Jch wil den heilſamen Kelch nemen / etc.Das iſt: Chriſtliche Leich Sermon,
Wuͤndſche ich Gottes Gnade / Fried vnd Frewde, Troſt vnd Heyl / rei - chen Segen / ſo wol beſtendige Leibesgeſundheit / vnd alle Lei - bes vnd der Seelen erſprißliche Wolfarth neben meinem an - daͤchtigen Gebet vnd gebuͤhrenden willigen Dienſten bevorn.
EDle Wol - vnd viel - Ehrentu - gendreiche in ehren geneigte vnd goͤnſtige Fraw Gevatterin / wir leben hier in terra ob - livionis, da wir leicht eines dinges vergeſſen. Darumb / damit der Schwachheit Menſch - lichen Gedaͤchtnuͤß moͤge gerathen werden / hat man von anfang der Chriſtlichen Kirchen den ſelig verſtor - benen gewiſſe denckmal pflegen zu ſetzen. Vnter andern / damit wir der vnſerigen nicht ſo bald vergeſſen / dienen maͤchtig darzu Chriſtliche LeichSermones / zumal wenn ſie in oͤffentlichen Druck gegeben werden / da werden gleich vnſere ſelig verſtorbe - ne auffs newe in vnſerm Hertzen wieder lebendig / zu geſchweigen wenn wir ſie leſen werden / wir auch vnſer Sterbligkeit darbey erinnert / daß wir bedencken / wir werden auch dermaleines muͤſ - ſen ſterben zu dem Ende / damit die Fraw Gevatterin neben jh - ren Adelichen Waͤlſen / (ſo jetzo in ſchmertzliches betruͤbniß ge -A ijſetzet[4]Vorrede. ſetzet iſt) jhres lieben ſeligen Eheherrens vnd Vaters nimmer - mehr vergeſſen / auch ich vnd andere / die wir an dem lieben Manne einen trewen Freund gehabt / ſein Gedechtnuͤß nicht leicht aus vnſerm Gemuͤth kommen lieſſen / ſo hab ich in Beden - ckung deſſen die juͤngſtgehaltene Leich Sermon vorm Adeli - chen Hauſe in Druck geben wollen / nicht zwar in der meynung / (wie es wol von etlichen mir moͤchte mißdeutet werden) eitele Ehre vnd vergeblichen Ruhm damit zu erjagen / denn einan - der gibt mir dißfals mein eigen Hertz vnd Gewiſſen neben mei - nem lieben Gott Zeugnuͤß: ſondern es geſchiehet aus wich - tigem bedencken. 1. Weil einem trewen Lehrer vnd Prediger gebuͤret / ſo wol Scribendo als docendo, die Chriſtliche Kirche in bawlichem Weſen helffen zuerhalten: Als wolte ich auch gern das Ampt eines Evangeliſchen Predigers redlich außrich - ten. 2. Tim. 4. vnd mein talentum nicht vergraben / Matth. 25. ſondern nach dem vermoͤgen / das Gott darreicht / 1. Pet. 4. gern wol anwenden. 2. Weil ich noch ſelbigen Begraͤbnistages von etzlichen vom Adel / (von denen mir wiſſend daß es Gottes Wort liebende Hertzen / wie ſeltzam ſie ſonſt ſeyn) bin bittlich angeſpro - chen worden beydes don leidtragenden vnd denn jnen zu gefallen dieſe ſchlechte LeichSermon in Druck zu geben / haben ſich auch erboten in Lieb vnd Feundſchafft gegen mir vnſers ſeligen H. Porſchnitzes luͤcke zuerſetzen. 3. Weil der Fraw Gevatterin jhr lieber Juncker mir vnd den meinen von vielen Jahren her groſ - ſe Wolthaten heuffig erwieſen vnd erzeigt / darfuͤr ich meine ſchuͤldige danckbarkeit auch nach ſeinem Tode etlicher maſſen hierin zuerkennen geben wolte. 4. Weil wegen kuͤrtze der zeit auch auff beſchehenes bitliches erſuchen der Fraw Gevatterin ſelber / alles auffs kuͤrtzeſte nur tranſcurſoriè hat vberlauffen werden muͤſſen. da ich denn nicht alles wie ich mir es zwar vor - genommen habe deduciren koͤnnen / darumb ſo hab ich / was da - mals nachbleiben muͤſſen / hiermit in oͤffentlichen Druck ergaͤn - tzen wollen. 5. Weil der Fraw Gevatterin liebe Adeliche Waͤiſenvnd[5]Vorrede. vnd Kinder zum theil noch klein vnd vnerzogen / als wil ich jhnen hiermit jhres ſeligen lieben H. Vaters letztes Ehrengedaͤchtniß zu hinderlegen vbergeben haben. Jſt demnach an die Fraw Gevatterin mein freundliches bitten / ſie dieſe wolgemeinte Ar - beit im beſten vermercken / vnd hinfort auch mein vnd der mei - nigen in gebuͤr wolgeneigte Fraw Gevatterin allezeit ſeyn vnd bleiben wolle. Thue ſie hiermit Goͤttlichem Genadenſchutz zu Troſt vnd Segen trewlich empfehlen. Datum Moͤnſterberg in Vigilia S. Matthæi Apoſtoli den 20. Septemb. Anno 1623.
E. Edel. Tug. Gebets vnd Dienſtwilliger Matthias Zimmerman der Kirchen zu Moͤnſterberg Diaconus.
Leich vnd StandtSermon / den 13. Septembr. Anno 1623. vorm Adelichen Hauſe Kuntzendorff gehalten vber den Text /
(Pſal. 116. v. 13. )‘Jch wil den heilſamen Kelch nemen vnd des HErren Namen predigen. ’DAs walt der großmechtigſte vnd allertrewhertzigſte himliſche Ober - vnd Ertzſchencke Jeſus Chriſtus / der aus dem Kelche des Jammers vñ trawrens Ezech. 23. offtmals leſſet einen ſolchen herben vnd vnſchmack - hafftigen Reyentrunck herumb gehen / vnd denſelben ſeinen gleubigen vorſetzet / daß jhnen die Augen darvon vbergehen / ja trencket ſie mit vollem maß der Traͤnen / nach auſſage Pſal. 80. daß jhnen das bittere auß dem Hertzgruͤblein herfuͤrquellende Augenwaſſer mildig - lich vber die Backen flieſſen vnd rinnen thut / daß ſie gleich darvon taumeln / Eſa. 51. vnd thut ſolches bloß zu dem ende / damit er jhnen dort / wenn ſie in ſein Ehren - reich des ewigen Lebens gelangen / an ſtadt des wehwir -cken -[7]Chriſtliche Leichpredigt. ckenden traͤnen Weins vnd ſauren Myrrentrancks de - ſto mehr Frewdenwein einſchencken moͤge mit Gott dem Vater vnd H. Geiſte / jetzo in dieſer vornemen Adelichen trawrverſamlung vnd dann in Ewigkeit ge - lobet vnd gepreiſet / Amen.
VOn hertzen betruͤbte / in GOtt aber durch Jeſum Chriſtum geliebete himmelſeh - nende Gotteskinder: Es melden die Hiſto - rien / vnd iſt ſolches zu leſen beym Fabricio in ſeinen Annalibus lib. 2. Als Anno 1268. Landgraff Hein - richs in Tuͤringen erſtes Gottſeliges Gemahl Fraw Agnes / ſehr ſchwerlich vnd gefehrlich kranck gelegen / da hat jhr getraͤumet / wie jhr ein holdſeliger Engel er - ſchienen ſey / der jhr auß einem ſchoͤnẽ guͤldenen Becher einen wiederwertigen Trunck Weines dargeboten vnd vbergeben: Als ſie aber ſolches aus ſeiner Hand em - pfangen vnd gekoſtet hat / hebet ſie an vnd ſaget /‘Ah quàm amara & acerba eſt hæc potio. ’Ach welch ein herber vnd bitter Trunck iſt das / darauff habe der En - gel zu jhr geſagt /‘Amara quidem certè, ſed mox in - gens dulcedo conſequetur, quia illam amaritiem mi - tigabit Dominus. ’Ja es iſt war / es iſt zwar ein bit - ter vnd vnannemlicher Trunck / aber es wird gar bald eine vberauß groſſe vnd liebliche Suͤſſigkeit darauff er - folgen / denn der HErr wird dieſe Bitterkeit ſelber en - den vnd vertreiben.
Dieſen Traum hat ſie flugs jhrem liebſten Ehe - herren / nach dem ſie erwacht geruͤhmet vñ erzehlet / vnd iſt vber wenig ſtunden hernach / ſanfft vnd ſelig drauffverſchie -[8]Chriſtliche Leichpredigt. verſchieden. Fuͤrwar dieſer Hiſtori vñ nach dencklichen Worte moͤgen vnd koͤnnen wir vns auch gar wol / in dieſem anſehnlichen toͤdtlichen trawer Comitat, vnd ſchmertzlichen wehmuͤtigen Leichactu gebrauchen / deñ ſehe ich dieſe Adeliche in ſeinem Sarch vnd Todten - heußlein darliegende Leiche an / den weyland Edlen Geſtrengen Wol. Ehrenveſten vnd Wolbenambten Herrn von Porſchnitz vnd Stampen auff Mahlen vnd Kuntzendorff etc. ſo redet er vns auch jetzo mit ver - ſchloſſenem Munde gleich an / O welch ein herber Creutztrunck iſt das geweſen / den ich vnterſchied - lich in meinem kurtzen Leben (ſo ſich nur auff 42. Jahr erſtrecket) offt vnter meinem Creutz / vnd ſchmertzlichem Gichtlager / darbey mir viel betruͤbte nachten worden / vnd ich offt fuͤr Vnruhe gewinſelt wie ein Krannich vnd gegirret wie eine Taube / Eſa. 38. habe koſten vnd verſchlingen muͤſſen / ach welch ein herber vnd bitter Angſttrunck iſt doch diß geweſen / den ich vn - lengſt bey meines lieben Toͤchterleins Salome vnver - hofftem vnd klaͤglichem Todesfall / wie wuͤrgicht er mir eingegangen / hab verſchmertzen muͤſſen / in dem das harte hertzlein / ſo mein Augentroſt vnd Hertzfrew - de geweſen / in ſiedendem heiſſen Waſſer ſo elendiglich in der Badſtuben ſich verbrennet / daß es bald darauff des Todes hat ſeyn muͤſſen. Ach ein herber vnd vn - ſchmackhaffter taumeltrunck iſt geweſen / den ich jetzt in meinem letzten Lager / hab trincken vnd meinem fro - men Gott mit ſo ſchneller hinraffung habe beſcheid thun muͤſſen. Aber ich lebe jetzo in Gott / vnd mir iſt gantzwol /[9]Chriſtliche Leichpredigt. wol / mitigavit illarn amaritiem Dominus, der HErr hat meinem Leidtruͤncklein alle Bitterkeit benom - men vnd entzogen / Ingens dulcedo ſequetur fuͤr Leid werd ich nun haben Frewd. Jch bin vber das wilde wuͤſte Meer dieſer Welt an den gewuͤntſchten Port vnd Vfer ewigen Lebens / Gott ſey ewig lob hinuͤber. Pſ. 16. Der HErr iſt nun mein gut vnd Erbtheil.
Sehe ich an die hochbetruͤbte Adeliche Fraw Wittib / die Edle - Wol - vnd viel Ehrentugendreiche Fraw Barbaram Porſchnitzin geborne Seidlizin / ſo muß ſie jhrem lieben Herren vnd Ehejunckern / mit jammerigem Hertzen ins Grab nachſehen. Sehe ich an jhre 6. mehren theils noch vnerzogene Adeliche Waͤiſen / die allerſeits nahe anverwandte Bluts vnd Hertzfreunde die arrnen verlaſſenen Vnterthanen / ſo ſagen ſie allegleich als mit einem Munde / O quàm amara eſt hæc potio, ach welch ein herber vnd bitter Tranck iſt das / O wie ſo gar vbel gehet er doch zu hal - ſe / aber Confidite, mutabit illam amaritiem Domi - nus, der HErr wird die Bitterkeit verwandlen in ſuͤſſe Liebligkeit / ſeyd getroſt vnd vnverzagt / ingens dulcedo ſequetur e[w]er Leid wird noch in Frewde ver - wandelt werden; præmiſſus non amiſſus, er iſt nur voran geſchickt / vber ein weniges (Gott helffe nur ſe - liglich) wollen wir jhm nachfolgen / der HErr hat jhn erloͤſet von allem vbel / vnd hat jhm außgeholffen / zu ſeinem himliſchen Ehrenreich / 2. Tim. 4. wir wol - len in kurtzen einander wieder ſchawen zugleich / da wirds den heiſſen / wiederkommen macht / daß ich ſchei -Bden[10]Chriſtliche Leichpredigt. den nicht acht / das wird gewiß geſchehen / in die reſti - tutionis omnium, am Tag der wieder erſtattung Actor. 3. Darumb ſo iſt es nun ein heilſamer Kelch / daruͤber wir jetzo trincken: Zwar die Welt ſchenckt vns wol offt einen ſuͤſſen vnd lieblichen Trunck / aber er darff wol bey vngewiſſenshafften Leuten mit Gifft vermiſchet ſeyn / wie Bapſt Alexander / der 6. etliche Cardinaͤl ſo einlud / vnd dachte ſie doch eben in dem Mittel argliſtiger weiſe vmb jhr Leben zu bringen. Graff Guͤnthern von Schwartzburg brachte ſein Me - dicus vnd Leibartzt auch einen ſtarcken Giffttranck zu / daß er druͤber muſte ſein Leben laſſen / wie deſſen Dreſſerus gedencket: Aber nein durchauß nicht / der Creutztranck iſt vns durchaus nit ſchaͤdlich ſondern viel - mehr zeitlich vnd ewig nuͤtzlich vnd zutraͤglich. Drumb wollen wir vnbeſchwert willig vnd gern / das vorge - ſetzte Trawerbaͤcherlein zu beyden Haͤnden nemen vnd ſagen mit dem lieben David / auß dem Pſalm. 16. Calicem ſalutaris accipiam, & nomen Domini invo - cabo. Jch wil den heilſamen Kelch nemen vnd des HErren Namen predigen / vnd mit dem frommen Keyſer Mauritio auß dem Pſalm 119. Juſtus es Domine & juſta ſunt judicia tua, HErr du biſt gerecht / vnd alle deine Gerichte ſind recht. Der tewre Gottes Mann Herr Lutherus. Tom. 6. Germ. fol. 273. ſpricht: Ob vns ſchon der Teuffel / die Welt vnd vnſer Fleiſch vnd Blut wil vberreden vnd einbil - den / es ſey ein ſchaͤdlicher Tranck / ſo wollen wir es doch nicht gleuben / noch vns deſſen am allerwenigſtenvber -[11]Chriſtliche Leichpredigt. vberreden laſſen. Der vortreffliche weitheruͤmbte Held Alexander Magnus ward zur zeit fuͤr ſeinem Me - dico, Philippo gewarnet / er ſolte ſich fuͤr jhm huͤten vnd vorſehen / denn er wolte jhn heimlich mit Gifft vergeben / aber Alexander Magnus ließ ſich das nichts anfechten / brauchte die Artzney v[ne]rſchrocken / weil er den Medicum vor je vnd alle wege trew befunden hat - te / in 3. Tagen ward er darauff wieder geſund / da doch zuvor jederman an ſeinem Leben zweiffelte. Ach jhr andaͤchtige Ttrawrhertzen / viel mehr ſollen wir vn - ſerm trewen warhafftigem Gott trawen / den Creutz - Becher willig annemen / daraus trincken / wenn vnd wie viel der fromme Gott wil / vngeacht er mit ſtar - ckem Wein eingeſchencket / daß wir gleich darvon tau - meln / mat vnd ſchwach werden.
Gleich wie aber dort die Jſraeliten / das bittere Waſſer zu Mara nicht trincken konten / bis daß Moſes ein beſonder Holtz hinein warff / davon ſein bitter Schmack geendert ward / Exod. 15. Gleich wie des tre - wen Propheten Eliſæi ſeine Schuͤler das herbe vnd vnſchmackhaffte Colochyntenmus nicht eſſen konten / bis Eliſa ein wenig Mehl drein warff. 2. Reg. 4. Alſo wollen wir dieſen vorgeſetzten Angſtkelch mit dem an mutigen Troſtwein Goͤttlichen Wortes / ein we - nig temperiren vnd vber zuckern / daß er deſto liebli - cher vnd ſchmackhaffter ſey. Wir bleiben aber diß - mal bey vorerwehneten Worten. Pſ 116. Jch wil den heilſamen Kelch nemen vnd des HErren Na - men predigen.
B ijDarbey[12]Chriſtliche Leichpredigt.Darbey wollen wir in aller kuͤrtz vnd einfalt auffs moͤglichſte als jmmer ſeyn kan reden.
Propoſitio. De poculo amoris ſub poculo mæroris reple - to poculo honoris. Von dem beſonderen Lie - besbecher / den Gott mitten vnter dem vberreich - ten Creutzbecher / endlich fuͤllet vnd einſchencket mit eitel Frewdenwein in einem beſonderen Ehrenbecher:
Das iſt / wir wollen hoͤren.
Was doch gleubige Himmelſehnende Tra - werhertzen / hie in jhrer aͤngſtlichen Traͤ - nenfarth vnd muͤhſeligem Chriſtenſtande / dem trewen frommen Gott vor vnterſchie - dene Liebes vnd Leidbecher zuvor heil - ſamlich trewlich vnd redlich muͤſſen be - ſcheid thun / ehe der himliſche Frewdenbe - cher vnd Ehrenkelch in der Reye im ewi - gen Leben herumb gehet.
ES ſaget der Koͤnigliche hocherleuchte Prophet David Pſal. 23. HErr du ſchenckeſt mir voll ein / hir erinnert der liebe Gottes -Mann[13]Chriſtliche Leichpredigt. Mann / (wie Herr Lutherus ſaget / in der Außlegung des 23. Pſalms) ein beſonder gleichniß / von dem Kel - che / den vorzeiten die lieben Alten bey jhren ſacrificijs Euchariſticis, das iſt / Danckopffern brauchten / wenn ſie jhre Tranckopffer opfferten / nachdem jhnen Gott etwa auß gefaͤhrlicher Kranckheit / Fewer vnd Waſ - ſersnoth / oder anderer Gefaͤhrligkeit geholffen / da ließ der Wirth / Gott zu ehren / einen Reyentrunck herumbgehen / das waren nicht etwa groſſe vnd vnge - hewre Kuͤhſoͤffe / wie etwa Naſſer Bruͤder Geſundheit truͤncke / oder viel mehr vngeſundheit ſchluͤnge zu ſeyn pflegen / ſondern es waren rechte Frewdentruͤncklein / darbey die Gaͤſte nicht toll vnd voll worden ſind / ſon - dern mit einem Kelch hat ſich ein gantzer Tiſch herumb erſaͤtigen laſſen: von ſolchem Kelchetrincken nimbt auch hie David ein Gleichniß / er fuͤret Gott als einen koſtfreyen Wirth ein / der ſeine Gaͤſte mit heilſamen Getraͤncke wol tractire vnd verſorge / drumb ſagt er / Calicem ſalutaris accipiam, Jch wil den heylſamen Kelch nehmen.
Moͤcht aber hie jemand fragen vnd ſagen: Je lieber was ſchencket doch der trewe frome Gott ſeinen Liebhabern ein? Nicht Malvaſier / nicht Spaniſchen Wein / nicht Lachrymas Chriſti, wie etliche Wein in frembden Landen genennet werden / weil die Jung - fraw Maria (wie die Papiſten jhrer Art nach narri - ren) des ewigen Sohnes Gottes vergoſſene zehren am Creutz ſol auffgefangen vnd hernach auff dieſelben Ge - birge wieder geſeet haben / davon ſolle der Wein ſo al -B iijdar[14]Chriſtliche Leichpredigt. dar wechſt einen ſolchen vberauß lieblichen vnd ſuͤſſen Schmack bekommen haben; nicht ſind es etwa andere Vina Exotica, ſo im Teutſchland nicht bekand ſind: zwar Gott der HErr muß vns wol dieſe jrrdiſche Weine ſchencken / ſonſten wuͤrden wir ſie nit zu trincken haben: Aber nein von ſolchem jrrdiſchen Wein reden wir hie nicht / ſondern der HErr ſchencket vns voll ein geiſtli - chen himliſchen Lebens-Gnaden-Ehren vnd Frewden - Wein / ja hie elends - Troſt - Todes - vnd Lebens Wein / vnd den muͤſſen wir aus vnterſchiedenen Bechern trincken.
O fromme Hertzen wollet jhr ewrem trewen vnd frommen Gott trewlich vnd redlich beſcheid thun / daß er euch dorte mit dem himliſchen Frewdenwein im ewigen Leben ſetige labe vnd erquicke ewiglich.
I. Accipite Calicem ſalutaris benedictio - nis, nemet von lieber Hand an / den Geiſtlichen euch zu - getheilten / vnd eingeſchenckten Segensbecher. Denn nicht vergebens gedenckt die H. Schrifft der materia - liſchen Becher / die (wie Job. 28. redet) der Goldſchmid aus Silber vnd Gold machet. Geneſ. 40. wird ge - dacht des Bechers daraus Pharao getruncken hat. Gen. 44. wird gedacht des ſilbernen Bechers daraus Joſeph getruncken / 1. Sam. 26. wird gedacht des Waſſerbechers des Koͤnigs Saulis. Gleich wie nun ſil - ber vnd Gold daraus die Becher zubereitet werden / mit groſſer Muͤhe vnd Arbeit aus der Erden geſucht /auch[15]Chriſtliche Leichpredigt. auch mit groſſer Muͤhe vnd Arbeit durch die Hand des Goldſchmiedes gearbeitet wird; alſo hat Gott ver - ordnet / wer ſeines Segensbecher genieſſen wil / daß er im ſchweiß ſeines Angeſichtes / nach Gottes Verord - nung / Gen. 3. ſein Brod eſſen muß / ein jeder in ſeinem Stande findet all Haͤnd voll zu thun vnd hat mehr zu - ſchaffen / als er auch bey ſeinem hoͤchſten fleiß beſtreiten kan / der Menſch iſt zur Arbeit wie der Vogel zum flie - gen erſchaffen / Job. 5. vnd ob es vns darbey ſawer wird / muͤſſen wir vns ſolches nicht laſſen verdrieſſen / inbedenckung / daß es alſo vom HErren verordnet iſt / Syr. 7. darbey hat man ſich Gottes ſegen zugetroͤſtẽ / deñ illinc mandavit Dominus benedictionem, wenn wir vns nehren vnſerer Haͤnde Arbeit / ſo haben wir es dar - bey gut / dahin hat der HErr ſeinen Segen verhei - ſchen. Pſal. 128. Wenn einer demnach ſeine Kinder - Schuhe hat zuriſſen vnd iſt zu ſeinen Jahren gelanget / ſo ſol er ſich nicht auff die faule Seiten legen / ſondern wenn er Gottes Segen empfinden wil / ſol er jhm ſtets laſſen vor Augen ſtehen / was Paulus von vns erfordert. (1. Theſſ. 4. )‘In hoc ambitioſi ſitis ut propria agatis,’‘ringet darnach / daß jhr ſtille ſeyd vnd das ewre ſchaffet.’Da gibt den Gott Gluͤck zu alle dem was er fuͤr nim - met. Syr. 4. Was inſonderheit Adeliche vnd ſonſt vor - neme ſtandes Perſonen antrifft / die ſollen jhre Ju - gend auch wol anlegen / nicht nur begeren jmmer da - heim zu ſtehen vnd die Zaͤne hinter dem Offen wermen / ſondern ſie ſollen ſich was verſuchen vnd gebuͤhrlicher weiſe nach ehren ſtreben / das iſt jhr eigener from. O wie[16]Chriſtliche Leichpredigt. O wie lernen ſie jhre hitzige Koͤpfflein ablegen / wenn jhnen mancherley vnter Handen ſtoͤſſet / wenn man ſo ſeine Jugend zu ritterlichen loͤblichen thaten fein an - wendet / vnd hernach ſeinem Beruff trewlich oblieget / da ſchencket vns denn der ewige Gott in den Segens - becher den Ehrenwein / er erhoͤhet ſeine Kinder / da muͤſſen ſie gedeyen ploͤtzlich / wiewol es auch allwege nicht mit außgerichtet iſt / wenn einer in dem Leben alles genung vnd volauff hat: Der beſte Segen vnd Reichthumb iſt / wenn man mit dem himliſchen guͤtern verwaret iſt / es iſt doch nur das zeitliche / eitel vergeng - lich ding / vanitas vanitatum, alles gantz eitel / Eccleſ. 1. Es ſeyn die zeitlichen Guͤter / nur wie Dornen die ſehr ritzen vnd ſtechen / Luc. 8. ſie ſeyn nur fuͤr eitel Koth zurechnen vnd ſchaͤtzen / Phil. 3. drumb ſo ſaget Augu - ſtin. fein:‘Res quàm capis decipula eſt, dum capis ca - peris,’das iſt / Die guͤter dieſer Welt ſind wie eine Meuſefalle / wenn du gar zu begierig darnach biſt /wirſt du leicht beruckt vnd gefangen / darumb O Chriſtliche trawer Seele / entzoͤge dir Gott nach ſeinem vnerforſchlichen Rath / den zeitlichen Segenskelch / es wolte bey dir genaw vnd ſparlich hergehen / wolan ha - be du Jobs Hertz vnd Jobs Gedult / ſage /‘Sic Domino placuit,’‘es iſt ſo Gottes wille vnd wolgefallen’ ()er ſchafft den reichen vnd Armen / Prov. 22. von jhm koͤmpt Armuth ſo wol als Reichthumb / Syr. 11. darumb ſo wirff alle deine Sorge auff den HErren / denn er ſor - get fuͤr dich / 1. Pet. 5. wird dir es gut nuͤtzlich vnd ſelig ſeyn / der allwiſſende Gott wird dir wol wiſſen deinbeſchei -[17]Chriſtliche Leichpredigt. beſcheiden theil / darumb du taͤglich mit Sal. Pro. 31. bit - ten ſolſt / zuwerffen / ſag aus der 3. Bitt des Vatervnſ. Fiat voluntas Domini: HErr gib mir was dein gnaͤ - diger Wille iſt / der geſchehe an mir / des zeitlichen wil ich je gern entpern / du wolleſt mich nur des ewigen ge - wehren: Mache mich an meiner Seelen reich / ſo hab ich genug hie vnd ewiglich. Wir ſeyn deſſen gewiß der huͤlffreiche Gott verleſſet die ſeinen nicht / die nur ſei - ner Huͤlffe mit Gedult erwarten / es bleibt darbey / was Pſ. 34. ſtehet: die den HErren fuͤrchten / haben keinen mangel an jrrgend einem gut.
Geſchichts aber O fromes Trawerhertz / daß dir Gott in ſeinen Segenskelch den Ehren Wein reichlich vnd vberfluͤſſig einſchenckt / O ſey gewarnet / bis nicht darbey ſtoltz vnd vbermuͤtich / ſey bey deinem groſſen Gluͤck vnd Segenobecherlein fein demuͤtig gegen an - dere Menſchen / ſage mit dem demuͤtigen David aus dem Pſal. 131. Domine non exaltatum eſt Cor meum, HErr mein Hertz iſt nicht hoffertig / vnd meine Au - gen ſind nicht ſtoltz. Tantò enim pretioſior es Deo, quantò propter cum vilior es tibi, ſagt Gregor. je vnwerther du dir in deinen Augen vorkoͤmpſt / je hoͤ - her biſt du bey deiner ſitzſamkeit vor Gottes Augen ge - geſchaͤtzt / ſonſten wil der Menſch ſich groß braſten vnd breit machen wie ein Keffer / O Gott kan bald jhm ſei - nen Hohmut brechen vnd wehren. Den Segenskelch ſchenckt vns auch Gott weiter ein / wenn wir den Ar - men behuͤlfflich ſeyn / jhnen mit vnſerm Vberfluß die - nen vnd außhelffen / wenn man gleich den nothleiden -Cden[18]Chriſtliche Leichpredigt. den nur mit einem Kelch kalt Waſſer trencket / Matt. 10. ſo hat man ſich doch darbey Gottes reichen Segens zu - getroͤſten. Nim ferner den Segenskelch von der Hand deines lieben Gottes alſo an / halt ſteiff vnd feſt vber der reinen Evangeliſchen Warheit vnd Lehre / hab deine Luſt vnd Liebe an dem klaren vnd waren Wort Gottes / denn da hat der HErr ſeines Namens Ge - daͤchtniß geſtifftet / dahin wil er kommen vnd dich ſe - gnen / Exod. 20. ſtehe hergegen bey leib zu friede mit dem poculo aureo maledictionis & abominationis meretricis Babylonicæ, mit dem ſchoͤnen vberguͤlde - ten Grewlkelch der Babyloniſchen Antichriſtiſchen Huren / er iſt voller Abgoͤtterey / es ſol da heiſſen / Apoc. 18. Exite ab illa, gehet auß von Babel / macht euch nit jhrer Suͤndẽ theilhafftig / ruͤret nichts vnreines an / 1. Theſſ. 5. meidet allen boͤſen Schein / man erlan - get da nicht den Segen / ſondern es trifft vns der Fluch / Deut. 12. wenn man zu ſeinem Worte zuſetzet vnd weg nimpt; Ob vns ſchon der grimmige Baͤpſtiſche hauffe druͤber verfolget / außjaget / anfeindet vnd an neidet / ja jhrer blutduͤrſtigen Art nach / begert zuer - wuͤrgen / vnd ſchreyen mit vollem Halſe / wenn jhnen zumal der Wind darnach gehet vnd bleſet /
‘Utere jure tuo Cæſar, ſervosq́; Lutheri, Enſe, rota, ponto, funibus, igne neca. ’ ()Sollen wir doch vmb ſolcher Truͤbſal willen nicht muͤde werden / wenn ſie vns fluthen ſo ſegnet vns Gott / Pſ. 109. Wir ſeyn doch darzu beruffen / daß wir den Se - gen ererben / 1. Pet. 3. es troͤſtet vnd erfrewet vns hoͤch -lich /[19]Chriſtliche Leichpredigt. lich / was Matt. 5. ſtehet: Beati, ſi vos perſequuntur, Se - lig ſeyd jhr / ſo ſie euch vmb meines Namens willen verfolgen / etc. Es werden es doch nimmermehr vnſe - re Feinde enden vnd dahin bringen / daß ſie die reine Evangeliſche Lehr / vnd deſſen gewiſſenshaffte Glau - bensbekenner gantz vnd gar außrotten ſolten. Das Wort ſie ſollen laſſen ſtehn / vnd kein Danck darzu ha - ben / etc. Koͤnnen ſie vns ſchon jetzo nicht vor Augen ſehen / ſo werden ſie vns doch aus dem Himmel wol vn - außgejagt muͤſſen bleiben laſſen / Si Terra nos non ca - pict Cœlum capiet, wil vns die Erd nicht mehr haben vnd Herbrigen koͤnnen / im Himmel werden wir ſchon vnſer Raͤumlein finden / da ſeyn viel manſiones vnnd bleibende ſtellen / Joh. 14. wie ſich deſſen Herr Luthe - rus troͤſtete wider den Cardinal Cajetanum, welches auch Baſil. beſte hertzlabung geweſen. Eben alſo hat vnſer ſelige Herr Porſchnitz / auch den Segenskelch zu danck angenom̃en / Gott ſchenckte jhm drein ein den Eh - renwein nicht allein / daß er auß vornehmen Adelichem Gebluͤt geboren / ſondern daß er ſich auch in ſeiner Ju - gend beydes in vornemer Herrn Dienſt / vnd denn auch in Kriegesweſen was ſtattliches verſucht / gegen ar - me nothleidende hatte er ein jammeriges Hertz / er hielt ſteiff vnd feſt vber der reinen Evangeliſchen Lehr / tre - wen Dienern Gottes vnd Predigern war er ſehr wol gewogen: Jn ſeiner Haußhaltung war er ein ver - ſtendiger / ſorgfeltiger Haußwirt / er ließ jhm ſeine ſtatliche Nahrung embſig angelegen ſeyn / vnd weil er alſo ſein Netze im Namen des HErrn Jeſu auß geworf -C ijfen[20]Chriſtliche Leichpredigt. fen mit Petro Luc. 5. ſo hat daher Gott auch mit ſei - nem Segen ſein nicht vergeſſen / vnd iſt alſo des herr - lichen Segensbecherlein reichlich gewehret worden:
O jhr andaͤchtigen Trawrleute vnſers Gottes welt jhr ewrem frommen Gott willig vnd trewlich beſcheid thun / daß euch das himliſche Frewden - vnd Ehrenbecherlein nicht entgehe:
II. Accipite calicem ſalutaris tribulationis, nemet an von trewer Vaterhand den herben vnd bit - tern Creutzkelch / denn Gott ſchenckt vns nicht hie eitel Frewden wein ein / ſondern das Angſt - vnd Elends - waſſer iſt bey vns am allergemeinſten / es heiſt offt vi - num non habent, es gebricht an freuden Wein / Joh. 2. aber das iſt gleichwol / wie hie David ſagt / ein heilſa - mer Kelch / Calix ſalutaris, das herbe myrrentruͤncklein bringet vns keinen Schaden vnd verluſt / ſondern heil - ſamen Nutz vnd fromen. Wenn vornehme Wirthszu - ſammenkunfften ſeyn / reitet der Koͤnig zu Boͤhmen als des Reichs Ertzſchencke auff einem ſtatlichen Gaul / fuͤhret einen ſchoͤnen Credentz in der Hand voll einge - ſchenckt mit Wein vnd mit Waſſer vermiſcht / welchen er hernach dem Roͤmiſchen Keyſer præſentiret vnd vberreichet / hier aber fuͤhret Gott ſelber einen Becher in der Hand / den fromen ſchencket er drauß aus Vaͤ - terlicher Zuͤchtigung vnd zu probierung jhres Glau - bens / den Gottloſen aber zur Straffe / das faſſet David zuſammen / Pſal. 75. der HErr hat einen Becher in der Hand / mir ſtarcken Wein voll eingeſchencket / vnd ſchencket aus demſelben / aber die Gottloſen muͤſſen alletrincken[21]Chriſtliche Leichpredigt. trincken vnd die Hefen außſauffen: Freylich ſchenck - te auch der liebe Gott dem frommen David manch bit - teres Truͤncklein ein / daß jhm offt die Augen druͤber vber gingen / er ſuchte aber darmit ſein beſtes vnd nicht ſein aͤrgſtes. Weil denn bey vns der Creutz - vnd Truͤb - ſalsbecher noch ſo gemein iſt / ſo hat er daher ſo viel vn - terſchiedene Namen / Eſa. 57. wird er genennet / der Taumelkelch / Jer. 25. der Becher voll Zorns davon man voll wird / Jer. 51. ein guͤldenen Becher der alle Welt truncken macht / Ezech. 23. wird er genennet ein Kelch des Jammers vnd trawrens.
Dieſer Reyentrunck koͤmpt an vns alle / Angſt vnd Noth iſt vnſer taͤglich Brodt / es bekoͤmpt ein jeder da ſein demenſum Crucis ſein beſcheidenes Truͤnck - lein / drumb ſagt Auguſtin. Nemo ſibi promittat quod Evangelium non promittit, at nihil niſi preſſuras & anguſtias prædicit, ad has nos maturè præparemus. Niemand verſpitze ſich / daß er beym Evangelio auff Roſen gehen werde / es prediget vns von eitel Creutz vnd Truͤbſal / drumb ſollen wir vns bey zeiten darzu ruͤſten vnd fertig machen / in erwegung deſſen ſagt Syr. 2. Mein Kind wilſtu Gottes Diener ſeyn / ſo ſchi - cke dich zur Anfechtung / etc. 2. Tim. 3. Alle die in Chriſto Jeſu Gottſelig leben wollen / muͤſſen Creutz vnd Verfolgung haben. Tertulianus ge - dencket / daß die Chriſten ſchon zu ſeiner zeit ſind Aſi - narij genennet worden / rechte Laſttraͤger wie die Eſel thun muͤſſen / vnd ſchwere Laſt tragen / vnd zwar nicht vnbillich gehet es jetzo ſo her / es heiſt Paſſiones anteC iijhono -[22]Chriſtliche Leichpredigt. honores, ehe man zu Ehren koͤmpt / mus man vorhin wol ſich leiden Prov. 15. wollen wir mit Chriſto erben / ſo muͤſſen wir zuvor mit jhm ſterben / wie Ger - ſon ſagt / Dulden wir ſo werden wir auch mit jhm le - ben vnd herrſchen / 2. Tim. 2. Simus participes laboris & doloris ſi volumus eſſe participes honoris; ſimus conſortes pœnæ & ignominiæ, ſi volumus eſſe con - ſortes gloriæ, ſpricht Rudolphus in die Aſcenſ. Chriſti pag. 508. Wir muͤſſen es vns nicht laſſen ſo bitter vor - kommen / daß wir jetzo in einen ſawren Apffel beiſſen muͤſſen / es wird ſchon zu ſeiner zeit beſſer werden. Die - ſer zeit leiden iſt nicht werth der Herrligkeit die an vns ſol offenbar werden / ſpricht Paulus Rom 8. vmb guter Tage willen darff niemand ein Chriſt werden / plus ul - tra das beſte wird vns biß dorthin geſparet vnd auffge - haben.
Haſt du hie O fromes Hertz in der Welt wenig froͤliche ſtunden / iſt dein Creutzbecherlein jmmer voll mit thraͤnen eingeſchenckt / nim mit deinem Gott gern vorlieb / verzeihe dich willig der vorigen Welt Frew - de / deñ es iſt doch nur eine nichtige vnd fluͤchtige Frew - de darumb / ſie wird offt mit groſſem Hertzeleid bele - get / vnd verſaltzen / vnd heiſt wie Seneca ſagt: Sæpè ipſæ voluptates in tormenta vertuntur, vnd Salomon ſagt / Prov. 14. Extrema gaudij occupat luctus, nach lachen koͤmpt trawren / vnd nach Frewde koͤmpt Leid. Auguſt. ſagt: Mundi lætitia eſt impunita nequitia, der Welt Wolluſt / iſt eine vngeſtraffte Vnluſt / wie auch die Gottloſen Epicurer ſelber druͤber klagen. Sap. 5. Was[23]Chriſtliche Leichpredigt. Was hilfft vns nun der Pracht! es iſt alles dahin ge - fahren wie ein Schatte / dieſer Reyentrunck koͤmpt jm - mer an einen eher als an den andern / es bleibt da bey des HErren. Chriſti enunciato, Joh. 20. Calicem meum bibetis, meinen Kelch ſolt jhr trincken. O wie ruͤmpft ſich offt Fleiſch vnd Blut dargegen / wie la - mentiren wir bald mit Job. 30. mutatus es mihi Do - minein crudelem, HErr du biſt mir verwandlet wor - den in einen grawſamen. O wie ſagen wir da mit Antonio, ô Domine Jesu ubi eras, HErr Jeſu wo wareſt du / wie verbargeſt du dich ſo lang / da ich dein begehrte vnd bedorffte. O wie vngeleitig wil offt der alte Adam werden / wenn es jhm nicht nach ſeinem Kopff gehet / da darff er wol expoſtuliren. Judic. 6. iſt der HErr mit vns / warumb iſt vns dis wiederfahren? Aber was wollen wir vns viel ſpreuſſen vnd widern / ein jeder muß nur hie ſein panem doloris eſſen / Gott macht jhm nichts newes vnd ſonderliches / das wort Becher bedeutet hie nichts anders / als Creutz vnd Elend / Noth vnd Truͤbſal / es iſt offt in dem Creutz - kelch ein zimlicher ſtarcker Wein eingeſchenckt / das iſt / wir empfinden offt zweirley leiden / ein jnnerliches vnd euſſerliches. Jnnerlich wuͤttert ſich offt groſſe Seelen - noth vnd Gewiſſensqual / da wil vns vnertraͤglich werden die Laſt der Suͤnden / der Fluch des Geſetzes / der Fewerbrennende Zorn Gottes vnd dergleichen / da ruffen wir offt vnſer de profundis, Pſal. 30. da ſuͤchtet vns der Satan offt wie den Weitzen / Luc. 22. Euſſerlich fehlets auch nicht an beſchwer / doch muß ei -ner[24]Chriſtliche Leichpredigt. ner jmmer mehr als der ander trincken / etliche thun nur gar ein kleines Truͤncklein / vnd nippen nur gleich drein / die Gott am liebeſten ſeyn / vnd jhm am neheſten ſitzen / die trifft die Reye am aller eheſten / die muͤſſen das meiſte Creutz vnd Elend erfahren. Pſal. 34. Der Gerechte muß hie viel leiden / doch hilfft jhm der HErr auß dem allen / Jerem. 25. ſagt der ewige Gott: Jn der Stadt die nach meinem Namen genennet iſt / fahe ich an zu plagen / Jerem. 49. Sihe / die jenigen die es nicht verſchuldet haben / muͤſſen den Kelch trincken / Ezech. 9. iſt Gottes Sententz: Incipite à ſanctuario meo, hebt an an meinem Heiligthumb. Prov. 3. Heb. 12. wen der HErr lieb hat / den zuͤchtiget er: 1. Pet. 4. das Gericht des HErren hebet an ſeinem Hauſe an. Je lie - ber Kind / je groͤſſer Ruthe laut das bekandte Sprich - wort. Jerem. 30. ſpricht. Gott / ich wil dich zuͤchtigen / doch mit maſſen / daß du dich nicht vor vnſchuͤldig hal - teſt. Clemens Alexandr. ſagt: Proximus Deo pleniſ - ſimus flagellis, Die Gott ſeyn am liebſten / ſeyn jetzo die betruͤbſten / Gott hertzet vnd kuͤſſet ſie offt ſo hart / daß jhnen nicht nur mit Jacob die Huͤfft druͤber ver - rencket wird / ſondern auch wol das Hertz im Leibe kracht vnd bricht / die Gottloſen ſitzen jhm weit / laſſen es jhnen wolgehen / haben jhre Frewdentage ſie ſingen jhr Pax & ſecuritas, es hat kein Noth noch Gefahr / 1. Theſſ. 5. vnd wenn andere vber jhrem Creutzdecher - lein trincken / ſo genitten ſie ſich hergegen jhrer groſ - ſen fidelien vnd Paßglaͤſer / aber es bleibt doch den Gottloſen jhr theil / ſie muͤſſen letzlich die grundſuppevnd[25]Chriſtliche Leichpredigt. vnd die rechten truͤben Hefen außſauffen / daruͤber werden ſie wol zu kewen vnd zu dewen haben in alle Ewigkeit. Setzt dir demnach / O fromes Chriſtenhertz dein lieber Gott ſeinen Creutzkelch fuͤr / muſt du jtzt ſchon zu weilen eſſen dein Brod in aͤngſten / vnd dein Waſſertrincken in noͤthen / Eſa. 30. muſtu deinen Tranck miſchen mit thraͤnen vnd weinen / Pſal. 109. nim jhn willig an / ſage mit David, Pſal. 119. Bonum eſt mihi Domine quod humiliaſti me, HErr es iſt mir gut daß du mich zuͤchtigeſt / denn ſo lerne ich deine Rechte kennen / es geſchicht nicht zufelliger weiſe / ſon - dern alles nach Gottes willen / er legt vns eine Laſt auff / er hilfft ſie vns auch tragen / Pſal. 68. es koͤmpt alles von jhm / Geluͤck vnd Vngluͤck / Reichthumb vnd Armut / lebe[n]vnd todt / Syr. 11. wir werden vom HErren ge - zuͤchtiget / daß wir nicht mit der Gottloſen Welt doͤrf - fen verdampt werden / 1. Cor. 11. es wird nicht ewig dein Creutz wehren / es heiſt doch Thren. 3. der HErr betruͤbet wol / aber er erbarmet ſich wieder / Eſa. 54. ſpricht er Momentum dereliqui te, Jch habe dich nur einen kleinen Augenblick verlaſſen / aber mit groſſer Barmhertzigkeit wil ich dich ſamlen / ſprich Calicem ſalutaris accipiam, Jch wil den heilſamen Kelch nemen / etc. mit Auguſtino: Et cum blandiris & cum cædis Pater es, cædis ne peream, blandiris ne defi - ciam, HErr mein Gott / du biſt vnd bleibeſt mein Va - ter beydes / wenn du mir guͤtlich thuſt / vnd auch auff mich zuſtreichſt / du ſteupeſt mich daß ich nicht verderbe / du thuſt mir ſo viel guts / daß ich nicht im Creutz ver -Dgehe.[26]Chriſtliche Leichpredigt. gehe. Warumb wolteſt du doch dem lieben Gott nicht willig beſcheid thun / hat doch dein Heyland ſelber darzu einen Anfang gemacht mit einem ſehr ſtarcken Trunck / er hat aus dem Bach am Wege getruncken ꝛc. Pſal. 110. vnd ſaget daher / Matth. 20. koͤnt jhr auch den Kelch trincken / den ich trincken werde / er hat vns ſchon das Angſtbecherlein gecredentzt. Vber diß / alle liebe Kinder Gottes haben darauß getruncken / das iſt / jhr Creutz gehabt / wie wolteſt du deñ Bruder vbrig ſeyn / 1. Pet. 4. laß dich dieſe Hitze des Creutzes nicht befremb - den / als wiederfuͤhrs dir etwas ſeltzames. 1. Cor. 10. Gott iſt getrew / er wird dich nicht vber dein Vermoͤ - gen laſſen verſucht werden / ſondern deines Creutzes ſo ein End machen / daß du es wirſt koͤnnen ertragen / er weiß wol quid valeant humeri, noſtri quid ferre re - cuſent, wie ſtarck vnſere Achſeln ſeyn vnd was ſie ertra - gen koͤnnen / es iſt vns das Creutz nicht ſchaͤdlich / ſon - dern nuͤtzlich vnd zutraͤglich / drumb heiſt es ein heilſa - mer Kelch / ob er wol Fleiſch vnd Blut widerwertig iſt / niemand wird gekroͤnt er kempffe den recht. 2. Tim. 2. er wird ſchon ſeine Krafft in vnſer Schwach - heit laſſen maͤchtig ſeyn / 2. Cor. 12. Ebẽ alſo hatte vnſer Selige Herr Porſchnitz auch ſein demenſum crucis. O ein herber Creutztranck war der klaͤgliche Vnfall / vnlengſt mit ſeinem Toͤchterlein Salome. O ein bitter Tranck war ſein ploͤtzlicher / vnd vnverſehener Todes - fall vnd Abſcheid. O ein herbes truͤncklein waren ſeine ſteth anklopffende Gichtſchmertzen: vnd ob er ſchon bis - weilen / bey ſeinem vberheufften Creutzen / Frewden -truͤncklein[27]Chriſtliche Leichpredigt. truͤncklein gethan / iſt es doch darumb nicht bald da - hin angeſehen / daß er in der Helluonum & Lunonum jhre Zeche hette ſigeln wollen / wie es jhm wol von vielen vbel gedeutet worden iſt.
Wolt jhr ewrem trewen Gott recht beſcheid thun.
III. Accipite Calicem ſalutaris Commu - nionis, nemet offt zur Hand den H. Sacramentkelch. Luc. 22. leſen wir / ſo bald der HErr Chriſtus zu gu - ter letzt / mit ſeinen Juͤngern den letzten Valcttrunck gethan / hat er ſtracks drauff das H. Abendmal elnge - ſetzet. Aus was vor Materi der Becher vnd Trinckge - ſchier geweſen / melden die Evangeliſten nicht: die aller Elteſten Vaͤter Irenæus vnd Tertulian. gedencken des Kelches. War iſt es / vorzeiten hat man ex paupertate, aus Armut / eine zeitlang huͤltzerne Becher gebraucht / danher ſagte der Biſchoff vnd Maͤrterer Bonifacius: quondam erant Calices lignei & ſacerdotes aurei, die Becher beym H. Abendmal waren Hoͤltzern / aber die Prieſter waren / alſo zu reden / gleich guͤlden. Die Calviniſten wollen / man ſolte noch beym H. Sacra - ment hoͤltzerne Becher gebrauchen: allein ſie wollen jmmer was beſonders haben vnd ſetzen ſich wider das ſo gut iſt. Prov. 18. hat man doch vorzeiten im Tempel zu Jeruſalem / guͤldene vnd ſilberne Gefaͤß gebraucht. 1. Reg 7. Warumb ſolte es den bey vns eine Suͤnde ſeyn / wenn wir Lutheriſchen aus Andacht ſilberne vnd guͤldene Kelche brauchen beym H. Abendmal. Darzu es hat ſeine ſonderliche ſchoͤne deutung: gleich wie dasD ijGold[28]Chriſtliche Leichpredigt. Gold dem Menſchen das Hertz ſtercket; alſo ſtercket auch das Blut Jeſu Chriſti / vnſere ohnmechtigen Hertzen. Nichts anders / als wie dort das Waſſer den ſtarcken Heldt Simſon erquickte Judic. 15. O dieſes krefftige Sacramenttruͤncklein laſt vns offt vnd gern zn vns ne - men / denn es iſt immortalitatis remedium, eine Spei - ſe vnd Tranck der vnſterbligkeit: drumb nennet es auch Irenæus cibum immortalitatis, eine Speiſe / ſo vns zur Vnſterbligkeit befoͤdert. Ignat. neñet es vitæ medi - camentum, ein Labſal / ſo da ſtercket vnd erhelt zum ewigen Leben / vnd abermal ſagt Irenæus: Corpora no - ſtra Euchariſtian participantia jam non ſunt corru - ptibilia ſed ſpẽ reſur rectionis habentia vnſere leiber / wenn ſie mit dem H. Abendmal verſorget werden / ſind nicht mehr verweßlich / ſondern haben die gewiſſe Hoff - nung der froͤlichen Aufferſtehung. Damaſcenus neñt das H. Abendmal unionem cum Deo, eine Verei - nigung mit Gott / Hilar. redet vom nutz vnd fromen / dieſer herrlichen Sacramentſpeiſe alſo: Hæc acce - pta & hauſta faciunt, ut Chriſtus in nobis & nos in Chriſto maneamus, wenn wir wuͤrdige Tiſchgaͤſte ſeyn beym H. Abendmal / ſo bleibet Chriſtus in vns vnd wir in jhm. O ſihe auch daß du nach erlangtem Abend - mal / fromes Hertz / auff ein newes Leben bedacht ſeyſt. nicht wie die Saw dich bald wider im Kot ſuͤleſt. 2. Pet. 2. enthalt dich von aller befleckung des Fleiſches / 2. Cor. 7. bekehre dich von deinem boͤſen weſen vnd we - gen / Jerem. 25. thue bey zeiten Buſſe / befleiſſige dich eines Gottſeligen Lebens vnd Wandels / ſihe zu daß dunicht[29]Chriſtliche Leichpredigt. nicht mehr ſuͤndigeſt Joh. 5. diene deinem Gott in hei - ligkeit vnd gerechtigkeit ſo jhm gefellig iſt / Luc. 1. gleich wie du deine glieder vorhin begeben haſt zum Dienſt der Vngerechtigkeit / ſo begib ſie nun forthin zum Dienſt der Gerechtigkeit / Rom. 6. laß dein Liecht leuchten vor den Menſchen / daß man deine gute Wercke ſehe / vnd der Vater im Himmel gepreiſet werde / Matt. 5. vbe eine gute Ritterſchafft / behalt glauben vnd gutes gewiſſen / 1. Tim. 1. befleiſſige dich einen gu - ten Wandel zu fuͤren / Ebr. 13. beſſere dein boͤſes thun. Jerem. 18. Kehre wieder du abtruͤnniges Kind / Jer. 3. waſche vnd reinige dich / thue dein boͤſes weſen weg von dir. Eſa. 1. O das vnbußfertige Suͤndenleben / O die ſchendliche Verachtung der H. Sacramenten / das ſchreckliche Sacramentiren ſo man allenthalben trei - bet / die euſſerſte verſtockung / daß man alle trewhertzige Vermahnungen verlacht vnd nichts achtet. Eben das bringt es zu wege / daß wir bißher ſolche groſſe Straf - fen Gottes haben erfahren muͤſſen / vnd daß noch der Vnſchuͤldige mit dem Schuͤldigen herhalten muß. Darumb / O wer Ohren hat zu hoͤren der hoͤre / Luc. 8. verſtopffet bey leibe ewre Ohren nicht / wie die truͤbe Otter jhre Ohren zuſtopffet / daß ſie nicht hoͤre die Stimme des beſchwerers / Pſal. 58. verſtocket ewre Her - tzen nicht / wie zu Meriba geſchach / Num. 14. vnd zu Maſſa in der Wuͤſten / Exod. 17. das Gott nicht zu kla - gen vrſach habe. Pſal. 95. Es ſind leute derer Hertz jm - mer den Jrrweg wil / vnd die meine Wege nicht ler - nen wollen. O ſeyd nicht wie Roß vnd Maͤuler inD iijwelchen[30]Chriſtliche Leichpredigt. welchen kein Verſtand iſt / Pſal. 32. O verſpaͤtet euch nicht mit mutwilliger verſeumniß des H. Abendmals / ſondern ſtellet euch bey zeiten ein / weil euch noch die Thuͤr offen ſtehet zu ſeinem Gnadenreich / es heiſt doch wie Auguſt. ſagt: Paratus eſt Deus dare indulgen - tiam, noli modò opponere obicem defenſionis ſed aperi ſinum Confeſſionis: Das iſt / Gott iſt bereit / dir die Suͤnden zuvergeben / wenn man nur dieſelben nicht bemaͤntelt noch entſchuͤldiget / ſondern frey vnd rund herauß bekennet / Drumb ſehet gar wol zu / jhr vnbeſonnenen procraſtinatores / daß jhr nicht ſelbſt gut - vnd mut-willig die rechte angeneme zeit verſcher - tzet / vnd euch nicht eben das begegne / was den toͤrich - ten fuͤnff Jungfrawen wiederfahren iſt / Matth. 25. nemlich daß euch die Gnadenthuͤr verſchloſſen vnd her - nach nicht auff gethan werde / den Serò quæritur ſalutis remedium, cum imminet mortis periculum, ſagt Bernhardus, wenn man alsdann allererſt wil Huͤlffe begehren / wenn vns ſchon die Seele auff der Zungen ſitzet / ſo iſt es als den viel zu lange geharret. Pœni - tentia ſera rarò eſt vera, ſagt Hieronym. ſpate Buſſe iſt ſelten ware Buſſe. Es koͤmpt denn ſolchen Ge - ſellen heim was wir ſingen: Jch fuͤrchte fuͤrwar die Gottliche Gnad / die er allzeit verſpottet hat / wird ſchwerlich ob jhm ſchweben / es fehlet da nicht was Au - guſtin. ſagt / Contemptores Sacramentorum privan - tur etiam gratia Sacramentorum, Die die H. Sa - cramenta verachten / muͤſſen auch der herrlichen Sa - cramentſchaͤtze vnd angebotener Gnade Gottes verlu -ſtig[31]Chriſtliche Leichpredigt. ſtig ſeyn. Gott drewet jhnen ſie ſollen ewig Hunger vnd Durſt leiden / Eſa. 65. ſie ſollen ſein groſſes Abend - mal nicht ſchmecken / Luc. 14. er wil dieſe ſchnoͤde ver - achtung vnd verſaͤumniß ſtraffen mit dem ewigen vnd andern Tode / Apoc. 20. da wird jhr Wurm nicht ſterben / jhr Fewr nicht außleſchen / Eſa. 66. mors optabitur ſed non dabitur, ſie werden zwar den Tod ſuchen aber nicht finden / Apoc. 9. Bernh. ſpricht / Sic morientur damnati ut ſemper vivant, & ſic vivent ut ſemper moriantur, ſo werden die verdampten ſter - ben / daß ſie fort vnd fuͤr leben / ſie werden aber auch ſo leben daß ſie zu gleich ewig ſterben vnd doch wie Bona - vent. ſagt / nimmermehr ſterben / leiden vnd nimmer - mehr außleiden / brennen vnd doch nimmermehr ver - brennen. Gregor. ſagt dannenhero: Exit mors ſine morte, ſinis ſine fine, defectus ſine defectu. O Jam - mer vnd Noth / O Elend ohne End / O ſterben ohn ſter - ben / O ſeufftzen vnd weinen / O Jammer vnd heulen / das nimmermehr auffhoͤren wird. Sie werden ruffen / Apoc. 6. O jhr Berge fallet vber vns / O jhr Huͤgel bedecket vns. O fromme Hertzen macht es derwe - gen jetzt alſo / daß jhr die Jammerklage / mit den ver - dampten im helliſchen Pfuel nicht fuͤren doͤrfft / heut weil jhr noch die Stimme des HErren hoͤret / ſo ver - ſtopffet ewre Hertzen nicht / Pſal. 95. ſchafft mit furcht vnd zittern / daß jhr ſelig werdet / Phil. 2. Eben vnter den Bußfertigen Converſen, hat ſich auch vnſer ſeli - lige Herr Porſchnitz befinden laſſen / vnd weil er an ſich befunden einen groſſen defect / hat er offt mit demarmen[32]Chriſtliche Leichpredigt. armen Zoͤlner ſein / Eſto propitius ſey gnedig mir ar - men Suͤnder offt intoniret, Luc. 18. vnd ob er zu guter letzt dis viaticum das Heilige Abendmal nicht / wie hertzlich gern ers gewuͤnſcht hat / hat hafft werden koͤn - nen / weil ſein End ſo gar ploͤtzlich vorhanden geweſen zweiffeln wir doch nicht / Gott werde finale cordis de - ſiderium erhoͤret / vnd jhn zu gnaden auffgenommen haben.
Wollet jhr Gott ſeine Becher hie trewlich be - ſcheid thun / daß euch der himliſche Frew - denbecher nicht entgehe vnd entzogen werde.
IV. Accipite calicem ſalutaris conſolatio - nis, Nemet zur Hand vnd macht euch gefaſt mit dem heilſamen Troſtkelch. Denn weil der ElendsWein dem alten Adam ſo gar ſawer vnd herbe vorkoͤmpt / ſo dulceriret jhn der liebe Gott / vnd ſchenckt darneben ſeinen Liebhabern auch Troſt Wein welcher alle Bit - terkeit durchſuͤſſet / da heiſt es denn wie Pſal. 94. ſte - het: Jch hatte viel bekuͤmmerniß in meinem Hertzen / aber deine troͤſtungen erquicken meine Seele / das iſt Calix exuberans ein vberfluͤſſiger Becher voll Evan - geliſchen Troſtes / der macht vns gleich geiſtlich trun - cken / man bekoͤmpt davon Fried vnd Frewd im Her - tzen vnd fuͤrchtet ſich vorm zeitlichen Tode lauter aus nichts / der Troſtwein macht vns ſo frewdig vnd mutig zum Creutz / daß mir keines Vngluͤcks achten / ſondern ſagen noch mit Paulo Gloriamur in afflictionibus, wirruͤmen[33]Chriſtliche Leichpredigt. ruͤmen vns vnſer Truͤbſal / deñ Truͤbſal bringt Gedult / Gedult bringt Erfahrung / Erfarung bringt Hoff - nung / Hoffnung aber leſſet nicht zu ſchanden werden. Rom. 5. Wenn dir demnach O Gottſeliges Hertz dein liebſter Heyland vnd Seligmacher fuͤrſetzt den herben Creutzbecher / nim jhn an in aller Demuth / dencks / der HErr Chriſtus kan ſelber nicht damit verſchonet blei - ben / ſprich / O mein allerliebſter treweſter Jmmanuel / HErr Jeſu vermiſche mir den vor geſetzten Angſtwein mit herrlichem Evangeliſchem Troſtwein / wircke Ge - dult in meinem Hertzen daß ich in meinem Elende nicht vergehe. O liebſter HErr Jeſu / beteſt du doch ſelber da du den trawrkelch ſchmeckeſt zu dreyen vnter - ſchiedenen malen: Vater iſt es moͤglich / ſo gehe dieſer Kelch von mir / doch nicht mein ſondern dein Wille ge - ſchehe. Matth. 26. Schencket auch dir / oder den deinen der ewige Gott ein / den bittern Todeswein / die be - ſtimbte Zeit iſt aus / Job. 14. der Todt koͤmpt deinem Fleiſch vnd Blut nicht ſuͤſſe an; Ey ſey getroſt / Gott wird dich ſchon ſtercken vnd krafft geben / daß du des Todes quaal nicht fuͤhlen wirſt. O dancke deinem Gott im Tode / ſo wirſtu vieles elendes loß / deñ wir ha - ben ja nur einen Thraͤnenthal / Pſal. 84. ſeen aus mit weinen / Pſal. 126. aber im Todt ſingſt du dein requiem mit Simeone. Luc. 2. Nunc dimittis HErr nu leſt du deinen Diener vnd Dienerin im Friede fahren / da koͤmpt deine Seel in Gottes Hand / Sap. 3. da fehreſt du vber das wilde vnd wuͤſte Meer dieſer Welt an den Port vnd Vffer ewigen Lebens / der zeitliche Tod iſtEdir[34]Chriſtliche Leichpredigt. dir vnd den deinen nur aditus ad vitam & janua ad æternam ſecuritatem, wie Bernhardus ſaget / drumb ſo ſey mitten im Tode getroſt / Prov. 14. ſage mit Da - vid vnd Babyla. Pſal. 116. Revertere anima mea inre - quiem tuam, ſey nu wieder zu friede meine Seele / denn der HErr thut dir gutes: mit Paulo ſprich Philip. 1. vita mihi Chriſtus mors mihi dulce Lucrum, Chri - ſtus iſt mein Leben / dem habe ich mich ergeben / ſterben iſt mein Gewin / drumb fahr ich mit frewden dahin. Den Gottloſen ſchencket Gott einen herben vnd bittern Todeswein ein / ſie fuͤlen nicht nur quaal am Leibe / ſondern ſie haben auch groſſe Vnruhe von jhrem boͤſen Gewiſſen / das martert vnd peiniget ſie aͤrger als kein Hencker / da es heiſt von den fromen / Pſal. 116. pretio - ſa eſt mors ſanctorum in conſpectu Domini, der Tod ſeiner heiligen iſt werth gehalten fuͤr dem HErrn / ſo heiſt es dargegen von den Gottloſen / Pſal. 34. Mors impiorum peſſima, welches Herr Lutherus alſo ver - tiret vnd gegeben hat / den Gottloſen wird das Vn - gluͤck toͤdten: jhr todt iſt Janua ad mortem ſecundam, ein Thuͤr vnd Eingang zum andern vnd ewigen todt. Aber wenn frome Hertzen nur trincken aus dem Troſt - becher / ſo fahren ſie mit Fried vnd Frewd dahin / ge - troſt iſt jhnen jhr Hertz vnd ſinn / es heiſt da Securus moritur qui ſcit ſe morte renaſci, mit dem ſtirbt ſichs gar wol / der da weiß ob er gleich ſtirbet daß er doch wie - der leben werde / er ſaget mit David / Pſal. 73. HErr wenn ich nur dich habe ſo frage ich nichts nach Himmel vnd Erden / wenn mir gleich Leib vnd Seel verſchmach -tet /[35]Chriſtliche Leichpredigt. tet / ſo biſtu doch allezeit meines Hertzens Troſt / vnd mein theil. Ein ſolch gleubiger Chriſt / ſaget mitten in ſeinen todeszuͤgen mit Job. 13. Ob mich gleich der HErr gar toͤdtet / ſo wil ich doch auff jhn hoffen. Eben auß dem Troſtbecherlein / hat der ewige Gott vnſerm ſeligen Herrn Porſchnitz geſchenckt / drumb muſt er nicht lang ſiechen vnd auff ſeinem Kranckbetlein ge - quaͤlet werden / ſondern er iſt gar ſanfft vnd ſtill / ohn allen vngeberd / ehe man es faſt gewar worden / davon gezogen vnd eingeſchlaffen / er muſte des todes Bitter - keit nicht ſchmecken. Joh. 8.
V. Accipite Calicem ſalutaris precationis, Nemet zur Hand den heilſamen Betkelch / wolt jhr hie Gott willig beſcheid thun. Nach der Hebraiſchen ſprach / ſind die letzten Worte vnſers Leich Aphoriſmi ſo vertiret vnd gegeben: Nomen Jehovæ invocabo, ich wil den Namen des HErren anruffen. Ach ver - geſſet jhr des lieben Gebets nicht / denn wir haben ja jetzo elende vnd boͤſe Zeit erlebet / Chryſoſt. ſpricht / dies malos facit hominum malitia, der Menſchen Suͤnd vnd Boßheit machet / daß heutiges Tages ſo viel Noth vnnd Gefahr vorhanden iſt / ſie verderben jhnen ſel - ber mit allerhand boͤſem jhren Wolſtand / daß ſo boͤſe zeit iſt / Epheſ. 5. daß jetzt gleich das boͤſe Stuͤndlein iſt ankommen / Eph. 6. Denn iſt jetzo nicht / anderer Laſter zugeſchweigen / die Liebe erkaltet in der Menſchen Her - tzen / Matth. 24. muͤſſen wir nicht jetzo / bey dem ſo hochgeſteigerten Tewrungsweſen ſingen: Wo blei - bet die bruͤderliche Liebe / die gantze Welt iſt vollerE ijDiebe /[36]Chriſtliche Leichpredigt. Dieb / kein Trew vnd Glaub iſt in der Welt / ein jeder ſchreit / hett ich nur Gelt: Ein ſolche zeit nimbt jetzt vberhand / betriegen liegen iſt kein Schand. O da darffs wol betens / da moͤgen wir wol mit dem alten Polycarpo Exclamiren, ô Domine, in quæ nos reſer - vaſti tempora, O lieber Gott was verkuͤmmerliche zei - ten haſt du vns doch erleben laſſen / da man nichts gu - tes ſihet / nichts gutes hoͤret / nichts guts erfaͤhret / ach laſt vns ſagen / Veni Domine, etiam veni & noli tar - dare, Apoc 22. Ach kom HErr Jeſu vnd ſey nicht lan - ge / deiner wart ich mit verlangen. Weil auch viel impedimenta vnd hinderniß ſeyn / die vns offt vom Be - kentniß des Glaubens (zumal wann ein wenig Gefahr wie jetzo drauff ſtehet) koͤnnen abhalten / ſo ſollen wir deſto fleiſſiger beten / daß Gott den Glauben in vns ſtercke / vns leite auff rechtem Wege / vnd vns gefaͤß ſei - ner ehren vnd Barmhertzigkeit biß an vnſer Ende wolle ſeyn vnd bleiben laſſen / er wolle vns in der Gott - ſeligkeit laſſen wachſen vnd zunehmen / nicht aber ab - nehmen / er wolle Gnad geben / daß wir nicht mit Loths Weibe vns nach dem zeitlichen vmbſehen / Gen. 19. denn wer einmal die Hand an Pflug geleget hat vnd ſihet zuruͤck / der iſt nicht geſchickt zum Himmelreich / Luc. 9. O es iſt noch lang nicht genug ein gut funda - ment vnd grund der Seligkeit legen / ſondern es ge - hoͤret auch darzu perſeverantia, Beharrligkeit / denn ſtare in via Domini eſt retrogredi, Stillſtand iſt ein Ruͤckgang / fruſtrà currit q[ui]prius deficit quàm ad metam pervenit ſagt Gregor: der leufft vergebensvnd[37]Chriſtliche Leichpredigt. vnd vmbſonſt der eher auchhoͤret als er das vorgeſteck - te ziel erreicht / er wird das Kleinoth nicht erlangen / 1. Cor. 9. O wehe denen ſo zuruͤck weichen / Apoc. 3. Eſto fidelis uſq́; ad mortem, ſey getrew biß in Todt / Apoc. 2. kempff einen guten Kampff / 2. Tim. 4. ſo wirſt du empfangen die vnverwelckliche Kron des Lebens / 1. Pet 5. weil es aber nicht ſteht in vnſern kraͤfften / ſo ſeufftze ſtets / verley mir auch Beſtendig - keit / zu meiner Seelen Seligkeit / vnd abermals ſage: Laß mich dein ſeyn vnd bleiben / mein trewer Gott vnd HErr / von dir laß mich nichts ſcheiden / halt mich bey reiner Lehr / O HErr laß mich nicht wancken / gib mir beſtendigkeit / dafuͤr wir ich dir dancken in alle Ewig - keit.
Wollet jhr jetzo in dem Leben ewrem Gott trew - lich beſcheid thun. O fromme Trawerhertzen:
[VI. ]Accipite calicem ſalutaris gratiarum actionis, Nemet auch zur Hand den heilſamen Danck - kelch: denn wenn David ſagt / Jch wil den heilſamen Kelch nemen / vnd des HErren Namen predigen / ſo erbeut ſich darmit der liebe Gottesman / er wolle Gott ſein koͤſtliches Danckopffer bringen vnd jhn vor ſeine Wolthaten ruͤhmen vnd preiſen. Eben alſo ſollen wir auch Gott fuͤr erzeigte wolthaten loben / zumal wenn er vns aus groſſer noth errettet hat / da ſollen wir vnſer Seelelein anreden aus dem 103. Pſal. Lobe den HEr - ren meine Seele / vnd was in mir iſt ſeinen heiligen Namen. Wir ſollen bey leibe Gottes Wolthaten nicht geringe ſchaͤtzen / nicht nur oben hin anſehen / damitE iijGott[38]Chriſtliche Leichpredigt. Gott nicht zu vns ſage / Deut. 32. danckeſtu alſo dem HErren deinem Gott du Gottloſes toͤrichtes Volck. Werden wir wie die Jſraeliten Gottes wercke bald ver - geſſen / Pſal. 106. ſo wird es heiſſen / Prov. 17. non re - cedet malum de domo ingrati, das Vngluͤck wird von dem Hauſe des vndanckbaren nicht weichen: Bern - hardus ſagt: Ingratitudo eſt quaſi ventus exſiccans fontem bonitatis divinæ, die Vndanckbarkeit iſt wie ein ausdoͤrrender Windt / der den Brunnen der Gna - den vnd Barmhertzigkeit Gottes gleich auß trucknet. Daher vermanet vns Paulus / Coloſſ. 3. Saget danck allezeit / dem Vater vnſers HErren Jeſu Chriſti fuͤr alles. O es iſt ein koͤſtlich ding dem HErren dan - cken vnd lobſingenſeinem Namen / Pſal. 92. Diſca - mus ergòlaudes in terris, quas facturi ſumus in Cœlis, ſagt Bernhardus, O laſt vns hie zum loben vnd dan - cken einen guten Anfang machen / damit wir es dort hinaus fuͤren koͤnnen / daß es heiſſe / Pſal. 89. Miſeri - cordias Domini cantabo in æternum, Jch wil von der Barmhertzigkeit des HErren ſingen jmmer vnd ewig - lich / da wird dort vnſer froͤliches danck-vnd triumph - Liedlein lauten / Mors ubi aculeus, Tod wo iſt dein Stachel / Hell wo iſt nun dein Sieg / Gott ſey lob vnd danck / der vns den Sieg gegeben hat durch vnſern HErren Jeſum Chriſtum / 1. Cor. 15. Eben alſo ſingt auch jetzo vnſer Herr Porſchnitz ſeliger / ſein froͤliches Confitemini ſein Mund iſt voll lachens vnd lobſingens. Pſal. 126.
Wenn[39]Chriſtliche Leichpredigt.Wenn jhr nu dieſe Becher alle beſcheid ge - than habt / ey da greifft nun vollends zum beſten Reyentrunck.
VII. Accipite Calicem ſalutaris æternæ Glorificationis, Nemet mit frewden an den himliſchen Frewdenbecher / was jetzo ſichere Gottloſe vnd Epicu - riſche Hertzen ſeyn / die ſollen dermaleines Calicem fu - roris & iræ, den Kelch des grimmes vnd zornes / in der tieffen Hellen glut mit groſſem Zetergeſchrey ſauffen / da wird man jhnen nicht mehr aus dem Troſtbecher zu trincken geben / Jerem. 16. Cap. das ſol ſie billich in der Gnadenzeit zur Buß antreiben / ſonſten wirds jh - nen gehen nach den Worten / Eſa. 51. du haſt von der Hand des HErren den Kelch ſeines Grimmes getrun - cken / du ſolſt nu die Hefen des Taumelkelches außtrin - cken vnd die Tropffen lecken. O es ſeufft jetzt mancher mit dem reichen Schlucker / Luc. 16. vnd helt mit jhm zeche / er ſchlefft aber den Rauſch wieder aus / dort wer - den die Gottloſen ewig taumeln / helliſch Fewr / Schwefel vnd Pech wird jhr beſter Tranck ſeyn / vnd wenn ſie gleich nicht gern werden trincken wollen / ſo werden jhnen doch die Teuffel mit Gewalt den Rachen auffſperren vnd ſolchen Zornwein drein gieſſen / Pſal. 11. der HErr wird vber ſie regnen laſſen Plitz / Schwefel vnd Fewr / vnd den Gottloſen ein Wetter zu lohn geben. Wenn du demnach O frommes Hertz an das erbaͤrmliche helliſche Sauffweſen gedenckeſt / ſo erſchrick dafuͤr vnd bete / mit der Chriſtlichen Kirchen /Ey[40]Chriſtliche Leichpredigt. Ey du ſuͤſſer Jeſu Chriſt / der du Menſch geboren biſt / behuͤt vns fuͤr der Hellen. Hergegen wird dort der barmhertzige Gott ſeinen gleubigen / im ewigen Le - ben einſchencken einen herrlichen Frewdenwein / da wird nicht das geringſte Creutztroͤpfflein weder auff vnſer Zung noch Hertz fallen: Inebriabuntur ab vber - tate domus tuæ, ſie werden truncken von den reichen Guͤtern deines Hauſes / du trenckeſt ſie mit Wolluſt / als mit einem Strom / Pſal. 36. Hie iſt es in der Welt mit frommen Chriſten ſo beſchaffen / ob ſie ſchon biß - weilen ein Frewdentruͤncklein thun / ſo folgt doch bald darauff / wie jener ſagte poſt ſuͤſſum ſawrum / aber dort wird Frewde die fuͤlle ſeyn / vnd liebliches weſen zur rechten Gottes jmmer vnd ewiglich / Pſal. 16. da wird vns der HErr fuͤhren in ſeinen Weinkeller / Cantic. 2. da wird ſeyn.
1. Conventus præclariſſimus, die aller beruͤmſte vnd vornemſte Zuſammenkunfft der allerbeſten vnd vertrawlichſten Freunde / hie gibt es jetzund viel hemi - ſche betriegliche Geſellen die einem andern / alle ſeine Worte ſtracke auffahen / alle ſein thun vnnd be - ginnen vbel deuten / da muß Jerem. 9. ſchreien: ein jeglicher huͤte ſich vor ſeinem Freunde vnd traw auch ſeinem Bruder nicht / ꝛc. daher vns jetzo / Syr. 6. er - innert: vertraw vnter tauſend kaum einem. Sap. 5. dort wird der gerechte ſtehen mit groſſer Frewdigkeit wider die / ſo jhn veracht haben. Jm ewigen Leben wird ſeyn.
2. Sermo ſanctiſſimus, die lieblichſten Geſprech /da[41]Chriſtliche Leichpredigt. da wird vns Gott ſelbſt erzelen / wie es ſein will geweſt / daß er vns hab laſſen ſterben / Pſal. 90. Ohne ſeinen willen ſey vns nicht ein Haar von vnſerem Haͤupte ge - fallen / Matth. 10. da wird er vns erzehlen / wie er die Menſchen Kinder ſo lieb habe / Deut. 33. wie er nichts haſſe was er geſchaffen / Sap. 11. wie ſeine Weißheit ge - ſpielet habe auff dem Erdboden / vnd wie ſeine groͤſte Luſt ſey vnter den Menſchen Kindern / Prov. 8. da wer - den ſich die außerwehlten Gottes Kinder mit einander vnterreden von der groſſen Herrligkeit / die ſie im ewi - gen Leben antreffen werden. Gaudebunt propter lo - ci amœnitatem, quam poſſidebunt, propter jucun - dam ſocietatem, in quâ regnabunt, propter corpo - ris & animæ glorificationem, quam habebunt, pro - pter Mundum quem contempſerunt, propter infer - num, quem evaſerunt, wie alſo Bonoventura redet / Frewen werden ſich die Außerwehlten newen Him - melsbuͤrger vber der koͤſtlichen Wohnung die ſie ein - bekommen werden / vber der lieblichen Geſellſchafft / zu der ſie gerathen werden / vber der herrlichen verkle - rung / die Leib vnd Seel haben wird / frewen werden ſie ſich daß ſie nu der Welt / der ſie ein Dorn geweſen aus den Augen kommen / frewen werden ſie ſich / daß ſie dem tieffen Hellenſchlund / entgangen ſeyn / davon werden ſie vntereinander die holdſeligſten Geſpraͤche halten.
Jm zukuͤnfftigen ewigen Leben wird ſeyn.
3. Cantus ſvaviſſimus, die lieblichſte Muſica wird da erklingen / drumb ſagt David / ich wil de[s]HErren Na -Fmen[42]Chriſtliche Leichpredigt. men verkuͤndigen / ruͤhmen vñ preiſen / da werden eitel In dulci Jubilo gefallen / darumb daß wir auß dem To - de zum Leben hindurch gedrungen ſeyn / Joh. 5. daß der HErr Chriſtus an vns ſeine verheiſchung / Joh. 14. Jch lebe vnd jhr ſolt auch leben / war gemacht hat: da werden wir alsdenn mit Abraham / Jſaac vnd Jacob im Himmelreich zu Tiſche ſitzen / Matt. 8. wir werden ſatt werden / wenn wir erwachen nach Gottes Bilde / Pſal. 17. da wird ewige Wonne vnd Frewde vber vn - ſerem Haͤupte ſchweben / trawren vnd ſeufftzen wird fern von vns muͤſſen / Eſa. 35. da wird der Gott El ſchad - dai, alles in allem ſeyn / 1. Cor. 15. da wird der Mon - denſchein ſeyn / wie der Sonnenſchein / Eſa. 30. da wird alles new ſeyn / Apoc. 21. da werden wir bey dem HEr - ren ſeyn allezeit / 1. Theſſ. 4. Ibi Deus erit ſanctorum ſatietas, vita & ſalus, ſagt Auguſtinus, iſt eben das / was Chriſtus verſpricht / Joh. 10. ſie werden leben vnd vol - le genuͤge haben. O HErre Jeſu hilff / daß wir alle auff dieſen himliſchen Reyen - Frewden - vnd Ehren - becher deine Gaͤſte ſeyn vnd ewig bleiben. Eben alſo iſt es nu auch der Seelen nach bewand / mit vnſereꝛ Seligen Leich / dem Herrn Porſchnitz / ob er wol ein herbes bit - teres Truͤncklein hat thun muͤſſen / ſo wird jhm doch jetzt vor den Leidwein voll eingeſchenckt der beſte him - liſche Nectar, das iſt / er iſt bey Gott in ewiger Frewd / Pſ. 23. der Herr ſchencket jhm voll ein / gutes vnd barm - hertzigkeit folgen jhm ſein Lebenlang / vnd er wird nu im Hauß des HErren bleiben jmmer vnd ewiglich. Drumb redet er nu zu guter letzt die lieben Seinen mitver -[43]Chriſtliche Leichpredigt. verſchloſſenem Munde an: Meinen Abſchied niemand beweinen ſol / ich lebe in Gott vnd mir iſt wol. Frey - lich iſt jhm wol / er wird in dem Schoß Jeſu Chriſti jetzo getroͤſtet / lieblicher als einen ſeine Mutter troͤſten kan / Eſa. 66. Vnd diß ſey genug von vorhabender Pro - poſition. Repetitio facta, addito voto.
Wir beſchlieſſen nun hierauff vollends mit dieſem ſeligen vnd ſehnlichen Wunſch:
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