PRIMS Full-text transcription (HTML)
CATECHJSMVS MJLCH / Oder Der Erklaͤrung deß Chriſt - lichen Catechiſmi
Vierdter Theil /
Begreiffend den Erſten Ar - ticul deß Vralten Apoſtoliſchen / auch Niceniſchen Glaubens. /
Straßburg /Jn VerlegungFriedrich Spoors. M. DC. LIII.
DEDICATIO.

Der Hochwuͤrdigen / in GOtt An - daͤchtigen / Wol Edel gebornen Frauen / Frauen / Maria Symburg / Gebornen Boͤcklinin von Boͤcklinsaw / ꝛc. Deß Vralten / Gefreyten / Adelichen Stiffts zu S. Steffan in Straßburg erwehlter Abtiſſin / meiner gnaͤdigen Frawen / Gnad / Fried / Geiſt - und leiblichen Segen / von Gott dem Vatter / durch JEſum Chriſt / im H. Geiſt.

HOchwuͤrdige / in Gott andaͤch - tige / Wol Edelgeborne / Gnaͤdige Fraw / daß E. Hochwuͤrdigen / Wol Edelgebor - nen Gnaden / diſen vierdten Theil der Cateehiſ - mus Milch / in welchem der erſte Articul vnſerer Vralten / Apo - ſtoliſchen auch Niceniſchen Glaubens begriffen / ſo vor diſem durch deß Allerhoͤchſten Gnad in offentlichen Verſamlungen / im Muͤnſter allhie geprediget / erklaͤrt vnd außgeleget / nun mehr aber auff vielfaͤltig / von vieler ſo frembd als einheimiſchẽ / Gott - liebenden Hertzen geſchehenen zumuthungen / anmahnungen / und faſt gewaltſamer noͤtigung / ſo gar / daß auch der lange Ver - zug und außbleiben der reſtierenden Theiler fuͤr ein Mißgunſt bey etlichen hat wollen gedeutet werden / in Truck verfertiget worden; Jch woldienſtmeinender weiß / mit gebuͤrender reve -) (ijrentzDEDICATIO. rentz und Ehrerbietung zu zuſchreiben / und zu eigen uͤbergeben / mich unterwunden / geſchicht nicht ohn Exempel Geiſtreicher / Gottsgelehrter / theurer Maͤnner Gottes / denen ich zwar die Schuhriemen auffzuloͤſen nicht werth / doch in dero Fußſtapffen muͤchlichſt zu tretten befugt bin. S. Johannes der Glaub - wuͤrdige Evangeliſt / hocherleuchte Apoſtel / liebſte Schoß Juͤn - ger deß Herren JEſu / der aͤlteſte der alle andere Apoſtel uͤber - lebet / hat ſeine andere zwar kurtze / doch Lehrreiche Epiſtel einer Außerwehlten Frauen dedicieret und uͤberſendet / wer dieſelbe eigentlich geweſt / iſt dunckel und unbekand. Oecume - nius verſtehet diſen Titul und Anſpruch von einer ſonderba - ren Gemein und Kirch in Aſia / dieſelbe werde Κυρία, eine Fraw / Herrin oder Herrſcherin genennt / die ſeye auch von Gott dem Herren zum Himmelreich außerwehlet und erkohren. Der Jeſuit Serarius greifft nach diſer Gloß mit Haͤnden vnd Fuͤſſen / als dadurch der Kirchen ein ſonderbarer Titul und Namen zu gewachſen / krafft welcher ſie in einem hohen Geiſt-weltlichen Herrnſtand zu uͤberherrſchender Majeſtaͤt erhoben worden Die - weil es aber vngewoͤhnlich einer gewiſſen Gemein dergleichẽ Na - men zugeben / und auff ſolche weiß eine Schrifft an dieſelbe ab - gehen zulaſſen / ſo ſind andere in dieſe Meinung gerathen / es ſey dieſer Name Electa, gleich wie (der Name Juſta, Chriſtina,) diſer Frauen Tauffnamen geweſt / und hab den Verſtand / der Elteſte Johannis ſchreibt an die Fraw Electam: Es iſt aber auch eine faſt gezwungene vnd ferngeſuchte Gloß / wir laſſens billich bey dem erſten / erſt ingedancken kommenden / vnd einfaͤltigen Verſtand bleiben / halten darfuͤr es ſey eine fuͤrneh - me / Edele / Nam - vnd nahrhaffte / zwar vngenandte doch jhme S. Johanni in Ehren wolbekandte Matron / vnd Tugenderon ge - weſen / welche wie Lyranus muthmaſſet / von jhren zeitlichen ſchaͤ - tzen vnd Guͤtern die duͤrfftige nothleidende Kirch vnd dero Die - ner / vnd alſo Chriſtum ſelbſt in ſeinen Armen / nach dem Exempel der drey Tugendtreichen Gottſeeligen Weiber / MariaMagda -DEDICATIO. Magdalena / Johanna vnd Suſanna / die dem Herrn Chriſto mit vnſterblichen immergruͤnenden Ruhm / von jhrer Hab handreichung gethan / verpfleget. Clemens Alexandrinus macht gar ein Abbatiſſin auß derſelben / welche Geiſtliche Kin - der (deren auch in gemelter Epiſtel S. Johannes gedencket) das iſt junge Toͤchter als dero Fuͤrſteherin vnd Hoffmeiſterin / da - heim zu hauß in reiner Lehr / gutten Sitten / Zucht vnd Tugenden vnterwiſen / denſelben auch mit gutem Exempel fuͤrgeleuchtet. Jnmaſſen dann ſchon dazumal dergleichen Hauß - vnd Zucht - Schulen uͤblich vnd im ſchwang geweſen / darinnen ſich junge / Chriſtliche Toͤchter auff verordnung jhrer Eltern verſamlet / eine außerwehlte Fraw - vnd Zuchtmeiſterin uͤber ſich zu foͤrchten vnd zuehren gehabt. S. Paulus ſchreibt nicht vergebens / den aͤltern Weibern / in ſeiner Weiber Zucht / vnter andern auch diſe Regul fuͤr / an Titum Cap. 3. Sie ſollen die jungen Wei - ber lehren zuͤchtig ſeyn / vernuͤnfftig / maͤſſig / ſittig / vnd fein ſich halten: wozu hernach auch die Noth gezwungen / in dem / wie Euſebius im erſten Buch vom Leben Conſtantini des loͤblichen Chriſtlichen Keyſers cap. 46. der Chriſten Moͤrder vnd wuͤtterich Licinius nicht wolte geſtatten / daß die Chriſten Manns vnd Weibsperſonen vntereinander ſich verſamlen vnd zugleich mit einander betten moͤgen / den Biſchoffen vnd Lehrern gaͤntzlich verbotten / keine Weiber vnd Jungfrawen auß Gottes Wort zu lehren / noch jhnen zu predigen / haben nun die arme betrangte Chriſten wollen ſehen / daß jhre Toͤchter auch im Catechiſmo vnterwiſen / in aller Zucht vnd Tugenden ange - halten wuͤrden / ſo hat man ſolche außerwehlte Frawen erſehen vnd erkoſen / die als Lehr - vnd Hoffmeiſterin / ſo hernach Ab - batiſin / das iſt / Geiſtliche Muͤttern genennet worden / der Ju - gend erbawlich / loͤblich vnd wol fuͤrſtehen vnd fuͤrleuchtẽ moͤch - ten. Es iſt anch geſchehen / daß vnter ſolchen Toͤchtern vnd Jung - frawen in guter meinung / auß freyer Chur vnd Wahl / etliche jh - nen feſt / doch ohn gezwungene vnauffloͤßliche Geluͤbde vnd ge - faͤhrliche gewiſſensſtrick / fuͤrgenom̃en auſſer der Ehe im keuſchen) (iijvndDEDICATIO. vnd zuͤchtigen Jungfraͤwlichen Stand zubleiben. Der Vat - ter thut wol / ſchreibt S. Paulus 1. Corinth. 7. 37. der jhm veſt vornimmet / ſeine Tochter nicht außzuſtatten / wann er ſich verſichert haltet / daß ſeine Tochter zur Ehe keine be - liebung trage vnd mit der Heroiſchen Gab der Keuſchheit auß - gerůſtet außer der Ehe ohne Brunſt keuſch leben koͤnne / Quot virgines Chriſto maritatæ? ſchreibt Tert. l. de reſur wieviel ſind vnter vns Chriſten Jungfrawen die ſich allein Chriſto in jhrem Hertzen vermaͤhlet? Jch ſage aber bedencklich ohne vnauff - loͤßliche Geluͤbd vnd Gewiſſensſtrick / Niemand war bloß dahin verbunden / vnveraͤnderlich in gefaßtem fuͤrnemmen zu verbleiben / daher Cyprianus der vralte Affricaniſche Lehrer vnd Blutzeug JEſu Chriſti l. 1. epiſt. 11. ſchreibt / Quod ſi ex fide Chriſto ſe dicaverunt pudicè & caſtè ſinẽ ullâ fabulâ perſeverent; ita fortes & ſtabiles præmium virginitatis ex - pectent; ſi autem perſe verare nolunt, vel non poſſunt, me - lius eſt ut nubant, quam in ignem deliciis ſuis cadant: das iſt / welche Toͤchter ſich auß Glauben Chriſto Geiſtlicher weiß vermaͤhlet / die ſollen keuſch vnd zuͤchtig leben / vnd mit jhrem Gottesdienſt jhnen laſſen ein Ernſt ſeyn / daß ſie alſo die Gnaden cron jhrer Heroiſchen ſtandthafftigkeit dermaleins davon tragẽ: wollen ſie aber vnd koͤnnẽ nicht in ſolchem Stand verharren / die folgen billich der Apoſtoliſchen Regul beſſervñ waͤger freyẽ als Brunſt leiden. Lang hernach hat der ſchwartze Guck - guck die ſelbſt erwehlte / Geiſtliche-Hoffertige / aberglaubiſche / verdienſtſichtige / welt - vnd alſo Geiſtlich-kampfffluͤchtige / noth - zwingende / vnauffloͤßliche Moͤnch - vnd Nonnen Orden / vnd Gelůbd des blinden Gehorſams / der Brunſtſeuchen Keuſch - heit / der vollbraͤtigen armuth außgebruͤttet.

Nun eine ſolche oberzehlter maſſen Erwehlte Fraw / vnd Geiſtliche Jungfrawen Mutter /〈…〉〈…〉 eine außer - kohrne Glaubens-Heldin / ſo in der Warheit gewan - delt / iſt vermuthlich geweſt die jenige Matron an welcheS. JoDEDICATIO. S. Johannes ſein anderen Sendbrieff laſſen abgehn / dieſelbe warnet er fuͤr den verfuͤhrern vnd Widerchriſten ſo in die Welt kommen / mit allerhand ſchwermerey wider die Majeſtaͤt vnd Perſon Chriſti ſchwanger gangen / die lautere Warheit deß ſeeligmachenden Apoſtoliſchen Glaubens zu verfaͤlſchen / vnd folglich alle heylſame Troſtquellen zu verſtopffen kein ſchew ge - tragen / ſie ſolle ſich wol fuͤrſehen damit ſie den edlen Schatz vnd Beylage der Goͤttlichen Warheit nicht widerumb verliere / wer die reine Lehr vnd Bekantniß deß Apoſtoliſchen Glaubens von Gott Vatter vnd ſeinem Sohn Chriſto JESV nicht mit ſich bringe / der ſeye auch keines Geiſt-Freund-Bruͤderlichen Gruſ - ſes / will geſchweigen einiger vermeidlichen bewuͤrtigung werth / damit die zarte vnter jhre Pfleg vertrawten junge hertzen / mit kei - nem fremb den Gifft angeſteckt / ſondern mit der lauteren Catechi - ſmus Milch getraͤncket werden / mit angefuͤgtem denckwuͤrdigem Spruch / wer nicht in der Lehr Chriſti bleibt / der hab keinen Gott / anders als vor zeiten der albere / vnvorſichtige / Griechiſche Keyſer Manuel Comnenus apud Nicet. dafuͤr gehalten vnd gemeint / man koͤnne den Tuͤrckiſchen Glauben wol paſſiren laſſen / man ſolle den Tuͤrcken Alcoran vñ Religion nicht verdammen / glauben doch auch die Tuͤrcken an Gott / den Schoͤpffer Himmels vnd der Erden: dem vnſere heutige / hoch - ſchaͤdliche Sync etiſten nacharthen / ja viel falſch-einfaͤltige / vnberichte Leuth in dem Wahn ſtehen / man koͤnne bey einem jeden Glauben ſeelig werden / wir glauben ja all an einen GOtt. S. Johannes ſagt nein darzu / wer nicht bleibt in der Lehr Chriſti / wie dieſelbe von Chriſto vnd ſeinen Apoſteln im geſchribenen Wort Gottes fuͤrgetragen vnd erklaͤ - ret worden / der hat keinen (gnaͤdigen) Gott im Himmel. S Johanni dem H. Apoſtel hat in diſem Stuck gefolget / der alte hochberuͤmte / fuͤrtreffliche Kirchen Lehrer Hieronymus / der ruͤh - met nicht nur die andaͤchtige Schrifft Lieb / den Edlen Tugendt -pracht /DEDICATIO. pracht / die loͤbliche Gottes-gelaͤhrſamkeit / an vnterſchiedlichen / Roͤmiſchen / Adelichen Matronẽ / der Læta Furia, Salvia, Celan - tia, Demetriade, Marcella, Euſtochio, Bleſilla, Principia, Al - gaſia, ſondern er ſchriebt auch denſelben vnterſchiedliche / nuͤtz - liche Tractaͤt vnd Brieffe zu / Si viri de ſcripturis, quærerent, mulieribus non loquerer, ſchreibt er an die Edle Principiam: wann bey den Maͤnnern ſolcher Eifer zur reinen Lehr wohnete / wann ſie mit ſolchem Fleiß vnd Ernſt den Verſtand der H. Schrifft zulernen vnd zu erforſchen jhnẽ lieſſen angelegen ſeyn / wie etliche Chriſtliche Roͤmiſche Weiber / ſo wolte ich meine Weiber-dedicationes laſſen anſtehen. Vnter andern lehret er die Gottsgelaͤrthe Tugendſame Lætam wie vnd in welchem methodo ſie jhre Tochter aufferziehen ſolle? Sie ſolle ſie da - heim anhalten / daß ſie ſich an ſtatt der Perlin / Seiden vnd Edel - geſtein in die Bibel verliebe: Zu allererſt den Pſalter vnd Sprichwoͤrter Salomonis leſe: im Prediger Salomon der Welt vanitet lerne verſpeyẽ: im buch Job beyzeiten die Gedult ſtudire: die Evangeliſten deß Newen Teſtaments nimmer von der Hand lege / das Buch der Apoſtoliſchen Geſchichten vnd Epiſteln jhr wolbekand mache: folgend die Propheten / die fuͤnff Buͤcher Moſis / der Koͤnigen / Cronic / Eſdræ vnd Eſther durchblaͤttere / ſo werde ſie alsdann auch faͤhig werden / mit keu - ſchem Hertzen das Hohelied Salomonis zu begreiffen. Vuſer thewre Lutherus ſeel. hat dergleichen Dedication auch verfůget / An Mariam Koͤnigin in Vngarn / die nim - mer genugſam geruͤhmte Tugenderon / ein Hoch Edelgeborne Koͤnigiſche Tochter auß Hiſpania / Keyſer Carl deß fuͤnff - ten leibliche Schweſter / die kam allzufrüh vnd zeitig in den trawrigen Creutz vnd Wittwenſtand / Jhr Hertzliebſter Ehe - gemahl Ludwig Koͤnig in Vngarn / an dem alles frůhzei - tig geweſt / die Geburt / ſintemal ſeine Fraw Mutter / da ſie mit jhm zu fruͤh geneſen / hat es ſie das Leben gekoſtet / im Zehen -denDEDICATIO. den Jahr ſeines Alters ward er zu einem Koͤnig in Vngern ge - eroͤnet / Jm vierzehenden Jahr ward erſchon baͤrtig / Jm funff - zehenden Jahr vermaͤhlet er ſich mit obernanteen Koͤniglichen Spaniſchen Jnfantin / Jm ein vnd zwantzigſten Jahr kam er vmbs Leben / in einem fruͤhzeitigen vnnoͤtigen Tuͤrcken Krieg / dazu jhn / weil Babſt Clemens ein diverſion machte / vnd den Tuͤrckiſchen Kaͤiſer Soliman mit ſeiner Macht von Jtalia ab - halten vñ vom halß bringen wolte / der tollkuͤhnè Paulus Tomo - reus ein Barfuͤſſer Muͤnch vnd Ertzbiſchoff zu Colocenß verhaͤtzt vnd hoͤchſtgefaͤhrlich angefuͤhrt / da dann im Jahr 1526. auff den Tag Johannis Enthauptung den 29. Auguſti viel Hanſen den Tag jhrer eignen Enthauptung begangen / die Chriſtliche Ar - mee getrennet / zerſtrewet / auffs Haupt geſchlagen / vnd niderge - ſaͤbelt worden / Er der zuruͤckfluͤchtige Koͤnig im Moraß mit ſei - nem Pferd ſtecken blieben / darinn / weil jhm kein Menſch zu - ſpringen vnd zu Huͤlff kommen koͤnnen / erbaͤrmlich vnd jaͤm - merlich verdorben / woruͤber der Tuͤrckiſche ſonſt Barbariſche Tyrann da man jhme des abgeleibten Koͤnigs vnd ſeiner Ge - mahl Mariæ Bildnuß gezeugt / bitterlich ſoll geweinet vnd zaͤhren vergoſſen haben / daß ein ſolch ſchoͤn junges Blut von den Geiſtlichen ſchaͤndlich verfuͤhrt / ſo zeitlich das Leben enden muͤſ - ſen / wie Spondanus berichtet / ad ann. 1526. n. 11. wem war dazu - mahl mehr Troſt vonnoͤthen / als der hoͤchſtbetruͤbten hinderlaſ - ſenen Koͤniglichen Wittib? dazu dann geſchlagen die perſecu - tion vnd Verfolgung der blutdurſtigen Biſchoffe in Vngarn / dann dieweil offt Ehrermelte Koͤnigin der Evangeliſchen da - mahl erſcheinenden Religion ſehr geneigt geweſt / aber ſehen vnd erfahren muͤſſen / daß vmb des wahren Glaubens-bekaͤntnuß willen ſchon vnterſchiedliche Perſonen torquirt vnd jaͤmmer - lich hingerichtet worden / ſo hat ſie jhr die Rechnung leichlich machen koͤnnen / was man jhr fůr ein Bad werde uͤberhengen. Lutherus ruͤhmt von derſelben tom. 5. Ien. daß dero Prediger jhr viel guts nachgeſagt / ſonderlich daß ſie deß Lateins wohl) b (beruͤh -DEDICATIO. beruͤhmt ſey / vnd ſtaͤtigs die Lateiniſche Biblia mit vnd bey jhr hab / auch auff den Jagten / daß wann ein Prediger die Schrifft nicht recht anziehet / ſo ſuche ſie darnach / vnd rede darumb: Sie hoͤre auch den groſſen Schreyer vnd Barfuͤſſer Medardũ des Koͤnigsprediger nicht / ſie muͤſſe es dañ thun / ꝛc. Es gedenekt auch dero Hochruͤhmlichen Muͤhwaltung Philipp in ep. ad Luth. tom. 2. Cœleſtin. p. 209. δελφὴ ἀυτοκϱάτοϱος mulier verè heroico ingenio, præcipua pietate & modeſtiâ, ſtudet nobis placare Fratrem, ſed cogitur id timidè & vere - cundè facere, deß Keyſers Fraw Schweſter / (welche ſich Anno 1530, auch auff den Reichstag zu Augſpurg / worauff Keyſer Carl dem V. hothloͤblichſten Andenckens die Augſpurgi - ſche Confeſſion uͤbergeben worden / erhobẽ) ein tapffer Weib von Heroiſchem Gemuͤth / ſonder bahrer Gottſelig - keit vnd beſcheidenheit / wendet allen Fleiß an / wie ſie vns bey jhrem Herrn Bruder gewogen machen moͤge / aber ſie muß hierinn mit Forcht handlen. Wer kam jhro dazumal bey ſo gethanẽ ſchweren Creutz / ſonder - lich der erbaͤrmlichen zeitung von jhres Liebſten Gemahls beſſer zu troſt als Lutherus / mit ſeiner vnterthaͤnigen Dedication / de - ren von jhm gantzſchoͤn vnd geiſtreich außgelegten vier Davi - diſchen Pſalmen / deß 37. 62. 99. 109. welche er von Witteberg aus jhr in Vngarn zugeſchrieben vnd zugeſand / worauff ſie hin - wider aus jhrem Hertzen / Mund vñ Feder aus Vngern in Sach - ſen ein frewdiges getroſtes Echo vnd widerſchall erklingẽ laſſen / Jſt das jenige geiſtreiche Lied / ſo man noch biß auff den heutigen tag jhr nachſinget / Magich Vngluͤck nicht widerſtahn / muß vngnad han / der welt fuͤr mein recht glaubẽ ꝛc. Jn dieſe drey Fußſtapffen tritt ich nun auch dißmahl getroſt / vnd wage es fuͤr E. Hochwuͤrdigen Wohl Edelgebornen Gn. mitDEDICATIO. mit ziemender Ehrerbietung zu erſcheinen / vnd demnach ſie auch in einen Hochwuͤrdigen / Außerwehlten Frawen vnd Ab - batiſſin ſtaͤnd vor dieſem ordentlich erkohren vnd erhoben wor - den / darinn Sie wie mit ſchoͤnen Politiſchen / vnd dero Ade - lichen Stifftsverwaltung wohl anſtehenden Obrigkeitlichen Ambts tugenden / die ich weitlaͤufftig außzuſtreichen bedencken trag / alſo auch inſonderheit mit eifrigen vngefaͤrbter vnver - droſſener Lieb zur Goͤttlichen Warheit / welche ſie mit embſiger Beſuchung vnd andaͤchtiger Anhoͤrung der Sontaͤglichen ſonſt der zeit halben allerſeits beſchwerlichen Mittags oder Ca - techiſmus-Predigten bezeuget / dero anvertrawten vnd ſonſt maͤnniglich in die Augen leuchtet / dieſen vierdten Theil der Catechiſmus-Milch zuzuſchreiben / Jn vngezweiffelter Zuver - ſicht E. Hochwuͤrd. Wohl Edelgeb. Gn. werde dieſes jhro uͤber - gebenes Buͤchlein mit gnaͤdig vnd froͤlichleuchtenden Gemuͤh annehmen / deren ich mit einfaͤltigen Gebettsgefliſſenheit vnd Chriſtlichen vnterdienſten zugethan bin vnd verbleibe / hertzlich von dem Allerhoͤchſten wuͤnſchend / Er wolle derſelben Hochw. Wohl Edelg. Gn. Anſchlaͤg / Handel / Wandel / Ein - vnd Auß - gang / Obrigkeitlichen Regierung vnd verwaltung mit Goͤttlichẽ Segen croͤnen / Sie erhoͤren in der Noth / ſchuͤtzen / be - ſchirmen / Huͤlff ſenden vom Heiligthum / vnd Ster - cken aus Zion / all dero Geiſtlichen Speißopffers gedencken / geben was dero Hertz begehrt / vnd erfůl - len alle jhre Anſchlaͤg / endlich in jenem Leben mit Ste - phanscron vnd Lohn beſeeligen / Amen.

Geben Straßburg / den 24. Martij / Anni 1653. F. Hochwuͤrd. Wohl Edelg. Gn. Gebetts vnd Ehrerbietensgeflißner Johann Conrad Dannhawer / der H. Schrifft Doctor, Profeſſor, vnd Prediger im Muͤnſter.

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Catechiſmus-Milch Oder Der Erklaͤrung deß Chriſtlichen Catechiſ - mi / Vierdter Theyl / Begreiffend den Chriſtlichen Apoſtoliſchen vnd Nice - niſchen Glauben.

Eingans-Text / auß dem 28. Cap. deß Erſten Buchs Moſe.

  • Aber Jacob zog auß von Ber Saba / vnnd reiſet gen Haran. Vnd kam an einen Ort / da blieb er uͤber Nacht / dann die Sonne war vntergan - gen / vnd er nam einen Stein deß Orts / vnd le - get jhn zu ſeinen Haupten / vnnd leget ſich an demſelben Ort ſchlaffen. Vnd jhm traͤumet. Vnd ſihe / eine Leyter ſtund auff Erden / die ruͤ - ret mit der Spitze an den Himmel. Vnd ſihe / die Engel Gottes ſtiegen daran auff vnd nider.

Vnd der HERR ſtund oben darauff / vnd ſprach: Jch bin der HErꝛ Abrahams / deines Vatters Gott / vnd Jſaacs Gott / das Land daAdu2Die Erſtedu auff liegeſt / will ich dir vnnd deinem Samen geben. Vnnd dein Same ſoll werden wie der Staub auff Erden / vnnd du ſolt außgebreitet werden gegen dem Abend / Morgen / Mitter - nacht vnd Mittag. Vnd durch dich vnd deinen Samen ſollen alle Geſchlecht auff Erden geſe - gnet werden. Vnd ſihe / Jch bin mit dir / vnd will dich behůten wo du hin zeuchſt / vnd will dich wi - der herbringen in diß Land. Dann ich will dich nicht laſſen / biß daß ich thue alles was ich dir ge - redt hab.

Da nun Jacob von ſeinem ſchlaff auffwach - te / ſprach er: Gewißlich iſt der HErꝛ an dieſem Ort / vnd ich wuſts nicht. Vnd furchte ſich / vnd ſprach: Wie heilig iſt dieſe ſtett / hie iſt nichts anders dann Gottes Hauß / vnnd hie iſt die Pforte deß Himmels. Vnnd Jacob ſtund deß Morgens fruͤh auff / vnd nam den Stein / den er zu ſeinen Haͤupten geleget hatte / vnd richtet jhn auff zu einem Mahl / vnnd goß oͤloben darauff / vnd hieß die ſtett Beth El / vorhin hieß ſonſt die ſtett Luß.

Vnd Jacob thet ein Geluͤbd / vnd ſprach: So Gott wird mit mir ſeyn / vnd mich behuͤten auff dem Wege / den ich reyſe / vnd Brodt zu eſſen ge - ben / vnd Kleyder anzuzihen / vnd mich mit Fri - den wider heim zu meinem Vatter bringen / ſo ſoll der HErꝛ mein GOTT ſeyn. Vnnd dieſerStein3Predigt. Stein / den ich anffgerichtet hab zu einem Mal / ſoll ein Gottes Hauß werden. Vnd alles was du mir gibeſt / deß will ich dir den Zehenden geben.

Die Erſte Predigt.

Von dem exulirenden Pilgram Jacob / ei - nem Bildt deß Menſchlichen Elends.

GEliebte. Ein ſehr nothwendige / einig vnd allein nothwendige / gemein-nothwendige / heutiges Tages aller nothwendigſte Frag iſt die / ſo vorAct. 16, 30. Zeiten zu Philippis / der Kercker-Meiſter / oder wie wir reden / der Thurnhuͤter / dem H. Apoſtel Paulo vnd Sila proponieret vnd fuͤrgetragen: Nach dem er von dem Erdbeben vnd eroͤffneten Thuͤren ſo hefftig erſchrocken / daß er ihm ſelbſten zum Her - tzen raumen vnd ſich entleiben wollen / als der in Sorgen geſtanden / er moͤchte fuͤr die entwichene Gefangenen ſtehen vnd herhalten muͤſſen. Darauff Paulus geantwortet: Thue dir nichts uͤbels / dann wir ſind al - le hie / mit beygefuͤgter ſcharpffen Predigt / wie vermutlich / von der ἀυτο - χειϱίᾳ vnd ſelbs-mord / was der ſey / vnd was darauff folge? wie im ge - gentheil vnd verbleibung deſſen / beſſere Hoffnung der Seeligkeit fuͤrhan - den? warauff der Kerckermeiſter geſagt: Liebe Herꝛen / was ſoll ich thun / daß ich ſeelig werde? Liebe Herꝛen die ihr mich von dem Todt erꝛettet / die ihr mir von der Seeligkeit ſaget / welches iſt der Weg den ich gehen ſoll / daß ich ſeelig werde? ein nothwendige Frag! die Welt hat auch jhre Fragen. Ahasverus fraget Hamman / was man demEſter 6, 6. thun ſoll / den der Koͤnig gern wolte geehret haben? Von den Bur - gern zu Athen wirdt geleſen / daß ſie immer etwas newes zuhoͤren begirig geweſen: Vnd meldet (a) Plutarchus von einem Barbierer daſelbs / daß(a) in libr. de garruli - tate. als er ohngefaͤhr von einem fluͤchtigen Soldaten / den er vmb newe Zei - tungen befragt / vernommen / es haͤtten die Athenienſer in Sicilia einge - buͤßt / vnd groſſen Schaden erlitten / ſein officin vnd Werckſtatt verlaſ - ſen / hienauß geloffen / vnd mit dieſer vorigen Zeitung Ohren vnd Maͤu - ler erfuͤllet / dieweil er aber ſeinen Mann / von dem ers gehabt / nicht nen -A ijnen4Die Erſtenen noch ſtellen konte / ſo wird er beim Kopff genommen / vnd als ein fre - veler Tumultmacher zum Spott auff ein Rad (welches ein ſtraff geweſt gleich vnſerm Halseiſen vnd Laſterſtein) geſetzt: bald kompt der hinckend Bott hernach vnd beſtaͤttiget nur zuviel wahr ſeyn / was kurtz zuvor er - ſchollen: Jederman laufft heim / ſeine todte Freund / ſo in der ſchlacht ge - bliben / zu beweinen: der Barbierer wurde allein auff dem Rad gelaſſen / biß auff den Abend ſich der Scharffrichter ſeiner erbarmet / vnd herunter genommen / da er ihn aber angreiffen vnd auffloͤſen wolt / fragte er / ob er nicht gehoͤrt wie es dem Niciâ dem Kriegsoberſten in der Schlacht er - gangen / vnd wo er hinkommen? ſo verpicht war dieſer fuͤrwitzige Scio - lus, daß ihm auch der Fuͤrwitz durch den angethanen ſpott nit vergangen. Aber ſolche vnnuͤtze Frag iſt deß Kerckermeiſters nicht geweſt ſondern ein nothwendige Frag / betreffend den Zuſtand der Seelen nach diſem Leben. Matth. 6.Dann was hilfft es / wann einer ſo weiſe were wie Salomon / vnd koͤnte alle Raͤtzlen erꝛathen / wann er aber Schaden an ſeiner Seelen leiden muͤſte? Jſt nicht nur ein notwendige Frag / ſondern die einig noth - wendige Frag. Die Bauchſorg fragt auch / was wollen wir eſſen / was wollen wir trincken / womit werden wir vns kleiden? betrifft aber al - lein den Leib vnd dieſes Leben. Aber deß Kerckermeiſters iſt ein Frag / die ſich in die Ewigkeit hienauß ziehet. Jſt ein allgemein nothwen - dige Frag / die vns Gott in die Natur gegeben / alſo daß kein Menſch iemahl ſo thum vnd vnvernuͤnfftig erfunden worden / der ihm nicht dieſe Frag vom hoͤchſten vnd beſten Gut haͤtte laſſen angelegen ſeyn. Daher(b) l. 19. de Civit. Dei c. 1. & ſeq. Varro bey (b) Auguſt. auff 288. Meinungen vom hoͤchſten Gut / damit ſich die Heyden gemartert / auff die Bahn gebracht. Jſt aber auch die nothwendigſte Frag: Der Welt gehet es wie einem alten Mann / je aͤlter ſie wird / ie mit mehren Phantaſien iſt ſie ſchwanger / ie mehr Re - ligionen vnd Meinungen von dem Weg der Seeligkeit bruͤtlet ſie auß. America iſt mit Abgoͤtterey angefuͤllet; Aſia, Africa mit dem Maho - metiſmo; Europa hat faſt ſo viel Seeten als Landſchafften. Die rechte reine Religion gehet genaw vnd duͤnn zuſammen. Da ſoll freylich einem Chriſten angelegen ſeyn / ſein Gewiſſen zu verſichern / vnd zu wiſſen / wel - ches die recht Religion vnd Weg zur Seeligkeit ſey / wie auch CorneliusAct. 10. vide D. Brent. ad Act. 10. p. 242. der Hauptmann zu Cæſarea gethan / der hatte fuͤr ſich ſeinẽ Heydniſchen Glauben vnd deſſelben vnterſchiedliche Secten / in Syriâ erfuhr er die Juͤdiſche Religion vnd deroſelben mancherley gattungen / ſo kam damal eben auch die Chriſtliche Religion von dem erſtandenen Jeſu von Na - zareth auff die Bahn: Er haͤtte aber gern gewuſt welches die einig rechtevnd5Predigt. vnd gewiſſe Lehr ſey / dadurch vnfehlbar ſeelig zu werden / darumb bettet er immer zu Gott / vnd laßt nicht nach / biß ihm GOTT einen Engel ge - ſandt / der ihm einen rechten Wegweiſer / nemblich Petrum zugewieſen. Viel anders als der groͤſte Hauffe heut zu Tag / der bekuͤmmert ſich we - nig vmbs Himmelreich / der reichſt der beſte: wanns weit kompt / ſo den - cket man etwan einmal beim Wein der Religion vnnd deß Glaubens / ſonſt acht mans nicht hoch.

Nun dieſe Frag grůndlich / außfůhrlich vnd mit beſtand der War - heit zu beantworten / haben wir vorgenommen / beedes das vralte / in Gottes Wort confirmirte / durch allerhand blutige martyria bezeugnete / Apoſtoliſche vnd Niceniſche Symbolum oder Glaubensbekandtniß auß - zulegen / welches die rechte vralte Catholiſche-Apoſtoliſche Religion be - greifft. Ehe wir aber darzu kommen / wollen wir zum Eingang ein kur - tzes hodogeticum vnd Reyßbuch zum Himmelreich vortragen / in dieſer E. L. vorgeleſenen ſehr ſchoͤnen Hiſtorien / vnd in derſelben dißmal allein Jacobs Pilgramſtand / vnd in diſer Figur das Elend deß Menſchen nach dem Fall / erwegen vnd betrachten. Gott helff / Amen.

Den H. Jacob in diſer Hiſtori betreffend / ſehen wir denſelbẽ zuvorderſt an / 1. tanquam Exulem, als ein Pilgram / der ſein Vatterland verlaſſen vnd quittiren muͤſſen; vmb vnd von wegen weil ihm ſein Bruder Eſau den Todt geſchworen: der ziehet auß dem gluͤckſeligen Canaan / da Milch vnd Honig gefloſſen: auß dem Gotteshauß zu Berſaba: von ſeinem alten Vatter Jſaac: von ſeiner lieben Mutter Rebecca: Er muß ſein Vatterland vnd deſſen Bequemligkeit dahinden laſſen / vnnd mit dem Rucken anſehen / auff den gebrauch deß erlangten Segens vnd deß erkaufften Rechts der erſten Geburt / ſo fern Verzug thun. Zwar wan - dern vnd reiſen hat ſeinen Weg. Einem iungen Menſchen ſtehet wol an wann er nicht immer hinder dem Offen ſitzen bleibet / vnd Milch ſau - get / ſondern ſich auch verſucht in der Frembde; Ein ieder Han iſt mei - ſter auff ſeinem Miſt / wann er aber außfleucht / ſo zihet er die Schwing - feder zuſammen /

Wer ſtets daheim bleibt wie ein Schneck /
Der bleibt ein vnerfahrner Geck /
Wer aber wandert in der Jugend /
Der lernet viel mehr Zucht vnd Tugend.

Aber vnterdeß iſt Reyſen mit groſſer Beſchwerdt vnd Gefahr ver - bunden: ſchicket man ſich in die frembde Sitten / Keydungen / Wolluͤ -A iijſten /6Die Erſteſten / aͤffet ihre aͤrgerniß nach / ſo leidet die Seel Noht: will man die Seel rein erhalten / vnnd machet nicht mit der Welt mit / ligt nicht mit ihr vnten vnnd oben / ſo iſt man veracht / man wird fuͤr ſtoltz vnd ſonderling gehalten; es kan wol gar geſchehen / daß die zu So - dom den Loth mit einem ſolchen Menſchen ſpielen. Jſt ein lebendiges Bild vnſers erſten Vatters Adam / vnd deß gantzen Menſchlichen Ge - ſchlechts / nach dem Suͤndenfall. Nach welchem der Menſch ein rech - ter Exulant vnd Bandit worden / dem der Himmel verwieſen / der auß dem Paradiß verſtoſſen / vnnd verjagt von dem Baum deß Lebens / Vom Angeſicht Gottes iſt er vertrieben / das darff er in dieſer Sterblich - keit nicht anſehen / das ſchoͤne Kleyd das goͤttliche Ebenbild hat er ver - lohren / er iſt als ein Expoſititius vnd Fuͤndling dahin geworffen. HatEzech. 16. David groſſe Vrſach gehabt ſein exilium vnd trawrigen ſtand / da er von ſeinem rebelliſchen Sohn Abſolon von Scepter vnd Cron verjagt wor - den / mit verhuͤlletem Angeſicht zu beweinen / ſo hat freylich auch der Menſch groſſe vnd mehr als groſſe Vrſach ſeinen gegenwertigen bandi - ten ſtand zu betrawren / vnd zu winslen auß dem 120. Pſalmen / wehe mir daß ich ein Fremdling bin vnter Meſech / ich muß woh - nen vnter den Huͤtten Kedar / das iſt / in der groſſen Mordgrub der argen Welt / ja vnter den Teuffeln ſelbſt / die mir nach Leib vnd Seel ſtehen. Weltkinder ſind in der Welt daheim / ihnen iſt hie wol: aber Kinder Gottes ſind hie Pilgram / ſie ſehnen ſich nach einem andern Vatterland da ihr πολίτευμα vnd Burgerrecht iſt droben im Himmel. Cain eſt civis natus huius ſeculi, Abel eſt peregrinus in ſeculo, perti - nens ad civitatem Dei, ſagt (c) Auguſtinus, Cain vnnd Cains art ſind(c) l. 15. Civ. Dei c. 1, Weltburger / Abel vnd Abels art ſind hie frembd / aber in der Statt Got - tes daheim.

2. Kompt vns Jacob fuͤr tanquam Candidatus ſervitutis, als ei - ner zur Knechtſchafft verdampte Menſch. Jacob zeucht nicht auß / wie jener Edle / ein Reich einzunem̃en oder als iener Freyherꝛ / der verlohrneLuc. 19, 12. Sohn mit geſpicktem Seckel: ſondern zu ſervieren / andere Leute Gnade zuleben / vnd einem Herꝛn auffzuwarten / geraͤthendlich an Laban / ſei - nen zwar Blutsfreund vñ Schweher / aber vntrewen vnd vnbarmhertzi - gen Tyrannen / der ihm ſeinen Lohn zehen mal veraͤndert / vnd ſonſt uͤbel genug tractirt. Alſo iſt es mit dem Menſchen beſchaffen / der iſt ver - kaufft vnter die Suͤnd / welche als ein Fronvogt in ſeinem Hertzen wuͤ - tet vnd tobet / vnd ſeine Gliedmaſſen mißbraucht / von einer vngerechtig -keit7Predig. keit zur andern reitzet / er kan ſich ſolcher Dienſtbarkeit nicht erwehren / vnd wann er ſchon bißweilen guts thut / ſo iſt es nur ein glaſt / oder wie das Moͤß gegen dem Gold zu halten. Endlich hat er nichts als deß Teuf - ſels Danck / der gibt Haffenſcherben fuͤr Gold / vnd lohnet mit dem Todt als der Suͤnden Sold.

3. Kompt vns Jacob fuͤr / tanquam nocturnus Erro, als ein irrender Liechtſchew vnd Nachtvagant / der nit gewuſt / wo auß noch ein. Seine Meynung war / die Statt Lus zu ereylen / aber da uͤberfiel ihn die finſtere Nacht / nicht nur die Nacht / ſondern darneben allerhand Nachtſchre - cken vnd Schwermut / hie mußte er ſich befahren der Moͤrder / dort der wilden Thier die bey Nacht ſich regen vnd auß der Hoͤlen herfuͤr kriechen / darzu kamen allerhand verfuͤhriſche / irꝛiſche vnd fewrige Maͤnner / da dann der Teuffel nicht wird gefeyret haben / der gemeiniglich hinuͤber ſtei - get / wo der Zaun am nidrigſten iſt / vnd wann der Wagen wancket / den - ſelben vollends vmbſtoſſet. Zweiffels frey hat er ihm die Gedancken bey -vide D. Luth. com. in c. 28. Gen. fol. 81. p. 1. gebracht / da da / ſo recht / diſes alles haſtu verdienet / du haſt deinem Bru - der die erſte Geburt durch Liſt abgeſchwetzt / deinen alten blinden Vat - ter betrogen / ietzunder kompt die Rach / darumb muſtu Landfluͤchtig wer - den / es geſchicht dir recht / vnd haſt noch wol aͤrgers verdienet / welches ihm wird ſchmertzlich wehe gethan haben / vnd vmb ſo viel mehr zu Her - tzen gangen ſeyn / als zarter der Heiligen Affecten ſind. Abermal ein Bild deß Menſchen / der ein recht irrend Schaaff / ihm iſt die Sonn vntergangen / das Liecht der Erkandtniß / daß er weder termin noch weg zu der Seeligkeit weiß / er verſtehet nicht was deß Geiſtes Gottes iſt / es iſt ihm eine Tohrheit: Ignoti nulla cupido, wo es an der Erkandtnuß Gottes mangelt / ſo fallt auch die Begierd vnd anmuth zum rechten be - ſten Gut: Jhm iſt außgangen das Liecht der Gnaden / vnd nichts uͤber - bliben / als Forcht / Nachtſchrecken vnd Bangigkeit: die ſpectra vnd Geſpenſt deß boͤſen Gewiſſens ſetzen ihm hefftig zu: der hoͤlliſche Seelen - moͤrder gehet herumb wie ein bruͤllender Loͤw / ſuchet die armen Seelen zu verſchlingen / da erzeigen ſich die Jrꝛwiſch vnd falſche Liechter / die ir - rige Religionen / da ruffet einer hieher / der ander dorthin.

4. Kompt vns Jacob fuͤr / tanquam laſſatus & defatigatus viator, als ein ermuͤdeter / abgematteter vnd ohnmaͤchtiger Wandersmann / der deß Tages Laſt vnd Hitz getragen / vnd ſich nach der Ruhe ſehnet. Dann wie es die Vmbſtaͤnd geben / forchte er ſich vor ſeinem Bruder / eilet deß - wegen / damit er ihn nicht ereile / nimmet den Weg vnter die Fuͤß / ſau - met ſich nicht lang / wird daruͤber ſo ſchwach / daß er ſich nit deß ſchlaffs /ſondern8Die Erſteſondern auch keines Hunds / will geſchweigen eines Moͤrders erwehren kondte. Alſo iſt der Menſch auch ein krafftloſe Creatur worden / der auß eignen Kraͤfften nichts guts thun kan / ſo wenig als ein fauler Baum kan gute Fruͤchten bringen / ſo wenig kan auch der Menſch guts thun / vnd ſich der Verſuchungen deß boͤſen Geiſtes erwehren / ſo bald derſelbe anſe - tzet / ſo conſpirieret Fleiſch vnd Blut / der innerliche Haußfeind vnd hei - miſche Verꝛaͤther: Summa er iſt zu allem guten erſtorben.

5. Tanquam pauperrimus mendicus, als ein armer Bettler / er war arm an Geld / er hatte entweder gar keines oder doch gar wenig / iſt auß ſeinem Danckgebett abzunemmen / das er hernach abgelegt: HErꝛGen. 32. 10. ich bin zu gering aller Barmhertzigkeit / ꝛc. Jch hatte nicht mehr / ꝛc. Zwar ſein Vatter war ein reicher vnd geſegneter Mann / haͤtte ſeinem Sohn wol ein anſehnlich viaticum vnd Zehrpfenning mit geben koͤnnen / aber die vnterlaſſung deſſen geſchahe nicht ohn Goͤttliche providenz vnd Vorſehung / auff daß Gottes Guͤtigkeit vnnd Jacobs Glaub deſto herꝛlicher herfuͤr leuchtete. Es mangelt ihm auch an Ge - faͤrten vnd Geſellſchafften / niemand bekleitete ihn der ihm den Weg ge -〈…〉〈…〉Gen. 28. 18. vide D. Gerh. in Gen. pag. 549. Apoc. 3. zeiget haͤtte / vnd welches das elendeſte / ſo hatte er kein Kuͤſſen oder kein Stroh / darauff er hette ruhen moͤgen / ſondern nahm einen Stein / der ohngefehr da gelegen / lag darauff / vnd bettete ihm hart genug vnter dem freyen Himmel. Alſo iſt der Menſch freylich von Natur ein armer Bet - ler / vnd je reicher er ſeyn will / je aͤrmer iſt er. Was dort Chriſtus zum Engel zu Laodicea ſagt: Jch bin reich / ſprichſt du / vnd habe gar ſatt / ꝛc. Das gehet auch vns alle an / wir ſind auch alſo (nicht im Standt der Gnaden) ſondern von Gott verlaſſen / es mangelt vns an dem heiligen Geiſt: das Engliſche Gleith vnnd Geſellſchafft hat der Menſch verlohren / vnd wann er es recht bedenckt / ſo ſolt ihm wol(c) l. 2, ſa - turn. c. 4 ſein Kuͤſſen zu einem Stein werden. (c) Macrobius gedenckt eines ſon - derbarn Vrtheils / welches Auguſtus der Kaiſer uͤber eines todten Roͤmi - ſchen Edelmanns Kuͤſſen von ſich vernemmen laſſen: dann als derſelbe bey ſeinem Leben ihm laſſen wol ſeyn / Geld auffgenommen / ohne Sorg ſchulden uͤber Schulden gemacht / alſo daß nach ſeinem Todt mehr ſchul - den fuͤrhanden geweſen / als Nahrung: Da habe ſich der Kayſer ver - wundert vnd begert / man wolle ihm doch auß der Verlaſſenſchafft das Kuͤſſen / darauff der verblichene Edelmann geſchlaffen / zukauffen geben / dann er ſagt / das muß ein ſanfft Kuͤſſen ſeyn / auff welchem ſolch groſſer Schuldner hab ſchlaffen koͤnnen. Haͤtte ers bey Leben bedacht / er ſolteihm9Predigt. ihm das Schlaffkuͤſſen hart gnug ſeyn wordẽ: So verhaͤlt es ſich mit dem Menſchen / wo er ſeinen ſuͤndlichen ſtandt bedenckt / den Zorn Gottes / die 10000 ſchuldenpfund / das Gericht / die ewige Verdamnuß / ſo ſolt ihm / ſage ich / ſein Schlaffkuͤſſen wol zu einem Stein werden. Ja was iſt das Hertz an ders als ein ſolcher Stein / ſo wenig ſich ein Stein laͤſſet ſchmaͤl - tzen / oder zu Fleiſch machen / ſo wenig ein ſteinern Hertz. Vnd das iſt die erſte Idea, darinnen vns præſentieret wird / der arme Menſch nach dem Fall / als ein geiſtlicher Pilgram / Bandit / Suͤndenknecht / Nacht - vagant / ohnmaͤchtige vnd aͤuſſerſt arme Creatur.

Dieſes alles dienet vns zur ſelbs Erkandtnuß / daß wir vnſer miſeri vnd Elend erkennen vnd beweinen / vnd nicht gleich werden denen phreneticis vnd tollen bloͤdhaͤuptigen vnd vnſinnigen Leuten / die ihnen bey aͤuſſerſter Armut guldene Berg / bey erbaͤrmlicher Tohrheit hoͤchſte Weißheit einbilden; wie jener (d) Thraſylaus gethan / der alle beladene(b) apud Athenæ l. 12, 32. Kauffmannsſchiff / ſo in Pyreum den Athenienſiſchen Seehaffen einge - loſſen / gegruͤßt vnd empfangen / anders nicht als wann ſie ſein eygen we - ren / vnd die Wahren ihm zuſtuͤnden: Sondern vnſer Vnſinnigkeit ſollen wir erkennen / darauff wird als dann folgen das fundamentum Philoſophiæ Chriſtianæ, die edle Gott wolgefaͤllige Demuth / das rechte Gefaͤß der goͤttlichen Gnaden. Von Ptolemæo dem Koͤnig in Egy -(e) l. 8. c. 9. pten ſchreibet Valerius Max. daß er Hegeſiæ dem Philoſopho Cyrenaico, der immer von deß Menſchen Elend diſſerirt vnd geſagt / die Leut zu wei - nengemacht / vnd ihre etliche gar in Verzweifflung vñ ſelbsmord geſtuͤr - tzet / das Handwerck nidergelegt / vnd ihm ſein philoſophiren verbotten. Alſo moͤchten auch Weltkinder gedencken / was ſoll das ſeyn / was iſt von - noͤthen / daß man die Leuth trawrig mache vñ ihnen ein Angſter einjage / es moͤchte ein ohn das melancholiſche Menſch durch dergleichen Predig - ten bald zur deſperation vñ verweifflung verleitet werden: aber die Mei - nung hat es nit / ſondern ut miſeriæ abyſſus invocet abyſſum miſericor - diæ, auff daß der erkante Abgrund vnſers Elends den Abgrund goͤttlicher barmhertzigkeit anruffe / daß vns dieſes nichtige vñ elende Leben verleide / vnd wir nach einem beſſern Leben / dem verlohrnen Paradiß vnd Vatter - land trachten vnnd ſprechen mit den Zuhoͤrern Petri / Jhr MaͤnnerAct. 2, Act. 9. Act. 16. lieben Bruͤder was ſollen wir thun? mit Paulo / HERR was wilt du daß ich thun ſoll? vnnd mit dem Kerckermeiſter / liebe Herꝛen was ſoll ich thun / daß ich ſeelig werde? Es hat der all - weiſe Gott die heiligen Patriarchen fuͤr der Suͤndfluth nicht vergebens ſo viel hundert Jahr im exilio vnd der Pilgramſchafft gelaſſen / ſondernBdas10Die Anderdaß ſie bekennen ſolten / ſie ſeyen Gaͤſte vnd Frembdlinge auff Erden /Hebr. 11. 13. vnd ein ander Heimat vnd Vaterland ſuchten. Vnd das ſoll auch vn - ſer Verlangen vnd Begierde ſeyn / ſo wird alsdann die kuͤnfftige Ant -(f) de mor - tal. ferm. wort vnd Bericht in folgenden Predigten deſto mehr fruchten. (f) Cypri - anus ſchreibet / vnſer Vatterland iſt das Paradiß / da warten viel lieber guter Freund auff vns / ſie ſehnen ſich nach vns / iam de ſuâ in colum ita - te ſecuri, de noſtrâ ſolliciti: ſie ſind nunmehr auſſer Sorg / aber vnſere Geſellſafft iſt ihnen angelegen. Ey was ſaumen wir vns dann? wa - rumb eilen wir nicht vnſer Vatterland zu beſehen / vnſere liebe Freund(g) de con - ſol, mort. ſerm. 1. widerumb zu gruͤſſen. (g) Auguſtinus ſtimmet mit zu / cum tantis pe - riculis urgeamur, non ſolum ipſi non cupimus liberari, ſed etiam libe - ratos tanquam pereuntes lugemur? Jſt das nicht ein Wunder / wir ſind in dieſem Leben mit ſo groſſer Gefahr allenthalben vmbgeben / vnnd wir ſehnen vns nicht nach der Freyheit / ſondern beweinen noch darzu die jenigen die ſchon entlediget vnd frey worden.

Zu welcher Freyheit vns helffe der Herꝛ Jeſus / der vmb vnſert willen ſeines Vatters Schoß ſich geaͤuſſert / vnd als ein armer Wallbruder / in Knechtsgeſtalt mit Finſternuß vmbfangen / in groſſer Ohnmacht / ſon - derlich in der Paſſion / arm vnd verlaſſen / ja ſo arm / daß er nicht gehabt da er ſein Haupt hinlegete / herumb gewandert / vns das himmliſche Vatterland vnd die Ewige Ruh zu erlangen / Amen.

Die Ander Predigt.

Von dem getraͤumten Traum Jacobs.

GEliebte in Chriſto. Drey ſonderbahre Lehren vnd Erinnerun - gen haben wir / bey vnſern menſchlichen Nachttraͤumen zu be - trachten / vnd vns einzubilden: 1. animæ rationalis naturam, die Natur vnd Eigenſchafft der vernuͤnfftigen Seelen; daß nemblich der Menſch eine geiſtliche / vnſterbliche / vnraͤumliche Seel ha - be / die ohn den Leib ſeyn koͤnne / vnd an denſelben nicht bloß gebunden: dann die Erfahrenheit bezeugets / daß / wann der Menſch ſchlaͤfft / ſo hat alsdann das Gemuͤth ſeine Freyheit / ſpatzirt allenthalben herumb / han - delt / tractirt von ſolchen Sachen / die durch die Porten der aͤuſſerlichen Sinn ſind eingelaſſen werden / der Leib iſt alsdann gebunden / die Seelfrey:11Predigt. frey: diß iſt die Art der vnſterblichen Seel in dem Menſchlichen Leibe 2. animæ ſtatum poſt mortem, den Stand der Seelen nach dem Todt / was es mit derſelben fuͤr eine Zuſtand haben werde / nemblich /Pſ. 126, 1. als wie mit einem traumenden: Wann der HErꝛ die Gefange - nen auß Zion erloͤſen wird / ſo werden wir ſeyn wie die Trau - mende. Wie die Seele ohne Leib / bald ſchroͤckliche Einbildungen vnd Gedancken hat / bald froͤlich vnd aller Betruͤbnuß entfreyet iſt: Alſo wird auch der Zuſtand der Seelen nach dem Todt / entweder ſeelig oder traw - rig ſeyn / da vnterdeß der Leib ruhet: ſolches aber iſt zuverſtehen / οὐ κατὰ πάντα, κατὰ τίγουν, nicht durchauß vnd in allen Stuͤcken / ſondern auff ge - wiſſe maß vnd weiſe / damit wir nicht die alte / laͤngſt verworffene ψυχο - παννοχϱίαν oder Seelen Nachtwache wider einfuͤhrẽ. Auguſtinus er -Ep. 100. ad Evod. zehlet von einem Artzt zu Carthago dem Gennadio, daß demſelben angele - gen geweſt / gewiß zu wiſſen / ob ein ewiges Leben ſey? Da er nun in ſolchen Gedancken ſchlaffen gelegen / erſcheint ihm ein ſchoͤner Juͤngling / fuͤhrt ihn in die Statt / vnnd laſſet ihn da hoͤren ein außbuͤndig vnd vnerhoͤrt ſchoͤne Muſic. Er wachet daruͤber auff. Jn der andern Nacht erſcheint ihm der Juͤngling wider / fragt: kenneſtu mich? Ja / ſagt er / wol / du biſt der mich zur Muſie gefuͤhrt; Mein / ſagt er / haſtu die Muſie wachend oder ſchlaffend gehoͤrt? ſchlaffend / ſagt er: darauff antwortet der Juͤng - ling / ia es iſt wahr / aber wiſſe / daß du auch ietzt im Schlaff ſiheſt / ſage mir / wo haſt du deinen Leib? er antwort / im Bett / in der Kammer. Was machen deine Augen? Sie ſchlaffen: wie ſiheſt du dann mich? darauff verſtummet er. Der Juͤngling ſagt: wie ietzt deine leibliche Au - gen ſchlaffen / vnnd dein geiſtlich Aug wachet: Alſo / wann du wirſt ge - ſtorben ſeyn / vnd deine leibliche Augen nichts mehr verꝛichten werden / ſo wirſtu ein Leben haben / dadurch du leben / vnd einen Sinn / dadurch du die Empfindlichkeit haben wirſt. 3. animæ in ſomno docilitatem, die Gelehrſamkeit der Seelen im Schlaff / da die Seele frey / vnnd eine Auffmerckerin / nicht eine meiſterloſe Richterin iſt / ſie ſihet / ſie hoͤret was ihr fuͤrkompt / nimmet es in Einfalt an. Der HErr ſagt / JſtNum. 12, 6. iemand vnter euch ein Prophet / dem will ich mich kundt ma - chen / in einem Geſicht / vnd mit jhm reden im Traum. Wie dann die Propheten / ſo ſolche Traͤum gehabt / nicht widerſprochen / ſon - dern wie ſie erſchinen / angenommen vnd denſelben willfahret. Da der Engel dem lieben Joſeph im Traum erſchinen vnd geſagt / ſtehe auff /B ijſo ſteht12Die Erſteſo ſteht er auff: nimb das Kindlein vnd ſeine Mutter zu dir / er nimbt ſie zu ſich: fleuch in Egyptenland / er fleucht: bleib allda biß ich dir ſag / er bleibt. 4. animæ divinatricem facultatem, die Traumdeutende Krafft. Nicht haben alle Traͤum dieſe Art / daß ſie ſich deuten laſſen oder auch gedeutet werden koͤnten: ſondern ſie ge - ſchehen mehrentheils ohngefaͤhr vnd auß bloſſer Einbildung / vnterdeß aber kan ſolche Deutung nicht allerdings geleugnet werden. Sonderlich haben die Goͤttliche Prophetiſchen Traͤume die Art / daß ſie was ſonders anzeigen vnd bedeuten. Wann dann auch Gott / den lieben Jacob lehren vnd ihm groſſe Geheimnuß offenbahren will / ſo ergreifft er die Gelegen - heit deß Schlaffs / vnnd iſt eben dieſes ein ſolcher goͤttlicher / prophetiſcher wunderbarer Traum / welchen Jacob der elende Pilgram ſihet. Dann / nach dem derſelbe außgangen / als ein vertribener Knecht / bey naͤchtli - cher Weil / muͤde / arm / allein / den Moͤrdern vnd wilden Thieren Preiß gegebene / ligend auff einem Stein / vnd alſo mit ſchweren Gedancken ſchlaffen gangen / ſihe / ſo erſcheinet ihm eine Leyter / auff der Erden ſte - hend / mit der Spitzen aber an den Himmel ruͤhrend. Was Traͤume ſeyn / wie viel derſelben / vnd was davon zuhalten / iſt anderswo in dem Traum Joſephs angezeigt worden; Fuͤr dieſesmahl wollen wir gegen - waͤrtiges Exempel abhandlen / beſehen dieſes Traums Natur vnnd Ey - genſchafft. Vor acht Tagen haben wir den Weg deß Heyls angetret - ten / vnd den Wandersmann betrachtet / ietzund wollen wir / in der Fi - gur vnd Bild deß Traums / das Wort Gottes / als ein wegweiſendes Liecht / E. L. fuͤrtragen vnd erklaͤren. Der HErr verleyhe zu vnſerm vornehmen / ſeines H. Geiſtes Krafft / durch Chriſtum Amen.

Ε̕ϱγασια.

WEr auff Traͤume hält der greifft nach dem Schat - ten / vnd willden Wind haſchen / dann TraͤumeSyr 34, 2, 3. ſind nichts anders als Bilde ohne Weſen: ſpricht Syrach / iſt aber von gemeinen natuͤrlichen Traͤumen zu verſtehen. Di - ſer Traum / davon wir anjetzo handlen vnd reden / der dem Jacob getraͤu - met / iſt gar einer andern Art / nemblich 1. Somnium Maieſtaticum & divinum, ein maieſtätiſcher vnd goͤttlicher Traum / dann auffNum. 12, 6. 1. Sam. 28. 6. ſolche weiſe pflegte ſich Gott im alten Teſtament zu erweiſen / alſo hats der manigfaltigen Weißheit Gottes gefallen / alldieweil das menſchliche Gemuͤth in dem Schlaff mehr geſchickt vnd frey / dergleichen Offenbah -rungen13Predigt. rungen zu faſſen vnd zu empfangen. Daß dem alſo / erhaͤlt auß der Erzehlung Moſis / durch welchen es der H. Geiſt geoffenbahret. Auß der Bekandtnuß Gottes deß HErꝛn ſelbſten / da er Jacob im Traum er - ſchienen / vnd ihm gezeigt / wie die Boͤck auff die ſprenckliche / fleckete vnd bundte Herde geſprungen / ſagt er: Jch bin der Gott zu Beth El /Gen. 13. 12. 13. da du den Stein geſalbet haſt / vnnd mir daſelbs ein Geluͤbd gethan. Auß Jacobs Ehrerbietung vnd Erkandtnuß; Ge - wißlich / ſpricht er / iſt der HErꝛ an dieſem Ort / vnd ich wußt es nicht / vnd forchte ſich / vnd ſprach: wie heilig iſt dieſe Stette / dannenhero er auch zum Verſpruch der Auffrichtung eines Tempels / vnd Darreichung deß Zehenden bewegt worden.

II. Somnium propheticum & dogmaticum, ein prophetiſcher vnd lehrreicher Traum / als in welchem Jacob groſſe Geheimnuß / ja der Grund deß Glaubens / der geſandte Weibesſamen (Chriſtus) ge - offenbahret / darauff allerhand Segen vnd goͤttliche Verheiſſungen ge - gruͤndet / der Engliſche Schutz ihm verſichert / vnnd der rechte Weg zum Himmel gezeiget worden. Was Nathanael / im newen Teſtament / mitIoh. 1, 49. leiblichen Augen geſehen / nemblich den Rabbi / den Gottes Sohn / den Koͤnig von Jſrael / das hat allhie Jacob mit prophetiſchen geiſtlichen Au - gen / durch den Spiegel der Leyter / geſehen. Warlich / warlich ſa - ge ich euch / ſpricht Chriſtus an erſtbemeldtem Ort / auff die Bekandt - nuß Nathanaels: Von nun an werdet ihr den Himmel offen ſe -verſ. 15. hen / vnd die Engel Gottes hinauff vnnd herab fahren auff deß Menſchen Sohn. Nicht weniger wird Jacob von allen Neben - wegen abgewandt / daß er an den allein glauben ſolle / der da heiſſet / der Weg / die Warheit vnd das Leben / welches niemand anders iſt /Ioh. 14, 6. als der hochgelobte eingebohrne Sohn Gottes. Es erſcheinet ihm nicht nur ein Geſicht im Zeichen / ſondern er hoͤrt auch eine goͤttliche Antwort in der Verheiſſung / wie hievon ins kuͤnffig / geliebts Gott / mehrer Be - richt geſchehen ſoll.

III. Somnium paracleticum, ein troͤſtlicher Evangeliſcher Traum / nicht zu der ſtrenge deß Geſaͤtzes gehoͤrig / gleich wie dorten Ab -Gen. 15, 12, 17. ram im tieffen Schlaff Schrecken vnnd groſſe Finſternuß uͤberfiel / da rauchete ein Offen / vnd eine Fewr flam̃e fuhr zwiſchen den Stucken hin. Dergleichen Schreck widerfuhre Abimelech / zu welchemB iijGott14Die AnderGen. 20, 3.Gott deß Nachts im Traum ſprach: Sihe da / du biſt deß Todtes / vmb deß Weibes willen (der Sara) das du genommen haſt / dann ſie iſt eines Mannes Eheweib. Hart war es auch / da Gottc. 31, 24. der HErr zu Laban dem Syrer im Traum deß Nachts geſagt / huͤte dich daß du mit Jacob nicht anders redeſt / als freundlich. c. 40, 17, 19, 22.Schrecklich war der Traum deß oͤberſten Beckers Pharaonis / da er drey weiſſe Koͤrbe auff ſeinem Haupt truge / vnd in dem oͤberſten allerley Ge - backen Speiſe / auß welchem die Voͤgel aſſen / ſintemal er nach dreyen Tagen an Galgen gehencket wurde / da die Voͤgel ſein Fleiſch von ihmDan. 4, 33. aſſen. Alſo war Nebucadnezar uͤber dem Traum betruͤbt / den er geſe - hen hatte / zumahlen er darauff von den Leuten verſtoſſen / Graß wie Ochſen / vnd ſein Leib lag vnter dem Thaw deß Himmels / vnd war naß biß ſein Haar wuchs / ſo groß als Adlersfedern / vnd ſeine Naͤgel wie Vo -Matth. 27, 19. gelsklawen wurden. Alſo wurde die Vnſchuld Chriſti dem Weib Pi - lati im Traum / nicht ohne Ergeiſterung vnnd groſſe hertzbewegende bangigkeit angedeutet / deßwegen ſie (h) Pilato ſagen ließ / da er auff dem Richtſtuhl ſaß: habe du nichts zuſchaffen mit diſem Gerechten. Hie nichts ſchreckliches / nichts forchtſames / lauter holdſeelige Geſicht / liebliches Geſpraͤch. Jacob ligt auff der Erden / als ein Ver - triebener / es wird ihm aber der Himmel als das rechte Vatterland auffgethan. Er ligt da als ein dienſtbarer Knecht / hingegen wird ihm gezeiget die Kindſchafft Gottes / vnnd die Vatterſchafft deß geſegneten Volcks / ſo von ihm kommen ſolte. Er ligt mit Schrecken deß Nachts vmbgeben / vnnd wird mit Troſt vnnd Verheiſſung der goͤttlichen Ge - genwart erleuchtet. Er ligt ermuͤdet / der auß eignen Kraͤfften ſich nicht kan in die Hoͤhe ſchwingen / darfuͤr erſcheinet ihm die Himmels leyter / daran er auffſteigen vnd klaͤttern kan. Er ligt arm vnd elend / hat doch bey ſich das hoͤchſte Gut. Er ligt allein vnd verlaſſen / es muß ihm aber auffwarten die Engliſche Geſellſchafft. Er ligt auff einem Stein / vndPhil. 3, 20 Heb. 12, 23. ruhet in Gott / ſein Wandel iſt im Himmel / bey der Gemeine der Erſt - gebornen / die im Himmel angeſchrieben ſind.

(h) non eſt probabile, Sathanam hoc ſomnio voluiſſe impedire opus redemtionis nam cur non prohibuit lu proditionem? probabilius, à Deo in animo mulieris repræſentaſſe nemeſin Pilati ultricen mortis innocentis ac exilium Viennenſe, de quo Ioſeph. l. 18. cap. 5. Euſeb. l. 2. cap. 7. Oroſ. l. 7. 5. ()

IV. Somnium efficax & Hodegeticum, Ein kraͤfftiger vnnd wegweiſender Traum. Dann alſo gelanget man zũ rechten Vatter -land /15Predigt. land / die Leyter iſt der Weg / die Engel ſeindt die Huͤter vnd Begleyter / Gott iſt der Fuͤhrer: Alſo reiſet man zum Himmel durch Chriſtum.

Es iſt V. Somnium Typicum, Ein vorbildender Traum / Sintemahlen dadurch angedeutet worden das liebe werthe Wort Got - tes / als in welchem die ordentliche Offenbahrung goͤttlichen Weſens vnd Willens zufinden. Nicht haben wir vns heutiges Tages ſolche auſ - ſerordentliche vnnd abſonderliche Offenbahrungen einzubilden / wie hie dem lieben Jacob geſchehen / nach dem die Grentzen der Schrifft beſchloſ - ſen. Vnd iſt ſolche Revelatio vnd Offenbahrung auch nicht noth - wendig / dieweil der Glaub einmahl den Heiligen fuͤrgegeben iſt / vndFpiſt. Iudæ verſ. 3. den Apoſteln alles was zu vnſerer Seeligkeit zu wiſſen von noͤthen / offen - bahret / nach der Verheiſſung Chriſti vnſers Heylands: der TroͤſterIoh. 14, 26. der heilige Geiſt / welchen mein Vatter ſenden wird / in mei - nem Namen / derſelbige wird euch (Apoſtel) alles lehren vnd euch alles erinnern. Diſe haben vns nun auch nichts verſchwigen /Act. 20. 27. dannenhero tritt Paulus auff vnd ſpricht: Jch hab euch nichts ver - halten / das ich nicht verkuͤndiget hette alle den Raht Gottes /cap. 26, 22. vnd ſage nichts auſſer dem das die Propheten geſagt haben / daß es geſchehen ſolt. Heutige Viſiones Geſichte vnd Traͤume ſtim - men entweders ein mit der einmahl gegebenen Glaubensregul / oder ſie ſind derſelben entgegen vnd zuwider: ſtimmen ſie ein / ſo bedoͤrffen wir ihrer nicht / wir haben an der geſchriebenen Regul gar uͤbrig genug: ſind ſie zuwider / ſo bieten wir auch den Engeln im Himmel Trotz / vnd ſpre - chen mit S. Paulo: Wann auch ein Engel von Himmel kaͤme der da wuͤrde Evangelium predigen anders als S. Paulus ge - prediget / der ſey verflucht. Jſts vmb Buß zuthun / darzu ſind in H. Schrifft Anmahnungen in der menge: will man Propheceyung ha - ben von kuͤnfftigen Faͤllen vñ Begegniſſen / wie es der Kirch Gottes wer - de ergehen / haben wir dieſelbe ſchon haͤuffig in der him̃liſchen Offenbah - rung S. Johannis / welche er (S. Johannes) ſelber mit einem kraͤfftigen vnd hochbedencklichen Sigel verwahrt / vnd gedraͤwet / ſo jemand zu ſol - chen ſeinen Weiſſagungen etwas wuͤrde zuſetzen / auff den werde Gott zu - ſetzen die Plagen / die in gemeldtem Buch geſchrieben ſind: kuͤtzelt aber jemand der Fuͤrwitz zu wiſſen / was ihm in particulari in ſeinem Le - benslauff anſtehen vnd begegnen moͤchte / der thut ſo wol vnrecht / als der ienige / der ihm die Nativitaͤt ſtellen / vnd den Planeten leſen laſſet /ſolcher16Die Ander. ſolcher Fürwitz hat zwo boͤſe Toͤchter / die ein heiſſet præfidẽtz, Sicherheit /c. 22, 20. in cap. 1. Mich. die ander diffidentz, Schwermut vnd Verzweifflung. Die anderwer - tige Offenbahrung iſt außgeſchloſſen vnnd verſchloſſen durch die Richt - ſchnur deß Glaubens / dann Gott hat durch Chriſtum am letzten ge - redt / der da iſt das A vnd das O / der Anfang vnd das Ende / der da be -2. Cor. 11, 14. (i) in vit. Martini c. 25. confer. de Cerin - tho Baron. ann. 97, 13. Montano Niceph. l. 4, 32. Do - nat. Aug. l. deun Eccl. contra ep. Petil. c. 16. Cornel. à Lap. ad Ep. Corinth. p. 398. (k) l. 12. de Geneſ. ad lit. c. 18. zeuget vnd ſpricht: Ja ich kom̃e bald. Auß diſem grund ſagt Hieron. Portæ traditionum clauſæ & ſines Eccleſiæ conſtituti, nunmehr ſeind die Porten der goͤttlichen Offenbahrungen vnd heilſamer Lehr / durch die Vollkomenheit der H. Schrifft verſchloſſen / vnd die Grentzen der Kirchen gemacht. Sie iſt gefaͤhrlich wegen Verblendung vnd Betrug deß Sa - tans / der ſich nicht nur zum Engel deß Liechts verſtellet / ſondern auch in Chriſti Geſtalt verkleidet / wie (i) Sulpitius Severus bezeuget.

Ob dergleichen Traͤum / Entzuckung / Geſicht / damit die heutige de - lirirende vnnd aberwitzige Welt vmbgehet / von Gott oder von Gottes Feind dem Teuffel vnd ſeiner Verblendung / oder von der Melancholy vnd Einbildungen herkommen / ob nicht bißweilen gleich wie Chriſtus fuͤr ein Geſpenſt angeſehen worden / Matth. 14, 26. Luc. 24, 37.) ein Ge - ſpenſt fuͤr Chriſtum angeſehen werde / das iſt mißlich zu vnterſcheiden / die abſonderliche vnd auſſerordentliche Gab Geiſter zu pruͤffen iſt laͤngſt verloſchen / (k) Auguſtinus geſtehet hie ſelbs ſein Vnwiſſenheit. Allzeit iſts verdaͤchtig / wann Schulmeiſter / Bawrsleuth / Schweinhirten vnd andere Idioten mit dergleichen Offenbahrungen vnnd Erſcheinungen auffgezogen kommen. Gott der HErꝛ kan zwar auch wol Eſel redend / auß Kuͤhhirten Propheten auß Ackersleuten Wundermaͤnner machen / auß Fiſchern Apoſtel: wann wir aber die bibliſchen Hiſtorien auffſchlagen / vnd Gottes Weiſe warnehmen / werden wir beſinden daß er der HErr mehſtentheils gelehrte Moſes / Samueles / Eſaias / Danieles gebraucht / ſeine Juͤnger in ſeiner geheimẽ Privatſchul vnterꝛichtet / es ſeye dann dasApoc. 19, 10. Act. 10. ordentliche miniſterium corrupt / vnd die Prediger ſtumme Hund wor - den / dergleichen von den heutigen ankommenden viſioniſten noch nicht erwieſen / bevorab wann dieſelben in ihrem examine vnd auff der Prob uͤbel beſtehen / vnd offtmal von der Perſon vnd Ampt Chriſti wenig wiſ - ſen / oder doch mit trꝛigem Schwarm behafftet / da doch das Zeugniß Jeſus der Geiſt der Weiſſagung ſeyn ſoll / von Chriſto Jeſu zeugen alle Propheten. Jch geſchweig der in ſolchen Offenbahrun - gen mit einlauffenden lappalien / vnd geringen ſchlechten Sachen / die zwar bißweilen mit prophetiſchen Worten geſpicket / aber nichts kraͤffti - ges in ſich haben / ihren Geiſt mit der Vnwarheit deſſen / das ſie prophe -ten /17Predigt. ceyen vnd weiſſagen / verꝛathen / oder doch ſolche Sachen auff die Bahn bringen / die man auch auß der Vernunfft / Erfahrenheit / collation der alten Hiſtorien / hat muthmaſſen koͤnnen. Sprichſtu / es trifft bißwei -Deut. 13, 1. len ein / es kompt was ſolche Warner verkuͤndigen? Ja / es iſt auch kommen was der vermeinte Samuel dem Koͤnig Saul propheceyet / aber wer ſtund hinder der Kappen / anders als der Teuffel. Gottes Wort lautet alſo / wann ein Prophet / oder Traͤumdeuter vnter euch wird auffſtehen / vnd gibt dir ein Zeichen oder Wunder / vnd das Zeichen oder Wunder kompt / davon er dir geſagt hat / vnd ſpricht / laß vns andern Goͤttern folgen / die ihr nit kennet / vnd ihm dienen / ſo ſoltu nicht gehorchen den Worten ſolches Propheten vnd Traͤumers / dann der HErꝛ ewer Gott verſucht euch / ob ihr mehr auff ſein Wort / als auff ſolcher Newlingen Phantaſey geben wollet? Sprichſtu / es moͤchte vielleicht ein goͤttli - che Propheceyung ſeyn / ſolte ich nun dieſelbe verachten vnnd in Wind ſchlagen / ſo werde ich mich an Gott verſuͤndigen? Antwort / geſetzt / es were von Gott / gleichwol weil ich deſſen nicht gewiß bin / wird mir mein Zweiffel ſo wenig ſchaden / als wenig es mir ſchaden kan wann ich eben nicht alles glaube / was von frembden Gewaͤchſen / Fruͤchten / Thieren vnd Meerwundern / ſo warhafftig ſo vnwarhafftig außgegeben wird. Die cruentatio cadaverum oder der Blutfluß / ſo von einem getoͤdteten Leichnam in anſehen vnd gegenwart deß Thaͤters oder Moͤrders ſich biß - weilen erzeiget / mag wol ein goͤttliches Wunderwerck ſeyn: aber dieweil deſſen der Richter nicht vnfehlbar gewiß ſo kan er darauff nicht fuſſen. E - ben ſo verhaltet es ſich mit Geſichtern vnd Offenbahrungen. Es mag wahr ſeyn was von S. Pauli abgehawenem Haupt vnd Stumpff von alters her außgegeben / von Ambroſio ſerm. 68. vnd Chryſoſt. ſerm. in Petr. & Paul. geglaubet worden / als were auß dem trunco vnd Stumpff ſeines Leibs nach der Enthauptung Milch gefloſſen: das abgehawene Haupt hab noch drey ſpruͤng auff der Erden gethan / vnnd damit drey Brunnen erwecket. Das mag ich aber glauben oder nit / es iſt kein Glau - bensartickel. Sprichſtu / es ſeyen gleichwol ernſthaffte Bußpredig - ten / dadurch die Leut zur Beſſerung deß Lebens von dergleichen viſioni -Luc. 4, 34. ſten vnd Sehern werden angehalten. Grad als koͤnte der Teuffel nicht auch Buß predigen / es hat ja der Teuffel auch Judas dem Verꝛaͤther Buß geprediget. Er hat auch mehrmal Chriſtum ſelbs geprediget / erCiſt18Die Anderiſt aber mit dem obmuteſce, verſtumme / abgewieſen worden. Wir ha - ben ein feſtes prophe tiſches Wort / vnd wir thun wol wann wir darauff achtung geben / So ſagt der groſſe vnnd warhaffte viſioniſt S. Petrus / er heiſſet vns nicht auff den Berg hienauff ſteigen / auff welchem er Chri - ſtum in der Verklaͤrung / Moſen vnd Eliam geſehen / ſondern herunter auff die Schrifft / hie βεβαιότεϱος λόγος, hie iſt ein feſt eres vnd mehr be - werters Wort / das kan vns nicht triegen. Muͤncers Faßnachtſpiel zu Muͤnſter in Weſtphalen Zwinglii Nachttraum ſoll vns billich witzigen.

(l) Non habes quod queraris te minus viſitatum eſſe, quam Abraham aut Iſaac. Tu etiam ha - bes apparitiones & quodammodo firmiores, apertiores & plures quam illi habuerunt, ſi tantum aperires oculos & cor & apprehenderes, habes baptiſmum & ſacramentum Euchariſtiæ, ubi pa - nis & vinum ſunt ſpecies, figuræ, & formæ in quibus & ſub quibus præſenter in aures, ocu - los & cor Deus loquitur &c & mox queri & gemere debebamus contra noſtram carnem vene - natam & peccato ſubmerſam, quæ non ſinit nos credere & complecti tanta beneficia &c. ita Lutherus in Geneſ. 26. fol. 31. ()
(m) tom. 6. Ien.

Der thewre (m) Lutherus gedenckt in ſeinem Buch von der Winckel - meß vnd Pfaffenweih einer Hiſtori vnd Geſchicht / ſo er in ſeiner jugend gehoͤrt / wie einsmals der Prediger ſey ploͤtzlich kranck worden / als er ietzt ſolte predigen / da ſey einer kom̃en zu ihm / der habe ſich erbotten fuͤr ihn zu predigen / vnd eilend die Blaͤtter im Buch herumb geworffen vnd ei - ne Predigt gefaſſt. Hat aber ſo koͤſtlich vnd ernſtlich gepredigt / daß die gantze Kirch weinen muͤſſen. Am Ende hat er geſagt / wolt ihr wiſſen wer ich bin? Jch bin der Teuffel / vnd hab darumb ſo ernſtlich gepredi - get / auff daß ich euch deſto billicher vnd haͤrter verklagen koͤnne am juͤn - ſten Tag / zu ewerm groſſen verdammniß / wann ihrs nicht gehalten habt. Ob dieſe Hiſtori wahr ſey oder nicht / ſchreibet hierauff Lutherus, laß ich in ſeinen wuͤrden / Das weiß ich aber wol / daß ſie der Warheit nicht vnehnlich iſt / vnd von der Hauptſachen rechtſagt / nemblich / daß der Teuffel wol kan das Wort / die Ampt vnd Sacramenten Chriſti haben vnd geben. Dann er ſich in ein Engel deß Liechts / vnnd in die Maieſtaͤt Gottes ſelbſt verſtellen kan. Sprichſtu / es hat gleichwol Joel vnd deſ - ſen Außleger S. Petrus von Traumen Vertroͤſtung gethan / das in den letzten Zeiten die Soͤhn vnd Toͤchter ſollen weiſſagen / die Juͤnglinge Geſicht ſehen / vnnd die Elteſten ſollen Traͤume haben. Antwort / iſt alles dem Buchſtaben nach laͤngſt erfuͤllet / in den letzten Zeiten / nach dem der Meſſias im Fleiſch erſchinen / die Juͤdiſche Policey allgemach ihrem Ende ſich genahet / da haben ſich Geſichter / Entzunckungen / Geſpraͤch / Traͤume vernemmen laſſen / ſind derglei -chen19Predig. chen vil in den Evangeliſchen Hiſtorien / Apoſtoliſchen Geſchichten / vnd himmliſchen Offenbahrungen S. Johannis auffgezeichnet. So we - nig aber ſich die uͤbrigen chariſmata vnd Gnadengaben deß H. Geiſtes / als die Gaben Wunder zu thun / frembde Sprachen zu reden perpetuirt vnd in beſtaͤndiger Vbung gebliben / ſo wenig auch ſolche auſſerordentli - che Offenbahrungen; verſtehe dem Buchſtaben nach. So bald die Kin - der Jſrael ins gelobte Land kommen / vnnd da Brodts die fuͤlle gehabt vnd durch den Pflug auß der Erden erwerben koͤnnen / ſo iſt das Manna vnd Himmelbrod verſchwunden. Jmmittelſt hat ſich Gott der HErꝛ nit vnbezeuͤgt gelaſſen / wir habẽ ſein geſchribenes Wort / dem ſollen wir glau - ben / dahin habẽ ſolche Wundergaben der erſten Apoſtoliſchen Kirchen ge - zihlet. Die Engel erſchinẽ den Hirten zu Bethlehẽ in der Weihnacht / aber durch ſolche Erſcheinung weiſen ſie dieſelbe nach Bethlehem / da deß Pro - pheten Michæe Weiſſagung erfuͤllet wordẽ / er weiſet ſie auff das ſichtbare Zeichen der Windlen / Jhr werdet das Kind finden in Windlen gewickelt / ſagt er. Die æquivalentia vnd gleichgeltige Wort vnd Win - dlen haben wir noch / nemblich die heilige Schrifft vnd deroſelben Sigill / die H. Sacramenten / damit laſſet vns begnuͤgen.

Gottes Wort ſoll vnſer Reyß-Wander vnd Traumbuch ſeyn / tanquam I. Verbũ infallibile, ein vnbetrieglich goͤttliches Wort / das iſt vnſer Traum / vñ zwar ein goͤttlicher Traum / dann es offenbahret vns uͤberna - tuͤrliche Dinge diſes kan nit fehlen auff demſelben beſtehet vnſer Glaub / nemblich nit auff Menſchen Weißheit / ſondern auff Gottes Krafft. Da - her ſagt (n) Hilar. Verus & unus mihi Deus es: ſed non aliud in eo, qui(n) l. 6. de Trin. ex te Deus eſt, credam ineſſe quam tu es. Et in eo me iudica, ſi crimẽ mi - hi eſt, nimium per Filium tuum & legi & Prophetis & Apoſtolis credi - diſſe: das iſt / was ich glaub das glaub ich deinem Wort / glaub ich zu - vil / ſo kan ich nicht Vnrecht haben. II. Propheticum & Normativum, ein prophetiſches vnnd richtiges Wort / beydes recht zu glauben vnnd wol zu leben / es zeigt vns Gott den Himmel offen / die Jacobs Ley - ter / den geſegneten Weibsſamen / die Gnadenwahl / den Gnadenſtuhl /Matth. 3. 16 Gen. 3. 15. Rom. 3. 23. Heb. 14, 16. das Buch deß Lebens; da gibts nicht nur goͤttliche Antworten / ſondern auch goͤttliche Geſichte in den hochwuͤrdigen Sacramenten / da wird der goͤttlich Raht / die Vnterweiſung zur Seeligkeit / geoffenbahret. III. Pa - racleticum, ein Wort alles Troſts / es zeigt den Vertriebenen denAct. 20. 27. 2. Tim. 3, 15. Himmel / als das rechte Vatterland / iſt gleichſam ein Brieff vom Him - liſchen Vatter von Himmel herab an ſeine Kinder abgefertiget: es pre - diget den Gefaͤngenen ein Erloͤdigung; dem / bey Nacht wanderendenC ijPilgram20Die AnderPilgram traͤgt es ein Fackel fuͤr / dem Ermuͤdeten vnd Suͤndenlaſt traͤ - ger iſt es ein Labſahl der Seelen / dem Einſamen ein Wegweiſende Be - gleitung / dem Armen ein Schatzgrub / ja das hoͤchſte Gut. Malè mihi eſt nihil præter te, & omnis copia, quæ Deus meus non eſt, ege -l. 3. Con - feſſ. c. 84. ſtas, ſagt Auguſtin. das iſt / auſſer dir mein Gott iſt mir nicht wol / vnd aller uͤberfluß / dabey mein Gott nicht iſt / iſt mir nichts dann lauter Ar - mut. Dem / der auff dem Creutzſtein ligt / iſt es eine Ruhe / in der Schoß Chriſti / dann bey ihm iſt vnſer Seele wol verwahret. IV. VerbumPſ. 19. 5. Gal. 6, 16. Exod. 13, 21. Hodegeticum, ein wegweiſendes Wort / deſſen Schnur auß - gehet in alle Lande / vnd an der Welt Ende / vnd wie viel nach dieſer Regul einher gehen / ůber die ſey Friede vnd Barmher - tzigkeit / diß iſt die Wolcken - vnnd Fewrſeule / in der barbariſchen ſandichten Wuͤſten der Welt / deren wir nachwandern ſollen / der weg - weiſende Stern / auff der See. Solches Wort iſt nicht die Vernunfft /Eſa. 8, 20. nicht Alcoran, nicht gewonheit / die die Leut im Bapſtthumb blendet. Sondern nach dem Geſetz vnd Zeugniß muß man einher ge - hen: Mein Fuͤſſen iſt dein goͤttlich Wort / ein brennende Lu - cerne eꝛ. pfleget die Chriſtliche Kirch zuſingen.

NVn wir ſind alle Vertribene Banditen / wandern bey der Nacht / muͤde / arm / einſam / haben keine Ruhe: fraget ſich der - halben I. Quorſum? Wohinauß? der Vertriebene ſuchet ſein Vatterland / der Gefangene ſeine Erledigung / der Blinde ſeine Wegweiſer / der Muͤde ſeine Erlabung / der Duͤrfftige ſein Auß - kommen / der Verlaſſene die Geſellſchafft / der Pilgram ſeine Ruhe / der Schwermuͤtige ſeinen Troſt. Alles nach Anleitung deß Liechts goͤttlichen Worts / wo daſſelbe hin ſcheinet vnnd weiſet / da kan man nicht irꝛen. II. Unde? Woher? woher weiſtu daß es Gottes Wort ſey? Antwort / dahero / woher es Jacob gewuſt / nemblich auß der Majeſt. Offenbahrung vnnd Erleuchtung / Troſt / vndHebr. 4, 13. 1. Cor. 14, 25. kraͤfftigẽ Erquickung daran ich mercken kan den Verſtand an dem Geheimnus Chriſti. Fuͤr dem Wort Gottes iſt keine Creatur vnſichtbar / ſondern alles bloß vnd entdeckt / kein Tuͤck iſt ſo ver - borgen / die nicht fuͤr Augen gelegt wuͤrde / wo das Wort ſcheinet / das verborgene deß Hertzens wird offenbar / daß der getroffeneMenſch21Predigt. Menſch auff ſein Angeſicht fallen muß / vnd bekennen / daß Gott warhafftig da ſeye vnd wuͤrcke. Jch weiß es auch auß der troͤſtenden vnterweiſenden vnnd uͤberzeuͤgenden Krafft / ſo mir das Wort mittheilet der Andacht / der guten Gedancken / der Erquickung deß Hertzens / ſumma Leben vnd Geiſt / ſo man darauß ſchoͤpffet; welche alles mit Exemplen zuweiſen an den Teſſalonichern / Auguſtino, Verge - rio vnd andern: daß aber heut zutag das Wort wenig fruchtet / daß / da durch Petri Pfingſtpredigt 3000. Seelen auff einmahl bekehrt worden / nunmehr / durch weiß nicht wie viel Predigten / kaum einer bekehrt wird / daran hat das Wort kein Schuld / ſondern das Hertz: gleich wie Chri -Matth. 13, 58. ſtus wegen deß Vnglaubens in ſeinem Vatterland nicht viel Zeichen thate / alſo iſt auch das vnglaubige / ohnandaͤchtige / kalte vnd ſichere Hertz ihme ſelbs hinderlich / wo S. Petri Wort erſchollen / S. Petri Zuhoͤrer es ihnen laſſen zu Hertzen gehen / da iſt an gleicher Krafft nicht zu zweifflen. Sprichſt du / ich laß es ſeyn / Gottes Wort ſey das rechte / edle / bewerthe Reißbuch zum himmliſchen Vatterland / wie bin ich aber gewiß daß die Bibel Lutheri die rechte Bibel ſeye? geſtalt dann mit ſolcher Frag die Je - ſuiter auffgezogen kommen / vnd einfaltigen Leuten damit zuſetzen / ſagen / die Lutheraner haͤtten nicht die rechte Bibel / ſintemal nach jhrer eige - nen Außſag allein die hebreiſche vnnd griechiſche Bibel die rechte Quell ſeye / die Dolmetſchung ſeye nur ein rivus vnd Bach ſo auß der Quellen gefloſſen / der koͤnne leichtlich truͤb gemacht vnd verfaͤlſcht werden: Luthe - ri Dolmetſchung ſeye die Quell ſelbs nicht / er hat es / laut der vnſrigen eigenen Belandtnuß nicht allzeit getroffen / wie dergleichen bey Adam Conzen. l. 5. polit. c. 25. zu leſen. So antworten wir mit Auguſtino,l. de util. cred. c. 6. geſetzt / wann gleich dem alſo were / ſo kan doch ein jeder Chriſt auch auß der Dollmetſchung ſo viel Lehr / Troſt vnd Glauben fchoͤpffen / als ihm zur Seeligkeit vonnoͤthen iſt. Sonſten wuͤrde die erſtangehende Kirch uͤbel daran geweſen ſeyn / als welche mit den LXX. Grichiſche Dolmet - ſchern fuͤrlieb genom̃en: wenig waren der heyligen Grundſprach kuͤndig; haben vnterdeß an Liecht / Glauben vnd Hilffsmittel zur Seeligkeit kein Verluſt noch Abgang gelitten: Gottes Providentz vnd Fuͤrſehung laſſet es nicht geſchehen / daß einige Dolmetſchung ſo falſch ſeyn ſolt / darinn nicht Gottes Willen zur genuͤge were geoffenbahret. Wie wol zu wuͤn - ſchen / daß bey vnſern Leuten ſolcher Eyfer ſeyn moͤchte / die hebreiſche vnd griechiſche Sprach zu lernen / welche bey Faſſung der welſchen vnd fran - tzoͤſiſchen Sprach erſcheinet / ſo wuͤrden ſie handgreifflich ſpuͤren wie wolC iijvnd22Die Andervnd recht Lutherus gedolmeſchet / ſich[verwundern] / daß an manchem Ort der ſchwere Sinn vnd Verſtand ſo heiter vnd klar an Tag gegeben: wuͤrden ihm vielmehr dancken / als an ſeiner Trew vnd Fleiß zweifflen. Ey / ſprichſtu / warumb ſind dann ſo viel Religionen / die ſich alle auff die H. Bibel beruffen? Lutherus, Calvinus ſtreiten uͤber den Worten deß H. Abendmahls heur vnd fern / vnd koͤnnen noch nicht eins werden / wie kan man ſich dann auff die bloſſe geſchriebene Bibel verlaſſen / ohn Zu - ſatz der Kirchen-Gebott vnd Außlegungen? Darauff iſt die Antwort: die Schuld iſt nicht der heiligen Bibel vnnd deß geſchriebenen Worts Gottes / ſondern deſſen der es liſet. Dann es ſoll geleſen werden ἐυσεβῶς, andächtig / mit Gebett in wahrer Gottesforcht vnnd Reinigkeit deß Hertzen. ἀκϱιβῶς, fleiſſig / mit ernſt / nachdencken / oͤffterer Widerho - lung / collation vnnd Vergleichungen anderer ſtellen. ἀπαϑῶς, ohne vorgefaſte Meinung / ohnpaſſionirt. ταπεινῶς, demuͤtig / daß wo man irgend anſtehen moͤchte / Nachfrag habe / niemand ihm ſelbs al - lein zu wol trawe / dann darumb iſt das Predigampt eingeſetzt / nicht daß es uͤber den Glauben / Hertzen vnd Gewiſſen herſche / ſondern der Gemei - ne mit heilſamen Vnterweiſungen diene. So machte es der Kaͤm -Act. 8. 13. merer der Koͤnigin Candaces / in Morenland: τίς με ὁδηγήσει, ſagt er /cap. 10, 3. wie kan ich verſtehen was ich leſe / ſo mich nicht iemand anlei - tet? Die Engel muͤſſen auff vnd abſteigen / das Predigampt muß hoͤ - ren was den Zuhoͤrern anligt / zu Gott hinauff in das Heiligthumb ſei - nes Worts ſteigen / vnd Gottes Sinn / Meinung vnd Willen dannen - hero erholet vnd wider herab gebracht werden. III. Fragt ſich / Quid? was muß ich bey der Sach thun? Antwot: nicht thun / ſondern dich Gott im Himmel laſſen / dem guten Geiſt nicht widerſtreben / denſel - ben mit dir handlen laſſen / ja wie Jacob ſchlaffen / (in geſundem Ver - ſtand) traͤumen / die goͤttliche im Wort herfuͤr leuchtende Offenbahrun - gen faſſen / annemmen / erwegen / glauben / nachdencken vnd frucht brin - gen mit Gedult: Die Heyden vor zeiten haben ſich in ihre Goͤtzenhaͤu - ſer bey Nacht ſchlaffen gelegt / von ihnen allerhand Rath - vnnd Hilffs - mittel zu erlangen. Jn Æſculapii Tempel legte ſich einmahl ein krancker(o) Philo - ſtrat. in vi - tis Sophi - ſtar. con - fer. Serv. ad Aeneid. 7. patient mit namen Polemon ſchlaffen / er (o) der vermeinte Artzneygott erſchien ihm / vnd ſagte mehr nicht als άπεχεϑαι ψυχϱου̃ πότου, das iſt / enthalte dich deß kalten Truncks / ſo wirds beſſer mit dir wer - den. Das haben die blinden Heyden gethan / moͤgen wol etwas erfahrenhaben23Predigt. haben von Jacobs Traum / den der Sathan auff ſolche weiß nach ge - aͤffet: aber in der Warheit iſt es wol gethan / wann der Menſch das goͤttli - che Liecht ſchlaffend empfahet / ruhend von allen Vernunffts-Phanta - ſeyen vnnd widerſprechen / von weltlichen Sorgen / von nachtirꝛenden vnd ſchweiffenden Gedancken. Wie ein Lehrmeiſter ſeine Scholares vnd Schulknaben / die auff der Gaſſen herumb lauffẽn / einer da der ander dort hin zuſammen treibt / in ſeine Schul / da ſie lernen vnnd auff ſeine Wort genawe vnd fleiſſige achtung geben muͤſſen: alſo muͤſſen auch vn - ſere ſchweiffende Gedancken zuſammen gefaſſet / in Gottes Schul gezo - gen / in Gott ruhen vnnd ſtill ſeyn / vnnd hoͤren was er durch ſein liebes Wort mit vns reden vnd lehren will / auff daß wir dardurch den glau - ben faſſen / den gefaſſten Glauben mit lebendigen / heiligen guten Wer - cken vnd Tugenden zieren: dann da laßt ſichs nit ſicher dahin ſchlaffen / damit man nit die Hochzeit verſchlaffe / wie iene thoͤrichten Jungfrawen in der Parabel begegnet. Wol ſagte vor zeiten iener Philoſophus Diog. bey Laertio. Quæ vigilantes agitis non curatis, quæ verò dormientes ſomniatis, ſollicitè perquiritis. Jhr ſeyd ſeltzame vnd wunderbare Leut / ihr gebt nicht acht auff das was ihr wachend thut vnnd ſchlaffend / aber wann es euch im Schlaff traͤumet / da bekuͤmmert ihr euch darumb / was es wol bedeuten mag? Solcher ſeltzamer Leuth gibt es noch / die ihnen offt die Nachttraͤume / mehr als ihrer Seelen Wacht / laſſen angelegen ſeyn. Der Glaub ſchlafft gleichſam vnd ruhet in Gott / wann er Gottes Wort empfanget: aber hernach wann er nach dem Wort Gottes leben / vnd Frucht bringen ſoll / ſo wacht er auff / er iſt kraͤfftig vnd thaͤtig. Gott der HErr geb das wir alle deß Glaubens Ende der Seelen Seeligkeit dermal eins zur außbeut davon bringen / Dann werden wir ſeynPſ. 126, 1. wie die traͤumenden / vnſer Mund wird voll lachens / vnſer Zung voll ruͤhmens ſeyn. S. Petrus da ihn der Engel auß dem Gefaͤngniß erꝛettet / war ſo froh daß er nicht wußt fuͤr Frewden / wie ihm geſchehen / ob es ihm getraͤumet / oder ob es warhafftig alſo geſchehen: Wie viel mehr wird die uͤberſchwenckliche Frewde uͤber die endliche voll - kommene Entledigung der geiſtlichen Gefangenen Zion / ſolche uͤber - ſchwenckliche Frewde erwecken / daß wir / gleich den Traͤumenden / nicht wiſſen werden wie vns geſchehen. Fiat, das geſchehe! Amen.

Die24Die Dritte

Die Dritte Predigt.

Von dem zweck / der von Jacob fuͤrgenommenen Wahlfahrt / vnd dem Gaſtgeber / von dem er bewuͤrtet worden.

Exod. 33, 18, 20, 23.

GEliebte in Chriſto. Mein Angeſicht kanſtu nicht ſehen / ſagt GOTT der HErr da Moſes begehrt die Herꝛligkeit deß HErrn zu ſehen / mein Angeſicht / ſagt er / kanſtu nicht ſehen / dann kein Menſch wird leben der mich ſihet. Hinden nach wirſtu mich ſehen / aber mein Angeſicht kan man nicht ſehen. Jn welchen Worten der HErꝛ einen Vnterſcheid machet / vn - ter dem Anſehen Gottes ſo von vornen / vnd vnter dem / ſo von hinden geſchicht: vnter dem augenſcheinlichen vnd geiſtlichen / vnter dem hellen vnd dunckeln Anſehen Gottes. Der HErꝛ ſchlaͤgt Moſi ab I. Viſio -Matth. 18, 10. Pſ. 17, 15. Pſ. 32, 5. Pſ. 36, 10. Ioh. 14, 8. 1. Ioh. 3, 2. (a) l. 7. va - riar. n. 33. nem prioriſticam & intuitivam die vordere vnnd gegenwertige Schaw / damit die Engel im Himmel / vnd die Außerwehlten in der triumphirenden Kirchen beſeeliget ſeyn. Dahero ſpricht (a) Caſſiodor. Aſpectum Solis, niſi clara lumina, non requirunt, das iſt / es koͤnnen kei - ne als helle Augen die Sonne anſehen: Alſo koͤnnen keine als von Suͤn - den reine vnd heilige Augen anſehen die Sonne der Gerechtigkeit / den ewigen Sohn Gottes in ſeiner vnwandelbaren Gottheit. II. Laſſet er ihm zu Viſionem poſterioriſticam à tergo, die hinderwertige vnnd ruͤcklinge Spiegelſchawe / welche gleichwol dreyerley / 1. Clariſſima & ſingulariſſima, ein durchauß helles vnd gar ſonderbares Se - hen / ſo hoch / klar vnnd hell es in dieſer Welt immer ſeyn kan: Jn wel - chem Sehen Moſes allein ein ſonderlich privilegium vnd Begnadung fuͤr andern Menſchen gehabt / davon Gott der HERR ſelbs redet mitNum. 12, 8. folgenden Worten: Muͤndlich / das iſt / wie ein Freund mit dem an - dern / rede ich mit meinem Knecht Moſe / vnd er ſihet den HEr - ren in ſeiner Geſtalt / nicht durch dunckel Wort oder Gleich - nuß: Wie es aber mit demſelben ſehen gethan vnnd bewandt / davon wird zwar viel diſputirt / iſt aber noch nicht eroͤrtert vnnd außgemacht. 2. Com -25Predigt. 2. communiſſima, in veſtigiis Creaturarum & ſpeculo verbi, Ein all - gemeine / in dem Bild der Creaturen / vnnd in dem Spiegel deß Worts beſtehende Schaw / darinn ſich Gott ſelbs abcontrofeyet / ſei - ne Guͤte / Langmut vnd Barmhertzigkeit ſpuͤren laſſet / vnd ſeinen Willen zu erkennen gibt. 3. Media & Prophetica, Ein mittelmäſſiges vnd prophetiſches Sehen / dergleichen dem Propheten Eſaiæ widerfah - ren / welcher den HErꝛn ſitzen ſahe / auff einem hohen vnd erhabenenEſa. 6, 1. Stuhl / vnd der Saum erfuͤllet den Tempel. Deßgleichen dem Propheten Ezechiel / welcher geſehen einen Saphirnen Stuhl / vndEzech. 1, 26. auff demſelben Stuhl / ſaß einer gleich wie ein Menſch geſtalt; Dem Propheten Daniel / welcher den HERRN geſehen / in Geſtalt eines Alten / der ſich geſetzt / deſſen Kleyd war ſchneeweiß / vndDan. 7, 9. das Haar auff ſeinem Haupt wie reine Wolle. Dahin dann auch gehoͤret ſo wol das Geſicht / ſo dem lieben Jacob widerfahren / da er gewacht / waruͤber er geſprochen: Jch hab Gott von Angeſicht ge -Gen. 32, 30. ſehen vnd meine Seele iſt geneſen / deßwegen er auch die Stette genennet Pniel; Als auch das Geſicht / ſo er im Schlaff gehabt / da -c. 28. 11, 12. rinn ſich ihm der HErr erzeigt auff eine ſonderbahre gnaͤdige Weiß. Munus eſt videre principem, & dignitas ſubiecti, affatus meminiſſe dominantis, Es iſt eine groſſe Gabe den Fuͤrſten zu ſehen bekommen / vnd eine ſonderbahre Wuͤrde eines Vnterthanen / wann er ſich erinnern kan / daß ſein Herꝛ ihn angeſprochen vnd mit ihm geredt habe / ſagt aber - mahl (a) Caſſiodorus. Alſo war es freylich eine ſehr groſſe Wuͤrde / daß(a) l. 10. va - riar. n. 13. Jacob nicht Gott den Allmaͤchtigen allein geſehen / ſondern daß auch der HErꝛmit ihm geredet vnd ihn angeſprochen.

Jſt eben das jenige erſte geſicht / darvon dißmal zu reden: Dann / nach - dem wir bißdato den auſſerhalb Vatterlands reiſenden Wanders mann Jacob angeſehen / vnd das wegweiſende Liecht betrachtet; ſo folget an - ietzo der Rayßzweck / der Gaſtgeb / vnd die Herberg da er eingekeh - ret. Es iſt der Chriſt / als ein Kind Gottes / kein Vagant oder herumb - ſchweiffender Landlaͤuffer / der allenthalben daheim: der SatanIob. 1, 7. durchziehet das Land vmbher / vnd iſt nirgend daheim: Aber der Menſch hat ſein Vatterland vnnd Heimweiſung / wie auch ſeinen Gaſtgeb / dahin vnd zu welchem er reiſen muß / darauff deutet Moſes / wann er ſagt: Vnnd der HERR ſtund oben auff der Leyter. Gen. 28, 3.DHievon26Die DritteHievon dißmal etwas weiters zu hoͤren vnnd zu handlen / wolle vns der Himmliſche Vatter durch Chriſtum / die Krafft ſeines heiligen Geiſtes mildiglich verleihen / Amen.

ZWey Stuͤck ſind allhie zu betrachten. I. Hoſpes revelatus der ge - offenbahrte Gaſtherꝛ / von dem er bewuͤrthet worden. II. Hoſ - pes elevatus, der hocherhabene Gaſtherꝛ / wo derſelbe anzu - treffen? Das erſte betreffend / ſo ligt bey einer Reiß viel an / daß man eines getrewen guten Wuͤrths verſichert ſey / der es mit den Gaͤſten wol(q) Gen. 35, D. Gerhar - comm. in Gen. p. 648 650. à Cal - vino Iudai - zante diſ - cedit hic etiam Ri - vetus ex - erc. 143 in Gen. pag. 701. Gen. 31, 11. Deut. 33, 3. vnd getrewlich meinet / daß man nit deß rechten Wuͤrths verfehle / vnd an ſtatt deſſen einem Moͤrder vnter die Hand komme / oder denſelben mit falſchem concept vnd Argwohn beſchwere. (q) Hie heiſſet derſelbe〈…〉〈…〉 Gott der HERR. Hoſpes I. Divinus, ein goͤttli - cher Gaſtherꝛ. Einer von den〈…〉〈…〉 welches Woͤrtlein ein per - ſoͤhnlicher Name iſt / ſo mit teutſchen Lippen außzuſprechen ohn muͤglich / wir ſind zu arm in vnſer Sprach / daß wir es koͤnnen recht geben vnd dol - metſchen: vnd zwar iſt es der ewige eingeborne Sohn Gottes / der Gott / von dem Gott zu Jacob geſagt Gen. 35, 1. Mache ein Altar dem Gott der dir zu Beth El erſchienen / der vnerſchaffene En - gel / φιλάνθϱωπος, der groſſe Menſchenfreund / der allhie wahr gemacht / was er zugeſagt / Pſ. 34. Er ſey nahe bey denen die zubrochnes Hertzens ſind / vnd helffe denen die zubrochene Gemuͤther ha -Gen. 48, 16. Dan. 10, 21. Ap. 12, 7. ben. Der Engel / der Jacob erloͤſet hat von allem uͤbel / dann al - lein der Sohn Gottes iſt der Engel / der HErꝛ vnnd Himmliſche Legat deß Vatters / der Großfuͤrſt Michael / ein Koͤnig der Engel / welcher auch vermuthlich dem Jacob in Engliſcher Geſtalt erſchienen. II. Maximus & Summus, der groͤſſeſte vnd hoͤchſte Gaſtherꝛ / gegen welchem al - les was in der Welt hochgeſchaͤtzt wird / nichts iſt: der da iſt immerwe -Pſ. 90, 2. Apoc. 1, 8. ſend / ohn Anfang vnd Ende / ehe dann die Berge wurden / vnd die Erde vnnd die Welt geſchaffen / GOTT von E - wigkeit / das A vnd das O: beſtaͤndigweſend / ohne Veraͤnde -Iac. 1, 17. Ioh. 1, 9. 1. Ioh. 1. 5. c. 4, 9. Ioh. 14, 6. rung oder Wechſel: ſelbſtweſend / ohne zuſamenſetzung / das Liecht / die Liebe / die Warheit ſelbs: weſendmachend / als die Quelle alles We - ſens. III. Optimus, der allerbeſte Gaſtherꝛ. Ein jegliches We -ſen27Predigt. ſen iſt gut / darumb iſt das hoͤchſte Weſen das hoͤchſte Gut. Wie dann der HErꝛ zu Moſe ſpricht: Jch will fůr deinem Angeſicht her / al -Exod. 33, 19. vid. Luth. tom. 8, p. 175. le meine Guͤte gehen laſſen. Was nun ſonſt von dem hoͤchſten Gut kan begehrt vnd gehoffet werden / das findet ſich bey vnſerm fürhabenden himliſchen Wirth Chriſto dem Herꝛn im hoͤchſten ja vnvergleichlichſten Grad. Diſer Wuͤrth iſt ἀυταϱκέϛατος, der allerbegnůgenſte vnd voll - kommenſte / fuͤr ſich ἀνενδεὴς, durch auß keines Dings beduͤrfftig / der voͤllig ſaͤttiget / bey dem alle fuͤlle zu finden: Auſſer welchem kein Gut ſaͤt - tiget. Kunſt / Gunſt / Gelt / Ehr vnd was die Welt hoch haͤlt / loͤſen zwar einander ab / wer das eine hat / der hat nicht Ruh biß er deß andern auch faͤhig worden: aber dannoch ſaͤttiget keines vnter denſelben. Die - ſer Wuͤrth iſt der allerbeſtaͤndigſte: alles iſt ſonſt fluͤchtig wie Pflaum - federn / der Reichthumb weicht / der Mammon wird ein Mameluck an ſeinen Liebhabern / wie der gegenwertige Krieg vnd deſſen rubrica einen ſattſamen Commentarium vnd Gedenckbuch an die Hand gibt; Ebener maſſen iſt das Gelt kein beharꝛlicher Freund / wanns zum treffen kompt / nemlich zum Todt: wie die Laͤuß vom Kopff lauffen / alſo verlaͤßt Gelt vnd Gut auch den Menſchen / vnd haͤlt nit bey ihm. Er iſt ἥδιϛος, der lieb - lichſte vnd freundlichſte Gaſtherꝛ / bey welchem die lieblichkeit vnd holdſeligkeit kein Ende hat; Salomon / da er alle Weltfrewd abgenutzt vnd außgekoſtet / dancket er endlich derſelben ab mit dem beruͤhmten Ab - ſcheid / Vanitas Vanitatum, Es iſt alles gantz eytel: Nicht macht esEccl. 12, 8. Sap. 13, 3. alſo vnſer Wuͤrth / Gott der HErꝛ / der aller Schoͤne Meiſter iſt bey wel - chem Gutthaͤtig-Freygaͤbig - vnd Freundlichkeit nimmer verſeuget. Er iſt allwiſſend: ſeine Augen ſahen Jacob wol / da er noch vnbereitetPſ. 139, 16. war: Allmächtig / der dem ohnmaͤchtigen Strohalm Eſau / welcher ſich wider ſeinen Bruder Jacob aufflehnete / genugſam gewachſen: ge -Gen. 32, 6. recht / der einem jeden vergilt / nach dem ers verdienet: Allgegenwaͤr -Pſ. 62, 13. tig / der allerreichſte vnd freygebigſte HErꝛ / der keine Jrten von vns begehrt / ſondern vns frey halt. Biſtu o lieber Chriſt vertrieben / vnd wanderſt im Elend herumb / ſihe / Gott der HErꝛ dein lieber Hey - land Chriſtus iſt dein Wuͤrth vnd Gaſtgeb / der dich auffnimbt: biſt du ein Knecht / er iſt dein Vatter. Wanderſtu bey Nacht / bey ihm iſt das hel - le Liecht / er iſt der rechte Jacobsſtern: biſtu muͤd vnd laß / er iſt deine Ruhe: biſtuarm vnd duͤrfftig / er iſt dein Reichthumb vnd volle genuͤge / du kanſt dem lieben Aſſaph getroſt nachſprechen: HERR wann ich nur dichPſ. 73, 25, 26.D ijhab28Die Drittehabe / ſo frage ich nichts nach Himmel vnd Erden: Wann mir gleich Leib vnd Seel verſchmacht / ſo biſtu doch Gott alle zeit meines Hertzen Troſt vnd mein Theil.

Folget hierauff II. Hoſpes elevatus, der hocherhabene Gaſt - herꝛ. Dann dieweil eine Chriſtglaubige Seel fragen vnnd ſprechen moͤchte / wo find ich aber dieſen ſo hoch gelobten vnd herauß geſtrichenenGen. 28, 13. Gaſtherꝛn? dem antwortet Moſes / vnd zeiget ferner an / wo ſolcher an - zutreffen. 1. Superſcala, auff der Leyter: Vnd ſihe der HERRAlcaſar in Apoc. 4. notat. 1. p. 290. con - tendit in imâ ſcalæ parte Do - minũ ap - paruiſſe. contravid. D. Gerh. p. 546. ſtund oben darauff / ſpricht er. Das hebræiſche Wort〈…〉〈…〉 heiſſt ſonſt auch / iuxta & apud, neben vnd bey; daher etliche in die Gedancken kommen / daß ſie vermeinen der HErꝛ ſey neben vnden an der Leyter er - ſchienen. Dann / ſprechen ſie / wie iſts moͤglich / daß Jacob eine Stim̃e von Himmel herab ſolte haben hoͤren koͤnnen? Dieweil aber das Woͤrt - lein〈…〉〈…〉 dem erſten / gemeineſten vnnd fuͤrembſten Verſtand vnnd Ge - brauch nach ſo viel heiſſet / als droben oder darauff / auch die Engel von oben herab von Gott kommen / vnd wider hinauff ſteigen / alſo laſſen wir es bey der gemeinen dolmetſchung ohne weiter ſcrupuliren bleiben / bekuͤmmern vns wenig vmb den Vnterſcheid der Hoͤhe vnd Weite deß Geſichts: Sintemahl auch alles was hie fuͤrgangen in einem nicht em - pfindlichen / ſondern Geiſtreichen Geſicht geſchehen vnnd ſich begeben. 2. ſtans, er erſcheinet ſtehend / nit allein als ein Advocat vñ Fuͤrſprech / Beſchuͤtzer / Kampff - vnd Stechmeiſter / in welcher Poſitur er ſich auchAct. 7, 56. von Stephano ſehen laſſen; Sondern auch als ein Zweck vnd Ziel / nach dem Jacob vnd alle Glaubige zihlen / lauffen / ringen vnnd jagen ſollen. 3. In cælo, in dem Himmel / als an dem Ort vnſerer Wohnung / Ein - kehrung vnnd endlicher Heimweiſung / in vnſerm rechten Vatterland / nicht mehr in dem irꝛdiſchen Paradiß / von dannen wir außgetrieben: Jn dem offenen Himmel / nach den Worten vnſers Heylands ſelbſt / vnd nach der Erklaͤrung Jacobs / wann er ſpricht: Hie iſt dieGen. 3, 24. Ioh. 1, 51. Gen. 28, 17. Porte des Himmels / von dannen die Engel beydes außgangen vnd eingangen; in maſſen dann auch Stephanus / deſſen erſtgedacht / den Himmel offen / vnd deß Menſchen Sohn zur Rechten Gottes ſtehen ge -Pſ. 102, 27. ſehen. Dardurch dann nicht verſtanden wird der Sternen Him̃el / dann der muß vergehen; ſondern der Orth der Außerwehlten vnd See -Apoc. 21, 2. Ioh. 14, 2. Matth. 8, 11. ligen: das himmliſche Jeruſalem / da viel Wohnungen ſind / da die außerwehlten koͤſtliche Tractamenta haben werden an der Taffel / mitAbra -29Predigt. Abraham / Jſaac vnd Jacob / da treffliche Bethe bereitet / in der SchoßLuc. 16, 22. Pſ. 16, 11. 2. Tim. 4, 8. Luc. 23, 43. Matth. 6, 13 Abrahæ / da ſchoͤne Loſamenter / da Frewde die fuͤlle / vnd liebliches We - ſen zur Rechten Gottes ewiglich / da die Cronen außgetheilet werden; mit einem Wort / es wird dardurch verſtanden das himmliſche Para - diß. Jn welchem ſich ſinden wird ἀπολύτϱωσις, die Erloͤſung von al - lem uͤbel / von den Seelenmoͤrdern Suͤnd / Todt / Teuffel vnd Helle / da die Frommen werden auß dero Stricken vnd Banden frey herauß ge - hen / wie der gerechte Loth auß dem gottloſen Sodoma gegangen. EsGen. 19, 23. wird ſich daſelbſt finden ἀποκατάϛασις, die Widererſtattung vnnd2. Petr. 2, 7. Erſetzung deß erlittenen Verluſts deß goͤttlichen Ebenbildes / die Beſtettigung der Vnſterblichkeit deß Paradiſes: ja Gott der HErꝛGen. 1, 27. wird alles in allem ſeyn. Es wird ſich endlich finden ἀνάψυζις, ein ſee - lige Erlabung vnnd Erquickung / nach außgeſtandenem Laſt deßMatth. 20, 12. Creutzes / nach erduldeter Hitz der Truͤbſahl in dieſer Welt. Gleichwie ein irꝛdiſcher Wandersmann / wann er muͤde worden / ſich in der Her - berg außziehet / den getragenen Laſt von ſich legt / ſich mit einem kuͤhlen Trunck erquicket: Alſo werden auch die Glaubigen in jenem Leben / nach hingelegtem Laſt / damit ſie in dieſer Sterbligkeit beſchweret geweſen / erquicket werden von dem immerwerenden Anſchawen Gottes deß hoͤch -1. Cor. 13, 12. 1. Ioh. 3, 2. ſten Guts; von der lieblichen Muſic / zu welcher ſie mit den Englen an - ſtimmen werden; von der wunderſamen Einigkeit / bey welcher alle Falſchheit vnd Veraͤnderung wird außgeſchloſſen ſeyn. Summa im Himmel werden wir haben / o Gott wie groſſe Gaben!

DJe Lehr / ſo hierauß flieſſet / heiſſet Σκοποσοφία, die Zweckweiß - heit / ſo zu reden / daß man den rechten Wuͤrth vnnd die rechte Herberg ſuche: Es iſt mehrmahl geſchehen / daß man ſich uͤber - ſchaͤlt vnd ſich uͤber ſehen / einem Wuͤrth in die Haͤnd kommen / der ein Moͤrder iſt / vnd alſo ein Mordgrub vnd Grab fuͤr ein Wuͤrthshauß an - getroffen. Derſelbe rechte Wuͤrth vnd Gaſtherꝛ iſt nun nicht zu ſuchen ε᾽ν κατωτέϱοις, an den vntern Orthen vnter der Leyter / nicht bey dem dreyfachen Weltgott / Ehrſucht / Gelt vnd Gut / vnd der ſchandlichen Wolluſt; nicht bey dem Menſchen ſelbſt in ſeinem Hertzen / durch ſein ſelbſt Vergoͤtterung; nicht im Weinglaß / nicht im Wolluſtbett / nicht in Wuͤrden vnd weltlicher Herꝛligkeit / die vnter der Leiter ligen; nicht inAct. 12, 21, 22. vid. Ioſeph l. 16, 11. Metallen / Gold vnd Silber / wie Herodes im Koͤniglichen Kleyd vnd guͤl - denen Stuck gepranget vnd vergoͤttert worden; nicht in Davids Grab /D iijworinn30Die Dritteworinn Herodes einen Schatz geſucht. Solch ſuchen iſt 1. Abgoͤttiſch / ſintemahl warauff einer ſein Vertrawen ſetzet / wo er ſein datum hinrich - tet / wornach einer endlich ziehlet / das iſt ſein Gott: nun will Gott der HErꝛ keinen Gott eben ſich wiſſen oder leiden. 2. vnnutzlich / dann ſolchen Zweckfehlern geht es endlich wie jenen 25. Burgers Soͤhnen zu Amberg / anno 1535. welche / nach dem ſie zuſammen geſchworen / in ei - nen tieffen vngehewren Berg zu gehen / daſelbs einen Schatz zu ſuchen / ſich 900. Klaffter tieff in die Erde hienab gelaſſen / auff die acht Stun - den außgeblieben / nichts als allerhand Abenthewr vnd Teuffels geſpenſt angetroffen / endlich mit bleichen Naſen halb todt herfuͤr gebrochen / vnd den Hingang fuͤr den Hergang gehabt. Schaͤdlich / dann nach dem Außſpruch vnſers Heylands / wo deß Menſchen Schatz iſt daMatth. 6, 3, 21. iſt auch ſein Hertz; iſt nun deß Menſchen Schatz / ἐν κατωτεϱοις τῆς γῆς, in den vnterſten oͤrthern der Erden / das iſt der Hoͤllen: ſo wird auch ge - wißlich ſein Hertz daſelbſt endlich mit Ach vnd Weh hinfahren vnd ewig bleiben. Wo ſind aber die jenige Gottſeelige Hertzen / die mit Warheit ſingen vnd ſagen koͤnnen.

ex Pſ. 73. 25. 26.
Hertzlich lieb hab ich dich O HErꝛ /
Jch bitt wollſt ſeyn von mir nicht ferꝛ /
Mit deiner Guͤt vnd Gnaden:
Die gantze Welt erfrewt mich nicht /
Nach Himmel vnd Erden frag ich nicht /
Wann ich dich nur kan haben.
Vnd wann mir gleich mein Hertz zubricht /
So biſt du doch mein Zuverſicht /
Mein theil vnd meines Hertzens Troſt /
Der mich durch ſein Blut hat erloͤßt /

Zwar an Worten mangelts nicht / aber in der That vnnd mit dem Hertzen / lautets alſo:

Hertzlich lieb hab ich dich o Gelt vnd Ehr /
Jch bitt wollſt ſeyn von mir nicht ferꝛ /
Mit deiner Guͤt vnd Gnaden:
Die gantze Welt erfrewet mich /
Nach Himmel vnd Erden frag ich /
Wann ich nur Gelt kan haben.
Gedencke31Predigt.

Vnterdeſſen gedenck du Gottloſes Welt - vnd Geltkindt /

Wann dir einmal dein Hertz zerbricht /
So haſtu keine Znverſicht /
Kein Theil vnd keines Hertzen Troſt /

An Chriſto / der dich zwar durch ſein Blut hat erloͤßt: den du aber mit mutwilligen Suͤnden haſt verſtoſſen / der wird dich widerumb ver - ſtoſſen. Kehre derohalben in der Zeit der Gnaden vmb / vnd ſuche denCol. 3, 1, 2. Phil. 3, 13, 14. rechten Zweck / ἐν ἀνωτέϱοις, in dem das droben iſt: vergiß was dahinden iſt / vnd ſtrecke dich zu dem das davornen iſt: Jage nach dem fuͤrgeſtreck - ten Ziehl / nach dem Kleinod / welches fuͤrhalt die Himmliſche Beruffung Gottes in Chriſto Jeſu. Vnd das iſt was S. Paulus ſchreibt / vnſerPhil. 3, 20. Wandel iſt im Himmel. Ein junger Menſch der noch in Lehrja - ren / in der Wanderſchafft / im Krieg / auff Vniverſitæten vnd Schulen ſich auffhalt / dem iſt ja nichts mehr angelegen / als ſein patria vnd Vat - terland / oder der jenig Ort / da er ſein πολίτευμα haben / ſich burgerlichπολίτευμα pro civita - te 2. Mac - cab. 12, 7. zu ſetzen / niderzulaſſen / nehren / ſchalten vnd walten / handlen vnnd wandlen gedenckt / damit geht er vmb / dem denckt er nach /

Wo ſeyn wird der Waſen /
Da er werde koͤnnen graſen;

Alſo ruͤhmet vns armen Pilgramen S. Paulus auch von einem poli - tevmate das iſt Wandelorth oder Wandelſtatt da wir hintrachten vnd ewig bleiben ſollen / die iſt nun kein idea platonica oder Utopia Thomæ Mori, kein eingebildeter Lufftbaw / ſondern es iſt die Statt Gottes dro - ben im Himmel / ſo koͤſtlich vnd herꝛlich privilegirt vnd befreyet / als ein Statt in der Welt iemahl geweſt. Der Perſianer πολιτευμα vnd Burg -Eſter. 2, 18. recht war befreyet von Schatzung vnd Frondienſt: die beruͤmbte Statt Athen in Griechenland hatte nach Solonis Verfaſſung / das Privile - gium σεισα χθείας, das war ein ſolche Freyheit / daß kein Burger ſei - nem creditoren vnd Schudglaubigen bezahlen muſte / er kunte ſich deſ - ſelben Laſtes leichtlich entledigen: der Roͤmer Herꝛligkeit beſteht in drey Stuͤcken / ἐν χώϱα, νόμῳ, τιμῄ in der Befreyung der Feldguͤter von Auff - lagẽ / deß Leibs von allen knechtiſchen Straffen der Geißlung vnd Creutz - todt / geſtalt dann S. Paulus auff ſolche Freyheit zum zweiten mahl ſichAct. 16, 37. c. 22, 26. beruffen; ſo dann in der Wuͤrde einen Roͤmiſchen Ehrenrock zu tragen. Straßburg hat auch ſeine Freyheiten damit ſie von Roͤmiſchen Kayſern vnnd Koͤnigen begabet / ſo iaͤrlich auff den Zuͤnfften abgeleſen werden. Alle dieſe erſterwehnte πολιτευματα vnd Burgrechte flieſſen allhie zuſam -men32Die Drittemen im hoͤchſten Grad. Dann ein Chriſt hat nach dieſem Leben zuhof - fen ein ſolche liebliche Heimath / da er frey von allem Angarien / Fron / Zwang vnd Fluch deß Geſetzes; von allen creditoriis oneribus, oder Schuldforderung / der Stecken deß Treibers hat da ein Ende: das himmliſche Canaan vnd darinnen ſeyn beſcheydenes Loß vnnd Erbfall wartet auff ihn; kein Qual kan ihn ruͤhren / das edle Ehrenkleid eines verklaͤrten Leibs wird ihm werden. Summa himmliſch Weſen / Frewd / Fried / Glori vnd Seeligkeit / das iſt ihm zugeſagt / allein das er ein rech - ter Jacobsbruder ſey. S. Paulus macht in angezogener Stell ein ſtar - cke oppoſition vnd gegenſatz zwiſchen den Creutzfeinden oder Bauch - dienern / vnnd denen die nach ſeinem Fuͤrbild / vnnd dem Fuͤrbild aller Rechtheiligen wandeln / dann viel wandeln / ſagt er / von denen ich euch offt geſagt hab / nun aber ſage ich mit weinen / die Fein - de deß Creutzes Chriſti / welcher Ende iſt das Verdamnuß / welcher der Bauch ihr Gott iſt / vñ ihre Ehrezuſchanden wird / derer / die irꝛdiſch geſinnet ſind. Jn welchẽ Worten er zwar fuͤrnem - lich meinet im Predigampt / die falſchen Apoſtel vñ ihrs gleichen Theolo - gos lucis, politiſche Syncretiſten / die irdiſch geſinnet ſeynd / trachten mehr nach der Schaͤfflein Wolle als Seelen / ſind faule Hund / moͤgen nicht gern dicke Pretlein boren / ſchmauſen / ſauſen / gautzen / geitzen / das iſt ihr Kunſt / an ſtatt der dreyen Mitteln / darinn ſich ein rechtſchaffener The - ologus vnd Lehrer uͤben ſoll / oratio, meditatio, tentatio, beliebt ihm po - ſtillatio, poculatio, adulatio: thun ſie gleich etwas / ſo iſt doch nur auff die Schaw / auff den Glantz / auff den Marck angeſehen / iſt kein rechter Eyfer / Fleiß / Safft vnd Krafft dabey / ja ſie doͤrffen noch anderer ſpot - ten / die es ihnen laſſen ein mehreren Ernſt ſeyn: aber neben dem meinet der Apoſtel alle Creutzfeind die kein Creutz haben / keines annemmen noch auffkommen laſſen / alle zarte Heiligen / die nur nach dem irꝛdi - ſchen trachten. Solche Leuth gehet dieſes himmliſche Burgrecht nicht an / ſondern es iſt beſchert den Simonibus, die Chriſto das Creutz nach - tragen; den Theophilis Uraniis, den himmliſchen Gottliebenden Ja - cobsbruͤdern. Wie die Studenten in ihre Stambuͤcher / huͤpſche Sinn vnd Lehrreiche Symbola einſchreiben (von garſtigen Voͤglen vnd Vnflaͤtern / die ſolche Buͤcher mit Zotten vnnd Boſſen / damit ſie ohne Folter ihr eigen Hertz entdecken vnnd verꝛathen / iſt nicht zu reden / den Vogel kennet man an den Federn /) alſo ſoll auch eines jeden rechten Himmelsbilgram ſein Symbolum vnd Wahrzeichen ſeyn / dieſes / wanner33Predigt. er gefragt wird / wo hinauß / wo geht die Reyß hin? ου᾽ϱανοπολίτης, ich bin ein Himelsburger / ein Printz von Vranien / mein Wandel iſt uͤber deß Ja - cobs leyter im Him̃el / da will ich ruhen. Vox com̃unis, ſed paucioris effe - ctus! die Wort ſeind gut / es iſt bald geſagt / aber wie offt wie bey vielen im Werck ſelbs widerlegt? welch ein ſeltzam Wildprett ein rechter Himmels - burger? wie viel terræ filii? wie viel Weltkinder? deren Sinn vnnd Ge - dancken nur nach Welt vnd Gelt / nach Ehr vnd Wolluſt ſtehen? wie vil Loths Weiber / die nach der ſchnoͤden Welt-Sodom zu ruck ſehen? Wie ſolte vns Jacobs Exempel ein Auffmunterung ſeyn andere Gedancken zu faſſen. Es iſt einẽ ſonſt nichts uͤber ſein Vatterland. Tanta patriæ vis eſt, ſagt Cicero, ut Ithacam illam in aſperrimis ſcopulis tanquam nidulumCic. l. 1. de orat. affixam ſapientiſſimus vir immortalitati prætulerit. Ulyſſes der Kluge Mann ſaß bey der Æacer Fewr dabey ſie geſotten vnd gebraten / aber dasτῆς πάτϱι - δ ος καϖνὸς λαμϖϱοτε - ϱος τού καρ̕ ἀλλου πυρὸς. Horat O - dyſſ. 9 O vid. l. 1. de pont. eleg. 4. Auguſt. ſerm. 68. de Temp. l. 9. de Civ. Dei c. 16. l. 5. de C. D. c. 18. mundet ihm nit / er wuͤnſchet nur ein Rauch von ſeiner Heimats Kuͤchen zuſehen. Aber ade irꝛdiſches Vatterland / deiner wird man bald uͤberdruͤſ - ſig / bevorab wann nach dẽ Wort Chriſti kein Prophet in ſeinem Vatter - land nichts gelten will: was wollen wir ſagen vom gemeinẽ burgerlichen Weſen / da faſt kein Trew noch redligkeit / wer reit der reit / wer leit der leit: einem ſcheint die Sonne im̃erdar ins Hauß / dem andern wird das Liecht verbawen / daß er immer im Finſtern ſitzen muß: Wer die heutige Politic nit ſtudiret / wer die welſche Practic nit kan / der iſt außgethan. Darumb τὰ ἀνώτεϱα καλλίω? das Vatterland droben im Himmel iſt tauſendmal beſſer: laßt vns nur die him̃liſche Politic wol ſtudieren / dem lieben Jacob in ſeinem engen Weg nach gehen / mit ihm leyden / ſich trucken / ſchmu - cken / auff daß wir auch mit ihm den ſeeligen Zweck vnſerer Wander - ſchafft erꝛeichen. Qui non gemit peregrinus, non gaudebit civis, ſchrei - bet Auguſtinus, wer nicht mit S. Jacob hie ſeufftzet / der wird auch nicht mit ihm dort jauchtzen. Laſſet vns dem Koͤniglichen Propheten David von Hertzen nachbetten vnd ſagen / nach dir HErꝛ verlanget mich /Pſ. 25, 1. in ſeiner Sprach heiſſet es〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 zu dir will ich mein Seelerheben. Wo ich mich herab in die Welt wende / da find ich nichts als Eitelkeit / Vntrewe / Vngerechtigkeit / Lugen / Pracht / Geitz / Wolluſt: nun iſt aber mein Seel zu hohen himmliſchen Goͤttli - chen Dingen erſchaffen / erloͤſet vnd geheiliget / frey zu ſeyn von Welt - Koth vnd Welt Vnflat / die Welt verſchmaͤhen vnd uͤberwinden / der - ſelben abzuſterben / auff daß mein Gebett als ein Rauchopffer ohne Ver - miſchung irꝛdiſcher Vnreinigkeit hinauff ſteigen vnd durch die Wolcken tringen moͤcht / das wer mein Wunſch / das waͤr mein Frewd / es gehtEmir34Die Vierdtemir aber leider wie einem jungen zarten Rebreißlin / ſo an einem Reb - ſtock angebunden / das kan nicht empor / es wird mit Gewalt zur Erden gekruͤm̃et / laßt mans loß / ſo ſchwinget ſichs alsbald in die hoͤhe: alſo tru - cket mich das beywohnend Suͤndenband hienab zur Erden. Ach wie gern were ich deſſelben quit vnd loß? Darum̃ o HErꝛ nach dir verlanget mich / mein Hertz / Sinn vnd Begierd ſtehen zu dem der Jacob uͤber der Leyter erſchinen / wann werde ich dahin kommen / daß ich ſein Antlitz ſehe? hie lig ich auff dem harten Creutzſtein ohne Ruh! ich ſehne mich nach dir Gott vnd nach deinem Schoß / der ewigen Ruhe! Laſſet vns in allem Creutz / Truͤbſal vnnd Widerwertigkeit hinauff ſehen gen Himmel / ja mitten vnter den Creutzſteinen vnd in der letzten Todtes noth mit S. Stephano gen Himmel ſehen vnd ſagen / Welt gut Nacht / ich ſehe den Him̃el offen. Den beſcher vns allen Chriſtus Jeſus der ihn vns erworben / Amen!

Die Vierdte Predigt.

Von der Goͤttichen Rede vnd Verheiſſung deß geſegneten Samens.

GEliebte in Chriſto. Gantz hold ſeelig vnnd ſchoͤn vergleichtMatth. 13, 45, 46. vnſer Heyland das Reich Chriſti einem Perlin / da er ſagt: Das Himmelreich iſt gleich einem Kauffmann / der gute Perlin ſuchte / vnd da er ein koͤſtlich Perlein fand / gieng er hin / vnd verkauffte alles was er hatte / vnd kauffte daſſelbe: verſtehet durch das Perlein ſich ſelbs / dem er ſich vergleicht. I. In ori -Plin. l. 9. c. 35. gine, in dem Vrſprung: das Perlin wird gebohren in der Meer - ſchneck / die ein Jungfraw / vnd von keinem Zuſammengang / oder von keiner Vermiſchung weiß / auß dem Thaw deß Himmels. Alſo iſt Chri - ſtus ein Menſch gebohren auß der Mutter / die ein reine Jungfraw / vom Him̃liſchen Taw deß H. Geiſtes befeuchtet geweſen. Vnd wie ſolches in der fuͤlle der Zeit / an ſeiner Perſon leiblicher weiſe beſchehen / alſo werden Chriſto noch heut zu Tag geiſtlicher weiſe in der Chriſtlichen Kirch / durch das gepredigte Wort / durch den him̃liſchen Thaw deß H. Geiſtes KinderPſ. 110, 3. gezeuget. Deine Kinder werdẽ dir gebohren / wie der Thaw außder35Predigt. der Morgenroͤthe / ſpricht David. II. In virtute, in der Krafft / Alle Wuͤrde eines Perleins beſtehet in der weiſſe / groͤſſe / ruͤnde / glaͤtte / ſchwere vnd heylwerten Nutz in der Artzney: Gleicher maſſen iſt Chriſtus weiß in der Vnſchuld vnd Heiligkeit / er iſt rund / weil er gantz Vollkom -Pſ. 45, 3. mẽ / glat vnd ſchoͤn / als der ſchoͤnſte vnter den Menſchenkindern / deſſenſchwere vnermaͤßlich / ſintemal ein einiges Troͤpfflein ſeines vergoſ - ſenen Bluts / genugſam were dem vnendlichen Zorn deß Himmliſchen Vatters zu ſtillen / wo er nit auß uͤberflieſſender Lieb all ſein Blut zumahl vergieſſen wollen: Sonderlich gehoͤrt hieher die bewerte Artzneykrafft / zur hochtroͤſtlichen Hertzſterckung wider alle Anfechtungen / vnnd Be - kraͤfftigung deß geiſtlichen Lebens / ſo ein glaubiger Chriſt auß Chriſti Ampt vnd Verdienſt ſchoͤpffen mag. III. In precio, in dem Werth /Matthiol. in Dioſc. l. 2, c. 4. ſo da entſtehet / nicht nur auß der Krafft / ſondern auch auß der raritaͤt vnd Seltzamkeit; die Perlin finden ſich entweders allein vnd eintzig / oder doch werden nie zwey ohnvnterſchieden gefunden / deßwegen ſie U - niones von der Einſamkeit genennet worden / wie Plinius bezeuget. Cleo -Plin. l. 9, 35. patra die Koͤnigin in Egypten ein hochmuͤtiges vnd freches Weib hatte zwey Perlin / ſo von den Orientaliſchen Koͤnigen auff ſie geerbet wor - den: dieſe waren ſehr koͤſtlich / derhalben wettet ſie einsmahls mit ihrem Buhlen dem Antonio, ſie wolte zu einem Nachteſſen centies H. S. das iſt ohngefehr 1200000. Philipsthaler / (ſo hoch wurden die zwey Perlin ge - ſchaͤtzet /) verzehren. Da nun Antonius deß Verſprechens Vollziehung begehrete / zoge ſie das eine Perlin vom Ohr herab / daran es hieng / warff es in ein Gefaͤß mit ſcharffem Eſſig angefuͤllet / vnd nach dem es vergan - gen / verſchluckt ſie es; hette auch das andere Perlin gleichermaſſen ver - ſchlucket / wann es nicht L. Plancus, ſo uͤber dieſe Wettung zum Richtervid. Plin. Ioc. eitat. geſetzt / verhindert hette / vnd ihr in die Haͤnde gefallen were. Was iſt koͤſtlicher als Chriſtus / im Himmel vnd auff Erden / der ſeines gleichen nit hat noch ſihet vnter allen Creaturen? er iſt das hoͤchſte Gut / der edelſte Schatz / wiewol er von den Juden gering geachtet / vnd nur vmb 30. Sil - berling verkaufft / von Pilato gar als nichts werth geachtet / vnd weg ge - ſchẽcket worden / er iſt der rechte Werth vnd Kauffſchilling / dadurch vns das Himelreich erkaufft worden: das rechte einige Perlin / das rechte ei -Luc. 10, 24. nige noͤthige ſo vns in dem H. Evangelio angebotten / vnd in den hoch - wuͤrdigen Sacramenten dargereichet wird. IV. In ornamento, in dem Zierat / es ſind auſſer zweiffel die Perlin ein ſchoͤne Zierd der Kraͤntz vnd der Kleyder / damit ſie geſticket werden / in welchen die Menſchen da -E ijher36Die Vierdteher prangen vnd ſtoltzieren. Geſtalt dann die Zierde Lolliæ Paulinævid. Plin. Caii deß Kaiſers Gemahls in Smaragden vnd Perlin geſtanden / ſie war damit am Haupt / Haren / Ohren / Halß / Haͤnden vnnd Fingern / behengt / es funckelte vnd war alles mit Perlin geſtickt / alſo daß ihr klei - dung geſchaͤtzet wurde nach vnſerm Werth auff 800000. Philippstha -Gal. 3, 27. ler. Gleicher Geſtalt ziehen wir / ſo viel vnſer getaufft worden / Chriſtum das allerkoͤſtlichſte Kleyd an / dieſer iſt die reineſte Seiden / vnd der See - len ſchoͤnſte vnd edelſte Schmuck. Welches geiſtliche Perlin dann auch der Zehrpfenning oder die Wegſtewrung geweſt / welche der HErr demGen. 28, 14. lieben Jacob in der Goͤttlichen Antwort / verſprochen vnd geſagt: durch dich vnd deinen Samen ſollen alle Geſchlecht auff Erden ge - ſegnet werden. Wer oben auff der Leyter geſtanden / haben wir gehoͤ -Gen. 18, 1. ret / nemblich der HErꝛ / der ſich auß ſeiner Him̃liſchen Wohnung her - auß begeben / vnd auff den Weg geſtellt / gleichſam als Abraham da er ſaß an der Thuͤr ſeiner Huͤtten / die frembden Gaͤſte zu empfangen. Nun ſtehet er nicht ſtumm; ſondern er redet vnd verſpricht zum Zehrpfenning diſes Perlin. Gleich wie ein Kind in ein zartes Tuch oder Windlen gewi - ckelt / vnd ein Edelgeſtein ins Gold verſetzet wird: Alſo wird in die Ver - heiſſung zeitlicher Wolfahrt dieſer koͤſtliche Seelenſchatz eingeſchloſſenad cap. 28. Gen. p. 82. ſicut puer panniculis involvitur gemma auro inſe - ritur, aut theſaurus precioſus vaſe teſta - ceo con - tinetur: ita promiſ - ſio de Chri - ſto in pro - miſſione temporali. vnd eingefaſſet / wie Lutherus redet. Das iſt mit einem Wort anders nichts / als das Evangelium / eine froͤliche Bottſchafft von dem Meſſia / dem gebenedeyten Weibsſamen / vnd alſo dem Fundament vnd Grund vnſers Glaubens: davon fuͤr dißmal mit mehrerm ſoll gehandelt vnd ge - redet werden / darzu der Vatter aller Gnaden / durch ſeinen geliebten Sohn / vns von oben herab / die Krafft ſeines H. Geiſtes verleihen wol - le / Amen.

SO ſagt nun der HErꝛ: durch dich / verſtehe Ε̕ξηγητικῶς, Er - klaͤrungs weiſe / das iſt / durch deinen Samen ſollen alle Geſchlecht auff Erden geſegnet werden. Jn dieſem E - vangelio ſind zween Vmbſtaͤnd begiffen: I. Seminis deſignatio, die be - nennung deß Samens. II. Deſignati fructus, die Frucht deß benenneten Samens. Was den erſten Vmbſtand belanget / die benennung deß Samens / nemblich deß Samens Jacobs / davon der HErr ſagt / durch dich vnd deinen Samen ſollen alle Ge - ſchlecht auff Erden geſegnet werden: So wird durch denſelben ei -gentlich37Predigt. gentlich gemeint vñ verſtanden: 1. proles benedicta ein ſegenreiches Kind / wie dann ſolche Art zu reden vnd Veraͤnderung deß Namens in der Schrifft gebraͤuchlich vnd bekandt / da zwar die Vrſach (der Samen) genennet / vnd doch das jenige (Kind) ſo darauß gezeuget wird / gemei - net wird. 2. Proles ſingularis, ein abſonderes Wunderkind / der -Gen. 48, 20. gleichen keines geweſen vnter den zwoͤlff Soͤhnen Jacobs: Joſephs Se - gen / war ein groſſer vnnd reicher Segen / aber er erſtreckt ſich nur uͤber ſeine Bruͤder / welche ſeiner in der Thewrung genoſſen / oder doch nit wei - ter als uͤber das Koͤnigreich Egypten; aber der Meſſiasſegen / davon all - hie geredt wird / gehet uͤber alle Voͤlcker vñ Geſchlecht / der Erden. 3. Proles humana & divina, Ein ſolches Kind / das zugleich Gott vnnd Menſch iſt: ein Menſch / weil es ein Samen / vnnd doch auch Gott / weil es die Quell alles Segens / in dem aller Segen verborgen / vnd auß welchem ſich aller Segen ergieſſen wird / auß den Vaͤttern kommet Chriſtus nach dem Fleiſch / welcher iſt Gott uͤber alles gelobet in E -Rom. 9, 5. wigkeit / wie S. Paulus redet. 4. Proles unica, ein einiges Kind /Gal. 3, 16. weil der HErꝛ nicht ſpricht durch die Samen / als durch viels / ſondern als durch einen / durch deinen Samen. 5. Proles Meſ - ſiana, das alleredelſte Meſſiaskind / der Silo, der dapf - fere vnd gluͤckſeelige Held / der durch Wort vnnd Geiſt friſch durch - tringen wird / da es zuvor durch Werck ſawr vnd vnſeelige Ding ward / wie der thewre Lutherus uͤber Jacobs prophetiſches Schwanengeſang gloſſirt / er der ſein Kleyd / das iſt ſeine allerheiligſte Menſchheit / ja ſeinen geiſtlichen Leibe / ſein Gemein / mit Weinbeerblut / ſo von ihm dem edlen Rebſtock gefloſſen / nemblich mit ſeinem roſinfarben ranzion - blut waſchen vnd begieſſen: dem alle Voͤlcker anhangen werden. Der ienige Heyland / auf deſſen Heyl Jacob auff ſeinem Siech vñ Todten - bett gewartet / auff welchen er auch ſeelig eingeſchlaffen: der helle Jacobs - ſtern / ein Herzog mit dem Scepter in Jſrael / deſſen ſich nicht nur die coœtanei, das iſt / die ienigen ſo zu ſeiner Zeit leben werden / zu erfrewen: ſondern auch das Jſrael Gottes alle rechte Jſraeliten vor vnd nach ſei - ner Ankunfft / deſſen ſich die Moabiter vnd andere Heyden / wann ſie ihn nur nicht freventlich von ſich ſtoſſen / wuͤrden zu getroͤſten haben. Der Weibesſamen / ſo vnſerer erſten Mutter Hevæ verheiſſen worden / wel -Gen. 3, 15. cher der Schlangen den Kopff zutretten ſolte. Der Mann / der HErꝛ / deſſen vnſere erſte Mutter ſich getroͤſtet / aber an der Perſon gefehlt / derE iijrechte38Die Vierdterechte Himmliſche Noah / das iſt / Ruhe vnnd Troſt / welcher Nam dem Sohn Lamechs gegeben ward / auß Hoffnung / erc. 5, 29. wuͤrde die Menſchen troͤſten in der Muͤhe vnnd Arbeit auff Erden / die der HERR verflucht hatt: aber das war nur ein Typus vnd Fuͤrbild auff den holdſeeligſten Heydentroͤſter vnnd Meſſiam: Jnc. 12, 3. c. 22, 18. welchem ſolten geſegnet werden alle Geſchlecht auff Erden / wie ſolche Verheiſſung Abrahæ geſchehen: alle Voͤlcker / wie abermahl der En -c. 26, 4. gel deß HErꝛn dem Abraham zuruffet / welche Verheiſſung dem lieben Jſaac von Gott widerholet worden. Deſſen Name auff die Nachkom -Pſ. 53, v. ult. men reichen ſolte / daß ſie durch denſelben geſegnet wuͤrden / deſſen ſich David vielfaltig troͤſtet: Die Huͤlffe auß Zion uͤber Jſrael / dar - nach er (Koͤnig David) ſich ſo hertzlich geſoͤhnet vnd gewuͤnſchet daß ſie einmal kaͤme / vnd der HErꝛ ſein gefangen Volck erloͤſete / daßMatth. 21, 9. Luc. 1, 54. Act. 3, 26. Jacob froͤlich werde / vnd Jſrael ſich frewete. Welchen das Voͤlcklein ſo vorgieng vnd nachfolget / mit dem frewd - vnd glaubreichen Hoſianna angeſchrien: Von dem Maria in ihrem Magnificat geſun - gen; von welchem Petrus redet / daß er zuvorderſt zu den Juden vonGal. 3, 16. Gott geſandt / ſie zu ſegnen / nemblich das Kind Jeſus / von welchem Paulus in obangezogenem Ort redet / daß die Verheiſſung Abrahæ ge - ſchehen / nit durch die Samen / als durch viel / ſondern als durch einem /Heb. 2, 16. durch deinen Samen / welcher iſt Chriſtus. Welcher nirgend die Engel / Sondern den Samen Abrahæ an ſich genommen / wie aber - mal der hocherleuchte Paulus redet. Hie ſchreibet D. Luther in der Randgloß / wird dem dritten Patriarchen Chriſtus verheiſſen / der Hey - land aller Welt / vnnd das kuͤnfftig Evangelium von Chriſto in allen Landen zu predigen / durch die Engel auff der Leyter fuͤrgebildet.

Folget nun II. Deſignati ſeminis, ſive theſauri fructus, die Frucht deß benenneten Samens: Welche da iſt Benedictio, der Segen / vnnd zwar I. Benedictio obedientiæ imputativa, der zugerechnete Segen deß Gehorſams Chriſti. Gleichwie die Juden zu ſchul -Levit. 23, 10, 14, 17. diger Danckbarkeit jaͤrlich dem Herꝛn gebracht die Erſtlinge ihrer Gar - ben vnd Brodt / daß ſie gewebet wuͤrden fuͤr dem HErꝛn / auff daß alſo die gantze Ernde heilig / vnd der verfluchte Erdboden geſegnet were / wie1. Cor. 15, 20. der Apoſtel ſpricht: iſt der Anbruch heilig / ſo iſt auch der Taig heilig; damit ſie nicht wie die Gottloſen / ſondern mit Danckſagung ihr Brodt empfiengen vnd zu ſich nehmen: Alſo ſollen wir geſegnet ſeyn vnd heilig fuͤr Gott / ſo muß der Erſtling Chriſtus / vnter das Geſetz ge -than /39Predigt. than / ſich ſeinem Vatter auffopffern / in Gehorſam ſeines Willens / auffGal. 4, 4. Phil. 2, 8. daß alſo durch ihn das gantze gefallene Menſchliche Geſchlecht geſegnet / vnd vns Chriſti vollkom̃ener Gehorſam zugerechnet wuͤrde. II. Benedi - ctio maledictionis averſiva, die Abwendung Fluchs vnd Ver - maledeyung / ſo die Suͤnd nach ſich gezogen. Solte das Juͤdiſche Volck den Segen Gottes wuͤrcklich empfangen / vnd genieſſen / der uͤber ſie in ihren Zuſamenkunfften geſprochen worden: Der HErꝛ ſegneNum. 6, 24 25. 26. vnd behuͤte dich: der HErꝛ laſſe ſein Angeſicht leuchten ůber dir vnd ſey dir gnaͤdig: der HErꝛ erhebe ſein Angeſicht uͤber dich / vnd gebe dir Friede. So muſte ein Verſoͤhnopffer / ein Fluch - opffer vorgehen / ſonderlich auff das hohe Verſoͤhnungsfeſt / da der verſoͤh -Lev. 18, 25. nungsbock / welcher nachdem alle Miſſethat / Suͤnde vnd Vbertrettung deß Volcks / der Kinder Jſrael durch den Hohenprieſter auff ihn beken -c. 16, 21. net / vnd auff ſein Haupt gelegt worden / in die Wuͤſten zu lauffen gelaſ - ſen ward: Alſo ſagt S. Paulus / hat vns Chriſtus erloͤſet / vonGal. 3, 13, 14 dem Fluch deß Geſetzes / da er war ein Fluch fuͤr vns / (dannDeuter. 21, 23. es ſtehet geſchrieben: Verflucht iſt iederman der am Holtz hanget /) auff daß der Segen Abrahæ vnter die Heyden kaͤme / in Chriſto Jeſu / vnd wir alſo den verheiſſenen Geiſt empfien - gen durch den Glauben. Ja / Chriſtus muſte fuͤr vns ein κάθαϱμα,1. Cor. 4, 13. ein Außkehricht / ein Fluch der Welt / vnnd πεϱίψημα, ein Fegopffer werden. III. Benedictio gratiflua der Segen aller Gnaden gaben. Segen heiſſet in Goͤttlicher Schrifft ſo viel als verehren vnnd begaben / wie Jacob zu Eſau ſpricht: nimb doch den Segen von mir an /Gen. 33, 11. den ich dir zugebracht habe. Vnd Abigail zu David / hie iſt der Segen / (nemblich zweyhundert Brodt / zwey Laͤgel Weins / fuͤnff ge - kochte Schaffe / fuͤnff Scheffel Meel / hundert ſtuͤck Roſin / vnd zweyhun -1. Sam. 25, 18, 27. dert ſtuck Feygen /) den deine Magd meinem Herꝛn hergebracht hat. Alſo iſt Chriſtus der Vrſprung vnd Brunnquell alles Segens / nicht allein deß zeitlichen / deſſen auch Jacob reichlich genoſſen; da imEpheſ. 1, 3. gegentheil die Gottloſen auch wol reich werden / aber es iſt kein Gnaden - ſegen / es bekompt ihnen wie dem Hund das Graß / er beſteht auff keinem guten Grund: ſondern auch fuͤrnemblich deß geiſtlichen Segens / derGal. 3, 14. Gnadengaben deß H. Geiſtes / die Macht vnnd das Recht der Kind - ſchafft Gottes / das Erbtheil der Heiligen im Liecht: Sonderlich deß1. Pet. 1, 4.Himmli -40Die VierdteMatth. 25, 34.Him̃liſchen Segens / der geſegneten deß Vatters / die das Reich ererben ſollen in jenem ewigen Leben / deß vnvergaͤnglichen / vnbefleckten / vnverwelcklichen Erb / das behalten wird im Himmel. IV. Benedi - ctio multiplicativa, der vermehrende Segen / vnd deſſen Außbrei -Gen. 1, 11, 23. tung. Moſes da er die erſte Weltſchoͤpffung beſchreibt / gedencket er auch deß Goͤttlichen Segens / da er ſpricht: Gott der HErr habe die beyde erſterſchaffene Menſchen geſegnet: wie dann? ſeyd fruchtbar vnnd mehret euch vnd fuͤllet die Erde; Welche Wort nicht nur Befehls ſondern auch Verheiſſungsweiß zu verſtehen: was GOTT ordnet dem henget er auch ſeine Verheiſſung an: wo nun Segen iſt / da iſt auch Ver - mehrung. Jſt demnach der Meſſias ein Segenreicher Brunn / ſo fol - get daß ſich ſein Segen vermehren werde / vnd außſtrecken weit vnd breit. Jn Chriſto ſollen alle Voͤlcker geiſtlicher weiſe fruchtbar werden / ſich vermehren / dem Schlangenſamen vnd deß Teuffels Reich abſagen / vnd im gegentheil zur Außbreitung deß Reichs Chriſti mit aller Macht co - operiren vnnd mitwircken; die alte Schlang wird ſich zwar wider dieſen geiſtlichen Segen die laͤnge vnd die quert legen / ſie wird den Segenfluß vnterſtehen zuſtopffen: ſie wird grauſam graſſiren / wuͤten vnd toben: aber getroſt / du ſolt außgebereitet werden gegen dem Abend / Mor - gen / Mitternacht vnnd Mittag / in alle vier Ort der Welt. Die maceria, die Wand zwiſchen Juden vnd Heyden wird zerꝛiſſen vnd auffgebrochen werden. Wird gleich das Morgenland nicht Farbe hal - ten / ſo will ich mit meinem Segen gegen Mittag wandern: wird auch Mittag denſelben verſchleudern / ſo werde ich den Segen wenden gegen Abend / wird der Abend dem Evangelio nicht wuͤrdiglich nachgeleben / ſo werde ich außbrechen gegen Mitternacht: der Schlangen will ich weh -ad Gen. 22, 81. ren / ich will Pariz ein Pariz, das iſt / dem Reiſſer ein Reiſſer ſeyn. Wie Lu - therus feine Gedancken hiervon fůhret. V. Benedictio Catholica, der allgemeine Segen: Jſaacs Segen den er ſeinem Sohn Jacob er - theilet / ward Particular / Jacob nimt ihn gar hinweg / Eſau bekompt nichts davon: aber diſer Meſſias ſegen begreifft nit allein in ſich alle Voͤl - cker / ſondern auch alle Geſchlecht vnd einen jeden inſonderheit: Favores ſunt am pliandi: latius extẽdenda verba pacis quàm belli. Was holdſelig vnd lieblich iſt / das ſoll man nicht in die Enge ſpannen / ſondern ſo weit als man mag / vnd als die H. Schrifft nicht verbietet / außthaͤnen: Alſo auch die Goͤttlichen Gnadenverheiſſungen ſoll niemand ſchmaͤhlern / vnd demnach den verheiſſenen Jacobsſegen allen Menſchen goͤnnen / al - le Menſchen damit troͤſten / allem Fluch vnd Suͤndenſtraffen entgegenſetzen /41Predigt. ſetzen / S. Paulus nennet die Gnade Gottes nicht vergebens ὑπεϱεκπε - ϱισσεύουσαν χάϱιν ein uͤberflieſſende uͤberſchwengliche Gnade: vnd der liebe David ſpricht: deine Guͤte / O HErꝛ / iſt ſo weit der Himmel iſt /Pſ. 57, 11. vnd deine Warheit ſo weit die Wolcken gehen.

(b) B. Luth. pag. 85. ad h. l. utitur Moſes voce〈…〉〈…〉 ſicut cum de Perez filio Iuda dicitur Gen. 38. quare parazta, rupta eſt, propter te maceria? mirabilis ſignificatio eſt huius verbi, di - videris, erumpes, graſſaberis in omnes quatuor partes orbis terrarum. Hoc jam aliud eſt & plenius quam quod ſupra dixi, dabo tibi hanc terram. Neq; tu ſolus graſſaberis, ſed tu & ſemen tuum graſſabimini, & irrumpetis vel erumpetis ex iſto angulo in omnes quatuor partes terræ. Et mox: Cogitabit Diabolus, ego devorabo eos in ictu oculi, ſed ſine modo, rapiat, laceret, perſequatur, reſiſtat, impediat (dicit Dominus, & viciſſim opponit verbum graſſandi) ego contra graſſabor, Ero Pariz contra Pariz. ()

D iſt πιϛ ὸς λόγος ein thewres / werthes vnd glaub wuͤrdiges E - vangelium / welches Gott von Himmel herab geprediget / auff der Leyter als einer Cantzel: Gott der HErꝛ / der maͤchtig redet / vnnd ruffet der Welt von Auffgang der Sonnen / biß zum Nidergang / ſpricht David: Der allerhoͤchſte vnnd herꝛlich -Pſ. 50, 1. ſte Himmels Koͤnig redet mit dem allergeringſten vnnd verachteſten Er - denkloß / dem armen gefallenen vnd verfluchten Menſchen in aller Welt / vnd bietet ihm ſeinen geiſtlichen Himmelsſegen vnd Him̃elsſamen an / er redet durch ſein weſendliches Wort / durch ſeinen lieben Sohn / deß Vatter / ſelbſtaͤndig Wort: er redet noch heut offentlich in der Kirch / in vnſere Hertzen hienein. Auß Zion bricht an der ſchoͤne GlantzIbid. v. 2. Gottes: von Jacob gehet der Segen auß / der Evangeliſche Gnaden - ſegen / der Troſt der holdſeeligen Menſchwerdung Jeſu Chriſti / vnd da - her entſpringenden Gnadenreichen Verſoͤhnung vnnd Vergebung der Suͤnden / der Gerechtigkeit / des Glaubens / der glorwuͤrdigen Kindſchafft Gottes / der Verſicherung deß ewigen Erbes. Hoͤret zu alle Voͤlcker / mercket auff alle die in dieſer Zeit lebet / ſagt abermahl David. Pſ. 49, 1.Was fuͤr etlich 1000. Jahren als ein lebendiges Wort auß Gottes Mund gangen / vnnd in Jacobs Ohrn erſchollen / das iſt ſo new / kraͤfftig / ſo voll Geiſtes / als wanns heut allererſt were geredt worden / vnd demnach wol werth daß mans ins Hertz / Gemuͤth vnnd Geiſt faſſe / an - nemme / wol beylege: hinweg fleiſchliche Gedancken / Sinn vnnd Affe - cten / ſie reimen ſich hie gar nicht. Vnd diß iſt der älteſte Glaub / den Adam vnd Eva geglaubet / daß nemblich ein einiger gebenedeyter Sa -Fmen42Die Vierdtemen / Gott vnd Menſch ſey / ſo den Segen gebracht / vnd den Fluch ab - gewendet / in den geſchlachteten Opffern deß alten Teſtaments fuͤrge -Apoc. 13, 8. Heb. 9, 22. Gen. 3, 20, 21. bildet / als das Lamb / das erwuͤrget iſt von Anfang der Welt / ſintemahl ohne Blutvergieſſung keine Vergebung geſchicht; Da der HErꝛ vnſern erſten Eltern Roͤcke von Opfferfellen gemacht vnd angezogen / haben ſie ihnen dabey fuͤrbilden koͤnnen / das Kleyd der Vn - ſchuld / der zugerechneten Gerechtigkeit deß kuͤnfftigen Meſſiæ vnnd Schlangentretters. Eva heißt eine Mutter der Lebendigen / warumb? dieweil von ihr der Hertzog deß Lebens entſpringen ſolte / damit pflegte ſie ſich zu troͤſten / wider die Bedrewung deß Todtes. Vnd was Adam von dieſem Segen geglaubet / das hat er auff ſeine Nachkommende ge - zogen / niemand fuͤr bloß-außgeſchloſſen gehalten: Dann was muͤſte es ihm fuͤr ein vnertraͤglich Hertzenleyd ſeyn geweßt / wañ er ſolte gewuͤſt ha - ben / daß ſeine Kinder / durch bloſſen Rathſchluß / wie die Teuffel / von al - lem Gnaden - vnd Heylſegen verſtoſſen vnd verflucht ſeyn muͤſten. AlſoAct. 15, 11. glauben wir alleſampt / durch die Gnade vnſers HErꝛn Jeſu Chriſti ſelig zu werden / gleicher weiſe wie auch vnſere Vaͤtter ſeelig worden ſind. Dieſer Glaub iſt ferner der Grund vnſerer1. Cor. 3, 13. Seeligkeit / dann / einen andern Grund kan niemand legen / auſſer dem der gelegt iſt / welcher iſt Jeſus Chriſt; vnd wer da fehlet / der fehlet der Seeligkeit. Es ruͤhmen ſich zwar dieſes Fun - daments deß HErꝛn Chriſti alle alſo genante Chriſtliche Religionen: a - ber die meiſten fehlen am rechten Concept vnd Verſtand dieſes Grun -Auguſt. in Enchir. ad Laurent. c. 4. des: Neque hoc ideò negandum eſt, eſſe fundamentum fidei Catholi - , quia putari poteſt, aliquibus hæreticis hoc nobiſcum eſſe commu - ne; ſi enim diligenter, quæ ad Chriſtum pertinent, cogitentur, nomi - netenus invenitur Chriſtus, apud quoslibet hæreticos, qui ſe Chriſtia - nos vocari volunt, reverâ ipſa non eſt apud eos, ſagt Auguſtinus: das iſt / deßwegen ſoll man nicht verneinen / daß dieſes der Grund deß allge - meinen rechten Glaubens ſey / weil dafuͤr kan gehalten werden / daß et - liche Ketzer vnd Seetirer ſolchen (Grund) mit vns gemein haben. Dann wann dem ienigen / ſo zu Chriſto gehoͤret / ſteiſſig nachgedacht wird / ſo ſindet ſich Chriſtus / was den Namen betrifft / bey allen vnnd jeden Ke - tzern / die da wollen Chriſten genennet ſeyn; aber in der That vnd War - heit ſelbſt iſt er nicht bey ihnen zu finden. Zum Exempel / die deß Socini Lehr anhangen / machen auß dem geſegneten Samen nur ei - nen bloſſen Menſchen: verleugnen daß Jeſus der Chriſt ſey /vnd43Predigt. vnd geben nicht zu / daß vnſer hochgeliebter Heyland ewiger Gott mit dem Vatter vnd heiligem Geiſt ſey; daß er durch eine rechtformliche ſatisfaction vnd Gnugthuung fuͤr vnſere Suͤnde an vnſer ſtatt gebuͤſſet vnd bezahlet. Die Papiſten heben gleicher Geſtalt den zugerechneten Segen auff / vnd ſetzen Chriſto andere Mittler vnd Nohthelffer / nemb - lich die verſtorbenen Heiligen an die Seiten. Alſo wundern ſich die Calviniſten / oder genante Reformirten / warumb wir ſie nicht wollen fuͤr Bruͤder paſſiren laſſen / es ſey doch im Fundament der Lehr vnter vns vnd ihnen kein Vnterſcheid; Pareus (c) ſtellet den gantzen Streit auff(c) Irenic. c. 7. p. 66. confer My - ſter. ſyncr. p. 43. & ſeq. die Muͤndliche Nieſſung im H. Abendmal: im uͤbrigen ſey man allerſeits im Fundament eines. Macht einen Vnterſcheid vnter den Catholi - ſchen vnd Theologiſchen Articuln / vnter den Glaubenspuncten ſo auff die Cantzel / vnd denen die auff die Schulcatheder gehoͤren / den Vnſtrit - tigen vnd ſtrittigen / allerſeits von beden Religionen beliebte vnd ange - nom̃ene / vnd die jenige vmb dero willen man einander noch in Haaren li - get / vermeint es ſeye vnbillig / daß man ſich der letztern wegen alſo zerkeuf - fen vnd zerbalgen ſolte. Es iſt aber alles Einſtrewen Parei nichts anders als ein blawer Dunſt fuͤr den Augen / ein Vernunffts geſpunſt / vnd heim - liche Anklag Chriſti / S. Pauli / Athanaſij / Lutheri vnd anderer reiner Lehrer / welche alle durch den Pareiſchen Fund / der Verfolgung entge - hen / vnd auff Erden guten Frieden haͤtten haben koͤnnen / wann ſie ſich in etlichen allgemeinen vnſtritigen Glaubenspuncten mit einander ver - glichen / das uͤbrige in die Schulen gewieſen haͤtten. Haͤtte S. Paulus mit den falſchen Apoſteln wollen zufrieden ſeyn / hette er dieſen Puncten / daß man durch den Glauben an Chriſtum muͤſſe ſeelig werden / als aller - ſeits bekandtlich / außſetzen ſollen: Ob man aber eben allein durch den Glauben an Chriſtum ohne Beſchneydung koͤnne ſeelig werden / das haͤt - ten ſie abſonderlich in der Schulen mit einander außmachen koͤnnen / vnd die gemeinen deßwegen nicht irꝛ machen ſollen. Vber das geſtehen wir Pareo noch lang nicht die Fundamental Einigkeit im Glauben: wir ſagen vielmehr / ſie irꝛen im Fundament / den HErꝛn Chriſtum trennen ſie in dem ſie nit zugeben wollen / die Goͤttliche Eigenſchafften ſeyen Chri - ſto nach ſeiner Menſchheit mitgetheilet: ſie verlaͤugnen ſeine Allgegen - wart / ſie trennen die operationes vnd Wuͤrckungen der Naturen von - einander / wie Neſtorius vor zeiten gethan. Nun wer die Wuͤrckungen theilet / der trennet die Union vnd Vereinigung der Perſonen. Sie heben Chriſti Ampt vnd allgemeinen Gnadenſegen auff / durch ihr Heyl - vnd troſtloſes particuliren vñ ſtuͤmplen deß allgemeinen Goͤttlichen Willens /F ijallge -44Die Vierdteallgemeinen Verdienſts Chriſti / deß allgemeinen Beruffs deß H. Geiſtes / Sum̃a Gottes gutthaͤtige flache Hand die er weit weit auffthut / truckẽ ſie gleichſam zuſam̃en in eine (den bloß verworffenẽ erſchroͤckliche) Fauſt. ZuLuc. 10, 42. dem ſo iſt dieſer Glaub auch das einige noͤthige / davon Chriſtus vn - ſer HErꝛ zu Martha / ſagt / Eines iſt noth. Wir geſtehen gar gern / daß eben nit alles zur Seeligkeit vonnoͤthen / wavon man in den Schu - len diſputiret vnnd ſtreitet: als die Befragungen / wann die Welt er - ſchaffen? Jtem / wo vnd in welchem Standt die Seele Lazari geweſen vnter der Zeit / als ſie vom Leibe geſchieden / biß auff die Zeit da ſie von Chriſto wider aufferwecket worden: deßgleichen / ob die Engel im ſeeligen Gloriſtand dermaſſen confirmirt vnd beſtaͤttiget ſeyen / daß ſie nit mehr fallen koͤnnen: was von Vntergang der Welt zu halten / ob ſie gaͤntzlich ihrer Subſtantz vnnd Weſen nach werde zunicht / oder ob ſie nur werde in der aͤuſſerlichen Geſtalt verwandelt vnnd vernewert werden? was durch den Gog vnd Magog beym Propheten Ezechiel zu verſtehen ſey? vnd dergleichen. Was aber deß Glaubens ermeldten Fundament vnd Grund anlangt / iſt derſelbe bloß zu wiſſen vonnoͤthen: vnd kan ohn Verluſt der Seeligkeit nicht an demſelben geirꝛet werden. Kinder ſollen wir ſeyn in dem Beyfall / einfaͤltig zu glauben was Gottes Wort fuͤrhaͤl - tet / aber Maͤnner vnd nicht Kinder in der Erkandtnuß. Vnſer Glaub ſoll Liecht ſeyn vnd nit Finſternuß. Es iſt endlich dieſer Glaub das ient - ge Edelgeſtein / vnd das Perlein / nach dem man einig vnd allein tichten vnd trachten ſoll / daß wir / wie kluge Kauffleute vnd Jubilirer ſuchen ſol - len / wol vnterſcheiden / vnd vns ja nicht irgend ein falſch Perlin fuͤr ein guts vnd bewehrtes verkauffen laſſen: recht ſchaͤtzen / ja thewr vnd werthTertull. in Scorpiaco. c. 41. halten. Falleris ſi tanti vitrum, quanti margaritum æſtimas, ſagt Ter - tullianus: jederman wird deiner lachen / wann du ein Glaß eben ſo hoch als wie ein Perlin ſchaͤtzen wolteſt; Alſo ſoll dir mehr an Chriſto gelegen ſeyn / als an allen Weltſchaͤtzen / wie du glaubeſt ſo geſchicht dir: Vnnd demnach das rechte Perlein erkauffen / ſolts auch gleich alles koſten / was wir in zeitlichen Guͤtern haben vnd vermoͤgen / vnd daruͤber Hauß vnd Hoff vnd alles einbuͤſſen. Damit iſt es aber noch nicht außgerichtet / wir muͤſſen vns auch damit zieren / diſes Perlin ſoll gleichſam vnſere Ja - cobs-Muſcheln / der Jungfrawen Crantz / vñ der Brautſchmuck ſeyn / da - mit wir in dieſer vnſerer Wanderſchafft prangen. Diß ſind die heiligenPſ. 50, 5. die den Bund mehr achten dann Opffer / die da wiſſen vnd glau - ben / daß Gott dem HErꝛn mit glaubigen vnnd danckbarn Hertzen fuͤr den rechten geiſtlichen Jacobsſeegen mehr gedient ſey / als an allen Cere -monien /45Predigt. monien / Faſten / Geißlen / Buͤſſen / Pater noſter, Roſenkraͤntzen. Die Jſraeliten hatten vorzeiten den Bund / daß iſt / die Verheiſſung von dem geſegneten Jacobsſamen den Meſſia: zum Wahrzeichen vnd Sigel ord - nete Gott die Opffer / durch vnd in denſelben / als einem Perſpectiv vnd Spiegel / ſolten ſie auff das eintzige Seegen vnd Gnadenreiche Verſoͤhn - opffer deß Meſſiæ ſehen / ſich damit eintzig troͤſten / das war der Kern: a - ber die Juden lieſſen den Kern fahren / nageten an der Schalen / warffen die Verſchreibung hinweg / vnd hingen an dem Sigel vnd Zeichen / mit einem Wort achteten ſie das Opffer mehr als den Bund / aber das wa - ren die rechten Heiligen nicht. Vmbgekehrt / mehr achten auff den Bund als das Opffer / mehr auff die Verheiſſung als Sigel / mehr auff das Perlin als auff das Kiſtlein dariñ es ligt / mehr auff den hertzlichen Glau - ben als aͤuſſerliche Scheinheiligkeit / die den Bund nicht nur im Mun - de ſondern im Hertzen vnd aͤuſſerlichen Werckfuͤhren. Die andern laſſen ſich beduncken Chriſtenthumb ſey ein bloſe Wiſſenſchafft vnd Hiſtoria von Chriſto: machen noch den Namen deß Herꝛn ſtinckend / mit ihrem Gott. Bund - vnd Segenloſen Leben vnd Wandel. Gleich als wie die wil - den Leuthe in der newen Welt / da ſie der ankom̃enden frembden Spani - ſche Gaͤſte / Goldſucht vnd Geitz geſehen / haben ſie zu ſagen pflegen: Was? ſeind diß die Chriſten / ſo muß ihr Gott ein boͤſer Gott / ihr Reli - gion ein ſchaͤndliche Religio ſeyn. Gott geb das wir als die rechte bewehr - te / Gott wolgefaͤllige Heiligen / den Verheiſſnen Jacobsſegen / der nun mehr an ſtatt der verworffenen / vnglaubigen verſtockten Juden vns ge - buͤrt: (wir ſind das Koͤnigliche Priſterthumb / das Volck deß Eygen - genthum) hie im Reich der Gnaden vnnd dort im Reich der Herꝛligkeit genieſſen / vns damit troͤſten wider der Suͤnden Laſt / wider die Anklage vnd den Fluch deß Geſetzes / wider vnſere geiſtliche Bloͤſſe vnd Duͤrfftig - keit: Summa wider alle Anfechtung. Daran werden wir haben den rechten Zehrpfennig zur Himmliſchen Herberge / da Frewde die Fuͤlle / vnd lieblich Weſen iſt vnd ſeyn wird Ewiglich.

AMEN.

F iijDie46Die Fuͤnffte

Die Fuͤnffte Predigt.

Von dem Particular vnnd ſonderbaren Segen / den der HERR dem lieben Jacob zugeſagt.

GEliebte in Chriſto. Jſt nicht Eſau Jacobs Bruder / noch hab ich Jacob lieb / vnd haſſe Eſau: ſpricht der HErrMalach. 1, 3. Rom. 9, 13. beym Propheten Malachia / welchen Spruch im Newen Teſta - ment S. Paulus widerholet. Da dann der HErꝛ nicht tractirt oder handelt I. Myſterium reprobationis & prædeſtinationis abſolutæ, das Geheimnuß der bloſſen Verſehung / vnnd der bloſſen Gnadenwahl / als haͤtte Gott bloß vnter dieſen paar Bruͤdern den ei - nen gehaſſet / verworffen / ihn vnd alle ſeine Nachkommenden zur Ver - dammnuß ohne Barmhertzigkeit verſtoſſen / anders nicht / als die leydi -vide D. Hunn. ad Rom. 9. pag. 308. gen Teuffel ewig verworffen. Dann ja nicht zu erweiſen / daß Eſau in Perſon verdammet / was wuͤrde das fuͤr ein Hertzenleyd vnd Schmertzen in dem zarten Mutterhertzen Rebecæ geboren haben; Er wird zwar (a) βέ - βηλος, ein Gottloſer genennet / weil er das Prieſterrecht / oder vmb einer Speiſe willen ſeine Erſtgeburt verkaufft / kan aber gar wol widerumb zur Buſſe gekommen vnnd bekehret worden ſeyn. Es lauten zwar diec. 12, 17. Wort S. Pauli hart / er hab keinen Raum zur Buſſe gefunden / wiewol er ſie mit Threnen geſucht: Jſt aber nit von ſeiner / Eſau / ſondern von der Buſſe / oder vielmehr veraͤnderung deß Vatters / von dem Widerruff deß Vaͤtterlichen Willens zuverſtehen: vnd ob er gleich verdammt were worden / ſo ſtehet doch die Vrſach da / nemlich ſein Gott - vnd ruchloſer Sinn / ſein Geiſtliche Hoffart / wie auch Verfolgung ſeines Bruders: viel weniger iſt ſolches von ſeinem gantzen GeſchlechtEzech. 14, 14. Eſa. 11, 14. Amos 9, 11 12. vnd Nachkommen zu erweiſen / daß ſie alle verworffen ſeyen. Es wird ja der liebe Job vnter die drey groͤſten vnnd heiligſten Better gezehlet / der doch / wieman darfuͤr haltet / von Eſau vnd ſeinem Gebluͤth / entſprun - gen vnd herkommen: ſo finden ſich von der Bekehrung der Edomiten / das iſt / deß Eſau Nachkommen herꝛliche Propheceyung vnd Weiſſa -Marc. 3, 8. gungen. Viel auß Idumæa ſind dem HErꝛn Chriſto nachgefolget / die ſprechen nein zu angezogener Gloß vnnd falſchen Deuteley: ſondern es wird darinn præſentirt vnd fuͤr Augen geſtellet II. Myſterium providen -

tiæ47Predigt. (a) Eſau βέβηλος profanus dicitur, quia temeravit rem ſacram. Profanum appellat (ita Hie - ron. in tradit. Hebr. in Geneſ. & ep. 126. ad Evagrium) quia Sacerdos erat, utpote primoge - nitus, & vendita Primogeniturâ, quâ quodammodo unctus aut initiatus habebatur, profanus habitus eſt. ()

tiæ divinæ, ſapientiſſimæ, gratuitæ & liberrimæ, in temporalibus, das Geheimnuß der allerweiſeſten / gnaͤdigſten vnd allerfrey - eſten Fuͤrſehung Gottes / in zeitlichen Dingen / belangend Weltliche Ehr / Wuͤrde / Hochheit vnd Wohnung / dann davon wird dem Buchſtaben nach / in angezoger Stell gehandelt: wiewol / will der HErꝛ ſagen / Jacob vnd Eſau der leiblichen Geburt nach gleich ſind / ſo habe ich doch auß Goͤttlicher Chur vnd freyen Willen ewern Stamm - Vatter Jacob dem Eſau fuͤrgezogen in dem Koͤniglichen Prieſterrecht der erſten Geburt / im hohen Adel der naͤhrern Blutsfreundſchafft mit dem kuͤnfftigen Meſſia / ſo dann auch dem Honig vnd Milchflieſſenden Land Canaan; im Gegentheil hab ich Eſau vnnd ſeinen Kindern / das wilde vnd rauhe Gebirge Seir eingegeben / damit klaͤrlich zu bezeugen / daß ich der Allmaͤchtige Gott ein freye Hand mir fuͤrbehalten / wie ich niemand nichts ſchuldig bin / alſo diſpenſire vnd theile ich meine aͤuſſer - liche Gaben auß / wie ich will / nach meiner Weißheit. Chryſoſtomus fuͤhret ein ſchoͤn Gleichnuß ein von einem Jubilirer / der haͤlt offt auff den jenigen Stein am meiſten / auff welchen das gemeine Volck am wenig - ſten haͤlt: Alſo machts auch Gott der HErr / in ſeiner Wahl wirdEſa. 55, 8. offtmal der Erſte der Letzte / vnd der Letzte der Erſte: dann ſeine Gedan - dancken ſind nicht vnſere Gedancken / vnd ſeine Wege ſind nicht vnſere Wege. Jſaac haͤtte Eſau gern den Segen zugewendet / weil er ruͤſtigGen. 27, 4. dapffer / vnd der Natur nach der Erſte geweßt: wie dann auch Eſau ſich beduncken ließ / die erſte Geburt vnd der Segen gebuͤhre ihm von rechtsDeut. 21, 16 wegen: So war er ein geſchickter vnd ſtreitbarer Mann / er rennet / er lauf - fet hinauß / ein Wildprett zu jagen / zu ſchieſſen vnd zubereiten / vnd alſoGen. 27, 5. Rom. 9, 16. den Segen zu verdienen / aber der HErꝛ ſagt / Es ligt nicht an je - mands Wollen oder Lauffen / ſondern an Gottes Erbarmen / Jch / (will der HErr ſprechen /) laß mir meinen Segen nicht abverdie - nen / wie zu Hoff / da man vmbs Ringel in die Wett rennet / oder nach einem Kleinod thurniret; Sondern Jacob ſoll auß Gnaden der Erſtge - borne ſeyn / er ſoll der Herꝛ ſeyn / wiewol nicht in Perſon / doch in ſeinen Nachkommenden / er ſoll der Vatter deß Meſſiæ ſeyn / nach dem Fleiſch. Eſau meinet er wolls erzwingen / Gott muͤſſe ihm geben wie ers haben will / er ſeye ſo wol Bruder da als jener / ſie ſeyen vnter einem Hertzengelegen /48Die Fuͤnfftegelegen / auß einer Schalen geſchlupfft / man ſoll Jacob kein beſonders machen / will Gott ihm den Segen nicht goͤnnen / ſo ſoll er ihm doch Ja -Gen. 27, 41. cob nicht fuͤrziehen / da aber ſolches nicht geſchehen / neydet er Ja - cob vnd verfolget ihn. Jedoch / wie dem allen / ſo ſagt der HErꝛ / nein / Jch behalte meine Freyheit / Eſau haſſe ich / verſtehe / poſthabeo, ich achte ihn geringer / wie ein Vatter bißweilen einem Sohn / fuͤr dem andern / etwas zum Vorauß verſchaffet: in ſolchem Verſtand brauchtProv. 13, 24 Luc. 14, 26. Ioh. 12, 25. Sap. 11, 25. auch die Schrifft das Wort haſſen / das iſt / minder achten / gerin - ger ſchaͤtzen / dann ſonſt liebet ja Gott alles das da iſt / vnd haſſet nichts / was er gemacht hat. Es hat ja Jſaac den Jacob ſein Kind nicht gehaſſet / noch Rebecca ihren Sohn Eſau / das were wider die ϛοϱ - γὴν, natuͤrlich / Lieb vnd Zuneigung / noch gleichwol ſagt die Schrifft:Gen. 25, 28. Jſaac hatte Eſau lieb / vnd Rebecca Jacob / Jſaac zog Eſau den Jacob / vnd Rebecca zog Jacob dem Eſau vor. Aber der Herr keh - rets vmb / vnd ſpricht: Eſau ſols nicht haben / Jacob aber hab ich lieb /Gen. 27, 28 den ziehe ich fuͤr / der ſoll Habrecht heiſſen / das Recht der erſten Geburt haben: auff ihn ſoll Jſaacs Segen trieffen / welcher alſo lautet: Gott gebe dir vom Thaw deß Himmels / vnd von der Fettigkeit der Erden / vnd Korn vnd Weins die Fuͤlle. Voͤlcker můſſen dir dienen / vnd Leuthe muͤſſen dir zu Fuſſe fallen. Sey ein Herꝛ uͤber deine Bruͤder / vnd deiner Mutter Kinder muͤſſen dir zu Fuſſe fallen: Verflucht ſey / wer dir flucht / geſegnet ſey / wer dich ſegnet. III. Myſterium Iuſtificationis, das Geheimuß derRom. 9, 31. 32, 33. & c. Rechtfertigung deß armen Suͤnders fuͤr Gott. Die Juden waren meiſten theils rechte Eſauiten / wiewol nicht nach dem Gebluͤt / jedochGen. 49, 3. nach dem Gemuͤht / ſie lieſſen ſich beduncken / ſie ſeyen die Edelgeſtein / die Oberſten im Opffer vnd im Reich: dann ſie ſeyen Abrahams Sa -Matth. 3, 9. men / jhnen gebuͤhre die Verheiſſung allein / die Kindſchafft / die Herꝛlig - keit / der Bund / Geſetz / Gottesdienſt: Sie wolten das Himmliſche Erb errennen vnd erlauffen / mie jhrer eigenen Gerechtigkeit? vnd lieſſen ſich beduncken / ob gleich GOTT etwas beſonders wolte fuͤrnehmen / ſo ſol - te er doch die Heyden jhnen nicht fuͤrziehen: will GOTT ſeyn Kind auß ſeinem Reich verſtoſſen / ſo ſolte er doch keinen hergeloffenen Vagan - ten / oder Dieb vom Galgen herab an Kindſtatt annemmen. Aber da ſagt Gott nein zu; Jacob den juͤngern Sohn / die Gnadenkinder / die Geiſtlichen Jſraeliten auß Juden vnd Heyden / die liebe ich / ich ziehe ſiezu mir /49Predigt. zu mir / mache ſie zu Erſtgebornen vnd Erben / euch halßſtarrige Juden ſchließ ich auß; zwar thut Gott ſolches nicht bloß vnd ſchlechter Dinge / wie in zeitlichen Sachen / da er handelt wie ein bloſſer Herꝛ / nach ſeinem allerfreyeſten Willen; Sondern jene nimmet er zu Gnaden an / vmb deß geglaubten Chriſtt willen / den ſie mit wahrem Glauben gefaſſet vnd ergriffen / dieſe verſtoßt er wegen jhres Vnglaubens. Wir wollen dem - nach dißmal die ſo wol leibliche als geiſtliche / particular vnnd ſonderbare Liebthaten vernehmen / die Jacob vnd alle rechte Jacobiten / oder Jacobs bruͤder genoſſen vnd genieſſen ſollen: darzu vns der Herr ſein Gnad vnd Segen mittheilen wolle. Amen.

JCh bin der HErꝛ dein Gott: ſpricht der Herꝛ auff der Leyter / iſt ſchon genug vnd viel geſagt. Jch bin I. Deus gratioſus, dein gnaͤdiger Gott / Jch bin der Gott Abrahams deines Vat -Gen. 28, 13. c. 17, 7. ters / vnd Jſaacs Gott / folgends auch dein Gott / ſintemal ich bin ein Gott deß Samens Abrahæ / του̃το ε̕ϛι τὸ κεφάλαιον τῶν ἀγαϑῶν, ſagt Chryſoſtomus, das iſt das Hauptſtuck aller Wolfahrt / Segen vnndHomil. 9. Gutthaten / da ligt die Quell aller Verheiſſungen. Patrius, dein Erb - Gott / dein Hauß-Gott / dein Geſchlecht-Gott: was ſich die Heyden vnd Goͤtzenknecht ſich zu jhren Teraphim vnnd Haußgoͤttern faͤlſchlich verſehen / das ſoltu dich zu mir in der Warheit / ohne Gefaͤhrde vnd Be - trug verſehen: wie ich deinem Großvatter Abraham / deinem Vatter J - ſaac affectionirt geweſen / ſo bin ich dir zugethan / ich bin der deine. Ierem. 31, 34.Fœderatus, dein Bunds-Gott / der dir vnnd deinem Hauß nach dir die Miſſethat vergeben / vnd jhrer Suͤnde nicht mehr gedencken will / wann ſie ſich in wahrer Buß zu mir bekehren. Hoſpes, dein Gaſt - Gott / Jch will meine Wohnung vnter dir vnd deinem Ge -Lev. 26, 11, 12. ſchlecht haben / vnd vnter dir wandeln / vnd meine Seele ſoll euch nicht verwerffen. Pater, dein Vatter / dann du biſt mein Erſt - gebohrner Sohn / mit welch zarter Lieb ein Vatter ſeinen erſtgebor -Exod. 4, 22 nen Sohn empfanget / ſo zart will ich dich auch lieben / wer dir thut / der ſoll mirs thun. Doctor, dein Lehr-GOtt / Jch will Jacob zeigenPſ. 147, 19, 20. Gen. 49, 18. meine Wort / vnd Jſrael meine Sitten vnd Recht: So thue ich keinen Heyden / noch laſſe ſie wiſſen meine Rechte. Salutare, dein Heyl Gott / dein Heylbrunnen / dein Heyland / an dem du hangen / auff den du war - ten / dem du dich gaͤntzlich ergeben ſolt. Reſuſcitator, dein Auffer -Matth. 22, 32.Gwecker /50Die Fuͤnfftewecker / Jch will dich von den Todten aufferwecken / vnd wider lebendig machen. Du wirſt zwar den Weg aller Welt gehen / vnd ſterben / aber im Todt ſoltu nicht bleiben / ich will dich mit dem Meſſia widerumb auff - erwecken. Jch bin der Gott Abraham / der Gott Jſaade / er Gott Jacob: Gott aber iſt nicht ein Gott der Todten / ſondern Lebendigen / Gott vnd Volck ſind correlata: bin ich dein Gott vnd du mein Volck / ſo muſtu (ob du gleich ſterben wirſt) MJR zu meiner Ehr wider lebendig werden / Muſtu gleich hie Pilgram vnd frembd ſeyn / es ſchadet nichts / ſihe ich werde mich nicht ſchaͤmen dein Gott zu ſeyn vnd zu heiſſen / vnd dir ein Beſſeres / ein himmliſches Vatterland vnnd Statt zube - ſcheiden. Jch bin der HErꝛ dein Gott / dein Heiliger / darumb laſſe ich dich nicht dergeſtalt ſterben / daß du ewig im Rachen deß Todes bleiben ſolt / ſondern er wird dich widerumb muͤſſen außwuͤrgen / wann der Hertzog deß Lebens / dein Heyl / auff den du warteſt / wird auß dem Grab froͤlich herfuͤr ſpringen. Welche Verheiſſung ohne zweiffel ver - vrſachet / daß Jacob nirgend anders als im Lande Canaan begraben ſeyn wolte / auff daß er nah / nah vnd nicht vnfern in dem heiligen Lande / da der kuͤnfftige Meſſias ſolte begraben werdẽ / auch ſein Schlaff - vnd Ruh - ſtatt haben moͤchte: er hat deßwegen ein Eyd von ſeinem Sohn Joſeph genommen / vnd geſagt / (b) ſihe ich ſtirbe / begrabe mich in meinem Grab / das ich im Lande Canaan gegraben hab. Wie er dann auſſer zweiffel ei - ner vnter den Heiligen geweßt / die mit Chriſto aufferſtanden / lebendig worden / vnd gen Himmel gefahren.

(b) D. Lutherus comm. ad Geneſ. 50. in fine ad verba Ioſephi Gen. 50, 24. Ego morior &c. hæc ſubnotat: Ioſeph hîc fidem ſuam declarat, cum in eodem numero eſſe cupit, qui reſuſci - tandi erant cum Chriſto: & credo cum unà cum aliis ſanctis, quorum mentio fit Matth. 28. rediiſſe in vitam. Vult omninò in terrâ Canaan requieſcere, quanquam parũ momenti eſt, in lo - co & ſepulturâ: potuiſſet enim humari in Aegypto quoque, nec difficile erat Chriſto ſive ex Aegypto ſive aliunde ſuſcitare patres, ſed ad teſtificandum fidem ſuam in Chriſtum, iubet fua oſſa deferri in terram Canaan. ()
Gen. 15, 1.

Præmiator, dein Lohn-Gott / dein Belohner / dein groſſe Lohn / von mir ſoltu haben / ſchoͤpffen / genieſſen / ewiges Leben vnd Seeligkeit /Pſ. 144, 15. Pſ, 33, 12. Wol dem Volck / deſſen der HERR ein Gott iſt / das er zum Erbe erwehlet hat. II. Tuus Do minus feudi, dein Lehen HErꝛ /Gen. 28, 13. Das Land / da du auff ligeſt / will ich dir vnd deinem Samen geben: Verſtehet nicht bloß das Plaͤtzlein darauff er gelegen / ſonderndie51Predigt. die gantze Revier / das gantze Land Canaan / das wolle er ihm zum Ei - genthumb / vnd ſeinen Nachkommen zu nutzen vnnd zu nieſſen einrau - men / 1. Tanquam prædã, als eine koͤſtliche Beute / dann ſie werden ſich muͤſſen durchſchlagen / parazta: Sie werden ſich zwar außbreiten / aber es wird nicht ohne Schwertſtreich zugehen / es wird Blut koſten. 2. Tanquam aulam Dei, als Gottes Fuͤrſtlichen Saal / da ſie ab - ſonderlich von dem uͤbrigen loſen Geſinde der Welt wohnen ſollen / da Gott ſein Fewr - vnd Herdſtatt haben werde. 3. Tanquam Gymnaſium, als eine Vbungsſchul / darinnen ſie (die Jacobiten) in harter vnnd ſtrengen diſciplin ſollen verſuchen / vnd in der Zucht gehalten werden. 4. Tanquam patriam Meſſiæ, als das Vatterland deß Meſſiæ / vnd Heylands der Welt / welcher iſt Chriſtus / derſelbe werde mit ſeinen heiligen Fuͤſſen / dieſes Land betretten / mit ſeinem Blut beſprengen / vnd alſo den alten Fluch / damit der HErꝛ die Erde / vmb deß erſten Suͤn - denfalls willen vermaledeyet / abwenden. Sonderlich aber 5. Tanquam Symbolum, als ein Warzeichen vnd Mahlſchatz / dardurch die Himmliſche Herꝛligkeit vnd Seeligkeit vorgebildet vnd verſigelt werde: darumb haben alle Glaubenshelden bekennet / daß ſie ſeyen Gaͤſte vnndHebr. 11, 13, 14, 16. Pilgram auff Erden: damit zu verſtehen geben / daß ſie ein Vatterlande ſuchen / ein Beſſeres / ein Himmliſches. III. Tuus Auguſtus, dein all - zeit Mehrer / Jch will dein Reichsmehrer ſeyn / vñ dem Same ſoll wer - den / wie der Staub auff Erden / vnd der ſoll außgebreitet wer -Gen. 13, 14, 15, 16. c. 28. 14. den gegen dem Abend / Morgen / Mitternacht vnd Mittag. Jſt nicht nur nach dem Buchſtaben zu verſtehen / wiewol auch die Ver - heißung leiblicher weiſe wahr vnd erfuͤllet worden / ſintemahl zun Zeiten Davids / in Jſrael achthundert mal tauſend ſtarcker Mann / die das2. Sam. 24, 9. Schwerd außzogen / vnd in Juda fuͤnffhundert mal tauſend Mann ge - zehlet wuͤrden; Deßgleichen / zun Zeiten Salomons war deß Juda vnd1. Reg. 4, 20. vnd Jſrael ſo viel wie der Sand am Meer. Sondern fuͤrnemlich geiſt - licher Weiſe / von dem allgemeinen Beruff: Es ſollen Geiſtliche Vaͤt - ter auß deinen Lenden von Zion außgehen / die ſollen dir gebaͤren geiſtli - che Kinder vnd Jſraeliten / nach der Verheiſſung / in aller Welt; iſt auch reichlich erfuͤllet worden / in dem zur Zeit Chriſti auß allen vieren Orten der Welt / auß Galilæa vnd Judæa / auß Jdumea vnd jenſeit deß Jor -Marc. 3, 7, 8 dans / vnd die vmb Tyro vnd Sidon wohnen / ein groſſe menge Volcks / ihm dem Herꝛn nachgezogen. Das war aber nur ein Anfang. Durch die Predigt deß H. Evangelii / ſo die lieben Apoſtel außgebreitet / iſt allesG ijvoll -52Die Fuͤnfftevollkommen erfuͤllet / vnd wir arme Nachtlaͤnder / von denen weilandEph. 2, 13. die geiſtliche vnd Gnaden-Sonne fern geweſen / haben vns ſolcher Gut - that noch heut zu erfrewen. IV. Tuus Dux, Comes & Cuſtos vigilan - tiſſimus, dein Fůhrer / Gleitsmann / vnd allerwachſamſter Huͤ -Gen. 28, 15. ter: Sihe / ich bin mit dir / ich will dich behuͤten / wo du hinzeuchſt / vnd will dich wider herbringen in diß Lande; Du ligeſt zwar da ohn einen Fuͤhrer / vnd getrewen Geleitsmann / Jch will derſelbe / vnd bey dir mit meiner gnaͤdigen Gegenwart ſeyn; Du haſt keinen Schirmer / kanſt dich mit deinem Stab kaum eines bellenden Hundes erwehren: Sihe / JchEſa. 41, 10. erbiete mich dein Huͤter zuſeyn / darumb foͤrchte dich nicht / Jch bin mit dir / weiche nicht / dann Jch bin dein Gott: Jch ſtaͤrcke dich / Jch helffe dir auch / Jch erhalte dich durch die rechte Handc. 43, 1, 2, 3. meiner Gerechtigkeit. So ſpricht der HErꝛ / der dich geſchaf - fen hat / Jacob / vnd dich gemacht hat / Jſrael: Foͤrchte dich nicht / dann Jch hab dich erloͤſet / Jch hab dich bey deinem Na - men geruffen / du biſt mein: dann / ſo du durchs Waſſer ge -Exod. 14, 21, 22. heſt / will Jch bey dir ſeyn / daß dich die Stroͤme nicht ſollen erſaͤuffen / wie mitten im rothen Meer / da ſich die Waſſer von einander theileten / vnd ſtunden fuͤr Mawren / zur Rechten vnd zurDan. 3, 25. Lincken: Vnd ſo du ins Fewr geheſt / wie Sadrach / Meſach / vnnd Abed Nego / ſoltu nicht brennen / vnd die Flamme ſoll dich nicht an - zuͤnden: Dann / Jch bin der HERR dein Gott / der Heilige in Jſrael / dein Heiland. Summa / du ſchlaffeſt wol / aber / der dichPſ. 121, 3, 4. behuͤtet / ſchlaͤfft nicht / ſiehe der Huͤter Jſrael ſchlaͤfft noch ſchlummert nicht. V. Tuus patronus conſtans, dein beſtändi -Gen. 28, 15. ger Patron / vnd Schutz HErꝛ: Jch will dich nicht laſſen / biß daß ich thue alles was ich dir geredt habe; der Herꝛen vnd Fuͤr - ſten Gnad hat vnzehliche Federn vnd Fluͤgel / damit ſie ſich davon ſchwin - gen; Nicht alſo Gottes Gnad / das Hebreiſche Wort〈…〉〈…〉 Biß / iſt nicht außſchließlich zuverſtehen / als wolt der HErr nur bey Jacob ſeyn / in ſeiner Wanderſchafft / biß er wider heimkomm / vnnd hernachMatth. 1. 25, c. 28, 20. nicht mehr; ſondern beharꝛlich / wie auch diß Woͤrtlein / Biß / ſonſten in der H. Schrifft gebraucht wird: Jedoch / verſtehe alles mit gewiſſem Beding vnd Vnterſcheid / wann du mich (den HErꝛn) nicht verlaſſen wirſt: wann Jacob were abgefallen / ein Goͤtzenknecht worden / wann ervon53Predigt. von ſeiner vorigen Auffrichtigkeit / Einfalt vnd Gottesforcht abgelaſſen / ſo were dieſer verſprochene Goͤttliche Segen nicht erfolget: dann / ein heiliges vnſtraͤffliches Leben iſt zwar nicht die Vrſach / daß vns Gott Gu - tes vnd Heyl verheiſſet / jedoch iſt es der Weg / in welchem der HErꝛ ſei - ner Verheiſſung Krafft vnd ſtatt geben will. Gleich wie es in der That mit dem Samen / oder den Nachkommen Jacobs ſich zugetragen / nach nach dem ſie den Herꝛn verlaſſen / durch Vnglauben / ſind ſie zum Fluch / Schewſal vnd Sprichwort allen Voͤlckern zum Hohn vnd ſpott worden. Vnd ob ſie wol weiland Zweyg deß Geiſtlichen Oelbaumbs geweſen / ſind ſie doch zubrochen / wie dann die Erfahrenheit ſelbſt redet / daß die Juden kein Volck mehr ſeyen / als die zu keinem gefaßten Regiment oder Poli - cey mehr gelangen moͤgen. Ach wie froͤlich muß Jacob dazumal in ſei - nem Hertzen geweßt ſeyn / da er dieſe hold ſeelige Stimm vom Himmel herab gehoͤrt: Wie wird dieſes Goͤttliche Alloquium vnd Geſpraͤch ſein Gemuͤth afficirt haben? Das laß mir ein guldener Traum ſeyn / der von ſolchem reichen Schatz prediget. Aſtyagi dem letzten Mederkoͤnigvide Lipſ. monit. ex - cmpl. po - lit. p. 35. traͤumet einsmals von einem Weinſtock / ſo von ſeiner einigen Tochter entſproſſen / der gantz Aſiam mit ſeinen Blaͤttern beſchattet. Es geſchahe alſo an Cyro. Jenem Tuͤrcken / Ertucules genant / traͤumete / wie ein groſſer Glantz deß Mons von ſeines guten Freunds Edebalis Schoß herfuͤr leuchtete / vnd in ſein (deß Traͤumers) Schoß ſich ſenckete / darauff alſobald auß ſeinem Nabel ein Baum gewachfen / der vil Landſchafften / Berg vnd Thal uͤberſchattet. Das deutet Edebales von einem Sohn Oſman genannt / von dem ſich noch heut die Tuͤrckiſchen Kaiſer Oſman - diten ſchreiben vñ nennen / der werde ſich mit deß Traͤumdeuters Tochter vermaͤhlen / das ſey der Glantz von ſeinem Schoß / davon der Baum ent - ſtanden / der Tuͤrckiſche Adel / der viel Land vnd Leuth vnter ſich bezwun - gen. Jſt alſo geſchehen / Martiano, als er einmal vnter dem freyen Him - mel geſchlaffen / ſchwingt ſich ein groſſer Adler uͤber ſein Haupt / vnnd macht ihm in der heiſſen Sonnenhitz Schatten / das wird gedeutet von dem Kaiſerhumb! das bedeute einen Kaiſer / der er auch worden iſt. Das ſind ſchoͤne Traͤume / guͤldene omina vnd Erſcheinungen / aber nit zu vergleichen mit Jacobs Gluͤcks Traum. Wie voller Frewd wird er mit - ten im Schlaff geweſen ſeyn? ſo / wird er gedacht haben / gehet mir die Sonne auff in der finſtern Nacht / dieſer ſchoͤne Frewdenblick / diſes lieb - liche Troſtliecht erfrewet mich mehr / als mich Eſau vnd alle Welt betruͤ - ben mag: Ach deß ſchoͤnen Liechts / des freundlichen Antlitzes Gottes / deß Honigſuͤſſen Geſpraͤchs! Warumb ſolt ich mich noch ferner foͤrch - ten / alle Angſt / alle Sorg will ich nunmehr den Winden geben / die ſollenG iijſie54Die Fuͤnffteſie uͤber Meer hinauß tragen: Jch lige vnd ſchlaffe vnd erwache / denn der HErꝛ haͤlt mich / ich foͤrchte mich nicht fuͤr viel hun - dert tauſend die ſich vmbher wider mich legen.

Der trewe Huͤter Jſrael
Bewahret mir mein Leib vnnd Seel /
Er ſchlafft nicht weder Tag noch Nacht /
Wird auch nicht muͤde von der Wacht /
Fuͤr allem Vnfall gnädiglich /
Der fromme Gott behuͤtet mich:
Vnter dem Schatten ſeiner Gnad /
Bin ich geſichert frůh vnd ſpat:
Der HErꝛ mein Außgang ſtets bewahrt /
Zu Weg vnd Steg geſund mich ſpart /
Bringt mich zu Hauß in ſeim Geleit /
Jhm ſey Lob biß in Ewigkeit.

JA ſprichſtu / ſo hat Jacob wol moͤgen ſingen vnd frolocken / er hat es Vrſach gehabt / aber was gehet das mich an? was hab ich da - von? wann mir auch der HErꝛ auff ſolche Weiſe im Traum er - ſcheinen thaͤte / wann er auch ſolche holdſeelige Geſpraͤch mit mir anſtel - lete / vnd mit ſolchen herꝛlichen Verheiſſungen uͤberhaͤuffte / das ſolt mir ein Frewd vnd Troſt im Hertzen ſeyn / ſo wolte ich mich gnuͤgen. Haͤtte ich auch ſolchen Troſttraum wie Jacob / darinn mir ein ſo kraͤfftiger Troſt von Gott zugeſprochen wuͤrde / ſo were mir geholffen? Aber wie ſo? lieberAct. 2, 39. Menſch / biſtu dann nicht auch ein Jſraelit nach der Verheiſſung? biſtu nicht / ob du gleich weyland ferne geweſen / durch den Glauben / in der H.Rom. 11, 17 Tauff / eingepfropffet in den Geiſtlichen Oelbaum / vnd theilhafftig wor - den der Wurtzel vnd des Saffts? Jhr ſeid nunmehr / ſagt S. Petrus /1. Petr. 2, 9, 10. das außerwehlte Geſchlecht / das Koͤnigliche Prieſterthumb / das heilige Volck / das Volck deß Eigenthumbs / daß jhr ver - kuͤndigen ſolt die Tugend des / der euch beruffen hat / von der Finſternuß zu ſeinem wunderbaren Liecht: die jhr weyland nicht ein Volck waret / nun aber Gottes Volck ſeydt. Jacobs Kinder nach dem Fleiſch / ſeindt vmb ihres verſtockten Vnglaubens willen außgeſtoſſen / nicht zwar ploͤtzlich erwuͤrget / aber damit es GottesVolck55Predigt. Volck nicht vergeſſe / zerſtrewet / das ſie wie die Hund / (in ſteter Vnruhe / ohne Policey) in der Welt herumb lauffen vnnd heulenPſ. 59, 15. in jhren Synagogen / ohne Troſt / ohne Hoffnung / ohne Glauben. Jhr ſeyd an jhre Statt angewuͤnſchet worden: dann ewer vnd ewer Kin - der iſt die Verheiſſung / ihr ſeyd nunmehr Kinder deß newen Bundes / der Namen Gottes iſt uͤber euch angeruffen / in der heiligen Tauff. Chriſtus lehret euch ſagen / Jch fahre auff zu mei - nem Vatter / vnd zu ewerm Vater / zu meinem Gott / vnd zu ewerem Gott. Demnach gehet dich dieſes Wort auch an / es iſt Got - tes Wort / ein lebendiges Wort / ein ewiges Wort. Was Er vor etlich tauſend Jahren mit Jacob geredet / das iſt ſo new / friſch vnd voll Gei - ſtes / als waͤre es erſt heut geredet: Hoͤret zu ſagt David / alle Voͤl -Pſ. 49, 1. cker / mercket auff alle die in dieſer Zeit (das iſt allezeit) lebet. So Abel durch den Glauben noch redet mit vns / wie viel mehr das ſelbs -Hebr. 11, 4. ſtaͤndige Wort / der ewige Sohn Gottes? Hat alſo ein getauffter Chriſt eben ſo wol als Jacob Fug / Recht vnd Macht zu ſagen / Gott iſt mein eigener Gott / vnd der HErꝛ mein gnaͤdiger HErꝛ / mein Gaſt-Gott / mein Erb-Gott / mein Bunds-Gott / mein Vatter / Lehrer / Mehrer / Lehen-HErꝛ / Wecker / mein Schild vnd ſehr groſſer Lohn / alles mein eigen. Bin ich gleich arm vnd duͤrfftig / ligt nichts daran / ich bin nun geſegnet mit dem Glaubigen Abraham / mit einem Segen derGal. 3, 9. reicher iſt / als alle Schaͤtze im Himmel vnd Erden: Habe ich gleich hie kein bleibende ſtatt / ſo weiß ich mir doch ein Schloß im Himmelreich /Ioh. 14, 3. das iſt feſt vnd wol gebawen / da ſind mir vnd allen Glaubigen die μοναὶ, die Wohnungen bereitet. Ob ich ſchon wandert im finſternPſ. 23, 4. Thal / foͤrchte ich kein Vngluͤck / dann er iſt bey mir / ſein Stec - ken vnd Stab troͤſten mich. Das wuſte wol der loͤbliche vnnd Chriſtliche Kaiſer Theodoſius, als in der Schlacht / die er mit ſeinemAmbroſ. in fuere Theodoſij Feind Eugenio vnd deſſen Oberſten / Arbogaſte vnd Flaviano gehalten / die Regimenter begunten in eine Vnordnung zu gerathen / vnnd dem Feind die Victori in die Haͤnde zu liffern: So ſpringt er (der Kaiſer) von dem Pferd herab / ſchreyet mit lauter Stimm / Ubi eſt Theodoſii Deus? wo iſt mein Gott hinkommen? wache auff HErr vnd ſtreite fuͤr dein Chriſtliches Heer: warauff die Soldaten ſich wider erholet / in den Feind von newem geſetzt / vnd den Sieg durch die Krafft des Gottes Theodoſiidavon56Die Fůnfftedavon gebracht. Die Welt nach jhrer blinden Vernunfft preiſet ſeelig die jenige / deren Soͤhne auffgewachſen in jhrer Jugend / wie diePſ. 144, 12, 13, 14, 15. Pflantzen / vñ ihre Toͤchter wie die außgehawene Ercker / gleich wie die Pallaͤſte: deren Kammern voll ſeind / die herauß geben koͤnnen einen Vorrath nach dem andern / deren Schaaff tra - gen tauſend vnd hundert tauſend auff jhren Doͤrffern / deren Ochſen viel erarbeiten / daß kein Schad / kein Verluſt noch Klag auff ihren Gaſſen iſt: So ſpricht die Welt / ſo ſegnet ſie ſich vnd die ihrige / das iſt der Welt kinder Hertz / Ruhm vnd Himmelreich / die Armen haltens fuͤr das groͤſſeſte Gluͤck / wer nur alles voll auff hat; das / ſprechen ſie / iſt ein reicher Herꝛ / ein gluͤckſeeliger Mann / vnd beden - cken nicht was groſſe Gefahr / vnd ſchwere Rechenſchafft daran hanget. Aber das ſey ferne daß eine vnſterbliche Chriſtliche Seele ſich verlaſſen ſolte auff das vergaͤngliche / fluͤchtige vnnd nichtige Weltgut. Thoren ſind die jenige die ſamblen Gut vnd muͤſſens andern laſſen. Jch troͤſte mich eines beſſern Troſts / vnd ſage: Wol dem Volck / des der HErꝛ ein Gott iſt. Welche Gott den HErꝛn für jhr Eigenthumb / hoͤchſten Schatz vnd beſten Reichthumb halten / an jhm allein ihren beſten Luſt / Frewd / Hoffnung vnd Troſt haben: derer Herꝛligkeit vnd ſeelige ſtand iſt nicht außzudencken / ich geſchweige außzuſprechen. Wiltu aber ſol -Rom. 11, 20, 21, 22. chen Schatz nicht verlieren / ſo hoͤre was S. Paulus ſaget: Sey nicht ſtoltz / ſondern foͤrchte dich; hat Gott der natuͤrlichen Zweyg nit verſchonet / daß er vielleicht dein auch nicht verſchone. Da - rumb ſchawe die Guͤte vnd den Ernſt Gottes: Den Ernſt an denen / die gefallen ſind: die Guͤte aber an dir / ſo fern du an der Guͤte bleibeſt / ſonſt wirſtu auch abgehawen werden. SollGal. 6, 16. Gott dein Gott ſeyn / ſoll Friede vnd Barmhertzigkeit dich vmbfangen / ſo muſtu auch der Jſrael Gottes ſeyn / vnnd in ſeinen Gebotten wan -Deut. 5, 6, 7 dlen. Er ſagt: Jch bin der HErꝛ dein Gott / derowegen ſoltu kein andere Goͤtter fuͤr oder neben mir haben ꝛc. Folgeſtu nicht / ſo biſtEſa. 1, 4. du nicht ſein Kind / ſondern des boßhafftigen Samens / der ſchädli - chen Kinder eines die den HErꝛen verlaſſen / den Heiligen in Jſrael laͤſtern vnd weichen zuruck / daruͤber der HErꝛ faſt wehmuͤ -Matth. 6, 9. Luc. 11, 2. tig (Menſchlicher weiſe zu reden) klaget. Sprichſtu / Vatter vnſer / ſoſagt57Predigt. ſagt er: der Teuffel iſt dein Vatter / nach deſſen Luſt du thun wilt. SollIoh. 8, 44. er dein Lehen-HErꝛ ſeyn / ſo muſtu auch Vaſallen - vnd Lehentraͤger oder Vnterſaſſen Trew leiſten / Jhm vnd nicht dem Teuffel oder der Welt dieRom 9, 19. im argen ligt vnd Gottes Feind iſt / zu Hoff reiten / deine Glieder bege - ben zu Dienſt der Gerechtigkeit / daß ſie heilig werden. Haſtu etwan die Welt geliebet / ſo lerne die Buß ab der groſſen Suͤnderin / laß deine AugenLuc. 7, 38. in Threnen flieſſen / vnd deß Herꝛn Fuͤſſe netzen: dein Hauptshaar / da - mit du von der Welt gleichſam gebunden geweſen / laß deß HErꝛn Fuͤſſe truͤcknen; mit dem vnzuͤchtigen Kuͤſſen / damit du die Welt vmbfangen / muſtu deß HErꝛn Fuͤſſe kuͤſſen / vnd ſie mit Salben ſalben / das iſt / ſei - nen Gliedern guts thun / ja dich von gantzem Hertzen zu ihm wenden; thuſtu es nicht / ſo biſtu pecus Diaboli, deß Teuffels Vieh / der Suͤnden - Knecht / vnd wirſt deß Teuffels Danck bekommen / der wird dir Lohnen / mit der ſuͤnden Sold / nemlich mit dem ewigẽ Todt. Soll er dein Vermeh -Rom. 6, 23. rer heiſſen / ſo muſtu nicht ein Zerſtoͤrer ſeiner Ordnung ſeyn / dich nicht durch Ergernuß von ihm kehren. Soll er dein Gleitsman vnnd Huͤtter ſeyn / ſo muſtu auch im Glauben fuͤr jhm wandlen / wie Abraham /Gen. 17, 1. vnd from ſein / damit ſich der HErr zu dir geſelle / wie zu den zweenLuc. 24, 13, 15. Marc. 16, 12 Ioh. 1, 47. Eſa. 38, 13. Juͤngern / die nach Emaus giengen / denen er ſich vnter einer andern Geſtalt offenbahrete. Du muſt ein rechter Jſraelit ſeyn / ohne Falſch / wie Nathanael / wo nicht / ſo iſt er dein Feind / dein Loͤw / der dir alle deine Gebeine zerbrechen vnd zermalmen wird: Soll er alle zeit bey dir ſeyn / ſo muſtu von ihm nicht außſetzen. Wie Jacob in ſeinerGen. 25, 27. Einfalt verharret / fromb geweſen / vnd in den Huͤtten blieben / alſo muſt du auch in den Huͤtten deines Beruffs bleiben / die offentlichen Verſam - lungen nicht verlaſſen: dann geheſtu von den Huͤtten weg / laſſeſt dichHeb. 12, 16. von der Welt verfuͤhren / ſo biſtu ein Gottloſer / wie Eſau; ſo verlaͤſt dich Gott auch mit ſeiner Gnad vnd Segen. Nun wolan / werden wir dem - jenigen / ſo jetzoͤ angedeutet / in der Forcht Gottes nachkommen / ſo wird alsdann das Wohl uͤber vns erſchallen: Wohl dem Volck deß derPſ. 144, 15. Pſ. 59. v. ult. HErꝛ ein Gott iſt / Der HErꝛ / der da heiſſet Wunderbahr / Rath / Krafft / Held / der Jacobs (das iſt der gantzen glaubigen Chriſtenheit) ſchutz / Zuflucht vñ gnaͤdiger Gott iſt: wer ſo ſagẽ kan im Glauben / der iſt getroſt in aller Truͤbſal / reich im Mangel vnd Armuth / ſeelig im Elend / dann er hat Gott vnd genug / jhm iſt wol hie / wol in E -Gal. 6, 16. wigkeit / vnd wieviel nach dieſer Regul einher gehen / uͤber dieHſey58Die Sechſteſey Fried vnd Barmhertzigkeit / vnnd uͤber den Jſrael Gottes. Amen / Amen.

Die Sechſte Predigt.

Von Jacobs Leyter / dadurch der Meſſias fuͤrgebildet worden.

GEliebte in Chriſto. Von drey vnterſchiedlichen / abenthewrli - chen / ſelbserfundenen Himmelswegen vnnd Himmelsſtegen / welche die Menſchliche fuͤrwitzige Vernunfft erſunnen / ſelbs ge - bauwen / geſchnitzelt / erfunden / vnd vermeint damit den Himmel zu er - reichen / leſen wir ſo wol in Bibliſchen als Profanhiſtorien. Die erſte iſt der hohe Babyloniſche Thurn / den Hams Nachkommen auff Nimrods einrathen vnd angeben erbawen wollen / vnd geſagt / wolauff laßt vns eine Statt vnd Thurn bawen / deſſen Spitz biß an den Himmel reiche / daß wir vns einen Namen machen: dann wir werden vielleicht zerſtrewet in alle Laͤnder. Das war zwar ein Prachtthurn / ein rechter(a) l. 1. an - tiq. cap. 4. confer Sa - lian ann. 1909. n. 11. (b) hinc Gi - ganto ma - chia apud Virg. l. 1. Georg Lu - can l. 7. O - vid. l. 1. me - tamorph. Homer. Odyſſ. λ. confer Eu - ſeb. lib. 9. præparat. c. 14. Cyril. l. 1. contra Trutz-Gott / den ſie dem Allerhoͤchſten gleichſam als ein Brill fuͤr die Naſen geſetzet / nicht allein ſich groß zu machen vnnd vnſterblichen Na - men zu erwecken / ſondern auch ſeinen Rath vnnd Willen von Verſtoͤ - rung der Voͤlcker in alle Land / dadurch zu vnterbrechen vnd verhindern: vnd dafern Gott der HErꝛ abermal mit einer allgemeinen Suͤndfluth den gantzen Erdboden / gedaͤchte zu erſaͤuffen / ſich auff dieſen Thurn zu ſalviren / als der ſeinen Spitz uͤber alle Waſſer werde erheben / da hofften ſie geſichert ſeyn / wie (a) Joſephus diſe Endvrſach anzeigt. Gleichwol aber moͤgen auch wol etliche vnter dem Hauffen die Meinung gehabt haben / vermittelſt dieſes Thurns gar in Himmel hinauff zu ſteigen. Geſtalt abermal Joſephus auß einer Sibyllen Weiſſagung berichtet / daß ſie ha - ben einen Thurn gebawet / ὥς έπὶ ου᾽ϱανὸν ἀναβησόμενοι δἰ ἀυτου̃ als die durch denſelben im Himmel hinauff ſteigen wuͤrden. Wie iſt aber das hoch - muͤtige Beginnen abgeloffen? ſchlecht genug. Anfangs gieng das Werck wacker von ſtatt: ſie fuͤhrtens auff biß in die vierhundert Schritt / faſt ein Meil wegs / wie Hieron. in cap. 14. Eſaiæ ſchreibt: da es am beſtenwar /59Predigt. war / machte der HErꝛ die kuͤhne Helden vnd ſtoltze Riſen zuſchanden /Iulian. ali - oquin fa - cile damus hyperbolẽ de qua Del - rio adag. ſacr. p. 18. verwirꝛet die Sprachen / es wird ein Babel darauß: ſie muſten abſtehen vnd bekennen / daß diſes nit der rechte Weg vnd Steg ſey zum Himmel hinauff. Nicht vil beſſer gienge es auch mit der andern Him̃elsſteg / welche / als die Poeten dichten / Icarus deß kunſt - vnnd ſinnreichen - dali Sohn geſucht / ſeines Vatters Kunſtfluͤgel angezogen / damit ſtohe er der Sonnen zu / er gedacht rectà in Himmel hinauffzufliegen / aber da er der Sonnen zu nahe kommen / vnd ſeine Fluͤgel von der Sonnen ſtra -l. 7. ſtrata - gem. len beruͤhret / das Wachs / damit ſie angebachen geweſen / zerſchmoltzen / ſo fallet er mit ſeinen Fluͤgeln herunter ins Meer vnd erſaufft: ſo wurde dieſer Flug zu Waſſer: das war deß vnſinnigen Waghalß wolverdienter Lohn. Einer dritten Himmelsſteeg gedencket Polyænus, welchen Colingas, ein Prieſter der Goͤttin Iuno, vnnd Regent in Thracia erfun - den / demſelben wolten ſeine Vnterthanen nicht gehorchen: damit er ſie nun in den Zwang vnd Pflicht braͤchte / laßt er ihm ein groſſe anzahl hoͤl - tzerne Leytern machen / vnd je eine an die ander hefften / gienge mit ſolchem newen Fund etlich Tag vmb / vnnd als er gefragt wurde was er darmit meine / vnd wohin es angeſehen? da gabe er die Antwort / er wolte dieſe Leyter durch Huͤlff der Goͤttin Juno an Himmel anſtellen / folgends hinauff ſteigen / der Goͤttin jhren Vngehorſam klagen / vnd Fluchwetter / Rach / vnd alles Vngluͤck mit ſich herab bringen. Damit jagte er ſeinen Vnterthanen zwar einen Angſter ein / ſie ſtelleten ſich darauff auß Aber - glauben in die Schrancken deß Gehorſams / aber es war doch mehr nicht als ein huͤltzen Gelaͤchter. Den rechten bewerten vnd gewiſſen Himmels - thurn / die rechte Himmelsfluͤgel vnd Himmelsleiter zeigt Gott der Herꝛ ſelbs dem lieben Jacob allhie im Traum / damit er jhm als mit einem Sa - cramentlichem Zeichen ſein Wort vnd Verheiſſung verſiegelt vnd beſtet - tiget: eine Leyter die Gott der Vatter erfunden / der Sohn gezimmert / der heilige Geiſt geoffenbahret: davon dißmal mit mehrem. Gott helff!

WJr wollen anfangs den Interpretibus vnd Außlegern dieſervide D. Gerhard. com in Ge - neſ. p. 546. Leyter / jhre theils albere / theils vngereumte / theils weit geſuch - te Gloſſen gern ſchencken / vnd demnach vns in derſelben vn - nuͤtzen vnd vnerbawlichen Erzehlung / viel weniger Widerlegung nicht lang auffhalten: ſondern alsbald den Kern vnd Stern / Marck vnnd Krafft dieſer Leyter ſuchen vnd ergreiffen / darinn erſcheinet vor vns als in einer ſchoͤnen anmuthigen Figur. 1. Der Meſſias vnd Welthei - land ſelbs / nemlich der HErꝛ auff der Leyter / vnd doch auch die LeyterH ijſelbs60Die Sechſteſelbs: gleich wie er ſich im Evangelio einen Hirten vnnd zugleich die Thuͤr zum Schaaffſtall nennet: in der Paſſion zugleich der Prieſter vnd das Opffer: im heiligen Abendmal der Gaſtgeber vnnd Speiß geweſen. Dann daß dem alſo vnd niemand anders allhier gemeint vnd verſtan - den werde / erhellt ſo wol auß der general vnd allgemeinen Anleitung derIoh. 5, 46. H. Schrifft: Moſes ſagt der HERR / hat von mir geſchrieben / nicht nur mit claren Buchſtaben / ſondern auch in Typis vnd Fuͤrbilden / er hat mich nicht nur beſchrieben / ſondern auch abgemahlet / Jch binIoh. 14. der Weg / die Warheit vnd das Leben / das iſt ein gewiſſer lebendi - ger Lebensweg / kein ſchluͤpfferiger / Halßbrechender / verfuͤhriſcher Mord -Ioh. 1, 51. Weg: ſondern auch auß der claren ſpecial. Deutung deß HErꝛn ſelbs. Dann als einsmals Nathanael der rechte vnfalſche Jſraeliter ſeine Confeſſion vnd Bekandtnuß ableget / ſagend / Rabbi / du biſt Got - tes Sohn / du biſt der Koͤnig von Jſrael / ſo antwortet ihm Chri - ſtus vnd ſpricht / du glaubeſt / weil ich dir geſagt habe / daß ich dich geſehen habe vnter dem Feygenbaum / du haſt ein Strahl meiner Goͤttlichen Allwiſſenheit geſehen / aber du wirſt noch groͤſſe - res dann diß ſehen: dein Glaub wird noch mehr vnd mercklicher ge - ſtaͤrcket werden: Warlich warlich ich ſage euch / von nun an vnd hinfuͤhro / werdet ihr den Him̃el offen ſehen / vñ die Engel Got - hinauff vnd herab fahren / auff (mich) deß Menſchen Sohn: Jhr werdet von Tag zu Tag je laͤnger je mehr erfahren vnd warnemen / daß ich durch diſelbige Jacobs leyter / darauff die Engel auff vnd abgeſti - gen / warhafftig bedeutet ſeye. Darzu kompt die Collation vnd Verglei - chung mit der gethanen Verheiſſung: Es hat der HErr ſeinem Vr - großvatter Jacob einen Samen verſprochen / in welchem alle Voͤlcker ſollen geſegnet werden / das iſt / deß Him̃liſchen Segens durch den Glau - bens genieſſen / das Himmelreich ererben: was er nun mit Worten zu - geſagt / das beſtaͤttiget er auch nach ſeiner Gewonheit mit einem ſichtba - ren Zeichen der Leyter: gibt damit zu verſtehen / daß / gleich wie durch die Leyter der Weg zum Himmel gebawet: alſo werde auch der geſegnete Samen dieſelbe Leyter ſeyn / durch welche aller Himmelsſegen herab re - gnen / vnnd alle glaubigen Himmelsburger hinauff ſollen erhaben wer - den. Darumb dann auch die heiligen Vaͤtter vnd alle Lehrer der Kir - chen einmuͤtig in dieſe Gloß zuſammen ſtimmen. Jacob ſpricht (ſindTertul. l. 3. adverſ. Ma - rion. c. 24. Tertulliani Wort) hie iſt Gottes Hauß vnnd die Porte deß Himmels /dann61Predigt. dann er hat Chriſtum geſehen / der iſt der Tempel Gottes / vnnd zugleich die Porte / durch welche man den Himmel erlanget. Auguſtinus ſiheꝛAuguſtin - ſerm. 79. de Temp. confer l. 16 de Civ. D. c, 38. ſerm. 40. deverb. Dom. durch dieſe Leyter auff das Creutz Chriſti: Quid eſt ſcalæ incumbere niſi in ligno pendere? Was iſt uͤber der Leyter ſtehen als am Creutz hangen?

Es erſcheinet aber auch in dieſer Figur der Meſſias tanquam ſcala mediatoria, als ein Mittelweg / in ſeinem troͤſtlichen Mittler - ampt / ſo ſich herfuͤr gethan erſtlich in der Incarnation vnnd Menſch - werdung oder Vereinbarung der beeden Naturen. Was iſt weiter von einander als Himmel vnd Erden? Was als Gott vnd der gefallene Menſch? So wenig die Erde den Himmel herab ziehen vnndvide huius rei aliquid in gentes derivatum de catena aureaIovis apud Ho - mer. Iliad. θ. mit ſich vereinbaren kan / ſo wenig kan auch der Menſch Gott im Him - mel zu ſich herab ziehen; wo nicht Gott durch ein Band vnnd gleichſam guldene Kett den Menſchen zu ſich hinauff zoͤge / wuͤrde der Menſch in dem Abgrund ſeines Jamers wol ewig ſtecken bleiben. Solt Himmel vnd Erd / Gott vnd Menſch widerumb eins werden / ſo muſte Himmel vnd Erde gleichſam ein Ding αμφότεϱα ἔν, Gott vnnd Menſch / der HErꝛ vom Himmel vnd das Gewaͤchs der Erden / ein Perſon werden / vnd daſſelbe vermittelſt einer Leyter / dern ein End / Spitzen / Schenckel Leyterbaum / den Himmel / der ander Schenckel den Erdboden be - ruͤhret / uͤber welcher Gott ſtehet / vnter welcher der Menſch Jacob liget vnd ſchlaffet. Es muſte ein Jmmanuel in die Welt kommen / der da heiſſe Gott mit vns. Chriſti Menſchheit ſolt gleichſam die Thuͤr wer - den zur Gottheit / wie die lieben Alten pflegten von dieſem Geheimnuß zu reden: zween Leyterbaͤum erzeigen ſich / vnd iſt doch nur ein Leyter / al - ſo ſind in Chriſto zwo Naturen vnd ein Perſon. So 2. herfuͤr leuchtet in vnterſchiedlichen gradibus, Sproſſen vnd Stafflen ſeines Verdienſt / Leyden vnd Thun vnferthalben geſchehen / auff deren etlichen er herab geſtiegen / als der Empfaͤngnuß oder Geburt / Paſſion / Todt vnd Begraͤbnuß: Auff andern wider hinauff geſtiegen / als die Le - bendigwerdung / Hoͤllenfahrt / Aufferſtehung / Himmelfarth / Majeſtaͤ - tiſchen Sitz zur Rechten Gottes. Hannibal der Hertzog der weiland maͤchtigen Statt Chartago / da er ein Feldzug nach Jtalien fuͤrgenom - men / das Roͤmiſche Reich anzufallen vnnd zu erobern / koͤnte mit ſeine groſſen Heer / uͤber die rauhen vngehewren Alpen vnd Schweitzergebuͤrge anders nicht kommen / als durch vnglaublich groſſe Muͤhe vnd Arbeit / damit er den Weg geaͤtzet / gebahnet / vnnd gaͤng gemacht; er ließ groſſe ſchreckliche Fewr auff gemelten Klippen anzuͤnden / vnd wann dieſelbenH iijerhitzet /62Die Sechſteerhitzet / Eſſig darauff ſchuͤtten / daß ſie zerſprungen / vnnd ſich ergeben muſten. Solte Chriſtus fuͤr vns das Himmelreich einnehmen / ſo ko - ſtete es freylich Muͤhe / Schnauben vnd Arbeit / er bahnete den Weg vnd weichete denſelben mit ſeinem eigenen Blut / auff daß wir haͤtten dieHebr. 10, 19, 20. vi - de D. Ger - hard. har - mon. c. 176 p. 372. Frewdigkeit zum Eingang in das Heilige / durch das Blut Je - ſu / welchen er vns zubereitet hat zum newen vnnd lebendigen Weg durch den Vorhang das iſt ſein Fleiſch. Jm Grichiſchen Text ſtehen die epitheta vnd Wort ὀδὸν πϱόσφατον καὶ ζώσαν, das iſt ein ſolcher Weg der friſch geſchlachtet / macerirt vnd gemacht wird / vnd im - mer new iſt vnd new bleibet. Sein allerheiligſtes Fleiſch das iſt gemetzget / vnnd gleichſam geaͤtzet worden / daß wir durch denſelben Felßritzen in das heilige / das iſt / in den Himmel durch den Glauben eingehen moͤch - ten / derſelbe Weg iſt immer friſch vnd new / ſtehet immer offen / anders als der Opfferweg im Alten Teſtament / der veraltet vnd veriaret iſt So herfůr geleuchtet 3. Jn der Verſoͤhung Gottes vnd Menſchen. Sollen zwey feindſeelige Reich oder Voͤlcker / die einander nicht dulden vnd leyden moͤgen / ſo durch groſſe See vnnd Fluͤſſe abgeſondert / keine commercia vnd Handlung mit vnd gegen einander haben / widerumb verſoͤhnet vnd eins werden / ſollen ſie zuſammen kommen vnd mit einan - der ſich betragen / ſo muͤſſen Brucken vnd Steg gemacht werden / ſonſt werden ſie wol abgeſchieden von einander bleiben. Alſo iſt zwiſchen Him -Luc. 16. 26. mel vnd Hoͤll / Gott vnd Menſch / Engel vnd ſuͤndliche Erdwuͤrm / ein groſſe Klufft befeſtiget / das jene nicht hinab / dieſe nicht hin - aufffahren moͤgen / die Suͤnd iſt der Riß / der Gott vnd Menſch von einander ſcheidet / ſollen ſie widerumb zuſam̃en gefuͤget werden / ſo muſte die Himmliſche Jacobsleyter daß beſte thun / ins Mittel tretten / vnd denEpheſ. 3 12 Menſchen auß dem vntern Ort in den hoͤhern erheben / durch Chri - ſtum haben wir Frewdigkeit vnd Zugang in aller Zuverſicht / durch den Glauben an ihn.

Nicht weniger erzeigt ſich II. in dieſem emblemate oder Him̃li - ſchen viſir, der kuͤnfftige Meſſias / tanquam ſcala portatoria, als ein tra - gende Laſt - vnnd Bruckleyter / in ſeinem Koͤniglichen Ampt. Ein Leyter ſo man an ein Hauß oder Baum anlehnet iſt nicht nur der Weg an dem man auff vnd abſteiget / ſondern ſie traget auch den Mann der trittet getroft darauff / vnd trawt derſelben / verſihet ſich keines Falls / ſo lang er ſteiff vnnd ohne Wancken darauff ſtehet. Ein ſolche tragendeLeyter63Predigt. Leyter iſt auch der Meſſias / vnd gehoͤrt ſolches tragen zu ſeinem koͤnigli - chen Ampt. Koͤnige vnnd Regenten werden nicht vergebens vom hei - ligen Geiſt den Naͤgeln verglichen / dieweil / wie man an ein ſtarckenEſdræ 9, 8. Eſa. 22, 23. vnd feſthebenden Nagel allerhand Laſt pflegt anzuhencken / alſo auch ein Regent ein rechter Laſttraͤger iſt vnd ſeyn ſoll deß gantzen Volcks / auff dem der ſchwere Laſt deß gemeinen Weſens ligt vnd ruhet; dahin gehoͤ - tet Moſis wehemuͤthige Klag / hade ich / ſagt er zu dem HERRN /Num. 11, 12 alles Volck empfangen oder geboren / daß du zu mir ſagen magſt / trage es in deinen Armen / wie ein Am̃ ein Kind traͤgt / in das Land daß du ihren Vaͤttern geſchworen haſt? Chriſtus vnſer Koͤnig iſt dieſelbe Laſttragende Leyter / derſelbe Laſtnagel / ja Laſtad - ler / welcher ſein Volck auff Adlersfluͤgeln auß Egypten ins LandExod. 19, 4. Dcut. 1, 32. Canaan getragen / wie ein Mann ſeinen Sohn traͤget: wer auff ihn / als auff ein vnbewegliche Grundfeſt / mit der ὑποϛάσει ſeines Glau - bens fuſſet / trittet / trawet / der bleibt wol feſt / er kan nit fallen noch fehlen.

Endlich ſpiegelt auch der Meſſias ſich in dieſer Figur tan - quam ſcala vialis, als ein bewerter vnd vnſehlbarer Wegweiſer zum Himmelreich / nach ſeinem Prophetiſchen Lehrampt: dann wie ein Leyter nit nur zuſammen fuͤgt / was weit voneinander / nicht nur den Laſt deſſen der auff vnnd abſteiget / traͤgt / ſondern ſie iſt auch der Weg ſelber / vnd wann ſie fein Grad anſtehet / ſo weiſet ſie den Weg wo man ſi - cher hinauff klettern mag: alſo iſt freylich Chriſtus der Weg / die Warheit vnd das Leben / das iſt der wahre vnnd lebendige Weg via in exemplo, veritas in promiſſo, vita in præmio, ſagt der andaͤchtige (d)(d) ſerm. 2. de aſcenſ. Bernhardus; der Weg im Exempel / die Warheit in der Verheiſſung ſei - nes Worts / das Leben in dem Himmliſchen Gnadenlohn: wie er gan - gen / gethan vnd gelitten / ſo muͤſſen wir auch gehen / wer anders gehet der gehet irꝛ: Er hat vns ein fuͤrſchrifft gelaſſen das wir folgen ſei -2. Petr. 1, 21. nen Fußſtapffen: auff dem Weg der zehen Grad deß Decalogi, der heiligen zehen Gebott iſt er gewandert / er hat denſelben mit ſeinem Blut beſprenget vnd bezeichnet: ſo muͤſſen wir auch vnverꝛucket vnd vnanſtoͤſ - ſig wandeln / druͤber leiden / was Gott verhaͤnget: der Gehorſam den wir Gottes Gebott zuleiſten ſchuldig / iſt via regni etſi non cauſa regnandi, iſt der Weg Auff welchem wir wandlen ſollen / aber der Weg durch welchen wir wandlen koͤnnen / iſt vnd bleibt Chriſtus allein. Summa er iſt der Wagen Jſrael vnd ſeine Reuter / vnſer Streitwagen /vnſer64Die Sechſtevnſer Laſt wagen / vnſer Himmliſche Profiantwagen / der vns taͤglich im Wort vnd Sacramenten gleichſam zu Haußfahret / wir ſollen nur / wie Elias anffſteigen vnd darauff gen Himmel fahren. Dann ja freylich diſe Leyter dem lieben Jacob nicht allein erſchinen / ſie wird vns auff den heutigen Tag geprediget / ſie præſentirt ſich / iſt bereit vns auffzuladen vnd hinauff zufuͤhren. Hoc ſacramentum datum eſt, ut eſſet prophe - tia in futurum pro omnibus prophetis, quia, quæ Moſes ſcripſit de Pa - triarchis, non propter illos præcipuè ſcripſit, quibus neutiquam opus fuit his ſcriptis & jam mortui collecti ſunt ad ſuos Patres: ſed ut eru - diantur & confirmentur Eccleſiæ uſque ad finem mundi, ſchreibet der(e) comm - ad Geneſ. fol, 85. thewre (e) Lutherus, das iſt / dergleichen Figuren vnnd Geheim - niſſen ſeind auffs Papier gebracht vnd ſchrifftlich auffgezeich - net worden / nicht den Patriarchen / denen dieſelben erſchinen / zugut / dann die bedoͤrffen der Schrifft nicht / ſie habens ſelber geſehen vnd gehoͤrt / ſo leben ſie auch nicht mehr; ſondern vns vnd der Chriſtlichen Kirchen zum Troſt vnd Beſten / biß ansIoh. 21, 20. Ende der Welt. Darumb o lieber Menſch folge mir nach / ſpricht der HErꝛ zu Petro vnd vns allen / MJR / vnd nicht dir vnnd deinem argen Fleiſch vnd Blut / das leiter dich auff den Weg der Wolluͤſt / zurHomer. Iliad. θ. guldenen Ketten / die der Heydniſche Jupiter von Himmel herab laſſet / alle Gold vnd Geltbegierige Menſchen an ſich zu ziehen: durch die ſcalam honoris, durch die Ehrenleiter / daran mancher erwuͤrget / wie Ha - man, oder doch widerum herab burtzelt / nach dem alten lateiniſchẽ ſprich - wort / tolluntur in altum ut lapſu graviore ruant, mancher ſteiget behend hoch hinauff / vnd fallet bloͤtzlich widerumb tieff hinab. Es ſpazierten auff ein Zeit zween Bruͤder mit einander / einer war geſcheid vnd klug / der ander ein Tippel vnnd Thor: die kamen beede an einen vngleichen Scheidweg / dem thorichten Bruder gefiel der eine breite luſtige Weg am beſten / der kluge aber wolt den andern engen / ſtachlichten vnd ſteinichten Weg lieber betretten: Daruͤber zanckten ſie ſich mit einander ſo lang / biß der kluge dem Narꝛen gewichen / vnd mit ihm den breiten ſanfften Weg gegangen: was geſchicht / da ſie ein ſtuͤck hinder ſich geworffen / gerathen ſie vnter die Moͤrder / werden gefangen / kommen in Leibs - vnd Lebensge - fahr / werden fuͤr den Moͤrderkoͤnig als den Richter gebracht. Darauff ſprach der Kluge zum Thoren / hieran biſtu ſchuldig / haͤtteſtu mir gefol - get / ſo weren wir in gegenwertige Noht nit komen: dieſer legte die ſchuld auff den Klugen / vnd ſprach / Ey biſtu ſo Naßweiß vnd witzig geweſt /mehr65Predigt. mehr als ich / warumb haſtu dich durch mich verfuͤhren laſſen: Worauff der Richter ſie beyde zum Todt verdampt / vnnd geſagt / jhr habt beyde das Leben verwuͤrckt: der Thor / daß du dem Klugen nicht wollen glau - ben / der Kluge das du dich vom Thoren vberreden laſſen. Dieſe zwen Bruͤder leben noch bey einem jeden Widergebohrnen Chriſten / der eine iſt der Alte Menſch / der Thor: der ander heißt der Newe Menſch / der Kluge: laſſet ſich dieſer von jenem vberꝛeden / vnd volgt demſelben / ſo iſts vmb jhn geſchehen; laßt er ſich verleyten zum breyten Weg / Welt - licher woluſt / Ehr vnd Gut / ſo kompt er den Seelen Moͤrdern in die Rappuß / wird er verdampt / ſo geſchicht jhm recht. Mir allein ſagt der HErꝛ / folgemir / vnd keinem andern nach. Jch bin der Weg / die Warheit vnd das Leben / niemand kompt zum Vatter ohn durch mich. Jch bin die einige vnd bewerte Jacobs Leyter / Der Menſch iſt Gottloß vnnd Verflucht / ſein Heyl iſt auch noch ferne / der Troſt bey einem Menſchen ſucht / vnd nicht bey Gott dem Herꝛen. Was zeihen ſich dann die Blinde Leuth / vnd leyter im Pabſtumb / die allerhand nebens-Leytern vnd beyweg erdacht / vnd in jhrem Hirn gezimmert / ein vnd die ander ſelbſt erwoͤlte ſproß / der Diſciplin, Faſten / Martern / Geißlen / Kutten / Kappen / Strick / Holtz - ſchuh / Walfarthen / muthwillige Armuth / blinde Gehorſam / luſtſeuͤche Keuſchheit an die leyter angehefftet / vnd geflicket. O der Heyloſen Ley - ter / des Faulen vnd Wurmbſtichigen Holtzes / der elenden ſpinnweb / der Icariſchen ſpruͤng / deß Menſchen gemaͤchts! Von dem Heyligen Rom -(f) Corn. a Lapid. ad Geneſ. 28. pag. 229. waldo (f) gibt man im Pabſtumb fuͤr / als demſelben einsmals in einem Geſicht Jacobs Leyter erſchienen / darauff er geſehen etliche Muͤnchen in Weiſſen Kutten auff vnd abſteigen / vnd darauß abgenommen / daß der Muͤnchen Orden die rechte Himmels Leyter ſein muͤſte / ſey er bewo - gen worden daſelbſt / von dem Herꝛen des Orths da er das Geſicht ge - habt / nicht weit von Florentz in Jtalien / der mit nahmen Maldulus geheiſſen / ein Platz zu erbitten / auff welchen er ein Kloſter gebawen / ſo Camaldulum genennet worden. Alſo ſollen einem andern Traͤwmer eben vmb die zeit / da der Heylige Dominicus verſchieden / bey eroͤffnetem Himmel zwo ſchneeweiſſe Leytern erſchienen ſein / deren eine Chriſtus / die ander die Jungfraw Maria gehalten / vnden an der Leyter ſoll ein Sitz oder Stul geweſen ſein / auff welchem Dominicus geſeſſẽ / der durch die Leyter hinauff gezogen worden / zu bezeugung / daß ſein Orden den er geſtifftet / vnd Ordensregel / die rechte Himmels Leyter ſeye. EbnerJmaſſen66Die Sechſte(g) apud Carol. Stẽ - gel. in laud Bened. c. 27. pag. 93.maſſen wird gedichtet (g) von dem Heyligen Benedicto, dem Patriar - chen der Benedictiner Muͤnchen. Gantz (h) Gotteslaͤſterlich iſt es was von dem Heyligen Franciſco auff die bahn gebracht worden / als hab derſelbe auff ein zeit zwo Leytern / ein Rothe / auff deren Chriſtus / vnd ein Weiſſe auff deren Maria erſchienen / geſehen / vnd als auff den befehl Franciſci ſeine Ordens Bruͤder die Rothe Leyter betretten / ſeyen jhrer viel wider herab geburtzelt: Daruͤber er Franciſcus die Threnen flieſſen laſſen vñ gefrags / was dz bedeute; Dem Chriſtus geantwortet / Ey ſag du deinẽ Bruͤdern / ſie gehen jrꝛ / ſie ſollen auff jener der weiſſen Leyter hinanff ſteigen / da ſie dieſem Rath gefolget / ſeyen ſie leichtlich in Himmel hin - auff kommen.

(h) apud Bernhard. de Buſtis marialis part. 9. ſerm 2. aſſimil. 2. Confer li - brum conformit. Barthol. Piſani fol 50. Henricus Sedulius Franciſ. Antvver. in a - polog. pro Alcorano Franciſ. l. 3. c. 17 nihil hic abſurdi ſcribit, intellecturum, qui meminerit Dominum etſi omnipotens ſit, opera tamen aliorum uti, non quia e - geat, ſed quia ita Velit. At ſi ad mediatorem opera mediatricis opus, nova me - dia trice ad mediatricem in infinitum erit opus. ()

Aber was ſagt der HERR Chriſtus in ſeinem Wort? Nie - mand kombt zum Vatter denn durch mich. Das heißt ja klarTom. 7. Ien. vber das 14. cap Johan. (ſeind Lutheri Wort) vnd deutlich genug geredt / rein auß geſchloſſen vnd gewaltiglich nider gelegt / alle Lehr vom Verdienſt der Wercken / vnd eigner Gerechtigkeit / vñ ſchlecht verneint / vnd verſagt allẽ andean Troſt vnd vertrawen / dadurch man vermeint in Himmel zu kommen / Dann es heißt kurtz niemand / niemand / kombt zum Vatter dann durch mich. Es iſt kein ander Schiff noch vberfarth. Derowegen rein ab / rein ab O lieber Chriſt / mit dieſen neben Stegen / vnd bey Brucken / ſie moͤ - gen in der anfechtung nicht Fuß halten. Darvon hat auch jenner Caiaphas (i) zu Jngolſtatt / wider ſein eigne Religion geweiſaget der weg /(i (Fr. Ioh. Crvendor. Franciſc. vber die E - piſt. an S. Thomas tag. an no 1614. p. 555 citat. à D. Gerhard. l. 2. Confer. Cath. part. 3. pag. 850. prediget er / iſt bereyt alle hindernuſſen beyſeit gethan / die Leyter ſteht allda. Wer nun die Leyter Jeſum Chriſtum nicht leiden kan / vnnd will mit ſeiner eignen Gerechtigkeit wuͤrcken / vnd ohn Chriſtum jhm ei - ne Leyter machen / vnd gen Himmel ſteigen / der ſehe zu daß er nicht in deß Teuffels nam herab falle vnd den Haltz ſtuͤrtze / denn Chriſtus ſagt Jch bin der Weg. Mir / ſagt abermal der Herꝛ / folge nach / vero fi - dei conceptu, faß mich recht / bilde dir kein getrennten vnd halbirten Chriſtum ein / wie du glaubeſt ſo geſchicht dir / wie du mich dir einbil - deſt / ſo wirſtu mich haben. Siehe dieſe Jacobsleyter iſt gantz vngetren - net / ſie reicht biß auff die Erde herab: Darumb hinweg mit allen Ver - nunfft Fantaſeyen / laß dir nicht jrꝛgends eine ſolche Leyter fuͤrmahlen welche die Erd nicht beruͤhret / ſondren allein droben im Himmel ſchwe -bet67Predigt. bet / darnach du mit deinen Gedancken fladern muͤſſeſt / deß Menſchen Sohn der im Himmel geweſen / hat gleichwol auff Erden mit Nico - demo ſprach gehalten: Wo zwen oder drey verſamblet ſeind in meinem Nahmen / da bin ich Mitten vnder jhnen. Laß dich nit bereden als hieſſe an dieſer Leyter die erſte ſproß / Abſoluta prædeſtina - tio, ein bloße vnbedingte gnadenwahl / von derẽ ein vnvberwindliche kraͤf - tige Magnetiſche vocation vnd zug / allein die bloß erwoͤhlte beruͤhrte / die andern vbergienge / oder doch nur dem euſſerlichẽ zeichen nach ohn hertzli / chen liebreichen / vaͤtterlichen affect beruͤhren thaͤte. Daß ſeind wol ſcalæ ſomniatæ, daß ſeind wol Traum leytern. Sihe hinauff gen Him - mel / wer ſtehet oben auff der leyter? Jſts nicht der / der vom Himmel herab alle Menſchen Kinder zu ſich locket / vnnd ſein Arm außſpannet auch vber ein Vngehorſames Volck: Der ſeine Gnadenfluͤgel als eine Henn vber jhre Kuͤchlein außbereitet. Wer jhm dieſes geheimnuͤs anderſt einbildet / die zwen Leyterbaͤum voneinander trennet / vnnd auß der Leyter / ein Vernunfftgauckeley macht / der verlegt jhm ſelber den Weg zum Himmel / er wirfft die Bruck ab / vnnd kan zum Hoͤchſten Gut / vnd der Gemeinſchafft ſeiner Heyligen nicht gelangen. Darumb tritt getroſt auff dieſe ſproſſen / wage es ohne Schwindel vnd wancken. Gott lob vnd Danck der Weg iſt gemacht vnd ſteht der Himmel offen. So wird der Menſch mit Gott vereinbart / ſo bleibt er durch den Glauben von jm vngetrennet / kein Ort kan jhn abſondern / kein Klufft ſein Gebett hindern / das es nicht empor ſteige / vnſere Hertzenſeufftzer muͤſſen von der Erd in den Himmel hinauff erſchallen / er wird endlich nicht ins Ge - richt kommen / ſondern vom Todt zum Leben hindurch dringen: wann er in groſſen Noͤthen nicht weiß wo auß noch an / die Welt will jhm zu enge werden / er ſpricht mit David / O hette ich fliegel wie Tauben daß ich floͤge / vnd etwa bliebe. So wird der HErꝛ Chriſtus ſei - ne Wunden als Felßritzen oͤffnen / Er wird als der Himmliſche Noa ſein Hand außſt recken / ſein fluͤchtiges Taͤublein in ſeinen Himmels ka - ſten / hinauff zu ſich ziehen vnd ſagen / kom her meine Taube / meine1. Sam. 14. 12. v. 55. Schoͤne. Allein gehoͤrt auch darzu ſequela vitæ die lebensfolge: Iona - thã ſagt zu ſeinẽ Waffentraͤger ſtteige mir nach: Ebẽ alſo ſagt der Herꝛ vnſer Hertzog vñ fuͤrgaͤnger Chriſtus auch zu vns / ſteige mir nach / durch Stauden vnd Hecken / vber den Schmalen Weg der Truͤbſal voll iſt. Der Creutzweg erfordert Creutzhelden: Die Rieſen wolten vor zeiten den Himmel ſtuͤrmen / vnd ohn Creutz den Himmel mit gewalt einnemmenJ ijdergleich -68Die Sechſtedergleichen vnmenſchen gibts noch! nunmehr der Creutzweg zum Him melreich geoffen bahret / will leider keiner kein Creutzheld mehr ſein / ſondern ein Welt-Rieß / vnd ihm doch dabey guldene Himmelsberg einbilden. Will mir jemand nachfolgen ſagt der HErꝛ / der verleu - gne ſich ſelbſt / vnd neme ſein Creutz auff ſich vnnd folge mir nach. Domine ſequamur te, per te, ad te, quia es via, veritas & vita: via in exemplo, veritas in promiſſo, vita in præmio. das iſt / HERR laſſe dir vns folgen / durch dich / zu dir / dann du biſt der Weg / die War - heit vnd das Leben: der Weg im Exempel / die Warheit in der Verheiſ - ſung / das leben in dem ewigen Gnadenlohn. So ſprechen vnd ſchlieſ -(k) Serm. 2. de aſcens. ſen wir mit dem andaͤchtigen (k) Bernhardo Amen.

Folget ein ſehr ſchoͤne Meditation hieher gehoͤrig / des Thewren Lutheri im ſiebendeu Jeniſchen Theil / vber das 14 cap. S. Johannis.

fol. 59.

Man muß hie nicht weiter fahren noch fladern mit gedancken (auſſer Chriſto) als were jrgend ein ander Weg oder ſtraſſe / ſo wir gehen ſol - ten oder moͤchten. Wie allzeit die falſchen Heyligen / vnnd alle Ver - nunfft ander wege ſuchen / vnd gehen wollen. Als die man nennet Car - theuſer / bawen jhnen eine ſondere Bruͤcken hinauff gen Himmel / daß ſie gelobte Armut vnd gehorſam halten / nicht Fleiſch eſſen / keine Leinen Kleyder tragen / nicht vber eine nacht an einem ort liegen etc. in dem wahn gehen ſie hin / vnnd meinen ſie ſeyen auff dem rechten Wege gen Himmel. Aber es iſt eine Bruͤcken vnd treppen von ſpinnweb gebawet / auff welcher je hoͤher ſie ſteigen / je tieffer vnd ſchaͤndlicher herunder fallen in Abgrund der Hoͤllen / Denn das iſt nicht der Weg / ſondern eitel ver - fuͤhrung / weil da gar kein Chriſtus geglaubt noch erkandt wird.

Desgleichen thut auch ein Barfuͤſſer / mit ſeinem ſtrick vnnd Holtz - ſchuhen / der da viel faſtet / murꝛet vnd plappert / helt ſeine Regel / ligt nicht auſſer der Kappen / vnd leßt ſich die Leuſe freſſen / wehnet / er ge - he alſo ſtracks zu gen Himmel / vnnd nicht allein fuͤr ſich / ſondern ver - miſſet ſich auch andere mit jhm zu ziehen / durch ſeine gute Werck vnnd verdienſt des Ordens.

Das heiſſet nicht / auff dem Wege gen Himmel / ſondern in eine Blindheit vnd betrug deß Teuffels / ſtracks zur Hoͤllen zugelauffen / es thuts nicht alſo / Bawe / mache vnd ſuche was du wilt / Wenn es da -hin69Predigt. hin kompt / daß man in ein ander Leben tretten / vnd auß dieſem ſehei - den ſoll / ſo muſtu dieſen Weg allein ergreiffen / oder ewig verſohren ſein. Denn ich (ſpricht er) bin der Weg (darauff man zum Vatter kompt / vnd ſonſt keiner) Jch vnd kein ander / bi[n]die Warheit vnd das Leben. Da muſtu hin / daß du dich an dieſen Mann halteſt / vnd feſt bey dem Glauben vnd bekentnis bleibeſt / vnd jmmer denſelben geuͤbt / im Leyden vnd Sterben / vnd geſagt / Jch weis kein ander Hilffe noch rath / kein Heyl noch Troſt / keinen Weg noch Steg / denn allein meinen Her - ꝛen Chriſtum / fuͤr mich gelitten / geſtorben / aufferſtanden / vnd gen Himmel gefahren. da bleib ich bey / vnnd gehe hindurch / ob auch eytel Teuffel / Todt vnd Hoͤlle vnter vnd fuͤr mir waͤren. Denn das iſt je der rechte Weg vnd Bruͤcke / feſter vnd gewiſſer / denn kein Steinern noch Eyſern Gebaͤw / vnd muͤſt ehe Himmel vnd Erden brechen / denn dieſes ſolt fehlen oder triegen.

Ob man gleich ſolche vnd dergleichen Spruͤche fuͤhret / vnd die Leuthefol. 61. ſo weit beredet / daß ſie es laſſen recht vnd war ſein / ſo kompt doch Mei - ſter Kluͤgel / ja der Teuffel ſelbs / mit der ſpitzigen Vernunfft / vnnd will der ſachen helffen / das ſie ja jhre beywege erhalte / vnd die ſchoͤne Spruͤche matt mache / vnd gibts alſo fuͤr / es ſeye alſo zuverſtehen / daß Chriſtus habe Vns gegeben gute Lehre vnd Gebott / wie Wir thun vnd leben / J - tem gute Exempel / den wir folgen ſollen / vnnd wenn wir ſolchs halten vnd thun / ſo treffen wir den rechen Weg gen Himmel etc. Machen al - ſo auß Chriſto einen lautern Moſen / der nicht mehr / dann von Vnſerm thun vnd Wercken ſage / vnd auff vns ſelbs weiſe.

Huͤte dich fuͤr ſolchem ſchaͤndlichem vnnd Verfuͤhrlichem GeſchwetzIbid. vnd triegerey / ſo dir Chriſtum allein als ein Werck Lehrer fuͤrhaͤlt / als habe er vns nichts mehr gelehret vnd gezeigt / denn wie wir leben / vnnd was wir thun ſollen / denn davon kund er nicht heiſſen / der Weg / ſon - dern were nicht mehr / denn ein Creutz oder Marter am Wege / ſo da wol weiſet / wo der Weg iſt oder wo man gehen ſoll / aber ſelbs nicht fuͤhret noch traͤgt. Denn ob er gleich viel lehret vnd zeiget wie wir leben ſollen vnd jhm nachfolgen / wie er gethan vnd den weg gegangen hat / ſo were es damit noch lang nicht gethan / noch gegangen. Das Exempel iſt wol koͤſtlich / aber vns viel zu hoch / das wir jhm ſelbs folgen koͤndten. Zu dem / hab ich geſagt / daß vnſer Werck vnd thun alles noch gehoͤret in dieſes leben.

Aber diß gehen vñ der Weg / davon man hie redet / iſt nit mehr dieſes le - bens / ſondern ein gang vnd ſprung / dadurch man muß tretten vnndJ iijvber -70Die Sechſtevberkommen / in jenes leben. Darumb iſts hie gleich / als wenn ich vom Land an ein Vfer kaͤme / da die Straſſen vnd gebaͤnter Weg auff - hoͤtet / vnd ich eytel Waſſer fuͤr mir ſehe / vnd nicht hinuͤber kuͤnte / noch mich derauff wagen thuͤrſte / ich hette denn feſte gewiſſe Steg oder Bruͤ - cken / oder jemand der mich vberfuͤhret. Da were mir nichts geholffen / ob man mir ſchon zeigt wo ich hin muͤſte / ſo es doch alles vnwegſam we - re / vnd niemand mir kundte hinuͤber helffen / ſolt ich aber hinuͤber kom - men / ſo muͤſte ich etwas haben / darauff ich ſicher tretten / vnd mich ver - laſſen moͤchte / das es mich gewiß tragen wuͤrde.

Alſo gehts hie auch / wann es gilt auß dieſem Leben durch den Todt in jenes zu kommen / da hoͤret mehr zu / dann vnſer Leben vnnd thun / wie gut es jmmer ſein kan / dann da bin ich vnd aller Menſchen Werck vnd vermuͤgen viel zu ſchwach zu / daß es mir kuͤnt helffen die Suͤnde zu til - gen / Gott zuverſuͤhnen / den Tod zu vberwinden ect. Darumb ich als - dann einen andern gewiſſen Grund / oder feſte vnnd ſichere Steg vnnd Bruͤcken muß haben / die mich vbertragen / Das iſt nun allein dieſer Je - ſus Chriſtus / der da ſoll allein der Weg heiſſen / dardurch wir in jenes Leben / vnd (wie er ſagt) zum Vatter kommen / ſo wir mit feſtem Glau - ben an jhm hangen.

Darumb wo es darzu kompt / daß du dieſes Weges gehen ſolt / ſo muſtu kurtzumb aller ander Wege keinen gedencken / vnd nur Weit auß den Augen vnnd Hertzen ſetzen / was man dir von Werck leret / gutem le - ben vnd Exempel ſaget. Das magſtu vnd ſoltu wol thun / weil du hie auff Erden wandelſt / daß du dich vbeſt in feinem zuͤchtigem Leben / ge - horſam / vnd Wercken der Liebe gegen dem Nechſten / denn diß ſind auch gute vnd Goͤttliche Wege darauff man ſoll in dieſem Leben jmmerdar fortfahren vnnd zunehmen. Doch das du nicht darauß macheſt / den Weg / der dich auß deſem leben vbertragen ſoll / das iſt / daß du nicht dich derſelben troͤſteſt noch darauff verlaſſeſt / wenn du ſterben ſolt / deñ es iſt je noch alles nicht Chriſtus / der fuͤr dich geereutzigt / vnd geſtorben iſt / darumb ſoll es auch die Ehre nicht haben / ſo Chriſto allein gebuͤhrt / wie es auch nicht vermag.

Darumb wenn das Stuͤndlein kompt / da vnſer thun vnd werck auffhoͤren muß / vnd wir nicht laͤnger allhie zu bleiben haben / vnd die - ſe Diſputation angehet / wo nemme ich nun eine Bruͤcken oder Steg der mir gewiß ſey / dardurch ich hinuͤber in jenes Leben komme: Wenn man dahin kombt (ſag ich) ſo ſihe dich nur nach keinem Wege vmb / ſo da heiſſen Menſchlche Wege / vnnd vnſer eygen gut / heylig leben oderwerck71Predigt. werck / ſondern laß ſolches alles zu gedeckt ſein / mit dem Vatter vnſer / vnd daruͤber geſprochen / Vergib Vns Vnſer ſchuld etc. Vnd halte dich allein zu dieſem / der da ſagt / Jch bin der Weg etc.

Weil wir ſagen / daß man allein durch den Glauben / an Chriſtofol. 62: hangend / gen Himmel komme / ſchreyen ſie / man verbiete gute Werck / ſo wir doch gar nicht wlder gute Werck lehren / ſondern treiben vnd ver - mahnen / daß man den Weg auff Erden wol bawen ſoll / alſo / daß wir allhie gegen einander zuͤchtig / gehorſamlich / gedultig / vnnd dienſtlich leben.

Aber darneben muͤſſen wir ſagen / wenn dieſer Weg auffhoͤret / vnd wir darvon ſollen / wie alsdann der Weg gebawet ſey / das wir koͤnnen den Fuß gewiß ſetzen / vnnd wiſſen wo wir hin tretten ſollen / gleich / als wenn ich vom Land / ans Waſſer kome / da mich die Erde nimmer traͤgt vnd doch hinuͤber ſoll vnd muß / Wo da nicht ein Vberfarth / Bruͤcken oder Schiff iſt / ſo muß ich entweder im Waſſer erſauffen / oder hie diſſeit bleiben vnd wider zu ruͤck kehren. Alſo auch / ob ich gleich allhie wol ge - lebt habe / vnnd meinen Weg auff Erden ergangen / doch wenn daß Stuͤndlein kompt / das ich auß dieſem Leben tretten ſoll / da muß ich an - der Weg vnd Steg haben / ſo mich dorthin vbertrage / das iſt nun kein ander / denn dieſer Chriſtus / fuͤr mich gelitten vnd geſtorben / auff daß ich durch jhn das ewig Leben erlange.

Gleich wie die Kinder Jſrael am Rothen Meer / fuͤr der weiten Wilden Flut erſchracken / da ſie hoͤreten / daß ſie ſonſt nirgend vber kun - den / vnnd entweder dahindurch gehen muſten / oder in der Feinde haͤn - ten bleiben / daß ſie auch moͤchten ſagen / ſol das ein Weg heiſſen / auß dem Todt vnd Gefaͤngnis / da wir allenthalben beſchloſſen ſind / zu bey - den ſeyten mit groſſem Gebuͤrg / vnnd vor vns / mit eytel Woge vnnd Waſſer? Ja wann wir Voͤgel oder Fiſche waͤren / daß wir oben hinuͤber fliegen / oder durchs Meer ſchwimmen kuͤnten. Noch muſte allda ein Weg werden / vmb des Wort Gottes willen / vnd das Meer ſich von - ander thun / vnd ſie laſſen trocken hindurch gehen.

fol. 63.

Gleich alſo / iſt hie auch nichts zu ſehen noch zu begreiffen / daß da ſolte der Weg vnd gang ins ewige Leben ſein / da der Menſch nichts fuͤ - let denn Todes Angſt vnd ſchrecken. Aber dagegen ſtehet Chriſtus mit ſeinem Wort / ſo er ſpricht / Jch bin der Weg etc. vnd machet damit auß dem vnwege / ja auß dem verderben / einen Weg vnd Bruͤcken / daß der Menſch friſch vnd vngezweiflet auff jhn tretten / vnd durch jhn hindurch kommen ſoll / wie jene auff Gottes Wort leiblich durchs Meer / trockensFuß72Die SechſteFuß / vnd vnverhindert giengen / da doch ſonſt kein Weg war.

fol. 64.

Es ſeind viel Leuthe / die da fein vnd wol anfahen zu Glauben / a - ber wens auff mitten Weg kombt / da ſie ſollen fortfahren / da laſſen ſie ſich jrꝛ machen / vnnd neben auß fuͤhren / weil ſie der ſache nicht gewiß ſind oder erſchraͤcken / das ſie wider zuruͤck dencken.

Gleich als die Juͤden / da das Meer ſich auffgethan hatte / vnnd ihnen einen Weg machet / das ſie jetzt darinn ſtunden / vnd das Waſſer zu beyden ſeyten hoch vber jhren Koͤpffen ſahen ſtehen / haben ſie wol moͤgen dencken / Ey was haben wir gethan: Sind wir nicht die groͤſſe - ſten Narꝛen / das wir vns laſſen in dieſe Wilde Fluth; Sehen wir doch daß hie das Waſſer vns auff dem Hals ligt / wie / wenn es jetzt vber vns zuſammen ſchluͤge / vnd alle des Augenblicks erſeuffte / wie bald hernach dem Koͤnige Pharao mit alle ſeinem Heer geſchahe. Vnd were jhnen auch alſo gangen wenn ſie ſolchen gedancken gefolget hetten / vnnd ſich den zweifel vnd Vnglauben vberwinden laſſen / Das ſie entweder we - ren jrꝛ worden / vnd zu ruͤck vnter die Feynde gelauffen / oder were jh - nen ſo angſt worden / das ſie ſelbſt vndereinander gefallen / vnnd alſo doch im Waſſer verdorben weren / wie hernach jhrer vielen in der Wuͤ - ſten widerfuhr / da ſie murꝛeten / vnnd verzweiffelten hindurch zukom - men / vnd wider zu ruͤck in Egypten begerten etc. Aber weil ſie dazumal den weg (durch das Meer) nach Gottes Wort annahmen vnd alſo dar - auff fortfuhren / vnd nicht zweiffleten / da muſte das Waſſer ſtill ſtehen / vnnd nicht ein Troͤpfflein fallen / vnd ſie trucken hindurch gehen laſſen / ob wol ſonſt kein Grund / vnnd aller Vernunfft nach / ein gefaͤhrlicher / ſchroͤcklicher / vnwegſamer Gang war.

Alſo auch jhr (will Chriſtus hie ſagen) wenn jhr Mich durch den Glauben ergriffen habt / ſo ſeyt jhr auff dem rechten Wege der euch ge - wiß iſt / vnd nicht verfuͤhrt. Aber ſehet allein zu / daß jhr darauff bleibet vnd fortfahret / denn es wird euch gar mancherley anſtoͤß vnnd hinder - nuͤs begegnen / beyde zur rechten vnnd lincken ſeyten. Darumb muͤſt jhr geruͤſt ſeyn / daß jhr feſt an Mir haltet / vnd euch nichts laſſet anfech - ten / was euch Grauſams oder ſchroͤcklichs fuͤr Augen kompt / ſo euch von mir will abſchrecken / oder mit ſchoͤnem ſchein / zur ſeyten außreytzen vnd locken w〈…〉〈…〉 ll / vnd wiſſen das ſolches eytel luͤgen vnd betrug deß Teuf - fels iſt / dadurch er euch ins Verderben fuͤhret. Jch aber will gewiß ſein vnn durch dieſes weite Meer / auß dem Todt in das ewige Leben / auß der Welt vnd Teufels Reich / zum Vatter bringen / darum̃ will ich nit allein ſelbs derweg / ſondern auch die Warheit vnd das Leben ſein vnd heiſſen.

Vber73Predigt.

Was wolteſtu doch ruͤhmen von deinem thun oder vermoͤgen / wenn du ſolteſt gehen / durch ein weites wil des Meer / zwiſchen eitel groſſen Wellen vnd Waſſerwogen / zu beyden ſeiten / da du nichts denn gewiſſen Tod fuͤr dir ſeheſt / vnd keinen Raht noch hilffe wuſteſt hindurch zu kommen / ob du dich zu todt marterſt mit Wercken? Gleich wie das Volck Jſrael / muſte ſchlecht gantz vnd gar an aller menſchlicher Weißheit / Raht vnd Huͤlffe verzweiffeln / vnd nimmermehr hetten duͤrffen wagen hindurch zu gehen / wann ſie nicht ſich ſchlecht an Gottes Wort gehalten / vnd den Glauben gefaſſet hetten / Sie hetten lang muͤſſen mit fuͤſſen tretten / ſpringen vnd tantzen / ehe ſich das Waſſer von ander auffgethan / vnd ſie hindurch gelaſſen hette / wo nicht das Wort vnd ihr Glaube an daſſelbi - ge da geweſen were.

Viel weniger iſt es / mit Wercken vnd vnſern kraͤfften gethan vnd außgericht / dieſen gang oder uͤberfahrt zu vollenden: ſo gar viel ſchwerer vnd gefaͤhrlicher iſt / dañ iene leibliche durch das rothe Meer / da vns auff den Hals fellet vnd uͤberſchwemmet der Suͤnden laſt / Gottes Zorn / ewi - ger Todt / vnd der Teuffel mit der gantzen Hellen / daß du ſolchs alles - berwindeſt / vnnd ſicher hindurch kommeſt: es gehoͤret mehr dazu / dann rothe Schuch zu dieſem Tantz. Darumb muß der Glaube hie regieren / vnd allein alles thun.

Darnach aber wann du ſolchen Glauben haſt / da ſollen gute Werck auch folgen / als die auß dem Glauben muͤſſen flieſſen vnnd fol - gen / wo ſie ſollen gut vnd Gott gefaͤllig ſeyn / vnd dazu auch nicht koͤnnen geſchehen vnd gethan werden / ſo der Glaube nicht zuvor da iſt. Gleich wie die kinder Jſrael / ob ſie wohl mit den fuͤſſen durchs Meer giengen / doch zuvor den Glauben muſten im Hertzen haben / der die fuͤſſe truge / vnd darauff ſie ſich ins Meer durfften wagen / ohn welchen ſie nim - mer hindurch kommen wehren / wann ſie ewiglich mit fuͤſſen auffs Waſſer getretten wehren.

KDie74Die Siebendte

Die Siebendte Predigt.

Vber den Traum Jacobs / von den auff - vnd abſteigenden Engeln.

GEliebte in Chriſto: Sehr ſchoͤn vnd lieblich / wie auch troͤſtlich / iſt geweſt das jenige Spectacul vnnd Geſicht / welches ſich dem lieben Jacob præſentirt vnd erzeigt / Da er einen Abſcheid von ſeinem Schwaͤhr genommen / vnd ſeinem Heimath zugezogen; Dañ da begegneten ihme die Engel Gottes / in geſtalt eines wohlgefaßten Kriegs - Heers vnd Schlacht-Ordnung / darumb da er Sie ſahe / ſprach er:Gen. 32, 1, 2. Es ſind Gottes Heer / vnd hieß dieſelbige ſtaͤtt Mahanaim. Die Engel / ſprich ich / erſcheinen dem lieben Jacob / als I. Caſtra diuina, GOttes deß HERRN Zebaoth ſein Heer / von welchem HeerMatth. 26, 53. Chriſtus / zur zeit ſeines Leydens / zu Petro geſagt: Meinſtu / daß ich nicht koͤnte meinen Vatter bitten / daß er mir zuſchickte mehr dann zwoͤlff Le - gion; deren ein einiger / ein gantzes von menſchen verſambletes Kriegs -2. Reg. 19, 35. Heer / wie im Laͤger deß Koͤnigs von Aſſyrien / an hundert vnd fuͤnff vnd achtzig Tauſent Mannen geſchehen / ruiniren vnd zu boden richten kan. II. Caſtra militaria, als Kriegs-Heer / in Geſtalt vnd Schlacht - Ordnung einer wohlverfaßten Armee vnd Reuterey / ohn - zweiffel beſtehend auß fewrigen Roſſen vnd fewrigen Wagen / wie zurzeit deß Propheten Eliſa / davon die Hiſtoria daſelbſt meldet: Der BergCap. 6, 17. (a) R. ſche - lom. Iarij vel abbre - viatè Iar - ſchi, Corn. à Lap. ad h. l. war voll fewriger Roß vnd Waͤgen vmb Eliſa her. III. Caſtra duo, als zwey Heer-Läger oder Kriegs-Heer / welches das Woͤrtlein (Mahanaim) andeutet; Deßgleichen haben etliche auß dem Wort (〈…〉〈…〉Es begegnete ihm) ſchlieſſen wollen / als ſey dieſes Heer ſo hergezogen / wie in der Welt / wann etwan ein Fuͤrſt das Geleit haͤlt / vnd die Raiſende perſonen vnd Meßleuth / durch ſein Land convoyirt, dann loͤſet alsdan das ander Geleid / von dem Orth da die raiſende Leut hingedencken / ab / vnd holen ſie von den vorigen Graͤntzen zu ſich heim: Alſo ſeye auch der Schutz-Engel Meſopotamiæ Jacob begegnet / vnnd habe mit ſeiner Partey vnnd Heer ihn begleitet / biß an die Cananæiſche Graͤntzẽ; Da ſey ihm der Schutz-Engel Cananææ entgegen kommen mit ſeinem Heer / ihn vollendts heim zubeglaiten. Es will ſich aber dieſe phan -taſia75Predigt. taſia mit der Hiſtoria nicht reymen / dann es wird von beeden Hee - ren zugleich vermeldet / ſie ſeyen dem Patriarchen Jacob auffgeſtoſſen ohne Abwechslung / vnnd Graͤntztheilung. Vielmehr haben ſie ſich in zwey Fluͤgel abgetheilt / vnnd haben Jacob in die mitten ge - faßt / vnnd alſo wahr gemacht / was David auff dem Pſalter geſpielet / vnnd geſungen: Der Engel deß HERRN lägert ſich vmb dieΨ. 34, 8, her / ſo ihn foͤrchten / vnd hilfft ihnen auß. IV. Caſtra tutelaria, als Schirms-Heer / nicht als zornige Cherubim / die ihn mit einemGen. 3, 24. bloſſen hawenden Schwert abgetrieben; Sondern als ſtarcke vnuͤber - windlich guardi, vnd ſchutzhelden / welche im werck beweiſen wollen wahr ſeyn / was Jacob im Traum geſehen / als ſagten ſie: Sihe / lieber Jacob / hie ſind wir: Dein Traum wird heut dieſen Tag ſichtbarlich wahr / da dir Gott verſprach: Er wolle mit dir ſeyn / vnd dich behuͤten /Cap. 28, 15. wo du hinzieheſt / vnd dich wider in diß Land bringen / Ja dich nicht laſſen / biß er thue alles / was er dir geredt habe. Jetzt ſih - ſtu ſolches wahr ſeyn / hie ſind Wir bereit / dich zu ſchuͤtzen / wider den armen Strohmann vnd Schweinsblaß / deinem tollen Bruder Eſau /Cap. 32, 6, 7. vnnd ſeine handvoll Maͤnner / damit er dir entgegen gezogen: Darumb foͤrchte dich nicht / ſondern ſey gutes Muths. Was nun Jacob hie er - fahren / Wachend / das hat er geſehen / Schlaffend: Jſt das Dritte vnd letzſte ραμα oder Geſichte / Nemblich Curſus Angelicus, der Engliſche Lauff / vnd Leiter-Tantz / oder der Schutz vnd die Wacht der Engel / mit welcher Sie Jacob vnd alle frommen vmbgeben / damit ihnen kein Leyd wiederfahre; Von welchem Puncten / weil wir fuͤr acht tagen die Leyter beſehen haben / wir fuͤr dißmahl vnſere fernere Betrachtung an - ſtellen wollen: Gott geb ſein Gnad vnd Segen / Amen.

ANfangs ſpricht Moſes: Ecce, Sihe / Mercke drauff / mit wel - chem Woͤrtlein er vns zur fleiſſigen Betrachtung deſſen das fol - gen wird / auffmuntern will: Sihe / I. Curſum Angelicum, ein Engliſchen Leiter-Gang / Leiter-Tantz / Leiter-Sprung / Leiter-ſteigen. Es haben etliche Lehrer dafuͤr gehalten / vnd ſonderlich der Jeſuit Alca -In cap. 4. Apoc. ſar; Es werde da eigentlich anders nichts verſtanden / als das Predig - ampt / die Apoſtel vnd Lehrer / welche zu Gott hinauff ſteigen wie Moſes / die Goͤttliche Antwort vnd Befelch einzunehmen / vnnd hinabſteigen / dem Volck dieſelbe zu offenbahren. Es zwingt aber nichts ſolchen al - legoriſchen oder verbluͤmbten dunckeln Verſtand / allhie dem buchſtaͤbi -K iigen76Die Siebendtegen vorzuziehen / Weil auch die Vmbſtaͤnd der Hiſtori ſolche gloß oder Deutung nicht leyden wollen. Dann Jacob iſt ja ſelbſt ein ſolcher al legoriſcher oder heimlich verſtandener Engel vnd Lehrer geweſt; Nun a - ber wird derſelb von den geſehenen Engeln vnterſchieden: Gleich wie recht gefolgert wird / Es werden durch die vier Thier / in der Offenbah -Apoc. 4, 6. rung S. Johannis nit die vier Evangeliſten eigentlich verſtanden / die - weil Johannes / der ſie gefehen / ſelbſt ein Evangel iſt mitgeweſen: Eben - maͤſſige Meynung hat es auch bey dieſem Geſicht. Das Predigampt kan wohl verbluͤmbterweis mit verſtanden werden: iſt aber nicht der ey - gentliche buchſtaͤbige Verſtand / der jenem allzeit vorzuziehen. II. Curſum Deo glorioſum, Ein Gott ruͤhmlichen Lauff / damit der HERR / der auff der Leyter geſtanden / ſich bewieſen / als ein HERRN Zebaoth vnd Engels-Koͤnig. Es beliebt manchmahl dem H. Geiſt / die Majeſtaͤt Gottes / mit der Majeſtaͤt Weltlicher Potentaten zu ver -L. r. Esdr. cap. 7, 14. & Eſth. 1, 10. gleichen. Gleich wie ein Koͤnig ſeine Auffwarter hat / wie ſonderlich der Perſianiſche ſeine ſieben Reichs-Raͤth Satrapas vnd Kaͤmerer gehabt / die vmb ihn geſtanden / die ihm zur hand geweſt vnd fuͤr ihm gedienet: ſeine Soldaten / die er außgeſand Raach zu uͤben / ſeine Excubitorn vnd Waͤchter / ſeine Legaten vnd Trabanten an der Seiten / ſeine Poſtreu - ter vnd Laͤuffer / die er Legationsweiß außgeſand / daß ſie ihm wider re - lation vnd Antwort bringen muͤſſen: die gehen nun ab vnd zu / reiſenDan. 7, 10. cap. 4, 13. Gen. 32, 1, 2. vom Angeſicht deß Koͤnigs hinan / vnd kommen wieder zuruck. Alſo be - weißt auch der HERR hiemit ſeine Maieſtaͤt / als der auch ſeine Tra - banten vnd Diener die vor ihm ſtehen vnd auffwarten / ſeine Waͤchter / ſein Heer vnd Legaten hat / wie allhier in vnſerm Text zu ſehen. Wie - wohl dieſes alles nicht abſonderlich zuverſtehen / von gewiſſen orthen der vmbſtehenden vnd dienendẽ geiſter / davon die freffele Schul-Lehrer ihreHebr. 1, 14. Iob, 1, 6. vnnuͤtze Treume haben / ſintemal die Engel alle dienſtbahre Geiſter ſind / vnd alle / als kinder Gottes / fuͤr den HERRN tretten. Geſtalt dann auch heutiges tags die Jeſuiten / die alte Schulcalmeuͤſerey ſallen laſſen / als Suarez, Iuſtinianus, Layman, dieweil ſie wenig in die Jeſuiti - ſche kuͤchen traͤget: Dann ſo die aſſiſtenten vnnd Schutz-Engel edler ſind / als die dienende Geiſter / wie die alten dafuͤr gehalten / ſo muͤßten die Moͤnch beſſer ſeyn als die Jeſuiten / welches dieſen aber nicht gelegen / da - rumb muß die alte Meynung fallen / die newen patres ſind oculatiores, haben mehr vnd ſchaͤrpffere Augen als die alten. III. Curſum Typi - cum, ein vorbildenten Lauff. Dann gleich wie die Leyter eine ſchoͤ - ne Figur geweſt auff Chriſtum / vnd ſonderlich ſein hochtroͤſtliches Mit -lers -77Predigt. lersampt: Alſo ſind auch dieſe Engel / davon dem lieben Jacob getraͤu - met / Figuren vnd Bilder geweſt der Engel / die auff Chriſto auff: vnd ab - geſtiegen / der ſie gleichſamb getragen vnd erhalten: Jn welchem alle Creaturn ſind / leben vnd Weben / allermaſſen / wie es der HERR ſelbſt erklaͤrt: Wann Er ſpricht? Warlich / Warlich / Jch ſageIoh. 1, 51. euch: von nun an / werdet ihr den Himmel offen ſehen / vnd die Engel GOttes hinauff vnd herab fahren / auff deß Menſchen - Sohn. Wie dann / fragſtu / vnd wann iſt ſolches geſchehen? Ant - wort: in der Geburt Ehriſti / da die Engel ſichbarlich vom Himmel herab geſtiegen / vnd wieder hinauff gefahren / in geſtalt Himmeliſcher Heerſcharen / vnnd das Gloria in Eccelſis geſungen: Darnach in ſeinerLuc. 2, 13. Verſuchung: an dem Oelberg: in ſeiner Aufferſtehung vnd HimmelMatt. 4, 11. Luc. 22, 43. farth: da ſich allezeit Engel vmb Jhn gefunden / die Jhm gedienet / auff - gewartet / geſpeiſſet / getroͤſtet / geruͤhmet / von Jhm geprediget / geſungen vnd geſagt / herab gefahren / vnd bey der ſiegreichen Himmelfahrt ſeinMarc. 16, 5. Act. 1, 10. Triumpfwagen geziert / begleidet / vnd fuͤr den Alten auff dem Stuhl Vnendlicher Goͤttlicher Maieſtaͤt ſitzendẽ / gebracht: endlich am Juͤngſten tag / da wird dz ab: vnd auffſteigen erſt angehen; Dañ die Engel werden da herab fahren / außgehen / vnd die Boͤſen von den Gerechten ſcheiden /Matth. 13, 49, 50. Jene hinab in die Hoͤlleglut verweiſen / dieſe in Himmel hin auff begleiten vnnd Chriſto entgegen führen. IV. Curſum Encomiaſticum. Ein Lobens-Lauff / die Engel ſehen das Wort / ſo da ſolt Fleiſch werden / in dem Himmel: Chriſtum / der da ſolt Menſchliche Natur an ſich neh - men / in den Lenden deß ſchlaffenden Jacobs: Sein Mitlers-Ampt auff der Leyter / beluſtigen ſich ſolch Geheimnuß Bild anzuſehen / ſie geluſtet durch vnd ein Zuſchawen. Das loben ſie / daruͤber verwundern ſie ſich / davon ſingen ſie. Sie ſehen zwar allezeit das Angeſicht deß Himli -1. Petr. 1, 11, 12. ſchen Vatters / vnd werden davon mit Him̃liſchem Glantz erleuchtet vnd beſeeliget; Aber das iſt nicht gnug / ſie geluſtet zuſchawen in die Evan - geliſche Geheimnuͤß: dazu werden ſie acuirt durch dieſe Figur vnnd an - gefriſchet, vns zur Nachfolg / denen zu Troſt eigentlich dieſe Geheimnuͤß geoffenbahret. O daß wir auch mit Jhnen ſehnliche Begierd hetten zu - ſchawen vnd zu ſuchen was hinder der Decke offtgemelter Geheimnuͤſ - ſen verborgen liegt. Quod difficilius quæritur dulcius invenitur (ſagt (b) Auguſt. (was mit Muͤhe geſucht wird / das wird mit lieblicher Frewd(b) In Ψ. 105. vnd Ergoͤtzung gefunden / ꝛc.

Quia, inquit Lutherus in Gen. 28. fol. 83. Angeli non poſſunt ſatis lætari & admirari illam ineffabilem coniunctionem & unitatem diverſiſſimarum natu -K iijrarum,78Die Siebendterarum, quam non attingunt, neque aſcendendo neque deſcendendo; ſi ſurſum oculos erigunt, vident incompræhenſibilem Dei Majeſtatem ſupraſe, ſi infra de - ſpiciunt, vident Deum & divinam Majeſtatem ſubjectam dæmonibus & omni creaturæ. & mon: Hic eſt aſcenſus & deſcenſus angelorum Dei: aſcendunt cum vident Filium Dei ab æterno genitum, deſcendunt cum vident eum in tempore ex Maria natum.

V. Curſum familiarem Ein freund - vnd holdſeeligen Lauff / vnd abſteigen. Wie ein guter Freund zu dem andern reiſet / vnd beyGen. 18, 5. c. 19, 3. ihm herberget / Ja / wie die Engel bey Abraham vnd Lot eingekehrt: Alſo begeben ſie ſich herab zu Jacob / thun ſich gantz gemaͤh zu thm / beſchawenCap. 28, 12, c. 32, 1, 2. ihn in ſeinem Schlaff / als leutſeelige Geiſter: olim non erat ſic, vor zeiten war es nicht alſo / Da der Menſch gefallen / vnd das Band der Freund - ſchafft gebrochen / ſo verwahreten ſie das Paradiß mit einem bloſſen hau - enden Schwert / vnd trieben den Menſchen von ſich / wolten nichts mitCap. 3, 24. ihn zuſchaffen haben. Nun aber / hat alle Fehde ein ende / durch die Ver -Col. 1, 20. Eph. 1, 10, c. 2, 18. ſoͤhnung Chriſti / durch welchen die ανακεφαίωλωσις vnd Verſoͤhnung ge - ſchehen / beydes deſſen ſo im Himmel vnd auch auff Erden iſt. Wir ha - ben nunmehr einen freyen Zugang zu dem Him̃liſchen Vatter / vnnd zu der Gemeinſchafft aller Him̃liſchen Guͤtern / vnd daſſelbe vmb der Ley -Gen. 28, 12. ter willen / ſo ſich nicht gewiedriget die Erde zu beruͤhren / welche iſt Chri - ſtus / der nicht geſchewet / der Jungfrawen Leib / daß er Menſch wuͤrde / vnd vns erloͤſetet welcher vmb vns Menſchen / vnd vmb vnſer Seeligkeit willen vom Himmel herab kommen / durch ihn ſind wir nunmehr kom -Hebr. 12, 22, 23. men zum berge Zion / zur Statt deß Lebendigen Gottes / zum Him̃liſchen Jeruſalem / vnd zu der Menge viel tauſent En - geln: Ja / zu der Gemeine der Erſtgebohrnen / die im Him - mel angeſchrieben ſind / zu Gott / dem Richter uͤber alle / vnd zu den Geiſtern der vollkommenen Gerechten / daß wir jetzt / außLuc. 2, 14. dem Engliſchen Lobgeſang / einhelliglich intoniren vnnd anſtimmen koͤnnen:

Allein Gott in der Hoͤh ſey Ehr /
Vnd Danck fuͤr ſeine Gnade;
Darumb / daß nun vnd nimmermehr /
Vns ruͤhren kan kein Schade.
Ein wohlgefallen Gott an vns hat /
Nun iſt groß Fried ohn vnterlaß /
All fehd hat nun ein Ende.
Sonder -79Predigt.

Sonderlich VI. Curſum liturgicum, Ein dienſtbahren Lauff / dann die Engel werden außgeſand zum Dienſt / vmb derenHeb. 1, 14. willen / die ererben ſollen die Seeligkeit: nicht ſind ſie ſchlecht hin vnfere Trabanten oder Knecht / ſondern λειτουργοὶ, dienſtbahre Geiſter / Schutzgeiſter / Waͤchter / vnd Helden die vns verwahren ſollen / auff die Weiß / wie jrgent in einer Statt oder Feſtung die Capitaͤn / Fenderich Corporaln, jhres Koͤnigs knecht ſind vnd heiſſen / vnd nit der Einwohner vnd Burger Knecht; ſondern ſie werden von jhrem Herꝛn angenommen vnd beſoldet / dz ſie die Burger vnd Einwohner bewahren ſollen. S. Paulus braucht in ſeiner ſprach eben das Wort / dz auch von der Oberkeit geleſẽ wird / da der Apoſtel ſpricht: Die Oberkeit iſt Got -Rom. 13, 4. tes Dienerin / ein Raͤcherin / zu Straff uͤber den / der boͤſes thut. Ja es ſcheinet / als haben die lieben Engel jhr auff: vnnd abſteigen / wie die Schildwaͤchter auff den Waͤhlen vnd Paſteyen zu thun pflegen / wol - len miteinander abwechslẽ vnd abloͤſen / den lieben Mañ / den Jacob / nie - mahl ohn: vnnd vnbewacht zu laſſen: Ob gleich Laban / der vntrewe Schwaͤhr / jhn ruckwerts verfolgt; Eſau ſein gifftiger Bruder vorwerts demſelben mit Heeres-Krafft entgegen ziehet; ſo wollen ſie doch jhn vnd ſein Hauß / zur Seit mit zwey Heerlaͤgern vmbgeben / vnd in die Mitte faſſen / jhn zu begleyten auff dem Jrꝛdiſchen vnd Himmels-Weg / Ja nach dem zeitlichen Todt / ſeine Seele mit hinauff zutragen / in Abra - hams Schoß.

Nun / meine liebſte / diß Geſicht gilt vns auch / gleich wie auch die Leyter vns zu Troſt auffgezeichnet; Hie laͤßts ſichs / à particulari ad Vni - verſale, ab exemplari ad exemplatum, recht ſchlieſſen / nach Anlei - tung deß Liechts der H. Schrifft. Dann / auff dieſe vnnd die andereΨ. 34, 8. Figur vnnd Exempeln, hat geſehen David / wann er ſpricht: Der Engel deß HERRN laͤgert ſich vmb die her / ſo Jhn foͤrchten / vnd hilfft jhnen auß. Deßgleichen: Der HErꝛ hat ſeinen En -Ψ. 91, 11, 12. geln befohlen ůber dir / daß ſie dich behuͤten / auff allen deinen Wegen / daß ſie dich auff den Haͤnden tragen / vnd du deinen Fuß nieht an einen Stein ſtoͤſſeſt. Mit welchem zuſtimmet Pau - lus / wann er in oͤffters angeregtem Spruch / die Engel dienſtbare Gei -Heb. 1, 14. ſter nennet; vnd vnſer Heyland ſelbſt / wann er von dem armen LazaroLuc. 16, 20, 22. ſagt: Daß er nach dem Todt / von den Engeln in Adrahams Schoß ge - tragen ſey.

Wir haben vns ferner bey dieſem gegenwertigen Vortrag zu -erinnern80Die Siebendteerinneren der ſchuldigen nachfolg / daß wir auch mit den Engeln lernen zu Gott im Himmel / durch jnnigliche glaubige Begirden hinauffſteigen / ſampt jhm an der geiſtlichen Jacobs Leyter / Luſt vnd Frewd haben / daruͤ - ber Frolocken / vmb ſo viel deſto mehr / als naͤher vns ſolche Leyter zuge - than; dann nicht den Engeln / ſondern vns Menſchen zu gutem / iſt ſie von Ewigkeit bereitet / vnd in der Zeit / an den Himmel angeſtellet wor - den. Wer auff ein Leyter ſteigen will / der wendet ſeine Augen von andern obiectis hinweg / ſihet gnaw auff die Leyter / verſucht ſie zuvor / ob ſie recht vnd grad angelehnet / er betritt dieſelbe getroſt / haͤlt ſich an die Sproſſen / von der vnderſtẽ an / biß zur oberſten: alſo muß ein menſch zuvorderſt vmb die rechte / gewiſſe vnwanckelbare Leyter ſich vmbſehen / nit wie ein Dieb der ruckwerts zum Galgen hinauff gezogen wuͤrd / ſich noch ein Weil in der Welt vmbſihet / ſondern fuͤrwerts ſich ſtrack nach dem Ziehl vnd fuͤr - geſteckten kleinod ſtreckẽ / derwelt vnd deroſelben vanitetẽ den rucken keh - ren / zu Chriſto ſich wenden / denſelben recht erkennen lernen / jhne vnter - ſcheiden von allen falſchen vnd neben Chriſten / grad zugehen / jhme durch falſche gloßen vnnd verkehrungen der Schrifft nicht laſſen das Ziehl verꝛuͤcken: Vil weniger ohn die rechte Leyter / vnmittelbar hinauff zu fla - dern vnderſtehen: die Leyter mit beyden haͤnden / an den beeden ſchen - ckeln vnnd Leyter-baͤumen / das iſt Chriſtum nach ſeinẽ beeden Naturen wohl faſſen / ein Sproß nach der andern betretten / nicht auff der Erſten Sproſſen des einfaͤltigen catechismi ſtehen bleiben / ſondern plus vltra, ie laͤnger je hoͤher ſteigẽ in der Erkantnuß der Articul deß Glaubens / als Himmelsſtaffeln / vnd ja keinen uͤberhuͤpffen / im Geiſt / in der Gottſeelig - keit / in ſchoͤnen tugenden / nach dem Exemplar des Lebens Chriſti wach - ſen vnd zunehmen / ohne Stillſtand: auff der Leyter feſtſtehen / Teuffel vnd all ſein Geſpenſt trotzen / im Creutz beharꝛen / nicht wancken / nicht ſchwindlen / kein gefaͤhrlichen Außſprung in die Welt thun / ſonderlich den letzten Abtritt wohl ſetzen / an welchem die Seeligkeit hafftet / ſo wird darauff folgen der froͤliche Sprungaus der Zeit in die Ewigkeit / der er - wuͤnſchte Antritt auß dieſem Jammerthal in den Him̃liſchen Frewden - ſaal; da fahrt die Seel hin mit Frewden / vnd warumb nicht? wer wolt nicht gern auß einem Wirtshauß / da der Wirth ein Moͤrder iſt / wann jhm ein Leyter werden kan / hinauß in ein ander ſicher Gemach vnd Lo - ſament ſteigen / vnnd ſein Leben ſalviren? es wuͤrde nicht noth ſein mit Peitſchen vnd Farꝛenſchwantz jhn dazu zutreiben. Ach wer ſolt vnd wolte nicht auch gern / auß der moͤrderiſchẽ / ergerlichen / gefaͤhrlichen Mordgrub dieſer Welt ſteigen in die himliſche Sicherheit? ſolte es jhm ein Chriſtlaſſen81Predigt. laſſen nachſagen / daß man jhn mit Creutz-peitſchen zur Leyter treiben muͤßte? Sonderlich haben ſich den Engeln in dieſem Stuck zu conformi - ren vnd zuvergleichen die Kirchen-Engel vnd Prediger / daß ſie zuvor ehe vnd dann ſie anfangen zu predigen / hinauff zu GOTT in Himmel / durch Gebett vnd meditation ſteigen / vnnd alsdañ allererſt widerumb herabſich begeben zu den zuhoͤrern / denſelben mit zutheilen / was ſie von GOTT auß ſeinem Wort gehoͤret.

Vidit ſcalam Iacob & in ſcalà angelos, ubi nullus reſidens, nullus ſubſiſtens apparuit: ſed vel aſcendere vel deſcendere videbantur univerſi. Quatenus pa - làm daretur intelligi, inter profectum & defectum in hoc ſtatu mortalis vitæ ni - hil medium inveniri: ſed quomodo ipſum corpus noſtrum continuè aut cre - ſcere conſtat aut decreſcere; ſic neceſſe ſit & ſpiritum aut proficere ſemper aut de - ficere. Bernhard. epiſt. 254. ad Garinum: ()

Alſo leuchtet vns auch fuͤr augen / I. Solatium Cuſtodiæ Ange - licæ, der Troſt der Engliſchen Hut vnd Wacht / es iſt ein Chriſt gleich einem Dorff / da jederman einſteigen vnd jhn verunruhigen will. Er ſitzt wie Daniel in der Loͤwen gruben; wie Sadrach / Meſach / Abedne -Dan. 6, 16, c. 3. 20, 21. go im feweroffen / mit vnſaͤglicher gefahr vmbgeben; Der Sathan iſt jhm gefaͤhr / als ein Fuͤrſt der Welt / der in der Finſternuͤß diſer Welt herꝛſchet /Eph. 6, 12. er ſuchet daß er jhm ein Fuß vnterſchlagen vnnd jhn faͤllen moͤchte; Ja er gehet herumb wie ein bruͤllender Loͤw / vnd ſiehet welchen1. Pet. 5, 8. er verſchlinge / vnd wie offt geſcheh es / wie offt wird er ſeinen heiß-hun - gerigen Rachen fuͤllen. wann nicht die Engliſche-Hut waͤre / welches Dothan koͤnte beſtehen? Welcher Haußvatter koͤnte ſicher ſeyn / fuͤr2. Reg. 6, 3. 15, 16, 17. Raub / Brand / Gifft? welches Kind fuͤr ploͤtzlichem Fall? welcher reiſen - der Menſch fuͤr Moͤrdern / Waſſersnoth / vnd anderer vnzehlicher Ge - fahr? wann es ohn dieſen Engliſchen Schutz waͤhre; der manchmahl vnmerckſam vnd auß dem event vnd ausgang zuerkennen vnd zuerfah - ren / dz die Engel das beſt gethan. Daß im Krieg die kuglen nit alle treffen / daß mancher auff dem Eyß nicht ein Bein bricht / daß mancher fuͤr ei - nem wuͤtenden Hundt / vnd andern gegenwaͤrtiger Gefahr behuͤtet wird / iſt alles dieſer Hut zuzuſchreiben. Si uno die Deus non gubernaret or - bem per Angelos, Satan univerſum genus humanum perderet bello, peſte, fame: Non viveres unam horam, non ſervares pecudem in cam - po, non frumentum in horreo, das iſt / Wann Gott nur ein einigen Tag nicht die Welt durch den Schutz der Him̃liſchen Frongeiſter / der lieben Engel regierte / ſo wuͤrde alsbald der Teuffel das gantze menſchli - che Geſchlecht / mit Krieg / Peſtilentz vnd Hungersnoth hinrichten vnd verderben: Man koͤnte kein einzige Stund ſicher leben / du koͤnteſt keinLKlawe82Die Siebendtead cap. 32. Gen. p. 153.Klawe viehs auff dem Felde / kein Koͤrnlein Frucht in der Schewren be - halten / ſagt Luther. Wohin dann auch gehoͤren die omina, die war /Tom. 3. Ien. p. 407. nungs zeichen / von denen abermahl Herꝛ Luther ſpricht: Omnia plus habent in effectu, quàm ſenſu; die Warnungszeichen haben mehr nach - drucks / als wir empfinden moͤgen; Jm Streit vnd Krieg (ſind fernere Wort Lutheri) ſind die lieben Engel zugegen / die geben durch inwendigs Anregen bloͤtzlich einen Rath oder Sinn ein / oder legen euſſerlich ein Zei - chen vnnd Anſtoß in Weg / damit der Menſch gewarnet oder gewendet wuͤrd / dieſes zu thun / das zulaſſen / dieſen Weg zuziehen / dieſen zu meiden / auch offt wider den erſten Fuͤrſatz. Dann weil ſie mit worten nicht reden zu vns / thun ſie das mit ſeim eingeben / oder euſſerlichen vrſachen ploͤtzlich fuͤrlegen / gleich wie wir Pferd vnd Ochſen anſchreyen / oder Holtz vndCamerar. Centur. 1. horar. ſubciſ. c. 23. Stein in Weg legen / daß ſie nicht in Graben fallen. Camerarius er - zehlt ein denckwuͤrdige Geſchicht / von einem Fraͤnckiſchen Edelman namens Matthæus von Rottenhan / als derſelb eins mahl uͤber den Main mit ſeinem Pferd ſetzen wollen / dann jhm vnwiſſend / etliche Schnaphaͤn hinder dem Buſch uͤber dem Fluß auffgepaſſet / ſo ſey das Pferd bloͤtzlich mitten im Fluß ſtill geſtanden / er kunte es wider ſein Ge - wonheit weder mit zuruffen noch Sporen fortbringen; er mußt zuruͤck. Bald darauff wird jhm verkundſchafft / in was groſſer lebens Gefahr er geweſen / das hat er billich fuͤr ein Engliſchen Schutz zu halten vnnd zu ruͤhmen gehabt. Alſo hat man wohl exempla, daß man groſſer Poten - taten Leibpferd nicht oder ſchwaͤrlich auß dem Stall bringen koͤnnen / worauff als ein boͤſes omen deß Potentaten Todt erfolgt: es iſt mehr - mahls geſchehen / daß der Wagen / wider alles verhoffen / zerbrochen / die Raͤder zerſprungen / vnd anders Vngluͤck ſich zugetragen / daß man nit fortreiſen koͤnnen / daruͤber erzoͤrnt der menſch: aber in eventu erfaͤhrt er / das es gut gemeynt geweſen / dann wann er fortgangen / ſo wehr er vn - der die Moͤrder oder Straſſenraͤuber gerathen / vnnd vmbs Leben oder ſonſt vmb alles kommen Solte vns begegnẽ / was dem Diener Eliſæ / dz vns die augen geoͤffnet wuͤrden / wir wuͤrdẽ auch offt ſagen mit dem Pro -2. Reg. 6, 17. pheten / Derer iſt mehr die bey vns ſind / dann derer die wider vns ſind. Der Keyſer Arcadius war einsmahls ſicher / beſtellte die wachtẽSozom. l. 8, c. 4. der Statt Conſtantinopol nit / beſorgte ſich keiner Gefahr: vnter deß geht ſein Obriſter Gainas ein Arianer mit verraͤtheriſchen Meucheley vmb / erſihet ſein Gelegenheit / in meynung die Statt zuuͤberrumpeln. Was ge - ſchicht / da der Keyſer ſorgloß ſchlafft vñ niemand wachet / wird der Feind bey nacht anderer ſchildwaͤchter gewar / welchs ohn zweiffel heilige Engelgeweſen /83Predigt. geweſſen / die verꝛuͤcken jhm den Compaß / vnd hindern ſeinen intent. Zu deß Keyſers Theodoſii zeiten / als derſelbe ſein Zug wider die Perſianer vor - hatte / erſcheinen etlichen reiſigen perſonen / ſo der Statt ConſtantinopelSocrat. l. 7, 18. zugangen / etliche Engel in vnbekanter Geſtalt / die ſprechen jhnẽ ein Hertz ein / ſie ſollen guts muths ſeyn / Gott im Himmel vertrawen / es werde dem Keyſer im fuͤrhabendem Feldzug gelingen / der Sieg werd auff ſein Seit fallen / ſie ſeyn deßwegen außgeſaͤndet / ſolchen Krieg zufuͤhren / wie ſie dañ auch redlich gethan vnd durch ein panicum terrorem, das iſt / ein ploͤtzlichen eingeiagten Angſtſchrecken den Feind alſo ruinirt, das auff die hundertmahl tauſend Mann auff dem Platz geblieben. Noch kraͤfftiger aber iſt dieſer Troſt / wann wir bedencken / daß vns nicht nur einer / ſon -Gen. 32, 12. dern viel Engel zugeordnet: Jacob ſihet viel Engel Mahanaim; Er gedencket zwar nur eines Engels / der jhn erꝛettet / wann er nachmals zu ſeinen Enckeln / Joſephs Soͤhnen / ſpricht: Der Engel / der michCap. 48, 16. erloͤſet hat von allem uͤbel / der ſegne dieſe knaben; Verſtehet a - ber dadurch den vnerſchaffenen Engel / nemlich den ewigen Sohn Got - tes / welcher ohn Engliſchen Comitat nicht erſcheinet / ſondern mehr few - rige Reuter hinder jhm her fuͤhrt. Es haben vor zeiten die Chriſten vnd alten Kirchenlehrer / auß der Philoſophi Platonis vnd Socratis, entlehnet die opinion vnd jrrige Meynung von dem ſonderbahren Schutz-Engel. Daher ſpricht Baſil. ἑκάςῳ τῶν πιςῶν ἐςιη ἅγγελος παρεζευγμένος, Es iſtIn Ψ. 48. einem jeden glaubigen ein beſonderer Engel zugefuͤget. Vnd Hieron. ad Matth. 18, 10.Magna eſt dignitas animarum, ut unaquæque habeat, ab ortu nativita - tis, in cuſtodiam ſui, Angelum delegatum: Es iſt eine groſſe Wuͤrde der glaubigen ſeelen / daß eine jede / von dem Vrſprung jhrer Geburt an / zu jhrer Hut vnd Beſchuͤtzung / einen einigen verordneten Engel hatt. Dem Hilar. beypflichtet. Deßgleichen ſpricht Chryſoſt. Adhuc hodieIn Ψ. 34. In Ep. ad Heb. 1. l. 5. advers. Celſum. quivis homo bonum & malum habet angelum; Es hat noch heutiges tags ein jeglicher Menſch einen guten vnd boͤſen Engel. Origenes ge - het noch weiter vnd ſpricht: Angelos aſcendere ut preces offerant, Es ſteigen die Engel zu Gott in Himmel hinauff / daß ſie das Gebett der glaubigen uͤbergeben vnd anbringen. Welches hernach / im Paͤpſtiſchen Aberglauben angenommen / vnnd mit vnermaͤßlichen anhaͤngen uͤber - haͤufft worden: Vnd hat man darneben fuͤrgeben / es habe auch der vn -Corn. ad act. p. 203. ap. Drexel. in angelo tutel. pag. 24, 84. glaubige ſeinen Schutz-Engel / deſſen Ampt ſey / daß er auff den Cate - chismum, auff die Tauff / vnd Wohlfahrt der Seelen oder Seeligkeit / achtung gebe. Daher wirfft man die Engel zu Vorbittern auff; Jhr Gebettlein iſt bekant: Jhr heylige Schutz-Engel / ſchuͤtzet vns im Kampff /L ijdaß84Die Siebendtedaß wir nicht verderben / im ſchroͤcklichen Gericht Gottes. Welchem Schwarm wir entgegen ſetzen die H. Schrifft / die nichts davon weiß / wie auch gegenwaͤrtiges Exempel / da vnſerm lieben Jacob nicht ein beſonde -Gen. 32, 2. rer oder Schutz-Engel; Sondern viel auff: vnd abſteigende Engel / wie auch hernach ein gantzes Heer Gottes / oder Mahanaim auffgeſtoſſen. Wohin auch ſihet David / wann er / wie ſchon gemeldet / ſpricht: DerΨ. 91, 11. HERR hat ſeinen Engeln / als vielen / befohlen; Jtem / DerΨ. 34, 8. Engel deß HERRN lägert ſich / allwoh das Woͤrtlein (Engel) ſamlungsweiſe / vnd nicht einzelich / zuverſtehen. Welches alles Chri - ſtus / der Grund vnnd Mund der Warheit / in obangezogenem Ort / be -Luc. 16, 22. kraͤfftiget / daß Lazari deß armen Seel / nicht von einem / ſondern vielen Engeln / in die Schoß Abrahæ getragen worden.

Demnach welcher Menſch / es ſey Haußvatter oder Haußmutter /Dan. 4, 13. Sohn / Tochter / Kind / Knecht / Magd / reiſende Perſon / Student / ꝛc. dieſes Engliſchen Schutzes ſich will verſehen / dem liegt ob II. Reve - rentia Angeli, die Reverentz / Ehre vnd Schew / ſo er den Engeln / als hey - ligen Waͤchtern / zuerweiſen ſchuldig / nach dem Spruch Bernhardi: Jn allen orthen vnd winckeln / ſoltu deinen Schutzengeln Ehre anthun / vnd1. Cor. 11, 10. das fuͤr jhm nicht thun / deſſen du / fuͤr einem Ehrlichen Mann zu thun Schew truͤgeſt. Es muß aber dieſe Ehrerbietung nit alſo gethan ſein / daß man ein Abgoͤtterey oder Engeldienſt darauß machen wolt / wie im Papſtthumb geſchicht / da man den Englen Geluͤbd thut / kirchen bawet / Feſt vñ Faſten haͤlt / in Litanien ſie vmb huͤlff vnd rath anſpricht / vnſermGen. 28, 12. gegenwaͤrtigem ort ſchnurſtracks zu wider; Dann die Engel ſind nicht die Mittlers-Leyter; Sie ſind nicht das Ziel / darnach man trachten muß; Sie thun ſich viel mehr dieſer Ehr / nemblich der Anbet - tung oder Vergoͤtterung / bedancken. Da dorten Johannes fuͤr dem Engel niederfallen vnnd jhn anbeten will / bekompt er zur Antwort:Apoc. 19, 10. Sihe zu / thu es nicht / ich bin dein Mitknecht / vnnd deiner bruͤder / vnd deren / die das Zeugnuͤß Jeſu haben / bette Gott an. Daher es im abgoͤttiſchen Papſtthumb leichtlich geſchehen kan / daßCap. 9, 11. an ſtatt eines weiſen vnd heyligen Engels / ein Schwartzer vnd garſtiger Apollyon angebettet werde. Sondern die rechte / den Engeln gebuͤhren - de Ehrerbietung / ſoll von vns geſchehen mit heyliger vnnd andaͤchtiger Nachfolg deß Engliſchen lauffs vnd wandels / dz deß Him̃liſchen Vat - ters wille von vns geſchehe auff Erden / wie von den Engeln im Himmel: wir muͤſſen durchs Geb[e]tt hinauff ſteigen / daß wir mit allerhand Segengefuͤllet85Predigt. gefuͤllet herab ſteigen moͤgen; Lehrer vnd Prediger / wie auch Regenten / ſollen alſo hinauff ſteigen / daß ſie droben die Goͤttliche Antwort vnd Be - fehl empfangen / vnd hernach auff erden gebuhrender orthen wider able - gen vnd ankuͤndigen. Es muß endlich die Ehr / ſo den Engeln gebuͤhrt / verꝛichtet werden mit nachfolg der Engel-Tugenden / als daß wir vns be - fleiſſigen der Lieb / der demuth / der freundlichkeit vntereinander / der nuͤch -Vid. Luth. ad Gen. 32. 154, f. 2. ter - vnd Maͤſſigkeit. Wer deß Teuffels Art / in Freſſen vnd Sauffen / in Geilheit vnd Vnzucht / in Nacht-Geſchrey / in Stein-Wuͤterey / in Flu - chen vnd Schwoͤren (wie die boͤſen Wuͤnſche wann GOTT verhaͤngte / leichtlich ankleben vnnd wuͤrcken koͤnten) an ſich nimbt / der ergibt ſich demſelben zu einem Raub vnd Außbeut. Summa / wie die lieben Engel dem frommen Jacob Frewd vnd Troſt gebracht: alſo bringen ſie den gott - loſen huͤtern deß grabs Chriſti Forcht vnd ſchrecken / davon der Evange - liſt ſagt: Die Huͤter erſchracken fuͤr Forcht / vnd wurden alsMatth. Cap. 28, 4. wären ſie todt. Aber / jhr außerwoͤhlte glaubige kinder Gottes / die jhr vnſern Koͤnig Chriſtum von hertzen ſuchet / foͤrchtet euch nicht / wir ſind gute Botten / wir ſind ewere Waͤchter / dazu ſind wir beſtellet:

Ex Ψ. 91, 10, 11, 12.
Kein uͤbels wird begegnen dir /
Kein Plag dein Hauß wird ruͤhren:
Dann GOtt ſein Engeln fuͤr vnd fuͤr /
Befihlet dich zu fůhren;
Vnd zu behůten vor Vnfall /
Auff haͤnden tragen uͤberall /
Daß kein Stein dein Fuß letze. Jtem
Der HERR dein Außgang ſtets bewahrt /
Zu Weg vnd Steg gefund dich ſpart /
Ex Ψ. 121,
8.
Bringt dich zu Hauß in ſeinem Engliſchem Gleit /
Von nun an biß in Ewigkeit.

Derſelbig Allmaͤchtig HERR / wolle auch vns fuͤr allem Vnfall / durch den Schutz ſeiner lieben Engel / hie bewahren zeitlich / vnd durch dieſelben / nach dem Todt / vnſere Seelen in Abrahams Schoß tragen laſſen / daß ſie daſelbſt in ſtoltzer Ruhe / die Heylige Dreyfaͤltigkeit loben vnd prey - ſen ewiglich / Amen.

L iijDie86Die Achte

Die Achte Predigt.

Vber die Leyter Jacobs / von dem traumenden Traum Jacobs / ei - nem Bild deß wahren glaubens.

Cant. 5, 2.

GEliebte in Chriſto. Jch Schlaffe / aber mein Hertz Wa - chet / ſpricht die Geiſtliche-Braut Chriſti / da der Braͤutigam anklopfft / vnnd ſagt: Thue mir auff / liebe Freundin / meine Schweſter / meine Taube / meine Fromme: So ſpricht ſie darauff die Antwort vnd ſagt: Jch Schlaffe. Jn welchen Worten begriffen iſt Reſponſio declaratoria, eine clare Antwort / auff die vielfalti -Matth. 24, 42, c. 25, 13. Marc. 13, 35, 37. Luc. 21, 36. Apoc. 3, 2, 3. Cap. 16, 15. Eſa. 26, 9. ge vermahnungen Chriſti: Wachet / oder ſeyt Wacker: Jtem / ſey Wacker / dann / ſo du nicht wirſt wachen / werde ich uͤber dich kommen / wie ein Dieb / vnd wirſt nicht wiſſen / welche Stunde ich uͤber dich kommen werde. Jtem / Sihe / ich komme als ein Dieb / Seelig iſt der da wachet. Hierauff antwortet ſie: Mein Hertz wachet / dann / von Hertzen begehre ich dein des Nachts / darzu mit meinem Geiſt in mir / wa - che ich fruͤh zu dir / Jch bin wacker vnd weit von Sicherheit / fern von aller Epicureiſchen Vnflaͤterey / Jch bin nuͤchtern / ich bette inſtaͤndig / vnnd warte auff die Zukunfft deiner / O ſeeligſter Seelen. Braͤutigam!Matth. 26, 41. wahr iſt es / ich nicke auch bißweilen; Das Fleiſch iſt ſchwach / der Geiſt iſt willig: Aber es iſt kein harter / vnbeweglicher / vollkommener / ſondern nur ein halber Schlaff / ein Augen-Schlummern vnd Her - tzens-Wacht. Sie entlehnet ein Gleichnus Von den Judiſchen Hochzeiten / da man bey Nacht auff den Braͤutigam warten muͤſſen / die Auffwarterinen als Braut-Geſpielen / waren nicht all einer Art / et -Matth, 25, 2, 5. liche / die Thoͤrichten / ſeind entſchlaffen: andere / die Klugen / haben nur geſchlummert / haben zwar genickt / aber ſich vom Schlaff nicht überwaͤl - tigen laſſen / ſondern den Spengler bald auß den Augen gewiſcht / ſich erhohlt vnd ermuntert: So / ſagt die Geiſtliche-Braut / mache ſie es auch /Act. 20, 9, 10. in der Kirchen werde ſie auch bißweilen uͤbereylet / vom leiblichen Schlaff / gleich wie der Juͤngling Eutyches zu Troada / der vom dritten Soͤllerhinun -87Predigt. hinunder gefallen / vnnd Todt auffgehaben worden / welchen Paulus wider aufferwecket hat: auſſer der Kirch vom Geiſtlichen-Schlaff / a - ber ſie kommen bald wider zu ſich ſelbſt. Sie fuͤhret ein Gleichnus / von getrewen Maͤgden vnd Dienſtbotten / denen jhrer Herꝛ - ſchafft Heyl vnnd Wohlfarth angelegen / die ſchlaffen vnnd ſchnarchen nicht ſicher dahin / ſondern mit ſorgen; dencken an jhren ko - ſten vnnd Lohn / werden ſie bey Nacht eines tumults gewar / ſo ma - chen ſie ſich bald auff / laſſen jhnen die federn nicht all zu lieb werden. Ja ſie mag auch ein Aug gehabt haben auff den Heydniſchen Aberglauben / deren die ſich in Goͤtzen-Haͤuſern ſchlaffen gelegt / auff daß ſie jhrer vermeinter Goͤtter oracula vnd Antwort empfien - gen: ſonderlich haben ſie ſich gelegt in Æſculapii Kirch / daruͤber GOTT der HERR klagt bey dem Propheten nach der lateini -Eſa. 65, 4. ſchen Dolmetſchung: in delubris idolorum dormiunt, ſie halten ſich in den Hoͤhlen / oder Goͤtz entempeln. Geſtalt von Antoni -Vid. Hero - dian. l. 4. no Baſſiano Caracallâ geſchrieben wird / daß er gen Pergamon im klei - nern Aſia gezogen / damit er ſich der Wartung vnd Heylung des Æſcu - làpij gebrauchete / vnd habe da geſchlaffen / ſo lang er gewolt. Desglei - chen meldet Philoſtratus von Polemone, daß er ſich wegen des Zipper - leins / in des Æſculapii Tempel ſchlaffen gelegt / welchem im Traum derVid. Voß. de Idol. p. 901. Lorin. ad act. p. 676. Abgott erſchienen / vnd zu jhm geſagt: ἀπέχεσϑαι〈…〉〈…〉 υχροῦπότου, Er ſolte ſich des kalten truncks enthalten / wann er wolte von ſeiner Kranckheit erledi - get werden: Alſo ſey auch die Geiſtliche-Braut Chriſti / eine auserwoͤhlte glaubige Seele / bereit ſich abzuziehen von weltlichen geſchaͤfften / von denſelben ruhe vnd ſchlaffe ſie: gen Bethel / das iſt / in Gottes-Hauß vnd Heyligthumb wahlfahrte ſie / daſelbſt wolle ſie die Goͤttliche oracula, Antworten vnd Geſichte vernehmen. Du ſolt von deim Thun laſ - ſen ab / daß Gottſein Ruh in dir hab / pflegt die Chriſtliche Kirch zu ſingen / dahin ziehlet Auguſt. in der Erklaͤrung dieſer Wort / wann erTract. 57. in Ioh. ſagt: Requieſco à negotioſis actibus, & animus meus divinis intendit affectibus, das iſt / Jch ruhe von meinen geſchaͤfften vnd handlungen / vnd meine Seele iſt auff Goͤttliche bewegungen vnd gedancken bedacht. Vid. Gerh. poſtill Sa - lom. p. 43.Sonderlich iſt dieſes Gleichnus genom̃en / von dem Schlaff Jacobs / auß vnſer gegenwaͤrtigen Hiſtori / da Jacob geſchlaffen / aber ſein Hertz gewachet / in vernehmung der Geſichte / vnnd anhoͤrung der Goͤttlichen Antwort. Jn welchem Bild wir noch ferner die Art des ſeeligmachen - den glaubens ewer Lieb fuͤrtragen wollen. Es ſind zwar viel ſchoͤnegleich -88Die Achtegleichnuſſen / darin wir das Geheimnus des ſeeligmachenden glaubens betrachten koͤnnen / als da iſt / der Sinn des Geſichts / des Geſchmacks / das Eſſen / das Trincken / das Kuͤſſen / das Vmbfahen vnd dergleichen: wir wollen nicht muͤde werden / weil vns gar viel daran gelegen / vnd fuͤr dißmahl das beſagte Geheimnus in dem Bilde des / mit dem Leib zwar ſchlaffenden / aber mit dem hertzen wachenden / Jacobs / zu betrachtẽ fuͤr - vnnd an die Hand nehmen / dazu vns der Vatter aller Gnaden ſeinen Beyſtand vnnd Segen / von oben herab miltiglich mittheylen wolle / Amen.

Zwey Stuͤck ſind allhie zu behertzigen / das erſte iſt Iacob dormiens,I. Iacob dormiens. der ſchlaffende Jacob: Das ander Vigilantia cordis, die Wach - ſambkeit des hertzen. Das erſte betreffendt / So hat Jacob geſchlaf - fen / nach dem er zuvor ſich ermuͤdet / den kragen nicht voll gefreſſen / vnd alſo zum Traͤumen ſich vntuͤchtig gemacht / vnd iſt jhm diß Geſicht nicht wachend / wie ſonſt zu andern zeitten: ſondern ſchlaffend widerfah - ren: da er auff dem Stein gelegen vnd geruhet / der als ein ſchoͤner typus vnd Fuͤrbild auff Chriſtum gewiſen / den geiſtlichen / ſtandhafften / vn - uͤberwindlichen Felſen / den koͤſtlichen Eckſtein auff welchen die Gemeine Gottes gebawen / die bewaͤhrte Zuflucht der Geiſtlichen Gemſen vnd Ca - ninichen: Jn welchem Stand des menſchen aͤuſſerliche Sinn ruhen / das Gemuͤth in der ſtille ſtehet / wie ein ſtilles Waſſer / wird nicht hin vnd wider gezogen von den mancherley jhm fuͤrkommenden dingen / iſt gantz gelehrſam vnd faͤhig die Traͤume zu empfangen / in Einfalt / da erzeigt ſich kein disputation vnd widerſtrebung: Sondern ein lauters ſtillſchwei - gen vnd faſſen deſſen was vorkommen vnd erſcheinen moͤcht. Jſt / mei - ne liebſten / die eigentliche Art deß ſeeligmachenden Glaubens / der als - dan von Gott erwecket wird / wann der Menſch leer von Welt vnd Gelt / Pracht vnd Hoffart / Gifft vnd Gall / Vnzucht vnd Fuͤllerey: von ſeinem thun / gedancken / Fuͤrwitz / ꝛc. ablaͤſſet / wann er / Gott allein gelaſſen / ruhet / laͤßt mit ſich handeln / als ein ſtill Waſſer / als ein vnbewegliche mappa, er gedenckt ich bin ein mappa oder Tuch / der Mahler (der Schoͤ - pfer) mahle in mir / was jhm beliebet / ich bin ein Taffel / er ſchreibe in mir / was er will / ich will jhm ohne widerlegen / disputiren oder widerſtehen / ſtill halten: da der Menſch ein Zuhoͤrer iſt / nicht ein Richter / richtet ſichIoh. 1, 12. ſchlechter dinge nach deſſen worten / der da heißt / ἀυτὸς ἔφα, Er hats geſagt / deswegen ſagt Johannes: Wie viel jhn auffnah -Rom. 9, 30. men / denen gab er Macht / Gottes kinder zu werden / die an ſei - nen Nahmen glauben / vnd Paulus: Die Heyden / ſo nich. nach89Predigt. nach der Gerechtigkeit geſtanden / haben die Gerechtigkeit er - langet; Jch ſage aber von der Gerechtigkeit / die auß dem Glauben komt. Vnd abermal / ſtellet ſich der Apoſtel ſelbſt zum Exem - pel dar / wann er ſpricht: Nicht / daß ichs ſchon ergriffen habe / oderPhil. 3, 12. ſchon vollkommen ſey: Jch jage jhm aber nach / ob ichs auch ergreiffen moͤchte / nach dem ich von Chriſto Jeſu ergriffen bin. Vnd auß dieſem Grund / koͤnnen wir recht vnd wol ſagen / der ſeligma - chende Glaub / ſo fern er ſelig macht / iſt nicht 1. opus, ein Werck / dann wir werden durch den Glauben / auß Gnaden gerecht; ge -Rom. 4, 16. ſchicht aber die Rechtfertigung auß Gnaden / ſo iſt ſie ohne Werck. Es iſt zwar der Glaub auch ein Werck; Er macht aber nichtcap. 11, 6. gerecht / als ein Werck / welches wol in acht zu nemen. Es iſt der Glaub nicht 2. Habitus infuſus, ein eingegoſſenes oder beywohnendes1. Theſſ. 1, 3 Vermoͤgen / dann dieſes gehoͤrt auch zu dem Geſetz; viel weniger iſt er 3. meritum aut precium, ein Verdienſt oder Lohn / Sintemal wirRom. 3, 24 nicht vmb des Glaubens willen / ſondern durch den Glauben / gerecht werden. Summa / der thuende vnd tugendſame Glaub / darff ſich imAct. 12, 21. geiſtlichen Standrecht eines armen Sunders fuͤr Gott nicht ſehen laſſen / ſo wenig als ein Soldat der im malefiz vnd Standrecht / mit auffgebuͤff - ten Haaren / praͤchtigen Kleidern / tollen Gebaͤrden auffziehen / oder mit ſeinen Schlachten / Zuͤgen / Paßworten / viel prangen vnd pralen wolte: ſondern es iſt der Glaub ein ſuͤſſer Schlaff auff dem edlen Jacobs-Stein / da die Seel in Gott ruhet / demſelben ſtill haltet / vnd von jm ſich erleuͤchten laſſet / ſich goͤttlichen Offenbarung vnd Verheiſſungen gaͤntzlich ergibt. Lu - theri Gedanckẽ lauten hiervon alſo: Der Stein mit Oele begoſſen / iſt Chri -Tom. 4. Ienenſ. fol. 160. ſtus vnſer einiges Haubt vnd Grundſtein / wie jhn die Schrifft auch nen - net / auff welchen auch gedeutet hat deß Patriarchen Schlaff / denn der Schlaff iſt nichts anders denn der Glaube. Wenn die Sonne vnter - gehet / finſter vnd nacht wird / daß der Leib ſchlaͤfft / vnd nicht ſihet noch fuͤhlet / die Seele aber wachet: damit die Figur Chriſtlichs Lebens fuͤrge - bildet iſt / welches alſo ſoll ſtehẽ / daß es nichts von der Welt ſihet noch fuͤh - let / lebet aber im Glauben / da ſihets Gott vnd die Engel auff der Leitern / alſo daß der Glaube nichts iſt / denn ein rechtſchaffener Traum / in wel - chem ein Menſch ſihet / daß ſonſt niemand ſihet. Daß er nun den Stein vnter den Haͤubten hat / deutet auff Jeſum Chriſtum / auff welchem vnſere Gewiſſen ruhen / denſelben richtet er auff / als er erwachet / vnd geuſſetMOele90Die AchteOele drauff / das iſt / wenn wir im Glauben ſind vnd ſchlaffen / wachen wir darnach auff / brechen herauß durch euſſerliche Bekantnuß / ſo richten wir denn den Stein auff / alſo / daß wir predigen von Chriſto / der vns troͤſtet / vnd gieſſen Oele drauff / daß iſt / das ſolche Predigt iſt von lau - ter Gnade vnd Barmhertzigkeit / welche von Chriſto allein fleuſſet vnd quillet.

Folget hierauff II. Vigilantia die Wachſamkeit deß Hertzens / an - gezeigt 1. per viſionem, durch ſein Geſicht; ein Geſicht deſſen / daß man nicht ſihet / verſtehe mit coͤrperlichen / leiblichen oder Vernunffts - Augen: Wenn ſchon ein Gefaͤhrt neben jhm gelegen were / haͤtte er ſo viel geſehen / als die Gefaͤhrten Pauli auff dem Weg nach Damaſco / das iſt / nichts. Ein ſcharffes Adlers Geſichte / ſo in die helle Son - ne hinein ſchawet. Es hat Jacob durch die Finſtere hindurch geſehen / in das himmliſche Liecht / ſo jhm erſchienen. ein gewiſſes Geſicht / Es iſt nicht eine vergebliche Gauckeley oder Verblendung geweſen. Was vonIoh. 8, 56. Abraham geſagt wird / er habe den Tag Meſſiæ geſehen / das iſt auch waar von Jacob. Zwar geſtehet man gern / daß Jacob den Meſſiam nichtLuc. 2, 28. leiblicher Weiſe geſehen / wie Simeon / der jhn auff ſeine Arme genom - men / vnd ſich in ſeinem Heyland inniglich erſrewet. Dann dergleichenLuc. 10. 24. ſehen wird von Chriſto ſelbs verneinet / der ſagt / viel Propheten vnd Koͤnige wolten ſehen / was jhr ſehet / vnd habens nicht geſehen. Sondern geiſtlicher Weiſe / ἐν τῆ παραβολῇ in dem Gleichnuß oder Con - terfet. Alſo iſt der waare Glaub auch in ſeiner Art viſio τῶν μὴ βλεπο -Ioh. 17, 3. c. 20, 31. Rom. 10, 14 Ioh. 5, 4. 2. Reg. 6, 16. μένων, Ein geſicht deſſen / daß man nicht ſihet / wie dorten der Die - ner Eliſæ / ehe jhm die Augen durch den HErrn geoͤffnet wurden / nicht ſahe die Macht deren / ſo vmb Eliſa her waren / jhn zu beſchuͤtzen / aber durch Goͤttliche Erleuchtung hat er geſehen vnd geſpuͤrt / was ſonſt mit bloſſen natuͤrlichen Augen nicht zu beſchawen geweſen. Es iſt der Glaub ein Geſicht deß Grunds vnſer Seligkeit / welches iſt Chriſtus ſamt allen ſei - nen meriten / Verdienſt / Buſſen / vnd Gutthaten: der Saamen in dem alle Voͤlcker geſegnet werdẽ. Es iſt der Glaub viſio aquilina & urinatoria, ein ſcharffes / durchſchawendes Adler Geſicht. Wie der Adler in die SonnIon. 2, 8. hienein ohne Schaden der Augen / ja wie Jonas durch Nebel vnd Waſ - ſer / durch den Bauch deß Wahlfiſches hindurch in Himmel hinauff geſehen / alſo hat auch Jacob durch alle Nachtſchatten aller Truͤbſal vnd Vngemach hinauff geſehen / vnd das hoͤchſte Gut uͤber der Leiter erblicket. Es iſt der Glaub ein gewiſſes vnd vnfehlbares Geſicht / kein Geſpenſt /Kunſt91Predigt. Kunſtſpiegel / vergebener Wahn / keine freventliche Einbildung / kein thoͤ - richte Einfalt / oder blinde Liebe / dergleichen ſich bey der Mutter der Kin - der Zededæigefunden / die zwar jhren Soͤhnen Gutes gegoͤnnt / aber außMat. 20, 21. blinder Lieb / wuſte ſie nicht / was ſie gebeten.

Neben dem iſt Jacobs wachendes Hertz auch angedeutet worden. II. in aſſenſu forti, in ſeinem ſtarcken Beyfall? daß dergleichen bey Jacob geweſt / erſcheinet nit allein auß ſeinẽ Worten: Gewißlich iſt der HErr an dieſem Ort / vnd ich wuſte es nicht / wie heilig iſt dieſe Stät - te / hier iſt nichts anders / denn Gotteshauß / vnd die Pforte des Himmels: Sondern auch / daß er auff dieſe Verheiſſung ſo feſt ge - bawet / daß / da er ſterben wollen / er ſeinen Enckelen / Ephraim vnd Ma - naſſe zween Theil deß Gelobten Landes / darin er doch als ein Frembdling gewallet / vnd auſſer welchem er vertrieben geweſt / außgetheilet / gerad / als haͤtte er gemeldten Grundſtein in ſeiner Fauſt vnd Handhab. Jch hab dir / ſprach er zu Joſeph / ein ſtůck Landes gegeben auſſer deinen Brůdern / daß ich mit meinem Schwert vnd Bogen auß der Hand der Amoriter genommen habe. Vor der Vernunfft hatte es das Anſehen / als were es ein delirium oder Aberwitz eines alten Man - nes geweſen. Aber in der That vnd Warheit / war es Gottes Wort / auß Prophetiſchem Geiſt herruͤhrend / ſo auch zu ſeiner Zeit allerdings erfuͤllet worden: Alſo iſt auch der Glaub elenchus ein feſter Beyfall / der auff ſeiner Meinung vnwanckelbar beſtehet vnd beruhet / laͤſſet auch / wann es die Noht erfordert / Leib vnd Leben daruͤber / er faſſet die der Vernunfft uͤberauß wunderlich vnd vnerhoͤrt vorkommende Evangelia anderſt nicht / als ſehe vnd habe er ſie in den leiblichen Augen vnd Haͤnden / ja viel gewiſſer / als haͤtte ers in Haͤnden / wie dann von Abraham geſchrieben ſtehet / daß er geglaubt habe auff Hoffnung / da nichts zu hoffenRom. 4, 18. Iac. 1, 6. war / Sintemal / wer im Glauben bittet / der zweiffelt nicht / ὁλόγος ϑεοῦ ſagt Chryſoſtom. ἀπαραλόγιςος, ἡδὲ αὔϑησις ἡμῶν ἐυεξαπάτ η -Homil. 83. in Matth. τος, das iſt / Gottes Wort kan nicht fehlen. Aber vnſer Verſtand vnd Sinn laͤſt ſich leichtlich betruͤgen.

Es hat ſich auch die Wachſamkeit deß Hertzens herfuͤrgethan in fi - duciali applicatione in der zuverſichtlichen Zueigung. iſt clar abzu - nemen auß der gantzen Hiſtori: da ſich Jacob gantz frewdig erzeigt / vnd folgends ie vnd allezeit in ſeiner Truͤbſal ſich dieſes Geſichts getroͤſtet. Zuvor war er troſtloß / verzagt / trawrig; ietzt ſpringt er fuͤr Frewden auff /M ijzum92Die Achtebezeugt ſeinen Glauben mit einem Geluͤbd vnd Beſtim̃ung deß Orts zum Gotteshauß. Ach Gott / dachte der liebe Jacob bey angehen der vorigen Nacht / nun bin ich von Vatter vnd Mutter / von aller menſchlichen Huͤlff verlaſſen / da iſt niemand bey mir / das freye Feld wird dißmal mein Schlaffbett / der harte Stein mein Kuͤſſen ſeyn. ſi ſic principium, quo - modo finis erit? Jſt das der Antritt vnd Anfang meiner Walfahrt / wie wirds morgen / wie wirds uͤbermorgen vmb mich ſtehen mit meiner Wahlfahrt? O wie weit iſt mein GOTT von mir gewichen. Ach HERR wie ſo fern? Aber o der ſeligen Cataſtrophe? was ſagt er morgen frůh / da die Morgenroͤte angebrochen vnd er vom Schlaff erwacht? Jch dachte mein Gott ſey fern von mir: aber niemal iſt er mir naͤher geweſt / als dißmal / da ich jhn fern geſchaͤtzet hatte: mich dauchte / ich war gantz allein vnd verlaſſen: vnd ſihe / wieviel heiliger Engel hab ich vmb mich gehabt: mich duͤncket / ich ſey vom Himmel vnd Erden ver - laſſen: vnd ſihe der Himmel hat ſich auffgethan / vnd zu mir herniederge - laſſen. O ich ſeliger Menſch! hie iſt die Himmelspfort. Gott ſey lob vnd danck. Was betruͤbſt du dich mein Seel / ſey getroſt / erwache / le -Pſal. 56, 12. be / hoffe auff GOtt vnd foͤrchte dich nicht / was koͤnnen dir Menſchen thun. Mein Bruder Eſau / der mir vmb Gottes Willen feind worden (dann was kan ich darzu / daß mir mein GOtt das groſſe Gluͤck der erſten Geburt gegoͤnnet / daß er mich jhm vorgezogen) wird mich nun wol muͤſſen mit frieden laſſen / der HErr zehlet meine Flucht / er faſſet meine Thraͤnen in ſeinen Sack / ohn zweiffel er zehlet ſie / als waͤr es ſein Schatz / daß er keinẽ darvon verliere / Menſchen wol - len mich verſencken / in den tieffen Abgrund jhres Zorns / aber auff GOtt will ich hoffen / was kan mir Fleiſch thun / ſihe der - ter Jſrael ſchlaͤffet noch ſchlummert nicht / ich lig vnd ſchlaff vñ erwache / ich foͤrchte mich nicht fuͤr viel hundert tauſenden / die ſich vmbher wider mich legen / dann der HErr erhaͤlt mich / vnd wer kan die heiligen vnd inniglichen affecten alle außſprechen? durch Glauben / Tugend vnd Gebet will ich jhn uͤberwinden / GOtt wird ſein Hertz endern in Crafft ebenmaͤſſigen heroiſchen Glaubens / hat er / der liebe Jacob alle folgende Vngemach in allen ſeinen uͤber groſſen vnd mannig - faltigen Creutzen uͤberwunden / vnd mit dieſem Goͤttlichen Geſicht vnd Geſpraͤch dieſelben durchſuͤſſet. Laban ſein Schwaͤher taͤuſchet jhn / er miß - brauchte jhn zu ſeinem Frondienſt / zwunge jhn tag vnd nacht zu arbeiten ohne Danck / ſahe es nicht gern / wenn jhn die Sonne einmal angeſchienen.93Predigt. nen. Aber Jacob dachte ohne zweiffel: deſſen allen vngehindert / weiß ich / was mir mein Gott zugeſaget: Jch weiß / was ich im Traum geſehen / deß troͤſte ich mich. Er eignet jhm Gottes Verheiſſung mit feſten Ver - trawen zu / vnd ſagt: der HErr ſoll mein Gott ſeyn / thut eben / als wann Gott mit niemand zu thun haͤtte / als mit ihm allein: welches dann eben die rechte Art deß Glaubens iſt. Er iſt harthertzig oder hertzfeſt / ohne zagen vnd wancken / ſtarckhertzig wider Fleiſch vnd Blut / gantz - hertzig / alleinhertzig / getroſt / frolockend / freyredend. Summa / Ja - cobs geiſtlich Augenltecht ſihet Chriſtum den verſprochenen Weibesſa - men an / ſein Beyfall halt ſich an die Verheiſſung / ſein Vertrawen ſteiffet ſich auff den Schatz / der jhm zugeſagt vnd verſprochen worden. Einerc. 19, 25. ſolchen Art war auch der Glaub aller Heiligen. Job ſpricht / Scio, ich weiß daß mein Erloͤſer / mein Retter lebt. Jtem Paulus flimmet zu / πέ -Rom. 8, 38. 39. Gal. 2, 20. πεισμαι, ich bins gewiß / daß mich nichts von der Liebe Gottes / die in Chriſto JEſu iſt / ſcheiden mag. Jtem / ich lebe in dem Glauben des Sohnes Gottes / der mich geliebet hat / vnd ſich ſelbſt fuͤr mich dargegeben. Jtem / Chriſtus Jeſus iſt kommen in1. Tim. 1, 15 die Welt / die Suͤnder ſelig zu machen / vnter welchen ich der fuͤrnemſte bin. Jtem / hinfort iſt mir beygelegt / die Cron der2. Tim. 4, 8 Gerechtigkeit / welche mir der HErr an jenem Tage / der ge - rechte Richter geben wird. Dergleichen Exempel nach / muͤſſen wir Chriſti Geburt / Oelberg / Tod / Aufferſtehen ꝛc. anders nicht anſehen / als wann wir da geſtanden weren / vnd weren ſelbſt mit geſtorben vnd auffer - ſtanden. Jeſus iſt mein / ſpricht ein glaubiges Hertz mit Warheit / ſein Geburt iſt mir zu gut geſchehen / der blutige Schweiß am Oelberg iſt mein Schatz vnd mein Eigenthumb / ſeine blutige vnd trawrige Paſſion / gilt mir. trutz Teuffel oder Hoͤll! Quia eius mors noſtra victoria, par eſt, ut quisque noſtrum non minus agat Deo gratias, quam ſi ob ipſum ſolum veniſſet; neq; enim recuſaturus erat, vel ob unum tantam adhibere dis - penſationem, ideo ſingulum quemque hominem pari charitatis modo diligit, quo diligit orbem univerſum. ſagt Chryſoſtom. das iſt / weilin Epiſt. ad Gal. der Tod CHriſti vnſer Vberwindung iſt / ſo iſts billig / daß ein ieder vn - ter vns nicht weniger Gott dancke / als wenn er vmb ſeiner willen allein in die Welt kommen were. Denn er ſich nicht weigern wuͤrde / auch vmb einſen willen ſo groſſen Liebdienſt vnd Liebswerck fuͤrzunemen: dar - rumb liebet er einen ieden Menſchen abſonderlich mit eben ſolcher Liebe / damit er die gantze Welt vmbfangen.

M iijDieſes94Die Achte

Dieſes iſt alſo ein Proludium vnd Vorbereitung auff den alten A - poſtoliſchen Glauben. Jn allen Kuͤnſten vnd Handwercken iſts alſo be - ſchaffen / daß ein ieder antrettender Lehrknab muß zuvorderſt ſein Werck - zeug vnd Gebrauch deſſelben wol verſtehen / was dieſes oder jenes heiſſe vnd bedeut / damit nicht / wann er den Hammer ſoll reichen / er die Axt darbiete. Die Rechtsgelehrten haben ihre Titul oder Regiſter / die Philoſophi ihre claves, die Waidleute vnd Jaͤger ihre beſondere Arten zu reden: der Zim - mermann ſein Beihel / Axt / Saͤg / Bohrer: der Schuhmacher ſein Aal / der Weber ſein Schiffel / ꝛc. Alſo fragt ſichs auch hie / Quid ſides? was iſt der Glaub? heuͤr vnd fern wird vom Glauben gepredigt / aber wenig ver - ſtehens / was der Glaub eigentlich ſey? Ja / wenn ich den Papagey lehre ſchwaͤtzen / vnd frag ihn / was iſt der Glaub? ſo wird er mir auch antwor - ten: der Glaub iſt ein ſtarck Vertrawen vnd gewiſſe Zuverſicht. Wenn ich aber frag: was iſt ein gewiß vnd ſtarck Vertrawen / was iſt die erleuchtete Gewißheit? was iſt Zuverſicht? was iſt der waare lebendige Gott? was iſt Vatter? was iſt JEſus Chriſtus? was hat das Woͤrt - lein in auff ſich; dann ein anders iſts Gott dem HErrn in ſeinem Wort Glauben zuſtellen / ein anders Glauben / daß ein Gott ſey / welches dieIac. 2, 19. Teuffel auch glauben vnd zittern. Ein anders aber iſts / Jn Gott glauben / all ſein Vertrawen vnd Zuverſicht auff ihn ſetzen / darin ſtecket die Seel vnd Crafft des lebendigen Glaubens. Da iſt man ſtumm / da iſt niemand daheime. Nun der Geiſt Gottes mahlet vns den Glauben nicht nur mit eigentlichen claren verſtaͤndlichen Worten / ſondern auch in Figuren vñ Bildern fuͤr Augẽ als in einer ὑποςάσει vñ Standfeſte / oder in einer gewiſſen Zuverſicht eines Eſſens vñ Trinckens vñ anderer empfind - lichẽ Sinnen; fuͤr dißmal in dem Schlaff Jacobs / darauß abzunemẽ / dz der Glaub wol moͤge genennet werden ſomnus vigilantis, ein Schlaff eines Wachenden. Da ein Menſch ſich fuͤr die Himmelsleiter / das iſt / die Cantzel legt auff den Eckſtein Chriſtum Jeſum / ſchafft alle andere Gedancken / Phantaſeyen vnd Grillen auß dem Kopff / laͤſt ſich Gott gantz vnd gar / ſpricht / wie auch droben vermeldet / hie bin ich / der HErr rede: Jch bin ein Tafel / der Maler oder Schoͤpffer aller Creatur / mahle vnd bilde in mir / was ihm geliebet: da komt dann der heilige Geiſt / bringt Goͤttliche Antwort vnd Geſichte / mahlet ihm Chriſtum vnd ſein Verdienſt fuͤr Au - gen / verſigelt in ſeinem Hertzen die Evangeliſche Verheiſſung / zeigt die Schaͤtze der Gnaden / der Vergebung der Suͤnden / deß Heils der Seelen / vnd der ewigen Seligkeit. Erweckt im Menſchen Liecht / Beyfall / Ver -trawen /95Predigt. trawen / da greifft der Menſch darnach oder wird vielmehr ergriffen / faſts in die Augen / faſts ins Hertz / ſpricht / ia / ja! haͤnget daran wie ein Eiſen am Magnet. Ein anders iſts / wenn ich frag: Quid fides ſalvifica? Was iſt der ſeligmachende Glaub? Ein anders wann ich frag: Quid in fideſalvat? Was macht ſelig im Glauben? Wann ich frag: was iſt die Hand? antwort / ein nuͤtzliches Glied. Was macht aber den Menſchen reich / welchem man tauſend Gulden in die Hand liffert vnd verehrt? ant - wort / nicht die Hand / ſondern die Ergreiffung / oder vielmehr die ergriffene Gabe / die macht jhn reich. Gleicher maſſen / wann ich frag / was iſt der Mund eines Saͤuglings? ein edles Glied. Was traͤnckt ihn aber? nicht der Mund / ſondern die Ergreiffung der Milch: Alſo iſts nicht gnug / wann ich frag / was iſt der Glaub? ſondern was macht ſelig im Glauben? ant - wort / apprehenſio paſſiva, die leidende oder ſich dem ſchenckenden allguͤ - tigen Gott ergebende Ergreiffung / beſtehend in dem empfahenden an - ſchawen / deſſen / was im Wort fuͤr Augen leuchtet / in dem Beyfall der Goͤttlichen Verheiſſung / in dem vertrawlichen annemen des verheiſſenen Gnadenſchatzes. vnd diß iſt die Seel vnd innerliche Eigenſchafft deß ſelig - machenden Glaubens / der viel mehr leidet / als thut / nicht gibt / ſondern nimmet / laſt mit ſich im Schlaff handlen vnd vmbgehen ohne wider - befzen / ohne Widerſtand.

Hierauff fraget ſich im Gegentheil / quid infidelitas? Was iſt der Vnglaub? antwort 1. ſopor κατανύξεως, Ein harter vñ vnempfind -Rom. 11, 7 8. licher Suͤndenſchlaff / der Schlaff der Verſtockung vnd deß erbitterten Geiſtes / da der Menſch ſeine Augen zuſchließt / daß ſie nichts von GOtt oder Goͤttlichen Dingen ſehen moͤgen; ſeine Ohren verſtopfft mit weltlichen Geſchaͤfften / darin er ſich vertiefft / vnd gleichſam erſoffen iſt / wie dort Siſſera / der Feldhauptmann Jabin / der Cananiter Koͤnig / da jhm die Hebreiſche Heldin Jael ein Nagel durch ſein Schlaff geſchla - gen / eingeſchlummert / niedergeſuncken vnd nichts mehr verſtanden: wieIud. 4, 2. 1. Sam. 26. 12. Ion. 1, 3. 5. Mat. 23, 16, Luc. 6, 39. Saul vnd ſeine Soldaten in einen ſolchẽ tieffen Schlaff gefallen / dz ſie deß Einbruchs Davids nicht gewahr wordẽ / wie Jonas / da er fuͤr dem HErꝛn flohe / zu Schiff gieng / ſich darin niederlegte / vnd hart ſchlieff. Jſt einmal ein gefaͤhrlicher Stand? Einmal Vnwiſſenheit entſchuldiget nicht / Ver - fuͤhrung der blinden Leiter auch nicht / ſie fallen alle beide in die Gruben. Ein irriges Gewiſſen mag da nicht beſtehen: den Grund der Seligkeit muß iederman wiſſen. aber es ſind gewiſſe Grad / nach dem geoffenbarten Wort alſo wird von Bawren mehr gefordert als von den wilden Leuten in der Barbarey / vom Burger mehr als von Bawren / vom Handwercks -geſellen /96Die Achtegeſellen / oder einer Magd zu Straßburg / die ſich nicht ſollẽ von vnſern Kir - chẽ laſſen abwendig machen / wird mehr gefordert / als von dem Geſind auff dem Dorff / von Studenten oder Gelehrtẽ mehr / als von Vngelehrten vnd Idioten / vñ ſo fortan. Es iſt der Vnglaub ein Schwindel / da man halb Leitſch / halb Hund / auff beiden Seiten wancket / Ja vnd Nein auß einem Munde ſpricht / aufftriebſand ſtehet / kein gewiſſen Verheiß auß dem Wort Gottes hat / darauff man fuſſen moͤchte. Komts zum Treffen / in Truͤbſal / in Anfechtung / ſo gehet es eben mit einen ſolchen vnglaubigen Menſchen / wie dem / der in ein tieff Waſſer gerahten / keinen Boden hat / darauff er ſtehen koͤnte / haͤlt ſich irgend an einen Bintzen oder Hoͤltzlein / das kan jhn aber nicht erretten / er muß vnter ſich ſincken vnd ertrincken. Es iſt der Vn - glaub / deſperatio ein Verzagung / ſo auß Mangel der hertzfeſten Gewiß - heit entſtehet / auß der vnſeligen eingebildeten Particularitaͤt: Chriſtus ſey nicht fuͤr alle geſtorben / darumb ſey es auch nicht gewiß / daß er fuͤr mich ge - ſtorben. Ein ſchroͤcklich Exempel der Verzagung iſt vns an Franciſco Spiera vom Sleidano auffgezeichnet / davon zur andern Zeit. Es iſt der Vnglaub endlich 4. ſopor Noctambulonis, gleich dem Schlaff eines Nachtwanderers / der Nachtfertig iſt / er gehet in der Jrr nach ſeiner Phantaſt / oder nach ſeinem Schwarm / in Vermeſſenheit ſteiget er in gefaͤhrliche Ort / klettert einen Baum oder auffs Dach hinauff / endlich aber faͤllet er herab. Alſo gehet es allen Jrrwiſchen / Wanckelmuͤhtigen / vnd die in jhrem Glauben Gott verſuchen / ſind vermeſſen / ſchlagen auffs andere extremum hinauß / der Præfidentz / glauben mehr / als jhnen GOT - TES Wort verheiſſen / laſſen ſich beduncken / wann ſie gleich taͤglich jhr Gewiſſen verwunden / vnd ohne Beſſerung oder Abſtehen des ſuͤndlichen Wandels dahin gehen / ſo ſeyen ſie doch liebe Schoßkinder GOTTES / wagens auff ſolchen freveln Glauben / examiniren vnd pruͤffen ſich nicht recht / ob ſie im rechten Glauben ſtehen / darumb da / wel - ches das letzte iſt / von noͤhten / reflexio, das innerliche Examen. Viel ſagen zwar: ich glaub in Gott Vatter ꝛc. Aber mit Vnwarheit. Dann vnter ſolchem fuͤrgeben ſteckt mancher grobe blinde ignorant, mancher vn - wiſſende / faule vnd traͤge Menſch / der ſich vmb den rechten Verſtand der Glaubens Artickul wenig bekuͤmmert / laͤſt die Vnwiſſenheit manchmal in die grawen Haar hinein wachſen / mancher Jrr - vnd Fladergeiſt / der offt ſo eiferig in ſeinem falſchen Wahn / daß er auch das Leben drüber einbuͤſſet / betreugt ſich aber ſelbſt: dann Gott verdammet auch das irrige Gewiſſen in Glaubensſachen / keiner ſoll nach ſeines Hertzens Gutduncken glauben. Mancher Zweiffeler / der nichts gewiſſes glaubt / ſondern in der gefaͤhr -lichen97Predigt. lichen ἐποχῇ den Weg ſihet / weiß nicht / wohin er ſich reſolviren / vnd was er fuͤr vnfehlbar gewiß glauben ſoll / ſein Gewiſſen zu ſaͤttigen / da doch / wer da zweiffelt nicht eines gedencken darff / daß er etwas vonIac. 1, 6 7. dem HErrn empfahen werde. Mancher Suͤndenknecht / der in Suͤnden ſtecket biß uͤber die Ohren / der Welt ſamt ihren Luͤſten anhaͤngt / vnd ſich dabey guldene Berg einbildet / gleich einem Traͤumenden / dem von einem reichen gefundenẽ Schatz traͤumet: ob derſelbe zwar auch ſpricht: Jch glaube / iſt es doch nuꝛ ein lauterer Traum / das iſt / Geſchwaͤtz ohne We - ſen. darumb / wie angedeutet / die reflexio, die Prob vnd Pruͤffung deß Glaubens hoch von noͤhten / angeſtellt nach dẽ innerlichen Zeugnuß deß H. Geiſtes / der durch das Wort Gottes / ſo im Hertzen wohnet / Zeugnuß gibt vnſerm Geiſt / daß wir Gottes Kinder ſeyn / vnd ſolch Zeugniß mit den hei - ligen Sacramenten verſigelt: erkuͤndiget auß den artigen / lieblichen / ſchoͤnen Fruͤchten deß Glaubens / der Lieb / der Hoffnung / der Sanfftmut / Demut / Gedult / geiſtlichen Kampff wider das Fleiſch vnd dergleichen / davon aber zur andern Gelegenheit mit mehrern.

Wann wir dann wiſſen / was der Glaub ſey? ſo ligt nun ferner alles an der lebendigen praxi vnd Vbung. Die Himmelsleiter Chriſtus Jeſus ſtehet vns noch fuͤr den Augen vnſerer Hertzen / nicht in einem naͤchtlichen Geſicht / ſondern im claren Liecht deß heiligen Evangelii. wem vmb Gnad / Troſt / Huͤlffe vnd Liecht bange iſt / wer auch in der Nacht vnd Finſter - nuß allerhand Anfechtungen fuͤl let / der lagere ſich gegen dieſer Himmels - leiter / dencke derſelben mit Andacht nach / haͤnge ſich an die Sproſſen / klet - tere an derſelben hinauff / er wird ohn craͤfftigen / lebendigen / vnſterblichen Troſt nicht gelaſſen werden. Die Welt pochet auff jhr Gut vnd Gelt / auff jhre Gewalt vnd Luͤgen / das ſind aber Wacholderſchatten / voller Dorne vnd Gefahr / darunder übel zu ſchlaffen. Aber ein rechter Jacobit1. Reg. 19, 5. oder rechtſchaffender Jſraelit / der frewet ſich uͤber Gottes Reich vnd Ver - heiſſung / da Gerechtigkeit vnd Fried iſt im heiligen Geiſt; uͤber die Liebe Gottes / Chriſti Frewd vnd Holdſeligkeit / des heiligen Geiſtes Gnad / die fruchtbare Geſellſchafft der Außerwehlten vnd H. Engeln / über die ſich vmb jhn her lagern / daran dencket er / deß dancket er GOTT vnd ſpricht HErr der du biſt mein Helffer / vnter dem Schatten deinerPſ. 63, 4. 8. Fluͤgel ruhe ich / du biſt ja Jſraels Troſt vnd ſein Nohthelffer. 〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉Deine Gůte iſt beſſer dann Leben. Wer von Gottes Gnad / Lieb vnd Freundlichkeit / Troſt / Fried / vnd Frewde / wie Jacob allhie begegnet / einen Frewdenſchein / ein Blicklein / ein Vor - ſchmack / ein troͤpfflin im Hertzen empfindet / das thut jhm beſſer / als allesNnatuͤr -98Die Achtenatuͤrliches Leben / Speiß vnd Tranck / Wolluſt vnd Weltfrewd; HErr davon lebt man / ſagt Hiskias / da er in ſeiner Kranckheit etwas von die - ſem Seelentroſt erſchmaͤcket. Mein Seel iſt ſtill zu Gott / ſie ruhet in Gott / findet ſonſt keine ruhe im Creutz / wo ſie ſich auch hinwenden wolt: ſo vngeſtuͤmm iſt das Meer nicht / wann Sturm fuͤrhanden / als das menſchliche Hertz / wann Truͤbſal da iſt: ein Angſt / Forcht / Sorg / Vnge - dult folgt nach der ander / aber ruhet vnd ſchlaffet das Hertz in Gott / da iſt Ruhe / da iſt Fried / da iſt wol / dann der HErr iſt einer ſolchen See -Pſal. 62. len Hort / Huͤlff / Schutz / daß ſie kein Fall ſtuͤrtzen wird / wie groß er iſt. Es iſt an dem / wen Gott liebt / den haſſet die Welt / vnd wird nicht anderſt / iſt von Anbegin ſo geweſt: Wem GOtt der HErr die erſte Geburt / das iſt einen Vorzug in Gaben vnd Gluͤck vor andern / ohn ſein lauffen vnd rennen goͤnnet / den ſihet man mit ſchaͤlen Augen an: mancher Eſaw will mit ſeinen Naturalgaben das Gluͤck vnd conſe - quenter Gott im Himmel zwingen / es thut jhm euſſerſt wehe / den Schalck durchſchmeichelen / liebkoſen / Fuchsſchwantz / Freundlichkeit zu verbergen / er rennet / er lauffet / er arbeit / er ſihet / wie er dem / dem er ſein Gluͤck miß - goͤnnet / den Ranck abrenne / vnd das Waſſer auff ſeine Muͤhl richte / alles vmbs Gewinn willen / vnd Ehrſucht / er fuͤhrets eine Zeitlang mit Ver - wunderung hin / aber in fine videbitur, cujus toni, am Juͤngſten tag wird ſich der Vnterſcheid clar entdecken. Nichts beſſers / nichts rahtſamer iſts / als an Gottes Gnad / Wort / Verheiſſung hangen / wie Jacob gethan. Darumb wache auff meine Ehre / wache auff Pſalter vnd Harf - fen / fruͤhe / (das iſt / emſig / luſtig / als in der Fruͤheſtund bey anleuchten.Pſal. 57, 9. der Morgenroͤht) will ich auffwachen / Gott ſendet mir / betraͤngten / fluͤchtigen / nidergetruͤckten vom Himmel zween herrliche Botten / nemlich Guͤte vnd Trew oder Warheit: jener ſoll meinem Feind Eſau das Hertz nemen / brechen vnd aͤndern: dieſer meine Vnſchuld an Tag bringen / Er hilfft mir von der Schmach meines Verſenckers: darumb fage ich noch ein mahl / wache auff Pſalter vnd Harpfen / fruͤhe will ich auffwachen / vnd meinen Gott loben. AMEN.

Die99Predigt.

Die Neundte Predigt.

Vber die Leiter Jacobs / von der Forcht Jacobs.

GEliebte in Chriſto: wann vnſer Heiland Chriſtus die gluͤckſelige Samariterin / mit deren er ſich in ein holdſelig Geſpraͤch eingelaſ - ſen / vnd gleichſam vmb jhre verlohrne Seel gebuhlet / da ſie den alten Streit zwiſchen den Juden vnd Samaritern geruͤttelt / mit folgen - den Worten beantwortet: Weib glaube mir / es komt die Zeit / daßIoh. 4, 21. 23. jhr weder auff dieſem Berge / noch zu Jeruſalem / werdet den Vatteꝛ anbetten. Es komt die Zeit / vnd iſt ſchon jetzt / daß die warhafftigen Anbeter werden den Vatter anbeten im Geiſt vnd in der Warheit. So hebt er zwar damit auff / 1. Iudaicas pere - grinationes, die Juͤdiſchen Wahlfahrten / darzu ſie verbunden geweſt / im Alten Teſtament: dreymal deß Jahrs (ſpricht Moſes) ſoll alles / wasDeut. 16, 16 Männlich iſt / vnter dir fuͤr dem HErrn / deinem GOtt erſchei - nen an der Staͤtte / die der HErr erwehlen wird / auffs Feſt der vngeſáuerten Brod / auffs Feſt der Wochen / vnd auffs Feſt der Laubhuͤtten. Solche Verbindung an einen gewiſſen Ort / will der HErr ſagen / werde ſchwinden vnd vergehen / mit andern Ceremonien vnd Schatten des Alten Teſtaments. Es werde die Hanna jhre Wahlfahrt1. Sam. 1. 1. Reg. 10. gen Silo ſparen / die Koͤnigin auß Reich Arabia die koſtbare Reiß einſtel - len / vnd der Kaͤmmerling / auß Mohrenland nicht noht haben / ſeinen Wagen anzuſpannen / vnd nach Jeruſalem / daſelbs anzubeten / zu reiſen. Er hebt hierin zugleich auff Iudaizantes peregrinationes Chriſtianorum, die Juͤdenzende Wahlfahrten der Chriſten / den aberglaubiſchen Wahl - fahrtbruͤdern vnterſchlaͤgt er den Weg nach Jeruſalem zum heiligen Grab / nach S. Loreto / gen Einſidel / gen Compoſtell / ſo da geſchehen ex re - ligione cultus, devotione & pœnitentiaria ſatisfactione, auß einẽ vermein - ten Gottesdienſt / ſonderbarer Andacht vnd bußfertiger Gnugthuung /Seß. 25. Bel larm. l. 3 de cultu. 5. c. 8. Gretz. l. 3. de peregt. c. 5. Mat. 15, 9. wie das Concilium zu Trient / Bellarminus vnd Gretzerus dieſelbe beſchrei ben / dann ſolche Wahlfahrten ſind ohnnohtwendig vnd uͤberfluͤſſig / ſie ge - hoͤren vnter die Notul / davon Chriſtus ſagt: vergeblich dienen ſie mir / dieweil ſie lehren ſolche Lehre die nichts dann Menſchen - Gebott ſind / vnd gemahnen mich ſolche Wahlbruͤder an Caji CaligulæN ijKriegs -100Die NeundteKriegsheer / damit er in Britannien ſchiffen wolte. der macht am Vfer eine Schlachtordnung zur Anzeig deß Angriffs / hieß hernach die Solda - ten Muſchlen vñ Schneckenhaͤuſer auffleſen / kam damit als mit eine Beut gen Rom / triumphiret / vñ theilet Fuͤrſtliche Geſchenck auß / gerad als haͤtte er einen groſſen Haſen erloffen: Alſo bringẽ auch die Jacobsbruͤder von jrer Reiſe nichts / als Muſchlẽ vñ Todenbein zu Hauß. Es ſind gemeldte Wahl - farten vngewiß vnd betrieglich / wañ zum Exempel von S. Loreto auß - geben wi[r]d / es ſey Mariæ Hauß vñ Gemach / da jhr der Engliſche Gruß an - gemeldet worden / auff Engliſchen Fluͤgeln in einer Wolcken hingetragenvide hypo - bolimæam camerã ſeu Idolũ Lau - ret. Ber - neggeri: Chriſteid. act. 1. p. 105 & 756. An 1090. & ſeq. worden / welches doch im Beſtand der Hiſtorien nicht gegruͤndet: Alſo lauffen die blinden Leut S. Jacob zu Compoſtel nach / vnd iſt noch vnter jhnen ſelbſt vngewiß / ob Jacobus einmal in Hiſpanien kommen / anderer piarum fraudum vnd ſcheinheiligen Betrugs / damit man die Leut viel hundert Jahr gleich als in einem Aprilenſpiel geaͤffet / zu geſchweigen: ſie ſind gefaͤhrlich vnd ſchaͤdlich der Haußhaltung / dem guten Na - men / der Geſundheit / dem Leben / dem zeitlichen Heil vnd Wolfahrt. Wie ſonderlich zu ſehen an dem Kriegszug nach dem heiligen Land vnd Grab. Da auff angeben Petri eines Einſidels / Papſt Vrban Lermen geblaſen / vnd die arme Chriſten in das heilig Land ins Gewehr gejagt / jhnen rote wuͤlline Creutz auff die Schuldern hefften laſſen / mit indulgentz vnd Ablaß ſie verſehen / darauff es angangen / vnd die Leut bey viel tauſenden in heiſſer Andacht wie ein Backoſen dahin gezogen / aber an ſtatt der heiligẽ Graͤber nichts anders / als jhre eigene Graͤber gefunden / alles vnter dem Schein groſſer Heiligkeit / Andacht vnd Buß: vnter deſſen hat der Papſt daheim den Meiſter geſpielet / vnd wie Kaiſer Fridericus pflegte zu ſagen: Nulla arte ditiores factos, nulla ſophiſtica magis intum uiſſe ſaginatos Pontifices, quã ſpecioſo liberationis Palæſtinæ glaucomate, das iſt / es haben die Paͤpſte durch keine Liſt ſich mehr bereichert / noch durch irgend einen Betrug groͤſſe - re Schmerbaͤuch zugelegt / als eben durch das ſcheinbare / wiewol nichtige vorgeben der Rettung deß heiligen Landes. Das heiſt Wahlfahrten nachPſal. 16, 4. Andeutung des Pſalms / die einem andern nacheilen / werden groß Hertzeleid haben. Der HErr lobt aber im Gegentheil III. Chriſtiano - rum peregrinationes ſpirituales, die geiſtliche Wahlfahrten der Chriſten /2. Cor. 6, 17. 18. die Entweichung auß der blinden Babel / gehet auß von jhnen / vnd ſondert euch abe / ſpricht der HErr / ruͤhret kein Vnreines an / ſo will ich euch annemen / vnd ewer Vatter ſeyn / vnd jhr ſolt mei - ne Soͤhne vnd Toͤchter ſeyn. als die rechtſchaffenen Wahlfahrten zudem101Predigt. dem Leib Chriſti / welcher iſt der allgegenwertige Tempel der Gottheit / in der Chriſtlichen Kirchen / im Wort vnd Sacramenten fuͤrgetragen. als die allgemeine Wahlfahrten wo GOtt ſeines Namens Gedaͤchtnuß geſtifftet / in einem ieden Tempel / da GOTTES Wort rein vnd lauter geprediget wird / da iſt Bethel. Ja / im Hertzen eines ieden frommen Chriſten / da wohnet GOTT / ſonderlich in der Schrifft / da iſt Be - thel / da wohnet Chriſtus. vnd das war biß dato auch vnſer Wahlfahrt gen Bethel / wir haben Bethel geſucht an dieſem Ort / in dieſer Kirch vnd Gotteshauß / da wir gehoͤrt nicht Maͤrlein / wie zu Loreto ꝛc. ſondern Goͤtt - liche oracula vnd Antwort / haben geſehen nicht Verblendungen der fal - ſchen Heiligthum / ſondern Goͤttliche Geſicht. Heut acht tag haben wir den ſchlaffendẽ Jacob als ein Muſter deß Glaubens betrachtet. Folget anietzo die Forcht Jacobs / als ein Frucht deß Glaubens / angedeutet in den Worten vnſers Textes / da Jacob ſagt gewißlich iſt der HErran dieſem Ort: vnd ich wuſte es nicht: vnd forchte ſich vnd ſprach / wie Heilig iſt dieſe Stätte / hie iſt nichts anders / denn Gottes Hauß / vnd hie iſt die Pfort deß Himmels. Davon nun ferners zu handlen / wolle Gott ſeinen Segen geben / Amen.

DRey Stuͤck ſind allhie zu bedencken / Timoris 1. cauſa, die Vr - ſach der Furcht. 2. locus, der ort der Furcht. 3. actus, die Furcht an jhr ſelbſt. Die Vrſach der Furcht iſt dreyfach / I. Præſentia Numinis Iehovæ. die Gegenwart Gottes des HErrn. gewißlich / ſagt Jacob / iſt der HErr an dieſem Ort / vnd ich wuſts nicht. Wie ſolt er nicht gewuſt haben Gottes Allgegenwart / ſolt er ſich dann nicht / ehe er ſchlaffen gangen / dem allgegenwaͤrtigen HErrn Him - mels vnd der Erden befohlen haben? ſolt Jacob / in der Patriarchen Haußſchul ſo wol vnterwieſen / ein ſolch groſſer ignorant ſeyn geweſen? warumb ſagt er dann / ich wuſte es nicht? Ja freilich wuſte er es wol / daß GOtt der HErr allenthalben ſey / der Himmel vnd Erden mit ſeiner Ge - genwart / Macht vnd Wirckung erfuͤlle: Aber er wuſte nicht die gnaͤdige Gegenwart Gottes an dieſem Ort / er dachte / Gott ſey allein zu Berſaba gnaͤdig / hie ſey ein Barbariſch Land / vnd vielleicht kein Gottesforcht an dem Ort / das war die erſte Vrſach / der Forcht. ſolte ich mich nicht fuͤrch - ten / will er ſagen / fuͤr dem groſſen Gott / fuͤr dem die Engel ihre Fuͤſſe bede - cken / die Heiligen allezeit erſchracken / auß Erwegung der Goͤttlichen Ma -Iudic. 13, 20. 22. jeſtaͤt vnd jhrer Vnwuͤrdigkeit. Da dort der Engel deß HErrn in derN iijLohe102Die NeundteLohe auffgefahren / fielen Manoah vnd ſein Weib / Simſons Eltern zur Erden auff jhr Angeſicht / vnd Manoah ſprach: wir muͤſſen deß Todes ſterben / daß wir Gott geſehen haben. Ein Vnterthan ſchewet ſich fuͤr der Majeſtaͤt ſeines Koͤnigs / vnd muß mit entbloͤſſeten Haupt ſtehen / was ſolt dann nicht ein ſterblicher Menſch fuͤr dem Koͤnig aller Koͤnige1. Tim. 3. 15 thun? Die ander Vrſach / die jhm eine Furcht eingejagt / war Domus Dei, das Hauß Gottes. Hie iſt nichts anders denn Gottes Hauß / hie wohnet Gott. Eſt quidem ubique (Deus) per divinitatis præſen -Epiſt. 57. tiam; ſed non ubique per habitationis gratiam. ſagt Auguſtinus Gott iſt zwar allenthalben nach ſeiner Goͤttlichen Gegenwart; Er iſt aber nicht allenthalben nach ſeiner gnaͤdigen mit vnd Beywohnung. Hie iſt Got - tes Hoff. Ein Vnterthan / der ſeines Koͤniges vnd deß Hofflebens / nicht gewohnet / kom̃et er gen Hoff / ſihet die Trabantẽ / ſo iſt jm angſt / er ſchewet ſich / er foͤrchtet ſich / weiß nicht / wie er ſich gnug buͤcken / reverentz machen / vnd zierlich geberden ſoll / es kommet jhm alles venerabel vnd hoch fuͤr / er denckt / daß ich mich da nur wol halte / vnd kein Vngebuͤhr begehe / der1. Reg. 7. Pallaſt ſelbſt erwecket Schrecken vnd Forcht: wer Salomonis Pallaſt / Richt vnd Luſthauß ſolte geſehen haben / von lauter koͤſtlichen gehawenen Steinen / vnd den Wald Libanon / gebawen auß gehoͤfelten Cedern / der Koͤnigin Zimmer / die Hoffſtub / Saal / ꝛc. Wer Achabs Helffenbei - nen Hauß / vnd Nebucadnezars koͤſtliche Burg / ſolte geſehen haben / ſambt allen Schaͤtzen / Renten / Kunſtcammern / bey dem wuͤrde es ohn zweiffel Furcht / Ehrerbietung / Hochhaltung vnd Belobung erwecket haben. Die dritte Vrſach / ſo jhn etzlicher Maſſen ergeiſtert / heiſſet Ianua cœli, die Himmelspfort. Hie iſt die Pfort des Him - mels. Diß Hauß iſt das Vorhauß zum edelſten Gemach / da derMat. 7, 13. Koͤnig ſelbſt wohnet. Es iſt die Thuͤr / die Pforte / die enge Pforte. Je - doch ſtehet dieſe Thuͤr iederman offen: Der ſtoltze reiche ſchlemmer laͤſt denLuc. 16, 20. armen Lazarum fuͤr der Thuͤr liegen / aͤrger als ein Hund. Aber hie gehet es nicht alſo; ſondern dieſe Thuͤr ſtehet allen offen in dieſem leben / ſo lang es heut heiſſet. Hæc admodum admirabilis eſt oratio, neque ſimilemp. 90. f. 2. habet in ſcripturis. ſchreibt Luther / diß iſt gar eine wunderliche rede / man findet jhrs gleichen nicht in heiliger Schrifft. Denn darauß erſcheinet die Wuͤrde / Hoheit vnd Heiligkeit der Chriſtlichen Kirchen / wo fuͤr wir die - ſelbe anſehen ſollen / nemlich fuͤr einen Saal / Hauß vnd Hoff Gottes / fuͤr eine Pforte deß Him̃els / vnd folgends fuͤr einen erſchrecklichen / hochheili - gen vnd gantz freyen Ort: ſolches iſt auch von einem ieden abſonderlichenChriſt -103Predigt. Chriſtlichen Gemein im Namen Gottes verſamlet zu verſtehen Wie nun der Prediger / ſo bald er auff die Cantzel oder vor den Altar gehet / ge - dencken ſoll: Gewißlich iſt der HErr an dieſem Ort / o wie Heilig iſt dieſe Staͤtte: Alſo ſollen auch die Zuhoͤrer gedencken / ein ieder fuͤr ſich ſelbſt: Hie iſt warhafftig Gott gegenwaͤrtig / hie ſind die Engel / hie iſt die Leiter / das Hauß Gottes / ja die Pforte vnd Thuͤr deß Himmels / o mich ſeligen Menſchen! ἕκας ἕκας ὅςις ἄλιτρος, Procul hinc, procul ite profani. Hunde gehoͤren auß der Kirchen / Perlen ſoll man den Schweinen nicht fuͤrwerf - fen. Hie iſt Gotteshauß vnd kein Hunde Hauß oder Schweinſtall. Haman verhuͤllet hie ſein Geſicht fuͤr dem Koͤnig aller Koͤnige; der Blut - hund laſſe ſich nicht ſehen / der garſtige Hurenbub erſcheine nicht fuͤr die - ſem heiligen Antlitz / denn hie iſt die Freyſtatt. Es huͤten ſich die hoffaͤrti - gen Phariſeer / es huͤte ſich / der in Haß vnd Feindſchafft wider ſeinen Bruder vnd Naͤchſten lebt / dann dieſer Ort iſt heilig / er leidet ſolche Vn - flaͤter nicht! oder kommen ſie ohne Buß daher / heben blutige Haͤnde auff / ſo erhoͤret ſie der HErr nicht / ſie ſind jhm ein Grewel. Jſt die Kirch Got - tes auff Erden / die Himmelspfort / wie Jacob vns dieſelb recommendiret / ſo laſſet vns derſelben gleichſam Gewalt anlegen / vnd vns reiſſen durch dieſelbe in den Himmliſchen Pallaſt der ewigen Glori vnd Herrlichkeit zu kommen. Laſſet vns darnach ringen / daß wir hinein gehen durch die enge Pfort. Jn der Hiſtori von der Eroberung der Statt Conſtantino - pel im Jahr Chriſti 1453. geſchehen / wird vnter andern berichtet / daß / als ein Chriſtlicher Jtalianiſcher Obriſter Namens Iuſtinian von Genua im Stattzwinger / durch einen Pfeil toͤdlich verwundet / deme ein kleines Pfoͤrtlein der Statt zu ſeiner Cur geoͤffnet worden. Da ſeyen etliche Tuͤrcken deſſen gewahr worden / vnd mit aller Macht vnd Furie auff das eroͤffnete Pfoͤrtlein ſich zugetrungen / vnd zugleich mit in die Statt einge - brochen / andern jhren Spießgeſellen Platz / vnd alſo an der Eroberung der Statt einen Anfang gemacht. Daß wir nun auch mit ſolcher Angele - genheit vnſern Vortheil erſeheten / vnd mit ſolchem Eifer ein - vnd durch - brechen moͤchten durch die enge Kirchpfort / das himmliſche Schloß zu - erobern.

Folgt II. Locus Timoris, / der Ort der Furcht. Hie / ſagt Jacob / wie heilig iſt dieſe Staͤtte / verſtehet dadurch nicht fuͤrnemlich den Berg Morya / wie etliche / ſonderlich Lyranus dafuͤr gehalten / als were Jacob darumdaſelbſt uͤber nacht bliebẽ / ſich der Opfferung ſeines Vatters Jſaacs zuerinnern / welches nicht allein wider die Hiſtoria / denn Jacob vngefehr dahin kommen / wie das Ebreiſche Wort〈…〉〈…〉 anzeiget / ſondern auch wi -der104Die Neundteder die Beſchreibung des heiligen Landes / dann Bethel / welche zuvor Luß hieß / lag im Stamm Benjamin nicht weit von Jericho vnd Ai /Ioſu. 8, 9. c. 16, 2. c. 18, 13. vid. Ger - hard. p. 544 drey Meil von Jeruſalem. Hie ſagt er / in dieſem Luß / iſt eine heilige Staͤdte; wie heilig? Jſts doch ein entweiheter / vnheiliger Ort? Jſt doch der gantze Erdboden nach Adams Suͤndenfall verflucht; Jſt dann dieſer Ort heilig / wegen beywohnender oder immerwaͤrender Heiligkeit? O nein / dann es kam endlich dazu / daß nach dem daſelbſt von Jerobeam die Kaͤl -1. Reg. 12, 29. Oſe. 4, 15. c. 5, 8. bergoͤtzerey geſtifftet / auffgerichtet worden / daß auß Bethel / das iſt / Gottes - hautz / ein Bethaven / domus vanitatis, doloris, peccati, ein Eitelhauß / ein Schmertzen hauß / ein Suͤndenhauß worden / ſondern es heiſſet ein heiliger Ort relatè & tem porariè, wegen der angemeldten erſchienen geiſtlichen Offenbarung vnd Geſicht. Woher weiſſeſtu aber lieber Jacob / daß da Gottes Hauß geweſen? wie darffſt du ſo kuͤhn vnd getroſt ſagen / diß iſt Gottes Hauß / dieſes iſt die Pforte deß Himmels / welches iſt das Kenn - vnd Merckzeichen geweſt? Antwort. Gott hat ſich mir offenbaret / will Jacob ſagen / im Wort vnd Geſicht. Das Wort hat allda rein vnd craͤfftig gelautet / es hat mich getroͤſtet nach allem Genuͤgen. Jch hab da Troſt em - pfangen / wider die Anfechtung meiner Seelen / auß den Fruͤchten erkenne ich den Ort; darauß erſcheinet claͤrlich / daß die Chriſtliche Kirch da ſey / wo Gott wohnet / wo ſein Wort lauter vnd rein thonet / wo es die Hertzen troͤſtlich beweget / vnd die Seelen craͤfftig durchtringet / erleuchtet / ſtaͤrcket / alle Chriſtliche Tugenden im Hertzen wircket. Es iſt ie ein alter Streit / wo die rechte Chriſtliche Kirch auf Erden zu finden / wo die waare ſeligmachende Religion anzutreffen; zu welcher Parthey man ſich am allerſicherſten ſchlagen koͤnne? wo beſtaͤndige Ruhe deß Gewiſſens? vor der Suͤndflut wolte Cain einiger Noht / Gottes liebſtes Schoßkind ſeyn / die ſich zu jhm hielten / muſten die rechte Kirch: Abel / Seth vnd andere muſten Suͤnder ſeyn. Jeroboams Seet wolte nicht vnrecht haben: die Baals - pfaffen zur Zeit Eliæ vnd Michæ / ſchwebeten empor / wie das Fett; die Propheten muſten Novatores, Newling / Zaͤncker vnd Lermenblaͤſer heiſ - ſen. nach Jeroboams Zeiten kurtz vor der Ankunfft Chriſti ins Fleiſch / vnd in den Tagen ſeines Fleiſches / war die Frag / ob man zu Jeruſalem oder zu Bethel anbeten ſolte? die Jſraeliten hatten fuͤr ſich / die aͤlte / die Herrligkeit / die Heiligkeit / die Gluͤckſeligkeit jhres Tempels: die Miracul / ſo da geſchehen / das Buch der Propheten / die ordentliche ſucceſſion der Prieſterſchafft. Die Samariter lieſſen ſich im Gegentheil beduncken / ſie ſeyens / die Frag entſtunde / ob man den waaren Gottesdienſt zu beſu -chen /105Predigt. chen / Jeruſalem oder den Berg Griſim erwehlen ſolte / in welchen Berge Saneballat / der Samaritiſche Fuͤrſt / ſeinem Tochtermann Manaſſe auß Verguͤnſtigung Alexand. M. einen Tempel gebawet / der eben ſo koͤſtlich geweſen / als der zu Jeruſalem / wurde auch eben ſo heilig gehalten / vnd ge - nennet beth-hamikdaſch ein Hauß deß Heiligthums: Jn den euſſerlichen Kenn - vnd Merckzeichen gaben ſie den Juden nichts nach / ſchrieben ſich von Jacob dem Ertzvatter her / ſie waren mit allerhand argumenten gefaſt / jhre Meinung zu behaubten. Es war da der Berg Griſim / der einige / darauff vor alters der Segen geſprochen worden / gleich wie auff dem EbalDeut. 11, 29 c. 27, 12. 13. der Fluch / ſein Heiligthum war aͤlter / als deß Sions Berg. Vnd eben ſo iſt noch heut zu Tag der Streit / wo die rechte ſichtbarliche Kirch zu fin - den / ob ſie zu Rom? zu Zuͤrch? oder zu Wittenberg? Es ſeyn ja alle drey Mut - terkirchen / darauß eine vnd die andere Religion ſich in die Welt erbrochen. Jacob antwort / hie iſt ein heilig Ort / hie iſt Gotteshauß / Vrſach / dieweil an dieſem Ort / Gottes warhafftige Wort rein vnd lauter erſchollen; weil hie Goͤttliche Geſicht ſich herfuͤrgethan; weil ich geſtern ellende / troſtloſe / an - gefochtene Mañ / hie an dieſem Ort / im Traum / Troſt vñ Frewde die Fuͤlle in meinem Hertzen empfangen vnd empfunden. Das heutige Rom fuͤhret zum Schein im Wappen das Alt Herkom̃en als von deren Glau - ben man in aller Welt geſagt: deren Vorbild die abend vnd mitternaͤchtigeRom. 1, 8. l. 3. de Sacr. cap. 1. in Epiſt. ad Rom. Kirch in allen gefolget / wie Ambroſ. redet. die da iſt eine Mutter vnd Mut - terkirch aller Gemeinden / nach der Meinung Cypriani Ignatius nennet ſie ἐκκλ ησίαν ἡγιασμένην, λαὶ πεφωτισμένην, ἀξιόθεον, ἀξιοπρεπῆ, ἀξιομακάριςον, ἀξιέπαινον, προκαθημένην τῆς ἀγάπης, χριςώνυμον, πατρῴνυμον, πνευματοφόρον. Das iſt / eine geheiligte vnd erleuchtete / Gottwuͤrdige / wolgeſchmuͤckte / hochſelige / lobwuͤrdige Gemeinde / eine Vorgaͤngerin der Lieb / die von Chriſto / vnd von Gott dem Vatter den Namen traͤgt / in welcher der hei - lige Geiſt wohnet. Sie pranget mit der Nachfolg vnd mit dem Erbrecht deß Apoſtoliſchen Stuls / mit der Gluͤckſeligkeit / mit dem Prophetiſchen Liecht / mit Zeichen vnd Wundern / mit der Heiligkeit in der Lehr / vnd im Leben. wir laſſens gelten / daß ſolche elogia vnd Ehrentitul jhr gebuͤhret ha - ben. Vor Zeiten ehe die alte Schlang in dem Roͤmiſchen Paradiß einge - niſtet / ehe ſie jhren Jungfrawen Krantz verlohren / da die Biſchoffe noch gewachet / vñ den Namen mit der That gehabt / deren etliche die Gemeinde auch mit Vergieſſung jhres Blut verthaͤdigt. Aber nach dem daſelbſt Jerobeam die Kaͤlber auffgerichtet / ſo iſt auß dem Bethel ein Bethaven worden / auß dem Hauß Gottes ein Neſt vnd Behaltnuß der vnſaubern Geiſter / ſie hat jhren Ruhm verlohren / die rechte ſeligmachende ErkantnußOJeſu106Die NeundteJeſu Chriſti iſt da verloſchen: dann es wohnet Gott nicht mehr daſelbſt / Chriſtus iſt da fremde worden / er wird den Leuten gantz ſchrecklich eingebil - det / als zu dem niemand getroſt tretten darff ohn erlangte Fuͤrbitt der Hei - ligen / die ſollen viel liebreicher / gnaͤdiger vnd holdſeliger ſeyn / als die weſent - liche Lieb / der Gnadenthron / die Leutſeligkeit ſelber. wo nun Chriſtus nicht iſt / da iſt auch ſein Geiſt nicht / ſondern der Satan mit Heydniſcher Abgoͤt - terey vnd Aberglauben / der iſt Abt im ſelben Cloſter: das Wort ſcheinet nicht rein vnd lauter / es gibt keinen Troſt / ſie treiben an ſtatt deß alten He - roiſchen vnd Apoſtoliſchen Glaubens einen ſolchen kindiſchen / naͤrriſchen / fabelhafften / abenthewerlichen / troſtloſen Gauckelglauben / daß man nicht weiß / ob man der armen / blinden Leuten / lachen oder ſie betrawren ſoll? das euſſerliche Gepraͤng vnd Anſehen / deß Kirchenornats / der Bilder / des Chriſams / der Firmung / der Weihen / Creutzen / Fahnen / Proceſſion / Monſtrantz / Ablaskram / daß ſolls thun / daß ſoll den Glauben ſchmuͤcken. Ja wann Chriſti Reich von dieſer Welt were / wann es nicht ein geiſtliches Reich were / wann nicht die Zeit allbereit erſchienen / da man Gott viel mehr im Geiſt vñ Warheit dienen ſoll / als mit euſſerlichẽ Ceremonien / vnd zwar ſolchen / die von dem abgethanen Judenthumb ſich ſchreiben / nach dem blinden Heidenthum ſtincken. Der Menſch muß gerecht werden durch die aller vollkommeneſte Gerechtigkeit. Nun aber iſt die eingegoſſene oder benwohnende Gerechtigkeit / damit die Roͤmiſche vn Catholiſche Kirch pranget / ſamt den guten Wercken vnd der Gnugthuung fuͤr die Suͤnde / vnvollkommen vnd befleckt / ſie mag im Standrecht eines armen Suͤnders fuͤr Gott nicht beſtehen: derohalben kan kein Menſch dadurch gerecht vnd ewig ſelig werden. Anderer troſtloſen Lehren dißmal zu geſchweigen / wie auch dißmal vnnoht jhre notas Ecccleſiæ, jhre ertichtete Kenn - vnd Merck - zeichen der waaren Kirchen einzufuͤhren oder zuwiderlegen / daran ſie wie die zu Sodom an den Waͤnden tappen / koͤnnen die Thuͤr zum Hauß nicht finden. Vnſer Lutherus ſchreibt ſehr wohl uͤber dieſe Hiſtoria.

Tom. 4. Ienenſ. fol. 156.

Demnach kanſt du vrtheilen vnd ſchlieſſen / daß vnſere Kloͤſter vnd Stifftkirchen / nicht Gottes Haͤuſer ſind / dann da iſts alles alſo geſtifft / daß man Gottes Wort darinnen hat / dann wo Gott wohnet / da ſchweiget er nicht ſtille / vnd wo er redet / da wohnet er auch. Darumb ſoll man kein Hauß Gottes nennen / man ſey dann gewiß / daß er da rede. Dann ehe Jacob willen hatte / oder je gedachte etwas da zu machen / hoͤret er Gott reden vnd predigen / vnd vmb deß Worts willen / ſagt er / hie wohnet Gott. Derhalben muͤſſen vnſere Kirchen vnd Stiffte eitel Teuffelshaͤuſer ſeyn / weil ſie ohn Gottes Wort auß menſchlichen Gutduͤncken auffgericht ſind /vnd107Predigt. vnd allein von dem Werck vnd Dienſt / den wir geſtifft haben / Gottes Haͤuſer heiſſen.

O was hat der Text den Juden auch Jrrthum gegeben / gerade wie vns / daß ſie frey dahin ſchloſſen / hie hat Jacob gelegen / vnd Gott geſehen / iſt eine heilige Stett / darumb wollen wir da eine Kirchen bawen / vnd Gottesdienſt auffrichten / wie der Koͤnig Jerobeam thaͤt. Dawider ſchrien alle Propheten / vnd ſagten / was hebt jhr an? Redet doch Gott nicht da / vnd jhr richtets ohn vnd wider ſeinen Befehl auff / da legten ſich die falſchen Propheten dagegen / vnd verdamten ſie / vnd richten ſo viel zu / daß ſie muſten vmbs Leben kommen. Was hat ſie nun geirret? Eben das / daß ſie den Text nicht recht angeſehen / haben daß Maul auffgeſperret / gegen der Stette / vnd meineten / es muͤſte Gott da wohnen / darumb / daß ſie jhm darinne dieneten / vnd nicht nach dem Wort fragten / ob er da redet. Du darffſt nicht dencken auff herrliche Gebaͤw / Dach / Gewelbe / Altar / ſingen vnd klingen. Wo Gottes Wort klinget / es ſey im Walde oder Waſſer / oder wo es iſt / da iſt ein Bethel / daß man darff ſagen / hie wohnet Gott / dann (wie gehoͤrt) ehe je ein Stein an dem Ort gelegt war / hieß Ja - cob den freien Platz / ein Hauß Gottes. Woher wuſte er das? daher / daß er an dem Ort hat hoͤren reden. Darumb ſoll man jhm kein Hauß bawen / mann wiſſe denn zuvor / daß er da wohne. Dann wohnet er aber da / wann er ſein Wort laͤſſet predigen / in vns wircket / vnd durch den Glauben erkant wird.

Zuͤrch betreffend / fragt ſich / ob daſelbſt die waare Kirch zu finden? mit Ja laͤſt ſichs nicht antwortẽ / ſintemal daſelbſt Zwinglius ſein ſchoͤne Zucht außgebruͤtet / Gottes Majeſtaͤt / Gerechtigkeit / Barmhertzigkeit verhoͤnet: an ſtatt Goͤttlicher Geſicht haben Vernunfftseinbildungen die Oberhand / nach demſelbigen muß ſich der Glaube reguliren vnd richten laſſen: da iſt kein craͤfftiger vñ in den hoͤheſten Anfechtungen bewehrter Troſt zu finden / die particularitaͤt reiſſet den Grund der Seligkeit vmb / gebaͤret vnvermei - denliche Gewiſſensangſt / vnd Verzweiffelung / ſo auß der Lehr vom bloſſen Rahtſchluß der bloſſen Verwerffung per ſe vnd nohtwendig folgt. An ihren Fruͤchten ſolt jhr ſie erkennen / kan man auch Trauben leſen von den Dornen oder Feigen von den Diſteln? Wittenberg / Leipzig / Straßburg / Stockholm / Coppenhagen / vnd dergleichen Staͤtte / Land vnd Kirchen belangend / iſt daſelbſt die rechte Kirch ohnfehlbar anzutreffen: Vrſach / dann Gott wohnet daſelbſt / das Wort wird lauter vnd rein geprediget / nach der Richtſchnur der heiligen Schrifft / da iſt außgebrochen derPſal. 50. ſchoͤne Glantz Gottes auß Sion. da erſchallet die jenige Apoſtoli -O ijſche108Die Neundteſche Lehr von dem edelſten Meſſias Segen / der fuͤr Gott einig geltenden Gerechtigkeit / welche Anfangs von Jeruſalem durch Mund vnd Fe - der der heiligen zwoͤlff Botten in die gantze Welt propagiret vnd außge - breitet worden. Es wird den betruͤbten Seelen craͤfftiger Troſt in aller Anfechtung zur Lincken vnd zur Rechten / craͤfftige Erinnerung beyge - bracht: Hie kan ich ſagen / iſt eine heilige Staͤtt / hie iſt Gottes Hauß / da er ſeines Namens Gedaͤchtniß geſtifftet / da er ſein Herd - vnd Fewerſtatt hat. Kein Zweiffel iſt es / es gehet vielen / wie Jacob / ſie reifen auß / kommen hieher / oder wol vngefaͤhr in die Kirch / wiſſens nicht / daß es ein ſolcher heiliger Ort ſey! Sie werden aber durch den Finger Gottes im Wort beruͤhret / erleuchtet / craͤfftiglich bewegt / daß das Hertz gedencken muß; Hie iſt Gottes Hauß / wiewol der Mund vnd die euſſerliche Bekantnuß noch nicht folgen will. Wie gar ſolte man ſich nicht laſſen irr machen oder abhalten durch weltlichen reſpect. weltlicher Ehr Beſtaͤttigung / Verheiſ - ſung / machen offt zu ruͤck blicken nach der Heimat / vnd zu gedencken / ja / wañ ich wuͤſte / daß ich nit wider heim muͤſte / wolte ich mich bald bedencken; viel mehr ſolte man auß dem Abgoͤttiſchen Ur Chaldea mit Abraham auß - gehen / an Lots Weib gedencken. Vergiß deines Volcks vnd deinesPſ. 45, 11. 12. Vaters Hauß / ſtehet geſchrieben / ſo wird der Koͤnig Luſt an deinerad Helio - dor. ep. 1. Schoͤne haben. Hie moͤgen wir billig mit Hieronymo ſagen / (wiewol er ein ander Abſehen gehabt) Licet parvulus ex collo pendeat nepos, licet ſparſo crine & ſciſſis veſtibus ubera mater oſtendat, licet Pater in limine jaceat Per calcatum perge patrem, ſiccis oculis ad vexillum crucis evola, ſolum pietatis genus eſt, in hîc crudelem. Das iſt / ob dir gleich ein kleines Kind an dem Halß haͤnget / ob dir gleich die Mutter mit zer - ſtrewetem Haar vnd zerriſſenen Kleidern jhre Bruͤſte zeiget / ob gleich dein Vater auff der Thuͤrſchwelle liget / ſo gehe fort uͤber den Vater hin / vnd ſchwing dich ohne Traͤhnenvergieſſung zum Faͤhnlein des Creutzes / hie iſt Blutgierigkeit wider Fleiſch vnd Blut zu kaͤmpffen vnverboten. Wir ſprechen vnd wuͤndſchen mit S. Paulo / als er zu Koͤnig Agrippa geſagt /Act. 26, 27. 28, 29. Glaubſt du / Koͤnig Agrippa / den Propheten? Jch weiß / daß du glaubeſt / vnd hierauff von Agrippa / die Antwort bekommen: Es fehlet nicht viel du ůberredeſt mich / daß ich ein Chriſt wůrde; ſo ſagt vnd wuͤnſchet Paulus: Jch wuͤnſche fuͤr Gott / es fehle an viel oder wenig / daß nicht allein du / ſondern alle / die mich heut hoͤren / ſolche wuͤrden wie ich bin / vnd dieſes iſt auch mein Wunſch /der109Predigt. der Apffel aber faͤllet nicht von einem Streich / wir muͤſſen ins kuͤnfftig beſſer dran.

Es iſt noch uͤbrig zu behertzigen III. Actus timoris / die Forcht an ſich ſelbſt / vnd Jacob foͤrchtet ſich / ſagt vnſer Text. Was war diß fuͤr eine Forcht? warhafftig kein blinde vnd gemachte Forcht / wie irgend dergleichen Forcht zu Loreto in Jtalien bey den Wallbruͤdern / ſo dahin jhre devotion abzulegen / wandern / bißweilen ſich ſoll erzeigt haben / von welchen Mantuanus ſchreibt: Cum veniſſem ad ſacratiſſimum domici -apud Tur - ſellin. l. 2. Hiſt. Laur. c. 6. lium, me ſubito horror invaſit, & viſus ſum audire vocem Dei loquentis ad Moſen: Ne appropinques huc, ſolve calceamentum de pedibus tuis, locus enim, in quo ſtas, terra ſancta eſt. Das iſt: als ich zu dem hochhei - ligen Tempel der Jungfrawen Mariæ / ſo zu S. Loreto gnaͤdig / kommen / iſt mich ploͤtzlich ein ſchaudern ankommen / vnd hat mich gedaucht / als hoͤrte ich die Stimme Gottes / der zu Moſe ſagte: Tritt nicht herzu / zeuch deine Schuhe auß von deinen Fuͤſſen / dann der Ort / da du auffſteheſt / iſt ein heilig Land. Anton. Muretus fangt ſein Gedicht an die Jungfraw (Maria) alſo an:

Vnde mihi inſolitus præcordia concutit horror:
Et perfuſa metu trepidat, velut icta Deo, mens:
Wo komt mir vngewohnt das Hertzenſchaudern her?
Mein Gemůht zittert / als wenns von Gott gerůhret wer.

Turſellinus beſchleuſt ſeine relation mit vnfern fuͤrhabenden Worten: Li -l. 2. c. 6. bet mihi lacob Patriarchæ ſermone concludere: o quàm terribilis eſt locus iſte, verè non eſt hic aliud, niſi domus Dei, & porta cœli. Jch will jetzt mit der Rede deß Ertzvatters Jacob beſchlieſſen: O wie heilig vnd er - ſchrecklich iſt dieſe Staͤtte / hie iſt gewißlich nichts anders / dann Gottes Hauß / vnd die Pforte deß Himmels. Waruber ſich aber ſo hoch nicht zu verwundern / dann dergleichen auch bey den heidniſchen idoleis vnd Goͤtzenhaͤuſern ſich begeben / wie beym Suetonio, Tacito vnd Seneca zu ſe -in Auguſt. c. 6. Annal. l. 15 36. Ep. 4. 14. hen. Die vorgefaſte Meinung vnd ſtarcke impreſſion vermag viel in der Phantaſie aberglaubiſcher Leute. Allezeit iſt Jacobs Forcht keine ſolche blinde / abgoͤttiſche / ſondern erleuchtete Forcht geweſen. Er ſagt zwar: Jch wuſts nicht / nemlich / vorhin wuſte ichs nicht / jetzt weiß ichs daß dieſe Staͤtt heilig ſey. Gottes Wort hat mir eine hertzbewegende Gottesforcht eingejagt / ich fuͤrchte mich fuͤr GOtt / daß mir diePſ. 119, 120. Haut ſchauert / vnd entſetze mich fuͤr ſeinen Rechten: die majeſtaͤ - tiſche himmliſche Erſcheinung die bewegt zur demuͤtigen reverentz vndO iijEhr -110Die NeundteEhrerbietung / vns zum Exempel der Nachfolg: Gott der HErr offenba - ret ſich ja noch heut vnd alle tag in ſeinem Wort vnd Sacramenten / da ſind Wort / da ſind Geſichte vnd Zeichen. Aber weil mans eben ſo ge - wohnt / iſt wenig reverentz / wenig Forcht: wer aber bedencket / vnd in ſei - nem Gewiſſen fuͤr wahr haltet / wie es dann nicht anders / daß GOtt der HErr durch den Mnnd der Diener rede / daß der Geiſt Gottes mit dem Tauffwaſſer Sacramentlich vereinigt / daß im Sacrament deß hochwuͤr - digen Abendmals φρικωδέςατα μυςήρια ſchreckliche (wiewol den Glaubi - gen hoch troͤſtliche) Geheimniſſen fuͤrgetragen / der aller heiligſte Leib Chriſti vnd ſein roſinfarbes rantzion Blut außgeſpendet werden: wie ſolte denſel - ben nicht grawen? Es iſt aber auch Jacobs Furcht geweſen kein knech - tiſche Furcht / ſo auß boͤſen Gewiſſen entſpringt / wie beym Koͤnig Saul ſich gefunden / da er das Geſicht zu Endor geſehen / vnd die trawrige Ant - wort vernommen von dem vermeinten Samuel / dem leidigen Teuffel /1. Sam. 28, 16. 20. was wilt du mich fragen / weil der HErr von dir gewichen / vnd dein Feind worden iſt? zeigt jhm zugleich an / die ſchwere Straffen / ſo Gott uͤber jhn beſtimmet / uͤber welche Wort Saul zur Erden gefallen / ſo lang er war / vnd ſehr erſchrockẽ / ſo gar / daß keine Crafft mehr in jhm gewe -Dan. 5, 6. ſen. Deßgleichẽ beym Koͤnig Belſazer / da er gewar ward der Hand / die jm ſein Vrtheil an die Wand geſchrieben: Er entfaͤrbte ſich / vnd ſeine Gedancken erſchreckten jhn / daß jhm die Lenden ſchuͤtterten / vnd die Beine zitterten / das ſey ferne / daß ſich Jacob auff ſolche Weiß ſolte entſetzt haben / eine ſolche Furcht iſt der nechſte Nachbar der Ver - zweiffelung. Sondern eine kindliche Furcht / volles Troſtes / in einem Hertzen / da Buß vnd der waare Glaube per συγκρᾶσιν gemenget. ErIud. 13, 23. dachte ohn zweiffel / was dort Manoahs Weib geſagt / wenn der HErr Luſt haͤtte mich zu toͤden / ſo hätte er mir nicht ſolches alles erzei - get / noch mich ſolches hoͤren laſſen / wie ietzt geſchehen iſt. Mit ſolcher kindlichen / zuverſichtigen / glaubigen / reverentialiſchen Furcht ſollen wir auch dem Wort Gottes begegnen / vnd bey den heiligen Sacramenten erſcheinen / fuͤr der Majeſtaͤt der Goͤttlichen Gegenwart zwar zittern / aber auß den Gnadenverheiſſungen ein gut Hertz faſſen / vnd vns mit der Guͤte vnd Trewe vnſers Gottes vnd Vatters im Himmel hertzlich troͤſten vnd auffrichten. Demnach vnd zum letzten iſt Jacobsforcht Timor religio - ſus eine Religionsfurcht geweſen / eine Ehrenfurcht vnd Gottesdienſt / in2. Reg. 17, 33. maſſen das Ebreiſche Wort〈…〉〈…〉 den Verſtand hat /〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 da von den Voͤlckern / die der Koͤnig von Aſſirien an ſtatt derJſraeli -111Predigt. Jſraeliten eingeſetzt / geſagt wird: ſie foͤrchten den HErrn / das iſt / ſie beteten jhn an / ſie opfferten jhm nach der weiſe vnd rechten deß Geſetzes Moſis / ſie bewieſen jhm den Gottesdienſt. Eben das verſtehet auch Mo - ſes allhie / da er ſchreibt / Jacob habe den HErrn / da er jhm erſchienen / ge - foͤrchtet / das iſt / er ſey auff die Knie gefallen / hab Gott den HErrn angebe - ten / vnd ſeinen Gottesdienſt ſo enſſerlich / ſo innerlich im Hertzen verrichtet. Derſelbe ſtehet vns abermal zum Exempel vnd Muſter fuͤr Augen / daß wir ſonderlich in oͤffentlichen Verſamlungen / im Gotteshauß / da er ſeines Namens Gedaͤchtniß geſtifftet mit aller reverentz vnd Ehrerbietung er - ſcheinen / allen heiligen Vbungen mit Andacht beywohnen / vnſers Hertzen devotion mit euſſerlichen Gebaͤrden bezeigen / das gehoͤrte Wort Gottes[h]och halten / wol erwegen / danckbarlich beylegen / vnd Frucht bringen in Gedult / Gott im Himmel allezeit fuͤr Augen haben / in den Stricken der Gottes - vnd Todesforcht / wie der 73. Pſalm redet〈…〉〈…〉 einherge -Pſal 7 3, 4. hen / oder wie S. Paulus ſagt / mit Forcht vnd Zittern ſchaffen / daß man ſelig werde / ſein Gewiſſen in Acht nemen / wider die Chriſtliche Lieb nichts thun noch laſſen: dann in dieſen dreyen Stuͤcken beſtehet die waare Got - tesforcht / daß ein Chriſt allezeit uͤber ſich ſehe / ob es Gott gefalle / was er fuͤrnimt? in ſich / ob das Gewiſſen nichts darwider habe? neben ſich / ob dem Naͤchſten das Lieb widerfahr / das du wolteſt / daß er dir thue? Wer in ſolcher Ordnung ſtehet / der ſtehet ſicher / Gott der HErr ſchickt eine ſalva guardi vorher / die heiſſet Timor panicus die vrploͤtzliche Furcht / ſo da gebaͤret eine Flucht ohne Jagt / dardurch Jacob vor den vmbligenden heydniſchen Staͤtten verwahret geweſen. Er ſtehet in Gotteshauß an der Pforten deßGen. 35, 5. Himmels. Wol aber dem Menſchen / ſagt David / den der HErrPſal. 65, 5. erwehlet vnd zu ſich laͤſſet / daß er wohne in ſeinen Vorhoͤffen / in dem Hauß der Weißheit mit ſieben Seuͤlen / das iſt / daß er Gottes Haußgenoß / Beywohner vnd guter Freund worden / daß er mit ſeinem Gott getroſt reden kan / als mit ſeinem eigenem Hertzen / als ſeinem lieben vnd trewen Vatter ſeine Noht clagen darff / die er offt keinen Menſchen eroͤffnen mag: der bekuͤmmert ſich vmb keinen Eſau / wie grimmig vnd nei - diſch er auch ſeyn mag / braucht deſſelbẽ Gifft zu einer Artzney / laͤſt ſich durch vnverdiente Feindſchafft boͤſer Leute auffmuntern zum Gebet / zur Wach - ſamkeit / zur Tugend / mit ſolchen Waffen vnterſtehet er ſeine Feinde zu uͤberwinden: wills nicht ſeyn / befihlet er die gantze Sache dem droben im blawen Himmel / der mehr troͤſtet / erquicket vnd beſcheret / als die Feinde euſſerlich ſchaden / betruͤben vnd nemen moͤgen: Je groͤſſer der Feinde Macht / Schad vnd Spott / je groͤſſer iſt Gottes Huͤlff / Troſt vnd Lohn. Ein113Die ZehendeEin ſolcher angefeindeter Chriſt / der hat reichen Troſt von ſeinem Hauß / vnd ſeinem heiligen Tempel / in dem Gnadenhauß der Kir - chen mit allerhand ſchoͤnen Gaben deß heiligen Geiſtes erquicket / in dem innerlichen geiſtlichen Hertzenshauß wird er gezieret / mit Liecht / Troſt / Le - ben vnd Frewde / biß er in das hohe Himmelshauß erhoben / vnd daſelbſt von dem allerholdſeligſten Anblick der heiligen Dreyeinigkeit vnwandel - bare Frewde / vnzerſtoͤrliches Leben / ewigen Troſt ſchoͤpffen wird. Dazu helff vns allen Chriſtus Jeſus / der ſolche Schaͤtz vnd Guͤter thewer erwor - ben / AMEN.

Die letzte Predigt

Vber die Leiter Jacobs / von Jacobs Danckgeluͤbd.

Pſal. 45, 14.

GEliebte in Chriſto: wiewol wahr vnd gewiß / was von der Braut Chriſti geruͤhmet wird / es ſey dieſelbe (deß Koͤnigs Tochter) gantz herrlich inwendig / vnd deßwegen von einem leichtfer -vid. Greg. Nazian. in carm. con - tra fucatas mulieres. tigen / vnzuͤchtigen / gottloſen Weibsbild / welches ἔκτοθι τὴν ἑλένην, ἔνδοθι τὴν ἑκάβην außwendig eine ſchoͤne Helenam, inwendig aber eine vngluͤckſe - lige Hecubam præſentiret vnd dargeſtellet / vnterſchieden / welches euſſerlich ſich ſchmincket / ſchmuͤcket vnd riechet von Bieſem / innerlich ſtinckets von Vntugenden: ſo ſey es nemlich nit beſchaffen mit der Braut Chriſti. Son - dern / gleichwie ein tugendſam Weib jhren Schmuck inwendig hat;1. Pet. 3, 3. 4 Jhr Schmuck iſt nicht außwendig mit Haarflechten / vñ Gold - vmbhaͤngen oder Kleideranlegen / ſondern der verborgene Menſch deß Hertzens vnverruckt mit ſanfftem vnd ſtillem Gei - ſte / das iſt koͤſtlich fuͤr Gott. Alſo ſey die Kirch Chriſti nicht gleichApoc. 17, 4 der Babyloniſchen Hur / die euſſerlich prangt mit Gold / Kleinodien / coſtbaren Bildern / Wachskertzen / anathematen vnd Kirchenguͤtern / ꝛc. ſo theils auß dem laͤngſt begrabenen Juͤdenthumb entlehnet / theils nach dem Heydenthumb ſtincken / da mit mann alberen Leuten die Augen fuͤllet / vnd die Hertzen bezaubert / ſondern ſie hab jhren Glantz inwendig in den Gnaden gaben des heiligen Geiſtes / davon die erſte Kirch geleuchtet / da noch keine ſo ſchoͤn erbawete vnd genutzte Tempel / Kirchen oder Gottes -vid. Aurel. haͤuſer geweſt / wie Cœcilius den Chriſten fuͤrgeworffen / Nulla eos haberetempla,113Predigt. templa, nulla nota ſimulacra, ſie haͤtten keine Tempel oder Kirchen / auchAurel. Peruſin. e - pit. amal. Baron. ann. 211. p. 119. l. 2. cp. 246. keine bekante Bilder / davon beym Minutio Felice zu leſen: biß auff Con - ſtantinum Magnum darumb nicht allein Iſidorus Peluſiota, ein beruͤhm - ter alter Lehrer / Chryſoſtomi diſcipul, der ohngefehr im Jahr Chriſti 500. gelebt / gewuͤnſcht: Ego, mihi ſi optio daretur, téporibus illis fuiſſe mallem, in quibus templa non quidem perindè ornata erant, Eccleſia autem divi - nis ac cœleſtibus gratiis undique cincta & redimita erat, quàm his noſtris, in quibus templa quidem omnis generis marmoribus cohoneſtata ſunt, Eccleſia autem ſpiritualibus illis gratiis nuda eſt, & vacua. Jch moͤchte / ſpricht er / wenn ich die Wahl haͤtte / lieber zu den Zeiten gelebt haben / da die Kirchen zwar nicht ſo ſchoͤn gezieret / die Gemeind vnd Glieder der Kirchen aber mit Goͤttlichen vnd Himliſchen Gaben auff allen Seiten vmbgeben vnd außſtaffiret waren: Als zu dieſen vnſern Zeiten / da zwar die Kirchen mit allerhand koͤſtlichen Marmelſteinen erbawet vnd gemutzet; die Glieder aber der Kirchen von ſolchen geiſtlichen Gaben bloß vnd laͤr ſtehen. Son - dern auch Bonifacius im Concilio Triburienſi geſagt Præſtare Eccleſiam, in quâ aurei ſacerdotes, calices habuerunt ligneos: quàm ubi lignei ſa - cerdotes habuerunt calices aureos: dieſelbe Kirche ſey die beſte / in welcher die guͤldene Prieſter huͤltzene Kelche gehabt haben / als in welcher die huͤltze - ne Oelgoͤtzen guͤldene Kelche gebraucht. Ob es wol / ſage ich / an dem / daß auff gewiſſe Weiſe die Koͤnigs Tochter jhren Schmuck im Hertzen traͤgt: So verwirfft ſie doch darum̃ nit allen Jungfraͤwlichen Schmuck vñ Zierad; Gleichwie einer Jungfrawen nach Standesgebuͤhr / ohne Pracht oder Newerung wol erlaubt / zierlich vnd puͤntlich auffzuziehen: Alſo iſt auch der Kirchen der euſſerliche Schmuck nicht zu wider; Aliud eſt ara, aliud hara, ein anders iſt der Altar / ein anders der Schweinſtall. Neque enim, ſagt Chryſoſtomus, tonſtrina & unguentaria taberna eſt Eccleſia,Homil. 36. in Epiſt. 1. ad Corinth aut officina forenſis, ſed locus Angelorum, locus Archangelorum, Regia Dei, cœlum ipſum. Das iſt / die Kirche iſt nicht ein Barbierſtube / ein Apotheck oder ſonſt eine weltliche Werckſtatt / ſondern ein Ort der Engel / ein Ort der Ertzengel / eine Koͤnigliche Burg Gottes / ja der Himmel ſelbſt. Welche Wort entlehnet ſeyn auß vnſerer Hiſtoria. Es war der Ort / da Jacob gelegen / als er von ſeinem Schlaff auffwachte / ein Gotteshauß / ge - zieret mit der Majeſtaͤt der Gegenwart vnd Beywohnung Gottes / die Lei - ter war erfuͤllet mit den Engeln / die Seele Jacobs als die Braut Chriſti / war außſtaffiret mit innerlichen Gnadengaben / da war die rechte Kirche / denn wo Gottes Wort klinget / es ſey in oder auſſer der Einoͤd / da iſt ein Bethel / da kan man ſagen / hie wohnet Gott. Jacob war kein Bilder -Pfeind114Die Zehendefeind oder Bilderſtuͤrmer / wiewol er hernach die Goͤtzen vergraben vnd ab - geſchafft / darumb richtet er hernach auch den Stein auff / darauff er ge - legen / nicht einen Pallaſt / ſondern einen Altar darauff zu bawen / einen euſſerlichen Gottesdienſt anzurichten / Gott im Himmel zum Danck - mahl / ſeinen Nachkommen zum Denckmal der goͤttlichen Erſcheinung. wie jhm Gott der HErr erſchienen mit Worten vnd Zeichen / ſo begegnet er jhm auch widerumb danckbarlich mit Worten vnd Zeichen / davon wir zum Beſchluß noch weiter miteinander zu reden vnd zu handlen haben: Der HErr verleihe vns ſeine Gnad vnd Segen / daß es ohne Frucht nicht abgehen moͤge. Amen.

ZWey Stuͤck ſind allhie in Acht zu nemen: 1. objectum voti, die ge - lobte oder verſprochene Sache / 2. votum ipſum, das Geluͤbde an vnd fuͤr ſich ſelbſt. I. Das objectum voti, oder die Sache / darin das Geluͤbde beſtehet / iſt nicht die Brunſtſeuche Keuſchheit / die muht - willige Armut / der blinde Gehorſam. Was ſolten wol die Ordensleute im Papſtthumb drumb geben / wann ſie in dieſer Hiſtoria vnd legenda des lieben Jacobs / einig veſtigium vnd Anzeig ſolcher jhrer ſo hochgeruͤhmten Geluͤbde finden moͤchten. Aber damit koͤnnen ſie nicht auffkommen: ſon - dern die Sach / darin das Geluͤbde beſtehet / oder das jenige Ding / ſo von jhm Gott dem HErrn gelobet worden / iſt dreyerley: vnd zwar 1. Templi futuri dedicatio & initiatio, der Kirchbaw vnd Kirchweihe; Er nimt den Stein / den er zu ſeinen Haupten geleget hatte / vnd richtet jhn auff zu einem Mahl / vnd goß Oel oben drauff / hieß die Statt Bethel / vnd ſagt / dieſer Stein / den ich auffgerichtet ha - be / zu einem Mahl / ſoll ein Gotteshauß werden. Wie es bey den heutigen Paͤpſtiſchen Kirchweihen hergehe / was fuͤr Ceremonien, ſo -Per Elo. him in Ge - neſ. 35, 7. non intel - ligi Ange - los, ſed De - um, de cu - ius nomi - ne locus Bethel vo - catus eſt, contra Cal - vinũ tue - lennitaͤt vnd Gefeſt uͤblich / iſt bekant / nemblich auff Heidniſche Weiß; Es gehet der Weihebiſchoff ſambt etlichen Meßprieſtern mit Fahnen vnd Creutzen vmb die newgebawete Kirch dreymal / beſprengets mit Weihwaſ - ſer / ſo von Wein / Aeſchen vnd Saltz vermengt / im Namen Gottes des Vatters / Sohns vnd heiligen Geiſtes / ſchlaͤgt an die Kirchthier mit einem Stab / ſagt: Machet die Thore weit / vnd die Thuͤr in der Welt hoch / daß der Koͤnig der Ehren einziehe; Es wird durch die Kirch Aeſchen Creutzweiß geſtrewet / darinnen zwoͤlff Creutz A B C, mit groſſen Buchſtaben gemah - let / darauff die reſponſoria vnd Meſſen angehen. hie nichts dergleichen! Jacob ſaͤttiget ſich mit folgenden drey Ceremonien; Erſtlich mit Auff -rich -115Predigt. richtung eines Steins / vnd zwar eben deſſelben Steins / auff dem ertur Rivet. exerc. 143. in Geneſ. pag. 701. eundẽ Cal - vinum de - ſerit eius hyperaſpi - tes Pareus in Calvino orthod. l. 2 c. 11. p. 125. Pſal. 24, 7. Eſa. 28, 16. Pſ. 118, 22. 1. Pet 2, 6. Act. 4, 11. 1. Pet. 2, 4. Eph. 2, 20. De lapidis huius un - ctione vi - deatur Io - ſeph Scal. in ani - madv. Eu - ſeb. p. 189. Pſ. 45. 8. geſchlaffen / der ſoll ein Gotteshauß werden. 〈…〉〈…〉dieſer Stein / das iſt der Grundſtein / ἀκρογωνιαῖος, der Eckſtein / ein trefflich Fuͤrbild auf Chri - ſtum den Grund - vnd Eckſtein / auff welchen er / wie zuvor / wol geſchlaffen / alſo auch ſeine Kirch erbawet. Das iſt der Stein / ſagten die Apoſtel / den die Bawleut (die Hohenprieſter / Phariſeer / Schrifftgelehrten) verworffen / der iſt zum Eckſtein worden; Der lebendige Stein von dem Menſchen zwar verworffen / aber bey Gott außerwehlter vnd koͤſtlicher Eckſtein in Zion / wer an jhn glaubt / ſoll nicht zu ſchanden werden; der Grund-Eck-vñ Schloßſtein / auff welchen der geiſtliche Kirchbaw die Propheten vnd Apoſtel erbawet / auff welchem der gantze Baw ineinander gefuͤget / wachſet zu einem heiligen Tempel in dem HErrn. Ferners mit der Salbung; Er ſalbet den Stein / geuſt Oel oben drauff / ob er aber das Oel mit ſich ge - nommen / oder Fruͤhe Morgens in der Statt gekaufft? darumb bekuͤm - mern wir vns wenig / mehr aber vmb die geiſtliche Bedeutung / was mag wol dieſe ſeyn? Es iſt dieſe Salbung ein Bild des H. Geiſtes / welcher iſt das Frewdenoͤl / mit welchem Chriſtus der HErr von Gott ſeinem himm - liſchen Vatter geſalbet worden / mehr denn ſeine Geſellen / von deſſen Fuͤlle / ſo von jhm herab gefloſſen / auch ſeine Glaubigen empfangen. So dann mit Benennung / Jacob nennet die Staͤtte nicht abgoͤt - tiſcher Weiſe von Noah / Abraham / Eva ꝛc. ſondern er nennet ſie Bethel / ein Gotteshauß / anderſt als abermal im Papſtthumb geſchiehet / da die Gotteshaͤuſer nicht allein Gott dem HErrn; ſondern auch den Heili -vid Bellar - min. l 3 de cult. Sanct. c. 4. gen gewiedmet werden. Vnſerm Jacob iſt hernach gefolget / Kaiſer Conſtantinus, der die Kirchen κυριακὰς Gottes - oder des HErrnhaͤuſer genennet / wie davon beym Euſebio zu leſen.

Das ander Geluͤbdswerck / ſo Jacob gelobet vnd dem HErrn zuge - ſagt / heiſſet Templi dedicati dotatio, die milte Stifftung eines ge - wiſſen Kirchenguts. damit der Gottesdienſt ſchleunig von ſtatten gehe / ſo verſpricht Jacob den Zehenden von aller ſeiner Haab vnd Einkommen. Alles / was du mir gibſt / ſagt er / des will ich dir den Zehenden ge - ben / dir / ſagt er / verſtehe deinen Dienern / dann du bedarffſt es nicht / ich wills geben zur Erhaltung vnd Fortpflantzung des Gottesdienſt / daß mein erſtgebohrner Sohn / der das Prieſterambt haben vnd des GottesdienſtsP ijpflegen116Die Zehendepflegen ſoll / davon ſeine Ergetzligkeit / auch die Opffer erkaufft vnd zuberei - tet / die Haußſchul wol verſehen / vnd was zum Wolſtand vnd Zierad mei - ner Haußkirch werd von noͤhten ſeyn / zu handen gebracht werde. Ze -Gen. 14, 20 henden geben iſt / meine Geliebten / ein altes Recht / Abraham hat den Ze - henden von allem dem Koͤnig vnd Prieſter Melchiſedech gereichet / hernachNum. 18, 21 23, 24. als der Levitiſche Gottesdienſt geſtifftet worden / auff daß durch die Bey - tragung der eilff Staͤmme der Kinder Jſrael / der zwoͤlffte Stamm / nem - lich der Leviten / welche kein Erbgut vnter den Kindern Jſrael beſitzen ſol - ten / ſeinen Vnterhalt haben moͤchte / hat Gott der HErr geordnet / daß zu ſolchem End der Zehende beygetragen werde / vnd alſo dem Stamm LeviIn decima - rum quo - ad quotã exactione nimii ſunt Canoniſtæ vide Ba - ron. ann. 57. n. 74. M. Anton. de Dom. l. 9. de Rep. Eccl. c. 2. Zepper in explic. ll. fòr. c. 10. recedunt à rigore Bel - larm. l. 1. de Cler. c. 25. Suarez. l. 2. de Regibus c. 14. Rivet. exerc. 80. in Geneſ. p. 387. ſelbs die kleckliche Beſoldung geſtifft: vnd ſo iſts allezeit / fort vnd fort / von Anbegin biß dato von Chriſtlichen Kaiſern gehalten worden / daß der Ze - hend zur Erhaltung des Predigambts gereicht werden ſolle / deswegen ſagt Jacob / wie gedacht / alles was du mir gibſt / mehr kan ich nicht geben als ich hab. Da ſehen nun zu / die jenigen / die dieſes Recht vnordentlich an ſich gezogen / wie ſie am Juͤngſten tag der Anclag eines Kirchenraubs ſich entbrechen wollen? wie wollen die beſtehen / die zu Kirchen vnd Schu - len / Stipendien vnd milten Stifftungen / ich will nicht ſagen / den zwantzig - ſten / den hunderſten jhres Einkommens / ſondern gar nichts beytragen. Ob das Zehend-Recht ein natuͤrliches / ewiges / beſtaͤndiges / vnwandelba - res oder nur ein Juͤdiſches wandelbares Recht ſey? deswegen wollen wir hie keinen groſſen diſputat anfangen. aber das iſt gewiß / daß man ſchuldig ſey zur Erhaltung Kirchen vnd Schulen beyzutragen / das iſt Gottes Will vnd Meinung / darumb beſcheret er die zeitlichen Guͤter / daß man durch ſolche milte Gaben / jhn dem HErrn / als dem Geber aller ſolcher Gaben erkennen vnd jhn verehren ſolle.

Das dritte gute Werck / ſo Jacob gelobet / heiſſet Templi dotati ſanctificatio. der verehrten vnd begabten Kirchen Heiligung / der HErr / ſpricht abermal Jacob / ſoll mein Gott ſeyn / den ich in die - ſer Kirchen ehren will: So Gott wird mit mir ſeyn / vnd mich be - huͤten auff dem Wege / den ich reiße / vnd Brod zu eſſen geben / vnd Kleider anzuziehen / vnd mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen / ſo ſoll der HErr mein GOtt ſeyn / wie? ſprichſt du / zweiffelt denn Jacob? oder wuͤrde er Gott nicht fuͤr ſeinen Gott gehalten haben / wenn er jhn am Creutz haͤtte hangen laſſen / vnd nicht mit Frieden wieder heim gebracht? Antwort: Es mag ſeyn / daß allhie Schwachheit mit vntergeloffen / vnſer Lutherus iſt auch dieſer Mei -nung /117Predigt. nung / vnd troͤſtet ſich mit Jacobs Exempel. Sæpè dixi, mihi admodumLuther ad h. l. f. 93. placere, & eſſe nobis ſalutare, audire infirmitates ſanctorum. Quia hæc Exempla infirmitatis magis neceſlaria ſunt nobis, & plus conſolationis adferunt. quam Heroicæ illius, & ſummæ fortitudinis aliarumque virtu - tum exempla, ſicut non multum me ædificat, quod David occidit Go - liath, Urſum Leonem, &c. Talia enim ego non poſſum imitari, ſiquidem ſuperant vires meas, & omnem cogitationem meam. Commendant quidem ſanctos in ſuâ virtute, & heroicâ fortitudine; ſed nihil ad nos, quia ſunt ſublimiora, quam ut aſſequi aut imitari queamus. Quando autem exempla infirmitatis, peccatorum, trepidationis, tentationum, in ſanctis proponuntur, ut quando lego Davidis querelas, gemitus, pavores, deſperationes, illa me mirificè erigunt, & præbent ingentem conſolatio - nem, video enim quomodo illi pavidi & perterrefacti non perierunt, ſed erexerunt ſe promiſſionibus acceptis, unde mihi quoque non deſperan - dum eſſe colligo. Nam in lucta iſta inferni, in pavoribus & certamini - bus conſcientiæ ita ſentiunt acloquuntur, ac ſi nullas prorſus promiſſio - nes habeant, & tamen ſervantur & ſuſtentantur tandem verbo.

Et mox,

Niſi eſſet tentatus eſſet inflatus, atque melius eſt tentari quam infla - ri, ſic enim retinentur promiſſiones, & ſic diſcimus intelligere gemitus ſanctorum, Domine ne in furore tuo arguas me, Pſalm. 60. Nam is quoq; talis & tantus vir erat, ut teſtimoniũ ei perhiberetur, Inveni David filium Ieſſe, virum ſecundum cor meum, qui faciat omnes voluntates meas & ſic orat, & luctatur cum tentationibus diffidentiæ & deſperationis.

Ita nos quoque vocati ſumus, & habemus promiſſiones multò cla - riores & illuſtriores, quam patres habuerunt, ſicut prædicat iſtam felici - tatem Petrus: habemus firmiorem Propheticum ſermonem, cui bene facitis attendentes quaſi lucernæ lucenti &c. Multo magnificentius no bis promiſſa & oblata eſt gratia & vita æterna, quam illis, Filius enim ve - nit, & impletæ ſunt promiſſiones omnes. Filium ipſum audivimus, habe - mus Sacramenta, abſolutioné & Evangelium dies noctesq; nobis annun - ciat, ſanctus es, remiſſa ſunt tibi peccata, beatus, ſanctus es, es, &c. ſed quid facimus, trepidamus adhuc, hæremus in noſtra in firmitate per omnem vitam. Cur autem non excitamur Patriarcharum exemplo, qui credide - runt perfectiſſimè? reſpondeo. Fuerunt illi quoque infirmi, perinde ac nos ſumus, quanquam nos opulentiores promiſſiones habemus quam ipſi. Sed ita fit, quemadmodum ad Paulum vox diva ſonuit, virtus mea in infirmitate tua perficitur. Alioquin enim Deus non poſſet retinere &P 3imple -118Die Zehendeimplere promiſſiones ſuas in nobis, niſi occideret illam ſtupidam, & ſu - perbam, & ſecuram carnem in nobis.

Wiewol die Wort des liebẽ Jacobs auch wol als Glaubenswort koͤñen verſtanden vnd angenom̃en werden. Das Hebreiſche Wort〈…〉〈…〉 So /vid. D. Ger - hard. in Ge - neſ. p. 548. bedeutet allhie nit ſo wol ein Beding / als die Zeit der Erfüllung / geſetzt an ſtatt des Woͤrtleins / Wann / als wolt Jacob ſprechen: wañ das alles geſche - hen wird / ſo will ich das thun / will nit vergeſſen der Danckbarkeit / ſondern Gott ſoll mein Gott ſeyn / Jch will den Goͤtzen abſagen / dem rechten waarẽ lebendigen Gott / dem Gott Abraham vnd Jſaac will ich opffern / beſchnei - den / betten / loben / dancken / predigen / vnd ſolch mein Vbungen mit gottſe - ligem Leben beweiſen / auff daß Gott nicht geſchaͤndet / ſondern ſein Name durch mich bey den benachbarten Heyden geprieſen werde / jhme vnd kei - nem andern ſoll dieſer Tempel gewidmet vnd geweihet ſeyn vnd heiſſen.

II. Votum ipſum, Folgt das Geluͤbd an ſich ſelbſt / Er gelobt dem HErrn / er thut ein Geluͤbd / wie hat Jacob ſolches zu thun ver - moͤgt / moͤchte jemand ſagen / iſt er doch Gott zu foͤrchten vnd zu dancken / ohn das verpflichtet geweſen / was man ohne das ſchuldig iſt / das kan manLev. 27, 26 nicht allererſt geloben vnd verheiſſen? daher der HErr nicht haben wollen / daß man jhm die erſte Geburt des Viehes gelobe oder heilige / ſintemal ſie dem HErrn ohne das gebuͤhrt: Darauff iſt die Antwort: Jacob ver - ſpricht nichts Newes / ſondern verbindet ſich nur ſtaͤrcker / knuͤpffet das alteEccleſ. 4, 12 Band feſter zuſammen / verwahret ſich wider die Vergeſſenheit. Ein dreyfaltige Schnur reiſſet nicht leicht entzwey / ſagt Salomon: Alſo wann zu der Pflicht / die Jacob im Sacrament der Beſchneidung abgelegt / vnd zu dem Vorſatz auß goͤttlichen ſonderbaren Gutthat her - ruͤhrend / das Geluͤbd kombt / ſo iſt die obligation vnd die Danckſchuld deſto groͤſſer vnd feſter. Es ſtimmet aber bey Jacob Hertz / Wort vnd Werck zuſammen / die Wort haben wir allbereit vernommen. Das Hertz iſt juſt / durch den Glauben an den Meſſiam gereinigt / ohn Falſch / ohn Heucheley: Er machts nicht / wie hernach Herodes der Bluthund / der / nach dem er außgemordet / vdd außgeraſet / ſchaͤndlich mit der Kirchen vnd Prieſterthumb geſpielt / Blutduͤrſtigkeit an den Elteſten des Juͤdiſchen Volcks / vierzig Studenten vnd Prieſtern veruͤbt / auch ſeines eigenen Fleiſches / Weibs vnd Kinder nicht verſchonet / ſo gedenckt er ſeine Bu - benſtuͤck zu bemaͤnteln / die alten Gewiſſensſcharten außzuwetzen / vnd ſeine Suͤnde mit dem koſtbaren Tempel-bawe abzuwegen; laͤſſet den alten Tem - pel abbrechen / bawet einen newen / ſo hoch / koſtbar vnd herrlich / als der erſtgewe -119Predigt. geweſen: Eben ein ſolches iſt auch vor Zeiten im Papſtthumb haͤuffig vor - gangen / vnd geſchicht dergleichen noch heutigs tages / da mancher meinet / wann er außgewuchert / ſein Schaͤfel geſchoren vnd ins trucken gebracht / es ſeye damit außgerichtet / wann er eines oder das andere zu milten Sa - chen verſchaffe / das Predigambt verehre / die Prediger gaſtire; Nein / alſo machts Jacob nicht. Widerumb / was er gelobt / das haͤlt er auch / denn da er von Sichem außgezogen vnd goͤttlichen Befehl empfangen / ſich na - cher Bethel zu begeben / vnd daſelbſt einen Altar auffzurichten / dem Gott /Gen. 35, 1. 2. 3. 4. der jhm erſchienen / da er flohe fuͤr ſeinem Bruder Eſau; So ſtellet er zuvor eine reformation vnd Enderung mit ſeinem Hauſe vnd mit allem / die mit jhm waren / an: Sie muſten die frembden Goͤtter / ſo vnter jhnen waren / wegthun / jhm jhre Ohren ſpangen geben / die vergrub er: Sie muſten ſich reinigen vnd jhre Kleider aͤndern / laſt vns auff ſeyn / ſpricht er / vnd gen Bethel ziehen / daß ich daſelbſt einen Altar mache / dem Gott / der mich erhoͤret hat zur zeit meines Trůbſals / vnd iſt mit mir geweſen auff dem Wege / den ich gezogen bin / darauff dann das Geluͤbd in ſeinem voͤlligem effect gangen vnd wuͤrcklich gemacht worden: alles auß pur lauterer Einfalt. wir hoͤren vnd leſen in der heiligen Patriarchen Legenden weder von Miraculen noch flagellen: weder von groſſen Wunderwercken / die ſie gethan / noch von Geiſſeln vñ gewaltthaͤti - gẽ Martern / ſo ſie dem Leib angethan / wie mit ſolchen Wercken das heutige ſcheinheilige Papſtthumb pranget; ſondern ſie haben jhrer Haußhaltung abgewartet / in Einfalt der Hertzen Gott gedienet / deren guten Wercken / die Gott befohlen / ſich befliſſen / nichts beſonders angefangen / vnd nach hoͤ - herer / uͤbermaͤſſiger vnd uͤber-perfection vnd Vollkommenheit getrachtet. Folgen wir dieſen (als den allerbewaͤrteſten vom heiligem Geiſt ſelbs ge - lobten) Heiligen / ſo gehen wir recht / vnd haben einen gebahnten Weg / wer hoͤher ſteigen will / hat ſich des Schwindels zu befahren. Vber das haben wir ferner zu ſtudiren vnd zu lernen / wo fuͤr wir die Chriſtliche Kirchen vnd Gotteshaͤuſer anſehen ſollen? nemlich / fuͤr Denckſeulen / die vnſere liebe Vorfahren auffgerichtet / zum Denckmal der gnadenreichen Heim - ſuchung / ſo jhnen begegnet. Der Grewel iſt nicht zu beſchreiben / in wel - chem vnſere Vorfahren geſteckt vor 1600. Jahren / die Nordgaͤwer haben dem Marti, Herculi, Mercurio, ja den Tibellinis das iſt / den Teuffelen ge - dienet: die Sachſen haben dem Jrmenſeul oder jedermans Seul / dem Grottenteuffel: die Straßburger aber dem Creutzmann goͤttliche Ehr er - zeigt. Danck ſey Gott dem Vatter des Liechts / der vns in vnſern Vor - fahren in Gnaden heimgeſucht / vnd zu ſeinem Dienſt ſchoͤne Kirchen vndGottes -120Die ZehendeGotteshaͤuſer ſtifften vnd erbawen laſſen / wie wir denn auch dieſen fuͤr -An. Chri - ſti 496. trefflichen Wunderbaw das Muͤnſter allhie nechſt GOtt Clodoveo I. dem Francken Koͤnig zu dancken / der wider die Alemannier außgezo - gen / vnd mit ſeinen Francken bey Coͤln getroffen / da dann den erſten Tag das Gluͤck den Schwaben gewoͤllt / darauff Clodoveus auff Raht ſeines Gemahls Grothild ein Geluͤbd gethan / ein Chriſt zu werden / dafern jhm der Chriſten Gott werde den Sieg verleihen; liffert den andern Tag eine newe Schlacht / ſpuͤrt augenſcheinlich Gottes Huͤlff / erhalt das Feld / leiſtet was er gelobet / ward vom Remigio Biſchoff zu Reims ge - taufft: worauff / als er die Teutſchen am Rheinſtrom uͤberwunden / vnd dieſen Platz erobert / hat er angefangen dieſen Tempel zu bawen / welcher endlich ie mehr vnd mehr / biß er vnter die Weltwunder gezehlet worden / auffgefuͤhret / deſſen Spitze / wie Æneas Sylvius redet / reichet biß an denapud Scha - dæum in ſummo Arg. tẽpl. p. 215. Himmel hin auff. Wimphelingus ſchreibt / wenn die alten Bawmeiſter / Phidias, Cteſiphon, Archimedes, noch im Leben / ſie wuͤrden dieſes Welt - wunder dem Tempel der Dianæ vnd den Fewerpfe[i]lern in Aegypten weit fuͤrziehen. Dieſe Kirche iſt anſehnlich begabet worden von Roͤmiſchen Kaiſern vnd frembden Koͤnigen / als von Dagoberto, Childeberto, Pipino, Carolo Magno, &c. vnglaͤublich iſt der Eifer der Lent den ſie in Erbawung dieſes Tempels erwieſen.

apud Scha - dæum pag. 14.

Der Biſchoff Conrad gab zu dieſem Baw / wie auch ſein Vorfahr Bi - ſchoff Wernher der das Muͤnſter angefangen / groſſen Ablaß: da wolte ie - derman ſelig werden; Es kamen Fuhrleut auß Oeſterreich vnd andern wei - ten Laͤndern / die da Stein vmb Gottes willen zu dem Baw / auß vnſer Frawen Grub in Cronthal holten / vnd zufuͤhrten. Man gab im gantzen Land den Ambtleuten vnd Pfaffen Buͤchſen in die Kirchẽ / darein hieſchen ſie auff die vier Frawen tag / mit dieſen Worten: Alſo jhr lieben freund ſteuͤren vnſer Frawen zu jhrem Buw gon Straßburg / wer jhr Gnod han will / es ſy geſtolen / geraubt vnd vnfertig Gut / der leg es harin / der hat hiemit Ablaß vnd Vergebung der Suͤn - den / es iſt vnſer Frawn ein gutes Gut. Wann dann die Buͤchſen wurden gefuͤllt / bracht mans auff vnſer Frawen Hauß / da gab man jhnen zu eſſen / vnd ſchickte ſie alsdann mit den laͤren Buͤchſen wieder fort / an - ders zu ſamlen. Jſt aber leider hernach ein recht Jerobeamß Bethel dar -Pſal. 74, 4. auß worden / vnd geſchehen was David von den Zeiten des Antichriſts ge - weiſſaget: deine Widerwertige brüllen (das iſt / ſchreyen vnd plerren ohn Geiſt / Glauben vnd Andacht) in deinen Haͤuſern / vnd ſetzen jhre Goͤtzendrein /121Predigt. drein / kein Prophet prediget mehr / kein Lehrer lehret ſie mehr das reine Wort Gottes / ſondern Aberglauben / Menſchentand vnd troſtloſe Grewel / biß auff die ſelige reformation vnd Evangeliſche Abendroͤte / da wider al - les gereiniget vnd zu recht gebracht / allermaſſen wie vor Zeiten der Tempel zu Jeruſalem zur Zeit Antiochi durch eine newe Kirchweihe reformiret vnd zuvor die Gefaͤß / die Belſazar vervnreiniget / durch Sesbazar denEsdr. 1, 8. 11. Juͤdiſchen Fuͤrſten auff Erlaubnuß Cyri wieder zum Tempel gebracht worden.

Sind ferner / wie angeregt / die Kirchen Danckſeulen / ſo bringets der Name ſelbs auff dem Rucken mit / was nemlich vns oblige? Vor dieſem wurde Jaͤhrliche Kirchweihe gehalten / im Papſtthumb zwar auff Adolphi mit wuͤtender Freſſerey vñ Vppigkeit / da man des Nachts im Muͤnſter hat ſollen betẽ / hat man etliche Faß mit Wein in Catharinæ Capell gelegt / die zaͤpffte man an vms Gelt / da gieng bey Nacht die Faßnacht-vñ Venusſpiel an / die Schlaffenden wurden mit Nadeln geſtupffet / welches Gelaͤchter vñ Streit erreget / ſo von Dr. Geilern zierlich abgeſchaffet worden. Was noch hievon uͤberblieben / das erfahrt man noch auff den Kirchweihen im Land / da es offt hergehet / daß es beſſer taugete. Hinweg mit ſolchen Greweln! Gratitudo Iacobica eine Jacobiſche Danckbarkeit wird erfordert / welche beſtehet 1. in bußfertiger reformation vnd aͤnderung des boͤſen Lebens; in Außmuſterung vnd Abſchaffung aller ſchnoͤder vnd ſcheußlicher Hertzens - goͤtzen / vnd an dero ſtatt Auffrichtung des goͤttlichen Ebenbildes: daß ein rechtſchaffener glaubiger Chriſt den Tempel ſeines Hertzens ziere mit dem Altar des Verdienſt vnd Opffer Chriſti mit waaren Glauben ergreiffen / mit dem ſchoͤnen Tauffſtein der newen Geburt vnd Ernewerung des Le - bens / mit den hellſcheinenden Leuchter des goͤttlichen Worts / mit den ſchoͤnen Bildern vnnd Figuren der Bibliſchen Geſchichten / ſonder - lich dem innern Hertzens-Crucifix des gecreutzigten vnd fuͤrgebildeten Jeſu von Nazareth abgemahlet / ſolch Gemaͤhlde gebaͤhret das dencken / vom dencken kommet das dancken her in milten Stifftungen vnd Allmu - ſen. Wie ſehr fehlet es an dieſem ſtuͤck: manchen hat Gott / wie Jacob geſegnet / jhm die Hand verlaͤngert / jhn behuͤtet / wo ſind aber die neun / die wieder vmkehren vnd geben Gott die Ehr? man darff hier nicht wehren /Luc. 17, 17. 18. Exod. 36, 5. 6. daß man der Sach nicht etwan zu viel thue / wie dorten Moſes muſte auß - ruffen laſſen / daß das Volck inhalten ſolte / denn man fanget nie an: Der Thaler oder auch wol Dreybaͤtzner / ſo man den armen Studenten vmb Weihnachten / wegen zu Gottes Ehr verrichteter Muſic / reichet / mags nit thun / Sintemal er noch nicht der Zehend / ja kaum der hunderſte TheilQdeſſen /122Die Zehendedeſſen / was mancher reicher Filtz offt in einem Jahr proficirt / man koͤnte offtmal wol ein mehrers thun / daß der Name Gottes mehr geheiliget / das Reich Gottes weiter außgebreitet wuͤrde / oder nach dem Wunſch des Pſ. 72 / 17. 18. des HErrn Name ewiglich gelobet / auff die Nachkom̃en reiche / ſo lange die Sonne waͤret / daß alle Land ſeiner Ehr voll werde. Aber vielNehem 3, 5 Gewaltigen bringen jhren Hals nicht zum Dienſt Gottes / wie Nehemias von ſeiner Zeit klaget / greiffen ſich vngern an / iſt alles zu viel / was auff Kirchen vnd Schulen verwendet wird / ſind rechte Judas Bruͤder / derIoh 12, 3, 4, 5. Mat. 17, 27. ſcheel drein geſehen vnd gemurret / da Maria die Fuͤſſe Jeſu mit vnge - faͤlſchter koͤſtlicher Narden geſalbet: Ey / ſagt er / man koͤnte den Vnkoſten ſparen / die Salbe verſilbern vnd den Armen geben: findet irgend ein Pre - diger ohngefaͤhr einen Stater oder Groſchen in eines Fiſches Mund / ſo mißgoͤnnet man denſelben jhm / vnd ſeinen Nachkommen / darumb gehet alles bey ſolchen Leuten nach jhrem Tod in die Rappus / vnd macht Bruder Veit den Kehrauß.

Es beſtehet ferner die ſchuldige Danckbarkeit in der Geluͤbd Be - zahlung deſſen / was wir in der heiligen Tauff gelobet vnnd zugeſagt / GOTT dem Vatter den kindlichen Gehorſam: Chriſto Jeſu die geiſt - eheliche Trew: Gott dem heiligen Geiſt die Gaſt-Freundſchafft zu lei - ſten. Repete, quid interrogatus ſis, recognoſce, quid ſpoponderis: re - nunciaſti Diabolo & operibus ejus, mundo & luxuriæ ejus, tenetur tua vox, non in tumulo mortuorum. ſagt Ambroſius. Das iſt / erinnere dich / lieber Menſch / worauff du in deiner heiligen Tauff gefragt worden / erkenne von newen / was du angelobet habeſt / du haſt[abgeſagt] dem Teuffel vnd ſeinen Wercken / der Welt vnd jhrer Wolluſt / dein Wort iſt nicht geſchrieben in dem Grab der Toden. Buͤrgerliche Zucht Geluͤbd / als des Weins / Spielens / ꝛc. muͤſſig gehen / zu enthalten / ſich in gewiſſen Stand begeben vnd dergleichen / ſind zwar auch an ſeinem Ort erlaubt / vnd ſollen billig nicht gebrochen werden. Alſo gelobet Hanna Samuels Mutter dem Herrn / wann er jhr wuͤrde einen Sohn geben / wolle ſie jhnPſ. 132, 4. 5. dem HErrn wiedergeben zum Prieſterthumb vnd Gottesdienſt. David gelobt ſeinem Gott / er wolle nicht ruhen noch ſchlaffen / er haͤtte dann eine Statt funden zur Wohnung fuͤr dem Gott Jacob. Koͤnig Hiskias ge - lobet auff ſeinem Siechbette in ſeiner Todesnoht / vnd ſagt: O wie will ich noch davon reden / daß er mir zugeſagt hat / daß thut er auch: Jſt alles recht / wann es von Hertzen gehet / ohne einige Verdienſtſucht / Gott ſeinen Himmel durch ſolche Geluͤbde abzukauffen. Aber dieſes einige / nemlich das Geluͤbd der heiligen Tauffe / iſt das groͤſſeſte vnd fuͤrnemſte / wir als dieNaza -123Predigt. Nazarener vnd verlobten Gottes / von der Tauff an verbunden / zu ge - geſchweigẽ den Beruff vñ Ambtsgeluͤbde / darauff ein jedweder geſchworen vnd angelobet / an dero Feſthaltung haben wir ſo viel zu thun / daß wir kein ſelbsertichten Moͤnchengeluͤbde beduͤrffen / haben alle Tag vnſer Lebenlang gnug zu bezahlen / vnd koͤnnens nicht alles bezahlen / wird am ſicherſten be - zahlet in der Stille / wie im Pſalm 65. geſchrieben ſtehet / das iſt / ohn euſſer - lich pralen / heucheley vnd Moͤncherey / im Geiſt von Hertzen / mit heiliger Andacht vnd ſolchen Wort vnd Wercken / die von Hertzen gehen. Darumb auch / wann ein Chriſt ſuͤndiget / ſo ſuͤndiget er zweymal vnd viel ſchwerer / als ein Heyd / einmal / weil er wider Gottes Gebot handelt / vnd dann / weil er ſeines Tauffgeluͤbds vergiſſet; wer gedencket aber an dieſes Geluͤbd? Es beſtehet ſolche Danckarkeit auch in einem feſten / beſtaͤndigen Fuͤrſatz / der / ſo offt wir zum heiligen Abendmal gehen / widerholet wird / aber wo iſt ſolche Danckbarkeit? ſie iſt laͤngſt ſambt dem waaren Chriſtenthumb verlo - ſchen Wie haͤlt man die Geluͤbde? anders nicht als ein loſer Bogen halt. Danckeſt du alſo deinem Gott du toll vnd thoͤricht Volck / ſagt vnd klagt der HErr. Vnd dieſes iſt alſo auch das geiſtliche itinerarium, dieDeut. 32, 6. geiſtliche Wall - vnd Wegfahrt / nach dem Himmelreich gewieſen von Moſe in der Wallfahrt nach Sanct Jacobs (nicht Grab / ſondern) Exem - pel. Dann dieſes iſt der Weg / denſelbigen gehet / ſonſt weder zur Rech -Eſa. 30, 21. Gal. 6, 16. ten / noch zur Lincken / dis iſt die Lebensregul / vnd welche nach dieſer Regul einhergehen / uͤber die ſey Friede / nemlich der Friede Gottes / welcher hoͤher iſt / dann alle Vernunfft. GOtt ſey Danck vnd Lob fuͤr die gute Gedan -Phil. 4, 7. cken / die er bißhero beſcheret. Wir bitten den heiligen Geiſt vmb den rechten Glauben allermeiſt / daß er vns behuͤte / an vnſerm Ende / wann wir heimfahren auß dieſem Elende. Amen / AMEN.

Q ijTEX -124Die Erſte

TEXTVS

Das Apoſtoliſche Symbolum.

  • Jch glaube an Gott den Vatter / den Allmaͤchtigen / Schoͤpffer Himmels vnd der Erden.
  • Vnd an Jeſum Chriſtum ſeinen einigen Sohn / vn - ſern HErrn / der empfangen iſt vom H. Geiſt / ge - boren von der Jungfrawen Maria / gelitten vnter Pontio Pilato / gecreutziget / geſtorben vnd begra - ben / nidergefahren zur Hoͤllen / am dritten Tage wider aufferſtanden von den Toden / auffgefah - ren gen Himmel / ſitzet zur rechten Hand Gottes des allmaͤchtigen Vatters / von dannnen er kom - men wird / zu richten die Lebendigen vnd die To - den.
  • Jch glaube an den heiligen Geiſt / eine heilige Chriſt - liche Kirche / die Gemeine der Heiligen / Verge - bung der Suͤnden / Aufferſtehung des Fleiſches / vnd ein ewiges Leben / Amen.

Das Niceniſche Symbolum.

  • Jch glaub an einen einigen allmaͤchtigen Gott / den Vatter / Schoͤpffer Himmels vnd der Erden / al - les das ſichtbar vnd vnſichtbar iſt.
  • Vnd an einen einigen HErrn JEſum Chriſtum / Gottes einigen Sohn / der vom Vatter geboren iſt vor der gantzen Welt / Gott von Gott / Liechtvon125Predigt. von Liecht / warhafftiger Gott vom warhaffti - gen Gott geboren / nicht geſchaffen / mit dem Vat - ter in einerley Weſen / durch welchen alles geſchaf - fen iſt / welcher vmb vns Menſchen / vnd vmb vn - ſer Seligkeit willen vom Himmel kommen iſt / vnd leibhafftig worden durch den heiligen Geiſt / von der Jungfrawen Maria / vnnd Menſch worden / auch fuͤr vns gecreutziget vnter Pontio Pilato / gelitten vnd begraben / vnd am dritten Tage aufferſtanden / nach der Schrifft / vnd iſt auffgefahrengen Himmel / vnd ſitzet zur Rechten des Vatters / vnd wird wider kommen mit Herr - lichkeit / zu richten die Lebendigen vnd die Toden / des Reich kein Ende haben wird.
  • Vnd an den HErrn den heiligen Geiſt / der da leben - dig macht / der vom Vatter vnd dem Sohn auß - gehet / der mit dem Vatter vnd dem Sohn zugleich angebetet vnd zugleich geehret wird / der durch die Propheten geredt hat. Vnd ein einige H. Chriſt - liche / Apoſtoliſche Kirche. Jch bekenne eine eini - ge Tauffe / zur Vergebung der Suͤnden / vnd war - te auff die Aufferſtehung der Toden / vnd ein Le - ben der zukuͤnfftigen Welt / Amen.

Demnach anfaugs zwar das Apoſtoliſche Symbolum, nach etlichen Jahren hernach aber das Nicæniſche erclaͤrt wordeu / vnd im Nicæniſchen mit zimlicher Vermehrung wiederholet / was zuvor im Apoſtoliſchen Symbolo fuͤrgetra - gen geweſt / als werden allhier beide Symbola zuſammengefuͤgt vnd zugleich auß - gelegt.

Q iijVon126Die Erſte

Die Erſte Predigt.

Von den Symbolis ins gemein.

GEliebte in Chriſto: Sehr beruͤhmt iſt in der Kirchen-Hiſtoria der Fahnen vnd Standart / welchen Conſtantinus Magnus der loͤb - liche Kaiſer pflegte wider Maxentium den Chriſtenmoͤrder / vndvid. Euſeb. l. 1. de vit. Conſt. M. c. 22. l. 1. adver - ſus Sym - mach. andere ſeine Feinde zu fuͤhren / in welchen er die zween Griechiſche Buchſta - ben X. vnd P. eingenaͤhet vnd gepraͤget gefuͤhret / in purpurrohten Feld wa - ren ſie durch Seidenſticker Kunſt mit Gold vnd Edelgeſtein eingeſticket / folgender Geſtalt von Prudentio dem Chriſtlichen Poeten beſchrieben:

Chriſtus purpureum gemmanti textus in auro,
Signabat labarum, clypeorum inſignia Chriſtus.
Chriſtus im roten Purpurfeld
Triumphirt vnd den Sieg erhaͤlt.

Bey welchem Siegszeichen zu betrachten kommet / Erſtlich: Origo der Vrſprung / der entſtanden von einem Geſicht / ſo der loͤbliche Kaiſer bey hellem Mittag geſehen in der Lufft; dann da er mit dem Maxentio dem Tyrannen ſchlagen wollen / vnd nicht in geringen Aengſten geweſt / zweiffelend / welchen Gott vnter den heydniſchen Abgoͤttern er anruffen ſolte / ſihe / ſo erſcheinet jhm in der Lufft ein wunderbares Geſicht / vnd zwar nicht / wie biß dato geglaubt / vnd faͤlſchlich im Papſtthumb vorgeben wor - den / das Crucifix in figura commiſſa, einer laͤnglichten vnd oben zuſam - mengefuͤgten Form / Sintemal ſolche heutige Form der jenigen / welche der Lateiniſche Buchſtab X præſentiret / in welcher auch Conſtantino dieſe Geſtalt erſchienen / ſich nicht vergleichen will. Wie Euſebius berichtet / ſo ſind die zween ineinandergeſchrenckte Buchſtaben X. P. als die zween er - ſten Buchſtaben im Namen Chriſti geſehen worden mit dieſer Vberſchrifft: ἐν τού τῳ νκᾷ, das iſt / nicht in dieſem Zeichen / ſondern durch dieſen Chriſtum / wirſt du uͤberwinden vnd den Sieg erhalten / wie dann auch erfolgt: Sintemal er im Namen dieſes Chriſti einen Zug gewagt / auff den Feind gerucket / denſelben auffs Haupt vnd in die Flucht geſchlagen / vnd jhn ſambt ſeinem Heer / gleich als einen andern Pharaonem in dieAn. Chriſti 312. 24. Se - ptembr. Tiber geſprenget vnd ertraͤncket / auch deßwegen hernach dieſes Zeichen in ſeinen Wapen gefuͤhret. Es iſt zum andern auch zu erwegen / Finis, die Endvrſach / vmb welcher willen Conſtantinus dieſes Bild auffge - richtet / nemlich / auff daß es angeſehen wuͤrde / 1. ut ſignum victoriæ,als127Predigt. als ein Siegszeichen / mit welchen er ſeinen Soldaten gute Hoffnung vnd Muht gemacht / in Chriſto dem HErrn Zebaoth / dem ſtarcken Ertz -Dan. 10, 21. Apoc. 12, 7. fuͤrſten Michael wuͤrden ſie den Feind uͤberwinden vnd das Feld behalten / wie wir dann noch heut ſingen: Es ſtreitet fuͤr vns der rechte Mann / den Gott ſelbſt hat erkohren; Fragſt du wer der iſt / er heiſt Jeſus Chriſt / der HErr Zebaoth / vnd iſt kein ander Gott / das Feld muß er behalten. 2. ut ſignum honoris, als ein Zeichen der Ehren / dabey er ſich vnd ſeine Soldaten erinnert des Namens Chriſti / welcher Gott ſeinem him̃liſchen Vater gehorſam worden biß zum TodePhil. 2, 8. des Creutzes / vnd darauff einen Namen bekom̃en uͤber alle Na - men / daß in ſeinen Namen die Knie beugen ſollen alle Creaturen im Himmel / auf Erden vnd vnter der Erden / damit ſie nit an dem bloſen Creutz hangen blieben / ſondern den gecreutzigten / vnd zur Rechten Gottes erhabenẽ Chriſtum verehrten. Vnd geſetzt / er haͤtte (wie Gegentheil meinet) das Crucifix laſſen anbeten / ſo were es jhm auf den heutigen Tag ſo wenig nachzuthun / als die Jſraeliten recht gethan / dz ſie an Gideons Heilig -Iud. 8, 27. thum dem Ephod oder den Leibrock / ſo er in ſeine Statt zu Ophra geſetzt / ſich verhuret: welches Gideon vnd ſeinem Hauſe zum Aergerniß vñ Fall gerah - ten. aber Conſtantini Gebet / ſo er im Krieg gefuͤhrt von Euſebio aufgezeich -l. 4. d. V. C. c. 20. net / will vns eines andern bereden / daß nemlich Er der Chriſtliche Kaiſer kein Creutzgoͤtzenknecht geweſen / ſondern allein den waaren lebendigẽ Gott anzubeten befohlen. Es ſolte ferner ſolch Siegszeichen angeſehen wer - den / 3. ut ſignum diſtinctionis, als ein Vnterſcheidszeichen / gleichwie man ſonſt gewiſſe Loſungen vnd Warzeichen im Krieg hat / als da iſt die Sonn / die Nachteul / der Adler vnd dergleichen: Alſo hat jhm auch Con - ſtantinus vnd ſeinem Volck dieſes Zeichen beſtimmen wollen / damit er nunmehr von allen heydniſchen Voͤlckern vnterſchieden wuͤrde. Conſtan - tini intention, Meinung vnd Zweck iſt auch ie vnd allezeit der ſtreitenden Kirchen Jeſu Chriſti intention Meinung vnd Zweck geweſen / dahin jhr Abſehen gangen in der Bekaͤntniß gewiſſer Symbolorum vnd Glaubens - zeichen / als des Apoſtoliſchen / des ſo genandten Athanaſianiſchen / deſſen ſo Ambroſio vnd Auguſtino zugeſchrieben wird / anfangend mit dieſen Worten: HErr Gott dich loben wir / ꝛc. Jnſonderheit aber hat die Kirch von alters her / jhr auch beliebẽ laſſen das jenige Symbolum, welches in der loͤblichen allgemeinen Chriſtlichen Verſamlung zu Nicæa abgefaſſet wor - den / da ſie auff Befehl Conſtantini M. Chriſti Gottheit vnd Majeſtaͤt wieder den Ketzer Arium verſochten / vnd im Jahr 325. ein ſo gethanesGlau -128Die ErſteGlaubensbekantniß verfertiget / als ein vnterſcheidendes vnd in alle Ewig - keit hochehrwuͤrdiges Siegs - vnd Ehrenzeichen der hochgebenedeyeten Dreyeinigkeit zu Lob / Ruhm vnd Preiß / welches iſt das jenige / daß wir im Namen des Hoͤchſten mit belieben E. Ehrwuͤrdigen Kirchen-Convents E. L. fuͤrzutragen / vnd alſo den rechten / waaren / vralten / ſeligmachenden Glauben wol vnd gruͤndlich einzubilden fuͤrgenommen / ἐν τού τῳνικῶ - μεν, HErr Jeſu laß vns in dir ſiegen / Ach HErr hilff / Ach HErr laß wol gelingen. Amen / Amen!

WIr bleiben fuͤr dieſes mal bloß vnd allein bey dem erſten Wort des Tituls / nemlich dem Wort Symbolum, was das ſey vnd heiſſe / vnd was wir von ſolchen Symbolis ins gemein halten ſollen? vnnoͤhtig iſts / von dem Wort ſelbſt viel Wort zu machen. Be - kant iſt in den Schulen / die derivatio oder des Worts Vrſprung von dem Griechiſchen συμβάλλειν, zuſammentragen / da man die Haͤfflein (wie wir Teutſchen red en) zu einem Liebmal pfleget zuſam̃entragen / oder die Jrten zuſammen legt / eine Zech zu bezahlen. Sonſt heiſſet in dem Kriegsweſen das Wort / die Loſung / ſo viel als das Wort oder Wortzeichen / dadurch Freund vnd Feind voneinander vnterſchieden werden / daher Ambroſiusl. 3. de ve - land. virgi - nib. den Glauben nennet cordis ſignaculum, noſtræ militiæ ſacramentum. Das iſt / das Symbolum oder Glaubensbekaͤntniß / iſt vnſers Hertzen Pit - ſchafft vnd ein Eyd / den wir als geiſtliche Kriegsleute vnſerm Feldhaupt - mann vnd HErrn Chriſto thun / vnd iſt ſolcher Glaube nach AnleitungAuguſtin. l. 13. de. Tri - nit. c. 2. Auguſtini zweyerley: 1. ut quod, Fides quæ creditur. der geglaubte Glaub / das jenige ſo geglaubet wird. 2. ut quo, Fides, quæ credit, der glaubende Glaub / der Glaube / ſo da glaubet; an ietzo handlen wir allein von dem erſten / nemlich von dẽ Symbolo oder Glaubensbekantniß / ſo da geglaubet wird / vnd kan vnd ſoll demnach daſſelbig fuͤglich angeſehen werden. 1. tan - quã epitome & catena articulorum fidei. Als ein kurtzer Begriff vnd zuſam̃engefuͤgte Kette der Articul vnſers Chriſtlichẽ Glaubens / in welchen zu foͤrderſt zu finden / das Fundament der Seligkeit / nemlich Chriſtus / der einige Kern vnd Stern / Safft vnd Crafft des ſeligmachen -Act. 4. 12. den Glaubens / aufſer welchen kein ander Name den Menſchen gegeben / darinnen wir ſollen ſelig werden / auſſer dem einen /1. Cor. 3. 11. Proprium fidei fun - damen - tum certũ andern Grund niemand legen kan / welcher iſt ϑεάνθρωπος, der Held von zweyen Naturen / nemlich / waarer Gott vnd waarer Menſch / der allgemei - ne Heiland vnd Schlangentretter / der durch ſein Blut vnd Gehorſam vns Menſchen von der Suͤnd / dero Schuld vnd Wurtzel erloͤſet / der goͤttlichenGerech -129Predigt. Gerechtigkeit außgeſoͤhnet / vnd ſeine erworbene Gerechtigkeit zugerechnet /vide Au - guſt. in en - chirid. ad Laur. c. 5. Gen. 3, 15. durch dero glaubige Ergreiffung wir gerecht vnd ſelig werden / welches iſt der allgemeine / vnd einige / vnd allein noͤhtige Glaube. Hernach ſind darin zu finden die jenigen Grundarticul / welche entweder zu dem Grund der Seligkeit leiten / oder auß denſelben entſpringen / die man zwar vor der Offenbarung vnd Erclaͤrung ohne ſchaden des Heils vnd Seligkeit nicht wiſſen / auch wol laͤugnen kan / aber nach dem ſie hell vnd clar geoffenbaret vnd fuͤrgetragen worden / laͤſſet ſichs nicht mehr laͤugnen oder dero Vn - wiſſenheit fuͤrwenden. zum Exempel vnſer Vrgroßmutter Heva / da ſie denGen. 4, 1. Cain gebahr / ſagte / ich habe den Mann den HErrn / das war ein groſſer Fehler vnd falſcher Wahn / ſie wuſte nicht / daß der Meſſtas von einer Jungfrawen (vnd nicht einem Eheweib) wuͤrde gezeuget werden / daß ſey aber ferne / daß ſolche Vnwiſſenheit ſie ſolte auß dem Himmel außge - ſchloſſen haben; verſtehe / es war dieſes Geheimniß von der Jungfrawen Geburt damal noch nicht clar reveliret vnd geoffenbaret. Alſo Natha - nael / da er von Jeſu von Nazaret hoͤret / ſprach er zu Philippo: was kan von Nazareth gutes kommen? in welchen Worten er gar laͤugnet / daß von Nazareth der Meſſias entſpringen koͤnne vnd alſo Jeſus der Meſſias ſeye. Solte darumb Nathanael verdamt ſeyn worden / wann er in ſolchem Wahn were geſtorben? mit nichten / er hat an einen Meſſiam geglaubt / als ein rechtſchaffener Jſraelit / ob er gleich von keinem Nazareth Meſſia wiſſen wolte. Solte er aber nach der Aufferſtehung Chriſti / durch welche er vollkommen verclaͤret worden / haben wollen laͤugnen / daß Jeſus von Nazareth der verſprochene Meſſias ſey / das were verdammlich geweſen. Es iſt ferner der Apoſtoliſche Glaube zu betrachten als ein epitome occa - ſionalis, als ein ſolcher kurtzer Begriff / darinnen ſonderlich der jenigen Articul / ſo in Streitigkeit gerahten / gedacht worden / andere ſind darumb nicht außgeſchloſſen / ſondern virtualiter vnd dem Verſtande oder Folge nach darinnen begriffen. Alſo iſt das Nicæniſche Symbolum der Ketze - rey des Arii, der die goͤttliche Majeſtaͤt Jeſu Chriſti gelaͤugnet; Das Conſtantinopolitaniſche dem Schwarm Macedonii der die Gottheit des heiligen Geiſtes angefochten / das Epheſiniſche des Neſtorii Sect / der nicht zugeben wollen / daß Chriſtus waarer Gott von der Jungfrawen Maria gebohren / oder / daß die Jungfraw Maria ein Gottesgebaͤhrerin koͤnne genennet werden; Das Chalcedoniſche des Eutychis Jrrthumb / der die zwo Naturen in Chriſto vermiſchet vnd vermenget / entgegen geſetzt worden. Laͤſſet ſich demnach in ſolchen Symbolis vnd Glaubensbekant - niſſen durchauß nicht folgern oder ſchlieſſen / dieſer oder jener Lehr wird inRdieſem130Die Erſtedieſem Symbolo mit außgetruckten Worten nicht gedacht / zum Exempel / in dem Nicæniſchen Symbolo geſchicht kein melden / des Außgangs des heiligen Geiſts vom Sohn / darumb iſt derſelbe auch damals nicht geglau - bet worden / ſo folgets nicht; ſondern dieſes folgt / darumb iſt damahlen vom Außgang des H. Geiſtes vom Sohn nicht geſtritten worden. Jnmaſ - ſen es auch nicht folgt: Jn der Augſpurgiſchen Confeſſion wird mit außge - truckten Worten / der Lehr von der Allgegenwart Chriſti vnd von dem Anti - chriſt nicht gedacht / derohalben ſeynd dieſe zweu Articul damals nicht ge - glaubet worden / vnd ſind darnach die jenigen / ſo gedachte Lehren fuͤhren des Religionfriedens / als welcher auff die Augſpurgiſche Confeſſion gerichtet worden / nicht faͤhig / wie vor dieſem Tannerus vnd Forerus vn - gereimt geſchloſſen haben. Anzunemen iſt das Apoſtoliſche Symbolum, tanquam epitome Authentica & publicè recepta, als ein glaubwuͤrdiger vnd oͤffentlich angenommener kurtzer Begriff. Es ſchreiben auch wol einze - le Perſonen Buͤcher / vnd haben jre Meinung / aber die laſſen ſich einer gan - tzen Gemein nicht aufftringen. Lutherus hat viel geſchrieben anfangs / da er noch etliche reliquias der Paͤpftiſchen Jrrthumb anklebend gehabt / dem wir aber nicht Beyfall geben. Deßgleichen haben wir / der von Philippo Melanchtone geſchehener eigenthaͤtlicher Verenderung der Augſp. Con - feſſion nicht zu entgelten. Was aber / als ein Symbolum vnd Glaubens - bekaͤntniß von einer gantzen Gemein angenommen worden / wenn gleich / der es geſchrieben / ein privat oder gemeine Perſon vnd Lehrer geweſt / ſo gilt es vnd hat oͤffentliche autoritaͤt / Wuͤrde vnd Anſehen / dabey die Gemein muß Fuß vnd Stand halten / vnd ſich dabey finden laſſen / als da iſt das Symbolum, ſo Athanaſio beygeleget wird: Die zehende Epiſtel Leonis M. an Flavian geſchrieben / welche im Chalcedonenſiſchen Concilio eine Seule des rechten Glaubens genennet: die Schrifften Cyrilli, ſo im Epheniſchen Concilio gebilliget worden. Jm Gegentheil / was Piſcator geſchwermet wi - der den wuͤrckenden gnugthuenden Gehorſam Chriſti / den er gelaͤugnet: Jtem von dem langſtbegrabenẽ Chiliaſmo, den er wider herfuͤr geſcharret / daſſelbe als ein pur privat Jrrthumb von etlichen vnd jm ſelbſt widerſpro - chen / begeren wir den alſo genanten Calviniſchen Kirchen ins geſambt nicht auff zu ſattlen. Wann wir aber auß jhren Symboliſchen Decreten, auß jhren Catechiſmis, auß jhrem orthodoxo conſenſu, auß jhren ſyno - daliſchen Decreten zu Dordrecht abgefaſt / auß der harmonia confeſſio - num, auß den Schrifften Calvini, Bezæ vnd andern / denen biß dato mit keinem revoco begegnet / ſondern welche vielmehr geſchuͤtzet vnd behauptet werden wollen / jhre Lehren an das Liecht bringen / fuͤrlegen vnd widerlegen /ſollen131Predigt. ſollen ſie vnſern elenchum fuͤr keine calumnie vnd Laͤſterung / vnguͤtlichvid. Cha - nicr. l. 1. de ſacr. c. 1. n. 9. confer. Polemo - ſoph. p. 71. & ſeq. außſchreyen. Chriſtus ſagt / wann dein Aug ein Schalck iſt / ſo wird dein gantzer Leib finſter ſeyn; nun ſind die Lehrer gleichſam die Augen der gan - tzen Gemein. Vber dis iſt vñ heiſt das Symbolum auch Epitome norma - tiva eine regul vnd Richtſchnur des Glaubens. Es bleibet die H. Schrifft ohn zweiffel die fuͤrnemſte / vnd jhre Wuͤrde nirgend anders woher habende Regul / aber die Symbola ſind regulirte Regulen / die die Bekantniſſen mit einer gewiſſen Richtſchnur abcirculen vnd vmbgeben / deren Grund vnd Quell iſt allein Gottes Wort / die ordnung / bequeme kurtze vnd richtige Art zu lehren bleibt dem Symbolo. Darumb dann auch kein gemeiner Menſch ſich ſoll geluͤſten laſſen etwas zu ernewern / oder auff die Bahn zu bringen / ſo ſolchen ſchrifftmaͤſſigen angenommenen Symbolo zu wider. Zu gleicher weiß / wie die groſſe Vhr im Muͤnſter allhie eine Norm vnd Richtſchnur iſt aller anderer Vhren vnd Stundglaͤſſer / in der gantzen Statt nach deren alle Einwohner jhre Zeiten vnd Geſchaͤffte richten muͤſ - ſen / wer auff dieſe oder jene Stund an einen Ort / Crafft ſeines Eides o - der Ambts erſcheinen muß / der muß die Muͤnſtervhr nicht uͤberhoͤren / ſein einſtellen oder außbleiben / wird nach derſelben geurtheilet vnd ge - richtet. Es hat aber die Muͤnſter-Vhr eine hoͤhere / gantz bloß / vnfehl - bar / himmliſche Vhr uber ſich / nemlich die Bewegung vnd Lauff der Son - nen: Alſo iſt das Symbolum des Glaubens / es ſey gleich das Nicænum oder die Augſpurgiſche Confeſſion eine Norm vnd Richtſchnur vnſers Glaubens / darnach die Lehr deren / ſo ſie angenommen / geurtheilet werden ſollen. Aber ſie hat noch eine hoͤhere Vhr in dem geiſtlichen Kirchenhim - mel auffgezogen / die heiſt das feſte Prophetiſche vnd Apoſtoliſche geſchrie - bene Wort Gottes / das iſt norma normarum, die Regul uͤber alle Regu - len. Es ſoll das Symbolum angeſehen werden endlich tanquam Epito - me diſtinctiva, als ein vnterſcheidender kurtzer Begriff. Dann dieweil einmal nicht ein jeder Glaub ſelig macht / vnd aber ſo viel Glauben in der Welt / die ſich alle der Schrifft behelffen: die Calviniſten / die Photinianer vnd Arminianer / wollen einiger noht vnſere Bruͤder ſeyn / betriegen in den Arten zu reden / ſagen / Chriſtus ſey Gott / aber nur namentlich / nicht we - ſentlich; Chriſti Leib ſey warhafftig gegenwaͤrtig im Sacrament / aber auffvid. Luth. tom. 6. p. 111. eine geiſtliche Weiß; Es werde der Leib Chriſti allein geiſtlich vnd nicht leiblich / allein mit dem Hertzen im Glauben empfangen / vnd nicht im Munde / dardurch den alten Goͤtzen nur ein newer Rock angezogen wird. Ja / dieweil es dahin kommen / daß die Falſchglaubigen einerley Wort vnd Symbola mit vns fuͤhren / dieſelbige aber im Hertzen vnd in jhren SchulenR ijviel132Die Erſteviel anders deuten vnd verſtehen: Es darff wol noch jener Ertzketzer Ionas Schlichtrig auff das Apoſtoliſche Symbolum pochen / vnd jre Gotteslaͤſte - rung damit beſchoͤnen: darum̃ iſt Vnterſcheid in den Glaubensbekantniſſen vnd deroſelben Rechten eigentlichen waaren Verſtand zu machen vnd an -v. Auguſt. enchir. ad Laurent. c. 5. Chriſt. act. 1. p. 859. Luth. tom. 6. Ien. fol. 111. zuzeigen hoch von noͤhten. Es ſind jetzt (alſo ſchreibt Lutherus) an vielen Or - ten (als ich vertroͤſtet bin) die nu fort / gleich mit vns lehren / aber etliche ande - re / nu ſie geſehen / daß der Karren zu fern vnd zu tieff in den Schlam gefuͤh - ret iſt / vnd nicht mehr lauten will / ihr voriges Geſchrey / von eitel Brod vnd Wein im Sacrament / wiſchen ſie das Maul / vnd draͤhen jre Wort anders / behalten aber gleichwol die vorige Meinung / im Sinn vnd Brauch / ſagen mit dem Munde / es ſey Chriſtus Leib vnd Blut warhafftig gegenwaͤrtig im Sacrament. Wann nun ſolches der einfaͤltige Mann hoͤret / ſo denckt er ſie lehren gleich wie wir / vnd gehen darauff hin zum Sacrament / vnd empfahen doch eitel Brod vnd Wein / denn ihre Lehrer geben auch nichts mehr / vnd meinen auch nichts mehr / die heimliche Gloſe aber vnd Verſtand iſt der / daß der warhafftige Leib vnd Blut Chriſti ſey wol gegenwaͤrtig im Sacrament / aber doch nur geiſtlich vnd nicht leiblich / wird auch allein im Hertzen mit dem Glauben empfangen / vnd nicht leiblich mit dem Mun - de / welcher empfaͤhet eitel Brod vnd Wein / wie vorhin.

Sihe / iſt das nicht ein teuffeliſch Gauckelſpiel mit den Worten Chri - ſti getrieben / vnd die einfaͤltigen Hertzen ſo ſchaͤndlich betrogen vnd beraubt von jhrem Sacrament? das heiſt / wie S. Hieronymus von den Arrianern ſchreibt / wie jhre Biſchoffe alſo predigten / daß die Chriſten ein anders auß jhren Worten verſtunden / denn ſie meineten. Denn ſie hatten auch den Karren zu weit gefuͤhrt / daß jhr Schreyen nicht mehr gelten wolt / nemlich daß Chriſtus were ein eitele Creatur / vnd nicht Gott / da wiſchten ſie auch das Maul / ſchwiegen ſtill von der Creatur / vnd nenneten Chriſtum einen Gott / ja einen warhafftigen Gott. Aber der heimliche Verſtand war dieſer / Chriſtus war nuncupativè ein Gott / das iſt / er haͤtte den Namen Gott / vnd hieſſe Gott / vnd daß er ein Gott hieſſe / das were war / aber were doch nicht ein natuͤrlicher / ewiger / einiger Gott mit dem Vatter / gleich wie Johannes ein Engel heiſt / warhafftig vnd iſt war / daß er ein Engel heiſt / aber iſt gleichwol ein Menſch / vnd nicht ein natuͤrlicher Engel. Alſo be - hielten ſie heimlich im Sinn / daß Chriſtus were eitel Creatur / aber mit dem Maul ſprachen ſie er were Gott.

Alſo auch jetzt vnſere Papiſten / nach dem ſie gemerckt / daß jhr grewe - licher Grewel iſt zu hell an tag kommen / daß ſie den Heiland Chriſtum vnd ſeinen Glauben rein verdamt / vnd auff eigen Werck zu bawen / gelehret /vnd133Predigt. vnd faſt geſchrien haben / ziehen ſie nu die Pfeiffen ein / vnd ergreiffen auch das Wort (Glauben) vnd predigen vom Glauben vnd guten Wercken. Aber heimlich bleiben ſie bey ihrem alten Grewel / vnter dem Wort / (Glauben) denn ſie ſprechen / es iſt war / man muß durch den Glauben gerecht werden / ſo fern die Werck dabey ſind / denn fuͤr vnd ohne Werck iſt der Glau - be nichts. Mit dieſen Worten nennen ſie den Glauben als der gerecht macht / aber geben gleichwol den Wercken die Gerechtigkeit / vnd den Glau - ben allein gar nichts / vnd putzen ſich doch daher / der Glaube macht ge - recht / ſo die Werck dabey ſind / ſonſt iſt er nichts / das heiſt warm vnd kalt auß einem Maul blaſen / wenn ich ſage / der Glaube macht gerecht / vnd iſt doch ohne Werck nichts. Denn ſo er alleine nichts iſt ohne Werck / ſo muͤſſens die Werck gar ſeyn / wenn ſchon daſſelbige nichts (das iſt der Glau - be) dabey iſt. Solches iſt ihr heimliche Meinung / vnd der alte vorige Grewel / vnter newen Worten fuͤrgebracht / vnd den alten Goͤtzen ein newer Rock angezogen.

So thut dieſe zweyzungige Rott auch / ſagen / Chriſtus Leib vnd Blut ſey im Sacrament warhafftig / aber doch geiſtlich vnd nicht leiblich / vnd bleiben damit auf jhrem vorigen Jrrthumb / das eitel Wein vnd Brod im Sacrament ſey / vnd geben darnach fuͤr / es ſey nicht noht daß der ge - mein Chriſtenmenſch wiſſe / wie Chriſtus Leib im Sacrament ſey / ſondern ſey gnug daß er glaube / es ſey der Leib den Chriſtus gemeinet hat / wenn du nu dieſer Lehr nach glaubeſt / daß Chriſtus Leib im Himmel leiblich vnd im Sacrament geiſtlich ſey / ſo haſt du im Geiſt vnd Glauben den Leib / den Chriſtus gemeinet hat / ob du wol im Brod vnd Wein / nichts denn eitel Brod vnd Wein empfeheſt.

Daher machen ſie auch / des HErrn Abendmal wuͤſte / vnd geweh - nen die Leut / daß ſie ohn Sacrament dahin fahren / vnd ſterben / ſprechen / was ſoll mir das Sacrament (das iſt eitel Brod vnd Wein) hab ich doch Chriſtus Leib vnd Blut geiſtlich im Hertzen? was ſoll doch ſolch falſch Heucheley vnd Lugen / darin ſie nicht allein die Warheit laͤugnen / ſondern dürffen auch nicht frey herauß bekennen ihren Glauben? was ſind mir das fuͤr Chriſten / die ſo meuͤchelen / vnd ſchewen ſich ihrer Lehr frey bekant zu ſeyn / vnd verkauffen ſie vnter fremden Schein / vnd Deckel. Darauff gehoͤret eine zweyfaltige Hoͤlle / eine / daß ſie wider Gottes Wort liegen / die ander / daß ſie ihr eigen Lehre / welche ſie Gottes Wort ruͤhmen / laͤugnen vnd nicht frey bekennen.

Was meineſt du nun / wenn ein frommes Hertz ſolch Boßheit vnd Falſchheit an ſeinem Seelſorger weiß / oder ihn drin verdaͤchtig haͤlt / wasR iijſoll134Die Erſteſoll es thun? meineſt du es koͤnne ſein Hertz auff ſein Frevel-falſch wort zu frieden ſtellen / wenn er ſagt / glaube den Leib den Chriſtus meinet / vnd fra - ge nicht weiter. Nein lieber Geſell / ſolches glaubt er vorhin wol / ehe er kombt / ob er ſchon nicht zum Sacrament gehet. Sondern das fragt er / vnd darumb kombt er / er will wiſſen ob er eitel Brod vnd Wein mit ſeinem Mund empfahe / nicht fragt er / was er von Chriſto vnd ſeinem Leib im Her - tzen glauben ſoll / ſondern was man ihm reicht mit den Haͤnden? Hie gilts nicht / den Brey im Maul weltzen / vnd Mum / Mum ſagen / man muß ihn nicht lehren / glaube den Leib / den Chriſtus meinet / ſondern den Brey außſpeyen / vnd das mummen laſſen / frey vnd duͤrre daher ſagen / ob er mit dem Mund eitel Brod vnd Wein empfahe? denn wie er den Leib glauben ſolle / den Chriſtus meine / daß ſoll man auff die Cantzel / oder auff ein ander mal ſparen. Hie ſoll man ihm ſagen / was Brod vnd Wein ſeye im Sacrament / vnd nicht ſo im Sacke verkauffen / denn es gilt hier nit / ſo vnter dem Huͤtlein ſpielen / vnd im finſtern mauſen. biß hieher Luth.

Iudic. 12, 6.

Da kan man denn ſagen Schibbo leth, wem gehoͤreſt du an? heiſt du Leitſch oder Hund? biſt du kalt oder warm? Summa ein iegliches wares vnd beſtaͤndiges Glaubens-Symbolum, vnd demnach auch das Apoſtoli -Rom. 6, 17. 2. Tim. 1, 13 ſche vnd Nicæniſche iſt nach Apoſtoliſcher Beſchreibung ein Fuͤrbild der Lehr / deren die Rechtglaubigen ergeben ſeyn im Gehorſam. Jtem ein Fuͤrbild der heilſamen Wort vom Glauben vnd von der Lieb in ChriſtoSerm. 115. de temp. Jeſu / oder wie Auguſtinus davon redet. Symbolum eſt comprehenſio fidei noſtræ ſimplex, brevis, plena: ut ſimplicitas conſulat audientium ruſticitati brevitas memoriæ, plenitudo doctrinæ. Das iſt: ein Symbo - lum iſt eine Verfaſſung vnſers Glaubens / einfaͤltig / kurtz / vollkommen / da - mit die Einfalt der Grobheit deren / ſo es anhoͤren / rahte vnd helffe / die Kuͤrtze das Gedaͤchtniß ſtaͤrcke / vnd die Vollkommenheit die Lehr an Tag gebe.

Jſt nun dem alſo / ſo wird von vns ſaͤmtlich erfordert / 1. Symboli uſus der Gebrauch des Symboli oder Warzeichens / dann / was were das fuͤr ein Kriegsheer / dabey weder Liberey / Fahnen noch Loſung zu finden / es wuͤrde bald vmb daſſelbe geſchehen ſeyn; muͤſſen derowegen zu ſehen / daß wir nicht ἀσύμβολοι vnd ohne Loſung ſeyn / ſondern vnſern gewiſſen Fah - nen haben / als da ſind: die allgemeinen Glaubensbekantniſſen / die Aug - ſpurgiſche Confeſſion vnd deroſelben Apologia, die Formula Concord. die Schmalckaldiſchen Articul vnd der Catechiſmus Lutheri, darauff die Evangeliſche Prediger angeloben in der Ordinirung. Zwar die Ord -Inſtit. p. 1. nungsfeinde halten nicht viel darauff / dahero ſpricht Oſtorod. Man be -duͤrffte135Predigt. duͤrffte keiner Symbolorum, ſie gelten nit mehr / als einer jeden privat-Per -& 394. & in reform. p. 54. ſon Gut duncken. Die Arminianer geben vor / Athanaſius habe gar uͤber die Schnur gehawen / vnd zu hart geredet / wann er ſein Symbolum mit ſolcher Vorrede verwahret: Wer da will ſelig werden / der muß vor allen dingen den rechten Chriſtlichen Glauben haben. Den Calviniſten hat auch das Concordi-buch (als in welchem der rechte Verſtand der vngeaͤnderten Augſpurgiſchen Confeſſion, eroͤffnet / dieſelbe von damal neweingeriſſenen Secten vnterſchieden worden) nie in Sinn gewolt / haben daſſelbe gelaͤſtert vnd geſchmaͤhet / vnd vnter den breiten Deckmantel der Augſpurgiſchen Confeſſions-wort ſich lieber verbergen wollen. Es gemahnen mich aber dieſe alle an die Barbariſche Tuͤrcken / die keiner gewiſſen / ſtandhafften vnd bewaͤhrten Vhren / Stunden / Glocken / noch Meilen ſich bedienen / ſondern nur mit der Sonnen-bewegung zu frieden ſeyn / die Sigriſtenv. Busbeq. epiſt. p. 40. ruffen bey jhnen mit lauter Stimmen / wann die Morgenroͤhte anbricht / zur Fruͤheſtunde / zur Mittags - vnd Abendszeit; Aber die naͤchtliche Zeit iſt bey ihnen gantz vngewiß: Alſo wollen ſie auch gern im hellen Mittag / als die Blinden herumbtappen / vnd im truͤben Waſſer ſicherer fiſchen. II. Symboli intelligentia, des Symboli Verſtand. Bey Kriegszeiten / vnd da die Gefahr obhanden / gehet es manchmal wie dort beym Poeten

Mutemus clypeos, Danaumꝙ inſignia nobis
Aptemus:
Wir wollen nehmen der Feind Gewehr /
Damit er ſich daran verfaͤhr.

Da gehoͤrt nun groſſe Klugheit zu / daß man ſich nicht betriegen vnd an - fuͤhren laſſe / vnd den Fahnen vnd die Liberey wol kenne nach dem Sinn vnd Verſtand des heiligen Geiſtes / der auß ſeinem Wort vrſpringlich gefloſſen / vnd hernachmal auch nach der beſtaͤndigen Gloß vnd Meinung deren / die ſolche Glaubensbekantniß abgefaſſet / zuſammengetragen vnd vnterſchrieben / verſtehe vnd vnterſcheide. Schrecklich iſt zu leſen vnd zu hoͤren Foreri des gifftigen Jeſuiten / Zoiliſche ſchnoͤde Verdrehung des Apo - ſtoliſchen Glaubens / den wir mit gleicher aber vnfalſcher Muͤntz leichtlich be zalen koͤnten / wañ es die zeit leiden moͤchte. Seine ſpitzbuͤbiſche Verkehrung des Apoſtoliſchen Symboli nach dem vermeinten Lutheriſchen Verſtand / lautet zu Teutſch alſo: Jch glaube mit einem toden / vnd nur allein Hiſto - riſchen Glauben / an einen thoͤrichten / vngerechten / verlogenen / coͤrperli - chen Gott / als einen Vrheber aller Laſter: Einen Vatter / der zwo Gott - heiten hat / der weder Allmaͤchtig noch ein Schoͤpffer iſt Himmels vnd derErden.136Die ErſteErden. Vnd in Jeſum Chriſtum ſeinen Sohn / der kleiner iſt als der Vatter / nicht vnſer einiger HErr: der auff ubiquitiſtiſche vnd allenthalb - weſende Weiß empfangen iſt durch den heiligen Geiſt / vnd nicht ſo wol auß Maria der Jungfrawen / als Herode gebohren / gelitten vnter Pontio Pilato auch nach ſeiner Gottheit / gecreutziget nicht ohne Gefahr der Got - teslaͤſterung: Geſtorben auch nach der Gottheit vnd begraben / iſt hinab - gefahren zur Hoͤllen / da er die Schmertzen der Verdambten gecoſtet vnd gefuͤhlet. Gleich wie er iſt auffgefahren gen Him̃el / da er nach der Gott - heit vorhin auch ſchon geweſen: Alſo ſitzt er auch zur Rechten des Vatters des Allmaͤchtigen / von dannen er kuͤnfftig iſt auff das Allervngerechteſte / zu richten die Lebendigen vnd die Toden / als welche er richten wird vmb Verbrechung der jenigen Gebott / ſo vnmuͤglich zu halten geweſen. Jch glaub in den Heiligen / als einen muͤſſigen vnd faulen Geiſt / der ſein Ambt bey viel hundert Jahren vergeſſen / ein Patron worden der falſchen Propheten vnd falſchen Apoſtel; eine heilige Kirch Vergleichungsweiß / nicht eine allgemeine Kirch: eine geſtuͤmmelte Gemeinſchafft der Heili - gen; ein entweder ertichteten oder gar nichtigen Ablaß der Suͤnden / eine ellende Aufferſtehung des Fleiſches / vnd einen Traum von dem Ort / von dem ewigen Leben. So laͤſtert der Jeſuit / ſo geuſt er auff: Es iſt aber all -vid. D. Mel - chior. Ni - col. Symb. Luth. vin - dicatum. bereit ſchon anderswo von den vnſerigen abgezwagen worden / nach dem es der Grund bedurffte. Vns ſoll dieſe ſo gethane Verkehrung die Augen auffthun / wol zu ſehen vnd zu verſtehen / was eigentlich vnſere Meinung vnd Verſtand ſey uͤber des Apoſtoliſchen vnd Nicæniſchen Glaubens - Symbolum, welches dann auch der Zweck iſt / darnach wir in fuͤrgenom - mener Glaubenspredigt zielen. Es ligt vns ſchließlich ob / Symboli cuſto - dia, diſes Symboli Hut vnd Verwahrung. Die Roͤmer pflegten jhreIn Apolo - getic. Fahnen hoch zu halten: Religio tota caſtrenſis ſigna veneratur, ſigna ju - rat, diis omnibus præponit, ſagt Tertull. die gantze Kriegspflicht beſtunde darin / daß ſie die Fahnen hochehrten / ſich zu denſelben verſchwuren / ja ſievid. Lipſ. de milit. Rom. pag. 174. allen Goͤtteru fuͤrzogen / ſie haben dieſelbe Tag vnd Nacht bewacht; vnd ſolche Wacht vnd Auffſicht wird noch heutigs tags in Acht genommen / wehe dem / der den Fahnen verwarloſet / es koſtet ihm ſeinen Halß / dann welchem er vertrawet / der wickelt ſich in der euſſerſten Gefahr der Schlacht gantz vnd gar drin / laͤſt ſich auch auff den Nohtfall drinnen verſchieſſen: Alſo ſollen wir nun auch vnſere Symbola, als Glaubens-Fahnen verwah - ren / zieren / verthaͤdigen biß in Tod / auff daß auch nicht der kleineſte Buch - ſtabe / noch ein Titul davon veraͤndert werde / wir ſollen vns davon nicht laſſen abtreiben / wie jene Voͤlcker bey dem Irenæo, die nichts anders hoͤrenwollen /137Predigt. als was mit jhrem Symbolo uͤbereingeſtimmet. Dann dieſes iſt das beſte patrimoniũ vnd Erbgut / ſo wir vnſern Nachkommen hinderlaſſen koͤñen. S. Paulus / nach dem er Timotheo ſeinem getrewen vnd geliebten Juͤnger2. Tim. 1, 14. befohlen / er ſoll feſt halten an dem Fuͤrbild der heilſamen Wort / ſetzt er alſo bald hinzu dieſe nachdenckliche Vermahnung / dieſe gute Beylage bewahre durch den heiligen Geiſt. Wann wir dieſes alles fleiſſig betrachten / ſo wird darauff erfolgen der edle Glaubenstroſt / allweil der Fahnen im Feld fliget / hat es keine Noht / ſondern ſtehet noch wol; Dieſes iſt vnſer Wapen - brieff / vnſer Blutfahne / dabey wir ritterlich ringen / vnd durch Tod vnd Leben zu vnſerm Siegsfuͤrſten Chriſto tringen wollen / darumb wir auch hertzlich beten ſollen / heiliger Vatter / heilige vnd erhalte vns in deinerIoh. 17, 17. Warheit / dein Wort iſt die Warheit / O Gott des Friedens / heilige vns durch vnd durch / vnſer Geiſt / ſamt Seel vnd Leib / muͤſſe behalten werden vnſtraͤfflich auff die Zukunfft vnſers HErrn Jeſu Chriſti: dir dem ewi - gen Koͤnige / dem vnvergaͤnglichen / vnd vnſichtbaren / vnd allein Weiſen /1. Tim. 1, 17 ſey Ehr vnd Preiß in Ewigkeit / Amen.

Die andere Predigt

Von dem Niceniſchen Symbolo inſonderheit.

GEliebte in Chriſto. Was man im Sprichwort ſaget: Nomen & omen habet, er hat den Namen mit der That; das iſt auch war von der vralten Hauptſtatt des Landes Bithyniæ, im kleinernl. 4. Aſia, der Statt Nicéa, worden. Es iſt dieſelbige / wie Strabo meldet / von Lyſimachi, eines Aſiatiſchen Koͤnigs Gemahl (die Nicea geheiſſen) Nicea genennet worden / das iſt / eine Vberwinderin / eine Siegs - ſtatt / vnd Siegs-Cron. Ja freylich / eine edle Siegerin / eine geiſtli - che Streiterin / wider den groſſen Krieg / den der vralte Ketzermeiſter vnd Mordwolff im Paradis erhoben / welcher / ſo bald die gewaltſame Zeit der euſſerlichen Tyranney vnd blutiger Verfolgungen auffgehoͤret / den Fuchs - beltz angezogen / nach dem vnter Kaiſer Conſtantino M. die Kirchvon der blutigen Verfolgung etwas geruhet vñ halcyonia gehalten / den vngehewrẽ hochſchaͤdlichẽ Arianiſchen Krieg angefangen vñ eingefeiret / deſſen vrheber war / wie ſein Name lautet / Arius, das iſt / ein martialiſcher Zanckkopff / von Geburt auß Africa, nach ſeinem Beruff vnd Stand / ein Prieſter zu Ale - xandria in Egypten: von Sinn muhthitzig / argliſtig vnd halßſtarrig / ehr -Αρεῖος τῆςSvnd138Die Andereφιλαρχίας ὀίςρῳ πυ - ρού μενος αἰσχύνην ἡγήσατο δοξαινενι - κᾶσϑαι, ait Sozom. l. 3, 12. vid. Spon - dan. ann. 318, 8. Pe - tav. Tom. 2. Theolog l. 1. c. 7. pag. 37.vnd regierſuͤchtig / ſtarck vnd maͤchtig: den weltlichen Arm / den Conſtan - tium vnd die Conſtantiam die Schweſter Conſtantini Magni hatte er auff ſeine Seite gebracht: er hatte einen Anhang von gelehrten anſehnlichen Maͤnnern vnd Biſchoffen / als da ſind / Euſebius zu Nicomedia, Theogni - des zu Nicea, Vrſatius in Myſia, Valens in Pannonia vnd andere mehr; Er hatte fuͤrtreffliche Philoſophen vnd Weltweiſen zu Helffershelffern vnd Beyſtaͤndern an der Seiten / nemlich den Aſterium, den Phædonem vnd andere: der fieng es nun gar hoch an / griff dem Sohn Gottes ſeine Gott - heit vnd Majeſtaͤt an; der fromme Biſchoff Alexander zu Alexandria vnd ſein Mithelffer Athanaſius, lehreten / Chriſtus ſey allezeit Gott / allezeit ein Sohn mit dem vngebohrnen Vatter gleiches Weſens geweſt: das kam dem tollen vngeſchickten Narren ſeltzam fuͤr / ſchrieb an Euſebium ſeinen Patron dieſes Jnhalts: Jch muß Verfolgung leiden / daß ich geſagt / der Sohn hat einen Anfang / Gott aber iſt ohne Anfang: vnd anders wo an Alexandrum: Jch ſage / durch den Willen Gottes ſeye der Sohn vor aller Zeit / vnd vor der Welt geſchaffen worden / denn er ja nicht war oder ſeyn koͤnnen / ehe denn er gezeuget ward / weder ewig noch gleich ewig / er iſt gemacht auß nichts / außapud The - odor. l. 2. 8. welcher Meinung dann die andere gefolget / διάς ασιν λαὶ διχονίαν eſſe poſſe inter Patrem & Filium, es koͤnne ſich wol begeben / daß Gott Vatter vnd Sohn miteinader vneins werden / vnd widrige Meinung führen / geſtalt dann auch die Arianer pflegten zu tauffen / auff den Namen des Schoͤpffersteſte Atha - naſio, orat. 3. contra A - rian. apud eundem A - thanaſium legas licet doctrinam Arii. orat. 1. contra A - rian. p. m. 124. orat. 2. p. 138. tom. 1. de Synod Arian. & Seleuc. pag 681. Mat. 8, 29. vnd des Geſchoͤpffs / εἰς κτις ὴν λαὶ κτίσμα. Jſt mit einem Wort aͤrger geweſt als der Teuffel ſelbſt / der Chriſti Gottheit erkant. Ach Jeſu / ſchryen die Teuffel auß dem beſeſſenen / du Sohn Gottes / was haben wir mit dir zu thun? Solchen Funcken / ehe vnd dann er in eine lohhelle Flamm außge - brochen / zu loͤſchen hat ſich Conſtantinus Magnus der loͤbliche Kaiſer heff - tig bemuͤhet / vnd demnach im Jahr Chriſti 325. auff den 20. May ein Con - cilium oder Haubtverſamlung außgeſchrieben gen Niceam, da dann wie oben gemeldet / Nicea eine Siegerin geweſt / welche nach langer Vnterre - dung Vor - vnd Widerfechtung der Warheit Arium auß Gottes geſchrie - benen Wort / welches er der Kaiſer in das Mittel zu einer Richtſchnur dar - gelegt / ſamt ſeiner Lehr anathematifiret vnd verdammet: welcher Jrr - thumb endlich auch gar / wiewol er lange graſſirt vnd vnglaͤublich groſſen Schaden gethan / vnd wol als ein Krebs vmb ſich gefreſſen / nach dem Va - lens vmbkommen / durch Gregorium Nazianzenum vnd Gregorium von Niſſa durch Meletium von Antiochia, durch Euſebium von Samoſata, außgetilget worden; Gott der HErr ſelbs hat ſein gerecht Gericht uͤber dieſe Gotteslaͤſterung vnd deroſelben Vorfechter ergehen laſſen / nicht alleinan den139Predigt. an den Patronen derſelben / von welchen Hieronym. ſchreibt: Conſtantiusad Heliod. Arianæ hæreſeos fautor in viculo Mopſi moriens, magno dolore hoſti re - liquit imperium: Valens ſagitta ſaucius, caſam ſubiit ruſticanam, ubi ſu - pervenientibus Gotis, incendio crematus eſt: Das iſt / der Conſtantius, ein verthaͤidiger der Arianiſchen Ketzerey / nach dem er in dem Doͤrfflein Mopſi den Geiſt auffgeben / hat er mit groſſem Schmertzen ſeinẽ Feind das Reich uͤberlaſſen; der Valens aber / nach dem er mit einem Pfeil verwundet / hat er ſich in ein Bawrenhaͤußlein gemacht / da er dann von den Gothen uͤberfallen / vnd verbrant worden; ſondern auch dem Ario iſt Judas Lohn worden. Sintemal er durch gerechtes Gericht Gottes das Bauchgrim - men dergeſtalt bekommen / daß er ſein Eingeweide mit dem Stulgang auß - geſchuͤttet / vñ an dieſer garſtigen Stelle / nach dẽ er die Kirch lang vnd viel Jar hefftig betruͤbet / geſtorben; auff ſolche Weiß hat Nicea den Sieg erhal - tẽ; ſonderlich aber zeuget von ſolchem Sieg / daß daſelbs wol gefaſſete Sym - bolum, welches wir heut zu tag daher das Niceniſche Symbolum nennen / das war gemeldtes Concilii Abſcheid / das ſolte eine Regul ſeyn / darnach ſich die gantze Chriſtenheit / ſo damahl in die Jrr gerahten / richten / vnd durch welches ſie von allen andern Religionen eigentlich vnterſchieden wer - den ſolte. Nicenum Symbolum heiſſet eine Siegreich Chriſten-fahnen / ſo vnuͤberwindlich bleiben wird biß ans Ende der Welt / gleich wie das Symbolum Athanaſii von der Vnſterbligkeit / das Symbolum Auguſtini von dem Vermehren vnd Wachßthumb / ſeinen Namen bekommen; wir wollen nun das Niceniſche inſonderheit anſehen vnd betrachten / ſo viel der HErr ſeiner Gnaden Geiſt vnd Segen vns verleihen vnd mittheilen wird / Amen.

SIben Stuͤck aber ſind / die wir allhie zu bedencken haben / nemlich iſt / Symboli Niceni origo, der Vrſprung des Niceniſchen Symboli. 2. materia, die Matery. 3. Forma, die Form. 4. Norma, die Norm oder Regul. 5. Finis, die Endurſach. 6. die Autoritaͤt / Wuͤrde vnd Anſehen. 7. Fatum, der Außgang. Wir wollen kuͤrtzlich ein jedes nacheinander durchgehen. Das Erſte iſt der Vrſprung / da zu wiſſen / daß die Verfaſſung dieſes Symboli geſchehen auff Befehl Conſtantini Magni des Roͤmiſchen Kaiſers / der war das α vnd ω, Ein Biſchoff auſſer der Kirchen (in Beſtellung deſſen was zur Erbawung / Zierd vnd Ordnung derſelben von noͤhten geweſen) wie er ſich ſelber pflegte zu nennen / der war derjenige / der das Concilium zuſammen - beruffen vnd demſelben vorgeſtanden / dem man auch deßwegen innigli -S ijchen140Die Anderechen gedancket hat: nicht Papſt Sylveſter, der damal nicht mehr gelebet / ſeine Vicarii oder Verweſer Vitus vnd Vincentius haben da keinen ſondern Vorzug gehabt; ſondern der πρόεδρος oder vorſitzende Præſident iſt gewe - ſen Euſthatius von Antiochia, Hoſius ein Spanier war Concilii Prin - ceps, der fuͤrnemſte in dem Concilio, wie jhn Athanaſius nennet / der an - weſenden Biſchoffe waren 318. auß der gantzen Welt verſamlet. welche alle - ſamt / auch die jenige / die es ſonſt mit Ario heimlich gehalten / dem SymboloAthanaſ. in decret. concil. Ni - cen. Theodor. l. 1, 8. Summa concil. p. 46. ann. 325. n. 182. vnterſchrieben / als Athanaſius vnd Theodoretus bezeugen / wiewol Ca - ranza etwas beſonders auff die Bahn gebracht / grad / als haͤtten nur 300. Biſchoffe einhelliglich jhre Namen vnterſchrieben / vnd zwar mit Hand vnd Hertzen; die uͤbrigen eilff mit der Hand / nicht mit dem Hertzen: die letztern ſieben weder mit Hand noch Hertzen. Was von Chryſantho vnd Muſonio, welche vor Endung des Concilii todes verblichen / vnd allererſt nach jhrem Tod vnterſchrieben haben ſollen / (als bey Baron zu leſen / Chry - ſanthus & Muſonius, quamvis corpore translati, manu tamen propria deciſioni ſubſcripſimus, das iſt / wir Chryſanthus vñ Muſonius ob wir wol dem Leibe nach todes verblichen / haben wir doch eigenhaͤndig den Schluß des Concilii vnterſchrieben) iſt eine Fabel vnd hat keinen Grund. Die Feder hat gefuͤhrt oder doch das Symbolum auffgeſetzt / der kurtz zuvor be - meldte Hoſius ein Biſchoff von Corduba auß Hiſpanien / wie abermal A -Tom. 1. in ep. ad ſoli - tariam vit. agentes. p. 648. de Hoſii la - pſu vide Spond. an - nal. 357. thanaſius bezeuget: οὗτος τὴν ἐν Νικαίᾳ πίςιν ἐξέθετο, dieſer hat zu Nicæa die Glaubensbekantniß auffgeſetzt / in der Warheit dazumal ein rechter ὅσιος, ein heiliger / frommer / Gottesfoͤrchtiger Mann / als welcher vnter dem Dio - cletiano die Mahlzeichen Jeſu an ſeinem Leib getragen. Jch ſage dazu - mal / dann hernach hat er in ſeinem hohen Alter anfahen zu hincken / faſt auff die Weiſe / wie auch der aͤltere Philip Melancht. groſſe fehler begangen.

II. Materia, die Matery / darauß das Symbolum beſtehet / ſind die Glaubens-Artickel / ſo in dem Niceniſchen Concilio etwas beſchnitten / aber hernach voͤlliger vnd außfuͤhrlicher in dem Conſtantinopolitaniſchen Concilio außgefuͤhret worden / Sintemal dieſe Wort hernach darzu kommen: Schoͤpffer Himmels vnd der Erden / alles das Sichtbar vndD. Papp. in Com. Aug. Conf. p. 16. exeg. Voß. de t[i]ib. Symb. p. 59. & ſeqq. Vnſichtbar iſt / vom Vatter gebohren vor der gantzen Welt / Jtem / leib - hafftig worden / durch den heiligen Geiſt von der Jungfraw Maria / Jtem / ſitzet zur Rechten des Vatters / des Reich kein Ende haben wird; vnd was folgt nach den Worten: vnd an den HErrn den heiligen Geiſt / ꝛc. Dan - nenhero bey den Alten das Niceniſche vnd Conſtantinopolitaniſche Sym - bolum fuͤr eins gehalten worden / dieweil / was in jenem der Crafft nach verborgen gelegen / in dieſem erclaͤret worden. Damals wuſte man nochnichts141Predigt. nichts von dem Vnterſcheid Articulorũ Catholicorum & Theologicorũ, der allgemeinen Chriſtlichen vnd vnſtreitigen vnd der ſtreitigen Glaubens - Artickul / welchen vnterſcheid vnſere liebreiche vñ friedſame Hertzẽ / die Ireni -vid. Pareũ in Irenico. c. 25. ci, newlich erdacht. wie viel Bluts haͤttẽ ſie damal erſparen koͤnnen / weñ ſie allein die Chriſtliche allgemeine vnſtrittige Articul außgeſetzt / vñ das uͤbrige daruͤber man ſich mit den Arianern gezancket / im Mittel haͤtten laſſen wol - len. Sonderlich war damals ſtreitig die Frag / ob Chriſtus Gott von Gott vngeſchaffen / vngemacht / eines Weſens mit Gott dem Vatter? Arius ſagte nein; die rechtglaubige ſtandhaffte Bekenner zu Nicea ſagten Ja: hatten nicht Paͤppe im Mund / ſondern was ſtreitig geweſen / das er - claͤrten ſie auf einen gewiſſen Verſtand / auf daß hinfort niemand verfuͤhret vnd zu zweiffeln Vrſach haben moͤchte.

III. Forma, die Form beſtehet in der klaͤreren Außtruckung vnd Außlegung deſſen / was damal in Streit kommen / dahin ſonderlich gehoͤ - ret das Wort Ο῾ΜΟΟ΄ϒΣΙΟ〈…〉〈…〉 eines Weſens / welches den Jrrigen vnd falſchglaͤubigen ein Dorn in den Augẽ geweſen / aber in goͤttlicher Schrifft / gegruͤndet wann vnſer Heyland zu den halßſtarrigen Juden ſpricht: Jch vnd der Vatter ſind eins / nemlich eins / wie nach dem Willen / alſoIoh. 10, 30. 1. Ioh. 5, 7. auch nach dem Weſen / der Apoſtel widerholet es: Drey ſind / ſagt er / die da zeugen im Himmel: der Vatter / das Wort / vnd der hei - lige Geiſt / vnd dieſe drey ſind eins. Nicht war damals bekant der Vnterſcheid des claren vnnd vnclarens ein - vnd außgewickelten Glau - bens (fidei explicitæ & implicitæ) ſondern man ließ ſich hoͤchſt angelegen ſeyn das / was im Glaubens-Artickul dunckel geweſen / ſo heiter / clar vnd verſtaͤndlich auch den gemeinen Leuten fuͤrgetragen wurde / damit ſich nie - mand am Juͤngſten Tag der Vnwiſſenheit zu behelffen hette.

IV. Die Norm / Regul oder Richtſchnur wie des gantzen Concilii, alſo auch des Symboli iſt einig vnd allein die goͤttliche / heilige Schrifft ge - weſen / inmaſſen der loͤbliche Kaiſer Conſtantinus Magnus zu ruhmwuͤrdi -vid. Theo - doret. l. 1, 7. ὁι ἐν τῇ Νι - καίᾳ τῶν γραφῶν πνέουσι Athanaſ. in ep. ad Epiſc. in A - ſrica. p. 719 gem Gedaͤchtniß geſagt: Hoſtili poſita discordia, ſumamus ex divinitus inſpiratis ſermonibus ſolutionem quæſtionum. Das iſt / wir wollen die feindſeligen Spaltungen hinlegen / vnd auß dem vns geoffenbarten Wort Gottes / der fuͤrfallenden Fragen Eroͤrterung ſchoͤpffen. Wann die Stunden nicht recht ſchlagen / ſo richtet man ſie nach der Sonnen; wann man auff der See nicht weiß / wo man daheim iſt / ſo nimt man den Com - paß zur Hand: Alſo / wann in geiſtlichen Sachen Streit oder Zweiffel fuͤrfaͤllet / da ſoll man zu der einigen Richtſchnur des goͤttlichen WortsS iijlauffen /142Die Anderelauffen / vnd ſich auß demſelben der Gewißheit erholen. Wolte GOtt / daß wir ſolche Fuͤrſten haͤtten / die / wie Conſtantinus Magnus, wie ins gemein / alſo auch inſonderheit jhren Hoff vnd Welt-leuten mit erſtgelob - ten Exempel vorgiengen / es wuͤrde ohne zweiffel beſſer vmb die Kirch Chri - ſti vnd ſeine Religion ſtehen. Aber da muß man das Widerſpiel erfah - ren / man ſihet mit fremden Augen / man muß ſehen vnd nicht ſehen / leſen vnd nicht leſen / muß glauben / was man vorſchwatzt ohne Nachforſchung / ob es auch Gottes Wort vnd Willen gemaͤß? wie ſichs aber an jenem Ta - ge werde laſſen verantworten / das wird ſich finden wann der Schnee ver - gehet.

V. Finis, das End offterwehnten Symboli war uͤber die maſſen loͤb - lich / heilſam vnd gut / nemlich / 1. Victoria hæreſeos, die VberwindungTom. 1. in ep. ad Epi - ctet. p. 453. der Ketzerey. Dannenhero nennet Athanaſius das Niceniſche Haupt - Concilium πάσης αἱρέσεως, ἐξαιρέτως δὲ τῆς Αρειάνης, τρόπαιον, das iſt / aller vnd jeder / fuͤrnemlich aber der Arianiſchen Ketzerey Siegszeichen / deßglei -ibid, p. 719. chen ςηλογραφίαν κατὰ πάσης αἱρέσεως, das Bret / da man alle falliten vnd Ketzermeiſter / mit jhrem Schwarm angeſchlagen. 2. Regula & diſcretio fidei, die Regul vnd Vnterſcheidung des Glaubens / daß die verir - rete Schaf widerumb der rechten Pfeiff moͤchten nachlauffen / vnnd wiſſen wohinauß? ſonderlich in dem Grund-Artickul von der hoch - heiligen Dreyfaltigkeit / da haben ſich zum Triumphfahnen gefunden / die biß dato zertrennet geweſen. 3. Evolutio veritatis. die Erclärung der Warheit / ſonderlich des Artickuls von der heiligen Dreyfaltigkeit. Was fuͤr herrliche Buͤcher vnd Erclaͤrungen ſind damals geſchrieben von der heiligen Dreyfaltigkeit / durch Athanaſium, Hilarium, Auguſtinum, die ſonſt wol zuruck weren blieben; Alſo muͤſſen die Ketzereyen ſeyn gleichſam wie die Wetzſteine dadurch die Sinne vnd der Glaubensverſtand geſchleif - fet; Es muͤſſen Rotten ſeyn vnter vns / auff daß / die da recht - ſchaffen ſeyn / offenbar wuͤrden. Ruhe vnd Friede macht faule vnd ſichere Leute / aber Ketzereyen muntern auff zum nachſinnen vnd Arbeit: ſo gar laͤſſet die goͤttliche Fuͤrſehung nichts boͤſes geſchehen / es muß was gutes darauff folgen.

Darumb denn auch VI. dieſes Symbolum in groſſer autoritaͤt vnd Wuͤrde von Anbegin bißher geweſen / es iſt in der gantzen Chriſten -in epiſt. ad Antio - chenſ. con - heit recipiret vnd angenommen worden. Athanaſius wolte nicht geſtat - ten / daß zu ſeiner Zeit ichtwas hinzugethan wuͤrde / allegirt deßwegen den Synodum / ſo zu Sardis gehalten vnd geſchloſſen worden / daß ſich niemandgeluͤſten143Predigt. geluͤſten laſſen ſolle das Niceniſche / als vollkommene / Symbolum zu aͤn -fer. Hilar. in fragm. Hiſt. p. 51. dern / beſſern oder mindern / wiewol hernach / da newe Ketzereyẽ / namentlich die Macedoniſche vnd Eutychianiſche (welche ſich vnter den breiten Man - tel des Niceniſchen Symboli verkriechen vnd bedecken wollen) auffkom - men / weitere Erclaͤrung vnd Erleuterung noͤhtig geachtet worden. Ge - ſtalt ſolche Nohtdurfft der gelehrte Roͤmiſche Biſchoff Leo Magnus in ei -ep. 75. nem ſonderbaren Sendbrieff an den Kaiſer Leonem geſchrieben / erwie - ſen. Allermaſſen / wie auch zu vnſerer Vaͤtter zeit / nach dem die alſo ge - nante reformirten vnd andere Sectirer vnter der Augſpurgiſchen Con - feſſion ſich verborgen vnnd blindmeuͤß ſpielen wollen / eine Erleute - rung / ſo durch die formulam concordiæ geſchehen / zu leiſten / fuͤr gut an - geſehen worden.

VII. Belangende endlich die Fata, des Außgangs / wie iſts abge - lauffen? was iſt drauff erfolgt? haben ſich die Arianer zur Ruhe? haben ſie ſich gewonnen gegeben? Ach nein! ſondern da iſt erſt das wuͤten vñ allarmaEbr. 11, 38. recht angangen / Krieg vñ Liſt; Krieg zwar / dann da hat der from̃e Athana - ſius, deſſen die Welt nicht werth geweſen / muͤſſen herhalten / vñ iſt ins Elend nach Trier verjagt worden / deme in der Egyptiſchen Kirchen vnd anders - wo grewliche Verfolgungen von dem Arianiſchen Anhang erwecket / auff dem Fuß gefolget: durch Liſt hat man andere Symbola auff die Bahn ge - bracht: Euſebius legt ſein eigen Symbolum dar / laͤſſet in demſelben das Wort ὁμοούσιος gantz auß. Andere verfaͤlſchen das Wort / vnd ſchreiben ὁμοιούσιος. Zu Ariminien in Jtalia haben die Arianer ein Concilium von achzig Biſchoffen erbetten / deren nur zwantzig bey der Warheit Stand vnd Fuß gehalten. Taurus der Kaiſerliche Præſident bittet ſie mit Thraͤnen / ſie wolten doch weichen; die Wort wurden im newen Niceniſch-Arimini - ſchen Symbolo auff Schrauben geſetzt / da Arius zwar verdamt / aber das Arianiſch Gifft doch blieben: worauff ſie eine newe Samlung zu Nicea in Thracia angeſtellet / das newe Ariminiſche Symbolum fuͤr das alte Nice - niſche außgeben / auff dieſe Weiß iſt faſt die gantze Welt Arianiſch ehe ſie ſichs verſehen gehabt / vnd hinder das Liecht gefuͤhret worden; ſonder - lich iſt die maͤchtige Gottiſche Nation eingenommen / in dem Evdoxius ein Arianiſcher Biſchoff Ulphilam, den Biſchoff der Gotten uͤberredet; ου᾿κ〈…〉〈…〉 διαφορὰν δογμάτων, ἀλλὰ ματ〈…〉〈…〉 αν ἔριν ἐργάσασϑαι τὴν διάςασιν, es ſeyvid. Theo - doret. l. 4. c. 37. kein Vnterſcheid vnter der Lehr; aber das vergebliche Wortgezaͤnck habe den Zwyſpalt erreget.

Hierbey lernet zuvorderſt recht erkennen den Kirchenteuffel / der ſich nur anders vermummet / aber allezeit einerley Spiel auff den Schaw -platz144Die Andereplatz bringet! groß Macht vnd viel Liſt / ſein grauſam Ruͤſtung iſt / auß ei - nem kleinen Fuͤncklein erwecket er eine groſſe Flamme: Arius iſt zwar an -Hieron. in cap. 3. ad Gal. faͤnglich in Alexandria ein kleines Fuͤncklein geweſen / aber weil er nicht alsbald gedaͤmpffet worden / hat ſeine Flamme die gantze Welt angezuͤndet / verheeret vnd verzehret. Aulo politiciſmus, Syncretiſmus, Irenicus Sym - phoniſmus, ſind keine newe Blasbaͤlcke / man hat jhres gleichen auch in den alten Hiſtorien ſchon erfahren muͤſſen. Der Vrſprung des Papſt - thums hat ſich angeſponnen auß den Heydniſchen vnd Juͤdiſchen Cere - monien, die gute intention hat alles coloriret vnd gefaͤrbet / die geiſtliche Hierarchia vnd Kirchenordnung hat einen feinen Glantz von ſich blicken laſſen / aber hernach iſt alles in die verderbliche Flamme außgeſchlagen: die Calviniſterey hat einen ſchlechten Anfang gehabt / in Carolſtadio, der die Bilder angefangen auß blindem Eifer zu ſtuͤrmen / der war des Spiels Herold / das war der erſte Funcken / den der Syncretiſmus (da man die fun - damental-ſtreit nur fuͤr Schulgezaͤnck haͤlt / im uͤbrigen ſich Bruͤderlich zu vertragen vermeinet) tapffer auffgeblaſen; die Heidelbergiſche Friedens - pfeiff hat dazu geſpielt / die Amneſtia vnd Vnterlaſſung der anathematum hat es alles außgemacht; aber o Sirenengeſang / wie betrieglich biſt du! O Schlang / wie lieblich koſeſt du mit Heva! O Hyæna, wie ſtelleſt du dich ſo freundlich! O Juda verraͤhteſt du des Menſchen Sohn mit einem Kuß? der Teuffel hat etwas Newes im Sinn in der Religion: wird jhm der Boß durch vnſer Schlaffſucht vnd vnzeitige Friedenliebe angehen / wehe der Poſteritaͤt. wenn Gott zuͤrnet / ſo ſchicket er Jrrthumb: Alſo hat es leider erfahren die Statt Nicea, die Statt Conſtantinopel / die Statt Rom / vnd andere mehr / ꝛc. O der groſſen Gefahr! Der Politiſche Fried wird den Religions-Krieg verurſachen / man mache ſich nur gefaſt / darumb wachet vnnd betet! GOTT geb im weltlichen Stande Conſtantiniſche Hertzen / die der Flamm ſtewren / wehren vnnd ſich durch die Schlang nicht verfuͤhren laſſen / wie es faſt heutigs tags bey den Welt-leuten das Anſehen gewinnen will. Es ſind wenig Conſtantini, aber viel Ahabi, die da eiferige ſtandhaffte Lehrer mit folgendem Anſpruch gruͤſ -1. Reg. 18, 17. ſen: Biſt du der Jſrael verwirret? du biſt der Friedenſtoͤrer. Ach iſts / der den Religionsfrieden nicht wuͤnſchete? die Saͤchſ. Theologi haben ſich zu Leipzig Anno 30. erbotten mit Darſetzung jhres Bluts / die Einigkeit gebuͤhrlicher Weiſe / vnd der goͤttlichen Warheit gemaͤß / zu ſuchen vnd zu foͤrdern; Aber vnſerm Principal koͤnnen wir nichts begeben / wir koͤnnen nicht ein Wort Gottes ohn das ander glauben / Gottes Wort iſt Got - tes Wort / das darff nicht viel mencklens / ſpricht vnſer thewre Lu -therus /145Predigt. therus / wer Gott in einem Wort Luͤgen ſtrafft vnd läſtert / oderTom. 3. Ien. das die Wort noch feſt. fol. 341. ſpricht / es ſey geringe Ding / daß er gelaͤſtert vnd Luͤgengeſtrafft wird / der laͤſtert den gantzen Gott / vnd achtet gering alle Laͤſte - rungen Gottes / es iſt ein Gott / der ſich nicht theilen laͤſſet / oder an einem ort loben am andern ſchelten / an einem ort ehren / am andern verachten. Die Juden glauben dem alten Teſtament / vnd weil ſie an Chriſtum nicht glauben / hilfft ſie es nicht / ꝛc. vnd widerumb anderswo: werden ſie den Teuffel fromm vnd mitTom. 7. Ie - nenſ. fol. 318. ad Iob. 38. c. Matth. 24, 42. c. 25, 13. c. 26, 41. Marc. 13, 33, 35, 37. Luc. 12, 40. c. 21, 36. l. de fide contra A - rian. p. 115. l. 4. de Re - publ. c. 7. Chriſto eins machen / ſo ſeyn ſie die erſten. Piſcator jhr eigener Prophet halt ſolche allgemeingeſuchte Religions-vereinigungen / fuͤr vn - muglich. Darumb wachet! Chriſtus der HErr hats vns ſo hoch ein - gebunden. Nihil periculoſius hæreſi, quæ videtur nobiscum conſentire, & vel verbo diſſentit, ſagt Ambroſius. Es iſt nichts gefaͤhrlicher als die je - nige Sect / welche ſcheinet / daß ſie mit vns eins ſey / da ſie vns doch auch in einem einigen Wort zu wider iſt. Nichts iſt heutigs tages mehr verhaſ - ſet als das diſputiren von der Religion / vnd doch nichts heilſamer vnd be - quemer die Streitigkeiten außzuwircken / vnd denſelben abhuͤlfflich Maß zu geben nach dem Exempel Chriſti / der Apoſtel / Athanaſii, Auguſtini, vnd andern rechtglaubigen eiferigen Lehrer. Wann es nach Bodini Mei - nung gieng / ſo ſchaffte man es miteinander ab / in deſſen Horn blaſen die Enthuſiaſten oder Phantaſten / vnd Simpliciſten. Aber dis iſt das einige allereraͤfftigſte Mittel. Durch Schlangenwort vnd diſputat iſt der erſte Menſch verfuͤhret worden / durch Gottes Wort vnnd diſputat muß je - nes widerlegt vnd die Warheit verfochten werden. War iſt es / diſputiren iſt groſſem Mißbrauch vnterworffen / iſt langweilig zu hoͤren / man hat vor dieſem dergleichen Colloquia zwar angeſtelt / aber vermeinet / es werde alles auff dem Stegreiff koͤnnen außgemacht werden / wann ſichs uͤber einen Monat verzogen / iſt man des Dings muͤde vnd uͤberdruͤſſig worden / dar - umb kein Wunder / daß man durch ſolche gepflogene Vnterredungẽ wenig außgerichtet. Den weltlichen Frieden zu befoͤrdern ſpart man keine Vn - coſten / halt ein diet uͤber die andere / wie lang ſie auch waͤret. Aber wann Gottes vnd der Kirchen Sachen zu handlen / da iſt niemand da - heim. Welches Wachen nicht nur Chriſtlicher Obrigkeit vnd dem Lehr - ſtand / ſondern auch dem Haußſtand obliget / ſonderlich die liebe Jugend / als uͤber welche der widrige Jammer ſonderlich wuͤrde außgehen / iſt dahin anzuweiſen / daß ſie hertzlich danckſage fuͤr das geoffenbarte Wort / jr Sym - bolum fleiſſig lernen / ſich huͤten fuͤr der gefaͤhrlichen ſimplicitaͤt vñ Einfalt /Tda -146Die Anderedadurch der Teuffel zu wegen gebracht / was er vor Zeiten durch den verwi - ckelten Glauben nit vermogt; deſſen Meinung iſt / Jch glaub was die Kirche glaubt; wir ſollen einfaͤltig ſeyn wider die meiſterloſe vnd muhtwillige Ver - nunfft / wider vnſer Fleiſch vnd Blut / das vngern Gottes Willen thut / wir ſollen dem vergeblichen Geſchwaͤtz vnd des Teuffels Liſten abſagen; herge - gen der Einfalt nicht mißbrauchen in denen Stuͤcken / ſo vns durchauß zu wiſſen von noͤhten / vnd zu vnſer Vollkom̃enheit im Chriſtenthumb dienen /Luc. 7, 47. 1. Cor. 14, 20. Eph. 4, 14. dann ſo weit erſtrecket ſich vnſer Lieb / ſo fern wir glauben: werdet nicht Kinder an dem Verſtaͤndniß / ſpricht der Apoſtel / ſondern an der Boßheit / ſeyd Kinder / am Verſtändniß aber Vollkommen. Wir ſollen nicht mehr Kinder ſeyn / vnd vns waͤgen vnd wiegen laſſen von einem jeden Wind der Lehre durch Schalckheit vnd Taͤuſcherey der Menſchen / damit ſie vns erſchleichen zu verfuͤh - ren. Darumb iſt Vorſichtigkeit von noͤhten / huͤtet euch / vermahnetMat. 7, 15. vnſer Heyland / fuͤr den falſchen Propheten / die Sonn der Warheit leuchtet in dieſem letzten Weltabend hell / aber je heller ſie leuchtet / je naͤher iſt ſie dem Vntergang. Endlich muß das liebe Gebet hinzukommen / da - mit Gottes Name geheiliget / ſein Reich geſucht / vnd ſein Will bey vns vollbracht werde / ſo wird alsdann Brod / dasiſt / Frieden kommen / biß wir nach dem Ablaß der Suͤnden / uͤber alle Anfechtungen ſiegen / vnd von allem Vbel erloͤſet / als die rechte Nicandri vnd Victorini das Niceniſche Symbolum anſtimmen in dem himmliſchen Chor mit allen Engeln vndApoc. 5, 5. c. 1, 5, 6, 8. Außerwehlten: Es hat uͤberwunden der Loͤw / der da iſt vom Geſchlecht Juda / die Wurtzel David / Jeſus Chriſtus / das A vnd das O. der An - fang vnd das Ende / demſelbigen ſey Ehr vnd Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit / Amen.

Die Dritte Predigt.

Vom glaubenden Glauben / das iſt / dem Glauben der da glaubet.

GEliebte in Chriſto: was eigentlich der waare Glaub / ſeiner Natur / Eigenſchafft / Wuͤrde vnd Krafft nach ſeye / das hat ſo wol die heilige Schrifft / als auch die liebe antiquitaͤt mit allerhand ſchoͤnen Figuren vnd Gleichniſſen / als ein der Vernunfft vnbekantes /doch147Predigt. doch hochnohewendiges Geheimniß zu verſtehen eingebildet. Dann / fragſt du Erſtlich nach der Natur: Quid fides ſalvifica? was iſt der ſeligmachende Glaub? nach ſeiner innerlichen Geſtalt vnd Weſen? Antwort: Manus ſubdita, ſupplex, mendica, eine vnterthaͤnig flehende bettlende Hand: Seyd nicht halßſtarrig / wie ewer Vaͤtter / ſagt2. Chron. 30, 8. Hiskia zu den Kindern Jſrael / ſondern gebt ewre Hand dem HErꝛn / ſoll er ewre Haͤnde mit Segen fuͤllen / ſo muͤſt jhr ſie jhm auch darbieten. Jn der Zeit der Noht ſuche ich den HErrn / meine Hand iſt des Nachts außgereckt vnd läſſet nicht ab / iſt Aſſaphs Nachtlied / Pſal. 77. darin er ein Gleichniß nimt / von den Geberden eines armen duͤrfftigen Menſchen / der gegẽ einer fuͤruͤbergehenden Perſon beide Haͤnde außrecket / vnd demſelben einen Fußfall thut / vnd ſeine Hand nicht ſincken laſſet / biß jhm wuͤrckliche Huͤlff erſcheine. Diß iſt des Glaubens Hand / oder einer ſolchen Hand vergleicht ſich der waare Glaub. II. Qualis? was fuͤr Art vnd Eigenſchafft hat der Glaub an ſich? Antwort: Er iſt eine geiſtliche Empfindligkeit der Goͤttlichen Wolthaten nach allen fuͤnff Sin - nen. Er faſſet vnd vmbfahet auß dem Wort Gottes / was jhm in dem - ſelben wird dargebotten / wie von den Glaubigen geſchrieben ſtehet: ἀσπα -Ebr. 11, 13. σάμενοι τὰς ἐπαγγελίας, ſie haben die Verheiſſung empfangen / vmbfaſſet vnnd gekuͤſſet / gegruͤſſet allermaſſen / wie der alte SimeonLuc. 2, 28, 29, 30. & ſeq. Mat. 27, 59. Marc. 15, 46 Luc. 23, 53. Ioh. 19, 40. Luc. 2, 13, 14. Ioh. 6, 31, 32 33. das holdſelige Jeſulein in die Arm gefaſſet / vnnd ſich deſſen hertzlich getroͤſtet / vnnd damit ſich wol begnuͤgen laſſen. Der Glaub hoͤret fer - ner die liebliche Muſic / ſo im Evangelio erſchollen / die groſſe Hertzens - frewd / ſo den Hirten zu Bethlehem von dem Engel geprediget vnd ge - ſungen worden: der Glaub erſchmaͤcket das Manna oder Himmelbrod ſo der Welt das Leben gibt. Er riechet den Segenreichen Geruch des Le - bens vom heiligen Geiſt angehaucht. Es iſt endlich der Glaub ein ſcharffes Geſicht / ſo die Phœnomena vnd Offenbarung der Goͤttlichen Geheimniß erblicket / vnd ſich darin beluſtiget: Cognoſcite & intuemini, quàm oculata ſit fides, quàm lynceos oculos habeat, diligentiùs conſide - rate: cognoſcit Dei filium lactentem, cognoſcit in ligno pendentem, co - gnoſcit morientem: ſiquidem latro in patibulo, Magi in ſtabulo co - gnoſcunt, iſte clavis infixum, hi pannis involutum ſagt Bernhardus. DasSerm. 2. de tribus Ma - gis. iſt / erkennet doch vnd ſchawet / wie voller Augen der waare Glaub ſey / be - trachtet fleiſſig / wie durch - vnd ſcharffſichtig er ſey; Er erkennet den Sohn Gottes / da er an der Mutter Bruͤſten lieget / da er am Holtz hanget / da er den Geiſt auffgibet; Sintemal jhn durch den Glauben der Schecher amT ijCreutz148Die DritteCreutz / vnd die Weiſen im Stall erkant; Jener zwar / da er mit Naͤgeln angehefftet; dieſe aber / da er in Windeln gewickelt war. Fragſtu III. Qua vi? Jn was Vermoͤgen vnd Krafft beſtehet der waare Glaub? Antwort: Hypoſtaticâ, in ſtandhafften Vermoͤgen. Gleichwie ein Hauß auff ſeiner Grundfeſte beſtehet: gleichwie eine Pflantzen in der Erden / welche auß der Erden waͤchſet / an der Erden Mutter Bruͤſten ligt vnd ſauget / vnnd gar tieff in die Erden geſencket iſt: Alſo ein glaubiger Menſch beſtehet auff ſeinem Felſen Chriſto vnbeweglich / laͤſſet Platz - regen vnd Winde der Anfechtung vergebens wuͤten / als eine vmbgekehrte2. Pet. 3, 17. 1. Pet. 5, 10. Luc. 8, 13. Col. 1, 23. Curt. l. 7. Pflantze waͤchſet er auß der Wurtzel Jeſſe / vnd iſt in derſelben feſt gepflan - tzet. Gleich wie jener Arimazes, da er auff einem hohen vnuͤberwindli - chen Felſen geſtanden / dem Alexandro Magno den Trutz gebotten vnd ge - ſagt: An Alexander etiam volare poſſit, ob der Alexander auch fliegen koͤnne? Alſo hat der waare Glaub auch einen feſten Grund / vnd kan aller Anfechtung den Trutz bieten / laͤſſet ſich auch dadurch durchauß nicht be - wegen. IV. Quanti pretii? wie hohes Werths iſt der waare Glaub? was gilt er wol? Antwort: auro contrà æſtimatur, er iſt nicht mit Gol - de zu bezahlen / nicht wegen ſeiner ſelbſt / ſondern wegen des Schatzes / ſo er1. Pet. 1, 7. in ſich haͤlt vnd in Haͤnden hat. Er iſt wie Sanct Petrus lehret / viel koͤſtlicher denn das vergaͤnglich Gold / das durchs Fewer bewaͤhret wird. V. Quid ſignificat? was heiſſet der Glaube? was bedeutet er? was iſt ſein Amt? Antwort: Symbolum, Er iſt eine Loſung vnd Warzei - chen / iſt das Gleichnuß genommen von der Loſung im Kriegsweſen / da2. Macc. 8, 23. Judas Maccabæus wider das Heer Nicanors außziehen vnd treffen will / gibt er zur Loſung: Mit Gottes Huͤlff; deßgleichen / da er außgezogen wider das Heer Antiochi Eupators vnd Lyſiæ, gab er ſeinem Volck dieſec. 13, 15. Wort zur Loſung: Gott gibt Sieg. Wann dann die Rund auff die Wacht kommen / vnd das Wort gefragt / was iſt Rund oder Loſung? ſo muſte der Waͤchter antworten: Gott gibt Sieg / oder auch im gegen -Ioſ. 5, 13. theil / wann jhm einer auffgeſtoſſen / wie dort dem Joſua der Fuͤrſt uͤber Gottes Heer mit entbloͤſeten Schwert erſchienen / muſte er fragen vnd ſagẽ: gehoͤreſt du vns an oder vnſern Feinden? was iſt Loſung? Alſo in dem geiſtlichen Kriegsweſen vnd in vnſer Ritterſchafft / muͤſſen wir Loſung2. Cor. 10, 4. haben / wann gefragt wird: wer biſt du? Antworten die Kinder: Ein Chriſt / oder / wann gefragt wird: biſt du ein Chriſt? ſagen ſie / Herr ja. Ferner / woher weiſt du das? Antwort / daß ich getaufft binauff149Predigt. auff den Namen Gottes des Vatters / Sohns vnd H. Geiſtes. Was glaubſt du von Gott Vatter / Sohn vnd heiligem Geiſt? was iſt die Loſung? antwort: Jch glaube in GOtt Vatter / den Allmaͤchti - gen / ꝛc. geſtalt dann ſolche Frag vnd fleiſſige Erforſchung Chriſtus der HErr ſelbſt angeſtellet / wenn er ſeine Juͤnger fragt / wer ſagt jhr / daßMatth. 16, 15, 16. ich ſey? darauff Petrus geantwortet: Du biſt Chriſtus / des leben - digen Gottes Sohn. Deßgleichen / wenn er den blindgebohrnen /Ioh. 9, 35. 38. Act. 8, 30. 37. dem er die Augen auffgethan / fraget: glaubeſt du an den Sohn Got - tes? der jhm zur Antwort gab: HErr ich glaube Alſo fraget Phi - lippus den Kaͤmmerer der Koͤnigin Candaces in Morenland / ob er auch verſtehe / was er leſe. Jtem / ob er glaube / von gantzem Hertzen? welcher jhm antwortet; er glaube / daß Jeſus Chriſtus Gottes Sohn ſey. Wir ſchreiten von dem Titul zu dem Symbolo ſelbſten / vnd wollen zu erſt beſehen / fidem, quæ credit, den glaubenden Glauben. Den Glauben der da glaubet / oder ſo fern er glaubet; oder die innerliche Hertzensbekaͤnt - niß des Glaubens fuͤr Gott / wenn der Gewiſſens Rund im Hertzen anfaͤ - het zu examiniren vnd ſagt: was glaubeſt du? welches Glaubens biſt du? Antwort: Jch glaube in Gott / ꝛc. Der HErr verleihe zu vnſerm Fuͤrne - men ſeines Geiſtes Krafft vnd Segen / Amen.

WAnn demnach die innerliche Runde im Gewiſſen anfahet zu ſagen: thue Rechnung von deinem Glauben / gib Antwort / wem gehoͤreſt du zu? was iſt die Loſung? was glaubeſt du? ſo antwortet darauff ein einfaͤltiger Catechiſmusſchuler mit den Niceniſchen Vaͤttern vnd ſagt: Jch glaub An oder Jn einen einigen Allmaͤchtigen Gott / ꝛc. was iſt das geredet? was heiſt das? Jch glaub / das iſt I. Credo Deum. Jch glaube einen Gott. Jch glaube vnd weiß / daß ein Gott iſt / ich weiß ſeine Offenbarung / Weſen vnd Willen / was er ſey / was ſein gerechter Wille ſey / nach dem Geſetz / vnd nach dem Evangelio / ſonderlich weiß ich das Fundament der Seligkeit / ich hab mir Gott den HErrn wol eingebildet vnd gemahlet im Hertzen. Jch ſehe den Geiſt des HErrn nicht mit leiblichen / fleiſchlichen Augen / dann das wuͤrde mir nicht viel nutzen. Pilatus hat jhn nicht nur mit Augen geſehen / ſondern mit Fingern auff jhn gedeutet / vnd andern gezeiget / aber was halff jhm das? zu nichts anders / als zu Vermehrung ſeiner Straffen. Sondern ich ſehe jhn mit geiſtlichen Glaubensaugen / mit den (zwar euſſerlichen als blinden / aber innerlichen) illuminirten vnd erleuchteten Glaubensaugen Bartimæi:T iijJch150Die DritteJch ſehe mit Eliſa / was ſein Diener Gehaſi anfangs nicht geſehen: ich verſtehe vnd begere je laͤnger je mehr zu lernen die hoch troͤſtlichen Articul des Glaubens / auß welchen ich nicht nur erbawet / vnd im Leben vnd Wan - del meines Chriſtenambts / ſondern auch wider alle Anfechtung getroͤſtet werde: Jch weiß / daß mein Erloͤſer lebt / ꝛc. die bloſe Wiſſenſchafft machtsIac. 2, 19. Ioh. 12, 42, 43. nicht auß / dañ ſolchen hiſtoriſchẽ Glauben hat der Teuffel auch. Es haben jhn die abtrinnigen Mammellucken vnd Heuchler. Es haben jhn auch die ſonſt falſchglaubende Jrrgeiſter in etlichen Articulen / deren Wort Verſtand ſie wiſſen / lehren vnd bekennen / darumb folgt:

II. Credo Deo. Jch glaube demſelbigen Gotte / das iſt / ich ge - be ſeinen Worten Beyfall: Jch bins gewiß / daß es war ſey / was GOttNum. 23, 19. Ebr. 6, 18. draͤwet ſagt vnd zuſagt / dann er iſt ein warhafftiger Gott / der nicht liegen kan. Traw ich einem redlichen Biedermann / warumb nicht viel mehr Gott im Himmel? ich ſpreche mit David / mein Hertz haͤlt dir dein Wort vor / das kan nicht triegen / das ſey ferne / daß ich meiner Obrigkeit / meinem Fuͤrſten zu gefallen glauben wolte / ich bin in meinem Hertzen uͤberwieſen / daß dieſe Lehr Gottes Wort ſey / ich nimb ſie an nicht als Menſchen / ſon - dern als Gottes Wort. Ein Kind glaubt ſeinen Eltern / wann ſie jhm auch die allerwunderbarlichſten / vnerhoͤrteſten / vnglaublichſten / vngereim - teſten Dinge fürſagen / warumb ſolt ich dann auch Gott nicht glauben? iſt aber auch noch nicht genug / dann auff ſolche Weiß glauben die Teuffel all / vnd was geben ſie drumb / daß ſie nit glauben muͤſten / daß des Weibes Saame der Schlange den Kopff zutretẽ ſoll / ſolcher Glaube iſt jhr Folter / dafuͤr ſie erzittern: auch die abtruͤnnigen verlaͤugneten Chriſten / ſo widers Gewiſſen ſuͤndigen / geben der Warheit Beyfall vñ bejachzens / es iſt jhnenPſal. 5, 5. Pſal. 7, 12. wol bekant / daß Gott dem HErrn das gottloſe Weſen nicht gefalle / daß er ein rechter Richter ſey vnd ein Gott / der taͤglich draͤwet; ſolchen Glauben hatte auch der verzweiffelte Spiera, darumb folget ferner:

III. Credo in Deum. Jch glaube an oder in Gott: wie dortIon. 3, 5. die Niniviter / von welchen geſchrieben ſtehet: die Leute zu Ninive glaubten an Gott / vnd die Juͤnger Chriſti / zu welchen vnſer HeylandIoh. 14, 1. ſpricht: Glaubet jhr an GOtt / ſo glaubet jhr auch an mich: heiſt derowegen / Jch glaub an oder in GOtt / eben ſo viel / als / Jch verlaß mich auff Gott / als auff eine ſichere Freiheit vnd Grundfeſt / auff das end - liche Ziel meines Glaubens / ich baw ein Schloß auff jhn / ich beſtehe dar - auff ohne wancken / ich vertraw ſeinem Wort / Befehl vnd Verheiſſung / auff welche Art vnd Weiſe auff keine Creatur zu bawen iſt. Ein Kauff -man151Predigt. mann gibt dem andern Credit auff ſein bloſes Wort oder Handſchrifft / er gruͤndet ſich auff die feſte Verheiſſung eines ſolchen redlichen Bieder - mannes / warumb ſolt ich auch nicht meinem Gott vnd ſeiner Gnadenver - heiſſung trawen? bevorab / dieweil er ſeine Verheiſſung mit Eydſchwur vnd Sacramenten verſiegelt / ſo feſt als der Eyd Noæ geſchworen: verheiſ - ſen iſt edelmaͤnniſch / halten iſt baͤwriſch / ſagt man im Sprichwort: aber verheiſſen vnd halten das iſt Goͤttlich. darumb wir auch nicht ſagen / Jch glaube an eine Chriſtliche Kirche / dann das Wort in /〈…〉〈…〉, ſtehet GOtt allein zu / ob wol ein einziger Einwurff kan gebracht werden auß dem Alten Teſtament / da geleſen wird: das Volck Jſrael foͤrcht denExod. 14, 31. HErrn / vnd glaubte jhm vnd ſeinem Knechte Moſe; So iſts doch ein einziger Ort / vnd das〈…〉〈…〉 durch〈…〉〈…〉 zu erclaͤren: nach der ſieben - zig Griechiſchen von Sanct Johanne in dieſem Stuͤck bewaͤhrten vnd an -vid. D. Nic. Hunn. e - xam. error. Photin. p. 520. Ioh. 12, 42. genommenen Dolmetſchung. Damit iſts aber auch noch nicht aller - dings außgerichtet / Sintemal auch von den Oberſten der Juden geſchrie - ben ſtehet / daß jhrer viel (da ſie doch den ſeligmachenden Glauben nicht ge - habt / Chriſtum offentlich zu bekennen ſchew getragen / die Ehr bey den Menſchen lieber gehabt / als die Ehr bey Gott) an den HErrn Chriſtum geglaubet haben. Vnd auff ſolche Weiſe haben auch die Heuchleriſche Wunderthaͤter an Gottes Krafft geglaubet vnd feſt darfuͤr gehalten / Gott koͤnne durch ſie miracula vnd Wunder thun / von denen doch Chriſtus ſagt: Jch habe euch noch nie erkant. Dieſe Arten des Glaubens / wie ge -Mat. 7, 23. dacht / ſind nicht gnug zur Seligkeit / ſondern es wird noch ein ſonderlicher Glaube erfordert / deſſen ſich weder der Teuffel noch der ſichere Heuchler oder abtruͤnnige Mammellucke mit Warheit ruͤhmen kan / wann ich nem - lich ſage.

IV. Credo in Deum ob Chriſtum mihi propitium, Jch glaube an oder in Gott / der mir vmb Chriſti willen gnaͤdig iſt vnd ſeyn will. Abba mein lieber Himmliſcher Vatter; Audeo dicere: pater noſter, Jch wags vnd darff ſagen: vnſer Vatter im Him - mel / Jch weiß / daß mein Erloͤſer lebt / vnd er wird mich hernachIob. 19, 25. auß der Erden aufferwecken. Jch ſpreche mit groſſer παῤῥησίᾳ vnd freyem getroſten Munde: Chriſtus hat mich geliebet / vnd ſich ſelbſtGal. 2, 20. 1. Tim. 1, 16 fůr mich dargegeben. Vnd abermal: mir iſt Barmhertzigkeit widerfahren / auff daß an mir fůrnemlich Jeſus Chriſtus erzei - gete alle Gedult / zum Exempel denen / die an jhn glauben ſollenzum152Die Drittezum ewigen Leben. Jch glaub an den heiligen Geiſt / der mir geſchenckt / der da iſt das Pfand vnd Siegel meines Glaubens / der da ZeugnißRom. 8, 16. 26. Ioh. 20, 28. Pſal. 18, 3. giebet meinem Geiſt / daß ich ein Kind GOTTES ſey / der meiner Schwachheit außhilfft / diſer iſt mein HErr vnd mein GOtt / mein Felß / meine Burg / mein Erretter / mein Gott / mein Hort / auff den ich trawe. Wie er ſich mir ſelbs eigen geſchenckt / ſo eigne ich mir jn auch zu. Jch glaube nicht bloß ein Ablaß der Suͤnden / daß ein Ablaß in der Kirchen ſey / ſondern daß auch mir meine Suͤnde ſollen erlaſſen vnd verziehen werden. Meinen Jeſum vmbfahe ich / ich hertze vnd kuͤſſe jhn / wie Simeon / ich vmbfange jhn wie Maria / ich trucke jhn an mein Hertz / wie Joſeph von Arimathia / ich ſchmecke ſeine Suͤſſigkeit / ich leg jhm gleichſam Gewalt an: wie ein Adler auffs Aas ſchieſſet / alſo / wo mein Aas iſt vnd Schatz / da iſt mein Hertz / auff jhn allein ſehen meine Augen: hie ſtehe ich / dieſes ſoll meines Glaubens-loſung ſeyn / Chriſtus iſt mein / an ſeiner Mut - ter Bruͤſten hange vnd ſauge ich / ſein Blut am Oelberg iſt mein / ſein Opf - fer iſt mein / ſein Verſtand iſt mein / ſein Auffahrt iſt mein / gerade / als wann Gott ſonſt mit niemañ in der Welt zu thun haͤtte als mit mir! wie der Prie - ſter im Alten Teſtament ſeine Hand auff das Opffer gelegt / vnd alle Suͤnde darauff bekennet / ſo leg ich meine Glaubenshand auff das einige aller - heiligſte Verſoͤhnopffer Jeſum Chriſtum / darauff bekenne ich alle meine Suͤnd / Er iſt mein / vnd ich bin ſein / vns ſoll der Tod nicht ſcheiden; vnd damit mein Glaub kein toder / keinnuͤtzer Glaub ſey / ſo befleiß ich meinen Glauben zu uͤben / daß er als ein lebendiger Glaube erſcheine.

Folget hierauff die Prob / unde ſcis? woher weiſt du das mein lie - ber Chriſt / biſt du auch dieſes deines Glaubens gewiß? vielleicht iſt es eine vergebliche Einbildung / ein eiteler Traum / ein falſcher Wahn: Antwort / ja wenn ich kein Fundament / oder Grund haͤtte / wenn ich von keiner Prob wuͤſte / ſo moͤchte ich mich vielleicht irren; Aber gleichwie ein Rechen - meiſter / der etwas zu verrechnen / hat zwar anfangs ſein computum vnd Rechnung verfertiget / aber er ſtellet auch die Prob an nach Art der Rechen - kunſt / darauß hell vnd clar erſcheinet / ob der calculus vnd die Rechnung juſt geweſen oder nicht; Alſo bedien ich mich auch in gegenwaͤrtiger Frag der jenigen δοκιμασίᾳ vnd Prob / die mir in Gottes Wort fuͤrgeſchrieben. Demnach beruff ich mich zuvorderſt à priori auff das gezweyte / einhelligMat. 18, 16. 1. Cor. 2. 10 uͤbereinſtimmende innerliche Zeugniß des Geiſtes / auff zweyer oder dreyer Zeugen Munde beſtehet alle Warheit. Jener weiß / wie es Gott vmbs Hertz; dieſer / wie es vns vmbs Hertz ſey: Jener forſchetalle153Predigt. alle Ding / auch die Tieffe der Gottheit / niemand weiß / was in Gott iſt / ohn der Geiſt Gottes / denſelben haben wir empfangen auß Gott / daß wir wiſſen koͤnnen / was vns von GOtt gegeben iſt. Dieſer weiß / was im Menſchen iſt: keiner leuget / keiner betreugt; andere mag jhr eigen Geiſt wol betriegen / ſich ſelbs aber nicht. Alles in folgender Ordnung / der Geiſt Got - tes legt den Spiegel des Goͤttlichen Worts dar / das iſt ſein Zeugniß / ſein oraculum, durch vnd in denſelben redet er im Hertzen gantz holdſelig vnd freundlich. Es zeiget der Geiſt Gottes einem bußfertigem rewenden Suͤnder / der dem Geiſt nicht widerſtrebet / vnd der Ordnung Gottes ſich ergibt / das barmhertzige vnd liebreiche Hertz des himmliſchen Vatters / der rufft vnd ſagt: kan auch ein leiblich Mutter jhres Kindleins ver -Eſa. 49, 15. 16. geſſen / daß ſie ſich nicht erbarme uͤber den Sohn jhres Leibs? vnd ob ſie ſchon deſſelben vergeſſe / will ich doch dein nicht ver - geſſen / dann ſihe / in meine Hände / als einen ſtaͤtigen Denckzettel / hab ich dich gezeichnet. Widerumb fuͤhret dich der Geiſt Gottes ans Creutz / mahlet dir den gecreutzigten CHriſtum fuͤr / der rufft vnd ſagt: Mir haſt du Arbeit gemacht in deinen Suͤnden / vnd haſt mir1. Cor. 2, 2. Muͤhe gemacht in deinen Miſſethaten: Jch / ich tilge deine V -Eſa. 43, 24, 25. Mat. 11, 28. bertrettung vmb meinet willen / vnd gedencke deiner Suͤnden nicht: Jtem / komt her zu mir alle / die jhr můheſelig vnd bela - den ſeyd / ich will euch erquicken. Dann fuͤhret er dich in Gottes Schatzkammer / vnd zeiget dir die Evangeli[ſ]chen Eid vnd Himmelfeſte Verheiſſungen / das iſt je gewißlich war / vnd ein thewer werthes1. Tim. 1, 15. Wort / daß Chriſtus Jeſus kommen iſt in die Welt / die Suͤnder ſelig zu machen. So war als ich lebe / ſpricht der HErr / HErr /Ezech. 33, 11 ich habe kein Gefallen am Tode des Gottloſen / ſondern / daß er ſich bekehre vnd lebe. Er zeiget dir die hochwuͤrdige Sacramenta: Nim hin vnd / das iſt der Leib Chriſti fuͤr deine Suͤnde in den Tod gegeben: Nim hin vnd trinck / daß iſt das Blut Chriſti fuͤr deine Sůnde vergoſſen. Er præſentiret dir den hoch troͤſtlichen Loͤ - ſeſchluͤſſel. Er zeiget dir ſich ſelbſt / als einen Mahlſchatz / ein Pfand / Si - gel vnd Buͤrge ſolcher Verheiſſungen.

Hierauff fraget er dich in deinẽ Hertzen; glaubeſt du diſes alles? verſteheſt du was ich rede? ich bin ja nit vnteutſch. Glaubeſt du waar ſeyn / was1. Cor. 14, 11 ich dir auß Gottes Wort fuͤrgetragen / vnd bißher in dein Gedaͤchtniß wolVauffge -154Die Dritteauffgehebt vnd erhalten? traweſt du der Goͤttlichen Verheiſſung? nim - meſt du ſie an als die deine? als dir inſonderheit geſchehene? legeſt du ſie von dir vnd deiner eigenen Perſon auß? du wirſt ja nicht koͤnnen nein ſa - gen / denn ſo wuͤrdeſt du Gott Luͤgenſtraffen? Ey ja freylich / wirſt du ant - worten / es iſt war / ich glaube es / ich neme es fuͤr bekant an; was Chriſtus in ſeinem ewigen / vnwandelbaren / allgemeinem Fronwort zu dir ſagt: Mir haſt du Arbeit gemacht / ꝛc. ſo meinet er ja dich / er redet nicht mehr mit Eſaia dem Propheten / der iſt langſt tod: nicht mehr mit den Juden / ſo damal gelebt; ſie ſind nicht mehr fuͤrhanden: vmb jhrent willen / als die diß Wort muͤndlich gehoͤret / war die ſchrifftliche Auffzeichung deſ - ſelben nicht ſo hoch von noͤhten / aber mir / dir / vnd allen bußfertigen Suͤn - dern zu Troſt von Welt zu Welt biß ans Ende der Welt iſt ſolches Wort zum Troſtbeſchrieben; glaubeſt du das / ſo glaubeſt du. Das iſt der Glaube / der verſiegelet daß GOtt warhafftig iſt / wenn dir der Diener Gottes im heiligen Abendmal das Brod vnd Kelch abſonderlich darreicht / vnd ſagt / das iſt der Leib fuͤr dich dahin gegeben; das iſt das Blut fuͤr dich vergoſſen: wann er dir die Abſolution ſpricht / vnd ſagt / ich verkuͤndige dir Vergebung der Suͤnden; ſo wirſt du ja nicht gedencken / es ſey erlogen / was der Die - ner im Namen Gottes ſagt; ſondern fuͤr war halten. Nun das iſt der Glaub. Wann dir dein Vatter einen Brieff ſchreibet vnd dieſes oder jenes verheiſſet / ob du jhn gleich nicht ſiheſt / ſo glaubeſt du doch dem Vatter; wie viel mehr ſolt du Gott in ſeinem Wort glauben / als der die Warheit ſelbſten iſt. Jch meine ja / ein Maleficant vnd armer Suͤnder / der das Leben verwuͤrcket / der allbereit in des Henckers Gewalt / ſpitzet die Ohren / wenn er hoͤret / daß jhm das Leben geſchencket ſeyn ſoll / hoͤret er die Gnaden - ſtimm / ſo faͤllet er alſo bald drauff / reiſſet ſich vom Hencker loß / vnd ſagt: O guͤldenes Wort? was hab ich gehoͤret: quitt / loß vnd frey bin ich nun. warumb wolte der begnadete Menſch nicht auch Gott im Himmel die Ehr des Glaubens anthun. ſo redet Gott der heilige Geiſt im Tabernacul des Hertzens / durch vnd vermittelſt dem Gnadenſtul Jeſu Chriſti. Jn der Welt haͤlt man es fuͤr eine groſſe Leutſeligkeit / wenn hohe Potentaten vnd Herren einem Vnterthan oder Knecht den Mund goͤnnen / vnd eines Ge - ſpraͤchs wuͤrdigen: viel ruͤhmlicher iſt Gottes des heiligen Geiſtes Freund - vnd Leutſeligkeit / der da hoͤret / wenn wir ruffen / wenn wir hingehen zum Gnadenſtul / wenn wir den Mund Gottes fragen in Einfalt des Hertzens / ſo anwortet er / er zuͤget / er troͤſtet / er ſaget / wie David zu Bathſeba / vnd A - haſverus zu Eſther / was iſt dir? was forderſt du? ſo offt Abraham der Vatter aller Glaͤubigen mit dem Sohne Gottes / der jhm im HaynMamre155Predigt. Mamre erſchienen / redet / ſo offt antwortet er jhm: Alſo thut er noch durch ſeinen Geiſt in den Hertzen der glaͤubigen Abrahamiten / den geiſtlichen Abrahams-kindern.

Hierauff tritt auff der ander Zeuge / vnſer Geiſt / der durchs Wort er - leuchtet iſt / der weiß / was im Menſchen iſt; dann ſo vns vnſer Hertz1. Cor. 2, 11. 1. Ioh. 3, 21. nicht verdammet / ſo haben wir eine Frewdigkeit zu GOTT. Suam quiſque fidem in ſeipſo videt, & tenet certiſſimâ ſcientiâ: Ein jeder glaubiger Chriſt ſpüret den ſeligmachenden Glauben bey ſich ſelbſt / vndl. 13. de Tri - nit. Conf. B. Luther. Tom. 3. Ie - nenſ. Lat. p. 4. weiß jhn gantz gewiß / ſagt Auguſtinus: derſelbige innerliche Geiſt des Menſchen machet dieſe vnbewegliche Schlußrede: welcher Menſch weiß / haͤlts fuͤr war / verlaͤſſet ſich feſt drauff / daß Gott der himmliſche Vatter jhm barmhertzig ſey / daß der Sohn Gottes fuͤr jhn geſtorben / daß der heilige Geiſt jhn von Suͤnden abſolvire vnd loß ſpreche / nimt ſolche Barmher - tzigkeit / Gnugthuung vnd Gnade von Hertzen an / haͤlſet vnd kuͤſſet dieſelbe / der glaubt warhafftig vnd rechtſchaffen / dann das iſt die Beſchreibung des waaren ſeligmachenden Glaubens: Nun aber / ich weiß / daß mirPſal. 103, 8. Iob. 19, 25. Gott gnaͤdig iſt / Jch weiß / daß mein Erloͤſer lebet / vnd er wird mich hernach auß der Erden aufferwecken; Jch bin gewiß / daß weder Tod noch Leben / noch keine andere Creatur mich ſcheidenRom. 8, 38. 39. mag von der Liebe Gottes / die da iſt in Chriſto Jeſu / vnſerm HErrn. Denn das iſt je gewißlich war / vnd ein thewres wer -1. Tim. 1, 15. thes Wort / daß Chriſtus Jeſus kommen iſt in die Welt / die Suͤnder ſelig zu machen / vnter welchen ich der fuͤrnemſte bin: Jch weiß / daß ich auß dem Tod ins Leben kommen bin / vnd ſol -1. Ioh. 3, 14. ches weiß ich auß Gottes mir geoffenbartem Wort / auß dem Zeugniß deß Geiſtes / der nicht nur auff der Cantzel; ſondern auch durchs Wort in mei - nem Hertzen predigt / vnd es mir alſo offenbaret. Darumb glaube ich / vnd das iſt mir gewiſſer / als wann ichs mit meinen fuͤnff Sinnen faſſen vnd empfinden ſolte; ſo gewiß vnd vnfehlbar / als der Zeug in Wolcken gewiß iſt vnd vnd vnfehlbar: ἀισϑησις γὰρ ἡμῶν ἐξαπάτητος, δὲ λόγοςHomil. 38. in Matth. ϑεοῦ ἀπαραλόγιςος, ſagt Chryſoſtomus, das iſt: vnſer (der menſchliche) Ver - ſtand kan leichtlich hindergangen; aber Gottes Wort kan nicht betrogen werdẽ noch betriegẽ / vnd abermal: Cum Spiritus teſtatur, quæ tandẽ reſtatHomil. 14. in c. 8. Ro - man. ambiguitas? was wolte fuͤr ein zweiffel walten / wo der Geiſt Zeugniß gibt?

Wenn nun dieſe Grundfeſte gelegt / ſo folgen als dann à poſteriori auch die Zeichen vnd Fruͤchte des Glaubens / auß welchen derſelbe abzu -V ijnemen156Die Drittenemen vnd außzuſpuͤren; ſonſt gehet der Glaub der Empfindlichkeit nach: man glaubet an keinen Heiligen / er thue dann ein Zeichen; ein Kind glau - bet nicht / daß das Fewer wehe thue / biß es brent: vnſere Haͤnde haben Au - gen / ſie glauben / was ſie ſehen: ſo gehet es in menſchlichen Dingen: aber hie hat das Gegentheil ſtatt / Gott will die Ehr allein haben / daß man zuvor glaube / hernach allererſt fuͤhle vnd empfinde / vnd muß die Empfindung durch den Glauben geſtaͤrcket werden / ſonſt iſt das Hertz betrieglich: Sol - che Zeichen ſind nun ſtaͤtige Rew uͤber die Suͤnde / Toͤdung des Fleiſches / der innerliche Kampff des Fleiſches vnd Geiſtes / das Verlangen nach dem ewigen Leben / nach dem das droben iſt / andaͤchtiges Gebet / die Liebe / Sanfftmuht / Gedult / Demuht / geiſtliche Frewde / innerliche tran - quillitaͤt vnd Gewiſſensfried / Ruhe in Gott / da Gerechtigkeit vnd Friede ſich kuͤſſen: euſſerliche Werck der Liebe gegen dem Nechſten: wir wiſſen / daß wir auß dem Tod ins Leben kommen ſeyn / denn wir lieben die Bruͤder / ſagt Sanct Johannes. Aliquando intromittis me, Do - mine, in affectum multum, inuſitatũ, introrſus ad (neſcio quam) dulcedi - nẽ, quæ ſi perficiatur in me, neſcio, quid erit, quod vita iſta non erit, ſprichtl. 10. con - feß. c. 40. Auguſtinus, das iſt / bißweilen laͤſſeſt du mich / o HErr / in ſo groſſe / vnge - wohnte Bewegung des Gemuͤhtes gerahtẽ / daß ich innerlich uͤberauß groſſe Suͤſſigkeit empfinde / / welche / ſo ſie an mir vollbracht werden ſoll / ſo moͤchte ich wol wiſſen / was genennet werden koͤnte / daß nicht in jenem Leben zu finden were. wiewol jetzterwehnte Characteres Kenn - vnd Merckzeichen negativè nicht ſchlieſſen / es folgt nicht ein vnd das andere Zeichen / als zum Exempel / die Frewdigkeit des Hertzens erzeigt ſich nicht bey mir / derowe - gen bin ich glaubloß. ſo wenig es folget / ein Menſch ſo in Ohnmacht gefal - len / empflndet nicht / darumb ſo hat er das Leben nicht mehr: aber affirma - tivè iſts gewiß / wo ſolche Zeichen ſich finden / da iſt der waare Glaub; bey vnglaubigen Gottesverraͤchtern erzeigen ſich ſolche Stuͤck nicht / ſie gehen ohne Rew in der Sicherheit fort: ſie laſſen dem Fleiſch ſeinen Muhtwillen / ſie ſtreiten nicht mit demſelben: jhr Verlangen gehet hinabwerts zur Welt: jhr Gebett iſt kalt / jhr Hertz vnd Gewiſſen hat kein Ruhe / Weltfrewd iſt jhr Paradeiß. Wann wir nun ein Catechiſmus-Examen vnd Muſterung ſollen anſtellen vnd Runde gehen / nicht nur die bloſe Wort fordern / ſon - dern auch auff den Verſtand tringen / das Hertz ruͤhren nach der Vermah -2. Cor. 13, 5. nung des Apoſtels: verſuchet euch ſelbſt / ob jhr im Glauben ſeyd; pruͤffet euch ſelbſt: ſolten wir ein Vmbfrag ergehen laſſen vnd ſagen: mein glaubeſt du auch / haſt du auch einen Glauben? ſo werden ſich zwarwenig157Predigt. wenig finden / die nicht ſagen wuͤrden / credo, ja ich glaube; aber im ge - nawen nachforſchen doͤrfften wir wol antreffen

I. Credo cœcum, manchen blinden Glauben; denn ich frage dich ſorgloſen Weltmenſchen / der du dich wenig vmb die Seligkeit bekuͤm - merſt / laͤſſeſt Gott einen guten Mann ſeyn / laͤſts Tag vnd Nacht werden / bedarffſt noch / daß man dich bey ſolchẽ hellen Liecht des Evangelii / die erſtenHebr. 5, 12. Buchſtaben der goͤttlichen Wort lehre; glaubeſt vnd verſteheſt du die goͤtt - liche Geheimniß / ſo fern dieſelbe zum Grund der Seligkeit dienlich? Du Bawersmann / der du dir dein Viehe vnd Meel laͤſſeſt hoͤher angelegen ſeyn / als deine arme Seel / wie dann jener ruchloſe Bawer / da er gefraget wurde / was der Pfarherr von dem geereutzigten Chriſto geſagt haͤtte; zur Antwort gab: Jch halte / es ſey jhm (dem HErrn Chriſto) recht geſchehen / er habs verdienet; O der Gotteslaͤſte lichen Red! Du / ſprich ich / der du ſeines gleichen biſt / ſagſt du: credo, ich glaube / ſo leugeſt du / eben als ein Blinder / der ſagen wolte / er ſehe; wilt du dich noch mit der Vnwiſ - ſenheit entſchuldigen vnnd ſagen / wer wolt mir thun? ich bin kein Gelehr - ter; horch / du biſt auch kein Saw nicht / kanſt du das Gelt lernen kennen / laͤſſeſt dir keinen boͤſen Goldguͤlden oder Rechenpfennig fuͤr einen guten guͤldigen vnd guldenen geben / verſteheſt du dich gar wol auff Frucht / Wein vnd dergleichen zu verkauffen vnd zu kauffen / ſo kanſt du auch mercken vnd lernen / was zu deiner Seelen Seligkeit noͤhtig iſt vnd wiſſe das gewiß / du biſt verdamt / ſo lange du in ſolchem muhtwilligem Vnglauben biſt vnd bleibeſt. Dann ein jeder / der nicht glaubet / der iſt verdamt / die1. Cor. 10, 27. c. 12, 3. 2. Theſſ. 1, 8, 9. vnglaubigen Heyden / die Jeſum nicht einen HErrn heiſſen / ſind wegen jhrer Vnwiſſenheit verlohren / die ſo dem Evangelio vnd HErrn JEſu Chriſto nicht gehorſam geweſen / werden Pein leiden / das ewige Verderben von dem Angeſicht Gottes. Billig iſt / daß die hie die Finſterniß mehr geſuchet vnd geliebet als das Liecht / von dem ewigen Liecht verſtoſſen in die Finſterniß geworffen werden. Wie viel weniger wird dann ein Chriſt wegen ſeiner boßhafftigen Vnwiſſenheit der Verdamniß entfliehen? es wird ſolche Leut trucken das goͤttliche Wehwort / da der HErr klagt uͤber ſolche Boßheit: Ein Ochſe kennet ſeinen Herrn / vnd ein Efel die Krippen ſeines Herrn; Aber mein Volck vernimmets nicht: O weh des ſůndigen Volcks / des boßhafftigen Samens! der ſchaͤdlichen Kinder!

II. Finden wuͤrde ſich Credo erroneum, ein irriger vnd fal -V iijſcher158Die Dritteſcher Glaub: Frag ich einen Papiſten / glaubeſt du auch? ja freylich / in alle Weg; mein Catholiſcher Glaub iſt der einige beſte; aber an wen glau - beſt du? an die Mutter viel mehr / als an den Vatter! weiſeſt du den Grund des Glaubens? vmbſtaͤndiglich / klaͤrlich vñ ſo viel davon in den Schrifften der Propheten vnd Apoſtel geoffenbaret? antwort: was gehet mich die Schrifft an / ich bin kein Schrifftgelehrter / ich kan nit ſchreibẽ oder leſen; der Glaub wird beſſer beſchrieben / daß er eine Vnwiſſenheit / als eine Wiſſen - ſchafft ſeye / es iſt mir gnug / ich behelffe mich mit dem verwickelten / einfaͤl - tigem Glauben / wann ich glaube / was die Kirche glaubt / ſo hab ich gnug! 1. Cor. 1, 30Glaubeſt du / daß Chriſtus dir gemacht ſey / von Gott zur Gerechtigkeit? ant - worteſt du nein / mein Prieſter hat mich anders gelehrt / meine Gerechtigkeit iſt mir eingegoſſen / ich verlaß mich auff mein Verdienſt vnd gute Werck / cõſequenter ſo biſt dein eigne Heiligkeit / dein Gott / dein Chriſtus / du glau - beſt in dich ſelbſt. Frage ich einen Zwinglianer; glaubeſt du / daß dir Gott abſonderlich gnaͤdig ſey? daß er durchs Wort vnd Sacrament in dir kraͤff - tig ſey? daß du Gerecht worden durch den Glauben an Chriſtum / vnd ein außerwehltes Kind Gottes ſeyeſt? alſo lehret dich dein Glaube nicht; er be - ſtehet auff einem Zweiffelſtrick / der lautet alſo: wer da beſtaͤndig glaubet / daß Chriſtus fuͤr jhn geſtorben / der wird ſelig: Jch glaube es / woher? die - weil er fuͤr etliche / die er bloß außerkoren / geſtorben; das heiſt à particulari concludere ſeu principium petere. Dann beweiß es / daß du vnter der Zahl der bloß Außerwehlten begriffen.

III. Finden ſolte ſich wol credo præſumtuoſum & Hypocriticum, Ein vermeſſener vnd Heuchleriſcher Glaube. Ein Sicherer Verwegener Menſch kan zwar ſagen: Jch glaube / daß ein Gott ſey / ich gebe Beyfall ſeinen Worten; aber du Heuchler daß kanſt nicht ſagen / ich glaube an oder in Gott / auch kanſt du dich nicht ruͤhmen / daß dir Gott gnaͤdig ſey / dann Gott ſagt nicht / daß er ohne Ordnung wolle gnaͤdig ſeyn / ſondern allein den bußfertigen Suͤndern / die jhre Suͤnde bekennen / vnd von Her -Act. 13, 48. tzen Rew vnd Leid daruͤber tragen / alſo redet die Schrifft: Es wurden gläubig / wie vil jhrer zum ewigen Leben verordnet / das iſt / die ſichPhil. 2, 12. der Ordnung Gottes vnterworffen hatten. Schaffet daß jhr ſelig werdet mit Forcht vnd Zittern. Wie ſolt ein Knecht / der ſeinem Herrn alles zum Verdrieß thut / ſagen koͤnnen: Jch vertrawe auff meinen Herrn / hab zu jhm eine gute Zuverſicht / er werde mich zum Erben einſetzen / oder ſonſt reichlich belohnen / das were ja eine vnſinnige Hoffnung; viel mehr wenn Knechte vnd Maͤgde jhre Arbeit nicht auffrichtig verrichten /wann159Predigt. wann ſie nicht koͤnnen Rechnung thun von jhrem Haußhalten / duͤrffen ſie der Herrſchafft nit kecklich vnter Augen tretten. Zwar es ſind wol ſolche Freveler / die es den Soͤhnen Jacobs nachthun vnd mit groſſer Verwegen - heit alle Gewiſſens biß hindanſetzen / legen dem alten Vatter Joſephs RockGen. 37, 31, 32, 33. fuͤr die Naſen / tanquam re præclarè geſta, als haͤtten ſie es wol außgerich - tet / dieſen haben wir funden / ſihe ob es deines Sohns Rock ſey oder nicht? das heiſſet Gottes im Himmel geſpottet / der wird auch ſolcher Lent ſpotten / vnd ob ſie gleich den Namen Jeſus im Munde fuͤhren / wie dort jene Teuf - felsbanner die Soͤhne Scevæ: ſo wird ſie der Sathan verlachen vnd ſa - gen: Jeſum kenne ich ſo wol als jhr / wer ſeyd aber jhr?

IV. Es moͤchte ſich ereigen / Non credo deſperabundum bey etlichen / der verzwejffelte Vnglauben / wie an Fr. Spiera einẽ fuͤrnemẽ, Rechts - gelehrte zu Citadella in Jtalia geſchehẽ / der nach dẽ er die einmal wolerkanteapud Slei - dan. l. 21. Evangeliſche Warheit verlaͤugnet / revociret / ruͤckwendig worden / in ſolche vntraͤgliche Gewiſſensangſt gerahten / daß er keinen Troſt mehr auß Got - tes Wort annemen wollen: ſondern / da man jhm Gottes vnendliche Barmhertzigkeit vorgehalten / Chriſti thewer Verdienſt fuͤr Augen gemah - let / er geantwortet / das laͤugne er zwar nicht / aber es gehe jhn nichts an / er ſey von Gott verworffen vnd zur ewigen Verdamniß verſtoſſen / dieſelbe Qual vnd Pein fuͤhle er ſchon in ſeinem Hertzen / er koͤnne Gott nicht lie - ben / er muͤſſe jhn ſchroͤcklich haſſen / in welchen verzweiffelten Gedancken vnd Worten er verharret biß an ſein verfluchtes Ende.

V. Es wuͤrde ſich endlich finden der groſſe Glaube / der tode Glaube / der Lebloſe / Schein vnnd Schatten-Glaub / der Mund vnnd Ruhm Glaub / der ſich in den lebendigen Glaubensfruͤchten nicht be - ſcheinet / gleich einem faulen Zuͤndholtz / ſo in der Nacht offt mit Schrecken leuchtet / aber nicht brennet / noch dem Naͤchſten warm gibt. Es ſind wol ſolche Kuͤnſtler geweſen / die ein ſtatuam oder Huͤltzenbild haben redend gemacht: wann nun ein ſolch Huͤltzenbild redet vnd ſpricht / ich lebe! wird nicht ſeiner lachen wer / das Kuͤnſtlen verſtehet? eben das thut der jenige Heuchler vnd Maul-Chriſt / der ſagt / ich glaub / vnnd beweiſet ſeinen Glauben nicht im Werck: er macht ſein eigen Maul zur Taſchen.

Diß ſind lauter heiloſe Glauben. wehe dem / der darauff beharret! aber wol allen / die von Hertzen auff Gott vnd ſeinen Sohn Chriſtum trawen / die jhn alſo annemen / im[Hertzen] nachmalen vnd nachbilden / wie er ſich in ſeinem Wort vorgemahlet: laufft gleich Schwachheit mit vnter / thut der Sathan ein Verſuch / vnterſtehet das Band zwiſchen Gott vnd Menſchen / vnd alſo das Kind von ſeiner Mutter abzuſchneiden: bildetdir160Die Drittedir GOtt im Himmel als einen Granſam[e]n ein: macht dir auß deinem Creutz ein Straff vnd Zornzeichen: halt dir deß Glaubens definition vnd Art fuͤr / der waare Glaub ſey ein ſtarckes Vertrawen / dein Glaub aber ſey nit ſtarck / ſondern ſchwach vnd bloͤd: Ey ſo laſſe darumb nicht Stecken vnd Stab alſo bald fallen / erhole dich wider auß Gottes Wort / ergreiff das Schwert deß Geiſtes / vnd ſprich: O Sathan / du biſt ein Luͤgner / Gottes Wort lehret mich ein anders / daß mein Heyland das ſchwa - che Rohr nicht zubrechen / noch das glimmende Dacht außloͤ - ſchen wolle / Chriſtus ſey kein Stimpler / ſondern Anfaͤnger vnd Vol - lender deß Glaubens / hat er den Anfang gemacht / ſo werde er jhn auch vol - lenden / ſtaͤrcken / kraͤfftigen / gruͤnden. Der Glaub iſt ein ſtarck Ver - trawen / aber dieſelbe Staͤrck beſtehet nicht in meiner / ſondern in meines HErrn Chriſti Hand / der mich vielmehr ergriffen / als ich jhn. Ein Edel - geſtein in einem guͤldenen Ring wird ſo wol (wiewol nicht ſo ſtarck) von ei - nem Kind als von einem Rieſen ergriffen / vnd gehet doch der Wuͤrde deß ergriffenen Schatzes vnd deſſelben Krafft nichts ab. HErr / ſprich / ich glaube / aber vermehre mir meinen Glauben:

Jch lig im Streit vnd Widerſtreb /
Hilff / o HErr Chriſt / dem Schwachen:
An deiner Gnad allein ich kleb /
Du kanſt mich ſtaͤrcker machen.
Komt nun Anfechtung her / ſo wehr
Daß ſie mich nicht vmbſtoſſen /
Du kanſt maſſen /
Daß mirs nicht bring Gefaͤhr /
Jch weiß du wirſts nicht laſſen.
Ja das weiß ich / daß trawe ich dir zu /

AMEN.

Die161Predigt.

Die Vierte Predigt.

Von des Glaubens Bekantniß.

GEliebte in Chriſto: Jm Buch der Richter wird eine denckwuͤrdi -Iudic. 12, 4. 5. 6. ge Geſchicht erzehlet von den Gileaditern / daß / nach dem ſie die tollen / neidiſchen Ehr - vnd Kriegsſuͤchtigen Ephraiter geſchla - gen vnter dem Obriſten Jephtha / ſo haben ſie bey zeit jhnen / als Fluͤchti - gen den Ranck abgerennet / die Furt des Jordans / als den Paß / eingenom - men / vnd ſo jemand von den Fluͤchtigen oder auch den jhrigen ankommen / ſo haben ſie jhn examiniret vnd gefragt: Biſt du ein Ephraiter? wann er dann gelaͤugnet vnd geſagt; Nein / ſo haben ſie jhn heiſſen ſprechen Schiboleth / ſo ſprach er: Siboleth / vnd konts nicht recht reden / ſo griffen ſie jhn vnd ſchlugen jhn an der Furt des Jordans.

Drey bedenckliche Stuͤck werden vns in dieſer Hiſtoria fuͤrgehalten. 1. die Kriegsloſung der Gileaditer; dann / dieweil ſie jhr vnd des Feindes Volck auß dem Habit vnd andern euſſerlichen Anſehen nicht wol vnterſcheiden konten / ſo haben ſie eine Loſung erdacht / auff daß / wer verdaͤchtig geweſt / ſie jhn dardurch probirten / ob er Feind oder Freund were? dieſelbige Loſung war das Wort Schiboleth. Lutherus verdol - metſchts am Rand eine aͤhr am Korn / heiſſet auch wol eine Landſtraß /Pſ. 69, 3. 16. Mat. 26, 73. oder eine Waſſerflut. 2. Eine ſolche Loſung / die den Ephraitern gefährlich geweſen. Dann gleichwie Petrum ſeine Spraach verrah - ten: Alſo hatten die Ephraiter eine ſonderbare Art zu reden / oder viel mehr einen Mangel / daß ſie das Sch nicht wol außſprechen konten; ſagten demnach Siboleth mit liſpelender vnd ziſchender Spraache / verriehten ſich alſo mit jhrer eigenen Zung / daß ſie feind weren: dergleichen vnter - ſchiedlich idioma vnd Art zu reden befindet ſich auch bey vns Teutſchen; wir Oberlaͤnder ſagen Fiſch / ſo ſagen die Nieder-Sachſen / Fiß: wir ſagen ein Menſch / ſo ſagen die Weſtphalen / ehn Menſk; Alſo gieng es auch den Ephraitern / wie geſagt / jhre eigene Zunge ſchlug ſie / ſie konten die Loſung nicht recht außſprechen. Nicht allein aber war es eine gefaͤhrliche ſon - dern auch 3. denen auß dem Stamm Ephraim hoͤchſtſchaͤdliche Loſung. Dann gleich wie die Gileaditer / ſo vom Streit ankommen / vnd die Loſung wuſten zu ſagen / uͤber den Jordan gluͤcklich durchgangen: Alſo ſind die Ephraiter vmbs Leben kommen / vnd haben den Halß verloh -Iudic. 12, 6. ren / ſo gar / daß zur ſelben Zeit von Ephraim fielen 42000. Mañ / ſo wol in der Schlacht / als im nachjagen in der Flucht. Was meineXLiebſten162Die VierteLiebſten damal an der Furt des Jordans geweſen das Wort Schiboleth / das iſt bey vns Symbolum, der Chriſtliche Glaub. Wir haben auch eine Reiſe fuͤr uͤber den Jordan ins himmliſche Canaan / vnſer Heimat vnd rechte Vatterland; aber der Paß iſt verlegt / es gehoͤret die Loſung darzu / nemlich die Bekantniß des Symboli, das ſtehet im Wort: Jch glaub. Es iſt nicht gnug an dem innerlichen Hertzensglauben fuͤr GOtt dem HErrn / von welchem wir vor acht tagen gehandelt / ſondern es muß auch darzukommen der euſſerliche Mundglaub fuͤr den Menſchen. Jſt auch eine gefaͤhrliche Loſung / denn am recht außſprechen ligt viel / wir muͤſſen nicht mit liſpelender / ſondern mit voller Stimme vnſer Bekantniß thun: nicht mum / mum ſagen vnd Paͤp im Maul haben oder vnterm Huͤtlein ſpielen / daß wir nicht Schiffbruch an vnſer Seelen leiden vnd fuͤruͤberfah - ren muͤſſen / dann da ſtehet ſehr groſſe Gefahr vnd Schaden auff / im FallRom. 10, 10. die Chriſtliche Loſung nicht recht juſt vnd wol außgeſprochen wird. So man von Hertzen glaubt / ſo wird man gerecht / vnd ſo man mit dem Munde bekennet / ſo wird man ſelig. Wollen demnach die Grammatic des heiligen Geiſtes ſtudiren / vnd vnſer Schiboleth recht auß - ſprechen lernen; dazu vns der Vatter aller Gnaden die Krafft ſeines heili - gen Geiſtes vmb Chriſti willen verleihen wolle / Amen.

ZWey Stuͤck ſeyn allhie zu betrachten / I. Confeſſionis quidditas, Was die euſſerliche Glaubensbekantniß ſey / wie dieſelbe geſchehen ſolle. II. Neceſſitas, wie nohtwendig ſie ſeye / vnd worin ſolche Nohwendigkeit beſtehe. Was heiſt dann aber - mal nach Anleitung vnſers erſten Puͤnctleins / Jch glaub? Antwort: Jch bekenn euſſerlich mit Mund vnd Werck meinen beywohnenden Glau - ben / ich bin bereit einem jeden / der nit auß Schimpff / furi oder Grimm vnd vnzimlicher Weiß; ſondern mit Gebuͤhr im Ernſt / Rechenſchafft meines Glaubens von mir begehret / zu antworten / vermoͤg der Apoſtoliſchen Er -1. Pet. 3, 15. innerung: Seyd allezeit bereit zur Verantwortung jedermann / der Grund fordert / der Hoffnung / die in euch iſt. Dann / daß ich vngeheiſſen fuͤr mich ſelbſt mich in Gefahr begeben vnd dem Prieſter die Monſtranz auß der Hand ſchlagen ſolle / das heiſſet Gott nicht; ſondern ich bin ſchuldig auff vorhergehendes rechtmaͤſſiges erfordern meine Be - kantniß zu thun / vnd daſſelb I. ore, mit dem Mund / vnd zwar I. ore pla - no, mit hellem / claren vñ verſtaͤndlichen Mund / ohn alle Deuteley / æquivocation vnd verſchraubte Rede. Arius der beruͤhmte Ketzermeiſterwar163Predigt. war vor zeiten ein Meiſter auff ſolche verdrehete Wort / (α) der auf die Nice -(α) vid. A - thanaſ. o - rat. 1. con - tra Arian Sozom. l. 11. c. 28. niſche Glaubensbekantniß gar geſchworen / vnd damit den frommen Kai - ſer Conſtantinum ſchaͤndlich getaͤuſchet vnter dem Schein / als bliebe er bey dem bloſen Buchſtaben der Schrifft / bekuͤm̃ere ſich nicht viel vmb newe terminos vnd Schulwoͤrter / daher der Kaͤiſer den Wolff fuͤr ein Schaf an - geſehen / vnd widerumb in den Schafſtall einſchleichen laſſen / war aber lau - ter Heucheley vnd geheime falſche Deuteley verborgẽ. deme ſeine Brut vnd Zucht / Die (β) halb-Arianer genennet / die Kunſt abgelernet / vnd gleicher(β) Epipha - nius hęreſ. 73. confer Zenonis ἐνοτικὸν, ἔκϑεσιν Heraclii & τύπον Cõ - ſtantis. (γ) de l. in - terim. vid. Oſiand. cent. 16. l. 2. c. 68. Petr. Svav. hiſt. concil. Trid. l 3. p. m. 323. maſſen mit dem Niceniſchen Symbolo geſpielt / vnd in der Arminiſchen verſamlung zwar bekant vnd geſagt: Jch glaub / daß der Sohn dem Vater gleich ſey aber nit durchauß vnd in allẽ. Vnd wiewol ſie hernach das Woͤrt - lein durchauß hinzugethan / ſo haben ſie doch auß dem Wort gleich eine Deuteley gemacht / gleich / verſtehe nicht aber von einerley Weſen. Gleiches Schrottes vnd Schlages; warauff das vnſelige (γ) interim, da man die Lutheriſche vnd Paͤpſtliche Religion in einen Klumpen zuſammen ge - ſchmoltzen / außwendig war alles Honig vnd ſuͤß / inwendig Gifft vnd Gall verborgen. 2. ore pleno, mit vollkommenen / vngeſtuͤmmleten vnd gantzem Munde / alſo / daß nicht nur angezeigt werde / was war / ſon - dern auch / was falſch vnd irrig: das Liecht vnd Finſterniß / Tag vnd nacht recht voneinander vnterſchiedẽ ſey: 3. ore puro, mit reinem Mund / von Hertzen / ohn alle vnordentliche Affecten, ohne Scham vnd Schew / ohne Furcht / vnſyncerirt / vnſyncretiſirt / das iſt / ohne Miſchmaſch / da man nit weiß / obs gehawen oder geſtochen / halb Hund / halb Leitſch / halb Vogel / halb Mauß. Ebenmaͤſſig kan vnd mag auch ſolche Bekantniß geſchehen.

II. Scripto, mit Schrifften / abermal deutlich / vnverſchraubt / vnſinceriret / anders / als vor dieſem allhie zu Straßburg Hieronymus Zan - chius gethan / deſſen Tuck zum ewigem Gedaͤchtniß in vnſer Kirchen-Ord - nung auffgezeichnet ſtehet. Dann als im Jahr 1563. zwiſchen den hieſigen Theologis vnd Lehrern in der Kirchen vnd Schul ein Vergleichungs - Formul abgefaſſet vnd von ſaͤmtlichen vnterſchrieben worden / hat gemeld - ter Zanchius, der dem Calvino angehangen / mitfolgenden Worten ſeine Meinung vntergeſetzt; Jch Hieronymus Zanchius, wie ich dieſe Form der Lehr fuͤr Gottſelig halte / alſo nimb ich ſie an / wie aber? das ga - ben ſeine Streitſchrifften gnugſam am Tag.

III. Geſtu & ritu, mit Geberden / Sitten / Neigen vnd der - gleichen. Die drey Bekenner Sadrach / Meſach vnd Abednego / haͤt - ten jhrer Haut wol ſchonen koͤnnen / wann ſie nur haͤtten wollen dem auff -X ijgerich -164Die Viertegerichteten Bild mit euſſerlichen Geberden vnd Kniebeugen Ehr anthun / lafiren vnd in die Zeit vnd Leut ſich ſchicken / vnd einen Weg im Hertzen glauben / was ſie gewolt. Aber das war fern von jhnen. Eh Feweroffen / als eintzige Reverentz. Die glaubigen Chriſten in der erſten Kirch ha - ben ſich ſo gar jhrer Religion vnd des (von den Heyden verlachten) ge - creutzigten Gottes nicht geſchaͤmet / daß ſie viel mehr ſich ſelbs an jren Stir - nen mit dem Creutz gezeichnet / vnd mit ſolchen Characteren vnd Creutz - zeichen gepraͤgt / wiewol ſie viel mehr auff das Signatum auff den Creutztod Chriſti geſehen.

(δ) Serm. 20. de verb. Apoſt.
(Daher ſagt Auguſtinus (δ) poterat Apoſtolus gloriari in ſapientia Chriſti, & verum diceret; poterat in majeſtate, in poteſtate & verum diceret; ſed dixit in cruce. Vbi mundi Philoſophus erubuit; ibi Apoſtolus theſaurum reperit, ut qui gloriatur, in Domino glorietur. Quo Domino? Chriſto crucifixo: ubi humili - tas, ibi majeſtas; ubi infirmitas, ibi poteſtas; ubi mors, ibi vita; ſi vis ad illam ve - nire, noli iſtam contemnere, noli erubeſcere, ideò in fronte, tanquam in ſede pudo - ris ſignum crucis accepiſti.) ()

Ferner IV. Factis & vita, mit Wercken vnd mit dem Leben. Gleichwie die jenigen / die ſchaͤndlich vnd aͤrgerlich leben / Gott den HErrn (wiewol nicht mit dem Munde) im Werck vnd in der That verlaͤugnen. Quis magis negavit, qui Chriſtum vexatus, an qui delectatus amiſit? Quide pudic. c. ult. cum averteret, doluit, aut, qui cum amitteret, luſit. ſagt vnd fragt Tertul - lianus das iſt / welcher hat mehr den Glauben verlaͤugnet / der / der Chriſtum wie Petrus verlaͤugnet mit dem Munde / oder der jhn durch ſchnoͤde Wol - luſt verlohren? welcher da er von jhm abkehrete / ſich darvber bekuͤmmerte / oder der jenige / der / da er jhn verlohren / daruͤber Kurtzweil getrieben /? alſo wird im Gegentheil Chriſtus vnd die Chriſtliche Religion bekennet in der That / heiligem Wandel vnd vnaͤrgerlichem Leben: Bekennen iſt kein bloß Mundwerck / ſondern Hertzens - vnd Thatwerck; Chriſtus will an jenem Tage weder kennen noch bekennen / die ſich groſſer Streich außgethan / wie ſie in Chriſti Namen geweiſſaget / Teuffel außgetrieben / vnd andere groſſe Thaten gethan: aber der HErr wird ſie mit der trawrigen Antwort abwei - ſen / ich hab euch noch nie erkant! warumb? daß zwar jhr habt geſagt: HErꝛ / HErr / aber den Willen meines Vatters im Himmel nicht gethan.

V. Societate & conſervatione, mit Geſell - vnd Freundſchafft / da dann vnter der Noht - vnd Churfreundſchafft groſſer Vnterſcheid zu halten: Nohtfreundſchafft heiſſet die Buͤrgerliche Zuſammenwoh -1. Cor. 10, 27. c. 7, 13. nung vnd Bindniß / ohn welche der zeitliche Fried nicht zu erhalten oder zu gewinnen; auch Ehſtand / da allbereit das Beylager gehalten; dahin auchgehoͤren165Predigt. gehoͤren nohtwendige Reiß-Gewerb-Cur - vnd Artzney-Freundſchafft - ſol -1. Reg. 10, 22. Dan. 1, 20. Rom. 12, 18. 1. Cor. 5, 10. Ebr. 12, 14. Deut. 7, 3. 4 che feſt zu halten ſind wir verbunden / wann wir anderſt des allgemeinen Landfriedens genieſſen wollen; was aber anlangt die vngezwungene / freye Churfreundſchafft / da ſoll man ſich enthalten / nicht eintringen / die gefaͤhr - liche Seelenpeſt nicht einnemen / nicht zu ſammen heurahten / gefaͤhrliche Reiſen vnterwegen laſſen / der Juden Artzney muͤſſig gehen / alles wegen des ernſtlichen Verbotes Gottes: Jhr ſollet euch mit den Fremden Reli - gionsverwanten nit befreunden / ewre Toͤchter ſollet jhr nit gebẽ jren Soͤhnen / noch jhre Toͤchter ewren Soͤhnen nem̃en / damit ſie nit abfällig gemacht werden; dann jhr koͤnt nit zugleich trin -1. Cor. 10, 21. cken des HErrn Kelch / vnd der Teuffel-Kelch: Jhr koͤnnet nit zu - gleich theilhafftig ſeyn des HErrn Tiſches vnd der Teuffel Ti - ſches / darumb ziehet nit am fremden Joch mit den Vnglaubi - gen / in betrachtung / daß die Gerechtigkeit kein Genieß hat mit2. Cor. 6. 14 der Vngerechtigkeit / noch das Liecht Gemeinſchafft mit der Finſterniß: meidet die ketzeriſchen Menſchen / wenn ſie einmal vnd abermal vermahnet ſeyn: ſo jemand zu euch kommet / vndTit. 3, 10. bringet keine geſunde Lehre mit / den nehmet nicht zu Hauſe / vnd gruͤſſet jhn auch nicht / das iſt / machet nicht allzu groſſe Freund - oder Bruͤderſchafft mit jhm / laſſet euch von demſelben nicht allzulang auffhalten.

Dazu denn VI. endlich kommet Sanguinis confeſſio die Blutbe - kantniß / da nach goͤttlicher Verhaͤngniß die Confeſſion nicht allein mit ſchwartzer / ſondern auch mit roten Blut-dinten zu vnterſchreiben von noͤhten / die ſtigmata vnd Wundmal des HErrn Jeſu am Leib zu tragen; Jch trage / ſagt Sanct Paulus / die Malzeichen des HErrn JeſuGal. 6, 17. an meinem Leibe / das war ſeine guͤldene Kett / darin er gepranget / wie ſich etwan ein Soldat ſeiner Narben / Schrammen vnd Wundmalen ruͤhmet.

Hierauff folget nun Neceſſitas, die Nohtwendigkeit ſo gethaner Glau - bensbekantniß / dieſelb entſtehet 1. ex mandato, auß dem Befehl Gottes / der erfordert durch den Mund S. Petri / daß ein Chriſt bereit ſey allezeit zur Verantwortung jederman / der Grund fordert der Hoff - nung / die in jhm iſt / die herrlichen exempla heroiſcher Bekenner vnd Maͤrtyrer leuchten vns fuͤr Augen / Chriſti Jeſu zuvorderſt ſelbſt / der vn -X iijter166Die Vierteter Pontio Pilato bezeuget hat ein gut Bekantniß. 2. der hei -1. Tim. 6, 13 ligẽ Apoſtel / Petri vnd Johannis / welche mit groſſer Frewdigkeit zu den Oberſten des Volcks / vnnd zu den Elteſten von Jſrael / ſprechen:Act. 4, 13. 19 Richtet jhr ſelbs / obs fůr Gott recht ſey / daß wir euch mehr ge - horchen / dann Gott? wir koͤnnens ja nicht laſſen / daß wir nicht reden ſollen / was wir geſehen vnd gehoͤret haben. Jtem Pauli /c. 24, 14. welcher zu dem Landpfleger Felice geſagt: das bekeñe ich aber dir / dz ich nach dieſem Wege / den ſie eine Secte heiſſen / diene ich alſo dem Gott meiner Vaͤtter / daß ich glaube allem / was geſchrieben ſte - het im Geſetz vnd in den Propheten. 3. der Maͤrtyrer / Exu - lanten vnd Bekenner der Warheit / deren viel tauſend vnter den Heydniſchen Tyrannen vnd dem Antichriſtiſchen Papſtthum jhr Leben nicht thewer gehalten / ſondern vmb Chriſti willen dahin geworffen. So bald Nero der Bluthund vnd Chriſtenmoͤrder al arma geblaſen durchde Script. Eccleſ. in Apollon. ſein blutdũrſtig Edict, deſſen Hieronymus gedencket / welches alſo gelautet: Quisquis Chriſtianum ſe confitetur, is tanquam generis humani convi - ctus hoſtis ſine ulteriori ſui defenſione, capite plectitor. Das iſt / wer ſich nur fuͤr einen Chriſten bekennet / der ſoll als ein uͤberwieſener Feind des menſchlichen Geſchlechts / ohne fernere ſeine Verantwortung am Leben geſtrafft vnd hingerichtet werden; ſo haben ſich die Chriſtliche Ritterſpiel erzeigt / die Streiter Jeſu Chriſti haben ſich auff dem Kampffplatz willig vnd mit groſſer Frewdigkeit eingeſtellet / ſind getroſt vnd vnverzagt an die Marter gegangen. Als Polycarpo zugemuhtet wurde / er ſolte bey dem Gluͤck des Kaiſers ſchweren: Antwortet er: das kan ich nicht / dann ich bin ein Chriſt / demſelben meinem Herrn habe ich ſo viel Jahr gedie - net / er hat mir nie nichts leides gethan / warumb ſolte ich dann jetzt jhn verlaͤugnen? wie viel exilia vnnd Vngemachs Athanaſius wegen vnſers Niceniſchen Symboli außſtehen muͤſſen / iſt auß der Hiſtoria bekant; wie iſt doch Lutherus ſo frewdig geweſen / da er im Jahr 1521. gen Wormbs gezogen / daß er ſich vernemen laſſen / wann gleich auch ſo viel Teuffel drin - nen weren / als Ziegel auff den Daͤchern / ſo wolte er den noch erſcheinen /vid. Luth. tom. 1. p. 444. wie dann geſchehen / als er Mitwochs nach Miſericordias vmb vier Vhr nachmittage ankommen / ſtiegen die Leut auff die Haͤuſer vnd Daͤcher / den Martinum zu ſehen: Als die Augſpurgiſche Confeſſion oͤffentlich fuͤr dem Roͤmiſchen Kaiſer abgeleſen worden / erclaͤrte ſich Marggrav Georg von Brandenburg / er wolte ſich ehe laſſen den Kopff abhawen / als ſeinenGott167Predigt. Gott vnd deſſelben Evangelium verlaͤugnen. Es hat aber auch der HErr ſeinem Befehl groſſe vnd anſehnliche Verheiſſung angehaͤngt mit entge - gengeſetzten Bedrawungen: wer mich bekennet / ſagt Chriſtus / fůrMatth. 10, 32. 33. den Menſchen / den will ich auch bekennen fuͤr meinẽ him̃liſchen Vatter wer mich aber verlaͤugnet fuͤr den Menſchen / den will ich auch verläugnen fuͤr meinem him̃liſchen Vatter: Jtem / will mir jemand nachfolgen / der verläugne ſich ſelbs / vnd nem̃e ſeinc. 16, 24, 25, 26. Creutz auff ſich / vnd folge mir: denn wer ſein Leben erhaltẽ will / der wirds verlieren; wer aber ſein Leben verleuret vmb meinet willen / der wirds finden: was hilffts den Menſchen / ſo er die gantze Welt gewinne / vnd neme doch ſchaden an ſeiner Seele? Jtem / wer ſich mein vnd meiner Wort ſchaͤmet / des wird ſichMarc. 8, 38. auch des Menſchen Sohn ſchaͤmen / wenn er kommen wird in der Herrligkeit ſeines Vatters mit den heiligen Engeln. Denn dulden wir / nach der Erinnerung des Apoſtels / ſo werden wir mit herrſchen; verlaͤngnen wir ſo wird er vns auch verlaͤugnen / da -2. Tim. 2, 12. rumb draͤwet abermal der Sohn Gottes dem Engel der gemein zu Lao - dicea: Jch weiß deine Werck / daß du weder kalt noch warmApoc. 3, 15. 16. biſt / Ach daß du kalt oder warm wereſt; weil du aber law biſt / vnd weder kalt noch warm / werde ich dich außſpeyen auß mei - nem Munde. Allermaſſen wie ein ſolcher Geſell vnnd Wetterhan Ecebolius vor Zeiten geweſen / κου̃φος καὶ ἐυχερὴς πρότερον τε καὶ ὕςερον, leicht - fertig vnd willig ſo wol vor als hernach / welche Religion geng vnd gebe geweſen / die war die ſeine / er wuſte ſich gar artig in die Koͤpffe vnd Arten der Kaiſer zu richten / vnd den Mantel nach dem Winde zu haͤngen; ſo lange Conſtantius regirte / ſtellete er ſich / als wann er mit ſonderlichem Eifer dem Chriſtlichen Glauben zugethan; da Iulianus zur Regirung kam / ließ er ſich vernehmen / als wann er mit groſſer Andacht dem Heydenthum beypflichtet; vnd als Iulianus geſtorben / hat er jhm vor vnd in Sinn ge - nommen / die Chriſtliche Religion wiederumb vnd von newem zu beken - nen / dann er fiel fuͤr der Kirchthuͤr zu Boden / vnd ſchrye mit lauter Stimm: me, me ſalem inſipidum pedibus conculcate. Zertrettet mich / mich vn -Matth. 5, 13. geſchmacktes oder thummes Saltz nur mit Fuͤſſen. Es werden zwar ſolche vnbeſtaͤndige Eceboli auch bißweilen in dieſer Zeit vnd Welt zu Schanden vnd bekommen jhren verdienten Lohn: Als Conſtantius Chlo -vid. Euſeb. rus168Die Viertel. 1. c. 11. de vit. Conſt. M. p. 230.rus einesmals ſeiner Hoffleut Gemuͤhter / vnd ob ſie in der Religion be - ſtaͤndig / erforſchen wolte / ſich ſtellete / als wolte er von dem Chriſtenthumb ſich zu dem Heydenthumb begeben / vnd gebot ernſtlich / daß die jenigen / ſo Chriſtum nicht verlaſſen wolten / aller Wuͤrden vnd Ehren entſetzet wer - den ſolten / ſie ſolten Opffern oder ſeines Hoffs muͤſſig gehen: da dann alsbald der meiſte Theil der Hoffſchrantzen von dem Chriſtlichen Glauben abgeſprungen / vnd wenig beſtaͤndig blieben; da ſolches Conſtantius geſe - hen / hat er ſein Gemuͤht entdecket / die Abtruͤnnigen hefftig geſcholten / vnd als Gottes-vergeſſene ſeiner Dienſte vnwuͤrdig geachtet / alſo vom Hoffe abgeſchaffet: dann / ſprach er / wie ſolten ſie dem Kaiſer Trew vnd Glauben vnverbruͤchlich halten koͤnnen / welche gegen Gott dem Allmaͤchtigen der Trewloſigkeit oͤffentlich uͤberwieſen. Ebenmaͤſſig ließ auch Theodoſius Koͤnig in Jtalien einen Diaconum oder Capellan / der vmb ſein deß Koͤ - nigs willen zur Arianiſchen Ketzerey gefallen / enthaͤupten / dann / ſagt er / wer ſeinem Gott nicht getrew iſt / wie will er ſeinem Koͤnig Glauben halten? Jſt aber nichts gegen der ewigen Schmach vnd Schand / die ſolche Leute am Juͤngſten Gericht uͤber ſich werden ergehen laſſen muͤſſen / da der ge -Mat. 7. 23. Eſa. 66, 24. ſtrenge Richter zu jhnen ſagen wird: Jch kenne euch nicht / jhr leicht - fertige Mammelucken / fort mit euch ins ewige Fewer / da jhr Wurm nicht ſterben / noch jhr Fewer verloͤſchen wird; ſondern ſie allem Fleiſch ein Grewel ſeyn werden. So im Gegentheil Kaiſer Con - ſtantinus Paphnutii, Spiridionis vnd anderer Bekenner jhre Mahlzeichen / welche ſie von der Marter gebracht / gekuͤſſet / vnd dieſelbe verehret; wie viel mehr wird Chriſtus holdſelig empfangen / hertzen / kuͤſſen vnd begaben alle / die vmb ſeines Namens willen hie Schimpff / Schmach / Qual vnd Pein außgeſtanden?

Diſes ſolten nun hoͤren vnd jhnen laſſen zu Hertzen gehen vnſere Eu - ripiſten, Wetterhaͤn / Heuchler vnd Ecebolii. 1. die muthwillige Igno - ranten / die auff gerahte wol bekennen / was ſie ſelber nit verſtehen. Wenig ſind vnter vns / die ſich nit zur Augſpurgiſchen Confeſſion bekennen / aber vnter zehen ſolte man ſchwerlich einen finden / der dieſelbige / ich will nicht ſagen / verſtehen / ſondern geleſen habe. 2. die Sceptici die Zweiffeler / die nimmer keine ſatte / duͤrre reſolution von ſich geben / ſondern wancken / vnd wollen nicht mit der Spraach herauß / haben / wie man pflegt zu ſagen / Brey im Mund / wie die Arminianer im Niederland / bey denen es heiſſet: nunquam dixi, ſed nec negavi: hærere me fateor, non liquet: Jch habe zwar dieſe Meinung vnd Lehr niemals bejachzet oder beſtritten / hab ſie aberauch169Predigt. auch nicht gelaͤugnet oder verworffen: hie ſtehe ich an! ich weiß nicht / was ich darzu ſagen ſoll. Oder wie andere den Kopff auß der Schlin - gen ziehen / vnnd ſagen / ſie wolten zwar wider die formulam concor - diæ oͤffentlich nichts predigen / ſchreiben vnnd ſagen / aber man ſolte jhnen auch die Freiheit laſſen / nicht ſchuldig zu ſeyn derſelben zu vnter ſchreiben / oder nach vnnd mit derſelben oͤffentlich zu lehren. 3. Die Eclectici vnd Waͤhler / die auß allen Religionen das beſte herauß klauben / vnnd von den Dornen Feigen leſen / oder Willkuͤhrer / rechte Sophiſtiſche Fledermaͤuß / denen die Paͤpſtiſchen / als Thomæ de Kempis vnd andere Buͤcher / ſo wol belieben / daß ſie ſie den vnſerigen weit vorzie - hen: gegen Drexelii Biſam / haͤtte ſchier was anders geſagt / muß vnſers Koth ſeyn / vnſere Buͤcher ſtincken / was aber die fremden Goͤtter ſchreiben / das ſeyn lauter Evangelia / da durch junge / zarte / fuͤrwitzige Gemuͤhter / die noch kein diſcretion bey ſich haben / leichtlich moͤgen verfuͤhret vnd ange - ſteckt werden. 4. Libellatici die Beichtzedler / welche in Jtalia / Hiſpa - nia vnd anderswo jhnen laſſen Beichtzedul geben / ſo ſie vmbs Gelt er - kaufft / auff daß ſie fuͤr gut Catholiſche Chriſten angeſehen vnd geduldet wuͤrden / ſchleppen ſich vnter deſſen mit roten Creutzen / Weihwaſſer vnd dergleichen Ceremonien / laſſen ſich beduͤncken / wann nur das Hertz gut Evangeliſch ſeye / ſo habe man die euſſerlichen Ceremonien nicht ſo genaw in Acht zu nehmen; die Scheinbehelff / damit ſolche Heuchler ſich vnter - ſtehen außzuhalfftern / ſeyn zu anderer Zeit beantwortet vnd abgetrieben worden. 5. Abnegatores morales / die Ruch - vnd Gottloſe Maul -Catechiſ. Milch part. 3. pag. 437. Chriſten / die Chriſtum im Wandel vnd Leben verlaͤugnen; ſind / was den Namen betrifft / Chriſten; aber im Leben rechte Wider-Cchriſten / tra - gen das Evangelium auf der Zungen / laͤſtern daſſelb in der That / ſind gut Lutheriſch im Fleiſcheſſen / in Vnterlaſſung der Bilder-goͤtzerey / aber ſollen ſie faſten vnd den Leib caſteyen / das heiſſen ſie Paͤpſttiſch vnd Moͤnchiſch le - ben. 6. Molles martyres, die zarten Maͤrtyrer vnd Heiligen / die zurIoh. 12, 42. Zeit der vorigen Verfolgungẽ kein Schwein vmb der Religion willẽ dahin - den gelaſſen in der Nachbarſchafft / vnd doch jetzt vmb alles kom̃en: ſo mach - tens jene Oberſten der Juden / die auß Forcht der Phariſeer Chriſtum nit bekennen wollen / auff daß ſie nit in den Bann gethan wuͤrden. 7. Die æqui - vocanten, welche zwar einerley Wort fuͤhren / vnnd blecken wie die Schaf / aber jhr Sinn vnd Verſtand iſt anders / ſo gar / daß nach jhrer Mei - nung / die ſie ſich heutigs tages Lutheri Namens nit beſchaͤmẽ / ſondern Lu - theraner heiſſen / vñ ſich zur Augſpurgiſchen Confeſſion bekennen / die ſinds vnd ſollens nit mehr ſeyn im gegentheil die alſo uͤbelgenanten reformirten,Ydie170Die Viertedie ſeyen die rechte Kern-Lutheraner vnd der Augſpurgiſchen Confeſſion -(ε) pag. 163. 275. verwandte / wie dergleichen newe Fuͤnde vnnd Auffzuͤge in D. (ε) Hutteri Calviniſta Aulo Politico mit Verwunderung zu leſen / vnd widerleget ſeyn; wann mans bey Liechte beſihet / ſo lieget der Schalck vnter einer æquivocation verborgen / daß man die Wort anderſt deutet vnd verſtehet / als die beſtaͤndige Bekenner von der Zeit an / als ſolche Confeſſion abgeleget worden / verſtanden vnnd außgeleget. 8. die Syncretiſten vnd Religionsmiſcher / deren Meinung dahin gehet / es ſeyen allein die jenige Artickel / ſo im Apoſtoliſchen Glauben verfaſſet / zu wiſſen / zu glauben /vid. myſte - rium Syn - cretiſmi, & Sigalion. vnd zu bekennen zur Seligkeit noͤhtig / im Gegentheil ſeye man eben nit ver - bunden zu glauben / vnd zu bekennen was noch vnter den Theologis vnd Lehrern ſtreitig / ſonderlich was das quomodo? oder die Frag wie? an - langt; gnug ſey es zu wiſſen / das Gott woll / daß eine ewige Gnadenwahl ſey / ob aber dieſelbe bloß oder bedinget? gnug / daß in Chriſto GOtt vnd Menſch eine Perſon ſey / ob aber der Menſchheit Goͤttliche Eigenſchafft vnd Namentlich die Majeſtaͤt vnd Allgegenwertigkeit mitgetheilet wor - den? gnug / daß wir im heiligen Abendmal den Leib vnd Blut Chriſti empfahen; ob aber im Brod oder am Brod? gnug / daß wir durch den Glauben an Chriſtum ohne die Werck des Geſetzes durch ſeine Gerech - tigkeit ſelig werden; ob aber der Glaub nur faͤhig mache zu empfa - hen die Gnad / oder ob er das Inſtrument vnd Mittel ſey die Verdienſt Chriſti zu ergreiffen? ob alle Werck / oder nur / die vor der Rechifertigung hergehen / außgeſchloſſen? ob wir durch Chriſti zugerechnete oder einge - goſſene Gerechtigkeit fuͤr Gott gerecht werden? dieſes vnd dergleichen al - les ſeyen Gezaͤncke / koͤnnen ohne Nachtheil der Seligkeit wol vnerkant vnd vnbekennet verbleiben: gnug ſey es einfaͤltig glauben vnd fromb leben; wer auſſer dem Apoſtoliſchen Glauben eine andere opinion vnd Wahn hat / derſelbige ſey friedlich zu dulden / mit oͤffentlichen elenchis vnd Can - tzelgeſchrey nicht anzufallen / viel weniger zu verdammen. O ſchoͤner Engel des Liechts / wie haſt du dich ſo ſchoͤn geputzt / vnd ſtecket doch ein ſol - cher abſchewlicher Butz / nemlich die Samaritiſche Fledermauß vnd groſſe / das iſt / Altheiſtiſche / vngoͤttliche Religion vnter deinem Engels-Kleid verborgen! wie gar iſt es dir vmb was anders zu thun / als es ſcheinet? wie liſtig vnterſteheſt du durch deine falſchgenante Philoſophia des edlen Klei - nods der Goͤttlichen / wiewol angefochtenen Warheit / vnd Vermahnung des Evangeliſchen Troſts / ſo auß den im mittel gelaſſenen ſtreitigen Lehren herfleuſt / vns zu berauben. Jſt doch keine vernuͤnfftige Haußmutter ſo ſaumſelig / daß ſie ſich nicht ſolte uͤber die Nohtdurfft jhrer Speißkammerauch171Predigt. auch mit Artzneyen / heilſamẽ diſtillirten Waſſern / præſervativen, Tyriack / Hirſchhorn vnd dergleichen verſehen / auff daß / wann boͤſe Lufft / anſtecken - de Seuchen / vnd Peſt einsmals jhr Hauß uͤberfallen ſolle / ſie ſich erweh - ren oder vorkommen koͤnne: Warumb ſoll denn ein Chriſt ſein Glau - bensbekantniß / ſo bloß vñ wehrloß halten / daß er nit auch ſich auf allerhand Anfechtungen / mit heilſamen Troſtlehren auſſer dem was außdrucklich im Symbolo zu finden / verwahren ſolte? vnd welcher Erb contentiret ſich mit dem Legat oder Verlaſſenſchafft allein / ſo vnſtreitbar liquid vnd rich - tig / laͤſſet vnterdeſſen das andere vnrichtige fahren vnd vnerſucht? deiner Meinung nach ſeyn alle drey Religionen / die Lutheriſche / Paͤpſtiſche vnd Calviniſche (auſſer dem uͤberwitzigen Schulgezaͤnck) im Fundament vnd Grund des Apoſtoliſchen Glaubens einig / darumb mag man wol fremder Religion zugethane zu Hoff leiden / in Policeyen auffkommen laſſen / vnd alſo den Libertinismum, Freyſtellung der Religion mit vollen Segeln ohn Widerſprechen einfuͤhren. Thoren vnd Dippel ſind geweſen / ſo wol die Stand - vnd Gewiſſenshaffte Bekenner / die ſich vom Papſtthumb durch die Augſpurgiſche Confeſſion trennen laſſen: Als alle / die biß dato auß dem Babylon außgangen / ſie haͤtten ja wol bleiben koͤnnen / haͤtten ſich in vnnoͤhtige Gefahr nichtbegeben ſollen / ſo das Fundament des Glaubens allerſeits gut vnnd juſt / das uͤbrige Schulwerck; auff ſolche Weiß wird niemand Henricum den Vierten Koͤnig in Franckreich verdencken koͤn - nen / daß er ſich zum Papſtthumb bekennet / dann nach dem er gehoͤret von ſeinen eigenen miniſtris vnd vorigen Religionsverwandten / die Paͤpſti - ſche Religion ſey im Fundament vnverdamlich / man koͤnne dabey wol ſelig werden / hat er hierauff geſagt / er wolle lieber einen ſichern Weg gehen / blei - be er bey jener (der reformirten Religion) ſo ſage die Paͤpſtiſche Partey / er muͤſſe bey derſelben verdamt werden: ſchlage er ſich aber zur Paͤpſtiſchen Religion / ſo ſeye man beiderſeits geſtaͤndig / daß er dabey keinen Schaden noch Schiffbruch ſeiner Seelen zu befahren hab. Zeit vnd Ort leidet nicht in dieſer materiâ tieffer hinein zu gehen / wird zur andern Zeit vnd Ort geſchehen. Gnug fuͤr dieſesmal. Gott der Himmliſche Vatter geb durch ſeinen H. Geiſt / als ohn welchem niemand einen Herrn nennen kan / wie alle auch politiſche Warheit in Rahtſtuben / Cantzeleyen / Conventen ohne Furcht vnd Schew / alſo inſonderheit die Religions-Warheit Chriſt-rit - terlich zu verthaͤdigen / zu bekennen / vnd zu halten / auff daß Chriſtus vnſer HErr vns auch an jenem Tag fuͤr die ſeinen bekenne / vnd ſolches Bekaͤnt - niß vns in der Ewigkeit reichlich genieſſen laſſe / Amen.

Y ij172Die Vierte

Wort D. Lutheri.

Tom. 3. Ie - nenſ. daß die Wort & c. fol. 341.

Wir arme Suͤnder / die wir gar ohn Geiſt ſind / ſagen wider ſolche heilige Chriſten auß dem heiligen Evangelio alſo / wer Vatter vnd Mutter Weib vnd Kind / Hauß vnd Hoff / dazu ſeine Seele mehr liebet dann mich / der iſt mein nicht werth: vnd abermal / Jch bin nicht kommen Frieden auff Erden zu geben / ſondern das Schwert. Vnd Paulus: wie reimet ſich Chriſtus vnd Belial zuſammen? Sollen wir nun Chriſtlich eins ſeyn / vnd Chriſtlich Lieb zu jhnen haben / ſo muͤſſen wir jhre Lehr vnd Thun auch lieb haben / vnd vns laſſen gefallen / oder jhn zum wenigſten dulden. Daß thu wer da will / ich nicht / dann Chriſtlich Einigkeit ſtehet im Geiſt / da wir ei - nes Glaubens / eines Sinnes / eines Muhtes ſind. Epheſ. 4. das wollen wir aber gern thun / weltlich wollen wir mit jhnen eins ſeyn / das iſt / leiblichen / zeitlichen Frieden halten. Aber geiſtlich wollen wir ſie meiden / verdam - men vnd ſtraffen / weil wir Odem haben / als die Ketzer / Gottes Wort Ver - kehrer / Laͤſterer vnd Luͤgner: daneben von jhnen leiden / als von Feinden / jhre Verfolgung / vñ Zertrennung / ſo fern vnd lang Gott leidet / vnd fuͤr ſie bitten / auch er mahnen / daß ſie ablaſſen / aber in jhr laͤſtern willigen / ſchwei - gen / oder billigen wollen oder koͤnnen wir nicht thun.

Et mox. Darumb moͤgen wir wol ſolchen Schwermern vnd Gei - ſtern / die vns den Frieden anbieten / ſagen / wie Chriſtus zu ſeim Verraͤh - ter Juda im Garten ſprach / o Juda verraͤhteſt du alſo des Menſchen Kind mit einem Kuß? Ja freylich ein Juͤdiſcher Friede / vnd verraͤhter - licher Kuß iſt das / da ſie vns wolten freundlich ſeyn / vnd an vns erlangen / wir ſollen ſtillſchweigen / vnd zu ſehen jhrem Brand vnd Mord / damit ſie ſo viel Seelen ins helliſche Fewr ewiglich bringen / vnd wollen fuͤr gering vnd nichts gehalten haben.

Tom. 7. Ie - nenſ. fol. 318. p. 2.

Es fahen wol jetzt etliche Kluͤglinge an zu flicken / wollen den Sachen rahten / vnd den Hadder ſchlichten / geben fuͤr / man ſolle auff beiden Seiten weichen vnd nachgeben. Die laſſen wir zwar machen vnd verſuchen / was ſie koͤnnen: goͤnnen jhnen der Muͤhe wol. Werden ſie aber den Teuffel from vnd mit Chriſto eines machen / ſo ſind ſie die Erſten. Jch halt aber / es ſey mit ſolchem Flickwerck eben (wie Jeſus Sirach am 22. C. ſagt) als wann man Scherben wolt zuſammenflicken. Vnd ſind zwar bereit der Schuſter viel geweſen / ſo ſichs vnterſtanden / aber auch vm bſonſt gearbeitet / vnd beide Drath vnd Stich verlohren. Jn andern Sachen was vnſers Thuns iſt / oder Ceremonien vnd dergleichen euſſerliche Ding be - trifft / da mag man ſich vergleichen vnd flicken was man kan. Aber wasden173Predigt. den Glauben vnd Chriſti Reich belanget da man ſeinen Scepter will beuͤ - gen vnd Vngrad machen / da will er kein beſſern noch flicken haben / vnd ſo man ſichs vnterſtehet / ſo macht mans nur damit aͤrger / daß mans gar ver - leuͤrt. Dann diß Scepter ſoll vnd muß gantz vnd gerade bleiben / ohn alle Bruͤchen vnd Luͤcken / als die Regel vnd Maß / darnach man glauben vnd leben ſoll. Es fehlet ſolchen nichts anders / dann daß ſie die Sachen nur von auſſen anſehen / wie es fuͤr Augen gehet / vnd was wir ſind vnd thun. Da ſie ſolten zum erſten ſehen / was vnd weß die Sache iſt / wenn es Men - ſchen Haͤndel vnd Thun weren / vnd in vnſer Macht ſtuͤnde hierin zu thun vnd laſſen / als in andern Weltſachen vnd Regiment / ſo wolt ich getroſt rahten vnd helffen / mit wehren vnd ſtraffen / daß man der Sachen muͤſte eins werden. Weil wir aber hoͤren vnd ſehen / daß es dieſes HErrn Reich vnd Scepter iſt / der zur Rechten Gottes ſitzet / vnd Gott jhnen heißt herr - ſchen vnter ſeinen Feinden / wer ſind wir dann / daß wir dieſen HErrn mei - ſtern vnd lehren wollen / daß er ſoll ſeinen Feinden dem Teuffel vnd der Welt weichen vnd nachgeben?

Darumb heißts / rund vnd rein / gantz vnd alles geglaͤubt / oder nichtsE Confeſ - ſione mi - nori Tom. 8. Ienenſ. fol. 199. geglaͤubt. Der heilige Geiſt laſſet ſich nicht trennen / noch theilen / daß er ein Stuͤck ſolt warhafftig / vnd das ander falſch lehren vnd glauben laſſen. Ohn wo ſchwache ſind / die bereit ſind ſich zu vnterrichten laſſen / vnd nicht Halßſtarriglich zu widerſprechen. Sonſt wo das ſolt gelten / daß einem jeden ohn Schaden ſein muͤſte / ſo er einen Artickel moͤcht laͤugnen / weil er die andern alle fuͤr recht hielte (wiewol im Grund ſolches vnmuͤglich iſt.) So wuͤrde kein Ketzer nimmermehr verdamt / wuͤrde auch kein Ketzer ſeyn koͤnnen auff Erden. Dann alle Ketzer ſeyn dieſer Art / daß ſie erſtlich allein an einem Artickel anfahen / darnach muͤſſen ſie alle hernach vnd alleſamt verlaͤugnet ſeyn / gleichwie der Ring / ſo er eine Borſten vnd Ritz krieget / taug er gantz vnd gar nicht mehr. Vnd wo die Glocken an einem Ort berſtet / klinget ſie auch nichts mehr / vnd iſt gantz vntuͤchtig.

Weil zu der Zeit vnſere Lehre new vnd uͤber die Maſſen aͤrgerlich warIbid. fol. 201. excu - ſat tolerã - tiam eleva - tionis in Sacramen - to. in der gantzen Welt / muſte ich ſaͤuberlich fahren / vnd vmb der Schwachen willen viel nachlaſſen / daß ich hernach nicht mehr thaͤt / ließ alſo die Elevation bleiben / weil ſie doch eine gute Deutung haben kunte.

Y iijDie174Die Erſte

Die Erſte Predigt.

Vber den Erſten Artickul der Schoͤpffung / Beweiß daß ein Gott ſey.

GEliebte in Chriſto: Wann der hocherleuchte Apoſtel S. Paulus die Endvrſach anmelden will / warumb Gott der HErr / von eines Menſchen Blut den gantzen Erdbodem angefuͤllet / aller Men - ſchen Geſchlecht denſelben zu bewohnen eingeraͤumet / vnd jhnen zuvor Ziel geſetzt / wie lang vñ weit ſie wohnen ſollen; ſo ſagt er es ſey geſchehen darum̃ /Act. 17. 26. 27. daß ſie den HErrn ſuchen ſollen. Ob ſie doch jhn fuͤhlen vnd findẽ moͤchten? Jn der Griechiſchen Spraach ſtehet gar ein bedencklich vnd Emphatiſch Wort / ψηλαφήσειαν ἀυτὸν. Ει ἄραγε ψηλαφήσειαν ἀυτὸν, das Wort ψηλαφήσειαν, komt her von ψάλλω vnd ἅπτω, von begreiffen der Seiten an einem Seitenſpiel / als da iſt ein Harff / Laut oder Pfalter / wel - che man mit Fingern greiffen pflegt. Gibt damit zu verſtehẽ / daß der Menſch ſeye 1. Homo cæcus, gleichſam ein blinder Lauten oder Harffen - ſchläger / der blind an die Welt gebohren / mehr nicht als einen kleinen Glaſt / von des Himmels Sonne / dem Allmaͤchtigen Gott ſihet / vnd ſich mit Greiffen vnd Taſten behelffen muß. Gott iſt ein Liecht / aber vnſere1. Tim. 6, 16. Ad Auto - lycum. ſterbliche ſuͤndliche Augen ſind viel zu dunckel denſelben zu ſchawen. Non quod oculi tui non vident, Sol luminoſus non eſt ſagt Theophylactus, das iſt / die Sonn iſt deßwegen nicht dunckel vnd vnclar / weil deine Augen dieſelbe nicht ſehen koͤnnen. Jtem / quomodo homo poſitus in Sole - cus, præſens eſt illi Sol, ſed ipſe Soli eſt abſens, Solẽ ſentit, non videt, gleich - wie ein blinder Menſch / wann er in die Sonn hinauß vnter den freyen Himmel ſihet / ſo iſt jhm die Sonn zwar gegenwaͤrtig / aber er iſt fern von der Sonnen / er ſpuͤret / vnd empfindet zwar die Sonne / aber ſihet ſie nicht /Ep. 120. ad Honorat. c. 1. l. a. min. Metaphyſ. ſind Wort Auguſtini. Ariſtoteles hat ſolche Blindheit ſelbſt erkennet / darumb ſchreibt er: ὥσπερ τὰτῶν Νυκτερ〈…〉〈…〉 δων ὄμματα πρὸς τὸ φέγγος ἔχει τὸ μεθ᾽ ἡμεραν: ου῞ τω καὶ τῆς ἡμετέρας ψυχῆς νους πρὸς τὰ τῆφύσει φανερώτατα πάντων: auff Teutſch alſo. Gleichwie es ſich verhaͤlt mit dem Geſicht der Fledermaͤuß bey hellem Tage / oder Sonnenſchein / Ebenermaſſen iſt auch der Verſtand vnſerer Seelen beſchaffen / in denen Sachen / die jhrer Natur vnd Eigenſchafft nach / am aller herrlichſten / ſcheinbarſten vnd fuͤr - trefflichſten beſchaffen ſeyn. Wann der blinde Menſch von Gott redet / ſo redet er wie der blinde von der Farb: Es ſaget aber der Apoſtel hernach daß ein ſolcher blinder Menſch ſey II. ad pſalteria poſitus, zum Pſalter -ſpiel175Predigt. ſpiel geſetzt / zur Harffen oder Lauten / εἰ ψηλαφήσειε, ob er auff der Lauten ſchlagen / Gott fuͤhlen greiffen vnd finden moͤchte? Ein blinder Menſch ſtoͤſt allenthalben an / er ſucht Handleyter / wie Elymas: Es begibt ſich aber /Act. 13, 11. daß er vngefehr an ein Lauten oder Harffen ſtoͤſt / ſo gibt ſie alsdann einen Thon von ſich / klingt vnd ſchallt / da mercket er was fuͤrhanden ſey / ob ers gleich nicht ſihet. Alſo ſtellet vns Gott die gantze Creatur vor / als ein Pſal - terſpiel / die gibt einen Thon von ſich / nemlich von welchem David redet / die Himmel erzehlen die Ehre Gottes / vnd die Veſte verkuͤndi -Pſ. 19, 2. 3. 4. get ſeiner Haͤndewerck. Ein Tag ſagts dem andern / vnd eine Nacht thuts kund der andern / es iſt keine Spraach noch Rede / da man nicht jhre Stimme hoͤre. Jſt nicht dem Buchſtaben nach zu verſtehen / wie vor Zeiten Pythagoras, eine ſolche ſymphoniam vnd Zu - ſammenſtimmung des Himmels ſoll erdacht haben / aber von Ariſtotelel. 2. de cœl. c. 9. recht widerlegt worden / ſondern verbluͤmter Weiſe: dieweil ſie allzumal mit jhrer Hoͤhe Figur vnd ſchoͤnen geſtalt von jhrem Schoͤpffer zeuͤgen vnd hierin einmuͤtig uͤbereinſtimmen. Von dem Koͤnigreich China melden die Hiſtorien / daß in demſelben ein jede Provintz jhre eigen Spraach habe / vnd verſteht kein die ander / aber vnter deß brauchen ſie eine Art zu ſchrei - ben / da nicht Syllaben / ſondern die Woͤrter vnd Sachen an ſich ſelbſt auß - gedruckt werden / daß koͤnnen ſie alle verſtehen. Ein ſolcher allgemeiner Schall iſt wuͤrcklich vnd thaͤtig / die allgemeine Stimm vnd Rede / daß alle Creaturen ſprechen / Deus eſt, es iſt ein Gott. Vnd dis iſt auch der erſte Schall / in dem erſten Articul vnſers vorhabenden Symboli; nemlich / daß ein Gott ſey / deſſen wir vor allen Dingen muͤſſen gewiß ſeyn / dann wer zu Gott kommen will / der muß glauben daß er ſey;Heb. 11. 6. vnd denen / die jhn ſuchen ein Vergelter ſeyn werde. Wir wol - len meine Liebſten / dem Koͤnig David nachfolgen vnd Ew. Lieb nach An - leitung des ſechſten vnd zwoͤlfften Pſalms / daß〈…〉〈…〉 oder Jnſtru - ment von acht Seiten vortragen vnd hoͤren / was eine jede Seite fuͤr eine Stimme werde geben. Gott der Himmliſche Vatter oͤffne vns das Hertz ſolchen Schall wol zu hoͤren / vnd demſelben heilſamlich zu faſſen / vnd zu gebrauchen / Amen.

SO iſt nun Chorda I. die erſte Seite / ſo da bezeuget daß ein GOtt ſey / Macrocoſmus dieſe gantze Welt / die groſſe Baßſeit / da -Deut. 4, 15. 16. 19. von der HErr ſagt / Bewahret ewre Seelen wol / daß jhr euch nicht verderbet / vnd machet euch jrgend ein Bilde (welchesjhr176Die Erſtejhr gleichſam an ſtatt eines Gottes darſtellen woltet) daß du auch nicht deine Augen auffhebeſt gen Himmel / vnd ſeheſt die Sonnen vnd den Mond / vnd die Sternen / das gantze Heer des Him - mels / vnd falleſt ab / vnd betteſt ſie an / vnd dieneſt jhnen / welche der HErr dein Gott verordnet hat allen Voͤlckern vnter dem gantzen Himmel. Es iſt zwar die Sonne das Aug der Welt / der all - gemeine Poſtbott / welcher in ſeinem Lauff nicht muͤd wird / der Koch ſo al - les reiff vnnd zeitig macht / der allgemeine Leuchter / ſoll aber neben dem andern Himmelsheer nicht angebettet werden. Sintemal die Sonn / Mond vnd die Sternen von dem Allmaͤchtigen erſchaffen ſind / nicht daß man ſie anbete vñ verehre / ſondern daß ſie den Menſchen jhr Liecht mitthei - len vnd dienen / vnd die Menſchen auß denſelben Gott jhren Schoͤpffer et - licher Maſſen erkennen / vnd nach ſeinem Wort ehren ſollen. Dann das heiſſt in ſeiner Spraach in angezogenem Ort das Wort〈…〉〈…〉. das iſt / Gott hatt die ſchoͤne Himmelcoͤrper dazu geordnet / daß ſie vns locken / rei - tzen vnd einladen ſollen / jhren Schoͤpffer zu erkennen. Die Sonne iſt gleichſam ein Figur vnd Bilde Gottes des HErrn. welches dienet zu Vn - terweiſung der Gottloſen / vnd Abgoͤttiſchen blinden Heyden / von welchenSap. 13, 3. der Weiſe Mann ſagt / ſo ſie an derſelbigen (Liechter am Himmel /) ſchoͤnen Geſtalt gefallen hatten / vnd ſie fůr Goͤtter hielten. Solten ſie billig gewuſt haben / wie gar viel beſſer der ſey / der uͤber ſolche der HERR ſey / dann der aller ſchoͤne Mei -Exod. 3, 15. ſter iſt (nemlich der IEHOVAH, der ſelbſt weſentliche ewige GOTT. )Iob. 26, 9. Eſa. 40, 26. hat ſolches alles geſchaffen. Dieſer iſts / der ſeinen Stul (den rund gewoͤlbten Himmel ohne Seuͤlen) haͤlt. Hebet ewre Augen in die Hoͤhe / vnd ſehet / ſpricht der HErr / wer hat ſolche Ding (die Zuſam - menfuͤgungen / die Gegenſaͤtze / die Reyen in der Lufft / vnd andere Him - melsſpiel) erfchaffen vnd geordnet) nemlich Gott der HErr / er fuͤhret jhr Heer bey der Zahl herauß / vnd ruffet ſie alle mit Namen / erPſal. 146, 6. hat Himmel / Erden / Meer / vnd alles was drinnen iſt / gemacht / vnd hält Glauben ewiglich. Vnd wann der gedultige Hiob GottesHiob, 12, 7. 8. Allmacht anzeigen will / ſpricht er / frage doch das Vich / (ob es wol vn - vernuͤnfftig) daß wird dichs lehren / vnd die Voͤgel vnter dem Himmel (als Gottes Muſicanten) die werden dirs ſagen. Rede mit der Erden / (auff welcher ſind die Jnſulen / die im Meer gewurtzelt / vndzer -177Predigt. zerſtrewet) die wird dichs lehren / als wolt er ſagen / die Erde iſt zwar außwendig ſchwartz / kalt / vngeſtalt / tod / vnd doch inwendig voll Leben / Saamen / Fruͤchten / darauß du ja des Hoͤchſten Allmaͤchtige Hand abne - men kanſt / ja die Fiſche im Meer (die doch ſtumm ſind) werden dirs er - zehlen. Gleich wie jener Koͤnig in Lybia ſein Voͤgel alſo gewehnt vnd abgerichtet / daß wann ſie außgeflogen / haben ſagen vnd ſingen muͤſſen / Apſephas Deus eſt, Θεός ἐςι. Adſephas der Koͤnig iſt ein Gott: alſo ſin - gen auch die Fittich haben / die Voͤgel vnter dem Himmel / vnd ſagenRom. 9, 5. vnſer Schoͤpffer iſt der waare Gott.

II. Chorda, die ander Seit / iſt Microcoſmus, der Menſch der da iſt gleichſam die kleine Welt. Jch will jetzt nit ſagen von dem gantzen ſchoͤnen Kunſt-ſtuͤck des Menſchen der kleinen Welt / an jhr ſelbſt / deſſen anatomi oder abtheilende Beſichtigung wir auff ein ander Zeit verſchoben haben wollẽ / auch woͤllen wir jetzt nichts melden von dẽ Goͤttlichẽ Ebenbild / damit Gott der HErr den Menſchen geziert / daß an jm / als an einẽ Bild / der vnſichtbare Schoͤpffer herfuͤr leuchte. Sondern E. L. nur zu beden - cken geben / das Gleichniß / welches vor Zeiten Theophilus von Antiochia wider die Heyden gefuͤhret / hergenommen von der vnſichtbaren Seelen / deren Zeug iſt die Bewegung vnd Empfindung / ſo in dẽ Tod des Menſchẽ auffhoͤret. Gleichwie man an der Bewegung des Leibsſpuͤret / daß ein leben - dige / (wiewol vnſichtbare) Seele bey dem Menſchen: Alſo kans auch ein blinder greiffen / daß ein Gott ſey / wann er die Jnfluentz der Himmel / die Kraͤfften der Elementen / die Tugend vnd Wirckung aller anderer ſicht - baren Creaturen ſpuͤret. Warauß denn abermal die einhellige Stimme erſchallet: Deus eſt, es iſt ein Gott.

III. Chorda, die dritte Seite iſt πρόνοια & mundi gubernatio, die Goͤttliche Fuͤrſorg vnd Regierung der Welt. Anderer Stuͤck ſolcher Providentz zu geſchweigen / gehoͤret ſonderlich hieher / 1. conſervatio in eſſe, die Erhaltung im Weſen vnd Beſtand. Dannenhero wie der Dotter im Weiſſen des Eyes ligt / das Ey aber in der Schal / alſo ligt der Erdboden in den Elementen / die Elementen im Himmel / als mit ei - nem Band vmbgeben: da gibts keinen leeren vnd ledigen Platz / auch kei - ner Guffenſpitz breit / deſſen ein Exempel ſeyn kan / ein Faß mit Wein / wann man jhm nicht Lufft gibt / ſo bringt man keinen Tropffen herauß. Jtem ein Sprentzhaffen im Garten haͤlt man oben mit einem Finger dasZLoch178Die ErſteLoch zu / ſo iſt vnden alles geheb / kein Waſſer ſpringt herauß: ein Strohal - men da man Waſſer mit außzeuͤcht / daß es wider die Natur in die Hoͤhe ſteigt vnd den Menſchen traͤncket / wie komt das? Vrſach / die Natur leidet kein vacuum, kein laͤren Platz / es hengen alle Naturen aneinander / wer hat ſie ſo kuͤnſtig zuſammen gehefftet? Gott im Himmel / vnd das iſts was / derOſe. 2, 21. 22. Prophet ſagt / Jch will den Himmel erhoͤren / vnd der Himmel ſoll di Erde erhoͤren / vnd die Erde ſoll Korn / Moſt vnd Oele erhoͤ - ren / vnd dieſelben ſollen Jſrael erhoͤren. 2. Cauſarum ſubordina - tio, die Zuſammenfuͤgung der Vrſachen / da dann der Menſch ein Exempel nehmen kan von dem Vhr - oder Raͤderwerck / denn wie daſelbſt alles ineinander gehet / vnd durchs Gewicht das gantze Werck gefuͤhret wird / alſo gedencket / der ſo es anſchawet vnd betrachtet / es muß ein Kunſt - reicher / vnd von Gott begabter Meiſter ſeyn / der es alſo geſetzt vnd geordnetl. 2. de nat. deor. hat / wie dann Cicero allhie mit bey ſtimmet / wann er ſchreibet / nemo ma - gnus, ſine aliquo afflatu divino, unquam fuit, niemand iſt zu mahlen ohne eine Goͤttliche Eingebung beruͤhmt vnd fuͤrtrefflich: geweſen alſo wer die Zuſammenhaltung der natuͤrlichen Vrſachen / wie eine die ander treibet / fuͤhret / die Hand reicht / wie zum Exempel / nach dem Regenwetter die Berg vnd Thal rauchen / vnd Duͤnſt von ſich geben / die werden durch der Son - nenhitz erhoben in die Lufft / da werden Wolcken auß / die ergieſſen ſich her - nach widerumb in Regen / wer koͤnte zweiffeln oder laͤugnen / daß kein Gott ſey? 3. Naturæ curſus, der Lauff der Natur. Gleichwie / wañ ein wolbela - den Kauffmannſchiff daher faͤhret / vñ dem Port oder Seehafen ſich nahet / wer das ſihet / ob er gleich des Schiffmañs oder Schiffpatrons nicht gewahr wird / dennoch / iſt er nit aller Vernunfft beraubt / gedenckt er alſo bald / das Schiff kan vor ſich ſelbſt nicht daher ſegeln / es muß ja jemand im Schiff ſeyn / der es leitet vnd regieret. Alſo uͤberweiſt vus auch der Natur Lauff / daß ein Weiſer HErr muß ſeyn / der es alſo waltet vnd haltet. 4. determina - tio ad ſcopum, die Beyziehung zum gewiſſen Zweck. Was treibt den Storcken daß er Jaͤhrlich wider komt? die Jmmen daß ſie ſo guten Ho - nig bringen? daß alle Ding jhren Zweck erreichen / thuts nicht Gott der HErr / vermittelſt der Natur? Wenn du einen Pfeil ſeheſt daher fahren nach einem Ziel / ſo wuͤrdeſt du ſagen / der Pfeil zeuͤget von einem Schuͤtzen / ob du jhn gleich nicht ſiheſt. Alſo wircket Gott alles in allem / ob wir jhn gleich nicht ſehen / ſondern vielmehr in der That ſpuͤren vnd fuͤhlen muͤſſen. 5. determinatio ad ſingularia, die Beſtimmung vnd Ordnung zu abſonderlichen Dingen. Mein ſag mir doch / woher die Vnterſcheidder179Predigt. der temperamenten, lineamenten, Geſtalten vnd Natur der Menſchen komme / daß je einer anders naturiert / anders gebildet / andere Art zu ſchrei - ben vnd zu reden hab / als der andere? warum̃ du eines Bawren Sohn / vnd nicht eines Kaiſers Sohn worden? Jn der Natur wirſt du den Vnter - ſcheid nicht finden / ſondern dich in die Hoͤhe hinauff ſchwingen / vnd ſagen das hat GOTT gethan.

Folget IV. Chorda miraculorum, die vierte Seit / nemlich der Wun - der vnd Zeichen / als da iſt / 1. Eductio ex Ægypto, die Außfuͤhrung derExod. 14, 21. 22. 28. Kinder Jſrael auß Egyptenland. Da ſich die Waſſer voneinan - der theileten / alſo daß die Kinder Jſrael hieneingiengen mitten ins Meer auffm Trucken / vnd das Waſſer war jhnen fuͤr Mawren zur