EDler / Geſtrenger / Ehrnveſter / vnd Wolbenambter Herr vnd Gevat - ter / aus was vrſachen die bey ewer G. Herrn Vatern / ſeligen / Begraͤbnuͤs von mir gehaltene Leichpredigt biß hieher in winckel blieben / wird Ewer G. faſt beſſer / als mir ſelbſt bewuſt ſeyn. Vnd wiewol meiner perſon wegen dieſelbe wol gar hette koͤnnen vngedrucket bleiben / jedoch weilich ohne gefehr inne worden / daß man die Station vnd Predigt / die bey abfuͤhrung der Adelichen Leiche im Hofe gehalten wor - den genommen / die Perſonalien / ſo eigentlich zu meiner Predigt gehoͤret / auch von mir oͤffentlich in der Pfarrkir - chen zur Freyſtadt / nach geendeter meiner Predigt publi - ce verleſen worden / dabey gefuͤget / vnd beydes zuſam - men / deren ich doch Ewer G. Jhres theils wil entſchul -A ijdigt[4]Vorrede. digt halten / drucken laſſen / bin ich verurſachet worden / habe es auch faſt fuͤr noͤtig zu ſeyn erachtet / meine Leich - predigt / wie ich ſie durch Gottes gnaden / damals oͤffent - lich gehalten / vnd die Perſonalien / wie ſie mir abzuleſen vbergeben worden / darzu gethan / durch den Druck zu publiciren / hiermit / neben andern vrſachen / vieler gedan - cken die ſich bekuͤmmern moͤchten / was doch wol von mir moͤchte ſeyn gepredigt worden / abzuhelffen / vnd meine gefuͤhrete lehre vngeſchewet an tag zu geben Vnd ſolche geringe Arbeit wil ich hirmit Ewer G. wolmey - nend aus gutem hertzen dediciret vnd offeriret haben. Befehle hiermit Ewer G. vnd alle die Jhrigen in den ſchutz Gottes / mit bitte Ewer G. wolle wie bißher / alſo auch kuͤnfftig mein vnd der meinigen Großguͤnſtiger Herr vnd befoͤrderer bleiben. Datum Herwigsdorff den 4. Junii, Anno Chriſti 1613.
Ewer E. G. Dienſtwilliger vnd Gebetſchuldiger M. Caſparus Stiller / Pſarrer allda.
Soſchreibet Moſes der MannGOttes / in ſeinem I. Buch am 49. vnd 50. Capitel.
DA Jacob vollendet hatte die Gebot an ſeine Kinder / thet er ſeine Fuͤſſe zu ſam - men auffs Bette / vnd verſchied / vnnd ward verſamlet zu ſeinem Volck. Da fiel Joſeph auff ſeines Vaters Angeſicht / vnd weinet v - ber jhm vnd kuͤſſet jhn. Vnd Joſeph befahl ſeinen Knechten den Ertzten / das ſie ſeinen Vater ſalbeten. Vnd die Ertzte ſalbeten J - ſrael biß das Vierzig tage vmb wahren / denn ſo lange wehren die Salbetage / vnnd die E - gypter beweineten Jhn ſiebenzig Tage. Da nun die leide tage aus waren / redet Joſeph mit Pharao Geſinde vnd ſprach: Habe ich gnade fuͤr euch funden / ſo redet mit Pharao vnd ſprecht: Mein Vater hat einen Eyd von mir genommen / vnd geſagt / Siehe ich ſterbe / begrabe mich in meinem Grabe / daß ich mir im Lande Canaan gegraben habe. So wil ich nun hinauff ziehen / vnnd meinen Vater begraben vndwieder kommen. Pharao ſprach;A iijZeuch
Zeuch hinauff / vnd begrabe deinen Vater / wie du jhm geſchworen haſt. Alſo zog Jo - ſeph hinauff ſeinen Vater zu begraben / vnd es zogen mit jhm alle Knechte Pharao / die Elteſten ſeines hauſes / vnd alle Elteſten deß landes Egypten / dazu daß Geſinde Joſephs vnnd ſeine Bruͤder / vnnd das Geſinde ſeines Vaters / allein jhre Kinder / Schafe vnd Och - ſen lieſſen ſie im Lande Goſen / vnnd zogen auch mit jhn hinauff Wagen vnd Reiſigen / vnnd war ein faſt groſſes Heer. Da ſie nun an die Tennen Atad kamen / die Jenſeid dem Jordan liegt / da hielten ſie eine ſehr groſſe vndbittere klage / vnd er trug vber ſeinem Vater leide Sieben tage. Vnnd da die Leute im Lande / die Cananiter / die klage bey der ten - nen Atad ſahen / ſprachen ſie / die Egypter halten da groſſe Klage / daher heiſſet man den Ort der Egypter klage / welche liegt Jenſeid dem Jordan. Vnd ſeine Kinder theten wie er jhnen befohlen hatte / vnnd fuͤhreten jhn ins Land Canaan / vnd begruben jhn / in der zwiefachen Hoͤle deß Ackers / die Abrahamerkaufft
GEliebten freunde in Chriſto dem Herrn / Der Menſchenwuͤrger der Todt / fuͤhret in ſei - nem Wapen ein Koͤnigliches Zepter vnd eine Bawerhacke creutzweiſe vber ein ander geſchren- cket / vnd einen Todtenkopff oben darauff geſe - ſetzet mit dieſer Vberſchrifft:Mors Sceptra Ligonibus æquat,
Vnd zwar diß Wapen fuͤhret der Todt billich vnnd mit allem recht / ſintemal doch ſeine Bottmeſſigkeit vnd Regierung ſich eben ſo wol erſtrecket vber groſſe Keyſer / Koͤnige / Fuͤrſten / Grafen / Herren / Edelleute / Hochgelarte / Vorneme / Reiche / Tapffere vnd Anſehnliche Perſonen / alß vber gemeine Buͤr - ger vnd Bawren / vnd arme Tagloͤhner vnd Bettler / wie ſol - ches nicht allein bezeugen die hellen vnd klaren Spruͤche heili - ger Goͤttlicher Schrifft vnd weiſer Leute in der Heydenſchafft /Son -[8]Chriſtliche Leichpredigt. Sondern auch die Exempel / ſo in der Heiligen Schrifft / vnd anderer Hiſtorien auffgezeichnet ſein / wie in gleichen die taͤgli - che erfahrung / vnd die jetzt fuͤr Augen ſtehende Todtenpar. Die Goͤttliche Majeſtet deutet ſolches ſelber an / Geneſ. am 3. cap. Da ſie zu vnſerm Großvater Adam / vnd in ſeiner Perſon zu einem jeden Menſchen / Er ſey wes Standes oder Wuͤrden er wolle / mit klaren worten ſpricht: Du biſt Erde / vnd ſolſt zu Erden werden. S. Paulus thut dergleichen zun Roͤm. 5. da er ſpricht: Der Todt iſt zu allen Menſchen durch gedrun - gen. An die Ebreer am 9 ſtehet: Allen Menſchen iſt geſetzt ein mal zu Sterben. Sy[r]ach in ſeinem Buch am 40. cap. ſagt: Es iſt ein elend jaͤmmerlich ding / vmb aller Menſchen Leben / von Mutte[er]leibe an / biß ſie in die Erde begraben wer - den / die vnſer aller Mutter iſt / da iſt jmmer Sorge / Furcht / hoffnung vnd zu letzt der Todt / ſo wol bey dem / der in hohe[r]Eh - ren ſitzt / als bey dem geri[n]gſten / ſo wol bey dem / der ſeyden vndkron tregt / alß bey dem / der einen groben kittel an hat.
‘Pallida Mors æquo pulſat pede Pauperum tabernasRegumqúeturres:’ ()Spricht der Heydniſche Poet Horatius:Der Todt klopffet bey allen Menſchen an Beim Koͤnig vnd beim Bettelman.
Vnd Seneca ſpricht: Mors eundem in omnibus habet mo - dum, finiſſe vitam, Der Todt helt gleiche art vnd weiſe / mit allen Menſchen / er endet das Leben / einem ſo wol alß dem an - dern. Zu dem / ſage mir / wo iſt der groſſe Keyſer Auguſtus, Nero, Carolus, Conſtantinus M. wo ſind die gewaltigen Koͤ - nige Pharao, Ahaſverus, Cyrus, Alexander Magnus? Wo ſind die Vierfuͤrſten / Archlaus, Herodes, Philippus, Ariſto - bolus? Wo ſind die Adelichen Helden / Annibal, Brutus, Sci - pio, Tarquinius? Wo iſt der reiche Midas, der gluͤckſelige Po - lycrates, der ſtarcke Simion, der ſchoͤne Abſolon, der weiſe Sa - lomon? Wo ſind die Hochgelarten Oratores vnd Philoſophi Cicero, Demoſthenes, Plato, Ariſtoteles?
Ant -[9]Chriſtliche Leichpredigt.Antwort: — — — Atrox Mors abſtulit omnes!
Sie ſind dahin / der Todt hat ſie alle ſampt mit ſeinem Goli - aths ſpieß durchrennet / er iſt an jedem zum Ritter worden / ſie haben alle ſterben muͤſſen / eben ſo wol / als die verachten vnd vnanſeheliche Leutlein / die armen Stuͤmper vnd Bettler / Bar - thimæus / Jrus / Laſarus! vnd was erzehle ich dieſe Exempel / hoͤrt vnd erfehrt man dergleichen nicht taͤglich / koͤmpt nicht eine zeitung vber die ander / wie hier dieſer / dort ein ander vornemer Herr mit tode verblichen vnd geſtorben ſey! Ja was bedeutet hier die vorgeſetzte Todtenpar? hat nicht der Todt auch einen vornemen / Edlen vnd Geſtrengen Herrn darauff geſtreckt? Weil nun dem alſo / ſo haben auch jederzeit groſſe Potentaten vnd vorneme Herrn jhrer ſterbligkeit ſich immerzu erinnert.
Keyſer Maximilianus, wo er hingereiſet / hat er ſein Sterb - geredlein in einem verſiegelten Reyſekaſten mit ſich gefuͤhret / damit er ja nirgends ſeiner ſterbligkeit vergeſſen moͤchte. Der Macedoniſche Koͤnig Philippus hat einen ſonderbaren Leib - Jungen gehalten / der alle morgen ſeiner ſterbligkeit jhn erin - nern / fuͤr ſein Koͤnigliches Zimmer treten / vnd jhm zuruffen muͤſſen: Philippe memento te eſſe hominem; Koͤnig Phi - lippe, bedencke daß du ein ſterblicher Menſch ſeyſt. Saladinus der gewaltige Sultan zu Babylon vnd Damaſco hat eine ge - raume zeit vor ſeinem abſterben jhm ſeinen Sterbkittel machen vnd auffheben laſſen / vnd als er zu Aſcalon kranck worden / hat er befohlen / denſelben auff einen Rennſpieß zu ſtecke. / in der Stadt herumb zu tragen / vnd dabey mit außzuruffen:Floruit in toto, qui Rex o riente ſuperbus,En jacet: hoc præter nil moriturus habet! Saladinus der ſtoltze Koͤnig in gantz Morgenland liegt kranck darnieder / vnd wird von alle ſeinem Reichthumb / von alle ſei - ner Ehre / Macht / Pracht vnd herrligkeit mehr nichts mit ſich nemen aus dieſer Welt / als dieſen Sterbekittel! Welchen loͤb -Blichen[10]Chriſtliche Leichpredigt. lichen Exempeln auch wir billich noch heutiges lages alleſampt nachfolgen / vnd alſo das Vive memor lethi, Bedencke daß du ſterben muſt / recht vnd wol ſollen practiciren lernen: Jnmaſſen denn auch gethan hat vnſer in Chriſto verſtorbene Edele Herr / denn er ja ſchon vor vielen Jahren ſein Begraͤbnuͤß alhier bey vns zur Freyſtadt jhm hat verfertigen laſſen / vnd wird ohne zweifel ſich offt ſeiner ſterbligkeit dabey erinnert haben. Vnd wenn er gleich ſolches hette wollen in vergeſſen ſtellen / ſo hat jhm doch Gott nun etliche Jahre an einander ein vnfeilbares gemerck an ſeinen leib geſetzet / nemlich die ſchwachheit vnd vn - vermoͤgligkeit der meiſten ſeiner Gliedmaſſen / die nicht mehr wie zuvor jhr ampt ſo vollkoͤmlich haben verrichten wollen / daruͤber er ſelbſt vnlangſt gegen mir geklagt hat vnd geſagt / daß Er bald nichts mehr nuͤtze hier auff Erden ſey; hat alſo freylich alles fuͤr vorboten des Todes erkennet vnd befunden / daß wenns vmb vnd vmb kommen wuͤrde / es auch entlich mit jhm heiſſen wuͤrde / wie Sirach ſagt am 10. Cap. Wenn der Artzt ſchon lange daran flicket / ſo gehet es doch endlich alſo: Heute Koͤnig / morgen Todt.
Weil es nun gewiß / daß wir alle / eines ſo wol als das an - dere ſterben muͤſſen / vnd alſo einen nach dem andern vnter vns die Reyge mit betreffen wird / ſo wil ſonderlich zweyerley zu wiſſen vnd in acht zu nemen von noͤthen ſeyn: Fuͤr eines / wie wir vns / wenn vns etwa die vnſerigen ſterben / gebuͤhrlich erzei - gen ſollen: Dann auch fuͤrs andere / wie ein jeder fuͤr ſeine per - ſon ſich auff ein ſeliges ſtuͤndlein præpariren vnd gefaſt machen ſolle. Vnd dieſes beyderſeits recht zu ſtudieren wird vns nun etlicher maſſen abgeleſener Text gar feine anleitung geben / dazu wir vns auch ohne weitern vmbſchweiff wenden / vnnd Geliebter kuͤrtze halben mehr nicht / als nachfolgendes einige Puͤnctlein dabey zu erkleren fuͤr vns nemen wollen / nemlich ſagen:
Wie[11]Chriſtliche Leichpredigt.Wie der Altvater Jacob ſich zu einem ſeligen Ster - beſtuͤndlein bereitet / drauff ſanffte verſchieden / von ſeinen Kindern vnd Freunden betrawret / vnd endlich ehrlich zur Erden beſtattet worden.
Von dieſem einigen puͤnctlein mit nutz vnd frucht zu re - den / gebe vns Gott der himliſche Vater ſeinen heiligen Geiſt / vmb Jeſu Chriſti ſeines Sohns vnſers HErrn vnd Heylan - des willen / Amen.
BElangende nun meine Geliebten den fuͤrge - nommenen punct / Wie nemlich der Altvater Jacob ſich zu einem ſeligen Sterbeſtuͤndlein bereitet / drauff ſanffte verſchieden / von ſeinen Kindern vnnd Freunden betrawret / vnd endlich Ehrlich zur Erden be - ſtattet worden / muͤſſen wir nach anleitung des abgeleſenen Texts fuͤrnemlich nachfolgende VI. vmbſtende betrachten vnd in gute acht nemen.
BElangende nun die Erſte Vmbſtende / nemlich Legitimam Teſtamenti compoſitionem, die rechtmeſ - ſige Erbſchichtigung oder das Teſtament / ſo der Ertzva - ter Jacob vor ſeinem Abſchiede / noch bey gutem verſtande ge - macht hat / weiſet vns Moyſes alhier auff daſſelbe mit dem / daß er ſpricht: Da Jacob vollendet hatte die Gebot an ſeine Kinder / vnd gibt vns hiermit anlaß einen blick zu thun in den vorhergehenden Text des 49. wie auch des 48. Capitels ſeines Erſten Buchs / in welchen zweyen Capiteln er nach der lenge beſchrieben / wie der liebe Jacob / als jhn GOTT mit Leibes ſchwachheit angegrieffen / vnd auffs Siechbette darnider ge - worffen / ſeine Soͤhne ſaͤmptlich vnd ſonderlich vor ſich fodern laſſen / ſeinen letzten Willen jhnen offenbaret / vnd vermeldet / wie ers nach ſeinem Tode wolte gehalten haben / wie ſie in der Erbſchafft nach einander gehen ſollen / was einem vnd dem an - dern / auch eines vnd des andern Erben oder Nachkommen im gekobten Lande / im Lande Canaan / daß Gott jhm vnd ſeinem Samen verſprochen / vnd darein er gewiß dermal eines wider - fuͤhren wuͤrde / bleiben ſolte: Da hat er einem vertrauwet das Kirchweſen vnd Prieſterthumb / dem andern hat er zuerkandt das Koͤnigreich / dem dritten hat er anbefohlen das Richter - Ampt / den vierdten hat er beſtetiget zum Feld Haͤuptmann im Kriege / dem fuͤnfften hat er eingereumt die Jagten vnd Wild - fang / dem ſechſten das Meer oder die Fiſchreyen / vnd ſo fort an /hat[13]Chriſtliche Leichpredigt. hat drauff jhnen vermeldet / wie es einem vnd dem andern erge - hen wuͤrde / was er gutes wuͤrde außrichten/ was jhm dabey bege - gnenwuͤrde / ꝛc. vnd endlich / wie ſie ſich nach ſeinem Abſterben es mit ſeinem Begraͤbnis anordnen vnd halten ſolten / anbefolen.
Dieſes alles / Geliebten / begreifft Moyſes alhier vnd gibts vns zu erkennen mit dem / das er ſagt; Da Jacob volendet hatte die Gebot an ſeine Kinder. Nicht vnbillich aber / ſon - dern recht vnd wol hat der liebe Jacob daran gethan / das er al - ſo vor ſeinem ende ſein Teſtament gemachet / vnd ſeinen letzten willen offenbaret hat; Sintemal er hiermit zu vorkommen al - lerley ſtreitiges weſen / das ſonſt nach ſeinem Abſchiede / vnter ſeinen Kindern ſich gar leicht hette entſpinnen moͤgen / wo Er ohne gemachtes Teſtament vnd erklerung ſeines letzten willens davon gezogen: Wie denn nicht allein das Exempel jenes Juͤnglings Lucæ am 12. der deßwegen den HErrn CHriſtum Vnverſchemter weiſe angelauffen / vnnd zu jhm geſprochen; Meiſter ſage meinem Bruder / daß er mit mir das Erbe theile; Sondern auch andere Exempel vnnd die taͤgliche erfahrung / gnugſam bezeugen / das offt groſſer Zanck vnnd Vneinigkeit / zwiſchen Geſchwieſtern / Freunden / Verwandten vnd Bekan - ten enſtanden / wenn vor dem Abſterben der Eltern / oder ande - rer Wolhaben den Perſonen / nicht richtigkeit iſt gemachet wor - den. Drumb auch noch heutiges tags / Eltern vnd ſonſt ſter - bende Perſonen / die vermoͤgens ſein vnd Guͤtter haben / recht daran thun / vnd deſto geruhiger / wenn Jhr ſtuͤndlein da iſt / einſchlaffen koͤnnen / wenn ſie vor jhrem Ende ein Teſtament machen / vnd verzeichnen laſſen / wie ſie es nach jhrem Abſter - ben / mit jhrer verlaſſenſchafft wollen gehalten haben / wehm eines vnnd das andere bleiben ſolle: Wie denn auch ſolchen Politiſchen brauch zu billigen / nicht allein GOtt ſelbſt im al - len Teſtament durch Moyſen vnd Joſuam / als in jhren ſchrif - ten hin vnd wieder zu leſen / gewiſſe anordnung gemachet hat /B iijwelcher[14]Chriſtliche Leichpredigt. welcher geſtalt es mit Erbſichtigungen allerſeyts ſolte gehalten werden; Sondern es ſagt auch S. Paulus im Newen Teſta - ment an die Galat. am 3. Cap. mit klaren Worten / das man eines Menſchen Teſtament / wenn es beſtetiget worden / nicht verachten ſolle. Gleichwol aber wie dem allen / werden jhrer gar viel gefunden vnter den Weltkindern / die dieſes durchaus nicht in acht nemen / ſondern auff andere weiſe / als durch ein ordentliches Teſtament / nach jhrem Abſterben Friede vnd ei - nigkeit / vnter jhren Kindern oder andern Erben zu erhalte[n]vermeinen / Nemlich durch vnnuͤtze verſchwendung jhrer Guͤt - ter / vnd leſt ſich mancher Raben Vater vnd ander leichtfertiger Luder Bruder offt verlauten / Jch wil daß meine bey Lebendi - gem leibe durch die Gurgel jagen / Verfreſſen vnd Verſauffen / Verdoppeln vnd Verſpielen / oder ſonſt Verpancketiren / So duͤrffen dermal eines meine Kinder vnd Freunde / nach meinem Tode nicht viel Zanckens / nicht viel rechtens vnd fechtens da - rumb haben / was einem vnd dem andern bleiben ſolle. Wel - ches aber vnrecht vnd groſſe Suͤnde iſt / dadurch ſich einer an GOtt / an ſeinem Nechſten / vnnd an ſich ſelbſten vergreiffet / demnach auch von GOtt / wo er ſich nicht erkennet vnd Buſſe thut / nicht kan vngeſtraffet bleiben. Vnd diß iſt die Erſte.
DIe II. Vmbſtende belangende / Nemlich Fir - mam Fiduciæ omnis in Meſſiâ collocationem, Das ſtandhafftige hoffen vnd vertrawen / daß der liebe Ja - cob zu gleich mit auff den Meſſiam vnd Heyland der Welt ge - ſetzet hat / deutet Moyſes alhier auch noch darauff mit dem / das er ſagt: Da Jacob volendet hatte die Gebot an ſeine Kinder / Sintemal doch in dieſen Geboten an ſeine Kinder / oder in dir Rede / die er damals an ſeine Kinder gethan / Er auchmit[15]Chriſtliche Leichpredigt. mit gedacht hat deß verſprochenen Schlangeniretters / vnd ſein ſtandhafftiges hoffen vnd vertrawen auff denſelben / wie auch ſeine groſſe Hertzens begirde nach Jhm / das Er doch kommen vnnd ſich einſtellen moͤchte / gnugſam zuerkennen gegeben. Zwar es iſt wol die Rede des lieben Jacobs zu ſeinen Kindern mehrentheils von leiblichen Segen / von zeitlichen vnnd jrdi - ſchen Guͤtern geweſen; Allein ſein Hertz hat daran durchaus nicht gehangen: Sein Hertz / Sinn vnd Muth hat einig vnd allein gehangen vnd gehalten an dem himmliſchen / Geiſtlichen vnnd Ewigen Gute / an dem damals nach zukuͤnfftigen / nun mehr aber geleiſteten Meſſiâ, Chriſto JEſu / GOttes vnd Ma - rien Sohn / drumb er auch in ſeiner Rede hin vnd wieder deſ - ſelben mit gedacht / ſein Glaubens bekendnis von jhm gethan / vnd mit gar ſehnlichen Worten / nach jhm geſeuſſtzet hat. Bald anfangs / da er vber Ephraim vnd Manaſſe die zwene Soͤhne Joſephs / der ſein liebſtes Kind / den Segen geſprochen / hat er ſeine Hende Creutzweiſe vber ſie gelegt vnd geſagt; Der En - gel / der mich erloͤſet hat von allem Vbel / der ſegne dieſe Kna - ben / vnnd hat damit gleich andeuten wollen / das er gewiß ſey vnd feſtiglich gleube / das der Ewige vnd Almechtige SOhn GOttes / den er allhier durch den Engel verſtehet / vnd der auch ſonſt hin vnd wieder in der Schrifft / ein Engel genennet wird / zu beſtimpter Zeit von GOtt / ſeinem himmliſchen Vater in die - ſe Welt werde geſendet werden / ware Menſchliche Natur an ſich zu nehmen / Vnnd daß er als ein Engel oder Bote / alß ein Himmliſcher Legat vnns werde ankuͤndigen / den willen GOTTES / ſeines himliſchen Vaters von vn - ſer Seligkeit; Er werde ſich auch nach andeutung ſeiner Creutz - weiſe vber einander geſchrenckten Hende oder Armen laſſen Creutzigen vnnd toͤdten / vnd am Creutz / wie aller Welt / alſo auch ſonderlich ſein vnd jhr Erloͤſer ſein / vnd ſie befreyen von allem Vbel / werde auch jhnen vnd vns zuwege bringen / denrechten[16]Chriſtliche Leichpredigt. rechten himliſchen Segen / den wir im Paradiß verſchertz[et]hetten / Sintemal er doch ſein werde Benedictus der Geſegne - te / in dem alle Voͤlcker auff Erden ſolten geſegnet werden. Fer - ner da der liebe Jacob zu Juda ſeinem Sohn geredet / iſt er gleich ſtutzig worden in ſeiner Rede / denn der Meſſias iſt jhm noch jmmer im Sinn gelegen; Hat derwegen aus anregung des heiligen Geiſts eine ſchoͤne Weiſſagung von jhm gethan vnd geſprochen: Es wird das Zepter von Juda nicht entwen - det werden / noch ein Meiſter von ſeinen Fuͤſſen / biß das der Held komme / vnnd demſelben werden die Voͤlcker anhangen. Er wird ſein Fuͤllin an den Weinſtock binden / vnd ſeiner E - ſelin Sohn an den edelen Reben / Er wird ſein Kleid in Wein waſchen / vnd ſeinen Ma[n]tel in Weinbeer blut. Seine Au - gen ſind roͤdtlicher denn Wein / vnnd ſeine Zeene weiſſer denn Milch. Hat damit gleich ſo viel ſagen wollen: Nun mein Sohn Juda / wann das Zepter von dir wird genommen wer - den / wenns mit deinem Reich oder mit der Policey deines Volcks / wird auff die Neige kommen / wenn Kron vnnd alle Regalien werden weg ſein / wird denn kommen Silo der Heldt / doch nicht ein gemeiner Heldt / Sondern gar ein ſonderbarer Heldt / Geminæ Gigas ſubſtantiæ, der zweyſtemmige Heldt / der GOtt vnd Menſch ſein wird in einer Perſon / der Welt Heyland / dem werden die Voͤlcker mit gleubigen Hertzen an - hangen / vnd derſelbe wird ſein Fuͤllen an den Weinſtock bin - den / vnd ſeiner Eſelin Sohn an den edelen Reben / Das iſt / Aus zweyen Voͤlckern wird er eines machen / Juden vnd Hey - den wird er jhm ſelbſt / alß dem rechten Weinſtocke einverlei - ben / in dem er ſie bringen wird / zur Gemeinſchafft der Chriſt - lichen Kirchen / daran Er das Haupt iſt: Er wird auch bey dieſer ſeiner Kirchen ſelbſt aufftreten vnd Predigen / Vnd wird in ſeinen Predigten herfuͤr leuchten laſſen / rodte Augen vnd weiſſe Zeene / das iſt / Er wird Geſetz vnnd Evangeliumtreiben /[17]Chriſtliche Leichpredigt. treiben / da zwar das Geſetz als Rodte augen / wenn man darein ſihet / ſichern vnd Epicuriſchen hertzen zu wider ſeyn; Das Ev - angelium aber / wird als eine weiſſe ſuͤſſe Milch betruͤbten her - tzen anmutig fuͤrkommen vnd krefftigen troſt geben; Vnd denn / wenn er ſein Curriculum volbracht / wird Er ſein Kleid in Wein waſchen / vnd ſeinen Mantel in Weinbeerblut / das iſt / der Sohn Gottes wird im Fleiſche / darein er ſich gleich ver - kleiden wird / leiden vnd ſterben / vnd ſein Blut vergieſſen / zum Loͤſegeld fuͤr vnſer Suͤnde. Endlich da der liebe Jacob auff ſei - nen Sohn Dan kommen / vnd jhm / was ſein zuſtand ſeyn wer - de / vermeldet / da hat er wieder ſeine rede gleich Abrumpiret, hat angefangen zu Exclamiren, hat nach dem verheiſſenen Meſſia geſeufftzet / vber laut außgeſchriehen vnd geſprochen; Domine expecto ſalutare tuum, HErr ich warte auff dein Heil. Ach / hat er ſagen wollen / mein trewer HErr vnd Gott / wie ein hertzliches verlangen habe ich doch die zeit meines lebens gehabt nach dem Weibesſamen / den du im Paradiß vnſern Großeltern zugeſagt vnd verſprochen haſt / Jch habe gewartet von einer zeit zur andern / vnd immerzu gedacht / jtzt wird er ſich einſtellen: Vnd HErr ich habe auch meine hoffnung vnd mein verlangen noch nicht fallen laſſen / ſondern ich warte noch auff dein Heil / das iſt / auff den Heyland / den du verſprochen haſt / vndbin gewiß / daß / ob ich ſchon hier in der ſterbligkeit / weil mein ende verhanden iſt / jhn mit meinen leiblichen augen nicht ſehen werde / Er doch darumb nicht werde auſſen bleiben / ſondern ſich noch einſtellen zu rechter zeit: Vnd gleich wie ich jtzund ſeufftze: Domine expecto ſalutare tuum; HErr / ich warte auff dein Heil; Alſo wird eine zeit komen / da ein ander außſchreyen wird; Domine, oculi mei viderunt Salutare tuum, HErr meine au - gen haben deinen Heiland geſehen / den du bereitet haſt fuͤr al - len Voͤlckern: Doch werde ich jhn im Ewigen leben auch noch ſehen / vnd meine augen werden jn ſchawen / wie ich hier geiſtlichCmit[18]Chriſtliche Leichpredigt. mit den augen des glaubens jhn erblicke. Vnd nach dieſem an - ſchawen im Ewigen leben / habe ich nun auch ein hertzliches ver - langen / ich warte auch der geſtalt immerzu auff dein Heil / ich hoffe mein Heiland wird nicht lange mehr auſſen bleiben / ſon - dern ſich bald einſtellen / mich auffloͤſen vnd zu ſich nemen / daß ich ſeine herrligkeit anſchawe. Diß meine Geliebten iſt ja in warheit ein ſehr ſchoͤn bekentnuͤß von Meſſia / es iſt hoͤchſte hertzens begierde nach demſelben / es iſt ſtandhafftiges hoffen vndvertrawen auff jhn / vnd hette der liebe Jacob in ſeiner kranckheit ſich nicht beſſer zu einem ſeligen ſterbeſtuͤndlein præpariren oder bereiten koͤnnen / als er ſich der geſtalt dazu præpariret vnd be - reitet hat / wiewol er doch auch / als jtzt ſchon vernommen / zuvor denſelben in ſeinem hertzen eingeſchloſſen / vnd wie dort Gen. 32. auff der Reiſe mit leiblichen Armen des Glaubens an jhm ge - halten.
Andere fromme hertzen haben zu allen zeiten dergleichen gethan / im leben vnd im ſterben haben ſie auff Chriſtum ge - trawet vnd gebawet / vnd haben demſelben mit ſeinem Blut vnd Todt / mit ſeinem vollkommen gehorſam / bittern leiden vnd ſterben vnd ſeinem gantzen thewerem verdienſte jhre einige hertzensfrewde ſeyn laſſen / wie denn viel Exempel aus dem Al - ten vnd newen Teſtament / vnd aus andern bewerten Hiſtorien angefuͤhret werden koͤnten / wenn wir nicht die zeit in acht nemen vnd fort eilen muͤſten. Jn welcher frommer hertzen fußſtappen wir den billich heutiges tags auch noch treten vnd jhnen nach - folgen ſollen / vnd ſolches ſonderlich nach dem Exempel des lie - ben Jacobs / daß wir jtzt eigendlich fuͤr vns haben / zu der zeit / wenn vns etwa der liebe Gott mit kranckheit angreiffet / auffs Siechbette darnieder ſtrecket / vnd wir dieſe Welt geſegnen ſol - len / da ſollen wir ja nicht an dem zeitlichen hangen / wie Curti - ſanus Silberberger einvortrefflicher vom Adel vnd Canoni - cus zu Worms / der da / wenn er kranck worden / jhm ein Beckenvoller[19]Chriſtliche Leichpredigt. voller Goldguͤlden hat fuͤrtragen laſſen / vnd daran ſeine luſt vnd frewde gehabt / auch jhm eingebildet / es linderte ſeine ſchmertzen / wenn er mit ſeinen Henden im Golde vmbher meh - rete: Sondern wir ſollen das zeitliche alles beyſeits ſetzen / ſol - len den HErrn Chriſtum ergreiffen / mit ſeinem thewren ver - dienſte / jhn in vnſere hertzen / vnd vns in ſeine blutflieſſende wunden einſchlieſſen / auff jhn vnd auff ſein Wort trawen vnd bawen / vnd mit David ſagen aus dem 119. Pſalm: HErr wenn ich nur dich habe / ſo frage ich nichts nach Himmel vnd nach Erden / wenn mir gleich Leib vnd Seel verſchmachtet / ſo biſtu doch allezeit meines hertzen troſt vnd mein theil / Jn dir vnd in deinen Wunden finde ich krafft vnd ſafft / troſt / labſal vnd er - quickung / wenn mir auch angſt iſt in leiblichen / in Geiſtlichen vnd Todesnoͤthen / vnd ich nur an dich gedencke / kan ich mich bald zu frieden geben. Wenn wegen meiner Leibes ſchwachheit / damit du mich angegrieffen / trawrige gedancken auffſteigen in meinem Hertzen / vnd ich nur dich erblicke / kan ich mich bald anreden vnd ſagen aus dem 42. Pſalm: Was betruͤbſtu dich meine Seel / vnd biſt ſo vnruhig in mir / harre auff Gott / auff ſein Heil / Chriſtum Jeſum / ich weiß / Er als der rechte Helffer / Heiland vnd Artzt Jſraelis wird auch an dir zu rechter zeit / wenn vnd wie er wird wiſſen / daß es dir gut vnd ſelig wird ſeyn ſollen / ſein Heil vnd ſeine huͤlffe beweiſen / vnd es ſo machen / daß du jhm noch dancken wirſt / daß er deines Angeſichts huͤlffe vnd dein Gott iſt; Denn ſeine Hand iſt nicht verkuͤrtzt / Eſa. 50. Seine Hand zu helffen hat kein ziel / wie groß auch ſey der ſcha - de. Alſo wenn mir mein ſuͤndhafftiges gewiſſen zuſetzet / mich naget vnd plaget / vnd ich nur dich erblicke / kan ich bald ſagen mit dem alten Lehrer Bernhardo: Turbabor quidem, ſed non perturbabor, quia vulnerum Chriſti recordabor, das iſt / wie die Chriſtliche Kirche ſinget:
C ijMeine[20]Chriſtliche Leichpredigt.Denn es ſtehet ja 1. Joh. 1. Das Blut Jeſu Chriſti des Sohns Gottes reiniget vns von vnſern ſuͤnden. Wer wil nun mich vnd andere außerwehlte Kinder Gottes beſchuldigen? Gott iſt hie / der da gerecht machet: Wer wil verdammen? Chriſtus iſt hie / der da geſtorben iſt / ja viel mehr / der auch aufferwecket iſt von den Todten / welcher ſitzet zur rechten Gottes vnd vertritt vns / zum Roͤm. am 8. Wenn mir auch der zeitliche Todt vnte[r]augen trit / mir einbildet / wie ich werde ſterben / vnd in der Erde vermodern muͤſſen / vnd mir dadurch furcht vnd ſchrecken einzu - jagen vermeinet / kan ich ingleichen / mein HErr Chriſte / wenn ich nur dich erblicke / mich zu frieden geben / ich kan ſagen mit David aus dem 23. Pſalm: Ob ich ſchon wandel im fi[n]ſtern Thal / fuͤrchte ich doch kein vngluͤck / denn du HERR biſt bey mir;
Vnnd kan weiter ſagen aus dem 14. Capitel an die Roͤmer: Lebe ich / ſo lebe ich dem HErrn / Sterbe ich / ſo ſterbe Jch dem HErrn / darumb ich lebe oder ſterbe / ſo bin ich doch des HErrn. Vnd / wie zun Roͤm 8. ſtehet / Jch bin gewiß / daß weder Todt noch Leben / noch etwas mich ſcheiden ſol / von der liebe GOt - tes / die da iſt in Chriſto JEſu meinem HErrn. Sehet / Ge - liebten / alſo ſollen wir vns / wie im Leben / alſo auch ſonderlich im Sterben / mit dem lieben Jacob auff den Meſſiam verlaſ - ſen / alſo ſollen wir vns vnſers Heylandes vnd Seligmachers CHriſto JEſu in allerley / Sonderlich auch in Todes noͤthen frewen vnd troͤſten: Werden wirs thun / wir werden vns auff ein ſeliges Stuͤndlein gar fein præpariren vnd gefaſt machen / Vnnd werden endlich / wie nun jetzt weiter von Jacob folgen wird / ſa[n]fft vnnd ſtille im HErrn einſchlaffen vnd dieſe Welt geſegnen koͤnnen.
BElangende demnach die III. Vmbſtende / Nem - lich Placidam corporis & animæ diſſolutionem, Die ſanffte von einander ſcheidung Leibes vnnd der Seelen Jacobs / beſchreibet Moyſes ſolche in abgeleſen Text / mit die - ſen Worten: Er thet ſeine Fuͤſſe zuſammen auffs Bette vnd Verſchiedt Je / lieber GOTT / Das iſt ja ein rechter ſuͤſſer vnd ſanffter Todt geweſen / dabey kein Schmertzen / kei - ne Vngeberdigkeit geſpuͤret worden / da ſind nicht geweſen ge - brochene Augen / da ſind nicht etliche Hertzenſtoͤſſe auff einan - der erfolget / Todes ſchweis iſt gar verblieben / er hat ſich auff dem Bette nicht rumb geweltzet / er hat nicht wie lang Sprach - los gelegen etc. Sondern wie Geneſ. am 48. ſtehet / Er hatC iijerſt[22]Chriſtliche Leichpredigt. erſt noch geſeſſen im Bette / hat ſeine Kinder vor ſich gehabt / vnnd hat einen ſchoͤnen vnnd langen Sermon an ſie gethan, Drauff da er außgeredet / hat er ſich nieder geleget / hat / da noch niemand ſeines Endes ſich ſo ſchnel verſehen / ſeine Augen zu - gethan / ſeine Fuͤſſe fein gleich außgeſtreckt auffs Bette / iſt al - ſo auſſen blieben / vnnd als ein Liecht verloſchen / vnnd hat der Todt mit dem lieben Jacob faſt mehr geſpielet / oder ſeine kurtz; weil getrieben / alß das es jhm ein rechter ernſt geweſen were.
Es iſt aber dieſes ſein ſanfftes Abſterben / nicht ſo eigen her geruͤhret von ſeinem hohen Alter / da er wol Hundert vnnd ſie - ben vnd vierzig Jahre erreichet / zimlich von Krefften kommen / vnddeß Lebens ſatt vnd vberdruͤſſig worden / ſintemal doch auch offt Alte leute einen ſchweren Todt haben: Sondern es iſt her - geruͤhret von ſeinem Heilande / dem Son Gottes / den er in ſeinenhertzen gehabt hat. Dennderſelbe iſt dz Leben / wie er ſelber ſpricht Joh. 14. Ich bin der weg die Warheit vnddas Leben; Weil nun Jacob denſelben in ſeinen hertzeneingeſchloſſen gehabt hat / ſo iſt lauter Leben jnne geweſen / der Todt hat weniger als nichts bey jm außrichten koͤnnen / wie wir auch andere Exempel in der Schrifft frommer vnd gleubiger Hertzen haben / die gleichfals / ſo ſanffte vnd ſtille verſchieden ſein / vnd dieſe Welt geſegnet haben. Als von dem lieben David / der den HErrn Chriſtum in ſeinem her - tzen fuͤr ſein hoͤchſtes Gutt vnd Erbtheil gehalten / vnd jhn alle - zeit fuͤr Augen gehabt / wie im 16. Pſalm ſtehet / Sein auch we - der Tag noch Nacht vergeſſen koͤnnen / alß er ſpricht im 63. Pſ. Wenn ich mich zu Bette lege / ſo dencke ich an dich / wenn ich er - wache / ſo rede ich von dir / wird gemeldet 1. Reg. 2. Das / da ſeine Zeit herbey kommen / vnd Er ſterben ſollen / Er entſchlaſ - fen ſey / vnd wird hirmit angedeutet / daß es alles gar ſanff[t]e zu - gegangen ſey mit ſeinem Tode / anders nicht / Als wenn ſich einer niederlegt vnd entſchlefft in ſeinem Kaͤmmerlein. Von Joſaphat dem Gottſeligen Koͤnige / wird im Buch der Koͤni -ge[23]Chriſtliche Leichpredigt. ge am 22. dergleichen geleſen. Vnd von dem lieben Simeon / der das zarte JEſu Kindlein / nicht allein euſſerlich im Tempel auff ſeinen Armen gehabt / vnd an ſeine Bruſt gedrucket / ſon - dern auch jnnerlich im Hertzen / durch den Glauben gehertzt vndgekuͤſſet hat / leſen wir Luc. 2. Das er / wie ein Schwan / kurtz fuͤr ſeinem Abſterben ſehr lieblich geſungen / vnd geſagt: HErr nun leſſeſtu deinen Diener im Friede fahren / denn meine Au - gen haben deinen Heyland geſehen / welchen du bereitet haſt fuͤr allen Voͤlckern / ein Liecht zu erleuchten die Heyden / vnnd zum Preiß deines Volcks Jſrael; Vnd das er alſo gleich lachend / vnd in lauter Frewde ſein Leben beſchloſſen. Einen ſo ſanff - ten vnd Seligen Todt / haben nun auch noch heutiges Tags fromme Hertzen / die ſich in wahrem Glauben an der HErrn CHriſtum halten / zu hoffen vnd zu gewarten. Durffen dem - nach durchaus nicht thun / wie die Tuͤrcken thun / die da / wenn ſie vermercken / das ſie werden ſterben ſollen / Todtrencke zu ſich nemen / damit ſie die Todes ſchmertzen nicht fuͤhlen moͤgen: Sondern ſie koͤnnen ohne diß ſich getroſt / vndmit frewden d[r]ein ergeben / jhres Sterbſtuͤndleins mit ged[u]lt erwarten / vnnd ge - wiß hoffen / das jhr HErr vnd Heyland Chriſtus JEſus / der dem Tode die Macht genommen / vnd daß Leben iſt / Auch im Tode jhr Leben ſein / vnd ſie ſanffte vnnd ſtille werde hinziehen laſſen. Vnnd ob ja ſchon bey frommen Hertzen / die ſich in wahrem Glauben an CHRIſtum halten / im Tode ſich auch ſchmertzen mit ereig[n]en moͤchten / ob ſie ſchon nicht alle ſo gar fanffte vnd ſtille moͤchte loßdruͤcken / Wie Jacob allhier / Wie David / Joſaphat vnd Simeon / weil man doch dieſes alles in den Willen deß lieben GOttes ſtellen mus / dennoch ſo ſol jh - nen der Todt eigendtlich nicht ein Todt / Sondern viel mehr nur ein ſuͤſſer Schlaff ſein / Wie es denn auch Deut. am 31. 2. Samuel 7. Matth. 9. Johan. 11. Vnd ſonſt hin vnnd wieder in der Schrifft ein Schlaff genennet wird / die vmbſtehenden ſol -len[24]Chriſtliche Leichpredigt. len die Schmertzen mehr ſehen / alß das die Sterbenden ſie fuͤ - len ſolten / oder da ſie gleich vor dem Tode hergehende ſchmer - tzen fuͤhlen / Sollen ſie doch die rechten Todesſchmertzen nicht fuͤhlen / die rechte Bitterkeit des Todes ſollen ſie nicht ſchme - cken / wie auch CHriſtus ſelber bezeuget / Johan. am 8. da Er ſpricht: Warlich warlich ich ſage euch / ſo jemand mein wort wird halten / der wird den Todt nicht ſehen Ewiglich. Vnd Johan. am 11. ſpricht er: Jch bin die Aufferſtehung vnd das Leben / wer an mich gleubet / der wird Leben / ob er gleich ſterbe / Vnd wer da lebet vnd gleubet an mich / der wird nimmer mehr ſterben. Jn erwegung deſſen ſollen wir nun billich noch heu - tiges Tags dem HErrn CHriſtum / feſt in vnſere Hertzen ein - ſchlieſſen / ſollen / Wie jene Fuͤrſtliche Fraw geſprochen / an jhm als ein Klette am Rocke hangen / auch wenn vnſer Sterbſtuͤnd - lein herbey komet / vns fuͤr dem Tode nichts entſetzen / ſondern viel mehr Jhm getroſt entgegen gehen / jhn mit Frewden ent - pfangen / vnd / wenns nun ſol geſcheiden ſein / mit der Chriſtli - chen Kirchen ſingen:
BElangende die IV. Vmbſtende / Nemlich Bea - tam animæ transmigrationem, Die gewuͤndſchte vnd ſelige Fart / die die Seele deß lieben Jacobs gethan hat / Da ſie vom Leibe abgeſchieden / deutet alhier Moyſes auff die - ſelbe mit dem / daß er ſpricht: Er ward verſamlet zu ſeinemVolcke. [25]Chriſtliche Leichpredigt. Volcke. Diß moͤchte nun jemand verſtehen wollen von der be - graͤbnuͤß ſeines leibes / als der wol auch zu ſeinem Volck iſt ver - ſamlet / das iſt / aus Egypten ins Land Canaan gefuͤhret / vnd an den ort / da ſein liebes Weib Lea / ſein Vater Jſaac / ſeine Mut - ter Rebecca / ſein Großvater Abraham / ſeine Großmutter Sa - ra / vnd andere ſeine Verwanten vnd bekanten mehr gelegen / wie Gen. am 49. zu leſen / begraben worden / als wir jtzt bald weiter hoͤren werden / Aber nein / nicht alſo; ſondern es iſt zu verſtehen von ſeiner Seelen farth / vnd iſt dieſes alſo eine art zu reden / die Moſi in ſeinen Buͤchern ſehr gemein iſt. Vnd zwar / daß dem alſo ſey / daß nemlich durch die verſamlung zu ſeinem Volcke / Moyſes anders nichts verſtehe / als des lieben Jacobs Seelenfarth / iſt nicht allein daraus zu ſchlieſſen / daß er ſolche verſamlung bald auff ſeinen Todt oder Abſchied ſetzet / da die Seel vom Leibe außgefahren / ſondern auch daraus / daß er her - nach erſt in ſonderheit nach der lenge die begraͤbtnuͤß ſeines lei - bes beſchreibet / am meiſten aber darauß / daß Gen. am 25. Er eben dieſe art zu reden auch von Abraham brauchet / vnd ſagt / als er geſtorben / Er ward verſamlet zu ſeinem Volck / do wir doch wiſſen aus der Schrifft / daß Abraham auff Gottes befehl aus ſeinem Vaterlande / aus Vr in Chaldea / vnd von ſeiner Freundſchafft / vnd aus ſeines Vaters hauſe gewandert ſey in ein frembdes Land / nemlich ins Land Canaan / darein jhn Gott hat gehen heiſſen / in welchem Lande er auch eine geraume zeit gewohnet / endlich geſtorben / vnd ehrlich dem Leibe nach begra - ben worden. Vnd erſcheinet nun hieraus klerlich / daß die See - len der Menſchen nicht mit ſterben im Tode / wie bey vnver - nuͤnfftigen Thieren / da Leib vnd Seel zugleich mit einander auffgehen / wenn ſie das leben laſſen / ſondern vnſterblich ſeyn. Denn wie Origenes ſagt: Nemo apponitur ad eos, qui non ſunt; Zu denen die nicht ſeyn / kan niemand verſamlet werden: Weil nun Moyſes ſagt / Jacob ſey verſamlet worden zu ſeinemDVolcke /[26]Chriſtliche Leichpredigt. Volcke / vnd aber der ſeinigen leiber damals ſchon lange in der Erden vermodert / ſo muͤſſen ſie ja der Seel nach noch gelebet / vnd jrgends wo geweſen ſeyn. Wie denn auch die vnſterblig - keit der Seelen / anderer vielfaͤltigen beweiſe / die wir zu anderer zeit Ewer liebe fuͤrgehalten haben / jtzt gantz zu geſchweigen / der HErr Chriſtus Matth. 10. außdruͤcklich bezeuget / da er ſpricht: Fuͤrchtet euch nicht fuͤr denen / die den Leib toͤdten / die Seel aber nicht toͤdten koͤnnen / Jngleichen Matth. am 22. Da der HErr wider die Sadduceer / die kein ander leben gleubeten / alſo argu - mentiret: Gott iſt nicht ein Gott der Todten / ſondern der le - bendigen; Nun nennet Er ſich aber Exod. am 3. einen Gott Abrahams / Jſaacs vnd Jacobs. Drumb ja dieſelben / ob ſie ſchon / was jhre Coͤrper anlanget / todt vnd erſtorbẽ / der Seelen nach noch leben / vnd jrgends wo ſeyn muͤſſen.
Wo aber / moͤchte jemand fragen / iſt denn Jacobs Volck oder ſeine Vaͤter / zu denen er der Seele nach verſamlet worden / geweſen[?]Antwort: Jn der heiligen Stadt / in dem newen Je - ruſalem / in Heuſern des friedes / in ſichern wonungen / im ſchos Abrahæ / beym HErrn Chriſto / bey der Goͤttlichen Majeſtaͤt / in Gottes hand / im Himmelreiche / im Paradiß / in ewiger frew - de vnd ſeligkeit / wie die Schrifft hin vnd wieder alſo redet. Vnd dahin kommen auch noch heutiges tages alle Seelen der gleubigen / ſo bald ſie von den leibern abſcheiden / wie Chriſtus bezeuget / nicht allein Luc. 23. da er inſonderheit zu dem Bußfer - tigen Schecher am Creutze ſpricht: Warlich ich ſage dir / heu - te wirſtu mit mir im Paradiß ſeyn / ſondern auch Johan am 17. da er von allen Gleubigen in gemein redet / vnd zu Gott ſeinem himliſchen Vater ſagt; Vater / ich wil / daß wo ich bin / auch die bey mir ſeyn / die du mir gegeben haſt; wie denn auch dermal eines am Juͤngſten tage jhre leiber mit der Seelen auffs newe vereiniget / dahin kommen ſollen. Nicht vbel aber / ſondern recht wol / ja vber wol iſt jhnen alda / denn ſie werden alda getroͤſtet /Luc.[27]Chriſtliche Leichpredigt. Luc. 16. ſie ſchawen alda Gott an von Angeſichte zu Angeſich - te / 1. Cor. 13. Sie ſchawen jhn an wie er iſt / 1. Joh. 3. Sie ſchawen inſonderheit an die vnaußſprechliche herrligkeit Chriſti Jeſu jhres Heilandes / Johan. 17. des allen genieſſen ſie auch / ſie wer - den Satt von ſolchem anſchawen / Pſal. 17. alſo daß ſie nicht mehr hungert noch durſtet / Apocal. 7. Es werden dadurch ab - gewiſchet alle thraͤnen von jhren augen / ibid. Sie ſind allda mit jauchtzen / frewde iſt vber jhren haͤuptern / frewde vnd wonne ergreiffen ſie / Eſa 35. Sie ſpotten alda des Todes / der Helle vnd anderer jhrer feinde / ſingen vnd ſagen / 1. Cor. 15. Der Todt iſt verſchlungen in dem Sieg / Todt wo iſt dein Stachel / Helle wo iſt dein Sieg? Gott lob vnd danck der vns den ſieg gegeben hat / durch Chriſtum Jeſum vnſern HErrn / ſie ehren vnd prei - ſen Gott / ſie ſprechen / Apoc. 7. Lob / vnd Ehre / vnd Weißheit / vnd Danck / vnd Preiß / vnd Krafft / vnd ſtercke ſey vnſerm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit; Summa ſie haben da frewde die fuͤlle / vnd liebliches weſen zur Rechten Gottes ewiglich / Pſal. 16. Solche frewde / die in der ſterbligkeit kein Auge geſehen / kein Ohr gehoͤret hat / die in keines Menſchen hertz geſtiegen 1. Cor. 2. Wer wolte nun in erwegung deſſen hier nicht aber - mals vrſach nemen / dem Tode / wenn zeit vnd ſtunde herbey koͤmmet / getroſt entgegen zu gehen / ja wer wolte nicht nach de[m]zeitlichen Tode ſich ſehnen! Wer wolte nicht mit Paulo ſprechenan die Phil. 1. Jch habe luſt abzuſcheiden / vnd bey Chriſto zu ſeyn! Wer wolte nicht mit David ſeufftzen auß dem 42. Pſalm: Ach! wenn werde ich dahin kommen / daß ich Gottes Angeſicht anſchawe! Wer wolte nicht mit der lieben Monica, des alten Lehrers Auguſtini Mutter mit begierigen hertzen auß - ſchreyen: Evolemus, evolemus hinc, Ach daß wir doch nur bald moͤchten davon fliegen / vnd zu ſolcher herrligkeit befoͤrdert werden.
DIe V. Vmbſtende belangende / nemlich Acer - bam filiorum & populi lamentationem, die hertzliche betruͤbnuͤß / die nach abſterben des lieben Jacobs bey ſeinen Kindern vnd dem Volck ſich ereigt[n]et / ſagt Moyſes al - hier klerlich: Vnd Joſeph fiel auff ſein Angeſicht vnd wei - nete vber jhn / vnd kuͤſſete jhn. Jtem er ſpricht weiter: Die Egypter beweineten jhn Siebentzig tage. Vnd zum drit - ten mahl ſpricht er von den Kindern vnd dem Trawervolck in gemein / ſo jhm zu ſeinem Ruhebettlein das geleit gegeben: Sie hielten eine ſehr groſſe vnd bittere klage. Von den Voͤlckern in Tracia ſchreibet Herodotus, daß ſie den brauch gehabt / daß / wenn ein Kind gebohren worden / ſie den gantzen tag geweinet haben / wenn aber ein Merſch geſtorben / ſind ſie froͤlich geweſen / vnd haben ein wolleben angeſtellet / vnd ſolches der vrſach wegen / weil durch die geburt der Menſch in allerley Elend gefuͤhret / durch den Todt aber wieder aus dem ſelben ge - riſſen wuͤrde. Vnd der weiſe Mann Polienus hat geſagt / man ſolle vber die verſtorbenen nicht weinen / denn es ſey beſſer zu ſterben / als im elend zu leben. Aber dieſe rede / vnd der jtzt ange - fuͤhrte gebrauch iſt nicht zu loben / ſintemal es wider die heilige Schrifft leufft / vnd wider die Natur / als wir jtzund hoͤren wer - den Hat demnach Joſeph ſeine Bruͤder vnd das andere Volck viel beſſer vnd rechter gethan / daß ſie jhren lieben Vater / vnd den guten alten Herrn den Jacob / hertzlich nach ſeinem ab - ſterben betrawret / beklaget vnd beweinet haben.
Vnd hiermit haben ſie nun vns ein Exempel hinderlaſſen vndgelehret / daß / wenn vns vnſere Eltern / vnſere Ehegatten / vnſere Kinder / vnſere geſchwieſter / vnſere gule freunde oder ſonſt wol - verdienete perſonen ſterben / wir vnſere li〈…〉〈…〉 / die wir zu vor zujhnen[29]Chriſtliche Leichpredigt. jhnen getragen / nicht ſo gar ſollen mitſterben laſſen / ſondern noch behalten / vnd ſie durch Weinen vnd andere klegliche Ge - berden / augenſcheinlich zu erkennen geben / wie wir denn auch ſonderlich in der Schrifft hierzu ermahnet werden. Als der MannGOttes Syrach ſpricht am 38. Mein Kind / wenn einer ſtirbet / ſo beweine vnd beklage jhn / alß ſey dir gros Leyd geſche - hen. Vnd S. Paulus zum Roͤm. am 12. ſpricht: Weine mit den weinenden. Ja zu dem ende ſind auch in der Schrifft viel Exempel auffgezeichnet worden frommer Hertzen / Die die jhrigen / oder ſonſt gute Freunde vnd Wolverdienete Leute be - trawret vnd beweinet haben. Als das Exempel deß Abrahams Geneſ. 23. Der ſeine liebe Haußmutter die Saram beweinet / das Exempel der Jſraeliten / die jhren Fuͤhrer vnd Regenten / den wolverdieneten Moyſen / beweinet Deut. 34. Das Ex - empel der Witwen zu Nain Luc. 7. die bitterlich geweinet / da Jhr einiger Sohn zu Grabe getragen worden / das Exempel Marthæ vnnd Mariæ, vnd der Juden / die jhren Bruder vnnd guten Freund Lazarum beweinet haben Johan. 11. Ja das Ex - empel des HErrn Chriſti ſelbſten / von dem anbemelten Ort auch geſagt wird / das jhm die Augen vbergangen ſein / vber dem verſtorbenen Lazaro; Vnnd andere Exempel mehr / denen wir billich nachfolgen ſollen. Vnnd zwar ſtellet ſich doch ein Turteltaͤublein trawrig / wenn jhm ſein Ehgatte ſtirbet; Auch etliche andere Thiere / wenn ſie jhres gleichen todt liegen finden / fangen an zu heulen / zu bruͤllen ꝛc. nach dem es jhre Natur gibt. Solten den wir Me[n]ſchen he[r]tere vnnd vnarterige Hertzen ha - ben / das wuͤrde ſehr vbel ſtehen: Doch mus diß dabey mit er - innert werden / das man dennoch auch gebuͤhrliche maſſe im Weinen halten ſolle / vnnd ſich nicht allzu Vngeberdig ſtellen / wie die Heyden / die keine Hoffnung der Aufferſtehung haben / wie S. Paulus redet / in der 1. an die Theſſal. am 4. Sollen demnach nicht nachfolgen dem Exempel der Koͤnigin Artemi -D iijſiæ,[30]Chriſtliche Leichpredigt. ſiæ, die nach Abſterben jhres Herrn deß Mauſoli die zeit jhres Lebens nie wieder froͤlich worden vnd gelachet hat / ſondern fuͤr vnd fuͤr getrawret / auch / damit teglich jhre Trawrigkeit moͤchte vernewret werden / die Aſchen von dem verbranten Todten Coͤrper jhres Koͤnigs / (denn zu der Zeit ware bey jhrem Vol - cke der brauch / die todten Coͤrper zu verbrennen) auffgehoben / vnnd alle Malzeiten etwas davon in jhr Getrencke gemiſchet hat〈…〉〈…〉 Sondern wir ſollen vielmehr nachfolgen / dem Exempel deß lieben Davids / der zwar wol trawrete / aber ſich auch baldt wieder troͤſtete / vber ſeinem Verſtorbenen Soͤhnelein / vnnd ſprach im 2. Buch Samuel. am 12. Vmb daß Kind faſtete ich / vnd weinete / da es lebte / nun es aber Todt / was ſol ich faſten / kan ich jhn auch wiederholen? Jch werde wol zu jhm fahren / es koͤmpt aber nicht wieder zu mir; Jtem dem Exempel deß lieben Jobs / der da zwar / alß jhm die trawrige Zeitung kam / das ſeine Kinder alle geſtorben vnd vmbkommen / ſich wol hertz - lich betruͤbet / ſein Kleid zuriſſen / ſein Haar geraufft / auff die Erden gefallen / vnd ſehr klaͤglich gethan / aber doch ſich baldt auch wieder auffgerichtet / zu frieden gegeben vnd geſprochen: Der HErr hats gegeben / der HErr hats genommen / der Na - me deß HErrn ſey gelobet. Vnd diß iſts auch / das Syrach in ſeiner vor angefuͤhrten Ermanung / zum trawren mit dabey ſetzt vnd ſagt: Weil der todte nun in der Ruge liegt / ſo hoͤre auff ſein zu gedencken / vnd troͤſte dich wieder vber jhn / Trawre nicht allzu ſehr / Sintemal da kein wiederkommen iſt / es hilfft Jhn nichts / vnd du thuſt dir Schaden / den von trawren koͤmpt der Todt / vnnd deß Hertzens trawrigkeit ſchwechet die Kreffte.
DIe VI. vnd Letzte vmbſtende belangende nem - lich / Honeſtam corporis exanimi tractationem, die Ehrliche handelung deß todten Coͤrpers des lieben Ja - cobs / berichtet Moyſes davon ſonderlich dreyerley.
Fuͤrs I. ſagt er / Joſeph habe den Ertzten befohlen / nach E - gyptiſcher art ſeinen Vater zu ſalben / nicht allein allen boͤſen Geſtanck zuvertreiben / ſondern auch fuͤr der feule jhn deſto len - ger zubehalten / Sintemal ſie doch damals in Egypten einen ſehr koͤſtlichen vnd edelen Balſam hatten / vnd andere herrliche Specerey / damit ſie die todten Coͤrper ſalbeten / vnnd lange er - halten koͤnten / wie denn vom todten Coͤrper deß Koͤnigs Alex - andri Magni, der in einen guͤldenen Sarck geleget / vnnd mit allerley Specerey / herrlich zubereitet worden / geleſen wird / daß Keyſer Auguſtus zweyhundert vnd vier vnd neuntzig Jah - re / nach ſeinem Tode / jhn zu Alexandria in Egypten noch geſe - hen / vnd mit einer guͤldenen Krone verehret habe: Vnnd ſol - che Salbung deß verſtorbenen Jacobs / hat gewehret gantzer viertzig Tage nach einander / wie Moyſes darbey ſetzet / das al - ſo daraus zu ſchlieſſen / es werde darauff / wie auch ſonſt auff ſein ſterbe gerethe / vnd auff ſein gantz Begraͤbnis / ein groſſes Gelt gelauffen ſein.
Zum II. vermeldet Moyſes / das Joſeph vnd alle ſein Geſin - de / Jngleichen ſeine Bruͤder / die andern Soͤhne Jacobs mit alle denn jhrigen / Jtem deß verſtorbenen Jacobs knechte / J - tem deß Koͤniges Pharaonis Hoffediener. Jtem die Elteſten des Landes / Vnd alß ein ſehr groſſes Volck / mit Roß vnd Wa - gen / dem lieben Jacob alß jhrem Vater / Herrn / vnnd guten Freund / zu ſeiner Begraͤbnis / auch einen ſehr weiten Weg / von Ony aus Egypten / biß gen Hebron ins Land Canaan / beyſieben[32]Chriſtliche Leichpredigt. ſieben vnnd ſiebenzig deutſcher Meylen weit / daß geleite gege - ben haben.
Endlich vnnd zum III. berichtet Moyſes / das Joſeph vnnd daß andere trawer Volck mit der Leiche im Lande Canaan an - gekommen / vnd daſelbſt den lieben Jacob / der ſein Erbbegraͤb - nis allda hatte / gegen Mambre bey Hebron / in die zwiefacht Hoͤle des Ackers / den Abraham ſein Großvater von Ephron / dem Hethiter gekauffet / vnd die zwiefache Hoͤle / darauff ſeiner vnnd der ſeinen Begraͤbmis gar ſchoͤn hatte zubereiten laſſen / eingeſetzt vnnd alſo begraben / nach verrichteter Begraͤbmis a - ber ſich zu ruͤcke gewendet / vnd wieder miteinander in Egypten gereiſet ſein. Hierbey hetten wir nun viel Lehren anzufuͤhren / wenn es die Zeit leiden wolte / geliebter kuͤrtze halben / wollen wir nur etliche / mit wenigem beruͤhren.
Vors I. aber ſollen wir allhier lernen / daß es recht vnnd billich ſey / das die Verſtorbenen todten Coͤrper der Menſchen in die Erde geſetzt oder begraben werden. Zwar die Nabathe - er haben die todten Coͤrper / auch der aller ſtadtlichſten Koͤ[n]ige vnd Fuͤrſten / ſalvo honore, in den Miſt geſcharret / vnd ſie da - rinne vermodern laſſen: Die Hircaner / Caſpij vnnd B[a]ctria - ner haben ſie den Hu[n]den / die ſie ſonderlich dazu gehalten / fuͤr geworffen vnd ſie freſſen laſſen: Etliche Voͤlcker in India vnd Aſia haben die todten Coͤrper verbrennet / wie auch vor das Ex - empel deß verſtorbenen Koͤnigs Mauſoli angefuͤhret worden / die Maſſageten / Derbij vnd Eſſedones, weil ſie gedacht / es were die groͤſſeſte Vnehre / wenn die Wuͤrme die Me[n]ſchen freſſen ſolten / haben ſie die jhrigen / wenn ſie Alt worden / oder wenn ſie ſonſt geſehen / das ſie ſterben wollen / in ſtuͤcken zerha - wen / vnd ſelbſt gefreſſen / auch aus jhren Hirnſchedeln Trinck - geſchirre gemachet / die aber / die ſo geſtorben / haben ſie den wil - den Thieren zu freſſen fuͤrgeworffen etc. Aber Joſeph vnnd ſeine Bruͤder die lehren vns hier viel ein anders vnd beſſers / indem[33]Chriſtliche Leichpredigt. dem ſie den Toden Coͤrper jhres Vaters in die Erde ſetzen vnd begraben / wie auch andere fromme hertzen im Alten vnd New - en Teſtament dergleichen gethan haben: drumb wir billich heu - tiges tags jhnen nachfolgen. Vnd dieſes ſtimmet auch nicht allein mit der heiligen Schrifft vber ein / oder hat grund darin - ne / weil Gott der HErr ſelbſt bald im anfange Gen 3. zu Adam geſprochen: Du biſt Erde / vnd ſolſt zu Erden werden / inglei - chen der Prediger Salomonis am 12. Der Staub oder der Menſchliche Coͤrper muß wieder zu Erden werden / wie er ge - weſt iſt / der Geiſt aber zu Gott kommen / der jhn gegeben hat: Sondern es gibt vns auch / ſolche Begraͤbnuͤß der verſtorbenen in die Erde / gar feine erinnerung von vnſer Aufferſtehung von den Todten. Denn gleich wie alles / was den kalten Winter vber in der Erde gleich todt gelegen / wieder lebendig wird / ſich auffrichtet vnd auffs newe herfuͤr wechſt / wenn der liebliche Fruͤling herbey koͤmmet / vnd die Sonne warme Stralen von ſich gibt: Eben alſo werden auch die Todten Coͤrper / die dieſe zeit vber / welche gleich ein rawer vnd kalter Winter alles truͤb - ſeligen weſens iſt / in der Erde verſcharret liegen / vom lieblichen Fruͤlinge des Juͤngſten tages / wenn die Sonne der Gerech - tigkeit Chriſtus Jeſus auffgehen / vnd den warmen Stral ſei - ner Majeſtaͤtiſchen Stimme wird von ſich geben vnd außruf - fen: Surgite mortui, venite ad judicium: Auff / auff jhr To - den / vnd ſtellet euch fuͤr Gerichte ein / wieder lebendig werden / aufferſtehen vnd herfuͤr gehen / wie Eſaias ſagt am 26. HErr deine Todten werden leben / vnd mit dem Leichnam aufferſte - hen. Vnd der HErr Chriſtus / der Mund vnd grund der War - heit ſpricht auch / Johan. 5. Es koͤmmet die ſtunde / in welcher alle / die in Graͤbern ſind / werden hoͤren die Stimme des Men - ſchen Sohns / vnd werden herfuͤr gehen ꝛc.
Zum 2. ſollen wir hierbey mercken / daß wir die vnſerigen nicht allein begraben / ſondern auch ehrlich begraben ſollen / dasEiſt /[34]Chriſtliche Leichpredigt. iſt / nach vnſerm vermoͤgen gebuͤhrliche Vnkoſten darauff wen - den. Denn es iſt gewiß / daß das begraͤbnuͤß des lieben Jacobs was ſtadtlichs wird gekoſtet haben / weil er nach art groſſer Herrn iſt geſalbet / vnd mit groſſem geprenge einen weiten weg zu ſeinem Ruhebettlein gefuͤhret worden: Aber wie dem allen / Joſeph hat ſich nichts tawren laſſen / ſondern hat alles gerne darauff gewendet was nur wollen von noͤthen ſeyn / wie auch andere mehr / derer beydes in der Heiligen Schrifft / ſo wol ſonſt in Hiſtorien gedacht wird / dergleichen gethan haben. Abra - ham der Ertzvater hat Geneſ. am 23. auff die Begraͤbtnuͤß ſei - nes lieben Weibes der Saren viel gewendet / vnd hat fuͤr die ſtelle / da er ſie hingelegt / wie auch fuͤr das ſtuͤck acker / darauff die ſtelle geweſen / bey hundert Guͤlden geben. Der Ertzvater Ja - cob hat der Rachel ſeinem trewen Ehgatten / da ſie in Kindes - noͤthen geſtorben / vnd im Felde begraben worden / nicht ohne ſonderbare vnkoſten einen Malſtein vber jhrem Grabe auff - richten laſſen / Geneſ. am 35. Simon der Prieſter zu Jeruſa - lem hat ſeinem Vater vnd Bruder ein herrliches Grab von gehawenen Steinen machen / vnd ſieben ſchoͤner Seulen da - rauff ſetzen laſſen / 1. Maccab. 13. Joſeph vnd Nicodemus haben in der Begraͤbnuͤß des HErrn Chriſti nichts geſparet / Joſeph hat jhm einen ſchoͤnen Sterbekittel angezogen / vnd ſein eigen Grab / das er mit vnkoſten erſt newe gebawet / jhm gereumet / Nicodemus hat Myrrhen vnd Aloen bey hundert pfunden ge - bracht ſeinen Leichnam zu ſalben / wie Matth. am 27. vnd Jo - han. am 20. zu leſen / etliche gottſelige Weibes bilder haben her - nach erſt mehr Specerey zugetragen / Marc. 16. Koͤnig Alexan - der Magnus hat auff das Begraͤbnuͤß des Hephæſtionis, den er als ſeinen Bruder geliebet / zwey vnd ſiebenzig Tonnen Gol - des gewendet / vnd die Koͤnigin Artemiſia hat zur gedechtnuͤs jhres verſtorbenen Herrn mit groͤſten vnkoſten ein ſolch Mo - numentum auffrichten laſſen / welches vom Plinio vnter dieſieben[35]Chriſtliche Leichpredigt. ſieben Wunderwerck der Welt gerechnet worden. Nach dieſen Exempeln ſol nun noch heutiges tags ein jedes den ſeinigen ein ehrliches begraͤbnuͤß außrichten. Doch ſolhierinne billich ein Stand vor dem andern gebuͤhrlichen vorzug haben / niemand ſol auch in dieſem ſtuͤck ſich vber ſein vermoͤgen angreiffen / vnd dadurch ſich etwa in vnnoͤtige Schulden ſtecken / was billich vnd recht iſt / ſol man gerne auff begraͤbniſſe wenden / vberfluß dienet nirgends zu. Vnd ob ſchon den Todten[Coͤrpern] ſol - che ehrliche begraͤbtnuͤß zur ſeligkeit nichts zutraͤglich / wenn ſie im leben vngleubig geweſen / auch hinwiederumb / wenn ſie vn - begraben liegen bleiben / oder weis nicht wohin begraben wer - den / an der Seligkeit nichts ſchadet / wenn ſie nur als ſie ver - blichen / im glauben befunden worden: Jedoch ſo thut billich / ſonderlich vnter vns / die wir Chriſten ſeyn / ein jedes ſeinen verſtorbenen dieſen letzten Ehrendienſt / nicht allein darumb / weil in der Schrifft / ſonderlich Jerem. am 22. den Gottloſen ein Eſelsbegraͤbnuͤß getrewet wird / ſondern auch vnd viel mehr weil wir gewiß ſeyn / daß jhre Coͤrper im leben wonungen des Heiligen Geiſts geweſen / wil jtzund nicht ſagen / daß auch eines gegen das andere hirdurch ſeine liebe bezeuget / vnd zugleich mit zu verſtehen gibt / was ſein glaube ſey von der Aufferſtehung der Todten / die dermal eines erfolgen wird.
Zum 3. vnd letzten ſollen wir alhier ſtudiren / daß wir auch ſchuldig ſeyn nach dem Exempel der Kinder des lieben Jacobs vnd des andern Volcks den vnſerigen / vnd ſonſt wolverdienten Leuten / auch Nachtbaren vnd bekanten / wenn ſie ſollen zu grabe getragen werden / das geleite zu geben / wie wir denn auch leſen / 1. Sam 25. Daß / da Samuel hat ſollen begraben werden / das gantze Volck ſich verſamlet habe: Vnd Luc. am 7. da die Be - graͤbtnuͤß des Sohns der Witwen zu Nain beſchrieben wird / ſtehet ingleichen: Viel Volcks aus der Stadt ging mit jhr. Vnd ſolches ſollen wir thun / nicht allein vnſere liebe freund -E ijſchafft[36]Chriſtliche Leichpredigt. gegen die verſtorbenen vnd die jhrigen hirdurch zu erkennen zu geben / ſondern auch vnſere ſterbligkeit deſto mehr vns hirdurch zu gemuͤth zu ziehen. Denn wir ſind leider alſo von Natur ver - derbet / daß ob man ſchon vns fuͤr den Ohren klinget vnd ſinget mit der groſſen Glocken vnd der gantzen Schulen / wir doch wol nicht alzeit viel darauff geben / oder gedencken / daß die Rey - ge vns auch endlich mit treffen werde: Allein wenn man in eig - ner perſon der Leiche mit nachfolget / wenn[man] ſelbſt mit auff den Gottesacker oder in die Kirchen gehet / vnd das Grab an - blicket / darein der Todte ſol geſetzet werden / kans nicht wol feh - len / man muß ſich ſeiner ſterbligkeit mit erinnern vnd beden - cken / daß wie heute dieſer auff den Ruͤcken zur Kirchen kommen / vnlangſt ein ander: Alſo vns morgen oder vbermorgen derglei - chen begegnen koͤnne / weil doch der Todt der ſuͤnden Sold iſt / zum Roͤm. 6. Vnd aber wir allzuͤmal Suͤnder ſeyn / Rom. 3 Ja weil diß / wie Sirach der Mann Gottes ſagt am 14 cap. Der alte Bund iſt / du muſt ſterben. Gnug auch von dieſem.
ALſo hat ewre Chriſtliche Liebe vnd Andacht ver - nommen / wie der Altvater Jacob ſich zu einem ſeligen Sterbeſtuͤndlein bereitet / d[r]auff ſanffte verſchieden / von ſeinen Kindern vnd Freunden betrawret / vnd endlich ehrlich zur Erden beſtadtet worden: Welches alles auff vnſern in Chriſto verſtorbenen Edelen Herrn gar fein / wenn es die zeit leiden koͤnte accommodiret werden. Denn ja derſelbe vor ſeinem en - de nach Jacobs Exempel auch 1. noch ſein Teſtament verferti - get / vnd vnter dem ſeinigen feine richtigkeit gemacht hat. Er hat fuͤrs 2. mit dem lieben Jacob in ſeiner kranckheit wie auch zuvor jeder zeit ſeinen HErrn vnd Heiland Chriſtum Jeſum im her - tzen gehabt vndzu jm geſeufftzet. Er iſt fuͤrs 3. gar ſanffte verſchie - den / daß man es kaum inne worden / anders nicht als er einge - ſchlaffen.
Iſt[37]Chriſtliche Leichpredigt.Jſt demnach furs 4. an der ſeligen fahrt ſeiner Seelen / auch nicht zu zweifeln / ſondern wie er jmmerdar Jhm belieben laſ - ſen / vnnd in ſeinem Hertzen gehabt / daß guͤldene Spruͤchlein / deß HErrn Chriſti Johan. 14. Vater ich wil / das wo Jch bin auch die ſein / die du mir gegeben haſt / das ſie meine Herrligkeit anſchawen; Alſo wird er nun mehr der Seel nach / auch bey Chriſto ſein / in ewiger Frewde vnd Seligkeit. Vnnd wie er fuͤrs 5. bald in ſeinem Abſterben von ſeinem lieben Ehege - mahl / Kindern vnd Freunden / nach dem Exempel der Kinder Jacobs vnd der Egypter / iſt betrawret vnd beweinet worden / Alſo wird er ietzt noch von jhnen betrawret vnd beweinet. Wie ſie jhm denn auch furs 6. gar Ehrlich vnd Adelich / alß der Au - genſchein bezeuget / mit vielen Vnkoſten / vnd einer groſſen Verſamlung Anſehnlicher Leute / die jhm nebenſt jhnen das Geleite mit gegeben biß hieher / zu ſeinem Rugebetlein / begra - ben laſſen. Allein die zeit leidets nicht / ſolches alles zu dieſem mahl weitleufftiger außzufuͤhren / es wird auch eines vnnd deß andern in den Perſonalibus noch gedacht werden / muͤſſen es demnach hier bey dieſem bleiben laſſen / Vnnd wollen nun die Perſonalia, wie ſie mir abzuleſen mit ge - geben worden / fuͤr vns nemen vnnd betrachten.
Von Ehrlicher Ankunfft / Chriſtlichen Le - ben vnnd ſeligen Abſterben / des Weyland / Ed - len Herrn Daniel Preuſſen / etc.
WJr wollen nun allhier zu ſeinem Ruhebettlein beleytet Weyland den Edlen / Geſtrengen / Ehrnve - ſten vnd Wolbenambten Herrn Daniel Preuſſen von Preuſſendorff / zu Planckenaw vnd Zweybrot / etc. Dreyer Roͤmiſchen Keyſer geweſenen Emerirten Rath / Ober Saltz - Amptman in Schleſien vnd Lauſſitz / vnnd Comitem Palati - num, Chriſtſeliger gedechtnis / ꝛc. Vnd wird nicht verhoffet / daß etwa jemanden verdrießlich ſein werde / ſo von dieſes Herrn Chriſtlichem Leben / vnd ſeligem ſterben auff dieſe Stunde /〈…〉〈…〉 ach deß weiſen Mannes befehlig / etwas geredet werde / Syrach 44 Da er alſo ſpricht: Laſt vns loben die Beruͤhmten Leute / viel herliches dinges hat der HErr bey jhnen gethan. Sie ſind bey jhrem Leben geruͤhmet / vnd haben einen ehrlichen Namen hinter ſich gelaſſen / jhre Gerechtigkeit wird nicht vergeſſen / jh - nen iſt ein gut Erbe blieben / ſampt jhren Kindern / jhr Lob wird nicht vntergehen / Sie ſind im Friede begraben / vnd jhr Nah - me wehret Ewiglich.
Nun iſts aber nicht ohne / daß nichts bedencklichers oder be - ſchwerlichers / alß dergleichen Perſonalia zu erzehlen / Nicht darumb / alß koͤnte man dißfals nicht die Warheit berichten / ſondern derenthalben / das ſo mancherley vnd Wunderbarliche Judicia vnnd Vrtheil daruͤber gefallen / dem einen Theil ſagt man zu wenig / dem andern zu viel / einem hat man die Verſtor - benen zu wenig / dem andern zu viel gelobet. Es ſey jhm aber / wie Jhm wolle / ſo iſt nicht noͤtig / viel Vnwarhafftige dinge zu erzehlen / ſondern es iſt maͤnniglich bekandt / was fuͤr ein Ehrli - cher / Tapfferer / Wolweiſer Mann / vnſer in Gott ruhender Herr Preuß geweſen / der von GOtt mit groſſen vnd hohen ga -gaben[39]Personalia. gaben begnadet / vndiſt alſo billich gebuͤrlicher weiſe hiervon zu reden.
Es ſol aber erſtlich von ſeiner Ankunfft / Jugend vnd Stu - dien der anfang gemacht / hernach von ſeinen dreyen Roͤmiſchen Keyſern geleiſteten / traͤwen / auffrichten / vnd nuͤtzlichen dinſten / neben ſeinem Chriſtlichen privat Leben / vnd zum Letzten / Von ſeinem feligen Abſchiede / berichtet werden.
Was nun Erſtlich ſeine herkunfft / Jugend vnd Studien be - langet / iſt der ſelige verſtorbene Herr Preuß / ſeines ſtandes vndGeſchlechts nach von Ehrlichen / Chriſtlichen vnd Fuͤrnemen Eltern / in der Churfuͤrſtl: Stadt Grimm/ im Lande zu Meiſſen / vnd wie man nachrichtung hat / Jm Jahr 1529. erbohren.
Sein Herr Vater iſt geweſen / der Edle / Ehrenveſte Herr Vitus Preuß / ſeine Fraw Mutter / eine geborne Puchnerin / ſei - ner Fraw Mutter Mutter / eine geborne von Seidlitzin.
Welches zwar an jhm ſelbſt eine groſſe Wolthat Gottes / vmb eine ehrliche Ankunfft vnd Geſchlechte / aber daß iſt nicht gnug; Sondern wie es heiſt in ſpiritualibus: Qui non ex ſangvini - bus: Die nicht von dem Gebluͤt: Sondern es iſt nur ein bo - num fortunæ, vnd iſt wenig zu achten / ſo bona animi nicht da - zu kommen. Wie denn dieſes auch die Heyden aus dem Liecht der Natur verſtanden haben / da die Furnembſten vnd Edleſten Buͤrger zu Sparta wolten den Jrrweg gehen / vnd jhren viel A - del nur im Wolleben ſtehen laſſen / redet ſie der Fuͤrneme weiſe MannLycurgus an / folgender geſtalt: Vnſer Adel / vnd das wir vnſer Geſchlecht / von dem beruͤhmten Hercule herfuͤren / wird es nicht thun / wird vns auch nicht nuͤtzen / oder Adeler machen / ſo wir vns nicht auch mit hoͤchſter muͤhe vndfleis / diß zuverrich - ten vnterſtehen werden dadurch der Hercules bey allenMenſchen der furnembſte worden / vndden herlichenberuͤhmeten Namen er - langet hat / vndwir durch vnſer gantzes leben diß / wz Erbar vnnd auffrichtig / lernen vnd im werck beweiſen. Wie denn auch derPoet[40]Personalia. Poet ſagt: Nam genus & proavos & quæ non fecimus ipſi, Vix ea noſtra voco. Jſt derwegen ruͤhmlich / wenn jemand ſein ehrlich Geſchlecht / durch ehrliche Thaten vnd Tugend er - hebebet / vnddemſelben eine Zier / vnd nicht ein Schandfleck iſt.
Welches wir auch mit grunde vnd ohne Heucheley gewiß von dieſem vnſerm ſeligen Herrn Preuſſen ſagen / vnd ſein ge - woͤhnliches eigenes Dictum aus dem Cicerone hieher allegi - ren vnd wiederholen koͤnnen: Satius eſt, me meis rebus geſtis florere, quàm aliorum opinione niti, & ita vivere, ut Ego ſim poſteris meis nobilitatis initium & virtutis Exemplum.
Von obbemelten ſeinen Gottſeligen Eltern / iſt er nicht al - lein zu aller Gottesfurcht vnd Tugend aufferzogen / Sondern auch etliche Jahre zur Particular, vnnd hernach zur Fuͤrſten - Schul daſelbſt gehalten worden / darinne Er ſeine fundamen - ta latinæ lingvæ, & initia Philoſophiæ geleget / vnd ha - ben ſich ſchon damals viel Semina virtutum an jhme ſehen[laſ - ſen] / wie denn zu ſeiner Zeit vnſer aller Ptæceptor Herr Philip - pus Melanchthon, ſeliger gedechtnis / neben andern jhme zu - geordneten / die Fuͤrſten-Schul daſelbſt viſitiren, vnd gewoͤhn - lichem brauch nach / auch per Examina den profectum in ſtudi - js der Knaben vermercken ſollen / iſt vnſer Herr Preuß / Seli - ger / auch neben andern furkommen / vnnd die quæſtiones deß Herrn Philippi alß bald eruditè beantwortet / deß ſich Herr Philippus propter Excellentiam, & dexteritatem ingenij, hoͤchlichen verwundert / jhn geliebet / vnd zur continuation er - mahnet; Denn es heiſt:Vrit maturè, quod vult Vrtica manere.
Ex patriâ iſt er hernach Anno 53. auff die Vniverſiter Leip - tzig geſchickt / daſelbſt hat er nicht allein Vortreffliche juris pe - ritos gehoͤret / vnd in ſeinem Studio juris herrliche prog[r]eſſus gethan / ſondern hat ſich auch den Aſſeſſoribus deß Churfuͤrſt - lichen Hoffgerichts daſelbſt bekandt gemacht / iſt von jhnen ge -liebet /[41]Personalia. liebet / vnd ſo weit admittiret worden / daß er daſelbſt Praxin Ju - ridicam geſehen vnd erfahren / welches jhm folgends die gantze zeit ſeines lebens geholffen. Vnd ſo viel von ſeiner ankunfft vnd Studien.
Was aber ſeine Keyſerliche dienſte betrifft / iſt zu erin - nern / daß vielgedachter vnſer ſeliger Herr Preuß ꝛc. von Leip - zig auß / noch An. 6. vnd 57. ſein gemuͤth ad peregrinationem zu richten vermeinet / vnd anfangs ſeinen weg auff Breßlaw zu genommen. Wie er nun daſelbſt vernommen / daß der hoch - loͤblichſte Keyſer Ferdinandus ein newes Cammerweſen oder Regierung auffgerichtet / hat er / als ein junger thaͤtiger Menſch (ſo ſich jeder zeit viel mehr auff den Tiſch / als auff die Banck zu kommen beflieſſen) bey denen newen Cammer Raͤthen / vnd ſon - derlich dem Herrn Gotſchen ſeligſter gedechtnuͤß im patroni - ret vnd bey S. G. einen ſolchen Favorenerlanget / daß Er jhme nicht allein in die zwey jahr nothduͤrfftigen vnterhalt in ſeiner behauſung gegeben / ſondern jhme auch bald in Keyſerliche dienſte geholffen. Jn welchem ſeinem Newen Keyſerlichen dienſt Er ſich denn bald anfangs ſo geſchickt / muͤhſam vnnd fleiſſig erzeiget / daß er andern ſeinen Mitcollegis weit vorge - zogen / vnd ſchon zur ſelben zeit dem Herrn Duditio &c. vnd Herrn Kurtzbach ꝛc. ſo von dem Hochloͤblichen Keyſer Maxi - miliano &c. Chriſtmilder gedechtnuͤß / zum Koͤnige in Polen abgeſchickt / als ein Secretarius, zugeben worden. Kurtz her - nach ſeynd von Jhrer Kaͤyſerlichen Majeſtaͤt die Herren Vi - ſitations Commiſſarien in Schleſien verordnet / vnd von demſelben jhme wichtige Sachen / in groſſer anzahl zu expedi - ren vertrawet worden / dabey Sie denn abermals ſeine ſondere gaben vnd qualiteten vermerckt / vnd vmb dieſer vrſachen wil - len Jhrer Keyſerlichen Majeſtaͤt jhn zum Secretario bey dero Schleſiſchen Cammer / fuͤrzunemen gerathen / welches denn auch alſo beſchehen.
FWie[42]Personalia.Wie Er ſich nun in ſolchem ſeinen Secretariat verhal - ten / vnd wie ſchicklich vnd vernuͤnfftig Er Jhrer Keyſ Mayſt. wichtige ſachen zu der Herren Cammer Raͤthe (die jhn damals vnd hernach jeder zeithoͤchlichen geliebet vnd honoriret) ſon - dern contento ad formam bracht / das koͤnnen jhme weder wol - gedachte Herren Raͤthe noch andere Cammerverwanten / weil ſie alle numehr (außgenommen den Wolgebohren Herrn / Herrn Sigiſmundum von Zedlitz / Freyherrn ꝛc. Keyſerlichen Elteſten Rath vnd CammerPræſidenten / S. G.) fuͤr guter zeit geſtorben / nicht mehr nachruͤhmen / ſondern es werden es bey der Regiſtratur die Acten vnd hinterlaſſene Schrifften weiſen.
Welcher ſeiner ſondern diſcretion entlichen auch zu foͤr - derſt der Allerhoͤchſtgedachteſte Keyſer Maximilianus Hoch - loͤblichſten angedenckens ꝛc. So wol Jhrer Keyſ. May. fuͤrne - me Geheime Raͤthe vnd andere Officirer am Keyſerlichen Ho - ſe wargenommen / vnd Jhm endlich / vngeachtet daß Er es ſelbſt vorhin zu zweyen mahlen / durch der Herren Schleſiſchẽ Cam - mer Raͤthe vorbitte / die Jhn viel lieber bey ſich wiſſen wollen / abgewendet vnd auffgezogen / zu deroſelben Rath vnd Hoff - Cammer Secretari erfordern vnd annemen laſſen.
Es haben jhm auch die jtzt regierende Keyſ. May. (war An. 1611. Keyſer Rudolphus der II. numehr Chriſtſeligſter Hochloͤblichſter gedechtnuͤß auffm Reichstage aus ſondern be - weglichen vrſachen / ſeinen Adelichen Stand vermehret / vnd Jhn nicht allein in die Schaar der Hoff oder Pfaltzgrafen / zu Latein Comites Palatini genand / erhaben / ſondern auch Jhn vnd ſeine Erben ſonſt mit ſtatlichen herrlichen Privilegien vnd Freyheiten begabet / deſſen ſich die ſeinigen billich zu erfrewen / vnd ruͤhmlichen zu gebrauchen haben.
Wie Er nun ſolche ſeine anſehnliche dienſte am Keyſerli - chen Hofe continuiret, darff in ſpecie nicht viel erzehlens / ſon - dern es iſt ohne das landkuͤndig / vnd es werden die jenigen / ſoIhn[43]Personalia. Jhn damals in flore geſehen vnd gekennet / das vom jhme ruͤh - men muͤſſen / was von jenem Weltweiſen Manne geſagt wird: Vt non minus veræ gloriæ in Toga meruerit; quàm alius quiſpiam in armis. Derowegen dann auch die Keyſerliche Mayeſtet / vnd die Durchleuchtigſten Ertzhertzoge von Oſter - reich ꝛc. ſo wol das hochloͤbliche Collegium der Herren Gehei - men vnd Hoff Raͤthe jhn zu hochwichtigen geheimen Rath - ſchlaͤgen gezogen / jhn gnedigſt vnd gerne gehoͤret / ja / wie er viel mahl bey ſeinem leben erwehnet / ſo hat Er in ſolchem ſeinen Secretariat zu ſeiner zeit / bey Ihrer Kaͤyſ. May. am Chriſtta - ge / Oſtertag vnd Pfingſtage / jhme nach gelegenheit fuͤrgefalle - ner noͤteger ſachen fuͤr dem Oratorio in der Kirchen / die Audi - entz beſachen / v[n]d die nothdurfft / nach euſſerſten vermoͤgen / ehe bey nacht / wenn andere geſchlaffen / elucubriren muͤſſen. Da - durch Er denn nicht allein bey dem gantzen Keyſerlichen Hofe / ſondern auch auſſer Landes / bey Fuͤrſten vnd Herren / Adel vnd Vnadel in einen ſolchen Reſpect vnd dignitet gerathen / daß man ein ſonders auge auff jhn gehabt / vnd Jhn fuͤr das gantze Directorium des HoffCammer weſens gehalten / vnd ſo weit geehret / daß Er auch bey etlichenfuͤrnemen Staͤnden vnd Staͤd - ten propter Resgeſtas in jhrem Archivis, zu ſonderer danckbar - keit vnd ewigen ruhm einverleibet vnd deſcribiret worden iſt. Vnd dieweil Er denn / vnſer ſeliger Herr Preuß ꝛc. durch der - gleichen ſchwere conſultationes vnd expeditiones, auch neben bey fuͤrgefallenen Reyſen an leibeskrefften abgemattet / vnd jme ſonderlichen / ſeinen oͤfftern klagen nach extra ordinarii labo - res, vnertreglichen fallen wollen: Neben deme iſt auch das Al - ter / vnd ſonderlichen diß darzu kommen / daß er ſchon Anno 83 84, vnd 85. von der loͤblichen Schleſiſchen Cammer / vnd andern Kaͤyſerlichen Herren Commiſſarien zum Ober Saltz - Amptman in Schleſien vnd[Laußnitz] ꝛc. fuͤrgeſchlagen / hat Er / vngeachtet daß jhme doch andere fuͤrneme hohe aͤmpter zu HofeF ijvermei -[44]Personalia. vermeinet worden / etliche jahre aneinander vmb erlaſſung ge - trachtet / vnd jhm fuͤrgenommen / ſich in ruhe zu begeben / vnd ſeinen Kindern bey den ſeinigen fuͤrzuſtehen / zufoͤrderſt aber ſei - nes Chriſtlichen Gottesdinſts / darinne er jeder zeit nach dem Exempel des Koͤniglichen Propheten Davids / die hoͤchſte luſt vnd frewde gehabt / abzuwarten: welches er denn auch nach lan - gem anhalten erlanget / vnd von der Kaͤyſ. May. jhme noch Anno 86. ermeltes Ober Saltzampt zu Adminiſtriren ver - trawet worden.
Es iſt aber dem guten ſeligen Herrn nach dem Sprichwort gangen; Incidit in Scyllam cupiens vitare charybdin.
Denn fuͤr eines hat man von Hoff aus ſeiner nicht bald vergeſſen oder verſchonet / ſondern jhn faſt mehr als zur er mit ſchweren weiten Reyſen / zu Chur vnd Reichs Fuͤrſten / wie a[u]ch andern wichtigen Extraordinari Commiſſionem gebrauchet. Fuͤrs ander hat Er zu ſeiner antretung bey ermeltem Schle - ſiſchen Saltzampt vnd deſſelben pertinenti〈…〉〈…〉 s allerhand ſchaͤd - liche vnordnung vermercket.
Wie Er nun jederzeit ſeinen Allergnedigſten Keyſer vnd Herren fidelis, vnd dieſer ſein einiger Terminus geweſt: Bona conſcientia dulcis Altrix ſenectæ; nemlich / daß er moͤchte ei - nen gnedigen Gott finden / ein gutes Gewiſſen mitbringen / vnd einen guten Namen laſſen: Alſo hat Er auch nichts deſto weni - ger in dieſem / als in vorgehenden Keyſerlichen dienſten / ſeiner beywohnenden diſcretion vnd beſtem ſeinem verſtande nach / zu continuiren, zu remediren, vnd in einen ſolchen Progreſ - ſum vnd Exitum zu richten ſich befliſſen / daß es Jhrer Kaͤyſ. May. zu nutz gereichen / vnd Er vnd die ſeinigen deſſen ruhm vnd ergetzung haben moͤchten.
Was aber fuͤr groſſe widerwertigkeit Er daruͤber er - duldet / vnd in was weitleufftigkeit es gerathen / daß beydes Jhre Kaͤyſ. May. ſo wol deroſelben Hoch Adeliche Hoff: vndSchleſiſche[45]Personalia. Schleſiſche Cammer Raͤthe daruͤber Jrre gemacht / ſolches iſt jtzo / nach erloſchener Sachen / zu wiederholen oder viel zu ruͤ - gen / auß richtigen Vrſachen / vnnoͤtig. Er / vnſer ſeliger Herr Preuß hat ſich jederzeit / ſo viel als jhm Menſchliche ſchwach - heit zugelaſſen / geduldet / vnd das er andern trewen Dienern auch alſo ergangen / getroͤſtet. Wie er denn neben den Sacris auch offt nachfolgende Reym / auff ſich appliciret:
Der ewige Gerechte GOtt aber / der ein belohner iſt alles guten / in deſſen Hand / wie Salomon ſpricht / deß Koͤniges Hertz iſt / vnd er neigts / wo Er wil / hat / wie gemeldt / den ſeli - gen Herrn Preuſſen / ſtets bey den Worten deß 37. Pſal. Do da ſtehet: Befihle dem HErrn deine Wege / vnd hoffe auff jhn / Er wirds wol machen; erhalten / vnd hernach daß vbrige Jhm auch gewehret. Jn deme: Das die Kayſerliche Majeſtet / zuF iijfoͤrderſt[46]Personalia. foͤrderſt durch die Leittung vnd Regierung deß Allmechtigen / denn auch durch ſondere dexteritet vnd gnedige recommedi - rung, derſelben Hochvernuͤnfftiger Raͤth / der Sachen einen al - lergnaͤdigſten außſchlag gegeben / jn Preuſſen / nach außweiſung ergangener Kayſerlichen Reſolutionen, fuͤr Jhr / ſo wol dero - ſelben Hochgelehrten / vorfordern / lobſeligſten angedenckens al - ten Emerirten Rath / vnd geſchickten / trewen / fleiſſigen diener erkennet vnd geruͤhmet: Ja jhn auch zur Ergetzligkeit ſeiner ge - leiſteten langwirigen dienſte / mit einer paren Gnade / gnaͤdigſt verſehen / vnnd alſo jhn furm Jahre / ſeiner in die 25. Jahr ge - habten Muͤhſeligen Ober-Saltz Ampts Adminiſtrarion, mit allen Keyſerlichen Gnaden erlaſſen.
Dafuͤr nun dem trewen GOtt / der es jhn Herrn Preuſſen / noch erleben / vnd ſich daruͤber fuͤr ſeinem ſeligen Ende erfrewen laſſen / wie auch hoͤchſtgedachteter Keyſerlichen Majeſtet / ſo - wol deroͤſelben wolgedachten Hoff: Schleſiſchen Cammer - Raͤthen / daß ſie vnſern ſeligen Herrn Preuſſen / in aller gnaͤdi - ſte vnnd gnedige acht genommen / hoͤchlichen gedanckt / vnnd in dem Vbrigen dahin geſtelt ſey / er Herr Preuß / werde daß / was geſchehen / vnd noch ferner geſchehen moͤchte / am juͤngſten Ta - ge / vnd in jenem ſeligen Leben / eines vnd daß ander ſelbſt prey - ſen vnnd ruͤhmen.
Hat alſo vnſer ſelig Verſtorbener / in dreyer hochloͤblicher Roͤmiſcher Keyſer / vnd deß hochberuͤhmten Hauſes von Oſter - reich dinſten / vnaußgeſtelter vier vnd funfftzig Jahr / nuͤtzlichen vnd ruͤhmlichen zubracht / vnd wird dafuͤr gehalten / er auch pfle - gte ſelbſt zu ſagen / das ſeines gleichen ſo alte Oſterreichiſch die - ner / (außgenommen einen Fuͤrnehmen vnd alten Rath) Nicht viel mehr leben / oder zu finden ſein werden.
Nach dieſem wollen wir nun auch etwas mit erwehnen / was ſein Chriſtlich privat-Leben geweſt. Daſſelbe iſt fuͤrwar einSpie -[47]Personalia. Spiegel vnd Exempel vieler herlicher Tugenden vnd Ordnung geweſen / er hat GOttes wort von Hertzen geliebet / die Funda - menta & ſophiſmata Religionis hat er wolverſtanden die Ope - ra Martini Molleri wahren ſeine tegliche vnd liebeſte Buͤcher / Er iſt gerne mit luſt vnd frewde zu Kirchen gangen / vnd damit ſolches etwas in ſpecie beruͤhret werde: Hat er erſtlich zu Breß - law / hernach zu Wien / Prag / Regenſpurg / vnnd anders wo / (Wie es etwa die gelegenheit geben / daß Er dem Keyſerlichen Hoffe nachziehen vnnd beywohnen muͤſſen) allwege ſein Loſa - ment quartiren laſſen / daß jhme / wenn er im Rath zum Dinſt gangen / allweg der Weg / durch oder nahend bey der Kirchen fuͤrgeſtoſſen / damit er teglichen / Morgens vnd Abends / Sein Gebet zu Gott deſto bequemer vnd andaͤchtiger verrichten koͤn - nen. Vnd weil er auch in dergleichen Orten / nicht allweg pu - blicum exercitium Reformatæ Religionis haben koͤnnen / hat er wochendlich ſein Eccleſiolam domeſticam fuͤr ſeine Kinder vnd Geſinde gehalten / vnd iſt ſelber der Hauß-Prediger gewe - ſen / wie Er es denn auffm Keyſerlichen Newen Saltz / eine zeit - lang anders auch nicht gehalten / biß GOtt der Allmechtige ſo viel Gnade geben / daß der goͤttlichen Majeſtet zu ſondern Eh - ren vnd Preys / zu fortpflantzung ſeines heiligen vnd allein ſe - ligmachenden Worts vnnd Namens / vnd zu erbawung ſein er Chriſtlichen Kirchen / vnd jhme / vnſerm ſelig Verſtorbenen / zum ewigen Gedechtnis / ein anſehnliches Gottes-Haus / theils durch fuͤrſchub jhrer Keyſerlichen Majeſtet / vnd fromme gut - hertzige Chriſten / theils aber proprijs ſumtibus, noch Anno 1591. zu erbawen angefangen / vnd Anno 97. vollendet / Auch bißhero ſeiner gehabten Saltzampts Adminiſtration einen ei - genen Pfarrer allda vnterhalten / vnd durch denſelben die reine Lehre deß Heiligen Evangelij / vnd vnſers Chriſtlichen Glau - bens / nach der Richtſchnur der H. Patriarchen / Propheten /Chriſti[48]Personalia. Chriſti / vnd der Apoſtel / biß Dato darinnen Predigen / vnd den rechten gebrauch der heiligen / hochwirbigen Sacramenta, nach JEſu Chriſti einſetzung / Exerciren laſſen / darzu Er ſich dann / nicht allein fur ſeine perſon / biß an ſein ſeliges ende / vngeſchew - et / Freund oder Feind bekoͤmpt / ſondern auch die Vnterthanen ernſtlich dazu gehalten / vnd jhnen zur Predigt vndteglichen Kir - chen Gebet / ein liebliches Exempel zu Loben vnd zu preyſen / mit ſchoͤnen Chriſtlichen Geſaͤngen in der Kirchen / vnd ſonder - lich auff den Reyſen / hat gerne geſungen deß Herrn Lutheri Geſenge / wie auch die Pſalmos, darzu Er ein ſonderliches hertz - liches gefallen getragen.
Das Heilige Miniſterium, trewe Lehrer vnd Prediger / hat Er in ehren / vnd niemanden lieber vmb ſich gehabt / alß dieſel - ben / wie auch andere Gelerte Leute.
In politicis & hiſtoricis war Er wol erfahren vnd beleſen / kondte auch bey den conſervationibus dieſelben ſo diſcretè & ingenioſè allegiren, vnd ad ſingulare quoddam accommodi - ren, das jhme mit luſt zuzuhoͤren / vnd deſſentwegen von hohen vnd niedern Standes Perſonen geliebet vnd veneriret worden.
Jn den Standt der heiligen Ehe / hat ſich derſelige Herr be - geben / Erſtlich Anno 1563. Mit der Edlen / Ehren tugendſa - men Frawen Dorothea / Gebornen Schuͤllerin / eine Gottſe - lige / Heußliche Matrona / mit welcher Er im Ehſtande gelebt 28. Jahr / vnd iſt dieſelbe noch Anno 91. auff dem Keyſerlichen Newen Saltz / Chriſtlich vnnd ſelig Geſtorben / auch in dieſer Pfa[r]rkirchen zur Freyſtadt / in eine zugerichtete Grufft / allda hin jtzo jhr ſeliger Herr / auch neben ſie verſetzet wird / eingelaſ - ſen worden / haben mit einander vier Kinder gezeuget; Annam, Mariam, Johann[a]m, vnnd Maximilianum, vnter denen daß Erſte auch bald in ſeiner Jugend / der Allmechtige Gott zu ſich abgefodert / Fraw Maria aber / iſt jetzo gleich fuͤrm Jahre auch von dieſer welt ſelig abgeſchiede[n]/ vnd hinter. ſich 6. kinder ver -laſ -[49]Personalia. laſſen / die andern zwey aber / als Fraw Johanna, ſo der liebe Gott auch mit fuͤnff leibes Erben in jhrem Eheſtande geſegnet / vnd Herr Maximilianus von Preuß ꝛc. der einige hinderlaſſene Sohn vnd Wayſe ſind noch am leben.
Obgedachte ſeine liebe Kinder hat er nach der Regel des weiſen Koͤnigs Salomonis / vnd des Apoſtels Pauli / zu aller Tugent vnd Gottesfurcht geleitet vnd angewieſen / vnd Gott hat jhn / wie David im 128. Pſalm ſpricht / hinwieder deroſel - ben Kindeskinder / biß ins vierdte glied ſehen laſſen.
Nach dem Er nun Herr Preuß ſeliger / gedachte ſeine liebe verſtorbene Haußfraw in ſeinem Witwer Stand biß ins an - der Jahr billichen betrawret / iſt Er zur andern Ehe geſchritten / da jhme denn vmb ſonderer ſeiner beruͤhmeten Adelichen Tu - gend vnd Anſehens willen / der Edle / Geſtrenge / vnd Wolbe - nambte HErr Chriſtoff von Vnruhe / Erbherr auff Birn - bawm vnd Schweinerdt ꝛc. ſeine vielgeliebte Tochter / vnd jtzo hinderlaſſene hochbetruͤbte Wittib / die Edle / viel Ehr vnd Tu - gendreiche Fraw Anna, Geborne Vnruhin ꝛc. noch Anno[93]. verheyratet / vnd Ehlichen beygeleget / mit welcher Er 18. Jahr 3. Monat im Ehſtande gelebet / vngeachtet daß ſie es wol hertz - lichen gewuͤnſchet / Er Herr Preuß ſeliger auch vmb verhoffter mehrer mannlicher Erben willen / von ſeinem Herrn Schwaͤ - her das Rittergut newen Tſchaw angenommen / vnd iſt Er in dem loͤblichen Fuͤrſtenthumb Groſſen Glogaw in Ritterſtand einverleibet worden.
Wie er aber ſolchen ſeinen 46. jaͤhrigen Eheſtand Chriſt - lich vnd Gottſelig zugebracht / daß kan weitleufftig / vmb kuͤrtze der zeit willen / nicht erzehlet werden. Summarie zu melden / iſt es ein Spiegel wahrer liebe / hertzlicher trewe / vnd gewuͤnſchter einigkeit geweſt. Seine vorige / wie auch dieſe ſeine jtzige Tu - gendſame Haußfraw / die jhme ſonderlich von Gott zugeord - net / vnd ein Stab ſeineß Alters geweſen / hat Er / wie AbrahamGſeine[50]Personalia. ſeine Saram / vnd der Edle Roͤmer Sempronius Grachus ſein Corneliam dermaſſen geliebet / daß Er ſie nicht gerne eine ſtun[-]de / geſchweige denn einen tag von ſich gewuſt / jhme auch gege[n]jhr viel mals gewuͤnſchet / wenn es muͤglichen were / daß ſ[ie]moͤchten beyde zugleich von dieſer Welt abſcheiden vnd zuſa[m -]men begraben werden.
Entgegen hat ſie ſich auch dermaſſen in jhn mit aller ge[-]dult liebe vnd freundligkeit wiſſen zu ſchicken / ſeiner / wie es Ad[el]v[n]d Vnadel wiſſen / ſonderlichen in ſeinen langwierigenkranck heiten / trewlich vnd fleiſſig wargenommen / daß ſie auch dabe〈…〉〈…〉 an leibeskrefften gantz abkommen / vnd nun bey einem halbe[n]Jahr / wie auch noch / lebensgefehrlich darnieder liegt / alſo / da ſie jhren ſeligen Herrn das geleit zu ſeinem Ruhebettlein nich geben kan / der Allmechtige GOTT wolle ſie ſtercken / ſie i[n]jhrem betrubnuͤß troͤſten / vnd nach ſeinem gnedigen willen mi[t]vollkommener Geſundheit wieder erfrewen.
Neben deme iſt auch gedenckens wuͤrdig / daß wie er ein ve[r -]nuͤnfftiger Weltweiſer Mann geweſt / ſo hat er ſich auch ge[-]ſchickter trewer Leute vnd Diener jederzeit beflieſſen / die E[r]de nu zum theil nichts weniger als ſeine Kinder geliebet / vnd ſi[e]nach gelegenheit ſeiner jhme von Gott verliehenen Gaben / vn[d]jhrer ſelbſt qualiteten vnd diſcrerion nach / in politicis alſo in[-]formiret, daß ſie hernach am Keyſerlichen Hoff / vnd ſonſt zu fuͤrnehmen Keyſerlichen dienſten vnd Amptern fuͤrgezogen[,]vnd darinnen nach ſeinem Exempel ruͤhmlichen vnd nuͤtzliche[n]gebraucht werden koͤnnen. Gegen dem lieben Armuth ge[-]braucht er gemeiniglich des Herrn Doctoris Lutheri ſelige[n]Regel: Du ſolſt auffthun deine milde Hand den armen in dei[-]nem Land. Nam gerne Haußarme Leute in acht / vnd war nicht gemeinet / vmbleuffer vnd frembde Landbettler in jhrer faul - heit vnd muͤſſiggang zu ſtercken.
Moͤchte nun jemand ſagen: Jſt denn in dieſem verſtor -benen[51]Personalia. benen Herrn alles gut / hat Er denn keinen mangel / fehl oder ge - brechen gehabt / iſt er denn gar ein Heiliger geweſt? Nam vix ſunt viſi, qui caruere niſi. Vnd ſonderlich haben auch groſſe vnd heilige Leute jhre ſchwachheiten. David iſt ein Mann nach dem hertzen Gottes geweſen / dennoch iſt Er etlich mal groͤblich gefallen. Joſias iſt auch ein frommer Gottsfuͤrchtiger Herr ge - weſen / dennoch hat Er vnnoͤtig gezenck angefangen: Alſo iſt freylich vnſer ſeliger Herr Preuß ꝛc. nicht Engelrein / iſt ein Menſch geweſen / der auch ſeine maͤngel / ſchwachheit vnd ge - brechligkeit gehabt / inſonderheit daß Er ſich den zorn bißwei - len zu weit einnemen / leiten vnnd auffhalten laſſen. Wie e[s]denn heiſt:Et faciles motus mens generola capit.
Darumb koͤnnen wir Jhn nicht gar fuͤr einen vollkommenen Heiligen ruͤhmen / aber gleichwol Gott bitten / daß Er in his ruinis viel ſeines gleichen geben wolle / Er hat ſolche ſeine ge - brechen vnd maͤngel hertzlich berewet vnd beklaget / wie er jhme denn menniglich / vnd fuͤrnemlich ſeine Seelſorger mit war - heit zeugen koͤnnen / Er hat ſich der Barmhertzigkeit Gottes / vnd des Verdienſts Jeſu Chriſti hoͤchlichen getroͤſtet / vnnd Gott vmb verzeihung gebeten. Was derwegen bey Gott ver - ziehen vnd vergeben / das ſol auch bey Menſchen vergeſſen ſeyn. De mortuis & abſentibus nil niſi bonum.
Folget nun kuͤrtzlich von dem ſeligen Abſchied vnd Chriſt - lichen Ende vielgedachtes Herrn Preuſſen ſeligen / davon iſt zum beſchluß dieſer perſonalien kuͤrtzlich zuerinnern / daß Er à Naturâ incliniret geweſen ad Catarrhos ſuffocativos, vnd ſind dieſelben nicht wenig durch die ſchweren Expeditiones vnd Elucubrationes, davon vorhin außfuͤhrlich meldung ge - ſchehen/ geurſacht / ja auch letzlich durch das hohe Alter von tage zu tage noch beſchwerlicher vermehret woren/ alſo / dz er nun bey vier oder fuͤnff jahren vielfaltige lebens gefehrliche Paroxyſmos
F ijaußge -[52]Personalia.Bey dieſen beſchwerlichen Kranckheiten / die in Warheit vor - boten deß Todes geweſen / hat Er als ein Chriſt gnugſam ſei - ne Sterbligkeit verſtehen / vnnd aus GOttes Wort abnemen koͤnnen / das Er eines mals den Weg aller Welt wuͤrde gehen muͤſſen. Vnd ob er wol die letzten Jahre vber etwas anſehn - liches auff die Medicos vnd die Medicamenta gewendet / vnnd das A[n]ſehen gehabt / als wenn er ſich etwa fuͤr dem Tode ent - ſetzte / ſo waren doch dieſe ſeine Formalia: Weil der Men[ſ]ch eine edle Creatur Gottes / vnd zu deſſen Bilde erſchaffen / So wolt Er auch nicht gerne an ſeiner Geſundheit was verſenmen / vnd wieder das fuͤnffte Gebot ſuͤndigen / ſonſt ſey Er bereit zu ſterben / wenn es GOttes wille. Hat ſich auch zu deſto mehrer bezeugung deſſen / nach dem Exempel jenes Gottſeliger Herrn / der da ſaget; Mit GOtt iſt gut wandern / vnlengſt fur ein fuͤ[n]ff Wochen / durch den Herrn Pfarr vom Rauden wieder Abſol - viren / vnd mit dem Abendmal deß HErrn verſorgen laſſen / vnd ſtets teglichen vmb ein ſeliges Simeonis ſtuͤndlein geſeufftzet / wie denn ſolches die bey Jhme ſtets geweſene Paſtores / Son - dern auch fuͤrnemlich dieſes zeugen / das Er jhme die troſtrei - che Dicta vnnd Carmina ſauber ſchreiben / vnnd zu deſto offtern anſchawen / vnd errinnerung ſeines ſeligen Sterbens vmb ſein Siechbette an die Wand ſchlagen laſſen. Neben deme ließ er Jhm auch teglich aus dem Manuali Molleri de præparatione ad mortem, Vnd aus dem Philippo Kegelio dergleichen heil - ſame nuͤtzliche Betrachtungen / durch ſeine Diener fuͤrleſen / vnd dabey ſeine ſondere devotion vnd ſuſpiria vermercken. Hat auch darneben ſo viel deſto zeitlicher ſeine Diſpoſition vnd letz - ten Willen gemacht / wie es nach ſeinem Tode zwiſchen ſeiner vielgeliebten Haußfrawen vnd Kindern gehalten werden ſolle.
Vnd nach dem Er dieſen vergangenen Winter vnd Fruͤh - ling / propter Catarrhos eine groſſe Niederlage vberſtanden / vnd ſich es bey der angegangenen Geſundenzeit / etwas beſſerange -[53]Personalia. angelaſſen / hat Er zur erfriſchung ſeiner Kraͤffte / vermeinet die lufft zu endern / vnd ſich auff etliche tage / ſampt ſeiner erkranck -[te]n vnd ſchwachen Frawen / in ſein Ritterhaus / gegen der Frey -[ſt]adt begeben / wie er nun daſelbſt wenig Tage zubracht / iſt Er willens worden / ſich den Freytag fur Pfingſten / welches war der 20. May / wieder hinaus auff daß Gutt Tſchaw zu bege - ben / es hat jhn aber damals daß kalte Wetter vnd ſcharffe Lufft daran verhindert / vnd Er alſo vollend die Heiligen Pfingſtage vber darinne zu verwarten beſchloſſen.
Folgenden Pfingſtmontag / wie er ſeinem Brauch nach in meditationibus auff dem Stul geſeſſen / iſt Jhn / wieder je - mandes verhoffen / eine groſſe Mattigkeit angeſtoſſen / daruͤber Er denn in eine Ohnmacht gefallen / Alſo / das man jhn durch erwerung vnd adhibirung ſtarcker Waſſer vnd krefftiger Artz - neyen / GOtt lob / wieder zu ſich ſelber bracht. Man hat aber alßbaldt geſehen / Er hat es auch ſelber zuverſtehen geben / daß Er von dieſem Paroxyſmo nicht in die lenge wuͤrde geneſen / es iſt auch darauff der Catarrhus jmmer hefftiger auff die Bruſt ge - fallen / denn wie ſehelichen Er ſonſt zu ander Zeit deß Medici be - geret / hat Er doch zu dieſem mahle ſolches niemals erwehnet / ſondern aus Mattigkeit folgenden Dinſtag / Mitwoch vnnd Donnerſtag viel geſchlaffen / vnd iſt ſonſten ſein groͤſter Kum - mer / vnnd gegen ſeine Kinder ſein Vaͤterliches trewes ermah - nen geweſen / daß ſie ſich mit einander in aller einigkeit verneh - men / vnd Gottes ſtraffe nicht auff ſich ziehen ſolten. Vnd als Er deſſen von einem vnnd dem andern verſichert / auch eine ge - wiſſe Perſon / zu vnterſchiedenen mahlen / deßwegen in ſtarckes Geluͤbdnis genommen / hat er ſich durchaus zu Chriſto gewen - det / die Herrn Paſtores aus der Freyſtadt / So wohl den vom New-Saltz / Rawden / vnd Hertzogs Walde zu ſich erfodert / vndſolche Tage vber meiſtentheils bey ſich gehabt / von welchen Er denn ſtets die Ewig lebendig machende Hertzſterckung / deßG iijwah -[54]Personalia. wahren beſtendigen Troſts / mit gefaltenen Henden vnd erha - benen Augen vnd Hertzen / mit tieffen Seufftzern vnnd groſſer Andacht angenommen / jhme auch die Chriſtlichen Lieder vor - zuſingen zum oͤfftern begehret / Als; Wenn mein ſtuͤndlein ver - handen iſt. HErr JEſu Chriſt warer Menſch vnd GOTT / Jn dich hab ich gehoffet HErr / vnd andere mehr.
Freytags hat er ſeine Haußfraw vnd jtzt betruͤbte Wittib zu ſich erfodern laſſen / ſich mit Jhr geſegnet / vnd einer Danckſa - gung fur gehabte Gedult vnd erzeigete fleiſſige Wartung / an - zeig geben / auch ſie mit vmbfangenen Armen vmbverzeihung gebeten. Jngleichen hat Er auch ſeine Kinder / wie der Alt - vater Jacob im 1. Buch Moſe am 48. vnd 94. Cap. geſegnet / vnd ſie zum oͤfftern zur Liebe vnd einigkeit / hoͤchlichen vnd Vaͤ - terlichen ermahnet / hat auch ſonſt allen Menſchen verziehen vndvergeben. Vnd als folgends dieſen Tag / wie auch den Son - nabend / welches war der 28. May / dieſes 1611. Jahres / die Herrn Prediger ſtets allerley Troſtſpruͤche / von der gnade Got - tes / ſeiner Barmhertzigkeit / vom ewigen Leben / von der Auf - ferſtehung der Todten confirmirten, vnd ſonderlich den ſpruch Johan. am 17. Vater ich wil / daß wo ich bin / auch die bey mir ſein / die du mir gegeben haſt / hat Er dieſelben biß an ſein letzten Seufftzer verſtendiglich bejahet.
Vnd ſonderlich iſt dieſes erzehlens wirdig vnd ruͤhmlich? Alß man vermercket / daß nunmehr ſein Stundlein verhanden ſein wuͤrde / hat man ſaͤmptlichen den Allmechtigen Gott / vmb ſeine gnedige auffloͤſung / durch ein inbruͤnſtiges Gebet ange - ruffen / vnnd nach volbrachtem Gebet / hat man jhm zugeſpro - chen / ſeines Erloͤſers vnd Seligmachers errinnert vnnd gefra - get / wohin Er gedechte? Hat Er abermals mit auffgehabenen Henden / Hertzen vnd Augen hinauff in Himmel gezeiget / vnd wie der Heilige Paulus begehret bey Chriſto zu ſeyn.
Wie Er nu ſeine Seel in ſolchen ſtarcken Seufftzen vnnd vertrawen dem Ertzhirten Chriſto JEſu befohlen / vnd ſich jtzo[55]Personalia. gleich Tag vnd Nacht / zwiſchen 9. vnd 10. Vhrn geſchieden / da hat ſich ſein Leib vnd Seel auch geſchieden / da der Tag ſei - ne Augen zugethan / hat Er auch die Augen ſeines Leibes zu - gethan / vnd entgegen mit den Augen ſeines Glaubens daß re - chte Tageliecht / die Sonne der Gerechtigkeit ergrieffen / nem - lich JEſum Chriſtum / welcher Jhm geleuchtet vnd jhn gefuͤh - ret ins ewige Leben / alß Er gelebet 82 Jahr / im Ehtſtande ge - ſeſſen 46. Jahr / vnnd in Keyſerlichen dienſten 54. Jahr zuge - bracht.
Diß iſt nun die rechte vnd ſelige Sterbenkunſt / die der tre - we Barmhertzige GOtt / vnſerm ſeligen Herrn Preuſſen ver - liehen hat. Denn weil er in ſeinem Leben gefuͤrchtet / geliebet vnd geehret / hat jhn GOtt wiederumb geehret in ſeinem Tode / daß Er ohn alle abſchewliche Geberde / ohn alle beſchwerung / ohne alle zittern vnd Zagen / gantz ſtille / alß wie in einem ſanff - ten Schlaffe / das man es faſt nicht mercken oder jnne werden kennen / von dieſem Jammerthal abgeſchieden / vnnd heiſt: Tranſivit de labore ad refrigerium, de expectatione ad præ - mium, de morte ad vitam, de fide ad Noticiam, de peregri - natione ad quietem, de Mundi huius exilio ad veram patriam.
Derſelbige trewe GOtt wolle dieſem ſelig Verſtorbenen Herrn am juͤngſten Tage eine froͤliche Aufferſtehung / vnd vns die wir noch in dieſer muͤhſeligen Pilgramſchafft wandern / zu rechter zeit / durch ein ſeliges Simeonis ſtuͤndlein / eine froͤliche vnd ſelige Nachfart verleihen / vnter deß aber die betruͤbte Wit - we / ſo wol die andern bekuͤmmerten Herren Erben / ſampt jhren hertzlieben Ehegenoſſen / Kindern vnd allen zugethanen / durch ſeine gnade troͤſten / ſie bey guter Geſundheit erhalten / vnd jhnen allerſeyts geben / was jhnen an Leib vnd Seel / nuͤtz vnd ſelig ſein mag AMEN. Pſalm. 31. ‘HErr mein zeit ſtehet in deinen Henden. ’ ()
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