ROgatu tuo, Vir amicisſime atꝙ́ præclare, cujus auctoritati, quæ merito ſuo apud me magna est, & plura, ſi posſum, debeo, quæ publicé recitavi, è ſuggeſto, in lucem palam ire patiar, atꝙ́ ty - pis exſcripta in vulgus emitti. Interpretaberis hoc factum honori conju - gis tuæ eximiæ, quam disſerentem audivi in ipſo vitæ crepuſculo, quum nullus est ſimulationi lociis, de debito Chriſtiano offenſarum inimicis, quos unquam experti ſumus, condonandarum, & ſeculi alterius, in quo nunc beata degit, deliciis, quas non tantùm credere ſe, verùm etiam de - libare ajebat, & perſuadebat. Ita ſerio vultu averſabatur ſordes hujus mundi, & velut evolatura in cœlum, protentis brachiis & oculis inten - tis, ſupernis immorabatur, & ut audio, immortua est. Sat ſcio, ſi quæ ad - fuisſent ſpectatrices ex eodem ſexu, faces cordi ſubditas ſenſisſent, non absꝙ́ voto, quo tandem armatæ eâdem audaciâ, quæ ſupra ſexũ non ſo - lùm erat, verùm & vulgarem homulorum ſortem, virili & Chriſtianâ ex hac ſcenâ exirent, quum arbiter vitæ mortisꝙ́ vocaverit. Quid enim vetat, eam laudare velut exemplar moriturientibus, in iſto genere imi - tandum, quum D. Petrus ad Saræ exemplum easdem in conjugio vitam tranſigentes vocet & moneat. Te verò quod attinet, Eximie virorum, non multis ſolatiorum argumentis morabor, ne cum Ilienſibus ineptire videar, qui intempeſtivâ allocutione paulò ſerius Tiberio ob filiũ amis - ſum conabantur ex animo dolorem eximere, jam obliteratâ ejus memo - riâ, quibus ille, joci, quàm officii ſtudioſior, collugere ſe reſpondit ob He - ctora civem egregium, ante ſecula aliquot, è vita & Græciâ ereptum. Et ſcis ipſe probè, me tacente quoꝙ́, quod maturè didiciſti ex ſacris pagi -〈…〉〈…〉 non amisſum esſe decus illud, ſed præmisſum in antecesſum; nec ma - ſculum esſe in quocunꝙ́ caſu inſolabiliter mœrere, cùm omnes ferè gen - tes juſtorum certos fines & tempus teneant. Neꝙ́ te uxoris ſingularis in te pietatis fœminæ abitionem ſolummodò patienter & æquo animo tulis - ſe ab initio vidi, ſed, quod ex vero teſtor, ut fati con ſcium ex artis divi - næ, quam tractas, conſilio, privatim prædixisſe, diebus antè aliquot au - divi. Macte fis hoc animo, & quod reliquum est, tuum in me amorẽ per - ſevera, quod ſemper mutuò facies, ac vale tuo & multorũ, qui vitã tibi ac valetudinem debebunt, bono, Vir præſtantisſime. Scripſi in Muſæ meo.
SAra ward hundert ſieben vnd zwantzig Jahr alt / vnd ſtarb in der Heubtſtadt / die heiſſt Hebron im lande Canaan. Da kam Abraham / daß er ſie klaget vnd be - weinet. Darnach ſtund er auff von ſeiner Leiche / vnd redet mit den Kindern Heth / vnnd ſprach / Jch bin ein Frembder vnd Einwohner bey euch / gebt mir ein Erbbegrebnis bey euch / daß ich mei - nen Todten begrabe / der fuͤr mir ligt. Da ant - worten Abraham die Kinder Heth / vnnd ſpra - chen zu jhm / Hoͤre vns lieber Herr / Du biſt ein Fuͤrſt Gottes vnter vns / Begrabe deinen Tod - ten in vnſern ehrlichſten Graͤbern / kein Menſch ſol dir vnter vns wehren / daß du in ſeinem Gra - be nicht begrabeſt deinen Todten. Da ſtund A - braham auff / vnd buͤcket ſich fuͤr dem Volck des Landes / nemlich fuͤr den Kindern Heth / vnd er redet mit jhnen / vnnd ſprach / Gefellet es euch / daß ich meinen Todten / der fuͤr mir liegt / be - grabe / ſo hoͤret mich / vnd bittet fuͤr mich gegen Ephron dem Sohn Zohar / daß er mir gebe ſei - ne zwiefache Hoͤle / die er hat am ende ſeines A - ckers / er gebe mir ſie vmb Geld / ſo viel ſie werd iſt /A ijvnter[4]vnter euch zum Erbbegrebnis / Denn Ephron wonete vnter den Kindern Heth. Da antwor - tet Ephron der Hethiter Abraham / daß zuhoͤ - reten die Kinder Heth / fuͤr allen die zu ſeiner Stadthor aus vnnd eingiengen / vnnd ſprach / Nein / mein Herr / ſondern hoͤre mir zu Jch ſchen - cke dir den Acker / vnnd die Hoͤle drinnen dazu / vnnd vbergebe dirs fuͤr den Augen der Kinder meines Volcks / zu begraben deinen Todten. Da buͤcket ſich Abraham fuͤr dem Volck des Landes / vnd redet mit Ephron / daß zu hoͤrete das Volck / des Landes / vnd ſprach / wiltu mir jhn laſſen / ſo bitte ich / Nim von mir das Geld fuͤr den Acker / das ich dir gebe / ſo wil ich meinen Todten da - ſelbs begraben. Ephron antwortet Abraham / vnd ſprach zu jhm / Mein Herr / hoͤre doch mich / Das Feld iſt vier hundert Sekel ſilbers werth / Was iſt das aber zwiſchen mir vnd dir[?]Begra be nur deinen Todten. Abraham gehorchet E - phron / vnd wug jhm das Geldt dar / das er ge - ſagt hatte / daß zuhoͤreten die kinder Heth / nem - lich / vier hundert ſekel ſilbers / das im kauff geng vnd gebe war. Alſo ward Ephrons Acker / darin die zwiefache Hoͤle iſt gegen Mamre uͤber / Abra - ham zum eigen Gutt beſtetiget / mit der Hoͤle darinnen / vnd mit allen baͤwmen auff dem Acker vmbher / daß die Kinder Heth zuſahen / vnd al - le die zu ſeiner Stadthor aus vnnd eingiengen. Darnach begrub Abraham Sara ſein Weib inder[5]der Hoͤle des Ackers / die zwiefach iſt / gegen Mamre uͤber / das iſt Hebron / im Lande Ca - naan. Alſo ward der Acker vnd die Hoͤle dar - innen beſtetiget / Abraham zum Erbbegrebnis von den Kindern Heth.
GEliebte zuhoͤrer vnd freunde in Chriſto Jeſu vnſerm HErrn / Einem jeglichen vnter den Menſchen mei - ſtentheils iſt leicht zu ſagen / wo er zur Welt geboh - ren / vnnd alſo ſein jrdiſches Vaterland habe: wie Paulus das ſeinige angedeutet / daß er ein Jude ſey gebohren zu Tarſen in Cilicia / vnd erzogen zu Jeruſalem / in den geſchich - ten im 22. capit. ꝟ. 3. Aber nicht leicht iſt hergegen zubeſtim - men / wo er aus dieſer Welt hinauß kommen / vnd alſo nach vn - ſerer art zu reden / ſeinen Kirchhoff vnd grabſtette haben werde. Jn betrachtung / daß viel genennet moͤgen werden / die daſelb - ſten ſind vnter die Erde gekommen / da ſie nimmer zuvor / oder nicht leichtlich gedancken gehabt haben. Welches auch zuerſe - hen ſtehet aus Abraham / Moſis / vnd anderer zufaͤllen / vnter welchen jener zu Vr in Chaldea gebohren iſt / im 1. buch Moſis im 11. ꝟ. 28. 29. begraben aber in Hebron der haͤuptſtadt des Landes Canaan im 1. Moſ. 25. ꝟ. 9. vnd im ſelbigen buch im 23. capit. welche faſt 150. meylen von Vr vnd Canaan gele - gen. Jſt erſtlich jhm Abraham gantz vnbekandt geweſen / aus nachrichtung 1. Moſ. 12. ꝟ 1. Moſes aber iſt in Ægypten zur Welt gezeuget / wie er es ſelbſten beſchrieben / vnd von Gott ge - toͤdtet / vnd begraben in der Moabiter Lande / auff dem Berge Nebo im 5. Moſ. 34. mehr denn etliche meilen entlegen von ſeinem Vaterland. Zugeſchweigen das / ſo man taͤglich erlebet / vnnd dieſe gegenwertige Leyche / davon an ſeinem ortt zu letztim zeug -[6]im zeugniß jhrer ankunfft / ſol meldung geſchehen. Ja von de - nen / ſo da reyſen / vnd in dem kriege dienen / mag man wol fuͤg - lich ſagen / daß ſie zu weylen / wiewol vnwiſſend / jhr grab vnnd kirchhoff ſuchen / welches ſie daheimb / vnd in jhrem vaterlande nicht haben finden koͤnnen / vnd alſo außwandern muͤſſen. Auch ſo an einen etwa eine ſolche frage gelangen ſolte / zu beantwor - ten / Ob es beſſer were zuvor wiſſen / wo man nach dem ende des lebens ruhen vnd ſchlaffen werde / oder aber nicht; ſolt ers noch wol in bedencken ziehen / was antwort darauff zu geben / erſtlich weil etliche verhanden / die zeitlich jhnen ein grabplatz eigen ge - kaufft / vnd gezieret / da ſie jhrer wahl nach / gerne hin wollen geleget ſeyn. Geſtalt / auch Joſeph der Rathsherr zu Jeru - ſalem ſolches vorher bereytet / in welches grab er Chriſtum vn - ſern Heylandt hat auffgenommen Matthæ. 27. ꝟ. 60. Wie - derumb hergegen doͤrffte einen das anſchawen der todtenkam - mer / wol vnluſtig machen / vnnd grauſent / wie einem uͤbel - thaͤter die wiſſenſchafft des angeſetzten tages vnd ortes / da jhm vom leben zum todte geholffen ſol werden. Vnnd abermal duͤrffte es einem wol ſorge machen / der es vorher bedencket / nicht wiſſen / wo man ſol hin geſcharret werden / wie die gaſſenbetler nicht wiſſen / wo ſie zu nachte verbleiben / oď die reyſenden in vn - gehewren einoͤden / wo ſie zur herberge gelangen werden. Jn - ſonderheit wenn einem auch dz zu ſinn kom̃et / daß jhm auch wol etwas abſchewlichers nach ſeinem todte wiederfahren koͤnne / wie Jojakim auch einem Koͤnige / dem gedrewet iſt worden / daß er ſolte fuͤr die thoͤre Jeruſalem geworffen / vnd wie ein Eſel zu - ſchleifft vnd begraben werden Jerem. im 22. ꝟ. 19. vnd heute zu tage vielen in dieſen kriegsleufften zu halſe kommet / daß manches vornemes mutter kindt / vnd in jhrer ſprache zu reden / mancher ehrlicher Soldat vnd Ritter daſelbſt vnter dem freyen himmel muß liegen bleiben / da er iſt nieder geleget worden / das graß zu beiſſen. Welches vnd andere zufaͤlle einem die haar wol doͤrfften gen berge heben / da er jhm die in kopff vnd gedanckenließ[7]ließ kommen. Aber auch darvon iſt raht vnd weyſe das gemuͤt abzukehren / wenn man wil weiter / auch vnwiſſend ſeiner grab - vnd ruhſtell bedencken / daß die Erde iſt des HErrn / vnd alles was darinnen iſt / vnd iſt vol der guͤtte des HErrn / aus dem 33. ψ ꝟ. 5. Vnd wer da nur wol ſtirbet / jmmer dem leibe nach vn - ter dem himmel bleibet / biß zu ſeiner zeit. Darzwiſchen Gott alle ſeine gebeine verwaret / daß derſelben keines verlohren wer - de / er ſey auch vnd liege jmmerdar wo er wolle / der ſeelen aber / das iſt dem beſten ſeinem theile nach / ſey er ſchon im him̃el / nicht ſorgend oder empfindend / wie es auch hergehe / mit dem verweß - lichem vnd doch vnempfindlichen leichnam / dem geringſten vnd hinfaͤlligem theil / daraus er etwa iſt beſtanden. So iſt auch je ſo nahe von einem als dem andern ortt zum himmel / in ſolchem verſtand als dieſe behauſung alhie verſtanden ſol werden / dieweil wir nicht koͤnnen gutt heiſſen der heutigen Juden aberwitz / ſo ſich beredet haben / auß dem lande Canaan ſey am naͤheſten vnd die einige ſtraſſe in den himmel zukom̃en / da allein einzig die tod - ten aufferſtehen vnd die andern / ſo etwa anderwerts begraben / ſich durch dz erdreich muͤhſam werden hindurch walzen muͤſſen / davon in jhren / vnnd vnſerer gelarten buͤchern / welches nicht weitleufftiger dienet anzuziehen. Letzlich mag auch dieſes wol einen befriedigen / dem etwa noch nicht wiſſend / wo er werde be - graben werden / man finde faſt durch die gantze weitte welt hin - durch leute / die da wiſſen von der ſchuld vnd pflicht die toden zu - begraben / welche entweder aus noth vnd verdruß die leychnam / ſo biß auff den vierten tag wo nit eher / begoͤnnen zu riechen / die - ſelbige vmb jhrent eigen willen verwahren / oder ſonſt als es ein werck der barmhertzigkeit verrichten / wie ſich Tobias deſſen ge - fliſſen / davon in dem Buch von jhm im 1. capit. ꝟ. 20. Sol - ches oder nur gemeines heydniſches ſinnes / ſind auch die Hethi - ter geweſen / die Abraham gerne vergoͤnnet / ſeine leiche der ab - geſchidenen Saræ bey jhnen da zuverwahren / da Sara iſt be - graben / wohin ſie wol nimmer gedacht hat / vnd gehoͤret alſo die - ſes zu den obigen exempen. Welche hiſtori wie ſie verleſen / vondem[8]dem todt vnd begraͤbnuß dieſer heiligen mutter / bey gegenwerti - ger gelegenheit / ſo dieſer faſt aͤhnlich iſt eingefallen / ich mir fuͤr - genom̃en hab zu erklehren / vnd dahero gefuͤhrete lehren fuͤrzu - tragen. Sol geſchehen kuͤrtzlich / vnd mit Gottes huͤlffe nuͤtzlich vnd beſſerlich / darzu ich hiermit ſolcher meinung Gottes gnade vnd ewre andacht ernſtlich bitte / vnd zum anfang der erklehrung im namen Gottes ſchreite. Amen.
JM text ſtehet zum anfang des berichts im 1. verſi - ckel: Sara ward hundert ſiben vnnd zwentzig jahr alt vnd ſtarb: das iſt kein wunder / daß von Sara berichtet wird / ſie ſey geſtor - ben / wiſſende daß alle menſchen ſterblich ſeyndt. Aber das iſt ein wunder / daß biß ſo lang / wie die jahrzahl genennet / dieſe alte faſt betagte mutter gelebet / vnd alsdan erſtlich aus dieſem leben vnd welt gefordert worden. Sintemal viel tauſendt ſterben / die nicht die helffte dieſes ſo hohen alters erreichen / auch wol viel / die nit eine ſolche betagte perſchon mit jhren augen iewan geſehen ha - ben / ſolte auch wol muͤhſam kommen eine in dieſer / gleichwol volckreicher ſtadt / ſo alte perſchon zufinden / vnd auß zu ſuchen / es ſey entweder auß maͤn-oder auch weiblichen Bildern. Schon zu Moſis zeiten / iſt das uͤber das gemeine ziel des alters / vnnd lebens geweſen / das ſiebenzigſte vnd zum hoͤchſten das achzigſte jahr / wie zunemen auß dem 90. ψ. im 10. ꝟſ. deſſen tichter ſelbſt Moſe geweſen / wie die uͤberſchrifft deſſelbigen nachrichtung gie - bet. Zwar in den erſten jahren der welt / vor eingeriſſener Suͤnd - flut / ſind die Leut faſt wunderſam langlebig geweſen / als Adam der erſte menſch / vñ Methuſalem der elteſte vnter allen menſchẽ kindern / davon man weiß auß zeugnuß des 5. capit. im 1. Moſ. Aber nach ſelbiger / weiß man von keinen zuſagen / denen es ſo lang der todt geſpahret ſolt haben / als den altvaͤtern / diedannen[9]dannenhero jhres alters vnnd langen lebens wegen / dieſen na - men empfangen haben. Sara / wie wir hoͤren alhie / iſt hundert vnd fieben zwentzig jahr alt worden / derer einiger frawens per - ſchon / wie ichs gemercket vnd enthalten habe / in der ſchrifft jhre lebens jahr vnd zeit iſt auffgezeichnet worden. Abraham Saræ Herr iſt 48. jahr aͤlter worden / wie außzurechnen auß dem be - richt 1. Moſ .. 25. ꝟ. 8. vnnd wird deßwegen noch ehe er dieſe Jahr erlebet / alt vnd wolbetaget genennet 1. Moſ. 24. ꝟ. 5. Moſes ſelbſten iſt ja wol hundert vnd zwentzig jahr alt worden / aber das iſt wie ein wunder zu ende der buͤcher Moſis im 5. im 34. capit. im 7. ꝟſ. beygezeichnet / vnnd daß bey ſo hohem alter jhm die augen nicht ſind verdunckelt geweſen / vnd ſeine geſtalt nicht verfallen. Da vmb ſeine zeit / wie oben auß ſeinen worten ſchon eingefuͤhrt / die andern im achzigſten jahr gar haben davon muͤſſen. Vnd was heutte zu tage ſich begiebet / das iſt offenbahr vnd vnnoͤtig hie einzufuͤhren / wie bewuſt / daß vnter tauſenden kaum einer oder der ander / das 50. oder ſechzigſte jahr errei - chet / er muß noch wol ehe davon. Welche betrachtung vnd wiſ - ſenſchafft / den neidt vnd das gremen mag abſtillen / ſo einer da - mit moͤcht angefallen werden / in anſchawung der grawhaupti - gen graͤiſſen / oder erinnerung / wie den alten vorzeiten ſo wol ge - ſchehen / die ſo lang dieſer welt / vnd deroſelben zierde gebrauchen haben koͤnnen / welches leicht ein ſcheles auge erregen mag vnd vnnoͤtigen verdruß des hertzens / zugeſchweigẽ vermeſſene tade - lung Gottes vñ andere beygrentzende ſuͤnde / die dienern Gottes nicht geziemen. Matth. 20. ꝟ. 11. vnd 15. Wie es wol das anſehen mag haben / daß Jacob ſelbſten dieſer vnmut eingenom - men / vnnd zunemen iſt auß ſeinen worten / vor Pharao dem Koͤnige in Ægypten / der jhn nur bloß gefraget wie alt er were / da antwortet er: Die zeit meiner walfart iſt hundert vnd dreyſ - ſig jahr / wenig vnd boͤſe iſt die zeit meines lebens vnd langet nit an die zeit meiner vaͤter in jhrer walfart / 1. Moſ. 47. ꝟ. 9. Deñ ſonſten was iſt es noth geweſen jhm alſo vmbſtaͤndiglich klag -Bvnd[10]vnd vergleichungs weiſe zu antworten / auſſerhalb dieſem fall / daß weil das hertz iſt vol geweſen ſolches gremens ſich des erbro - chen hat durch die rede vnd kundt gegeben / wie ſonſten. Dawie - der iſt nun dieſes ſo oben iſt angezogen worden / von den laͤngern vnd verkuͤrtzeten jahren derer ſo vor vns gelebet haben / in vn - gleichheit gegen vns / vnd vnter ſich ſelbſten auff eine ſolche weiſe zugebrauchen / daß man gedencke bey jhm / dieweil die Ertzvaͤ - ter ſich haben muͤſſen zur ſtille begeben / die nach der ſuͤndenflut gelebet / wiewol ſie nicht vnwiſſend geweſen der jahren jhrer vo - rigen vaͤtter / geſtalt ſie auch ſolches gethan haben / wie auß die - ſen wortten folget / da von jhnen gemeldet iſt / daß ſie Lebens ſatt ſind geſtorben / vnnd deutlich von Abraham ſtehet 1. Moſ. 25. ꝟ. 8. ſo wil vns auch gebuͤren / die wir kinder ſeyn wollen / dieſer ſo heiligenErtzvaͤter / zu ſolchem ſinn ebener maſſen gelan - gen / vnd foͤrder gewaffnet mit ſolchem gemuͤth zu jeder zeit ru - hig das ende dieſes kurtzen lebens / vnnd den anfang des ewigen nachfolgenden zuerwarten. Wiewol ich muß bekennen es muͤſ - ſe ſehr ruhig ſeyn abzuſcheiden / wenn einer iſt lebens ſatt wor - den / vnd das ziel vnd zweck ſeiner begierden erreichet. Wie Si - meoni ſolches iſt wiederfahren / der alsdann nicht ohnſchwehr hat ſagen koͤnnen Luc. 2. ꝟ. 29. HErr nun leſſeſtu deinen die - ner im friede fahren / wie du geſaget haſt. Jſt eben als wenn er hat alſo außgeſaget: HErr nunmehro bin ich hie lebens ſatt worden / vnd willig zum tode. Die vrſach folget im 30. nehe - ſten verſickel vnd ſeiner rede. Denn meine augen haben deinen heiland geſehen / das iſt eben / als wenn er hette abermal außge - ſaget. Denn jtzo zur ſtunden habe ich dieſes erlanget / was ich ei - nig vnd eintzig mein lebetag gewuͤnſchet. Alsdan vnd zu ſelbiger zeit ſage ich / muß vnnd mag es ſich wol nicht vnſanfft ſterben / vnnd vrlaub nemen laſſen. Aber gleichwol iſt auch dieſes mit nichten zuvergeſſen; Wie etliche im natuͤrlichen leben / ent - weder auß gewonheit des fraſſes / oder auß vnart des ma - gens ſind vnerſaͤtlich: Alſo moͤgen etliche auch des lebes nim -mer ſat[11]mer ſat werdẽ / wiewol ſie alſo entweder hetten ſeyn koͤnnen oder moͤgen / auß goͤttlicher geſtattung des lebens / das er jhnen ſchon biß dahin ſo ferne gefriſtet / welches einem zu ſinn moͤcht kom - men / wenn einer lieſet vnd findet von Abraham / David vnd an - deren Moſ. 25. ꝟ. 8. 1. Chron. c. 30. ꝟ. 28. die noch nicht bey weitem zweyhundert jahr alt worden / vnd ſind dennoch le - bens ſatt worden / ehe ſie geſtorben. Aber von keinem / der lang lebigen Patriarchen / der anzahl iſt auff gezeichnet 1. Moſ. 5. findet man ein gleiches / vnd mag wol einer oder der ander auß jhnen / noch nicht lebens ſatt zum ende deſſelbigen vnd todt ge - kommen ſeyn. Hiebey mag es auch wol geſchehen daß einer ehe vnd auff andere weiſe des lebens ſatt kan werden / weder wenn er gar lang vnd gleichſam zum eckel vnd uͤberdruß jhm ſelbſten vnd andern lebet. Wie einer wol kan ſatt werden / ob er ſchon nicht ein ſtunde oder mehr beym tiſche weilet / vnd verharret / ſondern der kuͤrtze ſich bequemet / vnd deſto beſſer fort iſſet. Alſo / wer nur wie Alexander, in der jugendt die zeit wol anwendet / der kan wol ehe zur ſattſamkeit deſſelben kom̃en / weder einer der alles biß in das alter verſparet. Nicht der hat lange gelebet / der viel ſtun - den in ſeinem leben geſchlaffen hat / ſondern der des tages vñ des lebens gebrauchet. Wie auch der nicht lange gegeſſen / der beym eſſen geſchwetzet oder mit den augen hin vnnd her hat vmbge - ſchweiffet / ſo er nicht dieſes gethan / daß er der zeit wargenom - men / vnd den hunger hat abgeſtillet. Auch vor dem geſchwinden todt kan man noch volkommen werden im Buch der weißheit im 4. capit. im 13. verſickel. Derohalben / das ſol numehro der ſchluß vnd die folge der eingefuͤhrten lehre vnd betrachtung ſein / es iſt beſſer nicht auff viel jahr zuſehen / die andere gelebet haben / oder wir koͤnen leben vnnd auch wol nicht koͤnten leben / welches vns kuͤnte trawrig vnnd neidiſch machen / ſondern auff die zeit darinnen man lebet / vnd bald darnach zutrachten / daß man ſein thun vnd willen demnach entlich verrichte / vnd lebens ſatt / bey - zeitten faſt werden moͤge / damit man ja nichts verdroſſen ſichB ijempfinde[12]empfinde / wenn man ſol abgefordert werden. Das iſt die lehre genommen auß dem bericht / von Saræ alter / vnd ankunfft jh - res todtes im hundert vnd ſieben vnd zwentzigſten jahr. Folget wie ſie alſo geſtorben / ſo hat ſie Abraham jhr Herr beweinet / wie billich / vnd auch weiter zur erden beſtaͤtigen laſſen. Wer moͤchte jhm verdencken ſolches / vnd nicht mehr loben vnd zum exempel den andern fuͤrſtellen vnd fuͤrhalten? Sie war ſchoͤn Sara 1. Moſ. 12. Wer kan auch wol ohne zehren was liebes verlie - ren? Sie war jhm verwandt / vnd nach der ſchrifft art zu reden ſeine ſchweſter. 1. Moſ. 20. ꝟ. 12. Auch ſolche leſſet man vn - gern ohne ſchmertzen abſterben / da man ſich jrer erfrewet / wenn ſie zur welt geboren werden Luc. 1. ꝟ. 58. Sie war ſein ge - mahl / eines mit jhm / fleiſch in ſeinem fleiſch / vnd blut in ſeinem blut / wer kan daſſelbige haſſen? Ephſ. 5. ꝟ. 29. Welcher iſt ſo ſtarck der jhme ohne verkehrung der augen ein glied kan abloͤ - ſen / vnd noch mehr eine ribbe entnemen vnd das hertz zutheilen laſſen? Sie hat jhn erfrewet mit einem erben / von ſeinem vnd jhrem leibe auß wunderbarer mitlung Gottes / wie bekandt auß 1. Moſ. 21. ꝟ. 6. 7. Niemand ſolte ohne bekuͤm̃ernuß anſehen / daß jhm ein fruchtbahrer baum oder weinſtock ſolte außgehen / von dem er etwa hette was ſonderliche fruͤchte eingeſamlet. Sie war ſittig vnd ehrerbietig gegen jhm geweſen / den ſie jhren Her - ren nennet / 1. Moſ. 18. ꝟ. 12. 1. Petr: 3. ꝟ. 6. Eines ſolchen tugendthafften bildes leſſets ſich nicht bald vergeſſen. Vber diß alles / das faſt viel iſt / war Sara die gefertin / vñ ſtete beywohne - rin geweſen in ſeinen reyſen vñ elend / vñ daß freunde ſich vngern trennen laſſen / iſt bekandt auch auß der erfahrung vnd der klag - rede Davidt uͤber den todtesfal Jonathan ſeines trewen freun - des im 2. buch Samuel. 1. ꝟ. 26. die worte lautten alſo: Es iſt mir leyd vmb dich mein bruder Jonathan / ich habe groſſe freude vnd wonne an dir gehabt / deine liebe iſt mir ſonderlicher gewe - ſen / denn frawen liebe iſt. Demnach wiederhole vnd ſchlieſſe ich wegen vorigen fuͤrhabens vnd der handlung Abrahams / daß erſeine[13]ſeine todte beweinet / das habe er billich vnd nit ohne gebuͤhrliche vnd wichtige vrſach gethan. Auch iſt wol ein jeglicher todte / er ſey auch wer er wolle eines parß naſſer augen werth / nach Sy - rachs vrtheil in ſeinem buch am 38. ꝟ. 16. Mein kind (iſt das ſelbige) wenn einer ſtirbet / ſo beweine vnd klage jhn / als ſey dir groß leyde geſchehen. Jſt bloß vorgeſchrieben / wie einer auch werth ſeyn moͤge / oder nicht. Denn im nachfolgenden verſickel / belehret er wie man ſich inſonderheit bey der klage / in anſehung der wuͤrdigen verhalten ſolle: aber die erſte ermahung / wie ſchon geſagt / iſt bloß dahin geſtellet / darumb weil er geſtorben iſt / er ſey auch wer er wolle / ſo iſt er im gewiſſen verſtand / des beweinens wuͤrdig. Zu ſolchem endt hat man auch vor zeiten bey den lei - chen klagweiber gebrauchet / Jerem. 9. ꝟ. 17. 18. 19. daß die beyweſenden zuhoͤrer zum weinen auß anhoͤrung der weh - klag der weiber / die ſich alſo ſtelleten / gereitzet wuͤrden / vnd die leidpfeiffer zu gleichem ende Matt: 9. ꝟ. 23. Welchem ſo man beſſer nachſinnen wolte / ſolte ſichs finden / daß man noch wol mehr ſolte trawern vnd klagen / bey eines boͤſen menſchen todte / weder eines from̃en: derer ende vnd zuſtand dieweil er vngleich iſt / ſo muß er auch alſo vngleicher weiſe beweinet werden. Auff welchen ſchlag Davidt mehr beweinet / vnd beklaget den todt ſei - nes vngerathenen ſohnes Abſalons / daß er geſchrien / mein Sohn Abſalon / mein Sohn / mein Sohn Abſalon / wolte Gott / ich muſte fuͤr dich ſterben / ô Abſalon mein Sohn / mein Sohn 2. Sam. 18. ꝟ. 33. denn er beſorgte er wehre vbel in ſeinen ſuͤn - den geſtorben. Aber nicht alſo ſtellet ſich David / bey verluſt des andern kleinen Sohnes / der keinen vnterſcheid nicht hat machen koͤnnen zwiſchen gutt vnd boͤſe / ſeiner rechten vnd lincken den er auß Batſeba erzeuget / davon 2. Sam. 11. vnd 12. capitt. Son - dern es wird auch gemeldet / daß David / da er wol trawrig ge - weſen bey wehrender kranckheit des kindes / auch gefaſtet vnd im Sack gegangen / ſich hernach gewaſchen / gegeſſen vnd mu - thig geweſen / nach dem er verſchieden mit groſſer verwunde -rung der[14]rung der andern / ſo vmb jhn geweſen / deſſen er David vrſach ge - geben / nemlich dieſe ꝟ. 22. 23. vmb das kind faſtete ich vnnd weinete / da es noch lebete / denn ich gedachte: Wer weiß ob mir der HErr gnedig wird / daß das kind lebendig bleibt. Nun es a - ber todt iſt / was ſol ich faſten / ich werde wol zu jhm fahren / es kommet nicht aber zu mir wieder. Jſt gleicher meinung mit die - ſen worten / ſo er die gebrauchet hette / ich weiß daß jhm wol iſt / vnd er ſeelig / was ſol ich auſſerhalb ende vnnd maſſen weinen. Aber nicht alſo iſts mit den boͤſen bewandt / die durch das zeitli - che abſterben / welches vorbewuſt vnd alſo faſt ſchrecklich / auch fortan in die ewige vnſelige ewigkeit geſtuͤrtzet werden. Wel - ches ja wol iſt zubeweinen vnnd zu beklagen / ſo es auch nur ver - ſchlagen moͤchte. Es iſt alhie eine doppelte vrſach zu weinen. Einen zeitlichen todten ſol man zu foͤrderſt beweinen: Noch viel mehr einen der ewig ſol todt bleiben am andern todte / der ſee - len vnd dem leibe hernach. Welche ſchuld den todten dieſelbige zubeklagen / gleichwol nicht wird abgeleget von den feindſeeli - gen / die nur froh ſind / daß jhr wie derpart iſt vor jhnen danieder gefallen / wie ſie meinen. Vnd von den neydiſchen / die ſich fre - wen im ſchooß / daß ſie denſelben vor augen nicht ſehen doͤrffen / deſſen tugendt ein ſtachel vnd dorn in jhrem angeſicht geweſen / vnd jhnen zu ſehr eingeleuchtet daß ſie es endtlich nit haben lei - den koͤnnen. Die moͤgen ſich aber bedencken / wie ſie dieſes ver - antworten vnd belegen wollen. Offenbahr iſts / daß es ſchnur ſtracks zuwieder iſt dem / was in einer andern meinung anjtzo erwieſen vnnd dargethan worden. Dennoch muß auch dieſes hierbeyfuͤget werden / daß allen menſchen wil obligen / ſich ſol - cher geſtalt alſo zuverhalten in jhrem Leben / daß die uͤbrigen / wegen jhrer verluſt / als eines kleinoths ſich zubeklagen haben. Wie Sara jhrer zierden wegen / davon oben / von Abraham ge - ſtalten ſachen nach / billich iſt alſo beweinet worden. Nicht ohne gefehr / oder nur auß bloſſer gewonheit iſt es auch geſchehen / daß Moſes / nach ſeinem todte / von den kindern Jſrael iſt be -weinet[15]weinet worden gantzer dreyſig tage 5. Moſ. 24. ꝟ. 8. ſon - dern dieweil er ſie gehuͤtet hat / wie eine herde ſchaffe Pſalm. 77. ꝟ. 21. vnd keiner ſeines gleichen hernach kommen im 5. Moſ. 34. ꝟ. 10. das war beyneben eine vrſach ſolches beweinens. Alſo leſen wir / daß die glaͤubige witwen / vnd juͤnger gar ſehr be - weinet haben dz abſterben Tabeæ / einer auß jhrem mittel Act. 9. ꝟ. 39. die vrſach ſtehet da / ſie war voll gutter werck vnd al - moſen geweſen / vnd hat roͤcke vnd kleider gemacht zu dienſt der armen vnd kirchen / die ſie auch Petro zeigeten / wie daſelbſten zu leſen. Alſo wil allen / benamentlich weiblichen perſchonen gebuͤhren / daß ſie bey wehrendem jhrem leben / nicht allein mit zierde jres leibes in kleidern ſich werth machen bey der welt / ſon - dern mit tugenden / damit jhr verluſt als eines groſſen lichtes / o - der edelgeſteines / vnnd guttes moͤge rechtſchaffen / vnnd billich beklaget / vnd betrauret werden. So iſt Sara gezieret geweſen 1. Pet. 3. davon wir alhie zu reden angefangen / die Abraham demnach hat billich beweinet. Aber weiter / Sara ſolte vnnd koͤnte nicht in zehren erſaͤuffet werden / ſondern ſie ſolte der er - den ein - vnnd beygeleget werden / nach der gewonheit der alten / vnd der ordnung Gottes angedeuttet in dieſen worten / zu dem erſten ſterblichen menſchen geſchehen. Du biſt erde / menſch / vnd ſolt wiederumb zur erde werden / welches alſo nit beſſer geſchehen kan als eben in der erde ſelbſten. Solcher geſtalt wie der menſch aus dem kloß der erden gemacht / alſo muß er auch ſo fern er auß der erden herruͤhret / dahin wieder geleget / vnd der erden wieder gegeben werden / auch wol der deutung wegen vnd bildung auff die aufferſtehung / davon Chriſtus Johan. 12. im 24. verſickel. Warlich warlich ich ſage euch / ſpricht Chriſtus / es ſey denn daß das weitzen korn in die erde falle vnd ſterbe / ſo bleibet es alleine / wo es aber erſtirbet / ſo bringet es viel fruͤchte. Vnd Paulus noch deutlicher 1. Cor. 15. ꝟ. 36. vnd nachfolgenden. Du narr / das du ſeeſt / wird nicht lebendig / es erſterbe denn / vnd das du ſeeſt iſi ja nit der leib der werden ſol / ſondern ein bloß korn / nemlich wei -tzen / oder[16]tzen / oder der anderen eines / Gott aber giebet jhm einen leib wie er wil / vnd einem jeglichen von dem ſamen ſeinen leib. Alſo auch die aufferſtehung der todten. Es wird geſeet verweßlich / vñ wird aufferſtehen vnverweßlich / es wird geſeet in vnehr / vnnd wird aufferſtehen in herꝛligkeit / es wird geſeet in Schwachheit vnnd wird aufferſtehen in krafft / es wird geſeet ein natuͤrlicher leib / vnd wird aufferſtehen ein geiſtlicher leib ꝛc. Diß iſt die meinung dieſer worten fein kurtz vnd rund gefaſſet. Wie der fruͤchte ſaa - men der erden vertrawet muß werden zur fruchtbarkeit: Alſo ſollen die leichnam der menſchen / in die erden verwarlich beyge - leget gewiß vñ warhafftig wieder herfuͤr bluͤhen. Zur anzeigung welcher gewißheit ſie auch in die erde die fruchtbare mutter aller kreuter vnd gewechſe eingeſcharret / vnd danenhero wieder her - fuͤr kommen vnd auffſtehen werden. Wegen ſolcher hoffnung ohne zweifel / wie ſolches glaubens auch Abraham geweſen / auß lob der Epiſtel an die Hebræ: cap. 11. ꝟ. 19. hat auch Sara ſollen zur erden beſtetiget werden. Aber als dann / wie er Abra - ham in dem gantzen leben ſich der willigen armut hat befliſſen / daß er nichts eigenes hat vor ſich an heuſern vnnd gruͤnden ge - kaufft / hat ſich Abraham bloß muͤſſen außgeben / dieweil er nicht einen ort gehabet / da er ſeine leyche ehrlich vñ offentlich verwah - ren hat koͤnnen. Demnach wie im text es vmbſtendig vnnd weitleufftig iſt beſchriben / als daran viel gelegen / ſpricht er zu denen ſeinen leuten / die jhn als einen frembden freundlich vnd willig auffgenom̃en hatten / ſie wolten jhm noch ferner geſtattẽ / nach algemeinem heyden recht / ſeine leiche bey jhnen zuverwah - ren / welches er mit dieſen ſeinen eigenen worten alſo hat fuͤrge - bracht ꝟ. 4. Darnach ſtund Abraham auff / von ſei - ner leyche / vnd redet mit den kindern Heth / vnd ſprach. Jch bin ein frembder vnnd einwohner bey ench / gebet mir ein Erbbegraͤbnuß bey euch / daß ich meinen todten begrabe / der fuͤr mir liget. Biß hie -[17]Biß hieher die rede Abraham / zu welcher beſſerer verſtendnuß dieſes / ſo nachfolget / mag kuͤrtzlich dienen. Zu foͤrderſt die er anredet / ſind die Hethiter vom geſchlecht geweſen / herkommen von einem; der da hat Heth geheiſſen / einem Sohn Canaan 1. Moſ. 10. ꝟ. 15. Buͤrger zu Hebron der ſtadt nach / darin ſie ge - ſeſſen vnd er zuſampt Sara jhr gaſt geweſen / derer Land vnnd wohnung jhm auch erblich vnd ſeinem ſamen / zu ſeiner zeit von Gott verſprochen worden 1. Moſ. 15. ꝟ. 20. Die bittet er al - hie vmb eine eigene vnd erbliche leichſtette / mit dieſen eingefuͤhr - ten gruͤnden vnd motiven. Erſtlich / dieweil er ein frembder weh - re / denen man allerſeyts in aller Welt zu willen wehre auff jhre bitte / auch wol ohn dieſelbige / ſchuld vnnd ehren wegen. Zum andern / wegen der notturfft des begraͤbnuß / vmb der jhm ſo lie - ber leyche willen / vnd ſie jhm dieſelbige nicht als eine freye erde / ſondern vmb ſein gelt / weiches er hernach außgeboten vnd geza - let / geſtatten ſolten. Vnd zum dritten / vnd noch mehr / weil ſie jhn vnnd die ſeinige lebendig gaſtweiſe hetten auffgenommen / welches alles zuſammen bedacht / nicht anders hat wircken koͤn - nen / weder erhoͤrung vnnd gewehrung ſeiner ſo freundlichen / vnd ſo erbahren bitte. Worauff in geſtallten ſachen ſie ſich alſo bald willig alle ſampt erbotten haben / mit groſſem lob der wuͤr - den vnd perſchon Abraham / davon im 6. verſickel zu leſen (in dem ſie jhn einen Fuͤrſten Gottes vnter jhnen gennenet) vnnd bereyteſtem erbietem / jhm ſol es frey vnd vergoͤnnet ſtehen in ei - nem jhrer graͤber auch dem zierlichſtem vnd vornembſtem ſeine / wenn vnd wie er wolle / leyche zulegen vnd einverwahren. Wel - ches ferner Abraham alſo mit ehrerbietung vnd beding angenõ - men / daß er erſtlich ſich gebucket vor jhnen / vnnd damit bedan - cket / vnd benamentlich vor ſein gelt / vnd vormittelſt jhrer vnter - handlung / inſonderheit geheiſchet die zwiefache hoͤle Ephron des oberſten vnter jhnen / die jhm auch endlich alſo zuſtatten iſt worden. Wiewol ſich Ephron jhm deutlich wiederſetzet / daß er mit nichten von jhm als frembden / dafuͤr etwas nemen wolte /Cdavon[18]davon vmbſtaͤndig in der Hiſtori / vnd darauff hat Abraham / wie im ein ohn letzten / vnd letztẽ verſickel ſich befindet / ſeine Saram dahin verwahret / vnd ſolche erkauffte hoͤle / jhm vnd den ſeini - gen zu einem erblichen grabe erworben / vnd erlanget / welches meines erachtens / die ſumma iſt derſelben gantzen hiſtori / ſo fern hie dieſelbige hat ſollen bequemlich / vnnd zu vnſerm zweck dienſtlich muͤſſen eingefuͤhret werden. Daran wird nunmehro etwas mehr arbeit vnd zeit ſein anzuwenden / daß wir dannen - hero ſolche lehre herfuͤr holen / die als eigentlich auff dieſe vñ der - gleichen verſamblungen befuͤget / vnd bequem erfunden moͤgen werden. Vberdas vnd vielmehr / dieweil auch ſonſten die Hiſtori aus bloſſem anſchawen des texts ſo kundt / vnd ſo offenbahr iſt / daß ſie mit nichten von noͤthen hat / wie andere / einer muͤh - vnd langſamer erklehrung / vnd eroͤrterung. Worauff ich demnach nur alſobald dieſe lehre / E. L. wil fuͤrhalten / vnd wie die zeit mich errinnert nur an-vnd ein-vnd mit nichten / dieweil es nicht thun - lich iſt / außfuͤhren. Voran ſage ich iſt zuverſtehen auß dem ver - halten Abraham / bey vnd in dieſer handlung / daß denen auß dem Volck Gottes / vnd eben ſo wol denen auß den Chriſten / ſo in dieſem fall alle nach einer regel einhergehen muͤſſen / wil ge - buͤhren vnd geziemen / nicht allein ſich zu fleiſſigen / der gerechtig - keit vnnd eyfers im rechtſchaffenem glauben / ſondern auch der zucht / vnd des gebuͤrs im wandel gegen alle menſchen / ſo wol die todten / als die lebendigen / vñ vnter denen auch gegen die fremb - den / vnd am allermeiſten gegen dieſelbigen / daß ſo es moͤglich auch ſie ohne wort moͤchten gewonnen werden 1. Pet. 3. ꝟ. 1. oď ja verhuͤttet / damit dieſer verſeumnuß wegen / der name Got - tes nicht moͤge verleſtert werdẽ / Rom. 2. ꝟ. 24. welches wie es geſchiehet / das iſt in andern zuſammenkunfften gehoͤret worden. Worauß nothſchließlichen weiter folget / daß die im wiedrigen theil faſt wol zu rede moͤgen geſetzet werden / die beym fleiß vnd ruhm des glaubens / es ſey auch in was parthey es wolle / ſind vn - bedacht der gebuͤhr wegen / gegen die neheſten die einer ſchuldtdennoch[19]dennoch gleich ſollen gehalten werden / als auß der liebe herruͤh - rend zu den Roͤmern im 13. im 8. verſickel. Welcher liebe / wie auch der gegen ſich ſelbſten allgemeine vnnd auß der natur be - kante richtſchnur vnd regel iſt Luc. 7. ꝟ. 13. wie jhr wollet / daß euch die leute thun ſollen / alſo thut jhnen gleich auch jhr. Darzu noch ferner iſt herzuholen / die rede Chriſti zu den Juden / die ſich faͤlſchlich ruͤhmeten / daß ſie Abrahams kinder wehren / Johan. am 8. im 39. verſickel. Weret jhr Abrahams kinder / ſo thet jhr Abrahams wercke / ſpricht Chriſtus daſelbſten. Folget / Abra - ham hat ſeine leiche beweinet: So wil vns auch gebuͤhren / deß - gleichen zu thun bey vnſern leychen / damit vns herwieder ein gleiches geſchehe nach vnſerem todte vnd abſterben. Abraham hat ſich freundlich vnd ehrerbietig gegen die frembden erwieſen / die jhm mit wolthaten vñ freundtſchafft gedienet haben / folget / daß vns / ſo wir kinder Abrahams ſeyn wollen / auch ein gleiches zuthun obliget. Abraham hat nichts mit abbruch des naͤheſten / zu ſeinem vortheil vmbſonſt begehret / da ers hat zahlen koͤnnen: ſo wil vns auch ein ſolchs gemuͤt gehoͤren. Abraham hat ſich ge - fliſſen der gerechtigkeit in handel vnd zahlung / vnd richtige vnd wichtige muͤntze gezalet: folget / ſo wil auch ſoches den Chriſtli - chen Kauffleuten anſtehen / das ſie thun / die frembden wahren nicht vortheilhafftig an ſich ziehen / falſche muͤntze vnterſchieben / boͤſe wagen vnd maß gebrauchẽ / vnd dergleichen rencke uͤben / die wol moͤgen reich / aber nicht ſelig machen: die wol heut uͤblich vñ gemein ſeyn moͤgen / aber nicht mit dem geſetz / vnd mit dem exem - pel Abraham / davon alhie / vbereinſtimmen / vnnd zuſammen kommen. Den kindern Gottes vnd Abrahams / die ſind eines / denen wil / wie erwieſen / ein anders gebuͤhren. Worauß folg - lich mit leichter muͤhe zuerweiſen ſtuͤnde / daß die heutigẽ Juden / als ein boͤſſer eſſig / vom gutten wein herkommend / das iſt ein vnartiges geſchlecht von den frommen Patriachen herſpriſſend / nach dem fleiſch nicht der rechte ſamen Abrahams weren / die nit weniger / als in dieſen wercken jhres vaters / des ſie ſich ruͤhmen /C ijſich vben /[20]ſich vben / auch nicht alle Chriſten / die ſich vor den ſamen Jſraelis vnd Abrahams / nach dem Geiſt außgeben / alſo ſind. Weil auch an jhnen eine vnaͤhnligkeit vnd vngleichheit mit Abraham gleich wie mit fingern kan gezeiget werden. Aber auch eingeſtellet mit mehrem von dieſem exempel zu reden: ſo haben wir weiter bey handlung dieſer Hiſtori / auff das ander exempel der Heyden / der Hethiter die augen zu wenden / als an welchen dieſes zu foͤrderſt faſt loͤblich gehalten / vnd zur nach folg fuͤr geſtellet mag werden. Daß ſie ſo willig den frembdlingen / vnnd anderwerts herkom - menden gedienet haben mit herbergung / dieweil ſie Abraham vñ Saram auffgenommen / mit erbietung jhrer graͤber / mit willig - keit zur ſchenckung eines derſelbigen / vnd mit anderer freund - vnd leuttſeligkeit / derer argument vnnd kenzeichen mit leichter muͤhe auß der Hiſtory zunehmen ſindt. Hinweg hergegen mit dem ſchaͤndlichen frevel / der andern Heyden / der Sodomiter / die nit alſo ſich gegen die frembde freundlich gehalten / ſondern ent - weder die nicht auffgenommen vnter jhre daͤcher: darauff ſehen die beyde ankommende Engel in jhren worten 1. Moſ. 19. ꝟ. 3. Oder ſie zu jhrem vnflaͤtigem willen mißbrauchet / im 5. ver - ſickel daſelbſten / vnd nur auch darumb Loth gequelet / dieweil er beydes frembd vnd gerecht geweſen 1. Moſ. 19. ꝟ. 9. vnnd 2. Petr. 2. ꝟ. 8. Vnd wolte Gott daß keines der laͤnder / ſtaͤtte / vñ oͤrter mehr zu nennen were / da vnter andern laſtern auch dieſes faſt geſpuͤret wird / daß man leicht die frembden gering helt / vnd jnen vnguͤttlich vnd vnfreundlich ſich bezeuget: Welches wie es zuwieder iſt / dem jtzo alhie geruͤmbten exempel / dieſer heiden der Hethiter: alſo / welches noch wol mehr iſt zubedencken / iſts auch entgegen / dem geſetz vnd der weiſe Gottes / der von jhm ſelbſten ſaget 5. Moſ. 10. ꝟ. 18. daß er lieb habe die frembdlingen / vnd ſolche liebe damit thaͤtlich bezeuge / daß er jhnen kleider vnd ſpei - ſe gebe. Darumb ſpricht Gott ferner / ſolt auch jhr die Fremb - lingen lieben: deñ jhr ſeyt auch fremblinge geweſen inEgypten - land. Niemand gedencke hiebey / daß Gott die kleider vnd ſpeiſevmb der[21]vmb der frembden willen herab regnen laſſe vom himmel: ſon - dern er hat ordnung vnnd geſetz gegeben / der frembdlingen we - gen / denen man alſo dienen ſolte / wie er gebotten / vnd ſo es alſo geſchiehet / ſo kompt es vrſpuͤnglich von jhm / vnd iſt alſo dahero ſeine liebe gegen dieſelbige zuerkennen / vnnd mit der nach folge außzudrucken. Noch mehr / weil ein jeglicher / jhm ſelbſten in der frembde weyland auch alſo gerne hat dienen / vnnd guttes thun laſſen. Aber davon moͤgen wenig verſtehen heimgewach - ſene neſt-kinder / hette faſt rinder doͤrffen ſagen / die ſollen es demnach goͤttliches gebotts wegen / billich ins werck richten / wiewol ſie vnwiſſent ſind des hertzens / wie einem das beſchaf - fen iſt / wenn einer inder frembde weilet / vñ mangel leydet. Gott ſey lob / daß ſich deßwegẽ die frembden kaum gegen dieſes ort zu beklagen haben / denen aber herwider zu thun ſtehet / nach dem exempel Abraham / ſich friedlich / freundtlich / vnd gerecht / mit jhren wirten vnnd wolthaͤtern zubegehen vnd zubegegnen / daß genugſam iſt / angedeutet zu ſeyn / wiewol es nicht außgefuͤhret mag werden. Jnſonderheit aber / iſt dieſes wol auß zudruͤcken / daß wie man ins gemein / den frembden bey jhrer notturfft dien - ſte iſt ſchuldig / alſo vnter andern dieſe Namhaffte / in jrer kranck - heit ſie zupflegen / noch mehr / wenn ſie gantz todt ſind jhrer war - zunemen / vnd in vnſere erde auffzunehmen Luc. am 10. Lobet der HErr Chriſtus / die gutthat des Samariters / an dem fremb - den verwundeten / vnnd ſaget / daß wir deßgleichen thun ſollen: ohn zweifel wird er auch hievon alſo ſagen / gehet hin vñ thut al - ſo / wie die Hethiter gethan haben / die Abraham bey jhnen ein begraͤbnuß geſtattet. Dieweil die noth eines todten frembdlingẽ groͤſſer iſt / weder eines krancken / als welcher jhm gar nicht hel - fen kan / er hat jhm auch ſein ruhbette vnnd ſtelle / nicht mit neh - men koͤnnen / ſondern muß daſelbſten liegendt bleiben / wo er iſt nieder gefallen / wie ein baum im Prediger am 11. cap. ꝟ: 3. Gebe GOtt / das ſolches bey allen fuͤrfallenden gelegenheit - ten / als ein vornemes werck der barmhertzigkeit / ſo den kindernGottes[22]Gottes anſtendig iſt / von vns geuͤbet / vnd ins werck moͤge voll - zogen werden. Wozu / damit ich zum ende gelangen moͤge / noch eines auß dieſer hiſtory / vnd handlung / mit Sara vnd A - braham zu mercken. Jſt dieſes das ich / wenn ich die frage herfuͤr gebracht werde habẽ / wil hinzuthun / vnd alſo folglich dieſer pre - digt vnnd erklehrung / den ſchlus anfuͤgen. Alſo mag gefraget werden / wenn Abraham vnd Sara ſeyn reicher geweſen / da ſie gelebet / oder ſie todtes nunmehro verblichen? Das iſt die frage. Die antwort iſt / vnd was dabey zu mercken / das Abraham vnd Sara / wiewol ſie reich geweſen / in jrem leben / doch am reichſten nach jhrem todte geworden. Da ſie Sara im eigenem erkaufften begraͤbnuß / vnd alſo auch Abraham hernach gewohnet / geruhet vnd geweylet. Denn ſonſten hat Abraham in huͤtten gewohnet / als ein reyſender Hebr. 11. nicht ein fuß braͤit eigenes ge - habt / im Lande das jhm dennoch iſt erblich verſprochen Act. 7. ꝟ. 5. Nur das erbbegraͤbnuß / das er alhie gekaufft / vnd das hernach / da er es beſeſſen / vnnd bewohnet / ſein eigen geweſen. Wolten / wolten gleicher maſſen / geliebete zuhoͤrer / die reichen auß ewrem mittel wiſſen / was jhr eigenthumb eigentlich wehre / deſſen ſie am meiſten werden beduͤrffen vnd geniſſen / ſo ſolten ſie berichtet werden / es wehre nicht jhr gelt / darauff warten ins ge - mein die erben / bereit beyzeiten / vnd noch fuͤr der zeit / nicht die kleider die ſie haben / die werden jnen ab-vnd außgezogen / nit dz hauß vnd pallaſt / darin ſie weylandt im leben gewohnet haben / darauß werden ſie außgetragen / ſondern der ſtein / den ſie in der kirchen haben / vnnd das erbbegraͤbnuͤß da ſie ruhen ſollen vnnd wohnen werden / weit lenger wie ſie in jhren erbawten haͤuſern geweylet / oder vielmehr gewallet haben. Darumb ſind die faſt klug vnd reich / die nach dieſem ſo groſſem reichtumb trachten / erſtlich / nach des textes ſin / 1. Tim. 6. daß ſie nahrung vnd klei - dung haben: vnd zum andern nach dem exempel Abraham / daß wenn ſie ſterben / eine kammer vnter der erden haben moͤgen / da ſie moͤgen beygeſetzt vnd geduldet werden. Araham hat nichthaͤuſer /[23]haͤuſer / vnd liegende gruͤnde gekauffet vor das geldt / das er den - noch hat allezeit gehabet bey ſich / ſondern nur ein eignes begraͤb - nuͤß. Das iſt ſein eigen geweſen / vnd aller menſchen / ſo ſie etwas eigenes hie haben koͤnnen / hernach das ander iſt oben da vnſer vatterland vnd Erbſchafft iſt / dahin vns Gott helffen vnd fort - helffen wolle / wenn wir vnſer lebẽ / es wehre lang oder kurtz / wer - den ſelig geendet / vnd zuvoran Chriſtlich in gebuͤhr gegen Gott vnd menſchen / in liebe vnd dienſten gefuͤhret haben. Amen.
HJerauff iſt noch hinderſtellig ruͤhmlicher weiſe zuberichten / von der ankunfft vnd lauff des Le - bens / der nunmehr ſeeligen vnd weyland Chriſt - lichen Matron / welcher zu ehren / vnd dem Her - ren Witwer zu troſt / wir alhie vns meiſtentheils verſamlet. Vnnd aus eingeliefferter verzeichnuß / vnnd eigener kundt - ſchafft mag ich dieſes kuͤnlich lautbar machen / vnnd nach der warheit ſelbſten zeugen vnd abkuͤndigen. Erſtlich iſt jhrer der Edlen vnd vielEhrentugendreichen vnd albereit ſeeligen Frawen Barbaræ anſehnliche / vnnd wuͤrdige an - kunfft / nicht weniger zugedencken / denn zuruͤhmen / als die zum H. Vater gehabet / den Edlen / Ehrnveſten / Hochacht - bahren vnd Hochgelarten Herrn JohanFriedrich Schroͤ - tern / in der Philoſophy / Artzney vnd Juriſterey rechtſchaf - fen befoͤrderten Doctorn / der auch ſeiner fuͤrtrefflichen ge - ſchickligkeit wegen / mit der wuͤrden eines Comitis Palati - ni begabet iſt worden / vnnd ſonſten allezeit von maͤnnig - lich auch hohen Perſonen / ſo ſeine dienſte geſuchet / aller ehren ruhms vnd anſehens werth gehalten worden. Wie auch nicht minder wuͤrden geweſen / jhr ſeeliger H. Groß - vater / der auch Edle / Ehrnveſte / Hochachtbare vnd Hoch - gelarte Herr Johan Schroͤter / Ferdinandi des erſten / Roͤ -miſcher[24]miſcher Kaͤyſerlicher Mayeſtet / Leib-Medicus, Comes Palatinus, vnnd Profesſor Publicus der Vniverſitet inn Wien / welcher viel Privilegia / der loͤblichen Vniverſitet zu Jena / auch ſonſten vmbſonſt geſucht / zum beſten er - langet / wie denn des ortts ſein gedechtnuß / in muͤndtli - chem ruhm vnd anſehnlichen Epitaphio faſt bekandt iſt / zugeſchweigen anderer jhrer wuͤrdigen Voraͤltern vaͤterli - cher ankunfft / die doch / wie bekandt an andern oͤrtern / mit Tugent gezieret / vnd der Welt ehrlich vnd dapffer zu dien - ſten vnnd beſſerung weyland geweſen. Jhre auch ſeelige Fraw Mutter iſt geweſen / die Edle vnd vielTugendthaffte Fraw Barbara / Herrn Eliæ Vogels Magiſtri artium, Se - cretarii, vnnd endlich Buͤrgermeiſters in der Churfuͤrſtli - chen Saͤchſiſchen Reſidentz Stadt Dreßden / wolbekandt vnnd wolverdienet / eheliche Tochter / die des tages juͤngſt in Jena ſeelig iſt verſchieden / wie dieſe jhre Tochter alhie - ro wegen anfallender ſchwachheit / ſich hat zu bette bege - ben muͤſſen. Von dieſen jtzo / wie billich geruͤhmbten El - tern / iſt dieſe Chriſtliche Matron / zu Jena / im Jahr Chri - ſti 1585. den 6. Jenner / gebohren / hernach Chriſtlich vnd tugendthafft erzogen / vnnd folglich / nach Goͤttlicher ſchi - ckung ehelich heimgegeben worden / dem jtzo alhie gegen - wertigen nunmehro faſt trawrigen Wittwer / dem Edlen / Ehrnveſten / Hoch - vnd Wolgelahrten Herrn Petro Kir - ſtenio, beruͤmbten Medico, Philoſopho, vnnd der Mor - genlaͤndiſchen ſprachen faſt vornehmen / vnd bekanten be - foͤrderer / welches geſchehen im Jahr Chriſti 1603. den letzten Octobris / dem zu ſchonen ſeiner zucht vnd trawrig - keit / muß ich maͤſſiger von der verluſt / ſeiner tugenthafften Haußfrawen reden / weder ich der warheit nach wol koͤnte. Wiewol ich zeugen muß / er habe die kranckheit vnd das ende ſeiner / numehro ſeeligen / nicht allein als ein Chriſt ge - duldig getragen / ſondern als der natur kuͤndig vorabgeſe -hen / vnd[25]hen / vnd ſich dagegen geruͤſtet. Er ſelbſten der Herr Witt - wer gieber ſeiner verlohrnen / geliebten / das zeugnuß / daß ſie ſich ehrerboͤtig gegen jhm / weißlich gegen die Kinder / (derer acht / er von jhr gezeuget hat / davon ein Sohn Jo - han Peter / vnd zwo Toͤchter / die aͤlteſte Petronia Barba - ra / vnd die Juͤngſte Anna Maria noch im leben /) ehrbahr gegen die Welt / mitleidig gegen die notduͤrfftigen / zuͤchtig gegen ſich ſelbſten / vnd in ſumma Chriſtlich / Gottſelig vnd beſcheidentlich / in den 28. Jahren / in welchen er mit jhr ehelich zuſammen geweſen / gelebet vnnd verhalten. Wo man auch aus dem verhalten zu ende des lebens / vormuth - lich ſchlieſſen kan / wie einer ſich / im Chriſtlichen lauff zu - voran angeſtellet / ſo bin ich ſchuldig von jhr zu zeugen / ſie muß ſeyn gewohnet geweſen / andaͤchtig jren Gottesdienſt zuverrichten / eyfferig zu beten / vnd fleiſſig / vnd nach ſinnig Gottes wort anzunemen / wie aus dieſen ſtuͤcken iſt zuerſe - hen. Newlich wie ich erfodert / jhr das H. Sacrament ſol - te darreichen / ſo hat ſie ſich mit mercklicher Andacht dazu geruͤſtet / mit zaͤhren vnnd ſehnen mir nachgebettet / willig vnd willigſt / mit auffgehaben augen vnd haͤnden vor alle jhre beleydiger / mit den worten des HErrn Jeſu gebeten / vnnd inſonderheit ſich beweget erwieſen / da ich jhr dieſe worte / zu troſt in jhrer ſchwachheit vnd vnmuth zugeſpro - chen / Seyd getroſt Fraw Doctorin / der rechte Artzt iſt Je - ſus / der der Seelen hꝛlfft / von der noth der Suͤnden / dem leibe auch aus dem todt / vnd der iſt ewer rechter HErr vnd Ehemann / der euch nicht abſtirbet / vnd jhr jhm auch her - wieder nicht abſterben koͤnnet / denn Er hat ſich mit euch verlobet in ewigkeit. Wie er geſaget / Hoſeæ am 2. Mer - cket in ewigkeit; Da ſaget ſie / Sehet doch / das iſt wahr / in ewigkeit / in ewigkeit / ſo iſt Er mein / vnd ich ſein / vnnd meines Herren Artzt vnd HErr / vnd meiner Kinder Vater /Dvnd vn -[26]vnd vnſer aller rechter Doctor / dem kein Patient / Fraw o - der Kind / oder Diener / der an Jhn glaͤubet / kan ab - oder entſterben. Saget ſelbſten / ſind das nicht weiſe reden / daraus ich jhre vernunfft / vnnd andacht / vnnd bewegnuß hab ſpuͤren vnd mercken koͤnnen. Chriſtus Jeſus der in jhr liecht hat gewircket / da es am verſtand / vnd leben hat wol - len finſter werden / der wolle auch in vns ſein wort vnd vn - ſeren Glauben liecht ſeyn laſſen / daß alle / die vnſere bekent - nuß hoͤren / ſich frewen / vnnd Gott vnſeren himliſchen Va - ter / preyſen moͤgen / wie ich es alhie bey einer ſolchen gele - genheit gethan habe / vnd thun muͤſſen vnd ſollen. Noch mehr iſt befunden / vnd erkandt worden / daß ſie biß zu ende jhres athems / in ſolcher andacht vnd Gottſeliger vorhal - tung / bey wehrender jhrer kranckheit verblieben / biß ſie Gott zu ſich / nach 14. taͤgiger kranckheit / abgefodert / den 5. Martij dieſes Jahrs / im 46. Jahr jhres alters / vnd le - bens. Abermahl iſt zugedencken / daß E. L. an dieſer nun - mehro ſeeligen Perſohn / ein exempel deſſen hat / was zum eingang von dem vnverhofften lauff des menſchlichen le - bens angedeutet iſt worden. Jn Jena / uͤber hundert mei - len von hinnen / iſt ſie zur welt gekommen / dieſelbige nun - mehr ehrengedachte Fraw Barbara. Zu Breßlaro hat ſie ein gut theil jhres lebens mit jhrem Herrn zuſammen zuge - bracht / vnnd wie der von dannen / ſeiner vrſachen halben verreiſet / vnd letzlich anhero ſich vmb dieſe Stadt zuver - dienen / wie er ſeiner Cur wegen an andern oͤrtern auch ho - her wuͤrden perſohnen ſich werth gemacht / herkommen / iſt ſie jhm erfodert nachgereyſet / vnnd hie iſt ſie von Gott nieder geleget / vnnd von vns in vnſeren graͤbern / wie ziem - lich / vnnd denen ruͤhmlich / ſo es aus freundſchafft / vnnd Chriſtlicher ſchuld gethan haben / auffgenommen. Nie - mandt gedenck / er wiſſe alles vorher / was jhm begegnenwerde[27]werde. GOtt allein ſind ſeine wercke / voranhero alle be - wuſt / dem Menſchen keine / oder wenig / oder vermuthlich / oder nicht nach allen vmbſtaͤnden / Jhm ſey ehre deßwe - gen gegeben / dem befehlen wir die ſeelige Leyche / daß Er jhre gebeine verwahre vnd dermahl eins zur ererbung des himmelreichs / wie derumb lebendig mache / vnd zuſammen fuͤge. Den Herrn Witwer / zur troͤſtlichen auffrichtung vnd folglicher erfrewung / die hinterlaſſene Kinder zum ſchutz / vnd vns ſelbſten / zu einem ſeeligen ſterbſtuͤndlein vmb Chriſti Jeſu willen. Abermahl AMEN.
à VIDUO MOESTISSIMO.
Dab: hoc honori piè defunctæ Gregorius Franck M. Doct. Phyſicus BresI. ordinarius.
CASPAR CUNRADUS Phil. & Med. D. Breslæ.
Anim. condol. f. Vratisl. Caſpar Titius. Ph. & M. D.
Condol. ergò ſcrib. Bresl. Paulus Müncerus. D.
Gerbrandus Hajo. Doct. Medicus Dantiſcanus.
benevol. ſingularis & condol. gratiâ, fac. & ſcrib. David Rheniſch Wratisl. ad S. Elizabet Eccleſiaſtes & Profesſor, ibidemq́;, quod eſt Judicii Eccleſiaſtici adſesſor.
Samuel Næranus.
Amicitiæ & honoris cauſâ ſcrib. Gedani Joachimus Magirus Profesſor P. in Academiâ Francofurtanâ.
M. Elias Major Vratislavienſis, Poëta Laur. Cæſ. Gymnaſii Patrii Rector.
Baſilius Czölner G. Th. ProR.
ἐκ καιροῦ ἔγραψεν Jeremias Tſchonder, Philofoph. M.
Condol: facieb: Daniel Franck, Curiar: Reipub: & Ducatus Vratisl. Ad - vocatus ordinarius & Juratus.
Chriſtianæ condolentiæ cauſâ F. M. Adamus Büthnerus. P. L. C. in Dantiſcanor. Propugnaculo Paſt.
ex optimo erga optimum & Clarisſimum Dn. Viduum adfectu, lubens lugens fundebat raptim Wratisl. Elyſiorum, Chriſtoph. Schwartzbachius L. L. P. L. Cæſ.
Συμπαθείας & παραμυθίας ἔνεκα mente turbatâ ita acclamabam Johannes Cosſius Inclytæ Reipubl. Dantiſc. Medicus.
Affectum ſuum, Amoremꝙ́ veterem declaraturus, ſeſe συμϖαϑὴς offerebat Godofridus Wagner Vratisl. Gymnaſii Eliſabethici (quod ibidem) Cantor & Collega.
Συμπαϑείας ergò ſcbbt M. Michaël Cœlius Gartzio Pomeranus, Gym. Eliſab. P.
Joannes-Georgius Mœreſius.
M. Henricus Cloſius, Scholæ Eliſab. VVratisl. Collega.
ſ. à Melchiore Oſtio Lygio, Gym - naſii Vratisl. Collega. P. Cæſ.
Hermannus Cajus, Mulhuſ. Thuring: L. L. Stud.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
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