PRIMS Full-text transcription (HTML)
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HI - STORIA Antipodum oder Newe Welt. Das iſt: Natur vnd Eigenſchafft deß halben theils der Erden, ſo Weſt Jndien genennt wird, deꝛ Elemẽ - ten, Geſchoͤpffen Nationen vnd Jnwohner, vnd wie diß alles durch mancherleij Schiffahrten entdecket woꝛden, mit fleiß zuſam getragẽ durch Johann Ludwig Gottfrid. Mit Landtafeln vnd Kupfferſtucken ge - zieret vnd verleget durch Matthæum Merian. 1631.
Newe Welt Vnd Americaniſche Hiſtorien.
Jnhaltende Warhafftige vnd volkommene Beſchrei - bungen Aller Weſt-Jndianiſchen Landſchafften / Jnſulen / Koͤnigreichen vnd Provintzien / Seecuſten / flieſſenden vnd ſtehenden Waſſern / Port vnd Anlaͤndungen / Gebuͤrgen / Thaͤlern / Staͤtt / Flecken vnd Wohnplaͤtzen / zuſampt der Natur vnd Eigenſchafft deß Erdrichs / der Lufft / der Mineren vnd Metallen / der Brennenden Vul - canen oder Schwefelbergen / der Siedenden vnd anderer Heilſamen Quellen / wie auch der Thier / Voͤgel / Fiſch vnd Gewuͤrm in denſelben / ſampt andern Wunder - baren Creaturen vnd Miraculn der Natur / in dieſem halben Theil deß Erdkreyſes.
Deßgleichen / Gruͤndlicher Bericht von der Jnnwohner beſchaffenheit / Sitten / Qua - liteten / Policei vnd Goͤtzendienſt / Leben vnd Weſen / Barbariſcher Vnwiſſenheit vnnd vner - hoͤrter Grauſamkeit deß meiſten theils dieſer Wilden Leuthe / ſampt vnderſcheid der Nationen / Sprachen vnd Gebraͤuchen. Item, Hiſtoriſche vnd Außfuͤhrliche Relation 36. Fuͤrnembſter Schiffarten vnderſchiedlicher Voͤlcker in Weſt-Jndien / Von der Erſten Entdeckung durch Chriſtophorum Co - lumbum / biß auff dieſes lauffende Jahr / Jn 138. Jahren / vollbracht.
Mit zugehoͤrigen Landtafeln / Contrafacturen vnd Geſchichtmeſigen Kupfferſtuͤcken / zum Luſt vnd Nachrichtung reichlich gezieret vnd verlegt / Durch Mattheum Merian / Buchhaͤndlern vnd Kunſt - ſtechern zu Franckfurt am Meyn. Anno M D CXXXI.
Dem Durchleuchtigen Hochg ebornen Fuͤrſten vnd Herren / Herrn Philipſen / Landgrafen zu Heſſen / Grafen zu Catzenelnbogen / Dietz / Ziegenhayn vnd Nidda / Meinem Gnaͤ - digen Fuͤrſten vnd Herrn.
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DVrchleuchtiger Hochgeborner Fuͤrſt / E. F. G. ſeyen mein vnderthaͤnig gehorſame Dienſt euſſerſtes vermoͤgens je - derzeit zuvor / Gnaͤdiger Fuͤrſt vnd Herr / Es iſt auß den Hiſtorien maͤnniglich kundt / mit was groſſem Fleiß / Luſt vnd Nutzen jhrer viel vnder den Alten vnd Jungen Koͤ - nigen / Fuͤrſten vnd andern groſſen Herren ſich in den Loͤblichen Sinn - reichen Mathematiſchen Kuͤnſten / bevorab in der Aſtronomi vnd Geometri geuͤbet / vnd jhre ſonderbare Freud / auch mit hindanſetzung anderer an ſich ſelbſten Rittermaͤſſigen Leibs Exercitien / in dieſer doppelen wiſſen - ſchafft geſuchet vnd gefundẽ haben. Vnd daß wir jetzund von den Aſtro -): (iijnomiſchenDEDICATIO. nomiſchen diſciplinen nichts ſagen / weil dieſelben etwas weitter von die - ſem Buch abweichen / darinnen der Newen Welt oder Weſt-Jndien Na - tuͤrliche vnd Hiſtoriſche Beſchreibung fuͤrgeſtellet wird / ſo iſt gewiß / daß / alß der vbertreffliche Philoſophus Plato auff eine Zeit gefragt wurd / was er wol meinte / das Gott am allermeiſten thete / gab er zur antwort / ipſum γεω - μετρεῖν, das iſt / Er regierte vnd erhielte alle ding nach Geometriſcher Pro - portion / welche meinung faſt vberein komt mit dem das die H. Schrifft ſagt (Sap. XI.) Gott hab alle ding nach dem Maß / Zahl vnd Gewicht ange - ordnet / wie dann er Plato vber die Thuͤr ſeines Auditorii, darinnẽ er profitirt / anſchreiben laſſen / daß keiner / der Geometri vnerfahren / hinein gehen ſolte.

Alexander der groſſe hat in ſeinen weiten vnd gefaͤhrlichen Reyſen ſich ſonderlicher Geographiſcher Tafeln mit nutz gebraucht / vnd ſeine Zuͤg ne - ben andern nachrichtungen darnach angeſtellet / zu welchem Ende er auch zween erfahrne Geographos Diognetum vnd Betonem mit ſich gefuͤhret. Marcus Agrippa, Keyſer Auguſti Tochtermann / hat nicht allein in der Beſchreibũg deß damal bekandten Erdbodens ſich fleiſſig geuͤbt / ſondern auch in einer ſchoͤnẽ gewelbten Gallerei eine Mappam oder Landtafel / der gantzẽ Welt / ſo gut man ſie zur ſelben zeit haben koͤnnen / offentlich auffgehenckt / damit maͤnniglich dieſelbe beſehen koͤnte / wie dann Plinius bekent / daß er ſich deren mit nicht geringem Nutz gebrauchet habe. Carolus Magnus hat die Coſmo - graphiſche Buͤcher / ſo er haben konte / nit allein fleiſſig geleſen / ſondern eine Weltbeſchreibung oder Landtafel auf ein gantz Silbern Tiſchblat kuͤnſt - lich graben oder ſtechen laſſen / vñ ſich in derſelben mit groſſem luſt geuͤbet / auch ſonſten ein groſſen Vorrhat Mathematiſcher Jnſtrumenten in ſei - ner Kunſt Kammer gehabt / wie Auentinus bezeugt. Mehr vnd friſchere Exempel einzufuͤhren iſt vnvonnoͤten / weil dieſelben bekandt / wie dann nit weniger / wie ſchaͤdlich dieſer dingen Vnwiſſenheit einem Herrn oder Re - genten zu Fried vnd Kriegszeitten ſeye.

Wann dann Gnaͤdiger Fuͤrſt vnd Herr / E. Fuͤrſtliche Gnaden / dem loͤblichen Exempel der oberwehnten Keyſer / Koͤnig vnd Herren nicht al - lein gantz rhuͤmlich nachfolgen / ſondern auch dieſelben vnd viel andere / de - ren mit lob in den Hiſtoriẽ gedacht wird / in dieſen ſehr ſchoͤnen vnd anmuͤ - tigen Studien vbertreffen / geſtalt ſolches E. F. G. mit gutem grund nachgeruͤhmet werden kan /

Alß hab in Anſehung deſſen ich mir die Vnderthaͤnige Freyheit ge - nommen / E. F. G. diß mein Ernewert vnd biß auff dieſe Zeit Continuirt Weſt-Jndianiſch Werck in gehorſam zuzuſchreiben vnd vnder E. F. G. hochgeehrtem Fuͤrſtlichen Namen an deß Tages liecht zu geben / der vn - derthaͤnigen Hoffnũg / E. F. G. werdẽ jhro ſolches nit zu wider ſeynlaſſen.

Dann Erſtlich werden E. F. G. hierin finden / hin vnd her eingemeng -tenDEDICATIO. ten Bericht von dem Theil deß Himmels oder Firmaments / ſo gegen dem Suderſtern zeucht / ſampt der Cruſera vnd andern Geſtirnen / welche von vns vnd allen denen / ſo diſſeits deß vergleichers oder Æquinoctial Lini gegen Norden wohnen / nicht moͤgen geſehen werden / vnd davon die Al - ten nichts gewuſt. Darnach augenſcheinliche vnnd auß vielfaltiger Er - fahrung hergenommene demonſtrationes, daß Antipodes, oder Leuth ſeyen / welche die Fuͤſſe gegen vns wenden / vnnd doch nicht weniger alß wir / den Himmel vber jhren Haͤuptern haben / zugleich auch ein Mittleiden tra - gen mit den guten Alten / welche ſolche nicht in jhren Kopff bringen koͤn - nen / vnd derwegen gar gelaͤugnet haben / auch vnder den frommen Gott - ſeligen Kirchenlehrern / alß mit Auguſtino, der lib. 16. de Ciuit. Dei cap. 9. ſolche darum̃ laͤugnet / weil er nicht begreiffen koͤnnẽ / woher ſie auß vnſerm theil der Welt in jenes moͤchten kommen ſeyn / vnnd derwegen ſorg gehabt / er muͤſſe einen Newen Adam vnd newe Eva tichten. Mit Lactantio Firmiano, der lib. 2. de Falſ. Sap. cap. 24. die außlacht / ſo die Erde Kugel rund haben woͤllen / vnd Antipodes gegen vns logiren / ſagend / daß / da ſolche Leut weren / ſie mit den Fuͤſſen an den Erdboden feſt gemacht ſeyn muͤſten / damit ſie nicht hin - ab fielen / darumb er ſie auch Pendulos nennet. Mit Iſidoro Hiſpalenſi in Etymol. der außtruͤcklich leugnet / daß ſolches muͤglich ſey / vnd demnach diß alles fuͤr ein Gedicht der Poetẽ haͤlt. Vnd daß wir noch etwas naͤher zu vnſern Zeitten ſchreitten / ſo hat Pabſt Zacharias vmbs Jahr Chriſti 745. den Biſchoff zu Saltzburg Vigilium der Kaͤtzerey beſchuldigt / weil er geſagt / die Erde were eine runde Kugel / vnd es gebe Antipodes daruff / Alſo dieſe meinung auß Paͤbſtlicher Authoritet gantz vnd gar verworffen.

Auch werden E. F. G. ein mitleiden tragen mit den Alten Geographis, welchen die Poeten nachgeſungen / vnd gemeinet haben / man koͤnne weit - ter / alß die Columnæ Herculis ſind / das iſt / El ſtretto de Gibraltar, nicht kommen / dann daſelbſt hab die Welt ein Ende / da doch vnſere Leute jhre Schiffar - ten in Oſt / vnd Weſten erſt daſelbſten anfangen / vnd biß dahin auß Grie - chenland ein Kinder Reyſe vnnd Spatzirgang iſt / wie dann auch mitlei - dens wehrt / daß die Griechen mit etlich hundert Schiffen außgefahren / vnnd die Statt Trojam nicht finden koͤnnen / die doch aller naͤchſt gegen vber lag / ſondern in Mœſiam kommen / vnd vom Koͤnig Telepho zu recht ge - wieſen worden / wie Strabo vnd Euſtathius melden.

Es werden E. F. G. hierin finden was die Eigenſchafft vnd Natur der Erden / der Lufft / der ſtehenden vnd flieſſendẽ Waſſer / der Berg vnd Thaͤ - ler / der Mineren vnd Metallen / der Brennenden Vulcanen vnd Schwe - felbergen / der ſiedenden vnd heilſamen Quellen / der vnderſchiedlichen / vñ vns gantz vnbekanten Thier / Voͤgel / Fiſch vnd Gewuͤrmes ſey / vnd dar - in die Weißheit vnd Krafft deß Allmaͤchtigen Schoͤpffers preyſen.

): (iiijEs wer -DEDICATIO.

Es werden E. F. G. hierin finden ein warhafftigen Bericht / von der Grauſamkeit vnd vberauß Barbariſcher Greulichkeit deß meiſten theils der Leut in dieſer Newen Welt / welche gantz Mutternacket gehen / die Mẽ - ſchen / auch jre eigene Kinder dem Teuffel opffern / jhr Fleiſch gekocht / eins theils auch rohe freſſen / vnnd ſo grimmig / nur aus begird deß Menſchen Fleiſches einander verfolgen / daß einem die Haar zu berg ſtehen moͤchten / Jtem / wie ſie den Teuffel ſichtbarlich anbetẽ / von jm geſchlagen / betrogen / gar getoͤdtet werden / vñ die geringſte erkantnuß võ Gott vnd ſeinem wil - len nit haben / jhrer viel auch nichts davon hoͤren oder wiſſen wollen: vnd auß vergleichung der gnaden Gottes / ſo er vns in offenbarung ſeines hei - ligen Euangelii erzeigt / vns fuͤr ſeelige Leut billich preyſen.

Schließlich werden E. F. G. auch hierin finden eine immerwehrende vnd biß auf dieſes lauffend Jahr continuirte Hiſtoria von erſter Entde - ckung dieſer Newen Welt durch Columbum vnd Veſputium, vnd den folgen - den Schiffarten / ſo vor andern denckwuͤrdig / Jtem wie ſich die Spanier / Portugeſen / Frantzoſen / Engliſchen vnd Hollaͤnder / nicht zwar / wie man ſagt / vmb den Barchent / ſondern vmb das Mexicaniſche vnnd Peruani - ſche Gold vnnd Silber gejagt haben / welches gezaͤnck mit wandelbarem Gluͤck noch biß auff dieſen Tag wehret.

Dieſes nun alles / Gnaͤdiger Fuͤrſt vnd Herr / ſo theils mein Schweher - vatter Seeliger / Johan Theodor de Bry, theils ich ſelbſt von meiner Hand mit Schrifftmaͤſigen vnd verhoffentlich dem Leſer anmuthigen Kupfferſtuͤ - cken vnd nuͤtzlichen Landtafeln / gezieret / jetzo aber in dieſer Kuͤrtzern vnd Kaͤufflichen Form durch mich verlegt vnnd außgefertigt / an tag gegeben wird / will E. F. G. obangeregter maſſen / ich in vnderthaͤnigkeit verehret vnd hiemit offerirt haben / damit E. F. G. ſich in demſelben allen ſampt dero Fuͤrſtlichen Vielgeliebten Gemahlin / vnd andern lieben anverwan - ten nach genaͤdigem gefallen erſehen vnd beluͤſtigen / vnd alſo nebẽ andern mitteln / von ſchweren / der Regierung vnzertrennet anhangenden Ge - ſchefften / hieher vnderweilen jhren regreß zu ergetzligkeit nemen koͤnnen / mit dem fernern gehorſamen pitten vnd erpieten / daß E. F. G. mich fuͤr jhren Diener gnaͤdig annemen vnd halten / vnd darneben verſichert ſeyn wollen / daß ich ſolches nach meinem vermoͤgen / auff alle zutragende gele - genheiten in der that zu leiſten gefliſſen ſeyn vnd pleiben wolle. E. F. G. ſampt dero Hochgeliebten Gemahlin dem Schutz deß Allerhoͤchſten / mich aber denenſelben zu genaden in vnderthaͤnigkeit befehlende. Da - tum Franckfurt den 8. Septembris 1630.

E. F. G. Vnderthaͤniger Matthæus Merian, Buͤrger vnd Kupfferſtecher / auch Buchhaͤndler daſelbſt.

Vorrede

Vorrede vnd Kurtze Erinnerung an den Leſer.

DAmit dir / Guͤnſtiger / der Hiſtorien vnd Warheit liebhabender Leſer / Vnſere Meinung / Jntention vnd Procedur in dieſem volkommenen Weſt-Jndianiſchen Werck deſto beſſer bekant ſey / alß ſoltu mercken / daß wir daſſelbe in drey Theyl oder Buͤcher vnderſchieden haben.

Jm Erſten wird gehandelt von der Situation vnd Gelegenheit der Newen vnd vnſern Vaͤttern vnbekanten Welt (alſo zu nennen) wie groß dieſelbe / ſo viel deren entdecket / vnder welchen Himliſchẽ Zirckeln / Graden oder Linien / ſo wol von Oſt gegen Weſten / alß auch von Sud gegen Norden / ſie gelegen / wie die Elementa da - rin beſchaffen / waß es fuͤr Meteora, Gelaͤnde / Gewaͤſſer / Metall / lebendige / wachſen - de / vnnd todte Creaturen darinn gebe / ſonderlich die viel vnderſcheids von den vnſern haben / wie widerumb ein Land vnd Provintz dem andern gantz vngleich / Erſtlich zwar durchauß vnd ins gemein / darnach in abſonderlichen Koͤnigreichen vnd Landſchafften / dabey auch der groſſen differentz / anlangend die Art / Natur / Sitten / Policei / vñ gantz Weſen der Weſt-Jndianiſchen Voͤlcker / wie auch der Alten vnd Newen Wohnplaͤtz / Schiffreichen vnd ſtehendẽ Waſſer / Vorgebirg / Meerhafen vñ Anlendungẽ / weitlcuf - tig vnd zu guter nachrichtung gedacht wird / Auß Acoſta, Oviedo, Martyre, Herrera, Iohanne de Laet, vnd andern bewerten Weſt-Jndianiſchen Scribenten. Dann wir es eine Notturfft erachtet / daß zuvor das Subiectum, darin ſich alles folgendes zugetra - gen / beſchrieben vnnd vorgeſtellet wuͤrde / ehe die accidentia folgten / zu dem auch die Schiffarten nicht moͤgen mit luſt geleſen noch verſtanden werden / man wiſſe dann wo die Ort / da ſich eines vnd anders begeben / gelegen / vnd was deſſelben Lands oder Voͤl - cker Natur Art vnd Beſchaffenheit ſeye.

Jm andern Theyl werden 33 vnderſchiedliche Schiffarten beſchrieben / dadurch die - ſe deß gantzen Erdklotzes helfft / nach vnd nach erfunden / entdeckt / vnd von vnſern Eu - ropeiſchen Voͤlckern bewohnet wordẽ iſt / Der anfang wird genom̃en von den 4. Schif - fahrten Chriſtophori Columbi, dem dieſe Ehr vor allen andern von Gott gegonnet worden / daß er der Erſte erfinder dieſer halben vnd Newen Welt geweſt / vnd derwegen billicher nach jhm alß dem Florentiner Americo Veſputio genennet worden ſein ſolte / da ja ſolches einem Menſchen gebuͤrte. Jhm hat nachgefolget jetztgemelter Veſputius, vnd die Landſchafft Paria ſamt andern / jenſeit der Lini entdecket / auch daruͤber ſein Le - ben zugeſetzt. Die dritte Stelle goͤnnen wir billich (nicht zwar der Zeit / ſondern wuͤr - digkeit vnd verdienſts halber) Ferdinando Magellano auß Portugal / weil er im Jahr 1520. das Enge Meer zwiſchen Chile vnd del Fuoco erfunden / einen newen Weg ge - gen Orient entdeckt / vnd der erſte geweſt / deſſen Schiff Victoria vmb die gantze Welt geſegelt / wiewol er ſelbſt vor entlicher verrichtung dieſer Herrlichen Fahrt / von den Wilden erſchlagen worden iſt.

Anlangend die Schiffarten Bobadillæ, Nicolai de Ouando, Bartholomæi de Ca - ſis, Didaci Niques, Alphonſi Hoiedi, Valboæ, Ariæ vnd anderer / ſind dieſelben meh - rertheils nur in die vorhin erfundene Laͤnder vnd Jnſulen abgangen. Dabey dañ diß zu mercken / daß dieſe Gubernatores vnd Amptleut die armen Jndianer zwar vnder das elende Joch der Tyranniſchen dienſtbarkeit gebracht / vnd es alſo gemacht / daß jnen der Todt lieber vnd nuͤtzer alß das Leben geweſt / Aber ſie / die Regenten / haben die Raach Gottes vnder ſich ſelbſt widerumb erfahren muͤſſen / daß einer den andern hingerichtet / ja der Schweher dem Tochtermann den Kopff abſchlagen laſſen.

GleichesVorrede an den Leſer.

Gleiches Gluͤck haben auch gehabt / Alphonſus Ninnus, die Pizarrer / Almagrus / Nunezvela, vnd andere / ſo ſich auß Goltgeitz vnd begierd der Ehren einander gemet - zelt / ob ſchon Pizarrus das Koͤnigreich Peru, vnd Corteſius die Statt vnd Land Mexi - co erobert.

Den Spaniſchen folgen zwo Schiffarten / ſo zween Hochteutſche / Vlrich Schmid von Straubingen / vnd Hanß Staden von Homburg in Heſſen / in dieſe Landen ver - richtet / denen vier Frantzoſen / Iohannes Lerius, Renatus von Laudonniere, Iohan - nes Ribaldus vnd Gurgues ſuccediren. Auff welche vier Engellaͤnder folgen / Fran - ciſcus Drach / Walter Raleig / Reinhart Greinwille / vnd Thomas Candiſch / welche mechtige Reyſen gethan / vnd vnglaͤubliche gefahr außgeſtanden / der erſt vnd letzte auch vmb die gantze Welt geſchiffet haben.

Den Teutſchen / Frantzoſen vnd Engliſchen folgen vier Niderlaͤnder / Olivier von der Nord / Jacob Mahu / Peter von der Does / vnd Georg Spielbergen / vnder denen gleicher geſtalt / wie bey den Engliſchen / der Erſte vnd Letzte / die gantze Welt vm̃ſegelt.

Dabey bleibt es nicht in dieſem Andern Theil / ſondern es wird noch hinbey gefuͤgt ein ſehr denckwuͤrdige Reyſe Wilhelm Schuttens von Horn in Holland / welcher die Newe Durchfahrt hinder dem Magellaniſchen Freto, ſo viel bequemlicher iſt / mit groſ - ſem rhum erfunden / vñ durch dieſelbe vmb den gantzen Erdenkreiß geſchiffet hat / daher er wol der zweyte Magellanus genennet werden mag. Jtem wie die Hollaͤndiſche Ar - mada die Statt Sanct Salvator zuſamt dem Hafen Totos los Sanctos erobert vnd wi - der verloren / beneben einſprengung allerhand erzehlungen / vom zuſtand Virginiæ, deß Newen Engellands / vnd anderer Engliſchen Colonien.

Jm Dritten Theil dieſes Wercks wird der Guͤnſtige Leſer neben Beſchreibung etli - cher Weſt-Jndianiſchen Landtſchafften in dem Nordertheil Americæ, alß New Mexi - co, Cibola, Cinaloa, Quivira, vnd anderer / deren bißher weder in dieſem vnſerm / noch dem groſſen Americaniſchen Werck ſonderlich gedacht worden / wie auch vielen wun - derbaren Miraculis Dei & Naturæ in New Hiſpanien / Iucatan, Fonduras vnd Gua - timala, finden drey denckwuͤrdige Schiffarten der Hollaͤnder in Weſt-Jndien. Die Erſte / ſo der Admiral Jacob Leremit mit eylff Schiffen vorgenommen / vnd damit vmb die gantze Weltkugel geſegelt. Die ander / wie die Hollaͤndiſche Schiff vnder dem Gene - ral Peter Heyn vnnd Admiral Loncken die vberauß reiche Spaniſche Silberflotta zu Matanza in der Jnſul Cuba erobert vnd gluͤcklich naher Hauß gebracht. Die dritte / welcher geſtalt angeregter Hollaͤndiſche Admiral / Heinrich Cornelis Lonck ſambt dem Obriſten Dieterich von Wartenburg / die Hauptſtatt vnd Port Olinda de Fernam - bucco in Braſilien eingenommen / vnd alſo ſich derſelben ſamt den beyliegenden Caſtel - len vnd ſehr bequemen Hafens bemaͤchtigt.

Dieſes alles / was obangeregter maſſen in den drey Theylen alſo begriffen / haben wir mit zugehoͤrigen Landtafeln / ſo gut vnd correct alß immer moͤglich / wie auch mit vielen theils alten / theils gantz newen Geſchichtmaͤſigen Kupfferſtuͤcken gezieret / da - mit ſolche nicht allein dem Kunſtliebenden Leſer zur beluͤſtigung vnd recreation, ſondern dem Grund - vnd Warheit begierigen zur gewiſſen nachrichtung vnnd mehrerm ver - ſtand dienen moͤchten. Worauß zweiffels ohne der Guͤnſtige Leſer leichtlich wird zu erachten haben / daß wir jhme zum beſten / keinen Fleiß / Muͤhe oder Coſten geſparet / dem wir dabey wuͤnſchen / daß er ſich ſolches alles geſund gebrauchen moͤge. Franck - furt den 8. Septembris im Jahr 1630.

Johan Ludwig Gottfried / Mattheus Merian.

Von

Von den Namen Jndia vnd America.

JNdia / wirdt eygentlich genandt die groſſe Landt - ſchafft Aſiæ gegen der Sonnen Auffgang gelegen / ſo etwann von Alexandro vnd den Macedonibus beſichtiget / vnd mit Krieg vber - zogen worden. Wir halten aber darfuͤr / es habe Columbus dieſen Namen Indiæ, welcher eygentlich den Morgenlaͤndiſchen zuſteht / der Newen Welt / als der ſie erſtmals erfunden / darumb gegeben / dieweil / da er die Newe Welt zuerſt gefunden / gemeinet hat / es ſey die Jnſel Cipangnon, welche gegen Sina vnd Cataio vber gelegen / mehr der Mor - genlaͤndiſchen / als Nidergaͤngiſchen Grentzen vnd Frontier zugeeignet: Vnd daſſelbi - ge nach der Meynung Ariſtotelis vnd Senecæ, welche geſchrieben haben / India ſey nicht weit von Hiſpania gelegen.

America aber die Newe Welt / hat von Americo Veſputio, welcher nach Chri -Abtheyluͤg Americæ. ſtophoro Columbo auß deß Koͤnigs in Caſtilien Befehl Anno 1495. dahin geſegelt / den Namen behalten / vnd kan in drey Theyl abgetheylet werden.

Der eine Theyl ſo gegen Mitternacht gelegen / wird New Franckreich genandt /Der erſte Theyl Ame ricæ. dieweil im Jahr 1524. Johannes Verrazanus ein Florentiner / von Koͤnig Franciſco I. vnd ſeiner Mutter / die dem Reich fuͤrſtunde / in die newe Welt geſand / das gantze Ge - ſtadt deß Meers gemercket hat / welches ſich vom Tropico Cancri vom 28. Gradu biß auff den 50. vnd weiter gegen Mitternacht / erſtreckt / vnd hat daſelbſt deß Koͤnigs Wa - pen auffgericht / Alſo / daß die Spanier ſelbſt / die hernach dahin kommen ſeynd / dieſen Theyl Americæ, Franckreich genandt haben. Jhre Breyte iſt vom 25. Grad / biß auffNew Franck - reich. den 54. gegen Mitternacht / die Laͤnge von dem 280. biß auff den 330. grad. Der Theyl gegen Auffgang / wirdt von den newen Scribenten Norumbega genandt / vnd erſtreckt ſich biß in den Meerhafen Gamas, damit ſie von Canada (dahin Robertvallus vnnd Jacobus Carterius im Jahr 1535. kommen ſeynd) vnderſchieden iſt. Vmb dieſe ligen viel andere Jnſeln mehr / vnd vnter denſelbigen das Landt Labrador, das ſich biß gen Gronelandiam erſtreckt. Gegen Nidergang begreifft es viel Landſchafften / ſo nun - mehr etlicher maſen bekandt ſeynd / als Quivira, Cibola, Aſtatlan vnd Terlichichi - meni, das aber gegen Mittag ligt / wirdt Florida genandt / dieweil am Palmtag / den die Frantzoſen Floridum Paſcha nennen / man derſelbigen wahrgenommen. Der Theyl gegen Mitternacht iſt noch gar vnbekandt.

Dieſes new Franckreich iſt faſt ſo groß als vnſer Europa, vnd darinnen die Land - ſchafft Florida am beſten erbawet / als welchen viel Frantzoſen in mancherley Schif - farten angetroffen / vnd alſo die herrlichſte iſt. Sein Vorgebuͤrg erſtreckt ſich 100. Frantzoͤſiſche Meyl lang in das Meer / vnd zeucht ſich hinab gegen Mittag / dargegen vber ligt die Jnſul Cuba 25. Frantzoͤſiſche Meylen weit / welche ſonſten Iſabella genand wirdt. Gegen Auffgang Bahama vnd Lucaia. Gegen Nidergang hat es den Ha - fen deß Mexicaniſchen Meers.

DerVon den Namen Jndiæ vnd Americæ.
Der ander Theyl Ame ricæ. New Spa - nien.

Der ander Theyl Americæ wirdt new Spanien geheiſſen / hat ſeinen Anfang von Tropico Cancri vom 25. grad biß an den 9. darinnen Themiſtitan gelegen / vnnd begreifft viel Landtſchafften in ſich / ſampt andern anſtoſſenden Jnſeln / die ſie Antillas nennen / vnter welchen die fuͤrnembſten vnnd beruͤmbteſten Hiſpaniola vnnd Iſabella, auch viel vnzahlbare andere mehr ſeynd. Dieſes gantzen Theyls Laͤnge / darinnen auch obgemeldte Jnſel / vnd der Meerhafen Mexicon begriffen / iſt 70. grad hoch / nemblich von 245. biß auff den 315. vnd derhalben lang / aber ſchmal wie Italia.

Der dritte Theyl Ame ricæ Peru.

Der dritte Theyl Americæ heiſſet Peru. Jſt ſehr groß. Seine Hoͤhe faͤhet ſich an vom 10. grad / diſſeyt deß Æquatoris, vnd langet biß an den 52. grad vber den Æqua - torem, nemblich / biß an das Magellaniſche Meer. Jſt in der Form einem Ey gleich / allenthalben bekandt. Nach der Laͤnge helt ſie 60. grad / von dannen ſie dann gegen beyde Ende ſchmaͤler wirdt. An einem Theyl / nemblich vnter dem Capricorno hat ge - wohnet Villagagno, der es das Mittagige Franckreich genandt / weil es ſich nach Mit - tag erſtreckt / wie Europa gegen Mitternacht / iſt aber nachmals von den Portugale - ſern eingenommen worden.

Das vnbekante Land / ſo ſich gegen dem Polo Antarctico erſtrecket / vnnd TerraTerra Au - ſtralis. Auſtralis genant wird / ſetzen etliche fuͤr den Vierdten Theil Americæ, andere (wel - ches auch mehr ſcheinbare vrſachen hat) fuͤr den Vierdten Theil der gantzen Erdkugel. Was hieran entdecket / iſt im Zweiten Theil dieſes Buchs an ſeinem Ort angezeigt worden.

Weſt -
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Von den Namen Jndiæ vnd Americæ.
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Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil / Von Natur vnd Eygenſchafften der Newen Welt.

ES haben die alten Kirchen Lehrer / Lactantius, Chryſoſto -Die Alten Lehrer ha - bẽ den Him - mel der new en Welt fuͤr ein nich - tig Ding gehalten. Lact. lib. 3. diuin. in - ſtit. c. 24. Chryſoſt. hom. 14. & 17. ſup. 8. c. ad Hebr. Hieron. lib. 2. ſup. epiſt. ad Eph. cap. 4. Auguſti - nus lib. 2. Geneſ. cap. 9. &c. Sapient. 13. Roman. 1. mus, Hieronymus, Auguſtinus, Theodoretus vnnd Theophylactus auß Anlaß etlicher nit wol verſtandenen Ort der H. Schrifft vorgegeben vnnd vemeinet / dieſe gantze Welt ſey einem Hauß gleich / das nur auff einer Seiten / vnd nit allenthalbẽ ein Dach habe / ſey auch gantz vngereimbt / vnd wi - der alle Vernunfft / daß die ſchwere Laſt der Erden mitten in der Lufft ſolt kon - nen hangen bleiben / vnd derwegen die vortrefflichſten alten Philoſophen ver - lacht vnd verworffen / in dem ſie gelchret: daß der Himmel Kugelrund vnnd beweglich ſey. Es iſt ſich aber vber keinen mehr zuverwundern / als vber den H. Auguſtinum, welcher / ob er gleich in weltlichen Kuͤnſten vberauß wol gelehrt / die Phyſicam vnnd Aſtronomiam auch wol verſtanden / dennoch in dieſem allenthalben ſtecken blieben / vnnd gezweiffelt: Ob die Erde vom Himmel vmbgeben werde / da er gleich die Ruͤnde etlicher maſſen nachgegeben.

Man wirdt es aber jhme vnnd den andern Alten leichtlich zu gut halten / dieweil ſie ſich gantz vnnd gar den Schoͤpffer zuerkennen / vnd demſelbigen zudienen geflieſſen / ob ſie gleich von den Creaturen biß - weilen vnbequemlich geredt haben. Vnd ſeynd die Weltweiſen deſto vngluͤckſeliger zuhalten / dieweil ſie ſo hoch geſtiegen vnnd gewuſt / was die Welt ſey / vnnd die gantze Ordnung derſelben durch gewiſſe Schluß - reden begriffen / vnnd auff derſelben Werck Achtung gegeben / aber entweder den Schoͤpffer nicht er - kandt / oder ſo ſie jhn erkandt / nicht der Gebuͤr nach geehret / ſondern in jhren Gedancken eytel worden ſind.

Zwar Ariſtoteles vnd die andern Peripatetici / welche mit den Stoicis hierinnen vberein ſtimmen /Plutarchus lib. de pla - citis Phi - loſ. 2 cap. 2. Der Him - mel allent - halben rund vnd vmb - gibt die Erden. haben ſolche Ding võ der Figur vnd Vmbwendung deß Himmels fuͤrgegeben / die wir in dieſen Laͤndern klaͤrer mit Augen ſehen / dann wirs auß Philoſophiſchen Gruͤnden jemals hetten lernen koͤnnen. Wir moͤ - gen nit zweiffeln / daß der Himmel wie ein Kugel ſo inwendig hol / geſchaffen ſey / vnd die Erden allenthal - ben vmbgebe: Dann wir ſehen das theil deß Erdreichs / welches die Alten nit geſehen: Wir beſchawẽ offt - mals beyde Welteck / als den Mitnaͤchtiſchen vnnd Mittaͤgiſchen Polum (daran Auguſtinus gezweif - felt) wann wir mit Schiffen vber die Equinoctial Lini gefahren ſeynd: Wir haben 60. Grad diſſeit vnnd jenſeit der Mittel - oder Equinoctial Linien gereiſt / geſchweige / daß noch andere ein vberauß weitte Schiffart vollbracht / vnd den 70. vnd 80. Grad gegen Mitternacht erlanget. Das Schiff Victoria ge - nant / hat die gantze Welt vmbſegelt / vnd erwieſen / daß der Alten meynung / als obs ein vnmeßlich groß eytel vnnd leer Ding were / jrrig ſey: Auff der Fahrt haben ſie die Groͤſſe deß Oecani oder hohen Meers abgemeſſen / vnd gleich als mit Menſchen Fußſtapffen erwieſen / daß das Erdtreich / ob es gleich groß / dennoch minder vnd kleiner / dann das Meer ſey / Jtem / daß der Erden vnd deß Waſſers gantze Kugel / ſo einander vmbfahen / auff allen Seiten begreifflich / vnd deſſen ein Ende gefunden werden moͤge.

Was nun der Augenſchein von der Erd Gelegenheit vnnd Vmblauff deß Hummels bezeuget / iſt keines Wegs der H. Schrifft zuwider / ſondern ſtimmet damit vberein. Dahero dann David klaͤrlichZeugnuſſen der ſchrifft / daß die Erd in der Mit - te der Welt ſey. Pſal. 19 ſagt: Die Sonn gehet auff vnd gehet vnter / vnnd laufft an jhren Ort / daß ſie wider daſelbſt auffgehet / der Wind gehet gegen Mittag / vnnd gehet hervmb zur Mitternacht / vnnd widerumb an den Ortda er anfieng: darvber die Paraphraſis alſo helt: Nachdem die Sonn alle die Welt durchlauffen / wird ſie her - umb gedraͤhet zum ſelbigen Termino oder Punct: welches dann fuͤrwar nit geſchehen koͤndte / ſo ferꝛn die Erd an einem theil auß dem Himmel geſchloſſen were. Weitter ſaget die Schrifft: Der Herr habePſalm. 74. die Seule der Erden befeſtiget / auff daß man verſtehe / daß die groſſe Moles (vnmenſchliche Laſt) durch die Hand der Goͤttlichen Gewalt gehalten werde. So ſetzt ſie auch Pfeiler vnter den Himmel vnd Erden /Job 9. vnd 26. Hebr. 1. Pſalm 135. aber nit deß Poetiſchen Athlantis / ſondern deß Worts Gottes / der alles traͤgt mit ſeiner Krafft. Sie ſaget auch ſehr weißlich / die Erde hange am Element deß Waſſers / vnnd werde von demſelbigen am meiſtenA2Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilvmbgeben. Er (der Herr) hat jhm (die Erd) an die Meer gegruͤndet / vnnd an den Waſſern bereitet. Fraget man nun weiter / auff welche Grundſeſt ein ſo groſſe Laſt der Erd vnnd Waſſers beſtehe / ant -Job 26. wortet die H. Schrifft: Er breitet auß Mitternacht nirgend an / vnnd hanget die Erd an nichts. Wel - ches vberauß wol geredt: dann die Erde ſcheinet an nichts gehaͤnget ſeyn / vnnd wirt geſagt / die Erde vnnd Waſſer ſeyen zuſammen vermiſcht / ſtehen mitten in der Lufft / wie ſie auch fuͤrwar ſtehet: Solch Wun -Job 38. derwerck bildet der Herr deß Menſchen Hertzen reichlicher fuͤr / in dem er Job fraget / wo wareſtu / da ich die Erde gruͤndet / ſage mirs biſtu ſo klug / weiſſeſtu wer jhr das Maß geſetzt hat? Oder welcher vber ſie ein Richtſchnur gezogen hat? Oder worauff ſtehen jhre Fuͤß verſenckt? Oder wer hat jhr einen EckſteinPſalm 104. gelegt? Die weiſe aber dieſes Gebaͤws beſchreibet David / in dem er ſagt: der du das Erdreich gruͤndeſt auff ſeinen Boden / daß es bleib jmmer vnd ewiglich / diß iſt / will er ſagen / die Vrſach / warumb die Erd / die ſo ſchwer iſt / vnnd in der mitte der Lufft geſetzt / nit faͤlt noch wancket / dieweil ſie gewiſſe Grundfeſte jhrer na - tuͤrlichen Feſtigkeit hat / welche jr der allerweiſeſte Schoͤpffer gegeben / auff daß ſie in ſich ſelbſt bleibe / vnd kein andere Grundfeſt bedoͤrffe. So darff man auch nit beſorgen / wiewol ſie ſcheinet / in der Mitte auffgehenckt ſeyn / daß ſie herwarts oder dorthin falle. Sie bleibt / ſagt er / jmmer vnd ewiglich.

Ableynung der Einre - de / wider die Runde deß Him - mels Heb. 8 Chryſoſt. ſup. c. 20. in Matth. Auguſtin. de Gen.

Daß aber Paulus den Himmel ein Huͤtte nennet / die Gott / vnd kein Menſch auffgerichtet habe / kan ich nicht ſehen / daß man darumb leugnen wolte / die Welt were nicht gantz rund vnd wuͤrde in ſich nit vmb - gedraͤhet. Dann dz Gott eine Huͤtte auffgerichtet / muͤſſen wir darumb nit dencken / daß die Erde / ſo vnbeweglich / als ein Huͤtte nur auff einer Seiten bedeckt werde / vnnd iſt ohne das bekant / daß Allegorien vnd Gleichnuſſen nit aller Dingen auff den Buchſtaben gezogen werdenkoͤnnen. Daß ferꝛner Auguſti - nus wider die Runde deß Himmels fuͤrbringet den Spruch: Du breitteſt den Himmel auß wie ein Tep - pich. Darumb er nitrund / ſondern oben eben ſeyn ſolle / wirt leichtlich widerlegt: dz mit erzehlten Worten nit deß Hiimmels Figur angezeigt werde / ſondern daß Gott ſo leicht geweſen / den vnmeßlichen Him -cap. 9. Pſalm 103. Pſalm 110. Actor. 8. 17. mel zumachen / als leicht vns iſt / ein zuſammen gewickelten Teppich außzubreitten. So jrret auch nit / dz geſchrieben ſtehet: Der Himmel iſt mein Stul / vnd die Erde meiner Fuͤſſe Schemel. So ferꝛn wir den Anthropomorphiten gleich weren / welche Gott ein Menſchliche geſtalt angedichtet haben / moͤchte es ein ſchwere Frag ſeyn / wie es zugienge / daß / nach dem Gott alles erfuͤllet / die Erde zu ſeinem Fuß - ſchemel habe / ſo ferꝛne die Erde in der Mitte geſetzt iſt / dann Gottes Fuͤſſe muͤſten gegen jm ſtehen: muͤ - ſten auch nit nur ein / ſonder viel Haͤupter erdencken?

Geſtalt deß Antar - ctiſchen Himmels.

Weiter fragen viel in Europa: wie dann die Geſtalt dieſes Mittagiſchen Himmels beſchaffen ſey / weil in den Alten Aſtrologis nichts darvon geleſen wirt. Vnnd ob ſchon dieſelbe ſo weit kommen / daß ſie ein Mittagiſchen Himmel erkandt / haben ſie doch deſſen Beſchaffenheit nit erreichen koͤnnen / die Gelehr - ten pflegen viel groſſe Ding võ dieſem Himmel zuſchreiben / vnnd daß darin viel vnd groſſe Sternen ſeyen / Jch halte aber man ſehe groͤſſer vnd ſchoͤner Sternen bey dem andern Polo: vnnd was man hie ſihet / ſey den Mitnaͤchtigen Sternen / vnnd dem Geſtirn / deſſen bey dem Poeten Virgilio gedacht wirdt / nit vorzuzie -Geſtirn Cruſera. hen. Es iſt aber ein ſchoͤner Anblick in dieſem Himmel / dz Geſtirn Cruſera genand / welches von 4. Stern / wie ein Creutz formirt / die vnerfahrne pflegẽ darfuͤr zuhalten / diß ſey der Antarctiſch Polus, dieweil ſich die Schiffleut in jhrer Fahrt darnach richten / wie man vber dem Æquinoctial zum Polo arctico thut / das geſchicht aber darumb / daß / nach dem dieſer Polus Antarcticus durch keine feſte Stern gezeiget wirdt / werden die Schiffleut gezwungẽ / den naͤchſten zuſuchen / den ſie deß Cruſeræ Fuß nennen / welcher nach der Gelehrten Rechnung 30. Grad davon iſt.

Lact. lib. 7. diuin. In - ſtit. cap. 3. Auguſt. lib. 17. de Ciu. Dei. Ariſtoteles Meteor. cap. 5. Plinius lib. 2. cap. 68. Hieron. ſup. Epheſ. c. 2. Clem. Ro. ſup. Epiſt. ad Corinth. Plin. lib. 2. c. 67. Cornelius Nepos.

Ob auch wol die Alten Lehrer Lactantius vnnd Auguſtinus gantz vnd gar verneinet haben / daß vber dem Circulo Cancri (des Krebs Zirckel) Menſchen wohnen ſolten / weil ſie durch keinerley Mittel dahin kommen koͤnnen / oder / ſo je Menſchen allda weren / daß ſie doch zwiſchen der Mittel Gegend oder Revier / wegen der vnmaͤßlichen brennenden Hitz nicht moͤchten verharren. Welches auch Parmenidis, Ariſtotelis vnd Plinii Meynung geweſen. So iſt doch klar vnd am Tag / daß beyde oberzehlte Meynun - gen der Alten jrrig ſeynd. Vnd finden ſich andere / ſo das Widerſpiel etlicher maſſen bejahen. Dann es ſagt Hieronymus vber die Epiſtel zum Epheſern: Wir fragen auch was es ſey. Jn welchen jhr gewandelt habt / nach der zeit dieſer Welt. Ob auch ein andere Zeit ſey / welche nit gehoͤre zu dieſer Welt / ſondern zur andern Welt / von welcher auch Clemens ſchreibet / das Meer Oceanus vnd die ander Welt: die vber oder ferꝛner dañ dieſelbige ſeynd. Da er dann klaͤrlich wil: daß jenſeit deß Meers Qceani ein ander Welt / ja andere Welte ſeynd / vnnd find ſich auch ein newe Welt / das iſt America vnd Oſt Jndia / weit von einander gelegen. C. Plinius hat nach ſich gelaſſen: daß Hanno ein Carthaginenſer von Gades biß zum End von Arabia her - umb gefahren / vnnd ſolche Schiffart in Schrifften verfaſt hab. Wann dem alſo / iſt Hanno ſo weit gefah - ren / als die Portugaleſer / ſo heutiges Tages die Equinoctial Lini zweymal vberfahren. So ſchreibet Cor - nelius Nepos, daß zu ſeiner Zeit einer / ſo Eudoxus geheiſſen / da er fuͤr dem Koͤnig Latyro geflohen / ſolche Schiffart auch gethan habe / aber vmbgewendter weiſe / nemlich / daß er ſey gefahren auß dem ArabiſchenSeneca in Medea in fin. Act. 2. Meerſchoß / vnd gen Gades angelaͤndet. Etliche pflegen ſonderlich zubewegen das Carmen Senecæ in ſeinen Anapæſticis, da in ſeiner Medea alſo ſtehet:

Nach vnſer Zeit vbr manche Jahr /
Wirdt der Ocean offenbahr
An tag bringen ein ander Land /
Das vns bißher war vnbekandt.
Typhis3Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Typhis wirt gar ein ander Welt entdecken / vnnd nicht wie mans helt / wird Jßland ſeyn die letzte Erd / ſo ſich weit gegen Norden kehrt.

Es ſcheinet auch daß Plato noch außtruͤcklicher hievon geſchrieben / wo dieſe newe Welt gegenPlatonis Meynung in Timæo. Nidergang gelegen ſey: damalen / ſagt er / konte man auffs Meer (er redet vom Athlantiſchen) fahren. Dann es hatte ein Jnſel fuͤr ſeinem Einfluß / welche man die Seulen Herculis nennet. Die Jnſel aber war groͤſſer als Lybia vnd beyde Aſia, vnd die ſo reiſeten / kondten von dannen zu andern Jnſulen kommen / vnd auß den Jnſeln in alle die Fußfeſte Laͤnder / welche vmb das rechte groſſe Meer lagen.

Etliche fuͤrtreffliche Autores / als Franciſcus Vatablus / Robertus Stephanus / vnnd andere /Etlicher Meynung daß vnter Ophir Pe - ru verſtan - den werde. Rob. Steph in Bibl. Reg. 2. Pa - ral. 9. wollen / daß vnter dem Namen Ophir / darauß Salomon 450. Talenta Golds bekommen / das Nider - gaͤngiſch Jndien / vnnd ſonderlich die Jnſel Hiſpaniola vnnd das feſte Land Peru zuver ſtehen ſey. Aber dieſes fuͤrgeben ſcheinet nit der Warheit aͤhnlich ſeyn. Dann ob gleich in dieſem America viel Golds iſt / kan es doch deßwegen Oſt Jndien nit vorgezogen werden. Jch finde auch in Peru noch nit die vberauß koͤſtliche Edelgeſteine vnnd das Hebenholtz / deßgleichen niemals zuvor ſeynd zu Jeruſalem geſehen wor - den / vnnd iſt auſſer den gruͤnen Smaragden vnnd wolriechendes ſtarckes Holtz / ſonſt nichts ſonderliches allda zufinden. Es hat auch kein Schein der Warheit / daß Salomon das vberauß reiche Oſt Jn - dien habe bleiben laſſen / vnnd ſeine Schiffflotte in die euſſerſte Weſt Jndien geſchickt / vnnd wann ſol - ches ſo offtmals were geſchehen / ſolten ja billich ſolcher groſſen Sachen etliche Fußſtapffen vbrig blie - ben ſeyn.

Nun muß man denen auch antworten / welche verneinen / daß Antipodes, das iſt / Leute / ſo vn -Daß Anti - podes ſeyẽ. ter vns wohnen / vnnd vns die Fuͤſſe entgegen kehren / ſeyen / vnnd daß die Landſchafft / darin ſie jetzt woh - nen / koͤnne bewohnet werden / vnnd wie gedacht / ſo hat die vnmaͤßliche Groͤſſe deß hohen Meers den H. Auguſtinum verleitet / daß er vermeinet / es koͤnne kein Menſch in dieſe newe Welt mit Schiffen kom - men. Wir aber / die nun wiſſen / daß vorzeiten allhier Menſchen gewohnet haben / vnnd durch die H.Actor. 17. Schrifft gelehret / daß alle Geſchlechter der Menſchen von einem Menſchen herkommen ſeynd / koͤnnen ſolches keines Wegs widerſprechen: Wir koͤnnen aber nit fuͤr gewiß ſagen / ob die Menſchen dahin auß Aſia oder auß Europa kommen ſeynd / derhalben verwundern wir vns noch heutiges Tages vnd erfor - ſchen / wie / durch welchen Weg / vnd vnder was fuͤr einem Fuͤhrer oder Gleidsman das vnzehliche Volck der Jndier hieher gelanget ſey: So koͤnnen wir vns auch keinen andern Kaſten Noe / der allhier angelaͤn - det / einbilden: noch daß ein Engel / die erſten Vaͤtter der Jndianer mit den Haaren dahin gefuͤhret / wie dem Propheten Abacuc widerfahren. Es wirt auch allhier nit gefraget / was Gott vermoͤge / ſondern was die Menſchen reden vnd die Ordnung zulaſſe / vnd mag fuͤrwar beydes wol mit gutem Fug vnd Recht vn - ter die wunderbare Werck vnnd verborgene Rahtſchlaͤge Gottes gezehlet werden / daß das Menſchli - che Geſchlecht vber ein ſo Vnmeßlich groſſes Meer / vnnd viel Landſchafften dahin kommen iſt: vnnd daß ſolches ſo lang verborgen blieben / vnd da es ſich gleich weit vnd breit außgetheylet vnd zerſtrewet / man dennoch hievon nichts gewuſt hat. Vnd muͤſſen alſo auß etlichen Mutmaſſungen dieſe Schlußreden ſe -Wie die Jndianer in die Newe Welt moͤch ten kõmen ſeyn. Ent - wederdurch die Schif - fart oder zu Land. tzen / daß entweder die Jndianer vber Land / oder vber das Meer dahin kommen ſeyn. Vber Meer ſeynd ſie kommen vngefehr / ohne Vorbedacht durch Krafft deß Vngewitters / oder mit Raht vnd Vorſatz newe Ding zuſuchen. Man kan auſſer dieſen dreyen keine andere weiſe finden / wann man betrachtet / was mit Menſchlichen Dingen ſich reimet / vnnd nit Poetiſch Fabeln von Perſei gefluͤgelten Pferd / Syrenen vnd dergleichen erdichten wil. Laſſet vns derwegen dieſe Weiſen beſſer erforſchen / vnnd ein jegliche fleiſſi - ger erwegen: vnd ſcheinet dieſes der beſte Weg ſeyn / daß / wie jetzunder die Meerſchiff mit jhren Patro - nen / ſo den Lauff der Sternen vnnd deß Himmels Vmbwendung warnehmen / auch die Kraͤffte der Wind vnnd Waſſern kennen / einen ſichern Weg gen Jndiam ſuchen: daß alſo auch vnſere Voraltern / die ſolches alles gewuſt / dieſen Sitz geſucht haben / vnnd da ſie jhn funden / allda blieben ſeynd / dann es haben ja die Alten eine Schiffart angeſtellet / vnnd ein Antichtonam (das iſt / ein Landſchafft / die ge - gen vns gelegen war) geſuchet / welches ſie auß guten Vrſachen wuſten / daß ſie vorhanden / vnnd mit jh - ren zugeruͤſten Schiffflotten hieher gelangen koͤnten. Hier zu kompt auch daß die Schrifft ſaget: Es habe Salomon von denen von Tyro vnnd Sydon / Schiffmaͤnner / die ſich auffs Meer verſtanden / bekom - men / vnd daß ſie 3. Jahr lang gefahren. Warumb ſolte nun der Schiffleute Kunſt geruͤhmet / oder die langwaͤhrende Schiffart er zehlet werden / es were dann daß Salomonis Flotta habe woͤllen vber den Oceanum fahren? Andere ſeynd eines andern Sinns / vnnd haltens nit darfuͤr / daß die erſten Autores der Jndianer jhre Schiffart hieher gerichtet / oder daß ſie mit Vorſatz vnd vorgehabtem Raht in dieſe ande - re Welt kommen ſeynd. Jſt auch gantz nit zuvermuten / daß die Alten die Kunſt deß Schifffahrens ge -Die Alten haben den Magnet nit gehabt. Deſſen Ruhm vnd Nohtwen - digkeit. habt / ſo wir jetzo haben / vnd durch welcher Mittel vnſere Leut mit einer vnglaublichen Sicherheit vnd Geſchwindigkeit auff das hohe Meer allenthalben fahren: dann bey jhnen auch nit die geringſte Fuß - ſtapffen deß vberauß herꝛlichen vnd vortrefflichen Magnetſteins oder der Meernadel / wie ſie die Schiffleut nennen / zufinden / ohne welches Huͤlffe die Fahrt vber den Oceanum vnmoͤglich iſt. Dann es kan ein Schiffman auff dem hohen Meer ohne Magnetſtein ſo wenig wiſſen / wohin oder her er ſeinen Lauff rich - ten ſoll / als ein Blinder mit ſeinem Finger zeigen kan / was auff einem weitſtehenden Berg ſtehe oder liege. Vnd die Warheit zuſagen / alle Witz vnd Kunſt / ſo die Alten auff dem Meer zufahren gehabt / iſt nur al -Der Alten Schiffart. lein in der Kundſchafft der Stern / der Vorgebirg / der Erden vnd Vnterſcheid der Geſtadten / beſtanden / wann ſie auff dem hohen Meer / da man nur Waſſer vnd Lufft ſehen konte / ergriffen wurden / hatten ſieA ijkein4Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilkein ander Mittel / wuſten auch nit wohin das Ruder zurichten / dann nach den Sternen / Sonn vñ Mond: wann die auch bey neblichem Wetter vberzogen waren / muſten ſie es richten nach der Art deß Winds / nach dem Beduncken der Reiß ſo ſie verrichtet / endlich nach Geſchicklichkeit jhres Verſtands / vnd Gelegenheit deß Orts / da ſie hingedachten / wie dann noch heutiges Tags die Jndianer durch ſolche Mittel weit vbers Meer fahren.

Plinius lib. 7. cap. 56.

So ſchreibet Plinius, daß die Schiffleut der Jnſel Taprobana, welche man jetzt Sumatra nennet / vnd vnder die Oſt Jndianiſchen gezehlet wird / ein newe Kunſt erfunden / daß ſie nemblich viel Voͤgel auffsVoͤgel Wegweiſer im Mer. Schiff mitgenommen / vnnd wann ſie den Nordſtern nit erſehen koͤnnen / dieſelbigen offtermahls fliegen laſſen / vnnd dann jhrem Strich nachgeſegelt / das feſte Landt zuſuchen. Hetten ſie aber die Krafft / Natur vnd Gebrauch des Magnets gewuſt / were dieſes vnnoͤhtig geweſen.

Einred we - gen Sa - lomonis Schiffart.

Ob man nun hiergegen Salomonis Schiff Flotta fuͤrwerffen wolte / thut wenig zur Sachen. Dañ die H. Schrifft ſagt nit / daß man 3. gantze Jahr damit zubracht / ſondern / daß man gepflegt habe in dreyen Jahren einmahl eine Flotta dahin zuſchicken / vnnd ob wir gleich zulieſſen / daß die Schiffart 3. Jahr ge - waͤhret / muß man darneben bedencken / welches dann der Warheit aͤhnlich / daß die Schiffflotten ſeyn gen Oſt Jndiam gefahren / vnnd vnderſchiedliche Meerporten vnd Landtſchafften beſucht haben / auff wel - che Weiſe beynahe auffm gantzen Mittaͤgiſchen meer von Chile biß in new Spanien gefahren wird. Solche weiſe zufahren iſt wol ſicher / dann ſie das Land allwege im Geſicht hat / braucht aber mehr Zeit / weil man vmbfahren / vnd in den Meerporten verharren muß. Viel Gelehrte Leut haltens darfuͤr / daß die Voraͤltern allenthalben mit Riemen oder Rudern neben dem Geſtadt gefahren / welches auch auß der Schif -Jon. 1. fart Jonæ abzunehmen.

Nach dem nun der Warheit vngemeß zuſeyn erwieſen iſt / daß die erſten Jnwohner mit Fuͤrſatz in Weſt Jndiam gefahren / vnd ſich allda nidergeſchlagen haben ſolten / ſo muß darauß folgen / daß / ſo ferꝛn ſie vbers Meer dahin kommen / ſolches ohn jren Fuͤrſatz vnd vngefehr geſchehen ſey / ob ſchon die vnmeßliche Weite deß Oceani einen von ſolcher Meynung abhalten koͤnte / dann wie das Vngewitter vnnd Sturm - wind am Geſtad der newen Welt getrieben haben den Schiffman / welcher ſolch Erkantnuß vnnd Wiſſen - ſchafft eines ſo groſſen Dings Chriſtophoro Columbo im Teſtament hinderlaſſen: Alſo hats auch auff ei - ne gleiche oder doch nit ſehr vngleiche weiſe geſchehen koͤnnen / daß etliche Hauffen Leut / auß Europa oder Africa wider jren willen vber den vnmaͤßlichen Oceanum in dieſe Landſchafften getrieben worden / deſſenPlinius lib. 2. cap. 67. Et lib. 6. c. 22. dann Plinius in zweyen andern Exempeln gedencket. Zu dem iſt auch niemands vnbewuſt / daß mehr Land - ſchafften der newen Welt durch ſtarcke Gegenwinde / als durch Menſchlichen Fleiß ſeyn entdeckt vnnd of - fenbaret worden.

Ob man aber wol zugibt / daß die erſten Jnwohner Maͤnner vnd Weiber / dz Menſchliche GeſchlechtWie die Wilden Thier hin - ein moͤchten kommen ſeyn. zuvermehren / durch Vngewitter verworffen / vnd vbers Meer allhier angelanget / bleibt doch dieſe Frag vn - eroͤrtert / wie die Wilden Thier / ſonderlich / die dem Menſchen ſchaͤdlich / als Loͤwen / Beeren / Tygerthier / Woͤlff / Fuͤchs / ꝛc. Jtem / die mancherley Voͤgel hinein kommen / dann es nit glaublich ſcheinet / daß die Men - ſchen ſolche ſchaͤdtliche Thier zu jhrem eygenen Verderben in den Schiffen hinein gebracht. So kan man auch wider die H. Schrifft keine newe Schoͤpffung erdichten / oder zulaſſen / daß die Suͤndflut daſelbſtenOb ſie zu Land hin - ein kom - men. nit geweſen / welche doch die Jnwohner ſelbſten etlicher maſſen bekennen. Muß demnach nothwendig ge - ſchloſſen werden / weil weder die Voͤgel oder Thier vber das vnermeßliche Meer fliegen noch ſchwimmen koͤnnen / daß dieſe newe Welt nit gantz vnd gar von der andern geſcheiden ſey / ſondern zum wenigſten an ei - nem Ort an derſelben hange / oder doch von dannen nicht weit angraͤntze / daß beyde / Menſchen vnd Viehe hinein kommen moͤgen / vnd iſt bißher das Widerſpiel mit keiner gewiſſen Beweiſung dargethan / dann alleDie newe Welt iſt noch nicht gantz er - kuͤndiget. die Laͤnge biß zum Polo Arctico (Mitternaͤchtiſchen Eck) iſt noch nit gantz erforſchet / vnnd meinen viel daß Florida ſich weit gegen Mitnacht erſtrecke / vnd biß zum Teutſchen oder Scytiſchen Meer reiche / vnd bringen deſſen ein Schiff zum Zeugnuß fuͤr / welches auß derſelbigen Gegend kommen / vnd berichtet / daß Baccalaos biß zum euſſerſten End Europæ ſich erſtrecke. So iſt die Weite der Erden / welche jenſeit deß Vorgebirgs Mendocinum ligt / auch noch nit genugſam erforſchet / ſondern wird fuͤrgegeben / daß ſie v - ber auß groß ſey. Niemand hat auch bißhero erfunden / wie weit ſich das Fußfeſte Land jenſeit den Patago - nes biß zum Polo Antarctico erſtrecke. Wirt alſo dieſe Mutmaſſung daß die Erd an ein ander hange / oder zum wenigſten nit weit von einander geſcheiden ſey / mit keiner gewiſſen Schlußrede widerlegt / vnnd hat auch niemand das Widerſpiel erfahren / daß alſo das Menſchlich Geſchlecht allgemaͤchlich vber Land auß der Alten in die newe Welt gefloſſen / newe Wohnungen geſucht / vnd da ſie die funden / von Zeit zu Zeit fortgefahren / biß ſie das gantze Land eingenommen / daher endlich ſo viel Nationen vnnd Voͤlcker ent - ſprungen. Dieſe Meynung / daß beyde Welt jrgend an einander hangen muͤſſen / vnd die Thier nit zu Schiff hinein gebracht worden / wird auch hierdurch beſtetiget / weil alle die Jndianer zu jhrer Fahrt nur Canoas, Peraguas, oder Balſas, das iſt / Weidlingen / kleine Schifflein vnd Fiſcher Nachen gebrauchen / vnnd ſich vber der Spanier groſſe Schiff hefftig entſetzt vnd verwundert / vnd ſie fuͤr Felſen vnd Stein / ſo das Meer außgeworffen / angeſehen vnd gehalten haben.

Plato in Critia vnd Timæo.

Etliche ſeynd auch Platonis Meynung / vnd woͤllen / daß dieſe Leute auß Europa oder Africa durch die Athlantida / davon man ſolch groß Weſen gemacht / von einer Jnſel in die ander / vnd zum letzten in die - ſes Fußfeſte Land angelanget ſeyen / aber es faͤllt dieſes Gedicht ſelbſt zu Boden / dieweil der Berg Atlas im euſſerſten Theil Mauritaniæ gelegen / vnd die angeregte Jnſel verſuncken.

Noch5Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Noch etliche finden ſich / ſo dieſen Weg bey dem Eßdra zufinden vermeinen: in welches 4. Buch alſo4. Eßdræ 13. geſchrieben ſtehet. Du aber haſtgeſchen / wie er zu jm ein ander Fridſam Volck geſamlet hat / das ſeynd die 10. Staͤmme / die auß jrem Lande gefangen gefuͤhrt wurden / zu den Zeiten deß Koͤnigs Oſeæ / den Salmanaſſer der Koͤnig in Aſſyrien gefangen hatte / vnd fuͤhrt ſie vber das Waſſer / vnd kamen in ein an - der Land. Sie wurden aber zu raht / daß ſie die Heyden verlieſſen / vnd zogen hinvber in ein ander Land / da niemals keine Leut gewohnet / da wolten ſie jre Geſetz vnnd Braͤuche halten / nach denen ſie in jrem Land nie gelebt hatten / ſie zogen aber durch den Euphraten hinein / vnd that jnen Gott Zeichen / ſtelt den Fluß biß ſie hinvber kamen: dann durch daſſelbe Land war ein groſſer Weg / nemlich anderthalb Jahr lang / welche Gegend Arſareth heiſt. Daſelbſt wohneten ſie / biß auff die letzte Zeit. Vnd ſo ſie wider herauß zie - hen werden / wird der hoͤchſte die Adern deß Fluſſes wider ſtillen / daß ſie durchziehen moͤgen: darumb ha - ſtu die viele geſehen mit Friden. Dieſe deß Eßdræ Schrifften / vnterſtehen ſie ſich den Jndianern zuzu -Ableynung daß etliche die Jndia - ner fuͤr Ju - den gehal - ten. ſchreibẽ / vnd ſagen / ſie ſeyen võ Gott dahin gefuͤhrt / da nie Menſchen gewohnet / vnnd ſey jre Landſchafft ſo weit abgelegen / daß anderthalb Jahr darauff gehet / Jtẽ es ſey dz Volck von Natur friedſam / forcht - ſam / ſehr aberglaubiſch / ſpitzfindig vnnd Lugenhafftig / Es treffe auch der Jndianer Kleydung mit den Juden vberein / dann ſie brauchen ſchlechte Roͤck vnd viereckichte Maͤntel / gehen entweder barfuß / oder haben ſchlechte Fußſohlen oder Schuch ſo oben gebunden / vnnd daß diß der Hebreer Kleydung geweſen / nemẽ ſie auß der Hiſtori Simſons / daß er nur dieſe Gattung Kleyder / als Roͤck vnd zart Leinwath / wel -Judic. 14. che die Jndianer brauchen / begeret habe. Aber dieſe Ding alle ſeynd kindiſche Gedancken / vnnd mehr wider / als fuͤr ſie: dann die Juden haben Buchſtaben vnd Schrifft gebraucht / die Jndianer habẽ keine / jene ſamlen Gelt vnd Gut / dieſe verachtẽ ſolches gantz vnnd gar. Die Juden waren beſchnitten / vnd hat - ten den waren Gottesdienſt / deſſen bey den Jndianern kein einig Merckmahl geſpuͤret wird / ſo ſeynd die Jndianer auch nicht vberall forchtſam / ſpitzfindig vnnd betruͤglich / ob ſie gleich / wie alle andere Heyden / dem aberglauben zugethan ſeynd / ſo ſeynd ſie auch mehrerntheils gantz nackend / vnnd daß etliche ſchlechte Kleydung tragen / haben ſie mit den Juden vnnd andern Voͤlckern gemein. So iſt auch Eßdræ Meynung Apocryphiſch vnnd jhnen ſelbſt zuwider: dann die 10. Geſchlechter ſeynd dar - vmb von der Menge der Heyden geflohen / auff daß ſie jhre Ceremonien moͤchten brauchen / dieſe aber haben ſich auff alle Abgoͤtterey ergeben. Sie moͤgen zuſehen wie die offen Thuͤren deß Euphratis habe koͤnnen fuͤhren zu dieſer newen Welt / vnnd ob die Jndianer wider dardurch muͤſſen kehren / wie daſelbſt geſchrieben ſtehet. Wie ſolt man das ein friedſam Volck heiſſen / ſo allwege mit vnauffhoͤrlichem Krieg vnnd Zweyſpalt wider einander wuͤtet. Daß alſo deß Eßdræ Apocryphiſcher Euphrates / ſo wenig die Menſchen in dieſe newe Welt kan bringen / als deß Platonis Maͤhrlein von dem Atlantiſchen Berg vnd Jnſeln.

Noch vngewiſſer iſt / was die Jndianer von jhrem eygenen Vrſprung vnnd Sachen ertraumen. Die Jndia - ner ſeynd jhrer An - kunfft ſelbſt vngewiß.Dann ob ſie gleich von einer allgemeinen Suͤndflut wiſſen vnnd zuſagen pflegen / vnd die Gelehrten zwar etliche klare Gedenckzeichen einer groſſen Suͤndflut ſpuͤren / iſt doch darfuͤr zuhalten / weil ſie jhre Ge - ſchichten nur von 400. Jahr hero oder zum laͤngſten von 800. wie die Mexicaner gedencken / daß es fuͤr eine Suͤndflut / die nur dieſe Landſchafften vnd Voͤlcker getroffen / vnnd nit die vralte Noachiſche muͤſ - ſe geweſen ſeyn. Sie geben auch zu / daß in der groſſen Suͤndflut alle Menſchen ertrencket ſeynd. Etliche ſagen / es ſey auß dem groſſen Pful Jnticaca ein Viracocha herfuͤr kommen / der zu Tiganace ſeinen Sitz gehabt / allda noch das zerbrochen Mawerwerck von alten wunderbarlichen Gebewen zuſehen / von dannen ſey er in die Landſchafft Cuſco kommen / vnnd habe das Menſchliche Geſchlecht fortgepflan - tzet. Sie zeigen auch im ſelben Pful ein Jnſel / da die Sonn ſoll geſchaffen ſeyn / darumb allda ſo viel Blut von Menſchen vnnd Schaffen vergoſſen vnd geopffert worden. Andere ſagen es ſeyen auß einer Hoͤhle durch ein Fenſter ſechs Menſchen herauß geſprungen / welche die Sonn außgeheckt / vnnd ſich nach - mals bemuͤhet das Menſchliche Geſchlecht fortzupflantzen / vnnd dahero werde der Ort noch heutiges Tages Pacaritambo genennet. Jſt alſo ein gemeine Sag: daß die Tembos vor allen andern Men - ſchen geweſen ſeyen: von denſelbigen komme Mangacapa / welcher fuͤr einen Anfaͤnger deß GeſchlechtsMangaca - pa ein An - faͤnger der Jngas. Jnga gehalten wird. Von dieſen zweyen vornemen Geſchlechthaͤuſern entſpringen Hanan von Cuſco vnnd Brincuſcque. So ſaget man / daß die Koͤnige Jngæ / wie ſie die andern Voͤlcker dieſer Welt be - krieget / am meiſten fuͤrgewendet / als die vornembſte Vrſach deß Kriegs / daß alle ſterbliche Menſchen / weil ſie von deren Geſchlecht vnd Vatterland alle herkommen / denen auch die rechte Religion von Gott were offenbaret / jhnen muͤſten vnterthaͤnig ſeyn. Dergleichen Fabelwerck haben ſie noch viel / welches wir allhier auff die Bahn zubringen fuͤr vnnoͤtig halten.

Laſt vns nun in vnſerm Diſcurß weiter kommen / vnd vernehmen / weil der meiſte theil dieſer new -Von der Natur deß Equinocti - als. en Welt vnter dem mittel Revier deß Himmels / zwiſchen den beiden Sonnewend Circkeln / welche die Alten fuͤr brennend vnnd vnwohnbar gehalten / gelegen / was es dann fuͤr ein Beſchaffenheit mit der - ſelbigen habe / dieweil deren Meynung nit zuverachten / ſo da fuͤrgeben / daß die Erkandtnuß der Jndia - niſchen Sachen / vnnd der Voͤlcker Natur vnnd Sitten vornemblich an der Erkandtnuß deß Equi - noctials oder Mittlen Strich vnnd Zirckels hange. Dann alles was in dieſer newen Welt anders geſtalt iſt / als in vnſerer / wird am meiſten vom Equinoctial vervrſachet. Die Vrſachen aber deſſen zu - erforſchen / woͤllen wir mehr auß warhafftigen vnnd bewaͤhrten Schlußreden / als auß der Alten Philoſo -Sonnen Natur. phia hernemmen. Vnd iſt Anfangs jederman bewuſt / daß die Erd warm wirdt / wann die Sonne herbeyA iij6Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilkompt / vnnd dargegen kalt / wann ſie abweichet / welches dann klaͤrlich durch die Veraͤnderung deß Winters vnnd Sommers / Nachts vnnd Tags erwieſen wird. Hierauß ſcheinet auch daß natuͤrlich folge / je weiter ein Landſchafft von der Sonnen Vmbwendung abgelegen / je kaͤlter ſie ſey: Wir befin - den auch / daß alle die Laͤnder gegen Mitternacht vber auß ſtreng kalt ſeynd. Vnnd nach derſelben Ord - nung dieſe waͤrmer / ſo bey dem Zodiaco gelegen. Etliche ſetzen noch zu der Sonnen Stralen / daß der Him - mel zwiſchen den Tropicis geſchwind bewegt werde / aber bey den Polis gar langſam: daß darvmb das gantze Revier / ſo vnter dem Zodiaco gelegen iſt / von den nahweſenden vnnd richtigen Sonnen Stralen / vnnd vber auß geſchwinden Vmbwendung deß Himmels allwegen vnnd hefftiglich verbrennet werde. Vnnd iſt dieſes nit allein von der Hitz vnnd Kaͤlte / ſondern auch von der Truͤckene vnnd Feuchtigkeit zuverſtehen: Dann es ſcheinet daß der Sonnen Beykunfft truͤckene / vnnd jhr Abweichen Feuchtig - keit beybringe. So ſiehet man auch / daß in den Gezeiten deß Jahrs Feuchte mit Kaͤlte / waͤrme mit truͤckene einander verwand ſeynd / Alſo iſt die Nacht kaͤlter vnnd feuchter / dann der Tag / vnnd der Tag mehr waͤrmer vnnd truckener als die Nacht. Der Winter iſt ſehr kalt vnnd regenaͤchtig / wann die Son - ne weit davon iſt / wie der Sommer / wann die Sonn nahe kompt / warm vnnd ſehr trucken iſt / dar - auß dann Ariſtoteles vnd die andern Philoſophi geſchloſſen / daß dahero diß mittel Revierwegen der vber - meſſigen Hitz gantz brennend / vnnd vber alle maſſen duͤrꝛ ſeyn muͤſſe / vnnd nothwendig auch darauß er - folge / daß darinnen kein Waſſer noch Weyde / vnnd ſie zur Menſchlichen Wohnung gantz vnbe - quem ſey.

Daß wider aller Alten Meynung Zona Tor - rida nicht allein be - wohnet / ſondern auch feucht ſey.

Wiewol nun dieſes alles gewiß vnnd warhafftig ſcheinet / iſt dennoch das jenige / welches dar - auß geſchloſſen wird / falſch / dann diß mittelſte Revier / ſo mann Torridam oder Verbrannt nennet / wird in der Warheit nit allein von den Menſchen bewohnet / welches dann die oͤffentliche Erfahrung bezeuget / ſondern es iſt ſehr wunderbarlich / aber ohne widerſprechen wahr / daß in dem gantzen Revier / ſo von den Tropicis beſchloſſen wird / die Zeit des Jahrs am aller lieblichſten / wann die Sonn am allerweiteſten: Vnd hinwiderumb / ſo fallen in keinem theil deß Jahrs mehr Platzregen vnnd Schnee / dann wann die Sonn am naͤheſten iſt. Alſo iſt der Landſchafft Peru / welche gegen dem Antarctiſchen oder Sudli - chen Polo gelegen / die Sonn am weiteſten / wann ſie Europæ am neheſten iſt / das iſt / im Majo / Ju - nio / Julio vnnd Auguſto / da ſie dem Tropico Cancri nahe iſt: Jn denſelbigen Monaten aber iſt der Himmel bey vns in Peru ſo klar / daß einer ſich darvber verwundern muß: Es fallen keine Schlagregen / Schnee / alle Fluͤß fallen vnd nehmen ab / jhrer viel vertrockenen auch gar / kurtz darnach / wann die Sonn zu dem Circulo Capricorni (Steinbocks) koͤmmet / faͤngets an zu ſchneyen vnnd regnen / vnnd die Fluͤſſe zu wachſen / nemlich vom anfang Octobris biß in den December. Als dann fallen vberauß groſſe Regen / viel Schnees vnnd wuͤten die Fluͤſſe / Wann aber die Sonne auß dem Steinbock wider koͤmmet / vnnd oben vber die Koͤpff trifft / ſo gibts auch aberaus groſſe Hitz / nemlich / vom Januario an / biß auff halb Mertz / vnnd diß iſt ein jmmer wehrent thun in dieſer Landſchafft. Jn den theilen aber / ſo jenſeit dem Equinoctial ſeynd / vnnd den Polum gegen Mitternacht ſehen / geſchicht gantz das Widerſpiel: Dann wann man Panama / vnnd den gantzen Strich betrachtet / New Spanien / die Jn - ſuln Cubam / Jamaicam oder S. Johannis / ſo wird man klaͤrlich befinden / daß ſie vom anfang No - vembris / biß in April / einen klaren gelinden Himmel haben / weil die Sonn bey gemeltem Tropico / ſich von dieſen Gegenden weiter thut vnnd ſcheidet als jrgendt im Jahr / Hinwiderumb aber / daß allda ſchreckliche groſſe Schlagregen / vom anfang Junij / durch den gantzen September fallen / weil die Stra - len der Sonnen / ſo dieſelbige zeit vber waͤhren / vber zwerch vnnd etwas naͤher die Climata treffen / Daß alſo in dieſem brennenden Circkel oder Revier / groſſe duͤrre vnnd truͤcken iſt / wann die Sonn abweichet / wann ſie aber wider koͤmpt / ein groſſe Feuchtigkeit herfuͤr bracht wird. Außerhalb den Tropicis aber ge - ſchicht das Widerſpiel: Dann Schlagregen / Kaͤlte / Hitze vnnd Duͤrꝛe ſeind bey einander / Solches iſt in Europa vnnd jener gantzen Weltoffenbar: Jn dieſer newen Welt aber iſt es auch alſo geſtalt. Solches bezeuget die Landſchafft Chile / welche / nach dem ſie jenſeit der Sonne wend / des Steinbocks / vnd eben ſoRechnung Winters vnd Som - mers bey - der Welt. viel Gradus hoͤher / als Hiſpania gelegen / helt ſie gleiche Regel mit Winter vnnd Sommer / allein / daß die Winter vnnd Sommer Zeit verkehret iſt / dann ſie ſiehet einen andern Polum / ſo dem Hiſpaniſchen Polo entgegen geſetzt. Wann nun die Sonne weit abweicht / machet der vber fluͤſſige Regen / vnd die Kaͤl - te in obermelter Landſchafft den Winter: Gehet an vom anfang Aprilis / biß in September / die Hitze vnnd Truckene aber koͤmpt widerumb / wann die Sonn wider dahin nahet: Eben gleich wie in Europa. Auß dieſem geſchichts / daß die Landſchafft Chile an Fruͤchten vnnd Qualiteten den Menſchen Euro - pæ fuͤr andern gleichet. Auff obermelte weiſe ſind der Lentz / mit waͤrme vnnd truckene / der Winter mit Kaͤl - te vnnd Feuchte in zweyen Landſchafften gleich / Jn der Zona Torrida aber / ſeind ſie beyde einanderWitterung in Europa. vngleich / dann die Schlagregen folgen viel mehr auff hitze / mit der kaͤlte koͤmpt ein ſchoͤn Wetter. Jn Europa beſtehet die Winterzeit in Regen vnnd Kaͤlte zuſammen / die Sommerzeit aber in Waͤrme vnndWitterung in Ameri - ca. Truckene / aber allhier iſt es viel anders / dann ſie ſagen / im Gebirge in Peru / waͤhre der Lentz vom April biß in September / weil dieſelbige zeit vber nicht viel Waſſers faͤlt / vnnd die Lufft ſehr klar ſey: Winter heiſſen ſie die Zeit vom September an biß in Aprilen / weil dieſelbige Zeit vber Schlagregen fallen.

Alſo beſtetigen ſie / daß man im Gebirg Peru Sommer hab / eben zu der Zeit / wann es in Spa -nien7Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. nien noch weder Sommer noch Winter iſt / vnnd wann die Sonne am allernechſten iſt / vnnd recht auffs Haupt ſcheinet / ſo meinen ſie / es ſey der groͤſſeſte Winter vorhanden / weil viel groſſe Schlagregen fallen / Welches zwar laͤcherlich / aber doch gemein iſt / dann wie Tag vnd Nacht durch Beykunfft oder Abwei - chung der Sonnen beſchrieben werden / Alſo auch Sommer vnd Winter nach der Jaͤhrlichen vmbwen - dung / welches der Sonnen ſelbſt Eygenſchafft iſt. Alſo iſts in Warheit recht Winter / wann die Sonn mehr abweſent / aber Sommer / wann ſie am neheſten herbey kommet. Hitze vnd Kaͤlte folgen nothwendig - lich der Sonnen zukommen vnnd abweichen / aber Feuchte vnnd Truckene folgen nicht nothwendiglich. Auß dieſem ſihet man klaͤrlich / welches aber wider den gemeinen Wahn iſt / daß der Winter bey den Americanern gar lind vnnd luſtig iſt / hinwiderumb der Sommer regenaͤchtig / vnd daß der Winter et - was waͤrmer / vnnd der Lentz kuͤler ſey. Alſoſcheidet auch der gemeine Mann durch eine gleiche jrrige Meinung der Berge Winter / von der Ebene der Landſchafft Peru Winter / vnnd ſagt: Daß die vnterſten am Geſtadt des Meers Winter haben / wanns auff dem Gebirg Lentz iſt / nemlich im April / Majo / Ju - nio / Julio vnnd Auguſto / dieweil in denſelbigen Monaten die gantze Birgiſche Revier von lindem Sonnenſchein klar gemacht wird / jnnerhalb welcher Zeit dieſe Revier / ſo am Meer ligen / am meiſten durch jmmerwerende Nebel verdunckelt werden.

So hat das Revier Torrida ſolchen vberfluß an Feuchtigkeit / daß ſie mit Mildigkeit vnnd lebendi -Vberſtuͤſſi - ge Feuchtig - keit der Tor rida / wider der Alten Meinung. gen Quellen alle andereleichtlich vbertrifft / außgenommen an denen oͤrtern / da es Sandig / oder das Erd - reich gar ein Einoͤde iſt / vnnd verbrennet wird / welches auch in andern oͤrtern der Welt offtermalen be - ſchicht. Dann es hat nechſt dem vberfluß an Himmliſchem Waſſer / als Schlagregen / Schnee vnnd Reiff / noch vnzehlig viel jrꝛdiſche Waſſer in Pfuͤtzen / Brunnen / Fluͤſſen vnd Seen / ja es koͤnnen viel oͤr - ter Americæ weit vnd breit / wegen der menge Waſſer nicht bewohnet werden. Dann die Fluͤſſe lauffen durch die Sommeriſch Schlagregẽ vber alle maſſe auß / verderben alles / vnnd vervrſachen die moͤſige Pfuͤl / daß man an ſehr viel orten keinen feſten Tritt thun kan / darumb die / ſo am vberaus groſſen Fluß Para -Fluß Para - guay. guay wohnen / wann ſie fuͤhlen / daß der Fluß auffzuſchwellen anfenget / vnnd daß er weit vnd breit auß - laͤufft / kommen ſie jhm bevor mit jhren Nachen / in dem ſie in dieſelbigen jhre Fewer machen / vnnd beynahe drey gantze Monat darinnen erhalten. Wann der Fluß nun gefallen / vnnd ſich widerumb in ſein gewoͤhn - lichen Canal gethan / kehren ſie wider zu jhren alten halbfeuchten Plaͤtzen. Dieſer Fluß iſt ſo herꝛlich vnd groß / daß wann gleich der Nilus / Ganges / vnnd Euphrates / dagegen gehalten werden / kan man ſie doch allzuſammen hiemit nicht vergleichen. So iſt auch der Fluß Magdalena ſehr groß / welcher zwiſchenFluß Mag - dalena. S. Martha vnnd Carthaginis Meerhafen ins Meer laͤuffet. Vnd was ſol man allererſt von dem groſ - ſen Fluß der Amazoner ſagen / welcher faſt mehr einem Meer als einem Fluß zuvergleichen / vnnd von den Spaniern Oregliana vnnd Maragnon genennet / gefunden vnnd beſchifft worden. Er empfehet die Schlagregen / ſo auß dem Gebirg Peru fallen / vnnd die Fluͤſſe ſo von allen Orten zu jhm lauffen / vnndAmazoner Fluß. laͤufft durch die vberaus weite Felder der Landſchafften Paytiti / Gold Land vnd der Amazoner / zum letz - ten ins Meer gegen der Jnſuln Margarita vnd Trinidad vber. Da er aber zum Außgang eylet / laͤufft er ſo weit auß / daß er viel vnd groſſe Jnſulen in der mitte leſt / vnnd welches vnglaublich ſcheinet / wann man in der mitte des Fluſſes iſt / koͤnnen ſie nichts anders dann des Fluſſes Waſſer vnnd den Lufft ſehen. Solche vnnd viel andere Fluͤſſe / ſeind in der brennenden vnd duͤrren Zona / welche Ariſtoteles vnd alle Vr - alten an Waſſer vnd Weide fuͤr duͤrfftig gehalten haben.

So ligt auch in der Obern Landſchafft Peru in der mitte Collao / der groſſe See Jntiticaca /See Jnti - ticaca. welcher in ſeinem Vmbkreiß 2400. Stadia begreifft / vnnd beynahe 900. lang / an der breite aber 220. Stadia helt / daraus zehen groſſe Fluͤſſe lauffen. Von dieſem See auff 50. Meil von dannen / wird auch ein kleiner See Paria genant / funden. Jn welchen beyden viel Jnſuln ſeind / vnd theils bewohnet / theilsSee Paria. aber vnbewohnet ſeynd. Daß alſo dieſes Revier mehr Waſſers hat / als ſonſt jrgendt andere Laͤnder.

Warumb aber das Equinoctialiſche Revier wider der Alten Meinung vberaus feucht ſey / kanVrſach der Feuchtig - keit bey der Zona Tor - rida. man deſſen kein andere Vrſach anzeigen / dann daß der Sonnen Krafft vberaus groß iſt / vnnd auß dem vberaus groſſen vmbflieſſenden hohen Meer / ein groſſe Menge Daͤmpff ſauget / den alsbald ſchmel - tzet vnnd in Regen verwandelt. Es kan auch mit klaren Beweiſungen dargethan werden / daß aus der vberaus groſſen Hitz in das brennendt Revier Schlagregen fallen. Der vornembſten Beweiſungen ei - ne iſt / daß zur Zeit des Jahrs / wann die Sonn von obenher ſich anhelt / Schlagregen werden: VnndSonnen Krafft Re - gen zu ver - urſachen. daß die auffhoͤren / wann ſie ferner abgewichen / Alſo wird der Regen durch die ſtarcke Krafft der Sonnen fortgebracht. Ferner hat man wargenommen / daß in dieſem America / auß dem Mittage / wann der Sonnen Stralen am ſtaͤrckeſten ſind / Schlagregen zufallen pflegen / am gantzen Morgen aber hat man ſich deren nicht zubeſorgen / Darumb alle Peruaner jhre Reiſen von Morgen / alſo anſtellen / daß ſie we - gen der Platzregen auff den Mittag in der Herberg ſeyen. So pfleget es auch meiſt zuregen / nach dem der Mond am meiſten zugenommen / vnnd leſt ſich anſehen / als ob Jahr / Monat vnd Tag hierin einig ſeyen / vnnd bezeugen / daß zwiſchen den Tropicis die Schlagregen von der vberaus groſſen Krafft der Hitze gezeuget werden.

Das bißher erzehlet / geſchicht auch in den Kuͤnſten: Dann wann man auß den Kraͤutern Waſ -Exempel von den Kuͤnſten. ſer zum Gebrauch der Artzeney diſtillirt / treibet vnnd zeucht das hitzige vnnd brennent Fewer ein groſſe menge dieſer Feuchtigkeit hinauff / vnnd da dieſelbige von der Hitz vmbgeben / außſchwitzet / macht es zu Waſſer. Daſſelbige geſchicht auch wann Gold vnd Silber durch die wunderbarliche Krafft des Queck -A iiijſilbers8Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilſilbers geleutert wird / Dann ſo fern das Fewer ſchwach iſt / ſchwitzet beynahe nichts daraus / iſts aber ſtarck / ſo gibts viel Waſſer / vnd die Materia / ſo erſtlich in Rauch reſolvieret / wird hernach veraͤndert / vnd Waſ - ſer daraus / wie zuvorn / vnd fleuſt von oben hinab. Ob nun gleich dieſe dinge widereinander zu ſeyn ſchei - nen / daß die Sonn wegen Naͤhe in der Torrida Regen vervrſachet / außerhalb der Torrida aber wenig Re - gens gibt. Jſt doch hierin nichts wiederwertiges / dieweil viel natuͤrliche Wirckungen auff vnterſchiedliche Weiſe / vnd auß widerwertigen Vrſachen kommen. Alſo wird ein naſſes Kleid ſo wol von einem kalten Wind / als von einem warmen Fewer trucken gemacht. Die Ziegelſtein werden von Kaͤlte ſo wol als von der Sonn gebacken. Ein mittelmeſſige Bewegung erweckt den Schlaff / Aber durch gar keine oder vber - maͤſſige Bewegung wird der Schlaff zerſtoͤret.

Wann man aber ſaget / daß das Revier zwiſchen den Tropicis feuchter ſey / vnd alsdann am mei - ſten Schlag regen fallen / wann die Sonn nechſt herbey koͤmpt / ſol mans verſtehen / daß es meiſtentheils alſo geſchehe / vnd daß man ſolches ſicherlich abnehmen koͤnne. Dann man kan hierneben auch nit leugnen / daß in dem Mittel Revier etliche theil ſehr duͤrr ſeind / vnd die Leut in Peru am Geſtadt des Meers gegen Mit - tag / gleich wie die in Morenland gantz des Regens beraubet / außgenommen etliche Thaͤler / welche von den Fluͤſſen auß den Berg Waſſern befeuchtet werden / das ander alles iſt ein vnfruchtbares Land / allda gar wrnig Brunnquellen / oder ja vberaus tieffe Pfuͤtzen zufinden.

Warumb aber es daſelbſt nimmermehr regne / wird an ſeinem Ort auch antwort erfolgen / Sollen nur allhier dieſes mercken / daß / was außerhalb dem natuͤrlichen Geſetz geſchicht / nimmermehr eine Noth / oder nothwendig Geſetz daraus gemacht werden ſol / vnd ſo viel ſey geſagt von der Truckene vnd Feuchte der Mittel Revier.

Das Equi - noctial Mittel - maͤſſige Tempera - tur.

Jetzt wollen wir auch von der Waͤrme vnd Kaͤlte ein wenig Andeutung thun / da ſich dann befinden wird / daß das Equinoctial wol Feucht vnd Warm ſey / aber am meiſten ein temperirte Waͤrme habe / wel - ches vielen vnmuͤglich beduͤncket. Man hat aber in gewiſſe Erfahrung gebracht / daß viel Meerfahrer an ſtatt vberauß groſſer Hitz / die ſie nach der Philoſophen Meinung im Monat Martio / wann die Sonn in der Mittel Linien (das iſt / im Widder) iſt / haben ſollen / dermaſſen Froſt empfunden / daß ſie damals der Sonnen waͤrme hefftig gewuͤntſchet vnd begeret haben / vnnd iſt kein Landſchafft in der Welt temperirter / keine ſuͤſſer vnd linder / als die Equinoctial / Doch iſt es auch nicht allenthalben gleich / dann hie iſt die Landt - ſchafft in jhrer Mitte wunderbarlich temperirt / wie bey vns: Dort wunderbarlich kalt / wie bey den Poto - ſtanern: Auff einem andern Ort auch ſehr heiß / wie bey den Braſilianern / vnd Moluchianern / durch die - ſes moͤcht einer gezwungen werden / ein andere Vrſach der Hitze vnnd Kaͤlte zu ſuchen / dann der Sonnen Straal: Dann offenbar iſts / daß vmb ſelbige Zeit des Jahrs / vnd in gleicher Laͤng der Graden / etliche Ort brennen / etliche mittelmaͤſſig Warm ſeind / vnd in andern die Kaͤlte kaum weiß auffzuhoͤren.

Vrſachen der Tempe - ratur der Zonæ Tor - ridæ.

Es moͤgen aber etliche Vrſachen / warumb die vberaus groſſe Hitz bey der Gelegenheit vnnd Ge - ſtalt Zonæ Torridæ (brennen[d]en Schnur) gelindert werde / erzehlet werden. Als er ſtlich / wie gedacht / daß ſie faſt Regenaͤchtig. Nun verkuͤhlen alle Schlagregen / weil die Natur des Waſſers kalt iſt: Vnd ob wol / wanns von auſſen darzu koͤmpt / ein fewrige Krafft auch warm wird / dannoch miltert das Waſſer ohn al - len Zweilffel den vnmaͤßlichen Brandt / ſo die hellen lauter Sonnen Straalen ſolten erweckt haben. Die andere Vrſach iſt / daß ob wol das Equinoctial brennende Sonnen leidet / ſie aber gantz vnd gar kurtz ſeind. Daraus dann erfolget / daß / weil die zeit der Hitze des Tages kurtz iſt / nicht ſo ſehr entzuͤnden kan. Nach dem nun in dem Equinoctialiſchen Revier die Sommertaͤge kuͤrtzer ſind dann in keinem andern / alſo ſeind auch die Naͤcht ſelbſt von jhrer Natur feucht vnd kalt / vnnd dem Tag gleich / Vber dieſes mag auch die Temperatur / das angraͤntzende Meer vervrſachen. Dann wiewol das Meer geſaltzen / iſt es doch gleich - wol kalt / vnnd darff man deſſen Vrſach nicht erkuͤndigen / ſondern auß der Natur des Waſſers erlernen. Nun werden die Sonnenſtralen von dem Waſſer / weil es fleuſt vnd duͤnner iſt / weniger / als von der Jrꝛ - diſchen Materia / zu ruͤck getrieben vnnd gedoppelt / ſolches dienet faſt ſehr daß entweder die Hitz ſich mehre oder nachlaſſe. Hierzu koͤmpt noch / daß die vnmeßliche Tieffe des hohen Meers verhindert / daß das Waſſer von der Sonnen heiß werde / wie flieſſende Waſſer gemeiniglich pflegen / vnd eben gleich / wie das Waſſer kalt wird vom Steinſaltz / alſo befinden wir / daß das Meerwaſſer eine Krafft zukuͤhlen habe. Die - ſem mag auch zugeſetzet werden / die Gelegenheit des Lands / nach dem es hoch oder nidrig iſt / dann wer weiß nicht / daß die Gipffel der Berg kaͤlter ſind / als die tieffe hole Thaͤler / Solches geſchicht nicht allein deßhalben / weil der Sonnenſtraal in den holen Plaͤtzen mehr Widerſcheins empfahen / vnd alſo einen groͤſ - ſern Brandt oder Waͤrme vervrſachen: Sondern auch / daß das Revier der Lufft ohn allen Zweiffel kaͤlterWarumb die Laͤnder vnder der Mittelli - nien nit all - zu heiß ſeyen. iſt / je hoͤher ſie vber die Erd erhaben iſt. Daß ſich dieſes alſo verhalte / zeigen die Ebene der Landſchafften / Colla vnd Popajan / welche fuͤrwar ſehr kalt ſeind / werden gleichwol allenthalben mit hohen Bergen vmb - geben / vnd ſeind der Sonnenſtralen ſehr vnterworffen. Ob auch jemand die Vrſach zuwiſſen begeret / warumb die Ebene der Landſchafft Peru am Meer gelegen / warm ſey / hingegen aber die Bergiſche Ebene alſo kalt / mag jhm kein andere Antwort darauff widerfahren / dann daß jene Bergiſche Landſchafft ſehr hoch / dieſe aber ſehr nidrig iſt. Daß aber die Lufft in ſeiner Mittel Revier vberauß kalt ſey / zeigen oder beweiſen theils die faſt hohe Gipffel der Berge / ſo biß dahin gereichen / vnd von jmmerwerendem Schnee vnd Froſt glintzen / theils auch die natuͤrliche Vrſache / daß durch Gegenbewegung vnnd Waͤrme der few - rigen Revier alle die kaͤlte in der Mitte lauffe. Entlich geben auch die ſonderbare Wind in America / ſolche Temperatur / von welchen an ſeinem Ort auch Meldung geſchehen ſol. Vnnd ſey dieſes genug von desEqui -9Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Equinoctials Qualitet / als Hitz / Kaͤlte / Truckene / Regen vnd ſeinem Temperament genugſam geſagt / wollen nun auch von vnterſchiedlichen Winden / Waſſern vnd Landen / wie auch von Metallen Kraͤutern vnd Thieren / ſo in America gefunden werden / ein wenig diſcurrieren vnd Sprach halten.

Was nun die vorhabende Materi von den Winden antrifft / ſo helt der allerweiſeſte Koͤnig Salo -Von den Winden in America. mon / die Wiſſenſchafft derſelben ſehr hoch / da einer der Winden Natur / Kraͤffte vnnd Eygenſchafften weiß zuerzehlen / ſintemal ſie offt widerwertiger Naturen ſind / vnd deßwegen ſehr wunderbar: Dann der eine iſt naß vnd bringet Regen / der ander iſt trucken: Einer iſt geſundt / der ander vngeſundt: Einer heiß / der ander kalt: Einer mild / der ander vngeſtuͤm: Einer fruchtbar / der ander vnfruchtbar: Ja ſie ſeynd wol tauſenter - ley vnterſchiedlicher Eygenſchafften. Es ſind Winde / ſo allweg in etlichen Gegenden wehen / da ſie dann / gleich als Herren ſeind / ohn einigen Mitgehuͤlffen / vnnd leiden keinen widerwertigen: An ein theil Orten blaſen ſie zu etlichen zeiten / bißweilen ſiegen ſie / vnd behalten die Oberhand / bißweilen werden ſie von jhrer Widerpart auch vberwunden: Bißweilen blaſen auch vnterſchiedliche vnnd widerwertige Winde zuſam - men / vnd zu gleicher Zeit / vnd machen vnter jhnen ein Abtheilung jhres weges / Bißweilen begibt ſichs auch / daß einer oben / der ander vntenher blaͤſet / biß weilen begegnen ſie einander mit gewalt / kommen darauff vnter einander / welches die Schiffleut auff dem Meer in groſſe Gefahr ſetzet. Etliche Winde dienen zur Fortpflantzung der Thier: Andere verderben dieſelbe. Wann ein ſonderlicher Wind wehet / da ſihet man an etlichen Vfern Floͤheregnen: An etlichen auch Froͤſch vnd dergleichen. Solche vnterſchied - liche Eygenſchafften ſchreibet man gemeiniglich denen oͤrtern zu / dadurch dieſe Winde gehen oder brauſen: Vnnd gibt man fuͤr / daß ſie jhre Qualiteten vnnd Eygenſchafften / als Kaͤlte / Truckene / Feuchtigkeit / Hitz / Geſundheit / Kranckheit / vnd anders mehr von ſolchen Orten herhaben / welches ſich offtmals war / bißweilen auch das Widerſpiel befindet: Dann man ſihet offt vnterhalb wenig Meilen von einem Wind groſſe vnd merckliche vnterſchiedliche Wirckungen / als zum Exempel: Jn Hiſpania iſt der Oſtwind gemeiniglich heiß vnd muͤhſelig: Jn Murcia aber nahe bey Granaten / iſt er der kuͤh - leſt vnd geſuͤndeſt Wind / ſo allda wehet / dann er koͤmpt durch Garten vnd Wieſen / ſo kuͤhl ſeind / da er ſich badet / wenig Meil von dannen / als in Cartagena / iſt eben derſelb Wind beſchwerlich vnd vngeſundt. SoPlinius lib. 2. Cap. 47. meldet Plinius / daß in Africa der Nordwind Regen / der Sudwind aber ſchoͤn hell Wetter bringe / Doch folget ſolches nicht allwege / iſt auch kein gewiſſe Regel daraus zu machen / ſondern wir muͤſſen nothwegen bekennen / daß die Himmliſche Region oder Geweſt / daraus ſie ſauſen vnd kommen / jnen die - ſe Tugent vnd Eygenſchafft mittheile. Dahero iſt der Nordwind / weil er auß der allerweiteſten Region von der Sonnen blaͤſet / von ſich ſelbſt kalt / der Sudwind aber vnd Mittag iſt von Natur heiß / vnd weil er die Hitz vnd Dampff nach ſich zeucht / iſt er zugleich feucht / vnnd bringt Regen mit ſich / dargegen iſt der Nordwind trucken vnd ſubtil / dann er leſt nicht zu / daß ſich Daͤmpff an einem Orth verſamlen. Dieſer Geſtalt kan man auch von andern Winden reden / vnnd jhnen jhre Eygenſchafften nach dem Revier oder Geweſt der Lufft / daraus ſie kommen zuſchreiben / Aber vber dieſes alles ſeind die Winde vnd derer Eigen - ſchafft fuͤrnemblich den Himmliſchen Kraͤfften / als der Sonn / den Bewegungen / vnd Himmliſchen Jn - fluentien / ja Gott dem hoͤchſten Schoͤpffer ſelber zuzuſchreiben / wie es dann durch die H. Schrifft viel - feltig bezeuget wird.

Dieſe newe halbe Welt nun ligt an der Nord ſeiten / vnd hat ein groſſen vortheil vnnd Adel vor derVorzug Americæ gegen vn - ſerer Welt. andern halben Welt auff der Sudſeiten / vnd leſt ſich anſehen / daß ſich die Eygenſchafften der Winde / wel - che vber die Linien kommen / veraͤndern vnd abwechſeln / Aber in der That ſind ſichs nicht / diß iſt wol nicht ohn / daß der Nordwind des Orts in gemein ſo kalt vnnd klar nicht iſt / als anderswo / ſo ſind auch oͤrter vmb Peru / da der Nordwind vngeſund vnd beſchwerlich iſt / Jn der Linea der ebenen Laͤnder / vnd an dem gantzen Meerſtrandt / welcher ſich mehr als fuͤnffhundert Meilweges erſtrecket / da helt man den SudwindVom Nord vnd Sud - wind in A - merica. fuͤr geſund vnd kuͤhl / auch vberall hell vnd klar / dann es regnet daſelbſten nimmermehr / Solches iſt gantz widerwertig in Europa an dieſer Seiten der Linien. Wiewol nun ſolches / was wir jetzt vom Meer - ſtrandt zu Peru geſetzt / kein Regel macht / ſondern vielmehr ein Exception vnd Wunder der Natur iſt: So bleibet es doch bey dem / daß der Nordwind / an der andern Seiten der Linien / die Eygenſchafft nicht hat / wie der Sudwind auff dieſer Seiten / Ob ſie gleich beyde von Mittag herkommen / vnnd zu den Geweſten zu / welche gegen vber ſind / blaſen. Dann es iſt allda nicht gemein / daß der Nordwind Heiß vnd Regenaͤchtig ſey / wie es hie mit dem Sudwind iſt / ſondern es regnet am ſelbigen Ort ehe mit dem Sudwind / wie man ſolches mit dem gantzen Gebirg Peru / in Chile vnnd im Land Congo / welches jenſeit der Linea / vnd faſt weit im Meer ligt / ſehen mag. So iſts auch auſſer zweiffel / daß die oͤrter / da die Wind durch wehen / vnd die nechſte Geweſte / daraus ſie blaſen / ſolchen groſſen vnterſchied / vnnd widerwertige Wirckungen vervrſachen / wie man ſolches an tauſent orten in acht nehmen mag. Doch ſeind die Winde mehr auff der Seiten vnd Getheilts der Welt / von dannen ſie kommen / dann auff dieſer oder der andern Seiten der Linien. Dieſe Hauptwinde / als Oſt vnnd Weſt / haben weder hieVom Oſt - vnd We - ſtenwind in Ameri - ca. noch da keine beſondere noch gemeine Qualiteten / als die zween vorgemelte: Allein daß der Oſtwind allhie vnluſtig vnd vngeſundt / der Weſtwind aber geſund vnd erquicklich iſt. Jn Jndia vnnd durch die gantze Torridam iſt der Oſtwind / als das Gegentheil / faſt geſundt vnd luſtig / von dem Weſtwind kan man we - der in gemein noch auch inſonderheit etwas reden / weil er in der Torrida nicht blaͤſel / oder / da es je ge - ſchehe / ſehr langſam / dann in dem gantzen Raum / ſo man zwiſchen den Tropicis ſihet / hat maneinen10Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilBriſæ Be - ſchreibung. Vnter - ſchied der Schiffart der alten vnd newen Welt.einen Ordinari oder ſteten Wind / den Briſen / welches der wunderbarlichſten Werck eines iſt / ſo die Na - tur wircket / davon wir auch etwas melden wollen.

Der Weg auff dem Meer iſt nicht wie der Weg auff dem Land / dann auff dem Land kan man auff einem Weg hin vnd wider kommen / Aber auff dem Meer fehret man einen Weg hinaus / vnd durch einen andern koͤmpt man wider zu Hauß / vnd haben die Erfinder der Oſt vnd Weſt-Jndien groſſe Muͤhe vnnd Arbeit gehabt / biß ſie rechte vnd ſichere oͤrter gefunden / da man auß vnd einfahren koͤnnen / biß ſie durch Er - fahrung gelernet / daß durch den Oceanum nicht zufahren ſey / wie vber das Mittellaͤndiſche Meer nach Jtalien zu / da man im auß - vnd heimkehren eine Meerpforten vnd Ecken funden / vnd kennen gelernet / vnd nur auff Huͤlff des Windes wartet / welcher ſich nach der Zeit veraͤndert / Wanns aber hieran mangelt / vnd ſie den Wind nicht haben koͤnnen / behelffen ſie ſich mit Riemen / vnnd alſo fuͤhren ſie die Galeen der laͤngs hin vnd her. Auff dem Oceano aber hat man an etlichen gewiſſen Orten kein ander Winde zu ge - warten / vnd man weiß fuͤr gewiß / daß eben der Wind entweder mehr oder weniger wehen vnd blaſen muß. Entlich / wann ſchon der Wind im hinwegfahren gluͤckſelig iſt / ſo iſt er doch widerſpenſtig im herumbkeh - ren / dann wann man vber den Tropicum koͤmmet biß in Torridam / alsdann find man auff dem Meer herrſchende Winde / welche von auffgang der Sonnen herkommen / vnnd allezeit ohn auffhoͤren daſelbſt blaſen / allein daß ſie einem widerwertigen Wind geſtatten ſich ſo viel zuerheben / daß man jhn fuͤhlet. Oſtwind Briſen.Hierinnen ſihet man zwey wunderbarlicheding: Eines iſt / daß in der Region oder Geweſt (welche die groͤ - ſte iſt vnter den fuͤnffen / darin die Welt abgetheilet) Oſtwind herrſchen / die ſie Briſen nennen / vnd daß die Wind auß Weſt oder Mittag (ſo ſie Vendavalen nennen) zu keiner Zeit im Jahr daſelbſt blaſen moͤgen. Das ander Wunderwerck iſt / daß jhnen nimmermehr an Briſen mangelt: Vnd je naͤher man der Linien koͤmpt / je gewiſſer man ſie hat / ob ſichs gleich leſt anſehen / als obs daſelbſt allezeit ſolt ſtill ſeyn / weil daſſelb theil der Hitz am meiſten vnterworffen: So findet ſich doch das Gegenſpiel / dann es iſt am ſelbigen ort ſehr langſam ſtill vnd der Briſa daſelbſt viel kaͤlter vnd gefehrlicher. Daher koͤmpts / daß man leichtlicher auß Spanien in Weſt-Jndien / als zuruͤck auß Jndien in Spanien fahren kan. Dieſem nun lenger nach zu haͤngen / vnd den See Compaß vnd alle Winde zuerklaͤren / achten wir allhier fuͤr vnnoͤtig / weil dieſes den Schiffleuten beſſer bewuſt / vnd dem Teutſchen Leſer nichts damit bedienet wird / wollen nur noch etlicheWinde ver endern die Natur. wunderbarliche Wirckungen der Winde in Jndia erzehlen. Man findet Winde / welche das Meerwaſſer in der Natur veraͤndern vnnd finſtergruͤn machen: Ein ander machts ſo klar / als einen Spiegel / Einer macht luſtig / der ander betruͤbet vñ erſticket / die / ſo Seydenwuͤrm nehren / ſchlieſſen mit fleiß die Fenſter zu / wann die Vendavalen blaſen: Wann aber hergegen die widerwertige Winde blaſen / alsdann machen ſie die Fenſter auff / dann ſie haben in der That erfahren / daß dieſelbige Wuͤrm durch einen Wind vmb - kommen / durch den andern aber ſich beſſern vnnd mehren / Welches man auch von ſich ſelbſt erfahren kan / wann man darauff achtung gibt: Dann vnterſchiedliche Winde vervrſachen vnterſchiedliche Diſpoſi - tion der Coͤrper / ſonderlich an zarten vnd ſchwachen Gliedern / vnnd je zaͤrter ſolche ſind / je mehr Veraͤn -Exod. 10. 14 Job 17. Jon. 4. Ezech. 13. Dan. 3. derung ſie geben. Die Schrifft nennet den einen Wind ein Anzuͤnder vnnd Verdoͤrrer: Den andern nennet ſie ein Wind von ſuͤſſem Thaw. Es iſt kein Wunder / daß man in Kraͤutern / Thieren vnnd Men - ſchen ſo merckliche Wirckung von Winden fuͤhlet / weil man ſolches an der haͤrteſten Metallen einen / als dem Eyſen befindet. Dann man hat in Jndia an vnterſchiedlichen Orten eyſen Gegitter geſehen / ſo vomWind zer - malmet Ey - ſen in Jn - dia. Wind gantz zermalmet vnd zergangen / vnd da ſie das Eyſen zwiſchen die Finger genommen vnd trucknen wollen / daß es von einander gangen / als ob es duͤrꝛ Hew oder Stroh geweſen were. Vnter allen wun - derbaren Wirckungen iſt auch nicht die geringſte / daß etliche Leut / ſo erſtmals auff dem Meer im SchiffMeerkrãck heiten. fahren / Meerkranck werden / das iſt ein gemein ding / vnd thut doch niemand Schaden / wann man das nicht wuͤſte / ſolten ſie wol meinen / ſie weren todtkranck / dann es durchſchneidet vnd martert den Magen ſtetigs an einander / ſo lang es waͤret / welches dann meiſtentheils von der frembden Lufft vervrſacht wird / ob gleich des Schiffs Bewegung vnd Erſchuͤttung / wie auch der Geruch des Schiffs auch nicht wenig darbey thut / das beſte Remedium / ſo man dargegen erfunden / iſt / daß man Naſen vnd Ohren / ſo viel jmmer muͤglich / zuſtopffe / vnnd ſich wol mit Kleidungen verſehe / ſonderlich fuͤr den Magen / ſintemalToͤdtlicher Wind in Chili. die Lufft ſo ſubtil vnnd durchdringend iſt / daß ſie biß zum Eingeweyd koͤmmet. Noch verwunderlicher iſt / daß die Qualitet der Lufft ohn Fuͤhlen durch des Menſchen Leib dringet / vnd jhm ſein Leben abkuͤrtzet. Dann als vor der Zeit die Spanier von Peru in das Koͤnigreich Chili vber Land vnd Gebirg gereiſet / ſind ſie vber viel flache Felder kommen / da dann im durchziehen viel Leut geblieben / etliche aber verlahmet wor - den / vnd fuͤhlet man daſelbſt ein kleines Windlein vnnd ſanffte Lufft / welche dermaſſen durchdringet / daß die Leut / ehe ſie es recht fuͤhlen / todt auff die Erden fallen: Bißweilen fallen einem die Finger von den Haͤn - den / vnd die Zeen von den Fuͤſſen / vnnd dieſes hat Almagrus mit ſeinem Volck wol erfahren / Man helt dar - fuͤr / dieſes Windlein ſey ein Art von Froſt / welches dermaſſen durchdringet / daß es die Waͤrme des Le - bens außloͤſchet. Weil dieſer Wind auch vber die maß trucken iſt / verfaulet kein Leichnam / ſo in deſſen Lufft ligt: Dann alle Verfaulung entſtehet von Hitz vnd Feuchte: Die Art Lufft / ſo man vnter der Er - den rauſchen hoͤret / vnnd dadurch die Erdbeben erweckt werden / wird an ſeinem Ort erfolgen / wollen nun auch von den Waſſern handeln.

Vom hohẽ Meer vnd andern Waſſern in America.

Der Oceanus oder das hohe Meer vmbfaͤhet gantz Jndien / vnnd alle andere Laͤnder: Dann alles Land / es ſeyen gleich Jnſuln oder Feſt Land / das da von Waſſern abgetheilet wird / das thut der Oceanus: Weil man in dernewen Welt noch keine Mittellaͤndiſche See oder Meer erfunden / wie Europa / Aſia vndAfrica11Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Africa haben / in welche theil der Welt etliche Armb auß dem groſſen Oceano ſteigen / vnnd fuͤr ſich ſelbſt Seen vnnd Meer machen / die auch nachmals jhre Namen bekommen von den Landſchafften / daran ſie grentzen oder darin ſie jhren Standt haben. Alle dieſe Mittellaͤndiſche Seen kommen beynah an einan - der / vnnd vereinigen ſich am ende mit genantem Oceano in der Straß oder Enge Gibraltar / welche die Al - ten Herculis Seulen genennet haben: Das rothe Meer aber iſt von den Mittellaͤndiſchen Seen abgeſchie - den / vnnd lauffet in den Jndianiſchen Oceanum / das Hyrcanier Meer vermiſchet ſich mit keinem an - dern / Aber in Weſt-Jndia / wie geſagt / iſt kein ander Meer als der Oceanus / vnd iſt in zwey theil abge - theilet. Eines wirdt das Sud - das ander aber das Nord-Meer genennet / das Land in Weſt-Jndien /Nord - Meer. welches an dem Oceano nach Hiſpanien zu ligt / iſt alles an der Nordſeiten gelegen: Durch gemeltes Landt hat man auff der andern Seiten das Suder Meer funden / weil man darvber niderwarts biß vberSud - Meer. die Lineam paſſiert vnd den Nordſtern oder Polum Arcticum auß dem Geſicht verlohren / dagegen aber den Polum Antarcticum / oder Sudſtern funden. Daher koͤmpts / daß man das Meer auff der andern Seiten in Weſt-Jndien / das Suder Meer nennet / wiewol ſich doch daſſelb ein gut theil an die Nordſeiten er ſtre - cket / wie dann iſt der gantze Strandt in new Spanien / Nicaregua / Guatimala vnd Panama. Vnnd kommen die zwey Meer nur auff ſieben Meilweges von einander zuſammen / Dann ob man gleich acht - zehen Meilweges von Nomen Dei biß gen Panama zehlet / ſo geſchicht ſolches darumb / dieweil man ſo viel Kruͤmme brauchen muß. Etliche haben den Fuͤrſchlag thun doͤrffen / man ſolte den Weg vonVergebli - cher Fuͤr - ſchlag / das Nord vnnd Sudmeer zuſammen zubringen. ſieben Meilen durchgraben / vnd das eine Meer ins ander bringen / welches dann ein bequeme Reiß na - her Peru gebe: Dann die achtzehen Meil koſten mehr vber Land / als 1300. zu Waſſer. Hierauff ge - ben etliche den Gegenbericht / wo man ſich deſſen vnter fienge / wuͤrde man das Land gewißlich verſen - cken / weil das eine Meer viel nidriger als das ander ſey / Ob aber gleich dieſes nicht were / ſo iſt es doch nicht Menſchlich / ein ſolches gewaltiges / vnd faſt vnzerbruͤchliches Gebirg zu ſchleiffen vnd eben zuma - chen / welches Gott alſo von Bergen vnd harten Steinklippen zuſammen gefuͤget hat / daß ſie dem vnge - ſtuͤmmen vnd wilden Meer wider ſtehen koͤnnen.

Allhier ſolten wir auch der Magellaniſchen Straſſen oder Enge gedencken / weil aber dieſelbige inMagella - niſche Straß. den Schiffarten vielfeltig beſchrieben / wollen wirs nur mit wenigen Worten beruͤhren. Dieſe Straß iſt in der hoͤhe von 52. Grad am Sud gelegen / in der lenge von einem Meer zum andern neuntzig oder hun - dert Meil / am ſchmaͤlſten Ort iſt ſie ein Meil breit / Sie iſt an etlichen Orten ſo tieff / daß man ſie nicht gruͤnden kan / An etlichen Orten findet man achtzehen / bißweilen auch funffzehen Klaffter tieff Grund / von den hundert Meilen / ſo die Straß von einem Meer biß zum andern helt / kan man eygentlich ſehen / daß dreiſſig Meil davon zum Sudmeer gehoͤren / dann die Golffen zeugen gnugſam / wie fern daſſelbe Meer koͤmpt / Die andern ſiebentzig Meil gehoͤren zum Norder Meer / welche auch durch ſeine Golffen abgezeichnet ſeind / Den vnterſchied aber hat man daher / daß die dreiſſig Meil von Sud / zwiſchen vber - aus groſſen Steinkluͤfften lauffen / Deren hoͤchſte Gipffel mit Schnee bedeckt ſeind / vnnd ſcheinet wegen der groſſen hoͤhe / als ob ſie faſt an einander ſeyen / darumb iſt die Straß gegen dem Suder See / ſo ſchwer - lich zuerkennen / Jetzt gemelte dreiſſig Meil ſeind vberaus tieff / daß man daſelbſt nicht wol anckern kan: Doch mag man die Schiff am ſelben Ort wol auff dem Land holen / dann die Vfer ſind ſehr bequem anzu - laͤnden. Die andern ſiebentzig Meil / ſo ins Norder Meer flieſſen / haben grundt: Auff beyden Seiten hat man groſſe Felder / vnnd flieſſen in dieſe Enge viel groſſe vnd ſehr ſchoͤne Waſſer / vnnd am Land ſeind viel wunder barliche Baͤume / deren etliche wolriechent Holtz haben: Mitten in der Straß liegen vnter -Jndianer in der Straſſen. ſchiedliche Jnſuln. Der Jndianer an der Sudſeiten ſind wenig / klein von Statur / vnd boͤß / Aber die auff der Nordſeiten ſeind groß vnd Dapffer / vnd haben die Jndianer die Scefahrer mit dem Namen JE -Von dieſen Leutẽ wird hernach in deß Eremi - ten Hiſtoria auß fuͤrli - cher berich - tet. Beſihe hie - von Wil - lem Schou - ten Schif - fart. ſu begruͤſſet. Sie ſeind gute Schuͤtzen / vnd gehen bekleidet mit Fellen von wilden Thieren / deren da - ſelbſt ein groſſe Menge iſt / zu Winterszeit kan man die Straß nicht fahren / dann es ſind wegen der vn - geſtuͤmmen Wind vnnd Waſſerwogen etliche Schiff darauff vntergangen / welche auff der Straſſen zuentrinnen gemeinet. Auff der Sudſeiten iſt nur ein Schiff durch die Straſſen kommen / vnnd hat da - ſelbſt das Land kein ende / wie dann etliche ſagen / das Land / ſo man an derſelben Straß finde / ſey ein Jnſul / vnnd ſollen ſich die zwey Meer / Nord vnnd Sud daſelbſt verſamlen: Andere wollen / daß es Oſtwarts ziehe / biß daß es zum Land komme / welches gegen dem Capite bonæ ſpei vber ligt / Aber man hat diß biß an den heutigen Tag nicht eygentlich erfahren koͤnnen / ſo hat man auch niemandt gefunden / der daſſelb Land der laͤngſt geſchiffet hette.

Wie man nun die Straß Magellanes am Sudmeer gefunden / alſo haben jhnen etliche fuͤrgenom -Andere Straſſen. men / ein andere Enge / welche jhrem Bericht nach bey Nord liegen ſol / zuerfinden. Vnd die Enge im Land Florida / ſol ſich ſo fern erſtrecken / daß ſie kein Ende davon wiſſen.

Es iſt eines auß den Wunderbarlichſten Geheimnuſſen der Natur / daß das Meer ab vnd zunimpt /Vom ab - vnd zuneh - men des Meers. nicht allein darumb / weil es frembd vnd vnbekant iſt / vnnd daß es waͤchſt vnd zunimmet / ſondern viel mehr / weil daſſelb an vnterſchiedlichen Meeren vnd Geſtaden geſchicht. Etliche Mittellaͤndiſche Meer haben einen mercklichen An - vnd Ablauff / etliche in einem Monat / etliche aber gar nicht. Die HiſpaniſchenSpring - flutten. An - vnd Ablauff des Meers bey Pana - ma. Meer haben taͤglich An - vnnd Ablauff / vnnd vber das noch zween An - vnnd Ablaͤuff / ſo alle Monat ge - ſchehen / nemblich mit dem newen vnnd vollen Mondten / die man Springflutten nennet. Deß Vnter - ſcheids halben / ſo man hierinnen findet / iſt eines vor andern in Jndia / darvber man ſich billich verwundern muß / daſelbſt ſind oͤrter / da dz Meer Waſſer taͤglich zwo Meilweges ablaͤuffet / wie man ſolches zu Panamaſihet /12Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilſihet / vnd wans Springflutten gibt / viel mehr: Man find Gegent / da der An - vnd Ablauff ſo gering iſt / daß mans bey nahe nicht mercken kan / das gemeineſt iſt / daß das groſſe Meer ſeinen taͤglichen vnd Monatlichen An - vnd Ablauff hat / vnd ſolches zweymal in einem natuͤrlichen Tag / doch allweg dreyviertel Stundt an einem Tag weniger / dann am andern / nach der Bewegung deß Monden. Vnd hierumb hat man das Ge - zeit nimmermehr / den einen Tag vmb die Stundt / vmb welche mans den vorigen Tag gehabt. Etliche haben gemeint / diß ſey ein ſolche Bewegung / die das Meer Waſſer von ſeinem Ort bewege / alſo / daß das Waſſer an einem Ort flieſſen / vnd am andern ort abnehmen ſolte / gleich wie ein Keſſel waͤllen macht / da das Waſſer auff einer Seiten auff ſteiget / vnd an der andern Seiten abnimpt. Etliche ſagen dagegen / das Meer wachſe zugleich an allen Orthen / vnd falle widerumb zu einer Zeit / wie das ſiedend Waſſer in einem Toͤpf - fen mit einander aufflaͤufft / ſich an alle ort zugleich außtheilet vnd vbergehet / vnnd faͤlt miteinander wider -An - vnd Ablauff in der Magel - laniſchen Straſſen. umb nider. Dieſe letztere meynung ſcheinet warhafftiger ſeyn / als die erſte / weil man deſſen gewiſſe Erfah - rung hat / an der Enge der Magellaniſchen Straſſe / dann daſelbſt / das Nord vnd Sud Meer zugleich Au - genſcheinlich mit einander wachſen / biß ſie einander begegnẽ / vnd nehmen auch mit einander widerumb ab / jedes zu ſeinem Ort vnd Meer zu / vnd iſt das Anlauffen vnd Auffſteigen / wie auch das Fallen vnd Ablauf - fen ein Ding / welches man alle Tag ſihet / So geſchicht auch das anſtoſſen vnd begegnen beyder Meer -Das an - vnd ablauf - fen des Meers iſt ein Sie - dung. waͤllen / ſiebentzig meil vom Norder Meer / vnd dreiſſig vom Suder Meer / Daraus man ſchlieſſen kan / daß das An - vnd Ablauffen des Oceani kein raͤumliche bewegung ſey / ſonder ein Alteration vnnd Aufwallen / damit gewiß alle Waſſer zu einer Zeit wachſen vnd flieſſen / vnd widerumb zugleich fallen vnd ablauffen / wie das ſieden in einem Topff. Es were nicht muͤglich dieſe Ding durch Erfahrung zubegreiffen / wo man ſolches nicht in der Straß thet / da ſich das Meer in einander menget / Dann ſo man durch das Ge - ſtadt / ſo gegen einander vber ligt / ſolt wiſſen koͤnnen / wann es an einem ort waͤchſet / vnd am andern faͤlt / da - von kan kein Menſch Bericht thun / weil niemand ſo weit ſehen oder in ſo ſchneller Eyl lauffen kan / biß das Gezeit ein ende hat / als welches nur 6. ſtundt waͤhret.

Von Fiſchẽ im hohen Meer.

Jm Oceano iſt ein vnzehliche menge Fiſch / deren Geſtalt vnd Eygenſchafft nur von jhrem Schoͤpf - fer mag erklaͤret werden. Viel ſeind denẽ in Europeiſchen Meeren gleich / als da ſind die Elfte vnd Stoͤr / wel - che auß dem Meer die Fluͤß hinauff ſteigen: Jtem / Dorados / Sardynen vnd andere mehr. Etliche aber ſeindCabrillæ. Truyten. Bobis. Atunen. vns frembd vnd vnbekant / als die Cabrillæ / welche den Truyten aͤhnlich / wie auch den Bobis in new Hiſpa - nien / welche auß dem Meer in die Fluͤß ſchwimmen. Jtem / Beſuges oder Braſemen in Chile / Es ſind auch etliche Atunen am Geſtadt Peru aber ſehr wenig / vnd ſollen zu etlichẽ Zeiten an der Straß Magellanes zu Leichen hinauff ſchwimmen / ſeind aber denen in Spanien vngleich. Jn den Jnſulen Cuba / Hiſpaniola /Manatij wunderba - re Fiſche. Portoricco vnd Jamaica findet man die Fiſch / welche Manatii geneñet werden / iſt ein ſo frembde Gattung / daß man ſie kaum Fiſch nennen ſol / dann es iſt ein Thier / welches ſeine Jungen lebendig vberkoͤmpt / es gibt

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jhnen13Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. jhnen Eſſen vnnd Milch / es weydet Graß auff dem Feldt / doch helt ſichs gemeinlich im Waſſer / darumb mans auch fuͤr Fiſch zueſſen pfleget / ſein Geſchmack vnd Farb iſt wie Kalbfleiſch. Dieſer Fiſch iſt an Bein vnd Knochen / wann er zerſtuͤcket iſt / gleich ſo groß / als wann ſie von einer Kuhe weren. Vber die TiburonesTiburoni / oder Hayen. oder Hayen / kan man ſich nicht genugſam verwundern / dañ man deren einen gefangen / ſo ein Metzgersmeſ - ſer in ſeinem Kopff gehabt / mit einem groſſen eyſen Hacken / vnd ein groß ſtuͤck von einem Ochſenkopff mit einem Horn. Vmb dieſe Hayen her halten ſich allezeit die kleinen Romeros / welche ſie nicht von ſich trei -Romeri: ben koͤnnen / dann ſie ſich von dem / was die Hayen fallen laſſen / erhalten. Boladores ſeind fliegende Fiſche /Boladores Dorades. Largarten / oder Cay - manen. die man in den Tropicis findet / haben zu Feind die Dorados / welche ſie verfolgen / daß ſie die flucht geben muͤſſen / Von den Lagarten oder Caymanen findet man viel in den Jndianiſchen Hiſtorien / vnnd ſeind eben die Crocodil / welcher Plinius gedenckt / Dieſe findet man allein in heiſſen Geſtaden vnd Fluͤſſen / die Cay - manen doͤrffen nicht allein die Menſchen / ſondern auch wol die wilden Thier / ſonderlich aber die Tyger - thier angreiffen / werden aber gemeiniglich von jhnen vberwunden. So pflegen auch die Jndianer in Flori - da mit den Wallfiſchen Krieg zu fuͤhren / vnd mit Strickẽ zufangen / darvber ſich dann hoͤchlich zuverwun -Wallfiſch krieg. dern / daß ein einiger Jndianer einen Wallfiſch / einem Berg gleich / an einem Seyl daher gefangen bringet.

Dieſes aber gehet alſo zu: Sie nehmen ein Nachen / vnd rudern biß auff des Wallfiſches Ruͤcken / dar - nach ſpringet er jhm geſchwind auff den Nacken / reit alſo fort / vnnd erwartet der Zeit / biß er jhm einen ſpitzi - gen Pfahl / den er mitbraͤcht / in der Naßloͤcher eines geſtecket (diß nennen wir Naßloͤcher / da er Athem durch ſchoͤpffet / vnd das Waſſer heraus blaͤſet) wann diß geſchehen / ſchleget er mit einem Knuͤttel dapffer auff jhn / vnd ſcheuſt jhn wol tieff zu grundt. Der Wallfiſch ſtelt ſich grewlich / er ſchlegt ſich im Meer hin vnnd her / vnd treibet das Waſſer auff die Berge / biß weilen ſincket er mit einem groſſen Geraͤuſch hinunder / ſpringet wider hinauff / weiß nicht was er fuͤr Vnſinnigkeit anfahen ſol. Der Jndianer helt ſich als ein Reutter auff ſeinem Pferdt / ſitzt fein ſtill / vnd damit er jhm ſeinen Schmertzen beſſern moͤchte / ſtoͤſt er jhm noch ein Pfal ins ander Naßloch / welchen er ſo wol hinein ſchleget / daß ers wol verſtopfft / vnd jhm alſo den Athem nimpt. Wann diß geſchehen / ſpringet er wieder in ſeinen Nachen / welchen er auff dem Wallfiſch jmmer nach ge - ſchleppet hat: Alsdann weichet er mit dem Nachen auff ein Seiten / vnnd leſt das Seyl / ſo er an Wallfiſch gemacht / weit genug ſchieſſen / der Wallfiſch aber / ſo lang er Tieffe genug hat / wuͤttet vnd tobet / zeucht all - gemachſam auffs Land / da er dann ſeiner groſſen Vngeſchickligkeit halben bald liegen bleibet / vnd mag we - der hinder noch fuͤr ſich kommen / von ſtund an koͤmpt ein groſſe menge Jndianer / vnnd wil ein jeder theil an der Beut haben: Sie ſchlagen jhn zu todt / zerſtuͤcken vnd theilen ſein Fleiſch / davon machen ſie / wanns tru - cken worden / ſchoͤn Meel / vnd backen Brodt daraus / das ſich dann lange Zeit halten kan.

An ſtatt der Mittellaͤndiſchen Seen / welche die Landſchafften der alten Weithaben / hat der Schoͤpf -Von den Seen vnd Teichen. Titicacca. fer dieſe newe Welt mit vielen ſtehenden Waſſern begnadet / deren etliche ſo groß / daß man ſie wol See nen - nen mag / Als in Peru der groͤſte See Titicacca / davon hieoben Meldung gethan / das Waſſer dieſes Sees iſt nicht ſo ſcharpff / als das Meerwaſſer / doch iſts ſo dick vnd truͤb / daß es zu trincken vntauglich / Man fin - det zweyerley Fiſch drin / welche vberfluͤſſig wachſen / Die eine Gattung ſeind die Suches / welche ſchmal /Suches. Bogas. vngeſundt / vnnd doch gutes Geſchmacks ſeind / die ander Gattung nennen ſie Bogas / welche kleiner / ſehr gradicht / ſonſten aber geſund ſeind / Waſſergaͤnß vnd Antvoͤgel ſind man vnzehlbar auff dieſem See. Auß dieſem See koͤmpt noch ein ander groſſer See / mit Namen Parias / allda hats viel Viches Porcunno /Parias. ein art Schwein / das am ſelben Ort ſtarck vnd feiſt wird von den Totora / welches auß dem See koͤmpt / vndViel Waſ - ſer auff dem Gebirg A - requipa. das Viehe wol meſtet / Auff dem Gebirg Arequipa entſpringen vielerley See / deren ſich hoͤchlich zuver - wundern / weil allda keine Fluͤß darein fallen / ſondern vielmehr heraus kommen / vnd vber diß alles ſihet man nicht / daß ſie ein einiges mahl im Jahr weren kleiner worden / dieweil ſie von außquellenden flieſſen - den Waſſern herkommen / darzu dann Regen vnd Schnee auch nicht wenig helffen. Die See ſeind ſo gemein auff den hoͤchſten Gipffeln des Gebirgs / daß man ſchwerlich etliche merckliche Fluͤß darauff fin - det / welche nicht auß der See einem fallen / das Waſſer in dieſen Seen iſt hell vnd klar / hat wenig Fiſche / vnd ſo man deren gleich darinnen findet / ſind ſie wegen der Kaͤlte ſehr klein / die ſich ſtaͤtigs an den Orten helt. Ein Wunderwerck iſts daneben / daß man See hier findet / welche ſehr warm ſind. Am ende des ThalsSee des Thals Ta - rapay. Tarapay bey Potoſi iſt ein See ſo rundt / als ob er mit einem Circkel abgezogen ſey / vnangeſehen das Land / daraus das Waſſer koͤmpt / kalter Natur iſt / ſo iſt doch das Waſſer vberaus heiß: Hart am Land pfleget man zu baden / Wann man aber in die mitte des Waſſers koͤmpt / iſt die Hitz vnleidlich / Mitten in dieſem ſeudet das Waſſer auff zwantzig ſchuch breit / vber ſich / welches der Sprung des Waſſers iſt / Wiewol nun dieſer Sprung viel außwirfft / ſihet man doch nimmermehr / daß er groͤſſer wird / vnd hat das anſe - hen / als ob ſichs wider verliere / oder einen verborgenen Ablauff habe / Ebener maſſen ſihet man auch nicht / daß der See kleiner werde. Jn new Hiſpanien / vnd ſonderlich zu Mexico / hat es einen beruͤmbten See / dar -See zu Mexico. innen man zwey vnterſchiedliche Waſſer hat / wie bey Seeburg in der Graffſchafft Manßfeldt / eines iſt ge - ſaltzen / Meerwaſſer / das ander iſt friſch vnd ſuͤß / wegen der Fluͤß / ſo darein fallen / mitten im See ligt ein luſtige Klippen / auff welchen man Badtkaſten von warmem Waſſer hat / welches von ſich ſelbſt fleuſſet / vnd zur Geſundtheit getruncken wird. Mitten auff dem See hat man Bawlaͤnder gemacht / welche mit vnterſchiedlichem Samen beſtrewet werden. Auff dieſem See ſtehet die Statt Mexico / wiewol die Spa - nier den gantzen Begriff der Statt mit Erden außgefuͤllet / vnd nur etliche Fluͤß gelaſſen / ſo in vnd vmb die Statt lauffen / vñ auff dieſen Fluͤſſen kan man alles in die Statt fuͤhren / was man bedarff / als Holtz / Kraͤu - ter / Stein / Fruͤcht vom Land / vnd dergleichen. Es hat gar geringe Fiſch in dieſen Seen / vnd bringet man dieBvon14Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilViel See vnter der Torrida Zona. Von flieſ - ſenden Baͤ - chen vnnd Brunnen. Brunn zu Guanave - lica in Pe - ru.von anderswo dahin. Die Landſchafft Mechoacan nennet man darumb alſo / weil ſie ſehr Fiſchreich iſt / Es ſind auch ſonſten viel vnzehliche See in dem Land / die man nicht all beſchreiben kan / vnd ſonderlich vn - ter der Torrida Zona viel mehr / als an jrgent einem Ort der Welt. Gleich wie auch an andern Orten / alſo hat man auch in Jndia groſſe vnd vnterſchiedliche flieſſende Baͤch / Brunnen vnnd Waſſer / deren etliche wunderbarliche Eygenſchafften haben / zu Grancavelica in Peru / da die Queckſilber Mynen ſind / iſt ein Brun / daraus heiß Waſſer fleuſſet / wann es aber heraus koͤmpt / veraͤndert es ſich in einem Stein / von die - ſem Steinfels ſind faſt alle Haͤuſer deß gemelten Dorffs gebawet / Der ſtein iſt leichtlich zubereiten mit Ey - ſen / als obs Holtz ſey: Er iſt auch leicht zu heben / vnd waͤhret doch lang / wann jemands / es ſey gleich Men - ſchen oder Vieh / von dieſem Waſſer trincket / muß er ſterben / dann es wird im Bauch zu Stein: Wie es dañ an etlichen Pferden wahr befunden. Gleich wie nun das Waſſer im außflieſſen zu Stein wird / alſo ver -Baͤchbruñ in der Jn ſul S. He - lena. Waſſer de Jnga warm vnd kalt. Waſſer in der Land - ſchafft Laß Charcas. Saltzwaſ - ſer in Cuſco. Waſſer in Guayaquil gut fuͤr die Frantzoſen. ſtopfft es jm ſelbſt ſeinen Weg / vnd muß vmb deß willen andere Außfluͤß vnd Wege ſuchen / an etlichen[o]r - ten laufft es vber / nach dem der Stein anwaͤchſet. An dem Eck S. Helena ſtehet ein flieſſender Brunnen von Bitumen / oder Bech / deſſen art auch in der Schrifft gedacht / vnd von den Schiffleuten ſehr gebraucht wird. Jn dem Waſſerbad / ſo man de Jnga heiſſet / iſt ein Canal / daraus fleuſſet ſiedent Waſſer / vnd nechſt darbey fleuſſet ein Waſſer ſo kalt / als Schneewaſſer. Der Jnga temperiert eines mit dem andern / wie ers ha - ben wil / welches ein denckwuͤrdig ding iſt / dz man flieſſende Waſſer / widerwertiger Naturen / alſo bey einan - der finden ſol / dergleichen Waſſer doch noch vnzehlich viel ſeind. Jn der Landtſchafft Las Charcas / gibts ein Waſſer / darin man die Hand nicht halten kan / biß man ein Ave Maria ſprechen moͤchte. Jn Cuſco iſt ein geſaltzen Waſſer / das ſich im außflieſſen in Saltz verkehret / ſo weiß vnd gut iſt. Jn andern Orten wuͤrde dieſer Brunn fuͤr einen groſſen Schatz gerechnet / aber an dieſem Ort achtet man ſeiner wegen vberfluß des Saltzes nicht viel. Die flieſſende Waſſer in Guayaquil / welches in Peru beynah vnter der Equinoctial Li - nea ligt / helt man fuͤr ein heylſame Artzney fuͤr die Frantzoſen vnd andere der gleichen Seuchen / vmb welcher Vrſach willen Leut von fernem her dahin ziehen / die Vrſach deſſen / ſagen ſie / ſey dieſe / weil durchs gantze Land vberaus viel Wurtzeln Saßaparilla wachſen / deren Tugendt bekant iſt / daß ſie zu obbemelten Seu -Die Waſ - ſer auff dem Gebirg Bilcanota. chen heylſam ſeind. Bilcanota iſt ein Gebirg mit Schnee bedecket / vnnd an etlichen Orten ſo ſchwartz / als Kohlen. Hieraus entſpringen zwey flieſſende Waſſer / an vnterſchiedlichen Orten / wann ſie ein wenig fort - flieſſen / werden ſie zu Baͤchen / vnd ein wenig von dannen werden daraus zween ſehr ſchoͤne Fluͤſſe / deren ei - ner fleuſt gen Collao / vnd in den groſſen See Titicaca / der ander aber nach d’Andes, ſo man Yucay nennet /Waſſer der Dinteu gleich. Blutroth Waſſer. Der be - ruͤmbteſte Fluß Ma - rannon. zu andern Fluͤſſen / die mit einem gewaltigen Strom ins Norder Meer fallen. Jn new Spanien findet man Waſſerbaͤch der Dinten aͤhnlich / doch etwas blawlichter. Jn Peru aber eines Blutroth / deßhalben man es den rothen Fluß nennet / Vnter allen Fluͤſſen / nicht allein in Jndia / ſondern auch in der gantzen weiten Welt / iſt kein be[r]uͤmbter Waſſer / als der Marannon / oder Amazonen / deſſen oben auch gedacht / die Spa - nier vnd andere haben zu vnterſchiedlichen Zeiten darauff gefahren / vnnd Laͤnder nachgeſuchet / die ſie dann funden / vnd darzu reich / als die Gegendt El Dorado / das iſt / verguͤlte / die man ſonſt Payititi nennet. Die - ſer Fluß hat ein Paß / den ſie Pongo nennen / ſo der gefaͤhrlichſt in der Welt ſeyn mag / er ligt zwiſchen zweyen hohen Stein Kluͤfften / vnnd faͤlt mit einer groſſen Stuͤrtzung von oben herab in eine abſcheuliche Tieffe / da das Waſſer durch den Fall ſolche Strudel macht daß man vermeinet / darin zuverderben / vnnd hat man doch etliche gefunden / die hinvber vnnd hervber kommen ſeind / nur auß Begierd / das beruͤmbte Land Dorado zu ſehen. Dieſes Waſſers Gezeit lauffet bey nahe 100. Meil weges den Fluß hinauff / Wann ſich derſelb ins Meer außgeuſſet / iſt es faſt vnter der Linea / oder nicht weit davon. Der Mund oder Einfluß iſt ſiebentzig Meil weit / welches vnmuͤglich ſeyn ſcheinet / Dann er vbertreffe das Mittellaͤn - diſche Meer an der Breitte / darumb etliche nur 25. etliche aber dreiſſig Meilen rechnen.

Der filbern Fluß Pa - ragnay / o - der Rio della Plata.

Nach dieſem Fluß iſt ſehr beruͤmbt das Waſſer El Rio de la Plata (der Silber Fluß) den man ſonſt Paraguay nennet / Er faͤllet auß dem Gebirg in Peru / biß ins Meer / in der hoͤhe auff ſieben vnd dreiſſig Grad der Sudſeiten / So waͤchſter viel mehr als der Nilus / dann er vberſchwaͤmmet die Felder drey Mo - nat lang / wie ein See / vnnd kehret dann wider in ſein Canal. Es ſeynd auch viel andere / aber doch klei - ner Fluͤſſe daſelbſt / denen in Europa nicht viel vngleich / vnnd betreffen die / ſo man nennet Madalena / bey S. Martha / Rio grande / Alvarodo in new Hiſpanien vnd andere mehr. Vber dieſe vnd andere kleineDer Jn - dianer V - berfahrt. Waſſer wiſſen die Jndianer auff vielerley Weiſe zu kommen. An etlichen Orten haben ſie von beyden V - fern Seyl zuſammen geſpannet / daran ein Korb hanget / in welchen ſich der ſetzt / ſo hinvber wil. An an - dern Orten ſitzt ein Jndianer zwerch auff einer Balſa oder Buͤndlein von Bintzen / vnd nimpt den / ſo hin - vber wil / hinder ſich / rudert mit einem Spanholtz / vnd fuͤhret einen nach dem andern hinvber.

An etlichen Orthen haben ſie ein groſſe Fluth von Kuͤrbſen gemacht / auff welche ſie die ſetzen / ſo hin - vber wollen: Ebener maſſen fuͤhret man auch die Guͤtter hin vnd wider.

An etlichen Orten brauchen ſie auch nur ſchlechte Bretter. So tragen auch viel die Jndianer v - ber / ſo weit ſie fuſſen koͤnnen / wann ſie den Grundt verlieren / ſchwimmen ſie vollendts hinvber / vnnd ſeind jhrer Kunſt gewiß. Es ſeynd aber auch nunmehr von den Gubernatoren viel Bruͤcken erbawet / die doch we - gen menge der Waſſer wenig zureichen.

Eygen - ſchafft vnd Theilung Jndiæ.

Wir wollen auch kommen auff die Eygenſchafft des Landes / Weſt-Jndia / welches wir vmb beſſern Verſtandts willen in drey vnterſchiedliche Laͤnder abtheilen / Das eine iſt nidrig / das ander ſehr hoch / das dritte / ſo zwiſchen den beyden ligt / iſt gut: Das nidrige ligt am Vfer durch gantz Jndien / vnd iſt gemein -lich15Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

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lich feucht vnd heiß / vnd deßwegen vngeſundt vnd faſt vnbewohnet / wiewol vor zeiten groſſe Flecken da ge - ſtanden. Dann die jenigen / ſo daſelbſt geboren vnd gezogen worden / konten allda wol wohnen / lebten von Fiſcherey / vnd dem Ackerbaw: Weil ſie aber keinen Regen hatten / fuͤhreten ſie Baͤche auß den Fluͤſſen.

Dieſe nidrige Landſchafft hat groſſe Gegenden / ſo der Sand Laͤnder halben Vnbewohnbar ſind: Deßgleichen find man auch viel Suͤmpff vnnd Moraͤß darinnen: Sintemal das Waſſer / ſo oben herab faͤllet / offtmals nicht kan außlauffen / vnd deßwegen nothwendig muß ſtehen bleiben: Die Einwoner ſeindJndianer Gewerb vnd Nah - rung. nunmehr auß allerhand Vrſachen dermaſſen geringert worden / daß allezeit von dreiſſig Theilen eines blie - ben / Die meiſten Leut / ſo am Geſtadt wohnen / erhalten ſich mit Meerfahren nach Spanien / darauff be - ruhet der gantze Standt in Jndien vnnd der groͤſſeſte theil jhrer Nahrung.

Die andere Land Art iſt vberaus hoch / kalt vnd trucken / wie das Gebirg gemeiniglich iſt. Sie iſt weder Fruchtbar noch luſtig / Aber geſundt / vnd deßhalben ſehr bewohnet / Hat viel Viehe vnd Weyde / da - von die Menſchen am meiſten leben / wird auch ein groſſer Handel nach dem Meer zu / damit getrieben. So geben auch die Reichen Gold - vnd Silbergruben viel Vrſach / daß es ſo Volckreich iſt / weil Gold vnd Sil - ber vber alle Ding herꝛſchen / Wiewol nicht wenig Volcks durch die Ertzgruben auffgerieben worden. Zwi - ſchen dieſen zwoen Landſchafften / ſo fuͤr andern beruͤmbt ſind / iſt ein Landſchafft / welche mittelmaͤſſig hoch iſt / doch etwas weniger / als das ander / allein / daß es mit dem / ſo am Geſtadtligt / nicht zuvergleichen iſt / noch auch ſo vntemperirt / wie auff dem Gebirg.

Jn dieſem Land traͤgets viel Weitzen / Gerſt vnd Mays / welche im hohen Land nicht wachſen. Es ſeind auch viel andere Fruͤchte / Baͤum / Weyd vnd Viehe / darinnen / vnd iſt ein geſunde vnd luſtige Woh - nung in dieſem Land / Summa / der meiſte theil in Jndia / ſo bewohnet wird / iſt in gemein ſehr gruͤn / hat viel Weyd vnd Baͤum / welches Ariſtotelis / vnd der Alten Meinung zu wider laͤufft.

Dieſe Regel aber hat etliche Exceptiones, nemblich / das Land Peru / welches gar anders geſtalt iſt /Das Land Peru. Wann wir aber Peru nennen / verſtehen wir nicht das gantze Land Americam / vnter welchem Braſilia / das Koͤnigreich Chile vnd Granada begriffen iſt: Dann deren keines iſt Peru / ſondern es iſt das theil ſo auff derWelches theil Jndiæ eigentlich Peru heiſſe. Sudſeiten ligt / vnd an dem Koͤnigreich Quito ſeinen Anfang gewinnet / ligt ſtracks vnter der Linea / vnnd erſtrecket ſich die Laͤng biß vnter den Tropicum / welches Spacium in die ſechs hundert Meil in die Laͤnge / in die Breite aber / alles was es an die Andes begreifft / in gemein fuͤnffzig Meil begreiffen mag: DieſesB ijLandt16Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilLandt iſt von allen andern Jndianiſchen Landen etlicher gewiſſen Eygenſchafften halben vnterſchieden / vnter welchen die erſte iſt / daß alle Cuſten genandes Landts nur einen Wind / der nicht vnter der Torrida pfleget zuwehen / ſondern den Gegenpart / als den Sud vnd Sud Oſt Wind haben / welcher Wind / ob er gleich ſonſt der aller vngeſundeſt / ſchwermuͤhtigſt vnnd vngeſtuͤmmeſt iſt / ſo iſt er doch dem entgegen / an dieſem Ort freundtlich / lieblich / geſund vnd erquickend / vnd zwar ſo reichlich / daß mans jhm allein zu - ſchreiben mag / daß das Geſtand bewohnet wirdt. Darnach regnet / donnert / hagelt vnd ſchneyet es nim - mermehr an dieſem Geſtad / welches hoch zuverwundern iſt / ſonderlich weil es nur ein wenig vom Ge - ſtadt gewaltige Platzregen gibt / vnd groſſe Schnee fallen: vnd dann zum dritten / ob gleich die zwo Reyen Gebierg einander gleich ſeynd / vnnd auff einer Hoͤhe deß Poliligen / ſo hat doch nur die eine Reye viel Baͤum / vber das gantze Jahr vaſt Regen / vnd iſt allda ſehr heiß. Auff der andern Reye aber findet ſichAbtheilung deß Landes Peru. das Gegenſpiel / welches bloß / kalt vnd wuͤſt iſt. Dieſes beſſer zu erklaͤren / muß man mercken / daß Pe - ru in drey Theyl abgetheylet iſt / als in lange ſchmale geſchnittene Riemen / nemblich in flaches Land / Berg vnd Andes. Die flache Laͤnder ſeynd am Geſtad deß Meers / die Berg ſeynd alle Huͤgel mit etlichen Thalen. Die Andes ſeynd grauſame vnnd rawe Gebirg / das grobe Landt begreifft vnge - faͤhrlich zehen Meil / mehr oder weniger in die Breite / die andern ein jedes auff zwantzig Meil. Jn die Laͤng erſtrecken ſie ſich von Nord nach Sud / in die Breite aber von Oſt nach Weſt. Auff dem flachen Landt regnet es nimmermehr / weil es an dem Geſtad keine dicke Daͤmpffe hat / die kraͤfftig genug weren / einen Regen zuerwecken / ſondern nur ſchlechte vnd leichte Feuchtigkeiten / welche ſich nicht in Regen / ſon - dern nur in Nebel veraͤndern / die dann hernach durch die Winde vbers Gebirg gefuͤhret werden. Dar - umb bedarff man allda keine Daͤcher / weil keine Nebel ſo dick fallen / daß es durchfeuchte / ſondern ſie legen nur ein wenig Matt / vnd ſchuͤttens duͤnn mit Erden / welches jhnen Dachs genug iſt. Jn d Andes reg - nets bey nahe das gantze Jahr / wiewol es daſelbſt meiſten theils heller iſt / als an andern Orten. Die Berg aber / welche zwiſchen dieſen beyden ligen / haben Regen vom Septembri an / biß auff den April / die andere Monat ſeynd heller vnd klaͤrer / wann die Sonn am weitteſten darvon iſt / das Widerſpiel aber befindet ſich allhier / wann die Sonn am nechſten darbey iſt / wie oben ſchon gedacht worden.

Thier in Peru.

Jn dieſen Gebirgen vnd Landen / haben ſie vnzehlig viel Vicunnas / Berg Geiß oder Gemſen / Jtem Guanacos vnd Pacos / ſo Schaaff oder Laſttragende Pferd ſeynd / vnnd Feld Huͤner / ſonderlich in d’An - des erhalten ſich Affen vnd Meerkatzen / die ſehr ſchoͤn ſeynd / deßgleichen ſehr viel Pſittich / daſelbſt waͤchſtCharcas Thaͤler. auch das Kraut Coca / davon die Jndianer ſo viel halten / vnd wegen ſeiner Krafft groſſes Gelts werth ſchaͤ - tzen. Wann man jenſeit der Landtſchafft Collao kompt / findet man die Charcas / welches ſehr fruchtbare vnd heiſſe Thaͤler hat. Daſelbſt ſiehet man auch wuͤſte vnd vngeheuwre Gebirg / darin man ſolche reiche Ertzgruben hat / als noch an einem Ort der gantzen Welt geweſen iſt.

New Sva - nien.

New Spanien thuts allen andern Laͤndern an Fruͤchten vnd Viehe zuvorn: Allein daß Peru viel Weinwachs hat / der im ſelbigen Land gern vnd gut waͤchſet: Dann es hat heiſſe Thaͤler / vnnd neben den Weingaͤrten Waſſergruben / darauß man die Stoͤck zu begieſſen pfleget. Dargegen wirdt der Wein in New Spanien / weil es im Julio vnd Auguſto ſtets zu regnen pfleget / nimmermehr recht zeitig.

Jnſeln Lobwerth.

Die Voͤlcker in den Jnſeln Lobwerth nehren ſich mit Zucker Huͤten vnd Ochſenheuten / haben auch viel Canna Fiſtola oder Caſſia vnd Jngber. Man bringet auch von dannen vortrefflich vnnd ſchoͤn ſcheinendt Holtz / zum bawen vnd andern Dingen dienlich. Jtem / Frantzoſen Holtz. Alle die vnzehlige Jnſeln / ſo in derſelbigen Gegendt ligen / ſeynd ſehr ſchoͤn vnd luſtig anzuſehen. Dann ſie ſeynd durch das gantze Jahr mit gruͤnen Baͤumen vnd Wieſen bekleydet / daß man daſelbſt deß Winters nicht innen wirdt: welches der taͤglichen Feuchtigkeit vnd Hitz halber / ſo von der Torrida kompt / geſchihet / vnnd hat doch diß Landt wenig Jnnwohner wegen der dicken Waͤld / Suͤmpff vnd weichen Grunde. Aber die groͤſte Vrſach iſt / weil wenig Leut darvon kommen / als man dieſe Landſchafften erſt erobert hat / Dann ſie die Spanier faſt alle ermordet / die ſich nunmehr der Mohren zu jhrem Dienſt gebrauchen muͤſſen. Wegen der groſſen Fruchtbarkeit vnd Geilheit / tragen dieſe Jnſeln weder Korn / Wein oder Oliven / es erſtickt alles in demChile. vielen Graß vnd vberfluͤſſigen Blettern. So aber ein Landt in gantz Jndien iſt / das Spanien vnd andern Laͤndern in Europa gleichet / ſo iſt es das Koͤnigreich Chile / welches ſich ſtracks auß der Ordnung / ſo die an - dern Laͤnder haben / begeben thut / vnd ſich vnter die Torridam vnd Tropicum Capricorni erſtreckt: Es iſt von Natur fruchtbar vnd kuͤhl / hat aller hand Fruͤchte / Korn / Wein / Weid vnd Viehe / das Clima iſt ge - ſund / temperirt zwiſchen heiß vnd kalt / hat natuͤrlichen Sommer vnd Winter. So findet man auch lauter Gold darin. Jſt dennoch wegen vieler Krieg arm / vnd wenig bewohnet.

America noch nicht gantz erkuͤn - diget.

Allhier iſt aber wol zu mercken / daß in gantz America / welches Termin vberall bekant iſt / man von dem meiſten Theil noch keine Wiſſenſchafft hat / wie man dan die Gegend zwiſchen Peru vnnd Braſilien noch zur Zeit nicht kennet. Etliche meinen es ſey ein ertruncken Land / voller Suͤmpff vnnd weichen Grund. Etliche ſagen dargegen / es ſeyen daſelbſt ſtatliche Koͤnigreich / vnd ſetzen dahin die Paytiti, d’Dorado vnd Ceſares, vnd geben an / daß da viel wunderbarliche Ding ſeyen. Jn ſumma / man kan noch nicht eygent - lich wiſſen / was in America bewohnt vnd nicht bewohnet iſt / ohn allein die euſſerſte theil / als Peru / Braſi - lia / vnd da das Land ſchmal wirdt / welches iſt bey dem Fluß Riodela Plata / vnd von dannen nach Tucu - mam zu / welches rings herumb nach Chile vnd Charcas zulauffet. Der Auffgang vnd Nidergang begeg - net zwar nunmehr einander / vnnd macht einen runden Zirckel vmb die gantze Welt / aber die Laͤnder in der Newen Welt ſeynd noch nicht alle erfunden / ſo hat man auch der erfundenen Laͤnder Graͤntze / wie auch dieinwen -17Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. inwendigen Landtſchafftẽ noch nicht erreichet. Es haben beyde Cronen Portugal vnd Caſtilia ſo lang nach - geſucht / biß ſie zu einander kommen / welches zwar fuͤr ein hoch Werck zuachten / die eine zeucht von Auff - gang biß gen China vnd Japon / die ander aber von Nidergang biß zu den Philippinen / darinnen die Statt Manilla von der Jnſel Macao auff die 80. oder 100. Meil gelegen / vnnd iſt hoch zuverwundern / daß dieſe beyde Oerter / ſo ein geringes von einander ligen / vnnd ſich vmb ein gantzen Tag verrechnet haben: dannVnter - ſchied eines gantzen Tags zwi - ſchen Auff - vnd Nider - gang. wanns zu Macao Sontag iſt / ſo iſts zu Manilla Sambſtag / vnd alſo durch die gantze Wochen haben all - weg die zu Macao vnd China einen Tag vorauß: die aber in den Philippinen verſpaͤten ſich dargegen ei - nen Tag. Zu Beweiſung deſſen befinden wir / daß die / ſo von Nidergang nach Auffgang ſeglen / jmmer am Tag gewinnen / weil jhnen die Sonn fruͤhe auffgehet. Die aber von Auffgang naher Nidergang fah - ren / verlieren dargegen jmmer am Tag / weil jhnen die Sonn ſpaͤter auffgehet / dann je mehr man nach Auffgang oder Niedergang zuſchiffet / je fruͤher oder ſpaͤter man den Tag vberkompt. Jn Peru / welches nach Spanien zu ligt / verlieren ſie mehr dann ſechs Stund / der Geſtalt / wanns in Spanien Mittag iſt / ſo g[e]het der Tag erſt in Peru an / vnnd wanns in Spanien anfaͤngt Tag zu werden / iſts daſelbſt allbereit Mittag. Die Prob hievon haben wir an der Sonnen vnnd Mond Finſternuß funden. Die Por - tugaleſer ſeynd gefahren von Nidergang gegen Auffgang / vñ die Spanier von Auffgang gegen Nidergang / vnd wañ ſie einander begegnet / welches in den Philippinen vnd Macao geſchehen / ſo haben ſie zwoͤlff Stund zum beſten gehabt: hergegen haben die andern ſo viel verlohren / welches alles zu einer Zeit geſchicht / befunden alſo einen Vnterſcheid hier zwiſchen von 24. Stunden / welches einen gantzen Tag machet. Hierauß fol - get nun nohtwendiglich / wann ein Theil den 3. May zehlet / daß das ander Theil erſt den 2. May hat. Ein Theil hat den Oſterabend das ander Theil Oſtertag. Beſchließlich davon zu reden / die Differentz der Meridianen machet die vnterſchiedliche Rechnung der Tagen / vnd gleich wie man reiſet gegen Auffgang oder Nidergang / alſo veraͤndert man die Meridianen / daß mans nicht mercket / vnd man faͤhrt in derſelben Rechnung eben ſo wol fort / darin man jhn find / als man außfaͤhrt / darumb muß nohtwendig folgen / wann man vmb die gantze Welt geſchiffet / daß es an einem Tag mangeln wirdt.

Man findet auch in der Newen Welt ſo wol / als in vnſer / Vulcanen / fewrige Loͤcher vnd Schwefel -Von den Vulcanen / fewrigen Loͤchern vnd Schwe felbergen. berg / wie da iſt der Berg zu Arequipa / der vnmeßlich hoch / vnd faſt vberall voll Saltz iſt: zween Tag hat man zuthun / wann man hinauff ſteiget. Man find aber daſelbſt kein ſonderliches Fewer / welches denckwuͤr - dig iſt / allein / daß die Jndianer / als ſie noch Heyden geweſt / daſelbſt geopffert / vnd bißweilen etwas geraͤuchert haben. Bey dem Dorff de los Angelos, zum Engel / iſt auch ein vberauß hoher Berg / derſelbige be -Engels - Berg. greifft in ſeinem Vmbgang dreyſſig Meilen. Auß dieſem Berg kompt gar nichts / ohn / daß zu etlichen Zeiten ein Rauch herauß / Boltzenſtarck / gehet / der ſich nachmals wie ein groſſe Federn außbreitet / vnd wie - der verſchwindet / bald darauff verkehrt er ſich in ein dicke Wolcke. Mit dem Rauch kompt gemeiniglich viel Aſchen herauß / man hat aber bißher kein Fewer darauß kommen ſehen / befoͤrchtet ſich aber / daß einmahl Fewer darauff folgen / vnnd das Land aufffreſſen moͤchte / welches beynahe das beſte deß gantzen Koͤnigreichs iſt. Auff dieſe Vulcanen ſeynd etliche Spanier geſtiegen / haben Schweffelſtein darauß geholet / vnd Buͤch - ſenpulfer darauß gemacht. Die Vulcanen zu Guatimala ſeynd noch beruͤhmbter / ſo wol wegen der Groͤſſe /Vulcanen zu Guati - mala. dann ſie auff dem Sud Meer geſehen werden / als auch wegen der Gewalt / daß ſie viel Fewers außwerffen. Jnmaſſen ſie dann Anno 86. den 23. Decembris angefangen 6. Monat nach einander Feuwer außzuſpeyẽ / welches im fallen ſich vnten am Berg in gehawen Stein vnd Aſchen verkehret / vnd iſt vnglaublich wie viel Materien ſie auß jhrem Centro der Zeit vber geworffen / da ſie vor der Zeit nur Rauch / vnd bißweilen etlicheVulcanen zu Koͤnig - ſtat. Flammen von ſich geben. Die Vulcan zu de los Reyes (Koͤnigſtat) ſpeyet offtmals ſo viel Aſchen von ſich / daß es vber viel Meil von dannen nichts / als Aſchen regnet / ja ſo viel / daß man manchen Tag wegen der Finſtere nicht vber die Gaſſen gehen kan.

Woher aber dieſe Vulcanen die Materien alle bekommen / daß ſie ſo lang Fewer / Stein vnnd andereDer Vul - canen Na - rung. Dinge außwerffen / iſt vnbegreifflich / vnd wiewol hievon vielerley Meynungen ſeynd / achten wir doch dieſes die fuͤglichſte Vrſach zuſeyn / daß gleich / wie in der Erden Oerter ſeynd / welche die feuchte Ding an ſich zie - hen / vnd in Waſſer veraͤndern / darauß Brunnen werden / ſo allweg flieſſen: Alſo haben auch etliche Oerter Eygenſchafften / daß ſie heiſſe vnd truckene Daͤmpff an ſich ziehen / vnd ſolche in Fewer veraͤndern / welches Aſchen vnnd andere dergleichen Ding außwirffet. Daß dem alſo ſey / iſt daher abzunehmen / dieweil es nicht allzeit / ſondern nur bißweilen rauchet / daß es auch nicht ſtetigs / ſondern nur zun Zeiten von ſich gibt / dann es nicht allzeit Materien hat / Rauch vnd Fewer außzuſtoſſen: Jnmaſſen man deſſen ein Exempel an den Brunnen hat / welche im Winter viel / im Sommer aber wenig Waſſer geben / einmal ſeynd ſie ſtarck / dann ſeynd ſie ſchwach: Alſo werffen auch die Vulcanen bißweilen viel Fewers auß / bißweilen ge - ben ſie keines.

Etliche vermeinen auch / daß von dieſen Vulcanen die Erdbeben in Jndien entſtehen / weil aber dasVon Erd - beben. Erdbeben auch an Orten geſchicht / da gantz vnd gar keine Vulcanen ſeynd / als koͤnnen ſolche nicht ein recht - maͤſſige Vrſach deß Erdbebens ſeyn. Es iſt wol nit ohn / daß ſie einander gleich ſeynd / weil es ſcheinet / daß heiſſe Daͤmpff (ſo im innerlichſten Erdboden genehret werden) die vornembſte Materien des Fewers in den Vulcanen ſeynd / mit welchen ſich ein ander Dicke Materien anzuͤndet / ſo den oberzehlten Flamm vnnd Dampff außwerffen. Wann nun dieſe Daͤmpff vnter dem Erdboden nicht wol außkommen koͤnnen / bewe - gen ſie denſelben mit ſolcher Krafft vnd Gewalt / daß er erzittert: wie man dann ſihet / daß das Buͤchſenpul - fer / ſo vom Fewer angezuͤndet wirdt / die Steinklippen vnnd Felſen in Ertzgruben zerſchellet vnnd zerbricht. B iijVnd18Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilWo ſie ge - meiniglich geſchehen.Vnnd geſchehen die Erdbeben gemeiniglich in denen Laͤndern / ſo am Geſtadt des Meers ligen / oder ſonſt an Waſſern grentzen / vnnd alſo befindet man in beyden Weltten / daß die Oerter / welche ferꝛn von dem Meer vnd Waſſern ligen / viel weniger von dieſem Accident vnd Zufall gequelet werden: Die Haͤfen / Straͤnd vnd Vfer aber / vnd die Laͤnder darbey / ſeynd am meiſten dieſer Plag vnterworffen. Jn Peru hat man deſſen ein mercklich Exempel: von Chile biß gen Quito / ſo 500. Meil von einander / folget ein Erd - beben auff das ander / bißweilen groſſe / bißweilen kleine / vnd iſt am Geſtadt Chile auff ein Zeit ein vberaußSchrecklich Erdbeben in Chile. groß Erdbeben geweſen / welches gantze Berg vmbgekehret / die flieſſende Waſſer dermaſſen verſtopfft / daß ſie zu Seen worden / ſo hat es auch Staͤtt vnd Doͤrffer zerſtoͤret / viel Menſchen getoͤdtet / vnnd gemacht / daß das Meer etliche Meil vbergelauffen / vnnd die Schiff auffs trucken ſehr weit von jhrem rechten Ort getrieben / welches alles erſchrecklich zu ſehen geweſen. Daß wir aber widerumb auff vnſer Vornehmen kommen / koͤnnen wir keine andere Vrſach anzeigen / warumb die Laͤnder / ſo am Strand deß Meers ligen / am meiſten dem Erdbeben vnterworffen / als daß die heiſſen Daͤmpff vnnd Humores jnnerlich beſchloſſen vnd gefangen gehalten werden: Aber wann ſie entzuͤndet werden / zerberſten ſie vnd ſpringen auff. Etliche ha - bens wahr genommen / daß / wann auff trucken Jahr viel Regen kommen / Erdbeben zufolgen pflegen / wel - ches mit der vorigen Rede vberein ſtimmet. So hat mans auch obſeruirt, daß nicht viel Erdbeben an den Orten geſchehen / da viel Pfuͤtzen ſeynd.

Wie ſich die Erd vnnd Meer ein - ander vmb - fahen vnd vereinigen.

Nicht weniger iſt ſich zum hoͤchſten zuverwundern / wie die Erd vnd das Meer ſich vmbfahen / vnnd mit einander vereinigen / daß es doch ein Kugel wirdt / welches doch auff tauſenterley Weiſe geſchicht: An etlichen Orten wirdt die Erden ſehr gewaltig / vnd als ein Feind vom Waſſer geſtuͤrmet / an etlichen Orten wird ſie vom Waſſer ſanfft vmbringet. Jn etlichen Gegenden laufft das Meer ein groſſe Reiß zum Land hinein / ſolches zuverſuchen / das Land erſtreckt ſich bißweilen mit Ecken vnd Spitzen ins Meer hinein / vnd durchſticht jhm damit ſein Eingeweid. An etlichen Orten vollendet das eine Element / vnd das ander faͤhet allgemaͤchlich an dem andern Raum zugeben. An etlichen Orten haben ſie beyde / da ſie ſich verſamblen / ein vnmeßliche Tieffe / da man offt auff 70. oder 80. Klafftern keinen Grund finden mag. So gibt es auch im vnmeßlichen Occano zween vber auß hohe Thuͤrn oder Spitzen von lauter Steinklippen / vnd an den -Jndia wie es jetzo er - kand / einem Hertzen gleich. ſelbigen find man weder Land noch Grund. Was Form vnd Geſtalt aber das Land Jndien habe / kan man nicht verſtehen / weil man jhre euſſerſte Ende nicht kennet / noch auff den heutigen Tag gantz erfunden hat / wiewol es etliche einem Hertzen gleich zu ſeyn vermeinen.

Bißher haben wir die Einfachen Element in Jndia etlicher maſſen beſchrieben / jetzo woͤllen wir auch die vermiſchten Ding mit wenigen beruͤhren / vnd ob gleich dieſelben vielerley Art vnnd Gattungen ſeynd / woͤllen wir ſie doch fuͤrnemblich in dreyerley Art / als in Ertz oder Metall / in Wurtzeln vnnd Thier abthey -Von Me - tallen. len. Vnd ſeynd die Metall gleich als verborgen Wurtzeln im Eingeweid der Erden / denen ſie wegen jhren außbreytenden Zweigen aͤhnlich ſeynd: dann ſie haben groſſe vnd kleine Adern vnd ſpreuſſen auß / gleich wie andere Streuch vnd Stauden / daher man dann ſchleuſſet / daß die Ertz aller maſſen / wie die Kraͤuter gruͤ - nen. Nicht / daß ſie warhafftig herauß ſpreuſſen / vnnd wie die Kraͤuter ein jnnerliches Leben haben / ſondern weil ſie auff dieſe Art in dem Erdreich wachſen / vnd durch Krafft vnd Wirckung der Sonn vnnd anderer Planeten gemehret werden. Gleich wie nun das Ertz ein verborgen Pflantz in der Erden iſt / alſo iſt ein ſolch Pflantz anders nichts / als ein Lebendige Creatur / ſo an einem Ort feſt ſtehen bleibet / vnd ſein Leben hat von der Nahrung / welches jhme die Natur mittheilet. Alſo befinden wir nun / daß das wuͤſt vnnd vnfruchtbar Erdreich ein Narung deß Ertzes iſt. Die fruchtbare Erden bringet Narung den Pflantzen: die Pflantzen den Thieren: die Pflantzen vnd Thier ſeynd ein Nahrung der Menſchen: Auff dieſe weiſe dienen allweg die geringern Naturen zu Erhaltung deß hoͤchſten: Was nicht vollkommen iſt / das iſt dem vollkommenen vn - terworffen. Hierauß mag man nun verſtehen / daß Gold / Silber vnnd andere Metall / welche Ding der Menſch / durch Geitz verblendet / ſo hoch helt / nicht das rechte End ſeynd / darnach wir trachten ſollen / ſin - temahl ſie viel Grad nidriger ſeynd / dann der Menſch / welcher nur dem Schoͤpffer / als ſeinem Werckmei - ſter / vnd ſonſt niemands vnterworffen iſt.

Daß wir nun erſtlich auff die Metallen kommen / ſo iſt keines bey den Menſchen mehr im Brauch / als das Gelt / welches Ariſtote es fuͤr ein Maß aller Dingen helt / vnnd wiewol daſſelbige in der Natur ein einiges Ding iſt / ſo iſt es doch in ſeiner Krafft vnd Wirckung vberall: Dann das Gelt iſt Eſſen / Kleyder / Hauß / Wagen / Pferd / ꝛc. vnd alles was der Menſch bedarff. Darumb ſeynd alle Ding dem Gelt vnder - than. Man hat aber auß der Vrſachen die Metallen vor allen Dingen erwehlet / daß man vmb dieſelbige alles zeugen vnd kauffen moͤchte / weil dieſelbige am aller waͤhrhafftigſten ſeynd / vnd am laͤngſtẽ vnverſehrt bleiben. Wie man ſonſten die Metall zur Artzney / Beſchirmung / Zieraht vnd Jnſtrumenten gebrauche / weil es menniglich bewuſt / woͤllen wir allhier nicht beruͤhren.

Vnter den metallen hat man dem Gold vnd Silber den Oberſten Platz gegeben / nicht allein in der Alten / ſondern auch in der newen Welt / welche dieſe Metallen in Tempeln vnd Pallaͤſten zu Zierahten vnd Schmuck der Koͤnigen vnd Edlen gebraucht haben / wiewol man etliche Barbariſche in Florida vnnd an - derſtwo gefunden / ſo weder Gold noch Silber gekant / ja fuͤr vnnuͤtz Ding geachtet. Aber dergleichen findet man heutiges Tages wenig / ſondern viel deren / ſo Gold vnnd Silber hoch halten / daſſelbige ſuchen vnndPeru das reicheſte von Metal - len. bewahren. Es iſt aber vnter allen Koͤnigreichen in Jndia keines ſo reich von Metallen / als das Koͤ - nigreich Peru / welches an Gold / Silber vnd Queckſilber ſo vberfluͤſſig / daß man faſt alle Tag ein newes Bergwerck antrifft / vñ laͤſt ſich nach Eygenſchafft des Erdbodens anſehen / daß noch vielmehr Bergwerckdarinn19Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. darinn zufinden ſeyen / als ſchon erfunden ſeynd / dann es gleichſam mit Ertz beſeet / vnd iſt in der gantzen Welt kein reicher Ort von Metallen zufinden.

Die Vrſach aber / daß Jndia mit ſo vielen Metallen begabet / iſt der Will deß Schoͤpffers / der nach ſeinem Wolgefallen die Gaben außtheylet. Aber Philoſophiſch hievon zureden / ſo iſt Philonis Mey -Philonis Meynung von dem Ort der Metallen. lib. 5. de Ge neſ. mund. nung wahr / in dem er ſagt: Gold / Silber vnd Metallen entſpringen natuͤrlich auß den vnfruchbareſten vnnd wuͤſten Laͤndern am meiſten. Wie man dann alle Weſt Jndiſche Metallen auß ſolchen rauhen Or - ten / da hohe Berg / vnerſteigliche Steinkluͤfften vnd vntemperirt Lufft iſt / bekomme / vnangeſehen aber / daß es in Jndia Adern von allerhand Metallen hat / trachtet man doch nach keinem ſo ſehr / als nach Gold / Silber vnd Queckſilber / deren wir auch nur allein gedencken woͤllen.

Gold iſt das allerſchoͤneſte Metall / deſſen die H. Schrifft auch offt gedencket vnnd preiſet / PliniusVõ Gold. Plinii Ob - rizo lib. 33. cap. 3. nennets Obrizum vnd ſagt: Der Gebrauch / welcher alle Ding verzehret / kan dem Gold nichts abbrechen / noch daſſelbig mindern / es verroſtet noch veraltet nimmermehr. Vnd wiewol es ſeiner Art nach hart vnnd beſtaͤndig / leſt ſichs doch gleichwol biegen vnd außſtrecken. Deſſen groſſe Tugend den Menſchen wolbe - kand / vnd wirdt gehalten fuͤr das groͤſſeſt vnd maͤchtigſt Ding der Welt. Was die Spanier aber von den Jngis vnnd auß Peru fuͤr einen groſſen Schatz deſſelben bekommen / iſt nicht zubeſchreiben: Dann die Jngæ nicht allein alle jhr Geſchirꝛ von lauterm Gold gehabt / ſondern auch darauß gantze Stuͤl / Senff - ten / Bilder vnd anders machen laſſen / vnnd iſt deſſen auß Neyd der Jndianer gegen den Spaniern / das groͤſte theyl begraben worden. Es wirdt aber vmb dieſelbige Gegendt das Gold auff dreyerley Weiß außgezogen. Erſtlich findet man Gold in Koͤrnern vnnd Granen / in Staub vnd Steinen / welches purGoldgran Feingold. vnd mit keinen andern Metallen vermiſchet iſt / ſolch Feingold wird auch nicht geſchmeltzt noch geſaͤu - bert / vnd offt ein Stuͤck auff etliche Pfundt ſchwer gefunden. Das Gold in Steinen iſt ein Ader vonGold in Steinen. Gold / ſo auß den Steinen oder Steinfelſen herauß kompt. Jn den Mynen zu Caruma / im Ampt Salinas findet man ſehr groſſe vnnd gantze Stein mit Goldtdurch zogen / etliche ſeynd halb Goldt vnd halb Stein. Auff dieſe Art find man Gold in Pfuͤtzen vnd Mynen / ſo jhre Adern haben / wie auch das Silber / aber ſie ſeynd ſehr ſchwerlich zubereiten. Das meiſte Gold ſchmeltzet man von den Ramentis auri, das iſt /Sandgold. vom Staub oder Sand / der auß den Fluͤſſen kompt / ederdarvber Waſſer gelauffen iſt / deſſen ſehr viel Fluͤß in Jndia gefunden werden. Das beruͤmbſte vnd koͤſtlichſte Goldt wird im Landt Caravaya in Peru /Das beſte Gold in Jndia. vnd im Landt Valdivia in Chile gefunden / dann es iſt das allerhoͤchſt Alloy / welches iſt drey vnnd zwantzig vnd ein halb Carat / bißweilen auch hoͤher. Man findet auch Gold / ſo mit Silber vnd Kupffer vermiſchet. Das Gold / ſo im Sand oder Staub iſt / wird im abwaſchen geſaͤubert / welches man ſo lang waͤſchet / bißVermiſcht Gold. daß der Sand vnd Staub gantz vnd gar davon abgereiniget wird / vnd das Gold wegen deß ſchweren Ge - wichts ſich auff den Grund ſetzet. Man ſaͤubert auch das Goldt mit Queckſilber / oder mit ſtarckem Waſſer: Dann der Alaun / davon diß Waſſer entſpringt / hat ſolche Kraͤfft / daß es das Goldt von allem ſcheidet. Wann man nun daſſelb geſaͤubert / vnd zu Platten geſchmeltzet hat / fuͤhret mans in Hiſpanien / davon dann der Koͤnig von 5. Marcken eine bekommet.

Koͤnigs Zoll. Vom Sil - ber.

Das Silber hat vnter den Metallen den zweyten Ort nach dem Gold / vnd iſt waͤhrhafftiger / dann ſonſt einig Metall / dieweil es durchs Fewer am wenigſten verleuret / ſich auch beſſer arbeiten vnnd be - reiten laͤſt / an Farb vnnd Klang vbertrifft es das Gold / vnnd findet man Oerter / da das Silber hoͤher als das Gold gehalten wirdt. Man findet aber in Jndia mehr Golds dann Silbers / da vnter andern Sil -Silber - bergwerck Potoſi. berbergwercken / nur allein das Gebirg Potoſi am beruͤhmbteſten iſt / von dem wir etwas melden woͤllen. Das Gebirg Potoſi in Peru / in der Landtſchafft Charcas ligt vnterhalb dem Tropico am euſſerſten End Zonæ / Torridæ / wiewol es nach deß Poli hoͤhe / als ein vnd zwantzig vnd ein halben Grad gegen der Equinoctial Lini billich temperirt vnnd warm ſeyn ſolte: So ſeynd doch die Wind ſo grimmig kalt / vnndregieren im Mayo / Junio / Julio vnnd Auguſto dermaſſen / daß kein einig Kraut oder Frucht da - ſelbſt wachſen kan / vnd derwegen niemand allda zu wohnen begehret / wann nicht der Geitz vnnd Begierdt zum Silber / die Menſchen dahin gezogen / daß ſie ein gantz Volckreichen Flecken gebauwet hetten. Die Farb dieſes Gebiergs iſt dunckelroht / vnd ſiehet lieblich / eben wie ein Gezelt oder ein Hut Zucker auß / iſt ſehr gaͤh / vnnd das Auffſteigen ſchwer / oben ſpitzig / vnten aber ein Meil Wegs breit. Vom Oberſten Gipffel deß Bergs / biß vnten an / ſeynd ſechzehen hundert vnd vier vnnd zwantzig Elen oder Ruthen / vn - ten daran hat es noch einen kleinen Berg mit ſchlechten / oder wie mans nennet / loſen Mynen / daran die Spanier den Flecken von zwo Meil Wegs am Vmbkreyß gebawet. Vnd iſt an dieſem Ort der groͤ - ſte Handel in Peru. Was aber dieſes fuͤr ein vberauß reich Bergwerck ſey / kan man auß des Koͤnigs Zoll Buͤchern oder fuͤnfften Theyl etlicher maſſen abnehmen: Dann als Licentiat Polo regirt / welches dañReich Sil - berberge zu Potoſi / was ſie tra - gen koͤnnen. lang nach der erſten Erfindung geſchehen / hat man alle Sambſtag 150000. quintiert / bißweilen auch mehr / alſo / daß auch biß 200000. Peſos auffgeſchrieben worden: welches Jaͤhrlich ein weniges geringer als anderthalb / vnd von Erfindung Potoſi Anno 1545. biß auff 1585. drey Milion getragen / davon doch offtmahls nit die helfft oder dritten theil quintirt worden / ſonderlich das / welches vnter den Spaniern vnnd Jndianern gangbar worden. Vnd haben ſie ſonderlich das Gluͤck gehabt / ob gleich die Mynen zwey hundert Klaffter tieff geweſen / ſie doch niemahls Waſſer funden / wie man deßwegen die Mynen zu Porco verlaſſen muͤſſen. Diß Gebierg zu Potoſi hat 4. vornemſte Adern / ſtehen auff der Oſt Seiten / Vnd erſtrecken ſich gegen Nord vnnd Sud / das iſt / von einem Polo zum andern / haben auffs breiteſt ſechs Schuch / vnd auffs ſchmaͤleſt ein Spann / von dieſen entſpringen noch andere groſſe Adern / als ZweygeB iiijeines20Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theileines Baums / welche zuwachſen pflegen / ein jede Ader hat vnderſchiedtliche Mynen / welche jhr theyl ſeynd / wirdt in vnterſchiedtliche Beſitzer / nach welcher Nahmen ſie auch gemeiniglich genennet werden / außge - theylet: die groͤſte Mynen hat 80. Vacas oder Spaniſche Ruthen / da der geringſte 4. Vacas davon be - kompt / ſeynd in etlichen Orten 24. 70. 180. vnd biß in die 200. Klaffter tieff. Zu behueff dieſer groſſen tief - fen Mynen / haben ſie die Socabones erfunden / diß ſeynd Graͤben oder Loͤcher / die ſie vnten auff einer Sei - ten deß Gebirgs gemacht haben / gehen zwerch hindurch / biß ſie inwendig bey die Adern kommen. Ob nun wol dieſe Mynen ſo tieff ſeynd / ſo muß man doch ſechsmal ſo viel vmbgehen / biß man auff die rechte Wur - tzel deß Berges kommen mag. Die Hoͤhe biß an die Tieffe / nemblich da der Socabon mit den Adern verei - niget / biß in die Hoͤhe der Mynen ſeynd 135. Klaffter. Alle dieſe Tieffe muß man hinab ſteigen / die Mynen zuarbeiten. Darauß man dann zuſehen hat / was die Menſchen fuͤr vnſaͤgliche Arbeit thun muͤſſen / biß ſie das Silber auß dem jnnerſten Theyl der Erden herfuͤr bringen. Hierzu gehoͤret noch / daß ſie in ſtaͤtiger Fin - ſternuß jhr Arbeit verrichten / vnnd nicht wiſſen moͤgen / ob es Tag oder Nacht ſey / ſo ſchoͤpffet man auch

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ein ſchwere Lufft vnd Kaͤlt in ſich / davon die allererſt ankommenden gleich als Meerkranck werden. Die Bergleute theylen die Arbeit auff gewiſſe Zeit ab / alſo / daß etliche deß Tags / etliche aber deß Nachts arbei - ten. Vnd ſeynd die Metallen gemeiniglich ſo hart / daß man ſie mit eyſern Jnſtrumenten zerſchlagen muß. Wann ſie es alſo zerbrochen / tragen ſie es auff jhren Rucken / vnd ſteigen auff Leitern hinauff. Dieſe Leitern ſeynd mit dreyen Seylen von gedraͤhetem Ochſen Laͤder / wie die dicke Seyl zuſammen geflochten / vnnd mit Stecken auffgeſpannet / wie Treppen / alſo / daß einer beym andern mag auff vnnd ab ſteigen. Ein jede Leyter iſt zehen Klafftern lang: wann eine ſich endet / faͤngt die ander in eben der Laͤnge an: wo ein Leyter wen - det / da findet man ein huͤltzerne Ruhebanck / gleich als ein Vmbgang: dann der Leytern da man hinauff ſteiget / ſeynd ſehr viel. Ein Mann traͤgt ein Laſt von zweyen Arroben Gewichts / vnnd hat die Metall auff dem Rucken in einem Kleyd / ſo vnter der Bruſt zugebunden. Alſo ſteigen drey vnnd drey nacheinander: der forderſte hat ein brennend Liecht an Daumen gebunden / weil ſie ſonſt kein Tagliecht haben moͤgen: Mit beyden Haͤnden halten ſie ſich feſt / ſintemal es ein abſchewliche Hoͤhe iſt / vnnd bißweilen einhundert vnndPlinius in præamb. lib. 33. Cap. 4. fuͤnffzig Klaffter ſteigen muͤſſen / welches jhnen offtmahls ein groſſen Schrecken einjaget. Daß wol recht hievon Plinius ſagt: Wir kriechen biß zum inwendigſten Jngeweid der Erden / vnnd an den Orten der ver - dampten ſuchen wir Reichthumb / vnd weiter: Sie thun Arbeit als Rieſen / wann ſie Metall außziehen: Siemachen21Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. machen Loͤcher vnd zwerche Straſſen im allertieffeſten / durch ſo ein groß Spacium vnd ſchweiffen durch das Gebierg bey einem brennenden Liecht / vnd thun daſſelb an ſolchen Orten / da man zugleich Tag vnd Nacht hat / vnd in vielen Monaten nicht einmahl den Tag ſihet. Jn dieſem Werck begibt ſich offt / daß die Waͤnde der Mynen ploͤtzlich einfallen / vnd die Bergknappen in einem Augenblick vmbbringen. Jtem: Mit eyſern Jnſtrumenten zerbrechen ſie die Felſen vnd Klippen / ob ſie ſchon ſtarck vnnd hart / dann der Hunger nach Gold iſt noch ſtaͤrcker vnd haͤrter.

Das Ertz dieſes Bergwercks / ſo wol reich als arm / hat mancherley Farbe / daß es nur die BergleutVnder - ſcheid der Metallen in Potoſi. an den Stipfflein / Adern vnd etlichen andern Zeichen kennen. Das reich Ertz / wird in den kleinen Oefen / de - ren man anfangs ſechs tauſent gehabt / geſchmeltzet / vnd damit es deſto ehe zergehe / werffen die Jndianer dz leicht Ertz Soroche darvnter. Der Schaum faͤlt durch das Feuwer hinvnter warts / das Bley ſchmeltzet mit dem Silber / welches vber das Bley ſteigt / biß es geſaͤubert / vnd je laͤnger je mehr geleuttert wirdt. Von einem Quintal Metall pflegt durchs ſchmeltzen dreyſſig / viertzig / bißweilen auch fuͤnffzig Peſos Sil - ber zukommen. Das arm Ertz gibt von einem Quintal zwey / drey / biß in ſechs Peſos. Diß Metall iſt ge - meiniglich trucken / vnd hat mans anfangs vergeblich außgeſchoſſen / vnnd fuͤr nichts geachtet / biß das Queckſilber erfunden worden / welches durch eine verborgene Krafft das Silber ſehr wol ſeubert. Wirdt auch weniger mit den armen / als reichen Silbern cõſumirt, dann je reicher ſie ſeynd / je mehr Queckſilber ſie koſten. Vnd dieweil das Queckſilber das wunderbarlichſte Metall vnder den andern allen iſt / woͤllen wir auch etwas davon melden.

Queck ſilber wirdt auch lebendig Silber genandt / weil es in aller Eyl von einem Ort zum andernVom Queckſil - ber. laufft / iſt nit hart noch beſtendig wie ander Ertz / ſondern gleichſam ein Safft / der von jhm ſelbſt hin vnnd her laufft / vnd ſich weder ſamlet / vnd ob es gleich ein Liquor iſt / ſo iſt es doch ſchwerer / dann kein ander Ertz / alſo / daß alle andere Metallen auff dem Queckſilber ſchwimmen / wiewol Plinius vermeinet / daß dz GoldPlinius lib. 33. cap. 6. allein ſich zu Boden ſaͤncke / welches zwar wol ſeyn kan / dieweil das Queckſilber ſeiner Natur nach das Goldt vmbfaͤhet / vnd daſſelbig in ſich verbirget / vnnd iſt dieſes ſein allernoͤhtigſt Eygenſchafft: Wo es das Gold nur einmahl reucht / da laufft es ſtracks zu jhm / helt ſich auch daran / vnnd bringets ſo hart zu jhm / daß es das Gold entbloͤſſet / vnnd andere Metallen von jhm zeucht / damit es vermiſcht geweſen. Darvmb brauchen die jenige Gold / welche ſich fuͤr Queckſilber verwahren woͤllen / weil der Rauch vom Queckſilber ein toͤdtlich Gifft iſt. Man hat etlichen Menſchen / ſie heimlich hinzurichten / Queckſilber in die Ohren ge[t]han: Dargegen man kein beſſer Remedium finden moͤgen / dann daß man jhnen ein Stuͤck -Groſſe Ver wandſchaft deß Goldts mit dem Queckſilber lein Golds in die Ohren geſteckt / das Queck ſilber herauß zubringen / welches dann geſchehen. Nachdem nun das Queckſilber das Goldt gereiniget / vnd alle andere vermiſchte Metallen außgemuſtert hat / als - dann wirds durchs Fewer von ſeinem Freund geſcheiden / vnd bleibet dar nach pur vnd lauter. Es laͤu - tert auch das Silber von Erden / Kupffer vnnd Bley / damit es gewachſen iſt / ohn einig Fewer / wirdt aber hernach gleicher Geſtalt von dem Feuwer abgetrieben. Auff die andern Metallen (auſſerhalb Gold vnnd Silbers) achtet das Queckſilber nit / ſondern es verzehret / durchnaget vnnd durchboret ſie / vnnd lauffet von jhnen / darumb man es nur in Faͤſſern / Erden Toͤpffen / oder in Fellen verwahret. Vnd iſt ſehr zuverwundern / ob es wol eines von den allerſchwereſten Dingen der Welt iſt / wirdt es doch in einem Au - genblick in das allerleichteſt / nemlich in Rauch / verkehret / vnd wann man meinet / es ſey gar hinweg geflo - gen / wird es widerumb in eine ſchwere Materien veraͤndert: dann alsbald der Rauch dieſes Metalls / in der Hoͤhe wider ein harten Coͤrper ſtoͤſſet / oder in ein kalte Lufft kommet / faͤllt er wider hervnter / vnd wirdt zu Queckſilber. Es wirdt aber das Queckſilber gefunden in einer Art von Stein / davon auch der Cinober her - kompt / welches bey den Roͤmern in groſſem Werth geweſen. Vnd ſagt man: daß die Jngæ Koͤnig[æ]zu Pe - ru vnd die einlaͤndiſche daſelbſten / lange Zeit in den Mynen / darinn Queckſilber geweſen / haben arbeiten laſ - ſen / vnangeſehen ſie deſſelben Natur vnd Tugendt nit gekant haben. Dann ſie nicht weitters / als deß Cino - bers zur Farb / damit ſie ſich vnd jre Goͤtzen mahlen / begehret haben / darzu ſie es dann heutiges Tages in jhren Feſttagen / Taͤntzen / vnd wann ſie zu Krieg ziehen gebrauchen / vnd iſt das Queckſilber in Peru durch einen Portugaleſer Henrich Garcees genandt Anno 66. erſt erfunden worden / vnd in kurtzer Zeit ſo hochHenrich Garcees ein Erfin - der deß Queckſil - ber Berg - wercks. geſtiegen / daß der Koͤnig von Hiſpanien / jetzo Jaͤhrlich in die 400000. Peſos / deren jeder etwas geringer als viertzehen Realen iſt / erhebet. Der Stein oder Ertz / daran man das Queckſilber findet / wird geſtoſſen vnd in einen Topff gethan / welcher wol verſtopfft / vnd auffs Fewer geſetzt wirdt: da ſcheidet ſich das Queck - ſilber vom Stein durch deß Fewers Krafft / welches durch ſein Exhalation vnd Dampff / das Queckſilber hinauff treibt / biß es wider einen harten Coͤrper ſtoſt / oder die kalte Lufft empfindet vnd hervnder faͤllt / wann es alſo geſchmeltzet worden / laſſen ſie den Topff wol erkalten / vnd entdecken jhn hernach / dann da einiger Rauch auß dem entdeckten Topff einen Menſchen beruͤhrete / muͤſte er ſterben / oder zum wenigſten ſeine Zaͤhne verliehren. Vnd zu Erſparung deß Holtzes hat ein Jndianer das Heyden Kraut oder Bintzen / dar - auß man Feigen Koͤrb machet / erfunden / welches dann mehr im ſchmeltzen / dann das Holtz vermag. Wie nun das Silber gleich als ein Teig gemahlen / gereittert / geknaͤten / geheffent / gebacken: Jtem / gewaſchen / geſpuͤlt / wider gewaſchen / gekocht vnnd wider gekocht / vnnd alſo vnter Stempffel / Sieb / Backen / Forn - eyſen / Budde / Eymer / Ofen / endtlich durchs Waſſer vnnd Fewer ſiebenmahl gehet / auch was man hier zu fuͤr Gebaͤw / Jngenien vnnd Muͤhlen gebrauche / vnnd wie endtlich daſſelbe probieret werde / achten wir vnnoͤhtig allhier zubeſchreiben / ſintemahl es nur fuͤr ſonderbare Leut gehoͤrig / vnnd dem gemeinen Leſer vndienlich iſt.

Weiter22Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil

Weiter iſt allhier auch zumercken / daß in der Newen Welt / als in den Koͤnigreichen / Granaten / Pe - ru / Puerto Ricco / vnnd im alten meerporten viel Smaragden in den Mynen / wie ander Ertz vnnd Cri - ſtall gefunden werden. Dieſer edel Geſtein iſt vor Zeiten hochgeachtet / vnd der dritte nach dem Demant vnd Perlen gerechnet worden / Aber heutiges Tages helt man weder den Smaragd noch die Perlen / wegen deß groſſen Vberfluſſes ſehr hoch / vnnd findet man in gedachten Orten Smaragden einer Nuß groß / auch noch wol groͤſſer: Etliche ſeynd halb weiß vnnd gruͤn / andere weiß / etliche gantz gruͤngelb. Die Koͤni - ge zu Mexico haben ſie im hohen Werth gehalten / vñ ſollen in der Hauptkirchen zu Cordua viel Pfeiler von Smaragden geſtanden ſeyn / wie dann jhrer Goͤtzen Angeſicht / vnd der Jndianer Naſen damit gezieretExod. 29. 39 Apoc. 31. worden / die H. Schrifft lobet den Smaragd als ein koͤſtliches Kleynod / zehlet jhn vnter die Edle Stein deß Hohen Prieſters / vnnd damit auch vnter andern die mauren deß Himmliſchen Jeruſalems gezieh - ret worden. Jn einer Schiffart Anno 87. hat man zween Kaſten mit Smaragden / deren jeder zum wenig - ſten 4. Arroben gewogen / mit auß Jndia gebracht.

Von Per - len. Die beſten im Fluß de la Hacha

Man findet auch in Jndia an vnterſchiedlichen Orten viel Perlein / doch ſeynd ſie am meiſten am Sud Meer bey Panama / in den Perlen Jnſeln anzutreffen. Vnd werden die beym Fluß de la Hacha (von der Fackel) jhrer Quantitet vnd Guͤtigkeit halber fuͤr die beſten gehalten / vnnd offt ein einiges auff viel tau - ſent Ducaten werth geſchaͤtzet. Die Teucher ſo ſie fiſchen / haben allhier groſſe Muͤhe damit: dann ſie offt ſechs / neun / ja zwoͤlff Klafftern tieff vnters Waſſer kriechen / vnd die Auſtern ſuchen / ſo gemeiniglich feſt vnter den Felſen vnd Meerklippen ligen / darvon ſie abgeriſſen werden. Zu dem iſt das Meer Waſſer am ſelbigen Ort ſehr kalt / vnd deßwegen nicht wol zuleiden / doch iſt das viel ſchwerer / daß man ſich offt ein viertel / ja auch wol ein halbe Stund vnterm Waſſer auffhalten / vnd die Auſtern ſuchen muß. Damit aber ſolche Taͤucher den Athem lang halten moͤgen / eſſen ſie wenig / vnd faſt lauter trucken Koſt / ſeynd dar - zu keuſch vnd maͤſſig / welches die Natur der Perlen erfordert. Man findet deren allenthalben ein ſo groſ - ſen Vberfluß / daß im Jahr 87. fuͤr den Koͤnig in Hiſpanien 18. Marck Perlen / vnd ſonſt drey Kaͤſten voll / deßgleichen fuͤr particular Perſonen zwoͤlff hundert vnd vier vnd ſechzig Marck / vnd ſonſten ſieben groſſe Toͤpffen voll abgewogen worden / dieſes hette man vor Zeiten fuͤr Fabelwerck gehalten.

Jetzo woͤllen wir auch auff die Pflantzen kommen / vnd anzeigen / welche allein in Jndia wachſen / vnd he[r]nach zu denen ſchreiten / welche es mit Europa gemein hat. Vnd dieweil die Pflantzen anfaͤnglich zu Erhaltung deß Menſchen erſchaffen worden / vnter denen das Brodt das fuͤr nembſte iſt / woͤllen wir vonJndianer Brodt. Mays oder Tuͤrck - iſch Korn. der Jndianer Brodt zum erſten etwas melden. Vnd wirdt faſt in allen Schiffarten das Mays beſchrie - ben / ſo anderſtwo Jndiſch Weitzen vnd Tuͤrckiſch Korn genennet wirdt. Vnd wie der Weitz vnnd Korn in vnſerer Welt am gemeinſten iſt: Alſo iſt auch in der Newen Welt das Gran Mays die vornembſte Frucht gewe en / vnd noch / die man faſt in allen Fußfeſten Landen / als in Peru / New Spanien / im new - en Konigreich / in Guatimala / in Chile / ꝛc. findet. Aber in den Jnſeln / als da ſeynd Cuba / Hiſpaniola / Jamaica / S. Johann weiß niemands / daß es je gebraucht worden / wie ſie dann noch heutiges Tages am meiſten Yuca vnd Caçaui haben. Der Mays gibt dem Korn in ſeiner Krafft vnd Nahrung et - was nach / iſt groͤſſer vnd haͤrter / vnd bringt viel Gebluͤt zuwegen / die es zum erſten vberfluͤſſig vnnd zu viel nehmen / die werden voller Geſchwulſt vnd Schaͤbigkeit. Es waͤchſt auff Rohr / jedes hat ſeine grobe Koͤrner / vnd deren auff einem Rohr faſt in die ſiebenhundert beyeinander. Sie werden nicht geſeet / ſondernMoroche. geſtopfft. Seynd zweyerley Art / eine iſt grob / die ander klein vnd trucken / die ſie Moroche heiſſen. Die Blaͤtter vnd gruͤne Rohr von Mays / gibt trefflich gut Pferdſutter / gedoͤrret kan mans auch fuͤr Hew vnd Stro brauchen. Jn dieſen Laͤndern pfleget man das Viehe zutraͤncken / ehe es Mays iſſet / Dann ſo es zu vor Mays aͤſſe / ſchwillet es auff / vnd bekompt den Huſten: welches auch der Weitz thut. Die Jndianer eſſen das Mays gemeiniglich gekocht / etliche machen Brot / Kuchen vnd Torten darauß / die fuͤrnembſten eſſens geroͤſtet / weil es am geſuͤndeſten iſt / den Nieren wol bekompt / vnd wenig Harnen macht / vnd ſeynd ei - nes beſſern Geſchmacks / als geroͤſtet oder gebraten Erbeiß. Sie machen auch jhr Getraͤnck darauß / daran ſie ſich ehe truncken trincken / als an rechtem natuͤrlichem Wein. Die Mayskoͤrner beitzen ſie / biß ſie zu ſchoſſen anfangen / darnach brennen ſies auff ein ſonderliche Art: welches ſo kraͤfftig wirdt / daß es einen bald nider wirfft / vnd vnſinnig truncken macht. Wann das Mays noch zart vnd in Ehern iſt / ſo eſſen ſol - ches die Jndianer vnd Hiſpanier fuͤr ein Leckerbißlein / roͤſten es entweder / oder kochens mit Milch / ſie brau - chen auch die Haͤußlein oder Dotten von Mays / ſo ſehr feiſt ſeynd / an ſtatt Buttern vnd Oel.

Cacaui Yuca.

An etlichen Orthen in Jndia brauchet man das Brodt Caçaui, welches man von der groſſen Wur - tzel Yuca zu kleinen Stuͤckern zerſchneidet / feilet / vnd den Safft / welcher ein toͤdtlich Gifft / herauß trucket / das vbrige ſihet wie ein groſſe duͤnne Tarten / hat aber fuͤr ſich ſelbſt keinen Geſchmack / doch iſt es geſund / vnd gibt gute Nahrung. Wann mans eſſen will / muß mans erſt in Waſſer oder Bruͤhe weichen / dann es iſt hart vnd rauh / Wann mans aber in Milch oder Honigbruͤh weichet / ſo dringet es doch nicht hinein / wie in Brodt von Korn. Es haͤlt ſich lang / vnd wirdt auff dem Meer fuͤr zweygebacken Brodt gebrau - chet / vnd in viel Jnſeln / als da ſeynd / S. Dominico / Cuba / Puertoricco / Jamaica vnd andere verfuͤhret / weil in denſelbigen Jnſeln kein Mays oder ander Korn waͤchſet / oder ſo man es gleich pflantzet / ſehr vbel ge - raͤht / weil es vngleich auff gehet / vnd eins eher als das ander zeitiget.

Jn den hohen Gebiergen in Peru / vnd in der Landſchafft Collao / weil wegen widerwertiger Vber - fluͤſſigkeit der truckenen vnd kalten Lufft kein Mays / Cacaui vnd Yuca waͤchſet / brauchen ſie fuͤr BrodtPapas. die Wurtzel Papas / welche ſo groß ſeynd als eiu jrꝛden Topff / haben wenig Blaͤtter. Wann ſie die her -auß23Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. auß rauffen / laſſen ſie es an der Sonn wol trucken werden / brechen ſie hernach zu Stucken / vnnd machen das Eſſen Chunno darauß / darmit ein groſſer Handel getrieben / vnnd auch nach Potoſi verfuͤhret wirdt. Sie pflegen ſie auch gruͤn geſotten / vnnd gebraten / zueſſen. Vnd hat man noch einander Art der Papas / ſo ſie an heiſſen Orten pflantzen / vnd das Eſſen Locro darvon machen.

Jn den Jnſeln Philippinis vnd in China / brauchen ſie Reiß fuͤr Brodt / vnd in Peru vnd Acua ma - chen ſie Getraͤnck wie Bier darauß.

Noch viel andere Wurtzeln hat es in Jndia / ſoͤ man eſſen mag / als Ocas / Yanocas / Camotas / Ba -Viel ande - re Wur - tzeln ſo man fuͤr Brodt gebrauchet. tates / Xiquimas / Cochucho / Caui Totora / Mani vnd viel andere. Deren man etliche in Europam ge - fuͤhret / ſonderlich die Batates / welche fuͤr ein wolgeſchmackt Ding geſſen werden. So hat man viel Fruͤch - te vnd Wurtzeln von Europa in Jndiam gefuͤhret / die daſelbſt wegen deß Herꝛlichen Temperaments beſ - ſer gerahten / als in Europa. Da hergegen die Jndianiſche Sachen in Europa ſelten auffgehen / die Ruͤben vnnd Rettich haben in Jndia dermaſſen gewurtzelt vnd vberhand genommen / daß ſie an allen Wegen ſte - hen / vnd man ſich deren nicht mehr erwehren mag.

Cochucho iſt ein ſuͤſſes Wuͤrtzelein / vnnd wirdt fuͤr Leckerbißlein gebraucht / vnd von etlichen einge - macht. Ein theil Wurtzeln dienen zur Kuͤhlung als Xiquima, welches ſie in der Erndten fuͤr den Durſt eſſen. Doch gibt keines mehr Nahrung / als die Papias vnd Ocas. Vnter allen Wurtzeln in Europa hal - ten die Jndianer keine ſo hoch / als den Lauch / dann weil ſie viel harter vnnd roher Ding eſſen / wie es auß der Erden kompt / erwaͤrmt es jhnen den Magen.

Laſt vns nun auch die Hecken vnd Stauden Gewaͤchs ein wenig beſehen / deren auch ſehr viel ſeynd /Hecken vnd Stauden Gewaͤchs. vnd haben jhnen die Spanier vmb der Gleichheit willen die Nahmen gegeben / wie die Gewaͤchs in Euro - pa haben / ob ſie wol damit nicht zuvergleichen / vnd weit anderer Geſtalt vnd Naturen ſeynd. Alſo ſeynd zwar die Jndianiſchen Pyn Oepffel in der groͤſſe der Spaniſchen außwendig faſt gleich / aber innwen -Pynoͤpffet. dig jhnen gar vngleich: dann ſie haben kein Dotten noch Scheidung / ſondern es iſt lauter Obs / das man eſſen mag. Wann die Schale darvon iſt / hat die Frucht einen trefflichen Geruch / ſie macht Luſt zu eſ - ſen / vnnd hat einen heiß ſuͤſſen Geſchmack. Wann man ſie eſſen wil / ſchneidet man ſie zu Scheiben / vnnd legt ſie ein wenig in Waſſer vnnd Saltz. Sie wachſen an einem Rohr / welches auß vielen Blaͤttern her - auß ſcheuſſet / wie die Lilien / iſt auch in derſelbigen Hoͤhe / vnd etwas dicker. Die Oepffel wachſen oben am Rohr / vnd gemeiniglich an heiſſen vnd feuchten Orten.

Alſo ſeynd auch die Jndianiſchen Cucumern / in Peru anderſt / als die Spaniſchen: dann an der FarbCucumern. ſeynd ſie nicht gruͤn / ſondern weiß oder gelb / ſeynd auch nicht ſtachelicht noch runtzelicht / ſondern ſchlecht glat. So iſt auch der Geſchmack beſſer / wann ſie reiff ſeynd. Sie wachſen an temperirten Oertern / woͤllen fleiſſig begoſſen ſeyn / ſchmecken beſſer als die Pyn Oepffel / ſeynd friſch vnd ſafftig / machen leichte Daw - ung / vnd kuͤhlen wol in der Hitze.

Frutilla ein Obs in Chile / hat einen anmuͤtigen Kirſchen Geſchmack / waͤchſt an keinem Baum / ſon -Frutilla. dern an einem Kraut / das auff der Erden laͤngſt hinauß waͤchſt / ſiehet wie ein Maulbeer / iſt aber groͤſſer / vnd wachſen auff dem Feldt von ſich ſelbſten / werden auch etwan / wie andere Garten Kraͤuter von den Staͤnglein fortgepflantzet.

Die Frucht / ſo man Pfraumen nennet / wachſen an rechten Baͤumen / ſeynd den vnſern nicht faſtPfraumen. vngleich / von vielerley Art vnd Geſtalt. Vnter denen ſeynd die zu Nicaragua roht / klein vnnd beſſer als Kirſchen / ſeynd ſehr geſund / machen guten Appetit vnnd Luſt zum eſſen / darumb man ſie den Krancken zugeben pfleget.

Von Garten Kreuttern ſeynd die Friſoles vnd Palares wie die Erbſen / Linſen vnd Bonen zuachten. Friſoles Palares.Vnd haben die Spanier auch andere Erbſen hinein bracht / die beſſer daſelbſt wachſen / als in Europa / wie auch die Melonen im Thal Yca in Peru dermaſſen wachſen / daß die Wurtzel ſo dick wird wie ein Strauch oder Stamm / vnd etliche Jahr vber waͤhret.

So hat es wol tauſenterley Art Kuͤrbis / ſehr groß / alſo / daß man die Schalen zu Schuͤſſeln vnd Ge - faͤſſen macht / vnd von den kleinen kuͤnſtliche Trinckgeſchirꝛ.

Jn Weſt Jndia hat es kein Specerey von Pfeffer / Naͤgelein / Caneel vnnd Muſcatnuß. Den Jng - ber aber hat man erſtlich in die Jnſel Hiſpaniolam gebracht / darinn er dermaſſen fortgepflantzet / daßGroſſe Maͤnge[l]Jngber in Hiſpaniola. Axi. man jetzo nicht weiß / wo man mit jhm hin ſoll. Dann Anno 87. in Sevilien 22052. Quintal gefuͤhret worden.

An ſtatt deß Pfeffers brauchen ſie jhr Gewuͤrtz Axi / welches ſie hoch gehalten / vnd vor Zeiten ſehr damit gehandelt. Es waͤchſt in warmen Thaͤlern gern / vnnd wil fleiſſig begoſſen ſeyn / iſt vnterſchied - licher Farben / gruͤn / roht vnnd gelb. Vnd den ſie Charibbe heiſſen / der beiſſet vnnd brennet wie ein Pfef -Caribbe Spani - ſcher Pfef - fer. fer. Der ander iſt ſanfft vnnd anmuͤhtiger zueſſen. Auch findet man gar ſuͤſſen Axi / vnnd ein andere Gat - tung / ſehr klein / welcher wie Biſam reucht vnd wol ſchmecket. Summa es iſt die fuͤrnembſte Salſen vn - ter allem Gewuͤrtz in Jndia. Gibt gute Dawung im Magen / wann man deſſen maͤſſiglich im Eſſen brauchet. Da man aber vberfluͤſſig darvon jſſet / bekompts ſehr vbel / dann es von ſich ſelbſt heiß / feucht vnd durchdringend iſt / vnnd jungen Leuten nicht allein an der Geſundheit vnd jhrem Leib ſchaͤdlich iſt / ſon - dern ſie auch zur Vnzucht reitzet.

Der Weſt Jndiſche Platanus / iſt auch dem andern Platano oder Palmbaum / darvon die AltenPlatanus oder Palm - baum. ſo viel gehalten / nicht gleich. Dann er hat vberauß groſſe Blaͤtter / daß ſich mit einem Blat ein Mannbedecken24Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilbedecken kan / er will allzeit Waſſer haben / tregt Frucht / ſo trefflich gut iſt / ſonſten dienet er nicht zum Schatten / wie der Alte / man kan ſchwerlich darvnter ſitzen / hat weder Stam̃ noch Zweyge / vnd will in Hi - ſpanien nicht wachſen / wie der Aſiatiſche. Die Frucht von dieſem Baum iſt das gebraͤuchlichſt Obs in Jndia / vnd wirdt faſt an allen Orten zur Speiß / vnd von den Mohren fuͤr Brodt gebraucht. Der gantze Baum aber dienet weder zum Fewer noch Bawholtz / weil ſie hohl vnd ohne Subſtantz ſeynd. Die Blet -Cacao vnd Coca. ter aber ſeynd dienlich / darauff zuſchreiben. Wiewol nun der Platanus ein nutzlicher Baum iſt / ſo werden doch der Cacao in Mexico / vnd der Coca in Peru vielmehr geachtet / dieweil ſie viel Aberglaubens damit ha - ben. Vñ iſt Cacao ein Frucht / etwas kleiner als Mandeln / doch dicker vnd groͤſſer / gebraten haben ſie ein gu - ten Geſchmack / wirdt groſſe Handlung damit getrieben / vnd an etlichen Orten / an ſtat deß Geldes ge - braucht / vnd den armen Haußleuten zur Almoſen gegeben. So machen ſie auch den Getranck Chocolate darauß / welchen ſie den frembden Herꝛen zum ſonderlichen Præſent verehren / vnd mit einer ſonderlichen Temperatur / heiß / friſch / vnd mit vielem Gewuͤrtz bereiten. Sie backen auch Kuchen darauß fuͤr die Bruͤſt / Magen vnd Huſten. Wer aber dieſer Speiſe vnd Trancks nicht von Jugend auff gewohnet iſt / der be - kompt keinen ſonderlichen Luſten darzu. Der Baum dieſer Frucht iſt einer mittelmaͤſſigen Groͤß / ſchoͤner Geſtalt / hat ein Kron von Zweygen / vnd iſt ſo zart / daß ſie allweg einen groͤſſern Baum darbey ſetzen / da - mit er nicht von der Sonnenhitz verbrand werde / vnd wird deß Cacao-Mutter genennet.

Coca.

Coca iſt ein kleines Blaͤtlein / ſo an einem Baum Manns hoch waͤchſet. Man zielet jn in vberauß heiſſen Laͤndern. Sie bekommen alle Monat friſche Bletter / die wollen wegen jhrer Zartigkeit im Außzie - hen wol verſehen ſeyn / Sie werden ſehr ordentlich in ſchmahle lange Koͤrb gepackt / durch die Schaff bey vier tauſent Koͤrb auff einmahl verſchickt / vnd ſolche groſſe Handlung damit getrieben / daß er Jaͤhrlich zu Potoſi allein mehr dann ein halbe Million Peſos getragen / deren ein jeder Korb auff vier oder fuͤnff Peſos par Gelt verkaufft wirdt. Sie halten diß Coca im Mund / kaͤwens / ſaugen den Safft herauß / ſchluckens mit ein / vnd gibt ſolche Krafft / daß / wann ein Jndianer dieſer Cocas ein Hand voll hat / ſo kan er ein dop - pelte Tagreiſe thun. Sie miſchens auch mit gemahlen Beinen oder Kalck / welches jhnen / jhrem Vorge - ben nach / ſehr nutzlich ſeyn ſoll. Sie brauchen die Blaͤtter eben wie Gelt / wechſeln vnd tauſchen darfuͤr / al - les was ſie begehren. Die Jngæ habens fuͤr ein Koͤnigliche Speiß gehalten / vnd jhren Goͤtzen geopffert / hat auch niemandt vom gemeinen Mann die Coca ohn Erlaubnuß der Jngen oder Gubernatoren brauchen doͤrffen: Die Jndianer bringen viel Zeit vnd Muͤhe mit dieſem Gewaͤchs zu / viel kommen auch vmb jhr Leben darvber / wann ſie von dem kalten Gebierg hinab kommen / ſolchen zuwarten vnd zubauwen. Deß - halben man offtmahls vorgehabt / dieſen Baw der Cocas zuvertilgen / vnnd gaͤntzlich abzuſchaffen / dieweil ſie der Jndianer Fuͤrgeben von der Cocas Krafft nur fuͤr Aberglauben vnnd Einbildung ge - halten.

Manguey Wunder - Baum.

Manguey iſt der Wunderbaum / dieweil er Waſſer / Wein / Oehl / Eſſig / Honig / Syrup / Faden / Nadel vnd andere dergleichen tauſenterley Ding fortbringet. Die Jndianer in New Spanien vnd Peru / da er auch waͤchſt / geben viel auff dieſen Baum / hat gemeiniglich ein jeder einen bey ſeiner Wohnung ge - pflantzet / zu behuff jhres Lebens / Sonſten wachſen ſie im Feldt / wo man ſie hinſetzet / vnd jhrer wartet. Sie haben breitte vnd dicke Blaͤtter / an jhren Enden gehen ſie ſcharpff auß / welche man an ſtat der Stick Na - del brauchen kan. Die Spitzen ziehen ſie auß / brauchens fuͤr Nehe Nadeln / vnd wann ſie die auß den Blaͤt - tern außziehen / gehet alsbald auch ein Haar mit herauß / welches ſie an ſtat eines Faden gebrauchen. Den Stamm ſchneiden ſie auff / wann er noch jung iſt / laſſen ein Hoͤhl im Baum / darauß zeucht ſich ein Safft wie Waſſer / iſt gut zutrincken / friſch vnd ſuͤß / wann mans auffſeut / ſo iſts wie Wein: wirts hingeſetzt ſo gibts Eſſig. Wann mans bey dem Fewer ſeud vnd leuttert gibts Honig. Wann es nur halb auffgeſotten wirdt gibts ein Syrup / ſo am Geſchmack den Trauben Syrup vbertrifft. Man kan von einem Baum deß Tags etlich Maß ſamblen. Er dienet wol Fewer damit zubehalten / dann er den Lunten oder Schwam̃ gleich Feuwer erhelt / vnd ein lange Zeit waͤhret.

Tunal.

Tunal in New Spanien iſt auch ein wunderlich Gewaͤchs / vnd nunmehr in Europa wol bekandt. Am erſten iſt es ein eintzig dick Blat / auß demſelbigen kompt wider eins / vnnd alſo fort an biß ans End. Wann die Blaͤtter aber herfuͤr kriechen / werden die vnderſten dick vnnd grob / verliehren beynahe die Geſtalt der Bletter / vnd wird ein Strauch vnd Zweig darauß / ſo gantz Diſtelich / rauh vnd vngeſtalt werden / deß - wegen man ſie anetlichen Orten Corden nennet. Die zamen Corden tragen gute Fruͤchte / wie Feygen / vnd deren zweyerley Art / roht vnd weiß / die Wilden aber bringen keine Fruͤcht. Vñ findet man ſonſten noch ande - re Tunalen die wol keine Tunas tragen / aber doch hoͤher gehalten werden / dann ſie bringen die Greyen / welche vnter den Blaͤttern wachſen / vnd mit einem duͤnnen Haͤutlein bedeckt ſeynd. Es wiſſen aber die Jn - dianer ſolche Wuͤrmlein gar behẽd abzuleſen / diß iſt die beruͤhmbteſte Cochinillia in Jndien / damit ſie die feine Greyne ferben. Ehe ſie verkaufft werden / leſt man ſie erſt duͤrꝛ werden. Sie ſeynd ſehr hoch im Werth / dann die Arrobe dieſer Cochinillia oder Greya gilt viel Ducaten / daß Anno 87. fuͤnff tauſent ſechs hundert ſieben vnd ſiebentzig Arrobe Greyn in Spanien ankommen / die 283750. Peſos oder Realen von achten gemacht. Vnd dergleichen Einkommens gibts faſt alle Jahr.

Mit den Greyn wird auch Annil vnd Jndigo / welches auß einem Kraut gemacht wirdt / als ein Kauffmans Wahr verhandelt / vnd zum Tuͤcherferben gebraucht / traͤgt auch ein vnſaͤglich Geld.

Baumwol - len.

Die Algodon / Coton oder Baumwoll waͤchſt an kleinen vnd groſſen Baͤumen / in ſolchen Haͤuß - lein / die Hauben vnd Bendeln gleich ſeynd. Es geraͤht ſehr wol in heiſſen Laͤndern / ſonderlich am Meer -ſtrand /25Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. ſtrand / vnd in den Gruͤnden in Peru / China vnd andern Orten. Etliche iſt dick vnd grob / ein theyl auch ſanfft vnd zart. Sie ferbens mit vnderſchiedtlichen Farben / machen allerhand Kleyder vnd Geraͤht darauß / wie man in Europa mit der Wollen handelt.

Mameyen iſt ein Frucht / ein wenig groͤſſer als ein Pferſing / haben inwendig ein oder zween Kern /Mameyen. diß Obs iſt etwas hart / ein theil ſuͤß / ein theil ſawer / haben harte Schalen / man machet auch Zucker Con - fect darauß / die Baͤume / darauff ſie wachſen / ſeynd groß vnd wolgeſtalt.

Guayauos iſt ein ander Baum / hat vntuͤchtige Fruͤcht / hangen voller harter Koͤrner / den kleinenGayauos. Oepffeln gleich / ſtincken vnd ſeind vngeſund / werden darumb in Jndia nichts geachtet / ob wol in der Jn - ſel S. Dominici gantze Berg voll ſeynd. Jn Peru aber ſeynd ſie keines boͤſen Geruchs / ſondern eines guten Geſchmacks / laſſen ſich wol verdauwen / vnd ſeynd dem Magen geſund.

Palto iſt ein wolgeſtalter groſſer Baum / mit vielen Zweygen / bringet ein Frucht wie groſſe Pieren /Palto. ſeynd heiß vnd zart / inwendig haben ſie ein ziemlich groſſen Stein / der Reſt iſt ein ſuͤſſe Frucht / vnd hat ein Geſchmack wie Butter.

Jn Peru ſeynd die Palten groß / haben harte Schalen / die man gantz abthut.

Jn Mexico aber / ſeynd ſie meiſtentheils klein duͤnnſchalicht / vnd wie die Oepffel geſund / etwas heiß / doch wol zueſſen.

Chicocapotes ſeynd Jndianiſche Quitten Qepffel / aber im Eſſen ſuͤß / vnd vbertreffen alles Spa -Chicocapo - tes. niſche Obs / werden in Panqueten auffgetragen: wachſen an heiſſen Orten.

Annona iſt einer Pieren groß / etwas langlaͤcht vnd offen / das inwendigſt iſt muͤrb / wie weiſſe Butter /Annona. voller ſchwartzen Koͤrner / vnd eines guten lieblichen Geſchmacks / aber doch dem vorigen mit nichten zu - vergleichen.

Capolies ſeynd Jndianiſche Amarellen oder Kirſchen / wie ſie dann dergleichen Stein vnd KoͤrnerCapolies. haben / doch etwas groͤſſer / vnd eines ſuͤſſen Geſchmacks. Summa der Baͤum vnd Fruͤchte ſeynd vnzehlich viel / deren wir nur noch etlicher gedencken woͤllen.

Cocos ſeynd auch Gleichnuß weiſe Jndianiſche groſſe vnd ſtarcke Palmen oder Dattel Baͤum /Cocos. tragen Fruͤcht / welche auch Coco heiſſet / darvon machet man Trinckgeſchirꝛ / welche fuͤr Gifft vnd Ste - chen deß Miltzes gut ſeyn ſollen / wann die inwendigſte Fruͤcht duͤrꝛ vnd reiff worden / iſt es wie reiffe Kaͤ - ſten zu eſſen / am Baum ſiehet es wie Milch / vnd trinckt mans fuͤr Wolluſt vnnd im warmen Wetter / weil es ſehr kuͤhlet / der Baum tregt alle Monat einmahl Fruͤcht / vnd ein Zweyg vmb den andern. Seynd an der Groͤſſe wie halbe Melonen / Aber die Art / ſo im Landt Chile gefunden / vnd Coquillo oder KoͤchleinCoquillo. genennet wirdt / iſt beſſer dann die vorige / auch kleiner vnd runder als ein Nuß.

Noch findet man ein Art Cocos / von d Andes, welche das inwendigſte Obs nicht aneinander ha - ben / ſondern an deſſen ſtat ein quantitet Koͤrner wie Mandeln / vnd ligen darinn / wie die Koͤrner in einem Granatapffel.

Dieſe Mandeln ſeynd dreymahl groͤſſer / als die Spaniſche / im Geſchmack aber ſeynd ſie etwas haͤr - ter / feuchter vnd Oelhafftiger / Man braucht ſie im Eſſig zur Schleckerey / Marcabonen vnd dergleichen Dingen. Sie ſeynd ſo hart / daß man ſie ſchwerlich mit einem Stein auffſchlagen kan / wann man die Fruͤcht haben will / vnnd iſt kein anmuͤtiger vnd geſuͤndere Frucht in gantz Jndien. Gleich wie man nun dieſe Frucht werth hat / alſo hat ſie auch die Natur in Haͤußlein verwahret / ſo etwas groͤſſer vnd ſtach - lechter ſeynd / als die Haͤußlein an den Kaͤſten / wann dieſe Schalen duͤrꝛ ſeind / kan man ſie leichtlich auß - machen / die Meerkatzen ſollen dieſer Frucht ſehr nachſtellen / vnd weil ſie fuͤr den Stach ein dieſelben nicht angreiffen / vnd genieſſen koͤnnen / werffen ſie dieſelbige herunter auff die Steine / daß die Schalen auffſprin - gen vnd darvon fallen.

Wir wollen nun von den Blumen vnd andern Sachen etwas melden. Die Jndianer in new Spa -Von den Blumen. nien haben die Blumen ſo werth / als jrgent einige Nation in der Welt / wiſſen daraus gantz artliche vnd kuͤnſtliche Suchiles / oder Kraͤntzlein zumachen / vnd den vornembſten Herꝛen vnd frembden Gaͤſten zuverehren pflegen / hierzu gebrauchen ſie die vornembſten Spaniſchen Blumen / ſo allda auch wachſen / als Angiers / Roſen / Lilien / Jaſminen / Violen / vnd andere dergleichen / wie auch die jhrige ſo von man - cherley Farben darinnen wachſen / ſie ſeind aber mehrentheils entweder ohne / oder eines ſtarcken boͤſen Ge - ruchs. Doch findet man deren auch / welche ſehr lieblich riechen / als die Blumen oder Bluͤt vom Baum Floribundio / welche groͤſſer als die Lilien / vnd den Gloͤcklein gleich / vnd weiß ſeind wie die Lilien. DerBluͤt von Floribun - dio. Baum traͤget keine Frucht / ſondern bluͤhet ohn auff hoͤren durch das gantze Jahr / vnd hat fruͤhe in der Kuͤhle einen wunderbarlichen Geruch.

So haben ſie auch die Blum Joloſuchil in groſſem Werth / iſt an der groͤß vnd geſtalt der Hertzblu -Joloſuchil. men gleich / vnd eines ſehr ſtarcken Geruchs.

Die Jndianiſche Angiers ſeind Sonnenblumen / kehren ſich mit derſelbigen vmb / ſeind Sammet -Angiers. glat / haben aber auſſer dieſer Geſtalt nichts an jhnen / geben auch keinen Geruch von ſich.

Aber die Blum Granadilla iſt beſchreibens werth / dann man ſagt / daß die Paſſion / als Naͤgel / Seul /Granadil - la. Geiſſel / Dorn Kron / vnd die Wunden darinnen abgebildet werden / der Geruch aber iſt ſehr ſchlecht / die Frucht hievon kan man eſſen vnd trincken / dienet zur Kuͤhlung / iſt ſehr ſuͤß.

Das Albahaca / ob es gleich kein Blumen / ſondern ein Kraut iſt / pflantzen ſie es doch zur ergetzlich -Albahaca.Ckeit /26Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilkeit / vnd Geruch in jhre Gaͤrten vnter die Blumen / vnd haben deſſelben ſo viel gezogen / daß es gar gemein worden.

Die Jndianer pflegen in jren Feſt-Spielen vnd Taͤntzen / Blumen in Haͤnden zutragen / welches auch jhre Koͤnige vnd groſſe Herꝛen fuͤr einen Pracht gehalten / daher man jhre Vorfahren gemeinlich mit Blumen abgemahlet ſihet.

Apotecker Werck.

Wollen nun auch der fuͤrnembſten Ding gedencken / ſo zur Artzney / vnd in die Apotecken dienlich / vn - ter welchen das erſte der Balſam iſt.

Balſam zweierley.

Der Balſam aber / ſo auß Weſt-Jndia gefuͤhret wirdt / iſt nicht der rechte / oder dem gleich / ſo man von Alexandria / oder Alcair bringet / vnnd der vor Zeiten im Judiſchen Land gefunden worden / Dann die Baͤum ſeind einander vngleich / vnd wirdt der in Paleſtina klein / vnnd als ein Wenſtock be -Plin. lib. 12. cap. 25. Cant. 1. Strabo lib. 16. Geo - graph. ſchriebẽ / daher der Orth Engaddi / wegẽ der G[l]eichfoͤrmigkeit / ſo er mit dem Weinſtock hat / geneñet worden.

Der Baum aber in Jndien / da ſie den Balſam von bekommen / iſt in der groͤß / wie ein Granatapffel - Baum / vnd hat gar keine Gleichheit mit dem Weinſtock / wiewol jhn Strabo auch dergleichen beſchrei - bet / Vnd daß der Safft von groſſer Wirckung ſey / im Geruch / Heylen der Wunden / in der Farb vnd Subſtantz / Welche Krafft dann in dem Jndianiſchen Balſam auch gefunden wird: Vnd gleich wie jenes außgezogen wird / wann man die Rinden hawet vnd kerbet / alſo macht mans auch mit dem Jndianiſchen /Opobalſa - mus. allein / daß er mehr trieffet. Die lautern Threnen nennet man Opobalſamum.

Sonſt iſt auch noch ein vnvollkommene Gattung / den man auß dem Holtz / Rinden vnd BletternXylobalſa - mus. preſſet / vnd durchs Fewer heraus bringet / welches Xylobalſamum genennet wird. Dieſer Balſam waͤchſt in der Provintz Guatimala / Chiapa vnd andern Orten / Aber der beſt vnd ſtaͤrckeſt koͤmpt auß der Jn -Plinius lib. 12. cap. 25. ſul Tolu / ſo am Fußfeſten Land nicht weit von Carthagena ligt / er iſt weiß / Plinius aber gibt dem rohten den Vorzug / darnach dem weiſſen / zum dritten dem gruͤnen / zum vierdten dem ſchwartzen. Strabo helt mehr vom weiſſen / der auch beſſer iſt. Die Jndianer haben vor dieſem den Balſam wenig geachtet / wiewol ſie die Wunden damit geheylet / vnd ſolches die Spanier gelehret haben.

Liquedam - ber.

Liquedamber wird nach dem Balſam fuͤr hoch gehalten / iſt ein wolriechender ſafft / wirdt in ſich ſelbſt dick wie ein Kuch: Jſt von Natur heiß / gibt gut Rauchwerck / man brauchet jhn zun Wunden vnd andern Gebrechen.

Avime. Copal. Suchico - pal. Tacama - chaca. Caranna. Canna Fi - ſtola. Salſa Pe - rilla. Guajaca / ꝛc.

Es hat auch daſelbſt viel andere Saͤfft / Gummi vnd Rauchwerck / als da iſt Avime / Copal vnd Suchicopal / welche mit dem Storax vnnd Weyhrauch gleiche Wirckung vnnd lieblichen Geruch hat / So iſt auch Tacamahaca / vnd Caranna zur Artzeney dienlich / wie auch Cannafiſtola / vnd Salſaparilla / deſſen offtmals auff die funftzig Quintal heraus bracht worden.

Das Jndianiſche Frantzoſenholtz Guajacum iſt auch nunmehr genugſam bekant / vnd ſo ſchwer als Eyſen / gehet im Waſſer zu grundt. Jtem / das brennendt roth Braſilien Holtz / Vnd viel tauſent vnbe - kanter Simplicien / als da iſt die Wurtzel von Mechoacan / die Pinioenen von Puna / Confecten von Qua - nuco / Oel von Higuevilla / Tabaco / Peto vnd dergleichen viel / welche / wann ſie recht præparirt vnd bereit werden / vnd man ſie zu rechter Zeit brauchet / haben ſie nicht geringere Krafft / als die Droghen / welche auß den Morgen Laͤndern kommen. Wer aber von den Jndianiſchen Pflantzen / Safft / vnd andern Medicina - liſchen Dingen weitlaͤufftigern Bericht begeret / der leſe Doctoris Franciſci Hernandes trefflich Werck / darinnen er vber die 1200. nach dem Leben abgebildet vnd beſchrieben.

Vber die Baͤum vnd Pflantzen / ſo durch des Menſchen Vernunft gepflantzet / vnd von einem Land ins ander verfuͤhret werden / iſt noch ein groſſe Anzahl Baͤum / die nur von Natur erſchaffen vnndAmerica -[n]iſche Baͤu - me. herfuͤr kommen ſeind. Vnd dieſer ſeind in der newen Welt weit viel mehr / vnd vnterſchiedlicher / als in vn - ſer alten Welt / deſſen hiebevor Vrſach angezeigt worden / daß nemlich wider der Alten Wahn / das Land in Jndien heiß vnd feucht iſt / dadurch der Erdboden mit einer viel zu groſſen Geylheit vnzehlich viel Wild vnd natuͤrliche Pflantzen herfuͤr bringet / vmb deß willen viel Land vnbewohnet ſeind / die man auch we - gen der dicken Waͤld nicht durchreiſen mag. Ja es hat ſich offt zugetragen / daß ſie in ſechs Tagen nur ein meilweges reiſen moͤgen / vnd an etlichen Orten gar vber das Gehoͤltz hin ſteigen muͤſſen. Was aber dieCedern. Baͤum in ſolchen groſſen Wildnuſſen alle fuͤr Namen haben / iſt vnmuͤglich zuwiſſen. Die Cederbaͤum / welche man vorzeiten ſo hoch gehalten / ſind allhier ſo gar gemein / daß man ſie nicht allein zum bawen / ſondern auch zun Schiffen gebrauchet. Seind weiß / Rotfarbig / vnnd wolriechendt / vnd ſtehet deren voll in d Andes im Reich Peru gelegen / auffm Gebirg / in feſtem Land / in den Jnſulen / Nicaragua vnd new Spanien. Es gibt auch ſehr ſchoͤne / vber aus hohe / vnd ein vnzehlichen hauffen Lorbeer / Palmen vnd Eych -Ceyvas. baum / wie auch die Ceyvas / davon die Jndianer jhre Canoas oder Nachen machen / vnd auß einem Baum zurichten vnd außhoͤlen.

Auß Guayaquil bekoͤmpt man ſehr hohe Rohr / in welcher Abtheilung ein Bottigia / oder SpaniſchMangles. Maaß gehen mag / man kans auch zum bawen brauchen. Auß dem Holtz von Mangles / macht manMolle. die Maſtbaum vnd Raan an Schiffen / Es iſt ſo hart vnnd feſt / als obs Eyſen were. Der Molle iſt ein Baum von vielen Tugenden / bringet ein art Trauben / davon die Jndianer Wein machen. Jn Tha - cochauia drey meil von Guaxaca in new Spanien ſtehet ein holer Baum / deſſen Hoͤl inwendig neunEin holer Baum / von wunderba - rer groͤſſe. Klaffter begreifft / außwendig aber in ſeiner runde hart bey der Wurtzel ſechtzehen Klaffter / vnnd ein wenig hoͤher zwoͤlff Klaffter / Er iſt vom Wetter troffen / vnnd alſo auffgeborſten / vor demſelben hat er tauſent Menſchen / einen Schatten machen koͤnnen / Vnd haben die Jndianer jhre Feſte / Taͤntz vnnd dergleichenAber -27Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Aberglaubiſche Ding darvnter gehalten / was es aber fuͤr ein Baum ſey / mag man nicht wiſſen / Vnd ob jemand dieſes fuͤr Fabelwerck halten moͤchte / der leſe was Plinius von dem Platano in Lycia erzehlet / ſo einePlinius lib 12. Cap. 1. Hoͤle von ein vnd achtzig Schuch gehabt / deſſen Eſte einem gantzen Wald gleich geſchienen / vnnd ſein Schatten das gantze Feld bedecket.

Die Jndianer ſeind mit den Pflantzen beſſer bezahlet worden / als mit anderer Kauffmans Wahr / dann alles was man auß Hiſpanien in Jndien verſetzet / waͤchſt beſſer als daheim in Hiſpanien / wel - cher Hand ſeind Pomerantzen / Limonen / Granataͤpffel / Citronen vnnd dergleichen Fruͤchte: Hin wider - umb findet man auch Ding darin / ſo nicht ſo gut ſind als in Spanien. Weitz / Gerſten / Gartenkraͤuter / Erbeß / Bonen / Linſen / Koͤl / Rettig / Zwiebel / Lauch / Peterſilien / Ruͤben / Spicanardi vnd dergleichen ſeind auch hinein gebracht / doch geraͤth eines beſſer als das ander. Man findet an etlichen Orten gantze Waͤld voll Pomerantzen Baͤum / die vngefehr daſelbſt gewachſen: Dann es verfaulen die abgefallene Pomeran - tzen / die daſelbſt zerſtrewet ligen / von welcher Samen entlich dieſe Waͤlde kommen / hierzu gibt vrſach das v - beraus heiſſe vnd feuchte Land / welches dieſe Fruͤcht haben muß vnd foͤrdert.

Feygen gerahten vber fluͤſſig / wie auch Aepffel vnd Birn. Die Kirſchen aber nicht ſo wol / AlſoWein - wachs in Weſt Jn - dien. auch das Stein Obs / Mandeln / Welſche vnd Haſelnuͤß / So mangeln jhnen noch die Fruͤcht mit Scha - len / als Eycheln / Kaͤſten vnnd dergleichen. Jn Peru vnd Chile gibts nunmehr guten Wein / welchen ſie erſt bawen lernen / vnd taͤglich beſſer wird / ob gleich in etlichen Orten kein Regen darvber koͤmpt / ſondern nur von den Waſſerpfuͤtzen befeuchtet wird / Aber der Wein iſt nichts deſtoweniger ſehr thewer / daß ein Bottigia auff ſechs Ducaten koͤmpt / der Spaniſche Wein aber auff zwoͤlff Ducaten.

Jn der Statt Cuſco findet man durchs gantze Jahr Trauben / welches zwar verwunderlich / wie in Peru Baͤum gefunden werden / welche auff einer Seiten das halb Jahr / vnd auff der andern Seiten das ander halbtheil tragen.

Die Jndianer haben vor dieſem auch kein Seyden gehabt / die nunmehr in new Spanien auch ge -Von der Jndianer Seyden. mein wird / weil die Maulbeerbaͤume wol gerahten / ſonderlich aber in der Landſchafft Miſteca / da man Seydenwuͤrm zeuget / vnd gute Seyden wircket: Mann macht auch daſelbſt Taffet / Damaſt vnnd Car - moſin / kein Sammet aber hat man noch zur Zeit bereitet.

Der Zuckerhandel nimpt nunmehr auch ſehr zu / vnd wird in der Jnſul S. Dominico am ſtaͤrckeſtenZucker. getrieben.

So hat es auch in Mexico vnd Peru Oliven Baͤum / davon ſie aber kein Oehl machen / ſondern nurOliven. zum Eſſen brauchen. Vnd helt man dafuͤr / das oͤhl koſte mehr außzutrucken / als es Nutzen bringen moͤch - te. Darumb bringen ſie das Oel auß Spanien dahin. Alſo wollen wir dieſe Materien von den Pflantzen beſchlieſſen / vnd von den Thieren etwas melden.

Mann findet in Jndien dreyerley Art Thier: Ein theil haben die Spanier hinein gefuͤhret: DasVon den Thieren. ander Theil ſeind den Spaniſchen Thieren gleich: Die dritten ſeind die Einheimiſchen Jndianiſche Landthier. Die erſte Art von den Spaniern hinein gebracht / ſeind Hirſch / mehrentheils ohne Hoͤrner /Thier ſo die Spanier hinein ge - fuͤhret. Schaff / Kuͤhe / Geiß / Schwein / Pferdt / Eſel / Hunde / Katzen vnnd dergleichen. Das klein Viehe / ſonder - lich die Schaff / hat ſich wegen der guten Weyd ſehr gemehret / daher der Tuchhandel nunmehr auch ſehr zugenommen.

Doch ſeind die Spaniſchen Tuͤcher beſſer als die Jndianiſchen / weil die Wollen allda nicht ſo zart iſt / vnnd ſie daſſelbige nicht alſo zu bereiten wiſſen. Neben den zahmen Kuͤhen vnnd Ochſen / hat es auch groſſe Hauffen wilder Ochſen vnnd Kuͤhe / welche niemands eygen / vnnd werden wie ander Wildtpret von maͤnniglich ohn vnterſcheidt gefangen / Es jagen ſie beyde Leibeygen vnd Freyen / wer es fenget / deſſen iſt es. Des Fleiſches begeren ſie nicht / weil ſie von den zahmen Thieren genugſam zu leben haben / ſondern nur der Haͤut. Dahero der Lederhandel faſt der ſtaͤrckeſt in new Spanien iſt / alſo / daß Anno ſieben vnd achtzig in der Jnſul S. Dominico 35444. vnnd in new Spanien ſechtzig tauſent dreyhundert vnd funfftzig Ochſen vnd Kuͤhehaͤut geladen worden. So iſt auch ein groſſer Handel mit dem Geiſſen Vn - ſchlit / welches arme vnd reiche Leut gemeiniglich zu liechtern brauchen / weil es leichtern Kauffs als Oel iſt. Die Haͤut bereit man zu Schuhen / Stiffeln vnd Lederwerck.

Die Pferdt gedeyhen auch beſſer in Jndien / als in Spanien.

Die Eſel brauchet man weniger als die Maul Eſel. So werden die Camelen von den Canarien nach Peru gebracht. Die Hund werden in der Jnſel Hiſpaniola ſehr groß / vnd mehren ſich dermaſſen / daß ſie mercklichen Schaden vnter dem Viehe thun / werden nunmehr wie die Woͤlffe erſchlagen / vnnd verfolget / wer einen todtſchlaͤget / hat ein beſtimpt Geldt darvon. Zuvor hat es wol kleine Huͤndlein dar - innen gehabt / welche die Jndianer ſo ſehr geliebet / daß ſie dieſelben zur Geſellſchafft auff dem Ruͤcken mit ſich getragen.

Die andere Art von den Thieren / ſo man in Jndia gefunden / vnnd doch von den Spaniern nichtThier den vnſern gleich. hinein bracht worden / deren man aber in Europa gleicher Art findet / ſeind Loͤwen / Tygerthier / Baͤren / wilde Schwein / Fuͤchs vnnd dergleichen / wie aber dieſe moͤgen hinein kommen ſeyn / iſt droben erklaͤret worden.

Die Jndianiſche Loͤwen haben keine Pflocken Haars / wie die andern / ſeind auch graͤwlicht / vnnd nicht ſo grimmig. Die Jndianer ſchlagen ſie in jhren Jagten mit Knuͤtteln oder werffen ſie mit Stei - nen zu todt. Sie ſpringen auch wol auff die Baͤume / vnnd werden mit Buͤchſen / Spieſſen / oder BogenC ijherunter28Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilherunter geſchoſſen. Die Tygerthier ſeind viel grimmiger / thun geſchwindere vnd gefaͤhrlichere Spruͤng / neiden die Jndianer mehr als die Spanier.

Thier / ſo der Jndia - ner eygen / vnd wie ſie moͤgen hin kommen ſeyn.

Von der dritten Art der Thier / ſo allein in Jndien / vnd ſonſten nirgents wo gefunden werden / iſt mißlicher zuſchreiben / Dann wann der Schoͤpffer ſie daſelbſt erſchaffen / ſo doͤrffen wir vnſere Zuflucht nicht bey dem Kaſten Nohe ſuchen / were auch vnnoͤtig geweſen / alle Art Thier zubehalten vnd zuſal - vieren / ſo ſie hernach hetten muͤſſen auffs new geſchaffen werden / Mann koͤnt auch nicht erweiſen / daß Gott in der Schoͤpffung jnnerhalb ſechs Tagen die Welt vollkommen erſchaffen / da noch ein newe Schoͤpffung der Thier hierauff erfolgt were. Da man nun ſaget / daß alle oberzehlte Thier im Kaſten Nohæ ſeyen erhalten worden / ſo muß folgen / daß gleich wie andere Thier in Jndien auß der alten Welt kommen / daß alſo auch die / ſo man an keinem andern Ort in der Welt find / dahin muͤſſen kommenFrag von den Ame - ricaniſchen Thieren. ſeyn. Da nun dem alſo ſeyn ſolte / fragen wir weiter / wie dann diß moͤge zugehen / daß von derſelben Art keines hier bleiben / vnd daß ſolche nur an den Orten blieben / da ſie frembd hinkommen? Darauff mag man einfeltiglich antworten / daß ein jedes Thier nach der Suͤndfluth / wie ſie auß dem Kaſten gangen / ſeiner Art vnd / Eygenſchafft nach / jhm ein Land außgeſuchet / darin es zu leben hette / Alſo ſihet man / daß in vnſerer Welt / in jederm Theil es ſonderbare Thier hat / welche im andern Theil nicht gefunden werden / ſie ſeyen dann mit Fleiß dahin gebracht / Ja es befindet ſich offtmals / ob man gleich etliche Thier in andern Landen zupflantzen vnterſtehet / ſie doch wegen des widerwertigen Luffts vnd Temperaments nicht bleiben koͤnnen / ſondern ſterben. Kan alſo gar wol ſeyn / daß es mit den vnbekanten wilden Thieren in Jndia auch alſo ſey zugangen.

Nun wir wollen etlicher ſolcher Thier meldung thun: Auff etlichen Gebirgen in Jndia findet manSaynos. die Saynos / welches ein frembde Art von Schweinen iſt / ſie haben jhren Nabel auff der Borſten / ſeind ſehr grimmig / foͤrchten keinen Menſchen / ſondern greiffen jhn an / ſtrecken jre Borſten heraus / welche ſo ſcharpf ſeind wie ein Schermeſſer oder Flieten / damit ſie verwunden / vnd verſehren / die jhnen nachjagen. Wann je - mand deren eines fahen wil / muß er auff einen Baum ſteigen / wo nun dieſes das Thier gewar wird / laͤufft es auff den Baum zu / fenget an zunagen / zubeiſſen / vnd vermeinet den Baum niderzuwerffen: Der aber auff dem Baum ſitzet / erwirffet das Thier mit Wurffbeyln vnd kleinen Schweinſpieſſen / Sie haben gut Fleiſch / vnd muß man den runden Ball am Nabel des Borſels alsbald hinweg ſchneiden / ſonſt wuͤrden ſieGuadati - najas. an einem Tag ſtinckendt / die Guadatinajas ſeind dieſen Schweinen faſt gleich / Aber etwas kleiner / vnd jſ - ſet man in etlichen orten das Fleiſch friſch / vngeſaltzen / vnd iſt ſo gut als Schaff Fleiſch.

Elend.

Man findet auch Elend in Jndien / wie kleine Ochſen / ehe ſie Hoͤrner bekommen / ſeind ſie den klei - nen Maͤulern aͤhnlich / jhre Haͤut werden hoch gehalten / Gleich wie aber die Elend von jhrer dicken HautArmadil - los. bewart werden / alſo bewahret auch die Schuppen des Thiers Armadillos / welche auch Stichfrey wie die Elends Haͤut ſeynd / Jſt ein kleines Thierlein auff dem Gebirg / vnd nichts ſonderliches daran zu -Yguanas. eſſen. Die Yguanas geben beſſer Speiß / welche / wie die Spaniſche Eydexen anzuſehen / Sie halten ſich im Waſſer / ſteigen auch auff die Baͤum / ſo vber das Waſſer gehen / fallen hernach wider ins Waſſer: Darvmb faͤhet man ſie mit Nachen / die deßhalben vnten feſt gemacht ſeind.

Chinchil - las. Hardillas.

Chinchillas wie auch Hardillas / ſeind auch ſonderliche Thier auff dem Gebirg Peru / haben ſehr ſanffte Fell / werden zu den Bruſttuͤchern getragen / daß ſie wegen jhrer waͤrme den Magen erwaͤrmen ſol - len. Man macht auch Decken daraus.

Cuy.

Das Thierlein Cuy iſt den Jndianern auch ſehr gemein / haltens fuͤr ein gut Eſſen / vnd habens vor der Zeit zu jhren Opffern gebraucht / ſeind graw / weiß oder bundechtig / den Caninen gleich / haben auch jhre Hoͤlen vnter der Erden / vnd durchſchroten dieſelbige.

Viſachas.

Viſachas ſeind die groſſe Art von Haſen / werden der andern / wie auch die Caninchen / ein groſſe Menge gefunden / gejaget vnd geſſen.

Pericolige - ro.

Perico Ligero wird ſeiner Traͤgheit halben im widerſpiel alſo genant / heiſt ein leicht Huͤndlein / hat an den foͤrderſten Fuͤſſen drey Klawen / hat ein Affengeſicht / helt ein groß Geſchrey / wohnet auff den Baͤumen / vnd nehret ſich mit Ameiſen.

Vicunnas.

Die nuͤtzlichſten Thier in Jndia ſeind die Vicunnas vnd Schaff / die Vicunnas ſind groͤſſer dann die Geiß / vnd kleiner dañ Kaͤlber / jhr Farb iſt nahe wie eines Loͤwen / aber ein wenig klaͤrer / ſie haben auch keine Hoͤrner / wie die Geiß vnnd Hirſch haben. Sie halten ſich auff dem Gebirg vnd aller kaͤlteſten Or - ten / ſo Punas genennet werden / das Eyß vnd Schnee hindert ſie gar nichts / ja man moͤcht wol ſagen / daß ſie daran eine Erquickung hetten / Sie lauffen ſchnell mit Hauffen / ſeind ſehr Forchtſam / fliehen vor Reiſenden Leuten / vnd Viehe / wann ſie die vernehmen / vnd jagen jhre Jungen vor jhnen her / Ob ſie ſich mehren / kan man nicht wiſſen / darumb dorfft man ohn Befehl der Koͤnige kein Jagt anſtellen / Die Jndianer klagen / daß durch Ankunfft / vnd zu viel fleiſſig jagen der Spanier / dieſe Thier ſehr abge - nommen. Wann ſie ein Jagt anſtellen / ſamlen ſie jhrer auff die viertauſent zuſammen / vmbgeben ein groſ - ſes Stuͤck im Gebirg / treiben alſo das Wild von allen Orten zuhauff / nehmen darnach in die vierhun - dert / oder ſo viel ſie wollen / daraus / Die andern / ſonderlich aber die Weiblein laſſen ſie widerumb lauffen / auff daß ſie ſich mehren koͤnnen. Die Thier pflegen ſie auch zuſchaͤren / machen von dem Haar Maͤn - tel vnd Decken / welche in groſſem Werth ſind. Dann es iſt die Woll wie reine Seyden / vnd waͤhret lang / weil es natuͤrliche Farbe hat / ſo nicht geſotten wird: Dieſe Kleidungen ſind kuͤhl / wanns heiß Wetter iſt / auch fuͤr Entzuͤndung der Nieren / temperiren die vbermaͤſſige Hitz / Gleiche Krafft hat dieWoll29Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Woll auch in den Betten / ſollen auch gut fuͤr das Zipperlein ſeyn / Solche Decken ſein aber nicht Waͤhrhafft.

Das Fleiſch der Vicunnas iſt nicht gut / wiewol es die Jndianer eſſen / vnd im Rauch doͤrren. Das friſche Fleiſch aber iſt gut fuͤr die dunckele vnnd boͤſe Augen. Das vornembſte an dieſen Thieren ſind die Bezoar Steine / davon nachmals Meldung beſchehen ſol. Tarugas ſeind den Vicunnas faſt gleich /Tarugas. aber viel wilder / ſchneller vnnd von groͤſſerm Leib. Die Farbe iſt etwas verſengter / haben ſanffte han - gende Ohren / lauffen nicht Hauffenweiß bey einander / ſondern man ſihet eines allein / vnd ſolches an ho - hen Orten.

Schaff Pacos.

Jm Reich Peru hat es zweyerley Geſchlecht Schaff: Ein art ſind die Pacos / oder Wollentragen -

[figure]

de Schaff: Die andere art als die Jlalas ſeind Laſttragende Schaff / vnnd haben wenig Wollen. Sie ſeind groͤſſer dann Schaff / vnd kleiner dann Kaͤlber haben lange Haͤlſe wie Cameel. Von Farben ſeind ſie vn - terſchiedlich / als weiß / gantz ſchwartz / graw vnnd ſpraͤnglicht / die Jndianer heiſſen ſie Mocomoro. Die - ſe Schaff nun dienen in Jndien neben dem / daß jhr Fleiſch geſſen / vnd auß der Wollen Tuch gemacht wird / auch darzu / daß ſie dieſelbige an ſtatt der Pferdt vnd Eſeln gebrauchen koͤnnen / dann ſie alles / was ſie vber Feld zutragen haben / auff dieſe Thier legen / Sie tragen auch das Silber auß dem Bergwerck Po - toſigen Arica auff ſiebentzig Meilweges / gehen wol vierhundert mit einander / haben wenig Volck mit jhnen / verꝛichten gemeiniglich vier Meilweges auff einen Tag / dieſe Thier koſten jhre Herren nicht das geringſte / dann ſie haben weder Sattel / Zaum oder Huffeyſen von noͤthen / eſſen auch nichts anders als das Graß auff dem Feld / doch muͤſſen die Leute / ſo mit gehen / wol zuſehen / daß ſie die nicht erzoͤrnen / dann ſo ſich eines auß Vnwillen niderleget / iſt es mit keinen Schlaͤgen oder Worten wider auffzubrin - gen / ſondern muß der Geleitsmaͤnner einer ſich neben das Thier legen / bißweilen wol in die drey Stunde ligen bleiben / vnd jhm liebkoſen / biß es wider auffſtehet / vnnd ſeinen Weg fortgehet / ſo aber deren eines ver - wildet / auffs Gebirg laͤuffet / wie etwan geſchehen iſt / kan man ſie durch kein Mittel von dannen bringen / derhalben / ſo man alsdann die Laſt / ſo es auff dem Ruͤcken traͤget / erhalten wil / muß man das Thier mit ei - nem Rohr zu todt ſchieſſen / daß es vom Berg herab faͤllet. Wann ſie die Reudigkeit bekommen / vergraͤbt man ſie lebendig / damit ſie die andern nicht anſtecken.

Mann findet ein vnzehliche menge Meerkatzen vberall im Gebirg / der Jnſuln / auff dem feſten Land /Meerka - tzen / vnnd jhre wun - derbare Li - ſtigkeit. vnd in d Andes / Sie ſeind aber auß der Affen Art / dann etliche haben ſehr lange Schwaͤntz / ſeind vnter - ſchiedlicher Farben gantz ſchwartz / Aſchenfarbig / graw vnnd ſprenglicht. Mann muß ſich vber jhreC iijBehen -30Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilBehendigkeit vnd Klugheit verwundern: Sie ſitzen auff den Baͤumen / als ob ſie den Voͤgeln nachſin - gen wolten: Kommen wunderbarlich von einem Baum zum andern / in dem ſie ſich mit dem Schwantz an einen Aſt wicklen / vnd alſo / wohin ſie wollen werffen / Jſt aber jhnen der Ort zu weit / daß ſie den mit einem Sprung nicht ereylen koͤnnen / faſſen ſie einander mit den Schwaͤntzen / hencken ſich wie eine Ketten feſt zuſammen / tringen darnach einander fort / die foͤrderſt bekoͤmpt von der folgenden Huͤlff / daß ſie im ſpringen ein Zweyg ereylet / vnd die andern alſo mit hinvber zeucht. Sie ſeind ſo lehrhafftig / daß ſie mit jrer Witz vnd Vernunfft viel Menſchen vbertreffen.

Meerkatz nach Wein geſchickt.

Jn des Gubernatoris zu Carthagena Hauß / hat man ein Meerkatz dermaſſen abgerichtet / daß ſie auß dem Wirtshauß vmb Geldt Wein geholet / in einer Hand trug ſie die Kannen / in der andern das Geldt / welches ſie ſo feſt hielt / vnd nicht eher gehen ließ / ſie hette dann den Wein zuvor in der Kannen. Wann jhr die Kinder auff der Gaſſen nachrieffen / ſetzt ſie die Kannen nider / ſucht Stein / warff vnter den Hauffen / damit ſie jhr bald Raum machte / vnd gieng wider jhren Weg / Wiewol nun die Meerkatzen gern Wein trincken / dannoch begert ſie die Kannen nicht zuoͤffnen / ohne Erlaubnuß jhres Hern. Wann ſie auch Weibs Perſonen angetroffen / ſo ſich mit Farben geſchmincket vnnd angeſtrichen / hat ſie dieſelbigen angefallen / den Schleyer abgeriſſen / vnd vbel tractiert.

An allen Thieren in Peru / deren hievor gedacht / vnd in den Hirſchen in new Spanien / findet manVon Be - zoarſtein. Bezoarſtein / davon etliche vnſere Authores gantze Buͤcher geſchrieben / ſie werden im Magen / ſo wol in den Weiblein / als Maͤnnlein / bißweilen zu zween / drey vnd vier in vnterſchiedlicher Geſtalt / groͤſſe vnd farbe gefunden / dann etliche ſeind an der groͤſſe / wie Haſel - vnd Welſche Nuͤß / Tauben vnd Huͤner - Eyer / auch wol ſo groß als Pomerantzen / etliche ſeind auch rundt / etliche breit / vnd aller handt Formen. An Farben ſind etliche ſchwartz / graw / weiß / fahl / etliche ſcheinen vberguͤltet ſeyn / die beſten kommen von denDie beſten von den Tarugas. Tarugas / welche ſehr groß vnd weißgraulicht ſehen. Alle Thier / ſo dieſen Stein haben / weiden gemeinlich vnter dem Schnee / oder auff den Punas / vnnd ſagen die Jndianer / daß in der Landſchafft Xauxa / vnnd andern Orten in Peru viel gifftige Kraͤuter vnd Thier ſeyen / welche das Waſſer davon ſie trincken / vnd das Graß / das ſie weiden / vergifften. Diß Kraut kennen die Vicunnas / vnnd andere Thier von Natur / vnd eſſen davon / mit welchem ſie ſich gegen die gifftige Weyd vnnd Waſſer verwahren: Von dieſemWovonder Bezoar - ſtein wach - ſe. Plinius lib. 10. c. 27. Von den Voͤgeln. herꝛlichen Kraut waͤchſet der Stein Bezoar in jhrem Magen / davon hat der Stein die Krafft / daß er den Gifft toͤdtet / vnnd andere wunderbare Ding wircket. Plinius beſchreibet dergleichen wilde Geiſſen / ſo das Gifft ohn Schaden weyden ſollen. Aber das Spaniſche Viehe / weil ſie das Kraut nicht eſſen / be - kommen der Stein nicht.

Was wir nun hiervon nach der leng von den Thieren gedacht / muß man von den Voͤgeln widerho - len / ſonderlich von denen / ſo mit den Spaniſchen einerley Art vnd Geſchlechts ſeind / als Feldhuͤner / Tur - tel - vnd Ringeltauben / Wachteln / allerhand art Falcken. Dieſer Gattung hat man auß new Hiſpanien vnd Peru / deß gleichen Reyger vnd Adler von vnterſchiedlicher Art / in Spanien geſchickt / vnnd zweiffeltAdeler vn - terſchiedli - cher art. Pſittich. man nicht daran / daß dieſe Voͤgel beſſer hinvber fliehen / als die Loͤwen / Baͤren / vnd dergleichen hinvber ſchwimmen moͤgen / die Pſittich fliehen auch geſchwind / vnd findet man deren noch ein groſſe Meng in Jndien. Von den Huͤnern iſt ſich zum meiſten zuverwundern / welche allda gefunden worden / ehe die Spa - nier hinein kommen / doch iſt glaublich / daß ſie die Leute anfangs mit hinein gebracht / wie man dann ſiehet / daß die Leute offtmals Hanen vnd Huͤner auff jhren Buͤrden mit zufuͤhren pflegen.

Jn Jndien ſeind viel Voͤgel / denen in Europa aͤhnlich / welche die Spanier darin funden haben / die wir auff diß mahl nicht all erzehlen moͤgen.

Kleine Voͤ - gelein in China.

Auß China bringet man kleine Voͤgelein ohne Fuͤß / der Leib iſt ſonſt vberall nichts als Feddern. Sie kommen nimmermehr auff die Erden / ſondern hengen ſich mit etlichen Beinlein / die ſie haben / an die Eſte der Baͤum wann ſie ruhen wollen / vnd ernehren ſich mit Muͤcken vnd andern Dingen in der Lufft.

Toniene - jos. Condores.

Jn Peru hats die Tonienejos / ſeind ſo kleine Voͤgelein wie die Jmmen / vnd ander Fliegengeſchmeiß / haben ſehr ſchoͤne Feddern von vollkommenen Farben. Hergegen ſind die Condores vber aus groß / vnd ſo ſtarck / daß ſie nicht allein ein Schaff zerreiſſen vnd verſchlingen / ſondern auch wol ein Kalb.

Auras.

Die Auras / ſo etliche fuͤr Huͤner halten / ſeind von Raben Art / ſehr leicht / haben ein ſcharpff Geſicht / ſeind gut die Gaſſen in Staͤtten rein zu halten / weil ſie nichts ligen laſſen / deß Nachts halten ſie ſich auff den Steinfelſen vnd Baͤumen / des Morgens aber fliegen ſie in die Statt / ſitzen auff die hoͤchſte Gebaͤw / vnd nehmen in acht / ob ſie etwas auff dem Raub bekommen moͤgen / Die Jungen vberkommen weißlech - te Feddern / wie man von den Raben ſaget / die dar nach ſchwartz werden.

Guaca Mayas.

Die Guaca Mayas ſeind Voͤgel groͤſſer als Pſittich / werden der vnterſchiedlichen Farben halben hoch gehalten. So hat es in new Spanien ein meng Voͤgel / ſo vberauß ſchoͤne vnd zarte Feddern haben / daß man dergleichen in Europa nicht finden mag. Wie man dann an den kleinen Bildern / ſo ſie außden Fed - dern machen / zuſehen hat / welche ſo artlich ſeind / daß man ſie kaum mit dem Benſel beſſer machen kan / vndFedderbil - der. werden die beſten Fedderbilder in der Landſchafft Mechoacan in dem Flecken Paſcaco alſo gemacht: Sie faſſen die Feddern mit Knipzaͤnglein / ziehen die auß den todten Voͤgelein / ſo man Tonienejos heiſſet / fuͤ - gens mit einem zarten Leim an einander / welches ſie geſchwind wiſſen ins Werck zurichten.

Mann hat auch ſonſt noch groſſe Voͤgel / die ſehr ſchoͤne vnd zarte Feddern haben / davon ſie herꝛliche Fedderbuͤſch machen / mit Gold vnd Silber zuſammen fuͤgen / vnd nachmals im Krieg brauchen. Beydem31Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. dem Meerſtrandt findet man offt eines Spieß hoch / ſchneeweiſſen Meervoͤgels Miſt / damit man das Erd -Weiſſer Vogels - Miſt die beſte Duͤn - ge. Von der Jndianer Religion. reich duͤnget / iſt die Fruchtbarſte Duͤng / die man haben mag / vnd hievon hat das Thal Limaguana ſeinen Nahmen vberkommen.

Wir wollen fuͤrter von der Jndianer Religion handeln / vnd anzeigen / demnach der Ertzfeind vnnd lei - dige Teuffel von vnſerer Welt auß den fuͤrnembſten Landſchafften / durch die Krafft vnd Erkaͤntnuß Chri - ſti vertrieben / wie er ſich in dieſe andere Welt gemacht / vnd was er fuͤr abſchewliche Grewel / vnnd mancher - ley Abgoͤttereyen bey dem armen blinden Volck angericht. Da dann anfangs zu mercken / ob gleich die Fin -Der Jn - dianer Goͤtter. Viracocha. Pachaca - mack. ſternuß des Vnglaubens / den Verſtandt dieſer Jndianiſchẽ Voͤlcker eingenommen vnd verdunckelt gehabt / daß ſie dennoch befunden vnd erkennet / wie ein Oberſter HErr vnd Schoͤpffer aller Ding ſey / welchen die zu Peru Viracocha / andere aber Pachacamack / das iſt / Schoͤpffer Himmels vnd der Erden / Jtem / Vla - ſtu / das iſt / Wunderbar / genennet / vnd denſelben angeruffen / vnd verehret haben.

Nach dieſem Oberſten Gott haben die armen blinden Leut / auch Sonn / Mond / Morgenſtern / Meer vnd Erden angebettet. Die Jngæ Koͤnige zu Peru / thaͤten nach dem Viracocha / vnd der Sonn den dritten Gottesdienſt dem Donner / vnd gaben fuͤr / der Donner were ein Mann / der im Himmel mit einer Schleuder ſtuͤnde / vnd in ſeiner Gewalt hette den Regen / Hagel / Blitz vnnd Donner / welche er nach ſeinem Willen vnd Wolgefallen pflege zu regieren.

So hat man in der Hauptſtatt Cuſco auch die Kinder der Sonnen geopffert.

Wann ſie anbetten wolten / namen ſie ein Ding in die Haͤnd / welches wie ein Handtſchuch ſahe / vnd hieltens empor.

Auch betteten ſie den Regenbogen an / welchen die Jngæ neben zwoen außgeſtreckten Schlangen / inDer Jngæ Wappen. jhren Wapen fuͤhreten.

Vnter den Sternen rufften ſie den Colca oder Geißlein an. Einem Stern gaben ſie diß / dem andern jenes Ampt / welche von denen angebettet wurden / die jhrer Huͤlffe beduͤrfften.

So hielten ſie dafuͤr / es were kein Thier oder Vogel auff Erden / der nicht ein gleichmaͤſſiges Ebenbild im Himmel hette / vnd ſolcher ſolt in eben demſelbigen Geſchlecht die vermehrung fortbringen helffen.

Die zu Mexico rieffen neben dem hoͤchſten Schoͤpffer / vnd der Sonnen / auch den Abgott Vitzliputz -Vitzliputz - li, liam meiſten an / welchen ſie fuͤr den Hoͤchſten Herꝛen der gantzen Welt hielten / als der alles erſchaffen hette / vnd alles durch ſeine Vorſehung erhielte / dem ſie ein groſſen / hohen vnd gantz koͤſtlichen Tempel erbawet / wie noch an den zerfallenen Stuͤcken abzunehmen.

Aber dieſe alle haben die Wilden zu Peru / mit Abgoͤtterey vbertroffen / Dann ſie nicht allein die Fluͤſ -Die Jndia - ner haben alle Heyden in der Ab - goͤtterey v - bertroffen. ſe / Brunnen / die Riß der Klippen / groſſe Steinfels / Gebirg / die Gipffel der Huͤgel / ſondern auch alle andere natuͤrliche Dinge / welche ſie bedaucht / etwas ſonderliches ſeyn / als Gott verehret vnd angebettet haben.

Die zu Caxamalca in Naſca / verehreten einen Sandberg / weil er ſich mitten vnter den Felſen befand / die zu Koͤnigſtatt einen alten Baum / Ertz / Wurtzeln vnd Fruͤchte der Erden.

Jtem / Baͤren / Loͤwen / Tygerthier vnd Schlangen / damit ſie jhnen nicht moͤchten Schaden thun.

Wie nun jhre Goͤtzen ſeind / alſo ſeind auch die Dinge / ſo ſie bey jhrem anbeten opffern.

Wann ſie vber Feld reiſeten / ſo zerſtrewten ſie alte Schuch / Feddern / gekawts Coca / vnd diß thaten ſie gemeiniglich auff den Creutzwegen / auff den Gebirgen vnd oberſten Gipffeln derſelben / hatten ſie aber deren kemes / legten ſie doch zum wenigſten einen Stein / an ſtatt des Opffers dahin / darbey bittende / daß ſie jhnen Krafft vnd ein freyen Paß geben wolten / welches ſie dann jhrem ſagen nach / erlangeten.

Dieſer Opffer liegen offt groſſe Hauffen auff der Straſſen.

Mit dieſem allem / ſeind die Jndianer noch nicht zu frieden geweſen / ſondern auch jhre Koͤnige Jn -Sap. 14. gas / lebendig in Bildern / vnd todt in den Begraͤbnuſſen verehret / allermaſſen / wie das Buch der Weißheit hiervon weitlaͤufftig ſchreibet.

Dann erſtlich ſuchten ſie jhrer Koͤnigen vnd Herꝛen Leichnam zu bewaren / vnd hielten ſolche ohn Ge -Der Jngen Begraͤb - nuß. ſtanck vber 200. Jahr / Auff dieſe weiß lagen die Koͤnige Jngas zu Cuſco jeder in ſeiner Capellen. Dann ein jeder der obgemelten Koͤnigen Jngas / ließ all ſeinen Schatz / Guͤtter / Renth / vnd anders zu Erhaltung der Capell geben / dahin ſein Leichnam ſolt begraben werden / Er ließ auch all ſeine Diener vnd Haußgeſind zu Dienſt der Capell warten.

Mit der abgeſtorbenen Leichnam waren ſie noch nicht zu frieden / ſondern machten jhnen auch noch Bilder. Ein jeder Koͤnig ließ jhm ſelbſt ein Steinern Bild zurichten / weil er lebte / vnd hieſſen ſolches Bru - der / welchem Bild nachmals noch bey ſeinem Leben ſo viel Ehr angethan ward / als den Jngas ſelbſten. Sie fuͤhrten auch gemelte Bilder in die Krieg / man trug ſie in der Proceſſion / hielt jhnen Feſttag vnnd Opffer / verhoffent / alſo Regen vnd gut Gewaͤchs zuvberkommen / vnd dieſer Goͤtzen waren viel vnter dem Gebiet zu Cuſco.

Jn dieſer Abgoͤttiſchen Verwirrung / haben dennoch die Jndianer der Seelen Vnſterbligkeit geglau -Jndianer glauben der Seelẽ Vn - ſterbligkeit. bet / vnnd daß die Frommen das ewige Leben / die Boͤſen aber ein ewige Verdamnuß erlangen werden: Doch wuſten ſie nicht / daß die Leiber mit den Seelen widerumb aufferſtehen ſolten / vmb welcher Vr - ſach willen ſie dann ſo groſſen Fleiß ankehreten / wie zuvor gemeldet worden / damit ſie nur die Leiber lang vnverſehret behalten moͤchten: Die Nachkommen haben ſolche Coͤrper mit Kleidern behaͤnget / ſie thaͤten jhnen auch Opffer / ſonderlich den Koͤnigen Jngas: Wann die Jngas mit Todt ab - giengen / wurden alle jhre Weiber / Beampten vnd Diener getoͤdet / auff daß ſie jhnen in der andern WeltC iiijvnder -32Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil

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vnderthaͤnige Dienſt leiſteten / Dieſer Todtſchlag aber geſchach gemeiniglich / wann ſie gezecht / vnnd wol geſungen hatten / Welche man alſo toͤdtet / hielten ſich fuͤr Gluͤckſelig / daß ſie alſo ſterben ſolten.

Sie opfferten auch Kinder / mit deren Blut ſie die Abgeſtorbenen anſtriechen / vnd machten Streiff von einem Ohr biß zum andern / vber das Angeſicht hin.

Etliche hat man mit ſonderlichen Ceremonien verbrandt.

Dieſes alles haben die andern Jndianer nachgeaͤffet / vnd iſt ſolcher Brauch durch gantz Jndien bey - nahe gemein geweſen / Vber dieſes hat man ſonſt noch ein gemeinen Aberglauben durch gantz Jndien / daß ſie nemblich auff jhre Todtengraͤber Eſſen vnd Trincken ſetzen / vermeinend / daß ſie jhre Nahrung davon hetten.

Auch ſteckten ſie den Todten Silber in den Mund / Haͤnd vnd Buſem / zogen jhnen doppelte vnd gute Kleider / vnter das Todtenkleid an / dann ſie hielten dafuͤr / daß die Seelen jhrer Abgeſtorbenen vmbher ſchweifften / auch Kaͤlte / Hunger / Durſt vnd Arbeit litten.

Die Jndianer haben ſich ſehr befliſſen / Goͤtzen vnd Gemaͤhlte zu machen / vnnd ſolches auff vnter -Guacas der Jndia - ner Goͤtzen bilder. Oracula. ſchiedliche Weiſe / auch auß vnterſchiedlichen Materien / welche ſie fuͤr Gott anbeteten / vnnd Guacas nenneten: Dieſe Goͤtzen waren gemeiniglich abſchewlich vnd vngeſtalt / vnd hat man waren Bericht / daß der Teuffel auß dieſen Guacas geredt vnd Antwort geben hat. Jhre Prieſter vnd Diener gaben acht auff dieſe Oracula: Gleich wie aber der Sathan ein Vatter der Luͤgen iſt / alſo waren auch alle ſeine Rath - ſchlaͤg / Warnungen vnd Propheceyungen falſch vnd Luͤgenhafftig. Viel zu weitlaͤufftig wuͤrde es / wann man alle Superſtitiones, ſo ſie begangen / erzehlen ſolte: Doch iſt es luſtig / ſolche nur zu beruͤhren.

Vitzliputzli Geſtalt.

Der Mexicaner vornembſter Abgott war der Vitzliputzli / welcher auß Holtz geſchnitzet worden / wie ein Mann / der ſaß auff einem Stuel / ſo auff einer Senfften gegruͤndet ſtundt / an jeder Eck gieng ein Stecken herfuͤr mit einem Schlangenkopff / der Stuel ſolte bedeuten / daß er alſo im Himmel ſaͤſſe. Deß Goͤtzen Vorhaut vberall war blaw / vber die Naſen hatte er ein blawen Striemen / welcher von einem Ohr biß zum andern reichete. Auff dem Haupt hatte er ein koͤſtliche Fedder / wie eines Vogels Schnabel ge - ſtalt / deſſen Ende von gepoliertem Gold war / mit der lincken Hand hielt er einen rundten weiſſen Schildt / mit fuͤnff weiſſen Feddern / ſo Creutzweiß daran geſetzt waren / oben gieng ein Sieg Zweyglein von Gold herauß / vnd an der Seiten vier Pfeil / welche wie d[i]e Mexicaner ſagten / jhm vom Himmel geſchicket wor - den / die Thaten zuverrichten / die an ſeinem Ort folgen werden. Auff dierechte Hand ward ein Ruhe oder Lehnſteck geſchnitzet / wie ein Schlang / vnd vberall mit blawen Beeren oder Striemen. Alle dieſe Zierꝛa - then / hatten jhre ſonderbare Bedeutungen.

Der33Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Der Name Vitzliputzli heiſt ein Verkehret vnd anſichts wolſcheinende Fedder.

Von deſſen praͤchtigen Tempel / Opffer / Feſten vñ Gepraͤng hernacher Meldung beſchehen ſol: Bey einer Capellen war noch ein ander Fach / darinnen noch ein Goͤtz / Tlaloc genant / geſtanden / vnnd fuͤr desTlaloc. Tezcatli - puca. Vitzliputzli Geſellen / vnd gleicher Macht gehalten ward. Der dritte vornehme Abgott der Mexicaner / hieß Tezcatlipuca / der die Suͤnde vergeben ſolte.

Dieſer war von einem glaͤntzenden ſchwartzen Stein gemacht / hatte auff jhre Art zierliche Kleidung an / an den Ohren waren guͤldene / vnd an den vnterſten Lippen ein ſilbern Ring / vngefehr eines Fingers lang / in demſelben ſtack bißweilen ein gruͤne / bißweilen auch ein blawe Fedder. Das vnterſte Theil Haar war vmb - wunden mit einem Trath / von poliertem Gold / am Ende deſſelben ein guͤlden Ohr / darauff ein Rauch ge - mahlet / welches die Gebett der Suͤnder bedeute / ſo er auff jhr Anruffen erhoͤrete. Zwiſchen beyden Oh - ren hieng ein groß Anzahl kleiner Kleinodien. Am Halß hatte er noch ein groß guͤlden Kleinoth / daß es jhm die gantze Bruſt bedeckte / An beyden Armen war er mit guͤldenen Armringen / vnd am Nabel mit ei - nem koͤſtlichen gruͤnen Stern gezieret / Jn der rechten Hand hat er einen ſchoͤnen Spiegel / von koͤſtlichen / gruͤnen / blawen vnd gelben Feddern / welche auß einer glaͤntzenden guͤldenen Blatten herfuͤr gieng / vnd einen Glantz von ſich gab. Bey dieſem Spiegel wolten ſie zuverſtehen geben / daß er alles ſehe / was in der Welt vorgienge: Jn der lincken Hand hatte das Bild vier Pfeil / welche die Straffen bedeuten / die er an den Vbelthaͤtern vbet. Dieſer Abgott ward am meiſten gefoͤrchtet / weil ſie ſich beſorgten / er moͤchte jhre Mißhandlungen an Tag bringen. Eben dieſen Abgott hielt man fuͤr einen Gott vnd Herrn der Truͤcke - ne / Hunger / Vnfruchtbarkeit vnnd Peſtilentz / darumb pflegten ſie jhn auch auff ein andere weiſe zumah - len / Setzen jhn nemblich gantz Praͤchtig auff einen Stuel / welcher mit einem rothen Fuͤrhang / darein Todten Koͤpff vnnd Bein gewircket / vmbgeben. Jn der lincken Hand hat er einen runden Schild mit fuͤnff Feddern von Baumwollen gemacht / in der rechten Hand aber ein Wurff Pfeil oder Ruthen. Ein Arm ſtreckt er auß / vnd ſtelt ſich / als ob er werffen wolte / in dem runden Schildt ſtacken vier Pfeil / der Leib war gantz geferbt / vnd das Haupt mit Wachtel Feddern beſtecket / mit dieſem Abgott hielten ſie viel Weſens.

Nicht weit von Mexico zu Cholula haben ſie der Kauffleut Gott Quetzaaͤlcoalt / heiſt ein SchlangQuetzaͤal - coalt der Kauffleut Gott. von koͤſtlichen Feddern. Dieſer Abgott ſtehet auff einem hohen Tempel / auff einem groſſen Platz / rings - vmbher mit Gold / Silber / Kleinodien / koͤſtlichen Feddern vnnd Tuͤchern / von vnterſchiedlichen Farben vmbgeben / Am Leib war er wie ein Mann geſtalt / aber im Angeſicht ſahe er einem Vogel gleich / hatte einen rothen Schnabel / auff dem Kopff ſtundt ein Kamm / er hatte auch ein Mundt mit einer Rey Zaͤhnen / vnd außgeſtreckten Zungen / vnd auff dem Kopff einen auff Pappier gemahlten ſchaͤrpffhafftigen Hut / vnd vmb die Schenckel mit viel Gold gezieret / vnnd wol tauſenterley dergleichen new erfundene dinge / welches alles ſein beſondere Deutung hatte. Dieſer Abgott war jhr Mammon vnd Pluto / der ſie Reich machen ſolte. Dieſe Wilden waren mit dieſen Goͤtzen noch nicht zu frieden / ſondern wolten auch andern Heyden gleich Goͤttin haben / die vornembſte bey den Mexicanern hieß Tozi / welches ſo viel als vnſer GroßmutterDie Goͤt - tin Tozi. heiſt / vnd ſol des Koͤniges Culhuacan Tochter geweſen ſeyn / ſo zum erſten auff Befehl deß Vitzliputzli ge - ſchunden worden / auff die weiſe weyhet er ſie fuͤr eine Schweſter / vnnd von der Zeit an / fiengen ſie an die Menſchen zu opffern vnd zu ſchinden / bekleideten hernach die Lebendigen mit ſolchen Haͤuten / vermeinent / Gott hette einen Genuͤgen daran / wie auch an dẽ Hertzen / welches man denen heraus zog / ſo man opfferte.

Eine dieſer Abgoͤttin hatte einen guten Jaͤger zum Sohn / welchen die zu Tlaſcala nachmals fuͤr einDer Jaͤger Gott. Gott annahmen / vnd ein ſolch Feſt hielten: Wann nemblich der Tag anbrach / blieſen ſie mit einer Poſau - nen. Alsbald verſambleten ſie ſich / vnd brachten jhre Pfeil / Bogen / Garn vnd ander Jaggezeug / giengen alſo mit jrem Abgott in der Proceſſion / hier auff folgete ein groſſe Menge Volckes / biß auff einen hohẽ Berg: Auff welches Gipffel eine ſchoͤne Lauberhuͤtten erbawet / vnd inwendig mit einem Altar / darauff ſetzten ſie jhren Abgott. Vmb jhn her hielten ſie ein Getuͤmmel vnnd Geblaͤß mit Hoͤrnern / Pfeiffen vnnd Trummen / Wann ſie auff den beſtimpten Platz kommen / beſetzen ſie den gantzen Fuß an dem Gebirg mit Holtz / zuͤndens an allen Orten an / treiben alſo allerhand Thier / als Haſen / Caninchen / Fuͤchs / Woͤlff vnd dergleichen auff / welche vom Fewer den Berg hinauff / dem Gipffel zu lieffen.

Die Jaͤger folgen mit einem groſſen Geſchrey nach / blieſen in vnterſchiedliche Pfeiffenwerck / biß ſieJhre Ma - nier zu Ja - gen. die Thier auff das hoͤchſt fuͤr den Abgott jageten / Daſelbſt drungen ſie ſo hart auff die Thier / daß ein Theil hinunter ſprungen / ein Theil fiel oben herab auff das Volck / ein Theil auch auff den Altar. Das Volck hatte einen groſſen Luſt ſolches zuſehen / viel Thier opfferten ſie dem Abgott / zogen die Hertzen her - aus / mit eben denen Ceremonien / als ob ſie Menſchen opfferten. Wann dieſes vollbracht / nahmen ſie jhr Jagwerck auff den Halß / vnd kehreten mit dem Abgott widerumb in ſolcher Ordnung / als ſie hinaus ge - zogen / heimzu / zogen alſo mit groſſen Frewden / mit Pfeiffen vnd Trummen in die Statt zum Tempel / vnd ſetzten jhren Abgott widerumb mit groſſer Ehrerbietung vnd Ceremonien nider.

Darauff lieſſen ſie das gejagt Fleiſch kochen / vnnd richteten der gantzen Gemein ein Gaſtmal zu / nach dem Eſſen beſuchten ſie den Abgott / vnd hielten jhre Tantz Spiel fuͤr jhm.

Nun wollen wir auch von den Tempeln handeln: Gleich wie der hoͤchſte Gott jhm ein Hauß / darinVon der Jndianer tempel. ſein heiliger Name moͤchte geehret werden / zu bawen befohlen: Alſo hat auch der leydige Sathan / die Vn - glaubigen dahin vermocht / daß ſie jhm herꝛliche Tempel / Bethaͤuſer vnd Heiligthumb gemacht haben.

Jm Koͤnigreich Peru waren alle Landſchafften mit beſondern Bethaͤuſern erfuͤllet / vnd vber dieſe hat - ten ſie noch allgemeine Tempel fuͤr die Jngas / vnter denen waren zween ſehr beruͤmbt. Der eine vier MeilenPachaca - ma. von Lima / hieß Pachacama / daraus Franciſcus Piſardus den vberaus groſſen Schatz erobert.

Jn34Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil
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Jn dieſem Tempel hat der Teuffel ſichtbarlicher Geſtalt von ſeinem Orth Antwort geben / man ſa - he auch offt daſelbſten ein Bundte Schlangen. Daß aber der boͤſe Feind auß ſeinem falſchen Heiligthumb Antwort geben / vnnd die elende Menſchen betrogen / das iſt in Jndien gar gemein geweſen / biß er durch dieWie ſie die Abgoͤtter Raths ge - fraget. Ankunfft des Evangelii vertrieben vnd ſtumm worden. Dieſe Frage der Abgoͤtter geſchach gemeiniglich bey Naͤchtlicher weil / da ſie hinterꝛuͤcks hinzu giengen / buͤckten den Leib / lieſſen das Haupt hangen / ſtelten ſich gar vngebertig / vnd fragten alſo Rath. Darauff erhub ſich ein abſchewlich Geſchrey vnd Pfeiffen / daß je - derman darvber erſchrack / vnnd wann jhnen etwas anbefohlen war / bekam es allezeit einen widerwertigen / vnd den aͤrgſten Außſchlag.

Der ander Tempel in Peru / war noch hoͤher gehalten / der in der Statt Cuſco ſtundt / vnd dem Pan - theon zu Rom aͤhnlich / den ſie zu einer Wohnung aller Goͤtter gebawet hatten. Die Koͤnige Jngas ſetz - ten in dieſen Tempel aller Landſchafften Goͤtzen / die ſie gewonnen hatten / ward auch ein jeder von ſeinerPunchaa der Son - nen Bild. Lands Art geehret. Vnter andern ſtund auch der Punchao / welches der Sonnen Bild / vnnd koͤſtlich von Gold vnd Edelgeſtein bereitet / vnd gegen Auffgang gekehret ward / Wann die Sonn auffgieng / vnnd mit jhren Straalen recht auff diß Bildt kam / gab es / weils von reinem Metall war / einen ſolchen Glantz vnndTempel Cu in Mexico. Widerſchein / daß man meynet / es were ein newe Sonn. Jn Mexico war die Cu ein beruͤhmbter Tempel deß Vitzliputzli / der einen ſehr weiten Begriff / vnd inwendig einen ſehr groſſen Platz hatte / er war von groſſen Steinen / Schlangen weiß zugerichtet. Das ober Theil der Bethaͤuſer / darinnen die Abgoͤtter ſtunden / hatte einen artigen Gipffel / von kleinen kolſchwartzen ſchoͤnen gewirckten Steinen. Der Hoff vmb denDeß Vitz - liputzli koͤſt - licher Tem - pel. Tempel war mit weiſſer vnd rohter Farb vberſtrichen. Auff dieſen Gipffeln ſtunden Zinnen / welche ſo ſchoͤn als Zinckenhoͤrner gewirckt waren / auff den Eckzinnen waren zween ſitzende Jndianer / auß gehawe - nen Steinen / mit Leuchtern in jhren Haͤnden. Jnwendig im Vmbgang in den Cellen wohneten jhre Baͤpſte vnd andere Religionsverwandten. Der Platz darumb war ſo groß / daß ſie auß jhrem Reich die Verſamblung daſelbſt hielten / vnnd runde Tantzſpiel trieben. Der Tempel hatte vier Thuͤren / gegen alle Theil der Welt eine. Vnnd von jeder Thuͤr kondt man einen ſchoͤnen gepflaſterten Weg hinauß / wol zwo oder drey Meil Wegs ſehen. Vber der Thuͤren ſtunden viel Goͤtzen. Gegen dieſes Tempels Thuͤren waren dreyſſig Treppen / vnnd ein jedere dreyſſig Klaffter lang / welche mit einer Gaſſen / ſo zwiſchen den Vmbgaͤngen hingieng / abgeſcheiden wurden. Oben auff dieſer Treppen war ein ebener Spatziergang dreyſſig Schuchbreit / von lauter Cimmet gemacht. Jn der Mitte auff dieſem Spatziergang ſtund ein Stockwerck von ſehr hohen Baͤumen / je ein Klaffter von einander geſetzt / die Baͤum waren faſt dick / mit Thon angeſtrichen / von oben biß vnden an ſtunden kleine Loͤchlein / vnd gieng von einem Baum biß zum andern ein Ruhten durch dieſelbige / darauff hiengen viel Todten Koͤpff / alſo / daß auff ein jeder Ruhtenzwantzig35Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. zwantzig Todten Koͤpff waren. Dieſe Reyen Todten Koͤpff / gieng von vnden biß oben an / von einem Endt biß zum andern / welches gar abſchewlich anzuſehen. Vnd dieſe Todten Koͤpff hatten ſie von den geopffer - ten auffgehoben. Wañ einer herunder fiel / trugen ſie Vorſorg / wie ſie die Stelle mit einem newen Kopff wi - derumb erfuͤlleten. Jm obern Theyl deß Tempels waren zwo Capellen / darinnen beyde Goͤtzen / der Vitzli - putzli vnd Tlaloc ſtunden / vnd muſt man ein hundert vnnd zwantzig Treppen zu jhnen hinauff ſteigen / ehe man dabey kommen kondte. Stracks fuͤr dieſen Capellen war ein viereckichter Platz / viertzig Schuchlang vnd breit / in der mitte ſtund ein auffgerichter Stein / geformiret wie ein ſcharpff gruͤner Pyramis fuͤnff Spannen hoch / darauff man die Menſchen opffert. Dann ſo man einen Menſchen hinderrucks darauff warff / ward jhm der Rucken entzwey gebrochen / welche Opfferung hernach folgen ſoll. Ohn dieſen Tem - pel waren ſonſt noch neun andere / die vnterſchiedlichen Goͤtzen zuſtunden / vnd ſonderbare Wohnungen fuͤr jhre Prieſter hatten / alleſampt mit ſchoͤnen Thuͤrnen vnd Zinnen zugericht / vnnd mit lieblichen Figuren gemahlt. Nach deß Vitzliputzli Tempel war das ander hohe Stifft deß Bußgoͤtzen Tetzcatlipuca / vnnd muſte einer achtzig Treppen ſteigen / ehe er in Tempel kam / oben war ein ebener Platz / von ein hundert vnd zwantzig Schuch breit / darbey ſtund ein Saal mit Teppichen / von vnderſchiedlichen Farben / behaͤngt. Der Saalhaͤtte ein nidrige Thuͤr / allweg mit einem Vorhang bedeckt / dardurch nur allein die Prieſter gehen dorfften. Der Tempel war vberall mit mancherley Bildern / vnnd außgehauwenen Figuren / ge - zieret / vnd ſehr ſchoͤn geſchmuckt. Gegen dieſen beyden Thumbkirchen waren die andern nur als Clauſen vnd Capellen.

Weitter hat der Teuffel auch in dieſe ſeine Tempel gewiſſe Hohe Prieſter / Acoluthen vnnd LevitenDer Me - ricaner Paͤpſt vnd Geiſtlig - keit. verordnet. Dann den Oberſten Prieſter hieſſen die Mexicaner in jhrer Alten Sprach auch Papas oder Paͤpſt / wie noch heutiges Tags in jhren Geſchichtbuͤchern zu leſen. Die Prieſter deß Abgotts Vitzliputz - li erbten einander nach den Geſchlechten / ſo hierzu verordnet worden. Der andern Abgoͤtter Prieſter wurden zum Ampt erwehlet / es were dann Sach / daß man ſie in jhrer Jugend dem Tempel geopffert hette. DieDeren Ampt. ſer Pfaffen Arbeit beſtundt meiſten theils in dem / daß ſie die Abgoͤtter mit Weyrauch beraͤucherten / nemb - lich fruͤhe / wann der Tag anbricht / zu Mittag / auff den Abend wann die Sonn vntergangen / vnd dann vmb Mitternacht: Vmb welche Zeit alle Pfaffen auffſtunden / in die Poſaunen / Zinckhoͤrner vnnd Pfeiffen ein gute weil einen traurigen Thon blieſen. Wann diß Pfeiffenwerck ein Endt hatte / kam einer / an dem es die Wochen war / in einem weiſſen Chorrock mit einem Weyrauchfaß herfuͤr / nam gluͤende Kohlen auß einem Geſchirr / welches ſtetigs fuͤr dem Altar brante / warff auße nem Beutel Weyrauch drauff / vnd beraͤuchert mit groſſer Ehrerbietung den Abgott. Darnach wuͤſchet er mit einem Tuch den Altar vnd die Vmbhaͤng. Darnach wurden die Bußwerck vollbracht / wie wir hernach hoͤren woͤllen. Es dorfft keiner auß dieſer Mitternacht Metten bleiben / ſo dorfft auch niemand ohn allein die Prieſter opffern / vnd daſſelb ein jeder nach ſeinem Stand. Auff etlichen Feſttagen predigten ſie dem Volck / Sie hatten jhre ſonderliche Renthen / vnd ein groſſe Zahl Opffers / welches man jhnen brachte. So hatten die Abgoͤtter in Peru jhre ey - gene Erbguͤtter / welche jhnen Jaͤhrlich ein groſſes Gut eintrugen.

Die Jndianer hatten auch / wie die Roͤmiſche Kirchen ſonderliche Orden / ſonderlich von Weibs -Der Jndia ner Moͤn - che vnnd Nonnen. perſonen. Jn Peru hat es vberall Jungfrawen Kloͤſter. Etliche waren alt / ſo andere vnderwieſen. Etliche aber jung / die man ein zeitlang behielt / vnd zu der Abgoͤtter Dienſt auffzog. Das Kloſter hieß Aellagua - ci / das iſt / ein Hauß der Außerleſenen / deſſen Apt nenneten ſie Appopnaca / welcher Macht hatte hierzu zu er - wehlen / wen er wolte / allein daß ſie nicht vnter acht Jahren / vnd hierzu dienlich ſeyn muͤſten. Dieſe junge Maͤgdlein wurden den alten vberlieffert / die ſie in mancher Hand Dingen zum Gottesdienſt / keuſchem Le - ben vnd Ceremonien nohtwendig / vnterrichteten vnd anfuͤhreten. Sie muſten ſtaͤtige Keuſchheit halten / vnd bey den Opffern dienen. Wurden auch zu der Jngen Weibern vnd Concubinen genommen / wie auch ſeiner Freunde vnd Hauptleuten. Wann der Jngas einem ein ſolche Jungfraw gab / bedauchts jhnen ein groſſe Verehrung ſeyn / vnd dieſe Außtheilung geſchach Jaͤhrlich einmahl. Wann dieſer Jungfrawen eine jhre Jungfrawſchafft verlohren / ward ſie lebendig begraben / oder muſten ſonſt einen grewlichen Todt außſtehẽ.

Jn Mexico hatte der Teuffel auch ſeine Nonnen / aber jhre profeſſion waͤhret nur ein Jahr. Die Nonnen von zwoͤlff vnd in das dreyzehende Jahr / hieß man Toͤchter der Buß vnnd Keuſchheit / jhr Ampt war / den Tempel zu beſprengen vnd zu reinigen / vnd dem Abgott vnd den Dienern alle Morgen das Eſſen zubereitten. Deß Abgotts Speiß waren kleine Kuchen / wie Haͤnd vnd Fuͤſſe formiret / darnach bucken ſieDer Abgoͤt ter Speiß. ander gemenget Brot / welches ſie taͤglich fuͤr den Abgott ſetzten / vnd nachmahls die Prieſter aſſen. Dieſen Nonnen ſchnied man erſtlich die Haar ab / vnnd ließ ſie zur beſtimbten Zeit wider wachſen / ſeynd allein weiß bekleydet / ſtehen zu Mitternacht auch zum Geſaͤng auff / haben jhre Ebtiſſin / die ſie forttreiben. Sie mach - ten ſchoͤne Tuͤcher vnd Teppich / von allerhand Gattung / damit ſie den Abgott vnnd Tempel ziehreten. Vmb Mitternacht thaͤten ſie Buß vnd geiſſelten ſich / vnd verwundeten den Oberſten Theil an jhren Oh - ren. Mit dem Blut beſtrichen ſie jhre Backen vnd wuſchens hernach in jhren Cellen widerumb ab. Wann ſie nun alſo ein Jahr gedienet / ſtund es jhnen widerumb frey herauß zugehen vnd ſich zuverheyrahten.

Jn Peru hat es keine Moͤnche / aber der andern Prieſter vnd Zauberer vnzehlich viel. Nur zu MexicoViel Pfaf - fen vnnd Zauberer / in Peru / vnd in Me - xico viel Moͤnche. ſtunden in vorgedachtem groſſen Tempel zwey Kloͤſter / eines fuͤr die Nonnen / deren ſchon gedacht worden / Das andere fuͤr die Moͤnchen von 18. biß auff 20. Jahr. Dieſe Leut hatten Platten auff den Koͤpffen / aber laͤngere Haar / daß ſie die flechten kondten. Die jungen Moͤnche dieneten ins Vitzliputzli Tempel / lebten in Armut vnd Keuſchheit / verrichteten das Leuiten Ampt / dieneten den Prieſtern vnd Oberſten deß Tem -pels /36Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilpels / verſchafften Weyrauchfaͤſſer vnd Liecht / huͤteten der Kleider / reinigten die geweyhete Oerter / trugen das Brenholtz herbey / damit allzeit Fewer an ſtat der Lampen fuͤr den Goͤtzen brennete. Neben dieſen waren noch fuͤnffzig junge Knaben / die thaͤten Handreichung / ſchmuͤcketen den Tempel mit gruͤnem Kraut / Roſen oder Bintzen / langten den Prieſtern Handwaſſer / wetzten die Schermeſſer zum Gebrauch der Opf - fer / giengen mit denen / ſo Allmoß hieſchen / vnd trugen die Opffer. Alle dieſe Geiſtlichen hatten jhre beſon - dere Vorſteher / lebten zuͤchtig / neigten ſich fuͤr den Weibsperſonen / jhre Haͤupter vnd Augen zur Erden ge - bogen / trugen Kleyder wie Netze / waren jhren vorgeſetzten ſehr gehorſamb / alſo / daß ſie jhr Gebott auch im geringſten nicht vbertratten. Wann die Prieſter vmb Mitternacht das reuchern vollendet / peinigten ſich dieſe jungen an einem beſondern Ort / zogen jhnen mit ſpitzigen Jnſtrumenten das Blut auß den Wangen / ſtrichen es an Schlaff / biß vnter die Ohren / vnd wuſchen ſich hernach an einem beſchloſſenen Ort. Sie beſtrichen auch jhre Haͤupter mit Bech wie die Prieſter. Jhre Kleider waren von grobem Werck geweben. Dieſes waͤhrete auch nur ein Jahr / vnd mochten ſie hernach auch wider herauß gehen / vnd Ehelich werden.

Der Jndia ner Buß - werck. 3. Reg. 18. Pſal. 103. Num. 25. 4. Reg. 21.

Wir woͤllen auch allhier jhrer Bußwerck gedencken / darauß zu ſehen / wie der Teuffel dieſe Blin - de Leut ſo ferne gefuͤhret / daß ſie nit allein den Baals Propheten / ſo ſich Blutruͤſtig machten / gleich wor - den / ſondern auch jhre Soͤhne vnd Toͤchter geopffert / vnnd wie Beelphegor durchs Fewer gehen laſſen. Vnd haben wir hieoben gedacht / wie jhre Prieſter vnd Moͤnchen vmb Mitternacht auffgeweſen / vnd dem Abgott geraͤuchert vnd gedienet haben / wann diß geſchehen / gieng der Bapſt deß Tempels auff einen breit - ten Chor / da viel Baͤnck oder Seſſel waren / ſetzte ſich darauff / vnnd nam ein eyſern Pfriemen / ſtach da - mit durch die Fuͤß hart an den Zehen / daß das Blut herauß lieff / mit ſolchem beſtrichen ſie den Schlaff am

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Haupt / mit dem vbrigen Blut wuſchen ſie den Pfriemen / ſteckten jhn in ein ſtroͤhere Kugel zwiſchen die Zinnen daß jederman ſehen mochte / was ſie fuͤr ein Buß fuͤr die Gemein gethan hetten. Nach dieſem wu - ſchen ſie das Blut von jhrem Haupt in einem beſchloſſenen Pful / den ſie zu ſolchem Gebrauch machen laſ - ſen / vnd das Blutwaſſer nenneten. Vnd waren in dem Tempel ein groſſe Menge ſolcher Pfriemen / von de - nen ſie allweg nur einen namen. Ohne dieſes hatten die Geiſtlichen noch groſſe Feſttage / daß ſie offt fuͤnffStrenge keuſchheit. oder zehen Tag nach einander faſtetẽ. Die Keuſchheit hieltẽ ſie ſo ſtreng / daß viele / damit ſie nit in Schwach - heit jhres Fleiſches fielen / jhnen das Mannlich Glied entzwey ſpalteten / ſuchten auch wol tauſenterley Mit -Strenger Eyffer dem Teuffel zu dienen. tel / ob ſie ſich moͤchten impotent oder vnvermoͤgen machen / damit ſie nur jhre Goͤtter nicht erzoͤrneten. Sie truncken auch keinen Wein / ſchlieffen gar wenig / dann jhre meiſte Dienſt geſchahen bey naͤchtlicher weil / thaͤten jhnen ſelbſt ins Teuffels Nahmen viel Schmertzen vnd Marter an / vnd geſchahe alles zu dem Ende /daß37Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. daß man ſie fuͤr H. Leut hielte / die viel Buſſe thaͤtten / vnd lange Zeit faſteten. Auff deß Bußgotts Tezcat - lipuca Feſt / faſteten die Prieſter fuͤnff Tag / vnd geiſſelten ſich nicht allein / ſondern auch die gantze Gemein mit newen Seylen einer Klafftern lang / an deren Ende viel Knoͤpff waren / damit ſie ſich vber jhre Schul - dern ſchlugen. Jn Peru muſt alles Volck zween Tag lang faſten / auff das groſſe Feſt Ytu / vnd dorffte zu der Zeit niemandt ſein Weib beruͤhren. Fuͤr etliche Suͤnde geyſſelten ſie ſich mit Neſſeln / bißweilen ſchlugenEinſidler. ſie einander mit Steinen / vnd muſt einer ein Anzal Schlaͤg auff dem Rucken leyden. An etlichen Orten zogen etliche dieſes blinden Volcks durch Eingebung deß Teuffels in wuͤſte wilde Gebierg / vnd fuhren da - ſelbſt ein ſtreng Leben. Bißweilen opfferten ſie ſich ſelbſt / ſtuͤrtzten ſich von einem Felſen herab / vnnd fielen zu Stuͤcken.

Dieſe Wilde Leut haben auch durch Verleytung deß Teuffels / das opffern nachgeoͤhmet / dabey ſieDer Jndia ner Opffer. Dreyerley Gattung. Die erſte Art von Opffern. dann ſo viel Geſetz / Ceremonien vnd Gebraͤuch gehabt / deren man ſich hoͤchlich zuverwundern. Es koͤnnen aber ſolche Opffer in dreyerley Gattungen abgetheylet werden. Die erſte iſt von denen Dingen / ſo kein Seel haben / die ander von den Thieren / die dritte von den Menſchen. Jn Peru pflegten ſie Coca zu opffern / wel - ches Kraut ſie in hohem Werth hielten. Jtem Mays / gefaͤrbt Federn / Meerſchilff / bißweilen auch Gold vnd Silber zu Bildern / wie die Thier geſtalt. Jtem / ſchoͤne Tuͤcher von Cmubi / wolriechend gewirckt Holtz / gemeiniglich brandten ſie Schmeer oder Talck. Alle dieſe Opffer thaͤt man / gut Wetter zun Ge - waͤchſen / auch Geſundheit zu erlangen / oder Gefahr damit abzuwenden. Die ander Art Opffer / geſchaheDie ander Art von Opffern Cuies. gemeiniglich mit den Thieren / Cuies genandt / die den Kroͤten gleich / vnd von den Jndianern zur Speiß ge - braucht werden. Jn wichtigen Sachen hohe Perſonen betreffend / opffert man gemeine / vnnd Pacos Schaaff / dabey ſie wunderbarliche Ceremonien getrieben. Die weiſſe Mohren opfferten das groſſe vnnd kleine Viehe alſo: Sie legten das Viehe auff den rechten Arm / wandten ſein Angeſicht gegen die Sonn / ſagten etliche Woͤrter nach Geſtalt des Viehes / dann ſo ſie ſprenglicht von Farben waren / wurden die Woͤr - ter zu dem Donner gericht / auff daß ſie kein Mangel am Waſſer hetten. So es weiß vnnd ſchlechthaͤrig / wards der Sonn mit andern Worten zugeeygnet / daß ſie jhnen leuchten vnd Narung geben ſolte. War es grawlecht / ſo ward das Opffer dem Viracocha zu Ehren gehalten. Jn Cuſco opffert man alle Tag mit dieſen Ceremonien der Sonn ein ſchlechthaariges Schaaff / welches man mit einem rothen Hembd ver - brandte / vnd wann es im Fewer ſtund / warff man Koͤrblein mit Caca drauff. Zu dieſem Opffer hatten ſie ein eygen Volck vnd Viehe abgeſondert / das mit nichts anders zuthun hatte. Sie opfferten auch Voͤ -Kriegs Opffer. gel / ſonderlich zu Mexico die Wachteln. Auch wann ſie zu Krieg ziehen wolten / opfferten die in Peru an wuͤſten Oertern vnterſchiedlicher Art Voͤgel / damit ſie durch jhrer Goͤtter Huͤlff den Feinden moͤchten ein Abbruch thun. Dieſe Opffer wurden Cuſcovicca genand / vnd alſo vollbracht: Sie namẽ vielerley Art Voͤ - gel auß den Wildnuſſen / vnd ſambleten viel diſtelicht oder doͤrnicht Holtz / das zuͤndeten ſie an / vnnd legten die Voͤgel darauff / namen darnach runde vnd eckichte Stein / darauff viel Schlangen / Loͤwen / Kroͤten vnd Tygerthier gemahlet ſtunden / vnd ſagten: woͤlleſt vnſern Sieg laſſen gelingen / die Krafft vnſerer Guacas woͤlle den Feinden nichts gedeyen / ſondern ſie zu Grund gehen laſſen / vnd dergleichen viel. Nach ſolchem brachten ſie etliche Schaaf herfuͤr / welche verſchloſſen geweſen / vnnd etliche Tag vber nichts geſſen hatten: Wann ſie dieſe Schaaff toͤdteten / ſagten ſie: Gleich wie die Hertzen in dieſen Thieren matt vnnd krafftloß weren / alſo ſolten die Goͤtter jhre Feinde ſchwach vnd Krafftloß machen. Wo ſie Fleiſch hinder dem Hertzen in dieſen Schaafen hangen ſahen / welches nicht durch diß faſten verzehret worden / hielten ſie es fuͤr ein boͤſeHunds Opffer. Opffer fuͤr den Jnga. Bedeutung. Sie brachten auch ſchwartze Hunde / welche ſie toͤdteten / vnnd auff ein flaches Feld warffen / thaͤten das Fleiſch darvon / welches ein ſonderlich Volck mit eygenen Ceremonien . Deßgleichen opffer - ten ſie fuͤr den Jnga / daß jhm nicht ſolt mit Gifft vergeben werden: Wann ſie diß thun wolten / faſteten ſie von Morgen an / biß in die tunckele Nacht / alsdann fraſſen vnnd ſoffen ſie ſich voll / wie die weiſſe Mohren. Fuͤr die Vneinigkeit zwiſchen den Jndianiſchen Herren entſtanden / opfferten ſie Meerſchilffe am Bach vnd ſagten / ſolche ſeyen Kinder deß Meers / das dann ein Mutter aller Waſſer ſeye. So brauchten ſie auchDie dritte Art der Opffer. Menſchen Opffer. die Meerſchilff faſt zu allerhand Opffern. Die dritte Art der Opffer waren von Menſchen / vnnd haben viel Landtſchafften den Brauch gehabt / daß ſie die jenigen / ſo jhren Herrn am trewlichſten gedienet / vnd am liebſten geweſen / vmbs Leben brachten / damit ſie alſo nach dem Todt jhren Herren das Geleid geben / vmb vnd bey jhnen weren / wie hievon ſchon Meldung geſchehen. Jn Peru war die Gewonheit / daß ſie neben jetzt - erzehlten trewen Dienern auch jhre eygene Kinder von vier biß auff zehen Jahr jhres Alters opfferten /Von jun - gen Kin - dern. welches gemeiniglich deß Jngæ halber geſchahe / nemblich / wann er kranck war oder in Krieg zog. Wann ſie dem Jnga den Quaſt oder Seepter vbergaben / opfferten ſie zwey hundert Kinder / von 4. biß auff 10. Jahr alt / welches dann ein vnmenſchlich Spectacul zu ſehen war / Wann man ſie opffern wolt / erwuͤrgt vñ begrub man ſie mit grimmigem Angeſicht vnd Ceremonien. Zu einer andern Zeit enthaupten ſie die Kinder / vnnd ſtrichen jhnen ſelbſt derſelben Blut ans Haupt / von einem Ohr biß zum andern. Sie opfferten auch der obgedachten Kloſter Jungfrawen / welche man bißweilen auß dem Kloſter dem Jnga brachte. Jn dieſen Opffern lieff auch ein groſſer Betrug mit vnter / dann wann ein fuͤrnehmer Mann in Jndien kranck lag / oder auch wol ein Privat Perſon / vnnd die Warſager jhm das Leben abſprachen / opfferten ſie jhre eygene Soͤhne vnnd Toͤchter dem Viracocha vnnd baten / daß er jhm damit begnuͤgen laſſen / vnnd dem Vatter das Leben ſchencken wolte / welches abſcheuwlichen Gottesdienſtes auch der weiſe Mann ge -Sap. 1. 14. Pſal. 105. dencket / vnd David klagt / daß ſolches die Kinder Jſrael von den Heyden gelernet / vnnd jhre Soͤhne vndDToͤchter38Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilToͤchter dem Teuffel geopffert / welches GOTT niemahls begehret / noch Luſt darzu gehabt. DannGen. 22. ob er gleich den groſſen Gehorſam Abrahæ / dem er zur Prob ſeinen Sohn zuopffern befohlen / geruͤh - met / ſo hat er gleichwol ſolches nicht zugelaſſen / noch andern zuthun befohlen / daß hierauß deß Teuffels Boßheit genugſam abzunchmen / welcher der Menſchen Verderben / an Leib vnnd Seel geſucht hat.

Menſchli - che Opffer dem Teuffel gefellig.

Vnnd daß wir weiter auff vnſer Materikommen / ob wol die Mexicaner keine Kinder geopffert / haben ſie doch mit Auffopfferung anderer Menſchen / nicht allein die in Peru / ſondern auch alle Natio - nen der gantzen Welt vbertroffen / vnnd wie hefftig der leidige Teuffel dieſes Volck hierinnen verblendet gehabt / wollen wir nur ein Exempel oder zwey ſolches vnmenſchlichen Gebrauchs erzehlen. Erſtlich muſten die Menſchen / ſo ſie opfferten / im Krieg gefangen ſeyn / dann ſonſten hielten ſie dieſes Feſt nicht. Damit ſie aber nun allzeit Schlaven vnd Gefangene haͤtten / fuͤhreten ſie ſtaͤtiges Krieg. Daher kam es / daß allweg ein Feind den andern vnderſtund lebendig zu fahen.

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Opffer von Gefange - nen.

Jhr vnmenſchlich Opffer aber verrichteten ſie alſo: Man fuͤhret die Gefangenen auff das Stock - werck der Todtenhaͤupter / deſſen oben gedacht worden / daſelbſt ſetzt man ſie alle auff eine Rey. Alsbald kam ein Prieſter mit einem kurtzẽ Chorrock / an deſſen Rand viel Franſen waren / võ dem oberſten Theil deß Tem - pels herab / hatte ein Bildt auß Honigteig von Mays gemacht / in ſeiner Hand. Er lieff ſo geſchwind hinab als er jmmer mochte: Wann er nun hinab kommen / ſtieg er auff einen groſſen Stein / mitten auff dem Platz / der Adlerſtein genandt. Vnnd nach etlichen mehr Ceremonien / kam er endtlich zu den Ge - fangenen / hielt einem jedern beſonders den Abgott fuͤr vnnd ſprach: Sihe / diß iſt ewer GOtt / ſtieg hernach auff der andern Seitten die Treppen hinab / vnnd alle die da ſolten geopffert werden / giengen gleich als in einer Proceſſion an den Ort / da ſie ſterben ſolten / die gemeine weiſe zu opffern war / daß jhrer ſechs den Gefangenen namen / vier hielten Haͤnd vnd Fuͤß / einer den Halß mit einer Schlingen / vnd ſtieſſen jhm auff dem ſpitzigen Stein den Ruͤckgrad entzwey / darnach ſchnit einer die Bruſt auff / zog jhm das Hertz herauß / zeiget es der Sonnen / wand ſich hernach gegen dem Abgott / vnd warffs jhm insDeß Bapſts Ge ſtalt vñ der Prieſter Habit in New Hi - ſpanien. Angeſicht. Den Leichnam aber weltzet vnd beſprengt man mit Blut / vnnd warff jhn hernach die Treppen deß Tempels hinab / da ward er von denen / ſo jhn gefangen / verzehret / vnd der Kopff dem Prieſter widerumb gelieffert. Der dieſen Tod begieng / hielt man fuͤr den Hohen Prieſter oder Papſt / welcher roht bekleydet / vnd vnderſchiedliche Nahmen erlangete / nach der Zeit vnnd ſolennitet deren / ſo er opffert / auff dem Haupttrug39Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. trug er eine Kron von koͤſtlichen gruͤnen vnd gelben Federn / an den Ohren hatte er guͤldene Ring mit Edel - geſtein verſetzt / vnd an der Lippen ein Schafft von einem blawen Stein gemacht. Die andern ſechs Opffe - rer hatten ſchwartze vngeſtalte Angeſichter vnd Haͤnde / jhrer fuͤnff hatten Zoͤpff am Haar / die ſehr krauß vnd verworren ſtunden / mitten vmb jhr Haupt waren ſie mit Leddern Riemen gebunden / forne am Haupt hatten ſie kleine Papyrene Schilde / vnder ſchiedlicher Farben / jhre Kleider waren weiſſe Dalmaticken / mit ſchwartzem gewirckt. Mit dieſem Habit ſtelleten ſie ſich wie die Teuffel / vnd jagten den Vmbſtaͤndern mit jhren grimmigen Angeſichtern einen groſſen Schrecken ein.

Noch ein andere Art hatten die Mexicaner die Menſchen zu opffern / dann ſie namen einen Gefange -Noch ein Art von Menſchen Opffer. nen oder Leibeygenen / gaben jhm im Tempel das ſchoͤneſte Gemach ein / bekleydeten jhn mit deß Abgotts Ge - ſchmuck / tractireten jhn mit Eſſen vnd Trincken auffs herrlichſte / darzu jhme die fuͤrnembſten Herren zu Tiſch dieneten. Deß Nachts beſchloß man jhn in einen groſſen eyſern Vogelkeffig / auff daß er jhnen nicht entlieffe / deß Tags aber ließ man jhn frey gehen / wohin er wolte / doch ward er allezeit mit zwoͤlff ſtarcken Maͤnnern als Dienern begleytet / entlieff er jhnen / muſt deren einer an ſeine ſtatt ſtehen. Wann er vber die Gaſſen gieng / wich jhm jederman auß dem Weg / fielen nieder vnd beteten jhn an. Auch trug er ein Pfeiff - lein in der Hand / damit er die jenigen warnet auff ein Seit zugehen / ſo jhn nicht vermerckt hatten. So wurd jhm auch alles erlaubt zu thun / worzu er nur luſt hatte / vnd ſolches ein gantzes Jahr lang. Wann aber das Jahr zu Endt gelauffen / das Feſt herbey kommen / vnd er genugſam außgemaͤſtet / ward er mit einem Fuß

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an ein Stein gebunden / vnd jhme ein Tartſchen vnnd Schwerd / ſich gegen dem Opfferer zu wehren / in die Hand gegeben. So er dann den Opfferer vberwand / ward er nit allein ledig / ſondern auch hernach die gan - tze Zeit ſeines Lebens fuͤr ein trefflichen Hauptmann gehalten / ſo er aber von dem Prieſter geſchlagen ward / ſchneid man jhn alſobald noch lebendig auff dem Stein / da er vber geſtuͤrtzet / die Haut ab / mit welcher Haut ſie alsdann von Hauß zu Hauß giengen / vnnd groſſe Beut zu Vnterhaltung jhres Abgotts zuſammen bettelten. Faſt auff dieſe Art opfferten die Kauffleut jhren Schlaven / den ſie aber nur ein Monat darzu vn - derhielten. Die Menge aber deren / ſo auff vielfaltige erzehlte weiſe geopffert wurden / iſt vnglaublich / dannTeuffels Betrug. etlich mahl auff die fuͤnff tauſent alſo hingerichtet wurden. Zu ſolchem abſchewlichen vnnd erſchrecklichen Morden brauchet der Teuffel dieſen artigen betrug. Jn dem er die Prieſter jmmerdar anreitzete / den Koͤni - gen anzuzeigen / wie die Goͤtter bald Hungers ſterben muͤſten / vnd deß Menſchen Fleiſches begehreten / dar - auff ward bald der Zug wider die Feinde angeordnet. Vnd darumb wolte Motecuma der Koͤnig die Landt - ſchafft Tlaſcala mit Fleiß nicht gar erobern / damit er Schlaven genug zum Opffer haben moͤchte / vnndD ijdie40Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theildie junge Mannſchafft in Mexico in ſtaͤtiger Kriegs Vbung verblieb / vnnd gehalten wuͤrde. So ward auch kein Koͤnig gekroͤnet / er hette dann zuvor etliche Landtſchafften vberwunden / vnnd viel Gefangene vor jhm her / zu jhrer Goͤtter Opffer getrieben.

Jndianer Verdruß vber jhre vnmenſch - liche Opfer.

Dieſes grauſamen vnd vnmenſchlichen Blutvergieſſens aber / ſeynd die Jndianer zu letzt ſelbſten v - berdruͤſſig worden / haben es fuͤr ein vngoͤttliches Weſen gehalten / vnd ein groß Verlangen getragen / ein - mal von ſolchem beſchwerlichen Joch erlediget zu werden. Darumb ſie an etlichen Orten das Evangelium begierlich angenommen vnd geſagt: diß muͤſte ein gute Lehr / vnd ein guͤtiger Gott ſeyn / der jhm alſo ohne Blutvergieſſen wolte gedienet haben.

Jndianer aͤffen die Sacramẽt nach. Feſt Capa - creyme.

Der Teuffel iſt mit den Jndianern noch weiter gefahren / vnd auch die Sacrament nach zuthun / vn - derſtanden / ſonderlich aber das Abendmal. Dann in Peru hielten ſie im erſten Monat Decembri etli - che Tag das Feſt Capacreyme mit ſonderlichem Opffer vnd Ceremonien. Dieſe Zeit vber dorfft kein Auß - laͤndiſcher im Hoff zu Cuſco ſich finden laſſen / ſondern nach Vollaͤndung deß Feſts ward jhnen hinein zugehen erlaubet / vnd der Opffer zugenieſſen / vnd reichten ſie jhnen das Sacrament der Geſtalt. Die Nonnen der Sonnen machten auß Mays Meel / ſo mit Blut von weiſſen Widdern / die am ſelbigen TagOblaten. geſchlachtet worden / geknetten vnd gebacken worden / kleine Kuͤchlein / die opffert man denſelbigen Tag. Wann diß geſchehen / kamen alle Frembdlingen / auß vnterſchiedtlichen Landſchafften hinein / die ſetzet man in ein Ordnung. Nach dieſem gaben die Prieſter einem jeden ein Kuͤchlein / vnd ſagten: ſie geben jhnen die Brocken darumb / daß ſie dem Koͤnig Jnga zu Peru vereiniget / vnd mit jhm im Bund bleiben ſolten / ver - warneten ſie auch darbey / daß ſie von dem Jnga nicht vbel reden / noch ſeiner in argem gedencken ſolten / ſon - dern jhme allezeit guͤnſtig verbleiben / vnd deſſen ſolt dieſer Brocken ein Zeuge ſeyn: wo ſie nun jhrer ſchul - digen Pflicht vergeſſen / vnd nicht leiſten wuͤrden / ſo wuͤrde derſelbige ſolches herfuͤr bringen vnd raͤchen. Die - ſe Kuͤchlein werden in groſſen guͤldenen vnd ſilbern Schuͤſſeln vorgetragen. Die Frembdlingen empfangen den Brocken / dancken der Sonn fuͤr jhre Wolthat / ſtellen ſich mit Worten vnnd Geberten froͤlich / ſagen / wie ſie jhr lebenlang nichts wider die Sonn noch Jnga thun / oder auch gedencken woͤllen. Vnd darauff neh - men ſie dieſe Speiß zum Zeugnuß an / daß ſie ſich gegen der Sonn vnd Jnga in allen trewen Dienſten vnd Gehorſam woͤllen erfinden laſſen. Dieſes teuffliſche Feſt hielten ſie auch im September / vnd ſchickten ſolche Kuͤchlein auch allen frembden Abgoͤttern vnd Heyligthumben durch das gantze Reich.

Jndianiſch Fronleich - nams Feſt.

Die Mexicaner haben auch das Roͤmiſch Fronleichnams Feſt nach viſirt / vnnd dem Abgott Vitzli - putzli zu Ehren im Monat Mayo zween Tag fuͤr dieſem Feſt gehalten / dann da kamen die Kloſterfrauwen zuſammen / mahleten ein groſſe Summ Bledos / welches ſie mit geroͤſteten Mays vermiſchten / knetteten esGebacke - ner Vitzli - putzli. mit Honig / vnnd machten auß dem Teig ein groſſen Abgott / wie den hoͤltzern / ſetzten an ſtat der Augen gruͤne / blawe vnd weiſſe Corallen / an ſtatt der Zaͤhn die Gran von Mays / vnnd zierten es mit Gewand vnd Teppichen. Wann nun das Bild allerdings verfertigt / kamen die Herren ſaͤmptlich / brachten ein koͤſtlich vnd ſchoͤnes Kleyd nach deß Abgotts Tracht zugericht / zogen jhm daſſelbig an. Darnach ſetzten ſie jhn in ein Senffte auff einen blawen Stul / daß man jhn auff den Schuldern tragen konte. Da nun der Feſttag erſchienen / kamen vorgenandte Nonnen eine Stund vor Tag mit weiſſen Kleydern ange - than / vnd mit newen Zierathen vmbgeben / auff dieſen Tag wurden ſie deß Vitzliputzli Schweſter genen - net. Auch trugen ſie Kraͤntz vnd Schnuͤr vmb die Haͤlß von geroͤſtem Mays / jhre Angeſichter waren mit Farb angeſtrichen / vnnd jhre Arm von Elenbogen herab / biß auff die Haͤnd / mit allerhand Pſittich Federn gezieret. Jn dieſem Habit namen ſie die Senffte deß Abgotts auff die Schuldern / trugen jhn an das Ort / da die Juͤngling mit einem Gewand von ſchoͤnen Netzen bekleydet / vnd mit ſolchẽ Krentzen / wie die Jungfrawẽ / gekroͤnet ſtunden. Alsbald ſie mit dem Abgott herbey kamen / naheten die Juͤngling mit groſſer Ehrerbietung herzu / namen die Senffte auff jre Schulder / trugen jhn biß an die vnderſte Stuffen deß Tempels / allda ſich die gantze Gemeine fuͤr dem Abgott demuͤtiget vnnd beuget / namen Erden von Eſterich / legtens auff jhre Haͤupter / welches ſonſten bey andern hohen Feſten gemein. Nach dieſem Gepraͤng fieng die gantze Gemein in einer Proceſſion an zuziehen / vnnd ſolches auff das eilendeſte ſo ſie jmmer vermochten / vnnd begaben ſich auff den Berg Chapultepac / ein Meil von Mexico / da geſchahe eine Vermahnung vnd Opffer. Nach die - ſem giengen ſie noch in zween Flecken / ein jeder auff ein Meil Weges gelegen / vnd vollbrachten dergleichen Ceremonien. Vnnd dieſe vier Meil Weges biß wider gen Mexicon vollbrachten ſie in drey oder vier Stunden / vnd nandten dieſe Wallfahrt die eylende Reiſe Vitzliputzli. Wann ſie wider heim / vnnd zu der vnderſten Treppen naheten / ſetzten ſie die Saͤnffte nider / bunden ſie an ſtarcke Seyl / vnnd zogen jhn zu O - berſt auff den Tempel / weil die Treppen ſchmal / vnd die Stuffen hoch hinauff giengen / vnd jhn auff den Schultern nicht hinauff bringen kondten / vnder deß ſtund die gantze Gemeind auff dem Platz mit groſ - ſer Demuth vnd Forcht. So bald ſie nun den Abgott hinauff gebracht / vnd in eine hierzu ſonderliche ge - machte Capellen von Roſen geſetzt / kamen von ſtund an die Juͤnglingen / ſtreuweten rings herumb viel Blu - men vnderſchiedtlicher Farben / daß ſie den Tempel in - vnd außwendig damit erfuͤlleten. Nach dieſem ka - men die vorgedachten Nonnen / brachten auß jhrer Kammer etliche Bretzeln von geroͤſten Mays vnnd dem Kraut Bledos / darvon auch der Abgott gemacht / waren võ Geſtalt wie groſſe Bein / gaben ſolche den Juͤng - lingen / die trugen ſie hinauff vnnd legten ſo viel fuͤr den Abgott nider / daß nichts mehr ligen mochte. Dieſe Bretzeln nenneten ſie Fleiſch vnd Bein Vitzliputzli. Nach dieſem kam die gantze Prieſterſchafft nach jhrem Stand vnd Alter in guter Ordnung / trug ein jeder ein Schleyer von Netz / võ vielen Farben vñ Stickwerck gemacht / hatten auch Kraͤntz auf jren Haͤuptern / vñ Schnuͤr võ Blumen vm̃ jre Haͤlſe. Nach jnen folgetendie41Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. die Goͤtter vnd Goͤttinnen / ſo ſie anbeteten / in jhrer vnderſchiedlichen Geſtalt vnd Kleidungen. Die Prie - ſterſchafft mit den Goͤtzen ſatzten ſich in einen Kreiß vmb die Bretzeln / trieben viel Gepraͤng damit / ſungen / ſpielten vnd ſegneten ſie damit ein / die wurden auch geehret / wie jhr Gott / Von ſtund an kamen die / ſo die Menſchen opfferten / wie hieoben erzehlt worden. Nach verrichtem Opffer kamen alle Moͤnch vnd Non - nen auß dem Tempel / Gliedsweiß nacheinander / fiengen an zu tantzen vnd ſpringen nach dem Trommen - ſchlag dem Abgott zu Ehren. Auff den Geſang antworteten alle Herren / Elteſten vnnd fuͤrnembſten deß Volcks / tantzten rings vmb ſie her / machten zuſammen einen huͤpſchen runden Tantz / alſo / daß die Juͤng - lingen vnd Jungfrawen allzeit gegen einander vber in der mitte blieben. Dieſes Feſt ward durch das gantze Landt gantz ſtreng gehalten / niemand dorfft etwas eſſen / als nur von dem Teig deß Abgotts / vnnd ſolches muſt man fruͤhe vor Tags thun / vnd biß auff den Mittag nichts darzu trincken. So einer diß vbertrat / ward es fuͤr ein Kirchen Raub vnd boͤß Anzeigung gehalten / wie dann das Waſſer auch fuͤr den Kindern ſo lang verborgen ward / damit ſie nicht in den Zorn Gottes fielen. Da nun all diß Gepreng vnd Ceremonien verrichtet / zogen ſie die Kleyder ab / vnd namen die Prieſter den Abgott mit den Bretzeln / zerbrachens alles / vnd machten eytel Brocken darvon / Vnnd fiengen an daſſelbige vnter das gantze Volck ohn allen Vnder - ſcheid außzutheilen. Sie empfingens auch mit groſſer Ehrerbietung / Forcht vnnd Threnen / mit groſſer Verwunderung. Sie ſagten / ſie eſſen Fleiſch vnd Bein von jhrem Gott / vnd hielten ſich fuͤr vnwuͤrdig / daß ſie ſolcher Wolthaten genieſſen ſolten / den Kranckẽ ward diß Sacrament mit groſſer Ehrerbietung zu Hauß gebracht. Nach dieſem Abendmal that einer auß den Elteſten / dem Volck ein Predigt / verkuͤndiget mit hel - ler Stimm jhr Geſetz vnd Gepraͤng / vnd hiemit endet ſich das Feſt.

Die Jndianer haben ſich auch vnderſtanden der Roͤmiſchen Kirchen die Beicht beynahe in allenBeichtwe - ſen der Jn - dianer. Puncten nach zuthun. Dann in Peru waren ſie der Meynung / daß alle Widerwertigkeit vnd Kranckheit vmb der Suͤnde willen jhnen wider fuͤhre. Auff daß ſie nun die Suͤnde moͤchten bezahlen / thaͤten ſie die Opf - fer. Neben dem beichteten vnd bekenneten ſie auch muͤndlich jhre Suͤnd / hierzu hatten ſie ſonderbare Beicht - vaͤtter / von hohem vnd nidrigem Stand: der Suͤnden ein theil wurden den Oberſten vorbehalten. Wurden auch bißweilen hart geſtrafft / ſonderlich die / ſo den Beichtvaͤttern nichts zu geben hatten. Die Weiber hoͤ -Weiber hoͤ - ren auch Beicht. reten auch die Beicht. Sie hieltens fuͤr ein grewliche Suͤnde / wann jemands auch die allergeringſte Suͤn - de verſchwiegen / darumb weiſſageten ſie durchs Loß oder Eingeweid etlicher Thier / gaben den Beicht - Kindern mit einem Stein viel Schlaͤg auff den Ruͤcken / biß ſie alles bekenten: Alsdann ſetzet man jhnen die Ruͤg vnd Buſſe / darfuͤr geſchahen dann die Opffer. Solche Beicht brauchten ſie gemeiniglich / wann jhr Weib / Kinder / oder die Herren vnd Jngæ kranck waren: alsdann beichteten alle Landtſchafften Die Beicht Vaͤtter muſten die Geheimnuß verſchweigen / nur etliche Suͤnde außgenommen / als wann einer den andern im Krieg getoͤdtet. Jtem / ſtehlen / deß andern Weib nehmen / vergiffte Kraͤuter brauchen / einen an - dern bezaubern. Sie hielten auch fuͤr ein groſſe Suͤnde / wann man jhren Goͤttern nicht Ehr erzeigete / jhre Feſte nicht feyret / deß Jngæ vbel gedachte / vnd jhme nicht gehorſamte. Die jnnerliche Gedancken beichteten ſie nicht. Der Jnga beichtete allein der Sonnen / daß ſie ſolche dem Viracocha anzeigen / vnd jhm verzeihenDeß Jngæ Beicht. wolte. Nach der Beicht badet er ſich vnd vermeinet hiemit von den Suͤnden gereiniget zu ſeyn / wann er in den Fluß ſaß / ſprach er dieſe Wort: Jch hab der Sonn meine Suͤnde gebeichtet / der Fluß empfahe dieſelbige / vnd fuͤhre die ins Meer / auff daß ſie nimmermehr erſcheinen. Alſo pflegten auch alle andere zu baden / vnd mu - ſten ſich nach dem Bad von einem hoͤckerichten / oder von Natur gebraͤchlichen Menſchen / mit Neſſeln ſtreichen laſſen. Wann einem die Kinder ſtarben / hielten ſie jhn fuͤr einen groſſen Suͤnder / wendeten fuͤr / es were ſeiner Suͤnden Schuld / daß der Sohn fuͤr dem Vatter hinſtuͤrbe. Wir woͤllen allhier auch einDer Japa - ner Beicht. Art von der Japanier Beicht einfuͤhren / ob ſie wol eygentlich zu den Orientaliſchen Hiſtorien gehoͤrig. Jn Ocaca ſeynd etliche vber auß hohe Felſen / daß etliche Spitzen zweyhundert Klafftern hinauff gehen / vnter welchen einer vberhaͤngt / vnd ſo grewlich anzuſehen iſt / daß die Bilger Xamabuxis zittern / vnd jhnen das Haar zu Berg ſteiget / wann ſie ſolch erſchrecklich Werck ſehen. Auff gemelte Spitzen iſt durch ſeltzame Kunſt ein groß eyſern Schafft / drey oder vier Klafftern lang / geſetzt worden / am Endt deß Schaffts haͤngt ein Gewicht / vnd an dem Schafft auſſen eine Wage / deſſen Wagſchalen ſo groß ſeynd / daß ein Mañ in derſelbigen ſitzen mag / Vnd die Goquis (die Teuffel in Menſchlicher Geſtalt) ſetzen einen jeden Bilger beſonders in dieſe Wagſchalen / hernach fuͤhren ſie das Schafft mit der Wagſchalen / durch ein Rad allge - mach herauß / alſo / daß derſelbige gantz vnd gar in der Lufft hangen bleibet / vnd der Xamabuxis in der Scha - len ſitzet / welche gantz nider ſincket / die Gegenſchale aber hinauff biß an den Schafft ſteiget. Wann diß ge - ſchehen / alsdann ruffen jhm die Goquis vom Felſen / daß er ſeine Suͤnde beichten ſolle / ſie ſeyen gleich in Worten / Wercken oder Gedancken / diß alles geſchicht mit ſo heller Stim̃ / daß alle Vmbſtaͤnder die Beicht hoͤren moͤgen: etliche Vmbſtaͤnder lachen vber die Suͤnde / ſo gebeichtet werden / etliche ſeufftzen darvber. Auff ein jegliche Suͤnde / ſo der Bilger beichtet / ſteiget die ander ledige Wagſchalen / ſo in der hoͤhe iſt / biß - weilen ein wenig herunder / ſolches geſchiehet ſo lang / biß der Suͤnder alles gebeichtet / alsdann hangen die Wagſchalen einander gleich. Wanns nun alſo kommen / wendet der Goquis das Rad / macht daß das Schafft hinein gehet / auff daß der / ſo gebeichtet / hinauß ſteigen / vnd ein anderer ſich hinein ſetzen moͤge / der auff gleiche weiſe beichtet. So aber einer ſeine Suͤnde verſchweigen wolte / alsdann gehet die Wagſchale nicht hinunder / vnd da einer auff Vermahnung die Warheit nicht bekennet / ſchlug jhn der Goquis auß der Wagſchuͤſſel hinunder / daß er in einem Augenblick zu Stuͤcken zermalmet ward. Es tragen aber die PilgerD iijſo42Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil

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ſo groſſe Sorg / vnnd beichten ſo rein / daß bey nahe niemand auß der Wagſchuͤſſel geworffen wirdt / VndBeicht - platz. Jndianer Prieſter - Weihe. dieſen Beichtplatz heiſſen ſie Sangenotocoro.

Die Jndianer haben der Leuitiſchen vnd Paͤpſtiſchen Prieſterweihe auch nachgefolget / aber auß der Salben iſt abzunehmen / wer deren Author ſey. Der Mexicaner Abgoͤtter Prieſter ſalbeten ſich auff dieſe weiſe: Sie beſchmireten ſich vom Haupt an biß zun Fuͤſſen / das Haar / welches von gemelter Salben wuchs / ward wie geſtickte Flechten / vnd ſchien eines Pferds Mehn ſeyn / wann er auffgebunden vnnd ge - flecht iſt / diß Haar wuchs mit der Zeit ſo lang / daß es jhnen biß vber die Knie reichet / vnnd wug ſo ſchwer / daß ſie genug daran zutragen hatten / welches ſie nicht abſchneiden dorfften / es were jhnen dann hohes Alters halben zugelaſſen / oder ſo ſie zum Regiment vnd andern hohen Emptern gezogen wuͤrden / diß Haar flochten ſie mit Baumwollen Schnuͤr / ſechs Finger breit.

Ruß Salb.

Der Rauch / damit ſie ſich zu raͤuchern pflegten / war gemeiniglich Ruß / welches von alten Zeiten her jhren Goͤttern ein ſonderlich angenehmes Opffer geweſen. Vnnd die Prieſter ſo ſolches Opffer hielten / ſtrichen ſich allweg / vber den gantzen Leib / mit Ruß oder Dinten an / vnd ſcheinen ſchwartze Mohren ſeyn. Diß war jhre gewoͤhnliche Salbe / wann ſie aber in die Waͤlde / auff die Berge / oder in die finſtern Kluͤffte giengen / jhren Abgoͤttern zu opffern / alsdann brauchten ſie ein beſondere Salbung / mit etlichen Ceremo -Salb von gifftigen Thieren. nien / die Forcht zuvertreiben / vnd ſich gehertzt zu machẽ. Solche Salb aber war von etlichen gifftigen Thie - ren zugericht / als von Spinnen / Scorpionen / Krotten / Salamandern / Ottern / Schlangen / welche die jun - gen Knaben begierlich fiengen vnd ſamleten. Dieſe gifftige Thier namen die Prieſter / branten die im Tem - pel vor dem Altar zu Aſchen / ſtieſſen ſie im Moͤrſer / vermiſchtens mit Tabaco. Vnder die Aſchen wurffen ſie lebendige Spinnen / Scorpion vnd Krotten / miſchten vnnd ſtieſſens durch einander / darnach theten ſieOloluchqui Krafft. gemahlen Samen von Ololuchqui / welcher Sinnloß machet / darunter. Vnter dieſe Aſchen mahleten ſie auch ſchwartzhaͤrige Wuͤrme / ſo vergiffte Haar haben. Alles dieſes knetteten ſie zuſammen mit Ruß / thetens in kleine Toͤpfflein / ſetztens fuͤr jhre Goͤtter / vnnd gaben fuͤr / daß es jhre Speiß were / daher ſie es auch ein Goͤttliche Speiß nenneten. Wann man die Prieſter mit dieſer Salb anſtriche / vergieng jhnen alle Forcht / wurden Gauckler / ſahen vnnd redeten mit dem Teuffel / vberkamen ei - nen grewlichen vnmenſchlichen Geiſt / vnnd ein ſolch grimmig Gemuͤht / alſo / daß ſie die Men - ſchen vnverzagt opfferten / vnnd ſich fuͤr keinem grimmigen Thier entſetzten / die jhnen dann wegenjhres43Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. jhres grauſamen Anblicks wichen. Dieſe Salb war auch fuͤr die Krancken / ſie machten Pflaſter darauß / vnd legtens auff den Schaden oder Wunden / ſo ward er heil. Die Prieſter hatten einen Zulauff als Heyligen / begauckelten auff dieſe weiſe die ſchlechten einfaͤltigen Leut / daß ſie dieſelben beredeten / worzu ſie wolten / vnd hielten jre Rede fuͤr lauter Goͤttliche Oracula vnd Glaubens Articul. Daher das Landt Peru vberfluͤſſig der Wahrſager / Loßwerffer / Gauckler / Zeichendeuter vnd falſcher Propheten voll war. WannDie Weiſe im Wahr - ſagen. ſie Wahrſagen woͤllen / verſchlieſſen ſie ſich in ein Hauß / verſauffen allen Verſtand / daß ſie Sinnloß wer - den / den folgenden Tag antworten ſie auff das / ſo man ſie gefraget hat. Sie koͤnnen ſich auch in mancherley Ding veraͤndern / in der Luft fliegen / in geringer Zeit von weiten Orten her Zeittung bringen / das geſtohlen offenbaren / ehe ſie aber ſolches thun / reden ſie zuvorn im finſtern mit dem Teuffel / allda ſie ſeine Stimm hoͤren / jn aber nicht ſehen.

Noch viel vnzehlige Ceremonien vnd Sitten haben die Jndianer auß dem Geſetz Moſis / Maho -Suͤnden - baͤder Opa - cuna. mets vnd der Roͤmiſchen Kirchen entlehnet / als da ſeynd die Baͤder Opacuna / darinnen ſie jhre Suͤnde ab - wuſchen. So hatten die Mexicaner auch jre Tauff vnd Beſchneidung / vnd verrichteten ſolches an den jun - gen Kindern / ſonderlich groſſer Herꝛen / vnnd deß Jngæ alſo: So bald die Kinder gebohren wurden / wu -Jndianer Tauff vnd Beſchnei - dung. ſchen ſie die Prieſter / beſchnitten jhre Ohren vnd Mannlich Glied vnd opfferten daſſelbig jhrem Abgott. Sie gaben auch den Knaͤblein in die rechte Hand ein klein Schwerdlein / in die lincke aber ein klein Schild - lein / den Maͤgdlein aber etwas von Spinngezeug.

Jn Heyrahts Sachen richteten ſie auch Eheſtifftungen auff / vnd gab der Prieſter die Eheleut folgen -Eheſachen. der Geſtalt zuſammen: Breutigam vnd Braut ſetzten ſich beyeinander fuͤr den Prieſter / der nam ſie beyde bey der Hand / fragete ſie / ob ſie zuheyrahten begehreten / da ſie nun jhren Willen darauff gaben / nam er ein End von der Braut Schleyer / vnd ein Zipffel vom Mantel deß Breutigams / band ſolche zuſammen / fuͤh - ret ſie alſo gebunden in jr Hauß vmb den Fewerherd / darauff ſetzten ſie ſich zuſam̃en / vnd ward alſo die Ehe beſtetiget / nachmahls hielten ſie groſſe Gaſtereyen. Wo ſie hernach Ehebruͤchig wurden / theileten ſie / ver - moͤge deß Jnventarij / jhre zuſammen gebrachte Guͤter / vnnd behielt der Mann die Soͤhne / das Weib aber die Toͤchter / wurden alſo geſcheiden / vnd mocht ein jedes ſeiner Gelegenheit nach / widervmb heyrah - ten / die geweſenen Eheleut / dorfften aber bey Leibſtraff / nit mehr die Ehelichen Werck mitein ander voll - bringen.

Ehe wir aber von der Jndianer Feſttagen gar beſchlieſſen / vnd auff andere Materien kommen / woͤl - len wir anzeigen / daß ſie ſich auch vnderſtanden / die H. Dreyfaltigkeit nachzumachen / dann in vorgedach -Nachoͤh - mung der H. Drey - faltigkeit. tem hoͤchſten Feſt im December / in der Einſetzung deß Jungen Jngæ / als ſie ein groſſe Anzahl Schaaf vnd Laͤmmer geopffert / die man mit gewircktem vnd wolriechendem Holtz verbrant / brachten ſie auch viel Schaaf / Gold vnd Silber / ſetzten hierzu geſchnitzte Bilder der Sonnen / vnd die drey vom Donner / Vat - ter / Sohn vnd Bruder / welchen die Sonn vnd Donner haben ſolten / dieſes war ein falſch Anbild der H. Dreyfaltigkeit / dieſe drey Bilder hieſſen Apointi / Churinuti vnd Jntiquaoqui / dz iſt / der Vatter vnd Herꝛ der Sonn / der Sohn Sonn / vnd Bruder Soñ. Alſo nenneten ſie auch die drey Bilder Chuquulla / welches von dem Gott geredt wirdt / ſo ſich im Gewaͤſt oder Lufft haͤlt / da der Donner Regen vnd Schnee herkompt. So war zu Chuquiſaca der Abgott Tangatanga angebetet / der in dreyen einer / vnnd in einem drey ſeynTangatan - ga. Jubel vnd andere Feſt. ſolte. Ohne dieſes Feſt hatten ſie noch eylff / auff einen jeglichen Monat eines / darauff allwegen hundert Schaaf / von vnterſchiedlichen Farben geopffert wurden: vnd waren ſonſten der extraordinari Feſt vn - zehlig / vnter denen aber auch das Jubel Feſt / das wir auch kuͤrtzlich / ſo viel es den Ablaß betrifft / beruͤhren woͤllen. Nach dem Vitzliputzli Feſt / war das ander hohe Feſt Tetzcatlipuca / welches ſie im Mayo / vnd alle vier Jahr einmahl hielten / darauff vollkommener Ablaß vnd Vergebung der Suͤnden gegeben ward / auff den neunzehenden May opfferten ſie den Schlaven / welcher deß Jahrs das Anbild deß Goͤtzen getra - gen. Seine alte Kleyder verwaret man als die Meßgewandt vnd Heyligthumb. Auff den Tag kam der Oberſt deß Tempels / wie der Abgott gekleydet / herfuͤr / hatte in der Hand etliche Blumen / vnd ein klein ſteinern Pfeifflein / eines faſt hellen Thons / vnd bließ gegen alle vier Ort der Welt / da er nun die Abweſen - den herbey gelockt / vnd auffgemuntert / nam er ein wenig Erden von dem Eſterich / ſteckt es in den Mundvnd . Solches thaͤtten auch alle anweſenden / fielen nider auff jhr Angeſicht / betteten die Nacht / Wind vñ Fin - ſternuß an / mit Begehren / daß ſolche ſie nicht verlaſſen / noch jnen das Leben nehmen / ſondern ein Endt ma - chen wolten der Macht / ſo ſie haͤtten / diß pfeiffen truckte auch das Gewiſſen der Dieb / Ehebrecher / Todt - ſchlaͤger vnd anderer Vbelthaͤter ſo hart / daß ſie auß Schrecken jre Miſſethaten bekenneten / rufften auch Gott an / daß er jre Suͤnde nicht wolt laſſen offenbar werden / bereuweten vñ beweineten ſolche heftig / vnnd opfferten viel Weyrauch / Gott zuverſoͤhnen. Wann die Kriegshelden dieſes Pfeifflein hoͤreten / beteten ſie Gott an / deßgleichen die Sonn vnd andere vornembſte Goͤtter / daß ſie jnen Staͤrck vnnd Sieg wider jhre Feinde verleyhen wolten / damit ſie zu Ehren jres Opffers viel Gefangene vberkommen moͤchten. Dieſe Ce - remonien wurden 10. Tag nach einander vor obgedachtem Feſt getrieben / wie aber nun das Feſt ſelber gehal - ten worden / achten wir vnnoͤhtig allher zuſetzen / ſintemal es dem Leſer mehr Verdruß als Luſt erweckẽ wuͤr - de / vñ mag deſſen ein Muſter võ den vorigẽ abgenom̃en werden. So iſt auch ď Kauffleut Feſt drobẽ beruͤhrt.

Demnach wir nun von der Jndianer Religion etlicher maſſen gehandelt / wollen wir auch nun jhreVon der Jndianer Policey. Sitten / Policey vnd Regiment beſchreiben / vnd zwar ſolches zu dem Ende / damit wir den falſchgeſchoͤpff - ten Wahn / als ob es ein Viehiſch vnd vnverſtaͤndig Volck ſeye / ja auch ſo ſehr / daß es billich den Namen eines Menſchen nicht tragen ſolte / ableynen moͤgen.

D iiijDieſe44Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil
Mexicaner Jahr Rech - nung vnnd Calender.

Dieſe vnſer vorhabend Materi aber woͤllen wir mit Abtheylung der Zeit / ſo die Jndianer gebraucht / anfahen / darauß jhr Geſchickligkeit vnd Vernunfft vnder andern abzunehmen. Die Mexicaner theilten das Jahr in 18. Monat vnd gaben jedem Monat 20. Tag / welches zuſammen thut 360. Tag. Die an - dern fuͤnff reſtierende Tag / ſetzten ſie zu keinem andern Monden / rechneten ſolche fuͤr ſich ſelbſt / nenneten die leeren oder Vberſchuß der Tag. An denen that das Volck nichts / ſondern trieben jhr Kurtzweil mit ſpatzie - ren gehen / vnd andern luſtigen Dingen. Die Prieſter hoͤreten auch auff zuopffern. Nach dieſen Tagen fien - gen ſie widerumb an / das Jahr zurechnen. Der erſte Monat war vmb die Zeit deß Jahrs / wann die Bletter anfiengen zugruͤnen. Jhr newer Jahrstag war den 26. Februarij. Ein jeder Monat hatte ſeinen ſonderli - chen Namen / Bild vnd Zeichen / welches gemeiniglich vom vornembſten Feſte / ſo man im ſelbigen Monat feyret / genommen worden / wie auch von der Veraͤnderung / ſo das Jahr zur ſelbigen Zeit mitbringt. Jede Wochen war bey jhnen 13. Tag. So theileten ſie auch das Jahr in vier Theil mit vier Zeichen / das erſt war ein Hauß / das ander ein Caninichen / das dritt ein Rohr / das vierd ein Fewerſchlag. Darnach rechne - ten ſie auch vnd ſagten / auff ſo viel Haͤuſer / auff ſo viel Fewerſchlaͤge: Von ſolchem Rad geſchehen dieſe vnd jene Ding. Man muß aber wiſſen / daß ſolches Rad ein gewiſſe Zeit Jahr / von 4. Wochen in ſich hat - te. Ein jede Wochen hat dreyzehen Jahr / alſo / daß es zuſammen thet zwey vnd fuͤnffzig Jahr. Jn der Mit - te deß Rads mahleten ſie ein Sonn / darauß giengen vier Zwergſtrich / ſo biß an den Vmbkreiß des Radts reichten / alſo / daß ſie den Vmbgang in vier Theil abſchieden. Ein jedes Theil hatte einerley Farb / nemb - lich gruͤn / blaw / roth vnd gelb / Vnter dieſen vieren hat auch ein jeder noch dreyzehen Theil mit jhren Zei - chen / als Hauß / Caninchen / Rohr / vnd Fewerſchlag / deſſen jedes ſein Jahr bedeutet: Am Randt mahlten ſie die Geſchichten deſſelben Jahrs / auff welche weiß man das Jahr / darin die Spanier erſtlich in Mexico kommen / abgebildet geſehen / ſonderlich aber Marggraff Cortes / welcher der erſt daſelbſt hinkommen / in roh - ter Kleidung.

Am ende der 52. Jahren / damit das Radt beſchloſſen ward / brauchten ſie ein ſeltzame Ceremonien / Jn dem ſie die letzte Nacht alle Gefaͤß vnd Toͤpffe zerbrachen / loͤſcheten die Liechter auß / wendten fuͤr / daß mit Beſchlieſſung der Raͤder die Welt vergehen werde / welches jrgent zu der Zeit geſchehen moͤchte / die ſie jetzt hetten / Achteten derhalben das Kochen vnd Eſſen fuͤr vnnoͤtig / doch hielten ſie die gantze Nacht fleiſſig Wacht / zuſchawen / ob es wolt Tag werden: Wann nun der Tag wider anbrach / ſpielten ſie auff viel Trummen / Poſaunen / Floͤten vnd andern luſtigen Jnſtrumenten / vnd gaben fuͤr / Gott hette die Zeit noch 52. Jahr erlaͤngert / fiengen alſo ein newes Radt an / holeten das Fewer wider bey den Prieſtern / kaufften Gefaͤß / Toͤpffen vnd alles was ſie bedurfften / Den Tag hielten ſie ein ordentliche Proceſſion zur Danck - ſagung.

Peruaner Calender.

Die Jndianer von Peru waren in dieſem noch verſtaͤndiger / vnd zehleten in einem Jahr ſo viel Ta - ge / als wir / theileten es auch in zwoͤlff Monat / vnd flickten die ey[l]ff Tag ſo vbrig blieben / hinein. Damit ſie nun ein gewiſſe Rechnung des Jahrs hetten / brauchten ſie dieſe Geſchickligkeit: Auff dem Gebirg rings vmb Cuſco (darinnen die Koͤnigliche Hoffhaltung / vnd das groͤſſeſte Heiligthumb all jhrer Reichen war) ſtunden zwoͤlff kleine Pfeiler in ſolcher Ordnung vnd Diſtantz / daß ein jeder ein Monat bedeutet / wo die Sonn auff vnd nider gieng / nenneten ſolche Succanga / vnd verkuͤndigten hierdurch die Feſt / die Zeit zu ſeen / erndten vnd andere dergleichen Dinge mehr. Dieſen Sonnen Pfeilern opfferten ſie nach jhrer Ord - nung / hatt ein jeder Monat ſeinen beſondern Namen / vnd ſonderliches Feſt. Fiengen das Jahr an im Ja - nuario / wie wir. Welches aber nachmals Jnga Pachacuto geendert / vnd das Jahr im December anzu - fangen / befohlen / weil die Sonn zu der Zeit vom Tropico / ſo aller nechſt war / widerumb anfieng zuruͤck zu - kehren / Sie hatten aber keine Wochen noch Schalt Jahr / wiewol es doch etliche bejahen.

Jndianer ohne Buch - ſtaben.

Alle Jndianer haben keine Buchſtaben oder Schrifft gebraucht / als nur allein die von Japon vnd China Figuren vnd Zyffer / an ſtatt der Buchſtaben / Vnd dieweil wir vnter den Jndianern nicht allein die in Peru vnd new Spanien begreiffen / ſondern ein gut theil von Japon vnd China / wollen wir etwas von jhrer Schrifft anzeigen.

Der Japo - nen vnnd Chineſer Schrifft.

So haben nun gedachte Jndianer kein Alphabet / ſchreiben auch keine Buchſtaben / ſondern jhre Schrifft beſtehet in Bildern oder Zyffern / Jhre Buchſtaben bedeuten auch nicht Sagwoͤrter / wie vnſere thun / dann es ſind Figuren / der Ding / als der Sonn / Fewer / Menſchen / Meers vnd dergleichen. Dann ob gleich die Chineſer ein vnendtliche Sprach brauchen / auch vnterſchiedlich iſt / ſo kan doch jhre Schrifft vnd Handzeichen / zugleich ein jederman leſen vnd verſtehen / er ſey gleich auß was Nation er wolle / wie bey vns die Zahl der Arithmetie / ſo wol von Frantzoſen / Arabern vnd Spaniern verſtanden wird / als auch von den Teutſchen. Dann die Figur acht / bedeutet in einer jeden Sprach acht. Ob es wol die Frantzoſen auff eine / die Spanier auff ein andere Weiß außſprechen. Gleich wie nun die Chiniſche Ding vnendtlich / alſo ſeind auch die Figuren / damit ſie die Ding abbilden / vnendtlich / vnd muß einer / ſo in China leſen wil / zum wenigſten 85000. Figuren kennen / der aber vollkoͤmlich wil ſtudirt haben dem muͤſſen wol 120000. kuͤndig ſeyn / Es gehet aber wol zehen Jahr / Tag vnd Nacht darauff / ehe man dieſe Figuren alle begreiffen / vnd die Sprache lernen mag.

Die Man - darinen Sprach in China.

Alle die jenigen aber / ſo ſie koͤnnen / werden zu hohen Aemptern gezogen / vnd fuͤr die gelehrteſten Leute gehalten / Mann helt die Kinder ſolche zu lernen Tag vnd Nacht in den Schulen / mit Riemen vnd Geiſ - ſeln hart an / vnd heiſſet man dieſes der Mandarynen Sprach / damit man offt ſein Lebenlang zuthun hat. Vnd iſt ſehr wunderbarlich / daß vnterſchiedlicher Sprachen Voͤlcker ſolcher Geſtalt einander verſtehenſollen /45Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. ſollen / wie dann die Japonen vnd Chineſer einander wol in den Schrifften / aber nicht in der Sprach ver -Chineſer Trucke - reyen. ſtehen / dann ſo ſie reden ſolten / was ſie leſen / wuͤrde keiner wiſſen / was der ander begerte. Diß ſind die Buch - ſtaben vnd Buͤcher in China ſo durch die gantze Welt beruͤmbt / jre Truckereyen ſind Figuren / die ſie in hoͤl - tzerne Blatten ſchneiden / vnd darnach ſo viel trucken / wie man allhier mit den Kupffern thut. Allhier moͤch - te aber wol gefraget werden / wie ſie jhren Sinn vnd Meinung durch Figuren moͤchten an Tag geben / weil man mit einer Figur nicht koͤnne vnterſchiedliche dinge andeuten / noch die Caſus, Coniunctiones vnnd Articulos, ſo man ſonſten in allen Sprachen haben muß / vnterſcheiden. Darauff geben wir den Bericht / daß ſie ſolches mit gewiſſen Stuͤpfflein / Strichlein / oder geſtalten zuwegen bringen / vnd den Vnterſcheidt anzuzeigen wiſſen. Jſt jhnen aber gantz ſchwer frembde / vnbekante Sachen vnnd Namen / in jhre Spra - che zubringen / darvber ſie erſt inſonderheit ſtudieren / vnd zu newen Dingen / auch newe Figuren erdichten muͤſſen. Solche Sprach aber helt nur in ſich Geſchicht / Secten / Statt vnnd Buͤrgerliche Rechten / Mo - ral von Fabeln vnnd Sprichwoͤrtern. Sie verſtehen etwas von der Sternkunſt / ſeind auch zimlich in der Artzney erfahren / ſchreiben mit Penſeln / haben viel geſchriebene Buͤcher / ſind aber alleſampt ohn eini - gen Stylum. Sie halten ſchoͤne Comedien vnnd Schawſpiel / offt zehen oder zwoͤlff Tag vnnd NachtChineſer gute Come - dianten. an einander / tretten mit vnterſchiedlichen Perſonen vnnd Scenen auff / vnnd weil ein Par[t]hey agirt / ſchlaͤffet die ander. Jn dieſen Comedien halten ſie Moral Ding vnnd gute Exempel / ſeind aber allweg mit gedenckwuͤrdigen Heydniſchen Hiſtorien vermiſchet.

Die Jndianer in Peru aber anbelangent / hatten fuͤr der Spanier Ankunfft gantz vnnd gar keineFortpflan - tzung der Jndiani - ſchen Ge - ſchichten. Schrifften noch Buchſtaben / Characteren / Zieffer oder Bilder / hielten aber nichts deſtoweniger jhre Antiquitet in Gedaͤchtnuß / deßgleichen hielten ſie Rechnung all jhrer Ding von Fried / Krieg vnd Regie - rung. Dieſes alles aber ſagt einer dem andern fleiſſig / die Jungen namen ſolche der Alten Erzehlung / als ein geheiligt Ding auff / behielten was jhnen geſagt ward / vnnd ſolches bracht je einer auff den andern / auff die Nachkommen. Was aber jhnen vergeſſen wolt / dem kamen ſie fuͤr mit groben Bildern / wie auch die Mexicaner thetten / den meiſtentheil aber mit Quipos / welches Regiſter oder Memorial von Schnuͤ -Quipos Memorial Buͤcher. ren gemacht / mit vnterſchiedlichen Knoͤpffen vnnd Farben / vnterſchiedliche Ding damit anzudeuten / wa - ren. Vnnd iſt gantz vnglaͤublich / was vnnd wie viel ſie mit dieſem Fundt gefaſſet haben / dann alles was vns die Geſchicht / Geſetzt / Ceremonien / vnnd Handelbuͤcher erzehlen moͤgen / das thun die Quipos gantz vollkoͤmlich. Sie hatten Gebuͤndlein von groſſen vnnd kleinen Knoͤpffen / vnnd geſtrickten Faͤden von vn - terſchiedlichen Farben / daß / wie wir mit vier vnnd zwantzig Buchſtaben auff vnterſchiedliche Weiſe bey einander verſamlet / viel vnnd vnentliche Woͤrter machen / alſo deuten die Jndianer mit jhren Knoͤpffen vnterſchiedliche vnnd mancherley Ding an / Etliche lernen auch mit vnterſchiedlichen Steinen betten / vnnd wiſſen auff ein jedern Glaubens Articul einen beſondern Stein zugebrauchen. Sie koͤnnen auch mitJndianer gute Re - chenmei - ſter. jhren Mayskoͤrnern weit beſſer rechnen / als wir mit den Zahlen vnnd Rechenpfenningen. Weiter iſt auch zu mercken / daß die in China nicht nach Zeilen / ſondern von oben herab / oder in die runde ſchreiben / dann weil es nit Buchſtaben / ſondern gantze Woͤrter ſeynd / vnd ein jedes Bild vnd Character ein Ding an ſich ſelbſt iſt / vnnd etwas bedeutet / ſo iſts vnnoͤtig / ſolche an einander zuhengen / Dargegen aber ſchreiben die zu Mexico hin auffwarts / wann ſie aber in jhre Calender zeichen / vnnd Raͤder ſchreiben / fiengen ſie in der mit an / da die Sonn gemahlet ſtundt / vnnd giengen von dannen fort / biß in das Jahr / darin ſie waren / oder zu dem Circul des Rads.

Wir wollen nun ferner zu den Regiments Haͤndeln ſchreiten / da man dann allezeit am RegimentDer Jndia ner Regi - ment. vnnd Art zuherꝛſchen / abnehmen moͤgen / welche vnter der Jndianern Barbari geweſen: Dann je mehr ſie Menſchlich waren / je guͤtiger vnd holdſeliger ſie geweſen / vnnd jeweniger Hoffart an jhnen iſt geſpuͤret worden / daher iſt es kommen / daß ſolche Koͤnige vnd Herꝛen ſich ſchlecht gehalten / demuͤtiglich regieret / Jn dem ſie erkennet / daß ſie wegen gemeiner Natur jhren Vnderthanen nicht allein gleich / ja etwa wol nidriger weren / vnd daß jhnen die Sorg des gemeinen Nutzes auff dem Halß lege. Die Barbari aber thet - ten das Widerſpiel / regierten Tyranniſch / handelten mit jhren Vnderthanen / als mit dem vnvernuͤnff - tigen Viehe / begereten vnd befahlen auch / ſie fuͤr Goͤtter zuhalten: Darumb wolten viel Jndianiſche Voͤl - cker keine Koͤnige noch Herꝛen dulden / ſondern haben als freye / vngezwungene Gemeine gelebet / ohn allein / daß ſie zu Kriegszeit jhnen Oberſten vnd Hauptleut erwehlet / denen ſie ſo lang der Krieg gewaͤhret / gehor - ſamet / nach ſolchem griffen ſie widerumb nach jrer vorigen Freyheit.

Auff jetzt erzehlte weiſe wird der meiſte theil in der newen Welt regieret / alſo / daß daſelbſten keine or - dentliche Koͤnigreich noch gewiſſe Reſpublicæ, oder Gemeinen ſind / noch auch ſtetige Koͤnige vnnd Fuͤr - ſten. Wahr iſts / daß man vnter etlichen Voͤlckern / etliche Herꝛen vnd vornehme Leute findet / die bey dem ge - meinen Mann vnnd andern fuͤr Koͤnigiſche vnd Ritter gehalten werden / wie dann in der Landſchafft Chile die Auricaner / die von Tucapel / vnnd andere den Spaniern viel Jahr Widerſtandt gethan. So war es auch mit dem Koͤnigreich vnd Land Granada / Guatimala / vnd in den Jnſuln / Florida / Braſilia / Licon / Philippinen / vnnd andern groſſen gewaltigen Landſchafften. Aber es iſt in derſelbigen noch groſſe Bar - barey / dann ſie erkennen ſchwerlich ein Ober Haupt / regieren vnd gebieten alleſampt ins gemein / darumb iſts daſelbſt anders nicht / vnd gehet zu / wie es jhnen in Kopff koͤmmet. Sie vben Gewalt / handlen vnredtlich / wer am ſtaͤrckeſten iſt / der behelt den Platz vnd gebeut.

Jn Oſt-Jndien ſeind weitlaͤufftige vnnd gewaltige Koͤnigreich / als Sian / Biſnaguar / vnd andere. Koͤnigreich in Oſt-Jn - dien.Aber46Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilAber China vbertrifft an groͤſſe vnd Macht alle Koͤnigreich / deſſen Koͤnige nach jrem fuͤrgeben / auch vber 2000. Jahr ſollen regieret haben / welches jr gut Regiment zuwegen gebracht.

Zwey maͤch tige Koͤnig - reich in Weſt-Jn - dien.

Jn Weſt-Jndien hat man nur zwey beſtaͤndige Koͤnigreich erfunden / nemlich / das zu Mexico in new Spanien / vnd das von den Jngis in Peru. Man kan aber nicht wol wiſſen / welches vnter dieſen das maͤch - tigſte ſey.

Jm Gebaͤw vnd Hoff vbertraff Motecuma die zu Peru.

Jm Schatz / Reichthumb / groͤſſe der Landſchafften vnnd Antiquitet / thetens die Jngæ denen zu Mexico vor.

Jn Kriegsſachen / als in Thaten vnd Victorien ſind ſie vnſers erachtens gleich.

Allein iſt diß gewiß / daß dieſe beyde Koͤnigreich allen andern Jndianiſchen Herꝛſchafften in Geſchickligkeit vnd guter Policey vorgezogen werden / wie auch am Vermoͤgen vnd Reichthumb / ſonder - lich aber im Goͤtzendienſt vnd Aberglauben.

Ob nun wol dieſe beyde Koͤnigreich in vielen dingen einander gleich waren / hatten ſie doch in dem auch ein groſſen Vnterſcheidt / daß bey den Mexicanern das Reich in der Wahl / wie im Roͤmiſchen Reich beſtunde. Jn Peru aber verfiel es auff das nechſte Blut wie die Koͤnigreich Spanien vnnd Franckreich.

Nun wir wollen von beyden Koͤnigreichen etwas handlen / vnd von dem Koͤnigreich der Jngas in Peru den Anfang nehmen.

Von den Koͤnigen in Peru. Jhre Nach - folg.

Wann der regierendt Jnga in Peru mit Todt abgieng / folget jhm ſein ehelicher Sohn / auß ſeiner Leiblichen Schweſter erzeuget / Dann die Koͤnige hieltens fuͤr ein Pracht / jhre Leibliche Schweſter zu der Ehe zunehmen / Neben dieſer hatte er ſonſten noch andere Frawen zu Beyſchlaͤfferin.

Wann aber der Koͤnig einen Leiblichen Bruder hatte / ward er ſeinem Sohn vorgezogen / von dem - ſelben fiel es nachmals auff ſein Neffen / oder ſeines Bruders Sohn.

Ein ſolches Recht in Erbſchafften / hielten gleichfals die groſſen Herren in den Emptern.

Jn der Koͤnige Begraͤbnuß hielten ſie vnzehliche viel Ceremonien / vnnd praͤchtige Begaͤng - nuſſen.

Der folgende Koͤnig durffte deß abgeſtorbenen Schatz vnd Guͤter nicht erben / ſondern ſie wurden mit ſeiner gantzen Hoffhaltung ſeinem Bethauß zugeeygnet / vnd muſte der newe Koͤnig ein newe Hoffhal - tung auffrichten / vnd Gold / Silber / vnd alles anders von newem einſamlen / daher kams / daß in Peru ein vnendlicher Schatz war / dann ein jeder Jnga trachtete darnach / wie er ſeine Haußhaltung beſſer anſtellen / vnd ſeinen Schatz vermehren moͤchte.

Koͤniglich Signet ein Quaſt.

Das Signet / damit ſie des Koͤnigreichs Poſſeſſion annahmen / war ein rohter Wolliner Quaſt / der die Seyden in Schoͤnheit vbertraff.

Dieſen Quaſt hieng man jm mitten auff das Haupt / vnd dorfft es der Koͤnig allein tragen.

Die andern Herꝛen hatten dergleichen Quaſt auff der Seiten beym Ohr.

So bald der Koͤnig nun den Quaſt empfieng / hielt man ein herꝛliches Feſt vnd Opffer / Darzu ge - brauchte man ſilbern vnd guͤldene Gefaͤß / ein groſſe menge Tuͤcher von Cumbi gewirckt: Deßgleichen vie - lerley Meerſchilff / viel koͤſtliche Feddern / vnd tauſent vnterſchiedlicher Farben Schaff / vnd dieſes alles zu - opffern. Der Hoheprieſter nam mit andern Prieſtern ein Kind vnter acht Jahren / hielten ſolches dem ge - hawenen Bild Viracocha fuͤr / vnd ſprachen: Herꝛ / diß opffern wir euch / auff daß jhr vns bey Ruhe erhal - tet / vns in vnſerm Krieg helffet / daß jhr vnſern Herꝛn den Jnga bey ſeiner Majeſtaͤt vnd Standt bleiben laſſet / daß er allweg moͤge Gluͤck haben / daß jhr jhm Verſtandt vnd Wiſſenſchafft verleyhet / vns wol zu re - gieren. Bey dieſer Opfferung / vnd des Koͤniges Kroͤnung / war alles Volck des Koͤnigreichs.

Alhie er - ſcheinet nichts Bar - bariſches.

Die Vnderthanen theten jhrem Jnga groſſe Ehre an / waren jhm dermaſſen vnterthaͤnig vnnd Ge - horſam / daß man nie kein Maͤuterey wider jhn angerichtet / erfahren. So regierten die Jngæ nicht allein mit groſſer Macht / ſondern vbeten auch Gerechtigkeit / lieſſen niemand Gewalt noch Vnrecht geſchehen. Sie verordneten in vnterſchiedliche Provintzen jhre Landpfleger / vnd andere vntere Oberkeiten / welche gut Regiment hielten / durfften ſich nicht Truncken trincken / vnd niemand das geringſte Aehr von Mays neh - men. So verwehreten ſie auch den Muͤſſiggang mit gebuͤrlicher Arbeit / daher ſeind die ſchoͤnen Straſſen kommen / ſo mit vnaußſprechlicher Muͤhe / vmb erzehlter Vrſachen willen / gemacht worden. Wann ſie ein Landſchafft vberzogen / vnd eroberten / fuͤhreten ſie die vornembſten auß demſelbigen Volck mit ſich zu jhrer Hoffhaltung / vnd an deren ſtatt ſetzten ſie jhre Leut / von alten Geſchlechtern. Die Vbelthaͤter / wie auch die / ſo darumb Wiſſenſchafft gehabt / wurden hart geſtraffet.

Abtheilung der Vnter - thanen.

Die Jngæ theileten jhre Vnterthanen alſo ab / daß ſie dieſelbigen alleſampt regieren konten / wiewol ſich das Reich tauſent Meil weges erſtreckete. Dann ſo bald ſie ein Landtſchafft eroberten / ordneten ſie die Jndianer in ein gewiſſe Gemein / machten ſolche zu Rotten / ſetzten vber zehen einen / der vber ſie zugebie - ten hatte / vber hundert vnd tauſent auch einen / vnd vber dieſe alle einen ſonderlichen Gubernatorn / auß des Jngæ Geſch lecht / dem ſie alle vnterthaͤnig / vnd aller jhrer Handlungen Rechenſchafft gaben. Dieſe Land - pfleger kamen jaͤrlich von der Hoffhaltung Cuſco / ein jeder zu ſeiner vntergebenen Landſchaft / hielten Ge - richt / ſamleten den Tribut / vnd kehreten auff das hohe Feſt Rayme widerumb nach Cuſco.

Abtheilung des Lands Peru.

Das gantze Reich war in vier Quartier abgetheilet / nach den vier Straſſen / ſo auß Cuſco giengen. Dieſe vier Straſſen vnnd Landſchafften ſtreckten ſich nach den vier Seiten der Welt / nemlich / CollaSuyo47Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Suyo nach Mittag / Chinchaſuyo nach Mitternacht / Condeſuyo nach Nidergang / vnd Andeſuyo nach Auffgang. Jn allen jhren Gemeinen hatten ſie zweyerley Volcks / als die Obern vnd die Vndern. Da et - liche vor den Jnga gefordert worden / ward jhnen zuvor angezeigt / wie viel Rotten ein jede Landſchafft gebenJaͤrliche Coutribu - tion. ſolte / ſolches war nit in gleiche Theil / ſondern nach dẽ Vermoͤgenvnd Qualitet der Landſchafft außgetheilet.

Wann ſie 100000. Scheffel Mays außbringen ſolten / muſt eine Landſchafft den zehenden / ein an - dere den ſiebenden / ein andere den fuͤnfften Theil / ꝛc. geben / welches dan vnter die Gemeinen vnnd Rotten außgetheilet ward. Solche Rechnung machten jhnen die Quipocamayos / vnd Officirer in der Rechen - Kammer / die dann mit jhren Faden vnd Knoͤpffen vnfehlbar zuſagen wuſten / was einem jeden Jndianer an ſeinem Theil zuerlegen gebuͤhren wolte.

Die Gebaͤw / Feſtungen / Tempel / Weg / Felder / Landhaͤuſer vnd dergleichen / ſo die Jngæ machenGebaͤw in Peru. laſſen / haben ein vnaußſprechliche Arbeit / dann man findet Stein daſelbſt / in ſolcher groͤß / daß niemand außdencken kan / wie ſolche moͤgen gehawen vnd geſetzt worden ſeyn / dieweil ſie kein Eyſen noch Ertz gehabt / damit ſie die Stein arbeiten vnd behawen moͤgen / noch auch kein Werckzeug ſolche zufuͤhren / Noch ſind ſie ſo ſchoͤn vnd artig gearbeitet / vnd auff einander gefuͤgt / daß man an vielen Orten die Scheidung ſchwerlich finden mag.

Jn der Mawren an der Veſtung zu Cuſco ſeind Stein mehr dann dreiſſig Schuchlang / achtze - hen breit / vnd ſechs dick geweſen / ſind dennoch mit Haͤnden auff einander gelegt worden. Wiewol nun die - ſe Stein nach keinem Winckelhacken gehawen / vnd einer dem andern in geſtalt vnd groͤſſe vngleich iſt / ſo fuͤgen ſie ſich doch ſo wol auff einander / ohn einige Vereinigung mit Kalck / daß mans nicht wol glauben mag. Solches aber richten ſie mit vielem Volck / ſo der Jnga auß dem gantzen Land erfordern ließ / vnd mit groſſer Muͤhe auß. Dann wann man ſolche Stein feſt auff einander ſchlieſſen wollen / hat mans offt verſuchen muͤſſen / biß ſie recht eingetroffen. Ob nun gleich dieſe Gebaͤw groß waren / ſtund[e]n ſie doch vbel vnd ſehr zertheilt / vnd ſchienen den Mahometiſchen Meßquiten / vnd andern Barbariſchen Gebaͤwen gleich. An ſolchen Gebaͤwen konten ſie kein Gewoͤlb mit bogen maͤchen / ſo wuſten ſie auch nicht Kalck mit Ciment zumiſchen / vnd haben ſolches erſt von den Spaniern gelernet. Sie haben auch vber das vn - ergruͤndtliche Meer Chicuito in Collao vber 300. Schuch lang von Buͤndlein Bintzen / ein kuͤnſtliche Bruͤ -Bintzen Bruͤcke. cken gemacht / welche die ſteinern vnd hoͤltzern Brucken vbertrifft.

Die Jngæ hatten auch einen vnaußſprechlichen Reichthumb / vnd groſſen Schatz: Dann ob gleichDer Jngen Reich - thumb vnd Schatz. kein Koͤnig ſeines Vorfahren Guͤter erbete / hatten ſie doch allen Reichthumb / aller jhrer Lande in jhrer Gewalt / daher kam der groſſe Vberfluß an Gold / Silber / Tuͤcher vnd Viehe. Jhr groͤſter Gewalt aber ſtack in der vnzehlichen menge der Vnterthanen / welche jhrem Koͤnige in allen dingen willigen Gehor - ſam leiſteten. Wann ſie in einer Landſchafft etwas koͤſtliches vberkamen / vberſchickten ſie es jhrem Koͤ - nige / Alſo dienete die Landſchafft Chichæ jhm mit wolriechendem Holtz. Die Lucayas ſchicketen dapffe - re Laͤuffer / welche die Senfften trugen / vnd Tag vnd Nacht funfftzig Spaniſche Meilweges poſtiere - ten. Die Clumbibilcas ſchickten Taͤntzer / vnnd ſo fortan / So vnderhielt der Jnga auch die Gold vnnd Silberbergwerck / daraus er ein vnſaͤglichen Schatz ſamlete / das Land / wie auch alles Einkommen derTheilung des Landes vnd der Fruͤchte. Laͤnder von Fruͤchten vnd anderm wurden in drey Theil abgetheilet / der erſte Theil ſtundt der Religion vnd Gottesdienſt zu / der ander dem Jnga / ſeiner Freundtſchafft / Herꝛen / Beſatzung der Staͤtte / Soldaten vnd Dienern / der dritte Theil gehoͤrete der gemeinen Landſchafft / Ob aber dieſe drey Theil einander gleich gewe - ſen / mag man nicht eigentlich wiſſen.

Jn den eygenen Laͤndern der Jngen / arbeitete jederman / ohn außnehmung / zogen Feyerkleider an /Des Vol - ckes Fron - dienſt. ſungen Lieder zu lob der Jngas / vnd Guacas / vnd ſo lang die Arbeit waͤhrete / ſpeiſete ſie der Jnga / oder die Sonn / oder Guaca / als deren Laͤnder bearbeitet wurden. Die Alten / Krancken / wie auch die Witwen / wa - ren von dieſer Arbeit exempt / Das dritte Theil der Laͤnder gab der Jnga dem gemeinen Volck / hatte es aber niemands eygentlich jnnen / dann die Jndianer haben nie etwas Eygenthuͤmblich beſeſſen / ohne Ver - guͤnſtigung des Jngæ / ob gleich die Laͤnder eygentlich jhren Voreltern zugeſtanden / es durfft auch nie - mand etwas von dem Land auff ſeine Nachkommen vererben / ſondern das gemeine Volck ward jaͤhr -Lauter Le - henguͤter in Peru. lich getheilet / vnd einem jeglichen ſo viel eingeben / als er zu Erhaltung ſeiner / ſeines Weibs vnd Kinder be - durffte / Ein Jahr vberkam er mehr dann das ander / nach Anzahl ſeines Geſindes / welches ſein geſetzte Maß hatte. Was man alſo zu theil bekam / davon dorffte er kein Zinß geben / ohn allein / daß man der Goͤtter vnd Jngas Land bawen vnd einerndten muſte / Wann es ein vnfruchtbar Jahr war / wurden alle Leut / die man - gel litten / von den Fruchtſpeichern vnterhalten.

Das Viehe theilet der Jnga wie die Laͤnder / zehlet vnd ſondert es an oͤrter / etliches fuͤr die Guacas /Theilung des Vie - hes. etliches fuͤr den Jnga vnnd jede Statt. Solche Abtheilung betraff auch die Jaͤger / die nicht zu - lieſſen / daß man die Weiblein hinweg fuͤhrte oder toͤdte / der Guacas vñ Jngas Heerde war ſehr groß / des ge - meinen Volcks aber kleine. Der Jnga gab groſſe achtung auff das Viehe / als des Reichs Schatz / kein Weiblein wurd geopffert / getoͤdet oder auff der Jagt gefangen. Was ſchebicht ward / muſt man lebendig vergraben / damit es andere nicht anſteckete / Das geſunde Viehe ward geſchoren / vnd die Wollen den Kin - dern zuſpinnen vnd zuweben / nach gewiſſem Maß vbergeben / vnd wurden die jenigen hefftig geſtraft / ſo hier - innen fahrlaͤſſig erfunden wurden. Von der Jngas Woll wurden ein Gattung Cumbi Tuch gemacht / welches koͤſtlich vnnd auff beyden Seiten gerecht war. Die andere Gattung Abſca war ſchlecht vnd grob / vnd deſſen ein groſſe Anzahl. Die vbrige Wollen ward in den Scheuern verwahret. Koͤnte nun auchvon48Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilvon Heyden ein beſſere Ordnung gemacht werden? Dieſe loͤbliche Regierung moͤcht viel Chriſten be - ſchemen.

Der Jn - dianer Handthie - rung.

So haben auch die Jndianer dieſe ſchoͤne ordnung / daß ſie von Jugent auff ein Handarbeit zum Menſchlichen Gebrauch nottuͤrfftig zu lernen pflegen / Ob ſie gleich keine ſonderliche Handwerck / als Schneider / Schuſter / Weber vnd dergleichen lernen. Sie koͤnnen jhr eygen Tuch zur Kleidung machen / das Land bawen / darzu ſie keine Arbeits Leute beduͤrffen / ſie baweten jhre Haͤuſer / darzu die Weiber half - fen / dann man ſie nicht zaͤrtlich aufferzoge. Was aber nicht zum Menſchlichen Leben ſonderlich dienete / darzu hatten ſie jhre beſondere Meiſter / als Goldſchmiedt / Mahler / Toͤpffer / Schiffleut / Rechenmeiſter / Spielleut vnd dergleichen. Die Herren aber hatten beſondere Werckmeiſter vnd Arbeiter / welches der ge - meine Mann vnter jhnen ſelbſt verꝛichtete / vnd gab keiner dem andern nichts / wann er jhm etwas machete. Jhre Sit - ten.Es bedarff auch keiner des andern zu ſeiner Haußhaltung vnnd Perſon / als da iſt Kleider vnnd Schuch machen / Haͤuſer bawen / ſcen / mehen vnd des dings mehr. So hielten ſie auch ein maͤſſiges Leben / wehreten der Hoffart vnd boͤſen Luͤſten. Vnd ob ſie wol ſchlechte Kleidung trugen / ſo war doch in derſelben Tracht ein groſſer Vnterſcheidt / ſonderlich in dem / was ſie auff das Haupt ſetzten / dann etliche trugen geſtrickte vnnd geweben Zoͤpff / durch einander gedrehet vnd gewunden / etliche hatten kleine Huͤtlein / etliche als hohe runde Hauben / etliche wie das euſſerſte am Sibb / vnd auff vielerley Art mehr / Hierauff ward nun ein ſcharpff Gebott geſtelt / daß niemand die Tracht in ſeiner Landſchaft verendern dorffte / ob er ſich gleich in ein ander begebe / damit man jedes Volck vnterſcheiden koͤnte.

Von Ju - ſtitien Sa - chen vnnd Eheſtandt.

Jn gemeinen Juſtitien Sachen vñ Eheſtandt / verhielten ſie ſich alſo: Gleich wie die / ſo im Krieg oder andern Verwaltungen loͤblich gedienet / ein Præeminentz vnnd Vorzug hatten / vnd jhnen Landſchafften / Wappen / Weiber vom Geſchlecht der Jngas gegeben wurden / alſo ſtrafft man auch hergegen die Vnge - horſamen vnnd Vbelthaͤter ſehr hoch. Mord / Diebſtal / Ehebruch vnd Blutſchandt / ward mit dem Todt geſtraft / diß aber hielt man fuͤr keinen Ehebruch vnnd Blutſchandt / wann einer ſchon viel Weiber hatte / ſo ſtrafft man auch die Weiber nicht / wann man ſie ſchon bey andern fandt: Sondern das war bey jhnen Ehebruch / wann einer ſich bey eines andern rechtem Eheweib finden ließ / deren jederman mehr nicht / als eine zur Ehe nehmen dorffte / welches mit ſonderlichen Ceremonien faſt auff dieſe weiſe geſchahe: Der Braͤutigam gieng nach jhrem Hauß / ſie mit heim zufuͤhren / vnnd thaͤt jhr ein Otoja / das iſt / ein Holtz - ſchuch an. War die Braut ein Jungfraw / namen ſie ein Schuch von Wollen / wo nicht war der Schuch von Bintzen gemacht / vnd muſten alle andere Weiber die Braut ehren.

Witwen - ſtandt.

Wann jhr der Mann ſtarb / muſt ſie ein gantzes Jahr ſchwartze Trawerkleider tragen / auch eher nicht wider freyen. Der Jnga gab ſeinen Landpflegern vnnd Hauptleuten mit eygener Hand die Eheweiber. Die Landpfleger vnnd andere Herꝛen aber / verſamleten in jhren Staͤtten Junge Maͤnner vnd Jungfraw - en auff einen Platz / gaben einem jeglichen ein Weib / vnnd beſtetigten den Eheſtandt mit vorgeſetzten Ceremonien. Wann nun ein ſolches Weib bey einem andern Mann gefunden ward / die ward neben dem Ehebrecher am Leben geſtraft / vnd ob gleich der Eheman ſeinem Weib den Ehebruch nachließ / ward ſie doch geſtrafft / aber nicht am Leben / Eben dieſe Ordnung hielt man auch in der Blutſchandt / als mit Mut - ter / Großmutter / Tochter oder Kinds Kinder / Was andere Sipſchafft belangen thaͤte / wards zugelaſſen / daß man ſich wol darunter verheyrahten dorffte / vnnd ward niemand / als nur die im erſten Grad außge - ſchloſſen. Es dorfft ſich keiner an ſeine Schweſter verheyrahten / dann ſie hieltens nicht fuͤr einen Eheſtandt. Topa Jnga Yupanguy iſt der erſte geweſen / ſo jhm ſeine Leibliche Schweſter vermaͤhlet / vnnd alſo in Gewonheit gebracht. Er gab aber ein Geſetz darneben / daß ſich keiner auſſerhalb der Jngas / an die Schwe - ſtern beſtatten ſolte.

Von der Jnga her - kommen.

Weiter hat man auß Befehl Koͤniges Philippi in Hiſpanien mit allem Fleiß nach der Jngas her - kommen / Gottesdienſte vnd Rechten geforſchet / aber in Manglung der Schrifft wenig gefunden / doch hat man auß jhren Quipos oder Regiſtern ſo viel abgenommen / daß ſich der Jngen Regiment nicht vber vierhundert Jahr erſtrecket gehabt. Jhr herkommen iſt geweſen auß dem Thal Cuſco / die nachmals alleGroͤſſe deß Peruani - ſchen Reichs. Landſchafften / ſo wir jetzo Peru heiſſen / eingenommen haben / nemlich von Quito an biß an die Gegent Rio de Paſto / nach Norden vnd Suden zu / biß gen Chile / welches ſich in die laͤng beynah 1000. Spa - niſche Meil erſtrecket. Jn der breite gehet es von Weſt / biß an die groſſe Felder / vnd an die Gebirge Andes / vnnd iſt nit gar hundert Meil. Die Jngas vbertreffen alle Voͤlcker in America / ſo viel Politiam vnnd das Regiment belangen thut / viel mehr aber in Klugheit vnd Waffen / wiewol jnen doch die Cannaris / ſo den Spaniern gegen ſie Huͤlff geleiſtet / nie nichts nachlaſſen wollen.

Warumb die Jngæ die Laͤnder eingenom - men.

Warumb ſie aber alſo das Regiment an ſich gezogen / vnnd die Laͤnder eroͤbert / koͤmmet daher / daß ſie fuͤrgegeben / wie nach der Suͤndfluth / davon alle Jndianer wiſſen / die Welt durch die Jngas wider ſey ge - mehret worden. Dann es ſeyen jhrer ſieben auß der Hoͤle Pacaritambo kommen / welche die Welt wider - umb ernewert / vmb welcher Vrſachen willen man jhnen billich / als jhren rechten Progenitorn vnd Vor - eltern gehorſamen muͤſſe: Zu dem beſtetigen ſie noch / daß ſie allein die reche Wiſſenſchafft hetten / wie man Gott dienen / vnd jhn verehren ſolte. Darumb waren zu Cuſco / als in einem heiligen Land / mehr dann 400. Rahthaͤuſer / vnd alle die Plaͤtz vmbher / ſtunden voller Geheimnuß.

Mangoca - pa der Jn - gen erſter Vatter.

Der erſte Mann / welchen die Jndianer fuͤr jhrer Jngas anfang gehalten / iſt geweſen Mangocapa / von dem ſie vorgeben / daß er auß der Hoͤle Tambo bey ſechs Meilen von Cuſco / kommen ſey / daß er auch zweyen vornehmen Geſchlechten der Jngas den Anfang gegeben / das eine ſey geweſen Hanan Cuſco / dasander49Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. ander Vrin Cuſco. Von dem erſten ſind die Landherꝛen herkommen / ſo das Land erobert vnnd regieretDer erſte Jnga Jn - goroca. haben. Der erſte vnd Haupt dieſes Geſchlechts hieß Jngaroca / welcher / ob er gleich kein groſſer Herꝛ ge - weſen / ſo hat er doch guͤlden vnd ſilbern Gefaͤß gebrauchet vnd verordnet / daß man allen ſeinen Schatz zum Gottesdienſt ſeines Leichnams / vnd Erhaltung ſeines Hoffgeſinds geben ſolte. Daher iſt das Recht ent - ſtanden / daß kein Jnga ſeines Vorfahren Guͤter ererbet / ſondern ein jeder ein newe Wohnung auffrichten muſte / Zu dieſes Jngoraca zeiten brauchten ſie guͤldene Goͤtzen.

Nach dieſem iſt gefolget Yaguarguaque / das iſt / Blutſchreyer / welcher ſehr alt worden. Da er vonDer ander Jnga Ya - guargua - que. Der dritte Jnga Vi - racocha. den Feinden vberwunden worden / ſaget man / daß er fuͤr Schmertzen ſol Blut geweinet haben / daher er die - ſen Namen bekommen. Von dieſem iſt herkommen das Geſchlecht Aocailli Panaca.

Dieſem hat ſein Sohn Viracocha Jnga in der Regierung nachgefolget / welcher ſehr reich geweſen / vnnd ſehr groſſe Gefaͤß von Gold vnd Silber machen laſſen. Von dieſem iſt das Geſchlecht Coccopanaca kommen. Seinen Leichnam ließ Conſalvus Piſardus / wegen des groſſen Schatzes durch groſſe Marter der Jndianer verkundſchafften / vnd mit Fewer verbrennen. Die Jndianer aber namen die Aſchen / bewa - reten ſolche in einem Toͤpffen / thaͤten damit groß Opffer / biß entlich Polus dieſelbige beneben anderer Jn - gas Leichnam durch wunderbarliche Practicken auß der Jndianer Gewalt gezogen. Sie waren Balſa - mirt / darumb er ſie gantz vnd vnverweſen bekommen / durch dieſe Entziehung benam er jhnen viel Abgoͤt - terey / die ſie ſonſten mit den Leichnamen zutreiben pflegten. Die Jndianer waren vbel mit jhm zufrieden / daß er Gottes Namen Viracocha fuͤhrete. Aber er entſchuͤldiget ſich / vnd gab fuͤr / daß es jm der Viracocha im Traum alſo befohlen hette.

Dieſem iſt in der Regierung nachkommen Pachacuti Jnga Yupanguy / ein groſſer Vberwinder /Der vierd - te Pacha - cuti-Jnga Yupanguy. vnnd Stiffter der Republicen, Er hat ſechtzig Jahr regieret / vnnd kam der Anfang ſeiner Victorien daher / daß einer ſeiner aͤltern Bruͤder / welcher die Verwaltung im Krieg bey ſeines Vattern Lebzei - ten / mit Bewilligung vberkommen / in einer Schlacht / ſo er mit den Changis gethan / geſchlagen wor - den / vnnd alſo mit wenig Volcks wider zu ruͤck gezogen. Da diß der juͤngſte Bruder Jnga Yupanguy ſa -Anlaß ſei - ner Regie - rung. he / gedacht er ſelbſt Herꝛ zu werden / vnd braucht folgenden Liſt: Es habe jhn der Viracocha / als er allein / vnnd vbel zu Muth geweſen / angeredt / vnnd ſich beklaget / daß / ob er gleich ein allgemeiner Herr vnnd Schoͤpffer aller ding ſey / der da Himmel / Sonn / Menſchen vnd alles anders erſchaffen / vnd in ſeiner Ge - walt habe / man jhm doch nicht ſeine gebuͤrliche Ehr erzeige / ſondern die Menſchen / Sonn / Donner vnd an - dere Ding jm gleich halte / die doch jhre Krafft vnd Wirckung von jm hetten: Darumb thet er jm zuwiſſen / daß man den im Himmel / da er ſey / Viracocha Pachayachachic / das iſt / den allgemeinen Schoͤpffer nen - nen ſolte. Damit man aber glauben moͤchte / daß diß wahr were / ſagt er / wiewol er allein were / wolt er dochBetrug zũ Koͤnigreich zugelangẽ. mit ſolchem Titul Volck auffbringen / vnd die Changas / ob deren gleich viel weren / vberwinden: Er wolt jn auch zu einem Herrn machen / vnd Volck ſchicken / wie dann geſchahe.

Dann er bracht mit dieſem Titul ein groſſes Volck zuſammen / er erlanget den Sieg / macht ſich ſelbſt zu einem Herꝛn / nam ſeinem Vatter vnd Bruder / welche er in einer Schlacht vberwunden / alle jh - re Herꝛligkeit vnnd Regiment / nach ſolchem vberwandt er auch die Changas. Nach erlangtem Sieg ver - ordnet er / daß man den Viracocha ſolt fuͤr einen allgemeinen Herꝛn halten / vnd der Sonn vnnd Donners Bildt verehren ſolte / darauff man des Viracochæ Bildnuß vber der Sonnen / Donners vnnd aller ande - ren Creaturen Bilder erhaben vnnd geſetzt hat. Wiewol er aber hernach fuͤr die Sonn / Donner vnd andere Guacas gewiſſe Laͤnder vnd Viehe außſonderte / ſo ordnet er doch kein Ding dem Viracocha / dieweil er ein allgemeiner Herꝛ vnnd Schoͤpffer aller Creaturen were / vnd deren Ding keines beduͤrffte. Da er den Changis obgelegen / ſoler zu ſeinen Kriegsknechten geſagt haben / ſie hetten den Sieg nicht erlanget / ſondern etliche Maͤnner / welche jhm der Viracocha zugeſchicket hette / dieſelbige hette niemands / als er allein geſe - hen / welche nachmals in Stein weren verkehret worden. Darumb ließ er ein hauffen Stein auff dem Ge - birg ſuchen / richtet ſie auff zum Gottes Dienſt / opffert vnd betet ſie an / fuͤhret ſie auch nachmals mit groſ - ſer Andacht mit zu Krieg / vnd vermeinet dadurch gewiſſen Sieg zuhaben.

Er richtet auch ein groſſes Bild auff / vnd ſetzet es auff einen Stuel von lauterm koͤſtlichen Gold. Seinen Leib vnd Begraͤbnuß hat Licentiat Polus zu Cuſco gefunden / vnd nach Torocache gefuͤhret / wel - cher noch gantz vnd vnverſehret geweſen / als ob er erſt geſtern verſtorben / wiewol er ſchon auff die achtzig Jahr todt geweſen.

Nach dieſem Jnga iſt gefolget Topa Jnga Yupanguy / vnd nach jhm ſein Sohn / eben deſſelbigenDer fuͤnff - te Topa Jnga Yu - panguy. Der ſechſte Jnga Gua inacapa. Namens / der das Hauß vnd Geſchlecht Apac Aillo geſtifftet hat.

Auff dieſen iſt an die Regierung kommen Jnga Guainacapa / das iſt / reich vnd kluger junger Mañ / welcher auch mit beyden / mehr als keiner ſeiner Vorfahren vnd Nachkommen iſt begabet geweſen: Dann er war verſtaͤndig / macht in allen ſeinen Landſchafften ſchoͤne Ordnungen. Jn Kriegsſachen war er klug / muhtig vnnd gluͤckſelig / daher er viel Siegs erlangete / vnnd ſein Reich vber alle ſeine Vorfahren merck - lich erweiterte / Er ſtarb im Koͤnigreich Quito / vierhundert Meilweges von ſeinem Reich abgelegen / wel - ches er vor der zeit erobert hatte. Sein Leib ward auffgeſchnitten / vnnd nach ſeinem Befehl das Jnge - weydt mit dem Hertz zu Cuſco / der Coͤrper aber in dem weitberuͤmbten Tempel zu Cuſco begraben / Er hat viel ſtattliche Monumenta vnnd Gedaͤchtnuſſen von gepflaſterten Wegen / Gebaͤwen / Feſtungen / Schloͤſſern vnd andere ſchoͤne Werck / hinderlaſſen. Dieſer Koͤnig ward noch bey Lebenszeiten als ein Gott angebetet / welches bey ſeinen Vorfahren nicht geſchehen war. Da er ſtarb / toͤdtet man tauſent PerſonenEauß50Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilauß ſeinẽ Haußgeſindt / die jm im andern Leben dienen ſolten. Dieſe ſtarbẽ gar freywilliglich / vnd erbottẽ ſich vber dieſe noch viel mehr zuſterben / Seines Schatzesvñ Reichthum̃s gleichen war noch bey keinẽ Koͤnig ge - ſehen worden. Als die Spanier kurtz nach ſeinẽ tod ins Land kamen / wendeten die Jndianer allen Fleiß an / wie ſie dẽ Schatzverbergen moͤchtẽ: Aber / als entlich Attabaliba gefãgen ward / bracht mã deſſen ein groß theil gen Caxamalca / ſeinẽ Sohn damit zuerledigẽ. Er ſol jñerhalb Cuſco vber 300. Kinder vñ Kinds Kinder gehabt habẽ. Seinvñ ſeiner Mutter / balſamirte Leiber / ſchicket Polus gen Limã / die Abgoͤtterey damit abzuſchaffẽ.

Der ſieben - de Jnga Tito Cuſſiy gualpa / o - der Gua - ſcar.

Nach dieſem Guainacapa folgete ſein Sohn Tito Cuſſiygualpa / den mã nach ď zeit Guaſcar Jnga ge - nennet / deſſen Leichnã ward auß Befehl des Oberſten Attabalibæverbrãdt. Attabaliba aber / ď auch ein Sohn des Guainacapæ war / leget ſich / als er ſein Reſidentz zu Cuſco hatte / wider ſeinen Bruder / zog mit einem ge - waltigen Heer gegen jn auß / ſeine Oberſten Quizquiz / vnd Chilicuchima namen den Guaſcar Jnga in der Statt Cuſco gefangen / wiewol er fuͤr den rechten Herꝛn vnd Koͤnig erkandt vnd angenom̃en worden / deßwe - gen viel Vnterthanen / ſonderlich aber ſein Hofgeſind ſehr entruͤſtet war / Als ſie nun in ſolcher Noth ſtacken /Der achte - Jnga At - tabaliba. thaten ſieviel Opffer / weil ſie nit ſtarck genug waren / jren Herren loß zumachen / Dañ die Oberſten / ſo Gua - ſcar gefangen hatten / waren zu maͤchtig / zu dem kam Attabaliba mit einem groſſen Heer auch herzu: Ent - lich / als des Guaſcars Parthey ſahen / daß ſie ſolchem Gewaltviel zuſchwach waren / thaͤten ſie dem allgemei - nen Schoͤpffer Viracocha ein Opffer / vnd bathen: weil ſie jren Herꝛn nit erloͤſen koͤnten / daß er doch Volck vom Himmel ſchicken wolte / damit ſie jhren Herꝛen auß dem Gefaͤngnuß erretten moͤchten.

Jn dẽ ſie nun alſo großvertrawen auf jr Opfer ſetzten / koͤmpt jnen die Zeitung / daß ein Volck vbers Meer kõmen / vñ den Attabaliba gefangen hette. Weil nun der Spanier / ſo den Attabaliba zu Caxamalca gefãgen / ſo wenig waren / vnd ſolches eben dazumal geſchahe / da die Jndianer dem Viracocha dz Opffer gethan / nen - neten ſie die Spanier Viracochas / dann ſie glaubten / ſolche werenvon Gott geſandt / darumb ſie noch heuti - ges tages denſelbigen Namen behalten haben / wann ſie ſich nur darnach beſſer gehalten hetten / Mann ſihet aber alhier Gottes vorſehung / dadurch die Spanier in Jndiam kommen / dann ſo dieſe zween Bruͤder nit zwyſpaͤltig geweſen / vnnd die Jndianer nicht gemeinet hetten / daß die Spanier ein Himmliſch Volck were / ſo were es faſt vnmuͤglich geweſen / daß ſie in Peru hetten einbrechen vnd daſſelbige erobern moͤgen.

Der neund te Jnga Mango - capa.

Da nun dieſe beyde Bruͤder waren hingerichtet / hat ſich Mangocapa / ď dritte Sohn Guainacapa des Re giments vnternõmen / vnd die Statt Cuſco / welche Franciſcus Piſardus ſchon erobert vnd eingenõmen / hart beaͤngſtiget: Er hat aber entlichvngeſchafter dinge widerum̃ abziehen / vñ ſich gen Vilcabãba ins Gebirg be - geben muͤſſen / An dieſẽ Ort hielten ſich die Nachkõmene ď Jngas / biß auf Amaxo / den die Spanier fiengẽ / vñ auf dẽ Platz zu Cuſco hinrichtẽ lieſſen / welchesdẽ Jndianern ſehr weh thet / daß mã jrẽ rechtẽ natuͤrlichẽ Herꝛn oͤffẽtlich hinrichtete. Mañ hat auch nach dieſẽ die Nachfolger auß ď Jngẽ Geſchlecht gefaͤnglich eingezogẽ.

Nur einer des Guainacapa Sohns Sohn hat ſich taͤuffen laſſen / vnd zu den Spaniern wider ſeinen Bruder Mangocapa geſchlagen / vnd hiedurch das Thal Yucay ſampt andern dingen mehr erlanget / wel - ches nachmals ſeine Tochter von jhm geerbet hat / Alſo hat diß gewaltige Koͤnigreich Peru ein ende genom - men. Vnd achten wir die andern Nebenlinien der Jngen zubeſchreiben vnnoͤtig.

Von dem Mexicani - ſchen Koͤ - nigreich.

Wollen nun auch von dem Vrſprung / Succeſſion vnd Beſchaffenheit des Mexicaniſchen Reichs hãd - len / vnd dz jenige kuͤrtzlich erzehlen / was am meiſten hierin in acht zunehmen / noͤtig ſeyn wird. Da man dann anfangs auß jrem Regiment vnd ſchoͤnen Ordnungen zuſehen hat / daß ſie ſehr Politiſch geweſen. Võ dem erſten Koͤnig Acamapich / biß zum letzten Motecuma dem andern des Namens / hat keiner das Reich geerbet / ſondern ſind alleſampt durch die Wahl darzu auff vnd angenommen worden. Die erſte Stimm gab die Gemeine / welches nachmals durch die Vornembſten außgefuͤhret ward. Zun zeiten Jſcoalt des vierdten Koͤniges / hat man vier Churfuͤrſten geordnet / welche neben zween Koͤnigen dem zu Tezcuco vnnd Tacuba einen Koͤnig erwehlen ſolten. Sie namen gemeiniglich junge Maͤnner zu Koͤnigen / weil ſolche die Krieg fleiſſig brauchen muſten. Vmb dieſer Vrſachen willen begerten ſie Koͤnige / vnd erkohren zu dieſer Dignitet /Koͤniglich Wahlfeſt. die ſich wol dazu ſchickten / vnd zum Krieg einen rechten Luſt vnd Ernſt bey ſich hatten. Wann die Wahl des Koͤnigs geſchehen / hielten ſie zwey Feſt / das eine ward angerichtet / wann der Koͤnig das Regiment an - name / auff ſolche weiſe: Sie giengen mit ſonderlichen Ceremonien in den Tempel / opfferten auff den Fewer - pfannen / die ſie Goͤttlich nenneten / vnd ſtets fuͤr dem Altar des Abgotts mit Fewer ſtunden. Nach ſolchem hielten ſie viel Orationes, nach Rhetoriſcher Art / darzu ſie groſſen Luſt hatten.

Das ander Feſt wurd gehalten bey ďKroͤnung / Ehe aber die Koͤnige gekroͤnet wurden / muſten ſie zuvor ein Feldſchlacht gewũnen haben / vñ ein Anzahl Gefangener bringẽ / welche man jrẽ Abgoͤttern opffert / Wañ diß geſchehen / kam er mit groſſem Pracht vnd Triumph / vnd ward herꝛlich empfangen / ſo wol võ denen im Tẽpel / die jm mit einer ſtattlichen Proceſſion / Geſaͤng vñ vnterſchiedlichen Jnſtrumenten entgegen giengẽ / ſo wol auch von ſeinen Hofdienern / die jn mit jrer Muſic empfiengen / dz Koͤnigliche Merck zeichẽ oder Kron war fornen her wie ein Myter / hinden aber vmbgeſchlagen / daß er alſo nit gantz rundt war / dz foͤrderſt theil ſtach hoͤcher / wie ein Spitze. Der Koͤnig zu Tezcuco hatte den Vorzug mit ſeiner Hãd den Koͤnig zukroͤnen. Die Mexicaner waren jren Koͤnigen gar getrew vnd Gehorſam. Anfaͤnglich hielten ſie ein maͤſſige Hoffhal - tũg / weil ſie arm waren / da ſie aber an Macht vñ vermoͤgen zunamẽ / alſo wurden ſie auch taͤglichpraͤchtiger.

Empter nach dem Koͤnig.

Nach den Koͤnigen hatten ſie ſonderliche Gradus vnd Ehren Tittul / vnter den Herꝛen vnd Edel Leuten / damit ein jeder wiſſen mochte / wem man die groͤſte Ehr erzeigen ſolte / Nach dem Koͤnig war dz Ampt der vier Churfuͤrſten / welche gemeinlich auß des Koͤniges Bruͤdern oder Freunden erwehlet wurden / man hieß ſie Printzen der Wurfflantzen / deren ſie viel zugebrauchen pflegen. Nach dieſem waren die Menſchenſpalter oder Durchhawer. Die dritten waren die kratzende Blutſtuͤrtzer oder Blutvergieſſer / dieſe drey Tittul ſtun - den den Kriegs Leuten zu.

Vber51Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Vber dieſe hatten die vierdte Stelle die Herꝛen vom ſchwartzen Hauß / waren Kirchenraͤht / wur - den alſo genennet / weil ſich die Prieſter mit ſchwartzer Farbe anſtrichen. Dieſe vier Empter waren im hohen Raht / ohn deſſen Bewilligung man nichts verrichten mocht / noch dorfft. Nach abſterben eines Koͤniges / muſte man auß dieſen vieren Emptern einen newen erwehlen. Neben dieſen waren viel Conſi - ſtoria vnd Richterſtuͤel / die jhre Richter / Auditores / vnnd dieſe jhre Subſtituten / Correctores / Schult - heiſſen vnd dergleichen / hatten / Alle dieſe Amptsverwalter waren vnter den vier Churfuͤrſten / die allein vber das Blut zurichten hatten. Die andern Richter alle / muſten dieſen vieren jhre Vrtheil vberſchicken. Bißweilen bracht man auch dem Koͤnig die Reichshaͤndel fuͤr. Mit den Guͤttern ward auch ein ſchoͤne Ordnung gehalten: Dann es waren allenthalben im Reich Amptleut Renth vnd Schatzmeiſter beſtellet / die das Einkommen / vom Meer vnd Waſſer erhuben / vnnd Monatlich nach Hoff lieferten / Neben dieſen hatten ſie ein groſſe Anzahl der Kirchen vnd Schulen / die ſie im Gottesdienſt / vnd deren Ceremonien fleiſ - ſig vnterrichteten.

Die Mexicaner hielten den Krieg am hoͤchſten / darumb waren die vornembſten im Krieg Edel Leut /Deß Ade - les Vbung vnd Mu - ſter. vnd die ſich wol darin hielten / bekamen ſtattliche Geſchenck / wurden zu hohen Emptern vnd Ehren gezo - gen / vnd vnter die Edel Leut gerechnet / mit dem Ehrentittul der Adler / Loͤwen vnd Tygerthier gezieret. Jh - re Waffen waren ſcharpffe Schermeſſer von Fewerſtein / welche an einem Stock auff beyden Seiten feſt gemacht worden. Dieſe Wehr war ſo ſcharpff / daß man einem Pferd den Kopff beym Nacken abſchlagen koͤnnen. Sie brauchten auch ſchwere Kolben / Speer vnd andere Waffen / wie Spieß formieret / Wurffpfeil vnd Stein. Sie trugen auch runde Schildlein mit Fedderbuͤſchen im Streit.

Jhre Kleider waren Fell von Tygerthier / Loͤwen vnd andern grimmigen Thieren / trugen auch Feld - zeichen vnd Feddern auff dem Haupt.

Den Feind fielen ſie ſchnel an / waren geſchickt zulauffen vnd zuringen / Namen jhn der Opffer halben lieber lebendig gefangen. Des Koͤnigs Ritterſchafft war gantz gewapnet / biß auff die grawe Ritter / welche nicht ſo hoch geachtet wurden: Dieſe trugen zerſchnittene Koller / welche jhnen biß vber die Ohren giengen / hatten jhre beſondere Feldzeichen / waren aber nur von der mitten hinauff gewapnet. Alle die Ritter mochten Goldt vnnd Silber tragen / kleideten ſich mit koͤſtlicher Baumwoll / brauchten guͤl - den vnd gemahlte Gefaͤß / vnnd trugen Schuch. Der gemeine Mann aber / dorfft nur jrden Gefaͤß brau - chen / keine Kleider noch Schuch anhaben / als nur von groben Nequen. Alle dieſe Orden hatten im PallaſtDes Adels Wohnung. jhre Wohnungen vnd Tittul. Die erſte Wohnung hieß vnd war der Printzen vnd Fuͤrſten Gemach / die ander / der Adler / die dritte der Loͤwen vnd Tygerthier / die vierdte / der grawen oder fahlen Ritter. Die an - dern ſchlechtere Officirer / hatten jhre Wohnung vnten / vnd ſo jemand auſſerhalb dieſen Loſamenten her - berget / ward er am Leib geſtrafft.

Hoͤchlich iſt ſichs zuverwundern / daß die Mexicaner jhre Jugent ſo trefflich vnnd wol in jhren Sit -Der Ju - gent V - bung vnd diſciplin. ten vnterweiſen laſſen. Sie benamen jhren Kindern die Freyheit vnnd Willen / welche zwey Ding / ſo ſie jhnen gelaſſen werden / der Jugent ein Peſtilentz ſind / Sie vbten die Kinder in nuͤtzlichen vnd ehrlichen Vbungen / zu welchem Ende in den Tempeln / ſonderliche Schulen vnd Zuchthaͤuſer fuͤr die Knaben vnd Maͤgdlein erbawet waren / So hatten ſie jhre Auffſeher vnd Schulmeiſter / welche ſie in loͤblichen Sitten vnterwieſen / als demuͤtig ſeyn / die Eltern in Ehren zuhalten / jhnen zu dienen vnd Gehorſam zu ſeyn. Mann lehret ſie auch ſingen / tantzen / vnd Kriegshaͤndel / Mann gab jhnen hart Laͤger / vnd geringe Speiß / damit ſie ſich von Jugent auff zur Arbeit gewehneten / vnd nicht verzaͤrtelt wuͤrden.

Der Herꝛen vnnd Edel Leut Kinder / hatten beſondere Schulen / wurden von jhren Eltern geſpei -Des Adels Schul. ſet / vnd alten erfahrnen Maͤnnern befohlen / welche ſie neben guten Sitten zun Tugenden vermahneten vnd anfuͤhreten / als Keuſch zu leben / maͤſſig zu ſeyn in Eſſen vnd Trincken / zufaſten / nicht ſchnell zuge - hen / ſondern fein auffrichtig zutretten. Wurden auch in Arbeit vnd ſchweren Dingen gevbet. Mann gab in ſolcher Aufferziehung achtung / wozu ſie geneiget waren / befunden ſie einen zum Krieg affectionirt / ſchickten ſie jhn mit Eſſen / vnd allerhand Leibs Notturfft vnter die Soldaten / zuſehen / wie es vnter jhnen zugieng / vnd was ſie fuͤr Armuth litten. Mann legt ſolchen offt ſchwere Buͤrden auff den Halß / auff daß / wann ſie ſich dapffer hielten / deſto leichter vnter die Soldaten auffgenommen wuͤrden / bißweilen kamen ſie beladen zu dem Heer / vnnd kehreten mit Ehrenzeichen widerumb heim / bißweilen kamen ſie etwa zu weit / wurden gefangen / vnnd wol gar getoͤdtet. Wann aber die Zuchtmeiſter befunden / daß e[tl]iche nicht Luſt zum Krieg / ſondern zum Tempel Zuneigung hatten / wurden ſie nach erꝛeichtem Alter auß den Schu - len in die Cellen des Tempels gebracht / vnnd zog man jhnen die Geiſtliche Zeichen an. Daſelbſt hatten ſie widerumb jhre Prieſter / ſo ſie in allen jhren Ceremonien vnterwieſen / biß ſie entlich auch Prieſter vnd Prælaten wurden.

Dieweil auch ein gut Regiment des gemeinen Nutzes / zum theil in Ergetzlichkeit / vnd KurtzweilDer Ju - gent Kurtz - weil. beſtehet / ſo fern ſolches zu ſeiner Zeit getrieben wirdt / achten wirs nicht vnbequem ſeyn / der Mexica - ner Brauch vnnd Gewonheit dißfals auch anzuzeigen: Die Taͤntze ſeind wol tauſenterley Art bey jh - nen / koͤnnen derwegen nicht beſchrieben werden / ſie giengen aber alle nach einem Gelaͤut vnd tritten / die ſehr langſam auff jhre Paͤß kamen. Auch hielten ſie Taͤntz mit Mummereyen vnd Teuffels Larven / vnd einer auff des andern Schultern / das meiſte theil dieſer Tantzſpiel waren voller Abgoͤtterey / damit ſie jhre Goͤtzen erhielten. Jhr Spielwerck waren kleine Pfeifflein / Trummen vnd Zinckenhoͤrner. Darzu ſin - gen ſie alleſampt mit gleicher Stimme / Etliche ſingen ein Reimen oder zween von jhren Gedichten vor an /E ijdar -52Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theildarauff antworten die andern all mit jhrem letzten Vers. Etliche tantzen auff einem Seyl / Etliche ſtehen mit jhren Fuͤſſen auff einem Pfal tantzen / vnd thun tauſenterley Spruͤng. Sie thun ſehr viel Probſtuͤck jh - rer Behendigkeit / in ſteigen / ſpringen / ringen / ſchwere Gewicht zutragen / Schlaͤg zutragen vnnd derglei -Tantz So - lennele Mi tote. chen. Den kurtzweiligſten Tantz nenneten ſie Solennele Mitote / welcher ſo hoch gehalten wird / daß ſich offt der Koͤnig dabey befandt / ward gemeinlich im inwendigſten Tempel / vnd Koͤniglichen Pallaſt gehal - ten / mit groſſer Geſchickligkeit vnd Ordnung / diß ſey alſo genug von der Mexicaner Sitten / RegierungVon der Mexicaner Vrſprung. vnd Policey / wollen nun auch von jhrem Vrſprung / Succeſſion / vnd Denckwuͤrdigẽ Thaten / ſo viel muͤg - lich / geſchehen kan / auffs kuͤrtzeſt tractieren vnd handlen.

Jn new Spanien wohnete vorzeiten ein Geſchlecht / ſo man Otomeyes nennet / welches gemein - lich arme Leute waren / vnnd an wuͤſten Orten wohneten / vnnd weil es gegen die andern Wilden ein Poli -Navatla - cas. tiſch Volck war / nennete man ſie Navatlacas / dieſes Volck iſt von fern gelegenem Orth auß Mitternacht kommen / da man jetzt das Reich Mexicon erfunden / darinnen ſind zwo Landſchafften / eine Atzlan / das iſt / ein Ort der Reyger / das ander Teuculhuacan / das iſt / ein Land deren / ſo Goͤttliche Großvaͤtter haben / Jn dieſen Landſchafften hatten die Naratlacas jhre Wohnungen / Ecker / Goͤtter / Gottesdienſt vnnd gute Policey.

Dieſe Navatlacas waren in ſieben Geſchlechthaͤuſer vnnd Nationes abgetheilet / da ein jeder ſein ſonderlich Gegent hatte / darin ſie ſich auffhielte. Sie mahlen jhren Vrſprung / gleich als ein Hoͤl oderSieben Ge ſchlechter der Mexi - caner. Spelunck / vnnd geben fuͤr / wie ſie auß ſieben Hoͤlen kommen / das Land Mexicon zubewohnen. Nach vn - ſerer Rechnung wird es ins Jahr Chriſti 820. fallen / in welchem ſie erſtlich angefangen / auß jhrem Landt zuziehen. An dieſem Weg zogen ſie gar langſam / vnnd nach dem Befehl jhrer Goͤtter achtzig Jahr / da ſie ſonſten in einem Monat / dahin hetten gelangen koͤnnen. Jnmittelſt traffen ſie die Laͤnder an / wie ſie von jhren Goͤttern gezeichnet waren / ſetzten ſich drein / baweten vnnd beſeeten ſolche / Wann ſie aber beſſere Landſchafften antraffen / lieſſen ſie die vorigen Wohnplaͤtz fahren / Doch muſten etliche dieſelbige oͤrter ein - behalten / ſonderlich aber die Alten / Krancken vnd Verzagten.

1. Suchi - milcos.

Die zuvor gemelte ſieben Geſchlechter zogen ſaͤmptlich auß. Die erſten waren die Suchimilcos / das iſt / ein Volck der Blum-Ecker: Dieſe baweten an der ſeiten gegen Mittag am Geſtadt des groſſen Sees2. Chalcas. zu Mexico eine Statt jhres Namens. Lang darnach bawt das ander Geſchlecht Chalcas / das iſt / ein Volck der Monaten / eine Statt nach jhrem Namen / vnd theileten die Grentz mit den Sulchimilcos. Das dritte3. Tepane - cas. Geſchlecht waren die Tepanecas / das Volck von der Bruͤcken / ſolches bawet vnd bewohnet auch das Ge - ſtadt am See / an der Weſtſeiten. Diß Volck mehret ſich / vnnd war ein zeitlang ſehr maͤchtig / Nach die -4. Culhua. ſen ſeind die vierdten Culhua / das iſt / das krum̃ Volck kommen / ſo Tezcuco bewohnet haben / dieſe hatten5. Tlatlui - cas. ein ſchoͤne Sprach / waren beredt vnd holdſelig. Das fuͤnfft Geſchlecht waren die Tlatluicas / das Volck vom Gebirg / die aller vnfreundtlichſten Leut. Als dieſe das Land rings vmb den See herumb beſetzt funden / zogen ſie fort auff die andern Seiten des Gebirgs / funden daſelbſt ein weites fruchtbares Land / baweten ſehr viel vnnd groſſe Flecken: Jhre Hauptſtadt nenneten ſie Quahunachua / das iſt / ein Ort / da des Adlers Geſchrey gehoͤret wirdt / heutiges Tages heiſt es die Marggraffſchafft. 6. Tlaſcal - tecas.Das 6. Geſchlecht waren die Tlaſcaltecas / das Volck des Brodts: Dieſe zogen vbers Gebirg Oſtwerts hin / kamen biß vnter das Schneegebirg bey dem beruͤhmbten Fewerberg / ſo zwiſchen Mexico vnnd de los Angelos ligt / funden daſelbſt herꝛliche Gelegenheiten / zerſtreweten ſich weit vnnd breit / baweten vnterſchiedliche Staͤtt vnnd Flecken. Jhr Landſchafft vnd Hauptſtatt heiſſen ſie Tlaſca - la. Dieſes Geſchlecht ſchlug ſich zu den Spaniern / mit deren Huͤlff ſie die Landſchafften einbekamen / da - hero ſeind ſie noch heutiges tags Tribut vnd Zinßfrey. Als dieſe Nationes erſtlich die Lande anfiengen zu - bewohnen / thaͤten jhnen die Chichimecas kein Leid / ſperreten ſich auch nit darwider / ſondern es bedaucht ſie etwas frembdes ſeyn / verwunderten ſich / vnd krochen in die Kluͤfft an den Steinfelſen. Aber die Tlaſcal - tecas / welche auff der andern Seiten am Schneegebierg wohnten / wolten ſie keines wegs leiden / ſondern griffen zur Wehr / jhr Landt zubeſchirmen / vnd weil ſie Riſen waren / vnderſtunden ſie ſich dieſe Frembdlin -Rieſen wer den mit Liſt vber - wunden. gen mit Gewalt zuvertreiben. Aber ſie wurden durch Liſt der Tlaſcaltecas vberwunden: Dann dieſelbige machten einen falſchen Frieden mit jhnen / luden ſie zu Gaſt / vnd hielten ein groſſes Pancket: Als ſie nun voll Weins vnnd guter Ding waren / namen ſie denſelbigen jhre Waffen / welches groſſe Kolben / runde Schleudern / hoͤltzerne Schwerder / vnd dergleichen / geweſen / nach ſolchem taſteten ſie die Riſen mit Huͤlff etlicher gewapneten / die ſie in ein Loch verſteckt hatten / an / die Rieſen aber / da ſie nach jhren Waffen grief - fen / vnnd ſich zur Wehr ſtellen wolten / deren aber keine funden / riſſen ſie von den nechſten Baͤumen die Eſt ſo leichtlich ab / als ob es Blaͤtter weren / weil aber die Tlaſcaltecas ſich in die Ruͤſtung begeben hatten / vnnd jhre Ordnung hielten / vberwunden ſie endtlich die Rieſen / erſchlugen ſie alle / daß nit einer davon vber blieb. Nach dieſem Sieg haben die Tlaſcaltecas / wie auch die andern Geſchlechter gut Fried vnnd Ruhe gehabt. Vnd hielten dieſe ſechs Geſchlechter gute Freundtſchafft miteinander / beſtatteten ſich zuſam - men / vnnd theileten das Landt Friedſam vnter ſich: Ein jegliches vnterfieng ſich mit Ehren ſein Gemein - de zubeſſern / vnnd beruͤhmbt zumachen / biß ſie ſehr zugenommen / vnnd gewaltig worden. Als nun die Barbariſchen Chichimecas ſolches ſahen / wurden ſie zahmer vnnd leutſeliger / fiengen an Kleyder zutra - gen / vnnd mit den Leuten vmbzugehen / biß ſie endtlich Obrigkeiten erwehlet / vnnd gute Policeyordnung angerichtet.

Als53Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.
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Als nun 320. Jahr nach dieſer ſechs Nationen Außzug verfloſſen / ſie New Spanien gebawet / vnd7. Mexi - caner. bewohnet / auch das Land in ein Policey Ordnung gebracht / ſeynd die auß der ſiebenden Hoͤhl vberkommen / welches der Mexicaner Nation iſt / die zogen / wie die andern / durch die Provincien Aztlan vnd Teculhua - can / welches ein Politiſch / luſtig / holdſelig vnd ſtreitbar Volck war. Dieſe betteten den Abgott Vitzli - putzli an. Der Teuffel / welcher durch dieſen Abgott redte / vnd das Volck regierte / befahl jhnen / ſie ſoltenAnlaß jh - rer Reiſe. auß jhrem Land ziehen / verhieß jhnen / er wolt ſie zu Fuͤrſten vnd Herꝛen machen / vber alle Landſchafften / ſo die ſechs Geſchlecht gebawet haͤtten / wolt jhnen auch geben ein vberfluͤſſiges Land von Gold / Silber / Edelgeſtein / Federn / koͤſtlichen Maͤnteln vnnd Kleydungen. Auff dieſe Zuſag zogen ſie auß / hatten jh - ren Abgott bey ſich / den vier der vornembſten Prieſter / in einer Laden von Bintzen gemacht / trugen. Sol - chen Prieſtern offenbaret er in geheim / was jhnen auff der Reiß wuͤrde begegnen / vnnd wie ſie demſelbi - gen vorkommen ſolten / er lehrt ſie auch die Geſetze / Gottes Dienſt / Ceremonien vnd Opffer: vnd hielt ſie dermaſſen im Zaum / daß ſie nicht ein Fußſtapffen ohne ſeine Erlaubnuß dorfften fortſetzen. Er war jhrAbgott Vitzliputzli Fuͤhrer der Mericaner Wegweiſer vnd ſaget jhnen / wohin ſie reiſen / vnd wo ſie bleiben ſolten / darauff folgeten ſie ſeinem Befehl in allen Dingen. Wann ſie an ein Ort kamen / baweten ſie jhrem Abgott in Mitte deß Lagers ein Taber - nacul / ſetzten jhn auff einen Altar auff Paͤpſtiſche Manier zugerichtet / hernach baweten vnnd ſaͤeten ſie die Aecker mit Korn vnnd Erbes zu jhrer Notturfft. Zogen ſie dann weiter fort / lieſſen ſie das geſaͤete auff dem Feld ſtehen / den alten / krancken vnnd kleinmuͤtigen Leuten zu einer Auffenthaltung / die ſie frey - willig hinder ſich lieſſen / damit das gantze Landt von jhrer Nation moͤcht bewohnet werden. Dieſes alles ſcheinet dem Außzug der Kinder Jſrael auß Egypten faſt gleich / darauß zuſchen / wie der Teufel als Gottes Aff / ſolches alles nachthun woͤllen. Man hat niemals einigen Teufel funden / der alſo mit den Leu - ten vmbgangen / als dieſer Vitzliputzli / ſo hat man auch von dergleichen Gottesdienſten vnnd grewli - chen Opffern niemahls gehoͤrt / als dieſer Teuffel ſein Volck gelehret hat. Der Oberſte dieſes Volcks hießOberſte Mexij. Mexij / darvon nachmals der Nahme deß Volcks / Landtſchafft vnd Statt Mexico entſtanden. Diß Ge - ſchlecht hat wie die andern allgemach fortgezogen / vnterwegens an vnderſchiedtlichen Orten / ſich auffge - halten / endtlich ſeynd ſie nach vielgehabter Muͤhe vnnd außgeſtandener Gefahr in das Fiſchreich Landt Mechoacan ankom̃en / vnd ſich daſelbſt gaͤntzlich niderlaſſen woͤllẽ. Aber jr Abgott hat es jnen abgeſchlagẽ /E iijdoch54Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theildoch erhielten ſie durch viel Bitten vnd Flehen / daß er jhnen vergoͤnnete etliche jhres Volcks da zulaſſen / ein ſolch gut Land zubawen. Der Abgott lehrete ſie auch / wie ſie es anrichten / vnd zu Werck bringen moͤch -Machaca - ner Bad - leut verlaſ - ſen. ten. Als ſich nun ein Theil Volcks beyderley Geſchlechts in dem ſchoͤnen See Pazcuaro / ins Bad bege - ben / hieß der Abgott jnen die Kleyder nehmen / vnd die andern ohn Getuͤmmel fortziehen: welches alſo ge - ſchahe. Da nun die hinderlaſſenen ſich genugſam erluſtirt / auß dem Bad kamen / jhre Kleyder nicht funden / vnd ſich von den andern betrogen zuſeyn ſpuͤreten / erſchracken vnd klagten ſie hefftig vber jren Vnfall / vnd geriehten dermaſſen in Haß gegen ſie / daß ſie jre Tracht vnd Sprache veraͤnderten / vnd daß die Mechaca - ner den Mexicanern ſehr feind geweſen / iſt daher auch abzunemen / daß die Mechacaner dem Marggraffen von Thale Gluͤck wuͤndſcheten / als er die Mexicaner vberwaͤltigte.

Mechoacan vnd Mexico ligen mehr dann 50. Meil Wegs von einander / darzwiſchen ligt Malinal -Klag vber ein Zaube - rin. co / An dieſem Ort klagten ſie vber ein Weib auß jhrer Geſellſchafft / wie daß ſie ein groſſe Zauberin were / die man ein Schweſter jhres Gottes nennete / vnd daß ſie mit jhrer Zauberkunſt den Leuten groſſen Scha - den zufuͤgete / vnd fuͤr ein Goͤttin wolt angeruffen ſeyn. Darauff befahl der Abgott dem Volck in geheim / daß ſie ſeine Schweſter / das Alte boͤſe grimmige Weib / mit all jhrem Haußgeſind verlaſſen / bey NachtMalinalco von einer Zauberin erbawet. auffbrechen / auch keine Spuͤr mercken laſſen ſolten / wo ſie hingezogen: welches ſie dann gethan. Als die Zaͤuberin ſich alſo betrogen vnd verſpottet fand / bawte ſie daſelbſt gedachten Flecken Malinalco / deſſen Jnnwohner hernach alle groſſe Zauberer geweſen. Da nun die Mexicaner durch dieſe Zweytracht / vnd wegen der Krancken / alten vnd kleinmuͤtigen / ſo ſie hie vnd da gelaſſen / ſehr geſchwecht worden vnd abge - nommen / wolten ſie ſich zu Tula widervmb niderlaſſen / biß ſie ſtaͤrcker wurden / daſelbſt befahl jhnen der Abgott einen Fluß abzudaͤmmen / damit ſich das Waſſer auff ein groſſes flaches Feldt moͤchte ergieſſen. So bald ſie nun dieſes gethan / ward ein groſſer See / vnd vmbgaben ſie das groß Gebierg Coatepec / vmb welches ſie rings hervmb viel vnd mancherley Art von Baͤumen ſetzten. Jn den See kamen viel Fiſch / vnd auff den Baͤumen hielten ſich viel Voͤgel / vmb ſolches Luſts willen / vnd weil ſie von der Reiſe muͤd waren / auch der Ort jhnen wol gefiel / vnderſtunden ſie daſelbſt zubawen vnd nicht weiter zuziehen. Hiervber er - grimmet der Abgott ſehr / trewet den Prieſtern den Todt / befahl jn den Damm wider abzugraben / vnd den Fluß widervmb ſeinen Gang haben laſſen: zeigt jnen auch darneben an / daß die vngehorſamen in kuͤnftiger Nacht jhrem Verdienſt nach ſolten geſtraft werden / welches auch alſo erfolget / dann vmb Mitternacht er -Vngehor - ſamen Straff. Warvmb man das Hertz ge - opffert. hub ſich an einem Ort im Lager ein groß Getuͤmmel: Als man Morgens dahin kam / da wurden die jenigen / ſo vorgenommen am ſelbigen Ort zu bleiben / todt gefunden. Solchen todten war die Bruſt auffgeſchnit - ten / vnd dz Hertz herauß gelanget / dabey ſie abnamen vnd lerneten / wie jme der Abgott wolte gedienet haben / darvmb man dann nochmals / wann man jm opffern wollen / den Menſchen die Bruſt auffgeſchnitten / vnd das Hertz herauß gereichet. Nach dieſer Straff ſeynd ſie auff ſeinen Befehl fortgeruckt / biß ſie auff ein Meil Wegs bey Mexico gen Chapultepec kommen / welches Ort luſtig vnd ſehr beruͤhmbt iſt. Jn dieſem Gebierg befeſtigten ſich die Mexicaner auß Forcht fuͤr den andern Nationen / ſo diß Land bewohneten / vndCopil der Zauberin Sohn. alleſampt Feindtſchaft mit jnen hielten / ſonderlich weil Copil / obgedachter Zauberin Sohn auß groſſem Neid gegen die Mexicaner die benachbarten Voͤlcker anreitzete / daß ſie mit gewehrter Hand die Mexicaner angreiffen vnd vertilgen ſolten / welches ſie auch vnterſtunden / vnd ſetzt ſich gemelter Copil auff einen BergWird vmb bracht. mitten im See Acopilco / vermeinete daſelbſt zubleiben / biß die Mexicaner außgerottet wuͤrden. Die Mexi - caner aber vberfielen jhn auß Raht jhres Abgotts / ehe er ſichs verſahe / ſein Hertz brachten ſie dem Abgott / der befahl ſolches ins Meer zuwerffen / auß welchem nachmals / wie ſie fuͤrgeben / der Baum Tunal ſoll erwachſen / vnd Mexico daſelbſt erbawet worden ſeyn: Darnach hielten die Chalcas mit den andern Na - tionen / wider die Mexicaner eine Schlacht / darinnen jhr Oberſter Vitzilovitli vmbkam / aber ſie ſiegeten doch endtlich / machten in der Feinde Schlacht Ordnung einen Weg / vnnd zogen alſo biß gen Atlacuyaraya in der Gulhuas Flecken / daſelbſten ſterckten ſie ſich widervmb vnd wurden nachmals von den benachbarten mit Frieden gelaſſen.

Die Herꝛn zu Culhua - can nehmen die Mexi - caner be - trieglich auff.

Nach dieſem fertigten die Mexicaner auff jhres Abgotts Befehl Geſandten ab / an die Herren zu Culhuacan / vnnd bathen vmb ein Platz / da ſie bawen vnd wohnen moͤchten. Dieſelbige wieſen ſie gen Ti - caapan / das iſt / weiß Waſſer / vermeinend / ſie ſolten daſelbſt vmb der vielen Schlangen vnnd anderer Thier willen / ſo auß dem Gebierg dahin kamen / ſterben vnd verderben. Der Abgott rieht jhnen ſolches anzu - nehmen / lehrete ſie / wie ſie den Thieren die Gifft nehmen / vnd ohn Verletzung zu jhrer Speiſe gebrauchen ſolten. Als die Herren zu Culhuacan ſolches vernahmen vnd ſahen / wie ſie das Landt baweten / oͤffneten ſieTeuffels Boßheit. jhnen die Statt / lieſſen ſie handlen vnd hielten Freundſchafft mit jhnen. Der Mexicaner Abgott hatte dieſes zu einem boͤſen Endt angeſtellet / gab bey den ſeinigen vor / diß were der Ort nicht / da er zubleiben begehrete / ſondern ſie muͤſten abziehen vnnd zwar mit Krieg / hier zu muſten ſie ein Weibs Perſon / welche ein Goͤttin der Vneinigkeit were / ſuchen. Er gab jhn aber hier zu dieſe Anleitung: Sie ſolten deß Koͤnigs Tochter zu Culhuacan zu einer Koͤnigin der Mexicaner / vnnd Mutter jhres Gottes begehren. Dem Koͤnig gefiel ſolches / vbergab jhnen ſeine Tochter wolgezieret vnnd gekroͤnet. Aber auß Befelch jhres Moͤrderiſchen Abgotts ward dieſe Tochter gantz grewlich getoͤdtet / jhr die Haut abgezogen / vnd einem Juͤngling / mit jhrer Kleydung / angezogen / ſetzten alſo deß Koͤnigs Tochter bey den Abgott / weyheten ſie zu einer Goͤt - tin vnnd Mutter jhres Gottes / betteten ſie an / vnd nandten ſie vnſer Groß Mutter. Damit waren ſieBetrug ge - offenbaret. noch nicht erſaͤttiget / ſondern luden jhren Vatter / daß er kommen / vnnd ſeine Tochter die Goͤttin anbeten ſolte. Der Koͤnig kam mit vielen Verehrungen vnnd Gefaͤrten / man fuͤhrete ſie in ein finſtere Capellzu dem55Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. zu dem Abgott vnd ſeiner Tochter. Da er nun den Weyrauch auff die Fewerpfannen legte / vnnd damit ein Flamm machte / erkandt er die Haut ſeiner Tochter / mercket alſo jhren Betrug vnd Grauſamkeit / lieff weinend hinauß / griff die Mexicaner mit zornigem Gemuͤth dermaſſen an / daß er ſie zu ruͤck in den See trieb vnnd aͤngſtiget ſie / daß ſie darinnen beynahe alleſampt erſoffen weren. Doch ſtelleten ſich die Mexicaner zur Wehr / verletzten jhre Feindt / verlieſſen die Gegendt vnnd kamen gantz matt vnd naß vber die See / die Weiber vnd Kinder machten ein groß Geſchrey wider jhren Gott / der ſie in ſolche Noht gefuͤhret haͤtte.

Als nun die Zeit erſchienen / daß der Lugenhafftige Abgott ſeiner Zuſag wolt genug thun / weil dieVon Stiff. tung vnd Auffbaw - ung Mexi - co. Mexicaner nicht laͤnger Vmbweg gebrauchen / noch groͤſſere Muͤhe außſtehen konten. Da begab ſichs / daß etliche alte Prieſter durch ein dick gewachſen Ort von Bintzen giengen / vnd an ein ſehr klar Waſſer kamen / welches wie Silber ſcheinete / es bedauchte ſie auch alle Baͤume / Wieſen / Fiſch vnnd alles anders weiß zu ſeyn / da verwunderten vnd erinnerten ſie ſich der Weiſſagung jhres Abgotts / welcher dieſes jhnen zum War - zeichen gegeben / daß ein ſolch Ort jhr Ruheplatz ſeyn / vnd ſie daſelbſt vber das ander Volck Herren ſolten werden / kehreten alſo weinend fuͤr Frewden widerumb mit dieſer guten Zeitung ins Laͤger zu jhrer Gemein - de. Jn folgender Nacht befahl der Abgott Vitzliputzli einem Alten Prieſter im Traum / ſie ſolten im ſelbenAuß Copils Steinern Hertz ein Tunal - Baum ge wachſen. See einen Tunal Baum ſuchen / der auß einem Stein gewachſen / welches das Ort were / da der Zauberin Sohns deß Copils Hertz hinbegraben worden. Auff angedeutem Baum wuͤrden ſie ein ſchoͤnen Adler fin - den / der ſich ſtaͤtiges daſelbſt hielte / vnd mit andern ſchoͤnen Voͤgeln nehrete. Bey dieſem Warzeichen ſolten ſie abnehmen / daß es der Ort ſey / dahin ſie jhre Statt bawen ſolten / die alle andere vbertreffen / vnnd durch die gantze Welt beruͤhmbt ſeyn wuͤrde. Deß Morgens hielt der Alte Prieſter dieſes alles der Gemeind fuͤr / darvber ſie zum allechoͤchſten erfrewet wurden / vnnd einhelliglich beſchloſſen / gemelten Ort zu ſu - chen / Zogen darauff in groſſer Andacht vnd Frewde ohne Verzug fort / theyleten ſich auff beyden Seit - ten durch die gantze Einoͤde mit Bintzen / daß ſie noch deſſelbigen Tags zu dem weiſſen Waſſer / welches aber nunmehr Blutroht worden / ankamen. Da ſie nun lang hin vnd her geſucht / erſahen ſie entlich den Tunal Baum / ſo auß einem Stein gewachſen / darauff ſtund ein Koͤniglicher Adler mit außgebreitten Fluͤgeln / wand ſeine Augen gegen der Sonnen / rings vmbher ſtacken koͤſtliche / ſchoͤne weiſſe / rohte / gelbe / blawe vnd gruͤne Federn / in ſeinen Klawen aber hatte er ein ſehr ſchoͤnen Vogel. Als die Mexicaner den Vo -Mexicaner finden jhren Ruheplatz. gel ſahen / vnnd den Platz deß Oraculi erkannten / fielen ſie alleſampt nider auff jhre Knihe / erzeigeten dem Adler groſſe Ehr: Der Adler neiget auch ſein Haupt vnd ſahe allenthalben hin. Auff dieſes danckſageten ſie dem Schoͤpffer vnd jhrem groſſen Gott Vitzliputzli als jhrem allgemeinen Vatter / der jnen allzeit die War - heit geſagt / darumb nenneten ſie die Statt nachmals Teuoxtitlan / das iſt / Tunal auff einem Stein / fuͤhre - ten auch den Adler auff einem Tunal in jhrem Wappen / der in ſeiner Klawen ein Vogel hatte. Den folgen -Mexicaner Wappen. den Tag baweten ſie bey dem Tunal jrem Abgott ein ſchlechte Capellen: ſetzten jhn ein weil darein / biß ſo lang ſie den herrlichen Tempel erbaweten. Nach dieſem fiengen ſie an bey jhren Nachbaren fuͤr Fiſch / Froͤſch / Gaͤnß vñ dergleichen Waſſer Voͤgel / die ſie allda auß dem See fiengen / Holtz / Stein vnd Kalck zu kauffen / vnd bekamen zum Baw jhrer Statt alle Notturfft. Als ſie noch an dem Baw waren / befahl jhr Abgott ei - nem Prieſter der Gemeine anzuzeigen / Sie ſolten in der mitte den Ruheplatz ſtehen laſſen / vnd ein jeder HerrAbtheylũg deß Volcks mit ſeiner verwandten Freundtſchafft vnnd Anhang ſich in vier vornembſte Nachbarſchafften abtheylen / vnd ein jede Verſamblung jhren Platz bawen / nach dem es ſie am bequembſten ſeyn / bedeuchte: DeßgleichenBaw der Statt Mexico. ſolten ſie einen jedern Platz in vnderſchiedliche Gaſſen abtheilen / da man die Goͤtter / ſo er anzeigen wuͤrde / verehren moͤchte. Welches alles verrichtet worden. Aber in der Außtheylung der Gaſſen vnd Straſſen wur -Vneinig - keit in der Außthey - lung. Trennung der Mexi - caner. den ſie vneins / meineten etliche von altem Herkommen / daß man ſie jhrem Verdienen nach / beſſer bedencken ſollen / vnd dieweil ſie es fuͤr ein groſſe Schmach auffgenommen / haben ſie mit jhrem Anhang ein Auff - ruhr erweckt / ſeynd am See nach der Laͤng hinauß gezogen / vnd ſich in dem duͤnnen vnnd erhobenen Landt Tlatelluco nidergelaſſen / den andern Mexicanern ſo groſſen Trang vnd Verdrieß gethan / daß ſie beraht - ſchlaget einen Koͤnig vber ſie zu erwehlen / beſchloſſen vnter andern auch / ſie wolten keinen vnter jhnen ſelbſten zum Koͤnig nemen / damit kein Zwiſpalt deßwegen vnter jhnen entſtehen moͤchte. Da ſie nun alles wol erwo - gen / gedachten ſie den Koͤnig zu Culhuacan zuverſoͤhnen / den ſie mit ſeines Vorfahren entleibten Tochter ſehr erzoͤrnet hetten / vnd erwaͤhleten zu jrem Koͤnig Acamapixtli eines hohen Mexicaniſchen Fuͤrſten Sohn /Acama - pixtli der erſt Koͤnig in Mexico. deſſen Mutter deß Koͤnigs zu Culhuacan Tochter war: fertigten hierauff Geſandten an jhn / welche jhm das Koͤnigreich neben einem ſtattlichen Geſchaͤnck antragen ſolten: Die Geſandten thaͤtten jhre Werbung folgender maſſen: Groſſer Herr / ewere Vnderthanen vnd Diener / wir die Mexicaner / ſo in einer Einoͤ - de von Bintzen ſtecken / vnd von allen Nationen der gantzen Welt verlaſſen ſeynd / begehren gantz inniglich / weil dieſes Ort / darin wir wohnen / vnter ewerm Gebiet gelegen iſt / daß jhr vns ewer vnnd vnſer Kindes Kind Acamapixtli zu einem Herren vnd Koͤnig geben wollet / damit wir ein Haupt haben moͤgen / der vns gebiete / entſcheide / geleite / vnterweiſe / wie wir ein recht ordentlich Leben fuͤhren ſollen / vñ vns auch fuͤr den Feindẽ beſchuͤtzen / vnd denſelben Widerſtand thun moͤgen / dargegen woͤllen wir jm gehorſam vnd vnderthaͤ - nig ſeyn / wie ſichs gebuͤrt / ſintemal er von den Koͤnigen zu Culhuacan vnd dem Mexicaniſchen Gebluͤt her - kom̃et. Der Koͤnig fuͤhrete jm zu Gemuͤht / es wuͤrde jm nit wenig From̃en bringen / wann er mit den Mexi - canern / als einem ſo klugen vnd ſtreitbaren Volck einen Bund machen wuͤrde / vñ verwilligtejnen jr Begeh - ren / ſagte dabey / wañ ein Weibsperſon were gefordert wordẽ / wolt ers haben abgeſchlagẽ. Fertiget jn derhalbẽ mit dieſen Wortẽ ab: Gehe hin mein Kind / diene deinẽ Gott / ſey ſein Statthalter / regiere dz Geſchoͤpff deſſẽ /E iiijdar -56Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theildardurch wir leben / deß Herrn deß Tags / Nachts vnd der Winden. Gehe hin vnd ſey ein Herr der Waſſer vnd Landes / ſo die Nation der Mexicaner beſitzet: Die Mexicaner bedanckten ſich gegen dem Koͤnig vnnd fuͤhreten den jungen Koͤnig ſampt ſeiner Koͤnigin mit groſſen Ehren gen Mexico / da ward er von menniglichWie der newe Koͤ - nig empfan gẽ worden. empfangen / in einen aͤrmlichen Pallaſt gebracht / auff den Koͤnigsſtul geſetzt / vnd fieng jhn ein alter Redner an auff dieſe weiſe zuempfangen / vnd ſprach: Mein Sohn / vnſer Herr vnd Koͤnig / ſeyt vns in dieſem armen Hauß vnd Statt wilkom̃en / wir leiden allhier in dieſer Einoͤde võ Bintzen das jenige / ſo vns vnſer Schoͤpf - fer auffladet. Seyd ein Vorſteher vnd Schirmer dieſer der Mexicaner Nation / als deß Vitzliputzli vnſers Gottes Samen / in deſſen Namen euch das Gebiet vnd Gewalt zugeſtellet wird. Euch iſt wol wiſſend / daß wir in vnſerm Landt nit ſeynd / wiſſen auch nit / was ſich kuͤnfftig mit vns zutragen wird / darauß jr abzune - men / daß jr allhier nicht zur Ruhe / ſondern zu einer newen Muͤhekommet / dann jr werdet mit den Nachbarn genugſam zuthun haben / vnd ein Knecht ſeyn muͤſſen aller dieſer Menge / die von allen benachbarten Voͤl - ckern gehaſſet vnd angefeindet werden / dieſelben vnderſtehet euch zu Freund zu machen vnd Frieden mit jnen zu halten / weil wir in jrem Gebiet wohnen. Die Red dieſes alten Manns iſt ſo hoch gehalten worden / daß ſie die Kinder haben lernen / vnd auff die Nachkommen fortpflantzen muͤſſen. Nach geendeter Oration bedan - cket ſich der Koͤnig wegen beſchehener Gluͤckwuͤnſchung / verhieß ſeinen Fleiß anzuwenden vnnd Sorg fuͤr ſie zu tragen. Deßgleichen ſie zubeſchuͤtzen / beſchirmen vnd zu helffen nach ſeinem Vermoͤgen. Darauff ward jhm gehuldiget / geſchworen / vnd eine Kron der Venetianer Herrſchafft gleich / auffgeſetzet. Vnd fuͤh - rete er nach der Deutung ſeines Namens in ſeinem Wappen ein Hand voll Riedpfeil.

Vnangeſehen nun die Erwehlung dieſes newen Koͤnigs jhnen Anfangs wol gerieth / daß ſie in einer kurtzen Zeit eine feine Policey vnd Regiments Ordnung vberkamen / darauff die Frembden ein Auffſehens hatten. So blieben ſie doch mit jhrem Koͤnig denen von Tepanecas / jhren Feinden Zinßbar / vnd weil ge -Mexicaner ſeltzame Tribut. dachtes Volcks Koͤnig / ſich vor der Mexicaner Macht / die jmmer zunam / befoͤrchtete / trachtet er nach jh - rem Verderben / wie er moͤchte: Nam vom Tribut den Anlaß / daß deſſen zu wenig were / ſie ſolten jhm fuͤro - hin Tunal vnd ander Bawholtz zu ſeiner Statt bringen. Deßgleichen ein Ackerwerck auffs Waſſer von

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vnderſchiedlichen Erbſen / ſolten dieſelben wol wachſen vnd reiff werden laſſen / vnnd ohn einig Gebrechen durch das Waſſer bringen. Wuͤrden ſie aber ſolches nicht thun / ſolten ſie von jhnen alle Feindtſchafft / vnd jhre gaͤntzliche Außrottung gewertig ſeyn. Die Mexicaner erzoͤrneten ſich vber ſolcher vnrechtmaͤſſigen An - forderung / die ſie zuleiſten vnmoͤglich bedauchte. Aber jhr Abgott Vitzliputzli troͤſtet ſie / vnnd verhieß jhnen ſolches alles zuwegen zubringen. Gab das Ackerwerck an / wie es ſolte auffs Waſſer erbawet werden. Ließden57Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. den Grund von viel Bintzen zuſammen machen / Erden darauff ſchuͤtten / vnd den Acker zu den Fruͤchten zu richten / vnd beſaͤen / daß ſie auff beſtimpten Tag ſolch Ackerwerck von Mays / Axi / Blitum / Tomates / Friſolen / Chias / Kuͤrbiß vnd anderen Dingen wol zeittig mit hoͤchſter Verwunderung deren zu Tepanecas liefferten. Aber jhr Koͤnig ließ nicht nach / ſondern weil er ſahe / daß ſie mit Huͤlff jres Gottes alles wol moͤch - ten zuwegen bringen / leget er jhnen auffs ander Jahr zum Tribut bey voriger Straff auff / daß ſie auch auff dieſem Ackerwerck jhm ſitzende vnd bruͤhende Gaͤnß vnd Reyher ſolten bringen / die alſo im ankommen Jun -Noch ſeltza mer Tribut. gen außhecketen. Deſſen wurd er mit Huͤlff jhres Abgotts auch gewaͤhrt / Vnnd erſchienen die Voͤgel alſo / da die Mexicaner eben an das Land zu Azcapuzalco ſtiegen. Daruͤber ſich der Koͤnig hoͤchlich verwunder - te / ſagte zu ſeinen Vnderthanen / dieſe Dinge weren vbermenſchlich / wann die Mexicaner alſo fortfuͤhren / wuͤrden ſie zu Herren vber alle andere Voͤlcker werden / den Tribut aber erließ man jhnen nicht / ſondern mu - ſten jhre Dienſtbarkeit noch wol 50. Jahr tragen. Vmb dieſelbige Zeit ſtarb der Koͤnig Acamapixtli / nach dem er die Statt Mexico mit vielen Gebaͤwen / Gaſſen / Waſſerleytungen vnnd Victualien gebeſſert vnnd vermehret hatte. Er regierete gantz loͤblich 40. Jahr / vnd ob er wol Soͤhn hatte / vbergab er doch am Todt - bett den Mexicanern jhre Freywahl eines Koͤnigs / bekuͤmmerte ſich ſehr vmb den Tribut / daß ſie Zinßbar ſeyn muͤſten. Zu letzt befahl er jhnen ſein Weib vnd Kind / vnd beſchloß ſein Leben / mit hoͤchſter Betraurung der Vnderthanen.

Nach deß Koͤnigs Begraͤbnuß vnd Begaͤngnuß / ſchritten die Mexicaner wide[r]umb zur Wahl / vnd nach vielfaltigen Rahtſchlaͤgen namen ſie vmb deß verſtorbenen Koͤnigs loͤblicher Regierung willen / ſeinenVitzilovitzli der ander Mexicani - ſche Koͤnig. Sohn Vitzilovitli / das iſt / em ſtattliche Federn / zum Koͤnig / ſetzten jhm die Koͤnigliche Kron auff / ſalbeten jhn mit der Goͤttlichen Salben / weil ſie jhren Abgott ebenmaͤſſig damit zu ſalben pflegen. Ein Redner thet eine Oration, vnderſtund den Koͤnig muhtig zu machen / ſein Volck zu erloͤſen / vnd auß der Dienſtbarkeit zubringen. Vnd damit ſie von dem beſchwerlichen Tribut erlediget wuͤrden / wurben ſie jhme vmb deß Koͤ - nigs Azcapuzalco Tochter Ayauchigual / die ſie dann erlangten. Da nun dieſelbige nachmahls einen jungen Sohn gebar / begehreten die Mexicaner an den Koͤnig Azcapuzalco jme einen Dapffern Nahmen zugeben / bathen darbey ſie von dem beſchwerlichen Tribut zuerledigen. Der Koͤnig nennete ſeiner Tochter Sohn Chimalpopoca / das iſt / ein rauchenden Schild. Den Tribut aber erließ er mit Bewilligung ſeines VolcksErleichte - rung deß Tributs. ſo weit / daß ſie hinfuͤro Jaͤhrlich zwo Gaͤnß vnd etliche Fiſch zur Zeugnuß jhrer Vnderthaͤnigkeit entrich - ten ſolten / vnd lebten alſo in gutem Frieden. Aber ſolche Frewde waͤhrete nicht lang / dann jhre Patronin die Koͤnigin ſtarb in wenigen Jahren / vnd bald darauff auch der Koͤnig / nach dem er dreyzehen Jahr ruͤhmlich regieret / vnd vber dreyſſig Jahr alt worden.

Damit nun die Mexicaner die Freundſchafft mit dem Koͤnig Azcopuzalco erhielten / waͤhleten ſie jh - res verſtorbenen Koͤnigs Sohn Chimalpopoca zu jhrem Koͤnig / ob er gleich nur zehen Jahr alt war / gabenChimalpo - poca der dritte Me - xicaniſche Koͤnig. jhm bey der Kroͤnung die Koͤnigliche Zeichen / als Bogen / Pfeil vnd ein Schwert / nach jhrem Gebrauch / zur Bedeutung / in die Hand. Vnd dieweil die Mexicaner groſſen Mangel an Waſſer hatten / weil jhr See Moraſig / vnd deßwegen boͤß zu trincken / ſchickten ſie zu jhres Koͤnigs Großvatter dem Koͤnig zu Azcapuzalco / daß er jhnen das Waſſer zu Chapultepec / nur ein Meil Wegs von Mexico vergoͤnnen wolte. Dieſes ſchencket vnd geſtattet er jhnen gern. Da ſie aber ſolches Waſſer mit groſſer Muͤhe in die Statt leit - ten wolten / die Rohrteucheln verfertiget / zerbrach jhr Gebaͤw auff dem See allenthalben / daß ſie deß Waſ - ſers nicht genieſſen kondten. Darauff begehreten ſie an den vorigen Koͤnig mit etwas haͤrtern Worten / viel -Anlaß zum Krieg. leicht Vorhabens / mit den Tepanecis Krieg zufuͤhren / weil ſie deß Waſſers nicht kondten genieſſen / vnd die Waſſerrohr nicht halten wolten / daß er jhnen Holtz / Kalck / Stein vnd ſeine Werckleute wolte zukommen laſſen / damit ſie ein beſtaͤndiges Canal moͤchten zurichten / ſo nit verfaulete. Dem Koͤnig vnd ſeinem Volck gefiel die Werbung ſehr vbel / bedaucht ſie ein vermeſſen vnd ſtoltze Bottſchafft / vnd ein boͤſes Fuͤrhaben von Vnderthanen gegen jre Obrigkeit zu ſeyn. Der Koͤnig ward durch ſeine Raͤht noch mehr wider ſie verhetzt / daß ſie darauff einen ſolchen Beſcheid bekamen: Was ſich wol die Bintzen Leute beduncken lieſſen / ſie wolten in kurtzem zuverſtehen geben / was ſie von dieſer Werbung hielten / vnd gedaͤchten jnen jhren Hochmuth wol nider zu legen / lieſſen darauff alſobald bey Leibſtraff verbieten / vnd offentlich außruffen / daß kein Texaneca - ner mit den Mexicanern weder handeln noch wandeln / viel weniger aber in jhre Statt gehen / noch ſie in jh - re Statt laſſen ſolten. Da nun der Koͤnig zu Azcapuzalco fahe / daß ſeine Raͤht vnnd Volck willens waren / die Mexicaner zu vertilgen / baht er / ſie ſolten jhm zuvorn den jungen Koͤnig ſtellen / darnach moͤchten ſie es mit den Mexicanern nach jhrem Gefallen machen. Viel ſtimpten mit dem Koͤnig vber ein / welche mit dem jungen Koͤnig Mitleiden hatten. Aber die zween vornembſten waren darwider / hieltens fuͤr ein ſchaͤd - lich Fuͤrnehmen: Dann ob gleich Chimalpopoca jhres Gebluͤts were / wegen ſeiner Mutter / ſo wuͤrde er ſich doch mehr zu der Vaͤtterlichen Parthey begeben / beſchloſſen demnach einhelliglich jhme das Leben zunehmen. Solches gieng dem Koͤnig zu Azcapuzalco dermaſſen zu Hertzen / daß er fuͤr Leid Kranck ward /Azcapu - zalco ſtirbt vor Leid. Mexicaner Koͤnig er - mordet. vnd kurtz hernach ſtarb. Darauff rahtſchlageten die Tapaneces nicht lang / ſondern ſtiffteten bald ein Verraͤhterey an / fielen deß Nachts / da der Koͤnig zu Mexico vnder den Huͤtern ſchlieff in deß Koͤnigs Pal - laſt / erwuͤrgeten jhn in aller Eyl / daß ſolches kein Menſch jnnen worden. Deß Morgens da der Mexica - niſche Adel nach jhrer Gewonheit den Koͤnig zubegruͤſſen kamen / jhn aber verwund vnd todt ligend funden / erſchracken ſie vber die maſſen / daß ſie fuͤr Vnmuth zun Waffen griffen / den Todt jhres Koͤnigs zurechen. Als ſie nun in dieſem Grimm ohne Ordnung lieffen / redet jhnen der vornembſten Ritter einer in die Sach / vnderſtund ſie mit ſolchen Worten auffzuhalten. Wohin eylet jhr Mexicaner / ſtehet ſtill / vnnd begebet ewerHertzen58Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilHertzen zu Ruhe / in Betrachtung / daß das jenige / ſo man alſo vnbeſonnen anfaͤngt / langſam ein gut End erreichet / Woͤllet auch darfuͤr halten / ob gleich vnſer Koͤnig ermordet / daß darumb der Mexicaner Edel Blut noch nicht gar vertrocknet ſey. Wir haben ja noch Soͤhne von den vorigen Koͤnigen bey vns / mit welchen wir eben das verhoffen außzurichten / das wir mit den vorigen angefangen haben. Wollet derowe - gen nicht alſo blind hinan lauffen / ſondern wehlet erſtlich einen andern Koͤnig vnd Herrn / der euch anfuͤhre / vnd wider ewere Feinde ein Muth vnd Hertz einſpreche. Auff dieſe vnd dergleichen Rede lieſſen die Mexica - ner jhr Fuͤrhaben fahren / hielten deß entleibten Koͤnigs Begaͤngnuß / darzu luden ſie die Herren zu Tezcuco vnd Culhuacan / denen erzehleten ſie ſolche grewliche That der Tepanecas / bewegten ſie zum Mitleiden vnd Vnmuht gegen die Tepanecas / bahten darneben jhnen keinen Beyſtand zu leiſten / dann ſie ſeyen gemeinet dieſe Mordthat zu rechen / begehreten ſonſten von jhnen keine weittere Huͤlff.

Denen zu Tezeuco vnnd Culhuacan gefiel dieſer Vorſchlag wol / bohten jhnen Gewerbhaͤndel vnnd Tauſch an / daß ſie ſich nach jhrem willen zu Waſſer vnd Landt jhrer Notturfft nach moͤchten verſorgen. Nach dieſem bahten die Mericaner / daß ſie bey jhnen bleiben / vnd einen Koͤnig erwehlen helffen wolten / wel - ches ſie dann thaͤten.

Hierauff verſambleten ſich die Reichs Raͤht vnd Ritterſchafft einen andern Koͤnig zuerwehlen / vnd redete ſie der Elteſten Redner einer alſo an: Euch / O jhr Mexicaner / mangelt das Liecht der Augen / aber nicht deß Hertzens. Dann ob jhr gleich den verlohren / ſo ein Liecht vnd Fuͤhrer war / ſo iſt doch euch Mexi - canern noch das Hertz blieben / vnnd bleibet ſo viel dennoch vbrig / daß man den Mangel voͤlliglich erſetzen mag. Dann ſehet euch vmb / werdet jhr nicht einen oder zween / ſondern viel trefflicher Fuͤrſten vnnd Soͤhn deß Koͤnigs Acamapixtli fuͤr Augen ſtehen / auß denen erwaͤhlet euch einen nach ewerm Gutduͤncken. Geden - cket / daß vns die Sonn ein kleine Finſternuß gemacht habe / vnd daß wir alsbald das Liecht wider bekom - men. Mexico iſt mit dem Todt jhres Koͤnigs verfinſtert worden. Darumb ſo laſſet die Sonn wider herfuͤr kommen / erwaͤhlet auß dieſen einen Koͤnig / auff den jhr ewer Augen ſchlaget vnd ewer Hertz neiget / daſſelbi -Jſcoalt der vierdte Me xicaniſche Koͤnig. ge iſt der / welchen ewer Gott Vitzliputzli erwaͤhlet. Da nun dieſer Redner ſeine Rede vollaͤndet / beſchloß er mit jedermans Bewilligung / daß Jſcoalt jhres erſten Koͤnigs Acamapixtli Sohn zum Koͤnig ſolte erweh - let werden. Vnangeſehen aber / daß er von einer Schlavin vnehelich geboren / ward er doch wegen ſeiner gu - ten Sitten / Tapfferkeit vnd Klugheit / damit er die andern alle vbertraff / zum Koͤnig erwaͤhlet / vnd mit den ordentlichen Ceremonien alſobald gekroͤnet. Darbey dann jhn voriger Redner ſeines tragenden Ampts er - innerte. Jnmittelſt hatten jhre Feinde die Tepanecas beſchloſſen / die gantze Nation der Mexicaner außzu -Krieg der Mexicaner wider die Tepanecas reutten / vnd gaͤntzlich zuvertilgen / zu dem End ſie dann groſſe Zuruͤſtung gemacht hatten. Der newe Koͤ - nig zu Mexico gedacht dem Krieg ein Anfang zu machen / vnd ſeinen Feinden vorzukommen: da aber der gemeine Mann ſahe / daß jhnen jhre Feinde an der Maͤnge vnnd Ruͤſtung weit fuͤrgiengen / wurden ſie zag - hafft / vnd bahten den Koͤnig demuͤtiglich / er wolte einen ſo gefaͤhrlichen Krieg nicht anfangen / welcher zu der Statt vnd deß Volcks groſſem Verderben gereichen wuͤrde / ſchlugen darauff fuͤr / weil der jetzige Koͤnig zu Azcapuzalco barmhertzig were / ſolte man Fried von jm begeren / jhm jhren Dienſt anbieten vnd darneben bit - ten / daß er ſie auß dieſen Bintzenbuͤſchen ziehen / vnd Raum in ſeinem Land vergoͤnnen wolte / auff daß ſie vn - ter einem Herrn weren / dieſes aber deſto beſſer ins Werck zu richten / ſolte man jhren Gott auff einer Saͤnff - ten mit fuͤhren / damit er jhr Mitler vnd Fuͤrſprecher were. Da nun ſolchem Bedencken auch viel vom Adel zufielen / ward ſolches auff dieſe maſſe vorzunehmen beſchloſſen / deß Abgotts Saͤnffte verfertiget / vnnd ſie zum Außzug geruͤſtet / aber es ſtund vnder der Gemeine Tlacaellel / deß Koͤnigs Oheim ein ſchoͤner Juͤngling auff / der ſagt mit vnverzagtem Gemuͤht: Was iſt diß? ſeyd jhr vnſinnig / ſollen wir vns auß Kleinmuͤtigkeit denen zu Azcapuzalco auff Gnad ergeben? Begehret hierauff vom Koͤnig ein beſſer Mittel zu ſuchen / damit ſie bey Ehren blieben / vnd ſich nicht mit Schand in der Feind Haͤnd ergeben. Wie der Koͤnig Jſcoalt ver - nam / was jhm ſein Neve verſtaͤndiglich vorbracht / hielt er die Gemeine auff / zu verſuchen / ob man jrgendt ein beſſer Mittel finden moͤchte / vnd hielt fuͤr rahtſam / deß Koͤnigs ſeines Feindes Gemuͤht zuvorn durch ein Pottſchafft zuerkuͤndigen / da ſich aber hierzu niemand wolte gebrauchen laſſen / erbot ſich gemelter Juͤng - ling / ſolche Legation zuverrichten / ob es gleich Leib vnd Lebens Gefahr auff ſich truͤge. Ob nun gleich alle Mexicaner diß fuͤr ein tolle Kuͤnheit hielten / beſchloß doch der Koͤnig dieſen Juͤngling abzufertigen / damit er deß Koͤnigs Azcapuzalco Gelegenheit vnd Sinn erfahren moͤchte / wolte alſo lieber ſeines Neven Leben dar -Tlacaellel ein trewer Legat. an wagen / als die Ehr der Gemeind. Darauff macht ſich Tlacaellel auff die Reiſe / kam zu den Waͤchtern / welche Befelch vberkommen alle Mexicaner / ſo ſie antreffen moͤchten vmbzubringen: dieſe beredet er durch ſonderliche Geſchickligkeit / daß ſie jhn fuͤr den Koͤnig fuͤhreten. Der Koͤnig verwunderte ſich deſſen hoͤchlich / hoͤrete ſein Werbung an / vnd verſtund / daß die Mexicaner auff Ehrliche Mittel Frieden begehreten / vnnd gab jhm zur Antwort / wie er ſich mit den Seinen deßwegen beſprechen wolte / vnd ſolt er folgenden Tag wi - der erſcheinen / vnd Antwort holen. Der Juͤngling begehrete Verſicherung / daß jhme hierzwiſchen kein Ge - walt wider fuͤhr / Aber es ward jhm vom Koͤnig abgeſchlagen / vnd der Beſcheid gegeben / er koͤnd jm kein Ver - ſicherung geben / moͤchte aber ſelbſt ſeinen beſten Fleiß gebrauchen: Auff dieſe weiß kehret Tlacaellel wider gen Mexico / nachdem er die Waͤchter vberredt / daß er wider kommen ſolte. Welches dann auch geſchach / dann der Koͤnig zu Mexico dancket jhm ſehr fuͤr ſeine trewe Dienſt / ſchickt jhn abermals fort vmb Antwort anzu - halten. Jnmittelſt war aber der Koͤnig zu Azcapuzalco von den ſeinen wider die Mexicaner angereitzet / daß / ob er gleich fuͤr ſich gern Frieden gehabt / er doch jhnen denſelbigen abkuͤndigen / vnnd den Krieg ankuͤndigen ließ / vnd kam der Geſante durch Anweiſung deß Koͤnigs Azcapuzalco durch ein klein Thuͤrlein davon / da ſonſten die Wacht jhn auff Stuͤcken zerhawen hette.

So59Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

So bald nun die Mexicaner verſtunden / daß jhnen der Krieg angekuͤndiget worden / lieffen ſie nach jhrer gewoͤhnlichen Kleinmuͤtigkeit zum Koͤnig / begehreten auß der Statt zu weichen / vnd gaben gaͤntzlich verlohren. Der Koͤnig troͤſtet ſie aber / ſprach jhnen ein Manlich Hertz ein / verpflichtet ſich gegen jhnen / wo er wuͤrde verliehren / ſolten ſie zur Rach jhn toͤdten / vnnd ſein Fleiſch auß vnfletigen Pfannen eſſen / dargegen verſprachen ſie / ſo er den Sieg wuͤrde erlangen / wolten ſie jhm vnd allen ſeinen Nachkommen Zinß geben / ſei - ne Haͤuſer vnd Laͤnder bauwen / ſeine Waffen vnd Laſt im Krieg nachtragen / vnd alles anders vollbringen / was gehorſamen Vnderthanen zuſtuͤnde. Dieſer Vertrag ward zwiſchen dem Koͤnig / Adel vnnd Gemeind auffgerichtet. Darauff ſetzet ď Koͤnig Tlaſcaellel zu einẽ Feld Oberſten / verordnet die dapfferſten zu Haupt - vnd Befelchsleuten / machet zweyerley Schlacht Ordnung / die erſte vnd mutigſten ſolten den Einfall thun /Schlacht zwiſchen dẽ Mexica - nern vnd Tepanecis. die andere aber bey dem Koͤnig ſtill halten / biß ſie die erſten ſehen durch den Feind dringen. Jn dem ſie nun in ſolcher Ordnung daher zogen / ward der Koͤnig Azcapuzalco jhrer gewahr / fiel ſtracks mit ſeinem Volck in groſſem Grimm zur Statt hinauß / ſein Volck war mit koͤſtlicher Ruͤſtung von Gold Silber vnd ſchoͤnen Federn geſchmuͤcket vnd verſehen. Jſcoalt gab mit einer kleinen Trummen / ſo er auff dem Rucken trug / die Loſung. Von ſtund an erhub ſich ein groß Geſchrey / Mexico / Mexico / vnd griffen die Tepanecas an: Ob ſie nun wol an der Zahl vngleich waren / brachen doch die Mexicaner der Feind Ordnung / daß ſie zu jhrerDer Mext - caner Sieg Statt zu flogen. Jn deß brach auch der Hinderhalt herfuͤr / folgeten den Fluͤchtigen in die Statt nach / brachten nach jhres Koͤnigs Befelch alles vmb / was ſie antreffen mochten / daran lieſſen ſie ſich nicht benuͤ - gen / ſondern jagten auch denen nach / ſo in die Wuͤſten vnd auffs Gebierg geflohen waren / vnnd brachten ſie vmb. Etliche Tepanecas / ſo auff einen Berg geflohen / warffen jhre Waffen herunder / baten vmb Gnad / erbotten ſich jhr Land zu bawen / wie auch Stein / Holtz vnd Kalck zugeben: Sie wolten auch die Mexicaner zu jeder zeit fuͤr jhre Herren erkennen. Darauff befahl der Koͤnig jhnen das Leben zuſchencken / vnd muſten ſie ſolches mit Eydspflicht angeloben. Alſo kehreten ſie wider gen Azcapuzalco / die Mexicaner aber mit einer ſtattlichen Beut nach Mexico. D folgenden Tags ward der Vertrag mit dem Koͤnig auffs new mit dem

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Eyd beſtettiget / vnnd nachmahls die Statt vnd Landſchafft Azcapuzalco außgetheylet / den erſten theilTheylung der Auß - beut. bekam der Koͤnig / den andern der Feld Oberſte Tlacaellel / den dritten die Edelleut vnnd andere / ſo ſich im Krieg ritterlich gehalten. Auch gaben ſie gemeine Laͤnder vnter die Nachbarſchafft zu Mexico / damitſie60Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilſie mit demſelbigen jhr Opffer thun / vnd den Gottesdienſt verrichten moͤchten. Dergleichen Außtheilung hat man hernach allezeit mit den eroberten Landſchafften gehalten.

Dieſer Sieg erweckete den Mexicanern noch mehr Feinde / nemlich die Herren zu Tacuba vnd Cu - yoacan / die regten bey den vbrigen zu Azcapuzalco ſtets an / daß ſie von den Mexicanern widerumb abfaͤllig werden / vnd jhren Verluſt raͤchen ſolten / weil aber dieſelbigen dermaſſen geſchwecht / daß ſie nichts vnder - ſtehen dorfften / fiengen die zu Cuyoacan der Mexicaner Weiber / wann ſie auff den Marckt giengen / ſie ver - hoͤhneten vnd verſchmaͤchten auch die Mannsperſonen / darumb verbott der Koͤnig zu Mexico ſeinen Vn - derthanen alle Gemeinſchafft mit den Cuyoacanern zu haben / ebener maſſen ſolt man auch keinen von Cu -Liſtiger Anſchlag zum Krieg. yoacan gen Mexico kommen laſſen. Hierauff namen die Cuyoacaner dem Krieg ein Anfang zu machen / mit Liſt durch einen trotzigen Schimpff zu wegen zubringen / welches ſie alſo anſtelleten: Sie luden die Mexicaner auff eines jhrer vornembſten Feſt / nach dem ſie nun gute Speiß aufftragen laſſen / vnnd mit Tantzſpielen ſich wol erluſtiret hatten / lieſſen ſie zu letzt Weiber Kleydung an ſtatt deß Obs auffſetzen /

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zwungen die Mexicaner ſolche anzuziehen / vnd damit gen Mexicon zu kehren / warffen jhnen auch fuͤr / daß ſie auß Weiblicher Forcht den Krieg nicht angefangen / vnangeſehen ſie genugſame Vrſach darzu gehabt hetten. Darauff ſollen jhnen die Mexicaner zu Widergeltung einen groſſen Spott angethan haben / in dem ſie zu Cuyoacan in die Pforten ein groſſen Rauch gemacht / davon viel Weiber Mißgeburt bekommen /Mexicaner ſtreit vnd Sieg gegen den Cuyoa - canern. auch ſonſt viel Leut geſtorben. Letztlich gerieth es zu einem offenen Krieg / zogen beyderſeits zu Feld / lieferten einander ein Schlacht / in welcher der Mexicaner Feldt Oberſter Tlacaellel durch ſeine Dapfferkeit den Sieg erhielt. Dann er ließ ſeinen Koͤnig mit dem von Cuyoacan kaͤmpffen. Er aber nam mit etlichen dapffern Soldaten einen Vmbſchweiff / griff die Feind von hinden an / zertrennet vnd ſchlug jhren Hauf - fen / daß ſie in jhre Statt weichen muſten / vnd dieweil ſie ſich in einem Tempel ſaluiren wolten / ſchlug er ſich mit dreyen Soldaten durch ſie hin / kam jhnen zuvor / nam den Tempel ein / ſteckt jhn in Brand / zwang ſie ins Feldt zu fliehen / da ſie dann ein groſſe Niderlag erlitten / vnnd den fluͤchtigen auff 10. Meil Wegs nachgeeylet ward / wie ſie die nun ereylet / wurffen die Feindt jhre Waffen hinweg / ſchlugen jhre Haͤnde zuſammen / ergaben ſich den Mexicanern auff Gnad / bahten mit vielen Threnen vmb Verzeihung / daß ſie die Mexicaner als Weiber verachtet / vnd bothen ſich zu Sclaven an / darauff ſie zu Gnaden auff - genommen worden. Nach erlangtem Sieg kehreten ſie mit einer groſſen Beut von Gewand / Waffen / Gold / Silber / Kleynodien / ſchoͤnen Federn / vnd einer groſſen Menge Gefangenen wider heim. Jn dieſer Schlacht / demnach ſich die von Culhuacan / ſo den Mexicanern zu Huͤlff kommen / ſehr dapffer gehalten /wurden61Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. wurden ſie mit Mexicaniſchen Feldzeichen verehret / auff jhrer Seiten behalten / vnd zu fernerer Dapfferkeit angemahnet.

Mit gleicher Mannheit haben auch die Mexicaner nachmals die Suchimilcos / ſo die erſten vnderMexicaner vberwindẽ die Suchi - milcos. den ſieben Geſchlechtern geweſen / vberwunden vnd dahin gezwungen / daß ſie von jhrer Statt auff 4. Meil Wegs biß nach Mexicon einen gepflaſterten Steinweg machen muſten. Da ſich auch die Cuytlavaca vnd Tezcuco an den Mexicanern reiben wolten / wurden ſie durch offentliche Feldſchlachten zum Gehorſam vñJtem / die zu Cuytla - vaca vnd Tezcuco. vnter der Mexicaner Reich gebracht / vnd weil ſich der Koͤnig zu Tezcuco gutwilliglich ergab / nam der Koͤ - nig zu Mexico jnen jhren Koͤnig nit / ſondern macht jhn zum oberſten Raht / welcher Gebrauch dann nach - mals in dergleichen Faͤllen blieben. Als nun der Koͤnig Jſcoalt 12. Jahr mit groſſem Gluͤck regieret hatte / fiel er in ein Kranckheit vnd ſtarb. Er verließ das Reich dem Tlacaellel / welcher aber fuͤr beſſer achtet Koͤni - ge zumachen / als ſelbſt Koͤnig zu ſeyn / wie wir jetzo vernehmen werden.

Die Wahl eines newen Koͤnigs / wie droben gemeldet / ſtund bey den 4. Churfuͤrſten vnnd den zweyen Koͤnigen zu Tezcuco vnd Tacuba / dieſe 6. fordert Tlacaellel / als der im groͤſten Anſehen war / zuſammen / mit denen er ſich von der Wahl eines Koͤnigs berahtſchlagete / ward alſo mit einhelligem Beſchluß erwehletMotecu - ma der fuͤnffte Mexicani - ſche Koͤnig. Motecuma der erſt dieſes Nahmens / deß Tlacaellel Neve. Da nun ſeine Wahl jederman wol gefiel / ward ein groſſes Feſt angerichtet. Man fuͤhret den Koͤnig mit groſſem Schall in den Tempel zu den Goͤttlichen Fewerpfannen / ſetzte jn auff ſeinen Koͤniglichen Thron / da vollbracht der Koͤnig viel Opffer von Tyger - thier vnd anderm Wildpret / zog auch Blut auß ſeinen Ohren / Backen vnd Schienen / die Prieſter / Elte - ſten vnd Hauptleut thaten darnach jhre Orationes vnd wuͤndſchten jm alleſampt Gluͤck. Darauff wur - den viel ſtattliche Bancketen / Tantzſpiel vnd Fewerwerck angeſtellet. Zu dieſes Koͤnigs Zeiten fuͤhrt man ein / daß der Koͤnig nach dem Feſt der Kroͤnung ſelbſt einen Krieg anfieng / auff daß er Gefangene zum Opf - fer davon braͤchte / welches dann dieſer Koͤnig vollbracht / in dem er ſeine Feinde zu Chalco bekriegete / vnnd zwar eine gute Anzahl der Feinde erobert. Aber ſie nicht gaͤntzlich auff dieſes mal vnter ſeine Gewalt zubrin - gen vermocht. Nach der Kroͤnung zog der Koͤnig auch auß andere Landſchafften einzunehmen / gebrauchet ſich hierinnen allenthalben deß Rahts Tlacaellel / den er / wie billich / ſehr liebete. Aber der Krieg wieder die zu

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Chalco / macht jhm groſſe Muͤhe / vnd fiel jhm ſehr beſchwerlich: dann es ward auch vnder andern ſein Bru - der gefangen. Die zu Chalcos wolten jhn zu jhrem Koͤnig machen / boten jhm daſſelb gantz vnderthaͤnig an. Ob ers nun gleich offtmahls abſchlug / blieben ſie doch nichts deſto weniger auff jhrem Vornehmen / daß erMotecu - mæ Bru - ſich endtlich der Geſtalt erklaͤrete: Wo ſie jhn ja zu einem Koͤnig machen wolten / ſolten ſie auff dem MarcktFeinen62Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilders loͤbli - che That.einen hohen Maſtbaum auffrichten / vnd oben darauff ein ſchoͤn Schawgebaͤw machen / darinnen er ſte - hen moͤchte / die Calcos lieſſen ſolches alſo zurichten / in Meynung / daß er ſich erklaͤren wuͤrde. Verſam - leten ſich darnach auff den Marckt / dahin auch ſeine mitgefangene Mexicaner gefuͤhret wurden / die deß Koͤnigs Bruder zu Mexico alſo anredete: O jhr tapffere Mexicaner / diß Volck will mich erheben / vnnd zu jhrem Koͤnig machen / aber die Goͤtter werden nimmermehr geſtatten / daß ich zu einem Verraͤther an mei - nem Vatterland werden ſoll: Darumb wil ich euch hiemit lehren / daß jhr euch viel lieber ſolt toͤdten laſ - ſen / als euch zu ewern Feinden ſchlagen. So bald er dieſes geredt / ſtuͤrtzet er ſich herunder vnd fiel zu kleinen Stuͤcken. Vber dieſes Spectacul wurden die Chalcos dermaſſen erzoͤrnet / daß ſie die Mexicaner alleſamptMexicaner Sieg wider die Chalcos vnd andere. mit Spieſſen durchſtachen / vnd ſagten: Es were ein bitter vnd arg Volck / deſſen Hertz der Teuffel beſeſſen hette. Jn folgender Nacht hoͤreten ſie ein jaͤmmerlich vnd trawrig Geſchrey / welches zwo Eulen gegen ein - ander hielten / darauß ſie jhren endtlichen Vndergang weiſſageten / welcher auch erfolget: Sintemal der Koͤnig Motecuma mit gantzer Macht gegen ſie außzoge / vnnd jhr gantz Koͤnigreich verderbet / er erobert auch das Schneegebierg / vnd gewan das Land biß an das Nordmeer / wie auch etliche Landtſchafften gegenMotecu - ma erobert viel Landt - ſchafften. dem Sudmeer / alſo / daß der Koͤnig zu Mexico ein ſehr maͤchtiger Herr ward. Dieſes alles geſchach auß Raht vnd Huͤlff deß Tlacaellels / welcher vnter andern auch diß Bedencken gab / man ſolte die Landſchafft Tlaſcala nicht einnehmen / auff daß dieſelbe deren daran graͤntzenden Feinde blieben / die junge Mannſchafft ſich mit jhren Waffen an jhnen vbeten / ſie auch ſtaͤts Gefangene zu jhren Opffern haben moͤchten. Er rich - tet auch mit dem Koͤnig ein ſolche ſchoͤne Ordnung an / mit Richtſtuͤlen / Conſiſtorien / Anzahl der Richter vnd Rahtsherren / daß ſie hiemit denen in Europa wol moͤchten gleich ſeyn. So ward auch das Koͤniglich Hauß in ein groß Anſehen gebracht / dann er vermehrete den Hoff / vnd ließ jhme mit groͤſſerm Pracht die - nen. Es namen auch die Goͤtzendienſt zu / die Anzahl der Kirchendiener / wie auch die Ceremonien wurden vermehret / vnd der groſſe Tempel dem Vitzliputzli erbawet. Jn der Einweyhung dieſes Tempels opffert der Koͤnig vnzehlich viel Menſchen / welche ſie in vnderſchiedlichen Kriegen gefangen hatten. Endlich als er 28. Jahr loͤblich regiert hatte / ſtarb er: Seine Nachfolger aber waren jhm weder im Gluͤck noch in Dapfferkeit gleich.

Nach dem Todt vnd Begraͤbnuß Motecumæ griffen die Churfuͤrſten vnnd Koͤnige widerumb zurTlacaellel ſchlegt das Koͤnigreich ab. Wahl / dieſen præſidirete Tlacaellel / auff den auch alle Stimmen einhelliglich fielen. Er aber wegert ſich ſolcher Ehre mit trefflichen Reden / vnd wendete fuͤr / daß es mehr zu deß Reichs Nutzen gereichen wuͤrde / da er deß Koͤnigs Statthalter vnd Mitgehuͤlff bliebe / jnmaſſen er bißanhero geweſen / ſie ſolten nicht zweiffeln / er eben ſo groſſen Fleiß zu deß Reichs Nutzen ankehren wuͤrde / als wann er zum Koͤnig gekroͤnt worden were. Welches zwar ein Exempel / deßgleichen wenig gefunden wirdt / daß einer die Arbeit eines Koͤnigreichs auff ſich nehmen wil / vnd doch die Ehr vnd hoͤchſte Macht verweigert. Da nun Tlacaellel dieſe Wahl / wie ge - dacht / gantz vnd gar abſchlug / muſten die Churfuͤrſten zur Berahtſchlagung einer andern Wahl ſchrei -Ticocie der ſechſte Me - xicaniſche Koͤnig. ten / vnd dieweil Tlacaellel ſeine Stimm auff deß abgeſtorbenen Koͤnigs verlaſſenen Sohn Ticocic / ob der gleich noch gar jung war / wendete / fielen jhm endtlich die Churfuͤrſten zu vnd erwehleten jhn zum Koͤnig / ſchritten alſo bald zu den gewoͤhnlichen Ceremonien / durchbohrten jhm die Naſen / vnnd ſetzten zur Zierd ei - nen Smaragd drein. Er ward aber ſeinem Vatter vnd Vorfahren vngleich / vnd fuͤr ein verzagten Koͤnig gehalten. Dann da er wieder einen abgefallenen Feind außzog / verlohr er mehr von den Seinen / als er Feind gefangen vberkam. Kehret alſo widerumb heim / gab vor / er braͤchte die Anzahl Feinde / ſo zum Opffer bey ſeiner Kroͤnung noͤhtig weren / alſo ward er mit groſſem Gepraͤng gekroͤnet. Aber die Mexicaner waren ſehr vbel mit jhm zu frieden / daß er im vierdten Jahr ſeiner Regierung ſtarb / da man darfuͤr hielt / daß jhme mit Gifft vergeben worden. Was aber der verſtorbene Koͤnig nicht vermochte / daſſelb vollbracht ſein Bru -Alayaca der ſiebende Mexicani - ſche Koͤnig. der Axayaca / welcher nach jhm zum Koͤnigreich kam.

Vmb dieſe Zeit ward Tlacaellel / welcher bey deß vorigen Koͤnigs Croͤnungdas Tiara nechſt dem Koͤ - nig zu tragen / von den Churfuͤrſten erlanget hatte / faſt alt / vnd muſt man jhn in wichtigen Sachen auff ei - nem Stul zu Raht tragen. Jn dem er nun kranck worden / beſucht jhn der newerwehlte / aber doch noch nicht gekroͤnte Koͤnig / weinete faſt ſehr / daß er ſeinen / vnd deß gantzen Koͤnigreichs Vatter verliehren ſolte. Tla - caellel aber befahl jhm ſeine Kinder / ſonderlich aber ſeinen aͤlteſten Sohn / der ſich in Kriegen dapffer gehal - ten hatte. Der Koͤnig verſprach jhm / nicht allein deſſen ein Auffſehen zu haben / ſondern gab ſeinemTlacaellel ſtirbt vor Frewden. Sohn alſo bald deß Feld Oberſten Wappen / welches dem Vatter ſo wohl gefiel / daß er fuͤr Frewd das Le - ben endet.

Dieſer Tlacaellel war zu Mexico gebohren / vnd dieweil er durch ſeine Klugheit ſolche arme verlaſſe -Deſſen Ruhm. ne Statt dermaſſen erbawet / vnd zu groſſem Reichthumb gebracht / daß ſie einem maͤchtigen Koͤnigreich gleich worden: Darumb hielten jhn faſt die Mexicaner vor jhrer gantzen Herrſchafft Stiffter / man thaͤt jhm auch Begaͤngnuß mit ſo groſſem Pomp vnnd Pracht / als noch jrgend einem Koͤnig widerfahren. Nach dieſem ſtellte der erwaͤhlte Koͤnig / wegen ſeiner Croͤnung auff zwey hundert Meil Wegs widerKrieg wi - der Tegnan tepec. die Landtſchafft Teguantepec einen Feldzug an / daſelbſt thaͤt er ein maͤchtige Schlacht / dieweil ſich zugleich alle vmbliegende Nachbarſchafften gegen jhm verſamlet hatten. Damit aber der erwaͤhlte Me -Kriegsliſt des erwehl - ten Koͤnigs xicaniſche Koͤnig ſiegete / brauchet er dieſen Kriegs Liſt: Er griff den Feind zum erſten an / ſtellete ſich / als ob er floͤhe / damit fuͤhret er jhn in einen hinderhalt / darinnen er viel Soldaten verborgen / vnd mit Stroh zugedecket hatte. Solche brachen auff / da es zeit war / bekamen alſo die Feind zwiſchen ſich / erſchlu -gen63Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. gen deren ſehr viel / namen die Statt ein / verheerten ſolche ſampt dem Tempel / die vmbliegende Nachbarn ſtrafften ſie nachmals vbel / vnd kehreten letzlich naher Guatulco einen beruͤmbten Meerhafen am Suder - meer / vnd von dannen mit ſehr groſſer Beut widerumb nach Mexico / da ward er mit opffern gantz herrlich gekroͤnet / vnd begerte alle Welt dieſen Koͤnig zu ſehen. Nachmals thet der Koͤnig Axayaca viel Zuͤge / darin - nen er groſſen Sieg erlangete. Er war allweg forn an der Spitzen / fuͤhret ſein Volck mannlich an / thet ſelbſt den Angriff / darumb ward er von dem Volck vor einen dapffern Oberſten gehalten. So ließ er ſich auch nicht begnuͤgen / daß er frembde Voͤlcker vnnd Landſchafften bezwang / ſondern bracht auch die ſeinigen / ſo hiebevorn abgefallen / vnd jhnen ein eygne Statt / Tlatellulco genant / gebawet hatten / widerumb zum Ge - horſam / Anfangs ſchickete Koͤnig Axayaca zu jhnen / ließ ſie guͤttlich vermahnen / daß ſie ſich nicht von jhnen ſcheiden wolten: Dann weil ſie von einem Gebluͤt herkaͤmen / ſolten ſie ſich vereinbaren / vnnd den Koͤnig zu Mexico gleichfals fuͤr jhren Herrn halten vnd erkennen.

Der Oberſt zu Tlatelluco / gab auff dieſes begehren ein hoͤniſche Antwort / berieff den Koͤnig zu Me -Koͤnig zu Mexico zum Streit beruffen. xico zum Streit / ließ ſeines Volcks ein theil vnter die Bintzen im See verſtecken / mit Befehl / ſich gegen de - nen zu Mexico zu Hohn zuſtellen / als Enten / Raben / Voͤgel / Froͤſch / vnnd wie andere gifftige Thier im Meer / verhoffete alſo die Mexicaner mit Liſt zuvbereylen / wann ſie wuͤrden vber den See ziehen.

Als aber Koͤnig Axayaca dieſe Antwort empfangen / vbergab er ſeinem Feld Oberſten des Tlacaellels Sohn ein theil Volcks / vnd befahl jhm den Hinderhalt abzuſchaffen. Er aber zog mit dem vbrigen Volck einen vngewoͤhnlichen Weg gen Tlatellulco. Da er dahin angelanget / fordert er den Oberſten / der jhm einen Kampff angebotten.

Alſo ſtunden beyder Herren Kriegs Volck ſtill / anzuſehen / welcher vnter jhnen beyden die Oberhandt behalten wuͤrde. Da nun der Kampff ein weil gewaͤhret / vnnd der Koͤnig zu Mexico dapffer drauff ſchlug /Sieg A - layaca vnd der Mexi - caner. wendet der Oberſt zu Tlatellulco entlich den Ruͤcken / vnnd gab vrſach / daß durch ſeine Flucht / auch ſein Kriegs Volck ſich in die Flucht begab / die Mexicaner folgeten jhnen auff dem Fuß nach / vnd ſchlugen mit groſſem Grimm darauff.

Der Oberſt zu Tlatellulco ſteig auff einen Tempel / vermeinet ſich daſelbſt zuerquicken. Aber der Koͤ - nig zu Mexico eylet jhm nach / griff jhn mit gewalt an / vnd warff jn vom Tempel herunter / daß er zu ſtuͤcken fiel / nach ſolchem ſtecket er die Statt vnd Tempel in Brandt. Vnter deſſen hatte ſich auch der Feld Oberſte an denen gerochen / welche in den Bintzen verſteckt / vnnd jhn ins Netz zuvberkommen / verhoffet. Er nam ſie eher nicht zu Gnaden an / ſie muſten erſt ruffen wie die Froͤſch / Raben / ꝛc. deren geſtalt ſie angenommen / vnd ſich alſo ſelbſten verſpotten vnd außlachen / welches dann dem Mexicaner Koͤnig ſehr wolgefiel / vnd mit frewden nach Mexico widerkehrete. Man hielt dieſen Koͤnig fuͤr der beſten einen / hat aber nur eylff Jahr re - gieret / vnd iſt geſtorben. Wie ſchon zum offtern mahl gedacht / ſo wehleten die Churfuͤrſten zu Mexico einen der jh[ne]n gefiel / vnd hatten hierinnen der Koͤnige Succeſſion nicht in acht / darumb erwehleten ſie jetzo Au -Autzol der achte Me - xicaniſche Koͤnig. tzol an des vorigen ſtatt / der an Klugheit vnd Dapfferkeit nicht geringer / darzu auch das gantze Volck einen groſſen Luſt hatte / dann er war nicht allein ein kuͤhner ſtreitbarer Heldt / ſondern auch holdſelig vnd freund - lich / welches an einem Regenten erfordert wird.

Den Zug ſo er zum Feſt ſeiner Kroͤnung fuͤrnam / war wider die zu Quaxutatlan / welche die Hoff -Kroͤnungs zug wider Quaxutat - lan. meiſter vnd Amptleute / ſo den Tribut einſamleten / vnd gen Mexico brachten / vberfallen / vnd ein Auffruhr erwecket hatten / darumb gedacht er ſolchen Muthwillen zu ſtraffen / vnnd ſie widerumb zu Gehorſam zu bringen.

Hiermit hett er aber groſſe Muͤhe / dann ſie begaben ſich auff einen groſſen Arm / der vom See gieng / dahin die Mexicaner nicht kommen konten. Damit ſie aber der Koͤnig bezwingen moͤchte / erdacht er einenKoͤnigs Sieg. newen Fundt: Er ließ im Waſſer ein Werck einer Jnſul gleich von Reiſern / Erden vnnd andern Ma - terien zurichten / mit denſelbigen kam er zu den Feinden / lieffert jhnen ein Schlacht / vberwandt vnd ſtrafft ſie nach ſeinem Willen.

Kehretdarauff mit groſſem Triumph vnd Reichthumb widerumb heim nach Mexico / vnnd ließ ſich nach jhrer Gewonheit kroͤnen.

Dieſer Koͤnig vermehrete das Mexicaniſche Reich durch vnterſchiedliche Heerzuͤge / auff 300. Meil / biß gen Guatimala. Er war ſehr freygaͤbig võ ſeinem Tribut / dann wañ man denſelben mit groſſem PrachtDes Koͤni - ges Frey - gebigkeit. liefferte / ließ er das Volck auff einen ſondern Orth verſamlen / vnd den Tribut dahin bringen / vnd gab Eſ - ſenſpeiß / Gewandt vnd anders den armen Leuten / andere dinge aber in hoͤherm Werth / als Goldt / Silber / Kleinoder / Feddern vnd Bogen / theilet er vnter die Hauptleut vnd Soldaten / das ander Volck bedacht er auch / nach dem ein jeder tapffere Thaten verrichtet. So wendet er auch viel an den Gemeinen Nutzen / ließ viel alter Gebaͤw abwerffen / vnd newe an die ſtatt ſetzen / jhn bedaucht auch wie die Statt Mexico zu we - nig Waſſer hette / vnd der See zu ſuͤmpfficht ſey. Darum̃ gedacht er einẽ Arm vom Waſſer / ſo die zu Cuyoa - can brauchten / hinein zuleyten / welchen Vorſchlag er einem beruͤmbten Zauberer in der Statt offenbarete /Eines Zau berers Ver - wandlung. derſelbige warnet jhn / ſich in ſolchem Vornehmen wol fuͤr zuſehen / damit er nicht durch abgraben des Waſſers die Statt vberſchwaͤmmen moͤchte. Der Koͤnig aber hielt diß vor einen nichtswuͤrdigen Rath / ſchicket der halben ſeinen Diener mit Befehl den Zauberer zugreiffen. Der Zauberer / als er des Koͤniglichen Dieners Meynung verſtanden / hieß jhn zu jhm hinein tretten / vnd da er diß thaͤt / hatte ſich der Zauberer in einen grewlichen Adler verkehret / daß jhn der Diener anzugreiffen nicht getrawet / vnnd vnverrichter Sachen widerumb zum Koͤnig kehrete. Der Koͤnig ward noch zorniger / ſchicket den andern Tag einenF ijandern /64Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilandern / da verſtalt er ſich in die geſtalt eines abſchewlichen Tygerthiers / daß jhn niemands trawet anzu - ruͤhren. Den dritten Tag ſendet er andere / die funden jhn wie ein erſchrecklich kriechendt Thier / daruͤber ſie ſich noch mehr entſetzten.

Hiervber ward der Koͤnig ſo hefftig erzoͤrnet / daß er die Statt Cuyoacan gaͤntzlich zuvertilgen vnndWaſſer gen Mexico ge - eitet. zuverheeren drawet / wo ſie jhm den Zauberer nicht wuͤrden gebunden lieffern. Der Zauberer gieng herauff entweder auß Forcht oder Zwang zum Koͤnig / der jhn von ſtundt an ließ hinrichten. Nach dieſem ließ der Koͤnig durch einen Canal das Waſſer gen Mexico fuͤhren / welches dann fuͤrters in See fiel. Die Mexica - ner beleiteten ſolches mit vielen Ceremonien / vnd die Prieſter raͤucherten jhm am Meersſtrand. Etliche opfferten Quartals / vnd beſtrichen den Randt des Fluſſes mit jhrem Blut. Etliche ſpieleten mit Zincken / Hoͤrnern / empfiengen das Waſſer mit Seitenſpiel / vnd war der Hoheprieſter wie die Waſſergoͤttin be - kleidet.

Das Waſſer nun floß gen Mexicon / aber mit ſolchem Anſtoß / daß es beynahe die Statt vberſchwaͤm - met hette / wie dann der Zauberer geſagt hatte / dann es ſtieß ein groß Theil der Statt zu grund / welches der Koͤnig mit groſſer Muͤhe durch ſeine Vernunfft mit einem feſten grundt widerumb zu recht bracht / Auff dieſe weiſe ſtundt nochmals die Statt mit Waſſer vmbringet / wie Venedig / vnd ſehr wol erbawet.

Dieſer Koͤnig regieret auch eylff Jahr / vnd folget jhm der letzte vnd allermaͤchtigſte Koͤnig der Me - xicaner.

Motecu - ma der neundte Mexiani - ſche Koͤnig.

Die Churfuͤrſten mit den zweyen Koͤnigen erwehleten Motecuma den andern dieſes Namens. Die - ſer war ein Herr von wenigen Worten / darumb verwundert ſich jederman / wann er im Rath zu reden an - fieng. Ehe er Koͤnig ward / hielt man jhn in groſſen Ehren. Er hielt ſich gemeiniglich an einem ſondern ort im groſſen Tempel Vitzliputzli / da er viel mit ſeinem Abgott zu thun gehabt / vnnd hielt ſich wie ein Ordens Perſon. Vnd dieweil er von Adelichem Stamm / vnd eines dapffern Gemuͤths war / auch jederman ſein Au - gen auff jn geworffen / iſt er ohn einigen Widerſtandt erwehlet worden. Da jm die Zeitung von ſeiner Wahl kam / hat er ſich in obgemeltem Tempel verborgen / weil er die groſſe Muͤhe ein ſolches maͤchtige Volck zu regieren betrachtet / oder die Herrſchafft / wie glaublich / nicht geachtet. Das Volck aber holet jhn daſelbſt / vnd bracht jhn mit groſſen Frewden ins Conſiſtorium. Er trat ſo Ernſthafftig daher / daß jederman ſagt / er hieß recht Motecuma / das iſt / Ernſthaffter Herr / die Churfuͤrſten erzeigten jhm groſſe Ehr / kuͤndigten jm die Wahl an / darauff gieng er ſo bald zum Fewer mit Weyrauch / ſeinen Goͤttern Opffer zu thun / zog nach altem Gebrauch das Blut auß ſeinen Ohren / Backen vnd Schienen. Er ward mit Koͤniglichen Ziera - then bekleidet / vnd am vnterſten theil der Naſen durchboret / daran man einen Schmaragd hieng. Darnach wurd er auff den Koͤniglichen Thron geſetzet / vnd hoͤret die vnterſchiedlichen Orationes vnd Gluͤckwuͤnt - ſchungen an / ſo von dem Koͤnig zu Tezcuco vnd andern geſchehen / Darauff dancket er gantz demuͤtiglich / vnnd achtet ſich ſolcher hohen Dignitet vnwuͤrdig zu ſeyn / Aber er war kaum in das Regiment getretten /Motecu - mæ Hoch - muth. da fieng er an auch ſeinen Hochmuth zuoffenbaren: Dann er befahl / daß von dem gemeinen Volck niemand bey Hoff ein Ampt verwalten ſolte / ſtrafft ſolches an ſeinen Vorfahren / daß ſie jhnen von Leuten geringes herkommens hetten dienen laſſen / vnd begehret / daß alle Herren vnd der Adel ſich in ſeinem Pallaſt halten / vnd die Empter ſeiner Hoffhaltung bedienen / vnd verrichten ſolten.

Verwirfft gutẽ Rath.

Als jhm ſolches ein alter Mann eines groſſen anſehens / vnd der jn erzogen hatte / widerrieth / vnd ſagt / er ſolt ſich wol fuͤrſehen / dann dieſes hette viel auff ſich / er jagte hiemit den gemeinen Mann von jhm / ja ſie doͤrfften ſich ſeiner wol wenig annehmen / wann ſie ſehen / daß ſie bey jhm verworffen weren / Bekam er dieſe Antwort / daß er eben das ſuchete / dann er wolte nicht haben / daß der Adel mit dem gemeinen Mann ſolte vermiſchet ſeyn / wie bißhero geſchehen / vnd dahero were es kommen / daß die Koͤnige ſeine Vorfahren in kei - nem anſehen geweſen / Entzog alſo allen gemeinen Leuten die Empter / vnnd vbergab ſie den Rittern vnnd Edelleuten.

Kroͤnungs Zug.

Als dieſes vollbracht / nam er den Zug wegen ſeiner Kroͤnung vor / vnnd dieweil ſich wider ſein Reich ein Landſchafft von fernen am Nordmeer gelegen / empoͤret vnnd auffgeleget / ruͤſtet er ein außerleſen Volck hierzu gantz herꝛlich vnd zierlich auß / vnd zogen dahin.

Dieſen Krieg fuͤhret er ſo kluͤglich vnd ſchnel / daß er in kurtzer Zeit die gantze Landſchafft erobert / vnd die an der Empoͤrung ſchuͤldig waren / gantz hefftig ſtraffete. Zog darnach mit einer groſſen Beut vnd vielen gefangenen zum Opffer anheimb / ward von der gantzen Statt gantz herrlich empfangen / die Her - ren gaben jhm das Hand Waſſer / bedieneten die Hoff Empter / welches ſie keinem ſeiner Vorfahren ge - than hatten.

Kroͤnung.

Darauff ward das Feſt ſeiner Kroͤnung zu Mexico mit groſſem Pracht / Comedien / Taͤntz vnd an - dern Spielen gehalten / man bracht jhm ſo viel Tribut auß allen Koͤnigreichen / es kam ein ſolcher zulauff vom Volck daſelbſten zuſamen / als noch jrgent bey einer Kroͤnung geſchehen / dann es zogen auch der Mexi - caner Feinde / verſtelter Weiß dahin / ſolchen Pracht anzuſehen. Da dieſes vor den Koͤnig kam / befahl er die Feinde zu beherbergen / vnnd wol zu tractiren / wie jhn ſelbſt / ließ ſie an die beſten oͤrter ſtellen / damit ſie die Schawſpiel vnd das Feſt deſto beſſer ſehen moͤchten. Des Nachts beſuchet der Koͤnig ſie auch vermummet mit Seytenſpiel.

Des Koͤ - nigs ver - kehrte Sit - ten vnnd Pracht.

Dieſer Koͤnig wolt hoch gehalten / ja als ein Gott angebettet werden / Es dorfft niemandt auß dem ge - meinen Volck / bey verluſt des Lebens jhm vnter die Augen ſehen / keinen Fuß ſetzt er auff die Erden / ſondern ward allweg von Herrn auff der Schultern getragen / Wann er abſtieg / breiteten ſie einen koͤſtlichenTeppich65Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Teppich vnter ſeine Fuͤſſe / darauff er gieng. Ein Kleid thet er nicht zum andern mahl an / ſo oder tranck er auch nicht zweymahl auß einer Schuͤſſel oder Trinckgeſchirr / ſondern es muſt allezeit newes vorhanden ſeyn / Wann ers ein mahl gebraucht hatte / gab ers ſeinen Dienern / jhren Pracht damit zu treiben / Seine Satzungen wolt er ſteiff gehalten haben. Wann er nach erlangtem Sieg wider auß dem Krieg / oder ſonſten von einer Reiſe heimkam / nam er ſich bey ſeinen Dienern an / als ob er ſich erluſtiren wolte / verſtellet ſich vn - ter deſſen / vnd ſahe / ob man jrgent vom Feſt oder Einkommen der Renthen / nachlaſſen wuͤrde. Jtem / wie die Diener jhr Ampt verrichteten / befand er ſie nicht auffrichtig / ſtrafft er ſie ohn alle Gnad. Er forſchet auch fleiſſig nach / ob ſich ſeine Diener vnd Richter mit Gelt beſtechen lieſſen / oder vnbilliche ſachen vnterſtuͤn - den / durch zubringen / vnd da er deren antraff / vervrtheilet er ſie ſtracks zum Todt / vnnd verſchonet keines / obs gleich Herren / Verwandten / ja ſeine Bruͤder weren / es muſt der / ſo mißhandelt hatte / ohne Gnade ſter - ben. Er hielt mit den ſeinen wenig Gemeinſchaffe / ließ ſich ſelten ſehen / blieb in ſeinem Gemach / vnd berath - ſchlaget bey ſich ſelbſten von nothwendigen Reichsſachen / ohn das / daß er ein ernſter Richter war / gab er auch einen dapffern Kriegsman / war gluͤckſelig / vnd erhielt viel Siegs / daruͤber ward er ſehr hochmuͤtig. Et hat - te ein Hauß von allerley Fiſch / Voͤgel Thier vnd Viehe / darzu er viel Volcks / deren zu warten / vnterhielt. Sahe er / daß man jrgent ein art Fiſch / Voͤgel oder grimmige Thier nicht lebent behalten moͤchte / ließ er dieſelbige in koͤſtliche Stein / Silber oder Gold hawen / vnd nach machen / er hatte auch auff vnterſchiedli - che art zu leben / ſonderbare Pallaͤſt vnd Haͤuſer / etliche waren Luſt-etliche Trawerhaͤuſer / etliche waren Regiments Haͤuſer / in ſolchen Pallaſten waren vnterſchiedliche Wohnungen / nach der Qualitet / deren / ſo darinnen wohnen ſolten.

Nach dem nun Motecuma viel Jahr lang mit hoͤchſtem Gluͤck regieret / daruͤber er ſo hochmuͤtig wor -Zeichen vom Vn - tergang des Mexi - caniſchen Koͤnig. reichs. den / daß er ſich fuͤr einen Gott hielt / anbeten vnd verehren ließ: Da fieng Gott an jn zu ſtraffen / ließ jhn aber zuvor durch ſeine Abgoͤtter warnen / welche jm den verluſt ſeines Koͤnigreichs zuverſtehen gaben / durch ſolche

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ding / dergleichen nie geſehen noch gehoͤret worden. Durch dieſe Zeichen war er ſo vnluſtig vnd jrrig / daß er nicht wuſt / was er anfahen ſolt / Der Abgott Quetzalcoalt zu Cholola verkuͤndigte jm / wie ein frembd Volck auff dem Weg were / welches die Reich beſitzen wuͤrde. Deßgleichen beſuchet der Zauberiſche Koͤnig zu Tez - cuco / ſo mit dem Teuffel einen Bundt gemacht hatte / Motecumam auſſer der gewoͤhnlichen zeit / vnd zeiget jm an / es hetten jm ſeine Goͤtter offenbaret / wie jm vnd ſeinem gantzen Reich ein groſſer verluſt widerfahren wuͤrde / deſſen berichteten jn auch andere Zauberer / vnd dieweil einer derſelben noch mit jhm redete / ward er ge - wahr / daß jhm die Daumen vnd Zaͤhen an Haͤnd vnd Fuͤſſen mangelten. Hiervber ergrimmet er dermaſſen /F iijdaß66Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilDer Zau - berer Straff.daß er alle Zauberer gefaͤnglich ließ einziehen / ſie aber verſchwunden ploͤtzlich auß dem Gefaͤngnuß. Da er dieſes ſahe / ward er gar wuͤtent / daß er jhr Weib vnd Kinder vmbbringen / vnd jhre Haͤuſer auff den Grundt abbrechen vnd vertilgen ließ. Jn dem er aber die Veraͤnderung an jhm ſpuͤrete / gedacht er ſeine Goͤtter zuver - ſoͤhnen / vnterſtundt ſich einen groſſen Stein herbey zu bringen / kraͤfftige Opffer darauff zu thun. Aber das Volck konte mit keiner gewalt den Stein fortbringen / ob es ſich gleich hefftig daruͤber bemuͤhete / daß ſie offt - mals die Stangen daran zerbrachen. Nach dem ſie aber nicht nachlieſſen / den Stein zuruͤtteln vnd fortzu - bringen / hoͤreten ſte entlich hart dabey eine Stimme / welche ſprach / Sie ſolten nit vergeblich arbeiten / dann der Herr vnd allgemeine Schoͤpffer wolte nicht geſtatten / daß man ſolches hinfuͤro thun ſolte. Da dieſes der Koͤnig vernam / befahl er daſelbſt auff dem Stein zu opffern. Aber es kam die andere Stimm / die ſprach: Hab ich nicht geſagt: Deß HErren / der alles erſchaffen / Will ſey / daß man ſolches hinfuͤro nicht mehr thun ſolle / vnd auff daß jhr ſehet / daß ſolches wahr ſey / wil ich euch ein weil laſſen fortſchleppen / darnach ſolt jhr mich nicht ruͤtteln moͤgen / welches alſo geſchahe: Dann ſie ſchlepten jhn ein weil leichtlich fort / darnach blieb er beliegen / letzlich aber / da er nicht weiter wolte / baten ſie jhn ſo lang / daß er ſich bringen ließ biß zum Ein - gang der Statt Mexico. Daſelbſt fiel er ploͤtzlich in ein Waſſer / vnd ob man jhn ſchon lang ſuchte / kont man denſelben doch nicht finden / vber ein zeitlang aber fand man den Stein widerumb an dem Ort / da er erſt - mals geweſen / daruber ſich jederman verwundert / vnd ſehr entſetzte.

Vmb dieſelbige zeit erſchien am Himmel ein liechter vnd heller Fewerflamm / wie ein Pyramis geſtalt: Vmb Mitternacht Zeit ſteig es hinauff / vnd deß Morgens / wann die Sonn auffgieng / ſtund der Flamm gegen Mittag / da es widerumb verſchwandt / vnd dieſes waͤrete ein gantzes Jahr lang. So fieng der Tem - pel an zu brennen / da doch weder in-noch außwendig kein Liecht / Donner noch Blitz fuͤr handen war / Vnd ob gleich auff der Waͤchter Geſchrey viel Volcks dahin kam / den Brandt zu loͤſchen / halff es doch nicht / dann der gantze Tempel brand zu Aſchen / vnd ſagt man / je mehr Waſſer auff das Holtz geſchuͤttet worden / je mehr es gebrandt habe. Sie ſahen einen Cometen am hellen liechten Tag auffgehen / der warff ein groſſe Meng Funcken von ſich / am ende des Schwantzes waren drey Haupter. Der groſſe See zwiſchen Mexico vnd Tezcuco / fieng an ohne Wind vnnd Erdbeben ploͤtzlich zu ſieden / vnnd ſprang dermaſſen mit Waſſerwaͤllen in die hoͤhe / daß alle Gebaͤw / ſo hart darbey ſtunden / vmbfielen. Es ließ ſich bißweilen ein trawrige Stimme / als obs ein klagende Fraw were / hoͤren: O meine Kinder / ewer Vntergang iſt jetzt fuͤr der Thuͤr / vnd: O meine Kinder / wo werde ich euch hinfuͤhren / daß jhr nicht gantz verlohren werdet? Es lieſſen ſich auch Monſtra mit dreyen Haͤuptern ſehen / vnnd als man dieſelbige fuͤr den Koͤnig bracht / verſchwunden ſie / Alle dieſe ding vbertraffen zwey ſehr frembde Monſtra / eines war ein frembder Vogel / an der groͤſſe wie ein Kranch / welcher von einem Fiſcher auff dem See gefangen wor - den.

Der Koͤnig hielt ſich damals in einem truͤbſeligen Pallaſt / welcher ſchwartz angeſtrichen war / vnd nach dem er ſich nun vber die Draͤwung ſeiner Goͤtter / vnd trawrige Vorbotten hoch bekuͤmmerte / ward jm eben gedachter Vogel zugebracht / welcher auff ſeinem Haupt ein glaͤntzenden vnnd durchſcheinenden Spiegel hatte / in welchem Motecuma die Schoͤnheit des Himmels vnd der Stern ſehen konte / daruber er ſich hoch verwunderte. Jn dem er wider in den Spiegel ſahe / kam ein Heer von Auffgang / das kaͤmpffet / vnd thet ein groſſe Schlacht. Seine Wahrſager ſchaweten eben daſſelbig / konten aber deſſen Deutung nicht anzeigen. Hernach verſchwandt der Vogel hinwiderumb.

Das ander Zeichen war dieſes: Es begerete ein ſchlechter einfeltiger Bawersman den Koͤnig Mote - cumam anzuſprechen / vnd erzehlete jm: Als er den vorigen Tag auff ſeinem Acker gearbeitet / ſey ein vberaus groſſer Adler auff jhn geflohen / hab jhn vnverletzt zu einer Hoͤl gefuͤhret / vnd der Adler angefangen alſo zu reden: Allergroßmaͤchtigſter Herr / da bring ich euch den / welchen jhr mir zu holen befohlen. Er / der Bawer aber / hab niemands erſehen moͤgen / mit wem der Adler redete. Ein Stimm aber habe er gehoͤret / ſo zu jhm geſagt / kennet jhr den Mann der allda außgeſtreckt auff der Erden ligt? Als ſich der Bawer vmbgeſehen / ha - be er einen hart ſchlaffenden Mann vor jm ligen gehabt / in Koͤniglichem Zierath / vnd in der Hand nach Lan - des gebrauch ein Streußlein / mit einer wolriechenden brennenden Lundẽ / Vnd da er den Schlaffenden recht angeſehen / ſey es Motecuma geweſen. Darauff der Bawer geſagt: diß ſcheinet der Koͤnig Motecuma ſeyn / die Stimm habe geantwortet: Du redeſt recht / ſihe doch einmal / wie ſchlaͤfferig er da ligt / vnd beſorget ſich nicht der groſſen Gefahr / ſo vber ſeinen Halß gehen wird: Es iſt nun zeit / daß er bezahle / was er Gott mit ſei - ner Tyranney vnd Hochmuth zuwider gethan. Er iſt aber alſo ſicher vnd ſorgloß / daß er ſein Elend nit fuͤh - let: Vnd auff daß du ſolches ſeheſt / ſo nimb den brennenden Lunden auß ſeiner Hand / halt jhm den an ſeine Huͤfft / ſo wirſtu ſehen / daß er ſolches nicht ein mahl fuͤhlen wird. Als aber der arme Bawer auß Forcht fuͤr dem Koͤnig nicht dorfft zunahe gehen / hab die Stimme widerumb geſprochen: Fuͤrchte dich nit / ich bin vn - maͤßlich mehr dann dieſer Koͤnig / ich kan jhn vertilgen / vnd dich beſchirmen / darumb thue / was ich dir befeh - le. Alſo habe der Bawer dem Koͤnig den Lunden auß der Hand genommen / an deſſelben Huͤfft gehalten / der Koͤnig aber habe ſich gar nicht geruͤhret / vnd ſey vnempfindlich geweſen / Als er diß gethan / hab die Stimm geſagt: Weil du ſiheſt / daß der Koͤnig ſo ſchlaͤfferig da ligt / ſo wecke jhn auff / erzehle jhm / was ſich zugetra - gen. Auff dieſes habe jhn der Adler auff Befehl deß HErrn wider genommen / vnd auff den Acker gefuͤhret / von dannen er jhn weg geholet. Als nun der Bawer dieſes alles dem Koͤnig Motecuma angezeiget / vnnd er das Wahrzeichen an ſeiner Huͤfft verbrent / befunden / iſt er hiervber hefftig erſchrocken vnnd beſtuͤrtzt worden.

Nun67Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Nun begab ſich im 14. Jahr der Regierung Motecumæ / welches ins Jahr Chriſti 1517. faͤllet / daßDer Spaͤ - nier erſte Ankunfft. die Spanier in das Nordmeer ankamen / davber ſich die Jndianer ſehr hoch verwunderten: Vnd damit ſie ja wuͤſten / was dieſes fuͤr ein Volck were / ſchiffeten die Einwohner an den Geſtaden mit jhren Nachen biß an den Port der Schiff / fuͤhreten mit ſich Eſſenſpeiß / vnnd koͤſtlich Gewandt / als ob ſie es verkauffen wolten. Die Spanier namen die Jndianer in jhre Schiff / gaben jhnen fuͤr jhre Speiß vnnd Klei - dung etliche vnterſchiedlicher farben Paternoſter / welche die Jndianer fuͤr Edelgeſtein hielten: Sie berich - teten den Spaniern von jhres Koͤnigs Macht / namen Vrlaub / mit Erklerung die vberkom̃ene Edelgeſtein jhrem Herꝛen zubringen. Die Spanier befahlen jhnen jhrem Herꝛn anzuzeigen / wie ſie jn auff dieſer Reiſe nicht beſuchen koͤnten / wolten jhn aber in kurtzer zeit zu viſitieren / widerkommen.

Alſo kehreten die Jndianer mit dieſer Zeitung gen Mexico / hatten auff ein Tuch abcontrafeyt / alles was ſie geſehen / nemlich / die Schiff / deren Zuruͤſtung vnd der Spanier Geſtalt / darvber der Koͤnig Mo - tecuma vber die maſſen ſehr crſchrack / vnd jhnen niemandt hievon zuſagen / ernſtlich verbot. Des folgenden Tags ließ er den Raht verſamlen / zeiget jhnen die Tuͤcher vnd Corallenſchnuͤr / vnd beratſchlaget ſich / was man hierinnen anfangen ſolte: Darauff ward beſchloſſen / man ſolte am Meerſtrandt gute Wacht halten / vnd zeitlich zuwiſſen thun / da ſich etwas zutragen wuͤrde.

Folgendes Jahrs bald im anfang des 1518. kam darauff der Marggraff von den Thaͤlern Don Fer -Der Spa - nier andere Ankunfft. dinandt Cortes / mit ſeiner Armada an den Meerſtrandt: Vber welcher Zeitung Koͤnig Motecuma zu Mexico ſehr erſchrack / vnd meineten ſeine Raͤht vnd Vnterthanen / daß es ohne zweyffel jhr alt Großherꝛ Quetzalcoal were / welcher / wie er vorgegeben / wider kommen ſolte / derſelbige kaͤme jetzo widerumb võ Auff - gang / dahin er dann gezogen were / deßwegen war hiebevor bey den Jndianern ein groß Geſchrey geweſen / daß ſie vor der Zeit ein groſſer Herꝛ verlaſſen hette / welcher jnen zugeſagt / daß er wolt wider kommen.

Entlich ſchicket der Koͤnig mit ſeinen Raͤthen fuͤnff ſtattliche Geſandten / mit koͤſtlichen Geſchencken /Moteeu - mæ Ge - ſandten an die Spa - nier. die Spanier der Geſtalt zuempfangen: Daß nemlich jhnen nicht vnbewuſt ſey / wie jhr Großherꝛ Quetzal - coal ankommen / darumb hette ſein Diener Motecuma ſie abgefertiget / jhn zubeſuchen / mit der Erklaͤrung daß er ſich fuͤr ſeinen Diener hielte.

Die Spanier verſtunden die Geſandten durch mittel Marinæ eines Jndianers / den ſie mit ge -Der Ge - ſandten Werbung. bracht / vnd inmittelſt die Spaniſche Sprache gelernet / Herꝛ Ferdinandt Cortes / hielt dieſe Werbung fuͤr ein gut Mittel in die Statt Mexico zukommen / hieß ſein Loſament zuruͤſten / ſetzt ſich mit groſſem Pracht / vnd ließ die Geſandten fuͤr ſich kommen. Die Geſandten erzeigten jhm bey nahe Goͤttliche Ehre / vnd ſagten: Sein Diener Motecuma ließ jhn beſuchen / vnd hette er jm als ein Statthalter / das Land bewaret / wuͤſten auch wol / daß er jr Großherꝛ Qetzalcoal were / der jhnen vor vielen Jahren wider zukommen / vnd ſie zuſehen zugeſagt / darauff liefferten ſie jm die Kleider / die er hette pflegen zutragen / als er noch bey jhnen geweſen / ba - then jhn dieſelbige neben andern Geſchencken anzunemen. Herꝛ Cortes nam die Geſchenck an / vnd ſagt / wie er der were / davor ſie jhn hielten.

Die Geſandten waren hiemit wol zufrieden / vnd gefiel jhnen ſehr wol / daß er ſie ſo freundtlich gehal - ten hette. Herꝛ Cortes hatte jhm gaͤntzlich vorgenommen / diß Volck mit Guͤtigkeit zugewinnen / vnnd mit Freundligkeit zum Evangelio zu bringen. Aber die Suͤnde der grewlichen Moͤrder vnd Leibeygenen des Teuffels / forderten eine Straff vom Himmel / daß alſo ſein Anſchlag zuruͤck gieng.

Des folgenden Tages / nach beſchehener Werbung / hielt Cortes Kriegs Raht / vnnd ward beſchloſ -Der Spa - nier fuͤr - nehmen. ſen / weil Motecuma reich vnd maͤchtig were / muͤſten ſie jhnen ein anſehen machen / damit die Jndianer ſie fuͤr dapffere Helden hielten / daß ſie / ob jhr gleich wenig weren / moͤchten gefoͤrchtet / vnd in Mexico genommẽ werden. Lieſſen darauff ſolches deſto beſſer ins Werck zurichten / alles Geſchuͤtz auff den Schiffen loß ge - hen / darvber die Jndianer / weil ſie ſolches nie mehr geſehen / oder gehoͤret / dermaſſen erſchracken / als ob jhnen der Himmel auff den Kopff fallen wolte. Nach ſolchem erforderten die Spanier das Jndianiſch Volck zũ Kampff: Vnd da ſie ſolches abſchlugen / verwieſen jhnen ſolches die Spanier / fiengen an ſie vbel zu tracti - ren / vnd mit Schwertern / Spieß / Helleparten vnd andern Waffen ein Schrecken einzujagen.

An dieſem Weſen aͤrgerten ſich die Jndianer / daß ſie anders / als zuvor redeten / vnd ſagten / jhr Groß -Jndianer aͤrgern ſich an den Spaniern. herꝛ were nicht vnter jhnen / ſondern ſie weren frembde Goͤtter vnd Feinde ſie zuvertilgen angekommen. Als nun die Geſandten wider gen Mexico kommen / opfferte Motecuma eben ein groſſe Anzahl Menſchen / mit deren Blut beſprenget er die Geſandten in Hoffnung ein gute Zeitung zubekommen.

Als er aber von der Geſtalt der Schiff / Spanier vnd Waffen hoͤrte / erſtarret er gantz vnd gar / vnndMotecu - ma wil die Spanier mit Zaube - rey vertrei - ben. nach langem Rahtſchlag ſuchet er Huͤlffe bey den Zauberern vnd Schwartzkuͤnſtlern / daß ſie mit jhrer Teuffelskunſt / dieſe Frembdlingen auß dem Land zubringen / verhieſſen / da ſie nun alle jhre Teuffelskunſt probierten / vnd den Spaniern keinen Schaden zufuͤgen mochten / berichteten ſie den Koͤnig: Es weren die in den Schiffen mehr als Menſchen / weil jhnen keine Zauberey vnd Beſchwerung ſchaden koͤnte. Hierauff ſtalte ſich der Koͤnig / als ob er einen guten gefallen ander Spanier Ankunfft hette / ſchicket allenthalben an ſeine Lande Bottſchafften / vnd ließ den Vnterthanen befehlen / ſie ſolten den Himmliſchen Goͤttern / ſo in ſein Land kommen / dienen vnd Gehorſam ſeyn / Das Volck war vberall vber dieſer Bottſchafft beſtuͤrtzt vnd trawrig / ſonderlich aber / weil die Spanier viel fragten nach jhrem Koͤnig / ſeiner Weiſe zuregieren / vnd nach ſeinen Guͤtern.

Der Koͤnig war hierumb ſelbſten hoͤchlich bekuͤmmert / vnd riehten jhm ſeine Schwartzkuͤnſtler / Er ſolte ſich verbergen / erbotten ſich jhn an ſolche Orth zubringen / da jhn kein Menſch ſolt finden koͤnnen. DenF iiijKoͤnig68Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilKoͤnig aber bedaucht ſolches ein veraͤchtlich ding ſeyn / beſchloß dieſer frembden Gaͤſt zu erwarten / obs jhn gleich auch das Leben koſten ſolt / Gieng entlich auß ſeinem Koͤniglichen Pallaſt in ein ander Hauß / damit die Goͤtter in ſeinem Pallaſt herbergen moͤchten.

Motecu - ma wil die Spanier betriegen.

Nach dieſem / als Motecuma vernam / wie der Spaniſch Oberſt mit denen zu Tlaſcala ſeinen Fein - den Verbuͤndnuß gemacht / vnd ſeine Freunde zu Cholola hart heimgeſucht hatte / gedacht er ſie zubetriegen / ſchicket demnach einen auß ſeinen vornembſten Herrn mit ſeinem Wappen vnd Koͤniglichen Ehrenzeichen zu jhnen / der muſt ſich ſtellen / als ob er Motecuma ſelbſt were.

Aber die zu Tlaſcala verriethen jhn bey dem Oberſten / darumb ließ er ſolchen Betrug Motecuma hoͤchlich verweiſen.

Der Koͤnig ward hiervber noch trawriger / verſamlet alle Zauberer / vnd bedrawet ſie bey dem Todt / wo ſie durch jhre Kunſt dieſe frembde Leut nicht wuͤrden abſchaffen. Sie ſagtens zu / giengen auff die StraßAbgotts Tezcalipu - ca Erſchei - nung. naher Chalco / daher die Spanier kommen ſolten / daſelbſt ſtiegen ſie auff ein Hoͤhe / Aber es erſchien jhnen Tezcalipuca / einer auß jhren vornembſten Goͤttern / kam auß dem Spaniſchen Laͤger / war bekleidet wie ein Chalcas / vnd ſtellet ſich / als ob er vnſinnig / truncken vnd muͤde were.

So bald er nun zu dem Hauffen Zauberer kam / blieb er ſtehen / vnnd ſagt mit groſſem Zorn: Was ſucht jhr abermals / vnd Motecuma durch ewer Mittel? Er hat ſich zu ſpat bedacht / es iſt ſchon beſchloſ - ſen / daß man jhn / ſein Ehr / Reich / vnd alles was er hat / von jhm nehmen ſolle / dieweil er nicht regieret als ein Herr / ſondern als ein Tyrann vnd Verraͤther.

Als die Zauberer dieſes hoͤreten / erkenneten ſie jhren Abgott / demuͤtigten ſich fuͤr jhm / richteten einen ſteinern Altar auff / bedecketen denſelbigen mit Blumen / ſo vmbher ſtunden. Er aber achtet ſolches nicht / ſchalt ſie / vnd ſprach: Warumb ſeyd jhr Verraͤther hieher kommen? Kehret euch / kehret vmb / ſehet Mexi - con an / wie es jhr ergehen wird.

Als ſie ſich vmbwendeten / bedaucht ſie die Statt im Fewer ſtehen. Nach ſolchem verſchwandt der Abgott.

Da nun die Zauberer weiter nichts anfahen dorfften / vnd dem Koͤnig hievon Bericht gethan / ſtundt er ein weil mit nidergeſchlagenen Augen / vnd konte kein Wort reden. Vber ein weil ſagt er: Wolan / was wollen wir thun / weil weder die Goͤtter noch vnſere Freundt vns zu Huͤlffkommẽ wollen? Jch habe mir vor - genommen / es gehe gleich wie es wolle / nicht zuflichen / noch mich zuverkriechen / oder an etwas mercken zu laſſen / daß ich verzagt ſey: Vns dawren die Alten vnd Kinder / die ſich nicht beſchirmen koͤnnen.

Da nun der Maragraff nach Mexico nahet / wolt Motecuma auß der Noth ein Tugendt machen / zog jm auff drey viertel Meilweges / jhn zu entpfahen / entgegen: Es trugen jhn in ſeiner groſſen Majeſtaͤt vier ſtattliche Herꝛen auff jhren Schuldern / Vber ſeinem Haupt hatte er einen Himmel von Gold vnnd koͤſtlichen Feddern.

Motecu - ma entpfaͤn get Marg - graffen Cortes.

So bald ſie einander begegneten / ſtieg Motecuma hinab / vnnd gruͤſten einander / Herꝛ Ferdinandt Cortes hieß jhn gutes muths ſeyn / zeigete an / wie er nicht kommen were / jhn ſeines Reichs zuentſetzen / oder daſſelbige geringer zumachen: Alſo fuͤhret jhn Motecuma mit den ſeinen / in ſeinen Pallaſt / er aber entwiech in ein ander Hauß / Dieſelbige Nacht lieſſen die Spanier fuͤr Frewden das Geſchuͤtz abgehen / darvber die Jndianer / als eines vngewoͤhnlichen Dinges ſehr erſchracken.

Den folgenden Tag ließ der Marggraff den Koͤnig vnnd die andern Herꝛen in einen groſſen SaalCortes an - bringen. verſamlen / ſetzet ſich auff einen Stuel / vnd ließ vorbringen: Er ſey von einem groſſen Fuͤrſten vnnd Herꝛen außgeſchicket / dieſen Laͤndern guts zuthun / vnd beſondere Wolthaten zuerweiſen.

Nun ſey jhm von ſeinen Freunden / denen zu Tlaſcala klaͤglich fuͤrgebracht / was groß Leid die Mexi - caner jhnen allezeit zugefuͤget / begerte derhalben zuwiſſen / wer hieran ſchuld habe / damit er ſie vereinigen koͤnte / daß ſie ein ander hinfuͤro keinen Schaden mehr zufuͤgeten. Er aber wolte bey ſeinen Bruͤdern / denen zu Tlaſcala bleiben / ohn jemands Schaden / wolte auch jnen im Nothfall huͤlff beweiſen.

Als dieſes Motecuma vnd die andern Herꝛen verſtanden / waren ſie froͤlich vnd wol zufrieden / welches man auß der Freundtſchaft / ſo ſie den Spaniern erzeigeten / genugſam abzunehmen.

Aber es waͤhrete nicht lang / daß beyde Nationes ein Argwohn gegen einander ſchoͤpfften / damit ſichCortes nimpt Mo - tecuma ge - fangen. nun Herr Cortes verſichern moͤchte / nam er Motecuma gefangen / vnnd ließ jhn in die Eyſen ſchlagen. Vnd deſſen ſich zum hoͤchſten zuverwundern / ließ er ſeine Schiff verbrennen / vnd begab ſich mitten vnter die Feind / denſelbigen entweder obzuligen oder zuſterben.

Das aͤrgſte war / daß Cortes wegen vnzeitiger Ankunfft Pamphili de Narves gen VeraCruz ver - reiſen muſte / die erweckte Auffruhr wider zuſtillen: Muſt alſo den armſeligen Motecuma ſeinen Gefaͤhrten hinderlaſſen / die jhm aber an Beſcheidenheit ſehr vngleich waren / daraus dann nachgehende Auffruhr ent - ſtanden / welche nicht leichtlich wider konte geſtillet werden.

Spanier erwecken Auffruhr vnter den Jndianern.

Jn abweſen des Herꝛn Cortes / nam jhm ſein Statthalter Alvarado fuͤr / die Mexicaner zuſtraffen / ließ viel vom Adel in einem Tantzſpiel / ſo im Hoff gehalten ward / toͤdten / darvber ward die Gemeine auff - ruͤhriſch / grieff zun Waffen / vnnd vnterſtundt ſich zurechnen. Erſtlich vmbgaben ſie den Koͤniglichen Pallaſt / achteten des Schadens nicht / welcher durch das Geſchuͤtz vnter jnen geſchahe / in dieſem vorneh - men blieben ſie viel Tag / vnd entzogen den Spaniern alle Leibs Notturfft / Sie wehreten ſich mit Steinen /Ruthen ein Gewehr. Wurffpfeilen / Spieſſen vnd Schwertern / auff jhre weiſe zugerichtet: Diß ſeind Ruthen / daran vier oder ſechs ſcharpffe Schermeſſer ſeynd / damit man auch auff einen ſchlag einem Pferdt den Hals ab - hawen mag.

Da69Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Da ſie nun alſo zuſtreiten fortfuhren / brachten ſie Motecuma mit einem ſeiner vornembſten Herꝛen oben auff die Ebene des Pallaſts / ward mit zweyer Soldaten Schildt / die mit jhm giengen / beſchuͤtzet. Da die Mexicaner jhren Herꝛn ſahen / ward es gantz ſtill / Motecuma redt durch gedachten Herꝛn das Volck mit lauter Stimme an: Sie ſolten ſich bedencken / vnd die Spanier nicht bekriegen / dann dieweil er gefan - gen were / wie ſie ſehen / koͤnts jhnen wenig Nutzen bringen. Solches hoͤrete der kluge Juͤngling Quicuxte -Quicuxte - moc wider Motecu - mam. moc / den die Gemeine zu einem Koͤnig auffzuwerffen vorhatte / der rieff mit lauter Stim̃ zu Motecuma: Pack dich / du verzagter nichtswertiger Menſch / wir wollen dir nicht gehorchen / ſondern dieſe Straff vber dich ergehen laſſen / welche du wol verdienet haſt: Hieß jhn auch ſpoͤttlich ein Weib / fieng hierauff an mit Pfeilen auff jhn zuſchieſſen / vnd die Gemeine widerumb mit Steinen zuwerffen.

Nach dem nun Alvarado vnd die andern Spanier ſahen / in was Noth vnd Gefahr ſie ſtacken / thatenCortes keh - ret wider die Auff - ruhr zuſtil - len. ſie ſolches dem Oberſten Cortes zuwiſſen. Der bracht durch ſeine Klugheit vnnd Behendigkeit die Sachen mit Narvaes bald zu endt / nam den meiſtentheil ſeines Volcks zu ſich / zog mit groſſen Tagreiſen gen Mexi - co / crwartet des vierdten Tags / an welchem die Mexicaner allweg pflegten zu ruhen vnd jnnen zuhalten. Auff einen ſolchen Tag nun kam Cortes mit Liſt vnnd Gewalt zu den ſeinen in den Pallaſt / darinnen ſich die Spanier befeſtiget hatten / darvber ſie hoͤchlich erfrewet wurden / vnd abermals das Geſchuͤtz abgehen lieſſen. Jn dem nun die Jndianer mit jhrer Vnſinnigkeit fortfuhren / vnnd durch kein Mittel ſie zuſtillen / ſich erzeigte / die Spanier auch kein Proviant mehr hatten / wurd Cortes gezwungen / vnd nam jhm fuͤr bey naͤchtlicher weil heimlich davon zuziehen. Ließ alſo zwo hoͤltzern Bruͤcken vber zwey gefaͤhrliche WaſſerDer Spa - nier heimli - che Flucht auß Mexi - co. machen / vnd begab ſich vmb Mitternacht davon.

Da nun die Spanier vber das eine Waſſer kommen / wurden ſie von einem Jndianiſchen Weib ver - rahten / welches rieff / die Feinde lieffen hinweg / Darauff verſamleten ſich die Jndianer / griffen die Spa - nier mit gewalt an / vnd ehe ſie mochten vber das ander Waſſer kommen / wurden jhrer in die dreyhundertDeren Ni - derlag. verletzt / zertretten vnd gantz nider gelegt / viel die jhr Gold vnd Kleinodien behalten wolten / verlohren jhr Le - ben. Die etwas vermeinten davon zubringen / wurden von den Mexicanern gefangen / vnnd grewlich jhren Goͤttern geopffert. Motecuma ward mit einem Dolchen durchſtochen / todt gefunden / vñ jhm alſo ſein gev -Motecu - ma wird erſtochen. Motecu - mæ armſe - lige Be - graͤbnuß. bete Tyranney vergolten. Er ward nicht wie ein Koͤnig / ja auch nicht als ein gemeiner Mann begraben / ſondern wie ein wild vnvernuͤnfftig Thier im Zorn hinweg geworffen. Entlich erbarmet ſich vber jn einer ſei - ner Diener / der jn zu Aſchen verbrandt / vnd dieſelbige an ein vnachtbar Ort verwahrete.

Daß wir nun wider auff die Spanier kommen / ſo ſtimmen die Jndianiſche Hiſtorien mit den Spa - niſchen vberein / daß die Spanier wunderbarlicher weiß ſeyen erloͤſet worden auff einem Berglein / darauff heutiges Tags drey Meilweges von Mexico ein Kirchlein zu vnſer lieben Frawen Huͤlff zum Gedaͤcht - nuß erbawet worden / dahin folgten jhnen die Jndianer ſtets nach / lieſſen jhnen nicht ein Augenblick ruhe / vnnd litten die Spanier vnterwegens ſo groſſen Hunger / daß ſie ein wenig Mays mit Koͤrnern vnter ſich außtheileten / Da ſie entlich zu jhren Freunden gen Tlaſcala kamen / ruͤſteten ſie ſich wider / vnd fiengen mit deren Huͤlff / vnd auff jhr anhalten auffs new einen Krieg zu Waſſer vnd Land wider die Mexicaner an / er - oberten entlich durch die Bergantinen / oder Ruderjagten / ſo Cortes auff dem See zurichten ließ / vnd durch mehr als ſechtzig gefaͤhrliche Kaͤmpff vnd Schlachten auff den Tag S. Hippolyti / den 13. Auguſti / Anno 1521. die Statt Mexicon. Der letzte Koͤnig den die Mexicaner auffgeworffen / ward in einem groſſen Nach - hen / auff dem er zuentfliehen vorgenommen / vnd mit andern groſſen Herꝛn fuͤr Cortes gebracht. Da er fuͤr jn kam / zuͤckter den Dolchen / vnd ſprach zu Cortes: Jch habe bißher die meinen nach beſtem Vermoͤgen beſchuͤtzet / nunmehr aber bin ich nichts mehr ſchuͤldig / dann euch dieſen Dolchen zugeben / mich von ſtundt an damit vmbzubringen.

Cortes antwortet / er begere jhn nicht zu toͤdten / ſey auch ſeine Meynung nie geweſen / jhnen SchadenMexico von den Spaniern erobert. Cortes Leutſelig - keit gegen den gefan - genen. zuthun / daß ſie aber bißhero ſo groſſen Verluſt gehabt / ſey jhrer groſſen Halßſtarrigkeit ſchuld: Dann ſie wuͤſten ſich wol zuerinnern / wie viel mahl Fried vnd Freundſchafft ſie jhnen angebotten. Nach dieſem ließ er alle die / ſo ſie bekommen / wol tractieren. Diß iſt alſo kuͤrtzlich die Hiſtori von dem Vrſprung / Herkom - men / Zunehmen / Regierung vnnd gaͤntzlichen Vntergang des Mexicaniſchen vnnd andern groſſen Koͤnig - reichs der newen Welt / was aber hievon in einem oder andern von dieſer gantzen Hiſtorien zu - halten / wird dem guͤnſtigen Leſer hiemit zu vrtheilen frey heimgeſtellet / Nun wol - len wir auch anderer Scribenten Particularerzehlun - gen etlicher Provincien hoͤren.

Beſchrei -70

Beſchreibung Dero Jnſulen vnd deß feſten Lan - des Jenſeit deß hohen oder groſſen Meers / ſo man nennet Weſt-Jndien.

Durch Antonium von Herrera, Koͤniglichen Geſchicht Schreiber in Jndien vnnd Caſtilien. Von der Abtheilung der Weſt Jndien.

ES helt der Vmbkreiß der Erden 360. Grad in ſich / die machen 6300. Caſtilia - niſcher Meilen / vnnd begreifft zugleich die Erde vnd das Meer. Denn dieſe zwey Element zuſammen / eine Kugel machen / deren euſſerſte Ruͤnde zum Theil die Erde / zum Theil aber das Meer iſt.

Nun haben die Alten die Erde in drey Theil abgetheilet / vnd jedem deroſel - ben ſeinen Nahmen gegeben. Der erſte vnd beruͤhmbteſte Theil iſt Europa. Der andere / groͤſſere vnd weitere wird genant Aſia, in welchem auch das groſſe Koͤnig - reich China ligt / Der dritte iſt genannt Africa.

Sintemal nun die Leute dieſer Meynung geweſen / daß die Welt nur dieſe obgedachte Theil in ſich begrieffe / vnd doch jhnen an denſelben nicht haben benuͤgen laſſen: Haben ſie jhre Sinne vnnd Gedancken auff die Schiff Fahrten vnd die groſſen Schiffe geleget / dieſelben auch alſo gemacht vnd zugeruͤſtet / daßLob der Spanier. ſie die vngeſtuͤm̃e Wellen deß Meers außſtehen vnd erleyden moͤchten / Darinnen dann die Hiſpaniſche Na - tion vber alle andere Nationen oder Voͤlcker in der gantzen weiten Welt das Lob vnd den Ruhm erlanget vnd erworben.

Denn zu dero Zeit / als Herꝛ Ferrandus V. vnd Iſabella, eine ſehr verſtaͤndige / kluge vnd weydeliche Frawe in Caſtilia / vnd Herꝛ Johann / der andere / der Pellican genannt / ſel. Gedaͤchtnuß / in Portugal re - gierten: Hat Herꝛ Chriſtophorus Columbus, der erſte Jndianiſche Admiral / vnd eygengemachte Spa - nier / als er ſich nemblich in Hiſpanien verheyrahtet / vnd etliche viel Jahr darinnen gewohnet / auß Martin Boͤheims / eines Portugeſen / auß der Jnſul Fayal buͤrtig / der Aſtronomiæ oder Stern Kunſt wol erfah - ren / vnd inſonderheit in Nativiteten zu ſtellen ſehr fertig / wie auch etlicher anderer / welchen er ſein Vorhaben entdecket / Beyfall / Antrieb / vnd Huͤlffe / den erſten Vorſchlag gethan / den Theil ſo wir heutiges Tages den vierdten Theil der Welt zu nennen pflegen / welcher auch groͤſſer iſt / als die andern alle / zuerfinden vnd zuent -Palos. decken. Er ſchiede ab von Palos, dem Grafen von Miranda zuſtaͤndig / an dem Vfer deß Meers im Koͤnig - reich Granata, vnd nam ſeinen Weg nach dem Nidergang der Sonnen: Fuhr alſo lang auff dem hohen oder groſſen Meer / daß er endlich diß groſſe Land funde / welches mitten durch die Equinoctial Lini getheilet / gegen Mittag (ſo wir nach Art vnd Brauch der Schiffleuten auff dem Meer / Sud nennen) ſich alſo weit erſtrecket / daß ſie 52½. Grad erreichet / vnd gegen Nord, das iſt / Mitter Nacht ſich vnter den polum Arcti - cum alſo verſtecket / daß man ſein kein Ende wiſſen kan.

Dieſer vierdte Theil nun iſt alſo groß / daß jederman ſich darob verwundert / alſo daß wir euch jhne vn - ter dem Namen der Jnſulen / vnd deß feſten Landes deß groſſen oder hohen Meeres / welches jhne vmbfleuſt vnd vmbgibt / zubeſchreiben entſchloſſen.

Wahr iſt / daß man jhne auch die newe Welt / oder Weſt Jndien nennet / dieweil er gegen Abend / oderWo die E - quinoctial Lini den Meridian durch - ſchneide. der Sonnen Nidergang / gelegen iſt. Es iſt die Helfte der Welt Kugel / von 180. Graden / in dem Bezirck / der den Koͤnigen von Caſtilia vnd Leon zugegeben / begriffen / weñ man ſolche Graden am Nidergãg eines Me - ridians zu rechnen anfaͤhet / vnd faͤhret durch den 39. oder 40. Grad / der Laͤnge deß Nidergangs võ Toledo, ſo da ligt am Außlauff deß Fluſſes Maragnon, biß an die Statt Malacca, in Orient oder gegen Auffgãg gelegen / alſo daß man 20. Meilen fuͤr jeden Grad nimbt. Die Zwerch Lini dieſes Bezircks / helt von einemEnde71Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Ende zum andern 3900. Caſtilianiſcher Meilen / deren jede 3000. Schrit / vnd jeder Schrit 5. Schuch Ca - ſtilianiſcher Maß hat. Alſo weit erſtreckt ſich ſolcher Theil vom Auffgang biß zum Nidergang / ſo die Schiff Leute deß Meers Oſt vnd Weſt nennen.

Nun dieſe Rechnung der 20. Meilen fuͤr jeden Grad / ſtimmet mit dem Ptolomæo in ſeiner Rech - nung vberein / vnd iſt durch manchen ſinnreichen Mann approbieret vnd beſtettiget worden / Ob gleich an - dere es darfuͤr halten / daß ein jeder Grad 70. Jtalianiſcher Meilen halte / welche nur auff 17½. Spaniſche Meilen kommen / welches man fuͤr gewiſſer vnd der Warheit gemaͤſer helt.

Die Gradus der Laͤnge / die man nach der Maß der Equinoctial Linien rechnet / belangende / WannWie man die Graden der Laͤnge rechnenſoll. man vom Auffgang biß zum Nidergang durch das Mittel deroſelben / vnd dero Kugel faͤhret / ſeynd dieſel - ben nicht alſo wol zufinden / darumb / daß kein ſtetes vnd feſtes Zeichen am Him̃el zufinden / welches allezeit einen Ort behalte / wie hergegen die Poli ſeynd / welche vnbewegliche Puncten / nach welchem man / wenn man die Graden der Hoͤhe rechnen will / gleichſam als nach einem vnfehlbaren Ziel zielet / Welches wir dañ auch in dieſer Beſchreibung / da wir die Orter vnd Gegenden nach der Maß der Hoͤhe obgedachten polo - rum bezeichnen werden / thun woͤllen.

So iſt nun zu wiſſen / daß man von Norden / (das iſt / Mitternacht) gegen Suden / (das iſt / Mittag)Was man erfunden habe. in die 60. Graden / erfunden / vnd vom 60. Grad Norden / 53. Grad gegen Suden ermeſſen hat / welche ein Land von 1977. Meilen machen / welches / da es am breyteſten iſt / 1300. meilen haben mag / vnd biß auff 18. meilen abnimpt / da es denn am engſten oder ſchmaͤhleſten iſt / vnd Nombre Dios oder Portobelo genannt wirdt / biß gen Panama, da denn die Natur ſelbſten ſolche Laͤnder getheilet / vnd faſt die eine Helffte gegen Mitternacht / die andere Helffte aber gegen Mittag gelaſſen / welche dieſes Bezircks beyde Theil ſeynd: Der dritte Theil / ſeynd die Jnſulen vnd das feſte Land im Auffgang gegen Malacca, bey der beyde Cronen oder Koͤnig Reiche / Caſtilia vnd Portugal ſcheydenden oder durchſchneidenden Linien / welche ob ſie wol an ſich ſelbſten vnnd im Grunde ein Theil von Oſt Jndien ſeynd / So nennen wir ſie jedoch Weſt Jndien / nem - lich nach Gelegenheit deß Lãdes Caſtilia / wie denn ſolches ſich in folgender Tafel Augenſcheinlich ſehẽ laͤſt.

Vnd demnach aller dieſer Laͤnder / davon dieſe zwey Koͤnigreich ſehr reich worden / durch Huͤlffe deß Magneten Steins erfunden vnnd entdecket worden; Als kan ich ſeiner wunderbarlichen Tugenden eine / welche Herꝛ Antonius Oſorius, Ritter von Vallodolid gemercket vnnd in Acht genommen / zuerzehlenEine heim - liche vnnd wunder - barliche Tugend deß Ma - gneten - Steins. nicht vnterlaſſen. Vnd iſt dieſes dieſelbige Tugend / daß der Magnetenſtein durch ſeine Jnfluentz dem Ei - ſen groͤſſere Krafft an ſich zu ziehen mittheilet / als er ſelbſten hat. Denn wenn einer an deß Magneten kraͤff - tigſten Theil ein Eiſen leget / oder helt / So kan er viel ein groͤſſeres Gewicht durch ſolches Eiſen anziehen / als er durch den Magneten Stein ſelbſten thun koͤndte / Alſo daß er (obgedachter Ritter) in meinem Bey - ſeyn vierzehen Pfund Eiſens mit einem Magnetenſtein auffgehoben / der doch nicht mehr als . Pfund gewogen / welcher natuͤrlicher weiſe mehr nicht / als 6. Vntzen / oder 12. Loth auffheben kondte. Welches dann wol zumercken / vnnd den Philoſophen darauff zu ſtudieren Anlaß vnd Vrſach gibt / da fuͤrnemlich (welches wol zu mercken) der Hiſpaniſche Magnet ſolche Krafft nit hat.

NB. Beſihe zu End die erſte Figur.

Von den Jndianiſchen Schiffahrten.

WJr nennen das groſſe oder hohe Meer von Auffgang der Sonnen / das Meer vom Norden / vnnd vom Abend hero / nennen wir es / das Meer von Suden / vnnd das Theil / da es an New Hiſpanien vnnd Peru ſtoͤſſet / nennen wir es / das Meer vom Suden / von New Hiſpanien / vnnd von Peru. Das Theil deß Meers vom Norden von Braſilia / biß an die Enge / heiſt auch das Meer vom Mittag oder Suden. Was aber noch vbrig iſt von Braſilien biß gen Caſtilien vnnd gegen Mittnacht / das heiſſet eygentlich vnd inſonderheit das Meer vom Norden.

Das gantze Meer theilet ſich widerumb in mindere krumme Buͤge oder Buſem.

Nun hat man in allem vier fuͤrneme Schiff Fahrten / deren die erſte vnnd aͤlteſte von CaſtiliaVier Schiff - Fahrten. außgehet an das genannte feſte Land vnd New Hiſpanien. Die andere gehet von Caſtilia an den Fluß de la Plata, vnd an die Enge deß Magellaniſchen Meers. Die dritte / von der Seiten New Hiſpanien / nemlich von Guatemala vnd Panama, gen Peru, Chile, vnd an die Enge. Die letzte vnd juͤngſte gehet an von New Hiſpanien in die Jnſulen vom Nidergang / vnnd das Koͤnigreich China, wie ſolches auß gegenwertigem Kupffer Stuͤcke oder Land Tafel zuſehen iſt.

Die erſte / als die aͤlteſte vnd gemeineſte oder gebraͤuchlichſte wird genennet der Weg oder Strich nachDie erſte Schiff - Fahrt. Jndien / vnnd hat zwo Faͤhrten. Denn entweder beſucht man den Port oder Meers Hafen S. Johan von Vlvâ in New Hiſpanien / der da von Sevillien vngefaͤhrlich 1700. Meilen ligt / Welche Fahrt man in drithalben Monaten thun vnd vollbringen kan: Oder man faͤhrt auff Portobello zu / ſo da in dem Koͤnigreich ligt / das man Terra firma, das iſt / Feſtes Landt nennet / welches eine Reyſe iſt von 1400. Meilen / die man in zweyen Monaten thun kan. Nun dieſe zwo Schiff Fahrten haben einen Strich / biß an die Jnſulen im Meer von Norden / wenn man von S. Lucas von Barrameda ſeglen will / Von dannen man denn nicht außfahren ſoll / man ſeye denn mit einem wol erfahrnen Schiffer / vnnd der deß Strohms wol jnnen ſeye / verſehen / vnd habe guten Wind / hohes Waſſer / vnd deß Tages Liecht / oder auffs wenigſte Lucernen / die Wahrzeichen der truckenen vnd ſandigten oͤrter zuerkennen.

Die Zeit / in welcher man obgedachte Schiff Fahrten anſtellen vnnd anfahen ſoll / iſt vngleich. DennBequeme Zeit zum Schiffen. von New Hiſpanien faͤhrt man auß / nach dem Winter / vom Anfang deß Aprillen biß zum Ende deßMeyen /72Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilMeyen / welches am ſpaͤhteſten iſt / damit man in die Jnſulen deß Meers vom Norden (oder deß Mitnaͤch - tigen Meers) nach dem Augſt Monat ankomme / wenn der Nordwind wehet / vnnd ſich die Vracanes, das iſt / Vngewittere von widerwertigen Sturmwinden erheben.

Wer aber zum feſten Land / Terra firma genandt / zu will / der ſoll ſich vor dem Winter / im Augſt - vnd Herbſt Monat / auff die Reyſe begeben / damit er nach dem Nouembri zu Portobelo ankommen moͤ - ge / da denn dieſe Gegende alsdenn / wegen der Nortwinde / ſo zu wehen anheben / am wenigſten vnge - ſund iſt.

Von S. Lucas nimpt man den weg auff die Canarien Jnſulen / der da iſt faſt in die 250. Meilen / von 8. oder 10. Tagen / da man dz Meer de las Tequas brauchen muß / welcher Weg denn Winterszeiten / we - gen der Vngewitter / ſehr gefehrlich iſt. Welche da woͤllen / die fahren an dem Hafen der groſſen Canarien an / wie man hiebevorn am Hafen von Gomera (welches die ſchoͤneſte dieſer Jnſulen iſt) anzulaͤnden pflegte.

Von den Canarien reyſete man gen Deſſeada, die ligt vnter dem 15. Grad / ein wenig hoͤher / vnnd gen Dominica, dahin man dann durch das hohe oder groſſe Meer 700. Meilen rechnet / vnd da blieb manDieſe Winde werden ſon ſten mit ei - nem ſonder lichen Na - men Bri - ſchen ge - nennet. 25. tage oder mehr / dahero oder durch den man nit wider kommen kan. Die Vrſach iſt / daß die Oſtwinde ge - meiniglich alda zu wehen / vnd die widerkehrende zuverhindern pflegen / welches denn ſolche Winde ſeynd / die da alle obgedachte Oſtwinde mit jren Pflegen in ſich begreiffen / darumb daß der oberſte Himmel die vn - teren mit ſeiner Bewegung mit ſich fuͤhret vnd vmbtreibet / vnd der Lufft / ſo deßwegen allezeit der Tags - laͤnge nachfolget / vnd das Liecht / ſo ſich von Auffgang zum Nidergang vnfehlbarlich zeucht vnnd denn die kraͤfftige Bewegung des Luffts / ſo die Duͤnſte oder Daͤmpffe auß dem Meer an ſich zeucht. Vnnd diß iſt die Vrſache / warumb der Oſtwind in derſelben Revier oder Gegende gewoͤhnlich wehet.

Die Reyſe in Canarien von Dominica iſt erſt im Jahr nach vnſers Herren vnd Seligmach - ers Menſchwerdung 1514. durch Herꝛen Petronium von Avila, den genanten Edlen / item den Renner / deß Koͤnigreichs Caſtilla del oro, (jetzt Terra firma oder feſt Land genand) Statthaltern vnd Oberſten Leutenampt / angeſtellet worden / der denn ſolche Schiff Fahrt (als die hiebevorn gantz vngebuͤrlich vnd vn - fuͤglich angegriffen war) recht anzuſtellen groſſen Vorſchub gethan. Demnach aber jetziger Zeit geordnet vnd gebotten iſt / daß man ſich in der Jnſul Deſſeada oder Dominica weder mit Waſſer noch mit Holtz auff ein newes verſehen vnd erfriſchen ſolle / darumb fahren die Flotten oder Schiffe von New Hiſpanien gen Ocoa, welches iſt ein Port oder Hafen der Jnſul Hiſpaniola / ſich daſelbſten zuerfriſchen vnd zuver - ſehen. Vnd wenn ſie ſich vber die gewohnliche Zeit ſaͤumen vnd auffhalten / werden ſie bey Cuba vnd New Hiſpanien von dem Vracava angegriffen. Diß iſt die Vrſache / deren wegen man ſich lieber in der Jnſul Guadalupe erquicken vnd erfriſchen oder verſehen will.

Man fuͤh - ret gen Guadalu - pa. Da die Wegendeß Meers ſich ſchey - den oder theilen / ſich zuerquͤickẽ.

Zu Guadalupa theilen oder ſcheiden ſich die Wege deß Meers. Die Schiffe von New Hiſpanien lencken ſich gegen dem Capo von S. Antonio, welches iſt an dem euſſerſten Ende von Cuba gegen Nider - gang / da man faſt 500. Meilen gemeiniglich in 20. Tagen ermiſſet / vnd faͤhret man hart bey S. Iohann de puerto iuo vnd von Hiſpaniola hin / bey zwo Meilen von San Domingo, vnd helt man den ſtrich bey der Spitzen oder dem Ecke von Nizao, vnd faͤhret zwiſchen den Jnſulen Cuba vnd Iamaica mit groſſen Sorgen vnd Fuͤrſichtigkeit / wegen der Meerblatten oder Sandhauffen / ſo man die Gaͤrten nennet / die vmb die Mitte der Gegende Cuba ſeynd / allda viel Vaſellen oder Schiffe zu ſcheitern gangen. Darnach faͤhret man / daß man der Jnſul Pinos vnd deß Cap de corrientes anſichtig wird / 12. Meilen vber das Cap von S. Antonio, allda ſich denn zween Wege zum Hafen de Veracruz erzeigen / deren jeder etwa 10. oder 12. Tag Reyſen iſt / der eine heiſſet der jnnerſte / von 250. Meilen / welchen man im Sommer erwehlet / vom Meyen an / biß in den Septembrem, wenn keine Mitnaͤchtige Winde wehen / welche denen / die gen Yucatam woͤllen / zu wider ſeynd / welchen Weg man dann nehmen muß / Der andere / wird genannt der euſſere / vngefaͤhrlich von 280. Meilen / den man im Winter nimt / da man ſich dann ein wenig hoͤher gegenDie ſicher - ſte Fahrt vom Cap S. Anto - nii gen S. Johann von Vlua. Mitternacht lencket. Aber die ſicherſte Fahrt an den Port von S. Iohann von Vlua iſt / daß man ſich der Gegende von Florida, vnd der Ebene von Alneria naͤhere / denn was fuͤr ein Wetter es ſeye / ſo hat man alle Zeit den Oſtwind vnd die Gelegenheit in den Port oder Hafen zu fahren / vnd anzulaͤnden.

Aber die Flotten oder Schiffe / die zuvorn jenſeit Dominica fuhren / vnd heutiges Tages von Gua - dalupa gegen Terra firma fahren / vnd in die 400. Meilen / vnd 15. Tagreyſe haben woͤllen / halten den Strich nach Carthagena, laͤngs nach der Gegende von Terra firma, da die Oſtwindsbraͤute ſchier ſtets wehrende / vnnd dem wider kehrenden zuwider ſeynd / gleich wie die Sudwinde im Sommer / vnd die Nord - winde im Winter / welche boͤſe ſeynd.

Auff der Reyſe ſihet man das Cap de la Vela zwiſchen S. Martha vnd Venezeula, wie auch das Cap de l’Aguia, bey Carthagena, da man die Wahren ablegen muß / welche in das newe Koͤnigreich ſol - len / gleich wie die von Peru gen Portobelo kommen / welches vngefaͤhr 90. Meilen (oder 4. oder 5. Tagrey - ſen zu Schiff) hinder Carthagena ligt.

Der Weg oder Scrichi nach Hon - duras vnnd Guatema - la.

Die jenigen / die da vorgeben / ſie woͤllen gen Honduras vnnd Guatemala, bleiben bey jhrer Geſell - ſchafft von New Hiſpanien / biß ſie an das Cap de Tiburon kommen / welches iſt die Grentze von Hi - ſpaniola gegen Abend / von dannen ſie denn gegen dem Norden / neben der Jnſul Iamayca herfahren - de / biß an die Spitze oder das Ecke von Negrillo, welches das Ende der Jnſul iſt / das Cap de Camaron, wo der krumme Bug oder Buſem vnd die Landſchafft Honduras angehet / ſuchen / Dannenhero fah -ren ſie73Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. ren ſie zu Truxillo an / 15. Meilen gegen Nidergang des Cap / vnnd laden allda die Wahren auß / ſo all - da bleiben ſollen / die andere Wahren aber fahren fort in den Hafen de Cauallos vnd gen Golfo dulce, vnd halten keinen andern Strich / als daß ſie ſich gen Honduras lencken / die Wahren gen Guatemala zu bringen.

Wenn man nun auß Jndia widerumb in Hiſpanien vmbkehren wil / ſo kan man nit wider -Wie man nicht durch eben den - ſelben We - ge wider - umb kom - men koͤnne. Wenn die Schiffe / ſo widerumb / in Caſtilien woͤllen / vom Land ſtoſſenſollẽ. umb denſelbigen Strich halten / den man gehalten hat / als man hinein gewolt hat / vnnd hinein ge - reyſet iſt / Darumb muß man Noth halben / die Nordwinde zu ſuchen / ſich etwas hoͤher hinauff / vnd auß dem Tropiſchen oder Sonnenwend Circul hinauß begeben.

Alle Schifſe verſamlen ſich im Port oder Hafen von Havana, im Monat Iunio, damit ſie vor dem Winter in Hiſpanien ankommen / denn der Oſtwind jnen im Canal allerdings zu wider vnd boͤſe iſt / ja auch der Sud iſt jnen in der Revier vom Capo de S. Vincent biß gen S. Lucas, entgegen vnd zu wider.

Die Schiffe von Terra firma ſtoſſen nach dem Meyen von Portobelo, wenn die Nordwinde auff - hoͤren / vnd kehren wider vmb gen Carthagena, jre L[i]ſten / Gold vnd Silber / ſo in das Koͤnigreich New Granata gefuͤhret werden ſollen / einzuladen / auch die Gegende von Veragua zu meiden / vnd das Canal von Nicaragua, auß welchem man gar ſchwerlich kommen kan / wenn man vom Winde vnd ſtrengen Lauf deß Waſſers / ſo an obgedachtem Strich oder Wege ſehr gefehrlich iſt / hmein getrieben worden.

Von Carthagena ſuchet man das Cap von S. Antonio, welches iſt die Grentze von Cuba gegenWenn die Schiffe von Carta - gena ab - ſtoſſen ſol - len. Nidergang / da man in die 200. Meilen in 10. Tagen ermiſſet / nach Gelegenheit der Sand Buͤheln / ſo da im Wege von Sarrana, Serranilla, vnd Quitaſuenno ſeynd. Aber vom Cap S. Antonio biß gen Havana, ſeynds vngefaͤhrlich 50. Meilen. Die Flotten oder Schiffe / ſo von Honduras wider kommen / kommen auch widerumb / das obgedachte Cap S. Antonio zubeſuchen.

Die Flotten von New Hiſpanien / ſtoſſen ab am Anfang deß Meyens / alldieweil die Nordwinde nochZu welcher Zeit im Jahr die Schiffe Von New Hiſpanien allhier ab - ſtoſſen. Von S. Martha vnd Vene - zeula. Weñ man von Hava - na wider - umb in Ca - ſtilien zu - fahren / ab - druckenſoll. Die Jnſu - len Azores in Hiſpaniẽ. wehen / die jhnen gut ſeynd zu jhrer Widerkehre gen Havana, vnd nemen jhre Hoͤhe biß an die Sonde, ſon - ſten las Tortugas genennet / welches faſt 300. Meilen iſt / die man in 15. Tagen erreichet.

Die Schiffe von S. Marthe vnd Veneſeule, vmb widerumb in Caſtilien zukommen / ſeynd hiebe - vorn zwiſchen Cuba vnd Hiſpaniola gegen dem Capo S. Nicolas, gegen Abend der Jnſul Hiſpaniola, geſegelt / vnd von dannen zwiſchen den Jnſulen de los Lucayos namen ſie jhren Lauff / da die Flotten oder Schiffe hinzufahren pflegen: Jetzunder aber beſuchen ſie das Cap S. Antonii w. derumb / vnd von dannen lauffen ſie auff Havana, wegen der See - oder Meer Raͤuber.

Von Havana gen Caſtilia, nach dem man auß dem Canal von Bahama herauß gefahren (welches Schiffer Antoni d Alaminos im Jahr 1519. erſtlich verſuchet) faͤhrt man durch das Meer vom Nor - den / ſonſten auch das Meer von Sügarzo genant / vngefaͤhr in die 900 oder 1000. Meilen / oder mehr / wel - che man jnnerhalb 25. oder 30. Tagen erlangen oder erreichen mag. Es iſt aber wol in acht zunemmen / daß es 2. Wege hat / deren jeder ſeine gewoͤhnliche Zeit hat. Einer hat ſeine Zeit im Sommer / da man etwas hoͤher hinauff faͤhret / als nemblich biß an den 38. oder 39. Grad / da denn ſeynd die Jnſulen des Azores ge - nant. Der andere hat ſeine Zeit im Winter / da man ſeine Hoͤhe nit alſo weit ſuchet / wegen des Regenwet - ters / das diß Orts gar gemeiniglich einfaͤllt. Darvmb ſteigt man nit hoͤher als 39. Grad / da denn die Jnſul S. Martha eine der Aſoren iſt. Aber gen Tercera zukommen / er ſteigen ſie noch einen Grad hoͤher hinauff / da denn die Vaſellen oder Schiffe hinziehen / ſich zuerfriſchen / doch wird niemandẽ einen Fuß auffWeñ man von den Azoren biß gen S. Lu - cas zu fah - ren abſtoſ - ſen ſolle. die Erden zuſetzen erlaubt. Nun von den Azoren biß gen S. Lucas von Berrameda, rechnen die Schiffere 100. Meilen wegs / 15. Tagreyſen. Andere ſetzen 30. Tage / wegen der Sturmwinde vom Oſten / welche auff dem Meer von Azores gewaltig ſeynd / von dannen man auff das hohe Meer zu faͤhrt / biß an die Ge - gende oder Grentze Portugal / vnd faͤhrt man bey dem Cap S. Vincentii hin / vnd darnach allezeit neben an dem Lande her / biß an den Port von S. Lucas.

Die Schiffahrten von Hiſpanien gen la Plata, welches ſeindt 1600. vnd an der Enge deß Magel - laniſchen Meers / vngefaͤhrlich in die 2000. Meilen / erheiſchen mehr Zeit / als die ferne deß Orts mit ſich bringen ſcheinet / darumb daß / weil man Noth halben in dieſe Provintzen ankommẽ muß / alldieweil es noch Sommer bey jnen iſt / welcher nach dem Septembri iſt / man nit von Caſtilia abſcheiden kan / man muß denn im Iunio oder Auguſto die EquinoctialLini vberſchreiten / vnd alsdann gibt es eine groſſe Stille. Vnd iſt diß die Vrſach / daß man 5. Monat auff ſolcher Reiſe zubringt / die man ſonſte in 2. oder 3. thun koͤndte / wenn man im Augſtmonat oder eher von Seuillia von Landt ſtieſſe. Wenn man nun in die Cana - rien Jnſulen kompt / faͤhrt man ſtracks zum Suden / biß auff 8. oder 9. Grad jenſeits der EquinoctialLini, von dannen etliche ſtracks nach dem Niedergang / gegen dem Cap von S. Auguſtin in Braſilia ziehen / vnd darnach fahren ſie neben dem Lande hero biß an den Fluß de la Plata, oder biß an die Enge: Die anderen aber ſeindt ſtracks vber das Meer von Suden gegen die Enge deß Magelloniſchen Meers gefahren / aber jhrer wenige haben es durchzuſeglen vermoͤcht / ehe denn der Sommer vergangen were / der da kurtz / vnd vol Vngewitters iſt / wie gut zu gedencken / ſintemahl der Ort dem Polo alſo nahe. Vnd diß iſt nun die Vrſache / deren wegen dieſe Schiffahrt alſo muͤhſelig iſt.

Die Schiffahrt vom Meer vom Suden hat ſich allezeit am Strande volbringen laſſen / zumDie dritte Schiffart. Theil wegen deſſen / daß es ſchier allezeit den Sud Windt daſelbſten hat / zum Theyl auch / wegen deß ſtren - gen Lauffs der Waſſern der Ende gegen Norden. Die von Panama gen die Statt los Reyes, wehret 2. Monat / vnnd die Widerkehr wehret nur 30. Tage. Wie auch von der Statt los Reyes gen Ehile, vonGwan -74Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilwannen biß gen Panama man 900. meylen faͤhrt / naͤher als in 2. Monaten: Hergegen muß man / wenn man dahin wil / 8. Monat haben / wiewol jetziger zeit die Reiſe etwas kurtzer iſt / als ſie zu ſeyn pflegte / dar - umb / das / wenn man auff dem Meer iſt / man Winde bekompt / die zu obgedachter Reyſe beſſer ſeynd.

Die Vierd - te Schif - fahrt.

Die Schiffahrt von Caſtilia in die Jnſulen gegen Weſten oder Abend / Malucca vnd Philippi - nen / durch die Enge deß Magelloniſchen Meers / er ſtrecket ſich vber die 4000. meilen / alſo daß / wegen alſo groſſer weiter Reyſe / vnnd denn der groſſen Beſchwerlichkeiten durch obgedachte Enge zu kommen / man ſolche Schiffahrt fuͤr ſchwer haͤlt. Hiebevorn ſeyndt die jenigen / ſo auß New Hiſpanien in dieſe Jnſulen durch das Meer gegen Abend / ſo da iſt die Suder See / fahren woͤllen / von Port zu Navidad, an den Grentzen von New Hiſpanien / abgefahren: jetzunder aber faͤhrt man ab vom Port von Acapul - co, von wannen biß gen Maluccen vnnd Philippinen man 1600. oder 1700. meylen rechnet / welche man in 2. oder . Monaten erſegelt vnd erreichet / wenn man im Novembri oder Wintermonat außfaͤhrt / welche Zeit dann die beſte vnd der Stillen am meiſten befreyet iſt. Aber die Reyſe im widerkehren in Hiſpa - nien iſt viel groͤſſer / in Betrachtung man denſelben Strich nit wiederumb halten kan / alſo daß man die hoͤhe vom 39. Graden halten / vñ im Meyen oder Brachmonat / wenn es der Sturmwindt am wenigſten gibt / ab - ſcheyden muß. Alſo geſchichts nun / daß ob wol die Reyſe nit mehr als 2000. meylen hat / man doch 4. Mo - nat damit zubringen muß.

(Beſiehe zu End die 2. Figur.)

Von den Nord Jndien.

Welches Nord oder Weſt Jn - dien ſeyen.

DEmnach die Natur durch die Enge deß Portobello zu Panama dieſe Weſt Jndien in 2. Theyl abgetheylet / vnd einen Theyl derſelben gegen Norden oder Mitternacht / den andern aber gegen Suden oder Mittag geleget / deßwegen denn wir ſie Nord - vnd Sud Jndien nen - nen woͤllen: Hat es die Koͤnige von Caſtilia vnd Leon, auß angeben deß hohen Jndianiſchen Rahts / gut gedaucht / daß es in jedem Theyl einen Koͤnigl. Stathalter mit ſeinen Parlamenten (ſo die Hiſpanier Audientzien nennen) Regierung vnnd Biſtummen hette / welche wir hernacher beſchreiben vnd erklaͤren woͤl - len. Vnd ſolerſtlich von den Nord Jndien / ſo man ſonſten gemeyniglich New Hiſpanien nennet / gehandelt werden.

Der Na - me New - Hiſpanien / woher er kommen.

Dieſer Name nun iſt jhnen von Johan von Grujalve vnd ſeinen Mitgeſellen gegeben worden / von welchem ſie auch erſtlich erfunden worden / darumb daß ſie daſelbſten ſteynern Haͤuſer / bekleydete Leute / vnd die ziemlich beſcheiden waren / auch andere Sachen / dergleichen zwar in Hiſpanien / doch in dieſen Jnſulen ſonſten nigendts zu finden geweſen.

New Hiſpanien hat vielmehr Weyde fuͤr das Viehe / als das ander Theyl von Jndia / darumb hat es auch eine groſſe Menge allerley Viehes. Es iſt auch diß Land wol gebawet / vnd bringet vberfluͤſſig aller - ley Fruͤchte / nur alleine mangelt es an Wein / darumb / daß gemeyniglich die Trauben nit vollkommenlich zeitig werden / wegen der Regen / ſo im Iunio vnnd Auguſto fallen / vnd die Trauben an jhrer rechten Zei -Von den Jnſulen zu Barloven - to. tigung verhindern. Die Jnſulen von Barlovento haben auch groſſe Weyden / vnd ſeyndt ſchoͤn an - zuſchawen / als die allezeit gruͤn ſeynd / vnnd Blumen tragen / friſchen vnd ſehr angenemen Lufft haben / vnd viel dicker Buͤſche / die in jhren Ebenen groſſe Seen / Weyere vnnd Pfuͤle haben. Man ſamlet darin - nen weder Brodt noch Wein / darumb / daß die vntuͤchtige Erde die Fruͤchten weder wachſen noch zei - tig werden laͤſſet. Die Waſſerſtroͤm haben mehrertheyl Gold. Florida, Nicaragua, vnd Guatenala ſeynd faſt ebener maſſen alſo beſchaffen / wie denn diß alles noch ſonderlich an ſeinem Ort außfuͤhrlich angezei - get werden ſol / vnd in folgender Taffel die gantze gelegenheit dieſer Nord oder Mittnaͤchtigen Jnſul zu er - ſehen iſt.

Von dem Gebiet vnd Gewalt deß Parlaments zu Sant Domingo.

Bezirck deß Ge - biets zu S. Domingo.

D Parlaments von Hiſpaniola Gebiet / ſo das aͤlteſte vnd dem Koͤnigreich Caſtilia am nechſten iſt / begreifft vom Auff-biß zum Nidergang in die 550. vnnd von Mitnacht gegen Mittag / mehr als 300. meilen / vnter welchem Gebiet begriffen werden / Hiſpaniola, Cuba, S. Iohan, Iamayca, Margarita, vnd der Perlenwag / die Land - vnd Herꝛſchafft Venezeula, wie auch durch Nachbarſchafft das newe Andaluſia, Guaiana vnd Florida, mit allen Jnſulen deß Meers vom Norden / deren eine vberauß groſſe Zahl iſt / denn man jhro vber die 100. mit Namen zunennen pfleget / Vnd wenn man ſie alle / beydes kleine vnd groſſe zehlen ſolte / weren jhrer vber 600. Aber dieſe / ſo nahe bey der Gegende von Terra firma gelegen ſeynd / heiſſen bey den Meer Schiffern die Jnſulen von Sotavento, vnd die andern / von Barlo - vento. Die Lufft iſt gemeiniglich diſponirt zur Feuchtigkeit / vnd vnmeſſiger Hitze. Vnd ob ſie wol viel Weyden vnd Buͤſche haben / ſo kan man ſie doch nit beſaͤmen / wie Caſtilien / weder mit Kron / noch mit Gerſten / noch mit Weinſtoͤcken / noch mit Oelbaͤumen. Aber es hat viel groſſe vnd kleine Herden an Rind - viehe / Pferden / Schweinen vnd Schafen / vnd darumb beſtehet jhr fuͤrnembſter Hãdel in Leder vnd Zucker / deſſen man eine groſſe menge allda findet. Es hat zu gleicher weiſe in jhrer vielen auch Gold / aber ſie wiſſen es nit zuſcheyden / zu reinigen / vnnd lauter oder fein zu machen.

Von75Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt.

Von den Jnſulen Hiſpaniola vnd Cuba.

DJe Jnſul Hiſpaniola heiſſet eygentlich Ayti vnd Quiſquiya, das iſt / ein groſſes rauhes Land. Jhre Figur iſt wie ein Reyhe an einem Caſtaneen oder Keſtenbaum. Sie iſt gelegen vnter dem 19½. Grad deß Poli / vnd hat in jrem Begriff wol 400. Vom Auffgãg biß zũ Nidergang vngefaͤhrlich 150. vnd von Mitnacht biß zum Suden / oder Mittag / allhie 30. vnd dort 60. Meilen. Jn dieſer Jnſul iſt groſſer Vberfluß an Zucker / vnd Viehe / vnd dem Stauden Yuca, auß welches Wurtzel man dz Cazabi, deſſen ſie ſich an ſtatt deß Brods gebrauchen / machet. Es hat alhie kein Weytz / ſo etlich Tuͤrckiſch Korn nennen / noch Rocken oder Korn / ob man es ſchon in etlichen Orten zu zielen vnd zu erarnen anfaͤnget. Es hat Bergwercke / darinnen man Kupffer vnd andere Metallen / ja auch Gold graͤbet: Aber wegen mangels der Arbeiter findet man ſein wenig. Es hat in allen zehen Staͤtten Hiſpanier oder Caſtilianer.

Die Jnſul Cuba, ſo erſtlich Iuana, das iſt / Iohanna, von wegen ſeines Vatters / Herꝛn Iohan,Cuba. vnnd nachmals Fernandina zu deſſelben Vatters ſel. Gedaͤchtnuß / genant geweſen / hat endtlich der Ca - pitain Sebaſtian d Ocampo, vnnd ſolches zwar auß Anſtellung vnnd Befelch Niclauſen d Ouan - do, vmbgangen. Dann biß alsdann ſtacke man noch allezeit im Zweiffel / ob es eine Jnſul were oder nicht. Jm Jahr 1511. kam dahin der Gubernator Diego de Velaſque mit 300. Spaniern / dieſelbe zuſtillen / vnnd dem andern Admiral zuvnterwerffen. Sie begreifft in ſich 230. Meilen / vom Cap Sant Antonii an / biß an die Spitze oder das Ecke de Mayzi, nemlich zu Land / denn der Sonnen oder dem Waſſer nach / helt ſie nicht alſo viel. Von dem Cap der Creutzen / (auff Hiſpaniſch / de Cruzes,) biß an den Port von Manati, iſts 45. Meilen / vnnd von d[a]an faͤhet die Jnſul an enger zu werden / biß zum Ende deß Ni - dergangs / da ſie denn nur zwolff Meilen breyt iſt / von Matamano an / biß gen Havana. Sie iſt gelegen in dem Tropico oder Wend Circul deß Krebſen / vom 20. biß zum 21. Grad / vnnd iſt das Land ſchier nichts anders / als ein Ebene / voll dicker Waͤlden vnnd Buͤſchen. Vngefaͤhrlich 30. Meilen weit von dem Ecke von Mayzi, ſo gegen Morgen ligt / hats ſehr hohe Berge / wie auch mitten in der Jnſul / auß welchem ge - gen Norden / wie auch gegen Suden ſehr ſchoͤne Baͤche flieſſen / ſo voller Fiſchen ſeynd. Gegen Su - den deroſelben ſeynd die kleinen Jnſulen / welche der erſte Admiral der Koͤniginne Gaͤrten / vnnd gegen Nor - den / die jenigen / welche Diego de Velaſque deß Koͤniges Gaͤrten genennet. Es hat kein Korn / noch andere Saam Frucht / wie in Hiſpanien / aber doch vielerley Baͤume / vnnd wilder Reben Stoͤcke alſo dicke / als ein Mann / vnd groſſen Vberfluß an allerley Viehe / wie auch groſſe Zechen oder Ertz Gruben von Kupffer vnd Gold / ſo man auch in den Baͤchen findet / ob es gleich ſchlecht Gold iſt.

Gegen Norden iſt der Port Abana, vnnd 30. Meilen von dannen / gegen Oſten oder Morgen / derDer Meer Hafen zu Metancas, warumb er alſo genen - net wordẽ. NB. Port / ſo man nennet de Matanças das iſt / deß Todtſchlags / allda vor Zeiten ein Dorff geſtanden. Die Vrſach deß Namens iſt geweſen / daß die Jndianer allda etliche Spanier ertoͤdtet haben / ſo ſie in jhre Na - chen oder Schiffe / die ſie Canoas heiſſen / eingenommen / vnter dem Schein / daß ſie ſie mit ſicherm Ge - leydt hmuͤber auff jenſeit deß Waſſers fuͤhren wolten / deren denn einer vnd zwey Weiber entwuͤſchet vnnd außgeriſſen / ſo ſie lange Zeit bey ſich behalten haben. Jn dieſem Port haben die Hollaͤnder im Septem - ber deß Jahrs 1629. die reiche Spaniſche Silberflotta bekommen / welehe beſchreibung zu ſeiner zeit fol - gen wirdt.

Von den Jnſulen Iamayca, S Iohan, de los Lucayos vnnd Canibales.

DEr erſte Admiral / als er die Jnſul Iamayca erfunden / vnnd geſehen / daß ein groſſer Vberfluß an Vicualien drinnen were / alſo daß ſie groſſen Vorraht an Leinen Getuͤch / Baumwollen / Pfer - den / Schweinen vnd Cazabi braͤchte / ließ ſie S. Jacob nennen: Aber der erſte / ſo ſie mit Volck beſetzet / war Capitain Johan von Equivelle, im Jahr 1509. vnd ſolches auß Befelch deß Vnder Admi - rals Diego Columbo. Jhr Mittel iſt gelegen vnter dem 17½. Grad der Hoͤhen / vnnd ligt eben gerad 20. Meilen von zwoen Jnſulen / nemlich von Cuba gegen Mittag / vnd von Hiſpaniola gegen Abend. SieSeville / Melille vnd Ori - ſtan / Staͤt - te der Jn - ſul Iamay - ca. Die Jnſul S. Iohan de puerto Ri - co. hat in jhrem Vmbkreyß 150. Meilen / in jhrer Laͤnge vom Auffgang biß zum Nidergang / 50. vnnd in jhrer Breyte 20. Sie hat drey Staͤtte / nemblich Sevillen / Melillen / vnd Oriſtan.

Die Jnſul S. Iohan de puerto Rico, ſo die Jndianer Borriquea nenneten / ligt von Hiſpanio - la in die 12. oder 15. Meilen gegen Morgen / vñ iſt vom Auffgang biß zum Niedergang 45. vnd von Mitter - nacht gegen Mittag hie 20. vnd dort 30. Meilen lang. Sie bringt reichlich alles das / ſo man auch in Hi - ſpaniola findet / auch Maytz / vnd Yuca, vnd Gold Gruben. Es hat guten ſanfften Lufft alhie / vnnd ein gantzes Jahr faſt einerley / außgenommen daß im Decembri vnnd Ianuario bißweilen etliche Gewitter gibt / wie es denn die Gelegenheit der Zeit mit ſich bringet. Es hat allhie drey Staͤtte oder Flecken mit Spa - niern / ſo einen Gubernator vnd Biſchoff haben. Jm Jahr 1508. iſt Johan Ponze von Leon, als Gu - bernator der Landſchafft Yguey, im Namen Niclauſen von Ovando, ſo ſich in Hiſpaniola auff hielte / dahin gereiſet / ſolche zubeſichtigen vnd zu erkuͤndigen / hat ſich auch nachmals auß Befelch deß Koͤnigs / da - hin begeben / ſie zubeſetzen / welches denn im Jahr 1510. geſchehen.

Die Jnſulen / die ſich gegen Norden bey S. Iohan, Hiſpaniola, vnnd Cuba eraͤugen / deren kei -Die Jnſu - len de los Lucayos. ne von den Hiſpaniern bewohnet wirdt / heiſſen die Jnſulen de los Lucayos, vnnd ſolches wegen jhrer einer / ſo am meyſten gegen Norden ligt / vnd die man Lucayoneque oder Yucayoneque nennet / vnterG ijdem76Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilWo der Canal von Bahama ſeye. Wunder.dem 27. Grad der Hoͤhe / die zu jhrer Seiten Abendwerts die Jnſul Bahama ligend hat / die ligt im 26 ½. Grad / helt in jrer Laͤnge 13. vnd in jrer Breite / 8. Meilen / von welcher der Canal der Jnſul Bahama ſeinen Nahmen bekommen. Derſelbe lauft nun zwiſchen Florida, vnd den Sandbergen de los Mimbros, da deñ die Meerſtroͤme gegen Norden alſo gewaltiglich außlauffen / daß es den Schiffleuten / ſie habẽ gleich ſo gu - ten Wind / als ſie jmmer woͤllen / hinein zu kommen jmmerdar vnmuͤglich / wie ſie denn auch alle Zeit / wie widerwertig jnen auch der Wind ſeye / herauß kommen koͤnnen.

Die Jnſulen / ſo bey der Jnſul S. Iohan de Puertorico gegen Orient / oder Auffgang oderLes Cani - bales. Morgen gelegen ſeynd / gegen der Gegende / Terra firma, das iſt / feſtes Land genennet / hat man Cani - bales genant / auß Vrſachen / aldieweil es eine groſſe Menge der Cariben / das iſt / der Menſchenfreſſer /Das wort Canibal, was es heyſſe. daſelbſten hatte. Nun diß Wort / Canibal, heiſt in jhrer Sprache alſo viel / als ein weydlicher Mann: Denn alſo viel hielte man von den Cariben / wenn man ſie gegen den andern Jndianern rechnete. Alle dieſe Jnſulen ſeyndt / wegen der Meerblatten / ſehr gefaͤhrlich. Die am naͤchſten / ſo an S. Iohan ligen / ſeyndt die folgende: Die Jnſul zum H. Creutz / gegen S. Iohans, vnter den 16½. Grad / ſo 16. Meilen lang / vnd Saba, wie auch las virgines, welches zwo Jnſulen ſeyndt / mit Meerblatten vmbgeben / vnnd vber dieſe noch 8. oder 10. Jnſuln / vnter welchen die groͤſſeſte nur 10. Meylen begreifft. Es ligt auch ei - ne Jnſul allda / Virgen gorda, vnnd die Jnſuln ſo man Isleos blancos nennet / gegen Abend deroſelben gelegen. Die verſunckene Jnſul / auff Hiſpaniſch l Anegada, ſieben Meilen lang / vnterm 18⅑. Grad mit Meerblatten vmbgeben / wie auch Sombren bey jhr. Nun die Jnſulen / ſo man Barlevent nen - net / ſeyndt durch den erſten Admiral erfunden vnnd entdeckt worden. Vnd iſt zuwiſſen / daß inſonder - heit die vom H. Creutz vnd andere dieſes im Brauch gehabt haben / daß ſie die Leute gen S. Iohan trieben / ſie zufreſſen / welches die von la Dominica noch zu thun pflegen. Die Weiber belangende / fraſſen ſie zwar dieſelben nicht / hielten ſie aber fuͤr Leibeygene Maͤgde. Man ſagt / es ſeye noch nicht lang / daßNB. die von Dominica einen armen Moͤnch geſchlachtet / vnnd daß alle die / ſo ſeines Fleiſches gefreſſen / alſo offt vnnd dick haben muͤſſen zu Stul gehen / daß jhrer etliche davon geſtorben / vnnd ſie deren Vr - ſachen halben Menſchenfleiſch zu freſſen auffgehoͤrt haben. Welches denn der Warheit aͤhnlich. Denn an der Menſchen ſtatt gehen ſie hin mit groſſer Leibs vnnd Lebens Gefahr / vnnd ſtehlen Kuͤhe vnd ander Viehe / (deſſen ſich eine groſſe Menge alhie findet) damit ſie jhren vnſinnigen weit beſchreyeten Hunger erſetligen moͤgen.

Die Per - len Jnſul.

Die Jnſul de la Margarita (moͤchte wol die Perlen Jnſul heyſſen) hat / wie auch die anderen / jhre Namen durch Herꝛn Chriſtophorum Columbum (welches ein gewiſſes Beweißthumb iſt / dero Zeit / in welcher ſie erfunden worden / zur Schande denen / die ſolche Ehre jhme benemmen / vnd jnen ſelbſt zuſchrei - ben woͤllen) bekommen / vnd ligt von der Dreyfaltigkeit 20. Meil / Abendwerts / vnd von Hiſpaniola 170. Sie iſt vom Auffgang biß zum Niedergang 16. oder wie etliche woͤllen / 20. Meilen lang / vnnd 10. Mei - len breyt oder weit. Es hat wenig Waſſers drinnen / ob es gleich viel Wieſen hat / vnd hat 2. Staͤttlein / eins am Meer / nahe bey einer Feſtung / auff welcher ſich der Gubernator helt: Das andere ligt 2. MeilenWarumb die Perlen - Fiſcherey von Cuba - gua gen Margarita kommen. Cubagua. im Lande drinnen / ſo man S. Lucien Thal nennet. Da hat es einen ſchoͤnen Port oder Meerhafen / vnnd viel Perlen Muſchelen / denn die Perlen Fiſcherey / ſo zuvor zu Cubagua war / iſt gen Margaritam kom - men / vnd ſagt man / das die Perlen Muſchelen die Jnſul Cubagua wegen deß groſſen Knals der groſſen Stuͤcke vieler Schiffen / ſo wegen deß groſſen Handels der Perlen taͤglich daſelbſten anfuhren / verlaſſen haben. Cubagua ligt von Margarita gegen Abendwerts. Es hat keinen Tropffen Waſſers drinnen / doch deſſen vngeachtet / ward der newe Außſchuß darein geſetzet / der auch Caditz genant ward. Die Leute holeten jhr Waſſer in die 7. meil Wegs weit / am Fluß Cumana. Gegen Morgen Cubagua ſeynd 4. kleiner Jnſulen / am Vfer / welche der erſte Admiral los Frayles nennen lieſſe / vnd gegen Morgen zwiſchen los Frayles vnd Granada, 4. oder 5. andere / welche er los Teſtigos nante: vnd hinder Cubagua gegen A - bendwerts / noch eine / die er nennete la Tortuga.

Jn der Perlen Jnſul halten ſich die Beampten / vnd ligt der Schatz deß Koͤnigs / ſie aber / wie auch Cubagua, ligt ein wenig ferner als vnter dem 11. Grad.

Von den vbrigen Oertern dieſes Gebiets / als nemblich Venezeula, Rio de la Ha - cha, Newen Andaluzia, Florida, vnd dem Meer Buſen von New Hiſpanien.

Das Ge - biet von Venezeula.

DAs Gebiet von Venezeula erſtrecket ſich durch die Gegende deß feſten Landes / ſonſten Terre firme genant / von der Newen Andaluſia, ſo gegen Morgen ligt / biß an den Fluß la Hacha, vnd an das Gebiet von S. Martha, gegen Abend. Dieſer Strich helt 30. vñ im Lãde drin - nen / in die 80. meilen in ſich / biß an dz Koͤnigreich New Granata. Man ſiehet in gemeldtẽ Lande viel Anzei - gungẽ vnd Wahrzeichen deß Goldes / ſo man ſchaͤtzet auff 22½. Grad oder mehr. Es iſt ſehr reich võ Getrey - de (denn man jedes Jars zwey mahl daſelbſten erndet) wie auch von allerley Herden groß vnd kleins Viehes. Man zehlet viel mehr allhie / viel Biſcot / Kaͤſe / Speck / vnd Baumwollen Tuch / vnd in dem Port oder Meeerhafen von Guayra, in der Landſchaft Caracas, laͤdet man eine groſſe Menge Rindts Leders vnnd Salſenperillen Wurtzel. Es hat acht mit Caſtilianern beſetzte Marck Flecken vnd Staͤtte. Was den nah -Vrſach deß Nahmens. men Venezeula belangen thut / iſt ſein dieſes die Anlas vnd Vrſache. Die Welſer von Augſpurg Teutſch - en / als ſie im Jahr vnſers Herꝛn 1528. in dieſe Landſchafft kommen / dieſelbige zu regieren / vermoͤg desmit77Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. mit dem Keyſer auffgerichteten Vertrags / vnd J. M. Ordnung / vermeineten ſie einen Flecken / ſo ſie Ve - nezeula nenneten / auff dem Felſen an dem Einlauf deß Sees Maracayto, zubeſetzen / welcher ein wenig ferner als vnter dem 8. Grad ligt / von welchem dann die gantze Landſchafft den Namen behalten.

Jn allen dieſen Landſchafften ſeynd vngefaͤhrlich 100000. Jndianer Zinßbar / vngerechnet die / ſoDer zinß - baren Jn - dianer zahl. vnter 10. vnd vber 50. Jahr alt ſeynd. Deñ der hohe Raht in Jndien hat geordnet / das dieſer keiner / in jrgent einem Jndianiſchen Gebiet Schatzung oder Zoll geben ſolle: jedoch in Betrachtung alle Tage die Zahl ab - oder zunimpt / kan man nicht eigentlich ſagen / wie viel jhrer ſeyen.

Das Gebiet de la Serpa (ſonſten gemeyniglich das newe Andaluſia, das iſt / Granata, vnnd vonNew An - daluſia. den Jndianern Guagana genennet) obgedachten Grentzen nachfolgende / erſtrecket ſich von Margarita biß an den Fluß Marannon, vnd begreifft in ſich 300. Meilen / in der laͤnge gegen Oſten / wie auch 300. Meilen ins Land hinein gegen Suden / da denn die Jndianer Omagues vnd Omigas, ſampt den Landt - ſchafften del Dorato gegen Mittag / mit begriffen ſeynd.

Nach dem Ecke Paria, ſo vnter dem 7. Grad ligt / vnd dem Außlauff deß Fluſſes Drago, der an dieVon dem Waſſer - Fluß deß newen An - daluſiæ. Vrſprung deß Fluſſes Orellana. Dreyfaltigkeyt ſtoͤſſet / folget das Ecke S. Gall oder Anegada, gegen Suden der Dreyfaltigkeit: vnnd der Fluß Paria, wie auch der Fluß Oronico, ſonſten l’vvy apari genennet. Andere vermeynen / daß dieſe zwey Waſſer / beneben dem Fluß S. Iohan, oder d Orellana, ja auch Maragnon, nur eyns ſeyen / darinnen ſie doch groͤblich jrren. Es hat in der Landſchafft Arvaques noch andere Waſſer / ſeynd aber noch nicht genugſam bekandt. Der Fluß S. Iohan oder Orellana, mit ſeinem Vrſprung in Andes von Peru, im Gebiet Cuſco, von dannen laufft er vber die 1500. Meilen / vnnd wendet ſich vnder der Equi - noctial Lini durch zwar genugſam Volckreiche / aber doch nicht ſehr beruͤhmte oder bekandte Laͤnder vnnd Grentzen / biß daß er endtlich ins Mittnaͤchtige Meer hinein fleuſt / deſſen Außgang wol 50. vnnd endlich wol 500. Meilen breyt iſt / da denn auch viel Jnſulen ſeynd / die da bewohnet werden. Jn die 80. oder 100. Meilen von dannen gegen Weſten oder Niedergang iſt der Fluß Maragnon, ſchier eben anDer Fluß Maragnõ. dem Ort / an welchem die Lini, ſo Caſtilien vnd Portugal ſcheydet / durchgehet. Diß iſt auch ein ſehr ge - waltiges Waſſer / vnd an ſeinem Eingang vngefaͤrlich 5. Meilen breyt. Er kompt auß den Landſchafften Braſiliæ hero / vnd / wie etliche vorgeben / ſo entſpringt er vnter dem Popayan, in der Revier deß Koͤnigreichs New Granata.

Die Landſchafft vnd das Gebiet Florida, vnterm Gebiet deß Parlaments oder der RegierungFlorida, dz iſt / die bluͤ - hende. zu Hiſpaniola, begreifft den Grentzen deß Gebiets Petri Melindes nach / alles vom Fluß de las Pal - mas genandt / an / biß an die Grentzen deß Gebiets Panuco, in New Hiſpanien / im Gebiet Mexico, ſo ſich bey dem Tropico oder Wendzircul im 22. Grad befindet / biß an das Ecke Bacallos ſo den 48½. Grad erreichet / welcher bezirck in ſeiner laͤnge 1258. Meilen begreifft / vnnd von dannen biß auff die hoͤhe deß 73. Grads gegen Norden begreifft er nicht allein den Strande / ſondern auch das gantze Land hineinwarts. Von allem dieſem hat man entdecket / was da iſt vom Fluß de las Palmas, biß an das Ecke S. Helena, vnnd an den Fluß Iordan, in die 600. Meilen. Diß Landt ligt vnter einer guten vnnd fruchtbaren Pflege deß Himmels / vnd iſt an vielen Orten wol beſetzt / wie denn die jenigen ſolches bezeu - gen / ſo mit Ferdinando von Soto in den Jahren 1536. vnnd 1537. vnnd den nachfolgenden alhie ge - weſen / vnnd Iohann Pardo / von Cuenca buͤrtig / der naͤher als in zweyen Jahren durch das Land Flo - rida in new Hiſpanien gereyſet iſt. Nun wolan / dis Land naͤhet ſich viel mehr an Europam, als eini - ge andere vnter den Weſt Jndien. Mann hat auch entdecket an der Meerkruͤmme von S. Joſeph / ſo 80. Meilen von Panuco ligt / biß an Terra noua: aber inſonderheit vnnd eygentlich nennen wir Flori - da, diß Theyl ſo ſich ins Meer erſtrecket recht gegen Norden von Cuba, ſo in ſeiner Laͤnge 100. vnnd in der Breyte oder Weite von Oſten biß Weſten / 25. vnd in etlichen Orten 30. Meilen / vnnd nit mehr helt. Der ſo ſie erfunden vnnd entdecket / iſt geweſen Iohannes Pontius von Leon im Jahr 1512. auff den Oſter Tag / welches jhne auch dahin gebracht / daß er diß Land Florida genennet. Er kam widerumb darein / im Jahr 1621. vnnd als er damals verwundet worden / begab er ſich gen Cuba, alda er den Geiſt auffgeben. Es gienge die Sage / daß er willens were den Brunnen oder das Waſſer zu ſuchen / von wel -Brun den Iehan Pon - ce von Leon geſucht. chem die Jndianer vorgeben / daß es die jenigen Alten / ſo ſich drinnen waſchen oder baden / widerumb erjuͤn - gen ſolle. Die Lufft vnd deroſelben Saͤnffte in dieſer Landſchafft / iſt dero in Caſtilia gantz gleich. Man hat viel Fruͤchte allhie gefunden / vnd ſcheinet / ſie beyde zum Viehe vnd zum Feldtbaw bequem vnnd gut ſeyn. Es gibt kein Geldt darinnen / ja man moͤchte bald ſagen / daß die Jndianer es nicht kennen / noch auch das Silber. Denn man hat geſehen / daß / als ſie am Vfer deß Meers etliche Schrein oder Kaſten von aller -Die von Florida kẽ - nen weder Goldt / noch Sil - ber / noch Muͤntze. Grentzevon Norden biß gen Bacal - los. hand Metall vnd Silbernen Muͤntzen angetroffen vnd gefunden / ſie nit viel darauff geachtet.

Jn allem deme / ſo von dieſer Grentzen von dem Ecke von S. Helena / noch vbrig / langs der new - en Erden oder deß newen Landes / vnnd Bacallos, biß an terra del labrador, ſo da die Hoͤhe deß En - gellandes anlanget / ja auch vbertrifft / iſt weder Volck noch Regiment Hiſpaniſch / wiewol vnterſchied - liche Nationen vnnd Voͤlcker ſolche zu vnterſchiedlichen mahlen entdecket vnd beſuchet haben. Vnnd weyß man wol / daß es noch mehr als 1000. Meilen Landts hat / da gleichwol kein Goldt zu finden. Vnnd ins gemeyne davon zu reden / ſo das Land hoͤher ligt / ſo es weniger taugt / vnnd weniger zu bewohnen iſt. Es hat viel Meer Haͤfen allda / vnnd viel Baͤche / deren doch / ſintemal ſie gar ſelten be - ſuchet / vnnd alſo nit ſonderlich bekandt / keine Meldung gethan worden / außgenommen die Bache de losS. Maria ein groſſer Fluß. Gamos, ſonſten S. Maria genennet / ſo ſehr groß vnnd gewaltig / ſchier in der Mitte der Gegende zwi -G iijſchen78Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilſchen los Bacallos da das groſſe Waſſer Ochelaga ins Land hinein laͤufft / vnnd zeucht ſich gegen Ni - dergang.

Vom Gebiet vnnd Gewalt deß Parlaments oder der Regierung zu Mexico.

NEw Hiſpanien iſt eine vnter den fuͤrtrefflichſten vnnd herꝛlichſten Provincien oder Landſchaff - ten der newen Welt / vnnd die auch am meiſten bewohnet wird / Hat ſehr guten geſunden Lufft / Vberfluß an Frucht oder Getreyde / an Waytz / an Viehe Herden / vnd andern Dingen / ſo zu Menſchliches Lebens Vnterhaltung von noͤthen ſeynd / außgenommen Oele vnd Wein. Vnd ob es wol in vielen ſeiner Oerter Gold hat / ſo iſt doch das Silber daſelbſten viel gemeiner / deſſen es deñ viel Zeichen daſelb - ſten hat.

Von dem Ertz Bi - ſtumb zu Mexico.

Das Ertz Biſthumb von Mexico ligt zwiſchen deme de los Angelos vnd Mechoacan, vnnd iſt vom Norden gegen Suden 130. Meilen lang / vnd von der Grentzen am Meer gegen Suden / von 18. biß in die 60. Meilen ins Land hinein.

Mexico. Wie weit es von Toledo gelegen.

Mexico, ward vor alten Zeiten Tenoxitlan genennet. Sie iſt vnter dem 19½. Grade der Hoͤhe / vnd im 103. der Laͤnge deß Meridians von Toledo gelegen / von dannen ſie denn in gerader Linien 1740. Mei - len ligt / welches 8. Sonnen Stunden ſeynd. Sie ligt zwiſchen zweyen groſſen Seen / ſo ſie vmbgeben / ei - ner iſt von Saltz Waſſer / alſo ſcharpff / daß auch der Boden oder der Grund davon Salpeterig iſt: Der andere iſt von ſuͤſſem Waſſer / ſo Fiſchreich / vnnd ſich in jenen ergeuſt. Deren jeder iſt 8. Meilen lang / vnd 5. Meilen breyt / vnnd hat im Vmbkreyß 33. Meilen. Nun in der Statt drinnen / in dreyen Gaſſen / deren jede eine halbe Meile lang iſt / wohnen 4000. Buͤrger / ſo alle Spanier / vnd 30000. oder mehr Hauß - geſeſſene Jndianer / ſo in vier Viertheil der Statt außgetheylet ſeynd / wie ſie zur alten Heyden Zeit auß - getheilet geweſen. Dieſe Viertheil heiſſen jetzt S. Johan / S. Maria die runde / S. Paul / vnd S. Sebaſtian / vnd der fuͤr nembſte / der von S. Jacob / ſonſten Tlatelulco genennet.

Alhier hats eine Cantzley / ſo die Spanier die Audientz nennen / vnnd den Vice Re / oder Statthal - ter deß Koͤnigs / der da der Oberſte iſt / vnnd drey Ampt Maͤnner oder Schultheyſſen / die Beampten / ſo vber die Renten vnnd Einkommen vnd den Schanck oder Schatzkaſten deß Koͤnigs geordnet ſeynd / eine Gießhuͤtte / eine Muͤntze / vnd der Ertzbiſchoff / welchen die Biſchofe von Tlaſcala, Guaxaca, Me - choacan, New Galicia, Chiapa, Yucatan, Guatemala, Verapaz, vnd der Philippinen als jhr Haupt erkennen.

Das Ge - biet Panu - co.

Die Landſchafft Panuco, gegen Mexico Nordenwerts gelegen / iſt gleicherweiſe 50. Meilen lang / vnd weit oder breyt. Sie ward erſtlich verwaltet vnd regieret durch oder von Nunno von Guzman. Aber hernacher hat ſie ſich dem Gewalt der Regierung zu Mexico einverleibt. Nun diß Theyl dieſer Provin - cien / ſo an New Hiſpanien ſtoͤſſet / iſt das beſte / ſintemahl es aller Victualien vberfluß hat / auch zum Theil Goldreich iſt: Aber auff der ſeiten zu Florida zu / iſt es ein elendes Land / von wannen an biß an ſeine letzte vnd euſerſte Grentzen / iſt es mehr als 500. Meilen.

Von dem Biſtumb Tlaſcala.

Das Biſtumb Tlaſcala, ſo man ſonſten los Angelos nennet / zwiſchen dem Ertz Biſtumb Me - xico, vnd dem Biſtumb Guaxaca, iſt 100. Meilen lang / von Suden gegen Norden / zu den Grentzen des Ertz Biſtumbs zu: vñ zu denen zu Guaxaca zu / erſtreckt es ſich in die 80. Meilen weit / wie auch gegen Nor - den / Wiewol die Grentze gegen Suden nit weiter iſt / als 18. oder 20. Meilen. Jn der gantzen Gegende hat es nit mehr als an dreyen Orten einen Außſchuß Spaniſchen Volcks / als nemblich in der Statt los An - gelos, 22. Meilen von Mexico, von Oſten zum Suden zu / von 1500. Burgern / in vier viertheyl abge - theylet / vnd hat jhren Staͤtt Meyſter. Alhier iſt die Dom - oder Hauptkirche deß gantzen Gebiets Mexico, ſampt den Prediger / Barfuͤſſer vnd Auguſtiner Cloͤſtern / item einem Nonnen Cloſter / vnd einem Colle - gio, in welchem mehr als 500. Jndianiſche Kinder ſeynd / welche man vnterweiſet / daß dann JaͤhrlichesPeſos, ein Spaniſch Wort. 10000. lb. (ſo die Spanier peſos nennen) Einkommens hat / welches der Biſchoff Ramirez gebawet / vnnd Licentiaten Salmeron, Rechen - oder Hof Gerichts Raht / dieſe Statt zu bawen / dahin geſandt / Wel - cher denn / ob er wol die Statt in Tlaſcala zu bawen willens war / ließ er es doch vnterwegen / damit er nicht die Jndianer deſto mehr von jhme abſchreckete / noch jhnen in jhr Erbrecht griffe / vnnd daſſelbe braͤche. Dann er war jhnen allezeit / vnd ſonderlich denen von Tlaſcala, gar wol gewogen / wegen dero getrewen dienſten / ſo ſie jhme vnnd der Koͤniglichen Kronen erzeyget vnnd erwieſen hatten. Die Statt ward gegruͤndet an den Grentzen Cholula, darauß 20000. ſtreitbare Maͤnner kamen / vnd ward gebawet auff einer Ebenen Cuetlaxcoapa genennet / bey dem Thal Atliſco, am Vfer eines kleinen Waͤſſerleyns / ſo auß einem brennenden Berge entſpringet / an welchem man doch Frucht / Wein vnnd allerley Fruͤchte / wie in Hiſpanien / einſamlet / als Zucker / Flachs / vnd allerley Garten Gekraͤut / dar - umb / daß das Land fein temperiert / vnd mehr zur Waͤrme / als zur Kaͤlte ſich ſchicket / wiewol die Frucht vmb die Statt leichtlich erfrewret / vnnd nahe darbey Brunnen entſpringen / von welchen eine Bache her - fleußt / ſo zwiſchen Tlaſcala vnd Cholula groß wirdt / vnd fleußt bey der Landſchafft Mechoacan hin / vnd bey Zacatula ins Meer / hat keine Fiſche / aber alſo viel Crocodilen / daß ſie etliche Ort von Leuten oͤde gemacht haben.

Jn dieſem Biſtumb hat es 200. kleyner Staͤttlein vnd fuͤrnemme Marckflecken / vñ 1000. geringere / vnd in die 255000. Zinßbarer Jndianer / die in die 36. Theyl abgetheylet ſeynd / damit ſie von den Geiſtlichẽ inReligi -79Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Religions Sachen vnterrichtet werden moͤgen / vnd 30. Cloͤſter / S. Dominici, S. Franciſci, vnnd S. Au -Waſſer Fluͤſſe vnd Meer Haͤ - fen dieſer Grentzen gegen Mit - ter Nacht zu. guſtini Ordens Moͤnchen. Jn dieſes Biſtumbs Grentzen / auff dem Meer gegen Norden / iſt der Fluß Al - varado, da die Grentzen deß Biſtumbs Guaxaca vnd der Fluß Almeria nicht weit von dem von S. Io - han von Vlva zuſammen ſtoſſen: da die Statt Medellin von Andrea von Tapia im Jahr 1552. beſetzet worden / als der Marſchalck / Herr Ferrando Corteſe obg. Andream vnd Conſalve von Sandoval abgefertiget / daß ſie mit Chriſtopheln von Tapia (der da fuͤr gabe / er hette Gewalt / dem obg. Marſchalck die Regierung New Hiſpanien zu benemmen) handeln ſolten. Es wurde aber dieſe Statt oͤde gemacht durch Salazan, den Factoren / vnd den Gegen Schreiber / Peter Almindes. Der Fluß Almeria waͤchßt in dem groſſen Berge in den Landſchafften de los Totonaques, vnd Micantle, vnd laufft ins Meer von Norden durch viel Berge vnd gehe Felſen / vnd ſtracks vor jhm iſt die Jnſul Sacrificios, wie ſie der obg. Jo - han von Grijalve nennen ließ. Der Fluß Zempoala laufft gegen Norden la Veracruz, vnnd ein wenig hoͤher droben / der von S. Peter vnd S. Paul / ſo in eben demſelben Berge erwachſen oder entſpringen / vnd der / los Cazones genannt / vnd Tuſpa, vnd Tamiagua, nahe bey dem Gebiet Panuco.

Von den Biſtummen Guaxaca, Mechoacan, vnd Yucatan, vnd von der Land - ſchafft Tabaſco, ſo noch von dieſem Gebiet vbrig iſt.

DAs Biſtumb Guaxaca, von der Landſchafft / darinnen es gelegen / alſo / ſonſten auch Antequera,Von dem Biſthumb Guaxaca. von der Statt / da die Dom - oder Haupt Kirche ſtehet / benamet / zwiſchen dem Biſtumb los An - gelos, vnd den Biſtume[r]n des Gebiets Gutemala begreifft in ſich 125. Meilen von einem Meer zum andern / auff der Seiten deß Gebiets Tlaſcala, vnd 60. gegen dem Gebiet Chiapa, vnd 100. langs deß Meers von Suden / vnd 50. auff der Seiten deß Meers gegen Norden: Vnnd hat in ſich die Landſchafften beydes deß hohen oder obern / vnd denn deß niedern oder vntern Miſteca, da denn das obere 40. Meilen von Antequera gegen Oſten / vnnd das vntere mehr gegen dem Meer von Suden zu zeucht.

Dieſes Thal Guaxaca, von welchem der Marſchalck ſich her geſchrieben / gehet an am BergeGuaxaca gibt dem Mar - ſchalck du Val einen herrlichen Namen. Cocola, an den Grentzen deß Gebiets Guaxolo titlan. Man bringt allhie viel Seiden / Korn vnnd Mayß zuſammen. Es hat auch ſchoͤne Gold Bergwercke allhie gehabt / vnd gebrauchen ſich die Leute diſ - ſeits der Sprache deren von Zapoteca. Das Land der Statt Antequera (welche / wie obgedacht / Guaxaca heyſſet) war mit Mexicanern beſetzt / ſo daſelbſten / auß Befelch deß Statthalters Motezuma, in Beſatzung lagen. Nun der meiſte Theil dero jenigen / ſo die Koͤnige von Mexico durch das gantze Koͤ - nigreich in Beſatzung liegen hatten / redeten alle Mexicaniſch. Die Bache der Statt / fleuſt vnter der Er - den hin / allernechſt vor Cimatlan, vnnd zwo Meilen von dannen kompt ſie widerumb herfuͤr bey dem Berge Coatlan, ſo auch zwo Meilen von Guaxaca ligt / vnnd vber eine halbe Meile von der Statt / nahe bey einem Berge / ſo gegen Norden ligt / leſt ſich die Spitze eines Bergleins ſehen / vnd dar - nach eine groſſe Ebene / von vngefaͤhr 8. Meilen / ſo das ſchoͤne Thal von Guaxaca iſt / lieblich vnd temperirter Art / wie auch gar guter ſanffter vnnd geſunder Lufft / da in gemein alles waͤchſt / vnnd inſon - derheit alle Garten Gewaͤchſe / ſehr wolſchmeckend wie in Caſtilia. Gegen Sud Oſten ligt die Land - ſchafft Tutepeque, ſo viel Staͤttlein am Strande deß Meers hat / die ſich dann vber 60. Meilen erſtre - cket / vnd die Gegende deß Fluſſes d Alvarado, zwiſchen Norden vnd Nord Oſten / vnd die von los Zapo - tecas gegen Nord Oſten von Antiquera vnnd Guazacoalco, an den Grentzen Tabaſco, ſo alles ein rauhes Land / Vnd ob es wol viel Goldgruben hat / ſo graͤbt man doch ſein wenig daſelbſten / wegen der Vn - gelegenheit deß Orts.

Es iſt kein Waſſer in dieſem gantzen Biſtumb / das da nicht Gold braͤchte / vnnd die Jndianer / ſo darauff arbeiten woͤllen / haben keines dinges Mangel / weder an Speiſe / noch an der Kleydung. Sie ha - ben Cacao, welches eine Frucht iſt / ſchier wie Mandeln / deren ſie ſich auch an ſtatt der Muͤntze gebrau - chen / Sie machen auch Wein drauß / ſie laͤßt ſich auch gebratten eſſen / Man haͤlts darfuͤr / ſie ſpeiſe oder naͤhre gewaltiglich. Es iſt ein geſundes vnd luſtiges Land / da die Spanier durch Mittel der Maulbeer - Baume / Seiden zu machen pflegten / von welcher Mittel Rinde die Jndianer Papier gemacht. VnndJndianer geben kei - nen Zehen - den. wenn die Jndianer den Zehenden vnnd anders geben thaͤten / wie die Spanier / koͤndte man gar wol fuͤnff Biſtumb alda anrichten. Das obgedachte Biſtumb hat 350. fuͤrnemme Jndianiſche Doͤrffer / in welchen / mit vngefaͤhrlich 300. Meyer Hoͤfen / es mehr als 150000. zinßbahrer Jndianer hat / vnd 120. Prediger Cloͤſter / beneben noch andern Muͤnchs Cloͤſtern. Die Grentze deß Meers gegen Norden dieſes Biſtumbs gehet an am Fluß Alvarado, welcher auß den Bergen los Zapotecas entſpringt / vnnd durchlaufft vielDer Fluß Alvarado. andere Berge / auch bey der Landſchafft Cumantla hin / vnd da er ſich daſelbſten widerumb zu denen Ber - gen / auß welchen er entſprungen / wendet / laufft er in das Meer gegen Norden / zwiſchen den Waſſern Guazacoalco vnd S. Iohan von Vlua.

Das Biſtumb Mechoacan, ſo mitten in dem Ertzbiſtumb von Mexico vnnd new GaliciaDas Ge - biet von Mechoacã. ligt / hat in ſeiner Laͤnge gegen dem Strande deß Meers zum Suden / 80. Meilen / vnd 60. ins Land hinein / auch keine Grentzen gegen Norden oder Mitternacht. Jn demſelben liegen begriffen die Land - ſchafften Zacatula vnd Colima, die ſich alle beyde am Rande oder Strande deß Meers gegen Suden außſtrecken.

G iiijDie80Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil
Zacatula.

Die Landſchafft vnd Statt Zacatula an den Grentzen deß Meers gegen Suden / ligt etwas mehr als vnterm 18. Grad / vnd 40. Meilen von Mechoacan, gegen Sud Oſten / am Meer. Sie ward ge - bawet im Jahr 1523. von Iohan Rodrigo von villa fuerte, vnd Simon von Cuenea. Ligt 90. Meilen von Mexico.

Colima.

Alſo auch die Landſchafft vnd Statt Colima, ligt ein wenig vber dem 8. Grad / an der Grentzen New Galicia, 50. Meilen von Mechoacan gegen Sudoſten gelegen. Sie wird durch einen Oberamptmann verwaltet. Das Land oder Erdreich iſt heyß / vnd hat viel Cacao vnd Caſſia, deren man ſich in der Artz - ney oder den Apotecken in den Recepten gebrauchet / hat auch viel Goldts / vnd feine Leute. Gonſalo von Sandoval hat ſie im Jahr 1522. erbawet. Die gantze Gegende von Mechoacan iſt reich an Getreyde / Mayß / vnd allerhand Fruͤchten / ſo auch zu Caſtilia wachſen / auch Viehe / vnd vielen Fiſchen. Sie gibt auch Scharlach / vnd das Koͤrnlein / damit er gefaͤrbet wird / vnd Baumwolle. So ſeynd die Leute ge - ſchickt vnd arbeitſam. Diß Biſtumb hat 113. Flecken vnd Staͤtte / deren 94. ſeyndt fuͤr die fuͤrnembſten gerechnet / in welchen es auch Schulen hat.

Yucatan.

Die Landſchafft vnnd das Gebiet Yucatan (ſo dieſen Nahmen bekommen / als ſie der Capitain Franciſco Fernandez, vnd den Nahmen noſtre Dame des Remedes, moͤchte auff Teutſch Vnſer Frawen Artzneyen genennet werden / als ſie Ian von Gryalva Cozumal erfunden) ward erſtlich fuͤr eine Jnſul gehalten / darumb / daß das Meer ſchier gantz vmb dieſelbige herumb laufft / alſo / daß man ſie recht vnd wol eine halbe Jnſul / oder bey nahe gar eine Jnſul nennen mag. Sie hat in jhrem Vmbkreiß v - ber die 250. Meilen. Jn jhrer Laͤnge / da ſie ſich mehrertheyls vom Oſten zum Weſten zuzeucht / hat ſie in die 100. vnd alſo auch vom Norden gegen Suden / als nemblich von der Norden Seiten / biß dahin / da ſie an die Landſchafft Guatemala anſtoͤſſet / hat ſie vberzwerch ohngefaͤhrlich 25. Meilen. Sie hat war - men vnd ſehr feuchten Lufft / vnnd ob es wol weder Regen noch Bach in deroſelben gibt / ſo iſt doch das Waſſer in den Zieh Brunnen alſo hoch / vnd das Land alſo nieder / vnd finden ſich alſo viel Meer Muſche - len vnter den Steinen / daß / in Betrachtung deroſelben / man es darfuͤr haͤlt / daß es hiebevor ein Meer ge - weſen. Sie iſt mit Bergen gleichſamb beſchloſſen / vnd bringt kein Korn / noch anders / ſo man in Caſti -Es iſt nur ein Maͤhr - lein oder Fa bul võ dem in India ge - fundenen Meſſinen Crucifixen. lia ſaͤhen thut. So gibt es auch weder Goldt / noch einig ander Metal darinnen. Auß welchem denn zu ſchlieſſen / daß es nichts / denn nur ein Fabel oder Maͤhrlein iſt / daß etliche ſagen woͤllen / daß die Spanier als ſie hinein kommen / etliche Meſſine Crucifixen gefunden / welches doch niemals in einigem Ort in In - dia geſchehen. Diß Land hat vberauß viel Wild / vnd ſonderlich wilde Schweine. Die Leute ziehen auch vberauß viel Huͤhner / vnd ſamblen viel Baumwollen / vnd Anil / welches eine Gattung Farben iſt. Es nemmen auch die Leute ſehr zu / vnd leben ſehr lang / vnd iſt einer drinnen geweſen / der 300. Jahr alt worden. Man findet allerley Viehe auß Hiſpanien drinnen / vnd ſchoͤne Pferde. Jn dieſem Gebiet / auſſerhalb des Gebiets Tabaſco, ſo jhme am naͤchſten gelegen / hat es vier Staͤtte mit Spaniern / vnd ein Biſtumb. Vnd ſeynd alle dieſe Oerter durch den erſten Gubernatorn / als nemlich den Præſidenten Franciſco de Mon - tejo, beſetzet worden.

Tabaſco.

Die Landſchafft Tabaſco, an das Gebiet Yucatan ſtoſſende vnd mit demſelbigen vereiniget / am Strande deß Meers gegen Norden gelegen / nahe bey dem Meer Buſen von New Hiſpanien / hat in jhrer Laͤnge / von Oſten an biß gen Weſten / in die 40. Meilen / von den Grentzen Yucatan an / biß an die von Guazacoalco, an welche es gegen Oſten ſtoͤſſet / vnd alſo weit erſtreckt ſie ſich auch von Norden gegen Suden / vom Meer gegen Norden an / biß an die Grentzen Chiapa. Es iſt eine Ebene voll Weihern vnd Pfuͤhlen / alſo daß man darinnen mit kleinen Schifflein vnd Nachen fahren muß. Es iſt eine ſehr war - me vnd feuchte Pflege / vnd alſo fruchtbar / vnd hat einen guten Viehezug. So gibts auch viel Mayß allhier vnd Cacao / in welchem der groͤſſeſte Reichthumb dieſes Landts beſtehet. Es hat nicht mehr als eine Statt / als nemblich Tabaſco, ſo ſonſten auff Frantzoͤſiſch heyſſet / noſtre Dame de la Victoire (moͤchte auff Teutſch vnſerer L. Frawen Sieg genennet werden) wegen der Victori, ſo Ferdinand Cor - teſe gegen den Jndianern dieſes Orts erhalten / als er in Hiſpanien gewoͤllt / welches geſchahe im Jahr 1519. Die Schatzung / oder der Zinß / ſo die Jndianer von dieſer Jnſul entrichten / ſeynd 2000. Xiqui - piles Cacao: Nun haͤlt aber ein Xiquipil / 8000. Kern / Vnnd ein Gebund / ſo die Spanier einen Laſt nennen / thut 3. Xiquipilen.

Die Waſ - ſerfluͤß der Lãdſchafft Tabaſco.

Jn dieſer Landſchafft Grentzen laͤßt ſich vnter andern Baͤchen vnd Canalen auch der See Xica - lango ſehen / der ſonſten auch deß Koͤniges Port oder Hafen genennet wird / der da groß vnd weit iſt / vnd in ſeinem Eingange zwo kleynere Jnſulen hat. Capitain Ludwig Martin hat auff Befelch Don Ferdinand Corteſe dieſe Landſchafft vollendts zum Gehorſam gebracht.

Von dem Gebiet des Parlaments zu Guadalajara.

DAs Gebiet des Parlaments in New Galicia oder von Xaliſco / ſo Nunno Gutzmann erfunden zu haben vnbillich ſich beruͤhmet (ſintemahl es Ferdinand Cortes, oder viel mehr Capitein Gonſa - lo von Sandoval in ſeinem Namen geweſen / als er die von Colima zum Gehorſamb zu bringen außgeſandt war) iſt vnterſcheyden von dem Gebiet New Hiſpanien / gegen dem Meer Hafen von Nauidad / vnd dem Waͤge oder See von Chiapala, vnd zeucht ſich gegen Nord Oſten / da hinaußwerts denn wie auch gegen Norden / vnd ein wenig gegen Weſten / ſeine Grentzen nicht mit gewiſſen Zielen oder Enden beſchloſſenvnd81Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. vnd geendet werden / ſondern das Land ſtehet offen / darumb / daß dieſelbe Gegenden noch biß auff dieſen Ta - ge vnbekandt ſeynd.

So iſt nun gegen Weſten nichts mehr vbrig / als das Meer.

Was nun von dieſem Lande von einem Ende biß ans andere bewohnet wirdt / mag vngefaͤhrlich in die 100. Meilen ſeyn / in welchem folgende Landſchafften begriffen ſeynd / als nemblich / Guadalaiara, Xa - liſco, los Zacatecas, Chametla, Culiacan, New Biſcaya / vnd Cinaloa / vnnd die man durch Nach - baurſchafft hat erkennen lehrnen / die Landſchafften Cibola vnd Quibira.

Die Lufft in der Landſchafft Guadelaiara, vnd in jhrer Gegende herumb iſt lind vnnd lieblich / dasGuadelaia - ra. Erdreich Fruchtbar an Korn / Mayß / vnd andern / ſo auch in Hiſpanien geſehet wird vnnd waͤchſet / Hat auch viel Silberzehen / oder Bergwercke. Die Staͤtte vnd Orter ſeynd mit Hiſpaniern beſetzet.

Jn der Landſchafft Xaliſco, ſo reicher an Waytz iſt / als an Schafen oder Pferden / hats nur dieXaliſco. Statt Compoſtela zum Meer zu / 33. Meilen von Guadalaiara, gegen Weſten / da dann zuvor die Hoff - haltung vnd die Domkirche war / biß auffs Jahr 60. da ſie gen Guadalaiara kommen / damit ſie deſto beſ - ſer oder mehr im Lande drinnen weren.

Die Landſchafft New Biſcaya / 50. Meilen von los Zacatecas, ſchier gegen Nord Oſten gelegen /New Bi - ſcaya. iſt ein Land mit Munition vnd Victualien / wie auch mit vielen groſſen Herden Viehes vnd ſchoͤnen Sil - ber Bergwercken wol verſehen.

Die Landſchafft Chiametla, 20. Meilen lang vnd breyt / an der Gegende deß Meers gegen Su -Chiametla den / vngefaͤhrlich 40. Meilen von Xaliſco gelegen / hat viel Silber Bergwercke. Es ligt auch darinnen die Statt S. Sebaſcian / eine Statt mit Spaniern beſetzet / vorzeiten der Herrſchafft zu Mexico vnterthan / ein wenig hoͤher als vnter dem 22. Grad.

Culiacan, iſt eine Vogtey oder ein Ampt am Strande deß Meers gegen Sud Oſten Auffgang -Culiacan. werts gelegen / Aber gegen Nidergang / von Chiametha. Es iſt ein fruchtbares Land an Victualien / vnd an vielen Silberzehen / deren denn auch ein Real oder Regiment allda iſt / ſo man de las Virgines nennet. Die Statt S. Michael / 80. Meilen von Compoſtela, vnd 103. von Guadalaiara ligende / ward im Jahr vn -S. Mi - chael. ſers Herren 1531. von Nunno Gutzmann beſetzet.

Die Landſchafft Cinaloa, welche die hinderſte vnd am weitſten vnder den Landſchafften des Koͤnig -Cinaloa. reichs New Galicia hinder Mitter Nacht 42. Meilen von Culiacan 150. von Guadelaiara, gegen Nor - den gelegen / war vor zeiten zum Theyl mit Spaniern beſetzet geweſen. Welcher Ort denn S. Johan von Cinaloa genennet worden: Aber er ward widerumb verlaſſen / vnd oͤde.

Cibola, ligt 30. Meilen von Culiacan, gegen Mitter Nacht / vnd Cacibira 200. vor Cibola, ge -Cibola. gen Morgen. Alhier hats lauter arme Leute / welche ſintemahl ſie keine Baumwolle haben / ſich mit deren auff der Jagt gefangenen Wilden Thieren / vnd deren diß Landts Kuͤhen Haͤuten bekleyden. Dieſe Kuͤhe haben einen Hofer auff dem Ruͤck Grad / vnd vornen lange Haar / aber kleinere Hoͤrner als die vnſere. Vnd in die - ſem beſtehet jhre meyſte Haab / vnd jhr groͤſtes Gut. Denn ſie machen Kleyder vnnd Schuch / vnnd Seyle darauß / das Fleiſch eſſen ſie / vnd auß den Beinen machen ſie allerley Werckzeug. Man gebraucht ſich vie - lerley Sprachen in dieſer Landſchafft / darumb daß die Leute nicht viel mit einander vmbgehen.

California / iſt ein groſſes Ecke des Landes New Hiſpania / gar hinden am Nidergang / gehet weitCaliformia ins Meer hinein / ligt vnder dem 22. Grad der Hoͤhe / da ſie ſich dann vngefaͤhr in die 400. Meilen gegen Nord Oſten erſtrecket: Wiewol / die warheit zu ſagen / man ſeiner noch keine endtliche Wiſſenſchafft hat / wie auch weder der Meer Pforten oder Haͤfen / noch der Jnſulen / ſo zwiſchen obg. Ecke vnd dem Golfo oder Meer Buſen von New Hiſpania / in dem Meer von California ſeynd / welches gar ſtreng iſt vnd laufft gleichſam zum Nord Oſten zu / in welchem (geſetzet) ob es gleich viel Waſſer Fluͤſſe / Cap / Ecken vnd Seen habe oder gebe: ſo weiß man doch von jhrer jedem inſonderheit nichts / dann / daß ſie nicht viel beſuchet vnd gebrauchet werden.

Von dem Gewalt der Regierung von S. Jacob zu Guatemala.

D Parlament / von Guatemala, ward erſtlich der Anſtoͤſſer Cantzley genennet / darumb / daß man ſie / den Platz vnbenamet / an die Gemarckungen oder Grentzen Guatemala vnnd Nicara - gua zu bawen vnnd zu ſetzen eins worden. Sein Gebiet erſtrecket ſich in die Laͤnge von Oſten zum Weſten zu in die 240. Meilen / vnd vom Mittag / vom 84. biß auff den 98. Grad der Laͤnge: vnnd vom Norden zum Suden zu / an der Weite / 180. von 9. oder 10. biß auff den 18. oder 19. Grad der Hoͤhe. Jn wel - chem dann begriffen ſeynd die Landſchafften Guatemala / Soconuſco / Chiapa / Suchitepeque / Verapaz / Honduras / Ycalcos / S. Salvador / S. Miquel / Nicaragua / Chuluteca / Taguzgalpa / vnd Coſtarica. Jn jeder dieſer Landſchafften / gebraucht man ſich einer ſondern Sprache / welches ein Teufeliſcher Boß (wie es die Theologen darfuͤr halten) geweſen / dadurch er nur deſto mehr Vneinigkeit vnd Streits vnter die - ſen Blutdurſtigen vnd Rachgierigen Voͤlckern hat ſaͤhen vnd erwecken woͤllen.

Die Landſchafft vnd das Gebiet Guatemala / am Strande des Meers von Suden kan langs derſelbẽGuatema - la. Grentzen haben 70. Meilen / vnd von Norden gegen Suden / vngefaͤhrlich 30. Es iſt ein gutes temperirtes Land / fruchtbar an Mayß vnd Baumwollen. Korn vnd andere Fruͤchte findet man darinnen vberfluͤſſig /ob ſich82Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theilob ſich gleich die Samen nicht von einem Jahr biß auffs andere halten. Es hat wenig Waſſers drinnen / denn nur wenn es regnet / dann es gibt ſchreckliche Regen vom Aprillen an / biß in den Octobrem. Die Win - de / ſeynd Nord vnd Sud / vnd waͤhret der Nord Wind nur 14. Tage oder 3. Wochen / vnd iſt derſelbe ſehr kalt vnd grauſamb. An fuͤnff Orten hats Spanier / welche der Admiral Herr Petrus von Alvarado in den Jahren 1524. vnd 1525. dahin geſetzet hat.

Eine fruchtbare Pflege an Baumwollen / vnd Mayß / ſo man Tuͤrckiſch Korn nennet / vnnd zu der Statt S. Jacob zu dieſer beſchreyte brennende Berge von Guatemala. Nun hat es viel ſolcher Bergen in Jndia (die Spanier nennen ſie Voſcanes) Aber die beruͤhmbteſten ſeynd / der von Guatemala manch - mal Fewer vnd erſchreckliche Flammen ſampt groſſen Steinen / vnd dannenhero Aſchen mit groſſem Scha - den deß vmbligenden Landes außwerffende: Darnach der von Arequipa, von Tlaſcala, von Quiato, vnd etliche andere. Man findet in dieſer Gegende viel Bronnen vnnd Quellen von heiſſen oder warmen Waſſern / ſo vnterſchiedliche Eygenſchafften / Krafft vnd Wirckung haben. Es hat Balſam / ſchoͤn vnnd viel / ſo die Spanier ohne der Jndianer Lehre gekandt / wider eines Scribenten Meynung. Ferners hats Am - bra, der allerdings fluͤſſig / das Gummi Anime, Copal vnd Suchi Copal, vnd andere Gattungen Gum - mi vnd Saͤfften ſo außbuͤndig: auch die Thiere / in welchen der Steyn Bezoar gefunden wird. Man ſamblet gar viel Cacao, darvon ſie groſſen Gewinn haben. Es iſt aber ein Baum mittelmaͤſſiger Hoͤhe / der Frucht bringet den Caſtaneen gleich / doch groͤſſer / der alle Monat ſein Bluͤt vnd Frucht bringet / wie auch in dieſer Gegende die Pomerantzen Baͤume thun. Der Baum von Cacao waͤchſt lieber in Feuchten Or - ten / als in der Sonnen / darumb ſie jhme denn auch einem hoͤhern Baum zugeſellen / damit ſie jhme nur Schatten machen.

Sucõnuſco.

Die Landſchafft vnd das Gebiet Suconnuſco, ſo am euſſerſten von Guatemala Abendwerts am Strande deß Meers von Suden ligt / vnd faſt 34. Meilen lang vnd breit iſt / vnd an Cacao, wie auch allen / ſo darinnen geſaͤhet wird / auſſerhalb Korns / fruchtbar iſt / hat nur ein einiges Staͤtlein / das mit Caſtilia - nern beſetzet iſt / nemblich Guevetlan, durch Herrn Petrum von Alvarado gebawet / da ſich der Guber - nator haͤlt.

Chiapa.

Die Landſchafft vnd das Biſtumb Chiapa ligt im Lande drinnen / vnd hat Soconnuſco gegen Suden / vnd die Marckſteine von New Hiſpanien / gegen Weſten / vnd gegen Norden vnd Oſten / Tabaſ - co vnd Verapaz[:]vnd iſt von Oſten biß Weſten in die viertzig Meilen Weges lang / vnd ein wenig minder.

Sie tregt Korn / Mayß / vnd andere Samen / wie auch Herden Viehes / außgenommen Schafe / deren es gar wenig hat.

Verapaz.

Die Landſchafft la Verapaz, daß iſt Wahr Fried / ward durch die Dominicaner alſo genant / dar - umb daß ſie ſie durch die Predigt zu Ruhe vnnd vnter den Gehorſamb brachten. Sie liegt auch im Lande / mitten zwiſchen Soconuſco, Chiapa, Yucatan, Honduras vnd Guatemala, 30. Meilen vberzwerch / vnd auch ſo weit von S. Iacob von Guatemala / ein ſehr feuchtes Land / vnnd darumb zum Mayß deſto tuͤglicher / (welches man des Jahrs zweymal ſchiert oder erndet) als zum Korn. Da waͤchſt Baumwolle / vnd ein wenig Cacao, vnd gibs dero Voͤgel / deren Federn ſich die Jndianiſche Mahler gebrauchen / vnnd groſſen Nutzen damit ſchafften / Diß pflegte auch das aller koͤſtlichſte ding deß gantzen Landes zu ſeyn / vnd die Koͤnige von Mexico pflegten ſie von dannen zu bringen / hielten es auch als eine groſſe Suͤnde / wenn ei - ner einen ſolchen Vogel vmbbraͤchte / aber alleine zu beropffen ward erlaubet / vnnd dann muſte man ſie gehen laſſen.

Der Fluß Zacatula ſcheydet ſie von Guatemala: von welchem an ſie ſich erſtreckt / biß an Golfo dulce, das iſt alſo viel geſagt / als / das ſuͤſſe Meer / in welches alle Waſſer Fluͤſſe des Landes hinein lauf - fen / welche denn ſampt den groſſen vnd kleynen Waſſer Baͤchen / ſo oben von den Faͤlſen herab flieſſen / zu machen pflegten / daß wegen groſſer Feuchtigkeit der Erden der Mayß verfaulete: Es ward aber doch die - ſer Mangel verbeſſert / ſeythero man das Land oder Erdreich gejetet hat. Es hat viel Loͤwen / Tigerthier / vnd Gemſen / welches Fleiſch ſie eſſen / wie weych vnd ſuͤſſe es auch ſeye.

Der See wird genant das ſuͤſſe Meer / vnd billich zwar / ſintemal das Waſſer ſuͤs iſt / darumb daß alſo viel Waſſerfluͤſſe / die ſuͤs Waſſer haben / hin vnd wieder durch das gantze Land hinein flieſſen. Man findet Fiſche drinnen von vnglaublicher Groͤſſe / welche ob ſie ſchon vberauß groß ſeynd / jedoch ſchwimmen ſie alſo leiſe daher / daß man ſie gantz nicht mercket noch hoͤret / Sondern da ſie etwas von weitem hoͤren / fah - ren ſie von ſtund an zu Grund / Seynd aber gar ergrimmet vber die jenigen / ſo jhnen nachſtellen / vnd ſchla - gen grewlich ding nach jhnen. Sie haben grob Fleiſch / wie Kuͤhe Fleiſch.

Von Honduras, Nicaragua, vnd Coſtarica.

Honduras.

DJe Landſchafft vnd das Gebiet Honduras haͤlt in ſeiner Laͤnge von Oſten an biß Weſten / langs am Strande deß Meers gegen Norden / mehr als 150. Meilen / vnd in der Breyte / vom Meer an biß an die Grentzen Coſtarica vnd Guatemala, an etlichen Orten / 80. Sie iſt voll Bergen / vnd reich oder fruchtbar an Mayß / Korn / vnd allerhand Viehe / Hat auch etliche Gold vnnd Silber Berg - wercke.

Das Thal Olancho.

Es hat an ſechs Orten Spaniſches Volck darinnen / vnd ein Biſthumb.

Das Thal Olancho iſt ſehr luſtig vnd ſchoͤn / vnd nutz: denn mann viel Goldes darauß bekommenhat /83Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. hat / dannenhero dann die Gubernatorn von Honduras vnd Nicaragua ſeinet wegen etwa in groſſe Spaͤn / vnd Jrrungen mit einander gerahten ſeynd / da nemblich jhrer jeder deſſen Orts Herr ſeyn woͤllen / Alſo daß Gonſal Davila / deßwegen von Ferdinand von Soto 120000. lb. Golds / ſo die Caſtilianer Peſos nen - nen / name / vnd danckete dem Volck ab / welches jhme Pedrarias Davila zu ſeinem Schutz gelaſſen hatte.

Gleicher weiſe vertriebe Gabriel von Roias den Gonſal von Sandoval / ob er ſchon vom Herrn Fer - dinanden Corteſe von Truxillo dahin geſandt war. Alhie ward auch Iohan von Griialve, ein weitberuͤm - ter vnd fuͤrnemmer Hauptmann / in die Flucht geſchlagen / vnd ſampt vielen ſeines Volcks ertoͤdet.

Die Grentze dieſer gantzen Landſchafft ligt am Meer gegen Norden / nemblich am Meer Buge vonDie Hafen vnd Ecken dieſes Ge - biets. Nicaragua Honduras, welches alles das Meer iſt zwiſchen dieſer Landſchafft vnd Yucatan, welche beyde bey Verapaz zuſammen ſtoſſen / allda der obgedachte Arm des Meers / das Meer von Guanayes genant wird.

Die Landſchafft vnd das Gebiet Nicaragua / welches der Gubernator Diego Lopez von Salſedo das newe Koͤnigreich Leon nennete / grentzet gegen der Sonnen Nidergang an Guatemala / vnd gegen Mit - ternacht an Honduras / vnd gegen Mittag / an Coſtarica. Sie hat in jhrer Laͤnge / vom Auffgang biß zum Nidergang 150. Meilen / vnd von Norden gegen Mittage / 88. Sie iſt fruchtbar an Baumwollen / Mayß / vnd Cacao / wie auch von Viehe Herden / Aber nicht an Korn / noch Schafen / Vnnd wohnen an fuͤnff Orten Spanier drinnen.

Vber dem groſſen See iſt noch der See Lindari / vnd der verruffte brennende Berge Maſſagatan.

Der groſſe See waͤchſt vnd faͤllt / vnnd hat viel Jnſulen biß an das Meer gegen Norden / am Waſ -Der groſſe See von Nicaragua ſer / daß man nennet / el deſaguadero, welches heyſſet vnd iſt ſein Canal. Es hat viel Fiſche vnd Croco - dilen darin / Zwo Meilen von hinnen / vnd ſieben von Granata / ſiehet man den groſſen Volcaio de Mor - bacho, deſſen Hoͤhe ſchrecklich iſt / ſampt Baͤumen / von mancherley Fruͤchten / davon dieſe Landſchafft groſ - ſen Nutzen empfindet.

Ein Moͤnch hat jhme eingebildet / daß das jenige / davon das Fewer im Berge Maſſaga alſo viel Jahr lang ſich erhielte / daß es nicht verzehret wuͤrde / ein klumpe Goldes ſeyn muͤſte. Tichtete derowegen al - ſo lang vnd viel / daß er Keſſel an Ketten hangend hinein warff / ſolchen Klumpen zu erfiſchen. Aber die Keſ - ſel vnd Ketten ehe ſie die Flamme beruͤhrten / zerſchmoltzen wie Bley.

Die Landſchafft vnd das Gebiete Coſtarica / ſo am allermeiſten vnter Mitt Naͤchtigen Jndien ſich gegen Oſten zeucht / vnter dem Gebiete Guatemala / kan in jhrer Laͤnge / von dem Auffgang biß zum Ni -Coſtarica. dergang / haben 90. Meilen / von den Grentzen Veragua / biß an die von Nicaragua / an welche ſie gegen Abend vnd Mitternacht ſtoͤſſet / hat zwo Staͤtte / vnd iſt ein gut Land / nicht allerdings ohne etliche anzey - gungen Golds vnd Silber.

Von den gegen Mittag liegenden Jndien.

NAch dem ich nun bißanhero von den gegen Norden oder Mitternacht gelegenen Jndien geredet: komme ich jetzunder auff die / ſo gegen Mittag gelegen ſeynd / die man vnbillich America nennet. Diß Theyl von Jndia begreifft in ſich alles das jenige / was man gegen Suden erfunden vnd ent - deck that / von Nombre de dios vnd Panama an / alls nemblich / das genante Feſte Land / die Koͤnigreiche Peru, Chila, ſo die Jndianer ſonſten Chille nenneten / die Landſchafften der Enge deß Magellaniſchen Meers / Rio de la Plata, vnd Braſiliam, welches 5. Parlamenten (welche die Caſtilianer Audientzen nen - nen /) als nemblich das zu Panama / das im Koͤnigreich New Granata / S. Frantz von Quito / Lima, vnd los Charcas, vnd eylff Regierungen.

Es grentzet zum Theyl an das Meer von Norden / zum Theyl an das von Suden / vber welchem meyſten theyls der Sud oder Sud Oſt Wind regieret / welche in derſelbigen Gegende / welches wir nicht mey - nen noch glauben koͤnnen / gelind vnd lieblich ſeynd / vnnd die vnmaͤſſige Hitze der Sonnen lindern / alſo daß man daſelbſten wohnen kan / Wiewol es nimmermehr daſelbſten regnet / noch hagelt / denn nur in etlichen ge - wiſſen vnd kleinen Strichẽ. Die zwo groͤſte Reihen der Bergen / ſo die Spanier Condilleras neñen / durch - ſchneiden diß gantze Jndien / vnd ſeynd allerdings vngleicher Natur vñ beſchaffenheit / ob ſie gleich allerdings eine Hoͤhe deß Poli haben. Denn eine deroſelben hat viel Buͤſche / vnd regnet allezeit darinnen / vnd iſt alle - zeit heyß darinnen: Die andere aber iſt gleichſamb gantz bloß vnd kalt / ſo wol Sommers als Winters zeiten. Dieſe Berge Cordilleras nun heyſſen ſonſten auch Andes vnd Sierra, vnd haben hin vnd wider vnglaub - liche hohe Gipffel oder Spitzen / erſtrecken ſich in die 1000. Meilen in die Laͤnge / vnnd ſeynd faſt in gleicher weite von einander gelegen.

Jm Gebirge Sierra genannt zielen vnd halten ſich vielerley Thiere: vnd wo ſich die Berge ſcheiden / vnd alſo gleichſamb offen ſtehen / hats ſchoͤne Thaͤle / vnd gibt ſehr luſtige wohnungen / als zu Xauxa / Ande - quaylas / vnd Yucay. Alſo halten ſich auch in Andes viel vnd mancherley Thier. Dieſe zween Berge ſchey - den ſich gegen Cutzco / vnd laſſen zwiſchen jhnen eine groſſe Ebene / welches iſt die Landſchafft Collao / alda vnzaͤhlich viel Baͤche / Seen vnd Weyden ſeynd / ohne Gewaͤlde oder Buͤſche / wegen der Vntuͤchtigkeit vnd Vnart deß Erdreichs / ob ſchon die Lufft gut vnnd geſund genug iſt / wie denn ſolches in denen Leuten / ſo in groſſer Anzahl daſelbſten wohnen / kan geſpuͤret vnd erkand oder geſehen werden.

Nach Collao folget die Landſchafft los Charcas, die ſehr hitzig / doch nichts deſtoweniger fruchtbar iſt: da es rauhe doch an mancherley Ertz oder Metallen reiche Huͤgel vnd Berge hat.

Das84Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter Theil

Das Gebiet der Regierung zu Panama, ſo erſtlich Caſtilla del Oro, vnnd hernacher Terra fir - ma genannt worden (moͤchte auff Teutſch Feſt Landt heyſſen) erſtrecket ſich gar nicht weit. Denn es die Regierung fuͤrnemblich wegen Schiffe vnd Kauff Leuten / ſo gen Peru ab vnd zu reyſen. Sie erſtrecket ſich in die Laͤnge / vom Auffgang biß zum Nidergang / in die 90. Meilen / von den Grentzen Cartegena vnd Popayan an / biß an Caſtillo von Veragua: vnd in jhrer Breyte oder Weite / ſo da iſt vom Meer ge - gen Norden / zu den von Suden zu / auffs hoͤchſte 60. Meilen / vnd auffs wenigſte / 18. Nemblich von Nom - bre de dios oder Portobelo biß gen Panama.

Die Be - ſchaffen vñ Gelegen - heiten von Panama / vnd von ſei - nẽ Gebiet.

Das Landt iſt voll Bergen vnd Waſſer: die Lufft heyß vnd feucht / vnd gibt viel boͤſer Daͤmpffe / die denn vielerley Kranckheiten verurſachen vnd bringen / vnd fuͤrnemblich vom Meyen biß in den Novem - brem oder Winter Monat: Das Erdreich iſt gleicher maſſen vnfruchtbar / vnd allerdingen vnverſehen / denn man findet nichts als Mayß / vnd dazu deſſelben nicht ſehr viel. Wahr iſts / daß es viel huͤbſcher Wie - ſen vnd Weyden / vñ guten Anſtalt die Herdẽ zu weydẽ drinnen hat. Jn dieſer Regierung Gebiet wird auchPanama. begriffen das Ampt Veragua / in welchem / wie auch in deme zu Panama / etliche Staͤtte vnd Flecken ligen / als die Statt Panama / am Strande des Meers gegen den Sudẽ / hart am ſelben / vnter den 9. Grad der Hoͤ - he / vnd 82. der Laͤnge deß Meridians zu Toledo / von welchem ſie in gerader Linien 1560. Meil liegende.

Die Statt Nombre de dios (welche Diego von Nicura erſtlich gegruͤndet / vnd hernacher DiegoPortobelo. von Albitetz, auß Befelch Pedrariæ gebawet: Aber der erſtlich jhren Meer Hafen erfunden / iſt der erſte Admiral geweſen) iſt verlaſſen worden. Denn die Einwohner ſich gen Portobelo begeben haben (welche Statt auch eben der obg. erfunden vnd endecket hat) nicht alleine darumb / daß der Lufft ſanffter vnd ge - ſunder iſt / ſondern auch wegen der Gelegenheit deß Orts / der zur Abfertigung der Schiffen ſehr bequem iſt / vnd endlich wegen ſeiner Sicherheit.

Die Waren kommen von Portobelo gen Panama durch zween wege: erſtlich zu Lande / da man 18. Meilen weges durch fahren muß / welches gemaͤchlicher iſt / alls wenn man auff Nombre de dios zu reyſet. Der ander Weg iſt zu Waſſer / auff dem Meer / vnd dem Fluß Chagre, deſſen Eingang 18. Meilen von Portobelo iſt / gegen Abend / durch welchen man die Wahren begleytet vnd bringet / biß an die Herberge de Cruces, wenn das Waſſer hoch iſt / vnd von dannen faͤhrt man 5. Meilen anff dem Land biß gen Panama.

Jn dieſen Fluͤſſen ſeynd viel vnd ſehr groſſe Eydechſen / welche den jenigen / die ſich dieſe Gegende zuerkundigen / zu offenbaren / vnd zu ruhigem Gehorſamb zu bringen gewaget haben / viel vnnd groſſes Leydts angethan / ja auch deroſelben etliche gefreſſen haben. Es hat ſich zu Panama begeben / daß einWunder - liche Hiſto - ria von ei - nem Cro - codillen. Mann in ſeinem Nachen war / nahe bey deß Koͤnigs Hauſe / vnd kam ein Crocodill / vnd ergreiff jhn / vnd fuͤhrete jhn auff einen Felſen / Vnd als er jhn zu Stuͤcken zu zerreiſſen angefangen / ward er mit einem Buͤch - ſenſchuß getroffen vnd erlegt / daß alſo der elende Menſch noch vor ſeinem Todt alſo viel Weil bekame / da[ß m]an jhme das H. Sacrament reichete.

Veragua.

Die Landſchafft Veragua, ſo vber dem 10. Grad ligt / erſtrecket ſeine Grentzen vnnd Marckſteine biß gen Coſtarica, gegen Abend / vnd hat in der Laͤnge von Auffgang biß zum Niedergang 50. Meilen / vnd 28. in der Breyte oder Weite: ein bergichtes rauhes vnd vnebenes Land / voll Geſtreuchs / ohne Wey - den vnd Herden / ohne Korn vnd Gerſten / bringt wenig Mayß vnd Garten Fruͤchte: aber voll Gold A - dern / auch Ertz oder Metall in den Baͤchen / vnd an den Vfern: die Leute ſeynd kuͤhne / vnd dem Krieg er - geben.

Vom Gebiet des Parlaments zu Santa Fa de Bogota, das iſt / zum H. Glauben / des Bogota, welches iſt das Parlament des Koͤnigreichs New Granata.

DAs Gebiet der Regierung des newen Koͤnigreichs erſtrecket ſich in ſeiner Laͤnge von Auffgang biß zum Nidergang / in die 300. Meilen / vnnd von Mittag gegen Mitternacht auch alſo weit / die Landſchafften des newen Koͤnigreichs in ſich haltende / vnd die Aempter S. Martha, Carthage - na vnd Popayan zum Theyl begreiffende / vnd durch Nachbawrſchafft / die Landſchafften Dorado, ſo ſonſten das newe Eſtremadura genennet werden.

Die Land - ſchaft New Granata.

Die Landſchafft des newen Koͤnigreichs / welches der Præſident oder Oberſte im Parlament regie - ret vnd verwaltet / erſtrecket ſich in die 14. Meilen vom Auffgang biß zum Nidergang / vnd von Mittag ge - gen Mitternacht / 80. Es iſt ein ebenes Land / das doch in vielen Orten Berge vnd Thaͤler / item viel ſchoͤner Weyden fuͤr allerley Viehe oder Gethieres hat / deſſen man auch groſſen Vberfluß alda findet / wie auch in vielen Orten / Korn / Mayß / vnd Spaniſche Fruͤchten: vnd ins gemeyn allenthalben ſehr fein Gold / wie auch Kupffer vnd Stahl Adern. Die Leute ſeynd mehrertheyls tuͤglich vnd geſchickt zur Kauff - manſchafft / kleyden ſich mit Baumwollen.

Die Wahren kommen in diß Koͤnigreich auff dem groſſen Waſſer Fluß de la Madalena, durch la barranca von Melembo, der im Gebiet Cartagena ligt. Der erſte aber / ſo dieſes Waſſer erfunden vnd entdecket hat / iſt Garria / der Gubernator zu Sant Martha geweſen / der es im Jahr 1531. gethan. Er laufft mit ſolchem Gewalt ins Meer / daß / wenn man auff jhme faͤhret / die Schiffe in groſſer Gefahr ſtehen / wo ſie ſich nicht ſehr wol fuͤrſehen vor dem Ort / da dieſer Waſſer Fluß mit dem Meer ſtreittet. AmEingang85Von Natur vnd Eygenſchafft der Newen Welt. Eingang dieſes Waſſer Fluſſes iſt eine Jnſul. Nun iſt es aber doch 150. Meilen lang auff jhme zu fahren / vnd kan man doch in 300. Meilen nicht anfahren. Sein Vrſprung iſt in Popayan / alda er auß zweyen Brunnen entſpringet / deren einer vngefaͤhrlich 40. Meilen von dem andern ſtehet / welche / wo ſie zuſam - men kommen / alda entſpringet der Fluß / vnnd wird dieſer Fluß la Madalena genannt / darumb daß ſein Eingang am Tage Sant Madalenen vnter dem 12. Grad der Hoͤhe / vnd 26. Meilen von Cartagena, erfunden worden.

Die Herrſchafft Sant Martha / ſo an die Grentzen deß Feſten Landes / Terra firma genennet / 70. S. Martha. Meilen lang / vnd breit / zwiſchen Cartagena vnd Rio de la Hacha, ein fruchtbares Land an Mayß / vnd einer Gattung Mor / oder gelber Ruͤben / ſo die Hiſpanier batatas nennen / auch an Gold / vnd Kupffer / vnd etlicher maſſen Smaragden / vnd andern edeln Steinen.

Die Herr - vnd Landſchafft Cartagena, ſo in dem Feſten Lande ligt / am Strande deß Meers gegenCartagena. Norden / erſtrecket ſich in der Laͤnge vom Vffgang an biß zum Nidergang / vom Fluß Madalena an / biß an dene / ſo man Darien nennet / Nord vnd Suo / 80. Meilen / vnd eben alſo weit von dem Meer / biß an die Marckſteine deß newen Koͤnigreichs / wiewol viel ſagen / daß es ſich weiter erſtrecke.

Das Land iſt voll Bergen vnd Huͤgeln / Thaͤlen vnd hohen Baͤumen / ſehr zu Feuchtigkeit vnnd Re - gen geneyget. Die Saamfruͤchte auß Hiſpanien / bringen keinen Samen / ſo hats kein Korn drinnen / noch Gold / denn nur an etlichen Orten. Aber man macht viel Hartz / wolrichendes Gummi / vnd andere Saͤffte allda / die man auß den Baͤumen herauß zeucht / vnd inſonderheit eine groſſe Minge Drachenbluts / vnnd eine ſonderliche Art wolrichenden vnd ſehr kraͤfftigen Balſams.

Die Statt Carthagena, an dem Meer / 2. Meilen von dem Ecke Canoa, gegen Nidergang / amDie Statt Carthage - na. 10. Grad der Weite / 1460. Meilen von Toledo gelegen / hat mehr als 500. Buͤrger / vnd vnter jhnen mehr als 2000. Weiber. Der Gubernator / vnd die Rent - vnnd Schatzmeiſtere deß Koͤniges / wie auch der Bi - ſchoff / deſſen im Newen Koͤnigreich Caplan / halten ſich allhier.

Es haben viel Hauptleute zu vnterſchiedlichen Mahlen ſich beydes zu Waſſer / als nemblich auff dem Meer / vnd denn auch zu Lande gewaget / in die Landſchafften del Dorado, ſo auch Eſtremadura heiſſen /el Dorado. vnnd durch Nachbarſchafft in das Gebiet deß Parlaments des Newen Koͤnigreichs gehoͤren / zukommen / Haben aber doch bißhero den groſſen Reichthumb / ſo man vermeynet hatte / nicht gefunden. Dieſe Land - ſchafften ligen jenſeit des Waſſers Sant Johan des Amazones / ſonſten Orellano genannt / welches etliche / die ſich doch jrren / den groſſen Fluß oder das groſſe Waſſer Maragnon ſeyn meynen / vnnd diſſeits laͤſt ſich der Fluß Oronico / vnd andere groſſe Baͤche ſehen / vnd der Meer Bug / oder die Enge von Paria / welcher der Paß iſt zwiſchen der Jnſul der H. Dreyfaltigkeit vnd des Feſten landes / ſampt den Außgaͤngen de la Sier - pe, vnnd del Drago, wie ſie vom erſten Admiral genennet wurden / damahls / als er ſich in groſſen Noͤhten ſtecken befande / wegen des Streits vnd der ſchrecklichen Entgegenkunfft oder Zuſammenſtoſſung der ſuͤſſen vnd bittern Waſſer / welche jhme hiebevorn vnbekand war. Vnd alhie faͤngt die See Flut an ſehr hoch oder tieff zu werden / biß an die Enge des Magellaniſchen Meers / vnnd haͤlt hernacher alſo ſeinen Strich langs dem Strande oder der Gegende Peru vnd New Hiſpanien.

Peru.

Die Landſchafften von Peru (denn der Name / Peru / wird heutiges Tages viel weitlaͤufftiger genom - men vnd gebraucht / oder verſtehet man heutiges Tages viel mehr dardurch als von Anfang) halten in ſich das gantze Reich der Jngaſen / ja auch noch mehr: welches als es erobert ward / ward es in zwo Regierun - gen abgetheylet / nemblich in das / ſo Frantz Pizara vnter Handen hatte / ſo man das Newe Caſtilien nenne - te / von Quito an / biß gen Cutzco / welches 60. Meilen vnter Chincha ligt: vnd denn in das / ſo Diego von Almagro regieret / ſo man das newe Toledo nannte / von Chincha an / 200. Meilen zur Enge des Magel - laniſchen Meers zu.

Dieſe Regierungen wurden abgetheylet vnd von einander geſcheyden / biß daß die Regierung zu los Reges geſtifftet / vnd die Reiche von Peru mit einem Vice Ree oder Hiſpaniſchen Koͤniglichen Statthal - ter verſehen vnd verſorget wurden / vnter welches Gebiete begriffen werden der Hof Sant Frantzen von Qui - to / der von Lima oder de los Reyes, der de los Charcas, die Regierung zu Chila / die Laͤnder der Enge / die Jnſulen Salomons gegen Nidergang / vnd durch das Nachbaurſchafft Recht / die Landſchafften deß Fluſſes la Plata, vnd denn was eigentlich vnd inſonderheit vnter des Vice Re oder des Koͤniglichen Statt - halters Herrſchafft vnd Gebiet oder Bezwang begriffen iſt.

Von Norden gegen Mittag erſtrecket ſich ſolche Herrſchafft vber die 1000. Meilen / vnd haͤlt in ſichDie zwen groſſe Ber - ge der Jn - dien gegen Mittage. vom Auffgang biß zum Nidergang alles / was man vom Suder Meer an biß an das Meer gegen Nor - den erfunden vnd entdecket hat. Es ziehen ſich die obengemeldte zwey groſſe vnd hohe Gebirgen durch alle Landſchafften der Koͤnigreiche Peru: das erſte Gebirge / mit Namen Andes / ſo von Popayan angehet / ja / wie etliche ſagen woͤllen / vom Feſten Lande vnd New Hiſpanien biß an die Enge des Magellaniſchen Me - ers: das andere / ſo auch etwas geringer iſt / von der Statt Quito / biß gen Chile / langs den Strande her / ſo vngefaͤhrlich 12. Meilen / ein wenig mehr oder weniger / vom Meer gelegen.

Durch dieſe zwey Gebirge giengen die zween Wege. Deren der eine hieſſe der Weg der Jngaſen / durchDie zwo groſſen Straſſen von Peru: die Andes von Paſto gen Chile ziehende / welches 900. Meilen ſeynd / da der Weg nicht breyt iſt / vnd von vierHMeilen86Weſt-Jndianiſcher Hiſtorien Erſter TheilMeilen zu vier Meilen hats allemahl einen koͤſtlichen vnd herrlichen Baw / ſo ſie Tambos nennen / Diß ſeynd aber Wirtshaͤuſer geweſen / da nicht alleine der Vorraht an Speiſen / ſondern auch an Kleydung war / vnd auff jeder halben Meilen Poſtlaͤuffer / Schreiben zu vberſchicken / vnd muͤndliche Bottſchafften zuver - richten. Der ander Weg gieng vber die Ebene / dem Strande oder Vfer nach / 25. Schuch breyt zwiſchẽ zwoẽ Mauren / deren jede Stockwercks hoch / von Piura biß gen Chile / da die zwen Wege zuſammen kommen.

Alhier iſt aber wol zu mercken / daß