Denen ſaͤmtlichen in der beruͤhmten Kayſer - lichen freyen Reichs-Stadt Augſpurg vorjetzo lebenden Buchdruckerherren, Seinen inſonders Hochgeehrten Herren und Freunden.
DJe guͤtige Aufnahme des erſten Theils meiner ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdruckerkunſt hat mich ermuntert auch ge - genwaͤrtigen zweyten Theil ans Licht zu ſtellen. Weil nun in dem erſteren die Leben der vorjetzo in Leipzig leben - den Buchdruckerherren vornemlich beſchrieben worden; So uͤbergab ich): (3ihnenihnen auch ſelbigen damahls zur Beur - theilung. Jn gegenwaͤrtigen Theil ſetzte ich mein Unternehmen fort, und bemuͤhte mich auch um die Lebens-Be - ſchreibungen auswaͤrtiger Buchdru - ckerherren. Eben deßwegen bin ich bewogen worden, dieſe Arbeit einer auswaͤrtigen Geſellſchafft zur guͤtigen Beurtheilung zu uͤberreichen.
Ew. Wohledlen, werden es mir dahero nicht unguͤtig auslegen, daß ich Jhnen dieſe ſchlechte Blaͤtter gewied - met habe. Der gute Ruhm, welcher von Jhnen auch in der Ferne bekannt iſt, laͤßt mich hoffen, Sie werden dieſes Unternehmen mit eben dem Gemuͤthe anſehen, als ich Jhnen dieſen zwey - ten Theil zugeſchrieben habe. Die Liebe zu dieſer edlen Kunſt hat nicht nur verurſachet, daß ich mich derſelben in meiner Jugend ergeben habe, ſondern ſie hat mir auch die Neigung eingepflantzet, daß ich nach meinen Kraͤfften derſelben Ruhm und Ehre zu befoͤrdern ſuche.
Vor -Vorietzo haben wir dazu die ſchoͤnſte Gelegenheit, da derjenige Tag immer naͤher heranruͤcket, an welchem wir die Freude oͤffentlich uͤber die Erfindung unſerer Kunſt an den Tag legen wer - den. Es ſind uns auch ſchon einige mit einem guten Beyſpiel vorgegangen. Wem iſt unbekannt mit was vor Freu - denbezeugungen die Buchdrucker - herren in Harlem dieſes Jubelfeſt bereits begangen haben, und wer weiß nicht, wie man ſich hier und da Muͤhe giebt dieſen Tag feyerlich erſt noch zu begehen? Jſt es billig, daß man GOt - tes Guͤte uͤberhaupt mit Danck erken - net, wenn er uns Wohlthaten erzeiget; So wird uns auch niemand veruͤblen koͤnnen, daß wir uns bemuͤhen, ihm vor die Erfindung unſerer edlen Kunſt ein Danckopfer zubringen, zumal da durch ſelbige GOttes Ehre und des Naͤchſten Nutze augenſcheinlich befoͤr - dert wird.
Ein jedes Kunſtglied traͤgt billig da - zu ſo viel bey, als es vermag. Und wa - rum ſollten wir nicht emſig dazu ſeyn,): (4dada unter uns keiner das Gluͤcke haben wird, dieſen Tag noch einmal zu erle - ben. Jch habe alſo auch einen Beytrag gewaget. Jſt er nicht alſo beſchaffen, wie er wohl haͤtte gerathen ſollen: So wird man doch meinen reinen Willen vor die That auslegen, wenigſtens ha - be ich ſo viel gethan, als ich gekonnt ha - be. Hiervon wird niemand leichtlich beſſer urtheilen koͤnnen, als rechtſchaff - ne und erfahrne Kunſtglieder. Dieſen, abſonderlich aber Ew. Wohledlen, uͤberreiche ich ſelbigen zu einer geneig - ten Aufnahme. Erhalte ich nur ſo viel, daß Jhnen mein Unternehmen nicht gaͤntzlich zu wider geweſen, ſo werde ich dieſe Gefaͤlligkeit mit gebuͤhrenden Danck erkennen, und mich eifrigſt be - muͤhen allzeit zu verharren
Ew. Wohledlen, Vorachtbaren und Kunſterfahrnen, Meinen Hochgeehrten Herren und Freunden,
DEr Endzweck einer Vorrede beſtehet ordentlich darinnen, daß man ſeine Leſer unter - richtet, was ſie in einem Buch ſuchen ſollen; Man giebt Rechenſchaft warum man ſeine Gedancken ſo und nicht anders eingerichtet habe; Man bittet alsdenn um Vergebung, wenn etwa ein Fehler mit untergelauffen, und empfiehlt ſich der Wohlgewogenheit ſeiner Leſer. Dieſes alles will ich demnach kuͤrtzlich in dieſen Blaͤttern ebenfalls verrichten. Was nun das erſtere anbetrifft, ſo findet man in meinem zweyten Theil der ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdruckerkunſt und Schriftgie - ſerey I) eine kurtzgefaßte Nachricht von einigen Buchdruckern ſo wohl inn - als auſſerhalb Teutſchland. Jch haͤtte freylich wuͤnſchen wol - len, daß dieſe Nachricht noch vollſtaͤndiger haͤtte): (5erſchei -Vorrede. erſcheinen koͤnnen; Alleine dieſer gute Wunſch ſtund zwar in meinem Vermoͤgen, die That aber muſte ich der Gewogenheit anderer uͤberlaſſen. Jch hatte zu dem Ende viele auswaͤrtige Freunde und Liebhaber dieſer edlen Kunſt theils ſelbſt ſchriftlich erſuchet, theils durch andere erſuchen laſſen, mit einigen Nachrichten mir an Handen zu gehen. Bey einigen fand meine Bitte ein geneig - tes Gehoͤr, bey andern war ſie vergeblich. Den erſtern ſage ich hiermit oͤffentlich den ergebenſten Danck vor ihre Bemuͤhung, und erbiethe mich zu allen Gegendienſten; Die letzteren ermuntre ich aber nochmals, und uͤberhaupt erſuche ich einen ieden geziehmend, daß ſie mir nicht nur einige Nachrichten von den jetzo hier und da lebenden Buchdruckerherren, ſondern auch, ſo ferne es moͤglich, von dem Anfang und Fortgang der Buchdruckerkunſt ihres Wohnplatzes guͤtigſt mit - theillen wollen, damit man mit der Zeit eine voll - kommene Buchdrucker Hiſtorie von Teutſchland liefern koͤnne. Meine gegenwaͤrtige Bemuͤhung iſt nur ein Beytrag zu dieſer Hiſtorie. Haͤtte ich dieſe Nachrichten ſo lange zuruͤckbehalten wollen, bis ich von allen Orten die erwuͤnſchte Nachricht eingezogen: So haͤtte ich noch lange warten muͤſ - ſen, bis ich auch nur den meiſten Theil uͤberkom - men haͤtte. Und wer weiß, ob ich nach vieler Zeit viel gluͤcklicher geweſen waͤre? Die Gemuͤther der Menſchen ſind gar zu veraͤnderlich. Eigenſinn, Hochmuth, Verachtung, Neid, und einige ande - re dergleichen ſchoͤne Eigenſchafften habe ich gar wohl gemercket, welche ich auch zu ſeiner Zeit be - mercken werde. Jetzo habe ich noch keine Luſtdarzu.Vorrede. darzu. Unterdeſſen werde ich mit gelaſſenem Ge - muͤthe bey einigen Nebenſtunden immer fortfah - ren dasjenige anzumercken, was zu meinem End - zweck noͤthig iſt, und ſelbiges hernach ans Licht ſtellen. Gefaͤllt es nicht allen, oder den meiſten, ſo bin ich ſchon zu frieden wenn es nur einigen ge - faͤllt. Die Einrichtung dieſer Nachrichten iſt die Alphabetiſche Ordnung, welche ich deßwegen er - wehlet habe, damit ich allen Rangſtreit vermei - den moͤgte. Giebt der Anfangsbuchſtabe einer geringen Stadt den Vorrang, ſo kan ich nicht da - vor, daß es das Alphabet ſo haben will. Wem es verdrießt, der zancke ſich mit dem Alphabet, und laſſe mich in Ruhe. Wenn es moͤglich war, ſo habe ich zugleich angemercket, wenn die Buch - druckerkunſt an dieſem, oder jenem Ort zu erſt be - kannt worden, wie die erſten und folgende Buch - druckerherren geheiſſen, was ſie vor Jnſignia gefuͤhret, und was ſonſten von ihnen zu wiſſen noͤ - thig war. Hier haͤtte ich noch viel weitlaͤuftiger ſeyn koͤnnen, wenn ich alle Nachrichten haͤtte ein - ruͤcken wollen. Da ich mir aber einmal vorgeſe - tzet hatte, von keiner Stadt etwas anzufuͤhren, von der ich nicht auch die neuern Nachrichten bey der Hand haͤtte; So iſt es geſchehen, daß ich ei - nen ziemlichen Theil meiner Anmerckungen ge - genwaͤrtig zuruͤck behalten habe, welches man mir vermuthlich als keinen Fehler auslegen wird. Und das war eins.
Man trift aber II. in dieſem Theil allerhand Dinge an, die zu der Buchdruckerkunſt ſelbſten ge - hoͤren, und als Ergaͤntzungen des erſten Theils koͤnnen augeſehen werden. Alſo habe ich in dem 1. Cap.Vorrede. Cap. von den Formaten geredet, in dem 2. Cap. von der Erfindung der Buchſtaben uͤberhaupt, und hernach von einigen Alphabeten, welche ich alle in Kupfer ſtechen laſſen. Haͤlt man ſelbige mit dem erſten Theil zuſammen, ſo wird man fin - den, daß ich nunmehro die meiſten Alphabete auf - getrieben und geliefert habe, welche jemals in der gantzen Welt gebraͤuchlich geweſen ſind. Jm 3. Cap habe ich ſo wohl die hebraͤiſchen, grichiſchen, lateiniſchen, und teutſchen Abkuͤrtzungen, oder Abbreviaturen, vorſtellig gemachet. Daß die - ſes ein ſehr noͤthiges Stuͤck geweſen, werden mir alle diejenige zu geſtehen, welche alte Handſchrif - ten und alte gedruckte Buͤcher geleſen und geſetzt haben. Die Figuren dieſer abgekuͤrtzten Woͤrter ſehen zum Theil fuͤrchterlich aus, und wenn man derſelben Bedeutung weiß, ſo ſieht man, daß ſel - bige nichts anders, als Sylben ſind, welche man gor leicht aus dieſem Capitel wird kennen lernen. Jm 4. Capitel habe ich eine Vergleichung einiger nach der alten Art geſchriebenen teutſchen Woͤr - ter mit der neuern Rechtſchreibung angeſtellet, damit angehende Setzer ſehen koͤnnen, wie ſie alte Buͤcher, wenn ſie wieder aufgelegt werden, mit leichter Muͤhe nach unſerer jetzo gewoͤhnlichen Rechtſchreibung abſetzen koͤnnen. Hierauf folgt der fortgeſetzte Verſuch des wohl eingerichteten Woͤrterbuches, worinnen die Kunſt-Woͤrter er - klaͤret werden. Jm erſten Theil hatte ich zwar eine ziemliche Anzahl ſolcher Kunſtwoͤrter be - reits angefuͤhrt; Jch habe aber auch noch eine Nachleſe anzuſtellen vor noͤthig befunden, weil ich verſchiedene Woͤrter angemercket, die ich imer -Vorrede. erſten Theil uͤbergangen habe. Und ich glaube, wenn eine guͤtige Aufnahme dieſer beyden Theile uns mit der Zeit zu einer neuen Auflage ermun - tern ſollte, daß ich alsdenn noch unterſchiedliche einzuruͤcken noͤthig haben wuͤrde. Hernach habe ich einige Reichsabſchiede und Buchdruckerord - nungen, welche denen Buchdruckern von hohen Potentaten, Kayſern, Koͤnigen Churfuͤrſten Fuͤr - ſten und Herren ertheilet worden ſind, angehaͤngt. Und dieſes habe ich deswegen gethan, damit man ſo gleich mit einem Auge uͤberſehen koͤnne, was in dem vornehmſten Orten von Teutſchland kunſtgebraͤuchlich ſey. Vermuthlich wird dieſe Bemuͤhung anch den Nutzen haben, daß man ſich bey ſtreitigen Faͤllen darinnen Raths erhohlen kan, wie weit dieſer, oder jener Punct, Rechtens ſey. Ein Plaͤtzgen Raum verfuͤhrte mich, daß ich des Herrn Paul Paters Fragen von der Buch - druckerey angehaͤnget und mit Anmerckungen be - gleitet habe. Dieſe Diſſertation hat man bis - hero bey nahe mit allgemeinem Beyfall aufge - nommen. Wie weit aber ſelbige einen Beyfall verdiene, wird hoffentlich aus meinen Anmerck - ungen erhellen. Nach dieſen allen folgt ein wohl - eingerichtetes und vollſtaͤndiges Regiſter uͤber beyde Theile zugleich. Weil ich aber glaubte die Erkaͤnntnis der Buchſtaben alleine wuͤrde einem Lehrbegierigen nicht viel helffen, wenn er nicht auch gantze Woͤrter und Redens-Arten vor Au - gen bekaͤme, ſo bin ich lange mit mir zu Rathe ge - gangen, was ich hierzu erwehlen ſollte. Und ſie - he da, ich gerathe unvermuthet auf das in viele Sprachen uͤberſetzte Vater Unſer. Jch ließ ſel -bigesVorrede. biges ſo gleich unter folgenden Titul: Orationis dominicæ Verſiones fere centum ſumma, qua fieri potuit, cura genuinis cuiuslihet linguæ cha - racteribus typis vel Aere expreſſæ, abdrucken und theils in Kupfer ſtechenlaſſen. Damit man die unbekannten Sprachen deſto eher leſen koͤnne, ſo iſt allemal die Art zu leſen mit lateiniſchen Buch - ſtaben darunter geſetzet. Warum ich aber dieſe Uberſetzungen als einen Anhang betrachte, iſt deswegen geſchehen, weil das meiſte fremde Sprachen ſind, welche ich unter das Teutſche nicht gerne vermiſchen wollte. Und nunmehro waͤre ich alſo mit einem Stuͤck fertig. Doch nein, ich muß erſt noch ein paar Buͤcher nennen, welche mir gute Dienſte gethan haben. Das Erſte iſt, wenn ich ſo reden darff, ein frantzoͤſiſches Format - Buch. Jch will den gantzen Titul herſetzen, weil doch die wenigſten das Buch ſelbſten werden ge - ſehen haben, zumal da er den gantzen Jnnhalt des Buchs vor Augen leget. Er lautet aber al - ſo: La Science Pratique de L’Imprimerie, con - tenant des Inſtructions tres faciles pour ſe perfe - ctionner dans cet Art. On y trouvera vne De - ſcription de toutes les pieces dont vne Preſſe eſt conſtruire, avec le moyen de remedier à tous les defauts, qui peuvent y ſurvenir. Avec une Me - thode nouvelle & fort aiſée pour impoſer toutes ſortes d’ Impoſitions, depuis l’ in folio jusque a l’ in cent-vingt-huit. De plus, ou y a joint des Ta - bles pour ſcavoir ce que les caracteres inferieures regagnent ſur ceux qui leur ſont ſuperieurs & vn Tarif pour trouver d’ un coup d’ œil, combien de formes contiendra une copie à imprimer, treſvtileVorrede. vtile pour les Auteurs & Marchands Libraires qui font imprimer leurs Ouvrages à leurs de - pens. A Saint Omer, par martin fertel, Imprimeur & Marchand Libraire, 1723. 4. An - faͤnglich dachte ich wunder, was ich aus dieſem Buchlernen wuͤrde, und wenn ich die Wahrheit ſagen darf, ſo wuͤßte ich mich nicht auf das gering - ſte zu beſinnen, welches ich darinnen gefunden haͤtte, ſo mir unbekannt war. So viel iſt wohl wahr, daß man alle noͤthige Nachrichten darin - nen antrift, welche ein Buchdrucker wiſſen muß. Neuigkeiten aber und beſondere Vortheile ſuchet man vergeblich darinnen. Weit beſſere Dienſte hat mir Friedrich Chriſtian Leſſers Typogra - phia jubilans, Leipzig, 1740. 8. gethan. Jch habe es an jedem Ort, wo ich mich ſeiner Nachrichten bedienet habe, gemeldet. Es iſt mir auch M. Wilh. Jeremias Jacob Cleſſens drittes Jubel - Feſt der Buchdruckerkunſt zu Geſichte gekommen. Alleine dieſes iſt dem vorhergehenden gar nicht gleich. Des Herrn D. Schmidts angehaͤngte Predigten ſind das beſte darinnen. Aus den Actis Erudit. 1739. p. 577. habe ich noch ein daher gehoͤriges Buch recenſirt gefunden, nemlich: Hiſtoire de l’ Origine & des Progres premiers de l’ Imprimerie par Proſper Marchand, Haag, 1740. 4to. Das Buch ſelbſten aber habe ich zur Zeit noch nicht auftreiben koͤnnen, ob ich es gleich mit allem Eifer geſuchet habe. Jch bekam uͤberall die Antwort, es iſt noch nicht fertig, ob es gleich in den Actis recenſirt iſt, und alſo muſte ich mir die Begierde vergehen laſſen.
GleichVorrede.Gleich da ich dieſe Worte ſchreibe erhalte ich aus Coppenhagen und Regenſpurg noch einige Nachrichten, man wird es mir alſo nicht uͤbel neh - men, daß ich ſelbige am Ende meiner Nachricht noch angehaͤnget habe. Nunmehro iſt nichts mehr uͤbrig, als daß ich wegen der eingeſchliche - nen Fehler meine Leſer geziehmend um Verzei - hung bitte, und mich ihrer Wohlgewogenheit be - ſtermaſſen empfehle. Leipzig an der Oſter - meſſe 1740.
M. J. G. H. v. O.
Nachdem ich in meinem erſten Theil der ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buchdru - ckerkunſt eine hinlaͤngliche Nach - richt von den Buchdruckern in Leip - zig mitgetheilet habe; So habe ich mich entſchloſſen dem andern Theil eine Nachricht von einigen Buchdru - ckern ſo wohl inn - als auſſerhalb Teutſchland vorzuſetzen. Warum ich dieſe Nach - richt ſo, und nicht anders eingerichtet, davon habe ich bereits in meiner Vorrede Rechenſchafft gegeben.
Ehe ich aber noch meine Nachrichten anfange, ſo will ich erſt noch verſchiedene Anmerckungen in An - ſehung der Leipziger einſchalten. Es betreffen ſelbige einige Jnſignia. Jn der kurtzen Nachricht von den Buchdruckern in Leipzig p. 99. habe ich angegeben,Adaß2Kurtzgefaßte Nachricht,daß Johann Rhamba den Heiligen Geiſt, in Ge - ſtalt einer Taube, zu ſeinen Zeichen gehabt habe Es iſt aber falſch. Denn ich habe nunmehro ein Ori - ginal von ſeinem Jnſigne in Haͤnden, welches ich auf Tab. I. abſtechen laſſen. Es zeiget ſich auf ſelbigem in einer Wolcken das Wort〈…〉〈…〉. Aus der Wol - cken raget eine Hand hervor, die einen Zettel haͤlt worauf folgende Worte ſtehen: Salus Tua ego ſum. Alsdenn erblicket man eine See, worauf ſich ein zerſcheidertes Schiff befindet. Auf dem feſten Land kniet ein bethender Mann mit gefaltenen Haͤnden, der neben ſich einen Ancker liegen hat. Auſſen herum ſtehen die Worte: Auxilium meum a domino, qui fecit cœlum & terram. Pſ. 120. Und unten ſiehet man deſſen verzogenen Namen H. R. Jch beſitze noch ein anderes von ihm, da er Chriſtum am Creutz, worunter Maria und Magdalena ſtehen, gefuͤhret. Unten an dem Creutz ſtehet: H. R.
Von Johann Beyern ſtehet p. 100. er habe den Pelican gefuͤhret. Jch habe aber wiederum ein Ori - ginal in Haͤnden, welches mich noͤthiget, das eꝛſte zu wiederruffen, und folgendes an die Stelle zuſetzen. Es iſt ein ordentlicher Schild, worauf ein Licht auf einem Leuchter ſtehet. Zur lincken Hand ſtehet die an - dere Perſon in der Gottheit unter der Geſtalt eines Mannes, welcher eine brennende Fackel in der Hand hat. Zur Rechten vermuthlich Johannes, und oben in dem Wolcken zeiget ſich die dritte Perſon in der Gottheit in der Geſtalt einer Taube, woruͤber das Wort〈…〉〈…〉 ſtehet .. Gantz unten erblicket man in einem Schildlein I. B. welches deſſen Aufangs Buch - ſtaben ſind. Siehe T. I.
Bey Jacob Gaubiſchen p. 102. hatte ich garkein
3von einigen Buchdruckern. kein Jnſigne angegeben. Warum? Jch habe da - mahls keines auftreiben koͤnnen. Nunmehro habe ich ſolches gefunden, deswegen ich es auch jetzo be - ſchreiben will. Es iſt ſelbiges aus 1. Buch Moſis XXXII, 24. hergenommen, und ſtellet den Jacob vor, wie er mit dem Engel kaͤmpfet. Auſſen herum ſte - hen die Worte: Fides Dei victrix. Gen. XXXII. Es iſt alſo falſch, wenn Herr Leſſer in ſeiner Ty - pographia iubilante p. 230. dieſes Zeichen Simon Gronnenberg zu Witte berg beyleget. Gronnen - bergs Zeichen werde ich unten anfuͤhren. Siehe Tab. I.
Von Hennig Groſſen p. 104. habe ich ehemahls auch kein Jnſigne angeben koͤnnen. Nunmehro aber kan ich es thun. Es iſt ſelbiges ein laͤnglicht runder Schild, um welchen allerhand Zierrath zu ſehen. Jn dem Schild ſelbſten ſtehet eine Pyramide, welche die Goͤttin der Beſtaͤndigkeit haͤlt. Auſſen herum ſtehen die Worte: Fortitudo cuſtos dignitatis; Unten dar - unter deſſen Name mit dem Handelszeichen, weil er zugleich den Buchhandel gefuͤhret hat. Sieh. Tab. I.
Bey Tobias Beyern p. 108. mangelten mir ehe - dem auch die Nachricht in Anſehung ſeines Zeichens. Dieſen Mangel kan ich jetzo erſetzen. Es ſtellet ſel - biges die Geſchichte des jungen Tobiaͤ mit dem unbe - kannten Fiſch vor, welcher ihm verſchlingen wolte. Tob. VII. Auſſen herum ließt man die Worte: Tobias inuaſus a piſce ab Angelo liberatus Cap. VI. Siehe Tab. I.
Endlich, hatte ich von Lorentz Cober p. 108 ge - ſetzet, er haͤtte den Vogel Greiff in ſeinem Jnſigne gefuͤhret, welcher mit beyden Klauen drey Blumen haͤlt. Jch wiederruffe dieſes, weil ich genauere Nach -A 2richt4Kurtzgefaßte Nachricht,richt habe. Er fuͤhrte nemlich den Heiligen Lauren - tium mit dem Roſt, zur Rechten ſtehet die Liebe, und zur Lincken die Hofnung, auſſen herum ſtehen die Worte: Gloria & honor & pax omni operanti Bonum. Siehe Tab I.
Und ſo viel von einigen Zuſaͤtzen zu meinem erſten Theil in Anſehung der Buchdrucker Jnſignien von Leipzig. Was ich auſſerdem hier und da bey einigen Buchdruckern zu erinnern vor noͤthig befunden habe, das ſuche man in dem Regiſter, ſo wird man es an ſeinem Ort finden. Nunmehro ſchreite ich demnach zur Nachricht ſelbſt.
Abo, die Hauptſtadt in dem Großfuͤrſtenthum Finnland. Siehe Schweden.
Nachdem die verſprochene Nachricht von Augſpurg noch nicht eingelauffen iſt: So will ich indeſſen ein Verzeichniß von den Buchdruckern, die ſich daſelbſt nach und nach niedergelaſſen haben mittheilen. Jch will aufrichtig handeln, und ſogleich ſagen, wo ich ſel - bige hergenommen habe. Denn dieſes kan man mir vor keine Schande auslegen. Jch will diejenigen viel - mehr entdecken, und ihre Bemuͤhungen loben, als daß ich mich ihrer Anmerckungen bedienen, und ſie da - bey zu nennen vergeſſen ſolte. Hiebey hat mir vornem - lich der um die Buchdruckerkunſt wohl verdiente Herr Johann David Werther in ſeinen wahrhafftigen Nachrichten, der ſo alt-als beruͤhmten Buchdrucker - kunſt, Franckfurt und Leipzig, 1721. 4 gute Dienſte gethan. Des Hochehrw. Herrn Friedrich Chri -ſtian5von einigen Buchdruckern. ſtian Leſſers Typographia iubilans, Leipzig, 1740. 8. giebt auch einige Nachricht. Es ſind aber fol - gende Buchdrucker von Augſpurg anzumercken:
An dieſem Ort hat die edle Buchdruckerkunſt gar bald einen Platz bekommen. Denn man weiß, daß daſelbſt 1484. Ottonis von Paſſau Bibliſche und andere Hiſtorien in platteutſcher Sprache gedruckt worden ſind, jedoch ohne Benennung des Buchdru - ckers. Siehe Leſſern l. c. p. 50. Um das Jahr 1706. waren daſelbſt folgende Buchdruckerherren:
Friedrich Wilhelm Meyer, Buchdrucker und Buchhaͤndler daſelbſt, iſt An. 1695. zu Lemgo geboh - ren. Sein Herr Vater war Heinrich Wilhelm Meyer, bey welchem er die Buchdruckerkunſt er - lernet hat. Nachdem er aber ſo wohl zu Hauß, als in der oͤffentlichen Schule, in den ſchoͤnen Wiſſenſchaff - ten hinlaͤnglich unterrichtet war; So gieng er 1713. auf die beruͤhmte hohe Schule zu Jena, und trieb daſelbſt die Rechtsgelehrſamkeit mit groſſem Fleiß. Als ſein Herr Vater zu Braunſchweig eine Dru - ckerey gekaufft hatte, ſo gieng er 1716. dahin und uͤ - bernahm ſolche, dabey er zugleich eine Buchhandlung angerichtet hat. Jm Jahr 1719. verehlichte er ſich mit Anna Dorothea Haͤßlerin, mit welcher er ver - ſchiedene Kinder erzeuget hat. Unter ſeinem Verlag hat er des beruͤhmten Hermann Conrings Opera in VII. Vol. in Folio; des Herrn Paſt. Leigs Commen - tarium uͤber den Propheten Eſaiam in VI. Theilen in 4to, ingleichen Herrn Paſt. Palms in Hamburg er - bauliche Betrachtnngen, und andere mehr, gedruckt und verlegt.
Johann Georg Hoͤpffner, iſt gebohren zu Luͤ - neburg 1689. den 17. May. Sein Vater war Chri - ſtian Hoͤpffner, Buͤrger und Brauer daſelbſt, die Mutter aber Margaretha Hoͤpffnerin, Peter Lier - manns, gleichfals Buͤrgers und Brauers allda, ehe - leibliche Tochter. Von ſeinen in GOtt ruhenden El - tern ward er von zarter Jugend an in aller Got - tesfurcht und Chriſtlichen Tugenden erzogen, auch 1699. in die daſige Lateiniſche Schule zu St. Johan - nis geſchickt, welche er auch etliche Jahre fleißig be -ſucht,9von einigen Buchdruckern. ſucht, und ſeine Zeit darinnen nicht uͤbel angewendet hat; Weil aber ſeine Eltern an ihm bemerckten, daß er Belieben von ſich blicken ließ eine loͤbliche Kunſt, oder Profeſſion zu erlernen, ſo mißfiel ihnen auch ſol - ches nicht. Er beſchloß demnach in der Buchdrucker - kunſt GOtt und dem Naͤchſten zu dienen, worauf derſelbe 1705. dem ſeel. Herrn Conrad Neumann E Hoch-Edlen und Hochweiſen Raths der Kaͤyſer - lichen Freyen Reichs-Stadt Hamburg Buchdrucker, uͤbergeben wurde, um in deſſen Officin den Grund zu dieſer loͤblichen Wiſſenſchafft zu legen, welches er auch in 5. Jahren ſeine Bemuͤhung treulichſt ſeyn ließ, darauf er nach erkannter Geſchicklichkeit von obge - dachten ſeinem Lehrherrn 1710. frey geſprochen und zum Cornuten ernennet wurde. Auf dieſer Stuffe verweilte ſich derſelbe nicht laͤnger, als 3. Wochen, nach welcher Zeit er ſofort ſein Poſtulat, uͤblichen Ge - brauch nach, verſchenckte, daß er alſo in eben derſel - ben Officin, wo er den Grund zu dieſer Kunſt gele - get, auch zum Mittglied rechtſchaffener Kunſtverwand - ten beſtaͤtiget wurde. Nachdem er nun verſchiedene Staͤdte in Teutſchland beſehen, und daſelbſt in eini - gen Druckereyen conditionirt; So empfand er ei - nen Trieb die Koͤnigreiche Daͤnnemarck, Nor - wegen und Schweden zu beſehen. Er reiſete dem - nach 1715. nach Coppenhagen, allwo er zwey Jahr als Geſelle bey dem nunmehro ſeel. Herrn Georg Matthias Godiche in Condition ſtunde. Als ſel - biger 1717. im Monat Sept. die Schuld der Natur bezahlte, ſo erwaͤhlte und ſtellete ihm die hinterbliebe - ne Frau Wittwe als Factor ihrer Buchdruckerey vor, und da er dieſes Amt 3. Jahre zum Vergnuͤ - gen der Frau Wittwe verwaltet hatte, ſo fuͤgte esA 5die10Kurtzgefaßte Nachricht,die goͤttliche Vorſorge, daß er mit derſelben, Nah - mens Maria Catharina Godiche, eine gebohrne Meyrin, ein Chriſtliches Ehe-Verbindniß eingieng, welches den 12.. Martii 1720. vermittelſt Prieſterlicher Copulation beſtaͤtiget wurde; Und alſo wurde er nun Herr und Beſitzer von ſeines Herrn Vorfahrens auf - gerichteten Buchdruckerey. Mit ſeiner durch Gottes Gnade noch lebenden Frau Eheliebſte hat er in ver - gnuͤgter Ehe zwey Kinder einen Sohn und eine Toch - ter gezeuget, davon der Sohn Nicolaus Chriſtia - nus Hoͤpffner nur noch am Leben iſt, der bey ſei - nem Herrn Vater die Buchdruckerkunſt erlernet hat. Die Tochter aber hat bald nach der Gebuhrt das Zeitliche verlaſſen. Als 1711. die Koͤnigliche Reſi - dentz-Stadt Coppenhagen die Contagion betraf, ſo waren die meiſten rechtgelernten und poſtulirten Buchdrucker Herren daſelbſt mit verſtorben, weswe - gen auch der guten Ordnung wegen eingerichtete Kunſt - gebrauch daſelbſt gantz verfallen war. Unfer Herr Hoͤpffner war demnach der erſte, welcher denſelben wieder einfuͤhrte, wodurch er den bishero verdunckel - ten Glantz der edlen Buchdruckerey in Daͤnnemarck wieder empor brachte. Ob nun gleich dieſes viel Ver - druß und Koſten verurſachte, ſo hat doch die Gerech - tigkeit ein ſo wohl gemeyntes Abſehen bis hieher der - geſtalt beſchuͤtzet, daß die Buchdrucker-Officinen da - bey in gutem Flohr ſtehen. Jm Jahr 1728 mußte er ebenfalls das betruͤbte Schickſal, welches die Koͤ - nigliche Reſidentz-Stadt Coppenhagen vermittelſt einer hefftigen Feuers-Brunſt betraf, mit nicht we - nigem Verluſt empfinden; Jndem er dabey 2 Haͤu - ſer mit allen Hauß-Geraͤthe, eine ſchoͤne Druckerey und einen koſtbahren Verlag von Buͤchern im Rauchver -11von einigen Buchdruckern. verſchwinden ſahe, wodurch er mit Frau und Kindern in einen bejammernswuͤrdigen Zuſtand gerieth. Alleine auch hier ward er nicht weggeworffen, und der Herr, auf den er hoffete, ließ ihn nicht zu ſchanden werden, ſondern lenckte die Hertzen hoher und geneigter Goͤn - ner, die ihm behuͤlfflich waren, daß nicht nur ſeine beyden Haͤuſer viel herrlicher, als zuvor, wieder auf - gebauet und eingerichtet wurden, ſondern daß er auch eine ſo vollkommene Buchdrucker - Officin wie - der anlegen konnte, daß Se. ietzo glorwuͤrdigſt re - gierende Koͤnigl. Majeſtaͤt Chriſtianus VI. Erb-Koͤ - nig zu Daͤnnemarck und Norwegen ꝛc. allergnaͤdigſt beliebten ihn zum Directeur uͤber Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt und Univerſitaͤts Buchdruckerey allergnaͤ - digſt zu ernennen, zu dem Ende ihm 1731. den 10. Martii die allergnaͤdigſte Koͤnigliche Beſtallung aus der Daͤniſchen Cantzley ausgefertiget wurde, welche wichtige Stelle er auch durch Gottes Gnade zu al - lerhoͤchſten Wohlgefallen ſeines allergnaͤdigſten Koͤnigs bis dieſe Stunde treulichſt und allerunterthaͤnigſt ver - waltet. Wir wuͤnſchen hiebey, daß ihn die goͤttliche Vorſorge noch viele Jahre, und in ſeinen Nachkom - men auf undenckliche Zeiten dabey erhalten moͤge! Diejenigen Wercke, welche in ſeiner Officin verferti - get worden ſind, hier anzufuͤhren, wuͤrde viel zu weit - laͤufftig fallen. Daͤnnemarck und Norwegen kan ein Zeugniß ablegen, daß ein ſauberer und reiner Druck aus ſeiner Druckerey geliefert werde, welcher von ſei - ner wohl uͤberlegten Einrichtung deutlich zeuget.
Ernſt Heinrich Berling trat in dieſe Welt 1708. den 22. Martii. Deſſen Herr Vater, Melchior Chri - ſtian Berling, war dazumal ein Hertzoglicher Meck - lenburgiſcher Forſt-Bedienter, er muſte ſich aber 1716. wegen12Kurtzgefaßte Nachricht,wegen einiger durch Erbſchafft ihm zugefallenen Land - guͤter in das Hertzogthum Lauenburg begeben, allwo ihn Jhro Koͤnigl. Majeſt. von Großbritannien zu dero Holtz-Foͤrſter im Lauenburgiſchen Amte allergnaͤdigſt ernannten. Seine Frau Mutter Catharina, war eine gebohrne Hennigs Jm Jahr 1723 wurde er ſeinem Herrn Vetter Albrecht Chriſtian Pfeiffer, Buchdruckern in Lauenburg, die Buchdruckerkunſt zu erlernen uͤbergeben, und als er von ſelbigem 1727 um Martini losgeſprochen wurde, und nach 14. Ta - gen daſelbſt poſtuliret hatte, ſo reiſete er die naͤch - ſten Oſtern darauf nach Strahlſund zu Hrn. Schind - lern in Condition, 1729. nach Hamburg zu der ver - wittweten Frau Spieringen, und 1731. wurde er von dem Herrn Directeur Johann Georg Hoͤpff - ner nach Coppenhagen in deſſen Officin verſchrieben. Hier fuͤgte es die Vorſehung GOttes, daß er ſich mit des oberwehnten Hrn. Directeurs Stieff-Tochter, Cicilia Chriſtiana Godichen, 1732 in ein eheliches Buͤndniß einließ, wovon allbereit 3. Soͤhne und eine Tochter, Nahmens: Johann Chriſtian, Catharina Vendelia, Georg Chriſtoph und Carl Friedrich lebendige Zeugen ſeyn koͤnnen. Jm Jahr 1733. rich - tete er daſelbſt eine gantz neue Druckerey auf die an - jetzo in Coppenhagen eine mit von den beſten iſt, und durch welche er auf eigene Koſten ſchon manches nuͤtz - liches und anſehnliches Buch der gelehrten Welt gelie - fert hat. Anietzo iſt er beſchaͤfftiget des ſeel. Scri - vers Seelen-Schatz in Daͤniſcher Sprach in 4to ans Licht zuſtellen. Worzu, und zu noch viel meh - rern, wir ihm viel Seegen und Gluͤck anwuͤnſchen.
Andreas Hardtwig Godiche, wurde gebohren in Coppenhagen den 11. Decemb. 1714. Sein HerrVater13von einigen Buchdruckern. Vater war Georg Matthias Godiche, die Mut - ter Maria Catharina, gebohrne Meyerin; Er er - lernete die Kunſt bey dem Herrn Directeur Hoͤpffner, an welchem ſeine Frau Mutter nach Ableben ſeines ſeel Vaters zum andernmahl verehlichet worden. Nach ausgeſtandenen Lehrjahren verſchenckte er da - ſelbſt ſein Poſtulat, und hatte vor vielen das Gluͤck nach wenig Jahren, nemlich 1735. des allda verſtor - benen Buchdruckers Joachim Schmidgens Buch - druckerey an ſich zu erhandeln. Jm Jahr 1736. erwaͤhlte derſelbe zu ſeiner Gehuͤlffin Herrn Hoͤpff - ners, eines Rathsverwandten in Hadersleben, Jung - fer Tochter Anna Magdalena Hoͤpffnerin, mit wel - cher er zwey Soͤhne erzeuget, davon der erſte dieſe Welt ſchon wieder verlaſſen hat, der andere aber Friedrich Chriſtian iſt annoch am Leben. Er fuͤh - ret ſeine Buchdruckerey mit einer Lobenswuͤrdigen Be - dachtſamkeit.
Niels Hanſen Moͤller, trat ans Licht der Welt in Coppenhagen 1702. Sein Vater Hanns Nielſen Moͤller, iſt privilegirter Weißbierbrauer und Brandtweinbrenner geweſen, der aber 1710, geſtorben iſt. Seine Frau Mutter hatte ſich wieder 1712. mit einem Buchdrucker, Johann Sebaſtian Martini, einem Luͤbecker von Geburth, verheyrathet, welcher aber 1720. geſtorben iſt Bey ſelbigem lernete er die Buchdruckerkunſt 1716. Weil aber ſelbiger noch eher verſtorben, als er ſeine Lehrjahre ausgeſtanden hatte, und die Frau Mutter ihre Buchdruckerey ver - kauffen muſte, ſo begab er ſich 1722 in Kriegs - dienſte und ſtunde bey dem zweyten Daͤniſchen Fuͤhn - ſchen Cavallerie Regiment als Corporal. Jndem aber zur ſelbigen Zeit uͤberall Friede wurde, und keine wei -tere14Kurtzgefaßte Nachricht,tere Hoffnung zu einiger Befoͤrderung vorhanden war, ſo begab er ſich wieder zur Buchdruckerkunſt, ſel - bige ordentlich auszulernen. Es geſchahe ſolches in Luͤbeck bey E. E. Hochweiſen Raths-Buchdrucker, Herrn Green, 1727. allwo er in ermeldeten Jahre bey eben dieſem Herrn poſtuliret hat. Hierauf iſt er bey Herrn Willards in Luͤbeck, in Altona bey Hrn. Huͤllen, in Magdeburg bey Herrn Muͤllern, in Frey - berg bey Herrn Matthaͤi, in Dreßden bey Hrn. Har - petern, und in Luͤneburg bey Herrn Stern in Con - dition geſtanden. Alsdann iſt er von Herrn Lynow nach Coppenhagen verſchrieben worden, welcher ſein letzter Herr in dem Geſellenſtand geweſen iſt. Jm Jahr 1733. hat er ſich eine gantz neue Buchdruckerey angelegt, und bey einer Kunſtliebenden Geſellſchafft nach Kunſtmaͤßigen gewoͤhnlichen Gebrauch ſeinen Herrn Jntroitum erleget. 1736. verehlichte er ſich mit Jungfer Guͤndel Mortensdatter Kock, deren Vater in Kleinſchmidt Amt-Meiſter und Buͤrger, Nahmens Morten Kock iſt, mit welcher er zwey Toͤchter erzeuget hat. Die Buͤcher, ſo aus ſeiner Preſſe kommen, zeigen eine gute Geſchicklichkeit von ſeiner Perſon an.
Johann Huͤbner, Koͤniglicher Regierungs Buch - drucker, iſt gebohren 1684. Sein Herr Vater iſt Ambroſius Huͤbner geweſen. Jm Jahr 1705. kam er zu Herrn Chriſtian Henckeln, Univerſitaͤts Buchdrucker in Halle, die Kunſt zu lernen. Er hat auch daſelbſt 1706. ſeine Lehrjahre zu Ende gebracht und noch in ſelbigen Jahre in dieſer Druckerey ſein Poſtulat verſchencket, darauf er 1715. im Jenner Hrn. Gottfried Heinichens, Koͤnigl. Regierungs-Buch -druckers
15von einigen Buchdruckern. druckers eintzige Jungfer Tochter Maria Catharina geheyrathet, und zugleich als Regierungs-Buchdru - cker Adjunctus mit derſelben vier Soͤhne und zwey Toͤchter gezeuget hat, davon die aͤlteſten zwey Soͤhne Johann Gottfried und Samuel Friedrich die Kunſt bey ihm erlernet haben, welche ſich anietzo bey ihm aufhalten, nachdem ſie in Leipzig, Halle, Berlin und andern Orten mehr, auf der Druckerey ſich umgeſehen haben. Die uͤbrigen aber ſind noch unter ſeiner Ver - pflegung. Von Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Preuſ - ſen iſt er zugleich uͤber einige Verlags-Buͤcher privi - legiret.
Von den allererſten Buchdruckern dieſer beruͤhmten Stadt habe ich bereits einige Nachricht in dem erſten Theil p. 70. mitgetheilet. Es waren ſelbige Wolf - gang und Matthias Stoͤckel, ingleichen Gimel - Bergen. Von dieſem letztern habe ich ſein Jnſigne eben daſebſt beſchrieben, und nunmehro ſtehet es hier Tab. II. in Kupfer zu ſehen. Auſſer dem habe ich in Leſſers Hiſtorie p. 232. gefunden, daß auch ein Chri - ſtian Bergen daſelbſt gelebet, welcher ſein eigen Bild - niß zum Zeichen gefuͤhret habe; Er ſoll ſich aber alſo ab - gebildet haben, nemlich: einen glatten Kopff mit kurtzen Haaren, an der Oberlippen einen Knebelbarth, an Kinn einen zweyſpitzigen Barth, welcher auch die Wangen bis zu den Ohren bedeckt. Sein Mantel und Kleid iſt geſtickt, und an der Bruſt traͤgt er eine Kette mit einem Adler. Einige neuere und die heut zu Tag daſelbſt lebende Buchdruckerherren ſind folgende:
Jacob Harpeter, Buͤrger und privil. Buchdru - cker in Dreßden, iſt gebohren zu Nuͤrnberg in der Vor - ſtadt Marckwerthe den 24. Julii 1664. Sein ſel. Vaterwar16Kurtzgefaßte Nachricht,war Martin Harpeter, Wirth zur rothen Glocken allda. Die Mutter Frau Magdalena, eine gebohrne Hauerin. Jm Jahr 1679. den 17. April trat er ſei - ne Lehrjahre in Nuͤrnberg bey Herrn Georg An - dreas Endtern an. Nach vollbrachten Lehrjahren poſtulirte er 1684. den 20. Mart und 1697. den 24. Nov. verheyrathete er ſich in Schleuſingen mit Hrn. Sebaſtian Goͤbels, des Obern Raths Buch - druckers und Buchhaͤndlers, juͤngſten Jungfer Toch - ter, Chriſtina, mit welcher er 3. Soͤhne gezeugt, nem - lich: Johann Wilhelm den 22. Dec. 1698. Johann Valentin den 9. Nov. 1700. Jmmanuel Friederich den 1. Junii 1703. ſo alle 3. die Kunſt erlernet haben. Vom Jahr 1697. biß 1705. iſt er Factor bey Herrn Georg Wilhelm Goͤbeln, Gymnaſ. Buchdruckern und Buchhaͤndlern in Schleuſingen, geweſen. Als - denn hat er 1705. den 21. Aug. in Dreßden von Joh. Michael Funcken die Buchdruckerey erkauft, und iſt hernach geſtorben.
Joh. Conrad Stoͤßel, Koͤniglicher Hof-Buch - drucker, iſt zu Chemnitz, im Gebuͤrge, 1692. den 3. Ju - lii gebohren. Sein Herr Vater iſt Conrad Stoͤſſel Buchhaͤndler und Buchdrucker in Chemnitz. Seine Frau Mutter, Frau Chriſtiana Sophia Porten - reuthern. Jn ſeiner Jugend hat er die daſige Schule beſuchet, worauf er 1704. den 1. Julii als Lehrling in die Buchhandlung aufgenommen worden, darinnen er 5. Jahr biß 1709. den 1. Julii ehrlich geſtanden, wie des ſel. Mannes von 12. Aug a. c. ertheiltes Zeugnis be - ſaget. Die Buchdruckerkunſt zu erlernen iſt er 1705. den 24. Junii auf 4. Jahr aufgenommen worden, die er auch bey ſeinem Herrn Vater redlich ausgeſtanden, zu Chemnitz 1709. den 28. Oct. loßgeſprochen wor -den,17von einigen Buchdruckern. den, und 1709. den 26. Nov. eben daſelbſt zu einen Kunſtglied an und aufgenommen worden iſt. Jm Jahr 1716. den 29. May trat er zu Dreßden in der Koͤnigl. Hof-Buchdruckerey bey Joh. Riedeln das Amt eines Factors an, welches er zwey Jahr mit Ruhm verwaltet. Jn eben dem angefuͤhrten Jahr heyrathete er den 5. Aug. Hrn. Joh. Riedels einiges Kind u. Tochter Jfr. Joh. Margar. Riedelin, und trat hierauf 1718. den 18. Nov. in den Herrenſtand, nachdem er des ſel. ver - ſtorbenen Herrn Riedels Stelle und Druckerey in Beſitz bekommen hat. Mit ſeiner Ehegattin hat er keine Kinder erzeuget. Seine Arbeit legte ein gutes Zeugniß ab, daß er, als ein Verſtaͤndiger Mann, ſolche in acht genommen, ſie hat aber meiſtentheils ins Koͤnigl. Collegium gehoͤret. Endlich iſt er 1733. den 7. Junii geſtorben, deſſen hinterlaſſene Wittbe fuͤhret bis dieſe Stund die Druckerey noch fort. Sein Jnſigne war ein doppeltes Einhorn. Ein mal in dem ofnen Helm, und hernach unten im Schild. Siehe Tab. II.
Joh. Chr. Krauſe, privil. Buchdrucker in Dreßd. iſt zu Tuhrm in der Grafſchafft Schoͤnburg. 1683. den 12. April gebohren. Sein Vater ſel. iſt geweſen Herr Johann Caſpar Krauſe Ludim. & organiſt. allda; die Mutter ſel. Frau Anna Catharina, ge - bohrne Seligmannin, von Schneeberg, allda er auch 1700. die Buchdruckerkunſt bey Herrn Heinrich Fulden erlernet, hernachmals 1706. in Berlin bey Gotthard Schlechtigern, Koͤnigl. Preußl. Hof - Buchdrucker poſtuliret, und 1711. in Dreßden, die Schmiediſche Buchdruckerey erkaufft hat. Jm Jahr 1714. hat er ſich mit Jungfr. Charlotte Hed - wig, Herrn M. Joh. Georg Schiebels, Cantoris in Radeburg, hernach beruffenen Paſtoris in LentzBhin -18Kurtzgefaßte Nachricht,hinterlaſſenen Jungfer Tochter verehliget, aus welcher Ehe er 5 Kinder erzeuget hat, davon aber nicht mehr als ein Sohn, Nahmens Johann Carl, am Leben iſt, welcher gleichfalls die Buchdruckerkunſt erler - hat hat. Jn ſeinem Geſellenſtand hat er in Leip - zig, Franckfurt, Berlin, Rudollſtadt, Zwickau, Chemnitz, Delitſch und Schneeberg in Condition geſtanden. Sein Jnſigne iſt ein Palm-Baum an deſſen Stamm ſein verzogener Nahme zu ſehen iſt nebſt den Worten:
Sieh. Tab. II.
Johann Wilhelm Harpeter, privilegirter Buch - drucker in Dreßden, iſt gebohren in Schleuſigen den 22. Dec. 1698. Deſſen Herr Vater Jacob Harpe - ter, iſt d. z. Factor in der Goͤbeliſchen Officin allda geweſen, die Frau Mutter Chriſtina, eine gebohrne Goͤbelin. Jm Jahr 1712. iſt er nach Schleuſingen zu Herrn Georg Wilhelm Goͤbeln, Gymnaſ. Buch - druckern und Buchhaͤndlern von ſeinen Eltern zu Er - lernung der Kunſt gethan worden. Nach ausgeſtan - denen Lehrjahren hat er daſelbſt 1717. den 2. Nov. poſtulirt, von dar er ſich 1718. in die Fremde begeben hat. Nach dem Tod ſeines ſeel. Herrn Vaters hat er von 1721. bis 1724. der Frau Mutter als Factor vorgeſtanden: Endlich aber 1724. den 3. Octob. die Druckerey von der Frau Mutter erkaufft. Jm Jahr 1731. den 1. Nov verehlichte er ſich mit Jungfer Chriſtina Eliſabeth, Herrn Martin Hoſmanns, Cantoris und Kirchners zu St. Johannis zu Dreß - den, aͤlteſten Tochter, mit welcher er 5. Kinder er - zeuget hat, davon noch 2. am Leben ſind, als Chri - ſtian Samuel und Chriſtiana Charitas, ſo beydenoch19von einigen Buchdruckern. noch unerzogen. Sein Jnſigne iſt das gewoͤhnliche Buchdrucker-Wappen mit beygeſetzten Nahmen I. W. H. P. Siehe Tab. II.
Emanuel Friedrich Harpeter, Buchdrucker zu Friedrichs Stadt, trat zu Schleuſingen den 3. Junii 1703. an das Licht der Welt. Nachdem er ſich nun zu Erlernung der Buchdruckerkunſt in Schulen dar - zu vorbereitet, ſo trat er die Lehre 1716. bey ſeinem Herrn Vater Jacob Harpetern, Buchdruckern in Dreßden, an, nach Verlauff derſelben und darauf er - folgten Losſprechung im Jahr 1721. begab er ſich in die Fremde, poſtulirte noch ſelbigen Jahres bey ei - ner loͤblichen Geſellſchafft in Nuͤrnberg. Nach ſei - ner Zuruͤckkunfft verheyrathete er ſich 1729. den 14. Novembr. mit Jungfer Johannen Roſinen, Herrn Michael Haupts, Koͤnigl Pohln. und Churfuͤrſtl. Saͤchßiſ. Equipage Lieutenants bey der Artillerie, Toch - ter, in welcher Ehe er vier Kinder erhalten hat, nemlich: 1.) Jacob Friedrich, 2.) Johanna Chriſtiana, 3.) Friedrich Samuel, 4.) Johanna Chriſtina, welche beyden letztern bereits wieder geſtorben ſind. Jm Jahr 1735. uͤbernahm er nach ſeines Herrn Bruders Tod, Johann Valentin Harpeters, hinterlaſſene Buchdruckerey, welche er 1733. gantz neu aufgerich - tet hatte. Sein Jnſigne iſt das ordentliche Buch - drucker-Wappen mit ſeinem dazu geſetzten Nahmen E. F. HP.
Daß die Buchdruckerkunſt gar zeitig nach Erfurth gekommen ſey, hat bereits Herr Leſſer p. 52. ange - mercket. Er fuͤhrt ein Buch an, welches daſelbſt 1489. gedruckt worden, wobey ſich aber der Buch - drucker nicht genennet hat. Um das Jahr
B 21514.20Kurtzgefaßte Nachricht,Friedrich Melchior Dedekind, fuͤhrte in ſeinem Wappen einen teutſchen Schild, worinnen drey aus der Erden hervorgewachſene Lilien Knoſpen zu ſehen ſind, durch deren Stengel ein Meſſer geſteckt; auf dem Helm ſtehet ein Kind, welches in der rechten Hand ein Meſſer und in der Lincken die drey abge - ſchnittene Lilien haͤlt. Siehe Tab. III.
Martin Wittel, wohnte zum goldnen Engel ge - gen der Meimer Gaſſe. Sein Jnſigne beſchreibt Herr Leſſer alſo: er fuͤhrte einen teutſchen Schild ohne Tincturen. Jn der Mitte deſſelben ſtehet ein Wiederhacke aufgericht, an deſſen Stiel unten ein Querſtrich ein Creutz ausmachet, in dieſes Creutz lauf - ſet eine Roͤmiſche X, oder ein ſo genanntes Andreas Creutz. Uber demſelben ſtehet zur Rechten ein Latei - niſches M. und zur Lincken ein Lateiniſches W. welche die Anfangs Buchſtaben ſeines Nahmens ſind. Auf dem Schild ſtehet ein zugeſchloſſener Helm, und auf beyden Seiten die Wappen-Decken ohne Tincturen. Auf dem Helm ſind zwey Druckerballen auf einan -der
21von einigen Buchdruckern. der geſetzt. Das gantze Wappen umgiebt ein oval - zettel, in welchem folgendes ſtehet: INSIGNIA MAR TINI WITTEL. ERF. Der Zettel ſelbſt iſt mit einem viereckigten Rand umſchloſſen, und in allen vier Ecken ſtehet ein Engelskopf Bis hieher Herr Leſſer. Auf unſerer Tab. III. kan man es ge - ſtochen ſehen.
Johann Beck, wohnte zum weiſen Schwan un - ter den Schillern.
1663. N N. Hertzens Buchdruckerey.
Johann Heinrich Groſch, war Univerſitaͤts - Buchdrucker, deſſen Druckerey jetzo die Heringiſche iſt.
Michael Funcke, iſt zugleich Buchhaͤndler.
David Limprecht, deſſen Druckerey erbte nach ſeinem Tod Herr Johann Chriſtoph Beyer.
Georg Heinrich Muͤller, deſſen Druckerey kam an Herr Fickelſcherer nach Jena.
Andreas Muͤller, deſſen Wittwe die Druckerey mit ihrem Schwieger-Sohn fortſetzet.
Johann Rudolph Engelhardt, deſſen Drucke - rey beſitzt Alexander Kaufmann.
Johann Joachim Hynitſch, deſſen Druckerey jetzo ſtille liegt.
Johann Chriſtoph Hering, von dem hernach.
N. N. Adlung, deſſen Druckerey beſitzt ietzo Herr Andreas Goͤrling.
N. N. Clauß, deſſen Druckerey hat gegenwaͤrtig Herr Johann Heinrich Nonne, von den uͤbrigen koͤnnen wir etwas ausfuͤhrlichere Nachrichten beybrin - gen, da wir von den vorhergehenden kaum die Nah - men auf zu treiben vermoͤgend geweſen ſind.
Heinrich Beyer, Buchdrucker in Erfurth und ehe - mahliger Pachter der Niſiſchen Druckerey in Jena,B 3iſt22Kurtzgefaßte Nachricht,iſt gebohren zu Naumburg den 9. Febr. 1660. Sein Vater war Georg Beyer, Einwohner auf der Herrn - Freyheit, die Mutter Magdalena Freudenreichin von Oſterfeld, eine Meile von Naumburg. Von ſeinen Chriſtlichen Eltern iſt er zu allen Guten aufer - zogen worden, und weil ihm GOtt mit einem guten Verſtande begabet, ſo iſt er ſeiner Eltern Augen gar fruͤh entriſſen worden, indem er in ſeinem 12. Jahr nach Witterberg kommen, allda bey Herrn Eraſ - mum Philipp Bocken den Buchhandel zu erlernen. Nachdem aber gedachter Herr Bock ſeinen Handels - Stand veraͤndert, ſo hat er ſich auf deſſen Gutbefin - den zu der loͤblichen Kunſt der Buchdruckerey gewen - det, und bey Hrn. Matthias Henckeln, Univerſitaͤts Buchdruckern 5. Jahre gelernet bis 1678. in Novemb. Als er ſich nun noch eine geraume Zeit in Wittenberg nach ſeinen Lehrjahren aufgehalten, ſo hat er hernach die meiſten Conditiones in Leipzig und Jena gehabt, wiewohl er auch noch an andern Orten in Condition geſtanden. Jm Jahr 1691. den 22 Nov. hat er ſich mit Jungfer Reginen Marien, Herrn Samuel Krebſens, Civ. Academ. und Buchdruckerherrns in Jena eintzig hinterlaſſenen Tochter in ein Chriſtliches Ehegeloͤbniß eingelaſſen. Von Jena wurde ſelbiger 1692. nach Halle zum Factor in der Frau Salfeldin Druckerey beruffen. Da aber 1693. ſeine Frau Schwie - ger Mutter mit Tode abgegangen, ſo hat er ſich wie - der nach Jena wenden muͤſſen. Weil aber die Kreb - ſiſche Druckerey nachgehends zertheilet worden, und er einen ziemlichen Theil zu einer Druckerey bekam, ſo ſetzte er ſolche viele Jahr in ein Gewoͤlbe, und ar - beitete hin und wieder vor einen Geſellen, bis er 1700. des ſeel. Herrn Joh. Zach. Niſii Buchdruckerey inPacht23von einigen Buchdruckern. Pacht nahm. Er hat aber ſolche kaum angetreten, ſo nahm ihm GOtt eine Gehuͤlffin in eben dem Jah - re weg, welche ihm zwey Soͤhne hinterließ. Er war bald 6 Jahre in ſolchem Pachte, und weil er bey da - mahliger Schwedens Zeit beſorgte, es moͤchten ſchlechte Zeiten vor die Druckerey werden, ſo gab er ſolchen Pacht wieder auf, und arbeitete bey Hrn. Werthern wieder vor einen Geſellen. Da aber ſein aͤlteſter Sohn auch die Druckerey lernen wolte, und zum Stu - diren keine Luſt hatte, ſo ſuchte er 1708. ſeine geerbte und ſo lange im Gewoͤlbe geſtandene Druckerey her - vor, fuͤhrete ſolche nach Erfurth, und lernete ſeinem aͤlteſten Sohn ſelbſt ſolche Kunſt, und hat alſo ſein Leben auf 12. Jahr in Erfurth zugebracht, da ihn denn GOtt 1720. am Feſt der Heiligen Dreyfaltig - keit zwiſchen 6. und 7. Uhr von dieſer muͤhſamen Welt ſeelig abforderte. Sein Symbolum war gedultig froͤhlich allezeit. Sonſt iſt von dem ſeel Beyer noch zu gedencken, daß ſelbiger ein luſtiger und fried - liebender Mann geweſen, der gerne jedermann mit Rath gedienet; Er war ein guter Setzer und Dru - cker, vornemlich aber konnte er mit den Holtzſchneiden und Abgieſſen wohl zu rechte kommen, daß er auch viele Druckereyen damahliger Zeit mit Leiſten, Final - Stoͤcken und Buchſtaben verſahe, weil das Holtz - ſchneiden noch nicht ſo gemein war.
David Limprecht, Herrſchafftlicher Buchdrucker, war 1662. den 7. Dec. in Zeitz gebohren, und 1738. den 3. May im 77ſten Jahr ſeines Alters geſtorben. Seine Druckerey vermachte er Johann Chriſtoph Beyern.
Georg Andreas Muͤller, ein Bruder des ſeel. Verſtorbenen Johann Caſpar Muͤllers in Leipzig,B 4trat24Kurtzgefaßte Nachricht,trat ans Licht der Welt 1678. den 10. Auguſti zu Braunſchweig. Sein Vater iſt geweſen Herr Jo - hann Muͤller, Kauff - und Handelsmann allda; die Mutter Frau Eliſabeth gebohrne Schlitten, aus Aſchersleben. Weil ihm nun der Vater zeitig ver - ſturbe, ſo iſt er auf Anrathen ſeines Bruders, wel - cher damals in Wittenberg in Condition ſtunde, 1695. bey Hrn. Johann Michael Goteritſch in die Lehre getreten, welche er auch allda ehrlich ausgeſtanden hat. Nach deſſen Verflieſſung iſt er nach Leipzig, und denn 1699. nach Eiſenach gekommen, woſelbſt er 1700. poſtuliret hat. Jm Jahr 1702. den 21. Februarii hat er ſich verehlichet mit Jungfer Sabinen Johannen, Herrn Johann Chriſtoph Rudolphs, Buͤrgers und Buchbinders, Tochter, und hat von ſol - cher Ehe eine eintzige Tochter hinterlaſſen. Jm Jahr 1715. hat er ſich in den Herrenſtand begeben, und eine eigene Druckerey in Erfurth angeleget. Sein Leben hat er bis 1736. den 15. Jan. auf 58. Jahv gebracht; Jm Eheſtande hat er 34. Jahr gelebt und 5. Enckel erlebet. Die Wittwe fuͤhret nebſt ihrem Schwieger Sohne Johann Chriſtoph Beyern die Druckerey fort.
Johann Chriſtoph Hering, iſt den 25. Mart. 1693. in Altendorff, eine Meile von der Veſtung Koͤ - nigſtein gelegen, gebohren. Sein Herr Vater iſt Andreas Hering, Gaͤrtner und Einwohner allda, und deſſen Mutter Anna Sabina, eine gebohrne Mitzſchrichin, geweſen. Jn ſeiner Jugend iſt er nach Mittelndorff in die Schule gegangen. An der Oſter-Meſſe 1704. iſt er bey Herrn Georg Baltha - ſar Ludewig, Buchdruckern in Pirna in die Lehre getreten und 1709. Sonntags in der Michaels-Meſſeloß -25von einigen Buchdruckern. loßgeſprochen worden; da er denn gleich 3. Jahre Cor - nute geweſen, indem er 1712. Sonntags in der Mi - chaelis-Meſſe in Pirna bey ſeinem Lehrherrn ſeel. po - ſtuliret hat. Zum erſtenmahl hat er ſich 1722. den 22. Januar. in Jena mit Jungfer Maria Eliſabeth Schreiberin, weyland Herrn Andreaͤ Schreibers, Civ. Acad. und Buchdruckers, hinterlaſſenen Jung - fer Tochter verehlichet, welche aber den 24. Februar. 1722. wieder geſtorben iſt. Jn der Michaelis-Meſſe 1724. wurde er bey Frau Anna Magdalena Gro - ſchin, als ſeiner ſeel. Frau Schwieger-Mutter, zum Factor vorgeſtellet, da es ſich denn fuͤgte, daß er ſich zum andernmahl 1726. den 9. Julii mit Frau Mar - tha Sybilla Wertherin, gebohrner Groſchin, in den Eheſtand begeben hat, mit welcher er 5. Kinder erzeuget, als 1.) Georg Gotrfried, 2) Johann Caſpar, 3.) Sophia Chriſtiana, 4.) Johann Wil - helm, und 5.) Martha Friederica; drey davon ſind in der Ewigkeit, nemlich 1.) Georg Gottfried, 2.) Johann Wilhelm, 3.) zuletzt Sophia Chriſtiana, daß alſo nur noch zwey Kinder am Leben ſind, nem - lich Johann Caſpar, und Martha Friederica, welche noch in die Schule gehen. Jm Jahr 1730. den 30. Jul. gieng ſeine Frau Schwieger-Mutter mit Tode ab, da er denn durch ſeine Frau die Druckerey be - kam, und den 2. Aug. darauf zum Univerſitaͤts-Buch - drucker angenommen wurde. Sein Jnſigne iſt ein auf der See fahrendes Schiff, woruͤber in einem Zettel die Worte zu leſen ſind: Finis coronat o - pus. Siehe Tab. III.
Johann Wilhelm Ritſchel, von Hartenbach, iſt in Erfurth den 31. Mertz 1705. gebohren. Sein Herr Vater iſt der weyl. Tit. Herr TheodoricusB 5Ru -26Kurtzgefaßte Nachricht,Rudolph Ritſchel von Hartenbach, E. Hochedlen und Hochweiſen Stadt-Raths daſelbſt, geweſener Stadt-Voigt, wie auch bey daſigem loͤbl Buͤrger - Regiment wohlbeſtalter Stadt-Hauptmann, und der Kirchen und Schulen zu St. Michaelis Jnſpector, geweſen. Seine Frau Mutter war Frau Anna Ritſchelin, gebohrne Heinin; Seine Eltern haben ihn in die St. Michaelis Schule geſchickt, in welcher er ſo lange geblieben, bis er faͤhig geweſen in daſiges Gymnaſium zuziehen. Weil er aber gewiſſer Urſa - chen wegen zum Studiren keine Luſt bezeiget, ſondern einig und allein zur Buchdruckerey Luſt hatte, ſo ge - ſchahe es, daß er auch den 19. May 1719 bey ſei - nem Schwager, Herrn David Limprechten, Herr - ſchafftlichen Buchdruckern in Erfurth in die Leh - re getreten, und ſeine Lehrjahre bey demſelben, ſo wie einem Lehrknaben zuſtehet, redlich ausgeſtanden hat, und darauf noch den 27 April 1723. davon wieder frey geſprochen worden: Alsdenn hat er den 18 May beſagten 1723. Jahres daſelbſt bey ſeinem Schwager poſtuliret. Jm Jahr 1733. zu Oſtern iſt er bey Herrn Limprechten Factor worden, welches Amt er drey viertel Jahr verſehen hat, bis zum Ableben ſeines Herrn Vaters, da er die Brau-Gerechtigkeit erer - bet hat. Jm Jahr 1736 mit Anfang des Jahres, hat er in ſeiner Druckerey den Anfang mit arbeiten gemacht. Und weil er ſchon im Jahr 1735 von ei - ner gnaͤdigen Herrſchafft zum Herrſchafftlichen Buchdrucker angenommen worden; ſo hat er ſich eine gantz neue Druckerey angeleget. Jm Jahr 1734. den 9. Nov. hat er ſich mit Jungfer Marthen Friedericken Tennemannin, Tit. Herrn M. Georg Joachim Tennemans, der Chriſtlichen Evangeli -ſchen
Jnsignia Ritschl ab Hartenbach
27von einigen Buchdruckern. ſchen Gemeinde zu St. Michaelis Diaconi, E. Hoch - Ehrwuͤrdigen Miniſterii Aſſeſſoris, und des Gymna - ſii Senatorii Profeſſoris daſelbſt, andern Jungfer Tochter copuliren laſſen. Mit welcher er 2. Kinder er - zielet, nemlich einen Sohn, Georg Wilhelm, geb. den 21. Mart. 1736. und eine Tochter, Martha Magdalena Friderica, gebohren den 8. Nov. 1737. Jn ſeiner Druckerey wurde der Anfang zu arbeiten gemacht mit des ſeel. Johann Arndts Paradieß - Gaͤrtlein, welches zweymahl, als einmahl in 8vo. und das andermahl in 12mo gedruckt worden. Nachdem hat er des Herrn Hoffraths von Falckenſiein Thuͤrin - giſche Chronica auf eigenem Verlag zu drucken an - gefangen, in welchem Buche auch ſchon bereits bis 15. Alphabeth denen Herren Liebhabern ausgeliefert wor - den, wovon er in einer Zeit von einem Jahre laͤng - ſtens das gantze Werck vollſtaͤndig gar liefern wird. Weil nun deſſen ſeel. Herr Ur-Groß - und Groß-Vater, welche ſich in Kriegsdienſten wohl verhalten, ſo gar, daß dieſelbe in den Adelſtand erhoben, und von Har - tenbach genennet worden, auch deshalb von Jhro Kaͤyſerliche Majeſtaͤt mit Brieff und Wappen verſe - hen worden; So hat er ſich deſſelben zu allen Zeiten, als gehoͤrig, bedienet. Die Beſchreibung davon ſte - het in dem Brief ſelbſten, welchen wir hier einruͤcken wollen, und das Wappen Tab. IV. Der Brief aber lautet alſo:
„ Jch Maximilian Joſeph von Minzenried, A. „ A. L. L. Philoſophiæ, Chirurgiæ, Iuris utrius - „ que & Medicinæ Doctor, Ritter des guͤldenen „ Creutzes, Jhro Paͤbſtlichen Heiligkeit CLE - „ MENTIS des eilfften Roͤmiſchen Pabſten, und „ Kayſerl, auch Koͤnigl. Catholiſchen Majeſt. CA -„ ROLI28Kurtzgefaßte Nachricht,„ ROLI des Sechſten Roͤmiſchen Kaͤyſers, und „ zu Hiſpanien, Jndien, Hungarn und Boͤheimb „ Koͤnigs, unſers allergnaͤdigſten Herrn, auch des „ Heil Roͤmiſchen Reichs und Stuhls Pfaltz - und „ Hoffgraffen zu Latein Comes Palatinus &c. &c. Be - „ kenne mit dieſem offenen Brieffe und thue kund Je - „ dermaͤnniglichen, daß vor verfloſſenen etlichen Jah - „ ren, durch Jhro Durchl. des Heil. Roͤm Reichs „ Fuͤrſten und Hertzogen Sfortia, aus Jhme von „ Jhro Paͤbſtl. Heiligkeit und Kaͤyſerl. Majeſtaͤt „ de egirten vollkommenen Gewalt und Vollmacht in „ Conſiderirung meiner, durch etliche Jahre, ſo wohl „ im Felde, als ſonſten in Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt „ Dienſten gefuͤhrten Praxin erworbenen Verdienſten, „ auch ſchon dreyen Allergnaͤdigſten Kaͤyſern in ſchweh - „ ren Peſt - und Krieges-Zeiten geleiſtete treue und er - „ ſprießlichſte Dienſte, mir etliche ſtattliche Begnadi - „ gungen und Privilegia verliehen. wie Dero daruͤber „ gefertigtes Diploma noch laͤngers inhaltet, und mir „ unter denſelben Begnadigungen auch dieſe beſondere „ Macht allergnaͤdigſt mitgetheilet und verliehen worden „ iſt, daß Jch aus Paͤbſtl. Heiligkeit und Roͤmiſchen „ Kaͤyſerl. und Koͤnigl. Catholiſchen Majeſtaͤt Ge - „ walt, Ehrlichen, redlichen und wohl verdienten Leu - „ then, die ich nach eingenommenen Bericht und zeitli - „ cher Erfahrung, wuͤrdig ſeyn erachten werde, einem „ Jeden nach ſeinem Stand und Weſen Wapen und „ Kleinodien mit Schild geben und verleihen, dieſel - „ be Nobilitiren, Wapens - und Lehensgenoß machen, „ ſchoͤpffen und erheben ſolle und moͤge, vermoͤge Jhrer „ Paͤbſtlichen Heiligkeit, Kaͤyſerl. und Catholiſchen „ Majeſtaͤt daruͤber verfertigte Libell und Freyheits - „ Briefe; Dem allen nach, zumahl es gebuͤhrlich„ ziem -29von einigen Buchdruckern„ ziemblich ſolche und dergleichen von hoher Obrigkeit „ durch Goͤttlichen Segen herruͤhrende und ertheilte „ Gnaden Privilegia und Freyheiten dermaſſen anzu - „ wenden, auf daß dem Nechſten damit zu Ehren, „ Wohlfahrt und Befoͤrderung geholffen, fuͤrnehmlich „ aber hoͤchſtgedachter Roͤmiſch-Kaͤyſerl. und Koͤ - „ nigl. Catholiſchen Majeſtaͤt und des Heiligen Roͤ - „ miſchen Reichs Unterthanen und Getreuen, bevorab „ dieſen, welche Jhro Kaͤyſerl. und Koͤnigl. Cathol. „ Majeſtaͤt und dem Heil. Roͤmiſchen Reiche er - „ ſprießliche und getreue Dienſte vor andern geleiſtet, „ oder leiſten koͤnten, deſſentwegen aller gebuͤhrlichen „ Ehre und Befoͤrderung wohl wuͤrdig. Dieweil ich „ dann wahrgenommen, auch aus dieſer wohl mei - „ nenden Affection die ich zu allen aufrichtigen Leuthen „ trage, zu Gemuͤthe gefuͤhret, die Ehrbahr - und Red - „ lichkeit, gute Sitten, Tugend, Vernunfft und an - „ dere Wiſſenſchafften, damit der Edle, Wohlgelahr - „ te und Wohlweiſe THEODORICUS RUDOL - „ PHUS Ritſchl von Hartenbach, bey der Stadt Er - „ furth Raths-Gliede ꝛc. und deſſen Bruder der Edle „ HIERON YMUS PHILIPP Ritſchl von Har - „ tenbach wohl angeſehenen Buͤrger mir bekandt ge - „ machet worden. Zu dem ich auch erfahren, daß der „ Groß-Vater Georg Ritſchl von Hartenbach ſeel. be - „ reits vor hundert und mehr Jahren ſeiner treugelei - „ ſteten Dienſte halber in den Adelichen und Freyherr - „ lichen Stand erhoben, und mit einem gewiſſen Wa - „ pen begnadiget worden; uͤber das mir auch beyge - „ bracht, daß Dero beyder verſtorbene Vater Chri - „ ſtoph Ritſchl von Hartenbach ſich viele in Kriegs - „ Dienſten bey Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt, auch andern „ hohen Koͤnigen und Potentaten meritiret gemacht,und30Kurtzgefaßte Nachricht. „ und in 14. Haupt-Schlachten und Treffen, ohne an - „ dere Scharmuͤtzel mit geweſen, ſolcher aber ſich ſeines „ Nahmens und Wapens ſelten bedienet. Als habe „ ich aus obgemeldten und noch vielmehr andern erweg - „ lichen Urſachen auf Jhr Erſuchen und Anlagen Jh - „ nen ſolchen Namen, Wapen und Stamm wieder „ zu renoviren und zu confirmiren, mit wohl bedacht - „ ſamen Muth und rechten Willen in Krafft meines ha - „ benden Gewalts und Paͤbſtlicher auch Kaͤyſerli - „ cher Freyheit in der allerbeſtaͤndigſten Weiſe, Maaß „ und Form, wie es immer am kraͤfftigſten beſchehen „ kan, ſoll und mag, obberuͤhrte THEODORIC. „ RUDOLPH Ritſchl von Hartenbach und deſſen „ Bruder HIERON. PHILIPP Ritſchl von „ Hartenbach, auch des erſtern ſeine ietzo habende 3. „ Soͤhne, nahmentlich Emanuel Rudolph, Johann „ Rudolph und Johann Wilhelm. allen ihren auch deſ - „ ſen ehelichen Leibes Erben und derſelben Erbens-Er - „ ben fuͤr und fuͤr in Ewigkeit dis nach beſchriebenen „ Wapen und Kleinod beſtehend in dem Schilde 4. Fel - „ der, derer 2. roth, worauf ein braunes in vollen rin - „ nen befindliches Pferd mit einer weiſen plumage, 2. „ gelbe aber ſo leer und guͤldene Zierathen darinne ſind, „ uͤber dieſem Schilde der offene Helm mit denen Te - „ cken, woruͤber noch eine guͤldene Crone, daraus „ gleichfalls wieder ein halb braunes Pferd mit der „ Plumage in der Hoͤhe gelehnet zu ſehen, allermaſ - „ ſen und geſtalt, wie hier in der Mitte dieſes Brieffs „ mit ſeinen eigentlichen Farben angezeiget und erſchei - net, denenſelben alſo Siegelmaͤßig, Wapen und „ Lehensgenoß gemacht, geſchoͤpfft, erhebt, nobi - „ litiret, renoviret und confirmiret; Thue auch ſol - „ ches hiermit und in Krafft dieſes Brieffs alſo und„ der -31von einigen Buchdruckern. „ dergeſtalt renoviren und confirmiren daß nun hin - „ fuͤhro gedachte THEODORICUS RUDOLPH, „ HIERONYMUS PHILIPP, EMANUEL „ RUDOLPH, JOHANN RUDOLPH und „ JOHANN WILHELM Ritſchel von Harten - „ bach, ihre eheliche Leibes-Erben und deroſelben Er - „ bens-Erben ſolch obbeſchrieben Wapen und Klei - „ nodt, auch Schild und Helm fuͤr und fuͤr zu ewi - „ gen Zeiten haben, fuͤhren und ſich deren in allen „ und jeden ehrlichen, redlichen Sachen, Handlun - „ gen und Geſchaͤfften, Kaͤmpfen, Gefechten, Feld - „ Zuͤgen, Panieren, Gezelten aufſchlagen, Jnſie - „ geln, Pittſchafften, Kleinodien, Begraͤbniſſen, „ Gemaͤhlden, und ſonſt in allen Ohrten und En - „ den, nach Jhren Ehren, Nothdurfft, Willen und „ Wohlgefallen, auch alle und jede Gnade, Freyheit, „ Ehre, Wuͤrde, Vortheil, Recht und Gerechtigkeit, „ mit Aembtern und Lehen, geiſtlichen und weltlichen „ zu haben, zu halten und zu tragen, mit andern „ Jhro Kayſerlichen und Koͤnigl. Catholiſchen „ Majeſtaͤt und des Heil. Roͤmiſchen Reichs-Le - „ hens - und Wapens-Genoß Leuthen, Lehen, auch - „ allerhand Gericht und Recht zu beſitzen, Urtheil zu „ ſchoͤpffen, und Recht zu ſprechen, deſſelben alles „ theilhafftig, wuͤrdig, empfaͤnglich darzu tauglich, „ ſchicklich und gut ſeyn in geiſt - und weltlichen Sachen „ und Staͤnden ſich deſſen allen auch freuen, genieſſen „ ſollen und moͤgen, als andere Jhro Kaͤyſerliche „ Majeſtaͤt und des Heiligen Roͤmiſchen Reich Le - „ hens - und Wapensgenoß Leuthe haben, genieſſen, „ freuen und gebrauchen, aus Recht und Gewohnheit „ von aller maͤnniglich ungehindert, alles bey Vermei - „ dung hoͤchſt ernandter Roͤmiſch-Kaͤyſerlichen und„ Koͤ -32Kurtzgefaßte Nachricht,„ Koͤniglichen Catholiſchen und des Heiligen Roͤ - „ miſchen Reichs ſchwehren Ungnad und Straffe, „ auch darzu eine poen, ſo in angeregt meiner Kaͤy - „ ſerlichen Freyheit, nemlich Funffzig Marck loͤh - „ tiges Gold, ausdruͤcklich begriffen, die ein jeder, „ ſo offt Er freventlich hierwieder thaͤt, den halben „ Theil der Roͤmiſch-Kaͤyſerlichen und Koͤ - „ niglichen Catholiſchen Majeſtaͤt und des Reichs - „ Cammer, und den andern halben Theil mir ohn - „ nachlaͤßig zu bezahlen ſchuldig ſeyn ſolle. Alles ge - „ treulich und ohne Gefaͤhrde, doch andern, die „ vielleicht das obbeſchriebene Wappen und Kleinod „ gleich fuͤhreten, an ihren Rechten, Wappen und „ Kleinod allerdings unſchaͤdlich. Mit Uhrkund die - „ ſes Brieffs, den ich mit eigener Hand unterſchrieben, „ auch mein Palatinat-Jnſiegel, deſſen ich mich in „ dergleichen Sache gebrauche, beſiegelt. Geben und „ beſchehen in der Kaͤyſerlichen Reſidentz ‒ Stadt „ Wien in dem Ein Tauſend Siebenhundert und „ Siebenzehenden Jahre, den Zehenden Mo - „ naths-Tag Novembris.
(L. S.) Maximilian Joſeph von Minzenried, Comes Palatinus Cæſareus ut ſupra mppr.
Præ -33von einigen Buchdruckern.Hanc præſentem Copiam cum vero ſuo Originali Diplomatis Nobilitatis concordare atteſtor ego infra ſcriptus Notarius Publicus Cæſareus juratus (L. S.) FRANCISCUS HENNINGUS Schade mppr.
Præſens hoc Exemplum cum jam exhibito Di - plomatis Nobilitatis Authentico ſigillato probe peracta collatione verbotenus maximeque con - veniens ſe deprehendiſſe, ad hunc actum le - gitime rogatus & requiſitus in fidei firmita - tem teſtatum facit 17. Iduum Decembr. Anno 1718. (L. S.) JOHANN. GERHARD. Staͤrcker, Sacra Imperiali autoritate Notar. Publ. Jurat. mppr.
Johann David Jungnicol, iſt in Zwickau 1695. den 16. Junii gebohren, Sein ſeel. Herr Vater Raphael Jungnicol, iſt ein Chirurgus und Ober - aͤelteſter in dem gantzen Zwickauiſchen Creyſe, wie auch Cammer-Diener bey dem Fuͤrſten von Wieſenburg geweſen; Die Mutter aber Maria Magdalena, gebohrne Rachelſin, eines Ober-Foͤrſters Tochter aus Trau. Jn Zwickau und in Schlaitz iſt er in die Schule gegangen. Jm Jahr 1701. ſtarb ihm ſein Herr Vater in Zwickau, und deſſen Frau Mutter verehlichte ſich wiederum 1703. an Herrn Chriſtian Bittorffen, Buchdruckerherrn und Stadt-Wacht - meiſter in Zwickau, welcher ſich auf Verlangen des damahligen Herrn Graffen von Reuß 1705. nach Schlaitz begeben, und daſelbſt Hof-Buchdrucker und Stadt-Richter in der Heinrichs-Stadt wurde. Jm Jahr 1709. trat er in Schlaitz bey ſeinem Hrn. Stief - Vater in die Lehrjahre, worauf er 1714. den 7. Jun. in Schlaitz in Cornuten Stand getreten iſt, und noch in dieſem Jahr den 24. Junii in Schlaitz ſein Poſtu - lat verſchencket hat. Jm Jahr 1721. hat er ſich nachCErf -34Kurtzgefaßte Nachricht,Erfurt begeben und die Jungfer Doͤrrin, eines Zeugmachers Tochter geheyrathet, mit welcher er 5. Kinder gezeuget hat, davon annoch ein eintziger Sohn, Johann Georg, annoch am Leben iſt. Jm Jahr 1737 den 1. Nov iſt er in Erfurt Herr wor - den, da er ſeines ſeeligen Bruders, Carl Friedrich Jungnicols, Druckerey mit 6. Preſſen gekaufft hat; Auf ſeinen Verlag hat er gedruckt: 1.) Herrn Mag. Wenigks, Pfarrers zu Biſchleben, Hiſtor. Sacram Vet. & Nov. Teſt. in 4to mit vielen Kupffern, 10. Alphabeth ſtarck Desgleichen 2) deſſen Bet-Altar in 8vo. 3.) D. Muͤllers himmliſchen Liebes-Kuß, Erquickſtunden, Creutz-Buß - und Bet-Schule in 4to. 4) Herrn M Pfeiffers, Paſt. zu St. Joh. Sammlung heiliger Reden, ſo von denen beruͤhmteſten und ge - lehrteſten Lehrern der Reformirten Kirche in Frantzoͤ - ſiſcher Sprache gehalten, und von gedachtem Herrn M. Pfeiffern in die Teutſche Sprache uͤberſetzet wor - den, in 4to. 9. Alphabeth. Jn ſeinem Wappen fuͤhrt er ein Einhorn. Siehe Tab III.
Jn dieſe beruͤhmte Stadt hat ſich ſo gar ein Ge - ſelle niedergelaſſen, welcher bey Johann Fauſten und Peter Schoͤffern in Condition geſtanden. Er hieß Johann Petersheim, und lebte daſelbſt 1459. welches Herr Leſſer aus Johann Chriſtoph Wolffs Conſpect. Suppellect. Epiſtolico p. 286. erweiſet. Man kan aber nicht leichtlich alle Buchdruckerherren, welche ſich daſelbſt nach einander niedergelaſſen haben, nahmhaft machen. Jnzwiſchen habe ich folgende gefunden:
Christoph Corvinus.
Nunmehro will die Jnſignia beſchreiben, ſo ich von einigen Buchdruckern von Franckfurt nach und nach geſammlet habe.
Und ſo viel von einigen Jnſignien. Nunmehro ſchreite ich zu den Lebensbeſchreibungen ſelbſt.
Balthaſar Diehl, der aͤlteſte Buchdrucker, von denen jetzo lebenden Buchdruckern zu Franckfurt am Mayn, iſt 1687. gebohren. Sein Herr Vater war Johann Berthold Diehl, ein Kaufmann daſelbſt, die Mutter Anna Dorothea, eine gebohrne Goͤrli - nin Die Kunſt lernte er daſelbſt bey Herrn Johann Goͤrlin 1703. und poſtulirte hernach 1708. bey Hrn. Matthias Andreaͤ. Jm Jahr 1716. trat er den Herrenſtand an, nach dem er etwas von der Goͤrli - niſchen Druckerey geerbet hatte. Hierauf heyrathete er eines Materialiſten Jungfer Tochter, mit welcher er ſechs Soͤhne und eine Tochter gezeuget hat Sein aͤlteſter Sohn, Chriſtoph Friedrich, hat bey ihm die Kunſt erlernet, und 1738. bey ihm poſtuliret. Zum Jnſigne bedienet er ſich eines Schildes, worinnen ſein verzogener Name und das Handels-Zeichen zu ſehen. Der Schildhalter iſt ein nackigter Mann, welcher bey einem abgehauenen Baum ſtehet, wor - aus ein gruͤner Zweig gewachſen. Siehe Tab. VI.
Reichard Euſtachius Moͤller, Buchdrucker und Buchhaͤndler zu Franckfurt am Mayn, erblickte zu Biederitz, in dem Hertzogthum Magdeburg den 17. Febr. 1695 das Licht der Welt. Sein Herr Vater M. Johann Euſtachius Moͤller iſt Evangeliſcher Prediger zu Biederitz geweſen; Seine Mutter war Frau Catharina Eliſabeth, des Hochehrwuͤrdigen Herrn D. Erneſti Backii, Senioris zu Magdeburg, eheliche Tochter. Da nun ſein Herr Vater fruͤhzeitig, nemlich den 19. Febr. 1695. als an deſſen Tauf-Tag, verſtorben; So iſt er der muͤtterlichen Erziehung bis 1707. untergeben geweſen, welche ihn zu Magdeburgzur
39von einigen Buchdruckern. zur Kirch und Schulen fleißig erzogen, worauf er auch in ſelbigem Jahr nach Jena in daſige Schule ge - geſandt wurde, allwo er denn zugleich im Meyeriſchen Buchladen in die Lehre aufgenommen wurde. Weil er aber nach ausgeſtandenen Lehrjahren noch ſehr jung war; So hat ihm die ſel. Frau Meyerin, als ſeiner Mutter Schweſter, angerathen, die loͤbliche Buchdru - ckerkunſt noch zu erlernen, wozu er ſich denn auch verſtanden, und 1712. bey Johann Chriſtoph Krebs, daſigen Buchdruckern auf vier Jahre in die Lehre begeben hat Nach uͤberſtandenen Lehrjah - ren, und da er ohngefehr 3. oder 4. Wochen Corneli - us geweſen, hat er 1716. bey Herrn Johann David Werthern, oder vielmehr wie es damahls gebraͤuchlich geweſen, bey der gantzen Jenaiſchen Geſellſchafft ſein Poſtulat verſchencket; noch in ſelbigem Jahr iſt er von dar uͤber Leipzig nach Hamburg gereiſet und zu Herrn Spiering in Condition gekommen; Jm Jahr 1717. wurde er aus Hamb. nach Lemgo zu Herrn Heinrich Willhelm Mayern in ſeine Handlung und Buchdru - ckerey verſchrieben. Jm folgenden Jahr gegen Oſtern reiſete er von dar nach Franckfurt am Mayn in Condi - tion zu Herrn Matthias Andreaͤ, allda er in der Herbſt-Meße in ſelbigem Jahr noch bey einer gantzen Geſellſchafft von Herrn Matthias Andreaͤ zum Factor ſeiner ſtarcken Druckerey vorgeſtellet wurde, welche Stelle er ruͤhmlich bis zu Ende des 1719. Jah - res verwaltet hat, da er dann wieder nach Jena in die Meyeriſche Buchhandlung als Factor verſchrieben wurde. Ob nun gleich der ſel. Herr Andreaͤ ſolches ungern ſahe, ſo trat er dennoch die Reiſe zu Anfang des 1720. Jahrs dahin an und verſahe abermahls die Stelle eines Factors allda biß den 1. Martii 1722. C 4Da40Kurtzgefaßte Nachricht,Da nun Herr Matthias Andreaͤ in der Herbſt - Meſſe 1721. geſtorben, ſo wurde er abermahls in ſelbi - ge Druckerey als Factor verſchrieben, da er dann den 4ten Mertz 1722. wieder angekommen, und ſeine Stelle abermahl angetreten hat. Endlich hat es der hoͤchſte gefuͤget, daß er ſich mit Herrn Matthias An - dreaͤ ſel. Wittwe, Frauen Annen Claren, Herrn Johann Goͤrlins ſel. Buchdruckers allda, ehelichen Frau Tochter in ein Chriſtliches Ehe-Verloͤbniß ein - ließ, den 12. May a. c. das Buͤrgerrecht erhielte, und den 1. Julii ſelbigen Jahrs ſich mit gedachter Frau An - draͤin verehlichte, in welcher Ehe er auch noch, ob zwar ohne leibes-Erben, gantz vergnuͤgt lebet, und un - ter den Buchdruckerherren ietziger Sub - Senior iſt. Und ob er zwar gleich Anfangs bey der Druckerey den Buchhandel etwas klein und ohne einem offnen La - den getrieben; So hat es ſich doch 1729. gefuͤget, daß er das daſige Gentziſche Buͤcher-Lager in Geſell - ſchafft halb an ſich gekauffet hat, wodurch er dann ge - noͤthiget worden ſich noch in ſelbigem Jahr nach einen offenen Laden und Bediente umzuſehen, um den Buch - handel kuͤnfftighin beſſer, und ſtaͤrcker zu treiben. Wo - bey er dann folgende nuͤtzliche Buͤcher, nebſt vielen an - dern, in ſeinem eigenen Verlag gedruckt und an ſich ge - bracht hat, als: Johann Arnds Evangel. Poſtill, ſamt der Paßions Hiſt. fol. deſſen wahres Prieſter - thum in allerley Druck und und Format mit und oh - ne Kupfffer; Conſiliorum & Reſponſorum faculta - tis Jurid. Tubingenſis fol. 6. Baͤnde in Compagnie von 1731. biß 1735. gedruckt; Gundlingii Diſcurs uͤber die luſtitutiones luris luſtiniani 1739. in Octav. Eiusd. Diſcurs uͤber Cocceii lus Publ. 4to 1735. D. Heinr. Mullers Evangeliſche Schluß-Kette in Com -pagnie41von einigen Buchdruckern. pagnie, 1734. in fol. D. Rambachs Colleg Hiſt. Ec - cleſ. in 4to 1734. D. Phil. Jac. Speners Handlung von der Natur und Gnade 1733. in 8vo. Deſſen Lei - chen-Predigten 13. Theile in 4to. 1737. Johann Frid. Starckii Comment. in Ezech. in 4to. 1731. Deſſen Pasſions-Andachten in 8vo. 1735. Deſſen taͤgliches Hand-Buch in gut und boͤſen Tagen, in 8vo. 1739. D. Pritii Predigten von wahrem Chriſtenthum, in 8vo. 1739. Nouveau Dictionaire du Voyageur in 8vo. 1738. Deßgleichen hat er vor auswaͤrtige Handlungen in ſeiner Druckerey nebſt vielen an - dern folgende ſehr koſtbare Wercke gedrucket: R. P. Francisci Polygraphia Sacra, in fol. 1735. R. P. Cal - met Commentarium litterale in omnes ac ſingulos tum veteris. tum noui Teſt. libros in fol. 1734. 2. Baͤnde D. Ioſephi Manſi Bibliotheca moralis, 4 Baͤnde in Fol. 1732. De Graveſon Hiſt. Eccl. Vet. & Nov. Teſt. in fol. 1728. Deſſen Jnſigne iſt ein ordentliches Wappen, in deſſen Schild der Vo - gel Greiff mit den Druckerballen, und auf dem Helm eben dieſer Vogel mit dem Winckelhacken ſtehet, auſſen ſiehet man das Handelszeichen. Siehe Tab. VI.
Joh. Benjamin Andreaͤ, Buchdrucker und Buch - haͤndler, wie auch der Zeit Vorſteher einer loͤblichen Buchdruckergeſellſchafft zu Franckfurt am Mayn. Sein ſel. Herr Vater war Johann Philipp Andreaͤ, bey welchem er die Kunſt erlernet, und nach deſſelben Todt, nemlich zu Ende des Jahrs 1722. die Druckerey bekommen hat. Es iſt ſolcher ſeit 1726. verheyrathet, und deſſen aͤlteſter Sohn, Joh. Heinrich, ſchon zwey Jahr zu Erlernung dieſer Kunſt eingeſchrieben. Ubri - gens iſt noch zu gedencken, daß dieſe Andreiſche Buch - druckerey ſeit 1667. durch Vater, Sohn und EnckelC 5unter42Kurtzgefaßte Nachricht,unter dieſem Nahmen nunmehro gefuhret, und in ſelbige ſowohl als in der Handlung viele groſſe und andre Buͤcher gedruckt und verlegt worden. Als:
Heinrich Ludewig Broͤnner, der Zeit Vorſteher, iſt den 21. Dec. 1702 in der Stadt Wertheim an der Tauber gebohren. Er lernete die Buchdrucker - kunſt daſelbſt in Franckfurth am Mayn von An. 1717. bis 1721. bey weyl Herrn Johann Philipp Andreaͤ, und uͤberkam 1722. durch Anheyrathung Herrn Johann Bauers ſel. hinterlaſſenen Wittwe deſſen Buchdruckerey, aus welcher Ehe von drey erzeugten Kindern noch ein Sohn, Heinr. Remigius Broͤnner, der Zeit am Leben iſt, welcher 1728. den 15 Mar. geboh - ren und 1737. den 11ten Jun. zu Erlernung der Buch - druckerey eingeſchrieben worden.
David Jacob Cronau, iſt 1704. in der Kayſerli - chen freyen Reichs Wahl - und Croͤnungs-Stadt Franckfurt am Mayn gebohren, woſelbſt er auch die Buchdruckerkunſt von 1720. bis 1723. bey weyl. Hrn. Johann Koͤllner erlernet, auch deſſen Buchdrucke - rey durch Erbſchafft und Anheyrathung ſeiner hinter - laſſenen Wittwe den 26. Dec. 1729. uͤbernommen hat, in welcher Ehe er keine Kinder erzeuget, ohnge - acht ſelbige 6. Jahre gedauert hatte. Jm Jahr 1735. begab43von einigen Buchdruckern. begab erſich in die zweyte Ehe, und zeugte in derſelben zwey Kinder, als einen Sohn und eine Tochter der Sohn iſt 1736. den 16. Oct. gebohren und bekam in der heiligen Tauf den Namen: Joh Nicol, welche beyde noch am Leben ſind.
Von den Buchdruckern, welche ſich zu Franckfurth an der Oder nach einander niedergelaſſen haben, ſind mir folgende bekannt:
Margaretha Eichhornin, eine Tochter Friedrich Eichhorns, wodurch er deſſelben Druckerey erhalten, und daruͤber von neuem prwilegirt wurde.
Nunmehro will ich die oben bemerckten Jnſignia be - ſchreiben, und alsdenn die Lebensbeſchreibungen der jetzi - gen daſelbſt befindlichen Buchdruckerherren beyfuͤgen. Andreas Eichhorn hatte nach Anleitung ſeines Na - mens ein Eichhorn erwehlet, wie Herr Leſſer berichtet, p. 227.
Wolfgang Richter hatte ſich den ſchoͤnen Juͤng - ling Ganymedes erkieſet, wie ihn der in einen Adler verſtellte Juppiter in Himmel gefuͤhret. Auſſen herum ſteh en die Worte in Deo lœtandum Siehe Tab. VII.
Johann Bringer einen durch die Lufft fliegenden Engel, welcher in den Haͤnden ein Band haͤlt; Oben in dem Wolcken ſtehet das Wort〈…〉〈…〉. Unten das Handelszeichen und die Anfangsbuchſtaben von ſeinem Namen I. B. Auſſen herum ließt man die Worte: Ecceannuncio vob sgaudium magnum ſiehe VII.
Tobias Schwartze, Univerſitaͤts-Buchdrucker, iſt 1665 den 15. Martii zu Oelße in Schleſien gebohren. Sein Vater iſt ein Zwilligmacher geweſen. Er wur - de von Jugend auf zur Schulen angehalten; Weil ihm aber der Vater gar zeitlich verſtorben: So hat ihm Herr M. Wegner Diaconus an der Ober - Kirchen daſelbſt, als ein Vetter 1680 nach Franck - furth an der Oder zu ſich genommen, und zur Schu - le gehalten, worauf er 1686. als ein Studioſu inſcribiret worden. Es hat gedachter Herr M. Weg -ner
Wolfgang Richter.
45von einigen Buchdruckern. ner einen Sohn gehabt, welcher die Druckerey lernen ſollte, indem er die Druckerey zu Landsberg an der Warte an ſich gekauffet hatte Da er aber fruhzei - tig geſtorben, ſo hat er unſern Schwartzen beredet, die Kunſt zu erlernen, damit er ihm die Druckerey uͤber - geben koͤnnte. Hierauf iſt er alſo nach Frf. am Mayn gereiſet, und hat bey Joh Dietrich Friedchen ſel ſei - ne Jahre ausgeſtanden; und hernach daſelbſt poſtu - liret, und einige Oerter beſuchet. Da er aber von ihm ein Schreiben erhalten er ſollte nach Frf. an der Oder kommen, mit ihm Unterredung zu halten: So hat er ihm die Druckerey verkaufft. Er fieng darnach 1691. ſeine Druckerey an, heyrathete 1702 eine Wittwe, So - phia Rothin, eines Predigers Tochter aus Doͤbbrin, mit welcher er drey Soͤhne gezeuget, die zwey aͤlteſten ſind wieder geſtorben, und der juͤngſte hat die Drucke - rey bey ihm gelernet und poſtuliret Nachdem er nun eine Zeitlang die Druckerey gefuͤhret hatte und die Stelle eines Univerſitaͤts Buchdruckers ledig wurde, ſo hat ihn eine Hochloͤbliche Univerſitaͤt darzu angenom - men. Weil er aber Alters halben 1734. die Officin ſeinem Sohn uͤbergeben, ſo hat ermeldtete Univerſitaͤt gleichfalls auf ſeinen Sohn geſehen und ihn zu ihren Buchdrucker angenommen.
Martin Huͤbner, iſt zu Damnitz im Magdebur - giſchen 2. Meilen von Halle gelegen Anno. 1696. den 31. Martii gebohren worden. Sein Vater iſt ein Weingaͤrtner und Einwohner daſelbſt, Nahmens Am - broſius Huͤbner, geweſen. Jn Wettin hat er die Schule beſuchet, und 1711. in Cuͤſtrin bey Herrn Gottfried Heinichen, Koͤnigl. Regierungs-Buch - drucker, die Kunſt erlernet, darauf er zu Oſtern 1716 losgeſprochen wurde, und auf folgenden 2. Jun. erwehn46Kurtzgefaßte Nachricht,wehnten Jahres in Stettin bey Herrn Hermann Gottfried Effenbarthen ſein Poſtulat verſchencket hat. Nachgehends hat er unterſchiedliche Oerter be - ſuchet, bis er 1725. nach Franckfurt an der Oder aus Berlin in der Frau Wittwe Simmerſin Druckerey verſchrieben wurde. Endlich hat er der - ſelben ihre privilegirte Buchdruckerey nebſt den Ver - lag 1726. abgekaufft, und ſich hernach noch in die - ſem Jahr den 15. Octobr. mit Jungfer Louiſa Meiſ - nerin, aus Cuͤſtrin, Herrn Johann Meiſners, Ge - richts Aſſeſſoris daſelbſt, eintziger Jungfer Tochter, verehlichet, mit welcher er 2. Toͤchter und 1. Sohn gezeuget. Weil nun 1732. den 22. Junii ſeine Frau Liebſte wieder geſtorben; So hat er ſich nachgehends 1733. den 7. May zum andernmahl mit Jungfer Dorothea Eliſabeth Padelin, Herrn Chriſt. Pa - dels, Tuchhaͤndlers allda, aͤlteſten Jungfer Tochter, wiederum ehelich verbunden, und mit derſelben eine Tochter und einen Sohn gezeuget. Jn deſſen Dru - ckerey werden die von Jhro Koͤniglichen Majeſtaͤt in Preuſſen allergnaͤdigſt privilegirten und mit deſſen ei - genhaͤndiger Unterſchrifft erlaubten Theologiſchen Buͤ - cher, an Poſtillen, Gebeth - und Geſang-Buͤchern, und unterſchiedlichen Schul-Buͤchern gedruckt, und von demſelben verlegt.
Siegmund Gabriel Alex, iſt zu Jacobsdorff, bey Franckfurt an der Oder im Jahr 1698. den 25. Martii gebohren. Sein Herr Vater iſt Martin Alex, Prediger in ermeldeten Jacobsdorff, Brie - ſen und Kerſchdorff geweſen, welcher ihn zu Franck - furth an der Oder und Fuͤrſtenwalde zur Schule gehalten. Die Kunſt erlernete er 1713 zu Croſſen bey ſeinem Stief-Bruder, Herrn Johann FriedrichLiſ -
Siegmund Gabriel Alex
47von einigen Buchdruckern. Liſcovio, worauf er 1718. bey der Buchdrucker So - cietaͤt zu Franckfurth losgeſprochen wurde, und noch in ſelbigem Jahr 1718. zu Berlin bey einer gantzen Buchdrucker Societaͤt poſtulirte. Jm Jahr 1730. hat er bey des ſeel Hrn. Johann Chriſtoph Schwar - tzens Wittwe ein Jahr als Factor der Druckerey vorgeſtanden, welcher er hernach 1731. die Buchdru - ckerey abgekaufft hat, und Herr wurde. Worauf er noch in ermeldteten Jahr den 29 April Jungfer Do - rothea Eliſabeth Chriſtin, des ſeel. Herrn Magi - ſter Chriſts, geweſenen Rectoris daſelbſt, juͤngſte Jungfer Tochter geheyrathet hat. Seine Druckerey iſt ſehr alt, und 1687 von dem hochſeeligen Churfuͤr - ſten Friedrich Wilbelm privilegirt worden. Deſſen Jnſigne ſtellet einen Blumen-Korb fuͤr, worauf eine Biene fliegt, auſſen herum ließt man die Worte: Mes yeux à toutes, mon coeur à une. Siehe Tab. VIII.
Jn dieſer Stadt hat die edle Buchdruckerkunſt erſt ſeit hundert und etlichen wenigen Jahren einen Wohn - platz gefunden. Herr M. Georg Conrad Rieger, hat in der Vorrede zu M. Wilhelm Jeremias Ja - cob Kleſſens dritten Jubelfeſt der Buchdruckerkunſt Gotha, 1740. 8. p. 11. ſqq. alle daſelbſt nach einan - der wohnhafte Buchdruckerherren nahmhaft gema - chet, und das merckwuͤrdigſte von ihnen angefuͤhret. Es wird mir erlaubt ſeyn, daß ich das nothwendigſte daraus entlehne und hieher ſetze. Der erſte Buch - drucker daſelbſt: Peter Schmidt hat 1638 einen Anfang gemacht Weil er ſich aber etwas unanſtaͤn - dig aufgefuͤhret hat: So hat ihn der glorwuͤrdige Her -tzog48Kurtzgefaßte Nachricht,tzog Ernſt entlaſſen, und hingegen dem ſeel. Herrn Rector, M. Andreas Reyhern 1643. durch einen beſondern Befehl gnaͤdigſt aufgetragen, ſeine Drucke - rey von Schleuſingen nach Gotha zu verlegen, wor - uͤber er ſo wohl ihm, als ſeinen Erben und Nach - kommen ein gnaͤdigſtes Privilegium ertheilet hat: Hier - auf ließ gedachter Herr Reyher ſeine Druckerey durch einen Factor, Johann Michael Schallen, ver - walten, bis deſſen Herr Sohn Chriſtoph Reyher 1668. dieſelbige uͤbernommen, nachdem er in Leipzig die Buchdruckerkunſt ruͤhmlich erlernet hatte. Ge - dachter Chriſtoph Reyher bekam ebenfalls ein gnaͤ - diges Privilegium daruͤber von Jhro Hochfuͤrſtlichen Durchlauchtigkeit dem Hertzog Ernſten; welches hernach Jhro Hochfuͤrſtliche Durchl. Friedrich I. und Friedrich II. beſtaͤttigten. Als er aber wegen hohen Alters ſeiner Druckerey nicht wohl mehr vorſtehen konnte; So wurde deſſen einiger Sohn, Herr Jo - hann Andreas Reyher 1703. von Sr. Hochfuͤrſtl. Durchl. Friedrich II. aus Coppenhagen nach Gotha beruffen. Anfaͤnglich wurde er nur dem alten Herrn Vater als Hofbuchdrucker ſubſtituiret, bis er endlich 1714. die Buchdruckerey nebſt dem gnaͤdigſten Privile - gio wuͤrcklich und eigenthuͤmlich angetreten hat. Die - ſes Privilegium haben hernach Jhro Hochfuͤrſtlichen Durchl. Hertzog Friedrich III. aufs neue mit allen Clauſuln und davon abhangende Freyheiten ſo wohl uͤber die Buchdruckerey, als Buͤcher-Verlag aller - gnaͤdigſt beſtaͤtiget. Die jedermann vor Augen lie - genden gedruckten und verlegten Buͤcher koͤnnen ein deutliches Zengniß ablegen, daß unſer Herr Reyher ſeine Kunſt gantz wohl verſtehe, nachdem er ſeine Wiſ - ſenſchaft in Holland und andern Orten reichlich ver -meh -49von einigen Buchdruckern. mehret hat. Er bemuͤhte ſich auch eifrigſt, alles anzu - ſchaffen, was nur zu einer wohl eingerichteten Buch - druckerey noͤthig iſt. Zu dem Ende hat er ſich mit einem reichen Vorrath von den beſten L[e]ttern, Figu - ren, und Kupferpreſſen u. d. m. ruͤhmlich verſehen. Rieger l. c.
Johann Chriſtian Hendel, Univerſitaͤts Buch - drucker in Halle, trat zu Aſchersleben 1692. den 3. October ans Licht der Welt. Sein Herr Vater war Chriſtian Hendel, Stadt Chirurgus daſelbſt, welchen er gar bald durch den Tod einbuͤſſen muſte, darauf auch die Mutter gleichfals folgte, daß er alſo in dem erſten Jahre ſeiner Kindheit zum Vater - und Mutterloſen Waͤyſen wurde. Bey ſolchem ſchweren und betruͤbten Verhaͤngniß nahmen ſich die naͤchſten Blutsfreunde ſeiner treulich an, gaben dieſem Waͤy - ſen den hoͤchſinoͤthigen Unterhalt und erzogen denſel - ben bis ins 11te Jahr. GOtt erweckte aber hernach eine groſſe Wohlthaͤterin, nemlich die weyland Hoch - wohlgebohrne Frau von Legath, eine gottesfuͤrch - tige, Chriſtliche und tugendhaffte Dame, die ſich hoͤchſtruͤhmlich angelegen ſeyn ließ, denſelben zur Ehre Gottes und des Naͤchſten Nutzen weiter zu bringen Es muſte ſich dannenhero fuͤgen, daß hochgedachte vor - nehme Frau eine Reiſe nach Halle that, und dieſen Knaben mit ſich nahm, bey welcher Gelegenheit die - ſelbe ſich mit dem ſeeligen Herrn Profeſſor Francken beſprach, demſelben dieſen Knaben vorſtellete und nachdruͤcklich recommendirte, welches ſo viel wuͤrckte, daß er alſofort in das Waͤyſenhauß an - und aufge - nommen wurde, und in der Gottesfurcht und andern noͤthigen Wiſſenſchafften getreuen Unterricht bekam. DNach50Kurtzgefaßte Nachricht,Nachdem er nun dritthalb Jahr im Waͤyſenhauſe zu - gebracht, ſo ſtarb ſeine bisherige große Wohlthaͤ - rerin die Frau von Legath zu ſeinem groſſen Leid - weſen; dannenhero muſte er eine ſolche Lebensart er - greiffen, davon er kuͤnfftig gedachte ſein Brodt zu ha - ben. Er erwehlte demnach die edle Kunſt der Buch - druckerey, in welchem Vorſatz er auch ſeinen Endzweck erhielt, daß er dieſelbe, als Setzer, zu lernen anfing im Jahr Chriſti 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr war Chriſtian Henckel, fuͤrnehmer Buchdrucker - herr in Halle, welcher noch am Leben iſt, und bey ſei - nem hohen Alter in erwuͤnſchten Wohlſeyn lebet. Unter - deſſen guter Anfuͤhrung und Unterweiſung hat er 5. volle Jahre geſtanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Feſte wurde er losgeſprochen, und von dem beſchwerlichen Cornutenſtande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet. Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunſt, verſchenckte er bey ſeinem gewe - ſenen Lehrherrn, Herrn Henckeln, ſein Poſtulat, und wurde alſo zu einen Mitgliede dieſer Kunſt gewoͤhn - lichermaſſen erklaͤret. Hierauf verließ er Halle, und conditionirte an auswaͤrtigen Orten bey einem und dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver - langet wurde. Jmmaſſen des ſeel. Herrn Johann Jacob Krebſens, geweſenen Univerſitaͤts Buchdru - ckers, nachgelaſſene Wittwe denſelben zu Fortſetzung ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei - nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor derſelben durch oberwehnten Herrn Henckeln und ſei - ner damahligen Geſellen oͤffentlich vorſtellen ließ, wel - che Factorey er unter goͤttlichem Beyſtande treu und ſorgfaͤltig verwaltet hat, dergeſtalt, daß obgedachteWitt -51von einigen Buchdruckern. Wittwe ſich entſchloſſen ſich mit ihm ehelich zu verbin - den, welches durch goͤttliche Fuͤgung und prieſterliche Zuſammengebung den 11. May 1717. geſchahe, wor - auf er die Druckerey gerichtlich annahm, und als ſein Eigenthum erkauffte. Mit dieſer ſeiner Ehefrau bekam er drey Soͤhne, wovon der erſte, Johann Frie - drich Krebs, als Buchhaͤndler in Wuͤrtzburg lebet; der andere, Johann Heinrich, iſt ein Mitglied der Buchdruckerkunſt, ſo ſich in Koͤnigsberg verheyra - thet hat, und dieſelbe allda eifrig fortſetzet; der dritte, Johann Jacob, als der juͤngſte iſt gleichfalls ein Mitglied von dieſer Kunſt, ſtehet anietzo ſeinem Herrn Stief-Vater bey und beobachtet deſſen Geſchaͤffte, mit allem Fleiß und gehoͤriger Treue. Nachdem er nun mit dieſer Krebſiſchen Wittwe, als ſeiner getreuen und redlichen Ehefrau Gertraud, einer gebohrnen Kruͤ - gerin von Rathenau 21. Jahr und 5. Monat im Eheſtand gelebet, und mit derſelben, wiewohl ohne Kinder, eine chriſtliche, vergnuͤgte und friedſam e Ehe gefuͤhret, ſo hat dieſelbe, nach dem unumſchraͤnckten Rathſchluſſe GOttes, der Todt getrennet, indem ſel - bige den 8. Octob. 1739. in den 72. Jahre ihres Al - ters das Zeitliche mit dem ewigen verwechſelt, wo - durch er alſo in den betruͤbten Wittwenſtand geſetzet worden. Was nun ſeinen Beruf anlanget, ſo hat er, ſo lange er ſeine Officinam Typographicam gebrau - chet, ſo viel moͤglich, ſich aller groben, Satyriſchen, GOtt, der Religion und Erbarkeit zu wiederlauffen - den Schrifften ernſtlich vermieden, und ſich deren gaͤntz - lich enthalten, dagegen iederzeit geſuchet, GOtt und ſeinem Naͤchſten mit und in derſelben gefaͤllig zu leben und zu dienen. Und da die Zeiten manchmal ſehr nahrloß geweſen, und er oͤffters nichts vorzunehmenD 2ge -52Kurtzgefaßte Nachricht,gewußt, ſo hat er manches erbauchliches Tractaͤtgen und Diſputationes beruͤhmter und gelehrter Maͤnner, fuͤr die Hand genommen und gedruckt, daß er alſo end - lich wegen Menge derſelben und dabey erfolgten ſchlech - ten Abgange genoͤthiget worden iſt, einen Diſputa - tionsladen anzulegen, welchen er auch noch ietzo den Gelehrten zum beſten fortſetzt. Sein Leib - und Wahlſpruch iſt:
Das Signet ſo er fuͤhret, iſt das allgemeine Kunſt - und Druckerwappen, mit deſſen Namen J. C. H.
Johann Friedrich Grunert, Univerſitaͤts und Raths-Buchdrucker, iſt 1700. den 26. Jan. zu Halle gebohren Sein Herr Vater iſt geweſen, Johann Grunert, Univerſitaͤts und E. Hoch-Edlen Raths - Buchdrucker daſelbſt. Jm Jahr 1715 hat er mit der Erlernung der Buchdruckerkunſt bey ſeinem Hrn. Vater den Anfang gemacht, und den 19. Febr. 1719. ſein Poſtulat bey demſelben verſchencket Jm Jahr 1733. uͤbernahm er von ſeinen Geſchwiſter ſeines ſee - ligen Vaters Buchdruckerey, und verehlichte ſich noch in dieſem Jahr den 13. Julii mit Maria Magda - lena, Herrn Andreas Seyfarts, Buͤrgers und Guͤrt - lers in Halle, eheleiblichen eintzigen Tochter dritter Ehe, welche aber den 6. Dec. a. c. wiederum ver - ſtorben iſt. Jm Jahr 1734. den 11. Auguſti ver - heyrathete er ſich zum andernmal mit Anna Maria, einer gebohrnen Knauthin, Herrn Johann Friedrich Hamiltons, E Hochedlen Raths Muͤhlenſchreibers, hinterlaſſenen Wittwe, mit welcher er drey Kinder erzeuget, nemlich zwey Soͤhne und eine Tochter, wo - von ein Sohn Johann David noch am Leben iſt. Die -
53von einigen Buchdruckern. Diejenigen Wercke und Diſſertationes, ſo aus ſeinen Preſſen zum Vorſchein gekommen ſind, beweiſen alle daß er keinen Fleiß und Muͤhe geſpahret hat. Sein Jnſigne iſt ein Palmbaum, vor welchen ein Wanders - mann ſtehet und aus dem Wolcken mit Blumen uͤ - berſchuͤttet wird, mit der Uberſchrifft:
Johann Chriſtian Grunert, als der andere Sohn von erſtgedachten Herrn Johann Grunert, erblickte das Licht der Welt im Jahr 1702. den 11. April. Den Anfang zu ſeiner Kunſt hat er bey ſel - bigem geleget und hernach ebenfalls auch bey ihm 1720. ſein Poſtulat verſchencket; Jm Jahr 1726. aber hat er ſich nach Berlin begeben, allda er 3. Jahr geweſen, von dar er wieder nach Hauſe zu ſeinem Vater ge - kehret iſt, und ſich 1730 den 6. Febr. mit einer Witt - frauen Catharinen Eliſabethen Abin, einer gebohr - nen Schafin verehlichet, mit welcher er eine Tochter 1732. den 2. Febr. gezeuget hat. Hierauf hat er 1733. den 5. Octob. Herrn Johann Chriſtian Hendels Buchdruckerey an ſich gekauffet, und mit unterſchied - lichen Schrifften vermehret, mit welchen er der ge - lehrten Welt dargeleget: Heinecci Elementa Iuris Germ. I. II. Theil. Eiusd. Elementa, iuris naturæ & gentium, Jacobi Cuiacii Oblervationes & emen - dationes, cum præfatione, Heineccii, anderer be - ruͤhmten Maͤnner Schrifften nicht zu gedencken, ſo er gedrucket. Sein Jnſigne iſt ein Laͤmmlein mit der Siegsfahne, wobey zur rechten Hand ein in Stein gehauenes Grab, zur Lincken Hand aber ſtehet nach - zuſchlagen 2. Tim. 1, 10. welchen Spruch er zum Symbolo hat. Chriſtus hat dem Tod die Macht genommen ꝛc. oben druͤber aber die Worte:
D 3Etiam54Kurtzgefaßte Nachricht,Johann Heinrich Grunert, der dritte Sohn des oben gedachten Herrn Grunerts, wurde zu Halle den 13 Febr 1705. gebohren. Den Grund zu denen noͤthigen Wiſſenſchafften legte er in daſigem Gymna - ſio, darauf er denn bey ſeinem Herrn Vater die Buch - druckerkunſt erlernete, auch bey ſelbigem den 26. Dec. 1723 ſein Poſtulat verſchenckte. Nach Abſterben ſeines Vaters fuͤhrte er deſſen hinterlaſſene Drucke - rey, als Factor, von Michaelis 1731. bis Oſtern 1733. Darauf er des Herrn Chriſtoph Andreas Zeidlers, die von ſeinem Enckel, Johann Daniel Orban, er - erbte Druckerey an ſich kauffte. Jm Jahr 1732. den 25. Aug. verehlichte er ſich mit Jungfer Johanna Sophia, Herrn Johann Samuel Hinitzſchens, Gemeinheitsmeiſters und Weinſchenckens zweyten Tochter, mit welcher er 3. Soͤhne erzeuget, wovon die beyden juͤngern, Johann Samuel und Johann Heinrich, noch am Leben ſind Jm Jahr 1736. den 3. Oct. wurde er von einem wohl loͤblichen Kirchen - Collegio bey der Kirche zu St. Moritz zum Achr - mann bey gedachter Kirche erwehlet; Seine Dru - ckerey hat er mit vielen Schrifften vermehret und dar - aus zum Vorſchein gebracht: Corpus Iuris Germa - nici antiqni cum præfatione Heineccii, Böhmeri Compendium Iuris eccleſiaſtici, und andere mehr. Sein Jnſigne iſt ein Garten mit Blumentoͤpfen und Aleen von Baͤumen, darinnen ein Gaͤrtner ein jun - ges Baͤumgen pflantzet, mit der Uberſchrifft:
Johann Juſtinus Gebauer, Univerſitaͤts-Buch -drucker,
55von einigen Buchdruckern. drucker, wurde den 19. May 1710. zu Waͤlthers - hauſen im Hennebergiſchen gebohren. Deſſen Herr Vater war Director des daſigen Feldmeſſer-Colle - gii, wie auch Tuch - und Raſchmacher daſelbſt. Ob er ſich gleich Anfangs dem Studiren widmen wollte; ſo verurſachte doch der fruͤhzeitige Tod ſeines Vaters, daß er ſolches fahren laſſen, und in ſeinem 13. Jahre in die Fremde, und zwar nach Jena zu ſeinem da - mal daſelbſt ſtudirenden Bruder ſich wenden muſte. Jm Anfang des 1724. Jahres begab er ſich zu Fran - ciſcus Buchen, Buchhaͤndler und Buchdruckern da - ſelbſt, bey welchem er Anfangs die Buchhandlung, nachhero aber auch die Buchdruckerkunſt erlernete, und 1730 bey ſelbigem auch das Poſtulat verſchenckte. Um Michaelis 1732. wendete er ſich nach Halle, wo - ſelbſt ihm wenige Wochen nach ſeiner Ankunfft die Factorey in des ſeel. Herrn Stephan Orbans hin - terlaſſenen Buchdruckerey aufgetragen wurde, ſo er auch angenommen, und nachdem er ſolche beynahe ein Jahr verwaltet hatte, ſo kaufte er dieſe erſt ge - dachte Buchdruckerey an ſich, und hat ſolche mit vie - len Schrifften vermehret; zu Anfang des 1734 Jah - res verehlichte er ſich mit Jungfer Maria Sophia, Herrn Johann Adolph Bertrams, Apotheckers in Quedlinburg, hinterlaſſenen eintzigen Tochter, mit welcher er 2. Soͤhne und eine Tochter gezeuget, da - von jedoch der aͤlteſte, Johann David, wieder ver - ſtorben, und Johann Jmmanuel noch am Leben iſt. Nebſt verſchiedenen Boͤhmiſchen, Pohlniſchen, Oſtindiſchen, Wendiſchen und Ungariſchen Schriff - ten, iſt auch Johann Arnds wahres Chriſtenthum, in Rußiſcher, und das Neue Teſtament in Finniſcher Sprache bey ihm aus der Preſſe gekommen. WeilD 4er56Kurtzgefaßte Nachricht,er uͤbrigens auſſer dieſen wenige, darunter Lactantii opera omnia c. n. Bünemanni in med. 8. Caſtellio - nis colloquia 8. Ei. Annotationes Bibl. in med. 8. c. n. Buͤnemanni zu rechnen ſind, vor andere zu dru - cken gehabt, ſo hat er meiſtentheils ſeinen eigenen Verlag verfertiget, und in ſelbigem ſonderlich Lutheri Kirchen - und Hauß-Poſtill in 4to verbeſſerter heraus - geliefert, auch nachher ſich entſchloſſen die ſaͤmmtli - chen Schrifften des ſeel. Lutheri in 19. Quart Baͤn - den in einem viel verbeſſerten Stande unter der Di - rection des Herrn Johann Georg Walchs, der Heil. Schrifft D. und P. P. Ord. in Jena, wie auch Hochfuͤrſtl. Saͤchſ. Eiſenachiſchen und Brandenburgl. Onoltzbach Kirchen - und Conſiſtorial-Raths ans Licht zu bringen, wovon die bereits heraus gekommene Theile am beſten zeugen koͤnnen. Deſſen Jnſigne beſtehet aus zwey Palmbaͤumen, darzwiſchen in der der Mitte ein Tiſch, auf welchem ſich die 20. Baͤnde von Lutheri Schrifften nebſt Lutheri Wappen mit dem Creutze in der Roſe zeiget, und zugleich deſſen Wahlſpruch:
oben druͤber ſich befindet. Vorn am Tiſche zeiget ſich des Verlegers verzogener Name, und auf den Seiten auſſenhalb zwey Cornu copiae, davon die aus dem einen herausfallende Sachen die Buchdruckerey, aus dem andern aber den Buchhandel anzeigen.
Chriſtian Ludwig Sympher, Univerſitaͤts-Buch - drucker in Halle, iſt zu Eißleben im Jahr 1697. den 17. April gebohren. Sein Herr Vater war Johann Sympher, gebuͤrtig von Rottleben in Thuͤringen, bey weyland Jhro Hochgraͤffl. Gnaden zu Schwartz -burg -57von einigen Buchdruckernburg - Goͤdern Mundkoch, nachhero Buͤrger und Gaſtgeber in Eißleben, von dar ſich derſelbe nach Halle gewendet, woſelbſt er auch den 24. April 1731. in 72. Jahr ſeines Alters verſtorben iſt; Seine Mut - ter war Sara Magdalena, Herrn Daniel Mer - tzens, vornehmen Buͤrgers und Gaſtgebers in Halle, nachgelaſſene Tochter. Nachdem ihn nun ſeine El - tern zur Chriſtenheit gebracht, und einige Zeit darauf ſich nach Halle gewendet, ſo haben ſie ihm nicht al - lein in dem erſten Gruͤnden des Chriſtenthums ſowohl, als auch im Leſen und Schreiben fleißig unterrichten laſſen, ſondern auch auf das beruͤhmte Gymnaſium ſelbiger Stadt zur fernern Grundlegung in denen Wiſ - ſenſchafften gethan; allwo er auch viel Gutes gefaſſet, welches ihm nachgehends ſehr wohl zu ſtatten gekom - men iſt Und ob er wohl eine gute Neigung zum Stu - diren bezeugte, ſo ſahen doch ſeine Eltern lieber, daß er eine Kunſt erlernen, und damit ſein Brodt deſto ſicherer erwerben moͤchte, worinnen ſie ihm auch eine freye Wahl lieſſen. Er erwehlete ſich alſo nach ei - genem Belieben die loͤbliche Buchdruckerkunſt, zu wel - cher er jederzeit von Jugend auf eine groſſe Luſt be - zeuget: Und da ſich ſeine Eltern, gewiſſer Umſtaͤnde we - gen, um ſelbige Zeit zu Wittenberg aufhielten, ſo gieng er 1710. bey Herrn Johann Gottfried Meyern in die Lehre, wie er denn auch ſowohl im Setzen, als Drucken eine gute Geſchicklichkeit bey demſelben ſich zu wege gebracht, und endlich nach zuruͤck gelegten Lehrjahren 1715. die Freyheit in Cornutenſtand zu tre - ten bekam. Nach dieſer erhaltenen Freyheit blieb er noch 1½. Jahr in Arbeit. Endlich wurde er ſchluͤßig ſein Gluͤck in der Fremde zu ſuchen, er reiſete des - wegen 1716. nach Jena, woſelbſt er uͤber 1. JahrD 5bey58Kurtzgefaßte Nachricht,bey Herrn Hellern in Condition geſtanden hat. Jm Jahr 1718. wurde er von dem ehemahligen Burger - meiſter und Hof-Buchdrucker, Herrn Penzold nach Hildburghauſen verſchrieben, allda er auch am an - dern Pfingſt-Feyertage ſein Poſtulat verſchencket hat. Jn eben gedachtem Jahre um Michaelis reiſete er fer - ner ab, beſuchte nicht allein unterſchiedene vornehme Staͤdte, ſondern hat auch unter denenſelben manche Condition betreten; Jm Jahr 1721. bekam er von ſeinen Eltern Nachricht, daß ſich dieſelben wiederum nach Halle gewendet, deswegen gieng er zuruͤck ſelbige zu beſuchen, und kam daſelbſt um Michaelis an, da ſie ihn nun in einigen Jahren nicht geſehen hatten, ſo verurſachte ihnen dieſes eine ſonderbahre Freude, und ohngeachtet er willens war, ſein Gluͤck ferner in der Fremde zu ſuchen, ſo beredeten ſie ihm vielmehr da - zu, daß er ſeine bisherige Freyheit der Jugend mit dem vergnuͤgten Bande eines gluͤckſeeligen Eheſtandes ver - tauſchen muſte. Und das geſchahe im folgenden 1722. Jahre im Febr. mit Jungfer Magdalenen Catha - rinen, Meiſter Hans Caſpar Kaͤſters, weyland Buͤrgers und Schumachers in Glaucha vor Halle, juͤngſter Tochter, aus welcher Ehe zwey Soͤhne, die aber wieder geſtorben, und drey Toͤchter gezeuget worden ſind, davon noch zwey am Leben, nemlich Chriſtina Magdalena, und Dorothea Regina. Jm Anfang des 1733. Jahres am 25. Mart. ward dieſe erſtere Ehe durch Gottes Hand getrennet, wor - auf ſich derſelbe zu Ende des gedachten Jahres zum an - dern mal verehlichte mit Jungfer Johannen So - phien, weyland Meiſter Kretſchmars, Buͤrgers und Schneiders zu Halle, juͤngſter Tochter, welche aber in folgendem Jahre 1734. den 5. Octob. nebſt einemjun -59von einigen Buchdruckern. jungen Soͤhnlein im Wochen-Bette verſtarb. Jm Jahr 1736. am 5. Mart verheyrathete er ſich zum dritten mal mit Jungfer Marien Magdalenen, Meiſter Chriſtoph Bruders, Buͤrgers und Seilers auf dem Neumarckt, vor Halle, andern eheleiblichen Tochter, aus welcher Ehe eine Tochter: Nahmens Catharina Magdalena, vorhanden. Als im Jahr 1729 die Stelle eines Kirchhuͤters, oder Cuſtodis ſecundi, an der daſigen Marien Kirche ledig wurde, ſo iſt ihm durch die Wahl eines wohl loͤblichen Kir - chen-Collegii dieſelbe zugetheilet worden, bey welcher Kirchen-Bedienung er auch bey ſeinen Obern und Vorſtehern ſehr wohl gelitten iſt Ob er nun gleich bey ſeiner Kirchen-Bedienung ſowohl, als mit ſeinen taͤgli - chen Geſchaͤfften ſehr uͤberhaͤuffet iſt, ſo hat er doch die Liebe und Meynung zu ſeiner ſo werthgeſchaͤtzten Kunſt nicht gantz bey Seite gelegt, ſondern, als ſich im Jahr 1732. Gelegenheit fand, daß ſich ein Kunſtverwand - ter, aus Berlin gebuͤrtig, Namens Beutler, in Halle befand, welcher willens war eine neue Druckerey an - zurichten, ſo that er ihm nicht allein allen moͤglichen Vorſchub, ſondern er halff auch, daß vermoge eines allergnaͤdigſten Koͤnigl. Privilegii dieſelbe zu Stande gebracht wurde. Nachdem nun dieſes Werck von erwehnten Beutler kurtze Zeit darauf gottloſerweiſe verlaſſen wurde, ſo hat er ſolches von denen Credi - toribus 1736. wieder erſtanden und fuͤhret es nun - mehro fort, dabey er ſich der Huͤlffe Herrn Chriſtian Riemers, als Factor, bedienet. Unter ſeinen bis - herigen Verlags-Buͤchern, ſo er gedruckt, koͤnnte man unterſchiedliche anmercken, wenn ſie nicht ſchon ohnehin bekannt genug waͤren. Jetzo hat er das Leben des Koͤnigs Guſtavi Adolphi in 8vo. mit Kupfern fertig
Jn dieſer beruͤhmten Hanſee Stadt wurde die edle Buchdruckerkunſt gar fruͤhzeitig an - und aufgenom - men. Herr Leſſer berichtet p. 54. daß ſich Johann und Thomas Borchard ſchon um das Jahr 1491. daſelbſt befunden, und Laudes b. Mariæ Virginis ge - drucket haben. Von einigen, die gegenwaͤrtig daſelbſt leben, und dieſe Kunſt treiben, kan ich folgende Nach - richt beybringen:
Rudolph Beneke, trat zu Braunſchweig 1688. den 19. Julii ans Licht der Welt. Weil er nun eine Neigung zur Buchdruckerey hatte; So begab er ſich 1703. in ſeiner Vaterſtadt zu Johann Georg Zilligern in die Lehre, und wurde 1707 davon wieder loßgezehlet, worauf er in eben dem Jahre daſelbſt ſein Poſtulat verſchenckte. Von da hat er ſich auf Reiſen be - geben, und iſt 1724 von Leipzig aus nach Hamburg, als Factor, zu des ſel Nicolas Gennagels Wittwe, verſchrieben worden, da ihm denn das Gluͤck ſo guͤnſtig war, daß er ſich mit ermeldeten Wittwe juͤngſten Jfr. Tochter, Anna Magdalena, in eben dem Jahre ver - ehlichte, und zugleich die Buchdruckerey uͤberkam, wo - rinnen er manches nuͤtzliches Buch gedruckt und zum Vorſchein gebracht, worunter billig mit zu rechnen iſt das von Titulo Herrn Prof. Wolffio auf be - vorſtehendes Buchdrucker Jubilaͤum zu Ehren ver - fertigte lateiniſche Werck, unter Herrn Chriſtian He - rolds Verlag. Jn ermeldeter Ehe hat er nicht laͤnger mit ſeiner Ehegattin gelebet, denn ein Jahr und einige Wochen, und mit ihr einen Sohn erzeuget: Nahmens, Erdmann Chriſtoph, ſo bereits bey ihm die Kunſt angetreten, ſelbige zu erlernen. Jm Jahr 1726. den 3. Nov. ſchritte er zur andern Ehe mit Anna Marga -retha61von einigen Buchdruckern. retha, einer gebohrnen Koͤſtern, mit welcher er 3. Soͤh - ne und drey Toͤchter erzeuget, als 1727. den 21. Nov. einen Sohn Johann Heinrich, 1728. den 26. April einen Sohn Rudolph, der 1731. den 3. Jan. wieder geſtorben, eine Tochter Margaretha Eliſabeth 1733, den 12. Jan. eine Tochter Anna Maria 1735. den 2. Jan. einen Sohn Rudolph und 1739. den 7. May eine Tochter Johanna Dorothea, ſo alle noch am Le - ben ſind.
Johann Anton Hiltemann, wurde gehobren An. 1696. den 24. Junii in der Kayſerlichen freyen Reichs - Stadt Bremen und trat An. 1710. bey dem ſel. Herm. Brauer, des hochloͤblichen Gymnaſii Buchdruckern daſelbſt, in die Lehre, da er denn An. 1715. im May wieder davon loßgezehlet wurde, und kurtz darauf po - ſtuliret hat. Nach verſchiedenen Reiſen iſt er 1727. den 29. Sept. zum zweyten mal nach Hamburg gekommen, woſelbſt er 2. Jahre bey dem Herrn Piſcator conditio - niret hat. Jm Jahr 1729. den 29. Sept. trat er in die Stelle eines Factors bey der Wittwe Frau Sauern, worauf er 1730. den 8. May mit Suſanna, verwittwe - ten Sauern, in Eheſtand trat, in welcher Ehe ſie mit ihm 4. Kinder erzeuget hat: Als 3. Soͤhne und eine Toch - ter, nemlich: Joh. Heinrich 1731. den 27. Julii, der 1735. den 19. Sept. wieder geſtorb. 2) Hermann, geb. 1733. den 8. Febr. ſo nur 15. Wochen und 2. Tage gele - bet, 3) Hermann geb. 1734. den 26. May, ſo annoch am Leben. 4) Anna Mar. geb. 1737. den 2. Julii, ſtarb 1739. den 25. Apr. Von ihrer beyden erſteren Ehen ſind annoch am Leben 2. Soͤhne und eine Tochter. Von der erſtern Ehe Thomas von Wiering, gebohren 1715. den 20. Mertz, welcher die Druckerey erlernet hat und ſich in der fremde befindet. Von der zweyten Ehe Anton Philipp, gebohren 1719. den 17. Oct. hat gleichfallsdie62Kurtzgefaßte Nachricht,die Druckerey erlernet und ſtehet bey ihm in Condition; Eliſabeth Eſther, gebohren 1725. den 28. Julii.
Philipp Ludwig Stromer erblickte das Licht der Welt 1668. den 10. December in Franckfurth am Mayn: Die Liebe und Hochachtung zur Drucke - rey trieb ihn an, daß er ſich 1686. zu Herrn Muͤllern in Gieſſen in die Lehre begab, welche Zeit er auch ehrlich ausgehalten, und 1692. wieder befreyet wurde, wo - rauf er in eben demſelben Jahre bey Herrn Chriſtoph Wuſt in Frf. am Maym daſelbſt ſein Poſtulat ver - ſchenckte. Jm Jahr 1703. legte er ſich eine neue Druckerey an, welche er bis dato noch fuͤhret.
Heinrich Chriſtian Huͤlle, iſt 1685. den 25. Nov. in Luͤneb. gebohren. Seine Neigung trieb ihn an, daß er ſich 1706. zur Druckerey begab, und ſolche allda bey dem Herrn von Stern erlernete; Jm Jahr 1705. wurde er freygeſprochen, woſelbſt er ſein Poſtulat noch in eben dem Jahre bey ihm verſchenckte; das Gluͤck fuͤgte es, daß er ſich 1728. den 11. Febr. in den Heil. Eheſtand begab, mit Saria Maria, verwittweten Dreyerin in Altona, als Koͤniglicher Daͤnnemarcki - ſcher privilegirter Buchdrucker, mit welcher er bis dato noch lebet. Doch ohne Leibes Erben.
Paul Dietrich Schnorr, Academiſcher Buchdru - cker, wurde 1692. in Febr. daſelbſt an dieſe Welt ge - bohren, und nach vollendeten Jahren ſeiner Jugend, gieng er in die Fremde und uͤbernahm hernach 1723. in Octobr. ſeiner Eltern neu angelegte Buchdruckerey, in welcher viele ſchoͤne Opera gedruckt ſind.*Herman von der Hardt Concilium Conſtantienſe fol. IV. Tom. 1690. Phil. Jac. Speners lautere Milch des Evangelii, fol. 1710. Gottfríed Arnolds Abbildung der SeinHerr63von einigen Buchdruckern. Herr Vater war Salomon Schnorr, welcher An. 1615. in Martio zu Halle in, Sachſen, die Mutter Urſula Maria Henſchlern, ſo 1655. in Julio in Helmſtaͤdt, das Licht dieſer Welt erblicket, nach - gehends aber beyde, der Vater 1725. in Octobr. und die Mutter 1730. in Novembr. zu ihren Vaͤtern verſammlet wurden; Worauf denn obgedachter Sohn im Octobr. 1723. von einer hochl. Univerſitaͤt daſelbſt als privilegirter Univerſitaͤts-Buchdrucker vorgeſtellet, und von Jhro Koͤnigl. Großbritaniſchen Majeſtaͤt, und Hertzogl. Durchl. zu Braunſchweig Luͤneburg aller - gnaͤdigſt beſtaͤtiget wurde, dahero er auch, zum Zeichen der Danckbarkeit, ſeine Officin nicht allein mit den noͤ - thigſten Orientaliſchen, ſondern auch mit den allerneue - ſten Lettern zu vermehren bemuͤhet war, um der hoch - loͤblichen Julius Univerſitaͤt, und der uͤbrigen gelehrten Welt nach Vermoͤgen zu dienen koͤnnen, wovon ſeine bißhero gedruckten Schrifften mit mehrern ein Zeugniß geben konnen. **Joh. Paul Kreſſü Specimen iuris civilis, 8. 1725. Tillotſons Predigten, 8. 1728. Rorarius de anima brutorum, 8. 1729. J. F. Noltenii Lexicon Antibarbarum, 1730. H. von Hardt. Chaldaͤiſche Grammatica, 8. 1733. J. L. Moſhemii Diſſ. ad ſanctiores Diſciplinas pertinentium Syntagma, 4to. 1733. deſſen Sitten-Lehre der Heil. Schrifft 1. und 2. Theil. 4to. 1738. Ej. Inſtit. hiſt. Eccl. 4to. 1739. Ei. hiſt. Eccl. 1. und 2. Theil, 8vo. 1740.Auf ſeinem eigenen Verlag fuͤhret er ſeinen verzogenen Namen. Er verheyrathete ſich 1727. in May mit Johann Gottfried Rickarts, weyl. ge - weſenen Buͤrgers und Seifenſieders allda, aͤlteſten Jfr. Maria Eliſab. mit welcher er Tochter auch den See -gen*erſten wahren Chriſten fol. 1713. Joh. Fabricii Hiſtor. bibl. VI. Vol. 4to. 1724. A. Leyſeri Meditationes ad Pandectas IV. Vol. 4to. 1725. & reliq. 64Kurtzgefaßte Nachricht,gen von beyderley Geſchlecht erhalten hat, und, ſo lan - ge es GOtt gefaͤlt, noch dieſes Elend bauet.
Johann Drimborn, Buchdrucker in Helmſtaͤdt, erblickte das Licht der Welt, in der Kayſerlichen freyen Reichs-Stadt Coͤlln am Rhein 1700. den 13. Mertz. Sein Herr Vater Caſpar Drimborn, welcher an ietzt gemeldeten Orte 1665. den 12. Sept. gebohren und daſelbſt ſeine eigene Buchdruckerey hat. Seine Mut - ter, Margaretha Drimborn, eine gebohrne Brochs, iſt in obgedachter Stadt 1669. den 15ten Aug. geboh - ren. Jm dritten Jahr ſeines Alters ſtarb deſſen Frau Mutter, worauf ſich ſein Vater mit Jſr. Anna Maria Reinarts wieder verheyrathet. Jn ſeiner Jugend bemuͤhete ſich deſſen Herr Vater eifrig ihm zum Studieren anzuhalten, da er aber iederzeit eine groſſe Begierde zur Buchdruckerkunſt bey ihm vermer - cket, ſo ließ er ihn in den ſchoͤnen Wiſſenſchafften wohl unterrichten, und nahm ihn nachhero 1710 zu ſich in die Lehre. Jm Jahr 1714. trat er ſeine Reiſe in fremde Laͤnder an, da er denn durch Teutſchland viele vor - nehme Staͤdte in Augenſchein genommen, und zu Jtt - ſtein in der Wetterau durch beſondere Unterrichtung die Morgenlaͤndiſchen Sprachen erlernet hat. Jm Jahr 1720. fuͤhrte ihn GOttes Hand nach Helmſtaͤdt, woſelbſt er bey dem ſel. Herrn Johann Stephan Heſſen in Condition trat, und bey demſelben folgen - des Jahres im April ſein ſogenanntes Poſtulat ver - ſchenckte Jm Jahr 1722. den 4. May verheyrathete er ſich mit Jfr. Clara Kunigunda Prallin, des ſel. Herrn Conrad Prallens, Advocati Ordinarii und Brauers allda nachgelaſſenen Tochter, welche ihm aber GOtt 1733. den 6. Auguſt. ohne Kinder von ſeiner Seite wiedernahm. Kurtz zuvor in eben dieſem Jahr,nem -65von einigen Buchdruckern. nemlich den 10. Junii erkauffte er die unter dem Schutz daſiger hochloͤbl. Acad. ſtehende Hammiſche Buchdru - ckerey, welche ehedem in groſſen Ruhm geweſen iſt. Al - lein nach genaueren Durchſehen befand er ſelbige ſehr ſchlecht; Hierauf beſo gte er ſogleich ſie wiederum in gu - ten Ruf zu bringen, um ſowohl daſiger hochloͤbl Univer - ſitaͤt, als auch der gelehrten Welt, mit Nutzen zu die - nen Er ließ alſo alle gangbare Schrifften, klein und groß, umgieſſen, worunter zweyerley Griechiſch mit be - griffen, das Arabiſche und Syriſche aber befand er in einem recht vollkommnen Stande. Dieſe verneuerte Buchdruckerey verwaltete er von 1733. biß zu Ende des 1737. Jahres als Wittwer und Hr Des folgenden Jahres den 20. Jan. verehlichte er ſich zum andern mal mit Frauen Margaretha Johanna Caſparin, einer gebohrnen Krollen, des ſel Herrn Heinrich An - dreas Caſpari, geweſenen Buͤrgers und Buchdru - ckers daſelbſt, nachgelaſſener Wittwe; Noch vorhero wandte er ſich, nach gepflogener reifflichen Uberlegung, den 13. Jul. als den 6. Sonntag nach Trinitatis des ietztgedachten Jahres, von der Roͤmiſch Catholiſchen zu der wahren Evangeliſchen Apoſtoliſchen Religion. Aus ſeinen gedruckten Schrifften kan man leichtlich von ſeiner Geſchicklichkeit urtheilen. *Er hat nemlich gedruckt: Joh. Gottfc. Lackemacberi Antiquit. Græcorum Sacr. 8. Johann Lorentz Moß - heims Sittenlehre erſten Theil zweyte Auflage, 4to. M. Georg Chriſtian Bohnſtedts Analecta Grammat. Hebr. 8 Chriſt. Breithauptii Artem deciferatoriam, 4to. von der Hardt brevia atque ſolida Hebr. ling. fund. edit. ſexta, 8. Sechs Theile der Helmſtaͤdiſchen Nebenſtun - den 8. D. Franciſci Carol. Conrad Parerga V. lib. 8. Johann. Gottfr. von Hackemann Selectiora juris ea -
EMicha -66Kurtzgefaßte Nachricht.Michael Guͤnther Leuckardt, Raths-Buchdru - cker in Helmſtaͤdt, wurde 1710. in Monat Sept. in Stollberg am Hartz gebohren; der Vater war Herr Gottfried Chriſtoph Leuckardt, aus Franckenhau - ſen in Thuͤringen gebuͤrtig, hochgraͤfl. Stollbergiſcher Amtmann zu Stollberg und Hayn. Die Frau Mutter Clara Johanna Leuckartin, aus der bekannten Familie derer Rothmahler, deren leiblicher Herr Bruder, der annoch lebende Hochfuͤrſtliche An - halt. Baͤrenburgiſche Staats und Geheimer Rath von Rothmahler iſt; Ob ihn nun gleich ſeine Eltern de - nen Studien gewidmet hatten; ſo dachte doch der All - maͤchtige gar anders; Denn in gar fruͤhen Jahren rufte derſelbe ſeine beyden Eltern aus der Zeit in die Ewig - keit, und machte denſelben nebſt ſeinen Geſchwiſtern zu einen Vater und Mutterloſen Wayſen. Er muſte dahero die Schule daſelbſten verlaſſen, und ſich nach etwas andern umſehen; Er erwehlte alſo die Buch - druckerkunſt, und nachdem er ſeine Lehrjahre bey Herrn Johann Chriſtoph Ehrhardten daſelbſt aus geſtanden hatte, ſo verſchenckte er 1729. im Monat Junii in Erfurth, bey Herrn Georg Andreas Muͤl - lern, ſein ſo genantes Poſtulat. Da er nachhero noch an einigen Orten conditioniret, ſo fuͤhrte ihn der Himmel 1736. im Monat September, als Factor, nach Helmſtaͤdt, in die Buchholtziſche Buchdruckerey, und da er dieſelbe drey Jahr, als Factor, gefuͤhret, ſo uͤbernahm er ſie 1739. im Monat Novemb. Er verhey - rathete ſich 1737. im Monat Mertz mit Marien Sophi - en Julianen Buchholtzin, Herrn Sebaſtian Buch -holtzens*pita, methodo demonſtrativa pertractata, worinnen mit dem edirten Tractat de antipelargia der Anfang ge - macht, und in andern Stuͤcken damit fortgefahren wird.
67von einigen Buchdruckern. holtzens, geweſenen Buͤrgers und Buchdrucker - herrns daſelbſt, nachgelaſſenen Juͤngſten Tochter, in welcher Ehe ihm eine Tochter gebohren worden. Be - ſondere Wercke hat er noch nicht gedruckt, ſondern er erwartet ſolche noch, als ein junger Anfaͤnger, von der Liebesvollen Hand GOttes, und denenjenigen Hertzen, welche er ihm zu ſeinen Goͤnnern und Freun - den machen wird.
Sein Wahlſpruch iſt:
Vnica ſpes mea eſt Chriſtus d. i.Mein Lebenszweck iſt Chriſtus nur allein.Jhm ſoll mein Thun auch ſtets ergeben ſeyn.
Jn dem erſten Theil meiner Buchdruckerkunſt habe ich p. 80. ſo wohl von den erſten, als allen uͤbrigen Buch - druckerherren, wie ſie ſich nacheinander zu Jena nieder - gelaſſen haben, Nachricht ertheilet. Hier will ich einige Jnſignien von ihnen beſchreiben, und alsdenn von den neuern etwas ſagen Donat Ritzenhan fuͤhrte einen Hahn, womit er auf ſeinen Namen gezielet hat. Sie - he Tab. IX.
Tobias Steinmann bediente ſich eines viereckigten Steines, welchen ein geharniſchter Mann haͤlt. Auf dem Stein ſtehen die Worte: Lapis teſtimonii loſ. XIV. Auſen herum; Fidentem neſcit deſeruisſe Deus. T. S. T. i. e. tobias Steinmann Typographus. Unten ſtehet in einem kleinen Schild das Handelszei - chen. Siehe Tab. IX.
Johann Weidner und Johann Beutmann fuͤhrten in einem ovalrunden Schild den Vogel Greif mit einer Krone, welcher in einer Klaue drey Blumen, in der andern aber einen Schild haͤlt, worinnen die An -E 2fangs68Kurtzgefaßte Nachricht. fangsbuchſtaben von ihren Namen zu ſehen; Auſen he - rum lieſet man: Gratia Domini ſufficit mihi. Siehe Tab. IX.
Von den neuern weiß ich folgende Nachrich - ten:
Johann Bernhard Heller, Not. Publ. Caeſ. jur. & ordinis typographorum lenenſ. p. t. Senior ward gebohren zu Roͤdichen, unter dem Amte Reichards - brunn im Fuͤrſtenthum Gotha gelegen, den 24. Febr. 1680. Er kam in die Lehre zu Erlernung der Buch - druckerkunſt zu Herrn Chriſtoph Krebſen, C. A. und Buchdruckerherrn zu Jena 1698. wurde auch von ſelbigem 1702. Kunſt gewoͤhnlicher maſſen loßgezehlet, und von daſiger Buchdruckergeſellſchafft den 7. Maji in eben dieſem Jahre unter dem Vorſitz Herrn Joh. David Werthers ſeines Poſtulati gewaͤhret, das iſt, in den Geſellenſtand aufgenomen. Jm Jahr 1715. den 20. Octobr nahm ihn nur beſagte loͤbliche Buch - druckergeſellſchafft zu einen Buchdruckerherrn an. Nachdem er vorhero in eben demſelben Jahre den 16. Auguſt des Herrn Johann Gollners, aͤlteſten Buchdruckerherrns, Officin und alſo eine alt privile - girte Buchdruckerey erkaufft, ingleichen gewoͤhnlicher maſſen ſeine Jntroitus Gelder erleget hatte. Er ver - heyrathete ſich noch in dieſem 1715. Jahre den 24. Nov. an nur gedachten Herrn Gollners aͤlteſte Jfr. Tochter Annen Margarethen. Jn ſeinem 13. und ½ jaͤhrigen Geſellenſtande hat er aus beſonderer Hoch - achtung gegen die loͤbliche Buchdrucker Socletaͤt, und Beobachtung derer loͤbl Gebraͤuche auſſer Jena annoch zu Leipzig, Wittenberg, Halle, Berlin, Condition ge - ſuchet, und auch bey verſchiedenen braven Herren, da - von keiner mehr, als Herr Henckel in Halle, noch amE 2Leben,69von einigen Buchdruckern. Leben, willig geſunden. Waͤhrender dieſer Zeit iſt er auch zum andernmal nach Berlin in die Koͤnigl. Preuſiſche privilegirte Schlechtigeriſche Buchdruckerey, als Factor, verſchrieben, hernach aber 1710. in die Niſiu - ſiſche Officin zu Jena in eben dergleichen Verwaltung, und alſo dazumahl zu erſt an den geſellſchafftlichen Herrentiſch daſelbſt auf zwey und ein halb Jahr gezo - gen worden, nachdem er vorhero den 2. Oct. 1705. auf der Univerſitaͤt Wittenberg nach ausgeſtandenen Examine als ein Not. Publ. Cœſ. erklaͤret worden. Ubrigens hat er auf ſeinen andern Reiſen die beruͤhmten Buchdruckereyen in Coburg, Saalfeld, Rudelſtadt, Weymar, Erfurth, Arnſtadt, Eiſenach, Schleuſin - gen, Naumburg, Weiſſenfeltz, Schlaitz, ꝛc. und an - dere mehr, beſehen, auch in etlichen davon in Conditi - on geſtanden. Ehe er aber noch wuͤrcklich in den Buch - druckerherren Standt getreten, ſo hat er die Niſiu - ſiſche Buchdruckerey in Pacht uͤbernommen, damit er alle Stuffen, ſo bey der Buchdruckerey nur moͤglich ſind, betreten moͤgte. Hiedurch iſt es alſo geſchehen, daß er in Jena einen vierfachen Jntroitum, nemlich den Geſellen - 1702. Factor - 1710. Pachter - 1713. und Herrn-Jntroitum 1715. ſchuldig und gewoͤhnlicher maſſen niedergeleget hat. Endlich iſt noch anzumer - cken, daß er ſeit 1717. von einer loͤblichen Buchdrucker - Societaͤt in Jena zu dero geſellſchafftlichen Concipien - ten beſtaͤndig, auch biß daher mehr denn 4. mal zu ih - ren Societaͤt und Fiſci Vorſteher mit allgemeiner Ubereinſtimmung erwaͤhlet worden ſey.
Chriſtoph David Werther, Fuͤrſtl. Saͤchſiſcher Privil. Buchdrucker zu Jena, iſt daſelbſt 1685. den 2. Junii gebohren. Er trat 1699. die Lehre an, und po - ſtulirte bey ſeinem Herrn Vater Johann DavidE 3Wer -70Kurtzgefaßte Nachricht,ther den 2. Julii 1704. Hierauf begab er ſich 1705. auf die Reiſe, und nachdem er anſehnliche Oerter geſe - hen, auch unterſchiedliche Conditiones gehabt, ſo kam ſelbiger 1710. wieder nach Hauſe. Nachdem er 1717. von ſeinem Herrn Vater die Buchdruckerey uͤbernom - men und darauf bey einer loͤblichen Jenaiſchen Buch - druckergeſellſchafft, als Herr, eingefuͤhret worden; So erhielt er 1731 nach ſeines Vaters ſel. Tode von Jhro hochfuͤrſtliche Durchlaucht zu Sachſen Ei - ſenach, als gnaͤdigſten regirenden Landes-Fuͤrſten, das Privilegium, als wuͤrcklicher privil. Buchdrucker, welche Gnade ſeine Voreltern eine lange Zeit beſeſſen haben. Jn den Eheſtand hat er ſich den 17. Januarii 1717. begeben, in welchem er bis hieher noch lebet.
Peter Fickelſcheer wurde im Jahr 1686. den 26. October zu Zorbau, im Churſaͤchſiſchen bey Weiſſen - fels, gebohren, im Jahr 1701 zu Herrn Jacob Kuͤ - ckelhahn, Fuͤrſtlich-Saͤchſiſchen Hof-Buchdrucker in Eiſenberg, in die Lehre gethan und im Jahr 1705. den 20. Oct loßgeſprochen, worauf er den 26 dieſes Monaths eben allda ſein Poſtulat verſchenckte. Wel - ches hernach, wegen eines untuͤchtigen Geſellens, der demſelben beygewohnet, im Jahr 1706. bey einer loͤb - lichen Geſellſchafft in Jena wieder erneuert werden mu - ſte. Jm Jahr 1709. und zwar im Monat Mertz er - kauffte er in Erfurth von Herrn Georg Heinrich Muͤllern eine Buchdruckerey, und fuͤhrte ſolche da - ſelbſt 3. ½ Jahr, worauf er im Jahr 1712 im Monat Junio von Jhro Hochfuͤrſtliche Durchl. Herrn Her - tzog Johann Willhelm in Eiſenach ein gnaͤdigſtes Privilegium erhielt, mit ſeiner Buchdruckerey nach Jena zu ziehen, in Anſehung, daß nicht allein ſelbige ehemals ſchon da geſtanden und gefuͤhret worden,ſon -
Chriſt. Franciſcus Buch.
71von einigen Buchdruckerſondern weil er auch ein Wohnhauß allda haͤtte. Jm Jahr 1724. im Monat December wurde er von Jhro Hochfuͤrſtliche Durchlaucht mit einem Decret als Hof - buchdrucker begnadiget, welches hernach im Jahr 1730. den 21. Octobr. von dem ietzt regierenden Durchl. Fuͤrſten und Herrn, Herrn Willhelm Heinrich gnaͤ - digſt beſtaͤtiget wurde.
Chriſtian Franciſcus Buch, Buchhaͤndler und Buchdrucker am Wayſenhauſe, iſt gebohren 1683 im Monat Decembr. Die Lehre trat er 1700 in Jena bey Herrn Chriſtoph Krebs an, hernach den Geſel - lenſtand 1705. und ferner in Herrenſtand 1723. Bey ſeinem Jnſigne ließt man erſtlich.
Hierauf ſieht man: ein
Bibliopolium und eine Typographiam Allwo Mercurius mit ex Unter der Geſtalt einer einem Ballen Buͤcher. vtroque. Jungfer mit den Siehe Tab. X. Ballen.
Johann Volckmar Marggraf, iſt 1685. den 5. Febr. zu Laubach, eine Stunde von Weimar gele - gen, zur Welt gebohren worden; Er kam 1701. nach Weimar zu dem damahligen Hof-Buchdrucker, Herrn Johann Andreas Muͤllern, um bey ihm die edle Buchdruckerkunſt zu erlernen, allwo er auch ſei - ne Lehrjahre treulich und redlich ausgeſtanden hat, und darauf 1705. freygeſprochen wurde; Er begab ſich ſo gleich auf die Reiſe, und wurde 1706. von einer loͤbli - chen Geſellſchafft in Berlin zum Geſellen gemacht; Jm Jahr 1717. nahm er der Frau Niſien ihre Buchdruckerey in Jena in Pacht, welche er auch 5E 4Jahr72Kurtzgefaßte Nachricht,treulich verwaltete, und zu Ende des 1711. Jahres er - hielt er von Jhro Hochf. Durchl. zu Sachſen Eiſenach die allergnaͤdigſte Erlaubniß vor ſich eine eigene Buchdruckerey in Jena anzurichten, welche er auch bis dieſe Stunde noch fuͤhret.
Johann Michael Horn iſt 1686. in der Churfuͤrſt - lichen Saͤchſiſchen Stadt Wittenberg gebohren. Er richtete daſelbſt eine Druckerey an, und verkauffte ſol - che an Chriſtian Heinrich Kannengieſſern nach Schneeberg, welche aber durch die Feuersgluth ver - zehret worden. Hierauf wendete er ſich nach Jena und arbeitete daſelbſt eine Zeitlang als Geſelle, bis er 1730. zum andern mal den Herrenſtand antrat, und die Niſiſche Buchdruckerey kaufte, welche er noch fortfuͤhret.
Nicolaus Schill, Buchdrucker und Buchhaͤndler allda iſt gebohren 1680. den 7. Nov zu Sundhauſen, einem Dorffe, ſo eine halbe Stunde von Gotha liegt, und unter das Amt Henneberg gehoͤrt; Sein Herr Vater war Nicolaus Schill, Huff - und Waffen - ſchmied daſelbſt, wie auch Oberaͤlteſter des Hand - wercks der Schmiede im gedachten Amte, die Frau Mutter aber Catharina Eliſabeth, eine gebohrne Catterfeldin. Von dieſen ſeinen Eltern iſt er Chriſtl. er - zogen, und in die Schule deſſelben Orts geſchickt, end - lich aber 1697. dem hochfuͤrſtlichen Hofbuchdrucker, Herrn Chriſtoph Reyhern in Gotha, zu Erlernung der Buchdruckerkunſt uͤbergeben worden; Nach uͤber - ſtandenen Lehrjahren iſt er 1701. loßgeſprochen wor - den. Nachdem er 1702 den 4. Febr. zu Gotha or - dentlich poſtuliret hatte, ſo gieng er 1703. in der Neu - jahrsmeſſe nach Leipzig, von dar nach Dreßden zu Jo -hann73von einigen Buchdruckern. hann Riedeln, Koͤnigl. und Churfuͤrſtl. Saͤchſiſchen Hof-Buchdrucker, in Condition, alsdenn 1707. am Neuenjahr nach Budißin in Gottfr. Gottlob Rich - ters, 1718. an Michaelis nach Lauban in Herrn Johann Chriſtian Stroͤmels Druckerey, welche letztere er 1710. vom gedachten Herrn Stroͤmeln, ietzo Buchdruckern in Zittau, erkaufft, und am 1. Junii uͤbernommen hat. Jm Jahr 1712. den 7. Nov. trat er in den ehelichen Stand mit damals Jungfer Ma - ria Roſina, Herrn Friedrich Theurichs, Ober - aͤlteſten des Schmiedehandwercks allda, aͤlteſten Toch - ter, mit welcher er 5. Kinder, nemlich 1. Sohn, wel - cher in der Kindheit verſtorben, und 4. Toͤchter, gezeu - get hat, wovon die erſte an Herrn Sigismund Eh - renfried Richtern, Buchdruckern in Goͤrlitz verhey - rathet iſt. Er kauffte ferner 1716. zu Freyſtadt in Schleſien von Herrn Georg Heinrich Adolphi noch eine Druckerey, welcher er anfaͤnglich ſeinen Bruder Johann Andreas Schillen, nunmehro Buchdru - ckern zu Arnſtadt, als Factor, vorſetzte, ſolche aber 1719. nach Sorau legte, und hernach ſeinem Schwa - ger, Johann Gottlieb Rothen, uͤberließ, der als Reichsgraͤfflicher Promnitziſcher Hof-Buchdrucker ſelbige noch jetzo allda fuͤhret. Unter denen Schriff - ten, ſo oben ermeldter Herr Schill theils vor ſich, theils vor andere gedruckt hat, ſind David Schwei - nitz Todes-Gedancken in 8vo. Michael Wiede - manns Hauß-Schule, 8vo. M. Schwedlers ewige Ruhe uͤber die Evangelia 4to. ingleichen Geheimniſſe des Glaubens 4to. Gottlieb Krantzii Hiſtoria Ec - cleſiaſtica 4to. it. Compend. Hiſt. Eccl. und viele an - dere mehr, welche man hier mit Stillſchweigen uͤ - bergehet.
Cornelius Johann von Stern, trat 1675. daſelbſt ans Licht der Welt; Nebſt den Studien hat er ſich auch der Buchdruckerkunſt in ſeines Herrn Vaters, Johann Sterns, Officin befliſſen, und nachdem er ſolche gebuͤhrend vollbracht; So hat man ihn nach Wolffenbuͤttel in daſige Schule geſandt, worauf er nach einigen Jahren die Univerſitaͤt Halle und Helm - ſtaͤdt zu Fortſetzung ſeiner Studien beſucht hat; End - lich iſt er nach abgelegten ferneren Reiſen, im An - fange des jetzigen Jahrhunderts wieder nach Hauſe gekommen, und hat ſowohl bey ſeines Herrn Vaters Leben, als auch nach ſeinem 1712. erfoIgten ſeeligen Abſterben der Buchdruckerey vorgeſtanden, und ſolche bis hieher fortgeſetzet, inzwiſchen aber auch die Ehre gehabt zu oͤffentlichen Ehrenaͤmtern gezogen zu wer - den, da er denn bis jetzo als ein Mitglied eines Hoch - edlen Raths das Amt eines Senatoris & Prætoris ruͤhmlich verwaltet. Aus ſeiner Ehe hat er 7. Kin - der am Leben, darunter 3 Soͤhne, welche er zum Studiren erziehen laͤßt, darneben aber, wo es Got - tes Wille iſt, vielleicht alle drey in Geſellſchaft die Buchdruckerey fortſetzen moͤchten. Die Buͤcher, wel - che aus ſeiner Druckerey zum Vorſchein gekommen, beweiſen gar deutlich, daß er ſeine Kunſt wohl ver - ſtehe. Und dieſer Ruhm iſt der Sterniſchen Dru -ckerey(*)Von ſeinen vielen gedruckten Buͤchern will ich der Kuͤrtze wegen nur einige anfuͤhren. Als z. E. Johann Arndts Schriften in Fol. 8. und 12. Oſianders Bi - del in Fol. Die Luͤneburgiſche Bibel in Fol. 8, und 12. mit und ohne Kupfern. Lohmeyers Europaͤiſche Koͤnigliche Haͤuſer Genealog. Fol. Moͤllers Poſtille in 4to, Schmidts Schriften, und viele andere mehr.
Cornelius Johann v. Stern
75von einigen Buchdruckern. ckerey ſchon von ſehr vielen Jahren her eigen. Die beyden Bruͤder Johann und Heinrich Sterne, nebſt deſſen Herrn Vater Johann Stern, haben eben da - ſelbſt dieſe Kunſt mit Ruhm getrieben, und ſich bey jedermann damit beliebt und angenehm gemacht. Und wer weiß nicht, daß dieſes Geſchlecht ſchon ſeit hun - dert Jahren unter der glorwuͤrdigſten Regierung des Kaͤyſers Ferdinandus III. in den Adelſtand erhoben, und mit folgenden Wappen, auf ſie, und ihre Nach - kommen begnadiget worden ſey? Jn dem Schild ſte - het der halbe Mond und auf drey Pyramiden drey Sterne; Auf dem gekroͤnten offenen Helm haͤlt eine Hand zwiſchen zwey Fluͤgeln ebenfalls einen Stern. Unten drunter ließt man hier Tab. XI. Cornelìus Johann von Stern. Endlich muß ich noch anmercken, daß in Luͤneburg bereits 1493. die edle Buchdruckerkunſt Sitz genommen habe. Der Buch - drucker, ſo um dieſe Zeit daſelbſt gelebet, hieß Jo - hannes Luce. Siehe Leſſern p. 58.
Allhier hat man ſchon 1491. gedrucket, wie Herr Leſſer p. 59. aus einem daſelbſt gedruckten Buch darthut. Um das Jahr 1521. lebte daſelbſt Mat - thias Giſecke, welcher in ſeinem Jnſigne eine Ge - gend fuͤhret, worauf man von weiten einige Thuͤrne auf hohen Felſen erblicket; Unten ſitzet Chriſtus und uͤbergiebet einem Engel ein verſiegeltes Buch; Auſſen herum ſtehen die Worte: Verbum Domìni manet in œternum. Mattbœus Giſeke. Siehe Tab. XII.
Chriſtian Leberecht Faber, der aͤltere, trat in der Chur-Saͤchſiſchen Stadt Radeberg, ohnweit Dreß -den,76Kurtzgefaßte Nachricht,den, 1683. den 18. Jan. ans Licht der Welt. Sein Herr Vater war Gabriel Faber, wohl verdienter Prediger und Miniſt. Senior in ermeldter Stadt Ra - deberg, und Paſtor in den Filial Schoͤnborn, die Mutter Frau Auguſta Catharina, eine gebohrne Lohmannin, Herrn M. Andreas Lohmanns, Pa - ſtoris in Apollensdorf und Strachau, bey Witten - berg, aͤlteſten Jungfer Tochter. Er iſt nicht nur in die Stadt-Schule allda geſchickt, ſondern auch von ſeinem ſeel. Herrn Vater ſelbſt unterrichtet worden, und war anfangs dem Studio Theologico gewidmet; Weil aber deſſen aͤlterer Bruder allbereit den Anfang dazu gemacht, ſolches auch nachhero auf der Univer - ſitaͤt Leipzig fortgeſetzet, und ſich die benoͤthigten Mit - tel dazu nicht finden wolten; So wurde beſchloſſen, daß er die Buchdruckerkunſt lernen ſollte, damit er dasjenige, was er in der Lateiniſchen, Griechiſch - und Hebraͤiſchen Sprache einigermaſſen erlernet, bey die - ſer Kunſt nutzen koͤnnte, wie es denn auch wuͤrcklich ziemlichen Nutzen geſchaffet, daß er nicht allein in ei - nigen Conditionen das Amt eines Correctoris mit uͤ - bernommen, ſondern auch in ſeiner eigenen Buchdru - ckerey das meiſte, was darinnen gedruckt worden, cor - riget, und allen moͤglichen Fleiß angewendet hat. Er trat alſo 1697. bey Herrn Johann Friedrich Schroͤ - teln in Dreßden in die Lehre, und wurde 1701. wie - derum frey geſprochen. Jn wenig Wochen hernach hat er in Gegenwart der gantzen Geſellſchafft zu Dreß - den bey ermeldeten ſeinem Lehrherrn poſtuliret, und iſt nachher in Pirna, Freyberg Chemnitz, Schleu - ſingen, Halle und Leipzig in Condition geſtanden, wobey ihm auch etlichemal die Stelle als Factor auf - getragen worden iſt, weil er aber niemals eine Be -lie -77von einigen Buchdruckern. liebung dazu bezeuget, ſo hat er ſolches abgeſchlagen. Jm Jahr 1709. hat er von Sr Koͤnigl. Majeſtaͤt in Preuſſen ein allergnaͤdigſtes Privilegium auf die Neu - ſtadt Magdeburg erhalten, worauf er auch 1710. zu Oſtern den Anfang zu drucken gemacht hat. Jm Jahr 1722. haben Jhro jetztregierende Koͤnigliche Ma - jeſtaͤt in Preuſſen erſt gedachtes Privilegium auf ihn und ſeine Erben allergnaͤdigſt dahin erweitert, daß er in der Altſtadt Magdeburg am Neuen Marckte wohnen, und in ſeiner Druckerey Buͤcher in allen Fa - cultaͤten und Sprachen drucken, verlegen, auch mit roh und gebunden Buͤchern handeln moͤge. Und weil niemals in der Neuſtadt Magdeburg eine Buchdru - ckerey geweſen, ſo hat er damals ſolche gantz neu an - geleget. Jm Jahr 1713. den 13. May verheyrathete er ſich mit Jungfer Anna Catharina Franckin, mit welcher er in einer geſeegneten Ehe bis 1734. gelebet hat, da ſie den 14. Novemb. verſtorben iſt, und einen Sohn und drey Toͤchter hinterlaſſen hat. Jm Jahr 1735. den 10. Nov. verheyrathete er ſich zum andern - mal mit Jungfer Anna Eliſabeth Krebſin, von welcher eine Tochter am Leben iſt. Der einige Sohn von erſter Ehe, Lebrecht Gotthold Faber, hat bey ihm die Kunſt erlernet und hernach poſtuliret. Gegen - waͤrtig befindet er ſich bey Herrn Gebauern, Uni - verſitaͤts-Buchdruckern in Halle. Die Wercke, ſo innerhalb 30. Jahren aus ſeiner Preſſe gekommen, legen alle ein gutes Zeugniß von ſeiner Geſchicklichkeit und Fleiß ab, als da iſt ins beſondere des ſeel. Scri - vers Seelenſchatz, fol. Eiusd. Krafft und Safft Kern und Stern, 4to. Eiusd. GOtt wohlgeſaͤllige Haußhaltung und andere dieſes theuren Eheologi Schrifften; Ferner; des ſeel, Probſts Luͤttkens faſtalle78Kurtzgefaßte Nachricht,alle ans Licht getretene Theologiſche Schrifften, und Wercke. Auſſer dieſen und andern Buͤchern hat er 1727. des ſeel. Johann Arnds ſechs Buͤcher vom wahren Chriſtenthum, und deſſen Paradiesgaͤrtlein, nebſt der Augſpurgiſchen Confeßion fuͤr die Magde - burgiſche Lotterie, nachmals aber 1738 ſolches herr - liche Buch auf ſeinen Verlag wiederum gedruckt. Was Gluͤcks und Ungluͤcksfaͤlle betrift, ſo hat ihn der gnaͤdige und treue GOtt nicht allein in ſeiner Ju - gend recht vaͤterlich geleitet und gefuͤhret, ſondern ihn fuͤrnemlich von der Zeit an, da er eine eigene Hauß - haltung angefangen, viele Wohlthaten guͤtigſt er - zeiget. Gleich bey dem Anfang ſeiner Buchdru - ckerey hat er ſich, um eines guten Gewiſſens willen vorgenommen, nichts zu drucken und zu verfertigen, was wider Gottes Ehre und Nahmen, und ſeinem Naͤchſten aͤrgerlich und anſtoͤßig ſeyn moͤchte, welches er auch bis anhero treulich gehalten, ob ihm gleich deswegen bisweilen leiblicher Schade und Verdruß begegnet, welches er jedoch nicht geachtet hat. Was ihm GOtt fuͤr beſondere Barmhertzigkeit, ſowohl an ſeinem Leibe, als auch an ſeinem Vermoͤgen erwieſem, davon koͤnnte gar vieles gemeldet werden, indem er ihn nicht nur einige mal aus ſchweren Kranckheiten errettet, da alle Menſchen an ſeiner Geneſung ver - zweifelt, ſondern auch zu dreyen malen in der Flamme des Feuers erhalten hat, in welchen er ſeine Buch - druckerey, Hauß und gantzes Vermoͤgen augenſchein - lich haͤtte verlieren koͤnnen. Sein Jnſigne iſt ein or - dentliches Wappen, in deſſen Felde ein Mann ſtehet, welcher auf einem vor ſich ſtehenden Ambos ſchlaͤget, und oben auf den offenen Helm die Taube Noaͤ mit einem Oelbladt. Deſſen Wahlſpruch den er ſich er -waͤh -
Matthaus Giſeke
79von einigen Buchdruckern. waͤhlet, iſt aus Phil. 1, v 21. genommen: Chriſtus iſt mein Leben, und Sterben iſt mein Gewinn. Siehe Tab. XII.
Gabriel Gotthilff Faber, der juͤngere, Buch - drucker zu Magdeburg, ein leiblicher Bruder von erſt ermeldeten, wurde in der Chur-Saͤchſiſchen Stadt Radeberg, ohnweit Dreßden 1697. den 30. Auguſt. gebohren. Der Herr Vater iſt geweſen Gabriel Faber Diac. der Stadt Kirchen daſelbſt und Paſtor des Filials zu Schoͤnborn; die Frau Mut - ter ſeel. war Frau Auguſta Catharina, gebohrne Lohmannin, des ſeel Herrn M. Andreas Loh - manns, Paſtor in Apollensdorff aͤlteſte Jungfer Toch - ter. Ermeldter Faber hat anfaͤnglich das daſige Stadt-Gymnaſium beſuchet. Hierauf trat er 1712. im Monat May bey Herrn Chriſtian Lebrecht Fa - bern, Senior, als deſſen Bruder, in der Neuſtadt Magdeburg, in die Lehre, und wurde 1716. im Nov. davon wieder befreyet, worauf er 1717. im Januar. allda ſein Poſtulat verſchencket hat. Jm Jahr 1730. im Dec. hat er anfaͤnglich mit dem ſeel. Herrn An - dreas Muͤllern in Geſellſchaft eine Druckerey und Verlag gefuͤhret, nach deſſen ſeel Abſterben aber hat er 1737. im Aug. beydes vermoͤge deſſen letzten Wil - len allein uͤberkommen. Jm Jahr 1730 den 7. Dec. hat er ſich mit Jungfer Maria Catharina, des ſeel. Herrn Andreas Muͤllers, aͤlteſten Tochter verhey - rathet, und mit ſelbiger 4. Kinder erzeuget, nemlich: 1.) Johann Andreas, 2.) Catharina Dorothea, 3.) Auguſta Catharina, 4.) Carl Friedrich, von welchen der aͤlteſte das 8. Jahr erreichet. Die Buͤ - cher, ſo er ſowohl in Geſellſchaft als allein unter Sr. Koͤniglicheu Majeſtaͤt in Preuſſen allergnaͤdigſten er -theil -80Kurtzgefaßte Nachricht,theilten Privilegio zum Vorſchein gebracht, ſind: Spangenbergs Poſtill in 4to. Das Magdebur - giſche Geſangbuch in med. 8. auch klein 8 und 12. Das Neue Teſtament mit Pſalter, Syrach, Cate - chiſmus Lutheri, nebſt einem Geſang - und Gebetbuͤch - lein und andere mehr. Das Jnſigne fuͤhret er nach Art ſeines Herrn Bruders.
Nicolaus Guͤnther, Koͤnigl. Regierungs-Buch - drucker, trat ans Licht der Welt in Breitungen, in der Graffſchafft Stollberg, 1703. den 10. April. Sein Vater iſt geweſen Nicolaus Guͤnther, ein Be - cker daſelbſt, deſſen Frau Mutter Anna Margare - tha Guͤntherin, welche ihm in Stollberg zur Schu - le gehalten, um dasjenige, was zur Buchdruckerkunſt erfordert wird, zu erlernen. Jm Jahr 1718. iſt er nach Rudolſtadt zu dem damaligen Hrn. Burgermei - ſter Urban in die Lehre gethan, und davon wieder 1724. um Michaelis befreyet worden, worauf er 1723. den 21. Jan. in gedachter Urbaniſchen Buchdruckerey ſein Poſtulat verſchencket hat. Als er nach Abſter - ben des ſeel. Herrn Urbans bey ſeinem Nachfolger Herrn Johann Heinrich Loͤwen, Fuͤrſtl Schwartz - burgiſ. Cammer-Agenten und Hof-Buchdrucker bis 1726. den 15. Auguſt. in Condition geſtanden; So iſt er als Factor nach Magdeburg verſchrieben wor - den. Jm Jahr 1728. verehlichte er ſich mit Jung - fer Magdalena Sophia, Herrn Zacharias Kohl - hards zu Jrxleben, eintzigen nachgelaſſenen Tochter, mit welcher er 4. Kinder, als 3. Soͤhne und eine Toch - ter gezeuget, wovon der Aelteſte Johann Chriſtoph in daſige Dohm-Schule gehet, die beyden andern aber Nicolaus Joſeph und Gottlieb Ehrenfried ſind noch klein, und die Tochter Maria Joſephawird81von einigen Buchdruckern. wird gleichfalls in allem, was einem Frauenzimmer dermaleins nuͤtzlich ſeyn kan, unterwieſen. Jm Jahr 1731. uͤbergab er das Amt eines Factors in der Koͤ - niglichen Regierungs-Buchdruckerey, welche der Frau Saalfeldin in Halle gehoͤrte, und uͤbernahm ſelbige erb-und eigenthuͤmlich. Aus ſeiner Preſſe ſind zum Vorſchein gekommen: Scrivers Seelen-Schatz, in Fol. Deſſen verlohrnes und wieder gefundenes Schaͤflein, und viele andere Buͤcher mehr, abſon - derlich aber die Koͤniglichen Edicte und andere Ver - ordnungen. Sein Jnſigne iſt das ordentliche Buch - drucker-Wappen, nebſt ſeinem darinnen befindlichen Namen. N. G.
Johann Auguſt Coͤler, Raths-Buchdrucker, trat ans Licht der Welt den 9. May 1711. in Nord - hauſen; Sein Herr Vater Johann Chriſtoph Coͤ - ler, Raths-Buchdrucker daſelbſt, gebuͤrtig aus Goß - lar, war ein Sohn Hrn. M. Johann Georg Coͤlers, ehemals Prof. Extraord. LL. Oriental. in Leipzig, nachmals Rectoris in Harſchleben. Die Frau Mut - ter des oben erwehnten Johann Auguſt Coͤlers, war die zweyte Tochter Herrn Auguſtin Martin Hynitzſchens, geweſenen Rathmanns, der Kirche St. Jacobi Vorſtehers, Raths-Buchdruckers und Brauherrns allda, deren Groß-Vater aber Herr Johann Eraſmus Hynitzſch iſt der erſte Buchdru - cker in Nordhauſen geweſen; Sie ſtarb 1718. den 27. Nov. Jn ſeinen Studiis iſt er ſo weit gekom - men, daß er einen Lateiniſchen Autorem und das Grie - chiſche Teſtament leſen koͤnnen, er hat nicht weniger Teutſche, Lateiniſche und Griechiſche Verſe verferti -Fget82Kurtzgefaßte Nachricht,get, auch in Hebraͤiſchen, ingleichen in der Hiſtorie einen guten Grund geleget, und zugleich die Jnſtru - mental - und Vocal-Muſic keinesweges verſaͤumet, in - dem er dem Stud. Theol. lediglich nachzugehen ge - ſonnen war. Um Oſtern 1732. wollte er nach Jena auf die hohe Schule gehen. Da ihn aber ein gewiſſer Umſtand daran verhindert; So wurde Michaelis da - zu feſte geſetzet, allein auch alsdenn machte der Todt ſeines ſeeligen Herrn Vaters, welcher den 11. Jul. beſagten Jahrs ploͤtzlich erfolgte, einen Strich durch dieſe Rechnung. Die Buchdruckerkunſt hat er bey ſeinem Herrn Vater ſeel. erlernet, indem er ſchon im ſechſten Jahre darzu angewieſen wurde. Ob er nun gleich ſchon im 14ten Jahre ſeines Alters tuͤchtig erkannt wurde, allerhand Formate einzurichten und aus - zurechnen, ſo iſt er doch erſt 1726. eingeſchrieben, 1731. aber losgeſprochen worden, dabey er zugleich jederzeit die Schule abgewartet. Er verſchenckte ſein Poſtulat in Erfurth 1733. den 14 Junii, 1734. trat er in den Herrenſtand, und derehlichte ſich 1737. den 27. Aug. mit Jungfer Auguſta Eliſabeth Suſanna, Herrn Johann Friedrich Gruͤtzmanns, Conſulentens und Jur Pract. eintzigen Tochter. Jn dieſer Ehe iſt ihm 1738 den 18. Junii ein Sohn, Namens Johann Au - guſt, zu Theil worden. Diejenigen Wercke, ſo aus ſeiner Preſſe gekommen, ſind des Herrn Hofraths und ICti D. Chriſtoph. Frieder. Platners Meditationes Sacræ Theologico-Juridico-Hiſtorico-Politico-Phi - loſophico Theoretico-Practicæ, oder, geiſtliche Be - trachtungen uͤber die Sonn-Feſt und Feyertags-Evan - gelia, ingleichen M. Georg Baſilii Brinckmanns gute Anweiſung zu einem ſeeligen Sterben, und an - dere mehr, welche alle ſeinen Fleiß und gute Aufſichtbemer -83von einigen Buchdruckern. bemercken. Sein Jnſigne iſt nebſt dem Buchdrucker - Wappen ein Palmbaum mit vielen Schneeflocken bedeckt, und mit der Beyſchrifft:
Von den erſten Buchdruckern ſowohl, als von al - len uͤbrigen, welche ſich nach und nach in der beruͤhm - ten Reich-und Handelsſtadt Nuͤrnberg niedergelaſſen haben, hat der Verfertiger der ſummariſchen Nach - richt von den Buchdruckern in Nuͤrnberg, welche er dem bekannten Nuͤrnbergiſchen Formatbuch vorgeſe - tzet hat, ausfuͤhrlich gehandelt. Wenn der Herr Verfertiger hierinnen mehr Nachfolger bekommen haͤt - te, oder noch bekaͤme, ſo waͤre zu hoffen, daß man mit der Zeit eine vollkommene Buchdrucker-Hiſtorie von Teutſchland ſchreiben koͤnnte. So aber iſt unſer Hoffen bey nahe vergeblich. Jch habe mich zwar auch bemuͤhet einen Beytrag darzu an handen zu ge - ben. Alleine, Leipzig und Nuͤrnberg machen es noch nicht aus. Und ob ich gleich gegenwaͤrtig wiederum in dieſer Abſicht die Feder angeſetzet, und verſchiedene bis hieher unbekannte Nachrichten aufgetrieben habe; So muß ich dennoch bekennen: es iſt noch alles lau - ter Stuͤckwerck. Unterdeſſen werde ich die Hand da - von nicht abziehen, ſondern beſtaͤndig bemuͤhet ſeyn, alles, was ich nur finden kan, anzumercken. Jn die - ſer Abſicht, werde ich mir auch die Nachricht von Nuͤrnberg zu Nutze machen, und das nothwendigſte daraus hieher ſetzen, jedoch ſo, daß ich auch aus mei - nem Vorrath allerhand dazu fuͤgen, und deſſen Nach - richt nicht lediglich ausſchreiben werde.
F 2Was84Kurtzgefaßte Nachricht,Was demnach den allererſten Buchdrucker in Nuͤrn - berg anbelanget, ſo ſtreitet man noch darum. Man giebt bald Georg Koberger, bald Anton Groß - lich, bald aber Johann Regiomontanum davor aus. Die beyden erſten ſollen ſchon im Jahr 1440. zu Nuͤrnberg eine Druckerey angeleget haben. Der letztere aber habe nach dem unrichtigen Bericht des um die Buchdruckerkunſt unſterblich verdienten Herrn Paul Paters ſo gar die Buchdruckerkunſt erfinden helfen. Es iſt aber von dieſen Erzehlungen kein Wort wahr. Die erſtern ſind zu alt, und der letztere kan weder vor den Erfinder der Buchdruckerkunſt, wie ich im erſten Theil erwieſen habe, noch vor den er - ſten Buchdrucker in Nuͤrnberg gehalten werden. So viel iſt unſtreitig wahr, daß man einige Buͤcher um das Jahr 1470 zu Nuͤrnberg gedruckt habe, alleine die Buchdrucker haben ihre Namen nicht dazu geſetzt, folg - lich kan man nicht wiſſen, wer ſie gedruckt hat. Vom Jahr
1473. aber iſt Reyneri Summa, ſeu Pantheo - logia bekannt, an deſſen Ende: Johann Senſen - ſchmidt von Eger, und Heinrich Kefer von Mayntz als Buchdrucker ſtehen. Bey einem andern Buch de ſanguine Chriſti findet man am Ende Friedrich Creußnern. Dieſe drey Maͤnner ſind alſo die erſten ge - weſen, ob ihnen gleich ſonſt Anton Koburger, oder auch Koberger den Rang ſtreitig zu machen ſcheinet. Denn man hat ſchon von 1472. von Koburgern gedruckte Buͤcher. Daß er mit den bereits angefuͤhrten zu gleicher Zeit gelebet habe iſt gewiß; daß er aber vor ihnen die Buchdruckerkunſt getrieben habe iſt uner - weißlich, weil ſie ihre Namen nicht ſogleich auf ihre gedruckte Buͤcher geſetzt haben. Unterdeſſen iſt dochwie -85von einigen Buchdruckern. wiederum ſo viel wahr, daß Koburger einer von den allerberuͤhmteſten Buchdruckern zu ſeiner Zeit gewe - ſen iſt. Er druckte taͤglichmit 24. Preſſen, und hatte uͤber hundert Geſellen, welche theils Setzer, Com - portiſten, Buchbinder, Correctores, Drucker, Poſ - ſelierer, Jlluminiſten waren. Nicht nur zu Nuͤrn - berg, ſondern auch zu Lyon in Franckreich hatte er eine vortrefliche Druckerey, worinnen ſehr wichtige Wercke ans Licht gebracht wurden, wie davon in den Bibliothecken noch hier und da untruͤgliche Zeugen ſtehen. Nebſt der Buchdruckerey trieb er zugleich einen weitlaͤuftigen Buchhandel, daß er auch ſo gar ſechzehn oͤffentliche Buchladen und ſo viel Factores gehabt haben ſoll. Abſonderlich hat er ſich durch die verſchiedenen Auflagen der lateiniſchen und teutſchen Bibel einen unſterblichen Namen erworben.
Andreas Frießner, anfaͤnglich ein gelehrter Cor - rector bey Johannn Senſenſchmied, hernach aber ſo gar deſſen Gehuͤlfe, und endlich ein Buchdrucker - herr vor ſich. Was auſſerdem von ihm zu wiſſen noͤthig iſt, das habe ich bereits im 1ſten Theil p. 84. ſqq. beygebracht.
Adam, ein gantz unbekannter Buchdrucker daſelbſt. Unterdeſſen weiß man ein Tractaͤtgen von 1½. Bogen, von dem Cremer Chriſti, was er gutes zu ver - kaufen, worauf ſich deſſen Name befindet. Alsdann machten ſich folgende bekannt:
Von dieſem kan ich ſein Jnſigne beybringen. Es ſieht aber alſo aus: oben in einer Wolcken zeigt ſich das Wort〈…〉〈…〉, unten auf der Erden ſteht ein Poſtement, worauf eine Hand zu ſehen, welche drey Blumen, vermutlich Mayen-Blumen, haͤlt, auf ſei - nen Namen zu zielen; An dem Poſtement ſiehet man H. M. Auſſen herum aber die Worte: In manu Domini ſunt omnes fines terræ. Siehe Tab. XIII.
1503. 1523. Hieronymus Hoͤltzel, zugleich ein beruͤhmter Formenſchneider, dahero er auch dann und wann nur Hieronymus Formenſchneider genennet wird.
1512. Joannes Weyſſenburgius Sacerdos, oder, Johann Weiſſenburger Prieſter.
1515. Johann Stuchs.
1515. Friedrich Peybus, Buchdrucker und Buchhaͤndler, war 1485. zu Herrnſtadt in Schle - ſien gebohren. Seine Druckerey hatte er unter dem Hauß von Plaben. Man weiß, daß er Chriſtiani Scheurlii Epiſtolas ad Charitatem Abbatiſſam S. Claræ 1515. gedruckt hat, wobey er ſich libtarium iuratum genennet hat. Jm Jahr 1518 verließ Eo - bani Heſſi Querela de tumultibus horum tempo - rum ſeine Preſſe, allwo der Druck rein und ſcharf gerathen iſt. Sein Jnſigne war die Artimiſia, oder, das ſo genannte Kraut Beyfuß in einem Schild, unter dieſem ſtehen die Anfangsbuchſtaben von ſeinem Namen F. P. Siehe Tab. XIII. Jm Jahr 1534. nahm er aus dieſer Welt wieder Ab - ſchied. Deſſen Bildniß ſtehet unten auf unſerer Tab. XIV.
1570.1517. Jobſt Gutknecht.
1525. Hanns Herrgott, deſſen Wittwe Ku - nigunda Herrgottin 1531. die Druckerey fortſetzte.
1526-1550. Johann Petrejus, von Langen - dorf, war nicht nur ein geſchickter Buchdrucker, ſon - dern auch ein gelehrter Mann. Eben deswegen wer - den alle teutſch, lateiniſch und griechiſche Buͤcher, ſo ſei - ne Preſſe verlaſſen, von den gelehrten ungemein hochgehalten. Abſonderlich wird darunter das Cor - pus iuris Haloandrinum gerechnet, welches auf Un - koſten eines Hochedel und Hochweiſen Raths zu Nuͤrn - berg von ihm 1529-1530. gedrucket worden. Er konn - te ferner alle Jnſtrumenta, ſo zu einer wohleingerichte - ten Buchdruckerey noͤthig ſind, kuͤnſtlich verfertigen. Er brachte ſein Leben bis auf den 18. Mertz 1550. Nach deſſen Tod ſein Eydam Gabriel Hayn, die Druckerey uͤberkam Sein Jnſigne iſt eine run - de Scheibe, darinnen eine Hand aus der Wolcken ein feuriges Schwerd in die hoͤhe haͤlt; Auf beyden Seiten des Schwerdtes ſtehen die Anfangs-Buchſta - ben von ſeinem Namen I. P. mit den Worten: Sermo Dei ignitus, eſt penetrantior quouis gladio ancipiti.
1529-1549. Georg Wachter, von dieſem weiß man weiter nichts, als ſein Jnſigne. Es iſt ſelbiges ein Stern in einem Schild; Bißweilen auch das Nuͤrnbergiſche Wappen nebſt ſeinem Wappen, wel - ches eine Holtzfeile und Gießloͤffel vorſtellet, welche creutzweiſe neben einander liegen, und zugleich den erſt gedachten Stern in einem Schild, welchen eine Frau haͤlt.
1533. Chriſtoph Gutknecht.
1534. Hector Schoͤffler.
1535. Johann Haden.
F 41536.88Kurtzgefaßte Nachricht1536. Hanns Guͤldenmund.
1536-1539. Leonhard Milchthaler.
1541-1586. Nicolaus Knorr.
1542. Johann Montanus, oder von Berg und Ulrich Neuber ſtunden mit einander als Buch - drucker und Buchhaͤndler in Geſellſchaft, und wohnten auf dem neuen Bau bey der Kalchhuͤtten. Der er - ſtere ſtarb 1563. dahero von Bergs Erben und Neu - ber eine Zeitlang in Geſellſchafft verblieben Jhr ge - meinſchaftliches Jnſigne war nicht einerley. Bald hatten ſie die Verklaͤrung Chriſti in einem Creyß mit der Uberſchrift: Domine bonum eſt, nos hic eſſe; ſi vis, faciamus hic tria tabernacula, Tibi vnum, und darun - ter Pſ. LXXXIX Beatus populus, qui ſcit iubilatio - nem; Bald hatten ſie eben dieſes Jnſigne, mit einer Einfaßung, da um den HErrn Chriſtum, Moſen und Eliam auf einem Zettel folgende Worte zu leſen ſind: Hic eſt filius meus dilectus, in quo mihi complacitum eſt. Siehe Tab. XIII. Bald hatten ſie einen groͤſ - ſern Creyß mit einem Lorbeercrantz, allwo um den HErrn Chriſtum auf einem Zettel die kurtz vorher ange - fuͤhrten Worte ſtehen: Hic eſt filius meus &c. und bey Petro: Domine, bonum eſt, hic nos eſſe, Unten drunter Pſ. LXXXIX. Wol dem Volck, das jauch - zen kan: Endlich hatten ſie eben dieſe Figur in einem kleinen oval ohne Schrifft. An den vier Ecken der Einfaſſung ſiehet man die Zeichen der vier Evangeli - ſten. Es waͤhrte aber nicht lange, ſo trennten ſich Bergs Erben von Neuber, worauf er ſich 1566. mit Dietrich Gerlatz, oder Gerlach vereiniget, welcher letztere hernach die Vergiſche Druckerey alleine fort - ſetzte.
1546-1548. Johann Daubmann. Jn ſeinemJn -89von einigen Buchdruckern. Jnſigne hatte er Chriſtum, welcher auf den Achſeln ein Schaf traͤgt, und mit der rechten Hand einen Stummen der vor ihm kniet, anruͤhret, mit den Worten: Er - halt mich durch dein Wort Pſ. 119. Sonſt hatte er einen geharniſchten Mann, welcher in der rechten Hand einen Schild, worinnen das Nuͤrnbergiſ. Stadt - Wappen in der lincken Hand deſſen verzogenen Namen haͤlt. Siehe Tab. XIII.
1550. Johann Paul Fabricius.
1551-1581. Valentin Neuber; Sein Jnſig - ne ſtellte die Geburt, und die Taufe Chriſti vor, welche durch eine Saͤule von einander geſchieden wer - den; An dem Fuß der Saͤule lehnet ein Schild darauſ ein Creutz und an deſſen unterſten Ende die zuſammen - gezogenen Buchſtaben V. N. angefuͤget ſind, welche auf beyden Seiten noch einmal ſtehen; Oben daruͤber ließt man die Worte Joh. III. Es ſey denn daß je - mand von neuem gebohren werde, aus dem Waſ - ſer und Geiſt, ſo kan er nicht in das Reich Gottes kommen.
1553-1554. Georg Merckel, deſſen Jnſigne iſt ein Kind in einem viereck, dabey die Worte aus dem Pſ. 63. ſtehen: Du trenckeſt ſeine Furchen, und feuchteſt ſein gepfluͤgtes.
1554. Herman Hamſing.
1544.. 1580. Friedrich Gutknecht.
1556. Gabriel Hayn, Petri Eydam.
1556-1559. Joachim Heller
1557. Johann Cramer.
1560. Georg Kreydlein.
1560-1546. Johann Freud.
1561. Valentin Geißler und Jeremias Por - tenbach. Anfaͤnglich waren ſie beyſammen, hernach fuͤhrte Geyßler 1562. ſeine Druckerey alleine. Deſ -F 5ſen90Kurtzgefaßte Nachrichtſen Jnſigne waren 5. Loͤwen mit den Worten: Der Gottloſe fleucht, und niemand jaget ihn: Der ge - rechte aber iſt getroſt, wie ein junger Loͤwe. Spruͤchw. XXIV. 1.
1564. Chriſtoph Heußler.
1565-1578. Johann Koͤler, oder Carbonari - us. Sein Jnſigne war ein Altar mit vier Stuffen; Auf der unterſten lag ein Lorbeercrantz, auf der an - dern ein Schwerd, auf der dritten eine koͤnigliche guͤl - dene Krone, und auf der vierten ein Lamm, mit den Worten: Patientia vincit omnia.
1571. Wendelinnus Borſch.
1571. Joachim Lochner, hat zugleich den Buchhandel gefuͤhrt.
1576-1598. Val. Fuhrmann, warmit ſeinem Jn - ſigne ſehr veraͤnderlich. Anfaͤnglich hatte er David mit der Harfe, indem er vor der Stadt Jeruſalem kniet und gen Himmel ſchaut, da ſich ihm GOtt in Menſchen Geſtalt zeiget; Hernach erwehlte er ſich die Goͤttin des Gluͤcks, welche auf einer Kugel, dieſe auf ei - ner Sanduhr, und dieſe auf einem Todtenkopf ruhet, dabey folgende Worte zu leſen:
1592. Leonhard Heußler.
1582. Chriſtoph Lochner und Johann Hof - mann hatten die Druckerey bis 1602. mit einander und ſchrieben ſich Typographos Academicos. Des erſtern Jnſigne war eine Saͤule, auf welche von einer Seite der Wind blaͤſet, auf der andern Blitz und Hagel losſtuͤrmet, auf der dritten die Waſſerwogen anſchlagen, und bey der vierten ein Mann graͤbet mit der Schrift:
Ae -91von einigen Buchdruckern.1593-1514 Abraham Wagemann hatte zu ſei - nem Jnſigne des Eliaͤ Himmelfarth mit dem feurigen Wagen, welchem Eliſa mit erhabenen und gefalte - nen Haͤnden ſehnlich nachſiehet und auf der Erde kniet; Oben zur lincken Hand ſieht man in einem Schild den doppelten gecroͤnten Adler. Siehe Tab XIII. Dann und wann ſtehen folgende Worte dabey:
Oder:
1595-1606. Paul Kaufmann, war anfaͤnglich Factor in der Gerberiſchen Druckerey, welche er hernach vermuthlich an ſich gebracht. Sein Jnſigne waren drey Schwanen, welche der Wind anblaͤſet, mit den Worten; Adſpirantibus Zephyris.
1595 Alexander Philipp Dietrich, war vor - nemlich Eliaͤ Hutters Buchdrucker.
1602. Johann Lauer hatte 1560. das Licht der Welt erblicket. Er fuͤhrte zugleich den Buchhandel hatte zwey Weiber gehabt, und iſt 1639. geſtor - ben. Sein Jnſigne war ein Lamm mit der Siegs - fahne, welches unter einem Lorbeerbaum ſtehet. Oben daruͤber ließt man die Worte: Manus alma Dei lau - rum victricem dat. und zur rechten Hand: GOtt giebt Sieg. Maccab. XIII. 11.
1603-1608. Sebaſtian Heußler. Deſſen Jnſigneiſt92Kurtzgefaßte Nachricht. iſt ein Todtenkopf, darauf eine Sanduhr ſtehet. Oben daruͤber haͤlt eine Hand die Weltkugel, ſo mit einer Crone bedeckt, auf der Crone geht ein Schwerd mit der Spitze empor. An dem Todtenkopf lehnen zwey creutzweiß gelegte Senſen mit den Worten: ſic labor eſt hominum. Sic tranſit gloria mundi. Man ſieht auch das Handelszeichen in einem Schild mit dem Anfangsbuchſtaben von ſeinem Namen S. H.
1603-1616 Conrad Agricola, oder Bauer, wel - cher zu der bekannten Bibliſchen Concordantz den Grund geleget, und ſelbige gedruckt hat. Nebſt der Druckerey hatte er zugleich einen Buchhandel und fuͤhrte in ſeinem Jnſigne den Apoſtel Paulum, als ei - nen Ackersmann, der pfluͤget und einen andern, der ſaͤet. Vor ihnen ſtehet Chriſtus mit ausgeſtreckten Haͤnden; am Himmel ſieht man Sonne, Mond und Sterne und in der Einfaſſung ließt man die Worte: Spes alit agricolas: quoniam quiarat, debet in ſpe arare: & quiſeminat in benedictionibus de benedi - ctionibus & metet.
1604-1616. Georg Leopold Fuhrmann. Sein Jnſigne iſt der Ritter St. Georg in einem ovalen Schild, mit den Worten; Gloria Laborum Fru - ctus; Unten dran iſt auf einer Seite ſein Wappen, auf der andern das Handelszeichen. Er hat auch den Ritter St. Georg mit einem Schild gefuͤhrt, worin - nen die Buchſtaben C. H. S, und oben druͤber die Worte ſtehen: Dum viuis ſperare licet. Unten bey dem Handelszeichen: Noſce te ipſum. Deſſen Wittwe und Erben fuͤhrten nach ſeinem Tod die Druckerey fort.
1604. Georg Endter, der Stamm-Vater der beruͤhmten Endteriſchen Familie. Von dieſem hat man uns erlaubet, dasjenige, was ſich in dem Nuͤrn -bergi -93von einigen Buchdruckern. bergiſchen Formatbuch befindet, von Wort zu Wort einzuruͤcken. Wir aͤndern alſo nichts. Man ließt aber daſelbſt alſo: Georg Endter uͤbergab noch bey Leb - zeiten Anno 1612. ſeinem Sohn Wolfgang Endter dem aͤltern, die Handlung und Druckerey ganz ei - genthuͤmlich. Der Vater lebte noch bis 1630. und ſtarb im 68ſten Jahr ſeines Alters. Der Sohn Wolfgang war gebohren den 4. Jul. 1593. Dieſer trat 1620. mit Maria Daniel Geders, in die erſte, und 1658 mit Anna Kegina, Martin Schubarts, in die andere Ehe. Er hat in dem dreyſigjaͤhrigen Krieg auf den Reiſen vieles ausgeſtanden; iſt offters gepluͤndert, und einsmal gar gefaͤnglich weggefuͤhrer worden War ein ernſthaffter Mann, und gutes Anſehens. Er hatte ſo viel als drey Druckereyen, de - nen er 47. Jahre vorgeſtanden. Starb den 17. May 1659.
Es mangelt denen in der Endteriſchen Officin in groſſer Zahl ausgefertigten ſo Teutſch-als Lateiniſchen Buͤchern, was die Nettigkeit der Characteren anbe - langet, im geringſten nichts: wie er denn die alte ab - geſtoſſene Buchſtaben, welche freylich nicht ganz und gar koͤnnen vermieden werden, bald ausgemuſtert, und neue an die Stelle geſchaffet. Jndem ich dieſes ſchreibe, und nebſt andern Endteriſchen Verlags - Buͤchern, auch des ſeel. Harsdoͤrffers Geſpraͤch - Spiele zur Hand nehme, ſo finde ich auf die Endteriſche Druckerey folgendes Lateiniſche Raͤtzel, welches we - gen ſeiner Artigkeit, nebſt einer Teutſchen Verſion und Auslegung, hier beyzurucken ich mich nicht entbrechen kan.
Hic tacet interpres tenebroſo in carcere clauſus: clarus in atrato tramite colloquitur. Exulat94Kurtzgefaßte Nachricht,Exulat officio deſes; aerugine marcet, et patitur ferri vincula ſi liber eſt. Aſt hinc liber erit, quem Muſis mancipat autor, ni perimat captum ſemper anhela ſitis. Nam madidus labor eſt, vario ſudore parandus. Torcular ſiccum, quam gemit! audin’omen.Der ſtumme Dollmetſch ſchweigt, ins duͤſtre Fachgelegt:Und in der ſchwartzen Form kan er ſo trefflich reden:Den, wenn er ohne Dienſt, der Roſt gleich will er -toͤdten,Und deſſen Freyheit man in Eiſen-Bande ſchlaͤgt.So wird ein freyes Buch den Muſen eingeweyht,Wenn nicht der Durſt den angefeſſelten verletzet.Die Arbeit iſt gar feucht, und will wol ſeyn genetzet.Wie girrt die trockne Preß! Hoͤrſt du, was es be -deut?
Dieſes iſt eine Beſchreibung des Schrifft-Kaſtens in der Endteriſchen Officin. Ein Buchſtabe der nicht gebrauchet wird, heiſſet mutus interpres, ein ſtum - mer Dollmetſch, welcher in atrato tramite mit Huͤlfe des Winkelhackens in Zeile geſetzet, vel vinculo fer - reo, und in die Form geſchloſſen, redet: wenn viele ſolche Buchſtaben zuſammen geſetzet werden, ſo wird ein Buch daraus; es ſey denn, daß die Buchſtaben, wo das Papier nicht angefeuchtet worden, nicht leſer - lich heraus kommen. Dahero in Druckereyen das Spruͤchwort uͤblich iſt:
Wenn die Geſelln nicht taͤglich netzn,So koͤnnen ſie noch druckn noch ſetzn.
Die jetzo noch in groͤßtem Flohr ſtehende Endteriſche Officin ſtammet von dieſem Endter her, und hat ſelbige, nach deſſen Tod von A. 1660. biß 1674. gefuͤhretChri -95von einigen BuchdruckernChriſt. Endter; dann dieſes Tochter, Anna Maria, bis 1680. da Wolf Moritz und Georg Andreas Endter ſelbige geerbet, und benebſt der andern, un - ter dem Namen: Wolf Moritz Endter und Joh. Andreas Endters ſeel. Soͤhne, bis An. 1684. gemein - ſchafftlich adminiſtriret: in dem Jahr aber 1733. be - liebte es dieſen Vettern ſich zu ſepariren, von welcher Zeit an Georg Andreas Endter dieſe Officin, unter dem Namen Johann Andreas Endters Sohn und Er - ben gluͤcklichſt verwaltet, und meiſtens mit 7. bis 8. Preſſen ſeinen eigenen Verlag verfertigen laſſen. Die verſchiedenen neuen Editionen des Weimariſchen Bi - belwercks, auch andere Bibeln in groſſen und kleinem Format, lac. Wilhelm Imhofii Regum Pariumque Magnae Britanniae Hiſtoriam Genealogicam, item Eraſmi Franciſci meiſte Schrifften; Matthiae Cra - meri Lexicon Italicum & Gallicum, ingleichen den Theſaurum Numiſmaticum huius Saeculi, Speidelii Sylloge Quæſtionum Juridicarum, und viele andere ſchoͤne Werke, hat man deſſen Fleiß zu dancken. Er war gebohren den 3. May 1654. am Tage vor dem Himmelfahrts-Tag; verſchiede den 21. Dec. Anno 1717. im 64ſten Jahr ſeines Alters. Nach deſſen ſeeligen Tod iſt dieſe Officin, unter dem Namen: Jo - hann Andreaͤ Endters Erben, von dem Verfaſſer des Nuͤrnbergiſ. Formatbuchs Joh. Heinrich Gott - fried Erneſti, auf deſſelben den 13. Aug. 1723. er - folgtes Abſterben aber, von Johann Noah Dein - lein, als Factor, beſorget worden.
Das Zeichen, ſo Wolfgang Endter, der aͤltere beliebet, und deſſen Sohn Chriſtoph ſich gleichfals gefallen laſſen, war ein Todtenkopf auf einem Pie - deſtal an welchem das Handlungs-Signet zu ſehen. Uber96Kurtzgefaßte Nachricht,Uber den Todtenkopf hielten die gecroͤnte Froͤmmig - keit, ſo aus der Fackel und dem Buch in der rechten Hand zu erkennen, und die Gerechtigkeit, welche in der linken Hand das Schwert mit der Wage zeiget, eine Crone, und uͤber dis alles ſchwebet ein Zettel, ſo dieſe Worte enthaͤlt: Perſevcra usque ad finem & coronaberis. Das Piedeſtal ruhet auf einem mit Waſſer durchſchnittenen Erdreich, und in dem Waſſer ſchwimmen Enten und andere Waſſer-Voͤgel, allwo unten ein anderer Zettel die Worte zu leſen giebet: Aſſueſce & perſiſte Nachdem aber vorbelobter Georg Andreas eingetreten, erwehlte er zur Deviſe eine Ente, welche unter das Waſſer ſchieſſet. Dieſe wird in zween Palmzweigen eingefaſſet, darein der Zettel gewunden, mit dem Lemmate: Profunda quo - que ſcrutatur. Unten daran haͤnget ein Schild mit dem Handels-Signet, und auf beyden Seiten dienen zur Zierraht, als an einem Feſton, hangende Zirkel, Linial, und allerhand zum Schreiben und zur Ma - thematic dienende Jnſtrumenta. Es ſiehet jederman ohne Erinnern, daß beyde emblemata auf den Namen, und deſſen zweyfache Derivation und Abſtammung zielen. Deſſen Bildniß und Jnſigne ſiehe Tab. XV.
1605. Sebaſtian Koͤrber.
1609. Johann Lanzenberger fuͤhrte eben das Jnſigne, als Sebaſtian Heußler.
1614. - 1627. Ludwig Lochner uͤberkam des oben beruͤhrten Chriſtoph Lochners und Johann Hofmanns Druckerey, welcher hernach Johann Friederich Sartorius zum Gehuͤlfen annahm: Wenn und wie Simon Halbmaier zu dieſer Druckerey ge - kommen, iſt unbekannt. Dieſes aber iſt gewiß, daß er 1587. gebohren, und 1632. geſtorben iſt. Manweiß
97von einigen Buchdruckern. weiß ferner, daß er zugleich ein Buchhaͤndler und Buch - drucker geweſen, und ſich des Ludwig Lochners Zei - chen bedienet habe, welches in einer Weltkugel be - ſtunde, worauf ein Adler auf der lincken Klaue ſtehet, und mit der rechten ein offenes Buch, im Schnabel aber einen Lorbeercrantz haͤlt, mit folgenden Worten: Gloria virtute paratur. Siehe Tab. XIII. An wem hernach dieſe Druckerey gekommen, wollen wir bald hoͤren, wenn ich nur zuerſt noch zwey Maͤnner ange - fuͤhrt habe, nemlich:
1619. Balthaſar Scherf, war Typographus Academiæ Altorfinæ.
1626. 1631. Caſpar Fuld.
Nunmehro will ich alſo von denen daſelbſt noch im Flor ſtehenden Druckereyen etwas mehr reden.
Stammt von Georg Endtern her, deſſen Leben wir kurtz vorhero eingeruͤckt, ſein Jnſigne pag. 95. beſchrieben und ſein Bildnis Tab. XV. A. geliefert haben. Deſſen Sohn
Wolfgang Endter, uͤberkam 1630. die Drucke - rey, welche er bis 1660. gefuͤhret hat; Sein Jnſigne haben wir bereits oben beſchrieben. Deſſen Bild - nis ſtehet Tab. XV. B Hierauf kam
1660. Chriſtoph Endter, deſſen Sohn, darzu welcher ſelbige bis 1674. gehabt. Denn nach deſſen Tod kam deſſen Tochter
1674. Anna Maria Endterin zur Druckerey, welche ſelbige bis 1690. gehabt hat. Alsdenn ſelbige
1680. Wolfgang Moritz und Georg Andreas Endter, und fuͤhrten ſelbige unter dem Namen: WolfGMo -98Kurtzgefaßte Nachricht,Moritz Endter und Johann Andreas Endters ſeel. Soͤhne bis 1684. fort, um welche Zeit ſich die beyden Vettern trennten. Dahero
1684. Georg Andreas Endter die Druckerey unter dem Namen Johann Andreas Endters Sohn und Erben gluͤcklich fortſetzte. Nach ſeinem Tod
1717. wurde die Druckerey durch Factors un - ter dem Namen: Johann Andreaͤ Endters Erben fort gefuͤhrt. Georg Andreas Bildnis. Siehe Tab. XV. F.
Kommt von Jeremias Duͤmler her. Es wat ſelbiger 1598. gebohren, und um das Jahr:
1634. legte er ſich eine Druckerey an. Alsdenn verkaufte er 1652. ſeine Druckerey ſowohl als die Buchhandlung Wolfgang, dem juͤngern, und Jo - hann Andreas Endter. Duͤmlers Jnſigne iſt der Pegaſus mit der Beyſchrift: Ad aſtra volandum. Deſſen Bildnis ſteher Tab. XIV. d
1652. Nunmehro hatte alſo Wolfgang Endter, der juͤngere, auch eine Druckerey. Er war ein Sohn Wolfgang, des aͤltern, und 1622. gebohren. Von dem bekannten Schulmann M. Andreas Reihern, wurde er 1634. in den ſchoͤnen Wiſſenſchaften wohl unterrichtet, worauf er 1637. nach Hauſe gieng den Buchhandel und Buchdruckerey zu erlernen. Jm Jahr 1646. hatte er das Ungluͤck, daß er auf einer Ruͤckreiſe von Franckfurt unter die Straſſenraͤuber verfiel und zwey Schuͤſſe bekam. Jm folgenden Jahr darauf gieng er nach Schweden. Nachdem er in ſei - nem Vaterlande wieder angekommen war, und ſich einige Zeit daſelbſt aufgehalten hatte; So ver -ehlich -
99von einigen Buchdruckern. ehlichte er ſich 1650. mit Helena Clara Schacherin. Worauf ſeine Eltern ihm und ſeinem Herrn Bruder Johann Andreas die von Jeremias Duͤmlern er - kaufte Buchdruckerey 1652 uͤbergaben. Wolfgang muſte gar bald die Erde wieder kauen, nemlich 1655. Siehe deſſen Bildnis Tab. XV. C. Nach deſſen Tod ſetzte
1655. Johann Andreas, deſſen Bruder, die Dru - ckerey fort, unter dem Namen: Johann Andreas und Wolfgang Endters, des juͤngern, ſeel. Erben. Dieſe Vereinigung dauerte aber nicht laͤnger, als bis des letztern Sohn
1675. Wolfgang Moritz im Stande war der Druckerey vorzuſtehen. Er trennte ſich alſo von ſei - nem Vettern, undfuͤhrte ſelbige vor ſich alleine, bis er ſie wieder verkaufte, und den Buchhandel alleine trieb. Zum Jnſigne hatte er ein Buch, darauf eine Schreibfeder liegt, mit dem Handelszeichen, auf ei - nem mit Waſſer durchſtroͤmten Erdreich. Jn dem Waſſer ſchwimmen ein paar Endten. Neben her ſtehet eine Jungfer mit einem Zweig voller Granaten in der rechten Hand, ſo mit der Lincken gegen die aus der Wolcken ſtrahlende Sonne zeiget. Zur an - dern Seite iſt wieder eine Jungfer, welche in der rech - ten Hand eine Lampe, in der Lincken aber einen Zettel haͤlt, worauf die Worte ſtehen: Miſericordia Domini non habet finem; Auf der Erde liegt noch ein Zettel auf welchem die Worte zu leſen: In ſolo Deo ſpes noſtra unica Deſſen Bildniß. Siehe Tab. XV. E.
1699. kaufte Johann Ernſt Adelbulner dieſe Druckerey an ſich. Er iſt 1665. den 14. Jan. gebohren, und eines Hochedlen Raths daſelbſt Aſſeſſor geweſen. Er fuͤhrte in ſeinem Wappen ein Kleeblat, auf deſſenG 2Helm100Kurtzgefaßte Nachricht,Helm ein Mann ſtehet, welcher einen Fiſch in der Hand haͤlt. Deſſen Bildniß. Siehe Tab. XVI.
1630. ließ Johann Philipp Mildenberger eine Druckerey von Franckfurt am Mann nach Nuͤrnberg bringen, welche nach deſſen Abſterben
1678. Chriſtian Sigmund Froberg durch Hey - rath des Herrn Mildenbergers Frau Wittwe uͤ - berkam.
1723. kaufte Lorentz Bieling dieſe Druckerey.
1658. Wolfgang Eberhard Felsecker, Buch - drucker und Buchhaͤndler, erblickte zu Bamberg 1626. den 28. Jan. das Licht der Welt, und ſtarb den 6. Octobr. 1670. Sein Jnſigne war die Wachſam - keit und Arbeit. Die erſte haͤlt eine brennende Lampe in der Hand; Die andere einen Winckelhacken. Jn der Mitte ſtehet ein Felſen, worauf ein Buch zu ſe - hen mit den Anfangsbuchſtaben von ſeinem Namen, nebſt dem Handelszeichen. Oben druͤber ſtehen auf einem fliegenden Zettel: Vigilantia & labore. Siehe Tab. XVI.
1670. uͤberkam alſo des vorhergehenden Sohn Johann Jonathan Felsecker den Buchhandel und Buchdruckerey. Er war 1655. den 10. Mertz geboh - ren, und iſt 1693. den 25. May wieder geſtorben, wo - durch beydes 1693. an ſeine Soͤhne und Erben ge - kommen iſt.
1710. uͤbernahm deſſen Sohn Adam Jonathan Felsecker das Werck. Er iſt aber 1729. wieder ge - ſtorben, da deſſen Erben die Druckerey unter ſeinem Namen noch fortſetzen. Siehe deſſen Bildnis. Tab. VI.
Die1677. Andreas Knortz, legte eine neue Drucke - rey an, welche hernach 1683. deſſen Wittwe bekam.
Und nach ihrem Tod 1697. Johann Leonhard Knortz. Da dieſer ſtarb; So brachte ſelbige 1708. Georg Chriſtoph Lochner kaͤuflich an ſich.
1647. Heinrich Pillenhofer, auf ihn folgte:
1654. Chriſtoph Gerhard. Er war 1624. den 30 Octob. gebohren, und iſt 1682. wieder geſtorben Deſſen Bildniß. Siehe Tab. XIV. f.
1682. 1683. Gerhards Wittwe, welche her - nach die Druckerey an Hrn. Spoͤrlin uͤberlaſſen.
1683. Johann Michael Spoͤrlin. Nach ſeinem Tod 1705. -1721. deſſen Wittwe. Jetzt liegt die Dru - ckerey ſtille. Spoͤrlins Bildniß. Siehe Tab. XVI.
1643. Michael Endter hat zugleich mit Johann Friedrich Endter den Buchhandel gefuͤhret. Jhr gemeinſchaftliches Jnſigne war eine Sonnenuhr an einer Saͤule; Die Endten ſchwimmen, wie bey den andern, im Waſſer. Auf beyden Seiten ſtehen Sonn und Mond in Weibsgeſtalt. Die erſtere haͤlt einen Scepter mit einem Auge, und die letztere einen Scepter mit einem Stern. Das ſchwartze Kleid des Mon - des iſt mit vielen Sternen uͤberſtreut, in der Lincken Hand haͤlt der Mond einen Zettel, worauf die Worte ſtehen: Reſpice finem & nunquam peccabis. Er lebte bis 1682. Worauf
1682. Balthaſar Joachim Endter, deſſen Sohn die Druckerey bekam. Siehe deſſen Bildniß. Tab. XIV. D.
G 31717102Kurtzgefaßte Nachricht,1717. Johann Daniel Endter, Buchdrucker und Buchhaͤndler war gebohren 1681. den 6. April, ein Enckel des erſtgedachten Michaelis. Er hatte die Druckerey bis an ſein Ende 1731. Sein Jnſigne war das allgemeine Endteriſche Wappen. Deſſen Bildniß ſtehet Tab. X. V. e.
1731. fuͤhrte die Frau Wittwe die Druckerey fort, und 1732. verheyrathete ſie ſich mit Franciſcus Koͤn - gott, welcher nunmehro die Druckerey unter ſeinem Namen forſetzet.
1571. Joachim Lochner. Von dem oben.
1589. Chriſtoph Lochner, und Johann Hofmann.
1602. Ludwig Lochner.
1632. Johann Chriſtoph Lochner, hierauf kam deſſen Bruder
Leonhard Chriſtoph Lochner, Buchdrucker und Buchhaͤndler ſowohl in Nuͤrnberg als Regen - ſpurg. Er ſtarb 1684. Deſſen Bildniß ſiehe Tab. XIV. c.
1684 Deſſen Wittwe.
1699. Melchior Gottfried Hain, gebuͤrtig aus Oberdamna in Schleſien. Er war gebohren 1659. den 6. Sept. und heyrathete 1689 Leonhard Chri - ſtoph Lochners eintzige Tochter, wodurch er alſo deſſelben Druckerey uͤberkam. Er war ein Gelehr - ter und fleißiger Mann. Jm Jahr 1719. den 26. May gieng er den Weg aller Welt, und hinterließ eine eintzige Tochter. Siehe deſſen Bildniß Tab. XII. d.
1719. Johann Andreas Lochmann, kaufte Mel -chior103von einigen Buchdruckern. chior Gottfr. Hains Tochter die Druckerey ab. Jm Jahr 1726 verehlichte ſich deſſen Tochter mit Joa - chim Graͤvenitz, da er denn die Druckerey kaͤuflich annahm. Nach deſſen Tod kaufte ſelbige
1729. Michael Arnold.
Endlich beſchlieſſe ich die Nachricht von Nuͤrnberg mit Johann Daniel Tauber, Buchdruckern und Buchhaͤndlern in Nuͤrnberg und Altorf. Er war 1641. den 4 Dec. gebohren, eines Hochedlen Raths Beyſitzer, und iſt 1715. den 5. Jan. im 75. Jahr ſeines Alters wieder geſtorben. Sein Jnſigne was bald ein fliegender Engel, welcher in der rechten Hand einen Zettel, worauf die Worte: Fac & ſpera, und in der lincken Hand einen Schild mit deſſen verzoge - nen Namen hielt; Uber den Schild ließt man: Deus procurabit. Bald ein Berg, an welchem in einem Rautencrantz deſſen verzogener Name J. D. T. O - ben auf dem Berg ſteht eine Taube, welche einen Zettel haͤlt, worauf die Worte zu leſen: Et ſibi & aliis; Bald einen Schild in zwey Felder getheilet, in einem iſt eine Schlange, in dem andern eine Taube. Deſ - ſen Bildniß. Siehe Tab. XV.
Herr Carl Ferdinand Arnold von Dobroslau, der Roͤmiſchen Kayſerlichen und Koͤniglichen Catho - liſchen Majeſtaͤt Rath, Koͤriglicher Hof-Buchdru - cker und Primator der Koͤniglichen kleinen Stadt Prag, wie auch Obriſter-Wachtmeiſter uͤber die Stadt-Compagnien, und bey der hochloͤbl. Haupt - Rectificationis Commiſſion Aſſeſſor im Koͤnigreich Boͤhmen, hat das Licht der Welt 1673. erblicket, und nachdem ſelbiger ſeine Studien geendiget hatte,G 4ſo104Kurtzgefaßte Nachricht,ſo hat er ſich auch auf die freye Kunſt der Buchdru - ckerey begeben, ſolche, wie es ſich gebuͤhret, erlernet und poſtuliret, alsdann ſeines Herrn Vaters, wel - cher Raths-Verwandter in der Koͤniglichen kleinen Stadt Prag, und zugleich Buchdruckerherr geweſen, Buchdruckerey uͤbernommen; Er verehlichte ſich mit Jungfrau Helena, gebohrne Zuckmandlin, und er - zeugete mit ihr folgende Kinder, Herrn Carl Arnold von Dobroslau, J. U. D der Roͤm. Kayſerl. und Koͤnigl Cathol Majeſt. Appellations-Rath, und des hoch Authoriſirten Judicii delegati Venatici Aſſeſſo - rem; 2.) Tit. Herrn Frantz Arnold von Dobroslau der Roͤmiſchen Kayſerlichen und Koͤniglichen Catholi - ſchen Majeſt. Cammerrath in dem Koͤnigreich Boͤhmen 3.) Herrn Joſephum, welcher geſtorben iſt; 4.) Frau Franciſcam, die erſtlich an Tit. Herrn Fux, Kayſerlichen Richtern in der Koͤnigl. Stadt Glattau in Boͤheim verheyrathet worden, nach Abſterben deſ - ſen aber mit Tit. Herrn Reichard, geweſenen Regi - ſtratore in diætalibus & Publicis bey der Koͤniglichen Stadthalterey in Koͤnigreich Boͤheim, verehlichet wurde. 5.) Frau Barbaram, welche an einen Do - ctorem Medicinæ zu Carlsbad verheyrathet iſt. 6.) Jungfer Catharinam, 7.) Jungfer Mariam An - nam, 8) Herrn Johannem Wenceslaum, ſo ver - ſtorben 9) Herrn Johannem Nepomucenum, des ritterlichen Ordens derer Creutz Herren mit den ro - then Stern Profeſſum, 10) Jungfer Joſepham und 11.) Jungfer Thereſiam. Sein Wappen beſtehet aus zwey Feldern, ob welchen ein mit Wolcken um - gebener Stern ſich befindet, und uͤber dieſem iſt ein Stuͤck von einem Helm zu ſihen.
Carl Frantz Roſenmuͤller gebohren in der Koͤ - niglichen Hauptſtadt Prag im Koͤnigreich Boͤheim,im105von einigen Buchdruckern. im Jahr 1707. den 4. Junii, deſſen Herr Vater war Carl Frantz Roſenmuͤller, Buͤrger und Buchdru - cker in der Koͤniglichen Alt-Stadt Prag, wie auch der loͤbl. Koͤnigl Zoll-Adminiſtration im Koͤnigreich Boͤheim geſchworner Buchdrucker, ingleichen von dem hochloͤblichen Koͤnigl. Appellation Tribunali vorge - ſtellter Inſpector und Sequeſter uͤber die Prager Ju - den Druckereyen, welcher unter andern Buͤchern das Alphabetiſche Verzeichniß der hohen Adelichen Bo - heimiſchen Standes Geſchlechter mit ihren Poſſeßio - nen, Officinen, und Titulen, nicht minder die in Vo - heimiſcher Sprach mit beſondern allergnaͤdigſten Kaͤy - ſerlichen und Koͤniglichen Privilegiis gedruckte Zeitun - gen zum erſtenmal ans Licht gegeben; die Frau Mut - ter war Thereſia, eine gebohrne Uhlin. Er hat Humaniora & Philoſophiam in der Prageriſchen Carolo-Ferdinandæiſchen Univerſitaͤt ſtudiret. Die Jura aber ließ er ſich als Buchdrucker von einem Correpetitore privatim lehren Aus der Philoſo - phie begab er ſich auf die Kunſt der Buchdruckerey, und lernete ſolche bey ſeinem Herrn Vater zu Prag, und wurde Ao. 1726. losgeſprochen, worauf er bey einer 14taͤgigen Friſt den Geſellenſtand erhielt, und alsdenn 1727. in den Herrenſtand trat, indem er die vaͤterliche Buchdruckerey uͤberkommen. Dieſe Dru - ckerey iſt im Anfang des ietzigen Jahrhunderts von obbeſagten ſeinem Herrn Vater neu aufgerichtet, her - nach mit der Michalkiſch, Benekiſch geweſenen Druckerey vermehret worden, cum iuribus & Privi - legiis Paternis, welche von Jhro Kayſerlichen und Koͤ - niglichen Cat holiſchen Majeſtaͤt nicht allein beſtaͤtiget, ſondern auch mit neuen Privilegiis begnadiget wor - den. Hierauf hat er ſelbige mit der vormals Berin -G 5geri -106Kurtzgefaßte Nachricht,geriſchen, als denn Emleriſchen, und letzlich Jo - hann Schramiſch geweſenen Druckerey, und mit mehr als 30. Centner neu gegoſſenen Schrifften, nebſt andern darzu gehoͤrigen Vorrath Kunſtreich gezieret, nachdem ihm aus der ſeinigen gegen 10. Centner, wie auch aus den Buͤcher-Verlag uͤber 400. Fl werths entfremdet worden war. Er verehlichte ſich 1737. den 25. Febr. mit Sophia Johanna, des verſtor - benen Herrn Wentzel Teply, beym Koͤnigl. Ober - Steuer-Amt-General-und Reviſitations-Acten Regi - ſtratoris und Buͤrgers der Koͤniglichen Alten Stadt Prag, juͤngſten Jungfer Tochter, mit der er einen Sohn, der gleich nach der Taufe, und eine Tochter, welche in der 18ten Woche ihres Alters an Blattern geſtorben, erzeuget hat. Er iſt der loͤbl. Koͤniglichen Zoll Adminiſtrations im Koͤnigreich Boͤheim geſchwor - ner Buchdrucker, dann vorgeſetzter Jnſpector und Sequeſter uͤber die Prager-Juden-Druckereyen und poſſeßionirter Buͤrger der Koͤniglichen Alten Stadt Prag. Zu ſeinem Symbolo fuͤhret er ein Roſetum, aus welchem ein Mann die bluͤhenden Roſen abbricht, ſelbige in eine Muͤhle wirft, welche uͤbermahlen als Buͤcher hervor kommen, mit beyſtehenden verzo - genen Namen und der Uberſchrifft: Colligo Flo - res Roſarum.
Wentzel Urban Suchy, trat ans Licht der Welt in der Koͤniglichen Alten Stadt Prag 1703. den 27. Auguſt. Deſſen Herr Vater war Jacob Suchy, Buͤrger in der alten Stadt Prag, die Frau Mutter Catharina, gebuͤrtig aus der kleinern Stadt Prag. Den Grund zum Studiren hat er in der alten Stadt Prag gelegt, darauf er 1719. den 10. Decemb die Kunſt der Buchdruckerey bey Herrn Carl JohannHraba107von einigen Buchdruckern. Hraba in der Stadt Prag zu erlernen angefangen hat. Alsdenn iſt er bey der gantzen loͤblichen Geſell - ſchafft zu Prag wieder losgeſprochen worden, da er denn 1728 den 19. Junii bey der gantzen loͤblichen Geſellſchafft poſtuliret hat, und darauf zu Przibram bey der verwittweten Frau Agnes Kuͤhnelin Factor worden iſt. Jm Jahr 1730 iſt er in den Herren - ſtand getreten, und hat ſich vom neuen eine Buch - druckerey zu Glattau in Boͤheim aufgerichtet, welche er 1732. nach Prag verleget hat. Jm Jahr 1729. den 26. Febr. hat er ſich mit Roſina Ludmilla, des gottſeeligen Joachim Frantz Prachinus, geweſenen Buͤrgers und Buchdruckers in Przibram, hinterlaſ - ſenen Jungfer Tochter verehlichet, mit welcher er 3. Toͤchter Eliſabetham, Barbaram, und Cathari - nam erzeuget hat, davon die letztere nur noch am Le - ben iſt. Zu ſeinem Symbolo fuͤhret er einen duͤrren Baum (Suchy, Boͤmiſch Duͤrr) welcher einige gruͤ - nende Zweige hervor bringet, mit der Uberſchrifft: Culta Floret.
Johann Julius Gerzabeck erblickte das Licht der Welt in der Koͤnigl. Haupt Stadt Prag 1697. den 7. Junii. Sein Herr Vater war Johann Gerza - bek, Buchdrucker zu Prag, die Frau Mutter Eleo - nora hinterlaſſene Tochter des Herrn Johann Wid - mann, geweſenen Buͤrgers der Koͤniglichen Stadt Prag. Die ſtudia humaniora hat er zu Prag vollen - det; hierauf hat er die Kunſt der Buchdruckerey zu Kuͤttenberg 1714. bey Herrn Georg Adalbert Kintzel erlernet, davon er 1717. loßgezehlet wurde, und in ermeldeten Jahre allda poſtuliret hat. Jm Jahr 1733. hat er ſich des Herrn Johann Wentzel Helms Druckerey gekauft, welcher ſie 1706. neu auf -gerich -108Kurtzgefaßte Nachricht,gerichtet hat. Jm Stand der H. Ehe iſt er 1734. getre - ten, deſſen Ehegattin iſt Jgnatia Joſepha Hrn. Joh. Petr. Kehrs, Buͤrgers zu Sobotka eheleibliche Toch - ter, mit welcher er eine Tochter Ludmillam Eliſabeth, wie auch einen Sohn Frantz Carl erzeuget hat.
Sein Signet ſtellet ein in einer angenehmen Gegend auf einem gruͤnen Baum ſitzendes Haſelhun vor, ſo Boͤhmiſch Gerzabek genannt wird, welches von der Sonne beſtrahlet wird, mit der Uberſchrifft: e Luco ad lucem. Unter dem Signet befindet ſich ei - ne andere Schrifft: Heroum condio menſas.
Johann Norbert Fitzky erblickte das Licht der Welt in der Koͤniglichen Stadt Loͤwin in der Graf - ſchafft Glatz 1694. den 27. Junii. Deſſen Herr Vater war Frantz Bonaventura Fitzky, Raths - verwandter in Loͤwin; Die Frau Mutter Anna So - phia. Er legte den Grund zu denen Humanioribus zu Leytonuſchel bey denen Wohlehrwuͤrdigen P. P. Pia - rum Scholarum, und 1711. hat er ſich zu Herrn Wen - tzel Johann Tibeky zu Koͤniggraͤtz, die Buchdru - ckerkunſt zu erlernen, in die Lehre begeben, und iſt 1715. allda loßgeſprochen worden, hierauf hat er 1716. den 3. Febr. allda poſtuliret. Jm Jahr 1725. iſt er in der Cle - mentiniſchen Buchdruckerey bey denen Wohlehrw. P. P. Societatis JEſu in der Koͤniglichen. Alt - ſtadt Prag zum Factor ernennet worden, welche Stelle er auf 10. Jahr treulich verwaltet hat. End - lich iſt er 1735. in den Herrenſtand getreten, indem er die Kamenitzhyſche Buchdruckerey erkauffet hat. Jm Jahr 1732. den 12. Febr. verehlichte er ſich mit Lud - milla Narciſſa Czerngn und zeugte mit ihr zwey Kin - der, einen Sohn Frantz Cajetan und eine Tochter Annam Mariam. Jm Jahr 1738. iſt er hoch - ſuͤrſtlicher Ertzbiſchoͤfflicher Buchdrucker worden.
Jn109von einigen Buchdruckern.Jn ſeinem Symbolo iſt zu ſehen oben das goͤttliche Auge mit der Beyſchrifft Deo duce, unter welchem ſich ein auf einem Tiſche aufgeſchlagenes Buch befindet mit dieſen zwey Worten: Arte Comite, darneben lieget ein Winckelhacken, zur Seiten ſitzt bey einer Saͤule ein Knaͤblein, welches ein Schild mit deſſen verzogenen Namen haͤlt.
Johann Carl Hraba trat ans Licht der Welt in der Koͤniglichen Hauptſtadt Prag 1716. den 11. May. Sein Herr Vater war Johann Carl Hraba, derer Tit. Boͤheimiſchen Herren Landſtaͤnde Buchdrucker zu Prag in Boͤheim. Er hat Humaniora, wie auch Philoſophiam in der Prageriſchen Carolo Ferdinan - daͤiſchen Univerſitaͤt zu Prag abſolviret, und iſt zu ei - nen Magiſter artium liberalium & Philoſophiæ crei - ret worden. Darauf er 1728. die Buchdruckerkunſt zu lernen angefangen hat, wovon er 1733. loßgeſprochen wurde, und 1735. bey ſelbigen poſtuliret hat. Jn ermel - deten Jahre iſt er Herr geworden und hat ſeines Hrn. Vaters Druckerey angetreten, da er dann in eben dem Gradu, als Boͤheimiſcher Hrn. Landſtaͤnde Buchdru - cker angenommen worden. Sein Signet und Symbo - lum iſt: Ein ſtehender Mann mit einem Rechen, Boͤh - miſch Hrabe, auf einem Felde, der die herumliegende und zerſtreute Getraͤyd Aehren mit demſelben verſammlet, uͤber ihm iſt die goͤttl. Sonne mit dem Auge Gottes, in der mitten, ſo auf den Mann herunter ſcheinet; Auf den Seiten ſind blaſende Winde, die die Aehren zer - ſtreuen, uͤber der Sonnen iſt die Jnnſchrifft: Qui non colligit mecum, diſpergit.
Georg Labaun gebohren in der Koͤniglichen Hauptſtadt Prag im Koͤnigreich Boͤheim 1717. den 29. Junii. Deſſen Eltern ſind geweſen Herr Georg Labaun, Buchdrucker in der Koͤniglichen StadtPrag,110Kurtzgefaßte Nachricht,Prag, die Frau Mutter Catharina Alisßin. Jm Jahr 1724. trat er bey ſeinem Herrn Vater in die Lehre und hat zugleich unter dieſer Zeit die humaniora im Academiſchen Collegio Soc. JEſu zu Prag abſol - viret. Jm Jahr 1733. wurde er wiederum freyge - ſprochen und 1735. hat er zu Prag in ſeines Herrn Vaters Buchdruckerey ſein Poſtulat verſchencket. Worauf er 1736. Herr worden, indem er ſeines Herrn Vaters Buchdruckerey, die von ſeinem Groß - vater aufgerichtet worden, cum jure & Privilegio uͤbernommen hat. Jm Jahr 1737. verehlichte er ſich mit Catharina Pekarkin. Zu ſeinem Symbolo hat er einen in Waſſer mit angenehmen Regen benetzten, und unter einem Regenbogen herumſchwimmenden Schwan mit der Uberſchrifft.
Matthias Friederich Kaudelka gebohren in der Koͤniglichen neuen Stadt Prag den 8. Febr. An. 1711. deſſen Herr Vater Jacob Kaudelka, die Frau Mutter Dorothea. Jm Jahr 1725. hat er ſich zu der Buchdruckerkunſt gewendet und ſelbige bey Hrn. Frantz Georg Schkrochowsky, Buchdruckern in der Koͤnigl. Stadt Leutmeritz erlernet, worauf er 1730. den 2. Oct. wiederum freygeſprochen worden iſt. Jm Jahr 1732. den 8. Febr. hat er ſein Poſtulat in der Privilegirten Buchdruckerey derer wohlehrwuͤrdi - gen P. P. Soc. JEſu zu Breßlau verſchencket, wo - rauf er 1739. den 20. May die Druckerey angetreten hat, welche von dem Herrn Schilhart, Ertz-Bi - ſchoͤfflichen Buchdruckern, neu angelegt war. Nach deſſen Tode aber iſt ſelbige dem Herrn Haͤger zugefal - len, indem er die hinterlaſſene Wittwe geheyrathet hatte. Nach deſſen ſeinem Tode aber hat einer mitNa -111von einigen Buchdruckern. Namen Antoni Preyß von der Wittfrau die Dru - ckerey gekaufft, von welchem er aber dieſelbige wiede - rum in kurtzer Zeit erkaufft hat. Jm Jahr 1739. den 4. Junii trat er in den Stand der H. Ehe mit Jo - hanna, Herrn Wentzels Kaukels, Buͤrgers der Koͤniglichen Neuſtadt Prag, hinterlaſſenen Jfr. Tochter. Sein Signet iſt ein Baum, und in der Mitte deſſelben der Heilige Matthias mit einer Hacken.
Auſſer dem befinden ſich daſelbſt noch drey Druckereyen, als:
Johann von Chonda hat ſchon im Jahr 1496. da -112Kurtzgefaßte Nachricht,daſelbſt gedruckt. Leſſer p. 61. Wie aber die Buch - drucker auf einander geſolget kan ich nicht ſagen. Jch muß mich begnuͤgen laſſen, daß ich von folgenden eine Nachricht geben kan:
Hieronymus Lentz, beſchritte dieſe Welt im Jahr 1696. den 13. April zu Erfurth, einer uralten groſ - ſen und beruͤhmten Churmayntziſchen Kauf - und Handelsſtadt in Thuͤringen. Sein Herr Vater war Jacob Lentz, Buͤrger und Gaͤrtner daſelbſt; die Mutter Catharina, eine gebohrne Creutzbergerin, der Großvater aber Herr Otto Lentz, weyland Buͤrgermeiſter in der des heiligen Roͤm. Reichs freyen Stadt Winsheim; die nunmehro entſchlaffen ſind: Jm Jahr 1711. und zwar im Monat May machte derſelbe bey Herrn Johann Heinrich Groſchen zu Erfurth den Anfang zur Erlernung der Buchdrucker - kunſt, welche er im Monath Decembr. des 1715. Jah - res gluͤcklich zu Ende brachte.
Nach uͤberſtandener Lehrzeit trat derſelbe noch in eben dieſem Jahre ſeine erſte Reiſe nach Leipzig, und die erſte Arbeit bey dem damals noch lebenden Herrn Johann Heinrich Richtern an; von wannen er zwar im Monath Julio 1717. nach Berlin in die Koͤnigliche Preußiſche und Churfuͤrſtliche Branden - burgiſche Hof-Buchdruckerey zu dem damaligen Hofbuchdruckerherrn Suͤßmilch verſchrieben wurde: Alldieweilen er aber daſelbſt an Herrn Gotthard Schlechtigern, der Koͤniglichen Preußiſchen So - cietaͤt der Wiſſenſchafften Buchdruckern, einen redli - chen Landsmann antraf, ſo gieng er mit Vorbewuſt gedachten Herrn Suͤßmilchs bey demſelben in Arbeit, in deſſen Officin er auch noch ſelbigen Jahres 1716. ſein Poſtulat verſchenckte. Nach anderthalb Jah -ren
113von einigen Buchdruckern. ren muſte derſelbe, wegen der damahlig-gefaͤhrlichen Kriegslaͤuffte, dieſen Welt beruͤhmten Ort verlaſſen, weswegen er ſich wiederum nach Leipzig zu ermelde - ten Herrn Richtern, hierauf im Jahr 1718. nach Zwickau zu Herrn Gabriel Buͤſcheln und von dor - ten noch in ſelbigem Jahr nach Nuͤrnberg zu der Frau Spoͤrlin in ander weite Condition verfuͤgte, an wel - chem letztern Ort derſelbe anderthalb Jahr in der Druckerey geſtanden. Hierauf wendete er ſich um Oſtern 1719. nach Saltzburg zu Herrn Johann Joſeph Mayern von Mayereck bey welchem er 1. Jahr arbeitete, und ſodann wiederum nach Nuͤrnberg zu erwehnter Frau Spoͤrlin in vorige Condition gieng. Nachdem aber dieſelbe ihre Buchdruckerey zugeſchloſſen, ſo wurde er im Monat Septembr. 1721. nach Regenſpurg zu Herrn Johann Heinrich Kruͤtingern verſchrieben, allwo er aber nicht laͤnger als biß auf den Monat April des folgenden 1722. Jahrs verblieb, um welche Zeit derſelbe nach Wien reiſete, und bey Herrn Andreas Heyingern Condition an - nahm. Nach zweyjaͤhrigen Aufenthalt daſelbſten, da immittelſt vorgemeldter Herr Kruͤtinger zu Re - genſpurg im Monat April 1724. Todes verblichen, wurde er von deſſen hinterlaſſener Wittwe erſucht, bey derſelben wiederum Condition anzunehmen, worinnen er auch willfahrte. Als er bey ſelbiger kaum eine Meſſe als Geſell ſeinen gantz beſondern Fleiß erwieſen, ſo wurde ihm die Factors Stelle angetragen, welche er zwar anfaͤnglich wegen trifftigen Urſachen ausſchlug, iedoch aber auf ein und andere Vorſtellungen ſich end - lich derſelben unterzog; und dahero den Sonntag nach Mariaͤ Geburth als Factor vorgeſtellet wurde. Kurtz darauf, nemlich den 5. Novembr. beſagten 1724. HJahrs,114Kurtzgefaßte Nachricht,Jahrs, verlobte er ſich mit erwehnter Frau Kruͤtin - gerin und vollzog den 25. April 1725. ſolches Verloͤbniß durch Prieſterliche Copulation. Nach ihrem Tode, welcher den 29. Febr. 1728. ohne Leibeserben er - folgte, verehlichte ſich derſelbe zum andern mal mit Jfr. Anna Catharina, einer gebohrnen Drumme - rin, eines Bierbrauers Tochter, mit welcher er zwey Kinder, und zwar den 17. Julii 1729. eine Toch - ter, Magdalena Catharina, und den 13. Junii 1731. einen Sohn, Hieronymus gezeuget, welche erſtere den 29. Januarii 1730. der andere aber ſogleich nach empfangener Tauffe wiederum verſchieden, nach deſ - ſen Tode die Mutter ebenfalls, und zwar den 22. Ju - nii 1731. als Kindbetterin das zeitliche geſeegnet, hie - rauf ſchritte er den 20. Nov. jetztbeſagten 1731. Jahrs mit Jfr. Catharina Eliſabetha, einer gebohrnen Fabriciuſin, eines beruͤhmten Chirurgi Tochter, zur dritten Ehe, in welcher ihm vier Soͤhne und eine Toch - ter, nahmentlich Johann Hieronymus, Georg Ja - cob, Georg Paul, Sabina Eliſabetha und Chri - ſtian Gottlieb gebohren wurden, von welchen Jo - hann Hieronymus und Sabina Eliſabetha wiede - rum verſtorben, die uͤbrigen 3. Soͤhne aber ſich noch am Leben befinden.
Seine ſaubere Schrifften, Fleiß und genaue Aufſicht haben bey einer hoͤchſt und hochanſehnlichen Ge - ſandſchafft daſelbſt ihn dergeſtalt beliebt gemacht, daß er der hohen Gnade gewuͤrdiget wird die meiſten deroſelben Schrifften zum Druck zu befoͤrdern; Gleich - wie als etwas beſonders von demſelben anzumercken, daß ſeine Redlichkeit bey denen Catholiſchen Herren Buchhaͤndlern ein dermaſſen gutes Vertrauen gegen ihn erwecket, daß ſie kein Bedencken getragen ſeinerPreſſe115von einigen Buchdruckern. Preſſe eine Bibel in lateiniſch und teutſcher Sprache zum Druck anzuvertrauen, welche er auch dergeſtallt gluͤcklich zu Stande gebracht, daß ſie ein ſattſames Vergnuͤgen daruͤber bezeuget haben. Wie eifrig er ſonſten bemuͤhet ſey, der gelehrten Welt einen netten Druck zu liefern, davon koͤnnen, auſſer ietzt angefuͤhr - ten, noch viele andere ſauber gedruckte Wercke ein wahres Zeugniß ablegen, unter welchen ſonderlich des Hrn. Willh. Weinmann beruͤhmtes Botaniſches Werck, ſo unter dem Titul: Multilinguis Phytauthoza - lconographiæ Weinmannianæ Index &c. in med. fol - 1735. angefangen und noch beſtaͤndig continuiret wird, ingleichen Dibuci Niſeni Opera in 4 Tomos digeſta &c. infol. ſo im Jahr 1738. aus deſſen Preſſe herfuͤr gegangen: wie nicht weniger Theſauri practici Be - ſoldiani Tomus I welchen er noch in dieſem 1740. Jahr der gelehrten Welt vor Augen geleget, vor an - dern dem Preiß behalten. Zum Symbolo fuͤhret er die Worte Davids, aus Ps. LXXI, 1. In te Domine, ſperavi; non confundar in æternum. Sein Jnſig - ne iſt entlehnet aus Joſ. VIII, 18. 19. und ſtellet den Joſua vor, wie derſelbe auf Gottes Befehl die Lantze gegen die feindliche, und nachmahls gewonnene Stadt Ai ausgereckt.
Gleich wie nun derſelbe durch ſeine ſorgfaͤltige Be - muͤhung nicht nur die hohe Gnade derer meiſten hoͤchſt und hoch anſehnlichen Herren Geſandten inſon - derheit, ſondern auch die Gunſt und Gewogenheit derer Herren Gelehrten uͤberhaupt erworben; alſo zweiffelt man nicht, er werde fernerhin durch ſeinen ruͤhmlichen Fleiß der gelehrten Welt noch mehrere er - ſprießliche und ruhmwuͤrdige Dienſte leiſten.
H 2Chri -116Kurtzgefaßte Nachricht,Chriſtian Gottlieb Seiffart wurde 1696. den 7ten Julii in Wenigſimminer, ohnweit Erfurth, gebohren. Sein Herr Vater war Daniel Seiffart, damahliger Paſtor daſelbſt, wurde aber hernach als Diaconus zur St. Marien Kirche nach Zwickau in ſeine Geburtsſtadt beruffen; Seine Frau Mutter Maria Eliſabeth, eine gebohrne Seehauſin, eines Rathsherrn Tochter aus Altenburg. Jm gedachten Zwickau, allwo er erzogen worden hat er 1700. bey Herrn Johann David Friderici die Buchdrucker - kunſt zu erlernen angetreten. Nach deſſen Endi - gung 1714. hat er eben daſelbſt poſtuliret, und ſich als - denn nach Jena, und 1715. nach Leipzig, von dar ſich 1719. weg, und an unterſchiedliche Oerter noch bege - ben. Jm Jahr 1722. kam er nach Regenſpurg, und kauffte allda 1725. Tit. Herrn Johann Conrad Peetzens, p. t. E. Ehrloͤblichen Hannßgerichts Aſſes - ſoris, aufgerichtete Buchdruckerey und verehlichte ſich den 25 Julii in eben dieſem Jahr mit Jfr. Rebecca Catharina, einer gebohrnen Kraͤmerin, des weyland Tit. Herrn Joh. Georg Kraͤmers E. Ehrloͤblichen Stadt Gerichts Aſſes. in Regenſpurg hinterlaſſenen Tochter, mit welcher er 11. Kinder, als 7. Soͤhne und 4. Toͤchter erzeuget, wovon noch eine Tochter Ma - ria Catharina und ein Sohn Andreas Gottfried, am Leben ſind; die Buͤcher, welche nebſt ſeinen in Ver - lag habenden bekannten Hiſtoriſchen und gelehrten Nachrichten bey ihm verfertiget worden, ſind mei - ſtens Lexica, als Kirſchü, Wagneri Phraſeologia und andere, nebſt unterſchiedlichen Autoribus Claſſicis, als Ciceronis Orationes, Epiſtolæ, Officia, it. Plinius, Virgilius &c. Sein Symbolum iſt; Cuncta Guber -nat
117von einigen Buchdruckern. nat Spes. Hofnung laͤßt nicht zu ſchanden werden, Rom. V. 5.
Johann Caſpar Memmel wurde in der hochfuͤrſt - lichen Reſidentz und Bergſtadt Sultzbach 1703 den 24. Sept. als am Tage Matthaͤus von buͤrgerlichen Eltern gebohren, wie dann ſein ſel. Vater Martin Memmel, ein ehrlicher Meiſter des Kuͤffner oder Buͤttner Handwercks geweſen, der ihm aber, als er 9. Wochen alt war, aus dieſer Zeitlichkeit entriſſen wurde. Jn ſeiner Jugend legte er den Grund zu denen Studiis in ſeinem Vaterland und uͤbte ſich ſo wohl in der Vocal-als Jnſtrumental Muſic, daß er auch als Alumnus 2. Jahr die Stelle in ſeinem Vaterlande ver - ſahe nach der Hand kam er deꝛohalben durch groſſe Goͤn - ner nach Regenſpurg, da er dann auf dem beruͤhm - ten Gymnaſio Poetico als ein Alumnus angenommen wurde, wobey er gedachtes Gymnaſium beſuchet, und geſonnen war, ſeine Studien noch weiter fort zuſetzen. Jedoch auf Zureden vernehmer Goͤn - ner und Vaͤter der Stadt aͤnderte er ſein Vorhaben, und erlernete die Buchdruckerkunſt bey Herrn Gottlieb Seiffart, welcher damals des Herrn Johann Conrad Peetzens Druckerey an ſich gekauffet hatte. Nach geendigten Lehrjahren hat er auch bey ſelbigem ſein Poſtulat verſchencket, von dann reiſete er in die Fremde, und kam hernach 1729. wieder zuruͤck nach Regenſprug und conditionirte bey Herrn Hieronymus Lentz 1. Jahr. Endlich kam er zu dem ſel. Johann Georg Hofmann, Rathsbuch - druckern, und verblieb auch nach deſſen ſel. Tod bey der hinterbliebenen Wittwe, welche vorhero ſchon lange Jahre blind geweſen, die ihm alſo die Buchdru - ckerey nebſt dem Verlag kaͤufflich uͤberlaſſen hat. H 3Hie -118Kurtzgefaßte Nachricht,Hierauf verehlichte er ſich mit Jfr Catharina Su - ſanna, Herrn Johann Georg Gottlieb Fuchſen, der Kirchen zur heiligen Dreyfaltigkeit Cuſtodis, aͤl - tern Tochter, mit welcher er 3. Soͤhne und eine Toch - ter, als Johann Gottlieb, welcher geſtorben, Em - rich Felix, Sabina Suſanna und Johanna Eber - hardt, welche 3. noch am Leben, ſo lange GOtt will, ge - zeuget. Die Wercke, ſo aus ſeinen Preßen gekommen, ſind nebſt denen Lexicis und einigen Theilen von Gret - ſeri Operibus, Schoepferi Synopſis in 4to. P. Ziegel - baueri novus Conſpectus Rei litterariæ Ord S Be - ned. fol. 1. Tom. Annales Ciſtercienſes, oder Ciſterci - enſiſche Jahrs Geſchichte 5. Theile, davon aber noch 2 unter der Preſſe ſind. Beſoldi Theſaurus Pract. Contin 2ter Theil, nebſt noch andern zu ge - ſchweigen Sein Jnſigne iſt ein Crucifix mit der Um - ſchrifft: In hoc ſigno vinces.
Die wenigſten, ſo von den Buchdruckern bishie - her etwas dem Druck uͤberlaſſen, wiſſen etwas von Schweden. Wenn es hoch kommt, ſo ſchreibt man:
„ Von den Schwediſchen Buchdruckereyen hat man „ Fabiani Torneri Hiſtoriam Artis Typographi - „ cæ in Suecia, welche zu Upſal, 1722. 8vo. heraus - „ gekommen und Johann Almandri Typographicæ „ Artis in Suecia Hiſt. welche zu Roſtock 1725. in 8vo. „ herfuͤr getretten. Jch kan aber auch von dieſen nicht „ melden, ob ſie die erſten Buchdrucker in Schwe - „ den und deren Buͤcher angemercket, weil ich beyde „ nicht beſitze, doch ſollte ich es faſt vermuthen. „
Bis hieher Herr Leſſer p. 85. Es wird mir erlaubt ſeyn, die Fehler zu entdecken, die ich in dieſen Wortenfinde.
119von einigen Buchdruckern. finde. Einmal wird aus einer eintzigen Diſſertation ein doppeltes Buch gemacht; vors andere wird der rechte Verfaſſer Alnander in Almander verwandelt. Es iſt ein doppelter Druck, aber nicht ein doppeltes Buch. Jch will nur den gantzen Titel herſetzen, ſo wird man ſo gleich klug werden: Ioannis O. Alnandri Hi - ſtoriolaartis Typographicæ in Suecia; publica & ſo - lenni exercitatioue ſub moderamine celeber. viri M. Fabiani Törner, Eloqu. Prof. Reg. & Ordin. Up - ſaliæ 1722. primum propoſita, nunc vero recuſa, Roſtochii & Lipſiæ, 1725. in 8vo. Wer ſieht nicht den doppelten Fehler ein? Und ſo gehts, wenn man ſeine Wiſſenſchaft aus Catalogis lernet. Jch beſitze den Nachdruck ſelbſten, dahero vermuthe ich dieſes nicht, ſondern ich weiß es gewiß. Darinnen iſt aber die Ver - muthung richtig, daß in dieſer Diſputation von den erſten Buchdruckern in Schweden Nachricht gegeben wird. Jch will mir alſo daraus zu Nutze machen, was ich vor noͤthig halte. Damit ich nun von dem er - ſten Anfang der Buchdruckerkunſt in Schweden etwas anfuͤhre; So dienet zur Nachricht, daß ſelbige 1483 von Johann Snell nach Stockholm zu erſt gebracht wor - den, und von ihm folgendes Buch: Dyalogus Creatu - rarum moralizatus impreſſus per Ioan. Snell, Ar - tis impreſſorie magiſtrum in 4to zum Vorſchein ge - bracht worden ſey. Hier folge ich Herrn Alnandern, eben dahero muß ich meine Ordnung aͤndern, deswegen handle ich zu erſt von
1483. Johann Snell, iſt nicht nur in Stock - holm, ſondern auch in dem gantzen Koͤnigreich Schwe - den der erſte Buchdrucker geweſen. Man weiß von ihm weiter kein gedrucktes Buch, auſſer demjenigen, ſoH 4ich120Kurtzgefaßte Nachricht,ich bereits angefuͤhret habe. Es iſt auch keine Nachricht ferner von ihm zu finden, ob er in Schweden geblieben, oder wieder nach Teutſchland zuruͤck gegangen ſey.
1495. Johann Fabri iſt ſo gleich im folgenden Jahr wieder geſtorben. Von ſeinen gedruckten Buͤ - chern weiß man 1.) Conradi Rogge Breuiarium Streg - nenſe nouum, Holmis per Ioan. Fabri 1495. 2.) Ioan. Gerſon de tentationibus Diaboli. Impreſſus Stokholmiæ per Ioan. Fabri 1495. 3.) Breuiarium ſecundum ritum Eccleſiæ Vpſalenſis. Aſſumtum ut perficeretur per prudentem virum pie memorie Ioan. Fabri impreſſorem Holmenſem. Conſumma - tumque ibidem per magiſtros impreſſorie artis. Sol - licitante eiusdem vxore relicta fide digna Anna. 1496. Deſſen Frau Anna hat alſo die Druckerey fort - geſetzet. Wie lange es aber gedauret kan man nicht ſagen, weil man ſehr wenig Buͤcher weiß, und die man noch weiß, ſind alle ohne Namen des Buchdruckers ge - druckt Hier iſt alſo eine Luͤcke, da vermuthlich einige Buchdrucker in Stockholm gelebt haben muͤſſen, die man aber nicht nennen kan, weil ſie ſich auf ihren Buͤ - chern nicht genennet haben. Denn man findet erſtlich wieder.
1549. 1592. Amundus Laurentii. Er hat ver - ſchiedene Sachen gedruckt, vornemlich aber um das Jahr 1549. Das Neue Teſtament Schwediſch.
1576. Tobernus Tiedemann. Er hat Liturgiam Suecanæ Eccleſiæ catholicæ & orthodoxæ confor - mem 1576. in f. und Laur. Petri, Gothi, Catecheſin 8vo. eod. a. gedruckt.
1578. Andreas Torſtani. Von dieſem weiß man weiter nichts, als daß er von Benedict. Olaio ein mediciniſches Buch 1578. in 4to gedruckt habe.
1578.121von einigen Buchdruckern.1578. 1610. Andreas Gutterwitz. Er iſt 1610. geſtorben, und deſſen Wittwe hat die Druckerey ei - nige Zeit fortgeſetzet. Endlich aber iſt die Gutter - witziſche Druckerey von dem Koͤnigl. Zehnden zum Gebrauch der hohen Schule zu Upſal gekauft worden.
1608. 1640. Chriſtoph Reußner, hat an - faͤnglich zu Roſtock eine Druckerey gehabt, und bis 1608 daſelbſt allerhand gedruckt, in welchem Jahr er nach Stockholm gekommen iſt, und daſelbſt bis 1640. gelebet hat. Er wird insgemein Reußner Senior genennet.
1618. 1621. Olaus Olai, hat ſich von Stock - holm weg und nach Aroſia, oder Weſteras in We - ſtermannland gewendet.
1622. Olaus Olai Enaͤus hat ſich bis um dieſe Zeit in Stockholm aufgehalten, hernach aber in Strengenes, oder Stregnes, in Sudermannland, ſeine Druckerey gefuͤhret.
1646. Peter von Selou, iſt von dem Koͤnig in Schweden Guſtaph Adolph von Teutſchland hieher beruffen worden, damit er Moſeowitiſche Schriften drucken moͤchte.
1625. Heinrich Keyſer, bekam von dem Koͤnig in Schweden Guſtav Adolph eine erbeutete Drucke - rey geſchencket, weil er unter ihm Kriegsdienſte ge - than. Er muſte ſelbige zu Stockholm anlegen. Ab - ſonderlich war er ein vortreflicher Holtzſchneider, wie man aus deſſen Inſignibus Nobilitatis Suecanæ ligno inſculptis erſehen kan. Weil er aber den gehoften Lohn nicht erhalten, ſo hat er die Holtzſchnitte alle ver - derbet, dahero dieſes Buch ungemein rar iſt.
Johann Janſſon, der aͤltere, ein Buchhaͤndler von Amſterdam, bekam von der Koͤnigin ChriſtinaH 5nicht122Kurtzgefaßte Nachricht,nicht nur die Freyheit, daß er zu Stockholm eine Dru - ckerey anlegen duͤrfte, ſondern er genoß auch jaͤhrlich drey hundert Thaler Gnadengelder aus der Koͤniglichen Cammer, und durffte von allen Pappier, das er nach Schweden bringen ließ, keinen Zoll geben. Es war ihm ferner erlaubt, daß er mit Chriſtoph Euſebio Talitzk, einem Buchhaͤndler in Jena, ſo wohl zu Stock - holm, als Upſal Buchlaͤden anlegen duͤrften.
Heinrich Keyſer, der juͤngere. Er war ein Sohn des vorhergedachten Keyſers. Als ſein Herr Vater ſtarb, ſo konnte er der Druckerey noch nicht vorſtehen, dahero wurde ſelbige durch einen Factor, Lorentz Hanßon Wall, fortgeſetzet, bis er derſelbigen ſelbſten vorſtehen konnte. Dieſe Druckerey iſt eine von den al - ler vortreflichſien Druckereyen in Schweden geweſen. Es ſind auch ungemein viele groſſe und ſchoͤne Wercke darinnen gedruckt worden. Abſonderlich hat die Schwediſche Bibel den Preiß erhalten. Der Tod hinderte Hrn. Keyſer, daß er ſelbige nicht gar zu Stan - de bringen konnte, weil er 1699. den 1. Aug. geſtorben iſt. Es lieferte dahero ſelbige Johann Ernſt Bal - duin, als Factor.
1672. 1687. Johann Georg Eberdt. Nach ſeinem Tod fuͤhrte deſſen Druckerey Lorentz Wall, eine Zeitlang als Factor fort.
Lorentz Wall, ein Sohn Johannis, bekam end - lich ſelbſt eine eigene Druckerey, da er von jeder Dru - ckerey, wo er vorhero Factor geweſen, einige Schrif - ten zum Lohn erhielte. Nach ſeinem Tod 1694. folgte auf ihn Olaus Enaͤus.
1688. Johann Billingsley erbte Johann Georg Eberdts Druckerey, weil er ohne maͤnnliche Erben ge - ſtorben war, und fuͤhrte ſelbige eine zeitlang fort. Nachſei -123von einigen Buchdruckern. ſeinem Tod 1698. wurde Johann Ernſt Balduin Factor daruͤber.
1692. Die Burckhardiſche Druckerey hatte ihren Namen von Georg Gottlieb Burckhardi, einem Buchhaͤndler, welcher ſelbige zu dem Ende ungemein praͤchtig anlegen ließ, damit er die Bibel in 8vo. ſehr ſauber drucken laſſen koͤnnte. Anfaͤnglich bediente er ſich Jacobs Tide Huͤlfe, weil aber dieſer dem Werck nicht gewachſen war, ſo wurde Johann Jacob Ge - nath aus Teutſchland verſchrieben, der in ſeiner Kunſt vortreflich erfahren war, wie alle Buͤcher beweiſen, die unter ſeiner Aufſicht gedruckt worden ſind. Da nun Burckhardi ſeine Druckerey durch andere Leute ver - walten laſſen muſte, und die dazu gehoͤrige Klugheit nicht ſelbſten beſaß; So ſahe er ſich endlich genoͤthiget ſelbige theils Herrn Wernern, theils Jul. Georg Matthiaͤ kaͤuflich zu uͤberlaſſen.
Nathanael Goldenau, erhielt aus beſonderer Koͤ - niglichen Gnade die Freyheit ſeine ererbte Buchdrucke - rey durch Factors fortzuſetzen, ohngeacht er die Buch - druckerkunſt nicht erlernet hatte.
Michael Laurelius, kaufte des verſtorbenen Hrn. Billingsley Buchdruckerey, und iſt 1700. wieder ge - ſtorben. Nach ſeinem Tod wurde Andreas Bioͤrck - mann, damals Univerſitaͤts Buchdrucker zu Aboa, Beſitzer davon.
Heinrich Keyſer, ein Enckel des aͤltern Herrn Keyſers, gehoͤret deswegen unter die Buchdrucker zu Stockholm, weil er ſeines Herrn Vaters Druckerey von Upſal 1701 dahin brachte, aus der Abſicht, ſelbige mit der groſſen Keyſeriſchen Druckerey zu vereinigen. Alleine, es wollte ſich nicht wohl thun laſſen, dahero ſel - bige an Herrn Wernern 1711. verkauft wurde.
Aaron124Kurtzgefaßte Nachricht,Aron Holm, ein Stiefſohn des aͤltern Herrn Key - ſers, war anfaͤnglich ein Auditeur. Da er aber ſahe, daß ſeine Stiefbruͤder der Druckerey nicht wohl vor - ſtunden, ſo faſte er den Schluß ſelbige zu lernen. Er brachte es auch in kurtzen ſo weit, daß er der Keyſer - lichen Buchdruckerey 1714. als Factor vorſtehen konnte, welche er hernach in zwey Jahren in Be - ſitz nahm.
Bis hieher habe ich nun die meiſten Buchdrucker - herren in Stockholm nach einander erzehlet; Es ſind aber noch verſchiedene zuruͤck, welche wegen beſonderen Freyheiten ins beſondere zu betrachten ſind. Es ſind nemlich die Koͤniglichen Buchdruckereyen. Auſſer denen Freyheiten, welche einer jeden Druckerey gegeben ſind, genieſſen ſie noch beſondere Vorrechte und Gna - dengelder. Es ſind aber ſelbige folgende:
Anundus Olai, erhielt dieſe Stelle von dem Koͤnig Sigismund 1594. welche hernach Koͤnig Carl beſtaͤ - tigte, und auf ſeine Unkoſten theils zu Amſterdam, theils zu Luͤbeck von Andreas Fabri verſchiedene Schriften gieſſen ließ. Nach ſeinem Tod 1611. folgte auf ihn:
Jgnatius Meurer, aus Thuͤringen gebuͤrtig. An - faͤnglich war er der Rechtsgelahrſamkeit ergeben, und hielt ſich deswegen zu Greyphswalde auf. Er verließ aber die Studien und lernte die Buchdruckerkunſt, worauf er ſich 1610. nach Stockholm begeben, und nach drey Jahren die Wittwe des verſtorbenen Herrn Anunds Olai geheyrathet hat, dahero er alsdenn Koͤniglicher Buchdrucker wurde, und dieſes Amt bis 1666. mit allen Ruhm verwaltete. Er gab ſelbiges wegen hohes Alters auf, und ſtarb im 83. Jahr ſeines Alters 1672. Die Meureriſche Druckerey ſoll hier - auf an Johann Georg. Eberdt gekommen ſeyn.
Georg125von einigen Buchdruckern.Georg Hantſchen, war erſtlich Univerſitaͤts Buch - drucker zu Sorau in Daͤnnemarck Er hat ſich her - nach nach Stockholm gewendet, und iſt von dem Koͤ - nig Carl Guſtav an des Meurers Stelle 1666. den 30. Octob. Koͤniglicher Buchdrucker worden, worauf er 1668. geſtorben iſt.
Nicol Wankif, aus Schonen, heyrathete des Herrn Hantſchens hinterlaſſene Frau Wittwe, und wurde 1669 den 26. May Koͤniglicher Buchdrucker. Nach deſſen Tod 1689. wurde die Koͤnigliche Drucke - rey bald von Matthia Syngmann, des Koͤnigl. Gy - mnaſiums zu Wiburg Buchdruckern, bald von Olao Enaͤo, bald von Launelio verwaltet, bis endlich
Johann Heinrich Werner, von Luͤneburg, der Koͤniglichen Druckerey 1698. vorgeſetzet wurde, welcher ſelbige auf ſeine Koſten mit vielen Schriften vermehret hat. Jm Jahr 1705. den 5. Decemb. wurde er eigen - thuͤmlicher Beſitzer und Koͤniglicher Buchdrucker, in - gleichen hernach 1719. den 14. December uͤber alle Druckereyen in gantzen Koͤnigreich Schweden Di - rector. Wir werden hernach bald noch einmal von ihm reden muͤſſen.
Es iſt bekannt, daß zu Upſal ein Collegium Anti - quitatum patriarum aufgerichtet worden. Damit nun dieſes Collegium ohne Anſtand ſeine Wercke gedruckt bekommen moͤchte; So hat Koͤnig Carl XI. denen Mitgliedern dieſes Collegii die Freyheit ertheilet, ſich ei - nen eigenen Buchdrucker zu erwehlen, welcher eben die Freyheiten und Privilegien genieſſen ſollte, welche ein Koͤniglicher Buchdrucker haͤtte. Man hat aber nicht eher als 1700. einen angenommen.
Olaus Enaͤus, iſt demnach der erſte Koͤnigliche Antiquitaͤts-Archivs-Buchdrucker worden, der bisherodie126Kurtzgefaßte Nachrichtdie Walliſche Druckerey hatte. Nach ſeinem Tod kaufte der obenberuͤhrte Koͤnigliche Buchdrucker, Herr Johann Heinrich Werner, deſſen Druckerey Seine Stelle aber erhielt:
Julius Georg Matthiaͤ, welcher ſich 1711. mit des Herrn Nathanael Goldenau Wittwe verehlichte. Und nach dieſes Tod wurde:
Herr Johann Lorentz Horn, Koͤniglicher Anti - quitaͤts Archivi, wie auch des daſigen Edlen und Hoch - weiſen Stadt Magiſtrats Buchdrucker, welcher jetzo der aͤlteſte ietztlebende Buchdruckerherr in dem Koͤnig - reich Schweden iſt. Er wurde 1683 im Monat Dec. von chriſtlichen und erbaren Eltern zur Welt geboh - ren. Die loͤbliche Buchdruckerkunſt hat er zu Nuͤrn - berg bey dem beruͤhmten Buchdrucker Herrn Adam Jonathan Felsecker erlernet, daſelbſt auch, nach der Zeit nemlich 1704. ſein Poſtulat verſchencket. Wor - auf er viele Laͤnder und Staͤdte durch reiſet, und die be - ruͤhmten Staͤdte Augſpurg, Muͤnchen, Jnſprug, Ba - dua, Venedig, Saltzburg, Wien, Prag, Dreßden, Leipzig, Breßlau, Berlin, Koͤnigsberg, und Dan - tzig beſehen hat. Jn den meiſten hat er ſich eine Zeit - lang aufgehalten, auch bey beruͤhmten Buchdrucker - herren treu und aufrichtig conditionirt, und ſich dadurch in ſeiner erlernten Kunſt eine gute Wiſſenſchafft und Fer - tigkeit erworben. Jm Jahr 1714. den 31. Mart. iſt er von Dantzig, auf einem Hollaͤndiſchen Schiffe, nach Stockholm abgegangen. Weil aber der Schiffer, wegen widrigen Windes, nach Gothland gieng, und ſich das Schiff bey dem Hafen Buſchwick an den Wall geſtoſſen, ſo reißte er zu Land nach der Stadt Wisby. Er muſte ſich alldort, in Ermangelung einer Gelegen - heit, an den beſtimmten Ort zu kommen, etliche Wo -chen127von einigen Buchdruckern. chen aufhalten, bis er endlich den 9. May in der Koͤnig - lichen Reſidentz-Stadt Stockholm ankam, wohin er von dem Koͤnigl. Ant. Arch. Buchdruckerherrn Ju - lius Georg Matthiaͤ, verſchrieben war. Bey er - wehnten Herrn Matthiaͤ conditionirte er alsdenn eine zeitlang treu und redlich. Als aber derſelbige 1716. den 13. Jan. mit Tod abgegangen; So fuͤgte es ſich, daß er deſſelben Officin als Factor ſo lange ruͤhmlich vorgeſtanden, bis er 1717. den 2. Junii des gedach - ten Herrn Matthiaͤ nachgelaſſene Frau Wittwe zu ſeiner erſten Ehegattin erwehlet, und mit derſelben auch ihres Herrn Ehemannes hinterlaſſene Buchdru - ckerey in ſeinen eigenthuͤmlichen Beſitz erhielte, welche er nachdem ſehr vermehret, und ſowohl eingerichtet hat, daß ſie nun die ſchoͤnſte in Schweden iſt. Jm Jahr 1721. den 2. Martii wurde deſſen erſte Ehe - gattin, mit welcher er chriſtlich, friedlich, und ſehr vergnuͤgt gelebet hatte, durch einen ſeeligen Tod von dieſer Welt, ohne hinterlaſſene Kinder abgefordert. Nach Verlauf eines Jahrs, nemlich 1722. den 5. Junii verehlichte er ſich zum andernmal mit ſeiner ie - tzigen Ehegattin, eines beruͤhmten Kaufmanns tu - gendſamen Jungfer Tochter, mit welcher ihn GOtt mit 5. Kindern geſeegnet hat, von denen ein Sohn, der zum Studiren gehalten wird, und zwey Toͤchter an - noch am Leben ſind. Er hat auf ſeinen Reiſen viele Gefahr und Verdrießlichkeiten erlitten, wovon er doch allemal wunderbarlich errettet worden; zu deſſen chriſt - lichen Erinnerung hat er ſich den ſchoͤnen Troſt-Spruch aus dem 73. Pſalm v. 23. Das iſt meine Freude, daß ich mich zu GOtt halte, und meine Zuver - ſicht ſetze auf den HErrn HErrn, zu ſeinem Sym - bolo auserkohren. Die auf ſeinem eigenen Verlaggedruck -128Kurtzgefaßte Nachricht,gedruckten ſchoͤnen geiſtlichen und andere nuͤtzliche Buͤ - cher, derer zur Zeit mehr als ein hundert ſind, ha - ben ſeinen Namen in dem Koͤnigreich Schweden wohl bekannt gemacht, und ihm vielen Ruhm zu wege ge - bracht.
Nechſt dem gedachten Herrn Horn ſind in Stock - holm noch nachfolgende Buchdruckerherren, nemlich:
Von Stockholm wende ich mich nach Upſal. Jſt ein Ort in der Welt, wo die Buchdrucker reichlich be - lohnet werden, ſo iſt es gewiß in Schweden, inſonder - heit aber zu Upſal. Der Koͤnig Carl Guſtav hat nicht nur einem Buchdrucker zu Upſal die Einkuͤnfte von einem Ritterguth, ſondern auch eine freye Woh - nung allergnaͤdigſt zugeſtanden. Der erſte Buch - drucker daſelbſt iſt
Paul Gruͤs geweſen, welcher um das Jahr 1510. gelebet hat, auf welchen folgende nach einander gefolget:
1525. Bartholomaͤus Fabri, hat 1525. Statuta Prouincialia & Synodalia prouinciae Vpſal. ge - druckt.
1537. Georg Richolf, von Luͤbeck. Wie lange er allhier gelebt, iſt unbekannt. Denn zu ſeiner Zeit iſt die hohe Schule unter dem Koͤnig Johann bey na - he gaͤntzlich ſtille gelegen, folglich auch die Druckerey.
1604. Anundus Olaus, war Koͤniglicher Buch - drucker zu Stockholm und zugleich Univerſitaͤts Buch - drucker zu Upſal.
1614.129von einigen Buchdruckern.1614. - 1657. Eſchilus Matthiaͤ. Nach deſſen Tod
Johann Pauli, welcher zugleich einen Gehuͤlfen Peter Johannem gehabt. Zu gleicher Zeit hatte auch Janſſon allhier eine Druckerey, welche deſſen Factor, nemlich Heinrich Curio, von Erfurth, an ſich kaufte und von 1659. - 1685. Univerſitaͤts Buch - drucker wurde. Nach ſeinem Tod 1691. fuͤhrte deſſen Stiefſohn Carl Guſtav Frediani die Druckerey fort, welcher ſelbige hernach an Andreas Kiellberg wieder verkaufte.
Heinrich Keyſer, der Sohn wurde nach Curi - onis Tod Univerſitaͤts-Buchdrucker, und verwaltete dieſes Amt 10. Jahr.
Heinrich Keyſer, der Enckel, wurde anfaͤnglich zum Studiren angehalten, er lernte aber hernach die Buchdruckerkunſt, und gieng nach Teutſchland auf Reiſen. Nach ſeiner Zuruͤckkunfft ſchenckte ihm ſein Herr Vater die Buchdruckerey, worauf er 6. Jahr Univerſitaͤts Buchdrucker war. Nach ihm wurde.
1701. Johann Heinrich Werner Univerſitaͤts - Buchdrucker. Weil er aber ſeiner Geſchaͤffte wegen, und wegen ſeiner Druckerey in Stockholm nicht gegen - waͤrtig ſeyn konnte; So ſetzte er Factors dahin, bis endlich Johann Hoyer dazu gelangte. Gegenwaͤrtig iſt Johann Hoyers Wittwe Univerſitaͤts Buch - drucker.
Und ſo viel von den Buchdruckereyen, welche zum deſten der hohen Schul zu Upſal errichtet und fortgefuͤh - ret worden. Es ſind aber derſelben noch einige ande - re anzufuͤhren:
J1) Des130Kurtzgefaßte Nachricht,I.) Des Herrn D. Lorentz Wallii Prof. Theol. und hernach Epiſcop. Stregneſens. Druckerey, welche Petr Erich Wald verwaltet hat. Nachdem aber ſel - biger 1635. nach Weſteras gegangen, ſo ſtund Amun - dus Grefwe dieſer Druckerey, biß an den Tod des Eigenthumherrns vor, da ſelbige zur Univerſitaͤts Druckerey geſchlagen wurde.
II.) Die Buchdruckerey des Ertzbiſchoffs zu Upſal Hrn. Lorentz Paulinus, welcher ſelbige von Streg - naͤs nach Upſal bringen ließ. Amund Grefwe ver - waltete ſelbige 2. Jahr, hernach iſt ſie wieder nach Stregnaͤs gekommen, und Grefwe, ſonſt auch Gref - ander iſt 1641. nach Stockholm beruffen worden.
III.) Die Rudbeckiſche Druckerey, welche der be - kannte und gelehrte Herr Rudbeck in ſeinem Hauß anrichten ließ Sie hat aber 1702 das Ungluͤck ge - habt, daß ſie von der Feuersgluth verzehret worden iſt. Und ſo viel von Upſal. Jch gehe demnach weiter.
Allhier ſoll die Buchdruckerkunſt ſchon 1504. einen Wohnplatz gefunden haben; Es iſt aber nicht erweiß - lich. Dieſes hingegen iſt gewiß, daß der Biſchoff Johann Rudbeck aus ſonderbahrer Gnade Jhro Maj. des Koͤnig Guſtav Adolphs 1621. daſelbſt ei - ne Druckerey angeleget habe. Ja die Gnade dieſes Glorwuͤrdigen Koͤniges gieng ſoweit, daß er auch den Buchdrucker mit Einkuͤnften von den Zehenden des Dorfes Billehaͤradh begnadiget. Es ſind aber fol - gende daſelbſt geweſen.
1621. Olaus Olai Helſing, welcher 1628. an der Peſt geſtorben.
1635. Petr Erich Wald, verwaltete anfaͤnglichdes131von einigen Buchdruckern. des Herrn D. Wallii Druckerey zu Upſal, und kam 1635. hieher. Ob er laͤnger, als bis 1640 hieſelbſt geweſen, weiß man nicht. Dieſes aber iſt ausge - macht, daß er ſich 1640. nach Aboa gewendet habe.
1642. Eucharius Lauringer, von Franckfurt.
1669. Boethius Hagenius war des Conſiſtorii und Gymnaſii Buchdrucker von 1669. den 15. Dec. bis 1716. Nach deſſen Tod lag die Druckerey 4. Jahre ſtille. Endlich wurde
1720. Georg Urban, von Hamburg, wieder an - genommen, die Druckerey fortzuſetzen; Alleine ſie liegt jetzo wieder ſtille.
Daß die Buchdruckerkunſt auch in dieſer Stadt ei - nen veſten Fuß erlanget, hat ſie der Vorſicht des ehe - maligen Biſchofs Herrn Lorentz Paulini zu dan - cken. Dieſer vortrefliche Mann hat Jhro Maje - ſtaͤt Koͤnig Guſtav Adolph unterthaͤnigſt erſuchet, daß derſelbe geruhen moͤgte eine Druckerey daſelbſt aufzurichten. Er wurde auch ſeiner Bitte gewaͤhret, und ein Buchdrucker mit groſen Freyheiten dahin ge - ſetzet. Es werden bis dieſe Stunde von dem Conſi - ſtorio einige Gnadengelder noch ausgezahlet. Fol - gende Buchdrucker ſind nach einander daſelbſt geweſen.
1622. Olaus Olai Enaͤus, erſter Buchdrucker.
Johannes Barck, oder Barkenius, hat dieſe Stelle 7. Jahr verwaltet.
1641. Jacob Daniel.
1645-1671. Zacharias Brocken hat auch eine eigene Druckerey angelegt, welches daraus erhellet, weil ſeine Erben eine Zeitlang die Druckerey fortgeſe - tzet haben.
J 21675.132Kurtzgefaßte Nachricht,1675. -1690. Zacharias Asp.
Johann Billingsley, iſt auch eine Zeitlang des Gymnaſii Buchdrucker allhier geweſen, da vorher - gehender Herr Asp ſeine Druckerey an Herrn Key - ſer ohne wiſſen und Willen verkauft hatte.
Allhier iſt auch eine Buchdruckerey, jedoch nur auf eine kurtze Zeit, ehedeſſen geweſen. Erich Schroͤ - der hatte anfaͤnglich in Stockholm eine Druckerey; Alleine, ſein Vaterland zog in hernach 1645. hieher. Amund Graͤfe war erſtlich nur ſein Gehuͤlfe, her - nach aber gar ſein Nachfolger, indem er ihm die Dru - ckerey auf gewiſſe Bedingungen eigenthuͤmlich uͤber - ließ, welcher hernach nach Gothburg 1650. beruffen wurde.
Nachdem ich bishero die Druckereyen in Schweden erzehlet; So komme ich auf Gothland. Jn dem be - ruͤhmten Kloſter zu Vadſtein, oder Wadſtein, iſt um das Jahr 1491. ſchon eine Druckerey geweſen, wel - che aber 1495. den 5. Octobr. durch das Feuer verzeh - ret worden. Nach der Zeit iſt keine ferner angeleget worden. Jch gehe demnach weiter fort.
Allhier hat man um das Jahr 1513. gedruckt. Wer aber der erſte Buchdrucker geweſen, iſt nicht bekannt.
1523. Johannes Braskii. Deſſen Druckerey iſt 1527. nach Malmoe gebracht worden und hiemit hatte auch allhier die Druckerey ein Ende.
1529. Olaus Ulrici hat um dieſe Zeit daſelbſt ge - druckt. Uber hundert und mehr Jahr iſt nun alles ſtille.
1660. Georg Hantſch iſt der erſte wieder von welchem man weiß, daß er zu Malmoe gedruckt habe. Es waͤhrte aber nicht laͤnger als drey Jahr, ſo wendete er ſich nach Lunden, und von dar wurde er nach Stock - holm beruffen, damit er an des Koͤniglichen Buchdru - ckers Hrn. Jgnatius Meurers Stelle kom̃en moͤgte.
1667. Vitus Habereger. Ein Edelmann aus Oberungarn, welches er der Religion wegen verlaſſen hat. Von Melchior Matſon, einem Buchdrucker zu Coppenhagen, hatte er eine Druckerey gekauft und ſelbige hieher gebracht, woſelbſt er jaͤhrlich 200 Thaler ausgezahlt bekommen. Nach Verlauf eines Jahres wurde er nach Lunden beruffen. Und alſo nahm die Buchdruckerkunſt von Malmoe Abſchied und iſt bis dieſe Stunde nicht wieder dahin gekommen.
Auch an dieſem Ort iſt durch die Vorſicht des ehe - maligen Herrn Superintendenten Jonaͤ Rothovs eine Druckerey aufgerichtet worden, welches vermuth - lich 1620. geſchehen ſeyn mag; weil man unterſchied -J 3liche134Kurtzgefaßte Nachricht,liche Schrifften von kurtz beruͤhrten Herrn Rothov weiß, welcher doch 1625. ſchon geſtorben war. Der Buchdrucker hieß Chriſtoph Guͤnther. Wo er her gekommen, iſt nicht bekannt. Dieſes weiß man aber, daß er ſich 1635. nach Lincoͤping mit ſeiner Druckerey gewendet habe. Und alſo hat die Dru - ckerey wieder ein Ende. Dahero ſehen wir uns nach ſelbiger in andern Orten um.
1635. Chriſtoph Guͤnther, war der erſte Buch - drucker allhier. Er bekam eine freye Wohnung, und ſonſten allerhand Einkuͤnfte. Seine Nachfolger waren folgende:
1699. Daniel Nicol Kempe, Buchdrucker und Rathsherr zu Lincoͤping, ſtarb 1690.
1700. Peter Daniel Kempe, nahm 1700. wie - der Abſchied von dieſer Welt.
Peter Johann Pelican.
Peter Pelican, lebt jetzo daſelbſt.
Hieher wurde nach Herrn Schroͤders Tod Amund Grefwe von Nykoͤping 1647. beruffen Er war ein gelehrter und erfahrner Mann, dabey aber ſehr un - gluͤcklich. Nicht nur das Waſſer, ſondern auch das Feuer that ihm gewaltigen Schaden. Unterdeſſen bekam er als Buchdrucker des Gymnaſii reichliche Einkuͤnfte, und iſt 1677. den 11. Febr. geſtorben. Nach ihm haben ſich folgende Buchdrucker daſelbſt nieder gelaſſen:Tie -135von einigen Buchdruckern. Tidemann Grefwe, deſſen Sohn ſtarb 1679.
1685. Lorentz Loͤnbom.
1695. Johann Rahm.
1697. Zacharias Hagemann, war dem Feuer ſehr nahe, welches 1721. den meiſten Theil der Stadt verzehret hat. Er blieb aber unverſehrt.
Johann Ernſt Kallmeyer iſt gegenwaͤrtig da - ſelbſt.
Eine Jnſul auf dem Wetterſee in Gothland wurde auch ein Wohnplatz der Buchdruckerkunſt, und zwar durch die Vorſorge des Grafens von Wiſingsburg.
1667. Johann Kankel, ein verſtaͤndiger und ge - lehrter Mann, aus Pommern gebuͤrtig, war der erſte Buchdrucker. Er ſchrieb und uͤberſetzte aller - hand Buͤcher, und beſaß die Geſchicklichkeit Lettern zu gieſſen und Holtzſchnitte zu verfertigen. Nach dem dieſe Jnſul dem Koͤnig 1681. heim gefallen, ſo hoͤrte die Druckerey auf, und Kanckel wendete ſich nach Joͤnkoͤping.
Nach dem 1666. allhier eine hohe Schule angelegt worden: So war man auch um einen Univerſitaͤts - Buchdrucker beſorgt.
Vitus Habereger, war der erſte, von dem wir bereits ſchon geredet haben. Nach dem das Daͤni - ſche Kriegsfeuer auch in Schonen wuͤtete; So gieng Habereger wieder nach Malmoe, und hernach 1687. nach Carlscrona, woſelbſt gegenwaͤrtig HerrJ 4Frantz136Kurtzgefaßte Nachricht,Frantz Philipp Paulſon iſt, in der Abſicht, Ammirali - taͤts-Buchdrucker zu werden, es war aber vergebens, dahero gieng er wieder zuruͤck.
1698 Abraham Habereger, ein Sohn des vorhergehenden, wurde 1698. bey Lebzeiten ſeines Herrn Vaters Univerſitaͤts-Buchdrucker. Dabey dieſes anzumercken, daß die Haberegiſche Druckerey auf Koſten des Koͤnigs wieder angelegt worden, als ſie im Rauch aufgegangen war. Gegenwaͤrtig iſt:
Herr de Creaux, Univerſitaͤts Buchdrucker.
Ehe ich Lunden verlaſſe, ſo muß ich auch einer Druckerey noch gedencken, welche der Biſchof in Schonen Herr Peter Winſtrupius auf ſeine eigene Koſten angeleget hat, damit er ſeine Pandectas Sa - cras, ſ. Comment. in Hiſt. Seruat a Matth. conſcri - ptam deſto fuͤglicher drucken laſſen koͤnnte. Der erſte Theil davon kam 1666. heraus. Dieſer Druckerey ſtund Georg Schroͤder 6. Jahr vor. Als er aber zur Zeit des Daͤniſchen Krieges allerhand Pasquille ge - druckt, ſo wurde er nach Malmoe gefangen geſetzt, und die Druckerey wurde ebenfalls nach Malmoe gebracht.
Wir haben kurtz vorhero angemerckt, daß eine Druckerey von der Jnſul Wiſingſoͤo hieher gebracht worden ſey, welche Johann Kanckeln zuſtaͤndig war. Von des Herrn Kanckels Sohn, welcher Prieſter in Weckelſaͤng war, kaufte
Peter Hultmann die Buchdruckerey. Da aber die Schrifften zimlich abgenutzt waren; So hat derberuͤhm -137von einigen Buchdruckern. beruͤhmte Dryſelius neue Schriften gieſſen laſſen, da - mit ſeine Comment. in Hiſt. Eccl. Uniuerſal. & Ot - tomannicam fuͤglich gedruckt werden koͤnnten. Ge - dachter Herr Hultmann hat bis 1708. gelebt. Nach ſeinem Tod uͤberkam
Daniel Wall, ein Sohn des Univerſitaͤts Buch - druckers zu Aboa, des verſtorbenen Herrn Hult - manns Druckerey, nachdem er deſſelbigen Jungfer Tochter geheyrathet hat. Jm Jahr 1711. iſt er an der Peſt geſtorben. Worauf
1713. Jſrael Falck die Druckerey daſelbſt fort - ſetzte, und ſelbige mit vielen Schriften vermehret hat. Gegenwaͤrtig treibt deſſen Frau Wittwe die Druckerey.
Daß allhier eine Druckerey angelegt worden, hat man dem beruͤhmten Herrn D. Jeſper Schwed - berg zu dancken. Es iſt aber der erſte Koͤnigliche Buchdrucker des Gymnaſii daſelbſt
1707. Andreas Kiellberg geweſen, welcher vor - hero zu Upſal die Stelle eines Factors begleitet hat. Er hatte Heinrich Curionis Druckerey gekauft, welche hernach mit verſchiedenen Schriften aus Teutſchland vermehret worden, wodurch ſie in einen recht vollkommenen Stand geſetzet wurde. Seine Einkuͤnfte beſtunden in etwas Getraide. Er fuͤhrte ſelbige bis 1716.
Hermann Muͤller folgte auf ihn, und zwar auf Koͤniglichen Befehl 1720. Nachdem die Feuersgluth dieſe Druckerey gaͤntzlich verzehret hatte, ſo hat erJ 5es138Kurtzgefaßte Nachricht,es endlich ſo weit gebracht, daß er wieder eine wohl eingerichtete Druckerey anlegen koͤnnen, welche er noch fuͤhret.
Weil in Aboa das beruͤhmte Gymnaſium in eine hohe Schule 1640. verwandelt wurde; So ſahe man ſich auch um einen Univerſitaͤts Buchdrucker um. Der erſte war
Peter Wald, welcher vorhero zu Upſal und We - ſteraͤs die Buchdruckerkunſt getrieben hat. Zu Aboa trieb er ſelbige bis an ſeinen Tod 1653. Hierauf wurde
Peter Hanſſon 1679. Univerſitaͤts Buchdrucker, der das Ungluͤck gehabt, daß er zweymal vom Feuer beſchaͤdiget wurde. Auf ihn folgte
Johann Lorentz Wallius, und lebte bis 1710. Alsdenn wurde
Andreas Bioͤrckmann, deſſen Nachfolger: Da aber 1713. die Feinde immer naͤher einruͤckten; So wurde dieſe Druckerey nach Stockholm gebracht, all - wo ſie auch noch iſt.
Endlich muß ich noch einer Buchdruckerey Erweh - nung thun, welche der Biſchof D. Johann Gezel auf ſeine eigene Koſten angeleget hat. Der erſte, ſo dieſer Druckerey vorgeſtanden, war:
1679. Johann Carl Winter. Er hatte die Gnade, daß er zum Koͤniglichen Buchdrucker in dem Großſuͤrſtenthum Finnland ernennet wurde. Auf ihn folgteHein -139von einigen Buchdruckern. Heinrich Chriſtoph Merckel, und der jetzige iſt Johann Chriſtian Merckel.
Und ſo viel von den Buchdruckern in dem gantzen Koͤnigreich Schweden. Es iſt wahr, ich habe mich des oben angefuͤhrten Alnanders Diſſertation fleißig bedienet; Alleine ich habe auch verſchiedenes darzu ge - than, indem ich jederzeit die jetzo Lebenden bemercket habe. So viel mir wiſſend iſt, habe ich keinen eintzigen uͤbergangen.
Anton Heinrich Roͤbel, Acad. Buchdrucker in Tuͤbingen, trat ans Licht der Welt den 30. April 1696. Sein Herr Vater war Johann Heinrich Roͤbel, Jur. Vtriusque Lic. und Advoc. zu Er - furth; Seine Frau Mutter war eine gebohrne Duͤr - feldin, eines Churpfaͤltziſchen Raths - und Ober - Kriegs-Commiſſarii Tochter. Nachdem ihm ſein Herr Vater noch vor ſeiner Geburt geſtorben, ſo iſt er von ſeinem Stiefvater, Herrn Gerſtenberger, ebenfalls einem gelehrten Advocat. zu Erfurth, bis in die Tertiam Claſſem des Erfurtiſchen Gymnaſii aufer - zogen worden. Nachdem ihm aber auch dieſer durch den Todt entriſſen worden; So wurde er gegen Aus - gang des Jahrs 1709. von ſeiner Frau Mutter auf Zurathen eines guten Freundes nach Leipzig in Hrn. Chriſtian Goͤtzens Buchdruckerey in die Lehre ge - than, und nach Verflieſſung etwas uͤber 4. Jahr an der Jubilate Meſſe 1713. von ſeinen Lehrjahren wie - der loßgeſprochen. Hierauf begab er ſich, nachdem er noch eine zeitlang in Leipzig in Condition geſtanden,wie -140Kurtzgefaßte Nachricht,wiederum nach Erfurth, allwo er bey Hrn Georg Andreas Muͤllern ſein Poſtulat verſchencket. Es ſchiene ihm aber ſeine Geburtsſtadt der Ort ſeines Ruhe-Puncts nicht zu werden. Dahero begab er ſich auch, nicht nur in ſeiner Kunſt ſich geſchickter zu machen, ſondern auch ſein Gluͤck in fernen Landen zu ſuchen, von da weg, und gieng nach Halle, Jena, Gieſſen, Marpurg, Franckfurth, Nuͤrnberg, Wien und Prag in Condition, von wannen er noch in un - terſchiedenen Koͤniglichen Chur-und Fuͤrſtlichen Hof - und Cantzley-Buchdruckereyen auch in denen beruͤhm - teſten Handelsſtaͤdten theils gearbeitet, theils ſelbige beſehen, bis er endlich im Sept. 1727. nach Tuͤbin - gen gekommen, allwo er ſich den 13. April 1728. in den Eheſtand begeben mit Jungfer Maria Sara Reiſin, Herrn Johann Conrad Reiß, ſeel. gewe - ſenen Buchdrucker und Civ. Acad. juͤngſten Jungfer Tochter, mit welcher er diejenige Buchdruckerey er - heyrathet, welche uͤber 200. Jahr auf dieſer Fami - lie von Zeit zu Zeit bis hieher geblieben iſt, und nun Gottlob zwar in einem geſeegneten Haußſtand, doch aber ohne Kinder lebet. Binnen dieſen 12. Jahren hat er neben denen Univerſitaͤts Arbeiten, und eige - nen Schul-Verlags-Buͤchern noch weiter gedruckt, des ſeel. Arnds wahres Chriſtenthum, bis zum 4ten mahl in groß Quarto, item Harprechtii Diſſertatio - nes in med. 4to. 2. Vol. von 500. Bogen. Item D. Weiſmanni Inſtit. Theol. item Canzii Oratoriam und Philoſ. Leibnitz. & Wolff. Uſum in Theolog. item Steinhöferi Annotat. Leibnit. Theodiceæ, it. Schwederi Inſtit. Iur. Publ. item Pregizeri Poeſie, und unterſchiedliche andere Wercke mehr, wie er den jetzo unter der Preſſe hat. Meyeri ſuppl. Londor -pii
Georg Gruppenbach
141von einigen Buchdruckern. pii in Folio dritter Theil. Ubrigens hat er nun 10. Jahr das Amt eines Univerſitaͤts Steuer-Caßirers mit Ruhm verwaltet, deſſen Jnſigne iſt ein Ancker worauf eine Turteltaube ruhet, mit einem Oelreiß im Schnabel. Siehe Tab. XVII.
Da ich hier ein Jnſigne beſchrieben, ſo will ich auch ein aͤlteres hinzufuͤgen, nemlich des ehemahligen Buchdruckerherrns zu Tuͤbingen Georg Gruppen - bachs, welcher zu Ende des XVI. Jahrhunderts ge - lebet. Es hatte ſelbiger das Lamm GOttes mit der Siegsfahne, welches auf einem Drachen ſtehet. Auſ - ſen herum ſieht man die Worte: Ecce agnus Dei, qui tollit peccata mundi. Siehe Leſſern p. 231. und unſere Tab. XVII.
Nachdem ich in dem erſten Theil p. 73. von den meiſten alten Buchdruckern einige Nachrichten erthei - let habe; So will ich jetzo einige Jnſignia beſchrei - ben, welche ich damals uͤbergangen. Jch habe aber folgende aufgetrieben.
So gerne ich jetzo die Lebensbeſchreibungen der je - zigen Buchdruckerherren beyfuͤgen wollte; So ſehe ich mich dennoch genoͤthiget, ſelbige mit Stillſchwei - gen zu uͤbergehen, weil man mir die verſprochenen Nachrichten vorenthalten hat. Jch fuͤge alſo zum Beſchluß noch einen
Von Franckfurt am Mayn hinzu, es betrift ſelbi - ger etwas genauere Nachricht von Sigmund Feye - rabend, einen bekannten Buchdrucker und Buch - haͤndler, von dem ich bereits oben etwas gemeldet habe. Er war 1527. gebohren, und nicht nur we - gen ſeiner Gelehrſamkeit, ſondern auch wegen ſeiner vortreflichen Holtzſchnitte ſehr beruͤhmt. Man fuͤhrt eine Bibel an, ſo 1561. in Folio. David Zaͤpf - lein gedruckt hat, zu welcher er die Holtzſchnitte ver - fertiget haben ſoll, ingleichen die Bildniſſe der Her - tzoge zu Venedig, ſo in Kellners Chronicka befind - lich ſind. Deſſen Jnſigne habe ich ebenfalls oben beſchrieben, hier fuͤge ich auch ſein Bildniß bey. Siehe Tab. XX.
Chri -144Kurtzgefaßte Nachricht von einigen ꝛc.Chriſtian Egenolph, war gleichfalls ein gelehr - ter und beruͤhmter Buchdrucker und Buchhaͤnd - ler. Er war 1503 gebohren, und iſt 1555. den 9. Febr. geſtorben. Sein Jnſigne ſtellet einen Altar vor, worauf ein Feuer, und mitten im Feuer ein Hertz mit der Uberſchrift: Sacrificium Deo cor hu - miliatum. Pſ. 50. Von ſeinen Schriften ſind fol - gende bekannt: die beſten Lateiniſchen Redensarten aus Terentii Schauſpielen lat. Straßburg, 1530. 8. Die vornehmſten Spruͤchwoͤrter der alten Griechi - ſchen Comoedienſchreiber, ehemals von Heinrich Stephano heraus gegeben, nunmehro mit einer zwey - fachen Erklaͤrung in Verſen vermehrt, und in einen kurtzen Begrif gebracht, Genev, 1569. 12mo. Latei - niſche Blumenleſe von Spruͤchwoͤrtern, Franckfurt. 1579. 8vo. Den Pſalter in Lateiniſche Verſe ge - bracht, ꝛc. Sein Bildniß ſoll deſſen Andencken ver - neuern. Siehe Tab. XX.
DerNichts in der Welt gelanget auf ein - mal zu ſeiner Vollkommenheit. Dieſer Satz iſt ſo deutlich und klar, daß er ſo gleich ohne Beweiß von den meiſten angenommen wird. Und worzu waͤre auch der Beweiß noͤthig, da ſelbi - gen die taͤgliche Erfahrung beſtaͤtiget. Ein jederKpruͤfe146Cap. 1. Von den Formaten. pruͤfe ſich ſelbſt: So wird er Beweiß genug finden, woferne er nur die Wahrheit bekennen will. Jch weiß zwar wohl, daß einige an andern Leuten noch viele Unvollkommenheiten bemercken, ſich ſelbſten aber vor hoͤchſt vollkommen halten; Jch weiß, aber auch dieſes, daß dieſe ſich ſelbſt nur allein klug duͤnckende Leute ein heßliches Scheuſaal in den Augen vernuͤnf - tiger Menſchen ſind. Vernuͤnftige Menſchen geſte - hen ihre Unvollkommenheiten freywillig zu. Sie be - muͤhen ſich aber mit allen Kraͤften immer vollkom - mener zu werden.
Man wird es mir vor keine Schande auslegen, wenn ich hier oͤffentlich bekenne, daß ich, nach der Herausgabe meiner ſo noͤthig als nuͤtzlichen Buch - druckerkunſt und Schriftgießerey, bey einigen Nebenſtunden noch manches angemercket habe, daß lehrbegiehrigen Gemuͤthern zu wiſſen nuͤtzlich und an - genehm ſeyn wird.
Jch ſchaͤme mich nicht zu geſtehen, daß ſich hier und da eine Schwachheit mit eingeſchlichen hat. Jch getroͤſte mich aber einer geneigten Beurthei - lung, da ich vor jetzo beſchaͤftiget bin, alle Anmer - ckungen, ſo ich nach und nach geſammlet, der Welt vor Augen zu legen. Denn hiedurch werde ich doch einige Luͤcken ausfuͤllen, die ich ehemals gema - chet habe; Hiedurch werde ich doch einigen Fehltrit - ten abhelffen, die ich ehedeſſen, ohne meine Schuld, gethan habe; Kurtz: Hiedurch werde ich meine Buch - druckerkunſt vollkommener machen, als ſie ehedeſſen geweſen iſt. Jch geſtehe alſo, daß auch ich die Wahr - heit meines erſten Satzes, als ein Beyſpiel, bezeuge:Nichts147Cap. 1. Von den Formaten. Nichts in der Welt gelanget auf einmal zur Voll - kommenheit.
Jch werde aber auch hierinnen den vernuͤnf - tigſten Leuten nachahmen, das iſt, ich will mich eifrigſt bemuͤhen, alles dasjenige noch hinzuzuthun, oder in eine groͤſſere Vollkommenheit zu ſetzen, was man auch nur mit einem Schein des Rechts, von mir wird fordern koͤnnen. Jch werde alſo von Stuͤck zu Stuͤck meiner vorigen Einrichtung nachgehen, und noch hier und da entweder etwas darzuthun, oder ver - beſſern; Oder wohl gar etwas neues zu Marckte bringen.
Die meiſten Schriften, die auch nur bey Gelegen - heit von der Buchdruckerkunſt gehandelt haben, habe ich zu dem Ende zu Rathe gezogen, und das noth - wendigſte daraus angemercket. Auch die allerneue - ſten Buͤcher, ſo in dieſem Jahr ans Licht geſtellet worden, habe ich mit Fleiß durchgegangen, und al - lerhand daraus gelernet.
Der erſte Abſchnitt handelte von allerley Arten der Formaten wie ſelbige ausgeſchoſſen werden ſollen. Allhier muß ich erſtlich etwas altes einruͤcken, wie nemlich unſere lieben Vorfahren das Format in O - ctavo geſchoſſen haben. Es iſt von unſerer heutigen Art ſehr unterſchieden. Siehe den erſten Theil p. 11. Jch habe vielmals nachgedacht, warum man doch eine andere Art erfunden und unſere Vorfahren verlaſſen habe? Und wenn ich die Wahrheit ſagen ſoll; So finde ich keinen hinlaͤnglichen Grund davon. Es wurde aber alſo geſchoſſen:
K 2For -148Cap. 1. Von den Formaten.Die Urſache, warum ich glaube, daß man dieſe Art verlaſſen habe, mag wohl dieſe ſeyn. Die Prima kommt hin, wo jetzo die ſechzehende ſtehet. Nun trift dieſe, wenn ich den Bogen breche, hinten an den Bruch des Bogens. Wenn die Columne etwas weit heraus gegen die rechte Hand geruͤcket wurde; So geſchahe es gar leicht, daß der Buchbinder in dem Beſchneiden die letzten vier Blaͤtter nicht recht getrof - fen hat, weil ſelbige insgemein nicht gerade, ſondern ſehr ungleich ſind. Dieſem Ubel abzuhelffen hat man vielleicht die neue Art erfunden. Wird man mir ei - nen beſſern Grund angeben, ſo will ich mich davor hoͤflich bedancken. Auſſerdem ſcheinet die neue Art auch bequemer zum brechen. Bey dieſer behaͤlt man die Prima ſo gleich im Geſicht, da ich ſelbige bey der alten Art erſt im dritten Bruch hervor bekomme. Jn - zwiſchen hat die alte vor der neuen Art dieſen Vor - zug, daß man nicht ſo viel Pappierſpaͤne machen darf, und die Columnen etwas breiter ſetzen kan, welches vermuthlich nutzbahrer, indem man dadurch Pappier erſpahret. Und wenn auch dieſes an einer Columno nur eine Zeile austraͤgt; So kommt bey einem groſ - ſen Werck ſchon etwas heraus.
Endlich muß ich annoch berichten, daß ich mich in des Martin Dominique Fertels Science Pratique de L’ Imprimerie, wovon ich bereits in der Vorrede geredet, fleißig umgeſehen habe, ich kan aber nicht ſagen, daß ich eine andere, oder beſſere Art Formate zu ſchieſſen angetroffen haͤtte, als die ich bereits in meinem erſten Theil p. 1. 32. nach der Reihe an - gefuͤhret habe.
Denenjenigen zu gefallen, welchen die ausgeſchoſ - ſenen Formate durch Zahlen p. 22. nicht deutlich ge -K 3nug150Cap. 2. Von Erfindunggenug ſchienen, haben wir nunmehro ſelbige Formate ordentlich ausgeſchoſſen und mit der Signatur be - merckt in Kupfer ſtechen laſſen, damit wir deſto deut - licher ſeyn moͤchten.
Von der Erfindung der Buchſtaben uͤberhaupt und von einigen Alphabeten inſonderheit.
Die Uberſchrifft dieſes Capitels heißt mich ſo - gleich dieſe Abhandlung in zwey Abſchnitte abtheilen. Davon der
Von der Erfindung der Buchſtaben handeln muß. Ehe ich zur Abhandlung ſelbſten ſchreite, muß ich meine Leſer um zwey Dinge bitten. Einmal, daß ſie von mir keine vollſtaͤndige critiſche Unterſuchung und Beurtheilung aller Einfaͤlle, die jemals von den Ge - lehrten zu aller Zeit von dieſer Sache zu Marckte ge - bracht worden ſind, fordern. Hierzu hatte ich keinen Platz allhier Jch habe auch nicht deswegen die Fe - der angeſetzet, daß ich denen Gelehrten eine Nach - richt ertheilen wollte. Nein, dieſe wiſſen es ſo gut, auch wohl noch beſſer, als ich. Meine Abſicht iſt viel - mehr denen Liebhabern der edlen Buchdruckerkunſt, und derſelben Verwandten eine kurtze Erzehlung da - von mitzutheilen. Eben aus dieſem Grund bitte ich zum andern, daß ich die Zeugen, welche ich hier und da anfuͤhren werde, nicht in ihrer Sprache reden laſ - ſen darf. Denn was wuͤrde es nutzen, wenn ich hier und da gantze Flecken Griechiſch, Lateiniſch, oder aus einer andern fremden Sprache haͤtte wollen eindrucken laſſen? Meine meiſten Leſer wuͤrden michnicht151der Buchſtaben. nicht verſtanden haben. Man urtheile aber hieraus nicht, als wenn ich dieſe Zeugniſſe entweder nicht wuͤßte, oder nicht geleſen, und dieſe Erklaͤrung ſtatt einer Vormauer meiner Unwiſſenheit hieher geſetzet haͤtte. Die Buͤcher ſind ja nicht rahr, welche einem die Quellen anzeigen koͤnnen. Man darf nur Da - niel Georg Morhofs Polyhiſtorem T. I. Lib. IV. c. I. §. 10. p. 721. Edit. recent. Ioan. Alberti Fa - bricii Bibliographiam Antiqu. C. XXI. p. 627. Deſ - ſen Codicem Pſeudepigraph. Vet. Teſt. hier und da, Jacob Friedrich Reimmanns Einleitung in die Hiſt. Litter. Artediluuianam p. 28. und einige an - dere mehr nachſchlagen; So wird man ſchon unter - richtet werden koͤnnen, wo etwas zu finden. Und wer weiß nicht, daß Hermann Hugo in ſeinem Buch de prima ſcribendi origine C. III. p. 13. Edit. C. H. Trotzii Traj. ad Rhen. 1730. in 8vo. Guidonis Pancirolls Res memorabiles olim deperditae Edit. Henr. Salmuth, Amberg, 1599. in 8vo. gute Nachricht hievon giebt. Jch beſitze auch ein paar Diſſertationes, die mir gute Dienſte gethan haben, nemlich Iohann Chriſtoph. Artopoei Diſſ. de Littera - rum & ſpeciatim Græcarum Origine, Straßburg, 1694. und Henr. Benzelii Tentamen philologicum de Scriptura ante Moſen, Lundæ Gothorum. 1730. in 4to.
Was demnach die Erfindung der Buchſtaben ſelb - ſten anbelanget; So iſt bekannt, daß auch hier das Spruͤchwort eintreffe: So viel Koͤpfe, ſo viel Sinne. Man trift ſo viel Fabeln an, daß man ſich kaum bey der Unterſuchung daraus wickeln kan. Und was da - bey das verdrießlichſte iſt, ſo mangeln uns hier und da die Nachrichten, daß man endlich nach aller ange -K 4wand -152Cap. 2. Von Erfindungwandten Muͤhe dennoch mit einer Vermuthung vor - lieb nehmen muß.
Diejenigen, ſo alles, was auf Erden vorgehet, an Himmel zu finden pflegen, haben auch ein Alpha - bet daran gefunden, welches einigermaſſen mit dem Hebraͤiſchen eine Gleichheit hat. Man nennet es auch Alphabetum cœleſte. Wenn ich aber die Wahrheit bekennen ſoll, ſo finde ich gar wenig aehnliches an die - ſen Figuren, welches Buchſtaben gleich ſiehet. Es gehoͤrt ungemein viel Einbildungskraft darzu, die ich bey mir nicht mercke Hat jemand dieſelbige, ſo will ich ihm ſolche gerne goͤnnen, mir aber die Freyheit ausbitten, daß ich zur Zeit nichts davon glaube. Wenn ich mich aber um die Urſache bekuͤmmere, warum man doch ein Alphabet an Himmel geſuchet und gefunden habe? So will man insgemein dadurch das Alter - thum, und Vortreflichkeit der Buchſtaben daraus erzwingen. Alleine worzu dient dieſer Unrath? Man hat ja triftigere Gruͤnde, als dieſe. Das heißt eine gute Sache durch ſchlechte Gruͤnde boͤs vertheidigen.
Nicht beſſer iſt die Meynung dererjenigen, welche uns ein Alphabetum Angelicum vor Augen geleget haben. Man kan ſelbiges ſowohl, als das erſtere auf unſerer Tab. XXI. ſehen. Dieſe Alphabete haben eine zimliche Gleichheit. Es iſt nur Schade, daß beyde erdichtet ſind. Denn ſo lange man mir von einem Engel kein geſchriebenes Buch zeigen kan, ſo lange halte ich alles, was man erzehlt, vor Fabeln. Denn da - mit bin ich noch nicht zufrieden, wenn man mit dem unuͤberwindlichen Beweiß aufgezogen kommt: Man ſagt; Manſchreibt ꝛc. Dieſes Man iſt bey vernuͤnf - tigen Leuten Niemand.
Hoͤrt man einige andere Juden, ſo kommen ſie beynahe153der Buchſtaben. nahe auf den erſten Einfall, indem ſie GOtt vor den erſten Erfinder der Buchſtaben ausgeben. Er haͤtte nemlich das Geſetz mit feuerigen Buchſtaben noch vor Erſchaffung der Welt bey ſich gehabt. Wer hat doch dieſe Buchſtaben vor Erſchaffung der Welt ge - ſehen, und es hernach denen Juden geſagt? Man bringe tuͤchtige Zeugen, auſſerdem ſind es uͤberfluͤßige Gedancken, die man kaum traͤumenden Menſchen zu gute halten wird. Ey ſprechen einige, die Juden ha - ben dieſes nicht alleine geglaubt, der vernuͤnftige Pli - nius hat es ja auch geſagt, daß der Gebrauch der Buchſtaben ewig ſey. Vſus litterarum æternus fuit, Hiſt. Nat. Lib. VII. c. 56. Alleine, ich finde in dieſen Worten keine Ewigkeit der Buchſtaben. Das Wort aeternus, heißt ja nicht allemal ewig, ſondern es bedeutet oͤfters ſo viel: als von undencklichen Jah - ren, oder einer ſehr langen Zeit. Und dieſes iſt wahr, die Buchſtaben ſind von undencklichen, oder langen Zeiten her, erfunden worden. Alleine ewig ſind ſie nicht. Man muͤſte den ſagen wollen, ſie ſind von Ewigkeit her moͤglich geweſen. So will man ſich insgemein helfen, wenn man nicht weiter fortkommen kan. Nach meinen Begriffen iſt zwiſchen moͤglich, und wuͤrcklich ſeyn ein gar groſſer Unterſchied. Je - doch was halte ich mich mit dieſen Fabeln auf? Das bloſſe erzehlen, heißt ſelbige ſchon wiederlegen.
Jch glaube demnach, daß weder GOtt, noch die Engel die erſten Erfinder der Buchſtaben geweſen ſind. Man lege mir aber dieſen Satz nicht uͤbel aus, als wenn ich GOttes Macht, Weißheit und Willen zu nahe treten wollte. Denn hier iſt die Frage: wen wuͤrcklich zu allererſt durch geſchriebene Buchſtaben andern Menſchen ſeine Gedancken zu verſtehen gege -K 5ben154Cap. 2. Von Erfindungben hat? Folglich iſt die Frage nicht, ob GOtt ge - konnt oder gewolt hat? Oder ob die Erfindung der Buchſtaben, als etwas gutes, GOtt zuzuſchreiben ſey, indem er den Menſchen den Verſtand gegeben hat, darauf zu verfallen.
Jch wende mich alſo zu den Menſchen, und ſuche bey denſelben den erſten Erfinder der Buchſtaben. Wenn ich leichtglaͤubig waͤre, ſo muͤſte ich Adam da - vor ausgeben. Es haben ſich Leute gefunden, die dieſes mit Gewalt haben erweiſen wollen. Sie wiſ - ſen Buͤcher anzufuͤhren, welche Adam mit eigener Hand geſchrieben haben ſoll; Und zu Rom in der Bi - bliotheca Vaticana weißt man noch unterſchiedliche Saͤulen, worauf Adams erfundene Buchſtaben ſeyn ſollen. Alleine alle Zeugniſſe, die man beybringt, ſind in Anſehung der Zeit, da Adam gelebt, und in An - ſehung der Zeit, da dieſe Zeugen gelebt haben, ſehr neu, daß man ſie als untuͤchtige Zeugen allerdings verwerf - fen muß, die die Wahrheit nicht haben ſagen koͤnnen. Die Buͤcher ſind erdichtet, und die Buchſtaben, ſo auf den Saͤulen zu Rom zuſehen, hat Adam niemals geſchrieben. Wer indeſſen die Figuren betrachten will, der ſehe unſere Tab. XXI.
Andere verfallen auf einen andern Jrrweg. Sie ſprechen zwar Adam dieſe Ehre ab, ſie theilen ſie aber wieder einem unrechten Mann zu. Sie halten nem - lich Seth vor den Erfinder der Buchſtaben. Da - mit dieſe Fabel recht ehrwuͤrdig klingen moͤchte, ſo hat man vorgegeben: Seth waͤre von einem Engel in Himmel gefuͤhret worden, woſelbſt er nicht nur die Kunſt-Buchſtaben zu ſchreiben, ſondern auch die Stern - ſeherkunſt gelernet habe. Und dieſes will man daher wiſſen und beweiſen, weil der Juͤdiſche Geſchichtſchrei -ber
155der Buchſtaben.ber Joſephus in ſeinen Alterthuͤmern erzaͤhlet, die Kinder Seths haͤtten zwey Saͤulen, eine von Thon, und die andere von Stein aufgerichtet, und darauf ihre Kunſt geſchrieben, (ἐγγεγςαμένα), damit ſie ſo wohl vor dem Untergang des Waſſers, als Feuers ſicher ſeyn moͤchte. Dem erſten Anſehen nach laͤßt ſich dieſe Erzehlung gantz wohl hoͤren. Wenn ich aber bedencke, daß Joſephus erſt um das Jahr Chriſti 48. gelebet habe, ſo fange ich ſchon an zu zweifeln, ob Joſephus die Wahrheit hat wiſſen koͤnnen? Betrachte ich hernach die Erzehlung ſelbſt, ſo zweifle ich nicht mehr, ſondern ich bin uͤberzeugt, daß ſelbige keinen Beyfall wuͤrdig ſey. Erſtlich uͤberlege man, ob es wohl wahrſcheinlich, daß die Sethiter, als Pro - pheten, nicht gewuſt haben ſollen, daß die gantze Erde durch die Suͤndfluth verderbet werden ſollte? Haben ſie es gewußt, warum haben ſie ſich vor das Feuer gefuͤrchtet, und alſo zugleich zwey Saͤulen verferti - get, eine wider den Untergang des Feuers, und eine wider den Untergang des Waſſers. Man ſchreibt dieſen Sethitern ferner eine uͤberaus groſſe Wiſſen - ſchaft in der Naturlehre zu; Sollten ſie alſo nicht ſo klug geweſen ſeyn und eingeſehen haben, daß ihre Saͤulen wider das Feuer und Waſſer nicht hinlaͤng - lich waͤren. Eines hebt das andere auf. Es mag aber dieſes oder jenes wahr ſeyn, ſo folgt unwiderſprech - lich daraus, daß Joſephi Erzehlung mit der Wahr - heit nicht uͤberein komme. Folglich gilt dieſer Be - weiß nichts. Es ſtehet auch beym Joſepho nicht, daß die Sethiter die Kuuſt zu ſchreiben zu erſt erfunden haͤtten, ſondern nur ſo viel, ſie haͤtten ihre erfundene Kunſt auf ihre Saͤulen geſchrieben. Und warum iſt denn Niemand von dieſen Sethitern genau beſtimmt,da156Cap. 2. Von Erfindungda man eines genau wiſſen will, ſo muß man ja auch das andere gewiß wiſſen koͤnnen? So aber erzaͤhlt und weiß man nur, was man gerne hoͤren will. Und eben deswegen iſt dieſe Erzaͤhlung verdaͤchtig, ob man gleich ſo gar einige geſchriebene Buͤcher dem Seth zueignet.
Bald ſoll Enoch der Erfinder geweſen ſeyn. Sein Alphabeth ſtehet auch auf unſerer Tab. XXI. Jch will doch gleich die andern Erfinder auch gar herſetzen: Noah, Abraham, und Salomo ſind ebenfalls un - ter dieſer Anzahl. Man weißt Buͤcher auf, die ſie ge - ſchrieben haben ſollen; Man fuͤhrt Beweiſe von einem jeden, und ſtellt uns ihre Alphabete vor Augen, die ich ebenfalls nachſtechen laſſen.
Alleine, nunmehro reime man doch dieſe Einfaͤlle alle mit einander zuſammen. GOtt, die Engel, Adam, Seth, Enoch, Noah, Abraham, Sa - lomo, Moſes, haben die Buchſtaben erfunden. Und gleichwohl kan nicht mehr, als ein Erfinder ge - weſen ſeyn? Man uͤberlege ferner, daß unter den Ge - lehrten noch heftig geſtritten wird, ob auch die He - braͤiſchen Buchſtaben die allererſten geweſen ſind. Ein jedes Volck bey nahe eignet ſich die Ehre der Erfin - dung der Buchſtaben zu. Kommt man hier nicht in ein Labyrinth daraus man ſich kaum zu wickeln weiß?
Wenn ich nun meine Gedancken davon eroͤffnen darf, ſo glaube ich gaͤntzlich, daß der erſte Erfinder der Buchſtaben nimmermehr ausgemacht werden kan, aus Mangel der hinlaͤnglichen Nachrichten. Jch halte ferner davor, daß die angegeben Erfinder alle erdich - tet ſind. Jnzwiſchen dringe ich dieſe Saͤtze Niemand auf, gleichwie ich mir die Freyheit nehme dasjenige gezunehmen, was mir am wahrſcheinlichſten ſcheinet. Eini -157der Buchſtaben.Einige davon ſind zu alt, einige zu neu. Jch halte es vielmehr mit der Mittelſtraſſe, ob ich gleich weiß, daß der beruͤhmte Hr. Reimmann erinnert, daß wer „ den Adam vor den erſten beredten Menſchen haͤlt, „ und dennoch nach den erſten Erfinder der Buchſta - „ ben fraget, der thue eben ſo einfaͤltig, als derjenige, „ der auf dem Pferde ſitzet, und daſſelbe ſuche. „ Ein wunderlicher Schluß! Wer reden kan, der muß auch ſchreiben koͤnnen. Die Erfahrung widerſpricht ja taͤglich. Viel tauſend Menſchen koͤnnen reden, aber deswegen koͤnnen ſie nicht auch Buchſtaben ſchreiben, oder leſen. Alſo erkenne ich Adam nicht vor den er - ſten Erfinder, man beweiſe mir denn ſolches triftiger. Wenn aber einige meynen Moſis ſey der erſte Schrei - ber geweſen; So thun ſie wiederum einen allzu groſ - ſen Sprung. Es iſt wohl wahr, daß nach Anleitung der Heiligen Schrift Moſes, als einer von den erſten Schreibern kan angeſehen werden, von denen wir ge - wiß wiſſen, daß ſie mit Buchſtaben geſchrieben ha - ben. Alleine, daraus folgt noch nicht, daß keine Men - ſchen vorhero noch geſchrieben haͤtten. Man bedencke nur die ſo weit von einander entfernten Voͤlcker; Man uͤberlege, wie ſie Handel und Wandel getrieben ha - ben. Solten dieſe nicht durch geſchriebene Briefe ein - ander belehret haben? Solte man nicht eher, als zu Moſis Zeiten, dem ſchwachen Gedaͤchtnis der Men - ſchen, durch Schriften, zu Huͤlfe gekommen ſeyn? Dieſe Umſtaͤnde zwingen mich zu glauben, daß man eher Buchſtaben geſchrieben habe, ob ich gleich den erſten Erfinder nicht beſtimmen kan. Jch bekuͤmmere mich auch hier nicht um die erſten Erfinder der Ara - biſchen, Syriſchen, Grichiſchen, Lateiniſchen und Teut - ſchen Buchſtaben. Jch wuͤrde viel zu weitlaͤuftig ſeynmuͤſ -158Cap. 2. Von Erfindungmuͤſſen, worzu ich doch hier keinen Platz habe. Viel - leicht handle ich an einem andern Ort ausfuͤhrlich von allen und jeden Erfindern der Buchſtaben nach der Reihe. Jch ſchreite vielmehr zum
Und bringe noch einige Alphabete bey, die ich im erſten Theil uͤbergangen habe. Meine Leſer werden wiſſen, daß ich daſelbſt das Grichiſche, Hebraͤiſche, Samaritaniſche, Syriſche, Arabiſche, Jberiſche, Ae - thiopiſche, Coptiſche, Armeniſche, Sineſiſche, Da - muliſche, Cyrilliſche, Jllyriſche, Glagolitiſche, Rußi - ſche, Hunniſch-Scythiſche, Runiſche, Wendiſche, Ungariſche, Spaniſche, Engliſche, Jtaliaͤniſche Fran - tzoͤſiſche, Siebenbuͤrgiſche, Daͤniſche, Schwediſche und Pohlniſche Alphabet geliefert habe. Es iſt eine ſchoͤne Anzahl, es ſind aber doch noch lange nicht alle Alphabete. Jch will alſo hier noch einen Zuſatz bey - fuͤgen Unterdeſſen unterſtehe ich mich noch nicht zu be - haupten, daß ich alle Alphabete, die jemals erfunden worden und gebraͤuchlich geweſen ſind, aufgetrieben haͤtte. Wenn ich nur ſagen darf, ich habe nunmehro die meiſten geliefert, wenn ich folgende noch angefuͤh - ret habe.
Dieſe ſtehen alle mit einander auf unſerer Tab. XXII. Man darf ſich nicht einbilden, daß dieſes nurerdich -
159der Buchſtaben.erdichtete Buchſtaben ſind. Weil man heut zu Tage mit dergleichen Buchſtaben nichts gedrucktes ſiehet. O nein! Jch habe ſelbige aus Johann Theodori und Johann Jſrael von Bry, Gebruͤdere, Buͤrger zu Franckfurt, Alphabeten und aller Art Characteren, ſo jemals von Anbeginn der Welt, bey allen Natio - nen, in allerley Sprachen in Brauch geweſen, Franck - furt 1596 4to. entlehnet, und deswegen allhier ab - ſtechen laſſen, weil man dann und wann in groſſen Bibliothecken alte Handſchriften findet, da bey nahe Niemand zu ſagen weiß, ob ſie Hebraͤiſch, Grichiſch, oder in einer andern Sprache geſchrieben ſind. Ja man ſieht ſie wohl gar vor Hexenmeiſters Zeichen an. Wenn man aber alle Arten der Buchſtaben, die je - mals gebraͤuchlich geweſen, beyſammen haͤtte, ſo wuͤrde man ſich alsdenn gar leichtlich aus dem Traum helfen koͤnnen. Hierzu wird alſo ſo wohl dieſe, als folgende Tabellen, vermuthlich nicht ohne Nutzen ſeyn, indem ich nicht die bloſſen Figuren hergeſetzet, ſondern auch zu gleich den Namen einer jeden Figur und derſelben Bedeutung angezeiget habe. Um die Erfinder derſel - ben laſſe ich mich hier nicht ein, weil ich doch insge - mein nach vieler angewendeten Muͤhe nichts anders heraus bringe, als dieſe troͤſtliche Verſicherung: Es iſt unbekannt, wer der erſte Erfinder davon ge - weſen. Denckt jemand, daß ich allhier zu viel geſagt, der ſey nur ſo guͤtig und verwende auf dieſe Unterſu - chung ſo viel Zeit, als ich damit verderbet habe, ſo wird er mir alsdann gar gerne Glauben beymeſſen. Nunmehro ſetze ich alſo folgende Alphabete dieſen an die Seite, welche auf unſerer Tab. XXIII. zu ſehen. Es ſtehen aber daſelbſt:
I. Alpha -160Einige Alphabete.Dieſe Alphabete alle mit einander ſind wiederum aus der vorhero angefuͤhrten Herrn von Bry Alpha - beten genommen. Jch wolte wuͤnſchen, daß man eine genaue Beſchreibung beygefuͤget haͤtte, wenn und von wem dieſe Buchſtaben erfunden worden waͤren, wenn man auch nur die Vermuthungen angefuͤhret haͤtte, denn weiter bringet man es ohne hin nicht. Was aber das letztere, nemlich das Alphabetum Hiero - glyphicum anlanget, ſo ſiehet ein jeder aus deſſen Fi - guren, daß es kein altes Hieroglyphiſches, ſondern ein neu nachgemachtes ſey. Die alten Hieroglyphica waren gantz anders beſchaffen. Ein ſcharfſinniger Kopf hat vermuthlich dadurch eine Probe von ſeiner lebhaften Einbildungskraft geben wollen.
Jch muß noch ein Alphabet hier mittheilen, welches der Beſitzer des vorher benamten Buches ſehr ſauber dazu geſchrieben hatte, wo er es aber hergenommen hat, kan ich nicht errathen, weil er gar nichts dazu geſetzet hat. Jm erſten Theil meiner Buchdrucker - kunſt p. 52. habe ich eine kurtze Nachricht von der Sineſiſchen Sprache gegeben. Da ich aber hier ein viel vollſtaͤndigeres Alphabetum Chinenſe auf meiner Tab. XXIV. liefern kan, ſo wird ſelbiges meinen Leſern nicht zu wider ſeyn. Wie man daraus ſehen wird, ſo bedeuten die Figuren meiſtentheils gantze Syllben, einige wenige aber nur eintzelne Buch - ſtaben und Zahlen.
VonVon dieſen Alphabeten ſchreite ich noch zu einigen andern. Es ſtehen ſelbige auf Tab. XXV. und ſind folgende.
Dieſe Alphabete haben uns die Herren Bry nur zum Theil mitgetheilet, indem ich auch etwas aus den Actis Eruditorum entlehnet habe. Das Go - thiſche Alphabet, ſo dem Ulphilas beygeleget wird, als wenn er ſelbiges erfunden, ſtehet auch in Verelii Runo - graphia Scandica, aus welcher es M. Georg Heupel in ſeine Diſſ. de Vlphila ſeu Verſione IV. Euangeli - ſtarum Gothica, Wittenb. 1693. ſtechen laſſen, und aus dieſer haben es die Herren Verfaſſer der Beytraͤge zur critiſchen Hiſtorie der teutſchen Sprache ꝛc. im dritten Stuͤck p. 445. vor Augen geleget. Jch be - mercke einige Abweichungen zwiſchen meinem und ih - rem Alphabet. Weil aber die Herren von Bry nicht gemeldet, wo ſie es herhaben: So unterſtehe ich mich nicht zu entſcheiden, wer Recht hat. Ob nun gleich dieſes Gothiſche Alphabet insgemein dem Ulphi - las zu geſchrieben wird: So gefaͤllt mir dennoch die Muthmaſſung des Bonaventura Vulcanus, welche ich in eben dieſen Beytraͤgen in XII. Stuͤck p. 673. ge - leſen viel beſſer Es glaubt nemlich Bonaventura Vul -
„ canus, weil die Gothen ſchon vor Erbauung derL„ Stadt162Cap. 2. Von Erfindung„ Stadt Rom ihre Kriegshelden beſungen haͤtten, ſo „ wuͤrden ſie auch damals bereits den Gebrauch der „ Buchſtaben gehabt, und dieſe Lieder aufgeſchrieben „ haben. Der Kirchenſcribente Socrates, und ei - „ nige andere: gaͤben zwar den Biſchof Ulphilas vor „ den erſten Erfinder an; Alleine dieſes waͤre nicht an „ dem, ſondern durch den Ulphilas waͤren die Go - „ thiſchen Buchſtaben nur erſt den Roͤmern bekannt „ worden, nachdem er eine Uberſetzung der Bibel in dieſer Sprache verfertiget haͤtte. ‟
Und dieſe Muth - maſſung hat auch, ſo viel ich einſehen kan, ihren gu - ten Grund. Waͤren dieſe Buchſtaben nicht ſchon vorhero bekannt geweſen, ſo wuͤrde ſich Ulphilas wohl nimmermehr gewagt haben; ſo gleich eine Bibel mit ſeinen erfundenen Buchſtaben zu ſchreiben.
Nachdem ich nun einige alte Alphabete meinen Le - ſern vor Augen geleget: So will ich auch einige Latei - niſche Alphabete der mittleren Zeiten beyfuͤgen, weil ſelbige nicht nur Buchdruckern, ſondern auch den Ge - lehrten ſehr nuͤtzlich ſind, wenn ſie Diplomata, und andere alte Handſchriften leſen wollen. Man muß ſich wundern, wie die Buchſtaben veraͤndert worden. Damit ich redlich handle, ſo will ich gleich ſagen, wo ich meine Weißheit her habe. Jch habe nemlich ſel - bige dem gelehrten Herrn Baring zu dancken, aus deſſen Claue Diplomatica ich auf meiner Tab. XXVI. folgende Alphabete abſtechen laſſen:
Sicut non dubito me - m i niſſe non nunquam.
Auf dieſe Art ſind die Diplomata geſchrieben, welche um die beſtimmte Zeit verfertiget worden ſind. Wer ein ſolches Diploma zum erſtenmal in die Haͤnde be - kommt, und ein ſolches Alphabet niemals geſehen hat, der wird zwar die Begierde haben auch etwas davon zu leſen; Er wird aber hier und da ſo viel Haft - ſteine finden, daß er es ungeleſen laſſen muß. Eben ſo unleſerlich ſehen die groſſen lateiniſchen Buchſtaben aus. Eine Probe davon giebt unſere Tab. XXVIIL 2Da164Cap. 2. Von ErfindungDaſelbſt trift man verſchiedene Figuren vom Jahr 1108. 1115. 1140. 1200. 1264. 1300. 1340. 1349. an. Viel juͤnger wird man nicht leichtlich einen alſo gezo - gen finden, alſo gehoͤren ſie alle zu den mittleren Zeiten.
Auf unſerer Tab XXVIII. trift man abermals Pro - ben von der deutlichen Schreibart der mitleren Zei - ten an. Es ſtehen aber darauf:
Zum Beſchluß muß ich meine Anfangsleiſte noch erklaͤren, was ich damit haben will. Es ſtellet ſel - bige ebenfalls die Art zu ſchreiben vor, wie man in den mittlern Zeiten gewohnr war. Vielleicht hat mancher ſtudirt, was doch ſelbige vorſtellen ſoll. Man beliebe alſo folgende Worte zu leſen: In nomine Sancte & indiuidue Trinitatis, und ſehe die Leiſte an, ob ſie nicht darauf ſtehen. Kan er ſelbige leſen, ſowird
165der Buchſtaben.wird er ſo gleich bey ſich fragen: Wo iſt aber das C. geblieben, ſo im Anfang ſtehet? Und er hat Recht, wenn er alſo dencket. Auch dieſes will ich ihm ſagen. Meine gantze Leiſte iſt ein Anfang von einem Diplo - mate. Jnsgemein trift man am Anfang eines Diplo - matis dieſes C. an Einige meynen es bedeutet ſelbiges ſo viel als Chriſtum, oder Chriſmon, weil die alten ihre Sachen gerne in Namen Chriſti angefangen haͤtten. Al - leine dieſe Auslegung will mir deswegen nicht gefallen, weil gleich die Worte drauf folgen: im Namen der Heiligen Dreyfaltigkeit. Hierunter iſt ja Chriſtus ſchon mit begriffen. Jch halte es vielmehr mit denjenigen, welche dieſes C. durch Caput erklaͤren, wodurch man nemlich zu verſtehen geben wollen, daß ſich hier das Diploma, oder ein anderer Brief anfange.
Nachdem ich alſo in dem erſten und dieſem Theil meiner Buchdruckerkunſt bey nahe die meiſten Alpha - bete vor Augen geleget habe, ſo duͤrfte wohl man - cher dencken, eintzelne Buchſtaben zu ſehen, und zu leſen iſt eine ſchlechte Kunſt. Wie aber, wenn gantze Woͤrter und Zeilen beyſammen ſehen, da wird es viel ſchwerer ſeyn? Auch dieſem Zweifel habe ich zu he - ben mich bemuͤhet. Jch habe zu dem Ende das Va - ter Unſer bey nahe in hundert Sprachen zuſammen drucken laſſen, und allezeit hinzugefuͤget, wie es ge - leſen werden muß Kenne ich alſo die Buchſtaben, und nehme die darunter geſetzte Lesart darzu, ſo kan ein jeder aufgeweckter Kopf dieſe Sprachen alle mit einander ohne Lehrmeiſter leſen lernen.
Man ſtoſſe ſich nicht an das Wort AbkuͤrtzungL 3wei166Von den Abkuͤrtzungenweil man ſich an das Wort Abbreviatur gewoͤhnt hat. Jch habe mich deſſelben mit Fleiß nicht bedienen wollen, weil ſich auch ſo gar die rechten Lateiner deſſel - ben ſchaͤmen, warum haͤtte ich alſo dieſes vertriebene Wort hier annehmen ſollen? Man verlange ferner nicht von mir, daß ich hier eine lange Beſchreibung einruͤcken ſoll, was Abkuͤrtzung, oder abgekuͤrtzte Woͤrter heiſſen? Ein jeder kleiner Schuͤler und An - ſaͤnger der Buchdruckerkunſt, weiß was abbrevirte Woͤrter ſind. Und eben das ſind auch abgekuͤrtzte Woͤrter. Jch mag uͤber dieſes allhier kein Verzeich - niß dererjenigen Schriftſteller einruͤcken, welche die abgekuͤrtzten Woͤrter erklaͤrt haben. Denn dieſes dient zu meinem Endzweck nicht, da ich die abgekuͤrtz - ten Woͤrter den Anfaͤngern der Buchdruckerkunſt er - klaͤren will. Wie noͤthig dieſes ſey, iſt ſonnenklahr. Viele Druckfehler wuͤrden vermieden, und viele Zeit erſpahrt werden, wenn alle Handſchriften, die ein Setzer in die Haͤnde bekommt, ordentlich ausgeſchrie - ben waͤren. Auch die alten gedruckten Buͤcher ſind haͤufig damit angefuͤllt. Wie ſauer hernach eine Correctur zu machen ſey, wenn der Setzer die abge - kuͤrtzten Woͤrter nicht leſen kan, weiß ich aus eigner Erfahrung. Wenn alſo ein Anfaͤnger der Buchdru - ckerkunſt, oder auch ein Anfaͤnger der Gelehrſamkeit alte Handſchriften leſen will, ſo muß er unumgaͤng - die Abkuͤrtzungen verſtehen, ſonſt wird er nimmermehr fort kommen. Dieſem zum Unterricht ſind folgende Blaͤtter gewiedmet.
Anfaͤnglich war ich willens auch von den Hebraͤi - ſchen abgekuͤrtzten Woͤrtern eine Erklaͤrung allhier einzuruͤcken. Jch hatte zu dem Ende Johann Bux - torfs ſchoͤnen Tractat de Abreuiaturis Hebraicisgantz167der Woͤrter. gantz ins Teutſche uͤberſetzt, und mit denjenigen ab - gekuͤrtzten Hebraͤiſchen Woͤrtern vermehrt, ſo der Herr Wolf in ſeiner Bibli theca Hebræa erklaͤrt, oder die ich ſonſt angemerckt hatte. Alleine, ich aͤnderte meinen Vorſatz, weil mir dieſe Uberſetzung allhier zu viel Raum wegzunehmen, und vor Anfaͤnger der Buch - druckerkunſt nicht gar zu viel zu nutzen ſchiene. Sie kommen auch in Handſchriften, die ein Setzer ausſe - tzen muß, wenig oder gar nicht vor, und wenn ſie vorkommen, ſo werden ſie auch geſetzt, wie ſie da ſte - hen. Vielleicht laſſe ich ſelbige beſonders drucken, damit ich meine Zeit nicht gaͤntzlich umſonſt darauf ver - wendet habe. Jch will doch eine Seite zur Probe herſetzen,
〈…〉〈…〉bedeutet 1.) das Wort〈…〉〈…〉 oder〈…〉〈…〉:, GOtt, der HErr, 2.) 〈…〉〈…〉oder〈…〉〈…〉, einer, eins, 3) 〈…〉〈…〉, er hat geſagt, 4.) 〈…〉〈…〉tauſend. 5.) 〈…〉〈…〉, die Luft, 6.) 〈…〉〈…〉ein Menſch.
〈…〉〈…〉bedeutet 1.) das Wort〈…〉〈…〉, ich ſage, 2.) 〈…〉〈…〉mein Herr Vater 3.) 〈…〉〈…〉Elias ſpricht, 4.) 〈…〉〈…〉es ſagt einer 5.) 〈…〉〈…〉eine Art, 6.) 〈…〉〈…〉es iſt nicht moͤglich 7.) 〈…〉〈…〉wenn du w〈…〉〈…〉 ſt 8.) 〈…〉〈…〉Amen, Amen, 9.) 〈…〉〈…〉eine Ehefrau 10.) 〈…〉〈…〉wenn du ſprichſt 11.) 〈…〉〈…〉unſer Vater Abraham.
〈…〉〈…〉wenn du aber ſagſt.
〈…〉〈…〉wenn du ſo ſprichſt, ſo iſts gut.
〈…〉〈…〉wenn es alſo iſt.
〈…〉〈…〉Amen, Amen, Sela.
〈…〉〈…〉Abraham ein Sohn Gſra.
Wie noͤthig die Erkaͤnntnis dieſer Abkuͤrtzungen ſey, beweißt der Augenſchein der alten gedruckten Buͤcher. Sollen dieſe wieder gedruckt werden; So muß man bey nahe alle Abkuͤrtzungen vorhero aus - ſchreiben, oder man bekommt in der Correctur ſo viel zu aͤndern, daß der Platz darzu fehlet. Die Gelehrten, oder diejenigen, ſo ſich gelehrt heiſſen wol - len, begehen oͤſters grobe Schnitzer, wenn ſie aus einem alten Grichiſchen Buch etwas heraus ſchreiben, und die Abkuͤrtzungen nicht verſtehen. Heut zu Tag findet man ſelbige bey nahe gar nicht mehr in Dru - ckereyen. Es iſt auch eben ſo gut. Unterdeſſen habe ich dieſe Abkuͤrtzungen, ſo viel ich derſelben aufſuchen koͤnnen, auf meiner Tab. XXIX. in alphabetiſcher Ordnung abſtechen laſſen.
Hier darf man keine Erklaͤrung eintzelner Buchſta - ben ſuchen, wie man in Jnnſchriften findet, z. E. S. P. Q. R. Senatus populusque Romanus, ſondern abgekuͤrtzte Woͤrter. Heut zu Tage ſchaͤmt man ſich derſelbigen. Ehedeſſen hingegen wurden alle Buͤ - cher damit angefuͤllt. Die alten Handſchriften ſind eben deswegen ungemein ſchwer zu leſen. Auch der Schluß eines Buches wurde mit einem ſolchen Zie - rath ausgeſchmuͤcket. Z. E.
Welche alſo geleſen werden muͤſſen: Explicit prae - loquium, incipit primum liber Regum. Alle dieſeab -
169Von den Lateiniſchen Abkuͤrtzungenabgekuͤrtzten Lateiniſchen Woͤrter, theile ich hier in zwey Claſſen. Eine kan mit der Preſſe noch gezwun - gen werden; Die andere aber nicht Jch will von beyden eine Probe geben. Diejenigen, ſo mit der Preſſe noch gezwungen werden koͤnnen, ſind in Al - phabetiſcher Ordnung folgende:
| Figur. | Bedeutung. |
| abſ[ʤ] | absque |
| ach | achatius |
| accns | accidens |
| accte | accidente |
| acetali3 | accidentaliter |
| acctibꝯ | accidentibus |
| ac° | actio |
| āones | actiones |
| aōibꝯ | actionibus |
| ac’t’ | acriter |
| ādiut’cē | adjutricem |
| āmoēs | admonens |
| āmonuer̃ | admonuerunt |
| Adũſū | adverſum |
| ęqꝯ | æquus |
| ę | ae |
| ęq’l | æqualis |
| ęqssīs | æquiſſimis |
| ęt’nꝯ | æternus |
| ęt̃na | æterna |
| ęt’nū | æternum |
| affcm̃ | affectum |
| ałbi | alberti |
| Figur. | Bedeutung. |
| ałs | alias |
| alit’ | aliter oder alr̃ |
| ãd | aliquid |
| a°d | aliquod |
| ałła | alleluja |
| an̄lo | Angelo |
| āgl’is | Angelis |
| aī | animi |
| aīo | animo |
| aīꝯ | animus |
| aīū | animum |
| aīos | animos |
| aīal | animal |
| āni anni, anī ℞ | animarum |
| ānís | annis |
| an̄, añ, ante, an̄fati, | ante - fati |
| a’ndcę | antedictæ |
| an̄quā | antequam |
| app̄aer̄ | apparenter |
| ap̄līca | Apoſtolica |
| ap̄l’s | Apoſtolus |
| appłłone | appellatione |
| ap̃p̃hēdite | apprehendite |
| Figur | Bedeutet |
| ap̄ | apud |
| aqā ℞ | aquarum |
| arꝯepc, arēpc, archiep̄o, archiepiſcopus | |
| arḡta | argumenta |
| arḡtū | argumentum |
| ar̄les | ariſtoteles |
| ar̄licis | ariſtorelicis |
| atm̄ | attamen |
| at[ʤ] | atque |
| ato | atrio |
| aūc̀te | auctoritate |
| au’te | averte |
| augꝯ | Auguſtu |
| At̄, aū, aut̃, | autem |
| btē, bĩ btī, beatæ, | beati |
| bt̃s, | beatus |
| bn̄ | bene |
| bn̄d’ | benedicite |
| ben̄ | benedictionem |
| bn̄fitiū | beneficium |
| b’ | ber finale |
| bõꝯ, bō | bonus bonum |
| bc̃ | burc |
| bꝯ, b3 | bus finale |
| cl | Calendæ |
| capłi | capituli |
| capõ | capitulo |
| cm̃i | cariſfimi |
| Figur | Bedeutet |
| cã, cãm, cauſa, | cauſam |
| cã ℞ | cauſarum |
| cełłr | cellarius |
| c’tior | certior |
| c’tũm | certum |
| ccci3 | ceteris |
| Xtꝯ, | Chriſtus, |
| Xt, Xto, Chriſti, Chriſto | |
| Chr̄ianæ | Chriſtianæ |
| Xr̄iaīſſimi | Chriſtianiſſimi |
| ‛ ca | circa |
| c ‛ cłm | circulum |
| c’oûq3 | circum quaque |
| cītats | civitatis |
| clīcus | clericus |
| colit̃ | colitur |
| coḡtio | cognitio |
| cog°uimꝯ | cognovimus |
| com’ | comes |
| comtāt | committant |
| ꝯīa | communia |
| cōi | communi |
| ꝯīr | communiter |
| cōuīcare | communicare |
| cōio | communio |
| ꝯp̄oo | compoſitio |
| ꝯpōn̄is | compoſitionis |
| ꝯpoīt | componit |
| ꝯ | con |
| ꝯcīū | concilium |
| cōcluōe | concluſione |
| Figur | Bedeutet |
| cōfre | conferre |
| ꝯf’mamꝯ | confirmamus |
| cōnfor̃r̃e | conformare |
| ꝯs’uādū | conſervandum |
| ꝯfortāo | confortatio |
| ꝯferat̃ | conferatur |
| ſn̄, ꝯſcio | ſine concilio |
| ꝯsīłimō | conſimili modo |
| ꝯsīłibꝯ | conſimilibus |
| ꝯſpeū | conſpectu |
| ꝯtēden̄ | contendentes |
| ꝯt̃ | con̄tra |
| cōt’dictiõe | contradicti - one |
| ꝯtrĩo | contrario |
| ꝯtſłādo | contriſtando |
| ꝯtulīꝯ | contulimus |
| ꝯu’tāt̃ | convertantur |
| ꝯuſatꝯ | converſatus |
| cor̄ | coram |
| cp̄ra | corpora |
| crer̄a | creatura |
| creão | creatio |
| ꝯdā | eujusdam |
| c̄, cū, | cum |
| c̄ꝯ[ʤ]́ | cujusque |
| d’ đ | de |
| d3 | debet |
| d’bmꝯ | debemus |
| Figur | Bedeutet |
| decet̄o | de cetero |
| X° | decimo |
| dcur̄at | decurrat |
| deft̄m | defectum |
| d’f̕r̕et̃ | deferretur |
| d’in̄ | deinde |
| d’ſc’bē | deſcribere |
| d’ſtc̄tā | deſtructam |
| d’us, d8 | Deus |
| d’ftꝯ | defectus |
| d’fīo | definitio |
| d’fīt̃ | definitur |
| d’t’iꝯ | deterius |
| dic̄ | dicit |
| dr̃ | dicitur |
| dcā | dicta |
| dc̃m | dictum |
| d. l. | dicto loco |
| dc̄mꝯ | dicimus |
| dñr | dicuntur |
| dr̃a | differentia |
| diłti | dilecti |
| d’ſtrah̃ | diſtrahitur |
| din̄ctꝯ | diſtinctus |
| d’ſtribūo | diſtributio |
| dingre | diſtinguere |
| dīa | divina |
| dīo | divino |
| dn̄itas | divinitas |
| dūꝯ, | dinus, divinus |
| doctr̄a | doctrina |
| dn̄ꝯ, dōiꝯ, | dominus |
| Figur | Bedeutet |
| dn̄o, | domino |
| 2plx, | duplex |
| 12m° | duodecimo |
| ec̄c̄la | eccleſia |
| ec̄c̄licꝯ | eccleſiaſticus |
| elmta | elementa |
| eo ℞ | eorum |
| eꝯu’ſo | econverſo |
| é, enî, eĩ3 | enim |
| epſ, ep̃c, | epiſcopus |
| epla | epiſtola |
| eḡ | ergo |
| errāo | erratio |
| errāa | errantia |
| eripīnt̃ | eripiuntur |
| eīt | erit |
| ẽẽ | eſſe |
| ẽẽmꝯ | eſſemus |
| ēent | eſſent |
| &c | & cetera |
| euā° | evangelio |
| ex̃ns | exiſtens, exiens |
| exn̄tib3 | exiſtentibus |
| exp̄la | exempla |
| ext̃ | extra |
| facẽ | facere |
| fc̄ā, ftam̄ | facta factam |
| ftꝯ factus, fcõ, | facto |
| fam̄ls | famulus |
| fc̄ltas | facultas |
| Figur | Bedeutet |
| fec̄ | fecit |
| fer̃eis | ferreis |
| fid’litē | fidelitatem |
| fiālit’ | finaliter |
| fīs | finis |
| feīę | fœminæ |
| fr̃a | forma |
| fr̃ali3 | formaliter |
| fr̄ant | formant |
| fr̃at̃ | formatur |
| fr̃ | frater |
| frẽs | fratres |
| frĩbꝯ, frīb3 | fratribus |
| freq̃t’ | frequenter |
| fre[ꝗ]qntiꝯ | frequentius |
| frtm | fructum |
| futõ | futuro |
| fūdātum | fundamentum |
| gau° | gaudio |
| gncale | generale |
| genēacōe | generatione |
| głā3 | gloriam |
| głioſe | glorioſe |
| głosūm | glorioſum |
| glō[˸]smi | glorioſiſſimi |
| grā | gratia |
| ḡnet̃ | generetur |
| ḡnrare | generare |
| ḡralit’ | generaliter |
| ḡre | genere |
| grãm | gratiam |
| Figur | Bedeutet |
| hn̄s, hn̄t, | habens habent |
| hn̄tib3 | habentibus |
| hr̃e | habere |
| ht̄, h3, | habet |
| hītę, | habitæ |
| hītbit | habitabit |
| hītaciõe | habitatione |
| hītũ | habitum |
| hītõs | habituros |
| huīt | habuit |
| hītꝯ | habitus |
| hītālis | habitualis |
| hītālit’ | habitũaliter |
| hāc | hanc |
| h’mānꝯ | Hermannus |
| hīrl’tana | Hieroſolimitana |
| h. e. | hoc eſt |
| h. m. | hoc modo |
| h. t. | hoc tempore |
| hō | homo |
| hẽs | homines |
| hoīnū | hominum |
| hōis | hominis |
| hōin̄bꝯ | hominibus |
| hor̃ | horum |
| hiꝯ uiꝯmō | hujusmodi |
| hn̄a | humana |
| yeīs | hyemis |
| iādc̄m | jamdictum |
| Figur | Bedeutet |
| ĩ | ibi |
| iqꝫ | ibique |
| id’ | idd3 idem |
| iō | ideo |
| i. e. | id eſt |
| Ih’s | Jeſus |
| Ih’u | Jeſũ |
| iḡ, igit̃, | igitur |
| illd’ | illud |
| imp̄r, Ip̃r, | Imperator |
| ĩcr̃nacōnē | incarnationem |
| īcētiua | incentiva |
| īcl’pātes | inculpantes |
| in̄ | inde |
| īfirmꝯ | infirmus |
| info[r]r̃e | informare |
| inf. ſcpt̄ | infra ſcriptum |
| iḡn̄tę | ingenitæ |
| iīq̀t̃s | iniquitas |
| inqêtare | inquietare |
| īſiḡa | inſignia |
| inſiml’ | inſimul |
| inſtrm̄ | inſtrumentum |
| intłłcm̃ | intellectum |
| īłłḡdum | intelligendum |
| īłłḡo | intelligo |
| īt’, int̄, | inter |
| int’dcd̃ | interdicto |
| īt’ēē | intereſſe |
| ītptat̃ | interpretatur |
| int̃ | intra |
| īteũtes | introeuntes |
| Figur | Bedeutet |
| īvēit̃ | invenitur |
| īuētꝯ | inventus |
| Johī | Johanni |
| ip̄e | ipſe |
| ip̄m | ipſam |
| it’ | iter |
| iãuert | juraverunt |
| iuſtī3 | juſtitiam |
| iōnis | itionis |
| jux̃ | juxta |
| labāt̃ | labantur |
| latr̊n | latroni |
| let̃bít̃ | lædabitur |
| lcōi | lectioni |
| legīꝯ | legimus |
| libẽ | libere |
| lic3 | licet |
| līḡā | linguam |
| lr̄ę | literæ |
| lrā | literam |
| loq́t̃ | loquitur |
| loq̀m̃ | loquimur |
| mḡr maḡr | Magiſter |
| maḡ° | magno |
| m̃lo | malo |
| mat’a, | materia |
| mxē, | maxime |
| mxꝯ, | maximus |
| mrīs, marīs | martyris |
| Figur | Bedeutet |
| mr̄em | martyrem |
| mt̃ ōat’r | matrimonialiter |
| mātr̃s | matris |
| maxĩ | maximum |
| mb̃ | membra |
| mēor | memor |
| m̄s | mens |
| mēſ’ | menſes |
| m̄te | mente |
| m’eam̃ | mereamur |
| mīa | miſericordia |
| mõ | modo |
| ml’tis | multis |
| ml’tid° | multitudo |
| młtine | multitudine |
| nārli | naturali |
| nat̃a | natura |
| n3, nc nec ñ nō | nec non |
| nec̄c̄a | neceſſatia |
| nc̄c̄a | neceſſaria |
| nc̄ | neceſſitate |
| n̄q | neque |
| neḡlīa | negligentia |
| np̄ | nempe |
| ǹ, n’ | niſi |
| nob̃ | nobis |
| nobc̄ū | nobiscum |
| nōīa | nomina |
| n̄ | non |
| Figur | Bedeutet |
| nonaḡ° | nonageſimo |
| n̄d’ | nondum |
| ñr, ñra, | noſter, noſtra |
| n̄〈…〉〈…〉 a ℞ | noſtrarum |
| nö | nota |
| nor̊ius | notarius |
| nō | nunc |
| nū ℊ | nunquam |
| nota | bene |
| objm̄ | objectum |
| objivꝯ | objectivus |
| oc̄c̄onē | occaſionem |
| 8vo | Octavo |
| oōcli | oculi |
| ĩ ocl’ | in oculis |
| offījs | officiis |
| omē3 | omnem |
| ōs, om̄s | omnes |
| oīa | omnia |
| omībꝯ | omnibus |
| oīo om̄o | omnino |
| Ꝓ ī | pro omni |
| omp̄s | omnipotens |
| on’e | onere |
| oᵱat̃ | operatur |
| oᵱp̄ſſioib3 | oppreſſioni bus |
| ōro | oratio |
| ōronē | orationem |
| orōnibꝯ | orationibus |
| ordīs | ordinis |
| Figur | Bedeutet |
| on̄de’s | oſtendens |
| ōndēdas | oſtendendas |
| ōnderēt | oſtenderent |
| ō | non |
| ᵱᵱa | Papa |
| ppā | Papam |
| p̄p̄li | papali |
| p. m. | pagina mihi |
| ᵱs | pars |
| prt’ | pariter |
| ᵱticlam | particulam |
| p̄r, pat’ | pater |
| pat’et̃ | pateretur |
| pat’ent̃ | paterentur |
| pr̃na, p3 | paterna patet |
| pīs | patri |
| pis, pr̄is | patris |
| prōni | patroni |
| puĩs | patruis |
| ᵱua | parva |
| pcaminū | peccaminum |
| pc̄c̄ | peccatum |
| pc̄c̄c ℞ | peccatorum |
| pęcc̄ā | pecuniam |
| pñtīa | penultima |
| p̃ᵱ | per |
| p̃eg’nꝯ | peregrinus |
| p̃ic̄lo | periculo |
| p̃a ℞ | perſonarum |
| petōne | petitione |
| Figur | Bedeutet |
| pleīt’ | pleniter |
| phc̄a | phyſica |
| ppl’m | populum |
| in pl’o | in populo |
| põta | porta |
| pꝯle | poſſibile |
| pꝯ, p̊t | poſt |
| pꝯtfcõ | poſtfactio |
| pꝯea, pꝯteiꝯ | poſtea po - ſterius |
| pꝯtmodũ | poſtmodum |
| ptꝯ pōītis | poſtpoſitis |
| pꝯt’mo | poſtremo |
| potẽe | potentiæ |
| ptāte | poteſtas |
| ptās | poteſtate |
| pt̃atib3 | poteſtatibus |
| p̄ p̃ | præ |
| p̄b3 | præbet |
| p̄cept | præcepit |
| p̄dtō | prædicto |
| pdicto ℞ | prædictorum |
| p̄dc̃s | prædictus |
| p̄ēe | præeſſe |
| p̄ns | præſens |
| p̃n̄te | præſente |
| p̃n̄tia | præſentia |
| p̃ſentibꝯ | præſentibus |
| p̃s’tim | præſertim |
| p̃t’ | præter |
| pto | præterito |
| Figur | Bedeutet |
| p̄b’r | presbiter |
| p̄bro | presbitero |
| p̄bm | presbiterum |
| pĩſſimo | pretioſiſſimo |
| p̊, p̃, | primo, primum |
| p̀mꝯ | primus |
| p̀ncib3 | principibus |
| p̄ꝯ | prius |
| p’uabit | privabit |
| p̀uatꝯ | privatus |
| ꝓ pro ꝓp̃ | propter |
| ꝓfc̄ibꝯ | profectibus |
| ꝓfuturū | profuturum |
| ꝓph’am | prophetam |
| ꝓ°pa | propria |
| ꝓpetatē | proprietatem |
| ꝓp̀s | propriis |
| ꝓpū | proprium |
| ꝓpēa | propterea |
| ꝓpōo | propoſitio |
| ꝓrſꝯ | prorſus |
| Ψmꝯ | pſalmus |
| ꝓſpe | proſpere |
| ꝓxīa | proxima |
| Ψo | Pſalmo |
| puce, pucū, | publice publi - cum |
| q̊ qua, q3 | que final |
| q̀lib; | qualibet |
| qꝫ, ꝗ̃, | quam |
| Figur | Bedeutet |
| qul’t’ | qualiter |
| quāplī | quamplurimum |
| quādā | quandam |
| qn̄ | quando |
| qn̄3, qn̄q; | quandoque |
| ℊ tū | quantum |
| 4to | quarto |
| qī, | qui, quaſi |
| qtēꝯ | quatenus |
| ᵱ̃m̄dm̄ | quemadmodum |
| ᵱ, q̄, | qui |
| qb3 | quibus |
| q̀cq̀d, quicquid, | ᵱppe, quippe |
| q̀d | quod |
| q̀dā | quidam |
| ᵱ̃n | quin |
| quōō | quomodo |
| q̊m̊, quom̃ | |
| qdū | quoddam |
| qq̊m̊ | quoquomodo |
| qm̄ qūo, | quoniam |
| q̊3 q̊q | quoque |
| q̊ ℞ | quorum |
| q̊s | quos |
| ℞ | Recipe, Reſponſio |
| rōe, r̄oẽ | ratione, ratio - nem |
| rō b3 | rationibus |
| recōdat̃ | recondatur |
| rede ‛ ptꝯ | redemptns |
| Figur | Bedeutet |
| r̊digi | redigi |
| rḡt, reḡuit | regnavit |
| reu’ſꝯ | reverſus |
| ℞ ndētes | reſpondentes |
| ℞ ndt | reſpondit |
| rn̄ſa | reſponſa |
| ℞ n̊ne | reſponſione |
| rn̄ſo | reſponſo |
| rn̄ſū | reſponſum |
| ℞ | rũm finale |
| ſabb’o | ſabbatho |
| ſac̃mēta | ſacramenta |
| ſac ℞ | ſacrum |
| S. S. | ſacro ſancta, ſacra ſcri - ptura |
| ſco’ ſancto, ſcī | ſancti |
| ſcīſīa | ſanctiſſima |
| ſco ℞ | ſanctorum |
| ſc̄s | ſanctus |
| ſcīa | ſcientia |
| ſcib3 ſc3 | ſcilicet |
| ſc̀pto ℞ | ſcriptorum |
| ſòpt̄ | ſcriptum |
| ſc̀pt̃a | ſcriptura |
| ſcl’i | ſeculi |
| ſcl’o | ſeculo |
| ſcl’m | ſeculum |
| 2da 2do, | ſecunda, ſecundo |
| ſcdm̄ | ſecundum |
| ſ3 ſ; | ſed |
| ſeipā3 | ſeipſam |
| Figur | Bedeutet |
| ſēꝑ | ſemper |
| ſēꝒit’nū | ſempiternum |
| ſn̄ia | ſententia |
| ſeq̀ti | ſequenti |
| s’p̄s | ſerpens |
| s’uāda | ſeruanda |
| s’uítia | ſervitia |
| s’uꝯ | ſeruus |
| ſc | ſic |
| ſic̄, | ſict, ſicũt |
| ſiḡcāo | ſignificatio |
| ſīplīt’ | ſimpliciter |
| ſ. ſeu, | ſue, ſive |
| sīlis | ſimiles |
| ſi’mil’r | ſimiliter |
| ſil’, ſml’ | ſimul |
| ſn | ſine |
| ſpālis | ſpecialis |
| ſpālirſpālr̃ | ſpecialiter |
| ſpū | ſpiritu |
| sp̄s | ſpiritus |
| ſpālib3 | ſpiritualibus |
| ſtćturā | ſtructuram |
| ſb’ | ſub |
| ſubt̃xẽ | ſubtraxere |
| ſt̃ | ſunt |
| ſuo ℞ | ſuorum |
| s’ | ſuper |
| sr̄bit | ſuperbit |
| ſup̃ | ſupra |
| Figur | Bedeutet |
| tã | tam |
| tm̄ | tamen |
| tn̄ | tandem |
| tāq̃ | tanquam |
| tꝒ̄a | tempora |
| tp̄ib3 | temporibus |
| tp̄is | temporis |
| tp̄ ℞ | temporum |
| tēdūt | tendunt |
| t’ga | terga |
| t’rā | terram |
| ł’łꝯ tertius, t’, | ter, fin. |
| t̄ t̃ | tibi |
| tim̄tes | timentes |
| totid3 | totidem |
| t̃dēs | tradens |
| tñ〈…〉〈…〉 ũedū | transvehendum |
| t’a | tria |
| t’ſtis | triſtis |
| tuml’tus, | tumultus |
| tc̄ | tunc |
| t̃, r, | tur finale |
| t̃bæ | turbæ |
| tꝯ | tus finale |
| ū, ù, | ubi |
| ubil3 | ubilibet |
| ùqꝫ | ubique |
| ul’ vl’ | vel |
| Figur | Bedeutet |
| veñlis | venerabilis |
| v’añ | venerandi |
| uēiſſ3 | veniſſet |
| u’b’ | verbis |
| ů v’o | vero |
| u’ſa verſa | v. g. verbi gratia |
| u’sꝯ | verſus |
| ūr | veſter |
| urī | veſtri |
| uid’l3 | videlicet |
| vīr | videtur |
| Figur | Bedeutet |
| vigīa | vigilia |
| v’giēs | virgines |
| v’tꝯ | vīrtus |
| u’tte | virtute |
| ū | um finale |
| vn̄ | unde |
| ꝯ | us finale |
| vſqꝫq̊ | uſquequo |
| ut’qꝫ | utrique |
| ut’uſqꝫ | utriusque |
| utm̄ | utrum |
| ux’ | uxor |
Diejenigen Lateiniſchen Abkuͤrtzungen aber, ſo mit der Preſſe nicht haben gezwungen werden koͤnnen, ſte - hen auf unſerer Tab. XXX. geſtochen.
Auch unſere Mutterſprache iſt mit ſolchen Abkuͤr - tzungen geplagt. Heut zu Tage ſind ſie eben nicht ſon - derlich mehr im Gebrauch; Unterdeſſen ſieht man doch dann und wann folgende:
| allergnl. | allergnaͤdigſt |
| A. T. | altes Teſtament |
| A. u. N. T. | altes und neues Teſtament |
| bel. | belangend |
| betrl. | betreffend |
| C. O. | Cammer-Ge - richts-Ordnung |
| Cap. | Capitel |
| Churfl. | Churfuͤrſt |
| Churfuͤrſtl. | Churfuͤrſtlich |
| dz. | daß |
| dl. | den |
| d. i. | das iſt |
| dergl. | dergleichen |
| Durchl. | Durchlauchten oder Durchlauchtigkeit |
| Ew. | Euer |
| Ew. Fuͤrſtl. Durchl. | euer Fuͤrſtlich Durchlauch - tigkeit |
| Ew. Herrl. | euer Herr - lichkeit |
| Ew. Hochgbl. | Euer Hochgebornen |
| Ew. Hoch Edl. | Eure Hoch-Edlen |
| Ew. Hoch-Ehrw. | Eure Hoch-Ehrwuͤrden |
| Ew. Hochfuͤrſtl | Durchl. Eure Hochfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit |
| Ew. Kayſ. Majeſt. | Eure Kayſerliche Majeſtaͤt |
| Ew. Koͤn Maj. | Eure Koͤnigliche Majeſtaͤt |
| Ew. Mayj. | Eure Ma - jeſtaͤt |
| Ew. Wohl-Edl | Eure Wohl-Edlen |
| etl. | etliche |
| fl. | Floren |
| Fr. | Frau |
| Freyhl. | Freyherrn |
| Freyherrl. | Freyherrlich |
| Fuͤrſtl. | Furſtlich |
| Gnadl. | Gnaden |
| gnl. | gnaͤdig |
| gehorſ. | gehorſamſt |
| g. G. | geliebt es GOtt |
| Goͤttl. | Gott ich |
| Graͤfl | Graͤflich |
| Ggl. | gute Groſchen |
| gl | Groſchen |
| heil. H. | Heilig |
| H S. | Heilige Schrift |
| Hl. Hrn. | Herr, Herrn |
| Hhln. | Herren |
| Herrlichkl. | Herrlichkeit |
| Hl. | Heller |
| herrl. | herrlich |
| Hoch-Edl. | Hoch-Edlen |
| Hoch-Edelgebl. | Hoch - Edelgebornen |
| Hoch-Ehrw. | Hoch - Ehrwuͤrden |
| Hochwohlgebl. | Hoch - wohlgebornen |
| Hochw. | Hochwuͤrden |
| J. K. M. | Jhro Koͤnig - Majeſtaͤt |
| Jgfr. | Jungfer |
| Kaͤyl. Kaͤyſerl. | Kaͤyſerlich |
| Kfl. | Kaͤyſer Floren |
| Koͤnigl. | Koͤniglich |
| Landr. | Landrecht |
| L. W. O. | Leipziger Wechſel-Ordnung |
| Lbden | Liebden |
| Loͤbl. | loͤblich |
| Mayj. | Mayjeſtaͤt |
| moͤgl. | moͤglich |
| N. T. | neues Teſtament |
| Od. | Oder |
| P. H. O. | peinliche Hals - Gerichts-Ordnung |
| P. P. | Petri und Pauli - Meſſe |
| Pf. | Pfennig |
| Pr. Ord. | Prediger - Ordnung |
| R. A. | Reichs-Abſchiede |
| Rthlr. | Reichsthaler |
| S. Paulus, | Sanct Pau - lus |
| St. | Stadt, oder Stein |
| Stl. | Stuͤck |
| Se Sr. | ſeine, ſeiner |
| Schffl. | Scheffel |
| ßo | Schock |
| Schl. ſchl. | Schleſiſch |
| Thlr. | Thaler |
| Thlrſchl. | Thaler Schle - ſiſch |
| u. d. g. | und dergleichen |
| u. a. m. | und andre mehr |
| u. ſ. f. | und ſo ferner |
| u. ſ. w. | und ſo weiter |
| unterthlſt. | unterthaͤnigſt |
| Vrthl. | Viertel |
| Wz. | was. |
Bey einem Formatbuch pflegt man insgemein auch etwas von der Rechtſchreibung im Teutſchen mit ein - zuruͤcken. Jch habe mich ebenfalls nach dieſem Ge -M 3brauch182Cap. 4. Von der Schreibartbrauch gerichtet, und in meinem erſten Theil p. 81. von der Rechtſchreibung etwas gemeldet. Es waͤre zu wuͤnſchen, daß man eine auf vernuͤnftige Saͤtze ein - gerichtete und in gantz Teutſchland eingefuͤhrte Ein - leitung haͤtte; So koͤnnte ſich alsdenn ein jeder dar - nach richten. Die Buchdrucker wuͤrden ſelbige mit leichter Muͤhe lernen und ſich angewoͤhnen koͤnnen. Da aber ein jeder Verfaſſer bey nahe eine andere Recht - ſchreibung annimmt; So iſt dieſes vor die Setzer eine groſſe Marter. Denn was einem recht war, das ſtreicht der andere weg, und alſo geht die Zeit ver - lohren. Unterdeſſen iſt dieſes Ubel noch nicht zu he - ben, ob man gleich hier und da ſchoͤne Beytraͤge hat. Gantze Geſellſchaften haben gemeinſchaftlich ihren Fleiß angewendet, und dennoch muß man noch immer kla - gen, es fehlet eine wohleingerichtete Rechtſchreibung. Man muß alſo zufrieden ſeyn, was man hat. Auſ - ſer denjenigen Unterſuchungen, welche man in den Beytraͤgen der teutſchen Geſellſchaft in Leipzig hat, muß man ſich folgende Buͤcher bekannt machen. 1.) Johann Boͤdickers Grundſaͤtze der teutſchen Spra - che, Berlin, 1723. 8. 2.) Juſtin Toͤllners deutli - chen Unterricht von der Orthographie der Teutſchen, Halle, 1718. 8vo. 3.) Hieronymi Freyers Unter - weiſung zur teutſchen Orthographie, Halle 1722. 8. 4.) Thomae Hofmanns Anweiſung zur Orthogra - phie, Leipzig 1725. 8. und Caſpar Gottlieb Pohls, neu verbeſſerte teutſche Orthographie, Leipzig, 1735. 8.
Jch mag allhier keines von allen dieſen angefuͤhr - ten Buͤchern beurtheilen, weil es der gehoͤrige Ort nicht iſt. An aͤltere will ich nicht einmal gedencken, doch ſo viel will ich noch thun, daß ich Anfaͤngern der Buchdruckerkunſt, eine kurtze Vergleichung einigerWoͤr -183der alten Teutſchen. Woͤrter nach der alten Rechtſchreibung mit der heu - tigen vor Augen legen will, damit ſie ſich zu helfen wiſſen, wenn ſie ſelbige nach unſerer jetzigen Art ſetzen ſollen. Jch weiß wohl, daß die Anzahl ſehr geringe, unterdeſſen kan man doch daraus auf gleiche Faͤlle ſchluͤſſen. Sollte ich die Hand noch einmal an die - ſes Werck legen, ſo werde ich mich bemuͤhen, wo nicht alle, doch die meiſten alt geſchriebenen, hernach aber auch die zweifelhaften Woͤrter von der neuen Art zu ſammlen und beyzufuͤgen. Auf einmal geht es nicht ſo gleich an, wie man ſich einbildet, man muß ſolche nach und nach anmercken. Denn daß man die Zeit lediglich darauf auf einmal anwenden ſollte, wird man nicht leicht jemand zu muthen koͤnnen. Es ſind aber folgende zu mercken:
| alteſten | aͤlteſten |
| anſchlege | anſchlaͤge |
| anſchlagk | anſchlag |
| beuelh | Befehl |
| bauwer | Bauer |
| burgkgrauen | Burggra - |
| belehendt | fen, belehnt |
| beſtetigt | beſtaͤttigt |
| brieue | Briefe |
| beheym | Boͤhmen |
| beuolhen | befohlen |
| beſchirmpt | beſchirmet |
| benawet | beaͤngſtiget |
| beſena | boͤſen |
| beuelhen | befehlen |
| cleidung | Kleidung |
| coronicken | Chronicken |
| claffen | plaudern, viel redens machen |
| d’ | der |
| diemuͤtigkeit | demuͤthig - keit |
| d3 | daß |
| dye | die |
| eren, | Ehren |
| ertrich, | Erdreich |
| erlicher, | ehrlicher |
| ernydern | erniedrigen |
| empfaht | empfaͤhet |
| endtchriſt | Antichriſt |
| erbauwenn | erbauen |
| erpietung | Erbiethung |
| einichen | einigen |
| fuͤrnemiſten | fuͤrnehmſten |
| fynden | finden |
| fuͤrderſten | forderſten |
| forteylen | forteilen |
| frantzoͤſſiger | frantzoͤſi - ſcher |
| fuͤrzuͤgk | Vorzug |
| feber | fieber |
| frum | from |
| fuͤrpotten | Vorbothen |
| freigen | freyen |
| fuͤrbas | fuͤruͤber |
| grauen | Grafen, oder Graven |
| geweſſen | geweſen |
| geprauch | gebrauchen |
| gefuͤrt | gefuͤhrt |
| gemynnert | gemindert |
| gepuͤrt | geburt |
| gepluͤtten | gebluͤten |
| gemeynen | gemeinen |
| geplantzſt | gepflantzt |
| gefelt | gefaͤlt |
| geiegthe | gejagte |
| gein | gen |
| gewere | gewehre |
| geweicht | geweyht |
| gangk | gang |
| gepirg | gebuͤrg |
| geuerde | gefehrde |
| gelahn | gelaſſen |
| herlicheiten | herrlichkeiten |
| hendelnn | haͤndeln |
| herrszugk | Heerzug |
| hochffart | Hoffarth |
| heupt | haupt |
| iunckfrawſchafft | Jung - frauſchafft |
| yre | ihre |
| ygklichten | jeglichen |
| yhenſeyt | jenſeit |
| Jhena | Jena |
| keyſer | Kayſer |
| koͤngen | Koͤnigen |
| kuͤnicklichen | Koͤniglichen |
| krieck | krieg |
| kegen | gegen |
| luͤtringen | Lothringen |
| lottigs | loͤthiges |
| letſten | letzten |
| menner | Maͤnner |
| mynſten | kleineſten |
| margk | Marck |
| mynnern | mindern |
| mogen | moͤgen |
| meynſter | Meiſter |
| mauwer | Mauer |
| mainunge | Meynung |
| nitt | nicht |
| nachuolgung | Nachfol - gung |
| nyderſt | niedrigſte |
| nemen | nehmen |
| ordenungen | Ord - nungen |
| oder | oder |
| pringenn | bringen |
| plutz, | ploͤtzlich |
| peen | Straffe |
| rechen | rechnen |
| rhue | Ruhe |
| ſollichs, | ſolches |
| Stet, | Staͤdte |
| ſchauwen | ſchauen |
| ſunſt | ſonſt |
| Sachſenn | Sachſen |
| Schreyn | Hertzkammer in den Schreyn ſeines Hertzens |
| Soltner | Schuldner |
| ſigk | ſich |
| Streitz | Streits |
| ſonung | Soͤhnung |
| ſchluͤnigen | ſchleunichen |
| ſage | Sache |
| Teuͤſchen | Teutſchen |
| tzuſtelt | zuſtellt |
| teyl | Theil |
| Tron | Thron |
| traun | fuͤrwahr |
| vnd’ſchydlich | unter - ſchiedlich |
| vnnd | und |
| vieln | vielen |
| vßweiſung | Ausweiſung |
| vffrechtig | aufrichtig |
| vnd’truͤcken | unterdruͤcken |
| verneme | vernehme |
| vos | aus |
| verrert | verehrt |
| valh | Fall |
| welung | waͤhlung |
| wirt | wird |
| warer | wahrer |
| wirdigſt | wuͤrdigſt |
| wirden | wuͤrden |
| wircklichkeiten | wuͤrck - lichkeiten |
| wuͤnſterney | wuͤſteney |
| wuͤnſt | wuͤſt |
| we | weh |
| weſtualen | Weſtphalen |
| worthenn | worten |
| ypige | uͤppige |
| Zeitten | Zeiten |
| zug | Zug |
| zyr | zier |
| zempt | zaͤhmt |
| zierungen | zierungen |
Abbrechen, heißt diejenige Arbeit, wenn der Drucker die Ball-Leder, ſo auf die Hoͤltzer genagelt, wieder abbricht, welches taͤglich geſchehen muß, wenn anders ein guter Druck zum Vor - ſchein kommen ſoll.
Abbrechen heiſt bey der Schrifftgieſ - ſerey, wenn der Junge den Guß von den Buchſtaben abbrechen muß.
Abformen, eine andere Figur nachmachen, worzu der Form - Sand vonnoͤthen, wenn man nun einen Buchſtaben abformen will, ſo leget man ſelbigen auf das ebene Sand-oder Formbret; iſt es aber ein Buchſtabe der in Holtz geſchnitten, oder Schrifft Hoͤhe hat, ſo muß man gerade Hoͤltzer, oder Stege umher legen, und den Buchſtaben ſo weit hervor ragen laſſen, als der Abguß dicke ſeyn ſoll. Wann ſolches geſchehen, auch der Buchſtabe mit einer reinen Buͤrſte wohl aus gebuͤrſtet iſt, ſo legetman190Forrgefaßter Verſuch einesman die Flaſche daruͤber, welche mit der lincken Hand feſte niedergehalten werden muß, damit ſie nicht verruͤcke. Darauf nimmt man einen Kohl - Beutel, und ſtaͤubet damit auf den Buchſtaben, hernach ſchuͤttet man den angefeuchteten Sand loß darauf, bis die Flaſche voll wird. Und druckt ihn erſtlich ſanfft nieder, hernach ſo viel Sand hart und feſt eingedruckt, daß die Flaſche gantz voll wird. Alsdenn wird die Flaſche fein gleich und ſanfft auf - gehoben, bleibt der Buchſtab etwann darinnen feſt, ſo ſchlaͤget man ſanfft mit einem Meſſer auf die Flaſchen, ſo faͤllt er heraus. Der ungleiche Sand wird mit einem Meſſer auf beyden Seiten der Fla - ſche abgeſchnitten, doch daß er nicht auf die Figur faͤllt. Es wird auch von dem Guß der Flaſche bis zu der Figur der Sand ſubtil ausgeſchnitten, da - mit der Zeug dahin flieſſen kan, man laͤßt die Form etwas trucknen, ſo kommt es beſſer in Guß.
Abgteſſen, wenn man etwas abgieſſen will, ſo wird die Form, oder Figur mit einem Licht, das eine gute Flamme hat, gantz ſchwartz beleuchtet, und alsdann auf ein ebenes und glattes Bret, das nicht viel groͤſſer, als die Flaſche ſelbſt iſt, alſo geleget, daß die Seite der Figur unten komme, damit der Fluß der Materie uͤber das Bret und recht uͤber der Figur hineinflieſſe, noch ein ſolches Bret daruͤber geleget, und die Flaſche zwiſchen dieſen zweyen Bre - tern in einer Handſchraube eingeſpannet, etwas ſcharf gehalten, und alſo den geſchmoltzenen Zeug hinein gegoſſen, wann der Zeug geſchmoltzen, haͤlt man zuſammen gedrehetes druckpappier hinein, faͤngt es Feuer, ſo iſt der Zeug gerecht, wo aber Flamme, iſt er zu heiß.
Ab -191wohl eingerichteten Woͤrterbuchs.Abtritt. Bey dieſem Artickel ſetze man zum erſten Theil noch folgende Worte: Es gereichet ſelbiger niemand zur Schande, oder Beſchimpfung, ſondern es wird in der Abweſenheit dererjenigen, welche ab - getreten ſind, die Sache kunſtgebraͤuchlich uͤberle - get und erwogen, und darauf ein gewiſſer Schluß abgefaſſet, nach welchen ſich die Partheyen zu rich - ten. Hernach werden die Abgetretenen wieder hin - eingefordert, da ihnen dann der gemachte Schluß vorgetragen wird; wenn ſie nun ſolchen angenom - men, ſo ſetzet ſich ein jeder an ſeinen gewoͤhnlichen Ort und Stelle. Mehrere Nachricht findet man in den Buchdruckerordnungen.
Abziehekloͤtzgen, ſiehe Kloͤtzgen.
Anfangsbuchſtaben, ſind allerhand zierlich verfer - tigte Buchſtaben, womit man insgemein ein Buch, Carmen, ꝛc. anzufangen pfleget. Ehedeſſen wuſte man gar nichts davon. Man ließ den Platz dar - zu entweder gar ledig, oder ſetzte in die Mitte des Platzes einen kleinen Buchſtaben. Wurde der Platz ledig gelaſſen, ſo wurde hernach der Anfangsbuch - ſtabe ſauber dazu geſchrieben, mit allerhand Far - ben ausgeziehret, ja wohl gar mit Gold uͤberzogen. Stund aber der kleine Buchſtabe ſchon da, ſo wurde er eingefaſſet und ebenfalls mit kuͤnſtlichen Ge - maͤhlden ausgeputzt. Jn groſſen Bibliothecken trift man noch ſolche Buͤcher an, worinnen man ſolche Buchſtaben ſehen kan. Je aͤlter dieſe Ge - mahlte Buchſtaben, je ſchoͤner ſind ſie, und je juͤn - ger ſie ſind, deſto ſchlechter ſind ſie auch. Wenn man verſchiedene Buͤcher gegen einander haͤlt, ſo ſind die neueſten ordentlich die ſchlechteſten, ſowohl am Gemaͤhlde, als auch wegen der Art das Goldauf -192Fortgeſetzter Verſuch einesaufzutragen und zu glaͤtten. Ja ich glaube gar, daß dieſe Kunſt gaͤntzlich verlohren gegangen. Ver - muthlich weil ſie in neuern Zeiten nicht ſo gut mehr bezahlt worden, als in den aͤlteren. Und worzu war es auch noͤthig ſo viel Koſten darauf zu ver - wenden, da man die Groſſen theils gegoſſene, theils in Holtz geſchnittene Buchſtaben erfunden hat? Jnsgemein giebt man Peter Schoͤfern vor den Erfinder an. Man wird ihm auch dieſe Ehre nicht ſtreitig machen koͤnnen, indem er ſich derſelben in ſeinen gedruckten Buͤchern zuerſt bedienet hat. Heut zu Tage hat man dieſe Anfangsbuchſtaben derge - ſtalt auszuziehren angefangen, daß ſie den Augen zur Beluſtigung allerdings dienen koͤnnen. Man laͤßt ſie in Kupfer ſtechen, ſie werden gegoſſen, und auch in Holtz geſchnitten. Die letztere Art iſt ver - ſchiedener Urſachen wegen die bequemſte. Proben davon trift man in den meiſten allhier zu Leipzig gedruckten Schrifften an. Auch bey uns, in ge - genwaͤrtigen Blaͤttern, wird man einige ſehen koͤn - nen, ſo viel wir derſelbigen haben anbringen koͤnnen.
Anfeuchten, muß der Setzer die Schrifft, ingleichen der Drucker die Ballen und den Deckel, wenn ſolche zu hart. Dieſes Wort wird aber auch als ein Spaß einem Cornuten zugeeignet, wenn man zu ihm ſa - get: er ſoll anfeuchten und ſeinen neben ihn ſtehen - den Geſellen eine Ehre erweiſen, nach der Alten ihren Vers
Antiqvaſchrift, heißt diejenige Art von LateiniſchenSchrif -193wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. Schriften, welche die alten Buchdrucker zu erſt er - funden haben, die hernach der beruͤhmte Aldus Manutius viel verbeſſert hat. Und in neuern Zeiten hat man noch mehr Fleiß und Zeit darauf verwendet. Es iſt bekannt, daß man bey nahe durch alle Arten der Schriften eine Antiquaſchrift hat. Man hat Sabon-Antiqva, grob und klein Miſſal Antiqua, grob und klein Canon-Antiqva, grob und klein Doppelmittel Antiqua, doppelcicero Antiqua, fette Text Antiqva, doppelmittel Anti - qva, Tertia Antiqva, grobe und kleine mittel An - tiqva, tertia Antiqva, grobe und kleine mittel An - tiqva, grobe und kleine cicero Antiqva, corpus An - tiqva, Borgols Antiqva, petit Antiqva, Perl An - tiqva, Colonel Antiqva, Nomparel Antiqva. Dieſe alle kan man auf unſern Schriftproben im erſten Theil ſehen.
Artickelsbriefe, werden die Jnnungen, Statuta und Freyheiten genennet, welche denen Profeßionen von Obrigkeiten gegeben werden, wie ſie ſich bezeigen ſol - len, und dieſes darum, weil ſie in Artickeln abgefaßt ſind. Ein Hochedler Magiſtrat der Reichs-Stadt Nuͤrnberg hat 1673. die Articulsbriefe der Buch - drucker daſelbſt aufs neue erlaͤutert.
Articul, Satz, Stuͤck einer Rede nach welcher der Jnnhalt derſelben abgetheilet wird, ſonſt auch Capitel genannt.
Aufdingen, heißt man diejenige Handlung, da man einen Lehrjungen, wenn er ſeine Probe einige Wochen ausgeſtanden, und aus einem reinen und keuſchen Ehebette erzeuget, welches er durch be - glaubte Zeugniſſe darlegen muß, zu einer Pro - feßion an-und aufnimmt, und gehoͤrig einſchreibt.
NAuf -194Fortgeſetzter Verſuch einesAuflage, wird die Anzahl der Bogen benennt, wel - che ein Verleger zum Druck ordnet, als 1000. 1500. 2000. Bogen.
Aufloͤſen, heißt man diejenige Handlung, wenn der Setzer ſeine auf das Bret geſchoſſene Columnen, welche er mit einer Schnur im Schiffe ausgebun - den, und auf daſſelbe geſchoſſen, bey Umſchlagung des Formats wieder aufloͤſet. Oder wenn zwey an einer Preſſe arbeiten, da bey jeden Zeichen des Pappiers, welches aus 250. Bogen beſtehet, ein - ander abloͤſen.
Aufſchlagen, heißt man, wenn der Ballmeiſter die Balleder, auf die Hoͤltzer mit darzu gehoͤrigen Ball - naͤgeln beveſtiget.
Auftragen, heißt diejenige Handlung, wenn der Ballmeiſter die Farbe mit denen Ballen auf die Forme, wenn er ſolche vorhero erſt auf ſelbigen zerrieben, bringet.
Ausbinden, heißt man, wenn der Setzer die Co - lumnen, die er geſetzt, zuſammen bindet, und befoͤr - dert ſolche auf das Setzbret, ingleichen die Schrif - ten ſo nicht in die Kaͤſten koͤnnen gebracht werden.
Ausſchlieſſen, ſiehe Excluſion.
Ausſchneiden, heißt diejenige Handlung, wenn der Drucker das von Pappier bekleiſterte Raͤhmchen, wenn ſolches die Schrifft bedecket, daß ſelbige auf den Pappier nicht erſcheinet, mit der Scheer weg - ſchneidet.
Auszeichnen, muß der Setzer das Manuſcript, da - mit er ſehen kan, wie viel auf eine Columne ge - het, alsdenn kan er ohngefehr ſagen, wie viel Bo - gen das gantze Werck austragen wird.
Ballnaͤgel, ſind ordentliche Naͤgel von Eiſen, mit einer runden Kuppe, womit man das Balleder an - nagelt. Es werden ſelbige beſonders darzu ver - fertiget.
Ballmeiſter, heißt derjenige, der ſich um die Bal - len bekuͤmmert, und ſelbige in guten Stande erhaͤlt, damit ein guter Druck zum Vorſchein gebracht wird.
Befehl ſiehe Mandat.
Beſchimpfung, iſt ſo viel als einem ſeinen ehrlichen Namen ſchwaͤchen; Ein ſolcher, der wider Verhoffen von jemanden beſchimpft, oder durch ſeine gegebene zwar geringe Urſache geſcholten worden, muß es in - nerhalb 14. Tagen anzeigen: oder ſich nach Beſchaf - fenheit der Sachen bey einer voͤlligen Geſellſchafft un - verweilt vertragen, und nicht uͤber ſolche geſetzte Zeit zu ſtehen ſich unterfangen. Wenn er ſich aber un - ſchuldig befindet, ſo kan er das von dem Gegner ge - thane Scheltwort auf dieſen wieder zuruͤck ſchie - ben, aber dabey nicht ſchelten.
Beſchweren, muß der Drucker das Pappier, ſo er gefeuchtet, damit es ſich unterſtehet. Schreibepap - pier aber muß er nicht gleich beſchwehren, weil es einen ſtarcken Leim hat, und das Waſſer nicht ſo gleich annimmt, ſondern wieder ablaufft.
Beſtoßzeug, iſt ein Jnſtrument bey den Schriftgieſſern, welches aus Holtz beſtehet, worinnen ſie die gegoſſenen Littern ſetzen und einkeilen, und mit dem dazu be - reiteten Hobel beſtoſſen. Siehe Tab. IV. p. 1.
Bildnißſchrifft, Hieroglyphiſche Schrifft, Egypti - ſche Sprache iſt, wenn man eine Sache nicht mit geſchriebenen Buchſtaben und Worten, ſondern mirN 2Figu -196Fortgeſetzter Verſuch einesFiguren und Bildern der Thiere ſowohl, als an - derer unbelebten Dinge, ausdruͤcket. Dieſe Art zu ſchreiben ſollen zuerſt die Egyptier ohngefehr um Abrahams Zeiten erfunden haben; Sie iſt aber nicht dem gemeinen Mann, ſondern nur ihren Prie - ſtern bekannt geweſen, als welche ſich einer ſo dun - ckeln und geheimen Schreibart nur in denen ihren Goͤtzendienſt angehenden Sachen ſonderlich darum bedienten, damit einestheils die Geheimniſſe, oder vielmehr Thorheiten, ihrer Religion von einem ver - ſchlagenen fuͤrwitzigen Leſer nicht ſo leichte koͤnne verſtanden, verrathen und verlacht werden, andern theils damit ſie denenjenigen, die ihre Sprache ver - ſtunden, mit wenigen viel moͤchten bedeuten koͤnnen.
Blech, Beſehe Blech, iſt ein Jnſtrument der Schrifft - gieſſer, welches ſie bey dem Juſtorio gebrauchen, um damit die Hoͤhe des Kegels und Linie, ſo der Buchſtabe haben ſoll, zu beſehen,
Blech, Gießblech, braucht der Schrifftgieſſer bey Gieſſung der Buchſtaben damit das uͤberfluͤßige Zeug darauf faͤllt, welches er mit dem Gießloͤffel aus der Pfanne genommen. Siehe Tab. IV. p. 1.
Bleywage, iſt ein Werckzeug, wodurch die Flaͤche eines Bodens, oder anderes Dinges gerichtet und erforſchet wird. Selbige zu verfertigen braucht man ein Bret ohngefehr eines Fuſſes lang. welches alſo zugeſchnitten, daß es einen gleichſeitigen Trian - gel vorſtelle, an der einem Spitze deſſelben iſt eine feine Schnur befeſtiget, an welcher ein Bleyge - wicht haͤnget, aus dem Punct, wo die Schnur haͤlt, iſt eine Linie auf das Bret dergeſtalt geriſſen, daß ſie mit einem geraden Winckel auf die gegen uͤber - ſtehende Seite des Brets falle. Wenn nun mitdie -197wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. ſer Seite des Brets auf eine Schwelle, oder Bo - den, geſetzt wird, und die hangende Bleyſchnur mit der aufs Bret geriſſenen Linie, oder Strich, gerade ein - trifft, ſo wird daraus erkannt, daß das Lager der Schwelle, oder Boden, wagrecht ſey. Bey Aufrich - tung einer Buchdrucker - Preſſe iſt ſelbige unent - behrlich.
Buchdrucker, Buchfuͤhrer, Buchbinder; Auf ſelbige fuͤhre ich hier eine artige Uberſchrift bey.
Quod deſcriptor edit tam addendo, quam nume - merando,
Quodque alius veſtit curate multiplicando, Dividit hoc alter, trahit inque ſuas rationes.
Buchdruckerey, wo nicht redlicher und herkommen - der Gebrauch gepflogen wird, ſoll kein Geſell zur Arbeit eintreten, viel weniger einer Hudeley und Buͤberey aufhelffen, wiedrigenfalls er von der red - lichen Buchdruckerkunſt mit einer Strafe angeſehen, wo nicht gar ausgeſchloſſen wird. Zumal wenn er es wiſſentlich thut. Unwiſſentlich aber ſoll er ſich in - nerhalb 14. tagen wieder daraus begeben.
Buchdrucker Ordnungen, ſind diejenigen Geſetze, die denen Buchdruckern von hohen Potentaten, oder Obrigkeiten ertheilet werden, wie ſich ſelbige verhal - ten ſollen. Wie denn die 3. Herren Hertzoge zu Sach - ſen denen Jenenſern ſolche 1557. Kayſer Maximi - lianus II. und Rudelphi II. 1570. zu Speyer und 1577. zu Franckfurt; Churfuͤrſt Chriſtian der andere denen Leipzigern und Wittenbergern 1606. ein Hoch - Edler Stadt - Magiſtrat der Reichs - ſtadt Franckfurt am Mayn denen alldortigen Buchdruckern 1573. und 1598. und 1660. er -N 3thei -198Fortgeſetzter Verſuch einestheilet haben. Dergleichen auch ein Hochedler Magiſtrat der Stadt Dantzig 1684. den 18. Julii denen Buchdrucker daſelbſt gegeben haben. Deren Jnnhalt ſiehe zu Ende dieſes zweyten Theils.
Buchdrucker Vortheil, wird dasjenige Geld genen - net, welches die Geſellen von den Herren Verlegern bekommen, ingleichen Namenstage, Cornuten-Geld, Jntroitus ꝛc. welches ſie alsdenn unter ſich theilen, oder zu gewiſſen Zeiten ſich eine Ergoͤtzung damit machen.
Buchdrucker-Wappen, wie ſolches in Farben vorge - ſtellet wird. Der doppelte Adler, ſo ſchwartz und in einem goldnen Felde, jedoch ohne Crone haͤlt in der rechten Klaue einen Winckelhacken von Eiſen, oder Metall, in der lincken den Tenackel mit dem Diviſorio worauf ſich das Exemplar befindet, und wird den Setzern zugeeignet. Oben auf dem Schilde ſtehet ein offener gecroͤnter Helm mit einer Crone beydes von Golde, der Grund leuchtet blau herfuͤr, durch den Helm aus der Crone raget ein halb gefluͤgelter Greif, ſo aus Silber, mit ausgeſtreckter Zunge, welcher in ſeinen beyden Klauen ein paar uͤbereinander ge - ſetzte Druckerballen, ſo von Holtz, haͤlt, und iſt de - nen Druckern zugeeignet; Auf der rechten Seite befindet ſich die eine Helmdecke, ſo der obere theil Silber und der untere theil roth anzeiget, darhin - ter zeiget ſich ein blauer Grund, auf der lincken Sei - ten iſt das obere theil der Helmdecke roth, und der untere Silber, der Grund leuchtet gleichfalls blau herfuͤr.
Bundſteg, heißt derjenige Steg ſo zwiſchen den Co - lumnen liegt, deren zweyerley breite und ſchmale ſind. Siehe Stege im 1. Theil.
Capital, wird bey Buchdruckereyen, dasjenige ge - nennet, ſo der Drucker bey Zurichtung einer Forme oben und an den Tiegel anlegt. Es beſtehet ſel - biges aus 1. oder 2. Stegen, welches er accurat haͤlt, damit wenn er die andere Forme, oder den ſo genannten Wiederdruck, von neuen einhebt, er ſich nicht Verdruß machen darf.
Capitalbuchſtaben, heiſſen diejenigen groſſen Latei - niſchen Buchſtaben, welcher man ſich beym Anfang derer Nominum propriorum und Subſtantiuorum in dem Text bedienet. Schon Johann Fauſt hat ſelbige gehabt. Siehe Verſalbuchſtaben.
Capitaͤlgen, iſt eben ſo viel, als Capitalbuchſtaben.
Characteres, ſiehe Zeichen.
Cicero Schrift, iſt eine Art kleiner lateiniſchen Buch - ſtaben, welche ihren Namen vermuthlich daher be - kommen hat, weil Ciceronis Schriften zu erſt da - mit gedruckt worden. Man hat grobe-kleine-An - tiqva, eurſiv-Fractur Cicero. Siehe unſere Schrift - proben.
Cladde, ſiehe Kladde im erſten Theil.
Clammern, ſind zweyerley Art. 1.) werden ſie in ge - goſſenen Schrifften gebraucht, wenn ich eine Sache, ſo ich in einer Rede als einen Uberfluß melde, die Sache deutlicher zu machen, mit ſelbigen ein - ſchlieſſe, ingleichen bey genealogiſchen Tabellen, da denn auch beſondere ſtuͤck Linien gebraucht wer - den, damit man ſelbige kan vergroͤſſern, die Ge - ſtalt deſſelben ſiehet alſo [,} 2.) von Eiſen ge - ſchmiedet, welche unten am Laufbret der Preſſe beve - ſtiget ſind.
N 4Co -200Fortgeſetzter Verſuch einesColon, iſt ein Unterſcheidungszeichen, wenn in einer Rede der Verſtand halb geendiget iſt. Es ſieht alſo aus (:)
Columnenmaß, iſt ein aus Eiſen, oder Holtz beſte - hendes Jnſtrument, die Columnen in kleinen und groſſen Formaten zu accurater Laͤnge zu bringen.
Columnen Zieffer, iſt diejenige Zahl die eine jede Columne bekommt, und durch ein gantzes Werck hindurch gehet, wovon unter dem Titul Tabelle im erſten Theil gedacht worden.
Concordantz Quadraten, ſiehe Quadraten.
Confirmation, Beſtaͤtigung, iſt ein Kunſtwort bey einem Poſtulat, da der Cornute im Namen einer gantzen Geſellſchafft zu einen Geſellen beſtaͤtiget wird.
Confiſcation, Einziehung der Guͤter, dergleichen ge - ſchiehet mit Buͤchern, darinnen die Majeſtaͤt der Koͤnige und Fuͤrſten, und das Anſehen anderer hohen Perſonen ſchaͤndlicherweiſe verletzet wird.
Conſtruction, iſt in der Grammatic, die rechte Zu - ſammenfuͤgung der Woͤrter in einer Rede, ſo wie es einer jeglichen Sprache Natur und Eigenſchafft erfordert, und die Regeln der Grammatic anweiſen.
Cornutengeld, iſt dasjenige, was ein Cornutus der Chriſtlichen Billigkeit nach alle Wochen, oder Meſ - ſen, in der Arbeitenden Druckerey denen Ge - ſellen darlegen muß. Jn Ermangelung derſelben aber ſoll es der Herr von Meſſe zu Meſſe an die naͤchſt - gelegene Geſellſchafft einſenden. Siehe Werthers Nachricht von der Buchdruckerkunſt.
Cornutenhut, iſt ein beſonderer Hut, welcher den Cornuten verfertiget wird, wenn er zum Poſtu -lat201wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. lat ſchreitet. Bey der Depoſition wird er ihm von dem Depoſitore abgenommen.
Crantz, ſiehe Geſellencrantz.
Crantzjungfer, iſt diejenige Perſon, welche ſich ein Cornutus bey ſeinem Poſtulate erwaͤhlet, daß ſie ihm einen ſolchen Crantz verfertigen laͤßt, welcher ihm bey der Cofirmation, als das erſte Ehrenzei - chen, auf das Haupt geſetzt wird.
Creutzgen, in gegoſſenen Schrifften, werden zu ver - ſchiedenen Sachen genutzt, abſonderlich zu Noten, oder zum Beſchluß eines Leichen-Carminis, deren Geſtalt ſieht alſo aus †
Creutzmaß, iſt ein Werckzeug bey Gieſſereyen, da das gantze Jnſtrument darnach verfertiget und gerich - tet wird, weil alles nach den Winckel juſtiret wer - den muß.
Creutzſteg, iſt derjenige Steg, der an den Columnen Titul geleget wird; Es giebt breite und ſchmale.
Curſiv Schrifften, heißt man diejenige Art Lateini - ſcher Buchſtaben, welche denen geſchriebenen ge - ſchobenen Buchſtaben gleich kommet, deren ſich die Schreiber ehedeſſen bedienet, wenn ſie geſchwind geſchrieben haben. Die Zuͤge dieſer Schrift ſind nicht gerade, ſondern ſchief. Aldus Manutius hat ſelbige zu erſt erfunden. Eben deswegen hat er von der Republic Venedig ein Privilegium er - halten, daß Niemand innerhalb 10. Jahren da - mit drucken duͤrfte. Von dem Ort der Er - findung heißt dieſe Schrift auch venetica oder ita - lique. Heut zu Tage hat man dieſen Schnitt bey nahe in alle Schrifften und Schriftproben.
Defect, heiſſet nicht nur dasjenige, was an einem DingeN 5feh -202Fortgeſetzter Verſuch einesfehlet, ſondern auch die Sache ſelbſt, welcher einer oder mehrere von ihren Theilen fehlen, daß ſie nicht vollkommen genennet werden kan. Dergleichen Unvollkommenheiten finden ſich an Schrifften, Rech - nungen, Buͤchern, ꝛc.
Degen, bey dieſem Artickel ſetze man nach unſern Worten: denen Kuͤnſtlern iſt ſelbiger erlaubt, laut des allergnaͤdigſten Mandats Friedrichs Auguſts, Koͤnigs in Pohlen hoͤchſtſeeligen An - denckens, folgendes hinzu: dato Cracau den 15. April 1706. und 1712. den 3. Julii renovirtes und vom 29. Auguſti 1719.
Schweitzerdegen, ſpruͤchwortsweiſe nennt man die - jenigen alſo, welche mehr als eins erlernet, da man ſie zu mehrern brauchen kan. Wie man von der Schweitzer ihren Degen auch ſagt: daß ſie auf bey - derley Art koͤnnen gebraucht werden.
Diphthongi, ſind die aus zwey ſelbſtlautenden Buch - ſtaben, oder Vocalen zuſammen geſetzte Buchſta - ben, daß derſelben Laut in einem Thon zuſammen ausgeſprochen wird. Jn den aͤltern Zeiten hat man nichts davon gewußt, ſowohl in Teutſchen als La - teiniſchen Schriften. Hernach fieng man um das Jahr 1489. an im Lateiniſchen ſelbige mit ei - nem Hackgen zu bemercken e. Alsdenn hat man auch ſelbige abgeſchaft und die jetzige Art erwaͤhlet.
Diſtinctiones, ſiehe Unterſcheidungszeichen.
Druckerey, ſiehe Buchdruckerey.
Einkeilen, muß der Drucker die Forme in die Preſſe, damit ſolche nicht fortruͤcket, und ſein ge - ſuchtes Regiſter nicht Schaden leidet.
Einſtechen, muß der Drucker das Pappier halbeBuch -203wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. Buchweiß in den Deckel, bey dem Schoͤndruck; Bogenweiß aber im Wiederdruck, welches aber alsdenn Einlegen heißt.
Eiſen, Fertig mach Eiſen,, iſt ein Jnſtrument bey den Schriftgieſern, welches an dem einen Ende mit einen Hacken verſehen, damit er, wenn er die ge - goſſenen Buchſtaben in den hoͤltzern Winckelha - cken geſetzt, mit ſolchem Eiſen ſelbige zuſammen haͤlt, und mit einem Meſſer beſchabet und fertig machet.
Einlegen, heißt diejenige Handlung, wenn der Se - tzer die Schrifften, wenn ſie neu gegoſſen, in die Kaͤſten, ingleichen der Drucker die Bogen in De - ckel, abſonderlich bey den Wiederdruck, leget.
Einſchlagen, muß der Setzer die Schrifften in Pap - pier, welche er nicht in die Kaͤſten bringen kan; Alsdenn bezeichnet er ſelbige, was ſich vor Schrift darinnen befindet.
Einſchlagen, muß der Schriftgieſſer den Stempel in die Matrice.
Entweichung, aus der Geſellſchafft, ſiehe Abtritt.
Excluſion, oder Ausſchlieſſung, wird demjenigen zu er - kannt, der ſich ſelbſt durch boͤſe Laſter und verbo - thene Wege unehrlich gemachet. Jngleichen die - jenigen, ſo auf der Kunſt vor gantz unehrlich gehal - ten werden. Es wird ein ſolcher aus den Zuſam - menkuͤnfften verſtoſſen, und nicht mehr vor ein Kunſt - glied erkennet, es iſt ihm auch nicht erlaubt auf Druckerey zu arbeiten, weil die Kunſt ſolche boͤſe Leute nicht dulden kan, noch mag. Mehrere Nach - richt. Siehe die Buchdruckerordnung.
Extra - Geld, wird dasjenige genannt, welches der Herr einem Geſellen uͤber das gewoͤhnliche Koſtgeld reichet.
Farbe, wie ſelbige auf Kupfer und Holtz zu erkennen. Siehe Tinctur.
Farbefaß, iſt dasjenige Gefaͤß, worinnen der Vor - rath von der Farbe liegt, es iſt ſelbiges mit einer Decke verſehen, damit keine Unreinigkeit in die Farbe faͤllt.
Feſttage, ſiehe den Buchdrucker-Calender.
Feuchtbreter, ſind diejenigen Breter worauf der Dru - cker ſein gefeuchtetes Pappier ſetzet. Es ſind derſel - ben zwey noͤthig, eines untern Hauffen, das an - dere zur Bedeckung des Hauffens.
Feuchtfaͤßgen, ein Gefaͤß mit einem Waſſer, welches in Druckereyen ſehr gemein iſt. Der Setzer bedie - net ſich dieſes Waſſers mit einem Schwammen die trocknen Schrifften zu benetzen, der Drucker zu Anfeuchtung des Deckels und der Ballen.
Feuchtſpaͤhne, es ſind derſelben zwey, welcher ſich der Drucker bey Feuchtung des Pappiers bedienet, ſel - biges durchs Waſſer zuziehen.
Flaſer, heiſſen die Stoͤcke, oder Holtzſchnitte, welche durch Patronen und Farben illuminirt werden, wenn ſie gedruckt ſind.
Form-Flaſchen von Eiſen oder Holtz. Die letztern ſind eben ſo gut. Nachdem die Sache groß, welches darinnen geformet werden ſoll, muͤſſen ſie auch dick ſeyn, d. i. einen kleinen oder groſſen Finger, oder Daumen dick, man laͤßt alſo nach der Groͤſſe, wie mans haben will, ein Bret von guten trocknen Holtz verfertigen, und darinn ein viereckigt, oder laͤnglicht Loch ſchneiden, ſo groß, daß daſſelbe, ſo dar - inn, geformet werden ſoll, ringsumher noch einen ſecunda Kegel Platz uͤbrig hat, dann wird an derei -205wohl eingerichteten Woͤrterbuches. einen Seite ein Guß eingeſchnitten, einen Petit oder Corps Kegel tief.
Form-Sand, iſt eine art Sand, welche man zu Ab - gieſſung gewiſſer Figuren, oder Buchſtaben, brauchen kan, deſſen Bereitung beſtehet aus ausgebrannten Backofen Leim. Je roͤther ſelbiger, je beſſer er iſt, welcher ſehr klar zerſtoſſen, und durch kleine feine Siebe geſiebet wird. Alsdenn thut man ſelbigen auf ein ebenes feines Bret, machet in der Mitte des Sandes eine Grube, gieſſet darein gut Bier, viel oder wenig, nach dem man viel Sand hat, menge es durcheinander mit einem Holtzſpadel, und wenn die flieſſende Naͤſſe gedaͤmpffet, ſo reibe man ſel - bigen zwiſchen beyde wohl durch einander, damit der noch trockene Sand auch Naͤſſe an ſich ziehen koͤnne. Hernach thue man den Sand zuſammen und nehme davon nach und nach mit dem Holtzſpa - del gar ſanffte, damit die etwann noch befindliche kleine naſſe Kluͤten ſich deſto beſſer theilen. Denn iſt derſelbe zu trocken, ſo bricht er leicht in Formen aus, zu mal in feiner Schattirung; iſt er aber naß, ſo faͤllt es nicht in Guß, trocknet auch zuſammen und faͤllet aus der Flaſche. So man ihn mit Sal - miacwaſſer anfeucht, giebt es einen reinen Guß. Wie man abforme, ſuche unter den Titul.
Gaͤnßaugen, oder Hyphen werden diejenigen zwey krummen Striche genennet, die an der Seiten de - rer Columnen geſetzt werden, wenn ein anderer Au - tor allegirt wird, da deſſen Worte mit ſolchen be - zeichnet werden, man kan ſie auch nehmen, wenn eine Schrifft anders ſeyn ſoll, als der Text, iſt.
Gebraͤuche, Kunſtgebraͤuche, ſiehe Buchdrncker - ordnungen.
Geſchol -206Fortgeſetzter Verſuch einesGeſcholtener, wie ſich ein neben Geſelle gegen ihm verhalten ſolle, ſiehe Buchdruckerordnung.
Geſellencrantz, heißt derjenige Crantz, welcher ihm bey der Beſtaͤtigung auf das Haupt geſetzet wird, als das erſte Ehrenzeichen.
Geſencket, heißt bey den Schrifftgieſſern, wenn ſie den in Stahl geſchnittenen Buchſtaben vermittelſt eines Hammers ins Kupffer ſchlagen, oder einſencken.
Gieß-Blech, ſiehe Blech.
Gieſſer, iſt derjenige, ſo ausgeſchmoltzenen Metal - len in gewiſſe Formen allerley Dinge zu gieſſen weiß. Man hat verſchiedene Arten ſolcher Gieſſer, als da ſind roth-Zinn-und Eiſen-ingleichen Schrifft - gieſſer.
Gießloͤffel, ein Jnſtrument der Schrifftgieſſer, den Zerſchmoltznen Zeug aus der Pfanne zu hohlen, welcher insgemein ſo viel in ſich haͤlt, als zum Buch - ſtaben noͤthig iſt, das uͤbrige thut man aufs Gieß - blech, ſiehe Tab. IV. I.
Gruß, bringen die Geſellen in eine Officin, als eine Hochachtung vor ſelbige, wenn ſie ankommen, wel - cher in dieſem Formular beſtehet: G Ott gruͤß die Kunſt, ingleichen von denenjenigen Herren und Ge - ſellen, wo ſie zuletzt in Arbeit geſtanden. Es ge - het aber weiter keine Cerimonie vor, wie bey andern Handwerckern.
Hobel, ein Werckzeug, vornehmlich bey den Tiſchern und Zimmerleuten gebraͤulich. Es beſtehet derſelbe aus einem hoͤltzern Schafft, in deſſen Mitte ein Loch, wodurch die Klinge geſtoſſen und mit einem Keil be - veſtiget wird; Bey Schrifftgieſſerey braucht man ſelbigen die Schrifften damit zu beſtoſſen. Er wird aber gantz anders zu bereitet, als der angefuͤhrte, Tab. IV. P. I.
Hof -207wohl eingerichteten Woͤrterbuchs.Hofrecht, iſt wenn ein Kunſtverwandter etwas wi - der die Kunſt verbrochen, daſſelbige aber nicht er - kennen will, ſondern ſich noch darzu hartnaͤckigt erzeigt, keinen Vergleich achtet, viel weniger an - nimmet, ja uͤberdieß noch ſchimpfet und ſchmaͤhet, und ſich dergeſtalt auf das aller unkunſtbraͤuch - lichſte auffuͤhret, ſo wird einem ſolchen zwar die Arbeit nicht verbothen, ſondern er wird auf Hof - recht geſtellt, d. i. er genieſſet die Druckerey Vor - theil nicht, wie ein anderer Geſell, er muß auch die Zuſammenkuͤnffte meiden, jedoch wenn einer zum Geſellen gemacht wird, kan er Ehrenhalber zur Mahlzeit mit eingeladen werden, ſonſt aber bey an - dern Cerimonien muß er ſich gantz abſondern; Es gehet auch ein anderer Kunſtverwandter mit ei - nem ſolchen nicht gerne um, biß ſeine Sache ge - braͤuchlich, und Kunſt gebraͤuchlich verglichen iſt. Mehrerer Nachricht ſiehe in den Buchdruckerord - nungen.
Jnnung, Geſellſchafft vieler Leute die einerley Gewerb treiben, und durch gewiſſe Ordnungen unter einan - der verbunden ſind.
Jnnungs-Articul, ſiehe Articul.
Jnſtrument, wird insgemein ein jeder Werckzeug ge - nennet, durch deſſen Huͤlffe etwas ausgerichtet wird. Bey den Schrifftgieſſern wird dasjenige das Jn - ſtrument genannt, worein der Buchſtabe gegoſſen wird, deſſen Zergliederung ſiehe in Tab. IV. P. I. da es in zwey Helfften ſich darſtellet, und alle Stuͤcke nach dem Buchſtaben weiſet und nennet. Es be - ſtehet ſolches bey Zerlegung aus 19. Theilgen, oder Stuͤcken.
Juſtori -208Fortgeſetzter Verſuch einesJuſtorium, ein Jnſtrument bey den Schrifftgieſſern, worein er etliche Buchſtaben ſetzt, und das Beſe - he Blech zur Hand nimmt, und betrachtet, deſſel - ben Kegel ob ſie gleiche Hoͤhe haben oder ob die Buchſtaben auſſer der Linie ſtehen, damit in Guß nicht einer niedrig, der andere hoch, ſtehet Dieſes heiſ - ſen ſie alsdenn juſtiren. Die Figur ſiehe auf Tab. IV.
Keilrahmen, oder Hollaͤndiſche Rahmen, ſiehe Rahmen.
Kernmaaß, ein Werckzeug bey Schrifftgieſſerey, da - mit die Hoͤhe des Kerns, oder Buchſtabens zu erfor - ſchen, wie auch zum Jnſtrument und Matricen zu gebrauchen.
Kloͤtzgen, Abziehe Kloͤtzgen, ein Werckzeug bey Schrifftgieſſerey, wenn die Jnſtrumenta verfertiget werden, daß ſolche auf dem Abzieheſtein koͤnnen abge - zogen werden.
Koſtgeld, wird dasjenige genannt, wenn einem Geſel - len woͤchentlich ſo viel gereichet wird, dafuͤr er ſich unterhalten muß.
Kleiſter, eine Maſſa von Mehl und Waſſer, wel - che gekocht und wohl unter einander geruͤhrt wird. Man kan auch ein wenig Leim darunter thun, wo - von er deſto beſſer wird. Der Drucker bedienet ſich deſſen bey der Preſſe diejenigen Orte am Raͤhm - gen zu verkleiſtern, wo ſich ſonſt Unreinigkeiten zei - gen wuͤrden.
Kunſtgebraͤuche, ſiehe Buchdruckerordnungen.
Laͤuffer, ſiehe Loͤßer.
Loͤffel, ſiehe Gieß Loͤffel.
Loͤſer209wohl eingerichteten Woͤrterbuchs.Loͤſer, oder Laͤuffer iſt der Stein bey den Mahlern, ſo mit der Hand gefuͤhret wird, die Farben auf den Farbeſtein zu reiben, ſiehe Tab. II. I,
Loͤſchpappier, ſiehe Maculatur.
Loͤthen, zwey Stuͤcke eines Metalls durch Zinn oder Kupfer zuſammen fuͤgen. Das Eiſen wird mit Kup - fer, das Kupfer mit Zinn und das Silber mit Silber durch Huͤlffe des Borax geloͤthet Will man ein Ei - ſen an das andere loͤthen, ſo muß man duͤnnes Meſ - ſing auf das Stuͤck, das man loͤthen will, wie auch gepuͤlverten Borax legen und es auf allen Seiten mit brennenden Kohlen bedecken, die man ſo lange zuleget biß das Meßing, fluͤßig wird. Es iſt auch zu erinnern, daß man das Meßing, indem es heiß iſt, we - der ſchlagen noch ſchmieden ſoll, weil es ſonſten zer - brechen wuͤrde. Das Kupfer hingegen laͤßt ſich warm und kalt ſchlagen. Dieſe Wiſſenſchafft iſt bey Dru - rey eine noͤthige Wiſſenſchafft eines Druckers.
Loßſprechen, oder Freyſprechen, geſchiehet wenn man einen Jungen, der ſeine Lehrjahre ehrlich aus - geſtanden, gegen erlegte Gebuͤhrniß als einen Cor - nuten erklaͤret.
Maculatur, graues, oder das ſogenannte Loͤſch - pappier, bedienet ſich der Drucker, bey dem Wie - derdruck, in den Deckel zu legen. Die andere Art ſuche eben unter dem Titul, P. I.
Marmel eine Art von Stein, welcher hart, ſich glaͤt - ten und poliren laͤßt, und von den Bildhauern zu allerhand Zierrathen gebraucht wird, er iſt von man - cherley Farben, und vermiſcht mit Adern oder Tipffeln und Flecken. Der Buchdrucker kann ihn nutzen die Farbe darauf zu bereiten weil er glatt iſt und keinen Sand fuͤhret.
OMan -201[210]Fortgeſetzter Verſuch einesMandat, Befehl des Richters wodurch einem etwas zu thun oder zu unterlaſſen bey Strafe auferleget wird. wie denn dergleichen am Ende des zweyten Theils zu finden.
Meſſer, dasjenige womit der Schrifftgieſſer die Buchſtaben beſchabet, und zubereitet, hat keine Gleich heit mit einem ordentlichen Meſſer, ſondern es iſt mit einer dicken Klinge verſehen und an der Schaͤrffe deſſelben erhoben, ſiehe Figur, Tab. IV. P. I.
Mittelſteg, iſt derjenige Steg, der bey einem Format der mittelſte, und breiter als die andern iſt, an bey - den Enden ſind Loͤcher, worinen die Puncturen ge - hen. Es giebt zweyerley Arten ſchmale, und breite.
Nachſchuß, wird dasjenige genannt, ſo der Verle - ger uͤber die ordentliche Auflage legen laͤſt, als zu 1000. Auflage gemeiniglich 1. Buch, zu 1500. hinge - gen 2. Buch. Fernere Nachricht findet man unter dem Titul Zuſchuß, P. I.
Oel, wird insgemein ein ieder fetter Safft genennet, der duͤnner als ein Balſam, ſo aus Fruͤchten und Gewaͤchſen, oder andern Coͤrpern gezogen worden. Die Bereitung geſchiehet auf dreyerley Weiſe: durch Preſſen, Kochen, und Diſtiliren, die erſte iſt die gemeinſte und wird gebraucht aus Hanf, Leim, Ruͤbſamen ꝛc. Oel zu Preſſen ꝛc. Bey Druckerey iſt das Leinoͤl uͤblich.
Ordnung der Buchdrucker, ſiehe die nach dem Woͤr - terbuch angehaͤngten Buchdruckerordnungen.
Parentheſis, wird dasjenige genannt, wenn ich et - was in einer Rede einſchlieſſen will, die Figur ſie - het alſo aus.
Pappier abzaͤhlen, iſt eine Arbeit ſo der Drucker -herr211wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. herr beſorget, nemlich: er laͤßt das Pappier Buch - weiß abzaͤhlen und bey iedem Ries ein Zeichen ma - chen, damit der Drucker bey Feuchtung deſſelben die Abtheilung machen kan, er theilet als denn einen Ries in 2. Zeichen, zum Exempel wenn von einem Wercke 1000. Auflage, ſo macht er 4. und wenn 1500. Auflage 6. Zeichen, und ſo fort.
Pappierzeichen, iſt dasjenige Zeichen, welches der Pappiermacher bey jedem Rieß macht, und alſo 10. ſolche Zeichen einen Ballen, und 15. einen und einen halben Ballen ausmachen. Der Drucker theilet als - denn bey dem umſchlagen einen Ries in 2. Theile, und nennet iedes ein Zeichen, welches er in einer Stun - de auf einer Seite drucket, und alſo in 2. Stunden 500. Bogen vollendet.
Periodus, iſt ein Stuͤck der Rede, welches einen vollkommenen Verſtand hat, und mit einem Punct beſchloſſen wird, anzuzeigen, daß man daſelbſt ein wenig innen halten ſolle.
Pflichtsnotul, der Buchdrucker auf hohen Schulen, darunter ſie ſtehen, ſiehe die angehaͤngten Buch - druckerordnungen.
Poſiuliren, heiſt im Roͤmiſchen Kirchenrecht, wenn von denen, ſo das Wahlrecht haben, eine Perſon zu einer hohen Kirchenwuͤrde begehret wuͤrde, wel - cher nach dem vorgeſchriebenen Kirchen Geſetzen et - was anklebet, um deßwillen ſie einer ordentlichen Wahl nicht faͤhig iſt, als wenn ſie das erforderte Alter noch nicht erreichet, oder ſchon eine Wuͤrde hat, die bey einer andern nicht ſtehen kan. Ein ſol - cher wird ein Poſtulirter Praͤlat, oder Biſchoff ge - nennet, und wenn die Confirmation erfolgt, ſo tritt er in die Wuͤrde mit eben dem Recht, als ob er er -O 2waͤh -212Fortgeſetzter Verſuch eineswaͤhlet waͤre. Wenn eine Poſtulation beſtaͤndig ſeyn ſoll, muß ſie zwey drittel der Stimmen haben. Poſtuliren bey der Buchdruckerey ſiehe P. I.
Preßbanck, iſt von Holtz und ſtehet vor der Preſſe, worauf der Haufen Pappier zum Druck geſetzt wird, ingleichen bedienet man ſich derſelben zu Aus - legung des gedruckten Bogens; Man kan auch an deren ſtatt ein Formenregal brauchen, ſo hat es zweyerley Nutzen.
Putzen, ſiehe Unreinigkeit.
Rahme, Keil-Rahme, ein laͤnglicht Ouadrat theils mit, theils ohne Mittelſtege, in welche gleichfals die Columnen eingeſetzt und an ſtatt, da unſere Art Schrauben fuͤhrt, ſo hat dieſe keine, ſondern die Columnen werden mit ſchiefen Keilen, oder Stegen, zuſammen getrieben und zum einheben befeſtiget. Sie ſind mehrentheils in Holland gebraͤuchlich, und ſehen alſo aus:
Die ohne Mittelſtege haͤlt man vor beſſer, weil die Puncturen nicht ſo leicht ſchaden leiden koͤnnen.
Ouadraten, eine ins gevierdte gegoſſene Figur, welche bey Schrifften unentbehrlich, weil man da -mit213wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. mit den Ausgang einer Zeile ausſchlieſſet, ſie ſind nie - driger am Guß, als die Schrifft an ſich ſelbſt iſt. Sie werden auch an die Seiten geſetzt. Daher ſie den Nahmen Concordantz Quadraten bekommen.
Quadraͤtgen, gevierdte, eine Abſtammung von ietzt gemeldeten, ſie werden ordentlich wo ein Punct iſt hingeſchlagen, ingleichen wenn die erſte Zeile he - rausgehet und man die andere einziehen ſoll.
Quadraͤtgen halbe, werden ordentlich bey einem Commate, Colo, Semicolo, Sign. Jnter. Excla - mationis hingeſchlagen.
Quadraͤtgen, Schließ, meiſtentheils zu Auſſperrung einer Zeile, wenn man nichts mehr hinein bringen kan.
Roͤthelſtein, Roͤtel, iſt eine art Kreiden, braunroth an der Farbe. Es wird ſelbige mehrentheils zum Zeichnungen gebraucht. Der beſte wird aus Egy - pten und Spanien gebracht. Der Setzer brau - chet ſolchen zu Auszeichnung der Columnen.
Roͤßgen, oder Zierrathen, ſo gleichfalls gegoſſen wer - den, wie man auf der Ehrhardiſchen Schrifftprobe zu Ende ſiehet, ſie werden vielmahls ſtatt einer Leiſte bey Anfang eines Wercks gebraucht, inglei - chen auch in Colum Tituln, oder ſonſt etwas aus - zuzieren, man findet ſie auf unterſchiedliche Kegel der Schrifften gegoſſen Z. E.
Scheltwort, oder Schmaͤhwort, wenn ich einen an ſeinem ehrlichen Namen angreiffe und beſchimpfe, daß er bey der Kunſt in eine Geldbuſſe verfaͤllt, wenn es rechtmaͤßigerweiſe geſchehen, im Gegen - theil es zuruͤck auf denjenigen faͤllt, der es ausge - ſtoſſen.
Schiff, Vortheil, im erſten Theil hat man deſſel - bigen bereits gedacht. Man kan ſolches mit etli - chen Unterſcheiden machen laſſen, damit man di -ver -215wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. verſe Sorten von Vortheil hinein ſetzen kan. Siehe Tab. I. p. 226.
Schmeltztiegel, ſiehe Tiegel. P. I. figur p. 130.
Schneiden, iſt ein Kunſtwort bey dem Drucker, wenn das Pappier, ſo an das Raͤhmgen gekleiſtert im Druck verhindert, das einige Buchſtaben, als Cuſtos, Colum-Titul, nicht dafuͤr kommen, ſo wird ſolches mit der Scheere ausgeſchnitten.
Schriften, ſiehe Buchſtaben, und unſere Schrift - proben. Hier muß ich nur noch anmercken, daß man insgemein vorgiebt, man koͤnnte hundert und mehr Schriften vor Augen legen. Alleine in der That iſt die Anzahl viel geringer. Denn das heißt keine eingefuͤhrte Schrift, wenn ich mir ein Alpha - bet nach meiner Einbildungskraft in Holtz ſchneiden laſſe. Man erweiſe mir, daß ſie in beruͤhmten Schriftgieſſereyen gegoſſen worden, auſſerdem iſt es ein Blendwerck.
Schwamm, gebrauchet der Setzer bey Ablegung der Schrifft, wenn ſolche trocken worden, ſelbige da - mit wieder zu netzen, ingleichen der Drucker bey Anfeuchtung der Ballen und des Deckels ꝛc.
Schweitzerdegen, ſiehe Degen.
Siegel, iſt dasjenige Werckzeug, womit ein jeder Privatus Briefe und andere Dinge ſiegelt. Ein auf - gedrucktes Petſchafft fuͤhrt Beweiß auch ohne Un - terſchrift, wenn es nur mit Wiſſen und Willen desje - nigen, dem es gehoͤret, aufgedrucket worden; Wie denn eine jede loͤbliche Buchdruckergeſellſchafft dergleichen fuͤhret, und ihre Schreiben, die ſie an andere Geſellſchafften ſenden, beſiegeln.
Spaͤne, bedienet ſich der Setzer 1.) zu Unterlegung der Schrifften, wenn ſolche nicht auf eben den Ke -O 4gel216Fortgeſetzter Verſuch einesgel gegoſſen ſind. Zum Exempel er hat ein Werck aus der Tertia Schrifft, und was in ſelbigem un - terſtrichen, ſoll er Text Kegel nehmen, damit es in die Augen faͤllt, ſo muß er ſich der Spaͤne be - dienen; Der Drucker bedienet ſich ſolcher bey Hal - tung ſeines Regiſters, womit er ſich helffen kan, nach der Alten ihren Vers
Span-Schachtel, iſt dasjenige Behaͤltniß, worin - nen die Spaͤne liegen, ſo in diverſen Sorten beſtehen.
Schilde, ſiehe Wappen.
Steg-Kaſten, heißt dasjenige, worinnen der Vor - rath von Stegen liegt, die zum Gebrauch der For - mate dienen, deren ſind vielerley Gattungen, ſo bey dem Titul Stege genennet worden ſind.
Stuͤtzen, ſind diejenigen Balcken, womit eine Preſſe geſtuͤtzt wird, daß ſelbige nicht hin und wieder weichet.
Strohcrantz, ſiehe Crantz.
Schleifftein, iſt ein Stein welches man ſich bedienet allerhand ſchneidende Werckzeuge ſcharf zu machen. Sie ſind von mancherley Art nach ihren verſchie - denen Gebrauch. Die groͤbſten ſind ein harter Sandſtein, andere ſind feinerer Art, und werden kleiner gemacht, auch wohl nur in laͤnglichten plat - ten Stuͤcken, als zu Scheermeſſern u. d. g. gebraucht. Die Schrifftgieſſer bedienen ſich deſſen, zu Ab - ſchleiffung der gegoſſenen Buchſtaben. Weil ſolche auf jeder Seite geſchliffen werden.
Tincturen, Von dieſen mercke man folgende Nachricht:
ManMan theilet die Schilde ein in Reihen, Gegenden de - rer Felder, oder Quartiere; deren bald mehr, bald we - niger ſind, nach der Anzahl der Striche, die das Schild querdurch zerſchneiden. Siehe Fig. I. Tab. XXXI.
Wenn zwey gleichweit von einander ſtehende Quer - ſtriche das Schild zertheilen, ſo entſtehen daraus drey Reihen deren oberſte cephalica A. A. die Hauptreihe; Die Mittlere faſcialis B. B. die Band-Guͤrtel; die untere Perigaea C. C. die Fußreihe heißt. Wenn aber mehr Querſtriche das Schild theilen, entſte - hen auch mehr Reihen; ſo entſtehet Honoraria D. D. die Ehrenreihe, lieu d’honneur, wenn man, wie hier durch Puncte bemerckt iſt, Querlinien zwiſchen die Hauptreihe A. A. und Bandguͤrtel B. B. macht. Wenn aber dergleichen ebenfalls durch Puncte be - merckte Querſtriche zwiſchen dem Bandguͤrtel B. B. und Fußreihe C. C. kommen, ſo entſteht die fuͤnfte Reihe, die umbilicaris, oder Nabelreihe E. E. heißt. Weiter gehet man nicht.
Die Puncte aber, oder Centra, ſind nur von drey - erley Gattung. Nemlich der Punct der Ehre F. des Hertzens. G. und des Nabels H. Siehe eben dieſe Fig.
Es giebt auch andre Eintheilungen die man auſſer - ordentliche nennet. Die erſte koͤmmt denen Zinnen gleich, daher es die Frantzoſen Crenelé, die Teut - ſchen den Zinnenſchnitt nennen; Siehe die II. Fig. Die andere ſiehet denen Stuffen aͤhnlich, und heiſſet der Staffelſchnitt; ſiehe III. Fig. Noch eine andre Art ſtellet groſſe oder kleine Saͤgezaͤhne vor, und hat da - her den Nahmen Zahn-oder Kerbſchnitt; Siehe IV. Fig. Und man kan deren noch verſchiedene nach ei - genem Belieben erfinden.
O 5Die218Fortgeſetzter Verſuch einesDie Schilde werden zuſammen geſetzt, entweder durch Zuſammenfuͤgung in Eins, da man allerley beliebige Abſchnitte in einen einigen gantzen macht, davon ſchon geſagt iſt; oder durch neben einander ſetzung, wenn um das Hauptſchild kleinere Schild - lein gemeiniglich in einem Circul, bisweilen auch wie ein geſchobenes Viereck, ſo man in der Matheſi Rhombum nennet, herumſtehen. Siehe die V. Fig. oder durch Einſetzung, wenn in das groſſe Schild kleinere eingeſetzt werden. Siehe die VI. Fig. Dieſe Einſetzung geſchiehet meiſt in dem Mittelpuncte des Schildes, das Mittelſchildlein A. wiewohl es biswei - len in der Ehrenſtelle, ſelten zu unterſt, oder auf den Nabelpuncte aufliegt. Man hat auch dis zu bemer - cken, daß dieſes bisweilen noch ein anders in ſich ſchlieſ - ſet, welches die Frantzoſen ſur le tout du tout, die Teutſchen das Hertzſchildlein benennen; B. oder durch Zuſammenbindung, wenn gantz verſchiedene Schilde durch Zwiſchenfugen beyſammen haͤngen, zuſammen gehefte Schild; die man ſelten braucht; Siehe VIII. Fig.
Endlich durch Zuſammenleimung, wenn zweye gleichſam durch Leim verbunden ſind, ſo, daß jedes voͤllig, nicht aber das eine nur zum Theil ſich denen Augen zeiget, wie ſonſt gemeiniglich die Schilde ver - ehlichter Perſonen ſind; ſiehe die VIII. Fig. Dis ſey genung vom Schilde geſagt.
Durch die Farben und Tincturen verſtehet man die mancherley Vermiſchung der Metall-und anderer Farben, wodurch die Bildung des Schildes darge - ſtellet und unterſchieden wird. Auſſer Gold und Sil - ber bedienet man ſich hier keines Metalls. Und manzehlt219wohl eingerichteten Woͤrterbuchs. zehlt vier Hauptfarben, Roth, Himmelblau, gruͤn und ſchwartz, zu welchen einige Purpurroth ſetzen.
Obwohl die Alten verſchiedene Arten gehabt die Metalle und Farben vorzuſtellen; immaſſen ſie das Gold durch ☉, das Silber durch ☾, unter denen Farben aber die Rothe durch ♂, die himmelblaue durch ♃, die gruͤne durch ♀, die ſchwartze durch ♄, und durch ☿ die Purpurrothe angedeutet haben: ſo iſt doch zu unſrer Zeit eine gantz andre Mode aufge - kommen.
☉ Gold. ♄ Bley. ☾ Silber. ♀ Kupfer. ♂ Ei - ſen. ♃ Zinn.
Titul, zu einem Buch, oder Carmen, wird vor einKunſt -223wohl eingerichreten Woͤrterbuchs. Kunſtſtuͤck gehalten, wenn ſolcher wohl gerathen, weil ſelbiger gleichſam der Rock zum Buch iſt, und keinem leichtlich vorgeſchrieben wird, was vor Schrifft er dazu nehmen ſoll. Sondern er muß al - les ſelbſt erdichten, was zum Wohlſtand erfordert wird. Der beſte Vortheil, den man ſich dabey be - dienen muß, iſt, daß man ihn vorher wohl durch lißt, und in Theile abtheilet, alsdenn die Hauptzeile, oder Hauptwort ſetzet, nach der muͤſſen die andern alle gerichtet werden, jedoch das keine der andern gleich kommt, welches einen Ubelſtand machet. Uber - haupt ſehen diejenigen Titul am beſten, da nicht allzu groſſe Schrifften darzu genommen werden, damit die gehoͤrige Proportion heraus kommet.
Unterlagen, iſt ein Kunſtwort bey den Druckern, wenn ſie bey Druckung der Forme ſehen, daß es ſich nicht heraus drucken will, ſo legen ſie unten im De - ckel ſo viel, als der Fehler erfordert, an dem Orte, Maculatur hin.
Unterſcheidungszeichen, Lat. Signa diſtinctionis ſind folgende. Punctum, am Ende einer Rede. ; Semicolon,: Colon, wenn der Verſtand halb geendiget,, Comma, beym Ende einer propoſi - tion. ? Signnm interrogandi, wenn man fragt,! Signum exclamandi, wenn man ausrufft.
Unreinigkeiten, ſo von den Ballen, (wenn ſolche nicht reine geputzt werden,) auf die Forme gebracht wer - den, werden putzen genennet, ſiehe P. I.
Volumen, ſiehe Buch.
Vortheilſchiff, ſiehe Schiff. P. I.
Wappen, ſind gewiſſe beſtaͤndige und nach angenom - menen Regeln eingerichtete Kennzeichen, wodurch dieGe -224Fortgeſetzter Verſuch eines ꝛc. Geſchlechter insgemein, oder einzelne Perſonen, unterſchieden werden. Den Nahmen haben ſie von den Waffen bekommen, weil dergleichen Zeichen anfaͤnglich auf dem Schild, oder Helm gefuͤhret worden.
Winckelmaaß, iſt ein Werckzeug, welches aus zwey Linialen, die Winckelrecht zuſammen geſetzt ſind, be - ſtehet. Es iſt ſelbiges bey Zuſammenſetzung, und Aufrichtung einer Preſſe hoͤchſt noͤthig; Die Accu - rateſſe beſtehet darinnen, daß es ſo wohl von innen als auſſen einen geraden Winckel machet.
Zauſen, Haare Zauſen, iſt ein Kunſtwort bey dem Drucker welcher die Pferde Haare, damit der Bal - len ausgeſtopfet, wieder aus einander zauſet, daß ſie trocknen, und des andern Tages wieder koͤnnen gebraucht werden; Wenn im Gegentheil ſolches unterlaſſen wird, ſo entſteht dem Herrn Schaden daraus.
Zeichen, der Drucker, ſiehe Pappierzeichen.
Zeichen, Lat. Characteres, ſind ſehr verſchieden. Man hat mediciniſche, Calender, mathematiſche und an - dere mehr. Die beyden erſten Arten haben wir im erſten Theil geliefert. Die Mathematiſchen ſehen alſo aus: + bedeutet plus z E. A + B. d. i. A. plus B. — minus A — B. A. minus B. = æqua - lis C = D. C. æqualis D. oder C D. ÷ per, A + B. d. i. A. durch B. r. radix.
Zuſammenkunft, ſiehe Generalſiz P. I.
ReichsabſchiedeDarzu ſollen und woͤllen Wir auch Churfuͤrſten, Fuͤr - ſten und Staͤnd des Reichs, mittler Zeit des Con - cilii, in allen Druckereyen, und bey allen Buch - fuͤhrern, eines jeden Obrigkeit mit allen moͤglich - ſten Fleiß Verſehung thun, daß weiter nichts neues gedruckt, und ſonderlich Schmaͤhſchrifften, we - der oͤffentlich oder heimlich gedicht, gedruckt zu kaufen feyl ge - tragen, oder ausgeleget werden, ſondern was derhalben weiter gedicht, gedruckt, oder feyl gehabt wird, daß ſoll zuvor von jeder Obrigkeit, durch darzu verordnete verſtaͤndige Perſonen beſichtiget, und ſo darinnen Mangel gefunden daſſelbig zu drucken oder feyl zu haben, bey groſſer Straf nicht zugelaſſen, ſondern alſo ſtrenglich verbothen und gehalten, auch der Dich - ter, Drucker und Verkauffer, ſo ſolch Geboth uͤberfahren, durch die Obrigkeit, darunter ſie geſeſſen oder betreten, nach Gele - genheit geſtrafft werden. Siehe Reichsabſchiede p. 183. §. 9.
Und nachdem durch die unordentliche Druckerey, bißanhero viel uͤbels entſtanden: Setzen ordnen und wollen Wir, daß ein jeder Churfuͤrſt, Fuͤrſt und Staͤnd des Reichs,a 2Geiſtl.Geiſtl. und Weltlich, mittler Zeit des kuͤnfftigen Concilii in allen Druckereyen, auch bey allen Buchfuͤhrern, mit ernſterm Fleiß Berſehung thun, daß hinfuͤrther nichts neues, und ſonderlich Schmaͤhſchrifft, Gemaͤhlde, oder dergleichen, weder oͤffentlich noch heimlich gedruckt, oder feyl gehabt werden, es ſey dann zuvor durch dieſelbe Geiſtliche oder Weltliche Obrigkeit darzu ver - ordnete, verſtaͤndige Perſonen beſichtiget, des Druckers Namen und Zunamen, auch die Stadt, darinn ſolches gedruckt, mit naͤhmlichen Worten darinn geſetzt. Und wo alſo darinn mangel befunden, ſoll daſſelbig zu drucken und feyl zu haben, nicht zuge - laßen, was auch ſolcher Schmaͤhe oder dergl. Buͤcher, hievor gedruckt, ſoll nicht feyl gehabt oder verkaufft werden. Und wo der Dichter, Drucker oder Verkauffer ſolche Ordnung oder Ge - bot uͤberfahren, ſoll er durch die Obrigkeit, darunter er geſeſ - ſen oder betreten, nach Gelegenheit, an Leib und Gut geſtrafft werden: Und wo einige Obrigkeit, ſie waͤre wer ſie woͤll, hierinn laͤßig befunden wuͤrde, als dann ſoll und mag unſer Kayſerl. Fi - ſcal gegen derſelben Obrigkeit um die Straf procediren und fort - fahren, welche Straff, nach Gelegenheit jeder Obrigkeit, und derſelben Fahrlaͤßigkeit, unſer Kayſerl. Cammergericht zu ſe - tzen und taxiren Macht haben ſoll. Siehe Reichsabſchiede p. 199. §. 58.
Ferner haben wir befunden, daß die Schmaͤh ſchrifften, ſo im H. R. R. hin und wieder an mehr Orten ausgebreitet werden, gemeinen Frieden nicht wenig verhinderlich, und verletzlich ſeynd, auch zu allerhand Unruhe und Weiterung gelangen moͤchten: Und demnach Uns mit Churfuͤrſten, Fuͤr - ſten und gemeinen Staͤnden verglichen, daß hinfuͤro in dem H. Reich, keine Schmaͤhſchrifften, wie die Namen haben moͤch - ten, gedruckt, feyl gehabt, gekaufft und verkaufft, ſondern wo die Dichter, Drucker, Kauffer und Verkauffer betreten, dar - auf eine iede Obrigkeit fleißig Aufſehens zu haben verfuͤgen, daß dieſelben, nach Gelegenheit der Schmaͤhſchrifften, ſo bey ih -nennen gefunden, ernſtlich und hartiglich geſtrafft werden ſollen. Siehe Reichsabſchiede 1441. §. 41. p. 255.
Wiewohl Wir auch auf hiebevor gehaltenen Reichstaͤgen, Uns mit Churfuͤrſten, Fuͤrſten und Staͤnden des H. R. R. und der abweſenden Bottſchafften vereinigt und verglichen, auch Satzung und Ordnung in Druck ausgehen und verkuͤnden laßen haben, daß in allen Druckereyen auch bey allen Buchfuͤhrern, mit ernſten Fleiß Fuͤrſehung gethan, daß hin - fuͤro nichts neues, und ſonderlich Schmaͤhſchrifften, Gemaͤhl - de oder dergleichen weder oͤffentlich noch heimlich gedicht, ge - druckt, und feyl gehabt werden ſollen, wie denn die Abſchied ferner mitbringen: ſo finden Wir doch, daß ob derſelben unſer Satzung gar nichts gehalten, ſondern daß ſolche ſchmaͤhliche Buͤcher, Schrifften, Gemaͤhlde und Gemaͤchte, je laͤnger je mehr gedicht, gedruckt, gemacht, feyl gehabt, und ausgebruͤ - tet worden. Wann wir nun zu Pflantzung und Erhaltung chriſtl. Lieb und Einigkeit, und Verhuͤtung Unruhe und Weiterung, ſo daraus folgen moͤchte, uns ſchuldig erkennen, in dem gebuͤhr - lichs Einſehens, zu thun: So ſetzen und ordnen Wir, auch hier - mit ernſtlich gebietend, daß hinfuͤhro alle Buchdrucker, wo und an welchem Ort die im Heil. Reich geſeſſen ſind, bey Niederle - gung ihres Handwercks, auch einer ſchweren Poen, N. Guͤl - den ihren ordentlichen Obrigkeiten, unablaͤßig zu bezahlen, kei - ne Buͤcher, klein oder groß, wie die Namen haben moͤchten, im Druck aus gehen laßen ſollen, dieſelben ſeyen dann zuvor, durch ihre ordentliche Obrigkeit, eines jeden Orts, oder ihre dazu Verordnete beſichtiget, und der Lehre der Chriſtlichen Kirchen, deßgleichen dem Abſchied des Reichstags allhie, auch anderen hievor aufgerichteten Abſchieden, ſo demſelben ietzo allhie ge - machten Abſchied nicht zuwider ſind, gemaͤß befunden: Darzu daß ſie nicht aufruͤhriſch oder ſchaͤdlich, es treffe gleich Hohe, nie - dere, gemeine oder ſondere Perſonen an, und deßhalben appro - birt und zugelaſſen. Bey gleicher Poen ſollen auch obgemeldtea 3Buch -Buchdrucker ſchuldig und verpflicht ſeyn, in alle Buͤcher, ſo ſie alſo mit Zulaſſen der Obrigkeit, hinfuͤro drucken werden, den Authorem oder Dichter des Buchs, auch ſeinen des Druckers Namen, desgleichen die Stadt oder das Ort, da es gedruckt worden, unterſchiedlich und mit Namen zu benennen, und zu vermelden.
Ferner ſetzen ordnen und wollen wir, daß alle und jede O - brigkeiten, Uns und dem Heiligen Reich unterworffen, ernſt - lichs Einſchens thun, und verſchaffen ſollen, daß nicht allein dem, wie obgemeldt, treulich nachkommen, und gelebt werde, ſondern auch nichts, ſo der Catholiſchen allgemeinen Lehr, der heiligen Chriſtlichen Kirchen ungemaͤß und widerwaͤrtig, oder zu Unruhe und Weiterung Urſach geben, deß gleichen auch nichts ſchmaͤhlichs, paßquilliſchs, oder anderer Weiß, wie das Na - men haben moͤcht, dieſem ietzo allhie aufgerichteten Abſchied, und andern Abſchieden, ſo demſelben nicht zu entgegen ſeynd, ungemaͤß, in was Schein das beſchehen moͤcht, gedicht, geſchrie - ben, in Druck bracht, ſondern wo ſolche und dergleichen Buͤ - cher, Schrifften, Gemaͤhlde, Abguͤß, etc. im Druck oder ſonſt vorhanden waͤren, oder kuͤnfftiglich ausgiengen und an Tag kaͤmen, daß dieſelbe nicht ſeyl gehabt, gekaufft, umgetragen, noch ausgebreit, ſondern den Verkauffern genommen, und ſo viel immer moͤglich, untergedruckt werden, und ſoll nicht alle in der Verkauffer oder Feylhaber, ſondern auch der Kauffer und andere bey denen ſolche Buͤcher, Schmaͤhſchrifften oder Ge - maͤhld, Paß quilliſch oder anderer Weiß, ſie ſeyen geſchrieben, gemahlt oder gedruckt, befunden, gefaͤnglich angenommen, guͤtlich, oder wo es die Nothdurfft erfordert, Peinlich, wo ihm ſolche Buͤcher, Gemaͤhld, oder Schrifft herkommen, ge - fragt. Und ſo der Author, oder ein ander, wer der waͤre, von dem er, der gefangen, ſolche Schrifft, Gemaͤhld oder Buͤcher uͤberkommen, unter derſelben Obrigkeit geſeſſen, der ſoll als - bald auch gefaͤnglich eingezogen: Waͤre er aber unter einer an - dern Herrſchafft wohnhafftig, derſelben ſoll ſolches alsbald durch die Obrigkeit, da der erſt Feyl - oder Jnnhaber ſolcher Schriff - ten betreten, angezeigt, die abermals wie vor, handeln, und dem alſo lang vorgeſchriebener maß, nachgefragt und nachge - gangen, biß der rechte Author befunden, der alsdann ſammt denjenigen, ſo es alſo umgetragen feyl gehabt, oder ſonſt aus -gege -gegeben, vermoͤg der Recht, und je nach Gelegenheit und goſtalt der Sachen, darum geſtrafft werden.
Wo aber einige Obrigkeit, wer die waͤre, oder wie ſie Nahmen haben moͤcht, in Erkundigung ſolcher Ding, oder ſo es ihr angezeigt, darinnen fahrlaͤßig handeln und nicht ſtrafen wuͤrde; Alsdenn ſoll Unſer Kayſerl. Fiſcal, wider dieſelbig, auch dem Dichter, Drucker, oder Buchfuͤhrer, und Verkauſfer auf gebuͤrliche Strafe procediren und handeln, welche Straf nach Gelegenheit und geſtalt der Sachen, Unſer Kayſerl. Cam - mergericht zu ſetzen und zu moderiren, Macht und Befehl ha - ben ſoll.
Doch wo vor dieſer Zeit, etwann dergleichen Buͤcher, Ge - maͤhld oder Schrifften hinter einen kommen, und alſo hinter ihm blieben waͤren, der ſoll darum nicht gefaͤhrt werden: Aber den - noch ſchuldig ſeyn, ſo er die befaͤnde, dieſelbige nicht weiter auszubreiten, zu verſchencken oder zu verkauffen, und alſo vo - rige Schmach wieder zu erneuern, ſondern abzuthun, oder der - maſſen zu verwahren, daß ſie niemaud zur Schmach gereichen, o - der gelangen moͤgen. Siehe Reichsabſchiede unter dem Tit. Reformation von Schmaͤhſchrifften pag. 376.
Darauf ſetzen, ordnen, und wollen Wir, daß hinfuͤro im Roͤmiſchen gantzen Reich Buchdruckereyen an keine an - dere Oerter, dann in denen Staͤdten da Churfuͤrſten und Fuͤrſten ihre gewoͤhaliche Hofhaltung haben, oder da Uni - verſitates Studiorum gehalten, oder in anſehenlichen Reichs - Staͤdten verſtattet, aber ſonſten alle Winckeldruckereyen ſtracksa 4abge -abgeſchafft werden ſollen. Zum andern ſoll keinem Buchdrucker zu - gelaſſen werden, der nicht zuvorderſt von ſeiner Obrigkeit, da er haͤußlich ſitzt, darzu redlich, ehrbar, und allerding tuͤglich er - kannt, auch daſelbſt mit ſonderm leiblichen Eyd beladen in ſei - nem drucken, ietzigen und andern Reichs Abſchieden, ſich ge - maͤß zu verhalten. Zum dritten, ſollen einem jeden alle laͤſter - liche Buͤcher, Schrifften, und Gedicht, im Druck zu ge - ben oder zu drucken, durchaus bey Hoher Straff ſo wohl Verluſt der Buͤcher und Druckereyen verbothen ſeyn. Zum vierdten, ſoll keiner etwas zu drucken Macht haben, das nicht zuvor von ſeiner Obrigkeit erſehen, und alſo zu drucken ihm er - laubet waͤre. Zum fuͤnfften, ſoll derſelbe alsdann auch des Dichters oder Autoris, gleichfalls ſeinen Nahmen und Zunah - men, die Stadt und Jahrzahl darzu ſetzen. Siehe Reichs - abſchiede, pag. 622.
Jn dem andern aber lautet §. 6. Tit. XXXV. alſo:
So ordnen und ſetzen Wir nochmals, daß im gantzen Roͤ - miſchen Reich die Buchdruckereyen an keinen andern Oertern, dann in denen Staͤdten, da Churfuͤrſten und Fuͤrſten ihre ge - woͤhnliche Hofhaltung haben, oder da Univerſitates ſind, oder in anſehenlichen Reichs-Staͤdten verſtattet, aber ſonſten alle Winckeldruckereyen geſtracks abgeſchafft werden ſollen; Deß - gleichen ſoll auch keinem Buchdrucker zugelaßen werden, der nicht zuvorderſt von ſeiner Obrigkeit, darunter er haͤußlich ſitzt, dar - zu redlich ehrbar und allerdings tuͤglich erkannt, auch daſelbſt mit ſonderlichem leiblichen Eyd beladen iſt, an ſeinem Drucken ſich obberuͤhrten ietzigen und kuͤnfftigen Reichsabſchieden ge - maͤß zu erzeigen, und ſich aller laͤſterlichen und ſchmaͤhlichen Buͤ - cher, Gemaͤhld und Gedicht, gaͤntzlich zu enthalten. Siehe Reichsabſchiede p. 691.
Wir Rudolph der Andere von GOttes Gnaden erwaͤhl - ter Roͤmiſcher Kayſer, ꝛc. Ehrſam liebe Andaͤchti - ge, auch Gelehrter lieber Getreuer, mit was gemei -nennen Weſens Nachtheil, die vor dieſem, vou uns verordnete, und in guten Gang brachte Buͤcher-Viſitationes, eine Zeit - hero erſitzen blieben, das iſt euch ſammentlich bekandt, und geben es die taͤglich an Tag kommende Hochſtraͤfliche Schriff - ten mit mehrern zu erkennen. All dieweil wir aber ſolchem unleidlichen Mißbrauch, und uͤberhand nehmenden Unordnung laͤnger nicht zu ſehen moͤgen, hierum und zu Wiederaufrich - tnng, Dero fuͤr dieſem braͤuchlichen Viſitationen, ſo haben wir euch ſamt und ſonders zu unſern Kayſerl. Commiſſariis gnaͤdigſt fuͤrgenommen, und befehlen euch hierauf gnaͤdigſt, daß ihr Anfangs allen moͤglichſten Fleiß anwendet, wie die biß - hero erſitzende Viſitationes fruchrbarlich wieder angerichtet, die in großer Menge alle Meßen herfuͤrkommende, hochver - bottene Famoͤſe Schrifften gaͤntzlich abgeſchafft, inskuͤnftige kein Buch gedruckt oder im heiligen Reich diſtrahiret werde, das nicht zuvor von der ordentlichen Obrigkeit, darunter die Buchdrucker ſeßhafft, cenſirt, zugelaßen und verwilliget, wie ingleichen auf jedes der Author, Drucker, und Ort ohne Be - trug und falſche Liſt geſetzet werde.
2.) Welches alles und damit es von euch um ſo viel leichter zu Werck gerichtet werden moͤge, als wollen wir, daß ein jedweder Buchdrucker, Fuͤhrer oder Buchhaͤndler, ehe und zuvor er ſein Gewoͤlb oder Laden eroͤffnet, auch einiges Buch diſtrahiret, euch aller ſeiner neuͤen Buͤcher einen Jndicem fuͤr - weiſe, derneben glaublich anzeigen thue, wie und welcher ge - ſtalt ihm ſolche Buͤcher zu drucken erlaubt, und da er daruͤber kein Kayſerliches Privilegium haͤtte, alsdann unſerer Kayſer - lichen Reichs Hof-Cantzley ein Exemplar zu uͤberſchicken, euch zuſtelle, und unverweigerlich uͤberreiche. Dann demnach uns glaubwuͤrdig dieſer Betrug etlicher Buchdrucker und Buch - haͤndler fuͤrkommen, daß ſie auf etliche ihre Buͤcher dieſe Wort, Cum gratia & Privilegio, da doch keines von ihnen geſucht, weniger erlangt worden, zu drucken ſich laßen geluͤſten: Wel - ches einem Falſo nicht faſt ungleich, inſonderheit weil ſie wol - len dardurch zu verſtehen geben, quod prædicta verba ſonant, das Wort Cæſareo aber malitioſe auslaſſen: Unter welchem Schein viel ungeraͤumte Sachen eingeſchleifft, und in Druck verfertiget worden, dadurch ſie ſich unterſtehen, unſere Kay - ſerliche Reputation zu laͤdiren, und den gebuͤrenden taxama 5zuzu verſchmaͤhlern, welches keines wegs zu zulaſſen, weniger hinfuͤhro einiger maſſen zu zuſehen, oder zugeſtatten. Wollen derhalben, daß ihr fleißig inquiriret, und was ihr dermaſſen befindet, mit huͤlff Buͤrgermeiſter und Raths zu Franckfurt, wo es die Nothdurft erfordert, die Confiſcation neben weite - rer Beſtraffung ſine reſpectu fuͤrnehmet.
3.) Dieweil auch bey Verfertigung des Catalogi novo - rum librorum bißher nit weniger große Unrichtigkeit befun - den, ja viel der Catholiſchen Buͤcher gaͤntzlich ausgelaßen wor - den, ſolchem fuͤr zukommen, iſt unſer gnaͤdiger Will und Meynung, daß ehe und zuvor der Catalogus novorum libro - rum gedruckt, von euch erſehen, und nach Nothdurfft eorrigiret werde. Und damit hierinnen von Buͤrgermeiſter und Rath zu Franckfurt, euch keine Verhinderniß beſchehe, ſo haben wir bey demſelben, wie ihr aus dem Beſchluß zu ſehen, allbereit die Nothdurft verfuͤgt, der Zuverſicht, es werde euch aller Vorſchub und Befoͤrderung von ihnen erwieſen werden.
4.) Und damit unſers Kayſerlichen Cammergerichts Geheimniſſen, Relationes und Vota nicht alſo ohne einigen Unterſchiedt, ohne unſer oder unſers Kayſerl. Cammergerichts vorwißen, gantz ſtraͤfflicher weiß gedruckt, und maͤnniglichen fuͤrgeſtellet worden: als befehlen wir euch, daß ihr an unſer ſtatt, und in unſern Namen, dergleichen inskuͤnfftig, ohn aus - druͤcklichen unſern, oder unſers Kayſerlichen Cammergerichts Conſens und Einwilligung zu drucken allen Buchdruckern, Fuͤh - rern, und Buchhaͤndlern, bey hoͤchſter unſer Ungnad und Straf zu drucken, zu fuͤhren, oder oͤffentlich feil zu haben und zu verkauffen, ernſtlich auch endlich verbietet.
5.) Und ſchließlich von allen Privilegirten Buͤchern alten und neuen, davon uns die ſchuldige Exemplaria noch nicht geliefert, unverzuͤglich gegen einem Recipiſſe, abfordert uns dieſelbige uͤberſchicket, und ſolches hinfuͤro von Meſſen zu Meſſen, alſo fuͤrnehmet, haltet, und in unſerm Namen, den Buchhaͤndkern und Druckern, auch zu halten, und ſich ſelbſten fuͤr Schaden zu huͤten, verkuͤndet. Daran erſtattet ihr unſern Willen und Meynung, und wir feynd euch ſamt und ſonders mit Kayſerlichen Gnaden gewogen. Geben auf un -ſernſern Koͤniglichen Schloß zu Prag den 15. Tag des Monaths Martin anno 1608. unſerer Reich, des Roͤmſchen in 33. des Hungariſchen 36. und des Boͤhaimiſchen auch im 33.
Rudolff. L. von Stralendorff V. C. Ad Mandatum Sacræ Cæſareæ Majeſtatis proprium. G. Hertell.
Ehrſame liebe Getreue. Uns iſt zu unſern nicht geringen Mißfallen vorkommen, was geſtalt in unterſchiedlichen Staͤdten und Orten, faſt durch das gantze heilige R. R. allerhand private heimliche Winckeldruckereyen zu dem gemeinen Weſen ſonſt ſehr nuͤtzlichen Buͤcherhandels hoͤchſten Nachtheil und Schaden, wie nicht weniger Unſerm und Un - ſerer Vorfahren im H. R. R. ausgelaßenen Verordnungen zu wider eingefuͤhret und geſtattet werden wollen.
Wann wir aber dergleichen gefaͤhrliche und Unſerer hoͤch - ſten Kayſerlichen Authoritaͤt zu widerlauffende Mißbraͤuche ferner nicht geſtatten, ſondern in allweg abgeſtellet ſehen wollen.
Als befehlen Wir euch hiermit gnaͤdigſt und ernſtlich, daß ihr alle unter euch eingeſchlichene heimliche Buchdrucker ge - buͤhrender maßen abſtraffet, und wieder abſchaffet, auch nach Gelegenheit des Orts auf eine gewiße Anzahl reſtringiret, und alles Ernſts daran ſeyet, daß nicht ſo viel unnoͤthige Buch - drucker Jungen aufgenommen und gelecuet werden, ſondern mittelſt Einfuͤhrung einer ſichern Anzahl der Druckereyen das Buͤcherweſen in eine beßere Ordnung gebracht werden moͤge. Hier -Hieran vollbringet ihr Unſern gnaͤdigſt und ernſtlichen Willen und Meynung, und Wir ſeynd euch uͤbrigens mit Kayſerli - chen Gnaden gewogen. Geben in Unſer Stadt Wien den 23. Martii, Anno 1688. Unſerer Reiche des Roͤmiſchen in 30. des Hungariſchen im 33. und des Boͤheimiſchen in 32.
Leopold. Vt. Leopold Willhelm G. z. Koͤnigsegg. Ad Mandatum Sacræ Cæſareæ Majeſtatis proprium. F. W. Ubertrandt. (L.S.)
Entbicthen allen und jeden, denen dieſer Unſer Kayſerli - cher offener Brief vorkommt, und nach folgender maſ - ſen angehet, Unſere Kayſerl. Gnade ꝛc. Und fuͤgen denenſelben ſammt und ſonders hiemit zu wißen, daß, ob woh - len auf verſchiedenen hiebevor gehaltenen Reichstaͤgen, und ſonſten weyland unſere glorwuͤrdigſte Vorfahrere am Reich, Roͤmiſche Kayſere und Koͤnige, mit derer Churfuͤrſten, Fuͤrſten und Staͤnden des Heil. Roͤm. Reichs guten zeitigen Rath und Vereinigung, Geſetz und Ordnungen dahin ausgehen laßen, daß keiner, von was fuͤr einer er unter denen im Reich zugelaßenen Glaubens Vekaͤnntnißen auch ſeyn moͤge, den andern ſo nicht ſeiner Religion iſt, weniger aber die Glauben ſelbſt mit Worten, laͤſterlichen Buͤchern, Schrifften, ſchimpflichen Gedichten, oder andern dergleichen Erfindungen, boßhafft ohnbeſcheidener Weiſe angreifen, ſchmaͤhen, oder ſonſt ſpoͤttlich anziehen und durch laßen,mit -mithin auch niemand einige gegen die Staats Regierung und Grund Geſetze des Heil. Roͤm. Reichs angeſehene Lehren auf - bringen ſolle; So zeiget doch die taͤgliche Erfahrung, daß dieſen ſo offt ergangenen heilſamen Verordnungen und Reichs Geboten an verſchiedenen Orten nicht nachgelebet, vielmehr ſolchen ſchnur gerad entgegen, hin und wieder dergleichen ſchmaͤhſichtige Buͤcher, Schrifften und Gemaͤhlde verſchiedener Orten im Reich heimlich gemacht, verfertiget, gedruckt, oder von auswaͤrts hereingeſchleiffet, und ohne allen Scheu, Ein - ſicht oder Beſtraffung auf oͤffentlichen Jahrmaͤrckten, Meßen und andern Verſammlungen umtragen, feilgebothen, ausge - ſtreuet, verkaufft und ausgebreitet, nicht minder auch auf of - fentlichen Univerſitaͤten uͤber das jus Civile et publicum ſehr ſchaͤdliche, des Heil. Roͤm. Reichs Geſetze und Ordnungen an - zapffende verkehrte neuerliche Lehren, Buͤcher, Theſes und Di - ſputationes angehebt, und dadurch viele ſo ohnzulaͤßig, als tiefſchaͤdliche Neuerungen gegen die teutſche Grundfeſte, folg - lich Unordnungen in dem teutſchen Reich eingefuͤhret werden. Gleich wie aber dergleichen Zanck und ſchmaͤhſichtige Schreib - arten und Lehren ſo wenig dem Chriſten - und Kayſerthum, als der Gerecht und Erbahrkeit gemaͤß, noch auch zu Ausbreitung der Chriſtlichen Lehre und allerſeitigen Glauben, oder gemein - nutzigen Rechts - und Staats-Sachen den geringſten Rutzen und Ehre, wohl aber ein und anders dieſen empfindlichen Schaden haben, daß daraus an ſtatt der ſo hochnoͤthigen Einigkeit und innerlichen guten Vernehmens, nichts als Zanck, Mißtrauen, Entfernung derer Gemuͤther, Jrrwege auch wohl gar Unfriede, Empoͤrung zu entſtehen pflegen; Alſo haben wir Unſer darob hegendes Kayſerl. Mißfallen oͤffentlich zu erkennen zu geben, und die Handlung derer von Unſern in Gott ruhen - den Vorfahren wohl und Reichs-Vaͤterlich erlaßenen Kayſerl. Verordnungen in Unſere beſondere Sorgfalt und Obſicht zu nehmen, einer Nothdurfft zu ſeyn um ſo mehr befunden, als ſolches Ubel ſich uͤberaus vermehret, und den ohnausbleiblich all - gemeinen Schaden ins Werck ſetzet. Wir befehlen, ſetzen, ord - nen und ermahnen demnach hiemit alle und jede, inſonderheit die Geiſtliche und Prediger, alle Schrifft - und Rechts-Gelehr - te, die Buchdrucker, Verleger und Buchfuͤhrer, ohne Unter - ſcheid der Glaubens-Bekaͤnntniß, ſie ſeyen fremd, oder ein - heimiſche, bevorab die Buͤcher Commiſſarios, Krafft dieſes, nach -druͤck -drucklich erinnerende, bey Vermeidung hoher Strafe, und un - ſer Kayſerl. und des Reichs ſchwehrer Ungnade, alles und je - des, was hiebevor von Zeit zu Zeiten gegen den Mißbrauch der Buchdruckereyen und Herausgebung verbotener Glaubens und Staats Sachen angehender Lehren, Buͤcher und Laͤſter - Schrifften oder Lehr Geſatzen verordnet worden, in genauere Obacht zu ziehen, und dasjenige, was darzu auf einige weiſe Vorſchub geben kan, ſorgſam zuvermeiden und zuverhindern. Zu dem Ende auch alſofort nach Verleſung dieſes, alle Win - ckeldruckereyen abzuſtellen, und nicht zugeſtatten, daß de - ren einige anders, oder an und aus andern Orthen, als in ſolchen Staͤdten und Orthen eingerichtet werden, wo Chur - und Fuͤrſten ihre gewoͤhnliche Hofhaltungen haben, oder Aca - demien und Univerſitates Studiorum, oder wenigſtens anſehn - liche Unſere und des Reichs oder ſolche Staͤdte ſeynd, wo Obrigkeitliche Obſicht gehalten wird. Dann ferner nicht nur keine Buchdrucker zuzulaßen, die da nicht angeſeßene, red - liche und ehrbare Leuthe ſeynd, und ſich nach denen allge - meinen Reichs-Satzungen Uns, und der Obrigkeit des Orts, vermittelſt Eydes und Pflichten, verbuͤndlich gemacht haben, ſich in ihren drucken allem demjenigen, was die Reichs-Sa - tzungen mit ſich bringen, und ihnen vorher wohl zu erklaͤren und einzubinden iſt, gemaͤß zubezeigen, ſondern auch noch hieruͤber bey allen und jeden Buchdruckereyen verſtåndige und gelehrte Cenſores zu beſtellen, und ſolche ebener maßen dahin zu verpflichten, daß Sie ohne deren genaue Durchgehung, Er - laubniß und Genehmhaltung keinen, zumahlen ohne Benen - nung des Erfinders, Schreibers oder Dichters und des Dru - ckers Nahmen und Zunahmen, wie auch der Stadt und des Jahrs etwas zu drucken oder zu verkauffen, vielweniger die Einfuͤhrung ſolcher ſchaͤdlicher Buͤcher aus frembdem Landen und deren Verſchleiß im Roͤm. Reich verſtatten, geſtalten Wir von nun an alles, was ohne ſolche Form und Feyerlichkeit iſt, fuͤr ſtraͤfliche Lafter und Schmaͤh-Carten, mithin allerdings zu vernichten und zur Confiſcation wuͤrcklich in der that aller Or - then erklaͤren. Da aber gleichwohl von einem oder andern, vorgedachter Erinnerung ohngeachtet, oder deren ohngehin - dert, dergleichen Laͤſter, oder andere gegen die Reichs Grund - Geſaͤtze in Glaubens und Staats-Sachen lauffende Lehren, Schmaͤh-Schrifften, Buͤcher, Kupfer und Gemaͤhlde gedrucktundund ausgegeben worden, ſelche alſofort, ohne einige Nach - ſicht, durch jedes Orths Obrigkeit, oder Unſere Kayſerliche Buͤcher Commiſſarios confiſciret, der Urheber, Schreiber und Drucker aber ſo wohl, als alle diejenige, welche ſie zum Ver - kauf herumtragen und ausbreiten, oder ſich darzu gebrauchen laßen, an Guth und Vermoͤgen, auch nach Beſchaffenheit der Sachen und deren Umſtaͤnden, an Ehre, Leib, Guth und Blut ohnnachlaͤßig geſtraft werden ſollen. Dafern nun eine geiſt oder weltliche Obrigkeit im Reich, welche die auch im - mer waͤre, oder wie ſie immer Nahmen haben moͤchte in Er - kundigung ſolcher Dinge nachlaͤßig handeln, oder die ange - zeigte oder ſonſt wiſſendliche Ubertretung nicht mit behoͤrigen Nachdruck abſtellen und beſtraffen, oder auch vielleicht gar mit denen, ſo darwider handeln, ſich unter der Hand verſtehen und Unterſchleiff geben wuͤrde, alsdann wollen Wir, und be - halten Uns bevor, nicht nur gegen den Urheber, Erfinder, Schreiber, Dichter, Mahler, Kupferſtecher, Drucker, Buch - fuͤhrer, Unterhaͤndler und Verkauffer, ſondern auch gegen die geiſt - oder weltl. Lehrer und Prediger, und die nachlaͤßige Obrigkeit ſelbſt ernſtliche Ahndung und Straff, nach Befund der Sachen und deren Umſtaͤnden fuͤrnehmen zu laßen, aller - maßen Wir auch unſeren jetzt und kuͤnfftigen Reichs Fiſcalen, ſo wohl bey Unſerm Kayſerl. Reichshof-Rath, als Kayſerl. Cammer-Gericht hiedurch ernſtlich wollen erinnert haben, daß ſie gegen alle die oberwehnde Uberfahrere dieſer Unſerer Kay - ſerl. Verordnung, ſie ſeyn Geiſt - oder Weltliche, ohne Anſe - hung der Perſonen, auf gebuͤhrende Straffe ohnverzuͤglich an - ruffen, und ihres Orths und Amts nach aller Strenge ver - fahren und handeln ſollen. Wir meynen es ernſtlich. Mit Urkund diß Brief beſiegelt mit Unſerm aufgedruckten Kayſerli - chen Jnſigel, der geben iſt im Unſerer Stadt Wien den 18. Julii 1715. Unſerer Reiche des Roͤmiſchen in vierten, des Hiſpa - niſchen in Zwoͤlfften des Hungariſchen und Boͤhmiſchen aber in fuͤnfften Jahr
Carl (L. S.) Vt. Friedrich Carl Graf von Schoͤnborn. ad Mandatum Sac. Cæſ. Maj. proprium F. F. v. Glandorff.
Lieben Getreuen, Wir werdenn bericht, das dye Druckerey - Geſellen zu Jhena, zu Zeitenn (wann ſye beym trin - ckenn zuſammen kommen,) ſich vnterſtehen ſollen kegen einem andern mit beſenn Worthen anzugreiffenn auch zu ſchla - genn und die Wehren zu zuckenn, daraus denn leichtlich fer - ner Schade und vnrichtigkeit, auch dem angefungen Werck der Druckerey nachtheil erfolgenn mochte; Dieweil aber ſolches zuvorkommen die notturft erfordern wil. So begeren Wir, Jr wollet Jnnen gebiethenn, das ſie ſich bey vermeidunge ern - ſter Straf fridlichen halten vnd keyner denn andern mit Wor - thenn oder Wercken zu Zancken Vrſach geben ſollen, vnd nach ſolchem Geboth wollet darauf achtung geben, Ob ſye demſel - ben werden nachkommen, auch im Valh, da es einer oder mehrer nicht thun, ſondern verbrechen werde, den oder die - ſelben darume jedesmahls zu gebuͤhrliche ſtraff nemen, daran geſchicht unſere Mejnunge. Datum Weymar Sonntags Fa - biani 1557.
Vnſern liebenn getreuen dem Rath zu Jhena
Wir Friedrich Auguſt, von Gottes Gnaden, Koͤnig in Pohlen ꝛc. Seynd zwar wohl erinnert,waswas Wir wegen unbefugten Degentragens ehemahls fuͤr Verordnung ergehen, und deswegen ein oͤffentliches Mandat, unterm dato Cracau den 15. April 1706. ausfertigen, ſol - ches auch ſub dato Dreßden den 3. Julii 1712. renoviren und zu jedermanns Wißenſchafft bringen laßen; Muͤßen aber hoͤchſt mißfaͤlligſt wahrnehmen, wie dieſem gleichwohl entgegen gele - bet, und das Degentragen faſt durch gehends bey denen Hand - werckspurſchen Laqueyen Herrendienern und andern mehr, die deßen nicht befugt, wiederum eingefuͤhret, und allgemein wer - den wollen; Dahero Wir denn bewogen worden, obangezo - genes Mandat de anno 1706. hiermit nachmahls zu erneuern, dergeſtalt, daß, um allen Unfug und andere unfertige Haͤn - del zuverhuͤten, die Miniſtres und Raͤthe Cavalliers Officiers und Dames, denen Pagen, Laqueyen, Reiſigen Knechten und Dienere ꝛc. Durchaus nicht geſtatten ſollen Degen, Sebel, Hirſchfaͤnger, oder verborgene Stillete und ander Gewehr, zu tragen ꝛc. Von dieſen Verboth aber ſind die Raths Perſonen in vornehmen Staͤdten, Kauf - und furnehme Handels Leute, beruͤhmte Mahler, Bildhauer, klein Urmacher, und andere Kuͤnſtler, Gold und Silber Arbeiter Kauf und Handels Diener Buchdrucker ꝛc. eximiret. Nur das kein Praͤtext daher zur Mißhandlung gegen dieſes Verboth genommen werden ſoll, wuͤrde aber ein ſolcher ertappet, und geſtuͤnde es, oder wuͤr - de deßen uͤberfuͤhret, der ſoll doppelte Straffe leiden. Zu deßen Urkund ꝛc.
Auguſtus Rex. (L. S.) George Graf von Werthern. George Rudolph von Gersdorff.
Ehrwuͤrdige Wohlgebohrne und Edle, auch Wuͤrdige lie - be Andaͤchtige und Getreue: Ob wohl hiebevor auf etzlichen, und dann auch den naͤchſten Reichs - Tage, ſo vorſchienes ſiebentzigſten Jahrs zu Speyer gehalten iſt, bey ſchweren Poͤnen ſtatuiret und geboten worden, daß die Obrig - keiten bey ihren. Druckereyen, Buchfuͤhrern und ſonſten ernſt - liche Verſehung thun ſollen, damit keine Schmaͤhebuͤcher, oder dergleichen, dardurch nichts guts, ſondern nur Zanck, Aufruhr, Mißtrauen und Zertrennung alles friedlichen We - ſens angeſtifftet, oͤffentlich oder heimlich gedruckt, verkaufft oder ſonſten ausgehen ſollen, Wir auch zu gehorſamer Folge deßelben gebuͤhrlich befehlich an Rectorn, Magiſtern und Doctorn unſerer Univerſitaͤten zu Leipzig und Wittenberg, des - gleichen auch an Buͤrgermeiſter und Raͤthe etzlicher Unſerer Staͤdte haben ausgehen laßen; So kommen Wir doch in ge - viße Erfahrung, daß ſolchem des heiligen Roͤm. Reichs und Unſerm Gebot an vielen Orten nicht gelebet, ſondern zu ge - ſehen werden will, daß hin und wieder allerley ſchandloſe Schmaͤheſchrifften, und Buͤcher gedruckt, und ohne alles Stra - fen, zuvorab auf den gemeinen Jahrmaͤrckten Meßen und in andern Verſammlungen umbgetragen, feil geben, kaufft und ausgebreitet, darunter dann auch niemand, es ſey Obrigkeit, Herr oder Unterthan, verſchonet werde.
Dieweil dann ſolche vermeßene ungeſcheuchte Frechheit des laͤſterlichen Druckens, und Schmaͤhens um ſo viel mehr zu coerciren, und allenthalben abzuſtellen; ſo ſetzen, ordnen und wollen Wir, daß hinfort in Unſern Churfuͤrſtenthumen, Landen auch der zugehoͤrigen Stifften und Schutzverwandten gebieten, an keinem andern Orte, dann zu Wittenberg, Leipzig und Dreßden, Buchdruckereyen zuhalten verſtattet werden, und ſonſten alle Winckcldruckereyen hiermit ſtracks abgeſchafft ſeyn ſollen.
Ferner, ſo befehlen Wir hiermit auch ernſtlich, ord - nen und wollen, daß hinfurt keinen Buchdrucker zugelaſſen, oder ihme zu drucken verſtattet werden ſoll, der nicht zuvorn von Unſern Raͤthen darzu redlich, erbar, und allerdinge tuͤg -lichlich erkannt, auch mit ſondern leiblichen. Eyd darzu eingenom - men ſey, daß er ſich in ſeinem Drucken dieſer des heiligen Reichs und Unſer Ordnung und befehlig gemaͤß verhalten wol - le; ſo ſoll auch einem jeden alle laͤſterliche ſchmaͤheliche Buͤ - cher, Schrifften, oder Gedicht in Druck zu geben, oder zu drucken, durchaus bey hoher Straf, auch Verluſt derer Buͤ - cher und Druckereyen verboten ſeyn, und ſoll auch keiner et - was zu drucken Macht haben daß nicht zuvorn von Unſern verordneten Hof-Raͤthen, auch denen Rectoren und Profes - ſoren beyder Unſerer Univerſitaͤt zu Wittenberg und Leipzig er - ſehen, und alſo umbzudrucken erlaubt ſey, und ſoll alsdann auch der Buchdrucker, des Dichters oder Autors gleich - falls, ſeinen Nahmen und Zunahmen, die Stadt und Jahr darzu ſetzen.
Da aber deren Dinge eines, oder mehr unterlaßen, nicht alleine die gedruckten Buͤcher, und Schrifften alsbald von der Obrigkeit confiſciret, ſondern auch der Drucker, und bey wem die zu kauffen, oder ſonſten auszubreiten begriffen, am Gut oder ſonſten nach geſtalt und vermuͤge gemeiner Recht unnachlaͤßlich geſtraft werden.
Gebieten und befehlen hierauf ernſtlich, daß dieſem Un - ſern Geboth und Verboth bey Vermeydung der darinnen ver - leibten und andern ernſtlichen Poͤnen und Strafen endlich nach gegangen und gelebt werde, daran beſchicht Unſere zuverlaͤßi - ge gaͤntzliche Meynunge, zu Urkund mit Unſerm hier zu End aufgedruckten Secret beſiegelt, urd geben zu Dreßden den 26. May, Anno 1571.
(L. S.)
Von GOttes Gnaden, Wir Chriſtian der andere, Hertzog zu Sachſen, des H. Roͤm. b 2Reich -Reichs Ertz-Marſchall und Churfuͤrſt, ꝛc. ꝛc. ꝛc. Belennen und thun kund hiemit jedermaͤnniglich. Nachdem Uns unſere lieben Getreuen die Buchdrucker zu Leipzig und Wit - tenberg in Unterthaͤnigkeit zu erkennen gegeben ꝛc.
Weil auch mit dieſer loͤblichen freyen Kunſt der Druckerey es alſo bewandt, daß darzu ein uͤberaus großer Fleiß und Vor - ſichtigkeit von noͤthen, wenn jedem Ding ſein Recht geſchehen ſoll; Und gleichwohl bißher nicht geringer Mangel und Klage uͤber Unfleiß bey etlichen ſich ereignet, daß auch dannenhero die Hohe Chriſtliche Obrigkeit zu mehrmalen verurſachet, ernſtliche Gebot und Befehl hierinnen zu geben; Als ſoll hiermit ein ieder, der den Beruff darzu hat, ſeines Amts und Pflicht erinnert ſeyn, demſelben dermaſſen obzuliegen und nachzuſetzen, wie er es ge - gen GOTT und ſeiner vorgeſetzten Obrigkeit und Herrſchafft, mit gutem Gewißen zu verantworten gedencket.
Der Herr der Druckerey, wenn er dieſelbe mit nothwen - digen Schrifften, und allem, was darzu ſonſt gehoͤrig, wohl ver - ſehen und die Correctur nicht ſelbſten verſehen kan, ſoll vor allen Dingen uf einen gelehrten und fleißigen Correctorem, auch fleiſ - ſige Geſellen, ſo neben gottſeligem chriſtlichen und erbarn Le - ben dieſer Kunſt wohl erfahren und geuͤbt, mit aller Sorgfaͤltig - keit bedacht ſeyn, und ſich uͤm dieſelbige bemuͤhen; Er ſoll auch bey ihnen fleißige Jnſpection und Aufſicht haben, darmit ein ieder an ſeinem Orte dasjenige, was ihm gebuͤhret, treulich verrichte. Dargegen ſie ſchuldig ſeyn, dem Herrn gebuͤhrliche Ehre und Gehorſam in allen zu erzeigen, und nicht ſich ihm wi - derſetzig machen, wenn ſie ihrer ſchuldigen Pflicht erinnert, und uͤm Unrecht geſtrafft werden, vielweniger mit thaͤtlicher Gewalt (wiewohl ehemals freche und leichtfertige Geſellen ſich unterſtan - den) an ihm zu vergreiffen; Die dann ihr Gericht und Urtheil aus dem vierdten Gebot des Geſetzes Gottes erlernen und gewar - ten moͤgen.
Soll ein Fiſcus, oder Lade, aufgerichtet und gehalten werden, damit es aber unverdaͤchtig zugehe, ſo ſoll der Fiſcus, oder Lade, bey einem Herrn in Verwahrung, um daſelbſt die Einlage geſchehen zu koͤnnen, die Schluͤſſel einer dem Herrn, und den andern einem Geſellen uͤberantwortet, und von halben Jahren zu halben Jahren uͤmgewechſelt, auch andere darzu ge - ordnet werden, da dann eine allgemeine Zuſammenkunfft der Herren und Geſellen geſchehen ſoll, und ſich keiner, ohne erheb -licheliche Urſache und Verguͤnſtigung bey dem Fiſco abſentire, bey Straff eines halben Guͤldens.
Mit Annehmung derer Geſellen, ſoll es, wie vor Alters gebraͤuchlich, gehalten werden, daß ſie von einem Leipzigiſchen Marckt, biß zum andern angenommen, und keinem, zwiſchen derſelben Zeit, ohne erhebliche Urſachen Urlaub gegeben wer - de. Dargegen ſoll auch ein jeder Geſell ſchuldig ſeyn, dieſel - be Zeit ehrlich auszuhalten, und ſeine Arbeit gebuͤhrlich zu verrichten.
Nachdem auch bißanhero das leichtfertige und liederliche Feyern unter denen Geſellen ſehr gemein worden, alſo, daß einer um den andern, ungeacht ob Feyertag oder keine vorhan - den, ſich unterſtehet zu feyren, ohn alle billige und nothwendi - ge Urſach, nur mehrentheils um des unchriſtlichen Sauffens, Schwelgens und Tolliſirens willen; dem Herrn aber hierdurch großer und mercklicher Schade zugefuͤgt, auch die Verleger an ihren Wercken, die alsdenn nicht zu rechter Zeit verfertiget wer - den koͤnnen, großen Verluſt und Schaden erleiden muͤſſen; auch ſolche Geſellen ihnen ſelbſt damit an ihrem Lohne und was ſie alſo unnuͤtzlich verſchwenden, ein merckliches abkuͤrtzen und einbuͤßen, und offt mancher, daruͤber in Schulden geraͤth, die er uf die Meß nicht zahlen kan, und wohl derſelbe unbezahlt darvon ziehet, und einen boͤſen Nahmen hinter ſich laͤßt: dar - an zwar auch mancher ehrlicher Geſelle keinen Gefallen traͤgt / und lieber ſeiner Arbeit warten wollte, wann nicht einer an den andern mit der Arbeit verbunden, daß er auch mit feyren muͤſte. auch ſich wohl begiebt, daß einer dem andern zu Trotz aus eig - ner Rache mit feyren gegen ihn raͤchen will, ohnangeſehen, daß ſelbe mit des Herrn groͤſten Schaden und Verderb geſchicht. Als ſoll hiermit ſolch unordentlich und allerſeits hochſchaͤdlich fey - ern gaͤntzlich abgeſchafft und vermieden werden. Wann auch offt zu geſchehen pfleget, daß ein oder mehr Geſellen in einer Druckerey muthwillig nicht allein vor ſich zu feyern pflegen, ſon - dern auch in andern Druckereyen umher gehen, und daſelbſt die Geſellen aufwiegeln, und von der Arbeit abziehen und mit ſich nehmen, oder daſſelbe durch heimliche Practiquen beſtellen; Als ſollen hinfuͤro diejenigen, ſo hierinnen ſich vergreiffen, nicht allein um die geurſachte Verſaͤumniß angehalten, ſondern auch um 1 fl. in Fiſeum, oder Lade, geſtrafft werden.
b 3Da -Damit auch muthwilliges Zechen bey der Arbeit und ſonſt zur Unzeit in Druckerey nachbleibe, ſo ſollen die Geſellen ihre Jntroitus und Nahmen auch andere Vortheile zuſammen ſpa - ren, dieſelben kurtz vor der Meſſe oder uf andere bequeme Zeit, auch nicht ohne des Herrn Vorwiſſen und Bewilligung, ver - trincken, weil gemeiniglich hierdurch den folgenden Tag die Arbeit verſaͤumet wird.
Weil ſich offt zutraͤgt, daß man aus Noth einen Geſellen von einer Preſſe, oder Kaſten, und aus einem Werck nehmen, und in das andere ſtellen muß, ſo ſoll ſich deſſen keiner zu weigern befugt ſeyn, noch auch einen beſondern Vortheil oder Genieß daran zu haben ſich anmaßen.
Nachdem auch manchmal durch allzuviel unnuͤtzes Geſchwaͤtz in Druckereyen unter der Arbeit, da einer den andern vexiret, zu Verdruß redet, luͤgen heißt, fluchet und GOTT laͤſtert, o - der andere zur Banck hauet, nicht alleine in Setzen und Dru - cken große Verhinderung geſchicht, daß mau uf die Arbeit nicht acht giebt, darinne geſaͤumet wird, und nicht mit gebuͤhrlichen Fleiß das Seine verrichten kan, ſondern auch offtmals hierdurch heimlicher Groll, Feindſchafft und Schlaͤgerey angerichtet wird; als ſoll daſſelbe hiermit, und bey einer nahmhafften Strafe, die auf Erkaͤnntniß der Herren und Geſellen, oder auch nach Gelegenheit der Verordenten zum Fiſco ſoll geſtellt weden, verbothen ſeyn.
Da ſich auch einer gegen den andern mit Scheltworten, oder Schlaͤgen in des Herrn Hauß oder Druckerey vergreifft, ſoll der Anfaͤnger mit 2 fl. und der andere, ſo er Urſache darzu geben, 1 fl. zur Strafe verfallen ſeyn; Da, es aber außerhalb der Druckerey geſchaͤhe, ſoll folches beym Fiſco, oder Lade, nach Erkaͤnntniß geſtrafet werden; Doch hiermit der Obrig - keit nichts an ihrem Rechte benommen
Damit es auch im Straffen deſto gleicher und billiger zu - gehe, und keinen uͤm Gunſt oder Ungunſt willen zuviel geſchehe, ſo ſoll ohne Bey ſeyn und Einwilligung des Herrn in jeder Dru - ckerey hinfort keinem einige Strafe auferleget werden.
Dieweilen auch bißanhero die Geſellen einen Gebrauch ge - habt, daß ſie oftmals heimliche Conventicula und Zuſammen - kuͤnffte vor ſich alleine angeſtellet, und gehalten, daraus her - nach allerley Argwohn, Ungelegenheit und Beſchwerung zwi - ſchen Herren und Geſellen entſtanden, ſo ſollen hinfuͤro dieſelbengantzgantz und gar abgeſchafft und vermieden werden; Da aber ei - ner oder der andere hierzu Anlaß und Urſach geben wuͤrde, der, oder die, ſollen jeder 1 fl. in Fiſcum, oder Lade, zur Strafe verfallen ſeyn.
Weil auch die Erfahrung bißher bezeiget, wie ſchwerlich in Verſammlung der gantzen Geſellſchafft, auch offt eine geringe Sache zu vertragen geweſen, indem ein jeder das Wort fuͤhren und Richter ſeyn wollen, und alſo, wohl unverrichter Sachen voneinander gehen, oder doch viel Wort und Zeit vergeblich verlieren muͤßen; Als ſoll es hinfort alſo gehalten werden: Wann etwas bey der gantzen Geſellſchafft zu vertragen, ſoll den De - putirten zum Fiſco daſſelbe zu ponderiren und zu deliberiren heimgegeben, auch was ſie darauf ſchließen und fuͤr Recht er - kennen, demſelben nachgelebet werden. Waͤre aber die Sache ſo wichtig, daß man mehr Perſonen darzu vor noͤthig achtete, ſoll alsdenn denenſelben noch aus jeder Druckerey ein Geſell, und die Herren ſaͤmmtlich zugeordnet werden; Dieſe ſollen die Sa - che aufs beſte, ohne jemandes Anſehen, Gunſt oder Abgunſt erwegen, darauf erkennen, darbey es auch bleiben ſoll. Und ſollen in Verrichtung ſolcher Streitſachen die Deputirte Herren und ihre Aſſeſſores einen Ort alleine inne haben, und nicht mehr als Klaͤger und Beklagter vorgelaſſen werden.
Und nachdem Buchdruckerey eine ehrliche, loͤbliche, nuͤtz - liche und nothwendige Kunſt iſt, ſo ſoll es auch billig allenthal - ben ehrlich und ordentlich dabey zugehen, und darauf keiner ge - dultet werden, der nicht gut Zeugniß ſeiner ehrlichen Geburt und chriſtlichen Verhaltens, glaubwuͤrdige Kundſchafft haͤtte; Wollen auch hiermit angeordnet haben, daß hinfuͤro keiner ſich mit verdaͤchtigen Weibesperſonen, die ihren Ehren nicht from, von andern in der Unehe Kinder gezeugt, oder ſonſt eines boͤſen Nahmens und Geruͤchts ſeyn, in Ehe-Verloͤbniß einlaßen und ſolche freyen ſolle: Da aber ſolches geſchehen, ſollen dieſelbe unter dieſer ehrlichen Geſellſchafft nicht gefoͤrdert, noch gedultet werden.
Es ſoll auch kein Junge dieſe Kunſt zu lernen angenommen werden, er habe dann ſeinen Geburtsbrief bey dem Herrn nie - dergelegt, oder man habe ſeiner ehrlichen Geburt ſonſt guten Grund und Wiſſenſchafft.
So auch ein Geſelle Schulden machte bey feinem Herrn oder andern, (dafuͤr ſich aber ein jeder billig huͤten ſoll) ſo ſollb 4erer daßelbe vor ſeinem Abſchied des Orths zu zahlen und abzutra - gen ſchuldig ſeyn, oder mit ſeinen Glaͤubigern ſich vergleichen, auch ſeiner Zuſage nachkommen; wuͤrde aber ſolcher einer un - verrichtet davon ziehen, oder auf beſtimmte Zeit nicht einhal - ten mit der Bezahlung, dem ſoll vom Herren oder Geſellen, ſo den Fiſcum, oder Lade, inne haben, alſobald nachgeſchrieben, und an keinem Orte gefoͤrdert noch gedultet werden, biß er ſich mit ſeinen Creditoren abgefunden und ſie bezahlet haͤtte, damit nicht ehrliche Leute in Schaden gefuͤhret, und der Loͤbl. Kunſt ein Schandfleck angehaͤnget werden moͤge.
Es ſollen auch die Geſellen, ſo bey dem Herrn im Hauſe ihr Lager haben, zu rechter Zeit Abends daheim ſeyn, und uͤber gebuͤhrliche Zeit nicht außen bleiben, als von Oſtern bis Michaelis uͤm 10 / und da an biß wieder auf Oſtern um 9. Uhr. So ſich aber einer verſpaͤtet, der ſoll an dem Orte bleiben, da er iſt, damit der Herr im Hauſe und ſeine andere Geſellen in ihrer Ruhe ungeſtoͤhrt oder unverhindert, und die Thuͤren verwah - ret bleiben moͤgen. Da aber einer uͤber die Zeit außen bleiben, hernach vor der Thuͤr mit Ungeſtuͤm anklopffen, oder auch im Hauſe und Kammern entweder mit leichtfertigen fluchen, jauch - zen und Geſchrey tumultuiren und dergleichen ſich erzeigen, und dem Herrn und andern Geſellen, auch wohl den umwohnenden Nachbarn verdrießlich und beſchwerlich ſeyn wuͤrde, der ſoll 1 fl. zur Strafe verfallen ſeyn; Der Obrigkeit hiermit nichts benommen.
Wann dann ein Lehrjunge, der dieſe Kunſt lernen will / mit allem Fleiß unterrichtet werden muß, ſo ſoll der Herr den - ſelben, wenn er ihn dißfalls nicht ſelbſt unterweiſen wollte, es ſey im Setzen oder Drucken, einem Geſellen untergeben, der ſoll denn ſchuldig ſeyn, den Jungen nicht allein im Ziehen und Auftragen, ſondern auch im Zurichten dermaßen zu unterwei - ſen, daß er zum wenigſten in denen Formaten, in welchen er die erſte Meſſe angefuͤhrt, das Zurichten, und was dazu gehoͤrig, begreiffen und faſſen moͤge, und wann das geſchehen, und der Junge bey einen andern beſtehen kan, ſollen dem Geſellen da - fuͤrfl. am Gelde gegeben werden.
Deßgleichen im Setzen, ſoll der Setzer, ſo einen Jungen anfuͤhret, ehe er das Anfuͤhre-Geld fordert, ihn mit Fleiß un - terweiſen, und zum wenigſten ſo weit bringen, daß er im geſchrie - benen Exemplar mit Setzen und Ausrechnen zur Noth fortkom -menmen kan, auch im corrigiren und revidiren ihm zu vertrauen ſey, denn hierinnen bißher großer Mangel geſpuͤhret worden, daß es auch das Anſehen faſt haben wollen, man werde kuͤnfftig wenig ſolche Setzer haben, die ſolches verrichten koͤnnen, dar - an denn die Anfuͤhrer oft nicht wenig Schuld haben, daß, wenn ſie das Geld empfangen, ſich ferner wenig darum annehmen, was ein Junge lernet, welches ſie dann ſchwer zu verantworten haben.
Nachdem ſich auch unter denen Geſellen offtmals etliche un - terſtehen, die Jungen zu verhetzen, und von dieſer Kunſt abzu - reden, indem ſie Druckerey aufs aͤußerſte vernichten, auch wohl mit Draͤuworten, Ungeſtuͤm und Schlaͤgen Urſach geben, daß die Jungen, zuwider ihrer Verſprechung und Zuſagung, aus - treten und entlauffen, damit ſolche Geſellen vermeynen, deſto laͤnger gefoͤrdert zu werden, und ihre Herren deſto mehr zu tro - tzen, welches aber ein unchriſtlich Vornehmen und wider das zehende Gebot eine ſchwere Suͤnde iſt, dafuͤr ſich billig ehrlie - bende Geſellen huͤten ſollen. So ſoll auch dieſes hinfuͤro bey ei - ner nahmhafften Strafe verbothen ſeyn, welches bey dem Fi - ſco, oder Lade, ſoll geklagt und gebuͤßet werden.
Es ſollen auch die Geſellen nicht vorſetzlich und wider des Herrn Willen, die Jungen zur Unzeit von der Arbeit verſchicken; auch nicht, daß ſie an der Arbeit aus Nachlaͤßigkeit verſaͤumen, die Jungen hernach und am Sonntage wieder allein nachho - len, und wieder einbringen laßen. Derowegen ſoll die Sonn - tags - Arbeit, da man die Predigten daruͤber verſaͤumet, ohne beſondere Nothwendigkeit gantz eingeſtellet, und vermie - den werden.
Auch ſoll einem, ſo bald er ausgelernet, ſeine Beſoldung, gleich einem Geſellen, werden, und uf die erſte Zuſammenkunfft ſoll er ſich bey dem Fiſco, oder Laden, angeben, neben ſeinem Herrn, da er gelernet, und angeloben, ſein Poſtulat zu ver - ſchencken, da ihm denn ſein Herr woͤchentlich uͤber 3. Groſchen nicht heraus geben ſoll, biß er das Geld zum Poſtulat verdienet. Da er ſich aber muthwillig und ungebuͤhrlich erzeigte, daß ihn ſein Herr ſo lange nicht dulten koͤnte, auch kein ander des Orts derentwegen ihn foͤrdern wollte, ſo ſoll ihm, ſo lange er um Beſoldung gearbeitet, auf jede Woche 4. Groſchen abgezogen, und in Fiſcum, oder Lade, geleget werden, und ihm hernach vergoͤnnet ſeyn, an andern Orten ſein Poſtulat zu verſchencken. b 5EsEs ſollen auch die Geſellen nicht leichtlich den Cornuten Urſach geben, daß ihrige zu verthun, noch ſie mit ſich in Zechen und Gelag fuͤhren, ſondern lieber zur Sparſamkeit vermahnen und anhalten, damit ſie deſto eher ihre Gebuͤhr denen Geſellen und Herren entrichten koͤnnen.
Nachdem auch biß anhero, wenn man neue Geſellen beſtaͤ - tiget, große Unkoſten getrieben, iſt vor nothwendig erachtet, dieſelben etlicher maßen zu moderiren. Und ſoll hinfuͤro derje - nige der ſich zum Geſellen machen und beſtaͤtigen will laſſen, in allemfl. baar Geld zu geben ſchuldig ſeyn, und weder mit dem Einlade-Geld, Kraͤntzen, oder Spielleuten beſchweret, ſondern damit allerſeits verſchonet werden. Und ſollen die Po - ſtulate bey dem Herrn, da die Jungen gelernet, oder wo es die Gelegenheit nicht geben wollte, bey einem andern Buchdrucker - Herrn, gehalten, und, ohne beſondere Urſache, an keinen frembden Ort geleget werden. Wann nun einer alleine ſein Po - ſtulat verſchencken wollte, und nicht Hoffnung waͤre, daß noch einer oder mehr in kurtzem darzu kaͤme; ſo ſoll nur eine Mahlzeit angeſtellet werden, darzu allein die Herren und Geſellen, ſo da - mahls in Arbeit ſtehen, ohne die Weibesperſonen, ſollen ein - geladen werden. Wie es nun hiermit anzuſtellen waͤre, ſoll von Herren und Geſellen, ſo zum Fiſco, oder Laden, verordnet, berathſchlaget und geſchloſſen werden, darnach ſich dann die andern richten ſollen, und keiner darwider reden oder ſich ſetzen, bey Strafe 1 fl. in Fiſcum.
Weil auch in Poſtulaten und ſonſten, wann man Cola - tion haͤlt, etliche Geſellen unterm Haufen alle wege gefunden werden, die da vermeynen, man koͤnne nicht froͤlich ſeyn, wenn nicht mit uͤbermaͤßigen Geſchrey, Jauchzen, Blecken, Tolliſiren, auch wohl fluchen und Zancken und andere Leicht - fertigkeit, ſich eines ergoͤtzen, und es nach ſeinem Willen trei - ben ſollte, darbey dennn nicht allein der Gottesfurcht und al - ler Ehrbarkeit (in welcher man mit Ehren und guten Gewis - ſen auch froͤlich ſeyn kan und ſoll,) vergeßen, und dieſelbe hin - dann geſetzet wird, ſondern auch deßen ſich Gottesfuͤrchtige Hertzen, ſo darbey ſeyn ſollen, ſchaͤmen muͤßen, und zumal fuͤr frembden Leuten, die man bißweilen darbey hat, ein maͤch - tiger Ubelſtand iſt, und einen boͤſen Nachklang verurſacht, daß diejenigen ſo taͤglich mit Schrifften und Buͤchern umge - hen, und billig mehr von guten Sitten, Zucht, Tugend undEhr -Ehrbarkeit, als andere gemeine Leute und Handwercker, ler - nen und uͤben, auch andere gute Exempel geben ſollen, wann ſie die Naſen begoßen, es aͤrger machen als etwa Capitler, oder Holluncken, welches denn neben dem Ubelſtand auch eine große Suͤnde und Aergerniß iſt, und gegen GOtt ſchwerlich zu verantworten. Als ſoll ſolches ernſtlich hinfort verbothen, und keinen, er ſey auch wer er wolle, wenn er einmal deßen erinnert wuͤrde, ungeſtrafet verſtattet ſeyn, damit man ſich nicht andern Leuten zum Spott mache, Aergerniß gebe, und dieſer loͤblichen Kunſt einen Schandfleck anhaͤnge.
Was endlich anlanget Martins - Feſt und Faſtnachten da man den Geſellen etwas guͤtlicher als ſonſt mit Eßen und Trincken zuthun pflegt, ſoll einem jeden Herrn nach ſeinem Willen und Vermoͤgen freyſtehen, was er zum beſten geben will oder kan, und keinem von den Geſellen hierinnen etwas vorgeſchrieben werden, darbey denn auch uͤber ein Feyertag nicht ſoll gemacht werden, und bey Poſtulaten zum meiſten zwey Feyertage, auf wieder Einbringen ſollen zugelaßen ſeyn, da man ſonſt mit großen Schaden und Verſaͤumniß, ein Tag 3. oder 4. ungearbeitet mit Schwelgen und Tolliſiren zuzu - bringen ſich unterſtanden hat.
Wann eines von Druckerey verſtirbet, es ſey gleich Herr oder Geſell, Weib oder Kind, Junge oder Magd, ſo ſollen alle Herren und Geſellen oder ihre Weiber mit zu Grabe gehen und den Traurenden von Hauß aus biß aufn GOttes - Acker, und von dannen biß wieder zu Hauß das Geleite geben, bey Strafe 3 gl.
Was ferner zu Aufnehmen und Erhaltung dieſer loͤbli - chen freyen Kunſt Buchdruckerey moͤchte von noͤthen ſeyn, daß wollen wir uns hiermit vorbehalten haben, jederzeit zu ver - beßern und zu vermehren ꝛc.
Ratifieiren, confirmiren und beſtaͤtigen auch vielgemel - dete Ordnung und Articul hiermit und in Krafft dieſes fuͤr uns und den Hochgebohrnen Fuͤrſten, Herrn Johann Geor - gen und dann in Vormundſchafft des auch Hochgebohrnen Fuͤrſten, Herrn Auguſten, beyde Hertzoge zu Sachſen ꝛc, Unſere freundliche liebe Bruͤdere, und wollen daß denſelben in allen Punckten, Clauſuln, und Articuln, Jnhaltungen und Meynungen nachgegangen, und dargegen nichts fuͤrgenommen werde. Dabey wir ſie auch zurecht Handhaben, ſchuͤtzen undſchir -ſchirmen wollen, alles getreulich und ohne Gefehrde. Zu Ur - kund haben Wir dieſe zwo gleich lautende geſchriebene Confir - mationes, mit eigner Hand unterzeichnet, auch mit unſern Cantzley Secret wißentlich verſiegeln, und eine denen Buch - druckern zu Leipzig, die andere aber denen zu Wittenberg zu ſtellen laßen. Geſchehen zu Dreßden am erſten Monatstag Aprilis nach Chriſti Geburth im 1606. Jahre.
Chriſtian, Churfuͤrſt.
Hiermit thun kund. Weil bißhero die Jnſpection uͤber die Druckereyen ſehr unfleißig gehalten worden; So wollen Wir ſolche hiermit dem Rectori und Decanis aufgetragen haben, welche ihnen ſolche mit Fleiß angelegen ſeyn laßen, und unter an - dern verhuͤten ſollen, daß ſie in den Druckereyen daran ſeyn, daß ſchoͤne typi gutes Pappier und tuͤchtige Cor - rectores gebrauchet, Jnſonderheit aber, daß forthin die Correctur der Bibeln niemand als unſern hohen Stipendiaten Theologiaͤ, gegen ziemlicher Ergoͤtzung, etwa von jeder Bibel 25 fl. vertrauet, und ſie darauf ſolche Correctur ſelbſt und treulich zuverrichten ver - eydet, auch ſonſten von den Verlegern und Druckern der Ordnung allenthalben nachgelebet, oder die Ver - brecher zu unnachlaͤßiger Strafe gezogen werden. Ur - kundlich ꝛc.
Johann Georg Churfuͤrſt. (L. S.)
Nachdem Wir auch bedacht, daß bey jetziger Ver - aͤnderung und Abſetzung der Muͤntze, allerhand neue Mißbraͤuche und Steigerung der Waaren, Victualien Handwercker und Arbeiter Lohn, und an - derer dergleichen Dinge derer man in gemeinen Leben nicht entrathen kan, entſtehen, und eigennuͤtzige Leute ſich ſolcher Muͤntz Veraͤnderung zu ihren unchriſtli - chen Vortheil und des Naͤchſten Beſchwerde mißbrau - chen moͤchten, haben Wir eine Nothdurfft befunden, auf eine gewiße Tax Ordnung, wie eines und das an - dere gekaufft, bezahlt und verdinget werden ſolle, zu gedencken, die Wir denn durch gewiße Perſonen in al - len Kreyſen, nach fuͤrgegangener fleißiger Berathſchla - gung, zu Pappier bringen, hernach mit Fleiß revidi - ren, examiniren, und auf gnaͤdigſte Approbation und Beliebung zu maͤnnigliches Wißenſchafft publiciren laßen.
Krafft dieſes, gnaͤdigſt begehrende, und ernſt - lich befehlende, daß ſich maͤnniglich, nicht allein un - ſerer inlaͤndiſchen und einheimiſchen Unterthanen, ſon - dern auch auswaͤrtige, die ſich der Commercien, Han - dels und Wandels in Unſern Churfuͤrſtenthum und Landen gebranchen, bey Vermeydnng derer in unſerm Muͤntz Edict, beniemten Strafen, und andern ern - ſten Einſehen, darnach achten, hierwieder das Ge - ringſte, weder oͤffentlich noch heimlich practiciren, handeln und fuͤrnehmen, auch andern dergleichen zu thun keinen Vorſchub und Anlaß geben, zufoͤrderſt aber die Obrigkeit jedes Orts mit allen Fleiß und Ernſt darob halten, und die Verbrecher ohne alles An - ſehen der Perſon zu ernſter unnachlaͤßiger Strafe zie -henhen ſolle, alles nach unſern Jnnhalt unſers vorbeſag - ten oͤffentlichen Edicts.
Darnach ſich maͤnniglich um ſo viel mehr deſto gehor - ſamlich darnach zu achten, und vor Schaden und Strafe zu huͤten haben moͤge. Daran geſchiehet un - ſere endliche ernſte Meynung. Actum in unſerer Fe - ſtung Dreßden, den 31 Julii 1623.
Johann George I. Churfuͤrſt. L.S.
Hiermit thuen kund: und wollen, ſo viel letzlichen die Druckereyen anbelanget, daß uf ſolche fleißig Acht ge - geben werde, damit darin nicht allein ein ſchoͤner Ty - pus und beſſer Pappier, als bißhero geſchehen, ſonderlich bey Auflegung nuͤtzlicher Buͤcher gebrauchet, die Correctur recht verrichtet, und in keiner Facultaͤt ohne Ceuſur derſelben, oder deren Decani, auch von Carmmibus ohne vorbewuſt und Uber - ſehung des Profeſſoris Poeſeos nichts in Druck gegeben werden moͤge. Zu Urkund etc.
Johann George Churfuͤrſt. (L.S.) Carl Freyherr von Frieſen. Joh. Chriſtian Willhelmi.
Wuͤrdiger, Hochgelahrter, Lieber, Andaͤchtiger und Getreue. Demnach wir berichtet worden, daß bißan - hero allerhand in denen Reichs - Abſchieden und Lan - des-Conſtitutionen verbotene Buͤcher, Chartecken, Schmaͤh - Schand - und Laͤſter - auch theils dem Publico gefaͤhr - und praͤjudicirliche Schrifften in Unſern Landen eingefuͤhret und verkauffet, auch wohl gar an ein oder anderm Ort, ohne Meldung der Authorum, Stadt und Jahres, gedrucket worden, welches denen ſo offt ergangenen Befehlen und dem von Druckern abgelegten Eyd, ſchnur ſtracks zuwider; Als iſt hiermit Unſer Begehren: Jhr wollet zu Leipzig mit allem Fleiß unterſuchen laſſen, ob ſich dergleichen verbotener Druck befin - det, und Uns darvon unterthaͤnigſten Bericht einſenden, die ſaͤmmtliche Buchfuͤhrer, Haͤndler, Drucker und Buchbinder aber vor euch erfordern, und ihnen auferlegen, daß ſie ſich der Einfuͤhrung und Druckung dergleichen famoſ - auch aͤrgerlichen und unnuͤtzen Schrifften, bey Vermeidung Un - ſerer ernſten Strafe enthalten, und niemanden, ohne gehoͤrige Cenſur etwas drucken, die Cenſores aber fleißige Acht haben, und bey ereignetem Zweiffel zu Unſerm Ober-Conſiſtorio davon jederzeit Bericht erſtatten, und Unſere Reſolution darauf er - warten ſollen. Daran geſchicht Unſere Meynung. Datum Dreßden, den 5. Dec. 1683.
Carl Freyherr von Frieſen. Th. Werner.
Fuͤgen allen und jeden Buchdruckern und Buchhaͤndlern, welche in Unſern Landen ſeßhafftig, ingleichen welche die Leipziger Meſſe bauen, welchergeſtalt Wir Zeithero wahrgenommen, wie bey dem Buchdruck und Handel unterſchied - liche Mißbraͤuche einreiſſen wollen, indem etliche ſich unterfan - gen, des Heil. Reichs heilſamen Conſtitutionen auch Unſern und Unſerer in GOTT ruhenden Vorfahren, oͤfftern Verord - nungen zuwider, allerhand aͤrgerliche Schrifften und Scar - teken, ohne Benennung des Orts und Autorum, zu drucken und zu verkauffen, auch Unſern vielfaͤltigen Befehligen, die Cenſur der Buͤcher betreffende, zuwider handeln.
Als befehlen Wir allen in Unſerm Chur-Fuͤrſtenthum und Landen wohnenden Buchdruckern, Buchfuͤhrern ꝛc. daß hinfuͤ - ro ſich keiner, wer der auch ſey, unternehmen ſolle aͤrgerliche Schrifften, Paſquille, Scarteken und zwar ſo wohl in Reli - gions als politiſchen Sachen, in Druck zu bringen, oder oͤffent - lich oder heimlich zu fuͤhren und zu verkauffen; Jngleichen keine Bucher ohne Cenſur auch Beyſetzung des Orts und Nahmen der Autorum und Buchoͤrucker, auch Verleger, zu drucken; die Leute mit uͤbermaͤßigen Tax und unchriſtlichen Wucher, beym Verluſt der Buͤcher, zu uͤberſetzen, und ſich des verbotenen Nachdruckens zum hoͤchſten Schaden derer, welche Buͤcher von de - nen Autoribus redlicher Weiſe an ſich gebracht, auch wohl Pri - vilegia erlanget, zu enthalten; Vielmehr ſollen Buchdrucker und Haͤndler dahin beflißen ſeyn, daß ſie erbauliche, nuͤtzliche und gute Schrifften zum Druck befoͤrdern, anſchaffen und um rechtmaͤßigen billigen Preiß verkauffen, die Privilegia von Wort zu Wort den Buͤchern vordrucken, auch die Exemplaria, welche ſie Jnnhalts der Privilegien einzuſchicken ſchuldig, die erſte Woche der Leipziger Meſſe, und zwar collationiret, dem Buͤ - cher-Fiſcal, gegen ſeinen Schein, aushaͤndigen, und da ein oder der andere darinnen ſich ſaͤumig erzeiget, ſoll er die andere Woche die Exemplaria in duplo zu entrichten ſchuldig, da er aber mit der Extradition die erſte Meſſe, in welcher er die Buͤcher zu di - ſtrahiren anfaͤnget, gar an ſich halten wuͤrde, aller Exempla - rien und des Privilegii verluſtig ſeyn, die Execution auch wuͤrck - lich wider ihn unnachbleiblich vollſtrecket werden. Wornach ſich ein jeder zu achten. Urkundlich haben Wir dieſes Mandat mit eigenen Haͤnden unterſchrieben, mit Unſern Chur-Secret wiſ - ſentlich bedrucken, auch damit es zu jedermanns Wiſſenſchafftc 2kom -kommen moͤge, ſolches zu oͤffentlichen Druck bringen laſſen. So geſchehen zu Dreßden am 27. Tag Febr. 1686.
Johann George Churfuͤrſt. (L.S.) Carl Freyherr von Frieſen. Theod. Werner, S.
Friedrich Auguſtus, Koͤnig und Churfuͤrſt ꝛc. Veſte, lieber Getreuer. Nachdem von unterſchiedenen Com - mendanten berichtet worden, was maßen, uͤber die ausgefertigten Jnſtructiones-Eximirte, annoch ſich ein und andere dem anbefohlenen Exerciren zu entziehen ſuchten, und Wir dannenhero auch hierinne gewiße maſſe zuverfuͤgen der Rothdurfft erachtet; Als gehet Unſere allergnaͤdigſte willens Meynung dahin, daß auch die Apothecker, Goldſchmiede, Barbier, Bader, Buchdrucker ꝛc. frey, und daß auf keine weiſe hierwider gehandelt werde, zu verſtatten, anbey zugleich die - ſen, daß weiln von unterſchiedenen zum Exerciren comman - dirten Officiers oͤffters die Limites uͤberſchritten, und dadurch Anlaß zu unnoͤthigen Klagen und Behelligung, gegeben wor - den, ein vor allemahl nachdruͤcklich anzudeuten, daß ſie denen ausgeſtellten Jnſtructionen und andern Verordnungen aufs ge - naueſte nachleben, oder bey ferner weiten Contraventionen einer ernſten Beſtrafung gewaͤrtig ſeyn; Daran geſchicht Un - ſere Meynung Datum Dreßden, den 5. Febr. anno. 1711.
J. M. von Schindler. Jacob Keil.
Friedrich Auguſtus, Koͤnig und Churfuͤrſt ꝛc. Wir haben zeithero nicht ſonder großen Mißfallen wahr - nehmen muͤßen, wie wenig Sorgfalt bey Cenſirung derer zum Druck deſtinirten Buͤcher und Schrifften, in Unſe - rem Churfuͤrſtenthum und Landen, beſonders aber allhier zu Leipzig angewendet, und die theils von uns ſelbſt, theils von Unſern Vorfahren an der Chur, dißfalls ausgegangene heil - ſame Veranſtaltungen gantz außer Augen geſetzet, hingegen al - lerhand Unordnungen und Mißbraͤuche eingefuͤhret worden.
Gleichwie aber dieſem Unweſen keinesweges nachzuſe - hen, alſo begehren Wir ſo gnaͤdigſt, als ernſtlich: ihr wollet hierunter eine mehrere Borſichtigkeit gebrauchen, und die Cenſur dergeſtalt einrichten, wie es die Univerſitaͤts-Ord - nung, Viſitations-Decret und andere dieſerwegen ergangene Befehle, auch der Religions - und Weſtphaͤliſche Friedens - Schluß erfordern, uͤberhaupt aber nicht verſtatten oder ver - haͤngen, daß etwas, es ſey ſo gering es wolle, ohne Cenſur gedruckt werde; welches denn auch auf die an andern Orten bereits gedruckte Buͤcher und Schrifften allerdings zuverſtehen, als welche demnach weder allhier, noch ſonſten anderwaͤrts in unſern Landen, ohne vorherbeſchehene Examinirung, ob et - was wider GOtt, ſein heiliges Wort, und das in unſern Landen, von Zeit der Reformation an, eingefuͤhrte Glaubens Bekaͤnutniß, ingleichen wider Uns, und Unſers Churhauſes Jura und Jntereſſe, auch ſonſt wider gute Zucht und Sit - ten, darinnen enthalten, es mag hiſtorice oder dogmatice tractiret ſeyn, denn eines ſo ſchlimm, als das andere, es ſeyc 3denndenn in controverſiis Theologicis, eine von der Theologiſchen Facultaͤt geſtellte ſolida reſutatio darzu gebracht, nach zu dru - cken, oder zu debitiren, immaßen Wir denn, darwider bes - ſeres Verhoffen, bey der Cenſur nicht gebuͤhrend oder nach - laͤßig verfahren werden ſolte, den Cenſorem daruͤber zur Verantwortung ziehen, und nach befinden, ernſtlich beſtraf - fen zu laßen, wiſſen werden; Jnmaßen denn nicht genug ſeyn ſoll, wenn er ſich entſchuldigen will, daß er nur den erſten Bogen durchleſen und ſelbigen ſigniret, das uͤbrige aber oben - hin curſorie angeſehen, und nicht gewuſt haͤtte, ob auch noch hieruͤber Appendices und andere Additamenta darzu kaͤmen, ſondern er iſt auch, ſo wohl den letztern, als den erſten Bo - gen zu zeichnen, und fuͤr alle das, was auch in dem uͤbrigen und mittlern Context biß zu Ende enthalten, Rede und Ant - wort zugeben, verbunden. Die Buchfuͤhrer aber ſind, ſo wohl als die Buchdrucker, deßen ebenfalls alles Ernſtes zu bedeuten, und die letztern insgeſamt dahin zuvereyden, daß ſie ohne derer, hierzu verordneten Cenſorum vollkommener Approbation, bey Vermeidung ſchwerer, auch nach Gelegen - heit Leibes Strafe, das gernigſte nicht drucken ſollen, weicher Vereydung halber an die hieſige Buͤcher Commisſion beſon - ders Verordnung unter heutigen dato ergangen.
Jch N. N. ſchwoͤre, daß ich kuͤnfftige Zeit, ohne Vorwißen und Unterſchrifft des Decani der Fa - cultaͤt zu Leipzig oder Wittenberg, darinnen die Ma - teria, ſo mir zu drucken untergeben werden moͤchte gehoͤrig oder desjenigen, welchem ſolches von ihnen aufgetragen, auch in Poeſie ohne des Superinten - dens zu N. oder wem es ſonſten aufgetragen wird, Subſcription nichts drucken, noch meinen Geſinde, oder andern, ſolches von meinetwegen in keinerley weiſe oder wege, wie das durch Menſchen-Liſt er - dacht werden koͤnnte, oder moͤchte, zu thun, weder heimlich noch oͤffentlich geſtatten, und ſolches weder um Gifft, Gabe, Neid oder Freundſchafft, nochkei -keinerley Urſache willen anders halten, und mich ſon - ſten in meinen Drucken des heiligen R. R. und Chur - fuͤrſtlichen Saͤchſiſchen Ordnung gemaͤß erzeigen will; Treulich und ſonder Gefaͤhrde, als wahr mir GOtt helffe, durch JEſum Chriſtum un - ſern HErrn.
Es ſollen die Drucker von jeder Preß, ſo viel ſie deren gebrauchen, woͤchentlich 4. pf. und jeder Geſelle vor ſeine Perſon woͤchentlich 2. pf. einlegen die Krancken im Fall der Noth damit zu erhalten, und die Leich-Koſten zu erheben; welche Gebuͤhrniß durch die Drucker eingeſamm - let, und bey nechſter Sesſion jedesmahl verwahret werden ſoll; Dieweilen man aber mehrmaln wahrgenommen, daß et - liche Geſellen, mehr aus leichten Sinn als Nothdurfft ſich auf das heraus geben aus der Laden verlaſſend, dasjenige, ſo ſie mit ihrer Arbeit verdienet, liederlich verthun, feyren und bor - gen, hernach ſich der Huͤlffe aus der Laden bedienen; So iſt unſer Will und ernſtliche Meynung, daß hinfuͤhro keinem Geſel - len aus der Lade verholffen werden ſoll, er habe ſich dann in vo - rigem ſeinem Leben und Wandel alſo wohl und unſtraͤflich ver - halten, daß er deßen von denen, wobey er gearbeitet, glaub - wuͤrdiges Zeugniß haben und beybringen koͤnne; und damit kuͤnfftig alle der Druckerey verwandte Perſonen deſto ruhiger bey einander wohnen, und ihres Berufs und anbefohlner Ar - beit, ohne Gezaͤnck, mit mehrerem Fleiß abwarten koͤnnen, als wollen Wir ernſtlich, daß keiner dem andern, erſey gleich Drucker oder Geſelle, um Schuldwerck oder fuͤrgewandter Unthaten willen auftreiben, an die Balcken und Thuͤren an - zeichne, oder auf dergleichen verbothener weiſe untuͤglich zuc 4ma -machen unterſtehe; ſondern was ſie gegen einander zube - ſprechen, ſolches vor Uns dem Rathe unſern Buͤrger - meiſtern, oder wohin Wir es weiſen, austragen, und ſich der ordentlichen Mittel genuͤgen laßen.
Wir wollen auch, daß unſere zu denen Druckereyen verordnete Raths-Freunde, auf ultimo Aprilis und ultimo Septembris ordinaire, und ie zu zeiten uf Begebenheit, und da die Sach den Verzug biß zur Ordingr-Seſſion nicht erdulten will, extraordinaire ihre Zuſammenkunfften halten, und die Jrrungen und Gebrechen verhoͤren, daruͤber, was recht iſt, erkennen, und die Partheyen ſich vor ihnen gehorſamlich ein - ſtellen, und ihren Beſcheiden unverweigert geleben ſollen.
Kein Drucker ſoll dem andern ſein habendes Geſind ab - ſpannen, verleiten, abwendig machen, oder auch vor Verflieſ - ſung der halbjaͤhrigen Zeit, um Dienſt anſprechen, oder an - ſprechen laßen, bey Straf 10 Guͤlden, ſo offt einer hieruͤber betreten wuͤrde, ſo allenthalben halb uns dem Rathe, und halb in die gemeine Buͤchſen verfallen ſollen.
Wo es ſich auch begaͤbe, daß ein Drucker gegen ein oder den andern ſeiner Geſellen um ihres ſchlechten Verhaltens willen, erzuͤrnet, ein, zwey, oder mehr in ſeiner Druckerey mit Scheltworten oder andern Unglipff angriffe, ſo ſoll derſelbe auf Anruffen der beleidigten Parthey vor unſern Deputirten in der nechſten Ordinar - oder Extraordinar-Seſſion deſſentwegen Red und Antwort zu geben, und Spruchs zu geleben; die Geſellen jedoch indeſſen ihrer Arbeit zu warten, und ſich aller Gebuͤhr und Beſcheidenheit verbunden, oder unſerer arbitrariſcher Be - ſtrafung gewaͤrtig ſeyn.
Und dann ſich mehrmahls zugetragen, daß die Geſellen, ſo gleichwohl von ehrlichen Eltern gebohren, zu verleimten und beſchreyeten Weibes Perſonen heyrathen, und ſich damit ſelbſten Schande, auch Druckern und Geſellen in Schimpff und verkleinerliche Nachrede ſetzen; Als wollen wir, daß ein jeder Geſell ſich gleichfalls zu ehrlichen, untadelichen Perſo - nen verheyrathen, und ſie wie in andern Zuͤnfften braͤuchlich, ſchrifftlichen Schein ihres Wohlverhaltens und ehrlicher Ge - burt beyderſeis aufzulegen ſchuldig ſeyn ſollen, fuͤr ers die deputirte Raths Freunde und Drucker daruͤber erkennen zu laßen, was recht und billig ſeyn wird.
Demnach ſich dann zum oͤſtern zugetragen, daß einGeſellGeſell bey einem Drucker zu arbeiten ſich verpflichtet, bey dem - ſelben und andern, am Geld, Kleidung, Koſt, Waͤſch, und anders auftreibet, hernach ſeinen Abtritt heimlich nimmt, da - durch diejenige, welche er alſo hintergangen, wider das ſieben - de Gebot GOttes in Schaden und Nachtheil geſetzet werden; Als wollen wir ernſtlich, daß hinfuͤro eine ſolche leichtfertige Perſon, vermittelſt in einer Ehrliebenden Geſellſchafft Namen, und unter dero Jnſiegel geferrigten Scheins, aufgetrieben und untuͤchtig gemacht; auch wo es ſich befuͤnde, daß dergleichen leichtfertige Geſellen in auslaͤndiſchen Druckereyen auf abgenom - mene Strafe, den Unſern zum Nachtheil, gedultet wuͤrden, dieienige, ſo ſie alſo vermeſſent - und vermeintlich geſtraffet, und bey ſich gedultet, denen Verbrechern gleich geachtet wer - den ſollen,
Die Geſellen ſollen ſchuldig ſeyn, auf Begehren ihres Herrn, ſich von einer Preſſe, Kaſten oder Werck, zum an - dern ſtellen zu laſſen, und nichts deſtoweniger ihre Arbeit zu ver - fertigen. Auch ſoll ieder fremder Gefell, ſo neu ankoͤmmt, und das erſte mahl allhie anfaͤhet zu arbeiten, vor Ausgang des hal - ben Jahrs einen halben Guͤlden, denen Krancken zum Beſten, in die Buͤchſen’erlegen. Jngleichen ſollen die Geſellen hiermit erinnert ſeyn, ſich alles Zechens, Spielens, Gotteslaͤſterns, und leichtfertigen verkleinerlichen Ausrichtens anderer abweſen - der Leute in denen. Druckereyen gaͤntzlichen zu enthalten; wie nicht weniger des unbeſcheidenen unnoͤthigen Ab - und Zulauf - fens aus einer Druckerey in die andere, dadurch fleißige Ar - beiter zum Spatzieren / und Feyern, den Druckern zu unwie - derbringlichen Schaden, zu bereden, hinfuͤro maͤßigen, mit der Bedraͤuung, daß kuͤnfftig gegen die vorſetzliche Verbreche - re, jederzeit nach Befindung, mit ernſtlicher Abſtrafung ver - fahren werden ſolle.
Kein Geſelle ſoll ſich unterſtehen, dem Drucker ſeine Poſ. ſilirer und Jungen zu verfuͤhren, zu verhalsſtarrigen, oder mit Jnſtruction, was und wie viel ſie ihren Oberherrn und Frauen zu thun ſchuldig ſeyn, zum Ungehorſam zu verleiten, bey Strafe 2 Guͤlden, ſo offt daſſelbe beſchehe, in die gemeine Buͤchſen zu erlegen.
Derjenige, ſo einen Lehrjungen aufuͤhret, hat Macht, demſelben aufferhalb Druckerey, doch ohne vorſetzlichen Miß - brauch, und daß der Junge an ſeinem Tagewerck nicht zu ſehrc 5gehin -gehindert werde / zu verſchicken, noch einem andern, nach Ge - legenheit zu erlauben. Den andern aber / wie auch an den uͤbri - gen Jungen, ſo keinen Geſellen untergeben, oder beygeſtellt ſeynd, ſoll es bey Straff eines halben Guͤldens in die gemeine Buͤchſe, gaͤntzlich verbothen ſeyn.
Wie nicht weniger ſollen die Uebermaß der Straf - fen denen Geſellen dergeſtalt abgeſchnitten und benom - men ſeyn, daß dieſelben einen Uebertreter hoͤher nicht, als um einen Reichsthaler zu ſtrafen befugt; alle ande - re Verbrechen aber, ſo eine mehrere Beſtraffung im - portiren, vor die Seßion, der gemeinen Buͤchſe zu gu - te, verwieſen ſeyn; und keiner derer Geſellen ſich einer meh - rerern Straffe unterwerffen ſoll, bey Vermeidung unſers ernſt - lichen Einſehens und anderweiten Beſtraffung ꝛc. Secretum in Senatu Donnerſtags den 9 Febr. Ao. 1660.
Gleichwie den Druckherrn, ohne Erkaͤnntniß der Urſachen, nicht frey ſtehet, zwiſchen der Meß die Arbeit aufzuſagen; alſo ſoll ein jeder Geſell, welcher bey einem Druckherrn in Arbeit tritt, zwiſchen der Meß, und inner einen halben Jahr, nicht Urlaub begehren, oder ſonſt austreten; Da aber ein Nothfall ihm zuſtuͤnde, um welches willen er ſein halbes Jahr nicht voͤl - lig koͤnnte aus dienen, und der Herr ihn nicht guͤtlich erlaßen wollte, ſeine Urſachen vor unſern Vormund-Ambt anzeigen, und daruͤber erkennen laſſen; Auch ſoll er in ſeinem Dienſt ſeinen Druckherrn getreu ſeyn, ihn ehren, und in allem, was er ihm, in der Druckerey befehlen wird, gehorſamen, ſeiner Arbeit fleißig abwarten, und nichts verſaͤumen, bey Vermeidung Obrigkeitlicher Straffe, nach Beſchaffenheit des Verbrechens.
Es ſollen auch die Geſellen einander weder ſchelten noch auf freiben, oder auf andere weiſe untuͤchtig machen, ſondern wo ſie Maͤngel und Klagen wider einander zu fuͤhren, ſelbige gehoͤ - riger Orten, als in geringen Sachen, ſo mit 20 Kreutzern zu buͤßen, vor denen Vorgehern, in wichtigern aber, die Ehr und Leumuth betreffend, vor der Obrigkeit austragen und entſcheiden laßen; Die Geſellen ſollen keine Zuſammen - kuͤnffte, zu Abbruch und Hinterung ihrer Herrn Arbeit, an - ſtellen, nicht ſelbſt erwehlte Ordnungen und Gebraͤuche an - richten, vielweniger wider ihre Herren, noch zu anderer Ge - buͤhr, ſich verleiten, ſondern, wann die Nothdurfft eine zu - ſammenkunfft erfordert; ſollen ſie ſchuldig ſeyn, ſolche denen beyden Vorgehern anzuzeigen, und dißfalls, ohne ihr Vorwiſ - ſen und Beyſeyn nichts vornehmen.
Alles Schmauſen, Zechen, Spielen, und unordentliche Weſen ſoll durchgehends in allen Druckereyen gaͤntzlich ver - bothen, auch alle bißhero unter ihnen neuerliche eingefuͤhrte Mißbraͤuche, bey Strafe eines Guͤldens von jeder Uberfahrt abgeſtellet ſeyn.
Weil auch die Poſtulate, oder das Geſellen machen, welche ohne der Druckerherrn und Vorgehere Wißen und Conſens nicht ſollen gehalten werden, eine zeithero ſehr koſtbar angeſtellet worden, alſo, daß es offt uͤber 20. und mehr Thaler ſich belof -fen,fen, welches denn manchen armen Geſellen in Schulden und Armuth gebracht, ſoll hinfuͤhro auf dergleichen Actum, von dem, ſo zum Geſellen gemacht wird, mehr nicht, denn 12 oder hoͤch - ſtens 16 Thaler, mit allen neben Unkoſten eingerechnet, aufge - wendet, die Weiber aber zu ſolchen Mahlzeiten gar nicht gelaſ - ſen werden. Es ſollen auch die Geſellen, welche ſich in des Druckherrn Hauſe befinden, eines erbarn eingezogenen Lebens und Wandels ſich befleißigen, ihrem Herrn und den Seinigen keine Beſchwerniß machen, ſonderlich uͤber die Zeit nicht aus dem Hauſe bleiben, bey Strafe eines Tage-Lohns, welches der Druckherr ihm abzuziehen Macht haben ſolle. Die Ge - ſellen ſollen die einmahl fuͤr tuͤchtig erkannte, aufgedingte, im Vormund-Amt eingeſchriebene und ihnen zugeſtellte Jungen, weilen ſie, wegen ihrer Bemuͤhung 2 Thaler bekommen, fleiſ - ſig unterrichten, zu gebuͤhrender Arbeit anhalten, mit Ver - ſaͤumniß derſelben zu keinen unnoͤthigen Sachen gebrauchen. Nicht weniger ſollen ſie die Jungen wider ihre Herren zum Ungehorſam oder Mißtrauen keines weges verreitzen, noch daß ſie, was denenſelben zu Schaden gereichet, nicht offen - bahren ſollen.
Endlich ſollen ſich auch die Jungen und Cornuten gebuͤhr - lich verhalten, dem Druckherrn getreu und gehorſam ſeyn, auch alles, was dem Herrn und ſeiner Druckerey zu Scha - den gereicht, und ſie davon Wiſſenſchafft erlangen, vor ihre Perſon verhuͤten, oder ihrem Herrn anzeigen; von denen Ge - ſellen die Unterrichtung fleißig annehmen, ihnen in allen zu - laͤßigen Dingen folgen, in der Arbeit ſich emſig und willig erweiſen, ſtill eingezogen, auch zuͤchtig, und ſo wohl gegen dem Druckherrn als Geſellen gehorſam und willig ſich finden laßen, bey Vermeidung vorbehaltener ernſtlichen Strafe ꝛc.
Decretum in Senatu, 7 Febr. 1673.
Wenn der Autor auf ſeine eigene Koſten drucken laͤßet, ſoll der Drucker gegen Hand und Mund keinen Nachſchuß fuͤr ſich, und dem Autori zum Schaden, mit einzu - ſchieben, noch er und ſeine Geſellen, die ihnen, den Gebrauch nach, zuſtaͤndige Exemplaria, weder gantz noch Bogenweiſe, ehe und dann der Autor das gantze Werck in ſeine Haͤnde em - pfangen zu diſtrahiren befugt ſeyn, bey Strafe der Hafft und Ergaͤntzung des Schadens, ſo offt er deßen uͤberfuͤhret wird, maßen denn auch der Buchdrucker hier auf Acht zu haben, ge - halten ſeyn ſoll. Will auch der Autor die gewoͤhnlichen Exem - plaria bey dem Drucker und den Geſellen redimiren, und an ſich behalten ſoll es ihm frey und der Drucker es anzunehmen ſchuldig ſeyn; und wird der Buchdrucker, bey harter Strafe, keinen Nachſchuß auf geſchehenen Vergleich zu thun ſich unter - fangen. Kein Buchdrucker in dieſer Stadt ſoll ſich unterſte - hen, einig frembd theologiſch Buch oder Schrifft, ſo von de - nen, die ſich nicht zu der ungeaͤnderten Augſpurgiſchen Confeſſion bekennen, verfertiget, zu drucken, oder nach zu drucken; es ſey denn, daß er ſich bey dem praͤſidirenden Herrn Buͤrgermei - ſter angemeldet, und deſſen ausdruͤcklichen Conſens daruͤber erhalten habe. Desgleichen ſollen auch alle Streit-Schrifften welche von Perſonen hieſigen Ehrw. Miniſterii, oder Predi - gern, unter der Stadt Jurisdiction herruͤhren; wie auch die Streit-Schrifften diverſer Religions-Verwandten, ohne Vorgaͤngige Einwilligung des Herrn Praͤſidenten, keines we - ges zum Druck befoͤrdert werden. Die Taxam oder Drucker Lohn belangend, wornach die Buchdrucker dieſer Stadt ihre Arbeit, nach Unterſchied der Schrifften und Formats, aus zu fertigen haben, verbleibet der Stadt-Magiſtrat bey voriger 1660 gemachter Verfaſſung. Alle Streitigkeiten, welche un - ter denen Druckern ſelbſt, oder auch mit Fremden entſtehen moͤchten, ſollen bey dem Praͤſidirenden Ammt anhaͤngig ge - macht, und decidirt werden ꝛc. Actum in Senatu den 18. Julii 1684.
Demnach E E. Hochweiſer Rath dieſer Stadt, die Zwiſchen denen Buchdruckern allhier an einem, deren Geſellen andern Theils, wegen derer ſoge - nannten Poſtulate, und deren Verſchenckungen geſchweb - te Jrrungen nochmals in Verhoͤr gezogen, auch dar - uͤber derer Partheyen Vorſchlaͤge, Erklaͤrung und Nothdurfft ſchrifft - und muͤndlich angehoͤret; Als wird von demſelben hiermit dieſe Sache folgender geſtalt ent - ſchieden: Daß hinfuͤhro, wenn einer, der ſeine Lehr - Jahre ausgeſtanden, poſtuliren, und ſich zum Geſel - len erklaͤren laſſen will, er ſolches zu allerzeit, wenn er es am Gelegenſten erachtet, bey dem Laden-Vater an - zeigen, und daruͤm erſuchen; hierauf der Laden-Va - ter alsbald, und ohne Nachwarten, biß derer Poſtulan - ten mehr ſich angeben, eine gewiſſe Zeit darzu ernennen, folgends auf den beſtimmten Tag die ſaͤmmtlichen anwe - ſenden Buchdrucker und Geſellen zuſammen beruffen, und alſo das Poſtulat, nach Gewohnheit und uͤblichen Herkommen, jedoch ohne Depoſition und andere aͤr - gerliche und verbothene Ceremonien von Jhnen allen (geſtalt die Privat Poſtulate welche in einer Officin al - leine unter denen allda in Arbeit ſtehenden Geſellen, oder auch mit zuziehung etlicher anderer vorgenommen werden, hierdurch gaͤntzlich caßiret, und abgeſchafft werden,) vorgenommen und verbracht, davor aber der Poſtulant nicht mehr als zwantzig Thaler uͤberhaupt, und vor alles baar erlegen, hier von zu foͤrderſt vier thaler in die Lade, ſammt der Forder-Gebuͤhr, item zwey Thaler vor die Depoſition, und was ſonſten an gewoͤhnlichen Unkoſten vonnoͤthen, genommen und ab - gezogen; und was als denn uͤbrig bleiben wird, unter die ſaͤmmtlichen Buchdrucker und Geſellen, nach denenKoͤpfenKoͤpfen baar vertheilet, und einem jeden ſeine Rata zu ſeiner freyen Diſpoſition zugeſtellet; auſſer dem aber, denen Poſtulanten, es mag einer oder mehr ſeyn, we - der zu einer Mahlzeit, oder Collation, oder Truncke, noch ſonſten etwas auf einigerley Weiſe, weder vor die Jnnung, noch in die Officin, darinnen er geſtan - den, zugemuthet, noch abgefordert werden ſolle. Wor - nach ſich von nun an und inskuͤnfftige zuachten iſt. Urkundlich mit wohlgedachten Raths und gemeinen Stadt-Jnſiegel, bedruckt. Signatum Leipzig den 28 Novembr. Anno 1704.
Nachdem einen Wohl Edlen Hochweiſen Rath dieſer des Heil. Reichs-Stadt Augſpurg eine Zeithero zum oͤfftern hieſige buͤrgerliche Buchdrucker vorgebracht, und zu er - kennen gegeben, was geſtalt ſo wohl zwiſchen und unter ihnen ſelbſten, als auch denen Geſellen, mehrmalige Differentien und Jrrungen darum erſtanden, alldieweilen eine ſo andere nach ihrem bloßen Gefallen zu thun, und zu laßen ſich unterfangen haben, und dannenhero allerſeits gehorſamlich angeſucht und gebeten, ihnen eine gewiſſe Ordnung, Articul und Sa - tzungen, gleichwie es auch anderer Vornehmen Orten geſche - hen, zu ertheilen, damit ſie Buchdrucker, derſelben Geſel - len und Jungen ſich inskuͤnfftige darnach richten moͤgen; Alſo hat vor - Wohlgedachte allhieſige Obrigkeit, nach reiffer der Sachen Betrachtung fuͤr nothwendig und gut befunden, gegen - waͤrtige Ordnung verfaßen zu laßen / mit dem ernſtlichen und gemeſſenen Befehl, daß nun hinfuͤro in allen hieſigen Drucke - reyen dieſe Obrigkeitliche Ordnung in jeden Puncten mit Fleiß beobachtet, und darwider keinesweges gehandelt, oder etwas verfuͤget, bey Vermeidung der ſo wohl in der Reichs-Policey - Ordnung de anno 1577. Tit. von Buchdruckern 35. als hier -inneninnen angeſetzten und ſonſt nach Geſtalt der Sachen vorbehalte - nen Straf, welche die Ubertreter iedesmahls unnachlaͤßig zu buͤßen und zu bezahlen ſchuldig ſeyn, und angehalten werden ſollen.
Alſo ſollen zu ſolchem Werck und Handel ehrliche und un - verleumbde Perſonen gezogen und gebraucht werden / welche ſich auch hernach in ihrem Thun und Leben ſo wohl inn - als auſſer - halb der Druckereyen eines vernuͤnfftigen, beſcheidenen und er - baren Wandels zu befleiſſen haben, ꝛc.
Damit nun dieſer Ordnung und dem darinnen enthaltenen getreu und eiffrig nachgelebet werde; alſo ſollen von denen Buch - druckern Zwey zu Vorgehern, und von denen Geſellen Zwey zu Affeſſorn, mit Obſervirung der Paritaͤt, erwehlet, und pro Confirmatione denen Vier Herren Cenſoribus vorgeſchlagen wer - den, welche voͤrderſt dieſer Ordnung ſelbſten fleißig nachkom - men, und damit es auch von andern geſchehe, emſige Sorgfalt tragen, aber nichts darwider einſchleichen laßen ſollen. Aus denen Vorgehern wird der aͤltere jedesmals den Vorſitz und die Caſſa zur Einnahm und Ausgab in Verwahrung, der juͤngere aber das Protocoll zu fuͤhren, und alles genau auf - und einzu - ſchreiben, hingegen der aͤltere Geſelle bey denen Seßionen, oder ſonſten privatim, die Stelle eines Referendarii, und der juͤngere eines Caßiers zu vertreten, dahero nebſt dem aͤltern Vorgeher auch einen Schluͤßel zur Caſſa haben. Dieſe Viere ſollen wahr - haffte, beſcheidene und verſtaͤndige Perſonen ſeyn, und keines oͤffentlichen Laſters koͤnnen beſchuldiget werden; Jn dieſe Caſſa ſoll von iedem Einſchreiben und Loßſprechen eines Lehrjungens 30 Kreutzer, von einem Poſtulat 2 Guͤlden, dann iede Meß, oder das halbe Jahr von einen Buchdrucker 30 Kreutzer, von einem Geſellen 20 Kreutzer von einem Cornelio aber 40 Kreutzer bezahlt werden; unter denen Geſellen aber der neuerlich einge - fuͤhrte Mißbrauch, wegen der ſogenannten Braut, Verſchenck - ung des Kindes, und was dergleichen mehr, allerdings und bey Strafe eines Guͤldens, von ieder Ubertretung, abgeſtellet und verbothen ſeyn; So es ſich auch fuͤgte, daß ein Cornelius bey einen Buchdrucker ſtuͤnde, der keinen Geſellen haͤtte, wuͤrde der - ſelbige ſein Cornuten-Geld bey ieder Meß, und zwar in ſolchem Fall 1 Gulden in die Caſſam, die uͤbrigen 2 Guͤlden aber einer gantzen Geſellſchafft wenn ſolche beyſammen zu bezahlen haben. Es kan auch ein beſonders Schreib und Matricul-aufgerichtetwer -werden, deme die anher kommende und allhier in Condition tre - tende Geſellen und Cornelii eingeſchrieben und immatriculiret werden moͤgen, weswegen jene 10. dieſe aber 20. Kreutzer in die Caſſa zu erlegen haben; wie dann nicht weniger ein jeder Buchdrucker, wann er zu ſolcher Condition und eigener Dru - ckerey gelanget, pro Jntroitu 4 Guͤlden und ein Factor 3. Guͤlden in die Caſſam geben, hiermit aber alle weitere Diſcre - tion aufgehoben ſeyn ſoll.
Aus dieſer Caſſa werden nun nicht allein diejenigen Aus - gaben, welche zu Aufnahm der Buchdruckerey, und dero be - ſten gereichend, unuͤmgaͤnglich ergehen muͤßen, zu beſtreiten, ſondern auch denenjenigen von der Profesſion, welche durch unfuͤrſehene Zufaͤlle in einige Noth gerathen, nach Befindung eines jeden Beduͤrfftigkeit, theils umſonſt, theils gegen Pfand, oder andere Verſicherung mit einem Anlehn unter die Arm zu greiffen, und zu ſuccurriren ſeyn, unter welchen aber, diejeni - ge, welche das Jhrige boßhafftig, oder liederlicher Wei - ſe durchjagen, verſchwenden, und nichts zu erſpahren gedencken, ſie ſeyen gleich wer ſie wollen, keinesweges be - griffen, oder verſtanden werden, allermaßen ſolchen auf eine bloße Handſchrifft, oder ſonſt zur Reiß und Zehrung nicht das geringſte vorgeſtreckt und ausgezahlt werden ſolle. Damit auch bey denen Zuſammenkuͤnfften einer gantzen Ge - ſellſchafft ferners hin beßere Ordnung gehalten werden moͤch - te, alſo ſollen dieſe allezeit durch beyde Vorgehere, welche die gewiße Stunde zu beniemen haben, zuſammen beruffen, angeſtellet, und fleißig frequentiret werden, auch von ſolchen abſonderlich wenn ein Auflage Geld vorhanden, weder Buch - drucker noch Geſelle, ohn erhebliche Urſachen, bey Strafe ausbleiben, wie dann gleichergeſtalt diejenige, ſo zu unrech - ter Zeit und angeſetzter Stunde nicht erſchienen, ſondern uͤber ſolche laͤnger als eine Viertel Stunde ausbleiben, und zu ſpat kommen, jedesmals unnachlaͤßig 15. Kreutzer Straf zubezah - len ſchuldig ſeyn ſollen. Und weiln demnach keine Zuſammen - kunfft ohne Wißen und Willen der beyden Vorgehere gehal - ten werden mag, alſo werden alle Poſtulirende, da einer oder mehr vorhanden, dahin angewieſen, daß ſie um dergleichen Zuſammenforderung, auch Benennung des Orts, Tages und der Stunde, bey denen Vorgehern ſich bewerben, und hiefuͤrdnebſtnebſt dem Deputat, ſo von jedem Poſtulirenden, mit Einſchluß der 2. Guͤlden, ſo in die Caſſa gehoͤren 24. Guͤlden betrifft, den gewoͤhnlichen Forder Thaler der Geſellſchafft erlegen. Und obwohln kein Lehrjunge ohne Lehrgeld auf weniger Zeit als 4. Jahr aufzunehmen, und einzuſchreiben iſt, ſo wird nichts deſtoweniger einem Buchdrucker freyſtehen, ſeinen Jungen, wenn dieſer es um ihn verdienet, ein Viertel Jahr, aber mehrers nicht, zu ſchencken; Solte aber eine große erwachſene, oder die Schulen abſolvirte Perſon, die Druckerey erlernen wollen, ſo kan und mag ſolche, in Anſehung ſeiner Groͤße, der Jahre, Verſtand und Stu - dien zwar auf vierthalb Jahr eingeſchrieben werden, doch daß es mit Vorwißen beyder Vorgehere geſchehe, und der Buchdru - cker, welcher einen ſolchen in die Lehre nimmt, nicht befugt ſeyn ſolle, vor Ausgang des vierten Jahres einen andern Jun - gen nach ihm an deßen Stelle in die Lehre zunehmen; Es wird auch vor deren Loßſprechen einen Vorgeher Anzeigung geſchehen muͤßen, damit alles Kunſtgebraͤuchlich, und der Ordnung gemaͤß, darbey und damit zugehen, auch keine Streitigkeiten daraus erwachſen moͤgen; Geſtalt dann dieſen abzubiegen, hiermit und ſo wohl die Buchdrucker als Ge - ſellen ermahnet werden, bey entſtehenden Streit in einer Druckerey, es ſey gleich dieſer zwiſchen dem Buchdrucker und Geſellen, der unter dieſen allein, unter denen gewoͤhnli - chen 14. Tagen ſich ſelbſten zu vergleichen, oder in Entſte - hung deßen ſolche Sache hernach bey denen Vorgehern, in beyſeyn der zwey Laden Geſellen, oder Aſſeſſoren, anzubrin - gen, und nach Geſtalt der Sachen die Entſcheidung zuer - warten; im Fall auch ein oder andere Parthey mit ſothanen Ausſpruch nicht zufrieden ſeyn wollte, ſo verbleibet derſelben unverwehrt, alles an die gantze Geſellſchafft zu bringen, jedoch daß beyde Vorgehere, darum, auch um Tag und Stunde Be - nennung belanget, und 1. fl. 30. Kreutzer wegen des zu entrichten - ſtehenden Forder - oder Auflag-Thalers bezahlet werden: dafern aber jemand, wer der auch waͤre, durch ſolchen der geſammten Ge - ſellſchafft, oder des mehrern Theils, Ausſpruch ſich beſchwert zu ſeyn erachtete, dem ſoll in allweg, wie es ohnedem Rech - tens, frey bevorſtehen, ſeine vermeindliche Befugniß und Klagen bey einer loͤblichen Obrigkeit und dero Herren De - putirten, der Nothdurfft nach, aus zufuͤhren, ꝛc.
Decretum in Senatu, den 9. Nov. 1713.
Wir Karl der Fuͤnfft von Gotts Gnaden Roͤmiſcher Keyſer zu allen Zeitten merer des Reichs, inn Ger - manien, zu Hiſpanien, beyder Sicilien, Hieruſa - lem, Hungern, Dalmatien, Crvatien etc. Koͤnig / Ertz - Hertzog zu Oſterreich, Hertzog zu Burgundi etc. Graf zu Habſpurg, Flandern, Tyrol etc. Thun kundt allermennig - lich vnd ſunderlich allen und jeden Buchtruckern, wo und an welchen orten die imm Heyligen Roͤmiſchen Reich geſeſſen ſeind, zu wiſſen, das Wir vnſerm vnd des Reichs lieben ge - trewen Juo Schoͤffern, Burgern zu Meyntz, den Abſchied ietz gehalten Reichßtags zu Regenſpurg / dergleichen die Reformation Vnſers Keyſerlichen Cammergerichts imm eyn vnn dreiſſigſten Jar auffgericht und geſchehen, auch die Halß oder peinlich gerichts ordnung, inn truck zu brin - gen, beuelhen laſſen haben. Dieweil er ſich nun des Vnß zu vntertheniger gehorſam vnd gefallen inn der eil etwas mit vn - ſtatten vndernommen, damit er dann davon widerumb, wie billich, zimlich ergetzlicheyt empfahe, So gebietten Wir allen obgemelten Buchtruͤckern, vnd ſonſt meniglich bei ſtraff vnd peen Zehen marck Lottigs golts, Vnß halb inn vnſer vnnd des heyligen Reichs Cammer, vnnd den andern halben theil ge - dachtem Juoni vnablaͤßlich zuͤbezalen, vnd woͤllen, das ob - gemelte Buͤchtruͤcker, noch ſunſt jemannt von jrent wegen den beruͤrten Abſchied, auch die Reformation vnſers Keyſerlichen Cammergerichts / darzuͤ die halß oder peinlich gerichts ordnung, gedachtem Juoni inn zweyen jaren den nechſten nach eynander volgend, nit nachtrucken, oder zuͤm feylen Kauff haben oder außlegen, bei verlierung obgemelter peen vnnd des ſelben jres trucks, den gemelter Juo, durch ſich ſelbs oder eyn ander vonn ſeinet wegen, wo er den bei jr jedem finden wirt, auß eygem gewalt on verhinderung meniglichs zuͤ ſich nemen, vnd damit nach ſeinem gefallen handeln vnnd thuͤn mag, daran er auch nit gefreuelt haben. Es ſoll auch keynem andern getruckten Ab -d 2ſchied,ſchied, an eynichem ort, inn oder außerhalb gerichts oder rechts geglaubt werden, ſonder geuerde, das iſt vnſer ernſtlich mey - nung. Geben vnder vnſerm zuͤ ruͤck auffgetruckten Secret, inn vnſer vnd des heyligen Reichs ſtatt Regenſpurg, am letſten tag des Monats Julii, nach Chriſti vnſers lieben Herrn geburt, taußent fuͤnffhundert vnnd imm zwey vnnd dreißigſten, vnſers Keyſerthuͤmbs imm zwoͤfften, und vnſerer Reich imm ſibenze - henden jaren.
Jch N N. ſchwoͤre zu GOTT dem Allmaͤchti - gen, daß ich allen denen Puncten, ſo mir anitzo vorgeleſen worden, und ich wohl ver - ſtanden habe, treulich nachkommen wolle, So wahr mir GOTT helffe durch JEſum Chriſtum, Amen.
Die groͤſten Mißbraͤuche kommen insgemein aus denen ſo genanten Winckel-Druckereyen her, weil man in ſel - bigen theils keine tuͤchtige Perſonen, theils aber keine Geſellen foͤrdert, und nur mit Weib und Jungen dahin ſudelt, welches wider das allergnaͤdigſte Kaͤyſerliche Mandat den 18. Julii 1715. laufft. Siehe oben N. V. und VIII.
Ferner: hat man ſich angemaßt 2. biß 3. Jungen, obſchon nicht auf einmahl, doch nach und nach anzunehmen, ohne Ab - ſehen auf die hierzn erforderlichen Eigenſchafften und dem Uralten nie unterbrochenen Recht und Ordnungen ſtracks zu wider, ohne Bey ſeyn redlicher Geſellen, aufgedungen und loßgeſprochen und ſodann dieſelben als Cornuten fortgeſchickt, und wieder neue Jungen herbey geſtellt, da denn der vermeinte Cornute in waͤhrender Lehre keinen Geſellen in der Druckerey arbeiten ge - ſehen viel weniger von einem angefuͤhret worden, indem viel - mals der Herr ein Drucker und wenig von Setzen, oder ein Setzer und wenig vom Drucken verſtehet, oder, daß es ja einen Schein haben muß, als wenn er Geſellen gefoͤrdert, manchmal einen Durchreiſenden 14 Tage Arbeit gegeben, und alsdenn wieder abgeſchafft. Dahero ſolche nichts wißende weg und in die Fremde geſchickt werden, da ſie alsdenn kaum ſo viel verdienen koͤnnen, als zu ihren Leibes Unterhalt von noͤthen iſt.
Ferner hat die Erfahrung beſtaͤtiget, daß man oͤffters an ſolchen erwehnten Orten, wo nur eintzelne Druckereyen, dennoch Poſtulate gehalten habe, wo kaum 3. Perſonen dar - zu vorhauden geweſen, da denn deren jeder 2. Ehren-Aemter dabey zu bedienen gehabt hat; dahero man auf den von un - dencklichen Jahren her eingefuͤhrten loͤblichen Gebrauch und daraus folgenden guten Ruhm nicht geſehen hat, welches vor Alters von unſern Vorfahren weder gelitten, noch vor Kunſt - gebraͤuchlich gehalten, ſondern vor untuͤchtig erklåret wor - den ſt.
d 4EsEs hat auch Kunſt-Glieder gegeben, die einigen Ausge - lernten, den ordentlichen eingefuͤhrten Kunſt-Gebrauch beyge - bracht haben, daß ſie ſich alsdenn vor Geſellen ausgegeben, und in der Welt bey Buchdruckereyen ſich fort geholffen, und Poſtulaten beygewohnet haben. Exempel hiervon ſiehe in Werthers Nachricht von der Buchdrucker Kunſt pag. 369. 370.
Was aber der bedaurenswuͤrdigſte und betruͤbteſte Miß - brauch iſt; So hat man angemercket, daß ſelbiger aus der Lernung ſo vieler Jungen entſtehe, obſchon Jhro Kayſerliche Majeſtaͤt Kayſer Leopold der erſte glorwuͤrdigſten Anden - ckens eine allergnaͤdigſte Veranſtaltung, und zwar anno 1688. darwider ergehen laſſen. Siehe oben N. VII. Hiedurch muß mancher rechtſchaffener Geſelle, unumgaͤnglich Noth leyden / und eine andere Lebens-Art ergreiffen, wie denn 1703. den 14. Dec. eine loͤbliche Braunſchweiger Buchdrucker-Geſellſchafft eben dieſerwegen eine Vorſtellung nach Berlin ergehen laſſen; weil man nun ſolche in Herrn Werthers Nachricht von der Buch - drucker-Kunſt p. 371. gefunden; ſo wird es Uns vergoͤnnet ſeyn, ſelbige hieher zuſetzen:
Daß fernere Ubel ſo ſich herfuͤr gethan hat, beſtehet dar - innen, daß man ſich ſelbſt bemuͤhet denen Buchdrucker Herren, Jungen anzupreißen, und nur denjenigen Vortheil ſucht, daß man ſelbige zum anfuͤhren bekommt, und das wenige Geld da - bey gewinnet, und nicht unterſucht, ob ſie in Chriſtenthum, Le - ſen und Schreiben etwas koͤnnen, oder nicht, ſondern nur die Staͤrcke und Groͤße in obacht nimmt. Da denn viele unge -zogenezogene und elende Leute bey der edlen Kunſt werden muͤßen, die weder von ehrlicher Aufrichtigkeit etwas verſtaͤndiges wiſ - ſen, noch rechtſchaffene Kunſt-Gebraͤuche lernen, noch weniger ſich der Hoͤflichkeit und Beſcheidenheit bedienen, und nicht wiſ - ſen wie ſie ſich gegen ihre Vorgeſetzten, und andern bezeigen ſol - len; denn wo ſoll er ſolches erlernet haben, da er ſich nach ſei - ner Auslernung nicht auswaͤrts begeben hat? ſondern nur glau - bet was ſein Eigenſinn erdencket, und ihm beybringet, in Mey - nung: diß ſey die uͤble Gewohnheit und duͤnckt ſich alſo mehr zu wißen als ein anderes wohlverſuchtes Kunſtglied.
Bey ſolchen beruͤhrten Umſtaͤnden kan nichts anders erfol - gen, als daß durch ſolches unzulaͤßiges, und wider die aller - hoͤchſten Befehle, erſonnenes Weſen in zukunfft noch groͤbere Unrichtigkeiten und Mißbraͤuche ſich aͤußern muͤßen, beſonders da durch die Vielheit der Jungen Lernung mehrere Geſellen, und letzlich die Buchdruckereyen ſo gar an ſolchen Orten, wo we - der Landes-Regierung, angeſtellte Hofhaltungen, noch Univer - ſitaͤten und Gymnaſia vorhanden, ſich haͤuffen muͤßen, wie man bereits ſchon wahrgenommen hat.
Dieſen ietztgedachten Mißbraͤuchen zu ſteuren, und die gu - ten Gebraͤuche wieder aufzuhelffen hat Herr Werther in ſeiner Hiſtoriſchen Nachricht von der Buchdruckerkunſt einige Vor - ſchlaͤge gethan, weil aber viele ſolches Buch nicht in Haͤnden haben, ſo hat man ſelbige nicht vorbey laßen wollen, als:
Auf gleiche und ruͤhmens wuͤrdige Art hat eine loͤbl. Nuͤrn - bergiſche Societaͤt 1715. den 26ſten Octobr. in einem Schreiben nach Jena folgenden §. geſetzet:
Ferner faͤhret Herr Werther fort:
Woferne ein einzelner redlich gelernter Buchdrucker ein Po - ſtulat vorzunehmeu, darbey ſich aber eine Ehre zu machen, ſo ihm auch wohl zu goͤnnen, willens iſt, in Mangelung einiger benoͤthigter Perſonen aber, unterſchiedliche von der Naͤhe gele - genen redlichen Geſellſchafft auf deßen Anſuchen, und die ihm dazu die Erlaubniß ertheilet, auserkohren, und ihm uͤberſchi - cket, dadurch denn das Poſtulat aͤcht und gerecht Kunſtloͤbl. Ge - wohnheit nach, ſeinen guͤltigen Beſtand uͤberkommen, welches denn ſelbigen Orts wohnendeu Buchdrucker in nichts verſchlagen, noch ihm den etwa darbey zu gewinnen denckenden Vortheil ent - ziehen koͤnne, anderer Geſtalt iſt er ein Poſtulat auszurichten nicht befugt geweſen.
Aus dieſen allen fließen einige Regeln, ſo bey der Kunſt zu beobachten ſind.
Nunmehro haben wir alles geliefert, was nur zur Ver - beßerung und Vermehrung unſerer Buchdruckerkunſt einiger maßen gerechnet werden kan. Ein kleiner Raum, der uns noch uͤbrig war, gab uns die Gelegenheit an die Hand, unſere Pappiere noch einmal durchzuſehen, ob wir noch etwas finden moͤgten, womit wir fuͤglich den ledigen Platz an fuͤllen koͤnnten. Und ſiehe da / wir fanden darunter noch ein Blaͤtgen, worauf wir die Worte geſchrieben hatten: Paulus Pater hat in ſeiner Diſſertation de Ger - maniæ Miraculo optimo, maximo, Typis Lit - terarum, Leipzig, 1710. 4 to. C. VI. p. 81. ſeqq. weder hinlaͤnglich, noch Kunſtgebraͤuchlich auf ſeine aufgeworfene Fragen von der Buchdru - ckerey geantwortet, welches man an ſeinem Ortbe -bemercken muß. Und hiezu ſoll gegenwaͤrtiger Ort ge - widmet ſeyn. Man trifft aber folgende Fragen und Antwor - ten daſelbſt an.
Hierauf antwortet Paul Pater alſo: Einige beantworten dieſe Frage mit Ja, und geben zum Beweiß an: 1) Weil es in den meiſten Europaͤiſchen Provinzen gewoͤhnlich, daß man darinnen dieſe Kunſt frey und ohne Hindernis treiben kan; 2) Weil wohleingerichtete Druckereyen einer Stadt nicht nur zu einer Zierde, ſondern auch zu großen Nutzen gereichen. Hierauf erzehlet er, daß er ſehr offt einige vornehme Gelehrte zu Dantzig klagen gehoͤret, daß ſich zu ſelbigen Zeiten daſelbſt niemand gefunden, welcher ihre Schriften auf ſeine Koſten drucken koͤnnen, noch wollen, damit ſie bey Auswaͤrtigen ebenfalls wegen des ſchoͤnen Drucks Beyfall und Kaͤufer finden koͤnnten; dahero haͤtten ſie oͤfters gewuͤnſchet, daß es ihnen erlaubt ſeyn moͤchte, eigene Buchdruckereyen an - zulegen.
Ubrigens meint er, man muͤße bey der Beantwortung die - ſer Frage auf die Beſchaffenheit des Orts, auf die Obrigkeit und Hohe Schulen vornehmlich ſehen; weil die Buchdrucker insgemein von den Hohen Schulen Unterthanen waͤren, da - hero man dieſes dem Gutduͤncken derſelben uͤberlaßen muͤße, weil es ihnen zukommt Sorge zu tragen, daß nichts ohne Cen - ſur gedrucket, keine Unordnung eingefuͤhret, und kein uͤber - maͤßiger Preiß von der Arbeit gefordert werde,
Auf die vorgelegte Frage iſt ſchlechterdings mit Nein zu antworten. Denn die Beweiße derjenigen, welche mit Ja ant - worten, ſind ohne Grund. Wenn man ſich auf die Gewohn -heitheit der Europaͤiſchen Provinzen beruffen will, allwo es einem jeden frey ſtuͤnde eine Druckerey anzulegen, wo er will; So moͤgten wir doch gerne wiſſen, in welcher Provinz von Europa dieſe ſchoͤne Gewohnheit uͤblich waͤre? Vermuthlich in Utopia. Außerdem nirgends. Und geſetzt, es waͤre auch eine Provinz zu finden; ſo weiß man ja wohl, tauſend Jahr Unrecht, iſt nicht eine Stunde Recht. Was vor Unordnungen und Mißbraͤuche ſollten nicht hieraus entſtehen? Wie viel gottloſe und laͤſterliche Buͤcher wuͤrden nicht ans Licht treten, wenn es einem jeden frey ſtuͤnde eine Druckerey anzulegen, wo er wollte! Und wo blieben die heylſamen und weiſen Geſetze hoher Haͤupter, welche aus - druͤcklich befehlen, daß man nicht an jedem Ort, ohne Unterſcheid, einem jeden erlauben ſoll eine Druckerey anzulegen, ſondern der - jenige, welcher ſeine Kunſt rechtmaͤßig erlernet, und getrieben hat, kan ſich an einem ſolchen Ort, wo es die Geſetze der Obrig - keit erlauben, niederlaßen, und nach Kunſtmaͤßigen Ge - brauch eine Druckerey anlegen. S. oben N. V. Was alſo die Ge - ſetze verbiethen, kan nicht erlaubt ſeyn, wenn es auch durch eine uͤble Gewohnheit eingerißen waͤre. Folglich wuͤrde es kein Beweiß ſeyn, wenn man auch darthun koͤnnte, daß in dieſer oder jener Pro - vinz Winckeldruckereyen oder Hudeleyen von langen Jah - ren her gebraͤuchlich geweſen waͤren. Es koͤmmt uns eben ſo vor, als wenn jemand behaupten wollte, man kan erweiſen, daß von Anbeginn der Welt her ein Menſch dem andern ſeinen Bißen Brodt heimlich abgeſtohlen habe, folglich iſt es erlaubt. Das ſey ferne! Jedoch genug hiervon. Ein Verſtaͤndiger mag wei - ter ſchluͤßen. Der andere Grund haͤlt ſo wenig Stich als dieſer. Wir wollen zugeben, daß eine wohleingerichtete Druckerey ei - ner Stadt Zierde und Nutzen gebe, alleine hieraus folgt noch lange nicht, deswegen darf man an allen Orten eine Druckerey anlegen. Denn es iſt nicht alles erlaubt, was zur Zierde und Nutzen gereicht. Sonder allen Zweifel gereicht es einer Stadt zur Zierde und Nutzen, wo eine Hohe Schule iſt. Jſt es aber deswegen erlaubt, daß in allen Staͤdten Hohe Schulen angele - get werden? Geſetzt, es waͤre erlaubt an allen Orten eine Dru - ckerey anzulegen, wuͤrde daraus vor die Republick ein Nutzen oder Zierde entſpringen? Wir glauben vielmehr das Gegen - theil. Wenn in allen Staͤdten Druckereyen waͤren, wo wollte Arbeit darzu herkommen? Wo keine Arbeit iſt, da wird nichtsver -verdienet; wird nichts verdienet, ſo muͤßen die Buchdrucker entweder unehrliche Handthierung ergreifen, oder am Ende alle miteinander Betteln gehen; Das waͤre ein herrlicher Nu - tzen und eine vortrefliche Zierde vor eine Stadt. Und wozu dient die Erzehlung der Klagen und guten Wuͤnſche einiger vornehmen Gelehrten in Dantzig? duͤrffen wir die Wahrheit bekennen; So kommen uns dieſe Klagen verdaͤchtig vor. Ein rechtſchaffener Gelehrter, welcher ein nuͤtzliches Buch verfer - tigen kan, wird nicht Urſache zu klagen finden, daß er es nicht ſauber gedruckt bekommen koͤnnte. Die Erfahrung bekraͤffti - get abermahls das Widerſpiel. Man reißt ſich, daß wir ſo reden moͤgen, um gut geſchriebne Buͤcher. Man bezahlt die Arbeit theuer und ſtreitet um die Wette miteinander ſelbige recht ſauber drucken zulaßen. Gundlings, Rambachs, und vieler rechtſchaffenen Gelehrten Schrifften mehr, koͤnnen ein Zeugnis ablegen. Ja man proceßirt wohl gar um ſelbige nach der Verfertiger Tod. Wir koͤnnen alſo nicht eiuſehen, warum man Urſache zu klagen haben ſollte. Wenn auch kei - ne Druckerey an demjenigen Orte iſt, wo ein Gelehrter lebt, deßwegen gehen ſeine Schrifften nicht unter, er darf ſie auch nicht umſonſt verfertigen, wenn er nur was geſchicktes zu Mark - te bringen kan, er findet Verleger, Buchdrucker, und Lieb - haber genug dazu. Nicht wahr, es giebet hundert und mehr Oerter wo kein Pappier gemacht wird, und dennoch haben wir alle Pappier genug? Eben ſo iſt es mit den Buchdrucke - reyen. Bey ſolchen Klagen ſteckt insgemein etwas darhinter, welches unſere Leſer gar leicht errathen koͤnnen. Alsdenn faͤngt man an zu wuͤnſchen. Ein Wunſch der nicht erlaubt iſt, iſt allerdings vergeblich und unbillig. Wenn dieſes an - gieng, ſo wollten wir uns wuͤnſchen, daß es erlaubt ſeyn moͤgte, von unſers Naͤchſten Guth nur ſo viel zunehmen, als er nicht nothwendig braucht, und wir hingegen zu unſer Unterhaltung noͤthig haͤtten. Alleine die Obrigkeit hat dieſes ſo gut, als jenes verbothen, folglich helfe unſer Wuͤnſchen nichts. Jnzwiſchen haͤtten die angefuͤhrten Gelehrten ihres Wunſches theilhafftig werden koͤnnen, wenn ſie nur der Ord - nung haͤtten nachkommen wollen, die eine loͤbliche Obrigkeit vorgeſchrieben hat. Das iſt, wenn ſie die Buchdruckerkunſt ehrlich und redlich erlernet, und Kunſtgebraͤuchlich getriebenhaͤtten;haͤtten; So wuͤrden ſie ſich auch eine Druckerey anlegen, Vor - mittag in ihrer Studierſtuben herrliche Schrifften verfertigen, und Nachmittag in ihrer Druckerey ihre eigene verfertigte Sa - chen auf das ſchoͤnſte haben Drucken duͤrffen.
Hieraus wird nunmehro deutlich erhellen, daß der Herr Paul Pater die erſte Meynung einiger Leute, die er aber nicht nennet, ſchlechterdings haͤtte verwerffen ſollen. Er hat ſich auch endlich etwas beßer beſonnen, indem er bekennet, daß man bey der Beantwortung dieſer Frage auf die Beſchaffen - heit des Orts, auf die Obrigkeit und hohen Schulen ſehen muͤße. Wir ſind beynahe ſeiner Meynung. Nur mit dieſem Unterſcheid, daß wir erſtlich auf den Befehl, oder Verboth der lieben Obrigkeit, und hernach auf die Lage des Orts ſehen muͤßen. Denn wenn ein Ort noch ſo bequem waͤre, und un - ſer Landesvater will nicht; So giebt die Lage an und vor ſich noch keine Freyheit darzu. Unſer Wille iſt den Hohen in der Welt unterworffen. Dieſen muͤßen wir Gehorſam lei - ſten, folglich darf auch keine Druckerey an einem ſolchen Ort angeleget werden, wo wir, ſondern wo ſelbige wollen. Denn dieſe wißen am beſten was zur Zierde und Nutzen des Landes dienet, und wo eine Druckerey noͤthig iſt.
Es ſcheinet zwar, meynt unſer Paul Pater, daß derglei - chen Haͤuſer einer Republick mehr ſchaͤdlich, als nuͤtzlich, waͤren, weil ſie insgemein von allen buͤrgerlichen Abgaben frey ſind; Alleine, deßen ungeacht, muß man dieſe Frage dennoch mit JA beantworten, weil von den Fruͤchten dieſes Nutzens viele arme Kinder unterhalten wuͤrden, welchen man nach dem Ge - ſetz der Chriſtlichen Liebe zu helffen verbunden iſt.
Ehe wir weiter fortgehen, ſo wollen wir ſo gleich unſereGedan -Gedanken hieruͤber eroͤffnen. Wir ſprechen hierzu auch JA. Alleine mit dieſer Bedingung: daß die Geſetze der Hohen Haͤupter dabey nicht uͤberſchritten werden duͤrffen, welche ha - ben wollen, daß keiner einen Buchdruckerherrn vorſtellen kan, der ſeine Kunſt nicht ordentlich, wie ſichs gebuͤhret, ge - lernet und ſeinen Herrnſtandt erlanget hat. Außerdem iſt und bleibet er ein Hudler in Ewigkeit, weil er den Ordnungen Hoher Haͤupter zu wider lebt.
Paul Pater faͤhrt fort ſeine Antwort mit folgenden Grund zu unterſtuͤtzen: Hierans entſpringt noch ein anderer Nutzen, daß dadurch arme Wayſen, die eine Geſchicklichkeit dazu haben, bey Zeiten zu dieſer Kunſt angewieſen, und zum Vortheil des Wayſenhauſes im Setzen und Drucken koͤnnen gebraucht werden.
Hier iſt wieder voraus zuſetzen: wenn der Herr der Dru - ckerey ſeine Kunſt rechtmaͤßig gelernet; So iſt der Satz rich - tig. Widrigenfalls iſt er falſch. Denn iſt der Herr ein Hud - ler / ſo hat zwar das Wayſenhauß einen Nutzen davon, in - dem der arme Wayſe umſonſt arbeiten muß, der arme Way - ſe aber hat den Schaden, weil er außer dem Ort, allwo er als ein Hudler gebohren worden, nicht fortkommen kan. Doch dieſer Nutzen kan vor einen ſolchen jungen Menſchen noch entſtehen, wenn es anders ein Nutzen vor ihm heißen kan, daß, wenn er ſich hernach entſchließt die Lehrjahre bey einen rechtſchaffenen Herrn von neuen auszuſtehen, er ſich ſogleich in ſeine Kunſt zuſchicken weiß, da ihn denn ſeyn Herr ſo gut als einen Geſellen brauchen kan. Sonſt hilft ihm ſeine ehma - lige Anfuͤhrung nichts.
Er haͤlt davor, daß man ſelbige den Wayſenhaͤuſern mit Recht zugeſtehen koͤnne, damit ihre Preßen nicht feyern duͤrf - fen. Und hierdurch waͤchſt den Wayſenhaͤuſern ein ungemei - ner Nutzen zu, indem von einem ſolchen Buch fuͤnf tauſend, und mehr Exemplaria, auf einmal durch die Looſe abgehen, weilnichtnicht nur der wohlfeile Preiß, ſondern auch die Hofnung zu ge - winnen, viele Liebhaber darzu anlocket. Man muͤßte aber Sor - ge tragen, daß lauter gute und brauchbare Buͤcher, Z. E. Bi - beln, Fiavii Joſephi Juͤdiſche Alterthuͤmer, Poſtillen, Reiſebeſchreibungen ꝛc. gedruckt wuͤrden. Es koͤnnten auch Buchhaͤndler dadurch viel gewinnen / wenn ſie auf hundert und mehr Looße einlegten, ſo muͤßten ſie doch wenigſtens ſo viel Buͤ - cher um einen wohlfeilen Preiß bekommen, ohne was ſie dabey durchs Looß noch gewinnen koͤnnten. Dieſe Buͤcher koͤnnten ſie hernach mit Vortheil wieder verkauffen.
Die Frage von der Lotterie gehoͤret eigentlich gar nicht hieher. Da aber der Herr Verfaßer davon geurtheilet; ſo wol - len wir auch etwas ſagen. Wir ſind mit ihm, in Anſehung der Antwort, einig, daß es erlaubt ſey, wenn es mit Bewilligung der Obrigkeit geſchicht. Alleine darinnen gehen wir von ihm ab. Erſtlich, daß es nicht erlaubt ſey ſolche Buͤcher zu drucken, wor - uͤber andere Privilegia haben, welches ihnen Paul Pater zuge - ſtehet, da er Joſephi Juͤdiſche Alterthuͤmer mit vorſchlaͤgt. Denn uͤber dieſes Buch haben Hohe Haͤupter Privilegia erthei - ler. Geſtuͤnde man Wayſenhaͤuſern dieſes zu, ſo waͤren ſie privi - legirte Brodtdiebe. Oder vielleicht hat Paul Pater nicht ge - wußt / daß dieſes Buch privilegirt ſey. Vors andere koͤnnen wir den Gewinn nicht ſehen, den Buchhaͤndler davon haben ſol - len, wenn ſie auf hundert und mehr Exemplaria einlegten. La - denhuͤter und Maculatur wuͤrden ſie zum Gewinn haben. Denn wer wuͤrde mehr davor geben / als es durchs Looß gekoſtet hat? Und wo ſollen die Liebhaber herkommen, wenn bereits fuͤnf tau - ſend und mehr befriediget ſind? Zumal, da die Erfahrung geleh - ret hat, daß man wohl eher ſechszehen Groſchen eingeleget, und ein Buch bekommen hat, das nicht uͤber acht Groſchen werth war. Wo kommt da der Gewinn vor den Buchhaͤndler her?
Hierbey hat man zu unterſuchen, ſpricht der Herr Ver - faſſer: Ob die Gelehrten und andere in oͤffentlichen Ehrenaͤm - tern ſtehende Perſonen nur ihren Geitz zu erfuͤllen, oder da ſie we - nig Einkuͤnfte haben, ihren Mangel abzuhelffen, oder durch ih - re Schrifften in der Welt beruͤhmt zu werden, Buchdruckereyen anlegen. Die erſte Art iſt einem Weltweiſen gantz unanſtaͤndig, und bringt einem Chriſten Schimpf und Schande; Die andere Art iſt wohl erlaubt und gerecht, zumal wenn ein Gelehrter die Kunſt rechtmaͤßig erlernet, ſelbige wohl verſtehet, und ſein Hauß - Weſen, nach dem Beyſpiel des großen Berneggers, dieſes er - fordert; Auch die dritte Art iſt nicht zu mißbilligen, ſo oft die - jenigen, ſo das Buch verfertiget haben, ſolches auf ihre Koſten mit ſchoͤnen und nach ietziger Zeit ſauber gegoßenen Littern aufle - gen laßen. Wenn zumal die Buchdrucker des Orts ſchlecht verſehen ſind. Daß ich ietzt nichts gedencke von dem harten und genauen Bezeigen mancher Verleger, die ſich gar unbillig gegen den Ver - faßer des Buchs verhalten, und vor ſeine ſaure Arbeit und Fleiß in Verfertigung derer nuͤtzlichſten Buͤcher, die ſie doch theuer ge - nug verkauffen, einen Pappenſtiel, oder gar nichts zur Vergeltung ihm zukommen laßen wollen, mit dem Vorgeben: Der Gelehrte muͤße ſich an der Ehre begnuͤgen laßen, der Gewinnſt gehoͤre vor ſie.
Mit dieſer Antwort ſind wir beynahe voͤllig zufrieden. Nur die letzten Worte ſcheinen uns etwas hart, da er vorgiebt, daß mancher Verleger dem Gelehrten wenig, oder gar nichts vor ſei - Arbeit geben will. Wir geben zu, daß es dergleichen Verleger gebe. Wir getrauen uns aber auch zu behaupten, daß die Urſa - che dieſes harten Bezeigens insgemein bey dem Gelehrten zu ſu - chen ſey. Wer wollte einem Verleger zumuthen, daß er ein Manuſcript theuer bezahlen ſoll, wovon er ſich nicht viel Ab - gang verſprechen kan. Und gleichwohl dencken viele Gelehrte, daß ihre Arbeit nicht mit Gold zu bezahlen ſey, ohngeacht ſie her - nach, wenn ſie gedruckt, zu weiter nichts, als Fidibus, gebraucht werden koͤnnen. Geſetzt aber, es ſey der Geitz des Verlegers Schuld daran; So hat ja der Gelehrte die Freyheit ſeine ver - fertigte Schriften einem andern Verleger zu geben, der billiger iſt. Es werden doch nicht alle Verleger Geitzhaͤlſe zu nennen ſeyn. DieDie Erfahrung beweiſet ja, daß einem rechtſchaffenen Gelehrten ſeine Arbeit auch rechtſchaffen bezahlet wird.
Der Herr Verfaßer meldet, daß ſich vor einigen Jahren in Preußen dieſer Streit ereignet habe, und zwar bey Gelegen - heit eines Schriftgieſers in der nahliegenden Stadt Thorn, wel - chen die Wittenbergiſchen Buchdrucker nach Art ihrer Vorfah - ren in ihre Geſellſchafft aufgenommen haben; Dieſe Sache waͤre in Teutſchland vielen Schwierigkeiten unterworffen geweſen; Sie waͤre aber endlich mit allgemeiner Einwilligung der Nuͤrn - berger Buchdruckergeſellſchaft alſo entſchieden worden:
‟ Ob - „ wohl dieſe Gemeinſchaft der Buchdrucker und Schriftgieſer „ faſt hundert Jahr uͤblich geweſen waͤre; So ſollten dennoch, zu „ Vermeidung der Unordnung, und vieles andern Unheils, ſo „ oft daraus entſtanden, hinfuͤro die Schriftgieſer unter die „ Buchdrucker nicht mehr gerechnet werden, ſie muͤſten denn „ dieſe Kunſt rechtmaͤſig gelernet haben, und die Geſellen, ſo „ ſich einer oder der andern Kunſt unterzoͤgen, waͤren gewoͤhn - „ lich zu ſtraffen / und davon zu jagen. „
Jnzwiſchen, faͤhret der Herr Pater fort: wenn es des Vaterlandes Nutzen / die Ge - wohnheit und Nothwendigkeit eines Orts unumgaͤnglich erfo - dern ſollte, und wenn ſie ſich mit einander liebreich verglichen haͤtten; So hielte er davor, daß die Buchdrucker ſo gar ſcharff nicht verfahren ſollten. Jmmaßen ja auch die Buchdrucker ſo wohlin Dantzig, als ſonſten hin und wieder, frey und oͤffent - lich, iedoch wider Recht, den Buchhandel trieben, ob ſie gleich ſel - bigen niemals ordentlich gelernet haͤtten.
Hier kommt es nicht darauf an, was dieſem oder jenem gut deucht, ſondern die Villigkeit nnd der Beyfall gantzer Geſell - ſchaften muß die Frage entſcheiden, weil ſich dieſe auf die Frey - heiten und Ordnungen, ſo ſie von Hohen Haͤuptern erhalten ha -e 2ben,ben, gruͤnden. Da nun die Nuͤrnbergiſche Geſellſchaft, nach Anleitung ihrer erhaltenen Ordnungen, mit Nein geantwortet hat; So waͤre es unbillig auf eine andere Seite zu treten. Zu - mal, da wir noch mehrere dergleichen Faͤlle beybringen koͤnnen, da den Schriftgieſern dieſe Freyheit abgeſprochen worden, wenn ſie die Buchdruckerkunſt nicht ordentlich gelernet haben. Wir koͤnnen aus Johann David Werthers wahrhaftigen Nach - richten der Buchdruckerkunſt, Franckf. und Leipzig, 1721. 4 to. §. 27. p. 54. ſeqq. noch zwey dergleichen Faͤlle anfuͤhren. David Hautt, ein Buchdruckerherr zu Coſtantz in der Schweitz, hinterließ bey ſeinem Abſterben einen Sohn gleiches Namens, welcher die Schriftgieſerey, und niemals die Buchdruckerey or - dentlich gelernet hatte. Jnzwiſchen hatte er nebſt andern Buch - drucker-Cornuten ſein Poſtulat verſchencket. Da nun ſein Va - ter verſtorben war, ſo uͤbernahm er die Druckerey, foͤrderte Ge - ſellen, unter andern Michael Wernlein, und nahm Jungen in die Lehre auf, darunter Melchior Muxel der erſte geweſen iſt. Weil aber zwey Geſellen zu Lucern, Johann Wilhelm Bau - mann, von Hamburg, und Chriſtian Beck, von Bayreuth, erfahren, daß gedachter David Hautt, der juͤngere, ſeine Lehrjahre bey der Druckerey nicht ordentlich ausgeſtanden habe; So haben dieſe beyde Geſellen weder ihn, noch ſeine gelernten Jungen, vor rechtmaͤſige Kunſtglieder anſehen wollen. Ob er ſie nun gleich durch Obrigkeitlichen Zwang darzu anhalten ließ / daß ſie ihn vor gut und tuͤchtig auf der redlichen Kunſt erklaͤren ſollten; So haben ſie ſich doch niemals darzu verſtanden. Es iſt auch endlich durch genaue und richterliche Unterſuchung dahin gediehen, daß dieſer David Hautt in dem gantzen H. Roͤm. Reich als ein Hudler angeſehen wurde, weil er nicht erweiſen konnte, daß er ſeine Lehrjahre bey der Buchdruckerey ordentlich ausgeſtanden haͤtte. Und eben deswegen wurden deßen gelernte Jungen bey der redlichen Kunſt vor untuͤchtig erklaͤret. Eben ſo gieng es Johann Andreas Fincelius. Er hatte bey ſeinem Vater, Job Wilhelm Fincelius, die Schriftgieſerey geler - net, und zugleich mit Buchdrucker-Cornuten poſtuliret, weil ſein Vater beydes zu Wittenberg beyſammen hatte. Nachdem er ſich nun nach Jena gewendet, und die Schriftgieſerey daſelbſt getrieben hat; So hat er ſich 1632. und 1684. bey einer loͤblichen Buchdruckergeſellſchaft zu Jena gemeldet, und Anſuchung ge -than,than, es mit ſelbiger zu halten. Alleine, die Geſellſchaft hat ſein Verlangen mit gleicher Hoͤflichkeit zuruͤck gewieſen, weil ſie ſich keinen Verdruß, Schimpf und Verantwortung bey der ſaͤmtl. Kunſt uͤber den Halß ziehen wollen. Hieraus wird man nun - mehro gar leicht einſehen koͤnnen, daß wir nicht unbillig mit Nein geantwortet haben. Folglich kan man die Buchdrucker keiner Haͤrte beſchuldigen, wenn ſie die Schriftgieſer in ihre Ge - ſellſchaft nicht auf und annehmen wollen. Haben ſie aber bey - des ordentlich und rechtmaͤſig erlernet; So wird man ihnen den Platz nicht ſtreitig machen.
Jedoch Paul Pater vermeynt am: Ende ſeiner Antwort noch einen erheblichen Grund zu finden, wenn er vorgiebt: Die Buchdrucker ſollten ſich nicht ſo hart gegen die Schriftgieſer er - weiſen, weil doch viele widerrechtlich den Buchhandel trieben, den ſie nicht ordentlich erlernet haͤtten. Treflich lahm geurthei - let! Geſetzt, welches wir doch nimmermehr zugeſtehen, daß einige Buchdrucker widerrechtlich den Buchhandel trieben, wuͤr - de denn dieſes eine Folge ſeyn, daß man deßwegen die Schrift - gieſer in die Buchdruckergeſellſchaft aufnehmen ſoll. Von eini - nigen auf alle zu ſchließen, iſt ja offenbar falſch, welches ſchon die Schulknaben wißen. Wir wollen freygebig ſeyn, und aus Spaß behaupten, alle Buchdrucker fuͤhren widerrechtlich einen Buchhandel. E. ſind ſie verbunden die Schriftgieſer in ihre Ge - ſellſchaft zu nehmen. Wenn es noch ſo hieße, alle Buchdrucker treiben widerrechtlich die Schriftgieſerey, folgbar koͤnnen ſie auch den Schriftgieſern erlauben die Druckerey zu treiben; So waͤre es noch eher ein Scheingrund. Da es aber heißt: ſie treiben Buchhandel; So koͤnnen wir in der Welt nicht einſehen, wie der Buchhandel, wenn er auch unrechtmaͤßiger Weiſe von de - nen Buchdruckern getrieben wuͤrde, den Schriftgieſern ein Recht erzwingen koͤnne. Das heißt wohl recht geurtheilt, der Stecken ſteht in Winckel, folglich muͤßen wir die Schriftgieſer auch zu Buchdruckerherren machen. Und was die Hauptſache iſt, ſo kan in Ewigkeit nicht erwieſen werden, daß die Buchdrucker un - rechtmaͤßiger Weiſe den Buchhandel treiben Der Raum iſt uns zu enge, daß wir hier alle Gruͤnde anfuͤhren koͤnnen, daß es den Buchdruckern erlaubt ſey den Buchhandel zu fuͤhren. Wir koͤnnen auch dieſer Muͤhe uͤberhoben ſeyn, da ſolches verſchiede - ne gelehrte Maͤnner hinlaͤnglich erwieſen haben. Ahasveruse 3FritſchFritſch in Diſſ. de Bibliopolis Typographis c. II. Th. 2. 3. ingleichen in der Diſſ. de abufibus Typographiae Sectione III. n. 39. Marcus Rhodius in Diſſ. de Libris Erudit. C. II. n. 56. ſqq. Die Gewohnheit, welche durch den Beyfall Hoher Haͤupter unterſtuͤtzt iſt, ſtreitet augenſcheinlich vor uns. Die aͤltern, mittlern und neuern Zeiten legen ein nachdruͤckliches Zeugnis ab. Wer hat denn die Bibel, ſo Johann Fauſt ge - druckt, verlegt und verkauft, nicht wahr Fauſt ſelbſt? Wer hat Schoͤffers gedruckte Sachen verlegt, nicht wahr, er ſelbſt? Und wer weiß nicht, daß die Aldi, Stephani, Morelli, Opo - rini, Frobenii, Wuſt, Stern, Ender, Ritzſch, und viel andere mehr, Buchdrucker und Buchhaͤndler geweſen ſind? Man kan auch unwiderſprechlich darthun, daß Hohe Potenta - ten vielen Buchdruckern uͤber ihre gedruckte und verlegte Buͤcher Privilegia ertheilet haben, ſelbige eintzig und allein zu verkauf - fen. Wir haben ſelbſt ein ſolches Privilegium mitgetheilet, wel - ches der Kayſer Carl der V. den Juo Schoͤffern ertheilet hat. Man ſchlage No. XXV. nach, ſo wird man es finden. Woraus wir den Schluß machen: Haben Hohe Potentaten den Buch - druckern die Freyheit gegeben, eintzig und allein mit ihren Buͤ - chern zu handeln; So muß ihnen wohl der Buchhandel von Rechtswegen zukommen. Denn ſonſten wuͤrden ſie ihnen dieſe Freyheit nimmermehr zugeſtanden haben. Alle und jede Buch - drucker haben alſo das Recht auf ihre eigene Koſten Buͤcher zu drucken und zu verkauffen, obgleich nicht alle den Buchhandel treiben. Es gehoͤret Geld, Vorſchuß, und Klugheit dazu, die freylich nicht ein jeder beſitzt; Unterdeßen hebt dieſes das Recht nicht auf. Wir wißen wohl, daß mancher mit Unverſtand dar - wider geeifert hat; Wir koͤnnen aber auch verſichern, daß mancher Buchdrucker keinen Buchhandel angefangen haben wuͤrde, wenn er nicht aus Noth darzu waͤre angetrieben worden. Wir wißen Faͤlle, da man mit Buchdruckern vor dem Ballen um einen ge - wißen Preiß zu drucken einig worden iſt, dem man hernach mit zwey Drittheil abſpeiſen wollen, welches ſie ohnmoͤglich thun konnten, folglich blieb ihnen die gantze Auflage uͤber den Halß. Wo ſollten ſie damit hin? Sie mußten ſelbſten Buchhaͤndler ab - geben, wenn ſie nicht alles verlieren wollten. Dahero wir mit Bedacht geſaget, daß einige mit Unverſtand daruͤber geeifert ha - ben, weil ſie die Urſachen nicht wißen. Hieraus wird man nungargar leicht ſehen koͤnnen, daß Paul Pater mit der Wahrheit um das Thor ſpatzieret ſey.
Paul Pater beantwortet dieſe Frage mit Nein; Denn es ſcheine, ſpricht er, daß der gelehrten Welt nicht wenig daran gelegen waͤre, wenn denen Buchdruckern ein gewißer Tax ihrer Arbeit gemacht wuͤrde, indem bekannt waͤre, daß gewiße geitzi - ge und gewinnſuͤchtige Buchdrucker gefunden wuͤrden, welche von unvorſichtigen Juͤnglingen und Studenten ohne Unterſcheid ſo viel Lohn vor ihre Arbeit ſich zahlen ließen, als ſie von ihnen erpreßen koͤnnten, und dabey auf die Geſetze der Billigkeit in Handel und Wandel gar nicht ſaͤhen, vielweniger die Gleichheit in Anſehung der Arbeit und des Lohns beobachteten, woruͤber der beruͤhmte Arnold Mengering in ſeiner Gewißens-Pruͤfung har - te Klage gefuͤhret habe, damit ſie nun nicht wider Recht und Bil - ligkeit handeln, ſondern Ziel und Maaſe, nach Vorſchrift der geſunden Vernunft halten moͤchten; So ſollte man ihnen nach Beſchaffenheit des Ortes und anderer Umſtaͤnde, ingleichen nach Beſchaffenheit der Unkoſten, die ſie auf Nahrung und Pap - pier verwenden muͤſten, auch unterſchiedene Taxe vorſchreiben.
Es iſt Schade daß Paul Pater kein großer Herr geworden iſt, ſo haͤtte er doch befehlen koͤnnen, was andere Hohe Poten - taten mit beſondern Bedacht nicht thun wollen, weil ſie es nicht vor gut befunden. Nunmehro kan er in dem Reich der Todten ei - ne ſolche Republick aufrichten, worinnen er einem jeden die Frey - heit benehmen kan ſeine Arbeit zu taxiren. Auf der Welt wird es nicht wohl angehen. Weil niemand, als derjenige, ſo eine Ar - beit verfertiget, eigentlich weiß, was er damit verdienet. Es iſt auch deßwegen den Buchdruckern nicht wohl ein Tax vorzu - ſchreiben, weil die Abgaben, die darzu erforderlichen Nothwen - digkeiten, der Aufgang, und was das meiſte iſt, ihre Arbeit, bald ſchwer bald leichter iſt. Diejenigen, ſo an wohlfeilen Ortene 4lebten,lebten, wuͤrden nothwendiger Weiſe reich, und die ſo an theuren Orten lebten, arm werden, wenn man ihnen einen Tax uͤberhaupt vorſchreiben wollte. Es wuͤrde auch der edlen Kunſt wenig da - mit gedienet ſeyn. Waͤre ein gewißer Tax vorgeſchrieben: So wuͤrden wir die elendeſten Schriſten von der Welt zu ſehen be - kommen. Man wuͤrde die Littern fuͤhren / ſo lange ſie nur noch einen Schein von ſich geben wuͤrden, weil man doch eben ſo viel, als vor neu gegoßene bekaͤme. Man wuͤrde viele Zierrathen ent - behren muͤßen, und tauſend andere Fehler mehr bekommen, weil die darauf verwendete Zeit nicht bezahlet wuͤrde. Denn was ſauber und accurat gemacht werden ſoll, koſtet ja mehr Muͤhe und Fleiß, als was man nur ſo hin ſudelt. Folglich antworten wir auf die Frage: Es iſt den Buchdruckern erlaubt vor ihre Ar - beit den Lohn zu beſtimmen. Geſetzt, es uͤbertheuerten einige ih - re Arbeit, ſo ſind ja genug andere da, welche die Geſetze der Billig - keit und ihr Gewißen zu bewahren ſuchen. Man iſt ja nicht an einen gebunden. Es iſt uns auch die Taxordnung, ſo wir No. XIV. angefuͤhret, nicht zuwider. Denn damals waren viele Mißbraͤuche wegen Abſetzung der Muͤntzen eingerißen, welchen man dadurch Ziel und Maaß ſetzen wollen. Da nun aber ſelbi - gen geſteuert worden; So iſt es nun eine gantz andere Sache. Und insgemein laͤuft es da hinaus: Der Buchdrucker und Verle - ger ſollen ſich nach der Billigkeit mit einander vergleichen. Heißt dieſes nicht ſo viel geſagt: Der Buchdrucker ſoll ſeine Arbeit taxiren, und hernach mit dem Verleger daruͤber einig werden?
Hier macht der Herr Verfaßer einen Unterſcheid zwiſchen privilegirten Hofbuchdruckern, ingleichen zwiſchen ſolchen die bey niedrigen und hohen Schulen und bey E.E. Rath Buchdru - cker ſind, welchen Patente, Diplomata alleine zum Druck an - vertrauet werden. Da ſie nun dieſe Arbeit umſonſt und ohne Belohnung drucken muͤßen; So iſt es ja billig, daß ſie von Ab - gaben, wo nicht voͤllig, doch in gewißer Maaße befreyet wer - den. Er fuͤhret auch ein Exempel an, daß der Buchdrucker zu Thoren der daſi gen Schule nicht nur von buͤrgerlichen Beſchwe -rungenrungen befreyet waͤre, ſondern er haͤtte auch in einem Frey-Hau - ſe gewohnet, und jaͤhrlich noch uͤber dieſes von den Aeckern der Republic etwas gewißes von Getraͤide bekommen. Weil er ſich aber im geringſten nicht beflißen, weder Lehrenden noch Lernen - de einigen Nutzen durch ſeine Knnſt zu verſchaffen, ſo haͤtte ein Hochedl. Rath daſelbſt, auf Bitte der Profeßoren, dieſe ſeine Druckerey einen andern fleißigen Mann, und zwar mit Bedin - gung, uͤbergeben, daß er jaͤhrlich 200. fl. Pohln. an das Gymna - ſium bezahlen ſollte, welche Abgabe ſeit 20. Jahren her bis heu - tiges Tages dem Gymnaſio noch heimfiel.
Nicht alle Buchdruckereyen, ſondern nur einige ſind von allgemeinen Abgaben frey, welche Freyheit große Herren denen - ſelben aus beſonderer Gnade wegen verſchiedener Umſtaͤnde er - theilen. Und hievon hat unſer Herr Verfaßer hinlaͤnglich ge - nug gehandelt. Von allen beſondern Freyheiten die hier und da einige Buchdruckereyen genießen, umſtaͤudliche Nachricht zu wiſſen, iſt eher gewuͤnſcht, als geleiſtet, Weil man von jedem Ort nicht ſo gleich Nachrichten einziehen kan. Vielleicht ſind un - ſere Leſer ſo guͤtig, und theilen uns in Zukunft mit, was ſie hier und da vor Frey heit genieſen / ſo wollen wir ſelbige alsdenn in gehoͤriger Ordnung vorſtellen. Gegenwaͤrtig wollen wir die Guͤ - tigkeit eines Hoch E. und Hochweiſen Raths zu Leipzig preiſen, welcher ſeine vaͤterliche Huld gegen alle und jede verheyrathete Kunſtglieder deutlich blicken laͤßet, da er ihnen etwas erlaßen, welches ſie ſonſten als Schutzverwandte entrichten muͤßen. Der HERR ſey ihr Vergelter davor! Außer dem aber haben die Buchdrucker uͤberhaupt einige Freyheiten, die ihnen allen vor andern Profeßionen von Hohen Potentaten zugeſtanden worden. Z. E. Daß ſie Degen tragen duͤrffen. Siehe No. X. gleich vor - hero; daß ſie in Sachßen nicht zur Landmilitz gezogen werden. Siehe No. XVIII.
Zu Beantwortung dieſer Frage hat man ſich umzuſehen, ſpricht der Herr Verfaßer, wo diejenigen Sachen an Ueberfluß zu bekommen ſind, welche die Buchdrucker noͤthig haben. Z.E. Die gegoßenen Littern, Pappier, Leinoͤl, Ruß, Holtzſchnitte und andere Zuthaten, ingleichen an welchen Orten diejenigen Sachen am wohlfeilſten zu ſtehen kommen, die zur Nahrung und Kleidung gehoͤren, wie hoch ſich die Abgaben belauffen, die der Obrigkeit ordentlicher und außerordentlicher Weiſe abzutragen ſind; Ob die Buͤrger von Steuer und Abgaben ausgenommen ſind. Wie hoch Miethe und Wohnhaͤuſer koͤnnen angeſchafft werden, und was ſonſten zu Erhaltung eines Haußweſens gehoͤ - ret; Ob die gedruckten Buͤcher zu Waßer und Lande bequemlich anderwerts weggeſchafft, oder herbey gebracht und verſchloßen werden; Ob denen Buchdruckern freye Hand gelaßen mit jeder - mann zu handeln / und was dergleichen mehr? Wenn man die - ſes alles genau erwegt, ſo wird kaum ein Ort, nach des Herrn Verfaßers Meynung, in Europa zu finden ſeyn, wo alle zur Buch - druckerey gehoͤrigen Dinge um geringern Preiß, als in Preußen und vorneml. in Dantzig und Koͤnigsberg, zu kauffen ſeyn duͤrff - ten, wenn man nur die rechte Zeit zu kauffen in Acht zu nehmen wiße, und ſonſten die gehoͤrige Sorgfalt und Fleiß auf alles wendet. Ja er ſtehet im Zweiffel, ob aus einem andern Han - del oder Kunſt ein groͤßerer Gewinn koͤnne gezogen werden, als aus der Buchdruckerey, welchen man in der That einen gewißen ehrlichen und erlaubten Gewinn nennen kan.
Jn dieſer Antwort findet man alles, was ein Buchdrucker wohl uͤberlegen muß, wenn er ſich anrichten will. Es wird aber nicht ein Ort in der gantzen Welt zu finden ſeyn, wo wir alles bey - ſammen antreffen koͤnnen. Genug, wenn wir nur die meiſten Stuͤcke finden. Ob nicht der Hr. Verfaßer das gemeine Spruͤch - wort im Sinn gehabt habe: Des Brod ich eſſe, des Lied ich ſinge; da er behauptet, daß ſich Preußen, und inſonderheit Dan - tzig und Koͤnigsberg, vor allen Orten in gantz Europa am beſten zur Druckerey ſchicke, uͤberlaßen wir andern zu beurtheilen. Wir geben zu, daß man daſelbſt die Buchdruckerey mit guten Vortheil treiben koͤnne, ob aber daſelbſt ſo viel Arbeit, als an vielen andern Orten in Teutſchland, abſonderlich wo HoheSchu -Schulen ſind, anzutreffen ſey, zweifeln wir billig. Denn wer ſoll etwas daſelbſt drucken laßen, da gar wenig Buchhaͤndler vor - handen ſind? Jſt keine Arbeit da, ſo wird es den Buchdruckern wenig helffen, wenn auch alles wohlfeil waͤre. Es fehlt dem - nach nichts, als nur der Hauptpunct, und dennoch iſt Dantzig und Koͤnigsberg der beſte Ort. Die letzten Worte ſind wieder - um ſehr vortheilhaft vor die Herren Buchdrucker, weil ihr Ge - winn der groͤßte vor allen uͤbrigen Handlungen ſeyn ſoll, er iſt dabey ehrlich und gewiß. Wenn das erſte und letzte Stuͤck ſo gut als das mittelſte wahr waͤre: So waͤre alſo keine reichere Handthierung in der gantzen Welt, als die Buch druckerey. Es iſt nur Schade, daß die Groͤße und Gewißheit dieſes ehrlichen Verdienſtes weiter nirgends, als auf dem Pappier, des Herrn Verfaßers zu finden iſt. Die Erfahrung will kein zeugnis ge - ben, die Buchdrucker klagen uͤber den geringen Verdienſt, und ſind oͤfters recht boͤs, daß ihre Bezahlung ſo gar ungewiß ein - lauft und daß ſie dann und wann gar darum gebracht werden. Doch vielleicht bezahlt man nur in Dantzig und Koͤnigsberg den Buchdruckern ihre Bemuͤhung ſo reichlich, und wohl gar zum voraus, damit ſie ſolche recht gewiß haben. Denn eben deß - wegen ſind ſie auch vermuthlich die beſten Oerter in gantz Eu - ropa vor die Buchdrucker.
Da der Gewinnſt auf dem taͤglichen Fleiß der Geſellen an - kommt, und dieſer verſchiedener Urſachen wegen nicht allezeit ei - nerley iſt; So laͤſt ſich der Gewinnſt nicht gewiß beſtimmen, zu - mal da er nach Beſchaffenheit des Orts, der Lebensmittel und an - dere Umſtaͤnde ſich ſehr veraͤndert. Wenn die Zeiten guͤnſtig ſind, ſo kan ein Druckergeſelle mit einem Lehrjungen, innerhalb drey Tagen, einen Ballen oder zwanzig Rieß, und alſo innerhalb ſechs Tagen zwey Ballen drucken. Wenn die Auflage viele tau - ſend ſtarck iſt, ſo kan er in einer Woche zehen harte Thaler (num - mos vnciales) verdienen Rechnet man die Helfte davon auf Nahrung, Lohn, und andere haͤußliche Nothwendigkeiten; Soblei -bleiben woͤchentlich fuͤnf Thaler (Imperiales) uͤbrig, wovon man neue Lettern und Nothwendigkeiten auſchaffen kan.
Nun rechnet unſer Herr Verfaßer gar den großen, ehr - lichen und gewißen Gewinnſt der Buchdrucker aus. Er be - mercket den Fleiß der Druckergeſellen, und ſchlaͤgt vor, wie viel ein Buchdruckerherr auf Nahrung, Lohn und haͤußliche Noth - wendigkeiten verwenden ſoll. Er ſetzt ihnen auch den nach ſeiner Meynung uͤbrigen Gewinnſt auf. Wenn wir weitlaͤuftig ſeyn koͤnnten, ſo haͤtten wir gar vieles an dieſer Rechnung auszuſetzen. Anfaͤnglich muͤſten wir mit einander in die lateiniſche Schule ge - hen, und uns belehren laßen: ob nummus vncialis und Impe - rialis einerley Muͤntze waͤre? zimlich kleine Knaben wuͤrden uns antworten: Nummus vncialis heißt ein harter Thaler von 32. Groſchen. Denn vncialis heißt eigentlich zweyloͤthig; Nun iſt aber ein harter Thaler zweyloͤthig, folglich heißt vncialis num - mus ein harter Thaler. Q. E. D. Imperialis hingegen ein Reichs - Thaler von 24. Groſchen. Dieſes wißen alle unſere Cammera - then, weil ſie es in ihrem Vocabulario alſo gelernet haben. Wer es nicht glauben will, der darf es nur nachſchlagen. Haͤtten wir dieſe Nachricht eingehohlet, ſo fiengen wir mit einander zu philo - ſophiren an: Wer fuͤnf Reichs-Thaler vor die Helfte von zehen harten Thalern angiebt / der begeht nur einen kleinen Fehler im Rechnen? Nun aber hat dieſes Herr Paul Pater gethan, folg - lich hat er nur einen kleinen Fehler im Rechnen begangen. Und das war eins! Vors andere moͤgten wir doch gerne wißen, wie viele tauſend eine Auflage ſtarck ſeyn ſollte, wenn ein Drucker zehen harte Thaler damit verdienen ſoll, und zwar in ſechs Ta - gen? Dergleichen Buͤcher, wovon die Auflage viele tauſend ſtarck iſt, ſind uns, außer denen Calendern, unbekannt, und diejeni - gen welche etliche tauſend ſtarck aufgeleget werden, ſind ſehr rahr, und insgemein nicht groß, folglich haͤtte der Verdienſt gar bald ein Ende. Dergleichen die A. B. C. Buͤcher, Evange - lia, Pſalmbuͤcher und Catechiſmi ſind. Da nun alſo ein Buch nicht viele tauſend ſtarck gedruckt wird, ſo kan der Drucker un - moͤglich zehen Thaler verdienen. Wo bleibt denn der Setzer, ſoll dieſer umſonſt arbeiten? Doch nein, er ſoll auch was bekom - men, und wir wollen die Rechnung alſo einrichten: Eine Auflageſollſoll ein tauſend ſtarck ſeyn; Fuͤnf Bogen muͤßen geſetzt werden, wenn ich einen Ballen drucken will, weil ein Ballen 5000. Bogen hat. Vor fuͤnf Bogen zu ſetzen gebe ich 2 Rthl. 12 gl. und dem Drucker 2 Rthl. 2 gl. vor 5000. zu drucken, beyde alſo 4 Rthl. 14 gl. der Corrector bekoͤmmt 15 gl. ſo bekommt der Herr nichts, er muß 5. gl. zu buͤßen. Es ſoll aber auch eine Auflage 2000. ſtarck ſeyn. Der Setzer bekommt vor 5 Bogen 2 Rthl. 12 gl. und der Drucker vor 10000 Bogen 4 Rthl. 4 gl. und alſo beyde 6 Rthl. 16 gl. So bliebe dem Herrn woͤchentlich nach Abzug der Correctur 2 Rthl. 17 gl. Gewinn. Wo verwendet er ſelbige hin? Auf Eſſen, und Trincken, Kleider, Geſind, Miethe, Ab - gaben, und andere haͤußliche Nothwendigkeiten. Wo nimmt er Farbe und Ballenleder her? Der Druckerjunge will auch bey ſolcher ſchweren Arbeit mit Waſſer und Brod nicht zufrie - den ſeyn. Und wo ſollen endlich neue Schrifften herkommen? Laßt ihm auch woͤchentlich etliche Thaler haben, ſo wird die Rech - nung werden: Er kan zwar als ein ehrlicher Mann leben, aber 0 von 0 geht auf. Wo bleibt alſo der große und gewiße Ge - winn? Er iſt verſchwunden, und unſer Herr Verfaßer hat ſich ſel - bigen alſo eingebildet. Der Anfang ſeiner Antwort iſt wohl am beſten zu mercken.
Dieſe Frage mit Nein zu beantworten hat man folgende Urſachen: Weil dergleichen Gewinſt mit dem Geſetz der Natur ſtreitet, welches uns vorſchreibt: Daß wir mit andern Leuten eben ſo umgehen ſollen, als wir verlangen, daß ſie mit uns umgehen ſollen. Nun will aber Niemand, daß man ihm eine Sache theurer anſchlage, oder das ſeinige um einen geringern Preiß abdruͤcke, als es werth iſt; Dahero ſoll auch er weder ſeine Sachen einem andern theurer verkauffen, noch fremde um einen geringern Preiß an ſich handeln, als ſie werth ſind. Vorsan -andere, weil dergleichen Kauf und verkauf mit Betrug verknuͤpft iſt, welcher aber bey keinem Contract erlaubt iſt, weil es der Bil - ligkeit zu wider iſt / welche haben will, daß man im umtau - ſchen eine ſolche Gleichheit beobachte, daß keiner betrogen wer - de. Alſo ſollten wir einem Buchhaͤndler von Rechtswegen mehr geben, wenn er uns aus Unwißenbeit ein rahres Buch wohlfei - ler biethet, als es werth iſt. Die Billigkeit will es haben, die uns gleichſam einen heimlichen Verweiß geben wird. Es ſey denn, daß er freywillig von ſeinem Recht nachlaßen wollen. Unterdeßen iſt es erlaubt, ein Buch theuerer zu verkauffen, als es werth iſt, wenn ſich zufaͤlliger Weiſe ein beſonderer Um - ſtand aͤußert. Wenn nemlich das Buch, ſo man kaufen will, uns zu einem beſondern Vortheil gereichet, oder, wenn ein Theil alleine zur Ergaͤntzung eines gantzen Wercks noͤthig iſt, oder wenn wir beſonderer Urſachen willen eine Liebe darauf ge - worffen haben, alsdenn iſt es der Billigkeit nicht zuwider, daß wir etwas mehr davor geben, als es werth iſt. Man erzehlet von dem bekannten Buchdrucker zu Wittenberg, Hannß Luft, daß er den ſeel D Luther gefragt habe, als er bald ſterben wollte: Ob ihm GOtt dieſe Suͤnde vergeben wuͤrde, daß er die Heilige Schrift, ſo er zum erſten mal gedruckt, etwas zu theuer verkauft habe? Allerdings, ſagte Luther, dieſes iſt gleichſam ein Wucher Aegypti, womit GOtt die Wittenbergiſchen Jſrae - liten bereichert hat, damit ſie nicht ohne guͤldene und ſilberne Gefaͤße von dem undanckbahren Teutſchland ausgiengen.
Hierinnen giebt der Herr Verfaßer ſo wohl den Buch - haͤndlern als auch Buchdruckern eine noͤthige Pruͤfung, wie ſie ſich bey Einkauff - und Verkauffung ingleichen bey Umtauſchung ihrer Buͤcher gegen ihren Nebenchriſten verhalten ſollen, damit ſie nicht wider die Billigkeit ſuͤndigen, ſondern bey jeden ihr Gewißen in eine gute Sicherheit ſetzen moͤgen. Bey der Er - zehlung von Hanß Luften haben wir weiter nichts zuerinnern, als daß der tuͤchtige Beweiß fehle. Man erzehlt, man ſagt, man ſchreibt, iſt bey uns Niemand.
Es koͤnte hiervon vieles aus der Erfahrung von ſo vielen Jahren her beygebracht werden; Allein zu Vermeidung eines uͤblen Ruffs, Argwohns und ſolcher Laſter, wodurch man ſich Fein - de macht, die Gemuͤther verbittert, und die Handlung ſtoͤhrt, ge - faͤllt es unſern Herrn Verfaßer mit den Worten Wolffgang Brauſers, der in Nuͤrnberg Secretarius der Republick war, ſo wohl dieſe Frage, als auch alles, was er hier gedacht, zu ver - ſiegeln. Derſelbe meldet in ſeinen hurtigen Briefſteller im 5. Cap. p. 261. folgendes
‟ Man frage in den Buchdruckereyen „ und Buchlaͤden welche Arbeit, Buͤcher und Schrifften am „ ſtaͤrckſten abgehen, ſo wird ſichs finden, daß man den beſten „ Nutzen von den Calendern hat; Alſo daß, wie ich glaub - „ wuͤrdig berichtet worden, manches einigen Autoris, der et - „ was beruͤhmt, uͤber die 100000 Exemplar vor zeiten verkaufft „ worden. Und welcher Buchhaͤndler waͤre zu bereden, auch „ das beſte Buch auf ſeinen Verlag drucken zu laßen, wenn er „ wißen ſollte, daß es wie die Calender, nur ein Jahr gelten, „ was aber inner Jahres oder halben Jahres Friſt nicht ver - „ kaufft zu Marulatur werden ſollte. „
Wir koͤnnen nicht einſehen, wie der Calenderhandel der beſte ſeyn ſoll. Erſtlich gilt ein Calender nicht viel; vors an - dere werden die Calender bald zu Maculatur, und drittens koſtet der Druck der Calender ungemein viel Muͤhe wegen der verſchiedenen Farben und der Setzer bringt auch nicht wenige Zeit damit zu, wegen der vielen Zeichen. Und wo bleibet das Stempelgeld? Es muß alles mit Steuergeld bezahlet werden. Brauſers letzte Worte ſind uns zu dunckel. Jedoch wir wollen uns nicht ferner aufhalten, ſondern hiemit unſere Anmerckun - gen ſchließen. Sollten wir einen Fehler begangen haben, ſo werden wir ſelbigen in Zukunft zu verbeßern ſuchen und unter - deßen keine Calender daruͤber machen.
[Nota. Weil nicht alles unter einerley Signatur und Columnen - Ziffern in dieſem Wercke fortlaͤufft, ſo dienet dem geneigten Le - ſer beym Nachſchlagen im Regiſter zur Nachricht, daß Vor. Herrn Kappens Vorrede, K. E den Kurtzen Entwurff F. B. das Format-Buch, zwey Roͤmiſche II. den andern Theil, und R. A. u. B. O. die Reichs-Abſchiede und Buchdrucker-Ord - nung andeutet.]
ORATIONIS DOMINICAE VERSIONES FERE. CENTVM SVMMA. QVA. FIERI. PO TVIT. CVRA. GENVINIS. CV IVSLIBET. LINGVAE CHARACTERIBVS TYPIS. VEL. AERE. EXPRESSAE
LIPSIAE LITTERIS. TAKKIANIS.
In Priore & Poſteriore noſtri de Typo - graphia conſcripti Libelli Parte plu - rima, niſi omnia, totius terrarum orbis Alphabeta, vt vocant, ante tuos, L. B. TIBI poſuimus oculos. Sed nudae plerumque fuerunt litterae, qua - rum figuras & valorem nunc cogno - ſcere poteris, praetereaque nihil. Haec quidem cognitio valde delectat ani - mum; Sed parum prodeſt, niſietiam has litteras componere, compoſitas legere & lectas intelligere valeas. Poe - tas igitur ſuauisſimos imitaturi non delectare ſolum, ſed & prodeſſe cupi - mus. Variis his ſuppeditatis litteris & formulam quandam legendi tibi of -ferreferre fuimus ſolliciti. Nunc hanc, nunc illam miro ſtudio quaeſiuimus formulam. En! praeter omnem ſpem & expectationem incidimus in ſanctis - ſimae noſtrae Orationis Dominicæ Translationes. Optabilius nihil, ni - hilque ad inſtitutum noſtrum accomo - datius in manus noſtras peruenire po - tuerat. Omnes enim, quas reperire nobis licebat, Translationes exhiben - tur, hinc etiam omnium fere lingua - rum habes ſpecimina. Vbi lectio dif - ficilis, ibi litteris latinis eam adiunxi - mus. In Notis compendiis littera - rum ſumus vſi, ſed explicuimus eas in calce libri. Vbi & omnium lingua - rum totius terrarum orbis diviſio - nem & indicem invenies. Vtere co - natibus noſtris, maiora expecta. Nobis faue & Vale. Scribebam Li - pſiæ, A. R. S. ⅽⅼↄ ⅼↄ ccxxxx.
α. ω.α. ω.
Πάτερ ἡμω̃ν ὁ ἐν τοι̃ς οὐρανοι̃ς[͘]
Abhinu ſchebbaſchſchamájim.
Hæc, ſi Grammatice & ad rationem punctorum vocalium inſtituenda ſit, non alia fuerit, quam quæ verſioni Hebraicae ſubjuncta eſt. Sed Samari - tæ, vocalium figuras artemque Grammaticam ne - ſcientes, prave admodum legunt ſuasmet ſcriptu - ras. vid. Hotting. contra Morinum p. 34. Conf. Morin. Gramm. Sam. p. 2. 4.
Abhouna debhiſchmajja.
Abhoun dbhaſchmajo.
Vide Figur. I. æneam.
Translatio hæc eodem legitur modo, quo quæ præcedit. Eadem enim Lin - gua eſt. Eadem verſio. Præterquam quod in poſterioris editione Romana, in Petitione quinta, vocula〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 gloſſematis inſtar adiicitur.
Ceterum unde Scriptura hæc〈…〉〈…〉〈…〉〈…〉 Eſtrangelo dicatur, nemo quod ſciam, tradit.
COPTI -Banijû̀d adchân nifaûì.
Aboúna lledhſi phi’sſemaváti,
Abûna zabeſſamajât.
Abâtâtyn baſſamaj jalach.
Ei padere ma kih der oſmon
Bizoum atamuz kih gougler deh ſin.
Atha vizoum, ki kokta ſen,
Vide Figur. II. æn.
Hajr mer ur jerghin ſes
Vide Fig. III. æn.
Mamaó cjueno romeli chhar zzatha ſcina.
Vide Figur. IV. æn.
Vanan galil yrûcrà engàl pi dàve.
Vide Figur. V. æn.
Superior Typus non verſio eſt Ora - tionis Dominicæ, ſed ipſiſſima verſio vulgata, Brachmannicis notis expres - ſa. Itaque legendi ratio nulla alia hîc locum obtinet. Verſio verò Oratio - nis Dominicæ in Linguam Brachman - nicam nobis nondum innotuit.
Vide Figur. VI. æn.
Caí tieñ ngò tem fú chè ngò tem yuén.
Diameta ka tu vullum lulugniang ta nanang oho, maba tongal ta tao tu goumoho, mamtalto ki kamoienhu tu nai mama tu vullum: pecame ka cangniang wagi katta. Hamiecame ki varaviang mamemiang mamia ta varau ki tao ka mouro ki riich emitang. Inecame poudangadangach ſouaia mecame ki litto, ka imhouato ta gumaguma kalli - puchang kaſaſamagang, mikaqua Amen.
Haberi non potuerunt. Neque novas nobis cudere placuit, quod alienas tantummodo collegis - ſemus. Alioqui-procul dubio Notas Sinicas vocibus Japanicis, Tungkingicis, Kochnichinicis & ſimili - bus facile exprimere potuiſſemus, & ad artem Gram - maticam diſponere.
Vide Figur. VII. æn.
Atta unſar thu in Himinam.
Atta unſar thu in himinam
Vater unſer der du biſt im Himmel.
CHARACTERE HIERONYM.
Vide Figur. VIII. æn.
Otſſe naſs, ki yesſina nebesſi.
CHARACTERE CYRVLICO.
Vide Figur. IX. æn.
Oche nash izghæ yeaſe nanæbæſægb,
Vide Figur. X. æn.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
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