PRIMS Full-text transcription (HTML)
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QUOUSQUE DAVIDICUM:
Das iſt / Gottſelige Betrach - tung vnd Erklaͤrung deß XIII. Pſal. Koͤnigs vnd Propheten Davids /
vorge - tragen in der Pfarꝛkirchen zu Darmbſtatt / den 10. Martij. Bey hochanſehnlicher / Volckreicher vñ Chriſt - licher Begraͤbnuß / weyland deß Geſtrengen / Edlen vnd Veſten Reinhard Henrichs von Laerbach / deß Durch - leuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herꝛn / Herꝛn Lud - wigs Landgraven zu Heſſen / Graven zu Catzenelnbogen / Dietz / Zigenhain vnd Nidda / ꝛc. geheimbden Rath / Hof - Marſchaln vnd Amptmanns zu Ruͤſſelsheim / Chriſtſe - liger gedaͤchtnuß / welcher den 26 Februarii dieſes Jahrs 1617. ſanfft vnd ſelig von dieſer Welt abgeſchieden.
Getruckt zuDarmbſtatt/ beyBalthaſar Hofmann.
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Eingang zur Predigt.

  • Die Gnade Gottes / der Fried Jeſu Chriſti / vnd die troſtreiche Gemeinſchafft deß H. Geiſtes ſey mit vns jetzt vnd zu allen zeiten / Amen.

GEliebte vnd Andaͤchtige in dem Herrn Chriſto / Wir ſind jetzunder nach dem allein weiſen Rath vnd willen Gottes / im Klag - vnd Trawerhauß zuſam̃en kommen / vnd haben aber einmal von Hof auß / in ei - ner zwar Volckreichen aber ſehr betruͤbten trawrigen Proceſſion biß anhero zu ſeinem Ruhebettlein begleitet / weyland den Geſtrengen / Edlen vñ Veſten Reinhard Henrichen von Laer - bach / deß Durchleuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten vnnd Herꝛn / Herꝛn Ludwigs Landgraffen zu Heſſen / Graven zu Catzenelnbo - gen / Dietz / Zigenhain vnd Nidda / ꝛc. vnſers gnaͤdigen Fuͤrſten vnd Herꝛns vornehmen geheimbden Rath / Hofmarſchaln vnd Ampt - mann zu Ruͤſſelsheim / Chriſtſeliger gedaͤchtnuß. Woͤllen bey ſo betruͤbtem Zuſtand vnd letzter Ehr / die wir jhm auß Chriſtſchuldi - ger vnd williger Affection erzeiget / beyd das ſeligmachende Wort Gottes mit einander anhoͤren / vnd dann auch von ſeinem ſeligen Abſchied / weil je deß Gerechten nicht ſoll vergeſſen werden / ein et - was reden vnd fuͤrtragen. Daſſelbige aber damit es alſo verrichtet werden moͤge / daß es gereiche zuforderſt Gott zu ehren / zu auß - breitung ſeiner lieben Kirchen vnnd Gemein / zu ſtaͤrckung vnſers ſchwachen Glaubens / zu troſt vnd vnterricht alien betruͤbten vndA ijtrawrigen /4Chriſtliche Leich Predigt /trawrigen / vnd dann auch zu vnſerer aller Seelen Heyl vud Selig - keit / wirdt ſich euwer Chriſtliche Lieb mit mir vnter die gewaltige Hand Gottes zu demuͤtigen wiſſen / vnd von Hertzen beten helffen das jenige Gebett welches Chriſtus ſelbſt gelehret hat / vngezweif - felter hoffnung / er werde vns ſeiner Zuſag nach / gnaͤdiglich erhoͤ - ren / Sprecht derhalben Vatter vnſer / ꝛc.

Textus

PSALMUS XIII.

HErr wie lang wiltu mein ſo gar vergeſ - ſen? Wie lang verbirgeſt du dein Antlitz fuͤr mir?

Wie lang ſol ich ſorgen in meiner See - le / vnd mich aͤngſten in meinem Hertzen taͤglich?

Wie lang ſoll ſich mein Feind vber mich erheben?

Schaw doch vnd erhoͤre mich Herr mein GOtt / erleuchte meine Augen / daß ich nit im Todt entſchlaffe.

Daß nicht mein Feind ruͤhme / er ſey mein maͤch - tig worden / vnd meine Widerſacher ſich nicht frewen / daß ich niderlige.

Jch hoffe aber darauff / daß du ſo gnaͤdig biſt / Mein Hertz frewet ſich / daß du ſo gerne hilffeſt.

Jch wil dem Herrn ſingen / daß er ſo wol an mir thut.

Exor -5Vber den 13. Pſalmen Davids.

Exordium.

JHr Geliebte vnd Außerwehlte in dem Herrn Chriſto / daß ich bey dieſer hochanſehnlichen trawrigen Verſam̃lung vnd Leichbeſtattung / den jetzabgeleſenen 13. Pſalm / deß Koͤnigs vnd Propheten Davids / zur Klag vnd Troſt Pre - digt fuͤr mich nehme / geſchicht fuͤrnembli - chen darumb / dieweil derſelbige vnder andern Gottſeligen Reden vnd Gedancken von vnſerm lieben Herꝛn Mar - ſchaln / ſeligen / deſſen hinderlaſſener Leichnam vns allda fuͤr trawri - gen Augen ſteht / in ſeiner letzten Schwachheit / da ſie faſt am groͤ - ſten war / nicht ohne tieffe bewegliche Seufftzen iſt allegirt vnd an - gezogen worden. Steht es nun fein / wenn fromme Kinder vnver - geßlich in jrem Hertzen behalten vnd offtmals gedencken / an die je - nige letzte Wort / ſo jhr liebe Eltern ſ. fuͤr jhrem Abſchied auß dieſer Welt zu jhnen geredt / vnnd dardurch ſie allerhand nuͤtzlichen erin - nert: Solt es dann nicht auch in der Kirchen Gottes ſtatt haben zu offentlichen Leich Predigen zunemen / die jenige Text vnd Spruͤch H. Schrifft / mit welchen ſich ſelig verſtorbene Chriſten fuͤr jhrem Ende in den groͤſten Noͤten haben oblectirt / geſtercket vnd getroͤſtet / ja mit welchen ſie frey wacker wider Tod / Suͤnd / Teuffel vnd Hell / haben auß gethawret / obgelegen vnd geſieget? Zugeſchweigen daß ja ſolches jhnen den verſtorbenen ſelbſt zu einem gebuͤrenden Rhum vnnd Chriſtlichen Ehren gedaͤchtnuß gereichet / hat es auch ſeinen nutzen bey vns hinderbleibenden / als die gleichfals dadurch getroͤſtet vnd zu ebenmeſſiger εὐϑανασίᾳ, vnd ſeliger Sterbkunſt gantz frucht - barlich werden excitirt vnd auffgemundert. Zweiffel nicht es hab der Apoſtel auch dahin geſehen in der Epiſtel an die Heb. am 13. daHeb. 13. er befihlet / wir ſollen anſchawen das Ende deren ſo vns (verſtehe nit allein im geiſtlichen ſondern auch im weltlichen Regiment) vorge - ſtanden / vnd jhrem Glauben folgen.

A iijWolan6Chriſtliche Leich Predigt /

Wolan es iſt vnſer fuͤrgenommenes Pſaͤlmlein ein ſehr innig vnd klaͤgliches Gebet / in welchem der vbelgeplagte Koͤnig vnd Pro - phet David fuͤr Gott gleichſamb ſein Hertz außſchuͤttet vnd mit allerhand ſchoͤnen / abgewechſelten Hertzbrechenden Worten ſein Noth klaget / beneben hertzlicher bitt / er woͤlle jhn anſehen mit den Augen der Barmhertzigkeit / vnd gnedige Huͤlff erzeigen / darmit er ſich vber derſelben moͤg frewen / vnd darfuͤr wie auch andere erzeigte Gutthaten jm ſingen vñ dancken. Wird gar fuͤglich vnd wol in der Oberſchrifft genendt Ein Pſalm Dauids vorzuſingen. Dann wie er vnter vielem Creutz vnd Truͤbſeligkeiten jhn ſelbſt hat vorgeſungen / auch hernach offentlich beym Gottes Dienſt durch ſeine Chorſaͤnger vnnd HofMuſicanten der gantzen Gemein vor - ſingen laſſen / Alſo wird er noch auff den heutigen Tag / von man - chem nothleidenten Chriſten weydlich nachgeſungen. Jſt wol / ſon - derlich im anfang / ein ſchweres Liedlein zuſingen / von wegen der krauſen Noten vnd geſchwinden Fugen / der beſt aber doch / daß das Final daran deſto leichter geht vnnd lieblicher außhelt. Wir woͤl - len im Nahmen Gottes die kunſtreiche Compoſition vnnd Melo - dey ſolches Davidiſchen Liedches zu dieſem mal an ſeinem Orth beruhen laſſen / vnd nur allein den Text deſſelbigen / welchen er gar artig in form einer wolgeſtalten demuͤtigen Supplication drunder gefuͤget / in dreyen vnderſchiedlichen Geſetzlein oder Stuͤcken fuͤr - tragen vnd erklaͤren.

I. Jm erſten werden wir haben flebilem querelæ deſcriptio - nem, das iſt / mit was klaͤglichen Worten er ſein Noth vnnd Anlie - gen dem lieben Gott hat fuͤrgebracht.

II. Jm andern / devotam & humilem petitionem, das iſt / was eygentlich ſein bitt vnd anſuchen geweſt ſey.

III. Jm dritten lætam gratiarum actionem, das iſt / wie wil - lig vnnd frewdig er geweſt ſey / Gott darfuͤr zudancken / wenn er jhm dißmals werd ſein Hertz erfrewen / vnd gethaner bitt vnd gefa - ſten hoffnung gewehren.

Haben7Vber den 13. Pſalmen Davids.

Haben wir ſolch drey Geſetzlein nothtuͤrfftiglich mit einander betrachtet / ſollen dann auch die fuͤrnembſte ſtuͤck deß Davidiſchen Liedleins vff den Herꝛn Marſchaln ſeligen / der es hie in dieſem Le - ben wacker außgeſungen / vnd an dem ſchoͤnen Final deſſelben der Seelen nach / im ewigen Leben vnd Himmliſchen Cantorey vnder den lieben H. Engelein noch innſtendig quidulirt vnnd arbeitet / ge - buͤrender maſſen applicirt werden.

Der guͤtige barmhertzige Gott erwecke vnſere Hertzen vnnd Ohren / vnd verley hierzu allerſeyts von oben herab deß H. Geiſtes kraͤfftige Aſſiſtentz vnd Beyſtand / vmb Jeſu Chriſti willen / Amen.

I.

Das erſt Geſetz vom Liedlein lautet im abgeleſenen Klagpſal - men Davids alſo: HERR / wie lang wiltu mein ſo gar ver - geſſen? wie lang verbirgeſtu dein Antlitz fuͤr mir? wie lang ſol ich ſorgen in meiner Seelen vnd mich aͤngſten in meinem Hertzen taͤglich? wie lang ſol ſich mein Feind vber mich erheben? Jſt vnter allen Heiligen Gottes jrgend ei - ner / der wunderbarlich gefuͤhret / vnd in der Creutzſchul recht geuͤbt vnd gepantzerfeget worden / ſo iſt es in Warheit der liebe David. Dann da war ja kein leibliche Truͤbſal ſo klein oder groß / daran er nit auch ſein Theil vnd quotam gehabt hett / wie einen maͤchti - gen Widerſacher / hat er doch an ſeinem eygenen Schwehervatter dem Koͤnig Saul? als der jhm das gebrandte Leyd anthet / vnnd von einem Ort zum andern jaͤmmerlich verfolgete? Da hatte ers zuthun mit falſchen / verꝛaͤteriſchen blutduͤrſtigen Leuten zu Hof vnd auff dem Lande / zuthun hat er es mit ſeinen eygnen Kindern / die jhm groß Hertzenleyd machten / in dem ſie ſich vntereinander ſchendeten vnd wuͤrgeten / zum theil auch jhn auß dem Koͤnigreich von Land vnd Leuten jagten. Jn Summa der Vorꝛaht von leib - lichem Creutz vnnd Widerſtand war bey jhm ſo groß / daß er auchim8Chriſtliche Leich Predigt /im 38. Pſalm jhm dieſe Klag herauß brach / Er ſey zum Leyden ger macht vnd zubereyt. Solcher euſſerlichen Widerwertigkeiten abe - vber einen hauffen zugeſchweigen / hatte er noch drey andere ſchwe re Anliegen vnnd innerliche Anfechtungen / welche er gleich im ein - gang dieſes Pſalmleins dem lieben GOtt aus betruͤbtem Hertzen klagt vnnd fuͤrbringt.

I. Die erſte war Auxilij diuini dilatio, daß er jhn vnter dem ſchweren vielfeltigen Creutz vnnd widerſtandt ſo lang ſtecken laß. Denn das mache jhm dieſe trawrige Gedancken / mit denen er ſich in ſeinem Hertzen aͤngſte / Gott hab ſeiner nit allein vergeſſen / ſonder auch ſein gnaͤdiges Antlitz von jm abgewendet. Jſt in War - heit kein geringes Anliegen. Dem Geiſt nach wuſte er wol als ein Mann nach dem Hertzen Gottes / daß der Huͤter Jſrael nit ſchlaffPſal. 121. noch ſchlummere / wie er ſelbſt bekennt vnnd ruͤhmt im 121. Pſalm. Fleiſch vnnd Blut aber welchs Zeit vnnd Stund zuzehlen pflegt / war ſchwach / die beyde / Geiſt vnnd Fleiſch / luctirten hie gleichſam in dem lieben David dermaſſen / daß er in ſeinem Geiſtlichen Palæ - ſtra das klaͤgliche quouſq;, wie lang? wie lang? herauß ſtoͤſt. Vnd zwar ſo geht es auch nit mit ſchertz oder lachen zu / wenn vnter lang - wirigem Creutz die ſchwere Gedancken einem vffſteigen / Gott ha - be ſeiner vergeſſen / er habe jhn mit aller Gnade verlaſſen. Anders - wo nennts David Baͤche Belial vnnd Bande der Hellen / Pſalm. Pſal. 18. 18. Seynd ein rechter vorgeſchmack der Hellen / welchen je bißwei - len der liebe Gott auch fromme Hertzen ein wenig koſten laͤſt / im Gebet ſie deſto inbruͤnſtiger zumachen / vnd ſagt D. Luther ſeli - gen / dem ſie auch bekannt geweſen / recht darvon / Er wolt lieber Jar vnd Tag in einem tieffen Thurn ſitzen / Hunger vnd Durſt leyden / als nur einen Tag in ſolchen ſchwermuͤtigen Gedancken verhar - ren vnd ſtecken bleiben. Solte denn nun der geplagte David vnter ſolchen Gedancken nit ruffen vnd ſeufftzen / Ach HERR wie lang wiltu doch mein ſo gar vergeſſen? wie lang verbir - geſtu doch dein Antlitz fuͤr mir?

II. Das9Vber den 13. Pſalmen Davids.

II. Das ander Anliegen daruͤber er hie klaget / war vana animæ ſuæ conſultatio, daß er bey ſolchem ſo trawrigem Zuſtand leibli - cher vnd Geiſtlicher Anſtoͤß heruͤber vnnd hinuͤber bey ſich ſelbſt diſ - currirt vnd rahtſchlaͤget / vnd doch keinen Außſchlag ſehen oder fin - den kan / der jhm wer vortraͤglich geweſen. Das gab nun billich wi - der ein klaͤgliches Suſpirium vnd Seufftzerlein. Wie lang ſol ich ſorgen in meiner Seel / vnnd mich aͤngſten in meinem Hertzen taͤglich? Er wil ſagen. Wann ich ſchon all mein Witz Sinn vnd Vernunfft zuſammen nehm / vnd in dem kleinen Raht - ſtuͤblein meines Hertzens alles ponderire vnd nach Menſchlicher Weißheit vff daß ſchaͤrpffeſt außecke / iſt es doch alles vergebens / je mehr ich mir ſelbſt wil rahten / je mehr Schmertzen mach vnd gebier ich mir ſelbſten in meinem Hertzen. Das heiſt eygentlich wie es in der lateiniſchen Bibel gar ſchoͤn geben iſt / Conſilia ponere in ani - ma ſua. Gibt fuͤrwar kein geringe perturbation vnd Schwermut / wann Leut von Gott mit Verſtand vnnd Sinnreicheit begabt ſeyn / vnd doch bey einem vnnd dem andern ſchweren fuͤrfallenden Vngemach nicht ſehen oder finden koͤnnen / wie ſie moͤchten herauß kommen / ſonder ſich je lenger je mehr verwirꝛen vnnd wol etwa den Wagen gar in den Kot fuͤhren.

III. Das dritte Anliegen war Odioſa inimici inſultatio, daß ſein Feind noch darzu ſeines Vngluͤcks ſich frewete / vnd deßwegen vber vnd wider jn erhube? Wie lang / ſagter / ſol ſich doch mein Feind vber mich erheben? Durch den Feind verſteht er / wie es Auguſtinus vber dieſen Pſalmen erklaͤret / den leydigen Teuffel / Gottes vnd aller rechtſchaffenen Kinder Gottes abgeſagten Feind. Dann der iſt der rechte Schadenfro / der gern Waſſer zuſchuͤttet / wo es vorhin naſſz iſt / vnnd ſich ſonderlich mit vntermengt / wenn die Frommen in Creutz vnd Truͤbſal ſtecken / mit ſeinen feuwrigen Pfeilen auff ſie zuſcheuſt / ob er ſie etwa in Vngedult / mißtrauwen vnd verzweiffelung bringen moͤg. Vñ ſolche Pfeil empfuͤnd jetzun -Bder10Chriſtliche Leich Predigt /der der gute Herꝛ auch / nicht in geringer Anzahl. Wehe that jhm wol auch / wann ſein jrꝛdiſche Feind vnnd Mißguͤnſtige im Creutz ſeiner ſpotteten / mit Fingern vff jhm deuteten / ſagende / da da / wie erPſal. 40. ſolches klaget im 40. Pſal. Aber das der vnſichtbare Helliſche Ertz - feind ſeiner betruͤbten Seelen jetzt wolt ſo nah kommen / jhn mit ſei - nen inſultationibus vnd hohnlachen noch mehr betruͤben / das trieb jhm abermal ein Quouſque vnd tieffes Seufftzerlein herauß / mit welchem ers ſeinem lieben Gott gantz aͤngſtiglich klagete. Vnd das wer nun die Erklaͤrung deß erſten Geſetzlein vom fuͤrgenom - menen Davidiſchen Liedchen.

Lehrſtuͤck.

1. SEhen vnd lernen drauß / was doch eygendlich vnſer vnd al - ler glaͤubigen Chriſten zuſtand vnd Lebens lauff ſey? Nemb - lich ein rechter Jammer vnnd Thraͤnenthal / darinn es viel Quouſq; gibt / da iſt viel ſeufftzens / viel graͤmens / viel klagens / viel aͤchtzen vnnd krechtzen. Ein ſtetiger jmmerwerender Kampff vndIob. 7. Streit / perperua militia wie es Job nennet / c. 7. Ach ſagt er / muß nicht der Menſch jmmer im Streit ſeyn auff Erden! Da gibts jm - mer Forcht / Angſt vñ Hoffnung / Zorn / Eyffer / Widerwertigkeit /Syr. 40. Vnfried / Todtesfahr / Neyd / Zanck / ꝛc. wie Syrachs Scholion la[u]tet / c. 40. ſo kommen einem mancherley Gedancken fuͤr / wenn er auff ſeinem Bett ligt vnnd ſchlaffen ſoll / da erſchrickt einer im Traum / als ſehe er die Feinde kommen / vnd wenn er auffwacht vnd ſihet / daß er ſicher iſt / iſt jm als einem der auß der Schlacht entron - nen. Der Apoſtel Paulus faſſet die labores huius militię gaꝛ in ein2. Cor. 7. kurtzes Spruͤchlein zuſammen / da er ſagt / 2. Cor. 7. Wir ſind al - lenthalben in Truͤbſal / foris pugnæ & intus pauores, außwendig iſt Streit / innwendig iſt Forcht / verſtehet dardurch / leibliche vnd geiſtliche Anfechtungen: Da hat mans zuthun / nicht nur allein mit der Gottloſen Welt / vnd boͤſen mißguͤnſtigen Leuten in derſel - ben / ſonder auch mit dem Teuffel vnd ſeinen Helffers Helffern denboͤſen11Vber den 13. Pſalmen Davids. boͤſen Geiſtern / ſo in der Finſternuß dieſer Welt herſchen / Epheſ. 6. Epheſ. 6. Man hat es zuthun mit vnſerm eygnen Fleiſch vnd Blut. Denn das Fleiſch geluͤſtet wider den Geiſt / vñ den Geiſt wider das Fleiſch / dieſelbige ſind wider einander / Gal. 5. vñ mag gar leichtlich / wannGal. 5. das Fleiſch die Oberhand behelt / daß man gereth in groſſe errores conſiliorum vnd verwirrungen / oder ſonſten thut / daß Gott vnd dem Nechſten zuwider iſt. Zuthun hats auch ein Chriſt mit Gott ſelbſten / in deſſen Weiß vnd Weg eim gar ſchwer wird ſich zurich - ten / ſonderlich wenn er anfengt ſich in vnſerm Creutz gleichſamb zuverſtecken / verwandelt ſich in ein grawſamen / leſt ſich hoͤren wie gegen das Cananeiſch Weiblein Matth. 15. Jch bin nicht geſand /Matth. 15. als nur zu den verlornen Schafen Jſrael. Jn ſumma wie ein wa - ckerer Cauallir vnd edler Ritter in den Schrancken / wenn er iſt hin - ein geritten / eines vnd deß andern Aventurirers / der jm ein Kampff anbeut / muß gewertig ſeyn / alſo iſt auch ein jeder geiſtlicher Ritter vnd Chriſt in den Schrancken ſeines Chriſtenthumbs keinen Au - genblick ſicher / er muß frem̃der Gaͤſt / das iſt / allerhand widerſtands vnd vngemachs gewertig ſeyn: Et quo cum certet mens pia ſem -Pro〈…〉〈…〉 per. per habet, jmmer wil gekaͤmpfft vnnd geſtritten ſeyn / Gleich iſt es auch vnſer vñ der beſten Chriſten Leben einer muͤhſeligen Bilgram - ſchafft. Dann wie der wander oder bilgrams Mañ mechtig vil lei - den muß / bey gutem vnd boͤſem Wetter / nicht ohn manchen Seuff - zen jmmer fort paſſiren. Alſo muͤſſen wir auch in der Bilgrams - ſchafft vnſers Leben gar manchen ſawren tritt thun / viel vngeſtim - mer Wetter laſſen vber vns gehen vnd gewar werden / was das ſey im 126. Pſalmen / Euntes ibant & flebant, ſie gehen hin vnd wei -Pſal. 126. nen. O wie manches ſuſpirium hoͤret man da / wann die ſtampen - te verfolgte Chriſten jhr Bilgrams Liedche zuſingen anfangen / Wer hie das Elend bawen wil / der ſchuͤrtz ſich auff vnd zieh dahin / er gehe deß Herren Straſſe / Glaub vnd Gedult darff er gar wol / ſol er die Welt verlaſſen. Da geht dann vnderwegens recht an die klaͤgliche Trawr Muſic / welche David in der beſchwerlichen Bil -B ijgram -12Chriſtliche Leich Predigt /gramſchafft ſeines Lebens / ex profundis auß eim tieffen Thon hat zuſingen wiſſen: vnnd darinnen gibts ſehr ſchwere Lieder / denn wie Muſici reden / ſind ſie mehrer theils Cantus duri, haben grewliche interualla, mechtig viel kurtzer Pauſen / ſo man ſuſpiria nennt / es gibt darinnen vngewoͤhnliche Tripel / bey welchen es alles Contra - punct daher gehet / es gibt gantze lange Reihen eytel ſchwartzẽ / krau - ſen Noten / deren ſechszehen vff einen Schlag gehen / da treibt ſichs / da jagt ſichs / vnnd ſeynd der ſtarcken Fugen ſo viel / daß einer kaum darbey reſpiriren kan / vnd wol vor Vngedult das Singbuch hinder die Thuͤr werffen moͤcht / Freylich geht es eben alſo her mit vns ar - men Menſchen / wann vns Gott vnterm Creutz lang ſtecken vnnd ſtampen leſt / machts nit eben wie wir es gern hetten / gibt ein Klag - Lied vnnd Angſt Pſalmen nach dem andern auff / leſt vns vnderwe - gens gerathen in die gefehrliche Fechtſchul der ſchweren geiſtlichen Anfechtungen. Jch meine da ſingt ſichs / O Domine quouſq;, wie lang? wie lang? wie lang? deine Fluten rauſchen doch ſtracks daher / daß hie eine Tieffe vnnd da eine Tieffe brauſet / Ach es gehen doch vber mich alle deine Waſſerwogen vnd Waͤllen! Warumb haſtu doch mein ſo gar vergeſſen? warumb muß ich ſo trawrig gehen / wenn mein Feind mich drenget / es iſt als ein Mord in meinen Bei - nen / daß mich meine Feinde ſchmehen vnnd ſagen / wo iſt nun deinPſal. 42. Gott? Pſal. 42.

II.

II. Lernet aber ferꝛner bey dieſem erſten Stuͤck / was doch ein Chriſtlicher Ritter vnnd Pilgram / der vnter dem Creutzfaͤhnlein Chriſti bey ſo vielen gefehrlichen Leibs vnd Seelen Widerwertig - keiten in den Schrancken ſeines Lebens militiret, jmmermehr ſol thun vnd anfangen. Ohn iſt es nit / es gibt darbey infirmiteten vnd trawrige Gedancken / ſintemal ein boͤſe Stund macht daß man al -Syrach. 11. ler Frewd vergiſſet / wie Syrach ſagt cap. 11. Vnd welch Wanders - mann iſt ſo gewiß vff ſeinen Fuͤſſen / daß er nicht bißweilen glitzſche / welch Reutersmann ſitzt ſo feſt vff ſeinem guten Pferdt / das da nit bißweilen ſtuͤtze? Ach wir tragen Fleiſch vnd Blut in vnſerm Bu -ſen /13Vber den 13. Pſalmen Davids. ſen / & in multis labimur omnes, wie der Apoſtel Jacob ſagt / DerIacob. 3. Geiſt der iſt wol willig / das Fleiſchaber iſt zumal ſchwach / wie Chri -Matth. 26. ſtus ſagt zu Petro vnd den andern Juͤngern / Matth. 26. Es kompt zumal ſeltzam fuͤr / wenn Gott einen ſo wunderbarlich fuͤhret / das rauhe herauß wendet / vnnd ſich vor vns gleichſam verbutzet. Es gehet ſchwer ein / wenn man jung friſch vnd ſtarck iſt / vnnd wirt vom Tod vnſers H. Gottes Pedellen citiret / er ſoͤl ſterben / vnd alle Herꝛligkeit vnd Frewd der Welt dahinden laſſen. Es fehlet ſich nit daß Dauidicum quouſque, das iſt / ach vnnd wehe laͤſt ſich hoͤren. Aber laſſet euch bey leib nicht ſolch Quouſque auß den Schran - cken ewres palæſtræ vnd Chriſtenthumbs treiben / daß jhr etwa mit vngedult woͤltet herauß fahren vnd gedencken / oder ſagen / Gott der wil mir nit helffen / ich ſelbſt kan mir nit helffen / andere woͤllen mir auch nit helffen / ey ſo helff mir doch dieſer vnd jener / ꝛc. Da ſey der Gott der Allmaͤchtige fuͤr. Huͤtet euch auch / daß jhr bey ewrem widerwertigen Zuſtand / ja nicht auff euch ſelbſten bawet / vnd auff eygne Menſchliche Conſilia vnd Anſchlaͤg allzu ſehr paſſet. Nein / nein / Conſilia ponere in anima ſua, bey ſich ſelbſt Raht ſuchen / thuts nicht / iſt vmbſonſt vnd vergebens / wie hie David klagt / vnnd jener hochgelehrte weiſe Roͤmer Cicero gewar wuͤrde / da er ſagt / O me nunquam verè ſapientem! qui omnibus rebus tentatis nihil inuenio, quo acquieſcam. Menſchen Huͤlff iſt kein nuͤtz / Pſal. 60. ſondern ſehet nur auff Gott / vnd haltet feſt an jhm mitPſalm. 60. beſtendigen Glauben vnd Chriſtlicher Gedult. Vnd dieſe Lehr hat vns allhier der edle Creutzritter David fuͤrpracticiret. Es ſtackte wol in ſeinem Quouſque, vnnd offt widerholtem Wie lang? ein Schwachglaͤubigkeit / Aber er corꝛigirt es fein mit dem Wort / Do - mine Herr / welches mit groſſen Verſal Buchſtaben geſchrie - ben iſt / verſteht dardurch gott ſelbſten / Jehovam / den groſſen Herren Himmels vnd der Erden / den Vatter vnſers H. vnd Hey - lands Jeſu Chriſti. An dieſem wil er ſagen / halt ich mich mit kindt - lichem Vertrauwen / vnnd ob es wol ſehr ſchwaͤchlich mit meinemB iijGlauben14Chriſtliche Leich Predigt /Eſai. 42. Glauben hergeht / weiß ich doch daß er das glimmende Daͤchtlein1. Cor. 10. nit gar wird außleſchen / ich weiß / daß er trew vnd gut iſt / vnd es nit boͤßlich mit mir meynet / ich kenne ſein moras & mores, weiß daßPſal. 18. er mich groß macht / wann er mich demuͤtiget / Pſal. 18. Darinnen ſollen wir jhm nun folgen mit vnſerm ſchwachen Glauben wie ein Klett an dem lieben gott vnd vnſerm Herrn Jeſu Chriſto hangen bleiben / gedencken wie derſelbig in den tagen ſeines Fleiſches all vnſer Creutzgaͤng vnd harte Tritt hab conſecriret vnd geheiliget / in vnſerm Elend bey vns ſey / auff vnſer Vngluͤck ſehe / nit boͤß / ſon -Rom. 8. dern gut mit vns meyne / werde es alles zu eim guten Ende ſchicken / vnnd demnach frey wacker vnter Chriſtlicher Gedult außdawren. 〈…〉〈…〉Liebe Bruͤder / ſagt Jacob der Apoſtel cap. 5. nemet zum Exempel deß Leydens vnd Gedult die Propheten / die zu euch geredt haben in dem Namen deß Herrn / ſihe wir preyſen ſelig die erduldet haben / die Gedult Jobs habt jhr gehoͤret / vnnd das Ende deß Herrn habt jhr geſehen / denn der Herr iſt Barmhertzig vnd ein Erbar - mer. Warlich wie fuͤr einen friſchen Kerlen geachtet wird / der jeni - ge / ſo ein wackere conſtantiam animi bey ſich hat / frey reſolut vnd getroſt iſt / es fall auch wie es woͤlle / Alſo iſt auch in militia Chri - ſtiana / der jenige ein recht Geiſtlicher Ritter vnd tapffer Kaͤmpffer der vor lieb mit Gedult annimpt / was Gott nach ſeinem H. willen zuſchickt / laͤſt ſein Symbolum ſeyn / vt fert diuina voluntas, in Vngluͤck hab eins Loͤwen Muth / traw gott es wirt wol werden gut / ſolch Chriſtliche Reſolution vnnd geduͤltige Großmuͤtigkeit8. Sam. 15. hat David gehabt: hie bin ich / ſagt er / 2. Sam. 15. Der Herr machs mit mir wie es jhm wolgefellet. Ob es ſchon werth biß in die Nacht / vnd wider an den Morgen / ſol doch mein Hertz an GottesPſal. 130. Macht / verzweifflen nit noch ſorgen / Pſal. 130. Biß ſtill meinePſal. 62. Seel / ſpricht er abermal im 62. Pſal. was betruͤbſtu dich doch meinPſal. 42. Seel / harꝛe auff gott / Pſal. 42. Harre deß Herren / ſeyPſal. 28. getroſt vnd vnverzagt / vnd harꝛe deß Herrn / Pſal. 28. So muͤſ - ſen wir es auch machen / es wil in den Schrancken vnſers Chriſten -thumbs15Vber den 13. Pſalmen Davids. thumbs nit allein geſtritten vnnd gefochten / ſondern auch außge - harꝛet ſeyn / in Chriſtiano quæritur non tam initium quam fi - nis, ſagt jener alte Kirchenlehrer. Wer verharꝛet biß ans Ende / der wirt ſelig / Matth. 24. Sey getrew biß in den Tod / ſo wil ich dir dieMatth. 24. Kron deß Lebens geben / wer da Ohren hat zuhoͤren / der hoͤre / ſteht darbey im Buch der Offenbahrung am 2. Wann aber gleichwolApoc. 2. wegen vielfaͤltiger Schwacheit vff vnſerer Seiten gute Aſſiſtentz vnnd Huͤlff gar hoch vonnoͤten iſt / als woͤllen wir nun in vnſerm Pſalmen fortfahren vnd vernehmen / wo / wie vnd durch was Mit - tel dieſelbige zu vberkommen ſey.

II.

Es klingt das ander Geſetz im fuͤrgenommenen Liedlein alſo: Schawe doch vnd erhoͤre mich / Herr mein Gott / er - leuchte meine Augen / daß ich nicht im Tod entſchlaffe. Wie er in dem vorhergehendem Stuͤck ſein Noth geklagt / vnd das Hertz fuͤr gott gantz außgeſchuͤttet / alſo faſſet er nun in dieſem andern gar kurtz zuſammen die Summam vnd Jnhalt ſeiner bitt / was jhm doch der liebe gott ſol thun vnnd widerfahren laſſen. Sein einiges begeren vnd hoͤchſter Wuntſch war dieſes: Er woͤlle jhn mit Gnaden anſehen / ſein groſſe Noth vnnd Anliegen behertzi - gen / das iſt / hoͤren / helffen vnd erꝛetten / vnd jhr in ſo betruͤbten traw - rigen Gedancken vnd Sorgen ja nicht ſtecken laſſen. Vnnd zwar gibt auch dieſen Verſtand gar richtig vnd deutlich der Hebraiſche Text / dann das Habbitha aneni heiſſet eygentlich ſo viel als ſol - licitè reſpexit & conſiderauit, ſorgfellig vnnd fleiſſig nach einem ſehen / vnd auß Mitleiden bedacht ſeyn zuhelffen. Was iſt es aber daß er hin zu ſetzet / gott woͤll ſeine Augen erleuchten / daß er nicht im Tod entſchlaff? Jſt der gute Herꝛetwan ſo weich gebacken / daß er ſich fuͤr dem zeitlichen Tod fuͤrchtet? Nein: von dem zeitlichen Tod redet er nicht / vnd wie ſolt er ſich fuͤr demſelben fuͤrchten / da er ſich doch wol eher hat dar zu gefaſt gemacht / vnd geſagt / Vatter inPſal. 31. deine16Chriſtliche Leich Predigt /deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt? ſo wuſt er ja auch daß einmal muͤſte geſtorben ſeyn / weil kein Menſch nit lebet / der den Tod nichtPſal. 89. ſehe / Pſal. 89. ſondern weil er wegen der ſtarcken Nachſtellung Saulis faſt alle Stunde vnd Augenblick ſein Leben muſte feil tra - gen / darbeneben auch bey ſo langwirigem exilio in beſchwerliche Melancholiſche Gedancken vnnd trawrige Seelen Anfechtungen geriethe / ſo bittet er wanns je nach Gottes willen ſol geſtorben ſeyn / entweder von der Hand Saulis oder ſonſt deß zeitlichen Todts / daß er jhm doch woͤll die Augen ſeines Gemuͤts vnnd Verſtandts erleuchten / vnd kraͤfftiglich ſein Gnad vnd huͤlffreiche Gegenwart im Hertzen empfinden laſſen / damit er nit etwa in Vngedult / Miß - trawen vnd Verzweiffelung dahin ſterb vnd dem ewigen Tod zu - theil werde. Vnd das bringt abermals der Hebraiſche Text gar ey - gentlich mit ſich / nach welchen es heiſſet / ne profundè obdor - miam in illa morte, daß ich nicht in dem Tod verſincke: redet alſo von einem ſonderlichen Tod / welchen der Evangeliſt JohannesApoc. 20. den andern Tod nennet / Apoc. 20. Hieronymus tituliret jhn mor -Hieron. tem ſine morte, & defectum ſine defectu. Jſt nichts anders als mors animæ ruentis in deſperationem / der ewige Tod vnd Hel - liſche Verdamnuß. Theodoretus erklaͤrt es von der Nacht aller - hand Truͤbſeligkeiten / deßgleichen vom Schlaff der Trawrigkeit / aber vorgedachte Außlegung iſt gewiſſer / vnd dem Text naͤher.

Die Motive vnd Vrſachen / warumb er ſolches ſo embſig bitte / vnd vmb derentwillen der liebe Gott es jhn gewehren ſolle / deu - tet er an mit volgenden Worten: Daß nit mein Feind ruͤh - me / er ſey mein mechtig worden / vnnd meine Wider ſa - cher ſich nicht frewen / daß ich niederliege. Liebſter Gott / wil er ſagen / du weiſſeſt / wie dein vnd aller Glaͤubigen abgeſagter Feind vnnd Teuffel vmbher gehet / vnd auff alle Mittel vnd Weg trachtet / damit er nur deines Nahmens Ehr denigrirn vnd ſchmaͤ - lern moͤg / eben daſſelb ſucht er jetzunder auch mit ſeinem Hohnla -chen17Vber den 13. Pſalmen Davids. chen vnnd andern Anfechtungen an mir deinem Knecht / darmit er mich gern gar wolt darnider werffen: Wiltu jhm nun nicht ſtewren vnd mir wider jhn mechtiglich beyſpringen / vnd mich erhalten / was geſchicht doch denn anders / als daß deines eygenen Nahmens Ehr / nach welchem ich genennet bin / not leidet / vñ du fuͤr einen allmaͤch - tigen Gott angeſehen wirſt / der den ſeinigen nicht heiffen koͤnn? daſſelbig woͤlleſtu ja wol conſideriren vnd bedencken / daß nemblich dein eygen Ehr / vnnd Rhum / dein Nahm / dein Reſpect vnd Repu - tation hierinn periclitiret? Vnnd weſſen iſt auch der Schimpff / Hohn vnd Spott / wenn ich vnd andere nothleidende / die wir einig vnd allein an dir hangen / vnd deines Nahmens Reputation vnd Rhum gern allenthalben in der Welt wolten groß machen / in vn - ſerm Elend vnd Jammer verlacht werden / als eben dein? dringt alſo in dieſer ſeiner Supplication vnd demuͤtigem Gebett gar bedacht - ſam vnd heilſamlich nicht auff ſeinen privat nutzen / ſondern als ein trewer Diener vff Gottes Ehr vnd Großmachung deſſen H. Nah - mens. Mercket aber weiter / wie er bey dieſen jetzgedachten Moti - ven ſeiner Bitt ſo gar zu einem andern Mañ werde / wie wacker ſein ſchwacher Glaub anfang ſtercker zuwerden / vnnd die Frewdigkeit deſſelben ſich herfuͤr thut: dann da vorher ein klaͤgliches Quovſq; nach dem andern war gehoͤret worden / hieß es jetzunder / Jch hoffe darvff / daß du ſo gnedig biſt / mein Hertz frewet ſich daß du ſo gerne huͤlffeſt. Das gieng gar auß einem andern Faß / er iſt ſo friſch vnnd frewdig / als wann er ſchon alles hette / darvmb er angeſucht / da er doch kaum ſein Gebettlein hatt geendet. Ach er zweiffelt nicht / Gott / der die ewige Warheit iſt / wuͤrde ſein Ge - bett erhoͤret haben / vnnd jhm geben was zu Goͤttliches Na - mens Ehr dienlich / jhm auch zu Leib vnnd Seel nuͤtzlich vnd erſprießlich ſey.

CLehr -18Chriſtliche Leich Predigt /

Lehrſtuͤck.

I. EWer Chriſtliche Lieb lern kuͤrtzlich auß dieſem andern jetzer - klaͤrten Geſetzlein / was doch in dem allgemeinen Creutzor - den vnnd beſchwerlichen Pilgramſchafft Menſchliches Le - bens / das ſicher ſte Mittel vnd die beſte Arbeit ſey / darmit ein Chriſt Huͤlff zuerlangen vnd vnterm Creutz auß zudawren / ſol vmbgehen. Nichts anders iſts als ein rechtſchaffnes fleiſſigs Gebet. Mit ſteti - gem ſuſpiriren / ſeufftzen vnnd klagen iſt es nicht eben gantz außge - richtet / ſondern wann einer von Gott ſein Hertz gnugſamb hat außgeſchuͤt vnd die Noth geklaget / muß alsdann das froͤliche Ge - bett vmb Huͤlff vnd Rettung druff folgen. Jrꝛdiſchen Herꝛn vnd Fuͤrſten thut man die Ehr an / klagt jhnen nicht allein das anliegen ſondern bittet auch vmb das jenige / darmit ſie helffen koͤnnen: Sol - te man denn dem lieben Gott hierinnen das Maul nicht auchMatth. 6. goͤnnen: Es weiß zwar vorhin was wir beduͤrffen / aber weil ers be -Pſal. 50. fohlen vnd haben wil / Ruffe mich an / Pſalm. 50. bittet ſo wird euch gegeben / ſuchet ſo werdet jhr finden / klopffet an / ſo wird euch auff -Matth. 7. gethan / Matth. 7. ey ſo thun wir es auch billich.

II.

Wann aber ſehr viel daran gelegen / daß ſolch bitten in der de - muͤtigen Supplication foͤrmlich fuͤrgebracht werde / als haben wir vors ander das rechte Muſter vnd Formular allhie auch zufinden.

I. Erſtlichen muſtu nicht eben bitten daß dich Gott hie in dieſem Leben gantz vnd gar alles Creutzes woͤlle vberheben / nein / dasPſal. 34. kan nicht ſeyn / der Gerechte muß viel leiden / Pſalm 34. durch vielAct. 14. Creutz vnd Truͤbſal muß man in das Reich Gottes kommen / Act. 14. ſondern er woͤlle dir vnterm Creutz beyſtehen / die Laſt helffen tra - gen / vnnd nicht mehr auffladen als du ertragen koͤnneſt / er woͤl dich nicht ſtecken laſſen / zuruͤck ſehen vnd ein fleiſſiges Aug vff dich vnd dein Vngluͤck haben / alſo hat es David gemacht: Schawe dochPſal. 39. Herr mein Gott vnnd erhoͤre mich. Hoͤre mein GebettHerr19Vber den 13. Pſalmen Davids. Herr vnd vernimb mein ſchreyen / vnd ſchweige nicht vber mei - nen Thraͤnen / denn ich bin beyd dein Bilgrim vnnd dein Buͤrger wie alle meine Vaͤtter / Pſal. 39. Wann das Gott thut / ſo haſtu ſchon ein groſſes. Dann wie ein Soldat im Krieg auch in der ge - fehrlichſten Schlacht Ordnung einen Muth bekompt / wann ſein Feld Oberſter / ſo fornen an der Spitzen iſt / je bißweilen auff ſeine Knecht zuruͤck ſihet / vnd ſie ermahnet wacker vnd friſch nachzufol - geu: Alſo gibts auch Krafft vnd Macht militi Chriſtiano einem ſtreitenden Creutz Bruder / wañ der oberſte Kriegs vnd Siegs Fuͤrſt Chriſtus Jeſus mit ſeinen gnedigen Augen fleiſſig zuruͤck auff jhn ſihet / ruffet jhm zu / wer mein Juͤnger ſeyn wil / der neme ſein CreutzLuc. 4. auff ſich vnd volge mir nach / Seyt getroſt ich hab die Welt vber - wunden / Joh. 14. Selig iſt der Mann der die Anfechtung erdul -Ioh. 14. det / denn nach dem er bewehrt iſt / wird er die Kꝛon deß Lebens empfa - hen / welche Gott verheiſſen hat / denen die jhn lieb haben / Jacob. 1.Iacob. 1. das alles ſteckt in dem Woͤrtlein Reſpice me, herr ſchawe doch.

II. Dieweil aber doch auch einmal nach vielem Kaͤmpffen vnd Streiten endlich wil geruhet vnd durch den zeitlichen Todt ſchlaf - fen gangen ſeyn / dann wir haben ja hie kein bleibende Statt / alsHeb. 1〈…〉〈…〉 muß ferꝛner in vnſer Supplication mit eingerucket werden / die bitt vmb ein ſeliges End vnd Sterbſtuͤndlein / vnnd darzu gibt vns hie der außbuͤndige Kaͤmpffer vnd Beter David abermals ein ſchoͤne Phraſin / Herr erleuchte meine Augen / daß ich nicht in dem Tod entſchlaffe. Freylich thut es vonnoͤten / wenn am ende deß Lebens / vnſers Leibs Augen brechen / vnd nicht mehr ſehen koͤn - nen / daß man bitt vnd wacker anhalte / Gott wolle die Augen vn - ſers Hertzen vnd Gemuͤths erleuchten / daß wir in dem finſtern Thal zum ewigen Todt nicht einſchlaffen vnd darinn verſincken. O der ſeligen Gott wolgefaͤlligen Bitt iſt das!

III. Zum dritten aber muß die Bitt ins gemein fein ernſtlich geſtellet ſeyn / dann das Gebet deß Gerechten vermag viel / wenn esC ijernſt20Chriſtliche Leich Predigt /Iacob. 5. ernſt iſt / Jacob. 5. Der Herr iſt nah allen die jhn mit ernſt an -Pſal. 145. ruffen / Pſal. 145. Als dann aber ſpuͤret gott vnſern rechten Ernſt / wann wir jhm ſeines eygnen Namens Ehr / daß er dieſelbige retten woͤll / zu Gemuͤth fuͤhren / dringen frey wacker vff ſein All - maͤchtiges Vermoͤgen / halten jhm fuͤr ſeine Warheit / vnnd faſſenPſal. 68. jhn bey dem Wort ſeiner Verheiſſung / ſprechende / Exurge Domi - ne & diſſipentur inimici tui, Auff Herr vnd hilff mir / dann meine Feind ſeynd auch deine Feind / vnnd was ſie mir leyds thun / leyde ich alles vmb deinet willen / meine Sach iſt deine Sach / wiltu nun dieſelbige ſtecken laſſen / vnd mir darinn nit helffen / ſihe ſo geht es deiner Ehr vnd eygnen reputation ab / vnd wirt bey meinen Fein - den vñ widerwertigen heiſſen / ſie ſeyen deiner maͤchtig wordẽ. Sol - cher Geſtalt hat hie David gebetet / deßgleichen Moſes / Daniel vnd andere mehr vnd groſſe gewaltige huͤlff bey Gott dadurch erhalten.

IV. Vber diß alles aber vnd zum vierdten / muß das Gebet auchIoh. 4. auß Glauben herkommen / oder wie Chriſtus redet / Joh. 4. Jm Geiſt vnd in der Warheit geſchehen / ein hertzliches Vertrawen vff gott wil darbey ſeyn / alſo daß ſich die Hoffnung im Glauben an Chriſtum vff deſſen Barmhertzigkeit gruͤnde vnd ſtoͤhne / nicht zweiffelnd / er werd erhoͤren vnnd helffen / vnd das iſt / was hie Da - vid ſagt / Jch hoffe darauff / daß du ſo gnedig biſt. Wo ſol - cher Geſtalt vnſere Bitte vnd demuͤtige Supplicationes zu GOtt gen Himmel geſchicket werden / da folget dann drauff die Frewdig - keit deß Hertzens / als welches der Erhoͤrung gewiß iſt / vnd weiß das ſein Hoffnung jn nit wirt laſſen zuſchanden werden. Mein Hertz frewet ſich daß du ſo gerne hilffeſt. Exultabo in ſalute tua, ich freuwe mich deſſen / daß gott ſeinen eygnen Sohn mir zum Heyland gegeben hat / vnnd das iſt ein ſolche Frewd / daß wenn ein Chriſt ſchon de facto noch nit hett darumb er gebeten / doch im Her - tzen wol content iſt vnd wegen der gewiſſen Hoffnung / ſo er zu Got - tes Guͤt vnd Zuſag traͤgt / all Creutz vberwindet vnd außſteht / dieſeHoff -21Vber den 13. Pſalmen Davids. Hoffnung die wartet der rechten Zeit / die Gottes Wort zuſaget / wenn das geſchehen wirt zur Freuwd / ſetzt er kein gewiſſe Tage / er weiß wol wanns am beſten iſt / er braucht an vns kein arge Liſt / deß ſollen wir jhm vertrawen. Jn Summa die Erhoͤrung bleibt nicht auſſen / Deus ſemper nos exaudit, ſi non ad noſtram volunta - tem, tamen ad noſtram ſalutem: Gibt es Gott ſchon nicht eben / wie wirs woͤllen / ſo gibt er doch was vnd wieviel er weiß / das vns nutz vnd gut iſt. O Herr Jeſu Chriſte / helffe auch vns deinen armen Kindern / vnd ſtreitenden Bilgram / daß wir gleicher Geſtalt hie ritterlich lernen ringen / vnd durch Tod vnnd Leben zu dir drin - gen! Vnd diß wer nun auch die Erklaͤrung deß andern Stuͤcks.

III.

Haben nun noch vbrig das dritt vnd letzte Geſetz vom Lied / wel - ches gar kurtz gefaſſet iſt / vñ alſo lautet: Jch wil dem HERRN ſingen / daß er ſo wol an mir thut. Es fuͤhret zwar der liebe David in ſeinen Gebetlein vnd Supplicationen / die er an die Goͤt - liche Majeſtaͤt im Himmel / den Koͤnig aller Koͤnigen zuſtellen pfleget / keinen Cantzley Stylum / gleichwol aber gebraucht er ſich hie gar artig deß Cantzeliſtiſchen Methodi oder Ordnung / welche man im ſetzen der Supplicationen gemeiniglich halten thut. Deñ wie man darinnen erſtlich die Noht klaget / darnach vmb Huͤlff bit - tet / endlichen aber mit vnderthenigem Danck ſolchs zu erkennen vnd zuverſchulden ſich an erbeut vnd verpflichtet: Alſo machet er es allhie auch / denn nach dem er Gott ſein Anliegen geklaget / vmb Erhoͤrung vnd Huͤlff zum fleiſſigſten gebeten / verheiſſet er endlich darfuͤr danckbar zuſeyn / offerirt ſich jhm zu eygen mit allem was er hat / kan vnd vermag / wil es auch gegen andere mit ſingen vnnd ſa - gen zu ruͤhmen vnver geſſen ſeyn / Vnd zwar hat ers auch treuwlich gehalten / wie ſein vielfaltige Dancklieder vnd Pſalmen außweiſen / in welchen er es ſo gut gemacht / vnd das Lob Gottes außzubreiten dermaſſen jhm hat angelegen ſeyn laſſen / daß er auch alle Voͤ[l]ckerC iijvnd22Chriſtliche Leich Predigt /vnd Heyden / die ſtarcke Helden vnd Engel im Himmel / ja alles wasPſalm. 103. 117. 150. Athem hat neben ſich zu demſelbigen vffgemuntert / Pſalm 103. 117. 150.

Lehrſtuͤck.

BEy dieſem ſchoͤnen wol außhaltenden Final vnſers erklaͤr - ten Liedleins lernen wir abermal.

I. Wenn wir zum lieben gott geruffen / diß vnnd je - nes in vnſerer Noth von jhm gebeten / darbey Linderung vnd Freud im Hertzen ſpuͤren / daß deß Deo gratias vnnd gebuͤrlicher Danck - ſagung nicht ſol vergeſſen werden / ſondern richtig drauff folgen. Eben darumb ſchicket gott ſeinen Kindern Creutz vnnd Truͤb - ſal zu / vt tribulati inuocent, inuocatus exaudiat, exauditi gra - tias agant & Deum prædicent, wie die Scala Muſica in Davids Cantorey vnd Singbuch mit ſich bringt / das iſt / auff daß ſie Gott deſto innbruͤnſtiger anruffen / vnnd wenn er gnediglich geholffen / deſto fleiſſiger vnd frewdiger jhn loben vnd preyſen. Was koͤnnen auch wir arme Leut vnſerm Herrn GOtt anders geben / als die - ſe Opffer vnd Farꝛen vnſerer Lippen / welche jm warlich lieber ſind / als ein Ochß der Hoͤrner vnnd Klawen hat / wie David abermalsPſal. 69. ſelbſt bezeuget / Pſal. 69. gott wil es auch kurtz rund von vnsPſal. 50. haben / Du ſolt mich preyſen / Pſal. 50. Ja er drewet / daß Vn -Prover. 17. gluͤck ſol nit weichen von dem Hauß deß Vndanckbaren / Proverb. 17. Solt es auch nicht danckens werth ſeyn / wenn GOtt vnſer be - truͤbtes ſeufftzendes Hertz erfrewet / vnd je bißweilen einen Blick ſei -Coloſſ. 3. ner Gnaden vnterm Creutz empfinden laͤſt? Alles was jhr thut mit worten oder mit wercken / das thut alles in dem Namen deß Her - ren Jeſu / vnd dancket gott vnd dem Vatter durch jhn / ver - mahnet S. Paulus Coloſſ. 3.

II. Jn dem ſich aber der danckbare David hie obligirt vnd ver - lauten laͤſt / er woͤlle dem Herrn ſingen / lernen wir vors ander drauß / welcher Geſtalt doch vnſer Deo gratias vnd Danckbarkeitſoͤll23Vber den 13. Pſalmen Davids. ſoͤl fuͤrgebracht werden. GOtt der Herr ſihet zwar zufoͤrderſt das Hertz an / vnnd iſt wol zufrieden / wann daſſelbig empfangene Gutthaten danckbarlich erkennet / ob es ſchon nicht eben mit Wor - ten oder euſſerlichem Geſang / ſondern nur mit Seufftzen fuͤrge - bracht wirt / dieweil er vns aber vff ſo viel vnd mancherley weiſe gu - tes thut / iſts ja billich / daß wir jhm auch vff allerley Weiſe mit Ge - dancken / Worten vnnd Wercken darfuͤr dancken / ja allenthalben darvon ſingen vnd ſagen. Da auch der Chriſten Creutz ſein Klag vnd trawer Muſicam zuhaben pflegt / wie zuvor im erſten Geſetz ge - dacht worden / warumb ſolt man nit / wenn GOtt darauß geholf - fenhat / vnd das Hertz erfreuwet / mit einer froͤlichen lieblichen Mu - ſica jhm wider dienen / vnnd Moſi, Dauidi, Hiskiæ in Danckpſal - men friſch vnd wacker choraliter & figuraliter, vocaliter & in - ſtrumentaliter mit lebender Stimm / vnd vff allerhand Seyten - ſpielen nachſingen? Wolte Gott / das die jenige / welche ſo gar geflieſſen ſeyn vff leichtfertige Reuter vnd Bulen Liedlein / ſich viel mehr vntereinander ermahneten mit Pſalmen / Lobſaͤngen vnnd Geiſtlichen Liedern dem Herrn zuſingen vnnd zuſpielen / wie Paulus ſolches erinnert / Coloſſ. am. 3. Ach es iſt der vornembſtenColoſſ. 3. arbeiten ein / ſo die Engel im Himmel taͤglich verꝛichten / darmit auch ſtetig der glaͤubigen Seelen in jenem Leben vmbgehen / war - vmb wolte man ſich denn nit hie bey zeiten daran gewehnen? Diſci - te in terris quod perdurabit in cœlis, ſagt einer auß den alten Kirchenlehrern. Jſt man aber hierzu verdroſſen / hoͤret lieber deß Teuffels Hummelpfeiff als diß Davidiſch ſingen vnd Harpffen - ſpiel / der mag mit zuſehen / daß er nit etwa einmal mit allen Teuf - feln in der Hoͤll die Judas Mette muß ſingen helffen.

III. Zum Beſchluß gibts auch feine Gedancken / daß hie Da - vid in ſeinem Deo gratias ſo gewaltig ruͤhmet / Gott thue jhm gutes / da er doch auß ſeinem Creutz noch nit gartz vnd gar / wie alle Vmbſtaͤnde geben / erloͤſet war: Lehret vn[d d]amit / wann vns ſchon Gott der allmaͤchtige nicht eben in allem nach vnſerm willen erhoͤrvnd24Chriſtliche Leich Predigt /vnnd flugs geb / darumb wir gebetten / daß wir jhm doch ſollen dan - cken vnd ſagen / er thue vns gutes: denn er thut vns guts / auch mit - ten vnderm Creutz in dem er Gedult vnd vermoͤgen gibt / daß wir es ertragen / ja er weiß es ſo zumachẽ / daß vns die Truͤbſaln ſelbſt muͤſ - ſen nutz vnd gut ſeyn / wie dann David deſſen wegen auch gedancketPſal. 119. Pſal. 119. Herr es iſt mir gut / daß du mich gezuͤchtiget haſt. Jn ſumma das Creutz der Chriſten ſey beſchaffen wie es woͤll / ſo thut vns Gott gutes / daß wir jhm da fuͤr zudancken vnd zuſingen Vr - ſach haben / reiſſet er vns ſchon durch den zeitlichen Todt die Seel vom Leib hinweg / ſo thut er vns doch guts / denn da wird ja die arme Seel / die ſo lang gekaͤmpffet vnd geſtritten hat / einmal erloͤſet? Jhr froͤliches ſingen geht allererſt recht an / weil ſie koͤmmet in die Him̃ - liſche Cantorey zur Engliſchen Muſic die da wol gehet zu tauſend vnnd aber tauſend Stimmen / daſelbſt intonirt ſie mit im hoͤhernEſaì. 6. Chor das Sanctus auß dem Propheten Eſaia c. 6. Heylig / heylig / heylig iſt vnſer Herr Gott Zebaoth / vnd das ſeynd die nova can - tica in Regis Curia, von denen wir arme allhier auff Erden fre - quentirende Schuͤlerlein vnnd Chorſaͤnger wol ſagen moͤgen / Eia weren wir da? Helffe du O Herr Jeſu Chriſte / daß wir auch ein - mal mit frewden auß dem Chor deiner militirenden Kirchen zu derHeb. 12. meng deiner viel tauſend Engliſchen Muſicanten in der triumphi - renden Kirchen ſeliglich gelangen vnd kommen / vnd daſelbſt dich ſampt dem Vatter vnd dem H. Geiſt ohn vff - hoͤren loben vnd preiſen moͤgen / Amen / Amen / O Herr Jeſu / Amen.

Per -25Vber den 13. Pſalmen Davids.

Perſonalia: Das iſt / Ehrengedaͤchtnuß deß verſtorbenen Herꝛn Mar - ſchaln ſ. betreffend ſein gefuͤhrtes Leben vnd ſeliges Abſterben.

GEliebte in dem Herren Jeſu / wir haben nunmehr vn - ſer fuͤrgenommenes KlagLied vnnd TrawrPſaͤlmlein zu ende gebracht / vnnd ewer Chriſtlichen Lieb vielfeltig drauß angezeigt / welch herꝛlicher Troſt vnd Inſtruction, fuͤr Geſunde vnd Krancke / fuͤr Lebende vñ Sterbende / drin ſey anzutreffen / demnach ich aber im eingang verheiſſen nach verrichter Predigt die fuͤrnem̃ - ſte Stuͤck derofelbigen auff vnſern verſtorbenen vnd in Gott ru - henden Junckern ſ. weyland den Geſtrengen Edlen vnnd Veſten / Rein hard Henrichen von Laerbach / geweſenen Fuͤrſtlichen Heſſi - ſchen geheimbden Rath / HofMarſchaln allhier / vnd Amptmann zu Ruͤſſelsheim / dem in Warheit dieſer Pſalm ja der gantze Pſal - ter Davids mehr als lieb geweſen / Chriſtlicher Gebuͤr nach / zu ac - commodiren / als wird E. L. noch ein kleine weil mit Gedult zuhoͤ - ren / da ich zu dem Ende mit mehrem die Beſchreibung ſeines ge - fuͤhrten Lebens vnd Wandels werde fuͤrbringen. Dann ſo fuͤr Gott ſelig ſeyn vnd geprieſen werden / die jenige ſo im Herren ſterben / Apoc. 14. Warumb ſolt man nit dieſelbige auch fuͤr den MenſchenApoc. 14. allhie auff Erden ſelig ruͤhmen vnd preiſen? Das Gedaͤchtnuß deß Gerechten bleibet ohn das im Segen vnd wird ſeiner nimmermehr vergeſſen / Pſal. 112. Proverb. 10. So werdet jhr auch gnugſamPſal. 112. zuvernehmen haben / wie warhafftig ſein gantzes Leben / angehoͤr -Prover. 10. ter Hauptlehr nach / ein muͤheſelige aber doch loͤbliche peregrina - tion vnd Pilgramſchafft / darinnen es viel klaͤglicher Quouſq; vnd manchen harten Tritt gegeben / welchs alles aber er mit einem ſeli - gen Final beſchloſſen / geweſen ſey.

DEs26Chriſtliche Leich Predigt /

I. Ortus & nativitas. Es iſt vnſer lieber Herꝛ Marſchal ſelige / vff dieſe Welt geboren worden auß dem Vhralten Adelichen Stamme deren von Laer - bach im Fuͤrſtenthumb Heſſen / im Jahr vnſers Herrn vnd Er - loͤſers Jeſu Chriſti Geburt 1577. den 14. Sept. abends vmb 6. vhr.

II. Parentes & maiores. Sein Vatter iſt geweſen der auch Edel Geſtreng vnnd Veſte Melchior von Laerbach ſ. ein ſolcher Juncker / der in ſeiner jugendt nechſt der Gottesforcht aller Adelichen Tugenden ſich befliſſen / etzlich mal dem Kriegsweſen nachgezogen / vnd bey Hof der gebuͤhr auch auffgewartet. Die Mutter iſt geweſen Helena geborne von Radenhauſen / ein Kron aller Adelichen Gottsfuͤrchtigen Matro - nen / als die den Armen ſehr viel guts gethan / vnd biß in jhr 73. Jar gelebet. Die AltMutter vom Vatter her iſt geweſen eine vom En - de / von der Mutter her aber eine Schleyerin / alleſampt bekandte Vhralte Adeliche Geſchlecht. Vnd alſo vnnoͤthig ferꝛners zuruͤck zugreiffen.

III. Renaſcen - tia. Demnach es aber mit dem euſſerlichen Adel vnd ſtattlichen Her - kommen / fuͤr Gott nicht eben außgerichtet iſt / ſintemal es heiſt Johann. am 1. Non ex ſanguinibus / Er hat Macht gegebenIohan. 1. Gottes Kinder zuwerden / die an ſeinen Nahmen glauben / welche nit von dem Gebluͤt / noch von dem Willen deß Fleiſches / noch von dem Willen eines Manns / ſondern von Gott gebohren ſind / Als haben jhn ſeine liebe Eltern ſ. zeitlich nach ſeiner erſten Geburt / an -Iohan. 3. derwerts durch das Waſſer vnd den H. Geiſt wider gebaͤhren vnnd in der H. Tauff Chriſto Jeſu einverleiben laſſen: vnd hierdurch iſt er allererſt zum rechten Geiſtlichen Ritter vñ hertzlieben Kind Got - tes geworden / welches Hoheit vnnd Ehren er ſich die zeit ſeines Le - bens in Lieb vnd Leyd beſtendiglich getroͤſtet vnd erfrewet.

IV. Matura crux. Gleich wie es aber geſtrigem Evangelio nach vnſerm H. Chri - ſto gangen / daß er gleich nach ſeiner empfangenen Tauff am Jor - dan hinauß in die Wuͤſten gefuͤhret worden / alſo iſt es vnſerm HerꝛnMatth. 4. Marſchalck ſ. auch gangen / als der zeitlich nach ſeiner Tauff in die betruͤbte Wuͤſten deß Waiſen Stands gerathen / in dem er durchden27Vber den 13. Pſalmen Davids. den zeitlichen Todt ſeinen lieben Vatter ſ. da er nur 4. Jahr ale war / verlohren. War ſchon ein ſtarcker Anfang zur Geiſtlichen Ritterſchafft / darbey es nach dem Davidiſchen Liedlein wirt ge - heiſſen haben / Ach herr wiltu ſo fruͤ dein Angeſicht vor mir ver - bergen?

Doch hat nichts deſto weniger die Mutter ſ. bey dieſem jhremV. Educatis & ſtudia. Sohn das Jhre gethan / jhn zur Gottesfurcht / zum Catechiſmo vnd adelichen Chriſtlichen Tugenden trewlich vnd fleiſſig auffer - zogen / ſo lang biß daß er zu den Schulen anders wohin iſt geſchickt worden / vnd erſtlich zwar naher Eſchwegen zur Particularſchul / darnach gen Marpurg auff die hoheSchul / zum dritten naher Je - na / da er dann ſeine Studia in priuatis Colleg〈…〉〈…〉 is juridicis vnnd ſonſten fleiſſig continuiret / auch ſo weit gekommen / daß er publicè diſputiret / vnd dardurch bey Landgraff Ludwigs zu heſſen / F. G. hochloͤblicher Gedaͤchtnus / deſſen F. Gn[.]er ſolche Diſputation vnterthenig dediciret / ſich bekandt gemacht.

Wann es aber einem Edelman ſehr wol anſteht / ſo er Artem &VI. Militia. Martem conjungiret / das iſt neben dem ſtudieren ſich auch zum Kriegs Weſen gebrauchen laͤſt / darmit er von beyderley reden koͤn - ne / als hat er hernacher mit dem Durchleuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herrn / Herꝛn Moritzen Landgraven zu Heſſen / Gra - ven zu Catzenelnbogen / Dietz / Ziegenhain vnnd Nidda / ꝛc. vn - ſerm gnedigen Fuͤrſten vnd Herꝛn / in die domals vorſtehende Ray - ſiſche Kriegs Expedition ſich begeben / in welcher er ſich tapffer vnd embſig gehalten / das ſeine F. Gn. jhm gnedig ſind affectioniret worden.

Kan hierbey nicht vnterlaſſen nur anzuruͤhren die vielfaͤltige ge -VII. Itinera. fehrliche peregrinationes vnd reiſen / ſo er mit groſſem Luſten vnd Begird / Ehr vnd Tugend zuerlangen / verꝛichtet hat. Zugeſchwei - gen der jenigen Raiß / ſo er zimlich jung mit dem Fuͤrſtlichen Heſ - ſiſchen Landvogt zu Eſchweg damals Geſandten ins Koͤnigreich Schweden gethan: Jſt ſein erſte reyß nach dem Reyſiſchen Zug inD ijFranck -28Chriſtliche Leich Predigt /Franckreich geweſen / in welchem Koͤnigreich er nit allein den Koͤ - niglichen Hof / ſondern auch die Academien beſucht / vnd ſo wol in ſtudijs als andern Adelichen Ritterſpielen ſich geuͤbet / vnnd das gantze Koͤnigreich beſichtiget. Auß Franckreich iſt er gezogen in Engelland / vnd theils Niederland / vnd von dañen wider in Franck - reich. Als er nun daſſelbſten mehrertheils zwey Jahr zugebracht / vnd die Frantzoͤſiſche Spraach vollkommen gefaſſet / hat er ſich be - geben in Italiam / darinn ſich auch zwey Jahr vffgehalten / vnd der - maſſen in Studien / Spraachen vnnd allen andern Adelichen ex - er citijs ſich herfuͤr gethan / daß er dardurch ein groß Lob vnd Re - ſpect erworben. Auß Jtalia hat er mit fuͤnff Teutſchen vom Adel auß den vornehmen Geſchlechten / der Schencken von Schweinß - burg / von Leſtwitz / Scop, Iaſqui, vnd Axten / die gefehrliche Reiß / naher Jeruſalem ins H. Land / wie mans zu nennen pflegt / an hand genommen / auß einer ſonderlichen Begierd zu beſehen die jenige Staͤtt vnd Oerter / da vnſer Erloͤſer vnd Seligmacher Jeſus Chri - ſtus vff dieſe Welt geboren / gelitten / geſtorben / begraben / vfferſtan - den / vnd das gantze Werck vnſerer Erloͤſung verꝛichtet: Nach dem er auch dieſelbige mit leiblichen Augen gefehen / iſt er ferꝛners mit der Carbana einen gefehrlichen weiten Weg durch die Wuͤſtung in Egypten nach der groſſen Statt Alcairo gereiſet / von dannen er wider in Italiam geſchiffet / vnnd forderſt durch Gottes gnedige Erhaltung friſch vnd geſund wider in ſein Vatterland gekommen. Sihet alſo E. L. wie warhafftig vnſers lieben Herꝛn Marſchaln ſ. leben ein rechte peregrinatio vnd Bilgramſchafft geweſen.

VIII. Moleſtiæ itinerum. Meynet jhr aber daß er ſolch beſchwerliche Reiſen werde ohn Creutz vnd Truͤbſal haben zugebracht? Nein / es heiſſet / multa tulit fecitq; puer ſudauit & alſit, wer etwas lernen will / der muß auch etwas leyden. Vnd damit ich von gemeinen taͤglichen Aduerſite - ren nichts ſage / iſt leichtlich zuerachten / wie jhm muͤſſe zu muth ge - weſen ſeyn / als vff der Reiß naher Jeruſalem die Peſtilentz vnter ſeine Compagnien kam / vnd zu Alexandria ſein liebſter Geferd einSchenck29Vber den 13. Pſalmen Davids. Schenck von Schweinsberg in ſeinen Armen ſtarbe: Welch traw - rige Gedancken vnnd Seufftzen wirdt es auch bey jhm gegeben ha - ben / da er vff ſolcher Reiß noch drey andere auß ſeiner Geſellſchafft durch den zeitlichen Tod gleichfals verlohre / vnnd nur er ſampt dem von Leſtwitz im Leben erhalten wurde. Warlich wie Elias der Prophet / da er in ſeinem Exilio vnter den Wachholdern ſaß / Gott bate / daß er ſtuͤrbe / ſagende / es iſt gnug / nimm meine Seel1. Reg. 19. Herr / dann ich bin nit beſſer als meine Vaͤtter: alſo wirt gewiß - lich vnſerm Herꝛn Marſchaln ſ. damals auch zu Muth geweſen ſeyn / wie er ſich denn auch offt verlauten laſſen / da er zu Bethlehem geweſen / hab er hertzlich gewuͤnſcht / daß er in ſolcher Geburt Statt ſeines Herrn vnd Erloͤſers / von dieſem Jammerthal moͤcht vff - geloͤſet werden: Wie ernſtlich wirt er doch gebeten haben / daß jhn Gott vnter ſo grawſamen Barbariſchen Voͤlckern / Tuͤrcken / Arabern / Griechen vnd Egyptiern / auch ſo erſchrecklich graſſiren - den Peſt gnedig woͤll anſchawen / erhoͤren / leyten vnnd fuͤhren? Be - vorauß da er auch einsmal vff dem Meer in euſſerſte Leibs vnd Le -[b]en[s]Gefahr geriehte / bey welcher er GOtt gelobete / da er ſein Ge - bet erhoͤren vnd jhn erhalten wuͤrde / daß er die zeit ſeines Lebens vber ſolches danckbarlich gegen die Armen erkennen woͤlle / wie er denn auch jedes Jar vff denſelbigen Tag / den 22. Februarij ein gewiſſe Spende von Frucht vnter die Haußarmen zu Laerbach / welche er jetzt vor ſeinem Ende ſtattlich vermehret / mit Chriſtlicher danckba - rer Devotion hat diſtribuiren vnd außtheilen laſſen. Jch meyne es werd ſich in derſelbigen hoͤchſt gefaͤhrlichen Meerfahrt das Da - vidiſche Quouſque / O du Herr wie lang? bey jhm gefunden haben! GOtt aber hat ſein Seufftzen erhoͤrt / jhn angeſchawet / wie Davidis Wort lauten / vnnd ſein Hertz wider erfreuwet. Wie jhm denn auch ein Frewd vnd Ehr geweſen / das jhm zu Jeruſalem der Ritterorden ſelbiges Orts iſt angetragen worden / vnd ob er jhn wol ſeiner Religion vnnd Gewiſſens halben nicht angenommen / Je - doch weil er im Werck vnnd in der That den Orden deß CreutzesD iijChriſti30Chriſtliche Leich Predigt /Chriſti wol meritiret, vnd darunter biß in ſein ſ. ende wacker mili - tiret, iſt er deß Zeichens vnd Creutzes der Hieruſalemiſchen Ritter billich wuͤrdig erkannt / Dannenher es jhm auch bey dieſer Leichbe - gaͤngnuß / ohne ſuperſtition / zum Vnterꝛicht ſeiner gefehrlichen Reiſen vnnd vollenden Lauffs deß Chriſtlichen Creutzes / iſt vorge - tragen worden.

IX. Offi〈…〉〈…〉 a. Wolan wann ein ehrlicher dapfferer Mann lang gnug ſtudirt vnnd gereiſet / etwas gelernet / geſehen vnd erfahren / ſo muß ers auch endlichen jhm ſelbſt zu nutz practiciren vnnd dem Vatterland da - mit dienen / vnd wie ein ſolcher wolverſuchter Menſch fuͤr angeneh - me Befoͤrderunge vnd Vocationes nicht ſorgen darff / alſo iſt auch vnſer Herꝛ Marſchal ſ. nach volnbrachten reiſen zu vornehmen be - ſtallungen bald herfuͤr gezogen worden. Dann ob er wol gern in Hiſpanien auch gereiſet hette / Jedoch weil zuvor hochgemelter Landgraf Moritzen zu heſſen F. G. ſeiner zu Dienſten widerumb begehret / hat er deroſelbigen zu vnderthaͤnigen Ehren etzliche zeit / jedoch vnverbunden / wiewol jhm andere Condition vorgeſtanden / auff zuwarten / am Caſſeliſchen Hof ſich eingeſtelt / iſt auch jnner - halb ſelbiger zeit / der Preuſchniſche Sachen halben vom gantzen Fuͤrſtlichen Hauß Heſſen zu Koͤniglicher Wuͤrde in Polen geſandt worden / welch Polniſche Legation er alſo verrichtet / daß die Fuͤr - ſten von Heſſen darmit allerdings vnnd gnedig wol zufrieden ge - weſen. Dieweil aber bald hernach / durch den toͤdlichen Hintritt L. Ludwigs deß Eltern F. G. hochloͤblicher Gedaͤchtnuß / wie auch drauff gefolgter verenderung der Marpurgiſchen Regierung / das Adelich Stammhauß Laerbach in das jenige Orth deß Fuͤrſten - thumbs Heſſen gefallen / welchs der auch Durchleuchtig hochge - borne Fuͤrſt vnd Herꝛ / HerꝛLudwig / Landgraff zu heſſen / Graff zu Catzenelnbogen / Dietz / Ziegenhain vñ Nidda / ꝛc. vnſer gnedig Fuͤrſt vnnd Herꝛ zu der zeit einbekommen / als hat er auff ſ. F. Gn. gnedi - ges begehren deroſelben bey Hof vor einen HofRath zudienen ſich entſchloſſen / iſt auch bald druff in Año 1607. mit vnſerm gnedigenFuͤrſten31Vber den 13. Pſalmen Davids. Fuͤrſten vnd Herꝛn in hochangelegenen Sachen ſeiner F. Gn. na - her Prag an Keyſerlichen Hof verreiſet / deßgleichen widerumb in Anno 1610. da der Kayſerlichen Mayeſtaͤt auch andern Churfuͤr - ſten / Ertzhertzogen vnd Fuͤrſten / welche ſelbiges mal in Reichs Sa - chen zu Prag verſamler waren / er bekandt vnd werth worden iſt. Er hat auch bey ſolchem erſten Officio hieſiges Orths / auß gnediger bewilligung V. Gn. F. vnd Herꝛn / mit dero F. G. Herꝛn Gebruͤ - dern denen auch Durchleuchtigen hochgebornẽ Fuͤrſten vñ Herꝛn / Herꝛn Philipſen / vnd Herꝛn Friderichen Landgrafen zu Heſſen / ꝛc. vnſern gnedigen Fuͤrſten vñ Herꝛn / an ſtatt eines Hofmeiſters noch etliche ſtattliche reiſen verrichten helffen / mit Landgraf Philips F. Gn. zwar in die Niederland / mit Landgraf Fridrichs F. Gn. aber in Franckreich / Engelland / Schottlandt / Jrꝛland vnnd Niederland / bey welchen vnd dergleichen verſchickungen dann er nit allein auß - richtſam vnd vnverdroſſen geweſen / ſondern auch mit anmuͤtiger dexteritet / dapffer keit vnd trew dermaſſen ſich erwieſen / daß er vor etlichen Jahren von v. G. F. vnd Herꝛn zum hofMarſchal Ampt wie auch vor weniger zeit zur præfectur deß Ampts vnd Veſtung Ruͤſſelsheim / beneben ſeinem Rathsſtand / gnedig iſt erfordert wor - den / welche ſchwere aͤmpter er dermaſſen ſo wol bey groſſen Fuͤrſten - lagern / als hohen wichtigen Reichs vñ Lands Geſchaͤfften / verwal - tet / daß ſ. F. G. daran ein gnediges gutes gefallen vñ begnuͤgen ge - habt / auch von deßwegen jm vñ ſeinem Hauß beſondere hohe Gna - den widerfahren laſſen. Ach es heiſt trewer Knecht / trewer Herꝛ! vnd zwar iſt diß ſeine vnterthaͤnige trewe affection ſo groß gegẽ j. F. G. geweſen / daß er ſich auch von freyen Stuͤcken verobligiret / deroſel - bigen die zeit ſeines Lebens vber zudienen / vnd da J. F. Gn. ſolcher ſeiner vnderthaͤnigen Dienſt je nicht mehr beduͤrfften / wolte er ſich doch in keines andern Herren Dienſt oder Beſtallung begeben. Zu erlang - vnd anrichtung der hohen Schul zu Gieſſen hat er auch moͤglichen fleiß angewendet vnnd darzu nicht allein ſelbſten ein an - ſehnliches contribuirt / ſondern auch als ein vornehmes AdelichesMit -32Chriſtliche Leich Predigt /Mitglied bey Prælaten / Ritter-vnd Landſchafft / dieſes theils Fuͤr - ſtenthumbs vorſchub gethan / daß dieſelbig das jre daꝛbey auch gern willig vnnd trewlich geleiſtet. Den Marpurgiſchen Succeſſions Streit hat er jhm ſehr laſſen angelegen ſeyn / vnd iſt ſein groͤſtesAn - liegen geweſt vff alle thunliche Mittel vnd Weg dahin zuarbeiten / ob vnd wie durch Gottes Gnad Eintracht vnd Fried im hochloͤb - lichen Fuͤrſtlichen Hauß Heſſen reſtituirt vnd das gantze Fuͤrſten - thumb in Ruhe vnd Wolſtand erhalten werden moͤchte. Mit maͤn - niglich hat er ſich friedlich begangen / iſt geweſen freundlich in con - uerſationibus / frewdig vnd dapffer in allerhandRitteꝛlichen Tha - ten vndSpielen / ernſt in ſeinem Ampt vnd wo es die Not erfordert / willig / vnverdroſſen vnd fleiſſig in verrichtung vieler Commiſſio - nen vnd anderer wichtigen Geſchaͤfften. Moͤgen derhalben jetzo wol ſagen mit jenen trawrigen Leuten / 1. Maccab. 9. Ach daß ein ſolcher Held iſt vmbkommen vnd geſtorben!

X. Piet as erga Deum. Damit ich aber nicht nur allein von dem jenigen red / damit er ſich in der Welt bey groſſen Potentaten / Herꝛn vnd Fuͤrſten / ſon - derlich aber bey V. G. F. vnd Herꝛn / wie auch andern ins gemein hat werth vnd beliebt gemacht / ſonder auch von ſeinen Chriſtlichen Tugenden / vnd wie er zuforderſt mit Gott geſtanden / kan ich jhm ohne heucheley nachſagen / daß er ſey Gottsfuͤrchtig geweſen / ein Liebhaber Goͤttliches Worts vnnd deß H. Miniſterij, der ſein Beth vnd Pſalmenbuͤchlein fleiſſig gebrauchet / Wie er auch ſonſt in ſeinem Thun rund war / alſo hat er ſich in der Confeſſion / ſo offt er allhie bey geſundem Leib zum Tiſch deß Herrn gangen / rich - tig zu dem Symbolo vnſerer Kirchen der Augſpurgiſchen Confeſ - ſion / in anno 1530. Keyſer Carolo dem Fuͤnfften vberantwortet / bekennt / vnd dahin erklaͤrt / daß er mit vnſer Lehr / darinnen er erzo - gen / hertzlich wol zufrieden ſey / vnd ſonderlich bey den Stifftungs - worten deß H. Abendmals gern in der eynfalt bleib / vnnd all ſeine Vernunfft vnter den gehorſam Chriſti / der vberſchwenglich thun koͤnn vber alles das wir bitten oder verſtchen / gefangen nehme / wieſolches33Vber den 13. Pſalmen Davids. ſolches der Apoſtel Paulus vns allelehret / 2. Cor. 10. Epheſ. 3. Die2. Cor. 10. Predigten Goͤttliches Worts beſuchte er fleiſſig mit gebuͤhrenderEpheſ. 3. Chriſtlichen Attention, ſtalte auch / ſo vil moͤglich / ſein Leben nach denſelbigen an. Ohn iſt es wol nicht / daß er auch ein Suͤnder gewe - ſen / vnd ſeine Gebrechen an ſich gehabt / denn wer kan ſagen / ich bin rein in meinem Hertzen vnd lauter von Suͤnden / wie Salomon be - zeuget / Proverb. 20. Aber er hat auch ſolche ſeine Defectus & Ex -Prov. 20. ceſſus mit rewendem hertzen erkannt / vnd auß ſeinem Pſalterlein zubeten wiſſen / Ach herr ſey mir gnedig / ich hoffe darauff / daßPſal. 13. du ſo gnedig biſt Gehe nit ins Gericht mit deinem Knecht / ꝛc. Ge -Pſal. 143. denck nit an die Suͤnde meiner Jugend / ꝛc. Ach Herr ſtraff michPſal. 25. nit in deinem Zorn / ꝛc. Vnnd darbey zum offternmal mit dem LeibPſal. 6. vnd Blut vnſers herrn Jeſu Chriſti vermittelſt Brod vnnd Wein im H. Abendmahl ſich ſpeiſen vnnd trencken laſſen zu ſter - ckung ſeines ſchwachen Glaubens vnnd Beſſerung ſeines Lebens. Sonderlich pflegten jhm lieb zu ſeyn die Evangeliſche Troſtpre - digten / denn er empfandt die jenige Frewd darauß / von welcher Da - vid im erklerten Liedlein ſinget / Mein hertz das frewet ſich / daß du herr ſo gerne hilffeſt.

Dieſe Frewd vnd Krafft goͤttliches Worts thet ſich am aller -XI. Morbus & Chriſtiana ad mortem præpara - tio. meiſten bey jhm herfuͤr in dieſer ſeiner Bruſtſchwacheit / mit welcher er nach Gottes willen vmb den 10. tag Feb. angegriffen / vñ hernach zu Franckfurt am Mayn dahin er ſich im anfang der Vnpaͤßlich - keit beyds wegen der Badiſchen Commiſſions Sach / vnnd dann auch voͤlliger LeibsCur halben begeben hatte / gar zu Bett geleget wuͤrde. Dann wie Chriſtlich vnnd geduͤltig er ſolch ſein Creutz vffgenommen vnd getragen / wie innbruͤnſtig er ſein Quouſque / Ach du Herr wie lang wiltu mein ſo gar vergeſſen? herfuͤrge - ſucht / vnd zum lieben GOtt geſeufftzet vnd gebetet / ſolches wiſſen vornehme von Adel vñ andere mehr / ſo von anfang ſeiner ſchwach - heit alda bey jhm geweſen. Meines theils muß ich bekennen / daß er die Prophetiſche Sterbpredig Eſaiæ / ſo er dem Koͤnig Hiskiæ ge -Ethan /34Chriſtliche Leich Predigt /Eſai. 38. than / Eſa. 38. Diſpone Domuituæ, beſtell dein Hauß / denn du wirſt ſterben vnd nit lebendig bleiben / wol behertziget hab. Denn als den 21 Febr. an welchem V. G. F. vnnd Herꝛn jhn gnedig beſuchet hatte / ich auch vff ſein Begehren gen Franckfurt zu jhm kam / ſagt er gleich / es ſey jhm lieb / daß ich zu jhm kem / Dann weil jhn gott mit Schwacheit heimgeſucht / woͤlle er ſich gern zu dem wenden / der jn geſchlagen / nemlich zum lieben gott / dem ſey er alles heim - zuſtellen reſolut / woͤlle ſich auß Gottes Wort von mir troͤſten vnd vnterꝛichten laſſen / auch folgenden Tag deß H. Abendmals mit Chriſtlicher Vorbereytung vnnd hertzlichem Verlangen ſich ge - brauchen. Welchs ſein Chriſtlich Propoſitum er auch mit ſolcher Devotion verꝛichtete / dz ich nit zweiffel die lieben Engel im Him -Luc. 15. mel / welche ohn das mehr luſt haben vber einen Suͤnder / der buſſe thut / als 99. Gerechten / die der Buß nit beduͤffen / werden jhr Freu - de daran gehabt haben. Er danckt zuforderſt dem lieben gott / daß er jhn nit allein erſchaffen / erloͤſet / geheiliget / ſondern auch auß ſo mancher Gefahr erꝛettet / antwortet darbeneben Chriſtlich auff alles / was jhm beyd auß Geſetz vnd Evangelio fuͤrgehalten wuͤrde / erkannt vnd bekannt ſeine Suͤnde / die jhm von Hertzen leyd weren / er wiſſe / gleub / vnd hoffe ſein lieber gott / dem ſein Hertz jetzt of -1. Tim. 1. fen ſtehe / der alles ſehe vnd wiſſe / werde jhm vmb Jeſu Chriſti willen gnedig ſeyn / denn es ſey ja ein gewiſſes / werthes thewres Wort / daß er in dieſe Welt kommen ſey / die arme Suͤnder ſelig zumachen: Er - kleret ſich abermals ſeiner Confeſſion halben richtig / wie zuvor gedacht: Vnd nach dem er hierauff die troͤſtliche Abſolution ange - hoͤret / auch den Leib vnnd das Blut Jeſu Chriſti ſeines Erloͤſers vermittelſt Brod vnnd Wein im heiligen Abendmal mit Chriſtli - cher Andacht empfangen hatte / ſagt er nach geſprochener Danck - ſagung mit offt widerholten Worten / er ſeye nun erquicket / vnnd ſein Seel die ſey geneſen / die Medici woͤlten nun bey der Leibs Cur das jhre / wie bißher ſchon geſchehen / ferꝛner thun / gott werde ſein Segen darzu verleyhen vnnd geben / was nach ſein em heiligenwillen35Vber den 13. Pſalmen Davids. willen jhm nuͤtz vnd gut ſey. Deſſelbigen gnediger vnnd guter will aber war / bey dem groß angewenden Fleiß der Herrn Medicorum, Diß: das er jhn auß der muͤhſeligen Peregrination vnd Wallfart zeitliches Lebens zu weit herꝛlicherm Stand im Himmliſchen Je - ruſalem durch ein ſeligen Abſchied von dieſer Welt gedacht zuer - heben / vnd weil er hierzu gantz willig vnd bereit war / etlich mal mit dem Apoſtel ſagende / leben wir / ſo leben wir dem herrn / ſterben wir / ſo ſterben wir dem herrn / Rom. 14. als fieng er auch an denRom. 14. letzten tag ſeines Lebens den 26. Febr. das letzt Geſetz zuvor erklerten Pſalmleins deſto fleiſſiger zu practiciren / vnd wie er ſchon fuͤr alles gott gedanckt / alſo befahler auch V. G. F. vnd Herꝛn vnterthe - nig anzumelden / er wuͤnſche ſein F. G. vom lieben gott Gluͤ[ck]/ Segen / vnnd alle gedeyliche Wolfahrt / thete ſich vnterthenig be - dancken fuͤr all erzeigte Gnad / vnd daß ſie auch jhren Hofprediger ſo lang bey jhm gelaſſen / wolte der ſelben hertzlich gern lenger dienen wenn es Gottes Will were / hab er ſie jemals erzoͤrnet / woͤllen ſie es jhm gnedig zu gut halten / er woͤll jhr vnterthenigſter treuwer Die - ner ſterben / ſey gewiß / er woͤll im Himmel einen gnedigen gott finden / vnd allhier vff Erden einen gnedigen Herrn vnnd Fuͤrſten hinderlaſſen.

Vmb Mittag als er vorher etlichmal gefragt was wir fuͤr ein tagXII. Legata. hetten / erjnnert er ſeinen lieben Bruder / den auch Edlen Strengen vnd Veſten Melchior von Laerbach Fuͤrſtlichen Heſſiſchen Ampt - mann zu Grunberg etzlicher Legaten halben ad pias Cauſas, darzu er ſchon zuvor einen Anfang gemacht / erklaͤret ſich gantz Chriſt - lich vnnd verſtaͤndiglich / in gegenwart noch zweyer andern Perſo - nen / dahin: Der gantze Bretter Zehend zu Geraw / den er hiebevor vmb 2050. Gulden (iſt aber jetzt eines weit mehrern werth) woͤlle er dem neuwen Hoſpital allhie zu Darmbſtatt zuvnterhaltung der Armen / zu Erbeygen der geſtalt legiret vnnd vermacht haben / daß es ein ewigwerende Gefell vor die Armen bleiben / vnd nimmermehr denſelben entzogen auch nicht verbaut werden ſoll. DeßgleichenE ijweil36Chriſtliche Leich Predigt /weil er ſchon hiebevor (wie droben gedacht) wegen eines danckbaren Geluͤbts gegen Gott den HaußArmen zu Laerbach im euſſer Gericht / zwey Heſſiſcher Meth Korns alle Jahr auff den 22. Fe - bruarii außſpenden laſſen / woͤlle er nunmehr daß hinfuͤrter vnd alle Jahr auff den 26. Eiuſdem, (war der Tag darauff er ſtarb) acht ge - dachter Heſſiſcher Meth Korns gemelten HaußArmen Leuten im euſſer Gericht ſoͤlten gereichet werden. Wie er auch darbey ſelbiges mal ſeiner Begraͤbnuß vnd Ruheſtaͤtt halben beſtellung macht / alſo deputirt er auch ein ſtattliche Sum̃ Gelts fuͤr die Prediger / Schul - meiſter vnd Schuͤler zu Darmbſtatt / ſo jhm zu ſeiner Begraͤbnuß dienen wuͤrden / in maſſen er dann auch ehrlich bedacht ſeine Diener vnd andere. Vnd als er der Herꝛ Marſchal ſ. in gegenwart vorge - melter Perſonen ſeinen anweſenden Bruder Ehrngedachten Herꝛn Amptmann zu Grunberg freundlich anredet / daß er mit ſolcher ſei - nen Verordnung zufrieden ſeyn werde / hat er ſo bald rund vnd ohne einig bedencken / wie auch ſonſten gegen andere ſich gantz willig er - klert / daß er ſolches alles nit allein gern vnd willig wolt außrichten / ſondern that ſelbſten auch erinnerung / da er noch ferꝛner ichtwas den Armen oder andern anordnen woͤlte / daß er ſolchem allem trew - lich geleben / Auch da er jme in letzten Zuͤgen etwas zuwincken wer - de / er ſolches genehm halten wolte / jedoch alle zeit darbey beſſerung vnnd reſtitution zu ſeiner Geſundheit hoffend vnnd von Hertzen wuͤntſchend. heiſſet daß nun aber nicht dem herrn gedanckt vnd geſungen / wie das Final in Davids Liedlein lautet / wenn man ſo fein erkennt die vielfeltige Gutthaten Gottes vnd thut vmb deſſen willen nach vermoͤgen von ſeinen zeitlichen Guͤtern den Armen / den Hoſpitalien / wie auch Kirchen vnnd Schulen hinwider guts? Ach das iſt vnd heiſt Gott ſelbſten gethan / der wirdt auch ſolche Glau - bens Frucht am juͤngſten Tag zu commendiren gantz vnvergeſſenMatth. 25. ſeyn / Matth. 25. Vnder deſſen aber hat auch der barmhertzige Gott an dieſem vnſern Marſchaln ſ. vnd getrewen Armuts Freund / hiePſal. 41. in dieſem Leben noch war gemacht / was er im 41. Pſalmen verheiſ -ſen37Vber den 13. Pſalmen Davids. ſen / allen denen ſo ſich deß Duͤrfftigen annehmen / daß er ſie nemb - lich erretten woͤll zur boͤſen zeit / deßgleichen auff jhrem Sichbett er - quicken vnd jnen helffen auß aller jrer Kranckheit. Denn als er jetzt - gedachter maſſen alles diſponirt / ſich mit ſeinem betruͤbten lieben Brudern abſonderlich bered vnd geletzet / auch ſonſt von einer anwe - ſenden vornehmen Adelichen Perſon begeret / vnd gebetten / wenn er wuͤrd verſchieden ſeyn / daß er jhm die Augen wolte zudrucken / wuͤrd augenſcheinlich beyd Gottes gnedige gegenwart vñ huͤlff / vñ dann auch ein ſonderliche Frewd ſeines Hertzens geſpuͤret / in dem er alles ander hindan geſetzt / bey ſo feinem Verſtand / der jhm faſt blieb biß an ſein Ende / nur am lieben Gebett hieng / begeret auch daß wir jm ſolten helffen betten / fieng ſelbſten an das ſchoͤne troͤſtliche Ge - bett Eberi / Herr Jeſu Chriſt war Menſch vnd Gott / beſchloß es mit dem Vatter vnſer / an welchem er das Amen etlich mal wider - holet mit dieſen hinzugeſetzten worten / das heiſt ja ja / es ſol alſo ge - ſchehen. Sprach auch zu ſeinem hochbekuͤm̃erten Bruder / ſo jhnen nicht ohne ſchwere Thraͤnen zum offtern hertzet vnnd kuͤſſet / er ſol - te ſich doch ſeinet wegen nicht ſo hart bekuͤmmeꝛn / denn ſie ſich ja je - der zeit freund-Bruͤderlich vnnd einig vertragen / woͤlten ſich vnge - zweiffelt in der ewigen Frewd wider ſehen.

Sagt vber einweil hernach / da man jhm auß H. Schrifft / jebiß -XIII. Beata eius mors & obitus. weilen troͤſtlich zuſprach / vnnd Chriſti ſeines Erloͤſers deſſen hoch - thewren verdienſtes vnd ſtattlicher verheiſung erinnerte: Jhr liebe Leuth / ich hoͤr euch wol / aber ich ſehe euch nicht mehr / die Engelein Gottes aber ſehe ich vm̃ mein Bett herumb ſtehen! vnd weil wir hie - bey ſahen / daß es zum ſeligen Ende nahen wolte / die Sprach auch allgemach ſich leget / wuͤrde nicht allein von den vmbſtehenden fleiſ - ſig gebettet / Gott woͤll dieſem ſeinem Knecht / Bilgrim vnnd Chriſtlichen Ritter trewlich beyſtehen vnd mit Gnaden auffloͤſen / ſondern es wuͤrde jhm auch mit ſchoͤnen kurtzen ſterb oder ſtoß Ge - bettlein wie ſie D. Luther zunennen〈…〉〈…〉 get / zugeruffen / Vatter inPſal. 31. deine Haͤnd befehl ich meinen G〈…〉〈…〉 Herr Jeſu nimb meinenAct. 7. E iijGeiſt38Chriſtliche Leich Predigt /1. Ioh. 1. Geiſt auff / das Blut Jeſu Chriſti deß Sohns Gottes reinigetIoh. 1. vns von allen Suͤnden. Sihe das iſt das Laͤmblein Gottes / wel - ches der gantzen Welt Suͤnde tregt / vnder welchem innſtendigen Gebett vnd Zuruffen dann / er ſanfft vnd ſelig ohn einige bewegung vnd verſtellung ſeines Leibs wie ein Liecht außgangen / vnd Chriſto Jeſu ſeine Seel zu getrewen Haͤnden wider zugeſtellet: das hieß ja freylich erquicket / auß dieſer boͤſen Zeit vnnd aller Kranckheit erret - tet! wie die verheiſſung vorangezogenen 41. Pſal. lautet! Geſchahe zu Franckfurt in Sachſenhauſen / den 26. Februarij gegen Abend bald nach 5. Vhr / nachdem er gelebt 39. Jar 5. Monat vnd 12. tag.

Es wird aber nun ewer Chriſtlich Lieb zweiffels ohn fragen vnd gedencken / warumb ich doch hiervon ſo weitleufftig vnd vmbſtend - lich hab ſollen vnd wollen reden: darauff ich antworte / daß es dar - vmb geſchehe. 1. Damit jhr allerſeyts ſehet vnd vernehmet / er hab nicht allein Chriſtlich gelebt / ſondern ſey auch ſelig geſtorben / vnnd demnach dem lieben Gott dancken helffet / daß er dieſen ſeinen Diener mit einem ſo ſeligen Ende begnadiget vnd auß allemCreutz zu ſich in die ewige Frewd vnd herligkeit / deß himmliſchen Jeruſa - lems / in welchem er numehr die rechte DanckPſalmen frey wacker intonirt vnd daher ſingt / hat auffgenommen.

2. Auff daß jhr euch huͤtet vor vnzeitigem richten vnd vrtheilen deſſen die vndanckbar Welt heutiges tags ſo voll iſt. Richtet nit / ſoLuc. 6. werdet jr nit gerichtet. Selig ſind die Todten / ſo in dem Herrn ſterben / von nun an / denn ſie ruhen von jhrer Arbeit / vnd jhre werck die folgen jhnen nach / Apoc. 14. Wer biſtu / ſagt der Apoſtel / daß duApoc. 14. eines andern Knecht richteſt? ſeinem lieben gott hat er geliebet /Rom. 14. demſelben iſt er auch geſtorben.

3. Damit jhr ſehet / wie einen getrewen vnnd vornehmen nuͤtzli - chen Diener V. G. F. vnnd Herꝛ verloren. Beym Propheten Eſa.Eſai. 22. am 22. wirt Eliakim am Hof deß Koͤnigs Hiskiæ einem Nagel verglichen / der da ſteckt an einem feſten Ort / vnnd daran man aller - ley herꝛligkeit vnd gerethe zuhencken pflegt: Solchen Nagel habenwir39Vber den 13. Pſalmen Davids. wir an vnſerm Marſchalln ſ. auch gehabt / aber durch den zeitlichen Tod iſt er nun außgeropfft. Gott woͤlle ja ſolche Luͤck mit einer wol qualificirten Perſon gnediglich wider erſetzen / vnnd vns vnter deß bey dieſen vnd dergleichen trauwrigen Exempeln lehren / daß es mit vns auch ein End haben muß / vnd vnſer Leben ein Ziel hab / vnd wir darvon muͤſſen / Pſal. 39. Pſal. 39.

4. Billich ſehen wir auch hiebey vff vnſerm Herrn GOtt / welcher warlich zornig iſt / wenn er alſo den Vorꝛaht von vorneh - men wol anſtendigen Leuten auß einem Land hinweg nimpt. Sihe ſagt er durch den Propheten Eſaiam am 3. Ich wil von Jeruſalem vnd Juda wegnehmen allerley Vorꝛaht deß Brods / vnnd allerleyEſai. 3. Vorraht deß Waſſers / Starcke vnnd Kriegsleute / Richter vnnd Propheten / Warſager vnd Elteſten / Hauptleut vber 50. vnd ehr - liche Leut / Raͤthe / weiſe Werckmeiſter vnd kluge Redner. Ich meyn ja man werd deſſen in vnſerm vielgeliebten Vatterland hin vnd wi - der gnugſam gewar! der liebe gott woͤll vns ja gnedig ſeyn / vns allen miteinander ein bußfertiges Hertz geben / dann vmb deß Lands Suͤnde willen geſchehen viel Enderungen in den Fuͤrſtenthumben / vnd diß Fuͤrſtliche Hauß / ja das gantze Land fuͤr Vngluͤck vnd wei -Prover. 28. terer Trawrigkeit behuͤten.

Vnd ſo viel ſey auch geſagt / wegen billicher Chriſtlichen Ehren - gedaͤchtnuß / von dem Leben vnd Sterben vnſers in gott ruhen - den Herrn Marſchalln ſeligen / darauß E. Chriſtlich L. Summa - riter vernommen / das zwar ſein gantz gefuͤhrtes Leben ein muͤhſeli - lige Peregrination vnd Bilgramſchafft geweſen / darinn es auch viel Quouſque / das iſt / Seufftzen vnnd Widerſtand gegeben / aber er hat ſie Chriſtlich / ehrlich vnd mit reputation vollnbracht / in lieb vnd leyd an Gott ſeinen Herren vnd Chriſtum Jeſum mit glaͤubigem Gebet vnnd Davidiſchen miſerere ſich feſt gehalten / drumb er dann auch ſelig vnnd nicht ohn jnnerliche Freuwd ſeines Hertzens in demſelben ſeinem Erloͤſer Chriſto geſtorben / vnnd ob wol den ſeinigen wehe / dardurch geſchehen / ſo hat er doch einenguten40Chriſtliche Leich P. vber den 13. Pſ. V. guten Namen hinderlaſſen / ſingt vnd danckt nunmehr der Seelen nach ſeinem lieben gott im Himmel / daß er ſo wol an jhm ge - than / welch ſein Chriſtliche Danckbarkeit er auch auff Erden mit der That nicht vnbezeuget gelaſſen: Hat alſo dieſer ehrliche Herꝛ Marſchalck ſe[l.]nun ſeinen Lauff vollendet / einen guten Kampff2. Tim. 4. gekempffet vnnd Glauben gehalten: hinfuͤrt iſt jhm beygelegt die Kron der Gerechtigkeit / welche jhm der Herr an jenem Tag / der gerechte Richter geben wirt / nicht allein aber jhm / ſondern auch al - len / die ſeine Erſcheinung lieb haben / Der woͤlle jhm auß Gnaden reichlich vergelten / was er vmb Chriſti willen den Armen gutes ge - than hat / ſeinem Leichnam ein froͤliche Aufferſtehung verleyhen / vns vbrigen auch zu ſeiner Zeit mit allen Gnaden hernach helffen / hochgelobet von nun an biß in ewigkeit / Amen.

Laſſet vns hierauff mit einander alſo beten:

O Allmaͤchtiger Gott / Barmhertziger ewiger Vatter / wir dancken dir von gantzem Hertzen / daß du bißher diß Fuͤrſtliche Hauß vnnd darinn vnſer Chriſtliche hohe Obrigkeit vnd gnedigen LandtsFuͤrſten vnd Herꝛn mit dero angehoͤrigen / bey gu - ter Leibs Geſundheit vnnd Wolſtand / auch vnſere Kirchen bey reiner Lehr / die Can - tzeley vnd RathHaͤuſer bey Gericht vnd Gerechtigkeit / vnd dann das gantze Land bey guter Policey / in Ruhe vnnd Fried / ſo gnediglich erhalten vnnd behuͤtet haſt. Bitten dich demuͤtiglich / du woͤlleſt auch hinfuͤro bey vns ſeyn / vnd mit deiner mechtigen Hand / ſolches alles in ferꝛnerem wolſt and gantz Vaͤtterlich behalten / vnd diß vnſer Vatter - land vnd vns mit einander darinn vor Krieg / Peſtilentz / thewrer Zeit / vnd andern be - ſchwerlichen Plagen bewaren. Nachdem du aber auch nach deinem gefallen vnſerm lieben LandsFuͤrſten einen vornemen getrewen Rath / vnd dem gantzen Land ein ſtar - cke Saͤul hinweg genommen haſt / ſo bitten wir dein Allmacht demuͤtiglich du woͤlleſt ſolchen Riß wider zuheilen vnd an die verledigte ſtell einen ſolchen Mañ außſehen vnd erwehlen / der mit trewem Rath vnd heylſamer That / dem Fuͤrſtlichen Hauß allhier / vnd darinn vnſerm lieben LandtsVatter / in wichtigen obliegendẽ Sachen / auch in der wa - ren reinen Religion vnſerer Kirchen / vnnd dann endlich dem gantzen Vatterland mit heylſamen Dienſt / Gericht vnd Gerechtigkeit beytrette. Solches wolleſtu gnediglich geben vnd verſchaffen / vmb Jeſu Chriſti deines lieben Sohns willen / Amen.

ANNO, &c. CVM Deo VIVIT.

VIVat & Vt proſper præpete Morte CaDIt.

ERRATA.

P. 8. lin. 1. liß in pro jhm. P. 17. l. 5. ohmaͤchtigen pro Allmaͤcht. P. 18. l. 9. fuͤr pro von. ENDE.

About this transcription

TextQuousque Davidicum
Author Johannes Vietor
Extent40 images; 11844 tokens; 3538 types; 79962 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationQuousque Davidicum Das ist/ Gottselige Betrachtung vnd Erklärung deß XIII. Psal. Königs vnd Propheten Davids/ vorgetragen in der Parrkirchen zu Darmbstatt/ den 10. Martij. Bey hochansehnlicher/ Volckreicher vnd Christlicher Begräbnuß/ weyland deß Gestrengen/ Edlen vnd Vesten Reinhard Heinrichs von Laerbach Johannes Vietor. . 40 Balthasar HofmannDarmstadt1617.

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Universitätsbibliothek Breslau Universitätsbibliothek Breslau, 4 S 119/5 / 523530

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Leichenpredigt; Gebrauchsliteratur; Leichenpredigt; ready; aedit

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Editorial principles

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Publisher
  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-10T09:36:01Z
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Holding LibraryUniversitätsbibliothek Breslau
ShelfmarkUniversitätsbibliothek Breslau, 4 S 119/5 / 523530
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