PRIMS Full-text transcription (HTML)
CATECHJSMVS - MJLCH / Oder Der Erklaͤrung deß Chriſt - lichen Catechiſmi /
Achter Theil /
Vber Das vierte Hauptſtuͤck von dem Einſatz deß Heil. Predigampts / und dem Sacrament der heiligen Tauff Auß St. Matthei Cap. 28. . 18 / 19 / 20. und St. Marcl Cap. 16. . 15. 16.
Straßburg /Gedruckt und verlegt durchJohann Friderich Spoor. ANNO MDC LXVI.
DEDICATIO.

Dem Durchleuchtigen / Hochgebornen Fuͤrſten und HERRN / HERRN Leopold Ludwig / Pfaltzgrafen bey Rhein / Hertzogen in Baͤyern / Grafen zu Veldentz / ꝛc. Seinem Gnaͤdigen Fuͤrſten und Herꝛn / Wuͤnſchet von dem Hertzog deß Lebens / JEſu Chriſto / gluͤckſelige Regierung / langes und gutes Leben / ſampt allem Fuͤrſtlichen Segen in irꝛdiſchen und himmliſchen Guͤtern / hie zeitliches und dort ewiges Wolergehen / Vnterthaͤnig Gebets gefliſſener Johann Conrad Dannhawer / der Heil. Schrifft Doctor, Profeſſor bey der Univerſitaͤt Straßburg / und daſelbſt deß Kirchen-Convents Præſes.

D und warum ein glaubiger / außer - waͤhlter / rechtſchaffener Chriſt einem edlen / lebendigen / fruchtbahren und geſegneten Baum vom Heil. Geiſt in den Schrifften der Propheten und Apoſteln verglichen wor - den / ſonderlich in dem erſten Pſalm Davids; Daſſelb und darum hat der teutſche Prophet und beſteA 2.AußlegerDEDICATIO. Außleger der H. Schrifft Lutherus in etlichen Commentarien und Schrifften ans helle Tags-Liecht gelegt / und angezeigt / daß der Glaub der innerliche Safft ſey / auß welchem die edlen Glau - bens-Fruͤchte entſpringen / und daher den Glauben ſelbſt einem Baum verglichen / auß welchem alle Tugenden als Fruͤchte ge - zeuget und gezielet werden. Seine Wort lauten alſo Tom. 1. lat. in Ep. ad Galat. pag. 449. f. 2.

Spiritus h. l. non Spiritum S. ſignificat ſed ſpiritualem homi - nem, ut ſit antit heſis, opera carnis, fructus ſpiritus. Caro arbor mala, proferens ſpinas & tribulos: ſpiritus arbor bona, proferens uvas & ficus. Item carnis opera, non fructus: Spiritus fructus, non opera vocat. Cur hoc? nempe quod opera carnis non ſint utilia, quia ſpinis & tribulis nemo frui poteſt, ſed ſunt opera mala, tantum nocentia. At opera Spiritus proſunt & frui illis poſſumus in æternum, ſunt fi - cus & uvæ terræ promiſſionis, rectè ergo fructus nomine commen - dantur. Das iſt: Geiſt bedeutet allhier nicht den heiligen Geiſt / ſondern den geiſtl. Menſchen / damit ein Gegenſatz ſey zwiſchen den Wercken deß Fleiſches und den Fruͤchten des Geiſtes. Das Fleiſch iſt ein arger Btum / ſo Dorn und Diſteln traͤgt / der Geiſt aber iſt ein guter Baum / ſo Trauben und Feigen bringet. Jene nennet er nicht Fruͤchte / ſondern Wercke deß Fleiſches; dieſe Fruͤchte und nicht Wercke deß Geiſtes: Warum das? nem - lich daß die Wercke deß Fleiſches kein nuͤtz ſeyn / weiln niemand der Dornen und Diſteln genieſſen kan / ſondern ſind boͤſe und nur ſchaͤdliche Wercke. Aber die Wercke deß Geiſtes nutzen und koͤnnen wir derſelben in Ewigkeit genieſſen / ſind Feigen und Trauben deß gelobten Landes / werden derohal - ben recht und wol Fruͤchte genennet. Tom. 3. lat. in Eſa. 61. p. 429. Et vo - cabuntur in ea fortes juſtitiæ, plantatio ad glorificandum & vocabuntur arbores juſtitiæ & plantatio Domini in gloriam. Eſt pulcherrima figura, quæ con - tinet inſignem conſolationem, quod Chriſtiani, coram Mundo con - tempti, neglecti, infirmi; coram DEO ſint ceu paradiſus & jucundiſ - ſimæ arbores, quæ de die in diẽ propagentur & uberius proveniant & fructificent. Mundus habet etiam hortos ſuos, in iis ſunt arbores injuſtitiæ, ergo non ſunt conferendæ cum Chriſtianis. Præterea hoc etiã hæc ſimilitudo ſignificat, quod Chriſtianus non fit ſed naſcitur; non paratur humanis viribus ſed plantatur manu divinâ. Chriſtus enim hortulanus eſt, & Chriſtiani ſunt opera meræ gratiæ, qui per verbũ eradicantur ex horto Mundi, & transferuntur de Mundo in a -liamDEDICATIO. liam vitam. Quod autem addit, Plantatio Domini in gloriam ſignificat ſacrificium Chriſtianorum, quod non mactabunt pecudes ſed glori - ficabunt factorem ſuum. Sunt enim arbores, in quarum ſingulis foliis literæ ſunt ſcriptæ, Ago tibi gratias Domine, confiteor tibi Domine & c.

Das iſt: Es werden die Gerechten / Baͤume der Gerechtigkeit / und Pflan - tzen deß Herꝛn zum Preiſe / genennet. Jſt eine ſehr ſchoͤne Figur oder Wort - blum / welche groſſen Troſt in ſich haͤlt / daß die von der Welt verachte / ver - laſſene / ſchwache Chriſten vor GOtt wie ein Paradieß und als die luſtig - ſten Baͤume ſeyn / welche von Tag zu Tag fortgepflantzet / und alſo deſto reichlicher herfuͤr wachſen und Frucht bringen. Die Welt hat auch ihre Gaͤrten / aber in denſelben ſind Baͤume der Ungerechtigkeit / derowegen ſind ſie mit den Chriſten nicht zu vergleichen. Uber diß bedeutet auch dieſe Gleichnuͤß / das ein Chriſt nicht gemacht / ſondern geboren / nicht durch menſchliche Kraͤffte bereitet / ſondern durch Goͤttliche Hand gepflantzet wird. Dann Chriſtus iſt der Gaͤrtner / und Chriſten ſind lauter Gnaden. Werck / welche durchs Wort aus dem Garten der Welt außgewurtzelt und von der Welt in ein ander Leben verſetzet werden. Daß er aber hinzu ſetzet Pflantzen deß HErꝛn zum Preiß / bedeutet der Chriſten Opffer / daß ſie nicht Vieh ſchlachten / ſondern ihren Schoͤpffer preiſen werden / dann es ſind Baͤume / auff welcher jeglichen Blaͤttern dieſe Wort geſchrie - ben: Jch dancke dir HERR / Jch preiſe dich HERR / und dergleichen. Tom. 1. Isleb. p. 13. f. 2. Chriſtus ſagt: Ein boͤſer Baum traͤgt keine gute Fruͤchte. Ein guter Baum traͤgt keine boͤſe Fruͤchte. Nun iſts offenbar daß die Fruͤchte nicht den Baum tragen / ſo wachſen auch die Baͤume nicht auff den Fruͤchten / ſondern die Baͤume tragen die Frucht / und die Fruͤchte wachſen auff den Baͤumen. Wie nun die Baͤume muͤſſen ehe ſeyn dann die Fruͤchte / und die Fruͤchte machen nicht die Baͤume weder gut noch boͤſe / ſondern die Baͤume machen die Fruͤchte: Alſo muß der Menſch in der Perſon zuvor fromm oder boͤſe ſeyn / ehe er gute oder boͤſe Werck thut / und ſeine Werck machen ihn nicht gut oder boͤſe / ſondern er macht gute oder boͤſe Werck. Tom. 4. Witt. p. 95. Es ligt aber alles darin / daß man verſtehe / was er gute oder boͤſe Baͤume und Fruͤchte heiſſet / dann es iſt bald geſagt / das iſt eine Feige / oder eine Diſtel / ein guter Apffel / oder ſaure Schlehen / und mit den Augen und Vernunfft leicht zu ſehen und verſtehen. Aber da es Chriſtus hinzeucht / iſt es unmuͤglich ohn allein durch geiſtlichen Verſtand nach Gottes Wort / zu oͤrtern; Dann wir haben droben gehoͤret / wie dieſelbigen falſchen Lehrer bringen ſolchen Schein und glatte Wort / daß die Ver -A 3nunfftDEDICATIO. nunfft nicht vermag zu richten / noch ſich kan dafuͤr huͤten / ja es iſt eben ſolche Lehre und Leben / die aus der Vernunfft gewachſen und ihr gemaͤß iſt / und uns natuͤrlich wolgefaͤllet / weil ſie von unſerm Eigenthum und Wercken lehret / ſo wir verſtehen und vermoͤgen. Das heiſt aber kuͤrtz - lich / ein guter Baum / ſo gute Fruͤchte bringet / der da lebt und ſein Leben und Wandel fuͤhret nach Gottes Wort / rein und lauter. Alſo ſind dieſe Wort (an ihren Fruͤchten ſolt ihr ſie erkennen) zum Wahrzeichen geſetzet / und zum Ziel geſteckt / darnach man ſie richten und kennen kan. Wer - den wir aber betrogen / ſo iſts niemand dann unſere Schuld / dann er hat uns nicht in Zweiffel gelaſſen / ſondern duͤrꝛ und klar abgemahlet / koͤnnet ihr ſie nicht urtheilen (ſpricht er) fuͤr den ſchoͤnen Schaffs-Kleidern / ſo mercket nun auff ihre Fruͤchte und Wercke / ob die rechtſchaffen und gut ſind? Ja (ſprichſt du) wie kenne ich dieſelbigen? moͤgen doch dieſelbigen auch wol triegen. Antwort: Du weiſt ja was Gottes Gebot ſind / da ſihe ob ſie nach denſelbigen gehen. Dann ich wil dir gewiß Buͤrge dafuͤr ſeyn / daß kein Rottengeiſt kommen wird / er ſolls ſo verſigeln und ein Stanck hinter ſich laſſen / daß man ſehe / daß der Teuffel da geweſen ſey: und iſt auch noch nie kein falſche Lehr und Ketzerey auffkommen / ſie hat das Wahrzeichen mit ſich gehabt / ſo er hie zeiget / daß ſie andere Werck auff - geworffen haben / dann GOtt geboten und verordnet hat. Daß nun die Welt verfuͤhret wird / kommt nirgend her / dann daß ſie der tollen Ver - nunfft folget / und laͤſſt Gottes Wort unter der Banck liegen / achtet nicht / was er gebeut / ſperret dieweil die Augen auff nach den Larven / wo ſie nur etwas ſeltzams ſihet. Tom. 12. Witt. p. 327. Wo die Lehre unrein und falſch iſt / kan der Glaub nicht recht und rein ſeyn / wo der Glaube nicht recht iſt / da koͤnnen keine gute Fruͤchte oder gute Werck ſeyn / ſie gleiſſen wie ſie wollen / wie der HErꝛ ſagt Matth. 12. Setzet den Banm und ſeine Fruͤchte gut / oder ſetzet den Baum faul und ſeine Fruͤchte faul. Und cap. 7. Ein guter Baum bringet gute Fruͤchte / ein boͤſer Baum bringet boͤſe Fruͤchte. Es iſt alles um die Lehre zu thun / wo die recht iſt / ſo iſt alles recht / Glaube / Werck / Leben / Leyden / gute und boͤſe Tage / Eſſen / Trin - cken / Hungern / Duͤrſten / Schlaffen / Wachen / Gehen / Stehen / ꝛc. Wo die Lehre nicht recht iſt / da iſts umſonſt / alles verlohren / und alles gaͤntz - lich verdammt / Werck / Leben / Leyden / Faſten / Beten / Allmoſen / Kap - pen / Platten und was der Paͤbſtlichen Kirchen Heiligkeit mehr iſt. Tom. 1. Isleb. p. 160. f. 2. Daß aber der Glaub den Wercken wird fuͤrgezogen / iſt das die Urſach: Der Menſch zuvor ehe er gute Werck thut muß er gerecht ſeyn / ſonſt thut er kein gut Werck / dann es ſtehet alles unbeweg -lich /DEDICATIO. lich / alles das nicht aus dem Glauben kommet / iſt Suͤnde / Rom. 14. die - ſe Gerechtigkeit geſchiehet allein durch den Glauben / dann der Glaub iſt der Anfang dieſer Gerechtfertigung. Das gehet alſo zu / wann Gott den Menſchen etwas verheißt oder zuſagt / als Seligkeit (dann der da glaubt und wird getaufft ꝛc. Marc. 16.) und / der Menſch erwartet ſolche gewiſſe Zuſagung / wirfft ſein Gemuͤth und Sinn darauff / glaubet kraͤfftiglich / es ſey ihm um ſeinet willen geſchehen / ſtehet in ſolcher Zuſagung Gottes ſo feſt / daß er gaͤntzlich daran keinen Zweiffel hat / dann ſo er zweiffelt / ſo iſt es aus / wie droben geſagt. Et ib. p. 161. Es iſt unmuͤglich / wo der Glaub recht iſt / daß die Fruͤchte oder Werck nicht ſolten folgen / das iſt aber wahr / der Menſch zuvor ehe er gute Werck thut / muͤſſe er gerecht ſeyn / dieſe Ge - rechtigkeit wuͤrcket allein der Glaub. ib. Tom. 1. Isleb. p. 172.

Kein Werck iſt boͤſe / daß den Menſchen moͤge verdammen / auch keins ſo gut / das den Menſchen moͤge ſelig machen / ſon - dern allein der Glaub macht uns ſelig / und der Unglaub ver - dammet uns. Alſo machet einen niemand fromm / dann der Glaube / und nichts machet einen boͤß / dann der Unglaube / daher ſagt auch der HErꝛ / daß der Baum abgehauen ſol wer - den: Er ſpricht nicht man ſol die Fruͤcht abhauen. Darum Werck der Liebe machen mich nicht fromm / ſondern allein der Glaube / in dem ich dieſe Werck thue und dieſe Fruͤchte trage. Alſo muͤſſen wir an dem Glauben anfahen. Der Pabſt aber faͤhet an den Wercken an / und heiſt gute Werck thun / daß man fromm werde / gleich als wann ich zum Baum ſpreche / wilt du ein guter Baum werden / ſo hebe an und trage Aepffel / gleich als moͤg ich Aepffel tragen ehe ich ein Baum ſey / ſondern ich muß ſagen / wilt du Aepffel tragen / ſo hebe an und werde ein Baum / alſo muß der Baum ſeyn zuvor / ehe er Fruͤchte gewinnet.

Wie es nun ein groſſer Unverſtand und Unſinn / ein blin - der Jrꝛthum und Thorheit waͤre / wann irgend ein Gaͤrt - ner oder Gartenmann wolte Fruͤchte bauen vor der Pflan - tzung deß Baums / oder auch zeitige Fruͤchte von den areolis Laͤndern oder Boden erfordern / und hoffen / ehe und dann erdenDEDICATIO. den Baum recht auffgerichtet / geſetzt und befeſtiget. (Sintemahl der erſte Ertz-Gaͤrtner der Allmaͤchtige GOtt in ſeinem Para - dis und Luſt-Garten zu erſt die Baͤum gepflantzet / daß ſie aller - hand Fruͤchte und Obſt tragen / machen und gebaͤren ſollen / ein jeder nach ſeiner Art) Alſo wuͤrde auch der jenige geiſt - liche Garten-Mann und Lehrer der Kirchen das ὕςερον πρότερον ſpielen / das hinderſt zum forderſten handeln / und wie man ſagt / die Pferde hinter den Wagen ſpannen / wañ er wolte gute Werck heiſchen / ohn vorhergehende Gruͤndung deß wahren Glaubens: jederman / wer dergleichen ſihet und hoͤret / wůrde fragen / ob ſol - cher Mann noch bey geſunden Sinnen?

Dennoch hat dieſe letzte und aͤlteſte Welt / nachdem ſie ein - mahl in ihrem hohen Alter ins delirium gerathen und ange - fangen zu fabeln / aus unzeitiger Liebe / einen ungoͤttlichen / fleiſchlichen / hoͤchſtgefaͤhrlichen Religions-Frieden neben an - dern neuen Fuͤnden und Mahometiſchen Zwangs-Mitteln / auch dieſen Fund der umgekehrten Gartnerey auff die Bahn zu bringen ſich nicht entbloͤdet. Nicht genug war es daß man deß HErꝛn Gebet das heilige Vatter Unſer verkehret / die Bitt ums taͤgliche Brodt / darunter auch der Frieden be - griffen / der Bitt um die Heiligung deß Goͤttlichen Namens / Vermehrung ſeines Reichs und Erfuͤllung ſeines Willens vorgeſetzet / und im Werck ſelbſt alſo beten und ſagen gelehrt: Dein Nam iſt ſchon geheiliget / dein Reich iſt kom - men / dein Will iſt geſchehen / das iſt / wir ſind hei - lig und vollkommen / duͤrffen keiner Suͤnden Vergebung noch Schutz fuͤr Anfechtung mehr / gib nur Brodt und Fried zu unſern Zeiten. Wie ſolchen Faulwitz ſchon zu ſeiner Zeit wahrgenommen und ent - decket der theure Lutherus Tom. 6. Witt. im Betbuͤchlein f. 129. Sondern es wollen auch die Fruͤchte der Gerechtigkeit deßwahrenDEDICATIO. wahren Chriſtenthums und gute Werck zuvor exigirt und er - friſchet werden / ehe man die Gerechtigkeit ſelbſt / den Grund deß wahren Chriſtenthums / die Wurtzel der rechten guten Werck deß wahren ſeligmachenden Glaubens erbauet / be - ſaͤfftiget / dargeſtellet / dermaſſen befeſtiget und verwahret / daß er durch keinen widrigen Wind / Sturm und Wetter luck und wanck gemacht werden koͤnne. (o)Daher man vor der Zeit im Pabſtthum (ſind abermahl Luthe - ri Wort Tom. 7. Witt. p. 450.) das Evangelium nicht anders wu - ſte zu predigen / dann daß man darauß lernen ſolte Exempel und gute Werck / und hat unſer nie keiner ein Evangelium gehoͤrt / das zu Troſt dem Gewiſſen / zum Glauben und Trauen auff Chriſtum gezogen waͤre / wie es doch billig ſeyn ſolte.Solcher Art ſind noch heutigs Tags die Homiliæ und Predigten aus Ba - bylon / ſo nach und nach / und ſonderlich Jeremiæ Drexelii des beruͤhmten Lojoliten Schrifften außgeflogen / auch die Poſtillen und muͤndliche Predigten der Reformirten / (welche zeitlich gemerckt / wie gut es ſey und dem Abgott-Bauch wol thue / von dem Decreto abſoluto und andern verhaßten Leh - ren auff der Cantzel zu ſchweigen / und hingegen mit den mo - ralien dem gemeinen Volck die Ohren zu krauen) und wie wollens doch an jenem ſtrengen Gerichts-Tage verantwor - ten unſere Drexelianiſche Affen / die mit ihren moralien und guten Wercken auff der Cantzel ſo viel zu ſchaffen haben / daß ſie der ſtarcken Speiß deß Glaubens druͤber vergeſſen / laſſen ihre Zuhoͤrer immer an der Milch ſaugen und carnis privio laboriren, wollen keinen falſchen Lehren und Lehrern weh thun / ſondern lieber die bewaͤrte Mittel den Grund deß Glau - bens recht zu legen und fůr aller widerwaͤrtigen Sophiſterey zu verwahren / daͤmpffen / und demnach das Cantzel-Diſputi - ren / elenchiren / durch wolflieſſende conſequentias (welche Gegentheil erkennen muß / und nicht vergebene Außflucht ſu - chen / mit jenem der die Articul ſeiner Verjicht geſtanden / und doch die conſequentz deß Richters; Ergo ſoltu vom LebenAchter Theil. BzumDEDICATIO. zum Tod hingerichtet werden / nicht paſſiren laſſen) den Eiſſen recht zu ruͤhren / nicht allein fuͤr ſich ſelbſt Scheu tragen / ſon - dern auch andern verleiden / in Summa / die Fruͤchte erzwin - gen wollen / ehe ſie den Baum gnugſam gepflantzet / geruͤttelt und geſchuͤttelt / oder auch die geſunde Fruͤchte recht abgebrochen und abgeſchelet; da doch um ſo viel ſtaͤrcker und eyfferiger ob dem Glauben / der einmahl den Heiligen fuͤrge - geben / zu kaͤmpfen waͤre / als groͤſſern Schaden der Jrꝛ - thum deß Glaubens der Chriſtlichen Kirchen zu thun pflegt; Wovon abermahl Lutherus zuhoͤren:

Tom. 1. lat. p. 396. Malum fidei in optimis moribus facit - reticos, ſu perbos, ſchiſmaticos, quos ſcriptura proprie im pios Hebr. Reſchaim vocat. Mali mores, peccatores faciunt ſalva fi - de, ſaltem aliorum, h. e. non impugnant fidem, etſi etiam ſciunt ſe non habere & debere, ideo ſunt facilè curabiles. Malum autem fidei, mox etiam criminatur & perſequitur fidem aliorum, ut ſuam ſtatuat. Das iſt: Das boͤſe deß Glaubens machet Ketzer / hoffaͤrtige Sectirer / welche die Schrifft Gottloſe / auff Hebreiſch Reſchaim neñet. Boͤſe Sitten machen Suͤnder ohn Verletzung deß Glaubens auffs wenigſt der andern / das iſt / ſie fechten den Glauben nicht an / ob ſie ſchon wiſſen / daß ſie ſelbigen nicht haben oder haben ſollen / derohalben ſind ſie ja leicht zu recht zu bringen. Aber das boͤſe deß Glaubens ſchaͤndet und verfolget auch gleich anderer ihren Glauben / damit er den ſeinen beſtaͤtige.(o)Es gehet hiermit zu (Tom. 4. Witt. p. 357.) Gleich wie ein Buͤr - ger in einer Stadt kan zweyerley Suͤnde an ſeiner Obrigkeit begehen / als daß er ſeinem Buͤrgermeiſter ungehorſam iſt / und wider ſeinen Befehl thut und damit in ſeine Straffe faͤllet / aber doch bekennet daß er unrecht daran gethan habe. Damit iſts alſo gethan / daß man noch kan ſcheiden dieſe zwey Jus & factum, Recht und Gehorſam deß Rechten / oder wie wir hie ſagen / Lehre und Leben / dann ſolcher Ubertretter oder Ungehorſamer / dennoch das Recht bekennet und laͤſſet das Gebott ſtehen. Wann er aber wolte zufahren und ſich wider das Gebott legen / und ſolch Recht nicht leyden / wolte nicht unrecht gethan haben / ſondern das ſelbſt noch dazu ver - theidigen / das waͤre viel ein anders / und hieſſe nicht ein Ungehorſam oder HautUber -DEDICATIO. (o)Ubertrettung / ſondern ein Auffruhr und crimen læſæ majeſtatis, als der ſich ſtracks wider die Obrigkeit ſetzet / und das Recht wegſtoͤſſet und wil ſelbſt Recht ſeyn. Darzu gehoͤret nicht eine ſchlechte Straffe / Meiſter Hanſen / ſondern daß ſich die Erd uͤber ſolchem auffthue und ihn verſchlin - ge / wie Corah / ſampt Dathan und Abiram Num. 16. Alſo thut auch die Rotte der Widertaͤuffer / uͤber die H. Tauffe / als die freventlich wider Got - tes Ordnung ſtreben / und dafuͤr ihnen ein anders machen / da gehoͤrt kein Schwerdt noch zeitliche Straffe zu / ſondern der Teuffel ſelbſt und ewig hoͤlliſch Feuer. Tom. 6. Witt. p. 447. Wer am Glauben narret und irret / der muß an allen Worten / Wercken / Sinn und Gedancken narren und irren / wie St. Paulus ſpricht Tit. 1. Es iſt den Unglaubigen nichts rein / ſondern unrein iſt beyde ihr Sinn und Gewiſſen.ſtultè ſapiunt. Dieſe Leute ſind nicht einfaͤltig! Solcher maſ - ſen ſchonen ſie ihres Hirns / entledigen ſich ſchweren Laſtes / die controverſien und Religionsſtreitigkeiten eigentlich und nicht bloß von hoͤrſagen / oder mit fremden Augen / zu erkundigen / gruͤndlich und kraͤfftig zu widerlegen / aus allen Bibliſchen gnugſam außgewirckten Texten das rechte Marck per locos proprios aus zu ſaugen und in Troſt - und Tugend-Lehren zer - flieſſen zu laſſen: ſuchen unterdeß Menſchen-Tag und Pfaf - fen-Ruh / treiben die moralia, ruͤhmen die blinde idiotiſche Wi - dertaͤufferiſche Einfalt / wollen die Leute fromm machen ohn die rechte Wurtzel der Froͤmmigkeit; ut vulgo placerent quas fe - ciſſent fabulas. (*)Stellen Chriſtum dar als einen bloſſen Wegweiſer und nicht den Weg ſelbſt. (Luth. Tom. 7. Jen. p. 61.) Ob man gleich ſolche und der - gleichen Spruͤche von dem rechten Wege fuͤhret / und die Leute ſo weit bere - det / daß ſie es laſſen recht und wahr ſeyn / ſo kompt doch Meiſter Kluͤgel / ja der Teuffel ſelbſt mit der ſpitzigen Vernunff / und wil der Sachen helffen / daß ſie ja ihre Beywege erhalte / und dieſe ſchoͤne Spruͤche matt mache / uñ gibts alſo fuͤr / es ſey alſo zu verſtehen / daß Chriſtus habe uns gegeben gute Lehre und Gebot wie wir thun und leben / Jtem gute Exempel / denen wir folgen ſollen / und wann wir ſolches halten und thun / ſo treffen wir den rechten Weg gen Himmel ꝛc. Machen aus Chriſto einen lautern Moſen / der nicht mehr dann von unſerm Thun und Wercken ſagt / und auff uns ſelbſt weiſe. Darum huͤte dich fuͤr ſolchem ſchaͤndlichen und verfuͤhrli - chem Geſchwaͤtze und Triegerey / ſo dir Chriſtum allein als einen Werck - Lehrer fuͤrhaͤlt / als hab er uns nichts mehr gelehret und gezeigt / dann wieKompt endlich an ſtatt eines fruchtbarenB 2wirDEDICATIO. (*)wir leben und was wir thun ſollen / dann davon kunt er nicht heiſſen der Weg / ſondern waͤre nicht mehr / dann ein Creutz oder Marter am Wege / ſo da wol weiſet / wo der Weg iſt / oder wie man gehen ſol / aber ſelbſt nicht fuͤhret noch traͤgt. Dann ob er gleich viel lehret und zeiget wie wir leben ſollen und ihm nachfolgen / wie er gethan und den Weg gegangen hat / ſo waͤre es damit noch lange nicht gethan noch gegangen. Das Exempel iſt wol koͤſtlich / aber uns viel zu hoch / daß wir ihm ſelbſt folgen koͤnten / zu dem / hab ich geſagt / daß unſer Werck und Thun alles noch gehoͤret in die - ſes Leben. Aber das Gehen und der Weg / davon man hie redet / iſt nicht mehr dieſes Lebens / ſondern ein Gang und Sprung / dadurch man muß treten und uͤberkommen in jenes Leben. Darum iſts hie gleich als wann ich vom Lande an ein Ufer kaͤme / da die Straſſe und gebahnter Weg auff - hoͤret / und ich eitel Waſſer fuͤr mich ſehe / und nicht hinuͤber koͤnte / noch mich darauff wagen duͤrfft / ich haͤtte dann feſte gewiſſe Steg oder Bruͤ - cken / oder jemand der mich uͤberfuͤhret / da waͤre mir nichts geholffen / ob man mir ſchon zeigt wo ich hin muͤſte / ſo es doch alles unwegſam waͤre / und niemand mir koͤnte hinuͤber helffen / ſolte ich aber hinuͤber kommen / ſo muͤſte ich etwas haben / darauff ich ſicher tretten und mich verlaſſen moͤch - te / daß michs gewiß tragen wuͤrde. Alſo gehets hie auch / wann es gilt aus dieſem Leben durch den Tod in jenes zu kommen / da hoͤret mehr zu / dann unſer Leben und Thun / wie gut es immer ſeyn kan / dann da bin ich und aller Menſchen Werck und Vermoͤgen viel zu ſchwach zu / daß es mir koͤnte helffen / die Suͤnde zu tilgen / GOtt zu verſuͤhnen / den Tod zu uͤber - winden / ꝛc. Darum ich alsdann einen andern gewiſſen Grund / oder feſte und ſichere Steg und Bruͤcken muß haben / die mich uͤbertragen / das iſt nun allein dieſer JEſus Chriſtus / der da ſoll allein der Weg heiſſen / da - durch wir in jenes Leben und (wie er ſagt) zum Vatter kommen / ſo wir mit feſtem Glauben an ihn hangen.Baums und deſſen Fruͤchte nichts anders herauß als faul Zuͤndholtz / ſo bey Nacht einen Schein von ſich gibt / ohne Le - ben / Safft und Krafft; anſtatt der wahren Marck-Kern - und Hertzens-Tugen den lauter Affenwerck / ſo in der bloſſen imita - tion der Heiligen beſtehet (ſo machts Mahometh /) uͤberreden die Leut / Chriſti Evangelia ſeyen myſteria und Geheimnuͤſſen / ſo ſchwer zu verſtehen / der Alcoran gehe leichter ein; Sol - cher maſſen iſt im Pabſithum der eingeflochtene und blinde Glaube ein Heiligthum worden: So hat man das ſchwere Predigen gering / das zur Augenfuͤll angeſehene leichte Meſ -ſen -DEDICATIO. ſen-Werck groß gemacht und hoch erhoben / unterdeß weltli - che Prælaturen verwaltet / und durch die blinde Lieb die Kloͤſter / der Faulkeit zum Vortheil / ſampt koͤſtlichen Baſiliken erbauet. Sic charitas ædificabat!

Mittelſtraß die beſte was! Nach dem der Sathan jen - ſeit aus der ſcienz ein Inflat oder Unflat gemacht / und die edel - ſte Diſputir-Kunſt ſchaͤndlich mißbraucht / ſo legt er ſich jetzt auff die ander Seite / und wil die Chriſtenheit von der rechten purificirten Wiſſenſchafft ab - und zur blinden Liebe wenden / und wie oben erwehnet / lehren die Fruͤchte bringen ohn den Baum. Darum das Mittel zu erwaͤhlen / den Wurtzel-Safft - und Kraffthabenden Glauben feſt zu pflan - tzen / und aus deſſen lebendiger Bewegung das menſchliche Hertz zu aͤndern und zu erneuern / den liebreichen Glauben und glaubreiche Lieb zu befoͤrdern / in dieſen letzten gefaͤhrli - chen Zeiten / hochnoͤthig.

Weil ſo gethanes Mittel zu treffen ich mir ſonderlich in dieſer Catechiſmus-Lehr (deren vorigen Theil ich gern beſſer poliren / limiren, auß feylen und ſchleiffen moͤchte / wo Zeit und Muß es zulaſſen wolten) hab laſſen angelegen ſeyn / zu aller - forderſt den rechten wahren Glauben gruͤndlich zu ſetzen / und folgends aus demſelben beydes fructus Evangelicos & legales heilſame / ſafftige / Evangeliſche Troſt - und Gott wolgefaͤllige nůtzliche Zucht - und Tugend-Fruͤchten zu erzielen: Als laſſe ich zu gleichem End dißmahl auch dieſen achten Theil herauß kommen / fuͤrnemlich dem Teutſchen Chriſtlichen patrioten und Biedermann damit zu dienen / denſelben nicht immer an der Milch hangen zu laſſen / ſondern auch ſtarcke Speiſen fuͤr zu tragen / wider alle Anfechtungen ſich (nicht nur zu naͤhren / ſondern auch / zu wehren. Chriſtus (ita Auguſt. tractat. 98. in Joh.) crucifixus & lac ſugentibus eſt, & cibus proficientibus, das iſt: der gecreutzigte Chriſtus / iſt eine Milch-Speiſe den Saͤuglingen / und auch zu - gleich eine ſtarcke Speiſe den gewachſenen. Gleich wie in der Natur / vermittelſt der concoction in dem menſchlichen Leibe / die zarte flieſſende Milch in hartes / dickes und ſattes Fleiſch ver - wandelt wird: Alſo ſoll es auch auff gewiſſe Weiſe in der geiſt - lichen Seelen-nahrung geſchehen. Darum ſich deſto weniger zu verwundern / daß dieſer gegenwaͤrtige achte Theil / wieB 3auchDEDICATIO. auch die vorigen den Namen der Catechiſmus-Milch getragen und behalten / dieweil dieſe ſtaͤrckere Speiß aus der Milch erwachſen und durch einen leichtern methodum der Gleichnuͤſſen / Exempeln / ſonderlich aus den Schrifften Lu - theri (mit welchen ich dieſe Predigten gewůrtzet und durch - geſpicket / als in denen ich mehr Geiſt / Liecht / Nachdruck / Safft und Krafft als in allen Drexeliis, Granatenſibus, Schere - ris, Scultetis, Neubergeris, &c. gefunden) herauß gezogen wor - den / und daſſelb in Teutſcher verſtaͤndlicher Mutterſprach / abermahl nach dem Exempel Lutheri / deſſen hocherleuchteten Mannes Worte ich hie mir eigen mache die er fuͤhret / Tom. 7. Witt. l. von guten Wercken pag. 67. f. 2. Wolte Gott ich haͤtte einem Laͤyen mein Lebenlang mit allem mei - nen Vermoͤgen zu der Beſſerung gedienet / ich wol - te mir genuͤgen laſſen / Gott dancken / und gar wil - lig darnach laſſen alle meine Buͤchlein umkom - men. Jch wil einem jeden die Ehre groſſer Ding hertzlich gerne laſſen / und mich gar nicht ſchaͤmen / Teutſch dem ungelehrten Laͤyen zu predigen und ſchreiben / wiewol ich deſſelbigen wenig kan / duͤnckt mich doch / ſo wir bißher und fort mehr uns deſſel - bigen gefliſſen haͤtten und wolten / ſolte der Chri - ſtenheit nicht eines kleinen Vortheils mehrer Beſ - ſerung zugewachſen ſeyn / dann aus den hohen groſ - ſen Buͤchern und Quæſtionen in den Schulen unter den Gelehrten allein gehandelt.

Daß aber unter E. Fuͤrſtl. Gn. meines gnaͤdigen Fuͤrſten und Herꝛn Hochloͤblichſten Nahmen / ich dieſe meine einfaͤltige Gedancken / uͤber das vierte Stuͤck deß Chriſtlichen Catechiſmi / publiciren und außfliegen laſſe / da - zu hat mich bewogen und gleichſam magnetico tractu gezogentheilsDEDICATIO. theils Dero hochberůhmte brennende Eyfer in Fovirung der Lauterkeit in Religions - und Glaubens-Sachen / die Raritaͤt der ſolidirten Erkantnůß / und Rettung der reinen und ge - ſunden Lehr / und derſelben Gegenwehr / ſonderlich aber die hertzliche und beſtaͤndige Devotion in Ubung der wahren Gottſeligkeit und darauß flieſſenden rechten Gottesdienſt / alſo daß der nicht irren ſolte / welcher (was von den Chriſtloͤbl. Kayſern / Conſtantino M. Euſebius l. 4. vit. Conſt. c. 17. ſchrifftlich hinterlaſſen (ἐν τοῖς βασιλέιοις) in ipsâ eum regiâ for - mam Eccleſiæ conſtituiſſe, ac (ἐυχὰς ἐνθέσμους) preces ordi - narias cum univerſâ aulâ ibi congregatâ ad Deum fudiſſe: Er hab in ſeinem Koͤniglichen Schloß die Form einer Hauß-Kirch angerichtet / und daſelbſt taͤgliche Bett - ſtunden ſampt allem ſeinen Hoffgeſind gehalten; Und was von Theodoſii deß juͤngern Hoffhaltung Socrates erzehlet l. 7. hiſt. c. 22. ſein Koͤniglich Hauß ſey einem Cloſter / (ἀσκητηρίῳ) darin man heilige und Gottes Wort ge - maͤſſe Ubungen gepflogen / aͤhnlich geweſen) von Ew. Fuͤrſtl. Gnaden wol regulirten Hoff / und in denenſelben florirenden Gottesdienſt / ruͤhmen / ſagen und ſchreiben wuͤr - de. Jn zuverſichtlicher Hoffnung / es werde dieſe gegenwaͤr - tige geringe Papierne Beylag daſelbſt nicht unwillkommen ſeyn koͤnnen / wo Gottſeligkeit wohnet / und dero Jnſtrumenta oder Ubungs-Mittel genehm gehalten / und namentlich auch die vorigen Theil der Catechiſmus-Milch / geleſen werden. Theils aber auch die unverdiente gnaͤdige Fuͤrſtl. Affection / die gegen meiner unwuͤrdigſten Perſon eine lange Zeit bißher geleuchtet / in vielfaͤltigen gnaͤdigen Begruͤſſungen / auch ſchrifftlichen eigenhaͤndig / und in Lateiniſcher Sprach con - cipirten monumenten, ſampt / durch dero Herꝛn Hoffpredi - ger und Dienern / mehrmal bezeugten Verlangen zu einiger naͤ - hern Præſentz / Conjunction und Geſpraͤch (welches letzteredie -DEDICATIO. dieweil mein Alter und obliegende einheimiſche Ampts-geſchaͤfft nicht zulaſſen wollen) als hab bey Ewr. Fuͤrſtl. Gn. ich auff Ezechiels Wagen (welcher typus in gegenwaͤrtigen ach - ten Theil und in demſelben verfaſſten Apoſtoliſchen Außgang in die gantze Welt hinauß / dilucidirt und im Werck ſelbſt darge - ſtellt wird) hiemit erſcheinen / und mit dem Geiſt / der mir aus Gnaden von Chriſto gegeben iſt / meine geringfuͤgige Præſentz leiſten wollen.

Ubergebe alſo Ewr. Fuͤrſtl. Gnaden hiemit in tieffſter Reverentz und unterthaͤniger Neigung beſagten achten Theil / Deroſelben zu Beharrung in angefangener Fuͤrſtl. Gnad und maͤchtigen patrocinio mich gaͤntzlich ergebend / auch fle - hentlich und inniglich bittend / die Goͤttliche Allmacht / wolle Ewr. Fuͤrſtl. Gnad. Perſon / Fuͤrſtl. Gemah - lin / Fuͤrſtl. junger Herꝛſchafft und Fraͤulinen / ſampt gantzem hohen Stammen / mit immerwaͤh - renden leiblichen Segen in irꝛdiſchen / geiſtlichen in himmli - ſchen Guͤtern / erfreuen / und das Fuͤrſtliche Hauß unter ſich wurtzeln / und uͤber ſich Frucht tragen laſſen; zu fernerer un - terthaͤnigſter Schuldigkeit / in ſtarcker Gebets-Pflicht unauß - ſetzlich bleibender

Ewr. Fuͤrſtl. Gn. Den 31. Martii Anni 1666. unterthaͤniger Fuͤrbitter und Diener.

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Eingangs-Predigten / Vber Das vierdte Hauptſtuͤck deß Chriſtlichen Catechiſmi / von dem H. Predig-Ambt und Sacramenten ins gemein.

TEXTVS.

St. Johann. Capitel. 19. v. 34 / 35 / 36 / 37. DEr Kriegs-Knechte einer oͤffnet ſeine (deß HErꝛn JEſu) Seiten mit einem Speer / und alsbald gieng Blut und Waſſer herauß. Vnd der das geſehen hat / der hat es bezeuget / und ſein Zeugnuͤß iſt wahr: Vnd derſelbige weiß / daß er die Warheit ſaget / auff daß auch ihr glaubet. Dann ſolches iſt geſchehen / daß die Schrifft erfuͤl - let wuͤrde / ihr ſolt ihm kein Bein zerbrechen. Vnd abermahl ſpricht ein ander Schrifft: Sie werden ſehen in welchen ſie geſtochen haben.
Vnd in der 1. Epiſt. St. Joh. Cap. 5. v. 7 / 8 / 9. DRey ſind die da zeugen im Himmel: Der Vater / das Wort / und der H. Geiſt: und die drey ſind eins. Vnd drey ſind / die da zeugenAchter Theil. Aauff2Die erſteauff Erden / der Geiſt / und das Waſſer / und das Blut / und die drey ſind beyſammen. So wir der Menſchen Zeugnuͤß annehmen / ſo iſt Gottes Zeugnuͤß groͤſſer. Denn Gottes Zeugnuͤß iſt das / daß er gezeuget hat von ſeinem Sohn: Wer da glaubet an den Sohn Gottes / der hat ſolches Zeugnuͤß bey ihm.

Die erſte Predigt / Von Der Quell / aus welcher Waſſer und Blut in die H. Sacramenta gefloſſen / nemlich der heiligſten und heilſamſten Wunde / der eroͤffneten Seiten JEſu Chriſti.

GEliebte in Chriſto. Was Chriſtus / der geiſtliche Seelen ja Blut-Braͤutigam / ſeiner ſo theur erkaufften und erworbenen Sulamithin / der Chriſtlichen Kir - chen / ja einer jeglichen glaubigen Seelen gantz freund - lich zugemuthet und geſagt Cantic. 8, 6. Setze mich wie einen Siegel auff dein Hertz / und wie ei - nen Siegel auff deinen Arm. Gleich wie eine ehrliche / keuſche / lieb - habende Braut und Hertzens-Freundin ihres Braͤutigams Geſchenck / Ge - maͤhld feyrlich hoch und werht haͤlt / deſſen Ring / Arm-Band / Bildnuͤß / ſtaͤ - tig an ihrem Hertzen / auff der Bruſt / an Armen und Fingern traͤgt / ſeiner(*) lib. de Finib. nim̃er zu vergeſſen; Ein danckbarer diſcipul ſeines Meiſters / von dem er was rechtſchaffens gelernet (wie Cicero (*) von den diſcipuln und jungen Schuͤlern Epicuri ſchreibt /) wie ein Vaſall, ein Soldat / ein Hoff-Diener / Characterem Regium (Aug. lib. 1. contra Creſcon. cap. 30.) den Gna - den-Pfennig / das Bildnuͤß / Bruſt-Bild und Bruſt-Schild / an ſeiner Bruſt nah beym Hertzen pflegt zu tragen / damit zu prangen / und ſeine un - terthaͤnige aflection und beſtaͤndiges Gedaͤchtnuͤß bezeugt. Alſo ſpricht der HErr ſeine Braut um ſolchen gebildeten Siegel auch an; Setze mich / ſagt er / ſonderlich me ſignatum, mich in meiner traurigen und ſcheutzlichen ſignatur, figur und poſitur, in welcher ich von meinem Va -ter3Predigt. ter im Himmel verſigelt / von meiner Mutter der Juͤdiſchen Synagogâ auff Erden bezeichnet / mich den Verſigelten durch die Geiſſeln / und Spoo - ren verwundeten / wolbezeichneten / blutruͤnſtigen / erbaͤrmlich zugerich - teten Blut-Braͤutigam; Setze feſt wie ein liebſten Siegel-Ring / ge - treueſten Finger-Ring / wie ein koͤſtliches Arm-Band / wie ein Bruſt - Bild auff / ja in dein Hertz hinein. Jener aberglaubige abentheurer und blinde Papiſt Alex. Urſinus ein Roͤmiſcher Cardinal hats letz ver - ſtanden / von dem Cornelius à Lap. (*) ſchreibet / daß er hab pflegen ein(*) In Com - ment. ad 1. Joh. 5. p. 548. ehrnes crucifix auff der bloſſen Bruſt zu tragen / welches mit ſtachelichen Naͤgeln verſetzet war / das habe er ihm oͤffters ins Fleiſch oder Haut ge - truckt / daß das Blut herauß gefloſſen / der Meynung / den gecreutzigten HErꝛn Chriſtum durch deſto groͤſſere Schmertzen aus Liebe in ſein Hertz hinein zu drucken. Alſo jene Carthaͤuſerin Beatrix (*) hat ihr ſelbſt die(*) apud Guilhelm. Wael. in Coron. vulnet. p 28. Haͤnde durchloͤchert und durchſtochen / dem verwundeten Chriſto aͤhnlich zu werden: Wann nun dieſelbe wiederum etwas geheilet / hat ſie ſie ge - woͤhnlich alle Freytage wieder erfriſchet / und mit einem ſpitzigen eiſſern Nagel auffs neue durchſtochen. Aber μάτην, fruſtrà vergebens! der HErꝛ forderts nicht alſo / auffs Hertz / ja ins Hertz ſag ich / da will er wohnen / da ſoll man mich hinein ziehen; Gib mir mein Sohn dein Hertz / ſagt er Prov. 23, 26. als mein Sacrarium, Tempel / Schul und Bet-Hauß

Nim mich in dein Arme /
Daß ich warme
Werd von Gnaden.

in die Arm wie Simeon / mein innigliche Lieb in ſtaͤtem Gedaͤchtnuͤß zu er - halten. Sit Chriſtus ſigillum in fronte, ut ſemper confiteamur; in corde, ut ſem per diligamus; in brachio, ut ſemper operemur, ut, ſi fieri poteſt, tota ejus ſpecies exprimatur in nobis, ſchreibt Am - broſius. (*)

(*) lib. de Iſaac & an. cap. 8.

Was / ſag ich / der himmliſche Braͤutigam Chriſtus ſeiner lieben glaubigen Geſpons zugemuthet / das hat ſie die außerwehlte Braut / die Chriſtliche Kirche und eine jede glaubige Seele ihr auch je und al - lezeit hertzlich laſſen angelegen und befohlen ſeyn / ihre beſtaͤndige Liebe / ihre hertzliche devotion und Andacht / ihr glaubiges Andencken zu bezeu - gen / nicht allein aͤuſſerlich den Blut-Braͤutigam in allerhand figuren, Gemaͤhlden / Bildnuͤſſen / crucifixen, das iſt / Chriſti Leyden und Sterben / ihro wol eingebildet / ihre Stirn und Bruſt mit dem H. Creutz gezeichnet /

A 2laͤngſt4Die erſte
Tertull. l. 2. ad Vxorem c. 5. cum lectulum, cum corpuſculum tuum ſi - gnas &c. Prudent. Fac cum vocante ſomno caſtum petit cubile, frontem locum - que cordis crucis figura ſignet. D. Lutherus: deß Morgens ſo du aus dem Bette faͤhreſt / ſoltu dich ſegnen mit dem H. Creutz.

laͤngſt zuvor ehe das Antichriſtiſche Papſtthum in ſeinem Schwang und hoͤchſten grad auffgekommen / und ſo hoch geſtiegen. Ibi omninò, inde Verb. Apoſt. L. 8. quo membro erubeſcitur, (ſcil. in fronte) figatur (crux) unde non erubeſcitur, ſagt Auguſtinus, das iſt / an dem Ort / wo man die Schamhafftigkeit ſpuͤren laͤſſet / nemlich der Stirn / ſoll man das Creutz machen / und bezeichnen / dadurch anzuzeigen / daß man ſich deß Creutzes Chriſti nicht ſchaͤme. Sondern auch innerlich das von St. Paulo fuͤr Augen gemahlte crucifix Gal. 3 / 1. daß Chriſtus eine Geſtalt in uns ge - winne. Sonderlich aber und fuͤrnemlich hat die glaubige Kirch dieſen ſolchen Einſatz durch das ſignaculum Sacramentale das Sacramentli - che Sigel / und in ſpecie die Verſieglung deß H. Leibs und Bluts Chriſti erzeigt / als deß edelſten Liebes-Pfands / deß ſtaͤrckſten Liebes-Bands / der reicheſten Liebes-Hand ſeinen Tod zu verkuͤndigen / excolirt und ge - uͤbet / ſo offt ein glaubige Seel zum Tiſch deß HErꝛn gegangen / und da - ſelbſt den Leib Chriſti in ſein Hertz geſetzt / und daſſelbe mit ſeinem Blut be - ſprenget. Ja gar deßwegen ein ſonderbar Mahl-Feſt und Siegel-Feur auff den hohen und gruͤnen Donnerſtag / als dem Tag / da der HErꝛ das hochwuͤrdige Abendmahl geſtifftet / daſſelbe zu continuiren biß er wieder komme / befohlen.

Darum dann auch aus Chriſtlich loͤblicher devotion und Andacht unſere Chriſtliche L. Obrigkeit bewogen worden / juͤngſthin ſolches Gruͤn - donnerſtaͤgige Sigel-Mahl-Feſt hochfeyerlich jetzt und ins kuͤnfftig zu bege - hen / und ſich alſo anderen Kirchen / ſonderlich den Saͤchſiſchen / von welchen das Evangelium ausgangen / zu conformiren / damit wuͤrck - lich bekennen / was in unſer Augſp. Confeſſion enthalten / Artic. 15. Von Kirchen-Ordnung / von Menſchen gemacht / lehrt man die jenige halten / ſo ohne Suͤnd moͤgen gehalten werden / zum theil zu guter Ordnung in der Kirchen dienen / als gewiſſe Feyr / Feſt-Tage und dergleichen. Welche Andacht wir auch billich zu ſecundiren fuͤr bequem und genehm halten / mit Luſt und Freude ſolche Gottesdienſt exerciren und uͤben / ob gleich derſelbe mit etwas Muͤ - he und Beſchwerligkeit moͤchte begleitet ſeyn / dem HErꝛn zu Ehren / dem wir auch Muͤhe gemacht mit unſeren Suͤnden.

Zu5Predigt.

Zu welchem Ende / und ſolche devotion zu ſtaͤrcken / wollen wir jetzt und ins kuͤnfftig das Signaculum Sacramentale & memoriale, welches in abgeleſener Wunder-Geſchicht uns zu betrachten vorkomt / mit GOtt / erklaͤren. Fuͤr diß erſte mahl ſeind wir entſchloſſen ſtill zu ſtehen allein bey dem erſten Phænomeno, der heilwerthen Quellen / aus welcher Waſſer und Blut in die H. Sacramenta gefloſſen. Nemlich der heiligſten und heilſamſten Wunde der eroͤffneten Seiten. Dieſelbe nun alſo zubetrachten / daß Gottes Ehre befoͤrdert / wir im Glauben erbauet und in unſer Seelen erquicket werden / bitten wir den himmliſchen Vater um ſeines guten H. Geiſtes Wuͤrckung / Gnad und Segen / Amen.

OB nun zwar wol das Wort der Wunden im Text nicht auß - getruckt ſtehet / ſo gibts doch die ὑπόνοια per ſe, der effect oder Wuͤrckung zeugt von ſeiner Urſach und Urſprung / der Waſ - ſer - und Blut-Fluß von der Quell / die Beſchreibung deß actus oder Mißhandlung deß Kriegs-Knechts (ἔνυξε τῇ λόγχῃ, er hat geſtochen mit einem Speer) redet von einer geſtochenen Wunde / dadurch das continuum ſolvirt / durch einen moͤrderiſchen Stich und Stoß. Es war vulnus laterale, ein Seiten-Wund / ein rothe friſche Wund. An welcher Seit aber? Der rechten oder lincken? Koͤnnen wir eigentlich nicht wiſſen: Wiewol wir die alte tradition Cyrilli de vul - nere cordiali ſiniſtro, es ſey ein Hertz-Stoß oder Hertzens-Wund ge - weſen auff der lincken Seiten / nicht allerdings verwerffen wollen / der Stratiot hab wollen exploriren und erblicken / ob der HErꝛ wahrhafftig tod ſeye / darum hab er das principium vitæ, oder die Quelle deß Le - bens angreiffen wollen / auff daß / ſo er noch nicht gar tod waͤre / er ihm die Schmertzen verkuͤrtzen moͤchte mit dieſem Hertz-Stich oder Stoß. Dem aber zu wider / bezeugt der Evangeliſt klar im vorhergehenden v. 33. (*) referen - te Eraſm. Schmid / in h. l. p. 757.Er ſey ſchon geſtorbengeweſen. Darum jener Chriſtliche Mahler und Controfeter Lucas Cranachius, (*) der teutſche Apelles, ihm recht gethan / daß er dem Bildnuͤß Chriſti oder gemahlten crucifix (welches noch jetzo zu Wittenberg in anteriore cœnobio Auguſti auffgehebet und zu finden) auff keiner Seiten die Wunde machen wollen / welcher auch deßwegen / da er gefragt worden / geantwortet: Er wolle warten biß die Gelehrten hieruͤber eins werden / als von welchen er noch nichts gewiſſes vernehmen koͤnnen: Bey welcher Antwort wir es auch laſſen bewenden.

Es ſey nun die Seit geweſen / welche es wolle / die rechte oder lincke / ſo iſt ſie doch vulnus apertum & hians, eine eroͤffnete / geſpaltene / fri -A 3ſche /6Die erſteſche / blutrothe Wund / wie es auch Lutherus gedolmetſcht / ein eroͤffne - te Wunde / deßgleichen auch Auguſtinus der mit dem lateiniſchen Inter -(*) Aug. Tract. 120. in Johann. prete fuͤr ἔνυξε, geleſen ἤνοιξε, aperuit, daher ſchreibt (*) er: Vigilanti verbo uſus eſt Evangeliſta, non dicit percuſſit vel vulneravit, ſed aperuit, ut illîc quodammodo vitæ oſtium apertum intelligere -(*) vid. Ri - vet. ad Eſa. cap. 53. pag. 453. & D. Gerh. ad l. Epiſt. Petr. pag. 299. confer Sennert. inſtit. Me - dic. p. 165. Luc. 1, 78. mus. Es war nicht nur vibex oder μώλωψ, (*) eine geſchlagene Beul oder Schwuͤl / wie in ſolchem general-Verſtand auch bißweilen das Wort / Wund / genommen wird. Wiewol der livor darauff gefolgt / dahin Eſaias c. 53, 5. geſehen mit dem Wort〈…〉〈…〉, welches bedeutet livorem, ulcus, aut apoſtema. Die andaͤchtigen lieben Alten haben ihre ſchoͤne Gedancken von dieſer eroͤffneten Wunde gehabt / und dieſelbe feneſtram & perſpectivam amoris divini, i. e. der inbruͤnſtigen Liebe Gottes Fenſter und Thuͤr genennet / dadurch man in die viſcera miſeri - cordiæ oder in das innerſte hinein ſehen koͤnnen und erkennen die hertz - liche Barmhertzigkeit Gottes.

Magnum, inquit Bernhardus Serm. 61. in Cantic. illud pietatis Sacra - mentum: Patent viſcera miſericordiæ Dei noſtri, quibus viſitavit nos Oriens ex alto. Quid ni viſcera per vulnera pateant? in quo enim clarius, quam in viſceribus tuis eluxiſſet, quod tu Domine Jeſu, ſuavis & mitis, & multæ mi - ſericordiæ? ()

Es war vulnus exochicum quantitate, das iſt / eine von den fuͤnff groſſen Wunden / die vor andern die L. Chriſtliche Kirch hoch ge - feyrt / davon wir noch ſingen:

Hilff uns HErꝛ GOtt aus aller Noth /
Durch dein heilig fůnff Wunden roth!

Als nemlich die Beſchneidungs-Wund / die Geiſſel. Wund / Cron - Wund / die vier ſpitzige Naͤgel. Wunden / nicht nur in beyde Haͤnde / ſon - dern auch in beyde Fuͤſſe / abſonderlich dieſe groſſe Speer-Wund.

Welche war I. Vulnus paradoxum Dei vulnerati, eine Goͤtt - liche oder Gottes Wund. O wie ſeltzam und ungereimt ſcheint dieſes der Vernunfft. Dann was kan derſelben thoͤrichter und aben - theurlicher vorkommen / als vulnus Dei oder Deus vulneratus, ein Gottes-Wund / daß GOtt ſolle verwundet ſeyn? Das iſt ein Wort / daruͤber die Vernunfft zur Naͤrrin worden. Als Alexander M. der ſich ſelbſt fuͤr einen Gott auffgeworffen / nicht mehr Philippi ſondern Jovis Sohn wolte heiſſen / und mit goͤttlicher reverentz verehret werden / und er aber einsmahls durch eine occaſion mit dem Pfeil verwundet worden /ſagt7Predigt. ſagt er: (*) Amici, hunc planè cruorem, mortalium & non Deorum(*) apud Plutarch. in ejus vita. munera ſpargunt, das iſt / dieſes mein Blut uͤberweiſet mich / daß ich ein ſterblicher Menſch / und nicht Goͤttliches Geſchlechts ſeye / die Wund macht mich ſchamroth und beweiſt / daß ich ein ſterblicher Menſch ſeye. Ein verwundeter und gecreutzigter GOtt iſt den Juden eine Aerger - nuͤß / den Heyden eine Thorheit geweſen / daran ſie ſich geſtoſſen / darum auch Paulus / da er von einem gecreutzigten GOtt und HErꝛn der Herꝛ - ligkeit gepredigt / fuͤr einen Narren gehalten worden / daher jener wilde Heyd und Jndianiſche Koͤnig Attabaliba ſagt / er wolle lieber an dieap. Benzon Sonn die nimmer ſterbe / als an einen gecreutzigten und geſtorbenen Gott glauben / wie die thoͤrichte Chriſten thun. Nun den Heyden iſts beſſer zu - verzeihen: Aber es haben auch die ſo genanten Chriſten / ſo ihrer fleiſchli - chen Vernunfft allzuwol getrauet / der alte ungeſchickte Prælat und Pa - triarch Neſtorius, und zu unſer Vaͤter Zeiten Zwinglius / und deſſelben Schuͤler / welche die allæoſin, das iſt / ein verbluͤmte Wechſel-Red / er - dacht / und das jenige Leyden und Sterben / ſo von dem Sohn Gottes und HErꝛn der Herꝛligkeit außgeſprochen worden / allein auff das Fleiſch Chriſti gezogen. GOtt verzeihe es einem noch lebenden Hollaͤn - diſchen Calviniſten Nahmens Samueli Mareſio, der in ſeinen wider mich außgelaſſenen Stricturis per ſarcaſmum Hohnsweiſe das eigene Blut Gottes nennet / ἰχὼρ Homeri, das iſt / ein Goͤtter und Goͤ - tzen Blut / davon Homerus der Poët gedichtet: Sein verwegener Schluß iſt dieſer; So wenig wahr iſt / was der Poët Homerus gedichtet von dem Blut der Goͤtter / ſo wenig ſey auch dieſes wahr / daß von GOtt wahrhafftig ohne Wort-blum koͤnne geſagt werden / er habe ſein eigen Blut vergoſſen. Der HErꝛ ſchelte dich Sathan! Nun die Naͤrrin die Vernunfft mag durch ihr Gitter lachen und hoͤnen / ſo lange ſie wolle / es wird einmahl das Lachen werden theur! Es iſt und bleibet ewig wahr / was hie unſer Hiſtori bezeugt / dann wer iſt hie angeſtochen worden? Chri - ſtus. Nach welcher Natur? Ob nach der Menſchlichen allein? Ja wohl! Das glaubt Caiphas / Pilatus / Neſtorius / das iſt kein Myſterium, kein Geheimnuͤß oder Glaubens / Articul / dann was iſt das ſeltzames oder uͤbernatuͤrliches / wann eine Menſchliche Natur oder bloſſer Menſch ver - wundet wird? geſchichts doch im Krieg taͤglich. Wehe uns wann al - lein die Menſchliche Natur gelitten / und Blut vergoſſen haͤtte / ſo waͤre die Suͤnde der Menſchen nicht ſattſam gebuͤſt / und der ſtrengen Rach-Gerech - tigkeit nicht genug geſchehen / als welche ein unendliche Straff erfordert. Sondern der Sohn Gottes ſelbſt / Gott von GOtt muſte ſich verwundenlaſſen.8Die erſtelaſſen. Den der bußfertige Hauptmann ſelbſt mit Fingern gedeutet ſpre - chend Matt. 27 / 54. Warlich dieſer (ſc. Gecreutzigte und Verwundete) iſt Gottes Sohn. Hoc fundamentum fidei, diß iſt die Grundfeſte deß ſo wohl Apoſtoliſchen als Nicæniſchen Symboli. Jſt eine lebendige Quell unerſchoͤpfflichen Troſtes / keine Neben-Lehr / die durch Schul - Gezaͤnck erweckt worden / dero wir wol koͤnten entuͤbriget ſeyn / und ſie / als zur Seligkeit unnoͤhtig beyſeit und hindan ſetzen. Wir ſprechen mit Pau - lo 1. Cor. 15. So der Sohn Gottes nicht wahrhafftig verwundet worden / gelitten und geſtorben / ſo iſt unſer Glaub eitel und nichts / ſo faͤllt das fundament und Grund deſſelben. Was kan der Menſch ge - ben / damit er ſeine (ich will geſchweigen meine und eines andern) Seel erloͤſe? Matth. 16 / 26.

II. Vulnus à Deo inflictum, ein Wund Gottes von Gott gehauen. Was iſt abermahl fuͤr der Vernunfft wunderlicher / was koͤnnt ihr ungereimter paradoxer fuͤrkommen als ein Wund von dem al - lerliebreichſten Vater ſeinem allerliebſten einigen Sohn geſchlagen! Wie ſolt es ein liebreicher Vater uͤber ſein liebflammendes Hertz bringen koͤn - nen / daß er von ſich ſelbſt ſeinem Sohn ſolte die Gurgel abſchneiden? Geſchichts in der Welt / ſo iſts ein monſtrum. Was Abraham wollen thun / das hat er aus Gehorſam gegen GOtt thun muͤſſen: Was Jeph - tha gethan / das war ein recht monſtrum ἀϛοργίας, ein barbariſche wilde unmenſchliche That. Aber daß der allerheiligſte Vater / der hoͤchſte Gott - Vater / der niemand zu Gehorſam ſtehen darff / ſeinen allerliebſten / ein - gebohrnen Sohn ſoll ſchlagen / verwunden / ja gar toͤdten / und noch darzu tugendlich und wolgethan haben / das iſt ja der Vernunfft unglaublich. Es hat zwar in der Paſſions-Handlung der Teuffel das ſeine gethan / der Menſch das ſeine / GOtt der HERR aber auch das ſeine / die alte Pa - radiß-Schlang hat ihm hie den grimmigen Verſen-Stich gegeben / und ſeinen grimmigen Zorn uͤber dieſem Schlangen-Tretter außgegoſſen undJoſeph. l. 3. Bell. c. 8. erkuͤhlet. Der Menſch der λογχοφόρος oder Speeren-Reuter / der Blut - Wut - und Schlut-Hund iſt deß Teuffels Werckzeug in dieſer ungeheuren That geweſen / der hat auch deß unſchuldigen todten Leichnams nicht ver - ſchonen wollen / ſondern mit ſeinem Speer tanquam ad metam darnach thurnieret und gezielet / gerad als wuͤrde er ein Ritter-Danck dadurch gewinnen / und der ſchnoͤden abtruͤnnigen Tochter Zion ein Augen-Luſt erwecken. Aber dieſer Speeren-Reuter iſts nicht allein / omnes nos ſumus ejusmodi crudeles λογχοφόροι, wir ſuͤndliche Menſchen ſeynd ſaͤmptlichen ſolche / die dem unſchuldigen HErꝛn Chriſto ſo viel Wun -den9Predigt. den geſchlagen / ſo viel Wund-Riß verurſacht / als viel Suͤnden wir be - gangen. Chriſtus iſt um unſer Miſſethat willen verwundet /Eſa. 53, 5. conf. Zach. 13, 5. Act. 4, 25. und um unſer Suͤnde willen zerſchlagen Eſa. 53. Was hat aber der liebe GOtt und ſeine goͤttliche Hand dabey gethan? Hat er connivo oculo mit geſchloſſenen oder blintzlenden Augen dieſer tragœdi bloß zugeſehen? O nein! Das kan er nicht / es faͤllt ja von dem Haupt der ſeinigen kein Haar ohn ſeinen Willen. An decrevit ut fa - ceret, oder aber hat ers alſo beſchloſſen zu thun? wie zwar CalvinusCalvin. ad Joh. 19. pag. 578. uͤber das 19. c. Johannis gloſſirt. Nihil, ſpricht er / FECERUNT impii Chriſti carnifices, niſi quod illius (Dei ſc. ) manu & conſi - lio decretum eſſet. Antwort: Non juſſu, non decreto prædeter - minante, er hats zwar beſchloſſen / aber nicht durch ein bloſſen urſaͤchlichen unwiderſtreblichen vorzihlenden Raht-Schluß / φε̃υ τῆς ἀσεβει̃ας! ſolte nicht einem grauſen / dergleichen horrenda von GOtt zu gedencken / ge - ſchweigen zu ſagen! Sondern judicio conſequenti ſeine Gericht zu uͤben. Ein Dieb / wann er vor den Richter gefuͤhrt das Urtheil deß Todes anhoͤ - ren muß / ſo iſt er ja ſelbſt Urſach an ſeiner Straff / dazu ihn der Richter vermoͤg der Gerechtigkeit verdam̃t / welcher es wol lieber anders ſehen moͤchte. Er der Richter iſt eigentlich nicht Urſach ſeines Todes / er ſpricht nur das Urtheil / uͤbergibt ihn dem Scharffrichter / und laͤſt ge - ſchehen / daß dieſer an ihm das Gericht außwuͤrcke. Alſo dieweil Chriſtus unſer Leiſt-Buͤrg alle unſere Wunden und Schulden auff ſich genom̃en / fuͤr uns zur Suͤnde / und unter die Ubelthaͤter gerechnet worden / und alſo unſere Suͤnde auff ſich ſelbſt getragen / als das Lamb Gottes zur Schlacht - Banck / da hats geheiſſen / den Buͤrgen muß man wuͤrgen! Schwerdt mache dich auff uͤber den Mann der mir am naͤchſten iſt! es iſt dir Pontio Pilato, Herodi, dem Speer-Reuter verhaͤngt und zu gelaſſen / zu thun nach euerm frechen Willen. Act. 4, 27. & 28. Sie haben ſich ver - ſamlet uͤber dein heiliges Kind JEſu / welchen du geſalbet haſt / Herodes und Pontius Pilatus / mit den Heyden und dem Volck Jſrael / zuthun was deine Hand / und dein Rath zuvor bedacht hat / daß geſchehen ſolt. Was dein Hand und Raht zuvor bedacht / nicht daß ſie es thun ſollen / ſondern daß es geſchehen ſolt. Actio diſplicuit, paſſio grata fuit.

Jſt das dritte Paradoxum, nemlich III. Vulnus medicinale, es iſt ein heilſame Wunder-Wund / eben ſo wunderſeltzam und abentheur - lich als die vorige. Erſtlich / eine Heyl-Wunde Eſa. 53 / 6. Quis fando audivit, wo iſt das jemahln erhoͤrt worden / daß Wund durch WundAchter Theil. Bkoͤnne10Die erſtekoͤnne geheilet werden? Die Chirurgi oder Wund Aertzt haben allerhand Mittel / dadurch ſie die Wunden curiren und heilen / es werden deren auch etliche in der Schrifft gedacht als / deß Gebaͤnds Syr. 27 / 23. der Salben / Wund-Balſam / Wund-Salben Jerem. 51 / 8. Wein und Oel Luc. 10. Das uͤbrige uͤberlaſſen wir den Medicis, und weiſen die Sach in die(*) confer D. Sennert Inſtit. Med. lib. 5. part. 2. ſect. 2. cap. 7. pag. 994. Barbir-Stuben. (*) Daß aber Wunden durch Wunden ſolten geheilet werden / iſt nie geſehen / nie erhoͤrt worden. Hie aber verhaͤlt ſichs warhaff - tig alſo. Wir ſind von Natur voller Wunden Eſa. 1. Unſere erſte Eltern ſind unter die Moͤrder gefallen Luc. 10. (in ſenſu accommodatitio) der - ſelben Wund-Wehe iſt uns allen angebohren / wir ſchlagen uns dieſelben ſelbſt / wie Cleopatra durch ihre Schlang ſich ſelbſt gebiſſen und getoͤd -(*) vid. Gottfr. Roͤm. Mon. part. 4. p. 39. tet. (*) Wir ſind gleich den Ἀυτοφόνοις oder ſelbſt Moͤrdern: Ein jegli - che Suͤnde iſt wie ein ſcharff Schwerdt / und verwundet daß niemand heilen kan. ſagt Syr. 21 / 4. Wir thuns offt aus lauter Muthwillen gleich den Marck-Schreyeren / die die Guͤte ihrer Wund - Salben zu probiren / ſich ſelbſt jaͤmmerlich ſtechen / hauen / ritzen. Und ſind ſolche Wunden ſtinckende / garſtige / heßliche / ſcheutzliche Wunden Pſ. 38 / 6. Es ſind ſchmertzliche Wunden / ob mans gleich anfangs nicht alſobald ſpuͤhrt / wie der jenige verwundete / der noch in der furi begriffen / den Schmertzen nicht alſobald fuͤhlt / aber das Nachwehe folget. Es ſindJer. 15, 18. cap. 30, 12. Syr. 21, 4. toͤdtliche Wunden Num. 21. die unheilbar ſind Jerem. 15. Kein Artzney / kein Wund-Kraut weder Nicotiana noch Serpentina mag da etwas verfangen. Wie koͤnnen und ſollen ſie dann geheilet werden? An - ders nicht / als per luitionem, ſie muͤſſen mit gleicher Muͤntz bezahlt und alſo außgebuͤſſet werden / Wund um Wund / ſo lautet das uralte Goͤtt - liche Talions-Gericht Exod. 21, 25. Wer Menſchen-Blut vergeuſt / deß Blut ꝛc. Gen. 9. Welches die Weiber Lamechs aus dem natuͤrli - chen Recht wol erkant / und deßwegen ſich gefoͤrchtet es werde dem La - mech auch nicht beſſer ergehen. Darob ſpricht ihnen der Lamech zu und ſagt: Jch hab einen Mann erſchlagen mir zur Wunden / und einen Juͤngling mir zur Beulen. Gen. 4, 23. Als wolt er ſa - gen: Was habt ihr Weiber euch deßwegen viel zu bekuͤmmern und zu be - foͤrchten / daß vermoͤge goͤttlicher Dreuung (v. 15.) dieſer meiner That hal - ben unſer gantzes Geſchlecht moͤchte geſtrafft werden? Jch hab es auff mein Verantwortung gethan / ſchlegt einer mir deßwegen eine Wunde oder Beule / er ſoll gewißlich zehen dafuͤr bekommen / Haut fuͤr Haut heiſt es. Solte nun die geſchlagene und ſelbſt gemachte Suͤnden-Wund ge - buͤſſet und außgewetzt werden / ſo muſte der Sohn Gottes verwundetwer -11Predigt. werden / Tauſch-weiſe / rantzions weiſe an unſer ſtatt / Wechſels - weiſe / Chriſtus iſt um unſer Suͤnde willen verwundet Eſa. 53 / 5. Er hat die Suͤnden an ſich / die Blut-Schulden in ſich gezogen und geſogen / wie die Naturkuͤndiger dergleichen ſchreiben von einem Vo - gel Rupica genennet / der / wann er an einen ictericum oder gelbſichtigen Menſchen angehalten und gedruckt werde / ſo werd er auch mit der Gelb - ſucht angeſteckt / davon er ſterben muͤße / dem Menſchen zur Geſundheit. Von Eduardo einem Koͤnig in Engelland liſet man / daß als derſelbe imRoderic. de Reb. Hiſp. Treffen mit einem vergiffteten Pfeil verwundet worden / die erfahrnen Medici gehalten / es koͤnne die gifftige Wund durch kein ander Mittel curirt werden / es ſeye dann daß jemand mit dem Mund das Gifft heraus ſauge. Deß Koͤnigs Diener hoͤren zwar und vernehmen ſolchen Rath der Aertzte / aber keiner wolte ſelbigen vollziehen / und ſich an die Wund machen. Was geſchicht? Da der Koͤnig ſchlaͤfft / macht ſich ohn eini - ges abſcheuen ſeine Gemahlin die Koͤnigin ſelbſt zum Bett / und ſaugt aus groſſer Lieb gegen ihrem Herꝛn dem Koͤnig / das Blut heraus / daß ſie druͤber ſterben muͤſſen / der Koͤnig aber erhalten worden. Gleicherweiß geſchichts alsdann / daß / wie uns ein frembde Schuld in Adam all verhoͤnet / alſo auch ein frembde Huld in Chriſto all verſoͤhnet; Daß Chriſti Wunden unſerige Wunden heilen und uns zur Geſundheit verhelffen. GleichwieAp. Valer. M. l. 1. c. 8. conf, Ho - dom. Calv. pag. 1032. dorten / da einer den Jaſonem Pheræum mit dem Schwerdt verletzet / er dadurch zufalls durch ſolchen Hau von einer ſonſt unheilſamen vomic oder Geſchwer befreyet / geſund und heil worden. Alſo hat das paſſions Schwerdt / welches Pilatus und ſeine Scherganten uͤber Chriſtum feind - lich außgezogen / gezucket und ihn geſchlagen / unſere Suͤnden-Geſchwer heilen und zum beſten gereichen muͤſſen.

Jn reflexion und Anſehung ſolcher heilſamen Seelen cur, ſolches Gifft-Heils / haben die lieben Alten den Wunden Chriſti herꝛliche / ſchoͤne und troſtreiche elogia ertheilet / und genennet / Apothecam, Heil-Wun - den / Heil-Balſam fuͤr die Suͤnde / Vulnus eſt, quod Chriſtus accepit; ſed medicina eſt, quam effudit, ſchreibt Ambroſius. Das iſt / Eine Wund hat zwar Chriſtus empfangen / aber lauter heilſameAmbr. in Pſal. 118. Artzney iſt heraus gefloſſẽ. Gleichwie der edle Balſamſtock wañ man ihn ritzet und gleichſam verwundet / ein koͤſtliches Balſamoͤhl und bewehrte Wund-Salb von ſich flieſſen laͤſt. Alſo iſt aus Chriſti Wunden ſein Blut / als der warhafftige alleredelſte Balſam / zu Heilung unſer ſchweren Gewiſ - ſens-Wunden heraus gefloſſen. Die gottſeligen Alten haben hiebey das(*) Jm Ev. Denckm. p. 222. Gleichnuͤß deß Pelicans gebraucht / davon wir anderswo. (*) Es iſt dasB 2Blut12Die erſteBlut aus Chriſti Wunden / Panacea, ein All-Artzney und Heil -vid. Theol. conſc. pag. 307. Pflaſter uͤber alle Schaͤden wie verzweiffelt boͤß ſie immer ſeyn moͤgen. Die alten nennens ferner einen geſunden Heil-Brunnen aus dem Propheten Zach. 13.

De latere tuo, (inquit Cyprianus Serm. de reſurr. Dom.) Domine Jeſu fons egreditur, ex hoc non ſolum ablutionis primæ, Baptiſmi ſcilicet, venas haurimus; ſed & compunctionis, & lachrymarum perennes effluunt rivi mi - ſericordiarum tuarum, & totius pietatis teſtes, quando in peccata relapſis ſe - cunda ablutione opus eſt. ()

Eine Heil-Bruſt / Vulnus uber matris.

Quot vulnera, tot ubera de cœlo plena (ſagt abermal Cyprianus ſerm. de Cœna Dom.) ſugimus, & animam noſtram precioſo Jeſu ſanguine purpura - mus, in quo exiſtit religioſa hujus potus ebrietas, per quam excedimus Deo, &, quæ retrò ſunt, obliti, ad anteriora extendimur. Suge ergò, ſuge anima mea, inquit Auguſtinus Lib. de Subſt. dilect. inhære, adhære quaſi apicula, ſume, fru - ere, immergere, replere, quia ille deficere neſcit, ſi tu non incipis faſtidire, ſi ſempiternus eſt guſtus, ſempiterna quoque beatitudo erit. Suge, inquit Bern - hardus, non tàm vulnera, quam ubera crucifixi, ipſe erit tibi in matrem, tu eris illi in filium. ()

Einen Heil-Felſen / Petræ foramina vulnera Chriſti, in his[B]ernh. Serm. 61. In Cantic. paſſer nidum ſibi, & turtur domum invenit: in his columba ſe tu - tatur, & ſecura circumvolantem intuetur accipitrem. Das iſt / die Felß-Loͤcher oder Stein-Ritzen bedeuten die Wunden Chriſti / in welchen die Voͤgel ihre Naͤſter / und die Turtel-Taub ihr Hauß findet / in denſelben wird das Taͤublein beſchuͤtzet / und ſihet ohne Gefahr den Raub-Vogel herum fliegen. Jn dieſen ſicheren Felß-Loͤchern und Stein-Ritzen / da - rein ſich ein verſcheuchtes Taͤublein ein angefochtene Seele verſtecket / kan daſſelbe alle Wetter und Raub-Voͤgel trutzen und ſicher darin bleiben Cant. 2, 14. Einen Heil-Mund / daraus Fuͤrſpruch / Verthaͤdi - gung und Erquickung entſpringet / als welches beſſer redet / dann dasAug. in 1. Ep. Joh. c. 2. Blut Abel: Tot ora, quot vulnera, quibus cauſæ noſtræ patrocine - tur, iſt Auguſtini Gleichnuͤß / da er die Wunden deß HErꝛn JEſu einem troͤſtlichen Fuͤrſprechers-Mund vergleicht / ſo viel Wunden / ſo viel redende Munde / die uns bey GOtt vertretten: Dar - um / ſagt Auguſtinus, fuͤrchte dich nicht andaͤchtige Seele / da haſtu einen advocaten und Fuͤrſprecher / der wirds auß - richten / daß du die Sache nicht verliereſt: Verlaͤſt ſich einMenſch13Predigt. Menſch in dieſer Welt auff einen beredten Fuͤrſprecher? Ey ſo traue du dieſem / du wirſt nicht zu Grund gehen. Ein Heil - Port / ein Lebens-Thuͤr / oſtium vitæ, ſo nennets abermal Auguſti - nus: (*) vigilanti verbo uſus eſt Evangeliſta, non dicit percuſſit(*) Tract. 120. in Joh. Memora - bilis hiſt. de Vraca. vid. im Denckm. p. 222. vel vulneravit, ſed aperuit, ut illic quodammodo vitæ oſtium apertum intelligeremus, das iſt / der Evangeliſt ſagt nicht / der Kriegs-Knecht habe Chriſtum geſchlagen oder verwundet / ſondern eroͤffnet / daß wir daher etlicher maſſen verſtuͤnden / es ſeye die Lebens-Thuͤr eroͤffnet.

Diß iſt alſo das Signaculum vulneris in corde, das Siegel und Denckzeichen der Wunden Chriſti. Aber was iſt Dencken ohne Gedan - cken und Andacht / was Andacht ohne Anblicken und Schau? Worauff Zacharias gedeutet Cap. 12 / 10. Sie werden mich anſehen / wel - chen jene zuſtochen haben. Jene zu vorderſt die alte Schlang Tra - gœdiarcha der Sathan / deß allerheiligſten Schlangen-Tretters aller - gifftigſte Verſen-Stecher; darnach ſeine organa und Werckzeug durch welche er geſtochen; der Stratiot, der ſein ſtachelicht Speer in Chriſti Seit umgekehrt / der gantze Schwarm und Schwahl der grimmigen und raſenden Tod-Feinde die ihn zerſtochen / Lanceâ & Linguâ, nicht nur mit dem Speer / ſondern auch der Zungen / und ſonderlich noch heu - tiges Tags / die ihn zu ſtechen mit ihren gifftigen Zungen kein Scheu tra - gen. Wer iſt unter uns / wann er hoͤrt von dieſem wuͤtenden Bluthund dem Kriegs Knecht / der ſich erkuͤhnet Chriſti Seiten anzuſtechen / daß er nicht ſolt druͤber eiffern / und wann derſelbige boͤſe Bub noch lebendig unter uns herumgienge / der nicht ſolt ihn anſpeyen und vermaledeyen? Und wir gedencken nicht / daß viel ſolcher Geſellen unter uns her wohnen und herum gehẽ / ſonderlich die blaſphemanten und Gottes-Laͤſterer. Wer iſt der nicht erſchrickt / wann er leſen ſolte / wie die Puritaner oder Bildſtuͤrmer vorzei - ten mit dem crucifix umgangen? Nach demſelben / als einer Scheibe / in die Wett geſchoſſen ꝛc. Und doch geſchicht ſolches noch taͤglich an den Menſchen als imagine crucifixi, der das Ebenbild deß gecreutzigten Chri - ſti an ſich traͤgt / und ſehen laͤſt / ſo offt er mit außgeſpañten Armen auffrecht ſtehet / wann derſelbe durch aller hand falſche calumnien und Laͤſterungen mit der Zungen als einem gedoppelten Spieß nnd zweyſchneidigen Schwerdt angedaſtet / durchſtochen und geplaget wird? Bernhardus vergleicht ſolche calumnianten oder Laͤſter-Zungen einer Lantzen oder Spieß / der in einem Stich ihrer drey verwundet oder toͤdtet; den Ver - leumbdeten / den Hoͤrenden / und den Verleumbder ſelbſt; ja er haͤlt auchB 3dafuͤr14Die erſtedafuͤr / es ſeye die Calumnia greulicher und blutduͤrſtiger als der Speer / damit Chriſto die Seit eroͤffnet worden / Fodit enim hæc quoque Chri -(*) in Ser - mone de Triplici cuſtod. ſti corpus, & membrum de membro, nec jam exanime fodit; ſed fa - cit exanime fodiendo, wie Cypriani Wort lauten / (*) das iſt / die Laͤ - ſter-Zung greifft auch Chriſti Leib an in ſeinen geiſtlichen Gliedmaſſen / ſticht nicht in den todten Leib / ſondern toͤdtet den lebendigen Leib. Con - trà im Gegentheil werden ſehen Sie / das iſt / (1.) Oculo pœnitenti, mit bußfertigen traur-thraͤnenden Augen / die rechten Marianer / denen auch per συμπάϑειαν ein Schwerdt und Speer durchs Hertz gehet. Chriſti todtes Hertz hat der Speer getroffen / aber Mariæ lebendiges Hertz hats empfunden / welche ein Bild der Chriſtlichen Kirch auch in dieſem Stuͤck geweſen. O ſelige Hertzen / die ſich bewegen laſſen im Anblick ſolcher Wun - den (wie dem Hauptmann unter dem Creutz im Anblick ſolcher Mordthat grauſet / und noch viel Volcks an ihre Bruſt geſchlagen Matth. 27 / 54.) auch mit ihnen an die Bruſt ſchlagen / und ſprechen: In me, in me lancea, in me configite tela Luc. 23, 48. Die toͤdlich verwunde - ten ſollen ſeufftzen Jerem. 5 / 52. Darum ſihe / die Zeit kompt /Vide ho - minem, quem cru - cifixiſti, vide vulnera, quæ infli - xiſti, vide latus, quod transfixi - ſti, quoniã per te, & propter te, apertum eſt, & ta - men intra - re noluiſti. Auguſtin. Lib. 2. de Symb. c. 8. conf. Luth. enim in Theol. conſc. p. 165. ſpricht der HErꝛ / daß ich ihre Goͤtzen heimſuchen wil / und im gantzen Land ſollen die toͤdlich verwundten ſeufftzen. O unſelige verfluchte Hertzen / die ſolcher maſſen nicht ſeufftzen wollen / ſon - dern perizomata Adami, Feigen-Blaͤtter auff die Wunden legen / die die purulentias oder den Eyter aus ihren eignen Suͤnden - und Seelen - Wunden nicht außbeitzen / ſondern wol gar per cauterium durch Brand - mahl ſich eniſchmertzen / das iſt / welche ihre Miſſethat unterſtehen zu be - maͤntlen und zu entſchuldigen / oder behauben / oder gar das Gewiſſen be - taͤuben. Sie werden am juͤngſten Tag ſehen mit nidergeſchlagenen Au - gen / und ſprechen / wehe uns; Aber auch recht uns!

Accideret utinàm inter nos, quod Caſp. Sanctius ad Eſa. 53. cap. memorat ex Payva, ſcribens: Quod Payva dicit Lib. 4. in defenſione Tridentinæ fidei, non longè à principio: Plurimi ex Africanis judæis, ejuratâ parentum ſuo - rum religione, relictis opibus, quas habuere copioſiſſimas in patriâ, & loco atque ordine, quem apud ſuos habuerunt ampliſſimum, amplexos fuiſſe Chri - ſtiana ſacra, adductos tùm toto hoc Eſaiæ capite, tùm maximè hoc loco, quem nunc verſamus. Nam cum illos ſæpius interrogaret Payva, quid eos in eo ca - pite adeò torſerit, ut negare non potuerint, vera eſſe, quæ de Chriſto Jeſu Dei fi - lio à Chriſtianis traduntur, illud repetebant ſemper, Muchàh Elohìm umehu - nèh, i. e. percuſſus Deus & humiliatus. Quid verò? ibid. Ipſe autem vul - neratus eſt propter iniquitates noſtras, attritus eſt propter ſcelera noſtra. Nos quidem, inquit Judæorum nomine Propheta, Deum ab illo uſque adeòfœdè15Predigt. fœdè graviterque percuſſo, propter ipſius merita pœnas illas exegiſſe arbitraba - mur, ſed noſtra ille non ſita, quia nihil unquam impium admiſit, ſcelera luebat; à noſtra ille leprâ leproſus fuit; à nobis ille labem illam fœdam contraxit; nos illum vulneravimus, quia noſtra illi peccata cauſam tanti doloris, tanti crucia - tus materiam attulerunt. confer Hermenevt. ſacr. p. 513.

Sie werden ſehen (2.) Oculo fideli, mit glaubigen Augen. Jſts Hertz recht wund / ſo ſuchts Huͤlff und Heyl / wo aber? Wo ſollen wir dann fliehen hin / da wir moͤgen bleiben? Sollen wirs machen wie Ephraim / von dem Oſeas der Prophet c. 5, 13. ſchreibt: Da Ephraim ſeine Kranckheit / und Juda ſeine Wunden fuͤhlete / zog Ephraim hin zu Aſſur, und ſchicket zum Koͤnige zu Jareb: Aber er kunte euch nicht helffen / noch eure Wunden heilen. O der ſollen wir uns dahin begeben / wohin die Blinden im Papſtthum / da man die Leute herum narret / die armen Marianer von einem Mariæ-Goͤ - tzen zum anderen / die nicht wiſſen ob ſie der H. Jungfrau Mariæ Bruͤſten

Jm Papſtthum (ſchreibt Lutherus Tom. 2. Isleb. p. 166. f. 1.) hat man von ihm (Chriſto) viel anders geprediget / und uns die wir getaufft waren / zu dem Manne mit Geſetzen und allerley guten Wercken bringen wollen / und Chri - ſtum uns fuͤr gemahlet / gleich als were er ein grimmiger Tyrann / ein wuͤtender und geſtrenger Richter / der viel von uns forderte / und gute Werck zu Bezahlung fuͤr unſere Suͤnden uns aufflegete. Wie dann diß ſchaͤndliche und laͤſterliche Bild oder Gemaͤhlde anzeiget von dem juͤngſten Tage / da man gemahlet hat / wie der Sohn fuͤr dem Vater niederfaͤllet und kniet / und zeiget ihm ſeine Wunden / und St. Johannes und Maria bitten Chriſtum fuͤr uns am juͤngſten Gerichte / und die Mutter weiſet dem Sohn ihre Bruͤſte / die er geſogen hat. Welches aus St. Bernhards Buͤcheren genommen iſt / und iſt nicht wol geredt / gemahlet oder gemachet geweſen von St. Bernhardo / und man ſolte noch ſolche Gemaͤhl - de weg thun denn man hat damit die bloͤden Gewiſſen geſchroͤcket / und den Leu - ten eingebildet / daß ſie ſich fuͤr dem lieben Heylande fuͤrchten und fuͤr ihm fliehen ſolten / gleich als wolt er uns von ihme weg treiben / und ſolte unſere Suͤnde ſtraffen. Das macht denn / daß man nicht gerne zu ihm gehet / denn wenn ſich mein Gewiſſen fuͤrchtet / ſo iſts gnug hinweg geſtoſſen / ich bedarff denn keines Jaͤgers / Leit-Hundes / oder Jagt-Hundes / Mahlers oder Treibers / daß ich von ihme gejagt wuͤrde / ſondern mein Hertz und ſchwach Gewiſſen fleuget von deme ſelbſt weg / da ich mich fuͤr fuͤrchte / die Furcht und Schrecken ſtoſſet und treibet mich ab / daß ich nicht bey ihme bleibe.

oder deß HErꝛn JEſu Wunden zu ihrem Heyl oder cur der Seelen er - greiffen wollen? daher ſich einer unter ihnen (nach langem Zweiffel ver -nehmen16Die erſtenehmen laͤſt / er wiſſe / was er thun wolle / er woll mit ſeiner rechten Hand der Mutter Bruͤſte / mit der Lincken deß Sohns Wunden ergreiffen / und die Milch mit dem Blut vermiſchen:

Lac Matris miſcere volo cum ſanguine Nati,
Non poſſum Antidoto nobiliore frui.

Jch kan / ſpricht er / kein beſſere Seelen-Artzney finden. O Blindheit! O Thorheit! Wo dann hin: Wo Huͤlff / wo Raht? Dahin wollen wir uns verfuͤgen / wo die von den gifftigen Schlangen toͤdtlich verwundete Jſraeliten in der Wuͤſten Num. 21. zu der auffgerichteten Schlangen / dem verwundeten HErꝛn JEſu am Creutz / den ſoll man im Glauben bruͤnſtiglich anſchauen / ſeine uns heilſame Wunden / da findet man das rechte Gifft-Heil wider den vergifften toͤdtlichen Schlangen-Biß der Suͤnden. En hîc λύτρον καὶ ἀντίλυτρον, hie rantzion, hie Vergebung! Hie Apothec und Seelen-Artzney / darum nehmets an / ergreiffts / ap - plicirt dieſelbe. Hie koͤſtlicher Wund-Balſam!

Jſt die Wund deß Gewiſſens zart /
Hie Balſam guter Art /
Die Suͤnd iſt der Seelen Peſtilentz /
Vnd verletzt die conſcientz,
Aber Chriſti Wund iſt die fuͤnfft eſſenz,
Die ſpricht den Abſolution-Sentenz.

Jſts Hertz wund / ſo wird es lechtzend und durſtig. Hieher / hie iſt die le - bendige Quell / ſchoͤpffet hie erquickendes Troſt-Waſſer mit Freuden! Hie ſind die ſicherſte Felß - und Stein-Ritzen-Loͤcher / darauff und darinn man ſicher ſeyn kan vor aller Gefahr Cant. 2, 14. Drum hieher geflogen und gezogen /

Gleich wie ſich fein
Ein Voͤgelein
Jn hole Baͤum verſteckt /
Wanns truͤb hergeht /
Die Lufft unſtet /
Menſchen und Vieh erſchroͤckt:
Alſo HErꝛ Chriſt
Mein Zuflucht iſt /
Die17Predigt.
Die Hoͤle deiner Wunden
Wann Suͤnd und Tod
Mich bringt in Noht /
Hab ich mich drein gefunden.

Hie os paracleticum! hie iſt der rechte Fuͤrſprechers Mund / zu dem muͤſſen wir fliehen / Gnad und Huͤlff zu ſuchen / ſonderlich wanns zum letzten Stuͤndlein komt / da unſer Mund nichts mehr ſpricht / da wirds der Mund der eroͤffneten Wunden deß HErꝛn JEſu thun.

Mein Suͤnd mich werden kraͤncken ſehr / ꝛc.

Aber ich wil doch nicht verzagen / ich will gedencken HErꝛ JEſu an deine Wunden roth / die werden mich erhalten. Jch hab zwar ſchwerlich ge - ſuͤndigt / das Gewiſſen betruͤbet / das thut mich plagen und nagen / aber darum will ich noch nicht verzagen / HErꝛ du wirſt helffen durch deine heilige fuͤnff Wunden roht.

Peccavi peccatum grande, turbatur conſcientia, ſed non perturbor. quo - niam vulnerum Domini recordator, nempe vulneratus eſt propter iniquitates noſtras, veniam meretur, pro quo Chriſtus vulneratus eſt. Bernhard. Sermon. 61. in Cantic. ()

Hie iſt die Thuͤr zum Leben / darum laſt uns hinein gehen! auff daß wir vom Tod zum Leben hindurch dringen.

Sie werden ſehen (3.) Oculo cordis grato mit danckbaren Augen. Dann wie kans anders ſeyn? Wie ſolte wol ein Menſch / ſolch ſteinern Nabaliſch Hertz haben / ein ſolch wildes Tiger-Gemuͤth / das von Tigern geſogen und erzogen / wann es dieſes alles recht bedenckt und zu Hertzen nimt / daß es nicht ſolt fuͤr Lieb wund und kranck werden / dancken / lieben und loben / ſingen und ſagen:

Nach dir iſt mir
Gratioſa cœli roſa
Kranck und glůmment /
Mein Hertz durch Liebe verwundet!

Vnd daher aus Lieb ſolcher Liebes-Flam̃ willig ſeyn / alles zu lieb und zuge - fallen thun / was ein ſolcher hochverdienter Blut-Braͤutigam wuͤnſchet und begehret / lieben und leyden. St. Paulus trug die ſtigmata Chriſti gern an ſeinem Leib Gal. 6 / 17. Warum nicht auch ein jeder Chriſt / die ſo blutige / ſo unblutige Stich? Davon Syrach ſagt c. 27 / 28. Wer heimlich ſticht / verwundet ſich ſelbſt. Ein glaubiger Chriſt / laͤſt ſolche Stich gedultig auff ſich loß gehen / er gedenckt / ſtich immer hin / derAchter Theil. Cletzte18Die anderletzte und beſte Stich muß mir doch bleiben / minima non ſentit ſua, dum illius (Chriſti) vulnera intuetur, ſpricht abermahl Bernh. Serm. 61. Und wie ſolt hingegen der edelſte Braͤutigam unſer Seelen / nicht auch wiederum brennen gegen ſolcher Seelen? Die ſolcher maſſen ſihet / fuͤh - let / entzuͤndet / gedenckt und dieſes ſignaculum auff das Hertz truckt; Daß er nicht auch wiederum gedencken ſolt / wie er Eſ. 49. zu Zion ſpricht: Kan auch ein Weib ihres Kinds vergeſſen? Vnd ob ſie ſchon deſſelben vergeſſe / ſo wil ich doch dein nicht vergeſſen / denn ſihe in meine Haͤnd hab ich dich gezeichnet / Jch wil dich als ein Pitſchafft und Siegel-Ring halten Hagg. 2. Wirſtu in agone mir zuruffen mit dem Schaͤcher: memento, HErꝛ gedenck mein; So wil ich dein gedencken und ſagen / heut / das iſt / zu ſeiner Zeit / in dei - ner letzten Stunden / wann du wirſt haben uͤberwunden / ſo ſoltu in Krafft meiner Wunden / bey mir ſeyn / und meine Herꝛligkeit ſehen / im Pa - radeiß / wundloß aber nicht mundloß / ſondern mich ruͤhmen gantz heilig / vollkoͤmmlich / immer und ewiglich /

Hilff uns HErꝛ JEſu aus aller Noht /
Durch dein heilig fuͤnff Wunden roht /

AMEN.

Die ander Predigt / Von Der Hiſtoria deß Waſſer - und Blut-Guſſes / ſo aus der eroͤffneten Wunden deß gecreutzigten Chriſti gefloſſen.

GEliebte in Chriſto. Es iſt auſſer allem Zweiffel Pe - tra Sinaica, der Sinaiſche Wunder-Felß Exod. 17. in der Wuͤſten Raphidim, aus welchem / nachdem Moſes denſelben mit ſeinem Wunder-Stab geſchlagen / Waſſer gefloſſen / ein heiterer und herꝛlicher typus geweſen auff Chriſtum den HErꝛn und deſſen Begengnuͤſſen. Maſſen St. Pau - lus 1. Cor. 10 / 6. außtruͤcklich ſchreibt / Ταῦτα τύποι ἐγευνήϑησαν, was ſich mit dem natuͤrlichen Felſen begeben / das ſey uns zum Fuͤrbilde ge -ſche -19Predigt. ſchehen. Dann was anlangt den geiſtlichen Felſen / der mit gefolgt / und damahls oben auff dem Felſen geſchwebt / der iſt Chriſtus ſelbſt geweſt ohne Wort-Blum. Der leibliche Felß war zwar der typus, und das Bild / aber der geiſtliche Felß der ſie begleitet war antitypus res ipſa, die bedeu - tete Perſon ſelbſt / anders als Calvinus, Beza, Piſcator und Rivetus ge - ſchwaͤrmet / um im Pauliniſchen Spruch einen Behelff und Schein ihrer Sacramentlichen Metonymiæ zu haben.

Gleich wie nun (I.) derſelbe Felß immutabilis & inex pugnabilis baſis eine unendliche und unuͤberwindliche Grundfeſt gewe - ſen / ein refugium und Zuflucht der Gembſen Pſ. 104. ein Neſt gewe - ſen oder ſeyn koͤnnen der Adler / ein Berg-Schloß da man ſicher wohnen / da man ſich in Gefaͤhrligkeiten hin ſalviren mochte; ſo feſt / ſtarck und un - uͤberwindlich / daß kein Maulwerff es miniren / kein Pfeil erreichen / kein Sturm-Wind ruiniren / kein Platz-Regen uͤber ſchwemmen koͤnnen. Al - ſo iſt auch Chriſtus ein unuͤberwindlicher Felß / wider den die Pforten der Hoͤllen nichts vermoͤgen / Matth. 16. unſer Zuflucht fuͤr und fuͤr Pſ. 90. Zuri Pſ. 19. unſer Hort / wol dem der auff dieſen Felſen baut ꝛc.

Es war (II.) Ein Felß der mit dem Stab Moſis geſchla - gen ward / dann ſolte Waſſer heraus gehen / Menſchen und Viehe zu - erlaben und zuerquicken / ſo muſte ihn Moſes ſchlagen / ritzen / oͤffnen / zer - ſchoͤllen und zerbrechen / Platz machen. Alſo der hierinne vorgebildete Felß Chriſtus wurde geſchlagen und zerſchoͤllet vom bley-ſchweren hart-trucken - den Stab deß Treibers / deß Stabs wehe / durch alle inſtrumenta paſſionalia: die Baͤnde / Geiſſel / die ſchmertzhaffte dornene Cron / das Creutz / ſtachelichte Naͤgel / das Schwerdt das der HErꝛ uͤber ihn gezuckt / ſonderlich der Speer / die haben ſein koſtbares heilſames Blut machen haͤuffig und mildiglich heraus quellen und flieſſen zu unſerer geiſt - lichen Labſal und Erquickung.

(III.) Petra aquiflua ein Waſſerquellender Felß / ſintemahl aus dieſem natuͤrlichen Felſen / den Moſes geſchlagen / das Waſſer mira - culosè uͤber und wider alle Natur heraus geſpritzt - Dann nachdem er vom Stab geſchlagen worden / haͤtte man ſich ehe der Feur-Funcken / als Waſſer-Tropffen verſehen ſollen: Aus einem rauhen / harten und duͤrren Felſen Waſſer / ἐξ πετρᾶς ἀκροτόμου ſchreibt der weiſe Mann Sap. 11. non ex radicibus petræ, nicht aus den Wurtzlen der Felſen / da es auch bißweilen Ritzen gibt / ſondern aus der Hoͤhe deß Felſen / der noch nicht ge - riſſen / ſondern unzerſchoͤllt geweſen Pſal. 78 / 15. heraus gefloſſen / nicht tropffen-weiß / ſondern Bach-See - und Stroms-weiſe / aqua copioſiſ -D 2ſima,20Die anderſima, limpidiſſima, dulciſſima, davon Menſchen und Viehe / alle lech - zende abgemattete Seelen erquicket und erlabet worden. Wie im 78. Pſ. ſteht v. 15. Er (der HErꝛ) reiß die Felſen in der Wuͤſten / und traͤncket ſie mit Waſſer die Fůlle / und ließ Baͤche aus den Felſen flieſſen / daß ſie hinab floſſen wie Waſſer-Stroͤme. Alles in Krafft deſſen der damahl auff dem Berg geſtanden und in einem ſond rbahren euſſerlichen Zeichen Moſi erſchienen. Joſeph. l. 3. c. 1.

Lauter ϑει̃α, lauter miracula und unerhoͤrte Wunderthaten! Zwar Philo der ſonſt gelehrte / hie aber blinde Jud macht ein natuͤrlich Werck hieraus / tichtet / es ſey das Waſſer vorhin in Bereitſchafft da geweſen inwendig verborgen / ſo hernach mit Gewalt heraus gebrochen aus heimlichen Adern / dem aber David widerſpricht Pſ. 114 / 8. Der GOtt Jacob / ſagt er / wandelte den Felß in Waſſer-See / und die Steine in Waſſer-Brunnen. Joſephus ſchreibt / Eos inopinato ſpectaculo fuiſſe attonitos, ſie haben ſich vor ſolchem bloͤtz - lichen Außguß entſetzt. Warum das? Weil es ein uͤbernatuͤrlich ſeltzam Wunderwerck geweſen. Alſo iſt auch miraculosè und wunderbahrer Weiß uͤber und wider alle Natur von dem Felß Chriſto gefloſſen Waſſer und Blut / nicht allein das verbluͤmte Lebens-Waſſer der heilig Geiſt / davon Joël geweiſſaget c. 3. der wuͤrcklich außgegoſſen worden Act. 2. zu Troſt und Erquickung aller geiſtlichen Hirſch-durſtigen Seelen / die nach friſchem Waſſer lechtzend und begierig ſind / ſondern auch natuͤrliches eigentliches Waſſer und Blut / welche in die H. Sacramenta gefloſſen: wie es Auguſtinus Tract. 15. in Joh. kurtz und nervos gefaſt / De la - tere Chriſti in cruce pendentis Sacramenta Eccleſiæ fluxerunt.

Sind die jenigen ſignacula, ſigna und Sacramenta, Siegel und Mahlzeichen / davon wir als einer raren aber hochtroͤſtlichen materia neulich und ins kuͤnfftig / mit GOtt Leben und Geſundheit / zu tractiren vorgenommen / veranlaſſet (wie auch neulich angezeigt) durch die neue Chriſt-loͤbliche Anſtalt deß neuen Sacraments-Feyrs / deß Feſts der Ein - ſetzung deß H. Abendmahls auff den Gruͤnen Donnerſtag gelegt / und daher fuͤr nuͤtzlich und erbaulich gehalten die Lehr von den Sacra - menten / dero Weſen und Art / heilwerthen Krafft und Tugend etwas weitlaͤufftiger zu deduciren. Naͤhermahl ſeynd wir ſtill geſtanden bey der Theoria und Schau der Quelle / Ader und Urſprung / daraus Waſ - ſer und Blut in die H. Sacramenta gefloſſen. Jetzo wollen wir mit der hiſtoria dieſes Waſſer-Guſſes und Blut Fluſſes das fundament legen der gantzen uͤbrigen tractation. Der Vater deß Liechts wolle uns / umJEſu21Predigt. JEſu Chriſti willen / mit dem friſchen lebendigmachenden Waſſer ſeines H. Geiſtes miltiglich begieſſen / Amen.

BElangend demnach M. L. die Hiſtoriam effluxus, die Hiſto - ri von dem Waſſer - und Blut-Guß aus der eroͤffne - ten Seiten Chriſti / ſo iſt dieſelbe wol werth / daß wir ein Wort nach dem andern erwegen und behertzigen / wie dieſelbe von dem liebſten Schoß-Juͤnger Chriſti dem H. Evangeliſten Johanne gefaſſet worden. Der Kriegs-Knechte einer oͤffnet ſeine Seiten mit einem Speer / und alsbald gieng Blut und Waſſer heraus. (1.) Einer von den Kriegs-Knechten / δει̃να, ungenant und un - bekant. Jm Papſtthum zwar wird viel Abentheur von dieſem Kriegs - Knecht fabulirt / und fuͤrgegeben er hab Longinus geheiſſen / undvide Sten - gel. de Re - liq. p. 165. wiewol er blind geweſt / hab er doch nach der Seiten Chriſti ſo ſcharff zielen / und dieſelbe treffen koͤnnen; Er ſey von dem außgefloßnen Blut / ſo ihm in die Augen geſpritzt / curirt / und leiblich / auch im Augenblick geiſt - licher Weiß ſehend und bekehrt worden; Er hab etwas von dem Blut mit einem Schwammen auffgefaſt und in ein Buͤchslein außgetruckt / daſſelbe nacher Mantua gebracht / woſelbſt ers verſteckt und vergraben / es ſeye aber nach viel hundert Jahren wiederum gefunden worden / und wer - de noch als ein koͤſtlich Kleynod und Heiligthum heutigs Tags gezeigt und venerirt. Fragſtu / unde hæc nænia? Wo ſich dieſe Erzehlung her - ſchreibt? So wuͤrde ſich nichts anders finden / als die blinde credulitaͤt und Einfalt. Die hiſtori gedenckt der λόγχη im griechiſchen Grund - Text / das heiſt / ein Speer. Aus dieſer λόγχῃ haben die thum̃en blinden Muͤnchen einen Longinum getichtet. Es wird / ſagten ſie / gedacht einſen / der es geſehen und davon gezeugt. Ergò ſey dieſer Longinus derſelbe Zeug geweſen / der ſehend worden. Jn der ſchmertzlichen Creutzigungs - Tragœdi mit Chriſto wird gedacht eines Hauptmanns / der geiſtlicher Weiß erleuchtet und bekehret worden / Ergò iſt der Longinus derſelbe. O Næniæ, & nugæ! Sind das nicht ungeſchickte Maͤhren / deren ſich(*) An 34. n. 131. (*) in A - pocal. 1, v. 7. p. 162. (α) de qui - bus Joſe - phus lib. 3. Bell. c. 8. Baronius (*) ſelber geſchaͤmet / wiewol er deßwegen von andern deſerirt / und von Alcaſar dem Jeſuiten (*) einen Haar-rupff leiden muͤſſen. St. Johannes ſchreibt mehr nicht / als ει῟ς τῶ ςρατιωτῶν, vielleicht einer von den λογχοφόροις (α) Pilati, ein Speer-Reuter oder Pickenirer / ein verzweiffelter Boͤßwicht und Bluthund / der ſich mit dem Tod Chriſti nicht begnuͤgen laſſen / ſondern auch an ſeinem todten Leichnam ſeinen Muth erkuͤhlen / und bey der ſchnoͤden Tochter Zion der Juͤdiſchen Syna -C 3gog22Die andergog einen Ritter-Danck verdienen wollen. (2.) Nun was hat er gethan? ἔνυξε〈…〉〈…〉 πλεῦραν, er hat Chriſti Seit geoͤffnet mit einem Speer / conſequenter in die Seit geſtochen / er hat ihn nicht bloß beruͤhrt / oder mit einem ſtumpffen inſtrument geſchlagen / ſondern ſcharff hinein ge - ſtoſſen und geſtochen / wohin aber? Auff die rechte oder lincke Seiten? adhuc ſub judice lis eſt, wiewol(*)L. de duplic. Martyrio. Vbi, Salvatorem, ſcribit, humani generis, quic - quid in Corde reſederat ſanguinis causâ noſtri emiſiſſe, ut quos vitæ anteactæ pœniteret & ſpe certâ firmarentur &c. Cypriani ſentenz wir nicht verwerffen wollen.

(3.) Ἐυϑὺς, alsbald / heiſt nicht nur ſtatim alsbald / ſondern auch rectà grad heraus / nicht krumb / als wann es nur waͤre um den Leib geklebet (4.) ἐξῆλϑεν, gieng herauß / ſprang heraus wie ein friſch Felß Waſſer aus einer lebendigen Quellen / wie das Blut nach der Ader-laͤß aus einem fri - ſchen geſunden Leib; Alſo auch hie aus einem geſunden unverweßlichen Leib / heraußgeſprungen nicht wie ein todtes faules Blut tropffen-weiſe ge - ronnen / der am Leib angehenckt kleben blieben. Das griechiſche Wort ἐξέλευσις wird geleſen von jenem gichtbrichtigen patienten Marc. 2 / 12. der da er von Chriſto heil worden / mit Freuden daher geſprungen / gleich wie jener von Mutter-Leib lahme Mann / welchen Petrus geſund gemacht alſo / daß er nicht nur gehen und ſtehen konte / ſondern wie Lucas meldet Act. 3, 8. Er wandelte und ſprang. Jſt alſo das Blut heraus ge - ſprungen / wie ein lebendig Waſſer aus einem Roͤhr-Brunnen. (5.) Waſſer und Blut / nemblich warhafftig Waſſer und Blut / eigent - lich was GOtt und die Vernunfft Waſſer und Blut heiſt / und zwar iſts gefloſſen abſonderlich / daß es Johannes eigentlich von einander unter - ſcheiden koͤnnen. War demnach kein gemengt Waſſer / kein blutfarb gefaͤrbtes Waſſer / kein ſerum, kein ichor ſanies oder Blut-Eyter / ſon - dern ein abgeſonderter ungemengter Zeug; Auff daß dieſe Geſchicht die - nen koͤnne dem Zeugnuß / wohin ſie von St. Johanni hernach applicirt und angezogen worden.

Quale teſtimonium, talis aqua, at teſtimonium debet eſſe verum E. & aqua. Hinc Cyprianus in ſerm. de paſſ. Chriſti: De latere tuo fons egredit ur in vitam æternam proſiliens, & de eadem conſubſtantialique origine diverſis limitibus aqua & ſanguis emanant, ad complementum perfectionemque totius juſtitiæ, Sacramenta in perpetuum duratura. ()Pru -23Predigt.
Prudent. περὶ ςεφαν.
Hic cruor effuſus fluxit & inde latex!

Dieſes iſt nun (II.) Hiſtoria certa, ein gewiſſe bewaͤhrte un - gezweiffelte Geſchicht / keine ungegruͤndete / verkuͤnſtelte Tandmaͤhr / fama ἀδέςποτος oder bloſſe tradition. Von paͤpſtiſchen Wundern und dero traditionen hat man groſſe Urſach zu zweifflen: Zum Exempel /conf. Corn. à Lap. ad Ep. Pauli pag. 10. Baron. Ann. 69. n. 11. wann von St. Pauli Martyrio wird außgeſagt und geglaubt / nachdem derſelbe zu Rom enthauptet worden / ſeye nicht allein / an ſtatt deß Bluts / ſchneeweiſſe ſuͤſſe Milch aus dem Strumpff heraus geſprungen / ſondern es habe auch das abgeſchlagene Haupt drey Spruͤng gethan / und wo es hin geſprungen / da ſeyen Quell-Bruͤnnlein entſtanden von hellem Waſ - ſer / die man noch heutigs Tags zu Rom ſehen und koſten koͤnne / als koͤſt - liche Lipſana und Heiligthum; Wers glauben wil der glaub es / ſteht jederman frey. Aber hie kein ſolche nænia, ſolch altvetteliſche fabel, ſon - dern Himmelfeſte Warheit / welche St. Johannes nicht erticht / ſondern davon gezeuget / als einer warhafftigen Geſchicht / die er mit gewaltigen Worten bejachtzet und beſtaͤtiget / er ſagt / ſein Zeugnuͤß ſeye wahr: Er ſey teſtis Epopta & ἀυτόπιςος, er habs nicht vom hoͤr-ſagen / ſon - dern mit ſeinen Augen ſelbſt geſehen / die koͤnnen ihn nicht betriegen / teſti oculato uni plus creditur, quam decem auritis: Er ſeye teſtis ϑεό - πνεευςος, er wiſſe daß er die Warheit ſage / nemlich ex ϑεοπνεύσει, aus Goͤttlicher Eingebung / er ſey ein authoriſirter und canoniſirter / von Chriſto dem HErꝛn ſelbſt als ein aus und vorerwehlter / verſiegelter Zeug / Act. 1, 8. cap. 10, 39. Joh. 15, 27. Er ſey ſeiner Sachen ſo gewiß / daß er auch einen Engel im Himmel außforderen moͤchte: Und deßwe - gen teſtis hypoſtaticus ein ſtandthaffter Zeug. Er woll niemand verfaͤh - ren oder betruͤgen / ſondern ſein Zeugnuß mit ſeinem Blut druͤber verſiglen. Haͤtte Johannes wollen mit Fleiß luͤgen / es weren deren noch uͤbrig ge - weſt / die unterm Creutz geſtanden / die ihn haͤtten zu ſchanden machen koͤnnen. Er legt ſelbſt ſein creditiv auff / alles ſeiner narration und Er - zehlung einen credit zu machen / auff daß was er geſehen / wir auch glau - ben moͤchten: Seine hiſtoria ſolle ſeyn baſis, ein Grund deß ſeligma - chenden Glaͤubens / auff welchen die Kirch erbauet Eph. 2 / 20. Und weil er ſolche hohe gewaltige Wort braucht / ſo muß etwas hoͤhers und mehrers in dieſer hiſtori verborgen ligen / nemblich das Sacrament - liche Geheimnuͤß. Davon ins kuͤnfftig.

Daher iſts auch (III.) Hiſtoria Thavmatologica ſeu miracu -loſa,24Die anderCalvin. ad Johan. 19. pag. 582.loſa, von einem unerhoͤrten paradoxo und Wunder-Geſchicht. Zwar Calvinus will nichts draus gehen laſſen. Naturale eſt, ſchreibt er / dum coagulatur ſanguis, rubore amiſſo, fieri aquæ ſimilem; notum etiam eſt in membrana præcordiis vicina aquam contineri, das iſt / es ge - ſchehe natuͤrlich alſo / daß das Blut / wann es zuſammen rinnet / die rotheThom. Barthol. de latere Chriſt. aperto. p. 23. & 200. Farb verliere und gleich wie Waſſer werde. Bekant ſeye es auch / daß in der membrana nahe beym Hertz etwas Waſſers ſich auffhalte. Wohin dann auch gehet ein neuer Daͤniſcher Anatomicus, der mit aller Macht will erhaͤrten und uns bereden / als ſey es hie gantz natuͤrlich hergan - gen. Deme aber ſtarck widerſpricht (1.) die experienz und Erfah - renheit. Natuͤrlicher und ordentlicher Weiſe / wann ein todter Leichnam da ligt erſtorben / ſo iſt entweder das Blut coagulirt / geronnen / erkaltet / gefroren / ſteht gantz geluͤppt wie ein Gallerend ſtill / und wann etwas heraus gehet / ſo geſchicht doch ſolches nicht ἐυϑὺς, alsbald / nicht per ἐξέλευσιν, durch ein Außſprung. Hie aber aus dem todten / verbliche - nen / außgebluteten / abgematteten aber unverweßlichen Leichnam Chri - ſti / ſpringt / quillet / ſpritzt heraus Waſſer und Blut abſonderlich / di - verſis ἀυλοῖς & limitibus, durch unter ſchiedlich und verſchiedliche Gaͤng / daß eins von dem andern unterſchieden und erkennet werden moͤchte. Quis talia fando audivit? Wer hat dergleichen jemahl gehoͤrt und erfah - ren? Es ſtreitet dawider (2.) Aſſeveratio Johannis, die gewaltige Bejachzung und Bekraͤfftigung deß H. Apoſtels / der ſein Zeug - nuͤß ſo ſtarck befeſtiget / und ſein credit ſo wol verwahrt: redet hievon als von einer unglaublichen Sachen / beſorgend er moͤchte kein credit finden / es moͤchte dieſes als ein uͤbernatuͤrliches Geſchick und Geſchicht nicht wol - len geglaubt werden. Waͤr es natuͤrlich hergangen / was haͤtte es ſolcher ſtarck betheurten Bejachzung bedoͤrfft? Er zeigt darneben an / es ſeye kein 〈…〉〈…〉 πιςητὸν, ſondern πιςὸν, man muͤſſe es glauben wider die Vernunfft / auff daß ihr auch glaubet / ſagt er / das was man ſonſt unglaublich haͤlt. (3.) Suffragium venerandæ Antiquitatis, die Einſtimmung der werthen antiquitaͤt / die ins gemein dieſen Blut-Fluß mit dem andern im Gar - ten am Oel-Berg verglichen. Ambroſius in Luc. 23. In corporibus noſtris ſanguis poſt mortem congelaſcit, ſed hoc loco adhuc fluidus eſt. Theophilactus in h. l. Judæi, inquit, mortuum corpus con - tumeliâ afficere conantur, ſed contumelia illis in miraculum ver - titur. Anderer jetzo zu geſchweigen.

Es iſt aber auch ferner und (IV.) Hiſtoria terrifica, eine ſchreck - haffte Geſchicht: Dann es iſt geſchehen / auff daß die Schrifft (nem -lich25Predigt. lich die Weiſſagung Zachar. 12 / 10.) erfuͤllet wuͤrde: Sie werden ſe - hen in welchen ſie geſtochen haben. Johannes accommodirts auff die gottloſen ſichern Welt-Kinder Apoc. 1, 7. die in ihrer Sicherheit toll dahin gehen / fuͤr Gottes Zorn / Hoͤll und ewigem Tod nicht erſchre - cken / ſie werdens ſehen / nemblich cum terrore, wie es geſehen ha - ben mit Schrecken / Zittern / Zetter und mordio (h. e. mors Dei) der Hauptmann und die bey ihm waren / der an ſeine Bruſt geſchlagen Luc. Luc. 23, 48. it. Matth. 27, 54. Marc. 15, 39 Act. 2, 37.23. (Actor. 2. κατενύγησαν, eadem radix vocis) gleichwie der Speer Chriſto ins Hertz getrungen / ſo ſey auch das Wort als ein Speer in ihr Hertzgangen / daß ihnen das Hertz im Leib geblutet fuͤr Furcht. Man hat die Exempel und experienz von der Cruentatione cadaverum der Blut-Guͤſſe derer Leichnam / die ermordet und erſchlagen worden / wann man eine verdaͤchtige Perſon zum Leichnam gefuͤhrt / daß / wann er war - hafftig der Thaͤter iſt geweſen / in anſehen und Gegenwart ſolches Moͤr - ders der Leichnam anfangen Blut zu ſchwitzen / und gegen den Thaͤter ge - ſpritzt ihn ſchamroth zu machen / das Gewiſſen auffzuwecken und ihm eine Angſt ein zu jagen: Natuͤrlicher Weiſe zwar geſchicht ſolches nicht / dann es findet ſich zwiſchen beiden / dem ertoͤdten Leichnam und Moͤrder / keine συμπάϑεια; natuͤrlicher Weiß fleucht das Blut vielmehr vor ſeinem Feind / als daß es ſich ſolte zu ihm nahen; keine natuͤrliche ſympathi hat da einige Statt und Platz / naturalia apud omnes eadem, was natuͤr - lich zugehet / das findet ſich bey allen auff einerley Weiß / und warum geſchicht ſolches nicht auch in Gegenwart deß Scharffrichters / wann er einen Ubelthaͤter enthauptet? Warum nicht ein ertoͤdter Ochs / Schaf ꝛc. in Gegenwart deß Metzgers / ubi eadem ratio; Aber es iſt dieſe δει̃ξις eine von den ϑείοις und uͤbernatuͤrlichen Begegnuͤſſen / dadurch die Goͤttliche providenz manchmal einen heimlichen Mord laͤſt offenbahren. Wann dann dergleichen actus und prob vorgehet / ſolte nicht der Thaͤter druͤber erbleichen / erſtarren / erſchrecken und zetter mordio ſchreyen? Ja es iſt bißweilen auch alſo geſchehen. Dem allem ſey wie ihm wolle / ſo iſt doch ein ſolche ἁιματόδειξις und Blut-Zeugnuß erſchroͤcklich. Nach - dem die Juden Actor. 2. von Petro eines Gottes-Mords uͤberzeugt worden / ſo erſchrecken ſie; Wie der Speer Chriſto ins Hertz gangen / ſo gehet ihnen Petri Wort-Speer durchs Hertz. Alles uns zu einem Exempel und Beyſpiel / dann wir alle mit einander ſolche ſtratioten und Moͤrder ſind / die wir mit unſern Suͤnden Chriſtum angeſtochen / oder ſolchen Speer-Stich verurſachet / peccata noſtra Chriſti lanceæ. Die Gottslaͤſterer ſonderlich fuͤhren einen heßlichen Namen Heb. 6. v. 6. Achter Theil. Dund26Die anderund heiſſen ἀναςαυρου̃ντες, Wider-Creutziger / als welche mit ihren Zungen als gifftigen Speeren / nicht nur ihren Neben-Menſchen Chriſti Glied - maſſen anſtechen / verleumden / das mehr ſchmirtzet und ſchmertzet / als lanceæ ictus oder Speeren-Stich; Sondern auch ſein Blut und Sa - cramenten laͤſteren / und zwar thut man das Chriſto der nicht mehr am Creutz hanget / ſondern nunmehr ſitzet im Thron Gottes / und daſſelb wiſſentlich / gewohntlich / ſchaͤndlicher und unverantwortlicher als die Kriegs-Knechte Pilati, die ihne den HErꝛn in dem tieffſten Stand ſei - ner Niedrigung unwiſſend angegriffen. Wer kan ohne Schrecken / ohne Beben und Erblaſſen / leſen oder hoͤren / was jener Boͤſewicht unter drey(*) davon beſihe Ca - tech. Milch part. 1. p. 391. Spielern zu Williſau in der Schweitz gethan / (*) der mit einem Dolche in Himmel hinauff geſtochen / und geſagt / er woll ihn dem Sohn Got - tes in den Leib werffen. Nun eben ſolches thun in Warheit alle verteuf - felte blaſphemanten und Gottslaͤſterer / dann ob es mit der ſcharffen Zungen / oder einem ſcharffen Pfeil geſchicht / iſt eben eins. Wer wolt ſich hieruͤber nicht entſetzen noch erſtarren? Sin? Wo ſolcher Schrecken nicht folgt / O weh! O zetter mordiò! O der ſchrecklichen Stimm am juͤngſten Tag! wann Chriſtus der HErꝛ alle unbußfertige Hoͤllen-Kinder anſprechen wird / und ſagen: (ap. Auguſt. L. 2. de Symb. ad Catech. c. 8.) Ecce hominem, quem crucifixiſtis; Ecce Deum & homi - nem, in quem credere noluiſtis! videtis vulnera quæ inflixiſtis? agnoſcitis latus, quod pupugiſtis? per vos, propter vos latus apertum eſt, & tamen intrare noluiſtis. Das iſt: Schaut jetzt an den Menſchen / welchen ihr gecreutziget; Seht an den Gott-Menſchen / an welchen ihr nicht glauben wollen! Se - het ihr die Wunden / die ihr mir geſchlagen / erkennet ihr die Seit / in die ihr geſtochen? Von euch und um euers Heils willen iſt dieſe Seit geoͤffnet worden / und ihr habt doch in dieſelbe nicht wollen hinein gehen. Da wird alsdann wahr werden / was der Prophet geſagt / ſie werden ſehen / das iſt / ſie werdens erfahren was ſie gethan mit ewigem Ach und Wehe / zetter und feuriò, Ja Amen! Das iſt gewißlich wahr.

Endlich iſt es auch V. Hiſtoria dulcis & ſolatiflua, eine ſuͤße und troſtflieſſende Geſchicht. So viel Tropffen deß Waſſers und Bluts / ſo viel Fluͤſſe und Guͤſſe himmliſches Troſtes / ſo viel fluenta ſo - latiorum und Troſt-Quellen / ſo viel Liebes-Seile / die von der eroͤffneten Seiten herab flieſſen / uns zu derſelben zu zihen / und wahr zu machen das Verheiſſungs-Wort Chriſti / welches er geſprochen Joh. 12 / 32. Jchwann27Predigt. wann ich erhoͤhet werde von der Erden / ſo wil ich ſie alle zu mir zihen. Duo fluenta, duæ funes, dieſe zween Fluͤſſe ſind zwey Liebes-Seile / wormit uns der HErꝛ zu ſich leitet und zihet. Qui neſcit viam ad mare, quærat amnem comitem, heiſt es auch wol hier. Jch wil ſie zihen / ſagt der HErr. Sie / nemblich die Bußfertige und Glaubige / werden ſehen / in welchen jene / die Gottloſen geſtochen haben mit Speeren und mit Zungen; die Frommen werden ſehen gar mit andern Augen / als die gottloſen Beltals-Kinder und rohe Suͤnden-Knecht /

Nemlich abermals (I.) Per theoriam pœnitentialem, mit einer bußfertigen Reu-Schau / mit traurigen und thraͤnenden Augen. Jſts nicht alſo? Wann eine Rott und Karten-Spiel von Moͤrdern und Straſſen-Raͤubern in hafft gerathen / zum Rad verdampt worden / und aber deß Richters Sohn aus groſſer Lieb und Mitleiden / ſich der Juſtiti ſelbſt præſentiren und darſtellen wolte zur Buͤrgſchafft / ranzion und interceſſion, die juſtitia ließ es gelten / er wuͤrde ad ſupplicium zum Raben-Stein und Hoch-Gericht hinaus gefuͤhrt in anſehen der Moͤrder / die ſolcher tragœdi beywohnen; wuͤrde auch ein ſolcher Ubelthaͤter ein ſolch unbeweglich Pardel und Tiger-Hertz haben / wann er der Rad - Stoͤß anſichtig wird / daß ihm nicht das Hertz druͤber blute / daß nicht alle Stoͤſſe ihm auch ſein Hertz treffen ſolten und er Blut druͤber weinen moͤchte? daß er nicht ſagen ſolte / O weh mir! Der Stoß gebuͤhrt mir / ich habs verdient! O behuͤte GOtt / daß ich ja nimmer zur Suͤnde mich verleiten laſſe / daß ich dieſelbe flihe als ein Schlang. O Menſch bedenck dein Suͤnde groß / welch ein unermeßliches Ubel die Suͤnde ſey / derenthal - ben der Sohn Gottes von unermeßlicher Majeſtaͤt / ſolche Marter und Qual uͤbertragen und außſtehen muͤſſen? Daß auch GOtt der HErꝛ ſeines einigen Sohns nicht geſchonet / nur darum daß uns Moͤrdern moͤg aus dem Rachen deß ewigen Todes geholffen werden. Ach daß der Wolff leben moͤge / muſte das Lamb herhalten.

Sie die Frommen werden ſehen (II.) Per theoriam fidei in latus, tanquam feneſtram amoris, mit einer rechten Glaubens-Schau in die eroͤffnete Seiten als in ein offenes Liebes-Fenſter. Momus der Goͤt - ter Spoͤtter (wie die Poëten von ihm getichtet) ſol vorzeiten geſagt haben / es mangle dem Menſchen nichts / als ein Hertzens-Fenſter; Aber wozu? Was wird man ſehen? Warhafftig nichts flaͤtigs / ſondern in ein wuͤſte / ſtinckende Moͤrder - und Todten-grub wuͤrde man hinein ſehen. Aber hie ſteht offen das helle Fenſter deß allerheiligſten Hertzens JEſu Chriſti vollerD 2Gnad28Die anderGnad und Warheit / hic aulam voluit Rex Amor eſſe ſuam; hîc ὑπερ - ἐκπερι〈…〉〈…〉 εύουσα χάρις, hie wohnt die uͤberſchwenckliche Gnade Gottes / da - durch alle Suͤnden uͤberſchwemmet und erſaͤufft werden: Ob ſchon ein einiger Bluts-Tropffen Chriſti gnung haͤtte ſeyn moͤgen / alle Suͤnde der Menſchen damit außzuſoͤhnen / ſo hat ſich doch allhie die Goͤttliche Lieb Stroms-weiß wollen ergieſſen / auff daß kein Bluts-Tropffen in ſeinem H. Leib uͤberblieb / den er nicht uns und fuͤr uns mittheilen moͤchte. Zum Exempel / wann ein Koͤnig ſeinen rebelliſchen Unterthanen ἀμνηςείαν, perdon und Ablaß verhieſſe / mit der condition, ſie ſolten ſeiner hieruͤber geoffenbahrten Zuſag Glauben zuſtellen / ſie aber woltens nicht glauben / nicht annehmen / nicht herzu tretten / wie Joſephs Bruͤder / nicht trauen; Er aber der fromme und guͤtige Herꝛ thaͤt eins / ließ ihm ſelbſten ein Dol - chen oder Rapir in Leib / ins Hertz hinein ſtechen / daß das Blut mildig - lich und reichlich heraus flieſſete / und ſagte hierauff: Hîc oſtium cordis apertum! Hie ſehet ihr mein Hertz / wie es gegen euch walle und offen ſtehe / ach ſo glaubt doch / daß ich euch lieb hab / daß wies mir von Hertzen geht und Ernſt iſt / auch ihrs zu Hertzen nehmet / und mir von Hertzen trauet. Alſo ſpricht auch hier der groſſe liebreichſte Himmels-Koͤnig uns an / deutet auff ſeine eroͤffnete Hertzens - und Seiten-Wund / ſagend: En latus apertum! Schaut hinein durch mein eroͤffnete Seiten in mein liebflammendes Hertz hinein / ihr ſeyd unſchuldig nicht an dieſem Blut / ſondern in dieſem Blut / mein Blut / nicht Rach-ſondern ranzion - Blut / ſey uͤber euch und euren Kindern! Kommet her und trin - cket mein Blut / auff daß ihr das Leben habet in euch Joh. 6. kommet her / lechtzend und duͤrſtet / mit ſo groſſem Durſt / als die Kinder Jſrael gedur - ſtet in der Wuͤſten / als begierig ſie getruncken von dem friſchen Felſen - Waſſer. Joſephus ſchreibt von ihnen / ipſo ſpectaculo recreabantur, ſie haben das Felſen-Waſſer / als ein friſchen / guten und kuͤhlen Trunck magna voluptate, mit heiſſer Luſt und Begierde getruncken / es hieß damahl bey ihnen / optimum potus condimentum ſitis, Durſt iſt der beſte Keller. Alſo faſſet auch dieſes Heil-Waſſer und Blut auff / wie Gideon / in eure Hertzens-Schalen / und trincket ſoteria veſtra, auff eure Seelen Geſundheit! davon aber ins kuͤnfftig.

(III.) Per theoriam obſequioſam ad imitationem, mit gehor - ſamer Nachfolge / ſie werden ihn auch ſehen mit gehorſamen Augen / ihme nachſchauen als ein exemplar der patienz, wann man auch muß Zungen-Stich hoͤren und leiden / ſo gedencke man / was Chriſto begegnet dem Haupt / das muͤſſen auch ſeine Chriſten leiden als Glieder: Undſon -29Predigt. ſonderlich auch beſorgen von feindſeligen / vergaͤllten und rachgierigen Leu - then / daß ſie ihren Zorn und Rach nach dem Tode außſtoſſen / als die Schlut-Hunde an den Todten ſich raͤchen und ihren durſtigen Muth kuͤh - len moͤchten / an unſchuldigen Perſonen / die ſich nicht mehr verantwor - ten koͤnnen. Jch ſag / an unſchuldigen Perſonen / oder die ſich ir - gend durch menſchliche Schwachheit geirret; Denn ſonſten die gruͤnd - liche und bekantliche Warheit ſagen im Fall der Noth / da Gottes Ehr in - tereſſirt / oder ein guter Name muß errettet werden / iſt nie verbotten ge - weſen / wann hæreditaria odia ſich hervor thun. De mortuis nil ni - ſi benè ſagt man ſonſt / von todten und verſtorbenen Leuthen ſoll man nichts als gutes reden / nemblich de mortuis non redivivis, wann man ſie ſchlaffen laͤſt. Wann aber Simei den David nach Sauls Tod ein Blut-Hund ſchilt / und im Gegenthell deß Sauls tyranniſche Stuͤck und Tuͤck gut heiſſen wuͤrde / da iſt apologia von noͤthen / daß ein jeder ſein Glimpff und Ehre rette ſo gut uñ beſcheidentlich er kan und mag. Dañ ſonſt wann der H. Geiſt dem Saul parentirt / ſo lautets nicht wol. Alle Hiſtorien ſind vindices der Tyranney Juliani, Neronis &c. von un - ſchuldigen rede ich / welche hier an ihrem HErꝛn JEſu einen Troſt zu nehmen / der auch unſchuldig gelitten / er hat durch ſeine allerheiligſte Ge - dult unſere Gedult conſecrirt und geweihet / und wie es dazumahlen ſei - ner heiligen Seelen im Paradiß nichts geſchadet / ſein ſeliger Stand und Ruhe nicht turbirt worden / ob gleich ſein Leichnam am Creutz mit dem Speer angeſtochen und verhoͤnet worden: Alſo wirds auch ſolchen die da nach ihrem Tod von boͤſen Zungen angeſtochen werden / nicht ſchaden an ihrer Seelen Seligkeit / dann Chriſtus wird ſie vertretten.

So werden ſie endlich und (IV. ) ſehen per Theoriam indagatri - cem quietis, mit Ruh-forſchenden Augen. Es wird alsdann auch mancher Creutz-patient mit David wuͤnſchen Pſal. 55 / 7. O haͤt - te ich Fluͤgel wie Tauben / daß ich floͤge und etwa bliebe! Sihe ſo wolt ich mich ferne weg machen / und in der Wuͤſten bleiben: Jch wolt eylen / daß ich entrinne fuͤr dem Sturm - Winde und Wetter. Wo aber hin lieber David? Dahin / wo Ruhe iſt: wo mich meines Heylands guͤldne Liebes-Seile zihen wird. Wo etwa? Jn die Felß-Loͤcher und Stein-Ritzen ſeiner Wunden Cant. 2, 14. Nun Davids Wunſch ſol unſer Wunſch ſeyn; Gleich wie ſich fein ein Voͤgelein ꝛc. Jn die Ritzen deiner eroͤffneten Wunden HErꝛ JEſu / da - hin wil ich flihen / zu entflihen / auff zu flihen: Flihen in die ſichere Stein-Ritzen / allwo die Seelen-Feind nicht hin kommen koͤnnen /D 3wo30Die anderwo das Wetter uns nicht verderben oder beſchaͤdigen kan; entflihen al - lem Ungemach; Durch einen ſeligen Tod auffflihen in die beſtaͤndi - ge μονὰς, in die ſichere Wohnunge und ſtoltze Ruhe / die uns Chriſtus durch ſeinen Zug und Flug zum Vater erworben. Trahe me poſt te ò dulciſſime Jeſu! Er der HErꝛ gebe uns ein ſolchen ſeligen Zug und froͤ - lichen Flug / ein ſeligen Glaubens-Zug in ihn / dermahleins ein froͤlichen Todes-Flug nach und zu ihm / zur ewigen / beſtaͤndigen / unwandelbaren Ruhe / Amen.

Die dritte Predigt / Von Dem Geheimnuͤß deß Waſſer - und Blut-Fluſſes / der eroͤffneten Seiten Chriſti.

GEliebte in Chriſto. Von einer erſchrecklichen / recht tragiſchen / aber auch gerechten Geſchicht und Gericht / Straff / Schlag und Plag / welche der gerechte eifferige GOtt deſignirt / geuͤbet und ergehen laſſen an dem Volck zu Bethſemes / leſen wir 1. Sam. 6. Dann als das groſſe Heiligthum / hochtroͤſtliche Geheimnuͤß der Bunds-Laden / der H. Wohnunge Gottes / aus der Hand und Land der Philiſter wieder zuruͤck kommen / an beſagten Flecken Bethſemes angelendet: Und aber hierauff das Volck von allen Enden und Orthen der Nachbarſchafft / in hellem Hauffen mit ungeſaͤuberten Fuͤſſen zu gelauffen / dieſes Kley - nod und Geheimnuͤß entbloͤſſet / erſuchet / mit fuͤrwitzigen Augen hinein geſchauet (reù baaròn, videbant intimè in arcam) betaſtet und an - geruͤhret / nicht mit gebuͤhrlicher reverenz und Andacht / ſondern aus verwegenem Frevel und Allfentzerey mit ungewaſchenen Haͤnden zur Unzeit / alles wider Gottes klare Ordnung und Verbot / da dergleichen zu thun bey Leib und Lebens Straff verboten geweſt Num. 4, 15. So ergrimmet der Zorn deß HErꝛn / verhengt Θεόπεμπτον κακὸν, wie es Joſephus nennet / eine gifftige anſteckende Peſtilentz / davon 50000. und 70. Perſohnen jaͤmmerlich hingerafft und umkommen / und alſo Beth - ſemes ein Bethabel, die Sonn-Wonn - und Wohlſtatt / in ein Jammer - Tod - und Leichſtatt / in ein Todten-Grab und Gerner verwandelt worden.

Ob31Predigt.

Ob nun wol dieſes ſo ſtrenge und entſetzliche / heilige und gerechte Gericht / daß um eines einigen Anblicks willen ſo viel 1000. Menſchen in einer ſo kurtzen Zeit ums Leben kommen / der gantzen Welt zu einem Ex - emplar / Schroͤck-Bild und Scheu-Saal repræſentirt und dargeſtellet worden / daß wir an frembdem Schaden ſollen witzig werden / mit den goͤttlichen Geheimnuͤſſen deß Glaubens und namentlich auch mit den Myſteriis Sacramentorum, oder Sacramentlichen Geheimnuͤſſen nicht ſchertzen / dieſelbe nicht irreverenter tractiren / allzu curiosè mit ungewaſchenen Haͤnden nicht angreiffen / nicht allzu tieff ohne das Liecht deß goͤttlichen Worts es wagen hinein zu ſchauen: Sondern ihnen mit tieffſter reverenz, devotion und Andacht begegnen.

Phil. Melanchton in præfat. ad Tom. 4. Witteb. Lutheri pag. 5. thut hievon folgende Erinnerung: Man ſihet / ſpricht er / wie der Teuffel durch liſti - ge kuͤhne Schwetzer / die dem Papſt anhangen / als durch den Sidonium und ſeines gleichen / Paͤpſtlich Abgoͤtterey wiederum einzufuͤhren arbeit. Dagegen ſollen wir verwarnet ſeyn / daß wir nicht verblendet werden durch falſchen Schein und Sophiſterey / und hernach in grauſame Straff fallen / denn es GOtt un - leidlich / daß die Menſchen ſeine Wort verachten / und wollen ſelbſt religion ma - chen / ihres gefallens / und wiewol in vielen Exempeln die Straff fuͤrgemahlet iſt / als in Achab / Achas / Nabogdonoſor und andern / ſo wil ich doch allein dieſes Exempel Pompeji jetzund erzehlen / der ein ſehr loͤblicher / zuͤchtiger / guͤ - tiger / ehrlicher Fuͤrſt geweſen iſt / und hat Sieg und gut Gluͤck gehabt / biß auff dieſen letzten Stoltz: Da er gen Jeruſalem kam / und hat nu von der Ju - den alt Herkommen und religion viel gehoͤrt / und ſahe daß es viel ein andere Lehre war / denn die Heydniſche / (denn die Juden tichten nicht viel Goͤtter / billich - ten nicht unnatuͤrliche Vnzucht ꝛc. wie die Heyden) da wolte er den Tempel auch ſchauen / und ſehen / was doch darinnen were / ob auch Bilder oder andere Zeichen darinn ſtunden. Nun ſagte man ihm / daß GOtt dieſe Ordnung gemacht hette / daß allein der Hoheprieſter in den letzten heimlichen Chor gehen ſolt / und ſonſt kein Menſch auff Erden. Dieſes hielt er fuͤr fabuln, und gieng fort in den - ſelbigen heimlichen verbotenen Ort / und ſchauet / was darinnen war / nu iſt die - ſelbige Zeit nichts darinn geweſen / denn der Kaſte / darinn Moſes Taffeln gele - gen ſind im vorigen Tempel / ſind mit demſelbigen Tempel verbrandt. Bald nach dieſem Stoltz iſt die Straff gefolget / als Pompejus wiederum mit groſ - ſer Herꝛligkeit zu Rom ankommen iſt / hat er ſich wider Julium anhetzen laſſen / und iſt der grauſam Krieg zwiſchen ihnen beyden / Julio und Pompejo erreget / darinn viel hundert tauſend Mann umkommen / und ewige Verenderung deß Reichs gefolget / und iſt Pompejus in der Flucht auff dem Meer jaͤmmerlich ge - toͤdtet worden / nicht fern von dem Land Judæa, da er das Land Judæa und den Tempel im Geſicht gehabt hat. Wie wol nun dieſe zeitliche Straff / noch nicht die fuͤrnehme und ewige Straff iſt / darinn erſt GOtt ſeinen gerechten Zorn in Ewigkeit erzeiget / wider alle die ſich nicht bekehren / gleichwol wil GOtt auch in dieſem Leben die Straffen anfahen / zu Erzeigung ſeiner Gerechtigkeit / undzum32Die anderzum Exempel den andern. Wie Pompejus hernach ſchroͤcklich gefallen iſt / nachdem er in dieſen heimlichen verbottenen Ort gangen iſt; Alſo ſind viel hoher Leuth gefallen / und werden fallen / die ſo kuͤhn ſind / daß ſie in ſolche Heimligkeit Gottes hinein dringen / wollen Religion, Lehre / und Gottesdienſt machen aus eigner Weißheit / wider Gottes Wort / ſtaͤrcken und machen Abgoͤtterey / und ſuchen hernach Schein und Sophi - ſmata, die Luͤgen und Laͤſterung zu ſchmuͤcken / die offt ſo ſchoͤn gefaͤrbet ſind / daß viel Leuth betrogen werden / und ſchwer wird den Betrug anzuzeigen. Sic Melanchton.

So iſt doch dieſe tragiſche Hiſtori und Goͤttliches geſtrenges Gericht nicht obliquabile, und dahin zuverdrehen / zuverkruͤmmen und zufol - tern / als waͤre alle ἐποϖτεία, alle An - und Einſchau ſolcher Geheimnuͤſſen / ohne Beding und Unterſcheid bloß verbotten / als doͤrfften wir Chriſten auch im neuen Teſtament die Geheimnuͤſſen unſer religion, namentlich auch die Sacramenta Eccleſiæ allerdings nicht penetriren / ſo weit uns der Finger deß H. Geiſtes fuͤhret / ſondern bloß in ſuperficie, wie der Storch den Brey-Topff / beruͤhren / nicht intimè anſchauen / nicht for - ſchen. Diſtingue tempora & concordabit Scriptura, moͤgen wir nicht uneben auch hie ſagen. Es iſt jetzt nicht mehr um die Zeit / da die Geheimnuͤſſe bedeckt und ἀπρόσιτα ſeyn muͤſſen / ſondern nachdem das ve - lum templi, der Fuͤrhang zu dem Heiligthum zerriſſen / Platz und Raum gemacht hinein zugehen / ein Zutritt zu nehmen zum Gnaden-Stuhl Hebr. 4 / 10. erlaubet und gegoͤnnet. Dann es hat uns GOtt der HErr JEſum Chriſtum vorgeſtellet als den Gnaden-Stuhl / πρὸς ἔνδειξιν zur Anzeig und oͤffentlichen Schau / und daſſelbe ἐν τῷ νῦν καιρῷ, in der jetzigen gnadenreichen Zeit deß N. Teſt. Rom. 3 / 25. Nicht allein aber das / ſondern alle andere Evangeliſche Geheimnuͤß / die von ewi -Rom. 16, 25. Eph. 3, 4. & 5. cap. 6, 19. gen Zeiten verſchwiegen geweſt / nun aber durch den H. Apo - ſtel geoffenbahret und kund gemacht Rom. 16. Darinnen uns Chriſtus ſich ſpiegelt mit auffgedecktem Angeſicht 2. Cor. 3 / ult. gebuͤhrlich und beſcheidentlich zubeſchauen. In ſpecie ſchauen auch in die Sacramentliche Geheimnuͤß.

Wann wir dann auch zur Folge der Weiſſagung Zach. 12. anfan - gen zu ſehen / in welchen jene mit gifftigen ſpitzigen Worten / der Roͤmiſche Kriegs-Knecht aber mit ſeinem Speer geſtochen / ſeine hei - lige Seite eroͤffnet / daß Waſſer und Blut heraus gefloſſen. Wann wir / ſag ich / ſolche Schau angefangen / beſchauet 1. die Wunde als die Quell / und 2. die Hiſtori deß Waſſer - und Blut-Fluſſes. So folgt nun die dritte Ἐποϖτεία & Theoria oder Schau deß Sacramentlichen Geheimnuͤſſes /als33Predigt. als um welches willen und daſſelbe recht eigentlich und deutlich wol ein - zubilden dieſer Text erwehlt und erſehen worden. Dißmahl bleiben wir bloß allein in der generalitaͤt / zuvernehmen erſtlich / quid Myſterium, oder was eigentlich das Wort Myſterium, deſſen in H. Schrifft ſo offt gedacht wird / ſeye und heiſſe? Darnach / quod hîc myſte - rium, daß hie unter dieſer Schal ein Wunder-Kern nemlich die H. Sa - cramenten N. Teſt. verborgen ligen. Hievon dißmahl nuͤtzlich zu hand - len / wolle der HErꝛ mit der Gnade ſeines H. Geiſtes allerſeits kraͤfftig beywohnen / Amen.

WAs eigentlich myſterium, oder Geheimnuͤß ſey und heiſſe / davon wir ſo viel / dick und offt hoͤren / aber wenig verſtehen / das hat niemand deutlicher / heller und runder er - klaͤrt / als unſer theure Lutherus / in der Rand-Gloß uͤber Epheſ. 5 / 32. Uber die Wort / das Geheimnuß iſt groß. Myſterium, ſagt er / oder Geheimnuß iſt ein groß / heilig und verborgen Ding / das man nicht ſehen kan / ſondern glauben muß / daß doch von auſſen ſeine Bedeutung hat. Es iſt ein euſſerliche ſichtbare Schal / in welcher ein verborgener unſichtbarer Kern liget. Es gibts die induction, Einfuͤhrung und Anzihung aller derer Schrifften / in wel - chen deß Worts myſterii gedacht wird / Dan. 2 / 19. heiſt Nebukadnezars Traum ein myſterium, ſacramentum, ein verborgen Ding / da un - ter dem im Traum erſchienen und ſichtbaren Coloſſo, deſſen Haupt guͤlden ꝛc. verborgen gelegen die vierte groſſe Welt. Monarchia und Koͤ - nigreich / wie es Daniel erklaͤrt / bey Matth. 13 / 11. Heiſſen die jenige pa - rabolæ, die der HErꝛ producirt / myſteria regni cœlorum, die para - bol vom Samen und Seemann / vom Senff-Korn / vom verborgenen Acker-Schatz / von dem koͤſtlichen Perlin und Fiſcher-Netz / darunter groſſe Geheimnuͤſſe verdeckt und verborgen gelegen. Deßgleichen Apoc. 1. ult. myſterium ſeptem ſtellarum, das Geheimnuß der ſieben Ster - nen / durch welche ſieben Biſchoͤffe in Aſiâ bedeutet worden. Alſo 2. Theſſ. 2. nennet St. Paulus ſeine Weiſſagung vom Antichriſt ein myſterium; Stellet uns den Roͤmiſchen Papſt vor / ſampt ſeinem gantzen Glantz / Stat und Standt / curiâ Hoff und Pracht / und mahlt ihn ab mit ſei - nen lebendigen Farben / als Prochriſtum, als einen Stadthalter Chri - ſti / dafuͤr er angeſehn ſeyn wil /

Juxta c. ſatis diſtinct. 96. Papa à nemine judicati poteſt, quia à Con - ſtantino M. Deus appellatus eſt.

Achter Theil. Eder34Die dritte

der ſich als ein Gott geberdet / und ſich erhebet uͤber GOtt und was Gottes iſt / uͤber den σε〈…〉〈…〉 αςὸν (Auguſtum) ſelber / deſſen Haupt er(*) in anat. demonſtr. 5. n. 231. ſeyn wil / wie ſein Schmarotzer Tannerus von ihm ſchreibt. (*)Inſignis (ſunt Tanneri verba) calumnia & mendacium eſt Hailbronneri, quod dictum illud Tanneri (in relat. de colloq. Ratisb.) Romanum Pontificem eſſe caput Romani Imperii, tanquam novum & inſolens, ſæpius perſtringit, ait - que adverſari conſtitutioni Romani Imp. ac crimen eſſe læſæ majeſtatis &c. Et mox: Dixi ergò, & adhuc dico, Pontificem eſſe CAPVT IPSIVS S. ROM. IMPERII, ac Chriſtianæ Eccleſiæ Vniverſæ: addo & amplifico dictum, eſſe caput Romani Imperatoris, omniumque & ſingulorum Principum Imperii.

nach Anleitung deß Roͤmiſchen Ceremonial muß der Kaͤyſer dem Papſt die Fuͤß kuͤſſen / Stegreiff halten / deß Papſts Stul auff ſeiner Schul - ter tragen / ſampt ſeinen kraͤfftigen Luͤgen und luͤgenhafften Wunder - thaten / und dergleichen. Wiltu wiſſen / was unter dieſem Deckel fuͤr ein Wildpret verborgen lige? Nemlich der Antichriſt. Eben ſo mah - let auch der Geiſt Gottes deß Antichriſts ſein rothe Braut von Babylon ab / præſentirt dieſelbe als eine Mutter aller Hurerey Apoc. 17, 7. als eine Koͤnigin und Herꝛſcherin uͤber alle paͤpſtiſche Koͤnigreich / in ihrer πολλῇ φαντασίᾳ, habit, proceſſion, monſtrantzen / Meßgewandt / Gepraͤng und pomp, Scharlacken / Roſinroth ꝛc. Traͤgt aber an ihrer Stirn geſchrieben / den Namen myſterium. Was wird durch dieſe Reuterin anders verſtanden als die Roͤmiſche Kirch? Wohin dann auch gehoͤrt das Geheimnuͤß der Ehe Eph. 5. Adam und Eva war Mann und Weib / aus deß ſchlaffenden Adams Seiten wird ein Weib erſchaffen / da er erwacht / ſteht ſie da / mit ihme una caro ein Fleiſch: das myſterium oder Geheimnuͤß / ſo hierunter verborgen / entdecket St. Paulus / es ſeye der andere Adam / Chriſtus / und ſeine liebe vertraute Geſpons / die Chriſtliche Kirch / welche gleichſam / da er am Stamme deß Creutzes geſchlaffen / aus ſeiner eroͤffneten Seiten hervor kommen und gebauet worden / hernach nach ſeiner Aufferſtehung zu ihm gezogen / und mit derſelben ein geiſtlicher Leib worden. Solche Bewandnuͤß hat es auch mit dem myſterio ſacramentali: Unter der Schalen deß Waſſers liegt das groſſe Geheimnuͤß der H. Tauff; unter der Schalen Brodts und Weins der Leib und Blut Chriſti. Chryſoſt. hat die πάϑη, qualitaͤten und Eigenſchafften eines myſterii oder Geheimnuͤßes / daſſelbe noch deutlicher zuverſtehen / zuſam̃en gefaſt (Homil. 19. in Ep. ad Rom.) in dieſe definition: Μυςήριον ἐνταῦθα ἐγνοούμενον καὶ ἀπόῤῥητον λέγων, καὶπολὺ35Predigt. πολὺ μὲν τὸ ϑαῦμα, πολὺ δὲ τό παράδοξον ἔχον; Myſterium ſic inco - gnitum & arcanum dicens, quod multum admirationis, & mul - tum paradoxi habet. (*)

(*) conf. Diſput. noſtr. in cap. 11, 25. Epiſt. ad Rom. p. 9.
2

Er nennets 1. Αγνοούμενον, ein geheim / verborgen / uner - kaͤntlich / unempfindlich und unſichtbarliches Ding / ὑπ ὲρ - νου̃ν καὶ κατάληψιν: unerkaͤntlich gar nicht abſolutè, und ohne Unter - ſcheid bloß dahin / ſondern dunckel und unerkaͤndtlich in und vor unſern ſinnlichen und Vernunffts-Augen / gleichwie es dort bey der ἀγγελοφάνεια oder Engliſchen Erſcheinung 2. Reg. 6. hergangen / daß Gehaſi der Diener Eliſæ die feurige Roß und Wagen der H. Engel mit den rohen unerleuchteten leiblichen Augen nicht erſehen koͤnnen / biß ihm die Augen / durch von Eliſa erbettene goͤttliche Erleuchtung / auffgangen / da ers als - dann hell und klar geſehen. Alſo koͤnnen auch die Glaubens-Geheimnuͤß mit Vernunffts / weniger mit euſſerlichen ſinnlichen Augen nicht / doch wol mit den Augen deß Glaubens / der ein Grundveſt iſt deſſen was man nicht ſihet / geſehen und gemercket werden.

2. Ἀπόῤῥητον & ineffabile, ein ſolch geheim und verborgen Ding / daß wie es mit Sinnen und Gedancken nicht kan erreicht / alſo mit dem Munde oder mit Worten nicht kan angezeigt und außgeſprochen werden. Ineffabile ſag ich / aber nicht negativè, als ſolt es gantz nicht außgeſpro - chen werden koͤnnen / Chriſtus lehrt anders Matth. 10 / 26. ſeq. da er zu ſei - nen Juͤngern ſpricht: Es iſt nichts verborgen / daß nicht offenbar werde / und iſt nichts heimlich / daß man nicht wiſſen werde: Was ich euch ſage im Finſternuͤß / das redet im Liecht / und was ihr hoͤret in das Ohr / das prediget auff den Daͤchern. Sondern τῷ φαύλως ἔχειν, weil es hoch und ſchwer iſt davon zu reden und außzudeuten. Darum muß man ſobriè und religiosè gar behut - ſam und vernuͤnfftig davon reden und handeln / analogicè ad fidei re gulam, daß kein Wort an der Glaubens-regul anſtreiche. Unauß - ſprechlich iſt auch ein myſterium, dieweil kein menſchliche Zung es per - fectè gnugſam und vollkommen außſprechen kan / gleichwie den Ver - ſtand und Krafft deß Namens Jehovàh, doch aber ſo viel in dieſer ſterb - lichen Unvollkommenheit geſchehen kan; dann warum hats GOtt ge - offenbaret / als daß mans nennen und erkennen ſol?

3. Παράδοξον, oder vor der Vernunfft unglaublich / thoͤricht und veracht. Maſſen von den Heyden die Beſchneidung der Juden genen - net worden / πράγμα γελώμενον παρὰ πολλοῖς, ein laͤcherlichs Ding. Daher das Sacrament der H. Tauff ſo gar veracht / daß (wie LutherusE 2berich -36Die dritteberichtet Tom. 4. Jen. p. 420.) dieſelbe von den Wider-Taͤufferen genennet worden ein Hunds-Bad / die Taͤuffer Bad-Knecht; Das Sacrament deß H. Abendmahls ward vorzeiten genennet Thyeſtæa - na, ein Menſchen-Freſſerey / Beza nennets Κρεωφαγίαν das Fleiſch-freſ - ſen.(*)Die goͤttliche Thorheit iſt weiſſer dann die Menſchen ſind. Jn ſolchen Re - ligions und Glaubens-Sachen muͤſſen wir Narren werden / wie Paulus ſpricht 1. Cor. 3. Welcher ſich unter euch duͤncket weiſe ſeyn / der werde ein Narꝛ in dieſer Welt / auff daß er moͤge weiß ſeyn. Vnd laſſet uns unſere Vernunfft gefangen nehmen unter den Gehorſam Chriſti 2. Corinth. 10. Vnd da gilt der Spruch deß Prediger Salomons Eccleſ. 9. Zuweilen iſt Thorheit beſſer / dann Weißheit / das iſt / was die Welt fuͤr Thorheit haͤlt / in geiſtlichen und goͤttli - chen Sachen / das iſt beſſer / dann der Welt groſſe Witz. Dann es iſt eine Krafft Gottes ſelig zu machen. Ita D. Bidemb. in 1. Sam. 21. pag 290. aber μωρὸν Θεου̃ σοφώτερον, ſprechen wir mit Paulo 1. Cor. 1 / 25.

4. Θαυμάσιον ein gantz ſeltzam und wunderbares Ding / daruͤber man ſich billich zu verwundern hat / und zu ruffen / Ὠβάϑος! O welch eine Tieffe! Es geht doch in den myſteriis naturæ und Ge - heimnuͤſſen der Natur alſo her / daß man ſich muß begnuͤgen mit dem ὅτι, bloß zu wiſſen daß ein Ding ſey / aber das διότι kan man nicht allhier er - forſchen / alle innere Urſachen und qualitates occultas nicht penetriren. Daher Auguſtinus ſchreibt / da er zum erſtenmahl den Magnet-Stein geſehen / cum primum vidi, ferreum annulum ſuſpendi, inhorrui, quis iſtam vim lapidis non ſtuperet? Er hab ſich hefftig darob entſetzet / da er geſehen / wie ein eiſſerner Ring damit auff - gehaben worden / dann wer wolte ſich nicht uͤber ſolche Krafft eins Steins verwundern. ὠβάϑος! Weniger haben wir zu ver - wundern / wann wir in uͤbernatuͤrlichen himmliſchen Glaubens-Geheim - nuͤſſen nicht tieffer hinein kommen und ergruͤnden koͤnnen / und alſo bey dem bloſſen ὅτι bewenden laſſen muͤſſen.

Daß aber nun (welches der andere Umſtand) unter unſerer Hi - ſtori ſolch Geheimnuͤß verborgen lige / ein ſo gethanes jetzt beſchriebenes myſterium, daſſelbe iſt zwar mit klaren Worten nicht benahmſt noch außgedruckt / doch aber in den Umſtaͤnden per ἀγχίνοιαν leichtlich zufin - den. Und daſſelbe (I.) in analogiâ ſtyli Spir. S. in der Vergleichung derer in H. Schrifft uͤblichen Red deß H. Geiſtes Arten / als deſſen Gewonheit iſt / ſeine Wort durch euſſerliche Zeichen zu declariren / deß Glaubens und glaubwuͤrdige Sachen zu evidentificiren / clarificiren / liechter und leichter zu machen. Gleichwie etwan ein kunſtreicher Mah -ler37Predigt. ler auch thut / wann er ein obſcuren finſtern und ſchattichten Wald wil abmahlen / ſo braucht er wiewol ſchwartze doch helle und ſcheinbare Far - ben dazu. Wo ihr nicht Zeichen und Wunder ſehet / ſo glaubet ihr nicht / ſprich[t]unſer Heyland zu dem Koͤnigiſchen Joh. 4 / 48. Jſt aber auch der Menſchen Vernunffts. Art ins geſampt / welche etwas zubegreiffen Zei - chen erfoͤrdert. Sonderlich thut es der H. Geiſt in den Geheimnuͤſſen von Chriſto / der der Stern und Kern iſt der gantzen H. Schrifft / ſeine Perſon / Menſchwerdung / Gutthaten / merita, Fruͤchten ſeind allenthal - ben mit Worten in H. Schrifft auffgezeichnet / weil es aber hohe tieffe myſteria ſind / ſo ſind dieſelben mit gewiſſen Zeichen / parablen und ty - pis oder ænigmatiſchen Zeichen begleitet / bezeichnet und fuͤrgebildet wor -1. Cor. 13, 12. den. Das Opffer Chriſti in der gantzen liturgia deß Alt. Teſtaments / unter Abrahams Opffer und Saamen das Opffer deß Meſſiæ; Unter der Jacobs-Leiter / Er Chriſtus als der Weg / die Warheit und das Leben; Unter Joſephs gantzer politis und Lebens-Lauff / der Standt der Ernie - drigung und Erhoͤhung Chriſti; Unter Moſis feurigen Buſch das Ge - heimnuͤß der incarnation und Menſchwerdung deß Sohns Gottes. (*)(*) Hieruͤ - ber beſihe D. Luthe - rum Tom. 1. Isleb. p. 304. f. 2. & ſeqq. Unter dem Oſter-Lamb deß Alt. Teſtaments Chriſtus das rechte Oſter - Lamb / wie auch unter dem Bild der erhoͤhten ehrnen Schlangen; Un - ter dem Manna und Himmel-Brod Joh. 6. Unter Joſuæ groſſem Sieg und Verſtoͤrung der Stadt Jericho / auch calcation der fuͤnff Koͤ - nige; Unter Davids Hirten-Stab und Pfleg; Unter Salomons majeſtaͤt / glori und Herꝛligkeit / unter Eliæ Himmelfahrt / Eliſæ Tod - ten-Erweckung / Oſeæ Heurath / Jonas im Wahlfiſch / Daniel im Loͤ - wen-Graben. Alſo ob ſchon in der Evangeliſchen hiſtoria die beyden Sacramenten / dero Krafft / Safft und Tugend / mit klaren Worten beſchrieben Matth. 26. und 28. Cap. So hat doch der goͤttlichen provi - denz belieben wollen / auch mit euſſerlichen Zeichen deß Waſſer - und Blut-Fluſſes ſie bezeichnen. Wie durch die Arch Noah die H. Tauff; durch Melchiſedechs Mahl das H. Abendmahl vorgebildet worden; Alſo auch die H. Tauff unter der Wolcken-Tauff / Manna-Speiß und Fel - ſen-Trunck.

(II.) Ex hypotheſi miraculi. Und das um ſo viel deſto glaub - licher / dieweil dieſer Fluß ein rares und klares uͤbernatuͤrliches Wun - derwerck geweſt. Nun haben alle miracul und Wunder Chriſti ihre ge - heime geiſtliche Bedeutung der inneren geiſtlichen miraculen ſo an der Seelen geſchehen / und durch die leibliche bedeutet worden / und um dero willen dieſe angeſehen geweſt. Die Heilung deß Auſſatzes hat gedeu -E 3tet38Die drittetet auff die geiſtliche Abwaſchung vom ſchnoͤdeſten Greuel der Erb-Suͤn - de / welche iſt der geiſtliche Auſſatz / damit wir Menſchen angeſtecket und vergifftet. Da der HErꝛ Chriſtus die Tauffel von den Beſeſſenen auß - getrieben / wurde damit angedeutet die geiſtliche Außtreibung durch den kraͤfftigen Loͤß-Schluͤſſel; Da er die Stummen und Sprachloſen redend gemacht / ſollen wir dabey mercken / wie der in geiſtlichen Sachen von Natur ſtumme und thumme Menſch / empfaͤngt die himmliſche Sprach zu reden / und aus kindlichem Vertrauen zu ruffen / Abba lieber Vater; Der geiſtlich Taube hoͤret ἄῤῥητα Evangelia die unaußſprechliche Wort von den Evangeliſchen Wolthaten die kein Ohr gehoͤret / 1. Cor. 3. Die Blinden ſind leiblich aber auch geiſtlich ſehend und erleuchtet worden. Die Erweckung deß allbereit verſtorbenen todten / ja ſchon ſtinckenden La - zari, war ein helles Zeichen nicht allein der geiſtlichen Aufferſtehung aus dem geiſtlichen Suͤnden-Tod / ſondern auch der Vernunfft unglaͤublichen Geheimnuͤſſes der Aufferſtehung von den Todten am juͤngſten Tag. Weil dann auch unſer fuͤrhabende Waſſer - und Blut-Fluß geweſt ein uͤbernatuͤrliches miracul, (dann ja uͤber und wider alle Natur / aus einem abgematteten / todten / entſeelten Leichnam / diverſis ἄυλοις abſonderlich ungemengt / nicht geſtocket und gefroren / nicht ſtill geſtanden oder an - geklebet / nicht getropffet / ſondern heraus gequollen / geſprungen / wie das Blut aus der Ader eines geſunden Ader-Laͤſers / wie ein leiblich Waſ - ſer aus einem friſchen ſpringenden Brunnen) als hat ja billich etwas ſon - derbars / und ein groſſes Geheimnuͤß dadurch deſignirt / bezeichnet und angedeutet werden ſollen. Was aber anders als das offt beneñte Geheim - nuͤß der H. Sacramenten?

Es iſt gewiß (ſchreibt D. Lutherus in Poſtill. domeſt. p. 157.) und wird es nie - mand koͤnnen leugnen / daß es unnatuͤrlich iſt / daß ein verſtorbener Leib ſchweiſſen oder bluten ſol. Denn bald das Blut erkaltet / fleuſt es nicht mehr / ſondern ſto - cket. Aber hier haben wir einen ſonderen Todten-Coͤrper oder Leib / darum gehet es anders mit ihm / denn mit anderen. Fleiſch und Blut iſt er / eben wie unſer Leib / und ſtirbt / aber weil ſein Fleiſch und Blut ohne Suͤnde iſt / ſtirbet er doch alſo / daß auch im Tod ein Anzeigung deß Lebens bleibe. Da ſonſt das Blut ſo bald erkaltet und ſtocket / bleibt es ins HErꝛn Chriſti Leib fein warm und lebendig / daß / ſo bald die Seiten geoͤffnet iſt / es dahin ſpringet / als wenn man ſonſt einem geſunden die Ader oͤffnet. Das wil Johannes daß wirs fleiſſig ſollen mercken / und die rechte Art draus lernen / welche unſers lieben HErꝛn Chriſti Blut hat / nemlich daß es fleußt / lebet und ſeine Wůrckung hat / auch nach dem Tod. Sic Luth. in h. l.

(III.) In digito indice Johannæo, oder am allerklaͤreſten findenwir39Predigt. wir das myſterium in den wichtigen / emphatiſchen / hochbe - theurten und ernſthafften Worten St. Johannis. Zwar vor den Augen der Vernunfft hat es kein beſonder Anſehen / der Kriegs-Knecht und alle das Volck / das unter dem Creutz geſtanden / habens fuͤr ein un - gefaͤhrliches Ding angeſehen / daran nicht viel gelegen / haben etwan ge - dacht / was ſols wol zu bedeuten haben / wann Waſſer und Blut aus einem verblichenen Leichnam rinnet? Gleichwie aber viel dergleichen actus paſſionales vorgangen / die durch goͤttliche Providenz und dire - ction hohe Geheimnuͤß haben ſollen andeuten / zum Exempel das Fuͤſſe waſchen Joh. 13 / 7. war alſo beſchaffen / daß dazumahl Petrus nicht verſtanden noch gewuſt was es bedeutet / wie ers erſt hernach erfahren / daß nemlich der Menſch in der H. Tauff zwar ſchon von Sũnden abge - waſchen / doch weil er aus der Bad-Stub in die unflaͤtige Welt wieder ge - hen und darinn ſeine Fuͤße beflecken muß / der taͤglichen Reinigung durch die Erneurung von noͤthen ſey / Caiphas zerriß ſeinen Rock / dacht aber nicht / daß es den Riß deß Fuͤrhangs im Tempel / conſequenter die Auff - hebung der Wand / dadurch das Heiden - und Judenthum unterſchieden geweſen / bedeutet. Herodes laͤſt Chriſto ein weiſſes Kleid anzihen zum Spott / die goͤttliche Pronœa macht ein Ehren-Kleid daraus / es muß ihm dienen zu einem Zeugen ſeiner Unſchuld / der Hohenprieſterlichen Wuͤrde und Koͤniglichen Adels; Pilatus meynt er wolle Chriſto gar weh thun in ſeiner inſcription oder Creutz-Titul / aber die goͤttliche all - waltende πρόνοια richtets dahin / daß Pilatus ein Prophet werden muͤſ - ſen / und andeuten daß Chriſtus ein Koͤnig werde ſeyn nicht nur der He - breer / ſondern auch der Griechen und Lateiner. Alſo hatte zwar unſer Waſſer - und Blut-Fluß anfaͤnglich und von auſſen ein ſchlechtes Anſe - hen / niemand dachte damahls an eine hoͤhere Deutung und geheimen Verſtandt. Allein Johannes aus ungezweiffelter Erregung deß H. Geiſtes / der ſihet durch dieſe perſpectiv auff ein weiters und tieffers / und fuͤhrt deßwegen gar wichtige / emphatiſche / durchtringende / bedenckliche / viel und ernſte Wort und ſchreibt (1.) oportere, es hab ſo muͤſ - ſen ſeyn / auff daß die Schrifft erfuͤllet wuͤrde deß Propheten Zachariæ, er habe laͤngſt viel hundert Jahr zuvor auff dieſe Geſchicht gedeutet / ſie werden ſehen / nicht wie ein Kuhe ein neu Thor ꝛc. (2.) Factum eſſe, es ſeye warhafftig ſo geſchehen / er ſey deſſen ein ſtand - haffter Zeug / er wiſſe nicht nur fuͤr ſich ſelbſt aus der inneren Verſiglung deß Geiſtes / daß er die Warheit rede / ſondern er ſey ἀυτόπτης ein ſolcher Zeug / der es auch ſelbſt mit eignen Augen geſehen. Were esihm40Die dritteihm bloß um den credit zu thun geweſt / haͤtte er ſolchen betheurten Bejach - zung nicht bedoͤrffet / als der nicht muthwillig luͤgen weder koͤnnen noch wol - len / die unter dem Creutz und neben ihm geſtanden / haͤtten ihn bald ſcham - roth machen koͤnnen / haͤtte er fablen wollen. Es ſolte (3.) auch ſo ſeyn / auff daß ihr glaubet / eſſe non〈…〉〈…〉 πιςητὸν ſed πιςὸν, es ſeye my - ſterium fidei ein Geheimnuß deß Chriſtlichen Glaubens. Er truckt (4.) hierauff das Sigel / und ſchreibt / es hab Chriſtus nach ſeiner Auffer - ſtehung / ſeine Wundmahl ſeinen Juͤngern gezeigt / nicht ohne gefaͤhr / ſondern diß Geheimnuß damit zu verſiglen / Joh. 20 / 27.

Jſt alſo außgemacht und erhaͤrtet daß / was wir vom myſterio ge - ſagt / kein Tand-Maͤhr / tradition oder eiteles Sinn-Bild und Gedicht / kein frembde / weit geſuchte / mit Haaren herzu gezogene / ungegruͤndete / verkuͤnſtelte und poëtiſche Allegori, ſondern myſterium ein Geheim -(*) Poſtill. dom. p. 157. nuß ſey. Es iſt kein ungefaͤhrlicher Handel / (*) (iſt D. Lutheri ernſtliche Vermahnung) es hat etwas beſonders deuten / wuͤrcken und außrichten ſollen / daß der HErꝛ alſo in die Seiten ge - ſtochen / und Blut und Waſſer heraus gefloſſen iſt. Darum huͤte dich / daß du nicht thuſt / wie rohe Leuth gemeiniglich pfle - gen und gedencken: Was gehets mich an / was aus deß HErꝛn Chriſti Seiten gefloſſen iſt / mir gnuͤgt daß ich weiß / daß er am Creutz geſtorben ſey. Alſo gedencke ja nicht: Son - dern dem H. Geiſt zu Ehren / und dir zum Troſt / hoͤre mit Fleiß / was doch ſolcher Handel mit ſich bringe / welchen Jo - hannes ſo treulich anzeiget / und Zacharias ſo lang zuvor geweiſſaget hat. Bißher Lutherus. Was aber eigentlich in ſpecie fuͤr ein Geheimnuß darunter verborgen / das laͤſt ſich jetzo nicht außfuͤhren / die Zeit leidets nicht / und iſt dieſe materia einer ſonderbaren Predigt wol werth.

(*) in Po - ſtill. do - meſt. pag. 157. f. 2.
3

Lutherus erklaͤrts (*) von der lebendlgmachenden Krafft deß Leibs und Bluts Chriſti auch nach dem Tod. Es ſey zwar Chriſtus war - hafftig geſtorben wie wir / aber ſein verſtorbenes Fleiſch ſey nicht verweſet / hab die lebendigmachende Krafft behalten / gleichwie auch deß HErꝛn Chriſti Schlangentretende Bein und Schenckel nicht ſolten gebrochen werden. Aber das iſt nicht gnug. Geliebt es GOtt mit naͤchſtem wollen wir aus Luthero ein mehrers vernehmen / und anzeigen Myſterium Sacramentale. Gnug iſts dißmahl zu wiſſen in genere, daß einmahl ein myſterium und groſſes Geheimnuß hier verborgen lige.

Jſt41Predigt.

Jſt dem alſo / und begreifft dieſer Effluxus ein groſſes / heiliges / ver - borgen und uͤbernatuͤrliches myſterium in ſich / ſo muß daſſelbe auch als ein ſolchs groß Heiligthum von uns angeſehen / angenommen und tra - ctirt werden. Jſt derowegen I. ein Arcanum ſed revelatum, ein ge - offenbartes Geheimnuͤß. Was nun der Geiſt Gottes gebloͤſſet und ent - decket / das ſollen wir nicht bedecken. Daſſelbe iſt nicht mehr verſigelt / ſondern eroͤffnet durch das Lamb. Gleichwie vor Lutheri Zeiten nie - mand recht eigentlich gewuſt / was und wer der Antichriſt ſeye / was und wer durch die Babyloniſche Hur verſtanden werde? (Hinc tot deliquia Patrum.) Aber nachdem durch Luthers Geiſt die ἀποκάλυψις erfolgt / ſo ſtehet es heiter und hell gnug fuͤr Augen / wann man nur nicht conni - viren und mit ſehenden Augen blind ſeyn wil / wie im Papſtthum / da man den Wald fuͤr den Baͤumen nicht ſehen kan.

Neſcire quæ Magiſter optimus neſciri voluit, erudita eſt inſcitia; ſed ne - ſcire, quæ idem nos ſcire vult, ignava eſt inſcitia. ()

Es iſt zwar II. Ἀγνοούμενον, unbekant und unſcheinbar / aber nicht fuͤr den Augen deß Glaubens. Der Glaub erfordert auch eine Wiſſen - ſchafft. Johannes ſagt / ut credatis, ich ſchreibe und bezeug ſolches / auff daß ihrs glaubet / es ſeye alſo ein Glaubens-Articul / und deßwe - gen geoffenbaret / daß man den Glauben daraus ſtaͤrcken ſolle / wie unſer Catechiſmus lautet / da im vierdten Stuͤck gefragt wird / wozu dienen die Sacramenta? Antw. daß ſie den Glauben in uns erwecken und ſtaͤrcken ſollen ꝛc. Kan man die Sach nicht ergruͤnden / ſo muß man doch die Wort / durch welche die Sach entworffen worden / erkennen lernen. Hinweg fides implicita und blinder Koͤhlers-Glaub im blinden Papſtthum! Daruͤber D. Lutherus manche Klag gefuͤhrt / ſonderlich in ſeinem kleinen Catechiſmo / in der Vorred / da er ſagt / was ihne dazu getrieben und gezwungen habe / die Chriſtliche Lehre in ſolch kleine / ſchlechte / einfaͤltige Form zu ſtellen: Die klaͤgliche elende Noth / ſagt er / ſo ich neulich erfahren habe / da ich auch ein viſitator war. Hilff lieber GOTT / wie manchen Jammer hab ich geſehen / daß der gemeine Mann doch ſo gar nichts weiß von der Chriſtlichen Lehre / ſonderlich auff den Doͤrf - feren / und leider viel Pfarꝛherꝛn faſt ungeſchickt / und un - tuͤchtig ſind zu lehren / und ſollen doch alle Chriſten heiſ - ſen / getaufft ſeyn / und der heiligen Sacrament genieſſen / koͤnnen weder Vater unſer noch den Glauben / oder ZehenAchter Theil. FGebot /42Die dritteGebot / leben dahin wie das Vieh / und unvernuͤnfftige Saͤue.

Zuvor / nemblich vor Luthero, (ſchreibt Lutherus ſelbſt Tom. 7. Wit - teberg. p. 478.) hat niemand gewuſt / was das Evangelium / was Chriſtus / was Tauffe / was Beicht / was Sacrament / was der Glaube / was Geiſt / was Fleiſch / was gute Werck / was die Zehen Gebot / was Vater Vnſer / was Beten / was Leiden / was Troſt / was weltliche Oberkeit / was Eheſtandt / was Eltern / was Kinder / was Herꝛ / was Knecht / was Frau / was Magd / was Teitffel / was Engel / was Welt / was Leben / was Tod / was Suͤnde / was Recht / was Vergebung der Sůnden / was GOtt / was Biſchoff / was Pfarꝛ - herꝛ / was Kirche / was ein Chriſt / was Creutz ſeye? Summa / wir haben gar nichts gewuſt / was ein Chriſt wiſſen ſol / alles iſt durch die Papſt-Eſel ver - dunckelt und unterdruckt.

Es iſt auch III. Ἄῤῥητον, ein unaußſprechliches Geheimnuͤß / nicht bloß dahin / ſondern ſchwerlich recht außzuſprechen und außzulegen / daß es maͤnniglich auch die einfaͤltigen Jdioten faſſen und begreiffen moͤgen. Mancher frater ignorantiæ oder ignaviæ, der / wann er hinter ſolche Geheimnuͤßreiche Text kompt / ſo beruͤhret er allein ſuperficiem, ſpringt daruͤber hin / wie der Han uͤber die gluͤenden Kohlen / leiſtet dem Text keine Gnuͤge. Oder prediget das allein wovon die Voͤgel auff den Taͤchern ſingen. Aber was ſagt Chriſtus? Matth. 10 / 27. Was ich euch ſage im Finſternuͤß / das redet im Liecht. St. Paulus ſagt von ſich ſelbſt Act. 20, 27. Er habe nicht verhalten / daß er nicht ver - kuͤndiget haͤtte alle den Raht Gottes. Und wiederum ſchreibet erTob. 12, 8. Rom. 11 / 25. Jch wil euch nicht verhalten dieſes Geheimnuͤß. Der Koͤnige und Fuͤrſten Raht / ſagt der Engel Raphael / und Heimligkeit ſol man verſchweigen; aber Gottes Werck ſol man herꝛlich preiſen und offenbahren. Trolle dich derowe - gen du Geiſt der Finſternuͤß mit der lateiniſchen liturgia und Meß-Ampt / als einem verdeckten Eſſen / davon der Idiot und Ley ſo viel verſteht als ein Kuh.

Accedat dignitas myſteriorum, quæ ſilentium requirunt. Bellarm. l. 4. de Verb. Dei. c. 8. ()

Welches myſterium iniquitatis der erleuchtete Paulus geſe - hen und widerlegt / eh es außgebruͤtet / zur Geburt kommen und jung worden / 1. Cor. 14. allwo ſo viel argumenta als Worte der H. Apoſtel hier wider anfuͤhret / und laſſen ſich dieſelbe kurtz in dieſe Schluß-Rede zuſammen faſſen: Welcher Gottesdienſt barbariſch / unnuͤtz /unſin -43Predigt. unſinnig / der iſt ein Greuel. Nun ein ſolcher iſt dieſer lateiniſche in den Leyen unverſtaͤndlicher Sprach / geuͤbte Gottesdienſt. Vnnuͤtz iſt er zur Erbauung / zur Beſſerung / zur Ermahnung / zum Troſt / der Ley kan nicht Amen dazu ſagen; barbariſch iſt er untentſch und un - verſtaͤndiglich / gleich einem Poſauniſten und Laͤrmen-Blaͤſer / Pfeiffer oder Harpffen Schlaͤger / einem Organiſten ohne Text / der ohne SinnCatechiſ. Milch p. 1. p. 537. daher phantaſirt / er redet in den Lufft. Nicht weniger iſt ein ſolcher Dienſt unſinnig / ein Ley oder Unglaͤubiger wuͤrde er nicht ſagen / ihr ſeyd unſinnig? Zum Exempel / wann man auff hieſigen Schwoͤr Tag vom Geruͤſt herab den Muͤnſter-Brieff in Hiſpaniſcher Sprach wolt able - ſen / wuͤrde man nicht ſagen / der Mann iſt toll? Sprichſtu es ſey gnug daß es der Prieſter verſteh / obs gleich der Ley nicht verſtuͤnde. Wie aber / wañ der Prieſter ein Schalck waͤre / und taͤuffte ins Teuffels Namen? Wie man dergleichen Exempel findet / daß es geſchehen. Wie wann dein Advocat ein ſupplication machte an die Obrigkeit / und daſſelbe nicht anders / als in frembder dir unbekanter Sprach / wuͤrde es dir nicht ſuſpect vorkom̃en? Wuͤrdeſtu trauen? Jch meine nicht. Hingegen fordert der Apoſtel Rom. 12 / 1. λογικὴν λατρει̃αν einen vernuͤnfftigen Gottesdienſt.

Jſt es IV. und endlich auch παράδοξον, φρικτὸν, als ein un - glaͤubliches entſetzliches Geheimnůß. Wem aber? Dem fleiſch - lichen Blut / der Vernunfft / den Hunden und Schweinen / denen die - ſes Heiligthum nicht gehoͤrt; aber hingegen den Glaubigen iſt es ein hochfeyrliches Werck / das man preiſen und verkuͤndigen ſoll. Von Rudolpho I. dem Roͤmiſchen Kaͤyſer liſet man in Hiſtorien / (*) daß(*) vide Juſt. Lipſii Monita Polit. III. Exempl. 4. pag. 9. er / als er noch nicht auff Kaͤyſerlichen Thron erhoben / ſondern mehr nicht damals / als ein Graff von Habſpurg war / ſeine pietaͤt in vielen Stuͤcken von ſich leuchten laſſen: Sonderlich / als er einsmals mit et - lich wenig der ſeinigen auff die Jagd geritten / da wegen Regen Wetters der Weg und Pfad ſehr verwuͤſtet war; Sihe / da begegnete ihm ein Prie - ſter mit der Hoſtien / ſo er einem Krancken zureichen willens / und zwar gieng der Prieſter zu Fuß / da nun dieſes der in ſeiner Maß from̃e Graff Ru - dolphus geſehen / hab er ſich dermaſſen hieruͤber bewegt / daß er non ſine indignatiuncula aliquâ halb zornig vom Pferd herunter geſprungen / ſagend: Me vehi, Te, qui Servatorem meum portas, pedibus ince - dere? indecorum vel impium ſit: conſcende & equum hunc cape. Das iſt: Jſt das nicht ein Schande / ja wol gar ein Gottloſigkeit / daß ich reute / und du Prieſter / der du doch hier in der Hoſtien meinen Hey - land traͤgeſt / ſolt zu Fuß gehen? Setze dich ohn Verzug auffs Pferd und reu -F 2te da -44Die vierdtete dahin: Welches der Prieſter gethan / er aber der fromme Herꝛ ſeye gantz demuͤtig mit entbloͤſtem Haupt nachgefolget / biß an das Hauß / wo der Krancke inne war; Hat ihn auch hernach eodem habitu alſo zu Pferd wieder zuruͤck in ſein Hauß fuͤhren laſſen. Nun das war der Sachen um etwas zu viel gethan / die fallacia à non causâ ut causâ, floſſe aus irrendem Gewiſſen. Haͤtte Er der Chriſtliche Kaͤyſer ſolch Liecht von dem Sacramentlichen Geheimnuͤß gehabt / wie wir heutigs Tags haben / wie viel inniglicher wuͤrde er ſich druͤber erfreuet und deſſen ſich getroͤſtet haben? Wie viel mehr ſollen wir verbunden ſeyn ad myſteria colenda ſolche Geheimnuͤß hoch theur und werth zu halten / auch ceremo - nia genuflexionis mit aͤuſſerlichen Geberden / Ehr erbieten / Knie biegen / demſelben begegnen. Jſt zwar ein adiaphorum und Mittelding / aber Undanck hab dem Calviniſchen Geiſt / der uns auch dieſe ceremoni auß - geblaſen / da doch unſere Augſpurgiſche Confeſſion im 15. Articul / von Menſchlichen Kirchen Ordnungen lehret / daß man die jeni - gen halten ſolle / ſo ohne Sůnde moͤgen gehalten werden / und zu guter Ordnung in der Kirchen dienen / als gewiſſe Feyer-Feſtag und dergleichen.

Gnug fuͤr dißmahl / der HErꝛ entzuͤnde in uns ein flammende ὄρεξιν und eyffrige bruͤnſtige Begierd / daß wir auch auffs wenigſt mit denen zu Athen ſagen Act. 17, 32. Wir wollen dich weiter (und mit mehrern fre - quenz) hievon hoͤren / nicht nur hoͤren / ſondern auch unſern Glauben draus ſtaͤrcken und vermehren / uns zu Troſt / und Gott zu Ehren / Amen.

Die vierdte Predigt / Von Dem Sacramentlichen Geheimnuͤß / deß Waſſers und Bluts Chriſti.

GEliebte in Chriſto. Wann ihr nicht haͤttet mit meinem Kalb gepfluͤget / ihr haͤttet mein Raͤtzel nicht troffen / ſagt Simſon der edle Son - nen-Mann / der theure Held Jud 14 / 18. zu ſeinen Braut-Geſellen den 30. Philiſtiſchen Juͤnglingen / die ihm bey ſeiner Hochzeit auffzuwarten verordnet geweſen. Dannals45Predigt. als er ſein Hochzeitlich Ehren - und Freuden-Feſt celebrirt mit der Philiſterin zu Timnath / und nach loͤblicher Lands-Art ſeinen Braut - Geſellen ein tieffſinniges Raͤtzel fuͤrgelegt / mit Weitungs-Weiſe angefuͤgter Zuſag / er wolle / wo ſie es errathen / ihnen ſchuldig ſeyn zu lieffren 30. Hembder und Feyr-Kleyder / darauff geſagt: Raͤther lieber Raͤther rathet / was iſt das? Speiß gieng vom Freſſer / und Suͤſſigkeit vom Starcken: Als ſie nun dieſem Raͤtzel mit vielem Kopffbrechen ſieben Tag nachgeſunnen / und doch nichts erſinnen koͤnnen / biß ſie endlich durch die Braut die ſolution und Deutung her - aus gelocket / und daher auff den ſiebenden Tag Simſon fuͤr die Augen getretten und geſagt: Was iſt ſtaͤrcker dann der Loͤw / was iſt ſuͤſſer denn Honig? Als wolten ſie ſagen / du haſt aus einem todten Loͤwen-Aaß Honig geſſen / das bedeut es: So hat hierauff Simſon ſie mit dieſen Verweiß-Worten angeſprochen: Wann ihr nicht haͤt - tet mit meinem Kalb gepfluͤget / ihr haͤttet mein Raͤtzel nicht troffen / das iſt / haͤttet ihr die Deutung nicht von meinem Weib her - aus gelocket / haͤtte ſie es nicht verrathen / ihr haͤttets nimmer errathen. Jhr Tuͤck / euer Gluͤck. Jn der H. Sprach ſtehet das Wort Charaſch, welches Lutherus gedolmetſcht durch das teutſche Wort pfluͤgen. Jſt ein Gleichnuͤß genommen von dem Acker-Werck / gleichwie ein Baurs - Mann ordinariè durch pfluͤgen und ackern ſein Brodt aus der Erden heraus hauet / oder wol extraordinariè im Acker einen Schatz findet / ſonderlich in den Orthen / da groſſe Schlachten geſchehen; von dem kan man ſagen / haͤtte er nicht gepfluͤget und ihm es laſſen ſaur werden / haͤtte er nicht ſein Kalb oder Ochſen angeſpannen / ſo haͤtte er den Schatz nicht gefunden: Alſo haͤttet ihr Philiſter nicht ſo lang an meinem Weib gear - beitet /[u]m die Bedeutung zuerforſchen / ihr haͤttet es aus eurem Kopff nicht erſponnen.

Alles uns zur Lehr / Exempel und Beyſpiel / wie wir auch die ænig - mata Biblica oder Bibliſche Raͤtzlen tractiren 1. Cor. 13 / 13. Wie wir den Schatz im Acker ergraben Matth. 13. den Kern in der Schal heraus bringen ſollen. Chriſtus unſer Blut - Braͤutigam / da er auch ſein Hoch - zeit gleichſam am Creutz gehalten / da ihn ſein Mutter die juͤdiſche Syna - gog mit Dornen gekroͤnet und am Creutz gethroͤnet / da die ſtoltze Tochter zu Zion ihm den Korb gegeben / er die feindſelige Philiſterin / das iſt aus dem Heydenthum eine Geſpons erwehlet / und ſie mit ſeinem goͤttlichen Blut erworben / hat er auch ein ænigma reale ein thaͤt - und wuͤrckliches Raͤtzel der gantzen Welt fuͤrgelegt in ſeinem Waſſer - und Blut-Fluß /F 3alſo46Die vierdtealſo lantend: Liebe Raͤcher rathet was iſt das? Lebendiges Waſ - ſer quillet aus der Wunden; Spritzendes Blut fleuſt aus ei - nem todten Leib. Was bedeut das?

Wollen wir nun wiſſen / wie wir ſollen ſolch Geheimnuͤß forſchen / ſo gehoͤrt dazu μελέτη, ἐρέυνησις, meditatio das pfluͤgen / forſchen / nach - dencken / der Gebrauch deß Simſoniſchen Kalbes Chriſti ſeiner Braut / der glaubigen außerwehlten Kirch / deß himmliſchen Sonnen-Manns JEſu Chriſti / ſo durch die Propheten und Apoſtel gefuͤhrt und regiret wird. Wann wir dann neulich gewieſen / was myſterium oder Ge - heimnuͤß eigentlich ſey in der generalitaͤt / und daß ein ſonderbares groſſes Geheimnuͤß in dem wunderbaren Waſſer - und Blut-Fluß verborgen lige / ſo folgt anjetzo in ſpecie das Sacramentliche Geheimnuͤß der beyden Sacramenten Neuen Teſtaments. Hievon dißmahl frucht - barlich zulehren und zu hoͤren / wolle GOtt der himmliſche Vater ſeines H. Geiſtes Gnad reichlich beſcheren / Amen.

D nun in dieſer Wunder-Hiſtori myſterium Sacramentale ein Sacramentliches Geheimnuͤß / als der ſuͤſſe Kern in der euſſerlichen Schalen verborgen lige / das lehret uns

I. Eccleſia Vet. Teſt. Prophetica typicè, die glaubige Kirch Altes Teſtaments / durch deroſelben von GOtt unmittelbar erleuch - tete Propheten Moſen und Zachariam / deren jener Exod. 12. Daß das Oſterlamb / deſſen fata und ceremonien, wie es damit ſolte gehalten werden / umſtaͤndlich aus Gottes Mund beſchrieben / es habe daſſelbe muͤſſen geſchlachtet und erwuͤrget / und alſo auffgeopffert werden / her - nach das Fleiſch gegeſſen / mit dem Blut die Pfoſten beſprenget / zu einer ſalva guardi wider den Wuͤrg-Engel / und alſo ein Opffermahl cele - briret werden muͤſſen: Daß / ſag ich / dieſes Oſter - und Opffermahl ein typus und Vorbild auff ein ander Oſter - und Opffermahl im N. Teſt. gedeutet / iſt unleugbar. St. Paulus deutet mit Fingern drauff 1. Cor. 5 / 8. da er ſpricht: Wir haben auch ein Oſterlamb / das iſt Chriſtus fuͤr uns geopffert. Und Hebr. 11 / 28. Durch den Glauben hielt Moſes die Oſteren und das Blutgieſſen / auff daß / der die erſten Geburten wuͤrgete / ſie nicht treffe. Wir ſingen davon: Hie iſt das rechte Oſt erlamb ꝛc.

Woraus dieſe Schluß - Red folgt: Das Oſterlamb war nicht nur ein Opffer / ſondern auch ein Opffermahl / das Blut war nicht nur ein ranzi - on-Blut / ſondern auch ein ſalva-guardi-Blut / ein Spreng-Blut / damitdie47Predigt. die Pfoſten der Thuͤren beſprenget worden zur Sicherung fuͤr dem Wuͤrg - Engel. Nun das rechte Oſterlamb Chriſtus (1. Cor. 5.) iſt nicht nur am Creutz gehangen / geſchlachtet / geopffert und in heiſſer Lieb gebraten worden / ſondern auch antity picè Gegenbilds-Weiß das Opffermahl ge - weſt / mit ſeinem Fleiſch mit dem Mund warhafftig gegeſſen / und ſein Blut das rechte Beſpreng Blut zu Reinigung / Verſuͤhnung und ἀσυλία getruncken. Ergò und derowegen iſt der Leib Chriſti am Creutz / ſein Ro - ſinfarbes Blut ein Sacramentliches Opffermahl geweſt / und durch das vergoſſene Blut bedeutet worden. Da haben wir neben dem Leib das Sacramentliche Blut / das eine Sacrament deß N. Teſtaments. Mo - ſis Geiſt zeuget davon / wie er ſelbſt im Glauben paſcha gehalten / und auff das Abendmahl deß Meſſiæ gezielt Hebr. 11 / 28. Alſo hat er auch den Jſraeliten ſolches in ſeiner Catecheſi fuͤrgetragen und fuͤrtragen laſ - ſen. Ja nicht nur Moſis Geiſt / ſondern der H. Geiſt ſelbſt der in Chri - ſto gewohnt / der hat es hieher gedeutet und gezogen Matth. 26 / 28. mit der einzigen weitaußſehenden vocula, γδ, eſſet / DANN das iſt der Leib / der fuͤr euch geopffert; trincket / dann das iſt das Blut fuͤr euch vergoſſen / iſt alſo das Sacramentlich Mahl ein Opffermahl / Eſſen und Mahl ſind correlata. Haͤtte Samuel dem Saul ein Schul - ter von dem uͤberbliebenen Opffer gereichet / 1. Sam. 9 / 24. ihn mit dieſen Worten angeſprochen / nimm hin und iſſe / dann das iſt die Schulter die dem HErꝛn gehebet und gewebet worden. So wird er es nicht haben anders verſtanden / als / diß iſt ein Opffermahl / oder ein Stuͤck von dem Fleiſch das geopffert worden.

Der ander Geiſt oder Prophet / der im Alt. Teſt. hievon gezeuget / und auff das Sacrament der Tauff gedeutet / heiſt Zacharias / wel - cher nachdem er mit ſeinen hellen und hocherleuchten Prophetiſchen Au - gen viel hundert Jahr zuvor von dieſem Seiten-Stich geweiſſaget Cap. 12 / 10. Sie werden ſehen / in welchen ſie geſtochen haben / ſo komt er alsbald darauff Cap. 13. und ſpricht: Zu derſelben Zeit wer - de das Hauß David / und die Buͤrger zu Jeruſalem ein frey - en offnen Brunnen haben wider die Suͤnde und Vnreinig - keit. Sihe / ſagt Lutherus (ε), wie fein haͤngt der Prophet den(ε) in Po - ſtill. Dom. pag. 158. Seiten-Stich und Brunnen zuſammen / q. d. die andern / die den HErꝛn Chriſtum mit ſtachelichten Worten / mit einem Speer in die Seiten geſtochen / die werden dencken / ſie haben Chriſto eine groſſe Schmach zugefuͤgt; Aber der Wunderweiſe GOtt / der aus Finſternuͤß Liecht / aus Tod Leben / aus dem Mord ein Heiligthum / aus den Wun -den48Die vierdteden ein Theriac und Artzney bereiten kan / der wird auch aus der Wunden Chriſti ein Heil-Brunnen / ein lebendige Ehren-Quell machen / er wird ſie durch den Speer-Stich laſſen eroͤffnen / ſo wird alsdann heraus flieſſen lauter Heyl-Waſſer / lauter heilig Weyh-Waſſer / oder rein Bad-Waſ - ſer / dadurch der Menſch von ſeinem Suͤnden-Wuſt und Unrath ſol gereiniget werden: Das wird das geiſtliche Hauß David haben / beſi - tzen / brauchen biß ans Ende der Welt. Was iſt das anders / als das heilige Tauff-Waſſer? Deſſen ſeligmachende Krafft aus der Quellen gefloſſen / von dero St. Paulus zeuget Rom. 6 / 3. wir ſeyen in und auff den Tod Chriſti getaufft / ſein Tod ſey unſer Tauff-Quell worden. Bißher das aͤltere Kalb / die Kirch deß Alten Teſtaments im Fuͤrbild.

Mit der Prophetiſchen Kirchen Alten Teſtaments / ſtimmet zu II. Eccleſia Apoſtolica N. T. die Apoſtoliſche Kirch deß N. Teſt. vermittelſt deß himmliſchen Adlers / deß H. Evangeliſten und Schoß - Juͤngers Johannis / der mit ſeinem hocherleuchten Adlers-Aug da - mahl weiter und tieffer als jemand gekommen / mit ſeinem Apoſtoliſchen Zeug - und Zeig-Finger klar darauff gedeutet und geſchrieben 1. Epiſt. 5 / 6. Dieſer iſts / der da koͤmt mit Waſſer und Blut / JEſus Chri - ſtus / nicht mit Waſſer allein / ſondern mit Waſſer und Blut / und der Geiſt iſts / der da zeuget / daß Geiſt War - heit iſt. Es hat unſer liebe Heyland / der edelſte Gaſt / ſeiner Chriſten - heit verſprochen / ob er gleich gen Himmel gefahren / ſo woll er doch wieder kommen / und ſie nicht Waͤyſen laſſen Joh. 14 / 18. Wie er nun im Alten Teſtament πολυτρόπως und auff mancherley Weiſe erſchienen in unterſchiedlichen habiten, Geſtalten / figuren, in Geſtalt eines Bil - gram und Wander-Gaſtes / in Geſtalt eines Kaͤmpffers / eines Kriegs - Oberſten mit entbloͤſtem Schwerdt / eines Schreibers Ezech. 9. und der - gleichen: So ſagt Johannes / er ſey nunmehr gekommen / als ein Blut - Braͤutigam weiß und roth in der paſſion in hellem weiſſen Waſſer / und Roſinfarben Blut / und ſo werde er auch immer kommen in dem habit, in welchem er ſich am Creutz erzeigt / erſchienen / ſich præſentirt und ſei - ner Braut dargeſtellet; iſt der habit in welchem er kom̃t in perpetuo præſenti, und kommen wird biß ans Ende der Welt / ſo lang die Kirch waͤret / biß er kommen wird in gloriâ. Waſſer und Blut iſt derſelbe ha - bit. Welcher nichts anders iſt noch ſeyn kan / als das Tauff-Waſ - ſer / Sacramentlich Blut unter und mit dem geſegneten Wein. v. 8. ſagt Johannes: denn drey ſind / die zeugen ꝛc. Sihet abermahlzuruͤck49Predigt. zuruͤck auff den effluxum am Creutz. Gleichwie in vorhergehendem verſicul, da er ſagt: Drey ſind die da zeugen im Himmel / Er einen Blick thut auff die Theophaniam Jordanicam, auff die Goͤttliche Erſcheinung am Jordan / da der Vater vom Himmel herab gezeuget / diß iſt mein lieber Sohn; das ſelbſtaͤndige Wort / das Menſch worden / von ſich ſelbſt in der Tauff gezeugt / er ſey der / der kommen iſt alle Gerechtigkeit zu erfuͤllen; der H. Geiſt / der in Geſtalt der Tauben gezeuget / daß diß der Meſſias ſey / auff welchem er der Geiſt ge - ruhet: Alſo ſeyen auch drey auff Erden: er ſihet am Creutz auch drey irꝛdiſche Zeugen / das Waſſer / das Blut / und den Geiſt Johannis als deß Dolmetſchen / der ſtummen und thaͤtlichen cerimoni. Jſt das Zeugnuͤß (welches am Stamm deß Creutzes evidentiſſimè auffs aller - helleſte gezeuget / von Chriſti ſeiner hertzlichen Lieb / aus welcher alle ſein Thaten und Leyden / Dienſt und Verdienſt gefloſſen; wie ein jeder hu - mor deß menſchlichen Leibs ein Zeug iſt deſſen was im Leib verborgen ligt / das Blut zeuget in der Aderlaͤß von deß Leibs geſunden oder ungeſunden conſtitution, die Thraͤnen ſind Zeugen eines verwundeten Hertzens: Alſo auch Waſſer und Blut allhie geben Zeugnuͤß und zwar ein Sacra - mentliches Zeugnuͤß. Es iſt Teſtimonium catholicũ Subjecto & tem - pore, ein allgemeines immerwehrendes Zeugnuͤß / dann Johannes ſagt in ſeiner Epiſtel / die er Catholicam nennet 1. Epiſt. c. 2. Jch ſchreib euch Vaͤtern / euch Juͤnglingen / euch Kindern / nicht nur denen die damahl zu ſeiner Zeit gelebt / ſondern auch uns / mir und dir. Derglei - chen allgemeines aber und im̃erwehrendes / im̃ergruͤnendes Zeugnuͤß kan keines ſeyn / als das Sacramentliche. Teſtes in cruce ſunt teſtes ca - tholici in perpetua luce. Bißher haben wir Chriſtum geſucht im Tem - pel ſeines Vaters Hauß / jetzt wollen wir ihn ſuchen unter ſeinen Geferten und Verwandten. Nemblich

III. Folgt Eccleſia ſuccedanea, die nachfolgende (als der Apoſtoliſchen Mutter-Kirchen Tochter) Chriſtliche Kirch / die liebe antiquitaͤt / derer Lehrer ſo nach dem Apoſtoliſchen ævo nach und nach per ſeculorum volumina ſuccedirt / und dieſes Geheimnuͤß alſo (wie wir) gedeutet. Da ſich gleich vornen an findet der heilige Martyr Cyprianus Lib. de Unitate Eccleſ. cap. 5. er nennet dieſes Creutz miracul, cœle - ſtia Sacramenta, himmliſche Sacramenta.

Et quisquam credit hanc unitatem de Divinâ firmitate venientem, cœle - ſtibus Sacramentis cohærentem, ſcindi in Eccleſiâ poſſe, & voluntatum colliden - tium divortio ſeparari? ()Achter Theil. GDeß -50Die vierdte

Deßgleichen Ambroſius der Gottsgelehrte und beredte Biſchoff zu Mey - land Lib. 3. de Spir. S. cap. 11. ſchreibet alſo von dieſem Geheimnuͤß: Es haben ſich hie am Creutz drey Zeugen erzeigt / unter welchen das Waſ - ſer uns abwaͤſchet / das Blut uns erloͤſet.

Vt de Spiritu ſcripſiſſe ſe Evangeliſta (nempe Johannes) reſeraret, per aquam, inquit, & Spiritum venit Chriſtus Jeſus. Non ſolùm in aquâ, ſed per aquam & ſanguinem & Spir. teſtimonium: quoniam Spir. eſt veritatis, quia tres ſunt teſtes, Spiritus, Aqua, & Sanguis, & hi tres unum ſunt in Chriſto Je - ſu. Audi quomodo teſtes, Sp. mentem renovat, aqua proficit ad lavacrum, ſan - guis ſpectat ad pretium; Spiritus enim per adoptionem nos filios Dei fecit; ſacri fontis unda nos abluit; Sanguis Domini nos redemit. ()

Ferners Gregorius Nyſſenus in orat. contrà Judæ. gehet mit ſeiner Erklaͤrung auch dahin: Er ſchreibt / es werde hie erfuͤllet was zuvor gebildet worden / dieweil durch das hie bedeutete Tauff-Waſſer / und Gemeinſchafft deß Bluts / wir geweihet und zu GOtt gezogen werden.

Sanguinem & Aquam ex Div. Dominicoque latere fluxiſſe ab Evangelio docemur, non ſimpliciter, ſed primum quidem ideò, quod purificationes lega - les ad figuram & adumbrationem horum duorum, tum aſperſiones ſanguinis, tùm luſtrationes per aquam peragebant[·]deinde verò etiam, quod ubi veritas venit, ſumma noſtræ ſalutis per aquam & ſpiritum myſticè perficitur atque com - pletur, quoniam tùm per divinum Baptiſma, tùm perſancti Sanguinis participa - tionem & uſum conſecrari nos ac Divinitatem inducere credimus. ()

Auguſtinus Tract. 15. in Joh. fuͤhrt folgende außgetruckte Wort hievon: Aus der eroͤffneten Seiten ſind die heilſamen Sacramenta der Kirchen ge - floſſen.

De latere in cruce pendentis lanceâ percuſſo Sacramenta Eccleſiæ proflu - xerunt. Iterum L. 2. de Symb. ad Catechum. c. 6. Percuſſum eſt latus, & ſta - tim emanavit ſanguis & aqua, quæ ſunt gemina Eccleſiæ Sacramenta, aqua in quâ ſponſa eſt purificata, ſanguis in quo invenitur dotata. Suffragatur Pauli - nus Nolanus in Epiſt. ad Florentium pag. 324. Chriſtus eſt petra, è quâ percuſsâ aqua fluxit & ſanguis, ut pariter ſalutiferos nobis funderet fontes, aquam gra - tiæ, & ſanguinem Sacramenti. Leo M. in Ep. quam Concil. Chalcedon. rectæ fidei columnam dixit: Videat, (ſcil. qui Chriſtianam fidem ſuſcepit) quæ natu - ra transfixa clavis pependerit in crucis ligno, & aperto per militis lanceam latere crucifixi intelligat, & ſanguis unde aqua effluxerit, ut Eccleſia Dei & lavacro rigaretur & poculo. ()

Sonderlich aber redet ſehr ſchoͤn und nachdencklich hiervon der edle Guldenmuͤndige Lehrer Johann. Chryſoſtomus: Hinc,ſchreibt51Predigt. ſchreibt / er (ſcil. ex effluxu aquæ & ſanguinis) myſteria ſumunt initium, ut cum ad horrendum poculum accedis, tanquam ab ipſo Domini latere bibiturus accedas. das iſt / Es ſoll uns nicht anders zu Siñ und Muth ſeyn / wann wir zum Tiſch deß HErꝛn gehen / als hebten wir unſern Mund an Chriſti Wund. Hom. 1. ad Corinth. ἐν ποτηρίῳ ὄν, ἐκει̃νο ἐνὶ τὸ ὑπὸ πλευρᾶν ῥε̃υσαν. Denen ex re - centi Eccleſiâ wir beyfuͤgen unſern lieben ſeligen Vater Lutherum, als Patrum Patrem, als den Vater uͤber alle menſchliche Vaͤter / uñ beſten Auß - leger der H. Schrifft / in ſeiner Poſt. Dom. p. 158. da er den Vaͤtern bey - faͤllt / urgirt mit Auguſtino das Wort oͤffnen / anzuzeigen / daß damahl die Thuͤr deß Lebens geoͤffnet / dadurch die H. Sacramenta in die Kirche hinein gefloſſen / ohn welche man zum Leben nicht kan eingehen: Er lobt Chryſoſtomum, der ſagt / die heiligen Sacramenta haben hie ih - ren Vrſprung / darum ſoltu / wann du zum heiligen Kelch ge - heſt / alſo hinzu gehen / als wolteſtu dem HErꝛn Chriſto aus ſeiner Seiten trincken: Gibt hierauff den Sacrament-Schwaͤrmern einen Haarrupff / ſolchen Spruch (ſind ſeine Wort) fuͤhren die Sacrament-Schwermer nicht / ſo ſie doch ruͤhmen / die gan - tze alte Kirch habe ihre Meynung gehalten / daß im Nacht - mahl nur Brodt und Wein / und nicht der Leib und das Blut Chriſti ſey. Aber wie reimet ſich ſolches mit Chryſo - ſtomo? Dann ſo blind und tolle koͤnnen ſie nicht ſeyn / daß ſie doͤrffen ſagen / daß aus der Seiten Chriſti Wein gefloſſen ſey / wie ſie doch ſagen / daß man im Nachtmahl nicht das Blut Chriſti / ſondern nur bloß Wein trincke / ſo doch Chry - ſoſtomus ſagt: Wer zu dieſem Kelch woͤlle gehen / ſolle alſo hinzu gehen / als wolle er dem HErꝛn Chriſto aus ſeiner Sei - ten trincken / da wird man je nicht Wein / ſondern ſein Blut finden. Jſt alſo Chryſoſtomus nicht Calviniſch geweſen. Summa ſummarum durch den Waſſer-Fluß wird verſtanden das reine Waſſer unſerer Reinigung Hebr. 10. durch das Blut per ſynecdochen das gantze Sacrament deß H. Abendmahls. Maſſen auch das gantze Abend - mahl das Brodtbrechen von den alten Kirchen-Lehrern geneñet worden. Auguſtinus l. 3. de Conſ. Evang. nennet das gantze Sacrament das Sacrament deß Brodts.

Nun M. L. ἑυρήκαμεν, wir haben den Schatz im Acker gefunden Matth. 13. den Kern in der Schalen erwiſcht / wir haben die Nuß abge - ſchelet / und den Kern gewonnen / wiewol noch nicht gar. Plus ultrà! G 2Das52Die vierdteDas Raͤtzel iſt zwar etlicher maſſen errathen / aber noch nicht gar außge - wuͤrckt. Wollen wir / wie wir dann ſollen / auch den Kern recht brau - chen und zu Nutz machen / ſo ſtehen uns da zu einem Exempel (1.) Phi - liſtei Illices, die Juͤnglinge der Philiſter / die in ſieben Tagen keine Ruhe gehabt / nicht davor geſchlaffen / ſondern Pflug-Arbeit und Muͤhe gehabt / biß ſie hervor gegracht und heraus gegraben / was ſie geſucht. Und wollen wir dieſe als Unbeſchnittene zu einem Exempel uns nicht fuͤr - ſtellen / ſo ſtehen uns doch vor Augen die Juͤnger Chriſti als ſcrutatores Matth. 13 / 11. welche daſelbſt den HErꝛn gefragt und geſagt: War - um redeſtu zu ihnen durch Gleichnuͤſſe? Sie forſchten da er allein war Marc. 4 / 11. Darum er auch ihnen geantwortet: Euch iſts gegeben / das Geheimnuͤß deß Reichs Gottes zu wiſſen /conf. Luc. 8, 10. vide Ev. Denckmal p. 183. euch als eiffrigen Forſcheren / denen aber drauſſen / den faulen und un - achtſamen Schuͤlern wiederfaͤhret es alles durch Gleichnuͤſſe / und bleibt ihnen der Kern in der Schal ſo lang beſchloſſen / biß ſie auch Anmuth be - kommen um den inneren heilſamen Verſtandt ſich zubewerben. Sind die Juͤnger Chriſti nicht gnug uns auffzumuntern / ſo bedencke man den H. Engel deß Liechts / der in Juͤnglings-Geſtalt erſchienen im Grab Chriſti tanquam παρακύψας, als ein fleiſſiger Student / den geluͤſtet in das Geheimnuͤß gnau hinein zuſchauen / daſſelb / ſo weit und tieff muͤglich / zuergruͤnden und aus zu ſtudiren / ob ihm gleich die Frucht und der Nutzen dergleichen Geheimnuͤß nichts angangen / ſeine Augen ſehen ſich nicht ſatt. Wie viel mehr wil uns ſolches gebuͤhren / die Geheimnuͤß Chriſtli - cher religion zuſchauen / hinein zu ſchauen / ſo viel Gottes Wort ent - deckt und geoffenbahret.

Aber was thut im Gegentheil die thumme und ſtumme letzte Welt? Wo ſind ſolche Forſcher / Epopten und Schauer / wo findet man die En - gelgleiche edle Chriſten / die ſich um die heilwerthe Erkaͤntnuͤß wie an - derer alſo auch der Sacramentlichen Geheimnuͤß viel bekuͤmmern und bewerben? Junge Leuth / die ſolten ihre Freude daran haben in Got - tes Geheimnuͤſſen zu ſtudiren / weiln ſie in der H. Tauff initiati, und zu ſolchem Zweck / zum Verſtandt und Gebrauch ſolcher Geheimnuͤß geweyhet worden / ſonderlich ſoltens thun die edelſten ingenia, die ſich mit Handarbeit nicht doͤrffen nehren / Zeit und Weil gnug haͤtten ſol - chem ſtudio abzuwarten: aber ſie machen ihnen ſelbſt ſo viel zuthun / mit den Geheimnuͤſſen der Natur / mit den Arcanis der Policeyen / daß dem HERRN Chriſto und ſeinem Evangeliſchen Geheimnuͤß nichts zum Nachdencken uͤberbleibt / man verliebt ſich in die Magd / und laͤſſetdie53Predigt. die edelſte Koͤnigin fahren / ja mauſen lieber in der Finſtere / uͤben ſich lie - ber in myſteriis nocturnis in den Nachtwercken der Venus Spielen und andern Wercken der Finſternuͤß. Was gibts endlich fuͤr Leuth? Hey - dentzente Galliones, verfuͤhriſche Syncretiſten / Wehrloſe Apoſtaten und Mamelucken / animalia gloriæ. O wie wahr hat Paulus geſchrie - ben 1. Cor. 1 / 26. Nicht viel weiſe nach dem Fleiſch / nicht viel edle ſind beruffen / ja wir ſetzen auch hinzu / nicht viel unedle / auch nicht viel von den Studioſis Theologiæ ſelbſt / die aus der Frembde hieher kommen / und ſo frembd bleiben / und frembd wieder hinweg ziehen / daß ſie die Profeſſores Theologiæ ſelbſt nicht kennen / oder ſie anzuſprechen gewuͤrdiget / oder bleiben immer nur in ſuperficie, ſtudiren nur oben hin / die nicht anders in die Geheimnuͤſſen penetriren / als der Storck die Brey / das Myſterium ihrer ignoranz und Traͤgheit fuͤr ein Heiligthum und ruhmwuͤrdige ſimplicitaͤt außgebende. Was gibts endlich? Aſinos qui myſteria portant, non intelligentes, Eſel die das Heiligthum tra - gen und nicht verſtehen / gleich dem ſteinern Eſel im Muͤnſter der Meß macht. Von den alten iſt nicht zu ſagen / ſo wol Mann als Weibsbilder / wie ein ſeltzames Wildpret iſt der Kaͤmmerer der Koͤnigin Candaces in Mo - renland? wie ein wunderſeltzamer Diamand / die Koͤnige aus Reich Ara - blæ? Dem meiſten eckelt fuͤr dieſer loſen Speiß; Ach koͤnten wir nur die jungen gewinnen? Dann es finden ſich leider der jungen Leuth die ehe ſchwoͤren und fluchen lernen / die Sacrament bey hunderten heraus werffen / als ſie dieſelbe verſtehen / von denen man aus der Epiſtel Judæ verſ. 10. ſagen mag: Dieſe laͤſteren / da ſie nichts von wiſſen. Was wollen wir vom gemeinen Poͤbel ſagen? Man ſagt ins geſampt und wil ſich entſchuldigen / Si myſteria, ergò non ſcrutanda, ey ſinds Ge - heimnuͤſſen / das iſt ſolche hohe unbegreiffliche Sachen / ſo ſol man ja darinn nicht zu viel gruͤblen oder zu hoch ſteigen / ſondern es nur einfaͤl - tig dahin glauben. Umkehrt! Eben darum / dieweils hohe und ſchwe - re Sachen ſeynd / ſol man deſto mehr Fleiß anwenden / ſie zu verſtehen. Ἄκρον λάβε καὶ μέσον ἔξεις. Wuͤrſtu es gleich auffs hoͤchſt bringen / ſo wird dir doch das meiſte zuruͤck bleiben / das du nicht verſtehen wirſt / ſon - dern der hoͤhern Himmels-Schul uͤberlaſſen muͤſſen. Nichts iſt in der Natur ſo ſchwer daß man nicht unterſteht zu begreiffen wenns Geld gibt: Wuͤſte jemand ein vergrabenen Schatz in ſeinem Hauß / er wuͤrde Tag und Nacht graben und gruͤnden / und nicht nachlaſſen biß ers gefun - den. Das Lieb geſcheh dem edlen Wort Gottes auch. Der Evangeli - ſche Glaubens-Schatz iſt nicht zeitlich / nicht ſchaͤdlich / ſondern hoͤchſtG 3troͤſt -54Die vierdtetroͤſtlich und nuͤtzlich. Ja ſpricht man / wir koͤnnen ja ſolche Geheim - nuͤß nicht begreiffen und verſtehen / dann der natuͤrliche Menſch verſtehet nicht / was deß Geiſtes Gottes iſt / es iſt ihm eine Thorheit und kans nicht begreiffen / was wolten wir uns deñ1. Cor. 2, 14. zihen und bemuͤhen? 1. Cor. 2 / 14. Antwort: Es ſagt aber der Text deß Apoſtels auch ferner verſ. 15. Der geiſtliche (Menſch) ergruͤn - dets alles; Und im 10. verſ. Welche Wort nicht muͤſſen uͤberhuͤpfft werden / ſonſt zihet man die Schrifft an / wie jener Matth. 4. Wahr iſt es der natuͤrliche Menſch ihm gelaſſen / ohne Gottes Wort und daraus eingenommenen Erleuchtung / verſtehet nicht was deß Geiſtes Gottes iſt: Wir aber ſollen als Chriſten / recht geiſtliche Menſchen ſeyn / und aus Gottes Wort uns erleuchten laſſen Matth. 4. Ja ſprichſtu / Rem ſcio, modum ignoro. ô aſylum ignorantiæ! Mich ſaͤttiget die Sach etlicher maſſen zu verſtehen / wann ich gleich den modum und die Weiſe / wie es mit einem und andern Geheimnuͤß hergehet / nicht verſtehe. Jch begehre kein Quomodiſt oder Nicodemiſt zu werden. Jch glaub / daß ich erwehlt bin zum ewigen Leben / ob ich gleich nicht weiß wie? Bloß oder bedingt? Das gehoͤrt in die Schul. Jch glaub / daß der Leib Chri - ſti im Sacrament zu gegen ſeye / wie aber? Analogiſch / geiſtlich oder leiblich? Darum hab ich mich nicht zu bekuͤmmeren. Antw. Nicht iſt erſt - lich das quomodo bloß dahin / ohn Unterſcheid davon zu reden / ver - dammlich / ſonſt muͤſte auch die hochgebenedeyte Mutter unter den Wei - bern / die Jungfrau Maria eine verdammliche Frage dem Engel Gabriel fuͤrgelegt haben / da ſie geſagt: Wie kan das zugehen? Jhr Sohn Chri - ſtus ſelbſt muͤſte nicht recht daran geweſen ſeyn / wann er die Phariſeer alſo fraget: Wie nennet ihn denn David im Geiſt einen HERRN? Matth. 22 / 43. Die Gottſelige Teſſalonicher muͤſten ſich verſtoſſen ha - ben / wann ſie St. Paulo die Frag von der Ordnung derer / ſo in der Aufferſtehung der Todten werde vorgehen / abgeleget / wie? Und in was Ordnung ſie gefraget / 1. Theſſ. 4. Das Quomodo iſt zweyerley / ein Lehrbegieriges / und ein fuͤrwitziges; ein Quomodo ſenſus, undvid. Refor. Salv. p. 684. Quomodo veritatis: ein wie deß Verſtandes / da man begehrt zu wiſſen / wie es zuverſtehen / was geoffenbaret worden? Und ein wie der Warheit / da man die Warheit der Offenbarung ſelbſt in diſ - putat zihet; Als / wann zum Exempel gefragt wird: So Chriſtus gen Himmel gefahren / wie ſein Leib im Sacrament gegenwer - tig ſeyn koͤnne? Obs geſchehe durch einen deſcenſum und herab ſteigen? Da ſpricht man billich mit Durando (deſſen Wortauch55Predigt. auch in Reſponſ. ad Epiſt. Cardin. Petronii vom Koͤnig Jacobo in En - geland gelobt worden p. 399.) Verbum audimus, motum ſentimus, modum neſcimus, præſentiam credimus. Das iſt / das Wort hoͤ - ren wir / deß Hertzens Bewegung empfindet man / die Art und Weiſe verſtehen und begreiffen wir nicht / doch glauben wir die warhafftige Gegen wart. Und dahin verſtehen wir auch die daſelbſt allegirte monita der alten Kirchen-Lehrer. Gleichwie kluͤg - len und gruͤblen wollen in Sachen / davon in Gottes Wort kein Offen - bahrung fuͤrhanden / dabey weder Krafft noch Safft / weder warm noch kalt / weder Troſt / noch Erbauung zu erholen / ſuͤndlich und uͤbel gethan heiſſet: Alſo iſt im Gegentheil recht und wol gethan / ja noͤthig (ſaltem ne - ceſſitate expedientiæ) fragen / Quomodo? Jn Sachen / ſo in der Fund-Grube der H. Schrifft zu forſchen uns fuͤrgelegt / daraus Troſt und Erbauung zuerwarten / dadurch der Jrꝛgeiſt / der gern im finſtern manſſet / und im truͤben fiſchet / ans Liecht gebracht / Warheit und Luͤ - gen / Nacht und Tag von einander unterſchieden werden moͤgen und ſollen. Jn maſſen dann auch an Nicodemo die Frag ſelbſt bloß dahin nicht / ſondern die vermeſſene definition derſelben / und blinde Vernei - nung deß Goͤttlichen Geheimnuͤſſes von Chriſto geſcholten worden. Dañ wann er ſagt: Wie kan ein Menſch gebohren werden / wenn erJoh. 3, 4. alt iſt? So iſts eben ſo viel / als ſagt er / es iſt unmuͤglich / daß ein alter Mann koͤnne wieder gebohren werden. Der HErꝛ wuͤrdiget ihne den - noch einer Antwort auff das quomodo, und zeiget die Art und Weiſe an / wie die geiſtliche Widergeburt geſchehe / nemblich wie der Wind blaͤſ - ſet empfindlich im Wort-Schall / unempfindlich in dem Krafft-Knall. Auff welche Weiß auch St. Paulus die weiſen Meiſter zu Corintho (auff dero Quomodo er ihnen geantwortet) abgefertiget / ſcheltend nicht ſo wol die Frag an ihr ſelbſt / als die fragende Meiſterloſe Vernunfft 1. Cor. 15. Wie werdẽ die Todten aufferſtehen? ꝛc. Du Narꝛ was1. Cor. 15, 35. ſq. du ſaͤeſt / wird nicht lebendig / es ſterbe dañ. Jn maſſen dann auch die Capernaiten fragen / wie kan uns dieſer ſein Fleiſch zu eſſenJoh. 6, 52. geben? Johan. 6. Wie kan das wahr ſeyn? Sprichſtu / Scrutator majeſtatis opprimetur à gloriâ, wer ſchwere Ding forſchet / dem wirds zu ſchwer Prov. 25, 27. Antwort: Erſtlich ſtehets nicht alſo im hebraͤiſchen Text / der lateiniſch Text ſoll bey uns nicht Avthentiſch ſeyn / ſondern eigentlich lautets im Hebraͤiſchen alſo: vechekàr kebhodàh kabhàd, i. e. inveſtigatio gloriæ illorum gloria, Goͤttliche Ehr forſchen bringet Ehr / Lutherus dolmetſchts / wer ſchwere Dingforſcht /56Die vierdteforſcht / dem wirds zu ſchwer. Verſteht ſich allein von fuͤrwitzigem Forſchen / vom vanitaͤtiſchen Gruͤblen τ〈…〉〈…〉 ἀνεξιχνιάςων ὁδῶν, Rom. 11 33. der ungeoffenbarten / unerforſchlichen / unbegreifflichen Wege der Gerich - te Gottes / daruͤber einen der Schwindel ankompt / daß wenig Nutzen bringt denen die da forſchen: wie jene Juͤngling zu Amberg nach einem Schatz gegraben / da keine Spur vorhanden geweſt / und nichts als blei - che Naſen und toͤdtliche Schrecken davon gebracht. Contrà wann einvid. part. 4. Lact. Cat. pag. 30. (*) ex præ - fat. Tom. 4. Witt. Lutheri pag. 5. Berg-Knapp nach ſeinem Beruff und Ordnung hinunter faͤhrt und forſcht wo ein Spur vorhanden / das iſt recht. Es wil Salomo abwar - nen von dem Forſchen / das GOtt nicht geoffenbart / wie Pompejus (*), deſſen Exempel bereits droben iſt allegirt worden. Nun ein jeder wags auff ſein Abentheur / es wird ein mancher in der euſſerſten Finſternuͤß frie - ren nach dem Liecht und Feuer / das er hat haben koͤnnen. Es ſeind er - ſchreckliche Wort deß Sohns Gottes / die er dem Engel oder Biſchoff der Gemein zu Laodiceâ (der ſich eingebildet er ſey reich im Glauben und Er - kaͤntnuͤß Gottes / er habe gar ſatt / er doͤrffe nichts weiters) laſſenApoc. 3, 15. entbieten: weil du lau biſt / weder kalt noch warm / werde ich dich außſpeyen aus meinem Mund. Jſt ein Gleichnuͤß genom - men von dreyerley Suppen / einer Eißkalten Supp die der Natur zu wi - der / und Grimmen im Leib mache; Einer warmen geſaltznen und ge - ſchmaltznen Suppen die dem Magen annehmlich: Und dann einer lauen ungeſaltznen ungeſchmaltznen Suppen / die der Medicus irꝛgends einem purganten ordnet / da geſchichts bißweilen daß er ſich wuͤrgen und auß - ſpeyen muß. So ſolls auch dem gehn / der ſich mit der bloſſen generalitaͤt und ungnugſamen Gnugſamkeit ſaͤttiget. Darum ſetzt der HErꝛ alsbald hinzu / Apoc. 3, 19. ζήλωσον, eiffere / ſtrebe nach den beſten Gaben daß du weiſſageſt / auff daß alle das Volck deß HErꝛn weiſſage / das iſt / zuneh - me nicht nur de charitate in charitatem, ſondern auch de claritate in claritatem, von einer Klarheit zur andern.

Das ſuchen und forſchen aber machts nicht aus / ſondern wann der edle Schatz gefunden / ſo wird auch (2.) erfordert Epoptia oculo fidei, die Glaubens-Schau mit heiligen / wol purificirten und gereinigten Augen / nicht mit groben / fleiſchlichen Corydons oder Kalbs-Augen / der Spengler muß da aus den Augen gewiſcht werden; mit Johannis Au - gen / mit rechten einfaͤltigen Tauben-Augen.

Lutherus Tom. 2. Isleb. pag. 149. f. 1. uͤber das 6. Cap. Joh. ſchreibt al - ſo: Dieſes ſind eitel naͤrriſche / tolle und unverſtaͤndige / ſeltzame Reden fuͤr den klugen und weltweiſen Leuthen / und werden die Juden Chriſtum als fuͤr un -ſinnig /57Predigt. ſinnig / toll und thoͤricht gehalten haben. Dann was hat es fuͤr ein Anſehen / und wie ſoll es lauten und klappen / daß dieſer arme / einfaͤltige Mann aufftritt / und darff fuͤrgeben / fuͤr ſo klugen Leuthen / und ſonderlich fuͤr den Juden / und ſprechen: Er wolle ein Speiſe geben / welche ſoll die Leuthe im ewigen Leben er - halten? Geredet eine ewige Speiſe / es laut gleich / als wenn auff dem Marck ein Teriac-Kraͤmer ſpreche zum Bauren / er wolt ein Teriac und Artzney verkauf - fen / wer die brauchte / der ſolte nimmermehr kranck / noch geſchoſſen und ver - wundet werden / ſein Teriack ſolte fuͤr den Tod helffen? Deſſen wuͤrde jederman ſpotten. Alſo redet auch allhie von einer ewigen Speiſe / gar eine arme Perſon / ja ein Bettler / denn Chriſtus hat nicht eines Fußbreit eigenes gehabt / wenns doch irgends ein groſſer Koͤnig ſagete / ſo haͤtts doch ein wenig ein Anſehen. Nu ſagt er / es iſt nichts mit dem / ſo alle Menſchen und auch die gantze Welt vermoͤ - gen / Jch / ich wil euch eine andere Speiße geben / ſo ewig bleiben ſoll. Darum ſo allhie auch ich ſelber alſo geſagt: Woher mit dem Narren / haſtu auch einen groͤſſern Narren gehoͤrt / ein Bettler der nicht eines Hellers werth hat / wils beſſer machen / denn alle Kayſer / Koͤnige und Fuͤrſten auff Erden / er wil ewige Guͤter geben / der doch keine leibliche Guͤter hat. Aber es gehoͤrt zu ſolchem Wort Glaube. Et mox f. 2. ejuſd. pag. Das iſt der Vernunfft gar ein toll Ding / da Chriſtus ſaget: Jch wil der Geber / Becker / Brauer / und Ackermann / ja die Speiße ſelber ſeyn / und mich ſelber zum Brodt geben / alleine ſehet daß ihr eſſet. Es ligt an dem Wort / Eſſen und Speiße / daruͤber ſich die Schwermer zancken / aber es hatte ſchaͤndlich und naͤrriſch gelautet / gleich als wenn du ſageſt / ſo du wilt ewig leben / ſo muſtu meinen Leib eſſen / und mein Blut trincken / wuͤrdeſtu allhie nicht ſprechen? Ey binde ihn an mit Ketten / wer weiß was ihm widerfah - ren iſt. Ita Luther.

Sancta ſanctis, munda mundis! Die Philiſter haben wir aber - mal zu Vorgaͤngern: Dann daß in einem todten Aaß oder Rumpff des Loͤwens Jmmen einniſten / daß ſich ein Bienen-Schwarm da hin - ein ſolte ſetzen / iſt paradox, unglaublich / uͤber und wider die Natur der Bienen / die ſind ſonſt wol ſo katzenreine und pfuffpfey / daß ſie keinen Geſtanck leyden koͤnnen. Plinius (*) ſchreibt: Crabrones carne veſcun -(*) Lib. 2. cap. 21. tur, ſed apes nullum corpus attingunt, quæ mortuis ne floribus qui - dem, non modo corporibus inſidunt: Doch aber dieweil ſolches von einem geglaubten Mann / von einem warhafftigen Bidermann / nem - lich dem Simſon / bejachtzet worden geſchehen ſeyn / crediderunt, ſo haben ſie es geglaubt / ohne einigen diſputat oder Zweiffel. Solcher ge - ſtalt ſollen wir mit faͤhigen Hertzens - und Glaubens-Augen die Geheim - nuͤß unſerer religion in Gottes Wort gegruͤndet anſchauen / ohn einigen Zweiffel empfangen und ergreiffen / zum Exempel / die warhaffte Gegen - wart und Vereinigung deß H. Geiſtes mit dem Waſſer / des Bluts mit dem geſegneten Wein. Hier iſt das Fleiſch / das iſt / grobe fleiſchli - che Kalbs-Auge nichts nutz / hie iſt Glaubens-Einfalt vonnoͤthen. Achter Theil. HMan58Die vierdte(*) vid. Spondan. ad An. 62. n. 56.Man laſſe immerhin den gottloſen Spoͤtter Julianum (*) unſerer Ein - falt lachen / ſpotten und ſagen / die Chriſten kommen immer mit ihrem cre - do auffgezogen; es wird doch zu letſt heiſſen / Galilæus vicit. Man laſ - ſe immerhin ſpotten und lachen den Calviniſten Bergium mit ſeiner Pa - ſtet / deren er die Vereinigung des Fleiſches Chriſti / mit dem geſegneten Brod verglichen. Wir ſprechen mehr nicht / als / der Herr ſchelte dich du Sathaniſches Laͤſtermaul!

Noch nicht genug iſt die ἐποπτει̃α, ſondern es iſt auch (3.) nothwendig Veſtis nuptialis, das Hochzeitliche Ehren - Feſt - und Feur - Kleid. Gleichwie Simſon den Philiſtiſchen Juͤnglingen ſeinen Braut - Geſellen / nach Sitt und Gewonheit der Orientaliſchen Voͤlcker / verehret neue Feur-Kleider / zum Hochzeitlichen Feſt oder Feyr zierlich; Alſo be - ſchencket und begabet uns auch der himmliſche Braͤutigam Chriſtus / mitvid. Ev. Denckm. p. 785. dem ſchoͤnen neuen Feur-Kleide / ſo weiß und roth / ſeines leidendes und thuendes Gehorſams / welches wir in der H. Tauff anziehen / iſt das inne - re Kleid deß Glaubens und der zugerechneten Gerechtigkeit JEſu Chriſti; Das ſoll aber auch hervor leuchten und ſich ſehen laſſen durch das aͤuſſerli - che Kleid eines heiligen unſtraͤfflichen Wandels in Chriſtlichen Tugen -Coloſſ. 3, 10. 12. 14. den / dazu St. Paulus vermahnet Coloſſ. 3. Ziehet den neuen Men - ſchen an / der da verneuert wird zu der Erkantnuͤß / nach dem Ebenbilde deß / der ihn geſchaffen hat. So ziehet nun an / ſpricht er ferner / als die Außerwehlte GOttes / Heiligen und Geliebten / hertzliches Erbarmen / Freundlichkeit / Demuth / Sanfftmuth / Gedult / und vertrage einer den andern / und vergebet euch untereinander / ſo jemand Klag hat wider den andern; Uber alles aber ziehet an die Liebe / die da iſt das Band der Vollkommenheit.

Wie nun der Lumpen-Mann und Unflath / der im unſaubern gar - ſtigen wuͤſten Kleid bey dem Geheimnuͤß deß Abendmals erſchienen / in examine verſtummen muͤſſen / auch deßwegen hinauß geſtoſſen wor - den Matth. 22. Wie die jenigen vor denen die Thuͤr verſchloſſen / die drauſſen ſind (ô durum verbum, Extrà!) Marc. 4 / 11. Denen das was ſie vermeynt zu haben / genommen / und ſie in die ewige Blindheit und Finſternuͤß verſtoſſen werden. Alſo im Gegentheil / wer da hat / dem wird gegeben / daß er die Fuͤlle habe Matth. 13 / 12. wer hat / zu haben begehrt und darnach ſtrebt die Weißheit GOttes zuerlangen / dem wird gegeben / zu verſtehen die herꝛliche Geheimnuͤſſe / der wirds auch mit Freuden genieſſen cum ſumma jucunditate. Wer war froͤher /als59Predigt. als die Philiſter / da ſie das Raͤtzel errathen? (nam quod difficilius quæ - ritur, dulcius invenitur, ſagt Auguſtin. in Pſ. 105.) der ſoll die Fuͤl - le haben. Wann? Alsdann / wann die myſteria alle werden offen ſtehen / und klar leuchten / wann die Spiegelſchau in ein Augenſchau von Angeſicht zu Angeſicht / wann das dunckle Wort in ein klares holdſeliges himmliſches Geſpraͤch wird verwandelt werden: Dazu helff uns

Der himmliſche Simſon /
Der ewige GOttes Sohn /
Unſers Hertzen Freud und Wonn /

AMEN.

Die fuͤnffte Predigt / Von Der drey Zeugen Auſſag als dem Zweck / dazu ſie von GOTT geordnet und bezihlet / der da heißt τὸ ἕν, das Einige.

GEliebte in Chriſto. Gleichwie alle Humores und Feuchtigkeiten / ſo auß dem Menſchlichen Leibe herauß flieſſen / Zeiger und Zeugen ſind der innerlichen Leibs con - ſtitution oder Beſchaffenheit / der affecten, paſſionen des Gemuͤths / Sinns und Sitten / darauß kluge Medici und Naturkuͤndiger in ihrer Cur vernuͤnfftige conjecturen und Muthmaſſun - gen ſchoͤpffen und faſſen. Zum Exempel das Harnwaſſer zeuget von des Menſchen Geſund - oder Kranckheit / auß deſſen ſediment, hohen oder nie - dern Farben / merckt man die grad zu - oder abnehmen der Kranckheit: Jn der Aderlaͤß zeuget das Blut und deſſen qualitæt von deß Menſchen tem - perament und deſſen innern diſpoſition des Haupts / der Leber / und ande - rer viſcerum: Deßgleichen die Thraͤnen eines weinenden ſind teſtes vul - nerati cordis, Zeugen eines verwundeten Hertzen / ſie deuten an daß das Hertz betruͤbt und verwundet: Die Muttermilch / damit ſie ihr Kind ſaͤuget und nehret / zeuget von der ςοργῇ oder Muͤtterlichen affection und Bluts-Lieb / damit ſie ihr Kind einet und meynet: Der Schweiß / ſon - derlich der uͤbernatuͤrliche blutige Schweiß / der rothe Safft / der demH 2edlen60Die fuͤnffteedlen Kelter-Tretter von Bazra, JEſu von Nazareth / durch die zar - teſten poros ſeines allerheiligſten Leibes haͤuffig herauß getrungen / zeuget von uͤbernatuͤrlicher Hitze: ich ſag / von uͤbernatuͤrlicher Hitze / dann ſonſt natuͤrlicher weiſe / wann der Menſch erſchroͤckt / wann ihm angſt und bang iſt / wann er zittert und zaget / ſo ſpritzt das Blut / wann man gleich den Leib oͤffnete / nicht herauß / ſondern es gehet zuruͤck / und laufft dem principio vitæ dem Hertzen zu / davon der Menſch erblaßt / wird weiß wie ein weißgewaſchen Tuch / auch wol gruͤn und gelb; Dieſer ſo uͤbernatuͤr - liche blutige Schweiß war ein Zeug des uͤbernatuͤrlichen ſymptomatis, der Hitze / durch welche derſelbe diſtillirt und herauſſer gepreßt worden / nemlich die Hitz von den Flammen des Hoͤlliſchen Feurs.

Alſo iſt auch der uͤbernatuͤrliche Waſſer-Guß und Blut-Fluß / ſo auß der eroͤffneten Seiten / des gecreutzigten uñ geſtorbenen Herꝛn Jeſu von Nazareth / herauß geſpruͤtzet und geſprungen / ein Zeiger und Zeug gewe - ſen / eines ſonder - und wunderbaren Todes / ein uͤbernatuͤrlicher Zeug ei - nes uͤbernatuͤrlichen myſterii, einer lebendigen Quell mitten im Tod / ei - nes allmaͤchtigen und ſiegreichen Todes. Gleichwie Simſon in ſeinem Tod / und durch ſeinen Tod etlich tauſend Philiſter getoͤdtet / nidergeſchlagen / und hiedurch ſeinem Volck den Kindern Jſrael Fried / Heyl / ein ſicheres und ruhiges Leben erworben; Alſo hat auch Chriſtus durch ſeinen Tod / uns ſeinen Reichs-Genoſſen vor allen geiſtlichen Feinden Fried und Ruhe geſchafft / und dieſelbe gedaͤmpffet / Er hat durch ſeinen Tod die Macht genommen dem / der des Todes Gewalt hat / das iſt / dem Teuffel / und hat erloͤſet die / ſo durch Furcht des Todes in dem gantzen Leben Knechte ſeyn muſten Hebr. 2.

Es war ein wunderlicher Krieg /
Da Tod und Leben rungen:
Das Leben behielt den Sieg /
Es hat den Tod verſchlungen / ꝛc.

Es war beſagter Blut - und Waſſer-Fluß ein Zeug / daß Chriſti Tod ge - weſen ein Firmungs-Tod / dadurch das neue Teſtament / als durch des Teſtatoris Tod / bekraͤfftiget und befeſtiget worden / wie Hebr. 9 / 17. der Apoſtel ſagt: Ein Teſtament wird feſt durch den Tod / an - ders hat es noch nicht Macht / wann der noch lebet der es ge - macht hat; Ja Zeug eines lebendig-machenden und alſo recht Goͤtt - lichen Todes. Gleich wie der todte Mann / der in des verſtorbenen Eli - ſæ Grab geworffen worden / durch Anruͤhrung deß todten Leichnams leben - dig worden 2. Reg. 13, 21. Alſo auch Krafft dieſes Todes Chriſti ſeind dieTodten61Predigt. Todten erweckt / die Graͤber haben ſich auffgethan / und ſind die er - ſtandene ins ewige Leben eingangen durch den getoͤdteten Hertzog des Lebens / der ein unvergaͤngliches Weſen herfuͤr gebracht / 2. Timoth. 1 / 10.

Jſt eben das jenige Teſtimonium miraculoſum, myſticum, Sa - cramentale, Evangelicum, das jenig Wunder-Geheimnuͤß reiche / Sa - cramentliche / Evangeliſche Zeugnuͤß / davon die drey Zeugen / das iſt / das Waſſer / das Blut / und der H. Geiſt durch Johannem ge - zeuget / damahl am Creutz / und noch zeugen werden / biß der HErꝛ / der jetzt im Waſſer und Blut erſcheint / in himmliſcher glori erſcheinen wird. Jſt das jenige ἓν, objectum & ſcopus, das einige / der einige Zweck / darauff die Zeugen abgerichtet / davon Johannes ſchreibt / drey ſind die da zeugen auff Erden / und εἰς ἓν, ſie ſind beyſammen / ſie zeugen zuſammen / ſie ſtimmen uͤberein.

Jſt die jenige Zeugen-Auſſag / das Wort / davon ſie alle drey einmuͤthiglich ſagen / zeugen und drauff deuten. Wir wollen M. L. diß - mal zu verhoͤr ſitzen / oder dieſe Zeugen andaͤchtig und auffmerckſam ver - hoͤren / was und wovon ſie ſagen / und wohin ſie zihlen. Der Vater des Liechts wolle uns mit dem Liecht und Gnad ſeines H. Geiſtes um JEſu Chriſti Willen hiezu miltiglich erſcheinen / Amen.

SO iſt nun / meine Liebſten / das Zeugnuͤß oder Res teſtata, ob - jectum & ſcopus, der Zweck nach welchem alle die Zeugen zihlen und abgerichtet ſind / die Auſſag / daruͤber ſie alle drey einmuͤthig - lich einſtimmen und ſymphoniſiren / oder uͤbereinkommen I. ἕν τι, eins / ein einig / unverſchiedenlich / unzertrennliches / von allen andern Zeugnuͤſſen oder Worten abgeſondertes Wort / verbum harmonicum & ſymphonicè univocum, ein ordentlich zuſammen klingend und ſtim - mendes Wort / davon es heiſt / Os unum omnium Prophetarum ca - tholicum, es iſt gleichſam ihrer aller ein Mund und Zung / kein zwey - muͤndiges oder zweyſinniges Wort / immer eins / nimmer gezweyt; Ein allgemeines Wort / gleichwie auch dieſe teſtes catholici und allgemeine Zeugen ſind / von welchen auch dieſe Epiſtola Catholica, oder recht Ca - tholiſche Epiſtel St. Johannis verlautet; Und alſo verbum perpe - tuum & conſtans ein ewig beſtaͤndig Himmelfeſtes Wort / ſo nicht verge - het / wann gleich Himmel und Erden vergehen / ſondern bleibet / dauret und waͤhret zu allen Zeiten / an allen Orthen / bey allen Menſchen. Gleich wie der him̃liſche Vater und Sohn GOttes eins feind und bleibenH 3Joh.62Die fuͤnffteJoh. 10. 30. immer eins / nim̃er gezweyt / in welchem Verſtand das Unum das einige David nennet / Pſal. 27. Eins bitte ich vom Herrn / das iſt / perpetuò ich bitte und bette allezeit um dieſes einig nothwendige / daß ich daſſelb immer behalten und ſtaͤtigs genieſſen moͤge. Menſchen Wort iſt ein bloſſer Schall / der mit dem Wind verſchwindet; Sathans Wort - Kunſt iſt æquivociren / ſein Wort iſt einzuͤngig aber zweyſinnig / zum Exempel / das Paradiß-Wort der Schlangen Gen. 3, 5. Euer Augen werden auffgethan / und ihr werdet wiſſen / was gut oder boͤß iſt / war zwar nur ein Mund und Wort / aber zweyerley Verſtand / nem - lich entweder von einer heiligen / gluͤcklichen / erfreulichen / ergoͤtzlichen Wiſ - ſenſchafft / wie es Eva verſtanden / oder von einem ungluͤcklichen / trauri - gen / verderbten / ſchand-ſchaͤdlich und ſchmaͤhlichen Wiſſen / deſſen man ſich zu ſchaͤmen / ſc. de ſenſu peccati & mortis, vom fuͤhlen des boͤſen Gewiſſens / und Fuͤhlung des Todes / ſie werden in ihrem Gewiſſen erfah - ren / was Suͤnde ſey und wuͤrcke / nemlich den Tod / wie es die Schlang verſtanden. Conſequenter

II. Ἓν ἀγαθὸν ſive bonum, eine gute / annehmliche und er - goͤtzliche Auſſag / Johannes ſagt nicht / ἀνθ᾽ ἑνὸς, ſondern εἐς ἓν, nicht wider uns / wie Himmel und Erden wider die Kinder Jſrael gezeuget Deut. 31, 28. Sondern εἰς ἓν uns zu Troſt: keine traurige Auſſag / Zei - tung oder aviſo vom Tod und Noth / ſondern vom Leben und Segen. Dieſes Zeugnuͤß-Wort iſt nicht Litera occidens, der toͤdtende Buchſtab des Geſetzes / der Handſchrifft / ſo wider uns iſt Coloſſ. 2 / 14. kein mit Blut beſchriebener Brieff / dergleichen Haman vom Koͤnig Ahaſvero außgewuͤrcket wider die Juden / denſelben durch die Blutſchreiber faſſen und auff ſetzen / durch Laͤuffer-Botten / Zeiger und Zeugen allenthalben in - timiren und außruffen laſſen / de nece catholica judæorum, beſagend den allgemeinen Juden-Mord / auff einen Tag Eſther. 3. Sondern dieſes iſt und bleibt ein guter Bott / ein gutes Wort / das guͤtige Wort Got - tes / wie es der Apoſtel nennet Hebr. 6. Johannes iſt ein guter Mann / derowegen bringt er auch ein gute Bottſchafft / wie von Ahimaaz zu leſen 2. Sam. 18 / 27.

III. Ἓν verum, ein unfalſches recht wahres Wort. Eſa. 43 / 9. das von dem bewaͤrtheſten und canoniſirten Zeugen der Warheit dem H. Evangeliſten Johanne bejahet und bekraͤfftiget worden / welches er empfangen droben auff dem H. Berg / auß dem Mund GOttes des Vaters ſelbſt gehoͤrt Matt. 17 / 5. 2. Petr. 1. der es auß der eroͤffneten Seiten Chriſti geſogen und gezogen / die fluenta ſapientiæ, und in ſeinem Evan -gelio63Predigt. gelio auffgeſchrieben Joh. 3. Daß GOtt die Welt alſo geliebt / daß Er ſeinen eingebohrnen Sohn fuͤr ſie dahin (in den ſchmaͤh - lich und ſchmertzlichen Creutz-Tod) gegeben: der da ſein Epiſtel geſchrie - ben / getrieben von dem H. Geiſt. Der Teuffel leugt als ein Teuffel und widerſpricht dem Munde GOttes freventlich und unverſchaͤmt / wann Gott draͤuet / ihr werdet des Todes ſterben / ſo ſagt er thamoth, nicht todt / ihr werdet mit nichten des Todes ſterben. Maſſen er noch heutigs Tags manchen Suͤnden-Knecht uͤberredt / non morieris, wags drauff / es wird den Hals nicht gelten. Aber der Luͤgen-Geiſt betreugt. Hingegen GOttes Wort das iſt und bleibt die Warheit / es kan nicht lie - gen Pſal. 27.

Aber IV. Verbum obſcurum, inevidens, myſticum, parado - xum, ein dunckeles / unerdenckliches / fuͤr der Vernunfft aben - theurliches und unglaubliches Wort / des verborgenen GOttes der im duncklen wohnet / das kein erſchaffene Vernunfft erſinnen oder erdencken kan / das der natuͤrliche Menſch nicht verſtehen kan / das der Ver - nunfft thoͤricht fuͤrkommt; und deßwegen bezeugens beweiſens vonnoͤ - then hat / es heiſt da demonſtrandi. Zwar das Wort des Geſetzes / welches in die Tafflen unſerer Hertzen und Gewiſſen / der Gedancken / die ſich untereinander verklagen und entſchuldigen Rom. 2 / 15. mit eiſernen Griffelen in unſer aller Hertzen geſchrieben / iſt wol auch ein heiliges / ein einiges / ewiges / unwandelbares Zeugnuͤß / iſt an ſich ſelbſt gut / wahr / himmelfeſt / wer das Geſetz thut / der ſoll leben; aber es iſt evident, klar und offenbar / unwiderſprechlich / es bedarff kein zeugens und beweiſens / iſt mit Sonnen-Strahlen ins Hertz geſchrieben und ge - trieben / conſcientia mille teſtis, es ſteht gleichſam wie ein Kriegs-Heer wider uns Pſal. 50. Eſa. 59. Unſere Suͤnden antworten wider uns / wir fuͤhlen unſeren Prediger / dem David ſchlaͤgt ſein eigen Hertz 2. Sam. 24. Da der Herr die Phariſeer ſchamroth gemacht Joh. 8. ihnen zugemuthet / wer unſchuldig iſt / ſoll den erſten Stein auffheben / ſo meldet die Hiſtorien / ſie waren ὑπὸ τῆς συνειδήσεως ἐλεγχόμενοι, von ihrem Gewiſſen uͤberzeugt. Der Syllogiſmus conſcientiæ (Sap. 4, ult.) iſt juſt / Sonnenklar / buͤndig und bindet ſo hart und ſtarck / als kein Hencker-Strick: Wer ſeinen Bruder ermordet / ſein Blut vergeuſt / deſſen Blut ſoll wider vergoſſen werden Gen. 9, 6. Nun ich Cain hab meines Bruders Blut vergoſſen. Ergò! und ob ers gleich λόγῳ ἔξῳ aͤuſſerlich mit dem Mund nicht geſtehen wil / ſo kan ers doch nicht laͤugnen im Hertzen; da aber der ſchlaffende Thuͤr-Hund auffgewacht / und auß dem nagendenWurm64Die fůnffteWurm ein feuriger Drach worden / ſo wil er verzweifflen / O / ſagt er / meine Suͤnd iſt groͤſſer / als daß ſie mir koͤnt vergeben werden. Deßglei - chen geſchach von den Bruͤdern Joſephs Gen. 42, 21. da Joſeph das rauch herauß gekehrt / und ſeine Bruͤder in arreſt genommen / da be - kennen ſie erſt / was ſie viel Jahr zuvor begangen / ſagen ſie / das haben wir an unſerm Bruder verſchuldt. Jhr Syllogiſmus iſt dieſer: Wer ſeinen Bruder bindet / in ein Grub wirfft / da kein Waſſer innen iſt / der wird billich wiederum gebunden und ins Gefaͤngnuͤß geworffen. Nun wir ſind ſolche ꝛc. Ergò iſt der juſtiti gemaͤß / daß einer unter uns ohne Barmhertzigkeit / und nahmentlich Simeon ſolches leide. David bekennt vor Nathan / er ſeye ein Mann des Todes / der Syllogiſmus in ſeinem Gewiſſen lautet alſo: Welcher reiche Mann einem armen Mann ſein einiges Schaaf ſtihlt / der iſt des Todes ſchuldig / dieweil er ihn um ſein ſtuͤck Brodt und ſein Leben bringet; Jch David bin ſelbiger / ich hab ſolches gethan. Item, wer ſich am Waſſer verſuͤndiget / der ſoll billich im Waſſer geſtrafft werden. Nun ich Jonas hab nach Waſſer gegangen / und wider GOttes Befehl mich darauff begeben. Ergò em - pfang ich auch meine gebuͤhrende Straff in demſelbigen. Judas der Verraͤther Chriſti ſchlieſt alſo: Wer unſchuldig Blut verrathen / der hat ſein Hals verwuͤrckt. Jch habs gethan / ergò Strick zu. Ein ſolch evi - dent Wort iſt das nicht / darauff Johannes hie deutet mit ſeinem εἰς ἓν. Was dann.

V. Verbum Evangelii unum, harmonicum, ſymphonicum, ein einiges zuſammenſtimmendes hochtroͤſtliches Wort / davon alle Propheten zeugen / Act. 10, 43. ein gutes Wort / ein Lebens - Wort / das heiſt / nolo mortem peccatoris, ich begehre nicht den Tod des Suͤnders. Alſo hat GOtt die Welt geliebt / ꝛc. ein Honigſuͤſſes Wort / welches auß dem erwuͤrgten Loͤwen vom Stam - me Juda / und ſeinem Tod außgefloſſen; Nemlich eben das Wort / welches St. Johannes mit vielen wiederholten ernſthafften Worten inti - mirt und geoffenbart / alſo lautend: Drey ſind die da zeugen ꝛc. Was zeugen ſie dann / wovon / was iſt die Auſſag das contentum, der Jnnhalt? Antw. Daß iſt das Zeugnuͤß / das GOtt gezeu - get hat von ſeinem Sohn / wer an den Sohn glaubt / der hat ſolch Zeugnuͤß in und bey ihm / wer an den Sohn GOt - tes nicht glaubt / der macht GOtt zum Luͤgner / dann er glaubt nicht an das Zeugnuͤß / das GOtt von ſeinem Sohn gezeuget: daß iſt aber das Zeugnuͤß / daß Er uns das ewigeLeben65Predigt. Leben gegeben / welches iſt in ſeinem Sohn: Wer den Sohn hat / der hat das ewige Leben / und wer den Sohn nicht hat / der hat das ewige Leben nicht: Solches hab ich euch geſchrie - ben / die ihr glaubet an den Nahmen des Sohns GOttes / auff daß ihr wiſſet / daß ihr das ewige Leben habt / und daß1. Joh. 5. v. 9. 10. 11. 12. 13. ihr glaubet an den Nahmen des Sohns GOttes. 1. Johan. 5. Sind viel Wort / ſind wiederholte Wort / ſind deutliche Wort / koͤnnen aber in folgenden Syllogiſmum Evangelicum, als in eine guldene Ket - te / damit Gott der Herr uns Menſchen geziert / gar wol zuſammen ge - loͤtet / gefuͤget / gegleichet und gefaſſet werden: Alle der jenige Mann (an welche Johannis Catholica Epiſtola geſchrieben worden.) Welchervid. Broch - mand. in Ep. Jac. p. 23. in ſeinem geaͤngſtigten / zerſchlagenen / zerknirſchten / geiſtduͤrfftigen / Chur - waſſer-begierigen / Blutdurſtigen Hertzen und Gemuͤth / glaubet an den Sohn GOttes / den Erſt - und Eingebohrnen / conſequenter allerliebſten Sohn GOttes / ſeinen einigen und eigenen Sohn / den er fuͤr uns dahin gegeben Rom. 8 / 32. an den Nahmen des Sohns GOttes / das iſt / an alles das / was im Evangelio von Jhm / ſeiner Perſon / Ampt / Tu - genden / Thaten / meriten, Buſſen und Wolthaten geruͤhmet und ge - prießen / ſonderlich daß in ſeinem Nahmen (und keinem andern frembden Nahmen / er heiſſe Maria / Franciſcus / oder dein eigner Nahm / Buß und Verdienſt) uns Menſchen das Heyl gegeben / darinnen wir ſollen ſelig werden Actor. 4, 12. den Nahmen des Sohns GOttes / in welchem das Leben iſt / als im Hertzen des Lebens / in des Lebens Quell und Wurtzel / als in dem Todten-Buͤrgen und Todten - Wuͤrger / der durch ſeinen lebendigmachenden Siegs-Tod / dem Tod all ſein Macht genommen / und das Leben / und ein unvergaͤng - lich Weſen ans Liecht gebracht 2. Tim. 1 / 10. Den Sohn / von dem der Vater gezeuget muͤndlich vor ſeinem Tod dreymal / am Jordan Matth. 3 / 17. zu Jeruſalem in einer Donnerſtimme Johan. 12 / 28. auff dem H. Berg bey ſeiner Verklaͤrung / da Er von ſeinem Creutz und Todten - gang Sprach gehalten: Jn ſeinem Tod / da Er ſeinen Sohn wuͤrcklich in Tod hinein gegeben mit unerhoͤrten ſymptomatibus als Glocken / daß die Sonne erſchwartzet / die Erde gebebet / die Felſen zerſprungen / die Graͤ - ber ſich auffgethan / ſonderlich mit dem uͤbernatuͤrlichen Waſſer und Blut - Fluß: Nach ſeinem Tod mit den himmliſchen χαρίσμασι und Gaben deß Geiſtes / den feurigen Pfingſt-Zungen. Alſo / alſo hat Gott ſeinen Sohn gegeben!

Wer nun / ſag ich / an dieſen Sohn und ſeinen Nahmen glaubet /Achter Theil. Jden -66Die fůnfftedenſelben alſo erkennet / bejachtzet alle das wahr ſeyn / was im Wort deß H. Evangelii von Jhm geprediget wird / denſelben ihme applicirt / zueig - net und einet / und damit wirs in einem Gleichnuͤß verſtehen / wer Jhn mit bekuͤmmertem Hertzen / wie ein Mutter Zach. 12 / 10. anſihet / in welchen jene geſtochen haben / wer verwundet von der hoͤlliſchen Schlangen / dieſe rothe ehrene Schlange anſiehet mit glaubigen Augen / auff daß er lebe Num. 21, 8. Wer mit gehorſamen Hertzens-Ohren hoͤret ſein ſuͤſſes Evangelium / weit uͤber alle Muſic oder Lebens-Ergoͤtzlichkeiten / wer da riechet den Ge - ruch deß Lebens zum Leben / wer ſchmecket und koſtet das guͤtige Wort Got - tes / das erquickende Manna und kraͤfftige Himmel-Brod Joh. 6. Wer gruͤſſet / kuͤſſet / mit Simeoniſchen Glaubens-Armen umfanget / zu ſich zie - het / auffs Hertz / ins Hertz / zu Hertzen trucket und annimmet / (dergleichen kein Teuffel thun kan / er glaubt aber mit zittern) der hat das Leben / das rechte / wahre / geſunde (non eſt vivere, ſed valere, vita,) das rechte rich - tige Leben. Hie in dem natuͤrlichen Leben iſt kein Freud ohne Leyd / kein Leben ohn Tod / kein Honig ohn Gall / ob ſchon darin uns auch was guts begegnet / ſo iſt es doch entweder gegenwaͤrtig oder vergangen / oder zu - kuͤnfftig; Jſt es gegenwaͤrtig / ſo iſt es unbeſtaͤndig; Jſt es vergangen /vid. D. Dietr. in Sapient. part. 1. p. 453. ſo iſt es nichts mehr; Jſt es zukuͤnfftig / ſo iſt es ungewiß. Dort aber das gantz heilige Goͤttliche Leben / das him̃liſche Freud - und Glori-Leben / das ewige Leben und allen deſſen Segen in himmliſchen Guͤtern / Auguſti - nus ſpricht davon c. 35. Soliloq. Intra ô anima in gaudium Domini Dei tui, ubi ſunt magna & inſcrutabilia & mirabilia, quorum non eſt numerus, das iſt: Gehe ein liebe Seele / gehe ein in die Freude deines Herrn / in das Hauß deß Herrn deines GOttes / darin ſind groſſe un - erforſchliche Wunder / deren keine Zahl iſt. Habet, habet, der hats / es iſt ihm ſchon gegeben / in der Ewigkeit / da er in das Buch des Lebens auffgezeichnet worden / er hats jetzund ſchon nicht allein in ſpe und in der Hoffnung / ſondern auch in progevmaſi, in dem Genuͤß und Vorſchmack: rara hora parva mora!

Wer in noͤthen bet und ſingt /
Dem wird ſein Hertz recht guter Ding /
Der Geiſt bezeugt / daß ſolches frey
Des ewign Lebens Vorſchmack ſey.

Gleichwie ein Kind in Mutter-Leib das hat das Leben / aber es iſt nicht offenbar. Alſo ſagt Johannes 1. Ep. cap. 3 / 2. Meine Lie - ben / wir ſind nun GOttes Kinder / aber es iſt noch nicht er - ſchienen / was wir ſeyn werden: Wir wiſſen aber wenn eserſchei -67Predigt. erſcheinen wird / daß wir Jhm gleich ſeyn werden / denn wir werden Jhn ſehen wie Er iſt. Habet in judicio, Er iſt vom Tod zum Leben hindurch getrungen Joh. 5 / 24. Er wirds haben dermaleins nach ſeiner Aufferſtehung vollkommlich / denn wer in Gott lebet / der wird auch gewiß aufferwecket werden zum ewigen Leben.

Bißher der erſte Satz / Fides quæ creditur, der geglaubte Glaub / oder das was uns im Evangelio zu glauben fuͤrgehalten wird. Der an - dere Satz begreifft in ſich Fidem quæ credit, den glaubenden Glau - ben.

Juxta Auguſtin. Lib. 13. Trinit. c. 1. Suam quiſque fidem in ſeipſo videt, eamque tenet certiſſima ſcientiâ. ()

Davon S. Paulus ſagt / 2. Tim. 1 / 12. Jch weiß / an welchen ich glaube / und bin gewiß / daß Er mir kan meine Beylage bewahren biß an jenen Tag. Und ſtehet dieſer andere Satz in die - ſen Worten: Wer an den Sohn glaubt / der hat ſolch Zeugnuͤß in ihm / auff daß ihr wiſſet / nicht nur daß ihr das ewige Leben habet / ſondern auch daß ihr an den Nahmen des Sohns GOttes glaubet per ſcientiam reflexam. Das weiſſeſtu lieber Menſch / und kanſt deſſen gewiß ſeyn / nicht nur auß der allgemeinen Ver - heiſſung deß Glaubens / den GOtt jederman fuͤrhaͤlt und darrei - chet Act. 17, 31. ſchenckt Er uns den Baum (Chriſtum) warum nicht auch die Frucht / das iſt den Glauben? Sondern auch daß Er dir ſingula - riter deine einzele Suͤnde vergeben / den Glauben geben wolle / und alſo die port des Lebens auffgeſchloſſen. Dann

Der Menſch fuͤr GOtt wol ſelig iſt /
Dem ſein Sůnd iſt vergeben.

Nun ſagt der Herr ſelbſt Eſa. 43 / 25. Jch / ich tilge deine Ubertrettung um meinet willen / und gedencke deiner Suͤnde nicht. Und David Pſal. 103 / 2. Lobe den HErꝛn meine Seele / und vergiß nicht was Er dir guts gethan hat. Glaubſtu das oder nicht? So nicht? So machſtu GOtt zum Luͤgner / das ſey fern. Glaubſt es? So haſtu was du glaubeſt: die aſſumtion macht der inner Hertzen-Zeug / mit dem der Geiſt GOttes durch ſein Wort zeuget / und ſagt mit dem Vater des Monſuͤchtigen Marc. 9 / 24. Lieber HErꝛ / ich glaube! mit den Blinden Matth. 9 / 28. Ja HErꝛ / wir glauben / oder mit dem Kaͤmmerer auß Morenland / ich glaube daß JEſus Chriſtus GOttes Sohn iſt Act. 8, 37.

Ergò, folgt der gewaltige Schluß / unverwehrlich und unumgaͤng -J 2lich:68Die fuͤnfftelich: So hab ich das ewige Leben / es iſt mir gegeben / und wann ich in die - ſem Augenblick ſterben ſolte / ſo bin ich gewiß ein Kind des ewigen Lebens. Amen, Amen! Dieſer Syllogiſmus iſt das τὸ ἔν, die unauffloͤßliche gul - dene Kett / daran der Gnaden-Pfenning haͤngt / dadurch du dich verſichern kanſt der Goͤttlichen Huld und Gnad / damit Gott der Herr alle ſeine außerwehlte Kinder regalirt / ziert und adelt.

Aber βάθος, O Abgrund! παράδοξον, ô myſterium, O ein unglaubliches Geheimnuͤß-volle Zeugnuͤß / welches im verborgen waͤre ver - blieben / in dem Liecht ἀπροσίτῳ, da Gott wohnet / waͤre der Fall nicht ge - ſchehen / ſo waͤre der Sohn GOttes nicht geſtorben / nicht dahin gegeben worden / kein Engel / kein Menſch haͤtte davon die geringſte Wiſſenſchafft oder Erkantnuͤß bekommen / darum die Engel geluſtet hinein zu ſchauen / koͤnnen ſich nicht gnugſam hieruͤber verwundern.

Ja freylich (I.) παράδοξον, ein vor der Vernunfft unglaubli - ches Geheimnuͤß. Es denck doch ein Menſch / ob es nicht ſeiner Ver - nunfft wunderſeltzam und abentheurlich vorkomme 1. Cor. 2 / 14. daß derZach. 13. Sohn GOttes / der Mann / der Gott am naͤchſten iſt / das Zorn-Schwerdt ſolle leyden / fuͤr uns die wir deßwegen ſeine Feind geweſen / daß er dahin in den Tod gegeben worden von ſeinem liebreichen Vater / ehe gebe ein Va - ter ſich ſelbſt fuͤr ſeinen Sohn / (gleichwie David fuͤr Abſalon ihm den Tod gewuͤnſcht /) alsdaß er ſeinen einigen Sohn fuͤr andere / und zwar ſeine Feind und Widerwaͤrtige / gleichſam hinſchlaͤudern ſolte.

O quam grave eſt mori! quanto gravius, quod ego vivo Juperſtes filij mei! exclamat ille pater apud Quintil. Declam. 6. Idem declam. 11. Cum filij, inquit, pauperis ad ſupplicium peterentur, pater ſeſe obtulit illos vicaria morte ſervaturus. Simile eſt, quod narrat Tiraquellus præf. in l. Si unquam, n. 8. Accuſabantur, inquit, pater & filius homicidij: certum enim erat alterum eorum id perpetraſſe, ſed uter id feciſſet incertum. Carolus II. Imperator juſſit filium ſuſpendi: Quod intelligens pater, ut filium à morte vindicaret, ac in ſe pœnam converteret, ſpon - te crimen confeſſus, ideoque ſuſpenſus est, liberato filio. Nam ut ait Ambroſ. libr. 6. Hexam. capit. 4. Natura hoc beſtiis infundit, ut catulos proprios ament, fœtus ſuos diligant. Et mox: Quæ fera pro catulis non ipſa potiſſimum ſe offerat morti? Quæ fera ſuos, innumeris licet obſeſſa cuneis armatorum, non ſuis viſceri - bus tegat? ingruat licet telorum ſeges, illa tamen par vulos ſuos, muro ſui corporis ſeptos, immunes præſtat periculi. conf. Corn. à Lap. ad cap. 30. Syrac. pag. 135. ()

Es hat zwar Abraham ſeinen Sohn / ſeinen einen einigen lieben / aber doch ſuͤndlichen Sohn / und nicht fuͤr ſeine Feind / ſondern ſeinem hoͤchſten Freund / ſeinem Gott im Himmel zum Gehorſam hingegeben / auffopf - fern und ſchlachten wollen; Dergleichen auch Jephta gethan. Man hatexem -69Predigt. exempla barbariſcher / monſtroſer / unmenſchlicher Raben-Vaͤter / die ihre Kinder dahin geſchleudert / zum Exempel die Molocholatræ, oder Molochs-Knecht / ſo dieſelbe dem verdampten Goͤtzen Moloch auffgeopf - fert / wohin auch gehoͤrt Thren. 4, 10. Es haben die barmhertzigſten Weiber ihre Kinder ſelbſt muͤſſen kochen / daß ſie zu eſſen haͤt - ten in dem Jammer der Tochter meines Volcks. Manche Gottes vergeſſene Zatz und leichtfertige Schand-Hur exponirt ihr Kind / oder moͤrdet es wol gar; Aber das thut ſie nicht fuͤr ihre Feinde / ſondern fuͤr ſich ſelbſt / die Schande zuverdecken / oder der Obrigkeitlichen Straff zuentgehen / Haut fuͤr Haut gibt der Mann fuͤr ſein Leben / und alſo auch Kindshaut; Aber um eines Feindes willen / davon wird nicht leichtlich ein Exempel in der Welt ſeyn / daß ein Vater ſeinen ſo frommen / ſeinen ſo lieben Sohn (und alſo Summum bonum pro infeſtiſſimo peccatore) ohne ſchonen gleichſam dahin geworffen. Rom. 5 / 6. Chriſtus iſt fuͤr uns Gottloſen geſtorben; Nun ſtirbet kaum jemand um deß Rechts willen / um etwas gutes willen doͤrffte vielleicht je - mand ſterben. Darum / ſagt er ferner ib. verſ. 8. preiſet GOtt ſeine Liebe gegen uns / daß Chriſtus fuͤr uns geſtorben iſt / da wir noch Suͤnder waren. Kurtz / es ſtarb das Schaaf fuͤr den Wolff.

Ω Βάθ〈…〉〈…〉! ſprechen wir ferner / ja (II. ) παραδοξώτερον, noch ſeltza - mer lautet Funus Dei mortui, daß der Unſterbliche geſtorben / das Leben ſelbſt den Tod geſehen. Dann wann hier in dieſer unſerer Hiſtori deß getoͤdteten Chriſti / von eines bloſſen Menſchen Tod gehandelt wuͤrde / und alſo nur ein bloſſer Menſch geſtorben waͤre / ſo doͤrffte es nicht viel verwun - derns / Pilatus / Herodes / Neſtorius glauben ſolches auch / das waͤre kein hohes Geheimnuͤß nicht. Daß aber es heiſt / Gott iſt geſtorben / und wie der Prophet Zachar[i]as redet / Sie haben geſtochen in den Mann / der GOtt am naͤchſten iſt / oder wie Petrus den Juden freymuͤndig vorruckt Act. 3, 15. Jhr habt den Fuͤrſten des Lebens getoͤdtet: hoc παραδοξώτερον, daß iſt ein Wunder-Geheimnuͤß / da die gantze Natur uͤber erſtarret und erſchrocken iſt; eine Tragœdia, ſo mit Waſſer und Blut beweinet worden.

Es iſt aber dieſes Wunder-Geheimnuͤß (III. ) πιςὸςλόγ〈…〉〈…〉, ein theu - res Wort / wol werth / daß man es begierig annehme / und ihme ohne ei - nigen Zweiffel Glauben zuſtelle. Paulus der theure Apoſtel ſtreicht es mit gewaltigen / herꝛlichen Worten herauß 1. Tim. 1 / 15. Daß iſt je ge - wißlich wahr / und ein theuer werthes Wort / daß JEſusJ 3Chri -70Die fuͤnffteChriſtus kommen iſt in die Welt die Suͤnder ſelig zu machen. Das iſt ein Himmelfeſtes Wort / Himmel und Erden ſollen eher verge - hen / als ſelbiges. Menſchen Wort hat bezeugens beweiſens noͤthig / aber das Wort GOttes iſt ſo edel / ſo theur / ſo himmelfeſt wahr / daß man ohne ferneren Beweiß demſelben ſoll Beyfall geben / bevorab weil es Johan - nes ſo wol betheurt und verwahret / wider maͤnniglich inſtantzen und Ein - reden repetitis verbis, mit offt wiederholten Worten / die ſonſt einer tavtologi gleich ſcheinen / wann es nicht die Nothdurfft erfordert / alldieweil unſer Hertz ſo gar ſchuͤchtern / bloͤd / wandelbar / zaghafft / ſolche hohe Ge - heimnuͤſſen zu glauben. Was auß dem Geſetz geſagt und gepredigt wird / das admittirt unſer Hertz / und nim̃t es alſobald an; Aber die Evangeliſche myſteria und Geheimnuͤß wollen nicht ein / man hoͤrt zwar taͤglich davon und iſts gewohnt / wie der Muͤller des Beutels / aber wanns zum Treffen kommt / wann der Sathan den gantzen obberuͤhrten ſyllogiſmum in di - ſputat zeihet / da ſtoßt ſichs / da weiß man ſich faſt nicht zu helffen / derowe - gen hat man ſo vieler Zeugen und ſtarckes Zeugnuͤſſes von noͤthen; dazu kom̃t auch aller H. Maͤrtyrer Blut / der jenigen Zeugen dieſer Goͤttlichen Warheit / ſo ſolch Zeugnuͤß mit ihrem Blut des ſchmaͤhligen Maͤrtyr - Tods zu unterſchreiben / nicht unterlaſſen. Es iſt ſolches durch ein dop - pelten Eyd Ezech. 33. bekraͤfftiget / durch unerhoͤrte Wunder / ja durch die heiligen Sacramenta. Quæ frons contra tot teſtes? Wer wolte ſich nun erkuͤhnen ſolch Zeugnuͤß zu verlaͤugnen / oder zu widerſprechen allen Propheten / die hievon Zeugnuͤß geben / allen Apoſteln / allen Maͤrtyrern? Si credis præmiſſis, ergò & concluſioni. Wer wolte die Goͤttliche Verheiſſung / die mit ſo vielen Zeugen und Zeugnuͤſſen confirmirt / nicht willig annehmen / und darauff ſich auffs gewiſſeſt verlaſſen? Quid tibi promiſit Deus, O homo mortalis, quia victurus es in æternum; non credis? Crede, crede, pluſquam eſt, quod fecit, quàm quod promi - ſit. Quid fecit? mortuus eſt pro te. Quid promiſit? ut vivas cum illo. Incredibilius eſt quod mortuus eſt æternus, quam ut æter - num vivat mortalis, jam quod incredibilius eſt tenemus, ſchreibt Auguſtinus in Pſal. 148. das iſt / Was hat dir GOtt verheiſſen / O du ſterblicher Menſch? Das hat Er dir verheiſſen / daß du in Ewigkeit leben ſolt. Glaubſtu das nicht? Ach glaube es / glaube es doch! Dann es iſt das noch mehr was Er ge - than hat / als das Er verheiſſen hat. Was hat Er gethan? Er iſt geſtorben fuͤr dich. Was hat Er verheiſſen? Daß du mit Jhm leben ſolt. Es iſt viel unglaublicher / daß der / ſoewig71Predigt. ewig iſt / geſtorben ſey / als daß der / ſo ſterblich iſt / ewig leben ſolle. Jetzo haben wir das / ſo unglaublicher iſt. Warum ſol - ten wir dann das ander nicht auch erlangen?

O das glaub ich gar gern wol und feſt / ſpricht ein ſicheres Welt - kind / Heuchler und Maul-Chriſt! O das iſt ein lieber angenehmer Glaub / ein ſuͤſſes Evangelium / was darff ich mich viel bekuͤmmern / iſt GOtt fuͤr meine Suͤnd geſtorben ſo mag ich immer leben / wie ich wil / es iſt ſchon al - les vergeben / und noch dazu richtig das ewige Leben. Aber hoͤre du gar - ſtiges Epicuriſches Maſt-Schwein / meynſtu daß Chriſtus dein Suͤnden - Knecht / daß Er dein Sau-Leben / dein Huren-Leben / dein Sauff-Leben habe mit ſeinem Blut canoniſirt / balſamirt und geweyhet? Daß Er fuͤr ſeine Feind geſtorben / iſt in ſenſu diviſo zu verſtehen / darum daß ſie nicht mehr ſeine Feinde ſeyn und bleiben ſollen. Haſtu nicht gehoͤrt / in was Her tzen der Glaube wohne? Jn heilgewuͤrdigten / heilbegierigen Hertzen und Gewiſſen: den Armen wird das Evangelium gepredigt. Weiſt du nicht / was St. Paulus ſagt Rom. 8 / 13. Wo ihr nach dem Fleiſch lebet / ſo werdet ihr ſterben muͤſſen; wo ihr aber durch den Geiſt des Fleiſches Geſchaͤffte toͤdtet / ſo werdet ihr le - ben.

Lutherus (uͤber die Wort Matth. 19. Wiltu zum Leben einge - hen / ſo halte die Gebott / Tom. 9. Witteb. p. 506. f. 1.) ſagt: Die Gebott muͤſſen gehalten ſeyn / oder da iſt kein Leben / ſondern eitel Tod. Denn auch der Glaub nichts iſt / wo die Liebe (das iſt die Erfuͤllung der Gebott) nicht folget 1. Cor. 13. Denn Chriſtus GOttes Sohn iſt nicht kommen / noch darum ge - ſtorben / daß wir ſolten den Gebotten frey ungehorſam ſeyn / ſondern daß wir die Gebott / durch ſeine Huͤlffe und mit wuͤr - cken / erfuͤllen ſolten. Darum wie es heiſt / Werck ohn Glau - ben ſind nichts / ſo heiſts auch Glaube ohne Frucht iſt auch nichts. Denn Werck ohne Glauben iſt Abgoͤtterey / Glau - ben ohne Werck iſt Luͤgen und kein Glauben. ()

(IV.) Πάσης ἀϖοδοχῆς ἄξιον. Jſt es ſo ein theures werthes Wort / ſo iſts freylich auch annehmens und ergreiffens werth. So uns GOtt ſo freundlich gruͤßt / warum wolten wir Jhm nicht auch wiederum mit freundlichem Wider-Gruß begegnen / und mit Maria ſprechen: Mir geſchehe wie du geſagt haſt; Auch Danck haben und dabey bleiben / und in ſeinem Reich unter Jhm leben / in luce & cruce. Aber wer acht ſolches / wer glaubt ſolchem theuren Wort und Zeugnuͤß? Ja wieder72Die fuͤnffteder Teuffel auch / ſine applicatione & fructu. Man hoͤrts wol alle Sonntag / aber ohne Verſtand / Nachſinn und affecten, man bekuͤmmert ſich / wie die Weiber in der paſſion, uͤber Chriſtum / und nicht uͤber ſich ſelbſt. Nun ſolche haben ihren ſentenz, wer nicht glaubt / der macht Gott zum Luͤgner / er ſtoͤßt ſeine Gutthaten von ſich / und ſtehet ihm ſelbſt fuͤr dem Liecht. Nun welche Hoͤll iſt heiß genug / ſolche Boßheit zu buͤſſen?

Darum ſolls ſeyn (V.) Verbum πάσης συ〈…〉〈…〉 θηρήσεως ἄξιον, ein Wort ſo auff hebens und behaltens werth. Dazu ſich ein jeder ſoll ermahnen laſſen. Tene quod habes, behalte was du haſt / haſtus einmal angenommen / O ſo hebe es fleiſſig auff / gebrauche dich deſſen wider alle Cacangelia der Jrꝛgeiſter / und dero anteſignani des leidigen Sathans / der ſpinnt auß dem Geſetz einen contrari ſyllogiſmum, oder Schluß-Red / er luxirt damit unſer guldene Kett / trennt und macht ſie loß / ſein ſyllogiſmus iſt dieſer: Der jenige Menſch / der das Geſetz nicht erfuͤllet / oder haͤlt alles was in dem Geſetz GOttes geſchrieben ſteht / der iſt verflucht / er iſt des ewigen Todes ſchuldig (dann der Suͤnden Sold iſt der Tod.) Nun O Menſch / du biſt derſelbe / du erfuͤlleſt nicht allein das Geſetz nicht / ſondern widerſtrebeſt ihm auch. Ergò ſo biſtu vermaledeyt und deß ewigen Todes ſchuldig. Hierinnen nun der Sa - chen zu helffen / ſo muß man die majorem limitiren auß dem Evangelio per〈…〉〈…〉 είκειαν, mit dem niſi: Es ſeye dann / daß ein anderer den Fluch auff ſich genommen / tauſch - und buͤrgs-weiſe ein καθάρα worden / und den Fluch in einen Segen verwandelt / wie Jonas der ein κάθαρμα oder Außwuͤrffling worden fuͤr ſeine Gefaͤrten / die erhalten worden vom Ungewitter / nachdem man ihn ins Meer geworffen; Es ſey dann / daß ein anderer den Tod fuͤr mich gelitten / buͤrgsweiſe und wuͤrgsweiſe paſ - ſivè & activè, und alſo den Fluch des Geſetzes von mir abgewendet. Alſo hieß es bey unſerm Großvater Adam / morte morieris, du wirſt deß To - des (ewig) ſterben / limita ex Evangelio, es ſeye dann / daß ein Schlangentretter / ein geſegneter Weibs-Same fuͤr den Vater ſterbe / und ſich in Verſen ſtechen laſſe / und ſein Blut vergieſſe. Weil nun von einem ſolchen die Verheiſſung vorhanden / ergò chavah, getroſt / nicht todt / ſon - dern leben.

Der Calviniſche Jrꝛgeiſt fecht die minorem den Nachſatz an / Iu - xirt / negirt und muß dieſelbe negiren / alldieweil er das καθολικὸν fidei nicht wil paſſiren laſſen / ob er gleich ſagt / er glaube auch / ſo kan ers doch conſequenter nicht ſagen. Ein Koͤnig verſpricht ſeiner Hoff-Burſt / ſeinen Hoff-Junckern allerhand Lehen und gute Tag / hats aber die Mey -nung /73Predigt. nung / es ſey ſolches von etlichen wenigen zuverſtehen / ſo kan ja keiner mit ungezweiffelter Warheit ſagen / Ergò mir. Alſo weil nach Calviniſcher (*) Lehr das Evangelium nicht allen Menſchen καθολικῶς gemeynt mit Ernſt / GOtt hat die Welt / das iſt etliche wenige / geliebet: Wer wolt(*) conf. Sal. Refor. pag. 455. & 464. nun in ſeinem Gewiſſen ſicher aſſumiren koͤnnen / ergò mich / Gott hat auch mich geliebet / Er wil auch mir den Glauben geben. Scultetus in ſeiner Poſtill uͤber das Evangelium von Simeon pag. 71. ſagt / wer ſe - lig ſterben wil / der muß ſich bearbeiten und bitten / daß ihm von GOtt ein Antwort werde / daß Chriſtus warhafftig ſein Heyland ſey / und glauben / der Glaub ſey ein Gabe Gottes / die Verheiſſung ſeye den Glaubigen zugeſagt. Aber wie ſoll oder kan einer zuverſichtlich bitten eine Gutthat die ihm nirgend zugeſagt? Zum Exempel / wann einer GOtt wolte bitten um ſo groſſe Weißheit / wie Salomo gehabt. Biſtu außerwoͤhlt / ſo iſt nicht viel betens vonnoͤ - then / es wird ſchon kommen; Biſtu aber unter den Verworffenen / ſo hilfft das beten nichts. Endlich geht ſolcher Calviniſche Jrꝛglaub hinauß auff ein zweifflendes gerath wol.

Jſt auch das gerath wol des Paͤbſtiſchen Jrꝛgeiſts / der uns die Kett miteinander genommen / und alles auff gerath wol hinauß geſpielt / und im Gegentheil ein Zweiffel-Strick an Hals geworffen. Majorem negirt Benedictus Juſtinianus, (*) da er hieruͤber alſo ſchreibt: Johan -(*) ad h. l. pag. 236. vid. Goëb. conc. 3. in Att. 6. Aug. Conf. pag. 446. nes dicit, qui credit in nomen filii, an quia ſola fides vitam parit æternam? minimè gentium. Treibt auff die Werck und deroſelben Uberlaͤnge / aber was fuͤr Werck? Kinder-Werck / die im Feur der Anfech - tung nicht beſtehen; ſelbſt erdachte neue erdichtete Werck / die GOtt der Herr nirgends befohlen / damit man endlich fuͤr GOttes ſtrengem Ge - richt nicht beſtehen kan / viel weniger Himmel und Seligkeit verdienen.

Wann ich reich waͤr (ſchreibt Luth. Tom. 1. Isleb. pag. 500. fol. 2.) und wolte einem Knecht oder einer Magd Hauß und Hoff / Acker und Grunde / und ande - re Erb-Guͤter auß Gnaden geben / welches ich ihm ſonſt nicht ſchuldig waͤre: und er ſpraͤch ich wils nicht auß Gnaden und Barmhertzigkeit haben / ſondern wil dir es bezahlen / wils abverdienen / daß er einen Recht-Spruch dazu haͤtte / waͤre der nicht unſinnig? Alſo wenn einer eine Tochter haͤtte / und gebe ſie mir auß Gnaden / und ich fuͤhr zu und ſpreche: die Weiſe gefaͤllt mir nicht / ich wils beſ - ſer machen / ich wils verdienen / daß ich ſie nicht auß Gnaden kriege / ſondern mit Recht / und wolte dieſe Gnade außſchlagen. Eben den Weg nimmet man ihm auch fuͤr / die Welt wil unſerm Herrn GOtt mit Recht den Himmel auge - winnen / ihm abverdienen und abkauffen / da Er doch laͤſſet außſchreyen durch die gantze Welt / Er wolle es uns umſonſt geben / und ſpricht / Jch wil euer GOtt ſeyn / auß Gnaden wil ichs euch geben / auß Gnaden und umſonſt wil ich euchAchter Theil. Kſelig74Die fuͤnffteſelig machen / wie St. Paulus Eph. 2. ſagt / ich wil mirs nicht laſſen angewinnen. So machet nicht andere Goͤtter / erfindet nicht ſolche Dinge die ihr ſelbſt thut / das treibet dieſe Predigt hie auch und ſpricht; Hebt nicht an mit euren guten Wercken / laſſet mich uͤber euch erbarmen. Es iſt wol ein Schand / daß man uns das ſoll vorwerffen / daß wirs nicht umſonſt annehmen / ſondern noch verdienen wollen / und noch GOtt zu geben gedencken / dem / der uns alles reichlich darrei - chen wil. Solche Narren ſeynd wir / daß wir geben wollen / da wir nehmen ſollen. Der Bettler koͤmmet hie zum gewaltigen Koͤnige und bettelt alſo / daß er nicht wil das Allmoſen umſonſt von ihm nehmen / ſondern ihm irgend vier Heller oder Laͤuſſe dafuͤr geben. Alſo iſt die Welt auch toll und thoͤricht / ſie wil dem geben der alles gegeben hat / und von dem ſie alles empfangen ſolte / und wenn ſie dem Neheſten etwas geben ſoll / da wil ſie nichts geben / ſondern ihme nur neh - men. So weit abermal Luther.
(*) de Ju - ſtif. c. 3. q. 11. pag. 364.
3

Die aſſumption iſt auch ungewiß / Becanus (*) laͤßt folgende Wort auß der Feder flieſſen: Certitudo fidei non habetur, niſi de re divinitus re - velata. Unde, ſi Deus alicui divinitus revelaret, ſe ipſe remittere peccata, is haberet certitudinem fidei de ſuâ juſtificatione, quod con - tigit Magdalenæ, Paralytico, Zachéo, Latroni. Contra, quibus non revelat, non poſſunt habere hanc certitudinem. At quis no - ſtrum eſt, cui revelavit? Seine Meynung iſt / es koͤnne die Gewißheit deß Glaubens / daß ein Menſch gantz gewiß glaube / ſeine Suͤnd ſeyen zhm vergeben / er ſeye gerechtfertigt / nirgend anders woher genommen werden / als auß Goͤttlicher Offenbahrung / welche keinem von uns heu - tigs Tags gedeyet. Und wird endlich die Concluſion in ein ἀπόνοιαν re - ſolvirt / mit dem fulmine ſacro, dem Donnerſtrahl deß Tridentiniſchen Concilii dermaſſen verwahrt / daß niemand von ſolchem zweiffeln darff. Can. 14. pag. 59. Si quis dixerit hominem à peccatis abſolvi, ac juſti - ficari ex eo, quod ſe abſolvi ac juſtificari certò credat &c. anathema(*) conf. Hodom. Papæ part. 2. pag. 136. & 140. ſit. (*) Welchem Tridentiniſchen Donnerſtrahl wir entgegen ſetzen anathema Paulinum, und alſo Strahl gegen Strahl / der Strahl auß Trident muß mit dem Strahl auß Galatia vertrieben werden / da Pau - lus ſagt / Gal. 1 / 8. So auch wir / oder ein Engel vom Himmel / euch wuͤrde Evangelium predigen / anders denn das wir euch gepredigt haben / der ſey verflucht. Darum laß fahren / laß fah - ren eigne ſelbſt erwehlte Heiligkeit / ſie mag in letſten Zuͤgen den Stich nicht halten / das Gewiſſen muß immer zappeln und gedencken; Ja woher weiß ich daß dieſe meine ſelbſt erwehlte Werck GOtt dem Herrn gefal - len? Jch finde ſie nirgend befohlen. Ja es iſt wahr / ſchreibt Luthe -(*) Tom. 2. Isleb. p. 279. f. 2. rus (*), es iſt verlohren / wo GOtt nicht am letſten Ende zu Huͤlffe kommen iſt / und daß man nicht im Glauben an Chri -ſtum75Predigt. ſtum geſtorben iſt. Jch halte es dafuͤr / daß viel Leuth in den Kloͤſtern und ſonſt geglaubt haben / und Chriſtum ergriffen haben / und dahin gerathen / daß ſie geſagt haben: Ach mein lieber HErr JEſu Chriſte / du biſt mein Heyland / und ha - ben verzweiffelt an ihrem heiligen Leben und guten Wercken / damit ſind ihr viel erhalten worden. Vnd es iſt eine gute Weiſe geweſen / daß man den Sterbenden hat ein hoͤltzern crucifix fuͤr gehalten / oder in die Hand gegeben / daran ſie ſich deß HErꝛn Chriſti Leidens und Sterbens erinnert und ge - troͤſtet haben. Aber die andern die auff ihre gute Werck ge - pocht haben und ſtoltz geweſen ſind / die ſind in einen ſolchen Himmel gefahren / da es ziſch et und brennet / denn ſie ſind abgezogen worden von Chriſto / und haben ſeinen Tod und Leiden ihnen nicht eingebildet / daß ſie dadurch leben ſolten. Jm gegentheil ſchaue in die eroͤffnete Wunden / ſihe an in welchen jene ge - ſtochen haben / aber nicht zu bloſſer Augenſchau den Hiſtoriſchen Glau - ben allein zu verſichern / ſondern bedenck dein Suͤnden groß / aber auch den Heyland groß / der dich der gnaͤdigen Vergebung verſichert.

Lutherus Tom. 1. Lat. Jen. pag. 341. f. 2. concionem habet, Quomodo Chri - ſti paſſio ſit meditanda? ex quâ hæc excerpimus: Primò plerique hominum ſic Chriſti paſſionem meditantur, ut graviter iraſcantur Judæis, & Judæ peccatum multis modis execrentur, ac præterea nihil faciant. Sic enim illi ſunt ſoliti, & aliorum quoque hominum calamitates deplorare, & accuſare illos, qui non meri - tis attulerunt injuriam. Verùm hoc rectius diceretur, Judæ ac Judæorum impro - bitatem, quàm Chriſti paſſionem meditari. Secundò, collegerunt quidam varia commoda, quæ ex diligentiori meditatione paſſionis Chriſti proveniant. Hinc illud Alberti vulgò jactatur: Satius eſſe Chriſti paſſionem ſemel & obiter in vita meditari, quàm ſi per totum annum ſingulis diebus jejunes, aut totum Pſalmo - rum librum evolvas, &c. Eſt autem hac & ſimilibus aliis ſententiis effectum, ut ceu cœci homines, verum uſum paſſionis Chriſti nunquam ſint aſſecuti. Tertiò, condolent quoque Chriſto, & queruntur de ejus innocentia, ac deflent eum, quemadmodum mulierculæ illæ Hieroſolymitanæ Luc. 23. quas repre - hendebat Chriſtus, ut ſe ſuosque deflerent liberos. Quibus haud diſſimiles ſunt concionatores illi, qui iſta ratione paſſionem tractant, ut in mediâ ferè narratione hiſtoriæ, in hos excurrant locos: Quomodo ſuis in Bethania vale - dixerit Chriſtus? Quantis doloribus diſcruciata ſit Maria? & in ſimiles alios, in quibus conſiſtunt longius, eisque immorantur. Hinc quoque factum eſt, quod in tot horas, cum narrarent paſſionis hiſtoriam, res ſit extracta, neſcio an dormiendi, an vigilandi causâ. Quartò, Hi ergò verè & rectè Chriſti paſſione peccata ſua cernunt, & illo conſpectu peccatorum exterrentur, quorum conſcientia ſeu in deſperationem labitur. Porrò ille metus & terror inde naſcitur, quod vides in hâc Chriſti paſſione, vehementem iram & conſtan -K 2tem76Die fuͤnfftetem Dei in peccatores ſeveritatem, qui noluit in gratiam unigeniti ſui Filii impu - nitos peccatores ac liberos demittere, niſi eos ſua morte redimeret Filius. Id quod Eſaias quoque confirmat cap. 53. Propter peccata populi mei percuſſi eum. Qui ergò de nobis peccatoribus fiet, cum dilectus filius adeò duriter tractetur ac percutiatur? neceſſe eſt ineffabilem & planè intolerabilem iram ac ſeveritatem eſſe, cui ſe opponere tanta perſona coacta ſit, & ad quam placandam & ſedan - dam, Dei filius paſſus ac mortuus ſit. Et ſanè ſi quis hic diligenter expendat ipſum Dei filium, qui eſt æterna Patris ſapientia, pati, graviter, ſat ſcio, exterre - bitur. Quintò, hoc quoque animo tuo inſoulpes, neque dubitabis, quin tu quo - que ex illorum ſis numero, qui Chriſtum ita excarnificant, & cruci affigunt. Pec - cata enim tua conjecerunt eum in illos cruciatus. Atque ſic quoque S. Petrus Act. 2. Judæos, ceu Tonitru quodam perterrefecit, cum inquit ad omnes, qui aderant: Vos eum crucifixiſtis. Tria igitur millia hominum voce conterriti, quid igitur faciemus Fratres? ad Apoſtolos dicebant. Ergò cum clavos infixos manibus Chriſti cernis, cogita illos clavos eſſe tua opera; cum Coronam ſpineam, cogita eam eſſe malas & impias tuas cogitationes &c. Sextò, ubi igitur Chriſtum unâ ſpinâ pungi vides, tu cogita te meritum, ut millies gravius & ſæpius pungere - ris. Vbi clavis perfoſſas manus ac pedes cernis, cogita te longè majores meritum cruciatus. Hæc Luther.

Troͤſte dich mit dieſem Evangelio du angefochtenes Hertz /(*) Tom. 2. Isleb. pag. 332. fac. 2. und auß dieſem Troſt (ſind abermahl Lutheri (*) ſchoͤne und kraͤffti - ge Wort) welchen du in dem haſt / daß du weiſt / daß GOtt ſeinen Sohn fuͤr dich in Tod gegeben / und dir geſchencket hat / da ſolt du andere und mehr argument außſpinnen: nem - lich / zum erſten / daß dein Kranckheit / und daß du dich laͤſſeſt duͤncken GOtt zoͤrne mit dir / iſt ein empfindlich Ding / der Glaub ſoll aber nicht an dem hangen / das man empfindet oder fuͤhlet / ſondern an dem / das unempfindlich / und wie es Paulus nennet / unſichtbar iſt / oder wie er oben geſagt hat / das man gleich als durch ein Spiegel und im tuncklen Wort ſihet. Dazu dienen nu die heiligen Sacrament / die Tauff und das Nachtmahl deß HErꝛn Chriſti / und der H. Geiſt / der in deinem Hertzen iſt und ſagt / Jch glaub an JE - ſum Chriſtum / ſolche Wort wuͤrdeſtu nicht ſagen / es haͤtte ſie denn GOtt mit ſeinem Finger / und durch den heiligen Geiſt in dein Hertz hinein geſchrieben. Ob auch wol (ich(*) in Sa - rept. p. 52. fol. 2. brauche deß alten frommen Theologi Joh. Mattheſii (*) Wort) in der Heiligen Glauben Fehl und Gebrechen mit unter laufft / ſo ſihet doch unſer getreuer GOtt auff das / ſo der Glaube er - greiffet / oder darum er ſehnlich girret / ſtoͤnet und ſeuffzet / daß ers gern ergreiffen und vollkom̃lich haben wolte. Nem -lich77Predigt. lich auff ſeinen Sohn und wahres Wort / und nimbt alſo den ungerechten ſchwachen und kleinglaͤubigen Menſchen auß Gnaden an / allein um ſeines Sohnes Blutes und Fuͤrbitt willen / der fuͤr uns ſeinem GOtt vollkommlich geglaubt und gehorſamet / und uns ſeine Gerechtigkeit und Warheit ſchen - cket und zurechnet. Jhr kennet lieben Freunde unſer Gleich - nuͤß / unſer Glaub iſt ein Kinderfingerlein / das Wort iſt die Krafft und ſtarcke Hand Gottes: Wenn nun unſer ſchwacher Finger / die ſtarcke Hand Gottes ergreifft / ſo gen - gelt uns GOtt an ſeiner Hand / und wir lauffen in frembder Krafft an Gottes Hand / welche unſerm ſchwachen Finger Krafft und Staͤrcke gibt / wie ein junges Kindlein an ſeiner Mutter Hand lauffet. Ein Riß haͤlt ein Ring darinn ein Edelgeſtein ſtehet / veſter denn ein Kind von ſieben Jahren / dennoch iſt und bleibt es ein Demant / es halt ihn Jaſabeam oder der Schuͤler Samuel. So weit Mattheſius.

Drum O lieber Chriſt

Huͤt dich fuͤr der Menſchen Geſatz /
Davon verdirbt der edle Schatz /
Das laß ich dir zu letze /

AMEN.

Die ſechſte Predigt / Von Der Guͤte der Zeugen ins gemein.

GEliebte in Chriſto. Sihe den Regenbogen an / und lobe den / der ihn gemacht hat / deñ er hat ſehr ſchoͤne Farben: Sind Worte deß weiſen Mannes Sy - rachs in ſeinem Zucht-Buch Cap. 43 / 12. Sihe an (dañ er anſchauens wol werth) aber nicht wie ein unvernuͤnfftig Vieh ohne Verſtand / ſondern als ein vernuͤnfftiger Menſch / das edle ſchoͤne meteoron und Lufft-Spiel / den Regenbogen / ſihe an und betrachte ſei - ne materi, darauß er beſteht / die feuchte / tauichte / finſtere / hole und ſub -K 3tile78Die ſechſtetile Wolcke / betrachte ſeine runde und von den gebrochenen Sonnen - ſtrahlen gewoͤlbte figur, ſeine liebliche ſchoͤne Farben / damit er pranget: Betrachte den Meiſter / der ihn gemacht / der iſt der rechte Thavman - der und Wunder-Mann / der groſſe Wunder-GOtt / auß deſſen Be - trachtung auch Plato in Thaete dieſe ſchoͤne machinam Thavmantis filiam genennet: Sonderlich bedencke deſſelben finem Zweck und End - urſach / ſeine natuͤrliche Bedeutung / nemlich fruͤh / den Fruͤheregen und(*) juxta Scaligeri Exerc. 8. ſect. 12. Segen / auff den Abend ſerenitaͤt und ſchoͤn Wetter (*) / wie die Gelehr - ten davon halten / benigniſſimum cœli prodigium, wie ihn Macro - bius nennet. Daher als Auguſtus mit ſiegreichen Waffen im Tri - umph zu Rom eingezogen / und ein Regenbogen in Geſtalt einer Cron die Sonne umgeben / jederman daſſelbe fuͤr ein gut omen, Gluͤck-Fried - und Freudenzeichen gehalten und außgedeutet.

Sihe aber fuͤrnemlich mit erleuchteten hocherhabenen Glaubens - Augen dieſen ſchoͤnen Bogen / und ſeine uͤbernatuͤrliche Bedeutung / wie der H. Geiſt in ſeinem Wort denſelben beſchrieben und recommen - dirt / nemlich als ein gewiſſen Zeugen der Hulde Gottes / als einen Zeu -Pſal. 89, 38. gen in den Wolcken / der gewiß iſt Pſalm. 89. Einen Bund - Gnad - und Bild-Zeugen: Ein Bund-Zeug / der das gantze Menſchliche Geſchlecht / alle Noah-Kinder verſichern ſoll / daß keine all - gemeine verderbliche Suͤndfluth mehr uͤber die gantze Welt ergehen werde; Ein Gnaden-Zeug / damit unſer Gnaden-Koͤnig JEſus Chriſtus ſein Cron und Thron / als mit einem Koͤniglichen Wappen geziehretApoc. 4, 3. & cap. 10, 1. Apoc. 4, 3. Ein Bild-Zeug anderer dreyfachen Sacramentlichen Zeugen / in welchen Chriſtus kommen im Waſſer und Blut. Dann gleich wie ſonderlich drey Farben an dem Regenbogen ſich ereignen / die gelbe Feur-Farbe / die Ritz - und Roſin-rothe Blut-farb / und die dunckel - gruͤne Waſſer-farb; Alſo iſt erſchienen die heilſame Gnade Gottes / und erſcheinet noch auff den heutigen Tag in dem gelben Pfingſt-Feur deß H. Geiſtes / der durch den Geiſt deß Predig-Ampts zeuget und lehret; in dem dunckel-gruͤnen Tauff-waſſer; im rothen Roſinfarben Blut deß H. Abend - mahls. Welche drey Zeugen eben die Sacramenta deß Neuen Teſt. in weiterem Verſtand ſind / deren Art / Natur / Tugend / Zweck und Ampt / St. Johannes der Evangeliſt in abermahl abgeleſenen Worten / als in ſede propria Doctrinæ Sacramentalis fuͤr Augen geſtellt / ſprechend: Drey ſind die da zeugen ꝛc.

Wir haben E. L. juͤngſthin fuͤrgetragen τὸ ἕν, das Einige / den jenigen einigen Zweck / wohin dieſe drey Sacramentliche Zeugen zihlen /davon79Predigt. davon ſie ihre Zeugnuͤß in der Chriſtlichen Kirchen abgelegt / nemlich Unum Evangelicum, ſymphonicum, harmonicum, Unum verum bonum, das guͤtige Wort GOttes / aber uns von Natur dunckel / unbe - kant / paradox und unglaublich / und deßwegen wir beduͤrffig ſeyen guter bewerther Zeugen / die uns daſſelbe anzeigen / uns anleuchten / daß es glaubwuͤrdig gemacht werde / daſſelbe verſiglen und verſicheren. Folgt nun die Conſideration der Zeugen ſelbſt in ihrer qualitaͤt und bonitaͤt / in ihrer Guͤte / Tugenden / Fruͤchten und Nutzbarkeiten / ſo wol die drey im Himmel / als die drey auff Erden / die uns erſcheinen als Teſtes Optimi ac Evangelici, das iſt / uns / als gůtige / annehmliche und will - kommene Gaͤſte an und vorkommen. Von denſelben nun diß - mal ins gemein nutzlich und aufferbaulich zu lehren und zu hoͤren / wolle der Vater deß Liechts uns von oben herab mit dem Liecht / Krafft und Gnad ſeines Heiligen Geiſtes um JEſu Chriſti willen mildiglich erſchei - nen / Amen.

GLeichwie nun das heilige Evangelium / welches der Sohn GOt - tes auß dem Schoß ſeines Himmliſchen Vaters uns gekramet und mit ſich vom Himmel gebracht / das τὸ ἓν, der Scopus, ein guͤ - tiges Wort iſt / ein Wort deß Liechts / ein Wort der Verſoͤhnung / ein Wort der Gnaden / deß Lebens / deß Friedens / der Freuden / und alſo ein liebliches / hochtroͤſtliches / annehmliches / theures / treues und neues Wort iſt und heiſt; Alſo ex correlatione ſind auch die Botten / Zeu - gen und Zeiger / die das Evangelium bewaͤhren / beſcheinen und glaub - wuͤrdig machen ſollen / Teſtes optimi, Evangelici, gute / heilſame und annehmliche Botten. Ahimaaz iſt ein guter Mann / ergò bringt er auch gute Bottſchafft / ſpricht David 2. Sam. 18. Wir kehrens um / die Bottſchafft / davon unſere Zeugen Anzeig thun / iſt koͤſtlich und gut / heilſam und troͤſtlich / darum ſo ſind auch die Zeugen gleicher Art. Jſt eben das / was der Prophet Eſaias gemeynet Cap. 52 / 7. worauff er im Geiſt geſehen / und uͤber die Fuͤſſe der Apoſtel und Friedens-Botten / die die Evangelia in der gantzen Welt herum getragen / ſich inniglich er - freuet / wie lieblich / ſagt er / ſind die Fuͤſſe der Botten / die da Friede verkuͤndigen / gutes predigen / Heil verkůndigen / die da ſagen zu Zion / dein GOtt iſt Koͤnig. So lieblich / ſo willkomm als die Fuͤſſe der Poſt-Reuter / ſo auff Ahaſveri Verguͤnſtigung die Koͤ -Eſth. 8, 10. nigin Eſther und Mardochai außgefertiget / dem Juͤdiſchen Volck gleich - ſam ein jubilæum zuverkuͤndigen / Heil / Leben / Liecht / Freud und Won - ne / Freyheit und Raach an ihren Feinden zu intimiren; ſo lieblich iſt auchdie80Die ſechſtedie χαρ〈…〉〈…〉 μεγάλη und groſſe Freude / welche die Evangeliſche Zeugen / drey himmliſche und drey trꝛdiſche verkuͤndigen / dieſelbe verſieglen und verſiche - ren. Und zwar in ſpecie ſo ſind die Sacramentliche Zeugen

I. Evcharii & Gratiani, huldreiche Zeugen / die von lanter Gnad / Vergebung der Suͤnden / άμνηςείᾳ predigen / zeugen und ſagen. Moſes zeuget auch / ſeine Geſetz-Tafflen ſind Zeugnuͤß-Tafflen Exod. 31, 18. Aber O ein harter und ſtrenger / ein ſcharffer und grimmiger Zeug / der nichts kan als donnern / blitzen / ſtrahlen / zoͤrnen / eiffren / ſchelten / ſtraffen / verfluchen / er iſt ἀνιλέως ohne Barmhertzigkeit / Hebr. 10 / 28. Wann je - mand das Geſetz Moſi bricht / der muß ſterben ohne Barm - hertzigkeit. Zetter und mordiò ſchreyt er uͤber alle die nicht halten al - les / was im Geſetz geſchrieben ſteht. Sein Buch iſt ein toͤdtender Buch - ſtab / ein Blut-Gerichts-Urtheil Brieff / er erhebt ein ſolches Geſchrey an / daruͤber Himmel und Erden erzitteren / in ſeinem Valet-Lied Deut. 32. rufft er zetter / das iſt / cœlum & terram, Himmel und Erden an / zu zeu - gen / uͤber ſein halsſtarriges Volck.

ad cap. 32. Deut.
3
Moſes (ſchreibt Luth. Tom. 5. Witt. pag. 249. fac. 2.) thut hie wie ein rechter Moſes und Geſetz-Prediger / daß er nicht viel vaͤterlich locket / ſondern ſchilt / ſtrafft / eiffert und zoͤrnet uͤber ihrer groſſen Vndanckbarkeit / redet eitel brennende / feurige Wort / draͤuet allenthalben mit einem Allmaͤchtigen ſtarcken GOtt / deß Haͤnden niemands entgehen noch entfliehen werde: damit zeigt er an die Art deß Geſetzes / nemlich / daß es die Suͤnde zeiget / das Gewiſſen er - ſchroͤcket / und daß ohne Gnade und Barmhertzigkeit durchs Geſetze niemand fuͤr GOtt kan fromm werden / daß auch nicht zu wagen ſey mit einer ſolchen groſſen Majeſtaͤt / durch unſere bettliſche elende Wercke zu handlen / oder dem Feuer mit Strohhaͤlmern zu begegnen. Mercket auff ihr Himmel / ich wil reden / und die Erde hoͤre die Rede meines Mundes. Er / (Moſes) ruffet Himmel und Erden / und alle Creaturen an / zu zeugen / als in einer groſſen Sache / welche nicht zeitliche Guͤter / nicht ein Koͤnigreich oder Fuͤrſtenthum / nicht ein Hauß / Hoff / Gold oder Silber / ſondern eim jeglichen das hoͤchſte und beſte belanget / nemlich GOtt / den Brunn alles guten / mit allem ewigen und zeitlichen Heil / mit Himmel und Erden und allen Creaturen / entweder zu haben / oder ewig (welches ſchrecklich iſt) zuverlieren und zuentberen. Ja welche Sache nicht be - langet den Kayſer / nicht Fuͤrſten oder Herꝛn zuverſuͤhnen / ſondern GOtt die ewige Majeſtaͤt gnaͤdig zu haben / hie und dort wol zufahren / oder in GOttes Vngnaden / in ewigem verzagen an allem Goͤttlichen und Menſchlichen Troſt / ohne alle Huͤlffe oder Rettunge / ewig und ohne unterlaß zu ſterben und zu ver - derben. Jn ſolcher groſſen Sache / ſolt noch wol klein Zeugnuͤß oder kleine Zeu - gen zu wenig ſeyn / da muͤſten noch wol her tretten / die ſchoͤne / hohe / weite Him - mel / mit der edlen Sonne / mit dem Mon / mit allen Sternen; da muͤſte noch wol die Erde mit allem ihrem Gewaͤchſe / mit allen Voͤglen / mit allen Thieren kommen / und das groſſe weite Meer mit allen ſeinen Fiſchen / und alles wasſich81Predigt. ſich darinne reget / und ihrem GOtt wider die Gottloſen Zeugnuͤß geben / ſeine ewige Goͤttliche Ehre und Gerechtigkeit erretten / und ſein Vrtheil beſtaͤtigen. Das gehet auch alſo / wenn das Stuͤndlein kom̃t / daß GOtt der Herr wider die Veraͤchter auffwachet / und ſich nimmer wil vergeſſen oder verachten laſſen / ent - faͤllet ihnen ploͤtzlich alle ihr Muth / werden in ihrem Hertzen und Gewiſſen ſo gantz verſtuͤrtzt / bloͤde / traurig / und zaghafft / daß ſie nicht anders fuͤhlen / denn daß nicht allein GOtt / ſondern Himmel / Erden / Laub und Graß / alle Creaturen mit ihnen zoͤrnen / ſie uͤberzeugen / anklagen und verdammen.

Moſes thut wie ein rechter Moſes / fuͤhrt lauter brennende feurige Wort von Gott / als einem verzehrenden Feur / dem mit den Strohalmen unſe - rer Wercke nicht zubegegnen / es trifft die Sach nicht einen groſſen Welt - Koͤnig zu verſoͤhnen / ſondern die groſſe Majeſtaͤt GOttes an. Er ergei - ſtert das Gewiſſen / das kan nicht anders / als mitzeugen / ja dazu ſagen / und darauff zagen und verzagen / und anders nicht dencken / als Himmel und Erden ſeyen ihm zu wider. Der Sathan ſchiert zu / und ſagt / Strick zu / er ſpricht zu Juda / du haſt ἀθῶον αἷμα oder unſchuldig Blut dir auff deinen Hals und Gewiſſen geladen. Ergò Fluch / Zorn / Ungnad und Verdamnuͤß / da iſt kein beſſer Rath / als lauffe zum Strick / erhencke dich ſelbſt. Wie man dergleichen exempla auch unter uns gehabt / die durch dieſes harte Zeugnuͤß erſchroͤckt / dem ewigen Tod durch Selbſt-Mord in Rachen hinein gefallen. Solcher maſſen zeuget Moſes / alſo iſt das Ge - ſetz durch Moſen gegeben / Joh. 1 / 17.

Dieſem Zeugen nun zugegen hat Gott der Herr in ſeinem Evangelio / ein anders holdſeliges Gnaden-Zeugnuͤß geſtifftet / ſo von Gnad / von Vergebung / von ἀμνηςείᾳ prediget / ſolches bekraͤfftigen drey Zeugen im Himmel / und drey auff Erden. Der Vater im Himmel ſagt / nolo, ich begehre nicht den Tod des Suͤnders / Er iſt barm - hertzig und gnaͤdig / gedultig und von groſſer Guͤte / ſo hoch der Himmel uͤber der Erden iſt / laͤſſet Er ſeine Gnade walten uͤber die ſo Jhn fuͤrchten / ſagt David Pſal. 103. Das Wort / dasPſal. 103. v. 8. & 11. Fleiſch worden iſt / iſt voller Gnad und Warheit / von deſſen Fuͤl - le wir empfangen Gnad um Gnad / Er iſt der Gnadenthron / zu dem man mit Freudigkeit hinzu tretten darff; Der Geiſt der Gna - den laͤßt durch den Geiſt auff Erden die abſolution und amneſtian, Ver - geſſung und Vergebung der Suͤnden anbieten / Er prediget das Wort der Verſoͤhnung und ſagt σώϑητε, laßt euch doch helffen / Er ſagt / καταλ - λάγητε, laſſet euch verſoͤhnen mit GOtt / 2. Cor. 5. Es iſt je gewiß -2. Cor. 5, 20. lich wahr / und ein theur werthes Wort / daß JEſus Chriſtus kom̃en iſt in die Welt / die Suͤnder ſelig zu machen 1. Tim. 1 / 15. Achter Theil. LDer82Die ſethſteDer Geiſt iſts / der da zurichtet das edle Heil-Bad der Widergeburt / wel - ches gleichſam brennet und gewaͤrmet iſt von den Flammen der Goͤttli -Tit. 3, 4. chen Liebe. Es iſt erſchienen die Freundlichkeit und Leutſelig - keit GOttes unſers Heylandes / nicht um der Werck willen der Gerechtigkeit / die wir gethan hatten / ſondern nach ſei - ner Barmhertzigkeit machte Er uns ſelig / durch das Bad der Widergeburt und Erneuerung des H. Geiſtes; Welchen Er außgegoſſen hat uͤber uns reichlich / durch JEſum Chriſt un - ſern Heyland / auff daß wir durch deſſelben Gnad / gerecht und Erben ſeyen deß ewigen Lebens / nach der Hoffnung / das iſt je gewißlich wahr. Von dem Sacramentlichen Blut zeu - get St. Paulus / wann er Hebr. 12. ſpricht: Das Blut der Be -Hebr. 12, 24. ſprengung rede (κρείτ〈…〉〈…〉 ονα) beſſer / als Abels Blut. Es nim - met der H. Apoſtel / in einer holdſeligen ϖ〈…〉〈…〉 σωποποι〈…〉〈…〉 α oder Perſon-Gedicht ein Gleichnuͤß von weltlichen Malefiz-Gerichten / da zween Redner wider einander receſſiren; Der Fiſcal oder Anwald klagt und legt Zeugnuͤſſen ein / berufft ſich auff Zeugen; Der Advocat oder Fuͤrſprech / thut dem Beklagten das Wort / ſo gut er vermag / kan er nicht weiter / ſo bitt er um Gnade: Alſo fuͤhrt Paulus das Blut Abels und das Blut des Goëls ein. Abels Blut / oder vielmehr die juſtitia, durch Abels Blut bedeu - tet / ſchreyet um Rach wider ſeinen Bruder und deſſen Mordthat; Aber Chriſti Blut uͤberſchreyet ihn / ſeine Advocaten - oder Fuͤrbitt-Stimme dringet fuͤr jene hinauff in Himmel; jener klaget / peccavit; dieſer ſpricht / ego lui, ich hab dafuͤr bezahlt / hie iſt das λύτρον und Loͤſe-Gelt: Jener ſchreyet / er hat das Urtheil des Todes verwuͤrcket; dieſer hingegen / wer wil verdammen? Es iſt nichts verdammlichs an denen / die da ſind in Chriſto JEſu Rom. 8 / 1. Jener ruffet um Rach; dieſer erzeiget Gnad und Vergebung: Jener / deine Suͤnde ſind groͤſſer / als daß ſie koͤnnen vergeben werden; dieſer / wo die Suͤnde maͤchtig iſt / da iſt die Gnade noch viel maͤchtiger /〈…〉〈…〉 ερεκϖ〈…〉〈…〉 α Rom. 5 / 20. Jener / ich appellir an dein eigen Gewiſſen / da ſind und liegen mille te - ſtes und tauſend Zeugen verborgen / die ſind alle wider dich; dieſer / ein ei - niger Blutstropff Chriſti geſchweiget ſie alle. Jener ſpricht / hie iſt die Handſchrifft deß Gewiſſens / der Chirographus wider dich lautend / die laͤßt ſich nicht außkratzen; dieſer antwortet / ſie ſeye durchſtrichen mit dem Blut Chriſti / und alſo bezahlet / die Forderung ſeye unkraͤfftig: Jener berufft ſich auff die juſtitiam und Goͤttliche Gerechtigkeit; dieſer aber laufft ad thronum gratiæ, zu dem frey offenen Gnadenſtuhl / allwoer83Predigt. er wider die ſtrenge Juſtiti gnaͤdige interceſſion ſuchet / und auch erlanget. Nun wer gewinnets endlich? Das Blut Chriſti / das ſchreyet und redet beſſer.

Nicht nur ſind dieſe Zeugen Evcharii, ſondern auch II. Ἐυϖ〈…〉〈…〉 ά - κλη〈…〉〈…〉 ι, Troſt-Zeugen / hochtroͤſtliche Zeugen / deren glaubige Kinder GOttes / wann ſie gleich Gnad und Vergebung erlangt / doch in aller - hand Truͤbſalen hoch benoͤthiget ſind. Dann dabey bleibts hie in dieſer Zeit / verbum Lucis, eſt verbum Crucis, wer mit Chriſto erben wil / der muß auch mit leiden. Das befrembdet zwar manchmal glaubige Chriſten / Jſt der HErꝛ mit mir / warum begegnet mir dannJud. 6. v. 12. & 13. ſolches? ſagt dorten Gideon Jud. 6. Dazu ſchlagen ſich dann die ley - digen Troͤſter / Jobs Weib und Freund / die quaͤlen / aͤngſten und beſtri - cken das Gewiſſen mit folgendem Syllogiſmo: Welcher Menſch von Gott verlaſſen / ſo ſchroͤcklich heimgeſucht worden / Haabe / Nahrung / Geſundheit / Freyheit / Ehr und Wuͤrde / alles verlohren / und wie ein armes Marter-Bild in ſterquilinio in der Aſchen geſeſſen / der muß ein ſchwerer Suͤnder / und kein Gnaden-Kind GOttes ſeyn / Gott iſt ſchroͤcklich uͤber ihn erzoͤrnet und ergrimmet / er iſt ihm gram und abhold / bey demſelben hat er keine Gnade zu hoffen / er muß ſich ſchwerlich verſuͤndiget haben / dann Ungluͤck waͤchſet nicht auß dem Acker / Job. 5 / 5. das iſt / (nach Lutheri Gloß) der Menſch verdienet ſolches mit Suͤnden / ſonſt kaͤme es ihm nirgend her / ſintemal Truͤbſal und Creutz dem Men - ſchen nicht ohne gefehr und plumpsweiſe zufaͤllet. Ein ſolcher biſtu / O Job / der Tag redet / der Augenſchein bezeugts / dein Gewiſſen bejachzets. Darauff macht der Sathan die Concluſion, Ergò deſpera, darum verzage / Strick zu! Aber O troſtreiche Zeugen / die das Gewiſſen wie - der auffrichten / drey im Himmel / mein Zeug / ſagt Job / iſt im Himmel / der zeuget / daß ich ſchlecht und recht ſeye / ich bin nicht un - ſchuldig ratione perſonæ, in meiner Perſon als ein arm ſuͤndliches Adams-Kind / aber ratione cauſæ, mein Sach iſt gut: Denn was hab ich den Chaldeern Leids gethan / daß ſie mich beraubet / meine Kamehl weg - genommen? Am Sathan hab ich mich wol ſchwerlich verſuͤndiget: pec - cata inconſcientiæ, Schwachbeiten und Fehler ſind auch da. Aber wie dem allem / mein Goël lebt noch / ein Mittler-Engel unter vielJob. 33. tauſend / deſſen hab ich Zeugen im Himmel / den GOtt alles Troſtes / der mir das Zeugnuͤß gegeben / ich ſey ſchlecht und recht / anders als der Sathan calumnirt / mein Goël und Paracletus, der auß Bluts-Lieb mich vertretten / der gibt mir viel ein ander Zeugnuͤß / deſſen ich mich zuL 2getroͤ -84Die ſechſtegetroͤſten hab / ſein Geiſt den Er mir in mein Hertz gegeben / ſpricht mir in meinem Gewiſſen ein kraͤfftig Zeugnuͤß ein. Viel heller erzeigen ſich dieſe Troſt-Zeugen im Neuen Teſtament / da wir noch drey Troſt-Zeugen hin -Act. 4, 36. zu ſetzen / nemlich den Geiſt deß Miniſterii, die Barnabas Act. 4, 36. die Habacuc, die den Befehl haben mich zu troͤſten / Troͤſtet / troͤſtet mein Volck / redet mit Jeruſalem freundlich Eſa. 40 / 1. und Erquickung zu ſchoͤpffen auß dem immer eroͤffneten Troſt-Brunnen der H. Tauff / den edlen Troſt-Balſam des Bluts Chriſti anzuſtreichen. Gleichwie der Engel Chriſtum im Garten am Oelberg in der Todes-Angſt getroͤſtet und geſtaͤrcket / nicht nur muͤndlich geſagt / wie dorten Gabriel / Chaſak, chaſak ſey getroſt! Sondern auch wuͤrcklich / thaͤtlich / empfindlich / haͤndlich Artzt-Treu an ihm erwieſen / das Griechiſche Wort wird geleſen Deut. 32, 43. 〈…〉〈…〉νι〈…〉〈…〉 χυσάτωσ〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 τ〈…〉〈…〉 πάντες ὑοὶ Θε〈…〉〈…〉, wie es die LXX. Interpp. gege - ben / das iſt / es haben ihm alle Kinder GOttes einen Troſt zu - geſprochen / alſo wirds geleſen Luc. 22 / 43. 〈…〉〈…〉νι〈…〉〈…〉 χύων, der Engel ſtaͤrcket ihn. Es wird geleſen von der Speiß-Staͤrckung Act. 9, 19. da von St. Paulo ſtehet / daß da er drey Tage und drey Nacht gefaſtet / und ſich abge - mattet / hab er Speiß zu ſich genommen κα〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 νί〈…〉〈…〉 χυσεν und ſich geſtaͤrcket / die Speiſe war ſeine Artzney. Das thut auch der Geiſt auff Erden / er troͤſtet muͤndlich mit Worten / thaͤtlich mit den beyden Sacramenten / er komt daher im Nahmen Chriſti mit Waſſer und Blut / mit Waſſer er - quickt er / mit dem Blut heilt er die Wunden deß Gewiſſens / O eine ſuͤſſe Engelſpeiſe! Pſal. 78 / 25.

Nicht nur ſind dieſe Zeugen〈…〉〈…〉 ν〈…〉〈…〉 άκλητοι, ſondern auch III. ἔυπιςοι〈…〉〈…〉 ἀξιόπιςοι, fideles oder treue / warhafftige / redliche / unpaſſionirte uncorrumpirte Zeugen. Es gibt auch Zeugen in der Welt / ſie ſind aber darnach / wie die Welt treuloß iſt / alſo auch ihre Kinder. Der un - ſchuldige Naboth / Suſanna / Stephanus / und andere Maͤrtyrer habens erfahren. Chriſti falſche Zeugen ſind todt / aber ihr Geiſt lebet noch. Es gibt ſtumme Zeugen / die ihre Partey / wanns an die Bundriemen geht / ſtecken laſſen / werden Mammelucken / halten weder Stich noch Strich. Petrus war ein ſolcher Zeug / der ſich groſſer Streich außgethan / und gar ein Maͤrtyr oder Blut-Zeug zu werden / ſich vermeſſen ließ gegen ſeinem Herrn; aber da es dahin komt / daß er zeugen ſoll / verlaͤugnete und verachtete er ſeinen Meiſter / thut als wann er Jhn nie geſehen / wil mit der Sprach nicht herauß. Das Gewiſſen wil auch bißweilen zeugen / aber es iſt ihm nicht allzeit zu trauen. Mancher freveler verwegener Menſch berufft ſich und trutzt auff ſein Gewiſſen / und iſt nichts gemeiners / als /ich85Predigt. ich kan bey meinem guten Gewiſſen bejachzen / daß mir unrecht geſchehe / ja / ich wil mit dieſem meinem Gewiſſen fuͤr dem Juͤngſten Gericht erſchei - nen / und denckt nicht / was fuͤr ein Schalck in ſeinem Hertzen wohnt / nem - lich der Selbſt-Betrug / und die Conſcientia erronea, oder der blinde Jrꝛthum in ſeinem Hertzen / der ihn verfaͤhret und verfuͤhret. Doͤrffte man manchem Gewiſſens-Bocher die Warheit ſagen / man doͤrfft ihn viel - leicht bald ſchamroth machen. Saul berufft ſich auff ſein Gewiſſen / er der Heuchler wolte nicht unrecht haben. Aber ſo keck iſt David nicht / er ſupplicirt um Vergebung der verborgenen Fehler: Paulus auch nicht / drum ſagt er: Jch bin mir wol nichts bewuſt / aber darin bin ich nicht gerechtfertiget / der HERR aber iſts / der mich richtet 1. Cor. 4 / 4.

So ſind es auch IV. Teſtes fœderales, Bunds-Geyſſel / Bunds-Zeugen / teſtes obſides. Die H. Tauff heiſt ein Bund deß guten Gewiſſens mit GOtt. Bunds-Geyſſel muͤſſen redlich ſeyn / und Glauben halten / nicht außweichen / ſondern feſt ſtehen. Moſes hat auch einen Bund auffgerichtet / geſtifftet und beſiebnet Exod. 24. einen Altar auffgerichtet / der die hohe Goͤttliche Majeſtaͤt bedeutet / dargegen hier - uͤber 12. Saͤulen / ſo die Staͤmme Jſrael angezeigt; Er hat dem Volck das Geſetz-Buch oder Inſtrumentum fœderale vorgelegt und vorgeleſen / da Gott der Herr auff ſeiner Seit verſprochen / er woll ihr Gott ſeyn / ſie ins Land Canaan fuͤhren / mit allem Segen erfuͤllen / ſchuͤtzen und ſchir - men / und thun alles / was man von einem Gott hoffen und wuͤnſchen mag: Das Volck im Gegentheil laͤßt ſich oͤffentlich und einhellig hoͤren / ſie wollen der Stimme des Herrn gehorchen: Er Moſes / bezeichnets / ver - ſigelts / beſiebnets mit dem Opffer-Blut / damit er beyderſeits / mit der Helffte den Altar / mit der andern Helffte die Seulen beſprenget und ſagte: Diß iſt der Bund / oder das Blut deß Bunds / das iſt / teſtis & obſes. Aber O des elenden Bunds Zufallsweiſe! da es zum Treffen kommen / war niemand daheim / Moſes verhieſſe das Land Canaan / aber iſt ſelbſt nicht hinein kommen / warum? Die Bunds-Bedingung auff Seiten des Volcks iſt nicht gehalten und vollzogen worden. Darum hat Gott der Herr einen andern Bund geſtifftet im Neuen Teſtament Jerem. 31. fœdus Sacramentale, den Bund des guten Gewiſſens / den Bund des Neuen Teſtaments / und hat denſelben mit feines Sohns eige - nem Blut bezeichnet: darin Gott der Herr verſpricht das himmliſche Erb Canaan / aber mit der condition, die heiſt crede in Chriſtum, glaub an Chriſtum / hingegen der Taͤuffling gelobt / er woll glauben biß ans End /Chriſti86Die ſechſteChriſti vollkom̃enen Gehorſam ihme appliciren. Gleichwie ein irꝛdiſcher natuͤrlicher Vater ſeine Haab und Nahrung unter ſeine Kinder (allerhand prælegata außgenommen) alle gleich außtheilet / und daß ſie ſaͤmptlich zu - gleich ſeine Erben ſeyn ſollen: Wann er aber mit groſſem Hertzenleyd er - fahren muß / daß einer oder der ander auß dem Geſchirꝛ ſchlaͤgt / den Va - ter laͤſtert / ſchlaͤgt / durch Blutſchand ſtinckend macht / wie Ruben / in der Gefaͤngnuͤß nicht ranzioniret ꝛc. So macht der Vater im nachgehen - den Willen ein Teſtament / laͤßt die ungehorſamen Kinder darinnen auß / gedencket ihrer nicht / wann ſie hernach in Armuth / in Bettelſtab gera - then / ſo ſagt er / fahr hin du boͤſes Kind / du haſt dir dein Ungluͤck ſelbſt gekaufft / wie gerungen / ſo gelungen / an deinem Blut und Armuth hab ich keine Schuld. Trutz daß ein ſolcher Vater ſeines ſo gefaßten billig - maͤſſigen Teſtaments halben ſolte ſyndicirt / angeklagt / oder mit Recht be - langet werden koͤnnen. So hats auch in geſundem Verſtand mit dem Goͤttlichen vorhergehenden und folgenden Willen ſeine Beſchaffenheit / und lautet GOttes Vaͤterliche Teſtament alſo: Wer da endbeharꝛlich glaubet an Chriſtum / der iſt nicht bloß dahin / ſondern mit Beding in Chri - ſto / und um Chriſti willen ein außerwehlt Chur-Kind und Erbe des Him - melreichs. Abraham / Jſaac / Jacob / David / Paulus ꝛc. iſt der jenige / der beharꝛlich glaubet. Ergò iſt Abraham / Jſaac ꝛc. nicht bloß dahin / ſondern mit Beding in Chriſto / um deß mit Glauben angenommenen Chriſti willen / ein außerwehltes Chur-Kind GOttes und Erb deß Him - mels / er iſt auffs aller inniglichſte geliebt / und prædeſtinirt zum ewigen Leben. Jn dieſer Schluß-Red begreifft der erſte Satz in ſich GOttes Vorſatz und Gnadenreichen Rathſchluß; der andere die Vorſchau GOt - tes; der dritte die Gnadenwahl ſelbſt. Contrà wer allerdings nicht / oder doch nicht beharꝛlich glaubt / ſondern alle Glaubens Mittel von ſich ſtoͤſſet / GOttes wolmeynendes Vaͤterliches Hertz nicht erkennen / ſeine holdſelige Menſchen-Lieb verachten / ſein hertzliches Mitleiden und Hennen - glucken nicht hoͤren / ſeinem Goͤttlichen Eydſchwur zuwider ſich ſelbſt muth - williger Weiſe in die Suͤnd / auß der Suͤnd in den Tod ſtuͤrtzen wuͤrde / uͤber den hat er auff ſolches Abſehen ein ſtrenges und rechtmaͤſſiges Urtheil ab - gefaßt / welches Er der Sohn GOttes / mit klaren duͤrren Worten außge - ſprochen / und geſagt: Wer mir nicht glaubt / der iſt ſchon ge - richt / ſein facit iſt ihm in der Ewigkeit gemacht / er iſt zum Tod und ewi - gen Verdamnuͤß verworffen. Nun ſeind Saul / Judas Jſcharſoth / Julianus ꝛc. die jenige / die nicht beharꝛlich geglaubet; Ergò ſind ſie nicht bloß / ſondern in reflexione vor - und anſehen ſolches Unglaubensent -87Predigt. enterbet und verworffen. Der erſte Satz iſt abermal das decretum re - probationis der Zorn-Schluß; der ander erhellet auß der ewigen Vor - ſchau; der dritte begreifft die bedingte Zorn-Verwerffung. Trutz / daß je - mand ſo gethanes Teſtament ſolte ſyndiciren / ſich daruͤber zu beklagen (ob er auch gleich wolt) von rechtswegen erkuhnen koͤnte? Er iſt ein unpar - theyiſcher gleich gnaͤdiger Vater / der die ſubſtantz deß Vaͤterlichen Erbes ſeinen Kindern gleich / einem wie dem andern / wiewol irgend einem vor dem andern / auß lauter Gnaden einem vorauß / in etlichen accidental-Gaben und Guͤtern gegoͤnnet. Jener Vater in dem Blut-Bad zu Theſſaloni - chen / als ſeine zween Soͤhne auch in der Rotel und Zahl waren / derer die zum Tod verurtheilt worden / hatte zwar von den Henckers-Buben ſo viel Gnad erbeten / daß er moͤchte die Wahl haben / einen von beyden Soͤhnen zu ſalviren und beym Leben zu erhalten / der ander aber muſte dran / da wehlet der Vater lang / kunt keine Chur oder Wahl finden / einer war ihm ſo lieb / als der ander / biß nachdem er den Scharff Richtern die Zeit zu lang gemacht / ſie das Urtheil exequirt. Solte dieſer irꝛdiſche Vater auß bruͤnſtiger Blut-Lieb keine bloſſe Wahl finden koͤnnen unter ſeinen zween Soͤhnen / daß er einen uͤbergangen / und den andern allein ſalvirt haͤtte; und aber der Vater aller Barmhertzigkeit / oder der da iſt reich von Barm - hertzigkeit / der ſolte unter uns Menſchen eine ſolche bloſſe Chur und Unter - ſcheid gemacht haben / nach welcher etliche bloß zum ewigen Leben erkohren / die andern rein und bloß dahin dem ewigen Tod in Rachen geſchoben? Welch Chriſtlich Hertz wird und kan ſich deſſen bereden laſſen? Wie Abra - ham ſeinen Bund beſiebnet / beſchworen / und mit ſieben Laͤmmern bezeugt Gen. 20, 28. Alſo ſeynd auch hier bey dieſem Bund ſieben Zeugen / der Vater / welcher auß lauter Gnaden das Kind / den Taͤuffling zu Gna - den annimmt; der Sohn / in welchem als dem Churfuͤrſten die Wahl geſchehen; der Geiſt / der es durch den Geiſt deß miniſterii geoffenbah - ret Eph. 1. durch die Tauff werden wir zu H. Churkindern GOttes / im H. Abendmal geſtaͤrcket. Lauter treue Zeugen / die bey uns ſtehen im geiſtlichen Malefiz-Gericht / halten / außdauren / begleiten / in foro juſtifi - co, in agone, in extremo judicio.

Summa / die drey Zeugen / welche uns Johannes ſo hoch recom - mendirt / ſind keine Moſaiſche / harte / ſtrenge / unvertraͤgliche Geſetz - Zeugen / die Sacramenta gehoͤren nicht in das erſte Stuͤck unſers Cate - chiſmi / ſind appendices und ſigilla deß andern Stuͤcks vom Glauben / te - ſtes Evangelici, Evparacletici, Evpiſti, dafuͤr ſollen wir ſie anſehen und halten / getroſt und mit Freuden hinzu gehen / dieſelbengebrauchen undgenieſ -88Die ſechſtegenieſſen / hie iſt die arca teſtimonii der Gnadenſtuhl Exod. 25, 17. & 22. Jſt demnach einer von den Paͤbſtiſchen Grundſtuͤrtzenden Jrꝛthumen / wann die Patres Tridentini Seſſ. 6. can. 21. auß Chriſto einen neuen Le -(*) conf. Hodom. Pap. part. 1. pag. 1027. Gal. 1, 8. giſlatorem und Geſetzgeber machen / der ein neues Geſetz im Neuen Teſta - ment auff die Vahn gebracht / das alte Geſetz vermehrt / ſonderlich die præ - cepta Sacramentalia zu halten eingeſetzt / wie Becanus davon fabulirt Tract. de Lege & Evang. c. 5. q. 1. n. 3. (*) Das widrige haben wir vernommen / und bleiben dabey / ja wann auch ein Engel vom Him - mel kaͤme / und anders lehren wolte / ſolte er als anathema ver - worffen werden. Der Zweck dieſer Zeugen geht nicht dahin / daß wir uͤber Moſes Geſetz-Werck noch andere uͤberlangende neue Evangeliſche Geſetz er fuͤllen ſolten. Sondern daß wir glauben 1. Joh. 5 / 10. dem Evan - gelio Joh. Cap. 19 / 35. Sind alſo dieſe Zeugen Ehren werth / rechte gul - dene Zeugen / Herolde / Botten und willkommene Gaͤſte / die nichts koſten / die uns nicht uͤber dem Hals ligen / bettlen und Gelt herauß preſſen / ſondern himmliſche Schaͤtz und Guͤter mit bringen.

Ein jeglich fromm Chriſten-Menſch (ſo lautet Lutheri ſchoͤne Vermah - nung Tom. 6. Witt. pag. 586. f. 1.) thue ſeine Augen auff / und laß ſich mit den Roͤmiſchen Bullen / Siegel und der Gleißnerey nicht irren / bleib daheim in ſei - ner Kirchen / und laß ihm ſein Tauff / Evangelium / Glaub / Chriſtum und GOtt / der an allen Orthen gleich iſt / das beſte ſeyn / und den Pabſt bleiben / einen blinden Fuͤhrer der Blinden. Es kan dir weder Engel noch Pabſt ſo viel geben / als dir GOtt in dein Pfarꝛ gibt: ja er verfuͤhret dich von den Goͤttlichen Gaben / die du umſonſt haſt / auff ſeine Gaben / die du kauffen muſt / und gibt dir Bley ums Gold / Fell ums Fleiſch / Schnur um den Beutel / Wachs ums Honig / Wort ums Gut / Buchſtaben um den Geiſt / wie du fuͤr Augen ſiheſt / und wilts dennoch nicht mercken / ſoltu auff ſeinem Pergamen und Wachs gen Himmel fahren / ſo wird dir der Wagen gar bald zubrechen / und du in die Hoͤlle fallen / nicht in GOttes Nahmen. Laß dirs nur eine gewiſſe Regel ſeyn / was du vom Pabſt kauffen muſt / das iſt nicht gut / noch von GOtt / denn was auß GOtt iſt / das wird nicht allein umſonſt geben / ſondern alle Welt wird darum geſtrafft und verdammt / daß ſie es nicht hat wollen umſonſt auffnehmen / als da iſt das Evangelium und Goͤttliche Werck. Solch Verfuͤhrerey haben wir verdienet um GOtt / daß wir ſein heiliges Wort / der Tauff-Gnade verachtet haben / wie St. Paulus ſagt / GOtt wird ſenden / eine kraͤfftige Jrrung allen denen / die die Warheit nicht ha - ben auffgenommen zu ihrer Seligkeit / auff daß ſie glauben / und folgen der Luͤgen und Buͤbereyen / wie ſie wuͤrdig ſind.

O edle Zeugen / O guͤldene Zeugen / O liebliche holdſelige Botten / der annehmlichen und willkommenen Gaͤſte! Solte doch ein Menſch denſelben biß an der Welt-Ende nachziehen / und ſie ſuchen / wann wirs nicht vor der Thuͤren haͤtten. O ſuͤſſe Liebe wie reichlich ſchenckeſtu deinGunſt /89Predigt. Gunſt / wie hat doch Gott uns Menſchen ſo lieb! der uns nicht allein ſeinen Sohn gegeben / ſondern durch denſelben auch den H. Geiſt / wel - cher zu uns komt und Zeugnuͤß gibt im Waſſer und Blut. Aber wie wer - den dieſe Zeugen von dem groſſen Welt-Hauffen empfangen? veraͤchtlich ſchaͤnd - und ſchaͤdlich gnug! Alle Teſtes veritatis oder Zeugen der War - heit ſind von anbeginn vor der ſchnoͤden Welt verachte Zeugen geweßt / ſonderlich teſtes veritatis Divinæ, die Zeugen der Goͤttlichen Warheit / am meiſten teſtes veritatis Evangelicæ, die Zeugen der Evangeliſchen Warheit. Die Vernunfft wil nichts davon hoͤren / daher muͤſſen die Botten derſelben martyres werden / der Zeugen Danck iſt ein blutiger Schlafftrunck. Ach GOtt vom Himmel ſih darein / wie we - nig ſind der Heiligen dein / die den Bund mehr achten als Opffer / die dieſe Evangelia recht erkennen! dieſe Zeugen ſind in der Welt frembde Goͤtter / man wil dieſelbe nicht gebuͤhrlich annehmen / beher - bergen / ſich inniglich druͤber erfreuen / mehr als uͤber alles Zeitliche / man wil auch nicht dem Evangelio wuͤrdiglich leben und wandeln. Der Schlangen Zeugnuͤß gilt mehr (du wirſt nicht deß Todes ſterben /) als GOttes Zeugnuͤß; Welt-Kinder leben als ob ſie mit dem Tod ein Bund und mit der Hoͤllen einen Verſtand gemacht haͤtten. Was iſts dann Wunder / wann man dieſe Zeugen nicht hoͤren wil / daß GOtt an - dere Zeugen und Zeichen ſchicket / Zorn-Zeugen / Grimm-Zeichen. Wann jene ſchweigen muͤſſen und kein rechte Audientz erlangen koͤnnen / ſo muͤſ - ſen die Steine reden: hart wider hart / Hagelſtein wider ſteinerne Nabals - Hertzen / wider Pharaoniſche Verhaͤrtung.

Damit wir naͤher ad hypotheſin kommen / moͤgen wir auch wolJob. 38, 22. fragen / und widerholen die Frag / welche GOtt der Herr dem lieben Job vorgelegt / auß ſeinem Majeſtaͤtiſchen Wetter-Geſpraͤch ihn angeſpro - chen / unter andern geſagt: Haſtu geſehen / wo der Hagel her - komt? Haſtu in mein Zeug-Hauß / und darin unter meinen Zorn - Waffen / nicht auch geſehen den Hagel? Weiſtu / wodurch mein Zorn - Schatz gemehret wird / auß was Urſachen er entſtehe / qua intentione ich ihn verhenge? Job verſtummet / kan nicht antworten. Aber der Geiſt GOttes loͤſet das Raͤtzel auff Eſa. 28 / 1. Weh der praͤchtigen Lands - Cron / den Trunckenen von Ephraim / deren die von Wein taumlen: Sihe ein ſtarcker und maͤchtiger vom HErꝛn / wie ein Hagel-Sturm / wie ein Waſſer-Sturm / wie ein ſchaͤd - lich Wetter / wird maͤchtiglich einreiſſen / und ins Land ge - laſſen mit Gewalt / daß die praͤchtige Cron der TrunckenenAchter Theil. Mvon90Die ſechſtevon Ephraim mit Fuͤſſen zertretten werde / die Blum ihrer lieblichen Herꝛligkeit verwelcket gleich wie das unzeitige Obs von der Sonnen / welches verdirbt / wann mans noch an ſeinen Zweigen hangen ſihet / wehe dir! Das Hagelwetter ſoll dir ein boͤſes omen ſeyn: Wie viel Waſſer viel Voͤlcker bedeuten Apoc. 17, 15. Alſo Hagelſtein bedeutet einen maͤchtigen gewaltigen Feind / der wird ein - reiſſen / alles niderſchlagen und zutretten. Damal war es Salmanaſ - ſer / der dieſe Weiſſagung wahr gemacht. Wer zu unſern Zeiten der ſeyn werde / das weis Gott / man traue dem Wetter nur nicht zu wol. Ein - mal die Goͤttliche Gerechtigkeit geht mit Ungluͤck ſchwanger / ich rede mit der Schrifft Sophon. 2, 2. Woher aber? fragt und ſagt Gott? Von der Trunckenheit / iſt zwar auch von der leiblichen Trunckenheit zu ver - ſtehen / es iſt der talion gemaͤß / daß Mißbrauch deß Weins mit Mangel und Verderbung deß Weins geſtrafft werde; aber fuͤrnemlich die Ge - muͤths-Trunckenheit / das Daumeln wie ein Trunckener daumelt / der hat keinen rechten Sinn und Gedancken / irret und ſtoſſet ſich / wancket und fallt / von einer Seiten zur anderen / dergleichen man offt ſihet daher duͤr - meln / ihr Hertz wird ſteinhart wie Nabals / welches auff die Truncken - heit folgt / Jrꝛthum und dero effecta. Der Geiſt GOttes erklaͤrts mit Exempeln der Gottloſen / die nicht koͤnnen voll werden vom Zeitlichen / aber ab Goͤttlichen myſteriis ein Abſcheuen haben / denſelben nicht ſo tieff nachdencken / ja ſo verteuffelt ſeyn / daß ſie dieſelbe mit Fuͤſſen tretten und von ſich ſtoſſen / oder doch nicht achten / doͤrffen wol ſagen: Mir kommen dergleichen Grillen nie in Sinn / ich glaub einfaͤltig / laſſe das ſcrupuli - ren anſtehen / ich moͤchte mich ſonſt verwirren / ich denck der Sach nicht ſo weit nach. Antw. Diß iſt die ſchoͤne Frucht deß vermeynten einfaͤl - tigen Glaubens! Diß ſind Worte eines ſicheren Menſchen / der ſich weit achtet von boͤſen Tagen / wird alt bey guten Tagen / und erſchrickt kaum ein Augenblick fuͤr der Hoͤllen / der mit dem Tod einen Bund / und mit der Hoͤllen einen Verſtand gemacht / der ſich von der Schlangen narren laͤßt mit der perſuaſion, er werde mit nichten deß Todes ſterben. Jſt eben ſo viel geredet / als einer ſagen moͤcht / ich bekuͤmmere mich um keine Apotheck / ich frage nicht viel nach dem Hirſchhorn / Bezoar und derglei - chen. Diß ſind Wort eines Heydniſchen Gemuͤths / das kem Troſt hat noch begehrt / und in der Welt lebet ohne Gott / ohne Grund deß Tro - ſtes nach dieſem Leben; Diß ſind Wort eines verſtockten Nabals-Bru - ders / deme nach geſchehener Abigails-Predigt das Hertz ſteinhart wird. Ja es ſind Wort eines Viehiſchen Menſchen / bey dem keine vernuͤnfftigerefle -91Predigt. reflexion fuͤrhanden; der nicht gedencket daß die Seel unſterblich ſey; dem nicht groß daran ligt / wie ſie nach dem Tod verſorget werde. End - lich heiſts animula, vagula, blandula, quæ nunc abibis in loca? Fahrt die Seel in die Hoͤll / fiat! es geſchehe alſo wie Gott wil / fahrt ſie in den Himmel / fiat! Jch begehre eben deßwegen keine Verſicherung. Wel - che Art der Sicherheit eine iſt von den allerverdammlichſten Suͤnden. O Menſch ſchaffe deine Seligkeit mit Forcht und Zittern; ſelig iſt der Menſch / der ſich ſtets fuͤrchtet Prov. 28, 14. Ringe darnach / daß du eingehen moͤgeſt durch die enge Pfort. Was gebe der reiche ſichere ſorgloſe Schlemmer drum / daß er eine einige Stund Moſen und die Propheten hoͤren moͤcht / und darauß ein antido - tum wider die Furcht deß ewigen Todes ſchoͤpffen? Es wird die Zeit kom - men / da ſolch Spotten und Lachen wird werden theur / und ſolche ſichere Heydniſche Welt-Kinder auß dem Buch der Weißheit werden heulen muͤſſen: O wir Narren! Wie heilſam und gut waͤre ſolchen ruchloſen und brandmaͤligen Gewiſſen / der geiſtliche Hunger / und nach einem ſchmertzlichen / wehethuenden Seelen-Hatz ein bruͤnſtiger Hirſch-Durſt nach der lebendigen Quellen / welche ich ihnen von Hertzen wuͤnſche. Woher iſt kommen der Hagel in Egypten? Exod. 9, 8. ex ignorantiâ, auß muthwilliger Unwiſſenheit / wie der weiſe Mann ſagt Sap. 16, 16. Die Gottloſen / ſo dich / O HErꝛ / nicht kennen wolt en / ſind durch deinen maͤchtigen Arm geſteupt / daß ſie durch un - gewoͤhnliche Regen / Hagel / Gewaͤſſer / den ſie nicht ent - gehen kunten / verfolget / und durchs Feuer auffgefreſſen wurden. Fragſtu woher der Hagel im Land Canaan? Antwort / die - weil ſie das ſanffte Friedens-Wort deß H. Evangelii nicht annemen wollen / dieweil ſie die Friedens-Botten und Zeugen von ſich gewieſen / Joſ. 10, 11. Was iſts dann Wunder? ſag ich noch einmal: ja viel mehr iſt ſich zuverwundern uͤber die Goͤttliche μακροϑυμίαν und Langmuth / daß Er uͤber andere die Straffen bereits außgegoſſen / unſer aber / die wirs eben ſo grob gemacht / noch ſo lang verſchonet / und uns ſaͤuberlich tra - ctirt / wie einer der ein Cryſtallin Glaß ſchwencken und waſchen wil / ge - mach und fein ſaͤuberlich damit umgeht / daß ers nicht zerſtoſſe: Alſo tractirt und handelt mit uns der getreue himmliſche Vater / O ein ge - dultiger / langmuͤtiger GOtt! Jedoch ſollen wir uns durch frembde Exempel warnen laſſen / und dadurch gewitziget werden Luc. 13 / 2. zu ver - wundern iſt ſich / daß der Herr der Menſchen verſchont / und laͤſt ſeinen Zorn außgehen uͤber die Erden-Gewaͤchs oder das unvernuͤnfftige Vieh;M 2aber92Die ſechſteaber er ſchlaͤgt auff den Sack / und meynt den Eſel. Pharao war ein Ty - rann / und hatte ſein Hertz verhaͤrtet / noch dennoch da GOtt der Herr mit Hagel und Sturm auff ihn zugeſchmiſſen / ſo wird er muͤrb / er confi - tirt / er deprecirt Exod. 9. unter uns wil dergleichen nicht erſcheinen / es ſind die neuliche Buß-Predigten ſchon vergeſſen / man fahrt einen Weg fort in der Sicherheit / als den andern / das Sauffen und Schwelgen / Jaͤhlen und Schreyen / das Hagelſchlechtige Fluchen und Schwoͤren und andere Suͤnden gehen noch in vollem Schwang. O GOtt behuͤt / daß nicht der volle Schutt bald folgen muͤſſe!

Unterdeß hat dennoch Jſrael GOtt zum Troſt Pſal. 73. der Jſrael / der rechtſchaffens und reines Hertzens iſt / das durch den Glau - ben gereiniget; der im Goſen / in GOttes Ordnung bleibt / der ſich ſehnet nach der liberation der Kinder GOttes Rom. 8. den da durſtet nach den Heilbruͤnnlein Jſraelis / der hat GOtt zum Troſt / den gehen die Zorn - Exempel nicht an.

Der Teuffel ohmet dem H. Geiſt nach / aber er verkehrts / dann die harten verſtarreten und rohen troͤſtet er mit Verheiſſung; aber auff die nidrigen / bloͤden und ſchwachen dringt er mit GOttes Zorn und Bedraͤuungen. Da wil denn hoch vonnoͤthen ſeyn / daß wir den H. Geiſt vom boͤſen Geiſt ſcheiden und ſondern / und daß wir wiſſen / daß es nicht deß heiligen / ſondern deß boͤſen Geiſtes Einge - ben ſey / der auß einem guͤtigen / gnaͤdigen und barmhertzigen GOtt / einen ungnaͤ - digen Richter und einen zornigen Hencker machen wil / denn die H. Schrifft redet alſo von GOtt / im hundert und dreyzehenden Pſalm: daß er hoch ſitzt / aber auff das nidrige ſihet im Himmel und auff Erden / und das nidrige erhoͤhet: der Teuf - fel aber ſpricht / daß GOtt die Hoͤhe anſehe / und hoͤher hebe / die nidrigen aber ni - driger mache und verderbe. So fechte uns nu der Teuffel in den hoͤchſten Arti - ckeln deß Glaubens an / oder in kleinen Suͤnden / ſo ſollen wir gedencken / daß wir entweder ſolche Gedancken alle auß dem Sinn ſchlahen / oder aber / ſo wir je ichtes gedencken wollen / daß wir das Widerſpiel gedencken von Chriſto / als nem - lich: daß uns GOtt gnaͤdig und barmhertzig ſey / und das ewige Leben um Chriſti willen geben habe ꝛc. und ſollen gedencken / daß ſolche herꝛliche Verheiſſung uns angehen / und uns zum beſten geſchehen ſind / wenn wir durch die Suͤnde erſchroͤckt / uns nach GOttes Gnade und Barmhertzigkeit ſehnen. Sind ſehr troͤſtliche Wort Lutheri Tom. 5. Witt. p. 280. f. 1.

Sondern Troſt hat er contra mundum in mundo, Gott weiß immer einen Daniel zu erwecken / der die Suſannam / das iſt / Unſchuld / ver - tritt und ans Liecht bringt. Troſt in foro conſcientiæ innerlich im Ge - wiſſen / wie jener Bergmann(*)Von welchem D. Sellneccerus in Erklaͤrung der Paſſions Hiſtoria p. 7. folgender maſſen meldet: Ein Bergmann war lange Zeit an Leib und Seel kranck geweſen / dem begegnet ſein Geſell / und fragt / wie er ſich befinde. Jener antwortet darauff auß Zorn und Vngedult: Ach! was ſoll ich ſagen? Es iſtkeine

93Predigt.
(*)keine Treu noch Glaube / ja weder Troſt noch Huͤlffe mehr zu finden / im Himmel oder auff Erden / im Leben oder im Tode; zu welchem der ander ſagt: Ja es iſt wahr / bey den Menſchen iſt die Treue ſehr ſeltzam / bey dem Teuffel gantz und gar nicht / bey den Heiligen gar wenig / und bey dem Allerhoͤchſten GOtt uns faſt un - bekandt (Hominum fides rara, Diaboli nulla, Sanctorum exigua, Dei occulta) in Be - trachtung wie Er als ein gerechter Richter / unſere erſte Eltern und das gantze Menſchliche Geſchlecht dem Tode unterworffen / weil ſie von der Frucht deß ver - bottenen Baums gegeſſen / dazu die erſte Welt durch die Suͤndfluth geſtrafft / und Sodom und Gomorra mit Feur und Schweffel vom Himmel herab verderbet / worauß leicht zu ermeſſen / wie Ergegen die Suͤnder geſinnet ſeyn muͤſſe. Vnd als jener darauff weiter gefragt: wie iſt aber nun der Sache zu helffen / und wo wollen wir denn endlich Troſt / Rath und Huͤlffe finden? Antwortet der andere und ſpricht / Jch wil dirs ſagen / es iſt noch einer uͤbrig / der heißt JEſus Chriſtus / unſer GOtt und Herr / unſer Bruder und Jmmanuel / GOttes und Mariæ Sohn / unſer einiger Erloͤſer / Heyland und Seligmacher / ja unſer beſter Leibs - und Seelen-Artzt. Vnd da jener weiter gefragt: Ja wo ſoll ich ihn denn an - treffen? Hat der ander ihm zur Antwort gegeben: Wann und wo du wilt / in al - len und jeden Leibs - und Seelen-Noͤthen. Denn du haſt ja ſein Wort und Sa - crament (ſein Wort / ſein Tauff / ſein Nachtmal / dient wider allen Vnfall) da du Jhn gewiß gegenwaͤrtig findeſt / da du auch durchs Gebet mit Jhm reden / und alle deine Noth und Anliegen Jhm hertzlich klagen / vorbringen / und unfehlbare Huͤlff und Rettung erlangen kanſt. Verſuche es nur / folge mir / du wirſts gewiß erfahren / daß ich die Warheit geredet hab. Welches dann auch alſo hernach er - folget / dergeſtalt / daß dieſer arme / angefochtene / und an Leib und Seel wol ge - plagte Menſch / auß aller ſeiner Noth und Anliegen / gluͤcklich errettet worden.
(*)

Troſt in agone in den letſten Todes-Zuͤgen / Troſt am zukuͤnfftigen lieben Juͤngſten Tag / da der gerechte Richter dem / der uͤberwindet / wirdApoc. 2, 17. geben calculum album oder ein gut Zeugnuͤß / das wird Er thun / dann treu Er iſt / O ein getreuer GOtt! Amen.

Die ſiebende Predigt / Von Den drey himmliſchen Zeugen.

GEliebte in Chriſto. So lang die Welt ſtehet / ſo lang die Sonn leuchtet / ſo lang die Tag des Himmels gewaͤhrt / und ſich in ihrem Circul herum gewaͤltzt / iſt niemal keine ſo herꝛliche / oͤffentliche / perſoͤnliche hochfeyrliche Θεοφάνεια, und Offenbarung deß Drey - Einigen GOttes geſchehen und vorgangen / als die je -M 3nige /94Die ſiebendenige / ſo da geſchehen bey der Tauffe Chriſti am Jordan; fleiſſigſt / har - monicè und einſtimmend auffgezeichnet von allen vier H. Evangeliſten Matth. 3. Marc. 1. Luc. 3. Joh. 1.

Voce Pater, Natus Corpore, Flamen ave. ()

Solche war nun I. Θεοφάνεια monadica, ein ſonderbare Goͤtt - liche Erſcheinung / in ſolcher ſolennitaͤt und Umſtaͤnden hat ſie ihres gleichen nicht. Es hat ſich zwar GOtt der Herr viel und mancherley Weiſe im Alten Teſtament geoffenbahret / und iſt auß ſeinem unſichtba - ren Liecht herauß gegangen Hebr. 1 / 1. der Sohn GOttes iſt offt erſchienen den Patriarchen / Propheten und anderen heiligen Maͤnnern GOttes / aber nur in einem Menſchlichen Schema und zeitlichen Schatten-Leib / nicht in angenommener perſoͤnlich vereinigter Menſchlichen Natur ſelbſt / er hat ſich allein und abſonderlich / ohne Mit-Erſcheinung der andern zwo Perſonen ſehen laſſen. Einmal zwar Dan. 7. da dem Fuͤrſtlichen Pro - pheten Daniel GOtt der Vater erſchienen in Geſtalt deß Alten auff einem Thron / zu dem gebracht worden einer / gleich eines Menſchen Sohn; der feurige Strahl / der vom Strohm außgangen / hat den H. Geiſt figurirt und gebildet / alles aber allein im Traum / im Prophetiſchen Geſicht / im Geiſt / und nicht αὐτοϖ〈…〉〈…〉 σώϖως in eigener Perſon / perſoͤnlich. So iſt zwar auch auff dem H. Berg dergleichen Erſcheinung fuͤrgangen / da der Va - ter in der Stimm / der Sohn in ſeiner verklaͤrten Menſchlichen Natur / der H. Geiſt in Geſtalt einer leuchtenden Wolcken ſich hoͤren und ſehen laſſen Matth. 17. aber dieſelbe Erſcheinung war privat und geheim / geſchehen in Gegenwart allein 6. Perſonen / drey himmliſcher Zeugen / Chriſto / Moſe(*) juxta Chemnit. in harm. pag. 2, 8. licet con - trarium teneat Eraſmus Schmid ad Matth. p 59. ſq. (α) Tom. 2. Iſleb. in c. 1. Joh. p. 460. f. 2. und Elia / und drey irꝛdiſcher Petro, Jacobo und Johanne; Chriſtus wolte dieſelbe ſtill und verſchwiegen gehalten haben biß nach ſeiner Auffer - ſtehung; Hie aber gieng es her ſolenniſſimè, hoͤchſt-feyrlich und oͤffent - lich. Darum mag ſie auch genennet werden

II. Θεοφάνεια panegyrica & ſolenniſſima, die geſchehen in groſ - ſer weitlaͤufftiger Verſamlung. (*) Jn Gegenwart der himmliſchen Heerſcharen / als welche allezeit das Angeſicht deß Vaters im Himmel ſchauen / ja deß leidigen Teuffels ſelbſt. (Es iſt da / ſagt Lutherus (α), der him meliſche Chor aller Engel / die da huͤpffen / ſpringen / und froͤlich uͤber dem Werck ſind / auch ſiehet der Himmel weit offen.) Der dannenhero occaſion genommen bald darauff Chri - ſtum in der Wuͤſten zu verſuchen / und Jhm dieſe Offenbarung diſpu -tirt /95Predigt. tirt / ſagend: du biſt zwar oͤffentlich proclamirt fuͤr einen Sohn GOttes / aber O deß elenden Gottes Sohns / der ſeinen Hunger nicht buͤſſen und ſtillen kan / mach auß Steinen Brodt und beweiß / daß du der Sohn GOt - tes ſeyeſt: Wo nicht? So kanſtu leichtlich ermeſſen / daß was ſich dort am Jordan begeben / ein bloß Geſpenſt / Spiegelfechten / Abentheur / Phantaſi und Verblendung geweſen. Sonderlich aber iſt dieſer actus geſchehen in Verſamlung deß gantzen Volcks / welches hinauß gegangen zur Tauff Jo - hannis / auß dem gantzen Juͤdiſchen Land und allen Laͤndern am Jordan / die gantze Stadt Jeruſalem Matth. 3 / 5. τότε v. 15. zu der Zeit kam auch JEſus auß Galilaͤa an den Jordan zu Johanne / daß Er ſich von ihm tauffen lieſſe. 〈…〉〈…〉ν〈…〉〈…〉 κείναις ἡμέραις, das iſt / zu derſelbigen Zeit / ſagt Marcus Cap. 1. v. 9. 〈…〉〈…〉ν τ〈…〉〈…〉 βαπ〈…〉〈…〉 ι〈…〉〈…〉 ϑ〈…〉〈…〉 α〈…〉〈…〉 ἅπαν〈…〉〈…〉 α λαὸν, das iſt / da eben auch ſich alles Volck tauffen ließ / wie Lucas redet Cap. 3 / 21. warum bey ſo groſſer Verſamlung? Auff daß Chriſtus offenbar wuͤrde in Jſrael Joh. 1 / 31.

III. Θεοφάνεια Evtactica, darum der Herꝛ Chriſtus auch durch dieſe feſtivitaͤt ſolenniter inveſtirt und dem Volck Jſrael / als der groſſe Prophet præſentirt und vorgeſtellt worden. Dann wie nach altem Ge - brauch der Hebreer / dero Rabbini, Doctores und Lehrer haben muͤſſen mit gewiſſen ceremonien oͤffentlich durch Gebet und Hand-Aufflegung / mit Begleitung gewiſſer Wort / inaugurirt werden (*) / dergleichen auch noch(*) conf. de his Nic. Serar. Rab - bin. c. 21. pag. 190. ſq. (β) Tom. 2. Iſleb. p. 421. in Chriſtlichen Kirchen und Schulen uͤblich / daß oͤffentliche Doctores, Lehrer / Prediger / Pfarꝛherꝛn ordinirt und durch Wort und Gebet einge - weyhet werden. Alſo (ſchreibt Lutherus (β)) iſt auch Chriſtus all - hier als der groſſe Prophet eingeweyhet / als der Biſchoff und Ertz-Hirt ordinirt / als der groſſe Doctor und Koͤnig von Jſrael geſalbet und gekroͤnet worden: ſein Brabevta und Promo - tor der himm iſche Vater hat Jhm das Pareth / oder Doctor-Huͤtlein und Cron auffgeſetzt / nemlich den H. Geiſt / und oͤffentlich procla - mirt / zweymal / (mit dem Anhang / ſo auß dem Pſ. 2. und Matth. 17. zu wi - derholen und beyzufuͤgen dieſen ſeinen Sohn einig und allein zu hoͤren und zu ehren / zu wiſſen und zu kuͤſſen) einmal in tertiâ perſonâ, dieſer iſts ꝛc. Und dann in ſecundâ perſonâ. du biſt mein Sohn ꝛc. Solches war auch noͤthig / dann der Herr Chriſtus war noch obſcurus und un - bekant / Johannes kante Jhn von Angeſicht noch nicht / von dem auch der albere Scheps Nathanael mit Verwunderung geſagt: Was kan auß Nazareth guts kommen?

Dieſe96Die ſiebende
(*) Tom. 2. Iſleb. pag. 468. fac. 1.
5
Dieſe Wort (ſchreibt Lutherus in der Außlegung hieruͤber (*)) redet Nathaniel auß keinem boͤſen Hertzen / wie denn die Wort Chriſti hernach anzei - gen / da Er ihme das groſſe Lob gibt / er ſey ein rechter warhafftiger Jſraeliter / in dem kein falſch iſt. Weil denn dem alſo iſt / ſo muß man auch ſeine Wort nicht uͤbel deuten / als wenn ſie ein ſtoltzer Phariſeer / oder ſonſt Annas oder Caiphas zum Herrn geredet haͤtte / denn da warens eitel teuffliſche gifftige Wort / und dieſe haͤtten geſagt / was redeſt du von Nazareth? Biſtu toll und thoͤricht? Si - heſt du nicht daß wir Herren ſind / und wir Gewalt haben die Schrifft außzule - gen? Da waͤre es Gifft geweſen / denn ſolche Leuthe verachteten Chriſtum / und redeten ſolches auß hohem Stoltz und Verachtung Chriſti / als ſprechen ſie / was meyneſtu / wer iſt der Chriſtus? Denn darnach die Perſon iſt / darnach lauten auch ihre Wort / und darnach verſtehet man auch ihre Reden. Gleichwie auch eine jeg - liche Glocke ihren eignen Klang und Thon hat: Alſo redet hie dieſe Wort Natha - niel / als ein frommer und einfaͤltiger guter Mann / der den Worten Moſi und der Propheten glaubet / und redet ohne arge Liſt und Boßheit auß gutem einfaͤlti - gen Hertzen daher / und auß einer Verwunderung / ey ſoll uns dann ſo viel guts von Nazareth kommen / wer haͤtte darauff gedacht? Es ſind Wort / damit ſich ein Menſch verwundert / und fuͤr groſſen Freuden und Wunder ſolche Wort redet: Ey lieber iſts wahr / daß Er ſolte von Nazareth ſeyn.

Jſt eben auch IV. die jenig Θεοφάνεια ἀξ〈…〉〈…〉 ομνημόν〈…〉〈…〉, die jenige Erſcheinung / darauff Johannes mit Fingern gedeutet / repetirt / zu ruͤck beſchauet / und der gantzen Chriſtlichen Kirchen hoch und wol recom - mendirt / wann er in ſeiner hochbedencklichen Zeugen-Sag und Zeugen - Verhoͤr / darauff gedeutet und geſagt: Drey ſind die da zeugen ꝛc. nemlich eben dieſelbe die dazumal am Jordan erſchienen / ſich ſehen und hoͤ - ren laſſen. Jrre laſſen wir uns hie nicht machen durch etliche Dubitantios, die von der avthentia dieſes Texts gezweiffelt / weil er in etlichen alten ex - emplaribus (dergleichen auch eines Luthero Anfangs an die Hand kom - men) nicht zu finden / und endlich von Arrianern und Photinianern auß -vide D. Gerhard. pecul. diſp. in 1. Joh. 5. gekratzt worden. Das widrige iſt nunmehr dermaſſen beſchienen und be - kraͤfftigt / daß kein vernuͤnfftiger Menſch mehr zweifflen kan / und bekennen muß / es ſeyen Wort de textu, bevorab weil nicht allein lang vor Luthero in der teutſchen Bibel Cobergers / ſondern auch in dem heutigen Photinia - niſchen N. T. zu Rachau Anno 1630. getruckt / dieſelb zu befinden. Wir ſchicken uns mehr zu beſchauen das groſſe Geſicht Exod. 3. Wir haben naͤchſt beſchauet und behertziget Teſtium bonitatem, dieſer Zeugen Guͤte / Treue / Freundlichkeit / Leuth - und Holdſeligkeit. Folgt / daß wir ſie ab - theilen in zwey Choreas und Reyhen; Jn der erſten dißmal bedencken / Teſtium cœleſtium Nobilitatem & auctoritatem, den Adel / die aucto - ritaͤt / Hoheit und Wuͤrde der drey oberſten Zeugen im Himmel. Dieſer hohen himmliſchen Zeugnuͤß und Zengenſag recht heiliglich und heilſam -lich97Predigt. lich beyzuwohnen und zu verhoͤren / wolle Er der erſte Zeug durch den An - dern den dritten beſchehren / daß es ohne Frucht nicht abgehe / Amen.

SO ſind nun die jenige Zeugen / welche St. Johannes in vorha - benden Worten producirt und eingefuͤhrt / Erſtlich nominati & ordinati, benamſte / titulirte oder mit Namen beſchriebene Zeugen. Derer erſte iſt und heißt der Vater / ein Vater uͤber alle Vaͤter / Epheſ. 3 / 15. ſintemal mit Warheit niemand ſagen kunte von Chriſto / diß iſt mein Sohn / und zwar der eingebohrne Sohn / alsJoh. 1, 14. die erſte Perſon der Gottheit. Wir ſind auch Kinder GOttes / aber Fin - del-Kinder / angewuͤnſchte Gnaden-Kinder / vielgebohrne Kinder. Jſt Lutheri Wort Tom. 2. Iſleb. p. 435. f. 1. GOtt / ſagt er / hat ſonſt viel Soͤhne und Kinder / aber nur einer iſt der Eingebohrne / von dem das geſaget wird / daß alles durch ihn gemacht ſey; die andern Soͤhne ſind nicht das Wort / durch welches alle Ding gemacht ſind / ſondern ſind geſchaffen durch dieſen ein - gebohrnen Sohn / der gleich mit dem Vater Schoͤpffer Himmels und der Erden iſt. Die anderen allzumal wer - den Soͤhne durch dieſen eingebohrnen Sohn / welcher unſer HErꝛ und GOtt iſt / und heiſſen wir vielgebohrne Soͤhne; dieſer aber iſt allein der eingebohrne Sohn / den er in der Gottheit von Ewigkeit gezeuget hat. Keiner unter uns iſt der Eingebohrne / welchen Gott der Herr / ſein eigner und einiger Vater / angeſprochen und begruͤßt mit dieſen Worten: Du biſt mein Sohn /Pſal. 2, 7. heute hab ich dich gezeuget; Welcher auch iſt und heißt der andere Zeug / Λόγ〈…〉〈…〉, das Wort / nemlich der eingebohrne Sohn GOttes / durch welchen alles gemacht / was gemacht iſt / das Wort das Fleiſch worden / der Eingebohrne / das Schoß-Kind Joh. 1. Wortheißt Er auff eine ſolche Weiſe / das kein Menſchliche Vernunfft begreiffen / kein Wort außſprechen kan. Jn uns und in unſerem Menſchlichen Ver - ſtand finden wir etlicher maſſen eine analogiam und Gleichfoͤrmigkeit. Gleichwie der menſchliche Verſtand der vernuͤnfftigen unſterblichen See - len / in ſich ſelbſt und in ſeiner eigenen Schoß / einen concept, Gedan - cken und Bild formirt / ſo von den Philoſophis genennet wird verbum mentis, λόγ〈…〉〈…〉 ἔσω, ein Gemuͤths-Geburt / oder Sinnbild / welches iſt ein geiſtliches / unſichtbares / lebendiges / ſubtiles / im Gemuͤth und deſſen Schoß der Gedaͤchtnuͤß bleibendes / und dazu kraͤfftiges Weſen / durch welches der Menſch aͤuſſerlich alles wuͤrcket / thut und verwaltet / was er innerlich gedacht / geordnet und geſchafft: Alſo iſt auch der SohnAchter Theil. NGOttes98Die ſiebendeGOttes (nach Ablaß aller Haͤffen natuͤrlicher anklebender und Menſchli - cher imperfection auß Verſtands-Bloͤdigkeiten) von ſeinem Vater als der Sprecher gebohren / iſt das Bild ſeines Weſens Hebr. 1 / 3. geiſtlich / unſichtbar / aber ein ſelbſtaͤndig Perſoͤnliches Weſen / nicht fluͤchtig / nicht zufaͤllig oder unbeſtaͤndig / ſondern perſoͤnlich. Der dritte Zeug iſt der Geiſt Spiritus ſpiratus, der heilige außgeblaſſene Geiſt; dann darum und heißt Spiritus ein Geiſt / nicht ſo wol ratione eſſentiæ, weil er ein weſentlicher Geiſt iſt / ſintemal auch der Vater auff dieſe Weiſe ein Geiſt heißt; auch nicht ſo wol ratione virtutis activæ, oder wegen der wuͤrcken - den Krafft / ſintemal auch der Sohn deß Vaters Krafft iſt; Sondern ratione virtutis paſſivæ, weil er vom Vater und Sohn auff eine Goͤttli - che unbegreiffliche Weiſe geblaſen und gehauchet wird: welches Geheim - nuͤß Chriſtus uns ſelbſt gleichſam abgemahlet Joh. 20. da Er ſeine Juͤn -Joh. 20, 22. ger angeblaſen / und mit dieſem aͤuſſerlichen actu des Anhauchens / das ewige Blaſen deß H. Geiſtes bezeugen wollen; und ſind doch dieſe zwey Wort und Geiſt nicht Schatten / Geſpenſt und zufaͤllige Geſtalten / ſon - dern es ſind (II. ) fuͤrs ander Teſtes propriè dicti, oder eigentlich ver - ſtandene Zeugen / nicht verbluͤmter Weiſe / wie Waſſer und Blut Zeugen heiſſen / wie Himmel und Erden zu Zeugen angeruffen werden Deut. 32. Eſa. 1. wie Abraham dem Abimelech ſieben Laͤmmer darſtellt zum Zeugnuͤß Gen. 21, 30. Gleicher Weiſe werden auch die Steine ge - braucht von Laban Gen. 31, 52. von Joſua Joſ. 24 / 27. die Bunds-LadeExod. 25. v. 16. & 22. conf. Num. 17, 4. heißt ein Lade deß Zeugnuͤſſes Exod. 25. die ſteinerne Tafflen / darauff Gott das Geſetz geſchrieben und Moſi gegeben / heiſſen Tafflen deß Zeug - nuͤſſes Exod. 31, 18. das Geſetz-Buch heißt ein Zeugnuͤß 2. Reg. 11, 12. alſo auch dorten der rechte Schuhe Ruth. 4 / 7. ſondern eigentlich (wie dann kein einige ration kan allegirt werden / warum wir vom Buchſta - ben abweichen ſolten) perſoͤnliche Zeugen. Omnis teſtis eſt perſona, vel perſonalis, ein jeder eigentlich alſo genannter Zeug iſt eine Perſon / das iſt / nicht ein Schatten und Traum / nicht Gedicht und Geſicht / nicht Larve(*) Luth. Tom. 2. Iſleb. pag. 205. fac. 2. und (*) Geſpenſt / nicht zufaͤlliges / wandelbares accidens, Glied oder Stuͤck; Sondern lebendige / vernuͤnfftige / ſtandhaffte / ſelbſtaͤndige / ungetrennte / unmittheilbare / von andern unterſchiedene wuͤrckende Perſon / unterſchieden in aͤuſſerlichen Zeichen / innerlichen Wuͤrckun - gen / dann das iſt definitio perſonæ. Kurtz / eine Perſon iſt ein vollkom - mene / lebendige / vernuͤnfftige andern oder mehrern nicht gemeine ſub - ſtantz und Weſen. Ob nun zwar die Goͤttliche Natur eine vollkommene ſubſtantz und Weſen / lebendig und vernuͤnfftig iſt / dennoch iſt ſie keinePerſon /99Predigt. Perſon / dieweil ſie dem Vater / Sohn und H. Geiſt gemein iſt: der Vater aber / der Sohn und H. Geiſt ſind Perſonen / dieweil ſie vollkommen / le - bendig / vernuͤnfftig / und nicht vielen gemein ſeyn / denn es ſind nicht viel / die der Vater / oder der Sohn / oder der Heilige Geiſt genennet werden. Ein andere Perſon iſt der Vater der gebaͤret / ein andere der Sohn der bey dem Vater in ſeinem Schoß gebohren worden; ἄλλ〈…〉〈…〉 ϖ〈…〉〈…〉 άκλητ〈…〉〈…〉, ein andere Perſon iſt der H. Geiſt: der Vater erſcheinet in der lebendigen klaren Stimm / dieſelbe war eine machina communis, ein gemeines Werck und Gemaͤcht aller dreyen Perſonen / aber allein der Vater erzeigt ſich in dieſem Zeichen; der Sohn erſcheint in ſeiner zarten Menſchheit / dieſelbe war ebenmaͤßig ein gemein Werck aller dreyen Perſonen / aber Er der Sohn ſteht allein in derſelben mercklichen Natur ſichtbarlich da; deß - gleichen der H. Geiſt in der Tauben Geſtalt. Und dieſe Zeugen alleſamt / der Vater ſagt / das iſt mein Sohn; der Sohn / als der Candida -Matt. 3, 16. Marc. 1, 10. Luc. 3, 21. tus ſteht da am Ufer und betet / devovirt ſich und gelobet allen Willen GOttes zu erfuͤllen / als ein treuer Zeug ſeinen Vater zu verklaͤren / und ſei - ne Lehr mit Miraculen zu beſtaͤtigen / zu zeigen und zu zeichnen mit Wun - derwercken / zu kommen mit Waſſer und Blut; der H. Geiſt / der durch die Propheten weiland geredet / und bezeuget / daß im Namen JEſu / alle die daran glauben / Vergebung der Suͤnden empfahen ſollen / der zeugt in præſenti, reipſa & incubitu & μονῇ, er fladert und vagirt nicht daher / ſondern bleibt und bezeugt / daß dieſer ſey Chriſtus / der Geſalbte ohne Maß /vid. Brent. ad Luc. pag. 488. die jenige Perſon / von welcher alle Propheten zeugen; ſtellt ſich dar / daß er hinfort zeugen und Chriſtum verklaͤren wolle mit Worten / Wercken und Wundern Joh. 16.

Es ſind aber dieſe benamſte Perſoͤnliche Zeugen oder warhafftige Perſonen / nicht gemeine / ſchlechte / unanſehnliche / irꝛdiſche Perſonen / ſon - dern perſonæ Nobiliſſimæ, die drey / die ihres gleichen nie geſehen / von welchen die Sacramentliche irꝛdiſche Zeugen / Predigampt / Tauff und Abendmahl / all ihr autoritaͤt / Liecht / Glantz / Krafft / Tugend und Nach - truck ſchoͤpffen / empfangen und haben / und alſo / Nobiles, Nobiliores, Nobiliſſimi, Edle / Edlere / die Aller-Edleſte Zeugen.

I. Teſtes Nobiles in poſitivo, Edle Zeugen / edle Horte / edle Felßen / darauff man bauen kan / und das darum / dieweil deroſelben drey ſind. Ternarius hat je und allezeit eine perfection bedeutet / τρὶς πάντη omne trinum perfectum, daher ſagt man aller guter Ding ſind drey. Dann warum werden mit dem ternario oder dreyer Zahl bezeichnet alle Ding / die vollkommen ſeyn? Warum bedeut bey den Hebreern dieN 2drey -100Die ſiebendedreyfache Widerholung den Superlativum, wann ſie etwas gar hoch mit Worten erheben wollen / ſo widerholen ſie deſſen Namen dreymal. Jerem. 7. Hie iſt der Tempel des HErꝛn / dreymal / das iſt / der herꝛlichſte Tempel. Eben darum wird der Name / Herr / dreymal wiederholet in dem Prieſterlichen Segen Num. 6. deßgleichen das τρισάγιον, Heilig / Heilig / Heilig / Eſa. 6. drey Zeugen erſcheinen auff dem H. Berg / drey Apoſtel ſind die epoptæ, oder Zuſeher. Tres faciunt collegium, ſagt man in Schulen. Wo kompt ſolches alles her / anders / als weil das hoͤchſte / edelſte / fuͤrtrefflichſte Collegium auß dreyen Perſonen beſteht? vid. in E - piſt. hiſtor. Cluver. pag. 417.Daher jene Orientaliſche Churfuͤrſten drey Kayſer auff dem Thron wol - ten geſetzt haben / den Conſtantium, Tiberium und Heraclium, auff daß gleich wie ſie eine heilige Drey-Einigkeit glauben / dieſelbe auch auff dem Kayſerlichen Thron repræſentirt und abgebildet werde; war gut gemeynt / wiewol gemelten Churfuͤrſten ihre Wahl uͤbel bekommen. Es kan auch wol ſeyn / daß man bey Beſtellung und Formirung unſerer hieſi - gen Repub. und dero unterſchiedlichen Dreyer-Herren auff diß Geheim - nuͤß eine reflexion gehabt. Beſteht nun alle Warheit in zweyer / wie viel mehr in dreyer Zeugen Munde; wie es dann alſo ſeyn ſoll; Soll / ſag ich / dann bey Menſchen triffts nicht allzeit ein / es ſoll zwar ſo ſeyn / aber es ge - ſchicht nicht allzeit / Daniel bringt eine ſtarcke inſtantz von den zween alten Schaͤlcken und Suſannaͤ-Bulern / deren Zeugnuͤß nicht uͤbereinſtimmet / einer ſagte unter der Eichen / der ander unter der Linden. Wie? wann aber ſolche drey Zeugen in der Welt koͤnten gefunden werden / die gantz und gar eins waͤren / nicht nur ein Hertz / Sinn / Mund und Willen / ſondern auch eins Weſens; wuͤrde man nicht ſagen koͤnnen? Je einiger / je gewiſſer / unitiſſimi veraciſſimi. Nun was wir in der Welt nicht finden / das finden wir hie in dieſem myſterio, da dieſe drey Zeugen (nicht allein zuſammen ſtimmen εἰς ἓν, ad teſtificandum filium Dei, ſondern auch) ἓν, ſie ſind auch eines / ſie reden ex uno ore & corde, auß einem Hertzen und Mund / ſie ſind nicht nur eines Hertzens / Gemuͤths / Sinn / affect, Willen / Mund und Wort / ſondern auch einer Natur und Weſen?

Lutherus ſchreibt Tom. 2. Iſleb. p. 439. f. 2. Es ruͤhmen die Juden und Tuͤrcken / daß ſie das rechte Volck GOttes ſind / weil ſie nur einen GOtt anbeten / laͤſtern und ſchmaͤhen uns Chriſten / als Goͤtzendiener und unſinnige Narren / die drey Goͤtter anbeten. Es iſt nicht wahr; ſie reden uns ſolches in den Ruͤ - cken zu bey ihren Schuͤlern / wiſſen nicht was ſie ſagen / ſind Blinde und Blinden - leiter. Wir ſagen und bekennen beſſer dann ſie / daß nicht mehr dann ein GOtt ſey / der gegen der Creatur zurechnen alles geſchaffen hat: weiter ſagen wir /daß101Predigt. daß wir Chriſten nicht gnug dran haben / wie der Schoͤpffer zu halten und zu rechnen ſey gegen der Creatur / ſondern wir wiſſen und lehren auß der Schrifft / was GOtt in ſich ſelber iſt / ja daß Er ſein Goͤttlich Weſen bey ſich ſelber hat. Da bekennen wir / daß der einige Herr / Konig / GOtt und Schoͤpffer durch ſei - nen Sohn ſich alſo abgemahlet und zu erkennen gegeben hat / daß es in der Gott - heit alſo ſtehet / daß das Wort wird geſprochen durch den Vater / und der H. Geiſt (wie man ſaget /) darein williget / das ein gedrittes iſt / und doch in ſich ſelbſt nur eines gegen der Creatur zu rechnen. Daher ſagt Auguſtinus und andere alte Lehrer: Opera Trinitatis ab extrà ſunt indiviſa, das iſt / die Werck der H. Drey - faltigkeit ſind von auſſen unzertheilet / der Vater / Sohn / Heiliger Geiſt iſt ein einiger Schoͤpffer / nicht drey gegen der Creatur: So weit kommen Juden / Heyden und Tuͤrcken. Wir ſollen aber GOtt nicht allein anſehen / von auſſen in ſeinen Wercken / ſondern Er wil auch erkannt ſeyn / was Er inwerts iſt / in - wendig iſt ein einig Weſen / und drey Perſonen / der Vater / Sohn / Heiliger Geiſt / nicht drey Goͤtter / beten derhalben nur einen GOtt an. Wie gehets denn zu? Vnaußſprechlich iſts / die lieben Engel koͤnnen ſich nicht gnugſam daruͤber ver - wunderen fuͤr Freuden / und wird ins Wort gefaßt und fuͤrgeprediget. Wenn wir den ſchwartzen / garſtigen / unflaͤtigen / ſtinckenden Maden-Sack abgele - get haben / wollen wir es mit den lieben Engeln ſehen / unſere ewige Freude und Seligkeit daran haben / und der Juden / Heyden / Tuͤrcken widerſpotten / die uns jetzt fuͤr Kloͤtze halten / als die nicht wiſſen noch verſtehen / daß nur ein GOtt ſeye. Hæc D. Luth.
Wer wolte hier nicht ein Schloß auff bauen / dreyfache Schnur reißt nicht leicht entzwey Eccleſ. 4, 12. ()

II. Nobiliores in comparativo, quia cœleſtes, Edlere Zeu - gen / darum dieweil ſie ſind himmliſche Zeugen. Johannes ſagt〈…〉〈…〉 ν τῷ〈…〉〈…〉 ρανῷ, ſind Zeugen im Himmel. Was Himmliſch iſt / das iſt all - zeit beſſer / als was irꝛdiſch iſt; und je hoͤher der Himmel iſt / je hoͤher auch die himmliſche Zeugen / doch einer vor dem andern / wie auch ein Him - mel iſt uͤber den andern. Es waren zwar fuͤrtreffliche Zeugen die zween hiezu außerwehlte Maͤnner / Moſes und Elias auff dem H. Berg / die in ihren glorificirten herꝛlichen Leibern erſchienen / als obſides merito - rum Chriſti & reſurrectionis ad vitam æternam, als gewiſſe Geyſel und Buͤrgen deß Verdienſts und Aufferſtehung Chriſti zum ewigen ſeligen Leben; Maſſen ſie auch mit dem Herrn Sprach gehalten von ſei - nem Außgang zum Creutz und Tod. Die Engel / die da gezeugt von Chriſti Geburt / Aufferſtehung / Himmelfahrt ꝛc. ſind auch himmliſche Zeugen / die allzeit im Himmel ſeynd / das Angeſicht deß himmliſchen Vaters ſehen / nunquam fallaces, die koͤnnen auch nicht triegen / dann ſie ſind in der Warheit beſtanden / und deßwegen die Firmungs-Cron er - langt / und ſo feſt behalten / daß ſie wie nimmer ſterben / alſo auch nimmerN 3ſuͤn -102Die ſiebendeſuͤndigen koͤnnen. Diß ſind ja edle Zeugen. Aber hie in unſerm Text werden gelobt Zeugen immenſum nobiliores, ſo unermeßlich unver - gleichlich Hoͤher ſind als Menſchen und Engel / die Zeugen in dem Him - mel / der hoͤher iſt als alle Himmel / da kein Engel / weniger Menſche (außgenommen der Menſch Chriſtus) jemal eingelaſſen worden / der Himmel uͤber alle Himmel / hoͤher als alle Himmel / von wel - chem die Tauff Johannis gekommen / da wohnet der Vater im Himmel / der Sohn der im Himmel war Joh. 3 / 13. der H. Geiſt vom Himmel herab geſandt Actor. 2, 2. zu Anzeig deſſen hat ſich am Jordan der Him - mel auffgethan / und ſind dieſe drey Zeugen in himmliſchem habit er - ſchtenen / der Vater in einer himmliſchen Donner-Stimm (wie auch ge - ſchehen Joh. 12.) der Sohn in ſeiner himmliſchen / unſuͤndlichen / unſterb - lichen / allerheiligſten Menſchlichen Natur / als der himmliſche Adam / in dem Tempel / in welchem alle Fuͤlle der Gottheit leibhafftig woh - net Coloſſ. 2 / 9. der H. Geiſt in einem himmliſchen Gemaͤch und Ge -vid. Chemnit. Harm. pag. 249. ſchoͤpff. Der Vater oͤffnet den Himmel / und zeuget / daß nunmehr der Himmel uns offen ſtehe / ohn Jhn (Chriſto) wars alls verſchloſſen; der Sohn GOttes ſteht da / als die Himmels-Leiter / der iſt und weißt uns Weg und Steg zum Himmel; der H. Geiſt / der Jacob getroͤſtet / troͤ - ſtet auch allhie ex Gen. 28. Hie iſt der Himmel offen / hie iſt die Porte deß Himmels / doch per auditum; wer in Himmel kommen wil / der hoͤre meinen Sohn / ſagt der himmliſche Vater. Darum ſind auch dieſe Zeugen

III. Nobiliſſimi, quia Divini, die Aller-Edelſte Zeugen / dieweil ſie ſind Goͤttliche Zeugen. Gott iſt das hoͤchſte edelſte Gut; al - ſo was Goͤttlich iſt / kan nichts anders / als das edelſte und beſte ſeyn. Die - ſe Zeugen ſind Goͤttliche Zeugen / nicht drey Goͤtter / ſondern drey Goͤttli - che Perſonen / worauff St. Johannes klar dentet verſ. 9. So wir der Menſchen Zeugnuͤß annehmen / ſo iſt GOttes Zeugnuͤß groͤſſer / à minori ad majus. Bey Menſchlichen Gerichten und da - ſelbſt einlauffenden Zeugnuͤſſen / je groͤſſer / edler / herꝛlicher / fuͤrtrefflicher / ſtandhaffter die Perſon iſt / die da zeuget / je mehr wird das Zeugnuͤß re - ſpectirt / je mehr gilt auch ſein Wort und recommendation, ein Wort gilt mehr / als ſonſt hundert. Haman war ein grandis, ein groſſer Mann / und das Fac totum am Koͤniglichen Perſianiſchen Hoff / er bringet bey ſeinem Koͤnig Ahaſvero wider die Juden an / es ſey ein abſonderlich ſtol - tzes hoffaͤrtiges Volck / ſeyen Sonderlinge / haben ihren ſonderbaren Got - tesdienſt / es ſey unleidentlich / Ahaſverus ſolle ihm erlauben / ſo woll ersmit103Predigt. mit Stumpff und Stihl außrotten / und damit / auß Mangel deroſelben Contributionen, dem Koͤniglichen fiſco nichts abgehe / ſo woll er den Verluſt erſetzen mit 10000. Centner Silbers / und ſolchen auß den con - fiſcirten Guͤtern der Juden erheben. Eſth. 3 / 8. & 9. Aber dem zugegen tritt ein anderer / hoͤherer und Edlerer Zeug ins Mittel / nemlich die Hertz - beliebteſte / und hoͤchſt-betruͤbteſte Koͤnigin Eſther / die bezeugt das Wider - ſpiel / und beweißt / daß Haman der Schalck ſeye / der dem Koͤnig nach Scepter und Kron trachte (wie in Apocrypho Eſth. zu leſen) das gilt! das tringt durch! Eſtheræ ſuada penetrantior erat, die ſtich; dem groſ - ſen Hanſen und Hoff-Schrantzen ſeine alteza hinweg. Weil nun auch hie Goͤttliche Zeugen fuͤrhanden / ſo ſind ſie die allerfuͤrnemſten / Gott Vater als die Warheit ſelbſt / der Sohn als der treue und warhafftige Zeug / und der Geiſt der Warheit / der antiquus Dierum der aͤlter iſt / als alle alte Braͤuch und Baͤuch / alle Patres und Patriarchen / alle ſucceſſiones und antiquitaͤten / archiven und annales: derſelbe ſagt / das iſt mein Sohn / den ſolt ihr hoͤren / warum tobet ihr wider dieſen ſo hoch und feſt ge - ſetzten Koͤnig zu Zion / und redet ſo vergeblich / warum lehnet ihr euch auff und rathſchlaget wider Jhne? Pſal. 2 / 2. Jch hab Jhn von Ewigkeit gezeugt / der ehe geweßt / als alle euere intentiones, machinationes, con - ſilia, Rathſchlaͤge / Fuͤnde und Vorhaben: darum was tobet ihr Narren / hie ſteht ein Zeug / der ehe geweßt / als ihr alle miteinander mit allen euren Liſten und Anſchlaͤgen. Der H. Geiſt der forſchet die Tieffe nicht allein deß Menſchlichen Hertzens / derer ſo wol Feinden als Freunden / ſondern auch deß Hertzens GOttes / weiß am allerbeſten wie Gott der Herr ge - gen uns affectionirt. Er iſt αὐτὸς ἔφα! Καὶ αὐτὸ τὸ πν〈…〉〈…〉 μα DER - SELBJGE Geiſt gibt Zeugnuͤß unſerem Geiſt / daß wir GOttes Kinder ſind; ja derſelbige hilfft unſerer Schwach - heit auff / Er ſelbſt vertritt uns gewaltiglich mit unaußſprechlichen Seufftzen Rom. 8. Und ſind dieſe Zeugen nicht bloſſe Wort-Zeugen (wie die Menſchliche und Engliſche) ſondern (weil wir leben vom Muͤnd - lichen Wort GOttes / das auß GOttes Mund flieſſet) Werck-Zeugen / thaͤtliche Zeugen / die was ſie gezeuget auch werckſtellig gemacht / wuͤrcklich deß himmliſchen Vaters Lieb / die Bruͤderlich Bluts-freundl[i]che Erloͤſung Chriſti / die lebendigmachende Krafft deß H. Geiſtes offeriren und darbie - ten / und deßwegen Teſtes fundamentales unſers Glaubens / uͤber-Him - mel-feſte Gruͤnde / Hort und Felßen.

Solche Zeugen ſind dieſe drey himmliſche / edle / edlere / und Goͤtt - liche allerbeſte und edelſte Zeugen / auff welche die Lehr Chriſti gebauet /und104Die ſiebendeund unſer Glaub beruhet / ſo herꝛlich und uͤber-himmelfeſt iſt derſelbe ge - gruͤndet / wer kan zweifflen? Jn ſolcher Geſtalt iſt uns dieſer Grund ge - offenbahret / O ſelige Leuthe! O uͤber-ſeliger Johannes / die oder der ſolch theatrum und ſpectacul am Jordan zu ſchauen gewuͤrdiget worden. Quid hoc ad nos? ſpricht oder gedenckt mancher Menſch / was gehet aber uns diß an? Uns geſchicht keine ſolche Erſcheinung nicht mehr / Gott hat unſer als der letſten Spaͤtlinge vergeſſen; wann ſich der Himmel auch uͤber uns auffthaͤte / wann deß Vaters Stim̃ auch in unſern Ohren erſchal - lete / der Sohn im ſichtbaren Fleiſch noch heutigs Tags erſcheinete / der H. Geiſt in Geſtalt der Tauben uͤber uns ſchwebete / ſo koͤnten oder wolten wir glauben. Antw. O digito compeſce labellum, O Menſch lege den Finger auff den Mund! Laß ſolche Wort und Gedancken fahren; Au - guſtinus nennt dieſe Gedancken und Einwuͤrffe ſuperbiſſimas, & peri - culoſiſſimas, die allerhoffaͤrtigſte und gefaͤhrlichſte Einfaͤll. Ja waswaͤr es / wann du gleich damahl dieſem actui beygewohnt / wuͤrdeſtu davon glaubiger oder froͤmmer worden ſeyn? Jch zweiffle! die Phariſeer und Schrifftgelehrten / haben dieſes ſpectacul auch mit fleiſchlichen Augen ge - ſehen / unterdeß den Rath GOttes wider ſich ſelbſt verachtet; Und darff wol ſeyn / daß es etliche fuͤr ein Zauberey und Teuffels-Geſpenſt außge - ſchrien / was ſich damals am Jordan begeben.

Haͤtte Er (der Herr Chriſtus) den Juden ein Zeichen vom Himmel gege - ben / ſo haͤtten ſie Jhn einen Zauberer geheiſſen. Denn ſo die groſſe Wunder - werck / als Teuffel außtreiben / Todten aufferwecken / und andere Miracul, die ſonſt niemand thun kan / denn GOtt ſelber / nicht helffen / dabey ſie doch greiffen muſten / Er waͤre ein anderer Mann / denn ander Leuthe / was ſolten dann die Zeichen in der Lufft oder vom Himmel bey ihnen gegolten haben? Die ſo groß nicht ſeyn koͤnten. Denn ob Er ſchon einen ungewoͤhnlichen neuen Stern haͤtte ſcheinen laſſen / oder ſonſt etwas gethan / ſo haͤtten ſie geſaget: Ey der Teuffel hat ſein Spiel alſo in der Lufft. Die Gottloſen glauben nicht / man mache es mit ihnen wie man wolle / ſo ſinds Diſtel-Koͤpffe / die nur ſtechen und kratzen / das iſt / alles laͤſtern und ſchaͤnden. Sic optimè Lutherus Tom. 2. Isleb. p. 485. f. 2. in cap. 2. Joh. 1.

Ja der Teuffel ſelbſt iſt nicht fern von dannen geweßt / aber er macht ein Geſpoͤtt drauß. Derowegen ſelig ſind / die nicht ſehen und doch glauben. Myſteria fidei ſunt ἀόρα〈…〉〈…〉, Hebr. 11. Der Glaub iſt deſſen das man nicht ſihet. Doch was damal geſchehen ſicht - barlicher Weiſe / das geſchicht noch taͤglich unſichtbar und geiſtlicher Weiſe in der Predigt deß Worts Gottes / ſonderlich in der H. Tauff / da dieſe drey Zeugen erſcheinen und zugegen ſeyn / wann der Menſch getaufftwird /105Predigt. wird / im Nahmen Gottes deß Vaters / deß Sohns / und deß H. Geiſtes. Da die Stimme vom Himmel erſchollen Joh. 12 / 30. So antwortete der HErr JEſus und ſprach: Dieſe Stim̃ iſt nicht um meinen Willen / ſondern um euren Willen geſchehen / alſo auch die Stimm die am Jordan erſchollen. Der Vater haͤlt uns den Himmel noch alle Tag offen / ſo offt das hohe heilige Werck der Tauff gehalten wird / und ſagt wuͤrcklich als ein Jmmer-Vater: Diß Kind iſt mein lieber Sohn / mein liebe Tochter / ich nim̃ ſie an Kind - ſtatt an um und von wegen meines einigen eingebohrnen natuͤrlichen Sohns willen / der Macht gibt Kinder Gottes zu werden allen die an ihn glauben; Chriſtus zeuget biß ans Ende der Welt / er kom̃t taͤglich mit Waſſer und Blut; der H. Geiſt iſt ein ewiger Zeug.

Von der Zukunfft Chriſti (ſind abermal Lutheri uͤber die maſſen ſchoͤ - ne und troͤſtliche Wort Tom. 2. Isleb. p. 471. f. 1.) da war der Himmel feſt zu - geſchloſſen / uñ regirte der Teuffel gewaltiglich; aber durch Chriſtum und in Chri - ſto iſt der Himmel wieder auffgeſperret / und ſehen die Chriſten den Himmel nu offen / und hoͤren Gott den himmliſchen Vater ſtets mit ihnen reden / und die lie - ben Engel ohn unterlaß auff und ab zu uns fahren. Denn das Wort (diß iſt mein geliebter Sohn / redet der himmliſche Vater noch immer mit uns / hoͤret nicht auff biß auff den juͤngſten Tag ſolches zu reden / und wird der Himmel nicht zugeſper - ret: Kom̃eſt du zur Tauffe / oder nimmeſt du das Abendmal / oder holeſt du die ab - ſolution, oder wenn man prediget / ſo ſiehet der Himmel offen / und wir hoͤren die Stimme deß himmliſchen Vaters / und kommen dieſe Werck alle auß dem Him̃el / und iſt der Him̃el uͤber uns offen / denn GOtt redet mit uns / und regiert uns / ſor - get auch fuͤr uns / und ſchwebet Chriſtus uͤber uns / aber unſichtbarlicher Weiſe. Vnd ob gleich eiſerne und ſtaͤhlene Wolcken uͤber uns waͤren / und den Him̃el gar bedeckten / ſo hinderts uns doch nichts / wir hoͤren dennoch GOtt vom Himmel mit uns reden / und wir ſchreyen und ruffen zu ihm / da erhoͤret und antwortet er uns / und wir hoͤren ihn wieder / wenn er mit uns redet / in der Tauffe / im Abendmal / in der Beicht / und in ſeinem Wort / durch derer Mund / die das Wort dem Volck verkuͤndigen / und ſtehet der Himmel uͤber uns offen / wie auch St. Stephan den Himmel offen ſihet / in den Geſchichten der Apoſtlen Cap. 7. Et mox ead. pag. Tom. cit. Wo nun die Chriſtliche Kirche iſt / und das Goͤttliche Wort rein geprediget / und die Sacrament gehandelt werden / mit treuem Fleiß aus dem Wort Gottes; es auch gehoͤret und mit glaubigem Hertzen angenommen / und die Articul unſers Chriſtlichen Glaubens unverfaͤlſcht getrie - ben werden / daſelbſt ſtehet der Himmel weit offen / und iſt nicht mehr zugeſchloſ - ſen. Zuvor war der Himmel wol zu / ehe dann Chriſtus Menſch ward / aber nun iſt er wieder auffgethan / dieweil das Kindlein JEſus gebohren iſt / und die Engel den Hirten deß Nachts fuͤr der Stadt Bethlehem von dem Kindlein pre - digen und ſagen: Sihe wir verkuͤndigen euch groſſe Freude / euch iſt geboh - ren Chriſtus der Heyland / und ſingen drauff / Ehre ſey GOtt in der Hoͤhe / Frie - de auff Erden / und den Menſchen ein Wolgefallen ꝛc. Vnd von der Zeit an ſte -Achter Theil. Ohet106Die ſiebendehet der Himmel offen / und wir gehoͤren (wie S. Paulus zun Epheſern am an - dern Capitel ſagt) auch unter die Buͤrgerſchafft der Eugel. Vnd zun Philip - pern am 3. Capitel ſpricht St. Paulus: Wir ſind Buͤrger und Haußgenoſſen der Heiligen / und iſt unſer Buͤrgerſchafft nicht weltlich noch irꝛdiſch / ſondern droben im Himmel / von dannen wir erwarten deß Heylandes JESV CHRJSTJ ꝛc. daſelbſt iſt die Stadt und das rechte Hieruſalem / da wir Mitbuͤrger der Engel ſind und Haußgenoſſen / und Landſaſſen derer ſo im Himmel wohnen / und dariñ handlen und wandlen / die Engel ſehen herab auff uns / und wir ſehen wieder hinauff zu ihnen. Das wil Chriſtus ſagen / ihr ſeyd nun himmliſche Buͤr - ger / und habt nun euer Buͤrgerſchafft droben im himmliſchen Jeruſalem / und ſeyd in der Gemeinſchafft der lieben Engel / die ohn unterlaß zu euch auff und abfahren. Nun iſt Himmel und Erden ein Ding worden / und iſt eben ſo viel / als ſaͤſſet ihr droben / und die lieben Engel dieneten euch / denn ihr ſeyd ein Leib mit ihrem Herrn / ſie warten auff euch / ſie reden mit euch / und ihr mit ihnen / und fuͤhret alſo einerley Rede / ſingen unſerm HERRN GOTT / Gloria in excelſis Deo, das ſinget ihr auch / daß ihr zu den groſſen Gnaden kommen ſeyd / daß ihr Gottes Kinder und Erben / und Mit-Erben ſeines lieben Sohns / deß heiligen Geiſtes und aller Guͤter theilhafftig worden ſeyd. Das heiſt warlich nicht den Himmel zugeſchloſſen ſeyn / ſondern es iſt Thuͤr und Schloß hinweg gethan / und ohn unterlaß offen geſtanden / ob ich gleich mit den leiblichen Augen das nicht ſehe / wie ein Kuhe ein Thor anſihet / das ſchadet nicht / ſo ſehe ichs doch mit meinen geiſtlichen Augen deß Glaubens / das iſt mir lieber / denn wenn ichs mit meinen leiblichen Augen ſehe. Et pag. ſeq. 472. f. 1. Alſo ſehen wir noch den Himmel offen / ja wir wohnen ſelbſt im Himmel: Dann ob wir wol etlicher Weiſe in der Welt leben / ſo ſind wir doch geiſtlich angeſchrie - ben im Himmel / unter die himmliſchen Buͤrger / und haben unſern Wandel all - da fuͤr GOtt mit unſerm Gebet / im Glauben und im Goͤttlichen Wort / auch in den Sacramenten, wandlen in der Liebe gegen dem Raͤchſten / wachſen im Wort und Erkaͤntnuͤß Chriſti / nehmen auch zu in alle dem / was uns von noͤhten iſt zum ewigen Leben. Das iſt unſer himmliſcher Wandel / welchen der Glaub hie anfaͤhet / und iſt unſer Wohnung und Wandel im Himmel / leben allda wie Buͤrger / ob wir gleich mit dem Leibe noch auff Erden ſind / welcher denn hie in dieſem Leben durch das Creutz und den zeitlichen Tod muß gepantzerfeget wer - den. Hæc rurſus D. Lutherus.
〈…〉〈…〉ϑέαμαι Joh. 1, 32. ſicut in theatro maximâ attentatio - ne, admi - niſtratio - ne, oble - ctatione.
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Allein ligts an dem Glauben / daß wir recht anſchauen / wie Johannes mit geiſtlichen Augen ſich uͤber diß Geheimnuͤß hertzlich und inniglich erfreuet / mit Verwunderung geiſtlicher Weiſe in ſeinem eigenen Hertzen auffge - ſprungen / gleich wie er unter dem Hertzen ſeiner Mutter auffgehupfft.

Jch kan Chriſtum (ſind abermal Wort Lutheri Tom. 2. Isleb. p. 471. fac. 2.) von Angeſicht zu Angeſicht mit meinen leiblichen Augen nicht ſehen / und wenn ich ihn gleich auff dieſe Weiſe ſehen koͤnte / wie St. Stephanus ihn geſehen hat / ſo were mirs doch nicht ſo gewiß / als wann ich ihn im Glauben ſehe. Dann da darff ich meinen Mund auffthun / und mit hertzlichem Vertrauen beten und ſagen: Vater unſer der du biſt im Himmel; item ſprechen: du lieber GOtt ſey mir gnaͤdig / und erhoͤre mich um deines lieben Sohns JEſu Chriſti Willen;Vnd107Predigt. Vnd koͤnnen denn ſo gewiß beten / gleich als waͤre GOtt fuͤr unſeren Augen ge - genwaͤrtig. Ja wenn man GOtt im Glauben ſthet / ſo iſt das geiſtliche Geſicht gewiſſer / dann das leibliche ſehen / und ich wolte mir auch nicht ein ander Ge - ſicht wuͤnſchen / die Vrſach iſt dieſe / daß der Teuffel die Kunſt kan / und mir leichtlich ein Geplerꝛ und Geſpaͤnſt fuͤr meine leibliche Augen machen / daß ich meynete ich ſehe etwas gewiß / das ich doch nicht ſehe; item, daß ich meynete es were ein ſchoͤner Engel / und were doch ein Kohl-ſchwartzer Teuffel / wie denn der Exempel viel vorhanden ſind. Machet er ſich doch zu GOtt im Evangelio / da er Chriſtum in der Wuͤſten verſuchte / und fuͤrgab / er ſolte fuͤr ihm niderfal - len und ihn anbeten. Aber alſo kan er die geiſtlichen Augen deß Glaubens nicht betriegen / denn da verlaͤſt man ſich / und hanget an dem Goͤttlichen Wort / und durch das Wort ſihet mans / und laͤſt ihm kein Geplerꝛ fuͤr die Augen machen / denn das Wort iſt gewiß. Sonſt ſind unſere leibliche Augen viel zu tunckel / ſolche ſchoͤne Geiſter die Engel zu ſehen / der Glaub aber ſihet ſo ſcharff / daß er durch Wolcken und durch den Himmel / ja auch unſerm Herrn GOtt in ſein Hertz ſihet: dieſes ſehen wollen wir haben.

Dieſem Johannis Exempel nach ſollen wir auch (1.) anſchauen und erkennen die H. Drey-Einigkeit / als das Fundament uñ Grundfeſt unſers Heyls / mit Athanaſio bekennen und ſagen: Wer da wil ſe - lig werden / der muß vor allen Dingen den rechten Chriſtli - chen Glauben haben / drey Perſonen in einer Gottheit / und einen GOtt in drey Perſonen ehren. Der Sathan iſt die - ſem / wie allen andern Geheimnuͤſſen deß Glaubens / gram und abhold / were es bey ihm geſtanden / er haͤtte ſolchen Glauben laͤngſt ruinirt / auff - gehoben und in die Vergeſſenheit gebracht. Die Juden haben ſich druͤ - ber geaͤrgert / die Heyden und heutige Tuͤrcken haltens fuͤr eine Thorheit / (*) wir muͤſſen aſſociatores und Abgoͤtter ſeyn / als die wir an drey Goͤt -(*) Alcor. azoar. 82. ter glauben. Die alten Arianer und Photinianer widerfechten denſelben auffs hefftigſt. Die Arminianer wollens fuͤr kein Glaubens-Articul hal - ten / ſchelten Athanaſium als einen Freveler / der ſein Symbolum mit ſol - chen vermeſſenen Worten intonirt / wer da wil ſelig werden ꝛc. Die Syncretiſten wollens fuͤr keinen cotholicum articulum halten. Ei - ner und zwar der principal gibt fuͤr / Es habe dieſe Lehr mehr Safft und Krafft nicht / als die Frag / von der Tauff Johannis ob ſie vom Himmel ſey? Doͤrffens auch wol halten mit jenem Griechiſchen Kaͤyſer Manue - le Comneno, der nicht leyden wolt / daß man die Saracener und andere die die Drey-Einigkeit leugnen / ſolte verbannen und verdammen / dann ſagt er: Es iſt ja der Gott / an den ſelbige glauben / ein wahrer Gott. Ja alle unſere faule ignoranten haltens auch mit: Vnſer alte blinde faule Adam mag auch nicht von dem Himmel viel hoͤren und wiſſen; Drey Perſonen ſind ihnen frembde Goͤtter / wanns hoch kommt / ſo bleibts da -O 2bey /108Die ſiebendebey / daß man eben ſagen kan / es iſt nur ein GOtt / und drey Perſonen / was aber ein Perſon ſey und heiſſe / und wie ſolches zu erweiſen / und was wir von ſolchem Glauben an die H. Drey-Einigkeit fuͤr Safft und Troſt davon haben und ſchoͤpffen ſollen / da iſt altum ſilentium, da ſchreckt man die Gemuͤther / mit dem Knaͤblein welches Auguſtinum in die Schul gefuͤhrt; Jn dem daß er unterſtanden das groſſe Meer in ein kleines Gruͤblein zu gieſſen und faſſen / grad als wuͤrde das Stuͤck-wiſſen / durch die Unmuͤgligkeit vollkommelich zu begreiffen auffgehoben.

Hi homines (ita D. Gerh. Tom. 1. Locor. C. p. m. 395.) eodem impulſi Spiritu, ex quo pater ipſorum Servetus dicebat: facillimè conciliationem inſtitui poſſe, inter Alcoranum Mahometi, & doctrinam Eccleſia, ſi modo articulus de Tri - nitate tolleretur; & maxima commoda, quæ ex conjunctione illa exoritura eſſent, im - pediri: attrahi verò tristiſſimas vaſtationes regnorum, pertinaci illius Articuli defen - ſione. At maledicta ſit omnis, contta Dei honorem & veritatem, concordia! ()

Da doch ſolches Auguſtinus Epiſt. 205. hypobolimæa, in einem ſol - chen Brieff / der nicht aus Auguſtini ſondern frembder Hand und Sinn auffs Papier geklittert worden / ſolches referirt von Hieronymi Seel / die Auguſtinum abgehalten zu forſchen ſolche Ding / die in Gottes Wort klar nicht geoffenbart. Was geht aber das an die Wiſſenſchafft deſſen und ſo viel uns geoffenbart? Maſſen dann eben daſelbſt Hiero - nymi Seel viel Sachen von der H. Dreyfaltigkeit ſubtil und hell ent - deckt haben ſoll. (*)Verba ſunt in Epiſt. 205. p. 1003. Eodem die & hora, qua exutus pu - tredinis & immunditie carnis toga Hieronymus ſanctiſſimus veſtimentum per - petuæ immortalitatis, inæſtimabilis lætitiæ & gloriæ induit, eram Hipponæ in cellulâ meâ quieſcens, avidè cogitans qualis ineſſet animabus beatorum, qui cum Chriſto gaudent, gloriæ & lætitiarum quantitas, cupiens inde ex hâc mate - ria brevem componere Tractatum, precibus compulſus noſtri Severi quondam venerabilis Martini Turonenſis Epiſcopi diſcipuli, chartâ, calamo, pugillarique in manibus ſuſceptis, ut brevem ſcriberem Epiſtolam ſanctiſſimo Hieronymo de - ſtinandam, ut quicquid ex hoc ſentiret reſponderet. Sciebam enim in tàm dif - ficili quæſtione à nullo alio viventium me poſſe melius doceri & evidentius. Cumque jam ſcribens ſalutationis exordium Hieronymo prænotarem, ineffabi - le ſubitò lumen noſtris inviſum temporibus, noſtrisque minimè linguis decla - randum, cum ineffabili inauditâque odorum omnium fragrantia, cellulam in qua ſtabam, intravit, hora jam completorii. Quo à me viſo, ſtupore admi - rationeque commotus, animi & membrorum virtutes repente amiſi. Et mox pag. ſeq. 1004. pergit: Inter hæc autem meis in me perſtrepentibus cogitationi - bus, quid hoc eſſet, de luce hæc dicens verba vox emicuit: Auguſtine, Augu - ſtine quid quæris? putasne brevi immittere vaſculo mare rotum? brevi include -re

109Predigt.
(*)re pugillo terrarum orbem? cœlum firmare ne uſitatos exercear motus? quæ oculus nullius hominum videre potuit, tuus videbit? quæ auris nulla per ſonum hauſit, audiet tua? quæ cor humanum nullatenus intellexit, nec etiam cogita - vit, exiſtimas te poſſe intelligere? infinitæ rei quis erit finis? immenſa quâ men - ſura metieris? potius totum mare in arctiſſimo clauderetur vaſculo; potius ter - rarum orbem parvulus teneret pugillus; potius cœlum è motu continuo deſiſte - ret, quàm gaudiorum & gloriæ, quibus beatorum animæ ſine fine potiuntur, mi - norem intelligeres particulam, niſi, uti Ego, experientiâ docereris. Post pau - ca ibid. At ille inquit: Nomen meum quæris? Hieronymi illius presbyteri, cui transmittendam Epiſtolam jam ſcribens cœpiſti, ſum anima, quæ &c. Pluribus itaque horis (ſic pergit Auguſtinus ibid. p. 1005.) glorioſiſſima anima ibidem me - cum manens, Trinitatis ſanctiſſimæ unitatem: & Unitatis Trinitatem, Filii à Patre generationem, Spiritus S. à Patre & Filio proceſſionem, Angelicas hierar - chias & ordines, & eorundem beatorum ſpirituum myſteria, beatarum etiam animarum felicia gaudia, & alia utilia & gravia humanis intellectibus, quam ſubtiliter, quam evidenter & delectabiliter mihi patefecerit avido, ſi omnium hominum linguis loquerer, non explicarem ſermone. Deinde à meis oculis lux illa diſparuit. Sic ille.
(*)

Man weis gar wol / daß niemand das διότι erreichen wird / aber vom ὅτι ſteht geſchrieben Hebr. 11 / 6. Wer zu GOtt kom̃en wil / der muß glauben / daß er ſey / und denen die ihn ſuchen ein Vergelter ſeyn werde. Es iſt ja dieſe Offenbahrung am Jordan nicht verge - bens oder den Gaͤnßen geſchehen. Ignoti nulla cupido, wovon man nichts weiß / nach dem iſt niemand begierlich heiß. Zwar zu GOtt wil jederman kommen / aber gar wenig wollen ihn recht erkennen / die Welt hat ihre beliebte und ihr gar bekañte Dreyfaltigkeit / die heiſt:

Ambitioſus honos, & opes, & fœda voluptas:
Hæc tria pro trino Numine mundus habet.

Das iſt:

Ehr / Freud / Reichthum und Uppigkeit
Jſt der Welt Dreyfaltigkeit.

Darum auch der ſchnoͤden Welt / GOtt der HErꝛ zur Rach uͤber den Halß ſchickt drey ſchaͤdliche Reuter Apoc. 6. &c. Es bleibt dabey / ohne dieſe Erkantnuͤß kan niemand ſelig werden / dann das iſt das ewige Leben / daß ſie dich (O Vater) der du allein wahrer GOtt biſt / und den du geſand haſt / JEſum Chriſtum erkennen / ſagt Chriſtus Joh. 17 / 3. Ohne dieſe Erkantnuͤß kan niemand GOtt im Himmel recht ehren / dann wer den Sohn nicht ehret (als ei - nen gleich wahren GOtt mit dem Vater) der ehret den Vater auch nicht / der ihn geſand hat / ſagt er abermahl Joh. 5 / 23. Darum hat Lutherus den Rath gegeben / wann man beten wolle / ſollen wir un -O 3ſere110Die ſiebendeſere Sinn / Hertzen und Gedancken an den Jordan wenden und uns dero daſelbſt geſchehenen Goͤttlichen Offenbahrung andaͤchtig erinnern.

Wir ſollen (2.) hierauß ſchoͤpffen Fidei ἀσφάλειαν & fiducialem λαβὴν, die Glaubens-Verſicherung / und zuverſichtliches An - nehmen / auff dieſer drey Zeugen Zeugnuͤß unſern Glauben veſt gruͤn - den und bauen / wie Johannes gethan. Niemand wird genieſſen koͤnnen den Safft und Krafft / Frucht und Troſt / ſo auß glaubiger Erkantnuͤß er - waͤchſet / denn wer von rechtem Hertzen dieſen Articul glaubt / der hat zu - forderſt die ἀσ〈…〉〈…〉 λειαν und Gewißheit / da iſt allem Zweiffel und Ver - zweifflen gerathen; der kan nicht nur den Papſt und Paͤpſtiſche Kirch / mit aller ihrer antiquitaͤt / ſondern auch die Engel im Himmel provoci - ren und herauß fordern / wann ſie gleich Wunder und Zeichen thaͤten / ſo ſcheinbar / daß auch die Außerwehlten ſolten verfuͤhret werden. Den ſolt ihr hoͤren / ſagt der himmliſche Vater / was nun Chriſtus nicht ge - ſagt / wovon weder Vater noch H. Geiſt zeugen / das mag man von dem Becirck der jenigen Ding / die zu glauben noͤthig / getroſt außſchlieſſen.

Was darffs / moͤcht jemand ſagen / daß man ſo viel dicentes von dieſen Zeugen macht / wer wolts nicht glauben? Antwort: Es darffs gar wol / dann fuͤrs ein wiſſen wir / daß wenig ſelig werden Luc. 13 /(*) Chry - ſoſt. ſerm. 40. ad pop. Antioch. Tom. 5. p. 297. 23. Daher Chryſoſtomus (*) der eyfferige Biſchoff und Lehrer / eins - mahls zu ſeinen Zuhoͤrern zu Antiochiâ geſagt: Quot eſſe putatis in ci - vitate noſtrâ, qui ſalvi fiunt? Infeſtum quidem, quod dicturus ſum, dicam tamen! vix poſſunt in tot millibus centum inveniri, qui ſal - ventur, quin & de his dubito. Das iſt: Jhr lieben Leuthe / wie viel meynet ihr wol / daß in unſerer Stadt Antiochia ſelig werden? Es iſt zwar ein ſehr unangenehmes Wort / doch wil ichs und muß es ſagen: Vnter ſo viel tauſenden werden kaum hun - dert ſelig / ja ich zweiffel noch faſt an denſelbigen. Aber warum ſolches / was iſt die Urſach? ἀπιςία,〈…〉〈…〉 ἀπειϑία, der Unglaub. Sie wollen fuͤrs ander dieſen Mann nicht ſehen / in welchen jene geſtochen haben / wollen ihn nicht annehmen mit Glauben / andere wiſſen nichts von ihm / ja wollen nichts wiſſen / wagens mit ihrer Seligkeit auff gerath wohl / ſagen / ſie bleiben beym Buchſtaben / ut litera ſonat, bekuͤm̃ern ſich wenig um den rechten eigentlichen Verſtand deß Buchſtabens / und deſſen Behabung / halten darvor / wann einer ſchon in Glaubens-Sachen nicht viel verſteht / wann er nur ſo euſſerlich erbar und ehrlich lebt / ſo koͤnne er doch ſelig wer - den / er mag zu einer Religion fallen / wohin er woll / Streitſachen in der Religion ſeyen nur ein unnuͤtz Pfaffen-Gezaͤnck / ſey nicht noͤthig / daß ſichjeder -111Predigt. jederman damit belade. Wann wir uns umſehen / ſo ſchreibt ſich war - hafftig dieſer Wahn nirgend anderswo her / als auß dem Tuͤrckiſchen Al - coran und deſſen Urſprung / ſind alſo hierinn unſere Atheiſten gut Tuͤrcki - ſten. Was iſts dann Wunder / daß uns GOtt den Tuͤrcken auff den Halß ſchickt? Man darff ſolcher Lehr drittens auch zum Unterſcheid der falſchen verfuͤhriſchen Zeugen. Ein jegliche religion, ſie ſey ſo ſchlimm / als ſie wolle / die hat ihre Zeugen und Lehrer darauff ſie ſich berufft; an ſtatt der drey himmliſchen Zeugen / die in der Lufft ſchwebende Jrrgeiſter / denen St. Judas die Flader-Geiſter und verfuͤhriſche Lehrer vergleicht. Jm Papſtthum gelten gar viel in dem Beeirck der Zeugen / die Patres und Matres, Jgnatius / Franciſeus / Brigitta / ꝛc. deren Zeugnuͤß iſt bey ih - nen hoch gehalten: da doch ſolche Zengen nicht allzeit uͤberein ſtimmen / und nach Menſchen-Biſam riechen; Ja es wird gar deß Vaters der Luͤ - gen / deß Teuffels Zeugnuͤß und Rath erſucht. Sonderlich muͤſſen die Beſeſſene hierzu ihre Dienſt leiſten /

Bekant ſind die Fragen / die man den Beſefſenen fuͤrhaͤlt: wer der ein - wohnende Geiſt ſey und wie er heiſſe? Wer ſeine Complices und Geſel - len? Auß waß Vrſach er in dieſes Neſt gezogen? welchen Engel oder Heiligen er am meiſten fuͤrchte? welche heilige Worter am meiſten ſcheue? welcher Teuffel in der Hoͤll ſein aͤrgſter Feind ſey? welchen Teuffel-Ban - ner er erwoͤhle / der ihm wehe thue? welcher Geiſt ſein principal und O - berfuͤrſt / der ihm zu gebieten hab? Alſo iſt es nichts neues im Papſtum / die Teuffel in den Beſeſſenen vermeinter Weiſe zur Antwort auff Fragen / dadurch allerhand Aberglauben beſtaͤtiget werden moͤchten / anzuhalten / und zu zwin - gen. Damit vor Zeiten Dominicus der Patriarch und Stiffter deß Prediger -Apud Al - phonſ. Fernand. concert. prædicat. An. 1213. Ordens ſeinem Roſario, oder neu auffgebrachten Roſen-Krantz einen Schein uñ Anſehen machen moͤchte / zwinget er die Teuffel / daß ſie auß den Beſeſſenen ſchreyen muſten: Hoͤret zu ihr Chriſten / ſagten die Teuffel / was Dominicus unſer grauſamer unerſaͤttlicher Feind und Verfolger / von Maria und ihrem Roſen-Krantz verkuͤndiget und geſagt hat / das iſt allzuwahr / und ihr ſolt wiſſen / daß wegen euers Vnglaubens euch ein groſſe Straff und Vngluͤck bevorſtehe / wo ihr nicht indeſſen ſeinen Thaten und Wor - ten Glauben werdet zuſtellen. Es ſey euch kund / daß viel glaubige Chriſten wider alles Recht ſelig werden / die da in ihrer letzten Todes - Stund Mariam angeruffen. Vnd als er ferner angehalten zu fragen / welchen Heiligen im Himmel ſie am meiſten fuͤrchten? und ſie aber mit der Sprach nicht alsbald herauß gewolt / ſo rufft er die Jungfrau Mariam an / in Krafft deß H. Roſen-Krantz / ſie wolte die Teuffel zu Red und Sprach und Auſſag der Warheit treiben. Worauff ſie die glorwuͤrdigſte Jungfrau / begleitet mit mehr als hun - dert Englen / erſchienen / mit einer guldenen Ruth auff die beſeſſene Perſon / ſo von funffzehen tauſend Teufflen eingenommen geweſt / geſchlagen und geboten / ſie ſollen die Warheit auſſagen / auff alle die Fragen / die ihnen Dominicus fuͤr - hielt / da haben ſie anfangen hell laut zu ſchreyen: O du Feindin der Teuffel /O du112Die ſiebendeO du Verdammerin derſelben / die uns zu Spott bringet / warum biſtu vom Himmel kommen / daß du uns quaͤleſt? Hierauff außgeſagt / was Do - minicus begehrt zu wiſſen / unter andern auch dieſe Wort von ſich hoͤren laſſen: Vber das bekennen wir auch / aus hoͤchſter Noth gezwungen / daß kei - ner der jenigen hoͤlliſche Schmertzen fuͤhlen doͤrffe / die ſich im beten an ſeinem Roſen-Krantz fleiſſig geuͤbet. Als der Teuffel in einem Beſeſſenen(α) Ann. 713. n. 11. (*) Ann. 1384 n. 4. conf. 1308 n. 1. ſich geruͤhmet / er ſey ein Befoͤrderer Philippi, hat Baronius (α) dabey ange - merckt / daß man darauß erkenne und hoͤre / wer da ſey ein Befoͤrderer und Vr - heber der Kaͤtzeriſchen Fuͤrſten. Bzovius (*) erzehlet / daß ein Prieſter auff ein Zeit nach vielen Beſchwoͤrungen den Teuffel endlich dahin getrieben / daß er frey herauß geſagt / nicht Clemens ſondern Urbanus beſitze mit Recht und Fug den Paͤpſtiſchen Stuhl / dann / ſagt er / Jch und andere haben angeſtifftet / daß die Frantzoͤſiſche Cardinaͤl einen anderen / der ſich nur alſo genennet / er - wehlet / welche Ding bey vielen Vrſach geweſt / daß ſie Urbano beyge -Ap. Tur - ſellin. lib. 2. hiſt. Lauret. cap. 7. pflichtet / und ſich unterthaͤnig erzeigt. Nachdem im Jahr 1489. zu Loreto von einer Weibs-Perſon / ſo mit ſieben Teufflen beſeſſen geweſen / der letſte und aller hartnaͤckigſte Geiſt / Arctus genennet / durch den Exorciſten und Teuffels - Banner außgetrieben / und er im Nahmen der Mutter Gottes gefragt worden / was St. Loret fuͤr ein Orth ſey? Hab er geantwortet / diß ſey der Gottes-Ge - baͤhrerin Kammer und Gemach / darin ſie nach dem Engliſchen Gruß den Sohn Gottes empfangen / und mit mehrerm bejachzet / er muͤſte hiemit die War - heit ſagen. Worauff der fuͤrwitzige Teuffels-Banner noch ferner an dieſen Ar - ctum geſetzt / ut ex mendacii patre verum exſculperet, daß er aus dem Vater der Luͤgen die Warheit erpreßte / zu erforſchen wo und in welchem Eck und Stell ge - melter Kammer die Jungfrau Maria den Gruß empfangen? Deſſen wurde er auch berichtet. Item zur Zugab hat er durch ebenmaͤſſigen Teuffels-Bann und Zwang bekennet und außgeſagt / es ſeye dieſe Cell oder Gemach der Mutter Got - tes / ehe und dann dieſelbe von Nazareth außgewichen / den Carmeliter Ordens -(*) Part. 2. Anatom. A. C. de - monſtr. 9. §. 135. (β) Part. 2. Anat. A.C. demonſtr. 9. §. 133 confer Bel - larm. lib. 2. de Imag. cap. 12. Quid? quod ipſe &c. Eſa. 8, 19. 2. Reg. 1, 3. Marc. 3, 29. Leuthen zur Pfleg und Verſorgung vertrauet worden. Der Jeſuit Tannerus (*) indem er erweiſen will / daß die Teuffel bey dem Grab Chriſti / oder anderer Heiligen Graͤber / vertrieben und gequaͤlt werden / ſchreibt er alſo: Wann wir uns ſelber nicht wolten Glauben zuſtellen / ſo ſollen wir doch dem Teuffel und ſeinen Englen glauben / welche ſo offt ſie von den Beſeſſenen außge - trieben werden / gleich als ſtuͤnden ſie vor dem Richter-Stuhl Chriſti / erzittern und erſchreck ich bruͤllen / und hoͤchſt betrauren / daß ſie den je - nigen gecreutziget / den ſie foͤrchten. Thuanus (β) bringt ein gantz Regiſter auff allerhand abentheurlichen Fragen / welche Petrus Cottonus von dem Teuf - fel / der ein Maͤgdlein / Hadriana Fraxinéa genannt / zu Pariß Anno 1604. beſeſ - ſen / geforſcht unter andern / welches in der H. Schrifft das helleſte Zeugnuͤß ſeye / daraus das Fegfeur und Anruffung der Heiligen zu erweiſen? Wir ſagen hiezu / pfui der Greuele! Soll nicht ein Volck ſeinen Gott fragen? Jſt dann kein Gott mehr im Him̃el / daß ihr hingehet zu fragen Baal-Sebub den Gott zu Ekron? Soll man von der Finſternuͤß ein Liecht anzuͤnden? Hat uns dann unſer erſte Mutter nicht genug gewitziget / da ſie ſich in ein gefaͤhrlich Geſpraͤch mit der Paradiß-Schlangen eingelaſſen? St Paulus hat nicht vergebens beſor - get 2. Cor. 11 / 3. Daß nicht / wie die Schlang Hevam verfuͤhret mit ihrerSchalck -113Predigt. Schalckheit / alſo auch der glanbigen Sinne verrucket werden / von der Einfaͤltigkeit in Chriſto. Wiſſen wir nicht was der Teuffel im Sinn hat? Der mit Chriſto nimmer uͤbereinſtimmen / noch ihm ſelber und ſeinem Reich zu Schaden / die Menſchen etwas gutes lehren / ſondern als ein abgeſagter Seelen - Feind / alles zu ihrem ewigen Vntergang richten werde / und dahin trachten / daß er durch Luͤgen und Argeliſt ſie von der Einfaͤlti gkeit in Chriſto abfuͤhre. Es hat ja Chriſtus der Herr die Teuffel / wann ſie reden wollen / betraͤuet und heiſ - ſen ſtumm ſeyn: Vnd da einsmals der Teuffel ein Lehrer ſeyn wolte / und einen Apoſtel verweſen / ja Chriſto einen Fuchsſchwantz ſtreichen / ſchreyend und ſpre - chend: Du biſt Chriſtus der Sohn GOttes / ſo zwingt er ihn nicht fort die Warheit zu bekennen / ſondern betraͤuet ihn und laͤßt ihn nicht reden / der ſchnoͤde Luͤgen-Geiſt ſolt ſein Apoſtel nicht ſeyn / welcher wann er gleich nicht luͤget / ſo truͤget er doch / und ſuchet durch die Auſſag der Warheit ſeinen Vortheil im Luͤgen - Reich zu beſtaͤtigen / und den Menſchen den Wahn beyzubringen / als waͤr er mit Chriſto eins und hielte gute Freundſchafft mit demſelbigen / conſequenter waͤre Chriſtus nicht der verheiſſene groſſe Schlangen-Feind und Schlangen-Tretter / Chriſtus ſteh in gutem Verſtand mit dem Beelzebub / durch den er auch andere Teuffel außtriebe. Dergleichen da der Wahrſager-Geiſt von St. Paulo und ſeinem Collega zeugen wollen / ſagend: Dieſe Menſchen ſind Knechte GOt - tes deß Allerhoͤchſten / die euch den Weg der Seligkeit verkuͤndigen / ſo that es Paulo wehe / er geſchweigt ihn bald / wil ihn nicht laſſen reden / weniger zwingt er ihn zu reden.

Wir halten uns im Gegentheil feſt an Zeugen / die weder luͤgen noch truͤgen koͤnnen / an das Drey-Einige Zeugnuͤß der drey himmliſchen Zeu - gen / wie daſſelb in H. Schrifft erſchallet. Wir muͤſſen aber auch in der Schaal unſerer Hertzen den jenigen Troſt-Tau / der auß dem himmliſchen Zeugnuͤß und influentz flieſſet / wol faſſen und auffheben / dieſe edle Zeugen und Gaͤſte nicht von uns ſtoſſen / ſondern Wohnung machen laſſen Joh. 14. und ihre holdſelige Freundſchafft mit Freuden annehmen. O derconf. Lact. c. part. 4. pag. 268. ſeligen Freundſchafft / deren ein glaubiger Menſch hiedurch theilhafftig wird! Hie amicitiæ teſſera! Joh. 15, 15. ſagt der Herr / Jhr ſeyd meine Freunde / ſo ihr thut was ich euch gebiete: Jch habe geſagt / daß ihr Freunde ſeyd / dann alles was ich hab von meinem Vater gehoͤret / hab ich euch kund ge[than]n. Solte dann dieſes ein geringes ſeyn / daß wir GOttes Freunde heiſſen? Da ligts alles an (ſchreibt Lutherus Tom. 7. Jen. Germ. pag. 105. fac. 2.) wie wir allzeit ſagen / daß es alſo von oben herab komme von dem Vater / durch Chriſtum / und durch Jhn wieder hinauff gehe. Denn der Sohn kom̃t von dem Vater herunter zu uns / und henget ſich an uns / und wir hengen wiederum uns an Jhn / und kommen durch Jhn zum Vater. DennAchter Theil. Pdarum114Die ſiebendedarum iſt Er Menſch worden / und gebohren von der Jung - frauen Maria / daß Er ſich ſolte unter uns mengen / ſehen und hoͤren laſſen / ja auch fuͤr uns ſich creutzigen und toͤdten laſſen / daß er uns alſo zu ſich ziehe / und an Jhm halte / als da - zu geſandt / daß Er die / ſo an Jhn glauben wuͤrden / hinauff zoͤge zum Vater / wie Er in dem Vater iſt. Dieſe Ketten hat Er gemacht zwiſchen Jhm und uns / und dem Vater / und uns drein geſchloſſen / daß wir nun in Jhm ſind / und Er in uns iſt / gleich wie Er im Vater / und der Vater in Jhm iſt. Durch ſolche Einigkeit und Gemeinſchafft / iſt unſer Suͤnd und Tod abgethan / und haben dafuͤr eitel Leben und Selig - keit. Sonderlich fleußt hierauß Troſt wider alle falſche Zeugen / die manchmal wider einen Unſchuldigen auffſtehen / ſein gut Gericht und Zeugnuͤß / ſo er bey der Erbaren Welt erlanget / abzuſchneiden. Deß laſ - ſe ſich ein frommer Chriſt nicht befrembden / weil es ſeinem unſchuldigen Herrn Chriſto auch nicht anders ergangen. Hat Jhm nicht der Luͤg - ner der Sathan ſein himmliſches Zeugnuͤß / das vom Himmel herab er - ſchollen / in diſputat gezogen und geſagt: Ey biſtu GOttes Sohn? Das bilde dir nicht ein; Die Stimme vom Himmel iſt ein bloſſes Spiegelfech - ten geweßt / daſſelbe Zeugnuͤß gilt nicht. Drum wirds gewißlich der Sa - than Chriſti Gliedmaſſen auch nicht ſchencken / und wiſſen allerley falſch Gezeugnuͤß wider ſie auffzubringen. Jnnerlich in unſerm Buſen haben wir auch einen Zeugen / Teſtimonium conſcientiæ, das Zeugnuͤß deß Gewiſſens / welches bißweilen falſch zeuget; Der Menſch iſt ihm ſelbſt biß - weilen allzu ungnaͤdig / das Gewiſſen ſchreyt / wie Cain: Meine Suͤnd ſind groͤſſer / als daß ſie mir koͤnnen vergeben werden / GOtt wendet ſein gnaͤdiges Angeſicht von mir / ach ich bin verdampt! Aber dawi - der iſt gut das him̃liſche Goͤttliche Zeugnuͤß / da der himmliſche Vater ſagt: nolo, nolo, Jch wil nicht verdam̃en / hab ich euch meinen Sohn geſchenckt / warum ſolt ich mit Jhm nicht alles ſchencken? Der Sohn ſagt: Jch tilge deine Sůnde Eſa. 43. Kommet her zu mir alle ꝛc. Matth. 11. Der H. Geiſt gibt Zeugnuͤß unſerm Geiſt / daß wir GOttes Kinder ſeyen Rom. 8 / 16. Er ſpricht durch ſeinen außerwehlten Ruͤſtzeug St. Paulum: Das iſt je gewißlich wahr / und ein theur werthes Wort / das JEſus Chriſtus kom - men iſt in die Welt / die Suͤnder ſelig zu machen 1. Tim. 1 / 15.

Jn der Welt gehts ungleich mit Zeugen und Zeugnuͤſſen her / da wird gefehlt ſo wol in exceſſu, als in defectu, da blaſet man durch com -men -115Predigt. mendatitias und Lob-Brieff die Leuth auff / daß ſie groͤſſer ſcheinen als ſie in der Warheit ſind / auß affecten und blinder Gunſt / quiſquis amat ra - nam, ranam putat eſſe D[i]anam; In defectu fehlt Jeſabel / die wider den unſchuldigen Naboth gar ein falſches Zeugnuͤß außblaſen laſſen / deßglei - chen thun die alten Schaͤlcke wider die keuſche Suſannam. Stephanus / wie auch viel andere H. Maͤrtyrer / haben leiden muͤſſen / daß falſche Zeu - gen wider ſie auffgetretten und verklaget. Die Phariſeer ſuchten Gele - genheit den JEſum von Nazareth auß dem Mittel zu raͤumen / und that ih - nen wehe / daß ſie ſolche Gelegenheit nicht finden kunten / ſpinnten dero - wegen auß ihnen ſelbſt / wie die gifftige Spinnen / falſche ſuſpiciones, ſetz - ten Pilato ein Floch ins Ohr / mit dem Wort / Er werde deß Kayſers Freund nicht bleiben: Pilatus achtet die Warheit nicht / die Ratio ſtatus tringt vor / und muſte der unſchuldig Verklagte mit unerweißlichen falſchen Zeugnuͤſſen belegte JEſus ans Creutz. Nun der falſchen Zeu - gen gibts viel in der Welt / allerley heimtuͤckiſche Suſurranten, ein ſeitige Informanten, Gifftgaͤllige Calumnianten, ſchaͤdliche Incendiarii und Mordbrenner / deß Teuffels Apoſtel. Dawider aber iſt gut Jobs Spruch / Stephani Himmels-Schau / Davids Wunſch; Job ſagt: Mein Zeug iſt im Himmel. Er ſteht mir zur Rechten / mich zu retten / gedenckt Stephanus. David wuͤnſcht Pſal. 86 / 17. HErꝛ thue ein Zeichen an mir / daß mirs wol gehe (reiß mich den Calumnien auß den Zaͤh - nen herauß) daß es ſehen die mich haſſen / und ſich ſchaͤmen muͤſ - ſen / daß du mir beyſteheſt / HErꝛ / und troͤſteſt mich / Amen.

Die achte Predigt / Von Den drey Zeugen auff Erden.

GEliebte in Chriſto. Jn was Habit / KleidungApoc. 11, 3. und Liberey / und zu was Zweck und End die beyden theuren Zeugen der Warheit / die H. Maͤnner / deren die Welt nicht werth geweſen; die beſtaͤndige groß - muͤtige Glaubens-Helden und Widerſprecher deß Antichriſts / die Blut-Zeugen JEſu Chriſti angethanP 2geweßt116Die achtegeweßt / auffgezogen und Johanni erſchienen / in der Offenb. Joh. cap. 11 / 3. Nemlich in Saͤcken / verſtehe nicht nach dem Buchſtaben / in Weydt - oder Korn-Saͤcken / ſondern nach Art der Schrifft / in ſchlechten nachguͤltigen Traur - und Leid-Kleidern / nach dem Exempel der dreyen Elias; deß erſten deß Thesbiten / der in rauchen ungegerbten Fellen einher gan - gen / die Lenden mit einem Ledern Guͤrtel umguͤrtet getragen; deß andern der im Geiſt und Krafft Eliæ erſchienen / Johannis deß Taͤuffers / der auch in einem rauchen Camelhaͤrigen Zeug / ſo mit einem Ledern Lenden - Guͤrtel umguͤrtet war / in ſeiner Wuͤſten herum gewandert; Wie auch Lu - theri deß dritten teutſchen Eliæ / der in einer rohen und ſchwartzen Muͤnchs-Kutten Anfangs ſeine theſes wider den Ablaß angeſchlagen. Ja nach dem Exempel deß treuen warhafftigen Zeugen uͤber alle Zeugen / deß groſſen Propheten Chriſti / der ſo bald Er gebohren / in die σπάργανα und zerriſſene Hader-Lumpen eingewickelt / folgends in dem Hoff Herodis mit einem weiſſen Narren-Kleid verſchimpfft / im Richthauß Pontii Pilati mit einem alten abgeſchabnen / abgetragenen Purpur-Mantel verhoͤnet worden. Alles zu dem End / daß ſie mit ſolchem Auffzug und Liberey ſeyen und gehalten werden / als

(I.) Indices diſtinctivi & ſeqveſtri Babylonicæ nymphæ, Zeiger und Widerleger deß praͤchtigen Huren-Schmucks / der Roͤmiſchen Widerchriſtiſchen Tochter Babylon. Gleichwie dieſe μ〈…〉〈…〉 πολλ〈…〉〈…〉 ς ϕαν〈…〉〈…〉 ασίας, das iſt / in vielem vanitaͤtiſchen Gepraͤng Act. 25, 23. im guldenen Stuͤck / Scharlacken und Roſinroth / mit Gold / Edelgeſtein und Perlen Apoc. 17, 3. auffgezeichnet / dero Zeug und Weibel der Roͤmi - ſche Pabſt in einer dreyfachen guldenen Cron / die Cardinaͤl in ihren rothen koͤſtlichen Purpur-Galeren; Die uͤbrige Cleriſey in ihren Proceſſionen und Umgaͤngen / in Caroſſen / auff Caballen / in herꝛlichem comitat und pomp daher ſtutzen / ja der gantze Goͤtzendienſt in Koͤniglichem Kirchen -Chriſti Auffzug vid. Luth. Tom. 2. Iſleb. pag. 409. Luc. 17. v. 20. & 21. Pracht / Meßgewand und dergleichen / prangen. Alſo im Gegentheil die Zeugen der Warheit ziehen auff nach dem Exempel ihres Haupts in ſchlechtem geringen unanſehnlichen Habit / damit ſie wuͤrcklich und thaͤtlich bezeugen / wahr ſeyn / was Chriſtus ihr prodromus geſagt: Das Reich Chriſti komme nicht mit aͤuſſerlichen Geberden; ſeiner Braut Schmuck ſey inwendig.

(II.) Illices pœnitentiæ, Traur-Angſt - und Buß-Pre - diger / die ihres Hertzens affect, Angſt / Schrecken / Trauren / ſo ſie auß Betrachtung der Furcht deß Goͤttlichen Zorns uͤber die gottloſe Welt con - cipirt / hiemit zu erkennen geben / dieſelbe auffzuwecken und zu ermuntern /daß117Predigt. daß ſie gleich den Niniviten / mit Angſt-Saͤcken ſich verhuͤllen / Buſſe thun / ſich bekehren von den boͤſen Wegen / und vom Frevel der Haͤnde / auff daß es auch Gott reue / und von ſeinem grimmigen Zorn ſich wende.

(III.) Vaſa gloriæ, Ehren-Gefaͤſſe. Sintemal Gott / der Gott iſt und nicht Menſch / jederzeit ſeinen groͤſten Pracht und Macht in minimis creaturis in den geringſten Geſchoͤpffen und Wercken erzeigt / in das jenige / was vor der Welt veracht / ſeine beſte Schaͤtze und Gaben gelegt; Wer war verachter als das JEſus-Kind / das in zerriſſenen Windlen gewickelt da gelegen / davon wir ſingen:

Der Sammet und Seiden ſein /
War grob Heu und Windelein.

Und war doch derſelbe der Tempel der gantzen Goͤttlichen Fuͤlle / das rechteCol. 2, 9. gazophylazium aller himmliſchen Schaͤtze und Guͤter. Alſo ſeyen ſie auch teſtacea vaſa, die ihren Schatz in irꝛdiſchen Gefaͤſſen tragen / je ſchwaͤ - cher der Werckzeug / je groͤſſer der Schatz und die Tugend: Dann der Herr wil in den Schwachen maͤchtig ſeyn und ſeine Krafft erweiſen.

Jn was ſchlechtem Habit und credit, ſag ich / in was geringer Li - berey und Auffzug / und zu was Zweck und End beſagte Zeugen der War - heit angethan und auffgezogen; Eben das iſt auch der jenige Habit / in wel - chem die drey Sacramentliche Zeugen St. Johannis ſich her fuͤr gethan und noch thun. Sie zeugen auff und durch Erden; der Herr JEſus Chriſtus am Creutz nacket und bloß komt zu uns mit Waſſer und Blut be - kleidet und verhuͤllet / in geringen ſchlechten Elementen / das iſt ſein Pracht / auch damit ſeinen Gottesdienſt und Sacramenta zu unterſcheiden / von dem Schmuck der rothen Braut zu Babylon / deren Abgott Maozim in der Monſtrantz und Meßgewanden gezieret / mit Edelgeſtein / Gold / Sil - ber und Perlen / illic luxus & faſtus, hîc fletus & gemitus. Der Zweck iſt maͤnniglich zur Buſſe zu locken mit dieſem Traur-Habit / dabey kein luxus und aͤuſſerliches Prangen Platz hat / zur Goͤttlichen Traurig - keit; Auch den Geiſt ſamt Waſſer und Blut zu recommendiren / als ſolche Ehren-Gefaͤße / in welchen unterſchiedlich groſſe Schaͤtz und Gnaden-Ga - ben in himmliſchen Guͤtern beygelegt. Alles auff Art und Weiſe / wie wir ferner zu vernehmen haben. Wir haben neulich uns in den Himmel er - ſchwungen / und daſelbſt notirt und beſchauet Primam choréam teſtium nobiliſſimorum, das Erſte gedritte der alleredelſten himmliſchen Zeu - gen; jetzt wollen wir uns herab ſencken auff die Erden / und beſchauen alte - ram Triadem teſtium (κα〈…〉〈…〉 ὄψιν) viliſſimorum, den andern ReyenP 3der118Die achteder aller geringſten und nachguͤltigſten Zeugen auff Erden. Dort auctorem und Urheber der H. Sacramenten / hie miniſtros & or - gana, die Werck-Zeugen; Dort teſtes perſonales, Perfoͤnliche Zeugen / hie zween figuratos, reales & mutos, figuͤrliche / wuͤrckliche und zum theil ſtumme / wiewol ſie den dritten Zeugen als Dolmetſchen mit ſich bringen / den Geiſt / der da erklaͤrt / was jene bedeuten. Der Herr wolle uns auch zu dieſem Spectacul und Glaubens-Schau mit dem Liecht und Gnad ſei - nes werthen H. Geiſtes kraͤfftig anleuchten und einſcheinen / Amen.

SO ſind nun in der andern Choréa die Zeugen / welche St. Jo - hannes / ſein Evangelium zu beſtaͤttigen / producirt und einge - fuͤhrt / drey unterſchiedliche benamſte (1.) der Geiſt / verſtehe nicht den hohen / obern / himmliſchen / Goͤttlichen Geiſt / den Geiſt der GOtt ſelbſt iſt vom Vater und Sohn außgangen / als welcher unter die himmliſchen Zeugen gehoͤrt / den St. Johannes klar von dem Geiſt auff Erden unterſchieden / durch das Epitheton und zugeſetzten Namen San - ctus, der H. Geiſt; und dann durch die angedeutete correlation deß Geiſtes der da zeuget / und deß Geiſtes von deme gezeuget wird. Der Geiſt / nemlich GOtt der H. Geiſt / der zeuget / daß Geiſt / das iſt / der ſub-ordinirte Unter-Geiſt / Warheitſeye. Auch nicht ein Eng - liſcher Geiſt / als welcher kein πολυϖράγμων, ſein Ampt iſt ſchuͤtzen / und nicht zeugen. Darum nachdem er bey Cornelio dem Hauptmann ſein Bottſchafft abgelegt / hat er hierauff denſelben an Simon Petrum gewie - ſen / der habe Wort deß Lebens / den ſoll er hoͤren / und vernehmen was der Geiſt durch ihn zeugen werde. Viel weniger ein boͤſer Geiſt / der leidige Teuffel und Vater der Luͤgen / welchem Chriſtus das Zeugen und Apoſtel-Ampt verbotten und heiſſen ſtumm ſeyn / auch wann er gleich die Warheit ſagen ſolte / auch wann er gleich als ein Engel deß Liechts erſchei - nen wuͤrde Luc. 4. Sondern Geiſt heißt metonymicè, ein geiſtli - cher Mann / qui omnia judicat, ein Prophet / Apoſtel / Lehrer / Predi - ger / die wir noch heutigs Tags die Geiſtlichen nennen / als deß Geiſts organa mit χαρίσμασι und Ampts-Gaben deß Geiſtes außgeruͤſtet. Und wird in ſolchem Verſtand nicht allein von Paulo 1. Tim. 4 / 1. da er von verfuͤhriſchen Geiſtern / das iſt / Lehrern propheceyet / ſondern auch von Johanne unterſchiedlich mal in beſagtem Verſtand geleſen 1. Joh. 4 / 1. ſq. Glaubt nicht einem jeglichen Geiſte / das iſt / Lehrer. Und gehoͤren demnach in dieſen Reyhen zu vorderſt der groͤſte / ſo von Weibern gebohren / Johannes der Taͤuffer / der nicht in die ferne hinauß geweiſ - ſaget / ſondern mit Fingern gezeiget und gezeuget von dem gegenwaͤrtigenLamb119Predigt. Lamb GOttes Joh. 1 / 7. Sihe das iſt GOttes Lamb / welches der Welt Suͤnde traͤgt. Nach demſelben / die vorerwehlte Zeu - gen / die H. Apoſtel / Luc. 24 / 48. Sonderlich Johannes der H. Evan -Luc. 24, 48. conf. Act. 1, 8. 22. cap. 2, 32. cap. 10, 39. cap. 22, 15. geliſt / welcher gemma in hoc annulo: das Edelgeſtein in dieſem Ring geweſen Joh. 19 / 35. cap. 21 / 24. Und dieſen allen nach alle warhafftige / getreue / ſubordinirte / mit χαρίσμασι und Gaben deß Geiſtes außgeruͤ - ſtete / bewaͤhrte Doctores und Lehrer der Kirchen / das miniſterium und Predigampt heißt nicht vergebens das Ampt deß Geiſtes / 2. Cor. 3 / 6. der da (neben dem Waſſer und Blut) zeugen und bleiben wird ewiglich ſo lang und viel der Herr kommen wird Joh. 14 / 16. Son - derlich aber in articulo abſolutionis, wann er im Ampt ſtehet der Abſo - lution, als dem hoͤchſten Gipffel deß Evangelii / daſſelbe in particulari zu appliciren. Die Blum und der Außſchuß unter ſolchen Zeug-Geiſtern / ſind die jenige Lehrer oder Geiſt-Zeuge / die mit ihrem Blut und Tod dem Evangelio ſind zu ſtatt kommen.

(2.) Aqua, das Waſſer / iſt der ander irꝛdiſche Zeug. Nicht ein jedes gemeines bloſſes Waſſer / als welches die hohe prædicata nicht ſuſtiniren kan / welche dieſem Waſſer beygelegt werden / als da ſind / das Waſſer deß neuen Bundes eines guten Gewiſſens mit GOtt / das Tauff - Waſſer / das Waſſerbad im Wort / Eph. 5 / 26. Und (3.) das Blut / ſc. JEſu Chriſti deß N. Teſt. im Wein deß H. Abendmals außgeſpendet / das Kleinod mit dem Buͤchſel ſo zu reden: Gleichwie unter dem Waſſer auch das contentum, der mit dem Waſſer vereinbarte Geiſt zu verſtehen / alſo in dem Blut das continens der Wein / ſynecdochicè das gantze Sacrament deß Abendmals: Gleichwie in der uralten Kirchen das gantze Sacrament / Sacramentum calicis ab una parte denominirt / und doch damit das gantze Sacrament verſtanden worden. Daß aber deß Blutsvid Aug. Lib. 4. de Doctr. Chriſt. c. 21. adde Caſaubon. ad Baron. pag. 523. allein / und nicht auch deß Weins gedacht worden expreßè, iſt ohn Zweif - fel geſchehen / dieweil hiemit der Geiſt GOttes als præſagus, dem Calvi - niſchen Jrꝛgeiſt hat vorbiegen wollen / und ſeine Fuͤnd widerlegt / ehe er ſie außgebruͤtet / oͤffentlich hiemit anzuzeigen / daß nicht bloß im Sacrament der Wein / ſondern auch zugleich das Blut auff Erden ſey / und alſo zeuge wo es iſt / nemlich auff Erden. Dieſe drey zeugen nun / zween wuͤrcklich und thaͤtlich / der dritte aber muͤndlich / als der Interpres und Anzeiger / zu was Ende Waſſer und Wein fuͤrhanden.

Dieſe drey Zeugen ſag ich / ſind II. Teſtes viliſſimi κα〈…〉〈…〉 ὄψιν, dem aͤuſſern Augenſchein und Augenfall nach ſchlechte / unedle / geringe und nachguͤltige Zeugen / terrei irꝛdiſche Zeugen / ſo weit von den vorigenhimm -120Die achtehimmliſchen Zeugen unterſchieden / als der hohe Himmel ſelbſt von der un - terſten Erden. Quid terrâ vilius? Welches Element iſt tieffer / nide - rer / ſchwaͤrtzer / groͤber / garſtiger / unflaͤtiger und daher geringer / als die Erd? So gar daß man ſie pflegt mit Fuͤſſen zu tretten. Wann GOtt der Herr unſern ſtoltzen hochmuͤtigen Vater Adam demuͤtigen / und ihme ſeine nichtige Gebrechlichkeit / und geringen Urſprung fuͤr Augen ſtellen wollen / ſo ſagt Er: du biſt Erd! Gen. 3. Du haſt dir nichts einzubil - den / du biſt kein Engel deß Liechts / der unmittelbar auß nichts erſchaffen; Sondern Erd iſt dein Urſprung. Jch bin Erd und Aſch / ſagt dort der demuͤtige Abraham Gen. 18. Eben ſolcher Art / Adel und Herkommen ſind auch dieſe drey Zeugen. Lehrer und Prediger heiſſen teſtacea vaſa 2. Cor. 4 / 7. Wir tragen / ſagt der Apoſtel / ſolchen Schatz in irꝛ - diſchen Gefaͤſſen: Der Geiſt / oder die χαρίσμα〈…〉〈…〉 die in ihnen woh - nen / tragen ſie in ihrem Leib / als gebrechlichen Toͤpffen oder Kruͤgen. Sie zeugen in loco terræ auff der Erden (〈…〉〈…〉ν γῆ, pro,〈…〉〈…〉 γῆς, per terram Matth. 5, 35. Rom. 5, 9. Coloſſ. 2, 18. per terrena organa, per terrenam2. Tim. 4, 13. linguam, chartam, membranam, calamum, κήρυγμα 1. Cor. 2 / 14.) alles iſt irꝛdiſch / Joh. 3 / 12. Zung und Papier / Dinten und Federn. Eben alſo auch das natuͤrliche irꝛdiſche Waſſer an ſich ſelbſt (kein ſonſt koſtbares / diſtillirtes / oder Roſen-Waſſer) das iſt und komt auß der Erden / nicht pur und lauter / ſondern mit Erden vermengt / in terrenos alveos recepta, wird ſchlecht und gering geachtet / Waſſer koſt nichts / uſus communis aquarum. Auch das Blut / iſt nicht nur ratione continentis vini, we - gen deß Weins / in welchem das Blut begriffen / eines Erden-Gewaͤchſes deß irꝛdiſchen Weinſtocks / gering / ſondern auch das contentum oder das Blut Chriſti / iſt eine Frucht der Erden Eſa. 4 / 2. ſo auß irꝛ - diſchor Speiſe generirt / auff die Erd vergoſſen und da getretten worden / dahin Paulus alludirt Hebr. 10 / 29. da er draͤuet ſchwere Straff dem je - nigen / der den Sohn GOttes mit Fuͤſſen tritt / und das Blut des Teſtaments unrein achtet / durch welches er gereiniget iſt. Gleichwie das Blut Abels / von der Erden zu GOtt geſchryen / Gen. 4, 10. Alſo ſchreyet das Blut Chriſti von der Erden / vom Oehl-Berg / von der Schaͤdelſtaͤtt Hebr. 12 / 24.

Conſequenter ſeinds Teſtes ſenſibiles, quia terrei, fuͤhlbare Zeugen / die als aͤuſſerliche Elementa koͤnnen geſehen / beruͤhrt oder em - pfunden werden. Daher heißt das Sacrament / verbum viſibile, ein fichtbares real-Wort〈…〉〈…〉 vox ſigni Exodi 4, 8. Dann dieweil es allzuwahr / was Chriſtus ſagt Joh. 4 / 48. Wann wir Menſchennicht121Predigt. nicht Zeichen und Wunder ſehen / ſo glauben wir nicht. Das H. Evangelium iſt per ſe ſo koͤſtlich / ſo warhafftig / daß es billich als Got - tes unfehlbare Wort / von allen Menſchen ſolte angenommen / und fuͤr wahr und klar gehalten werden: aber die Unart Thomæ klebt uns allen an / wir ſind Thomiſten / ahnen dem Thomæ nach / welcher auch nicht ohne fuͤhlen glauben wollen / daher ſagt er Joh. 20 / 25. Es ſeye denn / daß ich in ſeinen (Chriſti) Haͤnden ſehe die Naͤgelmahl / und lege meine Finger in die Naͤgelmahl / und lege meine Hand in ſeine Seiten / wil ichs nicht glauben. Manus noſtræ ocula - ſunt, credunt quod vident. Wolan ſo hat der fromme GOtt ex abundanti per συγκατάβασιν ſich ſo tieff zu unſer Schwachheit und Unverſtand herab gelaſſen und bequemet / daß er uns von Anbegin in al - len ſeinen Verheiſſungen / im̃er ſichtbahre begreiffliche ſigna und elemen - ta angehengt / mit denſelbigen ſein Wort begleitet / evident und glaublich gemacht; Den Abel ſeiner Gnaden verſichert durch Feuer vom Himmel / Neah durch den Regenbogen / Abraham durch die Beſchneidung / die Jſraeliten durch das Oſterlamb / Gideon durch das Zeichen deß Taues / Hißkiam durch den Ruͤckzug / da der Schatten am Zeiger zehen Stuf - fen zuruͤck gangen 2. Reg. 20. die Hirten zu Bethlehem gewieſen auffLuc. 2, 12. das Zeichen der Windlen und Krippen / und ſo fort an. Alſo auch all - hier / was ſind die aͤuſſerliche fuͤhlbare Sacramenta anders / als gleichſam ſichtbarliche Wort? Wie Auguſtinus (*) davon redet / Quid ſunt aliud(*) Lib. 19. contrà Fauſt. c. 16. confer c. 11. Tract. 80. in Joh. de catechiz. rud. c. 28. corporalia Sacramenta, niſi quædam quaſi verba viſibilia? Grego - rius Nyſſenus (α) vergleichts mit den geſtibus und Geberden / damit man die Tauben lehren kan.

(α) Lib. 12. contra Eunom. Quemadmodum ſurdis, ait, ſignis & ma - nuum geſtibus quid agere debeant indicamus; non quod propriâ ipſi voce carea - mus, ſed quia minimè audientibus inutilis futura eſt ea, quæ ſit verbis, enarra - tio. Sic cum humana natura quodammodo ſurda ſit, neque quidquam paulò ſublimius percipiat; Dei gratiam dicimus multipliciter, ac variis modis in Pro - phetis loquentem, pro captu noſtro, & pro eo, quod familiare nobis eſt, ſancto - rum Prophetatum linguas conformantem, per hæc nos ad ſublimium cognitio - nem velut manu deducere; non ut ſecundum propriam magnificentiam inſtitu - tionem faciat: Quomodo enim in exiguo magnum caperetur? ſed quia ad par - vitatem noſtram ſe divina vis abjicit. Quemadmodum Sol, (ut ait poſtea p. 389.) interjecto aëre temperatum lumen ſuum & radios, caloremque diffun - dit ad ſenſus noſtros, nevehementiore illorum obtundatur appulſu. ()

Conſequenter〈…〉〈…〉 ϖρόσιτοι oder gemaͤhe / freundliche / er - traͤgliche / leuthſelige / anmuthige Zeugen / quaſi homogenei & conſanguinei, die wir wol vertragen koͤnnen / deren wir gewohnt. Achter Theil. QSchroͤck -122Die achteSchroͤcklich und unertraͤglich war die Sinaiſche Erſcheinung / welche dieHeb. 12, 21. Kinder Jſrael nicht ertragen konten / und deßwegen Moſen gebeten / er woll mit thnen reden; Schroͤcklich die Erſcheinung Moſis in ſeinem ſtrah - lenden Antlitz / da er als ein Welt-Sonne geleuchtet und geglaͤntzet / ohne Decke von den Kindern Jſrael nicht konte angeſchauet werden; Schroͤck - lich das draͤuende Zorn-Zeichen deß blinckenden Cherubiniſchen Schwerts. Aber contrà uͤber alle maſſen troͤſtlich und erfreulich die Θεο - ϕάνεια und Erſcheinung der H. Dreyfaltigkeit auff dem heiligen Berg / davon Petrus ſolche Freude geſchoͤpfft / daß er allen Welt-ſplendor und Herꝛligkeit benrlauben / und an der Staͤtte bleiben wollen; Lieblich und er - freulich die Θεοϕάνεια Jordanica die Erſcheinung am Jordan: der Va - ter erſcheint in einer anmutigen Stimme / der Sohn in ſeiner zarten Menſchlichen uns verwanten bruͤderlichen Natur / der H. Geiſt in einer holdſeligen Tanben-Geſtalt. Ita & teſtium in terra, die Lehrer erſchei - nen auff der Cantzel vor uns in anmutiger Menſchen-Stimm / ſind un - ſere Verwanten und Bekanten / wir ſind dero converſation gewohnt / ſie ſeynd unſere commilitones, ſo mit uns in einem Spittal kranck liegen / welche mit ſtreiten / mit leiden / mit beten / mit glauben. Solte GOtt En - gel auffſtellen / wir koͤnten deren Majeſtaͤt und Himmels-Glantz nicht ver - tragen / wie viel weniger das Angeſicht Gottes / der da heiſt ein verzehrend Feur. Was iſt gemeiner und gebraͤuchlicher als Waſſer / damit wir taͤg - lich umgehen / daſſelb trincken / uns damit baden? Das Blut Chriſti waͤre zwar horrificum anzuſehen / wie auch ſein Fleiſch / wann ſie uns unmittelbar ohne Decke und Fuͤrhang ſolten zu eſſen und zu trincken gege - ben werden / wir wuͤrden Scheu tragen davon zu eſſen: Aber ſo ſinds zwar ϕρικτὰ μυςήρια Schreck-Zeichen den Gottloſen / den Unwuͤrdigen / die den Tod dran eſſen; aber den Frommen und Glaubigen ϕρικτὰ quiaGeneſ. 28. honorabilia, Ehrwuͤrdige Zeichen / in welchem Verſtand auch die Leiter Jacobs und der Orth / da ihm dieſelb erſchienen / genennet worden / Ha - noràh heilig und hochwuͤrdig. Und demnach

III. Teſtes precioſiſſimi, die koͤſtlichſten Zeugen. Wie ſchlecht nun dieſe Zeugen vor den Augen der ſtoltzen Welt erſcheinen / ſo koͤſtlich / edel und hoch ſind dieſelben fuͤr Gott / und allen heiligen Engeln und glaubigen Seelen / wann ſie nicht nur von auſſen / ſondern auch von innen angeſehen werden / wann wir den Fuͤrhang abzihen / und bedencken was drunter ver - borgen lige / wann wir die Schal auffthun und ſehen den Kern / den Bal - ſam im Buͤchslein / das Kleynod in ſcrinio, da werden wir erſtarret und beſtuͤrtzt / die Engel geluͤſtet hinein zu ſchauen / und koͤnnen ſich nicht ſatt ſe -hen.123Predigt. hen. Schlechter Mundſchall / Dinten und Federknall thuts freylich nicht / der Diener am Wort oder Prediger iſt nichts 1. Cor. 3. utis ein1. Cor. 3, 7. Menſchenkind. Es iſt weder der da pflantzt / noch der begeuſt etwas / ſondern GOtt / der das Gedeyen gibt. Schlecht Waſ - ſer / Brod und Wein thuts nicht; ſondern es iſt ein andere Krafft drunter verborgen / durch dero Tugend die Sacramenta zeugen und uͤberzeugen. Der Prediger ſteht da auff der Cantzel gar in anderer Krafft und Nach - truck / als Cicero zu Rom in ſeinem Buͤrgermeiſter-Sitz / als Tertullus der Redner fuͤr Felix: Da war nichts / als der Vernunffts-Geiſt und Menſchliche ſuada zu hoͤren. Hie aber der Geiſt Gottes / der durch den Mund deß Predigers redet / er iſt Gottes Mund und StimmeJer. 15, 19. Joh. 1, 23. Benz. l. 2. pag. 243. Læl. Biſc. l. 6. c. 12. Jerem. 15. Jener Jndianer phantaſi kan hie Warheit ſeyn. Wie dann die Jndianiſchen Hiſtorien berichten / daß die armen elenden Leuthe in die Gedancken kommen / die Brieffe und Buͤcher koͤnnen reden / oder haben eine ſonderliche Goͤttliche Krafft in ſich / darum ſie zugelauffen / die Ohren zu denſelben gehalten / ob ſie auch etwas darauß vernehmen koͤn - ten; Oder haben gemeint die geſchriebene Brieffe haben heimliche ver - borgene Augen / daß ſie alles ſehen / und denen ſo damit umgehen / koͤnnen erzehlen und anzelgen. Item Waſſer iſt verbunden mit dem H. Geiſt / auß Waſſer und Geiſt / ſagt der HErꝛ Chriſtus / muͤſſe die Wider - geburt geſchehen. Da thut der Prediger nichts zu / als daß er dem Herꝛn Chriſto die Handleyhet. Der Kelch im H. Abendmahl iſt ein κοινωνία und Gemeinſchafft deß wahren Bluts Chriſti 1. Cor. 10. der Diener iſt mehr nicht als diſpenſator und Haußhalter / der den Schatz außtheilt.

Die Papiſten geben fuͤr / daß ſolches durch die conſecration geſchehe / dann wann dieſe fuͤnff Wort / Hoc eſt enim corpus meum, dann das iſt mein Leib / uͤber das Brod von einem Meßprieſter außgeſprochen werde / alsbald werde in einem Augenblick das Brod in den Leib Chriſti verwandelt. Deßgleichen wann dieſe Wort / Hic eſt enim ſanguis meus, dann das iſt mein Blut / uͤber den Wein auß - geſprochen werden / ſo werde von Stund an derſelbige in das Blut Chriſti ver - wandelt: Daher ſie dann Creatores Creatoris ſui, das iſt / Schoͤpffer ihres Schoͤpffers ſeyn wollen / welches vor Chriſtlichen Ohren einen ſeltzamen Klang gibt. Aber es ſtehet nicht bey den Prieſtern / daß ſie Sacramenta machen / ſo wenig als ſie dieſelbe einſetzen koͤnnen. Dann die Prieſter oder Prediger ſeynd nicht Sacramentmacher / ſondern Diſpenſatores und Außtheiler der Scheim - nuͤſſen Gottes / wie St. Paulus davon geſchrieben in ſeiner 1. Epiſt. an die Co - rinth. am 4. Cap. dafuͤr halte uns ſederman / nemlich fuͤr Chriſtus Diener / und Haußhalter uͤber die Geheimnuͤſſen Gottes. Gleichwie man auch von den A - poſteln nicht lieſet / daß ſie die Sacramenta oder weſentliche Stuͤck derſelbigen / es ſey gleich bey der Tauff oder dem H. Abendmahl / gemacht / ſondern daß ſie dieſelbe adminiſtrirt und außgetheilet / wie es der HErꝛ Chriſtus gemacht undQ 2ver -124Die achteverordnet hat. Die Calviniſten aber geben fuͤr / daß der Glaub den Leib und Blut Chriſti in dem H. Abendmahl gegenwaͤrtig mache: Dann wann ein Chriſt zum Tiſch deß Herrn gehe / ſo muͤſſe er mit dem Glauben ſich uͤber ſich ſchwin - gen / und damit den HErꝛn Chriſtum oben im Himmel / zur rechten Hand ſeines himmliſchen Vaters ergreiffen / dadurch er ihm im H. Abendmahl gegenwaͤrtig werde. Nun iſt es weniger nicht / wann man das H. Abendmahl wuͤrdiglich empfahen wil / ſo muß man daſſelbige in alle Weg mit glaubigem Hertzen empfa - hen. Aber wie der Vnglaub den Leib und Blut Chriſti im H. Abendmahl nicht ab - weſend machet / ſonſten wuͤrden die Vnwuͤrdigen ihnen ſelbſten nicht das Gericht eſſen und trincken koͤnnen / wie St. Paulus lehret in ſeiner 1. Epiſtel an die Cor. am 11. Cap. Alſo macht auch der Glaub den Leib und Blut in dem H. Abendmahl nicht gegenwaͤrtig / wie dann darinnen nicht nur ein ſolche Gegenwart iſt / die durch den Glauben geſchicht / ſondern vom Abendmahl deß HErꝛn wird in die - ſem Articul gelehret / daß wahrer Leib und Blut Chriſti / warhafftig unter der Geſtalt Brods und Weins im Abendmahl gegenwaͤrtig ſey / und außgetheilet und genommen werde. Darvon dann ein alter Lehrer mit Nahmen Leo hat ge - ſchrieben: Hoc ore ſumitur, quod corde creditur, das iſt / in dem H. Abend - mahl wird mit dem Mund empfangen / was mit dem Hertzen geglaubt wird: die Gegenwart aber deß Leibs und Bluts Chriſti in dem H. Abendmahl macht anders nichts / dann die Ordnung und Einſetzung unſers HErꝛn Chriſti ſelbſten / dieweil er zu dieſem End das H. Abendmahl eingeſetzt / und es ſolcher Geſtalt in ſeiner Chriſtenheit zu halten befohlen hat / daß er mit ſeinem wahren Leib und Blut / unter der Geſtalt Brods und Weins / wie dieſer Articul davon re - det / gegenwaͤrtig ſeyn woͤlle. Darum auch allwegen die Wort der Einſetzung deß H. Abendmahls bey der Communion oͤffentlich und verſtaͤndlich werden vorgeleſen / zu einem Anzeigen / daß man dieſer Ordnunge Gottes begehre nach - zukommen / und dieſelbe bey der Communion in allen Stuͤcken wolle obſervirt und in acht genommen haben. Ita Goëbel. in der fuͤnfften Predigt uͤber den zehenden Articul der Augſpurg. Confeſſ. p. 705. ſq.

Alles gemaͤß der Goͤttlichen Weiſe / die er je und je gehalten. Welt-Pracht beſtehet in aͤuſſerlichem groſſem Gepraͤng und gleiſſendem Auffzug / in dem ſich die Koͤnigin Berenice ſehen laſſen / inwendig iſt nichts flaͤtiges / ſon - dern ein ſtinckender Maden-Sack verborgen. Paͤpſtiſche monſtranz hat ein groß ſplendenz und Anſehen / die blinden Leuth muͤſſen niderknien und dafuͤr anbeten / inwendig iſts nichts / als ein Brod-Goͤtz. Aber hinge - gen die Goͤttlichen myſteria haben aͤuſſerlich ein ſchlechts Anſehen / doch bleibt es darbey was David ſingt Pſal. 45. Gloria Fil æ Regis ab intus, der Schmuck der Koͤniglichen Tochter glaͤntzt inwendig. Schlecht Waſ - ſer thuts nicht / ſondern das Wort und der Glaub / unter und mit dem Wort Gottes wird ein fuͤrtrefflicher Schatz offerirt und angebotten / den faßt und ergreifft der Glaub / nimbt zu ſich das Heiligthum / welches gleich - ſam im Wort eingefaßt / ſolches iſt das Haupt-Stuͤck im Sacrament.

Ambroſius Lib. 4. de Sacram. c. 4. redet ſehr kraͤfftig davon / wann er ſagt: Das Wort Chriſti bereitet dieſes Sacrament. Welches WortChri -125Predigt. Chriſti? Das jenige / welches alles gemacht hat. Der HErꝛ hat es ge - heiſſen ſo iſt der Hunmel worden. Der HErꝛ hat es geheiſſen / und es ſeynd die Meer worden. Der HErꝛ hat es geheiſſen / und es ſeynd alle Creaturen worden. Daher ſiheſtu / wie kraͤfftig und thaͤtig das Wort Chriſti ſeye. Jſt dann ſo groſſe Krafft in dem Wort deß HErꝛn JEſu / daß durch deſſelben Wuͤrckung die jenigen Dinge entſtanden / die zuvor nichts geweſen ſeynd; Wie viel mehr wird es dieſes ins Werck ſetzen koͤnnen / daß Brod und Wein im H. Abendmahl bleib / was es war / und doch (durch Sacramentliche Vereinigung) in etwas anders verwandelt wer - de. Der uhralte gottſelige Maͤrtyrer Juſtinus redet ſehr nachdencklich ebenApolog. 2. von dieſer materi, er ſagt: Wir empfangen Brod im H Abendmahl / nicht als gemein Brod / ſo empfangen wir auch das Trincken in demſelben nicht als gemein Trincken: Dann zu gleicher Weiſe / wie durchs Wort Gottes der ewige Sohn Gottes unſer Heyland JEſus Chriſtus Menſch worden / und um unſerer Seligkeit willen Fleiſch und Blut an ſich hat / ſo ſeynd wir auch gelehret worden / daß durch den Segen Goͤttlichen Worts eine ſolche Speiſe un H. Abendmahl entſtehe / durch welche unſer Blut und Fleiſch auch mit geiſtlicher Verwandlung ernehret wird / ja welche deß HErꝛn JEſu / der Menſch fuͤr uns worden / ſein Fleiſch und Blut ſel - ber ſey. Sihe da frommes Hertz / wie der alte reine Lehrer Geheimnuͤß mit Geheimnuͤß / das Werck der perſoͤnlichen Vereinigung / mit dem Werck der Sa - cramentlichen Vereinbahrung vergleiche. Gottes Wort bracht jene mit ſich; Gottes Wort bringt dieſe auch mit ſich. Jn jener ſind zwey unterſehiedene; Der Sohn Gottes / und Menſchliche Natur: Jn dieſer ebener maſſen / Brod und Wein / Leib und Blut Chriſti. Jene zwey ſeynd durch deß Worts Gottes Krafft beyeinander; Dieſe ſollen auch dergeſtalt beyeinander ſeyn / daß das Brod den Leib Chriſti / und der Wein das Blut Chriſti bey ſich habe / doch mit dem Vnterſcheid / daß jene zwey unauffloͤßlich beyeinander ſeyn / dieſe aber nur im Gebrauch deß H. Abendmahls einander gegenwaͤrtig ſich erzeigen. Jene werden perſoͤnlich mit einander verbunden; Dieſe Sacramentlich. Jn jener geſchicht keine weſentliche Veraͤnderung / gleichwol wird der Leib und Seel Chri - ſti in groſſen hohen Stand geſetzt. Jn dieſer ſoll auch keinen Platz haben / gleich - wol empfanget das Brod und der Wein einen hohen Beruff / wie St. Irenæus davon redet (*) / daß es nemlich den Leib und das Blut deß HErꝛn JEſu bey(*) Adverſ. hæreſ. IV, 34. ſich habe. Hat das Wort Gottes ſolche operation und Wuͤrckung / ſo kan es ja nicht ſeyn / daß ſolch Wort / welches zu dem Ende da iſt / daß es Brod und den Leib deß HErꝛn Sacramentlich mit einander vereinige / den Leib Chriſti oder auch ſein Blut bey ſich hab / und ſeye aber der Leib Chriſti nicht auch bey dem Brod / oder das Blut Chriſti bey dem Wein. Ita D. Dorſch. b. m. in Schrifftmaͤſſiger Betrachtung der Baſeliſchen Predigt pag. 133.

Denn ſonſten iſt fides quæ credit der glaubende Glaub nicht de eſſentia Sacramenti, gehoͤrt nicht zum Weſen ſondern zur Frucht und Nutzen deß Sacraments. Durch das Wort werden die Elementa ſeparirt / con - ſecrirt / geweyhet / ſie bekommen ein neue vocation und Beruff / dadurch ſie etwas hoͤhers zu bedeuten und zu geben erhoben werden. Die Elemen -Q 3ta126Die achteLuther. Tom. 5. Witt. p. 233. fac. 2. (*) Tract. 80. in Joh. ta werden in Gottes Wort verfaßt. Mundi eſtis, non quia loti eſtis. ſed propter verbum, quod locutus ſum vobis, ſagt Auguſtinus (*), das iſt / ihr ſeyd rein / nicht dieweil ihr gewaſchen ſeyd / ſondern wegen deß Worts / das ich zu euch geredet hab.

Unde (ſie iterum Auguſtin. cit. Tract. 80. in Joh. pag. 547.) iſta tanta vir - tus aquæ, ut corpus tangat & cor abluat, niſi faciente verbo? non quia dicitur; ſed quia creditur: nam & in ipſo verbo aliud eſt ſonus tranſiens, aliud virtus manens. ()

Gleichwie (damit wirs mit einem Gleichnuͤß adumbriren) die Jſraeliten in der Wuͤſten / ſo von Schlangen gebiſſen worden / kein Pflaſter nochSap. 16. Kraut geheylet / ſondern allein das Wort / nicht Dracontéa noch Serpen - tina, das Schlangen-Kraut / ſondern ſie haben die Goͤttliche Krafft deß1. Cor. 3, 6. Worts bekommen. Alſo vermag auch Feder / Waſſer / Wein / fuͤr ſich ſelbſt nichts / ſondern das Wort ſo mit und dabey iſt. Und das iſts was Augu - ſtinus ſagt: Accedat verbum ad elementum & fiat Sacramentum.

Diß iſt nun alſo Chorea terrena, der undere Reyen der drey Zeugen auff Erden / in ſolcher poſitur und figur, in ſolcher Liberey und Bild will Chriſtus bey uns erſcheinen / taͤglich / ſtandhafftig / ewig / biß er wieder kom - met / ſo hats ihm gefallen / er iſt GOtt und nicht Menſch. Wird uns fuͤr -Joh. 19, 35. & 1. Ep. 5, 13. geſtellt ad ſenſum & cultum. Der Glaub iſt der ſcopus, auff daß ihr glaubet / ſagt Johannes / und demnach begegnet dieſer choréa.

(I.) Vero ſenſu & conceptu, daß wann wir das groſſe Werck Gottes / das Ampt deß Geiſtes anſehen / beywohnen / uns deſſen bedienen / wir freylich nicht mit Kalbs-Augen ohne Verſtand / ſondern einen rechten / gewiſſen / warhafften / wohlgegruͤndeten Verſtand und concept davon faſſen / ſonderlich wohin ſie zielen: als ſolche Zeugen / die zwar auff der Er - den zeugen / aber zum Himmel hinauff leiten und fuͤhren / ſie ſeynd gleich - ſam drey Luciferi und Morgenſterne / certi ſolis indices, die vor der Sonnen vorher lauffen. Wo dieſe drey Zeugen unverhindert und ohn - verfaͤlſcht zeugen / da wohnt GOtt / da ſcheinet die Sonne der Gnaden / da iſt Gottes Hauß / Heil / Leben und Seligkeit.

Quanquam ipſe Jacob (ita Lutherus in Geneſ. cap. 28. pag. 90. fac. 1.) ſolus hic adeſt, & præter cum nemo alius, ut diſcamus ibi eſſe Eccleſiam Dei, ubi ver - bum Dei ſonat, ſive in mediâ Turciâ, ſive in Papatu, ſive in inferno. Sermo Dei enim eſt, qui conſtituit Eccleſiam, is eſt Dominus omnium locorum. Ubi - cunque illud auditur, ubi Baptiſmus, Sacramentum altaris, & abſolutio, ad - miniſtrantur, ibi certò ſtatue & conclude: Hîc certè eſt domus Dei. hîc eſt apertum cœlum. Sicut autem verbum, ita & Eccleſia nulli loco alligata eſt. Non eſt dicendum: Romæ eſt Pontifex Maximus, Ergò ibi eſt Eccleſia. Sedubi127Predigt. ubi Deus loquitur, ubi eſt ſcala Jacob, ubi Angeli aſcendunt & deſcendunt, ibi eſt Eccleſia, ibi aperitur regnum cœlorum.

Hîc ſcala Jacobi Gen. 28. hîc ala cordis ſurſum tendentis, hic cur - rus Eliæ, da iſt die rechte Jacobs-Leiter / der himmliſche Elias-Wagen / durch deſſen Zeug und Zug man zum Himmel gefuͤhret wird.

(II.) Firmo aſſenſu, daß wir ſie annehmen mit feſtem unge - zweyfelten Beyfall / wider alle Pforten der Hoͤllen / die ſich wieder die - ſe Lehr ſetzen / deren der Sathan ſampt ſeinen Jrꝛ-Flader - und Schwindel - Geiſtern gefaͤhr / welche er geſandt dieſe Leiter abzuwerffen. Wann er gleich laͤſt predigen von Chriſto / daß er uns den Himmel erworben: ſo kan er doch die Brucken / die Leyter nichtleiden / hat deroweren erweckt ſei - ne himmliſche Propheten / ſeine Flader-Geiſter und Schwaͤrmer / ſeine Enthuſiaſten und Phantaſten / die Quaͤcker und Gecken / die von lauter Geiſterey ſchwermen / von Offenbahrung deß him̃liſchen Vaters / Engli - ſchem Geſpraͤch / viſionen uñ Traͤnmen / aber die Bruͤck werffen ſie ab. (*)Wie Lutherus wol von ſolchem Weſen geſchrieben Tom. 1. Isleb. p. 502. fac. 2. Sie / ſchreibt er / bekennen den geſtorbenen Chriſtum / der am Creutz gehangen / und uns ſelig gemachet / das iſt wahr; Aber ſie leugnen das / dadurch wir ihn bekommen / das iſt / das Mittel / der Weg / die Bruͤcke und Steig / den brechen ſie ein. Die Juden glauben auch daß ein GOtt ſey / aber den Weg wie man zu GOtt komme / nemlich / durch Chriſtum / durch Chriſti Menſchheit / ver - leugnen ſie. Der Tuͤrck bekennet auch GOtt / aber er verleugnet den Weg / das Mittel / die Bruͤcke / darauff man zu GOtt koͤmmet / das iſt / die Gnade Gottes / Chriſtum wollen ſie nicht haben / auch keine Sacrament / dadurch man zu der Gnade kommet. Es iſt gleich und gehet mit ihnen / als wenn ich einem predigte / da habe ich einen Schatz / und hielt ihm doch den Schatz nicht fuͤr die Naſen / ge - de ihm auch nicht die Schluͤſſel dazu / was huͤlffe ihn dieſer Schatz? Sie ſchlieſ - ſen uns den Schatz zu / den ſie uns ſolten fuͤr die Naſen ſtellen / und fuͤhren mich auff einen Affen-Schwantz / den Zutritt und die Vberreichung / den Brauch und Beſitzunge deß Schatzes wegert und nim̃et man mir. Darum ſagen die Schwaͤr - mer auch viel von GOtt / von Vergebung der Suͤnden / und der Gnaden Gottes / auch daß Chriſtus geſtorben ſey; Aber wie ich Chriſtum erlange / und wie die Gnade zu mir koͤmmet / daß ich ſie kriege / daß wir zuſammen kommen / Da ſagen ſie der Geiſt muß allein thun / fuͤhren mich auff den Affen-Schwantz / ſagen / das aͤuſſerliche muͤndliche Wort / die Tauffe / und Sacrament ſey kein nuͤtze / und pre - digen doch von der Gnaden. Das heiſt mir den Schatz verkuͤndigen / und fein davon ſagen / aber den Schluͤſſel und die Bruͤcke weg genommen / dar auff ich zum Schatz kommen ſoll Nun hat es GOtt alſo geordnet / daß dieſer Schatz durch die Tauffe / das Sacrament deß Abendmahls / und aͤuſſerliche Wort uns gegeben und darg reichet wird. Denn das ſind die Mittel und inſtrument, da - durch wir zu Gottes Gnade kommen / das verleugnen ſie.

Der Papſtiſche Jrꝛ Geiſt nim̃t dem Geiſt ſeine inſtrumenta weg / durchin Enchi - rid. p. 43. den Jeſuiten Coſterum, der ſchreibt: Chriſtum noluiſſe ſuam Eccleſi -am128Die achteam pendere à chartaceis ſcriptis, nec membranis ſua myſteria com - mittere, Chriſti Meynung ſey nicht geweſen / ſeine Kirch an Papier und Pergament anzuhencken. Eben derſelbe Geiſt nimbt Brod und Wein hinweg / laͤſt nichts da / als die ſpecies, zimmert ſelbſt Himmels-Leytern / Himmels-Waͤgen und Fluͤgel / wann es ihm aber geht wie Icaro, ſo klag er niemand an / als ſeine eigene Thorheit. Alſo auch der Calviniſche Geiſt nimbt den Schatz hinweg / gibt uns nur die Huͤlſen / heiſt uns hin - auff gaucklen gen Himmel / da wir doch taͤglich bitten / adveniat regnum tuum, dein Reich komm zu uns herab: waͤre kein ander argument die Gegenwart deß Bluts Chriſti zu erweiſen / ſo waͤre diß arguments gnug / daß St. Johannes ſchreibt das Blut zeuge auff Erden. Setzen ihm dero - wegen dieſen gegenwaͤrtigen Spruch entgegen / in welchem Sonnen-klar / ja mit Sonnen-Strahlen die Wort ſtehen / Blut zeuget und iſt auff Er - den. Wo es zeuget da iſt es auch: ſo lang er mir dieſe Wort nicht auß - kratzt und außwiſcht / ſo lang wird ſein Vernunffts-Gunſt und Geſpunſt bey mir nichts gelten.

(III.) Acceſſu fiduciali, daß wir uns an dieſe drey Zeugen veſt halten wider alle falſche Zeugen / mit Hertzens Freud und Wonne / mit David fuͤr dieſer Bunds-Laden her tantzen / huͤpffen und ſpringen. (*) Tom. 4. Witteb. p. 597. fac. 1.Dann (ſagt Lutherus (*)) wo du ſolchen Glauben ſo ſtarck und gewiß fuͤhleteſt / weñ du die Abſolution hoͤreſt ſprechen / ſo koͤnteſtu fuͤr groſſer Freude ungeſprungen und ungetantzt vom Prieſter nicht gehen. Alſo auch im Sacrament deß Al - tars / da dir gegeben wird der warhafftige Leib und Blut un - ſers HErꝛn JEſu Chriſti / da ſolteſtu auch zu lauffen und fuͤr Freuden ſpringen / und ſolten ſich die Leuthe drum dringen / weil ſie den HErꝛn Chriſtum ſelbſt da hoͤren reden. Wie man (ita ibid. Luth. f. 2.) von Monica S. Auguſtini Mutter lieſet / da ſie einmahl zum hochwuͤrdigen Sacrament deß Leibs und Bluts Chriſti gieng / kam ſie in ſo tieffe Gedancken / da ſie deß HErꝛn Chriſti Gnade und Wolthat betracht / daß ſie dauchte / ſie ſtuͤnd gar empor uͤber der Erden / ſchrye uͤber laut / laſt uns vollend hinauff gen Himmel fahren. Sol - cher Chriſten ſind viel mehr geweſt / auch junge Jungfrauen / als St. Agatha / Hagnes / welche ſo froͤlich zum Kaͤrcker gieng / als wuͤrde ſie zum Tantz gefuͤhret. Ey liebe Aga - tha / Agnes kanſtu das heiſſen zum Tantz gehen / wenn du ins Gefaͤngnuͤß und zum Tod gefuͤhret wirſt? SolcheLeuthe129Predigt. Leuthe ſind die Chriſten / die ſo froͤlich werden / daß ſie den Teuffel / mit allem ſeinen Schrecken und Toben / verach - ten und trotzen. Bißher Lutherus. Darum / laſt uns hinzuHeb. 4, 16. tretten mit Freudigkeit zu dieſem Gnaden-Stuhl / auff daß wir Barmhertzigkeit empfangen / und Gnade finden auff die Zeit / wenn uns Huͤlffe Noth ſeyn wird / ſprechen wir mit dem Apoſtel Hebr. 4. und uns deſſen verſichern / daß die drey Zeugen wer - den fuͤr uns ſtehen und zeugen / wider alle falſche Anklag deß Teuffels und ſeiner Braut / in uns zeugen daß der Geiſt warhafftig ſey / ne - ben uns zeugen in letzten Zuͤgen / wann der Mund nicht mehr zeugen und reden kan / nach uns zeugen nach dieſem Leben / daß wir ein froͤ - lich Echo und Nachſchall hinterlaſſen bey der erbaren Welt / viel mehr aber in der Ewigkeit.

Wir muͤſſen aber auch dieſen Sacramentlichen Zeugen begegnẽ / (IV.) Cultu congruo, mit gebuͤhrender reverentz und Ehrerbietung. Wie man ſonſten in der ſchnoͤden Welt dieſe Sacramenta tractirt / wie ſie evileſcirn (nam conſueta vileſcunt) gleichſam mit Fuͤſſen getret -Heb. 10, 29. ten / geſchaͤndet und mißhandelt werden / davon klagt niemand als die gantze Welt / ſtraffts aber auch niemand als die gantze Welt. Dem Naͤch - ſten werden die Sacramenta angeflucht / das heiſt mit Fuͤſſen getretten: GOtt hat ſolch Fluchen am Leben zu ſtraffen gebotten Lev. 24, 14. Fuͤh - re den Flucher hinauß fuͤr das Lager / ſagt der HErꝛ zu Moſe / und laß alle / die es gehoͤrt haben / ihre Haͤnde auff ſein Haupt le - gen / und laß ihn die gantze Gemeine ſteinigen. Ludovicus IX. vid. Reichs - Abſchied de Anno 1495. 1500. und 1530.Koͤnig in Franckreich hat gebotten / dem der ein Gottes-Schwur ſchnellen laͤſt / ein gluͤend Eiſen auff die Leffzen zu legen / damit das Glied gezeichnet werde / durch welches man ſich verſuͤndigt. Aber es mangelt der Glo - cken am Stempffel oder Kluͤpffel / es mangelt an nichts / als an der exe - cution. Wie im Gegentheil die Sacramenta geehrt werden im Papſt - thum (dann unſer Lutheriſche Gottesdienſt iſt / nach der Gegener Sage / gar ein abgeſchmackte religion, iſt kein Glantz oder Zierd dabey) mit was Pracht die monſtranz geſchmuͤcket / wie ſich daſelbſt die Weißheit muß rechtfertigen laſſen / welche hiſtrionia und tragœdi in der Meß ge - ſpielet werde (iſt Toleti Wort /) das iſt offenbar. Wie auch mit was koſtbaren Gefeß nicht nur groſſe Herꝛn / ſondern auch wol kleine Herꝛn ihre Kindſchencken begehen / daß offt druͤber der arme Baurs-mann Waſſer - und Blut-Thraͤnen / Waſſer und blutigen Schweiß vergieſ - ſen muß / davon redet der Tag ſelbſt. Jſt aber auch ein Zeichen einerAchter Theil. Rgroſſen130Die achtegroſſen ignoranz und Unglauben. Hie hat kein Pracht Platz / ſondern Buß und Trauren. Das Kind erſcheinet als ein ſuͤndlich Adams-Kind / verlohren und verdammet / als ein Außſaͤtziger im Seelen-Bad / dabey man nicht Urſach find zu lachen und zu zechen / zu jubiliren und thurnie - ren / ſondern trauren / klagen / flehen und ſuppliciren. Das H. Abend - mahl iſt ein Todten-Mahl / darum Saͤck und Leid-Kleider demſelben beſ - ſer anſtehen / als weltlich Gepraͤng. Sameas der redliche patriot ſolt(*) vid. Jo - ſeph. L. 14. c. 14. ſolchen Pracht-Hanßen eine lection leſen / wie er Herodi geleſen (*). ϕεῦ〈…〉〈…〉 ἀσεβείας! der beſte Gottesdienſt beſtehet (1.) in elogio gratiæ Divinæ, in dem Lob Gottes / der ſolche groſſe Gnaden-Schaͤtz uns ſuͤnd - lichen Menſchen zum beſten / in ſo ſchlechte Gefaͤß legen wollen und daher ihne den HErꝛn erheben Exod. 15. dem Juͤdiſchen Jungfraͤulein von Nazareth / ihr Magnificat und Lob-Liedlein nachſingen / das Mein Seel erhebt den HErꝛn ꝛc. diß iſt der beſte Krantz / damit man ihn zieren und verehren kan; wie der Prieſter die hoſtiam erhebt / oder der Papſt auff einem Seſſel daher getragen und empor gehoben / daß ihn jederman ſehen kan. (*)Lutherus Tom. 1. Isleb. p. 362. f. 1. in cap. 2. Exod. uͤber die Wort: Jch wil ihn erheben. Moſes machts wunderlich / ſagt er / Er gibt GOtt einen Nahmen / damit er ihn wil preiſen / hoch loben / welches denn die Hebrei heiſſen / erheben. Das ſind die rechten Wercke die GOtt gefallen / damit wir GOtt eh - ren / ſchmuͤcken / zieren und ſchoͤn machen / daß er ſchoͤner wird / denn die Son - ne iſt / und gegen ihm ſonſt nichts ſchoͤn iſt. Er darffs zwar nicht / daß man ihn erhebt / denn er ſitzet uͤber alle Himmel / im Thron ſeiner Herꝛligkeit. Aber weñ ich mit meiner Predigt und mit meinem Lob ihn außſchreye / und von ihm predi - ge / wie ein maͤchtiger und feiner Gott er ſeye / alsdenn wird er erhaben und be - kant gemacht. Sonſt iſt Gott unbekant bey den Menſchen / er taug nicht bey ih - nen / und ſtincket bey ihnen. Darum wenn er erhaben und gezieret wird / daß durch meinen Mund / meine Predigt und Bekantnuͤß / ſein Lob unter die Leuthe koͤmmet / daß der Gott ſo zuvor ſtanck / nu heilig gepredigt und gehalten wird / denn iſts der ſchoͤnneſte Krantz / den man ihm kan auffſetzen / und der huͤpſchte Rock den man ihm mag anziehen / ja das huͤpſchte Hauß / ſo man GOtt bauen mag. Dieſer Mund richtet viel auß / wenn ich GOtt alſo ſchmuͤcke / daß die Leuthe viel von ihm halten / daß er den Leuthen ins Hertz koͤmmet / und keinen anderen boͤſen Gedancken von GOtt kriegen / oder auß eingeben deß boͤſen Geiſts ihn verdaͤchtig halten.

(2.) In oblatione ad martyrium, Blut fuͤr Blut. Gleichwie Chriſtus bloß am Creutz gehangen / aber mit Waſſer und Blut als ſeiner Librey daſelbſt erſcheinen wollen / dem ſollen wir mit bitterm Thraͤnen - Waſſer und mit Maͤrtyrer-Blut begegnen. Chriſti Maͤrtyr-Blut ſoluns131Predigt. uns dazu anfriſten. Als der Roͤmiſche Kaͤyſer Julius erſtochen wor - den / und 23. Wunden empfangen / und Marcus Antonius die Roͤmiſche Buͤrgerſchafft gar beweglich angeredet / daß ſie deß entleibten Cæſaris Feind und Todſchlaͤger verfolgen ſolten / hat er / da andere Urſachen / die er eingefuͤhrt / nichts hafften und außrichten wolten / deß entleibten Kaͤy - ſers blutiges Kleid / welches an vielen Orten durchſtochen war / erhoben und der Buͤrgerſchafft gezeigt / und damit dieſelbe wider deß Kaͤyſers Feind in Harniſch gebracht. So dann nun deß Kaͤyſers blutigs und durch - ſtochen Kleyd die Roͤmiſche Buͤrgerſchafft bewegt: Ey wie vielmehr ſoll der Anblick des gecreutzigten Chriſti / als welchen deine / meine / und1. Petr. 5. unſer aller Suͤnden an das Creutz gebracht / und ſeinen allerheiligſten Leib ſo jaͤmmerlich verwundet / eine ſtarcke Feindſchafft bey dir erwecken /Eſa. 53. derſelben mit allem Ernſt zu widerſtreben? Das Gedaͤchtnuͤß Chri - ſti deß Gecreutzigten / ſoll billig in uns creutzigen alle Suͤnd und Laſter / ſagt der H. Bernhardus. Wir haben noch nicht auffs Blut gefochten / GOtt der HErꝛ iſt zart und ſaͤuberlich mit uns bißher umgangen / GOtt behuͤt fuͤr dem Tuͤrcken-Sebel / der Blut fordert und ſaufft. Wiewol unterdeß (3.) in martyriis incruentis, an unblutigen Maͤrtern kein Mangel geweſen / wir tragen unſern aͤrgſten Feind im Bu - ſen / denſelben ſollen wir daͤmpffen / creutzigen / toͤdten / hoc eſt marty - rium, und das muß ſeyn. Wer einen gifftigen und liſtigen Sathan hat zur Rechten ſtehen / der auff alle ſeine Gaͤng Achtung gibt / und ſucht zuver - klagen und falſch zu zeugen / das Geſchoß zu laden / und andern geben ab - zutrucken / der hat Teuffels genug. Aber iſt GOtt fuͤr uns / wer kan uns ſchaden? Huͤt dich fuͤr boͤſer That / der Luͤgen geſchicht wol Rath / deren ſind mehr die fuͤr unſere Unſchuld zeugen / ſechs Zeugen fuͤr einen / Trutz dem Teuffel! GOtt allein in der Hoͤhe die Ehre!

Ey ſo dancket dann alle GOtt / der ſolche groſſe Dinge thut / der ſolch Gedaͤchtnuͤß geſtifftet ſeiner Wunder / der gnaͤdige und barmhertzige HErꝛ: Er gebe / daß wie er uns begegnet / und zu uns kommen mit Waſſer und Blut / wir auch mit Thraͤnen-Waſſer / und ſo es Noth / mit Auffopffe - rung unſers Bluts / Blut fuͤr Blut begegnen: Er wolle die - ſer Zeugen Ampt unverfaͤlſcht bey uns erhalten / daß ſie in und fuͤr uns ſtehen / auch neben uns begleiten / und nach uns zeugen mit erwuͤnſchtem Nachſchall / Amen.

R 2Die -132Die neunte

Die neunte Predigt / Von Der Tugend / Krafft und Wuͤrckung der drey Zeugen auff Erden.

GEliebte in Chriſto. Es iſt auſſer allem Zweiffel der edle Wunder-Traub vom Bach Eſcol / welchen die Kundſchaffter deß Lands Canaan / mit ſich zuruͤck ins La - ger Jſrael gebracht und beygelegt / beſchrieben Num. 13, 24. ein Hieroglyphicum, ein geiſtliches Zeichen und Geheim - nuͤß-reicher typus geweſt / auff einen andern koͤſtlichern Wein-Trauben / die Trauben Copher in den Weingarten Engaddi Cantic. 1, 14. der iſt Chriſtus JEſus der Meſſias / der ſich ſelbſt und ſeine Perſon einem Weinſtock verglichen Joh. 15 / 1. deſſen Leib die ſuͤſſe ſafftige Traub iſt / darauß das edle Trauben-Blut gefloſſen.

Dann gleicher Weiſe wie I. Quoad ſortem & fatum, jener der Traub auß Eſcol / im gelobten Honig und Milch-flieſſenden Land Cana - an gewachſen / abgeſchnitten / herauß genommen / an einen Stecken an - geknuͤpfft / und alſo hangend von zween Maͤnnern / deren einer vor / der ander nachgangen / daher getragen worden / nicht auß Noth der Groͤſſe / als waͤre er ſo ungeheur groß und ſchwer geweſen / daß er von einem Mann allein nicht haͤtte moͤgen getragen werden / ſondern wegen ſeiner Zaͤrtlig - keit / ſeiner zu ſchonen / damit er nicht unterwegs zertruckt / verſehrt und zerquetſcht / ſondern gantz haͤtte moͤgen angebracht und gelieffert werden. Alſo auch Chriſtus die herꝛliche ſchoͤne Frucht der Erden Eſa. 4 / 1. iſt auß dem Land Canaan abgeſchnitten / auß dem Land der Lebendi - gen außgeriſſen worden Eſa. 53 / 9. und wie Daniel 9. redet / auß - gerottet worden; Er iſt ans Holtz / an die Creutz-ſtangen und Stecken angehefftet und angehengt / und iſt hernach in alle Welt hinauß getragen worden / von zweyerley Art der Traͤger und Kundſchaffer: Duobajuli ſunt duo teſtamenta; præeunt Judæi, ſequuntur Chriſtiani; ſalutem(*) Serm. 100. de ſempore. hi ante conſpectum ſuum gerunt, illi poſt dorſum; hi obſequia præ - ferunt, illi contemnunt, wie Auguſtini (*) bedenckliche Wort hievonlauten /133Predigt. lauten / das iſt / die zween Traͤger der Trauben bedeuten zwey Teſtament / der voran geht / deut auff die Juden / als die den heilflieſſenden Trauben mit dem Ruͤcken anſehen und ver - achten; der aber nachfolget / deutet auff die Chriſten / als welche das Heil vor ſich anſchauen / und gehorſamlich nach - folgen. Und ſolche Traͤger ſind je und alle Zeit geweſen die Geiſt - Zeugen auff Erden / das iſt Lehrer und Prediger / als exploranten oder Kundſchaffer deß himmliſchen Canaans / die davon auß Gottes Geiſt ruͤhmen und ſagen / und den gecreutzigten Chriſtum durch die Predigt in die Ohren und Hertzen hinein tragen. Wiewol mit groſſem Unterſcheid / etliche tragen poſt tergum, die da ſagen und nicht thun / etliche an - te faciem, die mit ihrem Exempel der Gemeine wol vorſtehen und vorge - hen / ſagen und thun zugleich.

Gleichwie II. Quoad virtutem ſigillarem, jener Traub ein Zei - chen und Siegel geweſt / ein arrha und Hafftgab / die Angab vor der gan - tzen Summa der Freude die noch folgen ſolt / dadurch ihre Hoffnung ver - ſigelt / ihr Glaub geſtaͤrckt werden ſolte / daß ein ſolches Land ſey / wie Gott verſprochen / ein Land da alles vollauff / und gut Trauben-Blut in - nen iſt Deut. 32, 14. Sie ſagen Num. 13, 28. wir ſind ins Land kom̃en / da Milch und Honig innen fleuſt / und diß iſt ihre Frucht / Ze piriah, diß iſt das Trauben-Blut! Das ſind die Erſtlinge / die arrha.

Theodoretus quæſt. 24. in Num. mitti eos ſcribit: ἵνα ϖ〈…〉〈…〉 μαϑόντες〈…〉〈…〉 γῆς〈…〉〈…〉 ἐυκαρπίαν,〈…〉〈…〉 ϑ〈…〉〈…〉 μήσωσι μεταλαχει῀ν〈…〉〈…〉 ἐπαιν〈…〉〈…〉 μένων καρϖῶν. ὀκν〈…〉〈…〉 ν〈…〉〈…〉 ες〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 αὶ ὀκλ〈…〉〈…〉 ζον〈…〉〈…〉 ες μηδεμίαν ἔχωσι παραίτησιν κολαζόμενοι, i. e. ut cum prænoſ - ſent fertilitatem terræ, conſequi tam uberes fructus optarent, alioqui dubitantes & claudicantes absque ullâ excuſatione plecterentur.

Damit ihren Glauben zu ſtaͤrcken / ein appetit Luſt und Verlan - gen zu erwecken / ſie zu locken und anzufriſten / daß ſie es wagen / und ſich durchſchlagen ſollen. Alſo iſt auch die edle Weintraub Chriſtus / ſein allerheiligſter und ſeligſter Leichnam / voll ſuͤſſes Trauben-Blut / iſt das Sacramentliche Siegel / die arrha, das zeuget auff Erden: die explo - ratores und geiſtliche Kundſchaffter / die in der H. Schrifft das himm - liſche Canaan durchreiſen / und von demſelben Bericht erſtatten / ſo viel in Gottes Wort geoffenbaret 1. Cor. 3. die legen den Schatz fuͤr Augen / und ſagen: diß iſt die Frucht deß Lands / diß iſt das Trauben - Blut / die ϖ〈…〉〈…〉 γ〈…〉〈…〉 σις, werdet ihr glauben und ritterlich ringen / ſo werdet ihr durch Tod und Leben tringen zur vollkommenen Herbſt-Erndt / und deroſelben Uberfluß und Genuß.

R 3Wie134Die neunte

Wie III. Quoad virtutem organicam, dieſer Traub nicht nur ein Siegel / ſondern auch ein kraͤfftig und thaͤtig ſafftig organum ϖ〈…〉〈…〉 γέυ - σεως geweſt / daran man kraͤfftiglich ſchmaͤcken koͤnnen / wie lieblich? Ohn Zweiffel da ſie den Trauben angebracht / hat man ihn nicht bloß Wunders halben angeſchauet / ſondern gepreßt / zerknirſcht / dargereicht und verſucht / ſo weit es reichen koͤnnen / wie ſuͤſſe und lieblich ſolſcher Moſt ſchmecke: Alſo iſt auch dieſer edle Traub Chriſtus / unter der Preß deß Goͤttlichen Zorns dermaſſen zerquetſche worden / daß ſein Gewand mit Weinbeer - Blut gewaſchen; ja er ſelbſt als der pocillator, der kommen iſt und kommet mit Waſſer und Blut / welches er am Creutz auß ſeinen Bruͤſten herauß flieſſen laſſen / nicht nur Waſſer / ſondern welches bedencklicher auch Blut / hat ſolches in die Sacramenta flieſſen laſſen / daß wir davon erquicket ſchmaͤcken wie freundlich und lieblich der HERR ſeye? Schmaͤcken das guͤtige Wort Gottes / die himmli - ſche Gaben und die Kraͤfften der kuͤnfftigen Welt Hebr. 6 / 4. daß wir hie moͤgen ſchmaͤcken die Suͤſſigkeit im Hertzen / und duͤrſten ſtaͤts nach ihm / hiß wir dort Stroms-weiſe werden getraͤncket werden. Al - les auff Art und Weiſe / wie wir anjetzo mit mehrerm vernehmen wer - den. Daß wir neulicher Zeit mit einander tractirt der drey himmliſchen Zeugen nobilitaͤt; deßgleichen der drey irꝛdiſchen Zeugen vilitaͤt. Die - ſes mahl wollen wir vor uns nehmen deroſelben actuoſitaͤt / efficaciam & virtutem organicam, die Krafft / Tugend und zeugliche Wuͤrckung / ſo begriffen in unſers Chriſtlichen Catechiſmi Frag: Wozu dienen die Sacramenta? Antwort. daß ſie den Glauben in uns erwe - cken und ſtaͤrcken ſollen ꝛc. Der HErr verleihe uns dazu ſeines H. Geiſtes Gnad und reichen Segen / Amen.

D nun dieſe drey Zeugen auff Erden nicht Teſtes ἅεργοι, oder faule / todte / ohnmaͤchtige / krafftloſe / bloß redende Zeugen ſeyen / ohne Nachtruck / wie Welt-Zeugen manchmahl bloſſe Wort - Zeugen ſind / verba ſunt. Die weder Krafft noch Nachiruck haben / und ob ſie ſchon etwas thun und außrichten / ſo iſt es doch nur moralis & rhe - torica efficacia, nachdem ein jeder affectionirt / corrumpirt / beredet und eingenommen worden / nachdem er ein Abſehen hat / nachdem er wol oder uͤbel wil / ſo zeugt er von einer Perſon ſchrifftlich und muͤndlich / und nachdem einer Leuth fuͤr ſich hat / nachdem wuͤrckets auch / ungewiß auff gerath wol / man wird offt betrogen / und kom̃t das Frewel-Reuel hernach / darum auch St. Paulus auff ſolche Lob-Brieff und lite -ras135Predigt. ras commendatitias nicht viel gehalten 2. Cor. 3 / 1. derer er nicht begehrt / ſondern ſich auff den effect die ſpecimina und das Werck ſelbſt / ſo von ſeinem Meiſter zeuget / beruffen / auch 1. Cor. 2 / 11. angezeigt / daß ein jeder ſeinen beſten Zeugen in ihm ſelbſt hab / der Geiſt deß Menſchen weiß / was in dem Menſchen iſt / wann er ſich ſelbſt mit dem rechten Fuß meſſen / und deſſen proportion bedencken will. Daß aber hie gewiß und unfehlbahr lebendige / kraͤfftige / thaͤtige / wuͤrckende Zeugen / die durchtrin - gen mit ſtarckem Nachtruck / zu verſtehen ſeyen / das erhellet erſtlich durch den Geiſt / das iſt geiſtlichen Lehrern / nicht nur darum / weil der Geiſt ein kraͤfftig Wort fuͤhret / ſondern auch der Prediger ſelbſt / ſein Predigt durchs Wort conſecrirt und weyhet. Das Wort Gottes / welches der Predi - ger auff ſeinem Mund und Feder fuͤhrt / das heiſt λόγια ζῶντα ein leben - diges Wort Act. 9, 17. Es iſt eine Krafft Gottes ſelig zu machen / alle die daran glauben Rom. 1 / 16. es wird verglichen mit einem Blitz und Doñerſtrahl / mit einem kraͤfftig durchtringenden frucht - bringenden Regen und Thau / dadurch man bekehret wird vom Fin - ſternuͤß zum Liecht / von der Gewalt deß Sathans zu GOtt Act. 26, 18. daher Paulus ein Salvator oder Heyland Rom. 11 / 14. Re - generator ein geiſtlich widergebaͤrender Vater Gal. 4 / 19. geneñet wird. Das Wort wird verglichen einem zweyſchneidigen Schwert. Dazu kom̃en die Exempla der wunderbaren converſionen, und kraͤfftigen Be - kehrungen / daß zum Exempel der Fiſcher Petrus 3000. Seelen erſchrecket und erwecket / Ciceronis Geiſt haͤtte ſolches nim̃ermehr erhalten koͤnnen / wañ er auch das iñerſte Marck ſeiner ſuadæ oder Wohlredenheit haͤtte an - gewendet: daß Paulus der Teppich-macher ſo viel tauſend und abermahl tauſend Seelen zum Himmelreich erleuchtet und gewonnen / Felicem er - ſchroͤckt / der Gefangene den Faͤnger im Gewiſſen geaͤngſtiget Act. 24, 25. Conf. 1. Cor. 14, 25. Ein vortreffliches Exempel fuͤr andern haben wir an dem alten hochbegabten Lehrer Auguſtino, der auß dem Gotteslaͤſterli - chen Jrꝛſah deß Manichæiſmi durch dieſes Wort bekehret worden / auff Art und Weiß wie er ſelbſt in ſeinen offenhertzigen Bericht-buͤchern beken - net: Er ſchreibt / daß er von Rom gen Meyland kom̃en / die Rhetoricam oder Redkunſt andere zu lehren / bey welcher Gelegenheit er dem Ambro - ſio zugehoͤret / keines Wegs darum / daß er von ihm lernen wolte / ſondern nur allein damit er ſeine Beredſamkeit vernehmen / und mit deß Fauſti Redens-Art vergleichen moͤchte. Dabey es dann der Allerhoͤchſte alſo geſchickt / daß indem er auff die Wort fleiſſig acht gegeben / auch zugleich die Sachen ſelbſt / und die himmliſche Warheit / davon Ambroſius re -dete /136Die neuntedete / ſein Hertz je mehr und mehr / nach und nach / zuerleuchten angefan - gen. Worauff er immer mehr und mehr Zweiffel in ſeinem Hertzen em - pfunden / ob er auch noch endlich wuͤrde die ſeligmachende Warheit fin - den und antreffen. Daruͤber ſeine Mutter / ſo ihme zu Waſſer und Land nachgefolget / hertzlich erfreuet worden / in Hoffnung / es werde ſich die Zeit ſinden / da dieſer in Suͤnden erſtorbene Sohn / ſeines Heylands Stimme hoͤren koͤnte / wie der zu Nain Luc. 7. Juͤngling ich ſage dir ſtehe auff / damit er wieder lebendig gemacht / zu reden anfangen / und ſeiner Mutter wieder gegeben werden moͤchte. Und als er alles in Glaubens - Sachen genau bewieſen haben wollen / habe ihm Ambroſius geweiſet / wie man dem Wort Gottes und ſeiner Warheit die Ehre geben / ſeine Vernunfft gefangen nehmen / einfaͤltig glauben / und an der ſeligmachen - den Lehre Gewißheit nicht zweifflen muͤſſe. Da es dann endlich nach unzaͤhlichen Hindernuͤſſen ſeines guten Vorhabens ſo weit kommen / daß ungeachtet alles fleiſſige Zureden deß Alipii und Nebridii zuvor verge - bens geweſen / und die ſchaͤndlichen Wolluͤſte ihn immer zu ruͤck gehalten / er doch endlich durch die Furcht deß Todes und deß juͤngſten Gerichts zu anderen Gedancken gebracht worden. Und nach vielem Einwenden ſeiner Vernunfft den Weg der Warheit allein auß Gottes Wort ſuchen lernen / welches ihm recht zu Hertzen gegangen; Alſo daß er ſich hoͤchlich verwundert und erfreuet uͤber deß beruͤhmten Victorini Bekehrung. Da - her er auch anfuͤhret die hertzliche Freude uͤber die Wiederkunfft deß verlohr - nen Sohns / und Wiederbringung deß verirreten Schaͤffleins. Es hat ſich aber nach vielen Hinternuͤſſen und Querhoͤltzer / ſo im Weg gelegen / begeben / daß er eine Stimme gehoͤrt / ſagend: Tolle, Lege, das iſt / nimm und liſe. Darauff er alsbald die heilige Schrifft auffgeſchlagen / und eben die Wort St. Pauli (deren Anfang iſt: Weil die Stunde da iſt auffzuſtehen) gefunden / Rom. 13. Laſſet uns erbarlich wandlen / als am Tage / nicht in Freſſen und Sauffen / nicht in Kammern und Unzucht / nicht in Hader und Neid / ſondern ziehet an den HErꝛn JEſum Chriſt / und wartet deß Leibs / doch alſo / daß er nicht geil werde. Worauß er ein neues Liecht in ſeinem Hertzen empfunden / und alſo zu dem lebendigen GOtt einig und allein durch ſeines allerheiligſten Worts / welches iſt eine Krafft Gottes ſelig zu machen alle / die daran glau - ben Rom. 1. Nachtruck und ſelige Wuͤrckung / gnaͤdiglich bekehret wor - den: nicht ohne ſonderbare Hertzens-Freude ſeiner lieben Mutter / der Monica, welche zuvor ſo viel Jahr vor ſeine Bekehrung den Allerhoͤch -ſten137Predigt. ſten hertzlich angeruffen / alſo / daß auch einsmahls ein Biſchoff / welchen ſie um ſein Gebet vor ihres Sohns Bekehrung erſucht / zu ihr geſagt: Impoſſibile eſſe, ut filius tantarum lachrymarum periret, Es ſeye unmuͤglich / daß ein ſolcher Sohn / um deſſen willen ſo viel aͤngſtliche Thraͤnen im Gebet zu GOtt vergoſſen ſind / koͤnte verlohren werden.

Richterus erzehlt in axiom. Eccleſ. p. 162. ein denckwuͤrdiges Exempel ſolcher kraͤfftigen Wort-Bekehrung ex Simone Pauli. Jch hab / ſchreibt dieſer / vor etlichen Jahren einen gar verwegenen gottloſen Menſchen gekant / welcher nimmer zur Kirchen gieng / nimmer deß Herrn Nachtmahls gebrauchte / nim - mer etwas gutes redete und thaͤte / ſondern ſchroͤcklich fluchte / und wie ein Teuf - fel lebete / und fuͤrnemlich die Prediger verfolgte und laͤſterte. Wie nun ein fremb der Prediger an demſelbigen Orthe predigen ſolte / ſprach er / er wolle den neuen Pfaffen auch mit hoͤren. Darauff gieng er in die Kirchen und hoͤrete pre - digen. Der Prediger aber handelte die Geſchicht von St. Pauli Bekehrung / und vermahnete die Zuhoͤrer / ſo jemand mit St. Paulo ein Verfolger und Laͤſte - rer geweſen / oder auff andere Art mit ihme gefallen waͤre / auch mit ihm auff - ſtehen / und mit nichten die Buß biß ans Ende ſparen wolte. GOtt waͤre gnaͤ - dig / nicht den Vnbußfertigen / ſondern denen die da Buſſe thaͤten. Thaͤte je - mand warhafftige Buſſe / ſo erlangte er gewißlich Vergebung der Suͤnde / nach dem theuren und hohen Ende GOttes Ezech. 33. So wahr als ich lebe / ſpricht der Herr Herr / ich habe kein Gefallen am Tode deß Gottloſen / ſondern daß er ſich bekehre von ſeinem Weſen und lebe. Nach Erklaͤrung dieſes Eyds Gottes / widerlegte der Prediger die Laͤſterunge Cains / meine Suͤnde iſt groͤſſer / denn daß ſie mir kan vergeben werden. Sprach darauff auß Auguſtino: du laͤu - geſts Kain / du laͤugeſts / denn Gottes Barmhertzigkeit iſt groͤſſer / als aller Suͤnder Elend. Weiter that der Prediger hinzu / wenn du Buſſe thuſt / und alsdenn der Teuffel oder dein Gewiſſen zu dir ſpricht: deine Suͤnden ſind groͤſ - ſer / denn daß ſie dir koͤnnen vergeben werden / ſo antworte unverzagt und mit keckem Muth: du laͤugeſt Teuffel / du laͤugeſt; du laͤugeſt Gewiſſen du laͤu - geſt / Gottes Barmhertzigkeit iſt groͤſſer / denn aller Suͤnder Elend. Da dieſer mit Fleiß auffmerckte / was geſagt ward / ruͤhrete ihm der Geiſt Gottes (wel - cher durch das Wort / ſo geprediget und geredet wird / kraͤfftig iſt) das Hertze / daß er bekehret ward. Denn ſo bald die Predigt zum Ende war / ſprach er zu einem von ſeinen guten Freunden / der damahls bey ihm ſtund in der Kirchen: GOtt ſey gelobet / daß ich in die Kirche kommen bin / und habe predigen gehoͤrt. Jch wil mein Leben beſſern / und dieſer Predigt gedencken / ſo lang ich lebe / und wenn ich ſterben muß / wil ich mich damit troͤſten. Wie er heim kam / ſchrieb er die Summam der Predigt in ein Buch / und hatte ſie ſtaͤts bey ſich / und als er kurtz hernach kranck ward / und ſterben mußte / hatte er dieſelbe Predigt biß in den Tod fuͤr ſich / laß darinnen / teoͤſtete ſich damit / empfieng deß Herrn Nachtmahl / und ſtarb ſeliglich.

Daß aber auch das heilige Tauff-Waſſer ſolche Krafft hab / wie wir davon im Catechiſmo bekennen / da gefragt wird: Worzu dienen die Sacramenta? item, Was wuͤrcket die Tauff? Antw. Achter Theil. SDaß138Die neunteDaß ſie als gewiſſe Siegel und Zeichen den Glauben in uns erwecken ꝛc. in welchen die Erloͤſung und Gemeinſchafft Chriſti dargegeben und mit getheilet wird; item, die Tauff wuͤrcket Vergebung der Suͤnden / ſie erloͤſet vom Teuffel und Tod / und gibt die ewige Seligkeit ꝛc. Sie iſt das Bad der Widergeburt / dadurch uns GOtt ſelig macht Tit. 3 / 5. Das Waſſerbad im Wort das uns reiniget Eph. 5 / 26. ohne welches niemand ins Reich Gottes kommen kan Joh. 3 / 5. Darum rufft Petrus Act. 2. Laßt euch tauffen! Laßt euch helf - fen und curiren durch dieſes Heyl-Bad. Was die Heyl-Baͤder / e. g. das Marggraffen-Bad / das Wild-Bad / Saurbronnen-Bad / Hub - und Sultz-Bad und dergleichen / und was die mineraliſche Spiritus darinnen wuͤrcken / das erfaͤhret und hats erfahren mancher gebrechlicher patient: Wie viel mehr dieſes Seelen-Bad? Jn und durch welches wuͤrcket der Geiſt / der da lebendig macht / Joh. 6 / 63. 2. Cor. 3 / 6. davon die Chriſtl. Kirch ſingt:

Das Aug allein das Waſſer ſiht /
Wie Menſchen Waſſer gieſſen;
Der Glaub im Geiſt die Krafft verſteht /
Deß Blutes JEſu Chriſti / ꝛc.

Daß aber auch der dritte Zeug / das Blut ſo un H. Abendmahl ſamt dem Leib Chriſti zu trincken gereichet wird / nicht zur bloſſen Augen - und Sin - nen-weyd (wie jenes Kaͤyſers Heliogabali Mahlzeit / die er ſeinen Schma - rotzern zugerichtet) ſondern kraͤfftig und thaͤtig durch dieſelbe himmliſche Guͤter mitzutheilen / angeſehen ſey / das erhellet daher / dieweil nicht bloß Brodt und Wein / nicht Schalen ohne Kern / nicht Schatten ohne Leib / nicht Seckel ohne Gelt / nicht Faß ohne Wein / nicht Bein ohne Marck / ſondern das lebendigmachende Fleiſch und H. rantzion-Blut gehalten wird; Joh. 6 / 54. Wer mein Fleiſch iſſet / und trincket mein Blut / der hat das ewige Leben / item: das Blut das reini - get von Suͤnden 1. Joh. 1.

Mit was Stirn? mit was Mund? mit was Hertzen darff der Calviniſche Jrꝛgeiſt ſchreiben: Caro Chriſti nihil prodeſt, Mein Fleiſch nutzt nichts / verſtehe / lebendig zu machen durch leib - liche Nieſſung / ſo laut die Gloß der Herborniſchen Bibel. Contrà ſchreibt Auguſt. caro ſepulta prodeſt, quidni comeſta? Tract. 27. ad Joh. ſo das todte und begrabene Fleiſch Chriſti uns heilſam iſt und nuͤtz - lich / warum nicht das gegeſſene Fleiſch? Ja tua caro, dein FleiſchO ſuͤnd -139Predigt. O ſuͤndlicher Menſch / iſt nichts nutz / dein fleiſchliches ſuͤndliches Hertz iſt kein nuͤtze / dein natuͤrliche ja Tuͤrckiſche Vernunfft (der Tuͤrck haͤlt uns Chriſten fuͤr Narren / als fraͤſſen wir unſern GOtt / ſind das nicht tolle Hund / ſol man die / ſo ihren GOtt freſſen / nicht todt ſchlagen? ſagt er. ) dein Fleiſch vom Fleiſch gebohrn / iſt nichts nutz zu und in Goͤttlichen Ge -Hodom. Calvin. pag. 3278. heimnuͤſſen dieſelbe zu begreiffen; nicht mein Fleiſch vom Geiſt gebohrn / wie Lutherus wohl diſtinguirt inter carnem abſolute & carnem meam Tom. 2. Isleb. in hæc verba p. 207. f. 1. (*)Es ſpricht Chriſtus nicht (ſind Lutheri Wort) mein Fleiſch iſt kein nuͤtze / denn droben hat er geſagt: Mein Fleiſch iſt die rechte Speiſe / und ge - ruͤhmet / daß ſein Fleiſch der Welt das Leben gebe. Jetzt aber da ſie ſich darůber aͤrgern / und es nicht glauben wollen / daß ſein Fleiſch die warhafftige Speiſe ſey / antwortet er / was machet ihr? Meine Wort ſind eitel Leben / wenn ich ſpreche / mein Fleiſch iſt die Speiſe / das ſind Wort dazu gehoͤret der Geiſt / wil man dieſe Wort verſtehen / mein Blut trincken und mein Fleiſch eſſen / es iſt eitel geiſtlich Ding. Vnd es erzwinget dieſer Text unwiderſprechlich / daß er nicht rede von ſeinem Fleiſche / das wol auch eine Speiſe / und ein recht geiſtlich Fleiſch iſt / voll deß heiligen Geiſtes / und ein Goͤttlich Fleiſch / darinnen eitel Geiſt gefunden wird / das voller Gnaden ſteckt / denn es gibt der Welt das Le - ben. Aber er ſetzet jetzt gegen einander Geiſt und Fleiſch / und redet unterſchied - lich von einem jeden / darum kan dieſer Spruch vom Fleiſch Chriſti nicht ver - ſtanden werden / darinnen iſt Geiſt / und er machet damit lebendig. So ſollen wir dieſe Wort (das Fleiſch iſt kein nuͤtze) nicht deuten noch zihen laſſen auff den Leib Chriſti / von deß Fleiſch es nicht mag verſtanden werden: Sondern das iſt die Meynung / gleichwie im erſten Buch Moſi am ſechſten Capitel (da die Welt durch die Suͤndfluth verderbet ward) GOtt ſagete: Mein Geiſt ſoll nicht mehr bleiben bey den Menſchen / deñ ſie ſind Fleiſch. Vnd droben Johannis am dritten Capitel ſpricht Chriſtus auch: Alles was vom Fleiſch gebohren wird / das iſt Fleiſch / und was vom Geiſt gebohren iſt / das iſt Geiſt. Alſo ſetzet er hie auch gegen einander Fleiſch und Geiſt / und ſpricht / das Fleiſch iſt kein nuͤtz und todt / der Geiſt aber macht lebendig. Da heiſſet Chriſtus Fleiſch / alles was vom Fleiſch gebohren iſt / alle Adams-Kinder / ſo auß dem Fleiſch kommen / außge - nommen den einigen Leichnam Chriſti / der nicht vom Fleiſch / ſondern vom H. Geiſt gebohren iſt / wie wir im Symbolo bekennen: Jch glaub an Chriſtum / der empfangen iſt / nicht vom Fleiſch / ſondern vom H. Geiſt. Er hat wol war - hafftig Fleiſch an ſich genommen / aber das Fleiſch hat ihn nicht gezeuget / er hat keinen Vater gehabt / ſondern der H. Geiſt hat ihn gezeuget in dem Jungfraͤuli - chen Leib Mariæ / das beſtaͤtigt unſer Glaube. Darum wann Chriſtus von ſeinem Fleiſch redet / ſo ſprichter mein Fleiſch / mit dieſem Wort mein / ſondert er ab ſein Fleiſch / von allem anderem Fleiſch / diß ſein Fleiſch iſt heilig / geſegnet und begnadet mit dem heiligen Geiſt. Vnd iſt zwar von Natur Marien Kind / aber er hat doch ein geiſtlich Fleiſch einen warhafftigen / Goͤttlichen / und Geiſt - lichen Leib / darinnen der heilige Geiſt wohnet / der hat ihn gezeuget / und daſ - ſelbige ſein Fleiſch gar durchgeiſtet. Ita optimè D. Lutherus in h. l.

S 2Es140Die neunte

Es ſind II. Teſtes organici & diaconici, werckzeugliche Zeugen / ſie ſind die vehicula und inſtrumenta, der Gnaden-Wagen Gottes / darauff er ſeine himmliſche Schaͤtz einfuͤhret und darbietet / und haben alſo die Art der Werckzeuge an ſich. Gleichwie die Feder eines Schrei - benden nicht muͤſſig iſt / ſondern reverà und warhafftig mit wuͤrcket im ſchreiben: Alſo ſind auch die Diener deß Worts Gottes auß und von ſich ſelber nichts / Es iſt weder der da pflantzet / noch der begeußt et - was / ſondern GOtt der HErꝛ der das Gedeyen gibt. Wie in gleichem Elias ſein Opffer mit Waſſer begoſſen / aber GOtt ließ Feur vom Him̃el fallen. Wer iſt Paulus? Wer iſt Apollo? Diener ſind ſie. 1. Cor. 3. v. 5. Der Prediger muß vor Chriſto / welcher mit Waſſer und Blut erſcheinet / ſein Pareth abzihen und ſagen: Jch bin nicht Chriſtus / ich gib mich nicht dafuͤr auß / als waͤr ich etwas groſſes / wie Simon der Zauberer ſeyn wolte Actor. 8, 9. Doch aber iſt er etwas in ſeiner Ord - nung / ein Diener / ein Mitarbeiter / er pſtantzet und begeußt organicè,vid. Re - form. Salv. p. 3241. dienſtlich doch wuͤrcklich. Nicht iſt er nur bloß ein Bott oder Brieff - Traͤger der nur bloß verkuͤndiget / ſondern Engel und Apoſtel:(*)Wie Lutherus hievon ſchreibt Tom. 8. Witt. in cap. 2. Malach. ad verba deß Prieſters Lippen ꝛc. pag. 566. fac. 1. & 2. Die Lippen ſind die Gemeinen oder die Kirchen / in welchen allein Gottes Wort behalten wird / denn wo es nicht oͤffentlich gepredigt wird / da verfleußt es hinweg / und je mehr mans predigt / je kraͤfftiger es behalten wird / leſen richtet nicht ſo viel auß / als hoͤren. Die lebendige Stimme lehret / vermahnet / ſchuͤtzet / und wi - derſtehet dem irrigen Geiſt. Nach dem geſchriebenen Wort fraget der Teuf - fel nichts / wo mans aber redet und prediget / da fleuhet er. Dann daſſelbig dringet durch die Hertzen / und bekehret die Jrrigen. Jch wolte / ſpricht Pau - lus Gal. 4. daß ich jetzt bey euch waͤre / und meine Stimme wandlen koͤnte ꝛc. Die lebendige Stimme bewahret die Lehre und das Geſetz / unterweiſet die Vn - wiſſenden / ſtraffet und bringet zu recht die da irren / verdampt die Verfaͤlſcher. So ſind nun deß Prieſters Lippen inſtrument anderen zur Seligkeit / und be - wahren die Lehre / nicht in ihrem Hertzen / ſondern in deren Hertzen / welche ſie lehren / und welche vollkommen ſind / die ſuchen und fragen Gottes Willen von ihnen. Denn GOtt ſchicket einen ſolchen Prieſter nicht als einen Brieff-Traͤger / ſondern als einen Engel und Apoſtel / der deß Herrn Geſchaͤffte mit Worten und dem Munde außrichte. Darum ſind ſolcher Mund und Lippen Gottes Werckzeuge. Die Buͤcher bewahren die Lehre heimlich / die Lippen aber of - fentlich / und ſolche Lippen / die offen und nicht zugeſchloſſen ſind / das iſt / die da predigen.

von Paulo ſpricht der HErr Act. 9, 15. Dieſer iſt mir (σκεῦ〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 κλε - κτὸν) ein außerwehlter Ruͤſtzeug / daß er meinen Nahmen tra - ge fuͤr den Heyden / und fuͤr den Koͤnigen und fuͤr den Kin -dern141Predigt. dern Jſrael. Und Act. 26, 18. Jch ſende dich unter die Hey - den / auffzuthun ihre Augen / daß ſie ſich bekehren von dem Finſternuͤß zu dem Liechte / und von der Gewalt deß Sa - thans zu GOtt / zu empfahen Vergebung der Suͤnde / und das Erbe / ſampt denen die geheiliget werden durch den Glauben an mich. Das H. Tauff-Waſſer das reiniget / und waſchet die Suͤnde ab Act. 22, 16. nicht metonymicè und verbluͤmter Weiß / ſon - dern ex elevatione ſupernaturali, auß einer uͤbernatuͤrlichen Erhe - bung / davon Petrus ſagt: Das Waſſer macht uns ſelig in der1. Pet. 3, 21. Tauffe / nicht das Abthun deß Vnflaths am Fleiſch / ſondern der Bund eines guten Gewiſſens mit GOtt. Nicht durchs Waſſer allein / das thuts freylich nicht / ſondern durchs Waſſer und Geiſt. Deßgleichen / das geſegnete Brodt nehret / der Wein / mit dem Blut Chri - ſti vereiniget / traͤncket geiſtlicher doch warhafftiger Weiß. Gleichwie die Ganßgeiſſel / die Feder / auß eigner Bewegung von ſich ſelbſt nicht ſchreiben kan / wo ſie nicht elevirt wird durch den Schreiber; es muͤßte ein Feder lang auff dem Tiſch ligen / biß ſie ein gelehrt-ſinniges carmen, oder ein wol ſtyliſirte Epiſtel ſolte ſchreiben. Die Feder deß Hamans kunt von ſich ſelber nicht den Juden das Leben abſchreiben; ſondern der Schreiber / der die Feder braucht / der hats gethan: Alſo auch der Pre - diger / das Tauff-Waſſer / bloß Brot und Wein / abſonderlich wuͤrcken nichts Himmliſches; wann ſie aber von dem Geiſt Gottes erhoben / ſo wuͤrcken ſie kraͤfftiglich / alsdann thut der Diener Gottes Wunder / er be - kehrt von dem Finſternuͤß zum Liecht / er gebieret wider / er heißt deßwegen Heyland / er diſtribuirt das Brod deß Lebens / traͤgt gleichſam den Leib Chriſti in ſeiner Hand; deßgleichen ſchlecht Waſſer thuts freylich nicht / ſchlecht Eſſen und Trincken thuts auch nicht / nullus effectus nobilior ſuâ causâ; ſondern wann ſolche euſſerliche Elementen und inſtru - menten mit dem Geiſt / mit dem lebendigmachenden Fleiſch und Blut vereinbaret / gereichet werden / ſo laſſen ſie ihre Krafft mercken. Gleichwie drittens / Schreiber und Feder eine Handlung verrichten / es iſt beyder ein einige unverſchiedene action und Wuͤrckung. Der Schreiber ſchreibtvide Darmſtatt. in Fund. deduct. p. 445. nicht vor oder nach der Feder / aber auch nicht neben abſonderlich / ſonſt waͤren es zwo Schrifften / ſondern mit / und durch die Feder: Alſo auch der Lehrer und Prediger / der Diener am Wort Gottes / der wuͤr - cket auch auff Erden / durch die Erden / das iſt durch irꝛdiſche Mittel und Werckzeug / durch ſeine Zung / Werckzeugs-Weiſe / nicht nur Begleitungs - Weiſe. Ψιλῇ ἐϖινοίᾳ laͤßt ſichs wol mit Gedancken unterſcheiden / aberS 3nicht142Die neuntenicht realiter; im heiligen Gebrauch und Ubung ſelbſt / ſind es unzertheil - te und unverſchiedene Mittel ſolchen Glauben in uns zu erwecken und zu mehren / daher das Predig-Ampt genennet wird das Ampt deß Gei -Matth. 10, 20. 1. Cor. 15, 10. ſtes 2. Cor. 3 / 8. der Mund Gottes Jerem. 15 / 19. Johannes eine ruffende Stimme Gottes Joh. 1 / 23. Die Hand deß Taͤuf - fers eine Hand deß mitwuͤrckenden Chriſti Joh. 3 / 22. Marc. 16 / ult. Das Waſſer in der H. Tauff iſt ein Gottes Waſſer / per aquam Eph. 5. da - durch GOtt wuͤrcket / davon wir ſingen in dem ſchoͤnen Lied / Chriſt un - ſer HErꝛ zum Jordan kam ꝛc. Das Blut zeuget auff Erden unitè vereinbarter Weiſe / durch die Gemeinſchafft deß Junerlichen mit dem Euſſerlichen / deß Him̃liſchen mit dem Jrrdiſchen / deß Kernen mit der Schalen. Feuer und Schwert ſind zwey Ding im gluͤenden Schwert; der haue aber und die Wund ſind unverſchiedlich eins: Alſo Geiſt und Waſſer ſind in ihrer Natur zwey Ding / aber haben eine untheilbare Wuͤr - ckung. Was nun GOTT zuſammen gefůget hat / ſol der Menſch nicht ſcheiden. Gleichwie auch vierdtens / die Wuͤrckung der Schreibfeder iſt eine / nach der Erhebung und Gebrauch deß Schrei - bers abgemeſſene Handlung / ſie waͤret nicht allzeit / ſondern hoͤrt wieder auff / ſo bald der Schreiber auffhoͤrt derſelben zu gebrauchen; alldieweil der Schreiber ſie auffhebt / anſetzt / Buchſtaben figurirt / ſo ſchreibt ſie / ſonſt weder zuvor / noch hernach / bleibt ſonſt ein Feder / wie ſie zuvor war. Jud. 3, 20.Gleichwie Ehud / da er das Wort Gottes gehabt an den Koͤnig Eglon / vor und nach geblieben / wer er war / ſc. ein Unterthan / aber jetzt in actu legationis, da er als ein Geſandter von Gott kam / war er ein Werckzeug Gottes / ſein Hand und Schwert / war Gottes Hand und Schwert. Gleichwie der wunderthaͤtige Stab Aarons Gottes Stab geheiſſen und ge - weſen / ſo lang durch denſelben Wunder geſchehen: Auſſer der Goͤttlichen elevation aber war er ein bloſſer gemeiner Stab. Alſo iſt das Waſſerbey der H. Tauff und dero thaͤtlichen Handlung ein heiliges inſtrument und Werckzeug der gnaͤdigen Widergeburt / in / mit / und durch welches ſolche verrichtet wird: nach der Tauff-Handlung iſt / und bleibts ein gemeines Waſſer / wie zuvor. Gleichwie der Teich Siloah oder der Jordan 2. Reg. 5. durch welchen vorzeiten Wunder geſchehen / ſind nunmehr nicht beſſer als andere gemeine Waſſer. Man ſchuͤttet das Tauff-Waſſer auß / nach vollendetem Gebrauch / anders nicht als ein ander gemein Waſ - ſer / man betets nicht an. Wie die Schweiß Tuͤcher der Heiligen / der Schatten Petri, der Saum am Kleyd deß HErꝛn Chriſti / damahl in actu Wunder gethan / was gehet aber das die Sacra Lipſana oder heu -tige143Predigt. tige Heiligthum an / wann auch gleich einer ein Stuͤcke von dem Kleid Chriſti oder Schweiß-Tuch / warhafftig haben und beſitzen ſolte? So wenig es folgt / der Jordan hat vorzeiten den Auſſatz gereiniget / ergò hat er noch heutigs Tags ſolche heilwerthe Krafft / und iſt deßwegen religiosè zu verehren; ſo wenig laͤſt ſichs auch ſchlieſſen von der olims. Krafft auff die nunc. Krafft. Es bleibt bey der Regul: Sacramenta extra uſumconf. Ho - doſ. p. 721. Lact. Cat. p. 1. p. 167. & 170. non ſunt Sacramenta, auſſer dem rechten in Gottes Wort vorgeſchriebe - nen Gebrauch ſind Sacramenta keine Sacrament. Brauchſtu nicht das Element / ſo haſtu auch kein Sacrament. Welcher maſſen ein Hand - wercksmann wann er Zeugnuͤß ablegen muß vor dem Richter / ſo heißt er alsdann ein Zeug / hat er außgezeugt ſo iſt er auch kein Zeug nicht mehr.

Es ſeynd III. Teſtes fructifici, Fruchtwuͤrckende Zeugen. Diß iſt die rechte heilige Fruchtbringende Geſellſchafft. Der Ter - minus ad quem, der auff ſolche operation folgt / iſt ins gemein deß Glau - bens Ende / der Seelen ewiges Heyl und Seligkeit. Daher ein Lehre[r]oder Kirchen-Diener in gewiſſer Maß ein Salvator, ein Heyland oder Seligmacher mag genennet werden. St. Paulus ſagt zu dem jungen Biſchoff Timotheo, 1. Tim. 4 / 16. Wo du ſolches thuſt / (ſc. was ich dir befohlen hab) wirſtu dich ſelbſt ſelig machen und die dich hoͤren. Deßgleichen macht uns GOtt ſelig durch die Tauff / als das Bad der Widergeburt Tit. 3 / 5. Was wuͤrcket die Tauff? Sie wuͤrcket Vergebung der Suͤnden / ſie erloͤſt vom Teuffel und Tod / und gibt die ewige Seligkeit. Das H. Abendmahl bringt uns den rechten Ablaß der Suͤnden / Dann was nußt ſolch eſſen und trincken? Das zeigen uns dieſe Wort an / fuͤr euch ge - geben / nemlich daß uns im Sacrament Vergebung der Suͤnden / Leben und Seligkeit durch ſolche Wort gegeben wird. In ſpecie ſo empfangt der Menſch χάρισμα χαρισμάτων, die Quell aller Gnaden-Gaben den H. Geiſt ſelbſt Gal. 3 / 2. Jm Hauß Cor - nelii fiel der H. Geiſt auff alle / die dem Wort zuhoͤren Act. 10, 44. Durch die H. Tauff ſchencket der him̃liſche Vater und verſetzt den Taͤuff - ling in ſeine Kind - und himmliſche Erbſchafft / wir werden hiemit in die Gewehr geſetzt / ſolche Herꝛligkeit / die man ſolte an der Welt Ende auff den Knien mit bloſſen Fuͤſſen abholen / wie Lutherus redet. Chriſtus ſchenckt das Kleyd ſeiner Gerechtigkeit /Tom. 2. Isleb. pag. 425. fac. 2. dann wie viel euer getaufft ſind / die haben Chriſtum JEſum angezogen Gal. 3 / 27. ja den H. Geiſt ſelbſten: Laſſe ſich ein jegli - cher tauffen auff den Nahmen JEſu Chriſti / zu Vergebungder144Die neunteder Suͤnd / ſo werdet ihr empfahen die Gab deß H. Geiſts / ſagt und rathet Petrus Act. 2, 38. quod quantum ſit bonum carendo diſcent damnati, wie uͤberſchwenglich hoch und edel dieſe Gab (deß H. Geiſts) ſey / werden erfahren in der Ewigkeit / die derſelben werden entra - then muͤſſen. Daher kommt heiligmachende / gerechtmachende / leben - digmachende Gnade und Krafft. Das H. Abendmahl iſt der rechte Artzney-Theriak und Lebens-Balſam. Wir arme Adams-Kinder ſo bald wir unſer ſuͤndlich Adams-Fleiſch und Blut empfangen / in unſern ſuͤndlichen Adamiſchen Empfaͤngnuͤß und Geburt / ſo bald empfangen wir auch mit die Suͤnde / und werden theilhafftig alles Adamiſchen Jammers und Elends; Alſo im Gegentheil / wann wir theilhafftig worden deß Leibs und Bluts Chriſti im heiligen Abendmal wuͤrdiglich / ſo werden wir auch zugleich theilhafftig aller Gnaden-Schaͤtz / ſo GOtt in Chriſtum und in ſein theures Verdienſt gelegt / vermittelſt der Gemeinſchafft ſeines gegen - waͤrtigen Leibs.

O ein edler Traub von Eſcol! Wollen wir aber deſſelben genieſſen / ſo iſt von noͤthen / daß mans zum Mund halte. Das iſt der Glaubens - Mund / dadurch wir dero Suͤſſigkeit / erquickenden Safft koſten und ge - nieſſen. Wer einem den Baum ſchenckt / der ſchenckt zugleich auch deſ - ſen herꝛliche Frucht Rom. 8. Darum entſtehet das Sacrament nicht auß dem Glauben / ſondern der Glaub auß dem Sacrament. Daher Gottes Wort und die Sacramenta auch von Unglaubigen koͤnnen theils ange - hoͤrt / theils empfangen werden / der Glaub oder Unglaub gibt und nim - met der ſubſtantz deß Sacraments nichts / wiewol die allein die heilſame Frucht deſſelben genieſſen / die es mit wahrem Glauben empfangen; Gleichwie eine ſafftige / kraͤfftige / nahrhaffte Speiß zwar nicht ihre Krafft und Safft vom Munde deſſen / der da iſſet / erholet / jedoch demſelben nicht nutzet / wo er mit dem Munde nicht iſſet. Der Balſam hat ſeine wohlriechende Tugend nicht von der Naſen / doch wann der Menſch den Schnuppen hat / ſo kan er deß Geruchs zur Staͤrckung ſeiner Lebens - Geiſterlein nicht genieſſen. Das Sacrament beſtehet nicht in dem event deß Glaubens auff gerath wohl / das waͤre ein Abentheur; ſondern auff dem Himmelfeſten Wort Gottes. Es kan geſchehen / daß ein Menſch das gantze Sacrament habe / und doch darbey einen verkehrten Glauben habe / ſchreibt Auguſtinus Lib. 3. contra Do - natiſt. c. 14. Wann eine Manns-Perſon einer Jungfrauen in oͤffent - licher Chriſtlicher Verſamlung den Trau-Ring auff die Ehe außtruͤcklich gibt / und die Jungfrau denſelben auff das Wort / daß es ein Trau -Ring145Predigt. Ring ſeyn ſol / annimt / ſo iſt es eine Ehe / ob ſchon die Jungfrau kein rich - tiges Hertz zu der Manns-Perſon haͤtte / ſondern Untreu gegen ihm zu veruͤben gedaͤchte. Alſo wann ein heimlicher Heuchler getaufft wird / ſo uͤberkompt er die wahre Goͤttliche Tauffe / dadurch GOtt ihm ſeine Gnade offeriret; weil er aber kein richtiges Hertz hat / ſo ſuͤndiget er wider GOtt / gleich wie die Jungfrau wider ihren Braͤutigam mit ihrem unrichtigen Hertzen ſuͤndiget.

Derowegen O Menſch / bring hieher den Mund deß Glaubens / wiltu deß Glaubens Fruͤchte genieſſen? Allen die es glauben / ſteht in unſerm Catechiſmo / und wiederum / das Wort fuͤr euch fordert eitel glaubige Hertzen. Wird alſo erfordert (1.) verus ſenſus & conceptus, der rechte erleuchtete Sinn und Verſtand deß Sa - craments / auff daß wir recht davon dencken / ſinnen / reden / æſtimiren und halten / wie wir die Sacramenta anſehen ſollen / nicht wie ὄνοι μυςήρι -vid. Luth. Tom. 3. Witteb. p. 38. ον, wie der Eſel der das Heiligthum traͤgt / oder wol gar Meß macht oh - ne Verſtand /

Oſeas Schadæus in der Beſchreibung deß Muͤnſters allhier pag. 57. berichtet hievon alſo: Gegen der Cantzel uͤber in der Hoͤhe / da die Adelichen Schild hangen / am Vmgang bey den Fenſteren findet man im Capital einer Seulen in Stein gehauen ein Eſel / ſo Meß machet / dem andere wilde Thier zu Altar dienen / deßgleichen tragen die Baͤren und Saͤu ein Heiligthum / darauff ein Fuchs ligt / dieſelben tragen auch Kertzen und Weyhkeſſel; die Außlegung iſt Reimens Weiſe / durch D. Johann Fiſchart genant Mentzer / in Truck gegeben worden / darinn unter andern ſteht:

Man traͤgt allhie fuͤr Heiligthum /
Ein ſchlaffend Fuchs deut Heuchelthum:
Die Heuchler ſtellen ſich wie Schaff /
Vnd lauren wie ein Fuchs im Schlaff / ꝛc.

Et mox:

Nun diß Roͤmiſch Fuchs Heuchelthum
Tragen zween ſauber Eſellen um /
Ein wuͤſt Sau und ein ſtinckend Bock /
Jſt immer Schad um den Chor-Rock / ꝛc.

Sondern wie es im Wort klar geoffenbahret zu finden. Der natuͤrliche Menſch ihm ſelbſt gelaſſen / verſtehet auch hie nicht was deß Geiſtes Got - tes iſt / er kan ſich darein nicht finden / daß ein armer Pfarꝛherꝛ und Pre - diger / nicht von hohem Adelichem oder Fuͤrſtlichem Geſchlecht / etwan ein Schumachers / Schneiders oder Schmidts Sohn / ſol ſolche groſſe DingAchter Theil. Tthun /146Die neuntethun / zwar dienſtlich / aber doch wuͤrcklich. Solt nicht auch mancher ſtoltzer Geiſt und hoher Welt-Fratz ſagen: Wie ſolt uns dieſer wei - ſen / was gut iſt? Pſ. 4. Wie ſol uns dieſer ſelig machen? Wie kan Waſſer ſolche groſſe Ding thun? Aber / μωρὸν Θε〈…〉〈…〉 σ〈…〉〈…〉 φώτερον! Gottes Thorheit iſt weiſer als aller Menſchen Klugheit.

ita D. Fa - bric. in der dritten Predigt - ber Judic. 7. p. 494. ſq.
11

Die Lehrer der Kirchen habens um beſſers Verſtaͤndnuͤß willen gar wol erklaͤrt mit dem Exempel Gideons Jud. 7 / 20. Diß iſt ein wunder - bare Ruͤſtung geweßt; Gideon war willens ſeine Feinde verzagt und er - ſchrocken zu machen / er gedachte ſie zu ſchlagen und zu verjagen. Was konten nun die Poſaunen mit den ledigen Kruͤgen und Facklen ihm darin groß helffen? Dann mit Poſaunen und mit Trommeten macht man die Soldaten nicht verzagt: Sondern erwecket ihnen vielmehr dadurch den Muth / daß ſie mit Freuden zum Streit hinan eilen: Wie dann der Poët ſagt:

Aere ciére viros, Martemque accendere cantu.

Das iſt / mit Pfeiffen und Trommlen pflegt man das Kriegs-Volck hertz - hafftig zu machen. So fuͤrchtet ſich auch kein tapfferer Kriegsmann fuͤr dem Liecht / ſondern hat viel lieber Luſt dazu / auff das er beym Liecht oder bey brennenden Facklen in der Nacht moͤge koͤnnen frey um ſich ſehen / und ſeinen Feind deſto baß erkennen. Wo hat mans auch ſonſt / auſſer dieſer Hiſtori / geleſen oder gehoͤrt / daß jemahls ein Kriegs-Heer were - berwunden worden / mit ledigen Kruͤgen oder mit Toͤpffen? Ariſtopha - nes gibt wol den Rath / daß man mit alten Toͤpffen wider die Nacht-Eulen ſtreiten ſol / weil ſie durch das Gethoͤn und Gepraſſel derſelben / wenn man ſie zerbricht / koͤnnen verſchuͤchtert werden / wo man ſie an einem Orth nicht leiden wil. Aber wider Menſchen mit ſolchen Waffen zu kriegen ſcheinet faſt laͤcherlich. Und wenn heut zu Tag ein Feld-Herꝛ alſo wolte auffgezogen kommen / wie der Gideon / der wuͤrde gewißlich mit ſeinem Vorhaben / außgelacht und außgeſpottet werden. Wir aber muͤſſen und ſollen uns nicht unterſtehen / GOtt den HErrn in ſei - nen Wercken außzulachen. Denn die Goͤttliche Thorheit iſt viel kluͤger / als aller Menſchen Weißheit / ſagt Paulus 1. Cor. 1. das iſt / wenn gleich die Goͤttliche Wercke fuͤr unſeren Gedancken ſcheinen / als weren ſie thoͤ - richt angefangen / ſo gerathen ſie doch viel beſſer / als die allerkluͤgeſten Anſchlaͤge und Geſchaͤffte der weiſeſten Menſchen. Denn wann GOtt ſeinem Volck helffen wil / ſo beweiſet er offt ſeine Macht am ſtaͤrckeſten durch die geringſten und ſchwaͤchſten Mittel. Wenn GOtt eine Ruthehaben147Predigt. haben wil / damit er ſich an ſeinen Feinden raͤche / ſo kan er bald einen Baum dazu finden. Diß war eine Figur auff die lieben Apoſtel und an - dere / die zum H. Miniſterio deß Sohns Gottes gehoͤren. Denn ſie mu - ſten mit Chriſto gleich an der Spitze ſtehen / zu kaͤmpffen wider den Sa - than und wider die arge Welt. Da ſind nun die Waffen ihrer Ritter - ſchafft nicht fleiſchlich ſondern geiſtlich / und doch maͤchtig fuͤr GOtt / zuverſtoͤren die Befeſtungen / die Anſchlaͤge und alle Hoͤhen / welche ſich erheben wider das Erkantnuͤß Gottes 2. Cor. 10. Sie haben auß Gottes Ruͤſt-Kammer empfangen die Pano - pliam oder Ruͤſtung / dadurch ſie ſtarck worden ſind in dem HErꝛn und in der Macht ſeiner Staͤrcke Eph. 6. Es haben die H. Apo - ſtel die Poſaune deß Evangelii an ihren Mund geſetzt / und ſo ſtarck damit geblaſen / daß der Schall ihrer heilſamen Lehre iſt durch alle Welt gedrun - gen / und in alle Lande außgegangen / laut deß 19. Pſalmen. Mit den hohen Wunder-Gaben deß H. Geiſtes / welche GOtt reichlich uͤber ſie außgegoſſen / haben ſie in der Welt geleuchtet / als rechte hellbrennende Facklen und ſchoͤne Liechter. Wie dann Chriſtus zu ihnen ſpricht Matth. 5. Jhr ſeyd das Liecht der Welt. Nun zuͤndet man nicht ein Liecht an / und ſetzet es unter einen Scheffel / ſondern man ſtellets auff einen Leuchter / daß es den allen leuchten moͤge / die im Hauſe ſind: Alſo laßt ihr auch euer Liecht leuchten fuͤr den Menſchen / daß ſie euere gute Werck ſehen / und euren Vater im Himmel preiſen. So hat es auch den Apoſtelen nicht an Kruͤgen gemangelt / darinn ſie ihre jetzt gedachte Facklen und Liechter getragen. Denn ihr Leib war wie ein Krug und Gefaͤß deß H. Geiſtes nach dem Außſpruch und Zaugnuͤß St. Pauli / der da 2. Cor. 4. ſagt: GOtt hat einen hellen Schein in unſere Hertzen gegeben / daß durch uns entſtuͤnde die Erleuchtung von der Erkant - nuͤß der Klarheit JEſu Chriſti. Wir haben aber ſolchen Schatz in irꝛdiſchen Gefaͤſſen / auff daß die uͤberſchwengliche Krafft ſey Gottes und nicht von uns. Nun haben die 300. Mann deß Gideons ihre Gefaͤſſe und Kruͤge nicht gantz behalten; Son - dern ſie haben ſie alle nach einander zubrochen / da ſie wider ihren Feind ſiegen wolten. Alſo ſind auch den H. Apoſteln ihre Kruͤge und Huͤtten deß Leibes durch den zeitlichen Tod / mit vorhergehender mancherley Marter zerbrochen worden. Aber in dem allen haben ſie recht geſieget / und weit uͤberwunden / um deß Willen / der ſie geliebet hat. Rom. 8. Sic ille.

T 2(2.) Fir -148Die neunte

(2.) Firmus aſſenſus, ein kraͤfftig Jawort und Beyfall / zu meyden der Kaͤtzer Hauffen /

Si omnes (verba ſunt Baſilii M. Lib. 1. contra Apolog. Eunomii p.m. 101.) ſu - per quos Dei ac Salvatoris noſtri Jeſu Chriſti nomen invocatum eſt, nihil præter veritatem Evangelicam conari vellent, ſed Apoſtolorum traditione ac fidei ſim - plicitate ſatis haberent; nulla profectò in præſentiarum opus eſſet oratione, ſed quam ab adoleſcentiâ ſemper amavimus taciturnitatem, etiam nunc præ - ferremus. Verùm quoniam inimicus veritatis Diabolus, qui additionibus ſem - per mala multiplicat ad ea, quæ ab initio in Eccleſiâ Dei ſeminavit Zizania; ne - ceſſario & nos ſecundum cognitionis menſuram, quæ nobis à Domino præbita eſt, & veritati adeſſe, & falſitatem refutare recepimus. ()

Liecht und Finſternuͤß / Tag und Nacht zu unterſcheiden / nicht allein der Sacrament-Schwermer und Fladergeiſter / der himmliſchen Propheten / der Widertaͤufferiſchen Enthuſiaſten und Phantaſten / die ſolchen euſſer - lichen Elementen alle Krafft verſagen / ſolche Zeugen nicht wollen laſſen auffkommen. Dabey wir uns aber nicht weiter auffzuhalten / als einem Geſchmeiß / dafuͤr uns GOtt der HErr bißher behuͤtet / und die auß uns eroͤſet worden. Fuͤrnemlich aber haben wir zu meiden dort den Cal - viniſchen Jrꝛgeiſt / qui dividit conjungenda, der da ſcheidet was GOtt zuſammen gefuͤget / den Geiſt vom Prediger / und Waſſer / den Leib vom Brod / den Wein vom Blut Chriſti. Und was wil Scultetus in ſeiner Poſtill am vierdten Sontag des Advents / wañ er nicht diſtinctivè ſondern ſeparativè pag. 29. redend / in dieſe Wort außbricht: Zu wuͤn - ſchen were es / daß dieſer Vnterſcheid der Prediger und deß HErꝛn Chriſti von vielen wol bedacht wuͤrde / ſie wuͤrden gewißlich die Lehr vom heiligen Wort und Sacramenten beſſer verſtehen. Viel einfaͤltige Leuth ſind deſſen beredet / der Prediger koͤnne ihnen in der Ohrenbeicht die Suͤnde vergeben / im Tauff koͤnne er ihre Kinder abwaſchen von Suͤnden / im Nachtmahl gebe er ihnen den Leib Chriſti im Brod verborgen. Viel anders lehret Johannes / welchem wir in Reformirten Kirchen mit einhelligem Mund und Hertzen nachreden / und ſprechen: Wir Prediger koͤnnen nicht die Suͤnde vergeben / GOtt iſts der ſie vergiebet; Wir Prediger tauffen mit Waſſer / Chriſtus aber tauffet mit dem Geiſt; Wir Prediger geben euch im Nachtmahl das heilige Brodt und den geſegneten Wein / dadurch der Leib erquickt wird / Chriſtus aber reichet euch dar ſeinen gecreutzigten Leib und vergoſſenes Blut / das iſt / durch die glaubige Gedaͤcht -nuͤß149Predigt. nuͤß ſeines fuͤr uns geereutzigten Leibes / und ſeines fuͤr uns vergoſſenen Bluts / troͤſtet / erquickt und ſtaͤrckt er unſere Seelen. Was wir Prediger geben / das faſſet der Mund und Hand: Was Chriſtus gibt / das faſſet allein das glau - bige Hertz. So weit Scultet.

Horrenda est comparatio Rainoldi in Cenſ. LL. Apocryph. prælect. 192. p. 976. Iſta pacta ineunt incantatores cum dæmonibus vel tacitè vel expreßè: adhiben - tur autem verba, tanquam ſymbola quædam. Neque enim in verbis eſt efficacia perficiendi quod volunt; quemadmodum malè viſum eſt Agrippæ, ſed in ejus effi - cientia, qui, ut Deus, ſignis Sacramentalibus utitur ad effectus ſupernaturales; ita ut Simia Dei, ſua adhibere voluit ſigna ad effectus ſupernaturales notandos. ()

Auff der andern Seiten den Paͤpſtiſchen Jrꝛgeiſt. Dann gleich wie jener der Calviniſche dem Glauben zu viel zumeßt / als werde durch denſelben das Sacrament gemacht / der Glaub ſey die Seel deſſelben / das Sacra - ment ſelbſt hab keine eigentliche Krafft und Wuͤrckung / faſt auff die Weiß wie Davids Pſalter-Spiel und deſſen Klang den Teuffel von Saul nicht vertrieben / ſondern das glaubige Gebet Davids / damit das Spiel beglei - tet worden / hat erſt dieſem die Krafft gegeben: oder wie die Tuͤrcken - Glock / zwar die Zeit deß Gebets bezeichnet / aber keine Glaubens-Krafft nicht hat. Contrà ſagen wir / der Glaub macht allhie keine Gegenwart / ſon - dern er findet eine / dar auff er ſich gruͤndet / die er ergreiffet. Muß demnach der Leib und das Blut Chriſti eher Sacramentlicher Weiſe in dem appli - cations-Mittel ſich befinden / ehe der Glaub ſolche in Sacramentlicher Geſtalt ergreiffe / und ihme zueigne. Die Goͤttliche gnadenreiche Gegen - wart gehet auff die glaubige Seel / nicht ohne / ſondern durch Mittel.

Calvin. Lib. 4. inſtit. cap. 14. n. 4. ait. Unde iſta tanta virtus aquæ, ut corpus tangat, & cor abluat, niſi facienda verba? non quia dicitur, ſed quia cre - ditur. & ib. n. 14. Sententia de Sacramentis N. T. gratiam conferentibus planè certè diabolica eſt: quid eſt Sacramentum citra fidem ſumptum, niſi certiſſimum Eccleſiæ exitium? confer contra Hodom. pap. part. 2. p. 431. ()

Alſo thut der Paͤpſtiſche zu wenig / der kom̃t auffgezogen mit ſeinem opereita fulmi - nant Tri - dentini ſeſſ. 7. can. 8. conf. Ho - dom. pap. p. 2, p. 435. operato, Sacramenta N. Teſt. operari ex opere operato ſine fidei organo, gibt fuͤr / die Sacrament deß N. Teſt. wuͤrcken auch ohne den Glauben als Werckzeug / faſt wie ein Artzney operirt bey dem der ſchlaͤfft oder kein Glauben daran hat: Daß ein gut Werck / als wie die Opffer im Alten Teſtament geweſen / oder ein Gottesdienſt / wann er allein ver - richtet werde / es geſchehe gleich mit was Andacht es wolle / um deß Wercks und der Verrichtung willen dem Menſchen zum beſten komme /T 3die150Die neuntedie Gnade Gottes zu erlangen / und die Vergebung der Suͤnden zu erwer - ben. Der Calviniſche Geiſt wil eſſen ohne Speiß / der Papiſtiſche wil eſſen ohne Mund. Daß dem alſo / gibt die praxis bey ihnen / in dem ſie Meß halten auch fuͤr die Abweſenden / oder gar Verſtorbene / fuͤr die Ke - tzer / die nichts um ihr Meß-machen wiſſen. Jſt der alte Cains Jrꝛthum / der auch ſein Opffer verrichtet ex opere operato, ohne rechte Andacht / ohne Glauben ꝛc. Das widrige lehrt unſere Augſpurgiſche Con - feſſion im 13. Articul / da wir bekennen: daß die Sacrament einge - ſetzt ſind / nicht allein darum / daß ſie Zeichen ſeyen / dabey man euſſerlich die Chriſten kennen moͤge / ſondern daß es Zeichen und Zeugnuͤß ſeynd Goͤttliches Willens gegen uns / unſern Glauben dadurch zuerwecken und zuſtaͤrcken: Derhalben ſie auch Glauben fordern / und denn recht ge - braucht werden / ſo mans im Glauben empfaͤhet / und den Glauben dadurch ſtaͤrcket. Wolte GOtt wir haͤtten auch in dieſem Stuͤck unter uns keinen Saurteig uͤbrig auß dem Papſtthum / ſonderlich deß operis operati, da der falſche Wahn und Einbildung bey vielen der - maſſen eingewurtzelt / daß wann ſie nur ſo nach Gewonheit offt in die Kirch kommen / oder bey dem H. Abendmahl ſich einfinden / es geſchehe mit was Andacht es woll / ob ſchon der Gehorſam nicht folget / und man ſich wenig beſſert im Leben und Wandel / wann nur das Werck alſo hin verrichtet werde / ſo ſey man gewiſcht und getraͤnckt / man ſtehe bey GOtt gar wol. Und iſt dieſer Jrꝛthum bey krancken Leuthen ſehr gemein / die hoͤren offt nicht gern von groſſen præparatorien / von Erkantnuͤß der Suͤnd / von der Buß / von der Beicht / von dem rechten ſelbſt pruͤffen; Laſſen ſich be - duncken es ſey gnug / wann man nur bloß dahin das Abendmahl empfange / wie ein Artzney die fuͤr ſich ſelbſt operire und fruchte.

Es wird endlich (3.) erfordert Fiducialis acceſſus, der glaubige Zutrit. Gleich wie an einem Koͤniglichen Kroͤnungs-Tag / wann man einen Brunnen mit weiſſen und rothen Wein laͤßt lauffen / da laufft jeder - man zu / keiner iſt gern der letſte und euſſerſte. Solte der Weintrauben / den die Kundſchaffer auß dem gelobten Land mit ſich gebracht / nutzen / er - quicken / Vorſchmack cauſiren / appetit machen / ſo mußte man ihn auß - trucken / ſaugen und trincken. Alſo muß man hier auch Troſt und Erquickung auß dem Geheimnuͤß und deſſen Vortrag zur Seelen-Artzney herauß ſaugen / und daſſelb wider die auch wuͤrckende Zeugen / ſo wi - der uns ſeynd. Der Sathan als teſtis efficax, der zeugt wider die Suͤnde Menſchlicher Schwachheit / macht auß einer Wartz einen Berg /auß151Predigt. auß einer Muck ein Elephanten / etwan ein ungerades Wort / das deutet er auffs aͤrgſte aus / da es etwan nicht ſo boͤß gemeint geweſen. Sonder - lich muͤſſen die Peripatetici mit den breiten Fuͤſſen herhalten / denen wie dorten der Sathan dem Prieſter Joſua zur Rechten geſtanden / und ſeineZach. 3, 1. Unreine (das iſt Menſchliche Fehler) hoch auffgemutzet / und deßwegen verklaget; deme zu gegen zeuget der Geiſt deß HErꝛn von Vergebung der Suͤnden / laͤßt ihm die unreinen Kleider abnehmen / und ſagt: Si - he ich habe deine Suͤnde von dir genommen / und dich mit Feyr-Kleidern angezogen. Conſcientia mille teſtis, das boͤſe Gewiſſen / O das iſt ein ſtarcker Zeug / das bringt den Verraͤther Ju - dam dahin / daß er zum Strang greifft auß Verzweifflung. Dem zuge - gen zeuget ein anderer Zeug / das iſt die H. Tauff / welche Petrus nen - net den Bund eines guten Gewiſſens mit GOtt. Das H. A - bendmahl heiſt convivium Euchariſticum, quia chariſticum, ein Lie - bes-Mahl / ein Verſoͤhnungs-Mahl. Wann Joſeph ſeine Bruͤder ga - ſtirt / ſo koͤnnen ſie darauß leichtlich abnehmen / daß Gnad und Vergebung fuͤrhanden / daß er ihrer / an ihm Joſeph / veruͤbten Mißhandlung vergeſſen. Die gottloſe Welt die iſt auch ein beſchwerlicher luͤgenhafftiger Zeug / die manchen Bidermann beſchmitzt und zu Keſſel hauet: Groſſe Leuth die ha - ben ihren Doeg; Keuſche Suſannæ die haben ihre unzuͤchtige Verlogene Buhler; Der fromme Mardochai ſeinen gehaͤſſigen Haman / als welcher einen bitteren Haß gefaſſet wider Mardochai / daß er ihm nicht gnug Ehr angethan / aporheiſirt und vergoͤttert / Haman denckt ſich deßwegen an ſeiner gantzen Freundſchafft zu raͤchen / verleugt ihn heimlich bey Ahaſve - ros dem Koͤnig / der nur ein einiges Ohr hatte / welchs mit einſeitiger in - formation eingenom̃en / er ſetzt die arme Juden in ein diffidenz und boͤß credit bey dem Koͤnig. Solche tragœdi ſpielen auch die Paͤpſtler / ſonder - lich die Jeſuiten mit uns: Sleidanus erzehlt / daß als die proteſtirende Staͤnde in Teutſchland ihre Geſandten zu Carolo V. in Italien abgefer -vid. Slei - dan. Lib. 7. tiget / um ihre proteſtation und Gegen-verantwortung wider das Decre - tum zu Speyr / bey ihme dem Kaͤyſer einzubringen / hab der Landgraff dem Michaëli Cadeno ein wohlverfaſtes Buͤchlein / darinn kuͤrtzlich die Sum̃ der Chriſtlichen Lehre begriffen war / daß er ſolches dem Kaͤyſer einhaͤndi - gen ſolte / gegeben. Was geſchicht? Cadenus uͤberliefferts dem Kaͤy - ſer / da er eben zur Kirchen gieng / der Kaͤyſer gibt es einem beyweſen - den Biſchoff auß Hiſpanien / daß ers ſolte durchſehen / was es were oder in ſich hielte: dieſem kommen ohngefehr vor die Wort Chriſti / dieLuc. 22. er zu ſeinen Juͤngern geſprochen / damit er ſie von weltlicher Herꝛſchafftund152Die neunteund herꝛſchender Gewalt abgemahnet / dann das ſeye nicht ihres Ampts / ſondern Reges Gentium oder weltliche Koͤnige gebrauchen ſich ſolches Gewalts. Als nun der Biſchoff dieſes nur ſo oben hin geleſen / bringet er beym Kaͤyſer an / als ob darinn der Chriſtlichen Obrigkeit das Jus gla - dii benommen were / und allein den Heydniſchen und unchriſtlichen Koͤ - nigen und Herꝛn ſolches geſtatte. Waͤre derwegen beſagtes Buͤchlein nach dieſes Biſchoffs Urtheil mit Feur zu illuminiren geweßt. Hie iſtRom. 8, 31. nun abermahl Zeug wider Zeug. Jſt GOtt fuͤr uns / wer mag wider uns ſeyn? Wol dem der mit Warheit ſagen kan: Mein Felß / mein Burg iſt GOtt der HErr / was koͤnnen mir Menſchen thun? Recht wird doch recht bleiben.

Jch frage nicht darnach (ſchreibt Lutherus in Tom. 3. Witt. in Pſ. 45. p. 37. f. 2.) was die Welt / ſondern was die Chriſten / ſagen / was die Kirche / was die Engel / was GOtt ſelbſt von mir ſaget / und achte viel groͤſſer eines einigen Chriſten Zeugnuͤß / daß meine Lehre und Leben Goͤttlich und recht ſeye / denn wenn viel Welt viel Laͤſter-Wort auff mich tichten. Denn auch die Vernunfft das fuͤr ein Tugend und Lob haͤlt / wenn boͤſe Leute einem feind ſind / und uͤbel von ihn reden: Wiederum das fuͤr ein Lob rechend ſey / wenn fromme Leuthe ein Gefallen an einem haben / denn kein groͤſſer Schelt-Wort / denn wenn mich ein boͤſer Menſch lobet. Derhalben ſollen wir nicht achten / was die Welt / oder unſer Gewiſſen / ſondern was GOtt / die Engel und Heiligen von uns halten / das iſt der rechte Geruch und warhafftige Ehre. Et ibid. p. 38. f. 1. So iſt das nu gewiß (es tobe und raſe die Welt wie ſehr ſie wolle) erſtlich daß ich getaufft bin / darnach daß ich auch das Evangelium hoͤre / und lieb habe / ſo die Kirche lehret und bekennet / ich ſehe auch daß Beſſerung deß Lebens dem Wort folget / wiewohl noch unvollkoͤmmlich. So hoͤre ich auch daß die Chriſten einander troͤſten / von aller Lehre / Leben / Weſen / und allem ſo in der Welt iſt / recht richten und urtheilen koͤnnen / welches kein Juriſt, kein Medicus, kein Gelehrter / und in Summa kein Weltweiſer thun kan / daß er von ſeinem Leben urtheilen moͤch - te / wie es fuͤr GOtt ſtehe. Allein ein Chriſt kan es gewiß wiſſen / welches Leben GOtt gefalle. Dieſe Weißheit iſt ein ſolcher groſſer Schatz / daß man ihn nicht hoch gnug achten kan. Et mox ibid. Es iſt groſſer Nutz deß Worts Gottes / daß einer erſchrockene Gewiſſen / und betruͤbte geaͤngſtete Hertzen durch dieſe Lehre troͤſten und ſtaͤrcken kan. Dieſe Wolthat iſt mehr werth / denn aller Welt Ge - walt und Reichthum. Denn nichts auff Erden kan ein geaͤngſtet Gewiſſen nur ein Augenblick auß Faͤhrligkeit einer taͤglichen und geringen / wil ſchweigen von einer Tod-Suͤnden / erledigen. Ein Chriſt aber kan es thun / welcher ge - wiß ſagen kan / daß GOtt gefalle / ſo wir feſt glauben / daß er uns auß Gnaden durch Chriſtum Suͤnde vergibt: Ja allein ein Chriſt kan von dieſen Artickeln lehren / nemlich / von Vergebung der Suͤnden / wie und wodurch man einen Menſchen der groſſe Anfechtung hat / oder in Todesnoth ligt / deß ewigen Le - bens gewißlich vertroͤſten ſol / die Hoͤlle zuſchlieſſen / den Himmel auffſchlieſſen / und den rechten Wege weiſen / darauff man auß dem Tod ins Leben hindurchtringe.153Predigt. tringe. Denn er hat das Wort Gottes / auß welchem dieſer Troſt herkommt. Man achtet aber jetzt dieſen Schatz gantz gering / das macht / daß man deß lieben Worts uͤberdruͤſſig wird / das man immer treibet und prediget. Die Wort koͤn - nen wir zwar wol nachſprechen / aber daß ſie im Hertzen ſollen hafften und leben / das wil nirgend hernach / das iſt aber nicht gut / dann daher komts / daß die Er - kaͤntnuͤß Chriſti vertunckelt wird / und die ſelige Lehre nun nicht mehr hoch und werth geachtet wird / die Barmhertzigkeit und Gutwilligkeit Chriſti / in unſern Hertzen auch fuͤr gering gehalten wird. Daß wir alſo nicht allein der Wolthat / welche wir von Chriſto haben / ſondern auch deß Jammers und Vngluͤcks / da - von wir durchs Wort erlediget ſind / vergeſſen. Solchem fuͤrzukommen / hat Gott offt dem Volck Jſrael befohlen / daß ſie der ſchweren Laſt / und deß groſſen Jammers / den ſie in Egypten erlitten hatten / und der groſſen Wolthat / daß er ſie darauß errettet hatte / nicht ſolten vergeſſen. Denn wenn man deß Jam - mers und Vnglůcks vergißt / ſo iſt das Gedencken der Wolthat ſchon dahin. Da - her ſehen wir jetzund auch nicht / was fuͤr unſaͤgliche Wolthaten wir durch das Evangelium empfangen haben / in waſerley Finſternuͤß / graͤulichen Jrꝛthumen und boͤſem Gewiſſen / wir unter dem Papſtthum gelebt haben. Daß nu auch wenig Leuthe wiſſen / was fuͤr ein groſſer Schatz es ſeye / ein einig betruͤbt Ge - wiſſen recht troͤſten / ſtaͤrcken / lehren / und alſo unterrichten / daß der Tod ins Le - ben / die Suͤnde in Gerechtigkeit / der Sathan in Gott / verwandelt werde / das macht / daß man das liebe Wort gering achtet. Der heilige Geiſt aber wolte gern / daß wir es hoch und werth hielten / daher preiſet und lobet er hie den Ge - ruch der Kleyder Chriſti ſo herꝛlich / daß ſeine Kleyder ein Geruch deß Lebens ha - ben und geben / dadurch alle ſo das Evangelium hoͤren / und mit Glauben an - nehmen / ein rechten beſtaͤndigen Troſt empfahen. Daß alſo ein betrůbt Ge - wiſſen / ſo mit der Suͤnde und dem Tod ringet / nichts lieblichers noch froͤlichers hoͤren kan / denn von dieſem Geruch der Kleyder Chriſti / durch das muͤndliche Wort / von einem Bruder / der ihn fertig und kraͤfftig / durchs Wort ſtaͤrcken und troͤſten kan. Welche aber frey ſicher dahin leben / die fragen darnach nichts / denſelbigen iſt dieſe Lehre ein Geruch zum Tode / welche den Glaͤubigen ein Ge - ruch iſt zum Leben. Hæc ille.

Sed & militaudum, kaͤmpffen und ſtreiten muß man auch. Die Jſraeliten mußten zuvor ſtreiten und das gelobte Land einnehmen / ehe ſie den vollen Herbſt erlangt Num. 13. uns zum Beyſpiel. Sonſten wann wir nicht eyfern und ſtreiten wollen wider die Laſter / Suͤnden und Untugenden / darinn der groͤſte Hauff erſoffen ligt; So ſtreitet der Herꝛ wider ſein Volck / bagojim durch die Heyden Zach. 14. Er ziſcht dem Tuͤrcken / als der Ruthe und Geiſſel uͤber ſeine boͤſe Kinder / er ſteupet ſie ohne ſchonen. GOtt gebe durch ſeinen Geiſt / recht bußfertige heilbegierige Hertzen / und gebe Zeugnuͤß unſerm Geiſt / daß wir Kinder Gottes ſeyen / AMEN.

Achter Theil. VDie154Die zehende

Die zehende Predigt / Von Der drey Zeugen auff Erden Drey-Einigkeit / und von der Zahl der Sacramenten.

GEliebte in Chriſto. Gleichwie der gerechte und eyffe - rige Gott / der ſich niemahl unbezeugt gelaſſen / ſonder - lich mit und in drey unterſchiedlich ominoſen und boͤß be - deutenden θείοις, Zorn-Zeichen und Zeugen / ſein Goͤttliches Mißfallen und grimmigen Zorn / uͤber alles Gottloſe We - ſen und Ungerechtigkeit der Menſchen / geoffenbaret und entdeckt / im Geiſt deß Windes / in ungewoͤhnlichen groſſen Gewaͤſſern / und ſeltzamen Blut-Guͤſſen.

(1.) Jm Geiſt deß Windes / als ſeiner Goͤttlichen Sturm-Glock / damit er Pharao und ſein Heer im rothen Meer erſchroͤckt / die Raͤder an den Waͤgen abgeſtoſſen / und mit Vngeſtuͤmme geſtuͤrtzet Exod. 14, 24. cap. 15, 10. wor auff Pharao und ſeim Heer der Garauß gemacht wor - den. Deßgleichen im groſſen ſtarcken Wind auff dem Berg Horeb / der die Berge zerriſſen / die Felſen zerbrochen / und ein Vorbot geweſen der er - ſchroͤcklichen confuſion und ruin deß Koͤnigreichs Jſrael / dann wer vom Schwert Haſael deß Koͤnigs in Syrien entrunnen / vom Schwert Jehu getoͤdtet worden 1. Reg. 19. und wer dieſem entgangen / der iſt dem Schwert Eliſæ zu theil worden. Was der ungeheure Wind / der An. 1630. vor der Verſtoͤrung der Stadt Magdeburg vorher gewuͤtet / die Kirch - Thuͤrn nach einander herunter geſchmettert / die Waſſer - und Wind - Muͤhlen abgeblaſen / das hat bald hernach beſagte Stadt mit Ach und Wehe / aͤuſſerſtem Jammer und Hertzenleyd erfahren.

(2.) Jn groſſen / ungeheuren / ungewoͤhnlichen Gewaͤſſern / Waſ - ſer-Guͤſſen und Fluͤſſen / Stroͤmen und Stuͤrmen / in Waſſer-Wellen und Wogen / und deroſelben Wuͤten und Brauſen / ſo ſich anfangs er - zeigt kurtz vor der allgemeinen Suͤndfluth / da es 40. Tag nach einander geregnet und gewachſen / und die letſte Buß-Friſt gegoͤnnet / biß alle Brun - nen und Tieffen / alle Fenſter deß Himmels außgebrochen / uͤber alle Berghinauff155Predigt. hinauff gewachſen / und allen lebendigen Odem getoͤdtet. Was das groſſe ungewoͤhnliche Gewaͤſſer mitten im Sommer Anno 1661. naͤchſtvid. D. O - lear. von der wun - derlichen Guͤte Got - tes p. 622. 625. dem erſchienenen Cometen / und neulich Anno 1663. portendirt / das hat nicht allein der Prophet Eſa. cap. 7 / 7. und cap. 17 / 12. cap. 24 / 2. verkuͤndiget / nemlich das Wuͤten und Getuͤmmel / das Brauſſen und das Einreiſſen groſſer Menge der Voͤlcker / viel Waſſer / viel Voͤl - cker Apoc. 17, 15. Sondern wir haben nun den gewiſſeſten interpretem vor Augen / nemlich den Koͤnig von dem Thraciſchen Aſſyrien / der einreiſ - ſet im teutſchen Juda / uͤberſchwemmet und verherget / Er breitet auß ſeine Fluͤgel / daß ſie dein Land / O Jmmanuel / fuͤllen ſo weit es iſt / wie der Prophet redet Eſa. 7 / 8.

(3.) Jm Blut / Blut-Regen / Blut-Bruͤnnen und Baͤchen. Maſſen ein ſolcher Blut-Strohm durch gantz Egyptenland gangen / daExod. 7, 25. der edle ſonſt fruchtbare Fluß Nilus, ſamt allen ſeinen Baͤchen / Brun - nen und Suͤmpffen in Steine und Holtz eingefaßt / in Blut verwandelt worden (αἱμαλυθρῶδες, Sap. 11, 7.) in ſchwartz / unflaͤtig / garſtig / ſtin - ckend / gelibbert Blut / davon die Fiſch geſtorben / die Leuth die es trincken muͤſſen (weil kein anders Trinck-Waſſer in gantz Egypten anzutreffen ge - weſen) das ſchmertzliche Grimmen im Leib bekommen / und davon ſter - ben muͤſſen / wie Joſephus zeuget Lib. 2. cap. 5. geſchach theils in talio - nem, zur gleichen Vergeltungs-Straff / auff daß weil ſie geduͤrſtet nach der Jſraeliten Blut / ſie auch gnug Blut ſauffen muͤſſen / daß ihnen die Seel druͤber außgangen; theils zu einem omine und Zeichen deß Blut - Bads im rothen Meer / ſo bald darauff erfolgt. Welches ſchroͤcklichvide Theatr. Europæ. p. 670. Blut-Bad / auff die Verwandlung deß Waſſers im Stadtgraben zu Luͤ - tzen in Meiſſen / bey gemelter Stadt erfolgt / in dem Haupt-Treffen Anno 1632. darinn viel tauſend und abermahl tauſend Mutter-Soͤhne im Blut erſtickt / und nahmentlich auch Guſtavus Adolphus der Edle Held ſelbſt ſein Koͤnigliches Leben eingebuͤßt / davon redet die Hiſtori / bey etlichen auch noch lebenden die experienz.

Gleichwie / ſag ich / der gerechte eyffrige GOtt bißweilen ſeine ſtrenge Gerechtigkeit / und grimmigen Zorn wider die ſchnoͤde gottloſe Welt / in beſagten drey Zorn-Zeichen und Zeugen bezeugt und bezeichnet / daß er kein Stroh-Butz / und ſeine Wort kein thumme Donnerſtrahlen ſeyen / nemlich in Winden / Waſſer und Blut; Alſo hat auch der gnaͤdi - ge und barmhertzige HErꝛ Pſ. 111 / 4. jenen entgegen drey andere Zeugen geſtifftet und geordnet / die da beſtaͤndig zeugen ſollen / ſeinen Außerwehlten und Glaubigen / von Gnad und Vergebung der Suͤn -V 2den /156Die zehendeden / deren ſind auch drey / der Geiſt der himmliſche Pfingſt - Wind / der durch das Lehr - und Predig-Ampt / ſonderlich in der heiligen abſolution kraͤfftig und thaͤtig iſt; die edele gnadenreiche Suͤndfluth / davon David im 29. Pſalm geweiſſaget / das geiſtliche Seelen-Bad / das Waſſer-Bad im Wort / das Waſſer der Widergeburt; und dann das Sacramentliche Blut Chriſti im H. Abendmahl / das da rufft κρείτ〈…〉〈…〉 ονα viel beſſer / als das Blut Habel Hebr. 12 / 24.

Wir haben euer Lieb neulich vorgetragen dieſer drey Zeugen auff Er - den vilitaͤt / wie auch activitaͤt und wuͤrckende Krafft / ſoll anjetzo folgen Trinunitas, deroſelben Drey-Einigkeit / ihre Dreyheit nach der Zahl / und doch holdſelige Einigkeit und Symphony. Hievon jetzmahlen ein mehrers nutzlich und erbaulich zu handlen / wolle der HErr mit dem Liecht und Gnad ſeines heiligen Geiſtes miltiglich erſcheinen / Amen.

SO ſind nun der Zeugen auff Erden / gleichwie auch deren im Himmel / der Zahl nach drey / nicht mehr noch weniger / ſo viel nemlich der Allerhoͤchſte zu einem rechtſchaffenen und guͤltigen Zeugnuͤß geordnet und erfordert Num. 35, 30. Den Todtſchlaͤger ſol man toͤdten nach dem Mund zweyer Zeugen; Ein Zeug allein ſol nicht antworten uͤber ein Seel zu toͤdten. Deut. 17, 6. auff zweyer oder dreyer Zeugen Mund ſol ſterben wer deß Todes werth iſt / aber auff eines Zeugen Mund ſol er nicht ſterben. Deut. 19, 15. Es ſol kein einzeler Zeuge wider jemand aufftretten / uͤber jemands einer Miſſethat oder Suͤnde / es ſey welcherley Suͤnde es ſey / die man thun kan; Sondern in dem Munde zweyer oder dreyer Zeugen ſol die Sache beſte - hen. Wird exemplificirt von Eſaia cap. 7. der ſeinen Brieff beſtaͤti - get mit zweyen getreuen Zeugen / dem Prieſter Vria und Zacharia; iſt widerholt im neuen Teſtament Matth. 18 / 16. 1. Tim. 5 / 19. da ein Ael - teſter oder Prediger ſo fern hierinn privilegirt worden / daß man wider denſelben keine Klag annehmen ſol / auſſer zweyer oder dreyer Zeugen / die - weil man auff niemand mehr als dieſe pflegt zu luͤgen. Dieſem allen ge - maͤß hat GOtt der HErꝛ / als ein GOtt der Ordnung / drey getreue Gna - den Zeugen / die in circo juſtificationis, in dem Standt-Recht oder Be - circk der Rechtfertigung fuͤr GOtt fuͤr uns ſtehen ſollen / geordnet. Nu - bes teſtium ein gantzer Hauff von Zeugen / iſt zwar honoraria, aber nichtHebr. 12, 1 neceſſaria, ehrlich aber nicht noͤthig / drey ſind gnug. Contrà ein einzeler Zeug wird ſimpliciter verworffen; unus teſtis, nullus teſtis, ein Zeugiſt157Predigt. iſt kein Zeug / unus teſtis proficit, non ſufficit, ſagen die JCti oder Rechts-gelehrten / ſo gar auch wann gleich einer〈…〉〈…〉 ἀυτοϕώρῳ deß Ehe - bruchs oder Diebſtahls ergriffen wuͤrde / ſo wird er vom Richter nicht ge - hoͤrt / in Ermanglung anderer Beweißthum. Jſt auch die Urſach / warum kein Beichtvater das / was ihm zu treuen Ohren deponirt und beygel eget worden in der Beicht / auſſagen und alſo das Predigampt proſtituiren / ſondern ſigillo confeſſionis beſchlieſſen ſoll. Wie gut waͤr es / wann groſ - ſe Herꝛn und Richter der einſeitigen information, ohn weiter nachfor - ſchen / nicht ſo leicht glaubeten? Was groß Unheil koͤnte manchmal ver - mitten bleiben? Doëg der ſuſurrant wuͤrde mit ſeinem mißdeuten / Abime - lech und das gantze collegium Sacerdotum in falſchen Argwohn und diffidenz zu ſetzen / nicht haben koͤnnen auffkom̃en; Der boͤſe Bub Ziba wuͤrde mit ſeiner Luͤgen wider Mephiboſeth nichts haben außgerichtet 2. Sam. 16 / 4. Haman wuͤrde mit ſeiner Mord-Glock haben muͤſſen ver - ſtummen: und ſo wuͤrde mancher Bidermann bey Ehren und gutem Leumuth und credit bleiben / wann die einzelen Zeugnuͤß gedaͤmpfft wuͤr - den. Das wuſte der liebe GOtt / darum hat er die Evangeliſche War - heit mit drey Zeugen und Zeugnuͤſſen bezeichnet / auff daß auch dieſe Sa - che beſtehe auff dem Munde und thaͤtlicher Auſſag dieſer Zeugen.

Sinds nun drey Zeugen / ſo ſinds conſequenter Teſtes Diviſi, verſchiedene abgeſonderte und abſonderliche Zeugen / gleichwie auch der Vater / der Sohn / der H. Geiſt / drey unterſchiedliche realiter verſchiede - ne Perſonen / (alius paracletus,) und ſind demnach von einander unter - ſchieden (1.) Aqua à ſanguine, das Waſſer von dem Blut. Waſſer - Zeug iſt ein beſonderer und anderer Zeug / als das Blut / und ſollen dieſe beyde nicht vermiſchet und eingemenget werden. Wahr iſt es zwar / was wir ſingen:

Das Aug allein das Waſſer ſiht /
Wie Menſchen Waſſer gieſſen;
Der Glaub im Geiſt die Krafft verſteht /
Deß Blutes JEſu Chriſti:
Vnd iſt fuͤr ihm ein rothe Fluth /
Jn Chriſti Blut gefaͤrbet ꝛc.

Jſt eben das / was St. Petrus 1. Ep. 1 / 2. 〈…〉〈…〉αντισμὸν ἅιματ〈…〉〈…〉 nennet /Heb. 9, 14. & 21. vid. Ho - doſ. p. 773. die Beſprengung deß Bluts Chriſti in der Tauff / dadurch der Bund geſchihet mit GOtt im N. Teſtam. Dann ja freylich wo Chriſtus ſelbſt iſt / da iſt auch ſein Blut præſentiâ gratioſa, mit gnaͤdiger Gegenwart / er iſt auch jetzo〈…〉〈…〉 κ ἀναίματ〈…〉〈…〉, nicht ohne Blut / auff welche Weiſe feinV 3Leib /158Die zehendeLeib / ſein Seel / ſein Gottheit auch gegenwaͤrtig in der H. Tauff: Aber κατὰ τάξιν, nach Goͤttlicher Ordnung ſo iſt das Blut nicht im Waſſer Sacramentaliter, Sacramentlicher Weiß / in Sacramentlicher Ver - einigung; Das Blut iſt eigentlich nicht das himmliſche Ding / ſondern Spiritus ex quo, der Geiſt Gottes auß welchem wir ſind widergebohren worden / der HErꝛ ſagt nicht wir muͤſſen widergebohren werden auß Waſſer und Blut / ſondern auß Waſſer und Geiſt.

Es ſeynd (2.) unterſchiedene Ding / Sanguis ab aquâ, das Blut vom Waſſer. Dann ob zwar wol vermuthlich und glaublich ſeyn mag / Chriſtus hab den ſtarcken Orientaliſchen Wein / auch im Sacramentli - chen Kelch / gemiſcht mit friſchem lauterem Waſſer nach Lands-Arth / laut der alten tradition, welche Cyprianus mordicus verfechtet / und da - her Bellarminus das crama, das iſt / die Vermiſchung deß Waſſers unter dem geſegneten Wein fuͤr ein ſolche Nothwendigkeit haͤlt / ut ſine gravi(*) Lib. 4. de Euch. cap. 10. (α) In po - ſtill. do - meſt. p. 158. f. 2. peccato nequeat omitti (*), das iſt / daß beſagte miſculenz ohne ſchwe - re Suͤnde nicht koͤnne unterlaſſen werden / ſo iſt es doch merè Adiapho - rum, ein purlauteres Mittel-Ding / wie D. Lutherus davor haͤlt (α) / da - her iſt es kommen / ſchreibt er / daß man im Nachtmahl deß HErꝛn den Kelch mit Waſſer hat vermiſchet / ſintemahl Blut und Waſſer mit einander auß deß HErꝛn Chriſti Sei - ten gefloſſen iſt. Vnd Cyprianus fichtet hart daruͤber / daß man ſolches Miſchen / als ein ſondern Befelch Chriſti / nicht ſol unterlaſſen / und ſind die Armenier als Kaͤtzer druͤber ver - dam̃t worden. Aber weil Chriſtus ſolches nicht befohlen / und im Nachtmahl mehr nicht ſichet / deñ daß Chriſtus den Kelch genommen / und ihn den Juͤngern gegeben hab / iſt es un - noth / daß man ſo ein noͤthiges Gebott drauß mache.

Jch falle der Meynung zu / (ſchreibt abermahl Lutherus Tom. 7. Witteb. p. 394. f. 1.) daß man lieber lauter Wein zubereite / ohne Vermiſchung deß Waſ - ſers / denn je die Bedeutung mir nicht gefaͤllt / die Eſaias am erſten Cap. ſchreibt / ſo er ſpricht / dein Wein iſt gemiſcht mit Waſſer / auch darum daß der lauter un - gefaͤlſcht Wein / huͤbſch bedeut die lautere Reinigkeit Evangeliſcher Lehre. Da - zu daß auch nichts anders fuͤr uns vergoſſen iſt / denn allein das lautere Blut Chriſti unvermiſcht mit unſerm / welches Bluts Gedaͤchtnuͤß hie wir begehen und halten / alſo daß nicht beſtehen mag der Traum deren / die da ſprechen / Es werde hiemit bedeut die Vereinigung Chriſti mit uns / ſo wir doch an ſolchem Orth der Gedaͤchtnuͤß mit nichten pflegen / auch ſind wir Chriſto nicht ehe verei - nigt worden / denn da er ſchon ſein Blut vergoſſen hatte. Denn ſo dem anders waͤre / ſo muͤßte auch unſer Blut mit dem Blut Chriſti fuͤr uns vergoſſen / be - gangen werden. Doch wil ich wider unſer Freyheit kein aberglaͤubiſch Geſaͤtzein -159Predigt. einfuͤhren / es wird auch Chriſtus nicht viel auff die Sach geben. Jſt dazu nicht wuͤrdig / daß man darum ein Hader anfahe / es iſt zu viel gnug darum geſtritten worden / von der Roͤmiſchen und Griechiſchen Kirchen; dergleichen ſie auch viel ander Ding vergebens geſtritten haben. Daß aber etliche dawider auff brin - gen / es ſey ja Blut und Waſſer auß der Seiten Chriſti gefloſſen / bewehrt nichts / denn daſſelbig Waſſer bedeut ein anders / denn ſie durch das eingemiſcht Waſſer wollen bedeut haben / ſo iſt auch daſſeldig Waſſer nicht vermiſcht geweſen mit dem Blut. Vber das ſo beweißt Figur auch gar nichts / ſo beſtehet das Exem - pel auch nicht. Darum ſol dieſe Menſchliche Erſtudung frey gehandelt wer - den / wie man wil.

Jſt deßha ben viel weniger gelaſſen als gethan / ſonderlich in unſeren Lan - den / dem typo mehr gemaͤß / dann ja nicht Blut und Waſſer untereinan - der gemenget / ſondern Waſſer und Blut abſonderlich / diverſis viis auß Chriſti eroͤffneten Seiten gefloſſen.

(3.) So iſt auch unterſchieden Spiritus ab utroque, der Geiſt beydes vom Waſſer und Blut. Vnd iſt allhie ein groſſer mercklicher Un - terſcheid wohl zu beobachten unter dem Geiſt und den anderen beyden Zeugen. Der Geiſt / das iſt / der Lehrer und Prediger / der iſt ein ſelbſtaͤn - dige / lebendige und redende Perſon; Waſſer und Blut aber ſind keine Perſonen nicht / ſie reden nicht eigentlich in ungebluͤmtem Verſtandt: Jener zeuget vielmehr durch Gehoͤr als durch die Schan / ſein Stimm iſt mehr teſtis audibilis, als viſibilis, ein hoͤrlicher als ſichtbarer Zeug / und hat das gehoͤrte Wort ein gewaltige energian und kraͤfftige Wuͤr - ckung Rom. 10. Gleichwie der Wind zwar gehoͤret wird / aber man ſihet ihn nicht / man weiß nicht von wannen er kom̃t Joh. 3. Die - ſe aber ſind teſtes viſibiles & tactibiles, ſichtbare / augenſcheinliche / handgreiffliche Zeugen; Jener zeuget bloß mit Worten / iſt eigentlich kein ſigillum oder Sigel; Dieſe aber ſind Sigel und Zeichen / wie wir im Ca - techiſmo bekennen.

Darum dann auch nicht mehr als zwey Sacramenta deß Neuen Teſtaments ſind. Ob wohl drey ſind / die da zeugen / ſo ſind doch nicht mehr als zween ſichtbare Sigel / Zeichen und Sacramenta / und daſſelb excluſivè, zwey allein / außſchließlich / mehr Sacramenta hat Gott nicht geoffenbahrt. Nun ſagt St. Paulus Gal. 3 / 15. Verachtet man doch eines Menſchen Teſtament nicht / weñ es beſtaͤtiget iſt / und thut auch nichts dazu. Wann einem zween Acker teſtirt und vermacht worden / ſo darff er nicht noch fuͤnff andere Acker hinzu thun / und eigenthaͤtlicher weiß ihme verſchreiben laſſen. Paulus weiß von keinen mehr / 1. Cor. 10 / 2. ſagt er: Vnſere Vaͤter ſind alle durchs Meer gegangen / und ſind alle unter Moſen getaufft mit derWol -160Die zehendeWolcken / und mit dem Meer; und haben alle einerley geiſt - liche Speiſe geſſen / uñ haben alle einerley geiſtlichen Tranck getruncken / Und cap. 12 / 13. Wir ſind durch einen Geiſt alle zu einem Leibe getaufft / wir ſeyen Juden oder Griechen / Knech - te oder Freyen / und ſind alle zu einem Geiſt getraͤncket. Es ſind ihr auch nicht mehr Sacramenta in der erſten Mutter - und Milch - Kirch practicirt worden Act. 2, 38. 1. Cor. 11. 25. mehr ſind nicht noͤthig / natura in non neceſſariis non abundat, multò minus gratia, quæ non eſt ſerva humanæ curioſitatis, zwey ſind genug zum geiſtlichen Le - ben und deſſen Friſtung / die Geburt und Bekleydung / die Nahrung und Artzney. Jn der H. Tauff geſchicht die Geburt zum geiſtlichen Leben / und zugleich die Kleydung / dannſo viel getaufft ſind / die haben Chriſtum an - gezogen: Jm H. Abendmahl wird der Menſch geſpeiſet und geheilet.

Auguſtin. L. 3. Doctr. Chriſt. cap. 9. Signorum operatione gravi onerati ſumus, ſed quædam pauca pro multis, eademque factu facillima, intellectu au - guſtiſſima, obſervatione caſtigatiſſima ipſa Domini tradidit diſciplina, &c. Et lib. 2. de Symb. ad Catech. c. 6. Percuſſum eſt latus &c. ()

Es iſt zwar nicht ohn / in der Apologia oder Schutz-Red der Augſp. Confeſſ. art. 13. werden drey Sacramenta genennet / Tauff / Abend - mahl und Abſolution; aber in weitlaͤufftigem Verſtand. Die Wort lau - ten alſo pag. 89. f. 2. So wir Sacrament nennen die aͤuſſerliche Zeichen und ceremonien, die da haben Gottes Befehl / und ha - ben ein angeheffte Goͤttliche Zuſage der Gnaden / ſo kan man bald ſchlieſſen / was Sacrament ſeynd. So ſeynd nun rechte Sacrament / die Tauff und das Nachtmahl deß HERRN / die Abſolution: Denn dieſe haben Gottes Befehl / haben auch Verheiſſung der Gnaden / welche deñ eigentlich gehoͤret zum neuen Teſtament. Welche Wort (ſo ohn Zweiffel ihr Abſehen auff unſere drey irꝛdiſche Zeugen gehabt) nicht allein mit Beding und nicht ca - tegoricè außgeſprochen worden / von welcher Art zu reden man in den Schulen ſagt / conditio nil ponit in eſſe. Jſt eben eine ſolche Weiß zu reden / als wann einer ſagte: So ich alles den Engliſchen Gruß nennen wolte / ſo offt die Engel in H. Schrifft gruͤſſen / ſo wuͤrde nicht nur das Ave Maria, (welches im Papſtthum κατ᾽ ἐξοχὺν der Engliſche Gruß heiſſet) ſondern auch das Ave Daniel der Engliſche Gruß genennet werden. Wer wolt darauß ſchlieſſen / daß mehr als ein Engliſcher Gruß in der Chriſtli - chen Kirchen ſeye? Nicht allein / ſag ich / ſind beſagte Wort bedings Weiſe außgeſprochen / in weiterem Verſtand / da ſonſt / wann man von den Sa -cra -161Predigt. cramenten in engerm Verſtand reden wolt / die Apologia mehr nicht als zwey Sacrament agnoſcirt und erkennet / dann ſo lauten die folgende Wort. So man alle Ding wolte mit ſo herꝛlichem Titul / Sacrament nennen / darum / daß ſie GOttes Wort und Befehl haben / ſo ſolt man billich fuͤr allen andern das Gebet ein Sacrament nennen: Dann da iſt ein ſtarcker GOttes Befehl / und viel herꝛlicher Goͤttlicher Zuſage / es haͤtte auch wol Urſache. Denn wenn man dem Gebetſo groſſen Titul gebe / wuͤrden die Leuthe zum Gebet gereitzt. Auch koͤnte man die Allmuſen unter die Sacrament rechnen. Item das Creutz und die Truͤbſalen der Chriſten / denn die haben auch GOttes Zuſage. Wer ſihet nicht hierauß / daß die Apologia auff dem weitern Verſtand nicht begehrt zu beſtehen / ſondern den engern ihr vorbe - halten?

Ob nun wol ſolcher maſſen dieſe erſtbenamſte drey irꝛdiſche Zeugen / drey verſchiedene und unterſchiedene Zeugen ſind / ſo faſſet ſie doch der Schoß-Juͤnger in einen Reyen / Kreiß und Bezirck gar genau zuſammen / und ſchreibt (wie etliche alte Exemplaria, ſonderlich die lateiniſche Vul - gata, und teutſche anno 1483. getruckt / eben in dem Jahr da Lutherus gebohren worden / dahin lauten:) Et hi tres unum ſunt, dieſe drey ſind eins / oder wie beſſer alle Griechiſche Exemplaria leſen / εἰς τὸ ἕν εἰσιν, ſie ſind in eins / ſie ſind auff eines gerichtet / ſie zihlen zu einem Zweck / oder wie es Lutherus gedolmetſchet / beyſammen / iſt alles recht / und in ge - ſundem Verſtand der Glaubens-Regul gemaͤß.

Ἕν εἰσιν, ſie ſind eines / non eſſentiâ, non ὁμοουσίᾳ, nicht der Natur und Weſen nach / in welchem Verſtand die drey him̃liſche Zeugen Eins ſind und heiſſen; nicht alſo! dann bey den drey irꝛdiſchen Zeugen / gibts ἄλλο καὶ ἄλλο, ein anders Weſen iſt der Geiſt / ein anders das Waſ - ſer / ein anders das Blut. Sondern ἕν εἰσι, Eines ſind ſie / τάξει, der Ordnung nach / dieweil ſie von einem Urheber und Stiffter geordnet / der uns durch dieſe drey vereinbarte Zeugen zu ſich ziehen wil / durch ſeinen Sohn / der deßwegen mit Waſſer und Blut kommen. Eines ſind ſie / dieweil ſie in einer Form harmonicè zuſammen ſtimmen / nach der tabu - latur deß Goͤttlichen Worts / ἑνικῶς, ſicut in muſicâ τριφώνῳ, wie in ei - ner dreyſtimmigen Muſic / drey Stimmen lauten / und iſt doch ein Ge - ſang. Sie ſind beyſammen ἅμα καὶ ὁμου̃, ſie zihlen auff einen Zweck und End / εἰς τὸ ἓν, auff das einige Evangelium von Chriſto / dem Anfaͤnger und Vollender unſers Glaubens: Eins effectu veritatis, in dem GrundAchter Theil. Xder162Die zehendeder Warheit / daß man feſt drauff bauen kan. Wann ſonſt zween oder drey Zeugen nicht zuſammen ſtimmen / ſo gelten ſie nichts / der Richter ver - wirfft (und zwar billich) ihr Zeugnuͤß / wie Daniel gethan / der das divide practicirt / die zween alten Schaͤlck voneinander gethan / abſonderlich ver - hoͤrt / und gefragt den Umſtand / Ubi? Wo? Da ſie nun nicht gleich ein - getroffen / der eine geſagt / ſub χίνῳ, der ander ſub πρίνῳ, der eine unter der Eichen / der ander unter der Linden geſagt / hat er ſie verworffen und verſtrickt / daß die ſtinckende Schand-Luͤgen an Tag kommen. Aber hie dieſe unfere Sacramentliche Zeugen ſind ἅμα καὶ ὁμου̃, ſie ſtehen fuͤr einen Mann.

Conſequenter 2. ἕν indiviſibile, eine unzertheilte Einigkeit. Zwar de facto in Eccleſiâ preßâ, kan einige Sonderung und Theilung wol fuͤrgehen. Unter dem dicken finſteren Pabſtthum vor Luthero iſt es ſo weit kommen / daß allein der eine Zeug das Waſſer in der Tauff geblieben / das Blut im H. Abendmal geraubet worden / der Antichri - ſtiſche Geiſt geredet; da war aqua ſine ſanguine & ſpiritu, da war Waſ - ſer ohn Blut und Geiſt; Aber de jure von Rechts wegen nach Goͤttli - cher intention und Ordnung ſollen ſie beſtaͤndig beyſammen ſeyn / zuſam - men ſtimmen und zeugen / nach GOttes Befehl und Willen ſollen ſie (moraliter loquendo) nicht von einander geſchieden / ſondern in der Chriſtlichen Kirch immer und ewig / beſtaͤndig und taurhafft in der UbungEccleſ. 4, 12. bleiben / biß daß der HErꝛ wieder kommet / zum allgemeinen Ge - richt der Lebendigen und der Todten: Niemand ſoll ſich geluͤſten laſſen / bey Vermeydung ewiger Straff / dieſe dreyfache Schnur zu brechen / auff - zuheben und zu aͤnderen. Dir O Calvine gebuͤhrt nicht das Blut auß dem Abendmal / quantum in te zu rauben / von der Erden außzumu - ſteren / und allein außſchließlich in Himmel ſetzen. Hie cavirt Johannes und ſagt: Nicht mit Waſſer allein / welches allerſeits bekaͤntlich auff Erden iſt und zeuget / Sondern NB. mit Waſſer und Blut zugleich. Dir Pabſt (wann du auch gleich ein Engel waͤreſt) ziemet nicht / das Blut Chriſti ſampt dem Kelch den Layen zu rauben / und den - ſelben noch darzu ſynodicè in zweyen conciliis, hoc tamen non obſtan - te, halsſtarriglich und durſtiglich zu obfirmiren und beſtaͤtigen; dein Ge - dicht von der concomitantz wird dein Sacrilegium nicht ſchuͤtzen an je - nem Tag / mit deren als einer Larv und Nebel-Kapp du dein myſterium iniquitatis oder Geheimnuͤß der Boßheit unterſteheſt zu bedecken / und der Einfalt zu mißbrauchen / vorgebend / der Leib Chriſti ſey nicht ex ſangue ohne Blut / Ergò wer den Leib Chriſti im H. Abendmal in und mit demBrodt163Predigt. Brodt empfaͤngt / der empfaͤngt auch zugleich das Blut / wann ers nur empfaͤngt / es iſt im Brodt ſo viel als im Wein / was wil man mehr? Aber ſolcher Weiſe moͤchteſtu auch folgern: Chriſti Leib iſt nicht ohne Seel / oder ohne Gottheit / Ergò ſo iſſet man auch die Seel oder die Gottheit; item der Leib Chriſti wird nicht außgeſpendet ohne den Prieſter / Ergò wird auch der Prieſter mit gegeſſen / ſampt der Monſtrantz und Altar. Weiſeſtu nicht / was die H. Jungfrau Maria erinnert Joh. 2 / 5. Was Er euch ſaget / das thut; Nun ſagt Er nicht nur / eſſet / ſondern auch trincket / ſchreibet damit vor nnd befihlt nicht nur rem, die Sach oder Artzney ſelbſt / ſondern auch modum, die Weiß wie man ſie genieſſen ſoll. St. Paulus ſonderts ab 1. Cor. 10 / 16. Der geſegnete Kelch / iſt der nicht die Gemeinſchafft des Bluts Chriſti? Er ſagt nicht / und des Leibs Chriſti zugleich; Das Brodt / das wir brechen / iſt das nicht die Gemeinſchafft deß Leibs Chriſti? Er ſagt nicht / und deß Bluts Chriſti zugleich; ſonſt moͤchte ein Patient, dem der Medicus ein Traͤncklein verordnet zu trincken / und ein Oel zu ſalben / wann dieſer das Oel trincket / und mit dem Tranck ſich ſalbet / ſich einbilden es gelte gleich / er hab einerley Nutzen davon; jederman wuͤrde dencken / ein ſolcher Patient fable / oder ſey toll und thoͤricht. Wann nun gleich (ſind Lutheri Wort *) alles Laub und Graß / alle Sternen am Himmel / und(*) Tom. 6. Witteb. pag. 162. f. 2. Sand-Koͤrnlein am Meer in Ewigkeit rufften und ſchryen / es iſt unter einer Geſtalt ſo viel als unter beyden / ſo wuͤrde damit kein Hertz zu frieden geſtellt / ſondern das Gewiſſen uͤberſchreyet ſolches alles / und ſpricht gewaltiglich alſo: Lie - ber / du ſageſt mir viel / es ſey unter einer Geſtalt ſo viel / als unter beyden / GOttes Wort ſtehet dennoch da / und ordnet mir gleichwol beyder Geſtalt zu brauchen / und Er weiß ohn Zweiffel beſſer denn ihr alle / ob unter einer Geſtalt ſo viel ſeye / als unter beyden / dem nach befihlet Er beyder Geſtalt zu brau - chen. Was ſoll ein arm Gewiſſen wider ſolch GOttes Wort / Befehl und Ordnung ſagen / weil das nicht hilfft / daß unter einer Geſtalt ſo viel ſey / als unter beyden? Denn ich ſetze es / daß unter einer Geſtalt tauſendmal mehr waͤre / denn unter beyden / ja wann gleich unter beyder Geſtalt nichts waͤre / und unter einer Geſtalt waͤre alles / was hilffe mich das? Da bleibet gleichwol GOttes Wort von beyder Ge - ſtalt / und fraget nichts darnach / wie viel oder wenig ich un - ter einer oder beyder Geſtalt rechne / und muß ein arm Ge -X 2wiſſen164Die zehendewiſſen ſagen / Lieber / es iſt nirgend ſo viel unter einer Ge - ſtalt / als unter beyden / nemlich / unter einer Geſtalt iſt allein die Helfft der Wort GOttes oder ſeines Befehls / aber unter beyder Geſtalt / ſind die Wort GOttes beyde und gantz. Lieber / es gilt nicht ſo die Wort GOttes auß den Augen thun / und dieweil mit Gedancken kluͤglen / wieviel unter einer oder beyder Geſtalt ſey / es heißt / wer auß GOtt iſt / der hoͤret GOttes Wort / das Wort / das Wort ſag ich / muß man mehr anſehen / denn das gantze Sacrament / mit allem das es iſt und vermag / denn am Wort ligts gar / und wo es ſolt ſcheidens und wehlens gelten / ſo ſolt man ehe das gantze Sa - crament laſſen fahren / denn einen einigen Buchſtaben oder Titul von den Worten verlaſſen. Nu fragen ſie aber nichts nach dem Wort GOttes / und dichten dieweil ein gantz Sa - crament im halben Sacrament / denn ſie ſind GOttes Ver - aͤchter und ſeines Worts Laͤſterer. Bißher Lutherus.

3. Ἓν〈…〉〈…〉 λογητὸν & benedictum, Ein geſegnets gedrittes. Der Herr ſpricht auch das benedicite uͤber dieſe drey Zeugen / und ver - ſpricht Segen und alles gutes / ſo durch und von denſelben in unſere Her - tzen und Gewiſſen flieſſen ſoll. Matth. 18. ἐὰν συμφωνήσωσι, wo zween oder drey eins werden in meinem Nahmen ꝛc. Das iſt / auß mei - nem Befelch / zu meiner Ehr / Chriſtlich und rechtſchaffen / da hat man ſich der Erhoͤrung und Gewaͤhrung / Heil / Segen und Beſtaͤndigkeit zu troͤſten.

Wie wir nun M. L. dieſe Trinunitaͤt recht glauben / recht faſſen muͤſ - ſen / in ſenſu & conceptu vero, die ϑέσιν und den Verſtand der Wort / was es ſeye / wann Johannes ſagt / dieſe drey ſind eins / damit uns der Apoſtel nicht unteutſch ſeye; Alſo muͤſſen wir auch dieſe dreyfache Sym - phoni uns fuͤrſtellen als ein Muſter der rechten Chriſtlichen Einigkeit / in allen nicht nur collegiis, Zuͤnfften und Nachbarſchafften / Haußhaltun - gen / drey ſchoͤne Ding / ſagt Syrach / cap. 25 / 1. ſind / die beyde GOtt und den Menſchen wolgefallen; Wenn Bruͤder eins ſind / und die Nachbaren ſich lieb haben / und Mann und Weib ſich miteinander wol begehen. Obrigkeit muß wehren und Gott ſeyn / Aaron Lehren und Mund ſeyn / das Volck nehren / ſich lehren und wehren laſſen / das ſind drey ſchoͤne Ding. Sonderlich zu dieſen ge - genwaͤrtigen ſchweren Laͤufften / da man mit dem Erbfeind zu thun / da iſt der Syncretiſmus politicus oder Buͤrgerliche Noth-Frieden wol erlaubt /da165Predigt. da muß das Reich nicht mit ſich ſelbſt uneins ſeyn Matth. 12 / 25. Gleichwie wann in irgend einer Stadt / da allerhand Religionen eingeni - ſtet / eine Feurs-Brunſt außgeht / Juden und Heyden / Calviniſten und Papiſten / Groß - und Klein-Hans ohne Unterſcheid zulauffen und helffen loͤſchen / Noth bricht Eiſſen / ein jeder gedenckt

Nunc tua res agitur, paries cum proximus ardet.

Breñt meines Nachbars Wand / ſo iſt mein Hauß das nechſt am Brand. Doch muß man ſich der Goͤttlichen Warheit nichts begeben / wann kluge Welt-Leuth den Syncretiſmum hoͤher treiben wollen / und ſich beduͤncken laſſen / jetzt ſey es Zeit / daß man etwas weiche / naͤher zuſammen trette auch in der Religion, das ſey die pœna litis, Gott der Herr hab deßwegen den Tuͤrcken erweckt / daß er ſoll zufalls die Religionen eins machen / und unter einen Hut bringen / dahin ſolte man jetzt arbeiten in den Reichs - Verſamlungen. Alſo laͤßt ſich vernehmen Brigtmannus in Apocalypſi Apocalypſews p. 82. Der Tuͤrck werde die Ubiquitarios mit den Re - formirten eins machen / und den Religions-Streit mit dem Saͤbel ent - ſcheiden. Da ſagen wir nein zu / die Schlangen-Feindſchafft iſt ἄσπον - δος, ewig unverſoͤhnlich allweil Schlang Schlang bleibt / ſo wird Unfried und Unruh nicht auffhoͤren: der Herr Chriſtus ſagt / Er ſey nichtMatth. 10. kom̃en Frieden zu ſenden auff Erden / ſondern das Schwerdt. Wir kehrens um und ſprechen: Der Syncretiſmus iſt die Wurtzel und das Ey / darauß der Mahometiſche Alcoran entſproſſen und außgebruͤtet worden. Summa / Fried und Warheit ſind zwo Schweſtern / die laſſen ſich nicht trennen: Fried ohne Warheit / Symphoni ohne Tabulatur iſt ein Katzengeſchrey / wann Eva und Schlang / Huren und Buben / wider Gott ſich miteinander vereinbaren und paren / ſo iſt das Schwerdt vonnoͤthen / das Mund-Schwerdt der Elenchus; wie auch wann in einer Policey / Verraͤther und Conſpiranten, untreu Geſind in der Haußhaltung / in geheim zuſammen halten / dem gemeinen Beſten Schaden zu thun / ſo iſt alsdann Catonis deß klugen Roͤmers Rath der beſte / welcher ſervos variarum nationum, ſein Geſind und Knecht von unterſchiedlichen Nationen geſamlet und gedingt; Fragt man wa - rum das? Ne in damnum Domini ſui conſentirent, auff daß ſie nicht eins wuͤrden / mir ihrem Herꝛn ſeine Guͤter zu veruntreuen / ant - wortete er. Man lobt zwar manchmal ſeine gute ſtille ſanfftmuͤtige Leuth / die wann ſie gleich ſehen und ſpuͤren / wann und wo es unrecht hergehe / dennoch doͤrffen ſie mit der Sprach nicht herauß / conniviren /X 3laſſen166Die zehendelaſſen fuͤnff grad ſeyn: Warum? Um der lieben Einigkeit willen / ja um dem ſelbſt Genieß und Vortheil / hilff du mir / ſo hilff ich dir / du mir dort / ich dir hie. Da leiden dann die drey / Alethea, Conſcientia, & Gloria Dei, Warheit / Gewiſſen / und GOttes Ehre noth. Solche Freund - ſchafft iſt GOttes Feindſchafft.

Vm welcher Urſach willen wir auch nicht Chriſt-Bruͤderlich com - municiren koͤnnen und ſollen / mit denen die heterodoxi ſind / und im Grundſtuͤrtzenden Jrꝛſahl begriffen. Nam quæ non conveniunt in uno tertio, non conveniunt inter ſe; qui non conveniunt in ſym - phoniâ trium teſtium, etiam inter ſe non debent eſſe ſymphoniaci. Jn dem Synodo zu Charenton in Franckreich / anno 1631. gehalten / hat ſich zwar das Syrenen-Geſang hoͤren laſſen / da die verſamleten Lehrer der Reformirten folgends Decret abgefaßt: Cum Eccleſiæ Confeſſionis Auguſtanæ conveniant cum aliis Reformatis, in principiis & pun - ctis fundamentalibus Religionis, ſtatuit Synodus, fideles dictæ Confeſſionis poſſe nullâ præmiſſa abjuratione opinionum, quas te - net contrariarum fides dictarum Eccleſiarum noſtrarum, admitti ad cœnam: das iſt / weil die Kirchen Augſpurgiſcher Confeſſion mit andern Reformirten in dem Fundament der Religion uͤber - ein kommen / ſo hat der Synodus beſchloſſen / es koͤnnen dieſel - be / ohne Abſag und Verſchwoͤrung der Meynungen / die un - ſere Kirchen fuͤhren / als Glaubige zum Tiſch des HErꝛn von uns zugelaſſen werden. Aber die offenhertzigen Schweitzer zu Zuͤrch / die haben ſich anders und redlicher erklaͤrt / in einem Schreiben an das all - hieſige Kirchen-Convent, darinnen ſie bekennen / daß ſie den jenigen / wel - che ſie ſtudirens halben hieher geſchickt / verbotten haben / in der hieſigen Kirchen zu communiciren / dann / ſchreiben ſie / unſere Knaben ha - ben nicht einerley Glauben mit euch / warum ſolten ſie dann aͤuſſerlich mit dem Werck bezeugen / das ſie doch inwendig im Hertzen nicht glauben?

vide von der Gevatterſchafft der Tauff-Zeugen / ob ſie denen die im Grund deß Glaubens uneinig / zu zulaſſen / in Reform. Salve p. 587.

Darum waͤre das beſt / man ſtimmete die abgeloffene Saͤiten und heulen - de Pfeiffen recht zuſammen / und kaͤme in der Auſſag der drey ſo wol trꝛdi - ſchen als himmliſchen Zeugen recht zuſammen / ſo waͤre alsdann ein ſolche ſymphony und Muſic lieblich zu hoͤren.

Weniger koͤnnen wir communiciren und geiſtliche Bruͤderſchafft pflegen mit den Papiſten / als die nicht allein das Blut Chriſti den Layenentzie -167Predigt. entziehen / tantâ ferociâ, und daſſelb mit ſolcher wilden Hefftigkeit / daß wann auch durch die Erſtattung deß Kelchs koͤnte unter beyden Religio - nen Fried gemacht werden / doch ihre geiſtliche Camarim mit Haͤnd und Fuͤſſen wehren wuͤrden / wie (*) der Polniſche Cardinal Stanislaus Hoſius(*) l. de ex - preſſ. Dei verb. p. 60. gethan; ſondern auch die Zahl der Sacramentlichen Zeugen auß eigen - thaͤtlichem Frevel gemehrt / mit dem Zuſatz noch anderer fuͤnff Sacramen - ten / als nemlich der Buß / der Firmung / (die ſoll wuͤrdiger ſeyn als die Tauff / laut (α) deß geiſtlichen Rechts) der Ehe / der letſten Oehlung / und(α) diſt. 5. de conſecr. can. 3. vide hodo - mor. Spir. cap. Pſant. 10. p. 446. der Prieſterweyhe / deren Elenchus und Widerlegung auff andere Zeit und Gelegenheit verſparet wird.

Unſere Welt-Kinder / ja Belials-Kinder und Sacrament - Schaͤnder / extendirens noch weiter uͤber die Sieben hinauß / wir wiſſen leider gar zu wol und beklagens / daß man die Sacramenta auch bey uns mehrt / und uͤber-Tuͤrckiſch und uͤber-Heydniſch dem Nechſten an den Hals zu ſeinem Verderben flucht / mit Stern - und Blut-Sacramenten um ſich wirfft / bey hunderten ja viel tauſenden / ſo ſchroͤcklich / daß der Himmel ſich entferben / die Sonn erſchwartzen / und der Erdboden hieruͤber erzittern ſolte / und alle Creaturen erſchuͤttern. Welcher Tuͤrcken-Saͤbel iſt ſcharff genug ſolchen Frevel zu ſtraffen? O Hoͤll-wuͤrdige Suͤnden! Wann der λογχοφόρος und Kriegs-Knecht Chriſti Blut / der Mariæ und Johanni ins Angeſicht geſpien; Wann ein Bettler das Brodt / das ihm zum Allmoſen gegeben worden / ſeinem Neben-Bettler ins Maul ſtoſſen und ſagen wolte: Friß daß dirs Hertz abſtoſſe / daß du daran erwur - geſt ꝛc. Wann ein Maleficant mit dem Gnaden-Scepter ſeinen armen Mit-Suͤnder wolte um die Ohren ſchlagen; wuͤrde man nicht erſchrecken und ſagen / einem ſolchen Boͤßwicht koͤnte man nicht genug Straff und Marter anlegen / welcher Tuͤrcken-Saͤbel kan ſcharff genug ſeyn ſolches zu ſtraffen? Welch Hoͤlliſch Feur iſt heiß genug?

Unterdeſſen contentiren und ſaͤttigen wir uns gar wol mit den zwey Sacramenten / bitten / weil es wil Abend werden / Gott wolle ſie erhal - ten. Die uͤbrigen compenſiren und ſuchen wir in der H. Schrifft / und in dem Chriſtlichen Catechiſmo und deſſen Geheimnuͤſſen / die Firmung ſuchen wir in dem H. Abendmal / als dem Sacramento Confirmatio - nis; die Buß beym Beichtſtuhl und Loͤßſchluͤſſel; in der Ehe als einem myſterio und Geheimnuͤß Eph. 5. die innigliche hertzliche Liebe Chriſti mit ſeiner Geſpons / die er liebt / als ſein eigen Fleiſch / vertraͤgt ihre - vos, pfleget ihr; die leiſte Oehlung in dem Freuden-Oehl deß H. Geiſtes / durch welchen wir begleitet durch das finſtere Todes-Thal in das rechteVater -168Die eilffteBaterland Pſal. 23. Mein getreuer Hirt und Wuͤrth bereitet fuͤr mir einen Tiſch / ſalbet mein Haupt mit Oehl; Die Prieſterweyhe in der rechten / in GOttes Wort fundirten / Chriſtlichen / Apoſtoliſchen Ordination. Dann ſo alle Creatur GOttes geſegnet wird durch das Wort und Gebet / viel - mehr das Miniſterium wird geweyhet und geheiligt durch Wort und Ge - bet / und dem alten Apoſtoliſchen ritu der Hand-Aufflegung: Damit iſts gnug / ferners Anſchmierens iſt umſonſt. Hiemit auch gnug fuͤr dißmal. Der Herr geb / daß was bißher fuͤrgetragen worden / viel Nutzen und Frucht bringen moͤge / Amen.

Die eilffte Predigt / Von Den Sacramentlichen Zeichen-Zeugen / oder Zeug-Zeichen.

GEliebte in Chriſto. Jn den alten bewaͤhrten Roͤmi - ſchen Hiſtorien und Geſchichten finden und leſen wir von einem dreyfachen Schul-Methodo, Schul-Form oder Lehr / dreyer Mittel / Arten und Weiſe / nach und in welchem die zarte herwachſende / ſonderlich Adeliche Ju - gend aufferzogen / geuͤbet / und zu Erlernung guter Kuͤnſten / auch loͤbli - chen Sitten und Tugenden / entzuͤndet und angefriſtet worden: So ge - ſchehen I. Per ſcripturas, durch Schrifftliche Monimenten und Buͤcher / darin ſonderlich ihrer Majorum ruͤhmlich und redliche Thaten auffgezeichnet geweſen / in welchen ſie ſich erſpieglen ſolten: Wer ſich hierin nicht geuͤbet / den hat man fuͤr einen un - und keinnuͤtzen Menſchen außgeruffen / und Sprichwortsweiſe von ihm geſagt: Neque literas ne -(*) conf. Eraſmi Adag. p. 138. que natare didicit, (*) das iſt / Er kan weder ſchwimmen noch ſchreiben / er iſt weder zu ſieden noch zu braten.

II. Per picturas, durch allerhand Bilder und Gemaͤhlde / darinnen die herꝛliche loͤbliche Thaten ihrer Majorum Eltern und Groß - Eltern abgeriſſen und abgemahlet worden: Sonderlich hat man die edle Jugend fuͤr die arcus Triumphales, Triumph-Boͤgen und Siegs -Bilder169Predigt. Bilder gefuͤhrt / darin der Majoren Victorien, Ritterliche Wehr und Waffen / reiche Beuten und anathemata, anſehnliche Kriegs-Schaͤtze / mit lebendigen Farben außgeſtrichen / und damit die Jugend ad imitatio - nem zur tugendlichen Nachfolge angeſpohrt.

III. Per figuras & ſignaturas, durch ſonderbare Figuren und ſichtbare Mahlzeichen / in anſehen derer Sie gleicher geſtalt ih - rer Ampts-Pflicht / Gebuͤhr und anſtaͤndigen Tugenden zu erinneren. Wohin ſonderlich gehoͤrt die Toga prætextata, das purpur-rothe Ehren - Kleid / ſo man den jungen Edlen Knaben zum Unterſcheid angezogen / daß Sie darbey ſich der verecundiæ, deß Schamroths / als der Tugend ei - gentlicher Liberey / und der Jugend beſten Schmucks und Zierraths im - mer erinnern ſolten / fuͤr Schmach und Schand ſich huͤten / damit Sie ih - rem Edlen / beruͤhmten / Nahmhafften / und alten anſehnlichen Geſchlecht kein Schandflecken anhengen. So dann auch hat man ihnen auff die Bruſt geſetzt auream bullam, (*) ein guldene Bull oder Knopff / for -(*) vid. Macrob. l. 1. Saturn. cap. 6. mirt wie ein Hertz / von lauterm clarem und feinem Gold / nicht von Queck - ſilber oder Schlacken der Metall / ſondern von dem feinſten Gold / zur An - zeig der hertzhafften Großmuͤtigkeit / daß ihr Hertz ſeyn ſoll ein ſtaͤt-beſtaͤndi - ges / rein-lauteres / unfalſches / immerglaͤntzendes / und alſo recht guͤldenes Hertz.

Wo? M. L. in welchem Gaden oder Laden findet man Scham - roth feil? daß wirs kauffen / anziehen und in demſelbigen uns ſchaͤmen moͤchten? Wann wir unſere Kinder-Zucht / die Chriſtlich ſeyn ſolte / compariren und vergleichen mit dieſer Heydniſchen Roͤmiſchen / aber weiſen und vernuͤnfftigen diſciplin, und deroſelben Schul-Methodi. Wir ſind ja alle / ſollen und wollen ſeyn getauffte / außerkohrne / Edelſte Kinder GOttes / auß Gott der Quell alles Adels und Wuͤrde wi - der und von neuem gebohren. Wo ſind dann die ſcripturæ? Wo be - fleißt man ſich die Hiſtorien unſerer Chriſtlichen Majoren und Glaubens - Helden zu leſen / in den Annalibus Eccleſiæ, martyrologiis und Helden - Buͤchern? Wie viel ſind deren die weder ſchreiben noch leſen / weder ziffren noch rechnen koͤnnen / oder koͤnnen wollen? Man ſolt wol finden / auch bißweilen unter dem Adel / die ihren eignen Nahmen nicht recht correct ſchreiben koͤnnen? Hat jemand von Herren Stands-Perſonen oder auch dem Adel / den Edelſten ſtudiis recht nachgeſetzt / gruͤndlich die heilſamen freyen Kuͤnſte / oder auch die Theologi gefaßt / ſo mag er wol ein phœnix und Meerwunder heiſſen. Wo ſind die Triumph-Boͤgen und Siegs-Bilder / die picturen und Gemaͤhlde rerum præclarè geſta -Achter Theil. Yrum? 170Die eilffterum? Wir haben deren wenig; mehr aber / im Augenſchein / der Helden in Fuͤllerey / ſchwelgen / freſſen / ſauffen / fluchen / Gotts-laͤſtern / raßlen / ſpie - len / rauffen / ſchlagen / das ſind unſere Triumph / das ſehen die jungen Af - fen / und ahnens nach. Wo ſind unſere prætextæ und Tugend-Kleider / ſonders der purpurfarbe Schamroth? Er iſt verblichen / die Impudicitia und Schamloſigkeit ſihet der Jugend mit allen Augen herauß / die ſich nicht ſchaͤmet der frembden / Frantzoͤſiſchen / affentheurlichen Verſtellungen in Kleideren / Paſamenten / Neſtlen und Banden / deren unſere loͤbliche Vor - fahren ſich geſchaͤmet / und ſich viel zu gut geduͤnckt dergleichen Abenthenr nachzuaͤffen: darum man ſich nicht zu verwundern / wann GOtt uͤber ſie ſchickt eben die / welchen ſie ſolche Spiel wollen nach thun / daß Sie ſie ſtraffen muͤſſen / 2. Macc. 4, 16. Wie lang iſt es / daß man auch Fuͤrſtliche junge Herren in gemein wollen Land-Tuch gekleidet? deſſen Moniment zu Ebendorff bey Chemnitz in Meiſſen zu ſehen / allda die Kleider der jungen Herren von Sachſen / welche Kuntz von Kauffun - gen auß dem Schloß Altenburg entfuͤhret / ſo ſie damals angehabt / in der Kirchen hangen / ſo nur von ſchlechtem Land-Tuch ohn alle Sammet und ſeidene Schnuͤr gemacht. Wer traͤgt dergleichen heutigs Tags? Wo iſt die guͤldene Bull hinkommen / das recht guͤldene Hertz der alten Teut - ſchen Standhafftigkeit / die unſincerirte / reine / lautere / hell-leuchtende Redlichkeit? Bulla Nulla, ſie iſt zur Nulla worden / und wil ſich faſt nicht mehr mercken laſſen.

Unterdeſſen aber hat unſer liebe Heyland Chriſtus / der groſſe Pro - phet und Rabbi / unſer einige Meiſter / vom Himmel herab an intimirten / recommendirten Lehrern / in ſeiner Chriſt-Schulen nichts erwinden laſ - ſen / Er hat auch dieſen dreyfachen Schul-Methodum offentlich profi - tirt, mit ſeinem Exempel conſecrirt und geweyhet / als welcher auch mit der Schrifft geredet / dieſelbe erfuͤllet / und ſeine Außerwehlte Edelſte Kinder GOttes darin zu forſchen und zu leſen angewieſen Joh. 5, 39. Sonderlich aber auch die Schrifften ſeines Schoß-Juͤngers Johannis / der deßwegen vielmal den Befehl bekommen zu ſchreiben / der Chriſti ma -Joh. 20, 30. gnalia und Heroiſche Thaten / nahmentlich auch dieſen edlen / E. L. abge - leſenen Text geſchrieben und auffgezeichnet. Er der Herr ſelbs hat uns einen ſchoͤnen Triumph. Bogen auffgerichtet durch das Creutz / und ſich uns fuͤr Augen gemahlet / daß wir da auch beſchauen und bedencken ſollen ſeinen Creutz-Krieg und Creutz-Sieg / Krafft welches Er die Wercke des Teuffels zerſtoͤret / dem ſtarcken gewapneten Rieſen ſein Pallaſt ruinirt / die Macht dem Tod genommen Hebr. 2, 14. ja auß allen ſeinen und unſernFein -171Predigt. Feinden einen Triumph gemacht / Coloſſ. 2, 15. Damit wir auch durch den Glauben uͤberwinden und ſeinen Fußſtapffen folgen. Er iſt ſelbs un - ſer Toga prætextata und purpurfarbes Chriſten-Kleid worden / der Rock der Gerechtigkeit / den wir in der H. Tauff anziehen / welches beſtrichen / beſprengt und geferbet mit dem heilſamen Safft des edlen cocci und

Coccus vel est frutex, cujus granum & per ſeipſum rubræ tincturæ ido - neum eſt, & ſi purpuræ colori adjungatur, eum inſigniter acuit, & veluti accendit, uti oſtendit Plin. l 21. c. 8. Vel est vermiculus, qui è dicti jam fruticis grano, piſi aut lentis figura, naſcitur, ejuſdemque foliis adhæret, uti docet Iſidorus, rubo - remque inſignem, aut per ſe, aut purpureo additus efficit, eumque vermiculum vocant Arabes Carmen, aut chermes, aut, ut lib. 3. hiſt. Turcicæ ait Chalcondylas, κρήμησιν.

Carmaſin-rothen Wurms / der ans Creutz gehengt worden / welcher Safft auß ſeiner eroͤffneten Seiten in die H. Sacramenta gefloſſen / aber auff gefaßt werden ſoll in bulla cordis aureâ, in der guldenen Hertzens-Bull / darin der Glaube wohnet koͤſtlicher als das vergaͤngliche Gold / 1. Petr. 1, 7.

Und diß iſt eben auch die jenige ſchoͤne Figur und ſignatur, das Sa - cramentliche Sigel und Zeichen / damit der groſſe Creutz-Prophet uns nicht allein ein〈…〉〈…〉 ογραμμὸν fuͤrſtellen wollen / daß wir folgen ſollen ſeinen Fußſtapffen in Lieben und Leiden / ſondern auch den Glauben in uns erwe - cken und ſtaͤrcken ſollen &c. Allermaſſen wie vor dieſem zu ſolchem End abgeleſener Text und Hiſtori eingerichtet worden; da wir beſchauet die Quell oder Wund / darauß das Waſſer und Blut in die Sacramenta ge - floſſen; die Hiſtori deſſelben Blut - und Waſſer-Fluſſes erlaͤutert; darauff das Sacramentliche Geheimnuß angedeutet; das officium und Zeugen - Ampt; die drey Zeugen uns zu Hertzen gezogen; dero Guͤte / die dem aͤuſ - ſerlichen anſehen nach gering und irꝛdiſch / aber weil ſie geſtifftet worden von den drey Himmliſchen / Hoͤchſten / Edelſten Zeugen / herꝛliche und edle Zeugen; els die kraͤfftigſte / als die Uni-Diviſi, daß ein Unterſcheid ſey unter dem Geiſt / und unter den ſichtbaren Sacramenten / deren nur zwey ſeyen. Als wollen wir die angezettelte Web vollends außwuͤrcken und außarbeiten / und das leiſtere officium Teſtium ſignificativum zu be - trachten vor uns nehmen / dieſelbe E. L. fuͤrſtellen als Teſtes ſignantes & obſignantes, davon unſer Chriſtliche Catechiſmus / in der Frag / warzu dienen die Sacramenta? lehret / daß Sie ſeyen gewiſſe Sigel und Zeichen von Gott dem Herrn ſelbſt eingeſetzt &c. Der Herr wolle mit der Gnaden-Krafft des H. Geiſtes uns noch ferner beyſtehen / Amen.

Y 2Ob172Die eilffte

Ob nun wol das Wort Zeichen / von den beyden Sacramenten des Neuen Teſtaments / in H. Schrifft und in unſerm Text und Hiſtori / mit klaren außgetruckten Buchſtaben außgeſprochen nicht befindlich; So gibts doch die διάνοια und der Verſtand Sonnenklar zuerkennen / daß wirs nothwendig alſo verſtehen muͤſſen / und zwar (1.) in dem Wort Zeu - gen / daß die Sacramenta Zeugen genennet werden; nun iſt ein jeder Zeug ein Bezeichner deſſen / was unbekant und verborgen. Alle Creatu - ren / auffs wenigſt ein Weintraub / ſeind Zeugen und Zeichen der unſicht - barn Gottheit Rom. 1, 20. dadurch GOttes unſichtbares Weſen erkant / und ſeine unerſchoͤpffliche Guͤtigkeit geſchmecket wird. Daß Chriſtus aufferſtanden von den Todten / iſt geheim und verborgen / kein Menſch hats geſehen / aber die zwoͤlff beglaubte bewaͤhrte Zeugen habens bejachzet / und bezeichnet mit Worten und Thaten / Wir ſind deſſen alle Zeu - gen / ſagt dort Petrus Act. 2, 32. Gleichwie der Regenbogen iſt der Zeug in den Wolcken Pſal. 89, 38. und zugleich ein Zeichen / welches Gott der Herr dargeſtellt / daß Er die Erde mit der Suͤndfluth nim - mermehr verderben wolle / Geneſ.<