PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Chriſtliche Leichpredigt /
Vber dem Toͤdtlichen Abgang der weiland Edlen / Viel - ehrentugentreichen Frawen MARGARETHAE HOBERGIN, Gebornen Bockin, aus dem Hauſe Habendorff. Deß Edlen / Geſtrengen / Ehrnveſten vnnd Wolbenambten Herrn Christoffs von Hoberg, auff Fuͤrſtenſtein / ꝛc. hertzlieben Ehegemahls. Welche der Allmechtige Gott Anno 1612. den 4. Martij gegen Abend zwiſchen 4. vnd 5. Vhr / inn wahrem Erkendtnis vnnd hertzlicher Anruffung jhres Erloͤſers vnd Seligmachers Jheſu Chri - ſti / ſanfft vnnd ſelig aus dieſem Jammerthal abgefodert / Vnnd nachmals den dreiſſiſtgſten Martij in Volckreicher Verſamlung mit Chriſtlichen Adelichen Ceremonien / nicht ohne ſondere Betruͤb - niß der jhrigen zu Freybergk in jhr Ruhebetlein verſetzet worden:
Gedruckt zuBreſslaw/ durchGeorgium Bawman. Jm Jahr1612.
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Chriſtliche Leichpredigt.

JHr Andechtige / Chriſtliche / geliebte in dem HErren / vnd hochbe - truͤbte in dem Hertzen / wir halten heu - te ein vberaußtrawrigen Kirchgang / vnd laſſen ſich viel naſſer / vnnd thre - nender Augen ſehen / vnd hochbetruͤbter Hertzen ver - mercken / vber dem toͤdtlichen / jedoch Chriſtlichen vñ ſeligen Abſcheide / der weiland Edlen / Vielehrentu - gentreichen / nun mehr aber ſeligen Frawen Marga - retha Hobergin / gebohrnen Bockin / aus dem Hau - ſe Habendorff / ꝛc. Deß Edlen / Geſtrengen / Ehrn - veſten vnnd Wolbenambten Herren Chriſtoffs von Hobergk / Erbherren auff Fuͤrſtenſtein / geweſenen hertzliebẽ Ehegemahl / welche der allgewaltige Gott / nach ſeinem vnerforſchlichen geheimen Raht / vnnd genedigem willen den 4. Martij gegen Abend / zwi - ſchen 4. vnd 5. Vhr / in wahrer Erkentniß / deß eini - gen wahren Gottes / vnd hertzlicher anruffung deß einigen Mitlers / vnd Seligmachers vnſers HEr - ren Jheſu Chriſti / gantz ſanfft vnnd ſelig von dieſer Welt durch den zeitlichen Todt abgefodert hat.

Weil aber nun derſelbigen Coͤrper vnnd Leich - nam / nach dem Vrthel Gottes Gen. 3. vnnd nach Syrachs lehr am 38. Cap. vermoͤge auch Chriſtli - cher ordnung / vnd nach dem Exempel der lieben hei -A ijligen[4]ligen / ehrlich vnnd Chriſtlich / als ein fruchtbares Weitzenkoͤrnlein ſol in die Erde verſetzet werden / vñ aber bey ſolchen Chriſtlichen Leichbeſtattungen vnd Begrebniſſen / Chriſtliche vnnd troͤſtliche erinnerun - gen / wegen der betruͤbtẽ lebendigen / vnd den verſtor - benen zum gedechtniß pflegen gehalten zu werden / Als habe ich ewere Liebe / bey dieſer Adelichen Chriſtlichen Leiche / an ſtatt deß Textes zu vorleſen fuͤr mich genommen / den Spruch deß Apoſtels S. Pauli Rom: 14. Welchen Spruch dieſe verſtorbe - ne Adeliche Leiche / bey jhrem Leben jhr hat laſſen ge - lieben / vnnd in wehrender Kranckheit zum oͤfftern widerholet / vnd ſich damit getroͤſtet.

Damit aber ſolches moͤge fruchtbarlichen ge - ſchehen / das es gelange dem allgewaltigen Gott zu lob vnd ehren / vnnd vns allen miteinander zu ſonde - rem Troſt / vnd vnſer Seelen Seligkeit / Als wollen wir vns fuͤr der Goͤttlichen Majeſtet demuͤtigen / vnd im Nahmen Jheſu Chriſti beten ein gleubiges vnd andechtiges Vater vnſer.

VNſer keiner lebet jhm ſelber / vnd kei - ner ſtirbet jhm ſelber / leben wir ſo leben wir dem HErren / ſterben wir ſo ſterben wir dem HErren / Darumb wir leben oder ſterbẽ ſo ſind wir deß HErren.

(Rom. 14. )
EXOR -[5]

EXORDIUM.

DEr weiſe Man Syrach ſpricht innExord. ſeinem 7. Cap. Beweiſe auch an den Todten deine wolthat / vnd laſſe die weinenden nicht ohne Troſt / vnnd trawre mit den Trawrigẽ / Jn welchen wor - ten er alle Menſchen vermahnet / das ſie in be - trachtung menſchliches Elendes / vnd Pflicht ſchuͤldiger Chriſtlicher Liebe ein hertzliche Condolentz vnd erbarmẽ gegen einander ha - ben / auch jhre liebe vnnd wolthat / ſo wol an den Todten / als an den lebendigen vberblei - benden / vnd wegen deß verſtorbenen / hertz -1. Ultimum præſtam officium piè defun - ctis: lich bekuͤmmerten / vnd trawrigen Menſchen / beweiſen ſollen / welches dann recht geſchicht / auff folgende art vnd weiſe. Gegen den Tod - ten ſollen wir vnſere wolthat beweiſen.

1. Amarè deflendo, daß wir ſie in jrem To -Amarè deflendo. de hertzlich beweinen / nicht zwar wie die Hey - den / die keinen Troſt haben der froͤlichẽ Auff - erſtehung zu einem ſeligen Leben / ſondern das wir hiemit anzeigen die Liebe vnnd wol - meinung / ſo wir zu der verſtorbenen Perſon /Mortui ſunt mo - dicè lu - gendi. weil ſie beym Leben / getragen haben / darzu auch Syrach am 38. Cap. ermahnet: Mein Kind / wann dir jemand ſtirbet / ſo beweine jn /Syr. 38. vnd klage jn / als ſey dir gros leid geſchehen.

A iijAlſo[6]

ExemplaAlſo beklaget vnd beweinet Abraham ſei - ne liebe Saram zu Hebron / Gen. 23.

Jacob ward hoch betruͤbet / das jhm ſeine liebe Rahel in Kindesnoͤtẽ vnterging / Gen. 35.

Joſeph vnnd gantz Jſrael beweineten den toͤdtlichen abgang deß Patriarchen Jacobs / Gen. 50.

Die Kinder Jſrael fuͤhreten eine groſſe kla - ge vber Moyſes tode / den Gott ſelbſt begra - ben hatte / vnnd gibt jhm die Schrifft das Zeugniß / das hinfort kein Prophet in Jſrael mehr auffgeſtanden / wie Moyſes / Exod. 34.

Die Witwe zu Nain ſtellet ſich klaͤglich / als jhr lieber Sohn todt wird zum Stadtthor hinaus getragen / Luc. 7.

Dem HErren Chriſto giengen die Augen vber / als jhm das Grab ſeines lieben Freun - des Lazari gezeiget ward / Ioh. 11.

Auff ſolche art vnd weiſe beklagen vnd be - trauren wir auch billich dieſe gegenwertige Adeliche Leiche / welche vns im Leben lieb ge - weſen / aber durch den zeitlichen Todt vns al - leſampt geſegnet / vnd von dieſer Welt hin - weg genommen worden.

2. Honeſtè ſepelien - do. 2. Beweiſen wir vnſere Wolthat an den Todten / Honeſtè ſepeliendo, wann wir ſie ehr - lich zur Erden beſtatten / ſintemal wir dieſehoff -[7]hoffnung haben / daß ſie Tempel vnd Woh -Mortui ſunt ho - neſtè ſe - peliendi. nungen Gottes allhier geweſen ſind / darumb ſie mit aller ehre in jhr Ruhebettelein zu brin - gen ſein / wie abermal Syrach ermahnet 38. Syr. 38.Cap. Verhuͤlle ſeinen Leib gebuͤhrlicher wei - ſe / vnd beſtatte jhn ehrlich zu Grabe.

Vnd ob gleich der vngleubige Heyde Dio -Dioge - nes. genes wil / das ſein Leichnam fuͤr das Thor / neben einem beygelegten Stecken / damit er ſich der Hunde erwehren koͤndte / ſolle geworf - fen werden / So wil doch dargegen der groß -Exempla gleubige Altvater Abraham ſein Erb Be - graͤbniß haben / darumb kaufft er von den Kindern Heth eine zwiefache Hoͤle / vnd helt ſeiner lieben Sara ein ehrliches Begraͤbniß /Sara. Gen. 23.

Joſeph beſtellete auch ſeinem verſtorbenenIacob. lieben Vater ein ehrliches Begraͤbniß / ließ jhn mit groſſen Vnkoſten aus Egyptenlandt in das Land Canaan fuͤhren / vnd auch in das Erb Begraͤbniß der zwifachen Hoͤlen verſe - tzen / Gen. 50.

Wie Joſeph ſtirbet / legen die Kinder Jſ -Ioſeph. rael ſeine Gebeine in eine Laden / Gen. 50. vnd nehmen jhn mit aus Egyptenland / Exod 13. hielten jhm im Lande Canaan ein ehrlich Be - graͤbniß zu Sichem / Ioſu. 24.

Alſo[8]

Alſo thun wir nun auch billich vnd recht / iſt auch Chriſtlich vnd loͤblich / das wir dieſer vnſerer verſtorbenen Adelichen Leiche auch ein ehrliches Leichbegengniß halten / vnd vnsMarcel - lin, Am - mianus lib. 31. honorem ſupremitatis, wie Marcellinus Am - mianus die anordnung deß Begraͤbniß nen - net / laſſen angelegen ſein / dann ſolches die fuͤr - nembſte Ehr iſt / die wir den verſtorbenen Leichnam / welche bey lebendigem Leibe Tempel vnd Wohnungen Gottes geweſen / koͤnnen anthun.

3. Mortui ſunt lau - dandi. 3. Beweiſen wir vnſere wolthat an den Todten recht / Modeſtè laudando, das wir das gutte / welches ſie bey jhrem Leben gethan / jhnen zu ehren vnd ruhm / anderen aber / zu Chriſtlicher vnd nuͤtzlicher nachfolge / beſchei - dentlicher weiſe nachruͤhmen.

II. Officia noſtra declara - mus erga viventes & lugen - tes. Zum andern / an den lebendigen ſollen wir vnſere wolthat auch beweiſen / das geſchihet alſo: Wann wir mit jhnen / wegen jhres ver - ſtorbenen Freundes ein hertzlich Mitleiden tragen / weinen mit den weinenden / vnd trau - ren mit den traurigen / vnd das wir auch1. Condo - lendo. jhnen beſtes fleiſſes / vns moͤglichen ein jeder nach ſeines ortes gelegenheit / mit erſprießli -2. Conſo - lando. chem Troſte beywohnen / darzu vns dann a - bermahl Syrach am 7. Cap. ermahnet: Laßdie[9]die weinenden nicht ohne Troſt / Sondern traure mit den traurigen.

Die weil dañ der Allgewaltige Gott / nach ſeinem gnedigen raht vnd willen / weilandt die Edele / Vielehrentugendtreiche Fraw Margaretham Hobergin / geborne Bockin / deß Edlen / Geſtrengen / Ehrnveſten vnnd Wolbenambten Herrn Chriſtoff von Ho - bergks / auff Fuͤrſtenſtein / vnſeres geliebten Erb - vnnd Lehnsherrns hertzlieben Ehege - mahl / aus dieſem zeitlichen Leben / zu ſich inn die ewige Frewde vnnd Seligkeit abgefo - dert / So thut jhr demnach gar Chriſtlich recht vnd wol / das jhr ewere wolthat / ſo wol an den lebendigen / als an den todten bewei - ſet / vnd derwegen in ſo anſehlicher vnd ſtar - cker verſamlung bey dieſer Chriſtlichen Ade - lichen Leichbegengniß / ſo wol dieſer in Gott verſchiedenen Adelichen Leiche zu Ehren / als jhrem hochbetruͤbten / nach ſich verlaſſenen Witwer zu Troſte erſcheinet.

Vnd dieweil ich mich / Syrachs ermah - nung nach / ſchuldig erkenne / meine wolthat auch an den Todten zu beweiſen / vnnd die weinenden auch ohne Troſt nicht zu laſſen / als wil ich dieſer gegenwertigen Adelichen Leiche zu Ehren / vnd Chriſtlichem gedecht -Bniß /[10]niß / vnnd dem hochbetruͤbtën hinterlaſſenen Witwer / vnd der gantzen trawrigen Adeli - chen Freundſchafft / zu ſonderm Troſt / zuvor abgeleſenes Spruͤchlein / welches die verſtor - bene Adeliche Leiche / viel vnd offt inn jhrer Leibes ſchwachheit widerholet / gar auffs kuͤrtzte erkleren / in folgenden Stuͤcken.

  • I. Was jhm ſelber leben / vnnd jhm ſelber ſterben heiſſe / vnd was fuͤr Leute jhnen ſelber leben / vnd jhnen ſelber ſterben.
  • II. Was dem HErren leben / vnnd dem HErren ſterben heiſſe / vnd welche Menſchen dem HEr - ren leben / vnd dem HErren ſterben.
  • III. Was dann alle die / ſo dem HErren leben vnd ſterben / fuͤr ein herrliches Kleinodt / vnd ſeligen Nutz davon bringen.

Vnnd hierauff von dieſer verſtorbenen Adelichen Leiche Leben vnnd Wandel / auch derſelbigen Schwachheit / vnnd ſeligen Ab - ſcheid / nach gelegenheit der zeit / bericht thun. Der Ewige Allmechtige Gott wolle geben / das ſolches jhm zu Lob vnnd Ehren / vnd den betruͤbten vnd traurigen zu be - ſonderm Troſt gelangen moͤge / Amen.

PRI -[11]

PRIMUS LOCUS.

ES handelt der Apoſtel Paulus in dieſem 14. Cap. fuͤrnemlich von den Schwachen / daßSumma 14. Cap man die durch mißbrauch Chriſtlicher Freyheit / in euſſerlichen dingen / als da ſind vnterſcheidt der Speiſe vnnd Feyertage nicht betruͤben ſol / vnd der Chriſtli - chen Feyheit nicht mißbrauchen / ſondern die gaben Gottes mit Danckſagung annehmen / ſonderlich mit den ſchwachen gedult tragen / als die noch nicht gnugſam in Glaubens ſa - chen fundiret ſein / die ſollen wir viel mehr vnterrichten / vnd erbawen / als ergern vnd zerſtoͤren / weil wir alle Chriſten / vnter einem HErren / vnſerem lieben Heylande Jheſu Chri - ſto ſein / vnd vnſer gantzes Leben auch allein auff Gottes Eh - re ſol gerichtet ſein. Wir woller aber dieſe diſputation S. Pauli auff dißmal an jhrem Ort beruhen laſſen / vnd all - hier nur auff den verſtand der verleſenen worte ſehen / der vns zu gegenwertigem handel nuͤtzlich vnd dienſtlich iſt.

Es lauten aber die wort deß Apoſtels Pauli alſo: Vnſer keiner lebet jhm ſelber / vnſer keiner ſtirbet jhm ſelber / mit wel - chen er vns gleich vrſach vnnd gelegenheit giebet nach zu fra - gen / Was dañ jhm ſelber leben / vnd jm ſelber ſterben heiſſe?

1. Es heiſt aber jhm ſelber leben ſo viel / als wann einVivere ſibiqvid? Reſ. Vivere ſine Deo & ſine fide, Menſch dahin in Tag hinein lebet / ohne erkentnis Gottes / ohne wahren Glauben / als ein Epicurer / vnnd leſt ſich be - duͤncken / er habe das Leben von jhm ſelber / oder bloß von ſei - nen natuͤrlichen Eltern / oder ohne gefehr / ohne Gottes wil - len / vnd verſehung / wie ſich dann ſolche Epicuriſche Hertzen Sap. 2. verlauten laſſen / Ohne gefehr ſind wir geboren / vnd fahren wider dahin / als weren wir nicht geweſen.

Solchen Epicuriſchen Hertzen helt S. Paulus dieſe Worte fuͤr / vnd ſpricht: Vnſer keiner lebet jhm ſelber / weiſetB ijdamit /[12]damit / wanher wir vnſer leben haben / nemlich / nicht von vnß ſelber / ſondern von Gott dem HErren / inmaſſen ſonſt die Schrifft auch gar ſchoͤn darvon zeuget Iob. 10. Manus tuæ Domine plaſmaverunt me, Ach HErr deine Haͤnde ha - beu mich gearbeitet.

Matth. 10. ſpricht Chriſtus / Daß auch nicht der gering - ſten Vogel einer / ein Sperling auff die Erde falle / ohne den willen ſeines Himliſchen Vaters / wie ſolte dann der gantze Menſch / als die edelſte Creatur / ohne Gottes vorwiſſen ge -Cyprian. In patre ſumus, in filio vivi - mus, in S. ſancto move - mur &[]ficim. bohren vnd verlohren werden / ſintemal auch nach deß HEr - ren Chriſti worten / alle vnſere Hare auff dem Haͤupte ge - zehlet ſein. Vnd der Apoſtel Paulus ſpricht Act. 17. In ipſo vivimus, movemur & ſumus, Jn jhm leben / weben vnd ſind wir. Hievon thun wir auch vnſer Bekendtnis im erſten Artickel deß Chriſtlichen Glaubens / da wir ſagen: Jch gleube daß mich Gott geſchaffen hat / ſampt allen Creatu - ren / mir Leib vnd Seele / Augen / Ohren / Vernunfft / vnnd alle Sinne gegeben hat /: c.

Sine pie - tate & ſine cha - ritate. 2. Heiſt jhm ſelber leben / wann einer dahin gehet / fra - get weder nach Gott / vñ ſein wort / achtet nichts ſeines Nech - ſten / vnd MitChriſten / richtet auch ſein Leben nicht / das es zu Gottes Ehren / zum gemeinen Nutz / oder dem Nechſten zu gutte dienen moͤge / ſondern ſorget allein fuͤr ſich / vnd das ſeine / wartet ſeines Leibes / vnd dencket / als wann er ewig hier bleiben wolte / dannher das Sprichwort kommen / Proxi - mus egomet mihi, Jch bin mir ſelbſten der nechſte / vnd ha - ben auch die Schullehrer einen ſolchen Aphoriſmum, Or - dinata Charitas incipit â ſeipſa, D[i] e rechte ordentliche Liebe / bedenckt ſich zum erſten ſelbſten / ehe denn ſie andern behůlfflich vnd dienſtlich iſt.

Ein ſolcher Geſelle war Nabal 1. Sam. 25. als jhn Da - vid vmb ein Mittagsmahl anſprechen lies / ſprach er: Wer iſtder[13]der David? Vnnd wer iſt der Sohn Iſai? Sol ich mein Brod / Waſſer vnd Fleiſch nemen / das ich fuͤr meine Sche - rer geſchlachtet habe / vnd den Leuten gebẽ / die ich nicht kenne?

Vnd der reiche Man Luc. 16. goͤnnete dem armen La - zaro nicht die Broſamen / ſo von ſeinem Tiſche fielen / Jnn ſolchen vnbarmhertzigen Menſchen iſt kein fuͤncklein der Chriſtlichen Liebe / darzu vns der ewige Sohn Gottes gar fleiſſig ermahnet aus dem Geſetze Matth. 22. vnnd ſpricht: Daß Gottes ernſter wille ſey / wir ſollen vnſern nechſten lie - ben / als vns ſelbſten / vnnd was wir vnſerm Nechſten guttes aus Chriſtlicher Liebe erzeigen vnd beweiſen / das ſol vns hier zeitlich vnd dort ewiglich reichlich vergolten werden.

Solches hat auch der Heyde Cicero erkennet / darumb ſpricht er: Non nobis ſolum nati ſumus, ſed partem ortus noſtri vendicat patria, partem parentes, partem amici, &c. Das iſt / Wir ſind nicht eben vmb vnſeret willen alleine / ſondern viel mehr dazu gebohren / das wir vnſerem Vaterlande / vnſeren lieben Eltern / vnnd vnſeren gutten Freunden dienen ſollen.

3. Heiſt jhm ſelber leben / Wann ein Menſch ſeinem ver -Sine ſpi - ritu & legibus. derbten willen nach hanget / ſeinem Fleiſch vnd begierden den Zaum leſſet / vnd alles thut / was jhm nur wol gefellet / welche Menſchen nun alſo geartet ſein / die leben jhnen ſelber / vnndſine pro - bitate & honeſta - te. ſingen aus dem 2. Cap. deß Buches der Weißheit: Wolher nun laſt vns wol leben / weils da iſt / vnnd vnſeres Leibes ge - brauchen / weil er jung iſt / wir wollẽ vns mit dem beſtẽ WeinEpicur. Vita & ſententia peſſima & perver ſiſſima. vnd Salben fuͤllen / laſt vns die Mayen blumen nicht verſeu - men / laſt vns Krentze tragen von jungen Roſen / ehe ſie welck werden / vnſer keiner laſſe es jhm fehlen mit prangen / das man allenthalben ſpuͤre / wo wir froͤlich geweſen ſind / wir haben doch nicht mehr darvon denn das / etc.

Vnd Eſa. 22. ſchreyen ſolche Epicurer / Edamus &Eſa. 22.B 3biba -[14]bibamus, cras enim moriemur, Laſſet vns eſſen vnd trin - cken / wir ſterben doch morgen / 1. Cor. 15. Laſſet vns froͤlich ſein / weil wir leben / beſſer ſind 3. Abend / denn 7. Morgen / laß die kleinen Waldvoͤgelein ſorgen / der Wirt wil borgen - Gaude anima mea, Sey froͤlich vnd gutes muts / liebe See - le / ſpricht jener Epicurer / Luc. 12. vnd trinck / vnd bekuͤm - mere dich nirgends vmb / du haſt ein gutten Vorraht auff viel Jahr lang. Solches halten ſie fuͤr jhr ſummum bonũ, fuͤr jhr hoͤchſtes Gut vnd Schatz / vnd halten den fuͤr ein ſeli - gen Menſchen / der es dahin bringen kan / das er vnverhin -Sic volo, ſic jubeo, ſic ra - tione vo - luntas. dert thun mag / was jhn gelůſtet. Leben darauff ſicher hinein in Vnzucht / Hurerey / Zeuberey / Feindſchafft / Hader vnnd Neid / Haß vnd Mord / Geitz / Wucher vnd Diebſtal / Freſ - ſen vnd Sauffen / ꝛc. Solchen Menſchen ſpricht S. Pau - lus Gal. 5. gantz vnd gar den Himmel ab / da er alſo ſaget: Offenbahr ſind die wercke deß fleiſches / als da ſind Ehe - bruch / Hurerey / Vnreinigkeit / Vnzucht / Abgoͤtterey / Zeu - berey / Feindſchafft / Hader / Neid / Zorn / Zanck / Zwitracht / Rotten / Haß / Mord / Sauffen / Freſſen vnd dergleichen / von welchen ich euch habe zuvor gefaget / vnnd ſage noch zu - vor / die ſolches thun / werden das Reich Gottes nicht erben. Vnd in Epiſtola ad Rom. 8. ſpricht er: Si ſecundum car - nem vixeritis, moriemini, Wo jhr nach dem Fleiſche le - bet / ſo werdet jhr ſterben muͤſſen.

Wie nun aber ſolche Epicuriſche ſichere WelthertzenMoriun - tur ſibi impii. jhnen ſelbeſt gelebet / alſo ſterben ſie auch jhnen ſelbſt dahin / als das vnvernuͤnfftige Viehe eines ſchmehelichen / erſchreck - lichen / vnſeligen / dreyfachen Todes.

1. Morte ſpiritua - li. 1. Morte ſpirituali, Sie ſterben der Seelen nach / ei - nes Geiſtlichen Todes / vnd da wird nicht gemeinet der See - len Subſtantz vnd weſen / ſo vnſterblich iſt / ſondern man mei - net / der Seelen zuſtandt / ſo jhr vmb der Suͤnde willen be -gegnet /[15]gegnet / das ſie nemlich vmb derſelbigen willen von Gott ge - trennet / abgeſondert vnd verlaſſen wird. Welcher Menſch nun lebet ohne wahres Erkendtnis Gottes / ohne wahren Glauben / ohne hertzliche Rew / vnd vergebung ſeiner Suͤn - den / ohne Gottes Wort vnd Sacrament / ohne Troſt der froͤlichen Aufferſtehung vnſerer Leiber / vnd deß ewigen Le - bens / vnd bringet ſein Leben zu mit allerley Suͤnde / Schan - de vnd Laſter / mit ſchelten / fluchen / Hurerey vnd Vnzucht / Zorn vnd Neid / freſſen vnd ſauffen / etc. ein ſolcher Menſch iſt lebendig todt / vnnd wann wir einen ſolchen vnbekehrten fleiſchlichen Menſchen an der Seelen ſchawen koͤndten / wuͤr - den wir nicht anders / als fuͤrm Teuffel ſelber erſchrecken / vnd vns von jhm / als einem todten ſtinckenden Aaß ab - wenden.

Was aber ſolcher Seelen Todt fuͤr ein ſchrecklicher Jammer ſey / iſt daraus gnugſam zu ſpuͤren / daß wenn Gott bißweilen einem geiſtlichen todten Menſchen die Augen oͤff - net / das er ſich ſelbſt recht beſchawet / wie heßlich er jnwendig in ſeiner Natur gegen Gott ſey / vnd den nagenden Wurm deß boͤſen Gewiſſens / vnd das verzehrende Fewer Goͤttliches Zornes zu empfinden anfenget / da ſihet man / wie jhm ſo angſt wird / er kan nicht ſchlaffen / mag weder eſſen noch trin - cken / gehet allerdings vmb / wie ein ſchatte oder Todtenbildt / ſo lange biß die Seele vom Leibe abſcheidet / vnd cum gemi - tu, fremitu, & indignatione hinab zur Hellen fehret: Wie an dem Verechter Juda zu ſehen / der den leiblichen Todt fuͤr eine Labung vnd Kuͤhlwaſſer achtet gegen der Seelen Todt / vnd meinet / wann er nur ſeinen Leib mit dem Stran - ge getoͤdtet habe / ſo ſolte auch die Seele mit vntergehen / vnd er alſo deß boͤſen Gewiſſens / vnd empfindung Goͤttliches Zornes loß werden.

2. Morte corporali, dem Leibe nach ſterben ſolche Leut2. Morte corpora - li -jhnen[16]jhnen ſelbſten eines ſchrecklichen Todes / dieweil ſie am To - de nichts anders ſehen noch erkennen / dann das er ein zerſtoͤ - rer der Natur iſt / der ſie diß Lebens / allerley zeitlichen Schaͤ - tze / vnd Guͤtter beraubet / von Weib vnd Kindern / Ehre vnd Herrligkeit / hinweg nimet / vnnd daß das aller ſchrecklichſte iſt / jhn auch jhr eigen Hertze vnd Gewiſſen Zeugniß giebet / das ſie nach dieſem Leben eines ſchweren Gerichts Vrthels / vnd Sententz deß Sohnes Gottes (deſſen Wort vnnd Sa - crament / ſampt ſeinen wolthaten ſie hier verachtet vnd ver - nicht haben) erwarten muͤſſen / Hieruͤber entſetzen ſich die Gottloſen dermaſſen / vnd wird jhnen ſo angſt / daß ſie mit Achitophel vnd Juda zum Strick eylen / etzliche aber von andern jaͤmmerlich erſchoſſen / erſtochen / vnd hingerichtet werden / da denn Leib vnd Seel in Zorn / Haß vnd Neid / ſampt andern jhren begangenen Suͤnden in Nobis Krug fehret / vnd da etzliche ja auff dem Siechbette von hinnen ſcheiden / ſo geſchihets doch mit ſolcher Vngedult / ſchreckli - chen worten / vnd geberden / das auch den vmbſtehenden die Hare gen Berge ſtehen / vnd daruͤber zittern vnd erblaſſen.

3. Morte æterna. 3. Morte æterna, Sie ſterben auch deß ewigen Todes / welchen Johannes in ſeiner Offenbahrung 21. Cap. mit fol - genden worten beſchreibet / da er alſo ſaget: Den Verzag - ten aber vnd Vngleubigen / vnd grewlichen / vnd Todſchlaͤ - gern / vnd Hurern / vnd Zeuberern / vnd Abgoͤttiſchen / vnnd allen Luͤgnern / derẽ theil wird ſein im Pfuel / der mit Fewer vnd Schwefel brennet / welches iſt der ander Todt.

Diß iſt nichts anders / dann eine Beſchreibung der Hel - len vnd Verdamniß / welche Eſa. 30. Cap. auch mit folgen - den worten beſchrieben wird: Die Grube iſt von geſtern her zugerichtet / ja dieſelbige iſt auch dem Koͤnige bereitet / tieff vnd weit genung / ſo iſt die wohnung darinnen Fewer vnd Holtz die menge / der Odem deß HErrn wird ſie anzuͤn -den /[17]den / wie ein Schwefelſtrom / Da werden die Gottloſen / die jhnen allhier in dieſer Welt gelebet / eines vnſehlichen ewi - gen Todes ſterben im Helliſchen Fewer / in groſſer Angſt vnd Qual ſitzen: Jhre Augen werden nichts denn vnauß - ſprechliche Jammer vnd Noth ſehen: Jhre Ohren werden nichts den Zetter vnd Mordio hoͤren / jhre Zunge wird nichts denn Ach vnd wehe ſchreyen / ſie werden die Haͤnd vber dem Kopff zuſammen ſchlagen / vnd wuͤnſchen / das ſie nicht gebo - ren weren: Jhr Fewer wird nimmermehr verleſchen / vnndEſa. 66. jhr Wurm wird ewig nicht ſterben / ſie werden keine Ruhe haben Tag vnd Nacht / am fleiſch werden ſie durchs Fewer gemartert werden / an der Seelen aber durch d[en]freſſenden Wurm deß boͤſen Gewiſſens vnertraͤgliche ſchmertzen fuͤlen.

Derhalben ſo fuͤrchtet den HErren jhr ſeine Heiligen /Votum. ach ſehet ja / daß wir vns nicht ſelber leben / das wir vns nicht ſelber ſterben / Laſt vns den boͤſen begierden vnſers ſuͤndhaff - tigen fleiſches nicht nachhangen / ſondern Gott vnnd ſein Wort fuͤr Augen haben / vnd daraus lernen / wie wir vns beydes gegen dem wahren lebendigen Gott / ſo wol auch ge - gen vnſerem Nechſten aller Chriſtlicher gebuͤhr erzeigen / vnd verhalten ſollen.

Ach HErre Jeſu Chriſte / du Ertzhertzog deß Lebens / gieb vnd verley / das wir vns nicht ſelbſten leben / auch vns nicht ſelber ſterben / ſondern dich allezeit als den Baum deß Lebens / in vnſerem leben vnd ſterben erblicken / an dich vns mit wahrem Glauben halten / vnnd endlich ſelig werden / Amen.

SECUNDUS LOCUS.

ANlangende den andern Theil / was in dem HErren leben / vnd in dem HErren ſterben heiſſe / ſo wil vns S. Paulus mit dem woͤrtlein leben vrſach geben / der Sa -Cchen[18]chen ein wenig beſſer nach zudencken / von was fuͤr einem Le - ben er rede / vnd deſſelben vrſprung wol erwegen / wo daſ - ſelbige her ruͤhre / nemlich von dem HErren / das iſt / von der heiligen vnd hochgelobten Dreyfaltigkeit / die gar gemein in heiliger Schrifft / der HErr genennet wird.

Deus no - bis largi - turtripli - cẽ vitam. Es zeuget aber die Schrifft / das vns Gott der HErr dreyerley Leben gebe.

Erſtlich / Vitam naturæ, das natuͤrliche Leben / das1. Vitam Naturæ. wir koͤnnen zu wege vnd ſtege gehen / vnd vnſer Ampts ge - ſcheffte vnverhindert verrichten / eſſen / trincken / wachen / ſchlaffen / handeln vnd wandeln / ſo lange biß wir vnſern lauff deß natuͤrlichen Lebens vollendet haben.

2. Vitam gratiæ. Zum andern / theilet vns Gott der HErr auch mit Vi - tam gratiæ, dieweil vns mit dem natuͤrlichen Leben alleineIob. 14. Eſa. 40. Syr. 40. nicht ſehr gros wuͤrde gedienet ſein / weil es nach Jobs / Eſaiæ vnd Syrachs auſſage / voller Elend / Muͤhſeligkeit vnd Be - ſchwernis iſt / ſo theilet vns Gott auch mit ein Geiſtliches ge - naden leben / welches vom natuͤrlichen Leben weit wird vn - terſchieden / denn daſſelbige iſt allen Menſchen gemein / ſie ſind Glieder der Chriſtlichen Kirchen oder nicht: Aber das geiſtliche Genaden leben / wird denen allen gegeben / die Kin - der Gottes ſein / vnd in der heiligen Tauffe durchs Waſſer vnd heiligen Geiſt von newem geboren ſein / haben den HEr - ren Chriſtum angezogen / darvon Paulus Epheſ. 2. ſaget: Gott der da reich iſt von Barmhertzigkeit / durch ſeine groſſe Liebe / damit er vns geliebet hat / da wir todt waren in Suͤn - den / hat Er vns ſampt Chriſto lebendig gemacht. Vnd das iſt das Leben / darvon Habacuc redet 2. Cap. Iuſtus fide ſua vivet, Der gerechte wird ſeines Glaubens leben.

3. Vitam gloriæ. Zum dritten / wird auch darauff folgen Vita gloriæ, das ewige frewdenreiche Leben / der gloriæ vnd Herrligkeit / von welchem der Sohn Gottes ſelbſten ſo viel lehret vñ pre -diget /[19]diget / Joh. 3. Alſo hat Gott die Welt geliebet / Joh. 5. Wer mein Wort helt / vnd gleubet an den / der mich geſand hat / der hat das ewige Leben / vnd kompt nicht ins Gerichte / ſondern er iſt vom Tode zum Leben hindurch gedrungen.

Joh. 10. Meine Schaffe hoͤren meine ſtimme / vnd ich kenne ſie / vnd ſie folgen mir / vnnd ich gebe jnen das ewige Leben.

Dieweil es dann nun an dem iſt / das wir dem HErrẽn leben ſollen / weil wir von jhm haben das natuͤrliche / geiſtli -Viverê Domino qvid? che vnd ewige Leben / Moͤcht jemand fragen / wie wir dann das zeitliche Leben recht fuͤhren vnd anſtellen ſollen / damit wir in Gottes Hulde vnd Genade ſtets bleiben moͤchten[?]Q.

Hierauff iſt die Antwort / daß eines Menſchen zeitlichesR. Leben / der in Gottes gunſt vnd genade bleiben wil / beruhe in folgenden 2. ſtuͤcken:

1. In vera Dei agnitione, in wahrem Erkentnis Got -1. In vera - agnitio - ne Dei. Ier. 9. tes / welche der Prophet Jeremias 9. Cap. ſo hoch ruͤhmet / daß er ſie allen weltlichen Schaͤtzen vnd Guͤtern vorzeucht / da er ſaget / Ein Weiſer ruͤhme ſich nicht ſeiner Weißheit / ein ſtarcker ruͤhme ſich nicht ſeiner ſtaͤrcke / ein reicher ruͤhme ſich nicht ſeines Reichthumbs / ſondern wer ſich ruͤhmen wil / der ruͤhme ſich deß / das er mich kenne / vnd wiſſe das ich der HErr bin / der Barmhertzigkeit / Recht vnd Gerechtigkeit vbet auff Erden / ꝛc. Dann ſolches gefelt mir / ſpricht der HErr / etc.

Vnd Chriſtus ſpricht Joh. 17. daß in wahrem Erkendt - nis Gottes das ewige Leben ſtehe / ꝛc. Das iſt das ewige Le - ben / das ſie dich / das du allein wahrer Gott biſt / vnd den du geſand haſt / Jeſum Chriſtum / recht erkennen.

2. In voluntatis divinæ obſervatione, Jn volbrin -2. In volũ - tatis divi obſer - vatione. gung deß Goͤttlichẽ willens / wie Chriſtus ſelbſten ſaget Joh. 13. ſo jhr ſolches wiſſet / ſelig ſeid jhr ſo jhrs thut. Dieſen ſei -C ijnen[20]Qvæ cõ - ſiſtit in doctrina Legis &nen Goͤttlichen willen hat er nun vns in zweyen Buͤchern zu erkennen gegeben.

Jm Buche deß Geſetzes wil Gott von vns haben / daß wir jhn vber alle ding fuͤrchten / lieben / vertrawen / anbeten / ehren vnd preiſen ſollen / vnd auch vnſern Nechſten lieben / als vns ſelbſten.

E[v] ange - lii. Jm Evangelio wil Gott / daß wir an ſeinen lieben Son Jeſum Chriſtum gleuben ſollen / weil wir dem Geſetze nach dem kleglichen Suͤnden falle nicht koͤnnen vollkommenen Gehorſam leiſten / ſo weiſet vns das Evangelium auff Chri - ſtum / welcher das Geſetze an vnſerer ſtat erfuͤllet / vnſere ſuͤn - de getilget / den zornigen Gott verſoͤhnet / vnnd mit ſeinem Blut vnd Todt / Aufferſtehung vnd Himmelfahrt / Leben vnd Seligkeit erworben. Wer an jhn gleubet / der hat das ewige Leben / wie er ſelbſten Joh. 6. Das iſt der wille deß der mich geſand hat / daß wer den Sohn ſihet / vnd gleubet an jhn / habe das ewige Leben / vnd ich werde jhn aufferwecken am Juͤngſten Tage.

Wer nun ſein Leben alſo Chriſtlich nach Gott vnd ſeinem willen / den er vns in ſeinem heiligen Worte geoffenbahret / richtet / der bleibet in Gottes hulde / hat einen gnedigẽ Gott / vnd lebet recht dem HErren / vnd ein ſolcher gleubiger Chriſt ſtirbet auch froͤlich dem HErren.

Qvæſtio.

Pii mo - riuntur in Domi - no. Wie ſterben aber die gleubigen Chriſten dem HErren?

Reſp.

Solches geſchihet auff folgende art vnd weiſe.

1. Mortem meditan - do. 1. Mortem meditando, daß wir viel vnd offters an vn - ſer Sterbeſtuͤndlein gedencken / vnd mit Davide ſagen aus dem 39. Pſalm / Ach HErr lehre doch mich / daß es ein ende mit mir haben muß / vnd mein Leben ein ziel hat / vnd ich da - von muß / vnd mit Moyſe beten im 90. Pſalm / Ach HErrelehre[21]lehre vns bedencken / das wir ſterben muͤſſen / auff daß wir klug werden. Dann Baſilius ſaget: Meditatio mortis ſumma ſapientia, Es ſey die groͤſte vnd hoͤchſte Weißheit / wann ein Menſch viel vnd offters an ſein Sterbeſtuͤndlein gedencke / vnd ſich taͤglich darzu bereite / es komme als dann Gott zu welcher ſtunde / an welchem ort / auff welcherley art vnd weiſe es jhm gefellig / ſo iſt ein ſolcher Menſch geſchickt vnd bereit / Gott dem Allmechtigen willig zu folgen.

2. Sterben die gleubigen Chriſten recht dem HErren /2. Crucem patienter perferen - do. Crucem patienter ferendo, Wenn wir das liebe Creutze auff vns nehmen / ſo vns der ewige Allmechtige Gott zuſchi - cket / es ſey Verfolgung / ſpott / ſchmach vnd ſchande / es ſey Armut / Leibes Kranckheit / wann er vns nimmet vnſer liebes Weib / Kinder / oder ſonſt gutte Freunde / vnſere Eltern / vnd Geſchwiſter / ſollen wir ſeinen willen fuͤr den beſten erkennen / vnd mit gedult es ertragen / ſollen mit Job ſagen: DominusIob. dedit, Dominus abſtulit, ſicut Domino placuit, ita fa - ctum eſt: ſit nomen Domini benedictum, Der HErr hat es gegeben / der HErr hat es genommen / wie es dem HErren gefellet / ſo iſt es geſchehen / ꝛc. Dañ es ſchicket Gott vns kein Creutze zu / es mus ſolches alles vns zum beſten ge - langen / daß wir mit Davide endlich ſagen muͤſſen: BonumDavid. eſt mihi Domine, qvod humiliaſti me, Ach HErr / es iſt mir gut / daß du mich gedemuͤtiget haſt. Vnd AuguſtinusAuguſti - nus. ſaget recht: DEUS eſt pater noſter, & cùm blanditur, & cùm cædit: Gott iſt vnd bleibt vnſer lieber Vater / wann er mit vns freundlich vmbgehet / vñ auch wañ er vns ſtrafft / in Lieb vnd Leid / in Creutz vnd Freud.

3. Sterben die gleubigen Chriſten recht dem HErren /3. Animam Deo cõ - mẽdãdo. Animam DEO commendando, wann ſie jhr Seele dem lieben Gott teglich in ſeine Haͤnde befehlen / Diß ſollen wir auch wol mercken / ſonderlich wann es ſich mit vnſerm LebenC iijzum[22]zum ende nahet / wir werden alt / ſchwach vnd kranck / wir lie - gen auff dem Todbette / es ſol an ein ſcheiden gehen / ſollen wir vnſer Haͤußlein fein beſchicken / vnd wie Jacob / vns mit vnſern lieben Freunden / Mann / Weib vnd Kindern freund - lich geſegnen / ſie zu Gottes furcht vnd Chriſtlicher Liebe vnd Einigkeit vermahnen / vnd darauff alle vnſer Hertze vnd Ge - dancken von dieſem zeitlichen Weltweſen abwenden / vnd al - leine richten zu dem ewigen Allmechtigen Gott / denſelbigen hertzlich bitten vmb vergebung vnſerer Suͤnden / vnd vns mit wahrem Glauben halten an die Blutflieſſenden Wunden vnſers HErren Jheſu Chriſti / durch welche Wunden wir ſind geheilet worden / Vnd darauff auch vnſer Glauben geſtercket werde / ſollen wir vns verſehen mit dem rechten Viatico / als nemlich / mit dem wahren Leib vnd Blut vn - ſers HErren vnd Heylandes Jheſu Chriſti / da wir vns mitHilarius Chriſto vereinigen / wie Hilarius ſaget: Hæc accepta & hauſta efficiunt, ut Chriſtus ſit in nobis, & nos in Chriſto. Dieſe heilſame Speiſe vnd Tranck macht das Chriſtus in vns / vnd wir in jhm ſind. Vnd hierauff ſollen wir vnſere Seele dem Allmechtigen GOtt in ſeine Haͤnde befehlen / vnd vnſers Abſcheides vnd Sterbeſtuͤndlein mit gedult erwarten / wir ſterben als dann wenn Gott wil / ſo ſterben wir dem HErren.

Alſo machte es der alte Jacob auff ſeinem Todbette /Gen. 49. vnd ſpricht: Domine expecto ſalutare tuum, Ach HErre ich warte auff dein Heil. Vnd Simeon ſpricht: HErre / nuLuc. 2. leſſeſtu deinen Diener im Friede fahren / denn meine Augen haben deinen Heiland geſehen / Alſo ſollen wir auch ſelig vn -Act. 7. ſer Ende beſchlieſſen / vnd mit Stephano ſagen: HErre JeſuPhil. 1. nim̃ meinen Geiſt auff / Dann du biſt mein Leben / ſterben iſt mein gewin / Ach HErre Jeſu / dir lebe ich / dir ſterbe ich / deinbin ich[23]bin ich todt vnd lebendig. Vivo tibi, moriorq́; tibi, tua mors mihi vita eſt.

(Vivo tibi, moriorq́; tibi, dulciſſime Chriſte, Mortuus & vivus ſum maneoq́; tuus.)

TERTIUS LOCUS.

WAs haben dann alle die ſo dem HErren leben vnnd ſterben / fuͤr einen Troſt vnd Nutz darvon?

Darauff antwortet S. Paulus weiter in dieſem Sprůchlein / Wir leben oder ſterben / ſo ſind wir deß HEr -Domini ſumus. ren / der alleine hat zu vns zuſpruch vnd recht.

1. Ratione Creationis, weil wir ſein Geſchoͤpffe ſein /Ratione Creatio - nis. denn er hat vns geſchaffen zum ewigen Leben / vnd hat vns von den vnvernuͤnfftigen Thieren abgeſondert / das wir jhm dienen vnd leben ſollen / hier zeitlich vnd dort ewiglich / wie der Prophet Eſaias am 40. Cap. ſaget / Wir ſind Gottes pflan - tzen erſchaffen / zu Gottes lobe vnd preiß.

2. Hat der H. Chriſtus zuſpruch zu vns Ratione Redem -Iure Re - demptio - nis. ptionis, wegen der Erloͤſung / denn er hat vns ja gar theur erkaufft / durch ſein Blut vnd Todt / das wir ſollen ſein eigen ſein / wie Paulus in ſeiner Epiſtel an Titum 2. Cap. ſchrei - bet / Chriſtus hat ſich fuͤr vns dargegeben / auff das er vns er - loͤſet von aller Vngerechtigkeit / vnd reiniget jhm ſelbſt ein Volck zum eigenthum / das fleiſſig were zu guten Wercken / 1. Cor. 6. Jhr ſeid nicht ewer ſelbſt / ſondern theuer erkaufft. Wie wir aber erkaufft ſein / wird vns gezeiget / 1. Pet. 1. Wiſ - ſet / das jhr erloͤſet ſeid nicht mit Gold oder Silber / ſondern mit dem theuren Blut Chriſti / deß vnſchuldigen vnbefleckten Lemleins / welches vns reiniget von allen vnſern Suͤnden / 1. Joh. 1.

3. So ſind wir deß H. Geiſtes eigen / Ratione ſanctifi -Ratione ſanctifi - cationis. cationis, wegen der Heiligung / Sintemal wir von jhm be -ruffen[24]ruffen vnd geheiliget / ja zu ſeiner Wohnung gemacht wor - den / wie Paulus 1. Cor. 6. ſaget / Wiſſet jhr nicht / das ewer Leib ein Tempel deß heiligen Geiſtes iſt / der ſtercket vnſern Glauben / troͤſtet vns im Creutz / vnd fuͤhret vns durch das zeitliche Truͤbſal dieſer Welt in das ewige Leben.

I. Credẽtes vivi do - mini ſũt. Sind derwegen nun frome gleubige Chriſten in jhrem Leben alſo deß HErren / das er ſie fuͤr ſeine liebe Kinder er - kennet / ſie hertzlich liebet / hat ſeine Frewde vnd luſt an jhnen / vnterweiſet / lehret / troͤſtet / regieret / verſorget vnd zuͤchtiget ſie / als ein trewer Vater / vergiebet jhn jhre Suͤnde / helt jhnen viel Schwachheit vnd Gebrechen zu gutte / ſchmuͤcket vnd kleidet ſie mit der Vnſchuld vnnd Gerechtigkeit Jheſu Chriſti ſeines lieben Sohnes / wann ſie zu jhm ruffen / ſo er - hoͤret er jhr Gebet / gibt jhnen was jhn an Leib vnd Seele gut vnd ſelig iſt: Sind ſie im Creutz vnd Widerwertigkeit / ſo hat er ein genedigse Auge auff ſie / Novit enim Domi - nus, qvi ſint ſui, Der HErr kennet die ſeinen / 2. Timot. 2. Er hilfft jhnen aus noth. Jn Summa / ſie ſind deß HErren im Leben / das ſie Gottes deß Vaters liebe Kinder vnd Er - ben / Gottes deß Sohnes liebe Bruͤder vnd Miterben / Got - tes deß heiligen Geiſtes heilige Tempel vnd Wohnungen ſind.

II. Credêtes mortui ſunt Do - mini, & ſecundũ Lutherũ in Nomi nativo & Genitivo caſu. Jm Sterben ſind ſie alſo deß HErren / das er in ſolcher letzten noth vnd gefahr jhn beyſtand leiſtet / behuͤttet ſie als ſein tewer erkaufftes Gutt / fuͤr deß Teuffels Grim vnd boß - heit / ſpricht jhn durch ſein heiliges Wort vnd Geiſt lebendi - gen Troſt in jhr Hertz / verſtegelt denſelben mit dem theuren Pfande deß Leibes vnd Blutes Jheſu Chriſti ſeines lieben Sohnes: Erloͤſet ſie endlich durch ein gewuͤntſcht Simeon ſtuͤndlein / von allem Vbel Leibes vnd der Seelen / leſt jhr gleubige Seelen durch die heiligen Engel tragen in die Schoß Abrahæ / in den ort der ewigen Ruhe vnd Seligkeit /bewahret[25]bewahret jhren Leib vnd Gebeine in ſeinem Schlaffkaͤmmer -Bernhar. Mors ſã - ctorũ eſt finis ma - lorum, & janua ad vitam æ - ternam. lein / Wil am juͤngſten Tag jhren Leib wider von den Tod - ten aufferwecken / Leib vnd Seele widerumb zuſammen brin - gen / mit ewiger Weißheit / Gerechtigkeit / Heiligkeit / Vn - ſterbligkeit / ewiger Glori vnd Herrligkeit / vberkleiden vnd ſchmuͤcken / vnd ſie ſollen als dann in vnausſprechlicher Freu - de vnd wohne ewig bey jhm ſein vnd leben.

Vnd das iſt alſo kuͤrtzlich die Erklaͤrung dieſes ſchoͤnen vnd troſtreichen Spruches / den jhm billich ein jeder ſol laſ - ſen lieb ſein / dann er gibt vns ſafft vnd krafft / leben vnd troſt / wann alles jrdiſche zerrinnet / vnd einem Menſchen nichts mehr helffen kan / danher jhr auch dieſe im HErren ſelig ver - ſtorbene Adeliche Leiche / Weiland die Edele / Vielehren - tugentreiche Fraw Margaretha Hobergin / gebohrne Bo - ckin / aus dem Hauſe Habendorff / Deß Edlen / Geſtren - gen / Ehrnveſten vnd Wolbenambten HErren Chriſtoff von Hobergs / auff Fuͤrſtenſtein / vielgeliebtes Ehegemahl ſolchen Spruch mit trewem ernſt hat laſſen angelegen ſein / vnd denſelbigen nicht allein in jhrem Leben offt vnd viel ge - braucht / vnd daraus jhren Troſt geſchoͤpfft / ſondern auch damit ſanfft vnd ſelig jhr Leben beſchloſſen.

Commendatio defunctæ.

ANlangende jre Adeliche ankunfft / ſo iſt ſie von Chriſt -1. Familia. Vita Na - turalis. lichen / Ehrlichen vnd Adelichen Eltern Anno 1591. gezeuget vnd gebohren worden.

Jhr Herr Vater iſt geweſen / weiland der Edle / Ge -1. ſtrenge / Ehrnveſte / vnd Wolbenambte Herr Fridrich von Bock / auff Habendorff vnd Roſſenbach.

Jhres Herren Vatern Mutter / eine geborne Wuͤriſſin /2. aus dem Hauſe Vrſcka.

Jhres Herꝛn Vatern Vatern Mutter / eine gebohr -3.Dne Reib -[26]ne Reibnitzin / aus dem Hauſe Girlßdorff.

4.Jhres Herrn Vatern Mutter Mutter / eine gebohrne Stuͤbitzin / außm Hauſe Mertzdorff.

1. Jhre Fraw Mutter / iſt die Edle / Vielehrntugent - reiche Fraw Emerenziana / geborne Reinſpergin / aus dem Hauſe Dirſchkowitz: Jtzund hochbetruͤbte vnd leidtragende Wittib.

2. Jhrer Fraw Mutter Mutter iſt geweſen eine ge - bohrne Nimptſchin / aus dem Hauſe Referßdorff / ꝛc.

3. Jhrer Fraw Mutter Vatern Mutter / iſt geweſen eine gebohrne Geelhornin / aus dem Hauſe Pſchiderwitz.

4. Jhrer Fraw Mutter Mutter Mutter iſt geweſen / eine gebohrne Chettritzin / aus dem Hauſe Kinßbergk.

II. Pietas. Von jhren lieben Eltern iſt ſie auch dem HErꝛen Chri - ſto zugetragen / vnd durch das hochwůrdige Sacrament der heiligen Tauffe / der Chriſtlichen Kirchen einverleibet wor - den / iſt durchs Waſſer vnd heiligen Geiſt von newem geboh -Vitam gratiæ. ren / vnd alſo Vitam gratiæ, ein newes geiſtliches Genaden Leben erlanget.

Vnd demnach jhr lieber Herꝛ Vater vnlengſt nach jhrer Geburt dieſe Welt geſegnet / ſo iſt ſie von jhrer Fraw Mutter in der furcht Gottes / vnd zu Adelichen Tugenden aufferzogen worden / alſo daß ſie von Jugend auff / vnd die gantze zeit jhres Lebens / luſt vnd liebe zu Gottes Wort ge - tragen / daſſelbige fleiſſig angehoͤrt vnd geleſen / Auch mit ſolcher hertzlicher andacht vnd begierde / daß ſie auch eher nicht / als nach volbrachtem Segen vnd Beſchluß deß Got - tesdienſtes aus der Kirchen gegangen.

Hat ſich alſo recht vnd Chriſtlich jhrem in der heiligen Tauffe empfangenen Chriſten nahmen nach / Gottſelig verhalten.

Dann der HErꝛ Chriſtus ſein ſeligmachendes Wortauch[27]auch precioſam margaritam, eine koͤſtliche edle Perle nen - net / vnd vergleichet das Himmelreich den GottfuͤrchtigenMatt. 13. klugen Kauffleuten / als die jhr Geld weißlich vnd wol anle - gen / vnd alles was ſie in der Welt haben / fůr dieſe edle Perlen geben / denn ja kein Schatz hoͤher vnd herꝛlicher auff Erden ſein kan.

Man lieſet vom Iulio Cæſare, das er der Servilia ei - ne Margaritam oder Perlen gegeben / ſo auff 150. Tauſent Kronen / das iſt / faſt anderthalb Tonnen Goldes geſchetzet worden.

Cleopatra hat eine Perle gehabet / die auff 250. Tau - ſent Kronen geſchetzt worden / das iſt / drittehalb Tonnen Goldes werdt: Wenn jemand nun gleich eine ſolche Mar - garitam oder Perlen hett / die etzliche Toñen Goldes werdt were / oder hette gleich die gantze Welt / vnd hette gleichwol nicht diß edele Kleinodt / die ſchoͤne Perle vnd Schatz deß ſe - ligmachenden Wortes Gottes / was huͤlffe es jhn? Solches hat nun dieſe gegenwertige verſtorbene Adeliche Leiche / bey jhrem Leben wol in acht genommen / derwegen ſie fuͤr allen dingen nach dieſer edelen Perlen deß Goͤttlichen Wortes ge - trachtet hat / daſſelbige gerne gehoͤrt / lieb vnd wert gehalten.

Wie ſie dann auch eine ſondere Liebhaberin der heili - gen hochwuͤrdigen Sacramenten geweſen / zu welchen ſie ſich fleiſſig gehalten / jnmaſſen ſie ohn gefehr 3. Wochen fuͤr jhren angehenden Sechswochen / ſich mit Gott verſoͤhnet / jhr Glauben bekendtniß gethan / vnd mit wahrer Rew vnd Leid jhrer Suͤnden / vmb derſelben vergebung gebeten / ſich deß HErren Jheſu Chriſti Blut vnd Todt hertzlich in wah - rem Glauben getroͤſtet / mit ſolcher Chriſtlicher Andacht / das jhr die Augen voller Waſſer geſtanden / vnd darauff das hochwuͤrdige Abendmahl / neben jhrem hertzlieben Ehe -D ijgemahl /[28]gemahl / un mehr jtzt hoch betruͤbten Witwer in offener Ver - ſamlung empfangen.

Dieſe jhre Gottesfurcht iſt nun nicht ohne Frucht ab - gegangen / dann worzu ſie bey geſundem Leibe Luſt getra - gen / vnd was ſie aus Gottes Wort gehoͤret / geleſen vnd ge - merckt / deſſen hat ſie ſich in wehrender Kranckheit vnd letz - ten hinfart erinnert / vnd damit getroͤſtet / Vnd heiſt recht:1. Tim. 4 Pietas ad omnia utilis eſt, Die Gottesfurcht iſt zu allen dingen nůtz / vnd hat die verheiſchung dieſes / vnd deß zukuͤnff -Seneca in Thyeſt. tigen Lebens: Wie auch Seneca fein ſaget / Pietas, probi - tas, fides, privata bona ſunt, Gottſeligkeit oder Gottes -Hieron. Cœpiſſe multorũ eſt, ſed ad culmẽ perveniſ - ſe, pau - corum. furcht / Froͤmigkeit vnd Glaube / das ſind die fuͤrnembſten Schaͤtze / die ein Menſch in dieſer Welt haben kan.

Wer nun alſo Gottes Wort liebet / gerne hoͤret vnd be - helt / leſſet daſſelbige ſeiner Fuͤſſen Leuchte ſein / Pſal. 119. vnd beharret in der Gottesfurcht biß ans ende / der wird ſelig / Matth. 10. Dann Gottes Wort iſt eine Krafft ſelig zu ma - chen / alle die daran gleuben / Wer aus Gott iſt / der hoͤretIoh. 8. Luc. 11. Gottes Wort / Joh. 8. Vnd ſelig ſind die Gottes Wort hoͤ - ren vnd bewahren / ſie ſehen den Todt nicht ewiglich. Dieſes alles iſt nun erfuͤllet worden / der Seelen nach / an dieſer Ade - lichen Leiche / derſelbigen Leichnam werden die 12. Perlene Thore im Himliſchen Jeruſalem / in der Aufferſtehung der Todten auch vnverſchloſſen ſein. Apoc. 21.

III. Conju - gium. Jhren Ehſtand anlangende / da ſie zu jhren Jahren kom - men / iſt ſie von jhrer Fraw Mutter vnd Herren Bruͤdern Anno 1608. dem Edlen / Geſtrengen / Ehrnveſten / vnd Wolbenambten Herꝛen Chriſtoff von Hobergk / auff Fuͤr - ſtenſtein / ꝛt. verehlichet worden / vnd haben in die drey Jahr vnd funffzehen Wochen / in hertzlicher ehlicher Liebe vnnd Trew beyſammen gelebet / vnd iſt mit vielen ſchoͤnen Weib -lichen[29]lichen Tugenden geziert geweſen / hat ſich recht Adelich vndGregor. Nobili - tas eſt eſ - ſe clarũ virtuti - bus. ehrlich / ſtill vnd eingezogen / keuſch vnd zuͤchtig / in der Hauß - haltung trew vnd wirtlich erzeiget / vnd verhalten: Wegen ſolcher jhrer Tugend / Froͤmbkeit vnd Freundligkeit / iſt ſie jederman lieb geweſen / Jnſonderheit iſt ſie geweſen 1. Chara Margaritha marito, jhrem lieben Herꝛn ein hertzliebes Ehegemahl / dann weil ſie jhn hertzlich geliebet / geehret / in Fried vnd Einigkeit bey jhm gelebet / als hat er ſie widerumb hertzlich geliebet / als ſein eigen Leib / wie ſie dann ſolche Eh - liche Liebe vnd Trewe auch an jhrem letzten Ende hoch ge - ruͤhmet hat / deßhalben ſie jhr auch gewuͤnſchet / wann es Gottes wille were / ſie wolte gerne lenger bey jhrem lieben Herꝛen in Ehlicher Liebe vnd Trewe leben.

Jn ſolchem jhrem Ehſtande hat ſie Gott der Allmechti - ge auch mit einer geſunden lebendigen Leibesfrucht / vnd jun - gen Erben geſegnet / welchen der allgewaltige Gott / bey gut - ter Geſundheit ferner erhalten wolle / vnd verleihen / das er zunehme an Weißheit / Alter vnd Gnade bey Gott vnd Menſchen.

Wann der Ehſtand alſo gereht / daß rechte Gottes - furcht / hertzliches Vertrawen / Liebe / Fried vnd Einigkeit vnter Ehleuten iſt / da wohnet Gott / der leſt ſich mit ſeinem Segen vermercken / ja da iſt der Ehſtandt ein halber Him -Fœlix matri - monium eſt qvaſi paradi - ſus. mel: Solches ruͤhmet auch Koͤnig Salomo Proverb. 31. Wem ein Tugendtſam Weib beſcheret iſt / die iſt viel edeler / dann die koͤſtliche Perlen / jhres Mannes Hertze darff ſich auff ſie verlaſſen / ſie thut jhm liebes vnd kein leides ſein Le - benlang. Vnd Syrach am 26. Cap. ſpricht: Ein Tugent - ſames Weib iſt eine edle Gabe / vnd wird dem gegeben / der Gott fuͤrchtet / er ſey reich oder arm / ſo iſt ſie jhm ein Troſt / vnd macht jhn alle zeit froͤlich.

Wie es nun ein edle gabe Gottes iſt / vnd den EhleutenD iijein[30]ein hertzliche Frewde / vnd jrdiſches Paradiß / wann der Eh - ſtand wol gereht / alſo iſt es auch hergegen ein groſſes Her - tzeleid / wann die / ſo ſich hertzlich geliebet / durch den zeitlichen Todt von einander geriſſen werden. Wann ein Tugentſa - mes Weib einen fromen Man verleuret / ſo verleuret ſie jhr Haͤupt / dann der Man iſt deß Weibes Haͤupt / Epheſ. 5. Widerumb wann einem ehrlichen Manne / ſein trewer Ehe - gatte genommen wird / ſo wird jhm gleich ein ſtuͤcke von ſei - nem Hertzen genommen / Ja ſolche Hertzens angſt iſt nicht außzuſprechen / vnd genugſam zu beweinen.

Herodotus ſchreibet vom Koͤnige Pſamenito: Als er vom Keyſer Dario gefangen worden / vnd ſehen muͤſſen / das ſein Ehegemahl / die er hertzlich geliebet / fuͤr ſeinen Augen hingerichtet / vnd ſampt den Kindern erwuͤrget wird / da hat er ſich daruͤber nicht beweget / Als aber ſeiner Raͤhte einer zur Schlachtbanck gefuͤhret worden / hat er angefangen klaͤglich zu weinen / Vnd als er gefraget worden / warumb er vber dieſer Perſon weine / da er doch zuvor ſein Weib vnd Kinder nicht hette beweinet? Hat er geantwortet: Dome - ſtica mala ſunt majora lachrymis, Das Elendt vnnd Creutz / ſo einer an ſeinem lieben frommen Ehegemahl vnd Kindern ſihet / das iſt groͤſſer / als man es beweinen kan.

Solche hertzliche Liebe in jhrem Eheſtande / vnd darge - gen widerumb ſolche groſſe Hertzens angſt im ſcheiden / hat ſich bey dieſen zwoen Addlichen Perſonen auch vermercken laſſen / wie ſolches aus kleglichen Worten / Geberden / vnnd hertzlichen Seufftzern iſt abzunehmen geweſen.

2. Chara Matri, Jhrer Fraw Mutter iſt ſie geweſen ein liebes / fromes vnd gehorſames Kind / Derhalben hat ſie jhr auch nicht vergeſſen koͤnnen / Sondern alle Muͤtterliche fuͤrſorge fuͤr ſie getragen. So groß aber die Liebe der Eltern gegen den Kindern iſt / ſo groß iſt auch hergegen das Hertze -leidt /[31]leidt / vnd Schmertzen / wann Eltern ſehen / daß jhre Kinder fůr jhren Augen / in Kranckheit / oder Todes gefahr liegen / oder ſonſt in groß Vngluͤck gerathen.

Da Jacob erfuhr / daß ſein Sohn Joſeph todt were / wieExempla kleglich ſtellet er ſich / er zerreiſt ſeine Kleider / leget einen Sack vmb ſeine Lenden / vnd trug leide / vnd wolte ſich nicht troͤſten laſſen / Gen. 37. Gen. 37.

Da David erfuhr / das ſein / doch vngerathener Sohn2. Sã. 18. Abſolon todt war / wie kleglich ſtellet er ſich / wie laufft er im Saal herumb / vnd ſchreyet: Abſolon mein Sohn / O Abſo - lon mein Sohn / wolte Gott ich muͤſte fuͤr dich ſterben / O Abſolon mein Sohn / mein Sohn. Ja ſolche Hertzens angſt / ſo Eltern vber dem betruͤbten zuſtande jhrer lieben Kinder empfinden / kan nicht traurig genugſam beſchrieben / vnd mit Farben abgemahlet werden.

Welches dann auch jener kunſtreiche Mahler Timan -Valerius Maxim lib. 8. c. 12 tes mit ſeinem Gemehlde hat wollen zu verſtehen geben / als er deß Koͤniges Agamemnonis Tochter Iphigeniam ab - gemahlet / wie ſie im Kriege fuͤr Troja in beyſein jhrer El -Euripi - des in Aulide. tern geſchlachtet vnd auffgeopffert worden / da mahlet er die Trawerleute / wie Calchas tieff ins Leid gekleidet / gantz be -Theatrũ Zuingeri vol. 21. lib. 3. truͤbet außſehe / Ulyſſes der hange den Kopff zur Erden / Menelaus windet die Haͤnde / ſtellet ſich vngeberdig / Den Agamemnonem aber / der Jungfrawen Vater hat er ab - gemahlet / als wann er fuͤr groſſer Hertzensangſt vnd Trau - rigkeit den Kopff in ein Tuch / oder Trawrmantel eingehuͤl - let hette / damit dieſer Kunſtreiche Mahler zu verſtehen ge - geben / das es vnmoͤglich ſey mit Farben zu beſchreiben vnnd anzudeuten das Hertzeleid vnd Jammer / ſo die Eltern we - gen betruͤbtem zuſtande jhrer lieben Kinder in jhrem Hertzen empfinden / Jnmaſſen wir dann ſolche Hertzensangſt nicht wenig bey dem Muͤtterlichen Hertzen / gegen dieſer jhrer lie -ben[32]ben / nun mehr ſeligen verſtorbenen Tochter / dieſer gegen - wertigen Adelichen Leiche geſpuͤret haben / vnnd noch ver - mercken.

3. Chara propinqvis, Sie iſt auch lieb vnd wehrt ge - halten worden / von jhrem vielgeliebten Adelichen Geſchwi - ſter / Herꝛn Bruͤdern vnd Schweſtern / die ſie auch hinwi - derumb hertzlich geliebet / vnd ſich hertzlich gefrewet / wann ſie gehoͤret / das dieſelben haben ſollen zuſammen kommen / Derhalben jhr toͤdtlicher Abgang jhrem geliebten Ge - ſchwiſter nicht wenig ſchmertzlich iſt.

Bernhardus ſaget von ſeinem Bruder Gerhardo / den er ſehr lieb gehabet / vnd jhm abgeſtorben / weil wir ein Hertz vnd eine Seele geweſen / iſt ein zweyſchneidend Schwerdt durch beyder Seelen gangen / vnd hat vns von einander ge - riſſen / Et mediam partem collocavit in Cœlo, partem verò in Cœno deſeruit. Das iſt / der halbe theil iſt in den Himmel verſetzet / das andere vbrige theil aber iſt auff Erden im Kohte blieben / vnd ich bin daſſelbe elende ſtuͤcke: Nicht we - niger Liebe iſt bey dieſem Adelichen Geſchwiſter geſpuͤret worden / wie es jhre klegliche Worte vnd Geberde bey toͤdt - lichem abgang jhrer vielgeliebten Fraw Schweſter außge - weiſet haben.

Ach wie loͤblich vnd fein iſts doch / wann das Geſchwi - ſter alſo eintrechtig vnd friedlich bey einander lebet. Denn daran tragen Gott / die heiligen Engel vnd die Menſchen ein ſonderliches wolgefallen / Pſal. 133. Syrach 25.

4. Chara ſubditis, Sie iſt auch lieb geweſen jhren lieben Vnterthanen / weil ſie dieſelbten auch hertzlich geliebet / den Armen vnd Krancken alles guttes er zeiget / vnnd ſich ge - gen jhnen freundlich vnd demuͤttig erweiſet / So betrauren ſie heute auch billich derſelbten toͤdtlichen abgang / vnd wuͤn - ſchen / wann es Gott gefellig geweſen / das ſie noch langebeym[33]beym Leben were erhalten worden / vnd jhre liebe Erbfraw vnd Landesmutter lenger verblieben were / ꝛc.

Anlangende jhre Leibes ſchwachheit vnnd ſeligen Ab -IV. Obitus. ſcheid aus dieſer Welt / ꝛc. Demnach der Allgewaltige Gott ſie in jhrem Eheſtande fůr 6. Wochen / als den 16. Februa - rij mit einem jungen Erben geſegnet / hat ſie dem Allmechti - gen Gott fuͤr ſolchen Eheſegen hertzlich gedancket / der ſie dann widerumb alſo geſtercket / das ſie in kraͤfften teglichen zugenommen / alſo / das ſie ſelbſten viel weniger jhr hertzlie - bes Ehegemahl / vnnd auch jhr vielgeliebte Fraw Mutter nicht vermeinet / daß ſie ſo balde mit toͤdlicher Kranckheit het - te ſollen vberfallen werden / als den 27. Februarij / welcher war Montag nach Sexageſ: da ſie doch 11. oder 12. Tage ſich zuvor in zimlichem guttem Zuſtande befunden / geſche - hen / Da denn Diarrhæa ſich mit zimlichem groſſen ſchmer - tzen vnd reiſſen funden / welches continuè nach einander gewehret vnd angehalten / alſo / das ſie keinen natuͤrlichen Schlaff oder Ruhe hat haben koͤnnen.

Vnd ob zwar vom Herren Medico Doctore aller moͤglicher fleis fůr gewendet worden / auch allerley ordentli - che mittel verſucht / ſo viel ſolche Patienten moͤglichen zu gebrauchen / haben doch die Kraͤfften wegen ſteter anhal - tender Schmertzen dermaſſen abgenommen / vnd iſt die Na - tur alſo hefftig debilitiret worden / das ſie faſt ſelbſten an jhrem Leben angefangen hat zu zweifeln: Jedoch nach ver -Bernhar: Sæpè De nõ exau - dit ad vo luntatem ut exau - diat ad ſalutem. hoffet der linderung jhrer ſchmertzen / vnd jhr gewuͤnſchet / wann es Gottes wille were / ſie wolte gerne noch eine zeit - lang bey jhrem lieben Herren leben / ſie wolte fleiſſig beten / Hette doch Gott deß Koͤniges Hiskiæ Gebete erhoͤret / vnd ſein Leben verlengert / es wuͤrde Gott auch jhr Gebete viel - leichte erhoͤren / vnd wo es jhr ſelig / ſie noch eine zeitlang beym Leben erhalten.

EFrey -[34]

Freytages zu Nachte / welches war der 2. Tag deß Monats Martij / hat die Kranckheit vnd Schmertzen alſo vberhand genommen / das ſie auch daruͤber faſt wie in eine Ohnmacht geſuncken / vnd man nicht vermeinet / das ſie den - ſelbigen Morgen hette erleben ſollen / als ſie ſich aber Son - nabend gegen Morgen ein wenig beſſer befunden / vnd ich zu jhr kommen / jhr mit Troſte beyzuwohnen / hat ſie mich bey der Hand gefaſſet / vnd angefangen / Ach wenn mein ſtuͤnd - lein verhanden iſt / vnd als ſie das erſte Geſetz neben mir auß - gebetet / iſt ſie gleich daruͤber muͤde worden / vnd gar ein we - nig geruhet / darauff ſich bald erinnert deß zuvor abgeleſe - nen Spruͤchleins / Leben wir / ſo leben wir dem HErren / wel - ches ſie Gebetsweiſe gantz außgeſprochen / Leb ich / ſo leb ich meinem Gott / ſterb ich / ſo hoͤrt auff all mein Not / ꝛc. Wie ſie ſich dann auch anderer ſchoͤnen Spruͤche hat zu erinnern wiſſen / als Job. 19. Ich weiß das mein Erloͤſer lebet / 1. Joh. 1. Das Blut Jeſu Chriſti machet vns rein von vnſern Suͤn - den. Das ſchoͤne Gebetlein D. Eberi, HErꝛ Jheſu Chriſt war Menſch vnd Gott / hat ſie biß zum Ende mit hertzlichen Seufftzen / vnd ſonderlicher Andacht nachgeſprochen: Wañ die Schmertz ſich hefftig funden / hat ſie angefangen: Ach wenn wir in hoͤchſten Noͤthen ſein / vnd wiſſen nicht wo aus noch ein / etc.

Da ſie nun vermercket / daß die Kranckheit vnd ſchmer - tzen die Natur vberwuͤnden wuͤrden / hat ſie jhren willen in Gottes willen geſtellet / alle jhre Gedancken von dieſem zeit - lichen vnd jrdiſchen weſen abgewendet / vnd darauff weil es hat ſollen an ein ſcheiden gehen / jhren hertzlieben Herꝛen freundlich geſegnet / vnd jhm den jungen Erben / jhr liebes Kind fleiſſig befohlen / vnd gewuͤnſchet / das ſie bald im Ewi - gen Freuden leben vnd Seligkeit moͤchten widerumb zuſam - men kommen / vnd einander ſehen / vnd darauff mit groſſergedult[35]gedult jhres Sterbeſtuͤndleins vnnd ſeligen Abſcheides mit verlangen erwartet.

Dieweil aber die Adeliche Kindtauffe 3. Tage hernach war angeſtellet / ſie aber zweifelte / das ſie denſelbigen Tag nicht erleben moͤchte / hat ſie jhren lieben Herꝛen / nunmehr hochbetruͤbten Witwer fleiſſig gebeten / er wolle jhr zu gut - ter letzte dieſe Bitte gezweigẽ / vnd alsbald denſelbigen Son - nabend die Adeliche Kindtauffe anſtellen / vnd ergehen laſ - ſen / in jhrer gegenwart / weil ſie noch beym Leben ſein moͤch - te / welcher jhrer Bitte als bald er jhr auch hat gezweiget / vnd das Adeliche Kindlein / durch das Sacrament der hei - ligen Tauffe dem HErꝛen Chriſto zugetragen / vnnd der Chriſtlichen Kirchen einverleibet worden / bey welcher aller - heiligſten Action ſie ſo andechtig geweſen / das ſie jhre Hen - de ſtets in einander geſchlagen / vnd mit Mund vnd Her - tzen / die worte der einſetzung / neben den gebreuchlichen Tauffgebetlein nach geſprochen / vnd nach volbrachter hei - ligen Tauffe / Gott von Hertzen gedancket / der jhr vnd jrem lieben Kinde ſolche genade vnd wolthat er zeiget / vnd wider - fahren laſſen / ſie wuͤſte nu gewiß / das ſie jhr liebes Kind im ewigen Leben widerumb mit freuden ſehen wuͤrde.

Hierauff ſie denn das Kindlein inn jhre Arme genom - men / mit ſeinem Tauffnahmen genennet / gekuͤſſet / vnnd daſ - ſelbige nunmehr als eine ſterbende Mutter geſegnet / vnd alſo auch Chriſtlich jhren Abſcheid inn dieſer Welt von jhm ge - nommen.

Jn jhrer wehrenden Kranckheit vnd anhaltenden ſchmer - tzen hat ſie ſich allezeit fein aus Gottes Wort wuſt zu troͤ - ſten / wie jhr dann auch allerley ſchoͤne Troſtſpruͤche vnd Ge - betlein ſind fuͤr gehalten worden / wie es hat die gelegenheit geben wollen / als nemlich /

Eſa. 1. Wenn ewere Suͤnde gleich Blutrot weren / ꝛc. ()E ijEſa.[36]
Eſa. 49. Kan auch eine leibliche Mutter jhres Kindes vergeſſen.
Ezech. 33. So war als ich lebe / ich wil nicht den Todt deß Suͤnders / ꝛc.
Pſal. 42. Wie der Hirſche ſchreyet nach friſchem Waſ - ſer / ꝛc.
Pſal. 32. Jn deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt / ꝛc. ()
Pſal. 73. Wann ich nur dich habe HErr / ſo frage ich nichts nach Himmel / ꝛc.
Joh. 3. Alſo hat Gott die Welt geliebet / das er ſeinen einigen Sohn / ꝛc.
Joh. 10. Meine Schafe hoͤren meine ſtimme / ꝛc. ()Joh. 11. Jch bin die Aufferſtehung vnd das Leben / ꝛc. ()
Rom. 8. Es iſt nichts verdamlichs an denen die in Chri - ſto Jheſu ſind / ꝛc.
Rom. 14. Vnſer keiner lebet jhm ſelber / ꝛc. ()Phil. 1. Chriſtus iſt mein Leben / ſterben iſt mein gewin. ()
1. Joh. 1. Das Blut Jeſu Chriſti / macht vns rein von Suͤnden / ꝛc.
1. Joh. 2. Ob jemand ſuͤndiget / ꝛc. ()Act. 7. HErr Jeſu nim̃ meinen Geiſt auff. ()

Auch ſind jhr fuͤr gehalten worden nach - folgende Gebetlein:

HErr Jeſu Chriſt war Menſch vnd Gott / ꝛc. ()HErr wie du wilt ſo ſchicks mit mir / ꝛc. ()O Jeſu lieber HErre mein. ()Ein Wuͤrmlein bin ich arm vnd klein / ꝛc. ()

Solche jtzt erzehlete Spruͤche vnd Gebetlein / hat ſie mit groſſer andacht angehoͤret / geſeufftzet / gen Himmel ge - ſehen / ſich ſo Chriſtlich geberdet / vnd gefrewet / als wenn ſie ſchon mit jhren Augen einen anblick inn das ewige Leben thete.

Folgen -[37]

Folgenden Sontag fruͤ Morgends / welches war der 4. Martij / iſt ſie gar ſchwach geweſen / vnd hat ſich begundt mit jhr zum Ende zu nahen / alſo / das ſich vmb den Mittag die Sprache geleget / iſt gantz ſtille fuͤr ſich hingelegen / als wann ſie ſchlieffe / biß ſie gegen Abend zwiſchen 4. vnnd 5. Vhr gantz ſanfft vnd ſtille / ohne einige Bewegnis / inter preces & lacrymas circumſtantium im 21. Jahr jhres alters / gantz ſeliglichen verſchieden.

O Todt / O Todt / du grimmiger vnd vnbarmhertziger Todt / in was Trawren haſtu vns alle mit einander geſetzet / zuvor auß das loͤbliche Haus Fuͤrſtenſtein / etc.

Vnſerm lieben Erb - vnd Lehnsherrn haſtu genommen Chariſsimam Margaritham, ſeine liebſte vnd edelſte Per - le ſein hertzliebſtes Ehegemahl / die nechſt Gottes Wort ſein hoͤchſter Schatz auff dieſer Welt war.

Der hochbetruͤbten Adelichen Mutter haſtu genom - men ein fromes / gehorſames / liebes Kind vnd Tochter / vnd mit dieſem vnverſehenen Todes fall ein ſtuͤck vnd theil jhres Lebens mit hinweg geriſſen.

Den Herren Brůdern vnd Schweſtern / vnd der gan - tzen Adelichen Freundſchafft haſtu genommen eine freund - liche / holdſelige / liebe Schweſter / vnd Freunden.

Vns Vnterthanen aber haſtu genommen / eine rechte trewe Landesmutter / die es trewlich vnd gut mit vns gemei - net / vns alles liebes vnd guts / vnd kein leid gethan hat / wie wir denn alle jhr deſſen mit warheit muͤſſen das Zeugnis ge - ben / vnnd wolten alleſampt jhr das Leben gerne lenger ge - wuͤnſchet vnd gegoͤnnet haben / wann es Gottes wille gewe - ſen were.

Ach du grimmiger Todt / hetteſtu doch ſonſt ein inu - tile pondus terræ ergriffen / vnd einen Gottloſen Men - ſchen vnd vnnuͤtzen Brodfreſſer hinweg genommen vnnd ab - gewuͤrget / ꝛc.

Aber[38]

Aber was hilffts / wen es trifft den trifft es / Contra mortis imperium nullum eſt remedium, Wider Todes gewalt hilfft lauter nichts / keiner kan ſich ſeiner erwehren / denn da iſt jhm Simſon nicht zu ſtarck / Abſolon nicht zu ſchoͤn / David nicht zu heilig / Salomo nicht zu weiſe / Aha - ſael nicht zu geſchwinde / ſie muͤſſen alle dem Tode herhalten / vnd iſt kein Menſch auff dieſer Welt / der den Tod nicht ſehe / derhalben der Tod ein Weg aller Welt / oder alles Fleiſches genennet wird.

Dieweil es denn anders nicht ſein kan / ſondern es mus geſtorben ſein / als ſollen wir vber dem ſeligen Abſcheide vnſe - rer gleubigen Mit Chriſten nicht auff Heydniſche weiſe trau - ren / die keinen Troſt haben der froͤlichen Aufferſtehung / ſondern ſollen nach Syrachs ermahnung am 38. Cap. als Chriſten trauren / vnd vns wider troͤſten / denn von trauren koͤmpt der Todt / vnd deß Hertzen traurigkeit ſchwechet die Glieder.

Conſol. Sol demnach der hochbetruͤbte Witwer ſich heute troͤſtẽ / daß / wie ſein hertzliebes Ehegemahl nicht jhr ſelber / ſondernFeras nõ culpes, qvod mu tari non poteſt. dem HErren gelebet / alſo iſt ſie auch dem HErren geſtor - ben / der jhr die ſtunde jhrer Geburt beſtimmet hat / der hat jhr auch baldt dieſe ſtunde / inn welcher ſie verſchieden / zu jhrem ſeligen Abſcheide beſtellet vnd verordnet / vnd weil ſie3. Vita glo - riæ. dem HErren gelebet vnd dem HErren geſtorben / ſo iſt ſie auch deß HErren todt vnd lebendig / der hat jhre Seele inn ſeine allmechtige Hand eingeſchloſſen / das ſie inn Ewigkeit keine Qual anruͤhren ſol / der wird auch jhren verſtorbenen Leichnam vnd Gebeine in der Erden verwahren / biß an den Juͤngſten Tag / da er den Leib mit der Seelen widerumb vereinigen wird / vnd in das Ewige Leben verſetzen / da jhr einander widerumb ſehen werdet / in groſſer Freude / welche Freude niemand von euch nehmen wird: Vnd wie ſich Eh -leut[39]leut ſonſt in dieſer Welt frewen / die eine zeitlang ſind von einander geweſen / wann ſie wiſſen / daß ſie widerumb mit geſund zuſammen kommen ſollen / alſo werdet jhr euch im Ewigen Leben auch mit einander frewen / die jhr eine zeit - lang durch den zeitlichen Todt ſeidt von einander getrennet geweſen / da werdet jhr einander freundlich empfangen / vnd vber ewer Seligkeit einander gratuliren vnd ſagen: Gott ſey gelobet vnd gepreiſet in alle Ewigkeit / daß wir allhier im Ewigen Leben widerumb zuſammen kommen / Dorte in je - ner Welt haben wir beyſammen gelebet / in Fried vnnd Ei - nigkeit / in Lieb vnd Leid / Allhier aber leben wir in Himli - ſcher Wohne vnd Freud / vnnd da werdet jhr erſt einander recht ins Hertze ſehen koͤnnen / vnd werdet einander hertzlich dancken vnd nachrůhmen alle Liebe vnd Trewe / die eines dem andern in dieſem Leben erzeiget vnd bewieſen hat.

Die hochbetruͤbte Fraw Mutter ſol ſich troͤſten / daß weil jhre liebe Tochter dem HErren gelebet / vnd dem HEr - ren geſtorben iſt / vnd der Seelen nach / nicht todt iſt / ſon -Pſal. 118. dern lebet / bey jhrem lieben HErren Jeſu Chriſto / vnd heiſt recht mit jhr: Vivam, non moriar, qvia vitam morte lu - crabor, Jch werde nicht ſterben / ſondern leben / vnnd deß HErren Wort verkuͤndigen. Vnd wie S. Paulus ſaget: Chriſtus vita mea eſt, igitur mea mors mihi lucrum eſt, Chriſtus iſt mein Leben / ſterben iſt mein gewin. Vnd ob ſie jhr zwar eine liebe Tochter geweſen / ſo iſt ſie doch demCœlo nata eſt, cœlo re - nata, - lo ſancti - ficata, cœlo in - ſerta. ewigen allmechtigen Gott auch lieb geweſen / der jhren Nah - men in das Buch deß Lebens geſchrieben / ja in ſeine allmech - tige Haͤnde gezeichnet / vnd ſie zu ſich in das ewige frewden - reiche Leben verſetzet hat / da wird ſie auch jhre liebe Toch - ter mit freuden wider finden / denn da wird ſein dies reſtitu - tionis omnium, Der Tag der wider erſtattung alles dinges. Eſa. 49.

Qvot -[40]
(Qvotqvot erunt, animas & qvot nos ante fuerunt,
Accipient læto magna theatra ſinu:
Fas erit hìc noſtræ vultus agnoſcere gentis,
Atq; dare alternis mutua verba ſonis.
Hic cum fratre ſoror nati cum patribus ibunt,
Veſpere nec feſtos finiet ulla dies.)

Das hochbetruͤbte Geſchwiſter allerſeits / vnd die gantze traurige Freundſchafft / ſol ſich heutiges Tages auch troͤ - ſten: Weil ewere liebe Schweſter vnd Freundin dem HEr - ren gelebet / vnd dem HErren geſtorben / daß ſie deß HEr - ren todt vnd lebendig iſt / vnnd iſt jtzund bey einer ſolchen Himliſchen Freundſchafft / bey der jhr ſo wol iſt / das ſie nicht die gantze Welt nehme / vnnd kaͤhme widerumb zu vns in diß Jammerthal. Vnd ob jhr nunmehr allhier auff Er - den jhrer entrahten muͤſſet / wird euch doch der HErre Je - ſus Chriſtus dort in jenem ewigen Leben widerumb zuſam - men bringen / vnnd alldar in ewiger Freundſchafft / FreudeCicero in Tuſc. Non eſt lugenda mors qvã immor - talitas cõ ſeqvitur. Dũ funus agit, no - bile fœn agit. vnd Wohne erhalten Bedarff derwegen dieſe Adeliche Lei - che keines weinens vnd wehklagens mehr / weil ſie jhre Noth vnd Todt ſeliglichen vberwunden hat / vnnd an dem orte iſt / da jhr gantz wol / vnd ſie ſicher iſt / vnd wann ſie widerumb ſolte in dieſe Welt kommen / vnd euch ſo hoch betruͤbet ſehen / wuͤrde ſie euch ſelbſten troͤſten / vnd ſagen: Qvid meam de - fletis mortem, de veſtris potius gemite miſeriis: ego enim non niſi præeo, vos paulò pòſt ſeqvemini, Ach mein hertzliebes Ehegemahl / Ach meine hertzliebe Mutter / Ach meine liebe Bruͤder vnnd Schweſtern / Meine liebe Freunde / was beweinet jhr meinen Todt / beweinet vnd be - klaget viel mehr ewern Jammer vnd Elend / dem jhr nach meinem Abſterben noch eine zeitlang muſt vnterworffen ſein / Jch gehe jtzt nur vorahn / ex conſpectu peccatorum in Contubernium angelorum, jhr werdet mir bald nach - folgen.

Darauff[41]

Darauff nehmen wir nun vnſeren Abſcheiden von die - ſer Adelichen Leiche / vnd geſegnen ſie in dieſer Welt / Der ewige allmechtige Gott / dem ſie gelebet hat / dem ſie geſtor - ben iſt / vnd dem ſie der Seelen nach / jtzund auch noch lebet in der ewigen Freude vnd Seligkeit / der wolle nun jhren Leichnam auch in der Erden bewahren / demſelben eine ſanff - te Ruhe / vnd am Juͤngſten Tage / eine froͤliche Aufferſte - hung verleihen zum Ewigen Leben.

Ach HErre Jheſu Chriſte / du Sohn deß lebendigen Gottes / der du biſt ein HErr vber Todt vnd Leben / wir dan - cken dir von Hertzen / daß du dieſe Adeliche Leiche von allem Vbel erloͤſet haſt / vnd ſie genedig vnd ſelig von dieſem Jam - merthal abgefodert / in die ewige Freude vnd Seligkeit / wir bitten dich hertzlich / du wolleſt jhre Gebeine nu auch inn der Erden verwahren / biß an den Juͤngſten Tag / als dann ver - kleren / vnd mit der Seelen im ewigen Freudenreichen Leben vereinigen. Dem hochbetruͤbten Witwer / ſampt der gan - tzen traurigen Freundſchafft mit reichem Troſte beywoh - nen / das ſie ſich durch beyſtandt deß heiligen Geiſtes ſolcher jhrer Traurigkeit meſſigen / mit gedult ertragen / vnd ſich in deinen Willen ergeben. Vnd vns alleſampt auch verleihen / daß wir dir leben / vnnd wenn vnſer Sterbeſtuͤndlein auch herzu nahet / daß wir dir auch ſelig ſterben / vnnd am Juͤng - ſten Tage zum Ewigen Leben moͤgen aufferwecket werden / vnd bey dir in der Himliſchen Freude ewiglich ſein vnd blei - ben moͤgen / der du ſampt deinem Vater vnd heiligen Geiſt herrſcheſt vnd regiereſt / wahrer Gott / hochgelobet in alle Ewigkeit / Amen / Amen / Amen.

FGebet. [42]

Gebet.

LEb ich / ſo leb ich meinem Gott /
Sterb ich / ſo hoͤrt auff all mein Not /
Jch gleub daß mein HErr Jheſu Chriſt /
Fuͤr all mein Suͤnd geſtorben iſt /
Wer an jhn gleubt / der ſtirbet nicht /
Kompt auch nimmermehr ins Gericht /
Drumb ich zu ſterben willig bin /
Abſterben iſt mein beſt gewin.
Wenn Gottes Poſaun wird angehn /
Am Juͤngſten Tag wil ich auffſtehn /
Bey Chriſto ſein in ewigr Freudt /
Das helff mir Gott in Ewigkeit.
AMEN.
Vivo tibi, moriorq́; tibi, tuus ó pie Chriſte,
Sum totus vivens, ſum moriensq́; tuus.

NOBILISSIMA, PIETA - TE ET MATRONALI FIDE SPECTA - tiſſima Fœmina, Margaretha Bockia, Magnifici & Nobiliſſimi Viri Domini Christo - phori ab Hoberg, Domini in Fürſtenſtein, Conjunx dilectiſsima & deſideratiſsima cœleſte πο - λίτευμα jam jam ingreſſura maritum ſuum hoc modo alloqvitur.

HEu miſera hæc qvantis agitatur vita procellis!
Heu nos mortales qvanta pericla manent!
Nunc aliqvis lætus tranqvillo pectore gaudet,
Mox ſentit damnum rebus ineſſe ſuis.
Iam[43]
Iam nobis ſano pollent in corpore vires,
Mox ægri medicæ poſcimus artis opem.
Innumer abilium plena hæc est vita malorum,
Sed mors cœlicolæ, vita, ſalus, reqvies.
Cur igitur plores, dulcis, mea fata, Marite,
Et gemines curas, mæſtitiamꝙ́ noves?
Non amiſſa tibi ſed ſum præmiſſa ſub arcem
Vita ubi me, IOVA contribuente, manet.
Ergò pone modum mœrori, triſtitiæꝙ́:
Marcida res facta est cœlica) pone modum,
Filius intereà, peperi qvem mœſta dolore,
Eſto Hohbergiacæ lecta corona domus.
Hiccè tuos oculos ſoletur matris imago,
Ac vicc defunctæ gaudia mille ferat.
Tempus erit, qvando complexibus oſcula figent,
Ad tempus, qvos nnnc dividit atra dies.

M. Nicolaus VVeidenhofferus verbi divini Miniſter in Merckels - dorf & Abersbach.

EPICEDION IN OBITUM NOBI - LISSIMÆ FÆMINÆ MARGARE - Bockiæ, Magnifici & Nobiliſſimi Domi - ni Christophori ab Hoberg in Fürſten - ſtein, &c. Conjugis deſideratiſſimæ poſt natum Filiolum denatæ.

SIc ne ergó fatis conceſsit Habergia conjux?
Sic eſt, qvam vivam vidimus eſſe, fuit.
F 2Nil[44]
Nil igitur Pietas potuit, nil nobile ſtemma,
Stemma & Bockiadûm nobilitatis agro?
Nil candor nive candidior, nil forma venuſta,
Lis orta unde fuit nulla pudicitiæ?
Nil potuit Pietas, potuit nil nobile ſtemma,
Nil candor potuit, forma venuſta nihil.
Scilicet inſano mors cuncta abſorbet hiatu,
Nec Pietas, Candor, formaq́; pulcra movent.
O mea ſi conjux oculis mihi carior hiſcè
(Aut oculis ſi qvid carius eſſe poteſt.)
Viveret, è triſti ingeminabit pectore conjux,
Conjux Nobilium flosq́;, decusq́; virûm!
Viveret ô Mater! clamabit ſubdita turba:
Nam matrem turba hanc ſenſit egena ſuam,
Sed qvid vota juvent ſæpè ingeminata maritum,
Qvid dolor, & mœſti ſigna dolenda animi?
Ius mortis rigidum eſt, & inevitabile fatum,
Et vita ad mortem proxima noſtra via eſt.
Tu defuncta locum, multis erepta periclis,
In cœlo lætis juncta animabus habes.

Compoſitum à Johanne Schelnbachio. Anno ChrIſtVs Vera reDeMtio.

[45]
DEPOSITUM VEL TESTAMENTUM PAU - linum,
Deß Hocherlauchten Apoſtels S. Pauli Beylage oder Teſtament. WElches er allen fromen Chriſten / kurtz vor ſeinem Tod / in ſeinem gefenglichen Hafft zu Rom / gemacht / vnnd jhnen zum Exempel vnd Nachricht auffgeſchrieben / vnd hinterlaſſen / in ſeiner Kirchenagenda an Timotheum:
Auffgeſucht / vnnd einfeltig / auſſer der Kirchen auffm Gottesacker erklaͤret / bey dem an - ſehnlichen vnd Volckreichen Begraͤbniß / der weilandt Edlen / Geſtrengen / Vielehrentu - gendtreichen Frawen Margarethæ Hober - gin / ꝛc. gebornen Bockin / ꝛc. aus dem Hauſe Habendorff / ꝛc. geweſenen numehr ſeligen / Erb - vnd Lehnsfrawen auff Fuͤrſtenſtein / ꝛc.
[46]

Magnificis, Generoſis, anti - qva Proſapiæ & Generis Nobilitate, Eruditio - ne, Scientiâ, & Virtute clariſſimis & laudatiſſimis Viris, ac Dominis: Dn. Christophoro ab Hobergk, &c. Dynaſtæ in Fuͤrſtenſtein / ꝛc. Magiſtratui & Patrono meo benigniſſimo. Dn. Friderico, et Dn. Sigismundo à Bock, &c. Fratribus, Dominis in Ha - bendorff & Roſſenbach / ꝛc. Dominis meis Fautoribus & Mecœ - natibus benevolentißimis S.

Epigramma Dedicatorium.
FElix deponit corpusq́; animamq́; Jehovæ,
Qvi Deî Pręſidium, Spemq́;, Fidemq́; tenet.
Margaris hâc obiit ratione, piiſſima Conjunx;
Margaris hâc obiit conditione Soror.
O gaudete Viri generoſi! Lucida Cœlo
Conjunx, atq́; Soror, jam ſuper aſtra micat.

Iohannes Henricus Symmiſta Freibur - genſis.

[47]

PRÆAMBULUM CONCIONIS.

MEine Geliebten vnd Auſſer -Vrſach die. ſer Volckrei - cheu Ver - ſamlung. wehleten in vnſerm hochgelobten lie - ben HErren vnnd Heylande Jheſu Chriſto: Vns verfuͤget heute zuſam - men / alhier auff dieſem Gottesacker vnd Ruheplan der Kinder Gottes / an einem ſonſt vngewoͤhnlichen Ort Predigt zu hoͤren (deſſen wir vns auff dißmal nothalben genietten muͤſſen / wegen der groſſen vnd Volckreichen Verſamlung / welcher vnſere Kirche zu enge) nicht die Chriſtliche Son - tagsordnung / oder ſonſt ein Jahruͤblicher Feſt - vnd Feyertag: Sondern der vieltraurige vnnd toͤdtliche Abgang vnſerer nunmehr ſeligen / vnd in dem HEr - ren ruhenden / geweſenen geliebten Erb - vnd Lehns - frawen / auff Fuͤrſtenſtein / ꝛc. Der weilandt Edlen / Geſtrengen / Vielehrentugentreichen Frawen Mar - garethæ Hobergin / gebohrnen Bockin / aus dem Hauſe Habendorff / etc. welche den 4. Martij / (war der Sontag Eſto mihi) zwiſchen 4. vnd 5. der hal - ben Vhr / auffm loͤblichen Hauſe Fuͤrſtenſtein / inn der dritten Woche / nach jhrer ſeligen Arbeit / im keu - ſchen vnd Gott wolgefelligen Frawenorden / verbli - chen vnd verſchieden. Sie hat aber gar ſeliglich / vndWie vnſere Geſtrenge Erb - vnd Lehensfraw geſtorben[:] Chriſtlich jhr Leben beſchloſſen / vnd geendet:

Den[48]

1. Jn wahrem Glauben vñ hertzlicher Anruffung deß HErren Je[ſu].Denn I. iſt ſie geſtorben: In verâ Chriſti Fiduciâ & invocatione, Jn wahrer vnd gleubiger Erkendt - nis / auch hertzlicher Anruffung deß HErren Jeſu Chriſti. Ach wie hat ſie all jhren Glauben / Vertrau - en vnnd Hoffnung von gantzem Hertzen auff den HErren Jeſum geſtellet! Ach wie hertzlich vnd in - bruͤnſtig hat ſie gebetet! Vnd ſich in ſolchem Glau - ben vnd Gebet dem HErren Jeſu williglich ergebẽ.

2. Jn jhrem Gott wol. gefeiligen Orden vnd Beruff.Zum II. iſt Sie geſtorben: In piâ & ordinariâ ſtatione & Vocatione, inn einem Gottſeligen vnd ordentlichen Stande vnd Beruff / als nemlich / inn jhrem Kindelbet / nach jhren / drithalbe Woche zu - vor / gluͤcklich außgeſtandenen vnd volbrachten Kin - desnoͤthen. Da ſie denn ſo Chriſtlich vnd loͤblich er -Seliger Tod der Kindel - betterin. legen / vnd blieben / als ein Prediger auff ſeiner Can - tzel / oder ein ritterlicher Kriegßman auff ſeiner Wal - ſtadt / wie die alten Lehrer hiervon reden.

3. Jn groſſer Gedult.Zum III. iſt Sie auch geſtorben: In ſingulari Patientiæ declaratione, Jn trefflicher vnnd ſonder - barer erzeigung vnd erweiſung der Gedult / in jhren hoͤchſten noͤhten vnd ſchmertzen. Sie hat jhre Seele mit Gedult gefaſſet / vnd in jhrer groſſen Schwa - heit / wie ein Laͤmlin gelegen / vnd alſo geduͤldig jhrenJhr gantz Leben iſt ge - weſen Tu - genthafft vnd zierlich. Geiſt auffgegeben. Jn dieſen ſtuͤcken allen / hat ſie ſich / als eine geiſtliche Edle Margarita, oder Perle / durch jhr gantzes Leben / auch bey jhrer wehrenden Kranckheit / vnnd letzten Hinnefahrt aus dieſemelen -[49]elenden Lazareth vnd Threnenthal erwieſen.

Nun dieſer vnſer nunmehr ſeligen / vnnd in demVnſer ge - buͤhr vnd ſchuͤldigt pflicht. HErren ruhenden / geweſenen / geliebten Erb - vnnd Lehnsfrawen / ſollẽ wir nun den letzten Ehrendienſt / zu jhrem Adelichen Ruhebettlein vnd Schlaffkaͤm - merlein jhrer Adelichen Grufft / mit lehrung vnnd anhoͤrung Goͤttliches Worts / auch anderer Chriſt - lichen andacht / gebuͤrender Condolentz vnd Mitlei - digkeit / preſtiren oder geleiſten / vnnd aus denen Spruͤchlein / darauff ſie jhren Glauben vnd ſeligen Abſchied gegruͤndet vnd genommen / ein ſonderlichs vnd mercklichs / als das rechte Depoſitum Chriſtia - num, oder aller fromen Chriſten Beylage / vns an - gelegen vnd befohlen ſein laſſen.

Weil wir nun aber auff dieſen ſchlag vnnd mei - nung / etwas zu behertzigen vnd zu betrachten haben / vnd ſolches ohn die Gnade vnnd Barmhertzigkeit Gottes nicht ablauffen kan noch ſoll / als wollen wir den Vater aller Gnaden vnd Barmhertzigkeit / vmb huͤlffe vnd beyſtand deß heiligen Geiſtes / inn Chriſto ſeinem lieben Sohn / hierzu beſprechen vnd anruffen / auff das ſolches alles geſchehe / gelange / vnd gereiche / Gott dem HErren / vnd ſeinem heil - wertigen / Majeſtetiſchen Namen zu lob / preiß / vnd ehren / zu erbawung der H. Chriſtlichen Kirchen / zu vergebung vnſerer Suͤnden / zu Troſt vnſerer bloͤ - den Gewiſſen / vnd zu ſterckung vnſers ſchwachenGGlau -[50]Glaubens / ſo wir auch dieſe Apoſtoliſche Beylage in vnſern Hertzen tragen vnd behalten werden / daß wir auch die ewige Glory vnd Herrligkeit deß ewi - gen Lebens / mit allen Auſſerwehlten / aus Gnaden an jenem Tage ererben werden. Solches nun von der Goͤttlichen Majeſtet zu erlangen / wollen wir auff vnſere Knie demuͤtiglich niderfallen / vnd beten ein andechtiges vnd gleubiges Vater vnſer.

Hierauff wolle nun Ewre Chriſtliche Liebe in der Furcht Gottes / vnnd in aller andacht anhoͤren / auch mit allem fleiß vermercken vnnd behalten / ein denckwuͤrdiges vnnd ſchoͤnes Spruͤchlein / welches wir vns auff diß hochadeliche vnd anſehliche Leich - begaͤngnis / mit huͤlffe vnd beyſtand deß H. Geiſtes / zu erklaͤren / fuͤr die Hand genommen: Wie vns daſ - ſelbe beſchreibet der H. Apoſtel Paulus / in ſeiner 2. Epiſt. an Timoth. geſchrieben / am 1. Cap. vnnd lau - ten dieſelben mercklichen vnd ſchoͤnen Wort auff vn - ſer Deutſch alſo:

TEXTUS.

JCh weiß / an welchen ich gleube / vnd bin gewiß / das Er mir kan meine Beylage bewaren / biß an jenen Tag. ()

EXORDIUM.

Meine[51]

MEine Geliebten vnd AuſſerwehletenExordiũ ex ipſis Pauli verbis. in vnſerm hochgelobten lieben HEr - ren vnd Heylande Jeſu Chriſto: Diß abgeleſene Spruͤchlein deß H. Apo - ſtels Pauli, wird billich aus ſeinen ſelbſteignen worten geheiſſen vnd genennet: DepoſitumS. Pauli Beylage oder Teſta - ment. vel Teſtamentum Paulinum, Die Beylage oder das Teſtament / vnd letzter wille deß H. Apo - ſtels Pauli. Dann er redet von ſeiner Beyla - ge / was er jhm inn ſeinem Hertzen beygeleget vnd verheget. Vnd macht hiemit gleich ſein Teſtament / oder letzten willen / ſetzet vnd mel - det / was ſeine endliche Meinung ſey / auch biß an ſeinen letzten Seufftzer ſein ſolle / wo - rauff er beruhen / vnd ſeliglich ſterben wolle.

Denn als er dieſe andere Epiſtel an ſeinenWenn S. Paulus die - ſe wort vnd gantze Epi - ſtel geſchrie - ben? hertzlieben Bruder Timotheum geſchrieben / hat er zu Rom vnter dem Tyrannen Nerone, auff den Halß / vmb deß heiligen Evangelij willen / gefangen gelegen / vnd iſt zum andern mahl fuͤr den Keyſer geſtellet worden / auch vnlengſt hernach / vmb ſeines Glaubens vnd ſtandhafften Bekendtniß willen / mit dem Schwerd gerichtet / vnnd enthaͤuptet wor -S. Pauli Todt. den. Welch ſein Ende er / als ein hocherlauch - tes Werckzeug deß H. Geiſtes / wol erkandt vnd geſehen.

G ijWeil[52]

S. Pauli Beſchluß / worauff er leben vnd ſterbẽ wolle.Weil jhm denn nun ſolches offenbar / das ſein ſtuͤndlein nahe verhanden / So macht er gleich ſein Teſtament oder letzten Willen / vnd ſaget was ſein Hertz vnnd meinung ſey / auch wie vnd worauff er ſein Valet vnd gutte Nacht aus dieſer boͤſen Welt nemen / vnnd ſei -Warumb er ſolches thuet Aller fromẽ Chriſten de - putat vnd beſcheiden theil. Act. 14. nen Todt geduldig leiden wolle. Thut aber ſolches allen andern kuͤnfftigen Blutzeugen Chriſti / ja allen fromen Chriſten / die doch alle auch / keinen außgeſchloſſen / durch viel Creutz vnd Truͤbſal ins Reich Gottes einge - hen muͤſſen / zur nachricht / das ſie jhm vornem - lich in ſolchem Punct vnd Stuͤck deß wahren Chriſtenthumbs nachfolgen ſollen.

Rechte Sterbkunſt aller Chri - ſten.Vnd diß iſt die rechte vnnd vnfehlbare ἐυθανασία, oder ſelige Sterbekunſt / vnd Himel - fahrt aus dieſem elenden Zeeren-Thren - vnd Jammerthal / in den Himliſchen Frieden-vnd Frewdenſaal deß Ewigen Lebens. Wer jhm nun diß Teſtament S. Pauli wol wird ein - bilden / vnd es auch ſein Teſtament / ſeinen ſte - ten / taͤglichen / ſtuͤndlichen / vnd endlichen letz -S. Pauli Teſtaments nutz vnd fromen. ten willen vnd meinung wird ſein laſſen / der wird gewiß mit S. Paulo / vnd allen Gleubi - gen ſelig werden. Wollen demnach auff dieſe kurtze vnd wenige zeit / die wir noch beyſam - men zu bleiben fuͤr vns haben / diß einige / kur -tze /[53]tze / vnnd wenige Stuͤcklein zu behertzigen vnd zu betrachten / fuͤr die Hand nehmen / als nemlich:

Von der rechten Beylage aller fromen Chriſten /Propoſi - tio. was ſie jhnen / nach dem Exempel vnd Anleitung deß H. Apoſtels Pauli / je vnd allezeit inn jhrem Hertzen beylegen / darinne tragen vnnd behalten ſollen: Das ſie auch diß vielelende Leben ſeliglich finiren / enden / vnd beſchlieſſen moͤgen?

Von dieſem kurtzen / einfeltigen vnd we - nigem Puͤnctlein / wollen wir auch mit kur - tzen / einfeltigen / vnnd wenig worten / tracti - ren / reden vnd handeln. Vnſer trewer lieber Gott / vnd barmhertzige / Himliſche Vater /Votum. wolle hierzu ſeiner Goͤttlichen Gnaden Se - gen verleihen vnd mittheilen / damit es ohn Nutz vnd Frucht nicht moͤge gelehret vnd ge - hoͤret werden / Amen.

TRACTATIO.

MEine Geliebten vnd Auſſerwehlten in vn -Aller Welt - kinder eigen - ſchafft iſt / trachtẽ nach groſſer welt - vnd Geld - beylage. Aber zeitli - che beylage hilfft nichts zur Selig - k[eit]. Luc. 12. 16. ſerm Hochgelobten lieben HErren vnd Heylan - de Jheſu Chriſto: Die Welt vnd derſelben Kin - der / Filij hujus ſeculi, ſteigern vnd trachten ohn vnterlas / Tag vnd Nacht / nach groſſer jrdiſcher Beylage / zeitliches Reichthumbs vnd Weltruhms: Aber es wehret nur eine kleine zeit / vnnd hilfft doch nichts zur Seligkeit. G iijDenn[54]Denn was halffs die reichen Maͤnner Luc. 12. vnd 16. daß ſie mit ſolcher jrdiſchen groſſen Beylage wol berahten wa -Gendern die geiſtliche beylage hilfft zeit - lich vnd ewiglich. Luce〈…〉〈…〉 o. ren? Nichts vberall. Aber alle gleubige vnnd frome Chriſten ſolls in alle Ewigkeit helffen / welche nach der Geiſtlichen Beylage eintzig vnnd allein / fuͤr allen andern dingen trach - ten / dieſelbe mit Maria zu Bethania / vnd andern Himmel - ſehnenden Chriſtẽ / erwehlen / vnd in jren Hertzẽ tragen vnd behalten: Das wir alle / durch die Gnade deß HErren Jhe - ſu / mit huͤlffe deß H. Geiſtes / auch thun wollen.

Primum membrũ: Immota Fidei Fũdatio. Zum erſten aber / ſollen jhnen alle frome Chriſten beyle - gen / auch je vnd allezeit in jhren Hertzen tragen vnnd behal - ten: Immotam Fidei Fundationem: Den feſten vnd vn - beweglichen grund deß Glaubens / das ſie gewiß wiſſen / was / oder an welchen ſie gleuben. Davon redet der H. Paulus inS. Pauli Glaubens - grund. dieſen ſeinen Apoſtoliſchen worten alſo: Scio cui credidi, certusq́; ſum: Jch weis / an welchen ich gleube / vnd bin ge - wiß. Diß hat jhm S. Paulus feſt beygelegt in ſeinem Her - tzen / das er ſich ehe mit Ketten / ja mit glůenden Zangen / oder mit dem Schwerdt / zureiſſen / vnd zuſchmeiſſen lieſſe / als das jhm dieſe Glaubens beylage aus ſeinem Hertzen geriſſen wuͤrde. Jnmaſſen er ſich mit dieſem ſeinem ſcio, certusq́; ſum, Jch weis / vnd bin gewiß / rund vnd klar angiebet / in ſei - nem guͤldenen Kleinodt / oder Sendebrieff / an die RoͤmerRom. 8. am 8. Cap. mit dieſen hertzlichen worten: Jch bin gewiß / das weder Todt noch Leben / weder Engel noch Fuͤrſtenthum / noch gewalt / weder gegenwertiges noch zukuͤnfftiges / we - der hohes noch tieffes / noch keine andere Creatur / mag vns ſcheiden von der Liebe Gottes / die in Chriſto Jheſu iſt / vnſe - rem HErren.

Beſchreibũg deß Glau - bens aus S. Paulo vnd Bernhardo.Vnnd diß iſt die rechte πληροφορία, oder gewißheit deß Glaubens. Wie denſelben definiret oder beſchreibet der H. Apoſtel zun Hebr. am 11. Cap. das er ſey: Certa Fiducia,eine[55]eine gewiſſe zuverſicht. Vnd S. Beruh: meldet ſehr ſchoͤn vnd recht / was der wahre Glaube ſey / vnd nicht ſey / da er dieſe definition ſetzet: Fides non eſt, qvæ opinando aut conjectando habetur: ſed eſt vera ſcientia acclaman - te Conſcientia: Der Glaube iſt nicht nur ein bloſſer wahn / oder vermuttung: Sondern eine warhaffte wiſſenſchafft / welcher wir auch in vnſerm Gewiſſen beyfall geben / ja vnnd Amen dazu ſagen: Auch tauſentmal fuͤr einmal den Todt druͤber lieden. Wie ſichs an S. Paulo / vnnd viel tauſendt Maͤrtern erwieſen.

Solche πληροφορίαν, oder gewißheit deß Glaubens / fodert S. Paulus von allen Chriſten / zun Roͤmern 14. Einieglicher mus ſeines Glaubens gewiß ſein - Rom. 14.Cap. da er alſo ſaget: ἕκαςος ἐν τῷ ἰδίῳ νοὶ πληροφορείοϑω: Ein jeglicher ſey inn ſeiner meinung gewiß. Welche auch ein jeglicher Menſch / der ſelig vnd gerecht werden wil / haben mus. Wie widerumb der H. Apoſtel zun Hebr. am 11. Cap.Hebr. 11. redet: Accedentem ad DEUM oportet credere: Wer zu Gott kommen wil / vnd ſein ewig erfrewendes Angeſicht beſchawen / der mus gleuben. Denn ohn Glauben iſts vn - moͤglich Gott gefallen. Weil ſeine Augen nur ſehen auff den Glauben / Jer. 5. Cap. Vnd weil alles Suͤnde iſt / dasJer. 5. nicht aus dem Glauben gehet / zun Roͤm. am 14. Cap. Rom. 14.

Derhalben haben jhnen diß Scio, certusq́; ſum: JchExempla derer die ſolchs ge - than. weis / vnd bin gewiß: Alle Heiligen / beydes im Alten vnnd Newen Teſtament / in jhrem Hertzen beygeleget. Jnmaſ - ſen der Patriarch Abraham gethan. Deſſen jhm zeugniß1. Patriar - cha A - braham. Gen. 15. gibt Moyſes der Man Gottes / inn beſchreibung ſeiner Le - genden Gen. 15. in dieſen Worten: Credidit Abraham Deo, & imputatum eſt ipſi ad juſtitiam: Abraham gleubte Gott dem HErren / vnnd das rechnets Er jhm zur Gerechtigkeit. Welches der Apoſtel Paulus fein erklaͤret / zun Roͤmern am 4. Cap. da er alſo ſaget: Credidit Abra -Rom. 4.ham[56]ham contra ſpem in ſpem: Abraham hat gegleubet auff Hoffnung / da nichts zu hoffen war. Vnd ward ſtarck im Glauben / vnd gab Gott die Ehre / vnd wuſte auffs aller ge - wiſte / das / was Gott verheiſſet / das kan er auch thun. Dar - umb iſts jhm auch zur Gerechtigkeit gerechnet.

2. Koͤnig Da - vid.Diß Scio, certusq́; ſum: Jch weis / vnd bin gewiß: Hat jhm auch in ſeinem Hertzen beygelegt Koͤnig David / Wie zu ſehen iſt in ſeiner Monomachia, oder eintzelem vnnd ſon -1. Sam. 17. derbarem Streit 1. Sam. 17. mit dem groſſen vnnd vnge -Goliaths ruhm iſt Spot. hewren Goliath / der ſich ſeiner ſtaͤrcke ruͤhmete / drauff trotz - te / ſchnarchte vnd pochte / wie der Bock auff ſeine Hoͤrner / vnd in ſolcher ſeiner vermeſſenheit / dem lebendigen Gott / vnd ſeinem Volcke hohn ſprach. Aber David ſagte zu jhm:Koͤnig Da - vids ruhm[iſt]Gott. Jch weis mich nichts zu ruͤhmen / als nur deß Bundes mei - nes Gottes / den ich an meinem Leibe trage / vnnd deß Na - mens deß HErren / den ich in meinem Hertzen fuͤhre. Diß allein weiß ich / vnd bin gewiß / daß dich der HErr heuts Ta - ges wird in meine Hand vberantworten / das ich dich ſchlage / vnd neme dein Haͤupt von dir / vnnd das gantz Heer der Phi - liſter / deines Volcks zurſtrewe / vnnd wie die Vogel inn die Lufft vnd Flucht jage.

Auff diß Scio, certusq́; ſum, Jch weis / vnnd bin ge - wiß / ſchleudert er den ſchrecklichen Rieſen vnd GroßſprecherKoͤnig Da - vids ritter - liche That. zu Gottsbodem / vnd gehet herzu / zeucht jhm ſein ſelbſteigen Schwerdt von der Seitten / vnd ſaͤbelt jhm den Gottslaͤſter - lichen Kopff abe. Eben diß Scio, certusq́; ſum, fuͤhretPſal. 116. auch Koͤnig David im 116. Pſalm / in dieſen Worten: Cre - didi, propter qvod locutus ſum: Jch gleube / darumb re - de ich. Welches ſich auch ſonſten in allen ſeinen Geſchichten / reden / vnd geberden erauget / vnd ausweiſet.

3. Hiob.Diß Scio, certusq́; ſum: Jch weis vnd bin gewiß: hat jhm auch beygeleget inn ſeinem Hertzen / der vielgeplagteCreutz -[57]Creutztraͤger Hiob / da er in ſeinem Traur-vnd KlagebuchCap. 19. am 19. Cap. alſo redet: Scio, qvod Redemptor meus vivit, Jch weis / das mein Erloͤſer lebet. Vnd im 27. Cap.Cap. 27. beteuret ers auffs hoͤchſte / daß er dieſe Beylage ſteiff vnnd feſt behalten wolle / biß er ſeine Seele ausroͤchele / vnnd ſpricht: So lange mein Odem in mir iſt / vnnd das ſchnau - ben von Gott in meiner Naſe / meine Lippen ſollen nichts vnrechts reden / vnnd meine Zunge ſol keinen Betrug ſagen. Biß das mein Ende koͤmpt / wil ich nicht weichen von meiner Froͤmigkeit. Von meiner Gerechtigkeit / die ich nicht habe / wil ich nicht laſſen.

Vnd die Zeit wird mir zu kurtz / wenn ich erzehlen ſolte / wie jhnen alle Heiligen diß Scio, certusq́; ſum, Jch weis /Sap. 10. & ſeq. vnd bin gewiß / in jhren Hertzen beygeleget haben. Jnmaſſen im Buch der Weißheit: Jm weiſen Haußlehrer Syrach:Sir. 44. & ſeq. Vnd in der Epiſtel an die Hebreer / Catalogi Fidelium, oder weitleufftige erzelungen der Gleubigen zu finden / wel -Hebr. 11. cap. che alle hieher gehoͤren.

Diß Scio, certusq́; ſum, Jch weis / vnd bin gewiß: hat4. Lutherus jhm auch beygelegt / der heilige vnd ſelige Man Gottes Lu - therus. Damit hat er den Bapſt / ſampt allen ſeinen ſchew - eln vnd greweln / vberwunden vnd gefellet: Auch fuͤr dem gantzen Roͤmiſchen Reich / ſieghafftig beſtanden / vnd aller gefahr Leibes vnd Lebens vnerſchrocken / vnd gantz freudig / als ein rechter Glaubens held / vnd Lewenman / vnter augenLutherus ein rechter Glaubens - held vnd Lewenman. getretten. Wie es ſeine feſte Burgk / ſein gantz Curricu - lum, oder Lebenslauff / zuvoraus ſeine ſcripta θεόπνευςα, oder von Gott eingegebene Schrifften bezeugen.

Diß Scio, certusq́; ſum: Jch weis / vnnd bin gewiß:vnſer pflicht vnd gebuͤhr. Sol jhm nun auch ein jeglicher vnter vns in ſpecie, fuͤr ſei - ne ſelbſt eigne Perſon / im Hertzen beylegen / vnd in demſelben dieſe Beylage vber alles andere lieben / vben / behalten vnndHbewa -[58]bewaren: jhm auch in allen Glaubensartickeln vnnd ſtuͤcken deſt Chriſtenthumbs / vnd alſo in ſonderheit zur zeit deß Si -Vnermeßli - cher nutzdie - ſes Glau - bengrunds. meons-oder Sterbeſtuͤndlins / nuͤtze machen / das er allzeit getroſt ſage: Jch weis / vnd bin gewiß / das ich den HErren Jheſum in der H. Tauffe angezogen / vnd das mich GOtt der Himliſche Vater / vmb ſeinet willen zu einem Kind vnnd Erben ſeines Reichs auff vnd angenommen / vnnd mich in Album vitæ, ins Stam-vnd Stadbuch deß ewigen Lebens eingeſchrieben: Jch weis / vnd bin gewiß / das mich mein Her - re Jeſus erloͤſet hat vom Fluche deß Geſetzes / von Suͤnde / Todt / Teuffel / Helle / vnd ewiger Verdamnis: Jch weis / vnd bin gewiß / das ich im H. Abendmal empfahe den wah - ren vnd weſentlichen Leib vnd Blut deß HErren Jeſu Chri - ſti / zur krefftigung / verſicherung vnnd verſiegelung meiner Seligkeit: Jch weis / vnd bin gewiß / das mir in der H. Abſo - lution beym H. Beichtſtuel / alle meine Suͤnde aus Gnaden vmb Chriſti willen vergeben ſein: Jch weis / vnd bin gewiß / daß mir mein HErre Jheſus wird beyſtehen inn all meinem Creutz vnd Noͤthen / mir aushelffen / vnd mich endlich zu ſich nehmen in den Himmel / vnd mir ſampt allen gleubigen das Ewige Leben geben wird / das iſt gewißlich war. Vnd alſo ſort in allen Glaubensartickeln / vnd allen faͤllen. Das iſtDer Chriſtẽ ſieg 1. Joh. 5 den Victoria noſtra, oder vnſer Sieg / wie S. Johannes in ſeiner erſten Epiſt. am 5. Cap. redet / damit wir alles vber - winden: Auch alles von der Goͤttlichen Majeſtaͤt erlangen vnd erhalten / was vnſere Seele wuͤnſchet / vnnd vnſer Hertz begeret.

Applica - tio primi membri ad Gene - roſam defunctãSolchen feſten Glaubens grund / oder diß vnbewegliche Glaubenswort / hat jhr auch in jhrem Hertzen beygeleget / vnſere nunmehr ſelige / vnd in dem HErren ruhende / gewe - ſene / geliebte Erb - vnd Lehnsfraw: Vnnd hat damit alles Creutz / Leyden vnd Noth / ja auch den Todt / vberwunden /vnd[59]vnd dadurch ſeliglich nach der Seelen eingereiſet inn das Ewige Leben.

Wie geſchiehts aber / das wir dieſe ſelige Beylage deßGlauben zu erlangẽ ſte - het nicht: Glaubens erlangen / vnd derſelben vehig vnnd theilhafftig werden? Ach lieben Chriſten / es iſt nicht ein werck vnſer Na -1. Jn vnſer natur oder vermoͤgen. tur / es wechſt nicht in vnſerm Naturgarten / es thuts auch nicht vnſere præparation, vor - oder nachbereitung / auch2. Nicht in vnſer zube - reitung. nicht / das wir von gleubigen Eltern herkommen / oder ſonſt etwas in oder an vns / wie es auch mag namen haben. Jn -3. Nicht in vn ſer geburt võ gleubigẽ Eltern / etc. Sondern es gehoͤrt dar - zu: maſſen viel verkehrte gelaͤrte meinen vnd ſchwermen. Nichts vberal im geringſten: ſondern folgende mittel gehoͤren dar - zu / auff welche wir gutte achtung haben vnd geben / auch die - ſelben obſerviren, mercken / vnd wol behalten ſollen.

Fuͤr eins gehoͤrt darzu: Gratuita Dei Largitio, Die1. Gottes Gnade vnd Gabe. Ro. 6. Eph. 2. gnedige gabe vnd mittheilung vnſers lieben HErrn Gottes. Denn der Glaube iſt eine Gabe Gottes / inn Chriſto Jheſu vnſerm HErren / Rom. 6. Eph. 6. Cap. Denſelben helt auch Gott der HErr menniglich fuͤr in der verkuͤndigung ſeines Wortes / wie S. Paulus Act. 17. Cap. zeuget / das jhn einAct. 17. Wer nicht gleubig iſt / darff nicht Gott / ſon - dern ſich ſelbſt be - ſchuͤldigen. jeder Menſch / der nur nicht boßhafftig widerſtrebet / vnd ſich nur ſelbſt mit eignem Vorwitz nicht hindern wil an der gna - den Gottes / welche jederman in der Officin, oder Werck - ſtadt deß heiligen Geiſtes / das iſt / inn der Kirchen Gottes / offen ſtehet / feilgetragen vnd angeboten wird / erlangen kan.

Nachmals ſo gehoͤrt darzu: Aſsidua Verbi Auditio,2. Gehoͤr Goͤtt lichs worts. ſtette vnd fleiſſige anhoͤrung deß Worts Gottes. Dann Fides ex auditu eſt, ſpricht S. Paulus / Rom. 10. Cap.Rom. 10. Der Glaube koͤmpt aus dem Gehoͤr deß Goͤttlichen Wor - tes: Welches iſt Semen Fidei, der rechte Glaubens ſame /Verbum Dei ſemẽ Fidei. daraus der Glaube entſpringet / vnd wechſt in der Menſchen Hertzen.

Ferner gehoͤrt darzu: Cupida Sacramentorum Frui -3. Gebrauch der H. Sa - crament.H ijtio,[60]tio, eine ſehnliche nieſſung vnd gebrauchung der H. Sacra - ment: Vnd das man ſich in vnd bey denſelben der gutt-vnnd wolthaten deß HErren Jeſu ſtet fleiſſig erinnere: Alſo wirdSacramè - ta ſunt fomes & oleũ Fi - dei. dann der Glaube geſtercket / vnd nimmet jmmer zu / das er nicht auffhoͤre. Dann die H. Sacrament ſein Fomes & Oleum Fidei, der Zunder vnd Oel deß Glaubens / dadurch er angezuͤndet / genehret / vnd erhalten wird.

4. Hertzlich Gebet.Endlich gehoͤret auch dazu: Devota Petitio, ein an - dechtiges vnd inbrůnſtiges Gebet. Dann Chriſtus ſprichtMatth. 18. Matth. 18. Cap. Wo zwene vnter euch eins werden auffEin wares Gebet / das beſte Hauß - gereht. Erden / warumb es iſt / das ſie bitten wollen / das ſoll jhnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. DeßgleichenLuc. 11. Johan. 16. befihlet vnd verheiſſet Er Luc. 11. Cap. vnd Johan. 16. Cap.S. Auguſti - nus. Das liebe Gebet / wie S. Auguſtinus redet / iſt: Clavis - li. Aſcendat Oratio, & deſcendet Commiſeratio: Der rechte Himmelſchluͤſſel. Las dein Gebet hinauff fuͤr Gott kommen / ſo wird Er ſeine Gnade zu dir herab kommen laſ -Luc. 17. ſen. Da die Jůnger deß HErren Chriſti / Luc. 17. Cap. vndMarc. 9. der betruͤbete Vater / Marc. 9. Cap. vmb vermehrung deß Glaubens baten / widerfuhr jhnen bald vom HErren Chri - ſto / was ſie begereten / vnnd worden jhrer Bitte gewehret. Bete derhalben mit der H. Chriſtlichen Kirchen / vnd ſprich:Cant. Ec - cleſiæ. Gib mir nach deiner Barmhertzigkeit / den wahren Chriſten Glauben / etc.

Conclu - ſio primi membri. Sehet / dieſe Stuͤcke gehoͤren darzu / das wir ſolche ſelig - machende Beylage deß Glaubens erlangen. Vnd wer ſich darnach wird richten vnd halten / dem wird der Glaube ge - wiſſer als gewiß widerfahren / vnd wird jhm von Gott nicht denegiret, oder verwegert / vnnd verſaget werden. Wie doch viel falſchgelaͤhrte / die hochgelobte Majeſtaͤt Gottes / non ſine blaſphemia, laͤſterhafftig bezuͤchtigen. Diß iſt alſo eins von vnſerm proponirten oder vorhabenden ſtuͤck -lin:[61]lin: Was jhnen Chriſtenleute inn jhren Hertzen beylegen / auch darinnen tragen vnnd behalten ſollen / nemlich: Den rechten / wahren / vnnd vnbeweglichen Grund deß ſeligma - chenden Glaubens.

Zum andern / ſollen jhnen alle frome Chriſten beylegen /Secundũ membrũ: Certa ſa - lutis ſpes & expe - ctatio. auch je vnd allezeit in jhren Hertzen tragen vnnd behalten: Certam ſalutis ſpem & expectationem: Eine gewiſſe / vnd ſtandhaffte hoffnung der Seligkeit / das ſie ſich in jhren Hertzen jhrer Seligkeit zu der Goͤttlichen Majeſtaͤt am ge - wiſten getroͤſten vnd verſehen / vnnd im geringſten daran nicht zweiffeln. Jnmaſſen jhm diß ſtuͤck der H. Apoſtel Pau - lus auch feſt in ſeinem Hertzen beyleget / inn dem er alle ſeine Gedancken / Sperantz vnd Hoffnung / auff ſolch Depoſi - tum, oder auff dieſe Beylage richtet. Wie aus dieſen ſeinen Worten abzunemen.

Was meinet aber S. Paulus mit ſeinem Depoſito,Was S. Paulus mit ſeiner Bey - lage meine? oder mit ſeiner Beylage? was verſtehet er darunter? Ey er meinet nicht etwa einen trefflichen groſſen Geld-oder Welt - ſchatz / von etlich tauſent Thalern / die er jhm auff einen Vor -1. Nicht einen groſſen geldſchatz. raht / oder Vorbiß / auff einen hinterhalt eingeleget vnd ver - heget: Viel weniger meinet er ſein Roͤmiſch Bůrgerrecht /2. Nicht ſein Roͤmiſch Buͤrger - recht. deſſen er ſich zu friſtung ſeines Lebens / erledigung ſeines ge - fenglichen Haffts / oder zu ſeiner Freyheit / genitten vnd ge - brauchen moͤchte. Jnmaſſen er zuvor gethan / als Act. 22. Act. 22.Cap. zu ſehen vnd zu leſen: Welches der Oberhauptman zu Jeruſalem fuͤr eine gewaltige / hohe / vnnd groſſe Beylage achtet / in dem er daſelbſt ſaget / Er habe diß Roͤmiſche Buͤr - gerrecht mit einer groſſen Summa Geldes zu wege bracht. Am aller wenigſten meinet er Opera ſupererogationis,3. Nicht ſeine vbrige gut - ten wercke. vbrige gutte Wercke / derer er jhm etlich viel Tutzet beygele - get / ſein Gewaͤrbe vnd Haͤndelchen damit zu treiben / vnnd andern zur Notturfft mitzutheilen vnd zu verkeuffen / wieH iijman[62]man im Bapſtum ſchwermet. Nein / diß alles / vnd ander4. Sondern die Himli - ſche Ehren - kron der ewigẽ Herr - ligkeit. zeitlich weſen viel mehr / meinet er nicht: Sondern / auffs kuͤrtzte zu reden / verſtehet er: ærernam æternæ Gloriæ Coronam: Die ewige Ehrenkron der ewigen Glory vnnd Herrligkeit / die / ſpricht er im 4. Cap. dieſer ſeiner 2. Epiſt.2. Tim. 4. an Timoth: ſey jhm vnnd allen gleubigen / die deß HErren Chriſti erſcheinung lieb haben / beygeleget / vnd der gerechte Richter Jheſus Chriſtus werde ſie jhm / vnnd allen Auſſer - wehleten an jenem Tage geben / vnd auffſetzen.

Woraus dz Himliſche Ehrẽkraͤntz - lin verferti - get.Dieſe Ehrenkron S. Pauli / vnnd aller gerechten Kin - der Gottes / iſt gewunden vnnd gebunden von allen vnaus - ſprechlichen / ſchoͤnen Himmelsbluͤmlein / vnd Paradißroͤß - lin der ewigen Freude vnd Wonne im Reiche Gottes / von allen vnermeßlichen Kleinodten / Schaͤtzen / Reichthůmern / Guͤttern / vnerforſchlichen vnd vnauffhoͤrlichen geiſtlichen Wolluͤſten der ewigen Seligkeit. Auff welchen hochgebe -S. Doro - thea. nedeiten Ehrenkrantz ſich die H. Jungfraw Dorothea bey jhrer Marter vnd Tode hoͤer vnd mehr frewete / als wenn ſie zum Tantze gienge. Wie jhre Wort bezeugen / da ſieCãt. Ni - colaiHer manni. alſo ſagte: Jns ſchoͤne Paradeiſſe / kom ich nach meinem Todt. Gott zu lob / ehr vnd preiſſe / ſtehn da viel Roͤßlein roht. Draus wird mir Chriſt mein HErre machen ein Eh - renkrantz / der Todt liebt mir viel mehre / als wenn ich gin -S. Pauli geiſtliche Parteckt. ge zum Tantz. Das iſt S. Pauli παραθήκη vel Depoſi - tum, ſeine Partecke / wie es auſm Griechiſchen / Deutſch lau - tet / vnd in Mutterſprache diß wort breuchlich iſt: Das iſt ſei - ne Beylage / die er eigentlich meinet vnd verſtehet / in dieſen Apoſtoliſchen worten.

Præteri - tio. Wir koͤndten hie auch ſagen von dem vortrefflichen De - poſito Eccleſiæ, oder Kirchenbeylage / welche der HErre1. Geiſtliche Kirchenbey - lage. Jeſus ſeiner Chriſtlichen Kirchen / vnd allen derſelbten Glie - dern / im Wort vnd Sacramenten gethan / vnd beygeleget /davon[63]davon S. Paulus bald in den folgenden worten / nach die - ſem vnſern jtzt vorhabenden Aphoriſmo, oder Spruͤchlein / ſo wol an andern vielen orten ſeiner Epiſteln / redet. Wir2. Gut Gewiſ - ſens beylage kondten auch ſagen von dem vberaus koͤſtlichen Depoſito bonæ Conſcientiæ, oder gutten Gewiſſensbeylage / wel - cher ſich S. Paulus auch befliſſen / vnd jhm dieſelbe beyge - legt / laut ſeines ſelbſt eigenen Zeugniß im Beſchluß dieſer ſei - ner 2. Epiſt. an Timotheum: welches auch alle frome Chri -2. Tim. 4. ſten thun ſollen. Aber hiervon zu reden / wolte auff dißmal zu viel / vnd zu lang werden.

Vornemlich ſihet S. Paulus auff die vorerwehneteS. Pauli vornemſte meinung an dieſem ort. Ehrenkron der ewigen Glory vnd Herrligkeit / vnnd hoffet feſtiglich / das er dieſelbe an jenem Tage in re, im Werck / vnd volkoͤmlicher Poſſes / antragen oder auffhaben werde / wie er ſie allhie in ſpe, oder gewiſſer Glaubenshoffnung vertroͤſtlichen gehabt habe. Darauff richtet nun S. PaulusS. Paulus leget jm bey die hoffnũg ſeines ewigẽ heils. alle ſeine gedancken / begierde / vnd hoffnung / als auff ſein vorgeſtacktes Ziel vnd Kleinodt / welches fuͤrhelt die Himli - ſche Beruffung Gottes in Chriſto Jheſu: Wie er / als einS. Pauli geiſtlicher Weltlauff. geiſtlicher hurtiger Wettlaͤuffer / zun Philip. am 3. Cap. ſchreibet. Dieſe ſelige Hoffnung / vnd begierliche Anwar -Vnſer gebuͤr in dieſem ſtuͤcke. tung vnſers ewigen Heils / ſollen wir vns nun auch in vnſern Hertzen beylegen / vnnd ſie darinnen feſt vnd vnwandelbar tragen vnd behalten: So gehen wir auch als denn in einemVnſer Nutz vnd fromẽ. richtigen Teſtament / oder letzten willen / vnd haben auch ein gewiß Teſtimonium, Zeugniß oder Paßwort zum Ewi - gen Leben.

Solche Sperantz oder Hoffnung hat jhm inn ſeinemExempla derer Heili - gen die ſol - ches gethan. Hertzen beygelegt der H. Patriarch Jacob / als er kurtz fuͤr1. Patriar - cha Ia - cob. Gen. 49. ſeinem ſeligen Abſchied vnd Abtritt aus dieſer Welt / in præ - ſentz vnd gegenwart aller ſeiner Kinder vnnd Kindskinder / ſein Teſtament oder letzten Willen zu Pappier bringen lies /vnd[64]vnd einem jeglichen ſein Legatum, oder beſcheiden Theil / vermachte / Da ſprach er: Domine expecto ſalutare tu - um: HErr ich warte auff dein Heil. Das war ſeines Te -Jacobs Te - ſtamentſie - gel. ſtaments Petſchafft oder Jnſiegel / mit ſeinen gepregten Buchſtaben: Daraus dieſe ſeine ſelige Beylage Sonnen - klar erſcheinet. Ja das wirs kurtz faſſen / vnnd viel auff ein - mal ſagen / Alle Heilige / Patriarchen / Koͤnige vnd Pro - pheten / haben jhnen in jhren Hertzen dieſe Hoffnung jhres ewigen Heils beygeleget / vnd jhr gantz Leben drinne exer - ciret, geuͤbet vnd zubracht. Jnmaſſen der Koͤnigliche Pro -Pſal. 22. phet David jhnen allzumaln inn geſampt Zeugnis gibt im 22. Pſalm mit dieſen Worten: In te ſperaverunt Patres noſtri: Vnſere Vaͤter hoffeten auff dich / vnnd da ſie hoffe - ten / halffeſtu jhnen.

2. Koͤnig Da - vid.Koͤnig David hat ſolches auch ſelbſt gethan / vnnd jhm dieſe Hoffnung in ſeinem Hertzen beygeleget / vnnd in derſel - ben alle ſtunden vnd augenblick gewandelt vnd herein gegan - gen / wie es viel ſeiner Pſalmen bezeugen. Jnſonderheit derPſal. 31. 71. 31. vnd 71. da er alſo ſeufftzet vnd betet: In te Domine ſpe - ravi, non confundar in æternum: HErr auff dich trawe ich / las mich nimmermehr zu ſchanden werden / errette michPſal. 25. Heilſamer Raht Koͤnig Davids fuͤr alle betruͤb - te. durch deine Gerechtigkeit. Vnd im 25. Pſalm gibt er allen betruͤbten vnd leidtragenden Chriſthertzen einen heilſamen gutten Raht / wie ſie alle jhre Creutzſtunden vnd Trawerta - ge verzuckern vnd verſuͤſſen / ja verkuͤrtzen vnd vertreiben ſol - len / vnd vermanet / das ſie jhnen auch / gleich wie er / dieſe Hoffnung in jhren Hertzen beylegen / da er dieſen ſchoͤnenKunſtſpruͤch lein Koͤnig Davids. Cyclum, oder rundgeſchloſſenes Spruͤchlein / kuͤnſtlich vnd artlich / als ein geiſtlicher Orator vñ Poet ſetzet / vnd ſpricht: Expecta Dominum, viriliter age & confortetur Cor tuum, & expecta Dominum: Harre deß HErren / ſey ge - troſt vnd vnverzagt / vnd harre deß HErren. Deßgleichenvermanet[65]vermahnet er die gantze Commun oder Gemeinſchafft derAllgemeine vermanung Davids. Pſal. 130. Heiligen / im 130. Pſalm / mit dieſen worten: Speret Iſraël in Dominum; qvia copioſa apud Eum Redemptio: Jſrael hoffe auff den HErren / denn bey dem HErren iſt die Gnade / vnd viel Erloͤſung bey Jhm.

Solche Hoffnung ſeines ewigen Heils / hat jhm auch3. Hiob. in ſeinem Hertzen beygelegt / vnd darinnen ſein ſiebenjaͤhri - ges Schmertz - vnd Hertzleid verbiſſen / der geduͤldige Creutz - ſchuͤller Hiob / wie es beſagt ſein Klage-vnd Trawrbuch am 13. Cap. da er dieſe gewaltige Hoffnungsworte braucht / vndHiob 13. cap mechtige hoffnungs - worte. Hiob[s]geiſt - lich pflaſter wider die vngedult. ſpricht: Etiamſi occiderit me Dominus, tamen ſpera - bo in eum: Ob mich der HErr gleich toͤdtet / wil ich doch auff jhn hoffen. Das iſt ſein Pflaſter geweſen / welches er jhm appliciret, vnd auff ſein Hertz geleget / wann es mit vn - gedult hat wollen erhitzen / vnd vberlauffen. Ach HErre Jeſu hilff durch deine Gnade / vnd H. Geiſt / das wir dis ſe - lige Heilpflaſter in vnſerm Creutz / vnd gantzen Leben / vn - ſerm Hertzen auch auffzulegen / vnnd damit alle Flutten der Vngedult ablenden vnd abwenden.

Solche Marter - vnnd Qualvertreibende Hoffnung4. Siebẽ Mac cabeer. 2. Mac. 7. haben jhnen auch in jhren Hertzen beygelegt die ſieben Mac - cabeer / wie von jhnen im 2. Buch am 7. Cap. denckwuͤrdig vnnd ſchoͤn zu leſen. Sie alle ſiebene / ſampt der fromen Mutter / ſtelleten jhre Sperantz vnd Hoffnung auff den le - bendigen Gott / auff ſeine huͤlffe vnd heil. Dadurch wur - den ſie ſo getroſt vnd freudig / das ſie nur deß grauſamen Wuͤtterichs vnd Tyrannen Antiochi ſpotteten / mit lachen - dem Mutte zur Qual vnd Marter giengen / vnd mitten innFreudigkeit der Maͤrte - rer in Hoff - nung. Rom. 12. derſelben Gott lobten vnd preiſeten. Wie ſichs auch ebener maſſen am Laurentio, Babyla, vnnd andern vnzehlich viel Heiligen erzeiget. Sehet / meine Geliebten / diß kan / ja diß kan / vnd vermag die ſelige Beylage der hoffnung deß ewi -Jgen[66]gen Heils im Reiche Gottes. Derhalben lehret / vnnd wilGebotene[r]Chriſten - ruhm. Rom. 5. S. Paulus zun Roͤm. am 5. Cap. das ſich alle Chriſten / die gerecht worden ſind durch den Glauben / vnnd Friede haben mit Gott / ruͤhmen ſollen der Hoffnung der zukuͤnfftigen Herrligkeit / die Gott geben ſol. Mehr Exempel vnnd Hi - ſtorien einzufuͤhren wolte zu lang werden.

Stetter Reim eines gelaͤhrten Mannes.Laſſet vns nun mit jenem gelaͤrten Manne allzeit dieſen Reim fuͤhren: Spero meliora: Jch weis / vnd hoffe ein beſ - ſers Leben / da meine Seele fehrt hin. Deß frew ich mich gar eben / ſterben iſt mein gewin. Beſſere / vnd guͤldene zeit in dieſer Welt důrffen wir nicht hoffen / oder vns trewmen laſſen: tranſiit: ſie iſt hinweg: Aurea qvi ſperat Secula, nemo ſapit: ſpricht der Poet:

Wer hie hoffet auff guͤldene Zeit /
Der iſt naͤrriſch / vnd fehlet weit.

Aber die hoffnung auff die ewige guͤtte / ja allerbeſte Zeit / auff die ewigwerende Guͤtte deß HErren / wollen wir vns alle in vnſern Hertzen beylegen / vnd dieſelbe darinnen ohn vnterlas tragen vnd behalten / davon jmmerdar ſingen vnnd ſagen:Dum ſpiro ſpero, mea ſpes eſt unica Chri - ſtus: ()

Weil ich hie leb /
An dir ich kleb /
Mein Hoffnung biſt /
Nur du HErr Chriſt.

Churfuͤrſtin zu Sachſen Fuͤrſtliche Rede.Alſo ſagte die alte Churfuͤrſtin zu Sachſen / Chriſt - milder gedaͤchtnis: Sie wolte jhrem HErren Chriſto mit Glauben vnd Hoffnung anhangen / wie eine Klette am Ro - cke. Das war eine loͤbliche / vnd Fůrſtliche Beylage / vnd hatals[67]als eine Fuͤrſtliche Perſon vnnd Matron recht Fuͤrſtliche gedancken gehabt / wie die Schrifft von jhnen redet / das ſieEſa. 32. haben ſollen. Werden wir ſolches thun / vnd vns dieſe Seel - erfrewende Hoffnung vnſers ewigen Heils / in vnſern Her - tzen beylegen / vnd darinne behalten / ſo wirds auch endlich mit vns heiſſen / vnnd wird an vns war / vnd erfuͤllet werden / was S. Paulus meldet am vorerwehneten orte zun Roͤm. am 5. Cap. da er alſo ſpricht: Spes non confundit: Hoff -Rom. 5. nung leſt nimmermehr zu ſchanden werden.

Wer hofft in Gott / vnd dem vertrawt /
Cant. Lazari Spenglers.
Der wird nimmer zu ſchanden.
Denn wer auff dieſen Felſen bawt /
Ob jhm gleich geht zu handen /
Viel Vnfals hie / hab ich doch nie /
Den Menſchen ſehen fallen /
Der ſich verleſt / auff Gottes Troſt /
Er hilfft ſeinen Gleubigen allen.

Ja freylich hilfft Er ſeinen Gleubigen allen. Exem -Valida Siracidig Inductio 2. cap. plum diverſum dari non poteſt: Kein widriges Exempel finden wir in der gantzen H. Schrifft. Denn ſehet an / ſpricht Syrach am 2. Cap. die Exempel der Alten / vnd mercket ſie. Wer iſt jemals zu ſchanden worden / der auff Ihn gehoffet? Wer iſt jemals verlaſſen / der in der Furcht Gottes blieben iſt? Oder wer iſt jemals von Ihm verſchmecht / der Jhn an - geruffen hat? Dann der HErr iſt gnaͤdig vnd barmhertzig / vnd vergibt Suͤnde / vnd hilfft in der Noth.

Dieſe feſte vnnd gewiſſe hoffnung jhres ewigen Heils /Applica - tio ſecũ - di mẽbri ad Gene - roſ. de - functum. vnd Seligkeit / hat jhr auch in jhrem Hertzen beygelegt / vn - ſere nunmehr ſelige / vnd in dem HErren ruhende / geweſe - ne / geliebte Erb - vnd Lehnsfraw: Sie hat auch eintzig vndJ ijallein[68]allein gehofft auff den lebendigen Gott / jhren vnnd vnſern HErren vnd Heyland Jeſum Chriſtum / das Er jhr aus al - len Noͤthen helffen / vnnd ſie durch jhr Creutz vnd Truͤbſal ins ewige Leben fuͤhren wuͤrde. Vnnd iſt alſo in ſolcher ſeli - gen Beylage nach der Seelen gewehret worden / deſſen ſie ſich verhoffentlich getroͤſtet / nemlich / der ewigen Seligkeit. Apoc. 14Dañ ſelig ſind / die in dem HErren ſterben / Apoc. 14. VndConclu - ſio ſecũ - di mem - bri. diß iſt auch kuͤrtzlich das andere von vnſerm proponirten oder vorhabenden Stuͤcklin / was jhnen alle frome Chriſten in jhren Hertzen beylegen / auch darinne tragen vnd behalten ſollen / nemlich: Eine gewiſſe vnd ſtandhaffte hoffnung jhres ewigen Heils vnd Seligkeit.

Tertium & ultimũ mẽbrũ: Divina Guber - natio. Zum dritten vnd letzten / ſollen jhnen alle frome Chri - ſten beylegen / auch je vnnd allezeit in jhren Hertzen tragen vnd behalten: Divinam Gubernationem: Die Goͤttliche Allmechtige Bewarung / daß jhnen der HErre Jeſus / jhr ewiges Heil vnnd Seligkeit / jhre Himliſche Ehrenkron / auch ſie ſelbſt im Glauben vnd Hoffnung erhalten / vnnd be - waren werde / biß an jenen Tag / zu allen Himliſchen Guͤt - tern. Davon redet S. Paulus in dieſen ſeinen Apoſtoliſchen worten alſo: Potens eſt, cuſtodire mihi Depoſitum me - um, uſq́; in illum Diem: Er kan mir meine Beylage be - waren biß an jenen Tag. Diß hat jhm S. Paulus in ſei - nem Hertzen feſt beygelegt / drauff beruhet er / drauff wil ers ſicher wagen / leben vnd ſterben.

S. Pauli ſchwachheit. 2. Cor. 12.Es weis der H. Apoſtel wol / vnd befindets bey ſich ſelbſt / daß es in ſeinen Menſchlichen Krefften vnd vermoͤgen nicht ſtehet / ſolche ſeine Beylage der Himliſchen Ehrenkron / vnd Herrligkeit im ewigen Leben zu bewaren / vnd zu erhalten. S. Pauli zuflucht.Derhalben ſchaffet er jhm ein Vorraht / vnd legt jhm bey /Vnſer ver - moͤgen. die bewarung vnd erhaltung deß HErren Jeſu. Ach frei - lich iſts mit vns / vnd mit vnſer macht / nichts gethan / wirſind[69]ſind gar bald verloren: Es mus fuͤr vns ſtreitten der rechteCant. Lutheri. Man / den Gott hat ſelbſt erkohren. Fragſtu wer der iſt? Er heiſt Jeſus Chriſt / der HErre Zebaoth / vnnd iſt kein anderWenn vnſer Heil in vn - ſer Hand ſtuͤnde / ſo verſchertzten wirs wieder wie vnſere erſte Eltern. Gott / das Feld mus Er behalten. Wann vnſer Heil vnd Seligkeit / wie die alten Kirchenlehrer recht ſchreiben / in vn - ſer bewahrung ſtuͤnde / wir weren lang wieder vmb dieſelbe kommen: Der Teuffel hette ſie vns lange wider abgelogen / vnd vmb dieſelbe betrogen. Derhalben hat ſie der HErre Jeſus in ſeiner bewahrung behalten im Himmel / 1. Pet. 1.1. Pet. 1. das wir ſie nicht verlieren koͤnnen. Der iſt der rechte Om - nipotens Rex Gloriæ, der Allmechtige Koͤnig der Ehren / der HErr ſtarck vnd mechtig / der HErr mechtig im ſtreit / Pſal. 24. welches wir vns zum Troſt / vnd verſicherung vn -Pſal. 24. ſers Heils / wegen vnſer Bloͤdigkeit / wol einbilden ſollen.

Dieſer EL, GIBBOR, oder ſtarcke Held Jeſus Chri -Eſa. 9. ſtus / hat allen ſeinen gleubigen zugeſagt / Er wolle jhr Gu - bernator, Patron / vnd Schutzherr ſein / vnd ſie in ſeine Defenſion, gewahrſam / vnd ſicher Geleite nemen. Jnmaſ - ſen Er / Matth. 16. ſpricht: Portæ inferorum non præva -Matth. 16. Starck Goͤttlich Geleite al - ler Auſſer - wehlten. lebunt adverſus meos Confeſſores: Die Pforten der Hellen ſollen meine Zeugen vnd Bekenner nicht vberwelti - gen / noch jhnen jhre ſelige Beylage rauben. Diß iſt das ſtarcke ſichere Geleite aller Außerwehleten / welches jhnen der HErre Jeſus giebet. Deßgleichen redet Er auch Joh. 10. in dieſem Spruͤchlein: Meine Schaffe hoͤren meineJoh. 10. Stimme / vnd ich kenne ſie / vnd ſie folgen mir / vnnd ich ge - be jhnen das ewige Leben. Vnd ſie werden nimmermehr vmbkommen / vnd niemand wird ſie aus meiner Hand reiſ - ſen. Jm 91. Pſalm ſpricht er: Novit nomen meum, pro -Pſal. 91. tegam eum: Er kennet meinen Namen. Darumb wil ich jhn ſchuͤtzen. Vnd Eſa. 43. redet Er dieſe troͤſtliche Wort zuEſa. 43. einem jeglichen gleubigen in ſpecie, oder inſonderheit:J iijFuͤrchte[70]Fuͤrchte dich nicht / denn ich habe dich erloͤſet. Jch habe dich bey deinem Namen geruffen / du biſt mein. Denn ſo du durch Waſſer geheſt / wil ich bey dir ſein / das dich die Stroͤme nicht ſollen erſeuffen. Vnd ſo du ins Fewer geheſt / ſoltu nicht brennen / vnd die flamme ſol dich nicht anzuͤnden. Dann ich bin der HErr dein Gott / der Heilige in Jſrael dein Hey - land.

Dieſe verheiſſungen ſind gewiſſe vnnd warhafftige Wort. Singula Dei verba, ſunt vera & mera juramen -Philo. Gottes wort lauter Eid. ta, ſagt der weiſe Man Philo: Alle Wort vnd Verheiſſun - gen Gottes ſind lauter Eide. Wenn Gott der HErr etwas geredet vnd verheiſſet / ſo iſts / als hette Er tauſentmal ei - nen Eid geſchworen: Vnd helt gewiß was er zuſaget / Pſal. Pſal. 33.33. Er iſt der Dicens & Faciens: Der Sprecher vnd Thaͤ -Ezech. 37. ter. Ezech. 37.

Zweiffel ſol nicht bey Chriſten ſein.An ſolcher Goͤttlichen Verheiſſung von gnaͤdiger be - warung ſeiner gleubigen zur ewigen Seligkeit / ſol nun keinBlut vnd wort Chri - ſti / Siegel vnſer Se - ligkeit. Joh. 12. Menſch zweiffeln. Dann der HErre Jheſus hat dieſelbe krefftiglich beſtettiget vnd verſiegelt mit ſeinem ſelbſteignen Blutte / vnd mit ſeinem waren worte / Johan. 12. da Er alſo ſpricht: Wenn ich erhoͤhet werde von der Erden / wil ich ſie alle zu mir ziehen. Vnd kurtz vorher ſetzt er dieſe wort: WoJoh. 14. ich bin / da ſol mein Diener auch ſein. Vnd Joh. 14. ſagt Er: Ewer Hertz erſchrecke nicht. Gleubet jhr an Gott / ſo gleubet auch an mich. Jn meines Vaters Hauſe ſind viel Wohnungen. Vnd ſo das nicht were / wolt ich zu euch ſagen: Jch wil hingehen / euch die ſtette zu bereiten. Vnd ob ich hingienge / euch die ſtette zu bereitten / wil ich doch wider kom - men / vnnd euch zu mir nemen / auff das jhr ſeid / wo ich bin. Joh. 17.Vnd Johan. 17. ſpricht er abermal: Vatter / ich wil / das wo ich bin / auch die bey mir ſein / die du mir gegeben haſt / ut vi - deant gloriam meam; das ſie meine Herrligkeit ſehen /die[71]die ich bey dir hatte / ehe der Welt Grund gelegt ward.

So werden nun alle Gleubigen durch Chriſti allmech -Gewißheit vnſer bewa - rung zum ewigen lebẽ. tige bewahrung / gewiß erhalten zu der ewigen Beylage / oder zum Himliſchen Erbe deß Reichs Gottes: Vnd kan kei - ner / der jhm dieſe Bewahrung deß HErren Jheſu in ſeinem Hertzen beyleget / die Seligkeit mit nichte nicht verlieren / oder derſelben beraubet werden. Manch angefochtener /Angſtge - dancken der angefochtnẽ Chriſten. vnd bloͤder Chriſt gedenckt in ſeiner Angſt / Nun ſey es gantz vnd gar mit ſeiner Seligkeit verloren / vnd habe zu derſelben keinen zuſpruch / er muſſe nun in Profundum lacum, in diePſal. 130. Eph. 6. tieffe Helle: Jnmaſſen ſich ſolche tela ignita ſpiritus ne - qviſsimi, oder Helliſche Fewerpfeile deß Boͤſewichts / auch an den allerheiligſten regen vnd wůttern. Wie am Koͤnige David / Hißkia / Jona / S. Paulo / vnd andern vielen Hei - ligen / vnd Auſſerwehleten Herrgottsleuten zu ſehen. Aber ſolchem Angſthertzen kan nicht beſſer gerahten werden / denn das es zum Recordatus greiffe / das iſt / das es ſich erinnereRecor - datio Do - mini iſt die rechte Chriſtẽwehr wieder die Anfechtũg. ſeines Erloͤſers Jeſu Chriſti / vnd deſſelben ſtarcken Bewah - rung: Die ſuche ein ſolcher Menſch auff / vnd herfuͤr in ſei - nem Hertzen / wiſſe vnd gleube auffs gewiſte / das ſie den ſtich halte wieder den Teuffel / vnnd alle ſeine anleuffe / ſo wirds beſſer mit jhm werden. Wie Koͤnig Davids Exem - pel außweiſet / das er in ſeinen hoͤchſten noͤthen ſolches ge - than / vnd ſey er hoͤret / vnnd errettet worden. Dann alſo ſeufftzet er im 120. Pſalm / vnd ſpricht: Ad Dominum cùmPſal. 120. tribularer clamavi, & exaudivit me: Jch ruffe zum Her - ren in meiner noth / vnd Er erhoͤret mich.

Si malè feciſti, tùm reſpice vulnera Chriſti. NB.
O Menſch haſtu vnrecht gethan /
So ſchaw die Wunden Chriſti an.
Die[72]
Die ſind ja fuͤr die gantze Welt /
Die Zalung vnd das Loͤſegeldt.
Deß troͤſte du dich allezeit /
Vnd hoffe auff Barmhertzigkeit / etc.

Merckliche Hiſtory von Luthero / vñ einem ange - fochtenen Weibe.Jtzo erinnere ich mich einer vberaus ſchoͤnen vnd troͤſtli - chen Hiſtorien / die ſich mit D. Luthern / dem Auſſerwehlten Ruͤſtzeug Gottes / vnd mit einer angefochtenen / verzagten Weibesperſon / mit Namen Elſa / zugetragen: Welche ich beyleufftig mit einfuͤhren wil / zum Troſt vnd Nachricht al - len denen / welche jhnen die Allmechtige Bewahrung deß HErren Jheſu in jhren Hertzen feſt beylegen: Das ſie ſtudi - ren vnd lernen / wie jhnen als denn jhr ewiges Heil vnd Se -NB. ligkeit gewiß ſey / ja gewiſſer / als der biſſen in jhrem Mun - de / vnd der Heller in jhrem Seckel: Auch das ſie der HEr - re Jheſus durchaus nicht laſſe verlohren / oder aus ſeiner Hand geriſſen werden. Mit derſelben Geſchicht verhelt ſichs alſo:

Boͤſe That deß ange - fochtenen Weibes.Dieſe Weibesperſon Elſa / ward ſehr vnnd langwirig kranck: Als ſichs aber mit jhr auff keinen weg beſſern wolte / ergab ſie ſich dem Teuffel / das er jhr helffen / vnd ſie geſund machen ſolte. Vnlengſt aber gerewete ſie deß Handels / vnd felt in viel ſchwerere Kranckheit / nemlich in ſchrecklicheGutte that Lutheri. Hertzenangſt vnd Anfechtung. Der Herr Lutherus be - ſucht ſie / vnd fragt / Warumb ſie traurig ſey? Ach ſpricht ſie / Mein Herr Doctor, ich habe mich von Gott abgewendet / vnd dem Teuffel gegeben. Ach was habe ich gethan! Der Herr Lutherus, der ein Man war zu ſolchen Sachen / ſpricht jhr zu mit dieſen Worten: Liebe Elſa / dieſe Suͤnde iſt nichts. Haſtu keine groͤſſere gethan? Ach ſagt ſie / wie koͤndte ich jmmermehr eine groͤſſere Suͤnde beghen? Ach was habe ich gethan! Der Herr Lutherus ſpricht wide -rumb:[73]rumb: Jch ſage dir zum vberfluß noch ein mal / dieſe Suͤnde iſt nichts. Das were die groͤſte Suͤnde / wann du auff dei -Welches die groͤſte Suͤn - der? nem boͤſen vornemen wolteſt beharren. Vnd ſprach wei - ter: Liebe Elſa / haſtu auch macht Magiſtro Froͤſcheln ſein Buch / oder mir meinen Rock weg zu geben? Nein / ſagte ſie / das kan ich nicht thun. Dann es iſt nicht mein. Der Herr Lutherus fragte ferner: Wer hat dich erloͤſet? Sie ant -Rechte troſt vnd Siegs - frage wider den Teuffel vnnd ſeine Angſtpfeile. Wir ſein Chriſti Ei - genthumb. wortete: Der HErre Jeſus Chriſtus. Da druͤckt der Herr Lutherus loß / vnd ſpricht: Eben das wolt ich / du haſt recht geantwortet. Hat dich nun der HErre Jeſus Chriſtus er - loͤſet / ſo biſtu ſein Eigenthumb mit Leib vnd Seel. Dieſem haſtu auch in der H. Tauffe gehuldet vnd geſchworen: Da - rumb kanſtu dein Leib vnnd Seel dem Teuffel nicht geben: Du kanſt deinem HErren Chriſto nicht eines fingers breitChriſto koͤn - nen wir nichts ver - geben. weg geben / du biſt dein ſelbſt nicht mechtig / ſondern biſt in der Algewaltigen Hand vnd Bewahrung deß HErren Jheſu. Sage dem Teuffel dem Handel auff / vnnd ſprich: HoͤreRechte ab - fertigung deß Teufels. Teuffel / gehe hin zu meinem HErren vnnd Erloͤſer Jheſu Chriſto / wiltu mich haben / vnd erlange mich von jhm. Er wird dir geben was dir wehe / vnd mir wol thun wird: Er wird dir auff die Schnautze geben / wie Matth. 4. in der Wuͤſten: Vnd wird mich aus ſeiner Hand nicht reiſſen laſſen. Das Weib folget guttem Raht / darauff ward es bald mit jhr beſſer. Diß iſt ein ſonderlich Meiſter - vnd Kunſtſtuͤck amMeiſter - vnd Kunſt - ſtuͤck Luthe - rt. Herrn Luthero, vnd weiſet / was wir fuͤr troͤſtlichen Nutz davon haben / wann wir vns deß HErren Chriſti Allmechti - ge Bewahrung im Hertzen beylegen / vns ſeiner Erloͤſung / vnd deß Bundes im Wort vnd Sacramenten mit vns auff - gerichtet / allzeit erinnern.

Solches ſollen wir nun wol obſerviren vnd mercken / auch mit allem fleis alle ſtunden vnd augenblick / durch huͤlffe vnd beyſtand deß H. Geiſtes drob ſein / vnnd fleis anlegen /Kdas[74]das wir dieſe ſelige Beylage der allgewaltigen Bewahrung deß HErren Jheſu zum ewigen Leben / im Hertzen tragen vnd behalten.

Applica - tio tertii membri ad Gene - roſ: de - functam. Jnmaſſen auch vnſere nunmehr ſelige / vnd in dem HEr - ren ruhende / geweſene geliebte Erb-vnd Lehnsfraw gethan hat: Vnd iſt in dieſem ſichern Geleite der allmechtigen be - warung deß HErren Jeſu / ſeliglich aus dieſer Welt geſchie - den / vnd darinne mit dem lieben Simeon / vnd allen Auſſer - wehleten eingefahren in die ewige Glory vnd Herrligkeit /Buͤndlein der lebendi - gen. 1. Sam. 25. da jhre Seele eingebunden iſt / in faſciculum Viventium, ins Buͤndlein der Lebendigen. Wie die heilige Abigail / 1. Sam. 25. das Collegium Electorum, oder die verſam - lung der Auſſerwehleten in jenem Leben nennet.

Dieſe ſelige Beylage aber zu erlangen / ſollen wir auch ſtets vnd ohn vnterlas ſeufftzen / vnnd beten / mit folgendenGeufftzer der Chriſt - lichen Kir - chen. Worten / oder Verßlin: Bewar mich HErr / vnnd ſey nicht fern von mir / in meinen groſſen noͤhten. Hilff das ich kan / mit Hertzen / Mut vnd Sinn / den alten Adam toͤdten. Der ſtets bey mir herrſchen wil / mit manchfaltigen Suͤnden. Laß mich mit Sieg gewaltiglich / durch dein Wort vnnd Todt vberwinden. Jtem: Jch lieg im ſtreit / vnd widerſtreb / hilff / O HErr Chriſt / dem ſchwachen. An deiner Gnad allein ich kleb / du kanſt / ja allein du kanſt mich ſtaͤrcker machen. Kompt nun Anfechtung HErr ſo wehr / das ſie mich nicht vmbſtoſſe / du kanſt maſſen / das mirs nicht bringe gefehr / ichNicolaus Heerman Cantor im Joachims - thal. weis du wirſts nicht laſſen. Vnd mit dem alten berůmbten / vnd ſeligen Herrn Nicolao Herrman / aus dem H. Augu - ſtino vnd Bernhardo: Meine Suͤnden mich werden kren - cken ſehr / mein Gewiſſen wird mich nagen. Dann jhr ſind viel / wie Sand am Meer: Doch wil ich nicht verzagen. Gedencken wil ich an dein Tod / HErr Jeſu / vnd dein Wun - den roht / die werden mich erhalten.

Kein[75]
Kein heilſamer Pflaſter auff Erden iſt /
Eſa. 53. Vulneri - bus ejus ſanati ſumus.
Dann die rein Wunden Jeſu Chriſt.
Wer die ſtets / vnd mit ernſt betracht /
Dem wird ſein Seel geſund gemacht.

Alſo wird endlich an vns erfuͤllet werden der Spruch deßEpilog. H. Apoſtels Petri / in ſeiner 1. Ep. am 1. Cap. da er alle gleu - bigen anredet / mit folgenden geiſtreichen / hertzerquickenden / vnnd Seelerfrewenden worten: Darinnen auch alle dieſe drey Stuͤcklin / vnſerer heut tractireten oder abgehandelten Beylage / Nemlich: 1. Glaube an den HErren Jeſum: 2. Hoffnung zum Himliſchen Erbe: Vnd 3. Bewahrung durch Gottes macht zur Seligkeit / richtig vnd außdruͤcklich gemeldet werden: Vnd wir derowegen dieſen Spruch billich zur Peroration, oder beſchließlichen widerholung dieſer jtzt gehaltenen Leichſermon / ſetzen vnd gebrauchen: DieſelbenS. Petrus 1. Epiſt. 1. worte deß Spruchs S. Petri lauten alſo: Gott hat euch nach ſeiner groſſen Barmhertzigkeit wider geboren zu einer lebendigen hoffnung / durch die Aufferſtehung Jeſu Chriſti von den Todten / zu einem vnvergenglichen / vnbefleckten / vnd vnverwelcklichen Erbe / das behalten wird im Himmel / Euch / die jhr aus Gottes macht / durch den Glauben bewa - ret werdet zur Seligkeit / in welcher jhr euch frewen werdet / mit vnaußſprechlicher / vnd herrlicher Frewde / vnd das En - de ewres Glaubens davon bringen / nemlich / der Seelen Seligkeit. Zu welcher euch vnd mir / vnd allen die es von Hertzen begeren / Gnade vnd Barmhertzigkeit verleihe vnd gebe / vnſer lieber HErr vnd Heyland Jeſus Chriſtus / hoch - gelobet vnnd geliebet ſampt Gott ſeinem Himliſchen Vater / vnd H. Geiſte / in alle ewige Ewig - keit / Amen / Amen / Amen.

K ijNota. [76]

Nota.

DAs gebuͤhrliche Zeugniß von der ſehligen Geſtrengen Frawen auff Fuͤrſten - ſtein / etc. Adelichem Geſchlecht / Chriſtlichem Le - ben / vnnd ſeligem Abſchied / iſt in der ordentlichen Leichpredigt / deß Ehrnwuͤrdigen / Achtbarn / vnd Wolgelaͤhrten Herrn M. Eſaiæ Schelnbachii, Pa - ſtoris Freiburgenſis, &c. außfuͤhrlich gemeldet: Welches auch bey dieſer Leichſermon geſche - hen: Aber vnnoͤtig allhie zu widerholen.

[77]
Nobilisſimæ ac Pientis - ſimæ Matronæ,
MARGARETÆ BOCKIÆ, Magnifici ac NobiliS. Viri, Dn. CHRISTOPHORI AB HOBERG, in Furſtenſtein, &c. Conjugis Desideratissimæ, IV. Mart. A. C. MDCXII. piè defunctæ, Beatis Manibus Parentatio
[78][79]

AD Magnificum & Nobilisſi - mum Virum, DN. CHRISTOPHORUM AB HOBERG, in Fürſtenſtein, &c. Super obitu præmaturo MARGARETAE BOCKIAE Feminæ Nobilisſimæ, Conjugis Ipſius deſideratisſimæ.

ET non condoleam? fera dum Libitina
Cupresſo
FURSTENSTENIACAM cingit
edace Domum?
BOCKIA florenti dũ MARGARIS óccidit ævo,
Atq; maritalem ſolvit acerba Fidem?
Dum Natum, natum modò, mox denata relinqvit,
Lacteq́; deſtituit labra tenella ſuo?
O dolor! ô ingens animi ſcisſura gementis!
Vix gravior fieri vis ſuper Orbe poteſt.
Scilicet unanimis fovit duo corda Voluntas:
Nutriit unus Amor; nutriit una Fides.
Nunc[80]
Nunc qvid Amor? qvid fida Fides? qvid firma Vo -
luntas?
Disjecit jaculis Mors ea cuncta ſuis.
Nunc & amaror Amor tuus, & Cor carduus hercle
eſt:
Pungitur adſiduo mens tua presſa malo.
Non eqvidem carpo generoſi pectoris imbres,
Qvos premit ex oculis iſta ruina tuis.
Nam tantum tibi dira bonum Necis abſtulit haſta,
Qvo nihil in toto carius Orbe fuit.
Si Genus adſpicias: fuit antiqvisſima Gente,
Armaq́; multiplicans Matris & Arma Patris.
Si dotes animi videas: fuit ipſamet illa
Virtus & Pietas, Candor & Integritas.
Corporis at bona ſi: nulli fuit illa ſecunda,
Sive velis formam; ſive talenta velis.
O dolor! atq; iterum dolor ô! qvem perpete luctâ
Perſentis animo, Vir Generoſe, tuo.
Inprimis teneros videas ſi prolis ocellos,
Et madidas lacrumis diffluitate genas.
O miſeram ſubolis vitam! qvâ, morte peremta,
Fida Parens vitam perdidit ipſa ſuam.
In luctu tamë eſto modus, Celeberrime HOBERGI,
Neu dolor in triſti funere perpetuet.
Qvi[81]
Qvi vitam dedit huic, vitæ DEUS arbiter, idem
E vitâ in vitam detulit Elyſiam.
Qvi junxit lateriq́; tuo, domuiq́; maritam,
Sejunxit, dandam rurſus in arce Poli.
Hinc obiens abiit vitæ melioris ad uſum,
Nullus ubi labor eſt; non dolor ullus ubi.
Gaudia perpes agit celeſti ſede potita,
Dimidiumq́; ſui te ſibi poſcit ibi.
Erige te ſurſum; presſoq́; gravamine qveſtûs
MARGARIDI reqviem, qvæſo, precare tuæ.
GEMMA fuit qvomdam terræ intertexta lutoſæ;
Spe tamen atq; Fide cum Pietate micans.
Gemmea nunc tota eſt, celo intertexta ſereno,
Angelicis certans luciditate choris.
Hanc, ubi fatali te lux ſuprema labore
Cinget, in æternâ Luce videbis ovans.
Illeic te radiis ſtringet Generoſa beatis,
Participem Lucis, qvæ ſuper aſtra nitet.
In Nato ſolare tuo penetralia cordis,
Qvi pars materni vivida amoris erit.
Soſpitet hunc Tibi JOVA potens, Te ſoſpitet illi,
Et beet omnimodis hoc ſuper Orbe bonis.
LΚΤΕ -[82]

ΚΤΕΡΙΣΜΑΤΑ Super Ejuſdem Nobiliſsimæ Feminæ Obitu.

Viduus Defunctam Alloqvitur.

SArcophago mea Coſta jace, mea MAR -
GARIS iſto,
Dum me cum Nato triſtis hic Orbis
habet.
BOCKIA, qvâ tu nata, Domus te plorat ademtam:
Te, cui nupſiſti, plorat HOBERGA Domus.
Viciſti; reqvie fruitur mens enthea celo:
Artubus heic reqvies ſit qvoq; juſta tuis.

Idem ad Defunctam.

ET paris atq; peris; addis, mea Pſyche, adimisq́;,
Natum operoſa domo; Te lacrumoſa toro.
Dulcis amarities! hoc qvæ mihi contigit actu:
Magnus adeſt dulcor; major amaror at eſt.
Idem[83]

Idem Eidem.

FIliolum thalamo, tumulo das triſte cadaver,
MARGARIS ô vitæ vitaq́; Morsq́; meæ!
In Nato mihi vivis; Ego in te mortuus erro:
Error amarus hic eſt; grata ea Vita tamen.

In ejusdem Feretrum.

HOc feretro poſuit juveniles corporis artus,
BOCKIADUM celebri MARGARIS
orta Domo.
Nata ſolo; connata toro; thalamoq́;, ſoloq́;
Dum peperit Natum, morte ſoluta perit.

In Idem.

BOCKIA CHRISTOPHORI Conjux carisſi -
ma HobergI
Denata, à nato pignore, triſtis obit.
Occupat hanc urnam corpus; mens enthea celum:
Stat vigil ad tumulum cum Pietate Fides.
L 2Sic[84]
SIc molleis violas terit impetus; & Roſa
triſti
Sic geminum ponit ſole peruſta de -
cus!
Mœſta ſedens, lætæ ſtudioſa puella coronæ,
Delicias qveritur deperiisſe ſuas.
Aula, nec aula qvidem tantùm, ſed Hobergia qvot -
qvot
Nomina amant, pullæ virginis inſtar habent.
Dum non graminei deſectum floris honorem,
Nec Gemmæ ſpeciem, qvam legis Inde, dolent:
Sed florem & Gemmam, qvâ Nobilitatis avitæ,
Virtutisꝙ́ piæ qvâ radiabat honos.
Qvem florem, Cœli rorantis munere, qvondam
Sleſia Bockiadum ſcit viguisſe ſatu.
Ah! viguisſe, nec usꝙ́ vigêre, nec usꝙ́ virere!
Hoc est, cur triſtis pectora mœror edat.
Qvam GEMMAM, Jovâ tribuente, ſalubriter
Nuper Hobergiaco ſcit nituisſe toro.
(omnis
Ah! [85]
Ah! nituisſe, nec usꝙ́ nitêre, nec amplius esſe!
Hoc est, cum multis cur gemat Aula Bonis.
Conjugis iſte piæ ſpoliatus amore, ſororis
Hi deſiderio pectore vulnus alunt.
Ob Natæ Genitrix denatæ fata, mariti
Commiſerans ſortem, nomine utroꝙ́ dolet.
Disſimili ratione alii: qvorum ipſe dolorem
Et voce & ſenſu pergo dolere libens.
Lugentûm favor hoc; defunctæ vivida virtus;
Tamꝙ́ piis Umbris debita cura monet.
Spectat adhuc humilis ſpeciem virtutis ocellus;
Vocis adhuc placidæ verba ſub aure ſonant;
Qveîs ornata fuit celebrataꝙ́ rebus, & inter
Ordinis una ſui viſa placere pareis.
Nam Genus & Cenſum præfecta Modeſtia
rexit,
Non decus in faſtu nobile conſtituens.
Virtutum hoc meritò ſpeculum lugemus ademtum:
Seꝙ́ tuo noſter jungit, Hoberge, dolor.
Tu ſtudium hoc dignare benignâmente, favêre
Qvi dudùm rebus viſus es ante meis.
L 3Sic[86]
Sic Tibi qvi plagam DEUS intulit, alle vet idem!
Ægraꝙ́ cœleſti pectora luce novet!
Nec tantum ſua deſtituant ſolatia luctum,
Ut ſtet ab arbitrio mensꝙ́fidesꝙ́ DEI.
Sic, tua cura; tuæ Dos Conjugis ultima; Natus
Amißâ incolumis matre ſuperſtes agat!

Henricus Lindner Sil.

About this transcription

TextChristliche Leichpredigt/ Vber dem Tödtlichen Abgang der weiland Edlen/ Viel-ehrentugentreichen Frawen Margarethae Hobergin, Gebornen Bockin
Author Esaias Schellbach
Extent86 images; 19367 tokens; 5385 types; 133043 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationChristliche Leichpredigt/ Vber dem Tödtlichen Abgang der weiland Edlen/ Viel-ehrentugentreichen Frawen Margarethae Hobergin, Gebornen Bockin Esaias Schellbach. . 86 Georgius BawmanBreslau1612.

Identification

Universitätsbibliothek Breslau Universitätsbibliothek Breslau, 4 S 911/5 / 527038

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Leichenpredigt; Gebrauchsliteratur; Leichenpredigt; ready; aedit

Editorial statement

Editorial principles

Publication information

Publisher
  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-10T09:36:17Z
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Holding LibraryUniversitätsbibliothek Breslau
ShelfmarkUniversitätsbibliothek Breslau, 4 S 911/5 / 527038
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