Allen vnnd Jetzlithen Erbaren Buͤrgern vnnd Jnwonern der gantzen Chriſtlichen Gemein der K: Stadt Budiſ - ſin / Jm Marggraffthumb Ober Laußitz / Seinen befohlnen Chriſtlichen hertzgeliebten Kirchkindern vñ zuhoͤrern / Wuͤntzſchet von hertzen / Laurentius Dreſſerus Gircauienſis der Eltere / Jhr Euangeliſcher Prediger / vnd Seelſorger / Neben ſeinem Gebet vnd gering vermoͤglichen ſchuͤldigen vnd willigen dienſten / Gottes gnade vnd Segen in Chriſto / vnd alle beſtendige wohlfart vnd gedeyen an Leib vnd Seele.
WJR haben / hertz vnd vielge - liebte Herrn vnd Freunde / im HER - REN / Heute vierzehen tage / Als wir vnſerm lieben alten Herren Buͤrgermeiſter / dem Er - baren vnd Achtbaren Herrn M. Johanni Starcken / ſeligen / das geleit zum Grabe gegeben / vnd den letzten menſchlichen / moͤglichen ſchuldigen dienſt geleiſtet vnd erzeiget / Nicht alleine geſehen (vngeacht des regens vnd vngewitters) eine herrliche groſſe Frequentz vnd menge / beide vnſrer Buͤrgerſchaff[t]vnd Jnnwohner / vnd auch etzlicher namhafftiger Chriſtlicher Adels perſonen / vnd alſo einheimiſcher vnd frembder / die eben daſſelbe / mit vnd neben vns / ohne einige vermanung vnd erfor - derung / aus lautrer liebe vnd gunſt / ſo ſie zu jhm getragen / willig vnd gerne gethon haben. Sondern wir haben darneben geſehen vnd vormercket / publicum luctum, gemeine trawrigkeit vieler / vnd faſt aller Perſonen / wie ſie vmb dieſen / als furwar einen thew - ren / nuͤtzlichen Mann getrawret vnd leidt getragen / vnd ſeinen Toͤdlichen abgang hertzlich beweinet vnd beklaget haben / vnd noch / wie man hoͤret vnd ſiehet / beklagen. Weil aber ſolches / nach derWeltWelt brauch / bey vielen ſonderlich den ſichern / vnachtſamen / leicht zuuerrauſchen pfleget / Wie denn wol auch der gut vnd wolthaten ſo vns Gott durch ſolche leut erzeiget / von vielen nicht zu gar lang gedacht wird: Wie man ſagt: Kompt man der vndanckbaren Welt aus den augen vnd geſichte / Man koͤmpt jhr auch bald aus dem hertzen vnd gemuͤte / Dieſer Magiſter Johan Starck aber / Jſt beydes vmb dieſe Stadt / Buͤrgerſchafft vnd Gemeine / So wol vmb das gantze Marggraffthumb / vnd viel andre leute / gar ein woluerdienter Man geweſen / derwegen Celebri, perpetuaꝙ́ memoria dignus, ewigs vnd ehrlichs gedechtniß wol wirdig / Wie Dauid ſagt / Pſalm 112. In memoria æterna crit iuſtus.
Damit ich nun auch in dieſem fall / nach meinem Ampt das meine / bey einem jtzlichen / dinſtlich thete vnd verrichtete / Nemlich / das dieſes verſtorbnen Chriſtlichen Mannes gedechtnis / nicht ſo bald verrauſchen / Der wolthaten Gottes / Vns durch jhn / in allen Regimenten erzeiget / nicht vergeſſen / Wir alle zum embſigen Ge - bet / fuͤr gemeine wolfart dieſer Stadt / Auch durch ſein Exempel / andre / zu gleicher ſorgfeltigkeit / trew vnd fleiß / in jhrem ſtande / ampt vnd beruff / vnd alle vnterſaſſen / zu gebuͤrlicher reuerentz ehr - erbietung vnd gehorſam gegen jhren Chriſtlichen Regenten vnd Stadtvaͤtern / gereitzt moͤchten werden / Habe ich (vngeacht wie mirs von etzlichen gedeutet vnd außgeleget mag werden) hir zu fuͤr nothwendig / nuͤtzlich vnd dienſtlich / in meiner einfalt erachtet / Das / Auch ſeiner betruͤbten hinterlaſnen / Tugentſamen Chriſt - lichen Witfrawen / ſo wol den Waiſen / Erben vnd Kinderlein / Beneben ſeiner gantzen Ehrlichen freundſchafft vnd verwandten / zum troſt vnd ehren / die Leichpredigt / ſo bey ſeiner beſtattung / zware gar ſchlecht vnd einfeltig / doch hoff ich / recht vnd Chriſtlich / durch Goͤttliche verleihung geſchehen / fuͤr dieſe Stadt vnd Ge - mein / darzu ich dann von etzlichen fuͤrnehmen leuten / auſſerhalb des Regiments / angehalten vnd vermanet / auffgelegt vnd ge - druckt wuͤrde / Da man nicht zweyfelt es werde keiner / oder je ſehr wenig Buͤrger vnd Jnwoner / in dieſer Sadt vnd Gemeine ſein / Der nit zum wenigſten ein Exemplar ſolcher Leichpredigt / Ober -A ijzelterzelter vnd andrer vrſachen / ſonderlich auch ſeiner Kinder hal - ben / zu keuffen / vnnd in ſeinem Hauſe zuhaben / begeren werde / Darauff ichs in Gottes namen alſo bewilliget vnd geſchehen laſ - ſen / Der verleihe auch ſeine gnade / das es bey allen denen / ſo es fuͤr koͤmpt / Sonderlich aber bey den jenigen / ſo es hirmit namhafftig dedicirt vnd offerirt / eben das / durch ſeinen heyligen Geiſt / ausrich - te vnd wircke / darzu es vermeinet vnd vbergeben / So wird es zu Gottes ehre vnd allem guten gereichen / Mich des ſchreibens / den andern des leſens / vnd alſo keinen ſeiner zeit vnnd muͤh gerewen duͤrffen / Jch begere auch darfuͤr keine andre verehrung / denn das mans zu Gottes lob / mit danck fuͤr ſeine wolthaten / vnd zu behar - licher gemeiner wolfart vnd beſſerung / mit lieb annehmen / vnd zu Chriſtlichem / Buͤrgerlichem / Nackbarlichem fried vnd einigkeit / brauchen wolle / darumb ich demuͤtig vnd fleißig bitte / vnd mich forthin in allem / beyde Ampt vnd Perſon nach / dieſer Loͤblichen Stadt / vnd Chriſtlichen Buͤrgerlichen Gemeine / gegen einem jedern / was ſtands vnd vermoͤgens er iſt / reich oder arm / zu jeder zeit / dienſtlich vnd freundlich / nach vermoͤgen / erbiete vnd erzeige / Damit Gott in ſeine gnad vnd ſchutz befohlen / Geben am 23. Sontag nach Trinitatis / den 2. Nouembris: Da Chriſtus Matth: 22. Den Juͤden vnd vns allen ernſtlich beſtelet: Gebet dem Keyſer / was des Keyſers iſt / vnd Gotte / was Gottes iſt / Das helff vns Gott allen Amen / Anno 1578.
Laurentins Dreſſerus G: manu propria.
JHr geliebten vnd auſerwelten Got - tes in dem Herren Chriſto / Gott hat vns / nach ſeinem Goͤttlichen rath / willen vnd wolgefal - len / durch den Toͤdtlichen abgangk / des Achtbaren / Erbaren / Wolgelarten vnd Wolweiſen Herren Ma - giſiri Joannis Starcken / dieſer Stadt / Buͤrger - ſchafft vnd Gemein / alten Herren Buͤrgermeiſters / ſeliger vnd Chriſtlicher gedechtniß / verurſachet / Nicht allein dieſe vnſere jtzige verſamlung vnd zuſammen - kunfft / an dieſem traurigen ort / auffm Gottsacker / Sondern auch / zum teil aus Chriſtlicher liebe / zum teil aus ſchuͤldiger pflicht / publicum luctum, gemei - ne trauertage anzuſtellen / vnd eine zeitlang zuhalten. Vns damit nicht alleine / gegen vnſerm / dieſer Chriſt - lichen Gemein / Woluerdientem Herren vnd Regen - ten / fuͤr ſeine trewe Vaͤterliche ſorge vnd wolthaten / danckbar zuerzeigen. Sondern jtzo vnnd allewege deſter fleiſſiger zubetrachten / vnd von Gott dem Va - ter / Jn vnſers einigen Mitlers vnd vorbitters Jheſu Chriſti namen / zuerbitten / Was vnſrer Stadt vnd jhren Jnwonern / zum gemeinen nutz / vnd ſonſt allent - halben / noͤtig / nuͤtzlich vñ dienſtlich ſein mochte / Denn alle gute gaben kommen von oben herab.
A iijSoSo wollen wir nu bey Chriſtlicher beſtattung ſei - ner Leich vnd Coͤrpers / in dieſer gar loͤblichen Volck - reichen vorſamlung / durch Goͤttliche gnad vnd ver - leihung / dere wir vns bey Gott dem Vater / durch Chriſti verdienſt vnd vorbitte / warhafftig vnd gewiß - lich zutroͤſten haben / Vns / den lebendigen / zur lehr / troſt vnd warnung / ein wenig / mit kurtzen wortten / nach gelegenheit jtziger zeit vnd ſtelle / zuerkleren / fuͤr vns nehmen / einen herrlichen / dieſen letzten fehrlichen betruͤbten zeiten / vnd ſichern leuten / fuͤrwar einen gar nothwendigen ſchoͤnen Text / aus dem Buch vnd Pre - digten / des recht Euangeliſchen Propheten Eſaiæ / der in ſeinem 56. cap: vnter anderm alſo ſaget.
JHR geliebten Gottes in dem HERren Chriſto / das dieſer Text dieſen betruͤbten letzten leuten vnnd zeiten / gar nuͤtzlich vnd nothwendig ſey beydes den guten vnd boͤſen / darff weder vber - fluͤßiger worte / nach weitgeſuchterbeweiſung / Deñ der Prophet prediget darinnen / beydes den gleubi - gen verſtorbenen / Auch jhren lebendigen freunden vnd verwanten / einen herrlichen Troſt / Vnd wiederumb den vngleubigen Gott - loſen / die offt die frommen vberleben / vnnd von jhrem Tode gar ſeltzam vnd wunderlich vrteilen vnd reden / ein ernſthafftige treu - hertzige warnung / Von dieſen beyden ſtuͤcken / in einer eyle vnd kuͤrtze / ſeliglich vnd fruchtbarlich zureden vnd hoͤren / verleihe vns der liebe Vater vmb Chriſti willen / ſeinen heiligen Geiſt vnd gna - de / Amen.
Jhr wiſſet Gott lob vnd danck / alle wol Lieben Chriſten / wie jhm Gott der Vater / aus lautrer gnad vnd barmhertzigkeit / von anbegin vnd von ewigkeit / ehr der Welt gruͤnde / ſagt S. Paulus / Ephe. 1. gelegt ſeind worden / Jm rathſchlag der heyligen dreyfal - tigkeit / auff der Mittel Perſon / des Herren Jheſu Chriſti / ſeines eingebornen natuͤrlichen geliebten Sones / demuͤtigen fußfall vnd vorbitte / fuͤr das damals kuͤnfftig Menſchlich geſchlecht / fuͤrgeſetzt vnd beſchloſſen hat / Durch die gnad vnd wirckung des heyligen Geiſtes / Mit dem heyligen Predigampt vnd muͤndlichen wort / Jm erkentnuͤß ſeines Goͤttlichen weſens vnd willens durch Chri - ſtum / fuͤr vnd fuͤr / von anfang bis zum end der Welt / Aus dem menſchlichen geſchlechte / ein angenehmes Volck vnd Kirche zube - ruffen / zu ſamlen / zu erleuchten / zu heyligen / vnd wider der hellen pforten zuerhalten / zum freudenreichen ewigen weſen vnd leben / Wie zum theil der Koͤnigliche Prophet Dauid troͤſtlich dauon re - det / Pſalm 2.
DasDas ſeind nun die leute / Nemlich die auſerweite Kirche Chri - ſti / ſampt jhren warhagtigen lebendigen Gliedmaſſen / welche all - hie der H. Geiſt durch den Propheten Eſaiam nennet / Heylige / Gerechte / richtige leute / Welche S. Petrus 1. cap: 2. Auch nen - net / das auſerwelte geſchlecht / das Koͤnigliche Priſterthumb / das heylige Volck / das volck des eigenthumbs etc. verſamlet ohne vn - derſcheit vnd anſehen der Perſonen / aus allerley Nationen vnd Voͤlckern.
Vnd werden vor dem andern vngeſchlachten verkerten ge - ſchlecht / der ſichern Epicurer vnd froͤlichen weltkinder / der vngleu - bigen vnd Gottloſen vnderſchiedlich erkennet / an rechter lehre vnd bekentniß Goͤttlichs worts / des Euangelions / rechten brauchs der Hochwirdigen Sacrament / von Chriſto geordenet / vnd an jhrem Gottſeligen Chriſtlichen wandel vnd gehorſam Goͤttlichs worts / ſo viel jhnen in dieſer angebornen ſchwachheit / des verderbten vnd ererbten Bluts vnd fleiſches / durch die gnade des heiligen Geiſtes / gegen Gott vnd Menſchen / menſchlich vnd moͤglich iſt.
Wie dann der heylige Apoſtel Paulus Philip: 2. alle Chri - ſten / alſo auch vns alle vormanet / das wir als Gottes Kinder auff Erden / mitten vnter dem vngeſchlachten verkerten geſchlecht / leuchten vnd ſcheinen als die lichter / Vns eines Gottſeligen / vn - ſtrefflichen / ſtillen wandels vnd lebens befleiſſen / gegen jederman. Wie wir denn durch den Sohn Gottes / eben zu dem ende / ſo theur / mit ſeinem roſenfarben vnſchuͤldigen blut / Erloͤſet / erkaufft / erworben / gewonnen / gerechtfertiget / geheiliget / mit dem heiligen Geiſt begabet / vnd von Gott dem Vater / durch den glauben an Chriſtum vnd diß alles / zu gnaden angenommen vnd kommen ſein / Das wir jhm fuͤr ſolche wolthaten danckbar ſein vnd gehorſam - lich / williglich dienen ſollen / Jn Heyligkeit vnd Gerechtigkeit / die jhm gefellig iſt / vnſer lebenlang. Drumb nennet ſie auch der Pro - phet ſolche leute / die hie auff Erden / vnter den leuten richtig / fuͤr ſich gelebt / vnd gewandelt haben / Jn jhrem Stand vnd Beruff nach Gottes befehl vnd geboten / gegen Gott vnd Menſchen etc.
SieSie haben aber ſolche Heyligkeit / Gerechttgkeit / Kindſchafft / erbſchafft / ſeligkeit etc. nicht von ſich ſelbſt / noch von der volkom - menheit jhrer ſelbſt gethonen guten wercke / das ſie es domit außer - halben oder neben Chriſto verdient hetten / Nein / Sie bekennen alle einmuͤtig mit Eſaia cap: 64. Das jhre gerechtigkeit / Jhrenthal - ben fuͤr Gott ſey / wie ein vnreines tuch / Deñ auch Dauid ſpricht / Pſalm 130. Wenn Gott auff vnſer thun ſehen / vnd miſſethat zu - rechnen wolte / das kein Menſch fuͤr Jhn beſtehen / weder gerecht noch ſelig werden koͤnde / Drumb beten alle auſſerwelte / geheiligte vnd gerechtfertigte fuͤr vnd fuͤr / Abba lieber Vater / vergib vns vnſere ſchulden etc. Jtem / Ach Herr gehe nicht jns Gericht mit dei - nen Knechten / Denn fuͤr dir wuͤrde kein lebendiger rechtfertig ſein / Darumb handel nicht mit vns nach vnſern Suͤnden / vergilt vns nicht nach vnſern miſſethaten / Sondern gedenck an vns nach dei - ner grundloſen Barmhertzigkeit / propter Dominum, vmbs ver - heißnen / vnd nuhmals krefftig erweiſten Meſſiæ willen / dem / dem alleine / vnd nicht vns gebuͤret die ehre / ſagen Dauid vnd Daniel / vnd mit jnen alle außerwelten zu allen zeiten.
Darumb ſeind ſie gerecht / heylig / richtig / ſelig etc. Erſtlich zu - gerechneter weiſe / Imputatiue, aus lauterer gnad vnd Barmher - tzigkeit Gottes / ohne jhr zuthun / allein durch den Glauben / vmb Chriſti willen / Darnach inchoatiue, das ſie dem Heiligen Geiſt gehorſamen / zur beweiſung jres glaubens / Gotte zu ſchuͤldiger vnd gebuͤrlicher danckbarkeit / fuͤr ſeine vnuergleichliche wolthaten. Andern leuten zum guten Exempel vnd beyſpiel / Auch glauben vnd gut gewieſſen zubewaren / mutwillige Suͤnde vnd ſtraffe zu - uerhuͤten / ein Chriſtlich leben anfangen vnd beſtendiglich fuͤhren bis an jhr ende / nach Gottes geboten / gegen Gott vnd Menſchen / jnnerlich vnd euſerlich etc. Als viel jhnen / in dieſer ſchwachheit Menſchlich vnd muͤglich / als oben angezeiget. Dieſer angefang - ne gehorſam / ob er jhrenthalben / denn wir ſeind fuͤr vnd fuͤr / der verterbten vnd ererbten Natur halben / Vicioſa materia. vnuol - kommen iſt / gefelt dannoch Gott wol / aus lautern gnaden / durch den glauben vmb Chriſti willen / vnd hat verheiſſung beyde des ge -Bgenwertigengenwertigen zeitlichen / Auch des zukuͤnfftigen ewigen lebens / wie S. Paulus gar troͤſtlich ſagt / 1. Tim: 4. Pietas ad omnia vtilis eſt: Darumb wir vns in der Gottſeligkeit / billich / allezeit fleiſ - ſig vben ſollen.
Das ſeind alſo die heyligen / gerechten / richtigen / ſeligen etc. Nun denckt die Welt / vnd meint die kluge Heldin / die Menſchli - che vernunfft nicht anders / Denn / weil ſie ſo gewiß / Gottes Kin - der / gerechte / heylige / ſelige leute ſein / Es werde vnd muͤſſe jhnen hie auff Erden jmmer wol / vnd nimmer vbel gehen / Sie werden ſich fuͤr keinem vngluͤck / weder fuͤr Creutz noch Tod befahren noch fuͤrchten duͤrffen / Dis alles widerfahr allein billich Gottes fein - den / den vngerathnen / vnheyligen / Gottloſen vnd vnſeligen leuten / den ſichern Epicurern / Welt vnd Teuffels Kindern / Antwort: Ja wenn jhr Politeuma wandel oder Buͤrgerſchafft allein auff Erden / vnd nicht viel mehr im Himel / oder das Reich Chriſti jh - res Heylandes / von dieſer Welt wer / So wird es freilich alſo / nach der Welt vnd vernunfft vrtel / vnd nicht anders gehen / Aber vnſer Buͤrgerſchafft vnnd wandel / ſagt S. Paulus Phil: 3. Jſt im Himel / vnd mein Reich / ſagt Chriſtus vor Pilato / Johan: 18. Jſt nicht von dieſer Welt / Jch vnd meine außerwelten / ſeind auff was hoͤhers / herrlichers vnd beſſers beſcheiden / denn auff diß kurtze vergengliche / vngewiſſe vnnd vnbeſtendige weltliche weſen vnd leben.
Darumb wenn die vernunfft vnd welt nun ſihet / das dieſe heylige / gerechte / ſelige leute / Gottes Kinder / auff dieſer Welt ſo voller vngluͤcks vnd Jammers / vnd ſchier allenthalben vnſeliger ſeind in dieſem leben / vnd dem Tode neher / denn andere / offentlich Gottloſe leute / So dencken ſie bald / Gott muͤſſe jhnen / nicht ſo gar gnedig vnd guͤnſtig / nach ſo wol verwandt ſein / Als ſie ſich duͤncken laſſen vnd rhuͤmen / Die Gottloſen (Denn ſie vrteilen allein nach dem euſſerlichen anſehen vnd zuſtande / Pſalm 144.) Halten der Kirchen vnd jhrer gliedmaſſen / betruͤbter Gottſeliger leute / duͤrfftigs vnd elends leben fuͤr vnſinnig / vnd jhr ende fuͤr eine ſchande / ſagt das Buch der Goͤttlichen weißheit am 5. cap.
WasWas hats denn aber gleichwol damit fuͤr eine geſtalt vnd meinung?
Dauon thut vnd gibt vns hie der heylige Geiſt durch Eſai - am / gar einen feinen / klaren bericht / War iſts / ſpricht er / Ge - rechte leute kommen vmb / manchmal viel erbermlicher vnd er - ſchrecklicher / denn vngerechte / Heylige leute / Gottes Kinder / die richtig fuͤr ſich nach Gottes befehl vnd willen gewandelt haben / werden auch durch den Tod weggerafft / manchmal ehe vnd mehr denn andre / Wie die Exempel der groſſen heyligen / Johannis des Teuffers / Stephani / Jacobi vnd andrer gnugſam zeugen / Jch gleube Annas / Caiphas / vnd andre Gottloſe Buben haben viel lenger gelebt / vnd ſeind viel elter worden / der zeit vnd Jahren nach / denn ſie.
Merck aber / Lieber Menſch / ſagt Eſaias / Ja der heylige Geiſt ſelber / Was bedeutets / Wenn vnſer Herr Gott ſeine liebe Kinder vnd Geſindlin alſo beſeit ſchicket / vnd aus dem wege reu - met / Denn ſie hindern doch ſonſt auch die Welt Kinder in allen winckeln?
Es bedeutet / ſagt er / beydes jhnen / vnd auch der Welt vnd jhren Kindern / die nach jhnen / in der Welt / auff Erden lebendig oder vberig bleiben / beyder ſeits etwas groſſes / Welchs aber alle - zeit / leider wenig leute / dermaſſen zu hertzen vnd in acht nemen / als ſie wol billich ſolten / wenn ſie ſo Gottfuͤrchtig vnd klug weren / als ſie ſich wol duͤncken laſſen.
Den Heyligen vnd gerechten / den außerwelten gnaden Kin - dern Gottes / wird zwart jhr leben durch den Tod gebrochen vnd jhre tage abgekuͤrtzet / Aber ſie kommen dadurch zum friede / ſchlaf - fen vnd ruhen bis an den Juͤngſten tag / Jn jhren Grebern / als in jhren kammern / oder ſanfften Rhubetlin / wie jhnen auch der Son Gottes ſelber verdient vnd zugeſagt hat / Johan: 5. War - lich ich ſage euch / Wer mein wort hoͤret / vnd gleubet dem / der mich geſandt hat / der hat das ewige leben / vnd koͤmpt nicht jns Gericht / Sondern er iſt vom Tode zum leben hindurch gedrungen.
B ijZu rhuZu rhu vnd zu friede kommen / iſt warlich lieben Chriſten / etwas herrlichs vnd groſſes / Weiſe mir doch / lieber Chriſt / nur et - wan einen orth / auff dem gantzen Erdkreis vnd boden / Do du die - ſe beyde / Nemlich fried vnd ruhe / bey einander finden vnd gehaben moͤgeſt / Fuͤrnemlich nuhmals / bey dieſen letzten grundtboͤſen leu - ten vnd verterbten zeiten / Da die Welt ſo Gottlos / gewiſſenlos vnd boͤs iſt / das ſie auch wol den verſtorbnen in der erden / ſouil an der Welt iſt / fried vnd rhu / weder goͤnnet noch leſſet / Sie wuͤlet vnd ſtoͤret / wie ein vnfletige Saw (mit gunſt gemeldet) mit jhrem raͤſſel / der verſtorbnen Chriſten Greber auff / als die auch den ver - ſtorbnen / vnd manchmal gar trefflichen woluerdienten leuten / nit nachlaſſen noch auffhoͤren / vbel nach zureden. Man ſparts jhnen wol beim leben nicht / was ſolt man deñ nach jhrem tod nicht thun / do ſie es nicht mehr hoͤren / noch ſich verantworten koͤnnen / weh aber ſolchen leuten. Exempla ſunt quidem odioſa, Sed heu hîc & vbiꝙ́ obuia.
Mancher baut jhm mit groſſen vnkoſten / ein herrlich zimmer / abgeſondert von den leuten / an einen ort / do nit viel tumults / ge - tuͤmels oder pochens iſt / Verhofft er wolle da ruhe vnd fried ha - ben / Aber er hats vnd findets nicht / Die welt ſtoͤret jhn vberal auff / vnd macht jhn vnruig / Drumb ſeind die vnkoſten verloren / Was er aber auff den Gotsacker / auff ſein Grab woget / das iſt vnuer - loren / das darff jhn nicht rewen / Da wird er in Chriſto bis am Juͤngſten tag / vnd darnach ewig rhu vnd friede haben. Denn ob wol die Welt ſein Grab auff / Seinen Coͤrper vnd gebein auß - grebet / verbrennet / vnd damit zuuervnruigen vnd gar zuuerdam - men gedencket / Wie vielen trefflichen leuten / von den Geiſtlichen Tyrannen in der Roͤmiſchen Kirchen / offt geſchehen iſt / vnd nach geſchehen moͤchte / Jhr muͤthlin / an denen / ſo ſie fuͤr ketzer halten / zu kuͤlen / Schadet aber den rechtgleubigen vnd außerwelten / an jhrer rhu / fried vnd ſeligkeit in Chriſto gar lauter nichts.
Darumb wird eins gleubigen Chriſten grab / oder der ort / do ſein Coͤrper gebein vnd a[ſ]che hinkommet / gar billich genennet eine rhuſtadt, eine herrliche ſchlaffkammer / ein ſan[ff]tes faulbetlin etc.
DasDas bedenckt vnd verſtehet zwar / die kluge welt vnd vernunfft mit jhren Kindern nicht / helts fuͤr ein gedicht vnd traum / denn ſie iſt allein au[ff]s euſſerliche verpicht vnd abgericht / Jſt aber gleich - wol in der warheit alſo / Wie es ob Gottwil / vnſer froͤliche auffer - ſtehung in Chriſto / mit verklerten / vnſterblichen leiben / am Juͤng - ſten tage / zum freudenreichen / ewigen herrlichen weſen vnd leben / wol ausweiſen / confirmiren vnd beſtettigen wird / mit ewiger rew vnd wehklagen aller Gottloſen: Sap: 5.
Des ſollen ſich alle Chriſten / wider jhren eignen Tod vnd ſter - ben / wider die anfechtungen des Todes / wider die entſetzung / eckel vnd grauen / ob dem Grabe / Gottsacker vnd Beinhauß / Darnach auch wider den toͤdlichen abgang / Jhrer Chriſtlich verſtorbnen / Freunde vnd verwandten / von hertzen in Chriſto / troͤſten vnd frew - en / Gott dancken / vnd jhnen ſolchen fried vnd rhue Jn Chriſto / weils ia dem lieben Gott / alſo wolgefallen hat / hertzlich goͤnnen / vnd Gott ernſtlich bitten vnd anruffen / auch jhr leben in Gottes furcht / mit trewer vnd fleißiger bewahrung / glaubens vnd guten gewiſſen[s]/ alſo anſtellen / vnd durch huͤlff des heyligen Geiſts hi - naus fuͤren vnd zum ende bringen / Das ſie auch / gleich jren gelieb - ten verſtorbnen / alſo in jhr Grab / zum ſeligen fried vnd rhu kom - men moͤgen / Amen.
Summa / Precioſa in conſpectu Domini, mors ſancto - rum eius, ſagt der heylige Geiſt ſelber / Pſalm 116. Er trag ſich zu wenn vnd wie er wolle / ſagt / lib: Sap: 3. vnd allhie Eſaias / So bedeutet vnd bringt er jhnen alles guts.
Was bedeuts vnd bringet es aber / den vbrigen gottloſen / So ſie in der Welt auff erden im leben nach ſich verlaſſen / wenn ſolche leute von ihnen weggerafft werden / Wie ſie ſich denn jmer bey mehlich / einer noch dem andern fein verlieren / vnd ſeubeilich von vns / aus dieſer vndanck - baren / boͤſen Welt hinweg ſchleichen?
Das hoͤrt vnd vernimpt man hie auch wol / wer es andershoͤ - ren vnd vernehmen wil Das der welt zur woluerdi[e]nten zeitlic[h]en /B iijleiblichenleiblichen ſtraff (die Geiſtliche vnd ewige iſt vnd bleibt nach allweg im reſt dahinden) jhrer greulichen muthwilligen Suͤnde / vnbuß - fertigkeit / verachtung / ſicherheit / vndanckbarkeit etc. Jn Gottes gerechtem vntreglichen zorn / ein gros vngluͤck bereit / vnd als denn / wo fern ſie nicht buſſe thut / gewiß nicht fern ſey / Wie die Exempel vnd hiſtorien / Jn Geiſtlichen vnnd Weltlichen geſchichten vnd hendeln / zu allen zeiten gnugſam bezeugen vnd weiſen.
Was folgete fuͤr greulicher vnrath vnd lermen / nit allein zu Meilandt / ſondern faſt in gantz Jtalia auff des heyligen Ambroſii todt / welchs ſie aber zuuor nicht gleubten / als ers jhnen bey ſeinem leben zu trewer warnung offt ſagte.
Jch mus vmb geliebter kurtze willen / aus mangel der zeit / auch orts vnd gewitters halben / dismal mehr Exempel / der ich doch Gottlob viel wuͤſte / zuerzelen abbrechen / Merckt nur nach eins / Wir wiſſen wol / denn es iſt bey vnſerm gedencken geſchehen / Was auff Docter Luthers Tod / ſeliger gedechtniß / Jn Deutzſchlandt folgte / welchs er / vnd andere fromme Chriſten / bey ſeinem leben / wie er offt ſagt / mit jhrem embſigen Gebet auffhielten / Aber traun / als er Anno 1546. am tag Concordiæ ſtarb / Do jhm kaum die fuͤſſe (wie man ſpricht) kalt worden / vnd er begraben ward / faſt noch im ſelben Jhar / fieng ſich der lerman vnd vngluͤck in Deutz - ſcher Nation / bey mehlich von tag zu tag / je lenger je mehr an / Gieng ein fewr vnd vngluͤck in Germania auff vnd an / Daran man noch zu leſchen hat / vnd Gott allein weis / ob es auch fuͤr der zukunfft Chriſti / gentzlich moͤchte geleſchet werden / wie wir zwart an vnterlasbitten / Aber wir halten vns leider / vnſer viel ſelber nicht darnach / drumb prellt vnſer Gebet auch zuruͤcke.
Das bedeutets der Welt ſagt hie der heylige Geiſt vnd Eſai - as / wenn ſolche leute außm weg gereumet / denn ſie hindern doch ſonſt beim leben vberall / weggeraffet vnd an einen gewahrſamen ſichern orth verſchickt werden / Denn Gott thut mit den ſeinigen / wie ein frommer Haußuater / wenn etwan in Krigsleufften oder ſonſt / groſſe vnd gefehrliche durchzuͤge geſchehen ſollen / So ſchickt er bey zeit zuuor / Sein Weib / Kinder / Geſindlin / welche in ſolchenleufften /leufften wenig nuͤtz im wege ſeind / beſeit außm geſicht. Oder wie man in Brunſten vnd feuersnoͤten zuthun pfleget / Do man ahn arm zuſammen rafft vnd außtregt / das liebſte vnd beſte / ſo man hat / dem leufft man zu / das ander befihlt man Gott vnd dem gluͤck / do gehts offt erbermlich vnd erſchrecklich mit zu.
Wir haben hie / am Herrn Magiſtro Johan Starcken / an vnſerm lieben alten Herrn Buͤrgermeiſter / einen theuren man (neben den andern alten Herrn / die Gott lang erhalte Amen) einen trewen Patrem patriæ, Sorger fuͤr vnſere Stadt / Gemein vnd Vaterlandt / verloren (wiewol / als S. Ambroſius ſagt / nit gar verloren) Des wir warlich neben den andern Herrn vnd Vaͤtern / Jm Regiment / Jn dieſen verwirten leufften / vnd be - truͤbten zeiten / wol viel lenger beduͤrfft hetten / wie er denn auch al - ters halben / ob er wol gantz eißgraw war / wol lenger / do es Gottes wille / leben hette koͤnnen / Denn welche gnade vnd gaben er von Gott hatte / nicht allein zureden / Sondern in verwornen vnd offt zweiuelhafftigen ſachen / guten rath zu finden vnnd mitzuteylen / Welchs er denn niemanden / der es von jhm begerte vnd zu jhm kam / Dem armen ſo wenig als dem Reichen / wie frommen Stad - vaͤtern vnd Regenten gebuͤret / verſagte / Das wiſſen die Herren / ſeine Aſſeſſores vnd Beyſitzer / beyde in der hochloͤblichen Koͤnig - lichen Cantzley / vnd im Erbaren Rathſtuel / denen er trewlich bey - gewonet / mehr vnd viel bas zu ſagen vnd zeugen / denn Jch / wie ſie denn beſtendig / Wo man ſeiner nur gedencket / thun / vnd iſt ohne das Gottlob / Stadt vnd Landkuͤndig / bey einheimiſchen vnd auſ - lendiſchen.
Nun ſaget Eſaias hie / Wenn ſolche leute weggerafft werden / durch den Tod / zu friede kommen / vnd rhuen fein ſanfft / in jhren Grebern / wie in einem ſchoͤnen zimmer / vnd rhubetlin / dohin ſie Gott bey ſeit verſchicket / Do ſchwebet hernach / die Gottloſe vn - danckbare ſichere Welt / wie zur zeit Noe / im vngluͤck / darfuͤr hat Gott / Jene / als die ſeinen weggenomen / Aber / wie der Prophet hie klagt / vnd wir mit jhm / Niemand iſt / oder je ſehr wenig leute ſeind / die es zu hertzen nemen / Wer nimpts in acht? Wer fuͤrchtetGott?Gott? Wer wird beſſer? Wer bedencket / oder beſorget ſich / das was groſſes oder fehrlichs darhinder ſey? Niemand / ſagt Eſai - as / Oder je ſehr wenig / ſo blindt / ſo ſicher iſt die Welt / las dichs Gott erbarmen.
Man duͤrffte ſolche vnd dergleichen leute / in der Welt nicht ſehr neiden noch plagen / Gott moͤchte ſie vns / hie vnd anderswo / nach allzuriſch aus den augen ruͤcken / vnd aus den zeenen reiſſen / Aber von Natur haben wir Menſchen faſt alle gerne newe Re - giment vnd Regenten / wie auch newe Prediger / Die Welt wird alter Regenten vnd Prediger / liderlich ſath vnd vberdruͤßig / vnd ſeind doch die bewertſten / vnd meinens am treulichſten / Wie ent - lich die erfahrung ſchir vberal lehret / Aber die Welt / ſag ich / hat vnd ſihet gemeiniglich gerne enderung / So doch enderungen / in allen Regimenten vnd Stenden / nach dem gemeinen ſprichwort / Omnis mutatio eſt periculoſa, Wo nicht allewege / doch gemein - lich / gefahr vnd etwas newes mit ſich bringen / dardurch vndanck - barkeit vnd andere Suͤnde geſtraffet muͤſſen werden / Darumb auch Salomo ſagt / in Spruͤchen / Vmb des Voͤlcks Suͤnde wil - len / werden die Regiment offt verendert.
Drumb ſolt etwan der toͤdliche abgang dieſes theuren vnnd treuen Mannes / dieſer Chriſtlichen Stadt / Buͤrgerſchafft vnd Gemein / was ſonderlichs oder gefehrlichs bedeuten vnd bringen wollen / Wie wir vns aus den klaren worten vnd treuen warnung des Propheten / vnſrer Suͤnden halben / nicht vnbillich befahren vnd vermuͤten.
Wir ſtehen jtzt allhie bey einander / geliebte Herrn vnd freunde / Jm Herren Chriſto / vffm Gottsacker / vnterm hellen vnd hohen Himel / So wollen wir einmuͤtig / vnd wie mit einem hertzen vnd munde / Jm Himel / den Gott alles troſtes / den Vater aller gna - de vnd barmhertzigkeit / Jn vnſers einigen waren Mitlers vnd vorbuters Jheſu Chriſtinamen / vnd auff ſein verdienſt / vorbiet vnd zuſage / Neben einander / mit hertzlichem Gebet vnd ernſtlicher anruffung / demuͤtig anfallen / Er wolte es aus gnaden vnd Vaͤ - terlicher erbarmung von vns abwenden / Vnd vns das / damitwirswirs vmb jhn woluerdienet / nach zu rechter zeit von hertzen erken - nen / berewen / buͤſſen vnd beſſern laſſen / vnd jhme jtzt vnd[f]orthin allezeit / neben andern Chriſten / vnſere Stadt / Rathſtuel / Buͤr - gerſchafft vnd Gemein / Auch Kirch / Schul vnnd Predigſtuel / ſelber zubeſtellen / Vnd vns ſampt dem vnſern / durch ſeine liebe heylige Engelin / die Himliſche frongeiſterlein / zubewachen / behuͤ - ten vnd bewaren / Veterlich vnd gnediglich laſſen befohlen ſein / Das wuͤntzſch vnd bete ich / vnd alle fridſame fromme Chriſten mit mir / von hertzen trewlich allezeit / Amen.
Vnd das ſey kuͤrtzlich geſagt / von zweyerley Predigt des Propheten in dieſem Text / Eine zum troſt den gleubigen verſtor - denen / vnd jhren lebendigen freunden vnd verwandten / Wiede - rumb die andere / den vngleubigen Gottloſen zu nothwendiger vnd treuhertziger warnung.
Jch ſolt auch nun / Liebe Chriſten / zum beſchluß / etwas ſagen / Als ich mit warheit / Gott lob / viel zuſagen / hette vnd wuͤſte / wie jhr alle zeugen wuͤrdet / vom Chriſtlichen wandel / weſen vnd leben / von Jugend auff / bis zum ſeligen end vnd beſchluß / vnſers alten Herren Buͤrgermeiſters / Nicht allein zu ſeinem lob / Sondern vielen andern Chriſten zum guten Exempel / Weil es aber Gott - lob vnd danck / zuuor Land vnd Stadkuͤndig / vnd bey jederman Edel vnd vnedel wolbekant / wil ich mich deſſelben enthalten / Das man mir nicht nachſagen duͤrffe / Jch thet es mehr vmb anderer vrſachen / Denn aus liebe vmb der lautern hellen warheit willen.
Zu deme Begert er nu / vnd bedarff auch ohne das / meines lobens gar nicht / Pietas vbicunꝙ́ eſt ſeipſam ſatis & laudat & prædicat. So darff ich auch den nicht loben / den mit warheit vnd billigkeit / niemand ſchelten kan.
Doch mit ſtilleſchweigen nicht alles zu vbergehen / nach etwas zuuergeben / Jſts offenbar / welcher mas vnd wie er ſich / in ſeiner Jugend gehalten / Do denn der Menſch von natur / wie die erfa - rung lehret / am furwitzigſten iſt / Nemlich / das er ſeinen fleis ge - legt vnd gewendet hat / Nicht / wie leider offt viel Junger leute / ſonderlich des Standes pflegen / vff ſauffen / ſpilen / muͤſſiggehen /CBulenBulen vnd allerley Buͤberey / mit groſſem betruͤbniß jhrer Eltern vnd freunde / vnd jhrer ſelbſt nachtheil vnd verterben / Sondern auff ſeine ehrliche Studia vnd vbungen / Jn ſprachen vnd guten kuͤnſten / Das bezeuget / neben ſeiner vielfeltigen wircklichen bewei - ſung / Gradus Magiſterij, Welcher Gradus, wie auch andere / Jn den hochloͤblichen Vniuerſiteten vnd hohen Schulen / Deudt - ſcher vnd andrer Nationen nit jederman ohne vnderſcheit / Auch nit leichtfertigen leuten / vnd vngelerten muͤſſiggengern / Sondern Gottfuͤrchtigen / fleißigen erbaren vnd gelerten leuten / zuerkant vnd mitgeteilet wird / Qui militârunt & digni ſunt, vt præ cæte - ris ornentur ex virtutibus. Wiewol es zuweilen auch / aber doch ſelten vnd mit wenigen / ein wenig anders zugehen mag / So kan doch ſolches hie nicht ſtadt noch raum haben / bey dieſem theu - ren Manne.
Wie Gottfuͤrchtig er ſonſt / vnd ein rechter liebhaber Gottes worts vnd diener geweſen / weis jederman / auch ich ſelber etwas dauon zu ſagen / wie eine kurtze zeit ich hie geweſen / Do er Con - tract wurde / vnd nit mehr fertig zu gehen vermochte / ließ er ſich zur Kirchen vnd Predigt / wie auch zu Rathaus fuͤren / damit er ja nichtes nachlies / noch verſeumte.
Sein Hausregiment / Kinder vnd geſinde zucht / war gar or - dentlich beſtelt vnd fleißig gehalten / Da muſten ſeine Kinder / ſon - derlich die Soͤnlin wie Jung ſie ſeind / Jhren Catechiſmum / Grichiſch / Lateiniſch / Deudtſch / ein ſtuͤck nach dem andern / vor vnd nach eſſens recitiren vnd erzelen / vnd war ſeine hertzliche hoͤch - ſte luſt vnd freude / Werden nun ſolches / wie ich vertraw / ſeine liebe Kinder / fleiſſig in acht haben / behalten vnd thun / vnd jhres lieben Herren Vatern / ſeligen / loͤblichem Exempel nach folgen / So wird jhnen Gott / ſeinen heyligen Geiſt vnd gnade geben / das ſie mit der zeit gleich / wolgedachtem jhrem lieben Herrn Vatern / werden ehrliche vnd der Kirchen Chriſti vnd jhren Gliedmaſſen nuͤtzliche leut vnd diener / vnd alſo außerwelte wergzeug Gottes ſein.
MochtMocht jemand ſagen / Lieber rhuͤm jhn nicht ſo gar heylig vnd hoch / Er iſt je Adams vnd Euæ Kind / ein Menſch / derwegen one Suͤnd / vnd Menſchliche gebrechen / ſo wenig geweſen / als ein an - drer Menſch / Antwort: Wer iſt des in abrede? Er hats ſelber nie gelengnet / Sondern in ſeiner Beicht / offt vnd vielfeltig gar hertzlich / auch mit trenen / wie jhm des / der Ehrwirdige Herr Da - uid Berlin / vnſerer Kirchen treuer Diacon / Sein Beichtvater / fuͤr Gott vnd aller Welt / zeugen wird vnd kan / beſeuffzet vnd be - reuet / Vmb den troſt der heyligen Abſolution ernſtlich gebeten / darauff bey ſeinem leben offt / vnd jtzt gar neulich fuͤr ſeinem ende / das Hochwirdige Sacrament vnnd im ſelben allerheyligſten Abentmal / den warhafftigen / gegenwertigen Leib vnd Blut Jhe - ſu Chriſti / nicht Sacramentiriſcher / Dere wir Gottlob vnſre Kirch vnd Schul jtziger zeit / Gott helff ferner mit gnaden / wol ſicher vnd frey wiſſen / ſondern recht Chriſtlicher weiſe vnd mey - nung / auff Chriſti allmechtiges wort / Befehl vnd zuſage / mit wa - rem Glauben empfangen / vnd damit ſein zeitlichs leben / Jn warhafftigem erkentniß / anruffung vnd bekentniß ſeines / vnd vn - ſer aller / einigen Heylands vnd Selichmachers Jheſu Chriſti / beſtendiglich bis in ſeinen letzten Odem / (denn ſo lang hat jhm auch Gott ſeine vernunfft vnd ſprach verlihen) vnd ob Gottwil gantz ſeliglich beſchloſſen / Wer kan vnd wil nun leugnen oder ver - neinen / Das jhm Adams fall (welchs doch auch ſo bald in der heyligen tauff geſchehen) vnd ſeine Suͤnde / vmb Chriſti willen / von Gott nit vergeben ſein? Was nun Gott ſelber aus gnaden vergeben hat / das ſollen vnd wollen wir billich auch vergeben / vnd vergeſſen ſein laſſen / Daſſelbe nicht wider verneuen noch eyuern / Denn es gebuͤret vns auch nicht / Er hat einen andern Richter.
Jſt es zum beſchluß / nit eine groſſe demut vnd herrliche glau - bens frucht / Das er jhm erwehlet / vnd in ſeinem Teſtament ver - ordnet / auch fleißig drumb gebeten hat / Man wolle ſeinen Coͤr - per nach ſeinem Tode / anderſwo nirgent hin zur Erden beſtadten noch begraben / Denn allhie vffm gemeinen Begrebniß vnd Gots - acker zum Taucher.
C ijDamitDamit er bezeuget hat ſeinen glauben / das die Erde vberal des Herren / vñ der gantze Erdenkreis vnd boden / durch den vnſchuͤldi - gen Tod / vnd durchs vergoßne roſenfarbe theure blut des rechten hohen Prieſters vnd Ertzbiſchoffs Jeſu Chriſti / gnugſam / gehey - liget vnd geweihet ſey / zum ſeligen begrebniß / vnd froͤlicher auffer - ſtehung Jn Chriſto / allen außerwelten hie vnd anderßwo / zum freudenreichen ewigen leben / Das verleihe jhme vnd vns allen / die es ernſtlich vnd von hertzen begeren / Gott der Vater / Gott der Son / Gott der H. Geiſt / die Heylige Dreyfaltigkeit / der einige ware Gott / hochgelobt in alle ewigkeit / Amen.
JCH hab jtzt droben geſagt vnd iſt die warheit / das wol vnd vielgedachter / vnſer Herr Buͤrgermeiſter / feliger / Jn ſei - nem Teſtament vnd letzten willen verordnet / auch muͤndt - lich begeret / vnd zum hoͤchſten vnd fleißigſten gebeten hat / Das man jhn nach ſeinem Tode / ja nirgend hin begraben wolle / dann zum Taucher / Damit helt ſichs alſo.
Die K: Stadt Budißin / hat zum wenigſten fuͤnff Begreb - niß ſtellen / zu jhren Chriſtlichen verſtorbnen / Das erſte vnd fuͤr - nembſte / Jſt zum Thum oder bey der Pfarkirchen zu S. Peter / in der Stadt / Das ander zu S. Niclas / Das dritte zu vnſer Frawen Kirchen / beyde fuͤr der Stadt / aber doch in verſchloßnen Vorſtedten / Das vierde zum Heyligen Geiſt / vnd das fuͤnffte zum Taucher / ein ehrlicher wolgelegner / luſtiger groſſer raum vnd platz / Dieſe liegen beyde fuͤr den verſchloſſenen vorſtedten / Dahin man den gemeinen Man vnd Armen (Wie man ſie nen - net) bißher gepfleget zu legen vnd begraben.
Nun hatte Jch / vnwirdig / nach meinem Ampte / etwan fuͤnff wochen zuuor / am 16. Sontag nach Trinitatis / aus vielen be - dencklichen vnd beweglichen vrſachen / Sonderlich weil des be - grabens in der Stadt vnd Vorſtedten zuuiel werden wolte / vnd manche / do es jhnen gewegert / nicht ohne vnwillen waren / Welch - ein vermutung gab / das in den leuten nach etwan / eine Superſtitiovndvnd aberglaube ſein muͤſte / Als wehr ein orth vnd ſtelle / die Chri - ſten zubegraben / beſſer vnd ſeliglicher / oder (wie man vorzeiten zureden pflegte) Heyliger vnd geweyter / denn der andere / etc.
Derwegen an einen Erbaren Wolweiſen Rath / ſampt der gantzen loͤblichen Buͤrgerſchafft vnd Chriſtlichen Gemein / Jch eine Bitt vnd vermanung offentlich thete / Weil es auch ſonſt one gefahr nicht wer / Die Begrebniß jnnerhalb verſchloßner Stadt vnd Mauren / ſo nahe bey den Leuten zuhaben / Man wolte das Begrebniß zum Taucher fuͤr ſich nemen zubawen / vnd ein Buͤr - ger oder Jnwohner fuͤr ſich einen / oder nach vormoͤgen vnd ge - legenheit / jhrer zwen / drey etc. zuſammen / einen Bogen / wie es fein ehrlich vnd ordentlich etwa angefangen / einnehmen / Welche ſie hernach zu jhrem vnd der jhrigen Begrebniſſen / Jhres gefal - lens / Jnhaben vnd brauchen moͤchten / Bis es durch Gottes vnd frommer Chriſtlicher leute huͤlffe / mit der zeit / von Jahr zu Jahr koͤnde verbracht werden / vnd ſich alſo die leute jhrer alten Super - ſtition / abthun moͤchten / Begerte keine ander / denn zu gelegener zeit vnd Sommertagen / eine wirckliche oder thetliche Antwort / Verſehe mich auch / weil dis die erſte bitte wehr / Sie wuͤrden mirs nicht verſagen noch abſchlagen etc. Vnd wie Jch nach brauch meiner / Jederman wolbekanten / vnd mir ſelbſt nicht vnbewuſten einfalt / mit mehren worten vnd weitleufftiger damals dauon re - den mochte.
Dieſe vermanung vnd bitte / Jſt dem frommen Chriſtlichen Man / (vnd wie Jch hoffe vnd vertraw / Wo nicht allen / doch dem mehrern theil / vnd vielen Gottfuͤrchtigen Chriſtlichen hertzen mehr) dermaſſen zu hertzen vnd gemuͤth gegangen / vnd gefallen / das er / weil er den außwarts oder fruͤling / nach Gottes willen / ſelber zu bawen / nicht erleben ſolte / Mit ſeiner eignen Perſon vnd Coͤrper / den anfang machte / vnd gemacht haben wolte / Hat der - wegen / einen ordentlichen vnd ehrlichen Baw zuthun / was ſtadt - lichs darzu beſcheiden / Ja jhme ſelber einen orth vnd ſtelle zum be - grebniß / benentlich erwehlet / vnd angeordnet dermaſſen / das man im baw / zu beyden ſeiten nachfolgen wird muͤſſen / So begirig iſtC iijer aucher auch in dieſem / dieſe Chriſtliche Gemein / Jnn vnd nach ſeinem Tode zubefuͤrdern / vnd ſeinem Seelſorger Chriſtlich zugehorſa - men / geweſen / wie zuuor allewege / bey ſeinem leben Welchs Gott jhme vnnd ſeinen Erben / hie vnd dort vergelten wird / Amen. Zweiuel auch nicht / viel ſtatliche Buͤrger vnd fromme Chriſten / in dieſer Stadt vnd Gemeine / werden ſeinem Exempel / doch ein jeder nach ſeinem vermoͤgen vnd gelegenheit / zu rechter zeit nach folgen / Dargegen der liebe Gott / Sie vnd die jhren an jhrer na - rung vnd ſonſt / mit gnaden reichlich ſegnen wird vnd wolle / hie vnd dort Amen.
Solchs hab ich droben / im ende der Predigt meines erachtens / billich / als ein glaubens frucht vnd Exempel Chriſtlicher demut angezogen. Gott verleih vns allen bis an vnſer ende / beſtendig - keit im rechten einfeltigen waren Chriſtlichen Glauben / einen Gottſeligen wandel / froͤlich hertz vnd gut gewiſſen / einen ſeligen abſchied / vnd froͤliche aufferſtehung in Chriſto / zum freudenreich - en ewigen leben / Amen.
Thomas Faber faciebat in perpetuam memoriam.
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