Der Erbarn Vielehrentugendreichen Frawen Annæ Horſtin / gebor - nen Redlerin. So wol / Dem Ehrenvehſten vnd Wolgelahrten Herrn Melchiori Horſtio J. U.Studioſo. Der Erbarn Vielehrentugendreichen Frawen Barbaræ / gebornen Horſtin. Vnd dann Dem Ehrenvehſten / Wolbenambten vnd Wolgelahrten Herrn Zachariæ Hering / J.U.C. vnd vornehmen Buͤrgern zu Reichenbach. Des weiland Ehrnvehſten / Wolbenambten / Hochgelahrten vnd Wolweiſen Herrn Melchioris Horſtii, der Stadt Reichenbach wolverordneten Herrn Buͤr - germeiſters / Ober Kirchenvaters / vnd der Schulen Præ - ſidis hinterlaſſenen hochbetruͤbten Frawen Wittibin / Sohn / Tochter / vnd Tochter-Mann.
Vbergiebet auff ſbr vnterſchiedenes begeh - ren dieſe Leichpredigten / Martinus Hyllerus Prediger.
WAs der allgewaltige Gott der Stad Jeruſalem drewet / daß Er vmb jhrer Suͤnde willen hinweg nemen wolle / Rich - ter / Eltiſten / Hauptleute / Raͤhte / Kluge Redener / eben daſſelbe hat er an vnſern Rei - chenbaͤchiſchen Jeruſalem allhie auch gethan / in deme Er am jungſt vergangenen Dinſtage / den Ehrenveh - ſten / Wolbenamten / Hochgelahrten vnd Wolweiſen Herrn Melchiorem Horſt / den Eltern / wolverdienten Buͤrgermeiſtern / Vorſtehern der Kirchen / vnd Præſi - dem der Schulen / aus dieſem vielmuͤhſeligen angſtle - ben / vnd aus vnſerm Mittel / durch einen ſeligen TodtIoſ. v. 14 23. abgefodert / vnd den Weg aller Welt hat gehen laſſen / Joſ. 23. O des vnverſeheiten vnd zu dieſem mal vnver - hofften Falles! O wie ploͤtzlich vnd geſchwind / iſt dasPſal. 90. v, 6. Haͤupt der Stadt dahin gefahren wie ein Strom! Pſal. 90. vnd wie ein Blume verwelcket vnd verdor -Eſai. 40. v. 8. ret / Eſai. 40. O wie ein hartes hat Gott der betruͤb - ten Wittwin vnd Kindern erzeiget! Er hat jhnen ei -nen3Leichpredigt. nen Trunck Wein gegeben / daß ſie taumeln moͤchten / Pſal. 60. vnd muͤſſen jhren Tranck mit Thraͤnen mi -Pſal. 60. v. 5. Pſal. 102. v. 10. ſchen Pſal. 102.
Aber wer wil zu Gott ſagen? Du thuſt vnrecht? Job. 36. Er iſt gerecht / vnd wir wiſſen daß ſeine Herich -Iob. 36. v. 24 - Pſal. 119. v. 137. 75. Pſal. 31. v. 36. Syr. 37. v. 28. Iob. 14. v. 5. te recht ſindt / Pſal. 119. Er hat auch vnſere Lebenzeit in ſeinen Haͤnden / Pſal. 31. Er hat einen jeglichen ge - ſetzt ein beſrimte zeit zu leben / Syrach. 37. vnd ſtehet die Zahl vnſer Tage vnd Monden bey jhm / Job. 14. cap. Die keine Creatur / die keine Kranckheit / die kein Todt verruͤcken kann / biß der Menſch ſeinen Lauff hat vollendet / da er als denn durch den zeit - lichen Todt wird auff geopffert / in der andern Epiſtel zun Timothern am 4. Cap. Einer auff dieſer der ander2. Tim 4. v. 6. auff ein andere Art vnd Weiſe / nach dem es dem lie - ben GOtt gefallen thut / wie wir leſen vnd hoͤren / das von Moſe geſchrieben ſteht / Mortuus eſt Moſe in terra Moab, Jubente Domino, Alſo ſtarb MoſeDeut. 34. v. 3. im Lande der Moabiter / nach dem Wort des Her - ren.
Darumb laſſen wir das weitleufftige lamenti - ren billich an ſeinen Ort geſtellet ſeyn / wenden vns aber derogegen zu dem lieben frommen Gott / vnd er - ſuchen denſelbigen / zu des Herrn Buͤrgermeiſters vor - gehenden Ehrenpredigt / vmb des heiligen Heiſtes bey - ſtand vnd erleuchtung / in einen gleubigen andaͤchtigen Vater vnſer / etc.
1. Sam. 25. v. 1. Samuel ſtarb / Vnd das gantze Jſrael verſamlet ſich / trugen leide vmb jhn / vnd begruben jhn in ſeinem Hauſe zu Rama.
WAnn in Vorzeiten bey den alten Egyptern ein Koͤnig mit tode war abge - gangen / pflegten die Prieſter auffzutre - ten / vnd mit einer klaͤglichen vnd anſehn - lichen Oration, ſeine Tugenden vnd loͤbli - chen Thaten zu erzehlen vnd zu ruͤhmen / darauff er denn herrlich balſamiret / vnd koͤniglichẽ ward begra - ben / hatte er aber laſterhafftig gelebet / ſo ward jhm die - ſe Ehre entzogen vnd benommen.
Solche letzte ehre haben wir auch jetzo dem ſelig verſtorbenen Herrn Buͤrgermeiſter zu beweiſen / ſein wolgefuͤhrtes Chriſtenthumb vnd Regierung zu prei - ſen / vnd andere in ſeine loͤbliche Fußtappen zu treten / anzuweiſen.
Vnd zwar hab ich mir zu vorhabender Oration,Vrſach des vorgenom - menen Lei - chen textes. den abgeleſenen Text / von dem ſeligen Todt vnd Be - graͤbnis des alten Herrn Samuelis erwehlet / weil ein feine Vergleichung der Perſonen kan angeſtelles werden.
Samu -5Leichpredigt.Samuel war Richter oder oberſter Regent in Jſ - rael / Herr Melchior Horſt in den Reichenbaͤchiſchen Jſrael auch. Gott hat jhn erhoben vnd ad clavum Rei - publ. geſetzt / Er hat jhn erhoͤhet biß zu dem Buͤrger - meiſter Ampt / nemlich / welches ſo vornehm vnd anſeh - lich / daß auch die gewaltige Stadt Rom gantzer vierhun -Elias Reuſ. in Hort. Heſto - rico Polit. fol. 58. dert vnd acht vnd ſiebentzig Jahr von den Burgermei - ſtern iſt regieret worden / bieß der Roͤmiſche Keyſer Auguſtus ein Monarchiam auff gerichtet vnd angefan - gen hat.
Samuel war O bervorſteher der Kirchen: Herr Melchior Horſt auch. Der iſt bißdahero Ober - kirchenvater geweſt / vnd hat mit nutz vnd Ruhm die - ſes auch anſehliche Ampt verwaltet.
Samuel war nach dem er das Richterampt vber - gab Præſes vnd Jnſpector der Schulen / Herr Mel chior Horſt auch. Er hatte ein vorſichtiges Auge gehabt auff die Schule / damit die Kinder zu foͤrderſt in der pietet moͤchten vnterwieſen / vnd vnter die Daͤch -Syr. 14. v. 26. lein der Weißheit gebracht werden / Syr. 14.
Samuel war von Gott begabt mit groſſer Weiß -Lipſ. lib. 1. Polit cap. 7. verſ. 3. heit vnd Geſchickligkeit / die da iſt ὄμμα〈…〉〈…〉 ψιχῆς Oculus animæ vnd an einem Regenten nothwendig erfodert wird: Herr Melchior Horſt auch.
Er hatte verlaſſen das albere weſen / vnd giengProv. 9. v. 6. auff den Wegen des Verſtandes / Prov. 9. Er hatte die Weißheit an ſeinen Halß gehengt / vnd in die Taffeln ſeines Hertzens geſchrieben / Prov. 3. Er hatte zur Weiß -Prov 3. v. 3.heit6Die Erſteheit geſagt / du biſt meine Schweſter / vnd zur Klug -Prov. 7. v. 4. heit / du biſt meine Freundin. Prov. 7.
1. Sam. 15. v. 33.Samuel war ein großmuͤtiger Mann / er zerhiebe den Koͤnig vnd Soldaten Agag zu ſtuͤcken fuͤr dem Herrn / in Hilgal. Herr Melchior Horſt auch. Er ließ die Jahr dahero als dieſe liebe Stadt mit Krie - gesvolck ſo gar offt vnd viel ward belegt vnd vberlegt / d〈…〉〈…〉 rSoldaten ſchnarcherey ſich nicht erſchrecken / ſondern practicirte das tu contra audentior ito, vnd Gott halff jhm gnaͤdiglich hindurch.
Samuel der hochgeehrte Richter in Jſrael ſtarb. Ach ſey es doch Gott in Himmel geklagt Herr Mel - chior Horſt auch. Er iſt dahin gefahren wie ein Strom vnd hat ploͤtzlich dahin gemuſt / Pſal. 90.
Weil ſich denn ſo eine feine gleichheit (die auch noch weiter koͤnte deducirt werden) findet zwiſchen den alten Herrn Samuel vnd vnſern ſeligen Herrn Buͤr - germeiſter / ſo wird bey ſeinen Ehrenbegraͤbnuͤß der ab - geleſe Text billich erklaͤret / in welchen dreyerley von Samuel wird angezeiget.
I. Mortis tranquillitas. Sein ſanffter ſeliger Todt.
II. Luctus acerbitas. Die bittere Klage bey ſeinem Todt.
III. Sepulturæ honeſtas. Sein Ehrliches Begraͤb - nuͤß nach dem Todt.
Von einen jeden ein wenig: Vnſer lieber GOtt verleihe / Gnad vnd Segen reichlich darzu vmb JEſu Chriſti ſeines lieben Sohnes willen.
WAs fuͤr ein Gottſeliger / anſehlicher / hoch -Samuel iſt ſeiner Per - ſon vnd ampt auch herrlich vnd anſehlich. weiſer vnd hochgeruͤhmter Wann Samuel ge - weſt ſey / habẽwir bis dahero / bey der erklaͤrung vnd auslegung ſeines erſten Buchs / in den Wochen - predigten nach der lenge vernommen vnd gelernet. Ja alles was nur von dem Manne kan geſagt werden / das:
Forſchet man nach ſeiner Geburt vnd Ankunfft? 1 Sam. 1. v. 10. 12.Es iſt ein Wunderwerck. Denn er iſt von gar vn - fruchtbarn Eltern geboren / vnd ſeine Mutter Hanna hat dieſen jhren Sohn mit betruͤbtem Hertzen mit vielen Thraͤnen vermiſchet / vnd langem Gebete von Gott erbeten.
Obſerviret man das Geluͤbde ſeiner Mutter? Es1. Sam. 1. v. 11. iſt heilig. Denn ſie betet cum voto gratitudinis, ſie ge - lobet Gott / ſo Er werde jhr elend anſehen / an ſie geden - cken / vnd jhr einen Sohn geben / ſo wolte ſie denſelbi - gen jhren Sohn / dem HErrn wider geben ſein leben - lang / vnd was ſie gelobet / das hat ſie auch gehalten /Pſal. 76. v. 12. Pſal. 76.
Betrachtet man ſeine Jugend? Sie iſt anſehlich. 1. Sam. 1. v. 28Denn da er noch ein Knabe iſt / redet derHErr mit jhm / als wie ein gut Freund mit dem andern / beruffet jhnBzu ſei -8Die Erſte1. Sam. 3. v. 21zu ſeinen Diener dreymahl vnterſchiedlich auff einan - der / damit ſeine Rede / die er an Gottes ſtat thun ſol / de - ſto mehr glaubens vnd anſehens habe.
Fraget man nach ſeinem Ampt? Es iſt doppelt. Gantz Jſrael von Dann an / biß gen Berſaba erkeñet daß1. Sam. 7. v. 17 1. Sam. 3. v. 17 er ein trewer Prophet des HErrn ſey. Daneben war er auch Richter vnd Fuͤrſt im Volck Gottes / er zog jaͤhr - lich vmbher / zu Bethel vnd Gilgal / vnd Mizpa / vnd wenn er Jſrael an allen dieſen Orthen gerichtet hatte / kam er wieder gen Ramath / denn da war ſein Hauß / vnnd richtet Jſrael daſelbſt.
Beſchawet man ſeine thaten? Sie ſind ruhmwuͤr - dig. Er handelte in ſeinem Ampt trewlich / er ſchaffte ab in Jſrael die Abgoͤtterey / vnd vermahnet das Volck / den HErrn alleine zu dienen / er erbetet von dem HErrn ein groſſes Donnerwetter vber dit Philiſter / daß ſie fuͤr1. Sam. 10. v. 1. 1. Sam. 16. v. 13. Jſrael geſchlagen wurden / er ſalbet Saul vnd David zum Konig in Jſrael / er erlangete von dem Volck das gezeugnuͤß daß er jnen kein gewalt noch vnrecht gethan / vnd von niemands Handgeſchenck genommen / Er erbe -1. Sam. 12. v. 4. 1. Sam. 12. v. 18. tete von dem Herrn einen ſtarcken Regen in der Wei - tzenerndte / daruͤder das gãtze Volck in die hoͤchſte furcht geſetzet ward / Er verweiſet dem Koͤnige Saul ſeinen1. Sam. 15. v. 23. 1. Sam. 15. v. 23. vngehorſam gegen Gott / kuͤndigte jhm das Koͤnigreich auff vnd zuhieb mit ſeiner Hand den Koͤnig Agag zuſtuͤ - cken fuͤr den Herrn in Gilgal.
Bewegt man ſeine authoritet vnd anſehen? Es iſt gros / es iſt vber alle maß groß vnd herrlich / das erſchei1. Sam. 8. v. 7. net daher: Als das Volck Jſrael ſeiner vberdruͤſſigward /9Leichpredigt. ward / vnd einen Koͤnig begehrten. Troͤſtet jhn der Herr mit dieſen Worten: non te, ſed me rejecerunt, ſie haben nicht dich / ſondern mich verworffen / daß ich nicht ſol Koͤnig vber ſie ſeyn / 1. Sam. 8.
Wie hette Samuel ein groͤſſers anſehen haben koͤn - nen / als daß er Gottes Amptsverwalter geweſt? Als das er ſeine Stelle vertreten hat?
Was aber ſagt vnſer abgeleſener Text von denSamuel der R〈…〉〈…〉 ter in Jſrael ſtir - bet. Herrn Samuel? von dem ſtattlichen Propheten? von dem hochanſehlichen Richter? Ach dulieber Gott? Was ſol er doch ſagen? das ſagt er; Samuel ſtarb. Was? Wie? Wer? Samuel? Starb? Samuel? der ein Wunderkind war? Der von GOtt durch ein fewri - ges Gebet vnd viel Stroͤme der Thraͤnen erbeten war? der den Herrn geheiliget / gelobet / vnd gegeben war? der den Herrn / daß er zu vnterſchiedlichen mahlen mit jhm redete / ſo lieb war? Der in volbringung gewal - tiger vnd hoher Thaten ſo gluͤckſelig war? von dem ſteht geſchrieben vnd ſagt vnſer Leichentext. Samuel ſtarb? Ja / Ja / Meine hertzallerliebſte / alſo ſtehet von den dapffern Samuel in Gottes Buch der heiligen Bibel geſchrieben / eben alſo / vnd nicht anders ſagt vnſer Leichentext von jhm / Samuel ſtarb.
Wiſſet jhr aber auch / mein hertzallerliebſte / wasVſus. Buͤrgermel - ſter Ratt - herrn / Rich - ter ſterben auch. wir bey dieſen Worte / Samuel ſtarb / zulernen haben? Wenn ich in den Wochenpredigten zu dieſen Text kom - men / vnd den alten Herrn Samuel ſeine Leichpredigt thun werde / (das gar bald geſchehen wird) ſol es ewer Chriſtlichen Lieb angezeigt werden.
B ijJtzo10Die ErſteJtzo ſollen wir bey den Worten / Samuel ſtarb / die - ſe Lehr behalten: Buͤrgermeiſter / Ratherrn / Rich - ter muͤſſen auch ſterben.
Das iſt der alte Bund Syr. 14. Es iſt jhnen auch geſetzt zu ſterben einmahl. Hebr. 9. ſie muͤſſen auch den Weg aller Welt gehen / 1. Reg. 2. Wie Koͤnig David ſagt: Wann wird ſehen daß ſolche Weiſen dochPſal. 49. v. 11. Eccleſ. 2. v. 16. Pſal. 82. v. 6. ſterben. Pſal. 49. Der Weiſe ſtirbt auch Eccleſ. 2. Jch habe geſagt / jhr ſeyd Goͤtter / aber was ſtehet dabey? Jhr werdet ſterben wie Menſchen. Pſal. 82. Sie ſind da - hin ehe ſie es gewahr werden / vnd ſterben vnverſehensHiob. 4. v. 21. Hiob. 4. vnd in einẽ andern Ort ſetzt er einẽ merckwuͤr - digen Spruch / der lautet alſo: Wer wil Gott lehren / der auch die Hohen richtet? Dieſer ſtirbt friſch vnd geſund in allem Reichthum vnd voller gnuͤ - ge. Sein Melckfaß iſt voll Milch / vnd ſeine Ge - beine werden gemeſt mit Marck. Jener aber ſtir - bet mit betruͤbter Seele / vnnd hat nie mit Freu - den geſſen / vnd liegen gleich mit einander vnter der Erden / vnd Wuͤrme decken ſie zu / Hiob. 21.
O wie weißlich redet hiervon der hoch beruͤmbte Koͤnig Alphonſus, der gefragt / was gleich vnd einander ehnlich macht Koͤnige vnd gemeine Leute / reiche vnd ar - me / anſehliche vnd ſchlechte / vnndendlich was alle Men -Lib. 4. de re - bus geſtis Al - phenſ. chen einander gleich mache / ſagte mit einen einigen wor - te / Cinis, die Aſche.
Mit ſeinen Exempel beſtetiget das nicht alleine Sa - muel / ſondern auch vnſer Herr Buͤrgermeiſter / der be - ruͤckt iſt worden zur boͤſen zeit / die ploͤtzlich vber jhn ge -fallen /11Leichpredigt. fallen / Eccleſ. 9. Vnd da er vieleicht gedacht hatte / ſeiner Tage noch viel zu machen wie Sand / Hiob. 29. ſo ſind ſieEcclef. 9 v. 12 bald vergangen / daß kein auffhalten da geweſt iſt / Hi -Hiob. 19. v 18 Hiob. 7. v. 7. ob. 7. Das ſol Buͤrgermeiſtern / Richtern / Ratheherrn darzu dienen / daß ſie lernen demuͤtig ſeyn / vnd alle Ta - ge mit Todes vnd Sterbensgedancken vmbgehen / daßDarumb ſollen ſie al - le tage mit ſterbens ge - dancken vm - geh. n. ſie an jhre Sterbſtuͤndlein gedencken / alle mahl wenn ſie auffſtehen / wenn ſie auffs Rathaus gehen / wenn ſie jhre Vota abgeben / wenn ſie abſchiede ertheilen / wenn ſie jhre Amptßgeſchaͤffte verrichten. Memorare no - viſſima tua, Was du thuſt / ſo bedencke das ende / ſagt der weiſe Mañ. Quicquid agis, prudenter agas, & reſpice finẽ.
Der Buͤrgermeiſter vnd Ratherrn Titul iſt / daßIpſe jubet mortis te me - miniſſe Deus Martial. lib. 2 man ſie nennet Weiſe / Wolweiſe / Hochweiſe Herrn. O ein ſchoͤn er Ehrenname. Vnd zwar wenn ſie wollen den Namen mit der That haben / ſo iſt es gewis / daß nach dem waren erkentnis Gottes / keine ſo hohe Weisheit iſt / welche zu erlernen / ſie jhnen mehr ſollen laſſen angele - gen ſeyn / als die taͤgliche vnd ſtuͤndliche betrachtung vnd einbildung des Todes / damit ſie nicht ſterben zur vn -Eccleſ. 7. v. 18 2. Sam. 14. v. 14. zeit / Eccleſ. 7. Wenn ſie bald werden muͤſſen wie das Waſſer in die Erde verſchleiffen / 2. Sam. 14. vnd hie - nunter wandern / in das Grab / nemlich / in das Land derHiob. 10. v. 21. Finſternis vnd des dunckelns / Hiob. 10. Da die verwe - ſung wird ſeyn jhr Vater / vnd die Wuͤrme jhre Mut -Iob. 17. v. 14. Cic. 1. Tuſeul. quæſt. ter vnd jhre Schweſter / Hiob. 17. Fuͤrwar ſehr weislich hat hiervon geredet der hochweiſe Socrates: Philoſo - phari, nihil aliud eſt, quàm mortem meditari, Das iſt: Mit Weisheit vmbgehen / iſt nichts anders als mit Todes gedanckẽ vmbgehen. Vnd / O welchen groſſen / O welchẽ hohen nutz bringt die taͤgliche todesbetrachtung mit ſich.
Wer mit ſterbensgedancken vmbgehet / der ſtew - ret der Suͤnde / vnd wird nicht vbels thun / Syrach 7. Syr. 7. v. 40. Auguſtin. l. 1. contra Mami - es. Senes. lib. 10. Epiſt. 2. ad Lucil. Nihil ſic revocat hominem à peccato, quam frequens mortis meditatio, das iſt: Nichts helt den Menſchen al - ſo zu ruͤck / daß er nicht ſuͤndige / als die ſtette betrachtung des Todes. Vnd der hochweiſe Seneca: Nihil tam æquè tibi profuerit ad temperantiam omnium rerum, quâm frequens cogitatio, brevis ævi, & huius incerti. Es iſt nichts / daß dir ſo wol darzu dienen wird in allen ſachen /dich13Leichpredigt. dich zu meſſigen / als die ſtete betrachtung dieſes kurtzen Lebens / vnd der vngewisheit aller dinge.
Wer mit ſterbensgedancken vmbgehet / der weh - ret der ſicherheit / er lebt nicht in den Tag hienein als ob er mit den Tode einẽ bund vñ mit der Hellẽ einen anſtãd hette gemacht. Eſai. 28. Sondern zeucht jhm zu GemuͤteEſa. 28. v. 14. was der allerweiſeſte vnter den Koͤnigen ſagt / Beatus qui ſemper eſt pavidus, wol dem der ſich allwege fuͤrch -Prov. 28. v. 14. Phil. 2. v. 12. tet. Prov. 28. vnd ſchaff et darũb mit furcht vñ zittern daß er ſelig werde. Phil. 2. Vnd wartet mit den fuͤnff klugen Jungfrawen all augenblick / wenn der himliſche Breu - tigam kommen / vnd jhn heimholen wird / Matth. 25.
Wer mit ſterbensgedancken vmbgehet / der ſtew - ret der Hoffart / nach dem zeugnis Auguſtini, agnoſeat ſeAuguſt de verb. Domini homo mortalẽ, & frangit elationem, das iſt: der Menſch erkenne es nur daß er ſterblich ſey / ſo wird er der Stoltz vñ Hoffart den hals brechen / zu mahl wenn er den hoch - weiſen Syrach mit nachdencklichen Hertzen wird zuhoͤ -Syr. 10. v. 9. ren / dieſe bewegliche Worte redẽ / Was erhebt ſich doch die arme Erde vnd Aſche? Jſt er doch ein eitel ſchaͤndli - cher Koth weil er noch lebet. Dem Geitz in betrachtung / das, wie man nichts in die Welt bracht / alſo werde man auch nichts hienaus bringen 1. Tim. 6. Helffe auch dem1. Tim. 6. v. 7. Menſchen nichts wenn er die gantze Welt gewinne / ſo er ſchaden nehme an ſeiner Seele. Matth. 16. Vnd des keinMatth. 16. v. 26. Geitziger erbe habe an dem Reich Gottes / Epheſ. 5.
Wer mit ſterbensgedancken vmbgehet / der beflei - ſiget ſich in allen ſeinen thun vnd vorhaben / daß er nach Gerechtigkeit handele / vnd in allen ſachen vnd handelndie5Die ErſteDie fuͤr jhn kommen nichts fuͤrnehme daß der Edlen Ju - ſtitiæ zuwider ſey.
Zaleucus ein weiſer Mann / bey den Heyden / wie ſchoͤn! wie merckwuͤrdig! wie nachdencklich redet erIn Proëmio Legum ſuar, davon! Seine weitausſehende Worte lauten alſo: Sin - gulos oportet ſemper in ſingulis actionibus illud rem - pus) Mortis ſcilicet) adeò cogitationibus familiare fa - cere, ac ſi præſens eſſet. Ita enim maximè honeſti juſtiq́; cura vigebit.
Wer mit Sterbensgedancken vmbgehet / der gedencket allezeit an die Ewigkeit. Er leſt alle Au - genblick in ſeinen Ohren erſchallen / das hertzerſchrecken - de Wort: O momentum, undè pendet æternitas / O welch ein Augenblick iſt das / an welchen die Ewigkeit hanget! Dieſer Augenblick gehet im Tode an / da der Menſch ſchon innen wird / ob er wird ewige Frewde / oderIoan. Cli - ma c. ewige Pein haben. Mit einem Wort / Sicut panis neceſ - ſarius eſt homini præ cæteris alimentis; ita intenta me - ditatio mortis neceſſaria eſt homini, præ aliis donis & exercitiis bonis. Wie das Brod fuͤr allen andern Spei - ſen den Menſchen iſt am aller notwendigſten / alſo iſt jhm fuͤr allen andern Gaben vnd guten vbuͤngen / am aller nothwendigſten / die ſtete betrachtung des Todes.
Das alles / vnd noch viel mehr / wil des Herrn Buͤrgermeiſters ploͤtzlicher Todesfall / wie alle andere Menſchen / alſo zu foͤrderſt / die Herren Buͤrgermeiſter / Richter vnd Ratherren lehren vnd erinnern.
Des15Leichpredigt.Des Koͤnigs Sennacheribs Epitaphium oder Grab -Vide Axiom - Eccleſ. Richt. fol. 164. ſchrifft war me intuens pius eſto, das iſt: O Menſch / wenn du fuͤrvber geheſt vnd ſieheſt / daß der gewaltige Koͤnig Sennacherib hat muͤſſen ſterben / vnd alhier be - graben liegt / pius eſto, ſo ſey du fromb.
Fuͤrwar mich beduͤncket wie ich hoͤre den Herrn Buͤr - germeiſter dort aus ſeinẽ Sarch / ſeine Herrn Collegen mit dieſen Worten auch anreden: O jr meine liebe Her - ren Collegen wie jhr ſehet / wie ich / der fuͤr acht Tagen noch friſch vnd geſund geweſt / mit euch converſiret vnd vmbgegangen bin / jetzo aber ſchon in meinen Sarch al - hier liege / vnd zur verweſung zugerichtet bin / pii cſtote, O ſo lernet jhr from ſeyn! O ſpiegelt euch an dieſem mei - nen ſo ſchnellen Todesfall / vnd laſt euch den darzu die - nen / daß jhr alle Tage mit Todesgedancken vmbgehet / vnd auff ein ſeliges Sterbeſtuͤndlein euch fertig vnd be - reit macht. Qui anté moritur quám moritur, non mo - ritur cum moritur. Wer da ſtirbt ehe er ſtirbt / der ſtirbt nicht wenn er ſtirbt. O gedenckt an mich / wie ich geſtor - ben bin / ſo muͤſt jhr auch ſterben. Syr. 38. Heute iſts anSyr. 38. v. 23. mir / daß man mich vnter die Erden ſchicket. 2. Maccab. 6. 2. Maccab. 6. v. 23.Morgen oder vbermorgen wird es an euch ſeyn. Syr. 38. Syr. 38. v. 23.Wiſſet daß ewer Stuͤndlein gar nahe iſt / da jhr werdet alles muͤſſen andern laſſen vnd ſterben / Syr. 11. vnd alsSyr. 11. v. 20. denn fuͤr dem Strengen Richter geſtehen der Lebendi - gen vnnd der Todten / vnd rechnung geben von ewren Haußhalten / Luc. 16. O bedenckt daß jhr das GerichteLuc. 16. v. 2. nicht haltet den Menſchen / ſondern dem Herrn der iſt2. Paral. 19. v. 6. mit euch im Gerichte / 2. Paral. 19. Darumb richtet dasCVolck16Die ErſteDeut. 17. v. 18Volck mit recht / Deut. 17. vnd befeſtiget ewer RathaußProv. 16. v. 12 mit Gerechtigkeit / Prov. 16. Nemet nicht gern Ge - ſchenck vnd trachtet nicht nach Gaben / ſchaffet den Wai -Eſai. 1. v. 23. ſen recht vnd laſſet der Witwen Sachen fuͤr euch kom - men / Eſai. 1.
‘Non bonus eſt Conſul, non eſt bonus ille Senator, Qui non privatis publica pluris habet. ’ ()Helffet den Elenden vnd duͤrfftigen zum recht. Pſal. 82. Euch iſt die O brigkeit gegeben von dem HErrn / vnd die Gewalt vom Hoͤchſten / welcher wird fragen wie jhr handelt / vnd forſchen was jhr ordnet. Sap. 6. Da -1. Tim. 1. v. 19. rumb ſo vbet eine gute Ritterſchafft / habt den Glauben vnd gut Gewiſſen / 1. Timoth. 1. Gebet ewre vota ab exGal. 6. v. 7. conſcientia, vnnd nicht ex attinentia. Denn was derPſal. 90. v. 13. Menſch ſeet / das wird er erndten / Gal. 6. Betet alle Ta - ge mit Moſe dem groſſen Regenten / Herr lehre vns bedencken / daß wir ſterben muͤſſen / auff daß wir klug werden.
O jhr mein liebe Herrn Collegen, laſt euch dieſe meine letzte weiſe Reden aus meinen Sarch zu Hertzen gehen! Mit mir geht nun an die Ewigkeit / vnd ich kom - me nicht wieder zu euch. Valete & ſequimini. Geſegne euch GOtt vnd gehabt euch wol / ich fahre nu dahin mein Straſſen / jmmer vnter die Erde hienunter / laſſe mir in meinem Todtenhaͤußlein an meinen Sterbekuͤttel ge - nuͤgen / vnd ſich andere vmb zeitliche Ehre / Guͤter vnd andere vaniteten bekuͤmmern vnd denen nachlauffen. Folget jhr mir ſelig hernach.
Haben17Leichpredigt.Haben aber auch ewer Chriſtliche Liebe noch eine Lehre bey den vorigen Worten / Samuel ſtarb? Wol gut! Sie lautet alſo: Dapffere hochnuͤtzliche Leute ſterben gemeiniglich zu den allerbetruͤbſten Zeiten? Samuel der hochgechrte Richter in Jſrael ſtirbt zu gar elender zeit / da der Koͤnig Saul vaſend iſt / vnd es im Lande gar vbel ſtehet.
Alſo geſchiehet es noch offtern / daß vnſer lieberDapffere nuͤtzlicheLeu - te ſterben gemeinig - lich zu den allerbetruͤb - teſten zeitẽ. GOtt dapffere Leute hinweg nimbt / wenn man jhrer am noͤtigſten bedarff / vnd der groͤſte Kummer im Lan - de vorhanden iſt / vnd das thut GOtt entweder vmb jhrent willen / daß er ſie in jhr Grab mit Friden ſam - let / daß ſie nicht ſehen / alle das Vngluͤck / daß er vber2. Parai. 34. v. 28. einen Ort bringen wil. 2. Paral. 34. Die liebe Seel thut jhr langgewuͤntſchtes Frewdenſpruͤnglein in den lieben Himmel / vnd ſenckt ſich in die Arme jhres ſuͤſ -Sap. 3. v. 1. ſen Herrn JEſu / Sap. 3. Der abgekranckte Leib ruhet in ſeinen Schlaffkaͤmmerlein vnter der Erde. Eſui. 56. v. 14Eſai. 56. Oder aber GOtt thut es den Gottloſen vnnd Vndanckbaren zur Straffe / weil ſie ſo wol verdienterHebr. 11. v. 28. Leute nicht werth ſind / laͤnger mit jhnen vmbzugehen / Hebr. 11.
O wie ernſtlich drewet GOtt daß bey dem groſſenEſai. 3. v. 6. Propheten / daß er dermaſſen wil auffreumen / daß man nicht mehr Leute baben werde / die man zu Re - genten / vnnd Amptsverwaltern koͤnne brauchen / Ja es ſol darzu kommen / wo man nur nach einem wird ſehen / der ein reinlich Kleid wird anzuziehen haben / wird man den ergreiffen / vnd zu jhm ſagen /C ijSey18Die ErſteSey vn er Fuͤrſt / hilff du dieſem Vnfall / Er aber wird ſchweren vnd ſagen / Jch bin kein Artz / ſetzt mich nicht zum Fuͤrſten im Volck / ich bin zu ſchwach / ich habe nicht die qualiteren daß ich dem vnweſen / vnd der groſſen zerruͤttung remediren ſolte / ich bin zu we - nig / ich kan die groſſe Regentenlaft nicht tragen. O welch ein Jammer iſt das / Wie kan es alſo denn anders gehen / als wie bald hernach folget? Jeruſalem feit da - hin / vnd Juda liegt da.
Eben alſo redet der hochweiſe Koͤnig Salomon. Wo nicht Rath iſt Corrvit popvlvs, da gehet das Volck vnter / wo aber viel Rathgeber ſeyn / da ge - het es wol zu. Zu gleicher weiſe wie ein Schiff ſo auff dem wilden wuͤſten Meer daher laufft / weñ / es nicht durch einen erfahrnen Stewerman gelencket vnnd regieret wird / durch gewalt der Winde vnd vngeſtuͤme der Wel - len gar leicht an einen Felſen getrieben vnd in ſtuͤcken zerſchlagen wird / alſo wo ein Reſpubl. Wo ein Stadtre - giment mit weiſen Gubernatoribus vnd Regenten nicht verſehen iſt / Corruit Popvlvs, da gehet das Volck vnter / ſo kan es bald durch die Sturm - winde der Auffruhr / der Zwytracht / vnd anderer vn - verſehenen Zufaͤlie vber einen hauffen geworffen wer -1. Reg. 12. v. 14. den.
War nicht Koͤnig Rehoboam eines hochweiſen Vaters Sohn / da er aber den vnreiffen Rathe der jun - gen hitzigen Koͤpffe folget / vnd die Landſtaͤnde mit zu ſchweren Schatzungen vnd andern beſchwerlig kei - ten belegen wil / daß ſein Vater Koͤnig Salomon nichtgethan19Leichpredigt. gethan hatte / wie gehet es zu? Was folget drauff? Cor - ruit Popvlvs, da gehet das Volck vnter / da felts dahin / gantzer 10. Staͤmme nemlich / oder Fuͤrſten - thuͤmer fallen von jm abe / vnd bleib jhm ein klein Laͤnd - lein von d〈…〉〈…〉 m groſſen Koͤnigreich vbrig.
War nicht Babylon eine mechtige gewaltige Stadt? hatten nicht die Caldeiſchen Regenten jhre Reſidentz al - da? Ja freylich. Als aber Koͤnig / Raͤthe / Ratherrn ſicher werden / pancketiren / ſauffen / ſchwaͤlgen / bulen / was ge - ſchiehet drauff? Corruit Popvlvs, da gehet das Volck vnter / da niemand iſt der vmb vorſtehendes Vn - glick bekuͤmmert ſey / ward die Stadt bey Nacht von den Feinden vberfallen / vnnd in den aller erbaͤrmlichſten Jammer geſtuͤrꝛzet / Dan. 5.
Wenn demnach fromme Hertzen dieſen jetzigen hoch - fchwuͤrigen Weltſtand mit rechten Augen anſehen / was wil jhnen anders gebuͤhrẽ / als daß ſie zu Gott / in welches Haͤnden das Regiment auff Erden ſtehet / beten vñ feuff - tzen / daß er jhre fromme / mit wolbekandter Diſcretion degabte / vnd erfahrne Stadtvaͤter / ſo ſie noch haben / lange zeit im Leben erhalte? freylich wil es jhnen gebuͤh - ren! Damit ſie nicht durch derſelbigen vnzeitlichen toͤdt - lichen abgang in dieſem jetzigen Seculo confuſionis es auch in der That erfahren muͤſſen / was der allerweiſeſte Koͤnig ſagt / Wo nicht rath iſt / Corruit Popv - lvs, da gehet das Volck vnter. O wie ein gefehrlich ding iſts in einem Regiment vmb einen Schwaͤtzer / vndSyr. 10. v. 25. ein jecher Waͤſcher wird zu ſchanden / ſagt der weiſe Mañ.
LAſt vns aber zu dem andern kommen / nemlich zu der bittern Klage / die bey Samuelis ſeinem To - de geſchehen iſt.
Wer iſt er aber geweſt / der den hochgeehrten Rich - ter in Iſrael beweinet vnd beklaget hat? Vieleicht einer oder der ander der jhn wol iſt affectionirt geweſt? Ach Gott nein! Sondern es ſtehet in vnſerm Text / gantz Jſrael verſamleten ſich / vnd trugen leide vmb jhn.
Oder aber es werden nur ſeine Verwandten Bluts -Syr. 7. v. 37. freunde die Wolthaten an jhren Todten haben bewie -Syr. 38. v. 16. ſen? Syr. 7. vnd werden jhn beweinet vnd beklaget ha - ben / als ſey jhnen gros Leid geſchehen? Syr. 38. Auch nicht! Sondern / gantz Jſrael verſamleten ſich / vnd trugen leide vmb jhn.
So werden aber nur vielleicht die Buͤrger zu Ra - ma den Todesfall jhres alten Herrn Richters jhnen ha - ben laſſen zu hertzen gehen / vnd bitterlich es haben be - weinet / daß ſie eines ſo frommen Regenten / der ein rech - tes Vaterhertz zu jhnen gehabt / entrathen ſollen? Auch das nicht! Sondern / gantz Jſrael verſamleten ſich / vnd trugen leide vmb jhn.
Oder aber es werden vieleicht die angelegenen Staͤd - te aus guter Nachtbarſchafft ſich mitleidentlich erzeiget / vnd gros leid vmb jhn getragen haben? Vnd auch dasMich. Saxo in Cron. Cæ - ſar. parte 4. fol. 336. nicht. Sondern wie es geſchahe / da Anno 1564. an S. Jacobs Tage der hochloͤbliche Keyſer Ferdinandus derErſte21Leichpredigt. Erſte ſeligſter Gedaͤchtnis ſtarb / darnach allenthal - ben im Roͤmiſchen Reich publicum luctum hielt / vnd Leichpredigten that / darinne ſeiner May. Leben / regie - rung vnd Thaten zu ewigem Gedaͤchtnuͤß ausgeſtrie - chen worden / alſo ward auch bey Samuelis Tode eine allgemeine Landtrawer angeſtellet / vnnd gantz Jſ - rael verſamleten ſich / vnd trugen Leide vmb jhn.
Vnd zwar / daß ſie den Herrn Samuel ſo ſehr be - klagten / vnnd ſo gros Leide vmb jhn trugen / haben ſie hochwichtige Vrſach / denn ſie haben an jhn verlohren:
Jhr ſollet aber / meine hertzallerliebſten hierb eyObſervatio. Regenten im Leben ge - haſſet / wer - den nach dem Tode beklaget. lernen / wiſſet jhrauch was? Dieſes nemlich. Die Re - genten die im Leben mit has werden geplaget / die werden nach dem Tode beklaget.
Weich einen dapffern hochbegabten Richter hat - ten die Jſraeliten an Samuel! er wil jhnen aber in die1. Sam. 8. v. 5. 1. Sam, 12. v. 3. laͤnge nicht tauglich ſeyn / ſie werden ſeiner vberdruͤſſig / ſie verwerffen jhn / ſie wollen einen Koͤnig haben. Da ſie aber ſehen welche ſeltzame humores der newe Koͤnig hat / welche groſſe gravamina mit jhme einziehen / O wie wuͤntſchen ſie / daß ſie den vorigen Richter moͤchten wieder haben / O wie gros leid tragen ſie vmb jhn: O wie gern hetten ſie jhn / wenn es moͤglich geweſt / wieder aus der Erden gekratzet /
Alſo22Die ErſteAlſo gehet es in der Welt / Boͤſe / boͤſe / ſpricht man / wenn mans hat / aber wenns weg iſt / ſoProv. 20. v. 14. ruͤhmet man es denn. Prov. 20. Es iſt aber als denn gar vergebens vnd zu langſam / daß man nach dem wie - derumb wuͤnſchet / welchem man jhm Leben offtermah - len alles boͤſes hat gewuͤntſchet. Vnd wird Gott hoͤchlich erzuͤrnet durch ſolche vndanckbarkeit / wenn man die O - berkeit ſpoͤttlich verachtet / darumb man denn vielmehr mit danckbarem Hertzen es ſol erkennen vnd annemen / wenn Gott weiſe / geſchickte / erfahrne vnd nuͤtzliche Re - genten giebt / ob gleich auch zu weilẽ menſchliche ſchwach - heiten mit vnterlauffen / in anmerckung daß nicht bald andere da ſind / wenn dieſe weg ſind. Jch wil nicht ſagen daß der Herr Buͤrgermeiſter ein Engel iſt geweſt / ſon - dern daß er einer iſt geweſt aus denen / die des Rhums mangeln den ſie fuͤr Gott haben ſollen. Rom. 3. So giebtRom. 3. v. 23. auch weitleufftige Regierung weitleufftige Jrrungen / vnd leufft zu zeiten eigen nutz / zorn / vnwille / vnd andere Maͤngel vnd Gebrechen mit vnter.
Wir ſollen aber wiſſen daß es heiſt / ne ſis Therſites in Regentes, vnd demnach nicht nur ſehen auff jhre im - perfectiones, ſondern auff jhre Gaben vnd qualiteten, die jhnen der allerhoͤchſte Gott hat beygelegt / derer ſich ein gantz Land Stadt vnd Gemeine zu troͤſten hat / vnd derſelbigen fruchtbarlich genieſſen kan.
O wie viel muͤhe / O wie viel arbeit! Schweis wa - chen erfahrung wird darzu erfordert ehe einer recht zu ei - nen Manne wird / daß er eine vornehme Amptsſtelle mit nutz beſitze / vnd wenn denn ein ſolcher Mann geſchwinddurch23Leichpredigt. durch den Todt dahin gehet / vnd in der zeit / da es in ei - nem Land oder Stadt ſeltzam durch einander gehet / hat in warheit mehr vrſache ein gantz Jſrael / das es ſich verſamle vnd trage leide vmb jhn / als das man in ſeinen Leben ſuchete vnd herumb wuͤhle / weil man nicht bald andere Subjecta finden kan / die mit derogleichen qualireten begabt ſind. Jch habe noch nicht das aller - ſchoͤnſte Liecht ſo helle ſehen brennen / daß nicht auch het - te ſeine Putzen gehabt. Es fellt auch der Gerechte / vnd nicht in ſieben Tagen einmahl / ſondern des Tages ſie - ben mal / vnd ſtehet wieder auff / aber dieGottlo - ſen verſincken in Vngluͤck / Prov. 24.
Als einsmahls der Koͤnig Pyrrhus ſeinen geheimen Rath Cyneam gen Rom in hochwichtigen Sachen ab - fertigte / vnd er nach derſelbigen verrichtung widerumb anheim kam / vnd jhn der Koͤnig fragte wie jhm der Rath zu Rom gefallen hette / gab er ſeinem Koͤnige zur Ant - wort / jhn hette gedaucht videre ſe conſeſſirm Regum, er ſehe ein groſſe menge anſehlicher Koͤnige faͤr ſich.
Heutiges Tages aber / wenn man ſich ein wenig vmbſiehet / wird man befinden / daß Gott ſeine Drewun - gen erfuͤlle / vnd den Vorrath ſtattlicher vnd dapfferer Leute an vnterſchiedenen Orten faſt eben geſchwind hin - weg nehme. Wie wenig giebt es alte vnd betagte Fuͤr - ſten im Reich! Wie ſeltzam wollen werden Gelehrte / erfahrne vnd woltuͤchtige Raͤthe! Wie verſterben ſich die alten erfahrnen Rattherrn in dieſen loͤblichen Fuͤrſten - thuͤmern! Wie wird es vberal in den Staͤdten beklagt! Wie ſolte es ſo bald an nuͤtzlichen Leuten mangeln! Zu -Dmahl24Die Erſte. mahl in den jetzigen ſchweren Zeiten / da es ſo viel koſtet einem Sohn beym ſtudiren erziehen / vnd mit dem vber alle mas groſſen Geldmangei / die jetzige letzte Welt von dem allerhoͤchſten Gott geſtrafft wird.
Laſt vns demnach mit danckbarem Hertzen es er - kennen / wenn Gott fromme / verſtendige / Gerechtig - keit liebhabende Obrigkeiten giebt / ob gleich zu weilen ein fehler neben jhnen hertrabet. Sie ſind auch Men -Eccleſ. 7. v. 21. ſchen. Es iſt aber kein Menſch auff Erden der nicht ſuͤn - dige. Laſt vns auch GOtt fuͤr ſie bitten / daß er alle jhre Rathſchlaͤge / daß er alle jhr thun vnd vornehmen zu ſei - nes heiligen Namens Ehr / vnd vns allen zum beſten dirigiren vnd richten wolle.
WJr kommen aber zu dem dritten Theil / wel - cher iſt / Sepulturæ honeſtas, das ehrliche Be - graͤbnis das Samuel der Richter in Jſrael ge - habt hat / darvon ſagt vnſer Text alſo: Sie begruben jhn in ſeinem Hauſe zu Rama. Zu Rama hat er gewohnet / zu Rama in ſeinen Vaterland iſt er auch ne -Obſervatio. Ein ehrlich - es Begraͤb - nis iſt eine ſondere be - gnadung Gottes. ben ſeinen Vorfahren vnd nahe Freunde von dem gan - tzen Jſrael ehrlich begraben worden. Hier lernen wir / Ein ehrliches Begraͤbnis haben / iſt ein Stuͤck zeitliches Segens vñ Gluͤckſeligkeit. Das hat Gott als eine ſonderbare begnadung verheiſchen / dem Patri - archen Abraham / dem Koͤnig Joſiæ / Abiæ / dem Sohn des Koͤniges Jeroboam, vnd anderen mehr.
Den25Leichpredigt.Dem Patriarchen Abraham alſo / Du ſolt fahrenGen. 15. v. 15 zu deinen Vaͤtern mit Frieden / vnd im guten Al - ter begraben werden / Gen. 15.
Dem Koͤnige Joſiæ alſo / Sihe ich wil dich ſam - len zu deinen Vaͤtern / daß du in dein Grab mit2. Paral. 14. v. 25. Frieden geſamlet werdeſt / 2. Paral. 34.
Dem Sohn Jeroboam alſo / Es wird jhn das gantze Jſrael klagen / vnd werden jhn begraben / denn dieſer allein von Jeroboam wird zu Grabe kommen / darumb das etwas gutes an[j]m erfun - den iſt fuͤr dem HERrn / dem GOtt Jſrael im1. Reg. 14. v. 13. Hauſe Jeroboam, 1. Reg. 14.
Dieſe zeitliche Gluͤckſelig keit hat neben andern vielen mehr / vnſer Herr Buͤrgermeiſter auch / der wird neben ſeinen lieben Herrn Vater vnd Mutter dahin gelegt.
Das verſtehen vnd wiſſen die jenigen gar wol / die da ſind Vorſteher der Kirchen / vnd bey denen man es mus ſuchen / wenn man den Seinigen gern ein Chriſt - liches Begraͤbnuͤß haben wolte / darumb laſſen ſie gutte ehrliche Leute bey einer Stadt vnd Gemeine / jhres Geſchlechts / vnd jhres wolgefuͤhrten Lebens vnd Wandels auch ſo weit genieſſen / daß ſie nach jhrem To - de ein feines / ehrliches Begraͤbnuͤß haben koͤnnen / ver - goͤnnen jhnen vmb ein leidliches die Grabſtellen / damit ſie nicht zu gar tewer in ein Loͤchlein vnter die Erde ſich einkeuffen doͤrffen / weil maſſe zu allen dingen gut iſt.
D ijDenn26Die ErſteDenn ob ſchon ſo hoch vnd viel nicht daran gelegẽ / was einer fuͤr ein Begraͤbnis hat / ſonderlich wenn es geſchie - het zu Kriegeszeiten / oder in andern vngelegenheiten / weil man von einem Orte ſo nahe in den Himmel hat als von dem andern / wenn man nur ſelig ſtirbt / jedoch aber / wenn es ſeyn kan / das wir ein fein ehrliches Begraͤb nuͤß haben / auch zu den lieben Vnſrigen gelegt werden / vnd neben jhren Beinlein vñ Staͤublein vnſer Raͤumlein ha - ben koͤnnen / ſollen wir es als ein ſonderliche Gnade Got - tes mit danck erkennen vnd annemen.
Ein ehrlich Begraͤbnis iſt / Teſtimonium hone - ſtæ peregrinationis, Ein Zeugnis einer Erbarn gefuͤhr - ten Pilgramſchafft eines wolgefuͤhrten lebens / das man jhm habe laſſ en angelegen ſeyn zu allerfoͤrderſt die pie - ter vnd Gottſelig keit / die zu allen dingen nuͤtze iſt / vnd hat die Verheiſſung dieſes vnd des zukuͤnfftigen Lebens /1. Tim. 4. v. 8. 1. Tim. 4. vnd daß man hernach allen was warhafftig / was erbar / was gerecht / was keuſch / was lieblich / was wol lautet / vnd ſo iſt erwa ein tugend / iſt etwa ein Lob dem - ſelbigen nach gedacht habe / Philip. 4.
Ein ehrlich Begraͤbnis iſt / Teſtimonium ſyn - ceræ dilectionis, Ein Zeugnis der klarẽ vnd vnverfaͤlſch - ten Liebe / die wir zu den vnſern Verſtorbenen getragenSyr. 7. v. 37. haben / darumb beweiſen wir auch nach dem Tode dieſe Wolthaten jhnen / daß wir ſie mit einer ehrlichen Grab - ſtette verſehen / wie der alte Tobias den erwuͤrgeten Martyren zu Ninive ſolchen Ehrendienſt leiſtete / Tob. 1.
Ein ehrlich Begraͤbnis iſt / Teſtimonium futu - ræ reſurrectionis. Ein Zeugnis der zukuͤnfftigen froͤli -chen27Leichpredigt. chen Aufferſtehung der Todten an dem lieben Juͤngſten Tage / da die frommẽ gleubigen Hertzen ſollen mit new - er Lebenskrafft wieder angethan werden / vnnd jh - re Gebeine wie das Graß gruͤnen / vnd bluͤhen jmmer vnd ewiglich.
O das hilff vns allen du groſſe Barmhertzig - keit Jeſu Chriſti / geruͤhmet vnd gepreiſet von E - wigkeit zu Ewigkeit / Amen.
ANlanget die verſtorbene Leiche / iſt ſolche der Ehrenveſte / Wolweiſe / Wolbenambte / vnd hochgelahrte Herr Melchior Horſtius Sen. Buͤr - germeiſter / der Schulen Præſes vnd verordneter Kir - chenvater / eines alten vnd hochgechrten Geſchlechts aus Meiſſen / deſſen Vorfahren bey der Chur Sachſen / zu ſondern Emptern promoviret, wie ſolches Reinerus reineccius in vita Dn. Georgii Horſtii, Buͤrgermeiſtern zu Torgaw / welches den Epiſto lis Philoſophicis& me - dicinalibus, ſo ahn verſtorbenes Herrn S. Großvatern Herr Bruder / Jacob Horſten Doctorn, geſchrieben worden / præfigiret, ausfuͤhrlich machet. Denn ſein Herr Vater iſt geweſen der auch Ehrenvehſte / Wol - benambte vnd Wolweiſe Herr Melchior Horſt, Sen. von Elſter Werda aus Meiſſen / ſo hernach in Schleſien nicht allein zur Schweidnitz vnd Valckenhain / ſon - dern auch alhie der Schulen vnd dem Rathauß auffge - wartet / weil er erſtlichen zu einem Stadtſchreiber an -D iijgenom -28Die Erſtegenommen / auch endlichen zum Ratherrn alhier erkoh - ren worden.
Seines Herrn Vater Vater iſt geweſen der Ehr - wuͤrdige vnd Wohlgelahrte Herr Melchior Horſt / wolverodneter Pfarherr zu Elſter Werda in Meiſ - ſen.
Seines Großvatern Vater iſt geweſen Herr Mat - thæus Horſt / Churfuͤrſt Joan. Friedrichs Forſtmei - ſter.
Seines Großvatern Vater Vater / auch Herr Matthæus Horſt / Churfuͤrſt Johannis, Churfuͤrſt Friderici Bruders vnnd Succeſſorn, auch beſtelleter Formeiſter.
Seines Großvatern / Vater Großvater iſt gewe - ſen Herr Gregorius Horſt / Churfuͤrſt Friderici liebſter Cammerdiener.
Sein Fraw Mutter iſt geweſt die tugentſame Fraw Euphemia Zeidlerin von Reichenbach / auch eines alten vnd nun mehr vergangenen Geſchlechte.
Von ſolchen Eltern iſt er zur Schweidnitz auff die - ſe Welt im Jahr 1574. Sontag fuͤr Jacobi war der erſte Auguſti gebohren / denſelben Tag auch zur heili - gen Tauffe Chriſtlichen Brauch nach befoͤrdert wor - den.
Als er nun das fuͤnffte Jahr erreichet / haben jhn die lieben Eltern im Jahr 1579. den 12. Martii das erſte mahl zur Schulen gethan / vnd als er die Capita pietatis vnnd principia artium erreichet / iſt er Anno 1588. den 13. Januar. Seines alters in 14. Jah[r]〈…〉〈…〉nachBreß -29Leichpredigt. Breßlaw zu S. Eliſabeth zur Schulen verſchicket wor - den / da er denn alſo proficiret; daß er im 29. Jahr ſei - nes alters Anno 1593. den 29. Jul[i]i nach Helmſtadt auff die Hochſchulen abgefertiget / da er dann faſt vier Jahr commoriret, per orando & diſputando, ſo wohl in Philoſophicis als Juridicis ſich alſo erzeiget / daß er alier Profeſſorn vnnd Commilitonum Gunſt er - langet.
Wiewol er in ſolchem ſeinem curſu Academico mancherley Kranckheit / wegen der vngeſunden Sach - ſenſpeiſen / aus geſtanden / aber doch nechſt Gott / vnnd fleiß der Herrn Medicorum, bevoraus ſeines liebẽ Her - ren Vettern Iacobi Horſt. Med. Doct. der jhn neben andern vmb ein leidliches Geld alimentiret, zimliche Geſundheit erlanget / ohne daß er kranck zu ende des 1596. Jahres nach Reichenbach zu ſeinen lieben El - tern / von Helmſtadt kommen / vnd ſo geſchwind er nur ein wenig zur Geſundheit gelanget / ſchleunig das angefangene weitleufftige ſtudium Iuris zu abſolvi - ren ſich Anno 1597. nach Franckfurt an der Oder / erhaben / vnd gleichfals ein gantzes Jahr daſelbſt au - ſcultando & diſputando tàm publicé quàm privatim zubracht / vnd alſo ſeine ſtudia Academica daſelſt ab - ſolviret.
Darauff ſich folgends im Namen Gottes ſeinen lieben alten vnd verlebten Eltern zum hoͤchſten vnd ſon - derbahren troſt nach Reichenbach mit Ehr vnd Rhum eingeſteilet.
Als30Die ErſteAls ſolches geſchehen / hater folgends Jahr auff vorhergehendes Gebet / denn mit Rathziehung ſeiner lieben Eltern ſich Anno 1599. den 8. Februar. in den Standt der heiligen Ehe begeben / mit der damalen Er - bahren vielehrentugentreichen Jungfrawen Anna / des Ehrenveſten / Wolbenambten vnd Wolweiſen Her - ren Caſpar Redlers Sen. Wolverdienten Rathsver - wandtens vnd Buͤrgermeiſters / eheleiblichen Tochter / jetzo hochbetruͤbten nachgelaſſenen Wittib / mit welcher er im Standt der heiligen Ehe zubracht 26. Jahr / 28. Wochen. Gott hat in jhrem Eheſtand ſie ſehen laſſen 6. Kinder / 4. Soͤhne 2. Toͤchter / deren albereit der hal - be theil / nemlich drey Soͤhne ſind zeitliches Todes ver - bliechen / 2. Toͤchter / ein Sohn iſt noch ſo lange als Gott wil beym Leben.
Weil aber der Sohn ſich in der Frembde ſeiner ſtudien halben auffhelt / wolle jn Gott vnter deſſen troͤ - ſten. Vnd die zu Hauß liegende krancke Tochter in ſeine Allmechtige Cur befohlen laſſen ſeyn.
Als nun er ſich in Stand der heiligen Ehe bege - ben / iſt er behend in Juvenili ætate durch ſein diſcre - tion vnd erudition hochgeachtet / anfangs bald dem Koͤ - niglichen Hoffe vnd Land gerichten alhier zum Actua - rio in die vier Jahr beſtellet / darauff auch von ei - nen Ehrenveſten Rath / Anno 1603. zu einen Stadt - ſchreiber alhier elegiret, vnd ſeines wolverhaltens halben ferner promoviret, daß er Anno 1607. in die Zahl der Ratherren erkohren worden.
Durch31Leichpredigt.Durch toͤdlichen abgang des Ehrenveſten / Wol - benambten / Hochgelahrten vnd Wolweiſen Herrn Con - ſtantini Herings das Conſulat vaciret, iſt jhm eodem anno der vacariat deſſelbten à reliquo Senatu auffge - tragen worden / hat auch hewer zum tritten mahl die ſchwere Laſt eines Buͤrgermeiſters ertragen muͤſ - ſen.
Solcher digniteten, die Er / nechſt Gott / durch fleiſ ſiges ſtudiren erlanget / hat er nicht muͤßbrauchet / ſon - dern ſich alſo gegen menniglichen aller Gebuͤhr vnd re - ſpects verhalten / daß jederman der mit jhme Collegia - liter converſiret, oder vber den er judicialiter domi - niret, alles guttes nachſagen / wenn ſein Coͤrper nun - mehr liegen vnd in der Erden ruhen wird / ſeiner zum ruͤhmligſten wird zu gedencken wiſſen.
Sein Chriſtenthumb belangent / iſt er ein trewer Liebhaber goͤttliches Worts geweſen / die Capittel / Ge - betſtunden / wie auch Sontags vnd Wochen Predigten fleiſſig beſuchet / vnd mit andacht gehoͤret / derer diſpoſi - tion, geiſtliche Spruͤche vnnd dicta moralia, zu Hauſe embſig mit den Seinigen wiederholet / ja auch mit eige - ner Hand ein zimlichen theil auffgeſchrieben.
Er hat auch neben ſeiner lieben Haußfrawen vnd Toͤchtern alle Jahr beym Tiſche des HErrn ſich einge - ſtellet / vnd ſolcher myſterium ſummâ cum devotione genoſſen. Er iſt aber auch ein Suͤnder geweſt / der ſeine Maͤngel vnd Gebrechen gehabt / wie denn kein Menſch ſagen kan: Mein Hertz iſt rein / Prov. 20. v. 9.
EDas32Die AnderDaß er denn gar nicht verneinet / ſondern alle mahl wenn er mit den Seinigen bey den hochwuͤrdigen Abentmahl ſich eingeſtellet vmb verzeihung bitten laſ - ſen.
Jetzt ohn gefehr dreyvirtel Jahr iſt er ſtets mit ſterbensgedancken vmbgegangen / etliche Tractetlein de morte jhm compariret, fleiſſig in der Kirchen vnd ſon - ſten zu Hauſe mit andacht darinnen geleſen / jhme ſein Sterbſtuͤndlein recht zu Gemuͤhte gefuͤhret / vnd auff daſſeldige præpariret.
Alle Morden wenn er iſt auffgeſtanden / hat er vnter dem anziehen / dieſe Wort aus den deutſchen Te Dcum laudamus, Nun hilff vns Herr dem Diener dein / ꝛc. bis zum ende geſungen / folgends ſein Gebetbuch ergrieffen / ein Morgenſegen vnd vor die gem eine noth geſeufftzet / darauff in die Kirchen oder zu ſeines Ampts expedition gegangen.
Deßgleichen mit beten vnd ſingen zur Ruhe ſich begeben. Taͤglichen hat er diß kurtze Seufftzerlein ge - ſprochen:
Welches Seufftzerlein auch auff viel ſeiner taͤgli - chen Buͤcher vnd Regiſter zu finden.
Sein Kranckheit anbelangent / iſt er am vergange - nen Mittwoch 8. Tage verfloſſen / nach expedition pub - licorum negociorum von Jawer wieder zu ruͤck kom - men / vnd als er verſtanden / was vnter deſſen / in ſeinerkurtz -33Leichpredigt. kurtzen abſentz ſich in einem vnd dem andern zugetra - gen / darob etwas ſich entſetzet / thernachmals als heute acht Tage ſeine liebe Tochter ſich kranck geklaget / vnd zu bette bleiben muͤſſen / iſt er daruͤber erſchrocken / bis an Sontag ein ſteter Schawer bey jhm erzeiget / darauff ein groſſe Hitze vnd ſchwachheit aller Glieder gefolget / ſo ein groſſen vnd ſchweren Fluß cauſiret, daran er auch (wiewol es an des Herrn Medici vnd Chyrurgi Huͤlffe / rath vñ aſſiſtentz nicht gemãgelt / jedoch den gewuͤntſch - ten effect nicht erlangen moͤgen) am Dinſtage zwiſchen 4. vnd 5. ſein Leben ſanfft vnd ſtille enden muͤſſen / als er alt worden / 51. Jahr / 3. Wochen 2. Tage.
Dem allmechtigen Gott / der es in ſeinem ge - heimen vnd allezeit guten Rath alſo hat beſchloſ - ſen / ſey gedancket / daß er nunmehr ſein noth ſelig vberwunden / der wolle jn vnter der Erden ſanfft laſſen ruhen / vnd am Juͤngſten Tage zum ewigen Leben aufferwecken / vnd vns allen zu mahlen zu ſeiner zeit ſelig hernach helffen.
BEy der Leich der Erbahren Vieleh - rentugentreichen Jungfrawen Suſannæ, des Weyland / Ehrenveſten / Wolbenamb - ten / Hochgelehrten vnd Wolweiſen Herrn Melchioris Horſtii &c. Eheleiblichen Toch - ter / welche den 28. Auguſti ſeliglich entſchlaffen / vnd den 31. hernach Chriſtlich zur Erden beſtattet / vnd neben jh - ren ſeligen Herrn Vatern in die Kirche iſt beygeleget worden.
Vnter andern Offenbahrungẽ / welche von dem zuſtandt der Chriſtlichen Kirchen bis ans ende der welt / der heilige Evangeliſt Johannes gehabt / ſiehet er auch auff den Berg Zion ein Lamb / durch welches wird ver -Ioh. 1. v. 30. ſtanden / vnſer hochverdieneter Heyland vnd ſeligma -Eſa. 53. v. 7. cher Chriſtus / der die Suͤnde traͤgt der gantzen Welt / vnd wie ein Schlachtlaͤmlein / das ſeinen Mund nicht auff - thut / fuͤr vns zum Tode iſt gefuͤhret worden.
Fuͤr dieſes Lammes Stuel ſtehen / das iſt / ſchawen die Mayeſtet vnd Herrligkeit Gottes / vnd werden jhre Hertzen mit himmliſcher Frewde darvon erfuͤllet / hun -dert35Leichpredigt. dert / vier vnd viertzig tauſend Jungfrawen / durch wel - che nicht werden verſtanden Kloſter Jungfrawen (wieNumerus fi - nitus pro in - finito. die Paͤbſtler meinen) ſondern alle die ſo Chriſto Jeſu im Glauben mit Gerechtigkeit vertrawet vnd verlobet ſeyn / demſelbigen jhrem hertzallerliebſten BreutigamOſe. 2. v. 19. Apoc. 2. v. 10. im Glauben / Furcht / vnd Liebe getrew bleiben bis in den Todt / vnd mit Abgoͤtterey / Vnkeuſchheit / vnd an - deren Suͤnden ſich nicht vervnreinigen oder beflecken.
Zu dieſer Zahl der hundert / vier vnd viertzig tau - ſent / ſeligen Außerwehlten Jungfrawen in den himli - ſchen Zion das droben iſt / hat nunmehr der triumphi -Gal. 4. v. 26. rende Lebensfuͤrſt Chriſtus Jeſus / aus dieſem viel muͤh - ſeligen Aangſtleben der Seelen nach / auch abgeholet / die Erbahre / vielehrentugentreiche Jungfraw Suſan - nam Geborne Horſtin / bey dem ſie im Himmel lebt / Johan. 14. im Himmel ſein Antlitz in HerechtigkeitIoh. 14. v. 19.Pſal. 17. v. 15. ſchawet / Pſalm. 17. der im Himmel ſie lie -Oſe. 14. v. 5.Rom. 8. v. 39. bet / vnnd nichts von ſeiner Liebe ſie ſcheidet / Rom. 8. im Himmel ſie hertzet / vnd mit dem Kuß ſeines Mun - des ſie kuͤſſet / Cant. 1. im Himmel auff ſeinen SchoßCant. 8. v. 3.Cant. 1. v. 2. ſie ſetzet / vnd freundlich ſie treg auff ſeinen Knien / Eſai. Apoc. 16. v. 22.66. im Himmel Hoch zeit vnd das ewige Frewden mahl mit jhr helt. Apoc. 19. im Himmel mit WolluſtEſa. 66. v. 12.Apoc. 19. v. 17. als mit einem Strom ſie traͤncket / Pſal. 36. im Him - mel die ſchoͤne Kron der Herechtigkeit vnd des LebensPſal. 36. v. 9.Apoc. 2. v. 10. jhr auffſetzet / Apoc. 2. in welcher ſie leuchtet vnd glaͤn -1. Cor. 15. v. 42. tzet wie die ſchoͤnen Sternen / 1. Cor. 15. vnd wie die hel -Matth. 13. v. 43. leuchtende Sonne in jhres Vaters Reich / Matth. 13.
E iijWeil36Die AnderWeil denn jhr hochverdieneter Himmel Breu - tigam ſo groß jhre ſelige Sele hat geehret / daß er ſie zu dieſer groſſen zahl der Außerwehlten in das himmli - ſchen Zion abgeholet hat / ſo haben ewer Chriſtliche Lie - be auch recht vnd wol gethan / daß ſie jhren abgeſtorbe - nen Coͤrper ſo hoch geehrst / vnd demſelbigen in groſſer anzahl / wie auch am juͤngſt vergangenen Freitag jhren lieben Herrn Vater geſchehen / das Geleite zu ſeinem Ruhebetlein gegeben haben.
Jſt nun an dem / daß dem allerhoͤchſten Gott ewer Chriſtliche Liebe mit mir wird helffen hertzlich anruf - fen / daß er zu der Ehrenpredigt / ſo dieſer Chriſtlichen Jungfrawen ſol gehalten werden / Gnad vnd Segen reichlich geben vnd verleihen wolte / vnd zwar in einem andaͤchtigen glaubigen Vater vnſer.
WEnn ich bey mir ſelbſt betrachte / vnd von Hertzen bewege / das ſehr ſchmertzliche vnd hochſchwere Haußcreutz / ſo der allge - waltige GOtt / der Erbarn / vnd vielehren -tugent -37Leichpredigt. tugentreichen Frawen Annæ gebornen Redlerin / des Weyland Ehrenveſten / Wolbenambten / Hochgelehr - ten vnd Wolweiſen Herrn Melchioris Horſtii Senio - ris, vieſer loͤblichen Stadt wolverordneten geweſenen Buͤrgermeiſters ſeligen / nunmehr hinterbliebenen hochbetruͤbten Wittiben zu geſchicket hat / ſo beduͤncket mich daß ich den groſſen Propheten Eſaiam jhr hoͤre zu - ſchreien dieſe Worte: Der HErr hat dich laſſen im geſchrey ſeyn / daß du ſeyeſt / wie ein verlaſſen / vnd von Hertzen betruͤbtes Weib.
Zwar von GOtt iſt ſie nicht verlaſſen / noch jhrer vergeſſen / aber von jren ſeligen lieben Herrn vnd Mañ /Ioſ. 23. v. 14. der da iſt hingegangen den Weg aller Welt / Joſ. 23. von jhrer geliebten Tochter / die jhren Herrn Va - ter auff den vierden Tag hernach gefolget / vnd wie das Waſſer in die Erde verſchleiffen muͤſſen / 2. Sam. 14.2. Sam. 14. v. 14. vnd derer Chriſtliches vnd ehrliches Begraͤbnis heute gehalten wird / iſt ſie der ſichtbarlichen beywohnung nach verlaſſen worden. Vnd O wie ploͤtzlich / O wie vnvorſehens / Freilich! Freilich! iſt ſie in dieſer be - trachtung recht ein verlaſſen vnd von Hertzen betruͤbtes Weib.
Siehet ſie an ſich ſelbſt / wie ſie nunmehr in den hochbetruͤbten Wittwen Standt gerahten? Sie iſt wie ein verlaſſen / vnd von Hertzen betruͤbtes Weib / weil ſie ſo geſchwind durch den zeitlichen Todt hat ver - laſſen / jhr Herr / jhr Mann / jhr Haupt / jhr Hertz / jhr Schatz / vnd des Herrn Hand dermaſſen ſo ſchwerPſal. 32. v. 4. auff jhr iſt / Pſal. 32. vnd ſie ſo hart druͤcket / Pſalm. 38. Pſal. 38. v. 3.daß38Die AnderDaß ſie fuͤr groſſer Angſt klagen / vnd ſchreyen mus: Meine beyde Augen fluͤſſen mit Waſſer / der Troͤ -Thren, 1. v. 20 ſter der meine Seele ſolte erquicken / iſt ferne da - hin / Thren. 1.
Siehet ſie an jhre liebe Kinder / die numehr zu Vater - loſen Waiſen worden ſind? Sie iſt wie ein verlaſſen vnd von Hertzen betruͤbtes Weib / denn ſie ſiehet ſieIob 30. v. 28. ſchwartz einher gehen / Job. 30. vnd jhren Tranck mitPſal. 102. v. 10. Thraͤnen miſchen / Pſal. 102. daß jres Herren Vatern ta -Iob. 7. v. 7. ge ſind vergangen / da kein auff haltẽ da geweſt / Job. 7.Thren. 5. v. 3. vnd hoͤret ſie (O wie elendiglich!) ſeufftzen vnd ſprechen / Wir ſind Waiſen / vnd haben keinen Vater / vnſer Mutter iſt ein Wittibe worden / Thren. 5.
Siehet ſie an jhre geliebte Tochter? Wie ſie auff jhren Bettlein als ein ſchoͤnes Bluͤmlein iſt verwelcket? Eſa. 40. v. 7.Eſa. 38. v. 12.Eſai. 40. vnd jhr Leben iſt abgeriſſen wie ein Webers - faden / Eſai. 38. Sie iſt wie ein verlaſſen vnnd von Hertzen betruͤbtes Weib. Weil ſie verlaſſen hat das Liecht jhrer Augen / der Troſt jhres Hertzens / der Stab jhres Alters / vnd were kein Wunder / wenn ſie Jeph - thas der Richter Jſrael / als er ſeiner lieben Jungfraw Tochter in dieſer Welt ſolte beraubet werden / jhre Kleyder zerriſſe / vnd finge jaͤmmerlich an zu ſchreyen:〈…〉〈…〉ic. 11. v. 25 O mein Kind! O du mein liebſtes Kind! Ach meine Tochter! wie beugeſtu mich! wie betruͤſtu mich / Judic. 11.
Siehet ſie ſich vmb in jhrem Hauſe / nach jhrem lie - ben vnd einigen Sohn / der ſie in jrem groſſen Hertzeleid ſolte troͤſten / vnd wird jnnen / daß er nicht da / ſondernauſſer.39Leichpredigt. auſſer Landes auff der Hohen Schul iſt? Sie iſt wie ein verlaſſen vnd von Hertzen betruͤbtes Weib: vnd wehre nicht ein vnerhoͤretes / wenn ſie in der Angſt jhres Hertzens wie des jungen Tobiæ Mutter alle Tage hie - nauß lieffe auff einen Huͤgel oder auff den Ruheberg / ſehe auff alle Straffen / da er herkommen ſolte / vñ ſchreye. Ach mein Sohn / ach mein Sohn / warumb ha - ben wir dich laſſen wandern vnſer einige Frew - de / vnſer einiger troſt in vnſerm alter / vnſer Hertz /Toh. 10. v. 4. 7. vnd vnſer Erbe / Tod. 10.
Siehet ſie an jhr gantzes / ſo groſſes elendes / vnd erbaͤrmliches Haußcreutze? Sie iſt wie ein verlaſſen / vnd von Hertzen betruͤbtes Weib: vnd moͤchte wol ſeuffezen vnd lamentiren. Ach ſey es doch Gott im Him - mel geklagt? Jch bin die Elende vnd troſtloſe / v -Eſa. 54. v. 11 ber die alle Wetter gehen / Eſai. 54.
Das / das alles bricht der hochbetruͤbten Frawen Wittibin jhr Hertz / Actor. 21. Jhr Antlitz iſt darumbĀctor. 21. v. 13. geſchwollen / von weinen / Job. 16. vnd jhr heulen fehretIob. 16. v. 16.Iob. 3. v. 24. heraus wie Waſſer / Job. 3.
Aber wie dem allen / Sie mus doch auch nicht traw -1. Thoſ. 4. ren wie die Heyden die keine Hoffnung haben / 1. Theſ. 4. ſondern ſie mus aus Gottes Troſtbecher ſich hinwiede - rumb laſſen laben vnd erquicken / wie ich denn vermeinet habe / daß dieſes abgeleſene ſchoͤne Troſtſpruͤchlein ſolte ſehr bequem vnd dienſtlich darzu ſeyn / vnd habe aus ſon - dern bedencken mit demſelbigen auff die hochbetruͤbte Fraw Wittib vnd Mutter zielen wollen / daß die lieben Jhrigen ein buͤrdlein Troſtes aus der LeichpredigtFjhr40Die Anderjhr moͤchten mit anheim bringen / weil ſie in eigener Perſon jhr nicht beywohnen kan.
Jch wil es aber kuͤrtzlich in einem Stuͤcklein be - haupten / welches ſol ſeyn:
Ein krefftiges vnd heilſames Rathsmittel wieder die natuͤrliche ohnmacht des Hertzens im Tode / in wel - cher wir vnd die Vnſeren dem Leibe nach verſchmach - ten / vnd dahin ſterben muͤſſen.
Wir ruffen dich aber an / O HErr Jeſu / du Sohn des hochgelobtenGottes / vnd bitten dich du wolleſt Gnad vnd Segen verleihen / das wirs alſo lehren vnd hoͤren / daß dein heiliger Name dadurch geehret / die Betruͤbten getroͤſtet / die Schwachen geſtaͤrcket / vnd die Trawrigen er - frewet werden / vmb deines hochgeruͤmbtẽ from - men Hertzens willen / Amen.
I. Belangent vorgenommenen Hauptpun - ctẽ / ſo ſagt vnſer lieber Koͤnig David gar lieblich davon / fuͤrs erſte excitabor, Jch werde erwachen / oder aber cum evigilavero, Wenn ich erwache. E ſomno exci - tari oder evigilare, wie die alte Lateiniſche Verſion hat / heiſt von Schlaff erwachen. Giebt damit zuver - ſtehen der frommen Chriſten Todt ſey nur ein Schlaff / aus welchem ſie in der froͤlichen Aufferſtehung der Todten zu der Himmliſchen Glori erwachen wer - den.
Er41Leichpredigt.Er wil ſo viel ſagen. Jch mus noch ein wenig ge - dult haben / vnd dem gluͤcklichen Zuſtand der Gottloſen noch ein wenig zuſehen / du mein lieber frommer Gott wirſt mich vnter des vber ein kleines durch ein ſeliges toͤdtlein zu bette weiſen in mein Schlaffkaͤmmerlein. Eſai. 26. da wil ich fein ausruhen von meiner Creutz -Eſa. 26. v. 20 arbeit Apoc. 14. da wil ich ein weilichen liegen / ſchlaf -Apoc. 14. v. 13. fen / vnd an den froͤlichen Morgen des lieben Juͤng - ſten Tages wieder erwachen / Pſalm 3. Wenn meinPſal. 3. v. 6. Herr JEſus die ſchoͤne Sonne der Gerechtigkeit wird auffgehen / Mal. 4. Wil ich aus meinem Grabe alsMal. 4. v. 2.Phil 3. v. 21. aus einer Schlaffkammer heraus gehen / vnd mit ver - klaͤrtem Leibe zu dem himmliſchen Frewdenleben ein - gehen / Philip. 3.
Vnd dieſe art zu reden finden wir anders wo in der heiligen Schrifft hin vnd wieder auch.
Deine Todten werden leben / vnd mit dem Leichnam aufferſtehen. Wachet auff vnd ruͤhmet die jhr liegetEſa. 26. v. 19. vnter der Erden / ſagt der Prophet Eſaias.
Viel ſo vnter der Erden ſchlaffen liegen / evigila - bunt, Werden auffwachen / etliche zum ewigen Le - ben / etliche zu ewiger Schmach vnd Schande / ſagt derDan. 12. v. 2. Prophet Daniel.
Wiſſet jhr aber auch / mein hertzallerliebſte worzuFromme gleubige ſol - len gern ſter ben / weil ſie wieder zum ewigen leben auffmachen wer[den] euch dieſes dienen ſol / wenn jhr hoͤret / daß der liebe Koͤ - nig David ſagt / Er werde erwachen? Wenn jhr hoͤ - ret daß der Prophet Daniel von denen die vnter der Erden liegen vnd ſchlaffen ſagt? evigilabunt, Sie wer - den auffwachen.
F ijWar -42Die AnderWarlich darzu! daß jhr eine rechte Sterbensluſt in ew - ern Hertzen empfinden ſolt / vnd auch von wegen der lie - den Ewrigen ſeligen abſterben / zu hoch euch nicht bekuͤm - mern ſolt / weil jhr hoͤret / daß ewer vnd jhrer Todt nur ein Schlaff iſt / davon jhr vnd ſie wieder erwachen wer - det.
Wenn derowegen du Chriſtliches Hertz / bey dir ſelber bedenck eſt / daß du auch heute oder morgen wirſtPſal. 23. v. 4. ſollen durch den finſtern Todeothal wandern / Pſal. 23. wirſt ſollen / jmmer hin geſchickt werden vnter die Er -2. Mac. 6. v. 23. den in das Grab / 2. Mac. 6. O ſo laß dich das nicht zu hoch anfechten / ſondern troͤſte dich / vnd ſey verſichert / wenn du auff Chriſti Blut vnd verdienſt dahin wanderſt / in feſtem beſtendigem Glauben / daß du den ewigen TodtIoh. 8. v. 51. nicht ſtehen wirſt / Johan. 8. ſondern daß du nur ſchlaf - fen geheſt / vnd daß nicht allein der Koͤnig David von jhm ſelber ſaget / ich werde erwachen / ſondern daß auch der Prophet Daniel von dir vnd allen frommen Gleubigen ſagt / evigilabunt, Sie werden auffwa - chen. Dein hochverdienter Heiland wird zur zeit der1. Cor. 15. v. 51. letzten Poſaunen 1. Corinth. 15. Wenn dein Leib in ſei -Eſa. 56. v. 2. nem Kaͤmmerlein wird ausgeruhet haben / Eſai. 56.Iob. 19. v. 25.Ezech. 37. v. 10. dich wieder aus der Erden aufferwecken Job: 19. Er wird dein Graͤblein auffthun / dich heraus fuͤhren / Ezech. 37. vnd mit himmliſcher Klarheit vnd Herrligkeit begabt /1. Cor. 15. v. 13. 1. Corinth. 15. in eitel froͤlichen Oſterſpruͤngen ine him -Eſa. 35. v. 10Matth. 25. v. 32. liſche Zion mit jautzen kommen / Eſai. 35. vnd zu ſeiner Frewde eingehen laſſen / Matth. 25. Er wird dich an ſeine himmliſche Ehrentaffel ſetzen / ſein vnvergaͤngli -ches43Leichpredigt. ches Himmelgutt laſſen ſehen im Lande der Lebendi - gen Pſal. 27. vnd dich ewig laſſen frewen vnd froͤlichPſal. 27. v. 13. ſeyn vber dem das er ſchaffen wird. Eſa. 65.
Muͤſt jhr mit ſchwertzen ſtehen / Meine hertzaller - liebſte / daß die lieben Ewrigen todt kranck da liegen / wie Hiskias? 2. Reg. 20. daß ſie die Kranckheit gar duͤr -2. Reg. 20. v. 1Eſa. 38. v. 1. re auſſauget? Eſai. 38. daß ſie von der groſſen Hitze ver -Pſal. 22. v. 16. dorren vnd vertrocknen wie ein Scherbe? Pſal 22. daß ſie verwelcken wie ein Bletlein? Eſa. 64. daß ſie gar hie -Eſa. 64. v. 6.2. Sam. 14. v. 14. nuntur vnter die Erde verſchleiffen wie das Waſſer? 2. Sam. 14. laß ſie kranck werden / laß ſie ausgeſogen werden / laß ſie verdorret werden / las ſie ſchlaffen gehen / in Gottes Namen / evigilabunt, Sie werden auffwa - chen / wenn es wird daher gehen / oſſa arida audite ver -Ezech. 37. v. 4. bum Domini; Jhr todten Gebeine hoͤret desPſal. 90. v. 3. HErrn Wort Revertimini filii hominum, Kompt wieder jhr Menſchen Kinder / Pſal. 90.
Haben ſie nicht lange genug in der muͤhſeligen Haußhaltung ſich genaͤhret jhrer Haͤnde arbeit? Pſal. Pſal. 128. v. 2.Gen. 3. v. 19.128. Haben ſie nicht lange genug in dem Schweiß jhres Angeſichts jhr Brod geſſen? Gen. 3. Haben ſie nicht lan - ge genug das liebe Creutzjoch getragen? Matth. 11. Sol -Matth. 11. v 28. ten ſie ſich nicht gnugſam abgemuͤdet vnd abgemattet haben? Solten jhnen nicht nach ſo viel ausgeſtandenen Creutz / Arbeit / Muͤhe / Sorge / Kummer / das liebe Schlaffgaͤnglein zu goͤnnen ſeyn? zu mahl / weil wir wiſſen / das es heiſt / evigilabunt, Sie werden auff - wachen / zu der groſſen Himmelfrewde / da ſie werden ſchmecken vnd ſehen / wie freundlich jhr HErr JEſusF iijwird44Die AnderPſal. 34. v. 9.Pſal. 30. v. 12wird ſeyn / Pſal. 34. da ſie mit Frewden geguͤrtet Pſal. Pſal. 36. v. 9.30. vnd mit Wolluſt als mit einem Strom ſollen ge - traͤncket werden / Pſal. 36. O welch ein troſt iſt das!
Jhr Chriſtlichen Eltern habt jhr ewre liebe Kinder / ewere liebe Soͤhne vnd Toͤchter hier vnter der Reichen - baͤchiſchen Erde / oder an einem andern Orte liegen vnd ſchlaffen? Jhr Chriſtlichen frommen Wittiben / iſt einer vnd der andern jhr lieber Herr vnd Mann in die groſſe Schlaffkammer der Erden vorangegangen? Frommer Mann / haſt du ſchon vorlen gſt muͤſſen ſchlaffẽEzech. 24. v. 16. ſchicken dein liebes Weib? deine ſchoͤne Augenluſt? Ezech. 24. deine Edle Krone? Prov. 12. deine krefftige Hertz -Prov. 12. v. 4.Prov. 31. v. 19. perle? Prov. 31. deine liebliche Haußſonne? Syc. 26. Syr. 26. v. 21.O gremet euch nicht zu ſehr daruͤber! O laſt euch das nicht anfechten / daß die Verweſung iſt jhr Vater / vnndIob. 17. v. 14. die Wuͤrme jhre Mutter vnd jhre Schweſtern / Job. 17. ſondern Cantate, Jubilate, Exu[l]tate, ſinget / jauchzet / frolocket / weil jhr wiſſet / daß jhre Augen nicht ſollen imPſal. 13. v. 4. ewigen Tode entſchlaffen / Pſal 13. vnd daß vielmehr ein jegliches aus dem Schlaffaͤmmerlein der Erde / wie der Koͤnig David herauff ruffet vnd ſchreyet: Jch wer - de erwachen / ich werde erwachen / vnd das der Pro - phet Daniel / von allen die ſelig im HErrn ſind verſtor - ben ſagt / evigilabunt, Sie werden auffwachen / weñ er an jenem groſſen Tage jhre Graͤber auffthun / vñ ausEzech. 37. v. 12. denſelbigen ſie wiederumb heraus holen wird / Ezech. 37
Wenn die hochbetruͤbte Fraw Wittib. welcher Gott auff jhr Hertz-Tiſchlein jetzo das Thraͤnen Brodt auff -Pſal. 80. v. 6. tregt / Pſal. 80. in der Kirchen zu gegen wehre / ſo wuͤr -den45Leichpredigt. den ohn allen zweiffel die Angſtthraͤnen mildiglich vber jhr Angeſicht rinnen / vnd wuͤrde zum hoͤchſten beklagen / das groſſe Elend / daß jhr hertzliebſter Herr / daß jhr hertzliebſtes Kind / ſo geſchwind haben darvon gemuſt / vnd jhre Wanderſchafft vnter die Erden hin - nunter nemen / wenn ſie aber wuͤrde hoͤren das troͤſtli - che Wort / evigilabunt, Sie werden auffwachen / wuͤrde es jhrem verwundeten vnnd halbtodten Hertzen ein krefftiges Kuͤlbendlein ſeyn / vnd ein liebliches Heil - pflaſter / daß ſie deſto beſſer in jhrem lieben Gott / der da toͤdtet / vnd auch wiederumb lebendig macht / ſich zu frie -1. Sam. 2. v. 6. de gebe.
Wuͤrde ſie heulen fuͤr vnruhe jhres Hertzens? ichPſal. 38. v. 9. wolte ſagen zu jhr / hochbetruͤbte Fraw Wittib / ruͤt - telt nicht zu ſehr durch vbriges heulen vnnd weinen an eweres lieben Herrn vnd Tochter Sarch / ſondern laſt ſie fein / den lieben Vater vnd die liebe Tochter / vnter der Erden neben einander ſanfft ruhen vnd ſchlaf - fen / vnd gleubt das iſt je gewislich war / vnd ein tewer werdes Wort / evigilabunt, Sie werden anffwa -1. Tim.: v. 15. chen / nicht zu dieſem elenden vergenglichen jrrdiſchen Leben / ſondern zum himmliſchen Leden / zu himmliſcher Ehre / zu himmliſcher Herrligkeit / zu himmliſcher Se - ligkeit / darvon ohne zweiffel jhr abgeſemmertes HertzII. Fromme Gleubtgen werden in dem himm - liſchẽ Frew - denle ben Gott ſcha - wen. wuͤrde erfriſcht werden.
II. Das ander ſo vnſer lieber Koͤnig David in ſein Troſtſpruͤchlein ſetzet / vnd damit ſein onmechtiges Hertz erquicket / heiſt contemplabor, deñ alſo ſagt er / contem - plabor faciẽ tuā, ich wil HErr dein antlitz ſchawẽ /verſte -46Die Anderverſtehet / Wenn ich erwache / an jenen groſſen Tage wie er zuvor geſagt hat.
Herr / mein Gott wil er ſagen / wie wird mir ſo wohl ſeyn! wie werde ich ſo ſelig ſeyn! wie wird mein Hertz vnd Seel mit Frewden erfuͤllet ſeyn / wenn ich in der Himmliſchen Frewde dein Antlitz ſchawen werde.
Jch ſehe dich zwar / O mein Gott in dieſem Leben auch / aber nicht volikommen / wie auch kein Menſch dichExod. 23. v. 20. alſo ſehen kan. Exod. 23. Sintemahl du in einem Liecht1. Tim. 6. v. 16. wohneſt / da niemand kan zukommen / 1. Tim. 6. ſondern in dem Wort vnd Sacramenten ſehe ich dich als in ei -1. Coa. 13. v. 12. nem Spiegel / 1. Cor. 13. iſt auch das ewige Leben wenn ich dich alſo ſehe vnd erkenne / Johan. 17. Vnd bin in derRom. 8. v. 24. Hoffnung ſchon ſelig / Rom. 8. in dem andern ewigen Leben aber / contemplabor, Da wil ich dein Antlitz ſchawen / in hac carne mea, in dieſem meinen Fleiſch /Iob. 19. v. 26.1. Cor. 13. v. 12 Job. 19. da wil ich dich ſehen / wie du biſt / von Angeſicht1. Ioh. 3. v. 2. zu Angeſicht / 1 Corinth. 13. da wil ich ſehen / vnd erfah - ren / wie deine Augen werden ſeyn eitel fewrige Liebes - ſtralen / fewrige Liebesflamm[en]der vnausſprechlichen allerſuͤſſeſten Leutſeligkeit / darmit du deine lieben Bruͤder vnd Schweſter clariſicirte Augen troͤſtlich er - fuͤllen / troͤſtlich verwunden / troͤſtlich zu dir wenden wirſt.
Kan aber auch ein krefftiger Hertztroſt ſeyn / wenn ein frommer Chriſt durch das Land des Todes wandern ſol / als daß er weis vnd gewis verſichert iſt / Er werde in dem himmliſchen Frewdenleben ſeinen Gott ſehen?
Mir47Leichpredigt.Mir iſt zwar nicht vnbewuſt / daß heutiges Tages etlicheVVenceslaus Budovveczâ Budovva. Baro Bohe - micus. tulianus Po - nia Iovius á Duchniki Nobilis Po - lonus. ſind / die wenig daran geſtehen wollen / daß die Außer - wehlten im ewigen Leben werden Gott ſehen / in ſuâ eſ - ſentiâ, vnd wollen die vberſelige Frewde des ewigen Lebens dadurch vergeringern / verkleinern / vertun - ckeln. Wir aber bleiben bey den klaren Schrifftzeug - nuͤſſen wie ſie lauten ohn alles diſpudiren. Contem plabor faciem tuam, Jch wil dein Antlitz ſchawen / ſagt alhier vnſer David. Wie troͤſtlich verheiſcht es Gott ſelber! Venient & videbunt gloriam meam, Sie wer -Eſa. 66. v. 18. den kommen vnd ſehen meine Herrligkeit. Wer wil aber Gottes Herrligkeit à ſuâ eſſentiâ von ſeinem Weſen abſcheiden / daß man nicht auch in demſelbigen jhn ſehen ſolte?
Wie klar macht es der Apoſtel / Wenn das Stuͤck -1. Cor. 13. v. 10. 12. werck wird auffhoͤren / vnd das volkommen wird kommen / ſo werden wir ſehen Gott von Ange - ſicht zu Angeſicht. Wenn man aber Eſſentiam Dei, Gottes Weſen / von dieſem ſehen wolte abſondern / was were es anders / quâm Deum ſine Eſſentiâ divin â fi n - gere, als einen Gott ertichten / ohn ein Goͤttliches We - ſen?
Wie lieblich macht es Johannes / Videbimus cum1. Ioh. 3. v. 2. ſicut eſt, ſpricht er / Wir werden jhn ſchawen wie Er iſt. Wehre es aber nicht ein abſurdum, wenn man ſagte / Wir werden Gott ſehen wie er iſt / vnd gleich - wol auch dafuͤr halten wolte / wir werden GOtt nicht ſehen in ſuà Eſſentiâ, in ſeinen Weſen? Kan denn Gott à ſuà Eſſentiâ, von ſeinen Weſen abgeſondert / vnd ge -Gtren -48Die Andertrennet werden? Vnd wenn wir Gott nicht ſolten in ſeinem Weſen ſehen vnd erkennen wie er iſt / wuͤrde nicht folgen daß wir jhn im ewigen Leben / nur ænigmaticè, vnd durch ein Spiegel ſehen wuͤrden / welches aber dem Apoſtoliſchen bekentnuͤß gar zu wider wehre?
Wer wil aber dieſe Frewde mit Worten ausre - den? Wer wil dieſe Herrligkeit begreiffen? Wer wil dieſe Seligkeit nach Wuͤrden ruͤhmen vnd preiſen? Wie ſeufftzet Koͤnig David darnach / Wie der Hirſch ſchrey -Pſal. 42. v. 2. et nach friſchen Waſſer / ſo ſchreyet meine Seele Gott zu dir. Meine Seele duͤrſtet nach Gott / nach dem lebendi - gen Gott. Wenn werde ich dahin kommen / das ich Gottes Angeſicht ſchawe?
Wie frolocket der liebe Job daruͤber! Jch weis das mein Erloͤſer lebet / vnd er wird mich hernach aus der Erden aufferweckẽ / vñ werde hernach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in meinẽ Fleiſch Gott ſehẽ / denſelben werde ich mir ſehen / vñ mei - ne Augẽ werden jn ſchawen / vnd kein frembder.
Wie wuͤnſchet Auguſtinus darnach! O Domine moriar, ut te videam! Nolo vivere, volo mori, diſſolvi cupio, ut eſſe cum Chriſto. Mori deſidero, ut videam Jeſum meum. Das iſt: O lieber Herr / las mich ſterben / daß ich dich ſehe. Jch wil nicht mehr leben / ich wil ſterben / ich begehre auffgeloͤſet zu werden vnd bey mei - nem Herrn Chriſto zu ſeyn. Mich verlanget zuſter - ben / daß ich meinen HErrn Jeſum ſehe.
Wie luſtig macht ſich der alte Gregorius daruͤber? Quæ lingua dicere, & quis intellectus capere ſufficit, illaſuper -49Leichpredigt. ſupernæ veritatis gaudia, Angelorum choris intereſſe cum beatiſſimis Spiritibus gloriæ Conditoris aſſiſtere, præſentem Dei vultum cernere in circumſcriptum Lumen videre. Das iſt / welches Menſchen Zunge wil mit Worten ausreden? Welches Menſchen Verſtandt wil vnd kan faſſen vnd begreiffen die himmliſche Frew - de? den Chor der heiligen Engel beywohnen / mit den heiligen Geiſtern fuͤr Gott ſtehen / Gottes gegenwer - tiges Angeſicht ſchawen / vnd das vnvmſchriebe - ne Liecht ſehen.
Wie iſt dir aber / mein Chriſtliches Hertz / wenn du dieſes hoͤreſt vnd bey dir betrachteſt? Frolockeſt du nicht? Jubilireſt du nicht? Triumphireſt du nicht? Daß du Gott das hoͤchſte Liecht in Ewigkeit anſchawen ſolt? DasPſal. 80. v. 20. du wirſt geneſen / wenn er dir ſein Antlitz wird leuch -Gen. 32. v. 30. ten laſſen? daß du jhn wirſt ſehen von Angeſicht zu Angeſicht?
III. Wlffet jhr aber auch wie das dritte heiſt /III. Fromme Gleubige werden jren Gott in Ge - rechtigkeit ſchawen. ſo vnſer Koͤnig David von der krefftigen Hertzſterck - ung in Todes noͤthen ſagt? Iuſtificabor. Denn alſo ſpricht er / Jch wil dein Antlitz ſchawen / in Iuſtitia, in Gerechtigkeit.
Er verſtehet aber hiermit nicht ſeine eigene Ge - rechtichkeit / darumb betet vnd ſaget er anders woh: Herr gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht / denn fuͤr dir iſt kein lebendiger gerecht / Pſal. 143. Pſal. 143. v. 2.So du HErr wilt Suͤnde zurechnen / HERrPſal. 130. v. 3. wer wird beſtehen? Pſal. 130. Es iſt keiner der gutes thut auch nicht einer. Pſal. 14. Vmb vergebung derPſal. 14. v. 3.G ijSuͤn -50Die AnderPſal. 32. v. 6.Suͤnden werden dich alle Heiligen bitten / Pſal. 32. ſon -Ierem. 23. v. 6 dern deſſen Gerechtigkeit / welches Namen iſt Jehovah1. Cor. 1. v. 30. juſtitia noſtra, Jerem. 23. der von Gott vns iſt gemacht zur Gerechtigkeit / 1. Cor. 1. der fuͤr vns iſt zur Suͤnde gemacht / daß wir in jhm werden die Gerechtigkeit die2. Cor. 5. v. 21. fuͤr Gott gilt / 2. Cor. 5.
Hilff Gott welche Herrligkeit! welche Seligkeit wird abermal das ſeyn? wenn die ſeligen lieben Außer - wehlten jhren HErrn vnd Gott werden ſehen in Juſtitia, in Gerechtigkeit.
Es iſt war / ſie ſehen jhren lieben hochverdienten Heyland vnd Seligmacher alhier auch / in Juſtitia, in Gerechtigkeit / nemlich in Juſtitia imputativa, in der zu gerechneten Gerechtigkeit / in deme er als der Gerech -Eſa. 53. v. 11. te Knecht Gottes ſie gerecht macht / Eſai. 53. zu jhnenRom. 8. v. 3. kompt in der Geſtalt des ſuͤndlichen Fleiſches / Rom. 8.Eſa. 53. v. 3. wird fuͤr ſie ein Fluch / Gal. 3. ein Wurm / Pſal. 22. der allerverachteſte vnd vnwertheſte / vnd giebt jhnen dar - gegen ſich anzuthun mit weiſſer vnd ſchoͤner Seiden /Āpoc. 19. v. 19. welches die Gerechtigkeit der Heiligen iſt / Apoc. 19. vnd das reine hochzeitliche Kleyd / Matth. 22. darinnen ſieMatth. 22. v. 12. mit Freydigkeit fuͤr Gott koͤnnen treten / vnd mit hertz - lichen vertrawen ſingen vnd ſagen / Wer wil die Auß - erwehlten Gottes beſchuldigen / Gott iſt hie derRom. 8. v. 33. gerecht macht? Rom. 8.
Sie ſehen jhren lieben Herrn vnd Gott alhie in Juſtiria, nemlich inchoativè, wenn ſie den anfangTit. 2. v. 12. machen / zuͤchtig / gerecht / vnd Gottſelig / zu leben / Tit. 2. wenn51Leichpredigt. wenn ſie dem was erbar / was gerecht / was keuſch / was lieblich iſt nachdencken / Philip. 4.
Dort aber werden ſie den Herrn ſehen in Juſti - tia, in Gerechtigkeit / nemlich conſummativé, gantz vollkommen / in gantzer vollkommenen Gerechrig - keit.
Da wirſt du / Chriſtliches Hertz ſeyn die Außer - wehlte Braut deines HErrn Jeſu. O welche Ehre wird es dir ſeyn / weñ du wirſt einen ſo ſchoͤnen Brautſchmuck haben! wenn du wirſt angethan ſeyn mit den geſtick - ten Kleydern ſeiner vollkommenen Gerechtigkeit / Pſal. 45. vnd ein heiliger Engel zu dieſem deinem Koͤ -Pſal. 45. v. 15. nige vnd Breutigam dich fuͤhren wird / daß du wirſt ſein Antlitz ſchawen in Juſtitia, in Gerechtigkeit. DasPſal. 110. v. 3. wird ſeyn ein heiliger Schmuck / Pſal. 110. eine ewigeDan. 9. v. 24. Gerechtigkeit / Dan. 9. eine vberſchwengliche Gerech -Eſa. 10. v. 22. tigkeit / Eſai. 10. eine Gerechtigkeit die da wird ſeyn wie ein ſtarcker Strom. Amos 5. eine ſolche Gerechtig -Āmos. 5. v. 24. keit daß ſie kein Menſch ausdencken kan.
O wie wirſt du / mein Chriſtliches Hertzfrolo - cken / wenn du das Antlitz dein es Koͤniges vnd Breuti - gams wirſt anſchawen in Juſtitia in Gerechtigkeit! da wirſt du heraus brechen vnd ſagen. Jch frewe mich in dem HErrn / vnd meine Seel iſt froͤlich in meinem GOtt / denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils / vnd mit dem Rock derEſa. 61. v. 10. Gerechtigkeit gekleidet / Eſai. 61.
IV. Wie heiſt aber das vierde? Satiabor, JchFromme Gleubige werden in wil ſatt werden. Mein Hertz / mein Muth / mein Sinn /G iijmein52Die Anderallen genug vnd vollauff haben.mein[L]eib / mein Seel / wird mit allen himmliſchen Guͤ - tern erfuͤllet ſeyn:
Da werd ich keinen mangel / da werd ich keine klag / da wer ich keine ſorge mehr haben / vnnd wird mit mir heiſſen Satiabor, Jch wil ſatt werden / ich werde nun alles genug vnd vollauff haben.
Hie denckt man offt (wil der liebe Mann ſagen) wenn ich koͤnte dis oder jenes erlangen / ſo wolte ich genug haben / vnd nichts mehr begehren / ſondern ſa - gen / Satiabor, Jch wil nu ſatt werden / vnd keinen mangel haben.
Aber / O wie weit iſts gefehlet? Dort hat einer Gelt vnd Reichthuͤmer vollauff / vnd ſehet / er hat da - bey keine Weißheit vnd Verſtand / ſondern iſt ein Thor: Da hat einer Weißheit / iſt klug / vnd verſtendig: vnd ſehet / es mangelt jhm an vnd Gelt Gut. Dort ſitzt einer in groſſen Ehren / vnd ſehet / Er hat keine geſun - de Stunde. Jn Summa / es fehlet an allen Orten / auchEccleſ. 1. v. 2. das Auge ſiehet ſich nimmer ſatt / vnd das Ohr hoͤret ſich nimmer ſatt / aber dort werde ich vnd ein ander koͤn - nen ſagen / Satiabor, Jch wil ſatt werden / da wer - de ich aller weltlicher Herrligkeit vnd ergetzligkeit vergeſſen / vnd mit der Himmliſchen Herrligkeit vnd Seligkeit dermaſſen vergnuͤget ſeyn / das ich nimmer - mehr etwas anders / mehr werde wuͤntſchen / begehren / bedoͤrffen.
Warumb53Leichpredigt.Warumb denn O Menſch / daß du ſo jrrdiſch ge - ſinnet biſt? Warumb trachteſt du ſo gar nach dem zeit - lichen? Warumb ſetzeſt du dein Hertz ſo gantz auff das zeitliche Elende / vergengliche? ſind es doch nur alles vaniteten, iſt es doch alles ein nichtiges vnd fluͤchtiges Weſen / damit du dein Hertz nicht gaͤntzlich kanſt zu friede ſtellen / wenn du aber an dem lieben froͤlichen Aufferſtehungstage wiederumb erwachen wirſt / da / da / wirſtu mit Frewden ſagen koͤnnen / Satiabor, Jch wil nu ſatt werden / nu werde ich haben was meꝛn Hertze wuͤntſchet / Pſal. 37. nu werde ich Frewde die fuͤlle ha -Pſal. 37. v. 4. ben / vnd liebliches Weſen zur Rechten Gottes ewiglich / Pſal. 16. nu werde ich keinen mangel an jrgend einemPſal. 16. v. 11. Gut haben / Pſal. 34.
V. Wolt jhr auch das fuͤnffte vornehmen? V. Fromme gleubige ſol - len das ver - lorne Bilde wieder vber - kommen.Wol gut? Es heiſt Renovabor, Jch werde ernewert werden / O HErr nach deinem Bilde.
Gottes Bild ſtehet in Weißheit / in Gerechtigkeit / Herrſchafft vnd Leben. Dieſe herrliche Schaͤtze ha - ben wir durch dem erbermlichen Suͤndenfall vnſerer erſten Eltern verlohren / aber O wie reichlich? O wie vollkoͤmlich / wird das alles erſtattet werden / alſo daß wir als denn hinwiederumb ſollen begabet vnd begna - det werden:
So fahre nun hin / armer Patient / ſterbendes Hertz / aus dieſem elenden Jammerthal / in die hochge - wuͤntſchte Herrligkeit des ewigen Lebens / zu dieſer wunderſchoͤnen Vernewerung. O welche Seligkeit wird das ſeyn?
Da wirſt du von deinem HErrn Chriſto / in wel - chem alle Schaͤtze der Weißheit vnd Erkaͤntnuͤß verbor -Col. 2. v. 3. gen Liegen / Coloſ. 2. Solche Weißheit vnd wiſſenſchafft〈…〉〈…〉. 1. v. 34. ſchoͤpffen / die da wird vollkommen ſeyn / denn du wirſt vom HErrn gelehret ſeyn / Jerem. 31. da werden dirPſal. 51. v. 8. offenbahr ſeyn / alle Geheimnuͤß Gottes / ſeine himmli -Pſal. 25. v. 14. liſche Weißheit / Pſal. 51. vnd ſeinen Bund wird er dich wiſſen laſſen / Pſal. 25. da wird er dir die vollige Weiß - heit ſeines Geſetzes in dein Hertz geben / vnd in deinenIerem. 31. v. 23. Sinn ſchreiben / Jerem. 31.
Da wird dich dein Erloͤſer / mit ewiger Gerechtig - keit wiederumb bedencken vnd beſchencken / in dieſen ſei -Pſal. 45. v. 10 nen Schmuck wirſt du herein gehẽ / Pſal. 45. wirſtu dar - mit gezieret ſeyn / wie eine Braut in jhrem Geſchmeide berdet / Eſai. 61. vnd in ſolcher Gerechtigkeit wirſtu ſeyn.
Du wirſt aller dinge ſchoͤn ſeym / vnd wird kein fle - cken mehr an dir ſeyn / Cant. 4.
Da wird dir die durch den Fall verlohrne Her - ſchafft vnd Freyheit aus Gnaden wiederumb geſchen - cket vnd eingereumet werden / da wirſtu auch nicht mehrſter -55Leichpredigt. ſterben / ſondern leben / vnd des HErrn Werck ver - kuͤndigen / Pſal. 118. Denn das iſt der Wille desPſal. 118. v. 17. Vaters / daß wer den Sohn ſiehet / vnd gleubetIoh. 6. v. 40. an jhn / habe das ewige Leben / vnd ich werde jhn aufferwecken am Juͤngſten Tage / ſagt dein Herr JEſus ſelber / welchem ſey Lob / Ehr / vnd Preiß / ſo von Ewigkeit zu Ewigkeit / Amen.
ANlangend die in Gott / verſtorbene Lei - che / iſt dieſelbe von Chriſtlichen vnd vornemen Eltern auff dieſe Welt geboren. Jhr Herr Va - ter iſt geweſen / Weyland / der Ehrenveſte / hochge - lahrte / Wolweiſe vnd Wolbenambte Herr Melchior Horſt Sen. Buͤrgermeiſter / obriſter Kirchenvater / vnnd der Schulen Præſes, eines Vhralten vnd hoch - geehrten Geſchlechts aus Meiſſen / jhre Fraw Mut - ter aber die Erbare vnnd Vielehrentugendtreiche Fraw Anna / geborne Redlerin eines ehrlichen vnnd anſehlichen Geſchlechts allhier / von dieſen jhren lie - ben Eltern iſt ſie in die Welt gebohren / Anno 1604. am Tage aller Heiligen / war der erſte November, drey viertel Stunden nach einem der halben Vhr zurHVeſper /56Die AnderVeſper / vnd folgenden andern Novembris zur hei - ligen Tauff befoͤrdert vnd Svsanna genennet wor - den.
Solch jhr liebſtes Kind / haben wolgedachte El - tern / als es zum Verſtand ein wenig gelanget / bald zur Schulen gehalten / da dann ſie ohn ſondern zwanck / die Hauptſtuͤck Chriſtlicher Lehr / neben ſchretben vnd leſen gelernet / darob die Eltern hoͤchlich erfrewet / vnd hoffnung geſchoͤpffet / daß ſie in jhrem alter / Frewd vnd Troſt an jhr haben ſolten / welches auch etlicher maſſen Gott jhnen gezweiget.
Denn als ſie aus den Kind Jahren kommen / hat ſie jhr liebſte Eltern geehret / allen gehorſamb erzeiget / vnd deroſelbten eingepflantzte natuͤrliche Eltern Liebe / durch jhre behegligkeit vermehret / weil ſie von Jahr zu Jahr kluͤger vnd verſtendiger worden / daß die El - tern jhres Hertzen ergetzligkeit / offt in jhren ſchweren Creutz vnd anliegen / geſehen / dann ſie an ſtat der To - cken / eher den Rocken / oder das nehe Tuͤchlein ergrief - fen.
Vber diß der pietet, Demuth / Gutthetigkeit / vnd anderer dem Weiblichen Geſchlecht wolanſtehen - den Tugenden hoͤchſt ſich beflieſſen / die fortſteilung der Haͤußlichen Nahrung / ohn der Eltern angeben / geordnet / das Geſinde zur arbeit angewieſen / vnd mit gelinden Worten vnterrichtet / dadurch die Fraw Mutter der groſſen ſorgfeltigen Gedancken vberha - ben.
Still57Leichpredigt.Still vnd einfeltig hat ſie ſich gehalten / embſig in jhren vorgenommenen Geſchefften fort gefahren / auch denen geneigte Gunſt vnd affection, ſo mit jhr vmbgan - gen / trewhertzig erzeiget.
Ein eingezogenes / keuſches Leben hat ſie gefuͤhret / vnd jhr Ehr vnd Tugent angelegen ſeyn laſſen / aller uͤp - pigkeit aber ſpinnenfeind geweſen.
Der Hoffart ſich enthalten / in Kleidung ſich vor andern nicht erhoben / ſondern gar ſelten / wiewol es jhre liebe Eltern gern geſehen hetten / jhren Schmuck anlegen wollen / ſondern jetzt etliche Wochen daher / von dem weiſſen Leimeten Roͤcklein / das ſie gern anziehen wolt / ſtets vnd offt / wenn von Kleidung ge - redet / mit traͤnenden Augen gegenantwort gege - ben.
Jhr Chriſtenthumb anlanget / hat ſie dis Zeug - nuͤß / daß ſie Gottes Wort gern gehoͤret / geleſen / die Wochen Gebet beſuchet / bey Sontags vnd Wochen - Predigten gerne ſich befunden / zu rechter zeit mit jhren lieben Eltern ſich beym Tiſch des HErrn einge - ſtellet.
An Sontagen nach gehaltenen Predigten die vbrige zeit nicht mit ſpatzieren / ſondern mit fleiſſi - gem leſen Goͤttliches Worts zubracht / ein Gebet o - der ſonſt anders geiſtliches Buch / nach dem andern aus - geleſen / ſonderlich jetzt vor jhren ſterben die zwoͤlff Andachten Kegelij meiſt geleſen / vnd ſich darin auff - gehalten / Die Bletter / da die ſchoͤnſten Spruͤchlein zu finden / mit Seiden gezeichnet / bis ſie es auswendigH ijgeler -58Die Andergelernet / ſtets vnd offt bey jhrem genetten geſungen / nicht weltliche / ſondern geiſtliche ſchoͤne Lieder / vnnd Geſaͤnge / vnter denen dieſer auch / ſo vor der Thuͤr ge - ſungen worden / Herr JEſu Chriſt ich weis gar woll / etc.
Die Morgenſtunden mit Chriſtlichen Gebeten in eyfriger Andacht / wenn ſie nicht zur Kirchen kom - men / zubracht / zu ſolcher Andacht ſie denn jhr gar ein ſon derliches O rtlein in der Stuben ausgeleſen / daß / ob gleich jemandt hienein kommen / ſie an jhrem Gebst nicht geirret werden moͤchte / Des Abends viel ſchoͤne Pſalmen geſeufftzet / vnter andern den 4. 6. 42. 103. Derogleichen auch ſchoͤne Gebetlein auswendig ge - lernet / ſonderlich aber:
Jhr Kranckheit betreffend / hat an vorgangenen Donnerſtag acht Tage / weil die Fraw Mutter nicht zu Hauſe / ſie ein Fieber angeſtoſſen / da denn ſie es nicht bald offenbahren wollen / damit ſie jhre liebſte Eltern nicht betruͤben moͤchte / folgenden Tag als Freitags morgends ſich albereit fertich gemacht vnd zur Kirchen gehen wollen / aber wegen des ſtarcken Naſen bluten es hinterziehen muͤſſen / darauff ploͤtz vnd geſchwind in ei - ne ſolche ſchwachheit aller Gliedmaſſen gefallen / daß ſie ſich zu bette begeben.
Da59Leichpredigt.Da denn die hoͤchſtbetruͤbte Eltern alle menſch - liche Mittel / nechſt dem lieben Gebete / ergrieffen / derer effect doch nicht geſpuͤret worden / ſondern bald ſich zur beſſerung angelaſſen / bald wiederumb ein groſſe Mattigkeit bey jhr erzeiget vnnd befun - den.
Am vergangenen Freitage als gute hoffnung ſich ereigenet / ſambt ſolte keine Noth vnd Gefahr jh - res Leben zufuͤrchten / iſt doch geſchwind eine groſſe Hitze vermercket worden / bis vmb den Mittag da die Hitze etlicher maſſen ſich geſenfftiget / darauff jhr Fraw Mutter zum Bette ſich genahet / die Krancke Tochter der lieben Mutter mit beyden Haͤnden vmb den Halß gefallen / mit dieſen Worten: O liebe Mutter verzie - het: Darauff ſich auff die Seiten gewendet / als wol - te ſie ein wenig ruhet / vnnd alſo vnverſehens nach dem Willen Gottes zwiſchen ein vnd zwey Vhr / bey guter Vernunfft vnnd Verſtandt dieſe Welt geſeg - net / als ſie alt worden / 20. Jahr. 10. Monat weniger 2. Tage.
Dem getrewen lieben GOtt / aus welches vnerforſchlichem / aber allezeit gutem Rath vnnd Willen / auch dieſer Todesfall geſchehen / ſey gedancket daß dieſe liebe Jungfraw / jhr letztes vnndH iijſchwe -60ſchwereſtes Creutz auff dieſer Welt nun - mehr hatvberwunden / der wolte ſie dort neben jhren lieben Herrn Vater ſanffte laſſen ruhen vnd ſchlaffen / am Juͤngſten Tage zum ewigen Leben aufferwe - cken / vnd vns allen zu ſeiner zeit ſelig hernach helffen / Amen.
ENDE.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
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