der ich zwar durch beyſtandt Gottes / ſolchen Geiſtlichen Kampff gekaͤmpffet habe / Aber bald Corrigiret Er ſolches vnd ſaget: Nicht aber mir alleine / ſondern auch allen / die ſeine Erſcheinung lieb haben. Die aber ſeine Erſcheinung lieb haben / das ſind alle Glaͤubigen / die eine Geiſtliche Ritterſchafft vben / Glauben vnd ein gutt Ge - wiſſen behalten / die erſchrecken noch fuͤrchten ſich nicht / wenn ſie vom Juͤngſten Gericht oď Hellen pein der Gott - loſen hoͤren: ſondern wuͤntſchen lieber das Gott bald kom̃e / vnd ſie erloͤſe / Apocal. 22. Hergegen aber / haben ChriſtiApoc. 22. v. 21. Erſcheinung nicht lieb / die Gottloſen / die ein boͤß Gewiſſen haben / die erſchrecken / wenn ſie davon hoͤren / Sintemal ſie wiſſen / das ſie Gott zur Rechnung fordern wirdt. Dieſes iſt auch vom andern geſaget.
DJEſes was nun biß anhero inn gemeinApplicatio ad defun - ctum. nach der lenge erklaͤhret worden: Kan Jnſonder - heit nicht vngereuͤmet appliciret vñ gezogen werdẽ / Auff vnſern nunmehr inn Gottruhenden Erꝛn Pfarꝛern / Den weiland Ehrwuͤrdigen / Achtbaren vnd Wolgelaͤrten Erꝛn Chriſtoff Fruͤmtern / beyder Gemeinden zu Korſch -I. Quoad Statu ex in anitionis. litz vnd Stronnen / geweſenen Pfarꝛern / vnd des Ehrwuͤr - digen Presbyterii im Olſsniſchen Fuͤrſtenthumb Seniorn. Das er nemlich im Stande ſeiner Erniedrigung auch mit S. Paulo gekaͤmpffet / gelauffen / vnnd Glauben behalten habe. Gekaͤmpffet hat er: Erſtlich wider die HaͤuptfeindeCertavit 1. Contra Satanam. der Chriſtenheit / Als wider den leydigen Satan / denn er durch fleiſſiges Studiren / Leſen / Predigen / Beten vnndDArbeiten /Chꝛiſtl: Leichpꝛedigt. Arbeiten offt von ſich getrieben / ſein Reich zurſtoͤren / vnd Chꝛiſti Reich vnd Ehre vermehren helffen. Mit der boͤſen Welt / hat er auch manch Gaͤnglein thun muͤſſen / welche2. Contra mundum. jhme offt harte zugeſetzet: ſonderlich in verꝛichtung ſeines Ampts / wenn Er die boͤſen Laſter eyferig geſtrafft / vnnd niemanden ohn anſehen der Perſon / etwas vnters Huͤtlein geſtoſſen / hat er offt der Welt Neidt / Zoꝛn vnd Haß ver - dienet: Aber ſolches mit froͤlichem Hertzen vberwinden koͤnnen / das er Gottes ehꝛe / vnd ein gutt Gewiſſen hoͤher3. Contra Carnem. geachtet / als der Welt ſtanck vnd vndanck. Sein eygen Fleiſch vnnd Blut belangende / hat Er auch daſſelbe im Zaume gehalten: Offentlichen Kretſcham vnd Zuſamen - kunfften / ſonderlich bey ſeinen Pfarꝛkindern / ſelten bey - gewohnet. Vnd ob Er ſchon biß weilen in Staͤdten mit ehrlichen Leuten geſſen vnnd getruncken / ſo iſt er doch nie - mandt beſchwerlichen geweſen / noch zum Hader vñ Zanck vrſache gegeben: Sondern vielmehr / wo er ſolches ver - mercket / als bald entwichen. Jſt nun etwas auß Menſch -Prærogati - va ſenectu - tis. licher Schwachheit mit vnter gelauffen / ſo ſoll man be - dencken / das wir hier nicht gantz Engel rein ſein koͤnnen: In multis labimur omnes, &c. Gleichwol hat er auch einen Vorzug ſeines Alters halben / den Jungen weit zuvor inn ſolchem Geiſtlichen kampff gehabt: Sintemal alte Leute ſind wie geuͤbte Kriegsleute / die den Feindt alzeit vor ſich haben / welches den Jungen noch weit fehlet / welche noch den Feind hinter ſich haben / vnnd jhme leichter angehen. Welches alſo zu verſtehen: Das Er in ſeinem Leben / des Teuffels Liſt vñ Betrug hat erkennen lernen / vnd auff ſeine Schantze gutt achtung gegeben: Mit der Welt iſt er oͤffter vmbgegangen / gemercket / was ſie vor ein Fruͤchtlein / vnd jhr nicht leichtlich getrawet: So haben auch die Fleiſch - lichen Luͤſten beim alter nicht mehr ſolche macht / ſondernſindChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. ſind gedempfft / weil das Alter dazu kalt vnd vngeſchickt iſt. Dieſen vorzug haben Junge leute nicht / die den feind noch hinter jhnen haben / das boͤſe Fleiſch vnd Blut / auch ſtarck bey jhm / wie die Erfahrung bezeuget / das ſie in vollen ſpringen gehen vnd der Welt gebꝛauchen / weil ſie da iſt.
Sap. 2. Vors anď hat er den Gottſeligen Lauff vor allen erwoͤhlet /II. Curriculũ abſolvit. vorgezogen / vnd vollendet / vnd weil er geſehẽ / das in dieſer Welt alles vergaͤnglich / ſo hat Er mehr GOtt / als die Welt / vnnd ſich ſelbſt geliebet / offt wenn Er nur Leibes Schwachheit halben außgehen koͤnnen / zur Kirchen inn meine Predigten gegangen / auch offt des Jahres / wie dañ in ſeiner Kranckheit inn 14. Tagen / Zweymal meiner ge - ringen Perſon / als dienern Goͤttliches worts / ſeine Suͤnde mit betruͤbtem Hertzen gebeichtet / vnd das H. Abendtmal darauff empfangen / vñ ſonſten mit Gottſeligen gedancken vnd meditationibus ſtets vmbgegangen / auch ſich Taͤglich im Gebet dem lieben GOtt empholen. Fuͤrs dritte / hatIII. Fidem ſervavit. Er auch Glauben gehalten / das Er nicht alleine Chꝛiſtum in ſeinem Leben recht erkennet / vñ bekennet: ſondern auch ſolchem Erkaͤndtnuͤß vnd Bekaͤndnuͤß im hertzen beyfall gegeben / vnd jhme Gottes ehre vnd lehre laſſen lieber ſein / als der Papiſten / Calviniſten / vnd Photiniſten / vñ anderer Schwermer Meinung vñ Laͤſterung. Wie ich dañ ſolches auß ſeinen Colloquiis familiaribus, vnnd freundlichen Ge - ſpraͤchen / wenn ſolcher Ketzer iſt gedacht worden / offt ver - nommen / das er geſprochen: Er hette Chriſtum in ſeinem Hertzen ſo tieff eingeſchloſſen / das jhme denſelben / weder Papiſt / Calviniſt / Photiniſt / oder andere Ketzer nicht wuͤrde mit ſeinen Menſchen thraͤumen herauß reiſſen: Wie denn auch ſein Symbolum bezeuget / das er gefuͤhret / alſo lautende: ADEo doctus, credidi, ſcivi, docui, nil præter Chriſtum & hunc crucifixum.
WeilChꝛiſtliche LeichPꝛedigt.II. Quoad Statũ Ex - altationis. Weil ſich dann nun offt erwehnter Erꝛ Pfarꝛer ſeliger / im Stande ſeiner Erniedrigung auff dieſer Erden / mit S. Paulo vermittels Goͤttlicher gnaden / wol verhalten / wol gekaͤmpffet / gelauffen / vnd rechten Glauben gehalten: Ey ſo zweiffeln wir auch gar nicht / das auch jhme ſeine Beylage von Gott bewahꝛet woꝛden ſey / der Er ſchon der Seelen nach im Ewigen leben auß gnaden gewehꝛet. Der Leib aber wird an jenem Tage / von dem gerechten Richter der Todten vnd Lebendigen aufferwecket werden / welchen vnſer trewer Ertzhirte JEſus Chriſtus mit der Seelen vereinigen / vnd mit der Cron des Ewigen lebens / mit vn - außſprechlicher Frewd / Wonne vñ Herꝛligkeit begnaden. Welches dieſer gerechte Richter / nicht allein jhme / ſondern allen Glaͤubigen / die alſo werden gekaͤmpffet / gelauffen / vnd Glauben gehalten haben / an jenem Tage der Erſchei - nung gewehren wird / wie wir vns dann deſſelben / vnter deß mit frewden getroͤſten / vnd mit hertzlichem ſoͤhnen vnd verlangen erwarten wollen.
Concluſio. Zum Beſchluß / Wenn ich an dieſes numehr in Gottruhenden Erꝛn Pfarꝛers ſeligen / Chriſtliche Con - verſationes, vnd gelehrte Colloquia familiaria & pia, oder Gottſelige freundliche Geſpraͤche gedencke / vnd mich der - ſelben erjnnere / ſo muß ich mit Trawrgedancken ſeufftzen / vnnd bekennen: Das mir es faſt / wie dem Propheten Schuͤller Eliſa, betruͤbt ergehe. (2. Reg. 2.) Sintemal ich2. Reg. 2. auch habe ſehen vñ erfahren muͤſſeu / das vnſer Gottſeliger Elias mitten im Wetter der Truͤbſall / auß dieſer traurigen betruͤbten vnnd vberall knackenden Welt iſt gen Himmel abgeholet worden / vnd vns ſeinen Mantel / welcher iſt ſein Todt verblichener Coͤrper / den wir mit thraͤnenden Augen in ſeinem Schlaffkaͤmmerlein noch vor vns ſehen / hinterſichChꝛiſtliche LeichPꝛedigt. ſich verlaſſen. Da Jch dann auch auß betruͤbtem hertzen voll Trawrgedancken / Seufftzen / vnnd ſagen moͤchte: O mein Vater / mein Vater / weñ ich doch deinen ſtarcken Geiſt / der dich biß ins hohe Alter getragen / duppelt vber - kommen moͤchte / das ich auch den liſtigen Anlaͤuffen des Boͤſewichts / der boͤſen Suͤndhafften Welt / vnd meinem ſtets zum boͤſen geneigten Fleiſch vñ Blut / deſto baß wider ſtehen / vnd dein trewer Nachfolger ſein vñ bleiben moͤchte. Zweiffel aber demnach nicht / was der trewe guͤttige Gott in ſeinem Woꝛt verſprochen hat / Er vns auch trewlich ge - wehren werde / das Er nemlich bey den ſeinigen ſein / inn jhnen Kaͤmpffen / Streitten / vnd Obſiegen wolle / damit Sie die vnverwelckliche Ehren Cron des Ewigen Lebene auß gnaden / von dem Gerechten Richter / der alles weiß vnd ſiehet / Recht vnd Gerechtigkeit liebet / vnd vbet / da - von bringen werden. O wol wird als deñ ſein hie geweſen / da wir denn wider zuſamen kommen / vns vntereinander anreden / vnd auß der Offenbahrung S. Johannis am 12.Apoc. 12. v. 12. ſagen werden: Nun iſt das Heyl vnd die Krafft / vnd das Reich / vnnd die Macht vnſers GOttes ſeines Chriſtus woꝛden:
Dieſem Gerechten Richter JEſu Chriſto vnſerm Heylande / Sey von nun an biß in Ewigkeit / Lob / Pꝛeiß / Ehr vnnd Danck geſaget / AMEN.
WAs ſeine Ankunfft anlangt / ſo iſt numehꝛI. Ingreſſus. inn Gottruhender Erꝛ Pfarꝛer / Der Weilandt Ehrwuͤrdige / Achtbare / vnnd Wolgelaͤrte Erꝛ Chriſtoff Fruͤmter / beyder Gemeinden zu Korſchlitz vnnd Stronnen Pfarꝛer / vnd des Ehrwuͤrdigen Presbyterii imOlßniſchenChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß. Parentes Patria. Olßniſchen Fuͤrſtenthumb Senior, Von Chriſtlichen vnd Ehꝛlichen Eltern in der Margk zu Franckfurt an der Oder wohnende / Als von dem Erbahren vnnd Wolgeachten Hanß Fruͤmtern / Buͤrgern vñ Gewandſchneidern ſeligen / ſeinem Eheleiblichen Vatern / vnnd der Tugendtſamen Frawen Catharina / ſeiner Eheleiblichen Mutter / auß einem reinen Chriſtlichen Ehebette erzeuget vnd gebohren woꝛden / im Jahr nach Chriſti geburt 1543. Welche ſeine Chriſtliche Ehrliebende Eltern ſeliger / dieſen jhren lieben Sohn / fleiſſig inn der Jugendt zum Studiren gehalten / das er alſo ſeine Fundamenta pietatis & artium, in ſeinem Vaterlande zu Franckfurt zimlichen geleget / von dannen nach Breßlaw verſchicket worden / da er denn mit nutz im ſtudiren in dem Archigymnaſio zu S. Eliſabeth, etliche Jahꝛ zubracht / biß er wiď nach Franckfurt anheim gezogen / die2. Progreßus ſtudia. Lectones Academicas eine geraume Zeit angehoͤꝛet. Von dannen nach Wittenberg vnd Leipzig verꝛeiſſet / vnd auch andere Academien vnd Hohe Schulen beſucht.
Nach abſterben ſeiner lieben Eltern / Hat er wegen mangel ſeines vermoͤgens / ſich zu ehrlichen SchuldienſtenRes geſtæ. in der Margkbegeben: Anfaͤnglichen zu Suhldin in der Margk / das Baccalaureat eine Zeit fleiſſig verſorget.
Hernach zu Baden in Oſterꝛeich / in der Schulen ge - dienet / Endlichen das Cantorat zur Praußnitz angenom - men / vnd Loͤblichen ein Jahr verſorget / Jm ſelbigen ort / Er von einem Erbahren Wolweiſen Rath zu Wohlaw / durch befoͤrderung des Ehrwuͤrdigen / Achtbahren vnnd Hochgelaͤrten Herꝛen Doct. Jacobi Coleri Pfarꝛers / gen Wohlaw zu einem Diacono befoͤrdert worden / da Er dann zwey Jahr / ſolchem ſeinem Ampt trewlichen vorgeſtanden.
HernachChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß.Hernach von dem Edlen / Geſtrengen / Ehrenveſten / vnd Wolbenambten Junckern Wolffen / vnnd Georgen Biebern gebruͤdern vnd Lehnsherꝛen / gen Alten Wohlaw / zu einem Pfarꝛer[o]dentlicher weiſe vociret vnnd beruffen woꝛden / welchen Pfarꝛdienſt er dann 8. Jahr trewlichen verꝛichtet.
Von dannen iſt er / Von dem Durchlauchten / Hoch - gebornen Fuͤrſten vnd Herꝛen / Herꝛen / Hertzog Georgen dem aͤltern / Hertzogen inn Schleſien / zur Liegnitz vnnd Brieg / gnedig zu einem Hofe Caplan gen Brieg vociret, vnd beruffen worden / welchen Dienſt er dann 4. Jahr ver - waltet / vnnd folgendes zum Pfarꝛampte inn der Stadt Brieg / von Hochgedachter Jhr F: Gn: Chriſtmilder Gedaͤchtnuͤß beſtellet worden / vnd demſelben inn die acht Jahr trewlichen vorgeſtanden / wie denn ſeine Fuͤrſtliche Zeugnuͤſſe / die jhme auch nach ſeinem Abſchiede / von Jhrer Fuͤrſtl: Gn: vbergeben / jnne habende außweiſen.
Endlichen iſt Er durch befoͤrderung / Weylandt des Durchlauchten / Hochgebohrnen Fuͤrſten vnnd Herꝛen / Herꝛen / Hanſen Chriſtmilder Gedaͤchtnuͤß / Hertzogen zur Liegnitz vnd Brieg / ꝛc. Von dem Edlen / Geſtrengen / Ehꝛenveſten vñ Wolbenambten Herꝛn Hanſen Camitzen / damals Herꝛen zur Bernſtadt / zum Pfarꝛdienſte beyder Gemeinden zu Korſchlitz vnd Stronnen vociret, vnd be - ruffen worden / da Er dann 27. Jahr / ſolchem Ampte trewlich biß in ſein ſeliges ende vorgeſtanden / vnnd da Er Leibes ſchwachheit halben / nicht mehr ber zwey Jahren / vor ſeinem ſeligen Ende fortkommen koͤnnen / auff Jhre Fuͤrſtl: Gn: Hertzog Carln Chriſtmilder Gedaͤchtnuͤß / vbergebenes Fuͤrſtl: beſtegeltes Decret / Meine geringe Perſon zu einem Diacono, ordentlicher weiſe vociret, vndEbeydeChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß. beyder Kirchendienſt / ohne rhum zumelden / trewlich vnd fleiſſig beſtellen laſſen / wie dann meine kurtz vor ſeinem ſeligen Ende mir vbergebene Kundſchafft / mit ſeiner eige - nen Hand beſtegelt vnd vnterſchrieben außweiſet.
Den Heiligen Eheſtandt offt erwehnten Erꝛn Pfarꝛers ſeligen belangendt / hat er ſich im 25. Jahr ſeines Alters / als er zu Wohlaw ſeinen Caplan dienſt (wie obẽ gemeldet)Conjugiū verwaltet: Erſtlich inn die H. Ehe eingelaſſen / mit der Ehrentugendſamen Jungfrawen Anna / Herꝛen Matthes Bormannes damals Buͤrgesmeiſters zu Wohlaw / Ehe - leiblichen Tochter / mit welcher er denn in der Ehe geſeſſen / etliche 30. Jahr / vnd durch Gottes ſegen gezeuget: Drey Soͤhne / als Chriſtoff / Samuel / vnnd Salomon mit nahmen: Vnd zwo Toͤchter: Als Anna vnd Cacharina: Von welchen noch ein Sohn / als Samuel / vnnd beyde Toͤchter beym Leben.
Nach abſterben gedachter Erſten Frawen ſeliger / hat er ſich wider zum andern mahl Verheyrahtet / mit der Erba - ren vñ Ehrentugendſamen Jungfrawen Chriſtina / Herꝛn Andres Haſens / geweſenen Buͤrgers vñ Handelsmannes zum Briege Eheliehen Tochter / der jetzt hinterlaſſenen vnd betruͤbten Wittiben / mit welcher er biß an ſein ſeliges ende / ins 17. Jahr in der Ehe geſeſſen / vnd mit jhr gezeuget eine Tochter Chriſtina genandt / die noch beym Leben.
III. Egreßus ſeu vitæ exitus. Was endlich ſein ſeliger Abſchied auß dieſer betruͤbten Welt anreichet / ſo iſt maͤnniglichen bewuſt geweſen / das weil er ein hohes Alter erꝛeichet / an Kraͤfften bey gehendem Leibe abgenommen / vnd ſich bey jhme allerley Vorboten des Todes befunden / als das / nemlich (wie der Prediger Salomon cap. 12. Das des Menſchen alter / als eine kleineWeltChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß. Welt beſchreibet) Sonn / Mondt vnnd Sternen / das iſt ſein Verſtandt vnnd Gedaͤchtnuͤß / ſeind bey jhme finſter woꝛden / die Wolcken allerley Fluͤſſe / nach dem Regen der Truͤbſall ſich gehaͤuffet / die Huͤtter des Hauſes / das Haͤupt bedeutende gezittert. Die ſtarcken als die Beine / ſich ge - kruͤmmet / vnnd den Leib nicht mehr tragen wollen. Die Muͤller / die Brodt mahlen / welche außgefallen / vnnd wenig worden / ſind ſtille geſtanden. Die Geſichte / durch die Fenſter / als die Augaͤpffel ſindt vertunckelt worden. Die ſtimme der Muͤllerin / welche der alten ende anzeiget / iſt leiſe geweſt. Die Tochter des Geſanges / Nemlich / die Ohren / haben ſich gebuͤcket / vnnd ſind ſchwer vnnd taub worden. Der Mandel baͤum Haͤupt vnnd Baͤrth / haben gebluͤhet / vnd ſich graw erzeiget. Vnd alſo alles ſich mit jhme zum ende genahet / in dem Er ſich bey gehendem Leibe gefuͤhlet / biß Er endlich den 10. Tag Monats Martij / kaum 8. Tage vor ſeinem ſeligen Abſchiede / ſich gar ein - geleget / da er dañ wenig Leibesſchmertzen gefuͤhlet / alleine / das jhme der Othem allzeit ſehr verliehen / Als er aber ſeines bleibens nicht mehr vermercket / hat er die ſeinigen zur Einigkeit vermahnet / vnd angezeiget / (wie denn auch lengeſt zuvor bey ſeinem Leben geſchehen) wie ſein Chriſt - lich Begraͤbnuͤß ſolle beſtellet werden: Darauff den 10. Martij / als Dienſtag fruͤhe / mit verlangen / das Heilige Abendtmahl / als letzte Viaticum oder Zehrung / auff die Himliſche Reiſe begehret / welches jhme denn / nach dem Er ſeine Suͤnde / GOTT dem HErꝛn gebeichtet / nach empfangener Abſolution, von meiner geringen Perſon iſt gereichet worden: Darauff ich jhm deñ / wie zuvor oͤffterer geſchehen / ſambt dem Kirchſchreiber / ſchoͤne Andachten / Sterbe gebetlein / vnd dergleichen vorgeleſen / vnd als ichE ijjhnChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß. jhn ſtets gefraget: Ob er ſich deſſen auch troͤſtete / vnd mit warem Glauben darauff von dieſer Welt abſcheidẽ wolte? hat er fein geantwortet: Ja freylich / denn ich habe auch in meinem gantzen Leben nichts anders meditiret, als das ich einmal gedacht habe ſelig zuſterben.
Nach vielem Leſen / als Er ſich noch zimlich befunden / habe ich jhme etliche ſchoͤne Geſaͤnge / Ob zwar mit be - truͤbtem Gemuͤhte vorgeſungen. Als:
Wenn mein Stuͤndlein vorhanden iſt / ꝛc.
Vnd das Lied / von der ſchoͤnen Sommerzeit / welches er vnter andern in ſeinem Leben ſehr geliebet / Als ich aber auff die beyde Geſetz kommen:
Auß dieſen Worten / hat er gleichſam ein Labſall ge - ſchoͤpffet / vnd geſprochen: Das helffe mir GOTT.
AlsChꝛiſtliches Ehꝛenzeugnuͤß.Als Jch aber nach dieſem vernommen / das jhme die Sprache ein wenig endfallen / vnnd Er / vnvernehmlich geredet / habe ich jhn auß vnſerm Glaubens bekaͤndtnuͤß gefraget: Ob er biß an ſein ende / vergebung der Suͤnden / Aufferſtehung des Fleiſches / vnd ein Ewiges leben beſten - dig glauben wolte: Hat er vernehmlich Ja / geantwortet. Darauff ich jhn Dreyerley erjennert:
Erſtlich des Blutigen Angſtſchweiſſes des HERRN Chriſti im Oelgarten. Hernach der Wort Chriſti / zum Schecher: Warlich / warlich / Jch ſage dir / Heute wirſtu mit mir im Paradiß ſein. Vnd endlich der Woꝛt Chꝛiſti / damit Er ſeinem Himliſchen Vater ſeinen Geiſt befolen: Vater / in deine haͤnde befehle ich meinen Geiſt. Da hat er noch eine ſtimme ein wenig von ſich gegeben / welches man vor ſeinem Reuchlen auff der Bruſt nicht gar deutlich ver - nehmen koͤnnen: Aber ſo weit auß ſeinen geberden / vnnd dem laut vernehmen koͤnnen / das er Ja geſprochen / nach dieſem er kaum zwey oder dreymahl mehr reſpiriret, vnd Othem geholet / vnd darauff ohne einiges Schlucken / wie ein Liecht / das nicht mehr ſafft hat / auß gegangen / vnd ſanfft vnnd ſelig ſeinen Geiſt auffgegeben / vnd im HErꝛn endſchaffen / welches etwa vmb die Veſper zeit geweſen.
Seines Alters iſt er geweſen 75. Jahr: Jm Miniſterio oder Predigampt / hat er zu bracht etlich vnd 40. Jahr / wie oben angezeiget.
Der Trewe Barmhertzige Gott vnd Vater / der vber Todt vnd Leben ein HErr iſt / ſambt ſeinem lieben Sohn JEſu Chriſti / der die Schluͤſſel hat des Todtes / ſambt dem H. Geiſt / wolle dem verſtorbenen Coͤꝛper in derErdenErden / eine ſanffte ruhe / vnd am herzu nahenden Juͤngſten Tage / ſambt allen Chriſtglaͤubigen / die im HErꝛn werden endſchlaffen ſein / eine froͤliche Aufferſtehung zum Ewigen leben / geben vnd verleyhen / AMEN.
G. W. O. S.
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