Dem Wohlgebohrnen HERRN Johann Jacob Linckern von Lützenwick / Erb - und Gerichts - Herrn auf Denſtaͤdt etc. Churfuͤrſtl. Maͤyntzl. Hochverordneten Re - gierungs-Rath zu Erffurth ꝛc. Meinem inſonders Hoch - geehrteſten Herrn Und Vornehmen Patrono.
EUre Wohlgebohrn. dieſen Hauß-Ver - walter zu zuſchrei - ben / koͤnnen viele trifftige Urſachen angefuͤhret werden / vornemlich aber veranlaſſet mich hierzu die ſonderbahreWohl -Zuſchrifft. Wohlgewogenheit / ſo Dero Generoſité meiner Wenigkeit oͤffters erwieſen / theils auch / weilen wohl weiß / das Eure Wohlgebohrn. eine ſehr ſtarcke Oeco - nomie haben / und Dero groͤſtes Contente - ment bey denen hohen Amts-Geſchaͤff - ten mit in Garten - und Feld-Bau / auch ander zu dem Haußhalt gehoͤrenden Din - gen ſuchen / und ſich einig Divertiſſement machen. Da nun ſolcher geſtalt alles reifflichen uͤberleget; So habe dieſes klei - ne Werckgen in regard vor-angefuͤhrten Wohlwollens Eure Wohlgebohrn. zueignen und dediciren wollen / in der endlichen Hoffnung / es werde ſolches mit Hochgeneigten Augen regardiret / und wohl auf - und angenommen wer - den / auch will nicht anders geurtheilet haben / als daß es von einem danckba - ren Gemuͤthe / welches ſich nicht an - ders danckbarlich erzeigen koͤnnen / her -gefloſ -Zuſchrifft. gefloſſen / mit angefuͤgten Wunſche / daß der Allerhoͤchſte Eure Wohlgebohrn. und DERO hohe Familie bey allen Proſperitaͤten und hohen Wohlergehen biß auf ſpaͤte Zeiten erhalten und ſouteniren wolle / wozu von Hertzen gratuliret
Wohlgebohrner / DERO Erffurth / den 14. Martii, 1712. ergebenſter Hieron. Philipp Ritſchel Buchhaͤndl.
JCh bin von dem Herrn Verleger dieſes Wercks erſuchet wor - den / eine kurtze Vor - rede vorzumachen. So habe ſolches nicht abſchlagen wollen / zumahl / da es mit probirten Stuͤcken / hier und dar / von mir vermehret worden. Jch achte aber unnoͤthig / eine weitlaͤuff - tige Vorrede zu ſchreiben / und in ſolcher die Arbeit des Autoris zu loben / maſſen das Werck ſeinen Meiſter lobet. Es fin - den hierinnen Hauß-Vaͤter und Hauß -Muͤt -Vorrede. Muͤtter / Verwalter / und Pachter / was Jhnen noͤthig zu wiſſen / nicht alleine vor ſich / und ihr Hausweſen / ſondern auch vor Viehe / als Pferde / Schaafe / und dergleichen / ſo / daß es auch die ſo damit umgehen / gar wohl gebrauchen koͤnnen. Die Gaͤrtner / Koch und Kellner / koͤnnen ihre Vergnuͤgung gleichfalls an dieſem allezeitfertigen Hauß-Verwalter haben / ſo wohl was Baum-als Kohl - und Blumen-Gaͤrten anbetrifft / theils zu Nutz / theils zur Ergetzlichkeit / und wie mit dem Getraͤnck und Speiſen um - zugehen / zu Erhaltung und zulaͤßiger Vergnuͤgung der Menſchen / und daß ſol - che gut / kraͤfftig / und wohlſchmeckend ſeyn moͤgen / wird dieſes Buch auch zei - gen. Jngleichen wird hierinnen gewie - ſen / wie aus dieſen oder jenem Stuͤcke / als Kraͤutern / Blumen ꝛc. kraͤfftige Waſ - ſer / Spiritus &c. zu diſtilliren. Jch zweiffe - le nicht / es werde dieſer allzeitfertiger Hauß-Verwalter / ſo wohl als dieſes Autoris curieuſer und Wohl-Erfahrner / vormahls Engliſcher / ietzo aber Teut -ſcherVorrede. ſcher Hauß-Artzt / der auch bey dem Herrn Verleger dieſes Wercks anzutref - fen / ebenfalls viele Liebhaber finden. Man hat auch in dieſem Tractat aller - hand nuͤtzliche und noͤthige Artzeneyen wider die Gebrechen des menſchlichen Lei - bes / und meiſtens ſolche Stuͤcke / die probat ſind / und nechſt GOtt in Kranckheiten / Huͤlffe leiſten / welches denn ſonderlich auf dem Lande wohnendẽ Hauß-Vaͤtern / wie auch vor andere / da man nicht balde einen Medicum haben kan / nuͤtzlich und gut ſeyn wird. Finden ſich / wider Verhoffen / etwa Tadler / die uͤber dieſe Arbeit die Naſe ruͤmpffen / muß mans nicht achten / wer kans allen recht machen; Die aͤrgſten Tadler und Veraͤchter ſind’ die elendeſten Leute mit / weil ſie mit nichts zu frieden / und alſo in ſteter Unruhe ſtehen / welches / warhafftig / ein groſſes Elend von derglei - chen Art Menſchen / daß es vernuͤnfftige Leute recht bejammern / und ihre Unruhe beſeuffzen. Jch ſchlieſſe die kurtze Vor -redeVorrede. rede / und wuͤnſche / daß alles was wir thun und vornehmen / zu Ehren des Al - lerheiligſten GOTTES / und zu Nutz des Nechſten gereichen moͤge. Wormit uns zuſammen der Gnaden GOTTES uͤberlaſſe.
L. C. H.
WJewohl es faſt unmoͤglich ſcheinet / etwas gewiſſes hie - von zu ſetzen / ſoll doch bey - laͤuffig / ſo viel man fuͤr noͤ - thig erachtet / gemeldet wer - den; Nemlich / daß der Platz / wo moͤglich / vom Moraſt entfernet ſey / als welches ſo wohl den Fruͤchten als Menſchen ungeſund iſt; inſonderheit aber muß ein
Gegen die Mittags-Sonne gelegen ſeyn / weilen ſo dann die Obſt-Fruͤchte ihre gebuͤhrende Waͤrme haben / fruͤh und wohl zeitigen / auch ſchoͤne Geſtalt / Farbe und Schmack uͤberkommen; Dann die Er - fahrung bezeugts / daß diejenigen Baͤume / welche gegen Mitternacht / oder nahe an den Waͤldern ſte - hen und die Mittags-Sonne wenig haben koͤnnen / ungeſchmackte Fruͤchte tragen / mit Mooß uͤberwach - ſen und ungeſchlachte Rinden gewinnen; Wer hier - auf achtet / wird erfahren / daß dasjenige Obſt ſo ge -Agen2Cap. I. Vom Orteines Gartens ꝛc. gen Mittag haͤnget / ſich ſchoͤn roth faͤrbet / das gegen Mitternacht aber gruͤn bleibet.
So ihr aber keinen freyen Ort dazu haben koͤnnet / ſondern euch nach Beſchaffenheit euers Platzes rich - ten muͤſſet: So iſt die offene Gegend gegen Morgen und ſeitwerts Abend auch nicht zu verachten / ſon - dern es kan daſelbſt ebenmaͤßig ein feiner Obſt-Garten eingerichtet werden / dann die Baͤume eher als ande - re Garten-Gewaͤchſe des Landes Orts und Art ge - wohnen.
Jedennoch iſt fuͤr allen Dingen dahin zu ſehen / daß von Mitternacht her der Garten entweder mit Gebaͤuden oder hohen und groſſen Baͤumen verwahrt werde / damit der kalte Nord-Wind in etwas aufgehal - ten und die zarten Baͤume nicht Schadẽ nehmẽ / dahe - ro / ſo Raum und Gelegenheit dazu vorhanden / auſſer den Gaꝛten gegen Mitternacht / Nuͤß - und Lindẽ-Baͤu - me nicht unfuͤglich geſetzet werden koͤnnen.
Und muͤſſen auch die Baͤume in ſolchen Gaͤrten / da ſie gegen Mittag die freye Lufft nicht haben / nicht enge / ſondern weitlaͤufftig geſetzet werden / damit die Lufft den gantzen Garten durchſtreichen / und der Wind die abfallende Bluͤhte und Blaͤtter abwehen koͤnne.
Wil auch einen ſolchen Ort haben / da die Son - ne an ihren Strahlen und Wuͤrckungen weder von Baͤumen noch Gebaͤuden / ſo viel immer moͤglich / nicht aufgehalten werden koͤnne und ebenmaͤßig ge - gen Mittag liegen.
Jſt inſonderheit dahin zu ſehen / daß ſolcher den gantzen Tag die Sonne / von kalten und rauhen Luͤf - ten geſichert / und freye Lufft haben moͤge. Und wuͤr - de euch inſonderheit / wann ihr ein flieſſendes Waſſer dabey haben koͤntet / zum Begieſſen ſehr bequemlich ſeyn. Denn alles flieſſende Waſſer iſt zum Begieſ - ſen beydes beſſer und bequemlicher / dahero wann ein Bach nicht eben ſo nahe darbey / ſondern etwas wei - ter davon flieſſen ſolte / muß man zuſehen / daß man ſolchen herbey leiten koͤnne.
Gaͤrten koͤnnen insgemein auf zweyerley Weiſe betrachtet werden / und ſind dieſelbe entweder nuͤtz - lich / oder zur Luſt.
Nuͤtzliche Gaͤrten ſind vornehmlich folgende:
Luſt-Gaͤrten ſind
WAnn ihr nun den Platz zu euren Garten aus - geſehen / aber nicht aller Orten eben das beſte Erdreich anzutreffen iſt / ſondern ein jeder mit ſei - nem Grund nach des Landes Beſchaffenheit zufriedenA 2ſeyn /4Cap. II. Vom Erdreich. ſeyn / und doch nicht gleich alle Hoffnung zu kuͤnffti - gen erſprießlichen Garten-Bau ſincken laſſen muß / weilen man noch wohl einen ungeſchlachten Grund durch fleißige Arbeit und taugliche Tuͤngung beſſern / und zur Garten-Luſt beqvem machen kan / dann ihr euch fuͤr allen Dingen des Grundes oder Erdreichs erkundigen und deſſen Verbeſſerung auf den Fall an die Hand nehmen muͤſſet.
Jſt der Grund zu leimicht / zu ſandich / oder zu waͤſ - ſerich / oder andern Ungelegenheiten unterworffen / muͤſſet ihr ſolchen Mangel durch Fleiß erſetzen;
Dann iſt er leimicht / kan er mit Sand / der ſan - diche mit guter ſchwartzer Erde verbeſſert / und das Waſſer mit aufgeworffenen Graben abgefuͤhret werden.
Oder laſſet euch etliche Gruben ein paar Ellen tieff im Garten-Platz graben / fuͤllet ſolche Gruben mit guten alten Miſt / Mooß / Aſchen / ſo von der Waͤſche oder Baͤuche kommen / und der daraus ge - grabenen Erde wieder zu / laſſet es alſo untereinan - der ein drey oder vier Wochen liegen / grabet hernach alles mit einander noch einmahl um / ebnet und ver - theilts im Garten / ſo werdet ihr ein mild-muͤrb - und fruchtbares Erdreich uͤberkommen.
Wollet ihr euch folglich der Guͤte eures Grun - des erkundigen / ſo grabet mit der Spade etwas Er - de auff / bleibt die Erde an der Spade anhangen / ſo iſt ſie ungeſchlacht und untauglich; Oder grabet ein Loch / fuͤllet ſolches alſo fort mit der draußgegrabe - nen Erde wieder zu / bleibt euch nach geſchehener Fuͤllung etwas von der Erde uͤbrig / ſo iſt der Grundgut /5Cap. II. Vom Erdreich. gut / gehet aber alle Erde wieder darein / iſt er mittel - maͤßig / ſo aber etwas daran mangelt und das Loch nicht wiederum voll wird / iſt er noch gar gering und ſchlecht.
Jhr koͤnnet die Erde aus dem bloſſen Anſchauen auch urtheilen: Dann die ſchwartze / welche die be - ſte / leicht von der rothen oder Aſchefarbigten / die lan - ge ſo gut nicht / zu unterſcheiden iſt / dann je ſchwaͤrtzer das Erdreich / je beſſer iſt es zur Gaͤrtnerey / und je mehr es auff Aſchenfarb ſchieſſet / je untuͤchtiger iſt daſſelbe. Die ſchwartze Erde iſt gemeiniglich hitziger Natur / und dahero zu den Fruͤchten dienlicher. Hieher gehoͤret auch / wann man an einem Ort viel großwachſende / item ſchoͤne / gerade / und lange Baͤume / und freches Stauden-Gewaͤchs antrifft / da iſt eine gewiſſe An - zeigung eines guten Bodens.
Noch koͤnnet ihr ſie aus den Fuͤhlen oder Anruͤh - ren erkennen / ob ſie fett / mager / grob / oder ſubtil ſey; Dann wann ſich eine Erde leicht in eine maſſam zuſammen druͤcken und fein gelinde angreiffen laͤſt / ſo kan man darauß deren Fettigkeit abnehmen / wel - ches im Gegentheil eine magere und kleychte nicht thun wird.
So gibt auch die beſte Erde / ſonderlich wann im Sommer ein gelinder Regen faͤlt / einen guten und lieblichen / die geringe und unartige aber einen gantz wiederwertigen und unangenehmen Geruch von ſich; es iſt auch nicht ein geringes Probſtuͤck / ob die Erde gut oder feiſt ſey / wann man einen Ort mit der Schauffel auffgraͤbt und ſieht / daß ſich viel Wuͤrme darinnen auffhalten / denn gewiß iſts / daß in mage -A 3rer6Cap. II. Vom Erdreich. rer Erde ſich wenig Wuͤrme finden werden / wohl aber in der feiſten / darinnen ſie natuͤrlicher Weiſe ge - nehret und erzeuget werden. Ein mehrers hievon iſt in folgenden 7. Cap. zuerſehen.
Der leimichte Kreydboden iſt wenig nutze zu Pflantzung der Baͤume; Jedoch kan man ſolche Erde verbeſſern / wenn man den leimichten Grund mit Sand wohl untereinander vermiſcht und hacket / und denn die ausgegrabene Loͤcher darmit ausfuͤllet.
Zu duͤrre und zu feuchte Erde nutzet auch we - nig. Starcker / lettichter / und ſteinigter Boden iſt in Obſt-Gaͤrten auch ſchaͤdlich. Man muß da - hero / wo moͤglich / ſo tief graben / biß man gut Erd - reich findet.
Der ſandichte Boden iſt auch nicht der beſte; Man verbeſſert ſolchen nuͤtzlich mit ſchwartzer fetter Erde / auch mit alten kurtzen Miſt / ſo mit gegrabe - ner Erde vermiſcht ſeyn ſoll.
Allzu waͤſſerichter Boden iſt auch nicht gut; die Verbeſſerung mag mit Sande und anderer Erde ge - ſchehen / auch ſoll man hin und wieder Graben zwi - ſchen die Baͤume machen / damit das uͤberfluͤßige Waſſer abgezogen werde.
Und iſt / wie ſchon oben was gedacht worden / die beſte Erde / welche ſchwartz / dabey aber nicht feucht und ſumpficht iſt. Und / wenn man ſie mit den Fin - gern fuͤhlet / fett und muͤrbe iſt; das Muͤrbe laͤſſet ſich zerreiben / das Fette hanget und klebet an Fin - gern. Das ſchwere und ſchollige iſt untauglich; man kans aber mit Aſche / Kalck und Duͤngung mit Miſte verbeſſern. Auch iſt das eine gute Erde / wel -che7Cap. III. Von Form und Eintheilung. che nicht zu bitter oder verſaltzen iſt. Wenn man nun ein gut Theil Erde uͤber Nacht in gemein Waſ - ſer einweichet / daß ſie darinnen gleichſam zergehet / des andern Tages durch ein Maculatur filtriret / oder durchlauffen laͤſt / und koſtet / kan man den Geſchmack leicht haben. Uber dieſes / wenn man ſolch Waſſer einkocht / kan mans auch leichtlich erkundigen.
Welches denn alles ein kluger Hauß-Vater und ſorgfaͤltiger Gaͤrtner zuſammen beobachten / und den Schluß daraus machen muß / ob er bereits gute und fruchtbare Erde vor ſich habe / oder ob ihm obliege / ſolche durch einige oberwehnte Kunſt-Griffe zu verbeſſern.
HJevon iſt unnoͤthig gewiſſe Reguln vorzu - ſchreiben / dann es bey euch ſtehen wird / ob der Platz groͤſſer zum Baum-Kuͤchen - oder Blumen - Garten ſeyn ſoll. Dann ihr euch dißfals nach des Platzes Gelegenheit / und nach der Sonnen / wie ſchon erwehnet / zu reguliren; Am fuͤglichſten will ſichs aber ſchicken / daß ihr alſo fort im Eintritt des Gartens erſtlich das Blumen-hernacher Kuͤchen - und am Ende das Baum-Stuͤcke leget / ſonderlich wann der Platz hinter euren Hauß und nahe an den Gemaͤchern gelegen.
Die Austheilung und Ordnung der Baͤume be - treffend / hat man nachfolgende Stuͤcke in acht zu - nehmen / nemlich: (1) Kern-Obſt: Apffel / Birn / und dergleichen. (2) Das Stein-Obſt: Allerley Kir -A 4ſchen /8Cap. IV. Von der Bezaͤunung. ſchen / Pferſigen / Pflaumen / Qvetſchen / ꝛc. Die Apffel - und Birn-Baͤume koͤnnen wechſelsweiſe ge - ſetzet werden / worbey aber in acht zu nehmen / daß die Apfel-Baͤume gegen der warmen Luft zu ſtehen kom - men ſollen. Das Stein-Obſt ſol nicht unteꝛ das Kern - Obſt geſetzet werden / weil dieſes durch ſeine aufwach - ſende Hoͤhe und vielem Schatten den andern Bäumẽ verhinderlich iſt / ſollen derowegen die Kirſch-Bäume ꝛc. hinter die Apfel - und Birn-Bäume wohl auf 40. biß 50. Schuh weit von einander geſetzet werdẽ. Die Ordnung Bäume zu ſetzen / giebt nicht allein dem Baum-Garten eine Zierde / ſondern iſt auch nuͤtzlich; Man muß aber in ſolcher Setzung / (geſchehe gleich in Form eines Qvadrats / oder Vierecks / oder in ei - ner Runde / Triangels / und dergleichen /) ſich alle - zeit nach des Gartens und Platzes Gelegenheit / vor - nemlich aber nach der Sonnen-Lauff richten.
WAnn nun der Platz noch an allen Ecken offen / muͤſſet ihr euch entſchlieſſen / ob ihr ſelbigen mit einer nicht allzu hohen Mauer / einer Plancke oder gruͤnen Hecke wollet umgeben laſſen.
Hier zu Lande wird eine lebendige Hecke oder gruͤ - ner Hagen den andern allen vorgezogen / wiewohl wann ſie von alten Staͤmmen gepflantzet / offt bald wieder verdorret und vergehet / deßwegen junge He - cken vom Saamen ſolcher Geſtalt erzogen werden: Man graͤbet im Herbſt um den Garten einen Gra - ben eines Fuſſes tieff und breit / und hinter ſolchennoch9Cap. IV. Von der Bezaͤunung. noch einen dergleichen Graben / alſo das zwiſchen beyden Graͤben ein Fuß breit Platz oder Raum bleibt / laſſet beyde Graͤben alſo offen und die außgegrabe - ne Erde auffm Lande den gantzen Winter uͤber lie - gen / wann es gegen den Fruͤhling kommt / werden ſolche Graͤben von Waſſer / ſo ſich etwan darinn ge - ſammlet / gereinigt / mit der im Herbſt außgegrabe - nen Erde wieder halb zugefuͤllt / und mit Weiß - Dorn-Beeren (welche Beeren in allen Hecken und Waͤldern im Herbſt-Monat bey ihrer Zeitigung uͤber - fluͤßig zu bekommen und zu ſam̃len) beſaͤet / hernach wird ſolcher Saame mit guter leichter Erde bede - cket / und werden innerhalb vier Wochen die jungen Doͤrner ſchon herfuͤr kommen / welche folglich bey ihren Wachsthum von auſſen und innen an beyden Graͤben mit Anbindung gerader Stoͤcke oder Stan - gen alſo gerichtet und gewehnet werden / daß ſie fein gegen einander und uͤber den freygelaſſenen mit - lern Platz wachſen koͤnnen; Auff dieſe Weiſe kan man in kurtzer Zeit einen ſchoͤnen drey Fuß dick lebendig - und beſtaͤndigen Hagen haben.
Sonſten wenn euch dieſes zu langwierig waͤre / koͤnnet ihr im Chriſtmonat euren Garten / mit Ha - chebuͤchen Weiden / Schleedorn oder andern zu einer daurhafftigen Hecken dienlichen Straͤuchern umge - ben. Jm uͤbrigen wann man keine lebendige Hecken um den Garten wegen der Diebe haben darff / ſo umgebet ihn mit einer Mauer / die doch nicht ſo hoch ſey / daß die Sonne nicht druͤber ſcheinen koͤnne / oder verwahret ihn mit einer Hoͤltzern von Bret - tern dicht zuſammen geſchlagenen Wand / auff wel -A 5che10Cap. IV. Von der Bezaͤunung. che ihr auch zu mehrer Verſicherung Fußangel le - gen koͤnnet.
So man die Mauer hoch machen wolte / ſo muß dieſelbige auch dicker ſeyn; Jn Erſparung der Stein / Sand / und Kalck / kan man ſelbige mit Schwibboͤgen auffmauren / auff daß die Sonne beſ - ſer den Garten beſcheinen kan. Wann Waſſer dar / kan man den Garten auch mit einem Waſſer-Gra - ben einfaſſen / mit Erden / Stoͤcken und Weyden ein - gefaſſet und fuͤr dem Einfall der Erde verwahret; Auch in Fruͤhling und Herbſt den Graben ausge - raͤumet und geſaͤubert. Bey Umzaͤunung und Einfaſſung eines Gartens ſoll man nicht vergeſſen / zu Beſchuͤtzung der fruchtbahren Baͤume fuͤr dem Gewitter / hohe Baͤume / als Tannen / ꝛc. ſolcher Ge - ſtalt zuſetzen / daß ihre Wurtzeln weder der Mauern noch den Zaͤunen keinen Schaden thun koͤnnen. Ei - nen Garten nun zu umzaͤunen / hat man lebendige und auch ſonſt ſtarcke Zaͤune. Jnsgemein kan man die lebendigen Zaͤune von Hagdornen machen / und etwa wilde Kirſch-Baͤume / Eſchen und dergleichen hin und wieder mit drunter ſetzen um den Zaun de - ſto beſſer in und an einander zuflechten / und ſtaͤrcker zumachen; Auch kan man das Holtz darvon / wenn mans in die Hoͤhe wachſen laͤßt / brauchen zu Pfaͤhlen / Stangen / Wagen-Zeug / ꝛc. und die Wellen darvon zu Brenn-Holtz. Doch iſts beſſer / daß man der - gleichen Baͤume ſetze / wenn ſie ſchon etwas erwach - ſen / als / wenn man ſie erſtlich von Saamen ſoll zeugen.
Wenn man einen guten Zaun nun anlegen will /halten11Cap. IV. Von der Bezaͤunung. haltẽ viele den Octob. vor die beſte Zeit; und muß man dẽ Saamẽ von Hayn-Buttẽ / ꝛc. erſt ein paar Tage vor - her im Schatten trocknen / und denn Daumens tieff in ein fettes Erdreich ſaͤen / und bey duͤrren Wetter oͤff - ters begieſſen. Auch im Februario und im October weñ das Laub gefallen / fleißig auff binden / wann aber das Laub ſchon raus / laſſe mans bleiben. Man kan auch den gantzen Winter uͤber die Zäune aufbind en / wenn man ſich anderſt vor Kälte behelffen kan. Auch kan man einen Zaun von Kernen pflantzen und ſäen etwa vor Oſtern im Vollmond / dann wäch - ſet es auch ſchoͤn und dick / daß man innerhalb 3. oder 4. Jahren ſchon eine gute Hecke hat. Die Wei - den-Zäune kan man in Martio, im Vollmond ſetzen; Wie man nun die Hecken pflantzet / nemlich in ein Schuh tief Gräbgen / mit Bedeckung der Wurtzel mit guter Erden / iſt bekandt.
Man kans hernach laſſen wachſen biß ins dritte Jahr / alsdenn creutzweiſe uͤber einander hefften wie ein Netz; und dann / wenn die Loͤcher fein ausgewach - ſen / mit einer Garten-Scheer fein gleich beſchnitten. Des Jahrs 2. biß 3. mahl im Vollmond beſchnit - ten / ſonderlich im Februario, Julio und October, iſt ſehr gut.
Man muß auch das Graß umhacken um den Zaun / denn ſolches entziehet der Hecke die Nahrung. Wird auch nuͤtzlich ſeyn mit Miſt ſolchen zu duͤngen / ſonderlich / wenn er nicht balde wachſen will / und ſolches kan im October geſchehen / und der Miſt ein wenig untergehackt werden. Will man eine ſchoͤneRoſen -12Cap. IV. Von der Bezaͤunung. Roſenhecke / ſonderlich um einen Blumen - oder Luſt - Garten / pflantzen / ſo macht man im October einen Graben nach der Schnur Knies tief und ein Schuh weit / hernach nimmt man junge Rei - ſer von Roſen-Stoͤcken / ſo ein halb Jahr alt und 2. Schuhe lang ſind / ſpaltet dieſelbe kreutz weiß auff / und giebt jedem wieder einen Knick mit einem Meſſer / ſteckt in den Knick etliche Haffer - Koͤrnlein / ſetzt ſie hernach in den Graben faſt Knies tieff / alſo daß ſie nur eine Qver-Hand hoch uͤber der Erde heraus gehen / und jede 3. qver Finger weit von einander ſtehen / bedeckt das Obere / ſo aus der Erde gehet / mit Mooß / darmit es nicht den Winter uͤber erfriere. Wenn man ſich demnach keines Froſts mehr befoͤrchtet / ſo deckt man das Mooß 14. Tage ohngefehr vor Oſtern wieder auff / und thut es dar - von hinweg / alſo daß es wachſen kan / das folgende Jahr bieget man das Auffgewachſene Rauten-weiß wie ein Haſen-Garn / hefftet es / und beſchneidet ſie mit der Garten-Scheer nach der Schnur. Es ſol - len aber die Roſen-Hecken nicht uͤber 4. Schuh hoch ſeyn. Wann die Roſen-Hecken an einen kalten Ort ſte - hen / ſo bindet man Stroh an lange Latten / und ver - bindet die Hecken auff beyden Seiten / und thut ſol - ches 8. Tage vor Oſtern etwan wieder weg.
Man kan auch Hecken / faſt auff dieſe Art / von Qvitten-Bäumen machen.
WEgen Ein - oder Abtheilung der Baͤume auff dero darzu gewidmeten Platz wird euch die vorhergehende Figur gnugſam Licht geben / wie ihr ſie ſetzen wollet: Die Diſtanz betreffend / wie weit ein Baum von dem andern ſtehen ſoll / iſt am gebraͤuchlig - ſten / daß das Stein-Obſt auff 18. biß 20. das Kern -Obſt14Cap. V. Von ſonderbahr. Eintheilung. Obſt aber etliche 20. biß 30. Fuß von einander geſetzet wird; Wiewohl das Stein-Obſt und andere kleine Sorten der Baͤume am fuͤglichſten an die Ge - laͤnder oder in Kuͤchen-Gärten koͤnnen gebracht wer - den. Wie nun mit der Verpflantzung umzugehen / wird das 10. Cap. mehrers anweiſen.
Nachdem der Grund gut oder ſchlecht iſt / dann in guten geilen Grunde muͤſſen ſie weiter von einan - der ſtehen als in magern und geringern / insgemein ſetzet man von Kern-Obſt / als Apffel - und Birn - Baͤume eins um das andere 24. Fuß / und werden / ſo lange dieſelbe noch jung und im Wachsthum be - griffen / und der Boden bearbeitet wird / auff der Mitten wohl ein Stein-Obſt-Baum da zwiſchen ge - ſetzt / welche / wann die andern groß ſeyn / ſchon abſte - hen und vergehen.
Habt ihr nicht noͤthig viel kuͤnſtliche Bette zu ma - chen / die laͤnglichten koͤnnen es wohl thun / darff aber keines uͤber drittehalben Fuß / damit ſie wohl be - arbeitet werden koͤnnen / auch die Gaͤnge dazwiſchen zum hoͤchſten zwey Fuß breit ſeyn. Die Raͤnde der Bette koͤnnen mit Salbey und andern beliebi - gen Kuͤchen-Kraͤutern nach Gefallen beſetzet werden.
Koͤnnen die Bette auff verſchiedene kuͤnſtliche Ar - ten / wie aus denen zu Ende dieſes Tractats beyge - fuͤgten Modellen zuerſehen / eingetheilet werden / machet aber die groͤſten Bette nicht uͤber vier / und die Rabatt oder Neben-Bette nicht uͤber anderthal - ben Fuß breit / und die Haupt - oder Creutz-Gänge zumminſten15Cap. V. Von ſonderbahr. Eintheilung. minſten 5. oder 6. Fuß / die kleinen zwiſchen Gaͤnge aber anderthalben Fuß breit. Die Raͤnde der Bet - ten beſetzet ihr am fuͤglichſten mit dem Buchs-Baum / welches im Fruͤhling / ſo bald wegen Kaͤlte in die Er - de zukommen / geſchehen ſoll / wiewohl etliche auch den Herbſt dazu erwehlen / weiln die Wurtzeln des Buchs - baums ſich ſo dann der Winter-Feuchte in etwas zu erfreuen haben.
Mit deſſen Einſetzung verfahret ſolcher Geſtalt: So bald ihr ſolchen uͤberkommen / ſo reiſſet deſſen Wurtzeln / ſo klein ihr immer koͤnnet / von einander / jedoch das ein jedes Straͤuchlein noch gute Wur - tzel behalte / leget ſolche hernach eine Stunde oder etwas laͤnger / damit ſie etwas Feuchtigkeit an ſich ziehen / ins Waſſer / nehmet ſie wieder herauß und ſetzt ſie alſo fort mit dem Setzholtz eine Spanne tieff / daß nur das Laub oben ein wenig vorſtehet / rund um die Bette fein dichte aneinander / huͤtet euch aber / daß kein Unkraut oder Graß im ſetzen mit darzwi - ſchen kommet / denn es hernach nicht ohne groſſe Muͤ - he wieder herauß zubringen / begieſſet folglich ſolchen geſetzten Buchs-Baum / abſonderlich im Fruͤhling bey trockenen Wetter Abends und Morgens / ſo lan - ge biß ihr mercken koͤnnet / daß er anzutreiben und zu wachſen beginnet.
Wann er nun ein Jahr alſo geſtanden und ge - wachſen / ſo ſtoſſet ihm jaͤhrlich die Wurtzeln inwen - dig des Bettes mit einer ſcharffen Spade ab / damit er der Blumen-Erde nicht die Nahrung beraube / und haltet ſelbigen unter der Schern / nemlich: ſtuͤtzet ihn des Jahrs zweymahl ab / als im Fruͤhling /und16Cap. V. Von ſonderbahr. Eintheilung. und kurtz nach den Hundstagen / jedoch beyderſeits nach dem vollem Lichte / und zwar nach der angeleg - ten Schnur ſo genau / daß die Bgedirung nicht hoͤ - her noch breiter / als drey Zoll bleibe: Auff ſolche Weiſe kan er bey ſchoͤnen zarten Laub 5. 6. und mehr Jahr ohn umgepflantzet erhalten werden.
Hierbey wollen wir noch eines und das andere gedencken / nemlich daß man die Baͤume in kal - kalten Laͤndern pflantze im Februario und Martio / in warmen Laͤndern aber im October und November; die Pflantzung / ſo im Herbſt geſchiehet / wird von et - lichen Baum-Gaͤrtnern vor die beſte gehalten / weil im Fruͤhlinge die Baͤume ihre Nahrung oben haben / hingegen im Herbſt iſt die Nahrung in der Wur - tzel von der Natur geſpeiſet.
Alle Baͤume ſollen geimpfft und gepflantzt werden / wenn der Mond unter der Erden iſt / wie auch die Wein-Reben / denn welcher Baum in zunehmen - den Mond geimpfet worden / der waͤchſet in die Hoͤ - he / und wird ſchwang / welcher aber im abnehmenden Mond gepflantzet / der wird niedertraͤchtig und ſtarck wie Cap. 10. ein mehrers zu leſen. Man muß auch die Baͤume ausheben an einem ſchoͤnen Tage. Die Beſchneidung der alten verſetzten Baͤume geſchiehet am beſten im abnehmenden Mond des Februarii; auch iſt dis die beſte Zeit / die Pfropffreiſer / ſo man in Spalt pfropffen wil / zu brechen oder abzureiſſen. Auch muͤſſen diejenigen Baͤume / ſo kuͤrtzlich verſetzet worden / in ſolcher Zeit beſchnitten werden / ehe der Safft anfaͤngt zu ſteigen / damit ſich das verwun - dete deſto eher wieder zuſchlieſſen moͤge. DieBaͤu -17Cap. VI. Von Gelaͤndern / Lauben / ꝛc. Baͤume zu binden iſt die beſte Zeit / daß ſolches im Februario geſchehe / wenn nemlich der groͤſſeſte Froſt vorbey / und der Safft noch auffgeſtiegen iſt.
NAchdeme nun der Garten bezaͤunt und einge - theilt / koͤnnet ihr ſolchen nach Belieben mit Ge - laͤndern / abſonderlich den Blumen-Garten von den andern unterſcheiden / und an ſolche entweder Ro - ſen / Johañes-Trauben / Stichbeeren und dergleichen Sorten ſetzen / wiewohl dieſer Orten auff dergleichen Gelaͤnder nicht viel geachtet wird / man brauchet an deren Stelle meiſtentheils den gꝛoſſen Buchs-Baum / um ein freyes Geſicht im Garten zubehalten / und ſetzet obbemeltes Stauden-Werck zwiſchen die Obſt-Baͤume.
Sind euch aber mehrgedachte Gelaͤnder beliebi - ger und wollet zierlich Bindwerck / wie in vielen Gaͤrten noch zu ſehen / machen / ſo koͤnnet ihr nichts ſchicklichers als das Liguſtrum wegen ſeiner ſubtilitaͤt darzu pflantzen.
Es geben auch die Lauben / Bogen-Gaͤnge und Pyramiden (wie ſolche von duͤnnen Latten zu bauen / aus den zu Ende beygefuͤgten Abriſſen zuſehen) ei - nem Garten nicht eine geringe Zierde / bey welchen dann Syringis-Cornelis Bäume / Hagebuͤchen / auch andere gepflantzt und hernach foͤrmlich angebunden werden koͤnnen / wie dieſe Pyramiden zu machen / kan der guͤnſtige Leſer aus denen am Ende dieſes Tra -Bctats18Cap. VII. Von der ſonderbahr. Erde zuctats beygefuͤgten Figuren und Unterrichte fuͤgli - cher erſehen.
WAnn nun euer Garten ſo weit zum Stande / daß ihr zum ſäen / ſetzen und pflantzen ſchreiten koͤnnet / wird nicht undienlich ſeyn / ob ſchon gleich des Grunds insgemein gedacht worden / noch zube - richten / wie jede Erde abſonderlich beſchaffen ſeyn ſoll / dann wiewohl das ſchwartze Erdreich das be - ſte unter allen / und einem Luſt - und Kuͤchen-Garten am anſtändigſten / ſo dienet es dennoch unterſchiedli - chen Fruͤchten und Gewächſen nicht / weiln dieſelbe nicht einerley Grund und Erde verlangen / derowe - gen ſoll kuͤrtzlich angewieſen werden / was ein jeder Baum und Gewächſe / im Blumen - und Kuͤchen - Garten / fuͤr Grund und Erdreich erfordere.
Will einen feiſten / froͤhlichen und ſchwartzen Grund / welcher von ſich ſelbſt mit Feuchtigkeit ver - menget iſt / (dennoch alſo / daß der Uberfluß des Waſ - ſers die Wurtzel nicht uͤberſchwemmet) in Sand und leimichten Grund aber viel Begieſſens haben; Stehet er in magern und duͤrren Erdreich / wird er wurmſtichige Fruͤchte bringen / und die bald abfallen; Vor allen wil er einen reinen Grund haben / welcher von Sand-Steinen geſäubert iſt / denn in brennen - den und ſteinigten Sand wird er auch brandig und trägt kleine unnuͤtze Fruͤchte / dieſen kan man leichtzu19Blumen / Baͤumen / und Fruͤchten. zu Huͤlffe kommen / wann man im Herbſt um den Stamm herum die Erde auffhauet und alten Miſt herum ſchuͤttet / welches man ſo lang continuiren kan biß man Beſſerung ſiehet / von deren unterſchied - lichen Arten / pfropffen und aufferziehen / wie auch von allen uͤbrigen Obſtwerck / ſoll im Monath Janu - ario gnungſamer Unterricht geſchehen.
Begehrt einen froͤlichen feiſten und wohlgeduͤng - ten Grund / und traͤgt ſelbiger an allen Orten / allwo der Apffel-Baum Luſt zuwachſen hat / gute und wohl geſchmackte Fruͤchte / liebet dennoch den truck - nen Grund mehr denn der Apfel-Baum / muß aber von allen Graß-Wachs jaͤhrlich im Herbſt wohl gereiniget / und an ſeinen Aeſten wohl geſaͤubert werden.
Erfordert ebenmaͤſſig einen feiſten / auch wohl - geduͤngten / auch liebet er einen kalckichten Grund / darum er in den Staͤdten zwiſchen den Haͤuſern gar wohl waͤchſt / wenn er denn alſo an dem Hauſe oder Mauren ſtehet / und dißfals vor der Kaͤlte be - freyet iſt / kommt er zu einen hohen Alter / doch muß er allemahl vom Rauch und Waaſen befreyet ſeyn / er ſtehet auch dieſer Urſachen an den Häuſern ſehr beqvem / weiln die Wurtzeln nicht tieff in der Erden ſeyn wollen / ſo pflegen die Aeſte den Stam̃ zu uͤber - wegen / und daher in freyen Gaͤrten ſtehend offte von Sturm-Wind niedergeworffen wird / wo er nicht wohl unterſtuͤtzet wird.
Nimmt zwar mit einem jeden Grund daſelbſt vorlieb / alwo er aus den Kern auffgewachſen / laͤſt ſich aber nicht anders umſetzen / als in einem guten wohl geduͤngten Grund / in Waaſen wil er nicht gut thun / ſondern waͤſſeriche und ungeſchmackte Fruͤchte brin - gen / dabeneben lieben ſie auch ſandigen / duͤrren und ſonnichten Boden / welcher doch zu weilen mit Schweine-Miſt geduͤnget werden muß.
Will ein gut wohlgebautes Land haben / welches fleißig gehacket und vom Graßwachs befreyet iſt / ſchwerer leimichter Boden dienet ihm nicht; San - dichter Grund iſt ihm zwar im Winter nicht zuwider / aber im Som̃er taucht er nicht zu der Fruͤchte Wachs - thum / dann die Fruͤchte von ſolchem Grund gar klein werden / darum muß man noch fuͤr Winters ſolchen mit guter Erde und wohlverfaulten Rind-Miſt duͤn - gen / ſo bringet er hernach ſchoͤne groſſe Fruͤchte.
Wächſet am beſten in warmen Laͤndern / nimmt mit einen friſchen Sand-Boden verlieb / dann ſo deſ - ſen Grund uͤberaus koͤſtlich / giebt er denſelben uͤbri - ge Feuchtigkeit / ſo die Frucht hindert.
Auch iſt hie zu mercken von den bitteren Man - deln / welche wenn man ſie ſuͤß haben wil / muß man jährlich ihnen die Erde um die Wurtzel auffgraben und Schweins-Miſt mit ihrer Bruntz darauff ſchuͤt - ten / und die Erde dann wieder druͤber thun.
Begehrt eben keinen ſonderlichen Grund / er ſey ſteinicht / ſandicht / oder merglicht / ſo wächſt er dochohne21Baͤumen / Fruͤchten und Blumen. ohne ſonderbahre Wartung fort / jedoch verachtet er einen feuchten und fetten Boden nicht; Das mit - telmäßige Erdreich aber iſt ihm am zuträglichſten / wenn die Bäume aber gar zu kalt oder zu dicke ſtehen / ſo wird ihre Frucht nicht ſuͤß / ſondern ſäuerlich.
Erfordern eben nicht den beſten Grund / ſondern ſind mit geringen und gemeinen zu frieden / wann nur derſelbe feucht; der Miſt iſt ihnen durchaus zu - wider / dennoch ſchadet der alte wohl verfaulte Rin - der - und Schweine-Miſt nicht / wenn er nur die bloſ - ſe Wurtzel nicht beruͤhrt / die Nebenbrut an der Wur - tzel muß ihm fleißig benommen werden / auch wollen ſie um den Stam̃ gern auffgehacket werden.
Verſchmaͤhet kein Erdreich / ſondern koͤmmt in ei - nen jeden Grund wohl fort / alleine truckene und erhabene Oerter ſind ihm am angenehmſten / muß aber / weil er noch jung iſt / mit Kuͤhelachen und ſon - ſten wohl begoſſen werden.
Waͤchſt gern in feiſten Erdboden bey Teichen oder Waſſer-Gräben / auch in Gruͤnden und Thälern.
Liebt allerhand Lufft und wächſt in einen ſteinicht - und leimichten Grunde.
Weil ſolches hin und wieder in die Hecken mei - ſtentheils verſetzet wird / und mit dem gebaueten Lan - de / Wegen und Gängẽ verlieb nehmen muß / wird um deren Grund ſich viel zu bekuͤmmern unnoͤthig ſeyn /B 3auſſer22Cap. VII. Von der ſonderb. Erde zuauſſer die jungen Syringis / wann ſie in tro - ckenem Erdreich ſtehen / und in trockenem Wet - ter nicht mit Begieſſen gewartet werden / pflegen leicht zu vergehen. Es moͤgen aber die Stauden und Buſch-Gewächſe ſo wohl im Herbſt als im Fruͤh - ling verpflantzet werden. Und gleichwie die Haa - re an des Menſchen Haupt / ſo nicht zu gewiſſer Zeit beſchnitten werden / gantz unartig zu wachſen pflegen / und den gantzen Menſchen unkaͤntlich machen; Glei - cher weiſe geſchichts auch mit dem Stauden-Werck und allerhand Baͤumen / wenn ſelbige zu hoch auff - ſchieſſen / und nicht fleißig beſchnitten werden. Von den Jnſtrumenten / womit ſolche Beſchneidung ge - ſchehen ſoll / lehret uns drunten das 20. Capitel.
Die beqvemſte Zeit die Beſchneidung der Stau - den und Buſch-Gewaͤchs vorzunehmen / iſt um St. Johannis-Tag. Die Kraͤuter aber koͤnnen von Fruͤhling an / biß in den Herbſt / (aber nicht weiter / damit ſie die Kaͤlte des Winters ertragen koͤnnen) be - ſchnitten werden. Roſen aber und Buchsbaum be - ſchneidet man ſo fort Anfangs des Fruͤhlings und den letztern auch im Herbſt.
Wollen wir uns hiermit nicht lange auffhalten / weilen faſt bey jeder Wurtzel und Saat in den gehoͤ - rigen Monathen von deren Grund wird Erwehnung geſchehen; Und wiewohl etliche / ſo eines und das an - dere nach ihrem Kopff und Verſtand ſaͤen / ſich diß - fals an keinen Unterricht binden oder darnach rich - ten wollen; So bringts doch die Erfahrung / daß der Lactuc / Endivien / Spinat / Portulac / Cichorien /Ruͤ -23Baͤumen / Fruͤchten und Blumen. Ruͤben / Bohnen / Cucumern / Kurbiſſe oder Flaſchen / Baſilge / Roßmarin / Salbey / ꝛc. eine gute ſchwar - tze Erde haben wollen.
Hingegen Radieß / Rettig / Knoblauch / Zwiebeln / Peterſilien / Tymian / Jſop / Saturey und derglei - chen / einen ſandigten und zum Theil Grieß-vermiſch - ten Grund begehren.
Erfordern die aus Jtalien / Spanien und andern frembden Qertern zu uns gebrachte
Dißfalls eine beſondere Beobachtung / damit ſie wieder in eine ſolche Erde gebracht werden / als ſie vorhin geſtanden; Haben ſie vorhero ein toͤhnich - tes / fettes und kieſigtes Erdreich gehabt / maſſen dann gemeiniglich nechſt der Wurtzeln dergleichen indicia abgemercket weꝛden / ſo muß man ſie nicht allein in ſol - chen zugerichteten Grund bringen / ſondern auch wohl zuſehen / daß man ſie nicht tieffer oder flaͤcher / als ſie vorher geſtanden / verſetze / dann wofern ſie ſol - ten tieffer geſetzet werden / als ſie zuvor geſtanden / wuͤrde ſich gar leicht an dem Ort des Stammes / wo ſonſt keine Erde geweſen / eine Faͤulung anlegen / dadurch ein ſolches zartes Baͤumlein verderbet wuͤr - de; Und muͤſſen die Buͤtten oder Gefaͤſſe / worin ſie ſollen geſetzet werden / mit etwas kothigter jedoch fet - ter und von verrotteten durchgeſiebten Holtz - oder Sägeſpaͤnen wohlvermiſchter Erde gefuͤllet werden.
Die Erde bereitet ſolcher Geſtalt: Grabet euch in der Herbſt-Zeit eine Grube / leget in deren Grund etwan ein Fuß hoch guten Miſt / hernacher Saͤge -B 4Spä -24Cap. VII. Von der beſondern Erde ꝛc. Späne von Eichen-Holtz und continuirt mit ſolcher Umwechſelung biß die Grube gantz wieder zugefuͤllet und laſſets den Winter uͤber biß auff den Fruͤhling alſo verrotten.
Wiewohl auch faſt bey jeden Blumen-Gewaͤchs in andern folgenden Cap. was ſie vor Erde erfor - dern / wird Errinnerung geſchehen: So liebet doch Martagon, Hyacinthen / Crocus, Narciſſen / Fritila - rien / Iris bulboſa, Tulpen / Colchicum, Aphodillen ꝛc. eine geringe trockene / hingegen Aloe hepatica, & A - mericana, Ficus Indica, Jucca glorioſa, Ranunculi, A - nemone, Dens caninus, &c. eine mittelmaͤßige Erde.
Jnsgemein muͤſſen die Blumen-Bette von 6. zu 6. Jahren ihrer Erde entbloͤſt und mit friſcher guter Erde / nach Erforderung der Sorten zum we - nigſten eines Fuſſes tieff / beſchuͤttet werden / maſſen ſonſten ſolcher Grund / weil er nicht gemiſtet wird / ſich allgemach in eine nichts nuͤtze Sand-Erde / wo - raus unmoͤglich was gutes wachſen kan / degeneriren wuͤrde / und ſchickt ſich ſehr wohl zu ſolchen Beſchuͤt - ten die gemeine Kraut-Garten Erde / welche das Jahr vorher wohl iſt gemiſtet / in ſolcher Zeit von Regen und Sonne macerirt, und durch die darin gewachſenen Kraͤuter / mit Heraußziehung der crudi - tät und Grobheit gantz geſchlacht gemacht worden.
Zu den Gefaͤſſen / darein Blumen ſollen geſe - tzet werden / wird die Erde ſolcher Geſtallt bereitet: Man nim̃t verrottete Saͤgeſpaͤn-Erde / von welcher kurtz vorhero iſt gemeldet worden / durchſichtet die - ſelbe fein klein / untermenget ſie mit etwas Sand / und ſetzet darein die ſchoͤnen Blumen / auch andere koͤſtliche Gewaͤchſe.
ZU dem Umgraben des Landes nehmet feine ſtar - cke und fleißige Leute / die es verſtehen / und nicht die faulen Maͤgde / ſo nur obenher graben / und nicht die Luſt haben / die alten Wurtzeln und Unkraut aus dem Lande zu ſammlen / wollet ihr anders Ehre und gute Fruͤchte von euren Garten haben / und muß die Erde niemahls mit dem Schnee umgegraben wer - den / dann ſie ſonſten keine Frucht bringet; auch nicht wann der Wind von Mitternacht gehet.
Es iſt aber der Nutz des Umgrabens dreyerley: Erſtlich / damit das Graß / Unkraut und Quecken aus dem Boden / welcher ſeine Fruchtbarkeit den Pflantzen mittheilen ſolle / geriſſen werden / dann die Krafft und Safft / ſo dieſelbige haben ſolten / wird gleichſam von dem Unkraut weggeraubt und aus - geſaugt.
Zum andern / wann der Erdboden nicht wohlge - brochen / gelottert und eroͤffnet wird / kan er die Saa - men nicht fuͤglich in ſeinen Erden-Schos faſſen als welche ein lindes und weiches Lager verlangen.
Drittens ſo kan auch kein fruchtbarer Regen / o - der die Strahlen der Sonnen / noch andere Krafft des Geſtirns hinab dringen / wann das Erdreich hart zuſammen gebacken und gleichſam wie mit Schalen uͤberleget iſt.
Jm umgraben muß man aber die Zeit und die Weiße / wie ſolches verrichtet werden ſoll / in acht zu nehmen wiſſen. Was die Zeit betrifft / muß ſolches ent - weder im Herbſt oder Fruͤhling geſchehen: Wer einenB 5Gar -26Cap. VIII. Vom Miſten und Graben ꝛc. Garten zur Herbſt-Zeit von neuen anrichten will / der muß vorhero im Fruͤhling ſeinen Erdboden wohl um - graben. Wer aber im Fruͤh-Jahr ſeine Felder zu ſaͤen willens iſt / der ſoll im Anfang des Herbſtes das Umgraben fuͤrnehmen. Dann durch der Sonnen Hitz und des Winters Kaͤlte wird die Erde fuͤglich zu - gerichtet / und gleichſam ausgekochet.
Die Art und Weiſe zu graben iſt dieſe: Man muß das Garten-Feld / ſo mit Qvecken und anderm Un - kraut angeflogen iſt / mit einem ſcharffen Grabſcheid / entweder im Fruͤhling / oder / welches beſſer iſt / im Herbſt durchſchneiden und umwerffen / das Graß / ſo viel moͤglich / mit den Wurtzeln heraus reiſſen / das uͤbrige hinunter arbeiten / damit es verfaule; hernach ſoll man daſſelbe alſo (ſo aber von unſern Gaͤrtnern ſelten geſchicht / dahero nicht zu verwundern / wann das ermuͤdete Erdreich nicht nach Hoffnung frucht - bar ſich erweiſet /) biß kuͤnfftigen Fruͤhling oder Herbſt hin liegen laſſen / alsdann mit einer Miſtgabel wohl durchziehen / da die uͤberbliebene Qvecken nochmahl koͤnnen heraus gezogen und weggeworffen werden; So dann kan man es etwas duͤngen / und damit zum drittenmahl mit dem Grab-Eiſen oder Spate umſte - chen / damit die Duͤngung wohl hinunter komme / und endlich / nach ſolcher verrichteter Arbeit / ſeinen Saa - men mit guter Hoffnung dem Erdreich vertrauen. Das iſt allhier zu mercken / daß man ein langgelege - nes und neues Erdreich das erſte Jahr nicht gar zu tieff umgraben ſolle / das andere und dritte Jahr mag man wohl was tieffer hinunter gehen / und allemahl die alte Erden hinunter / und neue heraus ſtechen. Da -27Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. Dahero geſchichts / daß man nicht ſo offt und viel Duͤngung von noͤthen hat / dann alſo nicht nur allein ein neues Erdreich jaͤhrlich der Saame bekommet / ſondern auch das alte Erdreich zwey Jahr ruhen kan / und in dieſer Ruhe neue Krafft und Fruchtbar - keit uͤberkommet.
Es iſt das Duͤngen und Miſten nur dahin angeſe - hen / dem Erdreich die verlohrne Kraͤffte wieder zu erſetzen. Es muß aber eine Maaß damit gehalten werden / dann ſo man viel Miſt auf das Land bringt / ſo erhitzt es ſich dermaſſen / daß nur viel Wuͤrme in demſelbigen wachſen.
Weiln hier von dem Miſt gehandelt wird / kan ich nicht umhin hiebey zu ſetzen / was einer vor wenig Jahren / unterm Titul Oeconomiæ Francorum von der Duͤngung nachfolgender Maſſen geſchrieben:
Aus ſonderbarer tragenden Affection zu dieſes Landes Nutzen / und zu Befoͤrderung deſſen Wolfahrt und Auffnehmen habe nicht unterlaſſen ſollen / denen Orientaliſchen Francken in der Oeconomia ein hoch - nuͤtzliches Gedaͤchtnuͤs zu hinterlaſſen / und dadurch jedermaͤnniglich zu dienſtlicher Liebe ad perpetuam rei memoriam aus dem Grund der Natur vier hoch - nuͤtzliche bißhero der Orten nie am Tag geweſten Wiſſenſchafftẽ zu eroͤffnen / welche nicht nur aus mei - ner Theoria und Vernunfft fundirt, ſondern viel - mehr in eigener Practica warhafft mit wuͤrcklichem Nutzen erfunden und genoſſen worden.
Geſtalten GOttes Guͤte mich vor 17. Jahren wunderbarlich zu unterſchiedlichen Artiſten und Na - turaliſten geleitet / die mir Gelegenheit und Urſachgege -28Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. gegeben / der natuͤrlichen Dinge Grund zu erforſchen / denn was ſonſten in der Philoſophia durch die Specu - lation gleichſam in der Lufft geſchmiedet / das wird durch die Practica in dem Laboratorio der Alchymiæ, als welche der eintzige Probierſtein der Theoria uͤber alle materialiſche oder corporaliſche Dinge iſt / fuͤr muͤglich oder unmuͤglich / gerecht oder ungerecht / ein - tzig und allein an den Tag gebracht.
Dieſem Land und andern dergleichen zu Nutz gab mir vor laͤngſt unter vielen andern Nachforſchun - gen die groſſe Muͤhſeligkeit und Koſten des Hackers und Ackermanns ihren Moſt und Getraͤyd vollkoͤm̃ - lich und auffs beſte zu erobern / groſſe Urſach nach - zudencken / was dann dasjenige ſey / das den Wein aus dem Stock und das Getraͤyd vollkoͤmlicher und haͤuffiger aus der Erden treibt (dieſes Orts Kuͤrtze halber ungemeldt / was dißfals der Archeus Terræ, Illiaſter, der Clima Aſtrorum ſamt der Impreſſio meteororum und Jnfluentzen darbey thun) ſo be - findet ſich / daß abſonderlich in den kalten Laͤndern Europaͤ der Weinſtock ohne Duͤngung / und der Acker ohne Miſt keine vollſtaͤndige Fruͤchte beyder - ſeits geben wollen; da ihnen aber ſolche Mittel oͤff - ters beygefuͤgt werden / ſo hat man ſich reichlicher und Koſtens-ertraͤglicherer Fruͤchten zu getroͤſten.
Jn der Theoria nun wird erſonnen / was ſolches fuͤr eine Eigenſchafft ſeye in der Duͤngung / das dem Weinſtock und dem Acker ſolche antreibende Krafft und folglich der Frucht eine ſolche Beſtaͤndigkeit gebe.
Darauff demonſtrirt die Alchymia, daß in allen Dingen des unterirrdiſchen Geſchoͤpffs / in jedem ſpe -cie29Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. cie drey Ding: als ein Saltz / ein Schweffel und Mercurius ſey / id eſt Corpus, Spiritus & Anima, de - rer Eigenſchafften ſeynd / eine anziehende Krafft / durchdringender Geiſt und austreibende Feiſtigkeit mucilaginiſcher Form oder Empfindligkeit / und die - ſe drey / als drey Principia, von welchen die vier Ele - menten entſpringen / vergleichen ſich den vier Kraͤff - ten des Menſchlichen Leibes / als der anziehenden / behaltenden / dauenden und austreibenden / welche Kraͤffte von allen Speiſen und Tranck / ſo der Menſch genieſt / ihren Theil ad Nutrimentum zu ſich neh - men / und das grobe Corpus wieder auswerffen.
Alſo auch verhaͤlt ſichs mit der Duͤngung und Miſt am Weinſtock und Acker / der Weinſtock und das geſaͤete Koͤrnlein im Acker ziehet nur aus der Duͤngung den feiſten Schweffel / das erhaltende Saltz und den durchdringenden Mercurium an ſich / und laͤſſet das Corpus des Strohs und andere Ex - crementen in der Erden liegen / und derſelbigen gleich werden / und vergleicht ſich dieſer natuͤrlicher Actus durch ſolche Zerſtoͤhrung dem Philoſophiſchen Spruch: Putrefactio eſt corruptio, & corruptio eſt alterius generatio.
Nun ad Propoſitum iſt von mir in Nachfolgung der Natur durch Kunſt und Geſchickligkeit / ein viel naͤherer / leichterer / wenigere Koſten erfordernder und nichts deſtoweniger ein dißfals vor andern weit kraͤfftig-wuͤrckender Weg gefunden / als vor - mahls auf die alte Weiß geſchehen / wodurch ermeld - ten zweyen vegetabilien dem Wein und Feldfruͤch - ten zu ihrer Vollkommenheit geholffen wird.
Jn30Cap. VIII. Vom Miſten und Graben.Jn Anſehung der alten Gewohnheit wegen vie - ler Unkoſten und Verachtung des Beſſern 1. Die Duͤngung durch uͤberfluͤßiges Viehhalten zuerobern / oder auch zu kauffen. 2. Die Verſchwendung oder Unachtſamkeit der beſten Subſtantz und Verluſt deſſelben / ſo davon rinnet oder in die Erde verſincket. 3. Die groſſe Koſten / ſo ſchwere Laſten auff hohe Berge zu denen Weinſtoͤcken zu tragen. 4. Jtem wann ſolche Duͤngung auff den Aeckern außgebrei - tet / wie nemlich ein haͤuffig Unkraut davon waͤchſet / daß auch das gute Koͤrnlein meiſtentheils erſtickt / und ſolch Unkraut die beſte Subſtantz zu ſich ziehet. 5. Der Acker allzeit das andere Jahr feyren oder Brach liegen muß.
Von allendieſen unoͤthigen Unkoſten und Laͤnge der Zeit einigen Nutzen zuerhalten / kan durch natuͤrli - che Vortheil und Wiſſenſchafft abgeholffen und an deſſen ſtatt durch geringere Muͤhe und weniger Koſten viel groͤſſerer Nutzen geſchafft werden. Erſtlich aber iſt von Noͤthen / daß der alte Mißbrauch und Unachtſamkeit / ſo auß der eintzigen Ignorantz und Unwiſſenheit bißher entſprungen / in Obacht genom - men und zu gut gebracht werde / indem nemlich die allgemeine Maͤyr - und Baur-Hoͤffe / ſo ihre Duͤngung unter freyen Himmel liegen haben / worauff der Re - gen haͤuffig faͤllet / daß bey einen ſolchen Hauffen ein Loch in die Erden gegraben / darein ein Waſſer - haltend Geſchirr feſt eingeſtellet werde / in welches durch eine Rinnen das ſchwartzbraune Waſſer von dem Miſt jederzeit flieſſen koͤnne. NB. Dann ſol - ches braune Waſſer iſt die beſte Subſtantz der Duͤn -gung /31Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. gung / wovon einig und allein die Vegetabilien ihren vollkom̃enen Nahrungs-Safft habẽ / welches braune Waſſer offt ſo haͤuffig / nachdem es offt und ſtarck reg - net / unnuͤtzlich hinweg lauffet / oder in die Erden ſin - cket / daß nicht der halbe Theil ſolcher Eſſentz im Miſt verbleibt.
Desgleichen / wann ein jeder wuͤſte und glauben koͤnte / was vor ein nutzbares Weſen in dem Men - ſchen-Harn oder Urin verborgen / ſo wuͤrde Er es fuͤr keine unnuͤtze Verſchwendung achten / abſonderlich wann er in ſeinem Haußweſen viel Leute hat / daß er ſolches Menſchen-Waſſer nicht taͤglich zuſammen in ein darzuhingeſteltes Geſchirr und zu dem Miſt - Waſſer ſchuͤtten laſſen ſolte; dann wer den Urin al - ſo unachtſam hinweg ſchuͤttet / dem geſchiehet wie den Kaͤrntneriſchen Bauren / welchen die Venetia - ner verweiſen / ſie werffen einen Stein nach der Kuh / welcher doch ſo viel werth als Muh / und vier Fuͤß darzu. Alſo trincket der Franck den gantzen Tag Wein / und zu Nacht ſchuͤttet er den per Veſi - cam diſtillirten zum Fenſter hinauß / der doch in ſuo eſſe, ſo viel werth / als der den er getruncken hat.
Wer aber nicht glauben kan / daß in gedachten beyden Materien ein ſo groſſes koͤſtliches Weſen ver - borgen liege / der gedencke nur nach wie unter den alten Viehſtaͤllen ein kraͤfftiges Sal nitri wachſe / deſ - ſen von gleicher Staͤrcke ſonſten in keiner Creatur gefunden wird. Jtem aus Urin wird durch die Alchymia das Sal Armoniacum & Alcali gemacht / welche ſo gar das beſtaͤndige Gold zu nichts machen / das doch weder Feuer noch kein ander Element thunkan32Cap. VIII. Von Miſten und Graben. kan / gleich wie nun dieſes durch einen andern Weg durch die Natur in langer Zeit unter den alten Staͤllen ſamt beyderley Kuͤnſten geſchiehet / alſo ge - ſchicht durch folgende kurtze Zeit erfordernde Putre - faction in nechſtgeſetzten Geſchirr / daß aus beyden er - meldeten Materien eine kraͤfftige Eſſenz zu Fort - helffung des Weinſtocks und Getraͤydts werden kan. Wie nun darmit zu verfahren / folget hiernechſt die warhaffte und hochnuͤtzliche Practica.
Als nemlich daß man die offtgemeldete bißhero unachtſam und umſonſt hinweg rinnende oder ver - ſinckende und unnuͤtz verſchuͤttete beyderley Waſſer des Miſts und Urins / in die Kuffen / Gelden oder Staͤnder ſchuͤtte / zuweilen ein Feuer von allerhand unnuͤtzen Gehoͤltz in das Oeffelein mache / damit durch die Erhitzung beyderley Waſſer fermentiren, pu - treſciren und ſich als zwo in der Natur widerwaͤr - tige Materien vereinigen koͤnnen; je mehr dann von ſolchen beyden Waſſern außdaͤmpffet / und die in der Kuffen bleibende Subſtantz dicker wird / je beſſer und vollkommener wird es zu dem Weinſtock und Ge - traͤyd zu gebrauchen / wie ferner folgt.
Obgemeldtes ſchwartzbraune Miſtwaſſer ſammt den geſamleten Urin darzu gegoſſen / woͤchentlich oder taͤglich in den Ständer oder Kuffen geſchuͤttet / in das Oeffelein nach jeder Gelegenheit ein Feuer von unnuͤtzen Spaͤnen / Holtz oder Kohlen oͤffters durch die Thuͤr oder Offenloch darunter gemacht / darmit ſolche Waſſer in dem kuͤpffernen Gefaͤß / ſo zwey Schuh lang ſeyn ſoll / erhitzet / und alſo dadurch die gantze Kuffen heiß und daͤmpffend wird / das iſtdann33Cap. VIII. Von Miſten und Graben. dann die Putrefaction und Digeſtion oder Corrup - tion welche hernach in den Vegetabilien etwas Ed - lers zuwege bringt. Nach dem nun ſolches Waſ - ſer durchs Feuer ſtarck außgedämpfft oder im Som - mer von der Sonnen eingedrucknet / daß die Rema - nenz wie ein Firnuͤß oder Nuß-Oehl wird / ſo iſt es deſto beſſer / und macht das Korn deſto erträglicher / auch darff man zu dem Weinſtock deſto weniger neh - men / etwan zu einem Stock den vierdten Theil ei - nes Maaß.
Solche Boding / Kuffen / Staͤnder oder Faß / wie man es der Orten nennen mag / ſoll aber vor dem Regen zugedeckt ſeyn / oder aber alſo unter einen Dach ſtehen / daß dannoch die Sonn daran ſcheinen koͤn - ne; will man aber das Oeffelein oͤffters einheitzen / daß die uͤbrige Wäſſerigkeit darvon ausgedaͤmpfft werden koͤnne / ſo braucht es keiner Sonnen / kan al - ſo wohl ſtehen nach jedes Gelegenheit.
WAnn und ſo offt man eine Feldfrucht oder Ge - traͤyd / es ſey von Waͤitzen / Dinckel / Gerſten / Korn oder Habern / ſaͤen will / ſo muß man ſolches Getraͤyd 4. Tag und Nacht vorhero in ſolche Eſſenz ſchuͤtten / darinnen gleichſam erſchwellen und erwei - chen laſſen / alsdann mit einer Schauffel in einen gꝛoſ - ſen Korb / oder Wanne heraus geſchoͤpfft / damit alſo die uͤbrige Feiſtigkeit wieder in die Kuffen / und nicht umſonſt hinweg rinne / alsdann das Getraͤyd geſaͤet / und auff ſolche Weiß darff man niemahl einigen A -Ccker34Cap. VIII. Von Miſten und Graben. cker mit Miſt uͤberfuͤhren / und duͤngen / dann das Koͤrnlein nimmt ſein Nutriment von dieſer Eſſenz zu ſich / ſo viel es immer von noͤthen hat / und blei - ben die Aecker auff dieſe Manier von allen Unkraut rein / welches ſonſt von dem Miſt entſtehet / auch waͤchſet darvon Graß / daß alle gute Fruͤchte von ſolchem Unkraut uͤberwachſen und erſtickt werden.
So hat man auff gemeldte Weiß auch dieſes zu genieſſen / daß man keinen Acker darff uͤber Jahr ru - hen oder Brach liegen laſſen / ſondern man kan die Aecker alle Jahr auff ſolche neue Weiſe beſaͤen / und hat man ſein vollkommen Getraͤyd zu erndten.
ZU eines jeden Weinſtocks Wurtzel ſchuͤttet man von ſolcher Eſſenz nur den vierdten Theil eines Fraͤnckiſchen Maaß / welches beſſer vor als nach dem Winter zugeſchehẽ pfleget / und bedarff man kein groß Loch zu graben / wann nur die Erden eines Karſts oder halben Schuchs tieff gleich oberhalb der Wur - tzel hinweg gethan wird / und ſolche Eſſenz in das Loch gegoſſen / ſo ſincket es ſchon hinab zu der Wur - tzel / und hat man auff ſolche Weiß auch dieſen Vor - theil / daß der Weinſtock ſolche Eſſenz gleich das Er - ſte und Andere folgende Jahr zu genieſſen hat / da ſonſten die Duͤngung erſt nach dem andern und drit - ten Jahr ſeine Kraͤffte hergeben kan / dann wie die Er - de ſolche Kraͤfften erſt in etlichen Jahren zu diſpo - niren vermag / alſo geſchicht ſolches durch dieſe Wiſ - ſenſchafft in kurtzer Zeit / durch obgemeldte Ko - chung und Putrefaction, und auff ſolche neue Weiß / kan ein eintziger Haͤcker in einer Butten auff ein -mahl35Cap. VIII. Von Miſten und Graben. mahl ſo viel auff ſeinen hohen Berg tragen / als ſon - ſten hundert Perſohnen mit Miſt zu tragen haͤtten / was nun hierdurch fuͤr Muͤhe und Unkoſten erſpahrt / hingegen groſſe Nutzbarkeit beyderſeits erhalten wird / kan ihme die Vernunfft leicht die Rechnung machen.
DAs Getraͤyd auff den Boͤden und Kaͤſten gut zu erhalten / daß es nicht wuͤrmig / oder leben - dig wird / iſt dieſes eine wahrhafftige Experienz. Jn den Bergwercken bekommt man ein Saltz / Vi - triol, oder ſonſt Kupffer-Waſſer genannt / dieſes Vi - triols nimmt man 10. Pfund / thuts in ein Ge - ſchirr / ſchuͤttet heiß gemein Brunnen-Waſſer dar - uͤber / auch ungefehr 10. Maaß / ruͤhret es um / biß der Vitriol zergehet / nehmt alsdann einen Weiß - Penſel / wie dergleichen die Maͤurer und andere Tuͤng-Arbeiter gebrauchen / wann ſie die Haͤuſer und Stuben anweiſſen / duncket den in ſolches Vi - triol-Waſſer und uͤberfahret damit die Fruͤcht-Ka - ſten oder Boͤden / wann ſie noch leer ſeyn / unten und oben / auch auff den Seiten allenthalben herum / es ſeyen gleich die Kaͤſten von Holtz / Mauren / Pflaſter / oder Eſtrich / und dieſes allenthalben uͤberfahren muß 2. mahl geſchehen / nachdem das erſte einen Tag lang trucken worden. Alsdann kan man al - lerhand Fruͤchte und ſonderlich Korn / als welches gern fluͤchtig wird / an ſolchen Ort ſchuͤtten / ſolcher eintziger Gebrauch waͤhret bey 10. Jahr / dann es kan auch ſo gar kein Wurm an ſolchem Bau-Holtz wachſen / nagen oder das Holtz durchloͤchern / im FallC 2das36Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. das Bau-Holtz nicht zu unrechter Zeit gefaͤllet / al - ſo daß die Wuͤrm von inwendig heraus arbeiten / und Loͤcher machen. So kan auch keine Spinne eini - ge Geweben anſpinnen / dann ſo ſie einiges Geweb anhencken will / ſo kan die nicht hafften / ſondern der Vitriol beiſts alſobald wieder ab / ſo kan auch kein einig Ungezieffer / weder auff den Boͤden / Kam - mern oder Stuben da ſonſten von unreiner Hauß - haltung oder auch in denen Boͤden / ſo von Laimen ge - macht / von Natur oder der Sonnen Hitz / gemeinig - lich die ſchwartze Springer wachſen. Wo nun ein ſol - cher Boden oder Kammer mit dieſen Vitriol-Waſ - ſer angeſtrichen wird / iſt es der Natur unmuͤglich / daß einiges Ungezieffer wachſen kan / deßgleichen die neue oder alte Bet-Staͤtten darmit angeſtrichen / an ſolchen Holtz wird nimmermehr nichts lebendigs wachſen / dann es iſt kein Ding / welches der Putrefa - ction, oder Faͤulung ſo hefftig und beſtändig wider - ſtehet als der eintzige Vitriol, dann es werden durch die Faͤulung allerhand Creaturen gezeugt / dis Kupf - fer-Waſſer aber laͤſt nichts zur Faͤulung kommen. Dieſes Vitriols auff Kohlen gelegt und zu Aſche ver - brannt / ein kleine Meſſerſpitz voll ſolcher Aſchen un - ter einen Zucker oder Honig vermiſcht und den Kin - dern eingeben / toͤdtet allerhand Wuͤrm / und treibt dieſelbe aus. Weil dann bewuſt / daß das Getraͤyd oder die Fruͤchte von oben anfangen wurmig oder fliegend zu werden / und nicht inwendig im Hauffen / ſo gehet man noch ſichrer / und uͤberſtreicht mit ob - gemeldtẽ Vitriol-Waſſer auch eine Qvantitaͤt Schrei - ner-Laden oder Bretter und uͤberdeckt darmit dasKorn37Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. Korn / ſo darff mans alsdann im Monat nur ein - mahl wenden / und dann wiederum mit ſolchen Laden zudecken. Wann der Vitriol, von den obgemelten 10. Maſſen heiß Waſſer nicht alle zergangen / und ſolches Waſſer mit dem Anſtreichen verbraucht / kan man auf den uͤbrigen wieder etliche Maaß anders heiß Waſſer gieſſen / und voͤllig anſtreichen.
EJne bißhero auch noch niemahls am Tag ge - weſte Wiſſenſchafft und nuͤtzliche Raritaͤt den Weinſtock zu peltzen / alſo daß man auff einen Stock 3. 4. oder mehrerley Art Weintrauben darauff pel - tzen kan.
Nemlich alſo / wann im Februario der Safft des Weinſtocks zu gehen anfangen wil / ſo ſchneidet man von etlicher Art andere Reben von andern Stoͤcken / gehet damit zu einem alten Stock / der dick Holtz hat / und bohret mit einem Hohlbohrer ein Loͤchlein in das alte Holtz / ſo groß und weit als die Reben dick iſt / die man anpeltzen will / alsdann erhebet oder entledigt man die aͤuſſerſte Rinden am Peltzer mit einem Meſ - ſer / und ſchlaͤgt das bloſſe Holtz ins gemachte Loͤchlein / und laͤſſet die abgeledigte Rinden allenthalben hinzu gehen / verkleibts rings herum mit Wachs / ſo gantz weich von Terpentin gemacht ſeye / und verbindts fer - ner mit Wieſenmoͤſig. Wann dann der Safft gehet / ſo ſteigt er zwiſchen der Rinden in den Peltzer und waͤchſet zuſammen. Deßgleichen kan man 2. Re - ben die gleich ſeynd als von zweyerley Art gleich auf - und gegen einander peltzen / wie ich ſolches vielen vor - nehmen Herrn und Praͤlaten handgreifflich gezeigt habe.
C 3So38Cap. VIII, Vom Miſten und Graben.So kan man auch die alte erfrohrne Stoͤck oder welche ſonſt vom kleinen Rebholtz / und faſt verdor - ret ſind / auff obgemeldte erſte Manier wieder zurecht bringen / wann nur das alte Holtz / ſo in der Erden / noch gruͤn iſt / ſo kan man in ſolchen alten Knorren wieder ein oder etliche gute Reben einpeltzen / die tragen dann gleich das erſte oder andere Jahr ihre Fruͤchte / da man ſonſt bey den jungen Fexern uͤber 4. Jahr keine Trauben haben kan.
NB. Man kan auch / ſo man die Wein-Gaͤrten ſchneidet / etliche Buͤſchel gute Reben eine Zeit lang / biß der Safft gaͤngig / in Miſtlacken ſtellen / damit ſie friſch und gruͤn bleiben / alsdann wann der Safft gehen will / dieſelbe zu Peltzern gebrauchen. NB. obgemeltes Wachs bereitet man alſo: Zu 2. Loth Wachs nimmt man 1. Loth Terpentin / und zerlaͤſt es in einem eiſernen Loͤffel / ſo iſt es fertig / und wird alsdenn wie bereits oben erwehnet worden / zum Ge - brauch auffgehoben.
JCh reiſete einsmahls durch ein klein Staͤdtlein / da machte ein altes Muͤtterlein mit Ausgieſſung obgemeldten braunen Waſſers aus ihrem Kuͤ - he-Stall einen aͤrgerlichen Geſtanck / in der gantzen Gaſſen / weil nun nechſt darbey das Wirths-Hauß / da ich einkehren muſte / verdroß mich derſelbe Ge - ſtanck in meiner Naſen dergeſtalt / daß ich zu ihr gieng und d[a]s ausgieſſen bleiben zu laſſen ermahnete / mitVer -39Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. Verſprechung ihr etwas zu lernen / daß ſie nimmer - mehr ſolches verſchuͤtten und andern Leuten ſolche Ungelegenheit machen doͤrffte / ſammt angehaͤngter Vertroͤſtung / daß meine Kunſt / die ich ihr lernen wol - te / alſo gerecht und gut waͤre / daß ſie mir uͤber eine Zeit / wann ich dis Orts wieder kommen / gar gerne ei - ne Zech bezahlen wuͤrde / da aber die Kunſt nicht ge - recht / ich ihr dergleichen bezahlen wolte; Sie nahm die Condition an / und weiſete mir einen alten einge - mauerten Waſch-Keſſel / in dieſen Keſſel ſagte ich / ſchuͤttet woͤchentlich diß uͤbelriechende Waſſer / und laſſet obgeſagtes Urin-Waſſer / ſo woͤchentlich moͤchte geſammlet werden / auch darzu ſchuͤtten / und wann der Keſſel bald voll iſt / ſo machet ein Feuer darunter / laſts ſieden / ſo lang biß aus 3. Theilen nur ein Theil wird / daſſelbe ſchoͤpffet alsdann heraus in ein ander groß Geſchirr / und fahrt auf ſolche Weiß das gantze Jahr fort / ſo duͤrfft ihr niemahl durch vorige Ver - ſchwendung weder euch noch dem Nechſten in der Naſen ſolche Ungelegenheit machen / und habt als - dann einen ſtinckenden Schatz / der euch kuͤnfftig den Beutel mit Geld fuͤllet / dann ihr bedoͤrfft hinfuͤhro keine Duͤngung auff den Acker noch Weinberg fuͤh - ren / ſondern weichet euer Getraͤyd 4. Tag lang in ſolchem geſottenen Waſſer und ſchuͤttet daſſelbe auch zu den Weinſtoͤcken. Nach 2. Jahren reiſete ich wieder der Orten durch und beſuchte die Alte / wel - che mir nicht allein / durch dieſe Weiß / ihr vollkom - menes Getraͤyd / welches groͤſſer von Koͤrnern als ein anderes ware / zeigte / und im Wirths-Hauß die Mahlzeit bezahlete / ſondern auch ein Dutzet Reichs -C 4Tha -40Cap. VIII. Vom Miſten und Graben. Thaler / welche ihre 3. Nachbarn zuſammen gelegt / die auch dieſe Wiſſenſchafft von der Alten gelernet / mit freudigen Danck verehrt hat.
Wers weiß oder verſtehet / daß alle Ding in der gantzen Welt aus Waſſer beſtehen und geſchaffen ſind / der wird auch dieſer unſerer Meynung Glau - ben beymeſſen / und keinesweges verwerffen / denn durch ſolches zeuget auch eine jede Creatur wie - derum eine andere in allen dreyen Natur-Reichen / doch nach Unterſcheid der Creaturen / auch vermittelſt ſolcher Wiſſenſchafft natuͤrlich und kuͤnſtlich / ſo durch die Figur des erſten Blats angezeigt / in welcher Waſ - ſer und Feuer gleich ſtehen / wie ſolches bereits be - kand oder doch wenigſtens einjeder wiſſen ſolte. Dañ alle Creaturen leben im Waſſer / und werden auch alle Ding wieder zu Waſſer. Alſo wird die edle Reben-Frucht viel ehender / beſſer und vollkommener gezeuget / durch das Miſt-Waſſer welches gleichſam mit einem heimlichen Feuer oder Waͤrme / nemlich dem Urin / vergeſellſchafftet und vermenget iſt / als durch den groben Miſt-Coͤrper / als welcher erſtlich in einer langen Zeit mit Huͤlffe des Regens / dem Waſſer einen treibenden Nahrungs-Safft mitthei - len muß / damit der Weinſtock die im groben Miſt verhaltene Krafft nach geſchehener Verduͤnnung an ſich ziehen koͤnne.
Deßgleichen muß das Koͤrnlein im Acker / auff die Alte weiß / ſein natuͤrliches zugehoͤriges Recht gar langweilig ſuchen / ſeine Krafft im ausgeſtreuten Miſt mit des Regens-Huͤlff zu finden / von welchem es dan - noch kaum den zehenden Theil bekommt. Danndas41Cap. VIII. Von Miſten und Graben. das Unkrau: das mehreſte und beſte Weſen / ſo aus den Miſte koͤmt / raubet. Aber in obgemeltem Miſt - Waſſer dieſer neuen Manier hat es ſeine antreiben - de oder zeugende Krafft durch natuͤrliches Recht und zwar auff eine viel kuͤrtzere Art und Weiſe gleich erhalten.
Dieſes alles iſt nun in Warheit durch meine ſelbſt eigene Practica und andere wuͤrcklicher Erfah - renheit hiermit treuhertzig eroͤffnet / und zwar alles ſolcher Geſtalt / als ich mir gleich Anfangs vorge - nommen hatte.
Grabet auch ſolchen auffs Land gebrachten Miſt nicht alſofort unter / ſondern laſt ihn ſo lange darauff geſtreuet liegen / biß ſeine Feuchtigkeit ſich theils ein - gezogen und vertrocknet.
Die beſte Zeit die Garten zu miſten iſt / wann die warme Mittags-Lufft wehet / auch trocken Wetter und der Mond im erſten oder letzten Viertel iſt / dann der volle Schein trucknet ſeine Krafft aus.
Was die Verjährung der Duͤngung belanget / ſo ſoll man nicht leicht einer jährigen gebrauchen / dann auſſer deme / daß ſie wenig nutzen ſchaffet / ſo erzeuget ſie viel Unzieffer / dahero Kraut und Kohl bald vom Erd-Floh / bald von andern Ungezieffer abge - freſſenwerden; die dreyjährige iſt am beſten. Der beſte Miſt / der zur Duͤngung dienlich / iſt derjenige / ſo von den vierfuͤßigen Thieren komt / der zweyfuͤſ - ſigen / als Huͤner / Tauben und anderer Miſt iſt viel hitziger / welcher wegen ſeiner Schärffe und Hitze die Erden brennet und verzehret / und dero - wegen nur an kalten Orten gebraucht werden mag. C 5Der42Cap. VIII. Vom Miſten und GrabenDen Vorzug und die beſte Krafft zu duͤngen eig - nen einige erfahrene Gärtner dem Eſels-Miſt zu / weilen dieſes Thier gar langſam / ſo koͤnne es auch ſeine Speiſe deſto beſſer verdauen. Weilen man aber deſſen ſo viel / als zur Duͤngung der Gär - ten von noͤthen / nicht bekommen kan / ſo iſt hieſiges Orts der Schaaf - und Kuͤhe-Miſt der beſte / der Schweine-Miſt aber iſt zum Duͤngen nichts nutz / denn er nicht allein dem Erdreich keine Fettigkeit mittheilet / ſondern ein Hauffen Unkraut hervor bringet.
Gilt das obgeſagte ebenmäßig / und kan man daſſelbige was droben Cap. II. vom Erdreich und deſſen Beſſerung geſetzt iſt nachſehen. Solte ſichs aber begeben / daß man um die Zeit / da die Duͤn - gung der Gaͤrten geſchehen muͤſte / keinen genugſa - men Miſt haͤtte / kan man an deſſen ſtatt die Mod - den (oder Schleim) aus den Waſſer-Graben und Fluͤſſen darzu gebrauchen / dann ſelbige in ſeiner Tu - gend dem Miſt im Duͤngen nichts nachgiebet / und kan man es am Sparges practiciren und probiren. Der alte Leimẽ aus den Wänden iſt auch zu Baͤumen und alten Gewaͤchſen uͤberaus nuͤtzlich.
Jſt der Miſt ſo groß nuͤtze nicht / denn die Zwie - bel-Gewaͤchſe leiden keinen Miſt / ſondern nehmen mit andern mittelmaͤßigen Boden verlieb / doch kan man zu den Naͤgelein-Stoͤcken den obberuͤhrten fetten Waſſer-Schleim auch wohl brauchen / denn wann man gerne Naͤgelein mit vielen Pflantzen /ſo43Cap. IX. Vom Saͤen. ſo da frech ſtehen ſollen / haben wolte / kan man ein wenig ſolches Schleims nehmen / daſſelbige in der Sonnen ausdrucknen / und nachgehends unter an - dere Erde mengen / ſo wird man ſelbſt erſehen / mit was Krafft ſie ſchoͤne Pflantzen bringen werden / wie ich dann in Niederlande von verſtaͤndigen Gärt - nern bey Verpflantzung ſolcher Blumen / vornehm - lich im Zeichen des Loͤwens und erſten Viertel des Mondes offtermahls alſo habe verfahren ſehen.
Derowegen wenn ihr ein trucken Land habet / ſo koͤnnet ihr euch des Schaaf - und Kuͤh-Miſts gebrau - chen / habt ihr aber ein feuchtes und niedriges Land / ſo miſchet Tauben - und Huͤnermiſt drunter.
WJe mit dem gemeinen Stein - und Kern-Obſt / auch Kuͤchen-Kraͤutern bey deren Ausſaat zu verfahren / folget in den gehoͤrigen Monaten; Was aber die Citronen / Pomerantzen und andere Baͤumlein betrifft / wann ihr ſie aus dem Saamen erziehen wollet / muͤſt ihr deren Kernen in Gefaͤſſen / ſo mit guter luckerer und Holtz-Erde gefuͤllet / eine gute Anzahl ſaͤen / wann ſie erwachſen und ungefehr das dritte Jahr erreicht / ſetzt man ſie ſamt dem Gefäß unter dergleichen Art tragende Bäumlein / und ablactirt / oder pfropffet ſie auch wohl / wie im 13. Capitel wird gedacht werden.
Von den Zwibel - und Knollen-Gewächſen / wird man durch deren Saat zwar in geraumen Jahren wenig Blumen ſehen / jedennoch weilen dadurch uͤber die maſſen ſchoͤne veraͤnderliche Blumen von Far -ben44Cap. IX. Vom Saͤen. ben zu wege gebracht werden koͤnnen: So hebet de - ren Saamen / wann er ſeine voͤllige Reiffung er - langet / abſonderlich von Tulpen / die am beſten vor - kommen / und ſpaͤt getragen / von den weiſſen Far - ben die inwendig eine ſchwartze Leibfarbe / oder blau - en Boden haben / biß im September auff / bereitet ein Bett mit gehoͤriger Erde darzu / und ſaͤet in zu - nehmenden Licht ſolchen Saamen abſonderlich oder durcheinander darauff / laſt ſie alſo unverruͤckt etwan drey Jahr wachſen / und wartet ſie inzwiſchen bey warmer und noͤthiger Zeit mit gelinden Begieſſen ab; Samlet alsdann nach ſolcher Zeit die kleinen Zwiebeln aus der Erden / pflantzet ſie auff ein ander dazu gemachtes Bette / und laſt ſie alſo noch drey Jahr fort wachſen / ſo werden Crocus, Hyacinthen / Tulpen und andere in 4. oder 5. Jahren; die Co - rona imperialis, Narciſſen / ꝛc. aber wohl kaum in 6. 7. Jahren zur Bluͤthe gelangen.
Bey Ausſaat der andern raren Blumen nehmet in acht / daß das der beſte Saamen / welcher / wann ihr ſolchen ins Waſſer werfft / zu Boden ſinckt / diejeni - gen Saamen aber ſo eine harte Rinde haben / und im Aufgehen ſich nicht wohl ſchicken wollen / die ſpaltet zuvor ein wenig auf / vermittelſt dieſes werden ſie die oben herunter dringende Feuchtigkeit beſſer empfangen / mehr Krafft erlangen / und vielleicht eher herfuͤr kommen. Solche Saamen / fuͤr ſchaͤdlichen Gewuͤrmen und Ungezieffer zu ſichern / weichet in Haußwurtz / oder in derſelben ausgepreſten Safft / ſaͤet ſie hernach in ein leicht durchſiebtes Erdreich / all - da ſtets / wo moͤglich / die Fruͤhe-Sonne zwey oder dreyStunde45Cap. X. Von Verpflantz. der Baͤume ꝛc. Stunden und die Sonne beym Untergang / ſo durchs Zudecken zu wege zu bringen (falß ihr ſie nicht in Kaſten oder Gefaͤſſe geſaͤet) zu haben / in welcher Abends-Zeit ihr ſie dann mit einen kleinen Beſen gleichſam Tropffen weiß / nach gehabten warmen Tag / beſprengen muͤſſet; wann ſie nun herfuͤr kom - men / ſo laſt ſie ſtets an der Sonnen / und wartet ihrer ferner mit den Begieſſen. Die oberwehnte Zude - ckung kan gar fuͤglich durch hiebey abgebildete glaͤ - ferne Laternen / Glaß-Fenſter / oder Glaß-Tꝛichter / wie den Gaͤrtnern ſchon gnugſam bekandt / geſchehen. Von Ausſaat der Naͤglein wird abſonderlich in ge - hoͤrigen Monaten nicht vergeſſen werden.
WAnn ihr nun geſinnet / Bäume in euren Gar - ten zu ſetzen / ſo machet vor erſt im November / nach der euch beliebten Ordnung und Diſtanz, wie im fuͤnfften Capitel angewieſen / vor jeden Baum 2. 3. oder vier Fuß nach proportion, in die Ruͤnde und Tieffe eine Grube / und in darauff folgendem Ja - nuario / oder Anfangs Februarii ſchuͤttet in jeglicheGrube46Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. Grube etwas von alten Kalck und Stein-Gemer - ſel / ſo etwan von einer herab gebrochenen oder ge - fallenen alten Mauer kommen / auch wohl alten Lei - men aus den Waͤnden / fuͤllet auff ſolches gute mit alten Miſt vermengte oder die aus der Gruben ge - grabene Erde / ſetzet darauff die Wurtzeln des Baums / verdecket ſolche mit gleich gedachten Grund / leget wieder rund herum Miſt / ſo mit Sumph - Koth vermiſchet / welcher Miſt aber keine Wurtzel beruͤhren darff / und fuͤllet den uͤbrigen Raum mit Erde zu / dann auf dieſe Weiſe wird die Wurtzel von uͤberfluͤßiger Naͤſſe befreyet / und der Baum nicht ſincken / welches wann ihr zu erſt Miſt unten in die Gruben geleget / geſchehen wuͤrde.
Man legt auch an ſtatt des alten Kalcks oder Stein-Gemerſels ein 4. oder 5. Buͤndlein duͤrre Rei - ſer / und verfaͤhrt im uͤbrigen wie gleich gelehrt.
Wann aber euer Baum-Platz den hefftigen und ſtarcken Winden frey ſtehen ſolte / habt ihr euch an vorgeſchriebene Weite nicht eben zu binden / dann ſol - chen falls muͤſſen die Baͤume etwas naͤher und dich - ter an einander gepflantzet werden: Setzet aber ja nicht Birn-bey Birn - und Apffel bey Apffel-Baͤume / ſondern wechſelsweiſe durcheinander / dann weil ſich dieſe mehr mit ihren Aeſten ausbreiten / jene aber hoͤ - her ſteigen / werden ſie die Lufft und Sonne unver - hindert genieſſen koͤnnen.
Und ob gleich unter der faſt unzehlichen Menge und Zahl der Pflantzen keine zu finden / welche ſich nicht an andere Oerter verſetzen laſſe / und von ei - nem Ort zum andern gebracht werden koͤnne / ſo wol -len47Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. len doch der Binetſch / wie auch die ſchon bluͤhenden und alten Baͤume ſolches nicht vertragen / aller maſ - ſen die drey und vier jaͤhrigen Baͤume / ohngefehr ei - nes Daumens dick / zu verpflantzen die beſten ſeyn. Dennoch muß in der Verpflantzung Maaß und Ziel gehalten werden / non enim coaleſcit planta, qvæ ſæ - pius transfertur, das iſt / eine Pflantze oder Baum / ſo zum oͤfftern verſetzet wird / waͤchſet nicht auff; Gleichwie aber dasjenige / ſo man in einem Topffe kochet / zu gewiſſer Zeit umgeruͤhret und beweget wer - den muß / ſonſten es anzubrennen pfleget / alſo auch pflegen die Pflantzen / ſo gar nicht verſetzet werden / zu verderben; Jſt derowegen in der Verpflantzung ein groſſer Vortheil enthalten; Denn ſo die Pflan - tzen zu dicke ſtehen / und von einander geſetzet wer - den / bekommen ſie mehrere Luft und beſſere Nah - rung / und werden im Wachsthum nicht verhindert; Es werden auch dadurch die Blumen und Fruͤchte viel groͤſſer / geſchmackter und ſchoͤner / ſo gar / daß man auch aus wilden Gewaͤchſen zahme oder ein - heimiſche erziehlen kan.
Die rechte und beqvemſte Zeit Baͤume und Blu - men zu verſetzen / muß auff unterſchiedliche Weiſe wohl betrachtet werden; denn ſelbige iſt in Acht zu nehmen entweder nach denen vier Zeiten des Jahrs / oder bey Wachsthum und Abnehmen des Monds / oder nach Befinden und Beſchaffenheit der Lufft; Die rechte Jahrs-Zeit betreffend / ſind der Fruͤhling und Herbſt zu Verpflantzungen die fuͤglichſten und beqvemſten; Denn im Fruͤhling kan man zu Anfangs des Martii und Ausgangs des Februarii / wann eskei -48Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. keinen kalten Winter giebt / anfangen die Baͤume zu verſetzen / maſſen um ſolche Zeit der Safft ſich von der Wurtzel wieder in die Hoͤhe und in die Aeſte zie - het. Es muͤſſen aber (wie insgemein dafuͤr gehalten wird) diejenige Baͤume im Fruͤhling verſetzet wer - den / welche keinen Froſt leiden koͤnnen / als Maul - beeren - Pferſing - Nuß - Baͤume / und dergleichen mehr; Dann ſolten ſelbige im Herbſt verſetzet wer - den / und ein ſtarcker Winter darauff folgen / wuͤr - den ſie gar leichtlich verfrieren. Jm Herbſt ſeynd fuͤglich zu verpflantzen diejenigen Baͤume / ſo die Kaͤl - te beſſer erdulten koͤnnen / als da ſind Apffel-Pirn - Pflaumen-Baͤume und dergleichen mehr / und ge - ſchicht ſolches am beſten im Ausgang des Auguſti biß in die Mitten des Novembris / dieweilen alsdann die Baͤume bereits ihre Fruͤchte gebracht / ſo ſteiget der natuͤrliche Safft wieder niederswarts nach der Wurtzel / und theilet ſelbiger ſeine Nahrung mit / damit ſie im folgenden Fruͤhling ihren voͤlligen Wachsthum wieder leiſten koͤnnen / wie man dann ſiehet / daß zu ſelbiger Zeit / (im Herbſt) die Blätter von den meiſten Baͤumen abfallen / und die Zweige ihre gruͤnende Krafft verlieren. Jm Sommer aber ſoll wenig / und im Winter gantz nichts auſſer groſ - ſe Baͤume verſetzet werden.
Die Stauden und Buſchwercke belangend / ſo koͤnnen dieſelbe ſo wohl im Fruͤhling und Herbſt (gleichwohl iſt die letzte Zeit die beqvemeſte) verpflan - tzet werden. Ferner aber das Ab - und Zunehmen des Monds betreffend / ſo muͤſſen alle Baͤume / Buͤſche und Stauden von dem vollenMond49Cap. X. Vom verpflantzen der Baͤume ꝛc. Mond an / biß zu Anfang deß neuen Monds verſetzet; Hingegen aber alle Kraͤuter und Bluhmen von dem Neu-Mond an biß auff das volle Licht verpflantzet werden / denn die Erfahrung bezeugts / wie ich denn ſelber an den Negelein offt verſucht daß / wo ſelbige bey An - fang und Eintritt des vollen Monds zwey oder drey mahlen verſetzet werden / ſie viel beſſer gefuͤllet ſeyn / welches auch viele mit den Baͤumen und Stauden ſo halten / und ſolche in Zunehmen verſetzen.
Schließlich / die Lufft oder Tage bey der Ver - pflantzung belangend / ſo ſoll man ſich fuͤr allen Din - gen fuͤrſehen / daß man nichts bey vollem Mittag / ſondern des Abends oder des Morgens verſetze; Nichts deſto weniger ſeyn auch die Pflantz-Tage viel angenehmer und erſprießlicher / die feucht und lau - licht Wetter haben / als die ſo gar heiß oder zu kalt ſeyn. Jn Summa / man ſoll niemahls einen Baum Nachmittag / ſondern allezeit Vor - mittag verſetzen.
Wie ihr mit Verſetzen der Kuͤchen - und andern guten Kraͤutern / als Salbey / Lavendel / Tymian / ꝛc. zu verfahren / wird bey den Monaten gnugſam an - gewieſen werden.
Die Blumen aber erfordern vielmehr Muͤhe und Fleiß / damit ihr ſie / wann ihr euch reſolviret / welche / und was vor Sorten in die Bette kommen ſollen / und ſelbige an Hand gebracht / nicht unor - dentlich untereinander einleget und ſetzet: Bringet die Zwiebel - und Knollen-Gewaͤchſe / als Tulpen / Fritilarien / Narciſſen / Hyacinthen / Anemone / ꝛc. Dfein50Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. fein in die Rundung oder wie die Bette geſtaltet / und die Corona imperialis in die Mitten / finden ſich kleine und junge Zwiebeln dabey / ſo ſetzet ſolche etwas hoͤher und näher an einander als die Groſſen / die drey Zoll tieff und ſechs Zoll von einander ſtehen muͤſſen / befleißiget euch aber dabey / daß jeder Zwie - beln-Spitze oder Auge ſonderlich der Fritillarien und Anemone oben gekehret / und die Zwiebeln zwi - ſchen den Fingern nicht zu ſehr gedruͤcket werden / und geſchicht dieſe Einlegung insgemein gegen den Vollmond in dem Krebs / Außgangs October. wo - von aber naͤherer Bericht folgen wird.
Habt ihr die Perſianiſche Tulpe / muͤſſet ihr ſol - che uͤber 2. Finger tieff nicht ſetzen / leget ſie aber in der Erde in ein abſonderlich Gefäß / ſo unten eben keine Loͤcher haben darff / wie etliche wollen / dadurch werdet ihr alsdenn verhindern / daß ſie nicht in die Erde ſincket / welches ſie ſonſten wohl bey zwey Ellen tieff thut / ſolcher Geſtalt wird ſie ordentlich bluͤhen und junge abſetzen.
Den jenigen Zwiebeln / ſo Schupen oder Blaͤtt - lein haben / als da ſind: allerley Lilien / Corona im - perialis &c. muͤſſen bey dero Einſetzung vorhero de - ren gar zu lange Wurtzeln oder Spitzen mit einem Meſſer etwas abgeſtutzt werden / damit ſie den Safft deſto leichter an ſich ziehen; die Ranunculi aber wol - len in Betten und Toͤpffen durchaus ihre Stelle al - leine haben und nicht bey den andern ſtehen / wiewohl es nicht allezeit beobachtet werden kan.
Saͤet und ſetzet auch keine zaſerichte Wurtzel - Blumen zwiſchen und unter obige / bringet ſie aufdie51Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. die Rabat oder Nebenbette in ebenmaͤßiger Ord - nung / damit ihr alle Monaten Blumen haben moͤ - get / dann hier finden ſie eine fettere Erde / und werden ſie ſolcher Geſtalt viel vollkommener / als wann ſie bey den andern ſtuͤnden / ſich erweiſen / und jenen zum Verderb keine Urſache geben.
Habt ihr eine bluͤhende Tulpe oder andere ſchoͤne Blume und verlangt ſie an einen andern Ort ſtehen zu haben / oder findet ſie bey einem guten Freund / koͤnnet ihr ſolche durch dieſe abgebildete zweene Boh - rers dergeſtalt ausnehmen / daß ſie ſo gar in der Bluͤ - the nicht verhindert wird.
Laſſet den langen Bohrer aus Eiſen / den koͤnnet ihr in harten und leimichten Gruͤnden / den kurtzen aber von dicken doppelten Blech mit zweyen Hand - haben / hinten und vorn mit zweyen Gelencken / wel - che in Einſtecken und Ausziehen mit einem eiſern Drat auff und zugeſchloſſen werden / machen / und dieſen kurtzen in weicher Erde gebrauchen; DamitD 2bohret52Cap. X. Vom Verpflantzen der Baͤume ꝛc. bohret in die Erde / daß die Zwiebel oder Wurtzel recht in die Mitten kommet / grabet mit einer ſchma - len Hand-Spade ein wenig Erde zur Seiten aus / biß ihr damit unter den Bohrer kommet / ſtechet dann die Spade unter den Bohrer / und hebet alſo die Erde mit dem Bohrer aus / machet eine Grube / da die Blume wieder ſtehen ſoll / ſo groß der Bohrer in der Runde iſt / ſetzet in ſolche den Bohrer / mit der darein gefaſten Blume und Erde / ziehet den Drat aus dem Bohrer / ſo entſchlieſſet er ſich / ziehet ihn behutſam wieder heraus / ſo bleibet die Blume mit der daran haͤngenden Erde ſtehen / welche ihr alsdann mit anderer Erde herum zufuͤllet.
Oder findet ihr in einen fremden Garten ſchoͤne Tulpen / die ihr nicht habt in der Bluͤthe ſtehen / und koͤnnet ſelbige habhafft werden / ſo habt ihr eben nicht noͤhtig / damit ihr nicht eine ſchlechte alsdan dafuͤr bekommet / mit deren Ausnahme / biß ſie verbluͤhet / zu warten / ſondern nehmt ſie gleich aus der Erde / bringt ſie in ein Gemach / da ſie etwas Lufft haben kan / und druͤcket deren Stengel oben auff gerad un - ter der Blumen mit zweyen Fingern dergeſtalt / da - mit der Stengel etwas welck wird / henget hernach die Blume ſammt den Stengel und Zwibel an ei - nen Faden / alſo / daß die Blume gegen den Boden und die Zwiebel uͤber ſich ſiehet / dann dadurch ziehet die Zwiebel allgemach die Krafft aus dem Stengel zu ſich / daß ihr ſie auff ſolche Weiſe wohl fuͤnff oder ſechs Monat gut und friſch erhalten koͤnnet.
Auch koͤnnet ihr wohl eine ſolche Blumen-tra - gende Tulpe alſo fort mit der Zwiebel ohne Scha -den53Cap. XI. Vom Begieſſen. den ausnehmen / und in Keller in friſchen jedoch trockenen Sand / biß ihr ſie einſetzen muͤſſet / auff be - halten.
Die Gefäſſe oder Toͤpffe in welchen ihr Blumen / ſonderlich die Naͤgelein ſetzen wollet / muͤſſen wohl glaſſurt ſeyn / ehe ihr ſelbige mit Erden fuͤllet / beleget zuvor deren Boden inwendig mit kleinen runden Kieſſelſteinen / ſo hin und wieder in Baͤchen und flieſ - ſenden Waſſern zufinden / damit das Regen - oder Begieß-Waſſer unten durch der Toͤpffe Loͤcher wohl ablauffen / oder wann ihr ein Gefaͤß mit Waſſer / wie im folgenden Capitel zu ſehen / darunter geſetzt / die Wurtzeln der Blumen ſolches Waſſer beſſer zu ſich ziehen koͤnnen / auff ſolche Steine ſchuͤttet ihr als - dann die gehoͤrige Erde / verfahrt damit / wie im A - pril wird errinnert werden.
WJe und wann die gemeine Baͤume zu waͤſſern und zu begieſſen / wird genugſame Erinnerung bey den Monaten folgen / und iſt nicht noͤthig / bey den groſſen einen Spreng - oder Spruͤtz-Krug zu ge - brauchen / ſondern koͤnnet an deren Wurtzeln das Waſſer wohl mit vollem Eymern oder Gefaͤſſen gieſ - ſen. Mit den frembden und raren Baͤumlein / Kräu - tern und Blumen / hat es dißfalls eine andere Be - ſchaffenheit / und iſt nicht gleich viel allerley Waſſer dazu zu gebrauchen / weiln der Natur des Waſſers die Gewaͤchſe folgen: Daſſelbige Waſſer / ſo gleich aus den Brunnen kommet / iſt hiezu gantz ſchädlich / das flieſſende iſt weit beſſer / aber das Regen-Waſſer /D 3ſo54Cap. XII. Vom Begieſſen. ſo ihr darzu auff hebt / das allerbeſte; Denn ſolches iſt von der natuͤrlichen Hitze der Sonnen gekocht / und ſehr fruchtbar gemachet worden; Es ſey aber welches es wolle / ſo muß man ſich fuͤr allen Din - gen gar wohl fuͤrſehen / daß das Waſſer nicht geſal - tzen ſeye / denn gleich wie die Gewaͤchſe in keinen ge - ſaltzenen Grunde auffwachſen koͤnnen / ſo koͤnnen ſie auch das geſaltzene Waſſer niemahls vertragen. So ihr nun zum Begieſſen beqvem und dienlich Waſſer habt / muß es zu erſt in einem Gefaͤß / worinn ein paar Spaden voll Schaff - oder Kuͤh-Miſt geleget / zum wenigſten einen Tag uͤber in der warmen Son - nen geſtanden und von dero Strahlen erwäꝛmet ſeyn; Mit ſolchen fuͤllet den Spruͤtz-Krug und begieſſet euer Saamen-Werck ſo bedachtſam / als wann es gleichſam ſachte regnet / die kleinen Baͤumlein und die auffgewachſenen Blumen nur bey der Erde rings herum an deren Wurtzeln / und benetzet deren Staͤm - me und Aeſte nicht; Jn der Fruͤhlings-Zeit muß es fruͤhe geſchehen / aber nicht eher als biß die Son - ne ein paar Stunden ſchon aufgangen / Abends aber unterlaſſet es / damit nicht die noch befuͤrchtende Nacht-Froͤſte ſolche Gewaͤchſe verderben; Jm Sommer verrichtet es im guten und fetten Grunde gegen Abend und nicht des Morgends / weil die Tags-Hitze ſo dann das Waſſer dergeſtalt erhi - tzet / die Gewaͤchſe / abſonderlich die Blumen ſchwä - chen und ſie alle ins Verderben ſtuͤrtzen wuͤrde / ab - ſonderlich auch weil der gute Grund / ſo vor und im Mittag begoſſen wird / von ſelbigen Waſſer gehaͤr - tet und gleichſam zuſammen gebunden wird / daheroum55Cap. XI. Vom Begieſſen. um ſolcher Härte willen der Thau bey Nacht-Zei - ten nicht hinein dringen kan / daß alſo die Gewaͤchſe vornehmlich an den Wurtzeln verdorren muͤſſen. Einem ſandigen Grund aber ſchadet das Mittags Begieſſen nicht / ſondern hilfft ſelbigen viel / weil je - mehr er zu Mittags begoſſen wird / je mehr er auch von Hitze der Sonnen gekocht / fruchtbar und weich gemacht wird.
Machet auch einen Unterſcheid / daß ihr den ſchad - hafften Stoͤcken und den kleinen zarten Gewaͤchſen weniger als den Groſſen / aber denen die im beſten Flor wachſen / Waſſer gnug gebet.
Am allerſicherſten aber iſt es mit denjenigen ſo in Toͤpffen ſtehen / daß ihr unter jeden Topff noch ein Gefaͤß ſetzet / und in ſolches Gefaͤß noͤthiges Waſſer gieſſet / dann ſolcher Geſtalt wird die Wurtzel durch des Topffes Loͤcher nohtduͤrfftige Feuchtigkeit an ſich ziehen.
Etliche nehmen auch ihre Naͤgelein-Toͤpffe / hal - ten ſie in ein mit Waſſer gefuͤlltes Gefaͤß / ſo lange biß ſie mercken / daß ſich deren traurige Blaͤtter allge - mach wieder in die Hoͤhe zu richten beginnen.
Es iſt auch ſchließlich zu mercken / daß es denen Blumen uͤberaus groſſen Vortheil gebe / wenn man das Waſſer mit etwas Milch vermenget; Oder aber ſo ihr ſchoͤne Gewaͤchſe habt / ſo hebt das Waſſer auff / worinnen Krebſe / ſo im flieſſenden Waſſer gefangen ohne Saltz gekocht ſind / und begieſſet eure Blumen damit / ſo werdet ihr mit Verwunderung ſehen / wie augenſcheinlich ſelbige aufwachſen werden.
BEy den groſſen Baͤumen werdet ihr dißfals we - nig Muͤhe haben / aber diejenigen ſo in Buͤtten ſtehen / auch die Blumen in Toͤpffen reiniget bey Zei - ten fleißig von allem Unkraut. Jnſonderheit aber jaͤtet die Kraut - und Blumen-Bette nicht eher / als biß ihr das boͤſe vom guten / und dieſes ſchon etwas erwachſen / erſtaͤrcket und wohl kentlich iſt / unterſchei - den koͤnnet / aber nicht zu ungelegener Zeit; Dann wenn die Erde gar zu feſt und trucken / werdet ihr das Unkraut nur oben hin abbrechen / und die Wur - tzeln / die hernach viel ſtaͤrcker treiben / in dem Grun - de laſſen: Wann aber der Grund zu naß / haͤnget ſich die Erde an die Unkrauts - Wurtzeln / und verurſa - chet den Gewächſen nicht wenig Nachtheil; Die be - qvemſte Zeit iſt / wann die Erde weder zu trocken noch zu naß / ſondern fein mittelmaͤßig und geſchlacht / und die unnuͤtzen Kraͤuter auch etwas erſtaͤrckt ſind. Bey heiſſem Sonnenſchein ſoll man nicht jaͤten / weilen zu ſolcher Zeit die guten Gewaͤchſe unter dem Unkraut gleichſam als unter einen Dach ſicher ſte - hen / welches bey jungen Gewaͤchſen / ſo noch nicht erſtaͤrcket ſind / zu ſehen iſt.
Bey euren groſſen und kleinen Garten-Gaͤngen nehmet ſo viel Muͤhe / und laſſet alles Unkraut mit der Wurtzel heraus ſtechen / ſo werden ſie ſolcher Ge - ſtallt laͤnger rein bleiben / als wann ſie nur mit ei - ner Spade obenhin abgeſtoſſen werden / denn ſon - ſten die Wurtzeln nur dicker abgetrieben und in kur -tzer57Cap. XIII. Von Pfropffen / Oculiren /tzer Zeit den gantzen Garten verwuͤſten; jedoch kan auch ſolches Abſtoſſen bey truckenem Sommer-Wet - ter geſchehen / das abgeſtoſſene Unkraut und Erde muß fein rein zuſammen geharckt / und in einen Winckel des Gartens zur Duͤngung deſſelbigen ge - fuͤhret werden.
WAs alhier die unterſchiedene Nahmen anlanget / ſo iſt kuͤrtzlich zu wiſſen / daß Pfropffen / Jmpf - fen Peltzen / Encken und Boten alles einerley Be - deutung hat.
Hierbey iſt keiner ſo einfaͤltig / ja der ſchlechte Bauersmann erkundiget ſich in welcher ſtation der Mond ſich befinde / ehe er ein zahmes Obſt auffſetzen oder pfropffen will; Allermaſſen die Wuͤrckung der him̃liſchen Coͤrper uͤber die unter irrdiſchen allerdings gar viel vermag / wie ſolches nicht alleine nur an den Menſchen / ſondern auch an der gantzen Natur und allen ihren Theilen genungſam abzunehmen / und einem jeden / der Luſt zum Garten-Bau hat / und deſ - ſen pfleget / ohne weitere Erinnerung bekant ſeyn wird.
Die Pfropffreiſer ſoll man an einem hellen und klaren Tage in einem guten Pflantz-Zeichen / im ab - nehmen des Monds / oder kurtz vor dem neuen Mond brechen / und zwarten im Februario, Martio oder A - prili, ehe die Baͤume ausſchlagen / und unten mit Peltzwachs verſtreichen / und in der Erde auffhalten / biß zum Gebrauch / doch an ſolchem Ort unterdeſ -D 5ſen58Cap. XIII. Von Pfropffen / Oculiren /ſen ſetzen / der nicht zu warm noch zu kalt ſey. Man faͤngt aber an zu pfropffen im Monat Februario und Martio, oder wann man ſiehet daß der Safft in die Rinde gehet / ſolcher Geſtallt: und continuirt es biß in April, und zwar das Stein-Obſt im Februario, das Kern-Obſt aber im Martio und Aprili, alles im wachſenden Mond biß derſelbe voll wird.
Ferner ſind bey Erwehlung der Pfropffreiſer nachfolgende Stuͤcke wohl in acht zunehmen nem - lich:
Not. Die uͤbrigen Augen des Reiß ſchneidet man hinweg / und verkleibt die Stelle / wo die Augen ge - ſta〈…〉〈…〉 den / mit Peltz - oder Pfropff-Wachs. Die Zeit und Ort des Abnehmens der Pfropffreiſer betref - fend / ſo ſoll man in Hornung / Mertz / und April nach folgender geſtallt dieſelbige brechen / nemlich / die fruͤhe bluͤhenden am erſten / als da ſind Morel - len / Mandeln / Pfirſing / Kirſchen / und Pflaumen.
Hernach im folgenden Monat / nemlich im Mertz / das Kern-Obſt / als Aepffel und Birn / als das Spaͤt - Bluͤhende und Dauerhafftige.
Man kan auch noch im Majo und Junio, da man etwan erſt von ferne noch gute und friſche Pfropff - reiſer bekommen / dieſelbige pfropfen.
Allei -60Cap. XIII. Von Pfropffen / Oculiren /Alleine / die beſte Zeit nach dem Mond ſoll 3. oder 4. Tage nach dem neuen Licht zu dem Pfropffen er - wehlet werden.
Die Pfropffreiſer ſollen von den alten Stamm diejenigen erwehlet und genommen werden / ſo gegen Auffgang oder Mittag geſtanden / denn die ſind alle - zeit beſſer und reiffer / auch ſchoͤnern und lieblichern Geſchmacks / als die / ſo gegen Abend oder Mitter - nacht ſtehen.
Es ſollen auch die Bäume / von welchen man die Pfropffreiſer nehmen will / nicht unterſonnicht oder an ſchattichten Orten / ſondern wohl an der Son - nen und in der Lufft ſtehen / auch die fruchtbar ſind / und jaͤhrlich viel Obſt tragen.
Man ſoll die Arbeit des Pfropffens bey ſtillen und klaren Wetter vornehmen / wenns ſchon ein we - nig feuchte iſt. Alleine / wenn kalte Nord - oder Oſt - winde wehen / pfropfe man nicht. Es ſoll auch das Pfropffen Vormittage geſchehen.
Auch nimmt man den Stamm von ſolcher Art / die man darauff pfropffen will / als Birn auf Birn / Apffel auf Apffel / ꝛc. Aber Miſpeln und Quitten werden wohl auf Dornen gepflantzt. Wann nun ſolcher Stamm ein gantz oder halb Jahr vorher ge - pflantzet iſt / ſo wird er mit einer ſcharffen Saͤge / ſo hoch oder niedrig man die Krone haben wil / abgeſaͤgt / und ohne Verletzung der Rinde des ſtehenbleibenden Theils glatt beſchnitten / folglich mit einem Meiſſel in der Mitte dergeſtalt geſpalten / daß das Pfroff - Reiß beqvem eingeſetzet werden kan; Das Pfropff - Reiß wird von jaͤhrigen Holtz aus dem Gipffel einesBaums61Ablactiren / Pfeiffen und Einlegen. Baums / deſſen Art man pfropffen will / wie mehrers davon im Februario folgen wird / erwehlt / an ſolchen Reiß werden zum minſten drey Knoſpen gelaſſen / un - ter der unterſten Knoſpen ſchneidet man zu beyden Seyten uͤber zwerg weg und laͤſt vorn und hinden die Rinde daran / wie in folgender Figur bey den Buchſtaben A zu ſehen / alsdann ſteckt man das Pfropff-Reiß behend in den Stam̃ / daß die Rinde des Reiſſes mit der Rinde des Stammes wohl uͤber - ein kommet / und keines mehr heraus ſtehe / als das andere / wie bey lit. B. zu obſerviren.
Wann nun ſolches geſchehen / ſo ſchmieret man die Spalte herum und oben um das Pfropff-Reißfein62Cap. XIII. Vom Pfropffen. fein dichte mit Baum-Wachs zu (wie das Baum - Wachs zu bereiten / iſt auch im Februario zu finden) oder Leimen / ſo mit Kuͤh-Dreck und Kuͤh-Haaren vermiſchet / damit das Waſſer nirgends hinein kom - men kan; Etliche nehmen auch nur bloſſen Leim / ſchmieren ſolchen rund herum und uͤberbinden es mit einem Tuch / in welches zuvor ein Loͤchlein / damit das Pfropff-Reiß durchgehen kan / eingeſchnitten iſt. Ein drittentheil Leimen / zwey drittentheil Kuͤ - he-Koth iſt auch gut / es iſt aber dienlich daß es vor - her mit dem Baum-Wachs beſtrichen wird / und muß der Leimen mit dem Kuͤhe-Koth wohl durch ein - ander gearbeitet werden.
Solcher Geſtalt kan man / wann der Stamm dick iſt / an jeder Seiten oder Spalte ein Reiß pfropffen; Oder wann ein Stamm drey oder vier Aeſte hat / kan man ſie abſägen / und auf einen jeden eine abſonderli - che Art pfropffen / wie lit. C. erweiſet.
Dieſes wird Pfropffen im Spalt genannt / die folgende Arten aber ſind noch ſo gar gemein nicht / als Pfropffen im Kerb / item zwiſchen die Rinde; was das Pfropffen zwiſchen die Rinde anlanget / ſo verfährt man ſolcher Geſtalt: wenn man einen Stamm vorbeſagter maſſen erwehlet hat / und wel - cher gnugſam dicke ſey (maſſen hierzu mehr alte als junge Staͤmme genom̃en werden) ſo ſaͤget denſelben glatt ab / erwehlet euch ſo dann ein Reiß / deſſen Jahr - trieb unverletzt und gruͤn ſey / erwehlet euch in der Mitte des Jahrholtzes ein Auge / ſchneidet unter den - ſelben mit einen Meſſer ein / doch nicht ſo tieff biß auffs Marck / fahret mit denſelben unter euch einesGliedes63Cap. XIII. Vom Pfropffen. Gliedes lang / oder auch nach Beſchaffenheit was mehr / in ſolchen Schnitt / wenn ihr meynet daß ihr bald zum Ende gelanget ſeyd / ſo durch ſchneidet nur das Marck auch / ſo / daß das Reiß gemach zugeſpi - tzet werde / nehmet hernach die andere Seite auch vor / und ſchelet die äuſſerſte graue Rinde / doch oh - ne Verſehrung der inneren gruͤnen / fein behende ab / wenn ihr das Reiß nun ſo bereitet / ſo nehmet es in den Mund zwiſchen die Lippen / oder ſetzet es ins Waſſer / damit es feucht bleibe / ſtechet ſo dann mit einem ſpißigen knoͤchernen Pfropffmeſſerlein zwi - ſchen des Stammes Rinde / ſo weit als ihr meynet daß das Reiß abgeſchelet ſey / wenn ihr aber befuͤrch - tet daß die Rinde durch ſothanes ſtehen berſten ſol - te / ſo ritzet lieber die Rinde gar ſubtil ein wenig auff / wenn diß geſchehen / ſo ziehet das Meſſerlein herauß / nehmet euer Reiß und kehret die von der grauen Rin - de abgeſchelete Seite alsdann nach des Stammes Baſt / die zugeſpitzte Holtz-Seite aber des Stam - mes Holtze zu / und ſtechet das Reiß ſo dann ſo weit als ſie abgeſchelet iſt hinein / ſehet aber zu daß es fein in die Hoͤhe zu ſtehen komme / verbindet den Stamm mit Baſte / nehmet zwey Hoͤltzergen / ſo als ein Pfahl formiret ſeyn / ſtechet ſolche zwiſchen den Baſt an beyden Seiten des Reiſes hinein / damit daß die Rinde auff daſſelbe wohl ſchlieſſe / endlich ſo beſtrei - chet den Stamm oben mit Wachs / auch kan man wohl bey allen Pfropffreiſern etwas Moß oder lei - michte Erde herum binden / welches die Reiſer in ih - rer natuͤrlicher Feuchte / und vor der uͤbermaͤßigen Sonnen-Hitze bewahret; dieſes Pfropffen kan manmit64Cap. XIII. Vom Pfropffen. mit beſſern Nutzen bey den Kern-als Stein-Obſt practiciren.
DJeſe Art Pfropffen wird das Kerb-Pfropffen genannt / weil das Reiß nur gleichſam in einem Kerb gepfropffet wird / verfahret damit alſo: Leſet euch einen dicken Stamm aus / ſaͤget ihn zwey biß drittehalb Ellen hoch ab / ſchelet ſeine graue Rinde weg / nehmet einen ſcharffen Meiſſel / ſetzet ſolchen oben an den Stamm / ſo daß der Meiſſel ungefehr zwey Glied lang an den Stamm hinab reiche / neh - met alsdann einen Hammer / ſchlaget mit demſelben den Meiſſel durch die gruͤne Rinde in den Stamm hinein und zwar nicht tieffer als es des Reiſes Di - cke erfordert / ziehet hernach den Meiſſel widerum herauß / ſetzet es hernach dem vorigen Schnitt ent - gegen / ſo daß die zween Schnitte unten ſpitz zuſam - men / oben aber von einander gehen / in Geſtalt ei - nes Kerbes / wenn ihr alſo in den Stamm einen Kerb geſchnitten habt / ſo bereitet auch das Reiß folgender maſſen / beſchneidet es an einer Seiten he - rabwarts / wie im Spalt-Pfropffen gelehret / fuͤh - ret hernach auf der andern Seite auch einen Schnitt / doch ſo daß die eine Seite ſcharff zugeſpitzt iſt / und das Marck nicht verletzet werde / ſehet alsdann ge - nau zu / daß der Kerb nicht tieffer als das Reiß breit / und das Reiß nicht breiter als der Kerb tieff ſey / ſchiebet alsdann das Reiß in den Außſchnitt hinein / ſo / daß Rinde mit Rinde und Holtz mit Holtz wohl uͤberein komme / leget einen breiten Baſt darum her / verbindet den Kerb alsdann und verſchmieret denStamm65Cap. XIII. Vom Oculiren. Stamm offt mit Baum-Wachs / ſolcher Geſtalt koͤnnet ihr vier oder fuͤnff Reiſſer auff einen Stamm bringen / es ſind auch noch andere Arten zu Pfropf - fen / welche aber nur zur curioſitaͤt vorgenommen werden / und keinen Nutzen haben.
Es ſind die beſten Baͤume (auſſerhalb die Zu - cker-Birn ſo nur einmahl gepfropfft werden) ſo zweymahl / dieweil ſie noch jung ungefehr einen hal - ben Fuß uͤber der Erde / wie bey lit. D. zu mercken / gepfropffet ſind / ſolche erſte Pfropffung läſt man zu einer beqvemen Hoͤhe auffwachſen und pfropffet ſie zum zweytenmahl / wie bey lit. E. gezeigt wird. Die - ſe zweyte Pfropffung benimbt ihm alle Wildigkeit / die des Baumes Art der erſten Pfropffung etlicher maſſen angebracht hat.
Einige wollen auch / daß man keinen Baum pfropffe im Schalt-Jahr / denn ſo ſolches geſchicht / trage er nur ums ſiebende Jahr und zwar wenn wie - der ein Schalt-Jahr einfalle. Ob deme aber alſo ſey / daran wird ſehr gezweiffelt.
DAs Oculiren geſchicht im Julio oder Auguſto, andere wollen / es ſey ſehr fuͤglich zu practiciren vierzehen Tage nach Johannis Tag / ſolcher Geſtalt: Man erwehlt Zweige eines jaͤhrigen oder zwey jaͤhri - gen Holtzes / oder auch das in ſelbigem Sommer ge - wachſen iſt / und ſchneidet mit einem ſcharffen Meſ - ſerlein einen Schnitt durch die Rinde biß auffs Holtz / uͤber demſelben noch einen Zwerg-Schnitt / alſo daß es einen lateiniſchen T gleichet / wie in folgen - der Figur bey lit. A. zu ſehen / darnach nim̃t man einenEZweig66Cap. XIII. Vom Oculiren.
Zweig von den Baum / deſſen Fruͤchte man be - gehrt und der gleiches Alters iſt mit dem / darauf man oculiren wil / beſchneidet die Blaͤtter eben uͤber den Knoſpen / und machet einen Qverſchnitt uͤber und unter den Knoſpen / ſo lange biß der Zweig halb dick iſt / dann thut man von den Ober-biß zum Unter - Schnitt aufbeyden Seiten auch einen Schnitt / daß es wie ein viereckicht Schildlein komme / ſolches Schildlein wird mit dem Finger und Daumen vom Holtz behend abgezogen / wie bey B. das Zweiglein mit dem ausgeſchnittenen Schildlein eigentlich ab - gebildet iſt; Wann ſolches geſchehen / ſo nimmt man ein knoͤchern oder hart hoͤltzern Meſſerlein / und he -bet67Cap. XIII. Vom Oculiren. bet damit die Rinde / die durchs ſchneiden des latei - niſchen T ſich leichtlich abgiebt / auff / und fuͤget das Schildlein mit dem Knoſpen zwiſchen die Rinde und das Holtz / ein wenig auffwerts hinein / daß der Rand des Schildleins dichte an den Zwerg-Schnitt des lateiniſchen T komme / wie es bey dem C. da es noch ungebunden geſehen wird; Darnach nimmt man ein Band von Hanff oder Flachs und bindet den Schnitt oben und unter den Knoſpen feſt zu / wie beym D eigentlich zu obſerviren. Wann nun dieſes alſo zweene Monaten geſtanden / ſo wird der Band abgenommen / und ſo der Knoſpe noch friſch und gruͤn iſt / wird er auff folgenden Fruͤhling zu ſproͤſſeln anfangen / alsdann wird der Zweig eine Hand breit uͤber der oculation zu erſt abgeſchnitten / und in darauff folgendem Jahr nahe an der ocula - tion, auff daß ſie beſſer nach einander wachſen.
Gleicher Geſtalt iſt es mit den Roſen auch zu practiciren. Auch kan man das oculiren bey den Nägelein-Stoͤcken verſuchen / wenn man einen alten Stock hat / der junge Augen an ſeinen Schoſſen treibt / ſo gemeiniglich gegen Bartholomaͤi geſchicht / ſolche Augen mit einem Meſſerlein dergeſtalt aus - ſchneidet / daß die Seele oder das Hertzlein darin bleibt / und ſolche Aeuglein hernach in einen andern Schooß einſchneidet / und damit weiter verfaͤhret / wie gleich vorher gelehrt.
Dieſe Weiſe ſchoͤ - ne fruchtbare Baͤume innerhalb wenig Jah - ren zu ziehen und zu wege bringen / geſchie - het folgender Geſtalt: Man erwehlet einen geſchickten beliebigen Baum / ſetzt gegen den Herbſt unter ſelbi - gen ſo nahe junge Staͤmmlein / daß mit den Aeſten vom alten Baum die eingeſetzte junge Staͤmme zu er - reichen ſind; Wann nun ſolche junge Staͤmme den Win - ter durch alſo geſtanden / ſchneidet man ſolche im Martio / oder ſo lange die Knoſpen am Baum / der abgeſaͤget werden ſoll / noch geſchloſſen ſind / in ſol - cher Hoͤhe oder Tieffe / jedoch etwas ſchieff oder un - gleich / daß es am obern Ort etwas hoͤher als am untern bleibt / ab / ſo daß man vermeynt / daß das Reiß den jungen Stamm erreichen mag / ſpaltet ſolchen / wie gebraͤuchlich / dann ziehet man einen beqvemen Zweig niederwaͤrts / beſchneidet deſſen Gipffel uͤberzwerg an beyden Seiten / wie beym Pfropffen / (auſſer daß er am Aſt und die Rinde des Zweiges mit der aͤuſ - ſerſten des Enckens vereiniget bleibe) fuͤgt es in denge -69Cap. XIII. Vom Pfeiff. Ab - und Einl. geſpaltenen Stamm ein / daß die Rinden auswarts gleich ſchlieſſen / wie in vorgehender Figur zu ſehen / bindet ſolchen eingefuͤgten Zweig an den Stamm feſt / uͤberſchmieret ihn wohl mit dem Baumwachs / daß keine Feuchtigkeit hindurch dringen kan. Da - mit nun ſolcher Saͤugling durch Wind und Bewe - gung des alten Baumes keinen Schaden leide / wird der eingeſaugte Stamm an einen Pfahl gebun - den.
Wann alſo ſolcher Saͤugling biß auff den Herbſt geſtanden / und man mercken kan / daß er gewachſen / kan er von der Mutter unten neben der Fuge abge - ſchnitten / ausgehoben / und an beliebigen Ort verſe - tzet werden.
Auff ſolche Weiſe kan man Aepffel auff Qvitten / Qvitten auff Aepffel und Birn / Pfirſing / Mandeln / Apricoſen auff gemeine Pflaumen / und auch Pfir - ſing und Johannis-Traͤublein auff Kirſchen-Staͤm - me / abſaugen. Man kan auch Pfirſchen auff Schle - dorn abſaugen / welche aber am Geſchmack ſehr bit - ter werden. Eben dieſes kan man durch ablacta - tion oder das Abſaugen probieren an Citronen und Pommerantzen / wann man nur die wilde und aus den Kernen erzogene Staͤmmlein hat.
Man nimmt etwa vierzehen Tag nach Johannis Baptiſtæ ein Reiß von einem zahmen Baum / ſchnei - det die obere Spitze davon / macht hernacher mit dem Meſſer / einen Ring um das Holtz durch die Schale / ziehet ſolche mit ein oder zwey Aeuglein herab als eine Pfeiffe / darnach ſucht man ein junges wildesE 3Stämm -70Cap XIII. Vom Pfeiff. Ab - und Einl. Staͤmmlein / ſtreifft nach proportion des gemeld - ten Pfeiffleins die Schale behutſam hinunterwaͤrts / damit das abgezogene Pfeifflein fein gedrang an das abgeſchelte wilde Reiß geſtecket werde / dann ziehet man die am wilden Staͤmmlein herab hangende Rinde auswendig am Pfeiflein wieder in die Hoͤhe und umwickelts mit Hanff oder Flachs wie beym oculiren. Wann es nun 5. oder 6. Wochen alſo geſtanden / loͤſet man es wieder auff / ſo ſind die Aeug - lein allbereits ein - und angewachſen; Man muß aber inzwiſchen dabey acht haben / daß ſo wohl bey dieſen als den oculirten Staͤmmlein keine Nebenzweige heraus wachſen / damit ſie dadurch nicht an ihrem Wachsthum verhindert werden.
Das Einlegen iſt zwar am fuͤglichſten im Vor - Jahr fuͤrzunehmen / kan aber auch zu anderer Zeit wohl geſchehen; Es iſt faſt heutiges Tages nichts gemeiners bey unſern Gaͤrtnern als eben dieſes / wel - che kaum eine andere Wiſſenſchafft haben zu Ver - mehrung junger Bäumlein und ſchoͤner Blumen / als Naͤgelein / Roſen / Weinſtoͤck und anderer mehr / geſchicht aber fuͤglich ſolcher Geſtalt. Jm Baum-Gar - ten: Wenn ihr Baͤume habet die ihr nicht wohl pfropffen koͤnnet / oder davon ihr doch gerne mehr Arten haben moͤchtet / als Maulberen / Engelſche oder Hachaͤpffel / und andre Bäume ſo nehmet im Februario, im neuen Licht von den verlangten Baͤu - men ſo viel Zweiglein als ihr gerne Baͤume haben wollet / welche aber aus den Gipffel des Baumes gegen Morgen her gebrochen ſeyn muͤſſen / und dienicht71Cap. XIII. Vom Pfeiff. Ab - und Einl. nicht unanſehnlich od’ ungeſund / ſondern fein dick / ge - ſund uñ anſehnlich ſeyn / hauet einen dicken Zweig von einen Weiden-Baum / bohret ſo viel Loͤcher als man Zweige hat 6. Zoll von einander dadurch / nehmt alsdann eure Zweige und ſtecket ſie herdurch / daß ſie nur ein wenig hervor kommen.
Wann man im Fruͤhling an einem zarten und fremden Baͤumlein einen feinen geraden Zweig wahr - nimmt / gibt man ein wenig abwarts vom Stamm / damit ſich ſolcher Zweig deſto fuͤglicher beugen / und in die Erde einlegen laſſe / einen Schnitt / der die Helffte oder den Kern des Zweiges erreichet / fuͤhret ſolchen Schnitt ungefehr eines Glieds lang mit dem Meſſer auffwerts / ſchneidet alsdann ein Häcklein von einen unnuͤtzen Zweig / druͤcket mit ſolchem Haͤck - lein den geſchnittenen Zweig unter ſich in die Er - de.
Wann aber ein ſolches Zweig zu hoch am Baum ſtehet / daß damit die Erde nicht zu erreichen / nimmt man eine Butten oder Gefaͤß / fuͤllet ſolches mit da - zu gehoͤriger Erde / ſtellets und befeſtigets unter ſol - chen Zweig / leget ihn erwehnter maſſen darein: So dann wird ſolcher Zweig in der Erde bald Wurtzeln ſchlagen / und wann mans an ſeinem Wachsthum abnimmt / kan er von Stamm abgeloͤſt und verſe - tzet werden.
Habt ihr einen angenehmen Baum / der doch al - lerdings nicht fort will und zu trauren beginnet / ſo grabet die Halbſcheid deſſen Wurtzel ſolcher Geſtalt loß / daß die andere Helffte noch im Grunde feſte bleibe / gleichwohl aber den Gipffel und OberzweigeE 4ge -72Cap. XIII. Vom Pfeiff. Ab - und Einl. gemaͤhlich zur Erde beugen koͤnnet / erwehlt euch ſo viel dazu dienliche Zweige nach Belieben / leget ſol - che wie euch gelehꝛet worden in die Eꝛde / und befeſtiget ſie alle wohl / ſo werdet ihr viel junge Baͤumlein da - von erziehen koͤnnen.
Ferner kan man auch mit hoͤltzern Gefaͤſſen oder Koͤrben / in deren Boden ein Loch geſchnitten iſt / Fremde / als Jaſmin und dergleichen Baͤumlein zwi - ſchen Oſtern und Pfingſten / einheimiſche Baume aber und den Weinſtock / wovon in Februario ge - handelt und allda aus der Figur zu ſehen ſeynwird / mit eintretendem Fruͤhling nachgeſetzter maſſen fort / und von Grund aus zahme und herrliche Fruͤchte zuwege bringen: Wann man einen feinen geraden Aſt erſehen / ſo ſchneidet man um die Helffte deſſel - ben oder weiter hinabwarts / nachdem ſichs leiden will / einen halben Ring / loͤſet die Schale dazwiſchen / und ſonderlich da es eingelegt werden ſol / mit ei - nem Meſſer ab / oder aber man ziehet nur mit einer Meſſerſpitze durch die aͤuſſerſte grobe Rinde etliche Ritzen ſo lang als man es in die Erde legt / ſchabet ihnen zuvor die aͤuſſerſte braune Rinde ſo weit ſie unten hervor ſtehen weg / und ſetzet ihr ſo dann mit ſeinen Zweigen in ein fettes Erdreih / ſo tieff daß nur 2. oder 3. Augen hervor ſtehet / ſolcher geſtalt werden die Zweige Wurtzel ſchlagen / daß ihr ſie aufs kuͤnfftige verpflantzen koͤnnet wo ihr wolt. Ziehet alsdann ſolchen Zweig durch das geloͤcherte Gefaͤß oder Korb / und befeſtigt es mit einem Hacken oder Band ſo gut man kan / damt ſich das Zweig und Gefaͤß nicht leichtlich beweger laſſe / beleget das imBo -73Cap. XIII. Vom Pfeiff. Ab - und Einl. Boden des Gefaͤſſes gemachte Loch / ſo viel der Zweig nicht ausfuͤllt / mit kleinen Bretſtuͤcklein / auff daß die Erde / ſo mit Sand vermiſcht / und womit das Gefaͤß gefuͤllet wird / nicht durchfallen kan / laſſet ſolches am Baum als an der Mutter ein Jahr lang ſtehen / und vergeſſet / wann die Erde zu trucken wird / das Begieſſen dabey nicht / ſchneidet ſolchen Zweig alsdann unter den Korb von der Mutter ab / nehmt ihn behutſam aus dem Korb oder Gefaͤß / damit die Erde fein an den daran gewachſenen Wurtzeln bleibt / und verſetzt ihn nach Belieben.
Es iſt auch noch eine andere Art / vermittelſt wel - cher man viele zaſeriche Blumen-Gewächſe vermeh - ren und fortbringen kan / inſonderheit die gelben dop - pelten Violen und guͤlden Lacken; auff ſolche Art: Leſet euch an obbemeldten Blumen - Stoͤcken etliche Zweiglein aus / brechet ſolche ſo behende als muͤg - lich vom Stamme ab / bereitet euch ſo dann einen Blumen-Topff mit behoͤriger Erde / nehmet eure Pflantzen und ſchneidet ihnen die uͤberfluͤßigen Blät - ter biß auff 4. oder 5. hinweg / ſetzet ſie alsdann ſo tieff biß auff die Blätter in die Erde / ſetzet ſie mit den Toͤpffen auff 8. Tage in einen ſchattigen Ort / und wartet ſie mit Begieſſen im heiſſen Sommer - Tagen fleißig ab / ſo werdet ihr mit Luſt innerhalb kurtzer Zeit trefliche viele und freudige Stoͤcke zu we - ge bringen / welches auch an den Nelcken - Stoͤcken zu practiciren / welche man aber beſſer abwarten muß.
ZU mehrer des Leſers Nachricht und vergnuͤg - licher Nutzbarkeit hat man nachgeſetzte fremde Gewaͤchſe und Blumen zuſammen hieher ſetzen wol - len / damit deren ſonderbahren Wartung nicht in Vergeſſenheit geſtellet werden moͤge / alß da ſind: Aloê Americana & Hepatica, Jucca glorioſa, Hya - cinthus Indicus tuberoſus, Canna Indica, Sedum Indcium roſatum, Flos paſſionis, und Ficus Indica, wiewohl von dieſer letzten unten wird gedacht wer - den.
Alle itzt Benannte erfordern nicht allein eine ſon - derbahre Wartung / ſondern auch eine ſolche Erde / wie im vorhergehendẽ 7. Cap. gedacht worden: Dar - ein werden ſie geſetzet und auffs beſte gepfleget / da - mit ſie ſchoͤn wachſen / und mit der Zeit bluͤhen und tragen.
Um Michaelis muͤſſen ſie ins geſammt / gleich andern fremden Baͤumlein / vor Froſt beygeſetzet / aber nicht in einen Keller / ſondern in eine warme Stube gebracht / und gar nicht begoſſen werden / es waͤre denn das Erdreich gar zu duͤrre; Solchen falls kan man ſie wohl (auſſer Ficus Indica und Aloë) doch nicht zu nahe am Stamm / etwas anfeuch - ten.
Ebenmäßige Pflegung will die Colocaſia, obs gleich kein Jndianiſch Gewaͤchs iſt / haben.
Die75Cap. XIV. Von Wart. d’ fremd. Gew.Die Aloë Americana und Hepatica ſetzt viel jun - ge Keimen ab / welche davon zu nehmen und in ihr zugerichtetes Erdreich in ein Gefaͤß zuverſetzen ſind.
Colocaſiam, Hyacinthum Indicum tuberoſum und Cannam Indicam erzielet man durch ihren Ab - ſatz / welche man abreiſt und jedes in ein ſonderliches Gefaͤß einſetzet.
Plantam paſſionis durch die Wurtzel / die man in Stuͤcke zertheilet und in die Erde legt.
Vom Sedo Indico roſarum ſchneidet man nur einen Zweig und ſetzet ſolchen in ein Gefaͤß mit Er - de / ſo waͤchſet es ohne ſonderbahre Wartung / nur daß es zuweilen begoſſen werde.
Jucca glorioſa bringet viel Keimen / welche man abnehmen / verſetzen / und innerhalb 2. oder 3. Jah - ren groſſe Haupt-Stoͤcke erziehen kan.
Und ob wohl alle dieſe erzehlte (auſſer der groſſen Jndianiſchen Feigen und beyderley Aloës) den Som - mer durch bey hitzigem und duͤrren Wetter ziemlich wollen begoſſen ſeyn / ſo erfordert doch ſolches Jucca glorioſa noch vielmehr / wo dieſelbe anders einen Stiel treiben und bluͤhen ſoll.
Jnsgemein geſchicht die Vermehrung der bul - boſiſchen oder zwiebelwurtzlichten Gewaͤchſe durch Abſetzung junger Zwiebeln / weilen aber ſolches bey etlichen Tulpen und Narciſſen ſehr langſam herge - het / wird ſolche dergeſtalt befoͤrdert: Man nimmt einen bulbum, und giebt ihm unten am Ende ringſt um die Zaſern herum unterſchiedene Ritze oder Schnitte / wodurch eine Feuchtigkeit dringet / und daraus junge Bulbi generiret werden.
Will76Cap. XIV. Von Wart. d’ fremd. Gew.Will man von Cyclamine junge zuwege bringen / ſo thut man nur einen Creutz-Schnitt durch den Knollen / läſt es zwey oder 3. Tage liegen / daß es et - was welck werde / ſtecket ein Steinlein zwiſchen den Schnitt / und ſetzet es in ein trucken Erdreich / ſo fau - let alsdann der Schnitt durch / und bekoͤmmt etliche Junge.
WEgen der Baͤume und Kuͤchen-Wurtzeln / iſt hiebey unnoͤthig / weil es am gehoͤrigen Ort fol - gen wird / etwas zu melden; Und ob gleich bey den meiſten Zwiebeln und Knollen-Blumen auch noͤthi - ge Erinnerung geſchehen wird / ſo wil doch nicht vergeblich ſeyn / dasjenige / was dahin nicht fuͤglich zubringen / allhier kuͤrtzlich zu beruͤhren.
Es wird insgemein fuͤr eine Haupt-Regul ge - halten / das beruͤhrte Gewaͤchſe / wann ſie ſich an - derſt vermehren ſollen / von zweyen zu zweyen Jah - ren aus den Betten genommen werden muͤſſen / denn ſo man es jaͤhrlich thut / wird man wenig oder gar keine anhangende junge Zwiebeln finden / und nur mit der eintzigen Blume zu frieden ſeyn muͤſſen.
Aber die Perſianiſche Tulpe muß von Jahren zu Jahren ausgenommen / und von uͤbriger Feuch - tigkeit getrocknet werden; So wollen auch die fruͤh - zeitige / bunten und koͤſtliche Tulpen alle Jahr aus - genommen und wiederverſetzet ſeyn.
Die gemeine Zeit das Zwiebel-Gewächs aus demBoden77Cap. XV. Von Ausnehm. der Baͤume ꝛc. Boden zu nehmen / iſt vom Junio biß zu Außgang des Auguſti, maſſen ſo dann die Stengel und Blaͤt - ter abfallen.
Wann ihr nun die Hand daran legen wollet / ſo nehmet ein kleines Hand-Schaͤufflein / als die Mau - rer zu gebrauchen pflegen / ſtechet bey ſchoͤnen tro - ckenem Wetter / und ja nicht naſſen Tagen / mit ſol - chem kurtz an den Buchs-Baum hinein / jedoch fein behutſam / daß ihr die Zwiebel nicht verwundet; Nehmet damit alle Erde aus dem Bette herauß / legt ſie in die Neben-Wege / (falls ſolche mit Sand beſtraͤuet / muß er zu erſt weggeraͤumet werden) durchſuchet ſolche nebenſt der noch uͤbrigen Erde des Bettes mit einem hoͤltzernen Schaͤufflein / gegen und um den Buchsbaum fleißig herum / ſammlet die groſſen und kleinen Zwiebeln alle herauß / tragt ſo dann ſolche Zwiebeln auff ein Gemach oder Boden / da keine Mäuſe / als deren Todt-Feinde / zu - kommen koͤnnen / leget jede Sorte ohne werffen ſanfft auf eine reine Stelle / breitet ſie von einander / da - mit ſie biß zu ihrer Wiedereinlegung im Schatten auslufften und trucknen moͤgen.
Diejenigen Zwiebeln aber / ſo Schuppen oder Blättlein haben / als da ſeynd allerhand Lilien / Co - rona imperialis. &c. leget alſo fort / ſo bald ihr ſie ausgenommen / wieder in einen Winckel im Gar - ten zuſammen / bedeckt ſie mit etwas Erde / und laſt ſie allda ſo lange / biß ſie mit den andern bulbis wie - der eingeſetzt werden.
Findet ihr beym Außnehmen eine ſchad - oder man - gelhabende Zwiebel / ſo kratzet behutſam / damit der -ſelben78Cap. XVI. Von Sam̃lung der Saamen. ſelben Hertz errettet werde / mit einem hoͤltzern Meſ - ſer den Schaden und das Verfaulte weg / und be - ſtreuet den weggekratzten Ort mit Sand.
Die Anemone wollen alſo fort / ſo bald deren Bluͤthe vorbey und das Kraut abfaͤllt / wie auch die Ranunculi, ſo bald deren Laub duͤrre wird / aus der Erde genommen ſeyn / findet ſich einige Fäulung bey deren Wurtzeln beym Heraußnehmen / ſo ſchnei - det das Verfaulte weg / und verſchmieret die Wun - de mit vermiſchten Wachs und Terpentin / legt ſie an einen reinen Ort / daß ſie etwas außtrucknen / ſchneidet ſo dann die langen Wurtzeln davon weg / reiniget ſie von der noch anhangenden Erde / und verwahrt ſie biß zur Wiedereinlegung in einer mit truckenem Sand gefuͤlleten Schachtel.
DJe Obſt-Kern und Steine werden im Som - mer und Herbſt geſamlet / ſauber abgetrucknet / und biß zur Ausfaat im Sande verwahrt / auch wohl von etlichen in denen Fruͤchten / die ſo lange tauren / gehalten. Wie die Wurtzeln und Kuͤchenkraͤuter - Saamen zu ſammlen / wird an gehoͤriger Stelle Meldung geſchehen.
Wann ihr aber von zaſerichten Blumen (der Zwiebeln oder Knollen iſt ſchon im 9. Cap. gedacht) Saamen haben wollet / ſo laſt von jedem Gewaͤchs oder Pflantzen eine oder zwo Blumen / und zwar diejenigen / ſo am ſchoͤnſten und vollkommenſten und zu erſt gebluͤhet / ſtehen / die uͤbrigen aber / damit der Saame deſto vollkommener werden kan / ſchneidetalle79Cap. XVI. Von Sam̃lung der Saamen. alle am Stock weg; So bald nun deren Saamen zeitig wird / welches dabey zu obſerviren / wann die Huͤlſen anfangen duͤrre zu werden und ſich von ſelb - ſten beginnen von einander zu thun / ſo ſammlet ihn mit Fleiß / und verwahret ihn biß gegen Herbſt oder Fruͤhling / zur wieder Ausſaat; Am dienlichſten und beqvemſten iſt die Saamen zu ſammlen nach der Natur und Art der Gewaͤchſe / wenn ſie entweder gantz zeitig / oder halb zeitig ſind / oder anfahen zu zeitigen.
Es ſind aber etliche Saamen / die / ſo man ſie in ihren Haͤußlein und Schoͤttlein wolte liegen laſſen bis ſie zeitig / außfallen und verderben / auch von Voͤ - geln auffgefreſſen werden. Die gelben Ritterſpo - ren-Koͤrnlein muß man nicht am Stock laſſen gelb werden / dann ſie ſpringen / ehe man ſich vermuthet / hinweg / wie auch der Saamen von der einfachen Vio - la matronalis und Geranio &c. Darum man ſolche Saamen abſchneiden und in die Gemaͤcher haͤngen muß; Aller Saamen aber / der geſäet wer - den ſoll / ſoll nicht unzeitig auch nicht zu alt ſeyn / ſon - ſten davon entweder gar keine / oder taube Gewaͤchſe kommen / etliche Gaͤrtner halten dafuͤr / daß man all - zeit einen Saamen uͤber das andere Jahr ausſaͤen und ſo lange ruhen laſſen ſolte; Man kan aber in Ermanglung deſſen allezeit wohl einen friſchen Saa - men nehmen / welcher ſeinen Nutzen gleich den zwey - jaͤhrigen bringen wird.
Mit dem Negelein-Saamen aber iſts am beſten / daß ihr ſolchen / ſo bald ihr ihn geſammlet / alſofort ei - nen Tag vor dem vollen Mond wieder in die Erde bringet.
DJe Kranckheiten der Baͤume ſeyn viererley: Die Verwundung / der Wurm / der Brand / und der Krebs. Der Wurm waͤchſet in den Baͤu - men zwiſchen der Schelffen / wann ſie nicht allein geſtoſſen / ſondern auch unvorſichtig beruͤhret und ge - druckt wird / daß ſie gleichſam auffſtehet. Wann man nun der Wuͤrme Saamen ſpuͤhret / muß ſelbige aufgeſchnitten / von aller Unſauberkeit gereiniget / mit der Brand-Salbe / oder weichen Pech oder Kuh - Dreck untereinander vermiſchet / beſtrichen / und wohl verbunden werden.
Die Brand-Salbe aber kan fuͤglich folgender Weiſe præparirt werden: Nehmet zwey Loth weiß Hartz / zwey Loth Wachs / ein halb Pfund Baum - Oehl / ein viertel Pfund Reinbaͤlgleins Schmeer / die - ſes laſſet ein klein wenig zuſammen aufſieden / und gieſſet es auf kaltes Waſſer / beſchneidet alsdann den Baum biß auf das Gruͤne / und beſchmieret ihn da - mit.
Das Baumwachs wird ſonſt gemeiniglich gemacht auf dieſe Weiſe / nimm Wachs / ſchwartz Pech ſo die Schuſter gebrauchen / und Schaaf - oder Rinder-Talg / jedes gleich viel / laß es im Tiegel oder Pfanne zerſchmeltzen / thue im Ab - nehmen vom Feuer etwas Terpentin hinein / ruͤhre es fein durcheinander / geuß es darnach durch ein Tuch in ein Geſchirr aufs Waſſer / beſtreiche die Hän - de mit Baumoͤhl / arbeite es wohl durch / mache Rol -len81Cap. XVII. Vom Schaden der Baͤume ꝛc. len einer Spannen lang / ſo dicke als du wilt / hebe ſol - che auf zum Jmpffen / und alten Schaden / beym Gebrauch aber beſtreich allemahl die Haͤnde mit Baumoͤhl.
Der Brand entſtehet entweder aus zu vieler Feuchtigkeit und Näſſe / welche die Rinde von dem Stamme aufhebet; oder aus unbedachtſamer Ein - ſetzung / wann man ſie verwundet / oder ſo man ein Meſſer / wo Brod mit geſchnitten / dazu gebrauchet. Der Krebs kommt daher / wann der Baum in einem widrigen Zeichen / als Krebs oder Scorpion / verſetzt oder gepfropfft / oder aber in ſolchen Zeichen gereini - get und beſchnitten wird / deme dann alſo zu helffen: Nehmet Rinder-Miſt / vermenget ihn mit Leimen / beſtreichet den ſchadhafften Ort mit ſolcher maſſa al - lenthalben / umwickelts mit einem alten Hader-Lum - pen oder Leinwand; Jm Fall aber der Brand uͤber - hand genommen / ſo iſt das beſte Mittel / daß der Baum an allen Aeſten behauen und andere Reiſſer darauf gepfropfft / welche freudig wachſen und in kur - tzer Zeit gute und geſunde Fruͤchte tragen werden.
Wann eure Baͤume trauren und nicht fort wach - ſen wollen / ſo raumt die Erde etwas von der Wur - tzel / legt ein todtes Huhn / Schwein oder dergleichen Aaß daran / und bedeckts wieder mit Erde wodurch ſie ſich wieder erhohlen und fortwachſen werden.
Auch koͤnnet ihr ſolche Baͤume mit Kaͤlber - oder Rinds-Blut begieſſen / welches ihnen ſonderlich / auch den Frembden / als Citronen / Pomerantzen und der - gleichen Baͤumlein / doch daß unten der Stamm un - benetzt bleibe / ein merckliches helffen wird.
FHat82Cap. XVII. Vom Schaden und Mangel.Hat ein Baum an der Rinde einen Schaden o - der Loch / worinnen ſich Wuͤrme enthalten / und ſol - ches zuwachſen will; So nehmet Schweine-Miſt / Leimen und ungeleſchten Kalck / miſcht es unter ein - ander / beſtreicht ſolchen ſchadhafften Ort damit / bin - det einen alten Lumpen daruͤber / ſo wird das Ungezief - fer bald getoͤdtet / und die Wunde gantz zugeheilt.
Habt ihr einen Baum / der beſchädigt / oder von der Sägen ohngefehr geſtoſſen iſt / ſo ſchneidet zuvor das Verwundete biß auff das gute hinweg / und be - ſtreicht ihn mit folgender Salbe: Nehmet etwas Wachs / Hartz / Terpentin / Maſtix / Baumoͤhl / und ein klein wenig Schweffel / damit es die Bienen nicht wegtragen / laſſet ſolches gemaͤhlich uͤber einem Kohlfeuer zerſchmeltzen / ruͤhrets unter einander / und verwahrets zum kuͤnfftigen Gebrauch; Dieſe com - poſition kan man auch wohl zum Pfropff-Wachs gebrauchen.
Wann ihr bey den Blumen ſehet / daß etwa eine Zwiebel oder Wurtzel bloß und ſonder Erde liegt / ſo bedeckt ſie alſo fort / maſſen ſie dadurch mercklich er - qvicket werden.
Mercket ihr / daß eine Blume in der Erde oder Geſchirr gelbe oder duͤrre Blaͤtter bekommt / und kranck wird / ſo grabt alſo fort zu der Wurtzel / oder ſch wemmet die Erde mit Waſſer davon / und ſuchet die ſchadhaffte Wurtzel / ſchneidet ſolches mit einem ſcharffen Meſſerlein biß an das friſche ab / beſtreicht den Ort / da was abgeſchnitten / mit der Salbe / ſo von Wachs / Terpentin und Hartz bereitet / und fuͤllet das Loch der weggenommenen Erde mit magern Grund wieder zu.
Jſts83Cap. XVIII. Von ſchadhafft. Thier.Jſts etwan eine Zwiebel / ſo grabet gleichfalls be - hutſam zur ſelbigen mit einem hoͤltzern Meſſer / kra - tzet damit das Unnuͤtze von ſelbiger / ziehet ihr das angegangene Häutlein ab / und fuͤllet das Loch wie - der mit magerer Erde.
Befindet ihr / daß bey den Blumen ſich auff der Erde eine weiſſe Haut oder Beltz / als ein Zeichen de - rer Verderben / ereignet / ſo den Stamm und das Kraut abfaulet / welches ſich offtmahls / inſonder - heit zur Winters-Zeit im Keller / oder da ihr ſolches der Kaͤlte halber ſtehen habt / zutraͤgt / welches von nichts anders kommet / als daß noch eine grobe Ma - teria des Miſts / die ſich noch nicht zur Erde reſol - virt, in dem Grund vorhanden; So nehmet die Stoͤcke alſofort heraus / putzt ſie wohl ab / und ſetzt ſie gleich wieder in friſche Erde / damit koͤnnt ihr ſie vom Verderben erretten.
ES befinden ſich zuweilen viele ſchaͤdliche Thie - re und Ungezieffer / ſo entweder der Gewaͤchſe Schoͤnheit verderben / oder die Fruͤchte verzehren / oder auch wohl gar mit dem Stiel ausrotten; von den Voͤgeln ſeyn es die Specht / Sperlinge / Kraͤhen / Kernbeiſſer / ꝛc. welche man durch Springfallen / Vogelleim / Netzen / Schieſſen / oder mit ihrer Art auffgeſteckten getoͤdteten vertreiben / fangen und um - bringen kan. Von Ungezieffer aber ſeynd es dieF 2Amei -84Cap. XVIII. Von ſchandh. Thier. beyAmeiſen / Raupen / Schnecken / Regenwuͤrme / Maͤuß; Dieſe Gäſte nun abzuſchaffen / grabet zu der Wurtzel / ſtreuet ein paar Haͤnde voll Kreiden oder Ruß aus dem Schorſtein dazu / ſo werden ſie die Herberge bald qvittiren.
Findet ihr ein Neſt davon / ſo verbrennet mit ei - ner feurigen Kohlen etliche derſelben / oder nehmet gepulverten Schweffel und Aſche / ſtecket es in dero Hoͤhlen / ſo ſie nicht vertragen koͤnnen / ſondern davon ſterben und fliehen muͤſſen. Etliche brennen Schne - cken-Haͤuſer zu Aſchen / und ſtreuen ſolche in den Neu-Mond / (dann in den Neu-Mond / ſeynd die Ameiſen blind) auff ihre Hauffen / davon fliehen ſie / und verlaſſen ihre Wohnung. Andere nehmen Safft von Saͤu-Wurtzeln mit Eßig vermengt / und gieſſen es an den Ort / da ſie ſich auff halten / oder ſtreu - et um dem Baum / wo ſie ſind / eichene Säge-Spaͤ - ne / ſonderlich wann es regnen will / da dann ſolch ſcharffes Waſſer ſie toͤdten ſoll. Aber ſolches Mit - tel halte ich nicht fuͤr rathſam / maſſen ſolch Waſſer denen Gewaͤchſen ſehr ſchaͤdlich iſt. Sonſten pflegt man auch wohl die Baͤume mit umgebogenem Stroh oder rauhen Peltzwercke zu verbinden / wo - durch ſie zum Auff ſteigen der Baͤume verhindert werden; Weilen aber ſolches gleichfals ſehr muͤhe - ſam / wird bey dem erſten Remedio zu verbleiben das rathſamſte ſeyn. Man ſagt auch / wenn man ſeine Nothdurfft mitten auff ihre Hauffen thue / ſol - len ſie auch vertrieben werden.
Fer -85Cap. XVIII. bey Baͤumen und BlumenFerner nehmet die Wurtzel von wilden Gurcken / ſetzet ſie ans Feuer / ſo wird der Dampff die Amei - ſen toͤdten.
Oder: Nehmt eine irrdene Schuͤſſel voll Amei - ſen / und die Erde da ſie ſind / machet ein gutes Feu - er / und ſetzet das irrdene Geſchirr an das Feuer / ſo werden die Ameiſen fortgehen. Oder nehmet Bil - ſen-Kraut / kochets in Oel / und ſchuͤttet es in den A - meiſen-Hauffen / ſo kommen ſie um.
Oder kleine gruͤne Wuͤrmlein finden ſich haͤufig bey den Roſen-Stoͤcken / wann ſelbige beginnen Knoſpen zu gewinnen / welche die Knoͤpffe derge - ſtalt pflegen auszuhohlen / daß offt wenig Blumen davon zu hoffen / aber nicht beſſer zu vertilgen / als wann ihr ſie mit Steinoͤhl / petroleum genannt / o - der mit ſtarckem Eßig beſprenget; It. Mit Aſche von Eſchen Holtz.
Deren ſeynd vielerley Geſchlecht / und gar uͤbel / wann ſie uͤberhand nehmen / aus den Gaͤrten zu bringen / freſſen ſo wohl Blumen als Fruͤchte hin - weg; das beſte Mittel ſie aus dem Wege zu raͤu - men iſt / daß man alle Morgen gar fruͤhe / maſſen ſie dann von der Nacht-Kaͤlte gleichſam todt und ge - ſchwaͤchet ſind und alſo leicht auff die Erde fallen / ſolche ablieſt oder abſchuͤttet und mit Fuͤſſen zu tritt. Man kan auch des Nachts unter die Baͤume von alten Lumpen einen ſtarcken Rauch machen oder ſie mit angezuͤndeten Strohwiſchen herunter brennen.
F 3Fuͤl -86Cap. XVIII. Von ſchadh. Thier. beyFuͤllet einen neuen Topff mit gluͤenden Kohlen / und traget darauff Weyrauch und ſchwartz Horn / und haltet den Topff unter die Aeſte / woran die Rau - pen ſeyn / dieſer Rauch macht ſie toͤdten / daß ſie her - unter fallen.
Sind ſehr ſchaͤdlich in den Gaͤrten / und nicht beſſer zu vertilgen / als daß man ſie bey regen - hafftigem Wetter / da ſie ihrer Nahrung am mei - ſten nachgehen und ſo dann leichtlich zu finden / um - bringe und zertrete / oder daß man Ruß von den Ca - minen oder Oeffen im Garten ausſtreue.
Auff ſolche muß man acht geben / wann es reg - net / denn ſie alsdann aus der Erde herfuͤr kriechen / und mit geringer Muͤhe zu toͤdten ſind; Verlangt ihr ſelbige etwan zu euren Nutzen zu haben / ſo ko - chet Hanff-Saamen oder deſſen Blaͤtter / begieſſet die Wege damit / ſo werden ſich ſolche Gaͤſte bald einſte〈…〉〈…〉 en.
Man kan auch Gruͤnſpahn nehmen / und ihn mit ein wenig Wein-Eßig kochen / und darmit die Erde befeuchten / ſo kriechen die Regen-Wuͤrme auch da - von.
Dawider iſt kein beſſer Mittel / als wann man eine oder mehr Katzen nimmt / ſolchen die Haut ab - ziehen / ſelbige wieder zuſammen naͤhen / und mit Stroh ausfuͤllen / und dergeſtalt zurichten laͤſſet / daß ſie gleichſam wieder auff die Fuͤſſe zuſtehen kom - men / ſolche Felle mit ihren eigenem Fette beſchmie -ret87Cap. XVIII. Baͤumen / Kraͤutern ꝛc. ret und in die Erde ſo aufgerichtet an ſolche Oerter ſtellet / da man ſpuͤret / daß ſich die Maͤuſe am meiſten auffhalten; Alsdenn werden ſie von dem Geruch des Fettes erſchreckt / von der Geſtallt furchtſam ge - machet / daß ſie ihre Stelle verlaſſen muͤſſen. Der ſich dawieder der Maußfallen / oder kleinen Spaͤne / warauff eine Materie von geſtoſſenen Glaß / Gips und Mehl / ſo wohl untereinander gemenget / ge - ſchmieret / bedienen will / muß den Gifft / ſo andern Orten Schaden moͤchte bringen / davon laſſen.
Dieſe zufangen werden verſchiedene Mittel / aber meiſt vergeblich gebrauchet / das ſicherſte iſt / daß ihr die Muͤhe nehmet und acht gebet / wann ſie auffwerf - fen / und ſich ſolche auffwerffende Huͤgel bewegen / euch in der ſtille dabey machet / damit ſie nicht daven fliehen (ob ſie ſchon gar kleine mit Haaren umwach - ſene Aeuglein haben / mit welchen ſie nicht ãllzuwohl / doch gewiß ſehẽ u. darbey ſcharf hoͤrẽ /) mit einer Spa - de alſofort die Erde umwerffet / oder eine eiſerne ſpitzi - ge gleich ausſtehende zackichte Gabel nehmet / damit etliche mahl in den auffgeworffenen Hauffen ſtechet / und ſie alſo bekommen koͤnnet / kommet ihr gleich zu ſpaͤt / daß ſich der Hauffe nicht mehr beweget / ſo ſtoſ - ſet nichts deſto weniger etliche mahl mit gemeldter Gabel darein / und iſt nichts daran gelegen / wann ihr ſie gleich nicht damit um das Leben bringet / werden ſie doch dadurch tlicher maſſen geſchreckt und geſchwaͤcht / daß ſie davon fliehen.
Wann man bey duͤrren Wetter auff einen um - gegrabenen oder ſonſt luckern Grund etliche TageF 4nach88Cap. XIX. Von Kuͤnſt. an Baͤum. u. Bl. nach einander begieſſet / da finden ſich die Maulwuͤrf - fe ſtarck ein / alsdann kan man ſolche mit der Spa - de oder Gabel auch weg nehmen.
Der leichteſte Weg ſolche heimliche Garten-Fein - de zu vertreiben iſt dieſer: Nemlich nehmt Knob - lauch und Zwiebel oder Kampffer und ſteckt ſolches in ihre Loͤcher / macht darnach die Loͤcher feſt wieder zu / daß der Geruch nicht heraus kommen kan; ſie werden ſich gewiß verlieren.
Oder man machet einen Buͤſchel von gꝛuͤnen Hanf / und thuts in eine Gruben 2. oder 3. Fuß tieff / und bedeckt ſie wieder mit Erden / und wenn er zu Staub wird / ſo macht er alldar einen Geſtanck / daß ſie ſter - ben / oder davon fliehen. Oder man muß Schwei - nen-Miſt darinnen hin und her ausbreiten.
AUſſer dem daß ihr die Baum-Fruͤchte / wann ihr von andern ſchoͤnen Fruͤchten Zweiger dar - auf pfropffet / verbeſſern und vergroͤſſern koͤnnet / wird auch dafuͤr gehalten: Daß wann man die Pfropff - reiſer zuvor in Hecht-Blut weiche / ſo ſoll der Baum rothe Fruͤchte bringen.
Wer groſſe Kirſchen verlangt / muß den Baum offtmahls beſchneiden.
Die drey rareſten Farben / ſo die Blumen-Liebha - ber an den Blumen verlangen / ſind ſchwartz / blau und gruͤn; die ſchwartze wird aus der ſchupichten Frucht der Erden / welche an ihrem Stamme von ſich ſelbſt vertrucknet / hernacher zu kleinen Mehl o - der Pulver gerieben; Die blaue aus abgetruckne -ten89Cap. xix. Von Kuͤnſten an Baͤum. ten und verpulverten blauen Korn-Blumen: Und die gruͤne aus Rauten-Safft nachgeſetzter maſſen zu wege gebracht: Nehmt Schaaff-Miſt / knetet und arbeitet ſolchen mit Eßig und ein wenig Saltz un - ter einander / zu ſolchem Teig thut den dritten Theil eine von obgemeldten dreyen Farben / welche ihr ver - langet / vermiſcht und menget ſolches alles wohl / machet ein Gruͤblein in gute Erde / ſo groß die gemiſch - te Materie iſt / ſetzet ſolche Materie oder bereiteten Miſt-Klumpen in ſolches Gruͤblein / pflantzet dar - auff ein Pflaͤntzlein von den weiſſen Naͤgelein (weiln weiſſe Farbe die Veränderung am beſten an - nimmt) wartet ſolchen mit gebuͤhrlichen Gieſſen fleiſ - ſig / ſo werdet ihr kuͤnfftig die gewuͤnſchte Farbe da - von erlangen.
Auch koͤnnet ihr mit der Waͤſſerung den Blumen die Farben veraͤndern: Nehmet fette Erde / truck - net ſie in der Sonnen ſo lange / daß ſie gleichſam zu kleinen Staub kan gerieben werden / fuͤllet mit ſol - chem Erdreich ein Blum-Gefaͤſſe / ſetzet darein eine weiſſe Blume / ſetzet ſie mit dem Gefaͤß an einen ſolchen Ort des Gartens / daß weder Regen noch nächtliche Feuchtigkeit dazu kommen kan / des Tages aber bey ſtillen Sonnenſchen an die Sonne / und be - gieſſet ſie mit keinen andern Waſſer / als rothen / gruͤ - nen oder gelben; Das rothe bereitet aus kleinen Bra - ſilien-Holtzſpaͤnen / welche im Waſſer biß auff den dritten oder vierdten Theil gekochet; Das gruͤne aus den rechten vollreiffen Wege-Dorn oder Kreutz - Beeren / wann ſie zuvor ein wenig abgezogen und im Waſſer gekochet; Das gelbe aus eben obgedach -F 5ten90Cap. xix. Von Kuͤnſt. an Baͤum. ten Kreutz-Beeren / weil ſie noch unreiff / wann ſie vorheꝛ ein wenig aufgemacht oder halb geſpalten ſind / oder auch aus Saffran / ſo ebenmaͤßig gekochet wer - den muß. Mit ſolchen gefaͤrbten Waſſer begieſſet eure gepflantzte Blumen / Morgens und Abends / und huͤtet euch / daß ſo wohl bey Tag als die Nacht uͤber weder Regen noch andere Feuchtigkeit / wie ſchon gedacht / dazu kommen kan.
Wollet ihr eine weiſſe oder Purpur-Farb Violet - te oder Naͤgelein Himmelblau machen / ſo ſchneidet Och ſen-Zungen oder Korn-Blumen oder das ge - meine Hindleufft / Cichorien, ab biß auff die Wur - tzel / welche Wurtzel zum wenigſten Daumens dick ſeyn ſoll / ſpaltet ſolche Wurtzeln in der Mitte ein wenig bedachtſam von einander / damit der Spalt nicht zu weit hinnab gehe / reiſſet ein Sproͤßlein von Naͤgelein-Buſch / ſetzet es geſchicklich in die ge - machten Wurtzel-Spalte / ſo daß ſich die Spalte von - einander theile / bindets hernach mit einer zarten Weide behend zuſammen / und damit ſich die Wur - tzel wieder erqvicken und erhohlen kan / ſo haͤuffet al - ten faulen und gleichſam vermoderten Miſt um die herumliegende Erde.
Solcher Geſtalt koͤnnet ihr einer weiſſen Blu - men leichtlich eine Purpur-Farbe geben / wann ihr ſie auff rothe Wurtzeln / welche etliche Siſer nennen / oder auch Feuenroth / wann ihr ſie auff Borragen oder Ochſen-Zunge / auff vorbeſchriebene Manier pfropffet.
Verlanget ihr eine zwey-farbige roth und weiſſe Violette auff einen Stock zu haben / ſo nehmet ei -nen91Cap. XIX. Von Kuͤnſten an Baͤumen ꝛc. nen guten und rothen Violetten-Stock / theilet ei - nem jeden die Wurtzeln oder Pflantzen in der Mit - te von einander / nehmet von einen jeden die Helff - te / fuͤget und bindet ſie geſchwind an einander / brin - get ſie in gehoͤrige Erde / und vergeſſet das Begieſ - ſen dabey nicht
Alles dieſes aber kan nicht allein durch fleißige Wartung geſchehen / ſondern es iſt nothwendig in acht zunehmen / daß die Veraͤnderung der Farben nicht / den nur im Zeichen der Jungfrau und zwar im wachſenden Monde vorgenommen werden kan / die Vergroͤſſerung aber kan geſchehen in Loͤwen / Steinbock und Widder.
Gleicher maſſen koͤnnet ihr mit den Tulpen ver - fahren / wenn ihr zwo Zwiebeln deren nehmet / ſie faſt in der Mitten der Laͤnge nach / jedoch daß der mittelſte Theil nicht verletzet werde / voneinander ſchneidet / und ſie ſolcher Geſtalt wieder aneinander fuͤget / daß es gleichſam wieder eine Zwiebel werde / folglich mit einem Blatt ungeleimt Papier umwin - det / darauff mit einem Faden verbindet und in ge - hoͤrige Erde ſetzet / ſo werdet ihr daraus einen etwas breiten Stiel wachſen ſehen / der zweyer Tulpen Blaͤtter bringen wird / jedoch muͤſt ihr euch vieler Tulpen Zwiebeln dabey getroͤſten / denn unter zehen paaren kaum eines davon zugerathen pfleget.
Jhr koͤnnet auch euren Blumen die Zeit der Bluͤ - te veraͤndern / wann ihr die ansgenommene Zwie - beln / als Tulpen / Corona imperialis und Narciſ - ſen nicht in gewoͤhnlicher Zeit / ſondern erſt auff denfolgen -92Cap. XIX. Von Kuͤnſten an Baͤumen ꝛc. folgenden Fruͤhling wieder einſetzet / ſo werden ſie die Blumen ſehr ſpaͤt bringen.
Auch wann ihr den Naͤgelein die erſten Schoſ - ſen allezeit abbrechet / werden ſie im ſpaͤten Herbſt und Winters-Zeit zur Bluͤthe gelangen.
Man nimmt einen Zweig von einem ſauren / dar - zu auch einen von einem ſuͤſſen Apfel-Baum / ſchnei - det und fuͤget dieſe beyde Zweige fleißig zuſammen / verſtreichets mit gutem Leimen oder Baum-Wachs / pfropffet hernach dieſe auf einen geſunden Stam̃.
Wird eben auf vorige Art gemacht / nur daß man viererley Gattungen nim̃t.
So pfropffet man ein Apfel-Reiß / ſchoͤner Art / auf ein junges Staͤm̃lein; hernach / wenn es wohl gewachſen und bekleibet / ſo pfropffet man aufdieſes ein anders Reiß; Alſo das dritte Jahr abermahls ein anders.
Man ſpaltet einen Apfel - und Birn-Zweig / je - des von einander / bindet ſolche zuſammen / wie be - kandt / daß ſie gleichſam ein Zweig werden / pfropfft ſelbige auf einen geſunden Stamm.
Wenn man Aepfel-Zweige auf die mitlernStän93Cap. XX. Von Garten-Jnſtrumenten ꝛc. Staͤm̃e pfropffet / und dieſelben bekleiben und wach - ſen / ſo kan man die Frucht um Allerheiligen-Tag noch auf dem Stam̃ finden / und dieſe behalten die Art und Natur des Qvitten-Baumes / und halten ſich länger als ſonſt.
Man pfropfft Kirſch-Zweige auf einen Lorbeerſtock / ſo bekommt der Baum wohlriechende und artige Kirſchen.
Man nimmt von den kleinen Damaſcenen-Roͤß - lein / pfropffet ſelbige auf einen purpurfarbenen groſ - ſen Roſen-Stock / ſo bringen ſie groͤſſere Roſen.
Daruͤber hat man noch viel andere Sachen mehr noͤthig / als Spaden / Hacken / Miſtgabeln / Karns / Meß-Schnur / Setz-Hoͤltzer / Tragen oder Berffen / Spruͤtz-Krug / ꝛc. Weil ſolche aber jederman bekandt / iſt unnoͤthig / ſie abgebildet vorzuſtellen.
NAchdem der ſorgfaͤltige Hauß-Verwal - ter bißhero angewieſen / wie ein Garte anzulegen / zu verwahren / zu bepflantzen / von Ungeziefer zu befreyen. und was insge - mein dabey zu bedencken; Lehret er nun ferner was Monatlich durchs gantze Jahr darin zu verrichten / wie die Fruͤchte nach - gehends mit Nutzen / nicht allein zur Spei - ſe / ſondern auch zur Geſundheit zu gebrau - chen / und mit den Blumen umzugehen / auch was ſonſten im gemeinem Hauß - weſen zu beobachten ſey.
LAſſet in dieſem Monat noͤthigen Miſt in Garten fuͤhren: Es wird dafuͤr gehalten / daß den 20. Januarii um Fabians und Se - baſtians-Tag der Safft in die Baͤume komme / zweif - fle aber gar ſehr / daß es in unſeren theils kalten Laͤn - dern geſchehe.
Jn dieſem und folgenden Monat / wann die Er - de gefroren / koͤnnet ihr groſſe Baͤume / wann ſolchen zu erſt alle Zweige biß auff zwey oder drey kurtz ab - gehauen / mit dem gefrornen Erdreich / wie auch die wilden Staͤmme / darauff man kuͤnfftig peltzen oder pfropffen will / verſetzen / doch iſt / wie ſchon gedacht / die Zeit / wann es ſtarck gefroren / wohl in acht zu - nehmen / alsdann muß man des Baumes Wurtzel wohl umgraben / dieſelbe ohne Schaden ledig ma - chen und die gefrorne Erde daran laſſen / mit Waſſer vor Nachts begieſſen / daß es wohl an einander frieret / ferner auff einen Schlitten zu der vorhero dazu mit durchgeworffener fetten Erde bereiteten Gruben fah - ren / und wie er vor dieſem gegen der Sonne geſtan - den / gemach und fleißig wieder einſetzen. Man kan auch die Raupen-Neſter / wenn die Kaͤlte nicht zu ſtrenge iſt / abnehmen.
Jhr koͤnnet nun auch ein Geſchirr mit gutem / je - doch etwas ſandigen Erdreich / ſo aber mittelmaͤßig feucht an einem laulicht-warmen Ort gehalten wer - den muß / anfuͤllen und allerhand vornehmes Kern -GObſt /98JANUARIUS. Obſt / im wachſenden Licht / darein ſetzen / welche Kern bald auskeimen / hernacher muͤſſen ſie etwas feuch - ter biß in den April erhalten und gewartet werden / biß ſie an die fuͤnff oder ſechs Blätter treiben / als - dann wieder in wachſenden Mond mit der Erden / an welchen Ort ihr ſie in Garten haben wollet / ver - ſetzen / ſolche werden noch ſelbigen Sommer huͤb - ſche Baͤumlein / und viel eher und beſſere Fruͤchte tragen / als die ihr Anfangs im Garten erzogen / die gemeinſten derſelben ſind folgende:
Jſt ein bekannter Baum / deſſen Fruͤchte nicht wohl moͤglich zu erzehlen ſeyn / weilen ihrer ſo vie - lerley Arten / die zum theil aus dem Geſchmack / zum theil aus der Farb und Geſtalt / zum theil von dem Orte / da die Peltz-Reiſer her kommen / genommen werden.
Wenn ſolche geſaͤete und umgepflantzte Baͤum - lein drey Jahr alt worden / werden ſie wieder ein oder anderthalben Fuß von einander in gute Erde verſetzet / doch muß die Saat-Wurtzel und der Stam̃ oben ein Fuß uͤber der Erde beſchnitten werden / und kan ſolches 2. Jahr nach einander geſchehen / auff daß die Stämmlein eine feine Dicke erlangen / wann ſie nun ein oder anderthalb Daumen dick ſind / dann pfropffet darauff / Clapſterten / Rabauen oder Fruͤh - braͤunchens / wie ſie in Niederland genennet wer - den / denn dieſe geben die meiſte Sproͤßlein / ſo be - kommt ihr in kurtzer Zeit einen huͤbſchen Stamm; Die Encken oder Pfropffreiſer aber / die ihr darauf pfropffen wollet / muͤſſen im Februario oder Martioim99JANUARIUS. im abgehenden Mond abgeſchnitten / und in die Er - de alſo geleget / daß die Wipffel ein wenig aus der Erde ſtehen / und im Februario, Martio oder April im wachſenden Mond / oder vor dem vollem Licht auff bemeldte Staͤmmlein gepfropffet werden; An ſtatt des Peltz-Wachſes aber nehmet etwas Kuͤhe - Miſt / ein wenig Kuͤh-Haar und etwas Sand / mi - ſchet ſolches unter einander / und beſtreicht damit die Pfropfreiſer dergeſtalt / daß kein Regen hinein drin - gen kan. Das Baum - oder Peltz-Wachs muß vor - her auffgeſchmieret / und kan hernach die Leimen - Haube daruͤber gethan werden / wer aber kein Wachs hat / kan es bey der Leimen-Hauben bewenden laſſen. Wañ nun dieſe gepfropffte auch anderthalben Daum dick worden / ſo pfropfft die beſten und angenehmſten Arten wieder darauff / als Gold-Aepffel / Renetten und andere / nehmet aber dieſe Pfropffreiſer von ei - nem ſolchen Zweig / da ſchon Bluͤt-Knoſpen an ſind / ſo werdet ihr viel eher Fruͤchte davon erlangen. Wie - wohl dafuͤr gehalten wird / daß ſolche Baͤume nicht in die Hoͤhe wollen / auch nicht dauerhafft ſeyn.
Die Apffel-Bäume an ſich ſelber haben faſt ei - nerley Geſtalt / ohne daß etliche hoͤher / etliche mit groͤſſern / etliche aber mit kleinem Laub belaubet ſind / und weilen ſolches alles bekannt / achtet man es vor unnoͤthig viel davon / wie auch von ihrer Bluͤthe zu berichten. Es pflegen auch die zahmen Aepffel in Sommer - und Winter-Fruͤchte getheilet zu wer - den. Die Paradieß-Aepfflein / die man allhier nicht auffrichtig hat / iſt mehr ein Stauden - als Baum-Gewaͤchs / hat Laub wie die andern Apffel -G 2Baͤu -100JANUARIUS. Bäume / wird aber einig und alleine von den Bey - ſchoͤßlein aufgebracht / und alſo bringt es ſeines glei - chen Fruͤchte / die Beyſchoͤßlein muͤſſen nicht zu di - cke ſtehen bleiben / ſonſten verderben die Alten.
Was der Apffel-Baum und andere nachfolgen - de Baͤume fuͤr einen Grund und Erdreich erfordern / iſt ſchon in vorhergehenden VII. Cap. erwehnet / da - hero unnoͤthig ſolches bey jeden zu wiederhohlen.
Erfordert fuͤr andern eine fleißige Wartung / mit Beſchneiden / und Saͤuberung von duͤrren Holtz / und Waſſerſchoͤßlingen. Die Frucht davon waͤch - ſet in der Ebene viel groͤſſer als auff den Bergen / und im Graſe. Es werden die Birn-Baͤume glei - cher Geſtallt als die Aepffel aus Kernen geſaͤet und gepfropffet; Jn Franckreich pfropfft man die Som - mer-Birn auff Qvitten / und die Winter-Birn auf die niedrigen Dorn-Stämme / die Fruͤchte dauren viel laͤnger als andere / ſind auch viel haͤrter und dich - ter: Hier zu Lande werden die Birn (auſſer die Zu - cker-Birn / ſo bey ihrer erſten Pfropffung bleiben) zweymahl gepfropfft / es ſeyn entweder Pergamot - ten oder Herbſt-Zucker-Birn / und zum zweyten mahl pfropfft man darauff de bon Creſtiens, Taf - fel-Birn / Mußcus-Birn / oder andere Sommer - und Winter-Birn. Wollet ihr aber auff einen Stamm unterſchiedliche Arten pfꝛopffen / ſo iſt gleich - wohl beſſer / daß ihr Sommer auff Sommer - und Winter-auff Winter-Birn pfropffet / ſo gerathen ſie beſſer und kommen viel eher zur Vollkommenheit / ihr koͤnnet ſie auch auff junge oder alte Staͤmme /da101Baum-Garten. da junge Zweige an ſind / oculiren. Die Frucht iſt unterſchiedlich wie die Aepffel an der Form / und nachdem es Sommer - oder Winter-Frucht iſt / zei - tiget ſie fruͤh / oder ſpaͤter.
Werden auch aus den Steinen erzogen und bringen zu weilen gute Fruͤchte / aber die gebraͤuch - lichſte Fortſetzung derſelben geſchicht durch ocu - liren / zu den Staͤmmen erwehlt junge Wurtzeln - Schoͤßling von Pflaumen (jedoch ſind die Zwetſch - ken am beſten dazu) pflantzet ſolche in gute Erde 2. Fuß von ein ander / wann ſie ein paar Jahr geſtanden / ſo ſchneidet ſie ſieben oder acht Dau - men uͤber der Erden ab / und laſſet daran ein paar oder drey Sproſſen ankommen / darauf ocu - lirt dann im Julio oder zunehmenden Monds Auguſti Nachmittag bey truckenem Wetter die Pfirſinge oder Apricoſen-Reiſer; Viele halten auch fuͤr gut / daß man Pfirſing auff Apricoſen oculire, maſſen ſo dann die Frucht truckner und ſchmackhaffter ſey; Sie werden auch wohl abla - ctirt, aber gar ſelten: Wann nun / wie gemeldt / die Oculation gruͤn bleibt / ſo ſchneidet im nechſt ankommenden Mertzen ein oder zwey Daumen uͤber der Oculation ab / damit der Baum ſeine vollige Groͤſſe gewinne; Solche Bäume ſind be - qvem an Gehege zuſetzen / ſie werden allda gegen Suͤden oder Suͤd-Weſten / oder gegen Oſten 12. Fuß von einander gepflantzet. Die Nah - men der Pfirſiſchen werden in Holland genennet: Pfirſichen von der Meer / doppelte Montaignen /G 3ein -102JANUARIUS. einfache Motaignen / Blut-Pfirſichen / doppelte und einfache ſchwolliche Pfirſichen / Pfirſichen von der Natt / ſpaͤte Rein-Pfirſichen.
Der Pfirſing-Baum wird ſelten alt / kan auch die Kälte nicht wohl vertragen / dahero le - get man den Winter uͤber Pferde-Miſt um die Wurtzeln mit Stroh. Scheinet er etwan nach geendigtem Winter verfroren zu ſeyn / muß man ihn doch nicht gleich abhauen / maſſen er ſpaͤt nachtreibet / muß aber fleißig von duͤrrem Holtz / (jedoch nicht im Sommer / dann ſonſt die neue Schoͤßlinge wieder verderben) geſaͤubert werden. Er will auch in duͤrrer Sommer-Zeit mit er - qvickendem Waſſer begoſſen ſeyn / und weilen die Winde / indem er nicht tieff einwurtzelt / denſel - ben / wann er mit Frucht beſchweret iſt / leicht - lich umwerffen / hat er eine Unterſtuͤtzung noͤthig.
Die Apricoſen ſeyn zweyerley / rothe und gel - be / die rothen ſind beſſer am Geſchmack / die gel - ben aber beſſer zum einmachen zu gebrauchen.
Je mehr dieſer Baum Mitternacht-waͤrts ver - ſichert iſt / je beſſer waͤchſt er / dahero er an die Haͤu - ſer gepflantzet wird / weilen allda wegen des Wi - derſcheins ſeine Fruͤchte wohl ausgekocht und zei - tiger werden; Er muß auch / weil er viel Laub und wenig Wurtzeln hat / an Latten oder Stoͤ - cke gebunden werden.
Werden gleichfals aus den Steinen fort ge - bracht; Dieſe tragen gute lang taurende Fruͤch - te / und werden dicke Baͤume. Werden auch ausden103Baum-Garten. den Wurtzel-Zweigen der Kirſchen-Baͤume er - zeugt: Als wohltragende oder Waryffſche Kir - ſchen / ſo auff dem alten Holtze tragen / ſind nie - drige Staͤmme / man ſetzet ſie meiſt an ein Ge - hege / gegen Weſten / und wann deren Staͤmm - lein eines Daumes dicke worden / alsdann wird im Mertzen darauff gepfropfft / durchs ablactiren oder Abſaͤugen; Diejenigen Baͤume / von wel - chen ihr ablactiren wollet / muͤſſen / wie ſchon ge - dacht / ein Jahr zwiſchen gemeldten jungen Staͤm̃ - lein ſtill geſtanden ſeyn / auf daß ſie ihnen deſto beſſere Krafft und Nahrung geben. Jhr koͤn - net auch fuͤglich darauf impffen oder pfropffen.
Die Verbeſſerung der Kirſch-Baͤume kan durch das Spalt-Pfropffen am beſten verrichtet werden / und hat man dabey im Aufſetzen in acht zu nehmen den Unterſcheid der Bluͤtaugen / ſo rund und dick ſind; auch der Laubaugen / ſo laͤnglicht und ſpitzig ſind. Solten aber an einem Reiſe beyder Art Au - gen zugleich vorhanden ſeyn / ſo muͤſt ihr die Bluͤt - Augen ſaͤmtlich abthun / unter den Laubaugen aber das beqvemſte auſſehen und einſchneiden; Denn ſo ihr ein Bluͤtauge einſchneiden thaͤtet / und aufſetztet / ſo wuͤrde das auf dem Stamm geſetzte Reiß eine Zeitlang gruͤnen / endlich aber verwelcken und ver - derben.
Alle Arten Kirſchen laſſen ſich nicht impffen / ſon - dern theils muͤſſen durch das Abſaugen und oculi - ren fort gebracht werden. Zum Abſaugen und oculi - ren der Kirſchen / bevorab der Spaniſchen-Hertz - und anderer ſuͤſſen Kirſchen werden ſonderlich dieG 4weiſſen104JANUARIUS. weiſſen Wilden - oder Vogel-Kirſchen-Staͤmme ge - braucht / wie auch zum Jmpffen / theils halten nicht viel auff das ſtuͤmmlen / ſchmaͤhlern oder ſchnei - den der Baͤume / dann die Erfahrung giebts / daß ſie nicht allein viele Waſſer-Schoſſen / ſondern auch unten aus der Wurtzel viele Zweige treiben / ange - ſehen der zu ſehr entzweigete Kopff den Safft nicht verſchlucken kan.
Der Kirſchen Arten ſind gar vielerley / in Hol - land werden ſie genandt: Schlecht und doppelte Maͤy-Kirſchen / Gewuͤrtz-Kirſchen / Amarellen / Ve - enbuhr / wohltragende Kirſchen / Waryfe-Kirſchen / Blut-Kirſchẽ / Kirſchẽ von der Natt / Joan Arſen Kir - ſchen / fruͤhe und ſpaͤte Folgers / Spaniſche Kirſchen / ſchwartze Kirſchen mit doppelten Blumen / Ungari - ſche Kirſchen und viel mehr andere. Der Amarellen - Baum bringt viel mehre Frucht / wenn er ſtehet bey ſeines gleichen.
Koͤnnen auch aus Steinen erzogen werden / man ſetzt ſie folglich an die Gehaͤge oder in Baum-Gar - ten; Die weiſſen Bauren-Pflaumen / wie auch die Zwetſchken werden nicht gepfropfft / wachſen von ſich ſelbſt willig genug / die andern Sorten aber muͤſ - ſen gepfropfft oder oculirt werden / es ſey auff hohe oder niedrige Staͤmme. Die Pflaumen ſtehen eine lange Zeit / ehe ſie Fruͤchte bringen / das machen die vielen Waſſer-Reiſe / ſo daran wachſen / welche ihr im Julio oben in Wipffeln bemutzen oder be - ſchneiden muͤſſet / woraus dann kleine Sproͤßlein kommen / die folgendes Jahr Blumen und herna -cher105Baum-Garten. cher Fruͤchte bringen. Zu dem muß man keine Brut oder junge Sproſſen nahe am Stamm auff kommen laſſen / weilen ſonſt den Alten die Nahrung entgeht / und nicht tragen koͤnnen; Man muß ſie auch fleiſ - ſig von duͤrrem Holtz und daraus flieſſenden Gum - mi / wie auch Moß / ſäubern / und wenn man ſiehet / daß der Gummi zu ſehr flieſſet / iſt ihnen das Ader - laſſen oder Schrepffen dienlich. Zu derer Duͤn - gung muß alter Kuͤhe - und nicht friſcher Miſt ge - nommen werden.
Die Pflaumen ſollen allein auff ihre Art geimpf - ſet / und die Reiſer-Zweiglein dreyaͤugig ohne Bluͤ - he-Knopff und ohne Einreiſſung geſchnitten werden.
Leget jetzo Miſpel-Steine / weil ſie ſehr hart ſind / in die Erde / wann ſie auffgewachſen und eines Dau - mens dicke worden / ſind ſie beqvem zum pfropffen.
Sie werden auch aus den Wurtzel-Zweigen o - der Stecken fort gebracht; Es wird dafuͤr gehalten / wann die Miſpeln zwey oder drey mahl verpfropfft werden / ſelbige keine Steine tragen ſollen / aber das iſt wahr / ſie bringen ſolcher Geſtalt ungleich groͤſ - ſere Fruͤchte. Es iſt eine kleine Art Miſpeln / die nennet man Nanties Miſpeln / iſt ein kleines Baͤum - lein oder Staude. Der Miſpel-Baͤume Frucht muß nicht abgeleſen werden / es habe dann etliche mahl gereifft oder gefrohren.
Der Miſpel-Baum iſt vor vielen andern dem Zufall unterworffen / daß ſein Stamm von den Wuͤrmen gern durchnaget wird: Solche zuvertrei - ben / beſtreichet man die Loͤcher mit Baum-Wachs.
Koͤnnen zwar auch durch die Kerne fortgebracht werden / gehet aber langſam her / deßwegen man ſich der jungen Wurtzel Schoͤßling fuͤglicher bedienen kan / ſie ſtehen gern im Schatten / nemlich im Januario. Die Spaniſchen Haſel-Nuͤſſe ſind kurtz und rund / noch ſind zwo lange Arten / deren eine inwendig um den Kern eine rothe / die andere aber weiſſe Huͤlſen hat / jene nennet man Lombardſche oder Lamberd - ſche Nuͤſſe.
Man muß den Haſelſtauden fleißig ihre Waſſer - ſchuͤſſe und junge Brut oder Raͤuber benehmen / ſonſten tragen ſie nicht. Auch wenn man gute und viel Fruͤchte davon haben will / muß man die alten Stämme / ſo ſie 10. oder 20. Jahr geſtanden / ab - hauen und die junge nachwachſen laſſen.
Wird durch Caſtanien / welche man in die Erde ſteckt / auf gebracht; Es giebt einen zierlichen Baum / der gern in hohen ſandigen Oertern wächſet: Man beſetzt mit ihnen die Wege / oder pflantzt ſie zu Buͤ - ſchen / und wann ſie ſechs Jahr alt worden / werden ſie im Februario 24. Fuß von einander verſetzt: Die Fruͤchte aber / die hie zu Lande wachſen / ſind ſo gut nicht als die aus Spanien und Franckreich kommen. Dieſer Baum bedarff keiner Duͤngung / dann ſeine Blätter fuͤr ſich ſelbſt gnugſam duͤngen. Sonſt iſt noch eine Sorte, die wird aus Jndien oder Capo de bona Sperance gebracht / die tragen Fruͤch - te wie Schaffs-Nieren geſtalt / ſind aber her gar rar und ſelten zu haben / weil ſie nicht wohl auf kommen /wenn107Kuͤchen - und Blumen-Garten. wenn man ſie ſteckt / ſo geben ſie dichter und dunckeler Laub als die gemeine Caſtanien.
Jm letzten Tag vor den folgenden neuen Monat ſtuͤmmelt die Baͤume ein wenig an allen Aeſten / doch ſo viel die Anſtaͤndigkeit des Baums zugeben will / doch wird die Herbſtzeit von etlichen beqvemer dazu gehalten.
Wann die Kaͤlte etwas nachlaͤſſet / und euer Bet - te ziemlicher maſſen trocken und offen / auch nahe an einer Wand oder Mauer gelegen ſeyn / daß ſie der Nord-Wind nicht beſchaͤdigen kan / koͤnnet ihr zum Verſuch wohl etwas Lattig / Zwiebeln / und unter dieſelben Sommer-Endivien ſaͤen / ob es ſchon her - nach noch viel ſchneyet / kan es nichts deſto weniger unterm Schnee herfuͤr wachſen.
Bey dergleichen ſchoͤnen Tagen / und wann der Schnee vom Lande / ſehet zu denen Artiſchocken / wie es um ſelbige beſchaffen / und da ſie zu naß und et - wan faulen wolten / muͤſſet ihr ihnen mit truckenem Zeug zu Huͤlffe kommen / damit ſie die uͤbrige Win - ters-Zeit beſſer hindurch bringen / und auf den Fruͤh - ling deſto mehr zunehmen und fruchten moͤgen / wel - ches auch mit den Endivien-Stoͤckẽ und uͤbrigen rah - ren Kohl-Gewaͤchſen in acht genommen werden muß / damit ihnen das Faulen mit trockenem Sande verwehret werde.
Jhr koͤnnet aus dem Garten noch Braunen Kohl / und wann der Schnee nicht verhinderlich / Kerffel / Spinat / Winter-Rapuntzeln / Winter-Kreſſe / undaus108JANUARIUS. aus dem Keller Winter-Endivien / Cichorien / Pal - ſternacken und Blumen-Kohl zur Kuͤche haben.
Weil ihr darinn wenig Freude findet / ſo verfuͤget euch in Keller oder an den Ort da die zarten Ge - waͤchſe und Blumen hingebracht / falls ihr deren Erde allzu trucken findet / koͤnnet ihr ein wenig Schnee / ſo er vorhanden / zu etlichen legen / ſonſten mit laulichten Waſſer befeuchten / doch dieſelben verſchonen / welcher im 14. Cap. gedacht; huͤtet euch aber / daß der Schnee oder Waſſer den Staͤmmen nicht zu nahe kommet.
Aber die Citronen - und Pomerantzen Baͤume begieſſet bißweilen mit ſuͤſſer Milch / welches gut fuͤr das Abfallen der Blaͤtter / und werden auch die Wurtzel-Aederlein dadurch geſtaͤrckt und genehret.
Eure dahin gebrachte Naͤgelein koͤnnet ihr auch auf ſolchen Fall mit laulichtem Waſſer / darinn et - was Tauben - oder Huͤner-Miſt geweichet / begieſſen / von welchem ſie trefflich groß und vollkommen werden.
Verlangt ihr von den Anemonen und Ranun - culis fruͤhe Blumen zu haben / ſo nehmet ein Gefaͤß / fuͤllet ſelbiges im Blumen-Gemach mit einen gelin - den Erdreich / ſo nicht gar zu fett / ſondern mit ein wenig kleinen Sand vermenget / leget zwey Tage vor den vollen Licht etliche Wurtzeln hinein / ſo wer - den ſie nach Verlauf zweyer Monaten ihre Blu - men bringen; Welches ſo fort faſt durch den gan - tzen Sommer damit zu practiciren. Jm Garten faͤnget an zu bluͤhen
Helle -109Kuͤchen - und Blumen-Garten.Deren iſt eine Sorte, die hat weißliche Blumen und ſchwartze Wurtzel / ſtehet niedrig bey der Erde. Auch iſt eine Art / ſo ſchwartze Wurtzeln und gruͤne Blumen bringet; Darnach noch zweyerley Sorten, deren eine weiſſe / und die andere ſchwartze Blumen traͤgt: Weil aber die weiſſe Nießwurtz mit in den Blumen-Garten gehoͤrt / ſoll etwas davon gemel - det werden / und iſt dieſelbe zweyerley / als Maͤnn - lein und das Weiblein. Das Maͤnnlein hat eine Wurtzel eines Daumens dick / ſo auswendig Erd - ſchwartz / inwendig weiß / mit vielen zart en Faſeln iſt. Der Stengel waͤchſt nicht uͤber Ellen hoch / die Blaͤtter ſeyn mit Striemen eingezogen / wie der Wegrich / und hat oben viel Zweiglein mit bleich - gelben Sternblumen / woraus aber ſelten Saame folget. Das Weiblein iſt dem Maͤnnlein gleich / nur daß ſeine Zweiglein mehr Blumen tragen / ſo gar daß ſie ſich auch dafuͤr biegen. Man hat auch noch eine Art / ſo ſchwartzbraune Blumen traͤgt / ſo vor die beſte gehalten wird. Dieſe alle wollen nicht in der Sonnen / ſondern in ſandigter Erde / oder auff den Gebirgen ſtehen / und werden durch deren Wur - tzeln vermehret.
JM wachſenden Mond / verpflantzet / reini - get und bindet auf allerley Hecken / ſo groſſe Wurtzeln haben: Von den Baͤumen raͤu - met die Wurm-Neſter; Und wann es das Erdreich zugeben will / koͤnnet ihr allerhand Stämme im wachſenden Liecht 2. oder 3. Tage zuvor / ehe der Mond gar voll wird / oder 2. Tage hernach / verſe - tzen / inſonderheit das Stein-Obſt / als Marellen oder Apricoſen / Pfirſing / Maulbeeren und der - gleichen / auch allerhand Kirſchen / wiewohl die Kir - ſchen beſſer im Herbſt nemlich Octob. oder Nov. zu verpflantzen. Wann ihr die Pfirſing umſetzet / ſo beſchneidet ſie nicht / weiln ſie nur deſto weniger an - ſchlagen / und ſcheuet insgemein alles Stein-Obſt das Meſſer. Koͤnnet ihr die Umſetzung anſtellen / wann der Mond im Stier / Zwilling / Waag oder Waſſermann iſt / iſt es deſto beſſer: Dabey noch - mals zu erinnern / daß man nicht juͤnger als drey - jaͤhrige umſetze / ſie nicht tieffer als ſie zuvor geſtan - den / ſetze / den Ort / ſo vor dieſem gegen Aufgang der Sonnen geſtanden / wieder dahin kehre / und das fruͤhe Obſt an einen warmen Ort bringe / die Wur - tzeln fein fleißig von einander ſpreite / und mit guter vermiſchter Erde beſchuͤttet. Befeuchtet weder die Wurtzeln noch die Erde beym umſetzen / dann ſie ſon - ſten ſchimlen und verderben. Wann ſie nun alſo in die Erde gebracht / ſo ſtecket ſtarcke Pfäle dabey / be -feſtiget111Baum-Garten. feſtigt ſie daran / damit ihnen der Wind nicht ſcha - den kan.
Werden anjetzo / wenn das Holtz noch geſchloſ - ſen / im zunehmenden Licht gepflantzt / wollen folglich / wann ſie nicht in naſſem Grunde ſtehen / fleißig be - goſſen ſeyn. Dieſe Baͤume treiben gern viel Brutt oder Raͤuber / dahero man ihnen dieſelbe fleißig be - nehmen muß / dann ſie ſonſt nicht tragen. Wol - len auch fleißig / ſonderlich wann es regnen will / um die Wurtzel gehacket ſeyn / ſtehen im Graß-Anger nicht wohl / und will auch deren Wurtzel mit alten mit Aſchen vermiſchten Miſt geduͤnget ſeyn. Sie ſind / wie bekandt / an Geſtalt faſt wie ein Apffel - Baum / ihre Bluͤhung thun ſie im Majo / welche groß und ſchoͤn iſt / wie die wilden-Roſen / im An - fang iſt die Frucht gruͤn / wenn ſie aber reiff iſt / wird ſie gelb. Werden ſonſten unterſchieden in Birn - und Apffel-Qvitten. Jhre Brutt kan entweder zum Baum oder Stauden / nachdem man ſie fleißig be - ſchneidet / aufferzogen werden. Das Pfropffen ha - ben die Qvitten nicht ſehr noͤthig / jedoch wenn man Encken von ſonderlichen Qvitten uͤberkommt / koͤn - nen ſelbige auf Qvitten-Staͤmme / oder auch auff Apffel - und Birn-Baͤume gepfropfft werden. Weiln auch der Ovitten Wurtzeln nicht ſo gar tieff einſchlieſ - ſen / ſondern ſich ſeitwerts breiten und Brutt und Nebenſchoͤßlinge machen / ſo laſſet je drey oder vier Schoͤßlinge zur Vermehrung ſtehen / und ſchneidet die uͤbrigen weg. Wenn man ſothane Schoͤßlin - ge abnehmen und als junge Staͤmme verſetzen will /ſo112JANUARIUS. ſo iſt hiezu der Herbſt die beqvemſte Zeit / ſonderlich um Allen heiligen: Auch muß man Achtung geben / ob ſie bewurtzelt / ſintemahl ſie ohne Wurtzeln ſchwerlich anſchlagen. Einen Qvitten-Apffel ſehr groß und fuͤr andern vollkommen zu machen / ſo beu - get den Zweig / an welchen er hanget / in einem Spalt-Topff mit Erden angefuͤllet / und laſſet ihn alſo fortwachſen biß zu ſeiner Zeitigung. Auch neh - men die Qvitten allerley Geſtalt an ſich / wenn man die junge Frucht in ein irrdenes oder gläſſernes Ge - faͤß / welches inwendig figuriret / hinnein ſtecket und darinn groß wachſen laͤſſet.
Nach den vollen Mond / im guten Zeichen / iſt ſchon gut Peltz - oder Pfropff-Zweiger zuſammlen / welche Zweiger von mittelmaͤßigen / geſunden und nicht gar alten Baͤumen / ſo ſchon wohl getragen / aber nicht von jungen / ſo weder Blumen noch Fruͤchte gebracht / genommen werden / denn ſolcher Geſtolt wuͤrde der gepeltzte Baum keine Fruͤchte bringen / auch nur eines Jahres Schoß / aus den - ſelben feine kurtze und dicke Zweige / ſo die Augen nahe beyſammen haben / und von denjenigen Ae - ſtem / die gegen Auffgang der Sonnen oder gegen Mittage je hoͤher je beſſer ſie ſtehen; Hiezu bedienet euch der im 20. Cap. abgebildeten Baum-Scheer / in deren Manglung konnet ihr ſolche Zweige auch wohl mit der Hand abwerts brechen / und gleich ge - gen den Aſt abdruͤcken / jedoch ſo vorſichtig / damit die Reiſſer nicht verſehrt und untuͤchtig gemacht werden.
Vier oder fuͤnff Tage vor oder nach dem vollenLicht113Baum-Garten. Licht muͤſſen auch die Weiden-Baͤume / wann dero Aeſte zu lang / behauen und geſtuͤfet werden.
Jn dieſem Monat koͤnnet ihr wilde Pfropff - Staͤmme ſetzen / zum Jmpffen und Abſaugen.
Nun koͤnnen auch ſchon Pflaumen / Apricoſen / Pfirſchen / Mandeln / Spaniſche und andere Kir - ſchen / auch ander Stein-Obſt / oder in Anfang des Martii gepfropffet werden.
Bereitet euch ſelbſten Peltz-Wachs / ſo das gan - tze Jahr durch / auch zu Schaͤden der Baͤume zu ge - brauchen: Nehmet gutes Wachs ſo viel euch be - liebt / thut den dritten Theil Terpentin darzu / wol - let ihr das weiſſe Hartz auch darzu gebrauchen / wird es deſto beſtändiger werden / laſſets in einem Topff untereinander zerſchmeltzen / gieſſets hernacher in kalt Waſſer / daß es geſtehet / ſo iſt das Peltz-Wachs ſchon fertig / noch eine andere Manier findet ihr in vorhergehenden 17. Capitel.
Wird nun in ſandige Erde verpflantzet / man thut ein wenig Kuͤh-Miſt rundherum / jedoch daß ſolche die Wurtzel nicht beruͤhre / dann dadurch wuͤrden die jungen Sproſſen verfaulen. Man hackt auch den Winter vorher wohl etwan zwey Schuch tieff eine Grube / ſaubert ſolche fleißig von Steinen / duͤnget ihn mit alter guter Duͤngung und ſetzet dann im Fruͤhling die Reben darein. Auch wird er durch Schnitt-Holtz in der Erde fort gebracht / dazu nim̃t man einen abgeſchnittenen Reben / daran ein paar Daumen altes Holtz iſt / wie bey den Buchſtaben D. zu ſehen / und ſchneidet etwas Rinde von alten Hol -Htze /114FEBRUARIUS. tze an einer Seyten ab / laͤſt etwan 3. Knoſpen am jungen Reben uͤber den Alten / wann es nun an ei - nen ſchattigen Ort uͤber Zwerg in die Erde geſtecket wird / ſo wird es mit der Zeit Wurtzel ſchieſſen / und zu einem Reb-Stock gedeyen. Eine jede Gattung ſoll aber abſonderlich geſetzet / die fruͤhen an einen ſolchen Ort da die Sonne minder / die ſpaͤten aber / da der Ort der Sonnen beſſer gelegen / damit ſie mit einander zeitigen. Wer nun vor andern fruͤhe Trau - ben verlanget / muß einen Ort erkieſen / da nicht al - lein die Sonne / ſondern auch der Wiederſchein et - was thun mag / und alſo ſolche Stoͤcke gegen der Sonne an eine Wand oder Mauer ſetzen.
Er wird auch in die Erde folgender Geſtalt gele - get: Nehmet einen jaͤhrigen Reben / der dicht an der Erden ſtehet / und beugt ihn unter ſich / daß er mit dem Bogen in die Erde kommt / und der Gipffel ei - nes kleinen Fuſſes hoch wiederum heraus ſtehe / wie bey A. und B. abzunehmen; auf ſolche Weiſe kan man in kurtzer Zeit ein gantz Gehege mit Reben beſetzen. Sonſten ſetzt man auch wohl kleine Koͤrbe in die Erden / in deſſen Boden ein Loch geſchnitten iſt / und ein jaͤhriger Rebzweig durchge - zogen / und der Korb mit der Erde gefuͤllet / ſo kan mans uͤbers Jahr ohne Beſchaͤdigung des Wein - ſtocks und ſeiner Wurtzel an einen andern Ort ver - ſetzen. Waͤre aber der Weinſtock ſo hoch aufge - ſchoſſen / daß keine jährige Reben nahe an der Er - den vorhanden / ſo nimmt man ein Koͤrblein / und bringt es ſo hoch als man wil / und ziehet obgelehr - ter maſſen einen Reben durchs Loch / und fuͤllet ihnmit115Baum-Garten.
mit Erde wie beym Buchſtaben C. bemercket iſt / ſo wird der Weinſtock ebenmaͤßig wurtzeln und uͤbers Jahr beqvem zum verpflantzen ſeyn.
Noch eine unbekandte Manier auf einen Stock 3. 4. und mehrerley Wein zu peltzen; Jm Febru - ario wann des Weinſtocks Safft zu gehen anfan - gen will / ſo ſchneidet man von andern raren Stoͤ - cken etliche Reben / ſo viel man will gehet damit ei - nem alten Stock der dick Holtz hat / und bohret mit einem Hohlbdhrer ein Loͤchlein in das alte Holtz / ſo groß und weit als die abgeſchnittene Rebe iſt / als - dann loͤſet man die aͤuſſere Rinde von ſolcher Re - be / mit einem Meſſer auf / und laͤſſet die Rinde da -H 2ran116FEBRUARIUS. ran hängen / ſchlaͤget deſſen bloſſes Holtz in das ge - bohrte Loͤchlein / und laͤſſet die abgeloͤſete Rinde allenthalben hinzu gehen / verkleibet folgends ſolches Loch herum mit von Terpentin weich gemachten Wachs / verbindets ferner mit Mooß / wann nun der Safft gehet / ſteigt ſolcher zwiſchen den Rinden und der Reben und waͤchſt aneinander. Desgleichen kan man zwo Reben die gleich ſind / als von zweyer - ley Art / gleich auff und gegen einander peltzen.
Ebenmaͤßig kan man auch die altverfrorne Stoͤcke oder welche ſonſt des kleinẽ Rebholtzes verluſtig wer - den / auf ſolche Art wieder zurecht bringen / wann nur das alte Holtz in der Erden noch gruͤn und gut iſt / ſol - chen falls kan man in ſothanen alten Knorren wie - der ein oder etliche gute Reben einpeltzen / welche dann gleich das erſte oder andere Jahre ihre Fruͤch - te bringen.
Auch kan man / wann der Weinſtock beſchnitten wird / etliche Buͤſchel gute Reben / ſo lange biß der Safft gaͤngig / in Miſtlacken ſtecken / damit ſie friſch und gut bleiben / alsdann wann der Safft gehen wil / zu peltzen gebrauchen.
Obgemeldtes Peltz-Wachs bereitet man alſo: Man nimmt 2. Loth Wachs und 1. Loth Terpentin / zerlaͤſts in einem eiſern Loͤffel zum Gebrauch.
Man beſchneidet auch in dieſem Monat bey ab - nehmendem Licht die Reben / dann wann man die jungen Reben im zunehmenden Mond beſchneidet / ſo geben ſie groß und dick Holtz. Wann man ſie beſchneidet gegen den vollen Mond / wann der Mond den Loͤwen und Waſſermann durchlaͤuft / ſo thun dieVoͤ -117Baum-Garten. Voͤgel und Maͤuſe den Trauben nicht ſo groſſen Scha - den als ſonſten.
Es iſt auch gut befunden / daß man in die Laͤnge des Holtzes 14. oder 15. Knoſpen daran laſſen ſolle / weil die Laͤnge des Holtzes die beſten und meiſten Fꝛuͤch - te bringet / welches den wohl zu mercken / wann man eine lange Ruthe nimmt / daß man einen jungen Schoß unten daran laͤſſet mit drey oder vier Kno - ſpen / damit es deſto beſſer ſeine Nahrung und Kraft an ſich ziehen kan.
Zu den Hacken oder Umgraben iſt die beſte Zeit / wann der Schnee abgangen und die Erde trocknet / da dann die oberher ſchwebende Wurtzel mit dem Rebmeſſer abgehauen / der andern aber / damit er deſto ungehindert ſeine Nahrung haben moͤge / ver - ſchonet werden ſolle. Wann nun das Hacken ein und ander mahl geſchehen / muͤſſen die Stoͤcke durch das Jaͤten fleißig geſaͤubert werden / und dieſes ſoll ſo offt geſchehen / als es das Unkraut erfordert / da - mit ſelbiges ſich nicht beſaame.
Es muß auch bey Auffwachſung der Reben das Anbinden oder Hefften nicht vergeſſen / ſondern fleißig in acht genommen und dahin geſehen werden / daß keine Blaͤtter zwiſchen das Band kommen / wei - len es dem Holtz an ſeiner Zeitigung ſchadet.
Wann nun die Stoͤcke ihre Fruͤchte gebracht / und der Winter heran nahet / muß zu denſelben gute verfaulte Duͤngung getragen und zu den Wurtzeln gelegt werden / davon empfinden ſie nicht allein mehr Kraft / ſondern erfrieren auch nicht ſo leicht. Unter andern Duͤngungen iſt der / ſo von gefaulten LaubH 3und118FRBRUARIUS. und Holtz herkommet / den Rebſtoͤcken ſehr ange - nehm / dann weil derſelbige noch alle Kraft bey ſich behaͤlt / kan er ſelbige den Reben deſto reichlicher mittheilen. Alle Duͤngung zu den Weinſtoͤcken muß wohl veraltet ſeyn; Wo der Ort feucht iſt / iſt der Pferde-Miſt nicht undienlich / an truckenen Orten aber muß Rinder-Miſt gebraucht werden; wie ſol - che auff andere Manier zu duͤngen / ſtehet vorher im 8. Capitel.
An die alten Rebſtoͤcke / die ſieben oder acht Jahr geſtanden / legt man unten etwas kleines Stein - Gemerſel / oder kleingeſtampffte Schiefer-Steine / dann ſie dadurch fruchtbar werden.
Wird nun oder im Martio durchs Einlegen fort - geſetzt / auch im October und November von Wur - tzel-Sproſſen / wie der Feigenbaum / vermehret. Kan auch auff Apffel - und Caſtanien-Baͤume ge - pfropffet / auch durch Anhaͤngung / wie gleich bey den Wein-Reben erwehnt / erwuchert werden / wird auch aus Saamen erzogen / ſtehet aber wohl zehen Jahr ehe er Fruͤchte bringet / er machet eine groſſe Wur - tzel / ſo doch nicht tief in die Erde waͤchſt / und trägt ſeine ſchwartze Beeren in Auguſto / wiewohl er nicht einerley Beere auf einmahl traͤget / ſondern reiffe und unreiffe zu gleich / ſchwartze und rothe. Er wird deßwegen vor den kluͤgſten Baum gehalten / weilen er nicht eher ausſproſſet als biß kein Froſt mehr vor - handen. Wann man ſolchen verſetzen will / muß es im Fruͤhling geſchehen / weil er die Kälte nicht vertragen kan. Dem Maulbeer-Baum muß mandas119Kuͤchen-Garten. das duͤrre und faule Holtz fleißig benehmen / dann dadurch wachſen ſie luſtig / wann ſie gleich der Win - ter verderbet hat. Man hat auch weiſſe Maul - beeren / ſind aber dieſer Orten etwas rarer / hat ſonſt laͤngliche-zarter - und weißlicher Blaͤtter als der vorige / die Frucht iſt kleiner / weiſſer Farbe und ſehr ſuͤß / dennoch nicht ſo hoch geachtet als die ſchwar - tzen / deſſen Blaͤtter aber ſind der Seidenwuͤrmer rechte Nahrung / welchen zu gut dieſer Baum ſon - derlich gebauet wird an denen Orten / da man ſich derſelbigen befleißiget.
Gegen Ende dieſes Monats koͤnnet ihr die Baͤu - me noch beſchneiden / ſchaben und umhacken / und die duͤrre Aeſte davon hauen / wozu aber kein ſtar - ckes Beil zu gebrauchen / damit die Rinde nicht ver - letzt und der Baum nicht ſchaͤdlich beweget werde / hauet oder ſaͤget ſolche oder andere undienliche Ae - ſte gleich an dem Baum weg / verſtreichet die Wun - de mit vermiſchtem Leimen / Kuͤh-Koth und Terpen - tin.
Jn ſelbigen koͤnnet ihr dieſen Monat / weil mei - ſtentheils die Erde von Froſt noch geſchloſſen oder noch zu beſorgen / wenig nuͤtzliches verrichten / ver - fertiget euch zur fruͤhen Ausſaat ein Miſt-Bette / er - wehlet einen Ort dazu / der gegen Mittag lieget / und den gantzen Tag die freye Sonne hat / daſelbſt ma - chet eine Grube auff drey fuß tieff / fuͤllet ſolche mit friſchen Pferde-Miſt / und tretet ſolche fein dichte auff einander / uͤbergieſſet ihn mit Waſſer / damit er ſich durch und durch wohl erhitze / ſchuͤttet dann zwey -H 4er120FEBRUARIUS. er qver Hände hoch gute kurtze Erde darauff / laſſets alſo ein / zwey oder drey Tage liegen / biß die groͤſte Hitze des Miſtes vorbey / ſtecket einen Finger drein / und urtheilet von der Waͤrme / ob es noch zu hitzig / denn auff ſolchen Fall wuͤrdet ihr allen Saamen zu - gleich darinnen verbrennen. Wenn ihrs nun be - qvem findet / ſo beſaͤet es / nachdem ſich weich und offen Wetter ereignet / mit Lactuc / Kreſſen / Radieß und dergleichen / ſo werdet ihr innerhalb drey Wochen Salat und Radieß auff der Tafel haben.
Wann ihr nun das Miſt-Bette dergeſtalt beſaͤet / und aber noch ſehr kalt iſt / ſo machet Stroh-De - cken / daß ihr das gantze Bett / wann zu erſt hin und wieder Stoͤcker geſtecket / damit die Decken nicht auf die Erde kommen / ſo Tages / wann die Sonne nicht ſcheinet / als Nachts / ſo lange es Froſt und Reiffen giebt / vor der Kaͤlte alsbald nach der Sonnen Un - tergang bedecken koͤnnet / decket ſie auch Morgens fruͤhe nicht ſo bald auff / und wenn froſtige Zeit vor - handen / laſſets den gantzen Tag zu gedeckt.
Dem Stroh ſo ihr zu gemeldten Decken gebrau - chen wollet / ſchneidet zuvor alle Aehren ab / denn ſon - ſten / ſo etwan noch einige Koͤrner in ſolchen vorhan - den / die Maͤuſe den Koͤrnern nachgehen / ſich ins Miſt-Bette gewehnen / und auch den Saamen auf - freſſen moͤchten.
Auch wird dienlich befunden / nachfolgende / da - mit ſie fruͤhzeitig wieder verpflantzet werden koͤnnen / auff ſolches Miſt-Bett im zunehmenden Licht zu bringen; Als
1. Se -121Kuͤchen-Garten.Es iſt die Geſtalt des Seleri denen groſſen Peter - ſilgen faſt gleich / nur daß ſie einen andern Geruch hat; Jſt vor erſt aus Jtalien anhero kommen / muß aber in Faſten-Zeit im Martio oder April ge - ſaͤet / und mit Ausjaͤten des Unkrauts / und Begieſ - ſen wohl bewahret werden. Wann er ſieben oder acht Blätter gewonnen / ſo machet man zwerg uͤber ein Bette / oder auch an den Raͤnden des Bettes klei - ne Furchen eines Fuſſes tief / und ſetzet ihn ein Fuß weit von einander / wenn er nun zu beqvemer Groͤſ - ſe / etwan ein Fuß hoch auffgeſchoſſen / ſo fuͤllet man die Furchen wieder zu / und beſchuͤttet die Pflantzen hoch auff biß an das Hertz-Schoß bey trockenen Wet - ter mit Erde / daß ſie unten gelb werden / uͤber drey oder vier Wochen haͤuffer man abermahl die Erde auff beyden Seiten / und zwar immer hoͤher / und laͤſt ſie fort wachſen biß ſie recht weiß. Jm Winter ge - hoͤrt ſie mit andern Kuͤchen-Kraͤutern im Keller. Wird bey hellen und trockenen Wetter ausgehaben / in Keller gebracht und daſelbſt in friſchen Sand zum kuͤnfftigen Gebrauch verſetzet und fuͤr Kaͤlte bewah - ret; Der Saame kan hievon hieſiges Landes ohne groſſe Muͤhe nicht erlangt / ſondern muß aus der Fremde anhero gebracht werden. Wenn man aber Saamen davon zu wege zu bringen ſuchet / muß man ihn nach verfloſſener Winters-Zeit wieder ins Feld ſetzen / und alsdenn den Saamen abwarten.
Jſt anſtatt des Sallats gut beym Trunck Wein zugebrauchen / ihr koͤnnet ſie roh undH 5ge -122FEBRUARIUS. gekocht zurichten / und mit Eßig / Baum - oͤhl / Pfeffer und Saltz auffgeben / wie in angehaͤngten Koch-Buche zu erſehen. Und iſt an dieſem Gewaͤchs mehrere Krafft / als man vermeynt / maſſen es des Leibes Feuch - tigkeiten zertheilet / widerſtehet den Gifft / treibt das Waſſer / heilet Wunden / ſtaͤrcket den Magen / hilfft der engen Bruſt / treibet Monats-Zeit / und das Waſſer nach der Geburt; Ja deſſen Saamen treibet die todte Frucht / oͤffnet verſtopffte Leber und Miltz / und kommet ſolchen Falls der gel - ben Sucht gewaltig fuͤr: Kalte Naturen be - finden deſſen Krafft ſtaͤrcker je oͤffter ſie deſ - ſen gebrauchen. Der Hertz-Boll wird wegen ſeiner ſonderlichen Weiche und Zaͤrtigkeit fuͤr das beſte daran gehalten.
Es wird dafuͤr gehalten / wenn der Cappus und ander Schließ-Kohl um St. Petri und Matthaͤi Abend geſaͤet werde / ſolle ihm der Erd-Wurm nicht freſſen / die ſchoͤnſten Pflantzen werden / und auch ſehr wohl ſchlieſſen. Und wird die Verpflantzung ohn - gefehr um Urbani im Majo fuͤr die beſte gehalten.
Wenn dieſer ſechs oder ſieben Blaͤtter erlangt / wird er in gutes ſchwartzes gemiſtetes Erdreich ſolcher Ge - ſtalt verpflantzet: Man machet ziemliche groſſe Loͤ - cher / und thut guten alten Miſt darein / allein in der Mitten / da der Setzling kommet / wird ſolcher Miſt mit etwas Erde untermenget / und werden ſol - che Loͤcher nicht gantz ausgefuͤllet / damit man nach -ge -123Kuͤchen-Garten. gehends etwas weiters dazu thue / und den Setzling mit hin verſchuͤtten kan / damit er nicht einen langen Stiel gewinne / ſo aber doch der Stiel zu lang wer - den wolte / ſoll um den Setzling der Grund hinweg gethan / ein kleines Gruͤblein gemacht / die Pflantze behutſam gebeuget / und wie ein Rebſchoß in das Gruͤblein geſetzet / und mit guter Erde / daß nichts als die Blaͤtter herfuͤr ſtehen / zugedecket werden / und da der Grund etwan zu mager / kan etwas guter Miſt dazu gelegt werden / und ſolches alles muß in vollem Mond geſchehen / maſſen ſo dann die Koͤpffe viel groͤſſer / und muß mit der Auffuͤllung ſo offt es noͤthig ferner continuirt werden. Dabey zu mer - cken / daß aller Kohl bißweilen / wann ſich die unter - ſten Blaͤtter gelb erzeigen / ſolche abgeblaͤttert wer - den muͤßen / damit das Hertz deſto beſſer wachſen und auch wohl ſchlieſſen koͤnne. Mit Abhauung der Koͤpffe eilet nicht / ſondern wartet biß die Kaͤlte ein - faͤllt / bringet ihn auch nicht alſo fort in den Keller / ſondern an einen trockenen lufftigen Ort / leget all - da den Obertheil unterwerts / damit die Feuchtigkei - ten heraus flieſſen / und ſo dann laͤnger dauren koͤn - nen; im Keller leget die Koͤpffe auff Bretter / ſo nicht allzu hoch von der Erden ſind / zum Saamen. Die Koͤpffe werden ſammt den Grund und Wurtzel aus der Erde genommen und in Keller in nicht allzu feuchte Erde verſetzet / auch biß auffn Fruͤhling allda verwahret / hernach aber in Garten wieder an einen warmen Ort / da ſie von Mitternächtigen Winden ſicher ſeyn / geſetzet / wobey zu mercken / daß dieſẽ Koͤpf - fen ſo dann ein Kreutz-Schnitt biß auff dasHertz -124FEBRUARIUS. Hertzlein / damit er deſto beſſer heraus treiben moͤge / muß gegeben werden.
Wer den Kappus-Kohl gern fruͤhe haben will / muß ſolchen um Bartholomaͤi ſaͤen davon im Au - guſto ſoll erwehnet werden.
Haben faſt gleiche Wartung / und wird der Blu - men-Kohl-Saamen zu uns aus Cypern uͤberbracht / und wann der Mond voll iſt / wird er im Zeichen des Steinbocks geſaͤet / wenn ſie ſechs Blaͤtter erreicht / werden ſie in eine gute Erde / im vollen Mond etwan zwey Fuß weit von einander / verſetzet: Aber ſetzet ja den Blumen-Kohl in keinen ſumpffigten Grund / ſondern in etwas ſandige doch gleich wohl nicht zu magere Erde / denn ſonſt gewinnen die Wurtzeln Knotẽ / ſo ſelbe verzehꝛen. Veꝛgeſſet das Begieſſen und Wieden oder Jaͤten dabey nicht / ſo wird der Blu - men-Kohl. ſeine Blumen nach Johannis und ſo fer - ner bringen / was ihr nicht davon verbraucht / neh - met aus der Erde / wenn es zu reiffen beginnet / ſetzts in Keller in Sand / um ſolchen im Winter zu ge - nieſſen.
Doch koͤnnet ihr zum Verſuch / wenn es offen Wetter und der Mond neun oder zehen Tage alt iſt / etwas Kreſſen / Lactuc / Saturen / Zwiebeln und Peterſilien / auch etwas braunen Kohl-Saamen ins Erdreich ſaͤen / auch mit den vollen und abnehmen - den Lichte ein wenig groſſe Bohnen und Erbſen ſte - cken / wie imgleichen etwas Wurtzeln / Palſternacken und Ruͤben; Damit aber die Kaͤlte ſo leichtlich nichtſchaden125Kuͤchen-Garten. ſchaden koͤnne / ſo ſchlaget die Erde mit Schauffeln nach geſchehenem Saͤen nieder.
Wann es das Weter zugeben will / ſo verpflantzt im wachſenden Licht Salbey Jſop / Timian / Laven - del / Nagel-Kraut und dergleichen / welches beſſer im April oder Majo geſchehen kan.
Jm abnehmenden Licht verpflantzet eure abge - ſchnittene / und im Keller verwahrte Zucker-Wur - tzel im Garten einen Schuh weit von einander / deñ ſolche zeitig verpflantzte gar ſchoͤne Wurtzeln brin - gen. Verflantzet auch Saturey und den
Wird durch abgeriſſene Wurtzeln / weil es mit den Saamen langſam fortgehet / am beſten zu wege gebracht / und in ein trucken Erdreich zween Finger tieff und drey oder vier weit von ein ander / bey ab - gehenden / etliche aber wollen vor dem vollem Licht / um dieſe Zeit verpflantzet und in truckener Zeit mit Begieſſen gewartet / maſſen er durchs Begieſſen den ſtarcken Geruch mercklich verlieret.
Auff Petri und Pauli Tag werden die Stengel geknuͤpffet / damit ſie nicht hoͤher ſchieſſen / ſondern die Wurtzeln beſſer in die Erde wachſen koͤnnen / im Anfang Auguſti wird er ausgezogen und an die Sonne gelegt / damit er wohl austruckne / und nach - gehends weniger faulen moͤge / und zu ferner Ver - wahrung in die Hoͤhe an die Balcken gehenget. Knob - lauch hey den Roſen-Stauden gepflantzet / verur - ſacht ſelbigen einen ſtarcken Geruch und gluͤcklichern Wachsthum.
Ob126FEBRUARIUS.Obgleich der Knoblauch von vielen vornehmen und geringen Leuten an gebra - tener und gekochter Speiſe geliebet / und von den Koͤchen zu unterſchiedlichen Ge - bratens / ſonderlich zu den Schoͤps-Keulen / auch von den Bauren an ſtatt Artzney ge - braucht wird / dahero er auch Famoſa ruſti - corum theriaca, das iſt / der beruͤhmte Bauren - Theriac genannt iſt / ſo iſt er doch insgemein faſt jedermann ſchaͤdlich / dann er dem Haupte Pein verurſachet / die Augen und andere Sinnen mit einander beſchaͤdiget / Durſt erwecket / und insgemein wegen ſei - nes unertraͤglichen Geſtancks unbeqvem iſt / ſolcher boͤſe Geruch wird aber nicht beſ - ſer und eher vertrieben / als wann man Zit - wer / oder Jngber / Peterſilgen und Aniß - Saamen in dem Mund zerkeuet. Welche 4. ſtuͤcke eine ſonderbahre Krafft / demſel - ben zu widerſtehen / haben ſollen. Doch wird der Knoblauch / in gifftigen Schlan - gen-Stichen / in verbranden Gliedern und verſchleimter Lungen nuͤtzlich / aͤuſſerlich in Ohren klingen / aufgelauffenen u. ſchmer - tzenden Guͤlden-Adern gebraucht / der Saa - me machet Harnen. Wenn man allezeit / juſt / wenn der Neu-Mond eintritt / es ſey Tags oder Nachts / 1. Loͤffel wohlgeſchnittnen Knoblauch in Brandwein einnimmet / ſo vertreibt er verſichert den Stein nebſt Goͤtt -lichen127Blumen-Garten. lichen Seegen; Muß aber allemahlgeſche - hen; Præſerviret auch vor den Stein.
Hier wollen wir den Anfang von den kleinen Baͤumen machen / ſo den Blumen-Garten theils in Betten / Gefaͤſſen und Gehegen nicht geringe Zier - de geben.
Dabey wird nicht unnoͤthig ſeyn / euch durch die - ſe Figuren die Gefaͤſſe vorzuſtellen / worinn die zar - ten Baͤume / ſo auch noch in andern Monaten fol - gen / geſetzet werden; Und wird euch die Kaͤlte von ſich ſelbſt lehren / ob es rathſam ſey oder nicht / einige ſo fruͤhe in den Garten zubringen / dann ſich ein jeder nach ſeiner Lands-Art richten muß.
D. Sind128FEBRUARIUS.Der Saame davon wird aus Franckreich ge - bracht / und ehe man ſie ſäet / in ſuͤſſer Milch genetzt / den Winter uͤber wird er ins Hauß geſetzt / giebt ei - nen gar huͤbſchen geraden Baum / und ſchickt ſich mitten in ein Blumen-Feld / oder an den Eingang der groſſen Gaͤnge. Wann er 5. biß 6. Jahr alt worden / kan er wohl drauſſen ſtehen / jedoch daß er von den Winden geſchuͤtzet werde.
Der Cypreſſen-Baum iſt männlich - und weibli - chen Geſchlechts / jenes bringet keine Frucht / aber das Weiblein / wiewohl ſehr langſam / und zwar im Januario / Majo / October; ſiehet faſt wie der Se - ven-Baum / iſt ſtets gruͤn und eines annehmlichen ſtarcken Geruchs; wird durch das Anhencken undEin -129Blumen-Garten. Einlegen der jungen Aeſtlein / als wie die Roſmarin / beſſer als durch den Saamen fortgebracht; Muß in die Hoͤhe gerad aufgepflantzet und zum oͤfftern friſche Erde gegeben werden / das Waſſer iſt ihm nicht dienlich / und mag auch das Beſchneiden nicht leiden. Ob er gleich / wie erwehnt / zu Zeiten aus - dauret / wird er doch zu mehrer Sicherheit beſſer in den Keller gebracht.
Cypreſſen-Kraut / Chamæcypariſſus.
Waͤchſt wie ein kleines Staͤudlein Aſchenfarb - gruͤn als wie die Stabwurtz / traͤgt im Brachmo - nat oben gelbe Blumen / und jede Blum auf einem beſondern Stengel / ſo lange wehren / iſt guten Ge - ruchs / vermehret ſich durch Einlegen der Schoͤß - lein / gehoͤret auch des Winters in Keller.
Dieſes Kraut thut innerlich in verſtopff - ter Miltz und Harn-Roͤhren viel Gutes / aͤuſ - ſerlich auch durch Rauch der auffſteigen - den Mutter.
Wird in dieſem Monat in eine Grube / welche vorher im ſpaͤten Herbſt gemachet / in gute Erde ver - pflantzet / wird auch auf Pflaumen-Staͤmme abla - ctirt, bringet viel ſchoͤne Blumen / wie der Pfirſing. Es iſt auch eine Art / aber gar rar / mit doppelten Blumen. Noch iſt ein kleines Mandel-Baͤumlein / ſo in die Blumen-Felder gepflantzet wird.
Der Mandel-Baum kan aus den Koͤrnern / wel - che zuvor in Miſt - oder in Honig-Waſſer erweichet ſeyn / erzogẽ werdẽ / waͤchſet aber gluͤcklicher durchs ab -Jlacti -130FEBRUARIUS. lactiren; Er wird auch durch das Peltzen fort ge - bracht / welche Peltz-Reiſer aber von der Mitten des Baums ſeyn muͤſſen. Dieſer Baum ſcheuet das Eiſen ehe er ins Holtz ſchieſſet / und wil nur mit den Fingern abgebrochen ſeyn; Und weil er gemei - niglich mit einer eintzigen Wurtzeln einwurtzelt / kan er den Wind nicht widerſtehen / muß dahero fleiſig an Baumpfaͤle angehefftet werden. So dieſer Baum unfruchtbar wird / mag man ihn durchboh - ren / einen Stein darein ſtecken / und die Rinden laſſen wieder daruͤber wachſen.
Die Fruͤchte des Mandel-Baums ſeynd theils ſuͤß / und haben eine naͤhrende Krafft / ſtillen die Schaͤrffe der innerlichen Feuch - tigkeit / und kommen ſolchen falls dem Schmertz und Schlaffloſigkeit / ſo hieraus entſtehen / zuvor; Theils bitter / und ſind hitzig und trucken / zertheilen / oͤffnen / trei - ben den Harn / kommen verſtopffter Leber / Miltz und Mutter zu Huͤlff; wann ſie ge - kauet und auf Sonnen-Flecken im Geſichte geſtrichen werden / heben ſie dieſelbe / be - ſaͤnfftigen auch das Haupt-Weh / wenn ſol - che als ein Umſchlag gebraucht werden.
Werden aus Saamen erzielet / und jetzo ver - pflantzt. Sie haben ein ſchoͤnes Laub / welches faſt dem Eſchen-Laub aͤhnlich / und traͤgt weiſſe / runde / gefuͤllte Bluͤmlein / deren etliche neben einander wachſen / in welcher jeden man im Herbſt zwey oderdrey131Blumen-Garten. drey brauner / oder vielmehr gelblichter Nuͤſſe be - ſchloſſen findet.
Muͤſſen nun auch entweder in Hecken oder Buſch - weiß in ſchattigte Oerter verpflantzet werden / meh - ren ſich hernach mehr als zu viel.
Die unzeitigen Hindberen kuͤhlen / tru - ckenen und ſtopffen / die Zeitigen thun ſol - ches weniger / entweder ſo fuͤr ſich genom - men / oder in Wein und Brandwein genoſ - ſen; Darbey ſtaͤrcken ſie auch.
Sind zweyerley Sorten mit rothen und weiſſen Blumen / werden aus eingelegten Zweigen erzogen / und in Toͤpffe geſetzet / des Sommers muͤſſen ſie offt begoſſen werden.
Deren Wurtzel-Schoͤßling und auch alte Wur - tzeln werden nun 2. oder 3. Tage vor den vollem Licht / damit ſie recht voll werden / wann in die Erde zu kommen / recht tieff verſetzet / welches auch fuͤglich im September geſchehen kan; Wenn man ſolches vernimmt / muß man das Zweig nicht viel vor das Erdreich herfuͤr ſehen laſſen / ſondern wohl und tieff abſchneiden / ſo wachſen ſie deſto eher. So man im Majo bey vollem Licht einen Roſenſtock verſetzet / bluͤhet er erſt im December und koͤmmet doch wohl fort. Ob wohl die Roſen die Kaͤlte ziemlich vertra - gen koͤnnen / abſonderlich die centum folia oder Cen - tifolien / auch ſelten oder gar nicht verfrieren / ſo iſts doch ſicherer / wann man wegen befahrender ſpaͤterJ 2Kaͤlte132FEBRUARIUS. Kaͤlte / abſonderlich von den nachfolgenden / die jun - ge Straͤuche in die Erde bieget / und mit Erden zu - decket / oder Laub darauf wirfft / oder wann ſie ſchon erwachſen mit Stroh umbindet.
Die Vermehrung belangend / ob wohl ſolche durch die Wurtzel und hervor ſproſſende Schoͤßlin - ge gar wohl angehet / nichts deſto weniger / weil man dadurch in Eil ſo viel nicht zuwege bringen kan / ſo ſchneidet man jetzt im wachſenden Licht etliche jähri - ge Schoſſen / daran aber noch etwas alt Holtz ſeyn muß / und die fein gerade und geſund ſeyn / grabet eine Grube in ein fruchtbares Erdreich / ungefehr ein Fuß tieff / leget eure Schnittlinge Bogenweiß hinein / ſo daß der oberſte und unterſte End alle bey - de in die Hoͤhe kommen / verſtreichet den unterſten mit Baumwachs / ſchuͤttet hernach Erde darauff / dabey zu mercken / daß wenn der gebogene Ruͤcken nicht auf den Grund der Gruben reiche / man ſolchen mit Miſt unterlegen / worauf aber Erde geſtreuet ſeyn muß / damit der Schnittling ſich nicht zu ſehr erhitze / tretet es ſo dann feſt zu / ſolcher Geſtalt koͤn - net ihr in weniger Zeit viel zu wege bringen / wobey ihr aber allezeit in acht nehmen muͤſſet / daß der un - terſte End oder Schnitt zwar allezeit muͤſſe in die Hoͤhe ſtehen / aber doch auch mit Erde bedecket ſeyn / der oberſte aber oben abgeſtuͤmmelt / und mit drey oder vier Augen heraus ſtehen / und zwar ferner ſo muß nichts vorgenommen werden an einem Ort der zu heiß oder zu viel Sonne hat / ſondern der temperirt / oder doch mehr ſchattigt als ſonnigt iſt / dieſes kan nicht allein mit Roſen / ſondern auchwohl133Blumen-Garten. wohl mit allen andern Baͤumen practiciret werden.
Die man Damaſcener-Roſen nennet / wollen freye Lufft / einen ſonnigten Ort und ſtete Begieſſung haben; Einige pflantzen ſolche auch in Gefaͤß und bringen ſie zu Winters-Zeit in Keller.
Denen Monat-Roſen / Roſa menſtrua, nimmt man die Knoͤpffe und das Laub / wann andere bluͤ - hen / ſo treiben ſie hernach ſpaͤter / wann aber die an - dern verbluͤhet haben / muß man ihnen friſchen Grund geben und fleißig begieſſen. Alle Roſen lie - ben insgemein einen guten Grund / dann je beſſer die Erde je ſchoͤner ſie wachſen. Sie werden am fuͤg - ligſten im Fruͤhling beſchnitten und von altem Holtz befreyet. Daß die Roſen gern beym Knobloch ſte - hen / iſt ſchon vorher beym Knobloch erwehnet / und wird im Julio zu letzt im abnehmenden Licht eine Sorte auff die andere oculirt; Die Nahmen der Roſen ſind in Niederland dieſe: Muſcus-Roſen / Morlyne-Roſen / Mond-Roſen / einfache Muſcus - Roſen / bleiche und braune Morlyne-Roſen / Roſen mit drey hundert Blaͤttern / Birntragende Roſen / Provintz-Roſen / gehle doppelte Provintz-Roſen / Camelot-Roſen. Darnach noch drey Sorten der Erd-Roſen / Negelantier doppelt und einfache / gelbe Negelantier, Tuͤrckiſche-Roſen / Canel - oder Zim - met-Roſen / und die rauche Roſen. Alle dieſe kan man zu Hecken und andern Geſtraͤuchen pflantzen / ohne die doppelten Muſcus-Roſen / welche in Toͤpffe geſetzet und des Winters uͤber in Stuben muͤſſen erhalten / oder auch mit Buch-Weitzen bedecket werden.
J 3Die134FEBRUARIUS.Die bleichen oder incarnate oͤffnen / die ro - then und weiſſen ſtopffen / dannenhero ſie in hitzigen Fluͤſſen / Fiebern / Durſt / verlohr - nen Appetit innerlich / und in Erbrechen / Haup-Wehen / ꝛc. mit Wein gekocht und uͤbergeleget / aͤuſſerlich mit groſſen Nutzen gebraucht werden. Geben darbey dem Leibe eine gute Staͤrckung.
Wird aus Ruthen / die aus den Wurtzeln wach - ſen / in dieſem oder kuͤnfftigen Monat fortgeſetzt. Doch iſts beſſer im Herbſt. Dann wann itzo duͤrre Zeit einfaͤlt / erfordert er zu viel begieſſens / und iſt zweyfach der blaue und weiſſe; Der blaue bluͤhet zu erſt und knoſpet im Fruͤhling ſehr fruͤh / wird ſonſt blauer und welſcher Holder genandt / und weiſſet nach der Bluͤte / traͤgt allhie keine Frucht. Der weiſſe Syrings-Baum / ſonſt Kandelbluͤhe / (oder wegen des lieblichen Geruchs habender Blumen / die an der Farb weiß / wie Pommerantzen-Bluͤte /) genandt / hat bißweilen Knoͤpfflein von vielen Far - ben / worinn ein laͤnglichter ſchwartzer Saamen lie - get; Die Blaͤtter an den blauen Syrings-Baum ſind gantz glatt / die aber an den weiſſen / ſind ver - kerfft rauch / und beyderley mit vielen Aederlein ein - gezogen.
Wird aus Wurtzeln / auch nur von den Abſchnitt - lingen verpflantzet / und zu den Hecken gebrauchet / die aber Wurtzeln haben / bringen viel eher Fruͤchte. Die -135Blumen-Garten. Dieſe koͤnnen wie auch die Stichbeer ebenmaͤßig verſetzt werden / beyde koͤnnen die Scheere wohl ver - tragen / und wann ſie zum Alter gelangen / werden ſie unformlich und unfruchtbar / darum man ihnen ſtets das Holtz benehmen muß. Sie moͤgen zwar allen Grund wohl vertragen / ſollen ſie aber an ſan - dichten Orten nicht welck werden / und ihr Laub fal - len laſſen / muͤſſen ſie begoſſen werden.
Die darauf wachſende Beerlein ſind zu vielen Dingen nuͤtzlich / werden an Huͤner gekochet / und mit Zucker eingeſetzt. Rohe kuͤhlen ſie ſehr / eingemachte weniger und ſind den Magen ſehr angenehm / werden im Durchlauff / Rothen-Ruhr / uͤberlauffen - der Gall / hitzigen Fiebern / Faulniſſen und Durſt mit Nutzen gebraucht. Die weiſſen oder blauen / weil ſie nicht ſaͤuerlich / alſo kuͤhlen ſie weniger.
Werden auch durchs Zerriſſen der Wurtzeln fort und an die Gelaͤnder geſetzet / auch zu kleinen Baͤum - lein erzogen.
Ehe deren Beeren reiff / ſind ſie an jun - gen Huͤnern und Lamm-Fleiſch ſehr ange - nehm zu eſſen / werden auch wohl mit Ey - ern in der Pfannen geruͤhrt und genoſſen.
Bleibet uͤber Winter gruͤn / hat aber im Som - mer von Raupen viel Anfechtung / wird durch den Saamen oder Beeren zu wege gebracht / und in die - ſem Monat verſetzet / ſchicket ſich ſehr wohl zu Hecken.
Jſt ein kleines Bäumlein / zweyerley Art: Roth und weiß / gleichet an der Geſtalt dem Wermuth / ohne daß er breitere Blaͤtter hat / und einen langen Stengel. Der weiſſe traͤgt zwiſchen den Blaͤt - tern weiſſe / gleich St. Johannis-Kraut Blättern / dornichte Blumen / ſo ſehr zierlich und anmuthig ſtehen; der rothe aber hat rothe Stengel / wann man ein Waſſer davon diſtilliren will / muß er im Majo geſammlet werden / wann man ihn aber zur Kuͤchen gebrauchen wil / ſammlet man ihn im Herbſt / wann er verbluͤhet hat. Wird aus den Wurtzel - Schoͤßling erzeugt und jetzo in ſandige loſe Erde verſetzet / kan des Winters wohl im Garten blei - ben.
Jſt ein herrliches Wund-Kraut / wie auch gegen dem Stein und Wuͤrme in Milch ge - ſotten / oder aͤuſſerlich uͤber geleget / dienlich; Die Geburt zu befoͤrdern / wird ein Rauch davon gemacht und auffm hohlen Stuhl beygebracht.
Jſt hier ein ſeltzamer Baum / wird aus Jtalien zu uns gebracht / muß des Winters wohl verwah - ret werden / giebt ſchoͤne Blaͤtter an rothen Stielen / allhie kan man ſolchen / weil es ein hartes Holtz iſt / wenig fortpflantzen / als nur durchs Einlegen / Plini - us nennet deſſen Saamen murciolum.
Einen Zahnſtocher aus dieſem Holtz ge - macht / wird zum Zahn-Wehe ſehr gelobet /wann137Blumen-Garten. wann das Zahn-Fleiſch damit zum bluten gereitzet wird.
Macht ein Miſt-Bett / wie im vorhergehenden Monat beym Kuͤchen-Garten erwehnet / ſchuͤttet ze - hen Zoll dick gute abgefaulte Holtz-Erde mit Kuͤhe - Miſt angemiſchet / und etwas weniges andere rei - ne Erde darauff / erwehlet euch welche Blumen aus folgendem Monat / ſaͤet ſie darauff / und bewahret ſie mit Zudecken fleißig vor der Kaͤlte / wann ſolche ei - ne gute Hand hoch erwachſen / verpflantzet ſie in vol - lem Licht theils in Toͤpffe in gehoͤrige Erde / oder hin und wieder nach Belieben / in gutes Land / wann ſie eine ziemliche Hoͤhe erreicht / bindet ſie an kleine Stoͤcklein / reiniget ſie von Unkraut und nehmt dem Sommer uͤber das Begieſſen dabey in acht.
Setzet nun weiter als im vorigen Monat etliche der Anemone in ein Geſchirr.
Raͤumet von den Blumen-Betten alles Unkraut und dergleichen weg / damit dadurch die Blumen am treiben nicht verhindert werden.
Es fangen nun an zu bluͤhen:
Cornelius-Baum / Chamelea, Cyclamen hyber - nale Winter-Hyacinthen / Morgen Narciſſen und Leucojum bulboſum mit dreyen Blaͤttern / wil / wie deren andere beyde Sorten, gleich in der Bluͤthe an ſchattige Oerter in loſe ſandige Erde wieder verpflan - tzet ſeyn / und dick beyſammen ſtehen.
NOch iſts Zeit die Baͤume abzuwuͤrmen / duͤr - re Aeſte und Waſſerſchoͤſſe abzuſchneiden / zu butzen und zu ſaͤubern. Was man auch im Herbſt mit Stauden und Baͤumen verab - ſaͤumet oder was man mit Pfirſing / Mandel / und Marellen-Baͤumlein wegen beſorgender Kaͤlte mit Fleiß unterlaſſen hat / ſolches kan man jetzo fuͤrneh - men / denn ſo man noch laͤngerwartet biß der voͤlli - ge Safft in die Baͤume ziehet / iſt die Verſetzung ſol - cher Baͤumlein viel ſchwerer.
Drey oder vier Tage nach dem neuen biß zum vol - lem Licht koͤnnet ihr / wie auch noch im April, Aepf - fel / Birn und andere Reiſſer pfropffen.
Nehmet nun auch das Ablactiren zur Hand.
Entaͤuget nun auch eure junge Baͤume / ſo wohl an den Aeſten als Staͤmmen / wo ihr wolt / daß ſie keine Zweige auswerffen ſollen / machet es aber nicht zu viel / damit der auffwallende Safft nicht zu ſehr verhindert werde.
Jm wachſenden Licht ſtechet ins Land allerley Obſt - Kern / ſo ihr zuvor etwas in Zucker-Waſſer geweicht / etwan drey Finger tieff und ſo weit von einander / damit die daraus wachſende Staͤmmlein ohne Scha - den der Wurtzel koͤnnen zum Verſetzen wieder aus - genommen werden / darauff ihr kuͤnfftig / wann ſieihre139Baum-Garten. ihre gebuͤhrende Groͤſſe erlanget / allerley gutes Obſt pfropffen koͤnnet / welches dann viel beſſer und mil - der / als dasjenige ſo auf wilde Staͤmme gepfropf - fet ſeyn wird.
Werden nun auch aus Kern geſaͤet / und wann ſie drey oder vier Jahr alt worden / ſo peltzt man ſie hier auff Dorn-Staͤmme / ſo wohl Aepffel als Birn - Qvitten / ſie wollen an feuchten Oertern / es ſey bey Waſſer-Graben oder Teichen ſtehen / wiewohl ſie auch in die Garten zu pflantzen ſind / aber wann ſie keinen naſſen Sommer haben / bleiben die Fruͤchte klein / ihrer Pflantz - und Wartung iſt im vorherge - henden Monat gedacht. Die Fruͤchte davon wer - den im October reiff / wann ſolche bey gutem hel - len Wetter abgenommen / in einer lufftigen Kam - mer verwahrt / oder in gehackt Stroh geleget wer - den / koͤnnen ſie lange dauren / wie auch im October errinnert wird.
Sammlet dazu huͤbſche duͤnſchaligte Nuͤſſe / legt ſie vierzehn oder funffzehen Tage im naſſen Sand / damit ſie beſſer fort kommen / ſteckt ſie hernach er in die Erde: Wann ſie auffgewachſen und ein / drey oder vier Jahr geſtanden / ſo verſetzet ſie in muͤrbe und ſandige Erde / zwey oder drey Fuß von einan - der und beſchneidet ihnen unten die Saat-Wurtzel / nachdeme ſie nun ein / fuͤnff oder ſechs Jahr hoch auffgewachſen / koͤñet ihr ſie ferner nach Belieben ver - pflantzen / dann je mehr der Nuß-Baum verpflan -tzet140MARTIUS. tzet wird / je duͤnnere Schalen die Nuͤſſe bekom - men.
Der Nuß-Baum bekoͤmmet im Anfang des Fruͤh - lings lange zaſeliche Zapffen / welche / wann die Blaͤt - ter herfuͤr kriechen / abfallen / und koͤmmet alsdann eine gruͤne Bluͤthe wie ein Aeuglein herfuͤr / aus wel - cher die Nuß waͤchſt / ſo mit unterſchiedlichen De - cken verwahret iſt. So man nun beſagte Zapffen abreiſſet / ehe ſie von ſich ſelber fallen / wird man we - der Bluͤth noch Frucht daran ſehen.
Ob gleich dieſer Baum erfrohren zu ſeyn ſchei - net / ſoll man ihn doch nicht gleich abhauen / dann er offt ſpat hinaus wieder treibet / und wann er zu kran - cken beginnet / muß man zur Wurtzel graben / ſie et - was auffreiſſen / und Kuh-Miſt in Waſſer zerlaſſen hinbey gieſſen / ſo waͤchſt er wieder.
Dabey iſt noch zu mercken / daß der Schatten dieſes Baums allen Fruͤchten ſchädlich / dahero er an einen ſolchen Ort ſtehen muß / daß der Schatten nicht in den Garten hinein falle.
Schneidet im letzten Viertel von den jungen Baͤumlein / ſo vorigen Jahres gepfropfft oder um - geſetzet / alle neben herauswachſende wilde Zweige ab / damit ſie am treiben und wachſen nicht verhin - dert werden.
Die gruͤnen Nuͤſſe werden um Johannis-Tag abgebrochen und eingemacht / ſie werden erſt mit ei - ner hoͤltzernen ſubtilen Spitzen oder Pfriemen durchſtochen / und zehen oder zwoͤlff Tage im Waſ - ſer geweicht und alle Tage zweymahl gefriſchet / um die Bitterkeit heraus zu bringen / darnach werden ſiege -141Blumen-Garten. geſotten biß ſie weich worden / mit Caneel oder Zim - met und mit gantzen von einander geſpaltenen Naͤ - gelein beſtecket / und ferner in geſchaͤumten Zucker oder Honig geſotten / biß der Zucker oder Honig et - was geſtehet oder dick wird. Dieſe ſtaͤrcken den Magen und befoͤrdern die Verdauung / (wiewohl ſolche Krafft und Wuͤrckung mehr denen Gewuͤr - tzen als den Nuͤſſen an und vor ſich ſelbſten zu zu - ſchreiben) dannenhero ſie auch unter Confect auf - geſetzet werden: Jnſonderheit befoͤrdern ſie die Mo - nat-Zeit / wo man dem Matthiolo glauben ſoll.
Sonſten ſind die friſchen Nuͤſſe hitzig und truckener Natur / laſſen ſich ſchwerlich verdauen / geben wenig Nahrung / ſind den Magen zuwider / vermehren die Galle / er - regen Hauptweh und verbittern die Bruſt und Lungen-Beſchwer / inſonderheit den Huſten / doch die Alten mehr deñ die friſchẽ / auch ſollen ſie fuͤr die Peſt bewahren. Die gruͤnen Schalen machen erbrechen / die Haut ſo um den Kern iſt / auch das Creu - tze gepuͤlffert / heben die Colicam oder Darm - Gicht / welches auch thut das Oehl aus reiffen Nuͤſſen gepreſſet / zu einem halben oder gantzen Loͤffel voll genommen; Aus - wendig zertheilet dieſes Oehl die Geſchwuͤl - ſte / erweichet die gekruͤmmte Sehn-Adern / und heilet alten ſchaͤbichten Ausſchlag.
Jm ſelbigen giebt es nun Arbeit genung / reini - get die Bette / worauff gute Kraͤuter ſtehen / als Dragon / Pimpernellen / Saurampffer und derglei - chen / auch Spargel / und beſpreitet ſie mit Huͤner - oder Tauben-Miſt. Säet im wachſenden Licht in einen wohl gemiſteten Grund allerhand nachfolgen - de gute Kraͤuter.
Jm Februario iſt auch ſchon bedeutet / daß ihr auffs Miſt-Bett / wann keine lange Nacht-Froͤſte einfallen / Blumen-Saphoiſchen-Ruͤben - und Cap - pus-Kohl / um ſolchen zeitlich zu haben und zu ver - pflantzen / ſaͤen ſollet. Wie auch Salat / Peterſil - gen / Spinat / kleinen Garten-Kohl / Zwiebeln / ꝛc. Jhr koͤnnet alle ſolche Sorten auch noch jetzo im angehenden Licht / wie imgleichen allerhand braunen / braunrothen / krauſen / hohen und niedrigen / ſaͤen.
Jn ein gut gemiſtetes Land ſaͤen / und die Pflan - tzen / wenn ſie vier oder fuͤnff Blaͤtter gewonnen / um Medardi Tag oder mitten im Sommer in vollem Licht / wie vorher erwehnt / verpflantzen. Wie von dieſen der Saame zu erlangen / iſt bekannt ge - nug.
Gewiß iſt / daß der braune Kohl viel geſunder ſey dann der geſchloſſene / wird derowegen in Weſt - phalen von ſelbigem ſehr viel gehalten / iſt den Baurẽ und faſt allen Einwohnern insgemein eine ange - nehme Koſt. Sie ſagen / wenn ein Reiff oder Froſt daruͤber gangen / ſo ſey ein Schincke darein gefallen / und daß darum / weil er ſich ſo dann muͤr -be143Kuͤchen-Garten. be kochen laͤſſet / und einen lieblichen Schmack ge - wonnen / aus Urſachen / weil ihm alsdenn die uͤber - fluͤßige Feuchtigkeit durch den Froſt benommen wird. So halten ſie es auch faſt fuͤr eine Suͤnde / wann man ihn nicht vor recht geſund halten will / und das nicht unrecht / weil der Kohl zu vielen Dingen dienlich / ſo daß der alte Medicus Cryſippus mehr denn fuͤr 2000. Jahren ein groſſes Buch davon ge - ſchrieben / und fuͤr des gantzen Leibes-Gebrechen hieraus Mittel genommen / und die Roͤmer / nach - dem ſie die Marckſchreyer und Mangones, Sophi - ſten dasmahl genannt / vertrieben hatten / gantzer 600. Jahr mit dem Kohl ſich curirt: Alle Tugen - den allhie zu erzehlen wolle zu lang fallen. Er er - waͤrmet und trucknet ohne einige Schaͤrffe / iſt ein Wund-Kraut und widerſtehet dem Gifft / vertrei - bet den Rauſch zu erſt bey der Tafel gegeſſen / oͤff - net den Leib / wenn er halb gar gekocht oder zum Loͤf - fel-Kohl zugerichtet iſt / welches auch die Bruͤhe thut / ſtopffet aber / wann er lange gekocht und wieder auf - gewaͤrmet wird: juxta Salernitanorum illud: Jus caulis ſolvit cujus ſubſtantia ſtringit, & hoc: cram - be bis cocta mors eſt. Zur Koſt dienet er beſſer / wenn die erſte Bruͤhe abgegoſſen wird / oder wenn man ihn erſt abbruͤhet.
Was er in Scorpion-Stichen und Podagri - ſchen und andern Gelaͤncken / ſchweren Schmertzen / in faulen und alten Wunden / in Reinigung des Haupts / wann der Safft durch die Naſe angezo - gen wird / in Entzuͤndung oder hitzigen Affecten bey der Roſe / bey Befoͤrderung der Monats-Zeit / beymerhi -144MARTIUS. erhitzten Halſe / bey Wuͤrmen / in der Colica / bey Verſtopffung der Miltz / Leber und Nieren / bey dun - ckelen Augen / wider gifftige Erdſchwaͤmme / die Milch bey den Saͤugenden zu vermehren / in der Engbruͤſtigkeit / Keichẽ und Huſten / der Kohl und deſ - ſen Safft und Saat Vermoͤgen iſt bey vielen al - ten Authoren / als Galeno, Dioſcoride, Matthiolo zu ſehen; Daß alſo weiter hievon zuruͤhmen un - noͤthig. Die Bauren wiſſen mit Kohl-Blaͤttern Wunden zu heilen / was er mehr in Seiten-Ste - chen und Pleuritide, in faulen Schaͤden / und auff den Fontonellen vermag / iſt mehr als bekannt. Der Saphoiſche und der Blumen-Kohl ſeyn wuͤrdig zu eſſen / Kohl Rapi / oder Rabi iſt / wenn er wohl ge - kocht wird / nicht ungeſund zu eſſen / in dem er re - ſolvirt und zertheilet.
Werden am beſten durch den Saamen fortge - bracht / und zwar ſolcher Geſtalt: Man nimmt die von dem Jahr ſchoͤn roth gefaͤrbte zeitige Koͤrner / reiſſet ſie etwas auff / und ſtoͤſſet ſie zu zweyen oder dreyen in einen vorhin wohl zubereiteten Grund / an einen warmen Ort / und ſolches anitzo mit ange - hendem Fruͤhling / (wann man nur keiner tieff ſich einziehenden Kaͤlte mehr zu beſorgen hat /) da zu - vor etwas ausgeholte Gruben gemacht worden ſind.
Ubers Jahr gleichfals um dieſe Zeit werden die davon gewachſene Wurtzeln ausgehoben und zwey Fuß von einander gepflantzet; dieſe jährige Wurtzeln kom̃en ungleich beſſer fort / und treiben auch eher als die zwey jaͤhrigen.
Die145Kuͤchen-Garten.Die Erde / da man ſie verpflantzen will / muß 2. Fuß von unten mit Kuͤh-Miſt geduͤnget werden und das ſchichtweiß oder in Furchen / nemlich eine Schicht-Miſt und eine Schicht Erde / auf daß das Waſſer deſto beſſer durchdringen kan.
Wann nun die Pflantzen alſo darauf geſetzet / ſo werffet ohngefehr drey Finger hoch Erde druͤber / laſſet ſie drey Jahr nach einander wachſen / ehe ihr ſie ſchneidet / ſo werden die Schoͤſſe ungleich dicker.
Das erſte Jahr muß man ihn gar nicht abſtechen / das andere Jahr auch nicht / das dritte Jahr moͤgt ihr ſie kecklich abſtechen / jedoch alſo / daß man zu Ende des Maͤji die kleine Schoͤßlein / ſo ſonſt nicht zu gebrauchen / ſtehen laſſe / und dieſelbe vor dem Herbſt nicht abhaue / damit die Wurtzeln deſto beſ - ſer ſich erſtärcken / und deſto friſcher und groͤſſer das kuͤnfftige Jahr treiben; Uber den May hinaus ſoll man ihn zum Gebrauch nicht mehr abſtechen.
Jm Abſtechen hat man auch darauf zu ſehen / daß man ihn nicht uͤber der Erden / ſondern unter der Erden abſteche / dann ſonſten leidet der Stock / bey einfallendem Regen / wegen der Feuchte / noth.
Wann man den Sparges lang erhalten haben will / muß man den Grund bißweilen mit einem Garten-Haͤcklein luckeren. Zu den alten Stoͤcken mag man wohl bißweilen ſehen / ſonderlich wann es gar zu viel regnet / damit ſie nicht anfangen zu faulen.
Weilen aber / wie fleißig man auch damit umge - het / jedennoch ſolches bißweilen geſchiehet / alſo ſoll ein fleißiger Gärtner entweder junge Stoͤcke in Be -Kreit -146MARTIUS. reitſchafft haben / der alle Jahr ein und das andere Sparges-Korn eines Fingers tieff neben die alten Stoͤcke / oder wo ſie vergangen / ſtecken.
Wann man im Herbſt die Saamen-Stengel ab - hauet / iſt nicht unrathſam / daß man auch den Grund erluckert / wo ſolches aber nicht geſchehen im Herbſt / kan man es im Fruͤhling mit einem Jaͤt-Haͤcklein / ſo ſorn zweyzinckicht / um denen herfuͤr eilenden Dolden keinen Schaden zu thun / fuͤr ſich nehmen.
Bey angehenden Winter ſoll man / in die hierzu - gemachte Gruͤblein / Aſchen von weichem Holtz und guten langen Pferde-Miſt legen / ſo kan ihm die Käl - te nicht ſchaden / und kommt ihme am beſten durch die Winter-Fruͤchte die Nahrung zu. Allein ſol - che Duͤngung muß bey angehendem Fruͤhling bey Zeit wieder weggethan werden / damit der Stock nicht uͤbertreibe oder uͤberſchieſſe. Von deſſen Be - reitung und Tugend wird im April gedacht wer - den.
Wenn die Sparges-Bette gegen oder im An - fang des Winters mit Rinder - und Pferde-Miſt ei - nes halben Fuſſes hoch bedecket / und daruͤber ge - legt / und etwas von dieſen letzteren in Fruͤhling ſich uͤbrig befindet / abgehacket wuͤrde / ſo ſoll der Spar - ges uͤberaus groß und ſehr delicat werden / und wei - len es in Franckreich dergeſtalt uͤblich / wird es auch in andern viel kältern Gruͤnden inſonderheit wohl angehen.
Werden nun auch im wachſenden Licht geſaͤet / und hernach / wann ſie ziemlich erwachſen / ebenfalsbey147Kuͤchen-Garten. bey feuchtem Wetter verpflantzet / welche Pflantzen gleich das erſte Jahr ihre Frucht bringen / und je beſſer der Grund / je ſchoͤner die Frucht / ſind aber ungleich beſſer von den Neben-Schoſſen der alten Pflantzen fortzubringen / und um dieſe Zeit zwey Fuß von einander in fette Erde zu verſetzen. De - rer finden ſich wohl fuͤnff und mehr Sorten / die Engliſchen werden fuͤr die beſten gehalten; Sie werden auff das ſpaͤteſte gegen den Winter biß auff einen Fuß von der Erde abgeſchnitten; Das Fuß hoch noch ſtehenbliebene Kraut / gleich wie man die Endivien zu weiſſen pflegt / oben zuſammen gebun - den / mit Erde ſo hoch bedecket / daß das Kraut zwey Finger am Ende oben heraus bleibt / und dann mit Pferd-Miſt rund um beleget / welches verurſachet / daß die Pflantzen ſo leicht nicht erſticken koͤnnen.
Jn guten fetten Grund verlangen die Artiſcho - cken guten alten Pfeꝛde-Miſt / und ſonderlich Aſchen / welche ſie ſehr lieben und viel freudiger dabey auff - wachſen / in ſchlechtem Grund aber wollen ſie fetter Duͤngung haben.
Jm Sommer brauchen ſie keine abſonderliche Wartung / dann ſie die Hitze ſehr wohl ertragen koͤn - nen / doch muß man bey den Stoͤcken bißweilen / wann es regnen will / die Erde auffluckern / und vom Un - kraut ſaͤubern. Wann ein ſtarcker Winter zu be - fuͤrchten / auch um mehrer Sicherheit halber / kan man gegen den Winter einige Wurtzeln (wann die andern / die im Garten bleiben / wie gelehrt / bede - cket worden) ausheben / und in Sand in den Kel - ler verſetzen / ſo kan man den gantzen Winter uͤberK 2ih -148MARTIUS. ihre Blaͤtter-Stengel / ſo man Cardes nennet / ge - nieſſen / und hernach / wann man ſie uͤberwintert / deſto fruͤher ihre Frucht habhafft werden.
Die Stoͤcke muß man nicht gar zu alt werden laſſen / dann je älter ſie werden / je kleinere Fruͤchte ſie bringen. Darum iſts am beſten / daß man al - le 3. Jahr wieder neue nachſetze / weilen man den beſten Nutzen davon hat / wann ſie zweyjaͤhrig ſind.
Diejenigen / ſo man im Keller auff behalten / muß man jetzo oder im April wieder daraus und in Garten bringen / aber noch wegen der Reiff und Kaͤlte mit Stroh / bis daß ſolche auffhoͤren / bede - cken / die aber im Garten geblieben / muͤſſen um ſol - che Zeit / jedoch bey Tag und warmen Wetter geluͤf - tet / zu Nachts aber noch in etwas / jedoch weniger als zuvor / wieder bedecket werden.
Die Frucht dieſes Gewaͤchſes / welche bey Anfang des Herbſt noch zeitiget / kan noch hartgeſchloſſen in Saltz-Waſſer wie die Cucumern eingemachet / und zur Win - ter-Delicateſſe auff behalten werden.
Artiſchocken iſt ein Eſſen fuͤr die junge Eheleute / weil ſie ſtimuliren / geben ſonſt kein gut Gebluͤt noch Nahrung; Hie zu Land wann ſie geſotten / werden ſie mit Fleiſch - bruͤhe und Pfeffer genoſſen / nach deren Ge - noß gehet insgemein viel ſtinckend Waſſer von den Menſchen. Wann ſie aber lange auffm Stiel geſtanden / alt und zaͤhe wor - den / ſind ſie gar ungeſund / ſchwerlich zu verdauen / und machen unreine Feuchtig -kei -149Kuͤchen-Garten. keiten / wovon der Menſch krafftloß und ſchwach wird. Sind auch denen ſehr ſchaͤd - lich / die mit Haupt-Schmertzen geplagt ſind.
Bey noch wachſendem Licht pflantzet wieder und ſaͤet nachfolgende:
So zum Abſchneiden gebraucht wird / muß nun in die Erde; von deren Wartung folget beſſer drun - ten in eben dieſem Monat gnugſamer Unterricht / allwo von denen Peterſilgen Wurtzeln gehandelt wird.
Deren ſind vielerley / als Roͤmiſche weiſſe / und eine kleine runde Art derſelben / ſo Bohnen-Erbſen ge - nannt werden / darnach welſche / ſo bunte Schalen haben und ſchoͤne incarnate Blumen bringen / deß - wegen ſie an die Lauben und Pyramiden / weil ſie ſich daran ſchlingen und lange Zeit bluͤhen / zum Zie - rath gepflantzet werden. Alle ſolche werden jetzo / doch iſts wegen noch befuͤrchtender Kaͤlte halber beſ - ſer im kuͤnfftigen Monat / ein Tag vor dem vollen Mond oder aber ſo fort nach dem vollen Licht / Rey - genweiß ungefehr einen Fuß weit von einander ge - ſetzet. Dann wann ſie gar im zunehmenden Mon - de ſetzt / bluͤhen ſie zwar ſtarck / tragen aber wenig Frucht.
Die Weſtphaͤlinger haben eine andere Art groſſe Bohnen / und noch eine Sorte deſſen Geſchlechts / die kleiner / mit welchen die Bauren auch in Thuͤ - ringen gantze Aecker von beſaͤen. Die groſſen pfle -K 3gen150MARTIUS. gen nun die Einwohner / ja noch eher / ſo bald moͤg - lich Froſt halber in die Erde zu kommen / auf St. Petri Abend mit groſſer Begierde in ihre Gaͤrten drey Hand breit von einander zu pflantzen / dieſe treiben ei - nen ſtarcken Stengel eines Daumens dick / drey / vier oder fuͤnff Fuß hoch / darnach ſie fett ſtehen. Sie bringen gegen Pfingſten faſt von unten auff biß zu Ende des Stengels zwiſchen den Laub / weiß und ſchwartzäugichte Blumen / ſo den Gaͤrten einen ange - nehmen und uͤberaus lieblichen Geruch geben / vor - nemlich wenn ein warmer Regen faͤllt / die darauff wachſende Schotten werden um St. Johannis ſo groß / daß die darinn ſitzende Bohnen koͤnnen zur Speiſe genoſſen werden.
Solche Bohnen erfordern eine mittelmaͤßige ma - gere Erde / wann das Land zu fett / ſchieſſen ſie ſo ſtarck ins Laub und Stengel / und bringen wenig Fruͤchte.
Zur kuͤnfftigen Saat laͤſt man ſo viel Stengel mit den Bohnen ſtehen / als noͤthig / wann die Bohnen be - ginnen daran ſchwartz zu werden / werden ſie mit den Stengeln abgeſchnitten und entweder unter freyen Himmel im Garten oder auf dem Acker gelaſſen / oder auf den Boden biß ſie trucken genug / gebracht und dann ausgeſchlagen.
Die Schminck oder Tuͤrckiſche Bohnen ſind eine gute Speiſe / jung mit den Schalen; alt aber / als den Saamen / an Rindfleiſch oder mit Rindfleiſch-Bruͤ - he gekocht; Von dieſer Art giebts auch Zweck-Boh - nen / die ziemlich dick wachſen / doch kurtz und klein find / und ſehr voll hengen.
Jn der Kuͤche werden ſie auf zweyerley Art berei -tet /151Kuͤchen-Garten. tet / die gebraͤuchlichſte iſt dieſe: ſie ſchuͤtten ſie in heiß ſiedendes Waſſer / und kochen ſie alſo biß ſie muͤrbe oder weich werden / gieſſen hernacher / wann ſie gar ſind / das Waſſer davon / ſchuͤtten ſie alſo warm in Schuͤſſeln / ſaltzen ſie wohl ab / ſetzen oben darauff ein klein Gefaͤß mit friſcher Butter / mit Saltz und Pfef - fer / (weil ſie ſonſt den Leib mit vielen Winden verun - ruhigen /) welche von der Bohnen Waͤrme von ſich ſelbſt verſchmeltzt / tuncken hernach die noch warme Bohnen in ſolche Butter / und eſſen ſie / ſonderlich An - fangs / wann ſie noch jung ſind / mit groſſer Luſt-Be - gierde / bitten auch andere zu Gaſt darauf.
Sonſt werden ſie auch wohl mit Speck oder Fett und guten gruͤnen Garten-Kräutern vor die gemei - nen Leute und das Geſinde gekocht.
Dieſe groſſe Bohnen ſind weit geſunder und leich - ter zu verdauen / als die obgedachte kleinen / darum laſſe man ſelbige den Dreſchern und andern / ſo ſtar - cke Arbeit thun muͤſſen / und die einen geſunden und dickhaͤutigen Magen haben. Doch bringen alle Bohnen grobe rauhe Nahrung / und ſind denen ſehr ſchädlich / welche mit Bauch-Weh / Engbruͤſtigkeit und Haupt-Weh geplaget ſeyn / uͤber den erwecken ſie ungeſunde Duͤnſte und bringen unruhigen Schlaff / deswegen ſie Pythagoras zu ſeiner Zeit / doch aus nich - tigen Urſachen zu eſſen verboten / und ſind deshalber von denjenigen / welche beym Pulte ſitzen / die Feder hinter den Ohren / nicht viel arbeiten und ſchwachen Magen haben / zu meyden.
Doch iſt das Bohnen-Mehl innerlich zum Durch - lauff und aͤuſſerlich die Sonnen-Flecken und allerleyK 4Unrei -152MARTIUS. Unreinigkeit des Geſichts / wie auch unterloffen Blut zu vertheilen: das Waſſer aus den Blumen diſtilliret eben hierzu / wie auch zum Schmincken / und das Saltz aus dem Stroh zur Waſſerſucht / Stein und verhaltenen Urin ſehr dienlich.
Wenn man die Aſche von Feld-Bohnen-Stroh auf ein Tuͤchlein ſträuet / und den ausgegangenen Maſt-Darm / oder Affter / mit eindruͤcket / thuts ſehr gut. Jhrer viele trincken aus Bohnen-Stengeln in boͤſen Haͤlſen / welches nicht uneben.
Werden nun und im kuͤnfftigen Monat noch um oder nach den vollen Licht geſtecket / Buſch - oder Rei - hen weiß / an Hecken / Zaͤune oder Gehäge / damit man ſie deſto fruͤher habe / ſie werden ungefehr einen Dau - men oder anderthalb tieff in die Erde / daß ſie die Voͤ - gel nicht aufſcharren und freſſen / gelegt: Wovon bey etlichen die Meynung / wann man ſolche Vormittag in der 9. 10. oder 11. Stunde ſtecket / ſollen mehr Erbſen in einer Huͤlſen als ſonſten wachſen: Es iſt aber eine groſſe vanitaͤt: Aber gewiß iſts / wann ſie nicht dicht in ein Bette zuſammen / ſondern hin und wieder / damit ſie die Lufft durchſtreichen koͤnne / ge - ſteckt werden / tragen ſie ungleich voͤller / wann ſie un - gefehr einen Fuß erwachſen / werden Stoͤcker dazwi - ſchen geſtecket / daß ſie ſich dabey auffraͤncken koͤnnen; Hie zu Lande ſind etliche Sorten Erbſen / als Schel - len-Korn-Erbſen / See - und Stock-Erbſen / Garten - und Feld-Erbſen / groſſe und kleine / Welſche oder ge - meine. Auch fruͤh-Reiffe / welche / ſo ſie jetzo geſaͤ - et / werden ſie gegen die Mitte des Sommers reiff /da153Kuͤchen-Garten. da ſie dann alſofort noch einmahl in die Erde gelegt / und gegen Ausgang des Herbſts neue Fruͤchte brin - gen. Zur kuͤnfftigen Ausſaat laſſet die erſten und beſten ſtehen / und nehmt ſie vor dem vollen Licht ab / dann zu ſelbiger Zeit die Erbſen am vollkommenſten ſind.
Wann man die Erbſen gar fruͤhe und bey kaltem Wetter ſtecken will / muß man ſie nicht einweichen / dann ſonſten verfrieren ſie gar geſchwinde; Wann aber die Kaͤlte nachlaͤſt / koͤnnen ſie ohngefehr 24. Stund in ſchlechtes Waſſer gelegt und geweicht wer - den / ſo kommen ſie deſto geſchwinder herfuͤr. Es ſeyn die allerdienlichſten zum Pflantzen / welche ein Jahr ausgeruhet haben / und lehret die Erfahrung ſelber / daß ſelbige viel ſchoͤner und beſſer wachſen.
Es giebet auch Zwerg-Erbſen / welche nicht hoch / doch ziemlich ſtarck wachſen / und ſehr voll haͤngen.
Die Erbſen werden gruͤn mit Huͤlſen oder auch ausgemacht / auf verſchiedene Arten zugerichtet / die - ſe bringen Wind / die ausgemachte Trockene aber ge - ben beſſere Nahrung als die Bohnen / und ſaget man / daß ſie den Sehn-Adern hinderlich / wie auch denen / ſo wacklende Zaͤhne haben / ſchaͤdlich ſeyn.
Es giebts die Erfahrung / daß viele von den gruͤ - nen Erbſen einen ſtinckenden Athem bekommen ha - ben. Jhre habende inwendige Natur aber kan durch Kuͤmmel / Eßig / Pfeffer / Saltz und andere Gewuͤrtz vertrieben werden / wie auch durch Thymian / Ma - joran / etc. Das allerbeſte davon iſt die Bruͤhe / ſo von den trockenen gekochten genommen / und zu einer Suppe mit Pfeffer zubereitet wird.
K 5Es154MARTIUS.Es ſeyn viele der Meynung / daß dieſe Bruͤhe die Kindbetterinnen reinige / die Milch ihnen vermehre / auch die Gelb - und Waſſerſucht vertreibe; Aber ſie ir - ren ſehr / denn Erbſen kuͤhlen und trucknen; Sol - len alſo wir Teutſchen billig verhuͤten / daß denen Kindbetterinnen / und denen die purgiren / ſolche Bruͤ - he nicht gegeben werde. vid. Matthiol.
Jſt zweyerley / einer etwas ſuͤßlicht / der ander bit - ter; der ſuͤſſe wird in Braband gezogen / wie Seleri / und mit Saltz und Pfeffer gebraucht / hier aber wird er wenig genoſſen. Der Saame iſt davon gar leicht - lich zu haben / liegt wohl zwey Jahr in der Erde ehe er traͤgt / waͤchſet gern an truckenen und ſteinigten Orten / dann er gar keinen Leymen leyden kan / bluͤhet im Julio und Auguſto.
Es liebet der Fenchel von Natur die warme Lufft viel mehr als die kalte. Wann der Saame davon bald aufgehen ſoll / muß er ein Tag oder zwey in Ho - nig-Waſſer oder Milch eingeweichet werden.
Des Fenchels Dolden mit ſeinem unzeitigen Saamen / werden mit den kleinen Cucumern einge - weichet / oder auch auf andere Weiſe zur Speiß ver - braucht.
Der Gipffel / die Wurtzel und der Saame hiervon waͤrmen und trucknen / treiben Winde / und thun der Bruſt gut / ſtaͤrcken den Magen / vermehren die Milch / ſtaͤrcken das Geſicht / und lindern die rauhe Lufft-Roͤhre / lindern auch den Durſt.
Hat einen ſtarcken Geruch / und wird nun in guteErde155Kuͤchen-Garten. Erde an ſchattigte warme Oerter geſäet: Bluͤhet im Julio / und traͤgt noch ſelbigen Jahrs. Die Aniß - Dolden koͤnnen gleicher Geſtalt als der Fenchel ein - geſetzet werden. Man kan ihn anfaͤnglich wohl et - was dick ſaͤen / hernach aber unterreiſſen; Es ſoll der Aniß-Saame zuvor wohl in Honig-Waſſer gewei - chet werden / ehe man ſelbigen ausſaͤen wil.
Der Saame wird im Herbſt zeitig / trei - bet Winde und Harn / vermehrt die Milch / und iſt abſonderlich dem Magen und der Lungen beqvem. Dannenhero derſelbe in Blehung des Magens und im Huſten nuͤtz - lich gebrauchet: Wann er 20. Gerſten Koͤr - ner ſchwer gepulvert den Kindern gegeben wird / reiniget er dieſelbe von unten und o - ben / ſtaͤrcket auch das Geſicht.
Wird auch anjtzo geſaͤet / und gleich wie der A - niß aufgebracht / vermehret ſich im Garten mehr als zu viel / liebet ſandige Erde und offnen Platz / bluͤhet im Junio / wo der Fruͤhling gut faͤllt / ſonſten im Julio und Auguſto.
Deſſen Blaͤtter / Bluͤte und Saame waͤrmen und trucknen / das thut die Wurtzel auch / aber weit hefftiger / darum zertheilet ſie und zeitiget / lindert Schmertzen / vermehret die Milch bey den Frauen / kommt den Schlucken und Erbrechen zu huͤlffe / und befoͤrdert den Schlaff / unter andern ſchlaffbringen - den Sachen die Gipffele in Oehl zum Umſchlag gebraucht. Wenn man den Dill-Saamen zer - qvetſcht mit Sauerteig vermiſcht auf den Nabelleget /156MARTIUS. gelegt / ſtillet er das Brechen und Schluckſen. Item: Das Dill-Oehl / und Campher Oehl / beyde deſtilliret / in Nrbel geſtrichen / auch etliche Tropf - fen davon eingenommen.
Wird nun / auch die folgende Monate durch und durch / auch wohl um Michaelis in ein wohlgemiſte - tes nach der Sonnen wohlgelegenes Erdreich und nicht zu dicke geſaͤet / wo es geſchehen / muß er ver - zogen werden / daß er deſto groͤſſer wachſe.
Je mehr man dieſes Kraut zum Kuͤchen-Ge brauch abſchneidet / je mehr vermehret er ſich / man kan ihn auch mit Wurtzeln und Kraut zugleich aus - ziehen und verbrauchen.
Zum Saamen laſſet von der erſten Aus-Saat etwas ohne abſchneiden ſtehen und ſammlet ihn als andere. Welches geſchicht / wann man die Sten - gel / ſo bald ſie anfangen gelb zu werden / abſchneidet; Es iſt aber dennoch der Saame / ſo bey uns gezeu - get wird / nicht ſo gut / als welcher aus Jtalien an - hero gebracht wird / von welchen die Frucht viel beſ - ſer und ſchmackhaffter wird.
Jſt ein gutes und faſt das zarteſte unter allen Muß-Kraͤutern / und kan / wie beruͤh - ret / den groͤſten Theil des Jahrs genutzet werden.
Wegen ſeiner eignen Feuchtigkeit darff er im ko - chen nicht viel Waſſers / wird mit Huͤnern / Lamm - Fleiſch und dergleichen gar beqvem gekochet / iſt faſt in allen Kranckheiten beqvem zu genieſſen / dann er ſencket ſich bald und machet einen weichen Leib / undkommt157Kuͤchen-Garten. kommt hitziger Lungen und rauher Bruſt zu huͤlffe / bringet wenig oder gar keine Nahrung / kommet et - was / ſo iſts doch kalt / waͤſſerich und windig / und dem Magen bald zu wider / wann er nicht wohl mit Pfeffer / Jngber / Saltz und dergleichen beſtreuet wird. Auswendig gebraucht / kuͤhlet er die hitzige Leber ab: Der ſtetige Gebrauch des Spinats erweckt ein Melancholiſches Gebluͤt / weil er viele Blehung macht.
Jſt erſtlich der gemeine / der auch fruͤhzeitig aufs Miſt-Bett geſaͤet wird / maſſen er nicht als nur an feiſten und gemiſteten Oertern waͤchſet. Selbi - gen koͤnnet ihr auch den gantzen Fruͤhling und Som - mer / ſo offt ihr wollet / bey abnehmenden Licht / dicke ſaͤen / und nachgehends allezeit / biß er gantz duͤnne worden / verziehen und zum Salat gebrauchen; Noch ſind des krauſſen Lattichs drey oder vier Sor - ten / als brauner / kleiner / kropffigter und einer den man Printzen-Lattig nennet: Alle ſolche Sorten werden hier zu Land unter die gelben Ruͤben und dergleichen Kuͤchen-Sachen geſaͤet / wann man aber befindet / daß er zu dick auf einander ſtehet / wird er ſolcher geſtalt verpflantzt / daß eine Staude andert - halben Fuß weit von der andern zu ſtehen kommet / die jenigen / ſo die groͤſten dichten Koͤpffe ſchlieſſen / werden vor die beſten gehalten.
Den Saamen davon zu ſammlen / muß man nicht laͤnger warten / als biß die Helffte der Blumen am Stengel verbluͤhet / der alsdann abgeſchnitten / und ein Tag oder zehen an die Gelaͤnder gehaͤnget /hernach158MARTIUS. hernach mit den Haͤnden die Saat daraus gerieben und verwahret wird.
Jn der Kuͤche wird er zum Salat gebrauchet / auch an Huͤner und Fleiſch gekocht. Der braune / ſo auch der Roͤmiſche genennet wird / pflegt hoch zu ſchieſſen.
Wann er bluͤhen will / ziehet man ſolchen inwen - digen Ausſchießling heraus / worinnen ein Stengel ſtecket / welcher treflich gut iſt / ſolchen ziehet man die Haut ab / ſiedet ihn auf / zerreibet ihn in einer wohl gewuͤrtzten Suppe / und bringet es als ein an - genehmes Eſſen zur Taffel: Oder ſchneidet ſolchen rohen Stengel in duͤnne Scheiben und bereitet ihn mit Saltz / Pfeffer / Eßig und Baum-Oehl zum Salat.
Der Lattich wird vor das beſte unter allen Ge - muͤß gehalten / maſſen er Staͤrcke und nuͤtzliche Nah - rung giebt / iſt denſelbigen geſund / die hitziger Na - tur ſind / dann er im dritten Gradu kuͤhlet / befoͤr - dert Schlaff / mäßiget die Schärffe und Auffgäh - rung der Galle / vermehret Milch / erweichet den Leib / iſt den Magen faſt dienlich / und benimt den Durſt.
Derohalben von jungen Leuten / ſo voll Gall und hitzig ſind / ſehr nuͤtzlich zu gebrauchen: Auswendig lindert er Haupt-Wehen / curirt Brand / und befoͤr - dert den Schlaff (in Fuß-Baͤdern gebraucht.)
Die einen ſchwachen kalten Magen haben / und gleichwohl gern Salat davon eſſen / koͤnnen Kreſſe / Schnittlauch und dergleichen erwaͤrmende Kraͤuter darzu mengen.
Der Saame hievon iſt eins von den beruffenenkuͤhlen -159Kuͤchen-Garten. kuͤhlenden Saamen: Und dienet zum gifftigen Saamen-Fluß / Brand des Harns (Urinæ ardo - rem) und mehr gedachten andern Zufaͤllen.
Saͤet man jetzo und den Sommer durch / auch wohl im Auguſto oder October / derſelbe ſo nach Jo - hannis Tag geſaͤet wird / bringet keinen Saamen: zur Saat laſt von dem erſt geſaͤeten etliche ſtehen und ſchieſſen / wann ſolcher wohl reiff und getrock - net / habt ihr ihn ferner zu verwahren. Es muß die Ausſäung des Sommers geſchehen an Ort und Erde / da es Schatten und Feuchtigkeit hat / und zwar nach dem vollen Licht.
Muß an einen Ort allein geſaͤet werden / dann er zuweilen etliche Monat in der Erden liegt / ehe er aufgehet. Die Stoͤcker davon dauren den Winter durch.
Kerffel wird zum Salat / auch mit Fleiſch-Bruͤ - he / oder mit Milch und Pfeffer zu Suppen ge - braucht / iſt dem Magen gut und nuͤtzlich / wird auch gar fuͤglich mit Saurampffer / Spinat und Lattich vermiſchet zum Salat; Kerffel reiniget das Blut / und iſt gut fuͤr ſchwache alte luͤſternde Maͤnner / weil er eine windige Materi bey ſich hat / ſo darzu nicht un - beqvem / auch erwaͤrmet und trucknet / dannenhero er den Urin / die Monat Zeit / und den Stein trei - bet / zertheilet das geronnen Gebluͤth / und bringet angenehmen Schlaff: Auswendig iſt deſſen Ge - brauch faſt beruffen in der Darm-Gicht (Colica) und160MARTIUS. und in verhaltenen Urin [Zum Pflaſter berei - tet und uͤbergelegt.]
Jſt zweyerley Sorten / eine wild mit ſchmalen Blaͤttern / die andere zahm / das iſt im Garten ge - zeugte mit breiten runden Blaͤttern / wird an einen verlohrnen / ſandig - und duͤrren Ort geſaͤet / wann ſie einmahl geſaͤet / ſo iſts genug / ſie hilfft ſich herna - cher ſelbſt fort. Die zahme hat eine geringe Wur - tzel / ſo uͤberaus viel ſafftreiche / dicke und braunlich - te Stengel treibet / daß ſie auf die Erde davon haͤngt mit feiſten länglicht runden Blaͤtlein / ſo glaͤntzend und weißgruͤn ſeyn / beſetzet.
Verlangt ihr Saamen davon / ſo wartet ſo lange / biß er am Stengel etwas ſchwartz wird / alsdann neh - met ihn ab / laſt ihn in der Sonne wohl austrucknen / damit / was noch nicht voͤllig zeitig / ferner reiffe / rei - bet ihn alsdenn mit den Haͤnden aus / und verwahrt ihn wie andere.
Wird in der Kuͤchen wie andere Salat-Kraͤuter mit etwas Kreſſen oder andern waͤrmenden Kräu - tern vermengt / um ihr die kalte Eigenſchafft zu be - nehmen / gebraucht / der ſtarck erwachſene Stengel kan eben / als vom Lattig gedacht / genoſſen werden.
Portulac kuͤhlet im dritten Gradu, zeucht zuſam - men / giebt wenig Nahrung / toͤdtet die Wuͤrmer im Leibe / und treibet ſie aus / ſtillet das hitzige Wuͤten der Gallen / deswegen ſolcher ſehr dienlich iſt in fau - len Fiebern / in hitzigen Urin / wie auch im Schor - bock; Legt ihr einem der in groſſer Hitze des Fiebersliegt161Kuͤchen-Garten. liegt / von dieſen Blaͤttern auf die Leber und Nieren / werdet ihr ihme groſſen Troſt ſchaffen.
Davon ſind zweyerley Sorten / weiſſe und rothe / (von der Rothen ihrer Pflegung wird im Majo gedacht werden /) deren Koͤrner werden meiſtentheils an die Ruͤcken der Bette einen Schuh weit von einander geſetzet / weil ſie groſſe Pflantzen machet und viel breite Blaͤtter bringt; Der Gebrauch der - ſelben iſt mehr als zu gemein.
Laſſet von den groͤſten etliche zu Saamen ſtehen / wann ſolcher reiff und gelb worden / nehmet ihn ab und laſt ihn wohl trucken werden / ehe ihr ihn beylegt.
Wenn der Mangold ungeſchlacht wird / ſo ſchnei - det ihm ſeine Blaͤtter biß auf das Hertz ab / und wenn es zu duͤrre iſt / ſo begieſſet ihn / ſo wird er wie - der ſchoͤn. Wenn er auch wegen groſſer Fruchtbar - keit gar zu geſchwind in den Saamen gehen will / ſo ſchneidet ihm das Hertze ab / und legt einen kleinen Stein darauf.
Wann die jungen Mangold-Stoͤcke mit den Wurtzeln ein wenig gekochet / und aus Eßig geſſen werden / bringt er Luſt zur Spei - ſe / wegen des ſauren zuſammenziehenden nitriſchen Saltzes / benimmt den Durſt / und in Sommers-Zeit ſtillet er ſolcher ge - ſtalt die Choleram, und erweicht den Leib; der Safft davon in die Naſe gezogen / macht nieſen und einen hauffen Feuchtigkeit durch die Naſe / erleichtert dadurch ſehr das Haupt / und hebet deſſen Verſtopffung.
Jſt zweyerley / einer bringet gelben / der andere bringet ſchwartzen Saamen / wird nun geſaͤet: Wann der Saame zeitig / wird er zum Gebrauch und zur kuͤnfftigen Auß-Saat aufgenommen.
Der gelbe Senff waͤchſet faſt wie Ruͤben-Kraut / nur daß er etwas kleiner iſt / hat einen rauchen Stengel / und gelbe Blumen / worinnen folglich laͤnglichte harichte Huͤlſen wachſen / in welchen ein ſchwartzrother Saame / wie der Ruͤben-Saame / ſich verbirget. Der ſchwartze iſt den gelben am Stengel gleich / nur daß die Blätter mehr einge - krempfft ſeyn.
Man nim̃t zur Herbſt-Zeit reiffe Wein - trauben / zerqvetſchet ſie und dringet ſie durch ein haͤren Tuch / damit Steine und Haut zuruͤcke bleiben / kocht den ausgepre - ſten Safft ſo lange / daß er ſich halten kan / miſcht gemahlenen Senff darunter und verwahret ihn in einen reinem Gefaͤß / gibt eine gute Tuncke.
Der gemahlene Senff wird auch wohl nur mit Eßig vermiſcht und bey unvertau - lichen Speiſen genoſſen / maſſen er hitzet und trocknet im vierdten Gradu, zertheilet / ziehet an ſich / und machet Roͤthe / wo nicht Blaſen: Wird vornehmlich Appetit zu er - wecken / die Verdauung zu befoͤrdern / in Miltz-Verſtopffung und viertaͤgigen Fiebern gebraucht; Jn taͤglichen Fie - bern thut ein Qventlein vor den Anfall / (paroxyſmo) genommeni / ſehr gut; im Steinethut163Kuͤchen-Garten. thut er das ſeinige / auswendig wird er mit Nutzen zur Schlaff-Sucht in der Naſe ge - braucht / oͤffnet zeitige Geſchwuͤlſte / und macht nieſen / das Oehl hierauß gepreſſet / hilfft denen erkalteten Sehn-Adern / und dannenhero entſpringenden Zufaͤllen.
Jſt zweyerley / Winter - und Sommer-Kreſſe. Dieſe wird auf zweyerley Manier / erſtlich auf ein Bette / als andere Kraͤuter geſaͤet / oder man macht runde Gruͤblein / legt den Saamen ziemlich dicke hinein / bedeckt ihn mit kleiner Erde / ſo waͤchſet er Ballenweiß herfuͤr und iſt alſo beqvemer zum Ab - ſchneiden / um allezeit friſche zu haben / kan die Aus - Saat alle 14. Tage und oͤffters wiederholt werden / ſie liebet eine etwas feuchte fette Erde: Laſſet von der erſt geſaͤeten etwas zu Saamen ſtehen / deſſen Reiffe leicht zu erkennen.
Brunnenkreß oder Naſturtium aqvaticum braucht keines pflantzens / weil ſie in allen friſchen Brunnen-Baͤchlein von ſelbſten waͤchſet / wird des Winters ſehr beqvem zu Sallaten gebraucht. Die gefuͤllte Brunnenkreß aber wird auch in Gaͤrten jm vollen Licht / in waͤßrigen feuchten und ſchattigen Grund gepflantzet / traͤgt ſchoͤne weiſſe gefuͤllte Bluͤmlein.
Winter-Kreſſe wird durch Saamen und Wur - tzeln fort gebracht / wann ſie einmahl geſaͤet / iſt deren Untergang nicht leicht zu beſorgen / ſie tauren den gantzen Winter durch / will einen ſandigen und waͤſ - ſerigen Grund haben.
L 2Die164MARTIUS.Die Kreſſe wird mit andern Kraͤutern zum Salat gebraucht / auch im May hier zu Lande auff Butter-Brodt geſſen / denn weil ſie zertheilt und eroͤffnet / wird ſie in - nerlich in geſchwollener Miltz / in verlohr - ner Monats-Zeit / bey todter Frucht abzu - treiben / in verſchleimten verſtopfften Lun - gen / im Scharbock / Pocken und Maßern auszutreiben / und ſonſten viel gebraucht: Gepulvert und mit Schwein-Schmaltz zur Salben gekocht / heilet das grindige Schorff des Haupts / wie auch aller andern Glieder / ſicherlich damit geſchmieret. Die Waſſer oder Brunnen-Kreſſe hat zwar im Garten keinen Platz / iſt ſonſt hie zu Lande ſehr bekannt / und im fleißigem Gebrauch / wegen des guten ſo ſie im Scharbock ver - richtet / dieweil ſie im Steine verſtopffter Leber und Miltz / geſtandener Monats - Zeit nicht zuverachten; Derer Safft mit ein wenig Eßig vermiſchet in die Naſe gezo - gen / wehret dem allzu vielen Wachen.
Jſt ein gut Salat-Kraut / wann es zu andern vermenget wird / wann ihr es einmahl geſaͤet / iſts genung / dann es ſich hernach ſelbſt zum Uberfluß vermehret / und zieren deſſen Blumen / ſo zweyerley / blau und weiß / wie auch von der Jndianiſchen Kreſ - ſe / einen Sallat bey der Tafel ſehr annehmlich.
Die Blumen davon offt gebrauchet im Salat / oder davon getruncken / wie auch das Kraut in derSpei -165Kuͤchen-Garten. Speiſe / leichtern die Schwermuͤthigkeit / erfreuen das Hertze / reinigen das Gebluͤt / und ſtärcken die Lebens-Geiſter / ſo von heßlichen melancholiſchen auffſteigenden Duͤnſten beſchmitzt ſeyn / kurtz: Diß edle Hertz-Kraut iſt allen leidenden Miltz-Bruͤdern und Schweſtern (hypochondriacis) ein ſonderbah - rer Troſt und Erqvickung.
Jſt ebenmaͤßig ein gut Salat-Kraut / auch in Wein wohl zu gebrauchen / denn man dafuͤr haͤlt / daß ſie den Menſchen zur Froͤhlichkeit reitze: Wird wohl durch Zerreiſſen der Wurtzeln fortgebracht / dienet ihr aber nicht wohl / iſt beſſer durch Saa - men / kan den Winter uͤber ſtehen / treibt im Fruͤh - ling neue Blaͤtter / ſtaͤrckt ſich mercklich. Je mehr man einen Stengel abſchneidet / je beſſer waͤchſt es hernach / es ſey denn daß man den Saamen ver - langt / da dann der Stock weniger beſchnitten wer - den muß / damit der Saame vollkommen werde.
Jſt ebenfals ein ſchoͤn Kraut in und aͤuſ - ſerlich zu gebrauchen: Dann es zertheilet / reiniget / treibet Urin und Stein / iſt ein Wund-Kraut und ſcharffes Geſchmacks: Derowegen in allen Verſtopffungen / es ſey der Leber / der Niere / der Lungen / der Mo - nats Zeit / zum Steine / Sand und Grieß in kalter Piſſe (ſtranguria) in der Colic, im Hu - ſten und Keichen / im verſchleimten und ſchwachen Magen / in den Frantzoſen uͤberall dienlich. Die Blaͤtter zerrieben / und das Geſichte damit beſtrichen / hebetL 3die166MARTIUS. die Flecken im Geſichte / deßgleichen thut der Safft im Zahnwehe / und allen alten und neuen Wunden. Dienet in allen gif - tigen Kranckheiten / ja auch in der Peſt / zumahl die Wurtzel.
Jſt mancherley Geſchlechts / aber der groſſe Spa - niſche / und mit runden Blaͤttern / iſt im Garten der gebraͤuchlichſte / wird jetzo in dem vollen Mond geſaͤ - et / bluͤhet im Majo / ſcheuſt in Saat im Julio / kan in Auguſto zerriſſen und verpflantzt werden / vermehrt ſich hernach ſelbſt genung / ſtehet gerne aus der Sonnen im Schatten.
Seine Wurtzeln ſchliefft tieff in die Erde / und zertheilt ſich alsdenn in einige Nebenzaͤſerlein / iſt an der Bluͤthe dem gemeinen Sauerampff faſt gleich / nur das ſelbe nicht roth / auch etwas kleiner und zaͤrter iſt.
Wird in der Kuͤche an Fleiſch und zu Suppen gebraucht / oder wie Salat geſſen. Jſt ein Hertz - und Leber-Kraut / oͤffnet / ver - hindert das Aufſteigen und Loßbrechen der Gallen (choleram) ſtaͤrcket den Magen / erwecket Appetit oder Luſt zu eſſen / erquickt das Hertz / leſcht den Durſt / wiederſtehet und benimmt alle innerliche Verfaulung / derowegenes in gemeinen und klebenden / ja gar peſtilentialiſchen Fiebern viel gebraucht wird.
So im Garten erzogen wird / iſt roth und bleich /und167Kuͤchen-Garten. und jederman bekant / wenn ſie geſaͤet iſt / kan ſie in vierzehen Tagen ſchon gebraucht werden. Wächſt gern im Grund mit guten und feiſten Pferde-Miſt wohl geduͤngt / ſonderlich an denjenigen Orten / alwo das verwichene Jahr Mangold gewachſen / das Ver - ſetzen kan ſie nicht leiden / wird geſaͤet im Februario / Martio und April.
Kuͤhlet / feuchtet und lindert Schmertzen / giebt nicht unbillige Nahrung / kommt zum oͤfftern Ge - brauch zum jungen Gemuͤſen / die da wild an den Wege hin und wieder waͤchſet / oͤffnet den Leib / wird in Cliſtiren und ſanfften Umſchlaͤgen als in Poda - gra / ꝛc. denn auch in Fuß-Baͤdern den Schlaff zu befoͤrdern / gebraucht.
Stechet gleich nach dem vollen Schein / wann die Koͤrner erſt zuvor zwoͤlff Stunden in ſuͤſſer Milch ge - weicht / auf das Miſt-Bette / wie ſolches vom Pfer - de-Miſt zu bereiten / iſt im Februario angewieſen / je - doch muß hiezu anderthalben Fuß hoch gute Erde geſchuͤttet werden. Wann ſie beginnen anzukom - men / ſetzet ein glaͤſern Fenſter-Geraͤhme oder Deckel /
L 4das168MARTIUS. das unten Boden loß / oben auf / wie allen Gaͤrtnern bekandt / jedoch ſolcher Geſtatt / daß zwiſchen der Er - de und Deckel ein klein Loͤchlein bleibe / damit die Pflantzen nicht erſticken / fuͤr Kaͤlte und Windebe - ſchirmet und deſto beſſer der Sonnen Strahlen / wel - che durch den Durchſchein des Glaſes kraͤfftiger ſind / theilhafftig werden / wann aber gut Wetter iſt / koͤn - net ihr die gemeldte glaͤſerne Fenſter aufthun und fri - ſche Lufft darein ſpielen laſſen / und wird ſolcher glaͤ - ſerner Deckel oder Fenſter gegen Suͤden oder Mit - tag geſetzet: Wann die Melonen 4. oder 5. Blaͤtter gewonnen / ſo ziehet die unterſten Sproͤßlein aus / damit ſie deſto beſſer Neben-Sproſſen bekom̃en / ver - pflantzt ſie alsdann wieder an einen warmen mit Pferde-Miſt wohl geduͤngten Platz / ſetzet das Fen - ſter wieder darauf / im Anfang Monats Junius mu - tzet die laͤngſten Reben ein wenig / und benehmet ih - nen die tauben und unnuͤtzen Blumen / ſo kommen die Fruͤchte deſto beſſer und groͤſſer: um dieſe Zeit moͤgen zwar die Melonen etwas Begieſſung erlei - den / allein es muß das Waſſer etwas laulich und nicht zu kalt ſeyn / dahero andere nahe beym Stocke ein Ge - faͤß mit Waſſer angefuͤllet eingraben und ein Wand - Laͤplein darein legen / ſo biß zum Melonen-Stock reichet / auf welche Weiſe er nach Belieben Feuchte haben ſolle. Wann ſie aber angeſetzt / muß man von aller Begieſſung abſtehen / dann ſie ſpringen fonſt ohnfehlbar ab / es ſey dann daß die Doͤrre ſo groß wer - den wolte / daß die Blaͤtter anfingen zu welcken / zu welcher Zeit man um die Stoͤcke ein Gruͤblein ma - chen / und allgemaͤhlich etwas Feuchte darein leitenmag.169Kuͤchen-Garten. mag. Auf ſolches Bett koͤnnet ihr wohl etwas Cu - cumern zugleich mit ſtecken: Reiffe Melonen ſollen fuͤr Aufgang der Sonnen aufgenommen werden.
Die Melonen werden wegen ihres lieblichen Ge - ſchmacks und daß ſie in warmen Zeiten den Durſt verjagen / von vielen uͤbermaͤßig geſſen / ſind hitzigen und jungen Leuten am geſundeſten / muͤſſen vor der Mahlzeit / hernach gute Speiſe darauf genoſſen / und ein ſtarcker Trunck Spaniſch - oder Reiniſcher Wein darauf getruncken werden / um ihre boͤſe Feuchtig - keit damit zu zwingen: Demjenigen / der ſie zu eſſen nicht gewohnt / koͤnnen ſie leicht ein Fieber verurſa - chen: Der aber mit der Colica, Darm-Gicht / Schorbock oder Miltz geplaget / auch alte und kalte Leute muͤſſen ſich deren gantz enthalten.
Doch wird deren Saame in Apothecken aufge - halten / und im Huſten / Schwindſucht / Fiebern / kalten Harn / nuͤtzlich gebrauchet / die heutigen Con - ditores wiſſen ſie fein einzu ſetzen / ſie nehmen ſie / wenn ſie noch nicht alle reiff ſeyn / ſchneiden ſie der Laͤnge nach in ſtuͤcken / und werffen ſie ſo etzliche Tage in Eßig / das thun ſie zum zweyten mahl / denn beſte - chen ſie dieſelbe mit Gewuͤrtz und kochen ſie in Zucker oder abgeſchaͤumten Honig / und verwahren ſie zum Gebrauch.
Bringt aus dem Keller / und ſetzet noch in vollem Licht an einen Ort des Gartens Cappus / und aller - hand braunen Kohl / rothe Ruͤben Palſternacken / gelbe Wurtzeln / Cichorien / Zwiebeln und derglei - chen / wovon ihr Saamen zu haben verlangt.
Wann es die Kaͤlte noch nicht hat zugeben wol -L 5len /170MARTIUS. len / ſo verpflantzet in zunehmenden Licht eure gute Garten-Kraͤuter / derer in Vorigen Monat gedacht worden.
Jm abnehmenden Licht ſaͤet folgende Kuͤchen - Wurtzeln / und wird dafuͤr gehalten / wann ſolche / ſo der Mond in Widder / Zwilling und Steinbock / aber nicht im Krebs od’ Scorpion gehet / geſaet wer - den / ſollen ſie beſſer unter ſich wachſen / auch nicht brandig oder wuͤrmig werden / und muß die Erde darzu des vorigen Jahrs gemiſtet ſeyn / damit der Miſt gantz verzehret / weilen die Wurtzeln nicht wachſen / ſo ſie an den Miſt kommen.
Wird nun geſaͤet / wiewohl es etliche fuͤr beſſer halten / daß es erſt im Majo geſchehe / damit ſie in der Bluͤthe ſchieſſen / kan auch um Jacobi geſäet werden / um ſolche im Fruͤhling zu gebrauchen. Muß ein gutes Land haben / im Auffwachſen wohl geweidet / und wann ſie zu dicke ſtehen / verzogen werden. Wann ſie Blumen bekommen / muͤſſen ſolche an Stecken ge - bunden / und der Saame / wann er zu zeitigen begin - net / alſo fort behutſam abgenommen werden / dann er gern verfleucht / und dahero faſt nicht wieder aus den Garten zu tilgen iſt.
Die Wurtzeln / wann ſolche aufgewällt / wird die ſchwartze Haut davon gezogen / und brauchet man ſie ſo dann zum Salat / wird auch an Huͤner-Lamb - Fleiſch und Hechte gekocht. Auch kan das Kraut / wann es noch jung iſt / unter den Kraͤuter-Salat ge - braucht werden.
Dieſe Pflantze iſt gleich wie Salſifix, hat gelbe Blu - men / wird auch auf ſelbige Weiſe gepflantzt und ge - braucht / iſt jedoch / wann deren ſchwartze Haut / die ei - ne Bitterkeit an ſich hat / abgeſchabt / zarter zu eſſen / als die Haber-Wurtzeln. Sie kan den Winter in der Erde bleiben / dauret etliche Jahr / wann ſie ſchon Saamen traͤgt / und wird immer groͤſſer. Der Saa - men iſt ebenmaͤßig als von der Haberwurtz zu neh - men.
Wenn die Scorzonera in einen tieff gegrabenen lottern Grund bey Anfang des Herbſtes geſaͤet wird / koͤnnt ihr ſie alsdenn das folgende Jahr ſchon ge - nieſſen.
Die Wurtzel gehoͤrt mit zu den alexiphar - macis, das iſt / Gifft-widerſtehenden Dingen / maſſen die Medici in gifftigen Fiebern / in der Peſte / auch ſonſten in Schwermuͤthigkeit / im Schwindel / in ſchwerer Noth / ſonder - lich in der Mutter-Zwang (ſuffocatione Uteri) ſich deren zu bedienen wiſſen: Jn der Kuͤ - chen werden ſie an Kalb-Fleiſch / und Huͤ - nern ſehr nuͤtzlich gebraucht.
Werden wohl geſaͤet / und wollen eine ſandige doch feiſte Erde haben / das Laub iſt feurig / wann man des Morgens / ſo der Thau noch darauf liegt / mit bloſſen Fuͤſſen daruͤber laͤufft / die Blaͤtter ſind breit-lang und eingekerfft / etwas kleiner als an den Bibernellẽ. Weil ſie aber durch den Saamen langſam fort zu bringen /ſo172MARTIUS. ſo ziehet ſie aus den Sproſſen auf / ſo des Winters in den Koͤpffen heraus wachſen / ſetzet ſolche Sproſſen nur in die Erde / zwey Schuch breit von einander / ſie werden gleich Wurtzeln gewinnen. Oder wann ihr zur Herbſt-Zeit die Wurtzeln zur Kuͤche auf nehmet / ſo brechet von den groſſen die daran hangende kleine Wurtzeln: Oder nehmet die abgeſchnittene Platten / woran aber noch Treib-Augen ſeyn muͤſſen / von den groſſen / leget ſolche des Winters im Keller in Sand / nehmet ſie auf den Fruͤhling wieder daraus / und brin - get ſie wieder nach dem vollen Mond in obgemeldete Erde / die werden ſich den Sommer uͤber ſo vermeh - ren / daß ihr ſie auf den Herbſt in der Kuͤche gebrau - chen koͤnnet. Schneidet ſie im Schieſſen nicht ab / wann ſie gleich ſtarcke Stengel ſchieſſen / dann je mehr ſich dieſelben ſtaͤrcken / je groͤſſer die Wurtzeln werden. Jedoch kan man die Stengel / wenn ſie ausgeſtiegen / in einander knuͤpffen / damit die Bluͤthe verhindert werden moͤge / allermaſſen nach den Saamen nicht ſehr verlangt wird. Die Stengel welche man zu Saamen ſtehen laͤſſet / werden / wann ſelbige reiff / unten an der Erde abgeſchnitten und ferner verwah - ret.
Es iſt ein recht gefundes Eſſen: Man kan ſie zum Salat gebrauchen / wie oben ſchon gemeldet worden / oder an Huͤner-Rind - und Hammel-Fleiſch kochen; Oder wann ſie halb muͤrbe / ſchneidet man ſie auch von einander / weltzert ſie in Weitzen-Mehl / und bratet ſie braun in Butter.
Sie ſind von Natur warm / nehmlich im andern Grad / werden leicht verzehret undver -173Kuͤchen-Garten. verdauet / ſincken auch bald unter ſich / geben ziemlich viel Nahrung / und haben keinen boͤſen Safft / haben auch etwas windiges / welches ſtimuliret / an ſich / dahero ſie viel Luſt erwecken; Die Weiber pflegen ſie den Maͤnnern gern auf zu tragen / und zu ſagen / daß ſie gar geſund ſind. Jnſonderheit thun ſie dem Magen gut / weil ſie eine kaum merck - liche Bitterkeit an ſich haben / treiben dane - ben den Urin und Stein / und werden fuͤr ein Special wider Gifft gehalten.
Wil in zunehmenden Licht / wann das Abſehen auf das Kraut iſt; die aber Wurtzeln bringen ſollen im abnehmenden Mond / auch wohl letzt im Herbſt / um ſie gegen das Vor-Jahr fruͤhe zu haben / geſaͤet ſeyn; bleiben gemeiniglich vier Wochen und laͤnger in der Erde / ehe ſie hervor kommen / deswegen ſie auch wohl im Februario / wann es nicht allzu kalt / geſaͤet werden / laͤſt man den Saamen aber eine Nacht zu - vor weichen / wird ſie wohl vierzehen Tage eher kom - men. Jhrer ſind dreyerley Sorten, die krauſe / ſchlech - te und Roͤmiſche / dieſe hat groſſe Blätter / der Peter - filgen-Saame / ſo er zwey Jahr alt iſt / wird mehr als der einjaͤhrige auffbringen. Sie erfordert keinen ſonderbahren Grund / und ſcheuet den Schatten nicht / aber die groſſe Wurtzeln bringen ſollen / muͤſ - ſen ein tieff umgegrabenes und ſandiges Land / auch gute Sonne haben / denn je tieffer der Grund gear - beitet / und je beſſer er geduͤnget iſt / je angenehmer waͤchſet die Peterſilien / aber ſonderlich wenn derBoden174MARTIUS. Boden im Sommer nicht zu duͤrre worden / ſondern genugſame Feuchtigkeit behalten hat; diejenige / deren Blaͤtter ihr zur Speiſe gebrauchet / brechet nicht / ſondern ſchneidet ſie mit einem Meſſer dichte bey der Erden ab / ſo wird die Wurtzel wieder ſchoͤ - ne junge Blaͤtter ſchieſſen. Zu den Saamen laſ - ſet diejenigen / welche in die Stengel ſchieſſen / und ſchneidet ihn nicht eher ab / als biß er voͤllig reiff iſt. Und wenn im Fruͤhling die in dem Feld verbliebene Wurtzeln in den Saamen geſchoſſen / und anfangen gelb zu werden / ſo muͤſſet ihr die Stengel abſchnei - den / und in der Sonnen ferner trucken und zeiti - gen laſſen.
Daß ſie an Huͤner und Fleiſch gekocht werden / iſt mehr als zu bekandt / wovon mehr in folgenden Monat gedacht werden wird / wie auch daſelbſt von ihrer Krafft und Nutzen / ſo ſie in vielen Stuͤcken dem Menſchen inner - und aͤuſſerlich erzeigen.
Deren ſind verſchiedene Sorten / ſo wohl rund als lang; die runden werden dieſer Orten um dieſe Zeit unter Kohl / Melde / Lactuc und dergleichen in die Gaͤrten geſaͤet / und May-Ruͤben genanndt. So wird auch eine Art Saat aus dem Braun - ſchweiger Land / von Bortfeld / zwey Stund von Braunſchweig gelegen / ſo man daher Bortfeldiſche Ruͤben heiſſet / anhero gebracht / ſo gelbe lange Wur - tzeln bringet / und im Auguſto oder September ge - ſaͤet werden muͤſſen / und andre Arten mehr / ſo hinund175Kuͤchen-Garten. und wieder zu kauff kommen; Sie erfordern ein Land als andre Kuͤchen-Wurtzeln.
Zur Saat werden die groͤſten Winters uͤber im Keller verwahrt / und auf den Fruͤhling ins Land ge - ſetzet; So bald der Saamen reiff / welches daran zu ſehen / wenn ſich die Saamen Haͤußlein oͤffnen / als - dann ſchneidet die Stengel ab / haͤnget ſie im Gar - ten auf / damit der Saame trockne / reibt ſolchen fol - gends mit den Händen aus / laſt ihn etwas in der truck - nen Lufft liegen / damit die Feuchtigkeit davon kom - me / und verwahrt ihn dann an einen trucknen Ort.
Die Ruͤben ſind feucht und windigt / brin - gen / ſo ſie mit Fleich oder deſſen Bruͤhe ge - kocht und ihre windige Natur durch Jng - ber oder Pfeffer und Saltz verbeſſert wird / die beſte Nahrung / wiewohl die Nahrung ſo davon koͤmmt nicht ſehr viel / aber doch gut iſt / etwas warm und feucht / und darum dienlich vor die ſo mit viertaͤgigem Fieber / oder mit ſchwermuͤthigen Kranckheiten (melancholicis morbis) behafftet ſind / oder auch Mangel an der Bruſt haben / bevorab / wann ſie in Hamel-Fleiſch Bruͤhe gekocht ſind.
Der Safft und die Bruͤhe lindern die Schaͤrffe der Galle / und die Rauhigkeit des Halſes und der Lufft-Roͤhre: Wann ſie gefrohren ſeyn und gekocht werden / zie - hen ſie den Froſt aus den Haͤnden und Fuͤſ - ſen (ſanant perniones) ſo man darinne badet: Der Saame erweckt Luſt / und treibet / zueinem176MARTIUS. einem halben Qventlein gegeben / die Maſſern aus.
Werden jetzo auch im Majo geſaͤet / wollen eine ſandige und etwas leimichte Erde haben / das Land darzu muß faſt Knie tieff aufgehackt und umgegra - ben werden / damit ſie ſich lang ſtrecken konnen.
Es ſind aber deren verſchiedene Arten / aber un - ter allen die rothgelben die beſten.
Den Saamen zu erlangen / laͤſt man etliche den Winter uͤber im Garten ſtehen / die dann das fol - gende Jahr in Saamen ſchieſſen /; Jedoch iſt es beſſer und gewiſſeꝛ / daß man / wann ſie aufgenommen werden / die groͤſten und beſten zu Saam-Wurtzeln ausſamlet / des Winters im Keller im Sande ver - wahret / und im Fruͤhling zur Beſaamung wieder in die Erde verſetzet.
Wie ſie in der Kuͤche gebraucht werden / iſt jeder - mann bekandt / werden doch meiſtentheils in Fleiſch - Bruͤhe gekochet / muͤſſen aber vorhero lang ſieden / dann ſie ſonſt nicht wohl zu verdauen ſind.
Sie bringen zwar keine uͤberfluͤßige Nahrung / iſt aber doch gut / und weit beſſer / als was von an - dern gemeinen Wurtzeln kommt / ſind auch etwas windiger Art / doch nicht ſo viel und ſencken ſich auch ſo bald nicht als die weiſſen Ruͤben.
Wenn man die Moͤhren klein ſchneidet / und mit Koffend [Cereviſia ſecundaria, Hauß - Bier] kochet / und ſich damit offt warmgurgelt /177Kuͤchen-Garten. gurgelt / iſt ein vortrefflich Gurgel-Waſſer in boͤſen / auch loͤcherichten Haͤlſen.
Darbey beliebet ein ander herrlich Gurgel - Waſſer / auch in Loͤchern und Ge - ſchwaͤren / etc.
Nehmet in Schatten gedoͤrrte Salben und Jſop jedes eine halbe Hand voll / kochts in 2. Noͤſel braun Bier / verdeckt / ziemlich ein / ſaͤugets durch / und ruͤh - ret〈…〉〈…〉 Loͤffel voll ausgelaſſen Honig darzu / und eine Meſſerſpitze voll Alb. græc. oder Nitr. antim. oder nur Salpeter / drinnen zerlaſſen; Sich fleißig dar - mit warm gegurgelt / ſo werdet ihr / geliebts GOtt Wunder ſehen.
Werden jetzunder auch wohl in die Erde gebracht / weiln aber die ſo fruͤhe geſaͤete allzuſehr in den Saa - men ſchieſſen / iſt es beſſer biß in den Maͤy damit zu warten / da ſie dann nicht ſollen vergeſſen werden.
Wollen eine leimichte von Steinen wohlgerei - nigte / Knies tieff gegrabene / und mit alten verfaul - ten und nicht friſchen Kuͤhe-Miſt geduͤngte Erde ha - ben / damit ſie wohl unter ſich wachſen koͤnnen. Der Saame wil in Ausſaͤen / wegen vieler Zufaͤlle / de - nen derſelbe unterworffen / nicht geſparet ſeyn / und ſo er zu dick aufgehen wuͤrde / koͤnnen die kleineſten oder die in Saamen ſchieſſen wollen / leicht verzo - gen werden. Es muß aber das Außſaͤen im ab - nehmenden Lichte / geſchehen / wann man ſie auch verpflantzen will / muͤſſen ſie gleichfals bey feuchtenMWetter178MARTIUS. Wetter in ſelbiger Monds-Zeit wiederum verpflan - tzet werden / ſo aber nicht noͤthig
So muß auch das Wieden oder Jaͤten dabey / und das Begieſſen / im trucken Wetter / nicht ver - geſſen werden. Mit Aufnehmung des Saamens iſt eben / als mit den Moͤhr-Ruͤben / zu verfahren.
Wie ſie in der Kuͤchen an Fleiſch und ſonſten zu kochen / iſt genug bekannt. Sie werden auch / wann ſie zuvor gekocht / im Mehl gewaͤltzert / in Butter oder Oehl gebraten / und in der Faſten-Zeit von ge - ringen Leuten an ſtatt der Fiſche geſſen / auf ſolche Weiſe zubereitet / ſind ſie den ſchwerwuͤthigen Leu - ten gar nuͤtzlich / haben auch bey Weib - und Männ - lichem Geſchlecht die Tugend als die Zucker-Wur - tzeln. Sonſten geben ſie mehr Nahrung als die weiß - und rothen-Ruͤben / der Safft davon iſt auch etwas dicker und groͤber / doch nicht boͤß oder undien - lich / behalten etwas windige Art bey ſich / ob ſie gleich gekochet / ſencken ſich zum Ausgang nicht zu langſam / machen den Leib weder hart noch weich; Und wenn man ſiehet / daß ſie ihren Wachsthum vollenbracht / ſo muͤſſen ſie im abnehmenden Lichte um Galli Tag geſammlet / und in trocknem Sande vergraben werden; Denn auff ſolche Weiſe kan man ſie den Winter uͤber zur Speiſe gebrauchen. Wañ aber der Winter abgefloſſen / und der Fruͤhling her - an genaͤhert / ſetzet man ſie wieder einen Schuh breit von einander in friſche Erden / alsdenn ſchieſſen ſie gar beqvem in den Saamen.
Sie treiben das Waſſer / ſind dem Magen / Nie - ren / der Blaſen / auch der Bruſt und Lungen nuͤtzlich. Seynd179Kuͤchen-Garten. Seynd da beneben in Wunden / im Schlucken / in Seiten-Weh (pleuriſi) Bauch-Pein / oder Bauch - Schmertzen / Stein und Monat-Zeit zu befoͤrdern / dienlich / inſonderheit werden ſie im Toben der Mut - ter (ſuſſocatione uteri) gelobet / wann des Saa - mens ein Qventlein ſchwer gegeben wird. Den Haupte aber dienen ſie nicht.
Deren Wurtzeln iſt ein ungemeines Eſſen zum Salat / auch an Fleiſch gekochet / und koͤnnen die un - terſten Blätter davon auch wohl genoſſen werden.
Es brauchen die Rapuͤntzel keiner ſonderlichen Wartung / ſondern pflegen zu Außgang des Herbſts entweder an beſondern Ort allein / oder hin und wieder verſprenget zu ſtehen / und kan man ſie in oder nach dem Winter bey gelindem Thau-Wetter als eine ge - ſunde Kuͤchen-Speiſe gebrauchen. Den Saamen aber muß man nicht voͤllig reiff werden laſſen / ſon - dern ausreiſſen und auffhengen / ſonſten verlieret er ſich gern.
Deſſen Geſchlecht iſt zweyerley / als Garten - und Waſſer-Radieß. Von dem Waſſer-Radieß aber etwas zu melden / iſt nicht hieſiges Orts; Von dem Garten-Radieß aber iſt ſchon vorher gedacht / daß ſie um fruͤhe zu haben / mit auff das Miſt-Bett ſollen ge - bracht werden. Jhr koͤnnet ſie auch alle Monat den gantzen Sommer durch allezeit im abnehmenden Licht / weil ſie ſich uͤber 4. Wochen nicht halten / fol - gender Geſtaltſaͤen:
M 2Ma -180MARTIUS.Machet mit einem Stocke etwas mehr als ei - nen halben Finger tieff Loͤcher in die Erde / ungefehr ei - ner Hand breit von einander / laſſet in jedes Loch zwey Radies-Koͤrnlein fallen / ſchuͤttet ſo viel Sand dar - auff als ihr zwiſchen zweyen Fingern halten koͤnnet / und laſt die Loͤcher alſo offen ſtehen / ſo werdet ihr in kurtzer Zeit ſchoͤne helle Radieß haben.
Die Wurtzeln davon haben nicht einerley Geſtalt; Denn etliche ſind weiß / lang und oben roͤhtlich / ande - re aber rund / weich / und nicht ſo ſcharff; Andere a - ber ſind dick und hart / welche ſehr ſcharff ſeyn; Die ſchwartzhafftige runden und langen ſind am aller ſchaͤrffeſten. Aller Rettig aber / ſo er einen trucke - nen Grund hat / wird nicht wohl fort wachſen / weiln er bey heiſſen Wetter einen feuchten Boden verlangt / und in magern Grunde nur uͤber ſich in Saamen und Stengel waͤchſet; wobey ferner in acht zu nehmen / daß wenn die Rettig-Ruͤben ſich aus der Erden zie - hen / und alſo bloß ſtehen / man ſie mit Erde wieder be - decken ſoll / wodurch ſie denn ſonderlich geſtaͤrcket wer - den. Es muß der Grund / allwo der Radieß wach - ſen ſoll / mit nichten mit Pferde-Miſt geduͤnget ſeyn / ſonſten wird er gantz unartig und grindig.
Den Saamen davon zu uͤberkommen / laſt etliche von der erſten Ausſaat ſtehen und ausſchieſſen / wann ſich nachgehends die kleine Schoͤttlein des Saamens oͤffnen / und die Koͤrner daraus zu fallen beginnen / ſo ſchneidet die Stengel ab / oder reiſſet den gantzen Stock aus / haͤngt ihn an ein Gelaͤnder / biß er beſſer truckne und zeitige.
Wer181Kuͤchen-Garten.Wer Radieß und Rettiche eſſen will / muß es nicht unter oder flugs nach der Mahlzeit thun / dann ſie treiben die Spei - ſen / ehe ſolche recht verdauet ſind / alſo nach der Leber / eben als die Peterſilien-Wur - tzeln / wann ſie aber vor der Mahlzeit maͤ - ßiglich (dann wann man zuviel davon iſſet / erwecken ſie brechen und machen den Men - ſchen mager) mit Saltz und Brod oder nur Saltz / auch ohne Saltz geſſen werden / er - wecken ſie Luſt zum Eſſen.
Seynd auch den Stein und Grieß zu brechen und auszutreiben / wie auch den Harn und die Mo - nats-Zeit zu befoͤrdern / wie auch die Verſtopffung der Leber und der Miltz zu heben / gegeſſen dienlich: Auswendig kan man ſie zerſtoſſen / und in Fiebern unter die Fuͤſſe / wie auch in denſelben mit Haupt - Pein in den Nacken binden. Jn Keichen / oder ſchweren Athen / aſthmate &c. it. im Stein und Grieß / iſt ein ungemein ſchoͤn Mittel / wann man die groſſen ſchwartzen Rettiche die ziemlich ſcharff / (die Erffurdtiſchen ſind ſchoͤn) nimmt / etliche duͤn - ne Scheibgen ſchneidet und ſchelet; Hernach auf je - des geſtoſſenen Strau-Zucker / Meſſerruͤck dicke / ſtreuet (wird ſtratum ſuper ſtratum genennet /) uͤber einander geleget / in eine toͤpfferne Schuͤſſel thut / und oben auff einen hoͤltzern oder toͤpffern Tel - ler / und ein Gewicht oder Stein drauff / etliche Stun - den ſo ſtehen laſſen / ſo wird ein ſchoͤnes ſuͤſſes Waſſer raus kommen; Davon offt etliche Loͤffel voll getrun -M 3cken.182MARTIUS. cken. NB. Mit Gewalt muß mans aber nicht aus - druͤcken.
Sind hier zu Land zweyerley / rothe und weiſſe / die rothen ſind lieblicher / erfordern ein feucht und wohl gemiſtetes von Steinen geſaͤubertes Erdreich: Die weiſſen aber viel edler / welche ſonſten auch Schwindel-Zwiebeln von denen Bauers-Leuten ge - nennet werden / weiln ſie vor den Schwindel ſehr dienlich ſeyn; die rothen werden allein / die weiſſen aber unter andere / wie bey den Ruͤben gemeldet / bey ausgang des Monds geſaͤet. Sind ſie zu dick ge - ſaͤet / werden ſie verzogen / und ebenmäßig im abneh - menden Lichtverſetzet. Wann das Kraut zu groß wird / wird es im Julio mit Fuͤſſen getreten / damit die Wurtzeln deſto groͤſſer wachſen. Jm Ende des Auguſti werden ſie auffgenommen / entweder in der Sonnen bey gutem Wetter / oder in einem Gemach abgetrocknet / folglich in die Hoͤhe an einen trockenen Ort auffgehengt.
Zu Saat-Zwiebeln erwehlet ihr die groͤſten / und verwahret ſie den Winter uͤber im Keller.
So bald Froſts halber in die Erde zu kommen / werden ſie wieder in gutes Erdreich gepflantzet: Er - zeigen ſich im Auffwachſen der Saamen-Stengel aus einer Zwiebel mehr als ein Kopff / ſo brechet die kleinen alle weg / und laſt den groͤſten ſtehen / damit der Saame deſto vollkommener werde. Wann der Saame beginnet ſchwartz / und der Stiel trucken zu werden / ſo ſchneidet ihn ab / legt ſolchen in ein tru - cken Gemach / und verwahrt ihn biß zur Ausſaat.
Saa -183Kuͤchen-Garten.Saamen zu erlangen ſeyn die zwey jaͤhrigen Zwie - beln / ſo ſelbige wieder in die Erde gelegt werden / die beſten dazu. Es wird der Saame / ob er nemlich gut ſey und auffgehen wil / oder nicht / nicht beſſer probirt / als wann man etwas davon in warm Waſ - ſer wirfft / keimet er alsdenn ſo iſt er gut / keimet er aber nicht / ſo iſt er zu alt / und nicht dienlich.
Die Zwiebeln ſind nicht undienlich an Fleiſch zu kochen; ſind gut denjenigen / die viel rauhes / dickes zaͤhes Gebluͤt oder andre dergleichen Schleimigkei - ten bey ſich haben / dannenhero im Stein und beſtand - ner Monat-Zeit wohl zu gebrauchen; Aber denen / welche hitzig und jaͤch von Natur / und viel gallicht Blut im Leibe haben / ſind ſie ungeſund.
Jn Milch geſotten treiben ſie die Spul-Wuͤrmer; aͤuſſerlich / wenn ſie gekochet ſeyn / auf harte Geſchwaͤ - re gelegt / zeitigen ſie dieſelben und oͤffnen; gehackt und in Schwein-Schmaltz gebraten und aufgelegt / treiben ſie das geſtandene Waſſer / das thun ſie auch an alten Froſt an Haͤnden und Fuͤſſen / item in geſtan - dener Monat-Zeit und Guͤlden-Ader: Viele halten fuͤr geſund / wann ſie in Peſt-Zeiten oder ſonſt giffti - ger Lufft dieſelben in einer Kammer auffhaͤngen / als - dañ ſie allen Gifft ausziehen ſollen; undſeyn uͤberaus dienlich fuͤr den Schwindel. Eine Zwiebel von einander geſchnitten / und auff den Brand / wenn man ſich verbrennet / auffgelegt / heilet ſolchen / muß aber gleich geſchehen / ſonſten machts unſaͤgliche Schmer - tzen. Die Haͤutgen von den von einander geſchnit - tenen Zwiebeln auff die Manns-Eichel geleget / undM 4uͤber184MARTIUS. uͤber geleget / befoͤrdert den verſtockten Urin / ſonder - lich auch bey Knäbgen.
Wird in dieſem und kuͤnfftigen Monat unter den krauſen Lattich geſaͤet / ſtehet ein Jahr uͤber ehe er Saamen traͤgt / und wil gute Erde haben; Jſt aber am beſtẽ / ſo ſelbiger anjetzo durch Zerreiſſen der Wur - tzeln / ſo in einen Klumpen an einander ſitzen / fortge - bracht wird. Die Bauren-Weiber ſetzen ihn ſolcher Geſtalt um ihre Garten-Bette / daß ſie ihn alſo fort zur Speiſe haben moͤgen.
Die ſchoͤnſten davon weꝛden aufgehoben / und aufs Vor-Jahr verpflantzt / um Saamen davon zu erlan - gen / wie bey den Zwiebeln erwehnt.
Man muß ſich vor allen Dingen auch wohl vorſe - hen / daß der Schnittlauch bey Regen-Wetter nicht abgeſchnitten werde / dann ſo alsdann die Roͤhrlein offen ſtehen / dringt die uͤberfluͤßige Feuchtigkeit hin - ein / wovon er dann folglich verdirbt und faul wird; ſolte aber das Abſchneiden geſchehen ſeyn / und der Regen darauff folgen / muß man etwas weniges von truckener Erden darauff ſchuͤtten / ſo wird der Regen nicht ferner eindringen und Schaden thun koͤnnen. Und ob es ſchon ſo warm waͤre wie es immer wolte / ſoll dennoch der Schnittlauch nicht begoſſen werden / wenn er gleich das Anſehen hätte / als wolte er vor Hi - tze vertrocknen und vergehen / ſondern ſchneidet den gelben Laub allezeit ab / und werffet Erden daruͤber / ſo wird er von ſich ſelbſt / wann der Regen wiederum fol - get / ſich feuchten und von neuem fort wachſen.
Das185Kuͤchen-Garten.Das Lauch wie es ſcharffes Geſchmackes iſt / ſo hat es auch die Krafft zu erwaͤrmen / den Magen vom uͤbrigen Schleim zu reini - gen / und den Harn zu befoͤrdern / aber der Lauch beſchweret auch das Haupt / bringet ſeltzame Traͤume / ſchadet den Augen und iſt windig.
Wird in dieſem Monat durch Zerreiſſen der Wur - tzeln fortgebracht / und im Auguſto abgeſchnitten / vermehrt ſich auch durch Verſchuͤttung des Saa - mens. Waͤchſt zwar gerne an allen Orten in den Gaͤrten / wohin man ihn auch pflantze / wird aber durch die Verpflantzung nicht verbeſſert / dahero der - jenige ſo auf den Bergen waͤchſet und abſynthium montanum genannt wird / ob er ſchon kleiner iſt wie die ander / jedoch viel ſtärcker und kraͤfftiger iſt; ſei - ne groͤſte Tugend hat er an ſich im Julio.
Und muß ich bey dieſem herrlichen Kraute / wel - ches man mit den alten Herophylo fuͤr andern GOt - tes Hand nennen moͤchte / und davon in hoͤchſter Wahrheit was Plinius von Kraͤutern insgemein ſa - get / melden: Wir tretten dis Kraut taͤglich mit Fuͤſ - ſen / und verunehren es alſo / wenn uns zwar ſeine Krafft und Wuͤrckung allermaſſen bekannt waͤre / wuͤrden wir es in den Himmel erheben.
Dieſes Kraut weil es gemein iſt / achten wir es ge - ringe / da es doch ein herrliches Geſchoͤpff / und bey den Alten in hohen Wehrt gehalten / ja zum GOttes - dienſten und Triumph gebrauchet worden.
M 5Die -186MARTIUS.Dieſes edlen Krauts-Geſchlechte ſind fuͤrnemlich ſo bey uns befindlich drey / 1. die gemeine Wermuth (abſynthium vulgare oder ruſticum) ſo niemand un - bekannt iſt / und faſt allenthalben an duͤrren Oertern und hinter den Zaͤunen waͤchſet. 2. Jſt die Berg - Wermuth / die der erſten gemeinen nicht viel un - gleich / nur daß ſie nicht hoch waͤchſet / iſt auch bitter / doch lieblicher und nicht ſo eines heßlichen Geruchs und Geſchmacks / waͤchſet auch an vielen Oertern / ab - ſonderlich an Bergen / deßwegen ich ſie Berg-Wer - muth nenne: 3. Jſt die Pontiſche Wermuth (abſyn - thium ponticum, wie Galenus ſich nennet / dieſe iſt an Blaͤttern / Blumen / Stengeln kleiner / die Blaͤt - terlein ſeyn weiß und linde / wird an ſandichten Huͤ - geln gefunden: Wann man nun diß Kraut gebrau - chen will / ſoll man / wo ſie ſonſt zu kriegen / fuͤrnemlich der Berg-Wermuth ſich bedienen / wo nicht / muß man die erſte Art dafuͤr nehmen / ſo von ſich ſelber hin und wieder waͤchſet / nicht die ſo man im Garten ziehet / (es ſey dann daß es die Roͤmiſche ſey) und von den Kirchhoͤffen ſammlet / maſſen dieſelbe viele wi - derwilligere Eigenſchafft in den Gaͤrten und Kirchhoͤf - fen an ſich zeucht.
Die Natur / Krafft / und Eigenſchafft betreffend ſo ſeyn ſonderlich die beyden erſten Arten im erſten Gꝛad warm / und im dritten trocken / darum ſie erwaͤrmet / ſaubert und ſtaͤrcket.
Sie ſollen eingeſammlet werden am Ende des Heu-Monats / wann es ſchoͤn / klar und trucken Wetter iſt um Mittag / man ſoll ſie in Schatten trucknen und aufdoͤrren / den in einen ſaubern Ka -ſten187Kuͤchen-Garten. ſten oder in einem Beutel verwahren und jaͤhrlich verfriſchen / und werden von dieſem herrlichen Krau - te ſehr viele koͤſtliche Stuͤcke inner - und auſſerhalb des Leibes zu gebrauchen bereitet: Nemlich ſo man die abgeſtreiffete Blaͤtter und Blumen in Wein / oder wer den nicht hat / im Waſſer (eine gute oder auch wohl zwey kleine Hand voll auf eine Kanne) kochet und durchſichtet / einen Trunck ein oder mehr mahl des Tages davon thut / ſtaͤrcket es den Magen / befoͤrdert die Däuung / erwärmet den Leib / ſtillet deſſen und andere Schmertzen / erhaͤlt das Blut fuͤr aller Faulniß / treibet die Galle aus dem Leibe durch Stuhlgang / und aus den Adern durch den Urin / benimmt die Bleſten (Winde) und das Grimmen des Leibes / treibt die Wuͤrmer aus / oͤffnet die Verſtopffung / zertheilt die Gelbeſucht / beweget die geſtandene Mond-Zeit / und widerſtehet [ſonder - lich der Safft] allem kalten Gifft / von Bilſen-Kraut (Hyoſcyamus.) Wermuth in Eßig geſotten / und getruncken / widerſtehet den gifftigen Schwaͤmmen / ſo man die gegeſſen hat; Was er in den Fiebern allerley Art / im verſchleimten Magen / in ſtincken - den Athem / im Auffſtoſſen der Mutter und ſonſten vermoͤge / iſt mehr als zu bekannt; Jch wil nicht ge - dencken des edlen Wermuth-Weins / ſo allen naſſen Zech-Bruͤdern wohl bekandt / der Wermuth con - ſervæ, des Saltzes / in Verhuͤtung der Peſte / des deſtillirten Waſſers / des Oehls / des Extracts, ſo in einem geringen Gewichte in allen Zufaͤllen / derer ge - dacht iſt / ohne ſondern Eckel kan genoſſen werden / und was ſonſt die ſinnreiche Welt fuͤr angenehmeund188MARTIUS. und koſtbahre Mittel dieſer Zeit darauß zugerichtet.
Nichts weniger thut diß edle Kraut aͤuſ - ſerlich das ſeine; Jn kalten Fluͤſſen / und dahero entſtandener Haupt-Wehe / nimm Wermuth / koche ihn im Waſſer / ſchlage es zwiſchen Tuͤcher / und binde es ums Haupt / ſo warm es zu leyden iſt / es wird allen Schmertzen und Stiche ſtillen / und einen ſanfften Schlaff bringen: So thut ſie nicht weniger gut im Augen-Schmertzen / Halß - Geſchwaͤren / Ohren-Eiter und Bauch - Wuͤrmen / in zerknirſcheten und ſchmertzen - den Gliedern / in den Bruͤchen / ꝛc. Jch mag nicht weitlaͤufftiger ſeyn / ſondern wenn ich hieher ſetzen wolte / was diß edle Kraut mit andern vermiſchet / in complicatis morbis fuͤr Nutzen habe / wuͤrde es viel zu lang fallen / und haͤtte man davon ein vollſtaͤndiges Buch / wie der Uhralte Chryſippus vom Koh - le / deſſen zuvor gedacht / Drakowitz & Beche - rus von Holunder und Wacholdern / ande - re von andern Stuͤcken gethan / zu ſchrei - ben: Jſt alſo wahr / was Spigelius ſchreibet:
Jedoch wie alle Dinge wenn darinn keine Maaß gehalten und in Uberfluß angewendet / ihren herrli - chen Nutzen verlieren und gegentheils Schaden und Ungemach daher entſtehet / alſo iſt auch die Wer - muth / zuviel gebraucht / nicht nuͤtzlich / ſonderlich dem Haupte / macht zuviel Schlaff / bindet die Le -bens -189Kuͤchen-Garten. bens-Geiſter / macht traͤge / verdroſſen / und erwecket ſo dann Schlag-Fluͤſſe / denn es zu den narcoticis mit kan gerechnet werden.
Wird durchs Abreiſſen vermehrt / und im Gar - ten laͤngſt den breiten Gaͤngen an ſtatt der Hecken gepflantzt / vermehrt ſich auch ſelbſt / durch Ver - ſchuͤttung des Saamens / wächſet durch fleiſige Pfle - ge zum zimlichen Baum / ſteth gern in truckenen und warmen Grunde / bluͤhet im Junio.
Trucknet und erwaͤrmet faſt ſehr / widerſtehet den Gifft / und thut Haupt und Nerven gut / in der Peſt und andern gifftigen anklebenden Seuchen / einge - nommenen Gifft / ſchwachem Geſichte / im Seiten - Stechen / pleuritide, in der Cholic, und anderswo wird ſie mit Nutzen / wie auch aͤuſſerlich in Schlan - gen-Stichen / in gifftigen Druͤſen / im Fieberlichen Paroxyſmo (den Ruͤckgrad damit beſtrichen) im Haupt-Weh vom Rauſche / hitzigen und gifftigen Fiebern (in Umſchlag mit Saltz und Eßig ums Haupt oder unter die Fuß-Sohlen) gebraucht. Jn der Epilepſie iſt ſonderlich das deſtill. Oel gut.
Wird im Garten an einen feuchten wohlumge - grabenen Ort gelegt / hat ferner keiner Pflegung noͤthig. Wann ihr gegen den Winter vor eure Haußhaltung etwas davon außgrabet / ſo ſchneidet von dem obern Theil der Wurtzeln / da das Laub geſeſſen / ein Stuͤcklein ab / woran noch ein Treib - Auge ſitzet / leget ſolche Stuͤcklein im abnehmendenLicht190MARTIUS. Licht wieder in die Erde / ſo werden ſolche bald wie - der groſſe Wurtzeln bringen.
Der Merrettig wird / wie bekand / am Fleiſch und Huͤner gekocht / auch wohl klein gerieben / mit Zucker und Eßig zu einer Duncke bey den Fiſchen aufgeſetzt.
Jſt fuͤr diejenigen / welche einen kalten Magen haben / kalter und feuchter Natur ſind / am beſten zu gebrauchen / dann er waͤrmet und trucknet im drit - ten Grad / und zertheilt deßwegen kraͤfftig. Jſt de - nen ſo mit Scharbock geplagt ſeyn / faſt dienlich / wie er denn auch den Stein und Monat-Zeit treibet: Der Safft mit Pfeffer-Oehl vermenget / wird nuͤtz - lich in drey oder viertaͤgigen Fiebern gebraucht / den Ruͤckgrad zu Anfang des Froſtes damit gerieben / oder mit etwas Saltz auf die Puͤlſe gelegt; oͤffters gegeſſen den Merrettig / ſchwächet er das Haupt.
Wann kein Froſt mehr zu befuͤrchten / die rauh und ſchaͤdlichen Nord-Winde vorbey / bald nach Gregorii Tag / bringet eure frembde Gewaͤchs und Blumen wieder aus dem Gemach / da ihr ſie Winters uͤber ſte - hen gehabt / ſetzet ſolche vorerſt in ein ſolches Zimmer / Stube / oder Kammer / da ſie etwan freye Lufft / um ſolche wieder zu gewohnen / haben koͤnnen / biß ſo lan - ge / wann die Kaͤlte vorbey / ihr ſie im Garten in offe - ne Lufft an einen Ort / wo ſie einen Widerſchein ha - ben / und fuͤr denen noch zu weilen wehenden Nord - und Oſt-Winden moͤgen geſichert ſeyn / ſtellen doͤrffet. Jhr ſaͤet nun noch theils auf Miſt-Bett / (wie ſol - ches zu machen / iſt ſchon angewieſen) und auch inToͤpffe191Blumen-Garten. Toͤpffe und freyen Garten / nachfolgende Baͤumlein und Blumen / und wartet ihrer / wie ſchon gelehret.
Werden erſtlich aus Kernen oder Saamen in gu - te Erde gepflantzet / wie im vorher gehenden 9. Cap. ſchon erwehnet / wann ſie 3. oder 4. Jahr alt / und ei - nes halben Daumens dick erreicht / wird darauf im Junio oder Julio bey zunehmenden Licht und tro - ckenem Wetter oculirt, wann ſie bekommen / wird der Stamm neben der oculation eines Daumens breit abgeſchnitten / doch muͤſſen die kleine Schoͤßlein / die aus dem wilden Stamm mit aufgangen / daran bleiben / damit der Safft deſto beſſer hinauff trei - ben moͤge.
Weil es aber auf dieſe Weiſe gar zu lang anſte - het / ehe dieſe Gewächſe Fruͤchte tragen und inſon - derheit die Pomerantzen / als welche / weil deren Holtz gar zu hart / viel langſamer herfuͤr kommen als die andern / maſſen ſie kaum in 12. oder 15. Jahren zu tragen beginnen; So iſt beſſer ſie durch die Zwei - ge zu vermehren / wie im April wird angewieſen werden.
Der Granaten-Baͤume ſind zweyerley / die einfa - che Blumen tragen / werden aus Kernen erzogen und bringen Fruͤchte. Die aber doppelte Blumen haben / weꝛden aus den Ruthen oder jungen Schoͤßlingen er - zielet / welche in Buͤtten oder Toͤpffe geſetzet / des Sommers mit reinem Waſſer wohl begoſſen / und desWin -192MARTIUS. Winters ins Hauß geſetzt werden: Auff daß ſie aber deſto beſſer bluͤhen / ſoll man ſie in keine groſſe Buͤtten oder Toͤpffe ſetzen / etliche mengen Erden dar - zu mit Eichen-Aſche / dadurch die Bluͤte deſto beſſer zu befoͤrdern / der Kuh - und Pferde-Miſt aber wird am beſten dazu befunden.
Es waͤchſet dieſer Baum nicht hoch / und iſt eine ſchoͤne Zierde in den Garten / ſeine Blätter kommen Anfangs lieblich roth herfuͤr / und werden gruͤn / und glaͤntzend wie das Myrten-Laub / mit rothen Stie - len / die Blume iſt hochroth und wohlriechend. Es verlangt dieſer Baum fuͤr andern die Wärme / des - wegen er die Sommers-Zeit uͤber wohl gegen die Sonne zu ſetzen / und des Winters auch an warmen Orten zu verwahren iſt. Wann dieſer Baum nicht gern fort wachſen will / ſo pflantzet ihn um / denn es alsdenn eine Anzeige iſt / daß das Gefaͤß / allwo er in - nen ſteht / ihm zu klein ſey.
Den Saamen bekommet man aus Franckreich / wird in dieſem Monat geſaͤet / und verpflantzt wann es fuͤnff oder ſechs Blaͤtter gewonnen / man kan ſie auch aus Ruthen vermehren.
Es iſt ein Baum Calaſterus genannt / der iſt ſel - biger Natur / muͤſſen des Winters in die Gemaͤcher beygeſetzet werden / in Franckreich bleiben ſie drauſ - ſen / und werden Hecken daraus gemachet / oder man ſetzt ſie an die Mauren und laͤſt ſie damit bewachſen. Man hat hier in wenig Jahren Vildeream aus der Fremde bekommen / die verſilberte auch verguͤldete Blaͤtter haben / ſie werden durchs Einlegen erwu -chert193Blumen-Gartenchert / oder auff Staͤmme gepfropfft die gruͤne Blaͤt - ter haben / des Winters muͤſſen ſie in einer tempe - tirten Stube ſtehen.
Wird auch aus Saamen oder Beeren gepflantzt / und daraus erzielet / der Laurus nobilis (latifolia) aber aus Ruthen geſetzet / und in dieſem Monat ge - ſteckt / und muß man dieſen des Winters ins Hauß oder Keller bringen / und in Buͤtten oder Toͤpffen ver - wahren. Der Flaͤmiſche Lorbeer-Baum waͤchſt ſtraͤuchig / wird von einander geriſſen / und alſo fort geſetzet / des Winters decket man ihn mit Stroh / oder beuget ihn auch wohl auff einer Seite zur Erden und ſchuͤttet im October gute Erde oder Sand darauff / im Anfang des Aprilis wird er bey lieblichen Regen wieder entdecket.
Man hat hier auch Lorbeer-Baͤume die aus A - merica kommen / deſſen Rinde ſoll eine Zimmet - oder Caneel-Rinde ſeyn / ſind aber ſehr rar / muͤſſen des Winters in warmen Stuben erhalten und des Sommers wohl begoſſen werden.
Sonſten hat man noch viererley Sorten der Lor - beer-Baͤume / als laurum tenui-vel anguſtifolium mit glatten oder gläntzenden Laub / und einen der truͤbe Laub hat / und dann zwo uͤbrige Sorten die rauhe Blätter tragen / dieſe muͤſſen des Winters auch im Hauſe ſtehen / werden durch Einlegen oder auch bißweilen durch Setz-Ruthen fortgeſetzt.
Der Laurus Sylveſtris oder wilde Lorbeer-Baum traͤgt ſchwartze Beeren oder Kirſchen / waͤchſt gern auſſer der Sonnen an feuchten Oertern / hat ſchoͤneNBlaͤt -194MARTIUS. Blaͤtter / die die Speiſe zieren koͤnnen / ſolchen legt man von Zweigen in die Erde / und verpflantzt ihn im April in ſandige Erde.
Noch iſt eine Art die man Laurum Alexandrinum nennet / traͤgt rothe Fruͤchte / wird in Toͤpffe geſetzet / und durch die Zweige vermehrt.
Es kan ſonſt der Lorbeer-Baum durch die Beer zwar fortgebracht werden / aber es geht damit ſehr ſchlaͤfferig und langſam zu. Auß den Beyſchoͤß - lingen aber / ſo man ſie vorher eine Zeitlang zum Wurtzeln in die Erde gebogen hat / und darauf in guten fetten und reinen Grund verſetzet / gehet es geſchwinder fort / und werden geſchlachtere Baͤume.
Der Lorbeer-Baͤume wachſen haͤuffig in Jtalien / und werden deren Blaͤtter / weil ſie waͤrmen und trucknen / inſonderheit die Beeren den Urin und Monat-Zeitzubefoͤr - dern innerlich / wie auch in erkalteten weiſ - ſen Geaͤdern / im Schlage / in der Colick / in groſſen Schmertzen nach der Gebuhrt / in verſchleimten Magen / aͤuſſerlich Monat - Zeit zubefoͤrdern (damit geruͤhret oder da - rin gebadet) in Zahnweh / (damit den Mund gebaͤhet) nuͤtzlich gebrauchet.
Werden aus Saamen zu wege gebracht / die Spaniſche muͤſſen des Winters ins Hauß / bluͤ - hen im Julio an Farbe und Form faſt wie die Co - lutea, nur daß die Geniſta viel trefflicher und wohl riechet / und deren Blume etwas groͤſſer iſt; Siewaͤch -195Blumen-Garten. waͤchſet zu einem huͤbſchen Baͤumlein auf / und muß jaͤhrlich biß auf die neue Augen beſchnitten und des Winters im Keller verwahret werden; die wil - den aber wachſen genug in Heyden.
Es ſind Pfriemen mit groſſen Dornen / kommen aus Gallega, koͤnnen des Winters wohl drauſſen ſtehen. Noch hat man eine kleine ſtachlichte Art der Pfriemen / ſo auch in den Heyden wachſen / ha - ben alle zuſammen gelbichte Blumen. Alle ſolche Sorten werden in magere Erde verpflantzt. Es iſt aber noch eine Art Pfriemen-Gewaͤchs / ſo weiſſe Blumen traͤgt / und gar rar iſt / ſelbige ſteiget mit groſſer Macht in die Hoͤhe / ſo daß man ſolche wohl unter die Baͤume zehlen koͤnte / treibt die Ae - ſte und Blumen in groſſer Menge / ſo im Grund roͤthlich / ſonſt aber uͤberall durch und durch weiß ſeyn / hat in der Laͤnge der Ruͤthlein abwerts ſo zier - lich angeſetzet / daß ſie wie angeſchirte Beerlein aus - ſehen; Dieſe Pfriemen wollen einen mittelmaͤßi - gen zur Sonnen wohl gelegenen Ort haben / und in der Hitze der Sonnen wohl begoſſen werden / und weiln ſie von den Saamen auf kommen / muͤſſen ſie auch allezeit wieder geſaͤet werden / iſt ſonſt ein har - tes Gewaͤchs.
Bluͤhen den gantzen Sommer; Ehe die Blume auf bricht / werden im Aprilis die Knoͤpffgens (gemmæ) abgebrochen / mit Saltz und Eßig eingemacht / und darnach an ſtatt der Cappern bey gebratens aufge - ſetzt / damenhero Teutſche Cappern ge - nannt: Sonſt wird das Kraut und derN 2Saa -196MARTIUS. Saame in verſtopffter Leber / Miltz und Kreuſel-Gedaͤrmes / alſo auch in der Waſ - ſerſucht / in Fluͤſſen / in Glieder-Kranckhei - ten oͤffters gebrauchet.
Traͤgt gelbe Blumen / die gleich einer Kette ge - ſtaltet / deſſen ſind zweyerley Art: Man erzeugt ſie aus Saamen / pflantzt ſie auch aus den Wurtzel - Schoͤßling / des Winters bleibt er drauſſen / und ſte - het gern auſſer der Sonnen: Jſt ein frembder Baum / und wird aus Weſt-Jndien gebracht.
Deſſen Holtz waͤrmet und trucknet / treibt Harn und Schweiß hefftig / und reiniget das Gebluͤte / und verhuͤtet alle Fauligkeit / wird in Glieder-Sucht / Glieder-Reiſſen-Gicht (arthritide) Waſſer-Sucht / kalten Fluͤſſen und allen Kranckheiten / ſo dannen - hero und aus Winden entſtanden / nuͤtzlich inſonder - heit in Frantzoſen durchgehends gebraucht.
Wann ſolcher aus Saamen erzielet / wird er fer - ner verpflantzet / auch durchs Einlegen vermehret. Er bringt alle Jahr huͤbſche Blumen wie eintzele Stock-Roſen / welche an einem Pfahl muͤſſen auf - gebunden / und alle Herbſt vor dem Winter biß auf die Erden abgeſchnitten werden / man kan ſie wohl in einem Gemach verwahren und hinſetzen / weil ſie lange lieblich und zierlich bluͤhen / nimmt mit leichten Grund verlieb und bluͤhet im Anfang des Septembris. Deſſen hat man verſchiedeneArten /197Blumen-Garten. Arten / als weiſſe / purpur / Leib-Farb / roth und mehr andere Farben.
Jſt ein herrliches Gewaͤchs / welches vie - len Nutzen ſchaffet / und werden ſo wohl deſſen Blaͤtter / wie auch Blumen und Wur - tzeln in Apothecken / in den Blaſen - und Bruſt-Beſchweꝛungen / inſondeꝛheit im Sei - ten-Weh (pleuritide) wie auch aͤuſſerlich in Umſchlaͤgen und Clyſtiren nuͤtzlich gebrau - chet: Der beruffene Syrupus altheæ Fernelii, ſo im Huſten nuͤtzlich / und die bekante Dial - theen-Salbe zuerwaͤrmen / zuerwelchen / und zu zertheilen / hoͤchſt dienſam und wird hie - rauß bereitet.
Wird aus Schoͤßling oder Einlegen vermehret / woraus man dicke Hecken machen oder auch zu ge - raden Baͤumen erziehen kan.
Wird durchs Einlegen erzielet / ſchicket ſich wohl Hecken davon zu machen. Wird in dieſem Mo - nat in gute Erde verpflantzet / kan auch ein gerader Baum darauß erzogen / und zuweilen als eine Kron geſchoren werden / bleibt des Winters gruͤn. giebt ſtattliche feſte Stäbe.
Wird aus den Wurtzel-Sproſſen erzielet / und in dieſem Monat an einen warmen Ort / es ſey anN 3einer198MARTIUS. einer Mauer oder Gehaͤge / verſetzt; Man pflantzet ihn auch in Gefaͤſſe um zur Winters-Zeit ins Hauß zu bringen / wird auch wohl aus der Erde genommen und in Keller gebracht. So er aber in freyen Gar - ten bleibt / muß er gegen Winter zur Erden gelegt / und mit Stroh und Erde bedecket werden / auf daß die Fruͤchte / ſo zur Herbſt-Zeit darauf angekommen / nicht vergehen / und ſolcher Geſtalt kan man des Jahrs 2 mahl Fruͤchte daran haben / muß aber nicht eher als im April bey Suͤd-Weſten-Winde wieder aufgedecket werden. Er erfordert eine gute Erde / ſo mit Pferd - oder Schaff-Miſt wohl geduͤngt iſt. Die Rinde iſt etwas grau und zart / und wenn die - ſelbe verletzet oder verwundet wird / laͤſt ſie eine weiſ - ſe bittere Milch von ſich.
Dieſer Feigen-Baͤume ſind dreyerley Arten / als weiſſe / blaue und auch wilde / derer Laub dem Maul - beer-Laub faſt aͤhnlich / nur daß es auſſen etwas wol - lichter und weiſſer iſt; bringen an dieſen Oertern wenig, in den warmen Laͤndern aber haͤuffige Fruͤchte: Welche aus den Stam̃ wachſen / und in Ofen oder an der Sonnen gedoͤrret / haͤuffig zu uns gebracht werden.
Werden in Bruſt-Traͤncken / die Maſſern und Pocken auszutreiben / zu zeitigen / zu erweichen / zu oͤff - nen / oͤffters gebrauchet; Und wiſſen die Schwange - re / was die duͤrren Feigen die Geburth zu erleichtern / ſo ſie offt von ihnen gegeſſen werden / vermoͤgen / nebſt denen Cibeben / oder recht groſſen Roſinen. Ei - ne Feige von einander geſchnitten / ſo / oder gebraten / uͤber geſchwollen Zahnfleiſch gelegt / ziehets auf / undlindert199Blumen-Garten. lindert die Schmertzen. Brandtewein uͤber Feigen angezuͤndet / iſt fuͤr den Huſten ein bekandtes und heil - ſames Mittel.
Werden aus Jtalien und Spanien hieher ge - bracht / ſtehen gern in guter ſchwartzer und luckerer Erde / des Winters bleiben ſie gruͤn / und muͤſſen ſo dann in der warmen Stube erhalten werden / ſie bluͤ - hen im Julio / und geben ihre zeitige Fruͤchte im No - vember und December.
Jch halte dafuͤr / es koͤnnen die Oliven-Bäume allhier zu Lande durch friſche Oliven-Kern / ſo zuvor in Sauerteig-Waſſer eingeweichet / und mit einer Feilen ohne Verletzung des Keims etwas geoͤffnet ſeyn / erzielet und aufgebracht werden / allermaſſen ſie ſo gar warme Lufft nicht veꝛlangen / werden aber wohl etwas in die wilde Art ſchlagen / ſed tentare non no - cet. Doch ſteht ſolches zu verſuchen.
Dieſe werden in Spanien und Narbonenſi Gal - lia halb oder gantz reiff eingemachet / und zum An - fang der Mahlzeit gegeſſen / erwecken Appetit / er - waͤrmen den Leib / ſonſten weil ſie mittelmäßig erwaͤr - men / verzehren ſie des Magens uͤberfluͤßige Feuchte / und ſtaͤrcken denſelben; Des Oehls ein gut Theil in warmen (ſo genannten) Bier genoſſen / thut denen Verwundeten / und denen / ſo ſich wehe gethan / faſt gut / ſo es offt gebrauchet / daß der Schweiß des Oehls Geruch endlich darzeige. Dienet auch in der Waſ - ſerſucht / wenn Aland-Wurtzel mit Kofend gekocht / und ſolches Decoctum mit Baum-Oehl getruncken wird.
N 4Son -200MARTIUS.Sonſten wachſen hier zu Land die wilden / ſind des Winters ohne Laub / werden aus Schoͤßling in die Erde geſtecket / wachſen gern an feucht - und ſchattich - ten Oertern / wann ſie bluͤhen / geben ſie einen gar lieb - lichen Geruch von ſich / und koͤnnen den gantzen Win - ter drauſſen bleiben.
Jſt ein Bäumlein ſo des Winters uͤber gruͤn iſt / hat zerkerbte Blaͤtter / traͤgt weiſſe Blumen der Speck-Wurtzel (matri ſylvæ) gleich. Noch iſt ei - ner ſo Arbutus folio, oder Aradus Candi heiſt / der verwirfft des Winters ſeine Blaͤtter / werden alle durchs Einlegen oder junge Schoͤßling erzeugt / muͤſ - ſen des Winters in die Stube.
Wird aus Schoͤßling oder durch Einlegen erzeugt und in dieſem Monat verpflantzt / kan gar fuͤglich zu Hecken gebraucht werden. Und weiln er die Kaͤlte nicht achtet / den Winter uͤber gruͤnend drauſſen ver - bleibet; deſſen Geſchlechte iſt zweyerley / das Maͤnn - lein und das Weiblein; das Weiblein iſt dem Ta - marißken-Stauden faſt gleich / der Stamm iſt auch ſo wohl in-als auswendig anderen Wacholder - Stauden aͤhnlich / nur das die Blaͤtter einen herben Geſchmack haben; An den Aeſten hat es ſchwartze blaue Beeren / woraus ſie wieder gezielet werden koͤnnen. Das Maͤnnlein iſt ein niedriges Bäum - lein / deſſen Geruch nicht ſo angenehm iſt wie der Cy - preſſen / ſonſten kommet er mit den Cypreſſen an Blaͤttern uͤberein. Die Bluͤte von den Maͤnnlein iſt roth / traͤgt aber keine Frucht; Und ob wohl die -ſer201Blumen-Garten. ſer Baum an allen Orten waͤchſet / ſo ſtehet er doch lieber an Bergen als finſtern Orten.
Werden zwar aus Saamen erzeugt / weil es aber ſehr langſam damit hergeht / iſt es beſſer ſie durchs zerreiſſen fort zu bringen: man hat auch dieſer Sor - ten / die braunrothe und auch gantz gelbe Blumen haben.
So iſt auch eine Art die gruͤne Blumen bringt / und wird laureola, Kellerhals oder Laͤuſe-Kraut ge - nant / trägt ſchwartze Beeren oder Fruͤchte / die vor - beſagten aber rothe Beeren.
Noch findet man hier eine Sorte mit weiſſen Blumen / aber ſehr wenig / will im Sand-Grund ſte - hen / leidet keinen Miſt an der Wurtzel / und bluͤhet in dieſem Monat. Wegen ſeiner hitzigen und faſt gifftigen Natur wird es wenig gebraucht.
Wird aus Saamen gezielet / die Blaͤtter gleichen ſich den Mannes-Ohren / bekommen in dieſem Mo - nat an den duͤrren Staͤmmen purpurfarbe Blumen / waͤchſt gern an einer warmen Maur oder Winckel in guter Erde.
Die Judas-Ohren in Roſen-Waſſer ge - weichet / und auf die erhitzte Augen gelegt / thut denſelben wunder gut.
Derer gibts vielerley Sorten, ſie tragen Blumen wie Belvideres, oder groſſe Glocken / ſind purpurN 5weiß /202MARTIUS. weiß / lichtbraun / mit langen ſpitzigen und runden Glocken / bringen aber erſt uͤbers Jahr Blumen / und wann ſie einmahl geſaͤet / vermehren ſie ſich dann ſelbſt.
Linaria Luſitanica, Americana, giebt groſſen glaͤntzenden Saamen / wie gemein Flachs; Darnach iſt noch ein Pflaͤntzlein mit weißlichten Blumen und Laub / traͤgt rund um weiſſe Bluͤmlein / gehoͤren auf die Abſetze der Betten / wächſet an verworffenen Oertern und an den Zaͤunen; zum erſten mahl muͤſſen ſie geſaͤet werden / nachgehends aber treiben ſie alle Fruͤhling / je länger je ſtaͤrcker / bluͤhet im Junio / Ju - lio und Auguſto.
Wird in der gelben Sucht und verſtopff - ter Leber / in Verhaltung des Waſſers und in der Waſſerſucht / und aͤuſſerlich in Schmentzen der Guͤlden-Ader oͤffters und nuͤtzlich gebraucht / in Waſſer gekocht und uͤber geſchlagen.
Wird auch ſonſten Cyanus Turcicus odoratus, oder Tuͤrckiſche ſcabioſa genanndt; Deren giebts vielerhand Farben / die Spaniſche ſind gantz braun / darnach bleich gefleckte / faſt gantz ſchwartze / und auch da oben Knoͤpffgen auskommen / die als Kinder ge - ſtaltet / mit aſchen-farben / purpur-farben / mit ro - then / blauen und geſprenckelten Blumen / und mehr andere Farben / haben einen guten Geruch / bringen ſelbigen Jahrs Blumen / ſetzen auch wohl ein Jahruͤber /203Blumen-Garten. uͤber / wann ſie fuͤnff oder ſechs Blaͤtter gewon - nen / koͤnnen ſie hin und wieder verſetzt / und nach - gehends der Saamen davon in trucknem Wetter aufgenommen / und wieder verpflantzt werden.
Bluͤhet im Junio / iſt ein herrliches Kraut / und wird von ſeinem Nahmen (apo - ſtematibus) innerlichen Geſchweren alſo ge - nant / ſonſten in Seitenweh / im Halß-Ge - ſchwuͤr (angina) Huſten und Fiſtelen / wie auch aͤuſſerlich im Ausſchlag (ſcabie) und ſonderlich in Erb-Grind / im Schiebern (furfuribus) und Nieſen des Haupts / bevor - ab in ſchmertzen den Guͤlden-Ader im Waſ - ſer geſotten / und der Dampff auffm hohlen Stuhl aufgenommen / gebraucht; Wir Teutſchen erfahren nunmehr / daß die Wur - tzel / inſonderheit des Krauts / das purpur - Blumen traͤgt / der ſonſt bekannten und be - ruͤhmten ſalſæ parillæ, ſarſæparillæ, die Frantzo - ſen zu curiren / nichts nachgebe.
Waͤchſt viel in Teutſchland / hat ſchoͤne gruͤn und weiß gefleckte Blätter / wie der wilde Crocus und eine Pomerautz-farbigte Blume: Die Roͤmiſche Diſtel aber waͤchſt zu oberſt wie ein Naͤtzlein / und gleichet mit der Blume den Zwiebel-Blumen / welche aber ein Jahr ſtehet ehe ſie Blumen traͤgt / wann ſie fuͤnff oder 6. Blaͤtter gewonnen / wird ſie verſetzet.
Deſſen Saamens Gebrauch zu 1. Qventlein / iſt in Seiten-Weh / in Waſſer - und gelber Sucht mitWein204MARTIUS. Wein genetzet jeden bekant: Der Carduus Benedi - ctus (Cardo benedicten) findet ſich auch im Gar - ten / bluͤhet im Junio und Julio / muß im wachſen - den Mond geſaͤet werden / deſſen Kraut gepulvert / treibt Schweiß und Gifft / was es im kalten Brand - te vermoͤge / iſt oͤffters erfunden worden. Cardu - benedicten-Kraut gepuͤlvert / und taͤglich uͤber der Mahlzeit genoſſen / ſtaͤrcket das Haupt / Hirn und Gedaͤchtniß / ſonderlich / wenn er noch fein jung und qvattich iſt. Jſt faſt eine unvergleichliche Artzeney / ꝛc. wo von Herr D. Petri von Hartenfelß ein hoch - beruͤhmter Medicus zu Erffurth / ꝛc. einen eigenen Lateiniſchen Tractat geſchrieben / ſchon vor etlichen Jahren.
Haben etliche Sorten unter ſich / als groſſe dop - pelte / die viele Blumen tragen / gantz gelbe / bunte und einfache / die von Saamen aufgangen / bleiben uͤber Winter ſtehen. Sie beſaamen ſich zwar ſelbſt / es iſt aber viel beſſer / ſo ſelbige um den vollen Mond in ein gut Land geſaͤet werden / auf ſolche Weiſe werden ſie ſchoͤn gefuͤllt und groß; Widrigen falls aber arten ſie aus / und werden einfach.
Faͤngt im Majo an / und bluͤhet den gan - tzen Sommer durch / iſt ein herrliches heꝛtz - ſtaͤrckendes Kraut / befoͤrdert die Monats - Zeit / und die Frucht / wenn der Rauch aufm hohlen Stuhl aufgefangen wird. Die Blu - men in Wein-Eßig gethan / geben eine ſchoͤ - ne Tuncke bey Fiſchen und Gebratens. Jſtin205Blumen-Garten. in der Peſt ſehr gut / zumahl der Eßig da - von / und in gifftigen Fiebern.
Der Saame gleichet den Hirſen und das Laub den Klee-Blaͤttern / giebt vortreffliche weiſſe / ſchoͤ - ne und blutrothe Blumen / bluͤhet den gantzen Sommer uͤber / und wird erſtlich vom Saamen ge - zeuget / weil es aber das erſte Jahr ſo fort nicht bluͤ - het / muß man ſelbige in Scherben ſetzen / und des Winters uͤber im Keller wohl verwahren / aber nicht zu viel begieſſen / ſonſten es gar leicht vergehet.
Sind zweyerley / gelbe und incarnate oder Hoch - rothe / tragen Fruͤchte als ziemliche Pomeraͤntzlein / ſtehen wohl in Toͤpffen oder da ſie ſich anhaͤngen koͤn - nen. Jſt ein weichlichs Gewaͤchſe / ſo im Julio bluͤ - het / und traͤgt ſchoͤne rothe und gelbe Aepffelein / de - ren bey 5. 6. 7. und wohl mehr auf einen Stiel ſi - tzen / zieren des Sommers den Garten / und des Win - ters das Gemach ſehr ſchoͤn / der Saame kleibt in den Aepffeln an einander / und wenn man ihn ſaͤet / hin - dert es nicht / ob ſchon einige Koͤrner zuſammen blei - ben / weil man es leicht verſetzen kan / begehret guten Grund und gar keine Kaͤlte.
Die Saat kommet aus Guinea / traͤgt zierliche Blaͤtter faſt wie Eruca ſativa, wenn man ſie anruͤhrt / ſo ſchlieſſen ſie ſich und fallen nieder / gehoͤren aufs Miſt-Bett / und kan man hie zu Land keinen Saa - men davon haben.
Gehoͤrt aufs Miſt-Bett / und ſind unterſchiedli - cher Sorten von Fruͤchten / als lange / gantz ſchmale / runde wie Birnen / haben alle zuſammen rothe Rin - den. Es iſt auch eine Art die gelbe Fruͤchte traͤgt / ſo bald ſie etwas erſtaͤrckt / werden ſie in Toͤpffe geſetzt.
Sind mancherley Farben / lichtbraune / gelbbun - te / rothbunte und gantz weiſſe: Den Saamen ſteckt man aufs Miſt-Bette / damit ſie ſelbigen Jahrs tra - gen und wieder reiffen Saamen bringen moͤgen: Aber die Wurtzeln nimmt man im Herbſt aus der Er - den und verwahret ſie im Hechſel oder weiſſen Sand / wann ſie nachgehends im Lentzen wieder gepflantzt werden / geben ſie groͤſſere Pflantzen als die erſten vom Saamen / ſind auch alſo beſſer zur Saat-Zucht. Bluͤhen im Auguſto / September und October.
Jſt eine Pflantze die den kleinen Klettenblaͤttern gleichet / traͤgt ein weiſſes Bluͤmlein / und waͤchſt wie ein Ey mit ſchwartzen Tuͤpflein / zu teutſch Balſam - Aepffel genant / gehoͤret aufs Miſtbett; der Saa - me kommet aus Virginien / und muß etliche Tage / ehe man ſelben ſaͤet / im Waſſer eingeweicht werden.
Jſt ein Wund-Kraut / ſtillet Schmertzen / inſonderheit der Guͤlden-Adern / auswen - dig hat es ſeinen Nutzen in verletzten Sehn - Adern / im Bruch und im Brande.
Dieſer ſchoͤnen Blumen gibt es vielerhand Sor -ten207Blumen-Garten. ten von verſchiedenen Farben / groſſe und kleine / wo - von die groſſen ohne Ritzen / und die ſchoͤneren Far - ben fuͤr die beſten gehalten werden. Die fuͤrnehm - ſten werden auff Nieder-Teutſch benahmt Prince d’ Orange, Kaͤyſer Auguſtus, Paragon, Alette, Don Jan, Graff Willem / Blanck de Liege, Koͤnigin von Franckreich / der Utrechtiſche Thum / der Koͤnig von Franckreich / und viel andere Nahmen mehr.
Sie werden nun / wann die Kälte wohl nachgelaſ - ſen / wie auch erſt im Majo, (da auch davon gedacht werden wird) geſaͤet / weilen aber ſolche Geſaͤete nicht lang zu dauren pflegen / iſt es beſſer ſie durch Abſetzlin - ge zu vermehren. Solche Abſetzlinge und die alten Stoͤcke werden im Ausgang dieſes Monats (wiewohl andere 2. Tage vor dem vollen Licht in kuͤnfftigem Monat / weilen die Kaͤlte ſo dann nicht mehr ſo ſehr zu befuͤrchten) nachfolgender maſſen verſetzet:
Man nim̃t Schwein-Koth / da kein Stroh unter iſt / thut ſolchen in einen Kuͤbel oder hoͤltzern Eymer / bruͤhet ihn mit ſieden dem Waſſer ab / und ruͤhrt ihn mit einem Stecken fleißig um / fuͤllet mit ſolcher Ma - terie, wann ſie erkaltet / den Blumen-Topff ohnge - fehr drey Finger hoch / ſchuͤttet darauff etwas durch - geſiebete Erde / beſchneidet des einſetzenden Stoͤck - leins Wurtzeln ein wenig / ſpreitet die uͤbrigen Wur - tzeln wohl von einander / und ſetzet den Stock alſo in ſolche Erde / und bedecket alle Wurtzeln wohl / damit aber alles wohl ausgefuͤllet werde / ſo ruͤttelt den Topff etwas ſtarck um / zu ſehen / ob noch etwan eine Wur - tzel entbloͤſet liegt / damit ihr ſie auf ſolchen Fall auch bedecken moͤget / fuͤllet endlich den noch uͤbꝛigen Raummit208MARTIUS. mit der beſten Erde zu / begieſſet ſolches eingeſetzte Stoͤcklein alſo fort wohl / maſſen ſich dadurch die Er - de dichte an die Wurtzel fuͤgt; Setzet folglich ſolche Einſetzlinge unter freyen Himmel / jedoch etwan ein drey Wochen an einen ſchattigten Ort / wo ſie die Morgen-Sonne nur wenig Stunden genieſſen moͤ - gen. Wenn ihr nun mercket / daß ſie ſich bewurtzelt und antreiben / koͤnnen ſie nachgehends an beliebigen Ort und Stelle geſetzet werden.
Man achtet aber allhie unnoͤthig derſelben aller - hand Gattungen und Arten zu beſchreiben / dieweiln ſchon bereits etliche gantze Tractaͤtlein von dieſer Blu - men geſchrieben habẽ / und ihrer Meynung nach groſ - ſe Heimligkeiten oder Arcana von ſelbiger remonſtri - ret; vornemlich was die Farb-Aenderung betreffen thut / worunter bey vielen eine groſſe Unwarheit und Vanitaͤt hervor gegeben worden; dennoch iſt nicht aller derer Meynung zu verwerffen / vornemlich was des Mondes Obſervation belangen thut. Solches kuͤrtzlich zu erfahren / beſehet droben das 1. Capitel von Kuͤnſten an Baͤumen und Blumen.
Jſt vielerley Art / weiſſe / gelbe / bunte / rothe / leibfar - bige / werden durchs Abreiſſen dero Pflantzen ver - mehret / auch wohl geſaͤet / welche geſaͤete aber wohl ein Jahr uͤber ſtehen / ehe ſie bluͤhen / beſaamen ſich auch wohl ſelbſten / und werden alſo beſſer als wann ſie mit Fleiß geſaͤet werden; Sind der Linariæ oder Lein-Kraut ſehr aͤhnlich / und wachſen gern im ſandi -gen209Blumen-Garten. gen Grund / bluͤhen im Junio, Julio, Auguſto und Septembr.
Seynd zweyerley Sorten / eine mit gelben / die andere mit rothen Blumen / haben ſchoͤne breite Blaͤtter / muͤſſen des Winters gantz trucken in der Stube gehalten werden / oder man legt ſie in trucken Sand beym Ofen ohne Begieſſen. Wann das Laub erſt herfuͤr kommet / iſts den Pfeffer-Haͤußlein nicht ungleich / iſt wohl zwey oder drey Fuß hoch / und wird von eigenen Pflantzen erzielet; wird auch wohl ge - ſaͤet / aber die Saat muß bey acht Tag wohl im Waſ - ſer / darinnen guter Schaffmiſt zerrieben worden / ge - weicht ſeyn / bluͤhet noch ſelbigen Jahrs / bringt aber keinen reiffen Saamen / erfordert eine gute muͤrbe mit Sand vermiſchte Erden; und wenn ſie eingeſetzt wird / erfordert ſie ein weit ziemliches Geſchirr / weiln ſie ſtarcke Wurtzeln ſetzet / muͤſſen an der Sonnen ſte - hen / und wohl begoſſen werden.
Werden durch deren lange Wurtzeln / ſo weiß ſeyn / und hin und wieder wie die Quecken kriechen / erzielet und vermehrt / weil es durch den Saamen langſam damit hergehet / ſtehen gern feucht auſſer der Sonnen / bringen weiſſe Blumen und hernach rothe Blaſen / darinn die Kirſchen verborgen liegen / die Bluͤthe waͤhret den gantzen Sommer uͤber / und wird die Kir - ſche oder Beere / ſo ſie viel mit Haͤnden angegriffen wird / am Geſchmack bitter-ſuͤß.
Beweiſen ihren Nutz in Nieren - uñ Bla -Oſen -210MARTIUS. ſen-Stein / in gelber Sucht / in geronnenen Gebluͤte / Blatter und Blaſen / in Waſſer o - der Wein / welches beſſer iſt / geſotten und da - von getruncken.
Deren ſind drey oder vier Sorten / als einfache und doppelte incarnate, einfach-weiſſe und einfach leibfarbige / werden in dieſem Monat gegen den vol - len Mond / noch beſſer aber im Herbſt durchs Abreiſ - ſen der Pflantzen vermehret / und in ſandigen Grund verſetzet / moͤgen wohl drauſſen im Garten und Lande ſtehen bleiben / weil ihnen die Kaͤlte nicht ſchadet. Hie - ſige blaue Kornblumen werden Lychnis agria & flos frumenti, auch Cyanus ſegetum genant.
Jſt zweyerley / eine weiß / und die andere blau / wird in dieſem Monat von einander geriſſen und ver - pflantzet.
Man reiſt die gedoppelten anjetzo voneinander / uñ ſetzt ſie um die Bette an feuchte Oerter / je weniger ſie aber abgeriſſen werden / je ſtaͤrcker Blumen ſie tra - gen; deren gibts vielerley Sorten / als weiſſe / bunte / rothe und leibfarbige. Es iſt noch eine andere Art / die dornichte Blaͤtter hat / und gelblichte Blumen bringt / und wird ebenmaͤſſig von abgeriſſenen Pflan - tzen fort gebracht. Die Einfache wachſen allenthal - ben im Graß / und bluͤhen im April, Majo und Junio, muͤſſen an ſchattigten Orten ſtehen / und im wachſen - den Lichte verpflantzet werden.
Seynd drey oder viererley Geſchlecht / eines hat Blaͤtter wie Aſclepias oder Schwalben-Wurtz / bringet viele Blumen an einem Stiel. Das an - dere wächſt in den Sand-Huͤgeln mit kreutzigten Blaͤttern. Das dritte iſt ein langes Pfläntzlein / traͤgt ſchoͤne Himmelblaue Blumen / und waͤchſt gern in niedrigen ſandigen Gruͤnden / werden durchs Zerreiſſen vermehret. Dieſer und ſeiner Tugend / ſo es in der Medicin hat / iſt oben gedacht.
Man haͤlt ſie fuͤr Salſaparillam, hat ſtachlichte Blätter / und hänget ſich an / wo es zu kommt / traͤgt Bluͤmlein wie die Poſt-Hoͤrner geformet: Man findet ihrer mit gefleckten und mit gruͤnen Blaͤttern. Darnach ſind noch zwey Sorten Smilacis, man pflantzet ſie in Toͤpffe / werden durch Abreiſen der Pflantzen vermehret / und den Winter uͤber ins Hauß gebracht.
Die Wurtzel im Waſſer zur halbſcheid gekocht / damit geſchwitzt / thut in kalten Fluͤſſen / in Gliederſucht / bevor in den Fran - tzoſen ſehr gut / als welcher ſie abſonderlich gewidmet iſt.
Jſt eine ſchoͤne Pflantze / vorzeiten durch Saa - men erzeugt / wird aber nun durchs Abreiſſen fort ge - pflantzt / traͤgt Laub wie Tauben-Bohnen / und zwi - ſchen den Blättern wachſen gantz liebliche Bluͤm - lein / muͤſſen ebenmaͤßig des Winters ins Hauß.
O 2Ge -212MARTIUS.Gedachte Bluͤmlein / ehe dieſelbe ſich auf - thun / werden ſie abgebrochen / mit Saltz und Eßig eingemacht / und aus der Fremb - de zu uns gebracht; Man haͤlt dafuͤr / daß ſie den ſchwachen Magen kein gutes / dar - gegen der Leber und Miltz viel gutes thun / maſſen ſie derer Verſtopffung / entweder fuͤr ſich oder zu einer Suppe bereitet und genoſſen / gewaltig heben.
Derer finden ſich dreyerley Sorten / zwey die weißlicht und an den Raͤnden etwas bund ſind / ha - ben viereckicht Laub und gantz knoͤblichte Wurtzeln; Und eine Sorte die gelbicht iſt / die eine Wurtzel als Hanen-Fuß hat / wollen gute feuchte Erde zum Wachsthum haben / und werden in dieſem Monat durchs Abreiſſen geſetzt / muͤſſen drey Finger tieff und einer Spannen weit von einander geſetzt wer - den; Man nimmt ſie alle Jahr aus / damit man die jungen davon bekommen moͤge; bluͤhen im Majo.
Werden aus den Wurtzeln vermehret / und an ei - nen ſolchen Ort / da ſie die Sonne wohl haben koͤn - nen / geſetzt / man pflantzt ſie in Toͤpffe / daß ſie deſto beſſer bluͤhen / geben lange zierliche Blumen / und ſehr artig geſtalte dunckel-gruͤne zerkerbte Blaͤtter / werden jetzo verpflantzt / ſteiget mehr denn einer El - len hoch und eines Fingers dick / von unten biß oben mit laͤnglichten Blaͤttern / nach Ordnung beſetzt / aus welchen eine weiſſe Blume im Majo ſich her -vor213Blumen-Garten. vor thut. Wann die Bluͤte aus iſt / geben ſie laͤng - lichten Saamen / worauß ſie auch fort gebracht wer - den koͤnnen / bluͤhen im Julio.
Die Blaͤtter erweichen faſt ſehr / dannen - hero in Clyſtiren und ſanfften Umſchlaͤgen neben andern ſehr gebraͤuchlich.
Sind zweyerley / die eine mit gruͤnen / die ande - re mit gruͤn braͤunlichen bunten Blumen: Die erſte hat eine weiſſe / die zweyte aber eine gelbe Wurtzel / man ſetzt ſie in Scherben und bewahret ſie des Win - ters trucken im Hauſe / zur Vermehrung aber ſchnei - det man von der Wurtzel / wenn ihre Blumen ver - gangen / welche nicht lange dauren / und muß als - denn Kraut und Stengel abgeſchnitten werden / da - mit die Wurtzel deſto kraͤfftiger wird / und pflantzet es auffs Miſt-Bett / nachdem man es fruͤhe haben will. Die Blume wird mehr wegen ihrer Selt - ſamkeit und wunderlichen Geſtalt gepflantzt / als we - gen Schoͤnheit halber.
Deren giebts blaue / weiß-gelb / bluͤhet im Junio / Julio / und faſt den gantzen Sommer / beſaamen ſich auch wohl ſelbſt / und beduͤrffen keiner ſonderli - chen Wartung / groß und kleine / gefuͤllet und ein - fach / werden durchs Zerreiſſen der Wurtzeln fort - gebracht.
Sind zwo Sorten / einer wird gemeiner Diptam / ſonſt Fraginell in Apothecken genannt; Der andereO 3bringt214MARTIUS. bringt purpur-wohlriechende Blumen / und wird Cretiſcher Diptam / weil er in der Jnſul Creta / wel - che jetzt Candia heiſſet / häuffig und ſtärcker waͤchſt als bey uns den wir pflantzen / iſt auch ein ſchoͤnes Gewaͤchs / dem aͤuſſerlichen Anſehen nach faſt wie ſuͤß Holtz / das Laub wie am Qvitten-Baum / waͤchſt Ellen hoch / die Blätter an den Blumen ſeyn licht - roth und Leibfarb / und von angenehmen Geruch / der Stengel iſt obenaus braun / der Saame braun - ſchwartz / die Wurtzel aber weiß / verlangt einen gu - ten fetten Grund / ſie werden jetzo durch Zerreiſſen der Wurtzeln vermehret.
Und hat deſſen Wurtzel unter andern die Mo - nat-Zeit / wie auch die Frucht zu befoͤrdern / aͤuſſerlich und innerlich groſſe Krafft entweder in Wein oder Waſſer gekocht / oder gepuͤlvert eingenommen.
Waͤchſt mehreutheils drauſſen in truckenen ſan - digen und verworffenen Oertern / auch wohl an den Ufern des Waſſers / wird auch wohl von Liebhabern in die Gaͤrten gepflantzet / alsdenn vermehret er ſich ſehr / traͤgt Saamen wie der Fenchel mit kleinen Blaͤttern / hat hohe ſtarcke Stengel mit vielen gel - ben buͤtzlichten Blumen. Es iſt auch eine Art mit weiſſen Blumen / ſo aber gar rar und ſelten zu fin - den iſt.
Die Blumen in Milch oder Wein geſot - ten / und den Kindern zutrincken gegeben / treibet die Wuͤrme aus / dannenhero es Wurm-Kraut genant wird.
Dieſe ſchoͤnen Blumen koͤnnen auch durch den Saamen / ſo von den einfachen kommen / anitzo ge - ſaͤet und viel doppelte dadurch erlangt werden / muͤſ - ſen aber des Sommers uͤber mit Begieſſen immer feucht gehalten werden / wann ſie ihre Bollen oder Klauen zu einer ziemlichen Groͤſſe gebracht / werden ſie verſetzt / ſolche koͤnnen die Winter-Kälte beſſer als die hernach folgende / ſo von Bollen vermehret werden / vertragen.
Was in vorhergehenden Monaten von Einle - gen der Anemone erwehnt / kan nun auch / um fruͤ - he Blumen davon zu haben / practiciret werden.
Deren gibts nun gar vielerley Sorten von Far - ben und Nahmen / etliche mit groſſen und zarten Blaͤttern / als Peterſilien-Laub / zum Uuterſcheid werden ſie hier zu Land genennet: Concordia, Im - peratrice, der Hertzog / Pucelle de Orleans, Citronata Romana, Citronata, Alnatora, Cardus Cœleſte, Albertina, qvaſi bleau, Unike de Reuter / Polni - ſche Muͤtzen / S. Carel Overo, S. Marco, Diableſſe, geflamte Aborante, Pavo major, geflamte Amaran - te,, Perſianen, Belliſſima, Coloſſe, geflamte und un - geflamte Amarona, Ducheſſe charitane, Mirabella, Ciprina Deducke, Schallaringata, Biſchoͤffe / Præ - laten, Belle ſylvia, Belle warande, das rechte Au - ge / Cardinal. Ringata, geflammete von Kuͤlenburg / Hermaphrodita, Kram, Cebecken, Ringata orlatu, Belle de Paris, Liere de Paris, geflammeter Ama - ranth, und vielmehr andere Sorten / die Bollen o. der Wurtzeln ſind den Jngber-Klauen nicht unaͤhn -O 4lich /216MARTIUS. lich / die Vermehrung geſchicht aus den kleinen ſo daran wachſen / oder durchs Zerbrechen der Wur - tzeln in ziemliche Stuͤck / maſſen aus gar kleinen lang - ſam Blumen zu hoffen.
Etliche pflegen ſie ſchon dieſen Monat in den offe - nen Garten zu ſetzen / iſt aber beſſer biß kuͤnfftigen April damit zu verziehen; Wann ihr ſie in die Erde bringen wollet / ſo nehmet gute fette Erde / vermiſchet ſolche mit ſubtilen reinen Sand / ſetzet etwan zween Tage vor dem vollen Licht die Wurtzeln vier Zoll weit von einander / dergeſtalt / daß die Treib-Augen auf - warts kommen / ſtreuet ein paar Zoll hoch Erde druͤ - ber / und wartet ihrer bey truckener Zeit mit maͤßiger Waͤſſerung / wodurch ſie freudig ins Laub und Blu - men wachſen.
So bald die Blumen vorbey / und ihr mercket / daß das Laub welcket und abfallen will / ſo nehmt ſie mit dem Laub und angehengtem Erdreich heraus / leget ſie in ein Gemach an einen truckenen lufftigen Ort / und wann ſie ein acht Tage alſo gelegen / ſo ſaubert ſie von der noch daran hangenden trockenen Erde / und ſchneidet die kleinen Wurtzeln oder Zaͤſerleindavon. Findet ihr / daß ein oder andere etwas anbruͤchig / ſo ſchneidet ſolches ſo tieff hinweg / biß der Schnitt weiß und friſch ſcheinet / und beſtreicht die Wunde mit Ter - pentin vermiſchtem Wachs / benehmet ihnen ferner die jungen Bollen / ſo ſich dabey herum befinden und leichtlich zu theilen ſind.
Wenn ſie nun alſo geſaͤubert / wohl ertrucknet und erlufftet / ſo wickelt ſie entweder in Papier / oder leget ſie in eine mit trockenem Sand gefuͤllete Schach -tel /217Blumen-Garten. tel / und verwahret ſie alſo biß zu kuͤnfftiger Wieder - Verpflantzung.
Wann nun ſolche Verpflantzung wieder vor die Hand genommen wird / ſo weicht vorher die Wurtzeln ein paar Stunden in Waſſer / und verſetzt ſie nach Belieben.
Nun fangen an zu bluͤhen Judas-Baum / Cornelius-Baum / Apricoſen - und Mandel-Baum / Iris perſica, Nar - ciſſen und Crocus.
Der Crocus ſind wohl acht oder neun Sorten / als gelbe / weiſſe / blaue / guͤldenſtuͤck / ſilberſtuͤck / alle dieſe Sorten werden aus den jungen Zwiebeln vermehret und im October verpflantzt. Koͤnnen auch aus Saamen erzeugt werden / ſtehen aber wohl 4. oder 5. Jahr ehe ſie Blumen bringen.
Es iſt auch noch eine andere Art / ſo man Herbſt - Saffran nennet / dieweil ſelbige in dem Herbſt bluͤ - het / welche vor dreyen Jahren nicht ausgenommen werden muß / ſonſt aber wird er wie andere Zwiebel - Gewaͤchs gepflantzt; Man ſagt / es ſollen ſich die Weibs-Perſohnen vor allen Dingen deſſen enthal - ten muͤſſen / nemlich in Uberfluß.
Auch bringen ihre Blumen die gefuͤllt und einfa - che Mertz-Violen / primulæ veris, zu dieſer Zeit.
NUn / und hinfuͤhro duͤnget keinen Baum mehr. Mercket ihr / daß ein Baum un - fruchtbar werden will / ſo bohret ein Loch in die Wurtzel / und ſchlaget einen Pflock von gruͤnen Hagebuͤchen-Holtz dareln. Vom erſten biß letzten Viertel laſſet den Baͤumen ſolcher Geſtalt die Ader: Durchreiſſet mit einem ſcharff-ſpitzigen Meſ - ſer deſſen ſchwartze Ober-Häutlein an der Rinden / je - doch dergeſtalt / daß das Meſſer nicht durch die gantze Rinde / weniger in das Holtz gehe. An einen groſ - ſen Baum moͤget ihr von der Wurtzel biß aufwerts vier / an kleinen aber nur zweene Riß thun / wodurch die Baͤume geſund / dick und ſtarck werden.
Jm Fall die Mertzen-Lufft die Erde ausgetrock - net / ſo begieſſet die neu umgeſetzten Peltzer mit fau - lem Waſſer / abſonderlich von Kuͤh-Miſt-Lacken / mangelt euch ſolche / ſo leget Kuͤh-Koth ins Waſſer / ruͤhrt ihn wohl um / und begieſſet damit der Baͤume Wurtzeln. Das Rind-Blut iſt auch ſehr nuͤtzlich darzu.
Benehmt den ſchwachen Peltzern das Bluͤhen / und falls Neben-Schoſſe bey ſelbigen ausſchlagen / ſo ſchneidet ſie hinweg / und beſtreichet den Ort mit Peltz - Wachs.
Jn dieſem Monat pflegt man auch entweder 2. oder 3. Tage vor dem Neu-Mond / oder 2. oder 3. Ta - ge nach demſelben das Kern-Obſt zu peltzen / und con -tinuirt219Baum-Garten. tinuirt ſo lang damit / als der Safft nicht zu ſtarck iſt.
Habt ihr einen alten Baum / ſo ſaure / magere und untaueꝛhaffte Fꝛuͤchte getꝛagen / dem bohret im zuneh - menden Licht ein Loch in den Stamm allernaͤchſt bey der Wurtzel biß auf den Kern / laſſet ſolches 4. oder 5. Wochen offen / ſo wird ſich durch daſſelbe alle boͤſe Feuchtigkeit ziehen. Man thut auch wohl etwas von den geſtoſſenen Mirabolanen darein / ſonderlich wann das Obſt wurmſtichig geweſen / und ehe es reif worden / abgefallen / und ſchlaͤgt ein Hagedorn-Keil dafuͤr / ſo dann wird nicht allein das Obſt feſte ſtehen / ſondern werden auch die Wuͤrmer dadurch vertrie - ben. Vergeſſet hierbey auch nicht / den Welſchen Baͤumen den Tag uͤber Lufft zu geben / und verſetzet ſelbige / ſo ſie es von noͤthen; Befeſtiget die Baum - Pfaͤhle.
Gebt acht auf die Wurm-Neſter / und vertilget ſie Morgens und Abends.
Es fangen nun Birn-Aepffel-Nuͤß-Miſpeln - und Kirſchen-Baͤume an zu bluͤhen.
Darinn findet ſich nun Arbeit genug / ſaͤet und pflantzet im wachſenden Licht in fette und gute Erde nachfolgende:
Sind zwey oder drey Sorten / die Roͤmiſche wird fuͤr die beſte gehalten / iſt ein Kraut / das einen treff - lichen Geruch gibt / wird anjetzo an einen warmen und wohlgemiſteten Ort geſaͤet / kommt bald herfuͤr; Wann ſie groß genug zum Verpflantzen erwachſen /ſo220APRILIS. ſo ſtecket nur ein Stoͤcklein in ein Loch / ſonſten wer - den ſie im wachſen verhindert / bluͤhen im Junio und Julio.
Es iſt hiebey auch nicht zu vergeſſen / daß / wann man den Saamen geſaͤet / man den Boden feſt zu - ſammen treten ſoll / ſonſten der Saame in luckern Erdreich gar leichtlich verdirbt; Er muß auch zu Mittags begoſſen werden / und nicht Abends und Morgens wie die andern Gewaͤchſe / will auch fleiſ - ſig vom Unkraut gereiniget / aber allein mit den Hän - den / und nicht mit einem Eiſen beruͤhret ſeyn.
Baſilgen iſt gut / wann ſie noch gruͤn / zum Salat / mit der auffgetrockneten werden die Speiſen gewuͤr - tzet.
Dann es erwaͤrmet im andern Grad / zertheilet / reiniget die Lunge / befoͤrdert die Monat-Zeit. Wenn mans viel riecht / thut einen der Kopf wehe.
Wird nun auch geſaͤet / folglich durch Theilung der Stoͤcke / auch wohl durch Schnittlinge weiter vermehret. Hat ſpitzige Blaͤtter wie Lavendel / ſchoͤne blaue / und roth-leibfarbige Bluͤmlein / wil auf keinen gemiſteten und feiſten Boden wachſen / ſteht gern in freyer Lufft / da die Sonn wohl beykommen kan / muß verpflantzet werden / wenn Tag und Nacht im Fruͤhling gleich ſeyn / und wird im Auguſto be - ſchnitten. Jſt auch ein gut Kuͤchen-Kraut / und giebt einen ſchoͤnen Geruch / bluͤhet im Julio und Auguſto.
Wird in Bruſt-Traͤncken / zum Huſten / verſchleim - ten Lungen und Keichen / wie bekannt / nuͤtzlich ge -braucht.221Baum-Garten. braucht. Wie auch in Ohren-Sauſen / den Rauch durch einen Trichter in die Ohren genommen / zu Rei - nigung des Mundes (in Mund-Saͤfften) wie auch inſonderheit den Magen zu ſtärcken in einen Beutel mit Wein oder Bier geſotten / äuſſerlich uͤbergeleget. Wie daraus ein herrlich Gurgel-Waſſer zu machen / beſiehe in Beſchreibung der Mohr-Ruͤben.
Deſſen ſind drey oder viererley / wann es geſaͤet / ſte - hets ein Jahr uͤber ehe es gebrauchet werden kan / wächſt gern an einen warmen Ort / wird dann ferner durchs Zerreiſſen der Pflantzen oder durch ſeinen Saamen ſelbſt vermehret / iſt an Geſtalt wie weiſſe Salbey / mit weiß blaufarbigen Bluͤmlein / wil offte und viel begoſſen ſeyn / bluͤhet im Majo, Junio und Julio.
Die Wein-Haͤndler die wiſſen ſich deſ - ſen dem Wein eine ſchoͤne Farbe und lieb - lichen Geruch zu geben / mit Hollunder - Bluͤth vermiſchet / und in den Wein gehan - gen / zu bedienen.
Wird von ſeinen Schoͤßlein gepflantzet / ſo man ihn aber ſaͤen wil / muß man den Saamen mit denen Bluͤmlein zugleich auffſam̃len / weiln ſie ſich nicht von einander theilen laſſen / und werden alſo zuſam - men eingeſtreuet / wil auch offt und vielmahl begoſ - ſen / und beſchnitten werden / etliche ſetzen ihn auch wohl in den Keller / bleibt im Lande aber beſſer und ſchoͤner. Wird viel in die gebratene Fiſche geſteckt und giebt den Speiſen einen angenehmen Geſchmack /und222APRILIS. und thut ſolcher maſſen ſchwachen Augen gut. Jſt auch gut und geſund am Eſſen / ſonderlich an blehen - den Speiſen / als Erbſen / ꝛc. auch an allerhand Fleiſch / Tauben / Huͤner ꝛc.
Jn Wein gekocht und getruncken / ſchaf - fet denen ſo kurtz-athmich ſeyn / groſſen Nu - tzen / treibet die Spul-Wuͤrme / Gifft / Mo - nat-Zeit und todte Frucht aus / zertheilt ge - ronnen Blut: Es duͤrffen viele ein gewiſſes Mittel gegen das Fuß-Ubel / wenn es auch ſchon gelaͤhmet / hierinn ſetzen / wann es nemlich in Wein gekocht / taͤglich gebraucht wird.
Sind zweyerley / einer ein Sommer-der ander ein Winter-Gewaͤchs / werden nun beyderſeits geſaͤet / wann er ſo weit erwachſen / daß er zum Umpflantzen dienlich / wird jede Sorte abſonderlich auf Bette ver - pflantzet / inmaſſen der erſte den Winter nicht / der ander aber wohl vertragen kan / wil jedoch bey harten Wintern zugedecket oder aufgenommen / und des Winters beygeſetzet ſeyn. Es liebt der Majoran insgemein den Schatten / und feiſt wohl geduͤngtes Land / und will dabey fleißig begoſſen ſeyn.
Jſt ein herrliches Kraut / das Haupt und die weiſſe Geaͤder zu ſtaͤrcken / und dienet faſt an alles Eſſen / weils zur Dauung hilfft / und die Blehungen zer - theilet.
Wird eben wie vorgemeldte andere / erſtlich durch Saat / hernach durchs verſetzen vermehret. Manhat223Baum-Garten. hat ſie nicht alleine mit blauen / ſondeꝛn auch mit weiſ - ſen und rothen Bluͤmlein / verlangt einen ſandigten dennoch auch wohl nach der Sonnen gelegenen Ort / wenn ſie offt beſchnitten wird / ſo trägt ſie mehr Blu - men / bluͤhet im Julio. Es iſt aber noch ein ander Geſchlecht / Marum Syriacum genannt / wird aus Stoͤcken gezielet / kan des Winters nicht als andre drauſſen dauren / ſondern muß im Hauß verwahret werden.
Thut auch dem Haͤupte und Sehnen ſehr gut / dañenhero in Fluͤſſen / Gicht / Krampff / Schwindel / Schlaff-Sucht / bebenden Glie - dern / Waſſer / Mond-Zeit und Frucht zu treiben in oͤfftern gebraucht: Spieck-Oehl iſt genug bekant / ſolches ſtillet das Wuͤten und Schmertzen der Mutter / ſo deſſen etli - che Tropffen in den Nabel warm gerieben werden.
Jſt unterſchiedlich / als fein Koͤnigs-Salbey mit runtzelichten Blaͤttern / (Salvia minor, acuta nobi - lis) grobe (major) gebaͤumt (arboreſcens) deren Blaͤtter als Gold ſcheinen / welche aber den Win - ter uͤber in Keller muß; auch noch Salbey mit weiſſen Blumen / ſo ſie erwachſen / geſchicht deren Vermehrung durch Umſetzen an ſchattichte Oerter / und zwar im Martio oder Herbſt mit Raute unter - ſetzt / damit Schlangen und Kroͤten / ſo die Salbey lieben / und ſich bey dero Wurtzel und Stamm ger - ne auf halten / abgewieſen werden; es pflegt ſonſt der Gifft von den Schlangen ſich in die oberſte Spi -tzen224APRILIS. tzen ihrer Blaͤtter zu ziehen / daß die Menſchen / wenn ſie ſolche genieſſen / nich allein ſchwellen / ſondern auch wohl offte des Todes ſeyn muͤſſen / deßhalben gar klug diejenigen thun / welche die Gipffel davon brechen / ehe ſie ſie genieſſen. Es liebt auch die Wurtzel / wenn man ſie mit Laugen-Aſchen beſchuͤt - tet / und das duͤrre Holtz und Blätter fleißig davon nimmt; bluͤhet im Julio und Auguſto. Jſt auch den Magen gut / it: Jn Gurgel-Waſſern / wie bey den Mohr-Ruͤben gedacht worden / heilet / iſt auf - gelegt / vorhero aber geſaubert / den Zahn-Fleiſch dienlich / auch die Zaͤhne und Zahn-Fleiſch damit ſachte gerieben.
Muß vor dem Martio zunehmenden Monds ge - pflantzt / folgends wie der Schnittlauch / doch nicht ſo offt / fleißig beſchnitten werden; Wann es einmahl geſaͤet / vermehret es ſich ſelbſt genug. Wird unter die kuͤhlende Salat-Kraͤuter vermiſchet / auch wohl aufgetrucknet und an ſtatt des Gewuͤrtzes zum Spei - ſen gebraucht. Bluͤhet faſt den gantzen Sommer durch.
Das Kraut in die Schlaff-Kammern ge - ſtreuet / ſoll die Floͤhe toͤdten.
Muß alle Jahr geſaͤet werden / die Saat wird zum Speiſen und zu den Wuͤrſten gebraucht. Leidet zwar allerley Grund / hat dennoch beſſer Luſt zu wach - ſen im feiſten als magern / in ſonnigten als ſchat - tigten Oertern; Der Grund aber muß allein mitSchaaf -225Kuͤchen-Garten. Schaaf-Miſt geduͤnget werden / und iſt zum Aus - ſaͤen der alte Saame beſſer denn der neue.
So deſſen ein wenig nach der Mahlzeit genoſſen wird / ſchleuſt es den Magen / und ſtaͤrcket ihn faſt ſehr.
Wird durch Saamen bey wachſenden Licht fort gebracht; Der Saame muß nicht uͤber 3. Finger tieff in das Erdreich geſetzet werden / will ſonſten in acht genommen ſeyn / wie die Angelica; wann etli - che Straͤuche zur Saat ſtehen bleiben / wird der uͤ - brige im Heumonat aufgenommen / und das truck - ne Kraut in das Bier / wann es nicht bitter genug iſt / geſtecket.
Jſt daneben ein hertzſtaͤrckendes Gifft - und Schweiß-treibendes Kraut / in langwie - rigen und viertaͤgigen Fiebern ſehr dienlich / im Uberſchlag zum kalten Brande neben anderen in ſtetem Gebrauch. Beſiehe auch Marien-Diſtel / Card. Mariæ.
Wann ſie einmahl geſaͤet / kan ſie hernach gnug durch Zerreiſſen der Wurtzeln fortgebracht und ver - mehret werden / es ſeyn derer nun viel frembde Ar - ten / als Tuͤrckiſche / Jtaliaͤniſche / Meliſſe fœti de Moluccana, meliſſa moluccana odorata; die Blu - me davon iſt blau und weiß.
Bringet dem Haupte / Hertzen / Mutter / wie auch dem Magen eine Staͤrcke / und innerlich gebrauchtPviel226APRILIS. viel gutes / und ſo das Waſſer nuͤchtern getruncken wird / ſtaͤrckts den Verſtand / vertreibt Melancholey / wenn die Blaͤtter etwas erwachſen / kan man ſie auf das Haupt legen / ziehet herauß die uͤberfluͤßige Feuchtigkeit / und erleichtert das Haupt / zu viel ge - rochen / machets Haupt-Weh.
Wird aus den Saamen gezeuget / die Wurtzel treibt hernacher wieder an / muß aber in ein wohl - gebauetes Land und Boden geſaͤet / oͤfftmahl begoſ - ſen / und gejaͤtet werden. Es iſt die Angelica zwey - erley als zahme und wilde; Die zahme iſt an Kraut / Blumen / Stengel und Saamen / dem Liebſtoͤckel gleich / nur daß die Wurtzel zaßlichter iſt / bekoͤmmt im zweyten oder dritten Jahre eine ſchoͤne Cron mit gelben Bluͤmlein. Die Wilde iſt der Zahmen in allen gleich / nur daß ſie kleiner und bleicher iſt / es waͤchſet dieſes Geſchlecht gern an dunckeln / feuchten / und ſchattigten Oertern. Wenn man aber die Angeli - ca durch den Saamen auf bringen wil / ſo muß der - ſelbe vorher in Waſſer / ſo mit Sauer-Teig ver - miſcht / 24. Stunden eingeweicht ſeyn / folgends im Herbſt in gutes Land geſäet / ſo wird er bey kuͤnff - tigen Fruͤhling ſich herfuͤr geben; Wenn er ſich als - denn herfuͤr gethan / muß man die jungen Stoͤcklein mit dem neuen Licht aus / und anderthalb Schuh breit von einander ſetzen / alsdenn ſie ſich in dritten oder vierdten Jahre in Stengel und Saamen ſchieſ - ſen und darauf verdorren; Deßhalber muß die Wurtzel im andern Jahr ihres Wachsthums geſam̃ - let / und in rothen Sande aufgedoͤrret werden.
Die -227Kuͤchen-Garten.Dieſer Wurtzel-Krafft / in Gifft / Peſt u. anklebenden Kranckheiten / iſt genung be - kannt / ſie bewahret vor boͤſer Lufft / macht guten Athem / befoͤrdert die Dauung / ver - zehret grobe Feuchtigkeit / iſt auch ſehr dien - lich wider allerhand Zaubereyen und Ge - ſpenſten / die Wurtzel gepuͤlvert / und offt eingenommen / vertreibet gewiß die ſo ge - nanndten kalten Fieber / febres intermittentes, ſo gut als die China, und Entzian.
Gruͤnet zwar Sommers und Winters / was je - tzo geſäet wird bringet aufs andre Jahr Saat / kan ſich dann wohl ſelbſt vermehren / iſt aber beſſer die Auß-Saat zuwiederhohlen. Wann ſich das Kraut etwas erſtaͤrcket / kan es auch wohl mit der Wurtzel aus der Erde genommen / und ein halben Fuß weit von einander an einen andern Ort verſetzet werden / ſo waͤchſt es deſto ſtaͤrcker. Seine Blaͤtterlein ſeyn rund und eingebogen wie ein Loͤffel / ſo lange Stiele haben / iſt ſonſt ein niedriges Gewaͤchs / an den Stengeln ſind weiſſe vier-blättrige Blumen / wo - rauß kleine runde Huͤlſen wachſen / worin der Saa - me verſchloſſen liegt.
Was Loͤffel-Kraut in Scharbock vermoͤge / iſt hier zu Lande niemanden unbewuſt / ſage nur daß wann man es immer haben kan / das gruͤne den duͤrren vorzuziehen ſey / ſonderlich aber in ſcorbu - to fixo.
Wil jaͤhrlich geſaͤet ſeyn / in gelinden WinternP 2kan228APRILIS. kan er auch wohl tauren / und treibt die Wurtzel wie - der an. Die friſchen Wurtzeln werden an Fleiſch gekocht / auch kan man ſie als die Zucker-Wurtzeln zum Salat gebrauchen.
Der Saame erwaͤrmet / trocknet und zertheilet / wird in der Colic / Lungen-Sucht und Schwindel / ſo fuͤr ſich / oder mit Zucker uͤberzogen / dienſam ge - braucht.
Koͤnnet ihr nun auch noch biß auf Johannis / um immer junge zu haben / und zwar allezeit im abneh - menden Lichte (denn ſonſten bringen ſie mehr Bluͤ - te und Blaͤtter als Fruͤchte) ſtecken. Deren ſind zweyerley / gruͤne und weiſſe / die weiſſen werden fuͤr die beſten gehalten / und laͤſt man dieſelbe zur Saat liegen.
Wenn der Saame gut ſeyn ſoll / ſo muß die Frucht im vollen Mond abgenommen werden / ſie verlangt in feucht und feiſt Erdreich / weiln ſie die Duͤrre nicht ertragen koͤnnen / deßhalber auch oͤff - terer Begieſſung beduͤrffen / der Donner pfleget ih - nen auch keinen geringen Schaden zuzufuͤgen; wenn man aber in aufgehen vermercken wuͤrde / daß ſie di - cke ſtuͤnden / koͤnnen ſie fuͤglich verpflantzet werden / weiln ihnen ſolche Verpflantzung nicht ſchadet. Weñ ihr die Kern pflantzen wollet / ſo muͤſſen ſie zuvor in Milch geweicht werden / und zwar ſo lange biß ſie keumen wollen; Es halten auch etliche dafuͤr / daß wenn dieſe Milch vorher warm gemacht werde / die Frucht alsdenn viel ſchmackhaffter werden ſolle.
Wie ſie zum Eſſen zugebrauchen / iſt bekandt ge -nug /229Kuͤchen-Garten. nug / und iſt ein Eſſen deſſen ſich billig ein Liebhaber der Geſundheit wegen ihrer boͤſen Feuchtigkeit ent - haͤlt / es ſey dann daß ſie mit Pfeffer / Saltz ꝛc. wohl corrigiret / und ſehr wohl ausgedruckt ſeyn; Mit warmer Butter halt ich ſie fuͤr geſunder / als mit Baum-Oehl. Die in Eßig eingemachte ſind zwar etwas geſunder / wie ſolche einzuſetzen / ſoll an gehoͤ - rigen Ort folgen.
Sind allerhand Sorten / wollen fette und Sonn - reiche Erde haben und mit Fleiß an beqveme Oer - ter / es ſey an Stangen oder Lauben / verpflantzet ſeyn. Sind gut fuͤr Arbeiter und ſtarcke Leute zu eſſen / wer aber die Geſundheit liebet / muß ſich deren ent - halten / dann ſie kommen faſt mit den Cucumern uͤberein.
Weil aber die Kuͤrbis ſo wohl an Blaͤttern / als an der Frucht / ſtaͤrcker und groͤſſer ſind / als die Cu - cumern und Melonen / ſo fordern ſie auch deßhalber zu ihrer Bauung weniger Muͤhe / die Verpflantzung geſchicht im April um den vollen Mond / und zwar alſo; Legt die eingeweichte Kern plat nieder / und klopfft die Erde daruͤber zu / oder ſtecket ſie ſo in die Erde / daß die Spitzen unten kommen. Wenn ſie nun im aufwachſen zu dicke ſtehen / ſo ziehet die kleineſten aus / daß die ſtärckeſten zwo Ellen weit von einander ſtehen bleiben. Jhr koͤnnet auch ei - ne jegliche unten mit ein wenig Kuͤh-Miſt ohne Stroh belegen / und im fall der Regen zu lange auſſen bliebe / mit groſſen Fleiß begieſſen / denn oh - ne Feuchtigkeit ſie nicht aufzubringen ſeyn. Die Er -P 3fah -230APRILIS. fahrung bezeugts auch / daß die Kuͤrbiſſe / wenn ſie auf der Erden liegen / und allgemach nach der Son - nen umgekehret werden / viel ſchwerer und beſſer ſeyn / als wenn ſie hangen / und auf ſolche Weiſe wird die Farbe der Frucht allenthalben gleich. Wenn nun jemand Verlangen haͤtte einen ungemeinen groſſen Kuͤrbis zu zielen / der erwehle vorhero einen jungen Kuͤrbis ungefehr einer Fauſt groß / und ſchneide in demſelben neben dem Stiel ein drey - eckig Spundt aus / ſtecke ein Senff-Korn darein / und decke das Spundt wieder darauf / ſolch ausge - ſchnitten Spund verwaͤchſet mit der Zeit / und das Senff-Korn kommt zum Wachsthum / und treibt den Kuͤrbis ſo auf / daß er mehr als noch einmahl ſo groß werde wie die uͤbrigen; Dennoch aber iſt ein ſolcher aufgetriebener nicht ſo daurhafft / als die uͤ - brigen gemeinen; Wie ſie zur Speiſe bereitet wer - den muͤſſen / achtet man unnoͤthig allhier weitlaͤuff - tig zuberuͤhren / maſſen ſolches uͤberall bekant.
Was die Nahrung und Natur betrifft: Matthiolus wil verſichern / daß / da die Kin - derbetterinnen wollen die Milch vertrei - ben / ſollen ſie nur gruͤne Kuͤrbiß-Blaͤtter auf die Bruͤſte legen; der Safft aus den un - zeitigen Kuͤrbiſſen gepreſſet / wie auch das Waſſer ſo darauß diſtillirt iſt / hebet alle Hitze an Augen / Ohren oder andern Glie - dern / Kuͤrbiß umgeſchlagen / iſt wider die Hitze.
Wird durch Zerreiſſen der Wurtzeln vermehret /weiln231Kuͤchen-Garten. weiln der Saamen unkraͤfftig / und faſſet alſo leicht / es geſchehe die Zerreiſſung der Wurtzel entweder im Fruͤhling oder Herbſt / gehoͤrt mit unter die Sa - lat-Kraͤuter / wird auch wohl an Fiſche gekocht.
Wird ebenmaͤßig durch die Wurtzeln vermehret. Jſt mancherley Art / zahm und wild / die zahme ſo wohl ſpitze als krauſe / Mentha criſpa, iſt die beſte / will gerne im offnen und an feuchten Orten ſtehen / braucht keiner Wartung / ſondern wo es einmahl einwurtzelt / vermehrt es ſich dergeſtalt / daß es kaum wieder auszurotten iſt / bluͤhet im Julio.
Thut dem ſchwachen Magen / dem Schlucken / dem ſchwachen Haupte / äuſſer - und innerlich ge - braucht / ſehr gut / das Waſſer wird den kleinen Kin - dern / wann ſie Bauch-Wehe haben / mit Nutzen gegeben. Jſt ein trefflich Mutter-Kraut / und alles was davon gemacht wird.
Jſt ein Mediciniſch Kraut / ſo ſie einmahl im Gar - ten iſt / kan ſie durch zerreiſſen der Wurtzeln leicht ver - mehret werden / die Blätter werden in Mehl und Butter gebraten / als Salbey.
Waͤchſet auch gern auf den Wieſen / Huͤgeln / und auf andern ſchattigten und kalten Oertern / die aber im Garten verſetzet wird / verbeſſert ſich augenſchein - lich / bekommt einen viereckichten Stengel wie ein Arm lang; Die Blaͤtter ſeyn faſt wie die Schluͤſſel - Bluͤmlein / nur daß ſie etwas groͤber und eingeſchnit - ten ſeyn / und werden / je hoͤher ſie dem Stengel / klei -P 4ner232APRILIS. ner biß ſie mit ihrer braunen Blumen aufhoͤren. Es iſt auch noch eine Art mit weiſſen Blumen / ſo aber gar rahr iſt.
Antonius Muſa, Kaͤyſers Auguſti Medicus, hat ein gantzes Buch von dieſem ſchoͤnen Kraut geſchrieben / dann es dem Haupte / der Leber / der Miltz / der Bruſt und Mutter gut thut: Jn Haupt-Wunden iſt das Pfla - ſter / ſo hieraus gemacht wird / beruͤhmt ge - nug.
Pflantzt man in gute fette Erde einen Fuß von ein - ander / hecken ſich alsdann mehr als zu viel / des Win - tes bedeckt ſie mit Pferd - oder Kuͤhe-Miſt / damit ſie im Majo und Junio deſto beſſer tragen. Werden am beſten vor und nicht nach der Mahlzeit genoſſen. Wenn man gute Erdbeeren haben will / ſo muß man ſie wohl wieden und bearbeiten / und bey jede Pflan - tze einen kleinen Stock ſetzen / woran die aufwachſen - de Stengel mit einen Faden ſubtil gebunden wer - den / man muß an der Wurtzel alle Abfetzlinge / biß die Frucht reiff iſt / wegſchneiden / alsdenn kan man ſie zur Verpflantzung auslauffen laſſen. Wenn man auch im Herbſte Erdbeeren haben will / ſo muͤſſen ih - nen die erſten Blumen / die ausbrechen / hinweg ge - ſchnitten werden / alsdenn geben ſie nach der Zeit an - dere herfuͤr / worauf die Frucht alſo ſpaͤt reiff wird.
Das Erdbeeren-Kraut (fragaria) wird in Mund - Waſſer den Mund zu kuͤhlen dienſamſt gebraucht / die Erdbeeren kuͤhlen und feuchten. Brandtewein uͤber Erdbeeren getruncken / thut im Stein gut:Son -233Kuͤchen-Garten. Sonſten weil ſie leichtlich im Magen verderben / ſol - len ſie ohne Wein und Zucker nicht genoſſen werden / auch nicht zu offt und viel.
Jn vollem Licht ſteckt abermahl bey truckenem Wetter groſſe und Tuͤrckiſche Bohnen / grabet aber ein 3. oder 4. Tage zuvor das Erdreich mit guten al - ten Miſt wohl um / gehen ſie in vierzehen Tagen nicht auf (denn ſie verfaulen leichtlich) ſo pflantzet andere auf dieſelbige Staͤtte / da ſie ausgeblieben ſind.
Vorhero iſt ſchon der Kuͤrbiſſe oder Flaſchen er - wehnet / ſtecket ſolche ein vier oder fuͤnff Tage nach den vollen Licht (wann ſie vorhero in ſuͤſſer Milch erwel - chet) eines halben Fingers tieff in gute fette Erde.
Hopffen-Sproſſen / lupulus falictarius koͤnnet ihr ſchon zum Sallat gebrauchen.
Denn die verſtopffte Leber und Miltz / alſo auch die Gelbeſucht finden hieraus Troſt / ſo treibet er auch die Monat-Zeit und das Waſſer: Die jungen Sproſ - ſen reinigen das Gebluͤt als Salat gegeſſen / deswe - gen im Ausſchlag (ſcabie) dienlich; derer oͤffterer Gebrauch / wie auch allzu hoͤpffig Bier / beſchweren das Haupt; äuſſerlich in Bier oder Wein gekocht / und uͤber den ſchmertzenden Ort / es ſey vom Fallen oder Stoſſen / Verrenckungen oder Geſchwulſt ge - legt / lindert er faſt ſehr.
Gleicher Geſtalt beginnet nun der rechte
Herfuͤr zu kommen / ſolcher wird im Waſſer geſot - ten oder aufgeqvellet / (dann ſo er zu lang kochet / wird er bitter und zaͤhe) nachgehends mit Oel / Eßig / Pfef - fer und ein wenig Saltz zum Salat gebrauchet / hatP 5einen234APRILIS. einen lieblichen Schmack / und erwecket Luſt zum Eſ - ſen / giebt aber wenig Nahrung / und iſt dazu feucht und waͤſſerich.
Kuͤhlet mercklich / eroͤffnet die Verſtopffung der Leber / bevorab der Miltz und Nieren / und treibt das Waſſer ab / die Wurtzel in Wein geſotten / ſtillet Zahnwehe / und hilfft dem luckerichten Zahnfleiſch.
Um dieſe Zeit ſeynd auch
Peterſilien-Wurtzeln (radices petroſelini)
So ihr ſolche entweder noch im Garten oder ſonſt verwahret habt / von groſſer Krafft / abſonderlich / wann ſie in Wein gekochet und davon getruncken wird / ſie machen einen Appetit zum Eſſen / ſtärcken den Magen und Gedaͤchtniß / treiben den Stein und Urin; wollen aber nuͤchtern alſo gebrauchet ſeyn / wann der Magen von rohen Feuchtigkeiten wohl gereiniget iſt.
Hingegen ſind ſie / wie auch das Kraut / wenn ſie unter uñ mit der Speiſe gegeſſen werden / mehr ſchaͤd - als nuͤtzlich / dann an ſtatt daß ſie den Stein vertrei - ben ſollen / fuͤhren ſie durch ihre abtreibende Krafft / rauhe Feuchtigkeiten und halb verzehrten Safft in die Leber und Nieren / verurſachen daſelbſt Verſtopf - fung / ſo hernach viel Stein bringt / aͤuſſerlich zerthei - let ſie hitzige Fluͤſſe / und machet die Milch (auf die Bruͤſte gelegt) vergehen / dahero denen / ſo die ſaͤu - gende Kinder von der Bruſt gewehnen wollen / in ſte - tem Gebrauch; Foreſtus haͤlt hoch / wann die Kin - der ſtarck huſten / daß man nehme des Saffts aus dem Kraute und Wurtzeln gepreſſet ein Loͤffel voll / Mutter-Milch 2. Loͤffel voll / und geſtoſſenen Kuͤm -mels235Blumen-Garten. mels ein wenig / und gebe es den Kindern fein warm.
Jn ſelbigen ziehet nun die zarten Baͤumlein / ſo des Winters uͤber in der Erde oder Stroh gelegen / ge - gen dieſe Zeit bey klarem Wetter / falls die Kälte nachgelaſſen / wieder herfuͤr / bindet ſie aus dem Stroh / und laſſet ſie ferner der freyen Lufft genieſſen.
Was von Gewaͤchſen nicht gar zu weich / ſondern die Kaͤlte in etwas ertragen kan / als da ſind Negelein / gefuͤlltes Leber-Kraut / Ranunculi und Anemone, Flos cuculi und dergleichen / muß man anjetzo hin - aus tragen / dennoch alſo ſetzen / daß ſie vorerſt vom Nord-Wind frey ſeyn.
Jſt derjenige / der Datteln trägt / wird zur Luſt aus Dattel-Steinen erzeugt / iſt gar rar / und wann er gleich das erſte Jahr aufkommen / dauret er doch gar ſelten / und wil des Winters ſehr wohl bewahrt ſeyn. Wie er zu warten / hat Herr Duͤlmer in ſei - nem Obſt-Garten-Buch weitlaͤufftig beſchrieben.
Die Fruͤchte dieſes Baums werden dactyli, pal - mulæ, in Apothecken genandt / zu teutſch Datteln; Erwaͤrmen mit maͤßiger zuſam̃en ziehender Krafft / lindern die Rauhigkeit des Halſes / ſtärcken die Frucht in Mutterleibe / ſtillen Durchlauff / und kommen Nieren und Blaſen zu gut.
Wird aus Saamen oder Beeren zuwege ge - bracht / ſolche werden zu erſt in naſſem Sand ge - weicht / und in dieſem Monat in Fruchten geſäet / ligtein236APRILIS. ein gantzes Jahr ehe es auffkommet; Viele aber wer - den durch Einlegen erwuchert / wenn man Hecken daraus machet / werden ſie einen Fuß von einander geſetzet.
Der Stech-Palmen ſind dreyerley Geſchlecht / erſtlich mit glatten / darnach mit ſteinichten und ver - guͤlden oder bunten Blaͤttern / dieſe werden auch wohl ablactirt und verpfropfft auff gruͤne Stech - Palmen um huͤbſche gerade Setz-Baͤume zu uͤber - kommen.
Vermehret durchs Einlegen etliche ſothaner zar - ten Baͤume / wie auch die dazu geſchickten Blumen / als im 14. Cap. angewieſen.
Die Jaßmin-Baͤume werden in dieſer Zeit eine Hand breit uͤber der Pfropffung verpfropfft oder ab - geſchnitten / ſproſſelt aber bald wieder aus / wovon im Majo folgen wird.
Verpflantzet den wilden
Wann jetzo die Winters-Kaͤlte vorbey / die Lufft lieblich und angenehm iſt / ſo ſchneidet (weiln man ohne das dieſer Art Bäume nunmehr ſaͤubert und ausputzet) von jeden Stamm nach Belieben die glei - cheſt - und glatteſten Aeſtlein etwan eines Fuſſes lang / ſchabet ihnen alſo fort unten 2. oder 3. Finger breit die Rinden wohl weg / ſchneidet die Gipffel et - was ab / und ſo ſich bleiche Knoͤpffe daran befinden / benehmt ihnen ſolche / ſetzet ſie dann ein vier Finger tieff / und ein paar Fuß voneinander in ihre gehoͤrigeErde;237Blumen-Garten. Erde; So bald ſolche eingeſetzte Zweige nun an - ſchlagen / und etwas Wurtzeln bekommen / ſo hacket die Erde oben herum / damit ſie lucker wird / wartet ihr ferner fleißig mit begieſſen / und reiniget ſie von allen ſchaͤdlichen Unkraut. Solcher Geſtalt wer - den die Citronen im dritten und die Limonien im fuͤnfften Jahr ihre Frucht bringen.
Mit Pomerantzen / weil dieſelbe hart von Holtz / wil es ſich ſolcher Geſtalt nicht practiciren laſſen / ſon - dern muͤſſen durch die Kernen aufgebracht / oder um ſie eher zu erlangen / durch Pfropffen oder Peltzen vermehret werden.
Alle dieſe Baͤumlein koͤnnen zu ihrer Zeit durchs oculiren und Einlegen erwuchert werden / wie davon droben im 9. und 13. Capitel bereits Erinnerung gethan.
Um dieſe Zeit des Jahrs werden aus Welſchland auch wohl Citronen - und Pomerantzen-Baͤume mit daran hangenden Fruͤchten in Teutſchland zu kauff gebracht / welche auch gar wohl bekommen / wenn man ſie nach Abbrechung der Fruͤchte kurtz abſtuͤm - melt / alſo / daß weder Laub noch Aeſte daran bleiben / nachmals in Kaſten ſetzet / ſo mit guter Erde angefuͤl - let / an einen freyen doch ſchattichten Ort ſtellet / daß ſie den gantzen Sommer von der Sonne wenig ge - troffen werden / ſo treiben ſie an. Wann aber die Staͤm̃e unterwegens etwas trucken worden / ſo neh - met einen Schwam odeꝛ Tuch / tunckt es in ſuͤſſe Milch oder in Waſſer ſo mit Honig gemengt / und ſtreicht damit um den Stam̃ / ſo wird die aͤuſſerſte Rinde wie - der erweicht / und bequem zum wachſen.
Sol -238APRILIS.Solte euch auch ein der gleichen Baum verfrie - ren oder abbrennen / ſo werffet ihn deswegen nicht weg / ſondern ſchneidet ihn faſt biß an die Wurtzel ab / und laſſet ihn in guter Erde ſtehen / maſſen ſolche / wo nicht im erſten / doch im andern oder dritten Jahr wieder Schoͤßling treiben.
Die groſſen muͤſſen fleißig fuͤr den Ohr-Wuͤrmern verwahrt werden; Nehmet einen Lumpen / haͤngt ihn in die Crone / und ſchuͤttet die Wuͤrmer offt dar - aus. Sie wollen auch zu rechter Zeit mit ſaubern Regen-Waſſer / ſo in der Sonne erwaͤrmt / wann die Blaͤtter etwas anfangen zu trauren / fleißig begoſſen ſeyn. Dieſe Baͤume / wenn man keine Häuſer ab - ſonderlich fuͤr ſie auffbauet / ſo ſtehen ſie am beſten in Kellern. So man ſie aber in Stuben haben will / muß man ſie nicht zu nahe zu den Ofen ſetzen / auch wann deren Erde zu trucken wird / ſie nicht mit kalten Waſſer begieſſen / dann ſonſt die Rinde erſchricket uñ ſich zum Verderben abſchelet. Wann die Blaͤtter an dieſen Baͤumẽ bleich werden / iſts eine Anzeigung / daß ſie entweder uͤbergoſſen ſind / dahero man ſie wohl austrucknen laſſen ſoll / oder daß die Geſchirr ihnen zu klein ſind / deswegen man ihnen entweder groͤſſere Kaſten geben ſolle / oder zum wenigſten die Wurtzel benehmen und etwas friſchen Grund beythun. Die - ſem Baum mag auch ſehr wohl geholffen werden durch und von dem Tropff-Wein / Spiritu Vini, oder durch Waſſer darein Roß-Duͤngung zerlaſſen iſt. Es ſollen auch dieſe Baͤume alle Monat in Grund auffgeluckert / und die Wurtzel eine zeitlang offen ge - laſſen werden. Sie erfrieren nicht leichtlich wannum239Blumen-Garten. um den Stam̃ Roß-Miſt lieget / oder in den Gemach ſtets Waſſer iſt.
Werden aus Schoͤßlingen im Anfang dieſes und zwar zunehmenden Monds erzielt / ſo bald ſie geſteckt / wird die Erde rund herum feſt zuſammen gedruckt / damit ſie von der Sonnen nicht verdorren. Die al - ten Pflantzen ſetzt ſo tieff in die Erde biß an das junge Holtz / begieſt ſie offt des Sommers / damit ſie wohl wachſen koͤnnen.
Man kan den Roßmarien-Baum auch wohl aus Saamen erzielen / iſt aber nicht ſehr dauerhafft / ſon - dern iſt beſſer / daß er in der Haußhaltung zum auff - duͤrren / oder Waſſer daraus zu brennen verbraucht werde. Die Wartung betreffend / beſtehet dieſelbe hierinn / daß ſie im Fruͤhling aus ihren Gefaͤſſen ge - hoben / in gut Erdreich geſetzet / und ſo offt als noͤthig fleißig begoſſen werden; Folglich muß man ſie im ausgehenden Herbſt wieder ausheben / die uͤbrigen Zahſern der Wurtzeln beſchneiden / und in ihre Ge - faͤß / worin ſie des Winters beygeſetzet werden ſollen / verpflantzen. Es iſt auch wohl zu obſerviren / daß / wenn der Roßmarin zu bluͤhen anfaͤhet / ſolches ver - hindert / und die Bluͤt-Knoͤpffe bey Zeiten abgenom - men werden muͤſſen / ſonſtẽ die Stoͤcke daduꝛch merck - lich geſchwaͤchet werden / und gar leicht verderben.
Es wird geſagt / wann der Roßmarien-Strauch mit Lauge oder Waſſer / darein ein unreines Frauen - Hembde gewaſchen iſt / begoſſen wird / ſoll er in einer Nacht 2. Daumen hoch wachſen.
Es iſt eine Roßmarien ſo aus Luyck kommet undbrei -240APRILIS. breite Blaͤtter hat / die aber aus Engeland hieher ge - bracht wird / hat einen viel ſtaͤrckern Geruch.
Man hat auch welche die verguͤld - und verſilberte Blaͤtter tragen / aber gar wenig / und ſind auch nicht wohl fort zu bringen / erfordern aber gleiche Wartung wie der gemeine Roßmarin.
Wenn man alle Arten und Tugenden die - ſes edlen Gewaͤchſes hieher ſetzen wolte / wuͤrde es viel Papiers erfordern: Es ſchaf - fet das Kraut fuͤr ſich / deſſen diſtillirtes Waſſer / Oel / deſſen Balſam / conſerva, und ſpecies dianthos, in Haupt - und Sehnen-Be - ſchweren / Ausſchlag / ſchwereꝛ Noth / Gifft / Schwindel und Schlaffſucht viel Nutzen / es ſtaͤrcket das Geſichte / benim̃t den ſtarcken Athem / eroͤffnet Leber / Miltz und Mutter; hebt die gelbe Sucht / und weiſſen Fluß / und ſtaͤrcket das Hertz. Wenn man ſich von o - ben damit raͤuchert / werden die Fluͤſſe wei - chen / der Rauch von unten ſtaͤrcket die Mut - ter faſt ſehr. Dioſcorides, und Matthiolus re - commendiren in geſagten Faͤllen es ſehr hoch.
Den groͤſten oder groben Buchs-Baum (arbore - ſcentem) pflantzt man zu Hecken / und wird deſſen Stamm bey fleißiger Wartung wohl Arms dick / den kleinen (chamæpykon) aber an Bette der Blumen - Felder / werden beyde in dieſem Monat gepflantzt und im Septembr. verſetzt. Es iſt noch ein Geſchlecht mit groſſen Blaͤttern / ſo goͤldiſch iſt / ſolchen kan man zu Cronen auffziehen: Buchs-Baum gruͤnet ſtets /im241Blumen-Garten. im Aprili aber ſchoſſet / und giebet neue Zweige.
Die Vermehrung / ſo durch Zerreiſung geſchicht / kan am ſicherſten auff Bartholomæi geſchehen / denn alſo befoͤrdert die Feuchte des Herbſts den Wachs - thum; Solte es aber im Fruͤhling vorgenom̃en wer - den / ſo muß es gar fruͤh geſchehen / damit die Pflan - tzen der Winter-Fruͤchte in etwas noch genieſſen koͤn - nen. Wie ſonſt der Buchsbaum zu Blumen zu pflantzen ſey / koͤnnet ihr droben in V. Capitel weit - laͤufftiger erſehen.
Es iſt eine ſonderliche Narcotiſche Kꝛafft bey dieſem Kraut / etliche nehmen deſſen eine Hand voll / zer - hacken es und kochens in Cardobenedicten-Waſſer / ſiegen es durch / und gebens denen / ſo mit dreytaͤgi - gen Fiebern beladen / fuͤr den Fieberlichen Anfall / nicht ohne Nutzen ein / ſonderlich / ſo ein Schweiß darauf folget. Der Extract davon iſt ein ſpecificum in der Epilepſie, Wuͤrmern / Faͤulnuͤß; die groͤſte Doſis aber davon iſt in Groͤſſe einer kleinen Pillen.
Hat einen Muſcus-Geruch / und iſt vielerley Art / als zwey weiſſe und zwey purpur / und die beyderley ſind wieder einfach / und doppelt. Man ſaͤet es im Anfang dieſes Monats an einen warmen Ort / oder auch aufs Miſt-Bett / wann es 4. oder 5. Blaͤtter gewonnen / wird es verpflantzt. Die erſte Blume davon die Saat gehoben wird / muß trucken abge - pfluͤcket / und an einen ſolchen Ort / da ſie nicht ſchim̃ - len / gelegt werden.
QNoch242APRILIS.Noch ſind verſchiedene Sorten / blaue / roth und andere Farben mehr / wann ſie einmahl geſaͤet wer - den / iſt es genug / denn ſie wuchern gerne.
Dieſe haben zweyerley Sorten / weiß und rothe / werden nun geſaͤet / und wann ſie erwachſen / in Toͤpf - fe verpflantzt / weil ſie des Winters im Hauſe muͤſſen gehalten werden / bluͤhen bißweilen im erſten Jahr / und wachſen gern in ſandigen Grund.
Haben keinen guten Geruch / werden nur zur Au - gen-Luſt gehalten / jetzt geſaͤet / und dann verpflantzt. Den Saamen muß man in trockenem Wetter auf - heben / dann ſolcher in naſſen Sommer verfaulet.
Sind den Sammet-Roͤßlein gleich / und deren vier Sorten / als gelbe / groſſe / zweydoppelte / die ſich auch auf Pomerantzen-Farbe ziehen / und noch eine kleine gelbe Art / haben alle ziemlichen Geruch / die einfachen pfluͤckt man zur Luſt / weiln aus den groſſen der Saame gehoben wird / werden als die vorige fort gepflantzt auch im Fruͤhling in vollen Licht ge - ſaͤet / und denn in ſelbigem verſetzet / wachſen gern an / und bluͤhen folgends im Julio / die Bluͤte dauret bis nach dem Herbſt.
Sind zwey oder drey Sorten / die eine traͤgt viel Blumen / die andere nur eine / welches auch die groͤ - ſte und beſte / dero Saamen iſt ſchwartz. Die drit -te243Blumen-Garten. te aber bringet weiſſen Saamen / der Saame wird nun in die Erde geſteckt / da man die Blumen haben will; Und vermehrt ſich gar leichtlich.
Jſt ein zierlich Bluͤmlein / lichtbrauner Farbe / man kan es lange halten / wird jetzo nur einmal ge - ſaͤet / hernach vermehrets ſich ſelbſt genug.
Das Kraut zerrieben und in die Naſen geſtecket / macht hefftig Nieſen.
Wird um dieſe Zeit geſaͤet / bringet eine Pflantze / daran gelbe Blumen erſcheinen wie Muͤnchs-Kap - pen / wann der Saame reiff / und das Haͤußlein an - geruͤhret wird / ſpringt er herauß. So es einmahl ge - ſaͤet / wucherts hernach von ſich ſelbſt.
Hat runde Blaͤtter (welche in der Kuͤche auch mit unter die Salat-Kraͤuter gebraucht werden) traͤgt viel ſchoͤne Bluͤmlein wie Narren-Kappen. Wird nun zwey Tage nach dem neuen Licht geſaͤet / kan im Lande ſtehen bleiben oder in Toͤpffe geſetzet werden / ſchlinget ſich um die dabey geſteckte Stoͤcker. Der Saame davon muß trucken gehalten werden / denn er ſonſt ver - ſchimmelt. Es iſt auch viel beſſer / daß man den Saamen nicht abnimmt / ſondern ſo reiff werden laͤſſet / daß er außfaͤlt / und ihn alsdenn von der Er - den aufſam̃let / man kan auch die Blaͤtter mit un -Q 2ter244APRILIS. ter die Salate mengen / weils ſchoͤn ſiehet / und ge - ſund iſt.
Sind gantz ſchoͤne Purpur-Bluͤmlein / werden nun geſaͤet / man kan ſie laſſen ſtehen oder auf die Ecken der Bette verpflantzen; Sind zweyerley Sorten / groſſe und kleine / das groſſe treibt einen hohen Stengel mit weiſſen Bluͤmlein / das klei - ne hat leibfarbe Bluͤmlein / bluͤhet im Junio / vermehrer ſich auch ſehr / muß Jaͤhrlich zertheilt und an ſchattigtem Ort und wohl gebauten Grund geſetzet werden.
Wie klein und unanſehnlich diß Pflaͤntz - lein iſt / ſo viel Nutzen ſchaffet es / ich will nur eines ſetzen: Eſſet die Blaͤtter und Wurtzel als Sallat zugerichtet / und ſehet / wie es den Grieß und Urin von euch trei - ben wird.
Da finden ſich zweyerley Sorten / die eine mit weiſſen Blumen / werden jetzo geſaͤet / und in die E - cken der Betten / weiln ſie ſo lange Stengel brin - gen / verpflantzet.
Weil deſſen Blaͤtter und Blumen erwaͤrmen und zertheilen / hat es ſeinen groſſen Nutzen in Bruſt-Kranckheiten / Huſten / Blutſpeyen und Bauchſchmertzen. Die Blumen in Milch geſotten und uͤber die ſchmertzende Guͤlden-Ader gelegt / ſtil - let ſelbe. Jn Lauge geſotten / das Haupt damit gewa -ſchen /245Blumen-Garten. ſchen gibt ein gelbes Haar. Uber die Blumen Baum - Oehl gegoſſen / oder die Blumen in ein Glaß gethan / und an der Sonnen den Sommer durch laſſen ver - bunden hangen / giebt ein herrlich Wund-Oehl. Die Wurtzel davon auf Johannis-Tag / nach 12. Uhr des Nachts / umgraben / und mit einen Gold-Stuͤck oder guͤlden Jnſtrument ausgehaben / und in ein ſeyden Tuͤchlein in die Hertz-Grube gehaͤnget / auch davon eingenommen / dienet wider den Schlag.
Deſſen ſind vier oder fuͤnff Sorten / eine traͤgt Laub wie ſittig Federn / eine bringt Purpur - Blumen wie Katzenſchwaͤntze / eine andere / die noch groͤſſere rothe Katzenſchwaͤntze traͤgt / zwey oder drey Fuß lang / darnach noch eine / die Purpur iſt und hat rothe Stiele gleich den Papagey-Federn. Der Saame wird hie nicht gehoben / kommet aus Bar - bados oder Virginien / muß dahero aufs Miſt-Bett geſäet / und bey angehendem Winter abgeſchnitten werden / ſo komt es im Fruͤhling wieder herfuͤr.
Weil er maͤßig kuͤhlet und trucknet / dabey maͤßig zuſam̃en zeucht / wird er in Blutſpey - en / Durchlauff / Rothen-Ruhr / uͤbriger Monat-Zeit nuͤtzlich gebraucht; Etliche wollen / daß er die Milch bey den Saͤugen - den vermehre / ſo er in Suppen gekocht und genoſſen wird.
Davon ſind zwey Sorten / klein und groß / wer - den geſaͤet / und bleibet eine Pflantze wohl zehen oder zwoͤlff Jahr / man ſetzt Stoͤcke dabey / daß ſieQ 3ſich246APRILIS. ſich anhaͤngen koͤnnen; geben zierliche Blumen / bluͤhen von Anfang Julii faſt biß zum Außgang des Jahrs. Unter der kleinen Sorte / die auch jähr - lich muͤſſen geſaͤet werden / ſind lichtbraune und weiſ - ſe / werden in dieſem Monat in grießachtige Erde geſaͤet.
Sind vier oder fuͤnfferley Sorten / als weiſſe / lichtbraune / bleiche / leibfarbige / geflammete / dop - pelte und Engelſche / darnach ſind auch viel der ein - fach geflam̃ten Sorten; Dieſe Bluͤmlein muͤſſen von ihrem ſchwartzen Saamen / ſo in vollem Licht abgenommen wird / wieder ausgeſaͤet werden / ſon - ſten wachſen ſie nicht gefuͤllt wieder auf. Die Auß - ſaͤung muß geſchehen im Herbſt / oder in dieſem Monat: Sie beſaamen ſich zwar auch ſelbſten / a - ber arten alsdenn gerne aus und werden duͤnne.
Wenn man aus den Ritterſporen ein Waſſer fuͤr bloͤde und hitzige Augen deſtilliren will / muß man nicht den Garten-ſondern den blauen Feld-Ritter - ſporn / ſonſten Thalictron genannt / dazu nehmen / und im Junio ſam̃len. Wobey ferner zu mercken / daß man auſſer den Blumen nicht viel Geſtraͤuß mit in den Breñ-Oſen legen ſoll / uñ muͤſſen die Bluͤm - lein uͤber das nicht allein / ſondern mit Seeblumen - oder weiſſen Roſen-Waſſer zuvor eingebeitzt und ge - brañt werden.
Hat eine purpur Blume und ſchwartzen Saa - men / riechet gar wohl; Seine Neben-Sorten ſinddie247Blumen-Garten. die Laub haben wie Fenchel. Es ſind auch doppel - te / die klein Laub haben / werden alle Jahr im Aus - gang dieſes Monats geſaͤet / wachſen auch zuweiln von ſich ſelbſt vom verſchuͤtteten oder ausgefallenen Saamen.
Von dieſem Saamen einen Rauch gemacht / ver - treibt die Spinnen / und andere gifftige Thiere / des - halber es auch meiſtentheils um ſeines Saamens willen in den Garten erzogen wird.
Hat einen geſcheckten Saamen wie die Herbſt - Spinnen / wächſt in kurtzer Zeit gar hoch / giebt groſſe Blaͤtter und hat blaulichte Stiele / die Blumen bluͤhen gelblich wie der Saffran; der Saame kom - met nicht aus den Blumen / ſondern zwiſchen den Blaͤttern an Stielen / iſt etwas ſtachlicht / und wird alle Jahr von Saamen im Februario, wenn der Mond neu iſt / auffgebracht / und an warme Oerter geſtecket.
Sind vier oder fuͤnff Sorten, als groſſe und klei - ne / blau / weiſſe und gelbe / derer Blumen wohl rie - chen; Werden von Saamen / der in den Schoͤtlein waͤchſt / alle Jahr aufgebracht / und jetzo an beliebi - gen Ort gepflantzet.
Bluͤhen im Junio / Julio / der gelbe aber bluͤhet ſpäter; Jhre breite Bohnen muͤſſen im Fruͤhling mit dem Keim unter ſich in die Erden gelegt / aber zuvor einen Tag im laulichten Waſſer eingeweicht werden.
Q 4Datura248APRILIS.Datura oder Stramonium, Stech-Apffel.
Hievon ſind doppelte und einfache / haben groſſe Straͤuche und weiſſe wohlriechende Blumen / die Blaͤtter aber riechen uͤbel; Die doppelten kan man wenig haben / es ſey dann daß man den Saamen aus Tabago bekommt; Die Blumen ſind laͤnglicht / und die Saat-Bollen / die daran kommen / gleichen ſich ziemlich den Caſtanien; Sie wollen / weil es eine groſſe Pflantze giebt / ſo hoͤher als Ellen hoch waͤch - ſet / auch von ziemlicher Dicke / einen räumlichen Ort haben / vergehen alle Jahr / bluͤhen im Julio und Au - guſto / ſo er recht groß wachſen ſoll / muß er einen gu - ten Grund haben.
Derer giebt es vier oder fuͤnff Sorten, die vom Saamen erzogen werden / und wird der Saame aus den einfachen weiſſen Blumen im zunehmenden Mond gehoben und abgepfluͤckt / der beſte Saamen aber kommet von dem jaͤhrigen Gewächs / muß auch im zunehmenden Licht dieſes Monats geſaͤet werden / daß man doppelte Blumen davon zu erwarten. Man nimmt auch die beſten Saat-Koͤrner / die zuerſt am Stiehl in den Schoͤßlein liegen / und ſetzt ſie hin und wieder in die Gaͤrten / jedoch in ungeduͤngte ſandigte Oerter / weil die Wurtzeln / die weiß ſind / keinen Miſt leiden wollen. Jhre Farben ſind weiß / gelb / roth / liechtbraune / bunte / roth-bunte / weiſſe mit einem braunen Laub. Die mit ſchmalen Blaͤttern koͤnnen den Winter uͤber im Garten ſtehen bleiben. Und ob gleich einerley Saame ausgeſaͤet wird / bringt erdoch249Blumen-Garten. doch nicht einerley Blumen / ſondern meiſtentheils mit kleinen und gar ſelten mit breiten geſtriemten Blätleins. Man kan aber die Stoͤcklein ſo fort er - kennen / die ſo ſchmal Laub haben / und viele Neben - Aeſtlein / ſeyn die Ringbluͤmgen / welche aber breites Laub und keine Neben-Aeſtlein haben / ſolche ſeyn die mit den groſſen Blumen; Wann nun dieſe groſſe zu alt werden und zu mager oder zu enge ſtehen / arten ſie aus / und werden endlich wie die gemeine gelbe Vio - len.
Die gefuͤlleten koͤnnen nicht wohl drauſſen dau - ren / gehoͤren mit andern Winters uͤber ins Hauß / abſonderlich die groß-gelb gefuͤllete / ſo Blumen als ein Koͤnigs-Stab tragen und guͤlden Lacken genennet werden. Die Vermehrung kan durchs Einlegen geſchehen; auch werden alle ſolch gefuͤllete Sorten durch abgebrochene Schoͤßlinge erwuchert / welche man entweder jetzo ein paar Tage vor dem vollen Mond / oder bald nach den Hunds-Tage[n]von alten Stoͤcken abbricht / die Spitzlein oben ein wenig ab - ſchneidet / und in die Erde ſetzt / gleichwie bey den Roßmarin-Zweigen gelehrt / bluͤhen faſt allezeit durchs gantze Jahr / auch wohl im Winter / darnach ſie ſtehen und Grund haben.
Dieſe ſtaͤrcken das Hertz und das weiſſe Geaͤder / be - foͤrdern die Monat-Zeit / wie auch die Nach-Ge - burth (in Wein gekocht und getruncken.)
Deſſen hat man zwey Sorten / ein Maͤnnlein und ein Weiblein / das Männlein ſetzt man an eine Stan -Q 5ge250APRILIS. ge oder Sommer-Laube / und laͤſt ſich herum ſchlin - gen und anhefften.
Die Blaͤtter gleichen ſich der Bryonie, bringt zu erſt weißlichte Blumen / und darnach kleine Aepffel oder Fruͤchte: das Weiblein hat rothe Stiele und lichtbraune Blumen wie Narren-Kappen geſtaltet / wird alle Jahr fruͤh im Fruͤhling aufs neue und zwar in gute fette Erde geſaͤet; bluͤhet im Julio / Augu - ſto und September. Wenn die Frucht oder Aepf - fel reiff ſeyn / und man ſolche in die Hand nimmt / ſpringen ſie mit Gewalt auf / und kommt der Saa - me heraus / daß / ſo es einer nicht wuͤſte / daruͤber er - ſchrecken wuͤrde. Ehe die Koͤrner ausgeſaͤet wer - den / muͤſſen ſie vorhero in laulicht Waſſer mit Sau - erteig untermengt / eingeweicht ſeyn und an einen ſandigten Ort geſtecket / folgends offt mit Waſſer / woraus Fleiſch gewaſchen / begoſſen werden.
Beyder Geſchlechte rothe Schelffen werden in Oehl deſtillirt / und fuͤr einen Wund-Balſam aufgehoben / wovon zu ſe - hen beym Matthiolo pag. 445.
Werden vom Saamen aufgebracht / bluͤhen erſt im zweyten Jahr / ſind verſchiedener Farben / roth / purpur / weiß / gantz braun und gelb; Von allen die - ſen Sorten ſind einfache und doppelte / der Saame aber / ſo von doppelten genommen / bringt wieder dop - pelte Blumen / bluͤhen mit fuͤnff Blaͤtlein im Herbſt / und wachſen gern in ſandigter Erde.
Sie werden auch wohl abgeriſſen und fort geſetzt / gedeyen aber ſo wohl nicht als die geſaͤeten; Werdenallein251Blumen-Garten. allein um der Blumen willen den Winter hindurch im Keller aufgehalten / im Sommer aber ſtehen ſie gern ſchattigt.
Wird in geſchwollenen Mandeln / (ton - ſillarum morbis) Mund-Faͤulniß / unter an - dern zur Mund-Behung gebraucht.
Sind kleine Bluͤmlein den gelben Kleen gleich / die daran wachſende Fruͤchte aber ſind wie Riſpen / und muͤſſen alle Jahr auffs neue in dieſem Monat ge - ſaͤet werden.
Werden von Saamen erzielet / ſind weiß / gelb und purpur / wann es einſten geſaͤet / ſo mehret es ſich ſelbſt. Doch iſt noch eine Art die eine Pflantze gibt / wird von einander geriſſen und fortgeſetzt / wird in die Kleider - Kaſten zu Vertreibung der Schaben oder Motten gelegt / im Auguſto folget deſſen Saame / alsdenn er auch geſam̃let werden muß / man kan ihn auffdoͤrren / oder aus der gantzen Subſtanz einen Zucker zu einer kraͤfftigen Hertzſtaͤrckung bereiten.
Hat unter ſich drey oder viererley Sorten, als die gelbe die aus Virginien kommet / eine kleine Purpur / eine groſſe weiſſe / eine lichtbraune inwendig mit Duͤpffeln geſprengt; Werden in dieſem Monat ge - ſaͤet / ſtehen ein Jahr uͤber ehe ſie Blumen tragen. Die andern zwey groſſe Sorten, ſaͤen und mehren ſich ſelber / geben groſſe und lange Stiele / einer Ellen hoch mit breiten Blaͤttern / ſeyn in Geſtalt eines Fin -ger -252APRILIS. gerhuts / wachſen gern an ſchattigten Oertern / und bluͤhen im Majo, Junio und Julio.
Deren gibts unterſchiedliche Farben / als groſſe purpur-bunte / weiſſe und andere mehr / die in Garten und Gaͤngen geſaͤet werden. Darnach ſind noch drey oder vier Sorten / die man Klapper-Roſen nennet / ſchoͤner incarnat und purpur Farbe. Jtem ein zaͤ - ckichter Papaver, einer mit gelb und rothen Blumen und weißlichten Laub. Noch einer der etwas dor - nicht iſt / und traͤgt gelbichte Blumen / daraus die Saat-Knoͤpffe kommen; Alle die Saat-Pfläntz - lein wachſen wohl fort / wann man ſie verpflantzt / weil ſie nur eine Wurtzel haben / iſt doch am beſten / daß ſie an den Ort geſaͤet werden wo ſie ſtehen bleiben ſollen / dann wann ſie einmahl geſäet / wuchern ſie ſelbſt ge - nug / die aber von den ausgefallenen Saamen auff - wachſen / gehen duͤnne auff / derohalben beſſer daß der Saame in vollen Mond abgenommen / und in ſol - chen wieder ausgeſaͤet werde / alsdenn wird ſelbiger groſſe Blumen bringen / ſo beſſer unter einander ſpie - len wie die Tulipanen.
Mohnſamen Kraut zerquetſchet und uͤ - ber die Leber gelegt / ſtillet das Bluten der Naſen / macht auch Schlaff und Ruhe.
Sind zwey Sorten, purpur und weiſſe / geben huͤb - ſche Bluͤmlein / werden nun geſaͤet / man kan ſie ver - pflantzen wo man will / ſtehen zierlich in kleinen Gaͤr - ten. Darnach iſt noch eine Sorte, mit weiſſen Bluͤmlein / dieſe Pflantzen bleiben ſtehen / und wer -den253Blumen-Garten. den durchs Abreiſſen fortgeſetzt. Je beſſern Grund ſie antreffen / je beſſer ſie wachſen / fangen an zu bluͤhen im Junio, biß Ausgang Septembris.
Weil diß Kraut erwaͤrmet und trocknet / wird es innerliche Geſchweren (Apoſtemata) zu eroͤffnen / Monat-Zeit zu befoͤrdern / Huͤfftweh zu vertreiben / nuͤtzlich gebraucht / aͤuſſerlich in Waſſer gekocht / und faule Wunden damit abgewaſchen / bringt es die - ſelbe zur mercklichen Heilung.
Findet man zwey oder drey Sorten / eine mit Purpur und eine mit weißlichen Blumen / geben zierliche Blaͤtter / und werden jaͤhrlich um dieſe Zeit geſäet.
Wird beyeinander in einen Topff oder um dieſe Zeit auff Betten geſäet / gibt ſchoͤne Citronfarbe Bluͤmlein / ſo inwendig ſchwartz ſind / in einen Blu - men-Topff zu ſetzen oder Buͤſchlein darauß zu machen.
Die werden geſaͤet / und muͤſſen ein Jahr uͤberſte - hen ehe ſie Blumen tragen / geben eine groſſe Pflan - tze und ſchicken ſich in groſſe Gaͤrten. Es iſt auch eine Sorte mit geflammeten Blumen / die den Mer - veille de Peru gleich ſind / und mehr andere bunte / weiſſe / purpur / gantz braune und dergleichen Farben / inſonderheit das geranium Muſcatum, ſo einen Bie - ſem-Geruch bey ſich hat. Man ſaͤet ſie nur eins indieſem254APRILIS. dieſem Monat / darnach pflantzen ſie ſich ſelber fort / bluͤhen faſt den gantzen Sommer durch.
Es wird diß Kraut auch gratia Dei, Got - tes Gnade / wegen ſeiner herrlichen Tugen - den / wie auch Rothlauffkraut / weil es in der Roſen viel Nutzen ſchaffet / genandt; Mit Waſſer oder Wein geſotten / und getrun - cken / zertheilet es das im Leibe geronnene Gebluͤt / auswendig mit Saltz und Eßig un - ter die Fuß-Sohlen gebunden / ſtillet es die Fieberliche Hitze; Auff die Bruͤſte gelegt / vertreibet es die Milch den Saͤugenden / ſo ſie es begehren.
Wird geſaͤet und ſtehet ein Jahr uͤber ehe es bluͤ - het / traͤgt alsdenn gelbichte Bluͤmlein / die Blaͤtter wachſen zwiſchen den Saamen; dieſe Pflantze bleibt uͤber Winter / und will wohl ſtehen in ſandigtem Grunde.
Saͤet man um dieſe Zeit auff Betten und ver - pflantzet ſie hernach / geben ſchoͤne rothe Bluͤmlein / das Laub iſt dem Fenchel gleich; Auch kan man ſie von auffgehobenen Saamen in folgenden May ſaͤ - en / ſo hat man den gantzen Sommer uͤber Bluͤmlein davon. Wenn man das Saͤen thun will / muß die Erde vorher mit einem kleinen eiſern Schaͤuflein umge - graben werden / die Ausſaat davon geſchicht alle Jahr.
Werden geſaͤet / bluͤhen aber erſt uͤbers Jahr / die Blumen / darinn der Saamen geſchloſſen / gleichetſich255Blumen-Garten. ſich der Violen / und wenn ſolcher reiff geworden / ſie - het er wie ein Silber-Groſchen.
Sind mancherley Geſchlechte / als bunte / purpur / blaue / weiſſe / geſtirnte Blumen / ꝛc. Wann ſie ge - ſaͤet / tragen ſie im zweyten Jahr erſt Blumen; Die doppelten haben das zarteſte Laub / tragen aber wenig Saamen / ſeyn beſſer durchs Verſetzen fort zubrin - gen / uñ ſtehen gern in guter fetter Erde; Die geflam̃ - ten kan man an den Stielen erkennen / dann derer Ae - derlein auch geflam̃t ſeyn.
Die ungefuͤllte / welche gern Saamen tra - gen / gehoͤren zu dem Mediciniſchen Ge - brauch; Jn Wein oder Bier geſotten / oͤff - net ſie Leber und Miltz und deswegen in der Gelbſuchtfaſt dienlich. So treibt ſie ſol - cher maſſen das Waſſer und die Monat - Zeit / befoͤrdert die Wunden zur Heilung / und ſtillet Bauchweh; Der Saame iſt hier wohl bekandt / um die Maſſern und Pocken auszutreiben / ſo er zerquetſchet zu einem Viertel Loth / auch wohl / ſo er mit warmen Wein gegeben wird. Jn Mund-Saͤfften geſotten / reinigeter das Zahnfleiſch / ſo vom Scharbock angegriffen iſt.
Wird geſäet / und wenn er drey oder vier Blaͤtlein hat / in einen Topff geſetzet / gibt ein kleines Baͤumlein / und traͤgt Blumen wie Erd-Roſen / deren ſind drey oder vier Geſchlecht / als eines mit Salbey-Blaͤtter / eines mit Lavendel-Blaͤttern / ein Maͤnnlein und einWeib -256APRILIS. Weiblein / und andere Sorten; der Saame kom̃t aus Virginien oder Portugal / wann es ein Jahr geſtanden / ſo gibts hernach eine zierliche Pflantze; Muß in Winter in die Waͤrme.
Jſt eine Pflantze / ſo vorzeiten aus Jndien kom - men / hat ſcharffe bintzige Blaͤtter und giebt ein groſ - ſes ſtarckes rundes Gewaͤchs / man ſetzt ſie in But - ten / hat einen groſſen Stengel / zweene oder drey Fuß hoch mit ausbrechenden Zweiglein / daran die Blumen bey 20. oder 30. abwarts hangen / die den Lilien ſehr aͤhnlich. Sie erfordert einen ſonnich - ten Ort / gute ſtarcke Erde / und weil ſie keinen Saa - men traͤgt / wird um dieſe Zeit die junge Bruͤte von den groſſen Wurtzeln abgeſondert / und in ander Ge - ſchirr fortgeſetzet / ſolche junge muß man alſo fort wieder in gute Erde ſetzen / im Anfang nur eines Fingers tieff und dann allgemaͤhlig nach die Erde ſo weit daruͤber thun / daß ſie vier Finger breit tieff in die Erde kommen / und bey dieſem Maß ſoll man ſie allezeit laſſen / ſo wird man in 2. oder 3. Jahren groſſe Hauptſtuͤck daraus erziehen koͤnnen. Jn Sommer-heiſſen Tagen / gleich wie ſie die Sonne verlangt / alſo iſt ſie auch viel zu befeuchten / bluͤhet im Julio und Auguſto.
Hat doppelte Bluͤmlein zwiſchen den Blaͤttern / wird von Wurtzeln abgeriſſen und fort geſetzt / wol -len257Blumen-Garten. len in guter grießachtiger Erde auſſer der Sonnen ſtehen / iſt ſonſten zweyerley / eine mit etwas breitern / die andere mit etwas ſchmaͤhlern Blättern; Die Blaͤtter an den groͤſſern wachſen nur auf einer Sei - ten bey 10. zu 14. auf der andern Seiten aber wach - ſen im Majo weiß gruͤne Bluͤmlein / auf welche fol - gends im Auguſto ſchwartze Beer wachſen / wie die Heydelbeer.
Thut im weiſſen Fluſſe den Frauen / in rothen Wein geſotten und genoſſen / ſehr gut. Die Wur - tzel geſtoſſen oder Waſſer davon gebrand / und äuſ - ſerlich auf blaue Maͤhler / ſo von Stoſſen oder Schla - gen herkommen / gelegt / vergehen dieſelbe.
Deren ſind zwey Sorten / deren eine rothe / die an - dere weiſſe Blumen traͤgt / der Stengel iſt Ellen hoch / etwas purpurfaͤrbicht und knotigt; man vermeh - ret ſie durch abreiſſen der Pflantzen von Wurtzeln / doch wachſen ſie auch aus Saamen / ſtehen gern in grießachtiger Erde; Es ſind noch zwey andere Sor - ten / deren eine blaue / die andere weiſſe Blumen traͤgt / werden Valeriana græca genant / koͤnnen ebenmäßig durch abreiſſen der Pflantzen oder durch Saat fort gezielet werden / bleiben aber ein Jahr ſtehen ehe ſie bluͤhen. So der Saame reiff iſt / fleucht er bald davon / die Wurtzel iſt Fingers dick / mit vielen ſtarck - riechenden Zaſern; Auf den Gebuͤrgen und an an - dern feuchten Oertern waͤchſt er lieber als in den Garten.
Jſt eines mit von den fuͤrnehmſten Gifft wider - ſtehend - und Schweißtreibenden Kraͤutern / raͤuchertRman258APRILIS. man ſich damit / werden die Fluͤſſe vertrieben; Et - liche halten hoch die Wurtzel am Halſe getragen / in taͤglichen Fiebern / dann es davon vergehen ſoll.
Die gefuͤllte werden aus den Stoͤcklein fort ge - pflantzt / weil kein Saame aus ihnen gehoben wird; Man nim̃t in dieſem Monat / da keine Blumen an ſind / und ſteckt ſie etwas aus der Sonnen in die Er - de. Die Verſetzung muß geſchehen nach dem neu - en Lichte / denn in vollen Lichte werden ſie zu dick / und werden ſchwerlich aufgebracht.
Deren ſind noch mehr Sorten / als weiß / leib - farb und roͤthlich / von den blau und weiſſen hat man auch die gefuͤllt ſeyn / werden durch die Wurtzeln vermehrt; die einfache aber vermehren ſich ſelbſt / bluͤhen ſaͤmtlich im Februario / Martio und Aprili.
Jſt ein herrliches Gewaͤchs / und thut die Galle zu beſaͤnfftigen / den Huſten / des Hal - ſes Rauhigkeit / die ſcharffen ſaltzigen Fluͤſſe / das Seithen-Wehe zu ſtillen / viel gutes; Deßwegen wohl zwoͤlfferley nuͤtzliche Me - dicamenten in den Apothecken / ſo hierauß verfertiget ſeyn / fuͤrhanden / ſtaͤrckt dabey die Natur. Etliche wenige Tropffen Spir. ſal. comm. in Viol-Safft getroͤpfflet / giebt ein gutes Zahn-Saͤfftgen.
Deſſen gibts mancherley Geſchlecht / eines heiſſet Trachelium Pulliferum. Eine andere kleine Sor - te / waͤchſet niedrig bey der Erde. Noch eine andereklei -259Blumen-Gartenkleine Sorte gibt einen Milch-Safft / wenn mans vom Stiel bricht oder ſchneidet / und heiſſet Trache - lium Pyramidale. Darnach ſind noch viele Arten / die werden Belvidere, zwey deren mit blauen und zwey mit weiſſen Blumen genandt / werden in die - ſem Monat abgeriſſen / oder auch in feuchte und fet - te Erde geſaͤet. Jſt ſonſt eine ſchoͤne Blume von hoher Farbe / dennoch ohne Geruch / koͤnnen des Winters in Scherben in Keller geſetzet werden / wenn ſie aber im Lande drauſſen des Winters uͤber ſtehen bleiben / (welches ohne Gefahr geſchehen kan) vermehren ſie ſich beſſer; Die in Scherben an der Sonnen ſtehen / muͤſſen des Sommers offt begoſ - ſen werden.
Sind dreyerley Sorten / die eine mit purpur / die ander mit gelben Blumen / man reiſt ſie im Anfang dieſes Monats von einander / und pflantzt ſie in den Gaͤrten in gute luckere Erde / wuchern ſehr willig / die mit weiſſen Blumen aber wachſen ins wilde ge - nug / auch auf den Straſſen und Aeckern; Die mit purpur und gelben Blumen ſeyn zwey ſchoͤne Ge - wächs / fangen im Majo an zu bluͤhen / und waͤhret die Bluͤte biß Außgang des Septembris.
Etliche ſetzen ein ſicheres Mittel die Pe - ſte zuverhuͤten oder zu curiren in diß Kraut mit der Blume; Das gruͤne Kraut in die Naſe-Loͤcher geſtopfft / befoͤrdert das Blu - ten! Andere herrliche Tugenden zu ge - ſchweigen. Diß Kraut in Schmiede-Waſ -R 2ſer260APRILIS. ſer geſotten / und den Mund damit geſpuͤ - let / hebet die Faulnuͤß des Zahnfleiſches.
Jſt eine Pflantze die weißlich Laub gibt / waͤchſt viel in Franckreich an den Waſſer-Stroͤmen / hier haͤlt man ſie in Scherben / wird aus den Schoͤßlein / die unten heraus kommen / fortgeſetzt.
Bluͤhet jetzo mit ſchoͤnen gelben Blumen / glei - chet mit dem Laub dem Fenoſel / man vermehrt es durch Abreiſſen der Pflantzen / und ſtehet gern in der Sonne.
Sind drey oder vier Sorten / die doppelte Pur - purinne hat Laub wie die Anemone. Die einfachen ſind licht-purpur / wachſen wohl an den Lauben / und geben viel Blumen / man kan ſie einlegen oder auch von den Pflantzen abreiſſen und fortſetzen; Muͤſ - ſen fein aufgebunden werden / bluͤhen im Julio und Auguſto / Clematis pannonica bluͤhet im Junio.
Jſt zweyerley Art / eine weiß die andere roth / ſie wachſen ſo wohl auß Saamen / wehret aber lange ehe ſie bluͤhen / das Abreiſſen der Pflantzen iſt beſſer; Sie geben huͤbſche Stengel mit Blumen / faſt wie die Schluͤſſel-Blumen geſtaltet / und das Laub hat keinen angenehmen Geruch; Oben wachſen etwa 6. oder 7. gruͤne Huͤlßlein / worauß die Blumen kommen / und wann die Blumen abfallen / lange Huͤlßlein / darinn ein Gold-gelber Saame lieget.
Die -261Blumen-Garten.Dieſes Kraut in Waſſer und Wein geſotten / giff - tige Wunden und Schaͤden damit gereinigt / ſteuret allem Gifft / ja es dienet wider Peſtilentz und allen Gifft bey Menſchen und Vieh.
Hat Laub wie Schaaf-Garbe / und trägt im Ju - nio weißlichte Blumen / unten an der Wurtzel iſt es gantz knoͤpficht / wie die Aphodillen; waͤchſet gern in ſteinigtem duͤrrem Grunde / muß Anfangs wohl be - goſſen werden / und wird nachgehends zum Salat gebraucht / bringt Luſt zum Eſſen.
Dieſer Wurtzel ein Qvintleins ſchwer ge - nommen / zertheilet den Schleim ſo ſich in der Lunge / Nieren und Blaſen wie auch in den aͤuſſerlichen Gliedern verſam̃let hat.
Sind den blange Muskiens gleich / werden jetzo durch Zerreiſſen der Stoͤcke vermehrt / erfordern eine gute luckere Erde / bringen doppelt und einfache Blu - men / da an einen Stengel aufwarts nach ein ander ſchoͤne weiſſe braun-gefuͤllte Roͤßleins hangen / hat ein grobes Kraut / ſo mit der Blumen nicht wohl uͤberein ſtimmet. Die einfachen kommen aus der Saat / und haben faſt ſo guten Geruch als die doppel - ten: die doppelten koͤnnen in ſtarcken Wintern nicht wohl uͤber ſtehen / ſondern wollen zu mehrer Verſi - cherung mit andern zarten Gewaͤchſen in Gemaͤchern verwahrt ſeyn.
Deren hat man unterſchiedliche / als MaͤnnleinR 3Peoni -262APRILIS. Peonien / die einen Monat lang dauren. Rothe doppelt / kleine leibfarbige / einfache die keine Saat bringen / und noch mehr andere. Werden aus den Wurtzeln / ſo unten an ſind / fortgepflantzt / welche man entweder anjetzo oder zu letzt im November bey offenen Wetter zertheilt / bluͤhen im Majo / um Pfingſten / dahero ſie auch den Nahmen erhalten daß ſie Pfingſt-Roſen genannt werden / verlangen ein truckenes Erdreich / und wollen von der Sonnen wohl beſcheinet ſeyn / muͤſſen aber vor den dritten Jahre nicht verſetzet werden.
Von dieſer Wurtzel innerlichen Kraͤfften / welche groß ſeyn in ſchweren Haupt-Kranckheiten / als ſchwe - rer Noth und Nacht-Maͤhr (incubo) nicht viel zu melden / wolien viele / daß die Koͤrner und Wurtzel an den Halß gehangen / der ſchweren Noth zu Huͤlffe kommen ſollen.
Sind zweyerley Sorten, gelber Farben die einfa - che uñ doppelte Blumen tragen: Die doppelten ſind rar / werden aus den Schoſſen in vollen Mond ein - gelegt und vermehret / muͤſſen des Winters in einen Topff geſetzt / und in der Stube an einen trocken luff - tigen Ort erhalten werden / haben einen hohen Sten - gel.
Noch ſind weiſſe ſo aus den Pflaͤntzlein oder Ne - ben-Schoſſen fortgeſetzet werden / dieſe wuchern bald fort / wenn ſie fleißig begoſſen und im Schatten gehalten werden / bluͤhen vom Julio biß Ausgang des Herbſt / und noch ſpaͤter / und koͤnnen auch des Winters drauſſen bleiben. Wann die Blumen davontru -263Blumen-Garten. trucken abgeſchnitten ſind / koͤnnen ſie lange dauren.
Deſſen ſind 4. oder 5. Sorten; doppelte blaue / einfache weiſſe mit Doͤrnlein darein / oder Dorn - Blumen gleich; darnach rothe / einfache blaue / weiſſe ohne Dornen; Alle dieſe werden jetzo im vol - len Mond verpflantzt in ſandige Erde / weil ſie keinen Miſt vertragen wollen. Das einfache bluͤhet im Febr. und Martio / das doppelte im Martio und April.
Jnnerliche herrliche Tugenden zuge - ſchweigen / als daß diß edle Kraut die Leber und Miltz eroͤffne / und die hitzige Leber ab - kuͤhle / wollen viele gewiß halten / fals denen in ſchwerer Geburt arbeitenden diß Kraut unter die Fuͤſſe gebunden / ſchleunigt ſollen entbunden werden: An vielen Orten wird es in Kraͤntze gebunden / in die Zimmer auf - gehangen / im Majo unter Wein taͤglich ge - truncken / ſo / daß der ſolches nicht thut / ver - meynet ſeiner Geſundheit groſſen Abbruch zu thun.
Die wachſen gantz ins Wilde / wenn man ſie aber in gute Erde in Garten auſſer der Sonnen bringet / geben ſie groͤſſere Blumen / werden aus den Wurtzeln vermehrt.
Derer ſind 3. oder 4. Sorten / darunter die gelben die rareſten / darnach die doppelten mit zwey Cronen. Die aber mit einfachen Cronenſind wiederum zwey -R 4erley264APRILIS. erley Farben / eine bleichroth / die andere leibfarbig. Die Vermehrung geſchicht durch deren Bulben. Aus den Saamen kan man ſie auch wohl vermeh - ŕen / dauret aber wohl ſieben oder acht Jahr ehe ſie zur Bluͤte gelangen; haben einen groſſen gelbichten Zwiebel / in der mitten durch hohl; ſo ſie wohl bluͤhen ſollen / muͤſſen ſie nach Jacobi / oder wohl im Sep - tember aufgenommen / und nachdem ſie wohl abge - trucknet in ein gutes Erdreich wieder gelegt werden / doch ſo / daß die Sonne wohl dabey gelangen kan.
Solche ſind leibfarbich / weiß und gantz roth / wann deren Bullen aus der Erde genommen wer - den / moͤgen ſie nicht lange drauſſen bleiben. Die Blumen haben gefleckte Blaͤtter / und bluͤhen anietzo / tragen Blumen als Cyclamen, lieben die Sonne / und wollen gern in ſandiger Erde ſtehen / werden letzt im Julio verpflantzt. Es ſind auch etliche Neben - Sorten / die man Dentaria nennet / weiln die Wur - tzeln an einander ſind wie die Backen-Zaͤhne / die Blumen ſind gleich wie einfache Violetten / wachſen gern in Schatten.
Solche bluͤhen nun / nemlich die Geſtirnte und Engliſche / wie auch die Baſtarte. Sonſten wer - den vielerley Sorten der Hyacynthen gefunden / die ſeltzamſten dieſer Zeit heiſt man auff Nieder-Teutſch: Turckoyſelbum, Bulteners, Paſſetuten, Maykeflips, Celeſtinen, Witte van Katelyn, gekroͤnte und vieler - ley Symbolinen, und mehr andere Sorten. Dieſe Bollen werden im Junio ausgenommen / und letzt imSeptem -265Blumen-Garten. September oder Anfangs Octobris wiederum ver - pflantzt / ſtehen gern in ſandiger Erde.
Uber dieſe ſind noch vielerley Arten der Hyacyn - then mit Stenglein / weiſſe / blaue und leibfarbige / groſſe oder faſt doppelte / und noch eine dergleichen Art / traͤgt Blumen wie Borragen. Jtem eine Art die man Comam heiſt / deren ſind dreyerley / rothe / blaue und weiſſe / haben weißliche Bollen.
Noch iſt eine Art der Hyacynthen von den Campi - nularis, in dieſer finden ſich viele Veraͤnderungen im ſaͤen / dauret aber wohl ſieben Jahr ehe ſie Blumen bringen. Auch iſt eine Art die aus Peru kommet / hat groſſe Bollen die inwendig haͤrigt ſind / dieſe wol - len des Winters ein wenig gedeckt ſeyn / ſind auch dreyerley Farben / weiß / blau und leibfarbig / werden im Abnehmen dieſes Monats auffgenommen / und die groͤſten Neben-Wurtzeln / im Fall ſie ſich ſelbſt zertheilen und abloͤſen wollen / davon gebrochen / und jede abſonderlich / wann ihnen zu erſt die an den Bollen hangende lange Zaſern abgeſchnitten / alſo - fort in gehoͤrige Erde eine Spanne weit von einan - der und zwey Finger tieff verpflantzet. Sie lieben die Sonne / und zwar einen ſolchen Ort / da ſie vom Wind durchwehet werden koͤnnen.
Auch iſt eine Art die Bollen wie Lilien-Bollen hat / und wird Hyacinthus mit zackichten Blaͤttern ge - nandt / und noch viel mehr andere Neben-Sorten der Hyacinthen oder die dafuͤr gehalten werden / ſte - hen gern in ſandiger muͤrber Erde / und werden im September verpflantzt. Unter allen obgemeldten iſt die nachfolgende die fuͤrtrefflichſte.
Wird auch der Jndianiſche Aſphodelus genandt / treibt aus dem Gipffel ihres Stengels eine Aehren mit vielen Blumen / welche nicht alle zugleich / ſon - dern nach Art der ſonſt ſchoͤnſten und rareſten Sa - chen / ſo ſich ſelten ſehen laſſen / eroͤffnen ſich ſolcher Blumen auff einmahl nicht uͤber vier oder ſechs / und dieſe vergleichen ſich an der Weiſſe und an der Ge - ſtalt den weiſſen Orientaliſchen Hyacinthen / und ſind deren Spitzlein uͤber das noch ein wenig umgebogen / an der Groͤſſe aber uͤbertreffen ſie ſolche doppelt / und wiewohl in dem Bluͤhen / indeme ſich die folgenden eroͤffnen / die erſten weich werden / ſo ſind ſie doch gleichwohl ſo wehrhafftig / daß ſie nicht allein den gan - tzen Sommer / ſondern auch den Herbſt durch / die Zierde ihrer annehmlichen Schoͤnheit herfuͤr bringen.
Wenn man ſolche Blumen mit dem Geſchirr in ein Zimmer traͤgt / Fenſter und Thuͤren zumachet / ge - ben ſie ſo einen lieblichen Geruch von ſich / daß das gantze Zimmer lange Zeit davon wohl riechet. Die erſt zu uns uͤbergebracht werden / bluͤhen ungleich beſſer / als die / ſo ſchon eine Zeitlang im Lande ge - weſen.
Es findet ſich auch eine knorrichte Hyacynthe ro - ther Farbe / ſo aber gar ſehr rahr. Die erſt erwehnte will einen meiſt ſonnichten Ort haben / in gute zähe fette Erde gepflantzt ſeyn / und muß in ein Geſchirr drey oder vier Finger tieff geſetzt werden.
Jm Sommer muß ſie fleißig alle Abend begoſſen werden / im Winter gar nicht / aber in Fruͤhlings -Zeit267Blumen-GartenZeit um dieſelbe ſo wohl fuͤr ſchaͤdlichen Winden / als auch Kaͤlte und Regen / ſo ihr allerſeits gleichen Schaden bringen zu verwahren / wird ſie in einen verdeckten lufftigen gegen der Sonnen liegenden Ort geſtellet.
Jn dieſem Monat wann der Mond beginner ab - zunehmen / hebt man ſolche aus der Erde um ſie von der jungen Brut und kleinen Zwiebeln zu entledigen / auch wiederum alſobald in behoͤrige Geſchirr zu ver - ſetzen / und nachdem man darauff die beſten Zwiebeln ausgeleſen / und von denſelben die lange Baͤrte etwas abgeſchnitten / ſo verſetzt man dieſelbe dergeſtalt / daß man erſtlich die Erde auffhaͤuffet / auff ſolche die Zwiebeln ſetzet / damit ſich die Wurtzeln huͤbſch aus - breiten / und alſo aus der Erde beſſere Krafft und Nahrung an ſich ziehen koͤnnen.
Davon hat man vielerley Arten / als Engeliſche / Portzeliniſche / gewaͤſſerte / bleiche / ſammete / und vielmehr andere Farben / die aus Saamen kommen.
So ſind auch vielerhand Spaniſche / blaue / weiſſe / gelbe / bunte. Die Engliſchen wollen nicht lang auſſer der Erden gehalten ſeyn / und werden des Winters zugedeckt. Noch iſt eine Sorte, die nennet man hier Iris, Fleder-Mauß. Die Spaniſchen wachſen willig / man ſetzt ſie an die Rände der Abſaͤtze; Haben kleine runde / doch etwas ſpitzige gelbe Zwie - beln / brauchen keiner ſonderbaren Wartung / werden mit andern Zwiebeln ausgenommen / und wider ein - gelegt / man muß aber dabey obſerviren / daß die Spi - tze gerad uͤber ſich geſetzet werde.
Dieſer gibts auch viel Sorten, die beſten ſind fol - gende: Iris Suſiana, hat eine ſchwartzlichte Blume / man nimmt ſie im Junio aus / bricht ſie voneinander / weil ſie das ſchneiden mit einen Meſſer nicht vertra - gen kan / umwindet ſie eines Fingers dick mit naſſem angefeuchtem Leimen / und ſetzt ſie damit im Auguſto gegen den vollen Mond in einem lufftigen Zeichen / wann ſie von ihrer Unreinigkeit und Verſchimme - lung gereiniget / wieder in die Erden / ſolcher Geſtalt treibt ſie den Sommer durch ſchoͤnes Kraut / nimmt auch an der Wurtzel zu / will aber zur Winters-Zeit wohl bedeckt ſeyn.
Wenn ſie alſo wieder eingeſetzt / muß ſie unter - ſchiedliche mahl nach einander beſpruͤtzet werden / nachgehends aber laſt ſie in der Lufft trucken ſtehen / will des Winters in warmen Gemach oder Keller wohl / doch ohne Begieſſen / verwahret ſeyn / und am Fruͤhling allgemaͤhlig / weil ſie gar zart iſt / der Lufft ſich bedienen.
Hernach die Iris glorioſa, Florentina; die blaue und weiſſe / und mehr andere Arten / als gelbe / bunte / blaue; Dieſe reiſſet man in dieſem oder folgenden ab - gehenden May von den Wurtzeln / und vermehret ſie; ſie ſtehen gern an niedrigen und feuchten Oertern.
Derer gibts vielerley / die fuͤrnehmſten ſind folgen - de: Aleppo, Merveilleuſe, geflam̃ter Venkus, Con - ſtantinopolen, Ranucle de Romane, Pramonſter de Spanien, Ochſenblut / Pinesko, Lackebordée, ge - flamte van de Houten, zwey Sorten, doppelte rothe /gold -269Blumen-Garten. goldgelbe / und mehr andere einfache / die der Menge halber nicht genennet werden. Man pflantzt ſie als die Anemones, jedoch wollen ſie fuͤr kalten duͤrren Winden verwahret ſeyn / bluͤhen in dieſem und fol - genden Monath.
Die Wurtzeln muß man 24. Stund in friſchem Waſſer wieder auffſch wellen laſſen / ehe man ſie wie - der ſetzet / weilen ſie welck und duͤrre werden; Das Einlegen geſchicht im vollem Mond / da ſie drey Zoll weit von einander ſtehen muͤſſen / und bluͤhen herna - cher im dritten Monath darauff. Nach der Bluͤte muͤſſen ſie nicht mehr begoſſen / ſondern aus dem Re - gen getragen / von der Erden geſäubert / und alſo in Schachteln auffgehoben werden. Weil ſie auch andern Gewaͤchſen ſchaͤdlich / muͤſſen ſie bey ſelbige nicht geſetzet werden; vor der Bluͤte verlangen ſie viel Sonne / in der Bluͤte aber keine / ſonſten verge - hen ſie bald.
Die Engliſche und gemeine bluͤhen anietzo. Noch ſind vielerley andere Arten / als Narciſſus Tharſus Matthioli, Trompet Narciſſus. Zwey Sorten von Nanties, ſind aber hier ſehr rar / bluͤhen im Ausgang Julii / und tragen oben ein rundes Koͤrnlein wie die Lilien.
Darnach Narciſſus Indicus auch etlicher Sorten, bluͤhen im Herbſt / etliche tragen nur eine Blume / die purpurfarbig iſt / etliche haben breite Blaͤtter / deren Stengel geſprenget / als Serpentarie, tragen Blu - men wie der welſche Gladiolus, dieſe und andere die nur zwey oder drey groſſe Blaͤtter tragen / kommenvon270APRILIS. von Capo de bon Eſperance. Die aber hier zu Lan - de mit vielen Blumen wachſen / ſind folgende: Beſem - man, Tiſſiette Blancus, Tiſſiette Souvereyne, Nar - ciſſus in tello Hollandus, Stellato, Secondo Beſem - man, drey Sorten van der Necken, Medioluteus mit doppelten Kelchen oder Gloͤcklein / noch dreyerley Sorten mit einfachen Gloͤcklein. Dagiers mit dop - pelten Kelchen / Narciſſus van den Houte, Narciſſus totus albus Politanus; doppelte Jonckilie oder Narciſſus junci folio, giebt einen uͤberaus ſchoͤnen Geruch wie Jaſmin. Der einfachen ſind wohl drey oder viererley Sorten, als weiſſe / gelbe und mit langen Kelchen / Narciſſus Campanularis weiß und gelb: Alle dieſe muͤſſen des Winters wohl zugedecket und im September verſetzet werden / die Vermehrung ge - ſchicht aus den jungen Bollen / welche dennoch nicht eher zu ſaͤubern / biß man den Zwiebel will einſetzen / liebt auch ſonſt feuchten Grund wie die Tulipanen / obwohl ſonſten mit deren Verpflantzung verfahren wird gleichwie mit den Tulipanen; auch wohl aus den Saamen / welche aber in vielen Jahren erſt zur Bluͤte gelangen.
Von denen hat man die licht-braune / weiß und bunte. Sie werden fortgezielet aus den Stoͤcken / die man zu dieſer Zeit / wann ſie in ihren Blumen ſte - hen / und eine Hand breit lang ſind / von den Sten - geln bricht / und werden alſo auſſer der Sonnen in die Erde geſteckt. So reiſt man ſie auch wohl letzt im Auguſto von einander. Stehen gern in derglei - chen Erde / da wenig oder faſt kein Miſt innen iſt.
So271MAJUS.So bluͤhen auch anjetzo Die fruͤhzeitigen Tulpen.
Dipeadi. Leucojum bulboſum mit 6. Blaͤttern. Bellis major, Colchicum vernale mit wenig Laubs. Chamæitis, Schwert-Lilien allerhand Farben / wer - den durchs Zerreiſſen der Wurtzeln vermehret / und Flos cuculi.
NUn muͤſt ihr an den Baͤumen nichts mehr hacken oder ſchneiden / gebt allein auff die Peltzer acht / daß keine wilde Schoͤßling aus - wachſen / ſo es aber geſchehen / muͤſſen ſie al - ſofort / gleichwie im April gedacht / weggenommen / auch den alten Baͤumen die Waſſer-Zweige abge - ſchnitten werden.
Wann duͤrre Zeit iſt / ſo begieſt die umgeſetzten Peltzer Abends und Morgens / dabey aber in acht zu nehmen / daß nicht die Staͤmme / ſondern nur die Er - de uͤber den Wurtzeln begoſſen wird: Am beſten iſts daß ihr kleine Graͤblein um jeden Stamm herum macht / woriñ das Regen-Waſſer / oder wann ihr ſie begieſt / mit ſeiner Feuchtigkeit gemach auff die Wurtzeln kommen kan / uͤber ſolche naſſe Gräblein laͤufft auch das Ungezieffer nicht gern.
Vertilget auch das Ungezieffer und Wuͤrmer auff den Baͤumen / und benehmt den jungen Peltzern die uͤberfluͤſſige Bluͤt.
Jm wachſendem Licht verpflantzet die von denenim272MAJUS. im Januario oder Februario geſteckten Kernen auff - gegangene Baͤumlein / befleiſſiget euch aber bey de - rer Umſetzung / daß die Mutter-Erde daran bleibe / wartet ihrer dann ferner mit fleiſſigem Begieſſen. Jn dieſem Monat koͤnnet ihr auch die Hecken ſcheren laſſen.
Dariñ koͤnnet ihr noch allerhand im vorigen Mo - nat gedachte Kuͤchen-Kraͤuter ſaͤen.
Schneidet die guten Kraͤuter ab / ehe die groſſe Hitze kommet / laſt ſie aber nicht in der Sonne trocken / dann ſie ſolcher Geſtalt alle ihre Krafft und Wuͤrckung verliehren.
Wann es etwan die geweſene Kaͤlte bißhero nicht zulaſſen wollen / ſo ſtecket nun Cucumern und Kuͤr - biſſe in gute Erde. Item, verpflantzt in wachſendem Licht die Seleri in einen ſehr wohlgemiſteten Grund. Item, Winter-Majoran und Baſilgen.
Will einen guten ſtarcken Grund zu ihren Wachs - thum haben / und wird auff folgende Weiſe in abneh - menden Mond geſäet: Man macht Reihenweiß mit einem Stock kleine Loͤchlein / etwan ein Glied des Fingers tieff einer Handbreit von einander / legt in jedes Loch zwey oder drey Koͤrnlein / wann ſie nun erwachſen und Blaͤtter einer Handbreit gewonnen / ſo verziehet ſie und laſt nur eine Wurtzel in jedem Lo - che ſtehen / die andern pflantzt einen Fußweit von einander / benehmt ihnen zuerſt die kleinen Neben -Wurtzeln.273Blumen-Garten. Wurtzeln. Diejenigen aber ſo ſtehen bleiben / brin - gen groͤſſere Wurtzeln als die verpflantzten.
Der Saame wird gleich als von den Mohr-Ruͤ - ben genommen; Wofern ihr ſie roh oder friſch zu - verwahren willens ſeyd / ſo ziehet ſie kurtz vor dem ein - fallenden Froſt aus der Erden / und vergrabet die gantze Wurtzel im Sande / legt Stuͤck bey Stuͤck zu - ſam̃en / doch ein wenig ſchrat / und denn darauf eine Lage Sand / folgends eine Lage Ruͤben und ſo fort an wechſelweiſe / biß auff die letzten; Auff ſolche Weiſe dauren ſie gar lang / man muß aber keine aus der mitte oder von den Seiten wegnehmen / ſondern allezeit nach der Reihe. Man pflegt ſie auch wohl im Herbſt in Scheiben zuſchneiden / in ein Faͤßlein mit Wein und Merꝛettig einzumachen / und beym Ge - bratens an ſtatt der Tuncke auffzuſetzen. Und weiln die jenige / ſo lange eingemacht / ihre Farbe verliehren / ſo koͤnnet ihr das einmachen des Winters etlichemahl verrichten. Sie werden in der Kuͤche mehr entheils / wann ſie gekocht und erkaltet / klein zerſchnitten / mit Baumoͤhl / Saltz und Eſſig zum Salat bereitet. Dero Tugend uñ Krafft iſt den Mohr-Ruͤben gleich.
Doch erweichen ſie den Leib / und wer - den aͤuſſerlich zur Haupt-Reinigung ge - brauchet / wenn nemlich der Safft aus dem Kraut / und inſonderheit der Wurtzel ge - preſſet / und in die Naſe gezogen wird.
Erfordern gleichmaͤſſige Erde / als die rothe Beta / wollen auch im Abnehmen des Monds / aber nicht vorSdem274MAJUS. dem 20ſten May / und zwar im Fiſch / Waſſermann und Steinbock geſaͤet ſeyn; wann ſie etwas erwach - ſen / werden ſie / wo ſie zu dicke ſtehen / verzogen / und das Unkraut daraus gewiedet oder gejaͤtet / denn wann ſie zu dicke ſtehen / bleiben die Wurtzeln gar duͤnn. Ge - gen den Winter wird das Kraut mit der Wurtzel her - aus gezogen und im Keller in Sande verwahrt.
Die Wurtzeln werden an Fleiſch gekocht / auch ge - ſotten zum Salat gebraucht / ihre Bitterkeit wird mit Roſinen verſuͤſſet.
Den Pferd-Miſt haſſet die Wegwart / und wird davon grindig und ſehr hockericht; Wann die Wur - tzel erſtarret / wird ſie von ſeiner Schwaͤrtze gereiniget / der Kern / ſo bitter / ausgeloͤſet / folgends beym Feuer weich geſotten / und in gewuͤrtzten Eßig und Oehl zum taͤglichen Gebrauch eingemacht.
Wie und auff was weiſe Wegwarten-Saamen zu bekommen / iſt dieſe: Man laͤſſt entweder von den Wurtzeln / die vor Winters geſtanden / etliche ſtehen / oder man kan auch im wachſenden Licht anderwerts hin etliche ſtarcke Wurtzeln ſetzen / und ſelbige in Stengel und Saamen ſchieſſen laſſen / allwo die Blaͤtter an ſolchen auffgeſchoſſenen Stengeln denen Blättern unten am Stock gar ungleich / ſondern ſpi - tziger / auch nicht ſo zerkerfft ſeyn / wie auch des Sten - gels Neben-Zweige an den Haupt-Stengel ſehr na - he anhencken / an welchen es denn anfaͤnglich viel gruͤ - ne Knoͤpfflein bekommt / woraus himmelblaue ſchoͤ - ne Stern-Blumen / ohne Stiel herfuͤr kommen / wenn ſolche Blumen alsdenn vergangen / der Saa - me wie gruͤne Sternlein folget. Der Saame aberwird275Kuͤchen-Garten. wird im Felde nicht wohl zeitig / ſondern wann der Stock anfaͤngt gelbe zu werden / kan man ihn ab - ſchneiden / und vollends reiff werden laſſen.
Sie kuͤhlen und eroͤffnen / inſonderheit die Leber: Deßwegen in Fiebern ſehr gebraͤuch - lich. Den Saamen / gruͤn oder duͤrre ange - haͤnget auf den Ruͤcken / vertreibet das Fie - ber.
Verpflantzet noch im abnehmenden Licht.
Cappus-Blumen-Saphoiſchen und ge - meinen Kohl /
Und wartet ihrer wie im Februario angewieſen.
Nun moͤget ihr euren zarteſten Baͤumlein / ſo noch erliche verwahrt ſtehen / kuͤhnlich die freye Lufft goͤn - nen / wartet ihrer bey trockener Zeit mit Begieſſen / ge - brauchet dazu Lauche aus den alten Kuͤh - oder Schaaf - Miſt / und ſo bald ein lieblicher Regen faͤllt / beſchnei - det ſie.
Und weil das Unkraut mit andern Gewächſen ſich ſehr haͤuffet / muß man ſelbiges ſo wohl im Feldlein als Betten fleißig auswieden oder ausjaͤten / bey wachſenden Monde fangt an Buchs-Baum und an - dere Gelaͤnder zu ſtutzen.
Werden im Anfang dieſes Monds ſolcher Geſtalt erwuchert: Nehmet von den gelben Jasmin, der aus America kom̃et / die daran befindlich geſchickte Zwei - ge / ſchneidet und leget ſolche ein / gleichwie bey den Naͤgelein gelehret. Oder ſtecket ſie in ein Gefäß (wie beym Weinſtock zu ſehen) fuͤllet ſolches mit muͤrberS 2und276MAJUS. und duͤnner Erde / ſetzt uͤber dieſes Gefaͤß ein kleines Geſchirrlein / darin im Boden ein kleines Loͤchlein iſt / ſchuͤttet eine Hand voll Erde darein / und fuͤllets vol - lends mit Waſſer / ſo laufft das Waſſer durchs Loͤch - lein und befeuchtet die eingelegten Zweige gar be - qvemlich. Der Spaniſche Jasmin, ſo aus Catalo - nien kommet / wird auf wilde Staͤmmlein ablactirt, kan auch auf ſolche wilde Staͤm̃e / ſo einer Tobacks - Pfeiffen Dicke haben / verpfropfft werden. Der wilde Jasmin wird durchs Einlegen erwuchert / man ſetzt ihn in Toͤpffe und pfropfft darauf / den Winter uͤber muß er in der Stube gehalten werden / ſo dann hat man im abgehendem Sommer die beſten Blumen darauf. Jm April wird er einer Handbreit uͤber der Pfropf - fung verkroͤpfft und abgeſchnitten / ſproſſet aber bald wieder aus / und erlanget dadurch eine Crone.
Es iſt auch eine gelbe Art / ſo den Americaniſchen an Blumen gleich / hat aber keinen Geruch / und kan des Winters wohl drauſſen ſtehen. Noch iſt einer mit gelben Blumen / hat eine Rinde wie Pfriemen / den kan man aus den Saamen haben / ſtehen gern in magerer Erde.
Uber dem ſind noch zweyerley blaue Sorten; der eine mit zerkerbten / der ander mit unzerkerbten Blaͤt - tern / dieſe tragen etwas kleiner Blumen als der Si - ringis-Baum / werden aus der Wurtzel-Schoͤßling erzeuget / und koͤnnen drauſſen dauren.
Alle dieſe Sorten lieben insgeſam̃t einen ſonnigten Ort / und fleißige Begieſſung. Der gemeine Jasmin mit weiſſen Bluͤmlein faͤngt im Julio an zu bluͤhen / und währt deſſen Bluͤthe biß zu Ausgang des Sep -tembris.277Blumen-Garten. tembris. Der Spaniſche Jasmin mit groſſen wohl - riechenden Blumen hat auf der auswendigen Seiten einen Roſenfarben oder rothen Strich und iſt in 5. Blaͤttergen wie ein Stern / haͤngend an deſſen gruͤnen Zweiglein / bluͤhet an im Auguſto biß zu Ausgang des Novembris / der Jndianiſche Jasmin hat eine ſchoͤne Blume mit 5. Saffranfarbigen Blaͤttlein / bluͤhet vom Auguſto bis in den October.
Derer ſind zweyerley Sorten / eine hat Blaͤtter einer Hand breit und lang / der andern Art Blaͤtter ſind etwas groͤſſer als ein Reichsthaler / und dieſe tra - gen gelbe Blumen / und folglich roͤthliche Fruͤchte / werden beyde ſolcher Geſtalt fortgepflantzt: Man nim̃t gegen Pfingſten ein Blat davon / laͤſts ungefehr 4. Wochen liegen daß es etwas welck werde / und ſetzt hernach in zunehmenden Licht die Helffte tieff in ein Gefaͤß / das mit ſolcher Erde angefuͤllet / ſo dazu erfor - dert wird / wie ſolches bereits im vorhergehenden 7. Capitel angewieſen / worinn es leicht Wurtzeln und andere neue Blätter bringen wird.
Mercket ihr / daß etwan an ſolchem Gewaͤchs die Blaͤtter zu faulen beginnen und anbruͤchig werden / ſo muͤſſet ihr ihm dergeſtalt zu Huͤlffe kommen: Schneidet das Faule biß an den geſunden Ort hin - weg / und beſtreuet die Wunde mit geſchabter Kreide oder Aſche / dadurch wird es wieder heilen und fort - wachſen. Zur Winterszeit bringt ſie in eine war - me Stube und nicht in Keller / und laſt ſie alſo ohne Waͤſſerung uͤberwintern.
S 3Jhr278MAJUS.Jhr koͤnnet nun gleich wie im Martio im zuneh - menden Licht ſaͤen
Jn gute fette Erde / und ſo bald ſie geſaͤet ſind / ſo feuchtet das Erdreich gelinde an / fahret damit fort / ſo werden ſich in acht Tagen die Pflaͤntzlein ſehen laſſen / ſo bald denn ſolche herfuͤr / ſo reiſſet diejenigen / die nur 2. Blätter getrieben / aus / und verwerffet ſie / dann ſolches ein gewiſſes Zeichen / daß daraus nur einfache Blumen werden. Die uͤbrigen haltet wohl an der Sonnen / wartet ihr zu gebuͤhrender Zeit mit Begieſſen: Wann ſie nun voͤllig erſtaͤrcket / koͤnnet ihr ſie ein paar Tage vor dem vollen Licht nach Be - lieben verſetzen.
Kan nun auch / als im vorigen Monat erwehnet / geſaͤet werden / um den gantzen Sommer ſchoͤne Blumen davon zu haben.
Setzet fort /
Derer ſind zweyerley / eine mit Bollen / die andere mit Wurtzeln. Die knollichte Wurtzeln hat / ſetzet Augen / wann ſolche ausgenommen und beſonders eingeleget werden / ſo wachſen mit der Zeit junge Pflantzen daraus.
Die andere aber werden durch Zerreiſſen der Wur - tzeln vermehret / haben gantz bleiche purpur und gantz rothe Blumen. Die aber aus den Bollen wachſen / haben weiſſe / bleiche und purpur-farbe Blumen.
Von den Cyclamine koͤnnet ihr die jungen auf fol -gende279Blumen-Garten. gende Weiſe erzeugen: Thut durch den Knollen einen Creutz-Schnitt / laſt zwey oder drey Tage liegen / daß es etwas welck werde / ſteckt alsdenn zwiſchen den Schnitt einen kleinen Stein und ſteckt es zuſammen in trucken Erdreich / ſo wird der Schnitt durchfaulen - und bekombt man alſo etliche junge. Das Frauen / zimmer aber ſoll ſich deren gantz enthalten.
Darnach iſt noch eine Art / ſo von Aleppo kom̃t / mit runden Blaͤttern; dieſe alle bluͤhen im Septem - ber. Noch ſind andere Arten die im Sommer und Winter bluͤhen.
Von denen werden die gelben fuͤr die beſten gehal - ten / ihrer ſind 2. Sorten, die eine ſo gelblich her fuͤr kommet / und die andere / ſo im ſtehen gelb wird; ſie geben einen ſehr treflichen Geruch von ſich / gleich wie Muſcus.
Noch iſt eine Sorte mit gruͤnen Bluͤmlein / die iſt ſo ſeltſam nicht / nachdeme ſie im vorigen Monat ge - bluͤhet / werden ſie nun im Ausgang dieſes Monats wiederum ausgenommen und letzt im September wieder eingelegt / ſie wollen in guter Erde ſtehen / und koͤnnen die Kaͤlte ziemlich vertragen.
Von dieſen finden ſich auch Neben-Sorten, als weiſ - ſe und blaue Traͤublein. Jſt ein uͤbel Zeug in den Gaͤrten / weiln ihre Bollen uͤbermaͤßig wuchern.
Wird nun durchs Zerreiſſen vermehret.
Deren gibts wohl dreyßig Farben. Es ſind auch doppelte / aber gar rar. Noch iſt eine Art die LaubS 4wie280MAJUS. wie Borragen hat / alſo auch nicht gemein / werden je - tzunder / wann ſie Blumen tragen / abgeriſſen und fortgebracht / ſtehen gern auſſer der Sonnen / und bleiben uͤber Winter im Lande ſtehen.
Das ſind groſſe Pflantzen / haben dicke Blaͤtter und ſcharffe Spitzen / ſie werden in Butten geſetzt / und ſchieſſen junge Sproſſen zur Seiten aus / durch welche ſie vermehret werden / des Winters muͤſſen ſie in einer warmen Stube ſtehen / und gantz trucken ge - halten werden.
Welche man auch fuͤr die rechte Aloë haͤlt / hat di - cke Blaͤtter ſo voll Safft und Feuchtigkeit / man nim̃t ſie des Winters aus ihrer Butte / und bindet um die Wurtzel einen wuͤllen Lumpen / befeuchtet es mit Oehl / und laͤſſets alſo in einer warmen Stube / da es am trockenſten und waͤrmeſten iſt / haͤngen.
Jn dieſem Monat wird ſie wieder in eine Butte mit loſer ſandiger Erde gethan. Sie kommet zu - weiln zur Bluͤt / aber gar ſelten / und bringet gelbe Blumen wie Canna Indica.
Deren giebt es vielerley Geſchlecht / als doppelte / gelbe. Jtem / da eine Blume aus der andern kom - met. Darnach ſind welche die viel Blumen auff einen Stiel tragen / wiederum die einfachen / deren auch mancherley. Werden in dieſem Monat zur Vermehrung von einander geriſſen / und auf die Ab - ſaͤtze / oder wo man ſie haben will / verpflantzet. Blei -ben281Blumen-Garten. ben den Winter uͤber im Lande ſtehen / und begehren einen guten Grund.
Jſt eine ſonderliche Hauptſtaͤrckende Blume / zum Schlag und Laͤhmung ſehr be - ruffen. Schluͤſſel-Blumen-Eßig in die Naſe gezogen / ſtillet wunderſamer weiſe das Zahnweh.
Bald nach den vollem Licht beſcheeret den Buchs-Baum /
So um die Blumen-Stuͤcke geſetzet.
Siliqua. St. Johannis Brod / Myrten / Pimper - nuͤſſe / Arborvitæ, Roſen / Flos Trinitatis, Baldrian / Capparis Fabago, Viola matronalis, Hedyſarum, Hanen-Fuß / Aphodillen und folgende.
Dererſind unterſchiedliche von Farben und Nah - men / von den fruͤhezeitigen ſind die folgende die fuͤr - nehmſten / und werden auf Nieder-Tentſch genannt: Vroege Blyenberger, Parragon Verhelm, Huyckeba, Parragon Klaermant, Pelskotti, Franſche Doro - thea, Parragon Grebber en Grebben, Vroege Moer - linen-bol, Moolswyck, Prinajacht, Kryntie, Duck tol Viceroy, Geel en root van Leyden, Paerſe Moer lynen, drey oder vier Sorten / von Lacken, Vroege Purpur, Witrugge, Admiral van Enchuyſen, und mehr andere Sorten / die gar fruͤhe bluͤhen.
Die ſpaͤten aber ſind dieſe:
Bruynpurpers von denen ſind vier oder fuͤnff ſo - thaner Farben / eine hoͤher als die andere. Dar - nach der Brabantons gibts auch drey oder vier erley:S 5Feſta,282MAJUS. Feſta, Genera, Doctor Balte, weiſſe Dorothees; Aſtre - as, Jeddenmuly, Groeten Turck, Paragon, Gulde - blom, Merveille van Quakel Landſchabel, Belle brüſſele, Merveille de Hollande. Parragon Sene - koert, General van Holland, Tulpa Gelder, zweyer - ley Sorten von Admiral de Mann, Paſſetoet, Core - naer, Prins van Walles, Purpure Kron, wovon vier Sorten ſind / gelbe / purpure / weiſſe und Nordſe Kron, gemarmelte Jaspee, Jan Gerrits, General Swymen - de, Admiral van den Boſch, Goudaes, Fœnix van Aertſen, Cardinal Flambolliant, Sabylom, Ko - ning, Non pareille, Admiral van Zierikſèe, Admiral van Engeland, Parragon Velſen, Switſers, Parragon Jeroen, Belle Dorea, Laboliunten, Spheramundi, Parragon, Liefkens, zwey oder drey Sorten / Tor - noys, witte Agata, drey oder vier Sorten Paſſecita - delle, Argus, Dorothea de Anvers, Laboliante, Dia - nas, General Ouwenaerden, Laten Blyenburger, Generaliſſimo de Koſta, Lapovere, Admiral Backer, Semper Auguſtus, Admiral Bogaert, Fenix-cierat, und mehr andere Nahmen / die wegen derer Vielheit nicht hieher zu ſetzen; Sie werden alle von den Bollen oder Zwiebeln fortgeſetzet / man kan ſie auch wohl ſä - en / bringen aber uͤber vier oder fuͤnff Jahr keine Blu - men; Sie werden zuletzt im September im zuneh - menden Lichte in gute Erde / ſo doch nicht mit Miſt ge - duͤnget / ſondern vielmehr mit Sande vermenget ſeyn muß / denn von der Duͤngung verfaulen die Zwie - beln / gepflantzt / die wohl durchluͤfftet / und von der Sonnen beſtrahlet iſt / damit die Bollen nicht durch Kälte verderben / und werden wiederum zuletzt imMajo /283Blumen-Garten. Majo oder Anfangs Junii ausgenommen. Es iſt genug bekandt / daß ſie ſich vielfaͤltig verändern / ſo wohl an der Zahl der Blaͤtter / als auch an Farben. Die dickgefuͤlleten Tulipanen ſeyn etwas ſeltſam / und mehr einer Mißgeburth als vollſtaͤndigen Gewaͤchs gleich.
Bey der Tulipa perſica iſt wohl zu obſerviren / daß deren Zwiebel in der Erden ein geloͤchertes Ge - ſchirr muß unter geſetzet werden / maſſen ſie die Wei - ſe an ſich hat / daß ſie ſo tieff in die Erde ſich verſen - cke / daß ſie ſonſt gar verlohren wird / ſie trägt mehr als 10. Blumen / welche unter ſich hangen wie die Gold-Wurtz / und mehrentheils den Fritillarien gleich ſeyn.
Derſelben ſind unterſchiedliche Sorten, als Sam - met-Blumen / gelbe und nacker / und ſind dieſe drey die ſeltſamſten / wie auch die doppelten bunten / weiſſe und ſchwartze. Darnach zweyerley Frantzoͤ - ſiſche gruͤne / die aus Franckreich kommen / und ſind von vielerhand Farben / ſie werden geſaͤet und auch von Bollen fortgeſetzet Die oberſten aber / die man fuͤr die fuͤrnehmſten haͤlt / werden in eine Butte geſe - tzet und zugedeckt / damit ſie des Winters nicht ver - frieren; Sie werden im Junio ausgenommen und im Septembr. wieder in gute fette Erde geſetzt. Et - liche nehmen ſie auch erſt im Septembr. aus / und wann ſie acht Tage erlufftet / bringen ſie dieſelbe al - ſo fort wieder in das Erdreich / welches gut und fett ſeyn muß / wobey wohl zubeobachten / daß das Au - ge der Zwiebel recht uͤber ſich geſetzet wird: Weilnauch284MAJUS. auch deren Zwiebeln gar klein und ſehr nackicht ſeyn / ſo hebet ſie nicht oͤffters aus / als wenn ihr die junge Brut daran abſondern wollet; Sie bluͤhen gemei - niglich im April.
Sind von vier oder fuͤnff Farben / die Welſchen ſind purpurfarbig / ſonſten auch weiß / leibfarbig und lichtbraunlich. Sie wachſen leichtlicht / und wer - den zu letzt im Auguſto oder Anfangs Septembris aus den Bollen vermehrt uñ verpflantzet. Die War - tung belangend / iſt ſelbige den andern Bulben gleich / auſſer daß ſie dieſe Unart an ſich haben / daß ſie viele junge anſetzen / welche aber allemal von der Haupt - Zwiebel im Verſetzen abgenommen werden muͤſſen.
Hievon findet man drey oder vier Sorten / mit ſchmalen Blättern / bluͤhen faſt wie Zwiebeln / wer - den auch unter die Zwiebel-Gewaͤchs mit gerechnet.
Es ſind auch welche mit breiten Blaͤttern / und noch eine Art die aus Jndien kommet: Dieſe wol - len in guter Erde auch nicht lange auſſer derſelben / und zwar an warmen Orten gehalten ſeyn / werden bald im Septembr. verpflantzt / bluͤhen weiß im Ju - lio / auch wohl gelb / aber im Majo / verſchlingt ſich ſehr tieff in die Erde / und wo es einmahl eingewuchert / iſts ſchwerlich wieder auszurotten.
Wird gebraucht ſonderlich wider die Zauberey / und haͤlt man dafuͤr / daß Mercurius dem Ulyſſi ſol - che Wurtzel gegeben / um ſich vor der Zauberey der Cyrce zu bewahren.
JN dieſem Monat koͤñet ihr auch den Baͤumen zur Aderlaſſen / gleich wie im April gelehret. Jngleichen wann ein Baum trauret / trucknet und nicht wachſen will / ſo nehmt ein ſcharffes Meſſer / ritzet damit von oben an den Stam̃ an der Abend - oder Mitternacht-Seiten herab durch die Rinde oder Schale biß auf die Erde / ſo wird er nicht alleine ſtaͤrcker wachſen / ſondern auch ſo viel de - ſto eher Fruͤchte bringen / doch muß ſolches ritzen nicht geſchehen wann der Mond im Krebs oder Jungfrau laͤufft / dann dadurch kan leicht am Baum der Krebs und Brand verurſachet werden. Huͤtet euch aber ſo viel moͤglich / daß nichts an den Baͤumen abgehauen oder gebrochen werde / dann ſolche Bruͤ - che koͤnnen hernach ſchwerlich heilen / wegen der zu - nehmenden Waͤrme.
Wann die alten Baͤume gar zu gelbes Laub be - kommen / ſo loͤſet ſie ein wenig / und ſchuͤttet bey gu - tem dunckelem Wetter verfaulten Kuͤh - oder Schaaf - Miſt hinzu.
Spuͤret ihr viel wurmſtichig Obſt auf den Baͤu - men / ſo brechet ſolches ab / damit das uͤbrige gute an Wachsthum nicht verhindert werde.
Solte den jungen Baͤumen die Rinde von der Hitze aufreiſſen / ſo verſtreichet ſolche Riſſe mit Peltz - Wachs.
Vergeſſet bey trockener Zeit das Begieſſen beyden286JUNIUS. den jungen Peltzern nicht / und benehmt ihnen die wilden Schoͤßlinge und Waſſer-Zweige.
Vertilget die Raupen auf den Baͤumen durch Anſteckung eines Strohwiſches. Wegen der Ameiſ - ſen ſchuͤttet / ſo bald ihr einen ſtarcken Regen vermer - cket / Saͤg-Spaͤne von Eichen-Holtz um den Stam̃ / oder hacket die Erde rund um ein wenig auf / ſchuͤt - tet feiſten Grund darein / ſo lauffen ſie nicht gerne druͤber / oder beſchmieret des Baums-Stamm mit Wagen-Schmier zum oͤfftern / oder auch mit weiſ - ſer Kreide / ſo koͤnnen ſie nicht hinauf kriechen. 14. Tage vor und 14. nach S. Johann Baptiſtaͤ iſt die beſte Zeit mit Oculiren und mit den Pfeiffen / wie im 13. Capitel angewieſen.
Jhr findet nun im Garten vielerley Art Kirſchen; uͤberladet aber euren Magen nicht mit ſolchen fruͤhzeitigen Kirſchen / wie auch mit den bald folgenden ſuͤſſen / weil ſie wegen ihrer groſſen Feuchtigkeit euch leicht in eine Kranckheit und Fieber ſtuͤrtzen koͤn - nen; Gedultet euch ſo lang / bis die ſau - ren Kirſchen oder Amarellen zeitig / dann dieſe ſeynd dem Magen viel geſunder / weil ſie ſelbigen kuͤhlen / ſtaͤrcken und anſtaͤndi - ger ſind.
Kirſch-Kerner genoſſen / ſeyn gut fuͤr den Stein / wie auch mit Roſen-Waſſer zerſtoſſen und aufs Haupt gelegt / vertreiben die Fieberlichen Schmer - tzen des Haupts.
Anietzo ſaͤet und verpflantzet diejenigen Gewaͤchs / deren ihr euch im Herbſt bedienen wollet.
Stechet wiederum ein wenig Bohnen und Erb - ſen / und ſaͤet in gutes fettes Land die
Wenn ſie ein ſechs Blaͤtter gewoñen / ſo verpflantzt ſie ungefehr anderthalb Fuß von einander. Wann ſie ziemlich erſtärcket / ſo bindet diejenigen / die ihr zur Speiſe gebrauchen wollet / in truckenen Wetter oben zuſammen / damit ſie ſich inwendig weiſſen. Wol - let ihr ſie noch eher weiß haben / ſo ſtuͤlpet (ſtortzet) Toͤpffe / oder Dachſteine daruͤber / und ſchuͤttet war - men Miſt darauff.
Oder machet eine Grube in den Garten / leget ſo viel Pflantzen darein als ihr verlanget / decket die Grube mit einem Bret wieder zu / und ſchuͤttet die da - raus gegrabene Erde oder Miſt darauff / ſo koͤnt ihr ſie in acht Tagen gebrauchen. Die uͤbrigen nehmet fuͤr den Froſt im Mittag / wenn ſie trucken worden / mit der Wurtzel auff / legt ſie etliche Tage auff einen luͤfftigen Boden / damit ſie etwas welcken / ſchneidet alsdann die Helffte davon ab / bringet ſie nach euren Keller / ſetzet ſie in Sand gar genau beyſammen; Sie ſind des Winters gut zum Salat zu gebrauchen.
Die Säung betreffend / ſo muͤſſen die Endi - vien drey Tage vor / oder drey Tage nach dem neuen Licht um St. Johannis ziemlich dicke geſaͤet werden / damit man ſie verfolglich beziehen und verpflantzen koͤnne. Die Verpflantzung aber muß ehe nicht geſchehen / biß ſie ziemlich erſtaͤrcketſind288JUNIUS. ſind / ſonſten ſie leichtlich verderben. Es iſt dabey ferner zu obſerviren / daß die Endivien keinen Pfer - de-Miſt zur Duͤngung vertragen koͤnnen / ſondern werden davon gantz bitter / und zu ſpeiſen unnuͤtzlich. Von den Stoͤcken die des Winters im Keller verwah - ret werden / kan man wieder Saamen zielen / wenn ſie gegen Suͤden in gute Feldlein geſetzet werden / und im Stengel Blaͤtter ſchieſſen. Den Saamen zu er - langen / iſt zu wiſſen / daß derſelbe nicht gantz an der Wurtzel zeitig werden muß / ſondern wenn er gelbicht wird / muß man den Stengel abſchneiden und auff - hencken / und alſo voͤllig reiff werden laſſen.
Jm abnehmenden Licht ſaͤet wieder etwas Spi - nat / Lattich / Sommer und Winter-Rettich: Deß - gleichen auch braunen Kohl / und verpflantzet dieſen um Jacobi / welchen die Raupen (weiln es ſchon be - ginnet etwas friſch zu werden) nicht ſo ſchaͤdlich / als ſonſten ſeyn werden.
Wil eine muͤrbe und tieff gehackte Erde und einen feuchten Grund haben / damit er nicht zu ſehr ins Laub und Saamen ſchieſſet: Deren ſind zweyerley / einer mit ſchwartzer Rinde uͤberzogen / und der andere mit einer weiſſen Wurtzel. Der Saame wird von de - nen im Fruͤhling wieder eingeſetzten Wurtzeln genom - men. Derer Tugend iſt vorher im Martio bey den Radieſſen gedacht.
Vergeſſet dasjenige bey den Melonen nicht / was im Martio errinnert worden. Auff Petri Pauli Tag knuͤpffet den Knobloch / wie im Februario ange - wieſen.
Wann289Blumen-Garten.Wann die Cichorien / Paſternacken und ander Wurtzel-Werck dichter als eine halbe Spanne an ein - ander ſtehen / ſo ziehet die uͤbrigen aus / und ſchlagt o - der tretet den andern das Kraut nieder / damit die Wurtzeln deſto groͤſſer werden moͤgen.
Nehmt die Iris Suſiana aus der Erde und ver - pflantzet ſie wieder im Auguſto. Wann die Kaͤlte einfaͤllt / ſo bedecket ſie dergeſtalt / daß ihr der Froſt keinen Schaden zufuͤgen moͤge. Vergeſſet auch nicht die fruͤhe Tulpen / und theils Hyacinthen aufzuneh - men und in Octobr. wieder einzulegen.
Gegen den vollen Mond verfuͤget euch zu den Nägelein-Stoͤcken / erwehlt an ſelbigen geſchickte Abſetzlinge / ſchneidet in ſolche mit einem ſcharffen Meſſerlein ins zweyte oder dritte Glied / legt ſotha - ner eingeſchnittener Setzlinge in die Erde / befeſti - get ſie mit einem hoͤltzernen Haͤcklein / und fuͤllet das Loch mit etwas ſandiger Erde wieder zu / darinnen werden ſie eher als in fetter Erde Wurtzeln gewin - nen: laſſet ſie alſo zwey Monat an dem Haupt - Stock ſtehen / alsdann ſchneidet ſie davon ab / und verſetzet ſie nach Gefallen. Solche junge abgeſetzte Stoͤcklein wollen / biß ſo lange ſie ſich erholet / auſſer der Sonnen gehalten ſeyn.
Jetzo faͤnget man an allerhand Blum-Werck / deſſen man im Herbſt hinaus benoͤthiget / auszuſaͤ - en / oder auszuſtecken / und laͤſt die Anemones und friſchen ranunculos abſchwelcken. Mit zunehmen - den Licht ſaͤet Roßmarin und Majoran / ꝛc.
Oculirt nun die Pomerantzen-Baͤume / Grana -Tten /290JUNIUS. ten / Citronen / Oliven / Oleander / Terpentin / Sper - ber und Judas-Baum / Jaſmin, Vilderea, Arbutus, Viburnus, Roſen / Syringis. Solche und der Cy - preſſen-Baum / wie auch folgende beginnen zu bluͤ - hen:
Derer ſind vielerley / als die von Conſtantinopolen / von Pompone Calvarium genandt / groſſe weiſſe ge - ſprengte / da die Blaͤtter zwey Cronen uͤbereinander geben / weiſſe ohne Sprenckeln / leibfarbige / Lilium Canadenſa, gelb geſprengte; Solche und mehr an - dere Sorten werden von den Wurtzeln oder Bollen fortgeſetzet / ſtehen gern in ſandigter Erde / werden im September ungefehr einen halben Fuß tieff gepflan - tzet / auff daß die Crone uͤber den Bollen deſto beſſer auswachſen moͤge. Die von Canadenſa aber wol - len des Winters wohl zugedecket ſeyn.
Tuͤrckiſcher Bund / oder Lilium intortum, wird es daher genandt / weilen die Blätter der Blumen als ein Tuͤrckiſcher Bund oder Haube ſich kruͤmmen / lie - ben den Schatten / und wird erzeuget wie die Gold - Wurtz.
Sind verſchiedener Arten / als doppelte / weiſſe und einfache / groſſe doppelte die nur eine Blume auf den Stengel tragen. Rothe Herigns-Lilien / die hundert Blumen bringen / kleine die wenig Blumen geben. Lilien da kleine Bollen zwiſchen den Blaͤt - tern wachſen. Der Perſiſchen Lilien ſind zweyer - ley / eine die ſchwaͤrtzere Blumen bringt als die ande - re / ſind den ſchwartzen Fritilarien faſt gleich / werdenalle291Blumen-Garten. alle durch die Bollen vermehrt / und im September in ſandige Erde verpflantzt / koͤnnen des Winters wohl drauſſen bleiben.
Lilien-Blaͤtter erwaͤrmen und feuchten / doch maͤßig / die Wurtzel oder Bollen reini - gen und truckenen / zertheilen / erweichen und zeitigen; Deßwegen in Schwulſten und Schmertzen zu lindern ſehr gebraͤuchlich / die der Geburth ſehr nahe ſeyn / wiſſen ſichs deren gehoͤrige Oerter zu erweichen zu be - dienen: Stamina, das iſt / die zwiſchen den Blaͤttern vorherſtehende weiſſe und gelbe Sproͤßlein / mit Eiſenhart (verbenæ) Waſ - ſer eingegeben / befoͤrdern die Geburth faſt ſehr.
Es bluͤhen auch Iris verſchiedene Arten /
Naͤgelein / baͤumichte Violen / Anthirrinum, A - phodillen / Lichnis, Blattaria, Polygonatum, Di - ptam, Clematis, Digitalis, Geranium, Millefoli - um, Ritterſporen / Viola Mariana, Viola Matro - nalis, Papaver, Peonien / Laderus, Gold-Blu - men / Linaria, Phalangium, Scabioſa. Ge - niſtella, Smilax, Bärenklauen / Valeriana, Marter-Bluͤmlein / Siegelein / Flos Ado - nis, Aquilegia, und Noli me tangere. Die - ſer aller iſt vorhin Meldung gethan / und wie damit umzugehen / Bericht geſchehen.
NUn pflegt meiſtentheils trockne Zeit einzu - fallen / deßwegen ihr eure Baͤume Mor - gens und Abends mit gebuͤhrender Waͤſſe - rung warten muͤſſet / gebrauchet dazu faul o - der ander kothiges Waſſer. Mercket ihr daß ein oder ander Baum verdorren will / ſo legt an deſſen Wurtzel fette gruͤne Kraͤuter / und beſchlagt die Stamme mit Lehm und Kuͤhmiſt / und beſtreicht ſie gegen der Sonnen mit Lein-Oehl.
Was im vorigen Monat wegen Abſchneidung der Neben-Schoſſen und Waſſer-Zweige errinnert / muß nun auch nicht vergeſſen werden; Abſonderlich bey den Pflaumen-Baum / wann ſolcher keine Frucht bringen will / ſo bemutzt ihn oben im Gipffel der Waſ - ſer-Zweige / ſo dann wird er folgenden Jahrs Blu - men / und nachmahls ſeine Fruͤchte bringen.
Saͤet im wachſenden Licht noch etwas Winter - Endivien / weiſſe Beta / Spinat / Lactuc / Kerffel / Ruͤben / gemeinen Kohl und Radies.
Jm abnehmenden Licht verpflantzet den Saphoi - ſchen Kohl und Cappus.
Fanget an die reiffen Saamen bey trockenem Wetter zu ſamlen.
Gebraucht nun in der Kuͤche junge Mohr-Wurtzeln / Paſternack / Lactuc / Cucu - mern / Melonen / Artiſchocken / Zwiebeln /und293Blumen-Garten. und andere mehr. Deren iſt oben ſchon gedacht / ſo viel ihre Eigenſchafft und Nu - tzen betrifft.
Benehmt den Pom̃er antzen-Baͤumen die uͤberfluͤſ - ſige Bluͤte / darmit ſie ihre Krafft nicht verlieren und zum Verderben gerathen.
Jm abnehmenden Licht oculirt von den Roſen - Stoͤcken eine Sorte auf die andere. Verpflantzt die Stengel-Wurtz / wie im April erwehnet.
Um Jacobi nehmet dasjenige Zwiebel - und Knol - len-Gewaͤchs / ſo noch in der Erde liegt / heraus / gleich im 17. Capitel angewieſen.
Fahret auch weiter fort mit Anhengen der Naͤge - lein / und dergleichen Gewaͤchſe / welche auf ſelbige Weiſe vermehret werden muͤſſen / vergeſſet der Be - gieſſung nicht / und fangt an den Saamen von den Tulipanen und andern fruͤhen Zwiebel-Werck zu le - ſen / und ſo fort wieder auszuſaͤen.
Vor allen ſeyd ietzo darauff bedacht / diejenigen Blumen / ſo ſich im Herbſt gefuͤllt erzeigen / oder im nechſten Jahr mit vollen Blumen bluͤhen ſollen / zu verpflantzen / und zu verſetzen.
Es bluͤhen nun
Ginſt oder Pfriemen / Liguſtrum, Jucca glorioſa, Cyclamen, purpur-wohlriechende Martagon, Nar - ciſſen / Lichnis, Carduus, Braſiliſcher Pfeffer / Mo - mordica, Merveille de Perou, Spaniſcher Klee / Conſtantinopolen, Trachelium, Jacobea, Hera - groſtis, Sammt-Blumen / Flos africanus, Ptarmi -T 3ca,294AUGUSTUS. ca, Venus-Spiegel / Nardus Ricinus, Lupien / bau - michte Violen / Balſamkraut / Riſpen / Thlaspi, Chondrilla, Devatium barbatum, Lithoſpermum, Balbonac, Ciſtus, Naſturtium, Ficus Indica. De - rer in vorigen Monaten gedacht worden.
ALles daſſelbe / was in vorigen Monat an den Baͤumen zu arbeiten / kan auch in dieſen vor - genommen werden; Geſtalt man jetzo fuͤg - lich ein und andere Baum-Cur / ausgenom - men das Aderlaſſen / zur Hand nehmen kan / und bey ſchadhafften Baͤumen ſich der Baum-Salben ge - brauchen. Jhr muͤſſet auch mit Frucht ſchwer be - ladene Baͤume unterſtuͤtzen / auf daß ſie der Wind nicht zerreiſſe.
Weiln auch in dieſem Monat faſt alles Stein - Obſt reiff wird / koͤnnet ihr deren Steine ſamleñ / und bald darauff wieder in die Erde ſetzen.
Es beginnet reiff zu werden
Feigen / Aepffel / Birn und ander Obſt mehr / wel - che unſere Feuchtigkeit / ſo von der Sonnen-Hitze ver - trocknet / erfriſchen und der natuͤrlichen Waͤrme / ſo nunmehr matt und ſchwach iſt / Nahrung geben / je - doch muß ein Liebhaber der Geſundheit die edle Maͤſ - ſigkeit dißfals nicht hindan ſetzen / maſſen diejenigen ſo gern friſch Obſt naſchen / ſchwerlich zu einem hohen Alter gelangen. Ob ſchon nun die friſchen
Fei -295Baum-Garten.Fuͤr die beſten Obſt-Fruͤchte gehalten wer - den / nicht allein wegen des lieblichen Ge - ſchmacks / ſondern auch weil ſie beſſern Safft als die andern Fruͤchte haben / eine leichte Bruſt machen / den Stein vertreiben / und dem Gifft wieder ſtehen / ſo bringen ſie doch denenjenigen / die zu viel davon eſſen / Wind und Blehungen / ſind auch den Leu - ten / ſo mit der Cholic behafftet / ſehr ſchaͤd - lich.
Von dem abbrechen der Aepffel iſt zumercken / wenn es im letzten Viertel des Monaths geſchiehet / daß ſothane Aepffel am laͤngſten liegen koͤnnen / Aep - fel aber / welche im Winter der Froſt geruͤhret / lege man eine weile in kalt Waſſer / ſo wird der Froſt her - ausgezogen.
Sie ſind insgeſamt von Natur kalt und feucht / ha - ben eine uͤberfluͤßige Waͤſſerigkeit (v. Fernel. Matth. Med. l. 3. c. & 21. Dannenhero ſie geſchickter zur Kuͤchen ſeyn / wie er geſagt / als zur Medicin. Die ſaͤuerlich-ſuͤſſen Aepffel ſind am anmuthigſten und geſundeſten / machen friſch / und verderben den Ma - gen nicht leichte. Diſcorides ſagt / ſo man einen ſuͤſſen Apffel in der Aſchen brate / beſprenge ihn dar - nach mit Suͤß-Holtz-Safft / weiſſen Amdon (Stiefe oder Staͤrcke) und feinem Zucker / und laſſe den Krancken Morgens und Abends zwey Stunden vor der Mahlzeit davon eſſen / werde er groſſen Troſt finden. Sie vertreiben den Durſt / oͤffnen dieT 4Bruſt /296AUGUSTUS. Bruſt / zertheilen und fuͤhren den Schleim aus / und ſtillen den Huſten; Es ſeynd aber die gekochte oder gebratene den rohen allezeit vorzuziehen; kurtz die ſauren ſeyn kuͤhler und ſtopffender Natur / geben a - ber denen / ſo in Fiebern liegen / ſo ſie gekocht ſeyn / die beſte Nahrung. Die ſuͤſſen aber erwaͤrmen und oͤff - nen den Leib. Die Wein-ſaure ſeyn mittelmäßiger Natur / und thun dem Magen und Hertzen gut. Die Holtzaͤpffel ſtopffen hefftig / und ziehen ſtarck zuſam - men / drum ſind ſolche zu meiden.
Zu langer Behaltung der Birnen hilfft viel / daß man die ausgeleſenen auf Stroh alſo lege / daß keine die ander beruͤhre: Oder auch etliche alſo einzeln bey den Stielen auffhaͤngt.
Die meiſte Gattung der Birnen ſtopffen den Leib und machen ihn hart / und ſind ſchwer zu verdauen / in - ſonderheit aber die ſcharff und bitter vom Geſchmack ſind / und obgleich die ſuͤſſen eine beſſere Subſtantz und Weſen haben / und mehr Nahrung als die Aepf - fel geben / jedoch beſſer gekocht als roh zu eſſen ſind; Es ſind aber die Rheiniſchen Winter-Birnen nicht ungeſund / jedoch modicè genoſſen.
So muͤſſen ſich doch aller Sorten der Birn ent - halten diejenigen / welche der Colica / Bauch - und Darmwehe unterworffen ſind / oder vom Stein Plage fuͤhlen / weilen ſie kalt und windig Blut ma - chen / und den Stein verurſachen; Jedoch ein wenig nach der Mahlzeit (nimmer aber nuͤchtern) wann ſie aber mit Pfeffer / Saltz / Zimmet oder Caneel geſot - ten oder gebraten zugerichtet / davon zu eſſen / ſchadetjun -297Baum-Garten. jungen Leuten nicht / gehoͤret jedoch ein Trunck Wein dazu / die aber alt und kalt ſind / muͤſſen ſich ihrer gantz enthalten. Auffgedorrete gekocht und gegeſſen / ſtopf - fen ſehr.
Sie geben keine gute Nahrung / ſo man ſie nach der Mahlzeit iſſet / maſſen ſie alsdann machen / daß die andere genoſſene Speiſen mit ihnen im Magen verderben / welches Fieber / Durchbruch und andere Kranckheiten verurſachet. Vor der Mahlzeit a - ber / weiln ſie feucht und glatt ſind / genoſſen / ſind ſie ſo boͤſe nicht / dann weilen ſie ſich bald ſencken / und den Leib weich machen / verurſachen ſie / daß die an - dern Speiſen auch bald abgehen. Koͤnnet ihr euch ihrer nicht enthalten / ſo eſſet nicht zu viel davon / und trincket alſo fort einen guten Trunck Wein darauff.
Ob dieſe gleich weit beſſer ſind als die Pferſing / und mit weniger Gefahr geſſen werden koͤnnen / ſo bringen ſie doch die beſte Nahrung nicht; Sind des - halber am beſten fuͤr junge und geſunde Leute / welche warm Gebluͤt und einen guten Magen dabey haben.
Die unzeitige kuͤhlen / ſtillen Durſt / und maͤßigen die Hitze der Gallen; trucken und ſtopffen gewaltig / dannenhero man ſie innerlich im Durchlauff / Ro - thenruhr / uͤberfluͤßiger Monat-Zeit / Blutſpeyen / aͤuſſerlich in hitzigen Mund - und Hals-Schaden ge - brauchen kan; Die zeitigen oder reiffe muͤſſen allezeit in einen leeren Magen / der keine boͤſe Feuchtigkeit hat / kommen / damit ſie ſich alſobald hinunter ſetzen /T 5und298AUGUSTUS. und nicht verfaulen / wann ſie zulang im Magen blei - ben / oder ſo ſie boͤſe Feuchtigkeit finden / nicht zugleich verderben. Dann ſo nuͤchtern gegeſſen / oͤffnen ſie den Leib / und machen Appetit. Wollet ihr ſie ja nach der Mahlzeit genieſſen / ſo nehmet diejenigen / ſo nicht gar reiff / und noch etwas ſcharff auf der Zungen ſind. Die Blaͤtter allein oder mit der Rinde im Waſſer ge - kocht / und damit den Mund geſpuͤlet / ſtillet das Zahnweh.
Alle rohe Pflaumen / wie ſie auch ſind und Nah - men haben moͤgen / ſo nutzen ſie doch keinem als der hitzig und trockener Natur iſt / dann ſie kuͤhlen und feuchten / doch muͤſſen ſie ſolche Leute vor der Spei - ſe und nicht zu viel zu ſich nehmen; Die aber einen kal - ten und feuchten Magen haben / ſollen ſich derer al - lerdings enthalten / dann ſie verurſachen / ſonderlich wann man zu viel davon iſſet / den Durchlauff / Ro - theruhr und dergleichen mehr. Und ob wohl die aufgedoͤrrete oder gebackenen Pflaumen viel beſſer oder geſunder zu Eſſen / beſſere Nahrung geben und einen offnen Leib halten / ſo ſollen doch diejenigen / die einen ſchwachen Magen haben / ſich ihrer ſo wohl als der Rohen entaͤuſſern / maſſen der Magen davon noch ſchwaͤcher wird. Pflaumen in flieſſend Waſſer geleget / und im Munde gehalten / befeuch - ten die Zunge / und ſtillen den Durſt: Prunellen (prunala) kuͤhlen und feuchten mehr / doch ohne Lei - bes-Bewegung / ſind deßwegen dienlich zu eſſen / und geben in ſieberlicher Hitze eine angenehme Er - qvickung.
Unter allen Haſel-wie auch den weiſſen Lampert - ſchen-Nuͤſſen ſeyn die länglicht inwendig mit einer rothen Schale umgebene die beſten: Seynd doch hart zuverdauen / muͤſſen friſch und nicht trocken geſ - ſen werden / ſie erfordern einen geſunden ſtarcken Menſchen / der fett und ſtarck davon werden kan. Sonſten werden ſie zu entzuͤndeten Augen mit Nutzen gebrauchet / widerſtreben Gifft und gifftiger Thiere Verwundung / mit Rauten und Feigen ver - miſchet / uͤbergelegt: Seyn dienlich zu alten Hu - ſten / mit Meth getruncken / die Schalen gepuͤlvert / inſonderheit das rothe Haͤutlein um die Nuͤſſe ſtil - let den Durchlauff / Blutgang und weiſſen Fluß. Quercetanus macht aus den Schalen mit rothen Corallen und Hechtkuͤbben ein Pulver / und will das Seitenſtehen damit ſicher heben.
Bey Anfang dieſes Monats nehmet den Knob - lauch aus der Erde.
Auf Laurentii Tag ſaͤet Spinat / Kerffel / Pal - ſternacken und gelbe Ruͤben / um ſolche auf kuͤnffti - gen Fruͤhling zugebrauchen.
Verpflantzet nun den Sauerampffer / wie im Martio erwehnet / wie auch die Winter-Endivien / braunen Winter-Kohl / und Mangolt ꝛc.
Verlangt ihr Feld-Lattig in den Garten zuhaben / koͤnnet ihr ihn nun genug auf den Korn - Aeckern finden / aufnehmen und im Garten verpflantzen / um des Winters davon zugebrauchen. Koͤnnet ihn auch kuͤnfftigen Monat ſaͤen.
Nun -300AUGUSTUS.Nunmehr ſind die Saamen meiſtentheils reiff / wartet nicht biß ſolche aufm Stengel gantz zeitig ſind / ſondern wann ſie zu zeitigen anfangen / ſo ſchneidet ſie ab / abſonderlich von den Zucker-Wur - tzeln / ſo im Martio geſaͤet / und hengt ſie an einen ſol - chen Ort / da ſie die Soñe vollends zeitigen und truck - nen kan.
Die Kuͤrbiß / Cucumern und Melonen dienen dieſen Monat den erhitzten Menſchen zu einer ſon - derbahren Erfriſchung.
Schneidet den Wermuth ab / trucknet ihn auf / ſo koͤnnet ihr ihn zu Wermuth-Wein und ſonſten gebrauchen.
Um fruͤhe Cappus-Kohl zu haben ſaͤet ſolchen um Bartholomaͤi / und verpflantzt ihn dergeſtalt wie vorher im Februario gelehret / laſt die Pflantzen al - ſo ſtehen biß der Winter uͤberhin / fuͤllet dann die beym Wurtzeln noch aufgelaſſene Loͤcher mit fri - ſchen Grund wieder zu / welches ihnen eine Krafft zu treiben gibt / und hernach in ſehr groſſe Koͤpffe aufwachſen.
Hierin iſt man nach Jacobi ſehr beſchaͤfftig mit Ausnehmung der Zwiebel - und Bulben-Gewaͤchs / auch mit Abſchneiden der Gewaͤchs / ſo man im Ju - nio eingeſenckt oder eingeleget hat; Sam̃let ab allerhand Blumen-Saamen wenn ſie zur Zeiti - gung gelangen. Zu mercken iſt allhie / daß der Saame insgemein bey heiſſen Wetter abgenom̃en werden ſoll / der aber gefuͤllte Blumen traͤgt / mußkurtz301Blumen-Garten. kurtz 2. oder 3. Stunden vor dem vollen Licht gele - ſen werden.
Koͤnnet ihr nun / gleich im Majo gelehrt / durch ſtecken der Schoͤſſe vermehren. Setzet durch die vermehrte Knollen / und zerreiſſen der Wurtzeln fol - gende fort.
Deren finden ſich zweyerley Sorten Agripina klein und groß / ihre Blaͤtter ſind zerkerbt als der Scolopendriæ oder Hirſch-Zungen / geben gar artig gepflegte Blumen / der Fritillariæ gleich und ſind zweyerley doppelte Arten / die eine noch doppelter als die andre / die beſten doppelten kommen aus Por - tugall und ſind geflam̃te.
So ſind auch noch 2. oder 3. Sorten einfacher Blu - men. Item, ein Colchicum Jan Gerrits; Und noch eine die im Lentzen mit wenig Laubs herfuͤr komt / alle andere aber / wann ſie bluͤhen / kom̃en ſie ohne Laub im nechſt-folgenden Monat. So iſt auch noch ein gelber Narciſſus colchicus, ſo im October bluͤhet. Von der ſpaͤten Herbſt-Zeitloſen kombt das Kraut im Fruͤhling herfuͤr / wenn ſolches abgefault / muͤſ - ſet ihr den Zwiebel aus der Erde nehmen / und tro - cken auff halten / und nachgehends um Jacobi im wachſenden Lichte wieder um in die Erde ſetzen / ſo werden um Michaelis deren Blumen heraus bre - chen. Sie werden aus den Bollen vermehrt und anjetzo vorpflantzt.
Sind zweyerley klein und groſſe Art / die Wur - tzeln ſind den jungen Spargen gleich / und werden von einander geſchieden / und jetzo in ſandige Erde eingeſetzt / muͤſſen aber nicht lange auſſer der Erden ſeyn.
Von denen ſind 2. Sorten, die in Mäy bluͤhen / eine trägt rothe / die ander gelbe Blumen / dieſe letz - te gibt einen ſonderbaren treff lichen Geruch wie Jas - min, ihre Wurtzel iſt gleich den Aphodillen / davon ſie den Nahmen Aphodillen-Lilien hat / werden nun um die Zeit von Zerreiſſen der Pflantzen vermehrt / wiewohl ſie von ſich ſelbſt willig wachſen. Muͤſſen drey Finger tieff und einer Spannen weit von einan - der in einen guten feuchten Grund eingeſetzet / und ſonſt mit derſelb en wie mit der Iride non bulboſa ver - fahren werden / ihr muͤſſet ſie alle 2. Jahr ausneh - men / um die junge davon abzunehmen.
Derer finden ſich ſechſerley / erſtlich doppelte rothe und doppelte weiſſe / dieſe letzten werden aus den Stoͤcklein fortgeſetzt / oder man ſchneidet bißweilen die Pflaͤntzlein von einander. Von dieſer Art wach - ſen auch wohl welche mit einfachen Blumen ins wil - de. Weiter ſind 2. Sorten die aus den Canariſchen Jnſulen kommen / haben weiſſes Laub / purpure und weiſſe Blumen / werden in dieſem Monat durch Ab - reiſſen der Pflantzen vermehret. Darnach ſind noch 2. Sorten, mit Purpur und weiſſen Blumen ſo ins wilde wachſen. Bleiben Sommer und Winter uͤberim303Blumen-Gartenim Lande / fangen an im Majo zu bluͤhen / und waͤhret die Bluͤte biß in October.
Hat viel Sorten, iſt eine Art Ranunculi, etliche ha - ben Laub wie Wegerich / etliche wie Graß. Die dop - pelten pflantzt man fort durch Wurtzeln / und verſetzet ſie anjetzo. Der einfachen giebts in Feldern hin und wieder gnug. Alle Hanenfuͤß bluͤhen im Martio / April und Majo.
Ein paar Tage vor den vollen Mond ſchneidet die Jungen im Junio eingelegte Naͤgelein ab / und ver - pflantzt ſie dergeſtalt nach Belieben / wie angewie - ſen.
Es bluͤhen Narciſſus Indicus, Cyclamen, Cam - panula, Canna Indica. Climatis, bunte Bohnen / Tanacetum, Loͤwenmund.
AUf Lamperti Tag und folgends / wenn das Laub beginnet zu fallen / maſſen der Safft alsdann in die Wurtzel gehet / verpflantzet die Haſel-Nuͤß-Stauden. Scheret oder ſtuͤtzet die Garten-Hecken.
Jm abgehenden Licht nehmet das Obſt / ſo ihr ver - wahren wollet / ohngequetſcht mit einem Obſtbrecher von Bäumen / und ſolches bey ſchoͤnen Wetter / wenn der Mond anfaͤngt abzunehmen; das Winter-Obſt laͤſt man etwas laͤnger hangen als das andere / doch bringt demſelbigen die uͤberfluͤßige Reiffe keinenNutzen.304SEPTEMBER. Nutzen. Verwahret Pfirſing / Aepffel / Birn und andre Obſt-Koͤrner / um ſolche noch vor den Winter oder auffs Vor-Jahr zu ſtecken.
Zu Ende dieſes Monats grabet biß auf die obern Wurtzeln der jungen Bäume / ſo in wachſen ſtehen und ziehet die Erde weg / jedoch daß ſie ein wenig be - decket bleiben / legt darauf Kuͤh-Miſt und laſt ihn ſo lange liegen biß die Fette / welches bey einfallen - den Regen bald geſchiehet / zu Erden worden; Her - nacher ziehet die Erde allgemaͤhlich wieder druͤber / damit die Winter-Kaͤlte den Wurtzeln nicht ſchade.
Habt ihr im Vor-Jahr Sparges geſaͤet / ſo bren - net nun demſelben mit einer Stroh-Fackel die Auß - ſchoͤßling hinweg / reiniget ferner das Bette von al - len Unkraut / und wann es zu frieren beginnet / ſo bedeckts mit Tauben-Huͤner - oder ſonſt gar kurtzen Miſt.
Durchſuchet zum oͤfftern die Goͤmiſch-Bohnen / leſet die trocken ab / ehe ein Regen darauf kommet / dann ſie ſonſt leicht ausfallen.
Bindet die Endivien in trocknen Wetter / oder weiſſet ſie / wie ſchon gelehret.
Jm abnehmenden Licht ſaͤet Cappus und andern Kohl um ſolchen im kuͤnfftigen Martio und April zuverpflantzen / auch Winter-Rapuntzeln / Peterſil - gen / Spinat / Mangold und dergleichen Gewaͤchs / und dasjenige / deſſen im vorigen Monat gedacht.
Jm letzten Viertel ziehet die Zwiebeln bey guten Wetter aus / und laſt ſie etliche Tage zum Abtrock - nen liegen.
Jetzo koͤnnet ihr ebenmaͤßig / als im Februario / Johannis - und Stachel-Beeren fortſetzen.
Wie auch die
Sie nimmt mit allerley Grund verlieb / und ge - ſchicht die Vermehrung aus den haͤuffig neben-wach - ſenden jungen Sproͤßlingen / ſie werden fuͤglich an die Gelaͤnder geſetzt / weil ſie die Garten-Scheere eben ſo wohl als die Johañisbeer-Staude vertragen kan / und gleiche Wartung erfordert. Desgleichen den
Wird in dieſem auch kuͤnfftigen Monat aus den Ruten oder Wurtzel-Schoͤßling im wachſenden Licht fortgepflantzt / deren ſind zweyerley als blau und weiß / den blauen ſetzet man an die Laͤuben / oder ma - chet einen Baum daraus / um hie und da im Garten zuſetzen / der aber weiſſe Blumen traͤgt / wird zu den Hecken gebraucht und iſt eine Art des Holunders. Noch iſt eine Art mit weiſſen Blumen / den blauen gleich geſtaltet. Sie wollen alle gern feucht ſtehen / bluͤhen im Majo und Junio: Wann dieſe Baͤume ſollen alt werden / muß ihnen die junge Brut unten bey den Wurtzeln wohl benommen werden.
Säet in vollem Licht den von den Naͤglein erlang - ten Saamen / und wartet ihrer wie ſchon angewieſen.
Bringet nun biß um Martini und auch noch ſpaͤ - ter nachgeſetztes Zwiebel-Werck wieder in die Erde: Corona Imperialis, Hyacinthen / Gladiola, Narciſ - ſen / Martagon, Dipeadi, Moly, Crocus und uͤbrige Tulpen.
UNehmt306OCTOBER.Nehmt aus der Erde die Merveille de Peru und verwahret ſie wie im April errinnert. Alle auslaͤn - diſche Gewächſe ſetzet fuͤr den Reiffen allgemach bey. Bereitet der Roßmarin / Majoran / rothen und weiß gefuͤllten welſchen Veil-Stoͤcken ihre Winter-Ge - ſchirr. Jetzo koͤnnet ihr auch durch Zerreiſſen der Wurtzel Violam Matronalem, Lichnis, Pæonien / und andere zaſeriſche Wurtzel-Gewaͤchſe vermehren.
Colchicum autumnale, Martagon autumnale, Narciſſus Indicus, crocus autumnalis, Cyclamen, Amaranthus, Sonnen-Blumen / Gentianella, Mal - va, Flos paſſionis, Phalangium, Poma amoris und Maßlieben.
BEy den Baͤumen iſt nun nichts ſonderlich mehr zuverrichten.
Jhr koͤnnet nun noch / gleich in den vor - hergehenden Monat gelehrt / die alten im Graß-Anger oder Waſen ſtehende Bäume duͤngen.
Nun koͤnnet ihr ſchon den Anfang mit umſetzen der Baͤume machen / wie im folgenden Monat ange - wieſen wird. Samlet noch ferner die Kern von den Baum-Fruͤchten / und verwahret ſie fleißig vor den Maͤuſen / weilen dieſelbe ihnen hefftig nachſtreben.
Sind nun reiff / werden meiſtentheils bey den Hammel-Fleiſch unter die Birn und ſonſt mit Ro -ſinen307Kuͤchen-Garten. ſinen gekocht / ob ſie gleich hart zu verdauen und grobe Nahrung geben / ſtaͤrcken ſie jedennoch / wann ſie nicht vor / dann da ſtopffen ſie / ſondern am Ende der Mahl - zeit mit ein wenig Wein zubereitet / geſſen werden / den Magen / benehmen das Auffſtoſſen deſſelbigen / und verhindern / daß die Duͤnſte daraus nicht in das Gehirn ſteigen / machen einen weichen Bauch / und treiben die Speiſen unter ſich.
Von Behaltung der Quitten hat man wahrge - nommen / daß ſie im Spreu geleget lang dauren: Hingegen bald faulen in einem Gemach / in welchem Weintrauben auffgehencket oder verwahret wer - den.
Hebt die Artiſchocken mit der Erde ſo hoch auff / und bedeckt ſie vor der Winter-Kaͤlte / gleich im Mar - tio angewieſen.
Jm letzten Viertel bringet eure Paſternacken / Ruͤben / rothe Ruͤben / Mohr - oder gelbe Wurtzeln / Zucker-Wurtzeln / Peterſilien-Wurtzeln / Selleri / Blumen-Saphoiſchen und Cappus-Kohl und Win - ter-Endivien in Keller. Die Endivien / ſo bald ihr ſie aus der Erde genommen / leget zu erſt eine Staude von der andern abgeſondert / acht Tage auff ein luͤff - tig Gemach / daß ſie etwas welcken / benehmt ihnen alsdann die herum ſitzenden unreinen Blaͤtter / ſchnei - det die Spitzen der uͤbrigen Blaͤtter oben weg / und bringet ſie in Sand.
Was ihr von Wurtzeln zur Saat-Zucht in Fruͤh - ling wieder pflantzen wollet / die ſchneidet nicht zu kurtz ab / damit ſie hernach deſto eher wieder auswach -U 2ſen308OCTOBER. ſen koͤnnen / wie ſolches im Junio bey den Winter - Endivien weiter angewieſen worden. Nehmet in - ſonderheit bey den Zucker-Wurtzeln in acht / daß ihr diejenigen / ſo ihr wieder zu verpflantzen gedenckt / un - ter den Knoͤpffen oder Treib-Augen eines Fingers breit abſchneidet / und ſo lang im Sande verwahrt / wie im Martio gelehrt.
Koͤnnet ihr nun durchs Einlegen abgeriſſene Zwei - ge vermehren.
Dieſer iſt von ſehr harten Holtz / ja auch ohne Marck: Das Laub iſt dunckelgruͤn / je zwey und zwey Blatt gegen einander. Die drauff folgende Fruͤch - te / welche an etlichen Orten welſche Kirſchen genennt werden / ſind laͤnglicht / ſie reiffen im September und werden roth / ſind eines herben zuſammenziehenden Geſchmacks / wenn ſie aber erweichen ſind ſie ſuͤß / der Kern iſt an der Haͤrte den Oliven-Kernen nicht un - gleich / etliche ſetzen ſie auch / gleich die Oliven / wann ſie noch gruͤn ſind / in Eßig ein.
Den Flamiſchen Lorber-Baum / Feigen-Baum und andere / wie an ihren Orten gedacht / koͤnnet ihr den Winter uͤber wohl im Garten laſſen / muͤſt ſie aber anietzo mit Stroh wohl zudecken / oder auff eine Sei - te zur Erde biegen / und mit guter Erde oder Sand beſchuͤtten.
Die uͤbrigen zarte Baͤume und Blumen bringet nun in darzu gemachten Keller oder Stube / ſonder - lich den Hyacinthum tuberoſum, ſo anietzo bluͤhet / da die Fenſter gegen Suͤden oder Suͤd-Weſten ſtehen /auff309Blumen-Garten. auff daß ſie bißweilen von der Sonnen erwaͤrmet werden. Wann es aber frieret ſo muß man die Fenſter ſchlieſſen: Frieret es dann ſtarck / ſo muß die Stube / jedoch in ſolcher maſſe geheitzet werden / daß weder Waͤrme noch Kälte uͤberhand nehme. Deſ - ſen gewiſſer zu ſeyn kan man 2. oder 3. Scherben mit Waſſer darein ſetzen / ſo lange das Waſſer nicht frie - ret / ſo lang iſt auch unnoͤthig einzuheitzen / ſo es aber zu Eiſe frieret / muß die Stube nur dergeſtalt erwaͤr - met werden / daß es wieder auffthaue. Sam̃let / was etwan von Saamen noch zu ſammken iſt.
Koͤnnet ihr nun ſolcher Geſtalt vergroͤſſern: Neh - met ein paar Tage vor dem vollen Licht etliche aus dem Erdreich oder Toͤpffen / jedoch ſo behutſam / daß Erde genug bey den Wurtzeln bleibe / ſchneidet die klei - ne herfuͤrſtehende Wurtzel-Zäſerlein hinweg / ſchuͤttet in die Geſchirr / darein ihr ſie bringen wollet / zwey Finger hoch mittelmaͤßige Erde / gieſſet darauf 4. odeꝛ 5. Finger dick Kaͤlber - oder Ochſen-Blut / auff das Blut wieder drey Finger hoch ſchlechte Erde / darein ſetzet die beſchnittene Pflantzen / fuͤllet mit der beſten Erde vollends aus was darum leer geblieben / ſetzet ſie ſo dann in die Sonne und befeuchtet ſie nothduͤrfftig bey trockenem Wetter / und bringt ſie folglich mit an - dern ins Gemach. Wovon im Martio ein mehrers gemeldet worden.
Vermehret durchs Zerreiſſen / wie im Martio ge - dacht / die Maßlieben:
U 3Es310NOVEMBER.Es bluͤhen
Hyacinthus tuberoſus, Narciſſus Colchicus, und Geranium mit einem Schoͤßlein.
GErſetzet zwey oder drey Tage nach dem vol - len Licht / weilen das Laub meiſts abgefal - len / Obſt-Baͤume / erkundiget euch aber zu - vor der ſtation des Monds / dann ſo der Mond im Widder / Scorpion und Steinbock gehet / ſo wurtzelt ein Baum ſtarck und feſt unter ſich / durchlaͤufft er aber Zwilling / Wag und Waſſer - mann / ſo waͤchſt er viel ſtaͤrcker uͤber ſich als unter - warts / befindet er ſich im Stier / Loͤw und Schuͤtz / ſo kan man ſolche Oerter / welche feucht und niedrig ſind / mit Baͤumen beſetzen; Aber im Krebs / Jung - frau und Fiſch iſt nicht rathſam das geringſte zu - verſetzen.
Huͤtet euch dabey / wann ihr ſie aus der Erde nehmet / daß ihr deren Hertz-Wurtzeln nicht verle - tzet / und falls es ja geſchehen / ſo beſchneidet ſie / auf daß ſie in der Erde nicht verfaulen / laſt einen ſolchen ausgenommenen Stam̃ nicht zu lang bloß und in der Lufft liegen / damit der Safft nicht ausgetruck - net werde. So muß auch das Loch / worinn ſol - cher Stam̃ wieder kommen ſoll / nicht zu lange offen liegen / dann ſonſt die Sonne und Lufft die Feuch - tigkeit der Erden verzehret und unfruchtbar ma -chet.311Baum-Garten. chet. Bey dem Einſetzen muß fuͤr allen Dingen zugeſehen werden / daß keine Baum-Blaͤtter bey die Wurtzeln kommen / welche leicht eine Verfau - lung verurſachen koͤnnen. Weitere Anleitung da - zu iſt im Februario angefuͤhret.
Wolten eure Pfropff-Reiſſer zu hoch wachſen o - der zu viel unnuͤtze Zweige bringen / ſtuͤtzet und ſchnei - det ſie ab / und verſtreichet den Schnitt mit Baum - Wachs.
Schaffet euch wilde / feine / gleich und glatte / mit - telmaͤßige und nicht zu ſtarcke wilde Stämme zum kuͤnfftigen Pfropffen / Graben und Verpflantzen.
So ihr an alten Baͤumen den Sommer uͤber vermercket habt / daß ſie wegen geringen oder Sal - peteriſchen Grund krafftloß und an Blaͤttern gelb worden / ſo raͤumt zu derer Wurtzeln / und ſchuͤttet Teich-Bach - oder Wald-Erde dazu / und verbeſſert damit den Grund. Und wenn ihr ſolche mit al - ten Leimen aus den Waͤnden vermiſchet / iſts ſo viel deſto beſſer. Weil auch die ſtarcke Winde die jun - gen Baͤumlein leichtlich zerbrechen koͤnnen / und die Haſen mit ihren Abnagen den Pfropff-Reißlein zum oͤfftern keinen geringen Schaden zufuͤgen / ſo ſchrancket dieſe mit Dornen oder ſichtenen Sten - geln ein / damit nichts ſchaͤdliches ihnen anſtoſſen moͤge; jene [die jungen Bäumlein] koͤnnet ihr an die dabey geſetzte Pfaͤle fleißig ſetzen.
Jm abnehmenden Licht ſaubert die Baͤume / und benehmt ihnen die unnuͤtz - und uͤberfluͤßigen Aeſte. Verſtreicht die beſchaͤdigt - und loͤcherichten Baͤume mit Baum-Wachs. Es muß aber mit dem be -U 4ſchnei -312NOVEMBER. ſchneiden oder ſtuͤmlen behutſam umgegangen wer - den / denn wenn man es zu viel macht / ſchlaͤgt die Rinde aus und bleibt der Baum ſtehen / oder erſti - cket in den aufwallenden Saffte gar / oder aber / ſon - derlich die Erwachſene / treiben oben Waſſer-Schoſ - ſen oder unten Wurtzel / denn der Safft will ſich ir - gend wo ergieſſen / drum iſt beſſer man nehme jaͤhr - lich / wo noͤthig / ein oder zwey Aeſte hinweg: Da - fern aber auf euren Staͤmmen in einer Spalte zwo Reiſſer verblieben ſeyn / ſo nehmet das jenige / ſo gegen Morgen oder Mittag ſtehet (dann das andere kan ſich gegen den ſtarcken Weſt - und Suͤd-Wind beſſer halten) hinweg und verfahret wie oben erwehnet.
Sind die Erdſchocken noch nicht zugedeckt / ſo muß es nun nothwendig geſchehen.
Was im vorigen Monat von Verwahrung der Kuͤchen-Wurtzeln im Keller erwehnet / koͤnnet ihr auch im Garten verſuchen / allda eine Grube an ei - nen warmen Ort graben / ſolche biß an das Hertz drein ſetzen / mit Brettern und Stroh wohl zude - cken / auch fleißig drauff achten / daß ſie ſo wenig ver - faulen als verfrieren.
So ihr im vorigen Monat / wegen guten war - men Wetters / die zarten Baͤume nicht eingelegt o - der eingebunden / muß es nun geſchehen. Es iſt auch ſonſten nicht viel ſonderliches darinn zuver - richten / nur daß man bey gutem Wetter den Blu - men-Gemãchern Lufft gebe / die Scherben oder Toͤpffe nicht zu viel befeuchte und wo man wegenſtren -313DECEMBER. ſtrenger Kälte ſelbige erwaͤrmen muͤſte / daß ſolches maͤßiger Weiſſe geſchehe / auch die Gewaͤchſe / nach - dem ſie viel oder wenig Waͤrme verlangen / darnach locire und ſetze.
Es bluͤhen noch Narciſſus Colchicus & Cyclamen.
Was wegen Aushebung des Hyacinthi tuberoſi im April und vorigen Monat gedacht / kan auch an - jetzo / wann er gantz verbluͤhet / an Hand genommen / aus ſeinem Geſchirr mit deſſen Abſetzen ausgeho - ben / des Winters uͤber in einem warmen Zimmer gelind abgetrucknet / und im folgenden Fruͤhling wieder eingeſetzt werden.
AN Baͤumen iſt nun nichts anders zu thun / als die Wurm-Neſter abzuſaͤubern / und noch wie im vorigen Monaten allerley Kern zum Stechen aufzuheben. Es ſeynd auch etli - che / welche in der Chriſt-Nacht Stroh um die Baͤu - me binden / in Meynung / daß ſie alsdann voͤlliger und beſſer tragen. Wartet in der Scherbe-Stuben der Welſchen Baͤume mit maͤßiger Begieſſung und Erwaͤrmung fleißig ab.
Weil es darinn kahl beſchaffen / muͤſt ihr euch des - jenigen bedienen / was im Keller verwahrt; Auch ſam̃let das Saamwerck zuſammen / und reiniget es.
Da kan noch bluͤhen Cyclamen aus Perſien und das gemeine. Aber im Gemach / da ihr die zarten Baͤume verwahrlich haltet / bluͤhen Citronen / Po - merantzen und Myrthen / auch an Jasmin pflegen die ſpäten Blumen noch herfuͤr zu kommen; Hie kan auch Statt finden was im November und droben im Januario zur Nachricht mitgetheilet worden.
JN dieſem Monat Jenner ſam̃let man die ſchwartze Nieſewurtzel.
JM Hornung oder Februario, colligiret man die Zäpfgen von Haſelſtauden / und den Safft aus den verletzten Nußbaum.
JN dieſem Monat Martio wird Aron-Wurtzel geſam̃let / ingleichen die Rinde von Schlehen - Dorn / Gold - oder Schellwuꝛtzel / Bircken-Schwäm - me / Bircken-Waſſer / den gelben Staub von Haſel - ſtaud-Bluͤten / Benedicten-Wurtzel / Loͤffel-Kraut / Haſelſtauden-Holtz / Attichwurtzel / Eſchen-Rinde / Holwurtz-Wurtzel / Gundermann / Meiſterwurtz - Wurtzel / blau Lilien-Wurtzel / Wachholder-Holtz / Lorbeerblaͤtter / Liebſtoͤckwurtzel / die jungen Schoͤß -linge315wann ſolche zu ſammlen. linge vom Hopfen / Haſenpapel-Wurtzel / Baͤrwurtz - Wurtzel / Brunnkreß / Peſtilentzwurtz-Wurtzel / Poͤonien-Wurtzel / Himmelſchluͤßellgen / Merrettich - Wurtzel / Weiden-Rinde / Holder-Kuͤhmen / (oder Keimen /) Knaben-Kraut-Wurtzel / Braunwurtz - Wurtzel / blaue Veilgen.
JM Aprill ſam̃let man Schlehenbluͤt / Sauer - ampferwurtzel / Eibiſchwurtzel / Bachbungen - Blaͤtter / Calmus / Haſelwurtz-Wurtzel / Spargel - Wurtzel / groſſe Klettenwurtzel / Gaͤnſebluͤmgen / Birckenwaſſer / theils Schwaͤmme / Natterwurtz - Wurtzel / Zaunrebenwurtzel / weiſſe Eberwurtz-Wur - tzel / Feigwartzenwurtz-Blumen und Blaͤtter / gelbe Violen / Loͤffel-Kraut / weiß Diptanwurtzel / Fette - Hennenwurtzel / rothe Steinbrechwurtzel / gemeine Holwurtzwurtzel / Storchſchnabelkraut / Suͤßholtz / (i. e. Rad. liqvirit. l. glyzyrrhiz. ) weiſſe Lilienwur - tzel / Meyenbluͤmgenwurtzel / Haſelpappelwurtzel / Gundermann / Alantwurtzel / Freyſamkraut / Lieb - ſtoͤckelwurtzel / Schaafgarbenwurtzel / Pferſings - baumbluͤte / Peterſilienwurtzel / Bibernellwurtzel / Weißwurtz-Wurtzel / Himmelſchluͤſſelgen / Lungen - Kraut / Fuͤnffſingerkr autwurtzel / Mäußdarmwur - tzel / die mittlere Rinde von Hollunder / Hollunder - Schwaͤmme / Scabioſenwurtzel / Schwatzwurtz - Wurtzel / Scorzonerwurtzel / Abbißwurtzel / Ehren - preiß / Tormentill-Wurtzel / Huflattich-Wurtzel / Baldrianwurtzel / Sinngruͤn / Schwalbenwurtzel / blaue Veilgen / den austrieffenden Safft von Wein - ſtock.
JM Maͤy pfleget man folgende Vegetabilia zu - ſamlen: Gemeine uñ Roͤmiſche Wermuthblaͤtter uñ Gipffel / Schlehndoꝛnblaͤtter / Saueꝛampfferblaͤt - ter / Guͤldenwiederthonkraut / Odermennigblaͤtter / Sinaukraut / Huͤnerdarmkraut / Dillgipffel / Ange - lickenwurtzel / Gaͤnſerichkraut / Dorantkraut / Agley - blaͤtter / lang und rundes Hollwurtzkraut / Beyfuß - gipffel / Haſelwurtzkraut / Pomerantzenbluͤthe / Gra - natbaumbluͤthe / Maͤußoͤhrleinkraut / Gänſebluͤm - leinkraut / Bethonienkraut / Birckenwaſſer / Bluͤ - hendes Natterwurtzelkraut / Borragenwurtzel und Kraut / Ritterſpornkraut / Ringelbluhmen und Blaͤt - ter / Geißblat / Chamillen / Schellkraut / gelbe Vio - ken / Wegwart / Loͤffelkraut / Hagenbuttenbluͤthe und Schwaͤm̃e / Erdbeerkraut / Waldmeiſterkraut / Roß - ſchwantzblaͤtter / Bohnenbluͤthe uñ Schwaͤm̃e / Erd - beerkraut / Erdrauchkraut / Gundermankraut / Jſop / Freyſamkrautblaͤtter / Wacholder-Schwaͤmme / Lieb - ſtoͤckelblaͤtter / Steinleberkraut / Maͤyenbluͤmgen / Haſelpappelkraut / Steinklee / Meliſſen / Krauſe - muͤntzen / Frauenmuͤntz / Miſpelbaum-Blaͤtter / Schaafgarben-Blätter / See-Blumen-Blaͤt - ter / Katzenmuͤntz-Blaͤtter / Hauhechel-Blaͤtter / Doſtblätter / Klatſchroſenblumen (welche auch im Ju - nio koͤnnen geſam̃let werden /) Pferſichbaumblaͤtter / Einbeer-Beere / Peterſilienblaͤtter / Bibernellkraut / Breit und Spitzig-Wegerichkraut / Poeonienbluͤte / Brunellenblätter / wilte Bertramblaͤtter / Eichbaum - Blätter / fuͤnff-Finger-Kraut / Rettich / weiſſe Roſen / Zucker-Roſen / Provintz-Roſen / Roßmarin-Bluͤte /Faͤr -317wann ſolche zu ſammlen. Faͤrberroͤthe / Weinrauten-Blaͤtter / Mauerrauten - Kraut / Sevenbaum-Blaͤtter / Hollunderbluͤte / welſch-Bebernell-Blaͤtter / weiſſe Steinbrechwur - tzel und Bluͤte / Scabioſen-Blaͤtter / Creutzwurtzel - Kraut / Nachtſchatten-Kraut / Saudiſtel-Blaͤtter / Rheinfarren / Bauernſenff-Kraut / groß Bathen - gel-Kraut / Linden-Miſtel / Tormentill-Kraut / Huff - lattich-Wurtzel / groß Baldrian-Kraut / gemein Baldrian-Kraut / Heidniſch wund Kraut-Blaͤtter / Weinſtock-Blaͤtter.
JM Brach-Monat ſammlet man folgendes: Sauerampffer-Saamen / guͤlden Wiederthon - Kraut / Odermennig-Kraut / Sinau-Kraut / Bach - bungen-Kraut / Dillbluͤte / Gänſerich-Kraut / Do - rant-Kraut / Agley-Kraut / Hohlwurtz-Kraut / Wohlverley-Kraut / Beyfuß-Gipffel / Spargel - Wurtzel / Baſilien / Bethonien / Natterwurtz - Kraut / Borragenblumen / Ochſenzungenbluhmen / Ackermuͤntz / Ritterſpohren / Ringelbluhmen / Geiß - blat / Cardubenedicten / Kuͤmmel / Nelcken / Tau - ſendguͤldenkraut / Kerbel / Klein Bathengel / Cha - millenkraut / Schellkraut / Scharbockskrautwur - tzel / gelbe Violwurtzel / Hindlaͤufftenbluͤte / Weg - wartbluͤte / Schierling / Loͤffelkraut-Saamen / Guͤl - denguͤnſel / Kornblumen / Hundszungel / Haynbut - ten / Schwaͤmme / Mohrenkuͤmmelſaamen / Attich - blaͤtter / Mannstreuwurtzel / Augentroſt / Farren - krauts-Walperſaamen / Fenchel / Erdbeere / Eſchen - baumholtz / Geißrautenkraut / Gerſtenbluͤthe / Alant -bluͤthe /318Kraͤuter und Wurtzeln /bluͤthe / Harnkraut / Scharlachbluͤthe und Blaͤtter / Johanniskraut / gruͤn und unreiffe welſche Nuͤſſe zum Einmachen / Haſenpfoͤtleinkraut / Steinleber - kraut / weiſſe Lilien / Frauen-Flachskraut / Majoran / weiß Andorn / Meterkraut / Honigklee / Meliſſen / Kraußemuͤntzen / Schaafgarbe / Beerlapp / Seeblumenbluͤthe / Hauchhecheln / Klatſchroſen / Durchwachs / Peterſiliẽ / Bibernell / Wegerich / Bur - tzelkraut / Braunellenkraut / Johannisbeere / Roſen / Heidelbeere / Roßmarien / Faͤrberoͤthewurtzel / Rau - tengipffel / Weidenblaͤtter / Salbeybluͤthe / Hollun - derbluͤthe / Sanickelkraut / Satureykraut / Knob - lauchkraut / Schlangenmordſaamen / Creutzwurtz - kraut / Quendel / Spicanardenbluͤthe / Mottenkraut / Rheinfarrnbluͤthe / Lindenbluͤthe / Baldrian / Koͤ - nigskertzenbluhmen und Wurtzel / Mauerpfeffer / Ehrenpreiß und Violſaamen.
MAn ſam̃let im Heumonath folgendes ein: Auch noch Majoran / Cardubenedicten / Stab - Wurtzel-Blaͤtter und Gipfel / Wermuth-Gipfel / Sauerampffer-Saamen / gelbe Schwertelwurtzel / Eibiſchbluͤt / Dill-ſaamen / Angelick-Saamen / Gaͤn - ſrich-Kraut / Waſſereppich-Kraut / Baſilien-Blaͤt - ter und Bluͤte / braun Bethonien / Borragen-Blu - men / Trauben-Kraut-Gipfel und Blaͤtter / Teſchel - Kraut / Ackermuͤntze / Ringel-Blumen / Wieſen - Kuͤmmel / Negelblumen / Tauſendguͤlden-Kraut / Kerbelſaamen / klein Bathengel / Schlaffkraͤutgen / Roͤmiſche Chamillen-Blumen / Schellkraut-Blu - men und Blätter / blaue Wegwart-Vlumen / Schirꝛ -lings -319wann ſolche zu ſammlen. lings Blaͤtter und Blumen / Flachsſeyden Kraut / Cretiſchen Diptam / Endivien Saamen / Manns - treukraut / Hiderichkraut / Hertzklee / Augentroſt / Ziegen - oder Geißrauten / Alant / Scharlyblumen / bluͤhend Johannis-Kraut / Veil-Oel-Reben-Blu - men / Meiſterwurtz-Kraut / Katzen-Klee / Liebeſtoͤckel / Frauenflachs / Siebenzeiten / weiß Andorn / Meter - oder Mutter-Kraut / Meliſſen / Schaff-Garben / Brunn-Kreß / Katzenmuͤntz / Hauhecheln / Doſten / Vogelneſt / Wegerich / Wegtritt / Brunellen / Jo - hannis-Beerlein / Himbeer / Salbey / Scordien / Creutzwurtzelkraut / Tau - oder Saudiſtel / Spica - narden / Lavendel / Abbiß / Rheinfarren / Thymian / Eiſenkraut / Guͤldenwund-Kraut / Koͤnigskertzen / Brenneſſeln / und Taubeneſſeln.
JM Auguſtmonat ſammlet man Toback / Ebreiß / Wermuth / Schlehen / Sauerampffer / gelbe Schwertelwurtz / Leberbalſam-Saamen / Juden - Kirſchen / Angelicken-Saamen / Anis-Saamen / Ag - ley-Kraut / Spargel-Saamen / Genſerich-Kraut / Waſſereppich-wurtzel und Saamen / Natterwurtz - wurtzel / Borragen-Kraut / Cardubenedicten-Saa - men / Mariendiſtel-Saamen / Saflor-Saamen / Benedicten-wurtz-Wurtzel / Springkoͤrner-Saa - men / Schellkrautwurtzel / Gurcken-Saamen / Sau - brodt-Wurtzel / Quitten-Aepffel / Hundszungen - Wurtzel / Bohnen / Entzian-Wurtzel / Jſop / Wa - cholderbeere / Salat-Saamen / Liebſtoͤckel-Saa - men / Frauenflachs-Kraut / Siebenzeit-Kraut / Majoran-Kraut / unreiffe Mispeln / Baͤrwurtz -Wur -320Kraͤuter und WurtzelnWurtzel / Hirſen / Meerhirſen / Maulbeere / Braun - kreß / Mohnſaamen / Brunellen-Kraut / Hertzpoley - Kraut / Himbeer / Brombeere / Hollunderbeere / (Zwibſten /) Baurenſenff-Saamen / Koͤnigs Ker - tzen-Wurtzel / Violenkraut-Wurtzel / Brenn - und Eyter-Neſſel-Saamen.
JM Herbſtmonat colligirt man Calmus / Leber - balſam-Saamen / Keuſchlamm-Saamen / Huͤ - nerdarm-Kraut / Eibiſchwurtzel / Angelickwurtzel / Waſſereppichwurtzel und Saamen / Oſterlucey - Wurtzel / Spargen-Kraut / Borragenkraut / Hanff - Saamen / Mariendiſtelblaͤtter / Schellkrauts-wur - tzel / Hindlaͤuffts-wurtzel / Wegwartwurtzel / Gur - ckenſaamen / Hagenbutten / Rautenſaamen / Hede - richſaamen / Fenchelſaamen / Ziegenrautenſaamen / Suͤßholtzwurtzel / Alantwurtzel / Bilſenkrautſaa - men / Leinſaamen / Melonenſaamen / Mispeln Bal - ſam-Aepffel Fruͤchte / Steckruͤbenſaamen / Schwartz - Kuͤmmelſaamen / Pferſichkern / Tag-uñ Nacht-kraut / Floͤhkraut / Peſtilentzwurtzel / Haarſtrangwurtzel / Bibernellſaamen / breit - und ſpitziger Wegerichſaa - men / Burtzel-Krautſaamen / Pſyllien-Krautſaa - men / Eicheln / Maͤußdornwurtzel / Rautenſaamen / Baldrian-Wurtzel.
JN dem Weinmonat iſt und ſind zuſammlen Berbisbeere / Lorberbeere / Ringel-Kraut / die Kern von Mispeln / Schlehen / kleine Kletten / Weinreben / Kuͤrbſe / Wegwart / Tag - und Nacht - Kraut / Raute.
HAgenbuͤtten (Haynbutten) ſind in dem Win - ter-Monat zu ſammlen; und im Schuͤtze ſoll man Scabioſen-Wurtzel graben / und fein laͤnglicht von einander ſpaͤlten / an einen Faden reihen / und trocknen laſſen / und wenn ein Kind ausſchlaͤgt / ins Trincken legen / bringet alle Unreinigkeit weg.
JM Chriſtmonat wären die Beere von Epheu noch zuſammlen ꝛc.
WAnn man einen Garten beſaͤ - en will / muß die Erde durch und durch naß / und wohlbefeuchtes ſeyn / dabey ſonderlich anzumer - cken / ob der Garte hoch oder nie - drig gelegen.
Will man den Garten im Fruͤhling beſaͤen / muß man denſelben im Winter umgraben oder ausfur - chen / dann dadurch wird alles Unkraut getoͤdtet.
XEhe322Garten-Memorial.Ehe und bevor man ſaͤet / ſoll man alles Unkraut ausjaͤten / die Erden loß graben / und dafern ſie ſchrau oder mager iſt / wohldurchmiſten und duͤngen.
Die Gaͤrten duͤnget man gemeiniglich ums andere Jahr: aber da man Kohl und Roͤmiſche Bohnen pflantzen will / ſoll man alle Jahr wohl miſten / und das Jahr hernach ſoll man allerhand Arten Wur - tzeln / als Paſternacken / Moͤren oder gelbe Wurtzeln / Zucker-Wurtzeln / Rettich und dergleichen ſaͤen / wei - len nicht gut iſt / dieſelbe in neugemiſteten Gꝛund zu ſaͤ - en / aus Urſach / weil durch die Fettigkeit des friſchen Miſtes viel Wuͤrme hervor kommen / und die vorge - meldte Wurtzeln wurmſtichich machen.
Will man gute Saat von Peterſilien und andern gewinnen / muß man den Strauch zwey Jahr in der Erde ſtehen laſſen. Es iſt auch ſehr gut / daß man die Paſternacken den gantzen Winter in der Erden laͤſſet. Will man gut Spinachien-Saat ziehen / muß man nehmen die im Anguſto gewonnen / oder die im Januario oder Februario geſäet iſt. Lattich mag man allezeit unter allen Arten von Wurtzeln ſaͤen. Rettig - oder Radies-Satt muß man ausrupf - fen / ehe es gantz duͤrre iſt / und an die Sonne auff - hängen. Allerley Saat / nachdem es in der Sonne getrucknet iſt / wird am beſten bewahret in einem Saat-Haͤuſelein / und wenn es hart frieret / wird es ausgedroſchen und ausgerieben.
Das Erdreich / da man Zwiebeln ſaͤen will / muß in ſelbigem Jahr darinnen man ſaͤet / gemiſtet werden / es mag auch wohl das Jahr zuvor ſchon gegeilet ſeyn / dann man einen Garten mit Miſten / Brechen und Graben nicht leicht verderben mag.
Die323Garten-Memorial.Die Betten muͤſſen von einer ſolchen Breite ge - machet werden / daß man dieſelbe mit der Hand biß zum halben Theil kan uͤberreichen / um ſelbige deſto bequemer auszujaͤten / odeꝛ etwas draus zu langen; ge - meiniglich nimmt man 4. Fuß breit / ausgenommen die groſſen Bohnen / Roͤmiſchen Bohnen / Paſterna - cken / Wurtzeln / Kohl / Artiſchocken und dergleichen; Ob deren Betten etwa kleiner oder groͤſſer ſeyn / ſcha - det nicht / und machet es ein jeder nach ſeiner Gelegen - heit und Gutduͤncken.
Muß man allemahl in acht haben / ob es gut klar Wetter iſt / oder zu vermuthen / und nicht eher ſaͤen / ehe die Sonne das Land beſcheinet. Man muß auch darauff ſehen / daß die Saat nicht zu alt / noch zu duͤr - re / noch vermenget ſey / ſonſt waͤre die meiſte Arbeit umſonſt und verlohren. Das allerbeſte Zwiebel - Saat iſt dasjenige / welches zu erſt aus ſeinem Haͤus - lein reiſet.
Damit einer allerhand Sorten Blumen und ſel - bige verdoppelt / und daß ſie deſto eher ihre Farben va - riiren und aͤndern / bekommen moͤge / muß er ſelbige ſaͤen einen oder zwey Tage vor dem vollen Mond / auf daß ſie moͤgen ausſchieſſen mit demſelben vollen Mond / und daß man doppelte Stock-Violetten oder Negelein / Leucojon arboreſcens moͤge bekommen / muß man ſelbige im September in ſonderlich darzu verordnete Toͤpffe ſaͤen / und hinſtellen an einen Ort / da ſie nicht erfrieren / und im Ausgang des Winters / oder im Fruͤhling verpflantzen / alsdann tragen ſie den gantzen Sommer durch / und dafern ſie geſäet ſeyn /X 2wie324Garten-Memorial. wie oben vermeldet / werden aus einfachen gedoppel - te. Das Saat muß ſeyn aus dem erſten Hertz - Sproß / dieſerwegen muß man die erſten Blumen ſtehen laſſen / und daſſelbe Saat allein auf heben und ſaͤen / wann das Gewitter nicht gar zu kalt / und der Wind nicht Nordlich iſt.
So man einigen Froſt oder Reiffen beſorget / muß mans mit Matten oder Stroh bedecken / und einige Stecken oder Zweige darunter legen / damit gedachte Mätten das auffgegangene Saat nicht zerplaͤtten oder verderben.
Wann das Gewitter allzuduͤrre iſt / muß man den Garten begieſſen mit einem Gieſſer / darinnen unzeh - lich viel feine und ſubtile Loͤchlein ſeyn / und zwar des Abends / weil es im Mittag gar zu heiß iſt / doch nicht mit Waſſer aus einem ſteinern Ziehe-Brunnen / welches zu kalt iſt / es waͤre dann / daß man ſelbiges Waſſer einen Tag und Nacht zuvor ausgeſchoͤpffet / und an die Sonne geſtellet gehabt haͤtte; das Regen - Waſſer iſt am bequemſten dazu.
Soll man ſaͤen Kerbel / Saurampffer / Wermuth / Peterſilie / Ruͤben / Rettich / Radis / Porcelein / Bor - rage / Ochſenzunge / edlen Majoran / Hyſſopen / Thy - mian / Baſiligen / Kreſſe / ꝛc.
Saͤet und pflantzet man allerley Kohl / Bohnen / Erbſen / Wurtzeln / Paſternacken / Endivien / Cicho - rien / Zwibeln / Lattich oder Kropff-Salat / Zucker - Wurtzeln / Cardobenedicten / Melonen / Kuͤrbis / Cu - cumern / Spinagie / Fenchel / Senff ꝛc.
Den groſſen Seelaͤndiſchen Kohl oder Cappus - Kraut muß man dritthalb Fuß weit von einander pflantzen; Den Savoyſchen und Blumen-Kohl anderthalb Fuß weit / auf dieſe Art und Manier:
Die Roͤmiſchen oder Tuͤrckiſchen Bohnen pflantzt man Rautenweiſe gleich / 2. Fuß von einander / wie den groſſen Kohl / vier und vier beyſammen auf dieſe Manier:
VErpflantzet man Bäume; um St. Petri Tag beſchneidet man die Weinſtoͤcke im abnehmen - den Mond / wann es ſchoͤn Wetter und guter Wind iſt / oder am Ende des Februarii / und nicht ſpaͤter. Man pflantzet Hecken / ſaͤubert die Baͤume / und reiniget die Gärten gegen den Sommer. Man fuͤh - ret den Miſt aufs Land. Man mag auch wohl Pe - terſilie / Spinagie / Salat und Zwiebel ſaͤen / nach - dem das Wetter gut iſt / um ſelbige zu haben / dann es hat zu Zeiten Gefahr / daß es ausfrieret / darum gehen diejenige ſicherer / die es im Februario oder was ſpaͤter ſaͤen.
Saͤet man Peterſilie und Kropff-Lattich im ab - nehmenden Mond. Man ſaͤet Zucker-Wurtzeln in dieſem Mond oder im Mertzen / doch je eher je beſ - ſer / weil ſie die Duͤrre nicht ertragen / und dabey nicht fortkommen koͤnnen. Man ſaͤet und pflan - tzet groſſe Bohnen und Spinagie darzwiſchen / auch Radieß / nach eines jeden Belieben. Jngleichen Erbſen / und Radieß dazwiſchen / Meyruͤben und Radieß darinnen / wenn man ſie gerne fruͤhe haben will. Wann die Paſternacken zu dick ſtehen / ſoll man ſie von einander abſondern / und einen Fuß breit von einander pflantzen / ſonſt koͤnnen ſie nicht tuͤgen oder gut werden. Etliche machen in allen Betten ein klein Bettlein ohngefehr eines Fuſſes breit / dar auf ſaͤen ſie Steck-Salat / und wann die Zeit kom̃t die Cucumern zu pflantzen / ſo pflantzen ſie ſelbige da - rauf / und wann der Salat nach einander abgezo - gen und verbrauchet / dann lauffen die Cucumern uͤbers gantze Bette ohne einigen Schaden.
Als ihr keine Rettiche habt zu verpflantzen / moͤget ihr dieſelbe ſaͤen im Anfang des Mertzen / ſo kommen ſie noch fruͤh genug. Man ſaͤet Patientz / Raqvette / Kreſſe / Pimpernelle / Saurampfer; Man ſaͤet auch Endivien / daß man Saat davon ziehe; Und Eichorien ſelbige gruͤn zu eſſen; Hyſſopen und A - niß. Alle gute Kraͤuter verpflantzet man jetzt in die - ſem Mond; Die beſten im abnehmenden Mond. Man verpflantzet die Artiſchocken; Man ſaͤet aller - ley Saat Blumen und Baͤume zu zeugen. Mitdem327Garten-Memorial. dem vollen Mond des Mertzen ſäet man / und zwey Tage vor dem vollen Mond des Auguſti verpflan - tzet man die Topff-Blumen und Anemonen / und begeuſt ſie des Tages dreymal / oder zum wenigſten zweymal / und alsdann muß man ſie den Mittag uͤber zudecken. Paſternacken-Wurtzeln / Wermuth / Spinagie / Erbſen / Borꝛage / Ochſenzung / Peterſilie / allerhand Kohl / (ausgenommen Blumen-Kohl) Steck-Salat / Kropff-Lattich / Spaniſche Salate / als die gꝛoß genug ſind / werdẽ veꝛpflantzet wohin man will / wie auch Kerfel / Lauch / Zwiebeln / Ruͤben / groſ - ſe Bohnen / Kreſſe und Hirſchzungen. Man legt auch um dieſe Zeit den Sparges.
Saͤet und verpflantzet man Salat / und das von nun an / von 14. Tagen zu 14. Tagen / Spinagie / Burtzel-Kraut / Kropfflattig / Zucker-Wurtzeln / Me - lonen / Cucumern / Kuͤrbiß / Kerffel / Saurampffer / Wermuth / Hyſſopen / Majoran / Thymian / Roß - marin / Meliſſen / Selleri / Bohnen / Erbſen / Pim - pinellen / Rettich / Radies / Spargen / ꝛc.
Pflantzet man Cappus-Kraut / ſo im Mertz geſaͤ - et iſt; Man ſäet Ruͤben / um fruͤhe davon zugenieſ - ſen. Nach dem halben Mond mag man Rettich ſaͤ - en / wenn man von ſelbigen fruͤhe eſſen wolte. Jtem Burtzelkraut / Lattich / edel Majoran / Baſilgen / Roͤ - miſche Bohnen / alles mit gutem trucknen Wetter / ſonderlich wann es vorher viel geregnet hat / ſonſten wuͤrde es alles vermodern und verderben. Gelbe Wurtzeln ſo lange dauren / und nicht wurmſtichigX 4wer -328Garten-Memorial. werden / Cichorien oder Wegwart / Zuckerwurtzel / Carduus Benedictus.
Jn dieſem Mond oculirt man Pommerantzen - und Citronen-Baͤume / und ſäuget ein allerhand cu - rieuſe Baͤum / als Oliven / Granaten / Myrthen / ꝛc.
Jm Anfang des Monds / vor St. Johan. Bapt. Tag pflantzet man Roͤmiſche Bohnen / die man gruͤn behalten und eſſen will. Nach St. Johannis-Tag Endivien / Rettig / Radieß. Man ſaͤet auch Endi - vien / ſo man gedencket zu verpflantzen / item Kropff - lattig / Kerbel. Man oculirt auch allerhand Arten Roſen um St. Johannis-Tag.
Samlet und hebet man auf allerley Saat / ſo reiff iſt. Man ſaͤet Ruͤben / Kerbel / Endivien / Spina - gie / Lattig / auch Rettig nach St. Johannis Tag / im Abnehmen des Monds.
Man oculirt die Bäume im heiſſeſten des Jahrs auf die Ausſchuͤſſe deſſelbigen Jahrs / des Abends im vollen Licht / bey feuchtem Gewitter / ohngefehr um St. Johannis Tag / wann die ſchorbige Rinden von dem Holtz beginnen zu fallen. Mit dem vollen Mond oculirt man Kirſchen / Pflaumen / Aepffel / Birn / Roſen / Pomerantzen / Citronen / biß zum halben Au - guſt-Mond. Zwey Tage vor dem vollen Mond ſaͤet man Anemone, man muß ſie aber wohl feucht hal - ten / und vor die Sonne uͤberſchatten.
Beginnet man Ruͤben zu ſaͤen; Man verpflantzet die ausgeſaͤeten Topf-Blumen mit dem vollen Monddes329Garten-Memorial. des Auguſti / wenn er auch gleich im September ein - fiele. Man ſaͤet Spinagie / Endivie / und verpflan - tzet ſie auch / wann ſie ſo groß iſt. Saphoiſchen Kohl ſaͤet man auch in dieſem Mond / ſelbigen gegen dem Winter zu pflantzen / und im folgenden Vor-Jahr fruͤh zu gebrauchen. Man hebet auf Kerbel-Saat / Lattig-Saat / Rapuntzen / Feld-Kropffen / Cappus - Kohl / um nach Allerheiligen im November zu pflan - tzen.
Saͤet man Ruͤbeſaamen und Spinagie / und pflantzt Kohl darauff. Jmgleichen Feld-Salat / davon das Saat ein Jahr alt ſeyn muß / ſonſt kom̃ts nicht hervor. Jtem Kerffel und Kropff-Lattig im abnehmenden Mond. Man verpflantzt Kraͤuter allerhand Arten. Man ſamlet die Blumen-Kno - ſpen oder Huͤlſen / ſelbige zu pflantzen. Jngleichen allerhand Kraͤuter / auf die Weiſe / wie hernacher be - ſchrieben. Man ſchneidet ab allerley gruͤne Kraͤuter / ſelbige aufzutrucknen / als Thymian / Majoran / Salbey / Roßmarin / Hyſſopen / Lorbeeren / ꝛc.
Jſt man ſorgfaͤltig / wie man die Kraͤuter / die man behalten will / ſonderlich die ſehr theuer ſeyn / wohl bewahren moͤge. Man ſäet Feld-Salat. Man miſtet und duͤnget die Gaͤrten-Bette / und jaͤtet das Unkraut aus. Zwey Tage vor dem vollen Mond ver - pflantzet man die Topff-Blumen / die im Auguſto ein - gelegt ſeyn.
Verpflantzt man alle gute Kraͤuter. Man graͤ -X 5bet330Garten-Memorial -bet die Wurtzeln aus der Erde / und verpflantzt dieſel - ben / davon man im folgenden Jahr gedencket Saat zu haben. Man legt auch die Paſternacken / gelbe Wurtzel und Artiſchocken unter die Erde / ſelbige lan - ge zu bewahren. Die Ruͤben und rothe Beten legt man in Sand / und erhaͤlt ſie alſo friſch und gut / biß man ihrer bedarff.
Faͤngt man an die Baͤume zu verpflantzen / und das uͤberfluͤßige ſchaͤdliche Holtz von dem Frucht-tra - genden abzuſäubern. Man pflantzet Hecken. Jn dieſem Monat pflantzet man Paſternacken / rothe Betwurtzeln / Rettich / Ruͤben / ꝛc. um von denſel - ben Saat zu ziehen / wie auch allerhand Arten Kohl zur Saat. Jm Advent verpflantzet man allerley jun - ge Baͤume; Man ſaͤet Peterſilie und Kreſſe / man muß aber dieſelbe fleißig zudecken vor dem Froſt. Es iſt ſehr rathſam / in dieſem Monat allerhand frucht - bare Baͤume fortzuſetzen und zu verpflantzen.
Man muß ein dickes Bette machen von friſchen Pferde-Miſt / vierthalb Fuß dick / und vier Fuß breit / und denſelben fein feſt zugedampffet / und dann uͤber 4. oder 5. Monat kurtzen friſchen Pferdemiſt dar - uͤber gethan / wann diß geſchehen / muß man 4. oder 5. Finger dick der beſten Erden daruͤber thun / und laſſens ſo 3. oder 4. Tage ſtill liegen / ehe man darein pflantzet. Wann man nun drein pflantzen will / muß man jedes Saamkoͤrnlein 3. oder 4. Finger breit von einander legen / und einen halben Finger lang tieff in die Erde / und fein ſanfft zuklopffen / damit die Maͤuſedie331Garten-Memorial. die Kerne nicht heraus freſſen. Wann diß geſche - hen / muß man das Bette zudecken mit einer Rohr - oder Strohmatten an 4. Stecken gemacht / ſonder - lich des Nachts / auch des Tages / wann es kalt iſt. Nach 3. oder 4. Tagen / wann ſie heraus ſproſſen / muß man ſie bedecken mit Glaͤſern oder glaͤſernen Glocken / und continuirlich des Nachts die Matten uͤber die Glaͤſer decken / und des Tages wieder davon abnehmen / und wann die Kälte groß iſt / muß man eine Bruſtwehr rings um das Bette machen von neuem Pferdemiſt eines Fuſſes dick / und nachdem ſie 5. oder 6. Tage aus der Erden geweſen ſeyn / muß man ſie rings umher mit guter Erden anfuͤllen / und alsdann wiederum mit Glaͤſern bedecken / wie vorhin / und ſo bald ſie 4. Blaͤtter gewonnen / muß man das oberſte Hertzblaͤtlein mit den Naͤgein der Finger ab - kneiffen / und demnechſt fuͤnff oder ſechs Wochen hernach auff ein ander Bette verpflantzen / wel - ches 3. Wochen vorher dar zu bereitet worden / und 3. Viertel Fuß tieff guter Erden / ein jede Pflantze 3. Fuß weit von einander / und auf jede Pflantzen eine glaͤſerne Glocke / und ſo es noch gar kalt iſt / allezeit mit Matten zudecken / uͤber die Glaͤſer her / ſonder - lich des Nachts. So bald ſie nun groſſe Zweige be - kommen / muß man ihnen allgemählich Lufft geben / auf kleinen Fuͤrchlein unter jeden Glaſe zu erſt einen Daumen breit hoch / hernach 2. 3. und mehr / und ſie alſo ſtehen laſſen / biß daß ſie Fruͤchte bekommen. Man muß mit Fleiß die falſchen Blumen und uͤber - fluͤſſige Aeſte abſchneiden / wenn ſie 3. Aeſte oder Zweige abgeſchoſſen haben / muß man die uͤbrige alle wegſchneiden.
Jtaliaͤniſch oder ausländiſch Blumenkohl-Saat muß man ſaͤen mit dem neuen Mond des April. Hier - laͤndiſches Saat ſaͤet man im Majo im neuen Mond.
Ehe und bevor das Saat geſaͤet wird / muß mans eine Stund oder 2. im Waſſer einweichen / und dann in friſch umgegrabene Erde ſaͤen / und damit es die Erdfloͤhe nicht freſſen / muß mans bißweilen begieſ - ſen / oder beſprengen / und wann die Pflantzen einen halben Fuß lang erwachſen ſeyn / muß man ſie in der Veraͤnderung des Monds verpflantzen / und des Ta - ges vor die Hitze der Sonnen mit einem Kohlblat zu - decken / und des Abends wieder abnehmen.
Zuerſt iſt zu wiſſen / daß alles Rund-Saat ein Jahr und laͤnger kan gut bleiben / als das platte und kleinere Saat / maſſen das kleinere Saat eher aus - doͤrret als das runde und grobkoͤrnige. Bleibt gut
Roſmarin / Lavendel / Salbey / Thymian / grober Majoran / Edel-Majoran / Wolgemuth / Lauch / Nagelkraut / Muͤntze / Meliſſe / Raute / Mutterkraut / Weinꝛaute / Pimpinelle / Katzenkraut / Saurampffer / Rheinfahren / Dragon / Steinbrech / Bruchwurtz / Agrimonia, Alleluja oder Feldſaurampffer / und alle Kraͤuter die Pflantzen haben.
Violetten oder Negelein / Camillen / Lilien / Ma - rienbluͤmlein / Peonien / Roſen / Zeitloſen / von Topff - blumen die alten Sträuche / Winterroſen / Viol - Wurtzel / Tulipan / Anemone, Martagon, Crocus vernalis. Es werden auch im Majo und Junio verpflantzet / nachdem die Blumen vergangen ſeyn / welche dicke knoͤpfigte Wurtzeln haben / als die Ane - mone, Tulpen / Hyacinthen / Crocus, wie dann gleichfalls alle diejenigen Blumen / ſo Zwiebeln ha - ben / wann ſie ihr Saat getragen haben / aus der Erde ſollen genommen und verſetzet werden / ausgenom - men die Corona Imperialis, und weiſſe Lilie / die ſich nicht wohl verpflantzen laſſen.
Wurtzeln:
Merrettig / Angelica / Tormentill / Ohrwurtzel / Rhebarbar / Brioma.
Man ſoll die unterſten Sproͤßlinge in die Erde legen / und inner halb Jahrs abſchneiden / und ver -pflan -335Garten-Memorial. pflantzen wohin man will / um dieſelbige Zeit / da man den Weinſtock beſchneidet / nemlich im Januario oder Februario / und alsdann kan man auch die abgeſchnit - tene Stoͤcke / an welchen noch ein wenig altes Holtzes gelaſſen / in die Erden legen / und drey oder vier Knoͤpf - fe oder Augen von dem einjaͤhrigen Holtze haben / und ſetzen die ein wenig liegend biß an das oberſte Auge in die Erde.
Man kan auch einlegen Tamarisken / Bariſſen / Liguſtrum, Quittenbeeren-Holtz / Weyden / Welſche Kiſchbaͤume / Stichbeeren / Wacholderbeeren / Jo - hannisbeeren / Myrthen und Cypreſſen zeuget man durchs Einlegen.
Mandel-Bäume werden geimpffet oder oculirt / Granaten werden eingelegt in Toͤpffe / darinnen ein Loch unten im Boden iſt. Solcher Geſtalt kan man alle Baͤume fortbringen ohngepfropffet. Man thut ihm alſo: Erſtlich nimmt man im Fruͤhling / ehe die Augen heraus brechen / einen Schoͤßling / von welchem Baum man will / und ſtecket denſelben durch das Loch im Topffe biß oben aus / ritzet dann die oberſte Rinde an dem Saͤuglinge an einer Seite entzwey / ſo weit die Wurtzel ausſchlagen ſollen / und fuͤllet dann den Topff mit guter geiler Erde uͤber halb voll / und ſo er etwas hoch von der Erde ſtehet / muß man ihn feſt anbinden / daß er vom Winde nicht abgeworffen werde; Darnach uͤbers Jahr ſchneidet man den Schoͤßling von ſeinem Aſte ab / und verpflantzet ihn wohin man will. Jſt eine luſtige und gewiſſe Kunſt / in kurtzer Zeit viel guter Fruͤchttragender Baͤume zu uͤberkommen.
Man336Garten-Memorial.Man legt auch noch ein
Pomer antzenaͤpffel-Baͤum / Citronen-Baͤum / ſuͤſſe Datteln-Baͤum / Oel-Baͤume /