PRIMS Full-text transcription (HTML)
[1]
Ein Chriſtliche Leichpredigt /
Bey der begrebnis des Erbarn vnd wolgelarten / Sigiſmundi Pe - tzelij von Lobſchuͤtz / aus der Schleſien / gehal - ten in der Pfarrkirchen zu Wittenberg / den 26. Auguſti / Anno 1583.
Wittenberg. Gedruckt beySimon Gruͤneberg.
[2][3]
Dem Ehrnueſten Wolgelarten Herrn M. Jo - hanni Meiſſnern / Buͤrgern zu Breslaw / etc. Mei - nem guͤnſtigen Herrn vnd Freunde in Chriſto.

GOttes gnad vnd ſegen / durch Chriſtum / neben erbietung meiner wil - ligen dienſte vnd gebet zuuor. Ehrnue - ſter / hoch gelarter / guͤnſtiger Herr vnd Freund / Wie es ein alter loͤblicher vnd Chriſtlicher gebrauch iſt / das man bey den begrebniſſen fromer Gottſeligen Leut / einen Chri - ſtlichen Sermon vnnd erinnerung an die lebendigen thut / damit ſie ſich auch zu jhrer letzten hinfart mit Chriſtlichem Glauben / vnd Gottſeligem wandel ruͤ - ſten lernen / Alſo iſt es billich / das in wolbeſtelten Kirchen ſolcher gebrauch fort getrieben vnd erhalten werde. Dann es zumahl gantz vnchriſtlich were / die jenigen / welche bey jhres leibs leben / Tempel des heiligen Geiſtes / der in jhnen gewohnet hat / geweſen ſind / alſo wie das Vnuernuͤnfftige vieh hinweg zu - werffen / vnd nicht etwas mehrers bey jhrem toͤdlichen abgang zugedencken oder zuthun. Daher alle hei - ligen Gottes zu jeder zeit / mit jhren Todten ſorgfeltig vmbgangen ſind / vnd vleis fuͤrgewendet / damit ſie ja ehrlich zu der erden beſtattet werden / Wie aus den be - grebnuſſen der Sara / des Abrahams / Jſaac / Ja - cobs / vnd anderer / zuſehen iſt.

A 2Dieweil[4]Vorrede.

Dieweil auch gemeiniglich gottſelige Chriſten / jhr leben in dieſer Welt alſo angeſtellet haben / das aus demſelben allerley Chriſtliche Tugenden / andern zum exempel vnd nachfolg / fuͤrgeſtellet werden koͤnnen / wel - che nicht allein dazumahl / wenn man die Leich fuͤr augen hat / den leuten mehr zu hertzen vnd gemuͤht ge - hen / ſondern auch hernach jederzeit nuͤtzlich vñ frucht - barlich koͤnnen betrachtet werden. So ſind auch jr viel nicht damit genuͤget / das ſie den verſtorbenen bey der Begrebnus ein ehrlich zeugnus gegeben habẽ / ſon - dern faſſen daſſelbig auch in Schrifften / vnd theilens andern mit / auff das alſo der gerechten gedechtnus (vermoͤg der verheiſſung im 112 Pſalm) ſo viel muͤg - lich / moͤge ewiglich bleiben. Wie dann der heiligen Vaͤter etliche / ſonderlich aber Gregorius Nazianzenus vnd Auguſtinus, in dieſem ſtuͤck ſich ſehr geuͤbet haben.

Vnd ſolchs ſind wir ſchuͤldig der liebe / welche wir gegen ſolche Gottſeligen Chriſten tragen / dieweil wir wiſſen das vnſer Lieb vnd vereinigung / welche wir vntereinander in Chriſto haben / nicht mit dem Tod auffhoͤret / ſondern ſich auch durch den Tod bis in je - nes leben erſtreckt / in welchem vnſer lieb vnd freundt - ſchafft erſt recht in Gott volkommen ſein wird. Vnd wie vnſer lieber Herr vnd heiland Chriſtus / den Laza - rum / da er ſchon geſtorben war / ſeinen Freund nen - net / alſo bleiben auch alle die / welche Gottſelig inChri -[5]Vorrede. ſto Jeſu entſchlaffen / noch vnſere Freund / nach dem Tod / denen wir auch aus lieb alles nachreden vnnd thun ſollen / was jhnen zun ehren vnnd Chriſtlichem rhum gereichen mag.

Dieſer Chriſtlichen lieb vnnd freundſchafft / wie mich beduͤnckt / mus ich auch dieſes zuſchreiben / das der Erbar vnnd Wolgelarte Sebaſtianus Guͤnther von Breſslaw / jtziger zeit ein Studioſus Iuris bey vns all - hier / ſich nit allein anfenglichs / da ſein guter Freund Sigiſmundus Petzelius (welches er in ſeiner Kranck - heit / getrewlich / beſtendiglich / vnd gantz bruͤderlich ge - pfleget vnd gewartet hat) geſtorben / mit vleis bemuͤhet hat / das jm ein ehrlich begrebnus / ſampt einer Chri - ſtlichen Leichpredigt moͤchte gehalten werden / ſondern auch hernach mehrmal bey mir angehalten / das ich ſolche ſchrifftlich faſſen / ſeinẽ verſtorbenen liebẽ freund zu ehren in den druck geben / vnd E. E. als des verſtor - benen freundlichen lieben Schwagern / dediciren ſolte.

Ob nu wol anfenglichs / ſolchs zuthun ich et - was bedencken getragen / in betrachtung / das (die war - heit zubekennen) meine Predigten gering vnd ſchlecht / die Iudicia aber der Leut jetziger zeit ſeltzam vnnd mancherley ſind / dennoch weil Ehr zum offtern dero - wegen bey mir anregung gethan / mich auch deſſen bericht / das E. E. als dem Schwagern ſo wol der loͤb - lichen freundſchafft daran zu willen vnd gefallen ge -A iijſchehe /[6]Vorrede. ſchehe / ſo hab ich auch fuͤr billich geachtet / ſolchem ſuch - en ſtat vñ raum zugeben / der hoffnung vnd zuuerſicht / weil ſolchs geſchicht dem Sigiſmundo / welcher ſeliglich in Got entſchlaffen iſt / zu ehren / vñ es vieleicht auch bey andern nicht gar ohne nutz vnd frucht abgehen moͤch - te / ſo werde E. E. jhr ſolches mein / vnd des Sebaſtiani Guntheri fuͤrhaben vnd thun nicht misfallen laſſen / ſondern mit freundlichem willen auff vnd annemen. Thue hiemit E. E. ſampt der gantzen loͤblichen Freund - ſchafft des Sigiſmundi Petzelii, ſeligen / dem getre - wen lieben GOTt in ſeinen anedigen ſchutz vnd ſchirm von hertzen befehlen. Datum Wittenberg / jm Jahr Chriſti 1583.

E. E. Dienſtwilliger Polpcarpus Leiſer D.

[7]Leichpredigt.
Geneſ. 2.

VNd Gott der HERR nam den Menſchen / vnd ſatzt jhn in den garten Eden / das er jn baw - et vnd bewaret. Vnd Gott der HErr gebot dem Menſchen / vnd ſprach: Du ſolt eſſen von aller - ley bewme im Garten / aber von dem bawm des Er - kentnis gutes vnd boͤſes ſoltu nicht eſſen. Denn wel - ches tages du dauon iſſeſt / wirſtu des Todes ſterben.

Auslegung.

GEliebte in Chriſto Jeſu / es iſt ſehr nuͤtz vnd gut / das alle Chriſten / viel vnd offt betrachten / den herlichen vnd fuͤrnemen. Stand / zu welchem Gott der Herr anfenglich vnſere erſte Eltern erſchaffen hatte / vnd dann auch den Jaͤmmerlichen vnd betruͤbten zu - ſtand / in welchen ſie vnd wir / durch liſt vnd betrug des leidigen Sathans / auch fall vnd vngehorſam der - ſelben vnſerer erſten Eltern gerathen ſind. Dann ſolche be - trachtung erweckt in vns rechte erkentnus vnſerer ſuͤnden / treibet vns / das wir mit ernſt vnſern Erloͤſer ſuchen / denſelben mit wah - rem glauben ergreiffen / vnd durch deſſelben gnad vnſer leben alſo anrichten lernen / darmit wir noch in dieſer Welt wider / etlicher maſſen / in den ehrlichen ſtand / den wir verlohren haben / moͤ - gen geſetzt werden. Ob nun wol hieran zugedencken wir ſtaͤtige anleitung haben / ſo gibt vns doch GOTT der HERR fuͤrnemlich ſolchs zuthun vrſach / ſo offt er vns ein Leich eines Menſchen fur Augen fuͤrſtellet. Dann dieſelbigevns[8]Leichpredigtvns ja erinnern ſol / das wegen des Adams fall / vnd vnſerer ſelbs eignen ſuͤnden / wir jtzt in dem jammer ſtecken / das einer nach dem andern ſterben / vnd alſo mit ſchmertzen aus dieſem jammerthal ſcheiden mus.

Dieweil wir denn auch zu dieſem mahl vber der Leich / eines Erbarn vnd Wolgelarten Studioſi / mit namen Sigmund Petzel von Lobſchuͤtz / in der Schleſien gelegen / welcher nun in das vierde Jhar / ein mitglied vnſerer Kirchen vnd Schul alhier geweſen iſt / verſamlet ſind / das wir jme den letzten willen der Chriſtlichen lieb / ſeinen Leib ehrlich zur erden zubeſtatten / erzei - gen / ſo koͤnnen wir die zeit beſſer nicht anlegen / dann das wir nach anleitung des vorleſenen Texts / von dieſen zweyen ſtuͤcken mit einander handeln.

Erſtlich / warzu der Menſch anfenglichs von Gott erſchaf - fen ſey / vnd was eigentlich ſein thun vnd arbeit geweſen were / wenn er nie in ſuͤnde gefallen were.

Fuͤrs ander / was jtzo ſein zuſtand in der Welt ſey / ſo lang bis er durch den zeitlichen Tod aus derſelben genommen / vnnd entweder / in die ewige verdamnus geworffen / oder in das ewi - ge leben verſetzt werde.

Solches mit vnſerm nutz zu handeln / wolle vns der Barm - hertzige Gott / ſeinen Heiligen Geiſt vnd Gnad verleihen / Amen.

Das erſte ſtuͤck.

Erſtlich / ſol jhme niemand die gedancken machen / als wenn Gott der Herr den Menſchen anfenglich zu dem ende erſchaffen / vnd in den Luſtgarten Eden / oder das Paradis verſetzt hette / das er allein darinnen muͤſſig gehen vnd ſpacieren ſolte / ſondern er hatte jm ſeine ſonderbare / leibliche vñ geiſtliche / vbungen auff - erleget / derer drey von dem heiligen Propheten Moſe in den vorleſenen worten erzehlet werden.

Die[9]Leichpredigt.

I. Die erſte Vbung war / das jhme aufferlegt iſt worden / das er den Luſtgarten ſolte bawen. Dann wann ſchon die ſuͤnde nicht were in die Welt kommen / ſo hette dannoch der Menſch nicht ohne arbeit gelebet / auch ob ſchon die Erde jhr frucht ohne diſtel / dorn vnd vnkraut getragen / ſo hette dannoch der Menſch die erden bawen / darein ſeen vnd pflantzen muͤſſen. Aber ſolche arbeit wer vn alle muͤhe vnd beſchwernus zugangen / vnd were des Menſchen hoͤchſte woliuſi vnd frewd geweſen / wenn er allerley nach ſeinem willen vnd gefallen / jtzt hie dann dort in Garten gepflantzet hette / nicht anders / dann wie jtzo bisweilen groſſe Herrn in jhren ſchoͤnen Luſtgärten / allerley bewm / kreu - ter vnd gewechs / pfropffen / pflantzen vnd ſäen / alles mit ſon - derer luſt vnd frewd / die ſchwere gedancken / welche ſie von an - dern jhren Amtpsſachen bekommen haben / darmit auszuſchla - gen vnd zuuertreiben.

II. Die ander Vbung / darzu der Menſch iſt erſchaffen wor - den / war / das er ſolte den Luſtgarten bewaren / nemlich / vor den wilden Thieren / damit nicht von denſelben wider verwuͤſtet wuͤrde / was der Menſch gebawet vnd gepflantzet hette. Dann ob wol dazumal fuͤr dem fahl / kein ſolche wuͤt vnd grimmigkeit wider den Menſchen in den wilden Thieren geweſen / als her - nacher durch die ſuͤnde worden iſt / dannoch dieweil die Thier ohn alle vernunfft waren / vnd in jhrem vnbeſonnenen hin vnd herlauffen leicht hetten vertretten / zerſcharren / auskratzen vnd verwuͤſten koͤnnen / alles was der Menſch mit hoͤchſten vleis ge - ſäet vnd gepflantzet hette / ſo wolte GOTT / das der Menſch die Thier zähmen / von den pflantzbetten abtreiben / jhm ſelbs ſeine luſt erhalten / vnd alſo den Garten bewaren ſolte.

III. Die dritte Vbung war Geiſtlich / nemlich dieſe / das er von dem Baum des erkentnus gutes vnd boͤſes nicht eſſen ſolte / Nicht das dieſer baum an jm ſelbs boͤſe vnd ſchedlich geweſen /BDenn[10]Leichpredigt. Denn alles was Gott gemacht hat / das war ſehr gut / Son - dern es wolte Gott der Herr durch dieſes verbot / des Menſchen gehorſam probiren. Vnd were dem Menſchen ſehr leicht gewe - ſen / ſolchem gebot Gottes gehorſam zuleiſten / Dann er ja an den vbrigen ſchoͤnen / herlichen vnd nuͤtzlichen gewechſen vnd fruͤchten des Luſtgartens / ſich alſo hette ſätigen vnd erluͤſtern koͤnnen / das er dieſes baums vnd ſeiner fruͤcht leicht hette vergeſ - ſen moͤgen / wo jhn nicht ſein fuͤrwitz vnd eigner vngehorſam dar - zu getrieben hetten.

Were alſo dieſer Baum ein gemeine Kirchen / vnd gleich - ſam Adams Predigſtul geweſen / bey welchen er ſeine Kinder zu hauff geſamlet / vnd jnen gepredigt hette / von Gott / von ſeinem willen / von ſeiner Allmechtigkeit / mit welcher er Himel vnd Er - den aus nichts erſchaffen hatte / von ſeiner guͤte vnd gnad / die er dem menſchlichen geſchlecht fuͤr allen andern Creaturen erzeiget vnd bewieſen hatte / Welchen er auch zum beſten Himel vnd Er - den / vnd alles was darinnen / erſchaffen habe / vnd alſo fuͤr den Menſchen geſorget / zuuor vnd ehe dann er gemacht were worden / Jtem / von Gottes gerechtigkeit / vnd wie er die gefallene Engel oder Teuffel in alle ewigkeit ſtraffen werde / entgegen auch von der ewigen frewd vnd ſeligkeit / in welche Gott das Menſchliche gehor - ſame geſchlecht / nach ausgang dieſes zeitlichen lebens entzuͤcken vnd verſetzen wuͤrde. Es hatte auch Adam bey dieſem Baum / mit allen ſeinen Nachkommen Gott dem Herrn fuͤr ſeine wolthat ge - dancket / jhn auch gelobet vnd gepreiſet / vnd ſeine Kinder darne - ben vermanet / das ſie ſich ja von dieſem Baum enthalten / vnd damit jren gehorſam vnd danckbarkeit gegen dem Allmechtigen Gott / als jren hoͤchſten gutthäter / er zeigen vnd beweiſen wolten / auff das ſie der ewigen ſeligkeit / welche die luſt des Paradis weit vbertreffen wuͤrde / mit allen in der vnſchuld verbliebenen En - geln theilhafftig werden moͤchten.

Dis[11]Leichpredigt.

Dis weren alſo die drey werck geweſen / in welchen ſich der Menſch die zeit vber / ſo lang jhn Gott im Paradis gelaſſen / ge - uͤbet hette. Ob wol aber ſolche ſtuͤck alle / durch die Suͤnde ſch - recklich vnd jämmerlich verderbet worden ſind / ſo werden doch dieſelbige noch etlicher maſſen / durch Gottes gnedigen willen / in den drey Stenden der Welt erhalten. Als nemlich / der erſte iſt der Haus oder Bauren ſtand / in dem man ſich nehren mus. II. Der Weltliche Regiereſtand / darin man mus fuͤr vnrath vnd ſchaden wehren vnd bewaren. III. Der Geiſtliche Lehr - ſtandt / in welchem / man den Leuten von Gott vnd ſeinem willen prediget. Welche drey Ständ / in nehren / wehren / vnd lehren beſtehen / nach dem alten gemeinen Verſlein:

Sacerdos. Princeps. Paterfamilias. Tu ſupplex ora, tu protege, tuque labora. ()

Aus welchem dann ein jeder Chriſt zulernen hat / wie er in dieſer welt / auch nach dem Fall / durch die gnad Gottes vnd beyſtand des Heiligen Geiſtes / ſein leben anſtellen ſoll / damit er Gott dem Herrn zugefallen thue / vnd etlicher maſſen ſtrebe nach dem wie ſen vnd thun / welchs er verrichtet hette / wann er nicht mit ſampt andern Menſchen durch die ſuͤnde verderbet were worden / Nem - lich / Er ſol ſich befleiſſen / das er nach dieſen Ständen / das je - nige verrichte / darzu Gott anfenglich den Menſchen erſchaffen hat.

Als zum erſten / iſt keiner / der nicht ſchuͤldig ſey / nach dem erſten Stand in dieſer welt / Gottes Garten zubawen / Nicht das wir alle ſolten hinder den pflug gehen / graben / ſäen oder pflan - tzen / ſondern das ein jeder in ſeinem beruff ſol arbeiten / Wer dis trewlich vnd vleiſſig thut / der bawet Gottes Paradis. Alſo bawen den Garten Gottes / die Schuſter / Schneider / Schmid / vnd andere / mit jhren Handwercken / wann ſie ſich darinnen ehr - lich nehren / vnd dem Nechſten dienen / desgleichen die Kramer /B ijKauffleut /[12]Leichpredigt. Kauffleut vnd andere / mit jhren handthierungen vñ gewerben / wann ſie niemand im Kauff verfortheilen oder betriegen / Alſo wird auch Gottes Garten gebawet in den Schulen mit getrewen lehren vnd vleiſſigen lernen / mit vnterweiſen vnd ſtudieren die gute kuͤnſt / damit kuͤnfftiger zeit einer ſich vnd die ſeinen ehrlich nehren koͤnne. Jn Summa / wer in ſeinem Beruff vleiſſig iſt / vnd ſein arbeit / welche zu der ehre Gottes / vnd dem gemeinen nutz gereichet / mit trewen verrichtet / derſelbige bawet den Garten Gottes. Dann der Menſch nicht zum muͤſſiggang / ſondern zu der arbeit / wie der Vogel zu fliegen / erſchaffen vnd geboren iſt.

Hieher gehoͤren alle die Spruͤch heiliger Goͤttlicher ſchrifft / welche den Menſchen vermahnen / das er ſich mit vleis zu der ar - beit halten ſol / vnd da entgegen warnen / das er ſich fuͤr den vn - artigen muͤſſigang vnd faulheit huͤten ſolle. Jm 128. Pſalm ſagt Dauid / Du ſolt dich nehren mit deiner händ arbeit / wol dir du haſts gut Vnd ſein Sohn Salomon ſagt in ſeinen Syru - chen im 12. Cap. Wer ſeinen Acker bawet (das iſt / wer des ſei - nen wartet / in ſeinem beruff oder ſtande) der wird brots die fuͤlle haben / wer aber vnnoͤtigen ſachen nachgehet / der iſt ein Narr. Vnd der heilig Apoſtel Paulus zun Epheſern 4. Wer ge - ſtolen hat / der ſtele nicht mehr / ſondern arbeite / vnd ſchaff mit den henden etwas guts / auff das er habe zu geben den duͤrfftigen. Vnd abermals / 1. Theſſ. 4. Ringet darnach / das jr ſtill ſeid / vnd das ewre ſchaffet / vnd arbeitet mit ewren eignen henden / wie wir euch geboten haben. Darauff er auch in folgender Epiſtel ſchrei - bet / 2. Theſſ. 3. Da wir bey euch waren / geboten wir euch ſol - ches / das / ſo jemand nicht wil arbeiten / der ſol auch nicht eſſen.

Wer nun ſolchen vermanungen / die vns Gottes wort fuͤr - helt / mit vleis nachſetzet / derſelb hat ein gut gewiſſen / vnd weis das er thut / was Gott angenem iſt / vnd das er jtzo in dem verru -ckten[13]Leichpredigtckten ſtand des menſchlichen geſchlechts etlicher maſſen darnach ringet / damit er thue vnd volbringe / darzu der Menſch anfeng - lich erſchaffen war.

Was wollen aber fuͤrbringen / die faule vnartige Muͤnch / des Teuffels Mäſtſchwein in den Cloͤſtern / auch andere nachleſſige Geſellen / darmit ſie jhren muͤſſiggang ver - teidigen? Welche nicht meynen / das ſie darumb in der Welt ſein / auff das ſie etwas ehrlichs fuͤrhaben vnd verrichten / ſondern al - lein / das man jhnen diene / oder ſie jrer wolluſt abwarten. Fuͤr - war / dieſe werden dermal eins / Gott eine ſchwere rechenſchafft zugeben haben. Denn weil ſie noch in dem vnderſten vnd gering - ſten ſtand / die hand nicht anlegen / dem willen Gottes nachzu - ſetzen / was wolten ſie in den hoͤhern vnd mehrern thun[?]Daher ſich auch befindet / das ſolche muͤſſige beuch / nur vnruhe in welt - lichen / vnd jrrungen in Geiſtlichen Regimenten anrichten / das iſt / das ſie weder Gott noch der Welt nuͤtz ſein.

Zum andern / ſo ſollen die / welche im Regierſtand ſind / auch vleis fuͤrwenden / das ſie darinnen jr Ampt thun / vnd den Garten Gottes bewaren / das iſt / das ſie vber den Chriſtli - chen / der Natur vnd den Rechten gemeſſen Satzungẽ halten / die jenige aber / welche gute Ordnung brechen vnd verwuͤſten wol - len / mit ernſt abtreiben vnd ſtraffen. Dann was im Pa - radis fuͤr dem fall / die wilde vnvernuͤnfftige Thier geweſen we - ren / welche verwuͤſtet hetten / was der Menſch gepflantzet hette / das ſind jtzo nach dem fall / die wilde / rohe / vngeſtuͤmme inge - nia mutwilliger Leut / welche aller guten Ordnung zu wider ſind / vnd was andere nuͤtzlich vnd wol berathſchlaget / angeordnet / gebawet / vnd gepflantzet haben / darwider legen ſie ſich mit händ vnd fuͤſſen / vnd gefellet jnen am beſten / wenn alles wuͤſt vnd vn - fletig durch einander ſtehet.

Wider ſolche rohe / wilde Leut / ſollen die Obrigkeiten / den gemeinen Nutz bewahren / Vnd ob es ſie ſchon ſawer vnd ſchwerB iijankommet /[14]Leichpredigt. ankommet / dennoch in ſolchem vnuerdroſſen ſein / vnd deſſen ge - wis ſein / das ſie hierinnen dem willen Gottes nachſetzen / vnd derowegen jhme ein angenemen dienſt thun.

Jm Babſtumb hat man die Leut beredt / das man im ſtand der Oberkeit Gott dem Herrn nicht ſo wol dienen koͤnne / als in andern ſtenden / daher ſich viel bewegen haben laſſen / das ſie jh - ren ordentlichen beruff vnd ſtand verlaſſen / vnd in ein Kloſter ge - gangen ſind / der hoffnung / in demſelben Gott ehe vnd beſſer zu - dienen / mit Beten vnd Metten / Faſten vnd Caſteyen etc. denn ſonſten mit regieren.

Nichts beſſers machens die Widerteuffer / welche ſtrack fuͤr - geben / es koͤnne kein Chriſt mit gutem gewiſſen im ſtand der O - brigkeit ſein / dieweil ſolcher ſtand nicht aus gnaden / ſondern aus zorn ſey. Die heilige Schrifft aber vrtheilet viel anders von die - ſem Stand / Denn ſie alhie lehret / das das bewaren / als bald an - fenglich / ſo wol von Gott ſey verordnet worden / als das bawen. Vnd ob es wol fuͤr dem fall nur wider die wilden Thier verord - net geweſen iſt / ſo iſt es doch jetzo nach dem Fall vnd der verderb - ten Menſchlichen natur / der boshafftigen Menſchen halb wol ſo noͤtig / als dazumal wegen der Thier. Daher die gantze Heilige Schrifft / vnd ſonderlich S. Paulus den ſtand der weltlichen O - brigkeit hoch rhuͤmet / vnd jederman vermanet / gehorſam[vnd vn -] terthan zuſein der Obrigkeit / die gewalt vber jhn hat. Denn es ſey kein Obrigkeit / ohn von GOTT / Wo aber Obrigkeit iſt / die ſey vonn GOTT verodnet. Hinwider leſt auch GOTT die Obrigkeit vermanen / das ſie jhr ampt mit vleis fuͤhre / 2. Chro. 19. Sehet zu / was jhr thut / dann jhr haltet das gericht nicht den Menſchen / ſondern dem Herrn / vnd er iſt mit euch im ge - richt. Darumb laſſet die furcht des Herrn bey euch ſein / vnd huͤtet euch / vnd thuts etc. Welchs alles Gott in ſeinem wort nichtbefoh -[15]Leichpredigt. befohlen hette / wenn es nicht ſein Wil were / das man gutte Ord - nung vnd Poli[ce] y / wider den mutwil vnd bosheit frecher Leute er - halten ſolte.

Vnd weil die Obrigkeit nicht ſelbs an allen enden vnd or - ten ſein kan / ſo muͤſſen alhier auch alle frome Hausueter gegen jh - ren Kindern vnd geſind / dieſes Ampt gebrauchen / das / wo ſie ſe - hen / das dieſelben wider gute ſatzung ſuͤndigen / oder in ein viehiſch vnordentlich leben geraten wolten / ſollen ſie helffen den Garten Gottes bewahren / das iſt / mit vermanung vnd gebuͤrender ſtraff die jhrige dahin halten / das ſie nicht wie die wilde Thier alles ver - wuͤſten vnd verderben / ſondern ſich jhrer vernunfft recht gebrau - chen / vnd guter Ordnung vnterwerffen.

Jha ein jeder Chriſten Menſch / wo er ſihet / das ſein Nehe - ſter / entweder aus vnbedacht oder mutwillen etwas fuͤrnemen wolte / welchs zu Zerruͤttung guter Ordnung gereichen moͤchte / iſt er ſchuͤldig zuwarnen / freundlichen zu ſtraffen / vnd ſo viel an jme iſt vleis fuͤrzuwenden / das der garten Gottes in wolbeſteltem Welt - lichem Regiment nicht ſchaden neme.

Junge Leut aber / vnd auch andere / ſo vnter der Obrigkeit le - ben / vnd andern vntergeben ſind / die ſollen ſich auch ſelbs befleiſ - ſen / das ſie nicht mehr jhren tollen / frechen / vnbeſonnen willen / dañ den rechtmeſſigen vnd heilſamen Statuten vñ Geſetzen folgen. Dann ſie aus dieſem / was bishero aus Gottes wort fuͤrgebracht / ſelbſt verſtehn koͤnnen / das wo ſie ſich nicht regieren laſſen / man ſie ſchier fuͤr nichts anders / deñ fuͤr vnuernunfftige Thier halten muſ - ſe / wider welche Gott anfenglichs den Wehrſtand verordnet habe / damit ſein Garten bewaret werde. Vnd leider iſt es jtziger zeit ſchier darzu kommen / das man die vnuernunfftige Thier faſt lei - chter bendig machen vnd zehmen kan / denn die vnbendige wilde Jugend. Wider die wilde Thier helffen noch Zeun / Thuͤren /Wel -[16]LeichpredigtWechter / vñ anders / aber wider die freche / tolle Jugend iſt dieſes zu wenig / vnd helffen auch ſchier keine Mauren / Heuſer oder an - ders. Was ſol denn wunder ſein / wenn hernach die Obrigkeit mit ernſt ſtraffẽ mus / dieweil ſie das Schwert nicht vmbſonſt tregt / ſondern iſt Gottes dienerin / ein Recherin zur ſtraff vber den / der boͤſes thut. Rom. 13. Darumb ſo ſey nu ein jeder / der ſich ſelbs nicht regieren kan / aus not vnterthan / nicht allein vmb der ſtraff willen / ſondern auch vmbs gewiſſens willen.

Zum dritten aber / ſollen fuͤr allen dingen / in dem Geiſtlichen Weſen alle Chriſten deſſen ſich befleiſſen / das ſie Gottes Wort vleiſſig hoͤren / vñ demſelbẽ gehorſam leiſten. Wie Adam bey dem verbotenen Baum ſich des willens vnd gebotes Gottes ſeines Schoͤpffers / auch ſeines gehorſams erinnert haben ſolte. So iſt es nun nicht gnug / das einer nur in die Kirchen gehe / vñ Gottes wort hoͤre / aber hernach nichts mehr darnach frage / ſondern der ge - horſam wird erfordert / den man in dem gantzen Leben ſpuͤren ſol laſſen. Denn nicht / die das Geſetz hoͤren / ſondern / die darnach leben / werden in heiliger Schrifft geruͤmpt / Auch der Herr Chri - ſtus wil die nicht fuͤr die ſeinẽ erkennen / die ſich nur ſeines Worts ruͤhmen / ſondern die den willen thun ſeines Himliſchen Vaters.

Vnd iſt hie nichts / das einer die Gebot GOTtes fuͤr ein gering ding anſehe / an denen nicht hochlige / ob man ſie halte oder vbertrete / Wie es ein gering ding ſcheinet geweſt zuſein / das Adam vñ Eua ein Apffel oder zween geeſſen habẽ / derwegen Gott ſo hoch nicht ſolte gezuͤrnet haben / Sondern je geringer die Gebot des Herrn ſich anſehen laſſen / je mehr wir vns befleiſſen ſollen / das wir ſie halten. Denn wer Gott dem Herrn nicht gehorſam lei - ſten wil / in geringen leichten ſachen / wie ſolte der in ſchweren vnd fuͤrnemen dingen / zur folge gebracht werden koͤnnen? Vnd ſind ja faſt alle Gebot Gottes alſo beſchaffen / das einem die guteWerck /[17]Leichpredigt. werck / ſo darinnen geboten / eben ſo leicht ankommen / als die ſuͤnde / welche verboten ſein. Solt nicht eben ſo leicht ſein / ei - nem gerechten Gott zuuertrawen / als vielen Abgoͤttern? Wel - ches ſolte einem ſchwerer ankomen / das beten / denn das fluchen? Warumb ſolte nicht ſo leicht ſein in der Kirchen / Gottes wort hoͤren / als in dem Krug oder Kretzſchmer / der vnflätigen garſti - gen vollen Sew geſchrey? Es iſt ja lieblicher fried vnd einigkeit zuhaben / dann mit zorn / zanck / vnd hader ſich zumartern. Es iſt ja ſo leicht / dem armen nach ſeinem vermoͤgen etwas mitzu - theilen / als mit ſorgfeltigen vortheilhafftigen betrug / dem Nech - ſten ſchaden zuzufuͤgen. Woher ſol leichter ſein / ein luͤgen zuer - dencken / als die warheit zuſagen? vnd dergleichen mehr. Dar - umb / ſo wird eben das vns zu einem deſto ſchwererm verdam - nus gerathen / das die Gebot Gottes des Herrn / gering / leicht / vnd ſchlecht ſind / wir aber vnſerer verderbten Natur ſo viel nachhengen / das wir dieſelbige mutwillig vbertreten / vnd vns mit allerley ſuͤnden vnd laſtern beflecken. Wie dann entgegen auch Gott / auff ſolche leichte gebot / wann man ſie halten will / ein ſolche herrliche / ewige / vnausſprechliche belohnung geſetzt hat / welche billich jedermenniglich darzu bewegen ſolte / das ſie willig vnd mit luſt ſein wort hoͤreten / vnd nach demſelben leb - ten.

Vnd dis ſind die drey ſtuͤck / nach welchen ein jeder Chriſt ſein leben in den drey Ständen / dem Heuslichen / Weltlichen / vnd Geiſtlichen / anſtellen / vnd alſo widerumb etlicher maſſen nach dem ſtreben ſol / von dem wir durch die ſuͤnde abgewichen ſeind / nemlich / täglich ſollen wir arbeiten / damit wir vns vnd die vnſern mit ehren ernehren / fuͤr ſuͤnden vnd laſtern ſollen wir vns huͤten / damit nicht die Obrigkeit ſolchs zuwehren / vnd vns zuſtraffen gedrungen werde / vnd dann endlich ſollen wir auch Gottes wort gern hoͤren / vnd demſelben gehorſam leiſten.

CZu[18]Leichpredigt

Zu dieſen dreien ſtuͤcken war der Menſch anfenglich erſchaffen / vnd wenn er denſelben mit vleis in warer Gottes furcht nachge - ſetzt hette / ſo were er ewig ſelig worden / wert on alle ſchmertz vnd todes qual lebendig in den Himel verzuͤckt worden. Nun er aber ſolches gebot Gottes vbertretten / vnd durch den vngehorſam in die Suͤnde geraten / ſo iſt er auch dem tod vnd allem vnfall vn - terworffen worden / Jnmaſſen Gott jm ſolchs zuuor gedrawet hat / vnd wir jtzo im andern teil weitleufftiger hoͤren wollen.

Vom andern Stuͤck.

DEnn alſo ſagt Gott ferners zum Adam / Welches tags du dauon iſſeſt / wirſtu des tods ſterben / Als wolt Gott der HErr ſprechen / Jtzo zwar Adam / biſt du vnd dein Weib Eua / ſampt allen ewren Nachkomen / gluͤckſelig / Du biſt erſchaf - fen nach meinem ebenbild / in warer gerechtigkeit / heiligkeit vnd reinigkeit / Du biſt an deinem leib geſund / ſtarck / vnd ohn allen tadel / Dir mangelt nichts / an allem das du beduͤrffen moͤchteſt / vnd das dein Hertz geluͤſten koͤndte / vnd wenn du alſo in dieſem Stand verharren wirſt / ſo ſolſtu dieſes zeitliche leben vn alle be - ſchwernis / ſchmertzen / muͤhe / oder bekuͤmmernus volbringen / vnd nach dem wil ich dich / mit deinen hoͤchſten frewden vnd luſt / zu mir in den Himel / vñ das ewige leben nemen / da du aller herr - ligkeit mit mir / one einig auffhoͤren / genieſſen ſolleſt. Dis ſage ich dir aber zuuor / Wirſtu mein Gebot vbertretten / vnd von dem verbotenen Baum eſſen / ſo ſoltu des todes ſterben. Es ſol erſtlich von dir vnd allen deinen Nachkomen / genomen werden / der heilige Geiſt / du ſolſt verlieren das ebenbild / nach dem du er - ſchaffen biſt / mit aller gerechtigkeit vnd heiligkeit / vnd entgegen ein vnheiliger vngerechter Menſch werden / deſſen verſtand ver - finſtert / Wille verkeret ſein ſol / daher du in deinem Hertzen denfrieden[19]Leichpredigtfrieden vnd ruhe des Gewiſſens verlieren wirſt. Zu dem / werden dich vberfallen / allerley truͤbſal / widerwertigkeit vnd kranckheit / welche dich dermaſſen werden abmatten / vnd deine kreffte verzeh - ren / das du endlich darunter niderligen vnd ſterben wirſt. Als denn ſol dein Leib vnd Seel / mit groſſem betruͤbnus vnd ſchmer - tzen von einander geriſſen / dein Leib in die erden gelegt / vnd alda von den Wuͤrmen vnd Schlangen gefreſſen vnd verzehret wer - den / Vnd ob er wol am Juͤngſten tag wider aus der Erdẽ herfuͤr gehen / vnd mit der Seel abermals vereiniget werden ſol / ſo werden ſie doch nicht zu mir in die ewige freud genomen werden / ſondern ſollen in das ewige helliſche Fewer geworffen / vnd zu dem ewigen tod verurtheilet vnd verdammet werden. Vnd dis al - les ſol dir begegnen von deines vngehorſams wegen / dieweil du meinem wort vnd geboten nicht folge geleiſtet haſt.

Dis alles begreifft Gott mit den worten / Du ſolt des tods ſterben. Welchs auch dem Adam nach ſeinem fahl begegnet. Denn ob er wol nicht als bald darnider gefallen / vnd ſtracks tod gebliebẽ / ſo iſts jm doch anders nicht gegangen / als einem Vbel - theter / welcher fuͤr dem Gericht zum tod verurtheilet / vnd das Steblin vber jn gebrochen iſt worden. Wenn er ſchon hernach noch etliche tage in das Gefengnis gefuͤret / vnd darinnen auff - gehalten wird / ſo iſt doch ſein leben nicht fuͤr ein leben zu rechnen / ſondern viel mehr fuͤr ein pein / da er ſich mit den tods gedancken jmmerzu plagen vnd martern mus / vnd jm alſo viel beſſer were / das er nur bald hingerichtet wuͤrde. Gleich alſo iſt es auch mit Adam / Eua / vnd allen jren nachkomen nach dem fall / Denn jr leben iſt nichts / denn ein ſteter gang zum tod / ja der tod ſelber / der ſo lang wehret / bis ſie endlich durch den letzten actum naturæ, vnd das Sterbſtuͤndlein daruon erloͤſet werden.

C 2Aus[20]Leichpredigt.

Aus dieſer drawung Gottes iſt nun offenbar / woher al - ler vnfahl / in allen ſtänden / eigentlich komme / welches ſonſten den Philoſophis vnd allen Weltweiſen verborgen iſt / wir koͤn - nen es auch nirgents her / dann allein aus der Schrifft offenba - rung erlernen.

I. Woher kommen dann alle krankheiten des leibes / weder allein von den ſuͤnden? Darumb wenn einer ein Fieber hat / ſo offt jm das haupt wehe thut / wann einen das zahnwehe plagt / wann einen der Schwindel vexirt / wann ſterbens ſeuchen / vnd Peſtilentzdruͤſe regieren / oder andere kranckheiten einem zuſetz - en / ſo hat er allweg prſach an die ſuͤnde zugedencken / vnd ſich des fahls vnſerer erſten Eltern zuerinnern / vñ das zu dem ende / auff das ein jeder ſolchen jamer erkenne / vnd mit ernſt darnach trachte / das er wider mit Gott verſuͤnet werde.

Desgleichen in der Kinderzucht / wo kompt ſolche groſſe muͤhe vnd arbeit her / die man mit den kindern haben mus / ſon - derlich die Muͤtter / weil ſie ſchweres leibes gehen / vnd wann ſie geberen / hernachmals Vater vnd Mutter / bis ſie die kinder ein wenig aus dem kot erziehen / vnd geſchicht doch offt / das wann die Eltern allen muͤglichen vleis angewendet haben / dannoch die Kinder nicht folgen vnd vbel gerathen / oder wann ſie folgen / vnuerſehener ſachen durch den vnzeitigen tod hinweg geraffet / vnd alſo die Eltern / aller frucht vnd hoffnung jrer zucht beraubet werden. Woher kompt dieſes alles / dann von der ſuͤnde[?]Dann ob wol / wofern Adam nicht in die ſuͤnde gefallen were / die Kin - der darumb nicht ſtrack gros vnd erzogen geweſen weren / ſo het - ten ſie dannoch den Eltern keine ſolche ſorg vnd muͤhe gemacht / weren wie die huͤnlein / welche aus der ſchalen kriechen / dahin ge - lauffen / hetten jhre ſpeis vnd tranck geſucht / vnd weren ohn ei - nige bekuͤmmernus erzogen worden / Geneſ: 3. Jtzo aber hatGott[21]Leichpredigt. Gott auff die ſuͤnde / ſolch muͤhſam weſen geleget / deren ſich ein jeder Chriſt erinnern ſol / ſo offt jm die Kinderzucht ſehwer vnd ſawer ankommet.

Alſo / was die narung des Menſchen belangen thut / wil nicht allweg der groſſen muͤh vnd arbeit auch das gluͤck begeg - nen. Wie offt geſchichts / das wann man ſchon eines grunds wol wartet / das Erdreich vleiſſig arbeitet / treibet / vnd guten ſamen ausſaͤet / auch wann ſchon froſt / hagel vnd vngewitter ſchonet / dañoch gemeiniglich mehr vnkraut / weder guter fruͤcht wachſen / dann allein aus dem vngehorſam vnſerer erſten Eltern? Das al - ſo / ſo offt eines ein vnkraut im garten ausraufft / ſo offt ſichs an einer Neſſel brennet / oder an einem dornſtrauch kratzet / ſo offt hat es ein Prediger bey ſich / das er der ſuͤnden erinnern / vnd zu derſelben erkantnus / vnd waren Bus treiben ſol.

II. Jmgleichen / wann wir das Weltliche Regiment vnd den Wehrſtand anſehen / befinden ſich in demſelben vberaus groſſe beſchwernus / ſonderlich zu dieſen letzten zeiten der Welt / welche allen frommen vnd trewen Oberherrn jr regierung ſo ſawer vnd ſchwer machen / das ſie offtermals ſchier weder huͤlff noch rhat finden koͤnnen / Welchs alles nichts anders ſind / denn ſtuͤck dieſer ſtraff / welche Gott der Herr dem Adam / wann er von dem verbotnen baum eſſen wuͤrde / gedrawet hat. Gewis were es dem Adam viel leichter worden / die wilden Thier / als Lewen / Beern / Parterthier / vnd was dergleichen mehr iſt / zu zämen vnd bändig zumachen / dann heutiges tags der Obrig - keit offt wird / das ſie junge Purſch ein wenig in einer zucht vnd furcht erhalte. Hie mus nu ein Obrigkeit gedencken / dis ſein die wilden vnbändige thier / fuͤr welchen ſie den luſtgarten Gottes / als weltliche Recht / zucht / tugent vnd erbarkeit bewaren ſolle. Dann das ſchwert hat ſie nicht vmbſonſt / ſie iſt Gottes die - nerin / ein Rächerin zur ſtraff dem / der vbels thut. Roͤm: 13. C iijDarumb[22]Leichpredigt. Darumb ſie denn jr ampt getrewlich gebrauchen / vñ nicht muͤde werden ſol / da ſonſten wenn ſie las vnd trege were / allein die Suͤnde vnd vngerechtigkeit geheuffet / vnd Gottes zorn wider die Welt gemehret wuͤrde.

III. In dem Geiſtlichen Regiment vnd in der Kirchen bleibet der vnrath der Suͤnden auch nicht aus. Woher komen Rotten / Secten / ergernus im Leben / Jrthumb in der lehr / vnd anders vbel mehr / denn nur von der Suͤnde[?]Da heiſt es auch / welchs tags du von dem verbotenen Bawm eſſen wirſt / ſoltu des tods ſterben / das iſt / der Teuffel wird falſche Lerer vñ Rottengei - ſter erwecken / nach welchen dich die ohren jucken werden / die wer - den dich in jrrthumb / vnglauben vnd abgoͤtterey fuͤren / welchen du auch folgen wirſt / ſo lang vnd viel / bis du endlich von mir vnd dem weg des Lebens gantz abweicheſt / vnd in den ewigen tod vnd verdamnis verfuͤret wirſt.

DJeſe betrachtung dienet erſtlich darzu / das / wenn wir der geſtalt ſehen / das allerley vnrath / vnordnung / mangel / jamer / noth vnd verderben / allein aus dem fall vnſerer erſten Eltern / vnd der Suͤnden herkommen / wir die ſchuld ſolches vbels nur vns / vnd nicht Gott zuſchreiben. Wie man den ſonſten wol der Gottloſen Leute ſindet / welche mit Gott derentwegen murren vnd ſich zancken doͤrffen / als wenn er das Menſchliche geſchlecht in dieſen jammer allein geſteckt / vñ nur wolgefallen an jrem verder - bẽ hette. Wider ſolche leret vns dieſer text / das Gott deſſelbẽ gantz vnd gar kein vrſach ſey / denn er den Menſchen ja zum trewlich - ſten gewarnet / vnd jm alles zuuor angezeigt hat / was jm begeg - nen werde / wenn er nicht ſeinen geboten gehorſam leiſten woͤlle. Darumb ſo iſt er nicht an dem elend des Menſchlichen geſchlech - tes ſchuͤldig / ſondern der leidige Sathan / vnd des Menſchenſelbs[23]Leichpredigt. ſelbs eigener freyer wille / wie Moſes ſolchs in dem folgenden dritten capitel fleiſsig beſchreibet.

MJt dieſer Lehr ſtimmet vberein die meinung des Koͤnigli - chen Propheten Dauids / welcher in dem 5. Pſalm ſingt / Du biſt nicht ein Gott / dem Gottlos weſen gefellet. Vnd Gott ſelbs ſpricht bey dem Prophetẽ Hoſea am 13. Perditio tua ex te Iſraël: ex me autem tantum ſalus tua. Jſraël du bringeſt dich in vn - gluͤck: dein heil aber ſtehet allein bey mir.

NEben dem / dienet vns dieſe betrachtung auch darzu / das wir ſehen / ob wol Adam die erſte zwey ſtuͤck nicht vbertrit (Denn das er mit arbeiten oder den Garten zubewahren / were vnfleiſsig gen eſen / daruon meldet die ſchrifft nichts / allein mit dem dritten ſtuͤck hat ers verſehen / das er von dem verbotenen Bawm geſſen) ſo hilfft es jn doch nicht / ſondern mus die gedrawete ſtraff ausſte - hen. Das lehret vns / das es nicht gnug ſey / wenn einer ſchon in den erſten zweyen ſtenden alles thut / was jm muͤglich iſt / vleiſsig arbeitet / ſich mit ehren nehret / auffrichtig handelt vnd wandelt / niemand betreuget oder verfortheilet / ſeiner Oberkeit ſchuͤldigen gehorſam leiſtet / vnd gegen iedermenniglich ſich vertreglich hal - tet / ſondern das dritte ſtuͤck gehoͤre auch darzu / das man ſich in der Religion gegẽ Gott vnuerweislich halt / ſein wort liebe / gern hoͤrt / vnd das leben darnach anſtelle. Wo dieſes dritte ſtuͤck bey ei - nem Menſchen nicht iſt / mit dem zuͤrnet gewis Gott / vnd iſt ein verlorner verdampter Menſch / vñ hilfft jn gar nichts / er ſey poli - tic[e]oder weltlicher weiſe / ſo ſtill / from vñ vnſtrefflich / als er jm - mer wolle / Darumb wir vns denn fuͤr allen dingen befleiſſen ſol - len / das wir den rechten reinen Gottesdienſt haben / vñ helffen be - foͤrdern zu der ehre Gottes / ſo wird als denn der Allmechtige zu dem vbrigen / deſto mehr gluͤck / heil vnd Segen geben.

Es[24]Leichpredigt.

Es moͤchten aber hie manchem dieſe gedancken in ſeinem hertzen auffſteigen / ob es nicht allzu ſcharff were / das Gott der Herr vmb eines apffels wegen / den Menſchen mit allen ſeinen Nachkomen ſo hart ſtraffet. Scheinet es doch ein gantz kindiſch ding zuſein. Dann die Kinder / welche gern naſchen / die ent - zuͤcken jhren Eltern bisweilen äpffel / birn / vnd ander Obſt / ſolte darumb ein Vater ſein kind von eines apffels wegen gar zu todt ſchlagen? Wuͤrde ſich ſolches auch ſchicken? Nein trawen / Wie ſol ſich denn dieſes mit der gerechtigkeit Gottes ſchicken? Adam hat ein zeitliche ſuͤnde begangen / vnd ſolte von derſelben wegen / mit dem ewigen todt geſtrafft werden? Wo bleibt hie / welchs man ſonſten leret / das zwiſchen der ſuͤnde vnd ſtraff ein gleiche mas ſol gehalten werden?

Antwort / fuͤr vnſerer vernunfft ſcheinet es wol ein kin - diſche vnd ſchlechte that zuſein / die Gott nicht ſo hoch achten ſol - te / aber wir muͤſſen vns hie huͤten / das wir bey leibe nicht von der ſuͤnde / nach vnſerer vernunfft vrtheilen / dann ſonſten wer - den wir ſtracks betrogen / Sondern / hie ſol man bedencken / wer der ſey / welcher dieſes verbot gegeben hat / vnd wider den man durch vbertrettung deſſelbigen ſuͤndiget / auch was fuͤr muth vnd Sinn einer hat / der ſolches verbot nicht achtet / ſo wird ſichs als dann befinden / das / es ſcheine die ſuͤnde fuͤr der vernunfft ſo ge - ring vnd ſchlecht / als ſie jmmer woͤlle / ſo ſey doch Gott nicht vngerecht / welcher die ewige ſtraff darauff gelegt hat.

Dann der hie verboten hat / von dem einen bawm zueſ - ſen / das iſt der ewige Gott. Weil man dann / auch mit der ge - ringſten ſuͤnde / wider den ewigen Gott ſuͤndiget / deſſen wort e - wig bleibet / ſo iſt es auch billich / das die ſuͤnde mit ewiger ſtraff beleget werde. Zu dem / welcher wider Gott ſuͤndiget / der wendet ſich mit ſeiner ſuͤnde / von dem hoͤchſten vnd ewigen guten / wel - ches Gott ſelbſt iſt. Wie kan es dann anders geſein / dann daser[25]Leichpredigt. er ſich hinwiderumb wende / zu dem hoͤchſten vnd ewigen boͤſen? Vnd je neher einer bey der gnaden Gottes iſt / je hoͤher verſuͤndigt er ſich / vnd deſto tieffer gehoͤret er in die verdamnis / wenn er ſich an ſeinem Gott verſuͤndiget / vnd ſich ſolcher Gnaden vnwerth machet. Endlich / wer da ſuͤndigt / vnd nicht bus thut / ob er wol nur mit einer that geſuͤndigt hat / dennoch ſo lang er nicht Buſſe thut / bleibet bey jm ein ſteter vnd ewiger Wil vñ luſt zu ſuͤndi - gen. Darumb denn jm auch billich ein ewige ſtraff zugeſpro - chen wird.

JSt vnd bleibt alſo Gott der HERR gerecht / in dem er dem Adam / wegen der vbertretung ſeines gebots / den ewigen tod gedrawet hat. Vnd ſol jm hie viel mehr ein jeder ſelbs dieſe ge - dancken machen / Wenn Gott eine ſolche Suͤnde / welche fuͤr vn - ſern Augen gering ſcheinet / ſo ſcharff zu ſtraffen drawet / Wie - uiel hefftiger wird er denn die jenige Suͤnden ſtraffen / von wel - chen wir ſelbs bekennen muͤſſen / das ſie gros vnd ſchrecklich ſeine? Darumb wir vns billich mit vleis darfuͤr huͤten ſollen / damit wir nicht in die ſtraff des ewigen tods vnd verdamnus fallen.

WJe wir aber aus ſolchem tod vnd verderben wider erret - tet werden / allein durch den tewren gehorſam vnd bittern tod / des Sons Gottes / vnſers lieben HErrn vñ Bruders Jeſu Chriſti / deſſen verdienſt wir mit warem Glauben ergreiffen / vnd vns ei - gẽ machen ſollẽ / daruon wird Ewer Lieb zu andern zeitẽ berich - tet. Jtzo haben wir aus dieſem Text allein gelernet / worzu Gott anfenglichs den Menſchẽ erſchaffen habe / vñ wie wir ſolchs noch etlicher maſſen / wiewol ſehr verderbet / in den dreien Stenden / dem Nehr / Wehr / vnd Lehrſtand haben / Jn welchen Gottes willen zuerfuͤllen ein jeder mit ſonderm vleis ſtreben ſol. Auch in was groſſen jammer wir durch die Suͤnde geraten vnd ge - fallen ſeien / vnd das doch Gott nicht vngerecht mit dem Men -Dſchen[26]Leichpredigt. ſchen handele / ob er wol von einer zeitlichen Suͤnde wegen / jm den ewigen tod gedrewet habe.

Was nu jtzo dieſen gegenwertigen / verſtorbenẽ Studioſum Si - giſmundum Pezelium von Lobſchuͤtz / welcher vns dieſen Text zuhandeln / mit ſeinem abſterben / anleitung gegebẽ hat / belangen thut / iſt er nu in die vier Jar ein mitglied vnſerer Kirchen vnd Schul alhier geweſen / welche zeit vber / wie die jenige bezeugen / ſo vmb ſein thun vnd leben gute wiſſenſchafft haben / er ſich alſo verhalten / das man daraus hat vermercken koͤnnen / das er mit vleis die werck / darzu der Menſch anfenglich erſchaffen worden / fuͤr Augen gehabt / vnd ſich derſelben beflieſſen hat.

VNd erſtlich / Weil er von ſeinen Eltern vnd Præce - ptorn von Jugent auff zur Gottes furcht gehalten worden / vnd von jnen ſo viel gelernet / das der Menſch zur arbeit erſchaffen / ſo iſt er nicht muͤſsig gegangẽ / hat ſich auch nicht der loſen arbeit / des zechens / ſauffens / ſpielens oder bulens ergeben / ſondern weil er mit der Heupt arbeit dem ſtudieren vmbgangen / hat er demſel - ben mit hoͤchſtẽ vleis nachgeſetzt / die Lectiones beſucht / dieſelbige zu Haus wider repetirt / auch ſeine extraordinaria ſtudiorum exercitia, mit einem nuͤchtern / wachenden leben alſo fortgeſetzt / das er noch bey ſeiner bluͤenden Jugend mit ſeinem ſtudieren ſo weit komen iſt / das ſolche gute hoffnung zu jm geweſen / das wo jm Gott das leben verlengert hette / er ſeiner gantzen freund - ſchafft ein Ehr vnd zierd ſein / ſich aber vnd die ſeinen mit ehren ſtadlich ernehren wuͤrd.

DEsgleichen im Wehrſtand / hat er ſich beflieſſen / das er nicht were wie das vnuernuͤnfftig Vieh / wie man denn derſelben vnbeſonnen Jungen Leut viel gnug ſindet / zwiſchen welchen vnd den Wilden Thieren ein geringer vnderſcheid iſt / die ſchier nichts anders thun / denn das ſie tag vnd nacht / mit jrem vngeſtuͤmenſchrey -[27]Leichpredigtſchreyen / Viehiſchem vmblauffen / mutwilligen hadern vnd valgen / den Leuten vnruhe machen / welcher luſt vnd freud iſt andern ſchaden zu thun / vnd fuͤr denen man ſchier nichts ſichers behalten vnd bewaren kan / Mit denen hernach die Obrigkeit ſo viel zu thun hat / das einer die zeit beweinen moͤchte / welche man mit ſo vnnuͤtzen hendeln zubringen vnd verlieren mus / da man ſie wol beſſer anlegen koͤndte. Kein ſolcher iſt dieſer vnſer Si - giſmundus geweſen. Denn er die gantze zeit vber / welche er ſich ſtudierens halben bey vns alhier auffgehalten / ein ſolchen ſtillen / eingezogen / erbarn vnd ehrlichen wandel gefuͤret hat / das niemals einige klag ſeinet wegen / fuͤr die Obrigkeit komen iſt / alſo / das wenn alle Studioſi alhier ſich gleicher maſſen ver - bielten / ein Rector nicht ein ſo muͤhſame Regierung vnd ſo viel - feltige beſchwerliche hendel haben doͤrffte.

VBer das alles / hat er ſich des Glaubens vnd der Religi[-]ons ſachen ſo viel angenommen / das er ſeinen Catechiſmum gelernet / vnd aus Gottes wort nicht allein die Suͤnde / vnd alle den jammer / welcher aus der Suͤnden herkomet / ſondern auch Gott / vnd die gnad / welche vns Gott in ſeinem eingebornen Son / durchs wort vnd die heiligen Sacrament anbeut / hat ler - nen erkennen. Darumb er denn auch in ſeiner kranckheit / ſeine Suͤnde erkennet / vnd fuͤr Gott bekennet hat / auch bey dem mini - ſterio vmb Chriſti willen / in warem Glauben / vmb Abſolution vnd ledigſprechung derſelben angeſucht / vnd vber das ſeinen Glauben / mit dem waren gebrauch des heilſamen Sacraments des Leibs vnd Bluts vnſers HErrn Jeſu Chriſti geſterckt / vnd ſich alſo jmerzu mit vleis zu ſeinem abſchied aus dieſem jamerthal geruͤſtet hat. Wie er denn auch in ſeiner langwirigen ſchwa - cheit (Denn Phthiſis ein ſolche kranckheit / da einer lang ſei - nen Feind / den Tod / fuͤr Augen ſihet) nicht vngeduͤltig noch kleinmuͤtig worden iſt / ſondern hat ſich ſtets mit dem GebetD 2vnd[28]Leichpredigt. vnd betrachtung des worts Gottes / wider die ſchrecken des todt geſtercket vnd geruͤſtet / Zu welchem ende er auch etliche ſondere troſtſpruͤche aus dem alten vnd newen Teſtament / jm hat aus - ſchreiben laſſen / damit er durch dieſelbige jm ſeinen HErrn Chri - ſtum / ſeinen Erloͤſer vñ ſeligmacher / deſto tieffer in das Hertz bil - den / vnd mit deſſelben krafft durch den tod hindurch in das ewige Leben dringen moͤchte.

Er hat auch ſeinen Glauben zu beweiſen / ſich der guten werck / nicht allein die tage ſeines lebens beflieſſen / Sondern auch noch zum beſchlus / da ſein ſterbſtuͤndlein herzu geruͤcket / ſeine mildig - keit gegen dem heiligen Miniſterio vnd armut beweiſet / vnd jm ſelbs alſo von dem Segen / welchen jm Gott der HERR gege - ben / freunde gemacht / welche ſeines Glaubens zeugen ſein koͤnnen an jenem tage / vnd jn in die ewige huͤtten auffnemen. Matth. 25. Luc. 16.

DAs vns alſo gantz vnd gar kein zweifel iſt / ſein des Si - giſmundi Seel / ſey jtzo bey Gott in der ewigen freud / vnd ſein Leichnam / welchen wir jtzo in ſein Ruhebetlein legẽ wollen / werde am Juͤngſten tage wider aus dem ſtaub der Erden herfuͤr gehen / vnd als deñ mit der Seel wider vereiniget / mit ewiger Glori vnd herrligkeit gezieret / vnd in den Himel zu allen Auserweleten Hei - ligen vnd Engeln Gottes genommen werden.

DJs alles wird nicht allein jm (dem verſtorbenen) rhums vnd ehren halben nachgeſagt / ſondern auch allen den jenigen / welche des wirden vnd ſtandes ſind / darinnen er gelebt hat / zu ei - nem exempel / welchem nachzufolgen ſie ſich befleiſſen ſollen / das ſie nemlich fuͤr allen dingen mit ernſt erwegen / warumb ſie alhie ſeyen / nicht muͤſsiggangs / ſondern ſtudierens halben / auff das ſie etwas redlichs lernen / darmit ſie kuͤnfftiger zeit nicht allein ſich ehrlich nehrẽ / ſondern auch dem gemeinẽ Vaterland nuͤtzlichdienen[29]Leichpredigt. dienen moͤgen. Darumb ſie ſtets eingedenck ſein ſollen der ge - meinen Verslin:

Eſto memor patriis quare huc ſis miſſus ab oris: Doctior vt patrios poſsis adire lares. ()

DArneben ſollen ſie ſich in jrem Leben meſsig / nuͤchtern / ſtill / eingezogen / vnd vnſtraffbar verhalten / auff das ſie nicht allein der Obrigkeit in jrem ampt ſchonẽ / ſondern auch ſich ſelbs fuͤr ſchaden bewahren / in welchen offtmals junge Leut geraten vnd fallen / denſelben auch nimmermehr verwinden koͤnnen / wenn ſie gute vnd trewhertzige vermanung in den wind ſchlagen. Vor allen dingen aber ſollen ſie ſich der wahren Gottesfurcht befleiſſen / welche aller Weisheit / kunſt / vnd geſchickligkeit ein an - fang iſt / das wort Gottes lieb haben / vleiſsig hoͤren / jr leben darnach anſtellen / vñ fuͤrnemlich darauff bedacht ſein / wie ſie aus demſelben kernen ſich wider den tod zu ruͤſten / auff das derſelb jnen kein gang zu dem verdamnus / ſondern ein thuͤr zu dem ewigen Le - ben ſey. Deſſen der Allmechtige Barmhertzige Gott dieſen Si - giſmundum / vnd vns / ſampt allen Auserwelten vnd gleubigen / teilhafftig machen wolle / in Chriſto Jeſu / Welchem ſey lob / chr / preis / vnd danck geſagt in Ewigkeit / Amen.

About this transcription

TextEin Christliche Leichpredigt/ Bey der begrebnis des Erbarn vnd wolgelarten/ Sigismundt Petzelij von Lobschütz
Author Polycarp Leyser
Extent29 images; 7226 tokens; 2116 types; 48286 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationEin Christliche Leichpredigt/ Bey der begrebnis des Erbarn vnd wolgelarten/ Sigismundt Petzelij von Lobschütz Polycarp Leyser. . 29 Simon GrünebergWittenberg1583.

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Universitätsbibliothek Breslau Universitätsbibliothek Breslau, 4 S 18/16 / 522222

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Leichenpredigt; Gebrauchsliteratur; Leichenpredigt; ready; aedit

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  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-10T09:35:57Z
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ShelfmarkUniversitätsbibliothek Breslau, 4 S 18/16 / 522222
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